Nr. 17. BbonnemcntS'Bedlngungto; Abonnements- Preis pränumerandoi «ierteljährl. 3.A> Mk, nu-natl. t.tv Ml, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags« nunimer mit Muftriertcr SonMags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- klbonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitunqs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Lchv Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Mumänten, Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. CittKiat täglich, Verlinev VolksblÄkk. vie Insertion;-Lebühi' beträgt für die sechsgcspaltene Kolonel« zcile oder deren Raum ea Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versnmmlungs-Anzeigen no Pfg. „Uleine Zrinreigen", das scttgednlckle Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Woitcl, jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 10 Buch- swbcn zählen für zwei Worte. Inserate siir die nächste Numliicr inüffe» bis k Uhr nachmittags in der Expedilioti abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozialdmKrat Berlin". Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Rcdahtton; 8 Tl. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak. Nr. 1983. Sonntag, den 18. Januar 1914. Sxpedirion: 8 Tl. 68» I�tndensrrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritipla«, Nr. 1981. Preußische Polizeisitten. Der Kölner P 0 l i z e i p r 0 z e ß ist zu Ende. In fiebentässigem Ringen hat die Königliche Polizei zu Köln eine Niederlage erlitten, wie sie selten einer preußischen Ver- tvaltung Nor Gericht bereitet wurde. Nichts ist bezeichnender für den Ausgang der großen Auseinandersetzung als die Tat- sachc, daß der Staatsanlvalt gegen den Genossen Sollmann nur eine Geldstrafe wegen formaler Beleidigung be- antragen konnte. Und doch hatte der angeklagte Redakteur der„Rheinischen Zeitung" gegen die Kölner Polizei den schweren Vorwurf erhoben, daßsiebisindiehöheren Grade k ä u f l i ch s c i.� Der Wahrheitsbeweis ist dem„An- geklagten" so geglückt, daß er schon in den ersten Stunden der Verhandlung als Ankläger sich erhob. Verblüfft steht die bürgerliche Presse vor dem Sumpfe preußischer Korruption, den hier die Sozialdemokratie aufgedeckt hat, und Hände- ringend gestand selbst die„Kölnische Zeitung" am letzten Tage des Prozesses: Wie immer dieser Schlußakt des Schauspiels ausklingen möge, schon heute ist es nach den sechstägigen Verhandlungen möglich, die Tragödie zu besprechen, schon heute kann man, un- abhängig vom Aussall des Urteils des Gerichts, als Tatsache verzeichnen, daß der angeklagte Redakteur der „Rheinischen Zeitung", Herr Sollmann, als moralischer Sieger den Kampfplatz verläßt... In der Tat: Sieger blieb der angegriffene Sozialdcmo- trat, und als ein geschlagener Mann schlich der Kölner Polizei- Präsident davon. Der Herr hat sich unter anderem deshalb beleidigt gefühlt, weil die„Rheinische Zeitung" die Disziplin im Polizeipräsidiuin anzweifelte. Die Verhandlung hat nun bewiesen, daß in der zweitgrößten Stadt Preußens ein Mann den Polizeipräsidenten spielen darf, der anderthalb Jahr- zehnte nichts merkte von dem Gestank, der sich in seiner Ver- waltung breit machte. Und es roch doch wahrhaftig stark genug.. Von 6 Polizeiinspektoren, den höchsten Exekutivbeamten, find 4 überführt, Naturalien und Geld angenommen zu haben. Eine einzige große Restauration hat in vier Jahren rund 160 Flaschen Wein und Spirituosen, zahllose Zigarren und 600 M. in bar an diese Herren spendiert. Die Geschichte wurde so gedreht, daß ein Frühstückskörbchen an die„Frau Inspektor" gesandt und in die Delikatessen fürsichtig der blaue Lappen versteckt wurde. Seufzend hat die edle Spen- derin zu einer anderen Wirtin geklagt:„Den Kerls darf man nicht mit einem Zwanzigmarkstück kommen, da muß schon hinten herum ein Blauer fliege n." Wenn die Herren Inspektoren irgendwo eine Zeche zahlten, so war das eine seltene Ausnahme.„Die heiligen drei Könige", wie sie im Volksmunde hießen, nassauerten sich bei Kaviar, Sekt und Burgunder fröhlich durch, und als einer von ihnen vor Gericht gefragt wurde, ob er auf anderer Leute Kosten Champagner geschlemmt habe, gestand er mit Galgen- Humor:„Nicht zu knapp". Von demselben Herrn In- fpektor berichtete ein Zeuge, der hohe Hüter des Gesetzes sei bei einem Freischmaus so besoffen gewesen, daß der Vorschlag gemacht worden sei, deni Herrn Polizeipräsidenten seine„rechte Hand� aus einer Karre vor das Präsidium zu fahren. Sie verstanden zu leben, die Herren Inspektoren und Kommissare. Suchte irgendein Wirt die Nachtkonzessision, die Erlaubnis zu Tanzlustbarkeiten oder ähnlichem, so gab er den hohen Herren flugs einige Sektgelage und Schmausereien, und bald hatte er sein Ziel erreicht. Aus dein Bedürfnis heraus hatte sich in Köln eine ganz neue Branche entwickelt: zwei Konzessionsfabriken. Beide„Fabrikanten" waren, wie sie unter Eid beteuerten, Herzensfreunde der maßgebenden Polizeiinspektoren. An diese Konzessions- fabrikanten zahlte der Konzessionssuchende je nachdem 300, 500, 1000, ja 1500 M. Dafür wurden die Herren Polizei- inspektoren traktiert, und wenn die Räusche ausgeschlafen waren, rückte ihnen der Konzessionsfabrikant auf die Bude mit der Devise: Umsonst ist der Tod: nun sorgt gefälligst für die Konzession meines Klienten. Aber es gab noch andere Wege. Der eine Wirtschafts- konzession Nachsuchende sprach bei einem Herrn Inspektor per- sönlich vor und ließ durchblicken, daß er„zu Gegendiensten", gerne bereit sei. Stolz winkte der unnahbare Beamte ab, je- doch vierzehn Tage später fand sich wie zufällig die F r a u Polizeiinspektor bei dein Bittsteller ein und ersuchte, ein„Dar-' lehen" von 500 M. in Empfang zu nehmen. Von Schuld- schein, von Zinsen, von Mahnung k e i n e R e d c. In langer Reihe deckte der Angeklagte solche Fälle ans. Staunend erfuhr die Oeffentlichkeit, daß die hohen Kölner i Polizeibeamten recht nahrhafte Freundschaften mit allen Kölner Wirten und Brauereibesitzern unterhielten, die ihnen Speise und Trank, untermischt mit Geldscheinen, fröhlich ins Haus sandten. Die Sensation erreichte ihren Gipfel, als der 76jährige Brauereibesitzer Bardenheuer, Stadtverordneter und Kommerzienrat, seine Aussage verweigern mußte, weil er bei wahrheitsgemäßen Angaben sich der Gefahr straf- rechtlicher Verfolgung aussetzen würde. Wie mag dieser Großbrauer, dem so viel an Wirtschastskonzessionen gelegen war, geschmiert haben. Die Herren Polizeibeamten kannten aber noch andere Einnahmequellen. Auch von der Speditionsfirma, die das Fuhrwerk für den Gefangenentransport stellte, nahmen sie „Frühstllckskörbckjen" und Geldsummen an, so daß in Köln die Gefangenen buchstäblich in gut geschmierten Wagen fahren konnten. Und weiter. Köln ist eine Zentrale des Wettens. Der Giftweizen des Buchmacherwesens blüht. Um die Buchniacher auf dem Rennplatze zu bekämpfen, spendet der Rennverein bei jedem Meeting 500 M. an den Polizeipräsidenten zur Ver- teilung an die Beamten. Aber die Buchniacher wissen sich zu helfen. Sie sammeln auch, überreichen den Betrag dem dienst- tuenden Inspektor, und vergnügt streichen die Polizeibeamten offiziell und inoffiziell die Summen ein.„Für Geld ist bei der Kölner Polizei alles zu machen," meinte anerkennend einer, dem die Hotelkonzession gewährt wurde, obwohl er das Ver- brecheralbum zierte. Der Prozeß hat bewiesen, daß der Mann nicht so ganz unrecht hatte. Aber ohne Geld ist bei der Kölner Polizei auch nichts zu haben. Das hat eine wuchtige Schlußszene des Prozesses bewiesen. Der Angeklagte hatte behauptet, daß die Kölner Kriminalpolizei zunächst und mit Eifer Diebstähle bei Reichen bearbeite, weil diese Geld springen ließen, während die Bestohlenen der unteren Klassen vernachlässigt werden. Der Polizeipräsident ließ zum Beweise des Gegenteils über 20 Kriminalschutzleute aufmarschieren. Aber alle, soweit sie nicht die Aussage verweigern mußten, bestätigten die Be° hauptung des Angeklagten. Die Tätigkeit der Kriminal- Polizei ist in Köln, und wohl auch anderwärts, abhängig von den Summen, die die Bestohlenen springen lassen. Mit 9 M. „Vigilanzgeldern" im Monat. 30 Pf. den Tag. können die Kriminalschutzleute ihre Ausgaben nicht decken, und deshalb bearbeiten sie hauptsächlich diejenigen Sachen, an denen größere„Spesen" herausspringen. Nu» weiß man auch, wes- halb verhältnismäßig sehr selten kleinere Diebstähle aufgedeckt werden. Die Polizei nimmt zwar die Anzeige an. denkt aber gar nicht an die Bearbeitung, weil, wie ein Kölner Kriminal- schutzmann sehr richtig aussagte,„ohne Geld doch nichts zu machen i st". Dieser Teil des in Köln aufgedeckten Korruptionssystems erfordert dringend Reformen. Der Chef der Kölner Polizei wagte es, zu solchen Zu- ständen auch noch den Hohn hinzuzufügen, indem er dem An- geklagten zurief, für die politische Polizei st ä n d c n g e- nügend Mittel zur Verfügung. Dafür werde von Berlin aus mehr als reichlich gesorgt. Genug davon. Unser Kölner Parteiblatt wird dem Panama der preußischen Polizei eine Broschüre widmen, die weiteste Verbreitung verdient.'Der Prozeß hat bewiesen, wie es mit der Integrität und den altpreußi scheu T r a d i- t i 0 n e n unseres Beamtentums bestellt ist. Man wird ja nun ohne Zweifel den Kölner Polizeipräsidenten, der sich an Gerichtsstelle eine Abfuhr nach der anderen holte, und einige seiner höheren Beamten in die Wüste schicken. Damit aber ist wenig erreicht. Schuld ist das ganze hirnlose System der preußischen Bureaukratie, die in ihrer Gottähnlichkeit sich für die höchste Blüte der Staatsweisheit hält, während in ihrem Schutze die Korruption gedeiht, daß dem russischen Absolu- tismus der Neid ankommen könnte. Uebcr die Zustände in Köln sind seit Jahr und Tag Beschwerden über Beschwerden an die Regierung, bis an den Minister des Innern, gegangen. Nichts geschah. Oder doch etwas: Die Beschwerdeführenden wurden entweder aus dem Amte gejagt oder, wenn es Bürger waren, unter Anklage gestellt wegen frivoler Beleidigung der hochehrbaren königlichen Polizei. Jetzt hat diese russische Art, zu regieren, in Köln zu einer blamablen Niederlage gc- führt. Der preußisch? Halbabsolutismus und seine Bureau- kratie werden aber erst dann überall und für immer ihr Jena finden, wenn das Volk die Herrschaft antritt, die jetzt die echtpreußischen Männer vom Schlage Jagows und des Grasen Dorck v. Wartenburg innehaben. Das Urteil im Kölner polizeiprozeß. Köln, 17. Januar. Nach siebentägiger Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer wurde heute mittag um 12 Uhr in dem so- genannte Bakschisch-Prozeß gegen den Redakteur Sollmann von der„Rheinischen Zeitung" das Urteil gefällt. Ausgehend von der Verhandlung gegen den Kriminalkommissar Hannemann am 30. � September v. I. vor der Strafkammer in Köln hatte Sollmann in seinem Blatte in mehreren Artikeln, ganz besonders m einem mit der Ucberschrift„Bakschisch" ver- sehenen, gegenüber Kölner Polizeibeamten den Vorwurf erhoben, daß sie für dienstliche Tätigkeit vom Publikum Geschenke an- nähmen. Gleichzeitig hatte Sollmann auch die Staatsanwaltschaft mit hineingezogen, indem er behauptete, daß ein Polizeikommissar im Einverständnis mit einem höheren Beamten der Staatsanwalt- schaft 1000 M. gelegentlich der Erteilung einer� Wirtschafts- konzession erhalten habe. Den Vorwurf gegen die Staatsanwalt- schaft hatte der Angeklagte gleich am ersten Verhandlungstagc zurückgezogen, da er auf einem Mißverständnis beruhe. Für die anderen Behauptungen wollte er den Wahrheitsbeweis antreten. In der heutigen Verhandlung wurden noch Erklärungen abgegeben. Polizeipräsident v. Weegmann überreichte dem Gericht u. a. die Personalakten über den Inspektor Kautz' und erklärte, daß er sofort nach Publikation des Urteils die entsprechenden Anträge zur Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen den beschuldigten Bc- amten bei der Behörde stellen werde. Mit aller Entschiedenheit wies der Polizeipräsident den von Inspektor Kautz ihm gemachten Vorwurf des Meineides zurück sowie die verschiedentlich erhobene Beschuldigung, daß er hochmögenden Leuten gegenüber seines Amtes nicht gewaltet hätte. Das Urteil lautete: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung im Sinne der fj§ 185 und 200 z u 500 M. Geldstrafe verurteilt. Im Nichtbeitreibungsfalle tritt für jede 15 M. ein Tag Gefängnis ein. Dem Polizeipräsidenten wird die Publikationsbefugnis in sämt- lichen Kölnischen Blättern zugesprochen. In der Begründung heißt es, daß dem' Redakteur keine andern Rechte zustehen als jedem Staatsbürger. Bestimmte Ausdrücke des inkriminierten Artikels wie„Ludergeruch", der Hinweis auf die„höchsten Stellen" usw. stellten eine schwere Beleidigung dar. Im Laufe der Ver- Handlungen habe sich eine Verletzung der Dienstpflicht durch Polizei- inspektoren und Polizcikommissarcn und anderen Beamten ergeben. Das Gericht hält eine passive Bestechung für erwiesen in den Fällen der Polizeiinspektoren Votsch, Kautz, Eiden und der Polizeikommissare Hannemann und G 0 l ü k e. Die Ver- fehlungen der Kriminalbeamten seien bei den geringen Sp i tz e lg c l d e r n nicht so hoch anzuschlagen. Ter§ 193 des Strafgesetzbuches, die Wahrung der berechtigten Interessen, könne nur dem Angeklagten soweit zugebilligt werden, als die Fälle wirklich erwiesen wurden. Bei der Strafabmessung wurde berück- sichtigt, daß es dem Angeklagten um die Beseitigung von Miß- ständen zu tun war. Er sei aber über das erlaubte Maß hinaus- gegangen. Das Recht der Presse habe eine Grenze an der Ehre der Angegriffenen. »» * Die Säuberung der Kölner Polizei. Köln, 17. Januar. Wie die„Kölnische� Zeitung" von zu- ständiger Stelle erfährt, ist von dem Regierungspräsidenten gegen die hier in Köln angestellten Polizeinspeitoren Votsch, Land- s ch» l z und Eiben das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Entfernung aus dem Amte und die sofortige Amts- suspension verfügt worden. Ueber die gegen den Polizei- inspektor Kautz zu ergreifenden Maßnahmen hat der RcgiernngS- Präsident in Hannover zu befinden. Sozialpolitik im Reichstag. Die Erörterungen der beiden letzten Tage lvarcn ge- wissermaßen eine Einleitung zu der heute begonnenen Bc- ratung des Etats des Reichsanits des Innern. In der Tat deutete ja das Gesetz über die Sonntagsruhe den Mangel an sozialpolitischer Initiative und au sozialpolitischer Energie klar genug a», die sich in der ganzen Reichspolitik mehr und mehr ausbreiteten. Die Debatte über den Etat des Herrn Delbrück wird diesen Eindruck noch verstärken, und es lvird lebhafter Anstrengungen bedürfen, endlich wieder ein ctlvas stärkeres Tempo auf diesem Gebiete der Reichsgesetzgebuug zu erzielen. Es ist gerade deshalb recht günstig, daß in der Generaldebatte, die heute ihren Anfang nahm, die sozial- politische Erörterung von der lvirtschaftlichen getrennt und vorweggenommen ist. Als erster Redner sprach Genosse Robert Schmidt, und seine Darlegungen gaben ein anschauliches Bild vou der gegenwärtigen höchst unerfreulichen Situation. Seine Rede war eine strenge, aber auch in der geschlossenen und reichen Argumentation unwiderlegliche Schilderung des Elends, in dem sich jetzt die sozialpolitische Gesetzgebung, Ivie auch ihre Ausführung befindet, und sie war zugleich die Ausarbeitung eines großen und gebieterischen Arbeitsprogramms, das sich Parlament und Regierung vornehmen sollten. Gegenüber der Erlahmung sozialpolitischen Geistes und des sozialpolitischen Willens war diese Darstellung und diese Kritik eine ivcrtvollc Tat positiver Leistung. Genosse Schmidt zeigte in der Tat, wie wenig geschehen ist in den letzten Jähren, er wies namcnt- lich hin auf die Lage der Landarbeiter und einzelner wichtiger Kategorien des Jndustrieproletariats. Er nannte unter An- führung überzeugenden Materials die Bergarbeiter, die Binnenschiffer, die Bauarbeiter, führte auch das zögernde Ver- halten der deutschen Neichsregierung in der Frage der internationalen Regelung des Schutzes der Jugendlichen an, und reihte so zu einer geschlossenen Beweisführung die einzelnen trostlosen Tatsachen. Für die Stimmung oder besser gesagt für die mangelnde sozialpolitische Stimmung der Re- gierung war besonders interessant die Hervorhebung der Tat- fache, daß der Beirat für Arbciterstatistik geradezu systematisch beiseite geschoben wird, und nicht minder überzeugend ist die mangelnde Ausführung der gesetzlichen Bestimmung üder den Heimarbeiterschntz. Dieser passiven Residenz gegenüber der Sozialpolitik ivirkt geradezu aufreizend die Rechtsprechung, die gleichfalls immer feindseliger einer wirksamen Sozial- Politik sich entgegenstellt. Der fortschrittliche Redner, der dann das Wort nahm, Herr D 0 0 r m a n.n, mußte selbst die Berechtigung mancher Einwände zugeben, die unser'Redner erhoben hatte, und er führte auch manche Probleme an, die einer Regelung dringend bedürfen. Allerdings entschloß er sich nicht zu dem Urteil, das sich doch zwingend aus den Ausführungen des Genossen Robert Schmidt und aus den ganzen Tatsachen ergibt. Er bestritt sogar die Stagnation, öie auf diesem Gebiete herrscht, wenn er auch zugeben mußte, daß freilich kein übereiltes Tempo in der Sozialpolitik festgestellt werden kann. Dem Vertrauensvotum, das Herr Dr. Doormann schließlich dem Staatssekretär des Innern aussprach, wird sich die Arbeiter klaffe vollends nicht anschließen können. Die Debatte wird am Montag fortgesetzt. Am Dienstag wird vermutlich die Interpellation über die Kriegsgerichts urteile verhandelt werden. Sozialpolitische Zoröerungen. Zum Etat des R e i ch s a m t s des Innern hat die sozialdemokratische Fraktion folgende Resolutionen ein gebracht: I. Der Reichstag wolle beschließen: Die verbiindetc» Negierungen zu ersuchen, auf der internationalen Regierungskonferenz, die im Herbst 1014 in Bern tagen wird, um den Abschluß der internatio- nalen Vereinbarungen über den Schutz der Jugendlichen und Arbeiterinnen vorzunehmen, dahin zu wirken, daß: 1. das Schutzalter für Jugendliche auf das 18. Lebensjahr ausgedehnt wird; 2. die Nachtarbeit für Jugendliche bis zum 18. Jahre verboten wird, ohne Rücksicht auf die Größe oder Art des Betriebes; 3. die Ausnahmebestimmungen, wie sie der bisherige Entwurf der iiüernationalen Vereinbarungen für die Glasindustrie, die Walz- und Hammerwerke vorsieht, beseitigt werden; 4. für Arbeiterinnen und Fugendliche der Zehnstundentag als Maximum der Arbeitszeit festgesetzt wird; 5. für Arbeiterinnen und Jugendliche mit Jnnehaliung einer UebergangSfrist Vereinbarungen über eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit erstrebt werden; 6. diese Vergünstigungen allen Jugendlichen und Arbeiterinnen zuteil wird, ohne Rücksicht auf Größe oder Art des Betriebs; 7. die Ausnahmen für eine Ueberschreitung der Arbritszeit weitere Begrenzung erfahren, als im Entwurf der Vereinbarungen in Artikel 3 und 4 in Aussicht genommen ist. II. Der Reichstag wolle beschließen: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, durch gesetzgeberische Borschläge im Jntereste des Kranken- und Pflegepersonals folgenden Anforderungen stattzugeben: Obligatorische Ausbildung des im Pflegeberuf tätigen Per- sonais, einschließlich des Massagepersonals.— Neuregelung der be stehenden PrnfungSvorschriflen. 2. Unterstellung des Personals unter die RcichSgewerbe ordnung.— Aufhebung der im Z 154 enthaltenen AuSnahme- beftimmungen(unter Ausschluß des K 137). 3. Festsetzung einer 12 stündigen Dienstzeit(Tag- und Nach! schicht).— Allwöchentliche Mindestruhezeit von 24 Stunden.— Beseitigung des Kost- und LogiSzwanges in der Anstalt, soweit nicht unüberwindliche Hindernisse dem im Wege stehen. 4. Unterstellung des gesamten Pflege-, Massage- und Bade- Personals unter die Sieichsversicherungsordnung. 5. Erlaß gesetzlicher Vorschriften auf Gewährung eines jähr- lichen Erholungsurlaubs von mindestens 14 Tagen unter Fort- zahlung deS Lohnes und Entschädigung für sonstige Bezüge. III. Der Reichstag wolle beschließen: 1. Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, baldmöglichst den bereits im Jahre 1891 in Aussicht gestellten Entwurf eines Gesetzes dem Reichstag zu unterbreiten, der die Arbeitszeit und Ruhe- pausen für alle A n g e st e l l t e n im G a st w i r t s g e w e r b e unter besonderer Berücksichtigung der im Gewerbe beschäftigten Jugendlichen regelt. In» besonderen ist als Ersatz für entgangene Sonntagsruhe den Angestellten ein Ruhetag in der Woche zu ge- währen. 2. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß die zur Zeit geltende Bundesratsverordnung vom 23. Januar 1002 über die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen im GastioirtSgewerbe bis zum Erlaß eines Gesetzes auf das gesamte Personal ausgedehnt wird. Die Krupp-Märe vor Sem Oberkriegsgericht. Aus der Verhandlung vom Sonnabend verdienen drei Punkte Erwähnung. Zunächst die Erklärung des Zeug- lentnants Tilian, der dein Brandt Mitteilungen über b e- v o r st e h e n d e B e st e l l« n g e n für die Firma gemacht hatte und ihn über die Preise der Konkurrenz in- formierte. Die Bestellungen waren der Firma noch nicht be- kannt, doch hatte sie, da es sich damals uni die Neubewaffnung der Feldartillerie, also große Vergebungen, handelte, ein leb- Haftes Interesse, vorzeitig Näheres über den für sie zu erwartenden Segen zu erfahren. Tilian will nun auf das Zureden deS Brandt ahnungslos hineingefallen sein. Habe ihm doch Brandt gesagt, daß auch der Staat ein großes Interesse an der raschen Lieferung habe und daß die Firma Krupp um so prompter liefern könne, je früher sie über die ihr zugedachten Aufträge informiert sei. Er habe daraufhin im Staatsinteresse ganz treuherzig die gewünschten Auskünfte gegeben. Diese Mitteilungen des Tilian waren für die Firma Krupp sicherlich von dem größten niateriellen Vorteil. Einmal, weil sie die Heeresverwaltung durch überraschend schnelle Lieferungen verblüffen und für sich Stimmung machen konnte, und dann auch, weil sie rechtzeitig ihre Vor- kehrungen für die Lieferungen treffen konnte, so daß sie den großen Auftrag ohne außerordentlichen Auf- wand an Geldmitteln auszuführen in der Lage wäre. Ter Gewinn für die Firma Krupp mag sich in die Hunderttausende, ja vielleicht in die Millionen belaufen haben, ganz abgesehen von dem Nimbus, mit dem sie sich der Heeresverwaltnng gegenüber zu umgeben verstand— einen: Nimbus, der natürlich zum Schaden der Konkurrenz ausschlagen mußte. Man sieht, daß die Kanonenfirma üi der Tat alle Ursache hatte, ihrem Spion Brandt ein so hübsches Gehalt und so üppige Gratifikationen zu zahlen! Auch über die Preise der Konkurrenz— etwas, das der militärische Sachverständige im Moabiter Prozeß, Major v. Weitershausen, als absolute Ver- t r a u e n s s a ch e der Heeresverwaltung be- zeichnete—' gab Tilian bereitwilligst Auskunft. Nur habe Brandt selbst über die Preise bereits sehr gut Bescheid gewußt. Woher dem Brandt diese, von allen Angeklagten immer wieder hervorgehobene brillante Informiertheit über die geheimsten Tinge stammte, wird ja freilich ewiges G c- h e i m n i s bleiben! Auffällig war ferner die Bekundung der Angeklagten Tilian und Hinz, daß auch Vertreter a�n derer Firmen in die F e I d z c u g in e i st e r e i gekommen seien. um vertrauliche Auskünfte zu erlangen, daß sie ihnen aber jegliche Auskunst verweigert hätten. Auf die Frage, wer denn diese Vertreter gewesen seien, behielt sich Hintze einstweilen die Aussage vor. Der Angeklagte Tilian gab an, daß ein Vertreter der Firma Witten ihn um Aus- kunft ersucht habe. Wenn die Militärverwaltung an diesem Punkte n achd r ü ckl ichst einsetzen und dem Spionage- system der Militärlieferungsinteresseiiten weiter nach- spüren würde, so würde sie vermutlich noch mancherlei Interessantes erfahren. Wir fürchten nur, daß nicht nur Herr Brandt, sondern auch die Militärverwaltung selbst, längst auf dem Standpunkt angelangt ist, es„des Skandals nur genug sein" zu lassen! Recht auffällig war endlich eine Aussage der Z e u g i n B r a n d t, der Frau des ehemaligen Feuerwerkers und späteren Kruppschen Generalspions. Auf die Frage des Verhandlungsführers, ob in ihrem Hause auf ihren Mann Einwirkungen stattgefuichen hätten, um seine Aussage dahin zu beeinflussen, daß den angeklagten Zeugleutnants und Zeugfeldwebeln nichts passieren könne, entgegnete söe nämlich, daß von dieser Seite ihr Mann nicht beeinflußt worden sei,„vielleicht aber von einer anderen Seit e". lieber diese hoch st auffällige Aussage, die im sonder barsten Widerspruch zu jener Zeugenaussage der Zeugin Brandt steht, die sie in der ersten Verhandlung des Kriegsgerichts abgegeben hatte, wurde glatt hinweg- g e g a n g e in So interessant es auch gewesen wäre, näheres über jene geheimnisvolle andere Seite zu erfahren von der ein Versuch der Zeugenbeeinflussung ausgegangen war, so schien sich auch diesnial wieder der Gerichtshof auf den Standpunkt zu stellen, daß alles, was nicht u n m i t t e l. bar zur Belastung der angeklagten Zeugoffiziere ge höre, als belanglos und„nicht zur Sache ge- h ö r i g" aus der Verhandlung auszuscheiden sei. Diesar Vorfall war wieder einmal typisch für die ganze Art, wie von den Gerichten die„lückenlose" Aufhellung der Krupp-Skandalosa betrieben wurde und wird. Man greift eine Gruppe von Belasteten heraus und untersucht deren Verfehlungen. Sobald aber irgendeine Fährte, und sei sie noch so interessant und noch so wichtig, den geraden Weg der prozessual engumgrenzten Verhandlung kreuzt, läßt man Fährte Fährte und Kruppskandal Krupp s k a n d a l sein und beschränkt sich auf die Prozessierung just der paar Opfer, die man nun einmal herausgegriffen hat. So lange der Schwindel der famosen parlamentarischen Untersuchungskommission nicht offenbar geworden war, konnten Optimisten noch die verwegene Zuversicht hegen, daß eine umfassende Untersuchung ja noch durch die Herren Volksvertreter stattsinden werde.'Nachdem aber Herr v. Bethmann Hollweg die Untersuchungskommission nnuin- wunden für eine Kommission zu seiner höchsteigenen Information erklärt hat, ist der Vertuschungseiser der höchsten Behörden sonnenklar bewiesen und erhärtet! Man will nicht in die lichtscheuen Korruptionsniysterien der Kornwalzerfirma und andere Mysterien hineinleuchten und damitbasta! Mit dieser Feststellung freilich kann die Sozialdemo- kratie vielleicht am allerzufriedensten sein! Auw /lrbeitswilligenfchutz. Der Ausschuß