Ur. 15. übonncmcntS'Bcdjmiumien: AdomiementZ- Preis vimiumeraiidoi WertoljS�rl. Z,Z0 M!. monatl. l,I0 M?< wöcherülich W Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag?» niumncr mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pdf'" Monnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?» Preisliste. Unter kireuzbano für Deutschland und Oeilerretch» Ungarn LA) Mari, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. Posiadonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «llmänicri. Schweden und die Schweiz. 31. Ilchrg. Mcheill! laglich. Verlinev VolKsblertk. Z�ntralorgan der fozialdemobratifcbcn Partei Deutfcblands. Sie TnfertionS'Gebüljr beMgt für die iechsgespaltcnc Kolonel» gelle oder deren Rauni M Pfg., für politische und gewerlfchaflliche Bereit,?. und Vcrsammlungs-Ai�eigen 00 Pfg. „I�ietnc Hnztigen", das feiigedrucki! Wort 20 Pfg.(zulässig Lfetlgedri'ckie Worte), jedes tocitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen an- zeigen das erlte Wort 10 Pfg.. jedes Ivcilerc Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch- siadcn zählen für zwei Borte. Jnscrale Pir die nächste Nummer niüfsen bis I» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Soziaidcinolira! Berlin"« Redahtton: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Str. Ii) 83. SxpedMon: SM. 68» �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Sethmann! Hüte Dich! Schenkel fest und die Lanzen eingelegt, so reiten sie weiter an gegen Reichskanzler und Reichsverfassung, die kon- servativen Ärippenreiter Ostelbiens, und alles, was es noch gibt oder was noch aufkeimen könnte an Volksfreiheit und Volkswohlfahrt in deutschen Landen, das soll unter den brutalen Huf ihrer Rosse. Ob gestern Herrenhaus und heute preußische Landstube, ob gestern JorckvonWarte n- d e r g und heute W i n ck l e r oder H e y d c b r a n d— es ist dieselbe Melodie zusamt dem gleichen Text. Man merkt, die Herren Funker sind des trockenen Tones endlich satt, und alles vereinigt sich, um sie in einem Mischmasch von Stimmungen ein venvegencs Spiel um Hemd und Hals wagen zu lassen. Da ist der Wahlsieg der Sozialdemokratie vom Januar 1912, der ihnen immer noch schwer in den(Lliedern liegt, da ist die Deckung zu den Wehrvorlagcn von 1913, die an das von Oldenburg so ängstlich gehütete„Portemonnaie der Be» sitzenden" tastete, da ist die Erneuerung der Handelsverträge und Zolltarife, bei der auch nicht ein Stein ans dem Schand- bau der Wuchcrzollpolitst herausgebrochen werden darf— drei Gründe für einen. Stimmung zu machen für die junker- lichc Auffassung vom Wesen der Dinge und wegzufegen, was an demokratischen Widerständen im Wege stehen könnte. Da ist aber vor allein auch Zabern! Seit der kronprinzlichc Oberst der Danziger Totenkopshusareu-sein„Immer feste drauf!" nach dem Elsaß binübergerufen, und besonders seit die Militärgerichte die Militäranarchie wie einen i-oebvr de bronce stabiliert haben, sind die Junker vor Freude wie aus dem Häuschen. Jetzt, da, ungehindert von Gesetz und Ver» sassung, die feudalen Führer der bewaffneten Macht alles können und alles dürfen, scheint allen Staatsstreichlern von Beruf die Revolution von oben nahe herbcigcrückt, und der Leutnant mit zehn Mann ist in ihren Augen schon auf dem Marsch nach dem Königsplatz. So verschmilzt bei der kleinen, aber mächtigen Partei die Wut und Enttäuschung über Geschehenes mit der Furcht vor Kommendem und mit der Hoffnung aus Werdendes zu jener lärmenden Verzweislungslaune, ausser heraus die Konser- vativcn seit Wochen schon gegen � den Mann an der Spitze lärmen. Sie verachten ihn als einen Sckstappier, den Herrn v. B c t h m a n n H 0 l l w e g, er ist ihnen zu sehr ciu Kanzler der Paragrapheu und zu wenig ciu Kanzler der Mw schinengewehre, und wenn wirklich Mars in Deutschland die Stunde regieren soll, muß, so schwach und schwankend er ist, erst der lange Man» mit dem grauen Gehrock und der grauen Seele fort. Darum richtete auch der„ungekrönte König von Preußen", der Herr v. Hcydebrand und der Lasa, seinen kon- zentrierten Angriff im Abgeordnetenhaus gegen den Kanzler. Der aus Klein-Tschuukawe sitzt und von dort die Fäden der Reaktion spinnt, ist zwar nicht von der seetischen Einfachheit und Robustheit seines Freundes Oldcnburg-Janu- s ch a u und auch der dürre Fanatismus seines anderen Freundes Westarp ist ihm fremd. Wo sie nur Tatsachen und Widerstände sehen, scheint er manchmal fast Probleme heraus- zuspüren, und seine Worte sind weder von dem penetranten Stallgeruch Ostelbiens durchduftet, noch blitzen hinter jedem seiner Sätze die Mistgabeln einer hinterpomnierschen Vendde. Er kennt und liebt zuweilen die Kunst der diplomatischen Ver- kleidung und Umschreibung, und wenn der beste Theoretiker der Konservativen, Schlesinger ulimi Stahl, Ganzjuöc war, so mag es schon glaubhaft sein, was man� munkelt, daß dieser ihr gefährlicher Taktiker� Halbjude ist oder zum mindesten jüdisches Blut in seinen Ädern fließt. Aber wenn auch der von Hetz d e- b r a n d, man möchte sagen, westeuropäischer wirkt als seine derberen Klassengenossen, er ist doch der unentwegteste Ver- treter des Junkertums durch und durch, und womit dem Januschauer der Mund überfließt, davon ist auch dem Klein- Tschunkawcr das Herz voll. Auch er sieht, daß die seudalcit Raubritter mit dem Stimmzettel immer schlechtere Geschäfte machen und hofft, daß sie mit scharfen Patronen bessere Gc- schäfte machen werden, auch er sehnt den Atigenblick herbei, wo es hart aus hart geht, und es war der aufrichtigste Ruf seiner innersten Seele, wenn er gestern sehnsüchtig von der Stunde sprach, da man den Sozialdemokraten sagt:„Machen Sie m i t Ihrer Revolution Ernst! Dann geht w c 11 i g st e 11 s alles drunter und drüber!" Demi wenn alles drunter und- drüber geht, wenn die Maschinen- gewehre das Wort erhalten, wenn das Bajonett schrankenlos waltet, dstnn blüht, so wähnen diese roten Reaktionäre, ihr Weizen so üppig wie nie. Darum spitzte der konservative Sprecher gestern auch alles zu auf den Geg/nsatz zwischen dem Kanzler, wie er sein soll soll und dem Kanzler, wie er ist. Der Kanzler, wie er sein 1 soll, das ist kein Geringerer als Herr v. I a g 0 w. der Sieger von Moabll, der Protektor der Reuter und Forstner es war beziehungsvoll und deutlich genug, wenn Herr v. Hetzdebrand mit erhobener Stimme ver- sicherte, daß die konservative Partei von diestm„außer- ordentlichen Manne"„noch Bedeutendes" erwarte und wenn er den trutziglichen Gebieter vom Alexanderplatz lobte: „Allerdings, ein Leisetreter ist er nicht!".! war sich niemand unklar, in welcher Richtung dieser Pfeil■ schwirrte. Denn dann nahm sich Herr v. Hetzdebrand den„Leisetreter" am Reichskanzlerplatz gründlich vor, der es nicht einmal in der Frage der Deckungsvorlage gewagt, die Volksvertretung„zum Teufel zu jagen", sondern einer Besitz- steucr zugestimmt habe, die sogar das Wohlgefallen der Sozialdemokratie fand. Theobald! Hüte Dich! klang ein vernehmbarer llnterton aus H e y d e b r a n d s Sätzen heraus, sonst kündigen wir Dir gänzlich die Gesellschaft, wir, die nützlichsten Leute im Reich, die mit dem preußischen Schieß- prugel den Kassenschrank schützen, den Besitz, die„Grundlage allerKultur", und eS erinnerte gar au desReichSkanzlersHohen- lohe bekanntes Wort über die preußischen Junker:„Diese Herren pfeifen auf das Reich!", wenn er den Kanzler nachdrücklich er- mahnte, nicht weiter abzuweichen von den föderalistischen Prinzipien, auf denen daS Reich gegründet sei. Aber, tönte es aus: Kehrst Du zurück in unsere Arme, so ist alles vergeben und vergessen! Und warum auch nicht, denn noch allemal hat der Leiter der Reichsgeschäftc den Muckern bewiesen, daß er in allen entscheidenden Fragen Fleisch von ihrem Fleisch und Bein von ihrem Bein ist! Darum hat es auch nicht gar so viel zu sagen, wenn Herr v. B e t h m a n n H 0 l l we g— er entschuldigte sich förmlich, daß er des konservativen Führers Rede nicht habe anhören können— nachher mit einer gereizten und verärgerten Kritik der Kritik erwiderte. Er steht heute so einsam wie der Fichtenbaum aus kahler Höh' in dem Heineschen Gedicht und er hat es wahrhaftig nicht leicht. Dem ehrlichen Manne, der er ist, mag man es"schon glauben, wenn er seufzend meinte: Und. m. H., Sie können versickert sein, daß es mick manche schlaflose Nach! lostet, wenn ich vor einer schwerwiegenden Eni- schoidung stehe, mich zu fragen: Tust du hier auch das, was deinem Äolke dienlich fein wird. Aber die Junker wollen keinen Kanzler mit schlaflosen Nächten, sondern den starken Mann mit den eisernen Nerven, der sogar zwischen Blutbad und Blutbad die Nacht trefflich schläft. Wie nach ihrer Schätzung Herr v. Jagow einer ist. * lieber die Sitzung ivird uns aus dem Abgeordnctcnhausr noch geschrieben: Von den Rednern aus dem Hause fand die größte Aufmerlsam koit Herr Schiffer von den Nalionalliberalen. Schiffer ist im Grunde ein erzreaktionärer Manu, der bisher den rechten Flügel der preußischen Nationalliberalen vertrat. Wenn seine Fraktion nicht ihn, sondern den noch reaklionärercn' Herrn Röchling als ersten Etats- rcdner ins Feld geschickt hat, so ist das ein Zeichen dafür, wie sehr der liberale Gedanke im Schwinden begriffen ist. Einen Hauch liberaler, aber' auch nur einen Hauch, war der Ton, auf den die Schiffersche Rede gestimmt war. Wenn er es auch nicht direkt aussprach, so fühlte man es doch heraus, daß es ihm recht unangenehm war, daß sein FraktionSfreund jede Vorsicht beiseite gelassen und sich ganz im Sinne der Scharfmacher geäußert hatte. Aber darin ist er mit ihm ein Herz uGd eine Seele, daß der Besitz nicht weiter besteuert werden darf und daß die National- liberalen nicht wieder gegen den Kanzler voneren dürfen. Auch über Herrn v. Jagow.urteilt er schärfer als Herr Röchling und ebenso rückt er im Gegensatz zu ihm vom Kartell der schaffenden Stände ab. Wenigstens vorläufig. Bei der Wandlungsfähigkeit Schiffers wird es wohl nicht allzu lange dauern, bis er sich zu den Altnationalliberalen durchgemauiert haben wird. Sonst kamen nur noch zu Wort die Abgg. Bell(Z.), der die Forderung auf Uebertragung des ReichötagswahlrechtS mit einigen Mätzchen abtun zu können glaubte, v. Woyna(fl.), der sich ebenso dreiste wie alberne Ausfälle gegen die Sozialdemokratie leistete, und Dr. Puch nicke(Vp.), der nicht ungeschickt gegen die Kon- servativen polemisierte und, da für den Augenblick nicht mehr zu erreichen sei, in der Wahlrechtssrage eine Einigung auf Grund deS geheimen und direkten Wahlrechts befürwortete. Dem nächsten Redner, unserem Genossen Liebknecht, wurde durch einen Schlnßamrag das Wort abgeschnitten und der Etat sodann der Budgetkommission überwiesen. Am Freitag ist keine Sitzung. Am Sonnabend beginnt die erste Lesung des Wohnungsgesetz- entwürfs. Die Freisprechung öer Reuter, Schaö, Forstner rechtsgültig! Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, daß der zuständige Gerichsthcrr in dem Verfahren gegen den Säbel- Helden F 0 r st u e r auf die Einlegung der Revision gegen das frei- sprechende Urteil des OberkricgSgerichtS verzichtet habe. Für diese Entschließung sei„wohl ohne Zweifel ausschlaggebend" ge- Wesen, daß nach den„tatsächlichen Feststellungen" deS OberkriegS- gerichis der Angeklagte einen drohenden tätlichen An- g r i s f der aus seinen Befehl verhasteten Personen abgewehrt und sich dabei innerhalb der erlaubten Grenzen der Notwehr gehalten, das RevisionSgericht aber keine Möglichkeit einer Nachprüfung dieier„tatiächlichen Feststellungen" habe, das Rechtsmittel der Revision also von vornherein als aussichtslos habe erscheinen müssen. Das offiziöse Blatt sagt also damit zwischen den Zeilen, daß die Feststellungen des OberkriegSgerichtS, daß Forstuer wirklich nur , in Notwehr gehandelt habe, zwar recht anfechtbar sein mögen, | daß aber die Revisionsinstanz keinerlei Möglichkeit gehabt habe, eine � Korrektur der Feststellungen vorzunehmen. Ob nicht eine formale Handhabe zur Aufhebung des von der gesamten Oeffentlichkeit als geradezu ungeheuerlich empfundenen Urteils gegeben wäre, ist freilich noch eine andere Frage. Aber, so teilt das offiziöse Organ weiter mit, auch in dem Per- fahren gegen den Obersten Reuter will der Gerichtsherr auf Einlegung der Berufung verzichten. Die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" meint, daß für diesen Verzicht gesprochen haben möge,„daß die eingehende Beweisausnahme vor dem Kriegsgericht einwandfrei den guten Glauben des Angeklagten an eine ihm nach seinen Dienstvorschriften zustehende B e r c ch t i- g u n g zu dem Einschreiken deS Militärs ergeben hat und daß er deshalb nach anerkannten Rechtsgrundsätzen straflos bleiben muß." Nun, die ungeheure Mehrheit nicht nur der Laien, sondern auch der Juristen und S t a a t s r e ch t s l e H r e r ist im Gegenteil der Ueberzeugung, daß dem Angeklagten auch nicht der Schein einer Berechtigung für sein unerhörtes Vorgehen zur Seite stand, daß die Berufung auf die Dienstvorschriften gerade der nochmaligen a I l e r s ch ä r f st e n juristischen Nach- Prüfung bedurfte und daß eine. nicht unter dem Einfluß der Kronprinzenfronde stehende RevisionSinstanz zu dem Urteil kommen müßte, daß„nach anerkannten Rcchtsgrundsätzen" der Oberst Reuter und sein Famulus Schad unbedingt zu verurteilen seien! Hier hätte die Bcrufungsinsianz ja auch in eine sachliche und rechtliche Nachprüfung aller Vorgänge im weitesten Umfaiigc eintreten können. Aber gerade deshalb wohl verzichtete der Gerichtsherr auf da» ihm zustehende Rechtsmittel! Die unheilvolle Geschichte, die schon so viel Staub aufgewirbelt und eme so uu- geheure Empörung in den Volksmasse» erregt hatte, sollte nicht noch einmal zur Sprache gebracht werden. Ebenso mag man die Möglichkeit gefürchtet haben, daß sich selbst Kriegsrichter finden könnten, die vor der Sprache der Tatsachen und den Bestimmungen von Verfassung und Gesetz Respekt genng besäßen, um eine dreiste Staats st reichlerei nicht un gesühnt zu lassen! Durch eine abermalige Verhandlung, durch das Anrufen der Revisionsinstanz hätte aber die Säbeldirtatur unserer Soldateska, die man stabilisiert zu haben wähnt, ers ch üttert werden können, und deshalb die endgültige Kapitulation des Anklagevertreters vor der juristischen Weisheit Traugott v. Jagows und jener fünf Epauletten tragenden Stabsoffiziere, die in Straß- bürg das Recht des militärischen Aufruhrs zu pro- klamieren keine Scheu trugen! Nun, wenn durch solche Tricks die Herreu Reuter, Schad und Forftner auch der Strafe entrückt sein werden, wenn keine kriegS- gerichtliche Revision mehr möglich ist, so wird das Volk und die Volksvertretung selbst die R e v i s i 0 n S i n sr a n z bilden müsseil l Schließlich meldet das offiziöse Organ noch über die Kabinetts- ordcr von 1820 das folgende: Es ist richtig, daß in der Dienstvorschrift über den Waffen- gebrauch des Militärs von 1899 Teile der Allerhöchsten Kabinetts- order von 1829 verwertet worden sind, und zwar um das Not- wehr- und Notstandsrecht des Militärs sowie die Fälle, in denen die Anwendung deS Mititärhoheitsrechtö in Frage kommt, darzulegen. Aus ihrer Verwertung, die nach eingehenden Verhandlungen der beteiligten Ministerien im Jahre 1821 in allen seitdem erschienenen und veröffentlichten Neudrucken der Vorschrift gleichlautend er- folgt ist, haben sich bis jetzt keinerlei praktische Unzuträglichkeiten ergeben. Nachdem sich indessen bei den jüngsten Ereignissen in Zabern Zweifel daran ergeben haben, ob die Vorschrift von 1899 die Befugnisse der Zivil- und Militärbehörden richtig abgrenze. ist von Seiner Majestät dem Kaiser und König eine Nachprüfung der Dienstvorschrift angeordnet worden. Auch hier wird die Volksvertretung ein kräftiges Wort mitzusprechen haben� Das Volk kann sich nicht da- mit begnügen, daß von einigen Beauftragten des Kaisers die Rechts- gültigkeit vermoderter und der Verfassung ins Gesicht schlagender KabinetlsorderS einer Nachprüfung unterzogen wird, sondern es hat durch seine gesetzgeberiscye Tätigkeit dafür zu sorgen. daß nicht nur alte Scharteken vom Schlage der Order von Anno 1829 endgültig von der Bildfläche verschwinden, sondern auch alle Orders neueren Dalums, die sich nicht mit dem Wortlaut und Geist der Ter- sassung und Gesetze vertragen, kassiert werden I ** Die Zaberner Rechtsfrage. Man schreibt uns: Das Gesetz vom 1. Juni 1851 über den Belagerungszustand ist zwar unzweisethaft in Preußen das Gesetz, daS durch Artikel 35 der Verfassung vorgesehen ist und die Ausnahmen regelt, die ein miliiärischeö Einschreiten ohne Requisition der Zivilbehörden gc- stauen, aber eS ist kein.Militär gesetz", und daher auch durch Artikel 61 der ReichSvelfasiung keineswegs Reichsgeietz ge« worden. Daher hat der bayerische KriegSministcr ganz korrclt aus- geführt, daß in Bayern ein Eingreifen deS Militärs»hne Aus« sorderung der Zivilbehörden überhaupt unzulässig sei. Daraus ist zu folgern, daß in dem selbständigen Reichslande Etsaß-Lothringen ein Recht der Mititärbefehlshaber in die Polizei� gewalt der Jibklkehvrden einzugreifen, überhaupt und ohiie jede Ausnahme nicht besteht. Es muß auch der unerhörten Behauptung entgegengetreten werden, daß preußische Truppen überall nur an ihre Iilstruttioneu gebunden seien, in welchem Bundesstaate auch immer sie ständen. Die Rechtslage ist vielmehr so, daß sie überall an die ReichSgesetze und subsidiär an die Gesetze deS Landes gebunden sind, in dem sie stehen. Daher kam für Eli'aß-Lothringen lediglich Artikel öS der Reichßverfassung(letzter Absatz) in Betracht. Zobern vor üem eifaß-lochringffchen Landtag. EtraßSurz, 13..Januar.(Privattelegramm des „ 25 o r tv 2 n t S In der Sitzung am Donner-Ztagbormittag erhielt zunächst Abg. DZ o I f von der Forlschrithspartei das Wort. Er sprach über die Be- leidigungcn der franzoftsckzen Fahne und betont« diese Beleidigungen seien schon deswegen traurig, weil viele alte Eliäsier früher unter dieser Fahim ehrenvoll gestanden hätten. Die Nichtversetzung deS Leutnants v. Forstner sei der erste Mißgriff gewesest, der alles andere verschuldet habe. Zum Schluß führt der liberale Redner aus, seine Partei wünsche, daß Graf Wedel jetzt nicht dem kommandieren den General geopfert wepbe und daß Elsaß�Lothringen ein selbständiger Staat im Rahmen deS Deutschen Reiches werde. Ter nächste Redner war der regrerungssreundliche Pro ftsfoc Dr. Müller von der Z c n t r u ms p a r t e i. der der Regierung vorivars, jic hätte nicht erst die Kompetenzfrage prüfen, sondern ihre moralische Autorität in die Wagschale werfen sollen. Man müsse von der Regierung erfahren, wer daran schuld sei, daß der Oberst Reuter, nachdem seine Entlassung bereits ärigenomnwu war. wie ein ErobcrcL nach Zabern zurückgelehrt �sei Es muffe' jetzt etiles daran gesetzt werden, daß gegen das frei- sprechend« tlrteil Berufung eingelegt werde, sonst schwinde selbst das Pertöauen zur höchsten Stelle. Ihm habe sogar ein deutscher Offizier geschriebe», daß ihm angejichis de» freisprechenden Urteils die Schamröte ins Gesicht gestiegen sei. Ter lothringische Ävg. Schlumberger verlangt von der Regiermtg, daß ste den Platz räume, wenn sie nicht sichere Garantien für dt« Zukunft geven lönnc. Auch der liberale Abgeordnete Donnevert, cm alldeutscher Reserveosfchher auö Metz, findet es traurig, daß man selbst bis zum Gcneraytabe hinauf dem jungen Forstner,' der keine Blüte der Nation und außerdem mit dem Verdacht der Mädchen schändung behaftet sei. im Gerichtssaale zu seinem Freispruch gratuliert habe. In der Nachmittagsjitzung nahm Genosse P et roteS das Wort. Er stellte die Frage, ob die Justizverwaltung der elsatz ldthnnzischei! Regierung schon etwa» getan habe, um gegen die Berliner freikonservative„Pcht' vorzugehen, die die Richter, die im Zaberner Prozeß alö Zeugen austraten, des Meineids, ver dächugt habe. Tie Regierungserklärung, die am ersten Jnter pellakionStagc vorgelesen wurde, sei weiter nichts als ein Küssen derjenigen Hand, die vorher chrieigte. Daß eine militärische Neöenregierung existiere, habe sich schon vor zwei Jahren bemerk hcrr gemacht. alS der Mülhausener Polizeipräsident mit Recht sich gegen die Anuläßvikg des Militärs gewehrt habe,, dann aber von der Regierung fallen gelassen worden sei. Die Treibereien der Alldeutschen, die sich gefreut hätte«, wenn cS in Zobern zu einem Blutbade gekommen, war«, hätten nur daS eine Ziel, einen Krieg mit Frankreich anzuzetteln, um eventuell auch noch das franSö'ifche Lothringen, Ivo ungeheure Erzlager vorhanden sind, zu erobern, als Ersatz für das verloren gegangene Erzlager in Marokko. Nachdem noch Ab T r u ia m das Wort genommen oatte, kam der Ant raff der vier Fraktionen zur Abstimmung, der unter leb haften« Beifall einstimmig angenommen wurde. ES folge« dann die Interpellation icher den Mülhauser Krawall, bei dem zwei Arbeiter erschossen wurden. Abg. Martin (Loz.) begründete die Interpellation und hielt der Polizei vor. daß sie. am Morde der beiden Arbeiter schuld sei. Tarauf wird die Be- sprechung der Interpellation beschlossen. Ter Abg. Ätn inel wirft der' Regiierung'ihre UvterlaffungS- fänden vor. die dazu beigetragen haben, daß es zum Blutvergießen in Atillhausen gekommen fei. Auch die übrigen Redner kritisierten mehr oder minder scharf das Verhalten der Polizei.— Schließlich wurde du Antrag eingebracht, der der Regierung die Mißbilligung über ihr Verhalten ausspricht. Die Debatte geht weiter.., Toschenspielerkünste. Man muß denen, die den Oberst von Reuter reinwaschen und das freisprechende tlrteil des Straßburger Kriegsgeruhts'recht- tertigen wollen, scharf aus die Finger sehen, denn sie operieren mit Paragraphen und RechtSvegrifsen in einer Art. die einem g e- wiegten Taschenspieler alle Ehre machen würde.' Nach dem H-rr v. Zedlitz seinen Trick, den wir schon entlarvt haben, als er ihn in der..Post" anwandte, nun auch noch einmal im preußischen Aogeordnetcnhaus versucht Hut, produziert sich im„Tag" in der Gestalt des Professor Dr. Adolf Arndt-Berlin ein neuer juristischer Artist. Mit großem Wortschwall setzt der Professor auseinander, daß die Militärgewalt die unbestreitbare Befugnis habe,„manu pro- pria und manu militari(mit eigener Hand und unter Anwendung militärischer Gewalt)- ohne und im Notfall selbst gegen die Zivil- behörden alles zu tun, was notwendig erscheint, um die mili- tärische Täti'gke-it zu schützen". DaS ist sehr schön, nur stand der Schutz der mi l i t ä r i sche n Tätigkeit in Zabern gar nicht in Frage, demt beleidigende Zurufe, die an die Adresse von Ossizieren gerichtet werden, können auch mit dem besten Willen nicht als Behinderungen de? Militärs in seiner Tätigkeit aufgefaßt werden. Ter Professor Arndt versucht dann das Auftreten des Militärs auf das Gebiet der Notwehr hinüberzuspielen. Das Militär, das an der ruhigen Ausübung'seiner Funktionen- gehindert werde, könne selbst da» Hindernis entfernen. Es dürfe also(man beachte Visses also!) auch einen abhalten, einer Mititärperson stets vor den Füßen zu gehen, wenn er diese' in ihrer Bewegungsfreiheit dadurch hindere. Wie hübsch hier doch mit einem kühnen Also von dem Militär, das sich in seiner amtlichen Betätigung gestört fühlt, zu der ein- zelnen Militärper'son hinübergesprungen wird, der jemand vor den' Füßen herläuft. Selbstverständlich darf die einzelne Mi- litärpSrson jemanden, der sie absichtlich belästigt, unter Umständen mit eigener Hand und gewaltsam entfernen, aber der miliiärische Befehlshaber besitzt nicht die Befugnis, Soldaten aufzubieten und die Beseitigung solcher Hindernisse, die einzelnen Offizieren bereitet werden, al» eine militärische Funktion hinzu--' 'stellen. Er greift damit in die Kompetenzen der Polizei ein. Doch Herr Arndt dehnt das?!otwehrrecht noch weiter aus. Er sagt: „Niemand, weder ein Militär noch ein. Zivilbeamter, weder / ein Organ des Staates noch ein Privatmann, brauchl sich sott- -gesetzt beschimpfen�, bedrohen und werfen zu lassen. Ob und was zur Selostverteidigung und zur Abwehr nötig und nützlich er scheint, ist eine Tatfrage, deren Beanllvortung in erster Reihe dem militärischen Befehlshaber obliegt." Wieder eine sehr niedliche Nummer! Im ersten Satz heißt es. daß auch ein Privatmann das Recht der Selvstverteidiaung im größten Umfang besitz«, im zweiten, daß die Beantwortung de Tatfrage dem militärischen Befehlshaber obliege. Ge. schwindigkeit ist leine Hexerei; aber das schleunige Verschwinden- lassen d«S Privatmannes ist für den Herrn Professor auf dem Gebiet der logischen Taschenspielerei eine dringende Notwendig keit, weil er dann weiter daraus folgert, daß- der Militärbefehlshaber ein VerhaftungSrcckit besitze und daß er die Fest- genommenen trotz der entgegenstehenden Bestimmungen der Straf Prozeßordnung nicht unverzüglich an die Zivilbehörden abzugeben brauche, wenn er nicht die feste Ueöerzeugung habe, daß die Zivil beamteu gewillt und imstande seien, den Unfug abzuwehren. So weitgehende Befugnisse dürfen natürlich eine Privatperson nicht zugebilligt werden. Sie sind nur für den Offizier vorhanden, und wenn der Professor Arndt sich für die Notwehr als ein Natur recht begeistert, das iniver äußerlich und unzerbrechlich in den Sternen hänge, so i't er selbst verständlich weit entfernt davon, dem von ihm erwähnten Dichter folgend der gemeinen Zivilperson zuzugestehen, sich ihre„ewigen Rechte" herunterzuholen. Ihm toie seinen Freunden und Kunst kollegen gilt nur der gesrozzeltc Offizier als der Bedrückte, der nirgends Recht kann finden und deshalb getrosten Mutes in den Himmel greisen darf- der genarrte Reichstag. Bei der Beratung der Wehrvorlogc haben die liberalen Pär teien unter der Führung des Zentrum- so ziemlich alle sozialdemokratischen Anträge niedergestimmt. Dafür brachte das Zentrum eine Flut von Resolutionen ein, die schließlich angenommen wur- den und dann den schwarzen Demagogen dazu dienen mußten, den Wählermass'en die weitausschaucirde Ilmsicht des Zentrums vor Augen zu führen.„Was das Zentrum erreicht hat' unter dieser yeberschrift zählte die Presse des Zentrums all diese Resolutionen auf. Der„Vorwärts" wies bereits damals darauf hm. daß mit der Annahme dieser Resolutionen Arbeit für den P a p i e r. korb de» Bundesrats geleistet wurde. Wütende» Geklaff der Zentrumspresse war die Antwort, und heute sticht das Zentrum vor einem H a u f e n P a p i e r f e tz e n, in die der Bundesrat diese Resolutionen verwandelt hat. Dem Reichstag ist eine Ilebersicht der vom Bundesrat gefaßten Entschließungen auf die Beschlüsse des Reichstages zugegangen. Daraus ergibt sich, daß den Resolu- tionen keine Folge gegeben wurde und die Begründungen, die für die. Ablehnungen gegeben werden, muten teilweise wie eine Verhöhnung des Reichstags an. Der Reichstag verlangte, daß den Arbeitern.der Militärver tvaltung die Woche nfeicrtagebezahlt«erden sollen. Der Bundesrat antwortet: „Im Jahre 19l? erneut aufgenommene Verhandlungen über die Bezahlung der Wochenseiertage zwischen allen beteiligten Res- sorts haben rtffeöenv daß der bereits im Jahre 1011 im Reichstag vertretene ablehnende Standpunkt sowohl aus grund- sätzlichen wie aus finanziellen Erwägungen a. u f r e ch t e r h a l- t e n werden muß." e-. Ter Ausbau der Arbeiterausschüsssc in den Betric. ben der Heeresverwaltung wurde mit der Begründung abgelehnt: „Die Arbeiter der Militärverwaltung haben das Recht, ihre Wünsche und Beschwerden auf dem Instanzenweg bis zum Kriegsministerium zu verfolgen; auch direktes Anhören von Ar- bettern im KriegSmirristenum findet statt. Die Schaffung einer Körperschaft ähnlich den Geweöbegerichtcn fit daher für die Mili tärarbeiter e n t b e h r l i ch." Der' Urlaub der Soldaten, dessen Erteilung heute in is Ermessen der Vorgesetzten. gestellt ist, sollte in ein gewisses Cyste m gebracht werden durch eine Resolution, die Anordnungen verlangt, damit?) die Soldaten mindestens durchschnittlich jährlich vier Wochen Urlaub erhalten tömten; b) der Urlaub für die berittenen Waffen in erhöhtem Umfang gewährt wird; c) diese Urlaubszeiten für die aus der Landwirtschaft stammenden Soldaten tunlichst in der Erntezeit erteilt werdOr. Auch das hat der Bundesrat abgelehnt. Die Antwort an den Reichstag geht- dahin:' „Urlaub'wird hei allen Waffen in utöglichst weitem Umfang und insbesondere auch unter Berücksichtigung häuslicher Verhält- nisse— darunter auch der Erntsverhältniffe— erteilt. Bei den heutigen vielseitigen Anforderungen an die Ausbildung des ein- zelnen Soldaten und aus disziplinaren Gründen mutz aber dem für die Ausbildung verantwortlichen Vorgesetzten d a S Recht der. Urlaubsecteilung unb« schränkt, in seiner bis- herigen Form erhaltfii bleiben." Selbst auf eine Einschränkung de» Btilitärboh- kotts geht die Militärverivaltung nicht ein, ste erklärt einfach: „Dauernde Besuchsverbote werden nicht aus polittschen Grün. den verhängt, sondern nur. wen« eine disziplinschädigende Wir- kung durch den Besuch der Räumlichkeiten verursacht wird. Bei sonst einwandfreien Lokalen sind an Stelle einer dauern- den Sperre tageweise Verbote vorgesehen, die sich auf die Zeit deschränken, in der pölitische Versammlungen in den Anwesen abgehalten werden..