Ar. 16. Nbonnementz-Keckingungen: k>bll»nements- PreiZ prnnumerando: SZicrteljährl. Z.Z0 Mk., nwnatl. I.lv Mk� wöchentlich LS Pfg. frei in? Hau». Einzeln« Nmntner 6 Pfg. Sonntag». nummer nnt wustrierlcr Sonntag». Beilag«.Die Neue Well' 10 Pfft. Pos'. Adonnemem: 1,10 Marl fco Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für da» übrige Ausland « Marl vro Monat. Poslabonnement» nehmen aiu Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Die TnfertionS'GebQI»r beträgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zelle oder deren Rauin 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Berein». und Versiunnilungs-Anzeigen'M Pfg. „Kleine Hnreigen", das feugedruckte Wart 20 Pfg.(zilläfsig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Echlasstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., iedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über töPuch. i laben zählen für zwei Worte. Inscrote ür die nächsle Numiner niüssen bi» > Uhr nachniittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expediiioii ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. kUchellit lZgllch. Nevlinev VolksblÄkk. Telegramm- Adresse! „SMialtlfiiwKrjt Berlin'*. 1 Zentratorgan der foztaldemokratifcben parte? Deutfchlands. Redahtion: 8 Tl. 68, Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 17. Januar 1914. Expedition: SSI. 68, Lindcnstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Die Krupp- Vermutungen. „Eine B e r�aschungskommifsion oder etwas ähnliches einsetzen zu sollen, dagegen möchte ich mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Energie aussprechen." E r z b e r g e r am 23. April 1912 im Reichstag. „Meine Herren, ich darf vorweg bemerken, daß diese Rüstnngskoutmission keine Kommission des R e i ch � t a g s... ist, sondern eine Kom- missiol«, die der Reichskanzler eingesetzt hat zn seiner Information über die manuig- fachen und vielfach komplizierten wirtschaftlichen Verhältnisse des Rüstungsliefcrungswcsens. Bethmaun Hollweg am ll>. Januar 1911 im Herrenhaus. Als Genosse Liebknecht den Kruppskandal im Reichstage entlarvte, war es die Regierung, die die tönende Erklärung abgab, daß nichts verheimlicht und nichts v e r- huscht werden solle. Und Monate später noch war in der Tat der Reichstag in der holden Illusion befangen, daß nicht nur durch die Gerichte dem Kornwalzersystem ernstlich zu Leibe gegangen werden sollte, sondern daß neben den Gerichten vor aflcil Tingen auch eine parlamentarische Unter- f u ch u n g s k 0 m in i s s i 0 n den letzten Zipfel der Krupp- gcheimnisse lüften werde. Die sozialdemokratische Mehrheit hatte den Antrag eingebracht, nicht nur zur Prüfung der ge- samten Rustungslieferuitgen für Reichshecr und Marine eine Kommission von 21 Mitgliedern einzusetzen, sondern auch den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den der zur Untersuchung der Rüstungsliefcrungen gelvählten Kommission diejenigen Rechte eingeräumt werden sollten,„die den ordentlichen G e r i ch t e n für die Vernehmung von Zeugen und Sach- t�rständigen sowie für die Anordnung der Durchsuchung und Beschlagnahme zustehen". Tie B u d g e t k 0 m m i s s i 0 n war zwar nicht soweit gegangen, aber sie hatte doch den An- trsg eingebracht, eine vom Reichstag zu wählende Kommission einzusetzen, durch die die gesamten Rüstungsliefe- rungen einer Prüfung unterzogen werden sollten. Also auch die Bndgetkommission hatte eine varlamentari- sche Unte'rsuchungskommission gefordert. Und als am 23. April 1913 die beiden Anträge vor dem Plenum des Reichstages zur Verhandlung gelangten, da war es der kon- servative Redner, Graf V. W e st a r p. der dem Reichstage das Recht einer Nachprüfung der Rüstungslieferungsverträge von vornherein absprach und an den Reichskanzler den Appell richtete, dafür Fürsorge zu treffen, daß die Kommission„ihre Grenzen nicht überschreite". Tiefer konservative Wunsch war unserer reaktionären Regierung natürlich Befehl. Ter Staatssekretär des Innern, Herr v. Telbrück, erklärte sofort, daß es sich selbstverständlich nickt um eine Kommission handeln könne, die in irgend einer Weise„in die Exekutive der Regie- rung eingrefe". Dieie und die spätere noch präzisere Erklä- rung des Regierungsvertreters riefen damals den s ch ä r f st e n Widerspruch der Redner aller nicktkonscrvativen Par- teicn hervor. Herr Erzberger betonte ausdrücklich, daß es selbstverständlich nicht nur das Recht des Parlaments sei, nachzuprüfen, ob von der Regierung die ihr bewilligten Gelder„etatmäßig und in richtiger Form ausgegeben worden seien", sondern daß ihm auch das Recht zustehe, zu kontrol- licren, ob die Gelder„wirtschaftlich zweckcnt- sprechen d" verwandt worden seien. Auf diese wirtschaftliche Seite des Etatrcchts, auf das Prüfuugsrecht, ob die Gelder zweckentsprechend ausgegeben worden seien, lege er „gerade d e n d e n k bargrößtcnWer t". Ihm schloß sich Herr Paasch? im Namen der nationalliberalen Partei durchaus an. Tic Prüfung, ob die Gelder„auch wirtschaftlich richtig ausgegeben" seien, sei in dem verfassungsmäßigen Kontrollrecht des Reichstages zweifellos enthalten. Zu zahlreichen Fällen seien ja auch dergleichen Prüfungen, zum Beispiel bei dem Fall Tippclskirch, von dem Parlament vorgenommen worden. Und ebenso erklärten alle Redner der nichtkonservativcn Parteien, daß der Reichstag unbedingt das Recht sÜGBrch in Anspruch nehmen müsse, zur Nachprüfung der Krupp-Assäre eine parlamentarische Unter- suchungskommission einzusetzen, zu der der Reichstag s e l b st die Mitglieder ernenne. In der Tat wurde auch mit übergroßer Mehrheit vom Reichstage demgemäß b e- schlössen. Aber die Junker hatten, obwohl sie nur eine klägliche Min. derheit der Volksvertretung bildeten, größeren Einfluß auf die Rcichsregierung, als der demonstrative Beschluß der über- großen Reichstagsmehrheit. Das zeigte sich als schließlich, nach etlichen Monaten auffälligster Verschleppung, die Regie- rung mit dem Projekte ihrer fomosen„Rüstungskommission" herausrückte. Nicht aus Mitgliedern, die vom Reichstage respektive den Fraktionen selbst gewählt wurden, setzte sich die Kommission. zusammen, sondern aus einem Parlamentarierkreis, der der Regierung genehm war; war doch Genosse Liebknecht, eines der von der sozialdemokratischen Partei vorgeschlagenen Kom- niissionsmitglieder, von der Regierung abgelehnt worden. Das Wunderbare war nur, daß jetzt plötzlich Z e» t r u in und Nationalliberale völlig zusammenknickten und ihre am 23. April mit so großer Entschiedenheit vorgetragenen und durch die Abstimmung festgelegten prinzipiellen Auf- fassungen über die parlamentarischen Rechw von der Regie- rung rücksichtslos und ohne jeden Widerspruch mit Füßen treten ließen! Aus der U n t e r s u ch u n g s k 0 m- Mission, wie sie im April die Mehrheit des Reichstages gefordert hatte, Ivar das lächerliche Zwitterding der völlig von dem guten Willen der Regierung abhängigen„Rüstungs- kommission" geworden, der die Regierung jede Möglich- keit einer Untersuchung der spezifischen Krupp-Skandale unterbunden hatte. Keine Untersuchungskommission also war zustandegekommen, son- dern jene V e r t u s ch u n g s k 0 in in i s s i 0 n, gegen die sich am 23. April gerade der Sprecher des Zentrums, Herr Erz- berger, mit„aller ihm zur Verfügung stehenden Energie" ge- wendet hatte! Aber diese Vertuschungskommission sah noch immer nicht so aus, wie die Regierung, dem Befehl der Junkersippc ge- horchend, sie gestaltet zu sehen wünschte. Zwar war nnt keiner Silbe mehr die Rede davon, daß auch nur das kleinste Zipfelchen der bislang so kunstvoll verschleierten Krupp- Geheimnisse gelüstet werden würde. Aber selbst in der s 0 z i a l i st e n r e i u e n Kommission waren von den Mit- gliedern einige unbequeme Fragen gestellt worden, die zu beantworten die Regierung verhindern zu müssen glaubte. Tie Scharfmachereien der Junker hatten die Regie- rung offenbar vollends in die Knie gezwungen und zum äußer- sten Widerstand gegen die„Parlamentsherrjchast" aufgeputscht. Das beweist die Verteidigungsrede, die Herr v. Bethmaun Hollweg am 19. Januar im Hause der Erlauchten zu stammeln für geboten hielt. Betonte er doch, daß von den 13 Mitgliedern der Kommission nur zehn ans Vorschlag der Fraktionen des Reichstags berufen worden seien, womit er wohl sagen wollte, daß der Parlamentseinfluß auf den Gang der Verhandlungen ein äußerst geringfügiger sei. Aber, so fuhr der vor den wildgewordenen Erlauchten um sein Amt zitternde Reichskanzler fort, es sei auch s c l b st v e r st ä n d- l i ch, daß dieser Kommission ein Kontrollrecht über die Verwaltungen in keiner Weise zustehe. Ten letzten Trumpf gegen die Anmaßungen der Volksvertretung spielte der Kanzler aber damit aus. daß er erklärte, die Rüstungs- kommission sei ja gar keine Kommission des Reichstags, sondern„eine Kommission, die der Reichs- k a n z l c r eingesetzt hat zn seiner Information über die mannigfachen und vielfältigen komplizierten Wirtschaft. lichen Verhältnisse auf dem Gebiete des Rüstungslieferungs- Wesens". Gibt es eine dreistere und blutigere Verhöhnung jener Reichstagsipehrheit vom 23. April 1913, die sowohl das Recht der Einsetzung einer parlamentarischen Kom- Mission, als das Recht der parlamentarischen Kontrolle durch diese Kommission mit so gewaltigem Aufwand von Pathos vertreten hatte? Tas Volk verlangte Aufschluß über die Mysterien des Krupp-Betriebes und die allzu intimen Beziehungen unserer Militärverwaltung zu den Gewaltigen der Kanonenfirma. Der Reichstag bekundete unter dem Eindruck der nieder- schmetternden Krupp-Enthüllungen den entschiedenen Willen, zur Untersuchung der Skandalosa eine parlamentarische Kom- Mission einzusetzen. Die Regierung aber schlug ans schlottern- der Angst vor der kleinen aber mächtigen Junkerkamarilla dem Reichstag seine Rechte völlig aus der Hand und prokla- mierte die Pflicht der Krupp-Vertuschungen. Und nicht ein Sturm der Entrüstung ging durch den Reichstag, rauschte durch den bürgerlichen Blätterwald, sondern willfährig und demütig unterwarf sich die bürgerliche ReichstagSmehrheit der Diktatur der Krupp-Hehler! So endigte der glorreiche Feldzug der bürgerlichen RechtsHüter und Korruptions- bekämpfer Interessen Patrioten! mit der schmachvollsten Unterwerfung unter die des Scharfmachertums und der Kornwalzer- Aus der Tatsache, daß die K r u p p- M y st e r i e n e w i g Mysterien bleiben werden, sorgfältig behütet vor den kritischen Augen der breiten Masse, wird natürlich auch die Berufuiigsverhaiidliiiig nichts ändern, die gegenwärtig gegen das bekannte Fähnlein der Aeugfcldivcbcl vor dem Berliner Goilveriiriiirntsgcricht stattfindet. Ter Kreis der Unter- suchung ist ja durch die erste Verhandlung vor dem Kriegs- gericht ein für allemal so eng gezogen worden, daß wesentliche neue Momente bei der nochnialigen Aufrollung der VerHand- lung nickt zu erwarten sind. Wir verzichten deshalb auch auf die Wiedergabe dieser Verhandlungen, die das Allbekannte nur noch einmal wiederkäuen werden. Tas einzigJnteres saute wird ja u n t e r A u s- schluß der Ocffcntlichkcit verhandelt, nämlich der Inhalt der Kornwalzer, aus denen einzig zu ent- nehmen wäre, was denn wirklich an wichtigen kommerziellen und technischen Geheimnissen durch das Kornwalzersystem zur Kenntnis der Firma Krupp gebracht worden ist und chclche Fäden von der Firma Krupp noch zu anderen, in den Verhandlungen nickt erwähnten militärischen und amtlichen Stellen hinüberlaufcn könnten. Aber da bei der VerHand- lung gegen die Zeuzoffiziere wiederum alles ausgeschlossen wird, was nicht auf die Anklage gegen diese Angeklagten Bezug hat, werden wir voraussichtlich nicht mehr erfahren, als was bei der ersten Verhandlung bereits ans Tageslicht geschürft worden ist. Wir werden deshalb auf die Wieder- gäbe der Verhandlung verzichten und uns auf die Heraus- � Hebung und Glossierung derjenigen Zeugenaussagen beschrän- . ken, die ein allgemeineres Interesse verdienen. Von der Frcitagsverhandlung verdient höchstens die Ans- i sage des Angeklagten Pfeiffer Erwähnung, der da wiederum behauptete, daß er von Brandt zu Unrecht als seine Quelle aus dem K r i e g s in i n i st e r i u in genannt worden I sei. Brandt, so erklärte Pfeiffer, müsse ihn wider besseres Wissen bezichtigt haben, wenn er bei seiner ersten, ihn belasten- den Vernehmung nicht„von Sinnen" gewesen sei. Auf die � Frage des Vorsitzenden, ob er denn nicht eine andere Stelle angeben könne, entgegnete Pfeiffer, daß er aus eine bloße Vermutung hin, ohne es auch beweisen zu können, keine Namen nennen möchte. Doch könne er sich keine andere Mög. lichkcit denken, als daß Brandt noch mit einem andere n Herrn Verbindung gehabt habe.— In dem ersten Prozeß hatte ja Pfeiffer bereits eine Andeutung gemacht— er hält es aber diesmal offenbar siir opportuner, keine Verdächti- gungen auszusprechen, siir die ihm der urkundliche Beweis fehlt. Doch betonte er wiederholt, daß Brandt ein Interesse daran gehabt haben müsse, gerade ihn für seine Quelle aus dem Kriegsministerium anzugeben, um andere zu schonen. Beachtlich ist weiterhin, daß der Gerichts Herr in seiner Berufung gerügt hat, daß das Urteil zu Unrecht nicht die Möglichkeit angenommen habe, daß ans Grund der Korn- Walzer von Krupp d i e P r e i s e von Lieferungen zum Schaden des Reiches erhöht worden sein könnten. Tie Vermutung des Gerichtsherrn ist nur zu begründet. Auf die.Aussage eines oder zweier militärischer Sachverständigen hin ist sie freilich nicht zu entscheiden. Hier hätte eine parlamentarische U n t e r s u ch u n g s» k 0 ni m i s s i 0 n blendendes Licht verbreiten können. Aber aus der Untersnchungskommission ist ja die Vertuschungskommission geworden, eine Kommission, in der die Herren Parlamentarier nur solche Fragen stellen dürfen. die von den Regierungsvertretern geneigtcst gestattet werden! Ein Selbstmorökanöiöat. Weil ehedem deutsche Prinzessinnen den dynastischen HeiratZ» markt geradezu überschivcmnitcn, nannte sie ein russischer Großfürst einmal weniger galant als zynisch Marchamlise d'exportation, zu deutsch: Ausfuhrartikel. Für den Balkan sind in den letzten Jahr- zehnten deutsche Prinzen zu solchen Ausfuhrartikeln geworden: siehe Karl von Rumänien, Ferdinand von Bulgarien und neuerdings Wilhelm von Albanien. Doch Halt! Mit diesem „von Albanien" hapert es eben noch ganz erheblich, denn während alles so wunderschön im Lot zu sein schien, während der erkorene Gottesgnadenmann für den neuen Staat seine Mußestunde, in denen er nicht photographicrt oder interviewt wurde, mit Grübeleien über die zwingendste Notwendigkeit des Landes, nämlich die Stiftung eines Ordens, ausfüllte, während sein Kammerdiener die Krone blank putzte, kam aus Albanien selber die Nachricht, daß die moham- medanischen Schkipetaren nicht mitmachen und den türkischen General Jzzet Pascha, bis vor 14 Tagen Kriegsminister des osmanischcn Reiches, zum Fürsten erkürt haben. Dos war Blitz und Donnerschlag siir die arme Durchlaucht von Wied, denn wenn auch der erste Anlauf zu dem Versuch, diesen Jzzet auf den Schild zu erheben, allem Anschein nach gescheitert ist, und der Prä- tendent ans Konstantinopel sich über Nacht in einen Harmlosen Privatmann verwandelt hat, so zeigt der Fall doch, wie eZ eigentlich in Albanien aussieht. Wäre der Prinz zu Wied so gescheit wie auch Prinzen zuweilen sind, so begrüßte er die neue Wendung der Dinge mit Freuden und entschlösse sich, auch fernerhin vor seiner Esladron Garde du Corps spazieren zu reiten, was vergnüglicher und un- gefährlicher ist als auf dem albanischen Thron die Gnade Gottes zu erproben. Einer der wenigen Kenner Albaniens, der Oesterreichcr S i e b e r tz, erzählt ein neckisches Stückchen aus diesem Hochland, in dem schier mehr Flintenkugeln als Maiskörner wachsen. In einem katholischen Dorfe Nord-AIbanienS waren die biederen Schkipetaren mit ihrem Seelsorger unzufrieden, sperrten ihn darum kurzerhand in einen Stall und meldeten dem Erzbischof von Skutari das Geschehnis. Der greise Erzbischof ritt selbst zn den ungeratenen Pfarrkindern inö Gebirge und schlug vor, er wolle den mißliebigen Geistlichen nnt hinunter nach Skutari nehmen, bis die Beschwerden gegen ihn untersucht seien— er selber bürge für eine gerechte Behandlung der An- gelegenheit. Aber die lapseren„Söhne der Felsen" erklärten dem Erzbischof kaltblütig:„Nein, Du bist nicht gut als Bürge, denn Du bist Bischof und bist alt. Rächt er sich, so können wir auf Dich nicht schießen, weil wir Dich verehren. Du mußt einen anderen Bürgen stellen, auf den wir schießen können." Und so geschah es! Wenn die Albaner jetzt wirklich einen Fürsten haben wollen, so ganz sicher leinen, der ihren Kugeln unerreichbar in den Wolkenhöhcn des Gottesgnadcntums thront, sondern nur einen, auf den sie im Be- darssfall auch schießen können. Und dieser Bedarfsfall tritt im Stromgebiet des Drin oft überraschend plötzlich ein, wie denn auch die vom Christentum beleckten Stämme, wenn ihnen Blutrache und Blutdurst zum Borwurf gemacht werden, fröhlich erwidern:.Wozu hat uns denn die göttliche Borfehung die Gewehre überhaupt gegeben?" Aber die Albaner in ihrer Masse wollen gar keinen Fürsten oder bielmehr sie wissen nichts von ihm. Wo man sich von Europa die sagen« hafte Borstellung macht, dast es drüben hinter den Bergen liege und von sieben in einem prächtigen Thronsaal nebeneinander sitzendensKönigen beherrscht werde, hat man natürlich von einer Londoner Botschafter- konferenz und einem Prinzen zu Wied erst recht keine Ahnung. »nd selbst wenn man von seiner Niederlassung in Valona Kunde erhielte, erregte das keinerlei Aufsehen im zustimmenden oder ab- lehnenden Sinne. Was geht die Leute der Malissia von Skutari oder der Miridita an, was sich an der Küste abspielt! Ein albanisches Nationalgefühl gibt es ja nirgendwo bei den Massen des albanischen Volkes, sondern was sie zu Sippen und Verbänden zusammen- schweißt, ist im Norden das patriarchalische Stammesgefühl und in Mittel- und Südalbanien das Bewußtsein der Abhängigkeit von ein- und demselben Feudalherrn. Erst wenn der neue Fürst sich an- schicken wollte, Eisenbahnen zu bauen, Steuern einzutreiben oder Rekruten auszuheben, würden die biederen Bergsassen mit scharfen Schüssen gegen eine Regierung protestieren, die sie nicht gerufen haben und von der sie sich nicht einmal einen klaren Begriff zu bilden vermögen. Was der Prinz zu Wied hinter sich hatte, war lediglich die famose.provisorische Regierung" in Valona. die nichts andere? darstellte, als einen verfrühten Fast- nachtsscherz. Diese.provisorische Regierung", an der Spitze der mit allen Hunden gehetzte Ismail Kemal Bey, begrüßt natürlich den Prinzen zu Wied stürmisch, weil er nicht nur mit der Billigung der Großmächte, sondern auch mit einem ansehnlichen Millionenvorschub auf der Bildfläche erscheint, und nur nach diesen Millionen strecken sich die paar Dutzend schmutziger Hände aus, über die die.provisorische Regierung" verfügt. CS war ein Schauspiel für Götter, als zum Jahreswechsel der alte Gauner I S m a i I Kemal würdevoll Glückwunschtelegramme mit dem k. k. Minister deS Aeußern, Grafen Berchtold, austauschte und von der.Dank- barkeit de» albanischen Volkes für die Unabhängigkeit" faselte, wobei es mit dem Volk, das der.Diktator" von Valona hinter sich hat, genau so bestellt ist, wie mit seiner Unabhängigkeit. DaS Schönste aber ist, daß dieser Kemal selber jetzt als der Begünstigung der Kandidatur I z z e t s verdächtig, in der Versenkung verschwindet. Daß aber die mohammedanischen Grundherren in Mittelalbanien von dem Prinzen zu Wied alles andere als erbaut sind, vielleicht mehr aus sozialen als aus religiösen Gründen, wird nicht erst durch den Putsch Jzz et Paschas bekannt. Diesen Grundherren MittelalbanienS. deren Pächter fast im Zustand der Leibeigenschaft dahinvegetieren und brutal ausgesaugt werden, muß nichts unerwünschter sein, als eine Agrarreform, die unvermeidlich wird, wenn sich unter dem Schutz der Großmächte und ihres Beauftragten, deS P r i n z e n z u Wied, das ausländische Kapital im Lande festsetzt und die über- nommenen Verhältnisse auflöst. Darum ging der Schrei der albanischen Feudalherren nach einem mohammedanischen Großen, der mehr Verständnis für die überlieferten Interessen mittelaller- licher Ausbeutung mitbringen mußte als ein von westeuropäischen Kapitalsmächten geschobener Prinz, darum entfalteten sie eine rege Propaganda für einen Kandidaten dieser Art und darum hoben sie jetzt Jzzet Pascha kurz vor der Ankunft des Vertrauensmannes der Großmächte auf den Schild. Mag diese Schilderhebung auch vorläufig mißglückt sein, der Prinz zu Wied erscheint doch als höchst unerwünschter Gast in einem Lande, das voller Wirren und Gefahren steckt, und wenn Wilhelm II. dem deutschen Thronkandidaten von seinem Abenteuer abgeraten hat, so mit vollem Recht, denn der Prinzzu Wied erscheint, unbesonnen, wie er sich in unbekannte Dinge hineinstürzt, geradezu als Selbstmordkandidat. Wenn deshalb ein paar nationa- listische Organe dem Prinzen, der hinausgeht, um.deutsche Kultur- arbeit" zu leisten, aus zweifelhaften Vorschußlorbeeren Kränze winden, so können das sehr leicht die Totenkränze auf seinem frühen Sarge werden._ politische Ueberslcht. Die Sonntagsruhe. Aus dem Reichstag, 16. Januar. Die Vorlage über die Neuregelung der Sonntagsruhe ist heute abend nach Schluß der Generaldebatte einer Spczialkommission über- wiesen worden. Der zweite und letzte Tag dieser Erörterung hat das Bild vervollständigt, das der erste Tag bereits bot: alle Parteien außer der Sozialdemokratie geschlossen gegen eine weitsichtige und weitherzige Sozialpolitik. Es war nur die Bestätigung der Regel, wenn die einzige Ausnahme des Nationalliberalcn Herrn M a r q u a r t zu verzeichnen war, der das Recht gerade noch hatte, für seine Person— wie er besonders hervorhob— die von unseren Rednern vertretene Auffassung zu unterstützen. Herr Marquart ist, das muh zur Erläuterung beigefügt werden, der Führer einer der großen Handlungsgehilfenverbände. Sein durchaus ver- einzeltcs Vorgehen wird aber auch kaum die Angestellten von der Üeberzeugung abbringen, die ihnen diese Debatte un- erbittlich aufzwingt: daß ihre Interessen allein bei der Partei 'deS Proletariats Schutz finden. Das zeigte übrigens gleich zu Beginn der Sitzung mit unzweideutiger Klarheit Genosse Dr. Q u a r ck, der in ge- wandter Weise die Scheinargumente zerstörte, die von allen bürgerlichen Rednern am Vortage zugunsten weitreichender Ausnahmen vorgebracht waren. Besonders wirkungsvoll lvandte sich Genosse Ouarck gegen den Versuch, die Gesetzgebung über die Sonntagsruhe zum Tummelplatz oberflächlicher Mittelstandsretterei zu machen. Er sowohl wie auch Genosse Feuerstein, der noch im Laufe der Debatte das Wort er- griff, zeigten übrigens, daß der kleine Kaufmann durchaus nicht an einem solchen Gefetz gegen die Sonntagsruhe inter- cssiert ist. Die anderen Parteien blieben bei ihrer rückständigen Anschauung stehen. Der Herr Birkenmaycr vom Zen- trum und Herr P a u l h von derselben Partei sowie der Elsässer T h u m a n n sprachen ganz im Sinne und im Tone des Herrn Erzberger, so daß es Herrn Giesberts etwas schwer wurde, den Eindruck zu verscheuchen, den diese neueste Sozialpolitik des Zentrums hervorrufen mußte. Graf Posadowsky machte einige ganz allgemeine Ausfüh- rungen über die Sonntagsruhe, wobei man sich auch über seine eigentliche Schlußfolaerung nicht ganz klar werden konnte. Er vemerkte jedoch ganz zutreffend, daß der Grund- fehler des Entwurfes die Ausdehnung der Ausnahmen fei, durch die jede Willkür in der Auslegung geradezu provoziert wird. Zu Beginn der Sitzung war einstimmig ein Antrag an- genommen worden, die Deklarationsfrist für den Wehrboitrag bis Ende Februar zu verlängern. Herr K ü h n hatte vergeblich seine Bedenken geäußert. Morgen beginnt die Debatte über den Etat de? Reichs- amts des Innern. Heydebrand als Agent provocateur. Hchdebrands"Rebe im preußischen Landtag hat die Lösung gebracht.„Machen Sie mit Ihrer Revolution Ernst, dann geht wenigstens alles drunter untz drüber." Als er diese Worte unseren Vertretern im preußischen Landtag zurief, hat er den Kurs ge- zeigt, den Preußens Junker der preußischen Regierung aufzwingen wollen. Das Volk— besonders die Arbeiterschaft— soll in eine Revolution getrieben werden; der Militarismus wird, so hoffen sie, das Volk niederzwingen— und dann blüht der Weizen der Junker in Preußen und in Deutschland! Alle diplomatische Heuchelei, womit Heydebrand seine Anreizung zu Putschen ver- brämte, ändert nichts an der Absicht des Führers der Konservativen im preußischen Landtage, das deutsche Volk in eine Revolution hineinzuhetzen! Und mit welchen Mitteln der UnWahrhaftigkeit arbeitet dieser Provokateur.„Der Besitz kann in Deutschland nicht mehr weiter."„Er ist umschwärmt von den Behörden, die ihm jeden Tag neue Lasten auflegen."„Der Besitz in Deutschland ist heutzutage minderen Rechts."