des deutschen Arbeiterkongresses faßte am 13. Januar 1S14 folgenden Beschluß:„Der Ausschuß des deutschen Arbeitcrkongresses nimmt von der Erklärung des Herrn Reichs- kanzlers in seiner Rede vom 10.. Dezember 1913 im Reichstage Kenntnis, daß„in die Koalitionsfreiheil nicht eingegriffen werden darf", und daß„gegen die Auswüchse des Koalitionswefcns nicht eingeschritten werden soll durch Ausnahmegesetze, sondern nur auf dem Boden des gemeinen Rechts", und ferner davon, daß der Herr Reichskanzler„den Herrn Staatssekretär des Innern gebeten hat, die Erfahrungen, die im Verlaufe der Avbeiterstreitigkeüen in Deutschland gesammelt worden sind, und die Erfahrungen, die in den anderen Ländern gemacht werden, zusammenzustellen" und daß diese Zusammenstellung dem Reichstage auch als„Grundlage für die weitere Behandlung dieser wichtigen Frage" vorgelegt werden wird. Der Ausschuh erachtet es als unerläßlich, daß, um ein un- parteiisches Urteil über das Maß der„Auswüchse des Koalitions- wescnS" zu gewinnen, und insbesondere um Klarstellung der Frage, wie auf dem Boden des gemeinen Rechts diese Auswüchse wirksamer bekämpft werden können, herbeizuführen, auch die gleich- zeitige Feststellung in der beabsichtigten Denkschrift erfolgt, in welchem Umfange Auswüchse des Koalitionsivesens(Koalitions- zwang, Tcrrorismus usw.) von Unternehmern, Unternehmer- organisationcn und Syndikaten zum Schaden von Arbeitnehmern und anderen Unternehmern stattgefunden haben. Tie Beschränkung der Denkschrift bloß auf die Arbeitssrreitig- kellen würde kein unparteiisches Urteil ermöglichen und insbe- andere nicht geeignet sein, Maßnahmen auf dem Boden des ge- meinen Rechts vorzubereiten. Der Ausschutz spricht deshalb die Erwartung ans, daß jene Denkschrift auch einbezieht die Erfahrungen über alle Auswüchse des Koalitionswescns im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und poli- tischen Leben, die nicht von Arbeitern, Angestellten und deren Or- ganisationen, insbesondere die von Arbeitgebern und deren Lrgani- sationen(Beschränkung der gesetzlich gewährleisteten Koalitions- reiheit, Arbcitsausschluß von Angehörign bestimmter Organi- ationcn. Zwang zum Eintritt in Werksvereine, Führung von chwarzcn Listen, geheime Abmachungen über Annahme oder Nicht- annähme von Arbeitnehmern, Streikbrecherbcrmittelungswcscn und anderes) veranlaßt werden. * ♦ * Gegen die Ausdehnung der Denkschrift ist nichts einzuwenden, obwohl schon heute für jeden, der nicht ein Feind des Koalitions- rechts der Arbeiter ist— und das sind viele, die sich als Freunde des Koalitionsrechts bezeichnen—, kein Zweifel darüber bestehen kann, daß das Koalitionsrecht heute vogelfrei ist und daß die Unter- nehmerklasse, ohne vom Staatsanwalt behelligt zu werden, mit dem Koalitionsrecht der Arbeiter Schindluder treibt. politische Ueberficht. Tie erste Lesung des Wohnungsgcsetzcntwurss. Das Abgeordnetenhaus beriet am Sonnabend in erster Lesung den Entwurf eines Wohnungsgesetzcs. Preußens Eigenart auch auf diesem Gebiet aufrecht zu erhalten, das ist der Gesichtspunkt, von dem sich das Zentrum nach dem Ausspruch seines Redners bei der Behandlung der Vorlage leiten läßt, und wer aufmerksam dem Gang der Debatte gefolgt ist, der wird zugeben müssen, daß das nicht nur das Leitmotiv des Zentrums, sondern auch seiner skonservativen Bundesbrüder ist. Preußens Eigenart ' zu erhalten! Das heißt, auf halbem Wege stehen bleiben, die Wurzel des Uebels unangetastet lassen, so tun, als ob etwas ge- schieht, aber im Grunde genommen nichts ändern. Nur gezwungen hat die Regierung ihren Gesetzentwurf eingebracht, und nur ge- zwungen gehen die großen Parteien des Abgeordnetenhauses an seine Beratung heran, nicht in der Absicht, die Wohnungsver- Hältnisse des Proletariats wirklich zu verbessern, sondern in der Absicht, zu verhindern, daß die Drohung Delbrücks sich erfüllt und das Reich eingreift. Der Entwurf der Regierung bleibt hinter den bescheidensten Ansprüchen zurück, aber den Konservativen geht sogar das zu weit. Sie wünschen, daß das platte Land von dem Gesetz überhaupt nicht berührt wird.-Ihr Redner, Abg. v. Hassel, bemühte sich, die Zustände auf dem Lande als idyllisch zu schildern und eine gesetz- liche Regelung der ländlichen Wohnungsstage als überflüssig hin- zustellen. Noch reaktionärer gebürdete sich Abg. L ü d i ck e von den Frcikonservativen, der einzige Redner, der als Vertreter Haus- agrarischer Interessen auftrat. Er brachte es fertig, den Bau- arbeitern die Schuld an den schlechten Wohnungen in die Schuhe zu schieben, indem er— freilich ohne auch nur den Versuch eines Beweises anzutreten— die schon tausendmal widerlegte Behaup- tung ausstellte, daß die hohen Löhne der Arbeiter das Bauen so verteuern, daß eine Wohnungsnot die ganz natürliche Folge sei. Sympathische Zustimmung begegnete die Vorlage bei dem Nationalliberalen K ü n z e l, der sich zwar mit der Tendenz im großen und ganzen einverstanden erklärte, aber die Eingriffe in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden zurückwies. Diesem Kampf um die Selbstverwaltung war in der Haupt- fache auch die Rede des Fortschrittlers Dr. F l e s ch gewidmet, der den Agrariern einige von ihnen nicht gerade angenehm emp- fundene Wahrheiten sagte und die Forderung der Uebertragung der Wohnungspolizei an die Gemeinden erhob. Als letzter Redner kam Genosse Hirsch zu Worte, der in großen Zügen den Gesetzentwurf, der nicht einmal eine bescheidene Abschlagszahlung bedeute und weit hinter dem Entwurf vom Jahre 1994 zurückbleibe, kritisierte, die Bereitwilligkeit semer Freunde, an der Besserung der Wohnungsverhältnisse mitzuwirken, erklärte, aber um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, hinzufügte, daß sie, wenn der Entwurf keine wesentlichen Aenderungen erfahre, nicht für ihn stimmen könnten. Im einzelnen zeigte unser Fraktionsredner, wie die Regierung nach Ouacksalberart überall auf halbem Wege stehen bleibt, wie sie trotz ihrer Ucberzeugung von dessen Schädlichkeit aus politischen Gründen das Hausbesitzer- Privileg vereinigen will, wie sie der Polizei immer mehr Macht- befugnisse einräumt, die Rechte der Gemeinden aber mehr und mehr schmälert. Auch die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande und das Kost- und Logiswescn unterzog Genosse Hirsch einer scharfen Kritik. In der Kommission, der der Entwurf überwiesen wurde, ist auch die Sozialdemokratie vertreten. DaS Zentrum forderte freilich eine Kommission, in der den Sozialdemokraten„zufällig" kein Sitz zusteht, aber es blieb in der Minderheit. Am Montag beginnt die Beratung des Etats der landwirtschaft- lichen Verwaltung. Ffriedensschluh auf Volkskosten. Der Reichskanzler hat ini preußischen Landtag den bürgerlichen Parteien geraten, endlich den Z a n k einzustellen. die Zeiten seien zu ernst. Die auswärtige Lage kann damit nicht gut gemeint sein, denn ffrößere Reibungen dürften in der nächsten Zeit kaum zu erwarten sein; der Kanzler kann nur die Lage im Innern im Sinne gehabt haben, und hier freilich fehlt es nicht an Reibungsflächen. Alles aber wird zurück- treten müssen gegenüber dem wahrscheinlich bereits im nächsten Winter entbrennenden Kampf um den neuen Zoll- tarif. Das offenbar hat dein Kanzler vor Augen geschwebt. als er von den ernsten Zeiten sprach, die es gebieterisch er- heischten, daß die bürgerlichen Parteien den Zank einstellen. Die Konservativen haben sich denn auch mit überraschender Schnelligkeit bereitgefunden. der Mahnung des Kanzlers zu folgen. So sagt die„Konservative Korrespondenz" am Schlüsse eines langen Artikels: „In hohem Maße bemerkenswert waren die Worte, die Herr von Hcydcbrand über die Zusammenarbeit aller derjenigen sprach, die mit uns die notwendige Sorge für unser preußisches Vaterland und für unser Deutsches Reich haben müssen. Dazu rechnen wir auch die Regierung auf Grund der Erklärungen, die beb Herr Ministerpräsident über die wichtigen Punkte ab- gegeben hatte. Die konservative Partei ist sich der staatsrccht» lichen Notwendigkeit durchaus bewußt, daß sie mit allen diesen Faktoren auskommen muß und es ist kein Zweifel, daß die Rede des Herrn von Heydebrand von allen denen, die es angeht, als die Schaffung eines �loduo vivendi angesehen werden muß zur gedeihlichen Zu- samme u arbeit für die Erhaltung Preußen« und des Deutschen Reiches." Alis den gleichen Ton ist ein Artikel in der„Kreuz- zeitung" gestimmt. Das Junkerblatt, das dem Kanzler noch vor kurzer Zeit vorwarf, daß er die Zügel schleifen lasse, und ihn als die Verkörperung staatsmännischer Unfähigkeit hin- stellte, findet jetzt auf einmal, daß zwischen der Regierung und den Konservativen eigentlich gar keine größeren Differenzen bestanden haben, höchstens könne von gelegentlichen Mißver- ständnissen die Rede sein. Die„Kreuzzeitung" schließt ihren Versöhnungsartikel: „Die Mahnung des Herrn Reichskanzlers, um ernsterer Aufgaben willen den„Zank", wie er sich ausdrückte, ruhen zu lassen, fällt bei uns auf so fruchtbaren Boden, als sich der Abg. von Heydebrand bereits vorher am Schlüsse seiner Rede durd)aus in gleichem Sinne au S- gesprochen hatte. Der Herr Reichskanzler hat in den drei Reden im Herrcnhause und Abgeordnetenhause vollkommen anerkannt, wie schwere Bedenken steuerlicher und staatsrechtlicher Art einer Fortsetzung der Besitzbesteuerung durch das Reich ent- gcgcustehcn, die zur Vernichtung der in dem Besitz liegenden Kulturelemente und zur Auflösung des bundesstaatlichcn Charakters des Reiches führen muß. Er hat sich ferner mit aller Entschiedenheit dazu bekannt, daß die staatsrechtliche Stellung Preußens im Reich, daß die Re» gierungsgewalt des Kaisers und die Kom- mandogelvalt des obersten Kriegsherrn ge- wahrt werden müssen. In den konservativen Reden aber, namentlich in den Schlußworten des Herrn von Heydebrand ist mit aller Klarheit zum Ausdruck gekommen, daß die kon- scrvative Partei es ihrerseits an der nötigen Entschlossenheit bei der Vertretung dieser Grundsätze und an der Unterstützung der Regierung bei tatkräftiger Erfüllung dieser Aufgaben nicht fehlen lassen will. Dem können wir uns im Einklang mit den zu Be- ginn dieser Ausführung hervorgehobenen konservativen Grund- auffassungen nur vollkommen anschließen." Aus der diplomatischen Formulierung in gewöhnliches Deutsch übertragen heißt das: die Konservativen wollen dem Reickiskai�Ier seine bisherigen Sünden gegen den heiligen Geist der agrarkonservativcn Profitmacherei vergeben, wenn er künftig die Politik der„echt-vreutzischen Leute" mituiacht, keine speziell den Besitz belastende Steuern mehr fordert und die Zollpolitik der Konservativen fördert. Und der Kanzler hat. wie es scheint, um die Gunst der Konservativen zu gewinnen und n i ch t g e st ü r z t zu werden, sich tatsächlich dazu bequemt, den Konservativen Zusichc- rungen zu machen, die sie befriedigen. Interessant ist, daß zu gleicher Zeit ganz deutlich in der größeren klerikalen Presse das Bestreben hervortritt, den Kanzler zu halten. So tritt die„Köln. Bolksztg." in einem Artikel„W aswilldaswerde n?"(letzte s?reitag.Ubcnd- ausgabe) sehr energisch für das Verbleiben des Kanzlers im Amt ein. Zwar wendet sich das Blatt vornehmlich gegen an- gcbliche Kanzlerstürzungsgelüste der„Freisinnigen Ztg.", aber nach der ganzen Fassung ihres Artikels ist kein Zweifel, daß die Versöhnungsmahnung der„Köln. Volksztg." sich eigentlich an die Konservativen richtet: „Aber wir möchten die„greif. Ztg." fragen, aus welchen Gründen sie es so eilig hat, den konservativen„Kanzlerstürzern" hilfreich beizuspringen. Weiß sie vielleicht schon, wer nach Herrn von B et hm an n Hollwcg kommen würde? Öder steckt auch sie noch, ihr selbst unbewußt, in der„altpreußi- schcn" Tradition, wonach ja wohl ein Minister verloren sein soll, wenn die Häuptlinge des konservativen Grund- und Schwert- cbcls aus dem Osten gegen ihn den Kriegspfad beschreiten? Wir meinen, gerade die gegenwärtige Entwickclung sei doch sehr wenig dazu angetan, auf diese Art von altpreußischen Traditionen politische Häuser zu bauen. Wir leben im Deutschen Reiche, das gerade in den letzten Jahren mancherlei politische Fortschritte nicht ohne sehr merkbare Mitwirkung des Westens und Südens gemacht hat. Wenn in dem Duell zwischen dem Kanzler und den ostelbischen Konservativen von dem ersteren in der„greis. Ztg." gesagt wird, er stehe allein auf weiter Flur, so gilt dasselbe doch auch von dem anderen Bartner. So allein st ehend wie heute sind die Konservativen doch noch nie gewesen. Selbst im Herrenhause, wollten sich gut konservative Männer, wie der greise Feldmarschall Graf Haeseler, ihrer Attacke nicht anschließen. Im Abgeordnetenhause erstand ihnen allerdings in dem saarabisch-nationalcn Dr. Röchling ein unerhoffter Ge- sinnungsgenosse in der politischen Scharfmacherei, aber dann kam gestern Herr Schiffer und löschte Herrn Röchling wieder aus. Jetzt hat der Reichstag wieder das Wort, und man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß die Konservativen dort weder mit ihrer ausgewärmten Besitzsteuerkritik, noch mit irgendwelcher Scharfmachcrei— gegen Elsaß-Lothringen oder !ven immer— Glück haben werden. II n d e i n e m„ st a r k e n Mann" in ihrem Sinne könnte es leicht ebenso gehen, wenn er es wirklich nach Dorckschen Rezepten vor dem Reichstage versuchen sollte." Auch die„Erstklassigen" in Elsast-Lothriugen opponieren. In der Ersten Kammer des reichsländischen Parlaments wird voraussichtlich schon am Montag eine Interpellation über Zabern verhandelt werden, die unterzeichnet ist von Graf Andlaw, Dr. Curtius, Dr. Schwander, Ungemach, Dr. Vonderscheer. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut:„Was gedenkt der Herr Statthalter zu tun, um dem Lande die Sicherheit zu verschaffen, daß Inhaber militärischer Kommandogewalt in Elsaß-Lothringen sich in Zukunft innerhalb der Schranken ihrer Befugniffc halten?" Tie Regierung und die christliche« Gewerkschaften. Daß die christlichen Gewerkschaften sich im Gegensatz zu den freien Gewerkschaften bei der Regierung einer gewissen Beliebtheit erfreuen, ist bekannt. Es wurde deshalb auch im vorvorigen Jahre, als der Papst sich zugunsten der Berliner Fachabteiler aussprach, von verschiedenen Blättern behauptet, die deutsche Rcichsregierung hätte sich im Vatikan sür die„Christlichen" verwendet. Diese M.l- dung wurde danrals von mehreren klerikalen und regierungsosfi- ziöscn Blättern in üblicher Weise dementiert. Wie richtig jedoch die Meldung war, zeigt folgende Aussage der streng klerikalen „Kölner Korrespondenz": Im Kölner Gewerkschaftsprozeß wurde von den Anhängern der sogenannten christlichen Gewerkschaften behauptet, es sei ihnen unbekannt, ob ein Zentrumsabgeordneter mit der Regierung zu- gunsten der Christlichen konferiert habe. Wir sind in der Lage, die Kenntnisse der„christlichen" Führer in diesem Punkte zu er- weitern. Ein in leitender Stälung stehender Geistlicher der Kölner Zentrumspartei— Intimus des Kölner Zentrums— und Gewerkschaftsführer, also ein Wissender, hat sich folgendermaßen geäußert:... Die päpstlichen Pfingsttelegramme des Jahre 1912, die eine sehr entschiedene Bevorzugung der„Berliner" katholischen Fachabteilungen durch den Vatikan deutlich erkennen ließen, hatten im Reichskanzlcrpalais große Aufregung hervorgerufen. Man befürchtete in Berlin, daß durch die Bevorzugung der katho- lischcn Fachabteilungen eine Schwächung der christlichen Gewerk- schaften und eine Erstarkung der Sozialdemokratie hervorgerufen würde. Durch ein Telegramm ließ der Reichskanzler den Abge- ordneten Trimborn bitten, nach Berlin zu kommen. Trimborn folgte dem ehrenvollen Ruf. Im Palais des Reichskanzlers wurde dann mit diesem überlegt, was in Rom zugunsten der „Christlichen" geschehen könne, damit der Eindruck der Pfingst- lclegramme abgeschwächt oder ganz verwischt werde. Man war sich darüber einig, daß am besten die Intervention eines Bischofs nachgesucht würde. Nichts leichter als dies. Nur war die Frage: welchen Bischof sollte man wählen? Von. Kardinal Fischer, dem hohen Protektor aller„Christlichen" sah man(klugerweise) ab. In engere Wahl kamen Bischof Dr. Schulte von Paderborn und Bischof Dr. Bertram von HildeSheim. Man einigte sich schließ- lich auf Bischof Bertram, der die Mission denn auch angenommen und ausgeführt habe. Soweit der in„Kölner" Kreisen sehr angesehene und wissende Geistliche, dessen Aussagen jederzeit zeugcneidlich bc- kündet werden können. Er hat noch andere Sachen mitgeteilt, die aber nicht hierher gehören und auch schon hinlänglich bekannt sind. In den Kreisen der Kölner Richtung haben wir oft genug das Wort gehört vom starken Arm der Regierung, der die„christ- lichen" Gewerkschaften vor Rom schütze. Der Streikgendarm. Herr Dr. Stresemann, einer der Macher im Hansabund, ist jüngst dafür eingetreten, für den StrcikübcrwachungSdienst de- sondere Beamte auszubilden Diesen Gedanken spinnt Oberverwal- tungsgerichtsrat Blüher, der juristische Streikspezialist des Hansa- bundes, in einem Artikel weiter, den er im„Tag" veröffentlicht. Er führt dort u. a. aus: „Die Veranstaltung und Durchführung des Streiks, die Tätigkeit der Streikleitulig und der Streikposten, der Terror, der beim Streik geübt wird, das alles ist heute Spczialwisscnschast. Die freie» Gewerkschaften wissen das sehr wohl und handeln danach. Sie geben genau ausgearbeitete Anweisungen heraus und schicken ihre gut gedrillten, mit reichen Erfahrungen aus- . gerüsteten, geschickten und tatkräftigen Streikleiter von der Zen- trqlftellc an den Stveikort; dabei ist natürlich die Hauptsache nicht. sowohl die gedruckt« Instruktion als die lebende Anwesenheit des Streikleiters. Es ist ausgeschlossen, daß unsere örtlichen Polizei- organe, die vielfach doch glücklicherweise verhältnismäßig selten mit Streiken zu tun haben, so eingearbeitet sind, wie es wünschenswert erscheint. Deshalb ist es notwendig, daß an einer oder mehreren Zentralstellen besondere, und zwar besonders ge- eignete Beamte für den Streikdienst ausgebildet und jeweilig au die gefährdeten Stellen zur Unterstützung und Hilfeleistung entsendet lvcrden." Herr Blühcr ist, genau wie Herr Stresemann, nationalliberal, und es darf angenommen werden, daß der Streikgendarm eine der Konzessionen ist, die von den Nadionalliberalen den Scharfmachern gemacht werden. Fragt sich nur noch: soll der Streikgcndarm eine Reichs- oder Landessache werden? Aus dem bayerischen Landtag. Der Finanzausschuß der Kammer der Abgeordneten hat in seiner heutigen Sitzung den Antrag der Staatsrogierung, 609 999 Mark zur Beschaffung von Radium bezw. Mesothorium zu Zwecken der Krebsheilung in den Kliniken der drei Landesuniversitätcn zu bewilligen, einstimmig angenommen. Rekrntenmisthandlungen beim Gardetrainbataillon. In der Berufungsinstanz vor dem Oberkriegsgericht des Garde Corps fanden die umfangreichen Rekrutenmißhandlungcn beim Gardetrainbataillon ein Nachspiel. Unter der Anklage zahl- reicher Mißhandlungen, Beleidigungen und vorschriftswidriger Be- Handlungen hatte sich der Unteroffizier H o f f m a» n zu verantworten. Im ganzen wurden 31 Fälle von Mißhandlungen und 39 Fälle von vorschriftswidriger Behandlung angenommen. Die Mißhandlungen greifen bis auf das Jahr 1912 zurück. Ein aiwnymer Brief, der an den Bataillonskommandeur gerichtet wor- den war, sollte die Vorgesetzten von den Mißhandlungen in Kennt- ins setzen. Der Angeschuldigte pflegte die Untergebenen bei dem Früh- und Mittagsdien st zu peinigen. Dabei trat gar oft der Rcitstock in Funktion. Der Rekrut Sustrate wurde von dem Angeklagten in einer Reihe von Fällen mißhandelt. Wieder- holt wurde er mit dem Reitstock geschlagen. Auch wurde S. mit Ohrfeigen traktiert. Der Angeklagte ließ die Leute auch gern mit gefülltem Haferkorb in die Kniebeuge auf- und abgehen. Einer der Untergebenen mußte auch mit dem Mistkasten in den vor- gestreckten Armen in die Kniebeuge gehen, bis ihm schließlich die Arme zitterten. Hoffmann verschmähte es auch nicht, die Unter- gcbenen durch Fußtritte zu„erziehen". Ferner trat der Rohrstock in Aktion. Bei einer Gelegenheit ließ H. einen Rekruten so lange in die Kniebeuge gehen, bis dieser nicht mehr konnte. Als er außer Atem war, rief er ihm zu:„Willst Du wohl die Fresse zu- machen!" Die Fahrerpeitsche wurde bei den Mißhandlungen gleich- falls in Anwendung gebracht. U. a. versetzte er einmal einem Rekruten mit den Worten:„Bist Du Aas noch nicht aus dem Stall!" einen heftigen Schlag mit der Peitsche ins Gesäß. Wenn die Leute die Pferde schlecht putzten, mußten sie in die Kniebeuge gehen. Einer der Mißhandelten bekam dabei einen Schwindel- anfall. Den Rekruten Terhorn, der dem Angeklagten nicht ein Bücherbrett angefertigt hatte, weil ihm dies vom Feldwebel verboten worden war� nahm sich H. be- sonders vor. Er mußte fortwährend in die Kniebeuge gehen und den gefüllten Mistkasten so lange in den ausgestreckten Armen halten, bis er zitterte. Ein besonders roher Fall von Mihhand- lung wurde gegenüber dem Rekruten Sauerzack festgestellt. Er erhielt von H. einen so heftigen Fußtritt gegen die Leistengegend, daß er noch acht Tage später beim Reiten die Folgen spürte. Auch ließ der Angeklagte die Leute Eimer mit Wasser in den ausge- streckten Armen halten, bis sie schwankten. Das Oberkriegsgericht erkannte neben einer Gefängnisstrafe von sechs Mona- t c n und d r c T Tä g e n auch auf Degradation. Cin mexikanischer Schinöerhannes. London, 15. Januar 1914.(Eig. Bcr.) Die Einnahme der kleinen nordmexikanischcn Grenzstadt Ojinaga dupch die Aufständischen hat den Sieger von Ojinaga, General Villa, zum Ruhme verholfen. Er soll jetzt dem Haupte der Rebellen, dem General Carranza, eine gefährliche Konkurrenz machen und nach dem Präsidentensessel trachten. So versichert nämlich ein Korrespondent der Londoner„Times". Dieser gibt eine interessante Schilderung des Charakters und der Vorgeschichte der neuesten Helden. Wir geben sie hier wieder. Man darf jedoch nicht vergessen, daß die Engländer, die in Huerta den Freund sehen, vielleicht nicht als ganz einwandfreie Zeugen gegen die aus- ständischen Schutzbefohlenen der Dankeekapitalisten betrachtet werden können, die sich der Rebellen zu ihren Zwecken bedienen. Doch das von dem General Villa entworfene Charakterbild hat die Wahr- scheinlichkeit für sich. Im Alter von 18 Jahren verlegte sich Pancho Villa auf das in Mexiko so blühende Geschäft des Straßenräubers. Es heißt, daß er einen reichen Mann umbrachte, der seine Schwester ver- führt hatte. Darauf soll er der Gesellschaft die Fehde geschworen haben. Er plünderte nach der Art des romantischen Räuberhaupt- manns die Reichen aus und schenkte den Armen viel aus dem so erzielten Einkommen. Dieses romantische Phase seines Lebens hörte jedoch auf, als ihn Madero zum Offizier ernannte. Die erste beglaubigte Tatsache in seinem Leben besteht aus einer Anklage- schrift, in der Pancho Villa der Disziplinlosigkeit, des Einbruchs, des Straßenraubs und der Notzucht bezichtigt wurde. Huerta ließ ihn zum Tode verurteilen, aber durch das Eingreifen Maderos kam Villa frei. Als im Februar des Jahres 1913 Carranza die Fahne der Rebellion gegen Huerta erhob, sammelte Villa eine Streitmacht. die den Aufständischen beistehen sollte. Villa organisierte seine Truppen gut. Im Hintertreffen hielt er stets eine Zahl der ihm absolut ergebenen Soldaten. Diese mußten auf die Vordermänner schießen, wenn sie Miene machten, auszukneifen. Der Plan soll sich vorzüglich bewährt haben. Der General Villa schritt von Sieg zu Sieg. Im Herbste beunruhigte er die Regierungstruppen in Chihuahua und vernichtete kleine Heercsteile. Dann nahm er mit geschickter Strategie die Stadt Torrcon ein. Er hielt dort die Ordnung gut ausrecht, schloß die Schenken, erschoß alle, die plün- der» wollten, und erhob von den Banken und Geschäftshäusern einen Tribut in der Höhe von 399 999 Pfund Sterling.— Wie man sieht, hat Pancho Villa das Zeug zu einem Kapitalisten in sich. Sein Wahlspruch ist offenbar: Man muß immer herzhaft zugreifen, aber die kleinen Diebe muß man hängen. Alsdann machte er sich an die Umzingelung der Stadt Chihua- hua, die er durch einen genialen Streich eroberte. Er nahm einen Kohlenzug weg und schickte ihn, mit Soldaten beladen, nach Juarez, woher die Besatzung Chihuahuas beständig Verstärkung bezog. Durch einen Eisenbahntelegraphisten ließ er die Juarezer wissen, daß ein mit Kohlen beladener Zug eintreffen werde. Der Zug traf ein, die Soldaten sprangen aus den Wagen wie aus dem hölzernen Pferde von Troja heraus und zerstreuten die Regierungstruppcn. Bald darauf wurde Chihuaha genommen. Villa wird als ein Mensch von bemerkenswerter Energie ge- schildert. Obwohl brutal in seiner Sprache und manchmal auch in seinen Handlungen, ist er doch mäßig in seinen Gewohnheiten, trinkt und raucht nicht und scheut keine Mühe und Gefahr. Er ist von untersetzter Statur und sieht nicht sehr intelligent aus. Für seine Kriegstaktik sollen drei Amerikaner verantwortlich sein, die ihn begleiten, von denen der eine auf Kuba und den Philippinen sich als geschickter Taktiker bewährt hat. Das nächste Ziel des General Villa ist die Stadt Mexiko und dann?