1 jfo* 14> 31» ItthrZ. I HbonncmentS'Bedingungen: H vie Insertion;-LMHi' «ksnnemcrtts.Preiz vränumercmta: W» W>/ �>U"TT/ HB BH TOB Hff/ I � v-trSgt sür die lech� gl-svallM KolonÄ. Lierleliährl. SM MI., monatl. l.lo Mi, MU MW W» BH BW ff BH Hw PH WA RW WS— I scitc nbct bereit Raum W Pfa, für wöchentlich LS Mg. frei ins Haus. TOB-sQÄ BEM TOS WS l». W« WU UM TO» WS BW f/ politijche unb qewerkfchaflliche Lerciu. Einzelne Nummer ü Mg. Sonntags. MIM(_BH MB WB BW BW MB W TOI LW DTO>TO TOg f-- // unb BersammIungs Aii-eiaen M«lfl. Nummer mit üluftriertet Sonntags» BTOhm C�aBeS HB BH HB BW HB WLZ BW HB HB V) SD BH //..Kleine Anzeigen", bar tettaebruif!" Jciiage.Die Neue Weit» w Pig. Po»- WBBSt«W HB BB TOI BH H Wl CTO ZW CN � M WB t Wort 20 Pig. tzaläiäg S fottg-brn-Iie Wonnemenl: I.lo Marl pro Monat. WV�TO HH HB TO» MM BH l MS HB BH �H TO» Worte), jedes tu Eingetragen in die Post. Zeitung-.-J Km m» ES HB JSS�SJESS��ESmX.Wik«Ht HB HS' Ciellengesuche und Echlafncllen 11 K«�ln'e.««»«r-UFb-nd für BN AM �WW> �SHC�TOM�— JlSL\ H I«eigen das er-ie Wort 10 Ptg,./i.s DeuNchland und Oesterreich. Ungarn MH»�B yrs HB // BW I luetlere Wart ä Mg. Worte öder i.'.z."! LM Mark, für das übrige Ausland ▼/ V V �TS S HHH\ // HB«laben zählen für zwei Worte. Imeroie 4 Marl pro Monat. Vojtadonnements ��HM/*_/ �eBr/� MBt für die nächste Nummer müssen 1 nehmen am Belgien. Tänemarf,./ �_____ x c> ▼/ 5 Uhr nachmittags in der Expedition «olland. Italien. Luxemburg. Portugal, CT-�l v>/«;.— 7 X J abgegeben nierbcn. Die Expedition ist Rumänien, Schweden mid die i-chn-eij. S________ J\ v—> v bis 7 Uhr abend- geöffnet. Vevlinev Volttsblcltk. äsä Zentralorgan der rozialdemokrati feben parte» Deutfcblands. ���������P»»»WMHM»B»»�MM»M»»»M�——■—»—■»»»———B—»——»»i— Redaktion: SW. 68, Llndcnetrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1383. Donnerstag, de« IS. Januar t914. Expedition: 8 Tl. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt SNorifsplaff, Str. 1381. Tie Zweite Kammer bittet den Reichstag, dem sie für sein energisches Eintreten den Dank des elsaß-lothringischen Volkes ausspricht, in Zortführung des Kampfes um die Wahrung von Gesetz und Recht einzutreten für: 1. eine den modernen bürgerlichen An- f ch a u u n g e n entsprechende r c i ch s g e s c tz l i ch e Ab- grenzung der Gewalten; 2. eine Reform der Militärgerichtsbarkeii; 3. einen Ausbau unserer Verfassung in der Richtung der vollen b u n d c s staut l ich c n Selbständigkeit E l s a ß- L 0 t h r in g e n s." Ms Vertreter der Regierung ergriff der Unterstaatssekretär für die Justiz, Dr. P e t r i, das Wort, um scharf gegen den Oberst v.> Reuter vorzugehen. Reuter hätte üi der Gerichtsverhandlung abfällige Acusterungen über die Gerichtsbarkeit getan. Er habe daraufhin die Gerichtspersonen als Zeugen vernehmen und sie vom Diensteide entbinden lassen. Ter Oberst habe gar keinen Grund zu seinen Anklagen gegen die Jnstizverivallung ge- habt. Er weise die Unterstellungen des Obersten V. Reuter ganz entschieden zurück. Dann gab er dem Hause bekannt, daß die Justizverwaltung dem Generalkommando mitgeteilt habe, der Oberst solle sich an die Staatsanwaltschaft und nicht an.die Gendarmen wenden. Der erste Redner ist Abgeordneter Haust v 0 m Zentrum. Er freut sich, dast die Regierung heute endlich energische Worte gefunden habe; denn die gestrige Erklärung des Staatssekretärs lasse die Garantien, die nötig sind, vermissen. Haust betont ferner, dast Zabern einen BerfaffungL- und Rechts- b r u ch darstelle und der Reichskanzler das Faustrecht pro- klannert habe. Der Rock des Königs werde nur dann nicht geachtet, wenn Träger desselben unschuldige Menschen schänden. Als der Berhandlungsleiter dem Kreisdirekwr Verleitung zum Mehr» eide vorwarf, sei aber der Rock des Bürgers geschändet worden. Das Gericht sei nicht unparteiisch gewesen. Das ergäbe sich schon aus den Aeutzerungen des OberkriegsgeriiWraho. Mcdiats und aus den Telegrammen an Jagow und Oldenburg. Zur Be- feitigung der Unruhen hätte eine Waschfrau in Zabern ausgereicht. Seiner Meinung nach müsse der Oberst, überhaupt pathologisch bewertet werden. Auf der Stirn des General v. Deimling und des Chefs des Gäneralstabes hqifte heute das Kainszeichen der Unruhen in Zabern. � General v. Deimling, so habe er erfahren, habe zu Mandel beim Diner erklärt. er kümmere sich nicht um Zabern, der Oberst hätte seine Instruktion. Noch nie sei eine Regierung so mit Ruten gezüchtigt worden, wie die clsast-lothringische Re- gierung. Das Bild, das Staatsanwalt Krause entworfen habe im Gerichtssaale, sei richtig. Wie Kosaken in Petersburg hätten die Soldaten in Zabern gehaust. Der 13. Januar sei für Elsast- Lothringen der größte Unglückstag, den» da seien Gesetz und Recht zerrissen und ein Hauptbestandteil der Verfassung zerfetzt worden. Nach Haust sprach UnterstaatLsekrctär Mandel. Er bestätigt die vor Gericht gemachte Aeusterung, dast er zum Kreisdirektor gesagt habe, er solle dableiben, denn er habe einen tüchtigen Vertreter in Zaber«. Seiner Meinung nach hätte aber der Kreisdirektor das Anerbieten, einen Extrazug zu nehmen, an- nehmen sollen. Im Reichstag sei fite ihn keine Veranlassung gewesen, zu reden, denn es wäre kein schönes Bild gewesen, wenn er gegen den Reichskanzler ausgetreten wäre. Die Unter» suchung cn, die die Regierung angestellt habe, hätten ergeben, daß das Einschreiten des Militärs nicht nötig gewesen sei; die Z i v i l v e r w a l tu n g hätte nicht versagt. In weiterem Maße lfätte die Regierung nicht ein- schreiten können; nur der Statthalter hätte sich an die zuständige Instanz wenden müssen, was er auch getan habe. Di e M c i n u n g der elsast-lothrin zischen Regierung gehe dahin. da« die Kabinrttsordpr von 1820 für Elsasi-Lothringen ungültig s e i. Mit der Verfassung hätte nach Meinung der Regierung die Zaberner Sache absolut nichts zu tun. Darauf sprach Ge n 0 sse Em m e l. Er hielt eine prinzipielle Abrechnung mit dem Militarismus. Die Regierunssertlärung sei aus. den Ton gestimmt:„Heiliger H e y d.c b ra n d, s e i u n s gnädig!" Das gehe schon aus der Erklärung der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" hervor, die vollständig damit einverstanden sei. Es müsse festgestellt werden, dast die Regierung heute im Vergleich zu gestern einen großen Teil ihrer Aeustcrungen preis- gegeben habe. Sie habe zugeben müssen, dast die Gerichts- Verhandlung nicht ein wandsfrei geführt worden sei. Direkt ungehörig wäre es gewesen, daß der UnterstaatS» setretär Mandel den Kreisdirektor beim Diner behalten habe. Genosse E in m e I polemisierte dann gegen die Ausführungen Mündels. Es herrsche in Elsast-Lrthringcn eine militärische Neben- regierung. Beweis dafür sei, de st der kommandierende General dem Kaiser Nciiteilungen macht, die nicht nur militärischer, soudern häusig auch politischer Statur seien und von denen die elsast-IothrinHtsche Regierung gar keine Kenntnis erhalte. Es bestehe absolut kein Gegensatz zwischen Armee und Volk, sondern lediglich zwischen dem Volk und dem vom Größenwahn befallene» Ofsizierkorps. Wenn manche Ossi- giere sich durch ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen müßten, dann würden sie nicht einmal satt zu essen haben, Ms daraus Genösse Emmel den Säbelhieb des Leutnants von Forstner als einen Akt der Feigheit bezeichnet, wird cr vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Zum Schluß kommt Emme! auf die Forderung zu sprechen. die ganze Militärgerichtsbarkeit, die nur schädlich sei, zu beseitigen. Die Regierung habe die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Militär« gewalt unter die Zivilgewalt gestellt«verde, und daß die Zwilgewalt besser organisiert«verde. Scharfmacher-Mtacke. TaS Dreiklassonhaus setzte am Mittlvoch, dem zweiten� Tage der Etatsberatung, die Kampagne fort, die etliche Tage vorher von den Erlauchten begonnen worden war. Herr v. Heydcbrand wird zivar erst am Donners- tag sprechen, aber sein freikonservativer Bundesgenosse, Lktavio v. Zedlitz führte die Sache der Junker und Scharf- macher am Mittwoch so eifrig und nachdrücklich, daß sie Herr v. Heydebrand auch nicht eifriger verfechten kann. Nur in einem Punkte unterschied sich der srcikonser- vative Sprecher von dem konservativen Draufgänger. Er griff den preußischen Ministerpräsidenten, der im Stebenamte auch Reichskanzler ist, nicht persönlich an. Ihm genügte es. die scharfmacherischen reich-- und volksseindlichen Postulate der Junker und Scharfmacher säuberlich zu formulieren und gegen jedes leiseste Ablenken aus dem Pfade ur- reaktionärer Politik die schärfsten Bedenken zu erheben. Herr V. Heydebrand wird in der Sache den freikonservativen Redner kaum übertrumpfen, wenn er auch Herrn v. Bethmann mancherlei verblümte und unverblümte Malicen sagen lvird. Das liegt nun einmal im Eharatcer einer so extremen Richtung, wie sie unsere ostelbischen Parteien verkörpern, sie gehen gleich aufs Ganze, fordern wie beim Pferdehandel gleich viel mehr, als sie zu erhalten hoffen können. Im Grunde aber wissen sie ganz gut. daß sie mit dem bisherigen Gang der Geschäfte auch unter dem Firmenträger Bethmann völlig zufrieden sein können. Natürlich ein Dallwitz, ein Schorlemer, ein Jagow, ein Falkenhayn oder ein anderer Januschauer an der Spitze der Reichsregierung und des preußischen Ministeriums wäre ihnen am allcrangenehmsten. Aber wenn sie das nicht haben können, so dulden sie auch einen Philosophen, das heißt ihrer Ansicht nach einen Schwätzer an der Spitze der Regie» rung, wenn cr nur vor den robusteren Gewaltnaturen des preußischen Ministeriums und ihrerHintermänner zusammenknickt und die Politik treibt,, die den. Junkern genehm ist. ülnd' die Junker können ja mir ihrem Bethmann zufrieden sein und erst recht mit seinen Kollegen im preußischen Ministerium. Tie Dallwitz, Beseler, Schorlemer, Sydow, Lentze überbieten sich ja gegenseitig an Geschäftigkeit, um den Geldsäcken im Osten und Westen des Reiches den Wunsch von den Lippen abzulesen. Bezeichnend dafür war auch die Erklärung des Finanzministers Lentze, daß der Termin zur Deklaration der Wehrbeitragsleistung bis zum 31. Januar verlängert werden soll. Wer von den leidtragenden Besitzenden sich also bisher noch nicht bei den Sachverständigen erkundigt hat, wie cr sich am raffiniertesten von der Beitragspflicht drücken könne, dem ist jetzt eine Karenzzeit gewährt, von der sicher- lich von deni niobilen wie dem immobilen Kapital der ausgiebigste Gebrauch gemacht werden wird. Auch sonst fanden die Wünsche der Staatsstreichler und Sckmrfmacher bei den Ministern willig Gehör. Es verstand sich von selbst, daß der Freiherr v. Zedlitz auch das bekannte Klagelied über den Terrorismus der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften anstimmte, die Schaffung der zivilrecht- lichen Hastung der Arbeitcrorganisationen für Strcitvcrgchcn und inzwischen wenigstens ein schneidiges Vorgehen der Polizei gegen das Streikpostenstchen verlangte. Sogleich gab der. Herr Polizeiminister v. Dallwitz die Erklärung ab, daß das Einschreiten der Polizeibehörden gegen Streikposten unter allen erdenklichen Sicherheits- und straßcnvolizeilichen Vorwänden nicht nur längst Uebung der Polizei sei, sondern auch von den vorgesetzten Behörden den nachgeordneten In- stanzen zur Beachtung und Nachahmung empfohlen worden sei. Und wenn Herr v. Zedlitz die Parole ausgab, keine W a h l r e f 0 r m, so erscholl von den Ministertischen im lieb- lichen Diskant des Herrn v. Dallwitz sofort das Echo, daß die Frage der Wahlreform durch die Erklärung des Ministerpräsidenten erledigt sei, das heißt die Regierung hat das Ber- sprechen der Thronrede durch die Einbringung ihrer nnsäg- lichen Vorlage eingelöst. Wann sie eine neue Wahlrcsorni einbringen wird, steht völlig in ihrem Belieben. Daß Herr v. Zedlitz gleich den Erlauchten in der Leipziger Straße die Demokratisierung der elsässischen Verfassung durch den Reichstag und die Reichsregiernng als schweres Verbrechet verurteilte, dafür aber seine helle Begeisterung für absolu- tistische Kabinetsordern von 1820 oder noch früher an den Tag legte, verstand sich ebenso sehr wie seine hämische Herab- setzung des sogenannten Mißtrauensvotums des Reichstages vom 14. Dezember. Aber er hatte dafür den süßen Trost, daß auch der Sprecher der preußischen Nationalliberalen, Wge- ordneter Röchling, in einer„nicht mißzuverstehenden Weise" die nationalliberale Fraktion des Reichstages des- avouiert und das restlose Bekenntnis zum Militärabsolutis- mus und zur Säbeldiktatur abgelegt hatte. In dem gerechten Bewußtsein, daß auch die Nationair beraten im Grunde die unerschütterlichen Verbündeten der Junkerreaktion bildeten, konnte er mit dein srcchen Hohnworte schließen, daß das Heer, wenn das Proletariat in seinem Wahlrechtskampfe die Fest«? des Staates mit dem Generalstreik auszuhungern versuche, eine ebenso zuverlässige Waffe gegen den inneren Feind sein werde, wie in Zabern. Die Antwort des entschiedenen Liberalismus auf die Provokationen der von Röchling bis Winkler gesammelten Reaktion ließ leider an schneidiger Kampfesfreudigkeit so gut wie alles zu wünschen übrig. Mit seiner dröhnenden Bezirks- Vereinsstimme hielt Herr Wremer eine seiner üblichen Dppositionsreden. Er hatte mancherlei zu tadeln. Aber seine Rede verriet nicht im geringsten die ernste Entschlossenheit. den gehäuften Provokationen und der dreisten Kampfansage des Junkertums endlich auch einmal mit besonderer Schärfe und durch ein konzentriertes Kraftaufgebot entgegenzutreten. In der Wahlrcchtsfrage will der Freisinn ruhig weiter wursteln wie bisher. Heilfroh will er schon sein, wenn nur das geheime und direkte Wahlrecht unter Beibehaltung der ganzen ungeheuren Dreiklassenschmach unter Dach und Fach gebracht wird. Und was die Eroberung der Volksrechte an- langt, so erklärte Herr Wienler. daß die Fortschrittliche Volks- Partei durchaus kein Parlalnentsheer erstrebe, das seien nur Agitationsphrasen. Wenn Herr Wiemer kein Parlaments- und kein Volksheer haben will, so kann cr doch nur ein Prätorianerheer wünschen. Das aber haben wir doch gerade und das zu beseitigen und die Armee auf die Verfassung zu vereidigen und dein Willen der Volksvertretung zu unter- stellen, müßte doch wohl auch das Ziel des liberalm Ver- sassungskainpfcs sein. Aber auch der„entschiedene" Freisinn will nirgends anstoßen. Bei solch einer Gegnerschaft können sich freilich unsere Reaktionäre ins Fäustchen lachen. Tie einzige ernsthafte und gründliche Kritik nicht nur cur den letzten politischen Vorgängen, sondern auch an der ganzeil preußischen Politik übte der Redner der Sozialdemo- kratie, Genosse H i r s ch. Er wandte sich zuerst gegen die knickerige und schätzesammclnde Politik der Finanzverwaltung. Bei einem so günstigen Etat wie er jetzt seit Jahren vorliege und auch durch die Krise nicht erschüttert werden�könne, sei es unbedingt nötig, endlich an eine Reform des Steuerwesens heranzutreten, das Steuer Minimum heraufzu- setzen und die N i ch t b e s i tz e n d e n v 0 n d e n S t e u e r- zuschlägenzu befreien. Ueberhaupt gelte es, Preußen endlich zu einer Kulturpolitik zu zwingen. Wie sehr alle Kultüraufgaben daniederliegen, beweise das Faktum, daß Pteyßen über 300 Millionen für.seine' Justiz/ seine Polizei und die Zuchthäuser' ausgebe, dagegen nur eine winzige SuntMe zür' Verhütung von Verbrechen durch eine vernünftige Fürsorge. Ungeheuerlich auch sei es, daß Preußen nur den zehnten Teil' dessen für Medizinalwesen ausgebe, als für die sogenannte Seelsorge, für' die liebe Geistlichkeit. Auch die Ausgaben für die Volksschulen in Preußen seien geradezu kümmerlich, gemessen an den Mitteln, die für die besitzenden Klassen zur Förderung der Hochschulen und der Universitäten ausgeworfen würden. Lächerlich vollends stellten' sich die staatlichen Volksschullasten in Preußen dar, wenn man sie mit den mehr als hundertfach höheren Ausgaben für die Soldaten vergleiche. Nach dieser Analysierüng der kulturfeindlichen Preußen- Politik überhaupt, wendete sich unser Redner den aktuellen politischen Fragen zu. Er geißelte den jämnierlichen Rückzug. den die Regierung in der Wahlrechtsfrage vor der Reaktion angetreten habe, er behaitdelte mir beißender Sehärfe das Zaberner Gewaltregiment der Soldateska und dessen Billigung durch den Abgeordneten Röchling, dessen eigen- artige juristische Auffassung' über die Staatsräson, die dem Recht voranzugehen habe, er unerbittlich ans Tageslicht zog. Er begleitete den Jagowschen Husarcnritt vor der Krön- prinzensronde mit entsprechenden Glossen und verbreitete sich gebübrend über das Thema der Streikjustiz. Mir der energischen Kampsesamage gegen alle scharfmacherischen Um- triebe, gegen die Wahlrechtsfeinde und die iunkerlich- militaristische Fronde schloß der sozialdemokratische Redner seine zweistündigen Ausführungen unter stürmischer Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion. Auch diese parlamentarische Debatte zeigte wieder das rücksichtslose Draufgängertum des Junkertums, das über- eifrige Helfcrshelsertuyi unserer höchsten Staatsbeamten und die unsägliche Schlappheit unseres Liberalismus. Was bei einem solchen Zusammenprall des eisernen und des irdenen Topfes herauskommen muß, liegt auf der Hand. Ebenso die ewig alte und ewig neue Lehre des proletarischen Klassenkampfes: daß die Arbeiterklasse unermüdlich aus dem Posten sei, zu immer entschlossenerem Kampfe rüsten muß, wenn sie mit ihrer Welt voit Feinden fertig werden will.— Zabern vor dem elsaß-lochringischen Landtag. iZtrassburg, 11. Januckr.(Privattelcgramm des „B 0 r w ä r t s".) In der M i t t 10 0 ch s i tz u n g verlas der Präsident folgende von sämtlichen Parteien abgegebene Erklärung: „Die Zweite Kammer ist mit der Regierung der Uebcr- Zeugung, daß die Zivilverwaltung in Zabern durchaus ihre Pflicht getan und zu den Eingriffen des Militärs jeder tat- sächliche Anlaß und jede rechtliche Grundlage gefehlt l?at. Sie stellt fest, daß die Regierung auch im engen Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse eine größere Energie zur Erlangung einer Genugtuung für die dem elsatz-lothringischen Volke zu- i gefügte Beleidigung hätte entfalten sowie zur Aufklärung und! Beruhigung der Bevölkerung etwas hätte tun müssen. Sie der- � mag endlich in der Erklärung der Regierung keinerlei Garantien\ gegen eine Wieterholung solcher Gesetz und Recht verletzenden, Vorkommnisse zu finden.' 1 Nach Emmel sprach Zorn v. Bulach, der zugibt, daß die Äcußerulig deS Leutnants v. Porstner über die„WackeS" etue Be- lcidigung des Volkes sei. Er' hätte nicht eingreifen tonnen. Das sei nicht so einfach, wie sich die Herren Abgeordneten das vorstellten. Das Wort„Wackes" habe an sich keine große Bedeutung; schlimm sei es nur, daß es gegen Leute, die sich nicht haben wehren können, gegen Soldaten, gebraucht wurde. Wenn man der Regierung Dick-- Fälligkeit Vorwerse, so gebe er zu, daß die elsaß-Iothringische Re- gierung zwar ein dickes Zell habe;, man dürfe aber nicht vergessen, daß darunter ein warmes Herz für das Land schlage. Nach ihm sprach der l i b e r a I e Abg. W o I s, womit die Jnter. pellaiionsdebatte beendet wurde. Genosse Emmel beantragt, um die Sache nicht übers Knie zu brechen, Vertagung der Sitzung auf Donnerstag vormittag. Das Haus beschloß dementsprechend. An der Annahme des Antrages, dex von allen vier Par- tcicn des Hauses gestellt ist, ist nicht zu zweifeln. Streikpostenstehen. Im Preußischen Landtag hat der nationalliberale Landtag?-- abgeordnete Landgerichtödirektor Röchling am Dienstag erklärt, Streikpostenslehen könne nach dem Allgemeinen Landrecht durch Polizeiverordnungen verboten werdeir. Gestern äußerten sich in demselben Sinne der freikonservalive Abgeordnete Freiberr v. Zedlitz und sogar, soweit zu ersehen ist, unter Berufung auf ein angeb- licheS Reichsgerichtserkennmis, der preußische Polizeiminister v. Dallwitz. DarfinderTatdurchPolizeiverordiiung oder durch ein Landesgesetz das Streikpostenstehen verboten werden, oder istvielmehrdurchReichs- gesetz verboten.' das Streikposten stehen den unter§'152 der Gelverbeordnung fallenden Ar- beitern zu untersagen? Die Rechtslage ist die: den unter§ 152 der Gewerbeordnung fallenden Arbeitern darf weder durch Polizeiverordnung noch durch üandcsgcsctz das Streilpostenstehen untersagt werden, Polizeiver- ordnungen oder LandeSgesctze, die dies dennoch tun. sind unzulässige und rechtsungültige Eingriffe in das Reichsrecht. Diesen Standpunkt hat auch das Reichsgericht eingenommen. Es sei gegenüber der Un- verfrorenheit, mit der die klare Rechtslage auch von einem preußischen Richter öffentlich gegen Gesetz und Recht in ihr Gegen- teil gedeutet wird, an das entscheidende ReichsgerichtSurteil und die ihm vorausgegangenen Vorgänge, erinnert. Unter dem 24. April 1900 erließ der Lübecker Senat eine vom 2t. April datierte Verordnung, die dahin ging: Personen, welche planmäßig zum Zwecke der Be- oöachtung oder Beeinflussung ver Arbeiter einer Arbeitsstelle oder des Zuzug« von Arbeiiern zu einer Arbeitsstelle an einem öffentlickien Orte sich aufhalten, werden mit Geldstrafen bis zu 150 M. oder mit Haft bestraft. Sofort nach Bekanntwerden dieser Verordnung wiesen wir nach. daß diese Polizeiverordnung rechtsungültig sei, weil sie dem Reicks- recht widerspreche. Die sozialdemokratische Fraktion wendete sich dann gegen den Lübecker Versuch einer Durchlöcherung des Reichs- rechts in einer Interpellation. Diese kam am 11. Juni 1900 zur Verhandlung. Der Rechtsansicht der Interpellanten traten auch das Zentrum durch den Abgt Dr. Spahn, die Rationalliberalen durch Abg. Dr. B a s s e r m a n n, die Zreisinnigen durch R o e s i ck e- Dessau und Dr. Müller- Meiningen bei. Auck der frühere kon- servative Abgeordnete v. Buchka trat in der.Juristen.zeitung" der Auffassung bei, daß die Verordnung rechtsungültig sei. Da der Lübecker Senat die rechiswidrige Verordnung nicht aufhob, forderte das „Hamburger Echo" zum Ungehorsam gegen die Verordnung auf. Dadurch sollte eine Entscheidung des Reichsgerichts herbeigeführt werden. Das gelang. Genosse Molke nbuhr wurde wegen Auf« forderung zum Ungehorsam gegen rechtsgültige Verordnungen P 110 Str.-G.-B.) angeklagt, aber freigesprochen, weil die Lübecker Verordnung rechtsungültig ist. Die Gründe, welche das Reichsgericht für die Rechtsungültigkeit in seinem Urteil voin 4. Februar 1901(obeng. Entsch. Bd. 34 3. 121) anführte, sind im wesentlichen folgende: .1. Weil die Verordnung sich auf jeden öffentlichen Ort ohne Einschränkung bezieht, weil auch die Strafbarkeit nicht davon ab- hängig gemacht ist, daß die Erhaltung der Sicherheit, Bequemlich- keit, Reinlichkeit oder Ruhe von dem öffentlichen Ort durch den näher bestimmten Aufenthalt gestört oder gefährdet wird, fällt die Verordnung nicht unter die in dem§ 366 Nr. 10 Str.-G.-B. dem Landesrecht vorbehalte nen.Polizeiverordnungen." 2. Die Verordnung ist rechtsungültig, weil sie dem ReickSrecht, nämlich§ 152 G.-O. widerspricht. ES wird nun näher dargelegt, was nach§ 152 G.-O. straflos ist. Es heißt da:„Straflos ist die Einwirkung auf den Willen anderer dahin, daß diese an der Verabredung teilnehmen und ihr Folge leisten(vor- behaltlich der Beschränkungen in§ 153 G.-O.), die Beein- flussung, um bei Anhängern Einwirkungen im entgegengesetzten Sinne zu verhindern, abzuschwächen oder wirkungslos zu machen, oder um Gegner oder Gleichgültige heranzuziehen, sei es durch Wort oder Schrift oder durch andere erlaubte Mittel, namentlich die Presse; die Ausführung der dem gemein- fomen Zweck dienende Schritt; kurz, die Vornahme aller Handlungen, welche der Herbeiführung-, Fort- dauer oder Unterstützung der Verabredung oder Bereinigung zu dienen bestimmt sind, mit Ein- schlüß des das Werben von Anhängern vorbereitenden AufsuchenS von Gelegenheit dazu. Denn diele sich als Vorbereitung der straflosen Verabredung darstellenden Hand- lungen können nicht strafbar sein, wenn die Ausführung selbst strafbar ist, und sie können auch durch die Landesgesetzgebung nicht unter Strafe gestellt werden. Diese ist selbst bezüglich der Vorbereitungshandlungen zu Straftaten durch die im. Strafgesetzbuch gegebenen Rechlsiätze über den Versuch gebunden." Dann wird vom Relchsgericht betont:„Selbstverständlich sind bei Ausübung des KoalitionS- rechts die bestehenden Gesetze zu befolgen; eine nach eineur bestehenden Strafgesetze strafbare Handlung wird nicht dadurch straffrei, daß sie das Mittel bildet, die Zwecke der Koalition zu fördern." Das Reichsgericht führt dann am Schluß des Erkenntnisses aus: „Mit den dargelegten Grundsätzen dcS Reichs- rechts, welches im Zweifel die von ihm behandelte Materie ab- schließend regelt in bezug auf die Straflosigkeit der auf eine Arbeitseinstellung sich beziehenden Handlung, tritt die Ber- ordnung deS Senats in Lübeck in Widerspruch. Denn sie stellt eine re.chs gesetzlich straflose und erlaubt« Vorbereitung der Beeinflussung von gewerblichen Arbeitern zum Zwecke der Einleitung, Äufrechterhaltung oder Förderung einer den Abschluß eines künftigen Arbeitsvertrages bezielenden Arbeitseinstellung unter Strafe, indem sie die Streikposten mit Strafe bedroht, welche regelmäßig als. Beauftragte einer in sich verbundenen Mehrheit die Interessen der zu einer Verabredung oder Einigung der bezeichneten Art geneigten oder verbundenen Arbeiter durch das erlaubte Mittel der Beobachtung und Beeinflussung wahrnehmen wollen, namentlich die Ausdehnung des Streiks durch Zutritt Arbeitswilliger zu veranlassen suchen. Sie ist mithin nach Artikel 2 der Reichs- Verfassung materiell ungültig." Das Reichsgericht erwähnt dann noch, daß damit natürlich die schon früher in bejahendem Sinne entschiedene Frage nichts zu tun bat, ob ein Streikposten in einem Einzelfall einen für alle Personen gültiges Srraßenpolizei-- reglement verletzt und sich dadurch strafbar gemacht habe. Es ist stark, daß gegenüber dieser Darlegung des Reichsgerichts im preußlschen Abgeordnetenhanse keck und kühn Stimmen laut werden können, die dahin abzielen, unter Bruch der Reichs- Verfassung das Slreikpostenstehen durch landespolizeiliche Ver- ordnungen zu verbieten. Die Landtagsdebatte zeigt, wie dringend not die Bestrafung jeder Antastung des Koalitionsrechts tut. politische Uebersicht. Arbeiterschutz im Reichstage. Tie große Frage, die alle Gemüter beschäftigt, ist auch heute noch nicht Gegenstand der Verhandlung. Erst morgen kommt die soztaldetno5ratische Interpellation iiber die Straß- burger Äriegsgerichtsurteile und über die konservatide Aktion im Herrenhaus auf die Tagesordnung, und am Montag nächster Woche wird sie voraussichtlich erörtert werden. Aber einen Hinweis auf die kommenden Debatten gab die heutige Sitzung bereits, als zu Beginn der Präsident gegen die Kritik Verwahrung einlegte, die Graf Z) o r ck von Warteichurg im Kreise der erlauchtesten Gesetzgeber am Parlament des all- gemeinen Wahlrechts geübt hat. Dann setzte der Reichstag die Beratung der Petitionen fort. Es kam indessen nur eine zur Verhandlung, deren Be- deutung auch in dieser mehrstündigen Diskussion nicht er- schöpft werden konnte. Es handelt sich um einen verstärkten Arbeiterschutz in der Schwereisenindustrie, wie er von einer Reihe von Korporationen, munentlich von den: Deutschen Metallarbeiterverband verlangt wird. Die Petitionskommission hatte beantragt, dieses Gesuch zur Er- wägung zu überweisen, soweit es gesetzliche Regelung der Pensionskassen verlangt, und im übrigen bezüglich der Ar- beitszeit, der Ueberstuiwen, des Verbots der Nacht- und Frauenarbeit usw. der Regierung �ur Berücksichtigung zu übergeben. Dagegen wandte sich ein Antrag der Konser- vativen, die die Ueberweisung zur Erwägung für die ganze Petition für ausreichend halten. In sehr eingehender Betrachtung unter sachkundiger An- führung einzelner Erscheinungen, die gewissenhaft festgestellt und prägnant hervorgehoben wurden, gab Genosse Spiegel, ein Fachmann im besten Sinne des Wortes, eil« anschauliche Darstellung von der Ausbeutung, der sich die Arbeiter der Schwereisenindustrie unterwerfen müßten. Seine Dar- stelluttg wurde im Lauf der Debatte noch ergänzt durch die Angaben des Genossen H a b e r l a n d, der in geschickter Polemik gegen die Konservativen und Nationalliberalen die Notwendigkeit des gesetzlichen Eingreisens vollends nachwies, denn die Konservativen und Nationalliberalen kämpften für ihren milderen Antrag, der. offenbar ihren: sozialpolitischen Gewissen genügt. Von Ler Rechten tat es Herr v. G va e f e, während im Namen der Nationalliberalen Herr Dr. B ö t t g e r, ein Beauftragter der rheinischen Hüttenindustrie. spracksi Auch die lothringische Schwereisenindustrie schickte zum Schutz für ihre angeblich bedrohten Interessen ihren Ver- trauensmann, Herrn W i n d e ck, vor, der die Stelle nach bestem Könne:: ausfüllte, die in der vorigen Legislaturperiode der Hüttenbaron de Wendel inne hatte. Für das Zentrum sprach Herr Giesberts, von den Polen Herr S o s i n s k y für den Antrag der Kommission, der dann auch gegen die Konservativen und Nationallibcralen Annahme fand. Morgen wird der Gesetzentwurf über die Neuregelung der Sonntagsruhe in erster Lesung beraten werden. Aus dem Seniorenkonvent. Der Seniorenkonvent des Reickstags beschloß am Mitt- woch, folgende Tage von Reichstagssitzungen freizulassen: den 26. und 27. Januar, 2., 23. und 2-t. Februar, 14. und 16. März. Auf den Wunsch der Petitionskommission, daß mehr Petitionen als bisher zur Beratung im Plenum gelangen sollen, kam der Seniorenkonvent übcrein, die Beratung von Petitionen sobald als möglich auf die Tagesordnung zu setzen. Auf eine Anregung von sozialdemokratischer Seite, regelmäßig Schwerinstage abzuhalten, wurde mit Rücksicht darauf, daß die Etatsberatung drängt, entschieden, daß, wenn möglich, noch vor der Fertigstellung deS Etats Schwerinstage abgehalten werden sollen. Später sollen dann wieder regelrecht Schwerinstage stattfinden._ Eine neue Militärvorlage i« Sicht. Der bayerische Kriegsminister hat am Dienstagabend in der Kammer auf eine Anfrage des Liberalen Müller-Hof wegen der Gerüchte, daß demnächst eine halbe Mil- liarde für Neubewaffnung derFeldartillerie gefordert werden soll, geantwortet: „Wenn der Abgeordnet von mir Erklärungen verlangt, daß keine neuen Forderungen für Bewaffnung und Ausrüstung der Armee mehr kommen werden, dann muß ich zu meinem Bedauern erklären, daß ich und wobl kaum irgendwo ein Kriegsminister eine solch« Erlläcung abgeben kann. Eine Armee muß technisch auf der Höhe der Zeit bleiben, und kein Mini st er kann auch nur auf fünf Jahre voraus sagen, welche Fortschritte die Technik auf dem Gebiete des MiliiärS bringt und in welche Zwangslage eine Heeresverwaltung durch die Erfindungen der Technik versetzt sein kann." Tie Erklärung des KriegSministerS wird allgemein als die Ankündigung aufgefaßt, daß m der Tat eine große Artillerie- Vorlage bevorsteht, gegen die sich die wiederholte Warnung des bayerischen Ministerpräsidenten gerichtet hat. Dieser auö zentrumsagitatorischen Bedürfnissen hervorgegangene Protest des Grafen Hertling gegen weitere Rüstungen hat demnach bei dem Kriegsminister keine Gunst gefunden. Bayerischer und preußischer Militarismus. Die Debatte über den Mlitärerat führte am Dienstagabend in der bayerischen Abgeordnetenkammer zu einer beachtenswerten Erklärung deS KriegSministerS. Die„Staatözeitung" hatte eine Mit- teilung über den Waffengebrauch des MiluärS gebracht, aus der hervorging, daß eS auch in Bayern zuläisig sei, daß die Militär- gewall auS eigenem Recht gegen die Zivilbevölkerung zum Waffen- gebrauch schreiten dürfe, wenn sie finde, daß die Zivilverwaltung zu lange zögere. Der Kriegminister v. K r e ß erklär« nun am DienStog mit allem Nachdruck, daß die Notiz der„StaatSzeitung" falsch sei und amtlich dementiert werden würde: In Bayern seien die Bestimmungen ganz klar, niemals dürfe das Militär ohne Requisition der Zivilbehörde ein» schreiten. Mit dieser Erklärung stellte der bayerische Kriegsminister wenigstens für das bayerische Gebiet die bürgerliche Rechtsordnung wieder ber. Zugleich erklärte der KnsgSminister, daß er die„rednerische Eni- gleiiung" eines Kriegsgerichtsrats, der von Sozialdemokraten als minderwertigen Elementen gesprochen hatte, mißbillige. »-i- Die„StaatSzeitung" berichtigt am Mittwoch auf Veranlassung des Kriegsministers ihre Notiz, daß in Bayern das Militär befugt sei, auck ohne Requisition der Zivilverwaltung die Waffen zu ge- brauchen. Das preußische Recht gelle nicht für Bayern. Keine Revision im Reuter-Prozeß'k Nach dem„Deutschen Kurier" will im Prozeß gegen den Oberst v. Reuter der Gerichlsherr auf daS Rechtsmittel der Revision ver- zichlen. Maßgebend iür die Entschließung sei die Erwägung, daß auf Grund des vorliegenden Tatsachenmaterials auch das Ober» kriegsgerickt nur zu einem freisprechenden Urteil gelangen würde, und andererseits durch eine abermalige Ausrollung des Proz>ffeS nur den preußenfeindlichen Elementen gedient werde. Eine weitere Meldung desselben BlatteS aus Straßburg besagt, daß sämtliche Unter staatSiekretäre beabsichtigen, gemeinsam mit dem Staatssekretär rhr Abschiedsgesuch einzureichen, wenn der Statthalter Graf Wedel seinen Abschied ninimt. Die UnlerstaatSsekretäre wollen an dieser Absicht auch dann festhalten, wenn Graf Wedel im Am« bleibt und nur der Staatssekretär Freiherr von Bulach geht. Eine Zaberu-JuterpeUation im badischen Landtage. Im badtschen Landtage brach« am Mittwoch die sozialdemo- statische Fraktion folgende Interpellation ein: „Im Urteil des Straßburger Militärgerichts vom 10. Januar wird behauptet, daß die preußische KabineltSor der vom 17. Okiober Z820 noch in Geltung sei und daß die Offiziere sich bei Anwen- dung dieier Vorschrift nicht darum zu kümmern biauckten, ob die- Order mit den Gesetzen in Einklang stehe. Da auch die in Baden liegenden Truppenteile zum preußischen Kontingent gebören. ersuchen wir die Regierung um Beantwortung de: Frage:„Welche Schritte hat die Regierung getan oder gedenkt sie zu tun, uin die persönliche Freiheit der badischen Staatsbürger und das Ansehen der badischen Zivilverwaltung zu schützen." Die Fortschrittliche Volkspartei reichte folgenden Antrag ein: „Die Regierung wird ersucht, beim Bundesiat die alsbaldige Vorlage eines Gesetzentwurfs zu betreiben, durch welchen oie Militärgerichtsbarkeit auf rein militärische Delikte beschränkt wird." Wehrsteuerbeklemmnngeu. Die Wchrsteuer verursacht unseren großen Patrioten andauernd Verdauungsbeschwerden. Sie möchten gar gerne ihre Vermögens- deklaralionen möglichst weit hinausgeschoben haben. Und die preußische Regierung ist natürlich gerne bereit, auf solche Wünsche der Reichen zarte Rücksicht zu nehmen. Finauzminister Dr. Lentze erklärte heute im Abgeordnetenhause, er sei bereit, die Frist sür die Abgabe der Vermögenserklärung für den Wehrbeitrag bis zunt 31. Januar zu verlängern. Leider sei eS nicht möglich, darüber hinauszugehen.