„Man braucht bloß ein Arbeiter zu sein, um heute Recht zu haben." Das sind Worte des von Heydebrand. Freilich behauptet er, es seien nicht seine Worte, so rede der Besitz; derselbe Besitz, der wohl in keinem Lande der Erde rücksichtsloser durch Verwaltung, Justiz und Militarismus vertreten wird, als in Deutschland! Aber das ist läppische Spiegel- fechterei. Heydebrand sagt es für sich und seine Partei» die kon- servative Partei, die eben jetzt wieder daran ist, eines der wichtig- sten Rechte der Arbeiter— das Koalitionsrecht— zu unterbinden— auch unter einer Heuchlermaske, der Maske des Arbeitswilligen- schutzes! Die alte Leier: Erst durch Ungesetzlichkeit und Brutalität die Völker zu Schritten der Verzweiflung treiben, um sich hinterher als die Staatsretter aufzuspielen und im Trüben zu fischen. Wo blieb der Herr Reichskanzler? Der Kommandeur der 30. Division in Straßburg hat also kein« Berufung gegen das freisprechende Urteil des Kriegsgerichts ein- gelegt, obwohl sogar große Pessimisten es für selbstverständlich hielten, daß ein Prozeß, in dem für die Allgemeinheit so überaus wichtige Fragen zur Entscheidung gelangten, auch noch vor das Reichsmilitärgericht gebracht würde. Warum hat der Reichs- kanzler nicht dafür gesorgt, daß eS geschah? Während die Militärgerichtshöfe unabhängig sind urtd keine Befehle erhalten dürfen, können die Gerichtsherren von höherer Seite Weifungen bekommen, z. B. darüber, daß sie Be- rufung zu ergreifen haben. Die Institution der Gerichtsherren wird ja damit begründet, daß man durch sie im Interesse der militärischen Disziplin auf die Militärgerichtspflege einen Einfluß ausüben wolle. Warum ist also der Reichskanzler beim obersten Kriegsherrn der preußischen Armee, dem Kaiser, nicht vor st ellig geworden, um die nötigen Weisungen für den Kommandeur der 30. Division zu erwirken? Oder hat er einen solchen Versuch doch unternommen und ist e r d a b e i abgeblitzt? Oder ist er selbst so von der Krankheit deS Militarismus befallen, daß er die sonderbare militärische Rechtsprechung in Straßburg für tadellos hält? Es hätten noch verschiedene Fragen sehr der Aufklärung be- dürft, z. B., o-b der Oberst v. Reuter die jetzt so berühmt gewordene Order von 1820 schon vor seiner Wsetzung der Polizeibehörde in Zabern kannte? Das hätte die höhere Instanz sehr leicht erforschen können, wenn sie den Adjutanten des Oberst, die Stäbsoffiziere des 99. Regiments und die Beamten, die an der Spitze der Zaberner Polizei stehen, darüber vernommen hätte, ob der Oberst die Kabi- nettsorder ihnen gegenüber erwähnte? Hat er sie gekannt, so hat er auch sicher den Offizieren, die ihm am nächsten standen, gesagt, daß er von der Kabinettsorder Gebrauch machen werde, wenn die Dinge nicht anders würden. Und bei seiner an die Ztvilbehörd« gerichteten Androhung des Belagerungszustandes hätte er sich zweifellos auf die Order berufen. Die höhere Instanz hätte sich auch damit beschäftigen sollen, daß das Kriegsgericht die Garnisonsdienstvor- schrift bei der Verhandlung gegen den Oberst v. Reuter außer Betracht ließ. Aber diese Notwendigkeiten bleiben unerfüllt, weil der Kommandeur der 30. Division keine Berufung ergriff— und Herr v. Bethmann Hollwog wahrscheinlich wieder einmal den Wagen einfach laufen ließ. Reichsgesetzliche Regelung des militärischen Waffen- gebrauchs. DaS„Berliner Tageblatt" teilt mit, daß von fortschrittlicher Seite ein Initiativantrag ausgearbeiter worden ist, durch den ein Gesetzentwurf über den Waffengebrauch des Militärs und seine Polizeibefugnisse angestrebt wird. Durch die Uebernahme des Artikels 36 der preußischen Verfassung und des preußischen Gesetzes über den militärischen Waffengebrauch vom Jahre 1837 soll die Frage eine reichsgesetzliche Regelung erfahren. Sowohl von national- liberaler wie von Zentrumsseite sei die Bereitwilligkeit ausgesprochen worden, den Antrag als gemeinsamen Initiativantrag der drei Mittelparteien einzubringen._ Der„verfluchte" Wehrbeitrag. Die sächsische Zweite Kammer verhandelte über den nationalliberalen Antrag Gleisberg auf Verlängerung der zur Abgabe der Vermögens- erklärung für den Wehrbeitrag festgesetzten Frist bis Ende Februar. Finanzminister von Seydewitz erklärte, die Regierung habe den Beitragspflichtigen von vornberein das größte Entgegenkommen be- wiesen und die Frist, die in Preußen nachträglich bis zum 31. Januar verlängert worden sei, für Sachsen sogleich auf diesen Tag festgesetzt. Die Regierung sei daher außerstande, den Antrag auf allgemeine Fristverlängerung bis Ende Februar im Bundesrat zu vertreten. Trotzdem nahm die Zweite Kammer nach längerer Debatte den An- trag an, die Regierung möge im Bundesrat dafür eintreten, daß die Frist zur Abgabe der Vermögenserklärung zum Wehrbeitrag bis Ende Februar verlängert wird. Je näher der Zahlungstermin heranrückt, desto schwüler wird es den Wohlhabenden. Die große Vaterlandsliebe, mit der im vorigen Jahre bei der Beratung der Heeresvorlage die Patrioten prunkten, hat sich völlig abgekühlt. Die Polizei im deutschen Rom. Die„Köln. Zeitung" äußerst sich ausführlich über den Kölner Polizeiprozeß und obgleich sie die Trinkgelderpraxis der Herren Ober- und Unterpolizisten teilweise mit der Eigenart und Gemütlichkeit der Bewohner des deutschen Roms entschuldigt, kommt sie doch zur Forderung einer gründlichen Säuberung der Kölner Wohllöblichen: „WaS hat die Beweisaufnahme im Prozeß ergeben? Ganz unzweideutig, daß es unter den Kölner Polizeibeamten üblich ist, Geldgeschenke oder Belohnungen— wie man es nennen mag, halten wir jetzt für sehr unwesentlich— anzunehmen. Zuerst bei der Kriminalpolizei. Es ist nach den Aussagen der Zeugen bei der Kriminalpolizei nichts Außergewöhnliches, sondern man darf sagen, geradezu üblich gewesen, bei dcr Ermittelung von Verbrechen— vor allem wird es sich um Diebstähle handeln— Geschenke oder Belohnungen anzunehmen. Noch in der gestrigen Sitzung, am sechsten Verhandslungstage, erklärte ein Zeuge auf die Frage deS Vorsitzenden:»Wie ist es nun, wenn jemand lein Geld hat?", mit dürren Worten:»Dann kann man eben den Fall nicht aufklären."... Die»Rheinische Zeitung" hat mit ihrer Ansicht recht, daß eine Verschiedenartigkeit in der Behandlung des Publikums sich ent- wickeln muß, wenn die Kriminalbeamten sich Bargeld zahlen lassen, sei es zur Deckung ihrer Auslagen oder wie es auch genannt werden möge. Es muß Sache der Verwaltung sein, ihre Be- amten mit solchen Mitteln auszustatten, daß sie alle Auslagen, die erforderlich sind, leisten können. Der Herr Polizeipräsident betonte auf die Frage des Redakteurs mit großem Nachdruck, daß für politische Zwecke reiche Mittel zur Verfügung ständen, und wenn die vorhandene Summe nicht reiche, würde eine Ergänzung in Berlin beantragt und Anstandslos gezahlt. Die Bürgerschaft muß verlangen, daß die Polizei mit Mitteln nicht nur ausgestattet wird für ihre Täligkeil in politisiben Angelegenheiten, sondern es ist eine ganz selbstverständliche Pflicht des Staates, daß er obne Unterschied der Person seine Bürger schützt und ihre Interessen gegenüber denen verlritt, die das Gesetz verletzen." Tie badische Regierung und der Groffblock. In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer des Landtags erklärte Staatsminisier Frhr. v. Dusch, daß er hinter die Behauptung des sozialdemokratischen Redners Dr. Frank-Mannheim, daß alle großen Gesetze Früchte des Großblocks seien, ein Fragezeichen setzen müsse. Die Regierung, s o erklärte der Staats- minister weiter, werde mit allen Parteien ar- Veiten und müsse es ablehnen, die Arbeit mit dem Großblock allein gegen das Zentrum zu machen. Finanzminister Dr. Rheinboldt erklärte bezüglich der Verlänge- rung der Frist zur Abgabe der Vermögenserklärung zum Wehr- beitrag, daß als Endtermin der 31. Januar bestehen bleibe. Von neuen Militärvorlilge» sei ihm nichts bekannt und hierzu liege auch kein Anlaß vor. Keine Verletzung des Telegraphengehcimnisses in Ltraflburg. Die.Post" teilt mit, daß die Untersuchung über die angebliche Verletzung des Telegraphengeheimnisies bei dem Telegraphenamt Slraßburg(Bekanntgabe der an Herrn v. Jagow und Herrn von Oldenburg gesandten Telegramme des GerichlSvorsitzenden) ergeben habe, daß keine Pflichtverletzung der Telegraphenbeamten in Straß- bürg vorliege. Der Berichterstatter eines auswärtigen Blattes habe sich die Kenntnis von den Telegrammen und ihrem Inhalte selbst verschafft, und zwar bei der durch den Offizierburschen bewirkten Auflieferung. Der Offizierbursche hatte die Telegramme nämlich am Schalter ausgebreitet, bevor sie ihm der Beamte abnahm, so daß die Umstehenden den Inhalt lesen konnten. Eine Notstandsaktion. Unter dem gewaltigen Eindruck der Arbeitslosendemonstration vom Mittwoch stellte das Gemeindekollegium in München am Donnerstag auf Antrag der sozialdemokratischen RathauSfrakiion mit allen gegen zwei Stimmen zunächst die Summe von 60 000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung.' Ebenfalls an- genommen wurde auch ei» liberaler Antrag, daß aus dieser Summe 10 000 M. zur Unter st ützung notleidender Hand- w e r k e r und Kleingewerbetreibender bereitgestellt werden. Voraussichtlich werden die ersten Unterstützungssätze bereits in der kommenden Woche ausbezahlt. Mit dieser Mittelbewilligung allein ist es noch nicht getan. Man wird sich endlich notgedrungen dazu verstehen müssen, die Vor» arbeiten zur Schaffung einer Arbeitslosenversicherung unverzüglich in Angriff zu nehmen. Die Stadtverordneten von Mainz bewilligten 10 000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen.�_ Eine Landtvirtschaftskammcr für Lohnerhöhungen. Der letzijährige Bericht derHannoverslben LandwirlschaftS- kammer enthält einen bemerkenswerten Paffus über die Notwendig- kcit einer Lohnerhöhung für die auSländisckien landwirtschaftlichen Arbeiter. In dem Kapitel über die Beschaffung der ausländischen Arbeiter an der russischen Grenze heißt es nämlich u. a.: »Die Erledigung der kleinen Aufträge wird von Jahr zu Jahr schwieriger, da sich die Arbeiter weigern, zu ein, zwei oder drei Personen einen Vertrag anzunehmen; sie ziehen Vertröge zu mehr Personen vor. Es stellt sich immer mehr die Notwendigkeit her- auS, bei diesen Verträgen einen besonderen Anreiz zur Annahme zu schaffen, der eventuell in einer Lohn- erhöhung be st eben müßte. Dieses wird um so drin« g e n d e r, als die Organisation der Vermittelung in Galizien mehr und mehr durchgeführt ist.. Vorsichtiger konnte die Landwirtschaftskammer sich nicht auS- drücken, um die in dieser Frage cmpfindlicvcn Agrarier nicht zu kränke». Wie elend aber müssen die Lohnverhältnisse der Land- arbeiler in Wirklichkeit sein, wenn selbst die Landwirtschaftskammer eine Lohnerhöhung für notwendig hält, um überhaupt Arbeiter zu bekommen! Krisengerüchte. In parlamentarischen Kreisen verdichteten sich die schon seit Tagen umlaufenden Gerüchte über eine Kanzlerkrise zu der Behauptung, Herr v. Bethmann Holl weg habe bereits sein Entlassung«- gesuch eingereicht. Zugleich würden auch der Staatssekretär deS Auswärtigen v. Jagow und der Unterstaatssekretär Dr. Zimmermann zurücktreten. Als künftiger Reichskanzler wurde Herr v. Tirpitz genannt. Herr v. Bethmann solle Statthalter in Elsaß-Lothringcn werden, an Stelle des Grafen Wedel, dcr in Berlin eingetroffen ist und vom Kaiser empfangen wurde. Alle diese Gerüchte erklärt jedoch das Wolffsche Bureau nach Erkundigung bei den zuständigen Stellen als müßige Er» f i n d u n g._ Berichtigung. Zum Fall Eulert erhalten wir vom Landeshauptmann der Provinz Pommern, Herrn von Eisenbart-Rothe, folgende Zuschrift: „Die Redaktion des„Vorwärts" ersuche ich aus Grund des Z 11 des PretzgesetzeS in der nach Eingang dieses Schreibens erscheinen- den nächsten Nummer folgende Berichtigung zu bringen: „In der Ausgabe des„Vorwärts" vom 7. Januar 1914(Nr. 8 des 31. Jahrganges) ist in dem Artikel:„Eine behördliche Maßregelung wegen der politischen Üeberzeugung" behauptet worden: 1. daß dem bei der Pommerschen Provinzial-Lebensversiche- rungsanstalt als Hilfsarbeiter beschäftigt gewesenen Referen- dar a. D. Dr. Eulert von dem Landeshauptmann von Eisenhart- Rothe zugemutet sei „er solle sich als Opfer sozialdemokratischer Ucberrcdungs- künste hinstellen und, um seine Stellung zu retten, als be- kehrter Sünder gegen die Sozialdemokratie kämpfen", 2. daß Herrn Dr. Eulert»eine Bedenkzeit von 43 Stunden bewilligt sei." Diese Behauptungen sind unrichtig. Der Sachverhalt ist viel- mehr nach der protokollarisch festgelegten Aussage des Dr. Eulert folgender: 1. Dr. Eulert gab, nachdem seine Zugehörigkeit zur sozial- demokratischen Partei gerüchtweise bekannt gewoüen ivar, bei seiner Vernehmung durch den Landeshauptmann von Eisen- art-Rothe der Wahrheit zuwider an. daß er zwar früher er sozialdemokratischen Partei angehört habe, daß er aber bereits vor seinem Eintritt in den Provinzialdienst freiwillig au» innerer llcberzeugung aus der Partei ausgeschieden sei. Nr. 16. 31. Jahrgang. 1. MIM des Jormortö" Wlmet Wlksbllltt. Zoanabend, 17. Januar 1914. Gewerkschaftliches. Freiheit öem Koalitionsrecht. Entweoer hinein in die Organisation oder hinaus aus der Arbeit!— Gewiß, es kommt oft vor, daß an Unorganisierte solches Ansinnen gestellt wird und sie tatsächlich die Arbeits stelle verlassen müssen, wenn sie der Aufforderung nicht Folge leisten. Nach diesem Eingeständnis wird man der Forderung auf besseren Schutz gegen Koalitionszwang nicht widersprechen können. Ohne Zweifel: ein Schutz gegen Koalitionszwang ist dringend nötig! Aber kein sogen. Arbeitswilligcnschutz. Mit diesem ist nämlich der Koalitionszwang innig ver knüpft, zugunsten der gewerbsmäßigen Streikbrecher übt ihn das Unternehmertum inimer rücksichtsloser aus. In vielen Betrieben ist heute die Vorbedin gung für die Erlangung einer Arbeitsstelle der Eintritt in die gelbe Organisation. Wer sich nicht gelb organisieren will, kommt. in den Betrieb nicht hinein, oder wenn erdrinnen ist, fliegt er nach kurzer Zeit wieder hinaus, falls er dem Drängen der Meister und gelben Seelenfänger, dem Werk derein beizutreten, Widerstand leistet. Der Koalitionszwang zur Bevölkerung der Streikbrechervereine artet zu einer schweren Plage für die Arbeiter aus: man beraubt sie der Beitragsgroschen und des Staatsbürgerrechts, von der Koa litionsfreiheit den sclbstgewählten Gebrauch zu machen. Manche Unternehmer— auch der Staat als Unternehmer— bringen ihre Mißachtung des Koalitionsrechts auch dadurch zum Ausdruck, daß sie den Arbeitern die Zugehörigkeit zu be stimmten Organisationen vorschreiben und mit Brotlosmachung bestrafen. Wie der Koalitionszwang zugunsten der Hintzebrüdev Vereine funktioniert, dafür könnte map unzählige Beispiele anführen. Wir begnügen uns damit, eins aus den letzten Tagen mitzuteilen. Der„Freien Presse" in Elberfeld schreibt ein Bauarbeiter: „Ich war seit einem Jahre in dem Werke der Firma Jäger u. Co. in der Varresbeck als Fabrik maurer beschäftigt. Äni Sonnabend, den 3. Januar, vormittags, fragte mich� der Meister Schlotzherr, ob ich nicht in den(gelben) Werk« verein eintreten wolle. Als ich das verneinte, er» klärte mir der„Herr", dann müßte ich aufhören. Höchst„human" gestattete man mir noch„Bedenkzeit" bis zum Montag. Als ich auch da noch nicht zu Kreuze gekrochen war, erhielt ich meine Entlassung. Mit mir traf noch zwei Maurer dasselbe Los." Solche Fälle ereignen sich tagtäglich in großer Zahl. Die Ausübung des Koalitionszwanges betrachten die Unternehmer als ihr selbstverständliches Recht. Sie werden darin ja auch von keinem Ordnungshüter gehindert. Aber Entrüstungs- geschrei erfüllt die Luft, wenn Arbeiter einmal erklären, mit einem ausgekochten Solidaritätsbrecher nicht zusammen arbeiten zu wollen. Dann ruft man nach Polizei, Staatsanwalt und Ausnahmegesetzen zum Schutze gegen Koalitionszwang. Was sollte nun wohl noch folgen, wenn die Arbeiter ähnlich so gegen Unternehmer vorgehen wollten, wie diese ganz offen gegen Arbeiter, wenn diese beispielsweise den Unternehmern das Ultimatum stellten: entweder du schließt dich der sozial- demokratischen Partei an, oder du bekommst keine Arbeiter! Das wäre ungefähr dasselbe, was die Unternehmer mit ihrem Zwange zugunsten der Werkver- eine betreiben. Man braucht nur solche Fragen aufzuwerfen, um zu erkennen, daß bezüglich des Koalitionsrechts ein unhalt- barer, die Unternehmer begünstigender Ausnahmezustand besteht. Er muß verschwinden! Er kann nur verschwinden, wenn den Arbeitern endlich das volle, uneingeschränkte, durch keine Ausnahmebestimmung belastete Koalitionsrecht verliehen wird. Freiheit dem Koalitionsrecht I Diese Forderung erhebt die Arbeiterschaft mit allem Nachdruck. Fort mit den Koali tionsrechtsgesetzen, die den Arbeiter knebeln, und den Koali tionsrechtsprivilegien, die das Unternehmertum begünstigen. Unsere Forderung lautet: Gleiches Koalitions- recht, gleiche Koalitionsfreiheit! Serlin unö Umgegenö. Die Freie Vereinigun» der Kinoangestellten und Berufs genossen Deutschlands ersucht uns um die Mitteilung, daß sie mit der Freien Vereinig u'n'g der Kinooperateure in keiner Weift identisch ist und daß sie sich speziell in der Freigabe des Heiligenabends mit dem Metallarbeiterverbande solidarisch er- klärt habe. Aus dem Fleischergcwerbe. Der Wirt August Schinreick, „Hackepeter", Frankfurter Allee 25, hat den Tarif vom Zentralver- band der Fleischer anerkannt. Die Tarifkomm is s'i'o n. deutsches Reich. Die städtischen Arbeiter der Stadt Mainz waren schon wieder- holt vergebens um Verkürzung ihrer zehnstündigen Arbeitszeit ein- gekommen. Auf Antrag ihrer Organisation hat sich jetzt die sozial- politische Deputation mit der Angelegenheit beschäftigt. Die Ge. Werbeinspektion sowie die meisten Abteilungsvorsteher der städti- schen Arbeiter sprachen sich in ihrem Gutachten für eine Herab- Minderung der Arbeitszeit aus. Die sozialpolitische Deputation trat nach längerer Debatte für eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 9%«stunden täglich ein.__ Das Gewerkschaftshaus in Halle. Umfangreickie Bauprojekle, die ein erfreuliches Zeichen für dos stete Fortschreiten der Arbeiterbewegung sind, beschäfiigen gegen- wärtig unsere Halleschen Genossen. Der„Voltspark", das in der Burgstraße belegene Heim der organisierten Arbeiterschaft, reichte, trotzdem er das größte Saal« und Gartenetablissement der Saale- stadl ist. bei weitem nicht zu, um sänitlichen Gewerkschaften als Ver- sammlungs- und Erholungsstätte zu dienen. Durch umfangreiche Um- und Anbauten wurden die dringend benötigten Nebenräume sowie ein neuer, etwa 300 Personen fassender kleiner Saal geschaffen, der den von einem„liberalen" Magistrat aus den städtischen Turnhallen hinausgejagten Arbeiterturnern gleichzeitig als Turnhalle dienen soll. Der große Saal hat etwa 2000 Sitzplätze, während die beiden Vorder- und Hintergärten bequem 3000 Perspnen Raum bieten. Ein ebenso großes Projekt ist in diesen Tagen in Angriff ge- nommen worden: der Bau eines Gewerkschaftshauses mit Zentralherberge. Das bisher sehr im argen liegende Herbergswesen machte es notwendig, daß der jahrelang gefaßte Plan der Schaffung einer der Neuzeit entsprechenden Unterkunftsstätte für die reisenden Gewerkschaftsgenosseu in beschleunigter Weise zur Aus- fübrung gelangt. Auf dem mitten in der Stadt, Am Harz 42/44, belegenen großen Grundstückskomplex, auf dem sich bereits die Druckerei und der Verlag des„Voltsblatts" sowie einige Gewerk- schaftSbureaus befinden, wird mit einem Kostenaufwande von rund 200 000 M. das vier Geschosse zählende Gebäude errichtet. Das Baugelände befand sich bereits im Besitz der Genossenschaft und ist in der Bausumme nicht inbegriffen. Neben der Herberge werden auch die zahlreichen, jetzt in allen Teilen der Stadt verstreuten GewerkschaftSbureaus im Gewerkschaftshaus untergebracht. Das fertige Gebäude wird von der bauausführenden Genossenschast dem GewerkichastSkartell unter außerordentlich günstigen Bedingungen verpachtet, das den gesamten Restaurations- und Herbergsbetrieb in eigener Regie führen wird. Die Arbeiten sollen so gefördert werden, daß das neue GcwerkschastShauS bereits zum Herbst in Betrieb ge- nommen werden kann. Die sozialdemokratische Presse als Vertreterin gewerkschaftlicher Interessen. In einer der„Fränk. Tagespost" in Nürnberg zugedacht ge- wesenen Beleidigungsklage fällten die Ansbacher Gerichte eine interessante Entscheidung. Bei den Ortskrankenkassemvahlen in Ansbach hatten sich einige Hirsch-Dunckersche auf der amtlichen Liste aufstellen und von den Unternehmern und dem Versicherungsamt öffentlich empfehlen lassen. Dafür wurden sie in der„Fränkischen Tagespost" als„Arbeiter, die schon mit einem freundlichen Blick der Unternehmer und Behörden zufrieden sind", als.rückgratlos", „lammfromm" und als„im Schlepptau der Unternehmer und Be- Hörden hängend" bezeichnet. Diese Bemerkungen veranlassten den Führer der Hirsche, Lagerhalter Schmidt, zur Klage, die aber sowobl vom Amtsgericht als auch vom Landgericht zurückgewiesen wurde. In den Gründen heißt es: „In der Zusendung des Artikels konnte der Redakteur mit Recht einen Auftrag, die Wahlintereffen der Ansbacher Gewerk- schasten öffentlich zu vertreten, erblicken. Diesem Auftrag durste er im Hinblick auf seinen Beruf und die Richtung seines Blattes entsprechen. Ohne daß auf die politisch umstrittene Frage, welche Beziehungen zwischen der politischen Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung bestehen, näher einzugehen, ist eS eine unleugbare und dem Gericht feststehende Tatsache, daß die Wirt- schaftlichen Interessen, die sich in der Gewerkschaftsbewegung ver- körpern, von der sozialdemokratischen Partei und insbesondere von der sozialdemokratischen Presse publizistisch vertreten werden. Geht man davon aus, daß der Angeklagte bestrebt war, durch die Veröffentlichung des Artikels dem auch für ihn als berechtigt an- zuerkennenden Interesse an einem Wahlsieg der gewerkschaftlichen Liste zu dienen, so kann der Inhalt des Artikels nicht als straf- bare Beleidigung beurteilt werden, auch wenn die beanstandete!! Ausdrücke objektiv beleidigend sind. Das Eintveten für die Interessen einer Partei im Wahlkampf bringt eS mit sich, daß auch die persönlichen Eigenschaften und Lebensverhältnisse des Gegners unter dem Gesichtspunkt seiner Eignung zu den an den Erwählten zu stellenden Anforderungen erörtert werden... ES läßt sich dem Angeklagten incht widerlegen, daß er mit dem Hinweis auf die Abhängigkeit!�s Kläger? und seiner Ge- slnnungsgenosscn lediglich und ausschließlich den Zweck verfolgte, der gewerkschaftlichen List« Wähler zuzuführen und solche von der gegnerischen Liste fernzuhalten. Der Angeklagte hat dahrr iu Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Die Klage ist unbc- gründet und war zurückzuweisen Separatistische Schlauheit. Adamek, der frühere Angestellte des BergarsseiterverbandeS der wegen Beteiligung und Propagierung der neuen separatistischen Organisation vom Vorstand genannten Verbandes seines AmteS entietzl wurde, spielt die erste Geige im sogenannten Zentral-Polen- verband. Doch scheint er dort schon ein Haar in der Suppe ge- sunden zu habe», oder er versucht gegen den Bergarbeiterverbänd einen besonderen Trick. Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter erhielt nämlich von Herrn Rechtsanwalt Dr. Seyda in Kattowitz, dem Vertreter Adameks, einen Brief, worin mitgeteilt wird, daß Herr Adamek bereit ist, sein Amt bei den Separatisten niederzulegen. Der Brief ist datiert vom 12. Januar 1914; der in Betracht kommende Passus lautet wörtlich: „Das ihm übertragene Ehrenamt in dem neuen Verbände ist er bereit, falls Sie das wünschen, niederzulegen. Demzufolge hält Herr Adamek seine Ansprüche auf Zahlung von Gehalt für die Zeit vom 1. Januar bis zum 81. März 1914 aufrecht und bitte ich um Erklärung binnen drei Tagen, ob die Ansprüche anerkannt werden." Der Verband der Bergarbeiter will aber dem Zentral-Polen- verband sein geistiges Oberhaupt nicht entreißen; er gönnt ihm Herrn Adamek, der ein solcher Jdealmensch ist, daß er auf Wunsch sein Amt niederlegen will, wenn er für drei Monate Gehalt be- kommt. Was will Adamek mit seiner Forderung bezwecken? kleines Feuilleton. Ein Fall Zaber» vor ISO Jahren. Ganz ungewöhnliche lieber- «instimmung in vielen Einzelheiten mit der„Jaberner Affäre" zeigt ein Konflikt zwischen Militär und Zivil, der vor rund 150 Jahren in Königsberg spielte. Garnison und Bürgerschaft hatten im allgemeinen in Frieden gelebt, bis um 1769 Oberftlevt- nant V. 31a felis Regimentskommandeur wurde. Er war mit dem von de» Bäckern gelieferten Soldatenbrot unzufrieden und drohte an, er würde die Schuldigen in Arrest bringen. Der Magi- strat verbat sich das mit den Worten:„Wir müssen die Arretierung der Bürger durch die Wache, noch mehr aber das Stecken unter die Peitsche hierdurch ganz ergcbenst verbitten..." Es kam auch über andere Dinge zu Häkeleien. 1772 griff auch der Kom- mandierende, General v. Möllendorf, ein und ließ wegen irgend einer Angelegenheit einen Bürger verhaften. Nun drohte der Magistrat, sich an den König zu wenden, aber Möllendorf bedeutete ihm, löbl. Magistrat solle es nur tun.„In Zivilsachen würde er nicht eingreifen, wenn er aber sähe, daß in Polizeisachen etwas njcht in Ordnung wäre, so würde er handeln, wie er es für nötig erachte." Der Magistrat gab nach, aber nun kamen ernstere Dinge. Natalis hatte in einer Streitsache Rechtsberren zu sich befohlen, und als sie nicht sogleich kamen, gedroht, sie mit der Wache holen zu lassen und sie grob angefahren. Die Stimmung war also erregt, und jetzt ließ der Oberst, das war er mittlerweile geworden, mehrere Bäcker verhaften, teilte dies dem Oberbürgermeister mit und ließ ihn ausfordern, zu ihm zu kommen. Ter weigerte sich; als aber die Verhaftungen sortgesetzt wurden und die Bürgerschaft zusammenlief, ging er doch zu Natalis und forderte die Frei- lassung, die aber brüsk verweigert wurde. Im Gegenteil, es wurde schlimmer. Nicht bloß Bäcker, sondern auch Leute, die bei ihnen wohnten, wurden verhastet und auf die Wache gebracht, wo man ihnen jedoch„nicht übel begegnete". Die Soldaten drangen in die Häuser ein und forderten Einlaß im Namen des Obersten. Als einer der Bürger namens Mischle, kein Bäcker, antwortete:„Der Herr Oberst hat mir nichts zu befehlen, ich bäbe dem König und dem Magistrat geschworen," drohten sie die Tür mit den Kolben einzuschlagen, und er mutzte öffnen und wurde verhastet. Es ging weiter. Dem Magistrat wurde gemeldet, daß der Oberst den Ratsdiener habe arretieren lassen und den Oberbürger- meister zu sich riefe. Der erklärte, er habe momentan keine Zeit. Es gab noch viel Hin und Her, der Oberst beschwerte sich bei der Regierung über den Magistrat, verlangte„gehörige Satisfaktion" und schickte den Ratsdiener, der eingesperrt worden war, weil er sich den Befehlen des Obersten nicht hatte fügen wollen, nach Küstrin zur Bestrafung. Der Magistrat aber beklagte sich beim König über „die Zudringlichkeiten des Obersten v. Natalis", und der Monarch versprach eine gründliche Untersuchung aller Streitfälle. Möllen- twrs und ein Kammerrat aus Küstrin nahmen die Untersuchung vor. Und wie lautete die königliche Entscheidung?„Man hat wahrgenommen, daß Ihr 1. die. von dem Kommandeur gesuchte, mündliche Konferentzien in Dienstsachen öfters ohne Roth diffi- «ultiert, 2. verschiedene Unordnungen im Polizei-Wesen dortigen Orts einschleichen lassen", was des weiteren ausgeführt und be- gründet wurde. Die Kosten der Untersuchung wurden d e r S t a d t auferlegt.„Warum die Kämmerey die Kosten bezahlen soll," be- merkt hierzu in den Akten wehmütig der Oberbürgermeister,„kann ich nicht begreifen; des Obersten Schuld ist erwiesen und dennoch soll statt der dem Magistrat gebührenden Satisfaktion die Kam- mcrey die Kosten bezahlen."