— Nun, die Aankee- kapitalisteu können auch einen Schinderhannes brauchen, wenn er ihnen das alleinige Ausbeutungsrecht Mexikos sichern kann. Angriff auf Mexiko. New Hork, 16. Januar. Nach einem Telegramm aus Chihuahua will der Rebellenführcr General Villa versuchen, bei Guadala- jara zu General Carranza zu stoßen, um mit ihm aufMexiko zu marschieren. General Villa erklärt, daß er bei dem jetzigen Anwachsen seiner Armee 25 999 Mann zu einem entscheidenden Schlag gegen die Hauptstadt führen könnte. öelgien. Fünfundzwanzig Millionen für Klosterschule». Man schreibt uns aus Brüssel: In der belgischen Kammer, wo seit drei Monaten die Schul» debatte heruntergeschnurrt wird, wird jetzt fleißig abgestimmt. Ein, zwei, drei Sitzungen— und wieder ist ein Artikel angenommen. Es ist immer dasselbe Bild. Die Sozialisten und Liberalen bringen Zusatz- und Abänderungsanträge ein, dokumentieren sie. halten ihre Reden und schließlich lvird jeder Artikel, Linke gegen Rechte— mit unverändertem Regierungstext angenommen. Diese flink ratternde klerikale Abstimmungsmaschine bedeutet für die Klöster eine ganz niedliche Leistung: sie wird ihren Schulen rund Fiinfund» zwanzig Millionen zuführen. Soviel ungefähr sieht das Schulgesetz an Subventionen für den k o n gr e g a ti o n ist is ch e n Unterricht vor. Diese Liberalität des Staates für klerikale Schulzwecks bekommt aber erst eine richtige Beleuchtung, wenn man vergleicht, was der Staat für die ö f f e n t l i ch e n Kommunal» schulen leistet. Die Stadt Brüssel erhält z. B. nach dem neuen Gesetz für jeden Schüler einen staatlichen Beitrag von 37 Fr.; die freie n, d. h. K l o sie r s ch u l e n, erhalten pro Schüler 69 Fr.! Die Brüsseler Gemeinde erfährt durch das neue Gesetz eine Neu« belastung von 85999 Fr.; die Klosterschulen dagegen er» halten um 295 999 Fr. mehr nls hente! Den Klosterschulen in Antwerpen werden ihre staatlichen Sub« ventionen gleichfalls um ein Beträchtliches erhöht. Sie erhalten nur um 375 999 Fr. mehr als die städtischen Schulen. Es zeigt sich sonach, daß die Klcrilalen über ihre ursprüngliche Forderung— den Klosterschulen dieselben Subventionen wie den kommunalen An- stalten— noch hinausgegangen sind, und der Staat die ersteren weit besser dotiert als die letzteren. Was weiter nicht erstaunlich ist, da sich das Gesetz ja von vornherein durch seine ganze Tendenz gegen die Kommunalschulen richtet und diesen durch den Klostcruuterricht da? Terrain abgraben will und zum Teil auch wird. Denn während sür die Kommunalschulen zum großen Teil die Gemeinden aufkommen müssen, werden die kon- fessioncllen Schulen vom Staat erhalte». Die Gemeinden, die also vom öffentlichen Unterricht nicht gerade begeistert sind und die Mehrbelastung scheuen, werden, aber vielleicht auch, um ihren Steuerzahlern einen Gefallen zu tun, die kommunalen Schulen ein» gehen lassen, um sie— das neue Gesetz macht das ja sehr leicht— durch kongregationistische zu ersetzen.— Ein Irrtum wäre es aber, anzunehmen, daß diese 25 Millionen Subventionen in Zukunft wirklich und wahrhaftig Schulzwecken zugeführt werden. Die Regierung und die Rechte weisen das von der Opposition geforderte Kontrollrecht ab mit der famosen Begründung, daß der Staat sich keine Kontrolle über den„privaten" Unterricht anmaßen -darf. Er„darf"-bloß zahlen-, aber-nicht..... lontrollierem Da die Klöster selbst reich sind und ihr Unterricht sie nicht eben viel kostet, wird von den dem.Klosterunterricht" gewidmeten 25 Millionen ein noch beträchtlicher Teil wie bisher sür die klerikalen Wahlfonds abgehen. Und politische Vorteile zu bringen, die politische Herrschaft des Klerikalismus zu befestigen, daS ist ja mit der Hauptzweck dieses sogenannten»Schul"gesetzcs. Englanü. Gegen die Flottcnrüstungen. London, 17. Januar. In der City fand gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Herrn Hirst, des Herausgebers der Wochen- schrift„Economist" eine Protestkundgebung gegen die Vermehrung der Flottenrüstungen statt. Die Versammlung war zahlreich besucht, aber die Londoner City ist ein chauvinistischer Boden und eS hatten sich eine Anzahl lärmender Patrioten von der Fondsbörse eingefunden, die die Redner unterbrachen. Trotzdem wurden die Resolutionen gegen die unbegrenzten Dreadnoughtbauten— einer der Redner erwähnte daS kaum glaubliche Gerücht, daß Churchill neun neue Schiffe haben wolle— mit großer Majorität a n g e n o m in e n. Außer dem Vor- sitzenden sprachen hervorragende Männer der Industrie für die Resolutionen._ Letzte Nachrichten. Der Dubliner Streik beendigt. London, 17. Januar.(P r i v a t t e.l e g r a m m des „V o r w ä r t§".) Nach Meldungen aus Dublin hat dort die Streikleitung nach einer Sitzung, die die ganze Nacht dauerte, den Abbruch des Streiks beschlossen. Der Kampf hat zwanzig Wochen gedauert. Nach den vorliegenden Resultaten der teil- weisen Gemeinderatswahlcn, die am Donnerstag in Dublin stattfanden, haben die Arbeiter zwei neue Mandate gewonnen. Auch in den übrigen Bezirken schnitte-., sie nicht schlecht ab, trotz der wüsten Hetze, die von den katholischen Pfaffen gegen die Arbeiterkandidaten betrieben wurde. Ein Protest gegen die Säbelherrschilft in Südafrika. London, 17. Januar.(W. T. B.) Ter Nationalaus- schuß der unabhängigen Arbeiterpartei hat folgende Resolu- tion gefaßt: Wir protestieren gegen das despotische Vorgehen der südafrikanischen Regierung, die unter Mitschuld des Gene- ralgouverneurs Lord Gladstone und des Kolonialamtes im Interesse des Kapitalismus und der Klassenherrschaft die Gc- werkfchaftsführer verhaften ließ, die Verfassung unterdrückte und das Kriegsrecht erklärte. Wir hegen das Vertrauen, daß die organisierten Arbeiter des ganzen Dominiums gemein- fame Sache machen werden und in geeinter Front diesem neuesten Versuche, britische Einrichtungen zu russifizieren, Widerstand entgegensetzen werden. Eine Abschrist der Rc- solution wurde dem Kolonialsekretär übersandt. SchreckWstat eiuer Wahnsinnigen. Herne, 17. Januar. In der Kolonie der Gewcrlschaft „Friedrich der Große" wurde die Frau des Bergmanns Schill- towsti plötzlich vom Wahnsinn befallen. Sie sprang auf, ergriff ihr sieben Wochen alles Kind und schleuderte es solange an die Wand, bis es tot Ivar. Den dreijährigen Sohn hätte dasselbe Schicksal ereilt, wenn nicht im letzten Augenblick der Vater hinzu» gekommen wäre. '■'.tXiip-•* •> t\■■. ,.-• v ./■j.';---; v?:,y,:. 3fr»cdrichstrassc 110-112 ■•V 9910 passage-Kaufhaus ■Jt.-.y:•> T ■•V»;'v<5-C>.-"5?z.":•'*■'' «i. m. b. H. ■■.».vC;- 5 Potsdamer Slr.10-13 Leipziger Str. 75-76 am t)önhoJfpIatz N*:': r Kein Verkauf an Wiederverkä ufer l Montag bis Freitag: Schluß-Tage Zurückgesetzte Waren, Restbestände und andere vorteilhafte Qelegenheitsposten stehen in fast allen Abteilungen zu außergewöhnlich niedrigen Preisen zum Verkauf. 1U j Oanz besonders günstige Angebote! Wäschestoffe Hem'dentuch...... Meter 34, 42, 50 Pt Renforcö.......... Meter 35, 42, 48 Pf. Linon, 80 cm breit.... Meter 42, 55, 65 Pf. Linon, 130 cm breit.,. Meter 7 8, 90 Pf-, 1.05 10 Meter-Kupons Spezialmarke Q oc inlltolkrfiltls... 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Dank der hervorragenden Mithilfe der Gewcrk- schaften ist es jetzt möglich gewesen, erstnialig sämtliche an einem betreffenden Stichtage(31. Dezember 1912) in Deutschland in Geltung befindlichen Tarifverträge ihrem Um- fange wie ihrem Gesamtinhalte nach zur Darstellung zu bringen. Aus der anitlichen Statistik ergibt sich, daß in Deutsch- land des Tarifvcrtragswesen immer mehr Boden gewinnt! in den letzten sechs Jahren hat sich nicht nur die Zahl der Tarife, sondern auch die Zahl der tariflich gebundenen Personen mehr als verdoppelt, wie nachfolgende Üebersicht zeigt: Bestand Tarifverträge Betriebe Personen Ende 1907... 5324 111050 974564 „ 1908... 6671 120401 1026435 „ 1009... 6 578 137214 1 107 478 „ 1910... 8 293 173 727 1 361 086 „ 1911... 10 520 183 232 1552 827 . 1912... 12 437 208 307 1 999 579 Nach Aussonderung der Doppelzählungen verdichten sich die Ende 1912 oestehenden Tarifverträge zu 19 739 T a r i f. g e m e i n s ch a f t e n für 159 939 Betriebe mit 1 57� 285 beschäftigte ir Personen. Im Jahre 1912 sind 3826 Tarifgemeinschaften für 37 634 Betriebe mit 382 359 Personen neu in Kraft getreten. Dem-Geltungskreis nach geordnet, sind von der Gesamt- zahl der Ende 1912 bestehenden Verträge 7899 Verträge für 419 975 Personen Firmentarife, 1388 für 283 532 Personen Ortstarife, 1531 für 799 733 Personen Bezirkstarife und 11 für 89 945 Personen Reichstarife. Gruppiert nach Landes- teilen entfallen unter anderem auf Preußen 5234 Tarife, Bayern 1371, Sachsen 1395, auf Württemberg nur 466 Tarife. Für Berlin sind 572 Tarifgemeinschaften für 29 626 Bc- triebe mit 192295 beschäftigten Personen abgeschlossen. Dem Wirkungskreis nad) gruppiert, erstrecken sich von den 19647 Tarifen, über die Angaben vorliegen, 5575 auf 1 Betrieb, 2863 auf 2 bis 19 Betriebe, 969 auf 11 bis 29 Be- triebe, 693 auf 21 bis 59 Betriebe, 287 auf 51 bis 199 Be- triebe und 269 Tarife haben für mehr als 199 Betriebe Geltung. Zieht man die Anzahl der erfaßten Personen in Betracht, dann gelten von 19 969 Tarifgemeinschaften 895 Tarife für 1 bis 5 Personen, 1965 für 6 bis 19, 1733 für 11 bis 29. 2696 für 21 bis 59. 1533 für 51 bis 199, 1931 für 191 bis 299, 797 für 291 bis 590 und endlich 499 Tarife für über 590 Personen. In einzelne Gcwcrbegruppen ist der Tarifgedanke be- sonders eingedrungen. Im Baugewerbe wurden gezählt 2466 Tarife für 596 273 Personen, in der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel 2167 Tarife für 120 284 Personen, in der Holzindustrie 1264 für 155199 Personen und im Bekleidungs- gewcrbe 719 Tarife für 139 767 Personen. Auch in der Metallindustrie gewinnt das Vertragswesen immer mehr Terrain: die Metallindustrie verzeichnet 1291 Verträge für 199 156 Personen. Durchschnittlich 54,1 Proz. aller tariflich gebundenen Per- sonen gehörten einer Arbeiterorganisation an. Dieser Durch- schnittsprozentsatz wird in einer Reihe von Gewerbegruppen bedeutend überschritten. Im Polygraphischen Gewerbe gehörten 93,8 Proz., im Handelsgewerbe 82,1, in der Holz- industrie� 81,5, in der Chemischen Industrie 76,6 Proz. der tariflich erfaßten Personen der Organisation an. Auf das Handwerk entfallen 3826 Tarife für 119 999 Be triebe mit 459 928 Personen. Zum Handwerk sind diesmal aus einer Reihe Gewerbcgruppen die Verträge gerechnet, welche Betriebe umfassen, die Erzeugnisse des Handwerks her- stellen, und bei denen im Durchschnitt der einzelnen Tarif- gemeinschaft auf einen Betrieb bis 19 Personen ent fallen. Des ferneren sind zum Handwerk auch die n u r von Innungen abgeschlossenen Tarifgemeinschaften gezählt, bei denen auf einen Betrieb durchschnittlich mehr als 19 bis 20 Personen entfallen. Die unifangreiche amtliche Statistik bringt eingehende Nachweisungen über die tariflich geregelte Arbeitszeit, über Löhne, Entlohnungsarten, Kündigungsfristen, Schlichtungs- instanzen, einen Vergleich der ortsüblichen Tagelöhne zu den Tariflöhnen usw. Ein Bild starker EntWickelung des Tarifvertragswesens ist es, das die amtliche Statistik zeigt. Nicht nur die Zahl der Verträge und erfaßten Personen nimmt von Jahr zu Jahr zu, gleichen Schritt hält mit dieser EntWickelung in die Breite, die Ausgestaltung und innere Vervollkommnung der Verträge. Und gerade das bildet einen Beweis für den steigenden Einfluß der Arbeiterorganisationen auf die Regelung der Arbeits- Verhältnisse._ Serlin und Umgegenö. Die Not in der Berliner Holzindustrie bat Unternehmer und Arbeiter zu dem Beriuch einer gemeinsamen Abwebr zusammengeführt. Gegenwärtig stehen in den Berliner Tischlereien über 6000 Bänke leer. Namentlich ist die Fabrikation einfacher Möbel immer mehr auS Berlin verdrängt worden. Nach der„Fachzeitung der Tischlermeister" erstattete nun in der Neujahrs- guartals-Versamnilung der Berliner Tischlerinnung Herr Obermeister R a h a r d t Bericht über einen interessanten Versuch, dieser Ent- Wickelung der Dinge entgegenzutreten. Danach hat die Innung mit den Vertretern der Arbeiter verhandelt, wie man die Herstellung einfacher Möbel für Berlin wieder lohnend machen und so der Arbeitslosigkeit entgegentreten kann. Das Ergebnis der Beratungen war ein Preisausschreiben für einfache Wohnungseinrichtungen. Auf dasselbe sind 106 Entwürfe eingegangen. Demnächst sollen Spezialisten aus Kreisen der JnnungSmitglieder be- rufen werden, um an Hand der preisgekrönten Ent- würfe genaue Berechnungen aufzustellen. Es handelt sich um eine Wohnung, bestehend aus Wohn-, Schlafzimmer und Küche zum Preise von 600 M.(im Gegensatz zu den in gewissen Annoncen zu 400, ja schon zu 200 M. angebotenen.) Für die Entwürfe wird Musterschutz genommen werden; die Fabrikanten werden durch die Erteilung von Lizenzen gebunden werden. Auf der diesjährigen Frühjahrsmesie in den Ausstellungshallen am Zoo wird die Aus- stellung der Arbeiten erfolgen. Die Arbeiterverbände werden in ihren Kreisen Propaganda für das Unternehmen machen, das einen ehrlichen Versuch darstellen soll, den Geschmack dcS Publikums zu heben, welches diese einfachen Möbel kauft, um so Meistern und Ge- sellen die ersehnte Arbeit wieder zu beschaffen. Aus dem Fleischergcwerbe. Die Firma S p e r I i ch, Wurst- und Flcischzentrale, Brunnenstr. 76, ist nicht zu bewegen, den Tarifvertrag mit der Organisation abzuschließen. Die Sperre über die Firma Spcrlich bleibt bestehen. Die Tariskommission der organisierten Fleischergesellen. Deutsches Nelch. Katholische Moral. Da? Organ der katholischen Fachabteilungen vom 18. Januar schreibt unter Elbing: „Der Hauptführer der hiesigen sozialdemokratischen Gcwerk- schaften, GewerkschastSsekretär Hermann T r i l s e, ist in Elbing nach kurzer Krankheit am 9. Januar gestorben. Sein letztes öffent- liches Wirken war die Herausgabe eines Flugblattes und ein Referat gegen den katholischen Arbeitersekrelär Nitjch, um dessen Wiederwahl als Stadtverordneten zu verhindern. An dem Tage, als die erste Stadlverordnetensitzung stattfand und Misch von den zirka 20 wieder- und neugewählten Stadtverordneten als erster auf sein Amt verpflichtet wurde, lag Trilse im Todeskampf; und kaum war diese Sitzung zu Ende, da stand er vor seinem ewigen Richter. Der Verstorbene war ein katholischer Schlesier, hatte aber längst mit Gott und Kirche völlig gebrochen." Wenn man fromme fanatisicrte Katholiken fragen wird, was mit dieser Notiz gemeint ist, so Ivird man etwas von der„göttlichen Vor- sebung" und von dem„göttlichen Strafgericht", das Trilse getroffen hat, zu hören bekommen. Der Erwählte der katholischen Fachabteilung steigt zum Ruhm empor, der Sozialdemokrat windet sich indessen in Todesschmerzen. Warum hat er auch als katholischer Schlesier mit seiner Kirche gebrochen und warum gegen den katholischen Gegen- kandidaten Ritsch Flugblätter geschrieben! Hätte er es nicht getan, lebte er heute noch. So werden gewiß viele Leser des Organs der Fachabtcilungen denken. Katholische Moral! Die bayerischen Staatsbcamtcnvercine der höheren, mittleren und unteren Bcamtenkategoricn haben den Zusammenschluß zu einer Arbeitsgemeinschaft vollzogen. Der Verband bezweck: in der Haupt- fache eine wirksamere Vcriretung der gemeinsamen Interessen an der Regelung bei der Feststellung von Gchaltsverhältnissen.— In Preußen duldet Herr v. Jagow so etwas nicht! Ausland. Die Möbeltischler in Genf führen seit 14 Wochen einen er- bitterten Kamps um die Forderung des Neunstundentags. Erhöhung der Stundenlöhne usw. Dieser Kampf tobt gegenwärtig unter den schärfsten Formen. Es ist ein heißes Ringen um jeden Fußbreit Boden mir der Unternchinerschaft, welcher die Polizei nach bc- rühmtem Muster willige Handlangerdienste leistet. Der musterhaften Haltung der Streikenden ist es zuzuschreiben, daß bereits eine Reihe von Firmen kapitulierte und die Forderungen der Arbeiterschaft voll- inhaltlich anerkannle. Es ist auch bereils in die Organisation der Unternehmrr Bresche gelegt; ein Mitglied derselben akzeptierte die Forderungen ebenfalls. Die übrigen suchen nun mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, Arbeitskräfte aus dem Auslande herbeizuziehen..Das tun dieselben Unternehmer, welche erst vor kurzem an die Genfer Re- gicrung den Antrag stellten, die„lästigen Ausländer" auszuweisen. Die Arbeiterschaft der ganzen deutschsprechendeu Schweiz blickt mit gespannter Aufmerksamkeit auf die einzelnen Phasen dieses KanipfeS, und es steht zu erwarten, daß die Genfer Möbeltischler densclbeu auch siegreich zu Ende führen.— Zuzug von Bau- und Möbeltischlern ist von Genf und Umgebung bi» auf weiteres strengstens fernzuhalten! Ter Streik der österreichischen Buchdrucker. Alle Anstrengungen der Ullstein- und Mvssepresse, die öfter- reichischcn Buchdruckcreibesitzer mit Arbeitswilligen zu versorgen, sind offenbar ergebnislos. Auch das Wolfffche Telegraphenbureau muß nun melden, daß die Mehrzahl der Buchdruckereibesitzer Steier- markö den erhöhten Tarif angenommen habe, fo daß der Kampf in diesem Kronlande beendet sei. In der Tat arbeiten fünf Sechstel der Buchdruckergehilfen und der Hilfsarbeiter Steiermarks den Gehilfcnforderungcn entsprechend bei achteinhalbstündiger Arbeitszeit, einer Lohnznlage von 3 Kronen und einer Erhöhung des Tausend» Preises um 7 Heller. Welche Versprechungen etwaigen Arbeitswilligen gemacht werden, mag das folgende Schreiben eines Tcplitzer Unternehmers erweisen: „Ich zahle Ihnen einen Wochenlohn von 40 Krone n bei freier Verpflegung. Sieiseauslagen vergüte i ch I h n c n. Für persönlichen Schutz ist vorgesorgt. Gleichzeitig empfehle ich Ihnen, nicht in Teplitz-Schönau, sondern in Seltenz auszusteigen und von dort mit der elektrischen Bahn bis Schul- Meines Zeuilleton. Der Umgang mit preußischen Behörden. Das ist eine Unglück- liche Lücke: es gibt tausend Anstandsbücher, aber keins für den Verkehr mit Barbaren. Da muß die mündliche Uebcrlicferung helfen: die Reisenden, die eine Expedition ins Innere Afrikas unternehmen, wissen schon von ihren Vorgänger», Ivie man sich Eingeborenen zu nahen hat. Nur für den lvildeu Volksstamm, der unter uns lebt, mitten in Europa, gibt es noch keine Umgangs- regeln. Versuchen wir, die Lücke zu füllen: 1. Laß Dir nichts gefallen! 2. Gib durch Dein Benehmen von vornherein zu erkennen, daß Du den Beamten absolut gleichwertig bist; bete sie nicht an und diene ihnen nicht. 3. Wenn jemand— und das wird der Normalzustaild sein— Dich anschnauzt, so krakeele nicht. Treibe ihm augenblicks scharf und bestimmt den Glauben aus, daß Du seinetwegen da seist. 4. Nimm alles persönlich, als ob Dein Nachbar mit Dir spricht; Uniform entschuldigt keine Ungezogenheit, sie erschwert sie. 6. Gehe immer aufs Ganzel Bedenke, daß diesen Menschen nichts widerlicher ist als Schreibarbeit; daher 6. mache stets und immer Gebrauch von allen Deinen Rechten. Wem: sie Dich schikanieren, vergilt Gleiches mit Gleichem. Leiste passiven Widerstand, verweigere die Auskünfte, zu denen Du nicht verpflichtet bist. 7. Laß nie etwas auf sich beruhen! Beschwere Dich sofort und gründlich. Geh immer bis zur letzten Instanz; verfasse eine Be- schwerdeschrift nie beleidigend in der Form, aber scharf, scharf, scharf. 8. Gib auch in den Kleinigkeiten nicht nach. Viele Gesetzes- Vorschriften sind den Beamten unangenehmer als Dir, weil sie die Ausführung überwachen müssen. Hier hat ein, erspare ihnen keine Mühe. 9. Bewege Dich ihnen gegenüber frei, unbefangen, ganz wie wenn Du unter zivilisierten Menschen seist. Wenn sie Dich lange warten lassen, geh weg und beschwer Dich. Wenn man Dich irgepd- wohin zitiert, geh nur, wenn Tu gesetzlich verpflichtet bist! 10. Latz Dir nichts gefallen. Das wäre so einiges. Wenn man dann noch den Angehörigen dieses wilden Völkerstammes klar macht, daß auch für sie die Regeln internationaler Höflichkeit gelten, daß auch sie einen Gruß zu erwidern haben, daß auch sie sich anständig betragen müssen, dann— ist viel erreicht. „Die menschliche Eitelkeit dem menschlichen Elend!" Die sonder- bare Jnscbrifl:„Die menschliche Eitelkeit dem menschlichen Elend", die die Front des Krankenhauses von Rio de Janeiro ziert, hat eine ganz besonders lehrreiche Geschichte. Pedro II., der im Jahre 1839 den Thron von Brasilien verlor, hatte seinerzeit beschlossen, in Rio de Janeiro ein großes Krankenhaus zu bauen. Da aber die not- wendigen Mittel fehlten, kam ihm der Gedanke, aus dem Per- kauf von AdelSIitcln das für den Bau nötige Geld herauszuschlagen. So erließ er denn eine Bekanntmachung, die der Oeffenllichkeil kund und zu wissen tat, daß jeder, der zum Krankenhausfonds 100 900 Milreis beisteuerte, den BaronStitel, und wer die Summe auf 260 000 Milreis erhöhte, den Grafentitel erhalten solle. Die Spenden gingen denn auch in Hülle und Fülle ein und in kurzer Zeit war nicht nur das Baugeld, sondern darüber hinaus auch ein stattlicher Reservefonds vorhanden, der gestattete, das Krankenhaus in der glänzendsten Weise auszugestalten. König Pedro selbst war es, der auf Grund seiner eigenen Erfahrungen die bittere ! Inschrift„Die menschliche Eitelkeit dein menschlichen Elend" ver- faßte. Bei der Gelegenheit sei daran erinnert, daß auch in Frank- reich, wo der Adel während der Revolution offiziell abgeschafft worden ist, durch ein Gesetz, das im Jahre 1871 in Kraft trgt, dem Kultusministerium die Ermächtigung erteilt wurde, Adclsbriefe gegen eine dem Titel entsprechende Taxe auszugeben. So mutz beispiclS- weise ein Herzog, der Wert darauf legt, seinen Tirel von der Republik offiziell anerkannt zu sehen, die betreffende Urkunde mit 18000 Frank bezahlen, während ein Marquis zu gleichem Zweck 10 000, ein Bicomte 7000, ein Baron 1600 und ein gclvöhnücher Adliger 1300 Frank zu erlegen hat. Musik. Konzerte. Jin sechsten philharmonischen Konzert glaubte A r t u r N i k i s ch für einen Künstler als Sinfoniker ein- treten zu müssen, dessen Stärke wohl eingestandenermaßen einzig und allein auf dem Gebiet der Oper liegt, für Heinrich Zöllner. Ist diesem nun sechzigjährigen Komponisten einiger, wenn auch nicht übermäßig origineller, so doch theatralisch wirkungsvoller Opern(„Ueberfall",„Versunkene Glocke" usw.) wirklich noch damit gedient, auf seine alten Tage als Sinfoniker entdeckt zu werden? Wir bezweifeln das stark, und diese seine sogenannte„Hochgebirgs- sinfonie" mutet nicht einmal wie eine verwässerte Sinfonie von Raff an, soirdcrn es ist nichts weiter als die tüchtige Arbeit eines Durchschnittsmusikers, der sich zwar modern gebärden möchte, indem er seinen steifledern und akademisch der alten Form dienstbaren vier Sätzen Deckmäntelchen von Poesie umhängt, im Grunde aber doch nichts Iveiter gibt als Kulissenromantik. Nichts ist charakteristi- scher für seine unpersönliche Art, als das Scherzo mit den neckischen «cherzen der Alpenteufel und Alpcnfecn; nur im letzten Satz wächst die Erfindungsglut des Komponisten stellenweise etuxis empor und die Thematik Wird hier mit Erlebnis erfüllt. Auch sonst stand dieses philharmonische Konzert unter keinem besonders günstigen Stern. Nicht einmal Eugen d' A l b e r t verschaffte echte musikalische Herzensgenüsse. War er— in der Hauptprobe, dea ich beiwohnte— nicht glücklich disponiert oder beginnt nun auch er schon, auf dem Lorbeer seiner Weltberühmtheit auszuruhen? Er spielte empfindlich unrein und im Andante nicht einmal voll innersten Anteiles; stellenweise überhastete er die Tempi derartig, daß ein weniger gewandter Dirigent wie Nikisch wohl seine schwere Not damit gehabt hätte.— Das liebe Publikum spürte freilich von alledem nichts: es jubelte seinem Abgott zu und streute ihm Weihrauch. Wie anders fühlt und lebt doch so ein Kammermusikpublikum wie das des K l i u g l e r- Q u a r t e t t s in der Singakademie mit! An und für sich ist dieses Publikum sonst wohl im allgemeinen für Novitäten nicht einmal besonders empfänglich, aber es spürte aus der Musizierfreudigkcit, mit der das Kliugler-Quartctt ein neues Streichquartett von F. D. T o V c y interpretierte, instinktiv die Werte dieses Werkes heraus, die namentlich in echter Quartett- Mäßigkeit und in anspruchslos schlichter Empfindung beruhen. Doch auch gefestigtes Können spricht aus dem Opus.— Als ich, noch mit den durchgeistigten Klängen der Klingler-Genossen im Ohr, in die Philharmonie kam und Bronislaio Hub ermann Brahms' Violinkonzert(op. 77) vortragen hörte, ward ich de? Gegensatzes zwischen kammermusikalischem und brillantem Geigen- spiel so recht deutlich inne. Daß Hubermann im Grunde noch immer nur ein— freilich auch seelisch gealtertes— Wunderkind geblieben ist, glaubte ich an den unvcrniittelten Gegensätzen seines Spieles zu gewahren: ein süß säuselndes Pianissimv geht plötzlich, grell in ein hartes, schwerflüssiges, virtuoses Fortissimo über: das ist Effektspiel, vielleicht unbewußt, aber deutlich zu gewahren. Da» Bleibende, echt Brahmsischc, Künstlerische dieses Abends bot der Dirigent, Meister S t e i n b a ch, der, namentlich in der wunder- voll ticfbesecltcn zweiten Sinfonie, Iviedcr einmal zeigte, Ivie stark er mit seinem Idol Brahms verivachscn ist. a. n. Notizen. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Montag Dr. A. Rühl über Hamburg und Bremen. Dienstag Dr. E. Oettinger über: Die Farbe des Meer» Wassers, Freitag Gorch Fock über Finken wärder See» fischerleben.