__ Eine Hilfstruppe der Staatsstreichler. Der neugegründete Preußen bun d, der sich vor Jahresfrist zusammengelan hat, um eine„vaterländische" Bereinigung zu bilden. durch deren Mitwirkung„preußische Eigenart zu kräftigen und zu stützen", hält am 18. d. MtS. im preußischen Abgeordnelenbauie zu Berlin seine erste Hauptversammlung ab. Den Voisitz in den Verhandlungen wird der HandelSkammeisyndikus Dr. Rocke (Hannover) führen, dem als stellvertretender Vorsitzender General» major z. D. R o g g e(Wernigerode) zur Seite steht. Dem vor- läufigen Vorstand gehören weiter an die Abgeordnelen Graf von der Gröben, Landrat SÄulze-Pelkum, Graf G u i d o t t o Henckel-Donnersmarck, Freiherr v. Meerscheidt» H ü l l e s s e m(Rügen) und Äommerzienrat E s ch e n b a ch(Berlin). Wem die Namen der Vorstandsmitglieder, denen die berüchtigten boruisi'chen Reaktionäre Graf von der Gröben, Sckulze-Pelkum u'w. angehören, noch nickt genug gesagt hätte», dem verriete ein Be» grüßungs- und Bei herrlickungSar tikel des Preußenbundes in der „Ä r e u z z e» t u n g" Zweck und Absichten dieser junkerlich- ickarf- macherischen Hilfstruppe. In dem erwähnten Artikel der„Kreuzzlg." heißt eS nämlich: Das sind die Grundgedanken, die zur Bildung deS„Prenßenbnndes" geführt haben. Wir Mit- glieder des„Prcußenbundes" verlangen, daß an dem h i st o r i i ch herausgebildeten Charakter Preußens nickt ge- rüttelt'wird. Wir lehnen für Preußen jeden frivolen Venuch ab, leine Verfassung im Geiste einer nivellierenden demo- statischen Politik ändern zu wollen. Wir bekennen uns vielmehr zu einer organiichen Staatskunsi, welche die Reckte im Staate bemißt nach dem Maße der sür diesen erfüllten Pflichten und gemachten Leistungen. Wir verlange» eine starke Krone und eine kraftvolle Regier nng. welche de in Willen parlamentarischer Majoritäten nicht -unterworfen sind. Wir treten endlich ein für ein man» archisches Heer, welches der ausschließlichen Kom» mandogewalt des Kaisers untersteht. Insbesondere wollen wir unsere ruhmvolle preußische Armee nickt nach engliscke in Muster zu einem ParlamentSheero machen lasten. Jedem Versuche, in daS innere Leben der Armee von Parlaments wegen einzugreifen, einem Versuche, der beule wieder mit besonderer Ü e i d e n s ch a f t l i ch ke i r unternommen wird, treten wir mit Entschiedenheit entgegen. Heute, wo der deutsche ReickSlag der demokratischen Zer« setzung verfallen ist, beruht ber Halt des Ganzen außer der Treue der Bundesfürsten wieder in erster Linie iir dem s e st g e f ü g l e n. kraftvollen preußischen Staate. Nickt ein Aufgeben Preußen« in Deutschland, das sonst der Liberalismus immer im Munde führte, ohne sich klar zu machen, wie er sich dieses „Aufgehen" eigentlich dachte, sondern eine kraftvolle Be- hauptung der preußischen Eigenart kann heute trotz allen Wcbgeschreies der judo-liberalen Presse dem deutschen Vater- lande allein Heil bringen. Wir Mitglieder des„PreußenbundeS" erachte» die Mission Preußens nock lange nicht iü» abgrschtossen und erfüllt, sondern sie besteht weiter und soll auch weiter fortwirken in unverminderter Kraft. So schließen die preußischen Reaktionäre ihre Reihen, um jeden Fortschritt in Preußen und im Reiche zu bekämpfen. Und die „Liberalen"? Die Reden der Bassermann und Röchling sind die Antwort!_ Ein Borstost der badischen Scharfmacher. Der Verband der südwestdeulschen Industriellen bat an die badische Regierung eine Denkschrift gerichtet, in der sich der Verband gegen die Einführung der staatlichen Arbeitslosenversicherung aus» spricht. Die badische Regierung hat bisher den wiederholt aus» gesprochenen Wunsch deS badischen Landtags, eS mögen 100000 R. zwecks Einführung einer ArheitSlosenberfichcrung in den Staats- Voranschlag eingestellt werden, einfach ignoriert, auch im Voranschlag für 1914/13 kommt fie diesem Verlangen nicht nach. Die Schars- macher können also mit der bisherigen Haltung der Regierung zu- frieden fein. Sie befürchten aber ein Umschwenken der Regierung, da der Landtag wegen der Nichtachtung seines einmütig aus- gesprochenen Wunsches mit ihr sofort in-Z Gericht gehen wird, und hoffen daher, mit ihrer Denkschrift der Regierung das Rückgrat zu stärken._ Schutz vor Schutzleute«. Mit einem neuen schweren s?all von MixbrauÄ des Amtes durch einen Polizeisergeanten baue sich das Landgericht B e u t h e n O.-S. zu beschäitigen. Diesmal hat das Gericht aber ausnahmsweise fest zugegriffen, denn es verurteilte den Polizeiiergeanten K a luza aus Beuthen zu n e u n M o n a t e n G e f ä n g n i s. Es bat mit diesem Urteil bestätigt, daß der Ruf nach„Schutz vor Schutzleuten" durchaus feine Berechtigung hat. Die Ursache zur Verurteilung ist folgende: Am 7. Oktober vorigen Jnbres betrat der Gcrichtsdiener Hubrich ein Lokal in Beulben, in dem der Polizeisergeant Kabuza schon saß. Da beide in Uniform waren, glaubte der Gerichtsdiener mir dem Polizeisergeanten ein freundschaftliches Gespräch anknüpfen zu können. Damit fand er aber bei diesem nicht nur keine Gegen« liebe, sondern wurde sogar noch beschimpft. Schließlich kam es zum Wortwechsel zwischen den beiden, dem der Wirt dadurch ein Ende machte, daß er den Gerichtsdiener aus dem Lokale wies. Kaum hatte dieser den Hausflur erreicht, als auch schon K a 1 u z a hinter ihm herkam, sein Schließzeug aus der Tasche zog, seinen Kollegen von der Justiz fesselte und nach der Wache transportierte. Der Transport erregle großes Auf- sehen, zumal der Gefesselte in seiner Gerichtsdiener-Uni- form war. Vergeblich ersuchte der Gefesselte, ihm doch die Fesseln abzunehmen, mit dem Erfolge, daß diese immer fester an- gezogen wurden, so daß er vor Schmerzen laut aufschrie. Dafür erhielt er einen i ch w e r e n. F a u st s ch l a g ins G e i i ch t uns auf der Polizeiwache noch einen, weil er keine.militärische Haltung" eingenommen hatte. Dann wurde Hubrich. nachdem ihm alle Wertgegenstände abgenommen waren, in die Zelle g e st o ß en, aus der er nach dreiviertelstündigem Aufenthalt mit Hilfe eines anderen Polizisten entlassen wurde. DaS ärztliche Attest, das sich Hubrich gleich nach seiner Freilassung ausstellen ließ, stellte Per- letzungen der Knochen und der Sehnen au den Hand- ge lenken und außerdem mehrere lose Zähne. Folgender Faustichläge, fest. Mit Rücksicht darauf, daß der angeklagte Polizeisergeant sich bei Ausführung der Tat gar nicht einmal im Dien st befand, sondern seinen vierzehntägigen Urlaub hatte, ging da« Gericht über die vom Staatsanwalt beantragten ö Monate hinaus und erkannte wegen unbeiugter Festnahme, gefährlicher Körperver- letzung und öffentlicher Beleidigung auf 9 Monate Gefängnis. Der Verurteilte ist wegen AmtsvergehenS schon ein- mal vorbestraft._ Nochmals die„Friedrich Wilhelm". Die LebenSversicherungS- Aktiengesellschaft.Friedrich Wilhelm" sendet uns als Amworl auf die von unS in der letzten Sonntags- nummer veröffentlichte Zuschrift des Genossen Dr. Eulert folgende sogenannte Berichtigung: Auf die Zuichrift des Herrn Dr. Eulert erklären wir be- richtigend: l. Es ist unwahr, daß die Direktion der.Friedrich Wilhelm" .von der Tätigkeit des Herrn Dr. Eulert für Partei und Gewerk- schafl' etwas erfahren hat; 2. es ist unwahr, daß fie Herrn Dr. Eulert.durch einen ihrer Beamten mitteilen ließ, er könne denken, was er wolle, irgend welche Verhetzung der Angestellten im Bureau würde jedoch : ferne Entlassung zur Folge haben"; 3. es ist unwahr, daß die.Friedrich Wilhelm" den von Herni Dr. Eulert zitierten Brief oder aber andere, diese Angelegenheit betreffende Briete an Herrn Geheimrat Kapp geschrieben oder daß fie— wie wir schon jetzt etllären wollen— ein solches Schreiben veranlaßt hat; 4. es ist unwahr, daß die Direktion der.Friedrich Wilbeltn" auf Schleichwegen oder überhaupt auf irgend einem Wege erfahren hat, daß Herr Dr. Eulert in Steltin organisiert gewesen ist; 3. es ist unwahr, daß die Direktion der.Friedrich Wilhelm" es.so geschoben" hat, daß man Herrn Dr. Eulert ermitteln konnte. Wir haben jetzt erfahren, daß Herr Dr. Eulert niemals aus feiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei ein Hehl ge- macht, daß er insbesondere auch mit unseren Beamten häufig dar- über gesprochen hat und daß das in unterer Beamtenschast seiner- zeit viel erörtert worden ist. Die politische Gesinnung des Herrn Dr. Eulert war also so vielen Leuten— auch außerhalb des Kreises unserer Beamten— bekannt geworden, daß es nicht auffallen kann. wenn diese Kenntnis auch in dos Bureau des Verbandes öffent- sicher Lebensversicherungsanstalten gelangt ist. Die Sozialisten in öer bulgarischen Kammer. Sofia, den 13. Januar. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung und der schon be- gonnenen Protestbewegung war die Regierung gezloungen, die Kammer endlich für eine außerordentliche Session einzuberufen. Sie hat absichtlich den Termin für die ordentliche Session der- streichen lassen und die außerordentliche Session erst fünf Tage vor Weihnachten(russischer Zeitrechnung) angesetzt; sie hoffte, es werde ihr gelingen, in diesen fünf Tagen daS Budget wenigstens für die nächsten zwei Monate durchzubringen, und dann auf Grund ihres formellen Rechtes die Sitzungen für zwei Mvnate vertagen zu können. Im Laufe dieser Zeit würde sie wahrscheinlich die Kammer aufgelöst und dadurch die Möglichkeit erlangt haben, das Land ein halbes Jahr ohne Parlament zu regieren und den ihr günstigen Verlauf der neuen Wahlen vorzubereiten. Die Einzelheilen bei der Eröffnung der neuen Kammer sind für die Situation in Bulgarien überaus charakteristisch. Die Regierung und der Hos verzichteten von vornherein auf das übliche höfische Zeremoniell; kein Äanonensalut während des Einzuges des Königs in die Sobrauje, kein feierlicher Zug des Königs im Paradewagen, leine Truppenspaliere auf dem Wege zum Parka- ment, kein Hurrageschrei. Der Tag der Eröffnung des bulgarischen Parlaments war einer der schwersten für den bulgarischen Mon- archisinus. Auf dem Wege vom Schloß zum Parlament stand außer den öffentlichen und geheimen Polizeiagenten fast lein anderes Publikum. Die Galerien der Sobrauje tvaren fast über- füllt, aber auch dort bemühte sich die Vorsehung des Chefs der öffentlichen Sicherheit, alle Plätze nur mit Damm und verkleideten Agenten zu besetzen. Dieser Umstand zeigt zur Genüge, wie groß das Mißtrauen der Regierung und des Königs gegen das Volk ist. Roch weniger vertrauen sie der Armee, die einst die Hauptstütze des Throns und aller reaktionären Regierungen mar. Und deshalb fehlte diesmal auch das Militär. Finsteres Wetter, düstere Stimmung in der Regierung, Bestürzung und Angst in den Hof- kreisen, beinahe ein Trauerzug des Königs zur Eröffnung der Sobrauje, deren Mehrheit ihre feindselige Stimmung gegen den König und seine Regierung nicht verheimlichte.'Daß der König während der Thronrede sich mit den Mitgliedern seiner Familie umgab, wahrscheinlich um an das Mitleid zu appellieren, konnte die Stimmung nicht ändern. Bei dem Eintritt des Königs in den Saal ertönte, bevor die Regierungsabgeordneten ihn mit Begrüßungsrufen empfangen tonnten, der Protest der sozialdemokratischen Fraktion: Weg mit der Monarchie! Es lebe die Republik! In diesem Rufe einigten sich nach zehnjährigem Streit und gegenseitiger Feindschaft die beiden Fraktionen der bulgarischen Sozialdemokratie. Ohne jegliche Uebcreinkunft verließen alle 36 Sozialisten nacheinander den Saal, während der 37. die Thronrede mit folgenden Worten unterbrach:„Vor dem noch rauchenden Blute von 6999 bulgarischen Bürgern, die zugrunde gingen dank der verbrecherischen Politik des Monarchismus, protestiert die bulgarische Sozialdemokratie mit dem Rufe: Weg mit der Monarchie! Es lebe die Republik!" Ter Eindruck dieser kühnen Demonstration der bulgarischen. Sozialisten war sowohl im Parlament als auch außerhalb ein un- geheurer. Der König wurde blaß und brachte kaum seine Rede zu Ende. Er beeilte sich, fortzukommen und verließ den Saal unter der stummen Demonstration der im Saal gebliebenen Opposition, die zum größten Teil aus Bauernbündlern bestand. Diese Szenen zeigen, wie tief die Aktien des Monarchismus gefallen sind; der Kampf gegen den Monarchismus wird innerhalb und außerhalb des Parlaments iinmer populärer und die re- piiblikanische Losung gewinnt immer größere Bedeutung, sind wenn der zehnjährige Kampf in den Reihen des bulgarischen Prolc- tariats nicht zwei einander schwächende feindselige Fraktionen ge- schaffen hätte, so könnte sehr leicht bei der gegenwärtigen völligen Desorganisation aller bürgerlichen Parteien und bei der anti- monarchistischen Stimmung der Armee nach dem Kriege die Liquidation des monarchistischen Regimes in Bulgarien erreicht werden. Aber die Zwietracht in der sozialistischen Partei hindert das bulgarische Proletariat, sich au die Spitze der republikanischen Bewegung zu stellen, und dient ungewollt auch der Reaktion bei der Befestigung des persönlichen Regimes und des Monarchismus. * Sofia, 13. Januar. Tic Sobrauje ist aufgelöst worden. Tie Auflösung erfolgte nach neunstündiger Sitzung, wah- Mild derer die Gruppen der Oppositioi? aus der- schiedenen Gründen die Annahme der zwei Prodi- sorischen Budgetzwölftel ablehnen zu müssen erklärten. Ministerpräsident Radislawow verlas um Mitternacht den Auflösungserlaß, der mit der Arbeits- Unfähigkeit der Kammer begründet ist. Ungarn. Sturmszenen im Abgeordnetenbaus. Budapest, 14 Januar. In der heutigen Sitzung des Abge- ordnetenhauscs kam es zu großen Lärmszenen. Die Opposition war nämlich äußerst erregt darüber, daß der Jmmuni- tätsausschuß wegen verschiedener Borfälle in der gestrigen Sitzung für heute einen Bericht vorbereitet hatte, worin dem Abgeordneten- Hause äußerst drakonische Strafen für einige Abge- ordnete vorgeschlagen werden. Unter großer Erregung des Hauses wurde die Sitzung eröffnet. Zu Beginn der Sitzung rief der Präsident den Ministerpräsidenten T i s z a zur O r d- n u n g, weil er in seiner gestrigen Rede nach einer Rede des Abg. Vazsonyi die Oppositionellen„Abenteurer und Desperados" genannt hatte. Der Ordnungsruf wurde von der Opposition mit großem Lärm aufgenommen, und es wurde dem Präsidenten zu- gerufen:„Warum haben Sie gestern dem Ministerpräsidenten nicht den Ordnungsruf, erteilt?" Es dauerte lange Zeit, che sich der Lärm legte. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beantragte der Jmmunitätsausschuß, daß wegen der gestrigen Vorfälle drei Ab- geordnete von 13 und einer von 43 Sitzungstagen ausgeschlossen werden sollen. Die Opposition nahm diesen Antrag mit stürmischen Protestrufen auf und rief:„Das stenographische Protokoll wurde gefälscht." Gras Julius A n d r a s s y ergriff das Wort und sagte u. a., der Präsident habe den Minifterpräsidenten nachträglich zur Ordnung gerufen, weil er sich inzwischen verge- wissert habe, daß der Ministerpräsident ihm deshalb nicht zürnen werde. Graf Andrassy wurde zur Ordnung gerufen, und als er seine Bemerkung wiederholte, zum zweiten Male. Ministerprasi- dent Graf Stephan Tisza begründete hierauf die Urteile des Jmmunitätsausschusses. Er wurde von dar Opposition wieder- holt durch lärmende Protestrufe unterbrochen, weshalb mehrere Abgeordnete zur Ordnung gerufen und zwei Abgeordnete an den Jmmunitätsausschuß verwiesen wurden. Nachdem der Minister- Präsident geschlossen hatte, forderte der Vorsitzende«die ausge- schlossenen Abgeordneten, darunter den Grafen Michael Karolyi, auf, den Sitzungssaal zu verlassen. Die Abgeordneten leisteten dieser Aufforderung nicht Folge, weshalb der Präsident die Sitzung suspendierte. Während der Pausa erschien die Parlaments- wache und forderte die drei Abgeordneten auf. den SitzungS- saal zu verlassen. Da sie sich weigerten, erteilte der Kommandant mehreren Soldaten der Wache den Befehl, die drei Abgeordneten aus dem Saale zu entfernen. Nun ergaben diese sich in ihr Schicksal und verließen in Begleitung der Wache den Saal. Die Opposition brachte den ausgeschlossenen Abgeordneten dabei demon- strative Ovationen dar. Frankreich. Bnands Programm. Paris, 11. Januar. Die Vereinigung der Linken hielt gestern abend eine Plenarversammlung ab, an der u. a. B r i a n d, Millerand, Barthou, Etienwe, Pichon und Dupuh teilnahmen. Die Versammlung nahm eine an die Wähler gerichtete Erklärung an, welche als Parteiprogramm folgende Punkte auszählt: Laien- schule, Gewissensfreiheit, Schutz des Rechtes und der Sicherheit aller Bürger, Garantie der nationalen Unabhängigkeit und Würde, Wahl- reform ohne für die Republik gefährliche Gruppenbildungen. Eni- Wickelung des seit zwanzig Jahren in Angriff genommenen Werkes der Demokratie, eine Steuerreform, die den Grundbesitz entlastet, ohne die produzierenden Stände des Landes zu beunruhigen. Die Statuten der Vereinigung legen ihren Anhängern die Verpflichtung auf, an die erste Stelle alle Fragen betreffend die Verteidi- g u n g des Landes, die Zukunft der Nation und die A u S d e h- n u n g des französischen Einflusses in der Welt zu stellen, die Laienfchule zu verteidigen und alle Kräfte anzuwenden, um die Schäden des parlamentarischen Regimes auszumerzen. Ein Attentat. Paris, 14. Januar." Heute vormittag wurde in der Wohnung des Führers der„Radikalen türkischen Partei', des Generals Scheris Pascha, ehemaligen türkischen Gesandten in Stockholm. ein M o r d a n s ch l a g verübt. Ein junger Mensch erschien daselbst und verlangte dringend, von Scheris Pascha empfangen zu werden. Ter Kammerdiener Scherisö verweigerte dies, worauf der junge Mann einen Revolver auf ihn abfeuerte und ihn der- w u n d e t c. Infolge des'Knalles eilte der Schwiegersohn Scheris Paschas, SaliI, herbei und tötete mit einem Revolverschuß den Angreifer, dessen Identität bisher nicht festgestellt worden ist. Es handelt sich allem Anschein nach um ein politische? Attentat. Scheris Pascha gibt hier seit einigen.Jahren eine Zeitschrift unter dem Titel„Mescherutiette" heraus, in welcher das j u n g t ü r k i s ch e K o m i t c e für Einheit und Fortschritt auf das heftig st e befehdet'wurde. Scheris Pascha ist übrigens vor Jahresfrist von der jungtürkischen Regierung tu contumaciam zum Tode verurteilt worden- Paris, 14. Januar. Scheris Pascha erklärte einem Bericht- crstatter, es handle sich bei dem auf ihn verübten Anschlag um ein rein politisches Bcrbrcchcn, und er sei überzeugt, daß der Anschlag von der türkische» Regierung angestiftet worden sei. Er glaube, daß der Anstifter des Attentats der gegenwärtige Großwesir Said Halt« sei, der leibliche Bruder seiner Gattin, der Prinzessin Emineh von Aegypten. Rußland. Tas Martyrium der Arbeiterpresse. Die fortgesetzten Verfolgungen der Arbeiterpresse in Rußland bilden eine ständige Rubrik der Tageschronik. Täglich werden Strafen und Konfiskationen über die beiden in der Hauptstadt erscheinenden Arbeiterblatter verhängt. In der Provinz jedoch wird schon die Gründung von Arbeiterblättern im Keime er- stickt. So hörten wir kürzlich aus dem K a'u k a s u s, daß die ge- samte Redaltion und Expedition eines ncugegründeten Arbeiter- blattes ins Gefängnis gewandert ist. Noch schlimmer haust die Polizei in Odessa. Dort wurde vor einiger Zeit das Arbeiter- blockt„Odcski Kurjer" unterdrückt und die„der Teilnahme an der Redaktion verdächtigen" I. Bograd und W. Step an et nach den wüstesten Vcrbannungsorten Sibiriens deportiert.(Stepanek wurde am Tage der Deportation als ent- flohener Verbannter„entlarvt" und ist nun zu dr e i Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden!) Ferner wurde N. Dolgolew nach dem Gouvernement Perm verbannt. Seit der Unterdrückung des oben genannten Blattes wurden mehrfache Versuche gemacht, ein Wochenblatt zu gründen. Aber alle Ver- suche führten zu neuen Verhaftungen und Deportationen. So wurden kürzlich unter dem Verdacht, ein Arbeiterblatk gründen zu»vollen, drei Arbeiter auf drei Jahre nach den» Gouvernement Olonetzk verbannt und fünf Arbeiter aus Odessa ausgewiesen?_ Letzte Aachrichten. Der Streik in Südafrika. London, 14. Januar.(Privattelegramm de».Vor- wärts".) In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung erklärte der Südafrikanische Gewerkschaftsbund, nachdem die Arbeiter mit großer Mehrheit dafür gestimmt hatten, den General- streik. Nach Bekanntwerden der Abstimmung proklamierte daraus die Regierung das Kriegsrecht. Die Brotversorguirg ist seitens de» Gewerkschaftsbundes unter den Streikenden organisiert worden. Auch sind die Arbeiter entschlossen, unter allen Umständen die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Ein hervorragender Arbeiterführer Südafrikas erklärte gestern einem Korrespondenten der„Central News"; „Alles, was wir zu tun habe», ist, Frieden z» erhalten, und deshalb bilden wir eine eigene Polizei. Damit hoffen wir, daS Militär zur Untätigkeit zn verdammen. Diese Gedanken bilden das Wesen unserer Taktik." In' unterrichteten Kreisen heißt eS, daß man die Burgerwehr nur dadurch so schnell auf die Beine gebracht hat, daß man den Buren erzählte, daß cS sich um einen Aufstand der Eingeborenen handelte. Kapstadt, 14. Januar.(W. T. B.) Die Straßenbahnen waren heute vormittag in Betrieb, doch tvaren die Motorführer übereingekommen, die Arbeit niederzulegen, wenn ein Ruf an sie ergehen sollte. Der vom GewerkschastSderband angeordnete Streik der Bergarbeiter bezieht sich vorläufig nur auf Transvaal und den Oranje-Freistaat. Dem Vernehmen nach wird der Gewerkschafts- verband der Kap-Provinz je nach den Umständen den Streik an- ordnen oder nicht. Johannesburg, 14. Januar. Wie vor einigen Tagen, so scheiterte auch heute ein Versuch der Polizei, den Sekretär deS Gewerkschaftsverbandes Bain festzunehmen, an dem Widerstand der Streikender». Ein lvährenh dieses Widerstandes abgefeuerter Schuß soll nach den einen von den Streikenden in dem GewerkschaftZhaus, nach den anderen von der Polizei abgefeuert worden sein. Infolge dieses Vorganges wächst die Spannung. DaS Gewerkschastshaus ist verbarrikadiert. In Beooni hat heute vormittag die Volks- menge zwei Verhaftete gewaltsam befreit, die Lage ist ernst. Johannesburg, 14. Januar.(W. T. B.) Eine große Volks- menge, die vor dem Gewerkschaftshaus eine Kundgebung ver an- staltete und eine drohende Haltung annahm, wurde von der Polizei mit dem Bajonett auseinandergetrieben, wobei zwei Personen ver- letzt»vurdem Das Kriegsrecht lvird streng durchgeführt. Die Bürger sind gehalten von 8 Uhr abends bis 3 Uhr früh in ihren Häusern zu bleiben. Niemand darf ohne besondere Erlaubnis die Stadt betreten oder verlassen. Patrouillen von Bewaffneten durch- ziehen beständig die Straßen. Das Drama auf Sakuraschtmst. Tokio, 14. Januar.(W. T. B.) Der Kapitän de? japanische» Kreuzers„Tone" meldet drahtlos, daß in Kagoschima niemand am Lebe« geblieben sei. Ein Schiff, daS nach dem ersten Aus- bruch des Vulkans 397 Flüchtlinge an Bord nahm, soll während de» zweiten Ausbruche» gesunken sein. Nagasaki, 14. Januar.(W. T. B.) Nach drahtlos übe» mittellen Berichten eines Kriegsschiffes ist die Stadt Kagoschima 15 Fuß hoch mit Asche bedeckt. 699 Häuser stnid eingestürzt. Die Insel Sakuraschima ist dem Verderben preisgegeben; sie ist in Rauchivolken gehüllt, durch welche Flammengarben zucken. Eine gute Nachricht vom �Cobequid". St.J«h«(Nen-Brannschweig), 14. Januar.(W.T.B.) Der hier im Hafen liegende Dampfer»Royal George" hat von dem gestvan-- deteu Dampfer„Cobequid" einen drahtlosen Hilferuf Z— O— S (Save our souls) aufgefangen. Daraus geht hervor, daß sich daS Schiff zu dieser Zeit»»och über dem Wasser befand. Alle An- strcngungen, die Lage des Schiffes festzustellen, sind bisher Vers geben» gewesen. Iarmouth«Neu- Schottland), 14. Januar.(W. T. B.) Der Dampfer„Cobequid" wurde aus den Trinityklippen gesichtet. Als der Nebel sich lichtete, wurde bemerkt, daß der größere Teil de» Schifssrumpfes über das Wasser hinausragte. Sturzwellen über» fluten den Dampfer, so daß Teile der Schiffsladung an Land ge- trieben werden. Man nimmt an, daß dir Passagiere sich am Lrbe« befinden._ Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Rastatt, 14. Januar.(W. T. B.) Heute nachmitürg fuhr ein' neunjährige» Kind beim Schlittschuhlaufen in die Murg und ertrank. Der Stiefvater, der zu Hilfe eile» wollte, geriet tu Lebensgefahr und konnte nur mit großer Mühe gerettet werde«. I' R 711 Ii# ütctfle billioe U.U&rttimi übciisinmel Fleisch Wursfwaren Geflügel Fische Obst° Gemüse r: f* I g' '& M Schinken i»<««».. LOpi. 5ch«,einekoteleNes?t°»ä 1.00 Kamm und Schuft pw 95 Pf. Schweinebauch.. pfmj 70». Uesen.......... pfw 65 P£. ROckenfett...... pw 55 Pf. Äusfraf. Hammelfleisch Keule im fuma.»». Pfuad 85 Pf. Rücken i»... p� 70» Dicke Rippe..... Pfand 70 pl Dflnnung....... Pfand 60 Pf. Kotelettes...... z sank 25 Pf. Rollschinken».e.sPfd..Pfd. 1.45 Sdiinkenspeck in Stücken, ▼oa iVj txs 4 Pfund... Pfund 1«20 Magerer Speck.. pfud 90 Pf. Fetter Speck..... Pfand 80 Pf. Äut eigener W�untfahrik: Landleberwurst.. Pfand 90 Pf. Pastetenleberwurst Pfd. 1.15 lagdwurst...... Pfand 1.10 Teewurst....... Pfand 1.25 Rotwurst.... Pfund 55, 75 Pf. Gänseklein mk Ma�en Stück 75 Pf. Gänsekeulen..... stock 68 Pf. Gänseleber..... Pfand 1.60 Gänseliesen..... Pfand 1.20 Gänsehautfett...Pfand 85 Pf. Gensedarmfett... Pfand 80 Pf. Gänsestückenfteischpfd.65 Pf. Gänsebrust un Knocken Pfd. 1.10 Suppenhühner stckl.65�2.70 Brathühner.. Stück1.65iü2.70 Poulets......... stück 2.30 Poulets gefroren.... Stück 1.40 Haselhühner..... Stück 1.20 Birkwild-Hähne.. Stück 2.90 Birkwild-Hennen. Stück 1.80 Schneehühner stück 95» Pfund 25 Pf. KabeljaU ohne Kocf in ganxen Fidchen.. H. Seelachs ohne Kopf rit �anaep Fliehen•••• Pfund fcw Pf« SdiellfiSCh 3 hü 4 Pfund.. 35 Pf. Goldbarsche.... Pfund 25 Pf. Tarbutt........ Pfund 45 Pf. Zander........ Pfund 70 Pf. TafelladlS inguu-Füchen Pfd. 45 Pf. Leb, Karpfen Pfd. 85 Pf. a. 1.00 Lebende Schleie.. Pfund 1.15 Lebende Forellen Pfund 1.90 Apfelsinen Dtc. 25, 35, 45, 55 Pf. Amerikaner Aepfei Pfd. 30 Pf. Maschanska-AepfelsPfd. 35 Pf. Kochäpfel..... Pfund 1 5 Pt Blumenkohl Kopf 1 5, 20, 25 Pf. Rosenkohl..... 2 Pfand 35 Pf. Grünkohl...... 3 Pfund 20 Pf. Rhabarber.....»and 5,10 Pf. Franz.Arti$choken stück 25 Pf. Rot- u, Wirsingkohl Pfd. 6 Pt Blutapfelsinen Dtx. 38 � Mandapin.pfBufterpfd.l.36 Tlsch-Butf erpttl ,28 vwi-p«k. 64 pt Gä nsesch ma Iz.... '/s-Pfd.-Pak. 68 Pf- ... Pfund 95 Pt aar Leipziger Str. Sprotf.pfd.70 Pf. Lachsbückl.g'.25 Pt Sprottbücklinge..... Pfund 55 pt Goldfische«criachcrt... 2 stück 25 pt Ählbecker Flundern. Pfund 80 Pt □ □□ □DD □□□ Theater und Vergnügungen LZ LI LZ mu □□□ TonnerStaz, IS. Januar ISIt Lnlana e Uhr. Lariete Ciinr« Palast am Z00 Lichtspiele. Anfang SV, Mr. TineSRallendorf-Theater.Barieis Lichtspiele. Ansang 7 USr. Opernhaus. Parsifal. Deutsches. König Lear. Anfang 7'/, Uhr. Sgl. Schauspielhaus. Teil. Leliiug. Pygmalion. Söniggräuer Straste. Richard III. Rirkus Buich. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Wilhelm König Aniana S Udr. Urania. Mit Ballon und Zlugzeug ütier Berg und Till. Sammerspiele. Di« Pariserin. Deutsches Schauspielhaus. Der zuletzt lacht... Deutsches Opernhaus« Zar und Zimmermann. Snsi'pirldaus. Die spanische ftli-ge. MontiS Operette». Die verbotene >2tadt. Deutsches«ünftler- Theater. Schirüi und Gertraude. Schiller O. Weh dem, der lögt. Schiller Eharlottenburg. MeyerS. Theater am Nolleudorfplatz. Freddy und Teddy. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einsl im Mai. KomödieuhauS. Hinter Mauern. «teines. Jettchen Gebert. Trianon. AnatoleS Hochzeit. Ttinlia. Die Tangoplinzelfin. Restdeuz. Hoheit— der Frariz. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Friedrich. WilhelmstädtischeS. Die Kinolönigin. Roie. Der EchürzensSger. Kasino. Ferdinand der Tugendhaste. .Herrnfeld. Was sagen Sie zu Leibuich? Reichshalle«. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnie. Anfang 8l], Uhr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Tangoneber. Admiralspalaft. Die luftigePuppe. Folies Gavriee. Der Kuckuck. Manöverfchwindet Die Samuels. Aniang L>/, Ubr. Nene» Volkstheoter. Der Kaiser- lager. Attiang S llbr. Berliner Sispalaft. Eissport. GineaRollendors-Theater.ParietL- Lichtspiele. Sternwarte. Jnvastdenstr. 57—62 SeMIler-TheaierO.IS: Donnerstag, abends 8 Uhr Weh' dem, der lögt. Freitag, abends 8 Uh:: Die Stfitzen der Geselfechait. Sonnabend, abends 8 Uhr: König l>ear. Sehiller-Tbeater Donnerstag, abends 8 Uhr- neyers. Freitag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lvsit. Sonnabend, nachmittags o Uhr: 'äjopt und �chwerl. Sonnabend, abends B Uhr: ____ ateyer».______ ÜkeatscheeSch�aspielhaa« Abds 8 Uhr: Wer zulept lacht! '\km am Boüsnilorfpiatz S. AbendS 8 Uhr: Freddy nnd Ted» Ifrtb Abends 7;/. Ubr: König Richard III. Komödienhaus. Abends 8 Uhr: Hinter Hancrn. Berliner Theater. Wie einst Im Hai. Theater des Westens. 8 Ubr: Polenblut. Sbd. 4 U.; Das tapfere Schneiderlein. Sonnt, nachm. 31/, Uhr: Gräfin Fifi. 8 Residenz-Theater. 8 Uhr ncdlUCIlL i iicaioi Uhr. Hoheit— der Franz! Musilalische Groteske in 8 Wen von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Winterberg. Morgen u. f. Tage; Hoheit- der Franr! Somitagnachm.: Schlafwagenkontrol. Deutsches Jtünstlertheater Sozletiit. NOrnherger StraBe 70/71, am Zoo. Kasae: Noltendorf 1883. Donnerstag, 6 Uhr: Schiiin und Gertrauds. Freitag, 8 Uhr: Siehirin nnd Otertmnde. !08S-TiiS4Tc! t Grone.�rantiurler Str. tW. Her!8ehör«enjttxer. Anfang 8 Uhr: — Freitag: Der Sehürrenjäger Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Schneewittchen. AbdS. 8 Uhr; Zum 25. Male: Der Schiirzcnjttger. Yvette. Robert Steidf. Willi Pantzer Co. Kau- Fing• Chlen- Truppe. Paris-Trio. Charlene u. Charlene. Farben-Ballett. Wysto u. Whyss. Robert u. Robert. Bowden u. Stol. „Persien" BallettdiTcrtlssemcnt Kostüme v. Paul Poirot, Paris. Hänchen gestattet! 8 Uhr. Tel.: Llitzow2757, 8 Uhr. Biesen- Ha chstilrmc! Der Stolz d. 3. Kompagnie. Kommen! Sehen! jubeln! unck das gr Januar-Progr. u. a. Hernbard Mörbltr Oskar Schwarz mit ssinen 6 American Girls. Rauchen gestattet Nächste Serie der Nachmittagsabteilungen und der* Abteilungen 16— 20(vom 18. Januar ab) im: Neuen Volkstheater! Gerb. Hauptmann1 Michael Kramer Drama in 4 Akten.— Regio: Edgar Lycho. ibendableilnngen:= cSÄ sÄ:i.w M" Ordnersifzung:'""S.",""uif im fiewerhschaftsbanse, Saal UL( Das Erscheinen aller Ordner ist Pflicht, da eine- wichtige 1 Tagesordnung au erledigen ist 244/1' Her Vorstnn«!. In Verfcr.: G. Winkler. CZZZZZZZ3 Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 18. Januar 1914: 23. Stiftungs-Fest in Obiglos Festsälen« Koppenstraße 29. Hans Sachs»Abend unter Mitwirkung erster Künstler. Vortrag des Keichstagsabgeordn. Eduard Bernstein: „Bans Sachs und seine Zelt." Lieder zur Laute: Dr. Heinz Scfaail-Caspary. Rezitationen: Hans Werder(Deutsches Theater). Zur Aufführung gelangen: ö/l* 1. Das heiße Elsca. j 3. Das böse Weib fmit Worten, 2. Her tote Bann.( Kräutern u. Steinen gutzumachen) In Szeno gesetzt von Fritz Witte- Wild. Eröffnung 6 TThr. Beginn 7 Ehr, FestsBall. A'achdem: Billetts a 60 Pf. sind in der Schule. Grcnadiorstr. 37, und in folgenden Geschäften zu haben: Gottfr. Schulz, am Kott- buserTor; Morsch, Engelufer 15; Roul, Barnipastr. 42; Vogel, Lomingstr. 37; Kaczorowski, Ravenestr. 6; Kuhring, Jahnstr. I; il Weihnacht, Grünstr. Ä; Aglhen, Koppenstr. 33. An der Kasse 75 Pt. Heute Donnerstag, d. IS. Januar, abends D/, Uhr: Gr. 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CasinosTheater Lothringer Stra:e 37. Täglich 8 Uhr. Rur noch bis Donnerstag, den IS. Januar: Irrbinonb der Tugeudtlafte. Freitag. 16. Jan.. zum 1. Male: „Tie olle Webern-. Sonnt. 4 U.: Geheimnisse» NenTerk Folies Gaprice. Anfang präzipe «'/. Uhr Der Kncknek. Hanftverschwtndcl. Die Samuels. iConctrdlo-Feslsil'e Zirkus Busch. Heute Tonnerstag, 15. Januar, abends 71/. Ubr: Die neuen grossen Januar- Attraktionen. U. a.: RR»».»»»»» dcr Bezwinger oeS AutoS. Vorellos Treffur-Akt »Im Kindergarten". Baronin 14. Sadaja, Schulreiterin. 3 Renards, Ghmnast. Luft-Att. Zum Schluh: „pempeZi". Orig. AusitaitungS-Pantomime des Zirkus Busch in 5 glänz. Alten. Berliner Bralef-sdcaler • Kastanien-Allee 7/9. Donnerstag, den 15. Januar 1914; Gastspiel des Boigt Theaters. Der Derr Senator. Lustspiel in 3 Akten von Schönt hau und Kadel' Kaiseneröffn. 7 Uhr. und Kadelburg. Ans. 8'/. Uhr. Dsr unersltttllehe ir. Halbstündlich eine Mahlzeit lebender F:sche und Frösche. Col» Experimente: Aus dem Jenseits I.ebcnd!"ME Ohne Exlra-Entree. «4 Andreoastrasee 94 i Jeden Donnerslag u Sonntag: 'Soiree der Hofimann-Sänger A i fanjc 8 l hr. Nach der Soiree: Frel-Ta**. ' VorzuRskart. haben trijltigkeit Reiehsbailen-Theater Stettiner Sänger Neu: No. 13! Urkomische Burleske. Ansang S Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäh. Preisen: eine BocM in derMöllerstraSe. «Clou" A niBi M MiiuüPAtrflflB R? 2i Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82,— ZlromersiraBe 90/91. Großes Doppel- Konzerl! Musikk. Kaiser-Alexander- Garde-bren-Regts. Olrig. Kgl. Muslkdir. Brase, und Tegernseer und IClllerthaler Mimlkaoten, Dirig. Hans 3 darx Ar.fa.ng 8 Dkr. Eintritt so Pt Aftfi Morgen: Konzert der vereinigten Männer-Gesangvereine MSnnerchor..Harmonie' und Männerohor 186t! 8 Dkr. rslgsoher Sn. Jnsercttenteil derantm. xh. Blocke. ÄetU«. Druck uTZcrlag: vorwärts Buchdr. u. BSrisgSgnstak PästlSingsr �Ho.. Berlin SVV. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhatlungsbt. »«»« Weit. Arnold Scholz. Hasenheldc 108114. Heute Donnerstage den 15. Januar: IM" Elite-Tag! Braten zwBier ganzen Schweine Portion 90 Pf. Zuschnitt 9 Uhr. Im neuen Saale: Großer Ball. AnfanK 7 Vbr. Entree 80 Pt. SO bayr. Bad 1. 6 Kapellen. Nr. 14. 31. Jahrgang. 1. KeilM des Jonuirts" StrliHtt lolMlitt. Donvtrstag, 15. Januar 1914. Gewerksihastliches. Die arbeitslosen berliner Holzarbeiter. An: Mittlvochnachmittag vcrmistaltetc die Verwaltung des Holzarbciterverbaudes eine Versammlung der Arbeitslosen im großen �aale der Brauerei Friedrichshain. Bis auf den lcytcn Platz war der Saal gefüllt. Eine Atenschcnmcuge, wie man sie nicht größer in einer stattlichen Volksversammlung sieht. Und daS alles waren nur arbeitslose Holzarbeiter! Welche Fülle von?tot und Elend sich in deren Reihen birgt, das zeigte der Verlauf der Versammlung. In einem einleitenden Vortrage kennzeichnete Genosse W e r n: u t h die im Wesen der kapitalistischen Gesellschaft be- gründeten Ursachen der Arbeitslosigkeit und empfahl eine Re- solution, welche die Iviederholt- von unserer Seite an Reich, e�taat und Gemeinde gestellten Forderungen zur Linderung der Arbeitslosennot aufs neue erhebt. Nach dem Referenten kam eine lange Reihe von Rednern aus den Reihen der Arbeitslosen zum Wort. Viele Wünsche wurden vorgetragen, von deren Verwirklichung sich die Arbeits- losen eine Hilfe in der Not versprechen. Von der Verbands- lcitung wurde verlangt, daß sie den länger als sechs Wochen ausgesteuerten Arbeitslosen eine Zkotstandsuntcrstützung zuteil werden lasse. Wenn 1913 die große Aussperrung gekommen wäre— sagte ein Redner—, dann hätte die Verbandskasse größere Ausgaben gehabt als die geforderte Notstandsunter- stützung kostet. Was nützen uns die sieben Millionen Ver- dandsvcrmögen— meinte ein anderer Redner—, wenn tvir nichts davon haben. Eine Kleinigkeit davon könnte doch für uns abfallen, und wenn es eine Million wäre, dann blieben ja immer noch sechs Millionen übrig und der Not wäre ein tvcnig abgeholfen. Weiter wurde Klage darüber geführt, daß viele Unternehmer bei ArbeitSniangcl die Arbeiter„aussetzen" lassen. Diese würden, da sie nicht als Arbeitslose gelten, nach einigen Wochen ohne Benutzung des Arbeitsnachweises von ihrem Arbeitgeber wieder eingestellt. Auf diese Weise bleibe so mancher Kollege Jahr und Tag in der Arbeit, während die Arbeitslosen auf dem Nachweis sitzen bleiben. Das sei eine Umgehung des Arbeitsnachweises.„Aussetzen" müsse als Arbeitslosigkeit gelten. Mehrere Redner schilderten die Not der Arbeitslosen. Viele Kollegen hätten bereits das letzte Hemd versetzt. Die bitterste Not herrsche in der Familie. In"der Wohnung sehe cs öde und traurig aus. Alles bis auf das allernotwendigste sei verkauft oder versetzt. Selbst der Stcuercxekütor finde nichts mehr zum Mitnehmen. Mancher Kollege sei so weit, daß er sich sage, cs bleibe ihm nichts weiter übrig, als zum Strick zu greifen. Im Hinblick auf diese drückende Not gaben einige Redner den Arbeitslosen den Rat, sie sollten sich nicht länger scheuen, die öffentliche Armenunterstützung in Anspruch zu nehmen. Wenn so die Armenkassen bestürmt werden, dann würden die Behörden vielleicht endlich Mittel und Wege finden, um durchgreifende Maßnahmen zur Linderung der Arbeits- losigkeit zu treffen.— Einige Redner wandten sich gegei: die Ortsvcrivaltung mit kritischen Ausführungen, die Glocke als unzutreffend bezeichnete. Er führte aus, die Ortsvcnvaltung habe gegenüber der Arbeitslosigkeit getan, was' sie tun konnte. Sie habe die Wünsche der Arbeitslosen berücksichtigt,>vo immer cS anging. Die Kritik erkläre sich ja aus der Mißstimmung der Arbeitslosen, die man wohl verstehen könne. Doch lvichtigcr sei cs, sich über die wahren Ursachen der Krise klar zu werden, und an der Bekämpfung derselben mitzuwirken. In: übrigen werde den Wünschen der Arbeitslosen, soweit sie die Orlsverwaltung erfüllen könne, selbstverständlich Rechnung getragen. Nach Schluß der regen Aussprache wurde die Resolution des Referenten einstimmig angenommen. Sie soll dem Reichs- tage und den städtischen Behörden zugeschickt iverden. Dann i wurde über eine Reihe von Anträgen aus der Versammlung �abgestimmt.— Das Ergebnis waren die folgenden Beschlüsse: Die Ortsverwaltung soll auf Absckiaffung des Aussetzens hin- wirken und mit den Ilniernehmcrn verhandeln wegen Herabsetzung der Arbeitszeit bis aus 6 Stunden.(Ueber den letzten Punkt schweben bereits, wie Glocke bemerkte. Verhandlungen.) Es soll alle vier Wochen eine Arbeitslosenversammlung ein- berufen und dazu ein Regierungs- und ein MagfftratSvertreter, sowie ein Vertreter des Hauptvorstandes geladen werden. Schließlich wählte die Versammlung eine Deputation von neun Mitgliedern, die beim Oberbürgermeister Mermuth vorstellig werden und ihn ersuchen soll, seinen Einfluß geltend zu machen, damit Arbeitsgelegenheit geschaffen, eventuell städtische Mittel zur Arbeitslosenunterstützimg b clvilligt werden. Deutsches Reich. Tariferneuerung in den Rauchwarenzurichtereien. Die zwischen dem Deutschen Kürschncrvcrbaud und dem Ar- bcitgebervcrband der Zurichtereibcsitzer abgeschlossenen Tärifver- träge für Leipzig. Hamburg und Berlin wurden durch die Ar- beitcr im September 1313 zum 31. Dezember gekündigt. Die Kündigung war erfolgt, um die neunstündige Arbeitszeit für Lcip- zig und Hamburg einzuführen, außerdem eine Erhöhung der Lohn- tabcllen und bessere vertragliche Bestimmungen zu erzielen: in Leipzig und Hamburg betrug bisher die Arbeitszeit 3'� Stunden. Bei oen Verhandlungen stimmten die Unternehmer einer Erhöhung der hauptsächlich in Betracht kommenden Löhne von 6 bis 10 Proz. zu, machten diese aber davon abhängig, daß die Gehilfen gewillt sein müßten, die Unternehmer im Kampfe gegen die Rauchwaren-- Händler und Schleudern: in der Weise zu unterstützen, daß die Gehilfen nur bei organisierten Unternehmern arbeiten, wohin- gegen sich die Unternehmer berpflichtcn, nur im Deutschen Kürschnerverband organisierte Gehilfen zu beschäftigen. Van diesem jetzt wieder verlangten gegenseitigen Oeganisationszwang, der ab 1303 bestand, waren die Unternehmer bei der Aussperrung 1311 zurückgetreten. Die bitteren Erfahrungen der letzten zlvci Jahre haben augenscheinlich die Zurichtcmbesitzcr belehrt, daß sie mit der damaligen Aussperrung und mit allem, was damit zusammenhängt. einen großen Fehler gemacht haben. Eine Ver- kürzung der Arbeitszeit lehnten die Uuternebmcr ab. unter Hin- weis auf die stark ausgeprägte Saisonarbeit, die es mit sich bringe. daß nur die lvenigstc Zeit voll gearbeitet wird und in der Saison auch keine Ueberstunden gemacht werden. Mit einer Bestimmung, die besagt, daß die in den Lohntabellen vorgesehenen Preise zu bezahlen sind, gleichgültig, ob die Arbeiten von gelernten oder ungelernten Arbeitern verrichtet werden, erklärten sich die Unter- nehmer einverstanden; weiter lvaren sie damit eilwcrstandcu. daß in Zukunft der Vertrag nicht mehr am 31. Dezember, sondern am 15. Januar abläuft. Eine Versammlung in Leipzig, woselbst über 30 Proz. der in Betracht kommenden Gehilfen arbeiten, bc- schloß mit 194 gegen 119, Stimmen die Annahme der getroffenen Vereinbarungen. Der Vertrag wird für drei Jahre abgeschlossen. Die Abstiminungeil für Hamburg und Berlin werden in den nächsten Tagen stattfinden. Die beteiligten Arbeiter hatten vor der Tarifkündigung beschlossen, bei einem eventuellen Kampfe die ersten 14 Tage auf jedwede Unterstützung zu verzichten und dann mit einer Unterstützung in Höhe der Arbcftsloscnuntcrstützung ein- verstanden zu sein.__ Eine empfindliche Seele. Wegen Beleidigung hafte in Görlitz ein gewisser Schlosser Reimer vor dem«chösfengcricht eine Geldstrafe von 5 M. tvidcr einen Metallarbeiter Krämer erwirkt. Reimer loar eines Tages mit einem tochloffer Lucas zur Arbeitsstelle gegangen. Als Krämer, der auf einem Rade angefahren kam, an den beiden bor- bei fuhr, rief er dem Lucas scherzhaft zu:„Lucas, laß Dich nicht anfärben!" Dadurch fühlte sich Reimer in den Augen seines Kollegen verächtlich gemacht, lief zum Kadi und erzielte die Bc- strafung deS„Schwerverbrechers". Von der Berufungsinstanz wurde festgestellt, daß Reimer erst Mitglied des Hirsch-Dunckersche» Getverkvereins gewesen ist, später in eine freie Gewerkschaft über- trat, cs jedoch dort auch nicht lange aushiclt und schließlich im gelben Werkvcrcin landete, dem er noch heute angehört. Die Strafkammer erblickte in dem scherzhaften Zuruf keine Beleidigung und sprach den Rufer Krämer frei. Beendigter Bergarbeiterstreik. Siebzehn Wochen standen die Bergarbeiter der Braunkoblcngnibc„Gewerkschaft Freudcnthal" in Obcrkaufnngen im Streik. Tic angebahnten Verhandlungen führten im Laufe der vorigeu Woche zur Einigung zwischen Werksvcrwaltung nnd Belegschaft. Entere willigte in eine Schicht- und Gedingclohnerhöhung für all« Arbeiter ein und wurde darauf- hin die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Tic Streikenden — 30 Mann, von denen in den siebzehn Wochen auch nicht einer zum Verräter wurde—, sind sämtlich wieder eingestellt worden. Ein neues Organ der Gelben. Am 10. Januar ist die erste Nummer der„Mitteldeutschen Rundschau", Organ der Wcrkvcreinc in Frankfurt a. M.� unv Umgegend erschienen. Tausende von denkenden Arbeitern sollen nach der Ankündigung in Frankfurt sich zu den Prinzipien der Werkverciuc bekennen. Der Inhalt der ersten Nummer ist, obgleich es sich um eine Doppelnummcr handelt, recht dürftig. Außer zwei Aufsätzen zur Einführung in das Wesen oder richtiger Hn- wesen der Werkvc reine enthält sie nur einen Rückblick aus das Jahr 1313. der iin Kriegervereiiisstil von den Angriffen auf Krupp und das Heer und über die Vorfälle in Zaber» spricht. In den Einsübrungsartikeln soll den Lesern das Verderbliche des Kampf- charakterS der freien Gewerkschaften und das warme Herz der Unternehmer für„ihre Arbeiter" uitd ihre Liebe zur Sozial- Politik klargemacht iverden. Arbeitern solche Kost zuzumuten, ist ein starkes Stück. Der gesunde Sinn der deutschen Arbeiter kann trotz allen zeitweiligen Schwankens an dieser Art der Wcrkver- eine keinen Gefallen finden. der Kölner Polizeiprozeß. Zu Beginn der MitUoochsitzuug fehll wieder ein Zeuge Ivegcn Krankheit; die allgemeine Seuche, wie Verteidiger Heine bemerkt. Auf den Zeugen wird bcr- gickstet. Wegen der schweren Erkrankung des Polizeiinspektors Landschultz konnte seine Vernehmung nicht durch eine Vereidigung geschlossen werden; das Protokoll über seine Vernehmung ist also nur eine Urkunde, nicht aber ein Beweismittel. Notgedrungen muß, um keine Vertagung eintreten zu lassen, auf Landschultz als Zeugen die Verteidtgung verzichten. Die kommissarische Vernehmung des Zeugen Hoffmann vom Ring-Cafe ergab das Eiitgeständnis der in seinem Lokal erfolgten Zechereien. Aus die Frage, ob er auch Geschenke an In- spektorcn gegeben habe, verweigert der Zeuge die Aussage.(All- gemeine Bewegung.) Der Zeuge Baugelvcrksmcisier Jung bcgriiudct dann seine gestrige Aussage von den Sektgelagrn und der Bemerkung Hofs- manns über seine guten Beziehungen, die ihm die Konzession für den Betrieb seiner Wirtschast verschaffen würden. Nacheinander treten dann die Beamten an, die vor dem Untersuchungsrichter die Aussage verweigerten. Der Kriimiialschutzinann O u a n d t hat wiederholt Geld angenommen, aber»ach seiner Behauptung für notwendige Auslagen. � Kriminalschutzmann B c r g e r verweigert die Aussage darüber, ob ihm von Geschenken etwas- bekannt sei. Er selber hat 15 M. einmal angenommen. Äriminalschutzmann Wegencr hat auch Belohnungen an- genommen. Äriminalschutzmann H e m p e r i ch meint, daß bei den kleinen Vigilanzgeldcrn die Schutzleute direkt auf die Annahme von Ge- schenken angewiesen seien, sonst könnten sie nicht erfolgreich ar- beitc». Sic müßten Spitzel schmieren, um Angaben zu bekommen. Polizcirat Emmering habe die Rück- crstattung von Auslagen mit der Begründung verweigert, daß er mit 3 M. einen ganzen Monat durch Köln laufe.(Große Heiter- kcit.) Ter Zeuge bestätigt, dem Publikum sei allgemein bekannt, man müsse bei TiebstLhlcn den Beamten Geld geben. Kriminalschutzmann Ucberall verweigert die Aussage. Kriminalschutzniann Rumor will gleichfalls Geschenke nicht angenommen haben. Auf die Frage des Vorsitzenden, was denn geschehe, wenn der Bestohlcne nichls hat, sagt der Zeuge:- Ochne Geld sei nichts zu machen. Polizeipräsident: Ter Polizeirat Emmering ist bei kleines Zeuilleton. Ein Kulturbringer. Alfred Licht wark, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, ist— im 62. Lebensjahre— nicht unerwartet, ober doch zu früh gestorben. Er war gerade dabei, sein Museum, das eines der lebendigsten und populärsten in Demschland ist, bc- deutsam zu erweitern. Er wollte so das Werk, dem er sein Leben ge- widmet hatte, vollenden: die Kunst aller Zeiten lebendig zu machen und das Leben der Gegenwart mit Kunst zu durchtränken. Lichtwark war lein Büchermensch: er begnügte sich nicht mit der lieber- lieferung. Er forschte nach neuen Werten: so fand er eine eigene Hamburger Kunst, die von den primitiven, den frühgotischen Meistern Bertram und Francke hinausführt bis zu dem Lichtentdecker Philipp Olto Runge und dem Schilderer Hamburger Winkel, dem Valentin Ruths. Damit nicht genug, veranlaßte Lichtwark auch die beutigen Maler hamburgisch zu malen, den Hafen, das Alsterbecken, die Bürgermeister und die Führer der Kaufmannschaft. Kalkreuth, Trübner und vor allem Max Liebermann kamen so in die Kunsthalle der Hansastadt. Lichtwark war auch sonst eifrig bemüht, der Kunst Pionierdienste zu leisten. Er hat ausgezeichnete und leicht zu verstehende Bücher gegen die Dummheiten und Geichmacklosigkecken der Deutschen geschrieben; er zankte über das staubige Markartbulett und iobte den diiilereichen Strauß, sonderlich die Feldblumen, die jedermann mit der Hand zu pflücken und nach eigenem Erniefsen in ein Geiäß zu ordnen vermag. Mit Witz kämpfte er gegen die schwere Krankheit der Zeitgenossen, mehr scheinen zu wollen, als nian ist: Das Palastfenster und die Flügeltür wurden ihm zu Shmbolen der Großmannssucht, die es zu be- scitigen galt. Solcher Kritik, die stets scharf, aber immer memchlich war, gesellte Licknwarl eine bedeutende produkrive Erziehungsarbeit. Als ein Erster veranstattete er für Schüler und Schülerinnen Museumssiihrungen und suchte auch sonst nach guten Gelegenheiten, die Kunst in die breite Oeffentlichkeit zu tragen. Er war kein dumpsdeulscher Fachmann, sondern ein kluger und begeisleter Prophet der Weisheit, daß Kunst und Wirllichkeit eine Einheit sind. Lichtwark wußie, daß jede Zeil ihre eigene Kunst hervorzubringen pflegt; er sah die Werte der früheren Tage in solchem Zusammenhang als Kunst der Könige und der Fürsten, er wollte die Mächle der Gegenwart anreizen, aus sich heraus eine neue und eigene Kunst zu schaffen. Lichtwark war ein leidenschastlicher Erreger, aber auch ein ge- bändigler und zielklarer Erkenner. Die Leibwache der Mona Lisa.„S' ist bitterkalt und mir ist schlimm zu Mute!"— Allmählich kann man diese dumpfe Klage jetzt im Louvre hören. Schlimme Zeiten für die armen Wächter! Tie schönen Tage der Gemütlichkeit von ehedem sind vorbei, Mars regiert die«tunde und treibt die 150 Schatzhüter unbarmherzig allnächtlich hiuerus in die dunklen Gänge und Treppen des schlafen- den Gebäudes. Die Verwaltung des Louvre hat gefunden, daß jetzt. nachdem sie Mona Lisa, man möchte sagen wieder hinter Schloß und Riegel ist, ein neuer Geist einziehen müßte. Zunächst wurde der nächtliche Wachtdicnst verstärkt und die Anzahl der Runden mehr als verdoppelt. Drcizchnmal müssen jetzt die Wächter ihre Rundgänge durch das Gebäude machen, und zwar drei große und 10 kleine. Die große Runde ist eine wirkliche Marschleistung, wie die Wächter seufzen. Sie umsaßt nämlich etwas mehr als 5 Kilo- meier nnd ftihrt treppauf, treppab, über Galerien und Höfe, durch alle Bureaus und Magazine, durch die Rumpelkammern und die Ausstellungszimmer. Außerdem sind an einzelnen versteckten Stellen des Gebäudes Wachen ausgepflanzt worden, doch werden die Orte nach jeder zweiten Nacht wieder gewechselt. Gerade diese Bcstim- muug ist zn einer Tortur für die Wächter geworden, da sie sich nicht bewegen und nicht mucksen dürfen. Damit noch nicht genug! Mit großen Scheinwerfern werden Galerien. Winkel und Höfe abgesucht. Sämtliche Türschlösser des Gebäudes sind abgeändert und alle sogen. Passepartoutschlüssel ab- geschafft worden. Ferner hat man die kleinen Garderobcnräume unter den Treppenhäusern, in denen die Angestellten sich gelegent- lich aufhielten, abgeschafft und einen cinheitlichep großen Ankleide- räum für alle Angestellte geschaffen. Andere Maßregeln sollen in nächster Zeit in Aussicht stehen. Das Bewachungspcrsonol beklagt bitter, daß ihni mit äußerstem Mißtrauen begegnet werde. Die kleinste Nachlässigkeit wird mit Entlassung bestraft. Ein ungcdrucktcr Brief Richard Wagners, besonder» merklviirdig durch das Verhältnis von Inhalt und Datum— er ist vier Monate vor dem deutsch- sianzvsischen Kriege geschrieben— wird im„Temps" veröffentlicht. Der in der Bibliothek des Pariser Konservatoriums ausbewahrte Brief trägt das Datum: Luzern, 16. März 1870. Adressat ist der begabte Vielschreiber Champfleury, einer der Vorkämpfer der Wagnerschen Musik in Frankreich. Wagner schreibt: „Ich applaudiere von ganzem Herzen der Gründung des Blattes, dessen Programm mir ein Ausgangspunkt zur Verwirk- lickrnng meiner Lieblingshoffnungen, der V e r s ch m e l- zung des französichen und des germanischen Geistes zu sein scbeint." Im weiteren sagt Wagner, daß er sich immer mit dem Gedanken eines imernationalen Theaters in Paris für die großen Werke aller Nalionen getragen habe. Nur Frankreich und im besonderen nur Paris sei zu einer solchen Verknüpfung imstande.—' Zum all- deutschen Nationalheiligen eignet sich Richard Wagner nun einmal nicht. Das Renntier stirbt aus! Aus Christiania wird uns ge- schrieben: In dem Berich!, den der Lappenvogt Staaf soeben an die norwegische Regierung gerichtet hat, wird betont, daß nur noch eine schleunige Hebung der Rennticrzucht eventuell durch gesctz- liche Maßnahmen das Aussterben des Renntiers verhindern kann. Ter Lappcnvogt führt die Verminderung der Renntierzahl baupt- sächlich aus den sich allmählich vollziehenden Uebergang der sogen. Rennlappcn zu Fischerlappen oder Bettlerlappen zurück. Der Lappe gibt nämlich unter dem Einfluß der ihm gebrachten„Kultur" da? Nomadenleben auf, er wird seßhaft, und siedelt sich in wirtlicheren Gegenden an, als cs die sind, in denen er früher mit seinen Renn- ticrherdcn herumzog. Besonders akut ist die Renniiersrage in dem Oesterland Lehn geworden. Bogt Staas bcfürlvortet, daß die norwegische Regierung Schritte tut, um die Rcnnlappenhevölte- rung, die jetzt noch existiert, zu erhalten. Die Zahl der Rennticre, die Ende 1312»och 29 346 betrug, ist jetzt aus 23 761 herabgesunken. Die Ausbreitung der lapitalistischen Wirtschaft wird mit dem Rest auch bald aufgeräumt haben. Notizen. — Theaterchrouik. Die nächste Novität des Lcssing- theaters ist Frank W e d e k i n d s S i m s o n, in dem Kayßler als Simson und Tilla Durieux als Delila mitwirken.— Das Schau spiel„Du soll st nicht töten" von Leonid A n d r e j e w ist vom Deutschen Theater zur deutschen Uruufführung an- genommen loorden. — M u s i k ch r o n i k. Waghalt'ers„Mandragola", deren auf Sonnabend angezeigte Ilraufführnng infolge einer Erkrankung Julius Liebans verichoben werden mußte, wird seine Premiere in, Deutschen Opernhause nunmehr Ende nächster Woche haben. — Der Fall C a s s i r e r hat in dem Prozeß der ehemaligen Oppositionsmiiglieder der Sezession leider noch nicht die Aufklärung gebracht, die so dringend notwendig lväre, viel notwendiger als die Feststellung, ob diese oder jene Beleidigung Strafe verdient oder nicht. Da— wie wir es vorausgesagt hatten— die Häuser Masse und Cassirer sich verglichen haben, kann auch von der Seite nichts mehr laut iverden. Vielleicht gibt die Berufung der jetzt mit ihrer Klage hereingefallenen Künstler endlich Gelegenheit, festzustellen, wieweit das Kunsthändlcrkapital die Sezession beherrscht hat und wieweit Cassirer die Sezession benutzt hat, seine Kunsthandcls- interessen dort wahrzunehmen(z. B. wieviele der dort ausgestellten Franzosen usw. gehörte» Cassirer?). — Geologische Wanderungen in die Mark unternimmt wieder an vier Sonntagen der Bezirksgeologe Dr. Menzel. Die einleitenden Vorträge dazu beginnen Freitags abends 9— 10 Uhr im Hörsaal der Bergakadainie, Jnvalidenstr. 44. Alles nähere im Pro» grannn der Freien Hochschule. — Von Henryk Sienkiewicz wird in einem Warschauer Blatt ein neuer Roman„Die Legionen" veröffentlicht. In polnischen literarischen Kreisen war man der Meinung, daß der greise Schrift- steller. der so lange geschwiegen hat. überhaupt nichts mehr ver- öffentlichen werde. Der neue Roman erregt daher Aufsehen. — Gorki in Rußland. Maxim' Gorli ist nach Rußland zurückgekehrt, das er viele Jahre meiden mußte. Er hält sich zur- zeit in Petersburg auf. Möge ihm die.Mutter Erde" hold sein. � Radiummonopol in den Vereinigten Staaten. In seiner ersten Sitzung nach den Weihnachtsferien brachte im Bundeskongreß die Regierung den Vorschlag ein. alle im Gebiet der Vereinigten Staaten liegenden radiumhalttgen Gänge als Staats- eigentwn zu erklären und gleichfalls alle Fabriken, die sich mit der Radiumgewinnung und Verarbeitung beschäftigen, zu übernehme«. Auch der Verkauf soll unter Kontrolle gestellt werden. i>cr Verrechnung der Auslagen ctloaZ streng. Wirkliche Auslagen werden aber ersetzt, bei grötzeren Sachen werden Vorschusse gc- geben. Vorsitzenoer: Hn der Regel werden aber Bcstohlene gc- zwangen sein, den Beamten Geld zu geben? Zeuge R u in o r schildert seinen Dienst bei dem letzten Kaiferbesuch, wo er eine bestimmte Person beob- achten tnuszte. Der Polizeirat verweigerte ihm die Er- stattung der Ausgaben.— Polizeipräsident v. Weeg- mann: Von armen gedruckten Beamten kann keine Rede sein. Bon Privatzuwcndungen ist mir während meiner Dienstzeit über- baupt nichts bekannt geworden.— Verteidiger M e r tz: Also beim Kaiserbesuch wurde ein Mann zwei Tage lang beobachtet, der eventuell das Leben des Reichsoberhauptes bedrohte. Dasür hat man Nicht mal ein paar Mark übrig gehabt.— Verteidiger Heine: Und gestern hat uns der Herr Polizeipräsident noch er- klärt, den Kriminalbeamten würden ohne weiteres besondere Aus- gaben vergütet. Kriminalschutzmann Hart mann verweigert die Aussage, ob von ihm Geschenke angenommen worden seien; desgleichen" Kri- minalivackitmeister Langer. Der Kriminalschutzmann Steimel hat ebenfalls ab und zu Belohnungen angenommen. Der Krimi- nalbeamie könne nur mit Geld arbeiten. Kriminalwachtmeister Gehrke hat ebenfalls mehrfach Bc- lohnungen angenommen, desgleichen Kriminalwachtmeister Christian. Ob andere Gescheute angenommen haben, darüber will der Zeuge die Aussage verweigern. Kriminalschutzmann H o m e y c r hat in einzelnen sfällcn Belohnungen angenommen, ebenso Kriminalschutzmann D e n t s ch. Kriminalschutzmann Klinker hat vom Direktor Holländer 50 M. bekommen infolge einer öffentlichen Auslobung. Ueber andere Zuwenonngen verweigert der Zeuge die Aussage. Kriminalschutzmann Richter kann sich aus Einzelfälle nicht mehr besinnen, es könne im Jahre fünf- bis sünfzehnmal vor. kommen, dah er Geschenke angenommen habe. Auf weitere Fragen verweigert der Zeuge d'e Aussage. Auch Kriminalschutzmann Lilicnthal verweigert die Aussage auf die Frage nach'der Annahme von gesetzlich verbotenen Geschenken. Kriminalschutzmann Zander vevlveigert auf alle Fragen nach Geschenken und Belohnungen die Aussage. Einer nach dem andern der Wetter vernommenen Kriminal- bcamten verweigert die Aussage auf die Frage, ob sie Geschenke angenommen haben. Sie erklären, daß sie mit den Vigilantengeldern nicht auskommen können.— Kriminalkommissar Büß, dessen Fall am Dienstag erörtert wurde, bestreitet,'eine Anzeige unterdrückt zu baben. Inspektor Eiben tritt vor und beteuert, sich nicht bewußt zu sein, jemals gegen seine Ehre gehandelt zu haben.— Es kommt dann zu einem auf- schcncrregendcil Zusammenstoß zwischen dem Polizeipräsidenten und Inspektor Kautz. Ter Polizeipräsident erklärt, daß Kautz falsche Angaben über die Ursache seiner Versetzung nach Hannover gemacht habe. Die Versetzung sei auf seine, des Präsidenten, ausdrückliche An- ordnung erfolgt. Er habe dringendes Interesse daran gehabt, den Angeklagten bei der Aufhellung der ganzen Dinge zu unterstützen. Die 20 Kriminalbeamten sind nach der Behauptung des Polizei- Präsidenten alle von Hannemann ermittelt worden, wogegen dieser erregt protestiert.— Kautz: Der Polizeipräsident hat hier unter Eid die Unwahrheit gesagt, wenn er behauptet, ich sei nicht auf meinen Wunsch versetzt worden.— Vorsitzender: Ich verbiete Ihnen diese Ausfälle.— Verteidiger Heine: Ich stelle fest, daß der Polizeipräsident Herrn Kautz der Unwahrheit bezichtigte.