- Ueber die Notwendigkeit eines dauernden rder vorübergehen- den BesuchSvttbots trifft die zuständige Kommandoilelle. die Eni- scheidung auf Grund der besonderen örtlichen Verhältnisse.". Das bedeutet, daß an dem jetzigen Zustand, den nur di e Konservattvengcbilligthaben, nich t..d a S ui i n d e st e geändert wird! Nach wie vor wirb ein übereifriger oder auch ü b'e l w ö 1 l e ss d e r G e n d a r m e-'in der Hand haben, einem Wirt zum Mtltiärverbot zu verhelsen. Die große Mehrheit deS Reichstags war sich darüber einig, daß das B u r s ch e n w«.s e n erheblich, eingeschränkt. werden muß. Tie Militärverwaltung erklärt kurz und bündig: „Die Gestellung von Burschen Und Ordonnanzen ist durch die Garnisondienstvovschrist- geregelt. Hierbei ist schon aus möglichste Einschränkung gerückiichtigt. Ob''eine noch weiter-zchende Vor- Minderung sich ermöglichen läßt, wird zurzeit geprüft. Tab Ergebnis liegt. noch nicht vor." Glatt abgelehnt wurde daS Verlangen, durch spätere E i n st e I l u n g oder f rü h e r e E n t l a s s u n g der Mannschaften te Dienstzeit zu verkürzest.' Die gefördert« Umwand-' lung der Regimenter,'-die' ein rein- adeliges Offizier- k o r p S hechen, wird mit der saloppen Redensart'vbgetan: „Eine Entwickelung in der' Armee, die in wachsendem Maße zu Regimentern mit ausschließlich oder überwiegend adligen Offizierkorp» führte,.ist nicht wahrzunehmen.".,. Bon den exklusiven Regimentern, deren Ofsizlerstellcn dem Adel offenbar vorbehalten sind, von der Garde mit ihrem'Trvß prinzlicher Of-fizi'ere, scheinen die Herren keine Ahnung zu haben, sonst hätten sie die ihnen von der Militär- Verwaltung gegebene Erklärung einfach zurückweisen müssen. Daß der als n i ch t v o l.l w e r t i g e Truppe betrachtete Train einer Hebung bedarf, wird bestritten; stie Reform des M i l i tärjt ra f. rech t s wird aus die lange Bant geschoben; daß die- O es se n.t l.t.ch k.e! t- bd-diut m-i l i tä r g-e.r i ch tl ich.«« Verhandlungen stark beschränkt wird, wird einfach a b- geleugnet. D-js Verlangen deS Reichstags nach einer Reform des Beschwerderecht» wird abgelehnt; nicht einmal zu dem Zugeständnis könnte man sich entschließen, die Unmensch- l i ch e, b a r b ä r i s.ch e St ra f a r t d c» st r e n g c n Arrestes zu beseitigen! Bei dieser kleinen Blütenlese wollen wir es bewenden lassen. Die Militärverwaltung bat so ziemlich alle- da» abgc- lehnt, was die Mehrheil des Reichstags verlangt hat. Die Eni- schließungen des Bundesrats zeigen, wie' man dort den anderen Faktor' der RcichSgefetzgebung, den Reichstag einschätzt. Das ist nur möglich, weil die Mehrheit des Reichstages sich eine derart unerhörte Behandlung gefallen läßt; denn schließlich hat jedes Parlament die Negieruitg, die.e- verdient. Mit den Erfolgen aber, mit denen, sich die bürgerlichen Parteien brüsteten, ist es nicht- und jetzt kann die Komödie von vorn beginnen. politische Ueberflcht. Sonntagsruhe. Au» dem Reichstag, 15. Januar. Der sozialdemokratischen Interpellation über die prompte„Erledigung" der Zaberner Militärausschweifnngen durch die Militärsustiz hat sich eine fortschrittliche über die gleiche Frage zugesellt. Zu Beginn der heutigen Sitzung sah man mit einiger Spannung der Haltung der Regierung zu diesen beiden Interpellationen entgegen, aber im Namen deS Reichskanzlers vertröstete Staatssekretär Delbrück den Reichstag bis zu dem Zeit- Punkt, da die Kriegsgerichtsurteile Rechtskraft erlangt hätten. Nach dieser Erklärung trat das Haus in die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ein. Wenn die Behandlung dieser etwas trockenen und Harm- losen Materie— trocken und harmlos in? Vergleich zu der Sturmzeit, die im Reiche herrscht— auch etlvas von Sonn- tagSlangeweile im Hause verbreitete, so war von Sonntags- frieden doch wenig zu verspüren. Im Gegenteil! Die Par- teien fuhren sich sogar recht heftig in die Haare, aber- merk- würdigerweise forderten just die Parteien, die daS Band der christlichen Weltanschauung umschlingt und die schon ihre religiöse Uebarzeugung auf die Forderung der un- bedingten Sonntagsruhe festlegen sollte, Ausnahmen um Ausnahmen von der völligen SonntagLnche— der Gesetz- cntwurf, den der Geheimrat Caspar aus dem Reichsamt des Innern wie eben ein Geheimrat aus dem Reicksamt d«6 Innern begründete, geht ihnen noch viel zu weit. Das unter- strichen, im Interesse ihrer sogenannten„Mittelstandspolittk", der beflissene Herr Erzb erg er vorn Zentrum ebenso wie der konservative Graf Carmer-Zieserwitz, und ebenso wenig konnten sich der Nationalliberale L i st und der Fortschrittler Gunßer für die unbedingte Sonntagsruhe erwärmen. Der Mittelstand selbst, soweit ihm seine Klassen- beschränktheit nicht ein Brett vor den Kopf nagelt, wird es demgegenüber dem Sprecher der Sozialdemokratie, Genossen B stn d'e r, Tank tvissen, daß er scharf; schlagend und mit einer Fülle guier Gründe auf die faulen Ketten des Gesetz- entwurfs hinwies und nicht- nur im Interesse der Arbeiter und Angestellten, sonderen auch der- kleineren selbständigen' Existenzen für die völlige Sonntagsruhe eintrat. Seine Beweis- nhrung vermochte keiner der ihm folgenden Redner— der Sozialdemokrat sprach an erster Stelle— zu entkräften. Morgen Fortsetzung._ tSeplante militärische Mastnahmcn in Glsah?Lothringen. Die„Leipziger Zeitung". daS Leipziger R c- gierungsorgan, veröffentlicht eine allem Anschein nach offiziöse telegraphische Mitteilung aus Berliu folgenden Inhalts: „Die Vorgänge in Zabern dürsten eine eingehende Prüfung verschiedener militärischer Fragen im Gefolge haben, die im Ver- lauf der Verhandlungen über diese Angelegenheit hervorgetreten sind. Daß man von dem früheren Brauch, die Elsaß-Lothnnger außerhalb der RetchSlande dienen zu lassen, abgegangen ist, hat die bedenkliche Erscheinung gezeigt, daß die Reservisten deS 99. Regiments aus der Umgegend von Zaber» sich an den Kundgebungen in der Stadt betet- l i g t e n.- Man wird daher, wie in militärischen Kreisen verlautet, vermutlich wieder zu der allen Uebung zurückkehren. Auch wird man sich bei der Einstellung der Mehrjährigfieiwilligen die Leute etwas näher auf ihr bisheriges Verhalten ansehen, da ja nach der Webrordnung der Regimentskommandeur über die Einstellung selbständig zu entscheiden hat. Die Einjährigfreiwilligen werden hiervon nicht berührt."_ Tie„Kölnische Zeitung" zum Kölner Polizeiprozest. Tie„Kölnische Zeitung" bespricht am Donnerstagabend in eiuem Artikel den-Potizeiikandal, der durch den Prozeß gegen unser Patteiblatt, die„Rheinische Zeitung", ausgedeckt worden ist. DaS halboffiziöie Organ zieht gegen die Polizei frisch vom Leder und bemerkt zum Schluß: „Wir hoffen und erwarten, daß die zuständigen Stellen mit aller Energie bemüht sind, die Lebren aus dem Prozeß zu ziehen,- der zwar formell gegen den sozialdemokratischen Redakteur geführt wurde, aber aus einem Angeklagten einen öffemlichen Ankläger gemacht hat."__ Zeutrumsworte und Zentrumstaten. Zur Junkerrevolte im preußischen Herreithause bemerkt Herr Jul. Bachem im„Tag": „Was Gras Uorck v. Waricnberg zur Begründung deS Bor- Wurfs der Scdmälerung der Reckte und der Vonnacklstellung Preußens im Reich angeführt hat, ist nicht viel. Aber dem Alt- p r e u ß e n I u m, wie es im Hertenhause seine stärkste Stütze bat, patzt die g a n z e' n e u z e i l l t ch e politische Entwickelung nicht. Der alle preußische Schwert- und Grundadel mit dem votzugswetse aus ihm hervorgegangenen hohen Beamtentum hat heute nicht mehr die Allein- Herrschaft wie in dem Preuß e n von ehedenu Neben diesen Kreisen find andere soziale Schickten in den Vorder- grund getreten, welche auch einen Ptatz an«der Sonne beanspruchen. vor allem daS selbstbewußte Bürgertum der großen Städte." Das ist sehr hübsch und sehr richtig gesagt. Aber nicht minder Tatsache ist, daß„das selbstbewußte Bürgertum der Städte' dem alten Schwert- und Grundadel längst dje Mucken ausgetrieben haben könnte, wenn sich nicht in jeder Lage daS Zentrum für die Junker und gegen die großstädtische Bevölkerung ins Zeug gelegt hätte, am offensichtlichsten und schamlosesten durch' seine fanatisch» Bei- teidigung der schamlosen agrarischen Wahlkreiseinteilung. Ohne dje ZentrmnShilse hätte das anmaßliche Junkertum längst abgewirtschaftet. Deshalb wird es sich um die' sanften Ermahnungen de« Herrn Bachem verteufelt wenig lümmern. so lange e-Z der Helfers» diätste des Zentrums gewiß ift._ Matrikularbeiträgc für 1911. ' Das Reichsschatzamt hat dem Reichslage eine Aufstellung über die von bell Einzelstaaten an das Reich zu leistenden Zuschüsse— die Matrikularbeiträge— zugehen lassen. Diese beziffern sich au* 245 958 224 iR Davon geht der Ertrag der Branntweinsteuer ab, die bekanntlich den Einzelstaaten zufließt, in Höhe von 194917480 M so daß die Einzelstaaten aus ihren eigenen Einnahmen zu decken haben 51 940 794 Vi., macht auf den Kopf de: Bevölkerung 89 Pf. Ein Jagow-Erlaft vor dem Reichstage. Der Berliner Polizeipräsident v. Jagow hat in einem Erlaß den Schutzleuten verboten, der„Bereinigung Berliner Schutzmänner beizutreten. Als das Statut des Vereins zur Genehmigung ein- gereicht wurde, entschied Herr v. Jagow: „Die Genehmigung zur Gründung der„Bereinigung Berliner Schutzmänner" wird nicht erteilt." Gründe für sein Verbot anzuführen, hielt Herr v. Jagow nicht für nötig. Dabei hatte es sich der Acrein zur besonderen Aufgabe gestellt, königstreue Gesinnung zu pflegen. Der Ahl geordnete Erzberger hat nun im Reichstag die Anfrage gestellt: „Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun. um der im Reichsvereinsgesetz auch den Berliner Schutzmännern garantierten Vereinsfreiheit gegsnüber dieser Maßnahme der preußischen Behörde Geltung zu verschaffen?" Diese Antrage wird am heutigen Freitag bei Beginn der Sitzung mit zur Beantwortung gestellt werden. Wahlterrorismus. Es muß schon schlimm gewesen sein, wenn ein Gemeinde- vorstand gegen die allmächtigen Industriellen den Vorwurf des Ai a h l t le r r o rö erhebt. Nun hat aber gar ein Ge- melndevorstand init 7 Stiminen— bei 3 Stimmenthaltungen— beschlossen, wegen Wahlterrors bei der Gemeindewahl Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zu stellen. Ferner soll wegen der Vorkommnisse eine Eingabe an das preußische Abgeordneten- h a u s, an den Handelsminister und an die Vorsitzenden der Fraktionen des Reichstags gemacht werden. Unter eingehender Dar- legung der Verhältnisse will man mit der Eingabe auf eine Aende- rung des Wahlgesetzes hinwirken. ES handelt sich in dem vorliegenden Fall um die Gememde Freisenbruch bei Bochum. Die Klagen wegen de» aus- geübten Terrors richten sich offiziell gegegen mehrere Zechen- b e a m t.e. In Wirklichkeit ist das I n d u st r i e k a p i t a t der An- geschuldigte. Aus steuerlichen Gründen sind die Industrie- Unternehmungen bei den GemeinderatSwadlen sehr stark interessiert. Eine„gute" Vertretung eripart ihnen Tausende, von Mark an Steuer», die vorwiegend durch Pauschalierungen erzielt werden. Das ist ein wunder Punkt, der die Finanzen der meisten industriellen Gemeinden im Kohlenbezirk dauernd in ungesundem Zustand erhält. Unter den Verhältnissen, die der Fieisenbrücher Gemeinderot nun öffentlich beklagt, leiden viele Gemeinden. Die Zechenbeamlen wissen, was„oben" gewünscht und verlangt wird. Sic bieten daher alles auf, um eine„gute" Vertretung der Grube im Gemeinderat zu sichern. Der beste Terrorist ist der beste Mann, hat Chancen zum Vorwärtskommen. WaS dem preußischen Staate die Wucherzölle einbringen. Die höheren Schutzzölle, die seit 199ö. seit dem Jnkrafitreteu der Handelsverträge, ihre, unheilvolle Wirkung ausüben, haben bekannt- lich auch ein starkes Steigen der Gülerprcise und der Pachtiummen bewirkt-und- da der preußische Staat seine Domänen verpachtet, so erzielt auch er bedeutend höhere Profite. In Dstpreußen sind in der letzten Zeit eitte"Anzahl Domänenvorwerke neu verpachtet worden. Das 539 Hektar große Vorwerk Kiauten sKrciS Goldap), das bisher 8926 M. Pacht brachte, ist auf 18 Jahre für 12949 M. neu verpachtet worden. Das 619 Hektar große Vorwerk Bawken (Kreis Lötzen) brachte bisher 6838 M. Pacht; jetzt ist eS für 14 254 M. verpachtet worden. Das 494 Hektar große Vorwerk Schnittken(Kreis Sensburg) ist.für 14 539 M. verpachtet worden. Die bisherige Pacht betrug 6525 M. Im Jahre 1914 kommen zur Neuverpachtimg: das Vorwerk Saalau (Znsterburg) 770 Hektar groß für 28 999 M.(bisheriger Pachtpreis 19 871 M.). das Vorwerk Stradaunen(Lhckj 436 Hektar groß für 13 699 M.(bisheriger Pachtpreis 6872 M.), da? Vorwerk Wittinnen lLyck» 340 Hektar groß für 11 179 M.(bisheriger Pachtpreis 6722- M.). das Vorwerk FriedrichSau-Rekau(Neustadt Acsipreußen) 147 Hektar groß für 16 152 M.(bisheriger Pachlpreis 5646 M.s. Also nicht nur verdoppelt, nein, sogar verdreifacht haben sich die Pachlsummen. Ter Staat macht glänzende Geschäfte, auf Kosten deS arbeitenden VolkeS: aber die neuen Pächter werden sehr bald als„Notleidende" nach J&öhcren Zöllen schreien.» Tragikomödie in Kassel. Am 5..November 1998 beschäftigten sich die Kasseler Stadtväter auf Grund eines sozialdemokratischen Antrages zum ersten Male mir der Frage der kommunalen Arbeitslosenversicherüng. Am 4. Mai 1999 ivurde beswlosseii, der Magistrat möge die Einführung einer Arbeits- losenversicherung in Erwägung ziehen. Der Magistrat lehnte ab. Am 4. November 1999 beschlossen die Stadtväter trotzdem einstimmig, eine Kommlision einzusetzen mit dem Auftrag,- die Arbeitslosen- verficherungSkrage eingebend zu erörtern. Bier Jahre lang tat diese Kommission indessen nichts. Als sie in der zweiten Hälfte deS JahreS 1913 endlich zusammentrat, erklärte ihr Vor- sitzender, Bürgermeister JockmuS, er lege den Vorsitz nieder, sobald die Kommission positive Beschlüsse fassen sollte. So entschied die Kommiision, weiterhin nichts zu tun, und am 12. Januar 1914 erstattete sie den Stadtverordneten endlich Bericht über ihre„Arbeit" vierjäbrigen Nichtstuns. Resultat: wie der Magistrat, so empfiehlt auch die Kommission, keine Schrille zur kommunalen Lösung des ArbeitslosenversicherungsproblemS zu unter- nehmen, da diese Lösung zu finden Sache des Reiches sei. Mit er» drückender Mehrheit stellten sich am 12. Januar d. I. die Stadt- verordneten auf den gleichen Standpunkt. Glatt abgelehnt wurde auch der von unseren Genossen gestellte Antrag, von einer Kommission eine Vorlage zwecks Einführung der Arbeitslosenversicherung aus- arbeiten zu. lassen. Glatt abgelehnt wurde schließlich auch unier Unteiantrag, zur sofortigen Unterstützung Arbeitsloser 19999 M. bereitzustellen..._ Kirchliche Toleranz. Mit welch' skrupellosen Mitteln der KirchenauStriltsbewegung entgegengearbeitet wird, zeigt folgendes Beispiel: In dem kleinen Städtche« Lauterberg am Harz hatte in jüngster Zeit«ine Anzahl Einwohner, die innerlich mit der Kirche gebrochen hatten, auch offiziell die Bande mit der Kirchengemeinde gelöst. Das gab den Kirchenobern des Ortes Veranlassung, in einer die'er Tage i« Lauterbergs„Wochenblatt" veröffentlichten«Kirch- lichcn Statistik aus dem Jahre 1S13" neben allerlei Zahlenwerk über- Geburten, Trauungen. Sterbesälle usw. auch die Namen der Gemeindemitglieder, die deim Amtsgericht ihren Austritt aus der evangeltsch-lutherischeu Landeskirche angemeldet haben, bekannt zu geben. Da bei den übrigen Zivilstalldsnachrichten Namen nicht an- gegeben waren, kann über den Zweck der Namensnennung bei den KirchenauStritten kein Zweifel mehr bestehen. In großen Städten könnte mair derartige PraktMn der Kircheubehörde auf sich beruhen lassen. In kleinen Orten wie Lauterbcrg aber können solche Maß- nahmen allerhand unangenehme Folgen für die Ausgetretenen haben. Deswegen fordert das Vorgehen der dorngen Kirchenbehörde den lebhaftesten Protest heraus._ ES lohnt fich! Ter kürzlich gestorbene Kardmal Luigi Oreglia bezog als Kuricnkardiual das Fixum von 2l 599 Frank in Gold, als Dekan und Kämmerling des Hl. Kollegiums vom Jahre 1895 ab 8999 Lire, als Präfekt und Sekretär zweier Kongregationen und Proteklor von drei OrgenSgcsellschasten 14 099 Lire und endlich seit seiner 1873 er- folgten Ernennung als Kardmal die Pfründe deS BiSlumS Ostia an der Tibermündung, dem er ein einziges Mal in 49 Jahren einen Besuch abgestattet haben soll. Dasür strich der Kardinal und so- genannte„Reichsverweser der heiligen Kirche" ein weiteres Gehalt von 93 399 Lire im Jahre ein, für ein Bistum, daS weniger Seelen zädlt, als jede mittelgroße Pfarrei am Rhein. Das Gesamt- einkommen dieses ältesten Kurienkardinals betrug 138999 Lire — 1 1 1 999 Mark im Jahr. Eine Arbeitslosen-Demonstratiou. Der GewerkschastSvercrn Münch c n hatte für Mittwochvormittag eine Versammlung der Arbeitslosen eiirberufen. Der Münchener Kmdlkeller, der größte Saal Demschlands, vermochte die Tausende von hungernden Männern und Frauen nicht zu fassen und wurde schon lange vor Beginn der Versammlung polizeilich gesperrt; da noch forrgeietzr große Massen anrückien, mußten noch drei Parallel- Versammlungen abgehalten werden. Genosse Raith bezeichnete in großeir Strichen die kapitalistische Produktionsweise als Ursache der Arbeitslosigkeit und schilderte daS Gaukelspiel der bürgerlichen Parteien gegenüber der Forderung der Arbeitslosenversicherung. Die klassenbewußte Arbeiterschaft wisse ihren Weg zu» gehen: sie habe erkannt, daß eine Befreiung der Ärbeiterklasje aus den Fesseln des Kapitals nur daS Werk der Arbeiter selbst sein könne Auf ihre Vertreter bauend, kennt die Arbeiterschaft nur eine Hoff- nung: den Sieg des Sozialismus. Raith schloß seine eindrucks- vollen Ausführungen: Die Not schreit zum Himmel, hört darum ihr Verantwortlichen in Staat und Gemeinde, zahllose eurer Bürger hungern! Heraus mit der Arbeitslosen-Versicherung l In einer einstimmig angenommenen Resolution fordern die Arbeitslosen von der Gemeinde München zur Linderung der großen Not unverzüglich die Gewährung ausreichender Mittel. Die dauernde Regelung der Arbeitslosenfürsorge durch Zuschüsse von Staat und Gememde und planmäßige Vergebung staatlicher und kommunaler Arbeiten ist eine soziale Notwendigkeit. Vom Standpunkt des Gemeinwohls haben die Vertreter von Staat und Gemeinde die Pflicht, zugunsten der unverschuldet Arbeitslosen ausreichend Linde- rung zu fcbaffen. Nach Schluß der Versammlung erregten die gewaltigen P lassen in den Straßen großes Aufiehen. efterreich. Kritische Lage. Wien, 15. Januar. Die parlamentarische Lage wird immer verworrener. Die tschechische Lpp'osition Besetzte heute nachmittag um 2 Uhr das Lokal des� Budgetausichusses und verhinderte mit Gewalt die Abhaltung der'Sitzimg. Schweiz. Internationale Ardeitcrjchutzkoaferenz. Der schweizerische Bundesrat hat durch Kreisschrciven vom 30. Dezember 1913 die Regierungen des Deutschen Reiches, von Oesterreich, Ungarn, Belgien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, Niederlanden, Luxemburg, Portugal. Rußland und Schweden zu einer internationalen diploma- tischen Konferenz auf den 3. September 1914 nach Bern ein- geladen, welche die von der im Septembör 1913 ebenfalls in Bern stattgefundcncn„technischen Konferenz" ausgestellten Gi-undzüge betreffend das Verbot der industriellen'Nachtarbeit der Jugend- lichen und Festsetzung der Höchstarbeitszeit der industriellen Arbei- terinncn in internationale Vereinbarungen uniwandeln soll. Be- kanntlich sind jene„Grundzüge" durchaus ungenügend. Bulgarien. Tic Sozialdemokraten gegen die Regierung. Sofia, 13. Januar. Nach der K a m m e r a u f l a f u n g veranstalteten die Sozialdemokraten gegen die Regierung eine Kundgebung. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die Kammerauflösung als parlamentarische Willkür erklärt wird. Die Entschließung wurde mit den Rufen: Nieder mit der Monarchicl Es IpBe die Republik! aufgenommen. Manien. Der Leiter der provisorischen Regierung JSmacl Kemal Bei hat demissioniert und die internationale Kontrollkommission aufgefordert, die Verwoliungsgeschäfte weiterzuführen. Jsmael soll bei den Vorbereitungen, an Stelle des Fürsten von Wied einen mohammedanischen Fürsten zu setzen, sich kompromittiert haben. Kmöer und jugendliche in Zabriken. Jedem Versucki, die schrankenlose Ausbeutung kindlicher und jugendlicher Arbeitskraft einzudämmen, begegnen die Unternehmer mir der Behauptung, eine weitere Verschärfung der Schutzgesetze oder Beichränkung der zeitlichen Ausbeutung der jugendlichen Kräfte sei technisch undurchiührbar, bedrohe die Konturrenffqhigkeit der Unter- nehmen. Besonders großen Eindruck verspricht man sich immer von der Erklärung, man werde eventuell auf die Beschäftigung Jugend- lieber verzichten müssen, wen» die Gesetzgebung wettere Schutzmaß- nabnien beschließe. Davon würden die armen Ellern. die aus den Milverdierist der Kinder angewiesen.seien, am meisten geschädigt. Aus diesem Grunde solle man endlich mit der Schutz- gesetzgeberei aufhören. Wie rührend und orbeiterfreund- sich! Was zeigt nun aber die Praxis? Ein stetiges und schnelles Wachsen der Zahl von Kindern" und Jugendlichen, die in Aabrilbctrieben beschäftigt werden. Stach den amtlichen Angaben — VierteljahrShcfre zur Slalistik des Deutschen Reiches, 4. Heft— wurden in den der Gewerbeaufsicht unterstehenden Betrieben im Deutschen Reiche gezählt: Kinder unter Jugendliche von 14 Jahren 14—10 Jahren männl. weibl. männl. weibl. 6677 5388 289 597 159«58 7734 5979 332 382 172 535 7789 6133 358 327 179 964 1193 743 68 739' 29 396 Bon 1998 auf 1912 stieg die Zahl aller beschäftigten Kinder und Jugendlichen von 452 317 aus 552 294 oder um 99 887--- 22,8 Pro- z e n t. In der gleichen Zeit hat die Zahl der beschäftigten Kinder 1908 1011 1912| in 1912 gegen 1908 mehr um über 15 Prozent zugenommen. Also anstatt einer Abnahme der in Fabriken beschäftigten Kinder, eine sehr starke Zunahme. Wir sind der Ansicht, daß Kinder überhaupt nicht in die Fabrik, sondem auf den Spielplatz und in die Schule gehören. Die Eni- Wickelung beweist die Notwendigkeit eines stritten Verbots der Kinderarbeit. Weiter ist zu erkennen, daß die Aus- beutung kindlicher und jugendlicher Arbeitskraft dem Kapital sehr vorteilhaft' sein muß und sie als Mittel des Lohndrucks dient. Ganz abgesehen davon, bedarf der in der Entwicklung be- griffenc Körper besonderen Schutzes und deshalb müssen z. B. die Jugendlichen unbedingt von der Nachtarbeit ausgeschlossen werden und die Arbeitszeit dürfte unter keinen Umständen über acht Stunden hinausgehen. Das ist da« Minimum der Forderungen in der Frage deS Schutzes der Jugendlichen. An der Zunahme der jugendlichen Arbeitskräfte sind übrigens alle Industrien beteiligt, lieber die Berteiluirg auf die einzelnen Gruppen und die Zunahme unterrichtet die folgende Uebersicht. Es wurden kindliche und jugendliche Arbeitskräfte zusammen be« schäftigt: Gewerbegruppe 1909 1912 Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen... 49916 44209 Industrie der Steine und Erden..... 35311 38637 Metallverarbeilung.......... 57405 73788 Maschinen, Werkzeuge, Instrumente.... 6143! 82863 Ehemische Industrie......... 6596 7585 Forstwirtschaftliche Nebenprodukte, Leuchtstoffe, Fette, Oele........... 2492 2993 Textilindustrie........... 84496 03411 Papierindustrie........... 16068 16397 Lederindustrie........... 5944 7601 Industrie der Holz- und Schnitzstoffe... 25641 33673 Nabrungs- und Genußmittel...... 46065 61909 Bekleidung und Reinigung....... 49685 61461 Baugewerbe..... 0580 13637 Polygrapbische Gewerbe........ 18737 20164 Sonstige Industriezweige..,.... 808 885 JnSgeiamt 458085 652204 Am stärksten ist die Zunahme in der Metallverarbeitung und der Industrie der Maschinen usw. Aber auch die Textilindustrie, der man beinahe den Ruin als Folge verschärften Arbeiterinnenschutzes in Aussicht stellte, hat die Zahl der jugendlichen Arbeitskräfte noch wesentlich gesteigert. Und die Mehrzahl der mehrbeschäftigten Kräfte ist weiblichen Geschlechts. Dieses ist bei einem Geiamtzuwachs von 9005 mit 6489 beteiligt. Die Ausnutzung der weiblichen Arbeitskraft, auch der jugendtichen, ist demnach immer noch lohnender als die der gleichaltrigen Knaben.__ Ms See Partei. Gcmeindewahlerfolg. In Strausberg wurde bei einer Nachwahl zur Stadivcr- ordneieirversammlung an Stelle des Genossen Nicolai, dessen Wahl für ungültig erklärt worden war, Genosse Boge mit 290 gegen 230 bürgerlicbe Stimmen gewählt. Damit hat die Partei jetzt sechs von den acht Mandaten der dritten Abteilung inne. In Sibirien gestorben. Aus Sibirien kommt die traurige Nachricht vom plötzlichen Tode eines Mitgliedes des Petersburger ÄrbciterdelegicrtenraieS, deS Ge- Nossen Peter Alexandrowitsch G l y d n e w. Der Verstorbene nahm bedeutenden Anteil an den großen Ereig- nissen des Jahres 1905. In den Petersburger Arbeiterdelcgierlenrat wurde er von einer der größten Fabriken gewählt, von den Oduchow« scben Metallwerken. Ein besonnener Mensch mit ruhiger und fester Entschlossenheit war er dank einer angeborenen Bescheidenheit jedem außerliwen Hervortreten abgeneigt— gerade diese seltenen Eigenichafle» baben jbn zum beliebtesten Delegierten in den weitesten Scbichien der Petersburger Arbeiterschaft gemacht. Zwei Lage nach dem gesänchltichen 17./39. Oktober— dem Tage der Verkündung der russischen Verfassung— lourde er in die Delegation bestimmt. die der Arbeiterdelegiertenrat zum damaligen Premiermrnistcr Witte entsandte mit der Aufforderung. die TagS vorher beim Umzüge verbaiteten Demonstranten unverzüglich auf freieu Fuß zu setzen. Der damalige Leiter der russischen Regierungsgewall vcriprach, die Forderung des Arbeiterdelepierien- rotes sofort zu erfüllen, und er hielt Wort. Aber sieben Wollten später— auf Anordnuiig desselben Witte!— schlössen sich Himer Slydnew und den übrigen Mitgliedern des Petersburger Arbeiter« delegiertenrales die eisepbeschlagenen Gefängnistüren. Im fernen Sibirien, wohin er zur lebenslänglichen Ansiedelung verbannt worden war, hat �Slydnew ein frühes Grab gesunde»! Die luisiicbe Arbeiterklasse, deren Drang nach Freiheit er in verantwort- licher Stellung treu und ehrenhaft zunr Ausdruck gebrackit hat. steht an seinem Grabe in tiefer Trauer, aber auch in unerschütterlichem Glauben an die Sache, der Slhdnew sein Leben geopfert hat— an den unbesiegbaren Aufstieg der Arbeiterklasse Rußland* I Cin mißglückter Neinwaschungsversuch. Eine erregte Volksversammlung, in der der Ehristlrchsoziake M u m nr und ein zweiter Redner seiner Partei über Z a b e r n sprach, fand gestern abend im„Marinehaus" am Köllnischen Park statt. Zwar die Bevölkerung war, wie Genosse Dr. Breitschcid unter lebhaftem Beifall unserer Freunde in der Diskussion fest- stellte, nur spärlich vertreten. Zahlreiche Plätze blieben leer und die Hälfte der Besucher bestand aus Anhäugeru der Sozial- demolratie. Die beiden christlichsozialen Redner, die die Zaberner Affäre in stärkster Entstellung vortrugen, wurden von heftigen Zwischenrufen elementarster Empörung unterbrochen. Diese Zwischenrufe steigerten sich vor allem bei der schneidigen Antwort des Genossen Dr. Breitscheid zu einem ausdrucksvollen Protest gegen die Ausführungen der beiden christlichsozialen Redner. Letzte Nachrichten. Tos Pariser Attentat. Paris, 15. Januar.(W. T. B.) S-chcrif Pascha erklärt in einer an die Blätter gerichteten Zuschrift, daß er keineswegs die Absicht gehabt habe, seinen Schwager, den Großwesir Said Halim Pascha, der Mitschuld an dem gegen ihn versuchten Mordanschlag zu beschuldigen. Er habe den Berichterstattern gegenüber lediglich die Bemerkung gemacht, es sei ein bedaüerliches Zusammentreffen, daß Said Hakim Pascha, der Bruder seiner Frau, die dem Mord- anschlag beinahe zum Opfer gefallen sei, das Oberhaupt der gegen- wchrtigcn jungtürkischcn Regierung sei. Die Geldklemme in Mexiko. New Jork, 15. Januar.(W. T. B.) Nach einer Depesche aus Mexiko sind die von Präsident Huerta angeordneten Bankseier» tage bis zum 31. März verlängert worden. Die Regierung hat eine Abgabe von einem Prozent auf alles in Hypotheken angelegte Geld gelegt und nur milde Stiftungen davon ausgenommen. Tie Bulkauverhecrungen in Japan. Tokio, 15. Januar.(98. T. B.)"Die Zahl der infolge deö Vulkanausbruchs auf der Insel Sakuraschima Vermißten wird jetzt auf fiebentansrnd angegeben. Alle Missionare sind in Sicher« heit. Die Nahrungsmittel sind knapp. Danksagmtg. Iür'nie herzliche Teilnahme Bei der SSecrBiguna uicmce lieben Zrau Anna Hünchen läge ich allen Teilnehmem herzlichen liermLna NüncKen. Danl. ISIlllZSgUllg. Kür die zahlreichen Boveiie der Teilnahme anläijlich des Hinscheideos meines lieben Mannes, unseres guten LaicrS. des Lcassenaiigenellten Hsx Teske lagen wir allen Verioandien, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Vorstände der Gürtler-Invaliden- untersiützungSkaffe, dem Borstande und den Angestellten der Ärtslranken- lasse der Gürtler, dem snzjaldemo« kratischen Wahlverein des s!. Berliner Wahlkreises, dem Deutschen Metall- arbeneroerband, dem Verbünd der Bureauangestellten und der Hilfs lasse der Graveure und Ziseleure" unser» herzlichsten Dank..-- öSH Emilie Teske und Töchter. KravdtllunwMnllgs- uud Stgrübnisvertill' für Kay- vnd gkwerbliche Arbeiter Berlins und Umgegend. Lonntag, denk 8. Januar, vormittags 10 Uhr, findet die Generai-Versammlung Dresdener Str.-15 statt. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1913. 2. Bericht der Revisoren. L7/1 3. Jahresbericht 4. Borstandswahl. 5. BereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. J. A. des Vorstandes: a d c g a st. Vors., Soidmcrstr. 75. Bekanntmachung betreffend die Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschuß der Ortskrankenkasse der Gürtler zu Berlin. Bon den Versicherlen und den Arbeilgebern ist aus Grund unseres Wahtausschreibens vom 11. De- zeniber 1913 nur je ein Wahlvorichlag eingereicht worden, welche gemäß§ 9 der Wahlordnung vom Borstand als giiltig ancrtamit worden sind. Die vorgeichlagenen Bewerber gelten daher gemäst Z 10 a. a. O. als ge- wählt. 267/9 Die für Sonntag, den 25. Januar 1911 und Montag, den 26. Januar 1314 angesetzten Wahllermine werden hiermit ausgehoben. Die Gültigkeit der Wahl kann bis zum 1V. Februar 1911 angefochten werden. Ansechtungcn sind beim Bor- stand oder dem Bersicherungsamt an- zubringen. Berlin, den 15. Januar 1911. D«e- Vorstand. 9.%: Ewald Liesack, Vorsitzender. iWÜÖIIl Todes�Anzeigen�WM Allgemeine OrtsKrankeakaste für' Lerliv-Iempelllos ksi'ivkiigung zu der w Nr. 7 vom 8. Januar veröffenUichten Bekanntmachung. Das Ergebnis der Stiminenadgnbe bei der am ZV. Dezember 1913 stattgesundenen Wahl der Arbeitgeber für den Ausschuß der Allgemeinen Orts-»raukenkaffe für Berlin- Dempelhof lautet nicht von Liste I vier, sondern nur drei, so daß Herr Augiut Müller nicht gewählt ist, während von Liste II außer den be» kanntgegebenen Namen der Gewählten Herr Karl Schadack als gewählt hinzukommt. 