— Der nächste Kunst- und Künstler- Vortrag findet am 23. Januar Z'/z Uhr abends in LepkcS KunstanktionShauö, Potsdamer Str. 122a, statt. ES spricht der Architekt Heinrich T e s s e n o w über„Hausbau und Wohnungseinrich» t u n g". — Amundsen in Berlin. Sonntag, den 13. Januar, abends 3 Uhr, hält in der Singakademie Amundsen zum letztemnal seinen Vortrag:„Meine Reise zum Südpol". — Späte Anerkennung. Dem Maler Karl Hage« in e i st e r in Werder ist jetzt, da er die 60 hinter sich hat, der Pro- fessortitel verliehen worden. Er war die letzten Jahre plötzlich in die Mode gekommen, seitdem die Bilder seines Freundes und Strebensgenossen Schuch marktgängig geworden waren. Früher halte ihm seine Kunst nicht das nackte Leben eingebracht— jetzt wird an ihm und von ihm viel Geld verdient. Alles dank dem Kunsthandel. Ebenso gut hätte aber Hagemeister inzwischen längst verhungert sein können. Dann hätte der Kunsthandel noch mehr Freude an ihm gehabt. — Der nicht verliehene Grillparzerprcis. Zur Belebung des deutschen Dramatischen soll alle drei Jahre ein Grillparzerpreis im Betrage von 5000 Kronen verliehen werden. Der für die Verleihung bestellte Ausschuß hat aber beschlossen, dieses Mal den Preis nicht zu verteilen. Dagegen wendet sich Paul Ernst. der seit einer Reihe von Jahren um die dramatische Palme ringt, ohne sich bisher die Bühne erichlossen zu haben. Er bringt sich selber für den Preis in Vorschlag— als unterdrückten und verkannten Dramatiker. Dieser Schritt wird wohl keine Folgen haben, immer- hin wird aber das Interesse für die etwas spröden, neuklassizistischcn Dichtungen des Protcstlers gehoben werden. — Eine österreichische antarktische Expedition will unter Führung von Dr. Felix König, der die zweite deutsche Südpolcrpedition mitgemacht hat, vom Weddellmeer aus Vorstöße unternehmen, d. h. den gescheiterten Plan Filchners von neuem auf- nehmen. Das deutsche Expeditionsschiff„Deutschland" ist bereits angekauft, man denkt im Frühjahr auszureisen. Vlatz zu fahre», so dah Tie fast direkt vor dem Geschäft an» lange»/ Trotz dieser Versprechungen hat die in Frage kommende Druckerei keine Streikbrecher finden können. Jetzt wird auch das Märchen, daß die Gehilfenschaft die Schuld an dem Abbruch der Verhandlungen trage, von den Unternehmern selbst»cl absurdum geführt. Warum in Wahrheit die Friedens- Verhandlungen scheitern muhten, zeigt deutlich die dieser Tage er- schiencne Sondernummer der österreichischen Unternehmerorganisation. die.Buchdruckerwehr". Da heiht es: .Aus den einzelnen Landesvereinen kommt die Forderung, nicht zu verhandeln." Und begründet wird dies damit, .daß alle bisherigen Opfer umsonst ge- bracht wären, wenn man sich vorzeitig in Ver- Handlungen einließe." Damit ist eS nun wohl klargestellt, wie ernst eS den Scharfmachern mit den Verhandlungen gewesen ist. Als sie den Ver- Handlungsversuchen des Ober-GewerbeinspekrorS nicht mehr aus- weichen konnten, weil ja in der unwillig gewordenen Unternehmer- schaft die Lüge, daß die Gehilfenschaft die Verhandlungen ablehne, nicht mehr geglaubt wurde, erklärte» sie sich zu einer Aussprache bereit. Jetzt aber erfolgt die Demaskierung. Man wollte einfach nicht ernstlich verhandeln, da eS ja.vorzeitig" wäre. Darum mutzten die Verhandlungen scheitern. Der Streik der Brüsseler Chauffeure beendet. Man meldet uns aus Brüssel: Der Streik der Chauffeure der größten Brüsseler Mietautogesell- schaft, der vor acht Tagen begann, hat mit einem Sieg der Streikenden geendet. Die Streikenden sehen ihre hauptsächlichsten Forderungen erfüllt und zwar nicht, wie eS die Gesellschaft anfänglich beabsichtigte, in Form von Versprechungen, sondern in strikter und bindender Form. Der Benzinpreis ist wieder auf die ursprüngliche Höhe herab- gesetzt; die infolge von Reparaturen verlorene Zeit ivird bezahlt; auch in bezug auf die Vergütung der Uniform wurden Zuge- st ä u d n i s s e gemacht. Die bisher üblichen Abzüge für Beschädi- gungen und Wagenreparaturen werden fortan nicht mehr gemacht. Die Abnutzungsgebühren für die Gummischläuche werden herabgesetzt u. a. m. Schließlich verpflichtet sich die Gesellschaft keine Maßregelung vorzunehmen. Der schönste Erfolg dieses kurzen Kampfe? ist jedoch die Gründung des Syndikats der Chauffeure, die sich damit in den großen Organismus der kämpfenden Arbeiterschaft einfügen. Much öer?ugenö öas koalitionsrecht! Als die einzig richtige Antwort auf das Geschrei der Scharf- macher nach neuen Knebelungsgesetzen für die Arbeiterschaft hat oiese selbst eine Bewegung für Befestigung und Erweiterung des bestehenden Koalitionsrechtes erstehen lassen, die schon in ihrem Ansangsstadium einen imponierenden Eindruck macht. Dem ein- mutigen Willen der klassenbewußten Arbeiterschaft ist in einem erfreulich schnellen Tempo auch im Reichstag durch unsere Frak- tion Ausdruck verliehen worden. Sie hat das Verlangen nach einem Gesetzentwurf gestellt, der alle das Koalitionsrecht einschrän- kenden auSnahmcgesetzlichen Vorschriften aufhebt, damit das Koa- litionsrecht für alle Personen, die körperliche oder geistige Arbeits- kraft zu Markte tragen müssen, unbedingt sichergestellt ist. Wie sehr das Recht der Vereinigung des Schutzes und Aus- baues bedürftig ist, bedarf an dieser Stelle keines weiteren Nach- weises mehr. Dafür hat die gesamte Parteipresse in den letzten Tagen der Beweise genug geliefert. Aber nicht genügend ge- würdigt worden ist der ausnahmegesetzliche Zustand, der die j u n g e Arbeiterschaft zur Rechtlosigkeit verurteilt. Obwohl schamlos aus- gebeutet, ist sie eines durchgreifenden Schutzes und jeden Rechtes der Selbsthilfe beraubt. Die den Jugendlichen gesetzlich erlaubte Vereinsfreiheit existiert in Wirklichkeit nicht. Das Reichsvereinsgesetz vom 19. April 1908, diese famose Frucht der konservativ-liberalen Paarung, hat sich in seinem berüchtigten§ 17 als die Guillotine der vor Inkrafttreten des Gesetzes entstandenen Freien Jugend- organisätionen erwiesen und wird noch täglich'dazu benutzt, dem Kampf der Büttel gegen die Bildungsveranstaltungen der jungen Arbeiterschaft einen Schein des Rechts zu verleihen. Wurde doch eine Jugendorganisation— um nur ein paar Beispiele heraus- zugreifen— für politisch erklärt und aufgelöst, weil sie unter anderem auch die Ucbcrwachung der gesetzlichen Jugendschutzbe- stimmungen zu einer ihrer selbstverständlichen Aufgaben gemacht hatte. Rein literarische Vorträge über Dichter wurden im vor- aus verboten. Jugendversammlungen gegen die Schundliteratur und für die Abstinenzpropaganda wurden polizeilich gesprengt. Und alles dies im Namen uno in Ausübung dcS§ 17 des Reichs- vcreinsgesctzes, womit die seinerzeit vom Staatssekretär von Beth- mann Hollweg im Reichstage versprochene liberale Anwendung des Gesetzes ihre Illustration gefunden hat. Den jugendlichen Arbeitern aber, die in einem Lehrverhält- »iL stehen, war das Recht zum eigenen Schutze und zur geistigen Fortbildung schon mit Hilfe der Gewerbeordnung streitig gemacht worden. Der Lehrling unterscheidet sich bekanntlich von dem so- genannten ungelernten Arbeiter dadurch, daß er auf Jahre hin- aus einem Menschen überantwortet ist, der nicht nur das Recht oer Ausbeutung, sondern auch.Erzieher"rechte besitzt. Das so- genannte väterliche Züchtigungsrecht der Lehrmeister wurde zur Ucbcrwachung der außerhalb de? Betriebes liegenden freien Zeit der Lehrlinge mißbraucht. Zahllose Lehrverträg! existieren, in denen die Teilnahme der Lehrlinge an Vereinen und bildenden Veranstaltungen von der Erlaubnis des Lehrmeisters abhängig gemacht wird. Andererseits werden die Lehrlinge, ebenfalls in t'lusübung des gesetzlichen ErziehungSrechtes, von den Lehrmeistern in gelbe und patriotische Vereine des Jungdeutschlandbundes ge- preßt. Die natürlichen ErziehungSrechte der Erltern werden also offensichtlich zugunsten der Ausbcuterinteresscn aufgehoben. Dabei hat die Ausbeutung der 4 Millionen starken jungen Arbeiterschaft Deutschlands einen Grad erreicht, vor dessen Folgen sogar bürgerliche Sozialpolitiker erzittern. In erschreckendem Maße grassieren die Berufskrankheiten unter den Jugendlichen. Tie Unfälle mehren sich. Die militärische Tauglichkeit der ge- stcllungSpflichtigen jungen Männer ist innerhalb des letzten Jahr- zehntS von Jahr zu Jahr zurückgegangen; für die Stadtgeborcnen von 54,3 Proz. auf 49,8 Proz. in den Jahren von 1900/03 bis 1908/09 und selbst für die Landgeborenen von 60 auf 57 Proz. Die Sterblichkeit unserer Jugend im Alter von 15 bis 20 Jahren ist um etwa 40 Proz. höher als die der Jugend Englands. Die Behörden, die ihre Kräfte im Kampfe gegen Arbeiterbewegung und Jugendschutz kulturschädigend vergeuden, bieten der kapita- listischen Vernichtung jungen Lebens keinen Halt. Hat doch die Rcichsrcgierung Teutschlands auf der Internationalen Arbeiter- schutzkonfcrenz sich gegen die Erhöhung des jugendlichen S«l)utz- alters auf 13 Jahre gewendet. Und den bestehenden Jugendschutz- bestimmungen Geltung zu verschaffen, ist nicht das Bestreben der Aufsichtsorgane. Von 22 944 ermittelten Jugendschutzbergehen im Jahre 1911 wurden nur 1782 Personen= 10,7 Proz. bestraft, 89,3 Proz. gingen also straflos aus! Selb st staatliche Gewerbe- aufsichtSbeamten versprechen sich, angesichts der niedrigen Strafen für Gesetzesübertreter, keinen Erfolg des sogenannten gesetzlichen Jugendschutzes. Da muß die proletarische Selbsthilfe einsetzen, und nur sie kann die Untergrabung der Volksgesundheit durch die kapitalistische Ausbeutung unserer Jugend einschränken. Die Vorbedin- gung dazu ist aber das Koalitionsrecht der Ar» beiter und Arbeiterinnen. Sind die Jugenvlichen reif genug für die Ausbeutung ihrer jungen Kräfte, so müssen sie auch das Recht haben, sich gegen übermäßige Ausnutzung schützen und wehren zu können. Sie brauchen daS Koalitionsrecht so notwendig wie daS Brot zum Leben. Unsere Reichtagssraktion sollte darum die erste Gelegenheit benutzen, um auch für unsere arbeitende Jugend die Erringung des Koalitionsrechts anzustreben. Entweder sind die das Ver« einigungsrecht unterbindenden gesetzlichen Bestimmungen, vor- nehmlich der Z 17 des ReichsvereinSges etzes und der§ 127a der Gewerbeordnung in einem die Koalitionsfreiheit der Jugendlichen nicht berührenden Sinne zu kommentieren, oder, was in unserem Willkürstaate entschieden vorzuziehen ist, alle derartigen gesetz- lichen Ausnahmebestimmungen sind aufzuheben. In emer Zeit, wo von des Reiches höchster Spitze bis zum Nachtwächter herab die Heuchelei der bürgerlichen Jugendpflege unterstützt wird, dürfte eine Debatte über Jugendschutz und Jugendrecht im deutschen Parlament nicht nur ihren besonderen Reiz haben, sondern vor allem auch unter den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen aufklärend wirken._ Arbeitgeber gegen den genossenschaftlichen Regiebau. Der Regiebau der Staaten, Kommunen und gemeinnützigen Unternehmungen hat in den letzten Jahren immer erweiterten Umfang angenommen, aller wütenden Bekämpfung zum Trotz, die er von den verschiedensten Interessentenkreisen findet. Wie sonst ans der Bühne des öffentlichen Lebens in unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Interessen des Konsumenten oft eine ge- radezu widersinnige Nichtachtung und im Gegensatz hierzu die vom reinsten Egoismus durchsetzten Produzenteninteressen eine eben- solche Beachtung erfahren, so ist eS auch auf dem Gebiete des Regiebaues. Alle Bestrebungen, zugunsten de? Konsumenten, der großen Allgemeinheit, den überflüssig und direkt schädlich werden- den Zwischenunternehmer auszuschalten, stoßen auf eine ge- schlossene Phalanx der großen und kleinen Unternehmer. Und bei dem Einfluß, den sie in ihren teilweise staatlich anerkannten Jnter- essenvertretungen und auch sonst besitzen, gelingt eS ihnen nicht selten, ihren Willen durchzusetzen. DaS bedeutet allemal eine Schädigung der Allgemeininteressen zugunsten der Unternehmer- klaffe. Am trefflichsten findet der Kampf um den Regiebau Jllustrie- rung in den Kommunen. Sie sind wie keine anderen Gemein- Wesen geeignet, ihre oft recht umfangreichen Spezialardeiten auf eigene Rechnung zu erledigen. Einmal erhalten sie dann eine hoch- qualitativ« Arbeit in bezug auf Sauberkeit und Verwendung reiner Materialien, oft werden sie billiger arbeiten und zum Dritten werden die Interessen der Arbeiter besser gewahrt sein. Aber ge- rade in den Kommunen, deren Verwaltung den Grundbesitzern in- folge längst überlebter Gemeinde- und Städteordnungen unter- warfen ist, werden der Bau und andere Arbeiten in eigener Regie als ein Eingriff in die„Rechte" und Privilegien der Unternehmer- kreise angesehen und daher nicht akzeptiert. In einzelnen Städten ist der Regiebau in einer Art organisiert worden, die dem boS- basten Versuche verzweifelt ähnelt, ihn gründlich zum Mißlingen zu bringen. Doch auch gemeinnützige Baugenossenschaften, die zum Bau in eigener Regie übergegangen sind, versuchen die Unternehmer- gruppen aus den verschiedensten Hinterhalten beizukommen. Im offenen und direkten Kampfe bleiben sie in 99 von 100 Fällen arg geschunden auf dem Platze. Ein Schulbeispiel dafür, wie der Bau in eigener Regie rei» praktisch wirkt und wie die Unternehmer ihn wohl gerade wegen seines günstigen Ergebnisses unmöglich zu machen suchen, bietet der Regiebau de? Bauvereins Rü st ringeninRü st ringen. Tie genannte, 1903 gegründete Baugenossenschast beabsichtigte bereits, ihre ersten Häuser in eigener Regie zu bauen, doch gab hierzu das Reichsamt des Innern als Geldgeber nicht seine Zu- stimmung. Mindestfordernde für die Maurer- und Zimmerer- arbeiten nach Auslatz für die ersten 23 Häuser mit 133 Wohnun- gen war die Berliner Baufirma Boswau u. Änauer; alle übrigen Arbeiten vergab die Genoffenschaft an die einzelnen Handwerker direkt. Bis zur Vergebung der Neubauten im Frühjahr 1913 machte sich alljährlich eine geringe Erhöhung deS Baupreises für tie einzelnen Häuser rcsp. Wohnungen bemerkbar, die ja auch in unseren Wirtschastsverhältnissen begründet ist. So stellten sich 1909 die Baukosten für eine Wohnung auf 3182,60 M., 1910 aus 3270,60 M., 1911 auf 3402,08 M., 1912 auf 3453,70 resp, 3569,58 M. Das vorjährige Submissionsergebnis brachte ein überraschendes Resultat. Aus den einzelnen Offerten war zu ersehen, daß eine Ver- ständigung der Bauunternehmer über die zu fordernden EinheitS- preise vorlag. Mit dem Abgeber des niedrigsten Angebots, wonach sich die Herstellung einer Wohnung auf 3642,50 M. gestellt hätte, trat der Bauverein in Unterhandlung. Während der Verhandlungen erklärte der betreffende Unternehmer, daß er sein Angebot nicht aufrechterhalten könne, sondern seine für sechs Häuser mit 48 Woh- nungen abgebene Gesamtforderung von 174 836 M. auf 193 835 M. erhöhen müsse. Durch diese Nachsorderung stieg auch der Her- stellungspreis einer Wohnung von 3642,50 M. auf 4038,20 M. Ans eine derartige unbegründete Heraufschraubung der Bau- kosten durch den Untcrnehmerverband konnte die Genossenschaft mit dem einstimmigen Beschlutz, in eigener Regie zu bauen, nur die einzig richtige Antwort geben. Nach Darlegung der Ver- Hältnisse gaben auch die Landesversicherungsanstalt Hannover als Geldgeber und das ReichSamt des Innern als Besitzer des zu de- hauenden Gelände? hierzu ihre Zustimmung, verlangten aber die Einhaltung der ortsüblichen tariflichen Arbeitszeit und Lohnsätze für die zu beschäftigenden Arbeiter. Im Juni wurde mit den Bauten begonnen, Maurer» und Zimmererarbeiten in eigener Regie ausgeführt und alle so ii st ige ii Arbeiten fast ausschließlich an Ortsansässige Handwerker vergeben. Wenige Monate später ließ sich bereits ersehen, daß die Häuser nicht teurer würden, als im vergangenen Jabre für dieselben Typen an den Unternehmer gezahlt war. Diese Nachricht war für den Arbeit- geberverband das Signal, bei den Behörden gegen die weitere Genehmigung von Regiebauten vorstellig zu werden. Hand in Hand mit ihm gingen die Handwerkskammern für daS Herzogtum Oldenburg und Aurich. Ein einberufener niedersächsischer Kammertag befaßte sich auch mit dieser Angelegenheit und nahm folgende Resolution an: „Der niedersächsisclie Kammertag bedauert lebhaft, daß es den mit öffentlichen Mitteln arbeitenden Baugenossenschaften mehrfach gestattet worden ist, bei der Ausführung ihrer Bauten die selbständigen Handwerker völlig auszuschalten. Dies be- deutet eine Ueberspannung der baugenossenschaftlichen Grund- sätze, die mit gesunder Mittelstandspolitik unvereinbar ist. Der Kammertag fordert, daß aus öffentlichen Mitteln Baugeldcr an Baugenossenschaften und ander- Bauherren nur unter ver Bu dingung gegeben werden, daß 1. die Bauten nicht im Eigenbeiriebe ausgeführt werden, 2. die Vergebung der Bauarbeiten nicht in Generalunter- nehmung, vielmehr nach gerechten Grundsätzen erfolgt, 3. Veräußerungsmöglichkeiten zu anderen als rein sozialen Zwecken nur mit besonderer Genehmigung der Landes- Versicherungsanstalt statthaft sind." Diese Resolution rennt bei dem in Frage kommenden Bau- unternehmen offene Türen ein. Es sind die selbständigen Hand- werker nicht ausgeschaltet worden, sondern nur der Maurer, und Zimmermeister. Was man unter der Vergebung nach„gerechten Grundsätzen" versteht, ist leider nicht näher angegeben. Nicht unerwähnt sei hier, daß auch die„Deutsche Arbeit- g e b e r z e i t u n g für das Ba u g e w e r b e" bei Behandlung dieser Sache den Behörden begreiflich zu machen suchte, daß eS sich hier um eine sozialistisch organisierte Arbeiterschaft handle, der unmöglich Land und Baugelder anvertraut werden könnten. Im Oktober wurden Vertreter des ÄrbeitgeberverbandeS per- sönlich im Reichsamt des Innern um Untersaguiig der ferneren Genehmigung'zum Regiebau vorstellig: fast gleichzeitig wies aber der Bauverein Rüstringen nach, daß er gegenüber der von Unter- nehmerseite abegebenen niedrigsten Offerte die drei Häuser mit 48 Wohnungen um etwa 25 000 M. billiger herstellt und ersuchte um Genehmigung für fernere Rcgiebauten. Die Entscheidung war für die Reichsbehörde nicht leicht: auf der einen Seite die organi- sierten Unternehmer, die in ihrem Prosit geschmälert zu sein glau- den; auf der anderen Seite eine Arbeitergenossenschaft, die nach. weist, daß sie imstande ist, mit Ausschaltung einer Unternehmer- gruppe gute und preiswerte Wohnungen besonders für die Staats- arbeiter zu schaffen. Nachdem seitens der Behörden die von der Genossenschaft selbst erbauten Häuser besichtigt und auch Erkundigungen bei den ver- schiedensten Handwerkern eingezogen wurden, die dahin lauteten, daß alle lieber für die Genossenschaft arbeiteten, da ihnen so eine promptere Bezahlung gesichert sei, entschied sich das Reichsamt des Innern für eine gemeinsame Aussprache zwischen den Interessen- ten, die im November in Hannover stattfand. An dieser Aussprache nahmen Vertreter des Reichsamts des Innern, der Landesversicherungsanstalt Hannover, der Handwerks- lammern von Oldenburg und Aurich, des ÄrbeitgeberverbandeS Wilhelmshaven-Rüstringen und des BauvereinS lliüstringen teil, ebenso waren die örtlichen Vertreter der beiden Behörden, die allen Sitzungen der Verwaltung des Bauvereins beiwohnen, hinzuge- zogen. Eingehend wurde hier die vorläufige Bauabrechnung ge» prüft und allseitig anerkannt, daß die in eigener Regie auSgesührten Arbeiten mustergültig seien. Von den Unternehmern wurde die prinzipielle Forderung erhoben, daß sämtliche Arbeiten nur an geprüfte Handwerksmeister zu vergeben seien. Den Ueberschuß der Genossenschaft wollten sie daraus zurückführen, daß von den Submittenten alles bedingungsgcmäß berechnet sei, die Genossen» schaft aber vielfach nicht danach gehandelt habe. Der Regierung wurde prophezeit, daß sie bei weiterer Genehmigung von Regie- bauten selbst dem sozialistischen Zukunstsstaat entgegen arbeite. Die Handwerkskammervertreter wünschten ein direktes Verbot d«Z RegiebaueS; einen Generaluniernehmer wollten auch sie nicht. Gegen den Vorwurf der Arbeitgeber, daß die Bauunternehmer nicht ebenso gut billiges Geld von den Versicherungsanstalten erhielten, verwahrte sich der Vertreter derselben, und erklärte, daß dies stets der Fall sei, nur wollten die Unternehmer nicht die gleichen Dar- lehensbedingungen wie die Baugenossenschaften anerkennen. DaS Ergebnis der mehrstündigen Aussprache ist dahin zusammenzu- fassen, daß die Regierungsvertreter anerkannten, daß der Bauverein tatsächlich die angegebenen Ersparnisse gemacht hat, die Verwal. tung gesetzlich verpflichtet ist, die Geschäfte der Genossenschaft wie in diesem Falle gut zu führen und ein Verbot der Regiearbeit schon deshalb nicht erfolgen könne, weil die Bestimmungen des Fonds, aus dem Baugeider hergegeben werden, besagen, daß dies nur zur Beschaffung von billigen Arbeiterwohnungen verwandt werden dürfe. Aus Gründen der Mittelstandspolitik hier den Regiebau zu untersagen, darüber könne keine Erklärung abgegeben werden. Schließlich wurde dem Wunsche, mit den Unternehmern eine Ver- ständigung bei späteren Bauausführungen zu versuchen, auch sei- tenS der Vertreter der Baugenossenschaft zugestimmt Ob eS hierzu kommt, erscheint fraglich, denn die Unternehmer versuchen weiter, durch Kartellierung der Handwerkergrnppen eine Heraufsetzung der Preise für deren Arbeiten zu erreichen und verschärfe» sonnt weiter die Gegensätze. Mit dem Resultat ihreS scharftnacherrschen Vorgehens werden die Arbeitgeber am allerwenigsten zufrieden sein. Erfreulich ist der Standpunkt der Regierungsvertreter, daß sie wegen einzelner Interessenten nicht die Erbauung billiger Arbeiterwohnungen hint- anhält. Hoffentlich hält die Regierung auch dem ferneren Ansturm von Unternehmerseite stand, denn gerade im Jadegebiet, wo Ar- beiterwohnungen, nach dem Eingeständnis der Arbeilgeber bei der erwähnten Aussprache, nur noch von Baugenossenschaften geschaffen werden können, ist für den Regiebau ein große? und dankbare? Arbeitsfeld und feuert«nderwärts zur Nacheiferung an. Mus öer Partei. Auch eine Wirkung des Kölner Polizeiprozesses. Unser Kölner Parteiblatt, die„Rheinische Zeitung�, schreibt: „Trotz Nachtarbeit und Einstellung neuer Hilfskräfte vermag unsere Expedition die M a s s e n w ü n s ch e nach unserer Zeitung kaum noch zu bewältigen. Am gestrigen Tage mußt« dreimal nachgedruckt werden: allein für den Straßenhandel wurden über 10 000 Exemplare abgegeben, die durchweg reißend ab- gingen. An allen Straßenecken der inneren Stadt, in allen großen Restaurants machten die Händler solche gute Geschäfte, daß sie sich seufzend ähnliche Prozesse das ganze Jahr hindurch wünschen. Genau so stehts mit dem Abonnentenzuwachs. Seit dem 4. Januar bis zum gestrigen Tage haben sich über 1000 neue Abonnenten zum regelmäßigen Bezüge der Zeitung ge- meldet. Das sind auch Wirkungen des Polizeiprozesses, die der Herr Polizeipräsident und mancher andere gewiß nicht voraus- geahnt haben!" Genosse Sollmann wurde übrigens, als er am Sonnabend nach der Urteilsverkündung das Gerichtsgebäude verließ, von einer dicht. gedrängten Volksmenge lebhaft begrüßt. Mus Industrie und Handel. Die Rüstungskommission. Die Tätigkeit der Rüstungskommission scheint den Interessenten niJft gerade unbequem zu sein. Bekanntlich war seinerzeit im Anschluß an die Krupp-Affäre an der Börse auch die Stimmung für die Aktien der Deutschen Waffen- und Munition s- fabriken etwas abgeflaut. Man war nicht ganz sicher, ob die Preise bei den StaatZaufträgen künftighin ihre„befriedigende" Höhe beibehalten würden, die dem Deutschen Waffenkonzern trotz abnorm hoher Dividenden die Ansammlung ungeheuerlicher Re- serven gestattete. Diese Bangigkeit ist jetzt plötzlich gewichen. Die in Betracht kommenden Papiere steigen wieder lustig im Kurs, und nichts deutet auf irgendwelche Schwierigkeiten hin. Im Gegenteil! Den besorgten Aktionären wird allerseits bestätigt, daß die Rüstungskommission nichts beanstandet habe und daß zwischen ihr und dem Generaldirektor der Deutschen Waffen- und Munitions- fabriken„ein sehr gutes Verhältnis besteh e". Das ist sehr erfreulich für die Aktionäre der Deutschen Waffcnfabriken, aber nicht für die Steuerzahler! Verschiedene Kommissionsmit- gliedcr machen ja selbst— mit dem Allvater Staat gute Geschäfte. NekannMch yaR aber eme Krähe der andern nicht die Augen auZ. ES wird ferner berichtet, daß die Kommission sich die Betriebe der Deutschen Waffenfabriken unter Führung der Direktoren ange- sehen habe. Ob man auch die Kalkulation nachgeprüft und die Gewinnberechnungen der Gesellschaft eingehend studiert hat! Jeden- falls nicht, denn sonst wäre doch zu leicht das„gute Verhältnis" etwaZ getrübt worden. Auf einem Rundgange durch die Werk« stätten kann die Kommission gar nicht sehen, ob der Staat bei den Lieferungen übervorteilt wird. Um das feststellen zu können, müßte sie mit dem Recht der Einsichtnahme in die Geschäftsbücher und der eidlichen Zeugenvernehmung ausgestattet sein. Solange sie sich aber der Führung und dem Entgegenkommmen der Interessenten überlassen muß, bleibt sie völlig steril. Die Kurssteigerungen der Deutschen Waffenaktien bilden den ziffernmäßigen Ausdruck der Ohnmacht dieser famosen Rüstungskommission. Die Deutsche Bauk als Shndikatstreiberin. ES ist bekannt, daß die Großbanken das größte Interesse daran haben, die von ihnen finanzierten Industrien zu monopolistischen Zusammenschlüssen zu bewegen, um den in dieser Industrie fest- gelegten Kapitalien eine möglichst hohe und gleichmäßige Verzinsung zu schaffen. Die Deutsche Bank, das größte Finanzinstitut Deutschtands, kommt deshalb sehr häufig dazu, als Vermittlerin bei Kartell, und Syndikatsgründungen aufzutreten. So wird jetzt ge- meldet, daß sie zwischen Thyssen und Mannesmann ver- mittelt, um ein Röhrensyndikat zustande zu bringen. Schon seit Monaten schweben zwischen den Produzenten von Eisenrohren Verhandlungen über die Bildung eines©tzniikatS. Aber die Beratungen scheiterten bisher immer wieder an den Forderungen der beiden genannten größten Röhrenwerke. Nachdem vor wenigen Tagen die Verhandlungen als erfolglos abgebrochen wurden, soll jetzt die Deutsche Bank die Einigung von neuem in die Wege zu leiten suchen._ Margarine-Trust. Die Rheinisch-Westfälischen Margarine- Werke M. Böhmer u. Co. in Emmerich und deren Filiale van Rossum u. Co., ebenfalls in Emmerich, haben mit den Firmen van den Bergh und Jürgens u. Prinzen eine Interessengemeinschaft ge- bildet. Auch mit anderen Fabriken schweben derartige VerHand» lungen. Ferner sind in der Oelrafsinerie gleiche Bestrebungen vorhanden. Die beiden Firmen van den Bergh und Jürgens be- herrschen heute bereits über 90 Proz. der gesamten Margarinepro- duktion und sind auch in der Oelrafsinerie von großer Bedeutung.— Die von den Innungen ins Leben gerufenen Dampfialgschmelzen erblicken in einem solchen Margarinetrust eine Absatzgefahr für den von ihnen hergestellten Feintalg, weil sie der immer mehr Eingang findenden Verarbeitung von südamerikanischem Talg und von Pflanzenfett selbstrodend nicht gewachsen sind, da diese im Preise erheblich billiger stehen._ Neuerdings wird sogar das Palmöl zu Speisezwecke benutzt, während die Verarbeitung von gehärteten Oelen und Tran vielleicht nur noch eine Frage der Zeit ist. Ter Kampf auf dem Ammoniakmarkt. Die Delegation der Vereinigten Salpeterproduzenten schreibt unS: Unter diesem Titel befinden sich in Nr. 12 dieser Zeitung Ausführungen über die Ver- ständigung wegen des Verkaufs von schw. Ammoniak der bisherigen industriellen Erzeugung und desjenigen der synthetischen' Dar- stellung. Hierbei wird auch die Behauptung ausgesprochen, daß der Verbrauch an schw. Ammoniak nur wenig hinter dem des Chili- salpeterS zurücksteht. Tatsächlich steht aber dem deutschen Ammo- niakkonsum von angeblich�LS 000 Tonnen ein Chilisalpeterkonsum in Höhe von 1 002 290 Tonnen gegenüber.— Wir mochten dazu be- merken: Unsere Angabe in Nr. 12 bezog sich nicht auf die absoluten Zahlen, sondern auf eine Berechnung über den landwirffchastlich wertvollen Stickstoffgehalt bei Chilisalpeter und Ammoniak. �ugenöbewsgung. „Lrbeiter-Jugcnd". Die soben erschienene Nr. 2 des 0. Jahrgangs hat u. a. fol- gcnden Inhalt: Wie kommen wir vorwärts?— Lehren des Lebens. Von Fritz Sepp.— Wie denkt die Sozialdemokratie über Frauen- und Kinderarbeit? Von Therese Schlesinger.— Die elektrische Fernübertragung von Bildern. Von Hans Bourguin.(Mit Abbil. düngen.)— Arme Kinder.— AuS der Jugendbewegung. Di? Gegner an der Arbeit. Vom Kriegsschauplatz. Von der Kehrseite der Kultur usw. Beilage: Marku» TarvaS. Erzählung von Carl Busse.— Multutali, der Dichter und Kämpfer. Von C. Dör.ng.