— Kautz entschuldigt sich mit seiner Erregung.— Polizeipräsident v. Weeg mann: Es haben sehr ernste Aus- einandersetzungen zwischen mir und Kautz stattgefunden.— Verteidiger M e r tz fragt Kautz, ob er nicht Jahre lang die rechte Hand des Präsidenten gewesen sei, der ihn jetzt so kurzerhand abschüttele.— Kautz gibt an, eine große Menge Arbeit geleistet zu haben, darunter sehr viel vertrauliche.— Polizeipräsident W e e g m a n n: Ich babe in die Ehrenhaftigkeit des Kautz bis vor seiner Versetzung nie einen Zweifel gesetzt. Er war immer ein ganz hervor- ragenderBeamter. Der Angeklagte S o l l m a n n gibt'dann folgende Erklärung ab: Er habe niemals die Abficht gehabt, wie er anfangs schon behauptet habe, den Polizeipräsidenten oder die Staatsanwalt- schaft zu beleidigen. Ueberhaupt habe ihm jede Beleidigung irgendeiner Person ferngelegen; er habe lediglich die wirklich vor- bandenen Mißstände treffen wollen und bei der Verhandlung auch die Ueberzeugung gewonnen, daß der Polizeipräsident von diesen Mißständen nickstS gewußt habe. Polizeipräsident v. W e eg m a n n: Ich habe aus oer Er- klärung des Angeklagten und den Verlauf der'Verhandlung die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte nicht wider besseres Wiste» seine Behauptungen ausgestellt liat. Ick bitte daher bei dem Urteil die Absicht der Beleidigung auszuschalten. Nunmehr beginnt das Plaiboyer des Staatsanwalts. Er zergliedert zunächst den Backschischartikel und bleibt dabei, daß alles, was die Anklage behauptet, die Beleidigung der Staatsanwaltschaft, des Polizeipräsidenten und sämtlicher Beamten aufrecht zu erhalten sei. Der§ 193 des Strafgesetzbuches sei dem Angeklagten zuzubilligen; denn er habe die gute Absicht der Aufdeckung von Mißständen ge- habt. Es könne eingeworfen werden, er habe aus Sensationslust gehandelt und Reklame für die„Rheinische Zeitung" machen wollen. Jedoch verleune er nicht, daß der Angeklagte berechtigte Interessen habe wahren wollen. Denn mancherlei spreche zugunsten des An- geklagten. Er sei im juristischen Sinne Laie und habe überdies die Behauptungen HannemannS für wahr halten können. Die ganze Aufmachung des Artikels und einige Ausdrücke sielen aber zu seinen Ungunsten in die Wagschale. Zu bestrafen sei er nur wegen formaler Beleidigung. Der Staatsanwalt geht dann ausführlich auf die Beweisaufnahm« ein und versucht, die Kölner Polizeiverhältnisse so rosig als möglich hinzustellen. Bei den Geschenken habe tatsächlich wirkliche Freundschaft eine Rolle gespielt. Auch bei den Konzessionsgeschichten sei nichts Positives erwiesen. Hirsch und Mawick hätten ihre Beziehungen zur Polizei zu Sondergeschäften ausgenutzt, ohne diese auch tatsächlich gc- schmiert zu haben. Im alten fröhlichen Köln, wo das halbe Jahr Fastnacht sei, könnte man auch die Gastereien der Beamten nicht so tragisch nehmen; sie hätten ja auck manchmal selber bezahlt. Auch die gespendeten Frühstückskörbchen seien nichts Schlimmes; höchstens entsprächen die mitgesandten Geldscheine nicht dem Ansehen der Polizei. Alles übrige liege lange zurück oder sei nicht mehr genau zu ermitteln. Auf die Zeugnisverweige- r u n g e n ging der Staatsanwalt überhaupt nicht ein. Bon 950 Beamten der Kölner Polizei seien vielleicht n�i r 10 nicht ganz schuldste i. Er beantragte dann gegen Sollmann eine Geldstrafe von 500 Mark. Nachdem der Polizeipräsident als Nebenkläger auf das Wort verzichtet hatte, begann Verteidiger Mertz mit seinem Plai- doycr. Er ging zunächst auf die Vorgeschichte des Prozesses, den Fall Hannemann, ein, indem er den bekannten Beweisantrag stellte. Der Baschischartikel des Angeklagten sollte ansetzen an der schon so oft kritisierten Tatsache, daß die Beamten in unzulässiger Weise Geschenke annehmen. Die scharfe Form sei durchaus verstand- lich, und das Prinzip dc� Artikels sei hier vor der Strafkammer mit vollem Siege verfochten worden. Das bestehende System des Geschenkeannehmens wird offiziell gebilligt. Das war der Kernpunkt der Angriffe. Von direkter Bestechung ist nirgends die Rede. Allerdings wendet er sich gegen ein offenkundiges Unwesen. Wenn es wahr sei, daß die Höheren und höchsten Beamten Geschenke annehmen, dann müsse dadurch die Disziplin unter- graben werden. Der Polizeipräsident sei hierbei selber von vorn- herein ausgenommen gewesen. Der Verteidiger geht dann aus- führlich auf das Ergebnis der Beweisaufnahme ein, Sollmann babc die Rolle eines Vorkäinpfers gegev� schwere Mißstände gespielt. Er habe sich auf das berufen, was die Spatzen feit Jahren von den Dächern pfeifen. Diejenigen Kriminalbeamten, die heute vcr- nonimen worden seien, seien noch die besten der Kriminalpolizei, die ganz elend bezahlt würden. Der Verteidiger spricht bei Schluß der Redaktion noch weiter. Mus öer Partei. Französische Parteiaffären. Paris, 12. Januar./zproz.„„.. 80.00 86.00 Am stärksten ist mit S'/» Proz. der Rückgang der 4prozentigen Anleihe von 1904. Die Anleihen der Tehuanlepec-Bahn haben keine Einbuße erlitten, weil die Bahn ein privates Unternehinen ist und fern vom Aufstandsplatz liegt. Die Ernenerulig des Kohlensyndikats. Am gleichen Tage, an dem der preußische HandelSminister im Abgeordnetenhause den Beitritt des Bergfiskus zum Nheinisck-West- tällschen Kohlensyndikal in Aussicht stellte, ist der Vertragsentwurf kür die Erneuerung des Kohleniyndikats veröffentlicht worden. Ende 1915 läuft der bestehende Syndikatsvertrag ab. Der Entwurf sieht Aenderungeit in der Organisalion, in der Stellung der Hüllenzechen und den Verkaiiföbestimmungen vor. Nach dem geltenden Syndikats- vertrage unterliegt der Selbstverbrauch der Hüllenzecken lKohlen- zechen mit Hütienbetrieben vereinigt) nicht den Beschränkungen der zum Verlauf dienenden Förderung. Die Hütienzechen brouchen für ihren Selbstverbrauch auch keine Lasten zu tragen, die sonst als Umlage von den Syndikatsmitgliedern je nach der Höhe der Förderung erhoben wird. Der Vertragsentwurf unterscheidet nun zwischen„Verlaufsbeteiligung"(die der gegenwärtigen „BeteiligungSziffer" entspricht) und„Verbrauchsbeteili- g n n g" der Hüllenzechen. Die Selbstverbraucksmengeil müssen„io verbraucht werden, daß sie nicht wieder in anderer brenilbarer Form aus den Markt gebracht werden können". Sie umfassen also die Kohlenmcngen. die zur Verhüllung von Erzen, als Feuerung für die EisenproduklionS« anlagen und ähnlichem verbraucht werden. Daneben gibt es. wie seither, noch den Begriff des sogenannten Zechenielbst- Verbrauches, das sind die für die eigenen Zwecke der Zecken erforderlichen Mengen. also z. B. die Kohlen zum Antrieb der Förderschalen der elektrischen Zechenzentrale usw. Der Hüttenselbst- verbrauck wird in dem Vertragsentwurf insofern schlechter als seit- her gestellt, als er vermindertes Stimmrecht erhält und zu den Kosten des Syndikates, wenngleich nur in beichränkiem Umfange, herangezogen wird. So bestimmt 8 2:„In der Zeckenbesitzer-Per- sammlwig hat jeder Zcchenbesitzer je eine Stimme für jede vollen 100000 Tonnen seiner festgesetzten Verkaufsbeteiligung und für jede vollen 200 000 Tonnen seiner festgesetzten Verbrauchs- beteiligung." iZurzeit gewähren je 10 000 Tonnen der BeteiligungSziffer eine Stimme.) Für die Deckung der Ge- schätlskosteil werden zunächst 3 Prozent von den Monats» rechilungcil gekürzt. Für einen etwaigen Mehrbedarf wird eine Toniienumlage gleichmäßig auf die Verkaufsinenge und den Hütten« selbstvetbrauch eingezogen. Solange sich die SyndikatSumlage bis zu 3 Proz. der Monatsrechnungen bewegt, bleibt der Hüttensclbst« verbrauch ganz umlagefrei, erst an dem Mehrbetrag nimnit er mit der übrige» Förderung teil. Von einer Besserung der Stellung der reinen Kohlenzechen kann trotzdem keine Rede sein. Denn auch der BertragSenlwurf sieht eine Bevorzugung der Hüllenzechen vor. Ferner kommt als neue Bestimmung hinzu, daß int Falle eines Arbeiter- a u S st a n d e S der Zechenselbstverbrauch(neben dem Verbrauch für Zwecke, die„öffentlichen Interessen' dienen), auch von Außenstehenden bezogen werden dars. Bei der Ausrechnung des HüttenselbstverbrauckeS von Tochter- gesellschaiten soll fortan genügen, wenn das Syndikatsmitglied mindestens 81(bisher 99) Prozent der Aktien, Kure uitv. von in- lüiidiichen, 75 Prozent von ausländischen Eesellichasien besitzt. Was die Orgaiilsaiio» anbetrifft, io wird der Beirat abgeschafft, dessen Funktionen der Zechenbesitzerversanimlung übertragen werden. Der Vertrag wird bis zum 31. März 1921 abgeschlossen unter der Bedingung, daß ihn sämtliche außenstehenden Zeckenbesitzer des niederrbeiniich-ioestialischen Bezirkes mit einer Leistungsfähigkeit von mindestens 120 000 Tonnen jährlich bis spätestens 15. Mai 1914 beitreten. Er gilt auf weitere füns Jahre verlängert, wenn ihn keiner der Vertragschließendeit ein Jahr vor Ablauf kündigt. Ferner ist die Möglichkeit vorgesehen, daß. wenn die Produktion der Außen- seiter im Laufe der Zeit mehr als 3 Proz. der Gesamlsörderung der KohlensyndikatSmitglieder beträgt, ein einzelnes Mitglied zum 1. April jeden Jahres den Vertrag mit einer Frist von mindestens einem Jahr kündigen kann. ") vorgestern /lus Eine Lehre. Am Dienstag wurde im Reichstage über ein Gesuch des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht verhandelt, den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zum Reichstage unter denselben Bedingungen zu vcr- leihen, wie eS den Männern zusteht. Die Debatte bot ein Bild, das sich von dein früherer Erörterungen über die selbstverständliche Fraucnforderung nicht unwesentlich unterscheidet. Kein Redner der bürgerlichen Parteien wagte diesmal die alten blöden Stannntischivitzeleien über die emanzipierten Weiber vorzubringen. Vielleicht ivar das eine unmittelbare Wirkung der Rede des Genossen Dr. Cohn, der alo erster Redner im voraus diese Einwände gegen das Frauenstimmrecht spottend zurückwies. Aber auch der Gedanke des Frauenstimmrechts selbst he' augenscheinlich Fort- schritte gemacht. Es erklärte sich bicouuu nur die konservative Partei grundsätzlich gegen das Frauenstimmrecht. Selbst der frcikonservative Redner gab nur dahin seine Meinung ab, daß im Augenblick das politische Wahlrecht der Frauen im Deutschen Reiche nicht ertragen werden könne. Einen ähnlichen Standpunkt vertraten die Redner der ZentrumSpartci, der Rationalliberaleu und der Volks« Partei. Diese Ablehnung deS FrauenwahlrcchtS suchten aber alle Redner durch anerkennende Worte über die Frauenbewegung zu mildern— und darin liegt daS Charakteristische der Debatten vom Dienstag. Der Ver° treter des Zentrums begrüßte es freundlich, daß die deutschen Frauen heute ein so großes Interesse an den öffentlichen Vorgängen im Reiche, im Staate und in der Gemeinde zum Ausdruck bringen und er bezeichnete es als ein berechtigtes Interesse dieser Frauen, im öffentlichen Leben in angemessener Weise berücksichtigt zu werden. Ebenso sprachen der national- liberale und der freikonservativc Redner ihre Freude und An- erkcnnung über die Tätigkeit der Frauen auf sozialem und kulturellem Gebiete in den Gemeinden, im Wohnungswesen usw. auS. Sogar der konservative Redner hatte nichts gegen eine politische Betätigung der Frauen— natürlich nur im Rahmen der konservativen Weltanschauung— einzuwenden. Dennoch lväre es völlig falsch, tvenn die Frauen nun von den bürgerlichen Parteien irgend eine beträchtliche För- derung ihrer Wünsche erwarten wollten. Trotz der platonischen Anerkennung stimmten die Konservativen und Freikonscrvativen für Uebergang zur Tagesordnung und die übrigen Parteien gelten die Petition nur wert, daß sie der Regierung zur Kenntnisnahme überwiesen wurde. Nur einige Fortschrittlcr schlössen sich der von der Sozialdeniokratic vertretenen Auf- fassung an, daß die Petition von der Regierung zu berücksichtigen sei. Keine der bürgerlichen Parteien kann heute die Mit- arbeit der Frauen entbehren, und so fühlen sie sich alle verpflichtet, ein paar platonische Liebeserklärungen abzugeben, um nicht die Frauen durch ein klares .Nein" allzu grob zurückzustoßen. Die Zunahme und Not- wcudigkeit der Fraueneriverbsarbeit, die wachsende Bildung und politisch. Ausklärung der Frauenwelt bewegen die bürger- lichen Parteien dazu, die Forderungen der Frauen nicht rund- weg abzulehnen. Soweit die Politisierung der Frauen im Sinne der eigenen Parteianschauung vollzogen worden ist— und alle Parteien bemühen sich lebhaft hierum—, hat man in bürgerlichen Kreisen auch nichts gegen die Ucbertragung einiger Rechte auf die Frauen. Aber die Gclvährung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Stimmrechts würde natürlich die Rechte der breiten Massen, der All- gemeinheit stärken, und darum sträubt man sich energisch gegen diese Forderung, und selbst gegen die Tcilkonzessionen, die auf dem Wege zur Verwirklichung des Hauptziels liegen. Co bleibt eS bei dem Widerspruch: Anerkennung der Erwerbs- arbeit und Bildungsmöglichkeiten— Aberkennung der politischen Rechte, die eine notwendige Folge jener ersten Zu- geständnisse bilden. Nur die Sozialdemokratie, die sich nicht gegen die soziale Entwickelung verschließt, sondern sich ihr bewußt an die Spitze stellt, vertrat auch am Dienstag wieder allein die Sache der Frauen. Sie ging noch über die Petition der Frauen hinaus und forderte das Wahlrecht für alle über LO Jahre alte Frauen und Männer. Diese klare und entschiedene Forderung, die seit Jahrzehnten von der Gesamtpartci in ihren: Programm vertreten wird, suchte zwar der fortschritt- liche Redner abzuschwächen, indem er der Sozialdemokratie eine gleiche Uneinigkeit in der Frage des Frauenwahlrechts vorwarf, wie er sie für seine(die fortschrittliche) Partei offen zugeben mußte. Er behauptete, die Massen, die hinter der Sozialdemokratie stehen, hätten nicht geschlossen den starken Willen zur Herbeiführung des Frauenstimmrechts. Der fort- fchrittliche Redner vermochte aber nicht ein einziges Beweis- stück für diese Behauptung zu erbringen. Die sozialdemokratischen Frauen kämpfen mit aller Energie für die Erreichung ihres Zieles und die Gesamtpartei mit den hinter ihr stehenden Massen hat diese Bestrebungen auf alle Weise unterstützt und gefördert. Die Massen, die gerade in dieser Frage mit der Sozialdemokratie gehen, sind weit größer als die Zahl der organisierten Anhänger und Wähler; denn zu ihnen gehören die Scharen von politisch rechtlosen Frauen, die sehr wohl wissen, daß nur die Sozial- demokratie geschlossen und mit ernstem Willen für das Frauen- stinunrecht eintritt. Denn. nicht hinter einer lauen und hin- und herpendclnden Partei finden sich allemal die Massen, sondern hinter einer Partei, die klar, ehrlich und entschieden ihre Entscheioungen trifft und vertritt. Zur Geschichte öes Irauenwahlrechts. i. In den Freiheitskämpfen des französischen Volkes am Ausgang des 18. Jahrhunderts wurde zum erstenmal in Europa die Forde- rung auf Gleichberechtigung der Frauen erhoben. Gemeinsam mit den Männern lehnten sich die Frauen gegen die unerhörte Unterdrückung und Aussaugung auf. Im Jahre 1788 entstanden die ersten ernsteren Unruhen. Weite Strecken des Landes konnten nicht mehr bestellt werden, weil die Bauern, von allen Mitteln entblößt, weder Saatkorn noch Zugvieh hatten, um die Aeckcr zu bcvauen. Hungersnot, Seuchen, Verarmung sind die schreck- liche Folge. Der„dritte Stand" empört sich und konstituiert sich als Nationalversammlung. Der Sturm auf die Bastillc, die Gefangennahme des Königs und seiner Familie, die Erklärung der Republik am 22. September 1732, das alles vollzog sich in rascher Folge unter leidenschaftlichen und blutigen Kämpfen» und an all diesem hatten Frauen teilgenommen. Frauen waren es, die im Jahre 1782 das Pariser Rathaus stürmten, als ihre Forderung öer xrauenbeweg „Vorwärts" Nr. 14.— Donnerstag, den 15. Januar 1914. nach Brot unerfüllt geblieben war, Frauen Hollen den König von Versailles nach Paris. Sic hatten in de» Jahren vor der Revo- lution entsetzliche Leiden init dem ganzen Volk ertragen, sie kämpften in dem blutigen Ringen mit. nun verlangten sie auch ihren Anteil an der neuen Freiheit und an den Rechten. Es Ivarcn nicht in erster Linie politische Rechte, nach denen ihr Streben ging. Die MassederFrauen wollte Brot für sich und ihre Kinder und die Freiheit, mit ibrer Hände Arbeit den Kindern das Leben zu sichern. Von den Zünften waren sie ausge- schloffen worden, ihr Tätigkeitsgebiet war nach allen Seiten ein- geengt gewesen, jetzt forderten sie von der Nationalversammlung, „daß die Gleichheit zwischen Mann und Frau wiederhergestellt, ihnen Arbeit und Beschäftigung freigegeben werde und ihnen Stellen eingeräumt würden, für die ihre Fähigkeiten sich eigneten". Die Gleichberechtigung sollte vor allen Dingen eine Gleichberechti- going im Wirtschaftsleben schn, und die erreichten sie; die Zünfte wurden aufgehoben. Aber es gab auch Frauen, die mehr wollten als ein Recht auf Arbeit, die eingesehen hatten, daß sie erst dann ihre Forderungen vollkommen durchsetzen könnten, wenn sie politische Rechte und po- litische Macht erhalten hätten. An der Spitze dieser Frauen stand Olhmpe de Gougcs. Sie war erschüttert von dem grenzenlosen Elend des Volkes, in einem Aufruf forderte sie die Frauen auf, ihren Schmuck herzugeben, damit für die Armen Brot gekauft wer- den könnte, sie agitierte für die Errichtung staatlicher Mnsterlvcrk- stätten für Arbeitslose; aber sie erkannte auch, daß die Prorlamie- rung der Menschenrechte sitfi nur an das männliche Geschlecht ivandtc, nur ihm Rechte und Freiheit verhieß und die Frauen ganz beiseite schob. Ter Mensch— das war der Man in Dagegen empörte sich Olhmpe de Ganges. Sic erließ ein lcidcnsckmftlichcö Manifest. Der Erklärung der Menschenrechte stellte sie die Erklärung der Rechte der Frauen an die Seite, die von einer hohen Begeisterung und dem glühendem Wunsch gc- tragen war, den Frauen zu helfen und sie aufzurütteln. „Die Frau ist frei geboren und von Rechts wegen dem Manne gleich. Das Ziel jeder gesetzgebenden Gemeinschaft ist der Schutz der unveräußerlichen Rechte beider Geschlechter: der Freiheit, des Fortschritts, der Sicherheit und des Widerstands gegen die Unterdrückung.... Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen, die Tribüne zu besteigen sollte sie dasselbe Recht be sitzen. Tie Rechte der Frau aber sollen der Wohlfahrt aller, und nicht dem Vorteil des Geschlechts allein diene»."—„Erwacht Ihr Frauen!" ruft Olhmpe de Gougcs,„die Fackel der Wahrheit hat die Wolken der Torheit und der Tyrannci zer- streut; wann werdet Ihr sehend werden? Vereint Euch; setzt der Kraft der rohen Gewalt die Kraft der Vernunft und Gcrcchtig- keit entgegen." Ihre Worte fanden lebhaften Widerhall. Viele Frauen er- klärten sich bereit, für die Rechte des weiblichen Geschlechts zu kämpfen, die ersten politischen Frauenvcreine entstanden. Aber die Nationalversammlung wollte von dieser Auslegung der Menschenrechte nichts wissen, das Wahlrecht blieb auf die Männer beschränkt, und schon bald begann der Kampf gegen die politischen Frauenorganisationen. Olhmpe de Gouges hatte in aller Ocffent- lichkcit das Blutvergießen durch die Republikaner heftig getadelt und besonders Robcspierre angegriffen; die von ihr gegründeten Vereine stellten sich auf ihre Seite. Die Führerin wurde verhaftet und nach kurzem Prozeß am 3. November 1793 enthauptet. Olhmpe de Gougcs I)attc das Schafott besteigen dürfen, die Rednertribüne war ihr versagt geblieben. Inzwischen war die Verfolgung aller Frauenvcreine— nicht nur der politischen— planmäßig durchgeführt worden. Sie er- schienen den Republikanern gefährlich; trotz aller Versuche, ihre Tätigkeit zu rechtfertigen und zu verteidigen, beschloß der Konvent im Oktober 1793 die Auflösung der Frauenvereine, und die Kom- mune stimmte diesem Beschluß zu. Bei der Begründung des An- träges wurden die gleichen Argumente vorgebracht, die heute noch den Hauptbestandteil der Reden bon den Gegnern des Frauenwahl- rechts bilden. So sagte der Deputierte Amar u. a.: „Die politischen Rechte der Bürger bestehen darin, im Jnter- esse des Staates Beschlüsse zu fassen, sie durchzusetzen und der Gewalt zu widerstehen. Haben die Frauen die moralische und physische Kraft, welche das eine wie das andere, dieser Rechte erfordert? Die allgemeine Ueberzeugung spricht dagegen." Ehrbarkeit erlaube es dem Weibe nicht, sich öffentlich zu zeigen und mit de» Männern zu diskutieren. Als eine Abordnung von Frauen sich Einlaß zur Kommune erzwang, wurden sie mit einer Rede des Gcncralprokurators Ehaumette empfangen, die an die Sentimentalität der Männer appellierte und dadurch auch die- jenigen gewann, die durch den Deputierten Amar nicht überzeugt worden Ivaren. Ehaumette rief aus: „Tic Natur sagte der Frau; Sei Weib! Tie Erziehung der Kinder, die häuslichen Sorgen, die süßen Mühen der Mutter- schaft— das ist das Reich Deiner Arbeit; dafür erhebe ich Dich zur Göttin des häuslichen Tempels, Du wirst durch Deine Reize, durch Deine Schönheit, durch Deine Tugenden alles beherrschen, was Dich umgibt!" Das wirkte. Die Kommune ging so weit, ein für allemal die Annahme von Frauendepntationen zu verweigern, die Tri- bünen vor den Frauen zu schließe» und endlich durch Gesetz zu bestimmen, daß die Frauen mit Gefängnis bestraft werden sollten, wenn sie sich zu mehr als fünf versammelten. Unter diesen lim- ständen mußten die Frauenorganisationen zusammenbrechen. Die Zeit war noch nicht reif für ihre Forderungen. Nur ganz vereinzelt fanden sich Männer, die sich ans ihre Seite stellte», unter ihnen nahm der Philosoph Condorcei die erste Stelle ein. Schon im Jahre 1789 hatte er über das Bürgerrecht der Frauen geschrieben und bedauert, daß das Prinzip der Gleichheit, das die Revolution aufgestellt hatte, vor der Frau Halt mache. Er widerlegte alle Gründe, die gegen die politische Betätigung der Frauen angeführt werden konnten und ganz be- sonders hob er hervor, daß „das geringere Maß an Kenntnissen, die schwächere Urteilskraft, die man den Frauen zum Vorwurf mache, selbst wenn man sie zugeben wolle, nicht als Grund angesehen werden könne, sie politisch für rechtlos zu erklären. Als Konsequenz dieser An- schauung müsse man sonst auf jede freie Verfassung verzichten und die Regierung, wie den Einfluß auf die Gesetzgebung nur der sehr kleinen Zahl kenntnisreicher und wahrhast aufgeklärter Männer überlassen."(Lily Braun,„Die Frauenfragc". Leipzig 1901.) Diese Widerlegung hat noch heute ihre gleiche Bedeutung allen denen gegenüber, die davon reden, daß die Frau erst politisch gebildet,„gehoben" werden müsse, daß sie noch nicht reif sei an der Politik teilzunehmen. Condorcet stand ziemlich allein in Frankreich. Seine Worte faiiie» kein Echo bei den Männern seiner Zeit, und die Frauen konnten nicht mehr darauf rechnen, in der nächsten Zukunft ihre Forderungen verwirklicht zu sehen. Ilm die gleiche Zeit, als die Frauen der französischen Re- volution, unter denen vor allem noch Madame Roland, die Marquise Condorcet, Madame Tallien, Rose Laeombe genannt werden müssen, an den Kämpfen für die Freiheit teilnahmen, erschienen, beein- flußt durch die französische Bewegung, in England und in Deutsch- land zwei Schriften, die zunächst ebenfalls wegen ihrer Tendenz großes Aufsehen erregten. In England schrieb Mary Wollstonecraft im Jahre 1792 ihre„Verteidigung der Rechte der Frau". Sie war viel zurückhaltender und vorsichtiger in ihren Forderungen als 4» Coichorcct, aber ihr Buch ivar doch eine freie und kühne Stellung» nähme gegen die Reaktion und für die neuen Ideen. Sie verlangt vor allem eine andere Erziehung der Mädchen. Die Töchter sollen an Arbeit gewöhnt werden, statt der„Damen" die man er- ziehe, werde man dann Frauen haben. Die bisherige Art der Erziehung müsse die Frauen naturnotwendig zu minderwertigen Menschen machen. Im Gegensatz zu Condorcet hält Mary Wollstonecraft die Reform der Mädchenerziehung für die Vorbc- dingung der politischen Gleichberechtigung. Wem: sie dann zu vernünftigen Wesen erzogen worden seien, dürfen sie auch nicht mehr als Sklaven behandelt werden und müssen dieselben Rechte haben wie die Männer. Mary Wollstonecraft wurde�wegcn dieses Buches aufs heftigste von allen Seiten angegriffen. Sie hatte zu schonungslos die Fehler und Schwächen der Franc» aufgedeckt und mau vergaß darüber vollständig, daß sie ihrem Geschlecht den Weg zu einem reicheren und schöneren Leben zeigte. In Deutschland kam im gleichen Jahre Hippels„Heber die bürgerliche Verbesserung der Weiber" heraus. Zweifellos war auch Hippel stark von"der französischen Revolution beeinflußt. Sein Buch stellt eine umfangreiche Widerlegung, aller je erhobenen Einwände gegen die Gleichberechtigung der Frauen dar. Eine geistvolle und witzige Schrift, aber schwer zu lesen. Hippel schweift oft von einem Gedanken zu einem anderen ab, um dann nach längerer Zeit zum ersten zurückzukehren, und dadurch verliert das Buch an Kraft. Der Einwand, daß die Männer bisher allein Rechte besaßen, kann ihm lein Gruud sein, sie den Frauen weiter vorzuenthalten.„Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht das Recht, Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch Felonie verloren Ivcrdcn." Und später sagt er einmal: „Ach! auch selbst dem, der an der Kelle erzogen ist, blitzt der Name Freiheit auf, dieser göttliche Funke, durch den»vir sind, tvas wir sind, und der uns so ivenig schrankenlos macht, daß er uns vielmehr fester als alles a» das Allerheiligstc der Gesetze bindet." Hippel ivill die vollkommene Gleichberechtigung von Mann und Frau, nur das Monopol des Schwertes solle de» Männern bleiben, wenn„der Staat sich nun einmal nicht ohne Mcnschenschlächtcrei bchclfcn kann oder will!" In den drei großen europäischen Kulturländern tauchte fast gleichzeitig die Forderung des Frauenwahlrechts auf. In Frank- reich wurde sie am lcldciiichaftlichsten vertreten, in England er- bob nur eine Frau ihre Stimme für die Befreiung des Weib- liehen Geschlechts; in Deutschland stand ein Mann auf; die Frauen waren noch nicht so weit.— Jetzt nach mehr als hundert Jahren ist noch in keinem dieser Länder das politische Wahlrecht der Frauen Tatsache geworden. Ist die Zeit dafür noch nicht ge- kommen; sind die wirtschaftlichen Grundlagen, auf denen die For- derung beruhen muß, in Frankreich, England und Teutschland noch .nicht vorhanden?._ T. B. Frauenarbeit auf öem Lanöe. In konservativen Blättern findet sich folgende Notiz: „Der Sonderausschuß der Deutschen Landwirtschaflsgesellschast für Landarbeit hat sich während der letzten Jahre wiederholt mit der wichtigen Frage der Frauen arbeil und deS Hof» g ä n g e r w e s e n s beschäftigt. Es darf nicht uiibeachiet bleiben, daß'durch zweckmäßige Heranziehung der Frauen und schul- entwachsenen Kinder zu den Landarbeiten ein ganz erhebliwcr Teil der fehlenden Hilfskräfte ohne weiteres verfügbar gemacht Iverden kann. Selbstverständlich darf die Mitarbeit der Hausfrauen nicht auf Kosten der häuslichen Pflichterfüllung geschehen, sondern nur in den Grenzen, die eine ordentliche Führung des Haushalts gewährleisten. Bei den heranwachsenden Kindern unserer Land- nrbeiterbevölkcrung aber, die kaum der Schule einwachsen, Elternhaus und Heimat verlasse» und dem Zuge in die Großstadt folgen, kann eine zweckmäßige Ausgestaltung des Hofgängerwesens Seßbafiigkeit und Liebe zur hcimailicheu Scholle in hohem Maße entwickeln.— Es ist an der Zeit, die zahlreichen Erfahrungen praktischer Land- Wirte aus diesem Gebiete an sachverständiger Stelle zu sammeln und zu sichten. In dieser Absicht hat der Sonderausschuß der D. L, G. für Landarbeit einen„Unterausschuß für Frauenarbeit und Hofgängerwesen" begründet. Der Unterausschuß hat nun zunächst den Wunsch, mit möglichst zahlreichen Praktikern in Vcr- bindung zu kommen, die in ihren landwirtschaftlichen Betrieben die Miiarbeit der Hausfrauen und der beraiiwachsenden Kinder zweckmäßig ausgestaltet und auf diese Weise den Bedarf an Wanderarbeitern vermindert oder sogar ausgeschaltet haben." Schon jetzt ist der Auteil der Frauen und Kinder an der Er- werbSarbeit in der Landwirtschaft recht groß. Die Bestrebungen der Agrarier gehen aber dahin, noch mehr Frauen und Jugendliche heranzuziehen. Es ist bezeichnend, daß als Form für dieses Arbeits- verhülinis das„Hofgängerwesen" empfohlen wird, wonach die Ar- beitcnden nicht mit ihrer vollen Arbeitskraft herangezogen werden, sondern nur zu Teilleistungen(einzelnen Tagen bezw, Tageszeiten in der Woche) verpflichtet Iverden, Natürlich geschieht das nicht mit Rücksicht auf die häuslichen Pflichten der Landarbeiterfrauen, son- dcrä weil den Agrariern mit einer zeitweiligen Aibeitsleistung besser gedient ist und weil das Hosgmigcrwesen die Leute an die Scholle, d. h. an den agrarischen Uniernehmer fesselt, ohne daß der Agrarier voll für den Unterhalt der Arbeitskräfte aufkommen müßte. Durch das Hofgängerwesen erhält der Agrarier billigere und abhängigere Arbeitskräfte, als es die Wanderarbeiler find. Literarisches. Hedwig Dohm als Vorkämpfcrin und Vordenlerin neuer Frauen- ideale. Von Adele Schreiber(Märliscbe Verlagsanstalt, Berlin, 1.40 M.). Vor einigen Monaten feierte Hedwig Dohm, eine der ätiei'ten und treuesteil Vorkämpferinnen der bürgerlichen Frauen- emanzipaiion, ihren 80. Geburtstag. Als ein Gedenkbuch zu diesem Tage ist die Schrift von Adele Schreiber zu werten. Die Arbeit verzettelt sich nicht in biographische Einzelheilen, sondern gibt im An- schlug an die Schriften Dohms ein irisches Bild von der frischen Kämpfernatür Dohms und wirbt zugleich für die Dohmschen Ideen. Tagungen. Die 3. deutsche Konferenz für Arbcitrrimicnlntercssen wird vom ständigen AuSichuß zur Förderung der Arbeiterinneninteressen am 19,, 20. und 21. Februar im Architektcnbaus, Wilhelmstr. 92, abgehalten. Folgende Fragen werden verhandelt: 1. Ergebnisse einer Untersuchung über die Lebensverhällmsse der ländlichen Arbeiterinnen; Referenlen: Herr Prosesfor Dr. Auhagen, Frl. Gerirud Dyhreufurih. 2. Die Ciilwlckelung der Frauenarbeit in der Maschinenindustrie: Referentin: Dr, Elisabeih Alimaim-Goitheiner, 3. Die Entwickelung der Frauenarbeit in der KonfelrionSindustrie; Referenlin: Dr. Marie Elisabeih Lüders. 4. Die Lage der weiblichen Angestelllen in den Wasch- und Plältanstalien; Reierentin; Frl. Elisabeih Bernhard. Nach den Vorirägen findet Diskussion statt.— Der„Ständige Ausschuß" setzt sich aus Bcrlretern bürgerlicher Organisationen zu- fammeu. lieber„Berns und Ehe, Fraueuemanzipation. MenschheitSbe- steiung" spricht Frau Lily Braun in einer Versammlung am Mittwoch, den 21. Januar 1914, abends Uhr, im Saale des Schilleriheater- Restaurants, Charlottenburg,'BiSmarckstr. 