267/5 Berlin-Temstelhof, 11. Januar ISll. A.lh«rt Ceorgc, 1. Borfitzender. iciinbcris �rmeesohle hydroph. ElniegeohJc M« Aentlioh anerkannt bester Scbntx geg. Srkältung Pttr ältere Leute llnentbehrlub Sebent Scbube und Strümple RiabelUprelv ttlT Herren und Uamen 50 Pf,& Kinder(bis Grösse 2») 30 PI,(bis Gröese 3t) 35 PI. Zn haben in allen Schuh-, Orogeh- und ainschltglgen Geschitten, wo nicht. verlanue man sie vom Fabrikanten Oswald Schubert£"1" Prosp. u. Probesohlen unter Aneab« .1. Grösse franko Innerhalb Doutscb- landa geg. Einsendung des Betrages Belm Landheer». Marine eingeführt Heute entschliefnach kurzem Krankenlager infolge oiner Operaton sanft meine liebe Frau und gute Mutter Frau Anna Strauß im vollendeten 49. Lebensjahre. Dies zeigen an, um stille Teilnahme bittend Karl Strauß und Mohn. Otto Straull- Berlin-Borsigwalde, den 13. Januar 1914. Ernststr. 5. 210/1 Die Beerdigung findet am Montag, den 19. d. M, nachm. 2'/� Uhr. von der Halle des Philippus-Apostel- Friedhofes, Müllerstraße, Ecke Seestraße, aus statt. llf. Limmsl Zpezisl-Arzt kür Haut- und Harnleiden. Prmzenslr. 41, ÄÄ 1(�2, 5— 7. Sonntajrs 10—12. Verein Berliner Buclidruck-Mascliinenineister- Infolge überaus starker Teilnahme sind wir gezwungen, die Besichii» gung an 2 resp. 3 verschiedenen Tagen vorzunehmen. Am Sonntag. den 18. d. 31. düifen also nur die angemeldeten Mitglieder mit dcni �nfsngskuvkstskon A. bis K. vertreten fein. Der Termin für die spätere Besichtigung wird zur geeignete n Zeit be- klmut gegeben. 27/3- Der Vonstand. Günstige Gelegenheit für Verbände, Kassen etc.! 5 lAdditlons Mascliinen bekanntos System, weit unter Preis zu verkaufen. Verlangen Sie Angebot unter Nr. 1931 durch die Hanpt-Exped. des„Vorwärts". 215/16* ', Itz• i P. O ist der schönste Ausflugsort? Jy � Immer noch Nichelswerder, an der nenc» Heerftrastc beim Alten Freund. Spezialarzt Dr. med. WockentaB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Mäüige Preise.* Sprechst. v. 8— 8. Sonntags 9— 11. Hautleiden entstehen durch unreines Blut. können deshalb auch nur durch BMU- innere Behandlung gründlich u. dauernd geheilt werden. Hsufpillen das beste hierfür. 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Dr. Eulert ist bielmehr, weil angenommen wurde, seine zu Protokoll gegebene Aussage entspräche der Wahrheit, auch nach der Vernehmung noch weiter im Provinzialdienst be- schäftigt worden. Kurze Zeit darauf hat dann Dr. Eulert den Landeshaupt- mann von Eisenbart-Rothe aus eigenem Antriebe um eine Un- terredung zur Abgabe einer Erklärung gebeten und hierbei seine Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei zugegeben. Er ist dann auf seinen Antrag sofort aus dem Provinzial- dienst ausgeschieden. Eisenhart-Rothe. Mag nun die Maßregelung des Genossen Eulert so oder anders erfolgt sein, so zeigt doch die Zuschrift des Herrn von Eisenhart- Rothe ganz zweifelsfrei, daß Eulert wegen seiner politischen Ge- sinnung gehen mutzte._ Irankreich. Abb6 Lcmire Vizepräsident. Paris, 14. Januar.(Eig. Ber.) Die Dcputiertenkammer hat gestern"einen katholischen Priester zum Vizepräsidenten gewählt. Nicht etwa aus dem Geist einer dem Klerikalismus die Arme öffnenden„Versöhnungspolitik" heraus, sondern im Gegenteil, um gegen die Herrschsucht und Unduldsamkeit der römischen Hierarchie zu protestieren. Denn Abbe Lemire, der Erwählte, ist ein Opfer des ultramontancn Fanatismus. Es gibt im Parlament und über- Haupt unter allen Menschen, die Lemire irgendwie nahegekommen sind, keinen, der nicht dem schlichten, liebenswürdigen und gütigen Mann herzlich zugetan wäre, wofern nicht blinder und roher Fa- natismus ihn zur Mißachtung der besten menschlichen Werte treiben. Lemire ist eine tief religiöse Natur, deren Streben im Sittlichen konzentriert ist und die vielleicht darum von philo- sophischen Zweifeln und Konflikten sreibleiben konnte. Die Er- füllung menschlicher Hilfepflichten gilt Lemire als höchste Aufgabe, und so verquickt scheint ihm sein öffentliches Wirken mit dem Priesterberuf, daß er auch im Parlament immer in der Kutte er- scheint. Lemire fühlt sich zum Volk gehörig, er ist Demokrat— mit vielem Verständnis für die sozial« Reform— und ein in gutem Sinne national gesinnter Republikaner. Das aber sind Sünden, die ihm die Politiker der Kirche, die besonders seit dem TrennungS- gesetz ihre Rechnung auf den Sieg der monarchischen Restauration gestellt haben, nicht verzeihen. Seine Feinde, sein Vorgesetzter, der Bischof von Lille, an der Spitze, verfolgen ihn seit Jahren mit den niedrigsten Schikanen. Sie haben— in der durchsichtigen Form eines allgemeinen Verbots— die Untersagung seiner nochmaligen Kandidatur verfügt. Da Lemire, ohne eigentlich zum offenen Widerstand zu greifen, die Willkür nicht stumm tragen wollte, der- hängte der Bischof das Interdikt, die Ausschließung von den geist- lichen Handlungen, gegen ihn, verbot das christlich-demokratische Wochenblatt von Hazebrouck, das für Lemire eintritt, und exkom- munizierte dessen Redakteur. Gegen diese Kampagne, die zweifel- los mit der Exkommunizierung Lemives selbst in den nächsten Tagen ihren Abschluß finden wird, hat die radikale Linke demon- stricrt. Welche Entscheidung Lemire dann zwischen dem Ruf deS Gewissens und dem drohenden Befehl Zioms treffen wird, bleibt noch abzuwarten. Wohl scheint die Wählerschaft treu zu ihm zu stehen, und der Kirche wäre es sicher nicht angenehm, eine galli» kanische, die Unabhängigkeit der französischen Kirche von Rom anstrebende Bewegung in einem ländlichen Kreis entstehen zu sehen, wo sie sicher mehr Bedeutung hätte als Unternehmungen gleicher Art in der religiös indifferenten Großstadt. Aber der völlige Bruch mit Rom ist ein Schritt, den der trotz allem an der Kirche hängende Abbe nicht ohne ein tragisches Ringen tun wird. ** * Mailand, 16. Januar. Der über vatikanische Nachrichten stets gut informierte„Secolo" meldet, daß der Vatikan den Abbe Lemire aufgefordert hat, innerhalb dreier Tage sein Mandat nieder. zulegen, widrigenfalls er mit der Exkommunikation bedroht wird. Rumänien. Kabiucttswcchsel. Wien, 16. Januar. Die„Neue ssreie Presse' meldet aus Bukarest, daß B r a t i a n u, der Führer der Liberalen, mit Bildung des Kabinetts betraut worden ist. Es der- lautet, dag Porumbaru Minister des Acußern werden wird. parlamentarisihes. Die Budgetkommission des Reichstages setzte am Freitag ihre Beratungen über die Ausführung deS Kaligesetzes fort. Im Mittelpunkt der ausgedehnten Ver- bandlungen stand der Antrag Erzberger, der dem Kali- syndikat die in früheren Jahren für Auslandspropaganda gemachte Mehrausgabe von 972 000 M. zurückerstattet wissen wollte. Von sozialdemokratischer Seite wurde gegen diesen Antrag, der wie bestellte Arbeit aussehe, energisch Einspruch erhoben. So sehr sich Herr Erzberger bemühte, wenigstens den Schein einer sachlichen Berechtigung seines Antrages zu retten, mußte er diesen schließlich zurückziehen zugunsten eines Antrages G o t h e i n, 900 000 M. aus dem Reservefonds für künftige Auslands- Propaganda dem Syndikat zur Verfügung zu stellen. Dieser An- trag gelangte zur Annahme. Der Reservefonds in Höhe von 8 Millionen Mark ist bisher in die Reichskasse geflossen und unverzinst geblieben. Nach einem Beschluß der Kommission soll das Geld in Zukunft zinstragend angelegt werden. Mit der Annahme eines Antrages G o Uj e i n, 200 000 M. mehr für JnlandSpropaganda, und zwar zvr Ver- Wendung für feldmäßigen Gemüsebau, einzusetzen, und eines An- träges Basser mann, 500 000 M. dem Syndikat für Propa- ganda auf der Weltausstellung in San Franziska aus dem Reserve- fonds zur Verfügung zu stellen, wurde die Beratung des Titels be- endet.— Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Ostelbische Wahlsitten. Die Wahl des freikonservativen Landrats v. H a l e m im Wahlkreise Schwetz beschäftigte am Freitag abermals die Wahl- Prüfungskommission deS Reichstags. jFm Januar 1912 wurde Herr v. Halem dadurch gewählt, daß 400 Stimmzettel, die auf den pol- nischen Kandidaten v. Saß-Jatvorski lauteten, zu Unrecht für ungültig erklärt wurden. Die Wahl wurde deshalb im November 1912 von der Kommission kassiert. Herr v. Halem wartete die Entscheidung des Plenums aar nicht ab, legte sein Mandat rasch nieder und erreichte dadurch, daß die Nachwahl be- reits am 30. Dezember 1912 unter Benützung der alten Wählerlisten stattfand. Und nun setzte ein geradezu s k a n- dalöses Verfahren ein. Man strich einfach eine Menge polnischer Wähler aus den Listen,«o z. B. einen Wähler, weil er einen Holzlesezettel erhalten hatte,� einen anderen, weil seine Schwiegermutter Armenunlerstützung bezog, einen weite- ren, weil er eine Rente bezieht! In einigen Fällen haben Per- sonen, die man zur Wahl nicht zulassen wollte, doch gewählt. Die Wahlvorsteher haben dann einfach je einen polnischen Stimmzettel wieder aus der Urne herausgenommen! Sämtliche polnische Wähler, die seit der Hauptwahl verzogen waren, wurden nicht zur Wahl zugelassen. Dagegen hatte man Vorsorge getroffen, daß die mittlerweile verzogenen deutschen Wähler ihr ! Wahlrecht ausüben konnten. Auf diese Weise„siegte" Landrat v. Halem mit 8017 Stimmen gegen 7891 Stimmen, die aus den polnischen Kandidaten entfielen. Die Prüfung der amtlichen Fest- stellungen ergab bereits, daß Landrat v. Halem die Mehrheit der Stimmen nicht mehr besitzt, so daß an der abermaligen Ungültigkeit seiner Wahl nicht zu zweifeln ist.— Trotzdem übt dieser Herrn das Mandat, von dem er genau weiß, wie es ihm ver- schafft wurde, ganz seelenruhig aus. Folgen der Agrarpolitik. Bei der Beratung des Landwirtschaftsetats in der Budgetkominifsion des preußischen Dreiklassen- Hauses wies ein Fortschrittler darauf hin, daß der Viehbestand in Preußen in den letzten Jahren um 1S5 000 Stück und im Reiche um 500 000 Stück zurückgegangen sei. Von den Agrariern wurde dagegen eingewendet, daß dies auf die Dürre und die Vieh- seuchcn vor einigen Jahren zurückzuführen sei. Dem hielt der Fortschrittler wieder entgegen, daß die Statistik die Unrichtigkeit dieser Behauptungen beweise und daß sich vielmehr ganz klar aus den Zahlen ergebe, daß der Beginn des Rückganges der Viehzucht genau zusammenfällt mit der Einführung der Einfuhrscheine, die den Körnerbau zum Nachteil der Viehzucht begünstigt und Deutsch- land zu einem Getreideausfuhrland gemacht haben. Der Minister wußte demgegenüber nichts anderes anzuführen, als daß der Groß- grundbesitz für die Qualität des Viehes von großer Bedeutung sei. Es wurde auch über die Frage der ausländischen Landarbeiter viel gesprochen. Bezeichnend genug ist, daß es die Liberalen waren, die Besorgnisse äußerten, daß die Regelung der Auswanderung in Oesterreich und die von Rußland angekündigte Maßnahme gegen den Zuzug russischer Saisonarbeiter nach Deutschland die deutsche Landwirtschaft um ihre Arbeiter bringen könnten! Der Minister v. Schorlemer erklärte, daß Rußland zunächst noch durch den gel- tenden Handelsvertrag zur Ausstellung von Landarbeiterpässen mit 10% Monaten Gültigkeit verpflichtet sei, und daß die Regierung bereits mit Oesterreich verhandele, um für den Fall der Annahme des dort eingebrachten Auswanderungsgesetzes die„berechtigten Ansprüche des Deutschen Reichese sicherzustellen". /tos der Partei. Stimmenthaltung im Wahlkreise Roscnbcrg-Löbau. Eine Parteivcrsammlung in Dtsch.-Etzlau, der größten Stadt des Roscnberg-Löbauer Wahlkreises, beschloß für die Reichstags- Nachwahl am 21. Januar Stimmenthaltung der sozialdemokratischen Partei, da die aufgewendeten Opfer in keinem Einklang zu dem Erfolg stehen würden. Protestversammlungcn gegen die Reaktion. In sechs starkbesuchten Versammlungen protestierte am Donnerstag die Dresdener Arbeiterschaft gegen die Ge- Waltherrschaft und die Unfreiheit des Staatsbürgers und des arbei- tenden Volkes, dem die Koalitionsfteiheit durch Ausnahmegesetze völlig vernichtet werden soll. In den Versammlungen, die sich zu wirkungsvollen Kundgebungen gestalteten, wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die gegen das Auftreten der militärischen und großkapitalistischen Gewaltherrschaft protestiert. Ein russischer Parteiveteran. F e l i x K o h n, einer der ältesten und bekanntesten Sozialisten Russisch-Polens, feierte in diesen Tagen in Lemberg das dreißig- jährige Jubiläum seiner Tätigkeit. Als junger Student und be- geisterter Anhänger der ersten polnischen sozialrevolutionären Partei„Proletariat" wurde er 1885 vom Warschauer KrieAsgericht zu langjähriger Zwangsarbeit mit nachfolgender lebenslänglicher Ansiedelung in Sibirien verurteilt. Sein lauterer Charakter und sein unerschütterlicher Glaube an die heilige Sache, der er sich ge- widmet, machten ihn in den sibirischen Katorgagesängnissen und später in der Verbannung allgemein beliebt. Im Jahre 1905 konnte Kohn nach der Heimat zurückkehren; da er sich aber fortgesetzt an der Bewegung beteiligte, mutzte er sie wieder verlassen und lebt gegenwärtig in Galizien. Heute ist Felix Kohn ein alter Mann— die sibirischen Jahre wiegen schwerer. Treu und un- ermüdlich dient er weiter der Arbeiterklasse. Wir wünschen ihm noch ein langes Leben im Dienste der Befreiung des russischen Volkes. Der erste sozialdemokratische Bürgermeister in Holland. Das Parlamentsmitglied K. ter L a a n, Mitglied der Haager Gemeindevertretung, ein Bauevnsohn und früherer Lehrer, ist zum Bürgermeister der Hafenstadt Zaandam, die seit kurzem eine sozialistische Mehrheit in der Gemeindevertretung be- sitzt, ernannt worden. Mit dem Genossen K. ter Laan tritt ein Mann mit großen Kenntnissen auf dem Gebiete der Kommunal- Politik das Bürgermeisteramt an. In der Haager Stadtverordneten- Versammlung tat er sich besonders hervor als Befürworter einer weitgehenden sozialen Schulpolitik, während er im Parlament neben den Unterrichtsfragen insbesondere das Ressort des Kriegsbudgets behandelte und sich dabei stets als ein sehr scharfer Antimilitarist zeigte. In seinem bisherigen Wohnort Haag war er bei den Arbei- tern überaus beliebt wegen seiner opferreichen und unermüdlichen Tätigkeit in unserer Beiveguug._ Der Begründer der ersten holländischen politischen Arbeiter- «rganisation gestorben. Im Alter von 72 Jahren starb in Amsterdam das liberal« Parlamentsmitglied Heidt. Mit dem Namen Heidts ist ein Teil der Geschichte der holländischen Arbeiterbewegung verknüpft. Heidt war von Beruf Schreiner. Er war der Gründer der ersten zentralen politischen Arbeiterorganisation in Holland. Er trat anfänglich auch der Internationale bei, wandte sich dann aber nach der Niederlage der Pariser Kommune vom Sozialismus ab und gründete 1872 den Allgemeinen Niederländischen Arbeiterverband. Diesem Verbände gehörten im Anfang auch die sozialistischen Elemente an, die damals noch keine eigene Organisation bildeten, so wie übrigens auch die christlichen Arbeiter. Als es dann aber den Sozalisten nicht gelang, den Verband für die Förderung der Vergesellschaftung der Produk- rionsmittel und für eine selbstständige Arbeiterpoliiik zu gewinnen, wandten sie sich im Jahre 1875 vom Verbände ab und gründeten eine neue sozialistische Partei. Von da ab geriet der Allgemeine Niederländische Arbeiterverband und damit sein Führer Heidt immer niehr ins liberale Fahrwasser, was sich noch mehr zeigte, als 1885 Heidt mit liberaler Hilfe in die Kammer gewählt wurde. Aus seiner Tätigkeit im Parlament ist hervorzuheben, daß Heidt für das allge- meine Wahlrecht dauernd mannhaft gekämpft hat. Er war der ein- zige Liberale, der 1887 gegen den Verfassungsparagraphen gestimmt hat, der noch immer das allgemeine Wahlrecht verhindert. Tie tschechische zentralistische Sozialdemokratie umfaßt zurzeit 14 200 politisch organisierte Mitglieder, sie besitzt 1 Reichsrats- mandat und 43 Gemeindevertretermandate, zwei Tageblätter in Wien und Prag und eine Anzahl seltener erscheinender Blätter. Die Einnahmen der Partei betrugen 1913 40 000 Kronen. Den Zentralgewerkschaften gehören 77 000 tschechische Arbeiter an, den zentralistischen Genossenschaften etwa 19 000 Mitglieder. polizeiliches, Gerichtliches usw. Preßprozesse. Genosse Schröder, der Redakteur der„D a n z i g e r Volks- wacht", sollte sich am 15. Januar vor der Danziger Strafkammer in zwei Fällen von Schutzmannsbeleidigungen veranworten. Der erste Prozeß wurde vertagt, weil ein wichtiger Zeuge am Erscheinen verhindert war. Im andern Falle versagten die Zeugen. Ihre, dem Berichterstatter der„Volkswacht" gemachte Aussage hielten sie vor Gericht nicht aufrecht. Das Urteil lautete ans 150 M. Geld- strafe. 200 M. hatte der Staatsanwalt beantragt. i /tos Industrie und Handel. Eine neue Anleihe Preußens. Schon im Dezember v. I. hieß es, Preußen wolle eine neue Anleihe aufnehmen. Tie Verhandlungen der Finanz- Verwaltung mit den Großbanken haben sich aber hingezogen, weil die Lage des Geldmarktes und die Unbeliebtheit der Staatspapiere die Entscheidung über Art und Höhe der An- leihe erschwerten. Eine offizielle Mitteilung über die neue Anleihe berichtet nun: Die preußische Finanzverwaltung hat an das Preußen- Konsortium 400 Millionen Mark auslosbarer 4prozentiger Schatzanweisungen begeben. Das Reich hat zurzeit keinen Geldbedarf zu befriedigen. Die Schatzanweisungsanleihe ist in 16 Serien zu je 25 Millionen Mark eingeteilt; jedes Jahr wird eine Serie durch Auslosung zur Rückzahlung zum Nennwerte bestimmt. Die Auslosung findet alljährlich im Oktober, erstmalig im Oktober 1914, die Rückzahlung der ausgelosten Serien am 1. April des auf die Verlosung folgenden Jahres statt. Von dem übernommenen Betrage sind 50 Millionen Mark bereits fest be- geben, die restlichen 350 Millionen Mark werden am 29. Januar zum Kurse von 97 Proz. zür öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Als Form der Anleihe sind diesmal Schatzanweisungen gewählt worden. Während Schatzanweisungen aber für ge- wohnlich nur kurzfristige Anleihen darstellen(im Gegensatz zu den langfristigen Staatsrenten), sollen diesmal die Schatz- scheine 16 Jahre hindurch laufen. Allerdings ist vorgesehen, daß jährlich 25 Millionen Mark Schatzscheine ausgelost und zu- rückgezahlt werden. Die neue Anleihe nimmt also eine Mittel- stellung zwischen fundierter Anleihe und Schatzscheinschuld ein. Diese Form ist gewählt worden, um das Kapitalistenpublikum zum Erwerb anzulocken. Die'letzten Anleihen des Deutschen Reichs und Preußens in der Mitte des vergangenen Jahres hatten bekanntlich einen Mißerfolg: von der Reichsanleihe(im Betrage von 56 Millionen Mark) wurden nur 86 Proz., von der Preußischen Anleihe(175 Millionen Mark) nur 46 Proz. ge- zeichnet; den Rest mußte das Bankkonsortium übernehmen. Diesmal gewährt man wiederum eine Verzinsung von 4 Proz. und gibt auch die Papiere billiger ab(zu 97 statt 97,96 Proz. wie im Vorjahre). Durch die Möglichkeit früher Rückzahlung erhöht sich aber die Verzinsung noch bedeutend. � Die erste Serie, die bereits nach einem Jahre ausgelost wird, erzielt eine Verzinsung von etwa 7 Proz., da die mit 97 Proz. ge- kauften Schatzscheine ja zum Nennwert, d. h. zu 166 zurück- gezahlt werden. Im Durchschnitt wird die Verzinsung für die gesamte Anleihe etwa 4ich Proz. betragen. Wenn eine offiziöse Mitteilung weiter hofft, daß der neue Typ Schutz gegen Kursverluste bieten werde, so mag das infolge der günstigen Verzinsung für die jetzt aus- gegebenen 466 Millionen wohl zutreffen. Aber die älteren Anleihen leiden natürlich darunter. Schon gestern gaben die Kurse dieser Papiere nach. Die vierprozentigen preußischen und Reichsanleihen(unküichbar bis 1918) sanken von 98 auf 97,7 Proz., die vierprozentigen Schatzanweisungen(unkündbar bis 1917) von 98,6 auf 98,3 Proz. Von der neuen Anleihe werden auch kleinere Stucke bis zu 166 M. herab ausgefertigt werden, damit möglichst breite Schichten sich an der Zeichnung beteiligen können. Eine lehrreiche Krupp-Statistik. Im Jahresbericht der Handelskammer Essen veröffentlicht die Firma Krupp die Bewegung der Le b e n S m i t t e l p r e i se bei der Kruppschen Konsumanstalt in Essen. Gleichzeitig werden die in der Gußstahkfabrik verdienten Durchschnittslöhne zusammen- ?estcllt. Aus den Preisschwankungen der einzelnen Lebensmittel ann man nicht ohne weiteres die Steigerung der Haushaltskosten übersehen. Berechnet man aber auf Grund der Kruppschen Statistik unter Berücksichtigung der Verpflegungsration des deutschen Marine- soldaten die wöchentlichen Kosten des Nahrungsmittelaufwands für eine vierköpfige Familie, Eltern und zwei Kinder, so kommt man zu folgendem interessanten Ergebnis: Von 1899 bis 1913 sind die Kosten des Nahrungsmittelaufwands um 29,86 Proz., die Durch- schnittslöhne aber nur um 24,79 Proz. gestiegen. Seit dem Hoch» konjunkturjahre 1907 wuchsen die Ausgaben für Essen und Trinken um 16,36 Proz., während sich das Lohnniveau der Kruppschen Arbei- ter nur um 10,09 Proz. gehoben hat. Zu diesen Schlüssen kommt man unter der Voraussetzung, daß die Kruppsche Statistik zu- treffend ist. Dies läßt sich leider nicht nachprüfen. Vor allem kann die Berechnung der Durchschnittslöhne nicht ohne weiteres für be- weiskräftig gehalten werden, weil ja die Firma nicht angibt, wie die Arbeitsgelegenheit gewachsen ist. Unter Umständen könnte sich bei Nachprüfung der Lohnberechnungen noch ein ungünstigeres Bild ergeben. Ferner ist zu beachten, daß bei der Berechnung der Kosten des Nahrungsmittelaufwands die Preise für die billigeren Sorten zugrunde gelegt wuroeu, um von vornherein gewissen Einwen- düngen die Basis zu entziehen. Auf alle Fälle ergibt sich aus der Statistik der Firma Krupp mit absoluter Sicherheit daß die Lebenshaltung der Arbeiterschaft sich verschlech- tert hat. Die Erhöhung des Lohnniveaus hat mit der Vertcue» ruug des Lebensbedarfs nicht Schritt gehalten. Zur Regelung des AuswandererverkehrS. Zwischen dem österreichischen Handelsministerium und der Hamburg-Lmerika- Linie ist als Folge der Enthüllungen über den Auswandererskandal folgendes Abkommen getroffen worden: Die Hamburg-Amerika- Linie verkauft ihren Besitz an Aktien der Austro-Americana (der österreichischen Schiffahrtsgcsellschaft, an der die Hapag be- teiligt ist) an ein unter Führung des Wiener Bankvereins stehendes Konsortium und verzichtet ferner auf die Ausübung des ihr zu- stehenden Vorkaufsrechtes auf einen weiteren Posten Aktien der Austro-Americana. In der Auswandererftage gesteht die Hamburg- Amerika-Linie Kontrollstationen an der Grenze sowie die Einrich- tung einer Kontrolle auf ihren Schiffen zu. Letzte Nachrichten. Die Persönlichkeit des Pariser Attentäters. Paris, 16. Januar.(W. T. B.) Die Durchsuchung der Woh- nung des Angreifers Scherif Paschas hat zur Beschlagnahme einer Anzahl von Dokumenten geführt. Als der Angreifer die Wohnung mietete, wies er einen Pah vor, der den Namen Djevad Ali Bei, Student, 22 Jahre alt, trug. Dieser Paß konnte nicht auf- gefunden werden. Vom südafrikanischen Streik. Johannesburg, 16. Januar. Die Polizei hielt heute im Hauptquartier der Arbeiterpartei während einer Sitzung von Ab- geordneten der Sctzergewerkschaft eine Haussuchung ab und ver- haftete alle Delegierten, im ganzen 62 Personen, wegen Verletzung de? Gesetzes über den Belagerungszustand, welche? eine Versamm- lung ohne Genehmigung der Behörden untersagt. Kapstadt, 16. Januar.(W. T. B.) Obwohl die Berichte ans den verschiedenen Zentren ein allmähliches Zurückkehren der Leute zur Arbeit melden, dauert das Kriegsrecht fort und die Regierung be- absichtigt, es ausrecht zu erhalten, bis normale Zustände zurück- gekehrt sind. Aus Durban, Braamfontein, Pretoria und anderen I Orten werden weitere Berhaftungea von Arbeiterführer« gemeldet. aRRU iiiiitiiiiimniiidifiiiifiininnfniiimiiii tÄÄÄ iiitiiii'ii.iiiiiiiiiiiimifiTnilfmimifimiiiiiiininmiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiHiiiüiimiiiiiiiiin Großer Inventur-Verkauf der alten Stiller-Firma Haupt-Geschäft: Jerusalemerstr. 32-35 iniraniimtinniiiiniminimiiitiiNnmiimniiiunnintiuiiiiiKniiiiiiiiiiiiii Potsdamer Strafe 2 Tauentzicn-Strafje 19a Tauentzien-Stra�e 7 b Friedrich-Strafe 75 Köni�-Stra�e 25-26 Rosenthaler Strafe 5 Haupt- Geschäft: Jerusalemerstr. 32-35 iHnimiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiitiinniiiiuiiiiiiiiiiuiiiiniuiünmuiiiiuiiiuinnini Oranien- Strafe 161 Gr. Frankfurter str. 123 Chausseestrasse 114-15 Schoneb., Hauptstr.l 46 Neukölln, Bergstr. 25 Charl., Wilmcrsd. Str. 45 Zur Vermeidung von Verwechselungen achte man genau auf Straßennamen und Hausnummern der alten Stiller-Firma(Gegr. 1S67) Grössere Vorteile wie je zuvor bietet unser diesjähriger Inventur-Verkauf mit seinen überraschend billigen Preisen Immer bedeuhings voller gestalten sich unsere Ausverkäufe, da wir nicht nur in bezug auf Preiswurdigkeit Hervorragendes leisten, sondern stets eine enorme Auswahl bieten und auch jederzeit für die Güte unserer Ausverkaufs-Waren einstchen. Extra billig Grefte Posten Herren- und Damen-SMefel und-Sdtuhe In besten QualiUMen, unsortiert 6.75 Verl bis su Mark 18.50 Moderne Damen- und Herren-Stiefel Gräfte Posten erstklassiger Fabrikale In vorzüglichen QuatltSlen, In Boxkalf. Chevreau. schwarz u. braun, Chevreau mit Ladebesatz, sowie Stiefel mit Stoff- u. Wlldteder-Einsfttzen, Stiefel mit Voll- u. 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Man weiß oft nicht, ob diese Tartarcnnackwichtcn für Börsen- zwecke berechnet sind oder ob sie dazu bestimmt sind, die Gc- walttätigkciten, die die in London sitzenden wirklichen 33c» Herrscher Südafrikas der Burenregierung einflüstern, irh vornherein zu rechtfertigen, lieber den Charakter der(Äold- und Tianiantengrubcnbcsitzcr, die in London ihre Paläste er- richten, ist sich niemand im unklaren. Es ist eine verlogene und verwegene Näuberbande, wie sie die Welt selten gesehen, von der viele nur eben mit dem Rockärmel das Zuchthaus gestreift haben. Tie Presse Südafrikas ist ihr fast gänzlich Untertan und m der englischen Presse hat sie Mächtige Für- sprecher. Wie ein Orgelpunkt klingt es durch die irreführen- den Nachrichten:„Dies ist kein Streik, sondern eine Revolu- tion. Deshalb drauf, Du Burengeneral Botha, laß das Blut in Strömen fließen. Zeige diesen Arbeitern, daß ihr Traum, aus der Union Südafrikas ein zweites Australien zu machen, au Deinen Flinten und Kanonen scheitern wird." Bis jetzt ist iwch kein von einwandfreien Zeugen bc- glaubigtcr Fall verzeichnet, in dem sich die streikenden Ar- beiter Gewalttätigkeiten zuschulden haben �kommen lassen. Im Gegenteil, die Ruhe und Ordnung unter den Arbeitern ist vorbildlul>, wie selbst kapitalistische Blätter in den letzten Tagen zögernd zugeben. Die Arbeiter selbst haben eine Körperschaft ins Leben gerufen, die für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung Sorge tragen soll. Und ihre be- sonnen« Haltung hat einen dicken Strich durch die Rechnung der Regierung und ihrer kapitalistischen Hintermänner gemacht, welche die ganze Wehrkraft der Union mobilisiert haben, um die Streikenden einzuschüchtern, wenn nicht gar zu provozieren und dann niederzuschießen. Bon den eigentlichen Ursachen des Streiks hört man nichts oder wenig. Die Kabellinien sind eben alle in den Händen der Kapitalisten. Klar ist jedoch, daß der Streik der Eisenbahner auf den Staatsbahncn der südafrikanischen Union feine Ursache in der ganzen Bctriebspolitik der Unionsrcgic- rung hat, die darauf hinzielt, den Kapitalisten und Bauern den Transport ihrer Waren uird Rohstoffe auf Kosten der Arbeiter so billig als möglich zu machen. Man transportiert den Bauern ihre Produkte und Geräte unter dem Selbstkosten- preise, schifft zu einem lächerlichen Preise Kohlen an die Küste und wirtschaftet darauf los, bis es nicht mehr weiter geht. Tann fängt man an zu sparen, wo es am leichtesten ist: an den Löhnen der Arbeiter, entläßt Leute und läßt den Lo- komotiv- und Wagenpark zum Teufel gehen. Jni Oktober des letzten Jahres fing es an. Aber die Arbeiterentlassungen riefen sogleich die 14 000 Mann umfassende Eisenbahncr- organisation aus den Plan. Die Regierung ließ sich damals dazu herbei, einen besonderen Ausschuß einzusetzen, der sich mit den Klagen der Arbeiter über ungerechtfertigte Eni- lassungen, Stücklohn. Lohnabzüge und anderes befassen sollte. P o u t s m a. der Sekretär des Eiscnbahnerverbandcs, wurde zum Mitglied dieses Ausschusses ernannt. Trotzdem aber fuhr die Regierung mit ihrer Politik der Betriebscinschrän- kung namentlich in den Werkstätten fort. Man wollte sparen. So ging man hin, entließ Arbeiter, um sie auch wohl gleich darauf wieder zu einem geringeren Lohne einzustellen. An Arbeit fehlte es zwar nicht. Am Ende des letzten Jahres waren die Werkstellen der Staatseisenbahncn mit Arbeiten überhäuft. Man mußte gar Aufträge' an das Ausland vcr- geben. Ein Korrespondent der Londoner„Times" schrieb vor einigen Tagen aus Südafrika: „Ein Mann sagte mir in gutem Glauben, daß heute Wagen ans den Linien tiefen, die allmählich von selbst aus dem Leim gingen, da sie nicht repariert und gewisse Teile nicht ersetzt würden.... Einer der erfahrensten Lokomotivführer in Pretoria hat sich geäußert, daß sich auf den Eisenbahnlinien im Transvaal nicht eine einzige Lokomotive befindet, die in vollkommenem Zu- stand ist." In Natal haben sich Lokomotivführer geweigert, auf reparaturbedürftigen Lokomotiven zu fahren. Mit dem Mangel an Arbeit kann die Einschränkung mithin nickt gc- rechtfertigt werden, und die Uniousregierung hat auch keinen Versuch gemacht, dies zu tun. Sic muß an den Löhnen der Arbeiter sparen und das Leben der Angestellten und des Publikums riskieren, um ihre Unfähigkeit zu verdecken, die ihr die Arbeiter täglich vorwerfen. Ihr Ideal und das der besitzenden Klasse Südafrikas ist der schwarze, willenlose Ar- beiter, der kein Bürgerrecht hat, und der sich, wenn er sich empören sollte, ohne viel Geräusch abmurksen ließe. Mit den jetzigen Arbeitern geht das nicht so leicht', viele von ihnen entstammen dem Burenvolk? und sind die Nachkommen der früheren armen„Bijwoncrs", der Bauern. Der Buer vom Lande läßt sich nicht sebr leicht gegen seine eigenen Lands- leute gebrauchen.„Ja," ruft heute im„Daily Telegraph" ein südafrikanischer Kapitalist aus.