— Der Oberbildhauer ThutmeS. Von Adolf Bruno.(Mit Abbildungen.) — Die Speisekammern der Tier«. Von Heinz Welten.— Sollen wir Lotterie spielen? Von Felix Linke.— Wie weit er warf, wie hoch er sprang. Erzählung von Fritz Müller.— AcgyptischeS. Gedicht von H. Thurow. Soziales. Betriebsergebniffe der Krematorien. Der Fortschritt der Feuevbestattung wird am besten durch die Betriebsergebnisse der deutschen Krematorien erwiesen. Hierüber berichtet die„Flamme" nach den amtlichen Angahen folgendes: Im Betrieb sind gegenwärtig im Deutschen Reich 10 Krematorien, von denen die in Eßlingen, Grcifswald und Görlitz erst im letzten Vierteljahr eröffnet wurden. Im Jahre 1913 haben 10108 Ein- äscherungen stattgefunden gegen 8870 im Vorjahr. Damit steht Deuffchland hei weitem an der Spitze aller Kulturländer, Japan ausgenommen.— Von den Eingeäscherten waren 0117 männlichen, 4051 weiblichen Geschlechts. Dem Bekenntnis nach waren 8598 evangelisch, 758 katholisch, 70 alttatholisch, 509 mosaisch; die übrigen waren freireligiös, Dissidenten oder es war ein Bekenntnis über- Haupt nicht angegeben. In 7944 Fällen, also 78 Proz., fand religiöse Trauerfeier im Krematorium statt. Nimmt man dazu die zahl- reichen Fälle, in denen die Andacht im Sterbehaus stattfindet, worüber aber Zahlen nicht bekannt sind, so ist klar, daß die Be- hauptung, die Feuerbestattung sei religionsfeindlich, jeder Begrün- . dung entbehrt. Relativ die höchsten Zahlen hatte das Krematorium in Pößneck. Von III im vergangenen Jahre daselbst verstorbenen Personen über 14 Jahren wurden 74 eingeäschert, also genau zwei Drittel. Dieser Prozenffatz ist noch in keinem anderen Krematorium jemals erreicht worden.__ Gemeindesteuern. Die„Statistische Korrespondenz" veröffentlicht aus der vom Preußischen Statistischen Landesami über die Finanzgebarcn aller Städte und Preußens im Jahre 1911 einige Punkte. Wir cnt- nehmen dieser Veröffentlichung, wie hoch sich die von preußischen Stadt, und Landgemeinden im Rechnungsjahr 1911 erhobenen Zu- schlüge zur änderungsfähigen Staarselnkommensteuer belaufen. Bon 37 412 Gemeinden Preußens kamen demnach nur 752 oder rund 2 Proz. ohne Einkommensteuerznfchläge aus. Das Hauptkontingent zu dieser Gruppe lieferten die Landgemeinden mit nicht mehr als 500 Einwohnern, die mit 059 Gemeindeeinheiten oder 2,40 Proz. dieser Größenklasse vertreten waren. Außer diesen waren noch 83 Landgemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern und die folgenden 5 Kleinstädte beteiligt: Ilsedom. Mirstadt, Sulmirfchütz, Naumburg in Hessen sowie Niedenstein. Bei den beiden posenschcn Städten ist wie bei den Gemeinden dieser Provinz überhaupt zu berücksichtigen, daß hier im Gegensatze zu den übrigen Landestcilen die Schullasteu zum größten Teil durch besondere Schulsozietäten getragen werden,, die eigene Schulsteucrn erheben. Einkommen- steuerzufchläge bis zu 100 Proz. erhoben 4973 Gemeinden oder 18)31 Proz. sämtlicher Stadt- und Landgemeinden; auch hier waren wieder die kleinen Landgemeinden mit nicht mehr als 500 Ein- ivohnern weitaus am zahlreichsten, nämlich mit 3804 oder 14,44 Prozent dieser Größengruppe vertreten. lieber 100 bis einschließlich 150 Proz. erhoben 8418 Gemeinden oder 22,50 Proz. sämtlicher Gemeinden, und die Beteiligung der kleinsten Gruppe der Landgemeinden betrug auch hier 0002 oder 22,43 Proz. ihrer Gesamtheit. Im ganzen betrug demnach die Zahl der Städte und Landgemeinden mit Einkommensteuerzuschlägen von nicht mehr als 150 Proz. 14 143 oder 37,82 Proz. Mehr alS 150 bis einschließlich 200 Proz. erhoben: 11050 Gemeinden oder 29,55 Proz. und über 200 Proz.: 12 208 Gemeinden oder 32,03 Prozent. Die die Landgemeinden mit nicht mehr als 500 Ein- wohnern umfassende Gemeinde gruppe vereinigt 20 702 Gemeinde- einheiten in sich, das sind 71,53 Proz. sämtlicher preußischen Ge- meinden; sie ist daher ziffermäßig an sämtlichen Zuschlagsgruppen am stärksten beteiligt. Vom Hundert ihver Gesamtheit entfielen auf die Gemeinden mit Einkommensteuerzuschlägen von nicht mehr als 150 Proz. 39.33, desgleichen auf die mit mehr als 150 bis ein- schließlich 200 Proz. 28,20 und auf die mit mehr als 200 Proz. 32,41. Nicht weniger als 2314 Gemeinden oder 0,19 Proz., darunter 1772 Landgemeinden mit nicht mehr als 500 Einwohnern(0,02 Prozent dieser Gruppe), erboben Zuschläge zur Staatseinkommen- fteuer von mehr als 300 Proz. und 371 dieser Gemeinden oder rund 1 Proz. sämtlicher Städte und Landgemeinden noch über 400 Proz.! Von 128 Gemeinden oder 0,34 Proz., und zwar 113 Landgemeinden mit nicht mehr als 500 und 15 Landgemeinden mit nicht mehr als 1200 Einwohnern wurden Einkommensteuerzuschläge von min. bestens 500 Proz. erhoben. Die höchsten Sätze zeigten Hagenau(Kreis Ealzwedel), Steden (Kreis Osterholz) und Prondzonka(Kreis Schwochau) mit 700, 710 und 850 Proz._ Zur Selbstverwaltung der Gemeinde«. Wie wenig Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Volksschul- Wesens den Städten zusteht, zeigt ein dieser Tage vom Oberver» waltungsgericht entstandener Prozeß. Der Bolksschullehrer Meier zu Düsseldorf wünschte auf zwei Jahre beurlaubt zu werden, um einen Zeichenlehrerkurfus benutzen zu können. Die Schuldeputaiion lehnte das ab. Auf Antrag des Lehrers griff dann die Regierung zu Düsseldorf(Abteilung für Schulen) ein. Sie verfügte die Beurlaubung de? Lehrers im August 1912. Die Beurlaubung sollte bis zum 30. September 1914 dauern, und zwar mit der Maßgabe, daß die Kosten für einen männlichen Vertreter an der Volksschule in Düsseldorf im vollen Umfange von seinem Gehalt zurückzuhalten seien. Die Stadt und als ihr Vertreter der Oberbürgermeister sahen in dem Vorgehen der Regierung eine Ueberschreitung des Aufiichts- rechts. Der Rest von über 400 M., der für 1912 vom Gehalt des Lehrers Meier nach Abrechnung der Besoldung de? Stellvertreters übrig blieb, wurde aus dem Etat der Stadt für 1912 herausge- nommen. Der Regierungspräsident schritt zur Zwangsetatisierung der strittigen Summe. Er ordnete an, daß sie in den Etat für 1913 als Nachtragszahlung für 1912 eingestellt werde. Die Stadt, vertreten durch den Oberbürgermeister, klagte aus Aufhebung der Zwangsetatisierung. Das Oberverwaltungsgcricht wies dieser Tage die Klage der Stadt ab. ES führte begründend aus: Die materielle Berechtigung zu der Zwangsetatisierung hänge davon ab, ob die Regierung nach dem geltenden Recht berechtigt war, so einzugreifen, wie sie es getan habe. Da» sei zu bejahen. Bei der Frage, ob die Re- gierung berechtigt war. in die Schulangelegenheit einzugreifen, sei zu unterscheiden zwischen solchen Angelegenheiten der inuern Schulverwaltung und solchen der äußern Schulverwaltung. Die Verwaltung der innern Schulangelegenheiten sei Sache des Staates. Der Staat übe insoweit nicht etwa nur eine Aufsicht über eine fremde Verwaltung aus, sondern der Staat selber ver- walte die innern Schulangelegenhciten. Wenn der Staat solche Geschäfte der innern Schulverwaltung durch andere ausüben lasse, sie etwa den Schuldeputationen delegiere und sie durch diese aus- üben lasse, dann handelten die Beauftragten nur al» Organe des Staats. Die Urlaubssachen der Schullchrcr seien nun Sachen der innern Schulverwaltung. Der Staat habe also die Befugnis, den Urlaub zu erteilen. Er könne die Befugnis natürlich auf andere übertragen, wie das wohl den Schuldeputationen gegenüber geschehen sei. Wenn aber der Staat, wie hier mit Bezug auf den Lehrer Meier, selber auf den Plan trat und den Urlaub durch die Regierung bewilligte, dann war er der Befugte. Er konnte es tun in der Weife, wie es hier geschehen ist. Somit rechtfertige sich auch die Zwangsetatisierung.— Das Lehrer- berufungsrecht und die Unterhaltungspflicht der Gemeinde, die mit jener Angelegenheit der innern Schulverwaltung nichts zu tun hätten, würden dadurch gar nicht berührt. Zu bemerken fei noch, daß der Staat es sei, der dem Volksschullehrer sein TatigkeitS- gebiet in der Gemeinde zuweise. Anerkennung deS Unfalls eines Fahrstuhlführer» als BetriebSunsall. Der Portier und Fahrstuhlführer M. wurde am 14. Februar 1810 vor dem Hause M.... str. 52 mit einer bsdeutenden Kopf- wunde liegend von Stratzenpassanten aufgefunden. Ein herbei- geholter Schutzmann fuhr mit M. nach der Unfallstation. Dort wurde der erste Verband angelegt und M. dann nach dem Kranken» haus am Frieidrichshain gebracht. Daselbst ist M. am 10. Februar an Hirnhautentzündung verstorben. Seine Angehörigen machten bei der Nordöstlichen Eisen- und Stahlbcrufsgenossenschaft Anspruch auf Hinterbliebenenrente geltend. Sie wurden indessen abgewiesen. Denn M. sei, als er die Kopfverletzung erlitt, nicht mehr im Dienst gewesen und unterlag somit auch nicht dem Schutze des Gewerbe- Unfallversicherungsgesetzes. Außerdent hat er auf der Fahrt nach dem Krankenhaus auch dem Schutzmann erzählt, daß er vor einigen Wochen krank gewesen tväre, er sei an der Tür des Hauses M.ftr. 52 schwindelig geworden und umgefallen. Es handelte sich somit um gar keinen Betriebsunfall. Die Berufung der Witwe gegen den Ablehnungsbescheid der Berufsgenossenschaft wurde vom Schieds- gcricht für Arbeitcrversicherung, Stadtkreis Berlin, zurückgewiesen. Das Schiedsgericht nahm an, vermutlich sei ein Schwindel- oder ein Schlaganfall die Ursache des Falles gewesen. Ein Betriebs- Unfall sei nicht nachgewiesen. Gegen dieses Urteil wurde beim Reichsverficherungsamt Rekurs eingelegt. DaS ReichsversicherungS- amt hat eine eingehende Beweiserhebung veranstaltet. Unter Würdigung der Beweiserhebungen verurteilte daS Reichs- vcrslchcrungsamt die Berufsgcnosscnschaft, der Witwe und der Waise die Rente vom Todestage ab zu zahlen. In den Gründen des erkennenden Senats wird ausgeführt: Durch die vom Reichsverficherungsamt bewirkte weitere Beweisauf- nähme ist zunächst zweifelsfrei festgestellt worden, daß der ver- storbene M. in dem der G.... erwerbsgesellschaft gehörigen Hause M.... straße 52 als Fahrstuhlführer angestellt und beschäftigt gewesen ist, daß er als Portier nur nebenbei beschäftigt gewesen ist, nämlich nur während der Tischzeit des eigentlichen Portiers, des Schuhmachers G. Ihm stand als Fahrstuhlführer auch seit Anfang des JabreS 1910 auf dem unteren Treppenflur eine kleine Loge zur Verfügung. Ihm war ferner auch gestattet, wenn der Fahrstuhldienst es zuließ, sich vor dem Hause auf der Straße aufzuhallen. Das Rckursgericht hat auf Grund der Beweisaufnahme als erwiesen angesehen, daß M. infolge Ausgleitens— nicht infolge Schwindelanfalles— zu Falle gekommen ist. Dies ergibt sich aus den vom Verstorbenen der Oberschwester, der Eheftau und dem Schutzmann gegenüber gemachten Aeutzerungen. Aus den borge- fundenen Blutspuren ist angenommen worden, daß M. entweder beim Herabschreiten auf der vor dem Hause W.straße befindlichen Treppe oder auf der Granitbahn des Bürgersteigcs unmittelbar vor dieser Treppe infolge der Glätte der Steine oder aus irgendeiner anderen Ursache— vielleicht infolge Ausrutscheus auf einer Apfel- sinenschale oder infolge einer ungeschickten Beivegung— ausge- glitten und hintenüber gefallen ist. Er hat sich durch diesen Fall eine Hirnhautentzündung zugezogen und ist an der letzteren ver» starben, wie nach dem Gutachten des Dr. M. nicht zweifelhaft sein kann. Der Tod des M. ist hiernach auf einen Unfall zurückgeführt worden, und die Berufsgenossenschaft muß daher die Hinterbliebenen des M. entschädigen, sobald dieser Unfall dem Fahrstuhlbetriebe, in welchem M. bei ihr versichert war, zuzurechnen ist. Letzteres ist der Fall. M. hat seine Logd und den Treppenflur des Hauses M.straße Nr. 52 etwa um 2 Vi Uhr nachmittags verlassen, also zu einer Tages- zeit, wo er nach seinen Erfahrungen annehmen konnte, daß im Betriebe des Fahrstuhls Unterbrechungen eintreten würden. Er hat sich auf die Straße begeben, entweder um frische Luft zu schöpfen, oder um eine Vertretung des erkrankten Portiers G. im Nebenhause 52a, das ebenfalls der G.. erwerbsgesellschaft gehörte, nach dem Rechten zu sehen. Jedenfalls sollte seine Entfernung aus der unmittelbaren Nähe des Fahrstuhles nur ganz kurzzeitig und für den Fahrstuhlbetrieb keine Störung oder gar Aussetzung sein; er ist deshalb durch diese Entfernung nicht aus dem Fahrstuhlbetrieb ausgetreten und hat sonach den Unfall im Fahrstuhlbetriebe erlitten. Selbst wenn man annehmen wollte, daß M. im Nebenhause Portier- dienfte verrichten wollte und deshalb zeitweilig aus dem Fahrstuhl- betriebe ausgeschieden gewesen sei, so würde doch die für den letzteren Betrieb bestehende Versicherung sich nach ß 3 des Gewerbe- unfallversicherungSgesetzes auf die Portierdienste miterstrecken und die Berufsgenossenschaft also in jedem Falle zur Gewährung der Hinterbliebenenrente an die Rekurskläger verpflichtet sein. Gerichtszeitung. Giftmordprozeß. Die ausgedehnte Verhandlung vor dem Schwurgericht zu Frankfurt a. M. gegen den Chemiker Hopf wurde gestern zu Ende geführt. Wie die Verhandlungen ergaben, hatte der Angeklagte eine Menge verschiedener, schwerer Vazillenkulturen sich angeschafft. Die Kulturen bewahrte er ohne jede Sicher- heitsmaßregel auf, so daß leicht Frankfurt hätte verseucht und angesteckt werden können. Gift, insbesondere Arsen, auch Typhusbazillen brachte der Angeklagte seinen drei Frauen, seinem außerehelichen und dem Kinde seiner zweiten Frau bei, um sie ums Leben zu bringen. Ob er auch seinem Vater und seiner Mutter Gift oder Bazillenkulturen in mörderischer Absicht beigebracht hatte, wurde nicht völlig aufgeklärt. Das Motiv zu den scheußlichen Verbrechen des Angeklagten war Habsucht. Die Frauen hatte er hoch versichert. Der Staats« a n w a l t beantragte, die Frage auf M o r d an der M u t t e r, an der ersten Frau und den b eid e n Kin d e rn, die Frage auf Mordversuch an dem Vater und an der zweiten und dritten Frau zu bejahen. Die G e- schworenen sprachen den gewissenlosen Verbrecher, unter Verneinung der bezüglich der Eltern gestellten Schuldfragen, schuldig des Mordes an seiner ersten Frau und des Mordversuchs an den beiden Kindern und an der zweiten und dritten Frau.. Das Urteil lautete auf Todesstrafe und 1 5 Iah re Zuchthaus._ Revolverschießerei. Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II war gestern wegen gefährlicher Körpewerletzung der Illjährige Werkzcugdreher Adolf Schmidt aus Neukölln angeklagt.— In der Nacht zum 0. Sep- tember v. I. gegen 12 Uhr stand der in der Steinmetzstraße zu Neukölln wohrchafte Arbeiter Oskar Herlt, der aus einer Vereinssitzung gekommen war, mit seiner Schwester vor der Haustür. Während die beiden Leute dort ruhig standen und sich unterhielten� kam der jetzige Angeklagte, der von einer Geburtstagsfeier kam und etwas angetrunien war, vorbei und rempelte nach Nowdyart die Schwester des H an, so daß das junge Mädchen zurücktaumelte. Herkt nahm diese Anrempelung noch von der gemütlichen Seite auf und rief dem Angeklagten zu, er solle lieber machen, daß er nach Hause käme und seinen Rausch ausschlafen, als andere Leute anzurempeln. Der Angeklagte machte plötzlich kurz Kehrt, trat dicht an H. heran und gab aus unmittelbarer Nahe auf H. einen Revolverschuß ab und ergriff dann die Flucht. Herkt brach zu- sammen und wurde sofort nach dem Krankenhaus in Buckow ge. schafft, während Passanten die Verfolgung des Revolverhelden auf- nahmen und ihn stellten.— Im Krankenhaufe stellte es sich heraus, daß die Kugel fünf Zähne und den Oberkiefer zerschmettert und schließlich im Knochen stecken geblieben war, auS dem sie nur mit vieler Mühe entfernt werden konnte. Herkt mußte 3 Wochen im Krankenhaus bleiben und war dann noch längere Zeit arbeits- unfähig. Wegen dieses RoheitSakte» hatte sich der bisher unbestrafte Täter vor dem Schöffengericht Neukölln zu verantworten. Mit Rück. ficht auf seine Qngetrunkencheit zur Zeit der Tat und seine bisherige Unbescholtenheit erkannt« da» Gericht nur auf 4 Monate Gefängnis und sprach dem Verletzten eine Buße von 150 Mari zu. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ciiu DaS Gericht erhöhte die Strafe auf 8 Monate Gefängnis. KinbeSmißhandlung. Wegen Körperverletzung mittele gefährlichen WerhzeugeS und einer das Löben gefährdenden Behandlung war die jetzt in Soldin wohnhafte Portierfrau Türk angeklagt, die bisher in Schönebcrg ansässig gewesen irar.— Die Angeklagte ist Mutter eine» vor ihrer Verehelichung geborenen, jetzt fünfiährigen Knaben. Der bedauernswerte kleine Kerl hatte es von Anfang an schlecht; noch schlimmer erging es ihm aber, als die Angeklagte heiratete. Der bedauernswert« Knabe wurde von der Mutter mit allen möglichen Gegenständen, die ihr gerade zur Hand waren, geschlagen. DaS Kind wurde mit einem Ausklopfer, mit einem Pantoffel, Besen- sttelen und schließlich auch mit einem Schlüssel bearbeitet, so daß es am ganzen Körper blaue Flecken und blutige Striemen hatte. Wiederholt bekam das Kind den ganzen Tag nichts zu essen. Der seinerzeit dreijährige kleine Kerl mußte auch einmal splitternackt und bei bitterster Kälte in der Ecke stehen, bis er vor Hunger unh Müdigkeit umfiel. Eine Zeugin, welche dieses Martyrium de» Kleinen kurze Zeit mit angesehen hatte, erzählte vor Gericht unter Tränen, wie sie die Angeklagte gebeten habe, oen Jungen doch nicht so roh zu behandeln. Auf die Anzeige der Hausnachbar« hin wurde das Kind schließlich von der Polizei abgeholt und in einem Waisen» hause untergebracht.— Das Schöffengericht erkannte mit Rücksicht auf die von der bisher zwar unbestraften Angeklagten bewiesene Roheit, dem Antrage des AmtSanwaltS gemäß, auf 4 Monate Gefängnis, WtttcrungSübersicht vom 17. Januar 1914. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien 760s SO 760O lölf.KO 7550 758SO Lbedeckt SNebel 2>bedeckt LsDunit Äbedcckt 2>heiter Haparanda Petersburg 761 Sctlly Aberdeen Pari» SSO ONO 76ZsNNW 756 NNO woMg 1 Schnee 4 wolkig 3. bedeckt 1 wolkenl SLetterproguoie für Sonntag, den 18. Januar 1914. Zeitweise aufklarendes, vorwiegend nebeliges Frostwetter>ntt leichte« Schneefällen und ziemlich jttjchm nordöstliche» Wwden. Berliner v itter»»,,««. AWerffieim Leipziger Str./ Königstraße/ Rosenthaler Str./ IVlon tzjf) 1a tz M Sts Donnerstag Glas 2 aggons reich geschliffener Ii riStsll* iLdaswaren in Weiß a farbig zu sehr billigen Preisen, z. B.: Vasen 65?k. dl, 4.75 I Jardinicren____ 5 m. 13 15 Hrdge 2.25, 3.20, 4.25,8.25| BlumenKugelnl 8o2.9o3.85 Restbestände von feinen Kristall-Trinkgarnituren zur Hälite der bisherigen Preise, z. B.i lotwelngläser � letzt 7 5?t.\ Bowlengläser ZA ieut 80 pt, Porzellan Billiges weites Porzellan Feston-Form Speiseteller tiei od. flach 13 Pf. 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Die Karte für sämtliche 10 Vorträge kostet 4,50 ivi. und ist an folgenden Stellen zu haben: in den drei Vortragslokalen, bei Frau Feist, Arbeiter- Bildungsschule, Grcnad:erstr. 37, bei allen Kolporteuren der„Lichtstrahlen*. bei Fritz Krüger, Muskaucr Str. 24 !Tel. Moritzpl. 4121), bei Julian Borchardt, Lichtcrseldc, Hedwigstr. 4 (Tel. Lichterfclde 3810). Inventur- Verkauf. Proiso bedeutend errnäBIgt! Petz- waren Fabrik und Lager von Stolas, Krawatten, Pelzhüten, Pelzjacken, Muffen, Pelzen, Kindergarnituren usw. Nur reelle Ware, von der einfachsten bis zur elegantesten. Tausende Sachen auf Lager. Auch Einzelverkauf zu billigen Preisen. Sonntags geöffnet. F. Kaiman, Küis ohn-rsnustr. 15, 1. Et., • b. d.Beuthstr. TeL: Zentrum 3917. Gegr. 1894. Verzelgem dieses Inserats noch 6 Proz. extra. Inventar-Verkauf! und dl» damit berwnndte» Nvtltel. als: Portieren, Teppiche, Läufer, Fette:c. Kompl. 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ES ist von der Lokal- liste zu streichen und für die organisierte Arbeiterschaft als ge- sperrt zu betrachten. _ Die Lokalkommission. 6. Wahlkreis. Bureau deS WahlverrinS, Gerichtstraße 71. Alle Briefe und Postsendungen find von jetzt ab zu richten an Hermann Müller. Alle Geldsendungen an Otto Frank. Charlotteuburg. Morgen, Montag, den 19. d. Mts., abends S'A Uhr, findet im kleinen Saale des Volkshauses eine öffent- lich« Versammlung statt, die sich mit der Bildung eines Frauen. chores beschäftigen wird. Alle sangesfreudigen Frauen und Mädchen werden aufgefordert, sich recht rege zu beteiligen und dem Chor beizutreten. Lankwitz. Lichterfelde. Am Dienstag, den 29. d. Mts., für beide Orte im Lokal„Zum Seidlitz", Kaiser-Wilhelm-Straße 34: Große öffentliche Proteftversammlung. Tagesordnung: Der Raub des Koalitionsrechtes. Lichtenberg. 1. und 2. Abteilung. Morgen, Montag, abends SA Uhr: Kombinierte Abteilungsversammlung im„Logen-Kasino", Knorrpromenade. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Dr. Freund über Feuerbestattung, mit Demonstration. Diskussion. Vcr- schiedeneS. Steglitz. Dienstag, den 29. d. MtS., pünktlich A9 Uhr abends: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Ahorn- straße loa. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Genossen Dr. Bruno Borchardt über:„Das kommunalpolitische Pro- gramm der Sozialdemokratie." 3. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. 4. Sonstige Wahlen. 5. Ein Ausschlußantrag. Friedenau. Dienstag, den 29. d. Mts., abends SA Uhr, im „Kaiser-Wilhelmgarten", Rheinstr. 64; Oefientliche Versammlung. ES referiert Landtagsabgeordneter Konrad Haenisch über das Thema:„Ist der Deutsche Staatsbürger oder Untertan!" Treptow-Baumschulenweg. Der BildungSausschuh veran- staltet am Montag, den 19. d. MtS., abends 8 Uhr, im„Neuen Gesellschaftshaus", am Ringbahnhof Treptow, einen Licht« bildervortrag über:„Die Abstammungslehre und ihre Be- weise", Referent Herr M. H. Baege. Eintritt 19 Pf. Die Partei- genossen werden ersucht, für guten Besuch des Vortrages Sorge zu tragen. Eintrittskarten sind bei sämtlichen Bezirksführern und in der„VorwärtS"-Spedition zu haben. Zehleadorf(Mitte). Dienstag, den 29. d. MtS., abends 8� Uhr, bei Wilh. Miek, Karlstr. 12: Oeffentliche Versammlung. TageS- ordnung:«Freies Koalitionsrecht und die Hetze der Scharfmacher." Genossen, agifiert für den Besuch dieser Versammlung. Sonntag, den 18. d. Mts., vormittags: Flugblattverbreitung. Das Material wird bei den Bezirkskassierern ausgegeben. Ober-Schöneweide. Am Montag, den 19. d. MtS., findet bei Rabe der zweite Vortragsabend statt:„Der Aufstieg deS KapitaliS mus und seine wirtschaftlichen und politischen Folgen." Teilnehmer zahlen pro Abend 19 Pf., Arbeitslose haben freien Zutritt. Be- ginn deS Vortrages pünktlich SA Uhr. Am Dienstag, den 29. d. MtS., abend SA Uhr im Wilhelminen. Hof: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Die Hetze der Scharfmacher gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter." Lrttz-Bucko«. Montag, den 19. d. MtS., Protestversammlung im Lokal von Becker, Britz, Chausseestr. 97. Referent Reichstags- abgeordneter Fritz Z u b e i l. Tempelhof. Dienstag, den 29. d. MtS., abends SA Uhr, im Restaurant„Zur Stadt Dresden", Berliner Straße 78: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Max Groger. 2. Diskussion. S. Wahl von drei Delegierten zur .Kreisgeneralversammlung. 4. Parteiangelegenheiten, v. Ver schiedeneS. Reinickendorf-West. Heute, Sonntag: Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Alt-Glienicke. Dienstag, den 29. d. MtS., abends 8 Uhr: Oeffentliche Protestversammlung im Lokal von Bohne, Grünauer Straße KS. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Freies KoalitionS- recht und die Hetze der Scharfmacher. 2. Diskussion. Tegel. Dienstag, den 29. d. MtS., abends SA Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Gesellschaftshaus, Schloß- itraße. Bortrag des Genossen Schönfeld über:„Alkohol und die Arbeiter." Eichwalde. Die Teilnehmer der heute in Zeuthen stattfinden- da» Versammlung, welch« die Bahn benutzen, wollen sich zu dem 7 Uhr 9 Minuten abfahrenden Zuge einfinden. Rosalthal. Heute, Sonntag, von früh 9 Uhr an: Flugblattverbrettung für alle Bezirke.— Die am Dienstag fällige Mit- gsiederverfammlung findet eine Woche später statt. Borsigwalde-Wittenau. Die Genossinnen und Genossen, welche an der Beerdigung der Hsenossin Strauß teilnehmen, treffen sich Montag, mittags 1 Uhr, im Restaurant Heider(früher Strauß), Ernst- und Räuschstratzen Ecke. RIatgenthal, Zepernick, Buch. Heute vormittag vom Genossen Buchholz, aus. auf die ein hilfloses junges Mädchen in der Großstadt nur zu leicht geraten kann.— Wieder wurde es Abend. Wieder stand die Obdachlose vor der Frage: Wo bleibe ich über Nacht?— Sie ging die Friedrichstratze entlang. Diesmal schon mit dem Wunsche, es möge sie ein Herr einladen. Eine Freundin, die im Umgang mit Männern nicht mchr ganz unerfahren war, hatte sich zu ihr gesellt und suchte durch freundliche Blicke die Aufmerksamkeit der vorübergehenden Herren auf sich zu lenken. Eine Einladung erfolgte nicht. Aber es kam ein Schutzmann von der Sittenpolizei. Zur Wache ging es und eine Anklage wegen gewerbsmäßiger Unzucht folgte. Vor dem Jugendgericht stand die Sechzehnjährige. Hart am Rande des Abgrundes. Eine Verurteilung würde sie hinabstoßen. Sie würde der sittenpolizeilichen Kontrolle überliefert werden. Einmal in diesen Abgrund geschleudert, findet ein Mädchen selten wieder den Weg, auf dem die Ehr- barkeit wandelt. Weinend schilderte die jugendliche Angeklagte ihr Ge- schick. Ihren„Fall" am ersten Abend gab sie ohne Umschweife zu. Dagegen bestritt sie, am zweiten Abend durch ihr Ver- halten Männer angelockt zu haben. Der als Zeuge ver- nommene Sittenschutzmann, anfangs so bestimmt in seiner Aussage, wie es die Schutzleute in der Regel sind, mußte auf Vorhaltung des Richters schließlich zugeben, es sei doch mög- lich, daß nicht die Angeklagte, sondern nur ihre Freundin Blicke und Gebärden an die vorübergehenden Herren gerichtet habe.— Die Angeklagte wurde freigesprochen. Vor dem Sturz in den Abgrund blieb sie bewahrt. Das ist ein Einzelfall, wie er sich in Berlin jeden Tag er- eignet, und er ist typisch dafür, wie ein unerfahrenes junges Mädchen der Prostitution in die Arme getrieben wird. Eine momentane Notlage. Die Versuchung naht. Die sittliche Kraft und Einsicht— wer wollte sie von einer Sechzehn- jährigen erwarten?— ist nicht stark genug, um der Lockung zu widerstehen. Dann kommt die Sittenkontrolle, und nun gibt es kein„Zurück" mehr auf der abschüssigen Bahn.