1101 am Knie. Eintritt 1 M. Versammlungen. Oft die„Freie Percinigung der Kinoopcratciirc Teutschlands" eine gelbe Bewegung? Uebcr dieses Thema referierte in einer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Kinooperateure Groß-Berlins W u s ch i ck vom Deutschen Mctallarbcitervcrvand. Der Redner gab ein« allgemeine Dar- stcllung von dem Wesen der gelben Gewerkschaften und ihrem vcr- räterischen Treiben. Im Anschluß hieran kennzeichnete er das Verhalten der Freien Vereinigung der Kinooperateure und erklärte, daß diese eigentlich noch tief unter den gelben Gcivcrkschaftcn stände, da sie sich freiwillig zur Schntztruppc des Unternehmertums hergäbe. Ter Charakter dieser gelben Vereinigung zeige sich am deutlichsten in dem Ausspruch, daß durch einen Tarif das Ver- hältnis zwischen Kinoopcratcurcn und Kinobesitzern nur leiden werde. Die Vereinigung will also da? gute Verhältnis mit den Unternehmern aufrechterhalten durch die Schntzlosigkeit und Rechte lofigkeit der Angestellten. Weiterhin sei auch bezeichnend für die Freie Bereinigung, daß sie ausdrücklich betont, die Lage der Opc- rateure nicht durch„Streiks oder Gewaltakte" verbessern zu wollen, weshalb sie sich keiner modernen Gewerkschaft anschließen könne. Auch Pflege sie den Standesdünkel, indem sie die Gruppe der Kinooperateure als einen besonderen Stand darstelle. Daß sie den Kampf nicht wolle, gehe aus dem jämmerlichen Bittgesuch hervor, das an die Kinobesitzcr gerichtet war, und das die Freigabe des Heiligabends betraf. Der Referent schloß mit der Anffordcrnng an die anwesenden Operateure, sich Mann für Mann dem Deut- scheu Mctallarbcitcrvcrbande anzuschließen, der einzig und allein gewillt und imstande sei, die Jntcressen der Operateure wirksam zu vertreten. Ein Mitglied der Freien Vereinigung suchte die Ausführungen des Referenten zu entkräften und den in Leipzig vom Deutschen Transportarbeitcrverband abgeschlossenen Tarif für die Kinoangc- stellten als wertlos hinzustellen. Der Redner erhielt aber die nötige Belehrung aus der Milte der Versammlung. Wuschick selbst bc- tonte in seinem Schlußwort, daß der Redner kein Recht habe, über den Tarif so zu sprechen. Es wäre eine Lohnaufbesserung von acht bis zehn Mark pro Woche und fernerhin ein freier Tag im Monat für sämtliche Kinoangestellte erzielt worden. Jedenfalls hat die Versammlung gezeigt, daß der Freien Vcr- einigung mit ihrem Bestreben nicht viel Glück erblühen wird, und daß auch diejenigen Operateure, die ihr heute noch angehören, sehr bald einsehen werden, daß ihre Jntcressen wirksam nur in einer großen modernen Kampfcsorganisation vertreten werden können. lQuittuug über Beiträge zum Bebel-Fond�. I. Sch. 5,—. Tapezierer der Finna Fastrupp 10,—. Porzellanarbcitcr Ebarloticnburg IS, 15. 7. Abt. A.»R.-B.„Solidarität". Rekrutcn-Abschieds- ball 3.50. Lagerhaller der 8. Abt. Konsum-Genossenschaft Berlin und Um- gegcnd 8.—. Zigarettenmasch-nensührcr Berlin und Reparaturichlosscr 1 lv,—. G. I. 75,—.©., Wilmersdorf 20,—. Sechserkasie der Möbehabrit Union 10,—. Siiltungssest der Schneider, gesammelt am Kaffeetisch durch Aide 3,50. Kollegen mid Kollegiunen Kantorowiez u. Wulbe, Prinzessimicn- ftrafee 6,20. Rescrat Stulz, Handlungsgchilse» 6,—. Fahr, mid Automobil- suhrwesen Paul Görke, 2. Rote 5,—. Vergnügen des Fraucnleseabends 26. Abt. 4. Kreis 3.—. HilsSarbeiter und Arbeiterinnen der Fa. Ullstein >i. Ca. 76,30. C. Cords 10,—. Von den Kollegen der Fa.-skrziwan u. Co., Elisabethuser 55 5.—. O.?lnlon 1,50. Paul Berg- inanii. Schlächter 15,—. Deulschcr Metallarbciterverband, Kruppe Kinooperateure 10,—. G. durch U. 5,—. Aus Pyritz durch Körsten I,—. A. CS., 4. Rate 200,—. Organisierte Fleischergescllen Neukölln 15.50. Zürichergruß 5,—. Ueberschuß von der Kranzspende A. B. durch W. Pietz 5,30. Sainmellifte zur Errichtung von Jugcndbeiinen 9,60. 5. Kreis aus Listen 265,80.(Darunter: 1. Abt. durch Gen. chuhnsleiich aus Listen 1,—. la Ml. durch Gen. Pieck aus Listen 37.25. Ib Abt. durch Gen. Chmilewskr auf Listen 5.45. 3. Abt. vom Bezirk 419 durch Gen. Hauck 6.60. 4. Abt. durch Grn. Schmidt aus Listen 59.10. 5. Abt. durch Gen. Stindt auf Listen 11,25. 6. Abt. durch Gen. Hacker aus Listen 14,50 u. 20,65. 7. Abt von den Kollegen der Firma Bvtlucr u. Düiizer 30,—. T.. i'tbt. öoit den Kollegen der Firma Vortrefflich 10,—. 7. Abf. durch den Ggn. Böttcher aui Listen 70,—. Dr. ttiebkuecht 10,—. 2. Kreis auf Listen a konto 655,60. Piaiio-Picchaniksabrik A. Lexow, Ellen« stratze 10,—. 6. Kreis aus. Listen 3801.78. Werkzeugmacher A. für Ucber» stunden 8,—. Sparverci»„Vorwärts 1912" 7,20. Kranzüberschutz 6. Abteilung 3,—. Durch Bartosck 9.2(1. Durch Brandtucr 1,05. Von den orgcmisierteii Einkaificrern und Kassciibolcii im D. T. V. 10.—. 4. Kreis aus Listen 799,—, darunter Abt. Blcchwalzw crl Rosenthal Bergmann L. 11661 20,05. P. llstüller, Lichtenberg 15,—. Berichtigung: In der Quittung vom 10. Dezember hcitzt cS: Abt. Werkzeugbau der Finna Schwartzkopif, Werk Wildau 10,—, es soll heitzcn: von der Finna Maffei-Schwartztopss. Werk Wildau 10,—. Autzcr« dem: Verband der Schneider, Ortsverwaltung Berlin 5,50, cS soll heitzcn: durch Vennitlclung des Verbandes der Schneider, Ortsverw. Berlin 5,50. Die Sammlungen zum Bebelsonds sind noch nicht abgeschlosscit. Weitcrc Beiträge find zu richten an Gmil Bocökc, Berlin 68, «indenstraßc 2 I Marktpreise von Berlin anilZ. Januar lUll.iiach Ermillelungen des kgt Volizeivräsidmms. Mais(mixed), gute Sorte 16,90— 17,00, Donau 16,00—16,30. Mais(runder), gute Sorte 11,70— 15,00. Richtstroh 0,00- 0,00. Heu 6,60—8,00.» M a r k t h a l I e n p r c i j c. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50 ,00. lsveisebobuen. Meitze 35,00—60,00. Linien 36,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogranrm Rindfleisch, von der Keule Rindsteiich, Bauchflcisch 1,30—1.80.«chwcinesleisch 1,40— 2,00. 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butler 2,40—3,00. Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karvicu 1,20— 2.40. Aale Zander� 1,40—3,20. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1,00—2,20. 1.60—2,40. Kalbfleisch 60 Stück 1.60—3,20. Schleie 1.60—3.20. Bleie 0.80—1.60." 60 Stück Kreb'e 3,00—24,00 Todes-Anzeigen Sozialdernokratisctiep Wahl verein fj. 4. Oeri. Reiehstagswahlkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk 273. Den Mitgliedern zur Nachricht, dar. unser Genosse, der Töpfer Franz Magen Friedrichsbergcr Str. 23 gestorben ist. 210/12 Ghrc seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freilag, den 16. Januar, nach- mittags 2 llhr, van der Halle des Zentral-FriedhoscS in Fried richsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der'Vwrstand. SozialdemokrafisEherWalilverEiii f. 1 4. Herl. Reicnstagswaiiikreis Stralauer Viertel. Bezirk 306. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin, Frau Wüdelmlne V/ekwn Münchebcrger Straße 34, ge- stoiben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Januar, nach. miltags 3'/- Uhr, von der Halle des Zeulralsncdhofs in Friedrichs- seldc ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/11 Der Vorstand. Verein liir Frauen und Mädchen der Ärheiterklasse. Unser» Mitgliedern zur Nach. richt, datz am Montag, den 12. d.M.. unser langjähriges, treues Mitglied ft-mi Minna Wehlan nach einer schweren Operation gestorben ist. Ghre ihreni Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Januar, nach- mittags 3>/. Uhr, von der Leichen- Halle ocs städtischen Friedhofes in Fricdrichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 52/2 Ter Vorstand Zentralverhantf der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Hierdurch den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied Robert /Meinkardt am 12. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Januar, nach« mittags 3 Ubr, von der Leichen- halle des Sophien- Kirchhofes, Freienwalder Stratze, aus statt. Um zahlreiches Geleit ersucht 134/2 Der Borstand. Deutscher Retaliarbeiter-Yerliand Verwaltunpsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser »ermann I�oxge Neukölln, Selchowcr Stratze 5, am 13. K. M. an Blutsturz gc- storbeu ist. Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. Januar, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- halle des neuen Jalobi-Kirchhoscs iu Neukölln, Hermannstratze, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 110/15 Die OrlsverwaltunB. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei er Beerdigung meines unvcrgctz- che» lieben Mannes und Baters picche ich allen Freunden und Bc- anntcn, insbesondere dem Redner, ?crrn Gottjried Schulz, und der iuma Krüger meinen herzlichsten bank aus. 530b Ida Strempel nebst Sohn. Hiermit allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwager und Onkel, der Gastwirt Reinlttfö Grunvald nach langem schwerem Leiden saust entschlafen ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Auguste Grunwaid g-b.Hüb»» nebst Söhnen. �Dic Beerdigung findet am eonnabend, den 17. d.M., nach- mittags 2A< Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes aus statt. 115A ?lm Montag, den 12. Januar, nachmittags 4'/. Uhr. verschied nach langem schwerem Leiden meine liebe Frau Lerta Hörster im 29. Lebensjahre. Dies zeigt ticsbetrllbt an �rtur rürster Blüchcrstr. 13. Die Bcerdigwtg findet am Donnerstag, den 15. Januar, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- ballc des Heil. Krcuz-Kirchhofcs. Maricndvrs, statt. 8/15 Angemeine Orks-Krankenka�e für BerlinTempelhor Berichtigung zu der in Nr. 7 vom 8. Januar veröffentlichten Bekanntmachung. DaS Ergebnis der Stimmenabgabe bei der am ZV. Dezember 1N1Z stattgcsundcnen Wahl der Zlrbeitgebcr für den Ausschutz der Allgemeinen OrtS- Krankeilkafie für Berlin- Tempelhof lautet nicht von Liste I vier, sondern nur drei, so datz Herr August Müller nicht gewählt ist, während von Liste II autzer den be- kaiiiilgegebenen Namen der Gewählten Herr hlnrl Schadack als gewählt binzulommt. 267/5 Berlin-Tempelhos, 14. Januar 19l4. widert tjicorjsic, 1. Vorsitzender. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,«tiÄ 10— 2, 5—7. Sonntaga 10— 12. gesündeste Der Kakao ist wegen seiner die Gesund- lieit förderoden Eigenscbaf- teu, seines Wohlgeschmacks und hohen Nährwertes Besonders für Blutarme, Ge- neseode, Nerväse. Kinder und stillende Mütter. Nicht stopfend. Paket—'Ii Pfond 1 Mark, 5 Pakete 4.75 Mark. Paket—'Ii Pfund 0,50 M. AUeinigcr Fabrikant: D. Madcr, Prinzenstr. 86. Zu haben in den Filialen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. V. a. G. Hamborg. Mitgliederversammlungen der Filialen finden statt: Filiale Berlin 1: . Berlin 2: » Berlin 3: , Berlin 4; , Berlin 5; » Berlin 6; » Bcrlm 8: „ Berlin 9: , Berlin 10: „ Berlin 11: . Berlin 12: „ Berlin 13; „ CHarloticnburg: „ Köpenick: „ Neukölln: „ Reinickendorf-Ost: . Rosenlhal: „ Schöneberg: „ Steglitz: „ Tempelhof: „ Tegel: , Weitzensec: „ Lichtenberg II: , Niederschöneweidc: , Lichtenberg I: Rege Beteiligung der Sonntag, den 18. Januar, vorm. 10 Uhr. Habels Hrnnercl, Bergmaunftr. S?. Moniag, de» 1». Januar, abends 8',L Uhr, bei �Itrlacb, Ritterstr. 121. Kassenbericht. Verschiedenes. Sonnabend, den 17. Jan., abends 8'/. Uhr, bei Kaysur. Reichenbergerstr. 154. Kassenbericht. Vortrag über die Reichs- versicherungsordnung. Sonnabend, den 17. Jan., abends S1/, llhr, bei Bringmann, Andreasstr. 26. Vortrag über die Reichsoerficherungsordnung. Sonnabend, den 17. Jan., abends 8'/. Uhr, bei Dblel, Rückerstr. 7. Jahresbericht und Verschiedenes. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr» im!>swlnemlindcr Gcsellsctaatts- bans, Swinemünder Str. 43. Kaffenbericht. Wahl eines Revisors. Beschlutz- fassung über Abhaltung eines Sommerfestes. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr, bei»»igt. Badstr. 58. Kassenbericht. Stellungnahme zur Unterstütztmgs- fasse. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr, bei Glcbr. Berlichingeustr. 14. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr, bei I'aber, Stephanstr. 11. Sonntag, de» 18. Januar, vorm. 16 Uhr. bei Ranp früher KiBIc, TennewiNstr. 13. Sonnabend, de» 17. Ja»., abends 8'/. Uhr, bei Tausche!. Kameruner Str. 58. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr, bei Hcinkc.«openhagener Str. 67. Sonnabend, den 17. Jan.. abends 8'/. Uhr, im Volkshans. Rosliienstr. 3. Vortrag und Kassenbericht. Sonnabend, den 17. Jan, abendS 6 Uhr, bei Hcrkurt. Rofenitr. 10. Sonnabend, den 17. Jan.. abendS 8'/. Uhr» bei Tappcrt. SteinmeNftr. 114. Nach der Versammlung: Gemüll. Beisammensein. Sonnabend, den 17. Jan.. abends 6 Uhr, bei Hrücknur, Provinzstr. 74. Sonnabeiid, den 17. Jan.. abendS 8'/. Uhr, bei Harth, Biktoriostr. 7. Sonnabend, den 17. Jan., abendS 9 Uhr, im Kassenlokal: Marttn-Luther-Str. 69. Sonnabend, den 17. Jan., abends 8ffz Uhr, im Kassenlokal: Mommsenstr. 7. Sonnabend, de» 17. Jan.. abends 8 Uhr, bei Ikcnscbcck. Martendorf, Ghaussee- strafte S7. Sonnabend, den 17. Jan.. abends 8'/, Uhr, bei Hugu Sorrcr, Schlieperstr. 68. Sonnabend, den 17. Jan.. abends 8'/, Uhr, bei Pcnschcrt, Berliner Allee 251. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 9'/, Uhr, bei Oskar Itlumc, Alt-Boxliagen 56. Kassenbericht. Interne Kassenangelegenheiien. Sonntag, den 18. Januar, vorm. 16 Uhr, bei Baabe, ZÄilhetinineiihosstr. 42. Kassenbericht vom 4. Quaital. Verschiedenes. Sonnabend, de» 17. Jan.. abends 8'/, Uhr. bei dohan» llliim, Franks. Chaussee 116. Mitglieder erwünscht. 110/14 Die Ortsverwaltungeu. Deulseder Krdeiler-VsvUerdulld ..Die Halurtreunde" i- Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 18. Januar 1914, im großen Saale des „Gewerkschaftshauses", Engelufer 13: „Wenn wir wandern!" Grofter Lichtbilder-Bortrag mit 100 Bildern nach Originalaufnahmen des Vortragenden Genossen Georg Krämer. 1. Teil: Durch die Uckermark. 2. Teil: Rügen. S. Teil: In der Jumnacht. TA MV Nach dem Vortrage: � TAXI? I Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 56 Pf. nach[ AlNt Einlast 6 Uhr Eintritt 30 Pf. Beginn 7 Uhr itesser Pickel, auch die hart- »äckigsten.fettglänzcn. de Haut u. sonstige Hautunreinig- leite» laerden am sichersten durch meine seit säst 25 Jahren bewährten Spezialmittel belciligt. Garantiert wiltsam und unschädlich! 2.56 M. Otto Reichel, Berlin 43. Eiscnbahnslr. 4. LpeaialarZlt Or. med. lA'uckcntnS, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlioh-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Beruts- störung. Mäßige Preise.* Sprechst. v. 8— 8, Sonntags 9— 11. Zeutraloerbaud der Handlungsgehiifeu. ÄKtiiin dtr Lizerhiittkr. Sonntag, den 18. Januar, mittags 1 Uhr, im Gewerkschaftshause» Engelufer 15, Saal 1: Konferenz der Lagerhalter der(Provinz Brandenburg. Tagesordnung: 1. Konsumgenonenschastlichc �jeit- und Streitfragen unter Be« rückstchtigung der Bezirkskonsunivereine und ihrer Berwaltungen. Referent: Kollege 6. Bchnel. 2. Diskusfion. 3. VerbandSangelegenhetten. -k Lerschiedenes.' 77/3 Au dieser Konferenz sind die Verwaltungen der Konsumvereine der Provinz Brandenburg eingeladen. Um zahlreiches und pünktliches Er« scheinen der Kollegen wird dringend gebeien. Die Scktlonslcitnng. I. A.: Aug. Beck, Adlershof. Uf»n Zwcigvcrcln Berlin. Mitglieder-- Versammlungen. Uhr: Freitag, den 19. Januar 1914, abends 8 Uhr: Nordosten bei Zpaeth, Georgenkirchstraße 63, Westen bei Wiemers, Bülolvstraße öK, Pankow im„Türkischen Zelt", Breitestraße 14. Sonnabend, den 17. Januar 1914, abends Zehlendorf bei Mickley, Potsdamer Straße 2Z. Tonntag, den lü». Januar 1914, vormittags 19 Uhr: Süden bei Pfeffer, Kottbuser Ufer 61. Oranienburger Porstadt bei Tahms, Schlegelstraße 9, Moabit im„Gesellschaftshaus", Wiclefstraße 24, Wilmersdorf im„Liktoria-Gartcn", Wilhelmsaue 114/115, Klemer«aal), Schöueberg bei Ebrecht, Meininger Straße 8, Mariendorf bei Richter, Chausseestraßc 27, Steglitz bei Heizmann, Florastraße 4, Reinickendorf bei Anders, Hauptstraße. Tagesordnung in allen Versamnilungcn: 1. Vortrag über: Tic Arbcitsloscnuntcrstüftnng im Bauarbeiter- verband. 2. Neuwahl der Bezirkslcilung. 3. Vorschläge zur Neuwahl des Zweigvercinsvorstandes, der Revisoren sowie der Schlichlungs- und Be» schwerdelommissioncn. 4. Verschiedenes.* WAS Wir ersuchen um vollzähligen Besuch obiger Versammlungen."HS» Zugleich weise» wir darauf hin, das« durch die Giuführung der ArbcitSlosennnterstütiung Umbaute» des Bureaus notwendig sind, weswegen Blbliothetsbücher jetzt nicht ausgegeben werden können. Der Vorstand. Zentralvsrbanil derStGinarbeüel Deutschlands Zahlstelle Berlin hiO 141. Engelnfer 15 I. -- Femipr.: Amt Moritzplatz 11 371.--- Steinarbeiter! Sonntag, den 18. Januar, dorm. 16 Uhr. in den Zlrininhallcn» Kommandanleiislr. 56/59: Kombinierte Versammlung. Die Tagesordnung wird in der Vcriamnilnng bekannt gemacht. Wege» der Wichtigkeit derselben ist jeder Kollege verpflichtet zu erscheinen. Um Pünktlichkeit ersucht 171/2" Die Ortsverwaltung. LI�IG� Familien- Nähmaschinen sind die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für den Hausgebrauch. SINGER CO. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Str. 92, Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclcpp, Neukölln. Für den Fajaalaucil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtZBuchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hr. 14. 31 MrMg. 2. Jtilajt i>cs Jormärts" KMcr Poltethtt Donuttsiag. 15. lammt 1914. Parteiangelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Morgen Freitag, den 16. Januar, abends 0 Ilhr, beginnt bei Boeker, Weberstr, 17, der Einführungskursus über »Die Gedankengänge des wisseiii'chafllichcii Sozialismus". Vor- iragender ist Redaklcnr Genosse Däumig. Teilnehmerkarten a 30 Pf sind noch zu haben. Storkow, Knmmcrsdorf und Unigegend. Sonntag, den 18. d. M., nachmitlagS 3 Uhr: Grobe uffentlidic Versammlung im Lokale deS Herrn Adolf Helling in Kummersdorf. Vortrag des Reichstags- abgeordneten Genossen Fritz Zubeil, Berlin, über:„Wer sind die Feinde der kleinen Landwirtschaft, und wo bleiben die Steuer- groscben?" Genossen, agitiert sür guten Besuch l Treptow-Äaumschiilenwcg, Morgen Freitag, abends T'/g Uhr, wichtige Flugblattberbreitung von den Be�irkslo'kalen aus. Tegel. Am Sonnabend, den 17., findet für Tegel eine Flug- blattverbrcitung statt._ Serliner Nachrichten. Tie juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres abends von 7—9 Uhr statt. Ter Uohlcntopf der Grasten Berliner Strastcnbah». Vor Zeiten, als es noch keine Kamine und Lesen gab, suchte man sich vor der Winterkälte dadurch zu schlltzen. dafi man in den Wohnraum einen mit glühenden Kohlen gefüllten Topf stellte. Der Kohlentopf spendete zwar wenig Wärme, er stömte aber sehr viel üble Dünste anS. Damals mag wohl das Menschengeschlecht noch so robust gewesen sein, daß es etwas Koblendunst ohne erhebliche Gesundheitsschädigung vertragen konnte. Immerhin wird man die Erfindung besserer Hcizvorrichtungen mit Freuden begrüßt haben. Der primitive Kohlcnlopf, an dem sicki unsere U-vätcr wärmten, weil sie nichts Besseres halten, geriet in Vergessenheit, bis— im Zeitaller der größten technischen Errungenschaften auf allen Gebieten— die Große Berliner Straßenbahn den vorsintflutlichen Wärniespender wieder aus der Rumpelkammer hervorsuchte, um ihre Fahrgäste damit zu belästigen. Lange hat es ja gedauert, che sich die Große Berliiter Straßen- bahn dazu ausschwang, an die Heizung der Wagen zu denken. Als sie dem Druck der öffentlichen Meinung vor einigen Jahren nach- geben mußte, da kam sie uns mit dem altvaterischen Kohlentopf, der in ihren Händen zwar die Form geändert hat, im übrigen aber in seiner ursprünglichen„Reinheit" erhalten geblieben ist. Ein Blechkasten mit glühenden Kohlen wird unter die Sitzbank des Wagens geschoben. Wer gerade über dem Kasten zu sitzen kommt, der wird an eine andere mittelalterliche Einrichtung erinnert, denn bald spürt er am eigenen Leibe, wie den armen Sündern, die auf dem Rost über gelindem Feuer langsam zu Tode � gebraten wu-den, in den ersten. Stadieir der Hinrichtung zumüte gewesen sein mag. Doch das ist noch nicht das schlimmste. Das Vorgefühl des Gebratenwerdcns hU immer nur einer' oder �ivei'dÄ'�ahrgaste."'SKc fallen des Wagens, müssen den entsetzlichen Kohlendunst einatmen, dff den ganzen Raum erfüllt. Dss ist nmr Me.iSachr, bV der die Gemütlichkeit aufhört. Nicht jeder, der die Straßenbahn benützen muß. verfügt über' eine so feste Gesundheit, daß er eine halbstündige Fahrt in einer mit Kdhlendunst geschwängerten Atmosphäre ohne Schaden ertragen kann, namentlich ivenn sich solch ein Angriff auf seine Gesundheit täglich mehruials wiederholt, llebelkeit, Schwindel. Kopfschmergen sind für viele die unausbleiblichen Folgen der Fahrt in einem Wagen, der durch den vorsintflutlichen Kohlentopf geheizt wird, welcher übrigens die Temperatur nur wenige Grad Wer Null erhöht. Es ist geradezu ein Skandal, daß es eine große Verkehrsgesellschaft wagen darf, ihre Fahrgäste mit Kohlendunst zu vergiften. Im Wagen nicht rauchen, nicht ausspucken, die Hutnadeln sicher», das wird mit Recht im gesundheitlichen Interesse der Fahrgäste verlangt, und doch handelt es sich in allen diesen Fällen nur um die Möglichkeit einer Gesundheitsgefährdung. Aber die Kohlentopsheizung, die eine sichere Gesundheitsschädigung für viele Fahrgäste, bedeutet, wird seit vielen Jahren ausgeführt. Sie ist schon oft kritisiert worden, aber da§ veranlaßt die Große Berliner Straßen- bahn nicht, eine bessere Heizmethode einzuführen. Für eine elektrisch betriebene Bahn kann es doch nicht schwierig sein, die Wagen elek- irisch zu heizen. Aber die Einrichtung mag wohl etwas mehr kosten als der mittelalterliche Kohlentopf und deshalb bleibt die Große Berliner Straßenbahn bei ihrer primitiven und gesundheitsschädlichen Heizmetodc. Auf Bauten ist polizeilich verboten, Kokskörbe in Räumen aus- zustellen, wo Arbeiter beschäftigt sind. Der Kohlentops im Straßen- dahnwagen ist nichts anderes als ein Kokskorb im kleinen Maßstäbe. In der Art anders, ist er doch im Wesen dasselbe. Aus demelben Gründen. d:e den Kokskorb aus den Arbeitsrüumen verbannt haben. muß die offene Kohlenfeuerung aus den Straßenbahnwagen ver- schwinden. Sorgt die Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn nicht selbst dafür, dann sollte sie von der Polizei dazu angehalten werden.__ Ter Aufschwmlg des Antomobilomnibusfes. Die zukunftsreiche Entwickelung des mechanischen Betriebes zeigt mit besonderer Deutlichkeit daS VcrkehrscrgebniS der Allgemeinen Berliner Lmnibuo-Geiellschast vom Jahre 1913. Die Zahl der bc- förderten Personen stieg gegen das Vorjahr um fast 11 Millionen auf 162 360 252 Personen. Die Automobile der Gesellschaft hatten im Jahre 1912 etwas über 9 Millionen Kilometer zurückgelegt. 1913 leisteten sie J.0 149 118 Kilometer. Die Zahl der im Betriebe besiiidlick-m Automobile bat sich denn auch um S9 auf 221 im Laufe des Jahres vermchrr. Der Pferdebetricb hat darunter Verhältnis- mäßig wenig gelitten. Die Zahl der eingestellten Pferde ist sogar noch um 26 gestiegeit und beträgt jetzt 1876. Die Zahl der im Lc- trieb besindlichen Pferdewagcn ist allerdings um 19 zurückgegangen und beträgt jetzt noch ISO. Mit dem Ersatz der Pfcrdelinien durch Automobillinieir geht naturgemäß die Benutzung der Zeitkarte» für die Pferdelinien zurück. Die Zahl der damit beförderten Personen betrug noch 1 160 619 oder 297 278 weniger als im Vorjahre. Die Zuhl der beschäftigten Personen stieg im letzten Fahr um 321 aus 3121. Die aufsteigende Entwickelung des OmnibusbetriebeS in der Großstadt zeigt, folgende Zusammenstellung der Zahl der beförderten Perionen seit 1903 in Millionen: S9. 85, 101. 128, 131, III, 135, 115, 153, 158, 168._ Hund, du hast SS besser! In einem bürgerlichen Blatte kann man ein Inserat diese? In- Halts lesen: Salon-Hundelager, bestehend aus Basier- «srrvoir, Holzrahmeu mit elastischer Matratze und-gelochter Filz- einlage; eine prächtige, weiche, warme und hygienische Ruhe- stäite für jeden Hund, fabriziert in sauberer und eleganter Aus- fühniug Otto Ktnd in Kotthausen. 98 000 Personen haben im Monat November im städtischen Obdach genächtigt. Den Hunden der Begüterten wird ein Salon- l a g e r bereitet, aber tausende Menschen müssen sich jeden Abend ein elendes Obdach suchen. Ja man kann gar nicht, sagen, daß in Berlin unzählige Arbeiterfamilien wie die Hunde wohnen, obne Luft und Licht, denn es gibt doch Hunde, die in einem eleganten und hygienischen Salonlager schlafen. Nicht alle, aber doch sehr viele! Vorsicht beim Schlittschuhlaufen. Infolge der strengen Kälte, die im Laufe der letzten Nacht eingesetzt hat, haben sich nunmehr auch die großen Seen in der llmgebung Berlins mit einer allerdings noch sehr dünnen Eisschicht bedeckt. Der Müggelsee war gestern morgen fast vollständig zugefroren, doch ist das Eis noch so schwach, daß Dampfer und Kähne niühclos die dünne Rinde zu durchstoßen Vermögen. Auch der Wannsee hat sich eine Eisdecke zugelegt, die kaum einen Zoll stark ist. Die Polizeibehörden von Fried richshagen und Wannsee warnen daher dringend vor dem Bc treten der Eisfläche, che nicht die Seen nach eingehender Prüfung freigegeben sind. Wenn die Kälte' weiter anhält, dürfte allerdings am kommenden Sonntag in der Umgebung Berlins ein vorzüglicher Sport zu erwarten sein. Der kleine Hundekehlcnsee ini Grunewald weist bereits eine stärkere Ei decke auf, so daß er wohl schon am Donnerstag oder Freitag als Schlitrschuhbahu freigegeben werden dürfte. Auch die Eis- bahnen im Tiergatten dürften— natürlich immer Anhalten des Frostwettcrs vorausgefetzt— am Sonntag eröffnet werden. Beim Schlittschuhlaufen verunglückt sind auf der Krummen Laufe zwei Personen. Der Kaufmann Wirth aus Halensee und ein Fräulein Meinhardt aus Berlin hatten sich, trotz der Warnung anderer Ausflügler, auf das Eis der Krummen Lanke begeben, um Schlittschuh zu laufen. Kaum hatten sie einige Schntte getan, als die dünne Eisdecke nachgab und beide einbrachen. Mehrere Herren, die Augenzeugen des Vor- falles gctvescn waren, unternahmen sofort Rettungsversuche, die um so schivierigcr waren, als die beiden Verrnchlückten unter das Eis geraten waren. Erst unter großen Anstrengungen konnten die beiden Personen gerettet werden. Die Park- und Gartcnbaudrputation beschäftigte sich gestern in ihrer ersten Sitzung im neuen Jahre zunächst mit der wichtigen Frage der Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden. Die Regelung soll so stattfinden, daß vom 1. April d. I. die Arbeit nicht medr um 6 Uhr, sondern um 6hz Uhr beginnt, die Mittagspause in den Sommermonaten um>/« Stunde verlängert wird, so daß um 6 Uhr der Schluß eintritt. Die Berechnung des Garlenbaudircklors ergibt, daß zirka 8 Prozent Arbeiter mehr erforderlich sind und daß im Etat ein Mehr von 125 000 Mark eingesteul werden muß. Fast einmütig stimmte die Deputation der Borlage zu. Ferner wurde besivlosien, zur Besprengung der Böschungen des .attdwehrkanals ein Motorboot in Bestellung zu geben. Dem- Oekonomen des«ärpfetitychS-. wmidK. die tzrlmMiS.«teilt, die Zahl der Boote von 10 auf 10 zu erhöhen._" Für die Fußballspieler sollen einige Plätze int Treptower Park resp. Plänteewalv mit zwei Toren errichtet werden; auch wurde dem Antrage, einige Uitterkunstschällen zu erbauen, zugestimmt. Ebenso soll im Kleistpark eine UnterkunflShalle mit Erfrischungs- räum errichtet werden.____ Eine Familientragödie. Ein Familiendrama hat sich ant Dienstag in dem Hause Röntgen- siraße 11 in Charlotten bürg abgespielt. Dort wohnt seit etwa drei Jahren der Briefträger Wegner mit seiner Frau und zwei sechs und zwei Jahre alten Kindern. Die Leute lebten sehr zurück- gezogen und unterhielten nur wenig Verkehr mit den andeien Haus- bewohnern. DaS Ehelebeit des PaarcS war ein gutes, doch scheint eS in der letzten Zeit infolge der großen Nervosität der Frau wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen zu seilt. In den letzten Tagen trug Frau W. ein sehr gedrücktes Wesen zur Schau. Am Dienstagmittag war es zwischen den Ehe- Unten aus geringfügiger Ursache zu einem Wortwechsel gekommen, der aber sehr bald zu allseiliger Befriedigung beendet wurde. Der Vorfall hatte aber Frau W. sehr erregt, so daß der Mann, der zum Dienst mußte, schon zurückbleiben wollte. Schließlich beruhigte sich die Ftau aber anscheinend vollkommen und der Briefträger begab sich nach seiner Dienststelle. Als er am Abend gegen f-11 Uhr nach Hause kam, drang ihm aus seiner Wohnung starker Gasgeruch ent- gegen. W. ließ sofort, nichts GuteS ahnend, die verschlossene Tür öffnen und nun bot sich ihm ein erschütternder Anblick dar. In der Küche lagen die Frau und die beiden Kinder leblos aus dem Fuß- boden; die ganze Wohnung war über und über mit Gas gefüllt, denn sämtliche Hähne der Gasleitung standen offen. Ein tele- phonisch von der nächsten Unfallstation herbeigerufener Arzt stellte fest, daß Frau W. außerdem noch Lysol genommen hatte. Stunden- lange Wiederbelebungsversuche waren schließlich bei der Frau und bei dem ältesten Kinde von Erfolg gekrönt; das zweijährige Mädchen war jedoch den Emwlrknngen des Gase? erlegen. Mutter und Kind wurden in sehr bedenklichem Zustande nach dem Krankcnhause Westend geschafft. Die kleine Leiche wurde beschlagnahmt. Um Uitglitcksfälleit beim Eislaufen vorzubeugen, bringt der Polizeipräsident die Bestimmung des§ 30 Absatz 2 der Strom- und Schiffährtspolizeiverordnuilg vom 15. Oktober 1899 in warnende Ennnerung, daß das unbefugte Betreten des Eises sowie das un- befugte Scvlittschuhlaufen aus den hiesigen Gewässern verboten ist. Die Polizei- und Stromaufsichlsbeamten sind angewiesen, auf die Beachtung dieser Besttmmung zu halten. Ter aufgelöste Spielklub. Ein großer Spiclklub wurde in der vergangenen Nacht von der Ktiminalpolizei wieder ausgehoben. ES ist die„Gesellige Ver- einigung Berlin", die unter der Leitung des bekannten Leutnants a. D. Theodor Ctrümpel stand und in der Bcllevuestr. 