— Aber es blieb dabei. Bemalte Körper. Aus der Welt der Modenarrheiten wird berichtet: Die russische Malerin Natalie Gurtschakoff hat eine aus sehenerregende Modeneuheit inS Leben gerufen. Damen aus den vornehmsten Petersburger Gesellschaftskreisen lassen sich neuer- dings von Künstlerhand völlig ausgeführte, kleine Bilder auf die zarte russisch-bleiche Haut zaubern..Wie in vergangenen Tagen die koketten Schönheitsflecke das Gesicht des Rokkokodämchcns, so zieren heute Elefanten, Bäume und allerlei geometrische Figuren den schimmernden Nacken und das marmorblasse Antlitz der Peters- burger Modedame. Ob die neue Mode auch die übrigen Teile des Körpers erreichen wird— was eine Rückkehr zu indianischen Ge- bräuchen darstellen würde— bleibt abzuwarten. Und ob die Ge- mälde auf dem Frauenantlitz auch gegen Küsse widerstandsfähig sind oder nicht, diese für die Männerwelt so wichtige Frage ist erst durch die künftige Praxis zu entscheiden. In der Welt, in der man sich langweilt, ist die neueste Mode sicher ein angenehmer Sport mehr, die Zeit totzuschlagen. Leibesübungen auch im Winter. Wenn die schönen Sommer- tage Sportfreudige zu fleißigen Leibesübungen treiben, so ruhen diese gesunden körperlichen Uebungen im Winter fast ganz. Und doch haben selbst Zimmernbungen bei offenem Fenster einen außer« ordentlichen gesundheitlichen Wert, besonders auf die im Winter so sehr gefährdeten Lungen. Professor Dr. Schmidt in Bonn stellte bei den Teilnehmern der dortigen Turnkurie(Lehrer und Studierende im Alter von 20 bis 30 Jahren) eine Reihe von Jahren hindurch die Fassungskraft der Lungen mit den: Spirometer(einem dazu bestimmten Meßapparai) fest. Sie betrug im Mittel 3388 Kubikzentimeter. Nach den halb- jährigen Kurien stieg sie auf 3803 Kubikzentimeter. In Stuttgart betrugen die betreffenden Zahlen 3833 und 4290. In diesen Ziffern spricht sich vor allem die infolge des Turnens erhöhte Fähigkeit des Brustkorbes aus, tiefste Ein- und Ausatmungsbewegungen zu machen. Solche Hebungen müssen aber bei offenem Fenster, am besten morgens vorgenommen werden. Theater. Deutsches Theater: König Lear von Shake- f p e a r e. Die Eindrücke waren ähnlich wie bei der Erstaufführung vor fünf Jahren. Die Empfindung komint über eine vage Be- wunderung für die aus dem wildzert'lüsteten Werke hervor- leuchtenden Genialitäten nicht eigentlich zu einem intimen 51on- takte mit dem Ganzen. Daß Cordelia, die ihre Liebe zu dem Vater vor versammeltem Hofe nicht mit rhetorischem Phrasenschwall beteuern mag, durch ihre edelwürdige Zurückhaltung Lears Wut entfacht, ihn zu dem niederen Racheakte fortreißt, die einzig Treue fluchend zu enterben, erscheint so unbegreiflich und setzt Lear selbst in einem Matz herab, daß eine restlose Anteilnahme an seinen späteren Leiden sehr erschwert wird. Die Darstellung läßt die hemmenden Momente sowohl in der Exposition wie in der Zerstreutheit der Handlung und dem Gräß- lichen inancher Einzelheiten(Glosters Blendung).notwendig nur noch stärker hervortreten. Das genialisch Größte des Dramas aber: das gespenstige Bild des verstoßenen wahnsinnigen Lear, der in der Nacht mit einem Scheinwahnsinnigen und seinem Hof- narren auf sturmgepeitschter Heide irrt, das tiefsinnige Durch- einanderschillern von Einbildung und Wirklichkeit in der Szene, wo der geblendete Gloster durch einen Sprung in die Tiefe der Lebensqual zu entrinnen sucht— büßt in der sinnlichen Vergegen- wärtigung durch die Bühne vieles ein. Orkan und Donner pflegen die Worte teils zu übertönen und das lallende, die Zickzacksprünge des Wahnsinns nachbildende Geflüster fällt, zu breiter Dauer ausgesponnen, quälend auf die 3terven. Auch bietet, so malerisch phantasievoll die Szenerie abgestimmt sein mag, sie für den freien Phantasieflug, mit dem der Leser der Vision folgt, nur mäßigen Ersatz. Die Tradition, so wenig wie möglich zu streichen, hatte die Spielzeit auf das die künstlerische Empfänglichkeit des Durch- schnittszuschauers weit übersteigende Matz von annähernd fünf Stunden ausgedehnt. Bassermann, der in der Titelrolle an Schildkrauts Stelle Setreten ist, betonte die Züge der Weichheit und Hilflosigkeit. Ter !ähzorn des Greises war nicht so sehr ein gewaltige Furcht er- regender Affekt wie eine flatternde Erregung innerer Seelen- qual. Es lag ein guter, kluger Geist darin. Die Milderung des Hochmuts und der Härte sollten die Gestalt dem Mitleid näherbringen. Er fand in einzelnen Momenten ergreifend wahre Töne namenlosen Leides. Aber die Schranken, die diesem Meister modern naturalistischer Charakterrollen durch sein Organ im klassischen Versdrama gesetzt sind, vermochte er auch diesmal nur teilweise zu überwinden. Man mutzte sich bemühen, der Feinheit der Inten- tion oft nur mit dem Verstände nachzuspüren. M o is s i, der in der Erstaufführung vor fünf Jahren noch stark outrierte, ist in- zwischen in der Figur des Narren, eine der seltsamsten und schwierigsten der Shakespeare-Dramen, völlig hineingewachsen. So wie er ihn jetzt darstellt, mit schwerfällig humpelndem Gange, wehmütig blassem Antlitz unter angegrautem Blondhaar, sieht niau ein lebendig überzeugendes Wesen, das einen an das Herz greif!. W i n t e r st e i n war ein prächtiger Kent, vor allem glänzend in seinem grimmigen Humor. D a n e g g e r ein eindrucksvoll manu- hafter Edmund. Camilla E i b e n s ch ü tz, als Cordelia anfangs etwas kühl, wußte im letzten Akt beim Wiedersehen des Vaters durch liebreizenden Ausdruck des innigen Gefühls zu entzücken. Von den anderen seien die Damen Konstantin und Feldhammer (die beiden bösen Töchter Lears), Josef Klein(als Gloster), Karl Ebert und Werner Krauh noch namentlich genannt. Die Czeschka und Sternschcn Dekorationen boten einfache und großzügige Hintergründe._ dt. Notizen. — Musikchronik. Zwei Volkskonzerte will der Chor des königlichen Opernhauses im Februar und März vetanstalten und zwar im Kriegervereinshause und in der Garnisonkirche, womit durch die Blume angedeutet wird, auf welche Volksschicht bei diesen Konzerten gereckmet wird. — Der Bildgedanke. Der Maler Friedrich Kall- morgen schreibt über die Ziele der neuen Kunst:„Wir sind auf dem Wege, das Abmalen der?!atur nicht mehr als Endzweck der Malerei anzusehen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten das Naturstudium sehr eindringlich betrieben und viel hinzugelernt. Die Studie erlangte eine übertriebene Bedeutung und galt als Bild. Das Studium der Statur aber ist nicht Endzweck, sondern Mittel zum Zweck. Diese Anschauung, die auf eine Verinner- lichung der Kunst ausgeht, die den Bitdgedanken, der Komposition wieder ihre Bedeutung geben will, bricht sich Bahn, und darin liegt die Zukunft der deutschen Kunst." Gossen dem polnischen verkande drei Monate Gehalt erspart werden? Mitgliederrückgang im Verbände katholischer Arbeiter- vereine. Der.Arbeiter', Organ der katholischen Arbeitervereine(Sitz Berlin) teilt in seiner Nummer 3 vom 13. Januar mit, daß sei» Nebenbuhler, der München-Gladbacher Verband, der Schützling der .christlichen' Gelverlvereine, von 204 149 Mitgliedern am Schlüsse des Jahres 1912 auf 202 000 im Jahre 1913 sank. Ist der Mil- gliederrückgang nur auf die wirtschaftliche Krise zurückzuführen oder tut die Enzyklika im Verborgenen ihre Schuldigkeit? Langsam aber sicher schwindet die München-Gladbacher Richtung. ftuslotiü. Tie norwegischen Gewerkschaften ilSIZ. Die norwegischen Gewerkschaften haben im Jahre 1913 aus- gezeichnete Fortichritte gemacht. Nach einem Bericht des Vorsitzenden der gewerkschaftlichen Landeszentrale, Genossen L i a n, im.Social- demokraten' stieg die Mitgliederzahl um 2066 auf 62 892. Dazu kommen noch 2400 Papierindustriearbeiter, die außerhalb der Landes« zentrale stehen, seitdem sie sich von den ungelernten Arbeitern trennten. Werden diese mit einbezogen, beträgt die Steigerung rund 6000. Die größten Fortschritte haben die Metallarbeiter gemacht, die ihre Mitgliederzahl von 12 034 auf 13 163 steigerten. Die Lohnbewegungen erstreckten sich auf 27 S00 Arbeiter. In den allermeisten Fällen handelte«S sich um Berufe mit bisher vertraglich geregelten Arbeitsverhältnissen, und es gelang auch diesmal unter dem Einfluß einer ausgezeichneten Konjunktur den größten Teil der Verträge auf friedlichem Wege mit guten Erfolgen für die Arbeiter zu erneuern. Während 171 Lohnbewegungen friedlich erledigt wurden, führten 49 zur Arbeitseinstellung, die jedoch nicht von größerer Tragweite waren. Die von der Landesorganisation gezahlt« Streik- Unterstützung belief sich auf 83 399 Kronen gegen 311 273 Kronen im Jahre 1912. ' Unter den größeren Tarifbewegungen sind zu nennen die Tarif- revision in der Sägemühlenindustrie für 2500 Arbeiter, im Buch- druckgewerbe, Bäckereigewerbe und im Eisenbahnbau. Die Säge« mühlenarbeiter erzielten eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 27>/z Stunden wöchentlich in TageSschicht und 50 Stunden in Nacht- schicht. An den Sonnabenden schließt die Arbeit um 2 Uhr nach- mittags. Die gewährte Lohnerhöhung beziffert sich auf rund 100 000 Kronen jahrlich. Im Buchdruckgewerbe wurde ein Reichs- tarif durchgeführt mit wesentlichen Zugeständnissen der Unternehmer. Bezeichnend war das Eingreifen der Regierung, die erklärte, einen offenen Kampf wegen der Arbeitszeit nicht dulden zu wollen, sie würde dann vielmehr sofort'dem Parlament einen Gesetzentwurf zwecks Einführung des gesetzlichen Achtstundentages im Buchdruck- gewerbe unterbreiten. Daraufhin gaben die Unternehmer nach, sie bewilligten die 8l/z stündige'Arbeitszeit und eine jährliche Lohn- erhöhung von 4SI 000 Kronen. Ein Achtstundengesetz wurde von der Regierung für die Revision der Fabrikgesetzgebung in Aussicht gestellt. Die Bäckereiarbeiter erhielten durch ihre Tarifrevision die Arbeitszeit um 7 Stunden, von 63 auf S6 Stunden pro Woche, verkürzt. Es sind demnach im Berichtsjahre ganz erhebliche Erfolge sowohl hinsichtlich der Organisation als auf dem Gebiete der Lohnde- wegungen erzielt worden._ Tieg der italienischen Seemannschaften. Die subventionierten Schiffahrtsgesellschaften.Marittima' und .Sicilia' sollten am 11. d. M., nachmittags um 6 llhr, die Antwort auf die Forderungen ihrer Mannschaften geben. Wäre diese Antwort ablehnend ausgefallen, so wären am selben Tage alle Schiffe der beiden Gesellschaften, soweit sie in einem Hafen lagen, von den Mannschaften verlaffen worden. Die Reeder haben die Stunde ab- gewartet, in der das Ultimatum ablief, um dann dem Sekretär des Zentralverbandes der Seemannschasten ihren Entschluß mitzuteilen, daß sie die Forderungen des Personals annehmen. Diese Forderungen sind dieselben, deren Durchsetzen im letzten Aus- stand von dem Personal der.Societä Jtaliana' erzwungen wurde. Die Offiziere und Mannschaften erhalten Lohnaufschläge von 28 bis 30 Proz. Da sich der Vertrag mit der„Societä Jtaliana' nur auf den Dienst im Miitelmeer bezieht, sehen die neuen Zugeständniffe einen Zuschlag von 10 Lire monatlich für die Ueber- leefahrten vor. Weiter wird für den Oberkrankenwärter ein MonatS- gehalt von 110 Lire und für das sibrige Wartepersonal ein solche» von 100 Lire festgesetzt. Die Mehrausgabe beträgt jährlich zwei Millionen Lire. Da die Lohnzuschläge bis zum 18. Juli 1913 zurück- datiert werden, erwächst den Gesellschaften eine weitere Ausgabe von einer Million. Die Reeder sind der lleberzeugung, daß das Marine- Ministerium, von dem in Italien auch der Kauffahrteidienst abhüngi durch seine Haltung die Stellung des Personals verstärkt habe, und beabsichtigen, auf gerichtlichem Wege eine Erhöhung der Subvention durchzusetzen. Einstweilen kann die Arbeiterschaft stolz sein auf den errungenen Sieg.__ Soziales. Billige Arbeitskräfte für das Land. villige Arbeitskräfte waren von jeher die Losung der Agrarier. Kurz vor der letzten Ernte kamen sie auf den®e- danken, auch die patriotische Jungdeutschland- bewegung ihrem Geldbeutel nutzbar zu machen. Auf Anregung des Vorsitzenden der Jungdeutsch- landgruppe Breslau, der vorwiegend Lehrlinge aus dem Handwerks- und Gewerbebetrieb sowie jugendliche Arbeiter angehören, wurden die jungen Leute ersucht, sich während ihrer Ferien auf den Gütern der sch lesischen Agrarier als Erntearbeiter zu betätigen. Bei freier Hin- und Rückfahrt und vollständiger Beköstigung wurde je nach Größe und Körperkrast ein Tagelohn von ' 75 Pfennig bis 1,25 Mark vereinbart. Jetzt berichten die Agrarier in der„Schlefifchen Zeitung' über die mit den Jungdeutschlandmännern als Erntearbeiter gemachten Erfolge und sind des Lobes voll über die geleistete Arbeit. Trotzdem vom frühen Morgen biS zum späten Abend unter Aufsicht eines beurlaubten Unter- offiziers gearbeitet wurde, war die Arbeits- freudigkeit so groß, daß der einmal gemachte Versuch zur Fortsetzung ermuntert. Die agrarischen Ausbeuter hoffen, daß sich bei der nächsten Ernte noch bedeutend mehr junge Leute melden, die geneigt sind, Erntearbeiten zu ver- richten uno ihre Taschen füllen zu helfen. Auf Kosten des Erholungsurlaubs, den einsichtige städtische Arbeitgeber ihren Lehrlingen und jugendlichen Arbeitern gewähren, bereichern sich die Herren Agrarier. Um die Ausbeutung der jugendlichen Erholungsurlauber nicht gar so plump erscheinen zu lassen, preisen die Agrarier deren Beschäftigung als ein Mittel, um die Beziehungen zwischen Großstadt und plattes Land von neuem zu befestigen. Wie lange sich dicS die städtischen Arbeitgeber aber gefallen lassen werden, steht freilich aus einem anderen Blatt, denn schon jetzt erheben ganze Innungen gegen die Jungdeutsch. landbewegung den Vorwurf, daß diese geeignet ist, die Lehr- linge von ernster Arbeit abzuhalten. So sieht die Jungdeutschlandbewegung also in Wirklich« keit aus._ Eine prinzipielle Entscheidung im Konkur» Schlieben u. Co. Unter großem Anprang der beteiligten Kreise, besonders der Geschädigt«, Filialleiter, kam vor der 5. Kammer de» Berliner Kaufmannsgerichts die erste Verhandlung gegen die Konkursmasse Schlieben u. Co. zum Wschluß. Die vom Kausmannsgericht dabei präzisierte Auffassung über die rechtliche Natur der Filialrsten- vertrage wird für alle folgenden Prozesse gegen die Konkursmasse — es sind bisher zirka 50 Klagen anhängig gemacht worden»- von grundlegender Bedeutung sein. Der die Konkursmasse ver- treiende Konkursverwalter August Bester weigert sich nämlich, die Forderungen der Filialleiter als bevorrechtigt� Forderungen anzuerkennen, indem er einwendet, die Filialisten seien gar nicht 2Jn- gestellte der Firma Schlieben, sondern selbständige Gewerbetrei- bende gewesen. In dem der Beurteilung unterlegenen Fall hatte der Kläger P., der Leiter einer Filiale in Charlottenburg war, 6000 M. Kaution hinterlegt. In seinem Vertrage, der zur Verlesung gebracht wurde, ist ein GeHast von 100 M. pro Monat, ein prozentuale Beteiligung am Umsatz und eine Verzinsung des Kapitals mit S Proz. festgelegt. Es heißt außerdem, daß die Firma alle Unkosten trägt, daß die Katalogpreise innegehalten werden müssen und Kredits nur mit Einwilligung der Firma gegeben werden dürfen. Der Kläer erwähnt auch noch, daß er zur Angestelltenversicherung und zur Krankenkasse angemeldet war.— Der Vorsitzewde wies den Konkursverwalter darauf hin, daf� es doch ganz ungewöhnlich und widersinnig wäre, wenn ein selbständiger Gewerbetreibender von seinem Lieferanten Gehalt beziehe und noch Provifion vom Umsatz erhalte.— DaS Kaufmannsgericht erklärte sich schließlich für zuständig, so daß die sämtlichen Prozesse dieser Kategorie vor dem Kaufmannsgericht zu verhandeln sind.— Die Kammer hat damit, was von allgemeiner prinzipieller Bedeutung ist, zum Ausdruck gebracht, daß der eine Kaution hinterlegende Filialist, damit, daß ihm für die Kaution das Warenluger ausgeliefert oder ver- pfändet wird, seines Angestelltenverhältnisses wicht verlustig geht. Wettbewerb für die Reichsversicherungsanstalt. Das Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte veröffentlicht da» Ausschreiben zu einem allgemeinen öffentlichen Wettbewerb unter den im Dutfchen Reich geborenen oder ansässigen Architekten zur Erlangung von Entwürfen zu einem Diemstgebäube für die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Berlin->Wil- mersdorf. ES sind b Preise(von IS 000, 10 000, 8000, 6000 und 4000 Mark) angesetzt. Die mit einem Kennwort zu versehenden Entwürfe sind bis zum IS. Mai, abends 6 Uhr, bei de» Zentral- bureau der Reichsversicherungsanstalt: Hohenzollerndamm 193/l9S, einzureichen. Die Wetibewerbsunterlagen. können gegen S Mark vom Zentralbureau bezogen werden. Der Gedanke eines WebbewerbeS ist anzuerkennen. Wäre aber nicht noch weit zweckmäßiger ein Ausschreiben für einen Eni- Wurf zwecks Beseitigung des turmhohen, in der Anstalt bereits aufgehäuften BureaukratenkramS und Vereinfachung des Geschäfts- ganges der mit ungeheuer viel Arbeit überladenen Hilfskräfte? Zum verztestreik in Königsberg. Wie durch Telegramm bereits kurz gemeldet, haben am Mitt- woch die Kassenärzte der Allgemeinen OrtKrankenkasse für den Stadtkreis Königsberg, trotz weitesten Entgegenkommen» der Kasse, ihre Tätigkeit eingestellt. Die Kasse sandte nach der Einstellung der ärztlichen Tätigkeit«m das ReichSamt de» Innern zu Berlin folgendes Telegramm: „Unsere Kassenärzte haben Tätigkeit eingestellt, weil sie die Zulassung gemäß 2 der Vereinbarung und angebotene» Honorar nicht akzeptieren. Schiedsgericht lehnen sie ab. „Bitten um Einwirkung aus Leipziger Verband, daß Ver- einbarungen gehalten und hiesiger Aerzteverein angewiesen wird, Tätigkeit fortzusetzen und Schiedsgericht zu akzeptieren.' Darauf ist unterm IS. Januar folgende Antwort von dmn Staatssekretär des Innern eingegangen: „Entsprechend den Wünschen in dem heute an mich gelangten Telegramm der dortigen Kasse habe ich unter der Voraussetzung, daß die Angaben de» Telegramm» al» zutreffend anerkannt werden, durch Telegramm und im Nachgange dazu durch beson- dere» Schreiben den Leipziger Verband ersucht, den Aerzteverein in Königsberg davon zu verständigen, daß di. Durchführung des Berliner Abkommens vom 23. Dezember 1913 nicht von der Fest. tetzung eine» bestimmten Arztsystem» abhängig gemacht werden oürfe._ Caspar.' Hinan» in die Kerne. Als ein Zeichen der Zeit, al» Beweis für die anziehend« Herrlich. keit des Vaterlandes kann man auch die Zunahme der AuSwande- rung betrachten. Allein über Bremen sind im vergangenen Jahre 9710 Deutsche ausgewandert gegen 7974 im Jahre 1912. Nun wollen die Junker die Liebe zur Heimat, da» Kleben an der GutSherrnscholle fördern— durch Beschränkung der Freizügigkeit. DaS ist nationale Wibtschaft». und Eozialposttikl Unsichere Existenz— gefüllte Gefänguiffe. Jede» Anziehen der Preisschraube für Lebensmittel, jede ver- fchlechterung am Arbeitsmarkt rückt mit unfehlbarer Sicherheit die Zahl der wegen Vergehen und Verbrechen Verurteilten in die Höhe. Hunger und Mangel an Geld vermehrt nicht nur die Angriffe auf das Eigentum. Die Erschwerung der HeiratSmöglichkeil steigert auch die Zahl der Sittlichkeilsverbrechen, vergrößert da» Heer der Prostituierten und im Zusammenbang damit nehmen Unzuckis- vergehen. Uebertretungen der Siitenpolizeiverordnungen usw. zu. Auch auf andere Gebiete der Kriminalität greift Not und Elend als Ursache von Vergehen und Verbrechen über. Kommt eS doch beispielsweise oft genug vor, daß jemand durch Sachbeschädigung oder Beleidigungen seine Verhasiung bewußt erzwingt, nur um der „gesicherten Existenz' und den„gefüllten Kompottschüsieln' im freien Deutschland zu entfliehen, und im Gefängnis einen warmen Raum. Brot und Nachtlager zu finden. Kein Wunder daher, daß im Jahre 1912, daS dem armen Teufel eine weitere Verteuerung der Lebens- Haltung und Arbeitslosigkeit in wachsendem Muße bescherte, die Gerichte reichlich viel Arbeitsgelegenheit fanden, die Zahl der Ver- urteilten ziemlich erheblich anschwoll. In den letzten sechs Jahren wurden verurteilt wegen Vergehen und Verbrechen gegen: Riesenhaft wuchsen die Gewinne der ausbeutenden Sippen. Die Aktionäre der gewerblichen Unternehmen schwimmen im Golde. Milliarden raffen die Lebensmittelwucherer zusammen, Luxus und Verschwendung mach« sich in aufzeizender Weise breit und Hunger, Not, Entbehrung treibt Proletarier, die oft genug vorher sich bi« zum Zusammenbrechen abrackerten, den Reichtum der Reichen mehren halfen, inS Gefängnis, in den moralischen Sumpf. Mancher kommt nicht wieder heraus und die herrschende ausbeutende Gesellschaft zetert über das schlechte, verdorbene Volk. DaS ist die vielgepriesene göttliche Weltordnung I_ Das Trucksystem in Ziegeleien. Die Gewerbeordnung enthält in den 116— 119 das Verbot des Trucksystems. Nach§ 115 sind die Gewerbetreibenden ver- pflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen. Si« dürfen den Arbeitern keine Waren kreditieren. Doch ist«S gestattet, den Arbeitern Lebensmittel für den Betrag der Anschaffungskasten, Wohnung gegen die ortsüblichen Mietpreise unter Anrechnung bei der Lohnzahlung zu verabfolgen. Gewerbetreibende, welche dieser Bestimmung zuwiderhandeln, könne» mit Geldstraf« bis zu 2900 M. und im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu 6 Monaten bestrast werden. Wie lax aber diese Bestimmungen der Gewerbeordnung behandelt werden, das zeigte das Ergebnis einer Anzahl Prozesse, die vor dem Chemnitzer Schöffengericht verhandelt wurden und in denen sich Ziegelmeister wegen Vergehens gegen§ IIS der Gewerbeordnung zu verantworten hatten. Hier wurde festgestellt, daß in den Ziegeleien des Chemnitzer Bezirks in den letzten zwei Jahrzehnten das Truck- system in schönster Blüte stand und daß niemand Anstoß daran genommen und die Ziegelmeister an der Ausbeutung ihrer Arbeiter gehindert hat. Die Ziegeleikcmtinen werden regelmäßig von den iegelmeistern betrieben. Bier, Limonade, Schnaps, Wurst. Speck, igarren, Zigaretten and andere Nahrungs- und Genußmittel müssen die Arbeiter in der Kantine kaufen. Der Ziegelmeister nimmt für die Flasche Bier oder Limonade 2 Pf., für das Pfund Wurst 5 Pf., für den Liter Branntwein 20 Pf. Verdienst für sich und auch die anderen Waren verkauft er mit Preisaufschlag, kreidet die Beträge an und verrechnet sie auf den verdienten Lohn. Die Arbeiter kommen dadurch in ein Abhängigkeitsverhältnis zu dem Ziegelmeister, das in der Regel damit endet, daß der Lohn in die weiten Taschen des Ziegelmeisters verschwindet. Dieser Ziegel- meister ist in der Regel auch noch Landsmann der Ziegeleiarbeiter, die hauptsächlich aus Lippe-Detmold stammen. Einer der beschul- digten Ziegelmeister wollte durchaus nicht begreifen, daß er sich durch sein Verhalten strafbar gemacht habe. Seit 18 Jahren ist er in Ziegeleien des Chemnitzer Bezirks. Ziegelmeister gewesen und während dieser Zeit ist er in seinem Kantinenbetrieb nicht gestört worden. Er erklärte, daß es im Chemnitzer Bezirke Usus sei, daß die Lebensmitel mit einem Preisaufschlag durch die Ziegel- meister an die Arbeiter verkauft würden. DaS geschehe aber auch tn anderen Bezirken. Von der Bestimmung des§ IIS der Gewerbeordnung wollten die Angeklagten keine Kenntnis haben, auch be- stritten sie, daß sie selbständige Unternehmer seien. Das Gericht verurteilte jeden Angeklagten zu ganzen 19 M. Geldstrafe. In'der Urteilsbegründung wurde darauf hingewiesen, daß das Gericht nicht selbständige Unternehmer, sondern nur Beauftragte solcher in den Angeklagten gesehen habe; im übrigen Hab« Verurteilung erfolgen müssen, da GefetzeSunkenntniS vor Strafe nicht schütze. — 10 M. Geldstrafe. Damit will man so schwere Mißbräuche bekämpfen? Die geschädigten Ziegeleiarbeiter sollten von ihre« Rechte Gebrauch machen, nachträglich den ihnen.verrechneten' Lohn ein- zuklagen. Gerichtszeitung. Mißhandlung des Brreinsrechts gegen polnische Turner. Die Polen erfreuen sich, neben den Sozialdemokraten, be« sonders liebevoller polizeilicher Fürsorge, wenn eS sich um die An- Wendung des Vereinsrechts handelt. In zwei gleichartigen Fällen auS Posen und Gnesen hat wieder mal das Oberverwaltungs- gericht die Polizei und ihre vorgesetzten Behörden eines Bessern belehren müssen. Fall l: Dem Kaufmann Rzepecki zu Posen war seitens des dortigen Polizeipräsidenten die Genehmigung für einen öffentlichen Aufzug der Soeolvereine(polnische Turnvereine), der aus Anlaß dse Gauturnfestes in Posen am 16. Juni 1912 stattfinden sollte, versagt worden, weil eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten wäre. R. klagte nach vergeblichen Beschwerden beim Regierungspräsidenten und beim Oberpräsidenten in Posen beim ObcrverwaltungSgericht. Der zweite Fall, der gleichzeitig verhandelt wurde, betraf die Vetfogung der Genehmigung zu einem öffentlichen Aufzug in Önefcn, der bei dem dortigen Gautumfest der SocolS am 4. August 1912 stattfinden sollte. Auch hier waren die Beschwerden der Herren Trepinski und I. Henkel durch die höheren Behörden, zuletzt durch den Oberpräsidenten der Provinz Posen, verworfen worden, wo- rauf die Genannten geklagt hatten. DaS Obervcrwaltungsgericht erkannte nach erfolgter Beweis- aufnähme jetzt in beiden Sachen dahin, daß den Klagen stattzugeben sei. Die Versagung der Genehmigung sei in beiden Fälle« außer Kraft zu setzen.— Begründend wurde ausgeführt: Im Falle auS Gnesen sei von den Klägern noch ein besonderer Einwand erhoben worden, indem sie geltend gemacht hätten, die polizeiliche Verfügung müßte schon deshalb aufgehoben werden, weil die Versagung der Genehmigung nicht, wie es§ 7 des Vereins« gesetzeS vorschreibe, mit Gründen versehen worden sei. Dieser Ein- wand könne aber nicht durchgreifen, weil die stagliche Vorschrift über die Angabe von Gründen nur instruktioneller Natur sei.— 5« beiden Fällen aber seien die in ihren Erklärungen gemachten Aus- führungen der Behörden nicht ausreichend, um feststellen zu können, daß in der Tat nach vernünftigem Ermessen mit der Befürchtung einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit gerechnet hätte werden müsse. Tatsachen, die eine solche Bafürchtung hätten rechtfertigen können, seien nicht beigebracht. Allgemeine Erwägungen genügten jedoch nicht. Darum sei beiden Klagen stattzugeben. Abschluß der Abazzia-Astäre. Am Dienstag gelaugte vor dem Charlottenburger Schöffen- gericht der letzte Prozeß gegen die Angestellten des„Cafe Abazzia" zum Abschluß. Wie unseren Lesern noch erinnerlich sein dürfte, hatten die Vorgänge anläßlich der Aussperrung der organisierten Kellner in dem genannten Betriebe den Inhaber Leopold Zllandl derankdßt, seine ehemaligen Angestellten bei der Staatsanwaltschaft zu denunzieren. Herr Mandl hat jedoch aus der ganzen Linie ein klägliches Fiasko erlitten. Angeklagt war ein Kellner wegen Betruges, den er dadurch begangen haben sollte, daß er in einem Falle einem Gast die Zeche von 1 Mark zweimal abverlangt bezw. kassiert haben sollte. Der al» Zeuge erschienene Gast hielt jedoch eher einen Irrtum seinerseits für möglich, so daß dieser Punkt der Anklage fallen gelassen werden mußte. In einem anderen Falle sollte nach der eigenen Angabe des Angeklagten, so behauptete der Zeuge Mandl, der Musik 4 Lagen Pilsener serviert worden sein, während tatsächlich nur eine Lage deponiert war. Sarkastisch meinte der Vorsitzend«: Der Angeklagte wird doch nicht so dumm sein, daß er Sie erst bemaust und Ihnen das nachher auch noch erzählt! Beim dritten und wichtigsten Falle handelte eS sich um sechs Kaviarbrötchen. Ein Gast, ein sogen. Freier, der im„Cafe Abazzia' sehr häufig verkehrte, hatte die Angewohnheit, seine Zeche nie an die Kellner zu bezahlen, sondern kam erst am anderen Tage und bezahlte die Rechnung direkt an den Prinzipal. An dem be- treffenden Tage hatte derselbe eine Zeche von über 100 Mark gemacht. Die Rechnung wurde nich' vom Angeklagten, sondern von einem seiner Kollegen ausgestellt, der nach den Angaben der Gäste 12 Kaviarbrötchen aufschrieb. Der Angeklagte behauptete, er habe tatsächlich nur 6 Kaviarbrötchen gebracht und auch nur sechs am Büfett beglichen. Der Unternehmer Mandl dagegen be- hauptete, er habe beobachtet, daß der Angeklagte zweimal 6 Kaviar. brötche» vom Büfett sortgetragen und er demnach bei der Wrech- nung die 6 Brötchen nachzahlen muhte. Um seine Entlassung zu verhüten, ist der Angeklagte dem auch nachgekommen. Einen Ver- möpenSvorteil konnte er schon deshalb nicht haben, weil die Rech- nung nicht von ihm selbst kassiert wurde und danach nur der Cafätier Mandl der einzige Nutznießer sein konnte. DaS Gericht hielt den Sachverhalt nicht ganz ausgeklärt und kam zur Freisprechung. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß der Zeug« Mandl dem Gericht als nicht ganz glaubwürdig er- scheine, so daß auf Freisprechung erkannt werden mußte. Damit dürfte die von den bürgerlichen Blättern aufgebauschte „Abazzia-Affäre" ihren Abschluß zugunsten der ausgesperrten Kellner gefunden haben. Ob sie für den ehemaligen Ccffetier Mandl, der sein Geschäft glücklich an den Mann gebracht hat. endgültig erledigt ist, dürfte nach Abschluß eines gegen Mandl schwebenden Ermittelungsverfahrens zu beantworten sein. sr i6. 3. nw., 2. Ktilllge des„Porniirts" perliiiet Pslliolilatt s««".»?•«««'Slä Parteiangelegenheiten. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Wir machen unsere Parteigenossen und Genossinnen auf die nachfolgenden. Versammlungen aufmerksam und ersuchen um zahlreiche Beteiligung. Tagesordnung: Freies'Koalitionsrecht und die Hetze der Scharfmacher. 17. Januar: Oranienburg. 13. Januar: Dabendorf, Herzfelde, Hohen-Schönhausen, Kalk- bcrge-Rüderddorf, Zeuthen-Eichwalde. 19. Januar: Britz. Nieder-Schönewetde. 20. Januar: Alt-Glienicke, Charlottenburg, Lankwitz, Marien- darf» Nieder-Schönhauscn, Obcr-Schönewcide, Rei- nickendorf-Ost,Reinickendorf-West, Rosenthal-WilhelmS- 21. Januars Erkner, Johannisthal. 23. Januar: Zossen. 23. Januar: Fangschleuse, Neu-Ztttau, Tempelhof. LI. Januar: Trebbin. 1. Februar: Hermsdorf. 8. Februar: Steglitz-Friedenau. Referenten sind die Genossen: Paul Barthel, Eugen Brückner, Hermann Clajus, Georg Davidsohn, Karl Giebel, Hermann Griinzel, Johannes Hätz, Wilhelm Hänlein, Max Hecht, Karl Jahn, Paul John, Karl Klinaler, Gustav Link, SUbin Mohs, Hermann Müller, Hugo Poetzsch, Dr. Kurt Rosenfeld, Fritz Ruf, Georg Schmidt, Daniel Stücklen, R. SwlntkowSki, Georg Ucko, Hans Weber, Karl Mermuth, Fritz Zubeil.__ Der Aktionsausschuß. 2. Kreis. 4. Abteilung. Sonntag, den 13. Januar: Besuch des Pathologischen Museums. Treffpunll lO3/« Uhr am Lesstiigthealer, Kronprinzen-Brücke. Dritter Wahlkreis. Heule Sonnabend findet im VewerkschaftS- hause, Engelufer 13, die Feier des 23. SttflungSfesle« des Wahl- Verein« statt. Anfang 8>/z Uhr. BilleltS a 80 Pf. sind noch bei den BezirkSführern zu Häven. Chart ottendurg. Am Sonntag vormittag pünktlich 8 Uhr: Wichtige Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Bezirk Stralau. Sonntag früh 3. Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen au«. Johannisthal. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr: Wichtige Flug- blattverbreitung von den bekannten Lokalen üus. Nicdcrschöucwcidc. Morgen, Sonntag, früh 8'/, Uhr, von den bekannten Bezirkslokalen aus: Wichtige Flugblattver- breitnng. Montag, den IS. Januar, im Lokal„Loreleh", Berliner Str. 101: Oeffentliche Protest Versammlung gegen den geplanten Raub dek KoalitionSrechts. Referent ist Genosse Redakteur Mermuth. Reinickendorf- Ost und West. Sonntag, von früh 3 Uhr ab: Wichtige Flugblaltverbreitung. Britz- Buckow. Morgen Sonntag, den 18. d. M., früh 3 Uhr, von den bekannten Srellen auS: Wichtige Flugblattverbreitung. Zeuthen. Die Prolestversammlung der Wahlvcrelne Etchwalde und Zeuthen-MierSdorf findet Sonnlag, den 18. Januar, abends 7 Uvr. in Zeulhen bei Lindeniann.Dorfaue' statt. Die Partei- genossen werden ersucht, rege für den Befuch derselben zu agitieren. Serliner Nachrichten. Nächtliche Großstaütbilöer. - Es ist Nacht. In runder, voller Größe blickt der Mond zwischen den wildjagenden Wolken hernieder. Eine furcht- bare Nacht mit Sturin und b.eitzender Kälte! Bleich und fahl, kalt und nüchtern blicken die Gaslaternen auf das Pflaster herab, wie die Augen schlummernder Raubtiere. Hart an den Häuserfassaden schleichen hier und da schwarze Gestalten entlang, den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen, die Hände in den Taschen vergraben. Durch ihre dünnen, zerfetzten Kleider fährt Kälte und Wind. Grau- sige Nacht! Mein Weg führt durch eine stille, halbdunkle Seiten- stratze iin Norden der Stadt. Abseits kauert eine arme ge- krümmte Gestalt. In einem ungestörten Winkel, wohin nur noch ein matter Schimmer des Laternenlichtes fällt, lehnt der Mann. Das erdfahle Gesicht schlaff und halberstarrt, die Arme unter die Jacke geschoben. Nur manchmal ist ein müdes Stöhnen hörbar. In ihm gukgclt und würgt esi Hunger und Kälte haben' die Hetrsckiaft über ihn gewonnen. Es brüllt und drängt in seinem leeren Magen, sein Kops erbebt, als' ver- nehme er das Klingen einer formlosen Sinfonie.� Seine gebrochene Phantasie malt sich dennoch ein Bild, ein wirk- liches Himmelreich auf Erden: wenn doch jetzt nur einer käme, ihm Brot, Wärme, ein ivarmes Nachtlager brächte. Aber es kommt keiner. Das barbarisch)« Schicksal einer verrückten Wirtschafts- Ordnung hat ihn in diesen eiskalten Winkel gestoßen. Er ist allein mit seinem Himger, keiner weiß von ihm. keiner bringt ihm Brot und Wärme. Kein Gott, kein König und kein Vaterland hilft ihm:«in Aussätziger innerhalb der „göttlichen Ordnung der Tinge": er�inag verrecken! Doch auf einmal nähern sich Schritte: langsäm und zyklopenhaft kommen sie näher, als wollte der Mann die Pflastersteine in den Erdboden stampfen. Ein behelmter Schutzmann in natürlicher Größe pflanzt sich vor dem nächt- lichen Elendsbilde auf. Er reibt die mächtigen Fäuste und tritt näher.„Donnerwetter, heute schon der Fünfte oder Sechste bei dieser verdammten Hundekälte. Und wieviel werd ich wohl noch finden," murmelt der Ordnungswächter.„Mann, stehen Sie auf, warum schert er sich nicht ins Asyl." Der Halb- erstarrte murmelt nur einige unverständliche Töne als Ant- wort. Der Schutzmann packt ihn jetzt und. versucht ihn auf die Beine zu stellen,' ivas erst nach mehrmaligem Schütteln gelingt. Und dann wird er Weitergetrieben. Mit gesenktem Kopf und schlotternden Knien wankt er davon. Eine kurze Strecke begleitet. ihn der ordnungsliebende Polizeiiuann, dann bleibt er stehen und macht endlich kehrt. Aus seinem Revier hat er das lästige Individuum glücklich abgeschoben. Wohin, in welchen Winkel wird der erstarrte, todmüde Lazarus jetzt kriechen? In welcher Ecke wird er sein Leben beschließen? Hunderte, tausende solcher Szenen spielen sich während der kalten Jahreszeit in den Mauern der Großstadt ab. Tie kavitalistische Profitwut hat den Aermsten Nahrung und Obdach geraubt. Tie kapitalistische Geißel hat sie erbarmungs- los zu Boden geschlagen. Es sind die Parias der Gesellschaft, deren Lebenshaltung noch abgrundtief unter der des organi- sierten Lohnproletariats steht. Diese Unglücklichen, die ihre kümmerliche Nahrung aus den Abfällen der Besitzenden schalen, deren Heim irgendein windstiller Winkel oder, Ivenn's hoch kommt, das Asyl ist, sind die furchtbarste Anklage gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Womit haben sie das unmenschliche Los verdient, daß sie ihr gualvolles Dasein im Rinnstein und hinterm Zaun führen niüssen. daß sie täglich am Rande des Hungertodes schweben, um ihm endlich zum Opfer zu fallen?! Seht auf die protzenhaftcn Paläste der Reichen, ihre prunkende Lebensführung, ihre märchenhaften Feste und glanzvollen Gelage, ihre wahnsinnige, nur der Zeitverkürzung dienende Verschwendungssucht, und ihr habt die allein richtige Antwort. Damit eine kleine privilegiert» Oberschicht ein Leben in maßlosem Luxus führen kann, muß die breite, lebensfähige Masse im stinkenden Broden des Elends ersticken! Ter Tchulschluß vor den Ferien. Auf eine von der städtischen Schuldeputation an das Provinzial-Schulkollegium gerichtete Vorstellung, am letzten Schultage des Halbjahres es bei dem bisherigen Brauch be- wenden zu lassen und zu gestatten, daß kein Unterricht, sondern nur eine Feier stattfindet, an die sich die Zensurcnvertciluua anschließt, ist ein abschlägiger Bescheid erteilt worden. Es ist also auch am Schulschluß zwei Stunden Unterricht vor der Entlassung und Zensurcnvertcilung. Der Pfltchtfortbildungsschulbcsuch hat in Berlin in den letzten Jahren andauernd an Regelmäßig- keit gewonnen. Dabei hat sich gezeigt, daß die Regelmäßig- keit deS Besuches im Winter stetS noch eiwaS heller als im Sommer ist. Für die Schuljahre 1809/10, 1910/11, 1911/12, 1912/13 war die durckschnittlicke Besuchsziffer der Klassen in Prozent ihrer eigentlichen BeseyungSziffer: in den Gommerscmestern 83, S, 80,6, 80,7,'37,2; in den Wintersemestern 80,7, 37,2 87,8, 88,9. Sei den einzelnen Berufsgruppen und ihren Klaffen finden wir allerdings starke Unterschiede des GradeS der SchulbesuchSregelmäßigkeit. Aber auch in dieser Gruppierung behauptet der Winter Jahr für Jahr bei fast allen Berufen stärkere Besuchsziffern all im Sommer. Im Sommer 1912 und im Winter 1912/13 war die BestichSziffer in Prozent der Besetzungl- ziffer beim Baugewerbe 89,4 und 80,3, beim Metallgewerbe 88,0 und 80,8, beim Kunstgewerbe 89.8 und 91,0, beim Belleidnngl- gewerbe 88,7 und 89,1, beim Nahrungsgewerbe 92,4 und 93,9, bei den Friseuren 91,1 und 93,2, bei den sonstigen Gewerben 88,1 und 80,4, bei den ungelernten Arbeitern 83,0 und 83,0, bei den Kauf- leuten 81,1 und 82.9. An der Besserung dSS Schulbesuches, die oben für die letzten Jahre nachgewiesen wurde, find alle Berufsgruppen beteiligt, wenn auch nicht alle gleichmäßig. Daß Kaufleute, Friseure, Nahrungsgewerbe durch verhältnismäßig gute Besuchsziffern sich auszeichnen, das ist die Jahre hindurch geblieben. Geblieben ist andererseits auch das Unerfreuliche, daß die ungelernten Arbeiter durch die schlechtesten Besuchsziffern auffallen. An der Besserung sind aber gerade sie recht stark beteiligt, weil inzwischen manche« getan worden ist. um bei ihnen eine größere Regelmäßig- teit des Besuches zu erzielen, vom Winter 1808,10 bis zum Winter 1812/13 stieg ihre Besuchsziffer von 81,3 auf 83,0. Gegen das Tätowieren der Kinder. Gegen da» Tätowieren richtet sich eine behördliche Berfügung, die den Volksschulen zugegangen ist. Die Schüler sollen darüber belehrt werden, daß die Tätowierungen mancherlei Schädigungen zur Folge haben können. Sie entstellen den Menschen, sie sind schwer oder gar nicht zu beseitigen, durch Bornahme der Tätowierung können Infektionskrankheiten übertragen werden und schließlich er- schweren Tätowierungen oft da» Fortkommen im Leben. Tie B. E.-W. und die Stadt Berlin. Der Magistrat hat sich bereit« in zwei Sitzungen mit der Frage der zukünftigen Versorgung der Stadt mit Elektrizität beschäftigt, ist aber auch gestern zu einem endgültigen Abschluß nicht gelangt. Wir wollen hoffen, daß nicht wieder der Moment verpatzt wird, die B. E.-W. in Besitz und Betrieb der Stadt zu über- nehmen und auch den B. E.-W. nicht etwa ein neue» Monopol auf Lieferung von Kraft und Licht eingeräumt wird. Bei den großen kapitalistischen Interessen, die in den Gemeindekörperschaften — im Magistrat sowohl wie in der Stadtverordnetenversammlung— von Einfluß sind bei Entscheidungen, die im Allgemeininteresse liege«, wird es Mühe kosten, das Interesse der Bürgerschaft genügend zu wahrvi. Luch dal finanzielle Interesse der Stadt Berlin erfordert die Uebernahme der B. E.-W. in den Besitz der Stadtgemeinde. Die Stadt Berlin muß angesichts ihrer großen Unternehmungen und großen Ausgaben auf entsprechende Einnahmen sinnen. Hier kommen Millionen von Einnahmen in Frage, die heute in die Taichen von Aktionären fireßen. Diese Einnahmen würden dauernde sein und belasten weite Erwerbstreise nicht so, wie die» mit der unglücklichen Lustbarkeitssteuer der Fall ist. Zahlreiche Gemeinden sind im Besitz von eigenen Elektrizitäts- werken, Neukölln kann sich nur sanieren durch diese Einnahmen. In Berlin fehlt e« ohnehin an einer großzügigen Finanzpoliiik, die durch die Gesetzgebung erschwert wird. E« wird sich zeigen, ob die Politik der verpatzten Gelegenheilen in Berlin verewigt werden soll. Lertrrter der Stadt Wien hat der Magistrat von Berlin in Er- widernng de« vorjährigen Besuche« Berliner Stadtväter in Wceu zum Frühjahr nach Berlin eingeladen. Der Weg durch den Tiergarten. Vor etwa anderthalb Jahrzehnten planten die Gememde- behörden Charlottenburgs die Anlage eines chaustier- den Fahrweges von der F a s a n e n st r a ß e über den Kur- fürstendamm nach dem Gartenufer: die Tiergartenverwaltung lohnte den Plan aber mit der' Begründung ab, daß eine Durchquerung des Tiergartens die Gen eh- m i g u n g des K aä s e r s nicht finden werde. Später beschäftigten sjch die Eharlottenburger Stadtverordneten mit dem Ptanevdie I o a ch i in s t h a I e r Stxaße bis zum Bahn- Hof Tiergarten zu verlängern, so daß von da durch die Klopstock- oder Bachstraße eine wichtige Vcrkchrsvcr- binoung mit dem Hansavie'rtcl und Moabit geschaffen iverden konnte. Auch der Berliner Magistrat interessierte sich für dieses Projekt und erklärte sich zur Ueber- nähme der Kosten vom Gartenufer bis zur Knrfürslenallee bereit. Veranlaßt waren diese Projekte durch die Ver- kehrsüberlastung der Hardenberg st raßc, an welcher sich inzwischen die öffentlichen Gebäude geradezu ge- häuft haben. Von der Hardenbergstraße ans führen aber n a ch Berlin nurzwei Wege: der Kurfürstendamm und die Berliner Straße. Dabei münden in sie sieben Straßen ein, die sich alle in der Hardenbergstraße totlaufen. Nament- lich ist die Gegend an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche überlastet, wie durch neuerliche Verkehrszählungen über- zeugend nachgewiesen worden ist. Da nun die damaligen Petitionen keinen Erfolg hatten, wollen die Grundbesitzer- und Bezirksvereine der Stadtteile Moabit und Hansaviertel die Angelegenheit aufs Neue in die Hand nehmen: sie haben eine Kommission eingesetzt, welche auf Grund des neuen Materials vorgehen und die M a g i st r a t e von C h a r- lottenburg und Berlin nochmals ersuchen soll, bei Lösung dieser Wichilgen Verkehrsfrage mitzuwirken. Das Charlottenburger Polizeipräsidium hat übrigens wiederholt anerkannt, daß der Verkehrskalamität in der Hardenberg- straßc ein Ende bereitet werden müsse, und dazu gibt es kein anderes Mittel, als die Eröffnung des„Weges durch den Tiergarten"._ Aus dem Magistrat. Der Magistrat hat beschloffen, anläßlich der Hocbwasser-Kaiastrophe an der Ostsee dem ständigen Hochwasser- schäden-Komite« 3000 M. zur Verfügung zu stellen, Die Direktion der Hochbahn über die Nngliicksfällc. Die Direktion der Hochbahn schreibt im«: „In letzter Zeit haben sich in kurzen Zwischenräumen vier Unglücksfälle auf der Hoch- und Untergrundbahn zugetragen und zwar zwei beim Aufspringen auf fahrende Züge und zwei beim Verlassen von Zügen, die sich schon in Bewegung gesetzt hatten. Anscheinend herrscht bei einem Teil deS Publikums die Ansicht, daß das, was beim Auf- und Absteigen allenfalls bei Straßen- bahnwagen und Sladtbahnzügen, aber auch dort nur mit Gefahr noch möglich ist, auch bei der elektrischen Schnell- bahn versucht werden kann. Es wird aber dabei übersehen, daß bei der elektrischen Schnellbahn ganz ändere Geschwindigkeit»- Verhältnisse vorliegen. Die Scknellbahnzüge haben bald nach dem Anfahren ihre volle Geschwindigkeit erreicht, während bei Eisen- bahnen mit Dampflokomotiven und bei Straßenbahnen die Ge- schwindigkeit nach der Anfahrt weniger schnell steigt. Während der Zuwachs der Geschwindigkeit in der Sekunde(Beschleunigung) bei Dampflokomotiven etwa 0,2 Meter und bei elektrischen Straßen- bahnen 0,3 bis 0.4 Meter in der Sekunde beträgt, ist er bei unserer Schnellbahn etwa 0,0 Meter. Wenn also die Dampflokomotive in fünf Sekunden nach der Anfahrt eine Geschwindigkeit von einem Meter erreicht, fährt die elektrische Schnellbahn dann schon mit nahezu drei Meter Geschwindigkeit. Die Beamten der Hochbahn sind nicht immer in der Lage, die Fahrgäste am Verspätelen Aufspringen zu hindern: ja sie würden den schon aufspringenden Fahrgast oft erst recht in Gefahr bringen, wenn sie ihn in seinem Vorhaben noch im letzten Angenblick zn hindern versuchen wollten. Bei der Pariser Untergrnndbahn sind in dieser Hinsicht gewisse Gegenmaßregeln getroffen: dort wird> der Bahnsteig abgesperrt, sobald der Zug einfährt und erst nach der Ausfahrt wieder geöffnet. Diese Anordnung, die natürlich die Abwickelung des Verkehrs dielfach erschwert, ist bei der Berliner Hochbahn, die bei allen neueren Bahnhöfen die überfiibtlichere und vorteilhaftere Anordnung der Mittelbahnsteige getroffen hat, nicht durchführbar, weil die Ab- sperrung ja dann immer sowohl die einfahrenden, wie die aus- fahrenden Züge treffen, also ganz unerträgliche Aufenthalte ver- Ursachen würde. Der Wunsch, ohne Zeitverlust hesördcrt zu werden, ist bei Schnellbahnen ja besonder« gerechtfertigt, aber diesem Wunsch ist durch die Geschwindigkeit der Bahn und durch die schnelle Zug- folge Rechnung gelragen. Auf den Jnnenstrecken fahren die Züge in den HauptverkehrSstunden jetzt fast durchweg in regelmäßigen Ab- ständen von nur 2—3 Minuten: auf den Anschlußstrecken ist zumeist für Weiterbeförderung der Fahrgäste in Zwischenräumen von füns Minuten gesorgt. Bei so kurzen Wartesristen dürfte» Uebereilungen nicht mehr nötig sein, jedenfalls sollte der Gedanke an die großen Gefahren davon abhalten, Schnellbahnzüge noch zu besteigen oder zu verlassen, wenn durch den Ruf de« Zugbegleiters das Zeichen zur Abfahrt gegeben worden ist." Die Darstellung ist nicht geeignet, die Erörterungen über Maß« regeln zur Verhütung von Unglücksfällen hintanzuhalten. Ins- besondere ist der Hinweis auf die schnelle Zugfolge nicht ganz stich« Hallig. In den Morgenstunden, wo die Arbeiter zur Arbeit müssen, hapert eS mit der Beförderung sehr. ES wird lebhaft Klage ge- führt, daß auf verschiedenen Bahnhöfen in den ersten Morgenstunden schwer mitzukommen ist. Diese Klagen werden auch schon über die neue Strecke de« Nordring« geführt. Betriebsstörung auf der Nutergruudbah«. Gestern ereignete sich wieder ein Betriebsunfall, der eine längere Störung zur Folge hatte. Zwischen den Bahnhöfen Nürnberger Platz und Wittenbergplatz stellte ein Schlosser beim Rangieren eines Leer- zuges nach Betriebsschluß eine Weiche zu früh, so daß eine Wagen- achse au« den Schienen sprang. Obgleich mit den AufgleisnngS- arbeiten sofort begonnen wurde, gelang es nicht, das Hindernis bis zum Beginn deS Tagesbetriebes zu beseitigen. Erst gegen O'/z Uhr vormittags waren die Rcparaturarbeiten beendet. Bis zu dieser Zeit mußte ein Pendelverkehr eingerichtet werden. Hierdurch waren die Fahrgäste gezwungen, auf dem Bahnhof Wittenbergplatz umzustelgen._ Arbeiterjugend! Die für morgen geplant« Besichtigung des Reichstags mutz umständehalber ausfallen und wird später erfolgen. Die Arbeitrr-Bildungsschule feiert am Sonntag, den 18. Januar, ihr 23. Stiftungsfest in ObigloS Festsälen, Koppenstratze 29, durch einen HanS-SachS-Abend. Au« dem Programm ist zu ersehen, daß von dem, was HanS Sachs geschaffen, das beste ge- boten wird. Die Zusammenstellung ist eine gute und wird von ersten Kräften durchgeführt. Genoffe Eduard Bernstein hält den testvortrag. Dr. Heinz Schell-CaSpari bringt Lieder zur Laute zum ortrag. HanS Werder vom Deurschen Theater rezitiert, die Fast- »achtsspiele iverden von Mitgliedern hiesiger Bühnen zur Auf- führung gelangen. Wer sich einen genußreichen Abend verschaffen will, versäume nicht, sich Lechtzeitig in den bekannten Stellen mir Billetts a 00 Pf. zu versehen, an der Kaffe 76 Pf. Die Damen werden schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Hüte vor Eintritt in den Saal abzulegen' sind. Frühzeitige» Erscheinen ist dringend geboten, da die Saaltüren während der lünstlerischen Darbietungen geschlossen bleiben. Rauchen ist nicht gestattet und müssen Störungen vermieden werden. Im Walhalla-Theatcr am WeinbergSweg, das jetzt unter Leitung des Direkrors Hans Ritter vom Luisen- Theater steht, erzielte die rührige Direktion am Donnerstagabend anläßlich der Erstaufführung von ,/T a n g o f i e b e r", einer neuen Posse von Erich Urban, einen unbestrittenen Erfolg. In dem Stücke fiebert alles nach Tango und ein Tangofest auf dem Dache des Hotels Eden muh herhalten, um die geplante Schliehung eines Ehebundes zwischen einem täppischen sächselnden Junggesellen und seiner lebensprühenden tangotanzenden Braut zu verhindern. Als die Seele des ganzen Komplotts gegen den heiratslustigen Idioten entpuppt sich Bellini, der Tangokönig, der auch sein Ziel erreicht und die Braut als seine Ehegesponsin schliehlich beimführt. Es wird viel getanzt und gesungen und mancher hübsche Schlager errang sich im Fluge die Gunst des Publikums, das in der zweiten Pause schon das Mondlied sang, dessen Text an der Leinivand erschien. Auf hübsche Ausstattung ist groher Wert gelegt. Um den Erfolg des Abends machten sich die Herren Schweiger als Tangokönig, D'Estrve als täppischer Bräutigam, Max Tobten als fideler Schwiegervater, Erich Flatau als ostpreuhischer Gutsbesitzer und die Damen Lisbeth Schlösser als die umworbene Braut, Toni Grigo als böse Schwiegermutter und Bella Frankhe als Fräulein Tango besonders verdient. Hugo Hirsch hat dem Stück eine nette Bertonung gegeben, die aber schon bekannte Anklänge aufweist. Das Publikum klatschte wie besessen. Warnung vor einem Schwindler. Ein raffinierter unbekannter Schwindler hat in den letzten Monaten vorigen Jahres ländliche Bezirke der Provinz Brandenburg aufgesucht und dort viele Per- sonen um klernere Geldbeträge betrogen. Der Schwindler stellte sich in der Regel als ein gewisser Steinberg und Agent des Roten slreuzes vor, der aus dein Findlingsheim aus Berlin-Pankow komme und den Auftrag habe, Findlingskinder aus dem Lande unterzubringen. Für seine Vermittclung verlangte er gewöhnlich Z— 6M. Vergütung. Wenn er diese erhalten hatte, verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Es ist bisher nicht gelungen, des Schwindlers habhaft zu werden. Da anzunehmen ist, das; der Unbekannte auch jetzt noch seinen Trick fortsetzt, wird eindringlich vor ihm gewarnt. Feuer bei Hugo Baruch u. Co. Gestern(Freitag) vormittag kurz nach 8 Uhr wurde die Feuerwehr nach der bekannten Theater- auSstattungsfirma Hugo Baruch u. Co. in der Alten Jakobstr. 133 gerufen. Bei Ankunft des 1. Löschzuges aus der Hauptfeuerwache brannten dort � Kisten, Körbe und Brennmaterialien im Holzraum. Die Rauchcntwickelung war anfangs so stark, dah ein Ranchschutz- avparat vorgenommen werden muhte. Die Ablöschung der Flammen erfolgte mit einer Schlauchleitung! nach anderthalbstündiger Tätigkeit konnte die Wehr die Brandstelle wieder verlassen. Dachstuhlbranb in Berlin O. Von drei verschiedenen Seiten aus erfolgte gestern abend kurz nach 7 Uhr aus den Berliner Feuer- wachen Feueralarm nach der R o ch o w st r a h e 7. Es rückten die Löschzüge o, 7 und 8 aus, bei deren Ankunft der Dachstuhl des Wohnhauses in erheblichem Umfange in Flammen stand. Unter Benutzung von mehreren Schlauchleitungen wurde sofort gegen das Feuer vorgegangen, doch dauerte es fast eine Stunde, ehe der Brand gelöscht war. Der Dachstuhl ist gröhtenteils vernichtet worden; die Brandursache ist noch nicht bekannt. Tie Aus- räumungsarbeiten waren erst in den späten Abendstunden be- endet.— Zur selben Zeit, wo die Berliner Feuerwehr in der Rochowstrahe mit der Ablöschung eines umfangreichen Dachstuhl- brandcs beschäftigt war, wütete auch in der G i e s e b r e ch t- st r a h e 23 zu Charlottenburg ein Grohfeuer. Es brannte gleich- falls ein Dachstuhl in ganzer Ausdehnung, und durch die Flammen ivaren auch die Nachbargebäude gefährdet. Die Charlottenburger Fcuerivehr rückte mit den beiden Zügen aus der Süd- und Ost- wache an und eröffnete unter Leitung des Branddirektors Bahrdt �incn Löschangriff mit fünf Schlauchleitungen. Obgleich gewaltige Wassermengen in die Glut geschleudert wurden, konnte doch erst nach einer Stunde„Feuer aus" gemeldet werden. Die Auf- räumungsarbeiten nahmen dann noch mehrere Stunden in Anspruch. /Ins aller Welt. Eisenbahnkataftrophe bei Ejfen. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Schnellzuge und einem Straßenbahnwagen hat sich am Fdeitagvormittag in der Nähe von Essen ans einem Bah n- Übergänge zugethagen. Ein von Oberhausen kommen- der Eilzug überfuhr zwischen Dellwig und Bergebor- b e ck einen Straßenbahnwagen der Suddeutschen Straßen- bahngesellschaft, wobei drei Personen im Straßenbahnwagen getötet und achtteilsschwer, teils leicht verletzt wurden. Getötet wurden Gustav B o s s e Im a n n- Bochum, Emil H o l l w e g- Essen-Riitten- scheid sowie eine Frau, deren Personalien noch nicht haben ermittelt werden können. Die Getöteten und Verletzten wurden nach dem Krankenhans Philippusstift in Borbeck- ge° bracht./'.' lieber die Einzelheiten des Unglücks erfahren wir noch folgendes: Nachdem der Schaffner des von Borbeck kommen- den Straßenbahnwagens ordnungsgemäß die Strecke abge- nommcn und das Zeichen zum Weiterfahren gegeben hatte, bemerkte er erst den heranbrausenden Eilzug 163 Ober- hausen— Hamm. Seine Bemühungen, den Straßenbahn- wagen noch zum Stehen zu bringen, waren erfolglos. Der Schrankenwärter hatte die Schranke nicht geschlossen, weil er, wie er angibt, kein Signal gehört hat. Der Eilzug fuhr dann gegen den Straßenbahnwagen, erfaßte ihn am Hinterperron und warf ihn ungefähr 16 Meter weit gegen die Mauer der Zeche N e u k ö l n. Der Straßenbahnwagen wurde vollständig zertrümmert. Hilfe war schnell zur Stelle. Russische Richter. Einen Einblick in die unglaubliche Korruption der russischen Dcamtenschaft wird wieder einmal ein Prozeß gegen mehrere Richter aus Baku bringen. Der Prozeß richtet sich gegen den Richter Belaj ew und einige seiner Kollegen, die es. fertig bekommen haben, 800000 Rubel Gerichts- und Waisen- gelder zu veruntreuen. Die Hüter des Rechts haben bei ihren Unterschleifen schwere Urkundenfälschungen und sonstige Betrügereien verübt. Em englisches Unterseeboot gesunken. Von einem schweren Unglück, das dreizehn M e n- scheninLebensgefahr brachte, ist die englische Kriegs- marine betroffen worden. Das englische Unterseeboot A 7, das Freitag vormittag zusammen mit anderen Untersee- booten Manöverübungen in der Bai von C a>v s a n d machte, ist unbemerkt von den Booten gesunken. Erst nachdem die Uebungen schon einige Zeit dauerten, entdeckte man, daß das mit dreizehn Personen bemannte Boot fehlte. Von Plymouth wurde sofort Hilfe erbeten. Mehrere Rettungsschiffe gingen sofort an die Unfallstelle ab. Man hofft, das gesunkene Boot heben zu können. Einem Schisse der Unterseebootflottille ist es um ö Uhr nachnuttags gelungen, mit der Mannschaft des gesunkenen Bootes in Verbindung zu treten. Es erhielt die Nachricht, daß die g e s a m t e M a n n s ch a f t a m L e b e n ist. Ein später einlaufendes Telegramm meldet: Plymouth, 16. Januar-. Das gesunkene Unterseeboot„A 7" liegt 17 Faden unter WcMr. Die Bemühungen, es zu heben, sind bis um 7 Uhr abends erfolglos geblieben. Infolge der Länge der Zeit, die das Unterseeboot unter Wasser liegt, besteht nur noch sehr geringe Hoffnung, die Besatzung lebend zu bergen. Ter Hungertod. Aus R omr wird uns geschrieben: Dieser Tage hat man hier in einem Winkel unter einer Treppe eine alte Bettlerin im Zustande großer Erschöpfung aufgefunden. Ehe man der Siebzigjährigen Beistand leisten konnte, st a r b sie. Der Arzt stellte fest, daß sie a n Hju nger und Kälte ge starben war. Die Alte, die täglich auf der Straße bettelte, pflegte unter der Treppe auf einem Stuhl zu schlafen: ein Bett, oder auch nur eine Stätte, wo sie ihre alten Glieder hätte ausstrecken können, hatte die Siebzig- jährige nicht. In der Stadt der zahllosen Kirchen, in Rom, das bei wenig mehr als'/z Million Einwohner beinahe 4000 Automobile zählt, hat man die alte Bettlerin buchstäblich Hungers sterben lasten I Und das in diesen Festtagen, wo ein Wohltätigkeitstango den andern drängt!