— Ein Schauder ergreift den, der daran denkt, daß in solchen Fällen die ganze Zukunft eines Mädchens an dem seidenen Faden einer Schutzmannsaussage hängt. Ein Glück für die Sechzehnjährige, daß sie vor der Sitten- kontrolle, die drohend die Hand nach ihr ausstreckte, gerettet wurde. Aber einer anderen Institution ist sie verfallen die Fürsorgeerziehung wurde verhängt. Die katholische Er- ziehungsanstalt„Zum guten Hirten" hat das Mädchen auf- genommen. Da werden nun fromme Ordensschwestern durch strenge Zucht und fleißiges Beten ihr Erziehungswerk an der „Gefallenen" versuchen.— Gewiß bedarf das Mädchen einer verständigen erzieherischen Fürsorge. Aber Einsicht und päda- gogisches Verständnis wird man in dieser katholischen Anstalt vergebens suchen. Es bleibt also immer noch die Frage, ob das Mädchen, wenn es später des Anstaltszwanges ledig ist und wieder in Not gerät, nicht doch noch den Gefahren der Großstadt zum Opfer fällt. Wenn es nicht geschieht, dann liegt das gewiß nicht an der Erziehungsarbeit der frommen Schwestern._ Schneeluft. Die große Kälte ist verraucht. Um den Gefrierpunkt herum tänzelt das Thermometer. Der Himmel ist mit einem drohenden Grau verhängt, in dem gelbliche Töne spielen. Um die Mittagsstunden überwiegt das Gelb, sonst das Grau. Und zwischen diesem bleiernen Winterhimmel und der hartgefrore- ncn, hier und da weiß getupften Erde schwelt ein dicker Nebel. Sein milchiger Dunst hat alles dick umwölkt, daß das Auge keine hundert Schritte weit deutlich zu sehen vermag. In seiner schweren Feuchtigkeit geistern die Umrisse der Häuser, die Silhouetten der Bäume und Zäune, die starren Linien der Laternenpfähle und Straßenbahnmasten. Tropfend hat sich diese Nebelfeuchtigkeit an alles gehängt: an die Maschen des Drahtgeflechtes, an Eisengestänge und Astwerk. Das aber ließ der Frost nicht lange zu. Er überraschte mit seinem kalten Hauch die nassen Hüllen, daß sie erstarrten und sich in eine blitzende, schneeüberstäubte Eiskruste umwandelten. Nun glitzert und blinkert es überall, wo noch nicht geschlossene Straßenfluchten den Blick ins Freie wehren. Wie eine Zauberwelt liegt das Land da im brodelnden Nebel. Der hart- gefrorene Boden hallt unter dem Tritt. Fröstelnd flattern nahrungsuchende, dick aufgeplusterte Vögel umher. In düsterer UnHeimlichkeit glotzt der Himmel. Der Frost hat nicht auf- gehört: er scheint nur zu verschnaufen und Atem zu holen. Der kurze Tag gewährt keinen Sonnenblick. Der Winter fühlt sich im Vollgefühl seiner Macht, und die Luft hängt voll Schnee... WWitS||tSl»l|Ul; O�vvvmilf H Wichtige Flugblatt Verbreitung Wikhelmstr. SS(Röntgenthal), o 8 Uhr: Kaise» öerliner Nachrichten. hart am /lbgrunAe. Kaum sechzehn Jahre alt, war sie als Dienstmädchen stellungslos geworden. Eine neue Stellung hatte sie nicht ge- funden, Angehörige hat sie nicht in Berlin. Nun stand sie stellungs- und obdachlos auf der Straße. Der Abend kam und sie wußte nicht, wo über Nacht bleiben?— Ratlos irrte sie durch die Stadt. Sie kam in eine belebte Straße, da sprach sie ein Herr an. Freundlich lud er sie ein, ihm auf sein Zimmer zu folgen.— Der Obdachlosen bot sich Aussicht auf ein Nachtlager, vielleicht auch auf ein Abendessen. Die Sechzehnjährige mag wohl keine klare Vorstellung davon ge- habt haben, was solche Einladung bedeutet und daß der Freundliche auch von ihr eine Gefälligkeit erwartet. Ein Pachtung an einzelne Kolonisten eine derartige Arbeiisvermehrung Nachtlager und ein Abendessen— das ist es, was sie in diesem für die Stadt bedeutet, daß ihr dadurch Schaden erwüchse". Dem Augenblick braucht. Also ging sie mit.— Als eint„Ge- ist entgegenzuhalten, daß sich dem Magistrat in der Landpacht« fallene" verließ sie am nächsten Morgen das Junggesellen» Genossenschaft des Verbandes der Laubenkolonisten und logts.— Das war der erste Schritt auf der abschüssigen Bahn, anderen wesenSvertvandten Organisationen und deren geschäftS- Aus der Kunstdeputation. In der gestrigen Sitzung der Kunstdeputation wurde be- schlössen, wie in früheren Jahren, zu Zwecken der Prämiierung und von Ankäufen hervorragender Leistungen aus der Großen Berlmer Kunstausstellung 12(XX) M. für dieses Jahr zur Ver- fiigung zu stellen. Gleichzeitig ist in Aussicht genommen, den mit städtischen Ehrenpreisen Bedachten künstlerische Plaketten zu verleihen. Behufs Gewinnung geeigneter Entwürfe und zur Hebung der Plakettcnkunst soll für Berliner Künstler ein Preisausschreiben veranstaltet werden. Die Deputation hat ferner beschlossen, das lebensgroße Bild des Baurats Waesemann, des Erbauers deS Rathauses, das von Theodor Ziegler gemalt ist, für die Stadt zu erwerben. Ebenso soll ein sehr bezeichnendes Bild von Paul Meyerheim, einen Löwen darstellend, angekauft werden. Um zu vermeiden, daß bei den zukünftigen Ankäufen von Kunstwerken zufällige Angebote eine unberechtigte Rolle spielen und dadurch eine Bevorzugung erhalten, ist zur Vorbereitung der seitens der Stadt künftig vorzunehmenden Ankäufe von der Deputation eine Kommission von 7 Mitgliedern gewählt worden. Laubenkolonisten und Magistrat. Der Verband der Laube ntoloni st en Berlins und Umgegend und die von ihm gegründete Landpacht-Ge- n o s s e n s ch a f t hoben eine Erklärung gegen die Aeußerungen des Magistrats und der Grundeigemumsdeputanon abgegeben, in der es u. a. heißt:„Der Magistrat behauptet, er müsse da« städtische Laubenland an private Generalpächler vergeben,„weil die Ver- führenden Voisitzenden.Generalpächter" boten, mit denen der Geschäftsverkehr sich ebenso einfach gestaltet hätte, wie mit den privaten Generalpächtern. Die Allgemeinheit genösse dabei aber den Borteil, mit dem Profitaufschlage des privaten Zwischen- Händler« nicht belastet zu werden. Daß die„Landpachtgenossen- schafl" befähigt ist. die Pflichten eines Generalpächters im gemein- nützigen Interesse zu erfüllen, hat sie längst bewiesen. Die Ge- nossenschaft ist heute schon Generalpächter von 41 Ko- lonien. Darunter befinden sich auch Berliner städtische Gelände. Die Genossenschaft hat dies zuwege gebracht, indem sie Privat- Personen als Pächter vorschob. Eine einzige Kolonie hat die Genossenschaft direkt von der Stadt Berlin gepachtet. In diesem Falle trat sie in den Verlrag des vorgeschobenen Pächters ein, nach- dem dieser aus dem Verbände ausgetreten war. Der Magistrat behauptet: Die Verpachtung deS städtischen Freilandes zur Laubensiedelung brächte der Stadt keinen finanziellen Vorteil, weil die Gcmeindegrundsteuer den Pachtertrag übersteige. Lastet denn die Grundsteuer nicht auch auf dem Boden, wenn er nicht von Laubenkolonisten gepachtet, Oedland oder Ackerboden geblieben wäre? Die Verminderung der Steuerlast um den Betrag der Laubenpacht kommt fraglos einem finanziellen Gewinn der Stadt gleich. Die Verpachtung deS städtischen FreilandcS als Ackerboden rentiert sich für die Stadt nicht entfernt in dem Maße wie die Laubenpacht. Am Bärenwinkel in Neukölln hatte die Stadt etliche Morgen als Ackerland gum Preise von 16 M. pro Morgen an Bauern verpachtet. Der Bertrag mit dcir Bauern lautet bis Oktober 1914. Die Landpachtgenossenschaft der Berliner Laubenkolonisten braucht das Land und trat mit einem Angebot an Berlin heran. Sofort erhöhte die Stadt den Pachtpreis auf 76 M. pro Morgen. Außerdem legte sie der Landpachtgenossen- schaft die harte Bedingung aus, pro Parzelle(je 4 Morgen) 1b9 M. Kaution zu stellen. Der Magistrat gibt zwar an, daß daS Generalpächterunwesen die Steigerung der Pachtpreise verschuldet habe, behauptet aber gleichzeitig, daß die Landpachtgenossenschast sich mitschuldig gemacht habe. Dem hält der Verband der Laubenkolonisten entgegen, daß er bereits im Jahre 1999 beschlossen hat, sich bei den Ausbietungen des städtischen Laubcnlandes nicht zu be- teiligen und daß er sich auch dementsprechend verhalten habe. Trotz- dem sind die Pachtpreise immer höher geklettert. Die Landpacht- genosienschaft erinnert an den Vorgang, der sich anläßlich.der Neu- Verpachtung der Kolonie Moorecke im Bureau der Grund- eigentumSdeputation abspielte, wobei die Deputation selbst den Preis hochtrieb. Der Verband der Laubenkolonisten hält an seiner Behauptung fest, daß die Differenz zwischen der vom Unterpächter an den Generalpächter und der vom Generalpächter an die Stadt Berlin zu entrrchieitden Pacht mitunter bis 190 Proz. beträgt. Der Verband ist in der Lage, nachzuweisen, daß die Generalpächter durchschnittlich mit 30 Proz. Reinverdienst arbeiten. Der Magistrat nennt als Summe der von den Generalpächtern der Stadt Berlin gezahlten Pachtbeträge 82 9ö9 M, als Summe der von den Kolonisten den Generalpächtern gezahlten Beträge 96 439 M. Wie der Magistrat zu dielen Zahlen gelangt ist, ist vorläufig sein Geheimnis; die Richtigkeit der Zahlen zu bezweifeln, haben wir ein Recht. Nimmt man für die 18 999 Kolonisten auf Berliner Gelände den Mi» nimaldurchfchnittspreis von 1b M. pro Parzelle an, s» ergibt sich ein ganz anderes Resultat. Der Magistrat behauptet, die Generalpächter geben Kinderspiel« platze und Wegeflächen von ihrem Pachtgelände unentgeltlich her. Davon ist dem Verbände der Berliner Laubenkolonisten nichts be- kannt. Man weiß im Gegenteil, daß die zur Anlage von Wegen erforderlichen Flächen stets als Pachtland von den Kolonisten mit Geld aufgewogen werden müffen. Zugemessen wird dieses Land nach dem sogenannten„Generalpächtermaß", welches vom Normalmaß— wie erwiesen ist— bedeutend abweicht. Kinder- spielplätze findet man einzig in den Kolonien eingerichtet, die von der Landpachtgenossenschast und anderen gemeinnützigen Vereinen in Einzclpacht vergeben und verwaltet werden. In den sogenannten Generatpächterkolonien trifit man wohl einen Platz vor der Kantine, der jedoch den Kindern als Spielplatz verboten und für den Kantinenbetrieb reserviert ist. ES trifft zu, daß die GrundeigentumSdcputation beschloffen hat, Kantinenbetrieb aus städtischen Geläuden nicht zu dulden. Sie hat auch beschlossen. Gastwirte als Gencralpächter nicht mehr zuzulasscu. Aber bis in die jüngste Gegenwart hat die Grundeigentums- deputation gegen ihre eigenen Beschlüsse gehandelt. Zu der Bemerkung des Magistrats, daß jeder Pächter auf Ge» noffenschaftsland erst 19 M. bezahlen muffe, um überhaupt eine Par- zelle von der Gelioffenschafl zu bekommen, erklären wir, daß dies die Unwahrheit ist. Wahr ist, daß die Genossenschaft über 3009 Parzellen an Laubenkolonisten verpachtet hat, selbst aber nur 499 Mitglieder a ein Anteil von 19 M. zählt. Diese Tatsache haben wir der Grundeigentumsdeputation de« Berliner Magistrat« des öfteren erklärt. Der Verband der Lauben« k o l o n i st e n hat nicht 3999 sondern 9999 Mitglieder. Wir haben kürzlich un» schon gegen daS bisherige VerpachtungS« system des Magistrats gewendet und dargelegt, daß au« sozialen Gründen das jetzige Verfahren unhaltbar ist. Ein Hochtreiben der Pachlpreise hätte schon längst verhütet werden können, wenn der Magistrat eine mäßige, feststehende Pachtsumme ein für allemal fest- gesetzt hätte. � Pastor v. Soden. Pastor v. Soden, der dieser Tage auf der Untergrundbahn tödlich verunglückte, war ein Many von tieiem sozialen Empfinden. Für die Srbeuerbewegung hatte Herr v. Soden besseres Verständnis als jene christlickien Arbeiterfeinde der Jmmanuelgemeinde, die kürz- lich in einem Flugblatte die Arbeiterbewegung und ihre Führer ver- spotteten und verhöhnten und die Streiker nur als„Hetzer" be- zeiwnelen. Als im Jahre 1897 die Berlmer KonfektionSarbeiter und Arbeiterinnen sich aufrafften, um aus dem entsetzlichen Elend etwa« herauSzulommen, da geHörle zu denen, welche dieser Be- wcgung ihre volle Sympathie zuwendeten, auch Herr Pastor v. Soden. Ader nicht nur mit dem Herzen war Herr v. Soden bei den KonseltionSiklaven, auch mir der Tat trat er für die Aermsten ein. Pastor v. Soden veranstaltete selber Geld« iammlungen sür die Streikenden und wiederholt sprach er auf der Redaktion des„Vorwärts" vor, um uns die gesammelten Gelder einzuhändigen. Diese Tat haben wir Herrn v. Soden nicht vergessen und deshalb bedauern auch wir das tragische Ende des ManneS, der so ganz anders war als viele seiner Amlsbrüder, welche die Arbeiterbewegung in der unglaublichsten Weise begeifern. Gegen die Allgemeine Ortskrankrnkafse richtet sich die Empörung einer großen Zahl von Kranfen, die ge- nötigt sind, an der Meldestelle in der Gerichtstraße ihr Krankengeld anzuheben. Den recht häßlichen Szenen am Mittwoch boriger Woche sind am Mittwoch dieser Woche neue Austritte gefolgt. Wiederum war der Andrang zu den Kassenschaltern ein solch' enormer, daß von einer geordneten Abwickelung der Geschäfte keine Rede sein konnte. Nicht etwa, daß die Beamten nicht ihre Pflicht getan hätten, nein, trotz- dem die Angestellten fieberhaft arbeiteten, mußten viele Kranke in der schneidenden Kälte, von Schutzleuten umgeben, auf dem Hofe stehen, wartend, bis sie vorrücken konnten. Wenn man berücksichtigt, daß unter den Kranke» viele Personen mit schweren Leiden sich befinden, muß erneut die Frage aufgeworfen werden: Wie sind solche skandalösen Zustände möglich und wer ist dafür verantworlich? Wenn man den vor 8 Tagen einem Mitarbeiter des„Berliner Tageblatts� gemachten Mitteilungen des Direktors der Allgemeinen Otskrankenkasse glauben darf, sollte der Grund zu den unerquicklichen Borgängen am Mittwoch voriger Woche darin liegen, daß der Vor- steher der Meldestelle in der Gerichtstraße versäumt hatte, die Kranken zu benachrichtigen, daß nicht alle Krankengeldabhebcr am Mittwoch kommen sollten, sondern daß ein Teil schon Montag und Dienstag das Krankengeld abheben könnte. Nun haben sich am Mittwoch trotzdem diese Szene» wiederholt. Anstatt die Ver- waltung nun selber eine öffentliche Erklärung der Sachlage gibt, läßt sich der Direktor diesmal von einem Vertreter der„Morgenpost' interviewen. Diesem Herrn gegenüber soll der Direktor Kohn sich wie folgt geäußert haben:- „Die Arbeitet!, die der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Be- ginn dieses Jahres erwachsen sind, haben alle Erwartungen und Berechnungen überstiegen. Besonders der Mittwoch ist für unsere Zahlstellen ein kritischer Tag, da der 31. Dezember v. I. ein Mittwoch war, und das Krankengeld für die von den anderen Kassen übernommenen Mitglieder, das wöchentlich ab- gehoben wird, demnach auch im neuen Jahre an jedem Mittwoch fällig ist. Trotzdem wir den größten Teil der Mitglieder schon benachrichtigt haben, daß sie auch an anderen Tagen die Beträge erheben können, waren die meisten an den Mittwoch so gewöhnt, daß wir uns jetzt genötigt sahen, in einer kategorischen Form die einzelnen Mitglieder darauf hinzu- weisen, daß sie bereits am Montag bezw. Dienstag usw. fällige Gelder abheben können. Besondere Schwierigkeiten haben sich jedoch durch die Tatsache ergeben, daß zwei Paragraphen unserer Statuten, die die Hausgewerbetreibenden betreffen, vom Ober- versicherungsamt noch nicht genehmigt sind. DaS Ober- versicherungsanit wiederum wartet noch auf eine Anweisung des Reichskanzlers. Die erwähnten Paragraphen setzen die Bei- träge für Hausgewerbetreibende fest. Wir sind daher vorläufig genötigt, einen Beitrag von 2 Proz. des Verdienstes zu erheben, was die Versicherten selbstverständlich ebensowenig verstehen können wie die Arbeitgeber. Durch die vielen diesbezüglichen Fragen, die an die Beamten gerichtet werden, erwachsen uns natürlich erheb- liche Mehrarbeiten. Um aber einem großen Andränge in der Gerichtstraße für die Folge mehr als bisher gerecht werden zu können, soll von nun ab die rechte Treppe zum Aufgang, und die Mittellrcppe des Hauses zum Ausgang benutzt werden. Schließlich sei noch ein- mal darauf hingewiesen, daß das Publikum uns und sich selbst sehr viel Zeit ersparen kann, wenn es Anmeldungen schriftlich besorgt.' Es ist sicher richtig, daß zu Beginn des neuen Jahres große Schwierigkeiteu zu überwinden sind. Aber das darf nicht so weit gehen, daß die Kranken in solcher Weise darunter leiden, wie dies jetzt leider der Fall ist. Besonders nach den Vorkommnissen am Mittwoch voriger Woche hatte die Verwaltung die doppelte Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Die Regelung des Ein- und Ausganges hätte auch schon vorige Woche getroffen werden können; daß reicht aber auch nicht aus, um die Wiederholung des Andranges zu vermeiden. Die Verwaltung hatte die Pflicht, schon in voriger Woche die Maßnahmen öffentlich bekannt zu geben, die sie zur Abhilfe getroffen hatte und nicht zu warten, bis Zeitungs- Vertreter nach der Kasse kommen, um sich Auskunft zu holen, an- statt umgekehrt der Ocffenllichkeit von selber die nötige Aufklärung zu geben._ Die Lehren der Frau Pastor. Neber die Erfahrungen, die eine 64 Jahre alte erwerbsunfähige Frau mit der christlichen Mildtätigkeit im Gethsemane- Kirch- spiel machen mußte und über die guten Lehren, die sie bei ihrem Bittgang von der Frau Pastor R e tv a l d erhielt, brachten wir vor einigen Tagen unter obiger Ueberschrift eine Notiz. Der e v a n- ge tische Presseverband sendet uns dazu im Auftrage des Herrn Pfarrer R e w a l d eine Berichtigung, in der behauptet wird, daß es nickt richtig sei, daß seine Frau der Bittstellerin den Vor- Wurf geinacht habe, daß sie nicht arbeiten wolle. Sie habe nur ge- sagt, daß viele, denen Arbeit zugewiesen wurde, nicht hätten arbeiten wollen. Weiter wird behauptet, daß cS nicht richtig sei, daß der Bezirkspfleger erst acht Tage später die Recherche er- ledigt habe. Nach erneuten Feststellungen müssen wir die Richtigkeit unserer Notiz aufreckt erhalten. Es hätte ja auch gar keinen Sinn, wenn Frau Pastor Rcwald in diesem speziellen Falle allgemein ihren Schmerzen Ausdruck gegeben hätte,„daß viele, denen Arbeit nachgewiesen wurde, nicht hätten arbeiten wollen.' Ebenso richtig ist auch unsere Feststellung, daß erst nach acht Tagen der Bezirks- pfleger zur Recherche erschienen ist. Das hat der Herr bei einem späteren Besuch der alten Frau selbst bestätigt und es— er ist Postbeamter— mit Dienstüberlastung bor den Weinachtsfeiertagen entschuldigt._ Strastenbahnzusammenstost in der Badstraste. An der Kreuzung der Bad- und Grünthalerstraße ereignete sich gestern vormittag kurz nach 9 Uhr ein schwerer Straßen- bahnzusammenstotz. Ein Straßenbahnwagen der Linie 36 fuhr mit voller Gewalt aizf einen haltenden Straßenbahnzug der Linie 36 auf. Die Kollision war so stark, daß der Vorderperron und die Stirn- wand des Wagens der Linie 36, sowie der Hinterperron des Anhänge- Wagens der Linie 36 vollständig demoliert wurden. Der Straßen- bahnführer Wille erlitt einen komplizierten Schädel- b r u ch und mußte nach dem Krankenhaus in Reinickendorf gebracht werden, wo er in bewußtlosem Zustande Aufnahme fand. Von den Fahrgästen meldete sich der Handelsmann Pfuhl als verletzt; er hat einen Nervenchok erlitten. Der Zusammenstoß hatte auch eine Alarmierung der F e u e r tv e h r zur Folge, die aber nicht in Tätig- keit zu treten brauchte, da ein Rettungswagen der Großen Berliner Straßenbahn schnell zur Stelle war. Herrenlose SO« Mark. Gefunden wurden kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres in der Friedrichstraße in Berlin 600 Mark. Der bisher unbekannte Verlierer erhält nähere Auskunft im Zentralfundamt, Zimmer 101, des Königl. Polizeipräsidiums Berlin. Cafinotheater. Eine Art Altberlinerei nach dem Muster des seligen Wallner will hier lebendig erhalten werden. Solch Genre inmitten einer millionenstädtischen Modernität ließe sich allenfalls denken, wenn es mit ausgesucht künstlerischen Mitteln gepflegt würde. Anders trägt es die Etikette des Gemachten zur Schau. Hätten beispiels- weise die Verfasser der„ollen Webern'(Schwarz-Reiff- lingen und Hans Berg) eine Ahnung, was ein Volksstück sein soll, dann hätten sie ihrer Wassersuppe, wenn schon nicht mehr, wenigstens doch ein paar Maggische Bouillonwürfel beigemengt. Gerade zu einer Zeit, da die Zaberner Borgänge selbst dem rückständigsten Pfahlbürgertum über den auf jedes Recht und Gesetz pfeifenden Geist des Militarismus die Augen geöffnet haben dürften, kommen sie mit der Fabel von der„Harmonie' zwischen Volk und vornehmsten Rocktragern. Wo oder wann hätte jemals wirklich ein aktiver adliger Kaballerteoffizier mit heidenmäßig viel Geld ein armes Mädel aus dem Volke geheiratet? Der dariistische Teil des Programms bietet einige erfreulichere Nummern. Amüsant sind die Kunststückchen, insbesondere die ambulanten Springbrunnen- Experimente der Indischen Zauberer-Eompany. Als Schnellmalcr„an der Reklametafel' erweist sich I. H. V o ß; während der Humorist L. Wolf-Scheele eine parodistische Dar- stellung von Richard Wagners„Lohengrin' zum besten gibt. Eine andere„ernste' Szene,„Der Fremdenlegionär', ist allerdings zum Heulen rührkistig. In die Unionsbrauerei in der Hasenheide hat mit dem gestrigen Tage der Urbock seinen Einzug gehalten. Die großen Räumlich- leiten sind dem Bockbier zu Ehren entsprechend dekoriert. Dutzende von Münchenerinnen schleppen trinkfesten Bockbiertrinkern die großen Maßkrüge zu, während vom„Gebirge' her lustige Weise erklingen und die Schuhplattler ihre Oberschenkel mit ihren Händen bearbeiten. Und wenn der Bock anfängt, seine Wirkung zu tun, dann'tritt der Schunkelwalzer in Aktion. Ein„Prosit" reiht sich an das andere und schwer geladen verläßt mancher die Stätte, wo der Bock sein Wesen treibt. EineKaniuchcnauSstellung, veranstaltet vomKreisverband Branden- bürg, findet heule und morgen im Etablissement Pharussäle, Inhaber Julius Wernau, Müllerstraße 142, statt. Vorortnachrichten. Immer neue Unzuträ'gllchkeiten bei öer Kreiskrankenkasse Nieüerbarnkm. Trotz Veröffentlichung der bei der Kreiskrankenkasse Nieder- barnini zutage getretenen Mißstände hat die Aufsicht ausübende Be- Hörde noch keine Veranlassung genommen, all die Unzuträglichkeiten aus der Welt zu schaffen. Bei jeder anderen Kasse, die nicht von einem Assessor organt- siert ist, würde nicht so viel Nachsicht geübt. Sind die Hauskranken schon bei der ersten Erneuerung der Krankenscheine und beim Empfang des ersten Krankengeldes von Hinz zu Kunz geschickt worden, so warteten ihrer am vergangenen Freitag in Ober schöneweide neue Ueberraschungen. Als sich an diesem Tage die Hauskranken nach der Nebenstelle des Krcissparkasse begaben, um ihr Krankengeld in Empfang zu nehmen, wurde ihnen von den dort tätigen Beamten erklärt, die Auszahlung des Geldes könne heute nicht erfolgen, da die am vor- hergegangenen Mittwoch ausgefertigten Krankenscheine nebst Zahlungsanweisungen noch nicht eingelaufen seien. Keiner der Antvesenden wollte dies glauben, da so etwas bei der aufgelösten Kasse niemals vorgekommen war. Nach Wiederholung der Mit- teilung gingen alle Anwesenden sofort nach dem hiesigen Gemeinde- amt und verlangten von dem die Kassenscheine ausfertigenden Be- amten Auskunft über die Ursachen dieser„Neuerscheinung". Sofort wurde bei dem Versicherungsamt angefragt, welchen Umständen diese Verzögerung zuzuschreiben wäre. Die Antwort lautete, daß die Krankenscheine von Oberfchöneweide noch nicht eingelaufen wären. Mit vieler Mühe gelang es den Beamten, den aufgeregten Anwesenden— es waren annähernd 160 Personen— klar zu machen, daß ein Verschulden der Amtsbehörde nicht vorliege. Alle wanderten jetzt zurück zur Sparkasse, um vielleicht dort etwas Näheres zu erfahren. Vor der Tür derselben prangte ein Schild, auf welchem darauf hingewiesen wurde, daß die Aus- zahlung nicht in den Räumen der Sparkasse, sondern nebenan in einer Gastwirtschaft erfolge. Dieselbe Kassenverwaltung, die in ihrer Kvankenordnung den Hauskranken vorschreibt, daß der Aufenthalt in einer Schankwirt- schaft verboten ist, verletzt erstens durch ein vorsintflutliches System der Krankengeldzahlung diese Anordnung, und zweitens trägt sie dazu bei, daß die Kranken die im Haushalt so dringend nötigen Groschen in der Gastwirtschaft verzehren müssen. Noch mittags 1 Uhr warteten die Kranken auf die Dinge, die da kommen sollten. Viele, des langen Wartens müde, gingen nach Haufe; sie können, wenn die Zahlungen nicht noch an einem anderen Tage erfolgen, sehen, wie sie sich mit ihrer Familie die ganze Woche, bis zum nächsten Freitag, durchhungern. Sticht die auf der Kasse beschäftigten Angestellten sind schuld an derartigen Unzuträglichkciten, sondern jenes organisatorische „Talent", das diesen Organisationsplan ausgeheckt hat und das wahrscheinlich versucht, diesen mit einer viel zu geringen Anzahl eingearbeiteter und mit dem Krankenkassenwesen vertrauten Ange- stellten unter allen Umständen durchzuführen. Pflichtvergessen wäre es von der Aufsichtsbehörde, wenn sie einen derartigen chaotischen Zustand, durch den allein die Versicherten zu leiden haben, noch länger dulden würde. Charlottenburg. Fürsorge für die Kleinkinder, d.h. für die Kinder vom ersten bis sechsten Lebensjahre hat neben der Säuglingssürsorge die Stadt Charlottenburg seit dem I.April 1911 eingerichtet. Gerade für diese Altersstufe, in der die Grundlage für die körperliche und geistige Entwicklung gelegt und der Kern für manche spätere Erkrankung aus- genommen wird, ist eine sorgfältige ärztliche Ueberwackung dringend geboten. In jeder der Charlottenburger SäuglingSsürlorgestellen werden besondere Wochensprechstunden für Kinder vom ersten bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre abgehalten. In diesen Sprech- stunden werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollendeten ersten Lebensjahre bereits die Fürsorgestelle besucht haben, weiter vorgestellt. Zugelassen werden jedoch alle Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn sie die Säuglingsssürsorgestellen vorher nicht besucht haben. Mütter und Pflegemütter erhalten dabei unentgeltlichen spezialärzt- lichen Rat über die für das Gedeihen des Kindes gebo- tene» Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten. Eine ärztliche Behandlung findet nickt statt. Diese Klein- kindersprechstunden werden an folgenden Tagen abgehalten: Säug- lingsfürsorgestelle l, Berliner Str. 137:� Mittwoch 2—3 Uhr. II, Wilmersdorfer Str. III: Dienstag 2—3 Uhr. IC, Kirchplatz 5a: Freitag 1—2 Uhr. lV, Nehringstr. 