7 fein eingerichtete Räume besitzt. Die Mitglieder und Spieler der Vereinigung sind nicht nur Berliner, sondern Leute,' die aus allen Richtungen hierher kamen, sogar aus Paris. Bon dort kamen auch die beiden Croupiers Maurice Sichel und Eugen Daudet die in dem Klub beschäftigt waren. Die auswärtigen Gäste, die zum Spiel hierher kamen, wohnten in hiesigen Hotels. Gespielt wurde Balkarat, Poker, aber auch Skat. Als in der vergangenen Nacht ein Kriminalkommissar mit mehrere» Beamten überraschend erschien, war man wieder eifrig beün Spiel. Der Direktor Leutnant a. D. Strümpel, ein Mann von 37 Jahren, und die beiden Croupiers wurden verhaftet und heute der Staatsanwaltschaft vorgeführt, die Spieler festgestellt. Bei den Croupiers, die sich fest Dezember vorigen Jahres hier auf- halten, fand man 30 000 Di. Gcldfchranlkuackcr iu der Krankenkasse und im Konsumverein. Reiche Beute machten Geldschrankeinbrecher in der vergangenen Nacht hier in Berlin und in Velten. In Berlin machten sie der neuerrichletcn Allgemeinen OrtSIrankenkasse der Stadt Berlin einen Besuch. Diese Kaste hat seit drei Wochen in der Rigaer Straße 27 eine Zahlstelle. In den Räumen im ersten Stock des Quergebäudes führen die Schallerbeamten gleich am Eingang den Tag über jeder seine kleine Kaste. Abends werden diese mit der gesamten Einnahme in einen Geldschrank geschlossen, der hinter einer Schranke im Räume des Kastenvorstehers aufgestellt ist. Die„Knacker" kantelten alle Türen auf, bis sie an den Geldschrank gelangt waren, erbrachen diesen nach der Art gewerbsmäßiger Spezialisten und erbeuteten daraus 7000 M. bares Geld. Die Ein- brccher sind wahrscheinlich zwei jange Leute, die eine Frau gegen 2 Uhr nachts von ihrem Fenster aus das HanS betreteiz und nach einer Weile wieder verlassen sah. Tie Frau dachte sich nichts dabei. Erst gestern morgen entdeckte der Kassenvorsteher den Einbruch. In Velten erleichterten Einbrecher, wahrscheinlich auch Berliuer, den Geldschrank des Konsumvereins in der Biktoriastraße um 6000 M. Hier drangen die Verbrecher gewaltsam in daS Hau» und in die Räume ein._ Slbermals Frau Heers! In welchem erschreckenden Umfange der Weizcit der Frau HeerS geblüht haben muß, kann man auS der Tatsache schließen. daß sie gestern abermals vor dem Gewerbegericht. Kammer 3. als Beklagte erschien. Dort verlangten fünf Klägerinnen daS Lehr- geld zurück, das ihnen unter der Vorspiegelung von 30 M. Wowen- verdienst abgenommen ist. Die Verhandlung ergab im wesentlichen dasselbe Bild, wie früher, warf aber auf Einzelheiten noch einige interessante Schlaglichter. Zunächst wurde in sämtlichen.Fällen festgestellt, daß die Lehrzeit auf 11 Tage gegen Nachzahlung von 5 Di. aus- gedehnt werden mußte. Zwei Klägerinnen wurde» nach beendeter Lehrzeit nicht weiter beschäftigt, weil sie keine Schere vor- zeigen konnten. Sic hätten von Frau Heers eine solche kaufen können: aber 3 Mark zahlt niemand gern dafür, wenn sie sür 1,25 Mark in jedem Geschäft zu haben ist, wie eine Klägerin festgestellt hat. Auf die Frage eines Beisitzers:„Haben Sie denn immer Beschäftigung für alle, die ausgelernt habe» 7" anttoortete die Be- klagte naiv:„Herr Rat, die können auch in andere Fabriken gehen!" Von dein Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß jeder gc- wohnliche Sterbliche aus der Auiionce entnehmen müsse, daß er bei Frau HeerS nach absolvierter Lehrzeit Arbeit erhalten unch dabei 30 Mark verdienen könne, daß aber Frau Heers doch offenbar geiiou gewußt habe, ein derartiger Verdienst könne nach so kurzer Lehrzeit unmöglich erzielt werdeu, sagte der Prozeßbevollmächtigte der Frau HeerS offen heraus: „Die Annonce ist lediglich alö Zugmittel aufzufassen!� Auf die weitere Frage:„Nach welcher Zeil würden denn 5ie Klägerinnen 30 M. pro Woche verdienen können?" erfolgte mt Antwort:„Ungefähr nach dreiviertel bis einem Jahre!" Damit ist klipp und klar von der Beklagten selbst zugegeben, um welche Art von Uiiiemehmen es sich bei der„Lehranstalt" handelt. Daran wird auch durchaus nichts geändert, wemi die Beklagte noch mehr solcher Bescheinigungeu produziert, wie sie eine iu der Ver- hanSlattg poKeßte. Wort» ein Dutzrnd�öSer"mehr ehemalige Lehr- dämen befcheinjgen. daß sie bei der Beklagten daS Zigaretten»' macheu erlemt hätten. DK Beklagte irrt auch, wenn sie etwa annehmen sollte. wie' aus Aeußerungen ihrerseits hervor- zugehen schien, daß ihr Unternehmen auf weniger.zweifelhafte' Füße" gestellt würde, wenn sie das Versprechen auf 30 M. Wochen- verdienst künftig in den Annoncen fortläßt. Erfreulich ist, wenn zutrifft, worüber sich die Beklagte bitter be- schwerte, daß sie zufolge unserer Veröffentlichung gegenwärtig keine Lehrdamcn mehr hat, während früher iu völlig unzulänglichem Räume 18 Personen täglich zusammengepfercht wurden. Die Klagen wurden sämtlich durch Vergleich erledigt. Ein schwerer Straßenunfall hat sich ain Dienstag ani Wein» bergsweg zugetragen. Dort wollte ein Herr Wilhelm Robbe kurz vor einem in der Richtung nach Charlottenburg fahrenden Straßen» bahnwagen der Linie 33 das Gleis überschreiten. Er wurde jedoch von dem Bahnwageii erfaßt und umgestoßen. R. erlitt einen Schädelbruch und wurde in bedenklichem Zustande nach dem Kranken» Hause Moabit geschafft._, Vom eigenen Fuhrwerk überfahren und schwer verletzt worden ist der Fuhrwerksbesitzer Karl Plath auS der Potsdamer Straße 25. Plath batte im Auftrage eines Geschäfts Wirlichastsgegenstäude nach dem Dorfe Robtbeck bei Döberiy zu transportieren. Kurz vor dem Ziele stürzte Plath, als der Wagen gegen einen Chausseestein stieß, von seinem Sitz und kam unter den Wagen zu liegen, dessen Vorderräder über ihn hin- weggingen. Der BedaueniSwerte trug schwere äußere und innere Verletzungen davon. Bald daraus wurde der Verunglückte auf- gefunden und zu einem Arzte gebrocht, der ihm Notverbände anlegte und seine Ausnahme iu daö Krankenhaus Westend vcranlaßtc.- Dort liegt Plath in sehr bedcnltichem Zustande danieder. Feuer iu LestmaunS Ballsalon. Gestern vormittag kurz nach 8 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Chausjeestraße 19 gerufen, wo in Lestinanns Ballsalon Feuer ausgebrochen war. ES brannte ein einstöckiger Fach werkanbau am Quergebäude, der als Garderobe hergerlchtet ist- Die Flammen hatten auch einen Posten Stühle erfaßt. Der 13. Löschzug gab sofort kräftig Wasser, wodurch es gelang, das Feuer auf den Anbau zu beschränken und die eigentlichen Ballsäle zu schützen. Noch einstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken' Die Ursache des Brandes ist nicht ermittelt. Tachstuhlbrand in dcr Flotowftraßc. Im Laufe des gestrigen Nachmlllags hatte die Berliner Feuerwehr noch zwei größere Brände zu bewältigen. In der Flotowstr. ö ging in der fünften Nach- mittagsstunde der Dachstuhl des Hauses in Flammen auf. Der lö. Löi-tizug war schnell zur Stelle und griff daö Feuer mit zwei Rohren an. Trotzdem dauerte es über eine Stunde, ebe der Brand völlig gelöscht war. Dcr Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teil vernichtet worden.' Vorortnächrichten. Mißliche Znstänöe bei üer Allgemeinen Ortskrankenkasse für /lölershof u. ilmg. Die Versicherungsbehörde hat von den in der ReichSversicherungS- ordnung vorgesehenen die Selbstverwaltung der Kassen erheblich be» schränkenden und zuin Teil ganz aufhebenden Bestimmungen, ohne Rücksicht aus die Versicherten, den ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Nach der ReichsversicherungSordnung solle» die Krankenkassen auf Grund einer Satzung durch einen Botstand und Ausschuß verwaltet werden. Bei der AdletZhofer Ortskrankenkaste ist zurzeit aber weder ein Vorstand noch Ausschuß oder eine Satzung vorhanden. Hier ist ein- fach der Rendant von der Verwaltungsbehörde bestimmt worden. die Geschäfte der Kasse zu sichren. Heber die Zeit aber, wann die Wahlen zum Ausschuß stattfinden sollen, scheint sich die zuständige Behörde nicht entschließen zu können. Auch auf die Satzungen der Kasse legt sie, wie eZ den Anschein hat, wenig Gewicht. Wie wäre es sonst zu verstehen, daß eZ vom vorigen Jahre in: Juli bis jetzt die BersichcrungSbehörde unterließ dafür zu sorgen, daß die neuen Satzungen der Kasse, die mit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft treten sollen, den Versicherungsträgern zugestellt wurden. Bereits am 18. Dezember v. I. hat der Teltower Kreistag zum zweiten Male über die Abänderungsvorschläge des Oberversicherungs- amtes Beschluß gefaßt. An maßgebender Stelle hätte unseres Erachtens alles daran gesetzt lverden müssen, nur die Satzungen nun rechtzeitig fertig zu stellen, um sie den BersicherungS- trägern auszuhändigen, damit die Ungewißheit beseitigt und Klarheit geschaffen worden wäre. Oder sind absichtlich, wie böse Zungen be- hauptcu, die Entscheidungen mit Bezug aus die in den neuen Satzungen aufgenommenen Verschlechterungen so lange ausgesetzt worden, damit sich die Gemüter erst beruhigen sollen'i ES ist an und für sich bedauerlich, daß die Versicherten bei Ueberweisung nach einer anderen Kasse durch die unklaren Bestimmungen oft von einer Kasse zur anderen hin- und hergeschickt werden; noch un- angenehmer aber ist eS für diejenigen Versicherten, welche in Adlershof, Grünau oder den anderen Vororten wohnen und die der Adlershofer Kasse angeschlossen sind. Von den dort wohnenden Versicherten waren viele als Heimarbeiter bisher in Berliner Kasten versichert. Durch die erfolgte Auflösung der alten Kasse wurden diese Versicherungspflichtigen der OrtSkrankenkaste Adlershof zugewiesen, hier wurden sie aber nicht ausgenommen. Die betreffenden Personen nuißten nun erst wieder nach Berlin fahren, um endlich zu ihrem Recht zu kommen, und hierbei geht nicht nur das Fahrgeld, sondern auch die Zeit und damit in den meisten Fällen der Arbeitsverdienst verloren. Um all diese unliebsamen Vorkommnisse kümmert sich an- scheinend daS VersicherungSamt nicht. Seit Montag voriger Woche ist der alte Borstand seines Amtes enthoben worden. Das Ver- sicherungSamt hat aber nicht etwa dem jahrelang amtierenden Vor- sitzenden der Kaste hiervon Mitteilung gemacht— so weit reicht die Höflichkeit der preußischen Behörden nicht—. sondern der Rendant der Kaste mußte den Vorsitzenden erst darauf aufmerksam machen, daß ihm, dem Nedanlen, jetzt von der Bersicherungsbehörde die Führung der Geschäfte übertragen sei. Gestützt ist die Anordnung auf eine Ministerialverfügung. Die Arbeiter, als Mitträger der Versicherung, haben ein Recht zu fordern, daß diesem unerhörten Zustand sobald als möglich ein Ende bereitet wird. Sie werden darauf drängen, daß unverzüglich die Satzungen den Mitgliedern der Kaste ausgehändigt werden und wieder geordnete Verbältnisse bei der Kaste einziehen. Bei der Wahl aber mutz es Ehrenpflicht aller Mitglieder der Kaste sein, dafür einzutreten, daß der Ausschuß sowohl als auch der Bor- stand wieder so zusammengesetzt wird, wie eS in den letzten vier Jahren der Fall war, nur dann bleibt die fernere gute Entwickelung der Kasse garantiert._ (£harl Ottenburg. Elternverrin für freie Erziehung. Am Sonntag, den 18. d. Mts. im VolkshauS, Rosinenstr. 3(großer Saal): Märchenauffübrung. Zur Aufführung gelangt„Das Märchen vom Fischer un sine Fru", Großes Märchenspiel in i Bildern mit Gesang und Reigen nach einer älteren Fabel von Berthold Schröder. Gespielt von S0 Kindern der Mitglieder. Anfang nachmittags 4 Uhr. Eintritt für Erwachsene 30 Pf., für Kinder 10 Pf. Nach der Aufführung: Gemütliches Bei- sammensein. Billetts sind zu haben bei Kunschke. Weimarer Str. 31, tarnecker. Helmholtzitr. 34(Zigarrengeschäft), Grätz, Spreestr. SS, onsnmniederlage, Ballstr. 23, Vorwärlsspedition, Sesenbeimer Srr. 1 und im VolkshauS, Rosinenstr. 3(Stehbierhalle). Offene Kaste findet nicht statt. Bei der städtischen Sparkaste überstiegen in den ersten sieben Geschäftsiagen des Januar die Mehreinzahlungen die Rückzahlungen um 1036 463 M. Dieses Ergebnis ist zum' Teil darauf zurück- zuführen, daß der Zinsfuß für die Spareinlagen bereits vom 1. Januar d. I. ab von 2 Proz. auf 3Vz Proz. erhöht worden ist. Die geianrten Einlagen der Sparer haben nunmehr den Betrag von 63000000 M. überschritten. Sicukölln. Volkstümliche Vorträge. Der nächste der von der Stadt Zieu- kölln veranstalleren Vorträge findet am Dienstag, den 20. Januar. abends N/z Uhr, in der Aula der Realschule, Boddinstr. 34-41, als Rezitationsabend für Herrn E. Taeppe-Neulölln statt. Das Pro- gramm, welches im Vortragslokal unentgeltlich zur Verteilung gelangt, bringt im ersten Teil„Enoch Arden" von Alfred Tenntsion mit der begleitenden Musik von Dr. Richard Strauß. Im zweiten Teile wird Herr Taeppe über weitere ernste und beilere Dichtungen rezitieren. Der Eintritt ist frei. Kindern sowie Schülern, auch in Begleitung Erwachsener, ist der Zutritt nicht gestattet. KLeiftensee. Di« Weifjeuseer Bank im ftoukuts. Vor acht Tagen meldeten einige Beouslragte der Sparer ihre Forderungen beim Konkurs- richier an und eS wurde dein Vorstand und Aufsichtsrat eine Woche Bedenkzeit gewährt. Da jedoch alle bisher vorgeschlagenen Samerungs- und Liquidationsbemühungen an dem Willen der Genossenichaster scheuerten, so mußte der Konkurs eintreten. Die Weißenieer Bank bestand 34 Jahre und spielte in dem Wirtschasts- leben des Ortes eine bedeutende Rolle. Viele kleine Sparer haben den Verlust ihrer Notgroscken zu beklagen, die im unbegrenzten Vertrauen der Bank übergeben wurden. Wie der Konkurs auf die Geichästswelt wirken wird, ist noch nicht vorauszusehen, man gibt sich jedoch der Hoffnung hin, daß den Genostenichaftern vom Konkurs- Verwalter Zeit und Gelegenheit gegeben wird, ihre Berhältmsse in aller Ruhe zu regeln. Tchöneberg-�friedenau. Kaufmaunsgerichtswahl. Bei der am Sonntag, den 22. Februar, nachmittags 2'/z bis 4 Ubr im Rathause zu Schöneberg stattfindenden Wahl der Gehilfenbeisitzer können nur diejenigen Handlungsgehilfen ihre Stimme abgeben, die am Tage der Wahl mindestens 23 Jahre alt. in Schöneberg oder Friedenau beschäftigt und in die Wählerliste cingetragjn sind. Die Eintragung kann nur noch bis zum Sonnabend, den 17. Januar, bewirkt werden. Der Antrag ist entweder schrittlich an den Herrn Vorsitzenden des KaufmannSgerichts im Rathause Badensche Str. 59 einzusenden oder mündlich an den Wochentagen von 10 bis 2 Uhr in der Ge- richlSschreiberei deS KaufmannSgerichts, Rathaus, Badensche Str. b9 Zimmer 76(Erdgeschoß) zu stellen. Der Antrag muß enthalten: DeS Antragstellers Vor- und Zuname, Wohnung und Stand und die Angabe der BeschästigungSstelle. Wer niwt in der Wählerliste steht, der verliert sein Wahlrecht. Daher sorge jeder für seine Eintragung. Ev. Auskünfte erteilt der Zentralverbanb der Handlungsgehilfen, Münzstr. 20. Temvelstof. Ei» umfangreicher D-chpuhlbrand kam gestern(Mittwoch) mittag am Hohenzollernkorio 61 in Neu-Tempethof zom Ausbruch. AlS man die Gefahr gegen 11»/, Uhr bemerkte, stand der Dachstuhl des Hauses schon in erheblichem Umfange in Flammen. Außer der Tempelhofer Feuerwehr eilte auch ein�Löschzug der Berliner Wehr zu Hilfe. Es wurde mit mehreren Schlauchleilungen gegen das Feuer vorgegangen, doch konnte vom Dachstuht nur wenig gerettet werden. Die Lösch« und LuftäumungSarbeitu» nahmen mehrere Stunden in Anspruch.___ Beraniwortlich-r Redakteur: Alfred Wielcpp, Neukölln. Für den Einer späteren Meldung zufolge ist bei dem Brand ocr Feuer- wehrmann Lüttich verunglückt. Er erlitt Verbrennungen im Gesicht und erkrankte auch an den Folgen starker Raucheinatmung. Der Feuerwehrmann Sehdlitz zog sich aus der Fahrt zur Brandsielle eine Fußverstauchung zu. Köpenick. Großfeuer. Die Köpenicker Rohpappenfabiik von Mendelssohn u. Wharton in der Kaiser-Wilhelm-Straße 7a wurde gestern vormittag von einem Großfeuer heimgesucht. Der Brand erfaßte das Obergeschoß und den Dachstuhl des Fabrikgebäudes und dehnte sich mit rasender Schnelligkeit auch auf einige Fabrikaiions- und Lager- räume aus. Die Köpenicker Feuerwehr rückte in ganzer Stärke an und eröffnete sofort einen umfassenden Löschangriff. Später trafen auch noch die Feuerwehren aus Spindlersfelde und Adlershof ans der Brandstelle ein. Die Löschaktion wurde durch eine starke Rauch- entwickelung sehr erschwert. Erst»ach mehrstündiger Tätigkeit der Feuerwehren gelang es, den Brand einzudämmen. Der Schaden ist vettächtlich. Ueber die Ursache deS FeuorS ist nichts ermittelt. Bei der Firma tritt nur eine vorübergehende Betriebsstörung ein, da genügend Reserveräume vorhanden find. Die Gememde-Wählerliste liegt aus: Reinickendorf. Im Rathaus,� Hauptsir. 38/40, Zimmer 11, wochentags von 8 bis 3 Uhr und Sonntags von 8 bis 10 und von 12 bis 1 Uhr. Treptow-Baumschuleuweg. Im Rathause. Neue Krugallee 1—3, Zimmer 49. von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmiliags, an den Sonntagen von 9 bis 10 Uhr vormittags und am Dienstag, den 27. Januar, von 9 Uhr vormittags bis 1 Ubr nachmittags. Friedrichshagen. Im Ralhause an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 9 bis 12 Ubr vormittags. Nieder-Schönhausen. Im Rathaus, Zimmer 24, Werktag« von 8 bis 8 und Sonntags von 11 bis 1 Uhr. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Spandau. Heute Donnerstag, nachmittags 4>/, Uhr, im SitzungS- saal des neuen Rathauses. Kaulsdorf. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, im Sitzungssaal deS Verwaltungsgebäudes. Adolsslr. 26. Deltow. Heute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, im RathauS. Rieder-Schvueweide. Heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, im Gemeindehause, Grünauer Str. t. Tiefe Sitzung«, sind SsfnUUch. Jeder Gemcinocangehöttge i» berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. /ins aller Welt. dampferkatasirophe an der amerikanischen Küste. 300 Menschenleben in Gefahr. Ein schweres Dampferunglück meldet der Telegraph aus Halifax. Der der Royal-Mail-Gesellschaft gehörende Dampfer„Cobequid" ist auf einer Fahrt von St. John auf Neubraunschweig nach Bermuda in der Nähe der Neufundlandbänke auf ein Riff aufgefahren und befindet sich in größter Not. An Bord des Schiffes 'sollen sich etwa 300 Menschen befinden. Auf die funken- telegraphischen Hilferufe sind acht Dampfer, darunter der Dampfer des Norddeutschen Lloyds„Kronprinzessin Cecilie", nach der Unfallstelle abgegangen. Es ist jedoch bisher nicht gelungen, die genaue Lage des gestrandeten Schiffes festzustellen. Man glaubte zuerst, daß es an den Riffen von Briar Island gescheitert sei, doch war das Schiff nicht aufzufinden. Jetzt wird an- genommen, daß die„Cobequid" in der Nähe der Grand Mannan-Jnsel, nicht weit von St. John, gestrandet ist. Nach einer späteren Meldung hat die funkentelegraphische Verbindung mit dem Royal Mail-Dampfer„Cobequid" auf- gehört. Der Leuchtturmwächter auf Briar Island berichtet. daß er außer st ande sei, die Lage des Wracks zu b e st i m m e». Man nimmt an, daß es ein Irrtum des Kapitäns sei, daß das Schiff bei Briar Island ge- scheitert sei. Ein furchtbarer Nordwe st stürm erschwert die Rettungsversuche. Die letzte Nachricht des Dampfers war, daß der vordere Schiffsraum voll Wasser sei. Man glaubt, daß der Dampfer 150 Passagiere und ebenso viele Mannschaften an Bord hat. Der ..Cobcquid" wird für verloren gehalten. Seit Dienstagabend 7 Uhr fehlt jede Nachricht. Regierungsdampfer haben in der Nähe von Briar Island keine Spur von ihm gefunden. Tie Vulkanverhecrungen in Japan. Ueber den bereits gemeldeten vulkanischen Ausbruch auf der Insel Sakuraschima liegen jetzt eingehendere Nachrichten vor. Die Eruption deS Vulkans, der 130 Jahre untätig war, erfolgte mit großer Gewalt. Ungeheure F e l S b l ö ck e flogen über 800 Meter hoch und über 30 Kilometer weit. Lavaströme flössen an der Seite des Berges herab und begruben drei Dörfer auf der Insel; die Einwohner flüchteten auf daS Festland, Hunderte von ihnen müssen umgekommen sein. Das Feuer sprang auf einen Wald auf dem Festlands über. Weitere Ausbrüche schickien brennende Lava bis nach Kagoschima und steckten diesc Stadl in Brand. Auch hier kamen Hunderte um. Die Fliehenden fuhren mit Güterzügen nordwärts ab, und am Abend war die 70 000 Einwohner zählende Stadt vollständig ver- lasten. Ein in Kumanoto gestern angekommenes Telegramm be- richtet, daß der Telegraphist der einzige in Kago- schima zurückgebliebene Beamte sei; die ganze Stadt sei in Asche und Rauch gehüllt. DaS Erdbeben wiederholte sich alle drei bis fünf Mi- nuten. Ein Flüchtling, der nach Nagasaki kam, erzählte, daß er in Kagoschima über 200 Erschütterungen gezählt habe. Bei Beginn deS Ausbruchs stiegen Rauch- und Flammensäule» aus verschiedenen Teilen des Berges auf. Vierzig Minuten später begann die Eruption vom Bergwipkel. Die ostwärts liegenden Häuser wurden zuerst vom Feuer ergriffen, das sich schnell ans- breitete. Die Schrecken des VnlkanauSbruchcS auf Sakuraschima wurden noch vermehrt durch eine hereinbrechende Flutwelle. Wie aus Tokio berichtet wird, sollen durch die Flutwelle hunderte von Häusern auf Sakuraschima zerstört worden sein. Viele Einwohner, die dem vulkanischen Ausbruch entgingen. fielen den Wasserfluten zum Opfer. Tokio, 14. Januar. Der Vulkan Sakuraschima ist teilweise in sich zusammengestürzt. Die Ausbrüche deS Vulkan? beginnen nachzulassen. lichen Maßnahmen. Jetzt ist man wieder einer Mädchenhi-'w/lee« bände, die über ganz Polen verbreitet ist, in Sosnovic auf die Spur gekommen. Die Gesellschaft unterhielt in allen Teilen Russisch-Polens Agenturen. Es gelang, sechs Mitglieder der Bande zu verhaften, von denen vier bereus wegen Mädchenhandels vorbestraft sind. Die Polizei chofft, binnen kurzem noch weitere Mitglieder der Bande verhaften zu können._ Russisches. Eine Delegation des Peiersburger Bezirksgerichts verhandelte vor kurzem in Peterhos den Prozeß einer augeblichen Räuber- bände. Es stellte sich heraus, daß alle Angeklagten völlig unschuldig waren. Bald nach ihrer Verhaftung hatten sie trotz- dem ein Geständnis abgelegt, weil sie vom Polizisten S h i w n o durch Folterungen dazu gezwungen worden waren. Durch Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß Shiwno die Angeklagten einzeln ins Arrestlokal geschleppt hatte, wo er sie entkleidete und dann mit einem Strick, an dessen Ende ein Stück Eisen befestigt war— verhörte... Unter unmenschlichen Martern hatten die Angeklagten seinerzeit alles, was Shiwno ver- langte, eingestanden und unterschrieben. Die An- geklagten wurden freigesprochen. In diesen Tagen hatte sich auch der zarcntreue Shiwno vor dem Petersburger Appellhof zu verantworten. Der Appellhof verurteilte ihn zu einem Monat Arrest... Natürlich bleibt er weiter auf seinem Posten! Meine Notizen. Eine schwere Bluttat ist in der Nähe von Prenzlau entdeckt worden. In dem Dorfe B a n d e l o w fand man die Frau des Bäckermeisters R ü h l i n g erschlagen auf. Unter dem Verdacht der Täterschaft ist ein Schmiedegeselle namens P r ö st verhaftet worden. Opfer der Arbeit. Aus der Phönix-Grube in Königshütte sind am Mittwoch ein Schlosser und ein Häuer durch herab» stürzende Kohlen massen verschüttet worden. Beide sind tot. In der Nacht zum Mittwoch wurde ein Häuer durch Herabfallen eines Hammers erschlagen. Durch Explosion getötet. Auf dein Maaskai in Rotterdam explodierten am Mittwoch vormittag einige Flaschen mit Kohlen- säure. Eine Person wurde getötet und acht verletzt, darunter zwei schwer. Auch wurde erheblicher Sachschaden an» gerichtet. Unter Lawinen begrabe«. Wie die„Neue Freie Presse" aus Innsbruck meldet, ist bei der Abräumung der großen Lawine auf der Mittenwaldbahn eine neue Schneelawine nieder» gegangen. Mehrere Arbeiter wurden verschüttet, einer getötet, ein zweiter verletzt. Ans der Arlbergbahn ereigneten sich bei Räumungsarbeiten auf dem Bahngleise zwei tödliche Unfälle. Aus vielen Orten kommen Nachrichten über Lawinenstürze, welche beträchtlichen Schaden verursachten. Brandunglück. In Montreal brach Dienstag nachmittag eingrotzesSchadenfeuer aus, das die katholische Kathedrale von Notre Dame und den Stadtteil zwischen der Kathedrale und dem Wasser bedrohte. Viele Feuerwehrleute sind v ew- letzt worden. Es herrscht sehr heftige Kälte. Zrauen-Leseabenüe. Mariendorf. Freitag, den 16. Januar, abends 8 Uhr, bei Benscheck. Chausseeslr. 27: Vortrag der Genosfin Rosa Luxemburg. Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaff e. Montag, den 19. Januar, abends fl,g Uhr, in Kellers„Neuer Philharmonie". Kövcnicker Str. 96/97. Vortrag: Jltorperkllltttr und Kleid erresorm' mit Vorjührung der verbesserten Ober- und Unterkleidunz". Jugendveranftalmnge«. Britz. Heute abend im Heim: Erster Vortrag deS Zhklus t.Unsere großen Dichter in ihren Hauptwerken". Referent: Herr Davidsohn Briefkasten öer Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres abends vo« 7— v Uhr statt. —(?. S. 2135. Die Zenlrallonunission der Krankenkassen Berlin, Aleranderstr. 39/40, kann Ihnen den besten Rat erteilen.—-Sparer. 1. Wir kennen die Kasse nicht. Bei Privaltassen ist jedoch Vorficht immer geboten. 2. Bei der Konjumgenossenschast Berlin-Lichtenberg, Rittergntstratze. — K. 29. Das wird an den Berliner Anschlagsäulen bekanntgegeben. Auch bei jedem Polizeireo er finden Sie eine diesbezügliche Bekanntmachung angeschlagen.— F. B. 77. Berlin, Blücher ftr. 61.— TO. 35. Die gewünschte Adresse können wir nicht mitteilen.— O. F. 16798. I. Im Berliner Adreßbuch ist ein Vereüi wie angefragt nicht ausgeführt. 2. Warum nicht. mein beruht die Annahme aber aus übertriebenem Mißtrauen.— C. I. Ja. — A.». 17. Die genaue Adresse ist unS nicht bekannt. Es würde aber genügen, die Adresse so zu schreibe», wie sie in Jtper Anfrage niedergeschrieben ist.— I. A. H. 18. Eckertstr. 16. Sprechsi.: Dienstag und Frettag 3—6. VMttcrungSüberiichl vom 14. Januar 19X4. Swinemde. Hamburg Berlin Franki. a.M München Wien 77310910 772 AQ 772(0 766 RO 7640 768, DSD 1{Heitel: Swolkenl 10 —7 owener i— ij -.bedeckt 1—7 4 Schnee—11 Ijwoliig 1—9 Hat>aralida,7K8N0 PetersburgftsÄNW Scilly 772 ONO Abcrdeen �7SWN« Paris(765N91O 2{wölken! 2(bedeckt 4{bedeckt shcdcckt 4 wolkig -st -7 1 1 -4 Wetterprognose kür Donnerstag, den 15. Januar 1914, Zunächst vorwiegend heiter bei strengem Frost und ziemlich schgrfen östlichen Winden, nachher zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbu r e a u. WafferftandS-Rawrichtcn der LandeSanstali lür Gewästeriunde. mugeteüt vom Berliner Wetterburean Verhaftung einer Madcheuhandlerbande. Einer der schlimmsten Auswüchse der kapitalistischen Kultur, der Handel mit Menfchenfleisch, gedeiht trotz aller getroffenen behörd-„,________ Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:VorwSrt»Buchdruckerci u. BerlagSanstalt Paul Singer Sc Co, Berlin SW. Wasserstand M e m e t, Tilsit P r e g e l, Jntterburg Weichiel. Thorn Oder. Ratibor , Krosieu Frankluri Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe. Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 13. 1. cm 462°) 27t4) 260°) 138°) 253") 256°) löS°) Ä{ -1264)' -1-i')( 202') 1 — Ji Unterpegel,—') Eitstand.— ») Eintreiben aus=/, Strombreitc.— ')-4- bedeMet Wuchs.— Fall. 4) Oberhalb der Stadt Eisstaud.— 4j Treibeis.— 7) Grundeistreiben. Die N o g a t ist am Pegel Maricnburg von gestern bis heute um 41 gefallen S.U 3u.h.m, 3. Seilllge des Jorniärto* Kerlllltt WlkslllM. Die Etatöebatte im Landtag. Mgeorönetenhaus. 8. Sitzung. Mittwoch, 14. Januar, vormittags 10 Uhr. Am Miuistertisch: Lcntze, v. Schorlcmc r, v. Dallwitz. 83 e f c l c r. v. Trott. Erste Lesung ües Etats. (2. Tag.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.): Die R c i ch S v e r m ö g c n S st e u e r ist ein Eingriff in die Selbständigkeil der Bundesstaaten, an dem besonders die Sozial- d e m o t r a t i e interessiert ist, die nur direkte Steuern will, damit das Proletariat steuerfrei wird und mit genießen kann, was die «»deren erworben und erspart haben.(Beifall recht». Heiterkeit links.) Das ist ei» Anfang zur Expropriation. Der Staatssekretär des Innern hat nicht prinzipiell und scharf genug die schädliche und verwerfliche Arbeitslosenver- f i ch e r u n g abgelehnt. Nur Reform der Arbeitsnachweise und bessere Verteilung der Arbeitskräfte zwischen Stadt und Land kann helfen. Der überhaupt sehr treffenden Rede des Abg. Röchling (Hört! hört! links) stimme ich auch darin bei, daß ein besserer «chutz der Arbeitswilligen im Interesse des schwer be- dränglen Mittelstandes unentbehrlich ist. Durch Polizeiversügungen müssen Straßen und Plätze freigehalten und die Gewerk- fchaften müssen zivilrechtlich haftbar gemacht lverden. Vir hoffen, für diese Bestrebungen in diesem Hause eine starke Resonnanz zu finden.(Zurufe der Soz.: Das glauben wir!) Die Dienstbotenversicherung ist eine weitere Belastung des Mittelstandes. Jetzt ist k e i n Z e i t p u n k t für eine n e u e W a h l r e f o r m. Es herrscht auch in der Bevölkerung gar kein dringendes Berlangen nach einer Wahlreform Hals über Äopf(Widerspruch bei den Sozial- demokraien), und die demokratische Presse ist ganz still geworden davon. Die Berstärlung der Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen wird wettgemacht durch die erfreuliche Stärkung der Nationaliberale n.(Hört I hört! bei der Bolkspartei und den Sozialdemokraten.) Die Ansichten der Parteien in der Wahl- rechtsfrage stehen sich noch so scharf gegenüber wie früher: ehe keine Einigung erfolgt, kann von einer Befreiung des Dreiklassenwahl- rechts von feinen Mängeln keine Rede fein. Von einem uneingelösten Königswort kann mit Bezug auf jenen inerkwürdigen Passus der Thronrede von 1S08 gar nicht gesprochen werden. Tie Arbeiterklasse hat mit dem Reichtagswahlrecht schon weit mehr Recht, als ihr gebührt. (Stürmischer Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen kNasjenherrschast, die der Tod aller Freiheit ist, wir aber Freiheit und Recht.(Langanhaltendes Gelächter links.) Im Interesse der ReichSpolilik muß Preußen in seiner Eigenart als fest- gefügte Monarchie erhalten werden, zur preußischen Eigen- ort gehört aber auch sein Wahlrecht.(Bravo! rechts.) Im Reich gibls Sturm, wir stehen vor schweren Kämpfen. In der IZaberner Aktion hat die Sozialdemokratie die Leitung gehabt und die bürgerlichen Parteien haben sich verleiten lassen mitzu- tun(Stürmisches Oho! links und im Zentrum) bei einer Aktion, die das Ziel verfolgte, die kaiserliche Kommandogewalt im Heer durch die des Reichstags zu ersetzen, denn die Sozialdemokratie weiß, daß sie nickt zum Ziel gelangt, solange das Heer fest bleibt. Auf diesem Gebiet werden wir im ReickStag noch manches erleben. Die Straßburger Urteile und die allerhöchste KabinettSorder vom 17. Oktober 1820 werden der Sozialdemo- lratie neue Gelegenheit zu Vorstößen geben, wobei die bürgerlichen Parteien mittun sollen. Diese Kabinettsorder ist gesetzgeberischer Natur, obste noch gilt, muß untersucht werden. Für Preuße» eilt das ja nicht sehr, denn 61 Jahre lang brauchte von ihr nie- mals Gebrauch gemacht zu werden, denn die preußischen Zivil- deHörden laimien ihre Pflicht, die Autorität aufrechtzu- erhalten.(Stürmisches Bravo! rechts.) Wenn man im Elsaß die Order anwenden mußte, so ist das ein Beweis, daß dort die Zivil- Verwaltung nicht auf der Höhe der preußischen stand(StürinischeS Bravo! rechts) und daß sie an Haupt und Gliedern re- formiert werden muß. Früher war sie preußisch, da toar eS besser!— Der Reichskanzler scheint durch die Mißbilligungsvotcn nicht gebeugt zu sein, so frisch und kräftig wie gestern habe ich ihn noch nie gesehen.(Bravo! rechts— Heiterkeit links.) Bismarck sagte. daß solche Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Reichstag nur auf dein Wege des poliiischen Machtkampfes ausgetragen werde». Man will jede Einwirkung von Berlin auf Elsaß- Lothringen und seine Bundesvertretung beseitigen, man hat das Pluralwahlrecht für den elsässischen Landtag fallen lassen, alles Schritte zur Minderung des Einflusses Preußens im Reiche. Der Linke» ist der Kamm geschwollen, sie sagt der Regierung den Machtkampf an. Wir fordern, daß unsere Regierung allen Ilebergriffen des Reichstags den stärksten Widersland entgegensetzt, im Interesse Preußens und des Reiches.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Finanzmini ster Dr. Lentze erkärt, die Frist zur Einbringung der Vermögenserklärung für den Wehrbeilrag bis zum 31. Januar zu verlängern. Der Minister polemisiert eingehend gegen etatsrechlliche Betrachtungen der Vorredner. Handelsminister Dr.