„wenn wir erst so weit sind, daß die Scküvarzen genügend zivilisiert sind und den Weißen Arbeiter ersetzen, können, dann haben wir den Wirt- schaftlick)cn Frieden." Die fortgesetzten Arbeiterentlassungen und Lohnvcr- schlechterungen führten schließlich zu Anfang des Jahres zu einer kritischen Situation. Das Exekutivkomitee des Eisen- babnervcrbandes erklärte, daß cS s o nickt weitergehen könne, und beschloß am 3. Januar, eine Deputation au die Regie» rung zu schicken, die dieser erklären sollte, daß die Ent- lassungen aufhören und die entlassenen Arbeiter wieder ein- gestellt lverden müßten. Der Eisenbahnminister weigerte sich, die Deputation zu empfangen, empfing aber die Mitglieder der Deputation als Privatpersonen. Er erklärte ihnen, daß die Entlassungen unumgänglich nollvendig und daß übrigens nur 70 Personen im ganzen entlassen worden seien. Die Arbeitervertreter wiesen ihm nach, daß schon 494 Angestellte davongejagt worden sind, und der Minister konnte diese An- gäbe nicht bestreiten. Abends hielten dann die Eisenbahner in dem Stadthaus zu Pretoria eine Versammlung ab. in der der Generalstreik für den folgenden Donnerstag 18. Januar) beschlossen wurde. Am folgenden Tage trat das Kabinett zu- sammen und beschloß, dem Streik der Eisenbahner die Gewalt entgegenzusetzen. Am Donnerstag brach der Streik.zunächst in Transvaal aus. In der Oranjeflußkolonie, in Natal und der Kap- kolonie waren die Eisenbahner noch unentschieden. Der Streik schien mit einem Fiasko enden zu wollen. Aber am folgenden Tage änderte sich die Lage. Es heißt, daß dies dem Umstand zuzuschreiben ist, daß der Gcwcrkschaftsbund(Fede- ratio» of Trades) die Zügel in die Hand genommen habe. An dem Tage war das Eisenbahnsysteni in Transvaal und in der Oranjeflußkolonie vollständig desorgailisiert. Auch in Natal und in der Kapkolonie singen die Eisenbahner an, sich zu regen. Die Regierung und die Kapitalisten bekamen einen furchtbaren Schrecken. Unter dem Eindruck der Panik ließen sie die Arbeiterführer links und rechts verhaften, ohne eine bestimmte Anklage gegen sie zu erheben. Ihre Polizisten drangen in das Burean der Eisenbahnerorganisation ein und beschlagnahmten den Geldschrank und die Dokumente. Ter Sekretär der Eisenbahner, P o u t s m a. wurde verhaftet und mit ihm eine Reihe anderer Gewerkschaftsführer. Wahr- scheinlich beabsichtigt man, sich dieser Personen ohne Prozeß durch Ausweisung aus dem Lande zu erledigen. Ein im Oktober des letzten Jahres erlassenes Gesetz gibt der Regie- rung nämlich die Macht,„ungewünschte Ausländer", das heißt die in Südafrika nicht geborenen Weißen— und dazu gehört wohl die Mehrheit der weißen Arbeiter in Südafrika — des Landes zu verweisen. Aber dieser Schlag verschlim- merke nur die Lage der Regierung. Denn nun txat ihr die gesamte Arbeiterschaft geschlossen entgegen und verlangte die Freisetzung der Verhafteten. Der Streik dehnte sich in- zwischen immer mehr aus. Am Samstag beschoß der Gcwerk- schastsbund, über den Generalstreik aller Berufe abstimmen zu lassen. Die Regierung wurde wieder von Panik ersaßt. Sic beschloß, nicht wcmger als 60 000 Mann der Bürgerwehr zu mobilisieren. Die Mannschaften in der Umgebung der Goldstadt, die man schon vorher zu den Waffen gerufen hatte, genügten nicht mehr, um das eingebildete Gespenst der Revo- lution zu verscheuchen. Unterdessen gingen die Arbeiter ruhig ihrer Wege. Sic gaben der Polizei und dem Militär keine Ursache zum Einschreiten, die Führer mahnten zur Ruhe und Ordnung und am Sonntag wurde auf dem Marktplatz zu Johannesburg eine große, friedliche Versammlung abge- halten. Es verlautet, daß einige der Minister, namentlich Botha und Smuts, die Versammlung unter allen Umständen verbieten wollten. Sic sollen sogar mit der Demission ge- droht haben, wenn man sich ihrem Willen nicht unterwerfe. Aber die besonnenere Mehrheit siegte schließlich. Kein Polizist ließ sich in der Versammlung sehen. * London, 15. Januar.(P r i v a t t e l e g r a m m d e s „V o r w ä r t s".) Aus Johannesburg wird gemeldet, daß sich heute die dreihundert Mann in Trades Hall, dem Hauptquartier des Gewerkschaftsbuiides, die seit Sonnabend von Polizisten und Militär belagert wurden, bedingungslos ergebe» haben, nachdem Geschütz aufgefahren worden war. Alle Mann wurden verhaftet. Unter den Verhafteten ist B a i n, der Sekretär des Gewerkschasts- bundcs. Was es mit dieser Belagerung auf sich hat, ist schwer zu sagen. Sic stimmt nicht mit den hier in den letzten Tagen einlaufenden Meldungen übercin, daß man in Trades Hall ein- und ausginge. In Kapstadt, wo das Kriegsrecht noch nicht proklamiert worden fein soll, hat man lieutc den Sc- krctär und den gesamten Vorstand der Eisenbahner ver- haftet. In der Oranjeflußkolonie hat der Be- fehlshabcr jedem Streikenden verboten, seine Wohnung zu verlassen und die Unterstütz u u g der Streikenden durch Geld oder Lebens- mittel untersagt. Durch das eingeführte schamlose Willkürregimcnt hofft man den Streik in kurzer'Zeit zu unterdrücken. Serlin und Umgegend. Arbeitsloscnfursorge eigener Art betreibt die Berliner Vik- toriainühle A.-G., die zur Erweiterung ihres Betriebes einen größeren Anbau errichtet hat. Das Aufstellen der Maschinen besorgt die Firma in eigener Regie; sie suchte deshalb in Fachschriften für Anfang Januar tüchtige M ü h I c n m o n t e u r e. Die große Arbeits- losigkeit, die gegenwärtig herrscht, ist der Firma bekannt und sie sucht daraus den größtmöglichsten Nutzen zu ziehen. Den Mühlen- bauern(Holzarbeitern), die sich auf die Inserate melden, stellt die Kleines Feuilleton. Ernst Moritz Arndt über Zaber». DaS Jubiläumsjahr 19l3 ist soeben erst ins Grab gesunken, und noch klingen uns die Ohren von den tönenden Reden, die in der bürgerlichen Welt den Helden von 18l3 gewidmet wurden. Unter denen, die besonders warm ge- priesen wurden, befand sich auch Ernst Moritz Arndt. Bielleicht also darf dieser warmherzige und wackere Mann noch aus dem Grabe heraus seine Meinung über den Skandal in Zabern sagen? Hier ist sie: Im dreizehnten Kapitel deS„Kurzen Katechismus für deutsche Soldaten", den er 18l2 in geistiger Fühlung mit Stein herausgab, heißt es: „Zu der Zeil, als unsere Vorfahren am steiesten und glück- lichsten lebten, taten die Ritter und Männer des Volkes, welche den Waffen ihr Leben weideten, das Gelübde der Armut, Keuschheil und Demut... Als aber die Soldaten dieses vergaßen und nicht mehr wußten, daß der Mensch sein Vaterland und sein Volk und Frekheit Und Gerechtigkeit immer im Herzen haben soll, als sie zu seelenlosen Spielpuppen der Fürsten und zu blinde ir und willenlosen Werkzeugen der Willtür und Gewalt erniedrigt wurden, da haben sie sich oft eingebildet und aufgeführt, als seien sie über allen ihren Mitbürgern, und als seien die Bürger und Bauern eines Landes niedrigere Geschöpfe und nur zum Lasttragen und zur Ver« höhnung geboren. Trotz, Hoffart, Uebermut, hohe und laute Worte und schlechte und gewaltsame Taten sind von Soldaten leider oft Jiesehen und gehört worden. Dies aber ist durchaus unwürdig und chändlich.... Sticht gegen den friedlichen Bürger und Bauern soll der Soldat feurig, trotzig und wild sein: wann der Feind nahet, dann hat er Gelegenheit zu zeigen, wie feurig ungestüm und gewaltig er sein kann. Das übermütige, windige und prahlerische Wesen aber stehet dem Tapseren übel und entehret das Eisen, das ein Mann an den Hüften trägt!—" In der veränderten Fassung, die der„Katechismus" 1813 er- hielt, heißt es dann noch von den entarteten Soldaten: .Freiheit und Gerechtigkeit hieß ihnen oft nur. was der Herr befahl, und die großen Heiligtümer eines edlen Menschen, Volk und Vaterland, stellten sie tief unter daS prunkende Ding, das sie Soldatenehre nannten." Ist es nicht sonderbar, daß dieses dreizehnte Kapitel aus der Feder eines Mannes von 1813 im Jahre 1913 offenbar so ganz ver- gessen worden ist? Fichte-Denkmälcr. Berlin, Fichtes letzter Wohnort, hat des tatdrängenden VolkSdenkerö mehrere Erinnerungen gewidmet: einen Grabobelisk auf dem Friedhof in der Chausseestraße, eine Haustafel, eine Schule, eine Straße, einen Berghügel. Aber das alles bleibt in der Millionenstadt für Unzählige unsichtbar. Das beste Denkmal, daS unsere neue Gegenwart setzte, geht über das Aeußerliche, das Erz und Stein geben köimen, hin- aus. ES ist ein Buch, das vor einigen Jahren in der vom Verlag Eugen DiederichS in Jena herausgegebenen Sammlung„Erzieher zu deutscher Bildung" erschien und unter dem Titel„Ein Evan- gelium der Freiheit" Lebendiges aus Fichtes Sckiriften so zusammenstellt, daß Art und Ziel des Denkers und Kämpfer« neu- wirkend deutlich lverden. Max Rieß hat dieses echte Denkmal ge- schaffen. Es kostet 3 M., gchhört in die Arbeiterbibliotheken und sei all denen genannt, die den nahenden Fichte-Gedenktag im Geiste Fichtes seiern wollen. Die Märtyrer der Flugkunst. Ein neues Werk über die Märtyrer der Flugkunst, das Roger Dopagniat in diese» Tagen in Paris er- scheinen läßt, gibt einen Ueberblick über das LerbältniS der tödlichen Unfälle in der Flugkunst zu der Gesamtzahl der Flieger und der mit Flugzeugen zurückgelegten Entfernungen. Daß die Zahl der Opfer seit 1998 mit jedem Jahre zugenommen hat, erklärt sich durch daS gewaltige Anwachsen der Zahl der Flieger. Eint genauere statistische Betrachlung zeigt, daß trotz der Zunahme der absoluten Todesziffern die Zahl der Unfälle i in Verhältnis, zu den zurück- gelegten Kilometern in erstaunlichem Maße zurückgegangen ist, mit anderen Worten: daß die Flugkunst in Richtung auf Sicherheit und Verminderung der Gefahr Fortschritte zu verzeichnen hat. Von dieser Entwicklung gibt die nachstehende Tabelle ei» genaues Bild: cinbr xxlieoer Zurückgelegte Tödliche Jahr FUeger Kilometer Unglücksfälle 1998.... 5' 1699 1 1999.... 59 44 005 3 1910.... 500 960 000 29 1911.... 1500 3 700 000 78 1912.... 5800 20 000 000 140 Es entfallen somit je ein tödlicher Unglücksfall: im Jahre 1908 auf-1600 im Fluge zurückgelegte Kilometer. 1909 auf 15 000 Kilo- meter, 1910 auf 33 000 Kilometer. 1911 auf 47 000 Kilometer und 1912 entfällt je ein tödlicher Unglücksfall auf 140 090 Kilometer. Auch wenn wir das Jahr 1W8 als ein Jahr der ersten Versuche beiseite lassen, ergibt sich, d� von 1909—1912 sich die Sicherheit des Fluges nahezu verzehnfawt hat: und dabei wird man berück- sichtigen müssen, daß die Kühnbeil und die Verwegenheit der Flieger sich in immer wachsendem Maße Elementargewalten aussetzte, die in den ersten Jahren vermieden werden mußten, Man hat Hochgebirge überflogen, hat Winden getrotzt, bei denen man früher den Aufstieg überhaupt unterlassen hätte. Noch 1909 betrug die Entfernung, auf die durchschnittlich ein Todesfall entfiel. etwa ein Viertel des Erdumfanges: 1911 ist die Entfernung bereits auf den ganzen Erdumfang gewachsen, und 1912 erreicht sie den dreifachen Erdumfang. Nicht weniger günstig liegen die Verhältnisse bei der Militärflugkunst, obgleich hrer infolge der Geheimhaltung der Fliegeranzahl und der zurückgelegten Entfernungen genaue Ziffern nicht anzugeben sind. Der Handtanz, Laie Füller, die Schöpferin des Serpentin- tanzeS, tritt gegenwärtig mit ihren Schülerinnen in Pari« auf und hat bei dieser Gelegenheit einen funkelnagelneuen Tanz vorgeführt, dessen merkwürdigster Teil wohl als.Handtanz" zu bezeichnen ist. Der ganze Tanz stellt eine Art Walpurgisnacht dar; er wird aus- geführt zu einer Musik von Mussorgsky, der„Nacht aus dem kahlen Berge". Die Vorführung beginnt damit, daß die Fuller-Schülerinnen, ganz junge Tänzerinnen, eine Art Hexensabbath unter den merk- würdigsten BeleuchtuugSwirkungen zu der satanischen Musik deS Russen vorführen: danach tritt Stille und Friede ein, und nun kommt der rätselhafte Handtanz, bei dem, ganz wie im Märchen, die Hände allein sich bewegen. Man sieht nämlich von den Tänzerinnen wirklich nichts außer den Händen und diese tanzen auf rätselvolle, geisterhaste Weise aufs tollste umher. Ein richtiges Bild kann man sich freilich nach den Angaben der Pariser Blätter von diesem merkwürdigen.Handtanze" nicht machen. Notizen. — Die Beschlagnahme von Künstlerkarten, die mit Eiser gepflegt wird, hat nun endlich den Senat dcr Aka- demie der Künste auf die Beine gebracht. Er protestiert gegen Staatsanwalt und Gerichte, fordert miinstericllen Einspruch und tritt dafür ein, daß bei Aktionen dieser Art künstlerische Sach- verständige hinzugezogen werden. Als ob die den llnzunftjägern imponieren könnten, — K u n st ch r o n i k. Für Februar wird eine umfassende AuS« stellung der Werke Münchs im Kunstsalo» Gurlitt angekündigt. — Ein neuer V c r l u st der Berliner Universität. Der Philosoph Georg Gimmel, der seit einem Viertel- jahrhundert in Berlin lehrt, hat den Ruf an die Straßburgcr Universität angenommen. — K u n st a b e n d. Else L a S k e r- Schüler liest am 19. Januar, abends 8 Uhr, bei Paul Cassirer Neues aus ihren Dichtungen vor. — Der Dresdener Theaterskandal. Der jähe HinauSwurf des Direktors Rens vom Dresdener Albcrt-Theatcr hat sich in Prozeßverhandlungen, Versammlungen und Preßkundgebungcn, die inzwischen stattgefunden haben, als eine Vergewaltigung ent- puppt und hat der Oeffentlichkeit außerdem gelehrt, wie bei derlei Gründungen, die. wie gesagt wird, im Interesse der Kunstpflege ge- schehen, materieller BercicherungSdrang mit Erfolg große Geschäfte macht. Jetzt hat sogar der Vorsitzende des AufsichtsratS init Namens- nennung behauptet, die Dresdener Presse habe sich bestechen lassen. Eine Strafanzeige der bürgerlichen Zeitungen, die dabei-n Betracht kommen, wird den Deckel von dem cibflorentinischcn Sumpftopf wohl noch um ei» weiteres abheben, — Die älteste Schauspielerin Europas, In Kopenhagen starb die am 21. Januar 1816 geborene Frau Luise P h i st e r, die älteste Schauspielerin Dänemarks und'Europas, die seit 1835 bis heute herauf der Bühne als aktive Darstellerin angehörte. Sie hat die Dichter Oehlenschläger und Andersen und den Bildhauer Thorwaldsen. diese Äünstlerpersönlichkeiten vormärzlicher Zeit, von Angesicht zu Angesicht gekannt. Die Gestalten des Komödiendichters Holberg nahmen in ihrer Lebensarbeit einen begünstigten Platz ein: in 39 Holberg-Rollen trat sie mehr als tausendmal aus. — Michael D e n g g, der Bauernschauspieler aus dein Kreise der Schlierseer, ist fünfzigjährig in München gestorben. Ehe er zur Bühne ging, war er Hausknecht. — Der Geologe Tschernyschew, der im Jahre 1895 Rowaja Semlja durchquert hat, ist in Petersburg gestorben. — Sarah Bernhardts Tugendpreis. Die sran- zöfische Tragödin Sarah Bernhardt hat daS seit langem ersehnte Kreuz der Ehrenlegion erhalte». Der Ordensrat hat ihr die Aus- zeichnung bisher vorenthalten, weil er an dem Liebesleben der Künstlerin tugendhaft Anstoß nahm. Aber nun ist sie über die Siebzig hinaus und mit der Tugend kamt endlich dw Sehnsucht siegen und die Prüderie beruhigt zustimmen. Sellin« Viktoriainühle eine Abschrift ihr«„Mouiagebcdinriungcn" zu, die sich gewaschen haben. In diesen Bedingungen heißt eS:„ES wird vollkommene Gesundheit verlangt". Bei der Viktoria- niiihle muß tüchtig zugelangt werden, da kvnneit natürlich nur voll- klüftige Arbeiter gebraucht werden. In Ziffer 2 der Montagebedingungen wird gesagt: .Der Monteur hat vollkommene«, gutes, eigene«, tadelloses Werkzeug zu stellen und für de» Transport desselben selbst zu sorgen und zwar auf eigene K 0 st e n." GuteS Werkzeug ist natürlich Voraussetzung für gute Arbeit. Eigentlich würde aber die Gestellung des Werkzeuge« dem Unter- » e h in e r obliegen. Wenn ihm aber schon das Werkzeug von den Arbeitern zur Verfügung gestellt wird, dann wäre die lieber- nähme der Transportkosten durch den Nnternehmer nicht unbillig Bei solchen schlechten Zeiten gibt es aber der Arbeiter so viele weshalb soll sich die reiche Aktiengesellschaft unnötige Kosten aus laden? Die Festsetzung der Arbeitszeit ist ebenfalls von der Ab ficht diktiert, möglichst viel aus den Arbeitern herauszuquetschen Die wöchentliche Arbeitszeit ist nach dem Tarifvertrag für die Berliner Holzindustrie, zu welchem auch das Mnhlenbaugewerbe ge bort, auf 51 Stunden testgesetzt. Die Viktoriamühle schreibt eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich, also wöchentlich 60 Stunden vor,»wobei der Arbeitgeberin das Recht zusteht, länger oder kürzer arbeiten zu lassen". Diese Bestimmung läßt darair schließen, daß beabsichtigt ist, über die täglichen zehn Stunden hinaus noch fleißig Ueberslunde» macheu zu lassen. Vorsorglich bestimmt aber Ziffer 4 der Bedingungen: „U«der st un den und Sonntagsarbeit wird nickt höher bezahlt, als die normalen Stunden. Die Viktoriamühle scheint von vornherein daran gezweifelt zu haben, ddß Berliner Arbeiter ihre Bedingungen schmackhaft finden werden. Sic reflektiert auf auswärtige Arbeiter; sie sollen ihr aber nicht viel kosten. In Ziffer 5 der Montagebedingungcn wird bestimmt: „An Spesen wird vergütet nur da« Fahrgeld 3. Klasse und zwar lediglich die Herreise mit der Maßgabe, daß die Vergütung nach vollendeter Montage gewährt wird, oder wenn das Dienstverhältnis ohne Verschulden oder ohne Ver- a n l a s s u n g des Arbeitnehmer« vor Beendigung der Montage feine Auflösung findet." Das heißt in gut Deutsch übersetzt: auch die Vergütung der Fahr- kosten für die Herreise hängt ganz von dem guten Willen des Unternehmers ab. Ueber die Lohnhöhe enthalten die Montagebedingungen erklär licherweise keine Angaben; einem Arbeiter, der sich persönlich danach erkundigte, wurde ein Stundenlohn von 70 Pf. in Aussicht gestellt. Bei einer normalen Arbeitszeit von zehn Stunden täglich und einer Menge Ileberstunde» und SonntagSarbeit gibt das einen schönen Batzen Geld. Aber trotzdem hatte der Betreffende keine Neigung, die„glänzenden" Montagebedingungen der Berliner Viktoriamühle zu akzeptieren. So dürfte es aber noch vielen anderer Arbeitern gehen. die geregelte Arbeitsverhältnisse gewöhnt find. Gewisse Moralisten werden daraus Anlaß nehmen, sich über die Schlechtigkeit der Arbeiter zu entrüsten, die eine öffenb liche ArbeitSlosensürsorge fordern, sich aber weigern,.lohnende" Arbeit anzunehmen. Wer aber tiefer blickt, wird den Arbeitern An crkeimung zollen, die auch unter ungünstigen Verhältnissen nicht zu einer Verschlechterung der Arbeilsbedingungen die Hand bieten wollen und der«orte ArbeitSlosensürsorge. wie sie von Unternehmungen van der Art der Berliner Viltoriamühle betrieben werden, die rechte Würdigung zuteil werden lassen. veutfthes Reich. Bauarbeiteraussperruug. Der Arbeitgeberverband in Coswig iAnhalt), der von dem Großfabrikanten Lederbogen dirigiert wird und dem auch die Bau- Unternehmer angehören, hat dem Zweigverein Coswig des Deutschen BauarbeiterverbandeS einen Tarifvertrag übersandt und um die Erklärung ersucht, ob die Bestimmungen von der Organisation an- erkannt werden. Auf die Mitteilung der örtlichen Bauarbeiter- Organisation, daß man bereit sei, in Verhandlungen einzutreten, hat der Arbeitgeberverband geantwortet, daß weitere Zugeständnisse nicht gemacht werden und gemeinschaftliche Verhandlungen nicht stattfinden, und wenn nicht bis zuni Ii. Januar die Anerkennung des vorgelegten Tarifvertrages erfolgt, würden am 15. Januar sämtliche organisierte Bauarbeiter ausgesperrt. Der Vertrag in Coswig ist bereits im Oktober v.J. abgelaufen. Schon damals entstanden Differenzen wegen der Annahme der Unternehmervorlage, in der außer der Lohnerhöhung, die hinler dem, was der allgemeine Schiedsspruch im Mai v. I. den Bauarbeitern gebracht hat, zurückbleibt, nicht Zugeständnisse, sondern Verschlechte«. rungen enthalten sind. Auch dämalS drohte der llnlernehmerverband mit einer Aussperrung, die aber im AnfangSsladium nach Entlassung van ca. 10 Arbeitern in einem Geschäft stecken blieb, und nach einigen Tagen überhaupt rückgängig gemacht lvurdc. Jetzt, wo die Bau- arbeiten beendet sein düritcn und auch auf Grund der WitterungSverhält« nisje überhaupt nicht gearbeitet werden kann, bat der Arbeilgeber- verband es leicht, die augedrohte„Aussperrung" zu vollziehen. Aber er soll sich nicht täuschen, wenn er meint, nun einfach dekretieren zu können, ohne die Bauarbeiter mitreden zu lassen, zu welchen Be- dingungen sie ihre Arbeilskraft verkaufen sollen. Die Bauarbeiter lassen sich so etwas auch im Winter nicht bieten. Da in der Drohung ausgesprochen wird, daß sämtliche organi- sierte Arbeiter ausgesperrt werden sollen, so steht zu erwarten, daß der Arbeitgeberverband in Coswig nach unorganisierten Arbeitern suchen wird. Es ist deshalb Obacht zu geben auf die AnwerbungS- stellen der Streikbrecheragenten. Schneidige„Herren im Hause". Die Mäbeltransporiarbeiter in Braunschwetg beauftragten ihren Orgamsationsleiter vom TranSportarbeiterverbande, Verhandlungen mit dem.Verein Braunschtveiger MöbeltranSporteure" wegen Ab- fchließnng eines Tarifvertrages in die Wege zu leiten, was durch eine höfliche Zuschrift an den Verein geschah. Aber da kam der TranSpoitarbciterverband schön an. Cr erhielt das folgende originelle Antwortschreiben: .Wir bestätigen de» Empfang Ihres Schreibens vom 12. cr. sowie des Entwurfes eines Tarisverlrageö und haben einstimmig beschlossen, mit Ihnen in nähere Verhandlungen nicht einzutreten. Sie Gründe hierzu sind folgende: Die bei unseren Mitgliedern beschäftigten Packer und Möbel- träger werden ihrer Arbeit entsprechend nach den heutigen Zeit- Verhältnissen gut bezahlt und liegt keine Veranlassung vor. durch Ihre uuerbetene(!) Verinittelung irgend eine Aeuderung eintreten zu lassen. Wir verstehen überhaupt nicht, wie Sie dazu kommen. unsere treuen Arbeiter bevormunden und in deren Reihen durch Ihren unberechtigten Druck Unzufriedenheit heraufbeschwören ivollen.( 1) Unsere Mitglieder haben e« sich stets zur ersten Auf« gäbe gemacht, berechtigten Wünschen ihrer Arbeiter wohlwollend entgegen zu kommen und dadurch die Liebe zur Arbeil gefördert. Terroristilchen Eingriffen, noch dazu von Personen, die von dem Möbeltransporte nichts verstehen, müssen wir mit aller Entschieden- heit entgegengetreten. Lassen«ie daher unsere Arbeiter in Rizbe und bekümmern Sic sich nicht um Angelegenheilen, die jeder Arbeitgeber mit seinen Arbeiter» selbst abzumachen hat. Wir iverden uns von Ihnen, wo Sie uns vollständig fremd gegenliberstehen, keine Vorschriften machen lassen. Wir stellen es Ihnen aber anHeim, diejenigen Packer und Möbelträger, welche sich Ihren Anschauungen an- schließen sollten, selbst zu beschäftigen(!) und steht deren Austritt uiit« Berücksichtigung der gesetzlichen Verpflichtungen nichts im Wege. Sollten sich daher arbeitsscheue(!)»der nicht ordnungsliebende Möbelträger an Sie lveiiden, so können Sie solche mit Ruhe zu sich heranziehen, wir geben sie Ihnen frei und verlieren nichts a» ihnen. Ihre an die einzelnen Mitglieder noch gerichieien Anschreiben I sind hierdurch erledigt und erfolgt, soweit eine Beantwortung nicht schon geschehen, keine Antwort darauf. Verein Brannschweig« MöbeltranSporteure. Der Borstand: A. HomiliuS, HanS Winter, Karl Grave, Vorsitzender. Schriftführer. Kassierer. Das war gut gegeben! Der Bor sitzende HomiliuS ist Krieger- Vereinsvorsitzender, er hat schon mehrfach seine wunderlichen An schanungen über die Rechte der Arbeiter zum besten gegeben. Er ist einer der schlimmsten Feinde deS Koalitionsrechts der Arbeiter. Die schwerarbeitenden MöbellranSporlarbeiter als arbeitsscheu zu bezeichnen, kennzeichnet die Herren Gernegroße vom Verein der MöbeltranSporteure bester als eö irgend eine Kritik vermag. Beweist aber nicht auch dieses schreiben der Unternehmer aufs schlagendste, lvie nolwendig ein Schutz des Koalitionsrechts der Arbeiter gegen die skrupellose Willkür des Unternehmertums ist?... de- der Kölner Polizeiprozeß. Am Schluffe seines fast zweistündigen Plaidoycrs antragt Verteidiger Dr. M c e tz die Frclsprecbuiig SollinannS. Mit scharfer Logik ging dann Rechtsamvalt Wolfgang Heine der Anklage zu Leibe. Ganz andere als Sollmann sind es, gegen die sich dieser Prozeß richtet. Unter den höheren Beamten, die der Aiigeklaqte im Auge hatte, hat Herr St a n tz eine besonders große Rolle gespielt,- cr hat nicht nur selbst die Ordensverleihungen vor- geschlagen, sondern selbst einen päpstlichen Orden er- halte n.(Heiterkeit.) Sicher ist der Polizeipräsident im höheren Sinn« für das Geschehene verantwortlich. Freilich, hätte man gewußt, loa« hier herauskommen würde, hätte man sichs doch ivohl»och anders überlegt. Heine schließt daran eine scharfe Kritik der Argumente des Staatsanwalts. Der Ausdruck„Back- schisch" war hier wirklich noch ein recht milder Ausdruck; es Ivar ctlvas faul, sehr faul im Staate Dänemark. Dem.Angeklagten steht der Schutz des!i 193 zur Seite; auch formale Beleidigungen liegen nicht vor. In längeren juristischen Ausführungen loendet sich dann der Verteidiger gegen das Geschenklvcscn, das juristisch durch- aus nicht fuildiert sei; nicht einzelnen, sondern der Allgemeinheit haben die Beamten zu dienen, die durch Geschenke in Abhängigkeit auch bei ihre» dicnstlichcn Funktionen geraten. Besonders die Gc- schenke an die Knnünalbeamteii müssen zur Korruption fiiff reu, wenn auch den Beamten selbst kein Vorwurf zu machen ist Der Verteidiger geht dann noch einmal die einzelnen Fälle durch und stellt die Frage:„Von alledem habe der Polizei- Präsident nicht« gewußt?" Nach diesem Ergebnis der Be� Ivci«aufnahme müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Da« Urteil wird am Sonnabend verkündet. Noch etwas von Marx-Cngels unö öen Gründern des Auricher „Sozialdemokrat� In feinem Artikel„Zur Entstehungsgeschichte deS Züricher .Sozialdemokrat"(„Vorwärts" vom 5 Januar. Beilage) schreibt Genosse R., nachdem er einige mit Ausfällen gegen Karl Höchberg, Karl Schramm und mich gespickte Briefe Karl Marx' an F. A. Sorge au« dem Jahre 1879 zitiert hat: „Alles das ist schon längst veröffentlicht, und Genoffe Bernstein konnte eS schon längst widerlegen." Vorher halte R. hinsichtlich seiner von inir im„Vorwärts" vom 29. Dezember als irrig bezeichneten Angaben geschrieben, es sei „wirklich zu bedauern, daß er(Bernstein) bis jetzt noch keine Zeit gefunden hat, die bis jetzt verbreiteten„irrigen Angaben' zu widerlegen." N. befindet sich im Jntum. Die erwähnten Angaben sind dem Buch„Briefe von Karl Marx, Fr. Engels usw. an F. A. Sorge" entnommen, eine Sammelschrift, die Ende 1900 herauskam. Im Jahrgang 1907 der„Sozialistischen Monatshefte" ist dieses Buch von mir in einem besonderen Artikel besprochen und dabei auch das Thema behandelt worden, auf da« sich R.'S Angaben beziehen: der Konflikt bei Giündung de« Züricher„Sozialdemokrat". Da der Artikel überschrieben rst„Von Marx-Engel» und ihrem Kreise „Soz. Monatshefte", Jahrgang 1907, S. 510 ff.) darf ich es etwas sonderbar finde», daß er dem gestrengsten aller Marx.Philologen völlig entgangen ist. UebrigenS hatte ich mich auch anderwärts schon Uber das Thema geäußert. Bleiben wir jedoch bei jenem Artikel. Dort konnte R. lesen: „Auch die Briefe von Marx- Engels cm Sorge über die Gründung »nd die Gründer de« Züricher„Sozialdemokrat" find voller Irr- tümer." Das war, denke ich. deutlich genug gesprochen. Da» Ur- teil wurde sodann generell begründet und unter anderem gezeigt, daß Marx und Engels hinsichtlich der Motive, welche Höchberg, Schramm und mich bei den Verhandlungen über die Besetzung der Redaltion des„Sozialdemokrat" beseelten,„auf völlig falscher Fährte" waren. Für diese Stelle waren der verstorbene Genoffe iilarl Hirsch und Genoffe Georg Vollmor in Aussicht genommen und gemäß dem Wunsch der Parteileitung hatten wir zuerst mit Hirsch Verhandlungen angeknüpft, die sich aber zerschlugen, weil cr Bürgschaften und Rechte verlangte, die wir ihm weder zugestehe» lonnteu noch wollten. Hirsch, der mit Marx und Engel« in Ver- bindung stand, hgtie sich im Laufe der Verhandlungen hinter diese gestellt und sie gegen uns Züricher— sagen wir— scharf g e- in acht. Zu was für Abgeschmacktheiten er sich dabei verstieg, dafür liefert ein Beispiel der jüngst im Marx-Engels-Briefwechsel veröffentlichte Brief von Marx an Engels voin 28. August 1879. Da heißt es mit Bezug auf den verstorbenen Genossen Karl Lübeck:„Andererseits arbeitet der Herr Lübeck unter der Inspiration des Herrn Bernstein." Da Marx weder Lübeck noch mich kannte, konnte er da« nur von Hirsch haben, der i»� beide taiinte. Nun wohnte Lümck damals, durch gänzliche Lähmung der Beine an das HauS geleitet, hoch am Zürichberg, im oberen Teil der Ge- meinde Fluntern, ich dagegen unten in der Stadt nahe dem See. Lübeck ivar ein Mann in den Vierzigern, ich noch nicht über die Zwanziger hinaus. Lübeck halte schon eine längere Laufbahn als Journalist und Schriftsteller hinter sich, hatte unier anderem schon 'eit den sechziger I a h r e n Heilende Redalteurstellen inne- gehabt, ich aber war in Punklo Schriftstellerei ein noch„gänzlich unbeschriebenes Blatt". Welche Ungereimtheit da, daß ich dieses Schriftstellers„Inspirator" sein sollte. Die Sache ist eben vi«, daß Hirsch, in jenem Zeitpunkt die treibende Kraft im Konflikt zwischen London und Zürich, sobald er ich verletzt glaubte, in Personenftagen die blühendste Phantasie entfalten tonnte. ES loird mir schwer, einem Verstorbenen, der der Partei wertvolle Dienste geleistet hat. daS nachzusagen. Aber da Hirsch« Roll« als Gewährsmann in Frage kommt, läßt eS sich nicht umgehen.' Zudem baben Marx, und Engels später ähnlich gcurteilt. Als einige Jahre nacv jenen Vorgängen die Pariser„ICgalilo" einen Angriff auf inich als Redakteur des„Sozialdemokrat" brachte, schrieb mir unterin 0. Januar 1382 Fr. Engels in seinein und Marx, Namen, daß dieser Angriff Hirsch zum Verfasser habe und nannte irsch ironisch„den bclaiutten Todfeind alles. waS Zürcherisch" ist. irsch habe „eS nicht lassen können, auf diese Weise sein Mißvergnügen darüber auszudrücken, daß der„Sozialdemokrat" besteht und die„Laterne" nicht. Tun Sie uns und der Sache den Gefallen, keine Notiz davon zu nehmen. Wenn es sich wiederholt, werden wir dein Ding sofort ein Ende machen. Wir im Gegenteil haben unS gefreut...' Das Folgende geht auf eine Handlung von mir»nd kann hier j unberührt blelben.