11: DienStag 2V,— S'/a Uhr. V, Kaiferin-Augusta-Allee 102: Dienstag 2—3 Uhr. VI, Kaiserin- Auguste-Viktoria-Haus, Mollwitzstraße: Mittwoch 2—3 Uhr. VH, Horstweg 28: Donnerstag 2—3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich einen Säugling und ein größeres Kind in der Fürsorgestelle vorstellen wollen, können ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der SäuglingSsprech- stunde milvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Kleinkinder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern und Pflege- mütlern der Kinder zum eifrigen Besuch nicht dringend genug empfohlen werden. Sieuköll«. Bolkstümliche Vorträge. Der nächste der von der Stadt Neukölln veranstalteten Vorträge findet am Dienstag, den 20. Januar d. I., abends 8Vz Uhr, in der Aula der Realschule, Boddinstr 34/41, als Rezitationsabend für Herrn E. Taeppe, Neukölln, statt. Das Pro- gramm, welches im Vortragslokal unentgeltlich zur Verteilung ge- langt, bringt im ersten Teil„Enoch Arden' von Alfred Tennyson mit der begleitenden Musik von Dr. Richard Strauß. Im zweiten Teile wird Taeppe über weitere ernstere und heilere Dichtungen rezitieren. Der Eintritt ist frei. Kindern sowie Schülern, auch in Begleitung Erwachsener, ist der Zutritt nicht gestattet. Unter dem Verdacht des Sittlichkeitsverbrechens an einem sechsjährigen Mädchen ist gestern der 21 Jahre alte Angestellte W., der bei Verwandten in der Kölluischen Allee 44/46 wohnt, verhastet worden. W. soll vor etwa einer Woche das Mädchen eines Mit- bewohners des Hauses geschlechtlich mißbraucht und sogar angesteckt haben. Lichtenberg. Die Neuwahlen für die turnusgcmäß ausscheidenden Gewerbe- gerichtsbcisitzer finden am 8. Februar und am 11. Februar dieses Jahres statt. Aus dem Stande der Arbeitnehmer scheiden aus: 1. Droschkenführer Max Köhlert, 2. Bauarbeiter Hermann Prell- Witz, 3. Schlosser Paul Brühl, 4. Maurer Hermann Zabel, 5. Zim- merer Herman Meier, 6. Holzarbeiter Albert Slomm, 7. Hilfs- arbeiter Auguit Becker, 8. Bauarbeiter Hermann Wagner. Aus dem Stande der A r b e i t g e b e r: 1. Bildhauermeister Paul Wegener, 2. Dachdeckcrmeister Heinrich Wutschke, 3. Schlosser- meistcr Bruno Hintze, 4. Zimmermeister Georg Däumig, 6. Bau» Unternehmer August Haase, 6. Restaurateur Johann Blum, 7. Maschinensabrikant Karl Große, 8. Tiefbauunternehmer Fried- rich Schüßler. Durch die Zusammenlegung der beiden Gemeinden Lichtenberg und Rummelsburg machte sich eine Neueinteilung der Wahlbezirke notwendig. Unter Zugrundelegung der 22 Stadtverordnetenwahl- bezirke dritter Abteilung sind folgende Bezirke entstanden: Der 1. und 2. Stadtvcrordnetenwahlbezirk bilden den 1. Ge- werbegcrichtswahlbezirk, der 3. und 4. StadWerordnetenwahlbezirk bilden den 2. Gewerbegerichtswahlbezirk, der 6., 6. und 7. Stadt- veroronetenwahlbezirk bilden den 3. Gewerbegerichtswahlbezirk, der 8.. 9. und 10. Stadtverordnetenwahlbezirk bilden den 4. Ge- loerbegerichtswahlbezirk, der 11, 12. und 13. Stadtverordnetenwahl- bezirk bilden den 6. Gewerbegerichtswahlbezirk, der 14., 16. und 16. Stadtverordnetenwahlbezirk bilden den 6. Gewerbegerichts- lvahlbezirk, der 17., 18. und 19. Stadtverordnetenwahlbezirk bilden den 7. Gewerbegerichtswahlbezirk, der 20., 21. und 22. Stadtver- ordnetenlvahlbezirk bilden den 8. Gewerbergerichtswahlbezirk. In jedem der Bezirke ist ein Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu wählen. Die an diesen Wahlen durch Ausscheiden ihrer Mitglieder beteiligten Gewerkschaften werden ersucht, dem Vorsitzenoen der Unterkommission Lichtenbergs, dem Genossen Paul Kr eh hing. Atzpodienstr. 49, umgehend die neue Normierung der Kandidaten mitzuteilen. Zu dieser Neuwahl wurde von der Unterkommission Lichten- bcrg au oas Gewerbegericht folgender Antrag gestellt: „Für die im Anfang des Jahres 1914 stattfindenden Ge- Werbegerichtsbeisitzerwahlen ist eine Erhöhung der Zahl der Bei» sitzer beider Gruppen, und zwar um 6, beim Magistrat zu be- antragen.'' Ein zweiter Antrag, ebenfalls von der Unterkominission Lichtenberg gestellt, Einführung des Proportionalwahlsystems, wurde von bürgerlichen Arbeitgeherbeisitzern mit recht faden- schcinigen Gründen bekämpft. Als Hauptgrund ihres ablehnenden Standpunktes führten sie au, daß sie als Großgewerbetreibende es nicht mitmachen könnten, den Sozialdemokraten auch hier Ein- flutzrecht zu gewähren. Im übrigen halten sie es für ganz in der Ordnung, daß die Kleinmeister als Beisitzer und Wähler aulj- geschaltet werden, da ihre Werkmeister mehr Verantwortung hätten, als die kleinen Schuhmachermeister und Barbierherren, die ja die Mehrzahl der sozialdemokratischen Wähler wären. In bezug auf den ersten Antrag wären sie bereit, mit den Arbeitnehmern noch in Unterhandlungen einzutreten; sie wünschten jedoch Vertagung der Verhandlung über diesen Punkt. Für beide Anträge bedürfte es einer Aendcrung der Ortsstatuien; die Vertagung derselben wäre daher gleichbedeutend gewesen mit einer Hinausschiebung bis zu den Wahlen 1916. Unter diesen Umständen lehnten die Arbeit- nehmer die Vertagung ab. Die Abstimmung über beide Anträge ergab die Ablehnung. Es hatten die Arbeitgeber ein leichte? Spiel, da die Arbeitnehmer nur zu einem kleinen Teil in dieser Plenar» sitzung anwesend waren. Die in Frage kommenden Organisationen werden darauf hin- gewiesen und nehmen hoffentlich Gelegenheit, bei Aufstellung neuer Kandidaten diese auf ihre Pflichten hinzuweisen. Kaulsdorf. Eine ganz besondere Ueberraschung wurde am Freitag, 16. Januar, den vielen nach Berlin fahrenden Arbeitern an der Fahrkartenkontrolle des Bahnhofes zu teil. Wer an diesem Morgen die ständig ein» gerichtete Kontrolle glücklich passiert hatte, sah sich am Ausgang ge- nötigt. seine Fahrkarte noch einmal einer gründlichen beim Schein von Handlaternen vorgenommenen Revision unterziehen zu lassen. Da dieser ganzen Prozedur durch die Scheiben der Bahnhofs» halle zwei Schutzleute zusahen, hatte sich bald das Gerücht verbreitet, daß Polizei und Bahnverwaltung auf der Suche nach einem Kapital- Verbrecher begriffen seien. Wie wir erfahren, trifft dies nun aller- dingS nicht zu. vielmehr bezweckt die Maßregel eine genauere Kon- trolle der Fahischeine, die jeden Monat einmal vorgenommen werden soll. Uns will freilich scheinen, als sei sie durchaus über- flüssig und geeignet, den Verkehr des fahrenden Publikums zu stören. Wozu vollends die Anwesenheit der Schutzleute nötig ist, bleibt sicher Geheimnis der Bahnverwaltung. Mariendorf. Aus der Gemcindevertretersivung. Zunächst wurde die Vor- läge, die Mitglieder der Feuerwehr bei der brandenburgischen Feuerwehrunfallversicherungskassc gegen Unfall zu versichern, an- genommen. Als Nachbewilligung für die Schneebeseitigung for- derte der Vorsteher 850 M.. da die Schneebeseitigung 1350 M. verschlungen, der Fonds für diesen Zweck aber nur 600 M. be- tragen habe. Die Vertretung beschloß, noch 100 M. für unvor- hergesehene Fälle zu bewilligen. Vom Genossen Reichhardt wurde die langsame Schneebeseitigung vor den Gemeindegrundstücken be- mängelt. Der Gemeindevorsteher erklärte, daß er sofort alle sich meldenden Arbeitslosen habe einstellen lassen. Scharfe Kritik übten sowohl unsere als auch bürgerliche Vertreter an dem hartherzigen Verhalten der Steuerbehörde, die einem Arbeitslosen statt ver- dienten Lohn die Steuerquittung präsentierte. Eine ausgedehnte Debatte zeitigte oie Vorlage:..Hergabe zweiter Hypotheken durch die Gemeinde'. Der Gemeindevorsteher erläuterte die Schwierigkeiten auf dem Gebiete des Realkredits, die ihre Ursachen hauptsächlich in der wirtschaftlichen Depression zeigen. Er wünscht Mittel bereitzustellen, die die Gemeinde in den Stand setzen, ihre Grundstückskapitalien zu sichern, ebenso zweite Hhpo- theken an solide Haus- und Grundbesitzer zu geben. Genosse Reichhardt betonte, mit der Erklärung des Gemeindevorstehers einverstanden zu sein. Es wurde beschlossen eine Kommission von 6 Gemeindevertretern einzusetzen, die sich mit dieser Materie be- fassen soll. Der Kommission gehört auch Genosse Reichhardt an. Bei der Mitteilung betreffend finanzielle Unterstützung befähigter Volksschüler bedauerte der Vorsteher, daß im Vorjahre ein von ihm gestellter Antrag abgelehnt wurde. Genosse Weber erwiderte, daß der betreffende Antrag in Verbindung mit dem Jahrhundertklim- bim gebracht und deswegen abgelehnt worden sei. Der letzte Be- ratungsgegenftano sollte erst in nichtöffentlicher Sitzung beraten werden, es wurde jedoch auf Einspruch unserer Genossen öffent- lich verhandelt. Ein Anlieger glaubte sich durch die geplanten Baufluchtlinien, die sein Grundstück durchschneiden, geschädigt und bot es für 30 000 M. der Gemeinde zum Kauf an, nachdem er in einem Prozeß gegen die Gemeinde in allen Instanzen unter- legen war. Der Kauf wurde, weil zu teuer, abgelehnt. Be- schloffen wurde, die Straße durchzulegen, und die Anliegerbei- träge ausnahmsweise aus Gemeindemitteln vorzustrecken. Wittenau. Ter Arbeitergesangverein„Maibund' hält am 24. Januar nn „Gosellschastshaus" von Albert Schulze, Hauptstraße, ein Winter- vergnügen ab. Da der Verein sich stets bei Parieiveranstaltunge» bereitwilligst zur Verfügung stellt, wird die Adbeiterschast u« rege Unterstützung des Vergnügens ersucht. I vritz-v»ckow. Ja btt Generalversammlung des WahlvereinS erstattete der Vorstand Bericht über das abgelaufene Quartal. Der Mitglieder- bestand hat sich um 27 Genoffen vermehrt. Die Zahl der„Vor- wärts"abonnenlen weist trotz Erfolge in der Hausagitation und Zuzug nur eine geringe Zunahme auf, was auf die herrschende Arbeitslosigkeit zurückgeführt werden dürfte. Von einem even- tuellen Erfolg der Hauskassierung konnte trotz Verminoerung der rückständigen Beiträge noch kein klares Bild gegeben werden.— Di« Bibliothekskommission konnte berichten, daß die Zahl der aus- geliehenen Bücher sich bedeutend erhöht hatte. Bei dem Bericht des Bildungsausschuffes bedauerte Gen. Henkel, daß zu dem ver- anstalteten geschichtlichen Vortragszyklus des Gen. Fartvig kein besserer Besuch zu verzeichnen gewesen wäre. Des ferneren bc- faßte sich die Versammlung mit der Reorganisationsfrage und nahm den Bericht einer zu dieser Frage gebildeten Kommission durch den Gen. Fartvig entgegen. Nach reger Diskussion wird ein zur Reorganisation von Groß-Berlin gestellter Antrag gegen 1 Stimme angenommen. Gen. Sardina kritisierte das eigen- mächtige Vorgehen der Parteileitung und der Leitung der Gelverk- schaften von Groß-Berlin bei Verteilung des Ertrages der Samm- lung für die Arbeitslosen. Andere Redner wandten sich dagegen, daß große Summen den drei Warenhäusern zugeführt wurden, während andere Warenhäuser, die im Tarifverhältnis stehen, un- berücksichtigt geblieben seien. Ein entsprechender Antrag soll die Kreisgeneralversammlung beichäftigen.— Ein Antrag verlangte, daß den Botenfrauen die Neujahrsgratulation untersagt werde, er verwies dabei auf die herrschende Arbeitslosigkeit. Trotz teilweiser Anerkennung oieses Uebelstandes ging die Versammlung über die Angelegenheit zur Tagesordnung über. Für diejenigen Vororte, die räumlich mit Groß-Berlin zusammenhängen, verlangten die Anwesenden, daß Proteswersammlungen am gleichen Tage statt- finden wie in Berlin.— Zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genoffen Kapke, Sardina, Farwig und Schröder delegier Spandau. Mi� der Beratung des Svndcretats für 1914 wurde fast die ganze Sitzung der Stadlverordneten am Donnerstag ausgefüllt. Stadtkämmerer Weber hielt die Aussichten für den diesjährigen Etat recht trübe; seien doch über sieben Millionen Mark außerhalb des Etats bewilligt worden. Enorme Summen hätten im Wege der Anleihe aufgenommen werden müssen und die Verzinsung und Amortisation habe bedeutende Mohrausgaben erfordert. Allein hierbei seit mit iiSOOlX) M. Mehrausgaben zu rechnen. Hinzu kämen Mehrausgaben für die Schulen in Höhe von 163 600 M. und 80 000 M. für das Krankenhaus usw. An Mehreinnahmen kämen von der Gasanstalt 30 000 M., von der Elektrizitätsansialt ungefähr 130 000 M. in Frage. Die Steuern würden eine Mehreinnahme von etwa 120 000 bis 130 000 M. bringen, ausgenommen die indi- rekten Steuern. Es sei damit zu rechnen, daß die Mehrausgaben durch die Möhreinnahmen nicht gedeckt werden können. Der Käm- merer bemerkte zum Schluß: wenn die Steuern nicht erhöht werden sollen, so müsse der Stcucrausglcichfonds in Anspruch genommen werden.— Stadtv. Walter bemängelte die langsame Schneebeseiti- gung während des letzten großen Schneesalles, hielt die Löhne der Hilfsarbeiter für zu niedrig und beaickragte, daß der Magistrat künftig den Bedarf an HilfÄräfren an den Anschlagsäulen bekannt gebe. Der Oberbürgermeister Koeltze führte aus, daß der„Vorwärts" unrichtige Angaben über die Annahme von Arbeitern gemacht Hobe. Redner mußte aber zugeben, daß die Straßenbahn für das Schnee- schippen nur 35 Pf. die Stunde bezahlte, während die Straßen- reinigung 44 Pf. für die Stunde auswarf. In Zukunft soll für AuShilfsarbeiter ein Stundenlohn von 40 Pf. bezahlt werden. Genosse Pieper erklärte, daß Straßen'bahndirektor Müller den Ar- beitsloscn einen Hungerlohn von 35 Pf. für die Stunde anbot, und auch nicht alle Arbeitslosen im Besitz von langen Stiefeln wären. Was den Bericht im„Vorwärts" anbetreffe, habe ja ein solcher ain- widersprochen auch im„Anzeiger" gestanden.— Der Etat wurde hierauf angenommen.— Beim Parketat kam Genosse Pieper auf eine Aeußerung-des Gartenbauinspektors zu sprechen, die dieser zu den auswärtigen Delegierten des Städtetages über die Pavk- arbeiter gemacht habe. Nach einer im„Vorwärts" veröffentlichten Zuschrift habe der Gartenbauinspektor, der gar nicht daran gedacht habe, daß unter den Delegierten auch Sozialdemokraten seien, sich dahin geäußert, daß seine Leute sehr unzuverlässig wären: sie verlangten hohen Lohn und wollten nichts tun. Nur„Großstadt- g e s i n d c l" sei zu bekommen. Es seien alles Sozialdemokraten und sie gehörten alle dem roten Verband an. Tcrarttge, die Ar- beiter schwer beleidigenden Aeutzerungen müßten dem Herrn unter- sagt werden. Genosse Pieck kam auf die„fürstlichen" Gehälter zu sprechen, die die Gärtnergehilfen von der Stadt erhalten. Ein Gärtner werde 306 Tage im Jahr beschäftigt zu 4,00 M. pro Tag ~ 1499,40 M. jährlich, 4 Gärtner 306 Tage a 4,50 M.= 1377 M. pro Mann. Da die Sonn- und Feiertage von der Stadt nicht mit- bezahlt werden, sind diese Leute das ganze Jahr bei der Stadt beschäftigt. Weiter werde noch ein Gärtner 252 Tage zu 4,50 M. pro Tag beschäftigt und 3 Gärtner 210 Tage a 4,50 M. Bei diesen teueren Zeiten könne niemand mit diesen geringen Löhnen aus- kommen und dieselben blieben auch weit hinter den Löhnen der Gärtner in anderen Städten von Groß-Berlin zurück. Redner richtete an den Magistrat das dringende Ersuchen, die Löhne zu erhöhen. Oberbürgermeister Koeltze erklärte, daß nach einer von ihm angestellten Untersuchung die Mitteilung des„Vorwärts" un- zutreffend sei, daß der Gartenbauinspektor solche beleidigenden Aeußerungen über die Parkarbeiter gebraucht habe. Genosse Pieper behielt sich vor, später Zeugen hierfür anzugeben. Der Etat wurde in angegebener Höhe festgestellt.— Mit der Mietung von Bureau- räumen auf dem Nonnendamm hatte sich die Versammlung aber- mals zu beschäftigen. Während die Stadtverordneten beschlossen hatten, Bureauräume von der Märkischen Bodengesellschast zum Preise von 1800 M. zu mieten, verlangte eine Magistratsvorlage, daß in dem Hause des Stadtv. Tilgner Bureauräume für 3500 M. jährlich bis 1917 gemietet werden. Stadtv. Ruh! erhob gegen den Oberbürgermeister den Bortourf, daß derselbe Tilgner durch Hand- schlag versprochen habe, daß die Bureauräume in sein Haus kämen. Redner bemerkte noch, außerhalb des Hauses würde man dies als Schiebung bezeichnen. Oberbürgermeister Koeltze wies sehr erregt den Vorwurf zurück, daß er dem Stadtv. Tilgner ein solches Ver- sprechen gemacht habe. Da auch andere Stadtverordnete Bedenken gegen die Vorlage erhoben, wurde dieselbe unter großer Unruhe zur Klärung und Prüfung einem Ausschuß übevwiesen. Uebcr„Freies Koalitionsrecht und die Hetze der Scharfmacher" sprach am Freitagabend in einer gut besuchten Protestversammlung Genosse Dr. Rudolf Breit scheid unter stürmischem Beifall in der Brauerei Pichelsdorf. Nach einstimmiger Annahme einer Re- solution um Erlvciterung des Koalitionsrechtes, die dem Reichstags- Präsidium übersandt werden soll, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Die Freie Turnerschaft Spandau veranstaltet am 24. Januar in den Gesamträumen der Brauerei Pichelsdorf ein Winterfest. Da der Verein bei Arbeiterveranstaltungen stets mitwirkt, so hofft er auch auf Unterstützung des Festes. Billetts sind bei sämtlichen Mitgliedern zu haben._ Tie Auslegung der Gemeindewählerlisten. Für die nachstehenden Orte liegen die Gemeindewählerlisten bis zum 30. Januar an folgenden Stellen aus: Friedenau. In den Geschäftsstunden Fcurigstr. 8, Zimmer 2. Tcmpclhof. Im Gemeindebureau, Dorfstr. 42, Zimmer 3. Wochen- tags von 8 Utir vormittags bis 3 Uhr nachmittags und Sonntag, den 18. und 25. Januar, von 9—12 Uhr vormittags. Nciicilhagcn a. Ostbah». Im Gemeindebureau, Dorfstraße, Wochen- tags von 8— 12 und 2—6 Uhr, an den beiden Sonnlagen von 8 bis 1 Uhr; außerdem beim'Gen. Ley. Wolterstr. 21, im Laden. Lichterfeldc. Die Parteigenossen werden nochmals darauf hin- gewiesen, daß die Gemeindewählerliste auch Sonntags von 11 bis 1 Uhr zur Einsicht auSliegt. Röntgental- Zepernick-Buch. Für Zepernick, Röntgental Wochen- tags während der Dienststunden und Sonntags von 10— 12 Uhr. Für Buch nehmen Einsicht die Genossen Bodung �Restaurant zur Tonne) und Genosse Pietrowski, Bahnhof-, Ecke Schönower Straße. An Wochentagen liegen dieselben nur während der Dienst- stunden aus. Mariendorf. Werktäglich von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends, auch beim Genossen Reichhardt, Kurfürstenstr. 34 pari. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Ncueuhagen(Oslbahn). Montag, den 19. Januar, nachm. 6 Uhr, mi Kememdebureau. Tagesordnung: Arbeitslosenunterstützung. Treptow. Montag, den 19. Januar, abends 6 Uhr, im Rathause. (Arbeitsord nun g, Arb citslos enunterstützung.) Mahlsdorf(Ostbahn). Donnerstag, den 22. Januar, abends S'/z Uhr. im Nathaussaale. Tiefe Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige i> be rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Zum Untergang des englischen Unterseebootes. Alle Bemühungen, das gesunkene englische Unterseeboot A7 zu heben, sind bisher ergebnislos gewesen. Am Freitagabend gegen 9 Uhr mußten die Rettungsarbeiten e i n- gestellt werden und sollten Sonnabend früh wieder auf- genommen werden. Von einem Schiffe des Uebungs- geschwaders wurde an der Unfallstelle eine Boje gelegt. Der in der Nacht zum Sonnabend einsetzende hohe Wellengang hat das Erkennungszeichen fortgespült, so daß die Rettungsmannschaften die Stelle, an der das Boot ge- funken ist, nicht wiederfinden konnten. Alle Be- mühungen, die Unglücksstelle wieder zu bestimmen, sind vergeblich gewesen. Selbst wenn man jetzt die Lage des gesunkenen Bootes feststellt, ist an eine Rettung der dreizehn, mit dem Boote Verunglückten nicht mehr zu denken. Die Unglücklichen müssen sämtlich erstickt sein._ Tie Echt-Preusten. DaS Neueste auf dem Gebiet des Reuter-Kultes— vir meinen natürlich nicht den Staatsverbrecher Fritz Reuter, der zum Tode verurteilt und später zu Festungshaft begnadigt wurde— ist ein Kommers, den die echtpreußischen Leute in Lüben in Schlesien zu Ehren des Ober st v. Reuter veranstalteten.. Die„Bedeutung des Tages" wurde entsprechend gewürdigt und an den Oberst v. Reuter ein Glückwunschtelegramm abgesandt. Icker nach seinem Geschmack! /tos aller Welt. politische Karriere. Wir meinen nicht den Werdegang döm Bonner Boruffen zum Landrat oder Regierungspräsidenten. Das ist eine der preußischen Eigenarten, über die es sich nicht verlohnt, noch ein Wort zu ver- lieren. Wir meinen vielmehr die politische Karriere, die ein ge- wisser I e n n i n g s im Staate Oklahoma machte. Besagter Jennings bewirbt sich bei den demnächst stattfindenden Wahlen um den Gouverneursposten. Im Jahre 1897 wurde er wegen Eisen« bahnräubereien zu fünf Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Nach Abbüßung fehler Strafe kam Jennings zur Ueberzeugung daß die Laufbahn eines Rechtsanwaltes entschieden sicherer sei als die mit großen Gefahren und Strapazen verbundene und in letzter Zeit auch ivenig einträgliche Bahnräuberei, und er widmete sich mir großem Eifer dem Studium der Rechrswissenfchaft. Später wurde er vom Präsidenten Roosevelt in seine bürgerlichen Rechte wieder eingesetzt und es gelang ihm mit zäher Be- harrlichkeit, seinen Platz in der Gesellschaft wieder zu erringen. Jennings, der Mitglied der Demokratischen Partei ist, will die StaalSleitung, wie er in der Presse erklärt, �pon allen Parasiten reinigen", mit denen„ein auf seinen ehrliche» Namen haltender früherer Sträf- ling" nichts zu tun haben kann. Seine Aussichten für die Wahl zum Gouverneur sind äußerst günstig. Die echt amerikanische Entwickelung vom Eisenbahnräuber zu einem hohen Verwaltungsbeamten ist gewiß viel erfreulicher als die Vermengung dieser beiden Spezialitäten, die bei russischen Verwaltungsbeamten nur allzu okt an den Tag gefördert wird. Schmiergelderprozeh in England. Der Kapitalismus bleibt sich überall gleich. Wir haben unsere Krupp und Konsorten, unsere angelsächsischen Nachbarn ihre Lipton und Konsorten. Das Schmiergelder«e s e n blüht hier wie da. Vor dem Londoner Polizeigericht mußten am Sonnabend acht Offiziere sowie acht Angestellte oder ehemalige Angestellte der Nahrungsmittel-Firma Lipton Limited, unter denen sich auch der Direktor John Cansfield befindet, er- scheinen, Sie sind wegen Beste chung angeklagt, deren sie sich bei dem Abschluß von Lieserungsverträgen für die Heereskantinen Verwaltung schuldig gemacht haben sollen Es handelt sich um Zahlung und Annahme von ungesetzlkchen Kom- missionsgeldern._ Kleine Notizen. Schweres Automobilunglück. Ein Automobilunglück ereignete sich Freitag abend in Hessen auf der Landstraße zwischen Waller- stetten und Gernsheim. Das von einem Chauffeur geleitete Auto- mobil des Betriebsleiters Schlott von den Schuckertwerken stieß mit einem Fuhrwerk aus Gernsheim zusammen. Schlott wurde sofort getötet, der Chauffeur erlitt schwere Verletzun gen. Zum Untergang des Dampfers„Acilia". Nach einer bei der Hamburg-Amerika-Linie eingelaufenen Meldung, aus Punta Arenas sind von einem Segelfahrzeug im Kanal Moat die Leichen des dritten Offiziers Vahrenkamp sowie des Magazinverwalters Revin vom Dampfer„Acilia" aufgefunden worden. Ferner sind Wrackteile und ein Rettungsring der„Acilia" angetrieben. Die dort ansässigen Indianer sagen aus, daß dort ei« großer Dampfer gesunken sei. Explosion in einem Tunnel. Wie ans Barcelona gemeldet wird, sind im Tunnel bei Garrafe de Torio die Zylinder der Bohrmaschine explodiert; drei Personen sind ge- tötet, zehn verwundet. Das Schneetreiben im Süden. Infolge der Schneefälle in Frankreich ist der Bah it verkehr bei Perpignan und Eerbere unterbrochen; 1200 von Spanien kommende Reisende liegen in Cerbeon fest. Der Vulkan Sakuraschima rumort weiter. Unter Begleitung von Erderschütterungen sind zwei weite re heftige Aus- b r ü ch e des Vulkans Sakuraschima erfolgt. Viele Gebäude sind dabei eingestürzt. Irauen-Leseabenüe. Pankow. Montag, 8'/, Uhr, für den Nordbezwk t« Lokal«m, Schröder, Florastr. 5, Vortrag der(Senolsin Demmntg:.Die Frau und der Sozialismus". Im Südbezirk im Lokal von Heinze, Verl« er Etr. 78, Ecke Kaiser-Frledrich-Straße, Bortrag des Genossen Kubtg: Jnoaliden- Versicherung. Fried richsfelde. Der Frauen-Leseabend sind et hier sed« dritte» Montag im Monat bei Hermann BrunI, Prmzenalle« 69, statt. Diesen Monat also Montag, den 19. d. M. Niederschöneweide. Dienstag, abends 8'/, Uhr, bei veusch, Britz« Straße 17. Oberschöneweide. Die Frauen-Leseabende stnden bt» auf weitere» jeden vicrtenMittwochim Monat abends 8'/. Uhr, bei Rabe, statt. Vortragende ist die Genossin Grummach. Der erste Abend ist Mittwoch, den 21. Januar. Steglitz. Montag,'/, 9 Uhr, abends bei Thiel, Wbrechtftr. 81. Bortrag des Genossen Mocglich: Die Frau, das starke Geschlecht. Weissensec. Montag, den 19. Januar, abends 8st, Uhr, det B entert, Berlincr-Allee 251. König-Strasse' 34 Leipzig« Strasse 65 Tauentzien-Strasse 20 Friedenau, Rheinst. 1 4 Oranicn-Strasse 47a Oranien-Strasse 54 Huller-Strasse 3a Neukölln. Bergstr. 7 S _ Moabit, Turmstr. 50 Ausverkauf (Srmartigunös Urwergleichti Che ipmsoorfeflc iSesichficjung ohneüaufjjtoong erbeten.«» Leipziger Strafe Alexanderplatz frankfurter Allee HERMANN UETZ Grosser Inventur �Verkauf Glas- Porzellan• Steinsut Hk •norm billig« Preis« Kaffeeservice aparie Formen und Dekore, 9 teilig, IVO Pb9S für 6 Personen............... R � 10 DOOmm« Obertassen massiv Porzellan.......... Stück||pf. MÜchtÖpfe Porzellan 1 8 u 25 Fl Kaffeetassen dekoriert... 1 8 r Ganz ausserordentlich billig Tafelservice 60 teilig, für 12 Personen, aparte Formen, hübscher Randdekor.............. ml 9 78 teilig, aparte Form, hübscher Rand- �050 dekor.......................(99 78 teilig, moderner Banddekor mit reichen Ooldhenkeln Bierbecher ohioiiacarin« neue Eiche....... durchweg Stück 8 Pf- Binz. Kruse n. 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Gröber(Z.) hält eS für richtiger, zuerst die Wirtschaftspolitik zu verhandeln. In der Abstimmung wird der Antrag.Gothein ange« no in m e n. Für die Vorausbesprechung der Wirtschaslspolitik stimmen unter großer Heiterkeit der Linken nur die K o n s e r- vativen, da das Zentrum einschließlich des Abg. Gröber sitzen bleibt. Abg. Robert Schmidt(Soz.): Einige allgemeine Betrachtungen über die Wirtschaftspolitik, die in enger Verbindung mit der Sozialpolitik stehen, möchte ich doch vorausschicken. Der gegenwärtigen Zeit der außerordentlich starken Depression des gesamten Erwerbslebens ist eine Zeit glänzenden wirtichafilichen Aufschwunges vorausgegangen. Aber dank unserer nationalen Wirischaftspolitik haben die Arbeiter und die kleinen Er« werbstreibenden keinen Vorteil von dem wirtschaftlichen Aufschwung gehabt. Interessant für den Einfluß, den unsere Hockschutzzöllner ausüben, ist die Geschichte des Ankaufs des.Lokal-Anzeigers'. sPräsident K a e m p f: Ich möchte Sie doch ersuchen, sich an den Beschluß des Hauses zu halten.) Ich meine doch, daß der große Einfluß, den die wirtichaftlichen Jnleressengruppen. wie der Zentral- verband Deutscher Industrieller und der Bund der Landwirte, auf unsere Sozialpolitik haben, hier nicht außer Acht gelassen werden darf.