__ Bettler und Milionär. Ein merkwürdiges Doppelleben hat ein in New Dork sehr be- kannter Millionär geführt. In einem New Dorker Krankenhaus der- starb ein Bettler namens William Smith, der vor wenigen Tagen dort eingeliefert worden war. Als man seinen Nachlaß näher untersuchte, fand man unter den Papieren des Verstorbenen ein mit Duddly Jardine unterzeichnetes Testament, in dem die letzt- willigen Verfügungen über ein eine Million Dollar be- tragendes Vermögen getroffen waren. Die polizeilichen Nachforschungen haben nun ergeben, daß Smith und Jardine tat- sächlich ein und dieselbe Person sind. Welche Gründe dem Millionär zu seinem Doppelleben veranlaßt haben, ist noch nicht aufgeklärt. Man weiß nur, daß Jardine schon lange Zeit als Bettler durch New Dork zog und auch in einem elenden schmutzigen Zimmer, für das er einen Dollar pro Woche zahlte, wohnte. Auch als Bettler Smith hat sich Jardine verheiratet, und mit seiner Frau zusammengelebt. Ja, der Ehe find zwei Kinder entsprossen, ohne daß Jardine jemals seine Frau darüber aufgeklärt hätte, daß er Millionär sei. Kleine Notizen. Der tägliche Grubenunfall. Auf Schacht L der Zeche Rhein- Preußen in Homberg siikd am Donnerstag ein Steiger und zwei Häuer durch niedergehende Gesteinsmassen verschüttet und getötet worden. Die Leichen wurden geborgen. Vom Bulkanausbrnch in Japan. Nach den letzten Meldungen aus Kagoschtma sind bei der Katastrophe im ganzen<500 Menschen umgekommen. Am Uker der Bucht von Kagoschima sind alle Häuser, etwa 36000 an der Zahl, beschädigt worden. Die Heftigkeit der Erdstöße hat nachgelassen. Die Gefahr scheint vorüber zu sein. Die Kälte in Frankreich und Algier. Die starke Kälte der letzten Tage dauert mit unverminderter Heftigkeit in ganz Frankreich an. Aus allen Departements lausen Rachrichten über Unglücksfälle ein, die durch den Frost hervorgerufen worden sind. ES sind wiederum verschiedene Menschenleben der Kälte zum Opfer gefallen.— Aucki in Algier ist eine für diese Gegend außerordentlich niedrige Temperatur zu bezeichnen. Die Hochebenen sind meterhoch verschneit. 14 Personen, drei Männer, drei Frauen und acht Kinder sind erfroren. Die Eisenbahnverbindung zwischen Algier und Constantine war drei Tage unterbrochen._ Sriefkaften der Neüaktion. Tie juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres von 7— 9 Uhr abends statt. Sonnabends Sprechstunde von 4Vz—« Uhr nachmittags. E. L. 1000. Richten Sie eine Eingabe an die Ersatzkommission.— H.F. 14. 1. Ja. 2. bis 5. Besorgen Sie sich ein Armutsattcst und kommeir Sie damit sowie mit einem Attest eines Arztes oder einer Hebamme darüber, wann die Entbindung zu erwarten ist, in die Sprcchstuiid. Das Armcnattest beantragen«ie beim Armenvorilcher Ihres Bezirks.— Patent. 14. Die Anmeldung im Auslände ist erforderlich.— F. I. 8. l. Der Mieter ist an den Bertrag bis zum Ablauf desselben gebunden. Der Wirt hat das Kündigungsrecht. 2. Die Kündigung ist, soweit nicht» anderes bestimmt ist, jederzeit zulässig. Sie darf jedoch nicht zu einem Zeitpunkt erfolgen, zu welchem Nachteile oder sonstige Schwierigkeiten sür den Keschäslsbetrieb entstehen könnten.— G. E. 17. Die Höbe der Erb- Ichastssteuer richtet sich nach dem Grade der Verwandtschast.— E. W. 11. 1. Ergänzungssteuerpfltcht tritt ein bei einem Einkommen von K0V0 M. an. 2. Erbschastsstcuer bei einer Erbschast von 500 M. an. 3. Nur in einem eventuellen Strasversahren ist die Bank zur Auskunft vei pflichtet.— I.(f. 37. 1. Ja. 2. 30 Jahre. 3. Der Prozeß erscheint wenig aus- sichtsreich.— R. H. 1000. Dafür- sind die Statuten maßgebend.— H. Z. 13. 1. Der Gutsbesitzer ist berechtigt. Jbrem Vater mit der vcr- cinbarten oder gesetzlichen KündigungSfriit zu kündigen. 2. Ja.— D. H. 35. Haben Sie durch den Mictsverlrag die Verpfllchlung übernommen, so sind Sie auch zahlungspflichtig. Der Jahresstempel deträgt zwei Mark. — M. D. 03. Ein Strasaulrag war nicht ersordcrltch. Die Staats- anwaltschaft muß in solchen Fällen, soserii sie von dem Vergehen Kenntnis erhält, von Amts ivegen einschreiten.— C. St. 601. 1. Nur in der Sprech- stunde zn bcantlvortcn. 2. Dagegen läßt sich kaum etwas tun. 3. Nein. 4. Die Kosten des Prozesses richten sich nach den Vermögens- und Ein- lomnrensverhältnissen der Ehegatten.— O. W. 500. 1. Nein. Sosern monatliche und nicht Jahresmicte vereinbart ist, ist die Kündigung an jedem lö. zum daraussolgenden Ersten zulässig. 2. Verpflichtet sind Sie dazu nicht. Doch kann der Wirt im Weigerungsjalle den Vertrag mit obiger Kündigungsfrist auskündigcn.— Zt. W. 3 1. und 2. Wir halten etwa 20 M. sür angemessen, doch lönncn bci größeren Leistungen auch 30 M. gesordert werden. 3. Ja. 4. DaS fleht Ihnen srei, hindert aber nicht die Klage.— Nr. 17 148. 10 000 M. Die Sätze sind verlchiedcn. — F. 50. Die AntragSfrist beträgt drei Monate, von der Kenntnis ab gerechnet.— W. B. Nein. Wenden Sie lich an das Vormundschasts- gericht.— F. P. 14. Machen Sie der Ersatzkommission davon Mitteilung und ersuchen um die Genehmigung zur Auswanderung.— Maler 33. Die Reklamation bietet Aussicht aus Erfolg. Ihre Mutter kann ein Gesuch an die Ersatzbehörde richten.— Ch. 114 1. Da die Kündigung bis spätestens am 23. Dezember im Besitz des Eigentümers sein mußte, ist der Wirt im Recht. 2. Fordern Sie den Schlafburschen zur Abholung der Sachen auf unter der Androhung, daß Sie nach Ablauf der Frist die Sachen versteigern lassen würden. Nach Älblaus von 4� Wochen können �ie das auch tun. Wegen der Schlüssel können csie Klage aus Herausgabe derselben erheben. — I. 150. Nein.— Erbtante, l. Ja. 2. Das Testament kann dem zuständigen Amtsgericht übergeben werden, das ist aber nicht unbedingt er- sorderiich, jedoch zweckmäßig. 3. Ja, aber nur geringe. 4. und 5. Nein. — L. 15. 1. Ja. Sie müssen sich die Urkunden selber besorgen. 2. Sie müssen die vom Gericht verlangten Urkunden beschaffen.— H. Z. Nr. 37. Das bängt von den Vertragsbestimmungen ab.— Schöneberg 53. Dafür sind die Statuten der Krankenkasse maßgebend.— P. S. 30. Klagen Sie beim Eewerbcgericht Ihre Lobnsordcrung' ein. Gegen den De- nunzianten können Sie, sosern er lediglich'Anzeige bei der Staatsanwaltschast erstattet hat, nicht vorgeben.— C. M. 100. Die Verjährung würde drei Monate nach Kenntnis eintreten.— K. K. 85. Die Zinseu rechnen zum steuerpflichtigen Einkommen.— H. 1. Die Hälfte.— M. S. 17. 1. bis 3. Sie rönnen nur den Kunden verklagen und alsdann die Wäsche pfänden und versteigern lassen. 4. Ja.— Frau Riebold. Ihre Angaben reiche» nicht aus; kommen Sie in die Sprechstunde.— Kaffen 1914. Der Kassenbeitrag, den der Arbeitgeber zu leisten bat, beträgt 2 Prozent des Entgelts. Die Höhe des Beitrages des Hausgewerbetreibenden richtet sich nach den Bestimmungen des Kassenstatuts.— S. P. 300. I. Beim zuständigen Bezirkslommando. Alter nicht unter 15 Jahren, Körpergröße mindestens 151 Zentimeter, Brustumfang 70—76 Zentimeter. 2. Das müssen wir Ihrem persönlichem Empfinden überlassen. 3. Nein.— W. P 80. 1. Soweit der Lohn 28,85- Mark pro Woche übersteigt, ist wegen aller Forderungen die Pfändung zulässig. 2. Die zum Hausstand notwendigen Möbel müssen belassen werden. — P. Sch. III." Ist das Verlöbnis durch Verschulden des Mannes aus- gehoben worden und bat in Erwartung der Ehe Geschlechtsverkehr statt» gesunden, so hat das Mädchen Anspruch aus Zahlung einer angemessenen Entschädigung, falls sie zur Zeit der Verlobung unbescholten im«vinile des Gesetzes war.— I. P. Frankfurter Allee. 1. Sie müssen den Wirt auch vom Flur hereinlassen. 2. Besichtigungszeit wochentags von 10 bis 6 Uhr, Sonntags überhaupt nicht.— P. P. 18. 1. Beim Notar oder Gericht: privatschrisllich muß cs besonderen Erfordernissen genügen. 2. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. 3. Das Testament kann zu Hause aus- bewahrt oder au« bei Gericht niedergelegt werden. 4. und 5. Unver- sländlich.— A. B. 36. Von dem einen Ehegatten eigenhändig ge- schrieben mit Ortsbezeichnung, Dalum und Unterfchrist versehenes Wechsel- seitigcs Testament genügt. Der andere Ehegatte muß den gleichfalls eigenhändig geschriebenen, mit Datum, Ortsbezeichnung und Unlerschrist versehenen Zusatz machen, daß das vorstehende Testament auch als das seinige gilt. Kommen Sic mit dem gefertigte» Entwurf eventuell in die Sprechstunde.— F. C. 10. 1. Die Kündigung ist verspätet. 2. und 5. Nein. 3. und 4. Die stillschweigende Verlängerung des Vertrages kann sich immer nur aus 1 Jahr erstrecken. Haben Sie den Verlängerungsschein, der sich aus Iv Jahre erstreckt, erst jetzt erhalten, so protestieren Sie sofort dagegen und erklären Sie, die Versicherung nur auf 1 Jahr fort- setzen zu wollen. Erneute Kündigung zum'Ablauf des Versicherungs- jahres ist alsdann erforderlich.— X- Baumschulenweg. Leider nicht. — S. 340. 1. Beiin vierten Sohn 240 M. jährlich. 2. Rechtsanspruch besteht nicht; das steht vielmehr im Belieben des Vorgesetzten. 3. Nach dem Stande der Mutter.— P. N.. Schöneberg. Nur wochentags von 10 bis 6 Uhr, josern der Mietsvertrag nichts anderes bestimmt. stttgemeine Ortskrankenkane für Rerlin-Rlilrncrsdorf. Bekanntmachung. Die am 15. Januar 1314 vollzogenen Arbeitgeberloahleii haben folgendes Resultat erbracht: Abgegeben wurden 17 gültige Stimmen. Davon entfielen aus Liste I 12 und aus Liste II 5 Stiuiinen.- Es sind somit gewählt: Von Liste I als ordentliche Vorstandsmitglieder die Herren Richard Asdring, Kaiismann. Berlin-Halensec, Kursürstendamm 117 und Wilhelm Heinrich, Maurermeister, Berlm-WilmerSdors, Aachener Sir. 2/3; als Ersatzmänner die Herren: H. W. Höhne, Wcinagcnt, Berlin-Wilmersdori. Prinzregentenstr. 110, Richard LaschinSky, Kausmann. Am Secpark 85. Hermann Cohn, Apotheker, Wilhclmsaue 110 und G. Schmitt, Kunstmaler, Helmftedter Slr. 2. Von Liste II ist als ordentliches Bvrstandsniiiglicd gewählt: Herr Kausmann Otto Lübsc», Berlin-Wilmcrsdors, Waghüuseler Str. 18; als Ersatzmänner die Herren: Richard Henke, Malermeister, W. 50, Kulmbacher Str. 13 und Max Schiementz, Kausmann, Siegmaringer Str. 10. Bon den Arbeitnehmern war nur ein gültiger Wablvorschlag ein- gereicht. Die Wahl brauchte somit nicht stattzufinden. Es gelten als ordentliche Vorstandsmitglieder gewählt die Herren: 1. Richard Engelhardt, Wilmersdorf, Kaiseiplatz 5, 2. Adolf Krause,.Stukkateur, Neulöll», Saalestr, 12/13, 3. Alexander Wieser, Maler, Berlin, Sprengclstr. 21, 4. Otto Tolkmilt, Kontrolleur, Wilmersdorf, Bruchsalcr Str. 8, 5. Hermann Lundt, Schristietzcr, Wilmcrsdors, Parctzer Str. 4, 6. Frau Mathilde Beyer, Wilmersdorf, Holsteinische Str. 6. Als Erlatzmänner gelten die in der Liste Nr. 1— 12, beginnend mit dem Namen Max Donat, aufgeführten Personen. Die Wahlperiode gilt bis zum 31. Dezember 1917. Einsprüche gegen die Wahlen sind bis zum 2. Februar 1311 entweder beim Verficherungsamt Berliii-Wllmersdorf oder beim Kassenvorstand ein- zureichen. Bcrlin-Wilmersdors, den 16. Januar 13l4. Der Vorstand. Lübsen, Hertel, Vorsitzender. Schristsührcr. 267/10 Eisbahn am Tiktoriapark ca. 30000 Quadrat- Ack- Eingang meter groß CrMJlläüli Katzbachstraße Täglich: Großes Militär-Konzert bis 11 IJhr. Sammeln Sie die liegenden runden ProspeMe mrf derAbbü- dang denBonboniere'Wer 20 dieser ProSpeK- fe einsenaeterhälf eine refzenäe.Bonlxjnißrer graf ts.Verianqen Sie übercfll�tOT-Miamo- marhen.Sn allen Apofhehen und. Drogerien Sind�/gl?erf--Tatleöen,/J,Qr m.erftall lieh. MÄGBI' Bouillon- Würfel der feinste! Achtung vor Nachahmungen! Würfel einzelne Würfel Ar. 16. 31. Iahrgasg. 3. JSrilnjt des Junrörts" Strlinct PoMlotl Sonnabend. 17. Jannar 1914 Reichstag. 191. Sitzung. Freitag, den 16. Januar 1914, nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratZtisch: Kühn. Kurze Anfragen. Abg. Hofrichter(Soz.) fra�t an, ob dein Reichskanzler bekannt sei, daß dem jungen Mann Walter Stöcker in Köln der Berechtigungsschein für den ein- jährigfreiwilligen Militärdienst mit der Begründung entzogen sei, daß Slöcker sich als Sozialdemokrat in besonderem Maße im staatsfeindlichen Sinne agitatorisch betätigt habe, und ob der Reichskanzler gewillt ist, den Geschädigten wieder in den Besitz der ordnungsmäßig erworbenen Berechtigung zu bringen. Generalmajor Wild V. Hohenborn: Die Angelegenheit unterliegt noch der Prüfung im VerwaltungS wege.� Die Beantwortung der' Anfrage kann daher zurzeit nicht erfolgen. Abg. Dr. Trendel(Z.) fragt, ob es richtig ist, daß große Mengen von Gerste aus Ruß lanö fälschlich unter der Bezeichnung„Futtergerste" zu einem niedrigeren Zollsatz als Malz und Braugerste eingeführt worden sei und welche Maßnahmen der Reichskanzler gegen solche Umgehung der höheren Verzollung zu ergreifen gedenke. Ein Kommisiar «widert, daß von solchen Umgehungen der höheren Verzollung der Regierung nichts bekannt und daß sie auch nicht wahrschein- lich sei. Es folgt die Beratung des schleunigen, von den Kon- servativen, der Reichs Partei, dem Z entrum und den Ratio n alliberalen eingebrachten Antrages, die Frist zur Abgabe der Vermögenscrklärung für den Wehrbeitrag bis zum Februar zu verlängern und zu den In der Oeffentlichkeit geltend gemachten Zweifelsfragen über den Inhalt des Gesetzes und der Ausführungsbestimmungen durch Mit- leilung an den Reichstag Stellung zu nehmen. Abg. Erzberger(Z.): Der Wunsch, die Frist zur Abgabe der Vermögenserklärung für den Wehrbeitrag zu verlängern, ist durchaus berechtigt. Angesichts der großen Opfer, die die Bevölkerung bringt— die Begeilte» r u n g hat allerdings sehr abgeflaut(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) soll man den Leuten das Zahlen wenigsteo.'s gemütlicher machen. Äe'r zweite Teil des Antrags ist ebenfalls berechtigt, denn über riue-'große Reihe von Fragen bezüglich der Auslegung der Be- ftim'.nungen des Gesetzes herrscht vollkommene Unklarheit. Ferner w'.rv die wohltätige Bestimmung, daß diejenigen, die ihre Ver- MwgenSangnbe berichtigen, für die früheren Jahre von Slrafe und Nachzahlung frei bleiben, in verschiedenen preußischen Bezirken so ausgelegt, daß das laufende Jahr 1913 nicht zu den früheren Jahren gerechnet wird. Das spricht dem ge- suudcn Menschenverstand doch geradezu Hohn. Rcichsschatzsekretär Kühn: Für die Bemessung der Frist zur Abgabe der Vermögens- «rklärung war für den Bundesrat die Erwägung maßgebend. daß die erste Rate-deS Wehrbeilrages bald eingehen soll und daß bet der Aufstellung des Etats für 1915 bekannt sein soll, mit welchen Summen wir zu rechnen haben. Vor allem mußte aber darauf Rücksicht genommen werden, daß in den Bundesstaaten dieselben Beamten mit der Einschätzung betraut werden, die auch die Ein- schätzung zur Einkommensteuer ausführen, und in Preußen muß hierfür die Erklärung bis zum 21. Januar abgegeben fein. Eine Härte kann in dieser Bemessung der Frist wohl nicht erblickt werden, da sie für gewisse Gruppen von Steuerzahlern bis zum 15. April, in besonderen Fällen bis zum 31. M.a i und in jedem Einzelfalle auf Antrag ohne besondere Zeitbeschränkung verlängert worden kann. Ueber die aufgetauchten Zweifelt'ragen kann ich nur eine per- sönliche Meinung abgeben, das letzte Wo. t werden die richter- l i ch e n Instanzen haben. Die Bestimmung, daß, wer seine VerinögenSerklärung berichtigt, für frühere Jahre von Strafe und Nachzahlung freibleibt, fasse ich so auf, daß er vonStrafe überhaupt freibleibt, ebenso von Nach zablung für frühere Jahre, daß aber im laufenden Jahre die Steuer selbstverständlich von dem berichtigten Vermögen respektive Einkommen zu zahlen ist. Abg. Dr. Blunck(Lp.): Wir sind mit dem Antrag vollständig einverstanden. Mir ist es sehr zweifelhaft, ob die Einzelstaaten überhaupt das Recht haben. die Deklaration für den Wehrbeitrag als G r u n d l a g e für die Vermögenssteuer zu benutzen. Jeden'alls kann die Rücksicht auf die Einzelstaaten für uns nicht ausschlaggebend sein. Der Generalpardon muß selbstverständlich bis inklusive 1913 gellen. Abg. Rupp(k.) spricht ebenfalls für den Antrag. Abg. Erzberger(Z.): Die Gründe des Schatzsekretärs gegen unsere Ansicht sind nicht stichhaltig. Ueber die Zweifelsfragen sollten fortlaufend amt- liche Mitteilungen herausgegeben werden, damit auch die Abgeord- nelcn in der Lage sind, von ihnen gewünschte Auskünfte zu erteilen. Damit schließt die Debatte. Der Antrag wird e i n st i m m i g angenommen. Hierauf wird die erste Lesung des Gesetzes über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe fortgesetzt. Abg. Dr. Ouarck(Soz.): Das Austreten des Geheimrats Caspar bei der Begründung deS Entwurfs ließ jede Wärme, jedes energische Eintreten für die Sonntagsruhe vermissen. Im weiteren Verlauf der Debatte waren die Sitze der Regierung verlassen und glichen einer W ü st e, nur zuweilen erschienen einige Beduinen am Horizont. (Heiterkeit.)(Vizepräsident Paaschs rügt den Ausdruck als nicht der Würde des Hauses entsprechend.) Der Würde des Hauses ent- sprach auch nicht das Verhallen der R e g i e r u n g bei einer so »vichtigcn Frage.(Sehr ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei dieser einschneidenden Kulturfrage sind die Angestellten ganz und gar auf die Sozialdemokraten angewiesen, von allen anderen werden sie im Stich gelassen. Alles, waS der Entwurf vorschlägt. und zwar nach 20 jährigein Harren der Angestellten, ist eine Herab- setzung der fünfstündigen Sonntagsarbeit um ein ganzes Stündlein. Angesichts dieser Enttäuschung der Angestellten hat ein Vertreter des christlichen Zentrums noch den Mut. jetzt nach zwanzig Jahren den Zeitpunkt der Einbringung der Vorlage für ungeeignet zu erklären.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Man führt die kleinen �Gewerbetreibenden in den Mittelstädten und auf dem Lande an. Soll denn die Gesetzgebung über die Sonntagsruhe zum Tummelplatz für Mittel- standSretterei werden? Die Sozialpolitik kann sich nicht nach den rückständigsten Gewerbeverhältnijsen richten. Sozialpolitik heißt vielmehr Durchsetzung gewisser sanitärischer, hygienischer, kulturell- notwendiger Maßnahmen, selbst wenn die kleinsten Betriebe darunler leiden, denn der Kreis derer,' denen die Wohltaten der Sozialpolitik zugute kommen, ist viel größer und wichtiger.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es ist aber auch gar nicht richtig, daß die kleinen Gewerbetreibenden auf dem Lande durch die Einführung der Sonntagsruhe ruiniert würden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo kraten.) Den Berliner Detaillisten wollen Sie die Sonntagsruhe gönnen, aber nicht den Arbeitern auf dem Lande. Merken Sie denn nicht, daß dadurch der Anreiz zur Landflucht noch erheblich verstärkt wird?(Sehr wahr! bei den Sozialdemo kraten) In engherzig spießbürgerlicher Weise wandte sich Herr Erzberger gegen die Einheitlichkeit der Sonntagsruhe. Auch der Regelung durch Ortsstatul muß ein Riegel vorgeschoben werden, denn von den ortsstatutarischen Bestimmungen ist ein u n g e heuerlicher Mißbrauch gemacht worden, Arbeitszeit bis 7 und 8 Uhr abends ist zahlreich am Sonntag zugelasien worden. Vor allem trifft das in solchen Gemeinden zu, in denen das Drei- klassenwahlrecht bestehr; eingeschränkt ist die Sonnlagsarbeit besonders in süddeutschen Gemeinden, wo ein freies Wahlrecht besieht. Hamburg, das besonders stolz auf seine Unternehmer ist, zeigt dasselbe kleinliche Milieu wie der letzte Krautjunker. In Hamburg ist die Sonntagsruhe mit einer Tabelle ge� regelt, die für die verschiedenen Branchen verschiedene Arbeitszeiten einführt, darunter solche von 2 bis 7 Uhr abends.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren, welche gegen die Sonntagsruhe im Interesse des Mittelstandes auftreten, möchte ich fragen, ob sie denn bei den kleinen Kaufleuten auf dem Lande kaufen.(Zuruf rechts: Ja I) Ich bezweifle, daß Herr O e r t e l seine weißen Westen vom Lande bezieht.(Heiterkeit bei den Sozial demokraten.) Es ist ja bekannt, daß die Gutsbesitzer vornehmlich in den benachbarten Großstädten und vor allem in Berlin kaufen, ihre elegante st en Sachen beziehen sie von noch weiter her, aus Pari s. Mit Ihrer Freundschaft für die kleinen Leute auf dem Lande ist es also in der Praxis nicht weit her.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In Frankfurt werden Sie keinen Prinzipal finden, der irgend einen erheblichen Nachteil von der dort eingeführten vollen Sonntags ruhe gehabt hätte. Im Gegenteil, ich habe zahllose Briefe kleiner Prinzipale erhalten: Sorgen Sie für die volle Sonntagsruhe im Reiche! Nicht rückwärts, zu größerer Sonntagsarbeit, sondern vorwärts, zum freien Sonntagnachmittag. geht die Bewegung.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.).Je mehr diese Bewegung Fortschritte macht, desto leichter wird es auch dem kleinsten Krämer auf dem Lande sein, die volle Sonntags- ruhe durchzuführen. Die Haltung der»christlichen" Partei des Zentrums gegen die volle Sonntagsruhe ist vielleicht erklärlich durch den TerroriSmuS, der zum Beispiel in der Zentrumsstadt Linz am Rhein von den rückständigen Laden- inhadern gegenüber den Anhängern der vollen Sonntagsruhe aus geübt wird. Dasselbe wird berichtet aus Ouerfurth und Mannheim.(Zuruf im Zentrum': Ist das auch eine Zentrums- domäne?) Ihr Zwischenruf scheint zu beweisen, daß Sie sich mit diesen Bestrebungen nicht identifiziereil und daß Sie zugeben, daß die soziale Entwickclung mehr für die volle Sonntagsruhe spricht. Statt dessen aber lassen Sie Ihren Vertreter Erzberger gestern eine Art Erwerbschristentum proklamieren.(Oho! im Zentrum. Sehr gut I bei den Sozial« demokraten.) Das ist die neueste Phase in der Sozialpolitik des Zentrums. Herr Erzberger hat sich nicht gescheut, die große Zahl der Ueberrretungen der Sonntagsruhe als Beweis gegen die Sonntagsruhe anzuführen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Der erste Sonnlagsruheantrag ist bereits 1869 nicht vom Zentrum, sondern Won den S o z i a l d e m p k ea t e n gestefll worden. Sie sollten doch. soviel christliche Wahrheitsliebe. besitzen(Unruhe im Zentrum), um das zuzugeben. Vizepräsident Dovc: Ich nehme an. daß Sie kein Mitglied des HauseS damit ge meint haben, um so mehr, als der Abg. Erzberger das gestern nicht bestritten hat.(Abg. Erzberger: Es stand aber in seinem Konzept!) Abg. Dr. Quarck(fortfahrend): Nein, aber die gegenteilige Behauptung gehört zu dem Konzept Ihrer Agitationsreden draußen I Sorgen Sie nur dafür, daß diese sich im Einklang befinden mit Ihren Reden hier.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Freiherr. v. H erkling und noch früher Herr v. Schorlemer-Alst haben sich ganz anders ge- äußert als gestern Herr E r z b e r g e r.(Hört! hört! bei den So- zialdemokraten.) Ebenso hat erst neuerdings Herr Dr. Hitze einen ganz anderen Standpunkt eingenommen als Herr Erzberger. Ich wundere mich daher gar nicht, daß er hat darauf verzichten müssen, hier seinen weitblickenden sozialpolitischen Standpunkt dar- zulegen. Für ihn ist nicht der Geldstandpunkt maßgebend, sondern er sagt sehr richtig:„Nicht Geldreserven, sondern größere Reserven von körperlicher und geistiger Kraft und phy- ischer und sittlicher Gesundheit der Nation streben wir an." Unvereinbar ist die Haltung des Herrn Erzberger auch mit den Forderungen des christlichnationalen Arbeiterkongresses, wo Herr Stegerwald entschieden dagegen protestiert hat, daß der Mittelstand lebensmittclverteuernde Politik auf Kosten der Arbeiter treibt.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Ich bcdaure auch die Angestellten, die sich seinerzeit� für den Hansabund haben werben lassen und jetzt gegen die Sonntagsruhe unter Führung des christlichen Zentrumsführers Erzberger marschieren müssen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe ja immer noch, daß nach dieser ch r i st l i ch e n Ermahnung(Heiterkeit) Sie mit- helfen werden, mindestens das Schlimmste auS dem Gesetz auszumerzen, was noch eine Verschlechterung über den gegenwärtigen Zustand hinaus bedeutet und den Fortschritt zu einer besseren Regelung hemmt. Dazu gehört z. B. auch die Ausnahme der Proku- risten, die nur zur Umgehung des Gesetzes führen kann. Auch gegen die Ausnahme für die j ü d r s ch e n G e s ch ä f l e haben wir — natürlich nicht auS prinzipiellen, sondern aus praktischen Gründen große Bedenken. DaSAeußerste, was man zugeben könnte, wäre die Freigabe weniger Vormittagsstunden am Sonntag mit frühem Schluß am Vormittag, wenn das Hauptziel, die völlige Sonntags- ruhe, absolut nicht zu erreichen in. In den Kontoren ist die � onntagsruhe am ehesten durchzuführen. Eine Ausdehnung des Gesetzes auf die Apotheker ist dringend geboten, zumal schon heute durch freiwillige Vereinbarung eine umfangreiche Sonntagsruhe in den Apotheken durchgeführt ist, die nur durch die unlauteren Elemente unter den Apotheken� gestört wird. Es zeigt sich auch hier wieder, daß die Gegner der Sonntagsruhe nicht die saubersten Elemente sind und daß eine freie Vereinbarung nicht genügt.— Den Handlungsgehilfen, die jetzt für die Kuliuriorderung der vollen Sonntagsruhe' gegen die von Herrn Erzberger zum Teil noch überbotene schlechte Regierungsvorlage eintreten. gebührt unser Dank.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Hier sind die Handlungsgehilfen einmal einig gewesen ohne Unterschied der Partei, hier sollen sie auch weiter zusammenhalten und politische Energie entwickeln lernen, durch die nur eine große Bewegung durchgedrückt werden kann. Hoffentlich führt diese Einigkeit dann auch zu einer größeren politischen und organisatorischen Einigkeit der Handlungsgehilfen, an der es heute noch so sehr mangelt.„Forsche" ist uns in diesem Saale gepredigt worden. ES ist Forsche nach unten bewiesen worden, gegen schwache Leute, die sich nicht wehren können. Wir Sozialdemokraten verlangen hier Forsche in der sozialpolitischen Betätigung zur Stärkung der Volkskraft.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Neulich fiel das Wort:„Turmhoch über dem Schutz des einzelnen steht das Schicksal der Nation." Uebersetzen wir das ins Sozial- politische: So stark das Interesse einiger Prinzipale an dem brachen Sonntagseinnahme sein mag, viel höher steht daS Jntereile der Nation a n der Ertüchtigung der Jugend, am Schutz der Angestellten. Deshalb: Kämpfen Sie mit uns für volle Sonntagsruhe!