— Auch Licbkliccht. der treucste Freund, den Hirsch in der Parier hatte, drückte sich in einem vom 1. September 1870 datierten Brief an Marx überaus scharf über dessen damaliges Verhalten aus. Er wirft ihm unter anderem vor,„Komödie gespielt" zu haben. Kurz, Marx und Engels lvaren in, Sommer 1870 über uns „Zürcher" in verschiedener Hinsicht falsch unterrichtet und, mißten daher mich de» verhängnisvollen Jahrbuchariikel schlimmer auffassen. als die Umstände rechtfertigten. Gewiß hatten außer ihnen auch Bebel, Liebknecht, Vollmar an dem Artikel auszusetzen. Ich habe das selbst festgestellt und lönnte die Liste noch verlängern. Aber dainil ist nicht getagt, daß diese anderen nun auch dasselbe aus dem Artikel herauslasen, wie Marx und Engels. Sie tadelten Einzelheiten, Ivo die beiden Londoner dem Artikel die Be« deuiuiig eines Programms der drei von ihnen verinuteten Per- fasier beilegten, was cr ganz und gar nicht war. Der Artikel hat eine gan� eigentümliche Entstehungsgeschichte, die nicht ohne ihre huinoristilche Seile ist. Sie mag hier lmerörlert bleiben. Hier nur so viel, daß, wenn Genosse R. mir gegenüber die Urteile von Marx und Engels über die Tendenzen des Artikels zusammenwirft mit den Urteilen derjenigen Parteigenoffcn über ihn, welche die Verfasser laniitcn, er denselben Verstoß gegen die Logil begeht, dessen er sich schuldig machte, als cr in seinem ersten Artikel Vorgänge, die i»r Sommer 1879 spielten, unvennittett mit der über ein Jabr später erfolgten Reise von Bebel und mir nach London in Beziehung setzte. In der zwischen jenen Vorgängen und der Reise verfloffenen Zeit war aber sehr viel paisiert, was die Situation geändert hatte. Jcb habe das in meinem vorigen Artikel iiachgelviesen, und wenn der Genoffe R. mir gegenüber ebrlich verfahren wollte, hätte er wenigstetiö dies «»»e rückhaltlos einräumen müsien. Statt dessen tischt er. um mich mit mir selbst in Widerspruch zu setzen, ein Sammelsurium von Zitaten aus. von dem er sich selbst sagen mußte, daß e« das nicht beweist, was die Zitate anscheinend besagen. ES wäre gewiß angezeigt, ciinnal eine lückenlose Darstellung der Gründung und Geschlchte des Züricher„Sozialdemolrat" zu ver- öffentlichen. Denn eine wichtige Phase der geistigen Entwickclung der deutschen Sozialdemokratie findet ein gutes Stück Beleuchtung durch Auseinandersetzungen, die sich im„Sozialdemokrat" und inr internen Kreise der an ihm beteiligten Personen abgespielt haben. Und wenn etwas dazu beitragen könnte, mich zu dieser Arbeit zu. bewegen, sind es' solche, auf lückenhafte Berichte gegründeten Dar- stellungen, wie die des Genossen R. „Genosse Bernstein erwähnt jetzt die. wie er angibt, auf Drängen von ihm im csommer 1879 erfolgte Reise Höchbergs nach London" — schreibt Genosse R.„Jetzt".—„wie er angibt"�- das sieht verdammt nach Anzweiflung der Wahrheit meiner Mit- Zeitung aus. Nu» habe ich erstens diese Sache nicht erst„jetzt", sondern u. a. schon in dein oben erwähnten Aufsatz von 1907 mitgeteilt. Zwei- tens sollen einige Briefe aus jener Zeit sprcckien. ?lin 7. September 1879 schreibt Karl Höchberg aus Schevenin- gen an mich: „Heute kann ich Ihnen»un mitteilen, daß ich übermorgeir bier abreisen werde. Ich gehe über Amsterdam nach Brüffcl. Von dort ab vielleicht nach London oder»ach Paris. Mit London hat es eine eigentüinliche Bewandtnis. Ich setze mich entschieden Unannchmlichkeiten aus, aber da Sic so drängen«nd wirklich viel dafür spricht, so werde ich wahrscheinlich hingehen. Morgen treffe ich meine Entscheidung. Marx ist aber übrigens nicht dort und Hirsch behauptet, daß cr selbst verreise. Vielleicht verschiebe ich daher die Reise»och um einige Wochen." Die Reise fand indes doch früher statt und Höchberg traf in London nur Friedrich Engels an. Ueber de» Besuch bei ihm schrieb er mir am 13. September 1879: „Bei Engels war ich 1 oder IVe Stunden und battc eine: sehr lebhafte Auseinandersetzung mit ihm, die aber zu. keiner V e r st ä n d i g u n g führte.(Bon Höchberg unter- strichen.)... Näheres mündlich, für heute nur soviel, daß er mit dein Artikel„Aphorismen" nicht einverstanden ist und sogar eine öffentliche Erklärung von Marr und ihm in Aussicht stellte. wenn diese Ansichten u», sich griffen. Besonders einige Stellen von Schramm, die wirtlich auch etwas undeutlich sind, haben eö ihm angetan." „Aphorismen" ivar der vielberufene Jahrbuchartikel bezeichnet. was gleichfalls erkennen läßt, daß er kein Programm sein sollte. Das Wort wurde gewählt, tveil jeder der an dem Artikel beteiligten Verfasser— ich kann hier R. verraten, daß c« ihrer mehr lvaren, als cr ahnt— nur für da« verantwortlich fein wollte, was er selbst geschrieben. In einem Brief aus Paris vom 18. September 1879 kommt Höchberg auf den Besuch bei Engels zurück und schreibt: „Ein mocku» vivendi mit den Londoner Aposteln ist nicht vereinvart. Engel« meinte, wir lönnten personlich Freunde bleiben, wenn wir auch in der Politik nicht zusammen gehen; es ist ihm nämlich Nicht angenehm, daß ich Sozialist bin. cr möchte mir gern etwa«„Bürgerliches" anhängen. Bei Marx Imtte ich mich ganz sicher Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Ich habe I jetzt diesen Persuch solvieso nur mit Wider st rede n, wie Sic wissen, gemacht." Soweit Höchberg. Man sieht, ivie falsch Marx berichtet war, als cr in dem von R. zitierte» Brief an Sorge schrieb:„Unter- de» kam Höchberg her. um un» zu ködern". Auch die von nur zurückgewiesene Marxsche Ansicht, daß Höchberg die proletarische Emanzipation„eigentlich nur von gebildeten Bourgeois i. c. feines- gleichen" erwarte, erfährt hier schon indirekt Ablehnung. Hinsichtlich der damaligen Stellung meiner Wenigkeit nur ein Stück au« einem Brief von mir an W. Liebknecht vom 23. August 1879 über die in jenem Zeitpunkt auf die Spitze getriebene Per- Heyungsarbeit Karl Hirsch«: „Sic tönnen sich gar nicht denken, wie unangeiiehm gerade mir die ganze Sache ,st. Ich habe mich seit längerer Zeit be- müht, Höchberg den Londonern näher zu bringen; c« war daö für mich um so schwieriger, al« ich selbst ja den Londonern unbekannt oder gar al« unsicherer Kantonist benannt war. Ten- noch war die Sache im besten Gange, da kommt die Zwischen- trägerei Hirsche, und ich stehe wieder dort, wo ich anfing." � Die« und die zitierten Briefe Höchbergs sind im Sommer 18/9 geschrieben. Wird Genosse R. die Tinge nun noch so hinstellen wollen, als hätte die fünfviertel Jahr spätere Reise nach London für mich ein Dauiaskus bedeutet? Tie Redaltion de«„Vorwärts" und er behauptet, ich hätte aus feinem Artikel Dinge heraus- gelesen, die nicht darin ständen. Ich kann dazu bemerken, daß dies Malheur auch Parteigenossen passiert ist, die der �Streitfrage durch- aus uninteressiert gegenübersteheii, denen seine Zitate ganz neu waren. Aber wie es sich nun auch mit dem Zuvielherauslesen vm halten mag, so konnte man jedenfalls eines nicht aus dein Ar- tikel R-s herauslesen: Die historische Genauigkeit, die jedem sein Recht läßt. � Ed. Bernstein. A n m. d. Red. So heachtenslvcrt die vorstehenden Aus- führungen Gen. Bernsteins sind, möchten wir doch bemerken, daß es sich in den R.-Artikcln nur um die damaligen Auffassungen von Marx und Engels, nicht aber um eine Untersuchung ihrer Bcrech- tigung handelte. Staötverorönetenversammlung. 2. Sitzung vom Donnerstag, den 15. Januar 1914, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach Ü'A Uhr. Vor der Sitzung haben sich die Abteilungen konstituiert. Zur Verlesung gelangt ein Schreiben de« Berliner Ehren- bürgcrs Stadtrats M a r g g r a f f. der mit Ablauf des Jahres 1913 aus seinem städtischen Amte geschieden ist und dem Tank für die au« diesem Anlaß ihm erwiesenen Ehrungen Ausdruck gibt. In die Gewerbcüeputation, Abteilung für Arbeit«. Nachweis, ist ein Mitglied zu wählen. Borgeschlagen find l. Schriftsetzer Hugo Mühlberg. Brunnenstr. 20, 2. Holzarbeiter ..Matthias Schumacher, Lippchucr Straße 30. Letzterer wird urit 84 vM W Stimmen gewählt; zwei Zettel ivaren unbeschrieben. Dm Einheitssätze für die E i» z i e h u n g der Waisen- Pflege tosten von Unterhaltungspflichtigen Ängehörigen sind Oktober 1913 ab neu festzusetzen. Sie betragen zurzeit tagltch; für Kinder im 1. Lebensjahre.... 80 Pf. » i» u.... 6ö„ „„ Von 2—3 Jahren.... 55„ » schulpflichtige Knaben..... 55„ »„ Mädchen..... 50„ «ür die EinsegnungSausstattung lverden SO M. eingezogen. Vom 1. Oktober d. I. ab soll auf die Dauer von 3 Jahren die Einziehung nach folgenden» Tarif stattfinden: für Kinder bis zu 1'/, Jahren.... 90 Pf. von l'/e— 3..... 70„ n ,, 3— 0 m.... 55„ » schulpflichtige Knaben..... 60„ » Mädchen..... 55„ Für die Einsegnung von Knaben sollen 60, für die Einsegnung von Mädchen 70 M. erhoben werden. Die Zustimmung wird seitens der Versammlung ohne Debatte erteilt. Das D i s p o s i t i o n s q u a n t u m von 600 000 M. im Ertrqvvdinarium ist für dieses Jahr bereits nahezu aufgebraucht; es fall aus dem über 12'A Millionen Mark betragenden lieber- schufle des Jahres 1912 um 200 000 M. der stärkt werden. Die Versammlung ist damit einverstanden. Äuf dem städtischen Schlachthofe, und zwar auf dem zur Auf- nähme von Ninderschlachthäusern bestimmten Gelände soll für 744 000 M.(Gesamtkostenl der Neubau eines Rindcrschlacht- lui u s c s nebst Stall erfolgen, das zunächst zum Schlachten von »schweinen einzurichten ist. Auch hier wird ohne Diskussion der Magistratsoorschlag gutgeheißen. Die Gemeinde Treptow beabsichtigt eine höhere Mädchen- schule(Lhzeum) zu errichten. Als geeigneter Bauplatz ist das neben dem Rathaus und dein Realgymnasium belegene Grundstück an der Parlstraßc von ctlva 7060 Ouadratmetcrn auscrsehen. Das Grundstück gehört der Stadt Berlin, welche bei dieser Gelegenheit gleichzeitig zwei weitere Parzellen von 2828 und 1496 Quadrat- Metern an die Gemeinde Treptow übergehen lassen will, die zur Anlage eines öffentlichen Platzes und zur Verbreiterung der Park- stratze bestimmt sind, obwohl der Bebauungsplan noch nicht feststeht. Treptow hat sich nach längeren Verhandlungen zur Erwerbung auch dieser Flächen bereit erklärt. Für die Fläche von 1496 Qua- dra�in eiern soll der Kaufpreis 4 M.. für die übrigen Flächen 20 M. p«t Quadratmeter betragen. «tadv. Dr. Arons iSoz.): Aus den Zeitungen ist zu ersehen gewesen, daß der Magistrat die Herren Eberstadt-Möhring und Janssen mit der Entwerfung von Bebauungsplänen f ür unser Treptower Terrain beauftragt hat, allerding« unter der Voraussetzung der Eingemeindung. Ich darf annehmen, daß die Ausarbeitung dieser Pläne auf Grund der Anregungen er- folgt ist, welche die Deputation für die Erschließung des Berliner Grundbesitzes in Treptow gegeben hat. Tie Absicht der Deputation ist allerdings dahin gegangen, die Interessen der breiten Masse zu tvahren und womöglich auch den Widerstand der Regierung gegen die Eingemeindung zu brechen. Veröffentlicht worden sind diese beiden Pläne bisher nicht. Eine solche Zurückhaltung scheint mir ,n diesem Falle nicht angebracht. Ich frage deshalb den Magistrat. ob die Veröffentlichung der Pläne beabsichtigt ist. Magistratsbaurat Seifert setzt unter andauernder großer Un- ruhe der Versamnilung, die seine Darlegungen nur ganz unvoll- kommen zur Tribüne dringen läßt, auseinander, daß die Ver- öffentlich ung etwas Mißliches an sich haben würde, ehe der Ma- gistrat zu den Plänen Stellung genommen habe. Es stehe auch dahin, ob mit der Veröffentlichung den«Interessen der breiten Massen gedient wäre. Nach unendlich langwierigen Berhand- lungcn sei die Angelegenheit jetzt so weit, daß der Magistrat in kürzester Frist über den Plan Beschluß fassen werde; es sei zlveck- maßig. bis dahin Geduld zu üben. Denjenigen Mitgliedern der Versammlung die sich für die Pläne interessieren, könne eventuell durch Auslegung derselben und durch von einem Ingenieur zu gebende Erläuterungen in der nächsten Woche entgegengekommen werden. Ätadw. Ziclirz(A. L.) beantragt Ausschußberatuno, um u. a. Auskunft über den niedrigen Verkaufspreis zu erhalten. Stadtrat Rast bittet, die Vorlage schon mit Rücksicht auf das freuiidnachbarlichc Verhältnis zu Treptow sofort anzunehmen. Die Versammlung beschließt die Niedersetzung eines Aus- schusscs. Herr Emil Rcpphan in Charlottcnburg, Hardenberg. straße vs, hat der Stadt Berlin ein Kapital von fünf Millionen Marl für die Anlegung und Unterhaltung einer W a I d 1 ch u l e geschenkt, welche den Namen„Repphanschc Wald- schulstlftung der Stadt Berlin" führen soll. Dem Stifter soll bis zu seinem Tode vom 1. Juli 1914 ab eine Rente von 180 000 M., der Witwe eine solche von 90 000 M. oder eine Abfindung von 800 000 M. gezahlt werden. Die Waldschule soll mindestens 60 km uon Berlin in waldreicher Gegend angelegt werden, doch darf auch das Gelände von Lanke dafür Verwendnng finden. Aufgenommen werden sollen nur gesunde Knabe», ob frei oder gegen Bezahlung, darüber soll die Stadt cntsaiciden. Dem Unterricht soll der Ober- realschullehrplan zugrunde liegen; die Kinder sollen die Schul» stunden möglichst im Freien abhalten, auch möglichst im Freien sich aushalten und schlafen; die Kost soll einfach und gesund sein, ohne Alkohol, Nikotin, 5ioffein und dergleichen Gifte. Der Magistrat hat beschlossen, die Stiftung anzunehmen, und ersucht d,e Versammlung, ihr Einverständnis zu erklären. Einstimmig erteilt die Versamnilung ihre Genehmigung. Vorsteher Michelet: Für diese hochlicrzige, schöne Stiftuiig, wie sie nach meiner Erinnerung der Stadt Berlin in dieser Höhe niemals gemacht worden ist, sage ich namens der Versammlung dem Stifter unseren ganz besonderen Dank. Andererseits habe ich das Bedauern darüber auszusppechcii, daß dieser Herr, der ursprünglich seinen Namen gar nicht nennen wollte, mit Tausenden von Bittschriften von Berufene» und Unberufenen überschwemmt worden ist; sogar Hypothekenbriese sind ihm zugeschickt worden. Daß so etwas einem Geber die Freude am Schenken nehmen kann, liegt wohl auf der Hand; es Ware zu bedauern, wenn er daraus Anlaß nehmen würde, künftig seine Hand verschlossen zu halten. Nochmals sprechen wir ihm unsere besondere Anerkennung aus. l Allseitiger lebhafter Beifall.) Schluß der öffentlichen Sitzung �47 Uhr. Jugeaöbewegung. Katholische Jugendverblödung. AuS Köln wird uns geschrieben: In der letzten Nummer der kaiholischen Iugendzeitung»Die Wacht' ist ein Artikel, der bezeichnend ist für die Kindereien, mit den»» in kalholüchon Jugendvcrciuen heranwachsende junge Arbeiter unterbalten werden. Der Aufsatz sckiildert den Besuch des heiligen Nikolaus auf einem JünglingSvereinSabend. Di« angehende» jungen Männer haben dem „heiligen Mann' einen Brief in Versen geschrieben und St. Nikolaus mit der Rute antwortet ihnen darauf: »Dann habt Ihr in Euerm Briefe noch mehr zu klagen: Wenn wir gehen über die Straß', bescheiden, still, erzählen nnS'was, gleich beißt es: Junge halt dein Maul! Du bist zu laut, zu wüst, zu faul. Und lagt man ganz bescheiden ein Wort, Gleich heißt es: Schick dich, mach dich fort! So? Könnt Ihr deml überhaupt bescheiden still über die Straße gehen? Ich habe das noch nie entdecken löniien. Am vorigen Sonntag noch hatten wir im Himmel ein großes Konzert, au, Abend von 7 bis 8 Uhr. Und wie gerade die schönste Stelle war, da hörte man auf einmal von der Erve herauf ein Brüllen und Schreien und Flöten und P f e i f e il, daß wir meinten, die ganze Hölle wäre ausgebrochen. Was war da passiert? Da ivar gerade die Versammlung in Eurem Jünglings verein zu Ende und Ihr zöget nach Hause; daher kam das Brüllen. Ich glaube, wenn am jüngsten Tag unser Herrgott die Tolen aus- erwecken will, da braucht er garnicht die Engel mit der Posaune auszuschicken; da braucht er nur Euch alle ans einmal loszulassen, Ihr macht schon einen solchen Spektakel, daß die Toten davon schon aufgeweckt werden; da kann reiner weiterschlafen, wenn Ihr daherkommt...... Dann erzählt Ihr da ja rührende Geschichten von Eurem Jüng- lingSvareui: Der ist unser einziger Trost geblieben! Des Sonntags zwischen füns und sieben geh,, wir zu unserm eigenen HauS, da treibt so leicht uns keiner rauS. Da wird gespielet und erzählt. Witze gemacht, auch mal krakeelt, da wird geredet und gelacht. da wird manch' feines Spiel gemacht, da wird gelesen und gesungen, so fein, als wie von Engelszungen. Ihr hättet nur gleich dabei setzen können: Da wird radaut und furchtbar skandaliert, da wird auf den Boden gespuckt und über die Bänke gelaufen, da wird die Tür offen gelassen, und da werden die Schuhe vor der Tür nicht ab- geputzt, da wird gebalgt und gehauen und gejohlt und gepfiffen. Seht, das hättet Ihr dabei schreiben können. Und hier steht: Da wird manch' feines Spiel gemacht. Nein, das muß heißen: Da wird manch' feines Spiel kaputt gemacht. Und Ihr schreibt: Des Präses Vortrag hör'n wir an und denken: was der reden kann. Das ist auch gar nicht wahr. Mancher wenigstens denkt bei dem Vortrag im Herzen: Hört der noch nicht bald auf? Ich bin rs satt! Im Sommer ziehn wir durch Wald und Feld, bewundern Gottes schöne Welt, und singen lust'ge Wanderlieder, und stärken unsere jungen Glieder! Ach ja, da sind ja diese schrecklichen Ausfluge deS Vereins 1 Immer, wen» Ihr loszieht, dalur sagt unser Herrgott zu den Sngelchen, sie sollten extra viel Weihrauch in ihr Weihrauchfaß einlegen, damit man den scheußlichen Zigarettendampf nicht so merkte, der dann immer von der Erde aufstiege... Das sind ja prachtvolle Schilderungen, die hier der heilige Nikolaus— sicher ein guter Kenner— von den Sitten in der katholischen Jugendbewegung entwirft. Mit unseren Beobachtungen so mancher katholischer Jllnglingsvereine stimmen sie allerdings überein. Da» sagen wir nicht pharisäerhaft, denn auch bei uns ist noch manches zu bessern. Solche Schreckensbilder brauchen wir aber von unserer Jugend nicht zu entwerfen. Und wenn wir ihr gar mit so kindischen Geschichten wie dem heiligen Nikolaus kämen und dann den Unsinn auch noch in die„Arbeilcr-Jugend' setzten, so würde un« der jüngste Lehrling mit Recht herzhaft auslachen. /tos Industrie und Handel. Der Kampf auf dem Ammoniakmarkt und die chemische Industrie. Zu dem Artikel in Nr. 12 des„Vorwärts" mit obiger Spitz- marke gehen uns aus Ludwigshafen a. Rh. folgende ergänzende Mitteilungen zu: Ter Kamps um den Markt zwischen„natürlichem" und„künst- lichem" Ammoniak spielt sich ausschließlich zwischen der B a d i- scheu Anilin- und Sodafabrik und den bisherigen Produzenten von schwefelsaurem Ammoniak, den Kokereien, ab. Der Sitz der Firma, die gesamte Verwaltung und sämtliche Bc- triebsaiilageu befinden sich auf bayerischen Boden, in Ludwigs- Hafen a. Rh. Dort entstand auch im letzten Jahre die Anlage für synthetischen Ammoniak, die sich seit zirka acht Monaten im Be- trieb befindet. Die Interessengemeinschaft mit den Elberfelder Farbwerken und der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in Trcptoio bezieht sich, lvie ganz richtig bemerkt war, nur auf Lieferungsbedingungen, Ausgleich des Aktienkapitals, und vor allem aus die Wahrung von Betriebsgeheimnissen, zu welchem Zweck Ar- beiter und Angesrellte genannter Fabriken nur nach vorheriger Ver- ständigung der Fabrikleitungcn Beschäftigung finden können. Die Erzeugung von Ammoniak liegt außerhalb der Jnteressengemein- schaft. Durch die Produttionsaufnahme der Ammoniakbetricbe stieg die A r b e i t e r z a h l der Badischen Anilin- und Sodafabrik rapid. Am Schlüsse des Jahres 1911 zählte die Betriebskrankenkasse rund 8600 Mitglieder, am Schlüsse 1912 rund 9600 und gegenwärtig über 11 000 Mitglieder. Nach dem Haderschen Verfahren wird der Stickstoff, der durch Verflüssigung der Luft gewonnen wird, unter bedeutender Wärme und hohem Druck an Wassergas gebunden und ergibt Ammoniak. Der Betrieb, der erst im Entstehe» begriffen ist, birgt außerordentliche Gefahren für die Ar- beiter in sich. Tie ganze Anlage steht unter hohem Druck, die meisten Apparate bis zu 290 Atmosphären. Dabei sind lange Rohrleitungen bis zu 40 Zentimeter Weite, die unter gleichem Druck stehen. Explosionen ereignen sich fast täglich. Der durch die Ex- plosionen entstehende Materialschaden dürfte in wenigen Monaten die hunderttausend Mark schon überschriiten haben. Neben vielen Verletzungen ist auch schon ein Arbeitcrleben zu beklage». Eine Eingabe der Arbeiter um mehr Arbeiterschutz wurde mit Maßregelungen beantwortet. Die Aminoniaiproduktion wird die Rentabilität dieser Fabrik noch gewaltig steigern. Wer solche Gönner hat, wie die Anilin- fabrik, unterliegt auch nicht dem Ansturm der Konkurrenz, selbst wenn diese die Grubenbarone hinter sich hat. Sollte die Ver- mntung, daß die Anilinfabrik auf die Unterbictung des natürlichen Ammoniaks verzichtet hat. zutreffen, so würde diese Maßregel eine Ausbeutung der Konsumenten darstellen, denn den Hauptanteil am Ammoniak bildet die atmospbärische Lust, die die Anilinfabrik nichts kostet. Die Herstellung selbst dürfte sich nicht teuer stellen, denn es werden jetzt schon, bei nur beschränktem Betrieb täglich 600 bis 700 Zentner Ammoniak herausgebracht. Zu Dünger weitcrver- arbeitet bedeutet das mindestens das zebniache Quantum. Und schon wieder ist ein neues Verfahren erfunde», das die Pro- duktion außerordentlich verbilligen und viele Arbeiter ersparen wird. Bisber iourdc der Stickstoff nach dem Lindeschcn Verfahren, durch Verflüssigung der Luft erzeugt. Dabei wird die Lust in Kompressen verdichtet, die dabei entstehende Wärme durch Kühlung entzogen. Der Vorgang wiederholt sich unter immer höherem Druck, bis die Verflüssigung des Stickstoffs eintritt und der Sauer- stoff in Gasform entweicht. Das in der Anilinfabrik erfundene neue Verfahren, das spätestens zum Frühjahr in größerem Umfang in Betrieb genommen wird, trennt Sauerstoff und Stickstoff durch Wärme. Das Versahren selbst ist Betriebsgeheimnis, soviel steht aber fest, daß die projektierte Methode, die bereits rentabel ist, wesentlich geringere maschinelle Einrichtungen erfordert und an Arbeitskräften bedeutend spart. Daß die Anilinfabrik dann mit den Preisen heruntergeht, ist kaum zu ertvarten. Die Wissenschaft- lichen Fortschritte und technischen Erfindungen kommen dann einer kleinen Kapitalistcnclique zugute, während die Arbeiter ungeheuren Gefahren ausgesetzt werden und die Gcsamtbcvölkerung durch hohe Düngermittelpreise ausgepowert wird. Der Staatsbankrott Mexikos führte an der gestrigen Börse zu weiteren Kursstürzen der mexikaiiischen Werte. Die bprozentige Anleihe(vom Jahre 1899) sank um 19 Proz. auf 74,60 Proz., die 4prozeiüige Anleihe(bom Jahre 1904) um 2 Proz. ans 65 Proz., die 4!4prozent>ge Bewässerungsanleihe um IM Proz. auf 64,75 Proz. Auch die Anleihen der privaten Tehuantepecbahn, Vre sich vorgestern gehalten hatten, gaben gestern um 2 Proz. nach. Soziales. Die Kranlcnversichcrnng in Oberbarnim. Recht zerfahrene Verhältniffe l>crrschcn dem Anschein nach in der Allgemeinen Oristrankenkassc für den Kreis Obcrbarinm, die am 1. Januar ins Leben getreten ist. Bei der Einrichtung der Kasse sind auch Betriebe mit in die Kasse eingegangen, die bis dahin Be- triebskassen hatten. Am vorigen Sonnabend sind von der Hebestelle der Kasse in Hecgennühle Arbeiter und deren Angehörige abgc- wiesen worden, obwohl'ihr Anspruch auf Krankengeld zweifellos feststand. Sie sind an den Betriebsinhaber verwiesen werde», in dessen Betrieb sie vor Beginn der Erkrankung beschäftigt waren und für den vorher eine Krankenkasse bestand. Dieser verwies sie wieder zürück, da für ihn mit der Auflösung der Kasse und dem Ucbcrtritt in die Allgemeine Ortskaffc die alten Sachen ihre Er- ledigung gcftinden hätten. Die Kranken sind itun völlig ohne Krankengeld. Des weiteren sind sie aber auch ohne ärztliche Hilfe, da auch die Aerzte die Hilftleistung ablehnen. Worin dies seilten Grund hat, ist nicht recht ersichtlich. Uns wird dazu von mehreren Seiten gemeldet, daß auch in dieser Kasse noch etwas post lesüim ein Aerztekonflikt ausgebrochen sei. Die Aerzte verlangen jetzt die Honorierung nach Einzelleistung mit ganz geringen Ermäßigungen und sind gewillt, ihre Forderungen mit allen ihnen zu Gebote ftehcndcil Mitteln durchzusetzen. Dadurch scheint die Kasse in eine recht mißliche Lage gekommen zu sein. Durch die Anerkennung dieser Forderung allein würde sich der ans zirka 74 500 M. uor- mierte Voranschlag bei der Kasse bei 8000 bis 9000 Mitgliedern um über das Doppelte verschieben. Die Kranken sind durch diesen Zustand nicht allein ohne ärztliche Hilfe, sie müssen auch der er- forderlichen Medikamente entbehren, da auch die Apotheken, wie uns berichtet wird, die Ausfertigung von Rezepten auf Kassenkosten ablehnen, da sie angeblich ebenfalls nicht wissen, ioo sie eventuell liquidieren sollen. Der Zustand ist wahrlich ein Hohn auf unsere Sozialgesetzgebung und ein Bclvcis für den antisozialen Charakter der Rcichsvcrsichcrungsordnung. Aus dem Junkcrparadiesc. Ein Depntatmann stand längere Zeit im Dienst des Ritter» gntsbesitzers Dr. v. Hcyenborn in Loyden bei Bartenstein. Während der Zeit seines Arbeitsvertrages erhielt der Arbeiter Invaliden- rente und sein„Herr" verlangte, der Arbeiter sollte ihm zwei Drittel der Invalidenrente abtreten. Darauf ging der Deputat» mann jedoch nicht ein. Sein Arbeitgeber hatte auch kein Recht, während der Vertragsfrist diese Forderung zu stellen. Am 1. Juni weigerte sich Herr v. Heyenborn, dem Arbeiter Lohn und Deputat zu geben. Der Deputatmann arbeitete schließ- lich noch bis zum 11. Juni, dann stellte cr die Arbeit ein und ließ auch seine Tochter, die Scharwerkerin war, nicht mehr in den Dienst gehen. Der Rittergutsbesitzer entließ jetzt den Arbeiter „wegen hartnäckigen Ungehorsams und Widerspenstigkeit' und ver» langte auch die sofortige Räumung der Wohnung. Da der Arbeiter aber nicht ivußte, wo er augenblicklich hingehen sollte, blieb er noch wohnen. Jetzt wurde gegen ihn die Exmissionsklage eingereicht; der Arbeiter wurde auch verurteilt, die Wohnung zu räumen und schließlich fand die zwangsweise Räumung der Wohnung statt. Ins« gesamt waren dadurch 49 M. Kosten entstanden, die der Deputat» mann bezahlen sollte. Sein rückständiger Lohn betrug 20,42 M., die er nicht erhielt; auch hatte er zwanzig Zentner Kartoffeln aus- gesetzt, deren Aberntung ihm verweigert wurde. Herr v. Heyen- dorn psändetc ihm obendrein noch zwei Läuferschweine, um auf diese Weise zu seinen Kosten zu kommen. Der Arbeiter klagte vor dem Amtsgericht in Bartenstein auf Freigabe der Schweine. Er wurde aber mit seiner Klage ab» gewiesen und hat jetzt noch die Kosten dieses Prozesses zu bezahlen. Das Gericht sagte,»ach seinein Vertrage wäre der Arbeiter nicht verpflichtet gewesen, zwei Drittel der Invalidenrente an den Ritter- gutsbesitzer abzutreten. Er durfte jedoch, als er den verdiente» Lohn nicht erhielt, die Arbeit nicht plötzlich einstellen I wovon der Arbeiter leben soll, wenn cr keinen Lohn und kein Deputat er- hält, danach fragt die Justiz nicht), sondern cr hätte fristlos kündi» gen oder unter Einhaltung seiner Dienstvertragspflichten gegen den Beklagten auf Erfüllung klagen können. Da er die Arbeit verweigert hätte, so hätte ihn der Beklagte mit Recht wegen bc- harrlichen Nngchorsams und Widerspenstigkeit entlassen kilnnen. Die Wohnung hätte ihm nach dem Vertrage nur während des Dienstes zur Verfügung gestanden, und er wäre nach Einstellung der Arbeit zu ihrer sofortigen Räumung verpflichtet geioesen. Die Pfändung der Schweine wäre berechtigt gewesen, da die gesamten Kosten mehr betragen hätten, als der rückständige Lohn. Also der Arbeitgeber stellt eine unberechtigte Forderung an den Arbeiter: er will sich an den paar Mark Invalidenrente bereichern. Der Prbeiter wehrt sich dagegen. Darauf gibt ihm der Ritter- gutsbesitzer weder Lohn noch Deputat, und jetzt stellt der Arbeiter die Tätigkeit ein. Nunmehr entläßt ihn der Arbeitgeber und klagt auf Exmission. Und die Justiz, die Recht sprechen soll, erklärt, der Rittergutsbesitzer sei zur plötzlichen Entlassung des Arbeiters bc- rechtigt gewesen; dieser aber, der den saucrverdienten Lohn nicht erhielt, hätte die Arbeit nicht sofort einstellen dürfen. Dem Ar- beiter sind eine Menge Kosten entstanden; cr ist wirtschaftlich aufs schwerste geschädigt worden und das alles nur, weil er sich weigerte, zwei Drittel seiner Rente dem Arbeitgeber abzutreten. Entspricht solch' Urteil gesundem Rechtsempfinden? Ein weiterer Fall. Ein Vorarbeiter war bei einem Besitzer in Plibischkcit(Kreis Wehlau) bereits zwei Jahre im Dienst; im dritten Jahre wollte cr fortziehen, doch der Agrarier redete ihm gut zu, auch das dritte Jahr bei ihm zu bleiben. Der Arbeiter willigte schließlich ein, doch kaum hatte cr Vertrag geschlossen, als die«schikanierungen, dereutwegne cr hatte fortziehen wollen, wieder begannen. Eines Morgens, als der Arbeiter zur gewohnten Zeit zur Arbeit erschien, wurde cr mit dem Bemerken, er sei besoffen, nach Hause geschickt. Als cr am nächsten Tage zur Arbeit kam. wurde er vom Gutsbesitzer durch eine Handbewegung vom Hofe gewiesen. Der Arbeiter glaubte, der Agrarier verzichte gänzlich auf seine Tätigkeit und verließ die Arbeitsstelle. Doch jetzt erhielt cr ein Strafmandat von 15 M. wegen vorzeitigen Verlassens des Dienstes. Der Vorarbeiter verlangte gerichtliche Entscheidung und vor dem Wchlaucr Schöffengericht erklärte cr, daß cr wie ein Hund behandelt worden sei. Er und seine Frau seien vom Gutsbesitzer in der ärgsten Weise beschimpft worden. An jenem Tage sei er nicht betrunken gewesen, was auch ein Zeuge bestätigte. Der Guts- besitzcr als Zeuge sagte aus, daß er angenommen hätte, der Ar- beiter sei betrunken gewesen. Die Schimpfwortc habe er im Scherze gebraucht. Trotzalledem stand das Gericht auf dem Standpunkt, der Ar» , beiter sei nicht berechtigt gewesen, vorzeitig den Dienst zu ver- lassen. Es verwarf seine Berufung, so daß der Vorarbeiter die 15 M. und auch»och die Kosten für das Gerichtsverfahren zu tragen hat, ©•j wird in Ostpreu�cn gcgen Landarbeittt„Recht gesprochen". Die Arbeiter sind vogetfrei. Sie sollen alles über sich ergehen IVissen, ohne zu muffen. Daß unter diesen Umständen die �eute nilbt ans dem Lande bleiben können, will aber die Agraricrsippe nicht einschen._ Nchhautablösung als Betriebsunsall. Ter Arbeiter H. war am 11. November 1912 damit beschäftigt, schwere Fässer zu heben; die Arbeit war derart anstrengend, so daß er trotz der kalten Jahreszeit in Schweiß geriet. Dlittcn in der Arbeit ließ die Sehkraft plötzlich auf dem linken Auge nach, H. mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Es wurde Netzhaut- ablösung festgestellt. Die Berufsgenossenschaft der chemischen In- duftric, bei der H. nunmehr Anspruch auf Entschädigung erhob, lchntc dieselbe ab, weil eine außergelvöhnlichc Arbeitsleistung, die über den Rahmen der betricbsüblichen hinausging, nicht statt- gefunden habe. H. legte Berufung beim Ober-Bersichrrungsaint Groß-Bcrlin ein. Dasselbe vernahm mehrer Mitarbeiter des H. über den Umfang der am fraglichen Tage zu leistenden Arbeit, des weiteren wurde ein Gutachten von dem Spczialarzt für Augenleiden Prof. Dr. ks. eingeholt. Daraufhin wurde die Bcrufsgenosscnschaft verurteilt, H. eine Rente von 59 Proz. zu zahlen. Das Ober-Bersicherungsamt ge- laugte auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ansicht, daß die Tätigkeit des H. am Tage des Unfalls für einen Arbeiter, der tag- lich derartige Arbeiten leistet, nicbt über den Rahmen der betriebs- üblichen hinaus ging. Da aber H. sonst immer nur in der Expe- dition tätig war und am fraglichen Tage nur ausnahmsweise in größerem Umfange zu den schweren Arbeiten herangezogen wurde, so war diese Tätigkeit des H. als über das Maß der betriebs- üblichen anzusehen und die dabei erfolgte Netzhautablösung als Betriebsunfall anzuerkennen. Die Genossenschaft bcschied sich bei der Entscheidung, dieselbe wurde techtskräftig. Gerichtszeitung. Berlehung der Schutzvorschriften für die Großeisenindustrie. Eine grundsätzlich wichtige Frage hatte am Dienstag das Reichsgericht in einer Anklage gegen den Hüttcndireftor Otto di Biari zu entscheiden. Dieser ist vom Landgericht Bcuthen(O�S.) am ö. Juli b. I. wegen Vergehens gegen§ 12(Je der Gewerbeordnung und 8 1 der Bundesratsverordnung vom 19. Dezember 1908 betreffend den Betrieb der Anlagen der Großeiseninduftric zu S M. Geldstrafe verurteilt. Die Gewerbeordnung regelt bekannt- lich in ihren Bestimmungen die Zeit der Ruhepausen der Arbeiter in den gelverblichen Betrieben im allgemeinen. In Gcmäßheit der Bestimmungen des§ ILOe Abs. 3 der Gewerbeordnung ordnet die vorerwähnte Bundcsratsverordnnng als Ergänzungsbestim- mung an, daß den Arbeitern in den Großeisenbetrieben bei einer Schicht von mindestens 8 Stunden eine zweistündige Mittags- pause zu gewähren ist und daß außerdem über die Ueberstundcn Listen zu führen und diese monatlich der Polizeibehörde cinzu- reichen sind.