«hdow teilt mit, daß der Bergfiskus, der wegen der Preiserhöhung des Kohle nsyndikats anS diesem ausschied, in neue Ver- Handlungen mit dem Syndikat eingetreten ist, hierbei einen größeren Einfluß des Staates auf die Preisbestimmung, nnbeschräiikle Bekohlung der Staatsbetriebe durch die>staatszechen, Ausrecklerhaltung der Verkaufsorganisation und Ausdehnung der Versländiguiig auch auf das Saarrevier verlangt. Die Verhandlungen sind im Zuge. Abg. Dr. Wiemer(Vp.); Weshalb soll denn die W a h l r e f o r m jetzt nickt eingebracht werden? Soll dadurch etwa der Friede in diesem Hause gefährdet werden i Ich glaube, die Rechte hat das Kriegsbeil ausgegraben und will den Skalp des Mmistcrpröfidente». (Heiterkeit.) Die geringe Wahlbeteiligung bei den letzten Landtags- Wahlen war nicht eine Billigung, sondern eine Verurteilung dieses Wahlrechts. Das Wahlrcchlsversprechen der Krone ist noch immer nicht eingelöst worden. Wir verlangen wenigstens die geheime und direkte Wahl, für die eine Mehrheit vorhanden ist. Wenn die Erklärung zum Wehrbeitrag hinausgeschoben wird, so «uß mit ihr auch gleichzeitig die zur E i n l o m in e n st e u e r hinausgeschoben werden.(Der Finanzminister nickt zustimmend.) Mit der Vermögenszuwachssteuer darf die direkte Besteuerung i« Reiche nicht beendigt fein. Das Lorgehen des Polizei- Präsidenten v. I a g o w gegen die Bereinigung der Schutz- l o u t c in Berlin ist uns unverständlich. Jetzt hat er sogar den Vorsitzenden des Vereins nach Z a b r z e versetzt. Der bestehende Schutz der Arbeitswilligen reicht aus. Die Arbeitslosenversicherung darf nicht von vornherein abgelehnt, sondern muß gründlich geprüft werden. Wenn das Kartell der schaffenden Arbeit die Verteuerungszölle noch erhöhen will, so wirkt es gegen die schaffende Arbeit. Zu einer planmäßigen inneren Kolonisation ist die Beseitigung der Privilegien des Großgrundbesitzes in den Kreisen und Provinzen Vor- bedingung.— Der Redner bespricht dann den Jagow-Brief an die„Kreuz-Zeitung". der in ein schwebende» Gerichtsverfahren und in die Politik des Reichskanzlers eingegriffen habe. DaS Ober- verwalmngsgericht hat seinerzeit geurteilt, daß auch das außer- dt e n st l i ch e Verhalten des Beamten dem Disziplinarrecht unter- stehe. Was damals für einen Bürgermeister galt, der gegen die Reaktion geichrieben hatte, muß nun auch für den Polizeipräsidenten gelten, der für die Reaktion geschrieben hat!— Die Straßburger Prozesse sind ein neuer Beweis für die Rcsormbcdürftigleit der Militärgerichtsbarkeit. Wir wollen ein starkes Heer, kein Parlamentshecr, und weisen den Vorwurf der Militärfeindlichkeit zurück. Ebenso aber tadeln wir die ungerechten Angriffe Röchlings auf die eliässische Zivilverwaltung, die sich hier nicht verteidigen kann. Herr Röchling wollte aus diesem Grunde den Polizeipräsidenten v. Jagoio nicht angreifen, für die elsässische Zivilverwaltung hat er das nicht gelten lassen! Gewiß ist das preußische Beamtentum tüchtig, aber man darf deshalb nicht in Selb st lob und pharisäerhafte ll e b e r f ch ä tz n n g verfallen. Die Rechte arbeitet auf einen Konflikt hin. Wir warnen davor! Wer das tut, begeht ein Verbreche tt am Vatcrlandc!(Lebhafter Beifall bei der (Bolkspartei.) Minister deZ Innern v. Dallwitz: Für die Opfer der Sturmschäden an der Ostseelüste habe ich sogleich 20 000 M. angewiesen. Der Kaiser hat die Bereit- stellung weiterer Mittel befohlen. Die Berichte der Behörden werden beschleunigt, die Regierung wird dem Hause dann Aufschluß geben. Der Minislervräsident Hai gestern betont, daß der Landtag nicht zu« ständig ist, über die elsässischen Zivilbehörden zu urteilen. Ich muß das gleiche hinsichllich der Angriffe auf die Militärverwal- t u ir g erklären und die Kritik verurteilen.(Bravo! rechts. Unruhe links.) Die vom Abg. v.Zedlitz gewünschten Weisungen an die Polizeibehörden, bei S t r e i k u n r u h e n nicht nur für den Sckutz des öffentlichen Verkehrs aus der Straße, sondern auch für den Schutz der Ordnung im allgemeinen zu sorgen, sind bereits ergangen.(HörtI hört!) Das Reichsgericht hat Polizeiverordnungen nack dieser Richtung für r e ch t s b e st ä n d i g erklärt, so daß ich dem Oberpräsidenlcn entsprechende Weisungen zum Erlaß solcher Verordnungen gegeben habe. Ich glaube, daß in dieser Weise Ausschreitungen besser verhindert werden als bisher. (Beifall rechts— Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Die Vorwürfe Dr. W i e m e r S wegen der Wahlreform sind durch die Erklärung des Ministerpräsidenten erledigt.(Oho! links.) Es sollen viele Wähler nicht gewählt haben, weil sie das System nicht billigen. Wenn jemand das Wahlrecht ändern will, dann gibt ihm doch das Wahlrecht ein Mittel dazu. Gerade der sortschritt- Ii che Antrag auf Einführung des ReichstagSwahlrechts hat die Wahlreform verhindert. Wenn die Wahlreform den Beifall dieses Hauses nickt gehabt hat, so ist das nicht die Schuld der Staats- regierung, die in vollkommen loyaler Weise der An- kündigung in der Thronrede gerecht wurde. Den Standpunkt des Herrn v. I a g o w hinsichtlich der Bercinigung der Schutzleute halte ich für gerechtfertigt. Es ist»»möglich, eine all- gemeine Vereinigung von Schutzleuten in einer militärisch organi- sierten Truppe zu dulden. Zu dem Zeitungsartikel des Polizeipräsidenten V. I a g o w im Fall Forstner wurde behauptet, daß damit eine unzulässige Beeinflussung eines schwebenden Ver- sahrens stattgefunden habe. Eine solche Beeinflussung könnte doch nur von einer übergeordneten Behörde ausgehen, nicht aber von einem an der Sache nnbeteiligten Beamten.(Lachen links. Beifall rechts.) Wenn Dr. Wiemer denselben Oberbürgermeister meint. wie ich, so erwidere ich, daß er wegen Angriffe aus seine vor- gesetzte Behörde diszipliniert worden ist. Bei aller Anerkennung des RechlS der freien Meinungsäußerung der Beamten muß ich doch Zurückhaltung gegenüber gerichtlichen Verfahren fordern. Ich lehne es ab, mitzuteilen, ob ich dem Polizeipräsidenten Vor- Haltungen gemacht habe und welche, das ist lediglich Sache des R e s s o r t ch e s s.(Beifall rechts. Unruhe links.) Präsident Graf v. Schweriu-Löwitz dankt dem Minister namens des Hauses für die Mitteilungen über die Katastrophe an der Ostsee. Er erklärt nach einer kurzen Ge- schäslsordnungsdebaltc, daß die Notstandsanträge nach Eingang des Regierungsmaterials auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden sollen. Abg. Korfanttj(Pole) fordert ein Einschreiten auf Grund der bestehenden Gesetze gegen den TerroriSmuS der Arbeitgeber und beklagt sich über die Verfolgung der Polen. Aus Grund des Ansiedelungsgesetzes verbietet man kinderreichen Polen, neue Wohnungen zu bauen, und gleichzeitig bringt man ein Wohnungsgesetz zur Linderung der Wohnungsnot ein! Jede unserer Versammlungen, loa nicht deutsch gesprochen wird, löst die Polizei auf. Ein Beamter, der einen Polen wählt, fliegt. Viele Leute müssen, um keinen Schaden zu erleiden, ihre ärgsten Feinde >v ä h l e n. Der ganze KultuSetat. die Volksschule werden zu anlipolnischcn Zwecken mißbraucht. AlleS boykottiert uns! Nach Herrn Röchling hat ja ein preußischer Richter Recht zu finden, das preußischen Interessen ent- ipricht. Ein hakalistischer Richter kann ja gar nicht objektiv sein. Man verbietet sogar polnische Grabinschriften. Der Ost- markenverein und die Regierung lassen sich von den Rnthenen über die galiziscken Polen.informieren'. Diese Ruly'enen gehen mit verbrecherischen Mitteln gegen die Polen j)or— und das sind die Bundesgenossen der Regierung, Ihres OstmarkenvereinS und der Hakatisleu. Welcher Maechiapellismus. welche Unmoral! Und für diese Polenpolink hat man bisher l3/.i Milliarden ausgegeben. Abg. Hirsch(Soz.): Der Minister des Innern hat die späte Einberufung des Land- tage» damit gerechtfertigt, daß der Etat nicht vor Weihnochten fertig gestellt werden konnte und daß die Regierung den Wünschen einzelner Personen nach späterer Emberufung des Landtages Rechnung getragen habe. Das zeigt, welcher geringen Wertschätzung sich diese» hohe Haus bei der Regierung erfreut. Wenn sich das Hau» eine so verächtliche Behandlung seine» wiederholten einstimmigen Beschlusses gefallen läßt— nun: jedes Parlament hat die Behandlung, die es verdient! Wenn auch der Etat nicht fertig war, so hätten wir doch zahlreiche andere Vorlagen, ins- besondere das Wohnungsgesetz vor Weihnachten beraten können. (Zustimmung links.) Der Kmänzminister hat die Finanzlage als geradezu ausgezeichnet geschildert. Auch die schlechte KonjunLnr hat die Staatsfinanzen nicht wesentlich beeinflußt. 79 Millionen werden wieder in den Ausgleichsfonds gegeben. Die unausgesetzt steigenden Eisenbahnüberschüsse erreichen 448 Millionen, die Ein- nahmen ans den Steuern, hauptsächlich direkten, 522 Millionen. Von den Einnahmen des Staates stammen nur etwa 53,8 Proz. aus Steuern. 46,2 Proz. aber aus den Eisenbahnüberschllssen und Berg- werksgewinnen usw. Es ist also ein ganz falsches Bild, wenn immer gesagt wird, daß die Steuerkraft der Besitzenden Preußen erhalte und wenn dies als Argument gegen die Wahl- reiorm benutzt wird. Auch die d i r e k l e n S t c n e r n fließen zu einem großen Teil aus den Taschen der Minder- bemittelten, denen Sie das Wahlrecht vorenthalten. Der Mehrertrag der direkten Steuern wird auf 27,6 Millionen geschätzt, dürfte aber infolge des GeneralpardonS viel höher werden. Die Regierung will nun die Steuerzuschläge nicht beseitigen, weil sie 72'Millionen einbringen. Sie könnte aber mehr auf die Eisenbahn- Überschüsse zurückgreifen und auch die Ergänzungssteucr erhöhen. Der Ausgleichsfonds wird ohnehin Ende 1914 schon 500 Millionen Mark erreichen. Im Gegensatz zur bürgerlichen Linken verlangen wir nicht die einfache Bcseitiguilg der Steuerzuschläge, sondern die von uns bereit» bei der bedauerlicherweise nicht verabschiedeten Steuerreform dar- gelegte organische Regelung des Steuersystems, vor allem die H e r a u f s c tz u u g der E i n l o m m e n st c u e r- grenze, die heute bei 900 Mark Einkommen liegt. Schon 1882 wollte die Regierung diese Grenze bei 1200 Mark ziehen und wenn sie konsequent wäre, müßte sie in Anbetracht der Teuerung und der Verschiebung dcS Geldwertes die Grenze heute auf 2090 Mark legen. Daran denkt sie aber nichl. DaS Kinderprivileg ist keineswegs ein Ausgleich für die Erhöhung de» Existenzminimums. Schon 1903 hat ein Senatspräsident de» OberverwaltungsgerichteS die Erhöhung des Existenzminimums mit der großen Arbeit der vielen Ver- anlagmigen und den geringen Erträgnissen der untersten Stufen steuerpolttisch begründet. Adolf Wagner, dessen Autorität vielleicht auch die LandtagSmehrheit onerkennt, stellt ausdrücklich die gewaltige Belastung der untersten Stufen durch Teuerung mid indirekte Steuern fest. Am empfehlenswertesten wäre die Einführung der Ouotisicrung, die sich in England und Italien durchaus bewährt hat. Der Minister sagt, daß dieses System der Sparsamkeit entgegenwirke. Nun, die Ausgaben steigen deshalb, weil der Kreis der Aufgaben ein ganz anderer geworden ist, so z. B. in den Gemeinden, denen vom Staat immer neue Aufgaben überwiesen werden. Eine ganze Anzahl Kommunen entzieht sich allerdings au» übel angebrachter wpar-- samkeit notwendigen Ausgaben aus Furcht, die Steuerzuschläge er- höhen zu müssen und dadurch die reichen Einwohner zu verlieren. In diesem Etat sind eine ganze Reihe von Positionen nicht so bedacht, wie es notwendig wäre. Die Mehrausgaben für die Ge Werbeinspektion sind gleich Null, für das Medizinal wesen� gibt der Staat nur ein Achtel von dem aus, was er für da» Seelenheil seiner Bewohner aufwendet. Von der Atisgabenerböhung deS KultuSetat» von 6,1 Millionen entfallen allerding» 4,1 Millionen auf da» ElementalumerrichtSwcsen, aber darunter finden wir auch die Mehrforderung von einer Million zur Bekämpfung der proletarische» I u g e n d b e w e g u n g: der Kampf gegen diese Kulturerscheinung kann doch nicht zu den Kulturaufgaben gehören!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Uebrigens fühlt sich die proletarische Jugendbewegung bei diesem staatlichen Kampf gegen sie sehr wohl, genau so, wie all Ihre An- strengungeii zur Bekämpfung der Polen das Polentum nur zu» nehmen lassen. Die Regierung rühmt sich so oft der Aufwendungen für die Volksschule. Räch unserer Meinung geschieht da u o ch lange nicht genug. 180,8 Millionen sind im Etat für das Elementarunterrichtswesen bestimmt, 22,7 Millionen für die höheren Lehranstalten, 17 Millionen für die Universitäten. Die Zahl der E l e m e n t a r s ch ü l e r ist 20mal größer als die der höheren Schüler, die Leistung des Staates für die Elementarschulen ist aber nur das 8fache von der für die höheren Lehranstalten. Die Ausgaben für einen Volks- s ch ü l e r betragen 65 M., die für einen Studenten 712 At.— und die für einen Soldaten über 4000 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Schon 1908 erklärte der Kultusminister 327 neue hauptamtliche KreiSschulinspektorstellen für notwendig, seither sind aber erst 83 solche Stellen geschaffen worden und die gesamte Kreisschulinspektion kostet an Gehältern nur L'/e Millionen Marl. Wir fordern völlige Beseitigung der nebeitanttlicheir Kreisschul- inipektoren und Trennung der Kirche von der Schule und vom Stnatc. Diese Forderung wird von den iveitesten Volkskreisen unterstützt. Für Polizei geben wir 90 Mill. Mark aus, für Gefängnisse und Zuchthäuser 24 Millionen und für die Justiz 202 Mill. Die Bestrafung und Ueberwachung der Verbrecher kostet uns jährlich weit über 3 Millionen, dagegen fördert die Regierung die Fürsorge für entlassene Sträflinge nur mit ganzen 34 000 M. jährlich! Kamt man deutlicher die Sinnlosigkeit unseres ganzen Strafsystems illustrieren, jil» durch Gegenüberstellung dieser Zahlen?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir befinden un» in einer Zeit der Arbeitslosigkeit und der Teuerung. (Widerspruch rechts.) Die amtlichen Zahlen der Arbeitsnachweise beweisen den steigenden Ueberschuß der Stellengesuche über die Stellenangebote und die WochenaufwandSziffer für eine vier'öpfige Familie sind seil dein vorigen Jahre in Königsberg um 2 M., in' Berlin um 1 M., in Düsseldorf uin 1,50 M., in Kiel um über 2 M. gestiegen. Aus die Daner wird sich die ReichSregierung der Ein- führung der Arbeitslosenversicherung nicht wider- setzen können. Das Ausland ist uns voran. In Preußen hat man kein Geld dafür übrig. Die Gründe sind gestern hier dargelegt worden. Es ist vor allem die Befürchtung einer Stärkung der Ge- werkschaften. Bon der kommunalen Arbeitslosenversicherung be- hauptet Frhr. v. Zedlitz, daß sie die Gewerkschaften monopolisiere. Sie erhalten höchsten» endlich einen Teil von dem zurück, was sie über ihre Pflicht hinaus für Staat und Gemeinde getan haben. Arbeitszwang und Aufhebung der Freizügigkeit bezeichnet der Abg. Röchling als die Lösung der Arbeitsloicnfrage. Wenn wir die Arbeitslosenversicherung mit einer Einschränkung der Freizügigkeit erkaufen sollen, wollen wir sie lieber nicht haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Freiherr v. Zedlitz hat zwei Fälle von Totschlag als Notwehr hingestellt, um verstärkten Arbeitswilligen schütz zu forder». Das ist eine Perdrehung des Tatbestandes. E» handelt sich um den Stettiner Fall und um einen anderen Fall im Schuhmacherstreik. Angesickts der feststehenden Tatbestände ist e» unbegreiflich, wie man zu der Forderung von neuen gesetzlichen Maßnahmen kommen kaim. Die Beleidigung von Streikbrechern wird auf dos schwerste geahndet. Das genügt den Scharfmachern aber noch nicht. Da» Gerede von dem mangelhaflen Arbeitswilligen schütz in Preußen ist Heuchelei. Viel notwendiger wäre es, de» Streikende» genügenden Schutz angcdeihen zu lasse». (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß wir keine neuen Gesetze zum Schutze der Arbeits willig» brauchen, Kaken die heutigen Ausführungen des Herrn Ministers des Innern gelehrt, der erklärt hat, daß die Polizeiverwaltung bereits Anweisungen bekommen habe, ähnlich- P v l i z e i v e r o r d n u n g e n zu erlassen, wie sie bereits im Rheinland bestehen. Behörden und Scharfmacher sind ein Herg und eine Seele, um in Zukunft das Streiken zu erschweren. Man spricht immer Pom Terrorismus der streikenden. Man schaffe endlich doch einmal den Terrorismus bei den Wahlen ab, das wäre gescheiter.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die letzten Landtags wählen haben keine wesentlichen Verschiebungen gebracht. Der kleine Verlust der Stonserbativeii wird weit gemacht durch die Stärkung des rechten ZlügelZ der Nationalliberalen, wieFrhr. V.Zedlitz bereits ausgeführt hat. Reaktionärer über die W a h l r e f o r»r als der Abg. Röch- I i n g, der Etatredncr der Nationalliberalen, konnte niemand von der äußersten Rechten reden. Das Dreiklassenwahlrecht bedeutet ja direkt eine Fälschung des Volksniillens. Bei den lkrwahlen haben wir mit den FonschnUlem gekämpft, aber wir freuen uns auch, daß die Fortschriüler gegen die D r e i k l a s s e N- schmach angehen. Der Umstand, daß die Sozialdemokratie nur sieben Mandate erobern konnte, ist die schärfste Verurteilung des Drciklassenwahlstistems. Ob der König oder die Regierung hinter der Thronrede sieht, ist ein Spiel mit Worten.'Jeden- falls ist das Versprechen vom Jahre 1903 noch nicht eingelöst. sSehr richtig I bd den Sozialdemokraten.) An dem Scheitern der Vorlage ist die Regierung mit Schuld, weil sie bis zum letzten Augenblich nicht wußte, was sie wollte. Es ist nicht zu verwundern, daß sie sich nicht die nötige Autorität verschaffen konnte. Die Regierung sollte das tun, was man 1860 getan hat, einmal an das Volk appellieren unter der Parole: Allgemeines, gleiches Wahlrecht! Dann würde das Preußische Abgeordnetenhaus wesentlich anders ausfallen. Den Kampf für die U e b o r t r a g u n g deS R e i ch s t a g s lv a h l r e ch t s auf Preußen, die ich für eine dringende Aufgabe halte, werden wir weiter forlführen, wobei wir uns über die Formen dieses Kampfes von niemand Bor- schriften machen lassen. Durch eine Initiative der Regierung wäre vielleicht die Einführung des direkten und geheimen Wahl- rechts zu erreichen. Dafür würden auch die Nalionalliberalen zu haben sein. Dennoch muß man zweifeln, daß auch nur dieses bescheidene Ziel erreicht wird.(Sehr richtig! bei den Sozial- demvkratcn.) Zunächst traue ich den Herren vom Zentrum nicht, denen ich ihre Abkommandierung am 2V. Mai 1912 von S3 Mitgliedern, also ungefähr der Hälfte der Fraktion, ebensowenig vergessen habe, ivie ihr Verhalten bei der Wahlreform 1910. Ganz ähnlich verhält es sich ja bei den Nalionalliberalen. Obwohl der Abg. Röchling gestern erklärt hat, daß die Nationalliberalen für direktes und geheimes Wahlrecht sind, haben nicht weniger als 13 nalionalliberale Abgeordnete bei der Abstimmung über den fort- schrittlichen Eventualantrag, der dieselben Forderungen enthielt, die Abstimmung— nicht mitgemacht.(Zuruf des Abg. H o f f m a n u sSoz.j: Die sind hinausgegangen.) Die Aussichten, daß wir hier zu einer einigermaßen a n n e h m b a r o n R e f o r m des Drei- llassenwahlrechts kommen werden, sind ä n ß e r st g e r in g. Schließlich muß doch vielleicht die RcichSregiming eingreifen, denn eS können doch nicht auf die Dauer zwei derart grund- verschiedene Wahlsystems iir Preußen und im Reich zusammen be- stehen. Dennoch ist es Pflicht der Regierung, viue neue Wahlrcform einzubringen, weil in der Tat die Worte der Thronrede vom 20. Oktober 1903 noch immer nicht erfüllt sind, wonach in der Reform deS DreikloffsnwahlrecktS eins der wichtigsten Aufgaben be- steht. Eine Verschiebung der Reform, bis alle Parteien über ihre Grundzüge einig sind, ivie der Minister des Innern erklärte, würde eine Vertagung ad calendas graeoaa bedeuteiu(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ter Mimsterpräsident hat im H e r r e n h a u s c kürzlich seiner Freude über eine Reihe von Zustimmungskundgebungen zu seiner Haltung in der Zaber ner Affäre Ausdruck gegeben. Hier nimmt er plötzlich Rücksicht auf einen Teil der Bevölkerung— warum mißt er dem deutlich ausgesprochenen Willen Millionen preußischer Wähler, die die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen fordern, keine Bedeutung bei!(Sehr wahr! links.) Die Regierung hat die heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß endlich auch der preußische Staat eine Volksvertretung erhalte! Der Mittelstand ist unter dem Dreiklaffensystem genau so cid- rechtet wie der Arbeiter. Durch das unbedachtsame Wort, daß die Arbeiter im Reichstag schon mehr Recht hätten, als ihnen zu- komme, hat Herr v. Zedlitz beiviesen, was wir immer gesagt haben, daß er das Reichstagswahlrecht am liebsten beseitigen möchre. («ehr wahr! links.) Der Minister bemerkte, die Masten wollten gar keine Aende- rung des Wahlrechts, sonst würden sie sich doch mehr an den Drei- Ilassenwahlen beteiligen. Wollte der Minister einen Witz m ach-n oder das Volk verhöhnen?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er weiß doch ganz genau, daß ein großer Teil der Wähler überhaupt nicht tvagen darf, bei den Landtagswahlen seine Stimme abzugeben, aus Furcht» um nächsten Tage brotlos zu werden.(Sehr wahr! bei den«ozialdemo traten.! Daß die Forderungen der Fortschrittler daran schuld seien, daß Preußen kein anderes Wahlrecht erhält, ist ein ganz neuer Grund. Früher sollten die Demonstrationen der Sozialdemokraten daran schuld sein. Aber, wenn hier keine Antrüge auf Einführung des ReichstagstvahlrechtS gestellt würden, dann würde der Minister sagen:„Ja, was wollen denn die Herren, sie halten es ja nicht einmal für nötig, Wahlrcchtsanträge zu stellen!"(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Um Ausreden ist die Regierung niemats verlegen! Wir sehen jetzt den Polizeikampf gegen die Gewerkschaften. Man sammelt Material, um zunächst die freien Gewerkschaften, dann aber auch die Hirsch-Dunckerschen und Christlichen für politisch zu erklären und in ihrer Tätigkeit zu hemmen. Besonders eifrig ist natürlich die Berliner Polizei, die zu allem Zeit hat. nur nicht dazu, ihre Pflicht zu erfüllen.(Oho! rechts.) Würde sie das tun, dann hätte sie den Mörder des Ar- beiters Herrmann feststellen muffen!(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Gegen den klaren Wortlaut des Reichsvereins- gesetzes will man die Gewerkschaften unter dieses Gesetz stellen. Daß die freien Gewerkschaften politisch tätig seien, kann nur lln- k e n n t n i S oder Verleumdung behaupten. Die Gewerkschaften wollen natürlich möglichst alle Angehörigen ihres Berufes ohne Unterschied der politischen Ueberzeugung und der Konfession zu- sammenfassen, andererseits aber ist es auch notwendig, daß jeder Gewerkschaftler sich am politischen Leben beteiligt, in welcher Partei — das schreiben ihm die Gewerkschaften nicht vor.— lieber den Polizeikamps gegen die Arbeitersport ve reine haben wir schon wiederholt gesprochen. Die Regierung bleibt aber nicht bei den Arbeiterturnvereinen, auch die Arbeiterradfahrer- Gesang- und sogar Abstinenten vereine will man politisch erklären.(Abg. Adolf Hoffman«: Zur Entschädigung der Schnapsbrenncr!) Auch dem Arbe i t e r- S ama r i t e r b u n d will man an den Kragen gehen. Die katholischen und evangelischen Abstinenzvereine aber sind natürlich nicht politisch!— Wir haben wieder eine Anzahl von Ausweisungen zu verzeichnen, die den Spott des ganzen Auslandes erwecken. Ich erinnere an die Fälle S t a u n i n g in Flensburg, van der D m i s s e n und H u y s- in a n s in Berlin. Das Verbot an den weltberühmten Erforscher des Südpols, A m u n d s c n, in Flensburg einen Vortrag in nor- wegischer Sprache zu halsen, ist zwar vom Minister zurückgenom- men, aber offiziös als durchaus dem§ 12 des Reichsvercinsgesetzes entsprechend entschuldigt worden!— Der Abg. v. Zedlitz sprach von einem A n st u r m der Demokratie. Weit mehr als dieser aber ist der Ansturm der Reaktion in Preußen zu fürchten. Die Reaktion erhebt heute stärker als je ihr Haupt. Nicht in den unteren Volksschichten, sondern in höheren Kreisen ist die Achtung vor dem Gesetz im Schwinden be- griffen; gewisse Schichten glauben, sich lächelnd über das Gesetz hinwegsetzen zu dürfen. Wir leben in der Zeit, wo man die Diktatur des Säbels proklamiert und die Parole ausgibt, daß Preußen kein Rechts- st a a t ist. Dieser echt preußische Geist, der nicht nur hier, sondern auch im Herrenhaus zum Ausdruck gekommen ist, soll aus ganz Deutschland übertragen werden. Die Regierung ist nur ener- gisch gegen die breiten Voiksmassen, aber nicht gegen dieses Treiben. Dem Herrn v. Bei h m a n n haben fast alle bürgerlichen Parteien des Reichstags, ihm hat das Herrenhaus in versteckter Weise das Mißtrauen ausgesprochen, und die gestrigen Bemerkungen des Übg. Winckler über die Reichsvermögenssteucr war auch kein Vertrauensvotum. Herrn Röchling aber, den das Mitglieder- Verzeichnis als liberalen Mann anführt, ist der Reichskanzler nicht reaktionär genug! Herr Röchling hät es gebilligt, daß ein Oberst seine Gewalt derartig mißbraucht, er hat k e i n W o r t d e s Ta d c l s über die rechtswidrige Einsperrung und Anhaltung von Zivilpersonen gesprochen, er sieht nur die vermeintliche Beleidigung des Militärs durch Zivilpersonen, nicht aber die Beleidigung der ganzen Nation durch einen Gewaltakt. Mehr kann man von einem preußischen Nichter nicht verlangen und ich möchte nur wünschen, das! ich vor dem Geschick bewahrt bliebe, einmal in die Hände dieses Richters zu fallen!(Sehr wahr! links.) Tic„Kölnische Zeitung" und der„Hamburger Korrespondent", zioci Iiatioiialliberalc Blätter, haben die Kundgebung Jagows in der schärfsten Weise gebrand- markt. Herr Röchling hatte kein Wort der Mißbilligung dafür und auch Herr p. Dallwitz hat ja vorhin gezeigt, daß er im Grunde sciiics Herzens pollkommen mit Jagow übereinstimmt. Juristische Autorität ist ja der Dr. zur. v. Jagow nicht, erst vor kurzem hat ihm ein höchster Gerichtshof das Ungesetzliche seines Vorgehens gegen das Karfreitags konzert der„Freien Volksbühne" bestätigt. Der Minister proklamierte das Recht der freien Meinungsäußerung für die Beamten. Wir sind damit durch- aus einverstanden, wenn dieses Recht sich auf alle Beamten be- ziehen und wenn es jedem Beamten gestattet sein würde, auch gegen die. Regie rung seiner Meinung frei Ausdruck zu geben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber wenn der Polizeipräsident aus der Verfassung nachgewiesen hätte, daß jeder Beamte das Recht hat, frei zu wählen, ohne daß seine vorgesetzte Behörde ihn maßregeln darf, wenn er nachgewiesen hätte, daß jeder Staatsbürger im Stande der Nottuehr einen Polizisten, der ihn rechtswidrig angreift, niederschießen kann, nicht eine Minute länger hatte der Dr. v. Jagow im Amte bleiben können. Aber hier, wo seine Aeußerung den regierenden Kreisen nicht unan- genehm war, da hat er das Recht der freien Meinungsäußerung! Das ganze Auftreten des Berliner Polizeipräsidenten kennzeichnet das g e r i n g e Maß von Autorität, deren sich der Minister- Präsident heute bei den höchsten Beamten des Staates erfreut; ge- wisse Kreise betrachten Herrn v. B e t h m a n n lediglich als ihren Bedienten, dem man den Laufpaß gibt, wenn man mit seinen Leistungen unzufrieden ist. Die Tage Bethmanns scheinen gezählt, die junkerliche Fronde siegt. Gewiß ist Herr v. B e t h m a n n gestern energischer ausgetreten als früher— aber das tonnte auch der Mut der Verzweiflung sein!(Heiterkeit.) Das Herrenhaus bat sich, nicht zum ersten Mole, genau so wie dieses Haus in die Angelegenheiten des Reiches eingemiicht. Es bewachtet es als seine Aufgabe, nicht nur jeden Forlschrill in Preußen zu hindern, sondern ein Tribunal für die allgcmciue Reaktion in Deutschland zu bilden. Der Reichstag, namentlich in seiner jetzigen Zusammen- setzimg ist diesem„Parlamenl" unbequem, deshalb die Hetze. Wenn irgendjemand, so hat der jetzige Ministerpräsident, der sich bei der Aahlreform und noch zuletzt im Herrenhaus als Erzreaktionär gezeigt hat, ein lonservalivss Mißtrauensvotum nicht verdient, es ist vielmehr höchster Undank. Die Regierung Bethinann und Konzessionen an demokratische Machtgelüste! Zwei Dinge, die sich ausschließen. Die Elsaß-Lothringiiche Verfassung ist längst Welt gemacht durch den Stillstand der Wahlresorni in Preußen, dadurch, daß Herr v. Beth- mann, nachdem er Elsaß-Lotbringen ein verhältnismäßig freies Wahlrecht gegeben hat, die preußischen Staatsbürger noch immer als Heloten behandelt I(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Aber die Wut der Konservativen gilt ja vor allem der Besitzbesteuerung durch den Reichstag und der Einführung des Deklarationszwanges sür das Ver- mögen! Graf I o r ei hat die Kämpfer um ein freies Wahl- recht als hauptstädtischen Pöbel bezeichnet. Unier diesem„hauptstädtischen Pöbel" ist manch einer, der tieferes politisches Verständnis besitzt als Graf Uorck und seine Gefolgschaft(Sehr wabr! bei den Sozialdemokraten), und manch einer, dessen Bedeutung für unser WirtschaitSleben größer ist als die dieser Herren. Wenn einem unreifen Burschen, der zufällig das Osfizierskleid trägt, das Recht eingeräumt wird, mit der Waffe über unbewaffnete«laatSbürgsr herzufallen, dann wird man dem „hauptstädtischen Pöbel" nicht verwehren dürfen, die Rechte des Volkes in der Art zu erkämpfen, Ivie sie selbst eS für nötig hallen. Dieses Schimpfwort wird unvergessen bleiben, es wird ein Ehrenname bleiben, und ich wünsche nichts sehnlicher, als daß der Tag bald komme, an dem Gras Dorck die Begeistenlug und den Opfermut dieseö„hauptstädtischen Pöbels" nicht nur für die Einführung des ReichStagSwahlrechtS, sondern auch für die Abschaffung des Herrenhauses erfahre. Schon 1349 sagte ein Dichter:»Der beste Einfall, den die Erste Kammer haben kölnue, wäre der Einfall der Decke!"(«ebr gut I bei den Sozialdem.— Abg. Hoffmann: Schade um die Decke I— Heiterkeit links.) Der wahrhaft konservative Treitschke hat das schärfste Urteil über da-Z Herrenhaus und seine Rolle im Staate gesprochen. Es bedingt, wie ja auch Gras Dorck mit dem Wort von der„Stabilität" zu- gegeben hat, den Stillstand der Gesetzgebung. Graf Dorck sagte, der König von Preußen verliere durch die Uebergriffe des Reichstags mehr, als der deutsche Kaiser gewinne. Glaubt er, daß der König gewonnen bat durch die Art und Weise, wie die junkerliche Fronde das von ihm so sehnlich gewünschte Kanalprojekt zu Falle gebracht und wie man die W a h l r e f o r m verscharrt hat? Solange die Initiative des Königs zur Lösung der wichtigsten Aufgabe der Gegenwart, der Wahlreiorin, nicht erfüllt ist, solange Sie sich dem entgegensetzen, solange haben Sie kein Recht, von einem gefährdeten Ansehen deS Königs zu sprechen, denn Sie sind es, die es vernichten!(Lebhafte Zustimmung links.) DaS Herrenhaus hat von neuem gezeigt, welch tiefe Kluft sich zwischen den VoikSmassen und den gesetzgebenden Köiperichosien aufgetan hat. Die Leute aber, über die man im Herrenhaide so verächilich zur Tagesordnung übergeht, die werden zur gegebenen Zeit der Reaktion die gebührende Antwort erteilen. Diese Leute sind es, die über die Zusammensetzung deS Reichstags zu eiilicheiden haben und sie werden von ihrem Wahlrecht einen Gebrauch machen, der der konservativen Partei nicht angenehm sein wird. Der unaufhörliche Kamps für die Tcmokratisierung Prcustrns wird die beste Antwort auf all das und zugleich die Voraussetzung dafür sein, daß in Preußen endlich der Wille des Volkes zur Geltung kommt!