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdem.) Abg. Birkenmayer(Z.) betont, daß im Interesse deS Mittelstandes auf dem Lande und in kleinen Städten eine vollständige, ganz streng durchgeführle Sonntags- ruhe nicht angängig sei. Im einzelnen bleiben die Ausführungen des Redners auf der Tribüne im Zusammenhang unverständlich, Abg. Marquart(natl.) bemerkt zunächst, daß er nur für seine Person, nicht für die Partei spricht. Von der Sonntagsruhe haben nicht nur die Angestellten Vorieil, sondern in hohem Maße auch die P r i n z ip a l e. � Der Handlungsgehilfenverband von Leipzig hat eine umsafiende Erbebung über die Ersahrungen gemacht, die mit der vollen Sonntagsruhe gemacht worden sind, und � es zeigt sich, daß diese durchweg günstig sind, daß Schädigungen nicht hervorgetreten sind. Bei der Gegnerschaft gegen die volle Sonntagsruhe hat man es vielfach nur mit Vorurteilen und Gewohnheiten zu tun. Wenn man nun auch nicht sofort zur vollen Sonntagsruhe übergehen kann, so sollte man doch die Sonntagsarbeit erheblich einschränken. Vor allem sollte das Gesetz in seiner Struklur auf den Entwurf von 1997 zurückgehen, der von dem Gedanken der völligen Sonntagsruhe ausgeht und die Aus- nahmen regell; statt dessen ist der Gedanke der völligen Sonntagsruhe in dem vorliegenden Entwurf ganz fallen ge- lassen, nur die Sonntagöarbeit wird geregelt.— Vor allem muß die T e i l u n g der S o n n t a g s a r b e i t S z e i t bc- seiligt werden. DaS ist auch dringend notwendig, wenn die Aus- Übung der religiösen Pflicht nicht erschwert werden soll. Religiöse Erbauung zwischen zwei Arbeitszeiten ist ganz unmöglich. Abg. Graf Posadowsky(Rp.): Die Vorlage scheint mir nicht so freundlich aufgenommen zu sein, wie man nach den vielen Anträgen und Anregungen in den letzten Jahrzehnten eigentlich hätte erwarten sollen. Ich be- grüße sie und bin der Regierung dankbar für den guten Willen, dem idealen Ziele einer vollen Sonntagsruhe näher zu kommen. Allerdings habe ich den Eindruck, daß man das Schiff, nachdem man es zu Wasser gelassen hat, jetzt dem Spiel von Wind und Wellen überlassen will. Das Gebot:„Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebenten sollst du ruhen!" ist für ein Hirten- Volk erlassen und bei unserem verwickelten Erwerbsleben nicht durchführbar. Die Interessenten sollten anerkennen, daß die Vorlage immerhin ein Schritt auf dem Wege zur Verbesserung ist. Der strenge englische Sonntag wird vielfach getadelt, aber trotz dieser Sonntagsruhe ist das englische Volk noch immer das reichste Volk der Erde, es beherrscht den größten Teil der Welt, und in keinem Landck der Welt hat die Kirche einen so tief« eingreifenden Einfluß wie in England. Der Fehler des englischen Sonntags ruht in einer puritanischen Gesetzgebung, die dem Volke den fröhlichen Lebensgenuß nimmt. Trotzdem bleibt der englische Sonntag eine Ouelle des reichsten Segens für das Familien» leben. Man soll doch auch daran denken, daß die Tätigkeit der Handlungsgehilfen sich im � allgemeinen i n dunkelen, lichtlosen Räumen abspielt, und daß zum Glück eines Volkes nicht nur Reichtum, sondern auch körperliche Gesundheit gehört. Deshalb unterstützt man ja die Jugendbewegung. Zur körperlichen Ertüchtigung der Handlungs- aehilfeu, würde die Sonutagsruhe. wesentlich beitragen. In der. vor- siegenden Form wird daS Gesetz noch nicht zur Verabschiedung ge- langen." Ich möchte es em Gesetz der Ausnahme nennen. Das ist sein Fehler. Es inüß möglichst klare Bestimmungen enthalten, die der Willkür der Auslegung durch die einzelnen Behörden möglichst entzogen werden. Vor allem hätte man das Gesetz aufbauen sollen auf dem Unterschied zwischen großen und kleinen Städten. In den G r o tz st ä d t e n Hai eine Sonntagsruhe, wie sie in diesem Entwurf vorgesehen ist, gar keine Bedeutung. Auch auS dem Ge« ftchtspunkt der Sonntagsheiligung wird die Sonntagsruhe empfohleu. Eine Heiligung besteht aber nicht nur im Besuch der Kirche, sondern auch darin, daß jeder Zeit bat, sich einen Tag in der Woche der Familie zu widmen, sich guten Lebensstoff zu verschaffen, in Gottes freier Natur hinauszutreten, und das Gleichgewicht gegen- über der Not und der Arbeit des Leben? wiederzugewinnen. So ist die Frage der Sonntagsruhe auch eine sittliche Frage.(Lebhaftes Bravo!) Abg. Fencrstciu(Soz.): Außer den Herren Marauart und Graf Posadowsky ist nur meine Fraktion rückhaltlos für die Kulturforderung der vollen Sonntagsruhe im Interesse der Handlungsgehilfen eingetreten. Auch ein Praktiker aus dem Kolonialwarenhnndel schreibt in dem Zentral- organ der Konservativen Süddeutschlands, daß der„jämmerliche Fortschritt", den die Vorlage bringe, die Handlungsgehilfen und auch viele selbständige Gewerbetreibende schwer enttäuscht habe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieser Praktiker betont ausdrücklich, daß die Kauslenie selbst unter der langen Sonntagsarbeit schwer leiden. Das beweist, daß von einem Ruin des Mittelstandes als Folge der vollen Sonntagsruhe nicht die Rede sein kann. Die Herren von der„christlichen"Zenlrumspartet er- innere ich an daS Bibelwort: Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebenten Tage ruhen. Wenn man grundsätzlich aus sittlichen, wirt- schaftlichen und kulturellen Gründen die Notwendigkeit der Sonntags- ruhe anerkennt, darf man auch keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Städten machen. In den Konsumvereinen sind die Arbeitsverhältnisse wesentlich besser, als sie hier geschaffen werden sollen. Ich hoffe, daß die Kommissiorndazu kommen wird, die volle Sonntagsruhe durchzuführen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg.' Pauly-Cochcm(Z.): Anstatt der Beseitigung des Wandergewerbes und der Schäden deS Hausierhandels. bringt man hier neue Schädigungen für den Mittelstand. Dabei handelt es sich vielfach um kleine Geschäftsleute, die gar kein Personal beschäftigen. Wenn die die Sonntagsruhe haben wollen, können sie ja ihr Geschäft schließen. Ich schließe mich durchaus dem Abg. Erzberger und dein Abg. Graf C arm er« Zieserwitz an, dessen Ausführungen mir besonders gefallen haben. Abg. Giesberts(Z.): Ich kann die Befürchtungen deS Mittelstandes nicht teilen. Immerhin aber müssen die Beschwerden des Mittelstandes in der Kommission sorgfältig geprüft werden. Im Prinzip sind wir alle darin einig, die SoiintaasvcrkallfSzeir auf das möglichste Mindestmaß zu beschränken. Die christlichen Arbeiter- und Auge« stellten-Organifationen haben sich für möglichst weitgehende Sonntagsruhe ausgesprochen. Aber ein Gegensatz zwischen christlich-nationaler Arbeiterschaft und dem Mittelstand besteht trotz- dem nicht. Wir können uns auf einer Basis einigen, die den sozialen Fortschritt wahrt und den Mittelstand nicht schädigt.(Bravo! i. Ztr.) Damit schließt die Debatte. Abg. Erzberger(C., persönlich): Ich bin nicht für eine Rück- wärtSrevidierung, sondern nur gegen eine Schablonisierung der Sonntagsruhe eingetreten. Das Gesetz wird an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern(unter Ablehnung des Antrags Erzberger auf Ueberweisung an die Gewerbekommission) verwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Sonnabend 11 Uhr: Etat des ReichSamts des Innern. Schluß ö'/« Uhr. Schuldig des Meineids oder Opfer eines Detektivs! Am 7. Tezember verwies, wie unsere Leser sich entsinnen, die (3. Strafkammer des Lmrdgerichts I die wegen fahrlässigen Mein- cides erhobene Anklage gegen die Stenotiipistm Hedwig Kunze dem Schwurgericht, weil eventuell wissentlicher Meineid vorliege. Gestern fand die Verhandlung vor dem Schwurgericht statt. Der Anklage ist ein Rattenschwanz von Prozessen voraus- gegangen. Tie Hauptperson in dieser Affäre spielt der seinerzeit in der Monbiter Untersuchungshaft durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Kaufmann Martin Ball. Dieser hatte seinerzeit in Gemeinschaft mit dem, wie es heißt, ebenfalls durch Selbst- mord in der Irrenanstalt Eberswalde aus dem Leben geschiedenen Leutnant a. D. Schramm eine Gesellschaft gegründet, die verschiedene Patente, so z. B. einen Haltestellenanzeiger, verwerten sollte. Später wurde von Ball auch noch die„Berliner Ausstellungs- Galerien W. in. b. H." gegründet. Zu dieser Zeit trat die jetzige Angeklagte 5hxnze und auch eine Frau Mapiera, die in den zahl- reichen Prozessen des Ball stets eine gewisse Rolle spielte, bei Ball eine Stellung als Kontoristin an. Wie behauptet wird, soll Ball, nachdem er mit Schramm in Feindschaft geraten war, eine Art Mcineidsfabrik gegründet haben. Insbesondere soll er die An- geklagte Kunze, nachdem er sich zum Vater ihres Kindes bekennen mußte, in den verschiedenen Prozessen als Mittel zum Zweck de- nutzt haben. Eine ähnliche Rolle soll auch der damals noch recht jugendliche Kontorist Biernath gespielt haben. Als schließlich das ganze Lügengewebe zusammenbrach und Biernath und Ball unter Anklage gestellt wurden, verübte Ball, als Biernath plötzlich ein Geständnis ablegte, Selbstmord duch Erhängen. Kurz vor der Er- Hebung der Anklage gegen Ball soll sich nun in dem Prwatkontor des Ball ein Vorfall abgespielt haben, der später zu einem Straf- verfahren gegen den k. u. k. Opernsänger Max Garrison wegen Beihilfe zur versuchten Verleitung zum Meineide führte. Garrison, der seinerzeit Direktor des„Lortzing-THeaters" war, war ebenfalls mit Schramm in Feindschaft geraten. In einem zwischen Schramm und Garrison schwebenden Privatbeleidigungsverfahren soll Ball den Versuch gemacht haben, seine Angestellte, die Frau Mapiera, zu veranlassen, vor Gericht auszusagen, Schramm habe versucht, sie gegen Zahlung von 15» Mk. zu einem Meineide zu verleiten. Hiermit sollte in dem Beleidigungsverfahren die Un- glaubwürdigkeit des Schramm erwiesen werden. Bei diesem Vor- fall will die jetzige Angeklagte Kunze zugegen gewesen sein und will gehört haben, wie die Mapiera auf das Zureden Balls und Garrison geantwortet habe:»Das kann ich nicht sagen, man würde mir ja sofort den Meineid nachweisen können." In dem Straf- verfahren beschwor die Kunze, daß sich dieser Vorgang so abgespielt habe. Garrison wurde auf dieses Zeugnis hin am 12. Oktober 1910 von der 3. Strafkammer des Landgerichts I, der sogenannten „Liebcrkammcr", wegen Beihilfe zur versuchten Verleitung zum Meineide zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Er hat diese Strafe, wie er stets behauptet hat, unschuldig in der Strafanstalt Rawitsch verbüßt. Sofort nach seiner Entlassung betrieb G. mit dem größten Eifer das Wiederaufnahmeverfahren. Er übergab die weitere Erledigung der Angelegenheit dem Detektiv Karl Graegcr, dessen Angestellter, der Detektiv Bruno Hoffmann, sich an die K. heran- machte und mit ihr ein Liebesverhältnis anfing, welches angeblich zur Ehe führen sollte. EineZ Tages legte die Kunze dem Detektiv das Geständnis ab, daß sie in dem Verfahren gegen Garrison nicht die Wahrheit gesagt habe. Später übergab sie sogar ein selbstgcschriebencS Geständnis dem Zeugen Graeger. Wie sich später ergab, hatte sie jedoch schon früher, ehe die Arbeit der Detektive begann, zu verschiedenen Personen ein damals nicht ernst genommenes Geständnis abgelegt, daß sie Garrison zu Un- recht beschuldigt und etwas Falsches ausgesagt habe. Die An- geklagte blieb bei diesem Geständnis auch später vor dem Staats- anwalt und vor dem Untersuchungsrichter. Daraufhin wurde gegen sie Anklage wegen fahrlässigen Falscheides erhoben. Die 6. Straf- tammer des Landgerichts I, die am 6. Dezember vorigen Fahres in dieser Sache zu verhandeln hatte, kam auf Grund der eigenen Angaben der Angeklagten zu der Ansicht, daß hier wissentlicher Meineid vorliege und verwies die Sache an das Schwurgericht. In der gestrigen Verhandlung erklärte die Angeklagte, die jetzt in einem Kinderheim tätig ist, auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie ihr Geständnis aufrechterhalten wolle, zur allgemeinen Ueber- raschung, daß sie unschuldig sei. Auf die weitere Frage, wie sie denn zu dem Geständnis gekommen sei, erklärte die Angeklagte: Sie habe von dem verstorbenen Martin Ball ein Kind; trotzdem die Erben zur Zahlung von Alimenten verurteilt worden seien, habe sie von ihnen noch nicht einen Pfennig erhalten. Sie habe sich damals uiit ihrem Kinde in bitterster Not befunden und sei froh gewesen, daß sie in der Person des Hoffmann, der sie doch heiraten wollte, einen Menschen ge- funden habe, an den sie sich hängen konnte. Als ihr dann von Hofsmann die Worte in den Mund gelegt worden seien, habe sie zu allem Ja gesagt und ein Geständnis, wie es von ihr verlangt wurde, abgelegt. Die Vernehmung der Angeklagten entrollte ein überaus trübes Bild der Lebensschicksale der Angeklagten. Sie ist wie ein willenloses Werkzeug in den Händen dunkler Existenzen im Leben hin- und hergeschleudert worden, um dann schließlich nochmals auf das schrecklichste enttäuscht zu werden, als sie nach manchem Hungertage von dem Detektiv Hosfmann in den Glauben versetzt wurde, er werde sie heiraten und alles Elend ein Ende haben. Unter Tränen schilderte die Angeklagte, die vor dem Richtertisch auf einem Stuhl saß, wie böse es ihr mitunter im Leben ergangen war. Hoffmann habe ihr seinerzeit eine Stellung bei der Firma Zucker u. Co. besorgt, deren Prokurist ein Bekannter des Zeugen Garrison war. In dieser Stellung habe sie 6 bis 7 M. pro Woche verdient und damit sich und ihr Kind unterhalten müssen. Sie habe sich an den.Bund für Mutterschutz" gewandt und von diesem auch Hilfe erhalten. Die Angeklagte betont immer wieder, baß ihr früheres Ge- ständnis nicht richtig fei, sie habe schließlich infolge der permanenten Einwirkungen der Eheleute Hoffmann das sogenannte Gestäirdnis abgelegt. Sie habe seinerzeit auch gefürchtet, Hoffmann, der sich als unverheiratet ausgegeben hatte, werde sie nicht heiraten. Außerdem habe Hoffmann ihr gesagt, sie habe nichts zu befürchten, denn er werde dafür sorgen, daß sie entmündigt werde. Vom Rechtsanwalt Dr. Schwindt wird auf den bekannten, ganz analogen und das Treiben mancher Detektivs beleuchtenden Fall des Detektivs Schwarz hingewiesen, der es verstanden habe, aus einem Dienstmädchen, welches ebenfalls unter dem Einfluß eines Heiratsversprechens gestanden habe, die unglaublichsten Sachen herauszuholen, die sich nachher als vollkommen erfunden heraus- stellten. Schließlich wird von dem Verteidiger auch noch bemerkt, daß der Detektiv Bruno Hoffmann schon seit längerer Zeit wegen Geisteskrankheit entmündigt ist. Medizinalrat Dr. Hoffmann gibt bezüglich des Geisteszustandes der Angeklagten folgendes Gutachten ab: Die Angeklagte ist eine nervöse, ausgesprochen hysterische Person. Es ist leicht möglich, daß ihr in dem desolaten Zustande, in dem sie sich damals befand, suggeriert ist, sie habe einen Meineid geleistet. Sie weiß offenbar heute selbst nicht mehr, ivas wahr und nicht wahr ist. Gegen den Detektiv Hoffmann hahe, nachdem ein Strafverfahren wegen ver- suchter Erpressung anhängig gemacht worden war, ein Entmündi- gungsverfahren geschwebt, in wslchem er, Sachverständiger, ein Gutachten abgegeben habe. Hoffmann, der bei der Untersuchung stark auftrug, sei dann wegen Geisteskrankheit entmündigt worden. Das Strafverfahren gegen H. habe deshalb bis heute noch nicht erledigt werden können.— Der Sachverständige hat die aus- gebliebene Zeugin, Frau Mapiera, in ihrer Wohnung aufgesucht und festgestellt, daß diese tatsächlich schwer krank im Bett liegt. Der frühere k. u. k. Hofopernsänger, jetzige Gesangslehrer Max Garrison bestreitet jetzt unter Eid, den Versuch gemacht zu haben, die Mapiera zu einem Meineid zu verleiten bzw. dem verstorbenen Ball hierzu Beihilfe geleistet zu haben, er sei tatsächlich von der Lieber-Kammer � unschuldig verurteilt worden. Nach Berbüßung seiner Strafe habe er sich an den Detektiv Graeger gewandt, um Material zur Aufklärung der ganzen Angelegenheit zu eruieren. Wie dieser und namentlich wie der Detektiv Hoffmann vorging, habe er nicht gewußt. Die Zeugin, Krankenschwester Bonke, hat die Angeklagte Kunze in einem Jungfraucn-Berein kennen gelernt. Etwa im März, also lange bevor die Detektivarbeit begann, hat die K. sie aufgesucht und gesagt: es bedrücke sie etwas schwer, sie sagte aber nicht, was sie be- drücke. Die Ehefrau des Detektivs Hoffmann, der selbst nicht erschienen ist, weil er eine Reise unternommen habe, ist mit diesem zusammen tätig gewesen, um die Angeklagte zu umgarnen. Es war dies nicht lange nach ihrer eigenen Heirat. Die Zeugin hat, wie sie bekundet, neben der 5innze in der Steinmetzstraße 17 ein Zimmer gemietet und mit ihr einen freundschaftlichen Verkehr inszeniert, während ihr Ehemann in der Rolle eines„Herrn Heinz" in ein Proforma-Liebesverhältnis zu ihr trat. Die Kunze habe immer von selbst von allen möglichen Prozessen, von Garrison, von Meineiden und wie diese gemacht werden usw., gesprochen. Sie habe stets die Ansicht vertreten, daß Garrison zu Unrecht verurteilt worden sei, doch habe nicht sie, fon- dern ein anderer daran schuld. Erst später habe sie auch einmal gesagt, daß sie den Garrison unglücklich gemacht habe, dies sei erst gewesen, als sie, Zeugin, erzählte, sie sei aus Ostpreußen und kenne solche Dinge überhaupt nicht. Sie beide hätten mitunter bis tief in die Nacht hinein zusammengesessen, die Kunze habe geweint und sie habe aus Mitleid mit der K. mitgeweint. lUnruh« bei den Ge- schworenen.— Vors.: Na haben Sie denn keine Bedenken gehabt, in dieser Weise vorzugehen? Das ist doch eigentlich unehrenhaft.— Zeugin: Die Polizei macht doch alles Mögliche, um Verbrechen auf- zudecken!— Vors.: Sie können überzeugt sein, daß wenn ein Kriminalbeamter �so borgehen würde, wie Sie und Ihr Mann, er nicht einen Tag länger im Dienst bleiben würde. Die Zeugin erzählt dann mit riesiger Zungenfertigkeit, wie die Kunze, die sich mehr und nckhr an sie gewöhnt hatte, ihr eines Tages das Geständnis abgelegt habe, einen Meineid geleistet zu haben. Die Zeugin hat dann dafür gesorgt, daß sie mit der Kunze und dem Herrn„Heinz" gemeinsam ein Abendbrot einnahm und die Kunze bei dieser Gelegenheit ihr Geständnis vor„Herrn Heinz" wiederholte. Als sie schon in Erkner wohnte, sei dann eines Tages Herr Graeger, der als„Rechtsanwalt" bezeichnet wurde, erschienen und auch vor diesem habe die K. das Geständnis abgelegt. Für den Fall, daß Garrison freigesprochen werde, sei ihr, Zeugin, ein Honorar von 500 M. zugesichert worden.— Die Kunze hat einen langen Bericht über ihre Erlebnisse in der ganzen Garrison-Affäre verfaßt und den Hoffmannschen Eheleuten auf Verlangen attestiert, daß sie von diesen, weder durch Versprechen, noch durch Ueberredung zu ihrem Geständnis bewogen sei und daß sie den Bericht selbst ver- faßt habe. Die Zeugin bleibt dabei, daß die Kunze ihr Geständnis aus freiem Antriebe abgelegt habe. Zu welchem Zweck Herr Dr. Geyer geholt worden sei, um die Kunze zu untersuchen, wisse sie nicht.— Der Vorsitzende hält der Zeugin vor, sich durch falsche Aussagen nicht unglücklich zu machen:„Es ist gewiß nicht schön, wie Sie gehandelt haben, belasten Sie Ihr Gewissen nicht auch noch mit einem Meineid!"— Die Zeugin muß schließlich auf wieder- holten Vorhalt etwas widerwillig zugeben, daß ihr Mann, der jetzt außerhalb weilt, gestern in Berlin gewesen ist.—- Der Vorsitzende stellt fest, daß er sich dann also seiner Vernehmung absichtlich zu entziehen scheine. Der Zeuge, Detektiv Graeger, erklärt in seiner Vernehmung, daß er bedauere, die Vergangenheit des Hoffmann nicht gekannt zu haben, andernfalls hätte er ihn nicht beschäftigt.— Vors.: Es wäre doch wohl in erster Reihe vorauszusetzen, daß man in einem solchen Betriebe nur gewissenhafte und zuverlässige Personen beschäftigt.— Zeuge: Das ist ja richtig, aber es gibt doch in Berlin sogar Detektei- Inhaber, die mit Gefängnis oder sogar mit Zuchthaus bestraft sind. Es ist schlimm in Berlin!— Der Zeuge bekundet weiter, Hoffmann habe den Auftrag gehabt, sich an die Kunze heranzumachen und zu sehen, wie die Sache eigentlich liege. Garrison habe ihm 1700 M. für seine Bemühungen bar bezahlt und 10 000 M. schriftlich ver- sprachen, wenn er freigesprochen werden sollte. Das sei aber doch ganz unsichere Zukunftsmusik. Tatsächlich habe er in dieser Sache große Ausgaben, die sich zusammen auf 5000 M. belaufen mögen, aus eigener Tasche gedeckt, u. a. auch 600 M. bar an Garrison selbst gegeben, sowie für ihn in Höhe von 200 M. gutgesagt. Er habe aus den Berichten der Frau Hoffmann die Ueberzeugung gewonnen, daß die Kunze wirklich einen Meineid geleistet haben könnte. Er habe nicht gewußt, daß Hoffmann der Kunze die Ehe versprochen habe, damit würde er auch nie einverstanden gewesen sein. Daß man in solchen Ermittclunflssachcn auch einmal ein kleines Verhältnis beginnen müsse, fei nichts besonders Auffälliges.— Vors.: Es ist doch zweifellos ein gröblicher Vcrtrauensbruch, wenn man sich erst das Pcrtrauen einer Person erschleicht und dies dann gröblich miß- braucht!— Zeuge: Ich weiß, daß noch ganz andere Sachen gemacht werden. Ich bin lange bei der politischen Polizei gewesen und habe es da auch nicht anders gelernt.— Der Zeuge hat dann in der Rolle eines Rechtsanwalts, als solcher war er von Hoffmann bezeichnet worden, die Kunze in Erkner mehrere Stunden ver- nommen. Er weist jeden Verdacht einer unzulässigen Beeinflussung der Kunze bei der Wiederholung des Geständnisses zurück.— Gelegentlich der weiteren Vernehmung erklärt der Vorsitzende auf eine Bemerkung des Zeugen, daß sich bis in die neuere Zeit auch die Gegenpartei an die Angeklagte herangemacht habe:„Es wäre drin- gend zu wünschen, daß der Angeklagten in Zukunft von keiner Partei noch Aufmerksainkeit geschenkt werde, damit das arme ge- hetzte Wesen endlich einmal zur Ruhe kommt!" Das Ersuchen des Zeugen, die Angeklagte selbst möge ihm bestätigen, daß er selbst in keiner Weise inkorrekt gegen sie vorgegangen sei, wird von dem Vorsitzenden abgelehnt. In der weiteren Verhandlung ereignete sich ein etwas unge- wöhnlicher Zwischenfall. In einer Pause, noch vor Schluß der Be- Weisaufnahme, trat einer der Geschworenen an den Verteidiger der Angeklagten heran und überreichte ihm die Summe von 150 M. alS Ertrag einer unter den Geschworenen während der Verband- lung vorgenommenen Sammlung für die Angeklagte, damit diese mit ihrem Kinde vor der äußersten Not bewahrt bleibe. Mehrere noch nachträglich geladene Zeugen bekundeten, daß die Angeklagte auch ihnen gegenüber erklärt habe,„sie habe dem Garrison Unrecht getan und zu seinen Ungunsten einen Meineid geleistet". Einer Arbeitskollegin hat die Angeklagte erzählt, daß sie aus Liebe zu dem Leutnant Schramm einen Meineid geleistet habe. Auf die Erwiderung der Zeugin:„Aber Fräulein, wie konnten Sie denn so etwas tun?" habe die Angeklagte erwidert:„Ich habe den Mann zu gern und ich würde für ihn, wenn er es verlangt, noch einen Meineid leisten." Zu derselben Zeit hat die Angeklagte übrigens auch an Garrison einen Brief geschrieben, in welchem sie ihm eingesteht, einen Meineid geleistet zu haben und ihn biriei» ihres Kindes wegen ihr zu verzeihen. In der achten Abendstunde wurde die Beweisaufnahme. ge- schloffen.— Die an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lau- teten auf wissentlichen Meineid und fahrlässigen Falscheid. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Assessor Falk, schickte seinem Plädoyer die an die Geschworenen gerichtete Bitte vorweg, beide Schuldfrage» zu verneinen. Die Angeklagte sei offenbar dem suggestiven Einfluß des Detektivs Hoffmann erlegen, in dessen Garn sie geraten sei. Dieses Verhalten müsse gebrandmarkt werden, es sei als ein öffentlicher Krebsschaden, als höchst gemeingefährlich zu bezeichnen. Der Staatsanwalt begründet sodann in längeren Aus- führungen seinen aus Freisprechung lautenden Antrag. In später Abendstunde gaben die Geschworenen ihr Votum auf Nichtschuldig ab. Das Glicht sprach die arme, hysterische, durch Privatdetektivs bis an die Schwelle des Zuchthauses gebrachte Angeklagte frei. Jugenöbewegung. Jungdeutschland in Kommißstiefeln. Wieder ergeht eine hohe Freudenbotschaft an die bürgerliche Jugendbewegung. Tie Jungdeutschlandsöhne werden für würdig befunden, die Füße schon vor der Militärzeit in preußische Kommiß- stiefel zu stecken. In bürgerlichen Zeitungen liest man: Bei den Truppenteilen haben sich aus früheren Jahren kleinere Bestände von ungetragenen Kavalleriestiefeln, Jnfan- tcriestiefeln und Schnürschuhen in den kleinen Nummern 25, 26, 27 angesammelt, die für den Truppengebrauch nicht mehr ver- wendbar sind. Viele haben als Muster gedient, andere waren aus irgendwelchen Gründen unpaarig geworden, bei anderen entspricht die Form nicht mehr dem jetzt getragenen Muster. In dankenswerter Weise hat sich die Militärbehörde entschlossen, dieses Schuhzeug den vaterländischen Jugend ver- einen zur Förderung d e r I u g e n d p fl e g e zu über- lassen. Dies ist um so wertvoller, als bekanntlich das Schuhzeug unserer Armee aus dem vorzüglichsten Leder hergestellt wird, wie es sonst nur bei den allerteuersten SchubwariM Verwendung findet. Die Abgabe erfolgt zu einem mäßigen Abschätzungs- preise ausschließlich durch das Königliche Zentralgestangnis in Werl(Bez. Arnsberg), das mit der Leitung der Verwertung aller Altmaterialien der Heeresverwaltung betraut ist. Dccs neue Schuhzeug wird daselbst aufgefrischt, paarig zusammengestellt, nötigenfalls paarig umgearbeitet, so daß es für den Gebrauch durch junge Leute bei Wanderungen und Felddienstübungen ausgezeichnet geeignet ist. Die Abgabe an Einzelbesteller ist aus- geschlossen. Berücksichtigt werden nur solche Bestellungen, welche durch den Vereinsvorstand unter dem Pereinssiegel mit der aus» drücklichen verpflichtenden Erklärung erfolgen, daß das Schuh» zeug ausschließlich zum Gebrauch für jugendliche Vereinsange» hörige bestimmt sei, dritten Personen nicht überlassen und auch nicht veräußert werden soll. Daß der Verein sich der Vater- ländischen Jugendpflege widmen muß, falls er nicht einer der großen Jugendpflegeorganisationen, wie beispielsweise dem Jungdeutschlandbunde, angehört, durch ein Zeugnis der Polizeibehörde, des Bezirksausschusses für Jugendpflege oder am besten des.Bezirksvertrauensmannes des� Jungdeutschlandbundes nachgewiesen werden. Wenn berücksichtigt wird, wie in vielen ärmeren Landesteilen oder in den Industrie- städten mit bedürftiger Bevölkerung das Streben, die Jugend wieder hinauszuführen in Feld und Wald, gerade daran scheitert, daß die Jungen gar kein oder schlechtes, ungeeignetes Schuhwerk haben, so kann die Benutzung dieser Gelegenheit, zu einem sehr mäßigen Preise vorzügliches Schuhwerk zu erhalten, den Vereins- leitungen warm empfohlen werden. � So wirds gemacht! Mit Hurrageschrei lockt man nicht viel Proletarierjungen heran. Aber wenn man ungeschulten jungen Arbeitern freie oder ermäßigte Bahnfahrten, freie Unterkunft und nun gar noch Schuhzeug umsonst gewähren kann, da läßt sich mancher arme Junge fangen. Vorbedingung ist allerdings, daß er „vaterländische" Gesinnung heucheln muß, wenn er sie nicht hat. So will man denn mit preußischen Militärstiefeln„aus Vorzug- lichstem Leder" der bürgerlichen Jugendbewegung auf die Beine helfen. Wäre es nicht doch vernünftiger, einmal den Ursachen nachzu» gehen, warum soviel Jugendliche„gar kein oder schlechtes, un- geeignetes Schuhwerk" habern_ Eingegangene Druckschriften. Zur russtschen Gcschichts- und Rcligionsphilosophie. Soziolo» gische Skizzen. 