§ 1 der Bundesratsverordnung sagt nun bezüglich der Anwendung der in ihr enthaltenen Bestimmungen wörtlich: „Die nachstehenden Bestimmungen finden Anwendung auf folgende Werke der Großciscnindustrie: Hochofcnwerkc, Hochofen- und Rohrengießercien, Stahlwerke, Püodelwcrke, Hammerwerke, Preß- werke und Walzwerke." Absatz 2 sagt loeiter:„Sie finden An- Wendung auf alle Betriebsabteilungen dieser Werke einschließlich derjenigen Reparaturwerkstätten und Nebenbetriebc, die mit ihnen in einem unmittelbaren betriebstechnischen Zusammenhang stehen." Dem Angeklagten, der Direktor der vereinigten 5lönig?hütten- und Laurahuttcn-Aktiengcscllschaft in Königshütte ist, unterstehen unter anderem die Kokerei» das Elektrizitätswerk und der Fahr- betrieb. Ihm ist nun zur Last gelegt worden, daß er sich dadurch, daß er den in den drei genannten Betrieben(Fährbetrieb kommt allerdings nur ein Teil in Frage) beschäftigten Arbeitern die vor- geschriebene Ruhezeit nicht gewährt und keine Listen über die Ueberstunden geführt hat, gegen die Bundesratsverordnung in Ver- bindung mit den einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung vergangen hat. Das Gericht hat dieses dem Angeklagten zur Last gelegte Vergehen für vorliegend erachtet, indem es die Kokerei, das Elektrizitätswerk und den Teil des Fährbetriebes, der die Zu- fuhr regelt, als Nebenbetriebc im Sinne der Bestimmung des 8 1 Abs. 2 der Bundesratsverordnung ansah, die in unmittelbarem betriebstechnischen Zusammenhang mit dem Hauptbetriebe stünden. Auch hat das Gericht als erwiesen angesehen, daß der Angeklagte sich wissentlich gegen diese Gesetzesbestimmungen vergangen hat. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Er führte aus, die Kokerei, das Elektrizitätswerk und der in Frage kommende Teil des Fährbetriebs seien zu Unrecht als Neben- betriebe, die mit dem„Hauptbetriebe" in einem unmittelbaren bc- triebstechnischen Zusammenhang stehen" angeschen worden. Ferner bemängelt die Revision, daß zu Unrecht ein wissentliches Vorgehen angenommen worden sei, vielmehr hätte wegen des Jrrtmns, in dem sich der Angeklagte befunden, diesem der Schutz des 8 29 des Strafgesetzbuches zugebilligt werden müssen. Das Reichsgericht hielt jedoch die Revision in allen ihren Teilen für unbegründet. Die Nichtanwendung des 8 29 des Straf- gesctzbuches sei mit Recht deshalb erfolgt, weil der Angeklagte sich nicht in einem unentschuldbaren Strafrechtsirrtum befunden habe. Auch in materieller Beziehung sei das Urteil nicht zu beanstanden, da die drei Betriebe ohne Rechtsirrtum als Nebenbetriebc im Sinne des 8 1 Abs. 2 der Bundesratsverordnung angesehen worden seien, nämlich als Nebenbetriebe, die mit dem Hauptbetriebe„in einem unmittelbaren betriebstechnischen Zusammenhang stehen". Aus all diesen Gründen verwarf das Reichsgericht die Revision des An- geklagten und bestätigte somit das Urteil der Vorinstanz. Eine v-Berhandlung vor dem Schwurgericht. Eine Verhandlung, die erst gegen 3 Uhr morgens nach zirka 17stün- digcr Dauer zu Ende ging, beschäftigte am Mittwoch das Schwur- gericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdircltors Ziersch. Aus der Untersuchungshast wurde der Packer Hermann Jckert vorgeführt, um sich wegen eines an seinen eigenen Töchtern von t3 und 17 Jahren begangenen scheußlichen Verbrechens zu ver- anttvorten. Mit dem Hinweise, daß ein derartiges Verbrechen eigentlich nur von einem Geisteskranken begangen werden könne, war von Rechts- anwalt Dr. Harry Pinkus die Beobachtung des Angeklagten aus seinen Geisteszustand beantragt worden. Die von den Gerichts-! ärztcn Medizinalrat Da. Hoffman» und Dr. Marx vorgenommen:■ Beobachtung ergab jedoch, daß von� einer Anwendung des stras- ausschließenden Paragraphen 31 St.G.B. bei d cm Angeklagten l keine Rede sein könne.— Die Verhandlung, die morgens VilO Uhr! begonnen hatte, zog sich bis in die späten Nachtstunden hin. Als j die Geschworenen von ihrer längeren Beratung zurückkehrten, war die dritte Morgenstunde herangerückt.— Das Gericht erkannte dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß, die nur das an dem ISjährigen Kinde begangenen Verbrechen als erwiesen angeschen hatten, auf 3 Jahre Zuchthaus. Diese Tauerverhandlung dürfte vielleicht den Anlaß zu einer amtlichen Regelung der Dienstzeit der Gcrichtsdiener geben. Die Gerichtsdiener, die erst nach 4 Uhr in ihren Behausungen angelangt waren, mußten um 8 Uhr wieder ihren Dienst antreten, so daß ihnen nach einer zirka 20stündigen ununterbrochenen Dienstzeit nur eine etwa dreistündige Ruhepause verblieb. Zurzeit fehlen, trotzdem 10- bis löftniidige Schwurgcrichtstxrhandlungcn keine Seltenheit sind, amtliche Bestimmungen, nach welchen den Gerichtsdicnern nach ihrem schweren Dienst auch eine angemessene Ruhepause ein- geräumt wird.__ Noch einmal die Sezession. Gestern stand unter der Anklage der Beleidigung der frühere Ehrenpräsident der Sezession, Professor Max Liebermann, vor der 149. Abteilung des«chöfscngerichts Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Hofsheinz. Tic Beleidigungsklage gegen ihn war von den Kunstmalern Herstcin, Neumann und Opplcr angestrengt worden. Es handelte sich um einen schon im vorigen Prozeß erörterten Vorgang. Die drei Kläger hatten sich eines Tages zu Professor Liebcrmann begeben, um ihn zu bitten, doch nickt für Cassirer ein- zutreten. Mit Bezug auf diesen Besuch hat Professor L. in der Generalversammlung, in welcher er die Rode, die er eigentlich für Cassirer halten wollte, nicht gehalten hat, gesagt: Die Herren hätten perfide Drohungen ihm gegenüber angewandt, die jede Mög- lichkcit einer gemeinsamen Arbeit ausschlössen. Nach langer Verhandlung kam ein Vergleich zustande. Prof. Liehermann erklärte: Für mich handelte es sich nicht um Personen. sondern um die Sache, die ich mit Leiitikow begründet und auf einen hohen Standpunkt gebracht hatte, der in ganz Europa ancr- kannt worden ist. Ich habe mich auf Grund der Verhandlung überzeugt, daß der Eindruck des Eiuschüchtcrungsversuchs, den ich von der Unterredung vom 3. Juni hatte und uiuer dem ich in der Generalversammlung vom 6. Juni gegen die Kläger Vorwürfe er- hoben habe, ein irriger war, und nehme daher die gegen die.Kläger in dieser Versammlung erhobenen Vorwürfe und Beleidigungen zurück. Die Privatkläger verzichteten auf die anderweitige Ver- folgung von Beleidigungen, die seitens des Angeklagten am 6. Juni gefallen sein sollen. Die außergerichtlichen Kosten wurden gegenseitig aufgehoben. Die Gcrichtskostcn übernahm der Angeklagte. Der BahnfiSkus als Unternehmer. Vor dem Schwurgericht Erfurt stand am Mittwoch ein zwanzig- fähriger Bahnarbeiter, der einen an seine Braut adressierten Frachtbrief durch einen Zusatz gefälscht hatte, um auf diese Weise in den Besitz eines Schrankcs zu gelangen. Als der Schrank natür- lich nicht abgeliefert werden koundc, weil er nicht aufgegeben war- den ivar, stellte der Mann Schadenersatzansprüche in Höhe von 89 M., wobei sich die Fälschung bcrausstellte. In der Verhandlung stellte sich heraus, däß der junge Mann aus bitterer Not gehandelt batte. Seine Braut war krank und schwanger, er wollte sie heiraten, weil sie nicht ein uneheliches Kind haben wollten. Aber es fehlten ihnen dazu nickt nur die Bar- mittel zur Anschaffung von Möbeln, sondern sogar die notwendigen Kleidungsstücke. Kein Wunder, denn der königlich preußisch« Babnarbeitcr erhielt einen Tagelohn von 2,80 M. Und für diesen fürstlichen Lob» hatte er noch, wie aus den vor Gericht verlesenen Arbeitsbedingungen hervorging, die Verpflichtung, sich außerhalb des Dienstes„achtbar zu führen", es war ihm verboten, sich dem Transportarbeitcrverband anzuschließen, sozialdemokratifchc Bcr- sammlungcn zu besuchen oder sonst sozialdemokratischen Bestrebun- gen zu huldigen". Alles für 2,80 M. pro Tag! Selbst der Staatsanwalt erkannte die Notlage des Angeklagten an. Die Geschworenen billigten ihm unter Berücksichtigung seiner bedrängten Lage mildernde Umstände zu. Der Strafantrag lautete auf k> Monate Gefängnis. Das Urteil lautete aber auf 8 Monat« Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Eine harte Strafe für den Betrag von 89 M., um die ein miserabel bezahlter königlich preu- ßischcr Bahnarbeitcr den Eisenbahnfiskus zu betrügen versucht hatte. UETZ Gr. ßebmmiitel-'Verkaüf Leipziger Strasse Alexanderplatz Frankfurter Allee 12« Freitag, Sonnabend Soweit Vorrat Mandarinen Pfund 18, 24 PL Apfelsinen m,. 24, 35 Blutoranpen Dtz. 38, 48 Pf. Kalif. Aepf el pimd 35, 45 Pf. Rochapfel £ Pfund.... 2 5 Fi- Dtz. Zitronen 28, 38 Pf. Beachfen Sie bitte unsere Kaffee- Spezlal-Harke zereinigt durch das Thumsche Verfahren Kostproben gratis Konserven Probedosen sind zur Ansicht Aedftnetl Slansenspargel III. 1" Siansenspar&l II. v. � 1" Rlesenbriichsparpel-w.-- l" Bruchsparael l.....-w--- 1" Bruchspargel 11..... 98 Leipziger Allerlei m,«-, v--° 48 Ff. Butler und Ktise Llmbureer........ Pfund 38 pl Echt. 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Einlaßkarten für alle vier Vorträge zu 30 Pf. sind noch am Eingang zu haben. Ter Vorstand. Aiinfter SireiS. Für die ta- und tb-Abteilung findet Sonntag, den 18. Januar, eine gemeinsame Besichtigung des Treptower .Krematoriums statt. Treffpunkt'AlO Uhr vormittags am Bahnhof Weißenscc. Neukölln. Heute abend bei Bartsch. Hermannstraßc 49, Vcr- sammlung der J'ugendsek tioir. Genosse Zeuner spricht über: „Sozialistengesetz und Belagerungszustand und was lernt die heutige Jugend daraus't" Es wird erwartet, daß alle jungen Arbeit! und Arbeiterinnen über 18 Jahre diese Versammlung besuchen, um aus den früheren Vorgängen in der Arbeiterbewegung zu lernen. Steglit?. Heute, Freitag, findrt van allen Bczirtslokalen Flug. blattverbreitung statt: Aufforderung zur Einsichtnahme in die Gc- mcinde-Wählcrliste. Oberschöneweidc. Sonntag, den t8. Januar, früh 8 Uhr, von den Bczirkslokalcn aus: wichtige Flugblattverbr'eitugg. Weißensee. Heute, Freitag, abends von 7 Uhr ab F l u g- blattverbreitung im 2. und 4. Bezirk. Feuthen. Heute abend Uhr vom Genossen R. Barnak aus: Flugblattverbreiiung. tNariendorf. Atorgen Sonntag 9 Uhr wichtige Jlugblattver- breitung vpn allen Bezirkslokalcn aus. Fredersdorf a. d. Ostbahn. Sonntag, den 18. Januar, nach- mittags 4 Uhr, öffentliche Versammlung im Lokal von Herrn Lstar Kirchner. v. Schcntendorf bei Königs-.Wusicrbauscn. Sonnabend, den 17. Januar, 8 Uhr abends, bei Otto Pätsch: Mitglicdcrvcrsainin- lung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal und Auf- nähme neuer Mitglioder. 2. Wahl eines Delegierten zur Kreis- generawersammlung. 3. Stellungnahme zur Gemeindevertretec- Wahl. 4. Verschiedenes. Noscntbal. Heute, Freitag, abends 7K- Uhr, für die Bezirke 1 bis 4, t» und Nordend: Flugblattverbreitung. Trebbin. Am Sonnabend, den 17. Januar, abends pünktlich Uhr, im„Schützenhmis", Wahlyereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Halbjahrcsbcricht. 4. Partciange, lcgenhcitcn. Tabendorf. Sopnabcnd, den 17. Januar, Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins bei Wiese. Am Sonntag, den 18. Januar, P r o t e st v e r f a m m l u n g im Wald- und Seeschloß. Nieder-Schonhausen-Nordend. Am Sonntag, 18. Januar, früh 8 Uhr, Flugblattverbreitung zu der am Dienstag, abends 8H- Uhr, im Lokal„Schwarzer Adler"(Jnh. Reitig), stattfindenden Ver- sammlung, in welcher Reichstagsabgeordneter Genosse Giebel über:„Das Koalitionsrecht in Gefahr" referieren wird. Nieder-Schönhausen und West. Heute, Freitag, abends. 7h- Ubr, wichtige Flugblattverbreitung zur Einsichtnahme in die Wählerliste von sämtlichen Bezirkslokalen aus. Hohen-Schönhausen. Heute, Freitag, den 16. Januar, abends T Uhr, von den Bezirkslokalen aus:"Flugblattperbrettpna für die am Sonntag, den 18. Aanuar. naw in ü t an Z � 77-2" Uli r' sch uoiat'vost. Rehher, Berliner Straße 93, angesetzte Protestbepsäulmlüng.' Bruchvlllhle. Am Sonnabend, abends 8 Uhr, Zahlabend b�i Mille..„........'......... Staaken. Sonnabend, den 17. Januar, abends 8l- Uhr, bei Gnädig: Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung. Serliner Nachrichten. Tie juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres von 7—0 Uhr abends statt. Sonnabends Sprechstunde von IV3— 6 Uhr nachmittags. Um ürei Minuten. Die Aufsicht schlug ihr Buch auf und stieß einen Schreckcnsruf aus:„Ach, was ist denn das?!" Entsetzt sah sie auf die dicken, schwarzen Striche, die ihre so sauber angc- fertigte Platzeinteilung verunzierten.„Na, das wird ja wieder mal ein schöner Krach werden." Bei der nicht offiziell genehmigten, aber nichtsdestoweniger notwendigen Pause in der Mittagszeit sind drei ihrer Beamtinnen 2 Minuten zu lange draußen geblieben. Und eine davon sogar drei! Das ist ja aber auch wirklich stark; und nachträglich noch bekam sie einen Entrüstungsanfall, der allerdings mehr durch die schwarzen Kreidestrichc des Inspektors, als durch die dem Bc- triebe entwendeten drei Minuten veranlaßt tvav. Schon immer hatte man auf die kleine Pause, die die Beamtinnen sich eigenmächtig gc'chafsen haben, von oben Attentate versucht. Dock) ohne großen Erfolg— verzichtete wohl hin und wieder mal eine besonders„tüchtige" Beamtin auf die wenigen Minuten, so stellte sich doch bei der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Beamtinnen das Bedürfnis heraus, zwischen 12 und 1 Uhr mittags für einige Minuten den Saal zu verlassen. Nach Hein großen Lormittagsansturm wurde man um diese Zeit immer schlapp, und einige Minuten am offenen Flurfenster stehen oder im'Erfrischungsraum schnell einen Kaffee hinunterstürzen, wirkten Wunder für die nachfolgenden 3 bis 4 Stunden. Aber der Herr Inspektor konnte diese Notwendigkeit durchaus nicht einsehen, er konnte eS nicht ertragen, daß sich täglich etwa einhundert Beamtinnen 8 bis 1V Minuten dem Dienst entzogen, und beschloß, dieser Lotterei ein für allemal ein Ende zu machen. Darum erließ er eine Verfügung, daß sich diejenigen Bo amt innen, die unbedingt noch einmal zwischen 12 und 1 Uhr mittags den Saal verlassen inußtcn, dieses für höchstens 5 bis 7 Minuten tun sollten, und der Aufenthalt im Erfrischungs- raunr, in der Kleiderablage sowie auf den Treppenfluren streng untersagt wäre. DaS war die rechtliche Grundlage der ominösen schwarzen Kreidestriche. Die Aussichtsdame trat hinter den Stuhl des größten Sündenbockes, der sich die drei Minuten Verspätung hatte zuschulden kommen lassen, und sammeln, und so sagte sie, wenn auch mit stockender Stimme: „Ich bitte, meine Aussage einer Dame gegenüber machen zu dürfen." Es lvar dem Assistenten wohl zum ersten Male vor- gekommen, daß eine vom„nachgeordneten Personal" sich einen Widerspruch gestattete, und das verblüffte ihn derartig, daß er versprach, diesen Wunsch dem Herrn Direktor mitzuteilen. Nach zwei Tagen wurde Fräulein Haie wieder zur Verneh- mujtg gerufen, aber an Stelle des männlichen Protokollführers faß eine Aufsichtsdame.„Nun, Fräulein Hase, der Ehes läßt jetzt um genaue Angaben bitten, wo Sic die Zeit verbracht haben." Fräulein Hase flüsterte ihrer Vorgesetzten etwas zu, worauf sich diese erhob und togte:„Ich werde dem Herrn Direktor mitteilen, daß der Grund stichhaltig ist." Schon schien die Sache aus der Welt geschafft, aber nach abermals zwei Ta�en hieß es wieder:„Fräulein Hase, zur Vernehmung!" Wieder saß die Aufsicht würdevoll vor dem Schriftstück, auf dem Fräulein Hase aufgefordert wurde, genau zu definieren, wo sie sich während der Zeit von 12,22 bis 12.32 ausgehalten hätte und zu welchem Zweck. „WaS soll ich denn aber daraus sagen?" stieß sie hilflos hervor.„Sie wissen doch selbst, daß uns dxr Ausenthalt überall verboten ist, außer in der Toilette, da habe ich eben etwas mehr Zeit gebraucht! Mehr kann ich doch auch nicht aussagen, das wissen Sic doch selbst!" Vielleicht erinnerte sich die Aufsichtsdame ihrer eigenen Zeit als simple Schrank- beamtin. denn sie sprgch sanft:„Na, lassen Sie mal, ich werde es dem Ehes sagen, vielleicht läßt er Sie dann in Ruh!" Nachdem die Beamtin noch ihren Namen unter das Protokoll gesetzt, zog die Aufsicht damit ah.„Lächerlich, solche Ge- schichten zu machen!" murmelte sie vor sich hin. Aber ettvas ängstlich klopfte sie doch an die Tür deS Gestrengen, aus der ein barsches„Herein" erscholl. Sie reichte ihm das Blatt hin und sagte:„Fräulein Hase fühlte sich an dem betreffenden Tage nicht ganz wohl und brauchte daher etwas längere Zeit zu ihrer Erholung." Der Herr Direktor hob den Kops:„Nicht ganz wohl? Ich habe aus den Akten ersehen, daß die Beamtin erst vier Jahre im Dienst ist, da scheint sie ja dem Dienst nicht gewckkhsen zu sein!" Die Aufsicht wagte noch einmal eine Verteidigung:„Die Beamtin fühlte sich nur vorübergehend nicht ganz wohl, am nächsten Tage war sie bereits ganz auf dem Posten." „Die Sache ist mir ja sehr unangenehm, hm, äußerst fatal! Hätte die Aussicht der Beamtin gleich einen Verweis erteilt, dann wäre die Geschichte vermieden worden." Und der Herr Tclegraphendirektor erteilte der Beamtin einen Verweis, weil sie sich eigenmächtig drei Minuten zu lange vom Betriebssaal ferngehalten, und der Aufsicht einen, weit sie das Vergehen nicht sofort zur Anzeige gebracht hat.— So wurden dem Staate außer der drei Minuten Arbeits- zeit einer gewöhnlichen Schrankbeamtin durch die Sühne dieses�vergehens noch mehrere Viertelstunden an mehreren Tagen durch mehrere Beamte entzogen. So„gchtÄ zu im Reiche des Herrn Kpaetkc! Tie folgen der Kälte. Die strenge Kälte, die vorgestern bei 12 Grad Eelsius unter Null ihren Höhepunkt erreicht hatte, hat gestern ein wenig nachgelassen Am Thermometer wurden diesmal nur 9 Grad gemessen. Die Folgen der einsetzenden Kältcperiode machen sich bereits auf den verschiedensten Gebieten bemerkbar. I» Pen städtischen Asylen so- wie in den Wärmehallen am Alizxandcrplatz herrscht seit Mut- woch ein Andrang, ime er bisher selten zu verzeichnen war. Täglich müssen zahllose Obdachlose wegen Ueberfüllung zurückgc- wiesen werden. Man steht jetzt viel Obdachlose und Frierende in den Wartesälen der Bahnhöfe und an anderer Stelle, wo die Unglücklichen unterschlüpfen. Der Frost hat auch bereits mehrere Opfer an Menschenleben gefordert. In drei Fällen sind in der Umgebung Berlins Männer erfroren. Im Walde bei Hermsdorf wurde von Waldarbeitern ein junger Mensch tot aufgefunden; der Bedauernsloertc war erfroren. Ferner wurden bei Stolpe, in Spandau und in der Nähe von Adlershof erfrorene Männer auf- gefunden.— Arg zu leiden hat unter der Einwirkung der Kälte das Wild in den Forsten. Von der Kleptomanie. Tie Kleptomanen sind in Schwulitäten. Ter bekannte Ber- lincr gerichllichc Sachverständige für Psychiatric, Medizinalrat Dr. Hofftnann, hat vor einigen Tagen in einem beim Berliner Landgericht I verhandelten Straffall erklärt, daß nach den heutigen psychiatrischen Ansichten die„Kleptomanie" für sich betrachtet keine Geistesstörung sei, sckdaß also künftig alle Personen, die wegen Stehlsucht mit Polizei und Gerichten zu tun bekommen, bestraft werden müßten. Es tvar ein so schöner Ausweg, wenn vornehme Damen beim Diebstahl in Geschäften abgefaßt wurden und sich damit aus der Klemme zogen, daß sie vorgaben, unter dem un- ividerstehlichcn krankhasten Zwange zum Stehlen zu leiden. Sic wurden dann regelmäßig freigesprochen und konnten ungestraft weitcrstibitze». Wird das nun anders werden? Werden auch diese feinen Damen ins Loch wandern, ebenso wie die einfache Schlosserssrau, die auf Grund des Gutachtens des Sachverständigen zu sechs Monaten Gefängnis verdonnert wurde? Der Herr Medi- zinalrat hat nämlich bei seiner Erklärung einen Vorbehalt ge- macht: Kleptomanie als Krankheit für sich allein gibt cS nicht; wenn man von einer Krankheit sprechen will, müssen noch andere Krankheitssymptome erkennbar sein. Man wird demnach abzn- warten haben, ob die„anderen" Symptome immer nur dann er- kennbar sind und zur Freisprechung berechtigen, wenn die Diebinnen den besseren Ständen angehören. Bei i�r Arbeiterfrau wa� sie natürlich nicht erkennbar. Aufnahme in städtische» Krankenhäuser». Aus dem Rathausc wird mitgeteilt: Bon den städtischen Krankenhäusern wird ständig darüber Klage geführt, daß ihnen sagte streng und unerbittlich:„Fräulein Hase, Sie sind gestern Kranke zugeführt werden, die sich nicht vorher dw Aufnahme in drei Minuten zu lang draußen geblieben, Herr Tclegravbcn- die Anstalt gesichert haben. Wenn auch im Nqtfalle jedes Kranken- Inspektor hat das Buch kontrollier: und Sie dem Amte an- haus alles tut, um den Kranken zu helfen, sind doch Abweisungen gezeigt." � namentlich wegen Ueberfüllung ist einem �ixankenhause, während Fräulein Hase wandte sich erstaunt um:„Ja. aber ich anderweit Betten frei sind, unvermeidlich. Es kann daher war doch gar nicht zu lange draußen!" verteidigte sie sich.>nicht dringend genug davor gewarnt werden, „Doch. Sie waren von 12.22 bis 12.32. das sind 10 Mi- Aufnahme in einem Krankcnhause nachzusuchen. nuten, während Sie höchstens 7 Minuten draußen bleiben ohne sich vorher bei der Zentral-Meldc stelle durften." Und die Aufsicht wandte sich mit sttenger Richter- des Magistrats(Betten Nachweis) ein Bett ge- »iene zu den beiden anderen Sündern. jjrchcrt zu habe». Die Zentral-Meldestelle ist Tag und Nacht im Betriebe(Fcrnsprcchanrus: Magistrat Berlin!) und gibt nicht nur über freie Betten in den städtischen, sondern auch den anderen öffentlichen und dem größten Teil der privaten Anstalten in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Neukölln usw. Auskunft. Die schwere Verantwortung, einen Kranken ohne v 0 r h e r i g e A n f r a g e bei der Zenkral-Meldestclle in ein Krankenhaus zu schicken, sollte nament« l i ch kein Ar 3 t übernehmen! Wird die Zentral-Meldestelle angefragt, so werden auch die Klagen über Abweisung aus Kranken- Häusern wegen mangelnder örtlicher Zuständigkeit aufhören! Wenn schließlich jeder, der ohne Vorschußzahlung in ein Krankenhaus aufgenommen werden will, bedenken würde, daß entweder seine Kasse usw. oder sein Armenkommissionsvorstehcr auf Grund armenärztlichcr Bescheinigung ihm den Zuweisungsschein geben muß, so würden alle Schwierigkeiten beseitigt sein. Nur bc- sonders dringende Fälle können von der Beibringung des Aus- nahmcscheines befreien. Niemals aber, s e 1 b st in den dringendsten Fällen, sollte der Anruf des B e t t c n n a ch w e i s e L unterlassen werden! Uns sind leider auch Fälle von Abweisungen mitgeteilt worden,, wo vorher die Zentral-Meldestelle angefragt worden ist. Aus der Ticfbauverwaltung. Die Tiefbau-Deputation beschloß in ibcer letzten Sitzung u. a. auf den: Dvnhoffvlatz mehr Rasenflächen nl« bisher, soweit es die Verkehrsverhällnisse zulassen, nach den Plänen ver städtischen Park« Deputation anlegen zu lassen. Auch der nördliche Teil des Rudolf- Platzes(im Osten Berlins an dp: Stralauer Allee) soll nach den Vorschlägen der Parl-Dcputation Gartenanlagen erhalten. Ferner befähle sich die Deputation mit den neuen Plänen, welche für die Beseitigung des Engpasses am Zusammenlauf der Hascnheidc und des Hermannplatzes anfgestelll sind. Sie fanden die grundsätzlich« Villi- gung. Auf Grund dieser Pläne wird man mit an der der Regelung ebenfalls interessierten Gemeinde Neukölln weiter verbandeln. Femer lag der Deputation ein Projekt vor, das eine Umgestaltung der Belle-Alliance-Slraße vorsieht. Danach soll diese Straße, so wie die Linden, tfoei seitliche Dämme erhalten, zwischen denen der jetzt seit- wärtS liegende Reitweg und eine Promenade angeordnet ist. Schließlich hat die Deputation sich dabin schlüssig gemacht, zu den Kosten der Verbreiterung der Neuen Wilbelmstratze den Militär« siskus als Eigentümer des Grundstücks der Kriegsakademie mit heran» zuziehen._ Tödlicher Unfall auf der Untergrundbahn. Gestern morgen um lu?/., Uhr wurde der llmvcrsilätSproiessor Freiherr Hermann v. Soden. Pfarrer an der Jerusalems- Kirche, als er auf dem Uiltergnmdbahnhof Podbielski-Allee einen schon in der Fahrt befindlichen Zug besteigen wollte, durch die Bc- wegung des Zuges weggestoßeu und mit dem Kopf an die Tunnel- wand geschleudert, er erlitt eine Gehirnerschütterung, an deren Folge» er ein paar Stunden später verstarb. Untergrundbahn in Berlin und in ParlS. Uns wird geschrieben: Die Unglücksfälle auf der Berliner Hoch- und Untergrundbahn mehren sich, und der sch cklichc Fall vom Montagabend wird sicher nicht der letzte sein. Die Schuld daran trägt in erster Linie allerdings meist der Verunglückte selbst; doch incht. zuletzt- die Leitung der Gesellschaft. Sie hat'es in der Hand, durch.geeignete Maßnahmen, die man eigentlich als selbstverständlich ctachteu. söstte. diesen Unalückcn vor» zubeugen. Die Berliner Hoch- und Uittergrundbahn-Gesellschäst sollte sich den Betrieb der Pariser Untergrundbahn, der„Metropolitain", zum Vorbild nehmen. Hier werden die Wagcntürcn von den mit» fahrenden Schaffnern mittels Schlüssels geschlossen und kurz vor dem Halt auf der Seite des jeweilig sich befindlichen Bahnsteiges geöffnet. Ein Unglücksfall wie der am Montag ist also absolut unmöglich. Um zu verhindern, daß, wie es bei uns so oft geschieht, jemand auf den schon fahrenden Zug springt, ivird die Eingangssperre im geeigneten Moment geschlossen. Zu erwähnen ist, daß man eine Sperre a m Ausgang überhaupt nicht kennt, daß man ungehindert, und natürlich auch schneller, den Bahnhof verlasse» kann. Ucberhaupt wickelt sich der Verkehr auf der Pariser Untergrund» bahn, der zudem noch bedeutend größer ist als bei uns, viel exakter ab. Die Bauart der Wagen spielt hierbei eine große Rolle. Die Sitze sind nicht seitlich, sondern quer angebracht, so wie in Berlin auf einem Teil der elektrischen Straßenbahnen(den neueren!). Das ermöglicht die leichte Anordnung von mehreren seitlichen Eingängen, während unsere Wagen nur an den beiden Enden eine Tür haben. Ein zeitraubendes Gedränge, ivie es bei uns an der Tages- ordnung ist, kommt da nie vor.� Ein Transparent mit der Aufschrift 1. Klasse(in Paris gibt es nur 1. und 2. Klasse) sorgt dafür, daß die Fahrgäste 1. Klasse, ähnlich der Berliner Stadtbahn, den Zug hier crlvarten können. Auch-Has Rauchverbot vermindert oder gar verhindert das Hin» undhergbrenne, das Suchen. Als Annehmlichkeit empfindet man auch, daß die Station im Wagen ausgerufen wird. Bei uns geschieht das auf dem Bahnsteig, und im Wagen kann man beim besten Willen nichts hören, ge- schweige verstehen. Das Fehlen der Sperre am Ausgang, das bereits oben er- wähnt wurde, ist in Paris allerdings nur durch den Einheits- tarif möglich. Man kann für 1ö Cent, in der 2., und für 25 Cent. in der 1. Klasse die ganze große Stadt durchqueren und umsteigen nach Herzenslust. Trotz alledem ist die„Metro" aber ein rentables Unternehmen, und für die Passagiere ein ideales Verkehrsmittel. Wann wird man in Berlin mit dem Sparen am verkehrten Ende aufhören?! Ter aufgelöste Spieltlnb.