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemolraieii.) Justizminister Dr. Bcseler erklärt, die AnSsührungcn des Vorredners über die Streikprozeffc mit allergrößter Entschiedenheit zurückweisen zu müssen.(Bravo! rechls— Zurufe der Soziatdemolraten; Freispruck eines Mörders!) Die Gerichte urteilen nach i h r e r K e n n t n i s des TalbestandeS, die Ihnen(zu den Sozialdemokraten) fehlt. Die Gerichte urteilen nach dem Gesetz, unter dessen Autorirät ja auch Sie stehen. Wie wollen Sie die Urteile der Gerichte nachpiüien? Eine solche Kritik soll nur in den breiten Vollskreise» die Meinung verbreiten, daß die Gerichte nicht pstichlgemäß, sondern>o wie Sie cL darstellen, Recht sprechen. Deshalb muß ich die Gerichte in Schutz nehmen und diese Angriffe entschieden zurückweisen.(Lebhafter Beifall rechts.) Mnister des Innern V. Dallwitz: Auf die Ausführungen des Vorredners über Herrn b. Jagow. das Herrenhaus und den Reichskanzler einzugehen, lohnt sich nicht. Da aber sein Ausspruch, die Berliner Polizei habe nicht die Zeit, ihre Pflicht zu erfüllen und den Mörder deS Arbeiters Herrmann zu finden, nicht gerügt worden ist, lege ich entschieden Verwahrung ein gegen diesen unerhörten, unbewiesenen und un» beweisbaren Vorwurf gegen eine mir unterstellte pflichttreue Behörde. (Beifall rechts. Abg. Dr. Liebknecht: Und wo ist der Mörder deS H e r r m a n u?) Das HauS vertagt sich. Morgen, Donnerstag, 10 Uhr: Weiter- bcratung. Schluß%6 Uhr._ Reichstag. 190. Sitzung. Mittwoch, den 14. Januar 1914, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratZtisch: Kommissare. Eingegangen ist eine Interpellation A l b r e ch t(Soz.) über die Vorgänge in Zaber». Präsident Äaeuipf: Meine Herren! Im preußischen Herrenhaus« hat ei» Mitglied geäußert, daß die Art, wieder Wehrbeitrag im Volke auf- genommen wurde, darauf schließen ließ, daß die national.» Gesinnung uberall im Wachsen begriffen sei, daß ober die bemfeiu Vertretung des deutschen Volkes jene Gesinnung, die in der Wählerschaft leöcndig war, habe vermisse» lassen.(Zuruf links: Unerhört!) Ich gestehe selbstverständlich den Landtagen der einzelnen Bundes- staaten das Rech: zu, Kritik an dem Verhalten des Reichstages zu üben, ebenso wie der Reichstag dies Recht gegenüber den Landtagen der einzelnen BundeSsiaalen sür sich in Anspruch nimmt. Wenn aber dem Reichstag der Vorwurf gemacht wird, daß er die nationale Gesinnung habe vermissen lassen, so liegt hierin— namentlich auch angesichts der Talsache, daß das Gesetz über den Wehrbeilrag vom Reichslage mit überwältigender Majorität ange- nommen worden ist(Sehr richtig! links)— eine Beleidigung deS Reichstages(Sehr richtig I). die ich von dieser Stelle aus mit aller Entichiedenheit zurückweise.(Lebhafter Beifall.) Auf der Tagesordnung stehen Petitioucn. Petitionen des Deutschen MetallarbeiterverbandeS, der Gesellschaft für soziale Reform usw. auf reichögesetzlichen Swutz der Arbeiter der Schwereisenindultrie beantragt die Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu über- weisen, soweit sie eine Verkürzung der Arbeitszeit, Regelung der Ueberstunden, Verbot der Zi achtarbeit fite Jugendliche, Verbot der Frauenarbeit, Ver- schärfung der Betriebskonirolle, größeren G e- fundheitSschutz und Beseitigung der Unsicherheit der Entlohnung verlangen, zur Erwägung aber, soweit in ihnen gesetzliche Regelung der PensionSkasien verlangt wird. Ein Antrag Arnstadt(k.) fordert Ueberweisung der ganzen Petitionen zur Erwägung. Abg. Spiegel(Soz.): Mein Freund Hue hat das Elend der Hüttenarbeiter hier wieder- holt geschildert. Gegen die BundeSrotSverordming von 1908 wird von den Eiienindustriellen Sturm gelaufen. Man weist auf die Er- leichterung der Arbeit durch technische Verbesserungen hin. Dem- gegenüber aber steht die ungeheuere ProduktiouSstcigcrung. Wenn wirklich einmal Pausen eintreten, werden die Arbeiter mit Nebenarbeiten beschäftigt. Was die Arbeiter pro Schicht ver- dienen, erfahren sie überhaupt erst am Zahltag.(Hört I hört!) Wenn wir nun auch mit der Buiidesraisverordnung von 1908 nicht zufrieden sind, so hat sie doch das eine Gute, daß wir den Eisen- industriellen nun nachweisen können, daß unsere Behauptungen ür bezug auf Ueberstunden, die verlangte Arbeitsleistung uiw. richtig sind. 1912 sind von 220 000 Arbeitern der Schwereisenindustrie 24,6 Millionen Ueberstunden geleistet worden, davon 19,5 Millionen Ueberstunden allein an«omitage». (Hört! hört!> Gegen die Bundesratsverordnung wird in außerordentlich zahlreichen Fällen verstoßen, wie auS der Statistik unseres Verbandes klar hervorgebt. Der Redner führt ein reiches ZaKien» Material über die Ueberstunden, Verkürzung der Pausen und andere Uebertietungen der BundeöralSverordnung in der Schwereiien« industrie an. Diese Zahlen beweisen, daß die Behauptungen der Schwereisenindustriellen, die Buiidesralsverordnung werde eingehalten. ganz und gar unrichtig sind. Es müssen daher den Gewerbeaufsichtsbeomlen Slsistenicn aus A r b e i t e r l r e i s e n zur Seite gestellt werden: die Be- amten sind gar nicht in der Lage, die Betriebe genügend zu lontrolliercn, und bei der Konlrolle werden sie vieliach düpiert, die Ueberstunden- und SonntagSarbeit wird vielfach gar nicht in die Liften eingetragen, um sie der KennlniS der Beamten zu entziehen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokralen.) Auch werden die Listen daraufhin bearbeitet, daß die Arbeitszeit und die Paulen scheinbar den Bestimmungen der Bundesrats- Verordnung genügen. Die traurigen Ge-undheitS- Verhältnisse der Arbeiter in der Schwereisen- industrie sind eine Folge der übermäßigen Ausnutzung der Arbeitskraft. Auf einer Hütte allein hat in einem Jahre jeder fünfte Arbeiter einen Unfall erlitten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der entschädigten Unfälle l?at sich in 2S Jahren in der Metallindustrie um zirka 700 Prozent vermehrt.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Behauptung, daß die Arbeiter selbst schuld an den Un'ällen trügen, ist ein starkes Stück. Die Hauptschuld trägt vielmehr die unausgesetzte A n t r e i b e r e i.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wer die Verhältnisse kennt, weiß daß nur wenige Arbeiter unter Außerachtlassung der Schutzvorschriflen und der nötigen Vorsicht an die Arbeit gehen. Dagegen werden in sehr häufigen Fällen an die Arbener von den Meistern Anforderungen gestellt und zwar trotz ihrer � Weigerimg, die den Vorschriiien widersprechen und zu Unfällen Anlatj geben. Dabei kommt eS selbst zu Beschimpfungen der Arbeiter. Wenn von oben Besuche kommen, wird natürlich alles in Ordiimig gebracht. Kommt der Direktor, io sagen die Ausieher zu den Arbeitern: seid vorsichtig!— ist der Direktor fort, so gebt die Antrc'berei wieder los.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- krolen.) Das Wort von der„gesicherien Existenz iiu Allci" trifft ain welligsten auf die Aibeiter in den Hüllen- und Walzwerken zu. Ein Manii. der z. B. 1 6 Jahre lang ant einem Werk zur vollen Zu- friedenheit gearbeitet hatte und um eine leichtere Arbeit ersuchte, wurde ohne weiteres entlassen.(Hört! hört I bei den Soiialdcmolraten.) In einem anderen Fall wo sich ein Arbeiter, der'ür den Verband aginect hatte, über seine Entlassung mii dem Hinweis auf leine 1 7 j ä b r i g e Beschäftigung aui dem Werk beklagte, meinte der Direklor: „Was, der Mann ist schon 17 Jahre bei uns, dann können wir ihn überhaupt nicht mehr brauchen, daim ist er abgearbeitet!" (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei war der Albeiter eist 31 Jahre alt. Auf dem Werk, wo Bergrat Hilger tätig ist, werden Arbeiter noch geprügelt, ebenso sind solche Fälle nachgewieien aus dem W e st s ä l i i ch e n Stahlwerk. Für eine brutale Mißhandlung eines Arbeiters, der daraushin acht Tage arbeilsunfäbig war, erhielten die Schuldigen dreißig und fünfzig Mark Geld st rase.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Auch brutale Mißhandtungen von Lehrlinge« sind nachgewiesen) in einem Falle wegen der Weigerung»ier» UN dzwanzig Stunden AU arbeiten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sehr wichtig ist auch die Forderung der Sicherung des Lohnes. Es kann heute Norkoinmen, das; ein Arbeiter zehn Wochen auf dem Werk festgehallen wird, bedor er erfährt, was er verdient, respeklive ivenn es ihm zu wenig ist, die Arbeit wieder verlassen kann. Der Antrag der Konservaiiven, die gesamten Petitionen dem Reichs- kanzler zur Erwägung zu überweisen, bedeutet eine A b s ch w ä ch u n g. Diesen Antrag anzunehmen ist um so iveniger angebracht, als der Bundesrat zwar beschlossen bat, die Bekanntmachung über den Be- trieb in der Grosteisenindustrie demnächst von neuem zu erlassen; die Vorarbeiten hierzu sind im Reichsamt des Innern im Gange. Aber eS wird dabei nicht viel herauskommen, wenn die Arbeiter nicht selbst im Anschlug an die Organisationen kräftig mit schieben Helsen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Damit aus den Arbeiten im Reichsamt deS Innern etwas herauskommt, bitte ich Sie, den konservativen Abschwächungsantrag abzulehnen und dem Kommissionsantrag zuzustiinmen.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Giesberts(Z.): Es ist bedauerlich, dag vor Erlag der BundeSratsverordnung von 1908 nicht eine Untersuchung über die GesundheitS- Verhältnisse der Arbeiter in der Schwereisenindustrie stattgefunden hat. Dann wären so viele Ausnahmen und Durch- brechungen des Achtstundentages nicht gestattet worden. Die Grogeisenindustrie ist es ihrer Ehre schuldig, die bei ihr herrschenden Iustände zu bessern. 30 000 Ar- beiter haben an jedem Tage des JahreS, auch Sonntags, eine z w v l s st ü n d i g e Schicht, bei Wechselschicht sogar eine 2 4 stund ige. Angesichts solcher Zustände mug man den Acht- stundentag sür diese Arbeiter fordern,(«ehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Auch die Pansen müssen bester geregelt werden. Durch die Verbesserung der Technik sinkt zwar das Mag der körper- lichen Arbeit, und deshalb meint man, die Pausen können gekürzt werden; aber es wächst dadurch doch die Notwendigkeit der Be- aufsichtigung der komplizierten Maschinen, und eS wächst die Verantwortlichkeit des Arbeiters. und eine derartige Tätigkeit werter mait ni anderen Berufen sehr hoch.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zch hoffe, dag die in Aussicht gestellte Bundesratsverordnung die Verhältnisse wirklich bessert. Deshalb wünsche ich auch, das; die Regierung zu Konierenzen im ReichSamt des Innern Vertreter der Organisationen einladet.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch wäre es nötig, dag den eingeladenen Arbeitern ihre Unkosten, auch die versäumten Schichten, vergütet werden.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.)— Die Einführung des Achtstundentages Iväre durchaus durchführbar, wie die Untersuchungen des Arbeits- nmtes in Washington bewiesen haben. Eine solche Untersuchung sollte auch hier staltfinden, und ich bin überzeugt, sie wird auch sür die deutsche Eisenindustrie die Durchführbarkeit des Achtstundentages erweisen. Die heutige 24slllndige Wechselschicht ist eine Kultur- Widrigkeit.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Böttgcr(natl.): Wenn es richtig ist, dag Mifihandlungen von Arbeitern vorkommen, so müßte dagegen auf das entschiedenste vorgegangen werden. Ich kann allerdings gar nicht verstehen, wie es möglich ist, dag Arbeiter sich noch mighan dein lassen. Die Gesundheitsverhältnisse sind in der Eisenindustrie meines Trachtens nicht schlechter als in anderen Industrien. Aber es mug zugegeben werden, dag Mißstände in dieser Industrie vorhanden sind. Das Material der Petstione» enthält zwar manckeS Beacktens- wcrie. ist ober doch einseilig. DaS Ergebnis der voin Staatssekretär Delbrück vorgenommenen Untersmbung sollte veröffentlicht werden. Daß die Arbeiter gegen die Bernfsgesahren allniählich ab- gestumpft werden, ist zweifellos.— Im Entlobnungssystem bestehen in der Tat starke Härten, aber im großen und ganzen hat sich das heutige System bewährt. Das Pr ä m i e n s y st e m ist berechtigt, wo der Schlendrian eingerissen ist und Mittel- Mäßigkeit sich zeigt. DaS WerkSpensionskassenweien muß zweck- mäßiger und einheitlicher geregelt werden. Die Frage des Acht- stundentagcS in der Großeisenindustrie halte ich für noch nicht spruchreif, gebe aber zu, daß die zwölsstündige Arbeitszeit angesichts der schweren Arbeit in dieser Industrie reformbedürftig ist. Die Verkürzung der Arbeitszeit findet aber ihre Grenze in der Leistungssäbigkeit der Betriebe. Bei Einführung des Achtstunden- tages müßte die Zahl der Arbeiter verdreifacht werden, Das kann die Großeisenindustrie in ihrer Allgemeinheil nicht leisten, auch würde die Landflucht der Arbeiter dann noch größer. Der sanitäre Maximalarbeitslag könnte nur international eingeführt werden. Allerdings werden solche internationalen Abmachungen im Auslande vielfach weit weniger gewissenhaft eingehalten als bei unS in Deutschland. Die S o n n t a g s a r b e i t ist ein großer Mißstand, aber sie ist viel- facd z. B. bei den Hochöfen nicht zu umgehen. Die Ltitündige Wechselarbeit ist eine richtige oru-r(Kreuz) und eö ist erfreulich, daß auch die Unternehmer jetzt auf die Beseitigung dieses schlimmen Z u st a n d c S hinarbeiten. Bei der Kommission, die zuni Zwecke der Beseitigung dieier 24stündigen Wechselschicht einge- setzt werden soll, müssen allerdings auch Arbeiter zugezogen werden.— Den Wunsch, daß Fabrikinspektoren polizeiliche Straf- befugnisse erhalten, halte ich für ein gefährliches Ez-cheriment.— Wir werden nicht dem Antrag der Kommission, sondern dem der Konservativen zustimmen(Hört! hört I b. d. Soz.). da wir eben nicht mit allen Punkten der Petitionen einverstanden sind.(Beifall b. d.Natlb.) Abg. v. Graefe(k.): Unser Antrag ist keineswegs verursacht durch mangelhaftes soziales Verständnis.(Lachen bei den Sozialdemokralen.) Aber die Forderungen der Petitionen sind so einschneidend, daß es un- möglich ist, alle Konsequenzen dieser Forderungen zu übersehen. Da kann man ohne weiteres für all diese Forderungen Berücksichtigung verlangen. Die Industrie müßte mit Recht erbittert werden, wenn man so nur die eine Seite hören wollte, ohne die Gegengründe der anderen Seite zu berücksichtigen. Der Vorwurf der Einseitigkeit gegen uns ist unbegründet, maii muß ihn vielmehr denen machen, die die Sozialpolitik in übertriebenem Tempo fördern wollen.(Bravo! rechts.) Abg. Sosinsky(Pole): Die Verhältnisse der Arbeiier in der Schwereisenindustrie liegen derart elend, daß ein gesetzliches Eingreifen dringend not-- wendig ist. Man verweigert den Achtslundentog mit dem Argument, dann würde die Landflucht noch größer werden. Man schaffe gute Verhältnisse für die Arbeiter auf dem Lande, und man wird über Landflucht nicht zu llagen bavcn.(Sehr richtig! bei den Polen und den Sozialdemolraien.) Die Regierung darf den Verhältiiissen in der Eisenindustrie nicht liytger Gewehr bei Fuß zusehen. Abg. Windcck(Lothringer): Eine Verringerung der Arbeitszeit wäre im Interesse der Volks- gesundheit nur freundlich zu begrüßen. Aber eö stellen sich ihr schwere betriebstechnische und finanzielle Bedenken entgegen, denen ohne internationale Regelung der Arbeitszeit in der Grobeisenindustrie nicht Rechnung getragen werden kann. Unsere Eisenindustrie arbeilet zum großen Teil auw sür das Ausland und muß mit anderen Ländern konkurrenzfähig erhallen werden. Abg. Haberland(Soz.): Der Abg. Graefe will die Pelilloncii deshalb nicht zur Berück- fichtigung überweiseen, weil er sich nicht für genügend sachverständig hält.(Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Bei Sachverständigen kann über die Notwendigkeit eincs gesetzlichen Ein» greifens gar kein Zweifel bestehen, kommen doch in der Großeisen- Industrie Arbeitszeiten von 36—38 Stunde» b«c, die nur von 4 Stunden Pause unterbrochen sind. Gtode Verstöße gegen die BundeSratsverordnung. Ueberstunden in großer Zahl, namentlich an den Sonnabenden und Sonntagen, sind vielfach von den Gewerbeinspekloren festgestellt, besonders auch im Düsseldorfer Bezirk. In einem Düsseldorfer Betriebe wird ein Mann, der in einer Woche einmal 24, ein andermal 36 Stunden hintereinander gearbeitet hat, den anderen jetzt fortgesetzt als Muster hingestellt.(Hört! hört! bei den Sozialdeinokratcn.) Zur Irreführung der Gewerbeinipektoren durch falsche Listen über die lieberstunden greisen gerade leistungsfähige Werke.(Hör;! hört! bei den Sozialdemolrfiten.) Herr B ö t t g e r meinte, er könne nicht begreifen, wie sich Ar- beiter Mißhandlungen gefallen lassen. Ja, das kann ich Herrn Böttgcr sagen, mein Freund Spiegel ivürde sich natürlich nicht mißhandeln lassen.(Heiterkeit.) Aber ein großer Teil der Arbeiier in wirtschaftlich so abhängig, daß sie glauben, mir Rücksicht auf ihre Familie ihre Existenz nicht auf« Spiel setzen zu dürfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) WaS da? angebliche„Spielen mit der lliifallgefahr" anlangt, so sind die Unfälle gestiegen eincrfeiis infolge des Fehlens von Unsallverhüruiigsinaßnahmen. vor allem aber wegen der Hetze zur Arbeil.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nicht ohne Einfluß auf die Zahl der Unfälle sind auch die mangel- haften Verhältnisse in den Arbeits räume n, die ungenügende Veniilation, die unzmeichende Beleuchtung; befriedigende Bcrhälmisse gehören speziell im Düsseldorfer Bezirk zu den Sellen- heilen. Ganz unzureichend sind auch die Löhne, besonders ivird über die Unsicherheit der Alkordlöhne geklagt. Gekürzt werden die Löhne noch durch die vielen Strafen, die mir zum System der An- trciberei und Hetze zum Arbeiten gehören. Das P r ä m i e n f y st e m gehört mit zu den Mitteln, die Arbeiter bei der Arbeit abzuhetzen; dies System verstößt geradezu gegen die gilten Sitte n, und der Wunsch, das System genau in der Gewerbeordnung und in der Arbeitsordnung den Wünschen der Arbeiier cnisprechend zu regeln, ist durchaus bcrechligt.— Gerade in der jetzigen schweren Krise würde eme Berkürzmig der Arbeitszeit leicht durchzuführen sein, die Industrie könnte sich dann in dieser Ueberganqszeit auf die kürzere Arbeitszeil auch bei steigender Kon- junktur einrichten. Daß durcki die Verkürzung der Atbcitszeik die Industrie leistungsunsähig und konkurrenzunfähig mit dem Aus- lande würde, ist ein Einwand, an den im Ernste n i e m a n d glaubt: er tritt immer auf, wenn für die Arbeiter envas gcschebeu soll. Einer der Vorredner erklärte eS für eine Ehrenpflicht der Großeisenindustriellen, die geschilderten Mißstände zu beseitigen. Wollten die Arbeiter ivarien, bis die Unternehmer diese Ehrenschuld einlösen, so müßten sie bis zum Nimmerleinstage warten. Im Interesse der Arbeiter und damit der allgemeiiien Volksgestmdheit muß die Gesetzgebung eingreifen!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Burckhardt(Wirtsch. Lg.) empfiehlt den Antrag der Kommission. Die Diskussion schließt. Der Kommissioiisantrag wird gegen die Stimmen der Rechten angenomme n. Hieraus vertagt sich das Haus auf Donnerstag, 4 Uhr(Jnter pellation Albrccht(Soz.) über die Vorgänge in Zabern; Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe). Schluß 6 Uhr._ parlamentarisches. Aus der Budgetkummission des Reichstages. Die Budgetiommission des Reichstages trat am Mittwoch in die Beratung des ReichöetatS ein. Es wurde mit dem Etat d e S Innern begonnen. Nach einer kurzen Debatte über den weiter- telegraphischen Dien st und die recht minimale Verbreitung der Wetterkarten wandle sich die Kommission der Frage der Familtenunterstützung zu milit ärisch en Uebungen eingezogener Mannschaften zu. Der Reichstag hat sich im vorigen Jahre für eine Erböhung dieser Unlerstützung aus- gesprochen. Das ReichSamt des Innern glaubte, daß diesem Wunsch des Reichstages damit Rechnuiig getragen worden sei, daß die OrtSlöhne in den meisten Orten ganz erheblich erhöht worden sind. Da diese Familienuitterstützung prozentuat nach dem Ortslohn berechnet wird, seien also diese Beträge von� selbst gestiegen. Damit habe es sich erübrigt, eine besondere Novelle einzubringen.— Dieser Ansicht trat Genosse Hoch entgegen, mit dem Hinwets darauf, daß die Erhöhung der OrtSlöhn« eine Folge der Teuerung fei. Die rein formelle Steigerung stelle aber keineswegs«ine Verbesserung der Verhältnisse dar. Die Absicht, die die Resolution de« Reichstages im Auge hatte, ist nicht erfüllt.— Staatssekretär Kühn hatte finanzielle Bedenken; für eine Er- hvhnng der Familienunterstützuiig fehlten die Mittel. Für die Aufwandsentschädigung an solche Familien, von denen bereits drei Söhne bei der Armee oder bei der Marine ihrer gesetzlichen Dienstpflicht genügt haben, sind 480000 Marl eingesetzt. Dazu wird beantragt und beschlossen zu sagen: Wenn aus einer Familie Söhne, die ihrer gesetzlichen Dienst- pfiicht genügten, zusammen sechs Jahre gedient haben, dann wird für jeden wxileren Sohn eine Auf- wandseiitschädignng von 240 Ai. pro Jahr gezahlt. Genosse Hoch regt an, diese Entschädigung tnchl halbjährlich. sondern in kürzeren Zeiträume» zu bezahlen.— Diesem Wunsche traten sowohl der Vertreter der Regierung, als auch Abg. Erzberger entgegen, weil den Leuten mit einer größeren Summe mehr gedient sei.— Bei dieser Gelegenheit stellt sicd herans, daß statt der 480 000 M. in Wirklichkeit 7l/.2 Millionc» erforderlich sind. Diese Summe wurde auch in den Etat'eingesetzt. Für die Untersuchung der G e s n n d h e i t s v e r h ä l t- nisi e der Arbeiter der Schwefelsäure-, Salzsäure-, Salpetersäure- und'Soda-Jndustrie werden 12 500 M. verlangt und bewilligt.— Abg. G o l h e i n wünicht, in diese Uniersuchulig auch jene Hütten- betriebe einzubeziehen, die mit schwefligen Produkten zu tun haben. — Die Regierung bemerkte, daß zu den Erhebungen auch Arbeiter zugezogen werden sollen. Das gab dem Genossen Sachse Ber- anlassuiig, zu verlangen, daß man nicht etwa bloß Arbeiter zuziehen sollte, die von den Uiiternehniern bezeichnet werden, sondern auch Arbeiter, die von den Arbeiterorgaiitsationen benannt werden.— Diesem Wunsch schloß sich Abg. Behrens (Wirtsch. Vg.) an.— Die Regierung gab auf diese An- r e g u n g e n keine Antwort.— Eme längere Debatte ent- spann sich dann noch über Art und Umfang der ländlichen Statistik. Gerichtszeitung. Ein Arbcitswilligniagcnt. In der Strafsache gegen den Glasbläser Stein- born sollte der bekannte Agent Keilt ng gestern als Zeuge vor dem S ch ö f s e n g c r i ch t L c r l i n- M i t t e er- scheinen. Dem Atigeklagten wurde zur Last gelegt. Keiling beleidigt und init de in Totschlag bedroht zu haben, als Keiling gelegentlich des Streiks der Glasbläser bei der Firma Jsola als Kontra lte u r des Arbeitgeber- s ch u tz v e r b a n d e s die Arbeitswilligen zu„schützen" hatte. Schon in einem früheren Termin ivar über diese Anklage verhandelt worden. Damals hatte Keiling unter seinem Eide zu- nächst überhaupt bestritten, vorbestraft zu sein, dann aber auf eindringendes Befragen des Verteidigers Dr. Kurt Rosenfeld zugegeben, vor 20 Jahren wegen Körper- Verletzung mit 25 M. und mit si Monaten bestraft worden zu sein. Schließlich räumte Keiling ein, auch sonst noch bestraft zu sein, zuletzt als Polizeiagent wegen Nötigung, verübt durch unberechtigte Knebelung eines Unschuldigen, mit einem Monat Gefängnis. Der damalige Tennin verfiel der Vertagung, weil ein Kollege des Keiling namens Koch nicht erschienen war— er war, wie Keiling sich ausdrückte— nach Mähren gefahren, um„Sachen", das sind Arbeitswillige, zu holen; außerdem wollte das Gericht gemäß dem Antrage des Verteidigers das V o r st r a f e n v c r z c i ch nis des Keiling einsehen, bevor es auf sein Zeugnis eine Entscheidung gründete. Der Strafregisterauszug lag gestern vor. Danach ist Keiling. folgendermaßen bestraft: 1. 1895 wegen Körperverletzung mit 4 Wochen Gefängnis. 2. 1895 ,,„* 6„ 0 3.1897„ Betrugs„ 2 4. 1897„ Kuppelei mit 0 Mon. Gefängnis. 3 I a h r r n Ehrverlust und Polizeiaufsicht. 6. 1897„ Körperverletzung mit 9 Mon. Gefängnis. 6. 1899„ Uebertretung>nit 1 Monat Haft. 7. 1899„ Betrugs mit 2 Mon. Gefängnis. 8. 1909„ BelrugS im Rückfall mit 6 Mon. Gefängnis. 9. 1901„ Diebstahls mit 9 Mon. Gefängnis u. 2 I a h r e n Ehrverlust. 10. 1901„ Diebstahls 3 Mon. Gefängnis. 11. 1902„ Ilebertreiung mit 1 Woche Haft. 12. 1902„ Diebstahls mit 10 Mon. Gefängnis. 13. 1903„ Hehlerei mit 8 Mon. Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust. 14. 1904„ Diebstahls im Rückfall mit 1 Jahr 3 Monate» Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. IS. 1907„ Betrugs im Rückfall ,nft 1 Jahr GesängniS und 3 Jahren Ehrverlust. 16. 1907„ Betrugs 1 Jahr 0 Mon. Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust, unter Einrechnung der Strafe zu 15. 17. 1912 0 Nötigung und Freiheitsberaubung mit 1 Mona: Gefängnis. Ein seiner Vertrauensmann des Arb eitgebers chutzverbandes und der Polizei! Im Terniin ivar Koch abermals nicht erschienen und auch Keiling fehlte. Er hatte mitteilen lassen, daß er gestern plötzlich iil dringender Angelegenheit nach Bern fahren mußte. Der Terinin verfiel daher abermals der Vertagung. Scharfe Kritik als Gotteslästerung. Am 30. September v. IS. verurteilte das Landgericht Berlin III den Herausgeber und Verleger der Zeitschrift„Der Weg" D r. m e d. Georg Zepter zu 3 Tage», den Schriftsteller Otto L e h- mann-Rußbüldt zu einer Woche Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte wegen eines Artikels„Mißbrauch der Jahr- Hundertfeier durch daS Komitee KonsessionStoS". Das Gericht nahm an, der Artikel habe dadurch ein AergerniS gegeben, daß er in be- schmipfenden Aeußermigen Gott gelästert habe. Auch sei in dem Artikel eine Einrichtung der christlichen Kirche, nämlich daS Apoftoli- kum, beschimpft und dadurch§ 166 Str.-G.°B. verletzt. Nach der Beweisaufnahme waren cS der Neichstagsabgcordnete Lizenliat Mumm und weitere Angehörige der christlich-sozialen Partei, die an dem Artikel AergerniS genommen hatten, während Pastor Falk, Dr. Viekbaber, Graf von Hoensbroch erklärten, in viel schärferer Weise sei oft Kritik an dem in ständiger Entwicklung begriffenen GottcS- begriff und dem Apostolikum geübt? Die von den Angeklagten eingelegte Revision wurde am Dienstag vom Reichsgericht verworfen. Scharfe, abfällige Kritik können also gewisse Vorstellungen über Gott und gewiffe Kirchengebräuche nicht vertragen, ohne als„beschimpfend" und stras» bar aufgefaßt zu werden. Das zeugt gerade nicht von absonder» licher Tiefe des Glaubens derer, die Aergernis an der Kritik nahmen. Messerstecherei. Der Unfug, bei geringfügigen Streitigkeiten sofort zum Messer zu greifen, scheint trotz der harten Strafen, die die Gerichte über Messerstecher zu verhängen pflegen, nicht ausrottbar zu sein. Die beiden Messerhelden, die gestern vor der 8. Strafkammer des Land- aerichts I standen, Wilhelm Bartkowiak und Stephan Brodnicwicz, sind wegen Körperverletzung noch nicht vorbestraft, haben aber mit den Messern in einer Weise hcrumgelvutet, daß das Schöffengericht über sie eine exemplarische Strafe verhängte. In der Nacht zum 12. Juli traf der Hausdiener Lorh in der Naunynstraße auf dem Heimwege ein ihm bekanntes, gleichfalls nach Hause gehendes junges Mädchen. Während er sich mit dem Mädchen in einer HauStürnische kurze Zeit unterhielt, kamen die beiden Angeklagten mit einein Dritten aus dem gegenüberliegenden Lokale heraus, trieben allerlei Allotria und sangen polnische Lieder. Im Vorbeigehen redete der hinter den beiden Angeklagten her- gehende Tritte das in der Haustürntsche stehende Pärchen mit hänselnden Redensarten an und als Lory ihm riet, ruhig nach Hause zu gehen, kam es zu Tätlichkeiten. Die beiden Angeklagten sprangen ihrem Genossen, der dem Lory vor der Brust gepackt hatte und ihn stark bedrängte, bei und der erste Angeklagte nahm sein Messer heraus und brachte dem L. zwei Stiche bei. Auf dessen Hilferufe eilten aus dem Schanklokale der. Wiktve Ehlert mehrere Gäste auf die Straße und bemühten sich, die Angeklagten festzunehmen. Beide schlugen nun aber wie toll mit den Messern um sich und brachten einem ihrer Gegner nicht weniger als sieben Messerstiche bei. Der Verletzte hat 14 Tage im Krankenhause gelegen, auch Lorh mußte ein Krankenhaus aufsuchen und hat dort acht Tage zugebracht. Die Angeklagte» können von Glück sagen, daß die Verletzten nicht dauerndes körpcrlrches Leiden davongetragen haben. DaS Schöffengericht glaubte, daß für die von den Angeklagten bewiesene Roheit je 2 Jahre Gefängnis eine angemessene Sühne seien. Auf die hiergegen eingelegte Berufung ermäßigte die Stras- kammcr die Strafe um 6 Monate und erkannte auf 1 Jahr vnd 6 Monate.___ Der Bürgermeister als Dicnstmädchenverführer. Vom Landgericht Amberg ist am 8. August v. I. der vevhei. ratete Bauer und Bürgermeister Michael Klein wegen Verführung seines noch nicht 16 Jahre alten Dienstmädchens W. zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte hat schon früher seinen Dienstmädchen in der schamlosesten Weise nachgestellt und bereits wenige Tage nach dem Eintritt der W. mit unzüchtigen Angriffen ans sie begonnen, bis schließlich das noch unbescholtene Mädchen ihm zum Opfer fiel. Die Revision des Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Zu dem Srzessionsstrrit. Die Kläger in dem Sczcssionspwzeß ersuchen uns um Aus» »ahme des Folgenden: In dem Prozeß gegen Paul Eossircr ist die Feststellung, wir hätten Professor Licbcrmann mit Schmutz beworfen, getroffen, ohne daß ein einziger Tatzeuge der Unteredung mit Professor Lieber- mann überhaupt vcriwmmeil wurde. Der Vernehmung dieses Zeugen wurde von dem Vertreter des Herrn Cassirer mit der Be- gründung widersprochen, daß ihm die Ladung dieses Zeugen niclit zeitig mitgeteilt sei. Den Zweck unseres Prozesses betrachten wir trotz der in dem Hauptpunkte ans formalen Gründen erfolgten Freisprechung des Herrn Cassirer schon jetzt für erreicht. Dieser Zweck war: Das unheilvolle Trustsystcm, d as Herr Cassirer im Kunstbctriebe zur Geltung gebracht hat, in der Oeffentltchkcit zu kennzeichnen. In dieser Hinsicht kann die von den Professoren Slevogt und Gaul beschworene Tatsache, daß Herr Cassirer, ob- wohl er nicht Mitglied der Jury war, in öer Jury eine beratende Stimme hatte, nicht scharf genug unterstrichen werden. Der Aus- gang des Verfahrens erster Instanz zwingt uns, in der Berufungs- nistanz die Rücksicht, die wir bisher genommen hatten, fallen zu lassen und dort den Nackiwcis zu führen, daß, soweit wir in der fraglichen Angelegenheit Kritik geübt haben, diese Kritik eine durch- aus berechtigte war. Bischofs-Culm, Ad. Ed. Herstein, Neumann, Oppenheimer, Spiro, Westphah - A.»Kß.W•: ' V-- � � �. SU� ssmtüclie in den Verkaufsräumen befindlichen Waren für Winter und Sommer, mit Ausnahme von Maß- Anfertigung-, Parterres Knaben- und Jünglings-Kleidung Herren-Hosen und Westen Herren-Artikel und Sport I. Etage: Herren-Anzüge, Paletots, Ulster Loden- und Pelz- Konfektion Schlafröcke und Morgenröcke Gummi-Röcke etc. ===== II. 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