2. Bd. von Tb. G. Ma'artzk. 12 M., geb. 14 M. Ptzilosophie der Technik von E. Zschimmer. 3 M., geb. 4 M. E. Diederichs. Jena. 01b Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrlgateure, Spritzen etc., tSnapcniiorlen. sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Erstklassige Briketts::.» 1000 Stock M. 0. Halbsteine M. 0.80, Gaskoks I M. 1.75. Steinkohlen M. 1.75. == Brennholz.[ Michel-Brikett-Veitrieb | XcuköUn,Telephonl610 1 Knesebeckstr. 148. 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Vortrag des Kollegen Fritz Carl. 2. Diskussion. 3. Branchen. angelegenheitin und Verschiedenes. Achtung! Gürtler! �htung! Montag, den IS. Januar 1.91.4, abends Uhr: Große Versammlung d-r Berliner Gürtler und Kronenschlosser im großen Saale des<»ew«rb«clialtsluiii»e», Engeluser 15, Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Branchenkommissio». 2. Diskussion. 3. Neu» Wahl des Branchenoertreters. 4. Neuwahl der Kommission, des Kassierers und der Revisoren. 5. Verschiedenes. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 110/17 Sie vrt»v«rH»altaax. Vor.v»>tiinx Berlin. Modell- u. Fabriktischler. Montag, den 19. Januar 1914, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthalcr Str. 11/1Ü: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. ErgänzvngSwablen zur Kommission. 3. Wahl der Delegierten sür die Generaloersammlung. 4. Verbands« und Branchen- angelegenheiten. DM" vi« Tersammlang wird pünktlich eröffnet."M Alabaster-Branche. Sonntag, 1$. Januar, vorm. 9'/, Uhr, bei Eicke, Schönleinftr. 6: Versammlung fämlliliitr m Alabaster-Kctrieben bkschWgtrn Drechsler, Schleifer, Dnndsögenschneider, Packer iisru. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchen� angelegenheiten. Bezirk Osten II. Montag, 19. Januar, abds. 5'/, Uhr, bei Grunwald, Memelcr Str. 67: l�lßtgliecler»Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag'deS Kollegen Wilhelm Nitfchke über„Die Volksfürsorge und die Schäden der Privatvcrsicherungen�. 2. Verbandsangclcgenheiten. Zu dieser Versammlung sind die Frauen der Kellegen freundl. eingeladen. Möbelpolierer. Montag. 19. Januar(gleich nach Zheierabend), in den Andreas» Sälen, Anderasstrahe LI: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Ritter über: Kranken» ▼erslchcrung. 2. Bericht der Kommission. 3. Wahl der Branchenleiwng. Knchenmöbeltischler. Montag, de« 19. Januar, abends K Ubr. im Englischen Garten, Alexanderstrahe S7c: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. JahreBbcrlcht.— 2. Neuwahl der Branchenkommissio».— Hl. Branchenangelegenheilen. �__ Kistenmacher. MeuStag. ZO. Januar, abends 8 Uhr. bei Boeker. Weberstr. 17 t Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl der Delegierten und der Kommission. iL Branchenangelegenheiten. SV* Die Kollegen der Firma Stolz sind zu dieser Versammlung l�onoerS eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert J> 81/1# Die OrtoTerwaltonc. Zwelgvereln Berlin. Mitglieäer- veriammliingen. Sonnabend, den 17. Januar 1914, abends 8 Uhr: Zehlendorf bei Mickley, Potsdamer Straße 25. Sonntag, den 18. Januar 1S14, vormittags 10 Uhr: Siide� bei Pfeffer. Kottbuser Ufer 61. Oranienburger Vorstadt bei Dahms, Schlegelstraße 9. Moabit im„Gesellschaftshaus", Wiclefstraße 24. Wilmersdorf im„Viktoria-Garten", Wilhelmsaue 114/115. (kleiner Saal), Schöneberg bei Ebrecht, Meininger Straße 8. Maricudorf bei Richter, Chausseestraße 27. Steglitz bei Heizmann, Florastraße 4. Reinickendorf bei Anders, Hauptstraße. Gesundbrunnen im Lokal Frisch, Badstr. 12. Schmargendorf im„Waldkater", Warnemünder Str. 15/16. Tagesordnung w allen Versammlungen: 1. Vortrag über: Tie Arbeitslosenunterftützung im Bauarbeiter- verband. 2. Neuwahl der Bezirksleitung. 3. Vorschläge zur Neuwahl des ZweigvereinSvorstandcs, der Revisoren sowie der Schlichtungs- und Bc> chwerdekommissionen. 4. Verschiedenes. 140/6 BV Wir ersuchen um vollzähligen Besuch obiger Versammluugen."�BO Zugleich weisen wir darauf hin, das? durch die Einführung der ArbcitSlosenunterstühung Umbauten des Bureaus notwendig find, weswegen Bibliotheksbücher jetzt nicht ausgegeben werden können. Der Verstand. Zentralverband der Steinarbeiter Deutsclilands Zahlstelle Berlin SO. 16, flngelafer 15 I. Fernspr.: Amt Moritzplatz 11371. Steinarbeiter! Sonntag, den 18. Januar, vorm. 19 Uhr, i« den Arminhalle»» Kommandantenstr. 58/59: kombinierte Versammlung. Tie Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Wegen der Wichtigkeit derselben ist jener Kollege verpflichtet zu erscheinen. Um Pünktlichkeit ersucht 171/2* Tie Ortsverwaltung. Verein Berliner Buchdruck-Mascliinenineister, Infolge überaus starker Teilnahme sind wir gezwungen, die Besichti- gung an 2 rcsp. 3 verschiedenen Tagen vorzunehmen. Am Sonntax, den 18. d. K. dürfen also nur die angemeldeten Mitglieder mit dem �nfarcgsbuchstalien A. bss K. vertreten sein. Der Termin sür die spätere Besichtigung wird zur geeigneten Zeit bc« kannt gegeben. 27/3 Der Verntand. Bekanntmachung betreffend die Wahlen der Vertreter und Ersatzmänner zum Ausschuß der Ortskrankenkasse der Buchbinder zu Berlin. Die Wahlen aus dem Kreise der Arbeitgeber finden statt am Montag, den 9. März 1914, von nachmittags 5— 7'/, Uhr, im Kassenlokal, Straiaucr Str. 7—9, vorn II. Die Wahlen aus dem Kreiie der Versicherten am Sonnabend, den 7. März 1914, von nachmittags 2 bis 8 Uhr in den Lokalen: 1. GewerkschastSbauS, Engelufer 15, 2. Restaurant Mielisch, Friedrichstr. 16, 3. Restaurant Eckart, Müllerstr. 163. ES sind zu wählen von den bei der Ortskrankenkasse der Buchbinder zu Berlin beitragspflichtigen Arbeitgebern 39 Vertreter und«9 Er- satzinännrr, von den bei der Kasse Versicherten 99 Vertreter und 129 Ersatzmänner. Die Wahlperiode dauert bis 31. Dezember 1917. Wahlberechtigt sind die volljährigen Arbeitgeber und Versicherten der Ortskrankenkasse der Buchbinder, Berlin. Wählbar als Vertreter der Arbeitgeber sind nur solche Arbeitgeber, die sür ihre versicherungspflichtig Beschästigtcn Beiträge an die OrtSkranken- lasse der Buchbinder zu zahlen haben. Arbeitgeber, die selbst versichert sind, zählen zu den Arbeitgebern, wenn sie rcgelmägig mehr als zwei Ber. sichcrungspflichtige beschäftigen: andernsalls zu den Versicherten. Für die Wählbarkeit stehen den Arbeitgebern bevollmächtigte Betriebsleiter, lSe< schüstssührcr oder Bctriebsbeamlc der beteiligten Arbeitgeber gleich. Nicht wählbar sind Mitglieder einer Bebörde, welche AussichlSbejugnisse haben. Jeder wahlberechtigte Versicherte hat eine Stimme. Die Arbeitgeber führen bis zu 100 versicherungspflichtig Beschäftigter sür je angefangene lg, und wegen der über 100 hinausgehenden Zahl sür je angefangene 20 Be- schästigte eine Stimme. Mehr als 30 Stimmen kann kein Arbeilgeber sühren. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei ber Kasse versichert ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Weder wählbar noch wahlberechtigt sind die Arbeitgeber unständig Be« schästigter als solche, sernec Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Er- satzkasse sind und deren eigene Rechte und Pflichten aus ihren Antrag ruhen. Nicht wählbar ist: 1. wer infolge strafgerichtlicher Verurtellung die Fähigkell zur Be. tleidung össcntlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Ver- brechcns oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, falls gegen ihn das Haupt» verjähren eröffnet ist: 2. wer insolge gerilbtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Wer als Arbeitgeber wählbar ist, kann die Wahl nur ablehnen, Ivenn er 1. daS sechzigste Lebensjahr vollendet hat; 2. mehr als vier minderjährige eheliche Kinder hat; Kinder, die ein anderer an KlndeSstatl angenommen hat, werden dabei nicht mit- gerechnet; 3. durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist, das Amt ordnungS- mätzig zu sühren; 4. mehr alS eine Vormundschaft oder Pflegschaft führt. Die Vor- mundschast oder Pflegschaft über mehrere Geschwister gilt nur als eine: zwei Gcgenvornrundschasten stehen einer Vormundschast, ein Ehrenamt der Reichsversicherung einer Gegenvormundschast gleich: 5. während der unmittelbar vorhergehenden Wahlzeit daS Amt mindestens zwei Jahre gcsührt hat. Ein Arbeitgeber, der die Wahl ohne zulässigen Grund ablehnt, kann vom Vorsitzenden des Vorstandes mit Geldslrascn bis zu sünsyundert Mark bestraft werden. Die Wahlen sind geheim; gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl nach näherer Bestimmung der im Anhang bcigesügten Wahlordnung. Die Wahlberechtigten werden hiermit ausgefordert, Wahlvorschläge, gesondert sür die beteiligten Arbeitgeber und Versicherten, aufzustellen und dem umerzeichneten Vorstand einzureichen. Für die Versicherten ist als lehtcr Termin der 7. Februar 1914. sür die Arbeitgeber der 9. Februar 1914 zur Einreichung festgesetzt. Die Wahloorschläge sind unter der Adresse: UllhIbureaudtrOrtskraNkeukasse derKuchbinder, Kertiu, Stralaukr Ztrajje 7-9, II, einzureichen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zusammen mindestens 30 Stimmen unterzeichnet ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. an der neuen -Seerstratze sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur aus dem zuerst eingereichten Wahloorschlage gezählt und auf den übrigen Vorschlägen gestrichen. Sind mehrere Wahloorschläge, die von demselben Wahlberechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unterschrift aus demjenigen Wahtvorichlage, welchen der Unterzeichnete binnen einer ihm gesetzten Frist von höchstens zwei Tagen bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichnete, so entscheidet das Los. Jeder Wahlvorschlag darf höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als Vertreter zu wählen sind. Die einzelnen Bewerber sind unter sort< laufender Nummer auszuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien, und Vor-(Ruf>)Nameii, Berus, Wohnort und Wohnung zu bezeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt sind, anzugeben. Mit den Wahlvorschlägen sür Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, dasi er zur An» Nähme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen sür Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur erforderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der Reichsversichcrungsordnung zur Ablehnung der Wahl besagt ist. In jedem Wahlvorschlag ist serner ein Vertreter des Wablvorschlages und ein Stellvertreter sür ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu be- zeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlages und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wahlvorschlagsoertreier ist berechtigt und ver» pflichtet, dem Vorstande die zur Beseitigung etwaiger Anstände ersorder- lichcn Erklärungen abzugeben. Die zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche vor der Wohl im Kassenlokal während der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 1UH: mittags zur Einsichtnahme sür die Wähler ausliegen. Daselbst können auch die Arbeit- gebcr- und Mitglicdcrverzeichnisse cingelehen werden und etwaige Einsprüche gegen die Richtigkcft der sich aus dem Arbeitgeber, und Mitgliederverzeichnis ergebenden Wahl- und Stimmberechtigung bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens zwei Wochen vor dem Wahltag unter Bcisügung von Beweis. mittel» geltend gemacht werden. Enthält ein Wahlvorschlag mehr Bewerber als zugelassen sind, so werden diejenigen Vorgeschlagenen gestrichen, deren Namen den in der zulässigen Zahl vor ihnen Genannten folgen. Die Wahlvorschläge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den ersorderlieben Unterschriften versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge ausgesührt sind, es sei denn, dag die Mängel rechtzeitig beseitigt werden. Die Stimmabgabe ist an die Wahloorschläge gebunden. Die Wähler haben sich über ihre Wahlberechtigung durch cmc Wahlkarte auszuweisen, welche dem Wahlberechtigten aus seinen Antrag in der Zeit vom 16. Februar bis zum 4. März während der Bureaustunden im Kassenlokal ausgestellt wird. Die beteiligten Arbeitgeber können sich in derselben Zeit daselbst be» scheinigen lassen, wieviel Stimmen sie bei der Wahl sühren. Das Wahlrecht wird in Person und durch Abgabe eines Stimmzettels ausgeübt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse versehen und im Wahlraum bereit zu halten sind, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt und übergibt hierauf den Umschlag unverschlossen unter Nennung seines NamcnS dem Vorsitzenden oder dem von diesem be- zeichneten anderen Mitglied des Wahlausschusses. Dieser läßt die Abgabe des Umschlages in der zu sertigenden Abstimmungsliste vermerken und wirst dann denselben in die Wahlurne. Jeder Umschlag ist sür die Aus» nähme eines Stimmzettels bestimmt. Die Arbeitgeber mit mehrfachem Stimmrecht erhalten daher sür jede Stimme, die sie haben und abgeben wollen, je einen Umschlag. Die Zahl der von ihnen abgegebenen Umschlage ist in der Abstimmungsliste zu vermerken. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihren stimm. zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilfe einer Vertrauens. perfon bedienen. Der Stimmzettel ha! die OrdnungSnummcr des Wahlvorschlaaes zu enthalten, sür den der Wähler stimmen will. �..., Die Stimmzettel sollen von weitzer Farbe sein und einer Große, die der Vorstand bestimmt. Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen ab- weichen, sind ungültig, wenn daS Abweichen die Absicht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Stimmzettel, die mit keinem der zugelassenen Wahlvorschläge überein» stimmen, oder die oder deren Umschläge ein Merkmal haben, welches die Abficht einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht, oder die unterschrieben sind, find ungültig. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse versehenen Umschlag befinden. Ungültig ist ferner der Inhalt eines Stimmzettels, soweit er zweiselhast ist. Befinden sich in einem Umschlag mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie vollständig übereinstimmen, nur einfach gezählt, anderenfalls als ungültig angesehen. Zur scstgesetzten Stunde schlieft der Wahlausschuh die Wahl(ß 4). Nur die am Schlug der Wahlhandluna im Wahlraum anwesenden Wahler dürsen dann noch von, ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. 267/8 Berlin, den 17. Januar 1914. Ortskrankenkasse der Buchbinder, Berlin, Ttralauer Str. 7-9, II. H. Gottesmann, Vorsitzender. Fr. Heese, Schriftführer. c/N für unferer ffandteen Abteilung Izurackgefefcie Sdlamander£fiefel N.MuUertfraße 4 verkaufen wir jedes Paar für Damen für Herren. MR-ZSO Mk.-S.SO Salamander Schuh�ef. m.b.H.« Berlin Ortskrankenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe zu Berlin. DienStag, den 27. Januar 1S14, abends 8 Uhr, im Saal I de» Gewerkscbaftshaoscs, Engelufer 15 s Außerordentliche Generakersammlang. Tagesordnung: 1. Aerztlichcr Vortrag. 2. Veschlustfassung über die neu. einzuführende Krankenordnung, g 347 d. tS..V..O. o. Verschiedenes. 267/7 Zu Punkt 2 und 3 sind nur die G-n..Bers.»Vertreter zugelassen. An den ärztlichen Vortrag können auch die Mtglieder der Kasse teilnehmen. A. Gottesmann. Vorsitzender. Fr. Keesc. Schristsührer. Di'.Limmol Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Äk 19—2, 6—7. Sonntags 10—12. oo o;(�Lfirco_L��iiu� o bcjspiello® liilliflfeiÄS£s£sg5 Viele Celegenheitsposten! Herren-Kleidung Jiuavet kauft werden: fireße Posten Wlntor-UI«t«r regul. Wert bis 18.— 27.— 83.— 56— 45.— Jetzt 12.25 17�0 20.50 23.50 26.50 0reße Pesten Wlnter-Patotots regul. Werth ie 21.— 80.— 86.— 45.— Jtht 13.50 21 50 25.50 38.50 ftrtS« P.atea Jackott- AnxQg. resul. Wertbi« 83— St.— 40.— lebt 22.50 2550 27.50 30.60 0r«B« Pasten Hosen, moderne StoSarten und Muster, darunter aus Resten gearbeitete regul. 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Es erhellt hieraus, daß die Einsichtnahnie in die Wähler- liste eine sehr dringende Pflicht eines jeden Wahlberechtigten ist. Ist jemand verbindert, sich selbst davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im„Vorwärts" bekannt- gegebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach Aus- händigung einer Legitimation mit der Einsichtnahme in die Liste. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeinde- angehorige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist; 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt; 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat; 4. keine Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfängt; 5. die auf ihn entfallenden Genieindeabgaben bezahlt hat und außerdem ») entweder ein Wohnhaus in dem Gemeindebezirk besitzt oder i>) von seinem gesamten innerhalb des Gemeindebezirks be- legenen Hausbesitz einen Jahresbeitrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder e) zur Staats- Einkommensteuer veranlagt ist oder zu den Genieindeabgabcn '»ach einem Jahreseinkommen von mehr als MO M. herangezogen wird. Als s e l b st ä n d i g wird nach vollendetem 24. Lebens- fahre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Chambregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur Aus- Übung des Gemeind»wahlrcchts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht; es ist erforderlich, daß man die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt. Die Listen liegen vom 15. biszum 30. Januaraus, und zwar in:' Adlcrshof. Während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im hiesigen Gemeindeamte 2, Posadowsky- stratze 1, Zimmer Nr. 3. An Sonntagen von 8Vj bis Uhr vormittags. Alt-Glienicke. Im hiesigen Gemeindebureau während der Dienststunden. Britz. Im Wahlbureau, Chausseestr. 50, und zwar an den D«chentagen von äVj Uhr vormittags bis 3)4 Uhr nachmittags, sowie an den Sonntagen von 10 bis 2 Uhr. Buckow. Im Gemeindebureau, Torfstr. 29. Bruchmühle. Im Gemeindebureau. (kichwalde. Im Gemeindebureau, Grünauer Straße 49, an den Wochentagen von 9 bis 3 Uhr, sowie Sonntags und am 27. d. Mts. von 11 bis 12 Uhr. Frirdrichshagen. Im Rathause an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags. Grünau. Während der Dienststnnden im Gemeindeamt, Zimmer Z Hohen-Schönhausen. Im Rathaus, Hauptstr. 39, Werktags von 9 bis 1 Uhr, Sonntags von 1V bis 12 Ubr. Johannisthal. In» Gemeindcbureau, Rathaus, Zimmer 2, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mittags. jtiinigswustcrhausen und Wildvu-Hoherlehme. In den Gemeindebureaus während der Dienststunden. Ferner wird an folgenden Stellen die Einsichtnahme in die Wählerliste bewirkt: Für K ö n i g S w u st e-r h a u s e n beim Gastwirt Ernst Gebert, Luckenwalde! Straße 5, sowie bei deni Maurer Wilh. Buchwalder, Potsdamer Straße 74 II. Für Wildau- Hoherlehme bei dem Zigarren Händler Adolf Taenzer, Blank- straße, sowie bei dem Gastwirt Wilh. Kodaneck(Wildauer Hof). Lankwitz. Im Rathaus, Zimmer 24, von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Lichtcrfcldc. Während der Dienststunden von 8 bis 8 Uhr und Sonntags von 11 bis 1 Uhr im hiesigen Gemeindebureau, Schiller- straße 32, Zimmer 11— 13. Lichtenrade. Im Gemeindeamt, Dorfstr. 36, wochentags von 8 bis 3 Uhr, außerdem am Sonnabend, den 17., und Mittwoch, den 21. d. Mts., nachmittags von 6 bis 8 Uhr, sowie am Sonntag, den LS. d. Mts., von 9 bis 12 Uhr vormittags. Marirndorf. Während der Dienststunden im Rathause, Kaiser- straße 12S i, Zimmer 17, wochentags von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, Sonntags von 12 bis 1 Uhr inittags, außer- dem am 28., 29. und 39. Januar auch noch nachmittags von ö bis 8 Uhr. Für die verhinderten Wähler wird in allen mit Plakaten ver- sehencn Geschäften Einsicht genommen. Maricnfclde. Im Einwohner-Meldcamt der hiesigen Ge» meindeverwnltung, Kaiserallee 20. Zimmer 1, werktäglich während der Dienststnnden von 8 bis 3 Uhr, Sonntags von 9 bis 19 Uhr. Nieder-Schöncwride. In den Gcmeindegeschäftszimmern hier- selbst, Grünauer Straße 1 I, während der werktäglichen'Dienst- stunden. Rieder-Schönhausen. Im Rathaus, Zimmer 24, werktags von 8 bis 3 Uhr und Sonntags von 11 bis 1 Uhr. Lber-Schönewcide. Im Gemeindeamt, Zimmer 14, in den Ge- schäftsstunden von 8 bis 3 Uhr. Nowawes. In den Bureauräumen Lindenstr. 56, Erdgeschoß links, während der Dienststunden. Pankow. Im Rathause, Breitestr. 25/26, Zimmer 24, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Am Sonntag, den 18. und LS., sowie am Dienstag, den 27. d. Mts., von 9 bis 1 Uhr. Reinickendorf. Im Rathaus, Hauptstr. 88/49, Zimmer 11, Wochentag» von 8 bis 3 Uhr und Sonntags von 8 bis 19 und von 12 bis 1 Uhr. Treptow-Baumschulenweg. Im Rathause, Neue Krugallee 1--3, Zimmer 49, von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, an den Sonntagen von 9 bis 19 Uhr vormittags und am Dienstag, den 27. d. Mts., von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. Rosenthal. Im Gemeindebureau, Hauptstr. 22, von 8 bis 8 Ubr, an den beiden Sonntagen sowie am 27. Januar von 11 bis 12 Uhr. Rudow. Im hiesigen Gemeindeamt von 8 Uhr vormittags bis 4 Ubr nachmittags. Schmargendorf. Im Rathaus während der Tienststunden. Schmöckwitz. Im hiesigen Gemeindebureau, Kaiser-WilhelmS- Platz 12, während der Dienststunden. Steglitz. An den Wochentagen von 8 bis 3 und von 5 bis 7 Uhr. an den Sonntagen von 11)4 bis 12)4 Uhr und am 27. Ja- nuar von 8 bis 1 Uhr im Zimmer 47 des Hauses Schloßstr. 36 II. Schönow. Im Gemeindebureau während der Dienststunden. Außerdem kann auch beim Genossen Richard Duckwitz Einsicht in die Liste genommen werden und zwar von 19 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, auch Sonntags.> Tegel. Im Gemeindehause, Veitstr. I, Zimmer 15, Wochen- tags von 9 bis 1 Uhr, an den Sonntagen und am 27 Januar nur von 11 bis 12 Uhr.— Neben der Wählerliste liegen dort auch noch die beiden Bezirkslisten aus, aus denen zu ersehen ist, zu welchem der beiden Bezirke jeder Wähler gehört. Tcmpclhof. Im Gemeindebureau, Dorfstr. 42, Zimmer 8, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittags. Treptow. Im Rathause, Neue Krugallee 1/3, Zimmer 49, in den Tienststunden, und zwar an den Wochentagen von 9 Uhv vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags, an den Sonntagen von 9 bis 19 Uhr vormittags und am Dienstag, den 27. Januar von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. Wannsee. Im Gemeindebureau, Zimmer 5. Wcißcnsec. Im Rathause, Albertinenstr. 6, ZimMer 13, während der Dienststunden. � Die Abschristen der Listen für den zweiten und vierten Wahl- bezirk liegen von heute, Sonnabend, den 17. Januar, ab auch beim Genossen Peuckcrt zur Einsichtnahme aus. Für die verhinderten Wähler haben sich die Inhaber der mit Plakaten belegten Ge- schäfte zur Einsichtnahme bereit erklärt. Wittcnau-Borsigwaldc. Im Rathaus, Zimmer 39, von 8 bis 3 Uhr. Aus der amtlichen Bekanntmachung ist leider nicht zu er- sehen, ob auch, wie anderwärts, die Einsichtnahme an Sonn- tagen geschehen kann, was sehr Notwendig wäre in Rücksicht auf die außerhalb der Gemeinde Beschäftigten. Zeuthen. Im Gemeindeamtes Kurfürstenstr. la, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste gebe man unter Beibringung der Steuerquittung sofort zu Protokoll. Die Neuwahlen öer Vertreter zum Charlottenburger Gewerbegericht finden am Donnerstag, den 22. Januar, von vormittags 19 Uhr bis 1 Uhr und von nachmittags 4 bis 8 Uhr statt. Wahlbezirke und Kandidaten. I. Wahlbezirk: Ahorn-, Akazien-, Alemannen-, AIlenburg-Allee, Ain Bahnhof Westend, Bahnhof gürnenbrunn, Baden-, Bayern-Allee. Branitzer Platz, Braunschweig-, Bundes-, Burqundcr-Allee, Christstraste, Danckelmannslr. 1— g und 52—61, Ebereschen-, Eichen-, Esch-nallee. Forst« hau» Westend, Franlen-Allee, Fredericiaslratze, Friedrich-KaU-Platz, Fürsten brunncr Weg. Fürftrnbrunn. Fürstenplatz, Garde-du-CorpssNaize, Eotbcn> Allee, Gotlfried-Keller-Strage, Haesclcrstraize, Halmitraße. Hessen-Allee, Holderlinslrake, Kaiserdamm 21—95, Karolingerplatz, Kastanien-, Kirschen-Allee, Klaus-Groth-Straße, Knobelsdorfsslraße zwischen Riugl bahn und Soorstraste, Koburg- Allee, Königin- Elisabetbstrahe, Königs weg-wischen Ringbahn und Eeichbildgrenze, Leistitowstratze, Linden- Longobarden-Zlllee, Magazinstraße. Markomannen-, Mecklenburg-, Mei- ningen-Allee, Mierscheidstraße, Mollwitzstraße, Nehringstr. 1— 6 und 26— 3t Reue Christstraße, Rußbaum.. Oldenburg-, Plantagen-, Pommern-Allt? Potsdamer Str. 1—22, Preußen- Allee. Reichskanzlerplatz. Reichsstraße. Rognitzstrage mii Epiphanientirche. Ruslerii-Allee, Sachsenplatz. Saldern- jtraße, Rordseite zwischen Sophic-Charlotteftraßc und Ringbahn. Schauiw burg.-Allee. Schloßstr. 1—13, Schwarzburg. Allee, Soorstraße. Sophie- Charloltcnstr. 1—33 und 89— 118, Spandauer Berg, Spandauer Bock, Spandauer Chaussee, Spandauer Straße, Spreelal-Allce, Stormstraßc, «NUpnagetstraße, Thüringer Allee, Trabrennbahn, Ulmen-, Westend Württemberg. Allee. Wahllokal: R e st a u r a n t E r st l i n g, Am Bahnhof Westend 2. Kandidaten: 1. Eduard Hossmann, Mater. 2. Kart Do ose, Maurer. 2. Wahlbezirk: Bismarckstr. 58— 67 und 76—80, Danckelmanw straße 10—51», F ritsch estr. 10— 31 und 64—87, Grünstraße zwischen Kaiser- Friedrich- Straße und Hcbbclstraße, Hebbelstraße, Horstweg, Jägerstraßc, Kasier-Friedrich-Str. 1-30, 69—75, Kaiscrdamm 1—20, Knobelsdorfi'trgße von der Schloßstraße bis an die Ringbahn, Aönigsweg 1—11 und 53—61, Lulscnplatz 5—6, Nehringstr. 7— 25, Oranie» straße. Philtpplstraße, Potsdamer Straße 23—47, Rückerlstraßc, Saldernstraße, Süd- und Ostseite zwischen Sophie-Cbarlotte-Straße und Kaiserdamm. Scharrcnstr. 12—29, Schiller, straße 45— 52a, Schlogstr. 14—69, Sophie-Cbarlotte-Str. 34— 88, Sophie» Charlotle-Piatz, Stallstraße, Wallstr. 39—58, Wilmersdorfer Str. 38a— 45. Wahllokal: Restaurant S a l z rn a n n, Schloßstr. 45. ilandidaten i 1. Franz Huxol, Schneider. 2. Karl Köhn, Arbeiter. 3. Wahlbezirk: Abstimmungsbezirk A. Am Spandauer Schissahrtskanal, Am Spreebord, Bahnhos Jungsernheide, Brahestraßc, Darwinstraßc,• Forsthaus Jungsernheide, Gaugnraße, Goslarer Platz, Guslao-Adols-Platz, Habsburger User, Herschelstraße, Jlscnburgcr Straße, Jungsernheide sStadtpark), Kaiserin-Augusw-Allee 1—5 und 43—59, Kam- miner Straße, Keplerstraße südlich und nördlich der Ringbahn sStraße 57 bis Via), KlauSthaler Straße, Königin-Luisestraße, Königsdamm(Nord und Südseite), Krummelanke, Mindencr Straße, Möckeritzwicsen, Nonnen- dämm, Nonnenwiesc, Rordhausener Straße, Osnabrücker Straße, Quedttn- burger Straße, RicdemannS Privatweg, Sömmcringftraße, Strogen 6, 8 und 21— VI, Straßen 12, 63, 65— Via, Tauroggener Straße, Tegeler Weg, Thaters Prwalwcg, Wernigerodestraße. Wahllokal: Turnhalle der b./6. Gemeindeschule, Kaiserin- Augusla-Alle« 74. Abstimmungsvezirk B. Beussctftr. 17—90, Erasmusstraße. Hutlenstr. 17—73, Kaiserin. Augusla-Allcc 5a— 42(zwischen Vcrbindungskanal irnd Beussclstraße), Reuchlinstraße, Sickingenstraßc, Straße 24 und 40— Vi, Usnaustraßc, Wiebestraße. s Wahllokal: Restaurant Ernst, Reuchlinstr. 