« Tie Aufhebung eines Spiclklubs, über die wir gestern aus der Bellevucstraßc berichteten, beschäftigt die Kriminalpolizei noch weiter. Es sind vor allem die beiden Franzosen Maurice Daudet und laugen Sichel, mit denen sie sich noch eingehender vefaßt. Tie beiden wohnten seit Mitte Dezember v. I. hier in einem vor- nehmen Hotel. Kriminalbeamte durchsuchten gestern ihre tliäume in dem Hotel der Friedrichstadt und fanden dabei allerhand Dinge, die ihre Geschäfte hinreichend beleuchtetem, namentlich Jcttons in zwei Ausgaben, einer älteren und einer neueren. Die einzelnen Jettons beider Ausgaben lauten über Beträge von 29 bis 5000 Frank. Di ältere Ausgabe ist M. D. gezeichnet, als? wohl Privat- cigentum des Herrn Maurice Daudet, die neuere E. G. Unter den anderen Sachen befanden sich Äartenschlitten, wie sie in Spieler- kreisen viel benutzt werden, und ein Karton aus hellem Rind- leder uiit Karten der verschiedensten Art. Außer diesen Sachen wurden allerhand Aufzeichnungen beschlagnahmt, aus denen hervor- geht, welchen Gewinnanteil die beiden Spieler bei verschiedenen Spielen hatten. In einzelnen Fällen belaufen sich die Gewinn« «uf mehrere tausend Mark. Der mitvcrhaftcte Leutnant a. T. Strümpel war nicht Direktor der„Geselligen Bereinigung Berlin", sondern nur einfaches Mitglied. Eine besondere Rplla spielte- er insofern, als er bij beiden Franzosen„besorgte". Der Direktor des KlubS, Herr Hugo Gractz, ist nicht verhaftet. Wer sind die Tote»? Im Tiergarten zu erschießen versuchte sich ani vergangenen Dienstag ein unbekannter Mann. Der Lebens-. müde ist inzwischen verstorben. Die Leiche wurde nach dem Schau- hause gebracht, weine Persönlichkeit ließ sich bisher jedoch noch nicht feststellen. Der unbekannte Tote ist ungefähr 25 bis 3» Jahre alt, mittelgroß und schlank, hat dunkelblondes Haar, einen blonden, englisch gestutzten Schnurrbart und Bartkoteletten, ein längliches Gesicht und ein spitzes Kinn und trug einen dunkelgrünen Filzhut, einen schwarzen Cutaway, eine schwarze Weste, eine schwarz und weiß gestreiste Hose, Ichwarze, halbe Knöpfschuhe und ein weiß und blau gestreiftes Ober- Hemd. Sein lila Schlips war mit einer Korallennadel geziert, auf der sich die Buchstaben K. B. befinden.— Aus dem städtischen Obdach in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert wurde ein unbekannter, etwa 4(1 bis 45 Jahre alter Mann, der bald nach der Einlieferung verstarb. Der Tote ist mittelgroß, hat schworzgrau- meliertes Haar, einen schwarzen Schnurrbart, dunkelbraune Äugen. und schwarze Augenbrauen und trug eine graugestreiste Hose, eine schwarze Weste, graue Strümpfe und Zugstiefel. Einen Vortragsabend veranstaltet das„Amt für soziale Arbeit der Berliner freien Studentenschaft" am Montag, den 13. Januar. Herr Johannes TewZ. Generalsekretär der Gesellschaft für Ber- breitung von Volksbildung wird über„Die Einheitsschule, eine soziale und staatliche Notwendigkeit" sprechen. Der Vortrag findet im Hörsaal 2, Dorotheenstr. 6, statt. Ei« Lagerspeicher i« Flamme«. Gestern(Donnerstag) vormittag kurz vor 3 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Neuen Königstraßc 60 gerufen, wo in dem Lagerspeicher des Speditionsgeschäftes von Bernhardt u. Co. ein gefährliches Feuer ausgebrochen war. Es brannten im vierten Stock größere Posten Baumwolltvaren und Watte, und die Flammen hatten auch schon Teile der Dachkonstruktion erfaßt. Der Brand- inspcftor ließ sofort zwei Schlauchleitungen vornehmen und mit einer Dampfspritze Wasser geben. Nach halbstündiger Löschtätigkeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Ein erheblicher Teil des Speditionslagcrs im vierten Stock ist ausgebrannt. Der Schaden wird aber durch Versicherung gedeckt. Wodurch das Feuer ent- standen ist, bedarf noch der Aufklärung. Die AufräumungSarbciten hielten die Wehr bis gegen Mittag auf der Brandstelle fest. In der vergangenen Rächt hatte die Feuerwehr längere Zeit in der Wrangelstrahc 6-1 zu tun, wo ein Keller in größerem Um- fange brannte._ vorortnachrichten. Schöueberg. Eine Benzinexplosion hat sich in der gestrigen Nacht in einer Auwgarage in der Sedanstratze ereignet. Der Chauffeur Paul Rigow aus der Goltzstratze SS, der bei seinem Bruder in der Gleditschftraße 37 beschäftigt ist, hatte gegen VA* Uhr nachts die von ihn? geführte Kraftdroschke in die Garage in der Sedanstratze gebracht und wollte noch gleich fiir den nächsten Tag Benzin auf- füllen. Hierbei entzündeten sich die Benzindämpfc..Durch die Gewalt der Explosion wurde das Auw voll'�ändig zerstört. Der Mantel des Chauffeurs fing Feuer und Rigow erlitt an den Händen schwere Verletzungen. Trotzdem besaß er die Geistesgegen- wart und die Kraft, den brennenden Mantel vom Körper zu reißen. Durch die Dewnation wurden mehrere Hausbewohner aus dem Schlafe geweckt, die herbeieilten und das Feuer in der Garage löschten. Der Chauffeur konnte sich noch selbst zur nächsten Unfall- stotion begeben, wo ihm Notoerbände angelegt wurden. Von der Unfallstatwn aus mutzte er aber nach dem städtischen Kravkenhaufc geschafft werden. Eharlottenbvrg. Frauenchor. Um auch den arbeitenden Frauen und Mädchen die Gelegenheit zu geben, gleich unserer„Charlottenburger Lieder- tafel" die Feste der Arbeiterschaft durch Gesang zu erheben, findet am Montag, den 19. Januar, abends 811 Uhr, im„Volkshaus", Rosinenstr. 3, zur Gründung eines Frauen- und Mädchen chores eine Versammlung statt, in der Genosse A. Wilock über:„Die. Bedeutung der Frauen und Mädchenchöre" zur Arbeuerschast sprechen wird. Wir bitten alle arbeitenden Frauen und Mädchen, in diese Versammlung zu erscheinen und dem Verein beizutreten. Reuköll«. Sonntag, den 18. Januar, findet bei günstigem Wetter ein Spaziergang nach Johannisthal statt. Treffpunkt V« 1 Ilhr am Richardplatz. In Johannislhat Kaffeekochen bei Senftleben. Es wird gebeten, den Kindern 26 Pf. für Kaffeekochen und Rückfahrt mitzu leben, autzerdem etwas gemahlenen Kaffee. Mittwoch, den 2t. Januar: Lichtbildervortrag bei Bartsch. Hermannstr. 49. Es werden zirka 80 Lichtbilder gezeigt. Billetts zum Preise von 10 Pf., für Kinder und 20 Pf. für Er» wachsene sind bei Bartsch, Hermannstr. 49, im Sekretariat, Neckar- straße 3, in der Spedition Rohr. Siegniedstratze und bei Lietsch. Wildenbruchstr. 36, zu haben. Um recht regen Besuch aller Ver- aostaltungen ersucht Die Kommission. Ober-Tchoneweide. Gemeindcvertretersiyung. Vom Gemeindevorsteher wurde zu- nächst die Entscheidung des Provinzialrates bekannt gegeben, wo- nach die Beschwerde der Gemeinde wegen Bersagung der Genehmi- gung der Lehrcrbesoldungsordnung endgültig zurückgewiesen wird; es wird in dem Bescheide ausgeführt, datz die in der Ordnung vor- gesehene Erhöhung des Diensteinwmmens nach Lage der örtlichen Verhältnisse als nicht gerechtfertigt erscheinen müsse. Bekannt- gegeben wurde ferner, daß.aus dem für die Arbeitslosen gestifteten Unterstützungsfonds bisher an 34 Personen 845 M. ge- zahlt worden sind. Auf Anfrage wurde hom Gemeindevorsteher bestätigt, daß dos Versicherungsamt des Kreises dem Antrage der Gemeinde auf Schaffung einer örtlichen Nebenstelle der Kreiskrankenkasse überhaupt keine Würdigung hat zuteil werden lassen. Genosse G r u n o w unterzog das willkürliche Vor- gehen dieser Behörde einer Kritik, und verlangte von der hiesigen Amtsfrehörde, datz sie die dem Versicherungsamt freiwillig zur Verfügung gestellte Hilfeleistung, welche in der Ausstellung der Krankenscheine für die neue Kasse bestehe, sofort einstelle; es sei nicht im Interesse der Kassenmitglieder gehandelt, wenn die Polizei- behörde Funktionen übernehme, deren Ausführung die Aerzte mit' vollem Recht abgelehnt hätten, da sie einesteils der Kasscnvcrwoitung oblägen und andererseits in ihrer Konsequenz eine ganz uner- hörte Belästigung der Versicherten darstellten. Dm hiesige Amtsbehörde dürfe nicht dazu beitragen, datz die unsinnigen und klag- licken Einrichtungen des VersichernngSamtes noch konserviert würden, vielmehr müsse sie ihren ganzen Einfluß aufbieten, das Versicherungsamt davon zu überzeugen, daß die Einwohnerschaft des Ortes einen berechtigten Anspruch auf Einrichtungen habe, wie sie im Interesse der an der Kränkenversicherung Beteiligten liegen. Der Gemeindevorsteher meinte, das Einspringen der Polizeibehörde läge lediglich im Interesse der Kranken; er sei aber entschlossen, eine weitere derartige Betätigung der Polizei nun zu inhibieren, andererseits bereite das Versicherungsamt schon wieder eine andere Regelung der leidigen Angelegenheil vor. Der Fleischverkauf der Gemeinde ist nach zweimona- tiger Daszcr eingestellt worden, da einmal der Konsum autzerordent- lich nachgelassen hat und aiidererseiis die Inlandspreise für Fleisch bedeutend gesunken sind.' Eine Debatte entspann sich-über die Einführung des Steuer- B'ringsystems. Trotzdem Beschlüsse nicht gefaßt wurden, steht zu erwarten, datz mit der gegenwärtigen Art der Abholung der Steuern wohl bald gebrochen wird. Bei den diesjährigen Ersatzwahlen zur Bertreiung haben ans den drei Klassen 8 Vertreter auszuscheiden; durch das Los wurde bestimmt, datz in der 1. und 3. Klasse je 3 Vertreter und in der 2. Klasse 2 Vertreter ausscheiden; unter nochmaliger LoSziehung ergab sich folgendes Resultat: in der 1. Klasse scheiden aus: Benz, von der Ropp, Priegex, aus der 2. Klasse: Ladewig, Noack, und aus der 3. Klasse: Grunow, Winkelmvnn, Schwarz- burger. Den Vorschlägen der Friedhofstommission, betreffend die weitere gärtnerische.Verrichtung der iwch zur Benutzung freiliegen- den Flächen des Friedhofes wurde zugestimmt. Trevtow-Baumschulenweg. Die Arbeitslosenunterstützung der Gemeinde ist derart stark in Ansprach genommen worden, datz der ausgesetzte Betrag von 2000 Äc. schon in drei Wochen verausgabt war. Insgesamt haben sich 70 Personen in den Bezug der Unterstützung geteilt, dabei 18 ledige männliche Personen und zwei Frauen, die einer Familie vorstanden. Daß sich trotz der erschwerenden Bedingungen— vier Wochen Arbeitslosigkeit, Bedürftigkeit, ein Jahr Wohnen im Orte und tägliche Kontrollmeldung— so viele Arbeitslose fanden, die jenen Anforderungen genügten, beweist am besten, wie groß die vorhandene Not ist und wie notwendig diese gemeindliche Matz- nähme war. In dieser Woche ist nun mangels bewilligter Mittel die Auszahlung einer Unterstützung nicht erfolgt, doch soll am Mon- tag, den 19. Januar, in einer Sitzung der Gemeindevertretung über die etwaige Bereitstellung weiterer Mittel Beschlutz gefaßt werden. Hoffentlich zeigt sich dann die Mehrheit der Vertretung weitherzig genug, die einmal begonnenen Hilfsmaßnahmen durch eine ausreichende Verlängerung zu krönen. DaS Ausliegen der Wählerlisten zu den im März stattfindenden Gemeindewahlen gibt.den Einsichtnehmenden Gelegenheit, auf dem gleichen Wege die Erklärung für die' Feuerbestattung abzugeben, oa das hierfür zuständige Standesamt zur selben Zeit, auch Sonn- tags von 9 bis 10 Uhr, geöffnet ist. Weiheusee. I» der Versammlung am Mittwoch im Schloß Weißensee ist eine Taschenuhr mit Kette gefunden worden. Der Eigentümer kann diese beim Borsitzenden des Wahlvereins in Empfang nehmen. Grüna«, Der hiesige Arbeiter-Radfahrverci«(M. d. D. A.-R.-B.) feiert am Sonnabend, den 17. d. Mts. im Restaurant„Bellevue" sein diesjähriges Wintcrvergnügen. Es wäre zu wünschen, daß die Ge- iwssen durch zahlreiches Erscheinen den Verein unterstützen. Friedenau. Fromme Kampsesweisc. Die von dem„Komitee Konfessionslos" betriebene Krrchenaustritlsbelvcgung reißt auch in unserem Orte eine erhebliche Lücke in die Herde der Gläubigen. Daß sich die Ortsgeistlichen zur Wehr setzen, um zu retten, was zu retten ist, kann ihnen nicht verargt werden. Wir würden von der Abwehr- bewegung auch keine Notiz nehmen, wenn sich die Gottesstreitcr nicht dabei Mittel bedienten, die nichts weniger als anständig ge- nannt werden können. Von den Herren Görnandt, Vetter und Kleine— alle drei Herren sind Pfarrer der Friedenauer Kirchen- gemeinde— wurde dieser Tage ein Flugblatt herausgegeben, in welchem unter ariderem die Sozialdemokratie des schärfften Ter- rorismus bezichtigt wurde. Geschäftsleute würden von der Partei boykottiert, wenn sie in Arbeitervierteln wohnten und nützt aus der Kirche austräten. Ein Geschäftsmann habe, um nicht den Ruin seines Geschäftes herbeizuführen, seine Tochter heimlich trauen lassen müssen. Ein braver Junge. habe aus- dem Jugendverein austreten müssen, weil sonst sein Vater und er allzusehr von den Sozialdemokraten gepeinigt würden. Ein Fabrikarbeiter habe austreten müssen, weil ihm die Genossen in der Fabrik durch Ein- schieben von Hölzchen in die Maschina dieselbe verdorben und zum Stehen gebracht hätten. Trauungen mußten spät abends angesetzt werden, damit sich die sozialdemokratisch bewachten Pär- chen bei Nacht und Nebel hätten in die Kirche stehlen können. Mit solchen, aus der Reichsverbandskloake entnommenen Schauer- märÄen wird von den Nachfolgern Christi die Kirche verteidigt. Aehnlich wurde in einer vom evangelisch-nationalen Arbeiterverein einberufenen..öffentlichen" Versammlung gegen die Kirchen- austrittsbewegnng operiert. In der niederträchtigsten Weise wurde die Sozialdemokratie verleumdet und angegriffen, während man am Eingänge des Saales bekannt machte, daß Äirchengegneni, Sozialdemokraten und anderen Radaumachern der Zutritt verboten sei. Eine angemessene Kritik an einem solchen Gebaren glauben wir uns ersparen zu können. Die Verleumdungsmethode dieser christlichen Diener richtet sich selbst. Der hiesige Arbeiterturnverein veranstaltet am Sonnabend, 1-9 Uhr, in den oberen Räumen des„Kaiser-Wilhelms-Garten" sein Wintervergnügen. Da der Verein bei den Veranstaltungen der organisierten Arbeiterschaft bereitwilligst mitwirkt, wird um rege Unterstützung des Vergnügens ersucht. Der Eintritt ist frei. Oranieatmrg. Aus der Stadtverordnetensibnug. Zunächst wurden die neu- resp. wiedergewählten Stadtverordneten, darunter unsere Genossen Ad. Frahm, Paul Plessow und Beruh. Papke, eingeführt. Die Wahl des Bureaus der Versammlung und der ständigen Kommissio- neu wurde durch Akklamation und Wiederwahl mit großer„Fixig- keit" vollzogen; da man anscheinend befürchtet hatte, von unseren Genossen,- die nunmehr die ganze dritte Abteilung besetzt halten, ihrer stärke entsprechend, Vorschläge zu hören. In die Etats- kommissio« wurde wiederum Genosse Paris gewählt.— Bei der ersten Lesung des Etats gab der Kämmerer Aufklärungen zu den einzelnen Positionen und erläuterte eingehend die Spezialetats. Zeitigte auch die recht ausschweifende Debatte wenig Neues zu den verschiedenen Titeln, so glaubten unsere Herren Hausagrarier doch wiederum, die alten Klagelieder anstimmen zu müssen, datz nur sie allein alle Lasten zu tragen haben, und so einem unvermeidlichen Untergange entgegengetrieben werden. Besonders die Stadl- verordneten Jonas und Neumann gcftelen sich in der Rolle der not. leidenden Hausbesitzer, die sich den Bissen vom Munde absparen müßten, um die auf sie gelegten Lasten zu tragen. Obwohl daL sich an dieser Sitzung anschließende Festessen der bürgerlichen Ver- treter und die im Sitznngssaale schon wahrend der Sitzung bereit» gestellten. Kübel Weine und Sekt absolut keine Spur von solcher Not erkennen lassen wollte, wies Genosse Papke nach, datz nicht die Hausbesitzer es sind, welche die Lasten der Kanalisation usw. zu tragen haben, sondern datz sie diese zum größten Teil auf die schon schwachen Schultern der Mieter abgewälzt haben. Dadurch, daß die Mieten aber in den letzten zwei Jahren so rapide in die Höhe geschnellt worden sind, habe der Arbeiter, der in Berlin seiner Be- schäftigung nachgehen mutz, keinen wesentlichen Vorteil, wenn er auswärts wohne. Redner ging sodann näher auf den Etat ein. Tie immer weiter- um sich greifende Verschlechterung des Ein- kommenS bringe es mit sich, datz heute schon der größte Teil unse- rer Ardeiterfrauen miterwerben müßte. Hierdurch sind die Eltern oftmals gezwungen, ihr« Kircher allein and ohne Aufficht zurück- zulassen. Deshalb erscheine es endlich an der Zeit, einem weit- gehenden Bedürfnis abzuhelfen und für die Errichtung einer städtischen kostenlosen Äleinkinderbewahranstalt(Kindergarien) die Mittel m den Etat einzustellen.- Es könnten dann Unglücksfälle. wie sie sich erst in der vergangenen Woche gezeigt haben, mit Leichtigkeit vermieden werden.— Tie Verträge betreffend Erwerb der im Eigentum des Forstfiskus stehenden Hasenheide mit Strandpromenade am Lehnitzsee sowie der Eingemeindung der Hasenheide und des angrenzenden Gebietes südöstlich der Chaussee Schmachten- bagen-Oranienburg am Lehnitzsee lagen zur Beschlutzfassung vor. Die Kommission empfahl die Annahme der beiden Verträge, welchem Wünsche die Versammlung nachlam. Nach den Verträgen erwirbt die Stadt die Hasenheide, die große und kleine Licbcsinsel, vie Strandpromenade und den zwischen großer Liebesinsel und Hasen- Heide gelegenen Wiesenabschnitt. Der Kaufpreis beträgt 60 Pf. pro Quadratmeter einschließlich dem H o I z b e st a n d, d. Ii. bei den etwa 239 000 Quadratmetern, welche die ganze Fläche um- saßt, 191 200 M. Diese Kaufsumme wird 15 Jahre zinsfrei gestundet, alsdann in 10 jährlichen Raten ab Zahlungen getilgt. Als Entgelt für die zinsfreie Stundung des Kaut- prcises verpflichtet sich die Stadt aus die Dauer von lo Jahren für die zum Stadtbczirt gehörige forstsiskalische Pilariksheide die Grundwertsteucr nicht zu erhöhen. Ebenso verpflichtet sich die Stadl, das von ihr erworbene Gelände nicht zu bebauen, sondern a l s V o l i s p a r k zu erhalten. Das ganze Gelände süd- östlich der Chaussee Schinachtenhagen-Oranienburg bis zur Ein- Mündung des Weges«achsenhaufen-techmachtenhage'.i wird zum Stadtbezirk Oranienburg geschlagen. Dem Fistus wird für das ihm verbleibende Gelände Steuerfreiheit gewährt. Die Stadt er- hält dafür eine 5000 Quadratmeter große Fläche in der Pilariks- Heide unentgeltlich.— Ein von unserer Fraktion eingebrachter Initiativantrag bezweckte die Uebernahmc der Straßenreinigung aus die Stadt. Genosse Papke betonte, für ihn kommen hierbei zwei Gründe in Frage. Ter erste wolle einem schon lange gehegten Wunsche der Einwohnerschaft Rechnung tragen, polizeiwidrige Zu- stände, lvie solche in einem Teil unserer Slratzen vorbanden find, zu beseitigen. Der zweite Grund schließt zugleich Notstandsarbeitcn und �Behebung der Arbeitslosigkeit zu einem Bruchteil in sich. Habe die Stadt die Reinigung der Straßen in eigener Regie, so müsse sie auch dafür sorgen, daß dieselben in ordiiungsmätzigem Zustand er- halten werden. Der Antrag fand allgemeine Zustimmung und wurde einer neungliedrigcii gemischten Kommission überwiesen, der auch Genosse Papke angehört.— Die«itzungstage im ersten Halb- jähr finden wieder mit dreiwöchiger Zwischenzeit jeden Mittwoch statt. Ein größeres Schadenfeuer entstand am Mittwochabend auf dem Herrn Kaufmann Bröjicke gehörigen Grundstücke, Bernauer Straße 21. Aus.noch nicht ermittelter Ursache war hier im Seiten- slügcl Feuer ausgebrochen, und dasselbe griff mit so rasender Schnelligkeit um sich, datz auch der Dachstuhl des Vordergebäudes von dem Feuer vollständig vernichtet wurde. Die hiesige sres- willige Feuerwehr konnte sich nur darauf beschränken, die Neben- gebäude zu schützen. Spiel unö Sport. Radfahrer. Arbeiter-Radfabrerbund„Solidarität". Touren zum Sonntag, den l8. Januar. LrlSgruvpe Berlin. 1. Abt.: Besuch des Bau- mid Verkedrsmuleums, Jnvalidenstr..51. Treffpunkt 1 Ubr ebcndort.— 2. 9161.; 1 Ubr. Tour wird am Start bckamitgc-ieben. Schlilf'chufje mitbringen. Start Fontane-Promenadc 18.— 3. Abt.: 2 Uhr. Tour wird am Start bekanntgegeben, bei schlechtem Wetter im Abtetlungslokal. Start Laufitzer Platz 12.— 4. Abt.: 1 Ubr. PichelSwerdcr(ftreuud). Start Frucht- und Madaiftraßen-Eckc.— 6. Abt.: t Uhr. Adlcrsbos(Wöllstein). Start Odcrberger Str. 28.— 7. Abt: t Uhr. AdlerShof(Wöllstein). Start Schulitr. 29.— 8. Abt.: 12 Ubr. Kütergotz(Heilanstalt). Besuchs- zeit 3— 5 Uhr. Start Levctzowsttaffe bei Klemer!. Ortsgruppe N e u t ö l t n. 2 Uhr nachmittags: Jahres-General» Versammlung bei Bartsch, Hermannstr. 42. Das Erscheinen aller Mitglieder ist eisorderlich. Ortsgruppe Schöncbcrg. Unterbezirksversaumüimg in Lankwitz. Start 1 Uhr bei Obst. Bei schlechtem Wetter per Bahn. Gau 9, 2. Bezirk, 1. Unterbezirk. Sonntag, den 18. Jonuar, nachmittags Ist, Uhr, in Lankwitz„Zum Seidiitz'(Jnb. Rudoij Giegl), Kaiser-Withelm-Str. 34: Borbesprechung zum BezirkSiag. Zu pünttlichcin Erscheinen sind verpflichtet die Mitgliedschaften Britz. Buckow. Ehartott«.»» bürg. Drewitz. Groffbecrcn, Groff-Lichterseidc, Groß-Ziethen, Johannistbak, Lankwitz, Lichtenrade.. Marieudars, Tempelhos, Marienseldc, Reukölln. Rieder-Schöneweide� Romawes, Rudow, cpchenkendors b. Gr.. Schmargen- dors, Schöneberg. Steglitz, Treptow. Baumschulenweg. Vannsce, Wilmers- darf, Friedenmr, Zehlendorf. Sputcndorf. Start nach Lankwitz baben: Mitgliedschast Bilmeridors: Mittags 12 Uhr bei Mauer. Durlacher Str. 7. Arbeiter- Radfahrerverein(Sroft-Berlin. Eonnlag. den 18. d.M., früh 6.ZS: Görlitzer Bahnhoj nach Lübbe». Schliltichube mitbringen. RSHeres Sonnabendabend 8 Uhr bei Bogel.— Nachmittags 1 Uhr nach Schmargendöff(SchützenhauZ), Anschluß Bittorlapark. Turner« Dnrnvcrein„Fichte». IS. M.-Abt.: Sonntag, den l8. Januar: Tnrnsahrt nach Grunewald, Gruneivaldiee, Krumme Lemke, Schlachtenlee. Babnhos Wannsee, Schildhorn, Pichelswerdcr. Rückfahrt vom Bahnhof Heerstraße. Treffpunkt um 7'/, Ubr Potsdamer Bahnbos. B. f. B. 1894: Partie nach Friedrichshagen, Müggelheim, Gosener Berge, Schmöckwitz, Eichwaldc. Treff 7.40 Schlesischer Bahnhos, Abfahrt 7.53. Durner k 1. Kreis, 5. Bezirk. Am Sonntag, den 18. Januar, nach- mittags 2 Uhr, findet in Alt-Glienicke(Gemeinde-Turnballe) ein Bezirks. Hallenwetturnen, beuchend in Zwölfkanipf statt. Freunde und Gönner sind herzlich willkommen. Fußball. Märkische Spielvereiuigung. Bezirk Groß- Berlin. Am kommenden Sanntag finden folgende Spiele natt: Fichte Iii— Boru'sia aus dem Tempethajer Feld; Weißens ee— Vorwärts in Weißensec, Rcnnbahnstr. 40; Reuhellas— Spandan aus dem Tempelboser Feld; Libertäs— Fichte Xll in Remickendors, Pankower Allee; Reinickendorfer Ballipielklub— Allemannia in Remickendors, Schillerpromenadc; Schöneberg— Vikortia in Rariendors, Bessemerstraßc(Blanke Hölle). Spielbeginn 2st« Uhr. Athleten. Arbeiter-Athleteubund Deutschlands, Kreis 4. Groß-Berlin. Am Sonntag, den 18. Januar, findet in den Vrachtsäleu Alt-Berlin, Blumen- straße 10. unsere Generalversammlung statt. Ansang nachmittags 3 Uhr. Am gleichen Tage, abends 6 Uhr. seierl der BundeSoerem, der Bäcker- Sportklub, w den AndieaS-Festsälen, AndrcaSstr. 21, sein S. StislungSsest. Die Milwnkimg deS Arbetter-GeiangvereinS„Morgengrauen" und des Arbeüer-RadsabrcrbundeS„Solidarität"(Sektton der Bäcker) sind im Pro- gramm vorgesehen. Freunde und Gönner unseres Sports sind willkommen. Wanderer. Arbeiter- SsZauderverein Berlin. Sonntag, de» 18. Januar: Bc- sichtigung der Enstamilicnhäuser in Britz. Treffpunkt 1 Uhr nnttagZ Germania-Promenade. Ecke Chaussecstraße in Britz. Gäste willkommen. Arbciterwanderverein„Die Naturfreunde". Die Museums- sührung der photographischcn Adteilung sälll aus. Sie findet Mitte Febnmr statt."• Arbeiter-Donristenvereiu„Die Naturfreunde". OrtsgruppeBerlüi. Sonntag, den 18. Januar: Wanderung I.: Friedrichshagen,-ichoneiche, Htrschgartcn.?kbsahrl nach FriedrichShagen Schles. Bahnhof 7.03; Stralau- Rummelsburg 7.08.— II.: Grunewald, Krumme Lanke, Nikolassee. Ab- fahrt nach Grunewald Schles. Bahnhos 7 06.— ID.: Ltreifzüge durch das Hofsagdrcoier. lllbsahrt nach Hoheu-Ncuendoff Stettiner Bahnhof 6.45. Käste stets willkommen. Deutscher Ardetier-Wanderbnnd„Die Naturfreunde". Orts- gruppe Berlin. Am Sonntag, den 13. Januar, findet cm großen Saale des Gewertichailshau>«S, Engelufcr 15, cm großer Lichtbüder-Vorirag ltoil. Thema:»Wenn wir wände,«.- Eintritt 30 Ps. Im wettere» verweisen wir auf daS Inserat am Sonntag. Ortsgruppe Neukölln, lg. Januar: Birkenwerdcr, Gortnsee, Buch. Abfahrt Bahnhof Neukölln 7.08 Uhr. Stettiner Bahnhos 7,45 Uhr. Ortsgruppe Steglitz. 18. Januar: Grunewaldsee, Schildhorn, Schlachlensee. Abmarsch Rathaus 3 Uhr. Schwimmer. Die Arbeiter-Schwimmvereiue„Nord",.Freiheit" nud .Welle Südost" heuten am Sonnabend, den 17. Januar, abends 7st, Uhr, in der Bolksbadeanstalt in der Odcrberger Straße eine Schwimm- cmd UebungSstunde ab. Nachdem: Versammlung bei Karl Grunze, Schön- hauser Allee 156. * Arbeiter Samariterbuud. Kreis Brandenburg. Am Sonntag, den 25. Januar, vormittags st,t0 Uhr: General- Versammlung der Kolonne Groß-Berlin im Restmirant Haberlandt, Neue Fricdrlchstraße 35. EeljtttBtni haben in dieser Woche(Segmn 8'/. Uhr): Berlin, S. Libt. Freitag, 23. Januar, Neukölln, Weichselstratie S, Jdeallasino. Berlin, 6. Sibt. Montag, 19. Januar, Sleue Friedrichstr. 3Z, bei .sviberlandt. Berlin. 7. Abt. Freitag, 23. Januar, Charlotteuburg, Bismarck-, iÄke Sesenbcimcr Stranc. bei Wernickc. FriedrichShagcn. Donnerstag, 22. Jan., Friedrichstr. 60, 2. Hos, parterre. N o w a w e S. Dienstag, 20. Januar. Fortbildungsschule. Obcr-Schöucwcidc. hllontag, 19. Jan., Liemcnsstratze 12, bei Schulz. Spandau. MUtwoch, 21. Januar, PichelSdorscr Str. 5, bei Daimc- berg. Wilhelmsruh. Sloiüag, 19. Januar, Reinickendori, Residcnzstr. 7, bei Hirsch. fius aller Welt. Eine neue Errungenschaft üer Morütechnit. Zu den Neuheiten, die auf dem Gebiete der Kriegswaffen fort- während erfunden werden und die den Zukuuftslrieg der Millionen- Heere zu wahren Majfenschlächtereie» werden lassen können, gehört eine Erfindung, die ein norwegischer Ingenieur Aasen gemacht und mit der Bezeichnung Minengranate belegt hat. Die» Äeschofi würde eine Artillerie ohne Bedienung sein, nach Art der im Seekriege gebräuchlichen Spcrrminen. Die einzelne Granate soll mit allem Zubehör nur neun Pfund wiegen und 400 Einzelgeschosse enthalten, die von einer winzigen Menge eines außerordentlich kräftigen Sprengstoffes in Bewegung gesetzt werden. Das ganze ist ein eiserner Zylinder mit einer keffelförmigen Spitze. Der Mechanismus kann nur durch einen elektrischen Strom betäfigt werden, der durch ein biegsames Kabel zugeführt wird. Die elektrische Zündung wirkt zunächst auf eine kleine Pulverladung, und diese wirft die Granate aus der Erde heraus, in der sie locker verborgen ist. Am unteren Ende ist sie an einer Kette befestigt, deren anderes Ende im Boden bleibt. Die Explosion der Granate erfolgt in dem Augenblick, in dem die Kette sich strafft. Die erreichte Höhe wird dann ungefähr ein Meter über dein Boden betragen, und wenn nun die 400 kleinen Geschoffe in tvagerechter Richtung parallel zum Boden über eine Fläche von fast 1000 Quadratmetern ausgestreut werden, so kann man sich ihre Wirkung vorstellen, wenn die Explosion inmitten einer marschierenden Truppe erfolgt. Die Versuche sollen ergeben haben, daß ein Einzelgeschoß dieser Granate noch auf 100 M ete r u n b c d i n g t tödlich wirkt, und in einem Ad stand von 12 Metern ein 10 Zentimeter dickes Brett durchschlägt. Das Geschoß würde demnach ein Mittelding zwischen einer Mine. einem Explosivgeschoß und einem Schrapnellgc schoß sein. Als besondere Vorteile werden hervorgehoben, daß diese Mine völlig unsichtbar verlegt werden kann, daß sie immer in der gleichen Höhe explodiert, daß die Ausschleuderung der Geschoffe durchweg in der wirksamsten Richtung erfolgt und daß übrigens auch eine vorzeitige Explosion unmöglich ist. Die Granate kann sogar aus kurzer Entfenrung mit Gewehrfeuer beschossen werden, ohne zu explodieren. Auch läßt sich der Zünder leicht herausnehmen, also auch erst im letzten Moment' einsetzen. Auch diese Erfindung wird, selbst wenn sie das Versprocheue leistet, keine allzu große Um- wälzung>m Kriegswesen hervorbringen, da sie doch wohl mehr oder ausschließlich für Lerleidigungsstellungen, insbesondere im Be- lagerungSkrieg zu verwenden sein wird. Sie kann aber Position� kämpfe viel blutiger gestalten, als das bisher der Fall war. Rettung der Passagiere des„Cobequid". Aus St. John kommt die erfreuliche Nachricht, daß sämtliche Passagiere dcS au der nordamerikanischen .Küste gestrandeten Dampfers„Cobequid" durch die zur Hilfe leistung herbeigeeilten Dampfer gerettet worden sind. Die dem Tode Entronnenen werden zunächst nach Zarmouth (Neu-Schottland) gebracht. Der erste, am Mittwochabend in Tokio eingetroffene Flucht- l i n g aus der zerstörten Stadt Kagoschima berichtet über die Katastrophe folgendes: Die unterirdischen Geräusche und Ausbrüche begannen an» 10. Januar. In der Nacht schlief niemand, vielmehr stellten alle Leute LebenSmülel bereit, um am Morgen zu fliehen. Am 12. Januar erfolgte ein Ausbruch des SaluraschimavulkanS. Die Bevölkerung stürzte ans Meer und suchte nach Booten und anderen Befördernngsmilteln, um sich zu retten. AuS drei Spalten des Vulkans sah man Flammen bis zu einer Höhe von tausend Meter auflodern. Gleichzeitig drang Rauch aus dem Berge hervor, und es folgte ein Regen von glühenden Steinen. Es läßt sich nicht beschreiben, wie schrecklich und trotzdem großartig die von Donnerschlägen begleiteten Ausbrüche waren. Der Donner war lauier als derjenige des Bombardements von Port Arthur. Die Bewohner deö Festlandes sandten sämtliche Boote herüber, um den Unglücklichen zu Hilfe zu kommen. Aber eS gab nicht genug Schiffe, so daß zahlreiche Flüchtlinge den Versuch machten, schwimmend das Festland zu erreichen. Die meisten von ihnen ertranken. Kagoschima glich einem chlachtfeld. Die Hänser wurden durch FelSstücke oder durch daS Erdbeben zerstört. Ein Sonderzug nach dein andern fuhr ab, um Bewohner von der Unglücksstäite fortzubringen. Da nicht alle Leute darin Play fanden, so klammerten sich viele an die Wagen. Ich selbst mußte bis Hiloyoschi auf diese Weise reisen. Es ist voll- �ommen unmöglich, die Zahl der Toten festzustellLn. Kleine Notizen. Ein vermißter Fischcrcidampscr. Der nach Bremerhaven zu- ständige Fisckdampfer. der in den ersten Tagen dieses Monats von einer Fangreise in Bremerhaven eintreffen mußte, gilt als verloren. Man muß bestimmt damit rechnen, daß er gesunken ist. zumal auch seine Kohlenvorräte für eine längere Reise nicht ausgereicht bätlen. Er halte eine Besatzung von IS Mann und machte erst seine dritte Reise. Schreckenstat eines Bergmanns. In Bottrop durchschnitt der Bergmann Gebt seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter den H a l S und e r h ä n g t c sich d a n>, s c l b st. Gegen ihn war ein Vetfabren wegen schweren SiitlichkeitS Verbrechens ein- gelettet worden. Schwerer Eisrildahnzusammmstoß in Rußland. In der Rähe der Station Potek der Weichselbahn stießen zwei Eilgüterzüge zusammen, wobei beide Maschinen und 11 Waggons total zeit r ü m m e r t wurden. Llcht Zugbedien st ete erlitten schwere Perle tzungen. Durch den elektrischen Strom getötet. Durch Berührung einer Starkstromleituit-g in der Umformestation der städiischeit Markt- Halle in Stuttgart wurde Donnerstag nachmittag ein 20 j ä h- r i gc r Monteur aus der Stelle getötet. Eingegangene Druckschristen. Bon der»Rene« Zeit- ist soeben das IS. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Haben die chlijUichen Kewerkschaften sich Rom uutettootstu V Bon August Erdmanii — Die Ansänge des preußischen«Staats. Bon Fr. Mehring.— Kirchen- auStrittSbewcgung und Sozialdemokratie. Bon Karl Liebknecht.— Kirch« und Sozialdemok, atie. Bon I. Meerseid.— Zur KirchenauStnttSbcwcgung. Bon Hans Marckwald. Die„Neue Zell' erscheint wöchentlich einmal mid ist durch alle Buch- bandluugeu, Poftanslalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS cilizelne Hcst tostet SS Pf. E. T. SS, Köpenick. 1. und 2. Wenn die Eltern bedürftig sind, ja.— W. K. S. Ja.—$. 188; Bis zum Pertragsablaus sind Sic für die Prämie haftbar. Den NcichSstempel müssen Sie glcichjalls zahlen.— 931. B. R. 15. DaS letzte Testament der Tante ist niatzgebcnd. Sie können von den Erben nur eine angemessene Entschädigung sür die Bei- pslcgung verlangen.— U. IVO. 1. Die Frau kann leider nur die Armen- behördc in Anspruch ltchmen. 2. Der Antrag.aus Invalidenrente kann schon jetzt gestellt weiden. Altersrente wird erst nach Vollendung des 70. Lebensjahres gezahlt. 3. Ihr Vater soll eine Eriitnerung an die BernfSgenosienschast richten und cventncll unter Schilderung seiner Bcr- hältnifle um Zahlung eine» Abschlagszahlung ersuchen.— Nr. Friedrichs- felde 13 14. Unseres ErachtenS sind Sic dazu nicht verpsllchtel. — 100. Cy-,. L. An das Zteginientskommando.— Ruch Elbe 30. Ihre Frau muß sich selber bei der Kasse anuieldeii. Die Bellragshö hc beslinimt daS Kastenstatut. Der Arbeitgeber umsi 2 Proz. des Entgelts- zahlen.— Nr. 66. f. Wenden Sie sich in der Angelegercheit perlön MW'WWW--■■•• C. 30. 36. 1. Nein. tm Ermessen der Armenverwalluitg.— B. L>. lOS, Ihre Angaben reichen zur Be- antwortmlg der Fragen nicht aus. Di« Höhe de» Gebalts und die Dienst- bauet sind maßgebend.— A. Z. Wir können Ihnen nur empfehle«, Ihre Mitglicdschajl bei der Qrtslrankenkaste aufrecht zu erhalten.— H.®. 13. Ihre Frau muß sich selber bei der'Allgemeinen OrtSkranken» laste Berlin, Klosterstr. 71/72, als unständig Beschäftigte anmelden. —" M. M. 117. Sosern der verstorbene Sohn die Fordernstg des Magistrats ailerkannl hat. dürste Verjährung nicht vorliegen.— Drrbbii». Falls Ihnen ein anderlveiter angemeffcncr' Raum zur Bersügung gestellt wird, haben Sie keinen.Anspruch au> den Bodenraum.— R. 35. Nein. Es empsieht sich aber Weiterversicherung.— I. J. Nein. — Ri F. VI. Klage» Sic Ihre Forderimg Zag um Zug gegen Herausgabe der Stühle ein.— 931. St. Sie haben Anspruch auf Aushändigung der Quittungskarteu. Machen Sic der Polizeibehörde, oder der Landes- oersichermigsanslalt Mitteilung.— W. E. 39. Gut« gemeinschas t besieht nicht. Fall« Sic durch einen Ehevertrag auch die ißerwaltnng und Nutznießung des Mannes' ausschließen wollen, so können Sie dies auch jetzt noch tun, und zwar gerichtlich oder noiaricll.— P. W. 47. Ihren Schaden- crjaßanipruch können Sie gegen den Wirt geltend machen. Bon der Miete dürsten Sie Ihre Forderung aber nicht abziehen.— 93t. K. 77. Da» liegt im Ermessen deS Rektors bcziii. der Schulbchörde.— 99. L. Berlin. l. Wenden Sie sich an da« Bormundschastsgericht. 2. Auch Ihre Schwieget- lochtet kann sich an das Vormnndlchaflsgencht wenden, wenn der Vormund nicht einwilligi. r- St. W. 150. Die Karte fit vcrsallcn Sojeru Ihre Frau später in cinc versichcrungSpslichltge Beschästigunz tritt, lebt die Bcr- sicherung sowie auch die Anrechte an» den früheren Karlen wieder ous, sobald 20 Beitragsmarken gclcistei sind.' Die OinttlingSkartc Nr. l muß Ihre Frau gleichfalls uintauscheu.— 231. 888. 1. Nein. 2 Sofern die Sachen mit eigenen Mitteln der Flau bezahlt werden, nein. 3. Darüber Ansknnjt zu i erteilen. müssen wir ablehnen. Marktpreis« von Berlin am 14. Januar 1914.»ach Erintttcluugen des kgl BolizeiprästdürmS. Mais(mlrrd). gute Sorte 16,90— 17,00, Donan 16,00—16,30. Mais tiuiibcr), gute Sötte 14,70—15,10. Richtstroh 1,99- 5,00. Heu 6,80—3,60. Markthallcnvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen, weiße'35,00—60,00. Linien Jißb SO, 00. Karwstetn(JUemqbl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. Rindsteilch, Bauchfletlch 1,30—1,80. Schweine, Irisch 1,10—2,00. Kalbsicilch 1,40—2,40. Hammelslelsch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,80—7,20. l Kilogramm Karpten 4,20—2,40. Aale 1.60—3,20. Zander 1.40-3,20. Hechle UO— 3,00. Barsche 1.00-2,20. »chlcte 1,60—3,20. Biese 0.80—1,00. 60 Stück Krebse 3,00—21,00.- Wtt»erungeüdersicktt vhm 15. Januar 1914- Die Pulkanverheeruugen in Japan. Während die ersten Meldungen über den plötzlichen Ausbruch des Vulkans S a k u r a f ch i m a hoffen ließen, daß sich der größte Teil der Bevölkerung des betroffenen Gebietes retten konnte, scheint es jetzt als ob die Katastrophe vielen taufenden Menschen daS Leben gekostet hat. Nach einer vorläufigen Schätzung werden 70 000 Menschen vermißt. Wahrscheinlich ist davon die übergroße MehrheU ums Leben gekommen. Die vulkanischen Ausbrüche und Erderschüt- kern n gen haben seit Mittwochabend in gleicher Heftigkeit wie früher wieder begonnen. Mit dem Begiim der Eruption war aufs neue eine Flutwelle verbunden. Srieftaften üer Redaktion. Tie juristische Tprechstundc findet bis auf weiteres von 7—9 Uhr abends statt. Tonnabends Tprcchstunde von 4''2— Ö Uhr nachmittags. m. R. 23. 1, und 2. Ja.- 9t. T. 48. t. Ja. 2. Geldstrafe bis zu 20 M.— R«. 7. Qhne Angabe der Art Ihrer Tätigkeit nicht zu beantworten. Kommen Sie mit der Jnvalidenkattt in die Sprechstunde. — A. X. Helligegeistftr. 33. 1. Ja. 2. Da» unterliegt der Verein- barung mit dem Arbeitgeber.— N 84. 1. und 2 Die Anseinander- sctzlingsbescheinigung des B-lmundschastsgettcht» muß Ihnen auch ohne Bezahlung der Kosten ausgehändigt werden.—(f. L. 17. Nur, sosern Ihr Vcrmögur 20 000 M. übersteigt, sind Sic verpflichlct, ohne besondere Aul- sorderung die Berntögniserklärung abzugeben. Bei einem Vermögen von über 10 WO M., jedoch unter 20 000 M., besteht diese Verpflichtung nur, sosern Sie mehr a.s 4000 M. Einkommen haben.— 9t. 2. 5. Kündigung vom 15. zum daraussolaenden Ersten Ist zulässig. Den Wastenschein würden Sie in dieicm Falle 11 cht«halten.— 9t. I. 330. 1. Wenden Sie sich an einen'Notar. Ist der Vertrag jedoch in der Absicht geschlossen, andere Gläubiger zu benachteiiigeii, so unterliegt er der Anscchtunz. 2. Nein.— R H. 3. l.u. 2. Ja. Wehrst eucrpflicht besteht jedoch nicht.— 31. E.®ch. New. — St. 8. Wenn erbebtiche Gelundhettsgesährdung zu besürchlen ist, können Sie. sosern der Wirt nochmalige'Austorderung zur Abänderung un. beachtet läßt, anSzichen. Es empstehlt sich jedoch, vorher cui Gutachten des Kreisarztes über die Gesundheitsge ährdung zu beschaste».— 01. St. Bescheinigung der Heimatbehörde über die SlaalsangehöriAkeit. Der'An, trag aus Erwerbung der StaalSzugebörigkcit Ist unter Beifügung der eben bezeichneten Bescheinigung sowie ewes'Ausweises über Ihre hiesige Nieder- lastung au das Poltzeipräsidwm zu richten. Volljährigkeit ist nötig.— Ii C tafle neu jE & 5 Ii üü I g- Setter P 1* Swinemde. 768,5kNSS 1 2, Dunst j—1 tamburg 770ND| 2 Dunst—3 erlin 769 N I halb bd.— 8 Franks. a.M 765 JiD stheitcr München 761ND j Ibedeckt Sien 764 NRO| Imoltcnl 1—8 •7 fftjtlffiim ihn 11 tasaranba.756;N5B etcrsburg 756 sW Scilll) 769© Zlberdecn Paris 77 UND l6�RO SM«» 2 Bedeckt 1'Schnee l�volkig t! halb bd. 4 gedeckt ** 1* Sk -13 —10 -1 s Wetterprognose für Freitag, den 16. Januar 1914. Etwas gelinder bei veränderlicher Bewölkung und ziemlich frischen noid- westlichen Winden 1 keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wcttrrburcau. der LandeSanNaU sür Wafferftands-Naevrichtc« Gewästertunde. >)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—'! Unlervegel.—•) Ettstand.— <) Oberhalb der Stadt Eisstand.—') Eislreiben ans»/, Etrombreite.— •) Treibeis.—') Schwaches Treibet».— Höchster Wasserstand; 685 cm am 13. mittag». Beginn orgen Ausverkauf König-Strasse' 34 Tauentzien-Strasse 20 Oranien-Strasse 47a Mullcr-Strasse 3a __ Moabif, Leipziger Strasse 65 Friedenau, Rheinst. 1 4 Oranien-Strasse 34 Neukölln. Bcrgstr. 7 5 Turmstr. 50 öiK% Ermartijjunjj Unreroteichti che Hreisoorkeüe ÄeKickitigung ohneüauf�roanQ erbeten.«» Ukeater. Fre itag, IS. Januar 1214. � Ali'ana 6 Ubr. Ciiies Palast am �joo. Sarietö- Lichtspitle. Nniana S>/. Ubr. CincsSiollendorf-Theater.Vanetö- Lichtspiele. Zlnfanit 7 Ubr. Qpernhaus. Parfifal. Alifang 7'/»�UHr. Kgl. Tchauspielhaus. Der Schlag- bäum. Deutsches. Viel Lärm um nichts. Leiiiiig. Peer Ohnt. Käuiggräster Strohe. Brand. Zirkus Busch. Galavorkiellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Liniang 8 Mr. Urania. Mit dem Imperator nach New Zsorl. Kammerspicle. NndrolluS und der Löwe. Deutsches Schanspielhaus. Wer zuledt lacht. Deutsches Lpcruhaus. Der Frei- schütz. Lustipiclliaus. Die spanische Wege. Montis Operetten. Die verbotene Stadt. Deutsches Künstler- Theater. Schirin und Gertraude. Schiller«. Die Stützen der Ge- sellschast. Schiller Eharlottenburg. Weh dem, der Mgt. Theater am Nolleudorfplah. Ireddy und Teddy. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. KomödienhauS. Hinter Mauern. Kleines. Lettcheu�Gebert. Triauon. Änatoles Hochzeit. Tbalia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Die.stinotönigin. Rose. Der Schürzenjäger. «afino. Fcrdmand der Tugend» haste. Herrnfeld. BaZ sage» Sie zu Lcibusch? Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. � Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kompagnie. Änfang 8'/, Ubr. Luise«. Deines Bruders Deib. Walhalla. Tangofisber. Sldmtralspalast. Tie lustige Puppe. Anfang S'l, Ubr. WcncS Bolkötheoter. Michael Krämer. Zkuiang 9 Ubr. Berliner Sispalaft. Eissport. GinesRollondorf-Theatcr.Barlctö- Lichtspiele. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62 Uhr RCölUCäir I ncoici Uhr. Hoheit— der Fram! Musilalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musst von Robert Winterberg. Morgen u. f. Tage: liolieit» verfesni!! Sonutagimchm.: Sedlsstyagenltoiitrol. Schiller-TliealerOÄl Freitag, abuids 8 U6r; Die Stützen der Uesellschaft. Sonnabend, abends 8 Uhrt Köuit; Lear. Sonntag, nachmittags 3 Ubr: ♦jfeschftft ist t»e«< tiLtt. «onntag. abends 8 Uhr: �eyers. I| ♦|«zxxxxiiix«irii>p»| K» Sehiller-Theater Freitag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: _Zopf und Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zöcvcps» Sonntag, nachmittags 3 Uhr; Andrea« llofer. Sonnlag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Abends 71/. Ubr: Brand. Komödienhaus. Abends ö Uhr: Winter Jlaucru, Berliner Idealer. W ie einst im Mal. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonnabend den 17. Januar 1914 23. Stiftungsfest im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Mitwirkende: 208/1* Berliner Sängerchor(M. d. D. A. S.-B.) Chormeister Herr Fr. Bebte, Konzertsängerin Fr. M. Tube. Konzert-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Herrn K. Hascheck. Anfang 8VS Uhr. Eintritt 30 Pfennige. -------- Programm gratis.-------- Grosser Ball Herren, welcbe am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Theater des Westens. 8 Uhr: Polcnblut. Sbd. 4 U.: llss tsptses Sodneilisrlein. Sonnt, nachm. 3>/, Uhr: LeStin ssiti. 1km am Holleööorfplatz s. Abends 8 Uhr: Freddy und Teddy. Morg. Sonnab. i Uhr: Frau Holle, Vereinigte Berliner Volksbühnen. Luiden-Theater. I Walhalla-Theater. Tägl. 8'/, Uhr: veinss Sruders Vleid.\ Täglich S»/, Uhr: Tangofieber. schauiv. in(i Bilv., 1 Porsv. v. Ernst Gr. Posse m, Ges. u.Tanz in 3 Alten Billerscldu. Hedwig CourthS-Mahler. s von Erich Urban. Msebes Knnstlerlheater Sozlctüt. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Kasse: Nauendorf 1383. Freitag, 8 Uhr: Schlrln und tiertraude. Sonnabend, 71/. Ubr; Zun, t. Male: Der Bozrea'des Odysseus. Drani, Dicht, ino.Akt. v. G.Hauptmann !08c-7«cA7e! Grotze ilrantiurler Slr 132. Der SehürseajLwei'. Ansang 8 Uhr: — Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Lohnee�ittoden, AbdS. 3 Uhr: Zum 1. Male: Kindor der Großstadt. Sonntag nachm. 3 llhr: Maria Stuart. Glan" :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes Konzert! der vereinigten Männer-Gesangvereine Borsigscher Männerchor.�Harmonie" und Männerchor 1881. Chormeister: Wilh, ßölke. unter Mit Wirkung' dos Musikkorps des 1. Garde-Oragoner-Regiments. Dirig.: Ofaerm. Baarz und Tcgern»cer und Xillerthaler Musikanten, Dirif,'. Hans Ötarp. 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Ain Ministertisch: Lcntze, v. Dallwitz, v. Schorlemer, Beselcr, v. Trott, v. Breite nbach usw. Ein schleuniger Antrag der Abgg. Ar o n s o h n und Gen.. Ich hätte gern als Vertreter der Verdeutschung Preußens das Wort genommen, so aber spreche ich nur noch kurz den innigsten Dank meiner Partei aus für die vorzügliche Arbeit, die Sie jetzt wieder für unS geleistet haben. (Beifall bei den Soz.— Gelächter bei der Mehrheit.) Sonnabend 11 Uhr: Kleine Vorlagen, Wohnungsgesetz.—- Schluß i3U Uhr._ Reichstag. 191. Sitzung. Donnerstag, den 15. Januar 1914, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Alb rech t(Soz.) über die Vorgänge in Zaber«. Eingegaugen ist eine Interpellation o. P a y e r(Vp.), cbenfallS über die V o r g ä n g e i n Z a b e r u. Auf die Frage dcS P r ä s i B deuten erklärt Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Reichskanzler ist bereit, beide Interpellationen zu beantworten, sobald das gegen die beteiligten Offiziere schwebende Verfahren rechtskräftig abgeschlossen i st. Er wird sich über den Termin der Beantwortung mit dem Herrn Präsidenten verständigen. Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe im Handels« gewerbc. Ministerialdirektor Caspar begründet den Entwurf, der die Beschäftigung der Gehilfen, Lehr- linge und Arbeiter tm HandelSgewerbe am ersten WeihnachtS-, Oster- nnd Pfingsttage überhaupt verbietet, an den übrigen Sonn- lind Festlagen in offenen Verkaufsstellen bis zu drei Stunden für zulässig erklärt. Der Redner geht, auf� der Tribüne im Zusammenhang meist unverständlich, auf die vielfach zugelassenen Aus- nahmen ein und bemerkt, die Regierung glauhe, mit der Ausdehnung der Sonntagsruhe im HandelSgewerbe einem oft geäußerten Wunsche deö Reichstages zu enliprechen. Abg. Bender(Soz.): Wohl selten hat ein sozialpolitischer Eulwurf so enttäuscht, wie der vorliegendc. Alle Wünsche, die die Angestelltcu und Arbeiter im Handelsgewerbe seit 14 Jahren geäußert haben, sind durch diesen unzulänglichen Entwurf zu schänden geworden, die HandelSaugestcllicn und Arbeiter betrachten diesen Entivurf als die schlimmste Verhöhnung ihrer Forderungen, sie empsinden ihn als einen Schlag inL Gesicht, ihre Interessen sind im Eulwurf restlos den Interessen der Unternehmer geopfert wordcu (Sehr wahr! bei den Soz.). Im April 1997 erklärte der damalige Staatssekretär PosadowSkh, eS solle eine Revision der Bestimmungen über die Sonntagsruhe stattfinden. ES wurde auch ein Entwurf ausgearbeitet, gegen den die Handelskammern Sturm liefen, und er verschwand in der Verienkung und die Sache wurde auf die l a n g e B a n k g e s ch o b e n. Im Frühjahr 1912 wurde end- lich ein Entwurf ausgearbeitet, der gegen den von 1997 erhebliche Rückschritte enthielt: aber dem Deutschen HaudelStaa, dem er zur Begutachtung vorgelegt wurde, war er noch nicht ruck>chrittlich genug; die Frucht vieler Begutachtung ist der gegenwärtige Entwurf, der wesentliche Verschlechterungen gegenüber dem vorjährigen enthält: die Ausnahmen sind erheblich vermehrt, dje zulässige Ar- bettszeit in den Kontoren ist wesentlich verlängert. Durch ein so parteiisches Vorgehen der Regierung wird es dieser sicher nicht gelingen, die Arbeiter für sich zu gewinnen. Der Grund- satz der vollen Sonntagsruhe von 1997 ist in diesem Einwurf ganz fallen gelassen. Ganz neu ist die Bestimmung, wonach die P r o k u- r i st e n nicht unter dieses Geictz fallen dürfen und daß st r c n g- gläubige Juden, die Sonnabends feiern, dafür jüdische An- gestellte am Sonntag fünf Stunden arbeiten lassen können. Der Entwurf bleibt auch zurück hinter den vielfach schon in der Praxis bestebenden Zuständen(Sehr richtig! bei den Soziatvemokraten), er entspricht nickt im entferntesten der Entwicklung unserer sozialen Ver- hältnisse. Wir sind auch dagegen, daß die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe wieder den Gemeinden und höheren VcrwaltungS« behördcn überlassen wird, denn was die Gemeinden durch Orts- st a tut in dieser Beziehung getan haben, hat den Erwartungen durchaus nicht entsprochen. Wir lehnen auch die vielen Ausnahme« bestimm ungeu ab. Nach Ansicht der Beteiligten, der wir zustimnien, wäre lediglich eine Ausnahme notwendig für Backwaren, F I e i> ch. M i l ch und Eis an zivei zusammenhängenden Stunden des SonntagsvormiltagS und für sechs bis zehn Stunden am letzten Sonntag vor Weihnachten.— Ferner verlangen wir eine Ausdehnung des Gesetzes auf die HaudclSangestelllen in Theatern, B e r g n ü g u n g S u n t e r n e h m u n g e n und Apotheken. Allerdings sind wir leine Anhänger der englische» Sonntagsruhe, die dem Arbeiter jede geistige Anregung und Eo holuna am Sonntag nimmt. Wir wollen vielmehr, dag diesen An- gestellten der Theater usw. in der Woche eine 36 stündige Ruhe pause zu gewähren ist. �Wir werden nur einem Gesetz zustimmen daZ eine so weitgehende Sonntagsruhe dringt, wie sie in den besten OrlSstatuten heute schon vorhanden ist. Jedenfalls mutz eine Be stimmung in das Gesetz hinein, wonach bessere bestehende Äerhältnisse durch dies Gesetz nicht verschlechtert werden dürfen. sSehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Gesundheit der Hunderttausende von Angestellten sollte dem Reichstag über den Profit, den die Unternehmer ans der SonntagSarbeit haben, und auch über die Unbeguemlichkeiten für das kaufende Publikuin gehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo kraten.) Für die Arbeit in den Kontoren find so zahlreiche Ausnahmen zugelassen, daß man sagen mutz, die Regierung ist hier untcrnchmerfrrundlicher als die Unternehmer selbst. Auch im Detailhandel ist die Praxis dem, was das Gesetz will, weit vorausgeeilt. Bon einem E i n n a h m e a n S f a l l für die Geschäfte kann keine Rede sein, denn wenn die Konsumenten nicht am Sonntag kaufen können, kaufen sie eben am Alltag, wenn nur der Beutel gefüllt ist. In den Konsumvereinen ist ja auch die volle Sonntags- ruhe durchgeführt. Würde die F r e i t a g S l o h n z a h l u n g und der freie S o n n a b e n d n a ch m i t t a q in den Fabriken usw. überall durchgeführt, so wäre auch der Einwand hinfällig, datz bei voller Sonntagsruhe die Arbeiter keine Gelegenheit hätten, gewisse Waren zukaufen, die nicht bei künstlichem Lickt gekauft werden können. Auch viele Bereinigungen selbständiger Kaufleute haben sich für die volle Sonntagsruhe ausgesprochen. Die Sonntagsruhe wird natürlich die soziale Frage nicht lösen, sie wird aber ein wichtiges Glied in der Kette sozialer Gesetze sein. Für die A n g e st e l I t e n und Arbeiter ist die völlige Sonntagsruhe aber auch eine Lebensfrage. � Räch diesem Entwurf ist noch eine Arbeitszeit von U>/z und Ill'/a Stunden gestattet, und an 46 AuSnahmetagen sogar eine unbegrenzte Arbeitszeit, die bis auf 16 und 18 Stunden geht. Dabei mutz die körperliche Gesundheit und die Lebenskraft zugrunde gehen. Das Gesetz mutz so gestaltet werden, datz eine wirkliche völlige Sonntags» ruhe gewährleistet wird. Millionen von Arbeitern und Angestellten erwarten vom Reichstag, datz er so verfährt! er wird dann im Sinne der allgemeinen Kulturentwib�lung handeln.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzderger(Z.): Meine Freunde sind stets aus religiösen und sozialpolitischen Gründen für die Sonntagsruhe eingetreten. Jetzt wird eine Er- Weiterung der Sonntagsruhe uns vorgelegt; warum aber in einem besonderen Gesetz statt in der Gewerbeordnung, und warum nur für daS H a n d e l S g e w ea! b e'k Für die Einbringung des Entwurfs ist der gegenwärtige Zeitpunkt der ungeeignetste.(Sehr richtig! im Zeinrum.) Inhaltlich ist der Entwurf ungenügend. Sein Hauptfehler ist, datz er alles nach der Schablone regeln will. Die Verfasser des Entwurfs find vollständig eingenommen gewesen vom„Berliner Blick".(Sehr gutl in, Zentr.) Bor Ausarbeitung solcher Gesetzentwürfe sollten die Geheimräle einmal auf das platte Land und zu den kleinen Gewerbetreibenden gesandt werden, um zu er- fahren, wie solche Bestimmungen wirken.(Sehr wahr! im Zentrum.) Die erste Folge des Entwurfs wäre der glatte Ruin zahlreicher Existenzen des Mittelstandes.(Widerspruch bei den Sozialdemo- kraten und Zuruf: Davon verstehen Sie nichts!) Dieser Zuruf ist eine A n m a tz u n g.(Zustimmung im Zentrum.) In kleinen Land- städten entfallen 86 Proz. der Einnahmen der kleinen Kauf- leute auf den Sonntag. Diese Existenzen würden also durch den Entwurf glatt ruiniert werden. Die Bevölkerung würde freilich auch dann ihre Bedürfnisse durch Kauf decken, aber nicht mehr bei den Kausleulen de« OrteS, sondern bei den Warenhäuser» der benachbarten Grotzstadt; die grotzkapira- listischen Unternehmungen würden also wachsen, und ebenso würde sich auSdehuen der Hausierhandel auf dem platten Lande(Sehr wahr I im Zentrum). Die vollständige Sonntagsruhe, die der Vorredner ganz einheitlich bis auf geringe Ausnahmen fordert, lehnen wir ab; man kann nicht von fünfstündiger Arbeit plötzlich zu null- stündiger übergehen, lieber alle Regelungen im einzelnen wird man sich in der Kommission verständigen können. Jedenfalls bedarf der Entwurf einer wesentlichen Umgestaltung im Sinne der AuS- dehnung der Sonntagsruhe. Wir beantragen Ueberweisung des Entwurfs an die G e w e rb e k o m in i s s i o n. Vor ollem leitet uns aber auch der Gesichtspunkt: Sonntagsruhe ohne Sonntags- Heiligung wird keinem Volk zum Segen gereichen.(Bravo! im Zentrun,.) Abg. List(natl.): Mit der Einbeziehung der Angestellten st, Apotheken in dieses Gesetz sind lvir einverstanden. Es wäre gewitz eine Kultnrtat besonderer Art. wenn die volle Sonntagsruhe durchgeführt würde, aber man mutz die bestehenden Verhältnisse berück- sichtigen und das tut der Entwurf. Er nimmt durchaus nicht nur Rücksicht auf die Interessen der Unternehmer, sondern sucht einen Mittelweg zwischen diesen Interessen und denen der Handelsangestellten. In kleineren Städten mutz der Mittelstand die Möglichkeit haben, seine Kunden auch am Sonntage zu befriedigen. Ausnahmen von den Bestimmungen des Gesetzes durch OrtSstalut sollten zur Voraus- setzung die Zustimmung eine« grötzeren Teiles der beteiligten Kreise haben. Wird Sonntagsruhe zugelassen, so mutz sie, abgesehen von den Gottesdienststunden, ununterbrochen sein und zu einer be- stimmten Zeit, etwa um 2 oder 3 Uhr, auf jeden Fall beendet sein. (Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Graf Carmcr-Zieserwitz(k.): Der Entwurf bringt gegenüber dem von 1007, der die völlige Sonntagsruhe vorsah, manche Vorteile. Bor allem mir Rück- ficht auf den Mittelstand ist die volle Sonntagsruhe nicht durch- führbar, auf keinen Fall in den kleineren Städten. Besonders schlimm daran sind die kleinen Orte in der Nähe von Grotzstädten, wo die kleinen ansässigen Kaufleute auch noch unter der Konkurrenz der Wander-Warenhäuser aus der Grotzstadt zu leide» haben. Die Angestellten im Handelsgewerbe sollten nicht vergessen, datz�re Stellung in dein letzten Jahre eine durchaus günstigere g e- worden ist; ich erinnere an die Angcstelltenversichcrung. Wir hoffen, datz daS G-'etz so gestaltet wird, datz eS dem Mittelstand hilft.(Bravo! rechts.) Abg. Gnnßer(Vp.): Dem natürlichen Bedürfnis nach einmaliger Ausspannung in der Woche trägt»ach meiner Auffassung der vorliegende Gesetzentwurf Rechnung. Wenn viele Kaufleute die vollständige Sonntagsruhe ablehnen, so geschieht daS nicht aus Hätz gegen die Angestellien, sondern unter den, Zwange der wirtschaftlichen Verhältnisse. Für daS K o n d i t o r g c w e r b e würde die völlige Sonntagsruhe geradezu' den Ruin bedeuten.(Zustimmung bei der Volks- partei.) Mit Recht hat Kollege Erzberger auch betont, datz durch völlige Sonntagsruhe der Hausierhandel auf dem Lande und das Versandgcichäft der grotzen Warenhäuser zu-! nehmen würde. Selbst in den Grotzstädten widersprechen die Laden-) inhabet der Einführung der vollständigen Sonntagsruhe. Zur gründlichen Durchberalung der Einzelheiten d-ö Entwurfs beantragen wir seine Ueberweisung an eine besondere Kommission von 20 Mitgliedern. Abg. Dombek(Pole): Man darf nicht nur auf die Arbeitnehmer Rücksicht nehmen, andern auch auf die Arbeitgeber und das Publikum, peziell in den kleinen Städten und auf dem Lande, wo die Ver- hältnifse wesentlich anders liegen wie in den Grotzstädten. Eine Verschlechterung gegenüber dem bestehenden Zustande sollte durch ortsstatutarische Bestimmung nirgends möglich sein. Wir sind für sozialpolitischen Fortschritt, aber nur für schrittweisen. Der Ueberweisung der Borlage an eine Gewerbekommnsion stimmen wir zu. Nbg. Wermuth(Rp.): An sich wäre die volle Sonntagsruhe das Ideale; ober aus den schon von den Vorrednern angeführten Gründen ist nur die Ein- führung einer beschränkten Sonnlagsruhe möglich. Wie die Apo« thelen, so sollten auch die Drogerien ausgenommen werden. Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.): Es spricht vieles dagegen, datz Gesetze schnell geändert werden, aber wenn nach langer Zeit eine Äenderung erfolgt, dann sollte auch ein erkennbarer Fortschritt zu verzeichnen sein. Es ist bitler, wenn man sehen mutz, wie die Regierung seit 1967 in dieser Frage Schritt für Schritt zurückgewichen ist. Das�arützte Handels- voll der Erde weitz, was eS hat, wenn es sich Sonntags völlige Ruhe und S e e l c n s p e i s e gönnt. In den Städten, wo die völlige Sonnlagsruhe besteht, hat sie sich auch bei uns in Deutschland durch- aus bewährt. Zum»lindesten sollte die volle Sonntagsruhe für alle grötzeren Städte und für bestimmte Zeiten des Jahres festgelegt werden. Natürlich gehört zur Sonntagsruhe, datz die Nacht vorher und nachher arbeitSfre, ist.(Bravo!) Die Weiterberatung wird vertag,-ms Freitag 1 Uhr pünktlich(vorher: Kurze Anfragen, schleuniger Antrag Schiffer(natl.) auf Hinausschiebung des Termins für die Erklaiungen betr. den Wehrbeitrag).__ Schlutz 6 Uhr. Parlamentarisches. Budgetkommission des Reichstages. Gegenstand ausgedehnter Erörterungen bildeten am Donners- tag zunächst die Olympischen Spiele, die 1916 in Berlin veranstaltet werden sollen und für deren„würdige Durchführung" die Regierung im Etat nicht weniger als 266 666 M. fordert. 14 666 M. sind bereits autzerctatsmätzig zur Verfügung gestellt Ivorden; 46 666 M. sollen im laufenden Etatjahr für VorberenungS- zwecke und Vorwettbewerbe bewilligt werden. Die Zahl der Turner und Sportsleute, die daran partizipieren, beträgt etwa zwci� Millionen; das Hauptkontingcnt bildet die nationale deutsche Turner- schast. Der Posten wurde nach langer Deoatte gegen die Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und Fortschritllcr a b g e- lehn t. Tie Kommission behandelte sodann den Titel: AuSfüh- r u n g des Kaliaesetzes. An Abgaben von Kalisalzen gemäß 8 27 sind der Reichskasse im EtatSjahr 6 291 666 M., 241 666 M. mehr als im Vorjahre, zugcflosicn. An Kosten für die Ausführung des Gesetzes hat das Reich 366 666 M. aufgewendet. Zur Ber- tcilung für Propagandazwecke im Interesse des Kaliabsatzcs sollen 5 391 666 M. gelangen, 1 866 666 M. im Inland, im Ausland 3 241 666 M.— Genosse Sachse erkundigte sich nach den Kali- sunden im Ausland und regte an, bei einer Aendernng des Ge- sctzcs Kaligelder auch für Arbeiter aurzuwcndcn, die durch Betriebs- einstellungen empfindlich geschädigt worden seien. Von den Kali- Herren werden mit den Arbeitern eine unglaubliche Mitzwirtschaft getrieben.— Der Regierungsvertreter gab einen lieber- blick über die EntWickelung der Kaliproduktion der letzten Jahre und schilderte die Wirkungen des Gesetzes, wodurch sehr unge- sunde Zustände herbeigeführt ivorden seien. Es werde eine No- uclle zum Kaligesetze eingebracht iverdcn, um die schlimmsten Uebel- stände zu beseitigen. Ter Klage des Kalisyndikats gegen den Fiskus, weil dieser die Mehraufwendungen des Syndikats für Pro- pagandazwecke nicht decken wolle, könne mit Ruhe entgegengesehen iverden.— Ter Korreferent, Genosse Hoch, trug aus der Petition des Kalrshndikats die Forderungen auf Erhöhung der Propaganda- geldcr vor und mies nach, datz diese Forderungen durchaus un- berechtigt seien.— Ein Antrag G o t h e i n Wik die für inländische Propaganda ausgeworfene Summe von 1 866 666 M. aus zwei Millionen Mark erhöht wissen; die mehr zu bewilligenden 266 666 M. sollen zur Förderung des feldmätzigen Gemüsebaues verwendet werden. 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Verlagsanjtalt Paul Singer& Co, Berlin SW. f Soweit Vorrat! Bluse aus prima "ardientstorf ,-_],eiftu<5enuistert in allen Grossen Von Sonnabend, den 17., bis Sonnabend, den 24. Januar, s»»-» v«�-» Salanterie Damen-- Konfektion Hemdbluse i° n»ci.-->a 95 Unterrock Pf in vielen Farben.... � Matinä kÄei'd'.'?Mn! ZS«• Russen- Kittel."„Ä Barchend. In hellen und QC dunklen Farben....... rr Klnderkleld Jnd dSB Farben.«chöne Muster QC, von 45 bis 65......... Pl- �amen-Wäsche Dam.-Phant-Hemden qc p. *«!* Rtlrfc PTAl-THnnÄtifin.. 5'*' Fl. 95 pf. ■x|•_■■ �■ •* I�W�W Samt-und Seiden �Stoffe HosLÜmStoftecaiM br.rngjon,. � sthaiere hattbarr■Qugtifaf 4~. OJJTChU&if FcinivolLidluscnstq/fe.._ oHzurk S/rsifrn niitr/er W JtUisenstofie Mm MW Hausklcicicrstp�c cy.io mtn'.MW■ VollC blauyrnn cq HO br.! H H I Kmder Hii'icfcrstojfe iLöugr/in:■■■?/. . u H W■ WetpcSlicherci Üolqnis,,,,.■ M WM ,€*lra•Oet egenh fiL-. k aj/f".■ fort) HlPiderötope rrtwwotie. 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