6. AbstimmungSbezirl C. Bahnhos Tiergarten. Berliner Str. 1 bis 10, Tovestraße, Englischcstraße, FranNinstratze, Gutcnberastraße. tzallcr- straße, Helmdottzstrage, Moifesiraße, Pascalstraße, Platz O-V-2, Saizuser, Straße 2-V-2, Straße B-V-2, Straße 10, 10a und 14-V-2, Tiergarten- mühte. Wahllokal: Restaurant Lehmann, Salzufer la. A b st I m m u n g e b c z i r k in. Berliner Str. 51—94, Brauhofstraße, Caprioibrücktz, Charlottenburger User 1— 40-, Eosanderstraße, Haoelstraße, Kirchhosstrage, Lohmeyerstr. 8—24, Luisenp.atz 1—4, Lützoweruraße, Lützow 1—15, Reisslraße, Röntgeiistr. 7a— 14, Rosinenstr. 12— 14», Siemens. sleg, i�preestr. 1—8 und 49—60, Wilhelmplatz 1 und la, Wilmersdorser Straße 1—6 und 166—167. Wahllokal: Restaurant Nack, Berliner Str. 88. Kandidaten: 1. Richrnd H en n i g, Dreher. 2. Konrad Zemetzki, Bauarbeiter. 3. Wilhelm R i ch l e r, Werkzeugmacher. 4. EmU Molilor, Dreher. 4. Wahlbezirk: Amtsgerichtsplatz, Bahnhos Charlottenburg, Bis- marckstr. 68—75, Dernburgptatz, Dernburgstraße. Fricdbcrgstraße, Fritsche- straße 32—63, Herbartstrage, Holtzciidmsslraße, Kaiser-Friedrich-Str. 31— 61a, Kaiserdamm 96—118, Kanlstr. 52—117, Königeweg 12— 52, Kruinme- straße 41—49, Äuno-Fischer-Straßc. Lconhardtslraße, Lietzenleeuser, Neue Kantstraße, Pcstalozzislr. 44—84, Riehlstraße, Rönnestratze, Lchillerstr. 53—72. Sophie-EbarloUe-Slr. 55—64, Sleifensandstrage, Stuttgarter Platz 1— 23. Suarezstrage, 2 rendclenbui gilraßi, Bilme, sdorser Str. 57— 66a und lOfr— 117. Windscheidsiioße, Witzlebenplatz, Witzlebenliraße. Wahllokal: Restaurant Zweig, Kaiser-Friedrich-Str. 49—50, Ecke Kam straße. Kandtdate«: 1. Paul Drusche, Lagerarbeiter. 2. Max Bernhardt, HandelShilsSardelter. ti. Wahldezirk: Berliner Strotze 11—50 and 95—169. Bismarck- straße 1—37 und 91—116, Cauerftrage, Charlottenburger User 41—83, praunboferftrotzi, Galvanistraße, Goeihestrage 13—30, Grolmanstr. 1— 6 und 69—72, Grünste. 1—15, Guerickestraße, Hardenbergstr. 1— 3, Hertz- straße, Kaiser-Friedrich-Str. 94— l06. Kirchpjatz, Kirchilr. 1—10 und 30—38, Krummestr. 1— 22 und 60— 83, Leibnizstr. 1—17 und 82—110, Lohmeher- strage 1—7 und 25— 27, Lützow 16— 17a, March straße. Neue Grolmanstraße, Röntgenstr. 1—7, Rosinenilr. 1—17, Sesenheimcrstr.>5—22, Scharrenstr. 1 bis 11 und 30— 39,«chillerstr. 1— 84a und 94b— 107, Schulstraßc, Sophien- straße. Sprcestr. 9—14 und 27-48, Wallstr. 1-27 und 75—103, Werner- Sicmens-Straße, Weimarer Str. 1—15 und 34—50, Wilmerdorser Str. 7 bis 17 und 157—165. Wahllokal: Restaurant.Prinz Luitpold", Berliner Str. 43, Ecke Cauerslraße. Kandidaten: 1. Rudolf M ü l I e r, Tischler, 2. Reinhold L u b a tz, Zimmerer, 3. Heinrich W o s ch k e, Putzer. «. Wahlbezirk: Bismarckstr. 33—57 und 81-90, Goethestr. 31-50 und 56—64, Goethepark, Grünstr. 16—30, Kantirr. 39—51 und 118— 130a, Kaiscr-Fnedrich-Str. 61b— 88 a und 76—93, Kanalstraße, Karl-August- Ptatz, Kirchstr. 11—29 und zwischen Wall« und Spieidagenstraße, Krumme-- straße 23—40 und 50—58, Leibnizstr. 69—81, Pestaiozzistr. 17— 43 und 85—92, Sejenheimer Str. 1—14 und 23—42, Spiethagenstraße, Spree- straße 15—26, Schillerstr. 35—44 und 73—94 a, Wallstr. 28—33 und 59—74, Weimarer Str. 16—33, Wilmersdorfer Str. 46—56 und 118— 156. Wahllokal: Restaurant Reimer, Wilmersdorser Str. LI. Kandidaten: 1. Heinrich Kropf, Arbeiter; 2. Max Li ehr, Asphaltarbeiter. 7. Wahlbezirk: Bahnhos Savignhplatz, Bleibtreustraße, Tlausewitz- straße, Dahimannstraßc, Droysenstraße, GeroinuSstraße, Giesebrechtstraße, Goethestr. 5— 17a und 65—83, Grolmanstr. 7—25 und 49—68, Haiden- bergslr. 4—5, Hcrderjtraße, kantstr. 22— 38 und 130b— 145, Knescbeckstr. 1 bis 53, Konstanzer Straße zwischen Olivacr Platz und Kursürstendamm, Kursürstendamm 40—89 und 183—202, Küstriner Straße(Nordseite), Leibniz- straße 18—68, Lietzenburger Str. 12—25, Mommsenstraße, Riebuhrstraße, Otioaer Platz 7-9. Pestaiozzistr. 1-16 und 92a-106. Roscherstraße. Savignypiatz 6-13, Schilleritr. 108—127, Schlüterstratze, Stadtdahnbogen 592—596, Slsbelftraße, Waitzstraße, Wielandstraßc, Wilmersdorf« Str. 67 bis 107a. Wahllokal: Restaurant Hellwig, Bleibtreustr. 41. Kanditmte«: 1. August Hammel, Tischler. 2. Otto Lehma»», Bauarbeiter. 8. Wahlbezirk: Ahornftrage, Ansbacher Straße, AugSburger Straße, Auguste-Bitloria-Platz, Bahnhos Zoologischer Garten, Bahrcuther Straße, Berliner Str- 170— 172, Catmerstraße, Courbierestr. 1—9», Eisenacher Str. 1 bis 8 und 114-122, Eislefcner Str. 1—10, Fasanenstraße, Geisbergstr. I bis 17, Grolmanstr. 26-48, Hardenbergstr. 6—42, JoachimSthaler Straße. Kalckreuthstraße, Kanlstr. 1—16 und 158—169, Kielganstraße. Kleiststraß-, Knesebeckstr. 54—100,»ursürstenallec. Kmsürstenstr. 97—137, Kurfürsten. dämm 10-39 und 203-245, Lietzenburger Str. 1—11, Lutherstraße, Maaßenftr. 5—9, MaiensEaße, Marburg er Straße. Meineckestr. 1—11 und 18—27, Wotzstr. 1—21, Neltclbcckstraße, Nollendorsplatz 1—4. Nürnberger Straße 1—28 und 49-69a, Olto-Lurwia-Straß», Passauer Str. 1— IIa und 22-43, Ranlestr. 1—16 und 23—36, Stadlbabnbogen 644—66« und 588 bis 591, Steinplatz. Nhlandstr. 1—33 und 165—197, Tauentztenftraß«. Witten- bcrgplatz, Worms er SNaße. Waftllokat: Restaurant G erdeS, Augsburg« Str. 28.«cke Mar- burger Strage. Kandidat: W i I h e l m D e r m i tz el. Kellner. Die Vertrauensleute werden ersucht, dafür z» sorge«, daß die Wähler rechtzeitig in Besitz ihrer Legitimationen kommen. Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerkschafts-Kommissio», Vorortnachrichten. Neukölln. Stadwerordnetenversammlung. Die erste Sitzung de» neuen Jahres am Donnerstag wurde mit der vom Älterspräsidente» Sradtv. Si i t s ch t e geleiteten Wahl des Borstandes eröffnet. Wiedergewählt wurden einstimmig: Stadtv. Sander(Altbürgerl.) als Vorsteher, Stadtv. Scholz(Soz.) als Borsteher-Stellvertreter, Stadw. Winter(Komm.-Fortschr.) als Beisitzer.— Als Pub lifo. ti-onsorgane der Versammlung wurden die beiden Ortszeitungcn bestimmt. Stadw. Groger(Soz.) beantragte, den Magistrat um eine Borlage über die Hersbellung amtlicher stenographischer Prot» kolle und deren Kosten zu ersuchen. Oberbürgermeister Kaiser erklärte die Bereitwilligkeit des Magistrats zur umgehenden Er» füllung des Antrages. Ein vom Magistrat vorgelegtes Ortsstatut bestimmt, daß die aus Kündigung angestellten Beamten und zur dauernden Dienst- leistung angenommenen Bediensteten sowie die Krankenschwestern, soweit sie einen Rechtsanspruch auf Ruhegeld und Hinterbliebenen» renke haben, von der V e r j ich er u n g s p f l ich t zur Ange» sie ll t e n v e r s i ch e r u n g befreit werden.— Stadtv. P a e tz c l i Soz.) bekämpfte die Vorlage, welche der Reichsversicherung die Schwachen und Kranken überlasse, ihr aber die guten Risiken ent- ziehe. Die Svziaireform habe doch den Zweck, vesormrerend und bessernd in die Verhältnisse der Sänvachen einzugreifen; da? sei in vollem Maße nur durch die Gesamtheit der Versicherungspflichtigen zu erreichen. Das Gesetz mag schlecht sein; es müsse dann eben gebessert werden. Die schon jetzt mögliche mnfassende Durchführung des Heilverfahrens bei Erkrankten sei doch' von hohem Werte; ebenso dürfe der Nutzen der Versicherung für die über kurz oder lang doch schließlich aus städtischem Dienst scheidenden weiblichen Bedienstaten nicht außer acht gelassen werden. Wenn in der Begründung gesagt werde, die in Betracht koiHmenden Angestellten wünschen selbst die Befreiung, so gehe das die Verscnnmluirg nichts an. Im übrigen feien es gerade die Angestellten und die deutschnationalen Hand- lungSgehilfen gewesen, welche geringschätzig die Verbindung mit der Arbeiterversichcrung ablehnten und nicht schnell genug die Extrawurst in Gestalt eines besonderen Angestelltenversichcrnngs- gesetzeS bekommen konnten. Wenn ihnen letzteres nun nicht paßt, so hätten sie daS ihrer eigenen Kurzsichtigkeit zuzuschreiben. Die Stadt müsse vorbildlich wirken, aber nicht etwa durch Umgehung der Reichsgesetzgebung.— Stadtrat Dr. Mann behauptete. Neu- kölln hätte das ebenso wie andere Städte durch Gewährung von Ruhegeld usw. längst getan. Diese Renten seien auch erheblich höher als die von der?ingestelltent>ersicherung. Auch erhielten er- krankte Bedienstete neben dem Gehalt Urlaub für Heilzweck«. Die im Ortsstatut vorgesehene Regelniig sei ohne Frage die bessere. — Stadw. W u tz ky(Soz.) erklärte, daß einer materiellen Er- gängung der reichsgesetzlichen Leistungen durch die Stadt ja nichts im Wege stehe. Ideell und sozial sei das Ortsstatut aber ungerecht; denn die in fester Stellung befindlichen Bediensteten würden von der Bersichcrungspflicht und damit von den hohen Beiträgen befreit, den in unsicherem Dienswerhältttis Stehenden würde aber durch den Abzug der Beiträge eine empfindliche Gehaltskürzung zuge- mutet. Werde das Ortsstatut angenommen, so beantrage er als Zusatz die Uebernahme der vollen Beiträge durch die Stadt für die auch ferner Versichern ngspslichiigen.— Dieser Antrag wurde jedoch mit 33 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmte auch die Kommunalfortschrittliche Fraktion, nachdem ihr Wortführer Stadw. Fischer eine Lanze für das Ortsstatttt gebrochen hatte. Letztere» fand darauf Annahme. Die gleiche Durchbrechung eines Reichsgesetzes bezweckte ein tveitcres Lrtsstatut, nach welchem die»ach 8 165 der Reichsversiche» rnngsordnung der Krankenversicherung unter liegenden Beamten und Bediensteten— mit Ausnahme der nur vertretunoö- oder aushilfsweise beschäftigten Lehrkräfte— von der Versicherungspflicht befreit werden sollen. Gewährleisten wollte man dafür entweder Anspruch auf Krankenhilfe in Höhe und Dauer der Regel- leistungen der Krankenkassen oder Bezüge im andertbalbsachen Betrage des Krankengeldes.— Stadtv. Wutzkh wandte sich mit den gleichen Gründen, wie sie schon bei der vorigen Vorlage geltend gemacht worden waren, auch gegen dieses Ortsstatut. Ganz unan- nehmbar sei dasselbe noch durch die in das Belieben des Magistrats gestellte Möglichkeit der Gewährung des 1% fachen Krankengeldbetrages, welcher— wie jeder Praktiker wisse— nicht entfernt als ausreichender Ersatz für die Regelleistungen der Kassen betrachtet werden könne.— Stadtv. Fischer beantragt« mit Rücksicht auf die gemachten Einwände Verweisung dieses Ortsstatuts an ein« Kom- Mission, während Stadtrat Dr. Mann davon nichts wissen wollte. — Die Versammlung beschloß Kommissionsberatung. Die vorgelegten neuen Bebauungspläne für daS Gelände zwischen Berg-, Thomas-, Hermann-, Kopf-, Lessing» und Stein- metzstraße und für das Terrain zwischen Weigand-Ufer, Treptower und Weserstraße fanden einstimmige Annahme. Für den Bau einer Desinfektionsanstalt auf dem tädtischen Gelände beim EiSiverk am Mittelbuschweg lagen Pläne und Kostenanschläge vor. Die Gesamtkosten beziffern" sich auf 285060 M. Stadtv. Dr. Silberstetn(Soz.) meinte spöttisch, Laß man als sanHi'äihriges Mitglied' der Versammlung dann und wann doch mal was erle'be. Schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts sei dieser Bau versprochen lvorden(.Heiter- Icit); aber beim Magistrat geht alles— außer wenn es sich um einen städtischen Weinkeller handelt(Sehr gutl)— recht langsam. Seit 7 Monaten sei auch das vorliegende Projekt fix und sertig, komme aber erst jetzt endlich zum Vorschein, obmahl das gegen- wältige Desinfektionswcsen Neuköllns als absolui unzulänglich, ja geradezu eine Farce bezeichnet werden müsse. Es gehe mit dieser wichtigen hygienischen Einrichtung wie bei der Badeanstalt, welche allem heiligen Versprechen zuwider anscheinend auch zu April nach nicht fertig werde. Der Antrag eines Schwimmklubs auf zeitweise Ueberlafsung der Schwimmhalle wurde für den bczeich- netcn Termin jedenfalls abgelehnt.— Der Magistrat schwieg sich über diese Kritik aus.— Die Vorlage wurde genehmigt. Der vorgelegte Entwurf einer abgeänderten Polizeivcrordnung betreffend das Kehrwesen fand heftigen Widerspruch.— Stadtv. Hoppe(Soz.) verwies darauf, daß auch im Kehrwesen schon seit' Jahren vom Magistrat versprochen worden ist, etwas Ordentliches zu schaffen. Statt dessen komme man wieder mit der fast unveränderten Verordnung und lasse die bekannten empören- den Zustände des Bezirksschornsteinfegermeistrrsystems bestehen. Dagegen müsse jetzt endlich etwas unternommen werden; er be- antrage, eine Kommission einzusetzen, um die Einführung der eigenen Regie vorzubereiten.— Stadtrat M i e r stellte fest, daß�die jahrelangen Bemühungen des Magistrats von den berufenen Fak- toren nicht gefördert worden seien. Auf eine vor drei Monaten an den Polizeipräsidenten gerichtete Anfrage, ob Bedenken' gegen die eigene Regie erhoben würden!, sei noch keine Antwort erfolgt.— Stadtv. K lo th(Soz.Z meinte, versagt hätten allerdings die Grund- besitze rvcreine, in denen man erst mutige Reden für die städtische Regie gehalten und die in ihrer Zeitung cknen Artikel"..Jctzt oder nie" gebracht hätten, die jetzt aber elend zusammengeklappt wären. Ihre Vertreter hätten gar die geradezu polizeiwidrige—„Klug- hcit" besessen, das Polizeipräsidium katzbuckelnd um die vorliegenden Aenderungen in der Polizeivcrordnung zu bitten und damit die hauptsächlichsten Mittel zur Anbahnung ordentlicher Verhält- niste aus der Hand zu geben. Vernünftigerweise habe der Grundbesitzerverein Kaiser-Friedrich-Stadt dagegen protestiert.— Die beantragte Kommission wurde beschlossen und in diese u. a. auch die Genossen Hoppe. Iben, Kloth und Schuch gewählt. Nach einer anschließenden geheimen Sitzung hielt vor den Mit- gliedern beider städtischen Körperschaften auf der Diele des Rat- Hauses. der Direktor des Statistischen Amts, Dr. Büchner, einen äußerst interessanten Lichtbildervortrag„Aus der S t a t i st i k Neukölln s". Gebt acht auf die Kinder! Ein falscher Kinderfreund treibt angeblich in der Gegend der Jonas- und Jlsestraße sein Unwesen. Erst vorgestern früh, als ein Mädchen zur Schule gehen wollte, be- oegnete demselben ein älterer Mann mit einem Paket, der das Mädchen ausforderte, mit ihm zu gehen; der Fremde versprach dem Mädchen etwas kaufen zu wollen. Das Mädchen fing jetzt an zu schreien. Zum Glück kamen in diesem Moment zwei Fftaucn, die sich des Kindes annahmen und es zur Schule brachten. Leider unterließen es die Frauen, für die Feststellung des aurdringlichen Mannes zu sorgen. Wie uns mitgeteilt wird, sind Belästigungen der auf diesem unbebauten Terrain spielenden Kinder durch solche Unholde nichts Seltenes. Den Eltern kann daher nur dringend ge- raten werden, die Kinder zu ivarnen. Diejenige Frau, welche vor etwa 14 Tagen auf dem Bureau der hiesigen Ortskrankenkasse einem anwesenden Arbeiter ihr Buch zum Zwecke der Begleichung der Beiträge übergab und in der Eile wohl irrtümlich eine ungenaue Adresse angab, kann das Buch bei Haase, Bodestr. 14, in Empfang nehmen. Tempelhof. Auf vielfache» Wunsch veranstaltet der Bildungsausschuß am Sonntag, den 18. d. M, nachmittags 3 Uhr, im„Wilhelmsgarten", Berliner Str. 4g, eine nochmalige Aufführung des Märchens„Der Weih nachtstraum". Außerdem Lichtbildervortrag: Max und Moritz bon Wilhelm Busch. Eintritt: Erwachsene 20 Pf.. Kinder 10 Pf.— Die mitwirkenden Kinder treffen sich vormittags um 11 Uhr im„Wilhelmsgarten" zur Probe. Köpenick. Aus der Stadtvcrvrdnetenversammlung. In der ersten Sitzung in diesem Jahre erfolgte zunächst die Einführung der neu- resp. wiedergewählten Stadträte Betcke, Müller und Nacken und der Stadtverordneten Bauch und Stippekohl. Als Borsteher wurde Herr Lucht, als Schriftführer Genosse Galle wieder- und als Borsteher« Stellvertreter Dr. Schulze neugcivählt. Die Sitzungen sollen wieder des Freitags, aber nicht wie bisher um 5, sondern erst um ö'/s Uhr staltfinden. Nachdem noch der Siraßenbahnkommission zur Aus führung verschiedener Arbeiten 60 000 M. bewilligt und der Ver breiterung der Rudower Straße auf 18 Meter zugestimmt worden war, trat Schluß der Versammlung ein. In den einzelnen Kommissionen sind unsere Genossen wie folgt vertreten: Kassen-Kuratorium: Finger. Jungklaus; Gaskommission; Gabriel, Hein, Jungklaus, Woick; Eleklrizitätskommission: Galle, Nieke, Woick; Straßenbahnkommission: Herbst, Nicke, Stippekohl, Woick; Känalisationskommission: Galle, Nieke, Woick; Bau kommission: Hein. Nieke, Zobian; Straßenbaukommission: Gabriel, Müller, Nieke; Forstkommission: Müller, Nieke, Zeidler; Armen- kommission: Herbst, Müller, Zobian; Gcsundheilskommission: Herbst, Woick, Zobian; Verschönerungskommission: Nieke, Wißler, Zeidler; Feuersicherheitskommission: Hein, Jungklaus, Stippe kohl; BeleuchtungSkommiision: Gabriel, Hein, Jungklaus, Woick; Verkehrskommission: Herbst, Nicke, Stippekohl. Woick; Kuratorium der Sparkasse: Galle, Woick; Gewerbliche Fortbildungs- schule: Galle, Wißler; Etatausschuß: Herbst. Müller, Wißler; Volksbücherei: Wißler; Zahnklinik: Herbst, Woick, Zobian. Buckolv. Die von unseren Genossen der Gemeindevertretung übersandte Resolution über Beschwerden bezüglich des StraßenbahnvcrkehrS ist wie in der letzten Sitzung mitgereilt wurde, in wenig entgegen- kommender Weise von der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft beantwortet worden. Die Gesellschaft will die Notwendigkeit des von der Gemeindevertrelung einstimmig anerkannten Frühwagens im Frühjahr prüfen und dann eventuell einen solchen einstellen. Die werktätige Bevölkerung von Buckow hatte in Anbetracht des herrschenden Verkehrs wirklich größeres Entgegenkommen erwartet. Die Klagen über schlechte Beleuchtung der Halte stelle soll durch Verlegen derselben beseitigt werden. Für das Einkassieren der Kinderspargelder und Uebertoeisung an die Kreissparkasse verlangte ein Lehrer 100 M. als Zeitentschädigung. Von bürgerlicher Seite wurde betont, daß der betreffende Lehrer sich auch in seiner Freizeit mit der Jugend beschäftige, die Gemeinde müsse daher Entgegenkommen zeigen. Unser Vertreter wandte sich energisch gegen die Auffassung, daß man die Zeit bezahlen wolle, die der Herr im Sinne des Jungdeutschlandbundes opfere. Ferner verwies er darauf, daß ja viel größere Gemeinden, wie zum Bei- spiel Britz für die Verrechnung der Kinderspargelder nichts ent- schädige. Gegen die Stimme unseres Vertreters wurden 100 M. bewilligt. iKowawe». I« einer gutbesuchtcn öffentlichen Versammlung in den„Deutschen Festsälen" beschäftigte sich die hiesige organisierte Arbeiterschaft mit dem vom Scharfmachertum geplanten Attentat gegen das Koalitions« recht. Ter Referent, Genosse Adolf Cohen« Berlin, bewies an Hand zahlreicher Beispiele aus der Streikjustiz, daß bereits jetzt ein AuSnahmerecht gegen die Arbeiterorganisationen besteht, so daß die Unternehmer gar keine Ursache haben, die Regierung fortgesetzt zu einer weiteren Verschlechterung des den Arbeitern gewährleisteten SelbstbestiinmungsrechtS aufzuhetzen. Scharfe Kritik üble der Re- ferent an dem dem Reichstag vorgelegten VerschlechterungSantrag, der nicht nur die Gewerkscheften durch geradezu ungeheuerliche Be« stimmungen zur wirtschaftlichen Ohnmacht zwingen, sondern auch den Arbeitern in Sraats- und Privalbetrieben das Streikrecht und damit jede Möglichkeit zur Erringung besserer Lohn- und Arheitshediitgungen nehmen möchte. Gegen diesen schändlichen Versuch müsse sich die Arbeiterschaft mit aller ihr zur Verfügung stehenden Macht wenden. Die nach Schluß des Vortrages verlesene Resolution fand ein- stimmige Annahme. In der Diskussion forderten die Genossen Walter und Krähnberg die Anwesenden zum Beitritt in die Organi- sationen und zum Kampf gegen die arbeiterfeindliche bürgerliche Presse auf._ Jugendveranstaltuugea. Neukölln. Sonntag, den 18. Januar, Wanderung nach Frohnau— Bergfelde— Summt— Birkenwerder. Abfahrt Bahnhos Neukölln 6.58 Uhr. Fahrgeld 90 Ps. Die Eisbahn auf unserem Spielplatz an der Keygerstratzc steht allen Jugendlichen gegen'Vorzeigung der Jugendheimbesuckerkarte zum Preise von 15 Ps. zur Verfügung. Bei der Billigkeit des Eintrittspreises ist der Besuch dieser günstig gelegeneu Eisbahn sehr zu empfehlen. Lbcrschöiiewcide. Am sonntag. den 18. Januar, findet nachmittags 4 Uhr, im Jugendheim. Klarastr. 2, eine Mädchenversammlung statt, zu der �rau Hanna das Referat über: Wert der Bildung für die weibliche Jugend, übernommen hat. Die Arbeitereltern wollen ihre Töchter hierauf aufmerksam machen. Schöneberg. Sonntag, den 18. Januar, Partie nach Tegel, Birkenwcrder, Lehnitzfee. Fahrgeld 45 Ps. Treffpunkt morgens 8 Uhr am Kaiser. Wilhclmplatz. Mittwoch, den 2l. Januar, abends 8'/2 Uhr: Lichtbilder-Vortrag des Genossen Umlauff über: Eine Reise durch den Schwarzwald. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 18. Januar, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17; Neukölln,„Jdealpaflaze"; Tegel, Bahnhofstr. 15, und Ober-Schöneweide, Klarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr. Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Herrn M. H. Böge: „Der moderne Positivismus."— Damen und Herren als Gäste will- kommen. Berliner Freireligiöse Gemeinde, Ortsgruppe Nowawcs. Am Ii'nntag. den 18. Januar, abends 7 Uhr, im kleinen Saale des Restaurants Volksgarten: Versammlung. Vortrag des Herrn Ernst Reuter über: Was lehrt uns die AustriltSbcwcgung in der Staatskirche? Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. (B. a. G.)»u Hamburg. Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 17. Januar, abends'8>/, Uhr: Mitgliederversammlunz bei Keyser, Reichen- berger Str. 154. Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 17. Januar, abends 8'/, Uhr, Mitgliederversammlung bei Thiele, Rückerstr. 7, Jahresbericht. Marktpreise von Berlin am 13. Januar 1014. nach Ermittelungen deS kgl. Polizeivräfidiums. Mais(mixed), gute Sorte 16,90— 17,00, Donau 16,00—16,30. Mais(runder), gute Sorte 14,90-15,30. Richtstroh 4,90- 5,00. Heu 6,80—8,60. M a r t I h a! l e n v r e i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 34,00—50,00. Svcisebobnen. weiße 35.00-60,00. Linien 36,00—80,1« Kartoffeln(Kleinbdi.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Bulter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,80—7,20. 1 Kilogramm Karpfen 1.20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40-3,00. Barsche 1,20—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.60. 60 Stück Krebse 3,00—24,00. LSttternngSitbersicht vom 16. Januar 1914. däfionoi i|i| iiÜ Swinemde. 765! WSW tamburg 766 SW erlin 766.>sW Franks. a.M 766 SO München i 765 NO Wien 1 766,51920 kZcUei llbedeckt 3 bedeckt ibedcckt 1 Dunst 2 wolkig t wolkig »» ri« ä« de« _ 2 —5 —9 —10 Glotionea i-i s l« 'J££ 1 Ii'' 1 Hat>aranda757NO Petersburg 753 NO Scilly 1765'D Aberdeen Paris '769 WNW 764, NNO Bella 2 bedeckt l bedeckt 3 wolkig 2 bedeckt 1 wollen!-8 � I 1 Ii *1) —13 1—11 6 8 Wetterprognose für Sonnabend, den 17. Januar 1914. Ziemlich trübe und nebelig bei gelindem Frost und schwachen wdstlichcn Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Maassen unseres Stammhauses am Oranienplatz. Russenkittel reizende Sachen................ 95 Pf" l35 l90 Weiße Stickereikleider................. 390 590 7 90 Mäntel für Knaben u. Mädchen.......... 600 750 980 K.ostiim~RöcRe SpOrtfaSSOnS aus guten Stoffen.............. 3�8 5" 7�8 KLostiime Loden-Kostüme................................. 1489 Kostüme aus Stoffen engl. Art und marineblau...... �C}50 24" Mäntel Lüster aus Stoffen engl. Art in vielen Fassons....... 8" 12" 17" Loden-Mäntel......................... 12" 14" Plüsch-Mäntel in bekannt guten Qualitäten....... 19" 34" 49" Deutsche Hut-Compagnie fttvenfur-jltisverkaiif Nur so lange der Vorrat reicht. nur noch wenige Tage. allen Abteilungen Preise erheblich herabgesetzt, teilweise Uber 30 Proz. Einige Beispiele: Echte Seidenhaarplüschhüte S�TisfÄVÄ Echte Seidenhaarplüschhüte ÄisQÄ iÄ Steife schwarze Hüte mit Futter fr,lher 3'~etzt m verschied. Formen, früher bis 3,50 M. jetzt M. Seiden-Blusen in vielen Fassons und Farben...... 5" 8" I 2" Woll-Blusen......................... 3" 5" 775 Morgenröcke Flausch-Morgenröcke gute Qualitäten........ 490 790 975 Matinees tmd Jupons........... 2" 490 6" Außerdem ktynmen an jedem Lager nach der Inventur Restbestände zum Verkauf, welche durchweg mit<30 �/o ermäßigt sind. Sonntag« von 12—3 Uhr �eatfnet. 1,9° y90 J60 Weiche Wollfilzhüte, verschied. Formen, früher bis. GjÜO M. ,85 Krawatten, Selbstbinder früher bis 2,50 m., jetzt 1.15 m. 65 pf Farbige Kragenschoner Seide, doppelseitig, 65 pf. Gebrauchsfertige WCiße TaSChentÜCher das'/f Dutz M. I»25 Oberheraden, Unterzeug, Schirme, Westen weit unter dem bisherigen Preise._ Zähne von 2 Mark an! Goltaen, Plomben, Brücken. Verlangen Sie, bitte, den kostenlosen Besuch eines Vertreters = zwecks Kücksprache. 1 Zahn-?raxis„Süden" 42 Prinzenstraße 42, 3. Haus vom Moritzplatz* Ratenzahlung gestattet. Buchhandlung Vorwärts = Lindenstr. 69, Laden= Wichtig für jeden preußisclien Steuerzahler Führer durch das preußische Vom ArbeMretürRudJissell mit 19 Formularen für Reklamationen. PreU SO Pf. •• BEBEL-BÜSTE Der Bildhauer JULIUS OBST-Berlin hat eine Büste von AUGUST BEBEL geschaffen, deren Generalvertrieb die Buchhandlung Vorwärts Berlin übernommen hat. Die Büste ist in vier Größen vorrätig: Größe 1, 80 cm hoch.... Preis 20 Mark Größe 2, 60 cm hoch.... Preis 15 Mark Größe 3, 40 cm hoch.... Preis 8 Mark Größe 4, 20 cm hoch.... Preis 2.50 Mark Größe 1 eignet sich zur Dekoration von troßen Sälen— Größe 2 ist für kleinere äle, Vereinszimmer, Partei- und Gewerkschaftsbureaus bestimmt Die Größen 3 und 4 sind besonders als Schmuck für Arbeiterwohnungen gedacht Die Abgüsse der vom Bildhauer Julius Obst modellierten Büste tragen ein Schild: Buchhandlung Vorwärts Berlin, worauf wir zu achten bitten. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. 3 Paar ■aaschetteo 4 fach 95*. 1 Pfioz- «Milü-Wze mit LederscMnn S5 fi 1 Empire- I Korsett I mit oder ohne Spiral| |S5r, Velvviire« l TiUlkrajen SSÄm:„ KanstÄcide bestickt.........' 1 Jabot gelegte, grosfäForni, mit broiten Spitzen 95* 1 Spachtelkragen Schalter- od. Matroscnlorm., 1 Spachtel-Garnitur � fBr Damen, moderne Form.. v J Pf. 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Pf. 1 Binse------ 95 Strümpfe ipt 95 3 Paar Strümpfe oder lederfarbig, deutsch oder engl, lang 1 Paar Strümpfe Reine Wolle, gestrickt oder gewebt 1 Paar Strümpfe'TJZT Reine Wolle, schwarz, mit bestick- QR tem Fossblatt oder Zwickel.... 2 Paar Socken farbig, mit besticktem Fassblatt 2 Paar Socken mr Herren, Reine Wolle, meliert, gestrickt 3 Paar Fusswärmer � oder Herren, grau oder normal- QR farbig, mit angewebtem Futter I Paar Strümpfe lang, gestrickt, ReineWolle, bis Grosse 9 IMontenr-JacJse od.Hoselü�S I�austuchstoff, in vielen Grössen und Weiten 1 Knaben-Binse oder Hose rarem"" blauem od. gemustertem Stoff, für 3—9 Jahre 1 Spielanzug blau Cheviot, hübsch garniert, fttr J— 4 Jahre Abschnitte und Reste im Stickereien, Spitzen, QR Tüll»nd Besatz, Kupon Schuhwaren 1 Paar Filzschuhe•* dt' 48.- für M 16.50 des Elegsntests, sonst bis 89.-(Qr U. 27.— Gesellschafts- Kleider 75. äusserst vornehm, sonst bis 100.- lllr M." t». 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