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Zentral« verband Deutscher Industrieller versucht systematisch eine große Anzahl von Preßorganen in seine Dienste zu ziehen, und Einfluß auf die Presse dadurch zu gewinnen, daß er literarische Bureaus einrichtet und die gesamte Presse mit seinen literarischen Erzeugnissen befruchtet. Zu dieser Beeinflussung der Regierung und der öffentlichen Meinung gehört auch der Versuch des Zentral« Verbandes Deutscher Industrieller, den„ L o ka l- A n z ei g e r" in feinen Besitz zu bekommen. Es wird berichtet, daß der Reichs« k a n z l e r persönlich an die großindustriellen Kreise heran- getreten sei mit dem Wunsche, man möge dem Verlag Scherl die nötigen 10 Millionen zuführen, damit er nicht etwa in die Hände von Ullstein oder Masse falle.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten) Solche Umwege wählt die Regierung, um ihre Jnter« essen durch Vermittelung des Zeniralverbandes Deutscher Industrieller zu vertreten. Aus diesem Vorgang erklärt sich auch die Stellung des»Lokal- Anzeigers" während des Krupp- Prozesses und während der Zaber»er Angelegenheit. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Was ist nun während der Periode de? glänzenden Wirtschaft« lichen Ausschwunges der Arbeiterschaft für Nutzen zuteil geworden? Das Arbeitsverhältnis der landwirtschaftlichen Arbeiter ist genau so betrübend wie vorher, ihre rechtliche Lage ist ebenso unerträglich, und die Art der Behandlung, die unsere deutschen Landarbeiter zu erlragen haben, führt zu fortgesetzten Be« schwerden und zur Flucht der Arbeiter aus ihrer Heimat. Die Großgrundbesitzer mögen sich nid&4arüber täuschen, daß sie auf die Dauer die deutsche Landarbeiterichaft entbehren können. Sie werden auch aus Rußland nicht mehr den Zuzug bekommen in dem Maße, wie die russiiche Landwirtschaft sich entwickelt und die Arbeiter selbst braucht.— Und wie steht es mit den Industriearbeitern? Nur in schweren Kämpfen haben die Arbeiter durch ihre Gewerkschaft hie und da Vorteile errungen. Ich verweise auf die Lage der Bergarbeiter. Ein unerhörter Druck lastete auch während des wirtschaftlichen Aufschwunges auf den Bergarbeitern des nieder- schlesiichen Bezirks. Im Laufe von drei Monaten des Jahres 1912 sind 2000 Bergarbeiter aus diesem Bezirk ausgewandert, vor allem, weil die Maßregelungen, die Bevormundung der Arbeiter un- erträglich wurde. Nur dem energischen Vorgehen des Bergarbeiter- Verbandes war eS zu verdanken, daß schließlich die Bergbehörde ge- nötigt war. ihre strengen Maßnahmen einzustellen. Dazu kommt, daß der Lohn dieser Arbeiter weit geringer ist als z. B. der der Ardeiter im Dortmunder Bezirk. Wie traurig die Verhältnisse liegen, beweist die Tatsache, daß 142 Kinder in diesen Familien ohne Betten, aus Lumpen oder Streu, schlafen müssen, die Säuglingssterblichkeit ist dort geradezu erschreckend; sie beträgt im Kreise Waldenburg 33,9 Pro z. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und da hat man es als unberechtigt bezeichnet, daß die Bergarbeiter in den Streik traten, um diese elenden Verhältnisse zu beseitigen. Der beste Lohn, der im deutschen Bergbau überhaupt gezahlt wird, ist b,43 M. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nirgends ist der Lohn so erhöht worden, daß die Erhöbung einen Aus- gleich bietet für die Preissteigerung sämtlicher Bedarfsartikel die überall 10 Proz. beträgt. Das beweist, daß dieser Wirtschaft« liche Aufschwung nur den Kapitalisten zugute ge- kommen ist und daß eine Berufsschicht, wie die der Bergarbeiter. die mit andauernd schwerer Arbeit belastet ist, keinen Vorteil davon gehabt hat. Was aber ist sozialpolitisch in dieser Periode de-s guten ÄeschäfiSganges geboten worden? Da sehen wir nur ein außer« ordentlich zögerndes Vorgehen, ja einen Still st and, und hie und da sogar einen Rückgang. DerZentralverbandDeutscher Industrieller und anderer Uniernebmerorganiiationen haben ihren Einfluß in der Preffe benutzt, um ständig für den Stillstand in der Sozialpolitik Stimmung zu machen. Ein charakteristisches Zeichen sür dielen Siillstand ist daS vollständige Beiseiteschieben des Beirats tür Arbeiterstaiistik, der seit Jahr und Tag nicht mehr zusammen« berufen worden ist.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) In seinen Erhebungen über die Lage im F u h r w c r k s b e t r i e b hat er 13 bis 17 ständige Arbeitszeit ohne jede r e g e l m ä ß i g e M i t t a g S p a u s e festgestellt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da ist ein Eingreifen seitens der Regierung geboten. Auch in der B i n n e n f ch i f f a h r t hat der Bei« rat für Arbeiterstatistik eine überaus lange Arbeitszeit und daS Fehlen jeder Nachtruhe festgestellt. � Nur aus dem Rheine ist durch die gewerkschasilicke Tätigkeit eine Regelung der Nachtruhe eingetreten. Ihre Einführung ist also möglich. Nicht nur die An- gestellien, sondern auch der Bund der Schifferinnungen, also Unter- nehmer. fordern eine mindestens fünfstündige Nacktrube, das Reichs- gesundheilsamt eine solche von 3 Stunden. Wenn gerode die kleinen Betriebe die Nachtruhe für durchftibrbar ballen und sie fordern, so braucht man doch aus die Großbetriebe sicherlich nickt Rücksicht zu nehmen. Es ist doch ungeheuerlich, daß eine Arbeiterschicht sich gegen Zustände wenden muß, bei denen eine 34- und 33 ständige Arbeitszeit die Regel ist, ja. wo in einem Fall sogar eine 7()ftändige Arbeitszeit festgestellt wurde.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Erhebungen über die Zustände in der Großeisenindustrie sind dem Beirat nicht in die Hand gegeben worden, diese sind vom preußischen Handelsminister selbst veranlaßt worden. Man scheint eben die Arbeit des Beirats als unangenehm zu empfinden. Man müßte den Beirat so aus- gestalten, daß et über alle sozialpolitischen Fragen Erhebungen zu veranstalten hat, nicht nur über die Arbeits- zeit. Als Gutachter und zur Auskunftserteilung müßten vor allem auch die Arbeiterorganisationen hinzugezogen werden. Man sagt auch, übermäßig lange Arbeitszeiten seien seltene Aus- nahmen, sodaß neue Erhebungen nicht nötig sind. Das ist falsch. Die Berichte der Fabrikinspektoren zeigen in den Ziegeleien 24 stündige Arbeitszeiten als üblich. In Schlachthäusern wird von 2 Uhr früh bis abends 8 Uhr ge« arbeitet. Dabei gibt der§ 120k der Gewerbeordnung die Möglich- keit, diesen Zuständen entgegenzutreten. Freilich müßte der Fabrik- inspektor die Beftignis erhallen, selbständig Verfügungen zu erlassen, ohne sich erst an die Polizeibehörde zu wenden. Seit Jahren erfahren wir aus den Berichten der Fabrik- inspekloren außerordentlich wenig. Auch ist in den Be- richten eine außerordentliche Zurückhaltung zu bemerken.(Sehr richtig!) Das ist wohl auf die Verordnung zurückzuführen, daß die Beamten sich auf objektive Schilderung zu beschränken und kein eigenes Urteil abzugeben haben. Sie kommen dadurch aber auch bei der Schilderung gewisser betrübender Vorgänge zu großer Zurückhaltung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aktuell ist die Frage, den Schutz der Jugendlichen international zu regeln. Auf der Berner Konferenz hat die deutsche Regierung sich leider auf den rückständigen Standpunkt gestellt, den Schutz der Jugendlichen nur bis zum 13., nicht bis zum 18. Fahre auszudehnen. DaS ist um so mehr zu bedauern, als wir seit 18öS keine Aenderung in der Gesetzgebung zum Schutze der Jugendlichen zu verzeichnen haben. Damals wurde in einem Bundesstaat die Arbeitszeit sür die Jugendlichen auf 10 Stunden festgesetzt. Wir wünschen, daß die Regierung in diesem Jahre auf der Berner Konferenz eine andere Stellung einnehmen möge, und sich nickt nach den Weisungen des Zeniralverbandes Deutscher In- dustrieller richten möge. Bedauerlich ist, daß wir bei unserer Gesetz- gebung inbezug auf den Schutz der Jugendlichen so viele Aus- nahmen zugelassen haben. Das kommt z. B. in der Glashütten- Verordnung zum Ausdruck, wo die Anschauung hervortritt, die Nachtarbeit der Jugendlichen sei gar nicht zu entbehren. Die Arbeiter stehen ausnahmslos auf dem entgegengesetzten Stand- Punkt. Und im Auslande ist diese Nachtarbeit der Jugendlichen auch vielfach beseitigt. Das Heimarbeitergesetz besteht jetzt seit zwei Jahren. Aber noch immer nicht sind die Bestimmungen in Kraft getreten, nach denen den Heimarbeitern eine Aufstellung über den ihnen zu- kommenden Lohn mitgeteilt und Lohnbücher ausgestellt werden sollen. Soll denn die Schlamperei in den großen Betrieben, die mit Hunderten und Tausenden von Heimarbeitern zu tun haben, für eine innere Notwendigkeit erklärt werden. In den gesun-dheits- schädlichen Betrieben hätte man entweder ein direktes Verbot er- lassen sollen oder eine Regelung treffen müssen, wie sie das Gesetz gestattet. Nichts davon ist geschehen. Nur eine e i n z i ge Ver- ordnung ist erlassen worden, für das Tabakgewerbe nämlich die aber sehr enttäuscht hat. Wir haben jetzt dort drei gesetzliche Bestimmungen, einmal die Gewerbeordnung für die Großbetriebe, dann eine Verordnung für die.Heimarbeit mit Zwischenmeistern, und nun wieder ein« besondere Verordnung für die unmittelbaren Heimarbeiter. Auch hier ist eben nicht Rücksicht genommen worden auf die Interessen der Arbeiter und auf die allgemeinen Interessen. Auch in der neuen Verordnung wird es erlaubt, Tabak in Wohn- und Schlafräumen zu zupfen, und der Luft- räum wird von 13 auf 7 Kubikmeter herabgesetzt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Alle sanitären Einrich- tungen für den Heimarbeiter sind dadurch wieder in Frage gestellt. Bei den elenden Zuständen der Heimarbeit in der Tabakindustrie ist es durchaus gerechtfertigt, diese Heimarbeit bollftändi g zu verbieten. Die Arbeiter werden dadurch nicht beschäftigungs- los, sondern die Unternehmer werden dadurch gezwungen, zu� einer anderen Betriebssorm überzugehen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Aehnlich liegt es in manchen Zweigen der Glas- f a b r i k a t i o n, z. B. bei der Herstellung der Uhrengläser. Be- sonderer sanitärer Schutzeinrichtungen bedarf dringend auch die Konservenfabrikation. Der Fabrikinspektor aus Braun- schweig schildert da gmig eigenartige Zustände und meint, daß eine Besserung nur durch Steigerung der Löhne zu erreichen ist. Bei der Beratung des Heimarbeitergesetzes wiesen wir auf die in England eingerichteten Lohnkommissionen hin. Man sagte damals, man müsse erst den Ersolg dieses englischen Versuchs abwarten,. Nun, jetzt nach drei Jahren dürfte doch wohl die Zeit der Erwägun- ?en vorüber sein, und man sollte der Einrichtung von Lohn- o m m i s s s o n e n und Fachausschüssen nähertreten.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Eine besonders feuergefährliche Fabrikation ist die Zellu. loidfabrikation. Diese muß schon deshalb aus der Heim- arbeit herausgenommen werden, weil die Feuersgefahr auch alle anderen Bewohner des betreffenden Hauses in Gefahr bringt.— Wie außerordentlich gefährdet die Arbeiter sind, die mit Blei- weitzfarben zu tun haben, zeigen die erschreckend hohen Blei- Weißerkrankungszahlen der Ortskrankcnkassen�und der freien Hilfskasse für Maler, Lackierer und Anstreicher. Eine Enquete aus dem Jahre 1907 zeigt, wie ungeheuer oft diesen Arbeitern jede Gelegen- heit, sich zu waschen und zu reinigen vor dem Essen, fehlt. Dabei ist der einzige Schutz vor der Jnfizierung die peinlichste Reinlich- keit. Fehlt diese, so gibt es kein anderes Mittel als das völlige Verbot der Verwendung von Bleiweisi. Wir haben sogar in der Heimindustrie schon die Verwendung von Bleiwciß zu verzeichnen.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Hier wird nicht nur der Arbeiter, sondern die gange Fa- milie der Erkrankungsgesahr ausgesetzt. Das ist ein ganz uner- träglicher Zustand.— Ganz ungenügend ist auch der Schutz, den die neue Verordnung sür die Z i n k a r b e i t e r gewährt. Sie nimmt eben zuviel Rücksicht auf die Wünsche der Unternehmer. Der Ent- wurf der Verordnung sah überall einen verantwortlichen Betriebs- führer vor, und in einer mit Arbeitern und Unternehmern abge- haltenen Konferenz vertrat der Regierungsvertreter sehr energisch die Notwendigkeit dieses Betriebsführers. Trotzdem blieb auf Wunsch der Unternehmer aus der Verordnung heraus.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei handelt es sich hier um eine so in e n sche n m ö r de r i s ch e Betriebsweise, daß keiner von dort herauskommt, ohne daß er dem Siechtum überantwortet ist. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Eine weitere, die Ge- sundhoit schädigende Arbeit ist die Verarbeitung von Tier- häuten und Haaren. Die Verordnungen auf diesem Gebiete müßten von den Großbetrieben auf die Kleinbetriebe ausgedehnt. und die Verwendung von Tierhaaren in der Heimindustrie müßte völlig verboten werden.— Im Baugewerbe haben wir eine außerordentlich große Anzahl von Unfällen zu verzeichnen. Die freien Gewerkschaften haben auf der Baufachausstellung sich be- müht, zu zeigen, wie es praktisch möglich ist, eine Reihe von Ein- richtungen durchzurühren, durch die die Unsallzahl erheblich herab- gemindert wird. Wir sollten doch alles anwenden, um den Schutz herbeizuführen, den diese Berufsgruppe für notwendig und durch- sührbar hält. Bor allem genügt es hier nicht, daß Unfallver- hütungsvorschriften erlassen werden, ihre Durchführung muß kon- trolliert werden. Deshalb fordern die Bauarbsiter die Durch- führung drr Kontrolle nicht nur durch die technischen Beamten der Berufsgenossenschaft, sondern unter der Mitwirkung von Arbeitern. (Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.)— Dringend des Schutze? bedürftig ist der M ü h l e n b e t r i e b, wo eine 16stündige Arbeits. zeit sogar für Jugendliche die Regel ist.— Die Gastw irts- verordnung bezieht sich nicht auf die Personen, die als Boten im Hotel, als Portier, als Hausdiener beschäftigt werden. Der Portier, der Junge, der den Fahrstuhl bedient, kann 34 und 36 Stunden ohne Pause beschäftigt iverden, und eine solche Arbeits- zeit ist gar keine Seltenheit. Diese Berufsschicht verlangt unter den Schutz der Gastwirtsordnung gestellt zu werden. Es� ist doch wirklich nur eine sehr geringe soziale Forderung, daß zwischen zwei Arbeitsschichten eine bestimmte Ruhezeit fallen soll. Ganz unsicher ist ferner die gesetzliche Stellung der Bureau- angestellten. Es ist wiederholt versichert worden, daß auf diesem Gebiete etwas geschieht, leider ist noch nichts geschahen. Ich könnte noch eine Reihe Berufe anführen, deren sozialpolitische Ver- Hältnisse dringend der Besserung bedürfen, aber die Zeit ist zu weit vorgeschritten. Ich habe den Eindruck, daß eine Art passive Resistenz im Reichsamt des Innern vorhanden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf der anderen Seite sehen wir die fest- gesetzten Bestrebuiigeil auf Entrechtung der Arbeiter. Das kapita- listische Regime will den Wog frei haben; jede Arbeiterforderung ist eine übel empfundene Mahnung, sie beeinträchtigt die Autorität. Die Gesetzgebung und die Rechtsprechung sucht nian zu beeinflussen zugunsten der Kapitalisten. Die Unternehmer in den Innungen verhängen Strafen und ziehen sie ein von Kleinmeistern, die einen Tarif nicht mitmachen. Daß Arbeiter in ähnlicher Weise vor. gehen könnten, ist natürlich ganz ausgeschlossen, das Recht, Zwang auszuüben, steht nur den Unternehmern zu. Nur deshalb wird der Boykott nicht verboten, weil ihn die Unternehmer selb st brauchen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Zementsyndikat hat sogar versucht, den preußischen Fiskus unter seine Botmäßigkeit zu bringen.(Hört! hört! bei den Sozial. demokraten.) Wo ist die Rechtsprechung, die einen einzigen Unter» nehmer wegen Erpressung auf Grund solches Vergehens ver» urteilt, während zahlreiche Arbeiter auf Grund ihrer Bestrebungeu, andere Arbeiter für die Koalition zu gewin, icu. und zwar keines- Wegs mit Zwangsmittel», wegen Erpressung angeklagt und verurteilt worden sind.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der Arzt, der einen anderen als Streikbrecher bezeichnet, wird freigesprochen, von demselben Oberlandes- gericht wird ein Arbeiter wegen des Gebrauchs des Wortes Streikbrecher verurteilt.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Ein Unternehmer, der die Streikleitung der B e st c ch» l i ch k c i t beschuldigte, wurde vom Schöffengericht f r c i g c- ßp r o ch e n, da er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Dabei stellte das Gericht selbst fest, daß von einer Pflicht- widrigen Handlung der Streikleitung keine Rede sein konnte. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte den Juristen im Hause sehen, der dies Urteil noch objektiv nennt. Und da hofft das Zentrum noch immer, daß wenn das Strafgesetzbuch ver- scharst �wird, Unternehmer und Arbeiter gleichmäßig davon be- troffen werden! Ich behaupte, die Rechtsprechung hat noch nie auf einem so tiefe» Niveau gestanden wie gegenwärtig. (Sehr tvahr! bei den Sozialdemokraten.) In der Zeit des Sozia» listcngesetzes hatten die Richter weingstens das Gesetz für sich, heute aber finden wir die deutliche Absicht, im Interesse einer bestimmten Klasse die Rechtsprechung dienstbar zu machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)� Vizepräsident Dr. Paasche: Diese generelle Behauptung dem deutschen Richterstandc gegen- über kann ich nicht zulassen. Abg. Schmidt(fortfahrend): Wenn ich zu generell ausgesprochen haben sollte, so will ich mich berichtigen. Gewiß gibt es im deutschen Richterstande auch Leute, die eine solche Rechtsprechung auf das schärf st e ber- urteilen. Es wäre ja überaus trübe und traurig um Deutsch- land bestellt, wenn nicht auch in Richterkrcisen der Ekel sich gel- tend machte gegen diese einseitige Rechtsprechung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nicht einer Einschränkung, sondern einer Ausgestaltung bedarf das Koalition srecht der deutschen Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Brutaler und roher, als ich cS in meinen Ausführungen gekennzeichnet habe, kann sich die kapita- listische Ausbeutung nicht gebärden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Doormann(Vp.): Gewiß hat der Vorredner bewiesen, daß noch eine große Anzahl von Fragen auf dem Gebiete der Sozialpolitik ungelöst sind. Um so erfreulicher ist es, daß wenigstens einige Fragen wie die der Wander- lager, der Sonntagsruhe, der Abgrenzung von Fabrik und Hand» werk und andere wenigstens auf dem besten Wege zur Lösung sich befinden. Dankbar können wir dem Herrn Staatssekretär dafür sein, daß er in all diesen Fragen die Interessenten zu mündlichen Verhandlungen geladen hat. Weder von einem übereiligen Tempo der Sozialpolitik noch von einer Stagnation auf diesem Gebiete kann meines Erachtens die Rede sein. Tatsächlich ist in der Praxis der Sozialpolitik noch nie soviel gearbeitet worden, wie in den beiden letzten Jahren. Der Beirat für Arbeiterstatistik ist allzusehr beiseite gedrängt. Es muß in der Tat Verwunderung er» regen, daß einzelne Fragen noch immer nicht weitergekommen sind. In der Binnenschiffahrt freilich unterschätzt Abg. Schmidt die Schwierigkeiten. Auf der Oder sind es gerade die kleinen Schiffer, die sich gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit wenden. Gegen polizeiliche Befugnisse an die Gewerbeinspektoren haben wir erhebliche Bedenken. Wenn die Beschwerden der In- spektoren über unzulängliche Verhältnisse nicht mehr so ausgedehnt sind wie früher, so liegt für mich der Schluß näher, daß infolge de? Wirkens der Gewerbeinspektoren die Verhältnisse sich gebessert haben. Ueber die in Aussicht gestellte Regelung der Verhältnisse in den Wasch- und Plättanftalten und bei der Feuerwehr erwarten wir eine Erklärung des Staatssekretärs. Gegen die Berufs- krankheite.» sollte mehr als bisher geschehen. Das Tarif- recht bedarf dringend der Regelung. Wir sind fiir joden stetigen Fortschritt auf dem Gebiete der Sozialpolitik zu haben und sind der Uebcrzeugung, daß in der Hand des jetzigen Staatssekretärs die Sozialpolitik gut aufgehoben ist.(Bravo! bei der Volkspartei.) Die Weiterberatung wird vertagt auf Montag 2 Uhr. Schluß 2� Uhr. �bgeorönetenhaus. 6. Sitzung. Sonnabend, 17. Januar, vormittag? 11 Uhr. Am Ministertisch: S y d o lv. Die zur Bekämpfung der akuten spinalen Kinder- l ä b m u n g in den Regierungsbezirken Hannover und Wiesbaden erlassene Verordnung wird nach unwesentlicher Debatte zur Kenntnis geiiommen. Das Gesetz, wodurch die AmtSgericktSschreiber zur Beglaubigung von Unterschriften ermächtigt werden sollen, wird nach einer Debatte, in der sick alle bürgerlichen Parteien für das Gesetz erklären, in erster und zweiter Lesung angenommen. Erste Lesung des Wohnungsgesetzes. Handelsminister Dr. Sydow: Durch Einbringung dieses Gesetzentwurfes kommt die Regierung den mehrfach ausgesprochenen Wünschen des HauseS nach. Allgemein wurde anerkannt, da« ohne gesetzliches Eingreifen die Wohnungsfrage nicht zu lösen sei. Namentlich erschwert die fortschreitende Industrialisierung das Problem, der minderbemittelten Bevölkerung gesunde Wohnungen zu schaffen. Immer dringender verlangen die Bedürfnisse der Bevölkerung eine Aenderung der Wohnungsverhältnisse. Zum Beweise dessen verliest der Minister einige statistische Angaben, aus denen u. a. hervorgeht, daß noch im Jahre 1L08 in Scköneberg ein Drittel aller Bewohner in Wohnungen mit höchstens einem heizbaren Zimmer untergebracht wurden. Im rheinisch- westfälischen Industriegebiete waren die Wohnungszustände besonders durch das Schlafgängerwesen verschlechtert. Infolge des Einflusses der städtischen Haus- besitzer in den Kommunen sind diese den Wünschen nach Erweiterung der Bau- und Wohngelegenheit nicht in ge nügendem Maße entgegengekommen. Bei der Ausführung des Fluchtliniengesetzes musz das WohnungSbedllrfms mehr als bisher berücksichtigt werden. Es sollen Erleichlerungen bei der Ausführung der Baubestimmungen eingeführt werden, wofür das Gesetz die rechtliche Unterlage schafft. Vor allem ist die Neuregelung des Wohnungswesens von Bedeutung für die Gesundheit deS Volkes, der heranwachsenden Generation. Nur in gesunden Wohnungen kann sich auch ein normales Familienleben entwickeln. Die Wohnungs- frage ist eine allgemeine Kulturfrage.(Beifall.) Abg. V. Hassel(f.): Die Kommission muß den Entwurf umarbeiten. Es ist unmög- lich, durch ein einheitliches Gesetz die ganz verschiedenen Wohnungs- Verhältnisse in der Stadt und auf dem Lande zu regeln(Unruhe links), hier sind sie sicherlich günstiger als in den Industrie- gebieten. Wir werden daher dafür eintreten, dast das platte Land ausgenommen wird von den Bestimmungen deS Gesetzes. Dagegen sind wir bereit, an dem Entwurf mitzuarbeiten. Wir beantragen, ihn an eine Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen. Vor allen Dingen müssen der Mittelstand und die Grundbesitzer vor etwaigen empfindlichen Schädigungen geschützt werden.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Wuenneling(Z.): Der Wichtigkeit wegen muff der Entwurf an eine Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen werden. Wir stehen dem Gesetz sympathisch gegenüber und wollen eS so gestalten, datz kein Bedürfnis für ein weiteres Eingreifen des Reiches vorhanden ist. Der Entwurf gibt der P o l i z e i eine wesemliche Machterweiterung. Diese muh genau umschrieben sein. Gilt der Entwurf nur für die Städte oder auch für das platte Land? Einzelne Bundesstaaten find Preuhen bereits in der Wohnungsfürsorge vorausgegangen. Abg. Kiinzer(natl.): Auch wir begrühen den Entwurf. Wir vermissen aber Be- stimmungcn über die Sanierung älterer Stadtteile. Die Selbst- Verwaltung der Gemeinden wird durch die Vorlage stark beeinträchtigt.(Sehr richtig! links.) Die Regierung sollte ihren unfreundlichen Standpunkt gegenüber Eingcmeindungs- fragen wirtschaftlich zusammenhängender Gemeinden aufgeben. Die Festsetzung der Fluchllinien muh den Gemeinden überlaffen bleiben. Die Wohnungsaufsicht muh gleichfalls eine kommunale Einrichtung bleiben— im Gegensatz zu dem vorliegenden Entwürfe, der sie als Staatsanstalt auf Kosten der Gemeinde organisiert. Auch auf die Gemeinden unter lOVVO Einwohner muh die Wohnungsaufsicht aus- gedehnt werden. Trotz aller Bedenken halten wir den Entwurf für eine durchaus geeignete Grundlage.(Beifall b. d. Nationalliberalen.) Abg. Lüdicke(fk.)t Die Grundlinien des vorliegenden Entwurfs sind zweifellos richtig, aber manche Einzelheiten, so den Angriff auf eine„un- gesunde Bodenspekulation", halten wir nicht für angebracht. ES ist fraglich, ob die kleinen Mittel, die der Entwurf zur Bekämpfung der Wohnungsnot vorschlägt, zum gewünschten Ziel führen werden: nämlich die Mieten zu verbilligen. Vielleicht tritt gerade das Gegen- teil davon nach dem Erlah des Gesetzes ein.(Beifall rechts.) Ministerialdirektor Dr. Freund wehrt sich gegen den Vorwurf, daß die Regierung ihr Versprechen, die Baupolizei auf die Städte zu übertragen, nicht erfüllt habe. In Berlin sei das nicht möglich gewesen. Abg. Dr. Flesch(Vp.): DaS Gesetz, das wir begrüßen, ist in zahlreichen Einzelheiten unbedingt verbesserungsbedürftig. Die Wohnungs- verhältniffe auf dem Lande sind durchaus nicht ideal. Für die ländlichen Arbeiter sind nicht überall ausreichende Wohnungen vor- Händen. Gerade das Wohnungselend auf dem Lande erklärt zum Teil den Abfluh der ländlichen Bevölkerung in die Städte. Die Wohnungspolizei muh durch die Gemeinden ausgeübt werden.(Beifall links.) Abg. Hirsch(Soz.): Selten hat ein Entwurf so viel Kritik erfahren wie dieser. Wir Verhalten uns nicht prinzipiell ablehnend, ja wir begnügen uns auch mit einer geringen Abschlagszahlung im Interesse derjenigen Schichten, deren materielle und geistige Hebung wir fördern wollen. ES ist aber zweifelhaft, ob dieser Entwurf irgendwelche durch- greifende Verbesserungen der Wohnungsverhältnisse zu- stände bringen wird. Der Entwurf deckt sich durchaus nicht mit seiner Begründung. Die guten Bestimmungen sind aus dem Entwurf von 1304 herausgestrichen, und da in der Begründung Sätze stehen, die zum Entwurf passen wie die Faust aufs Auge, so gewinnt es fast den Anschein, als ob die Regirrung, bei der Schnelligkeit mit der sie diesen Entwurf vorgelegt hat, wahrscheinlich aus der Begründung zum Entwurf von 1S04 falsch hat abschreiben lassen.(Hort! hört l bei den Sozialdemo- traten.) Es werden darin arge Mißstände gekennzeichnet, deren Existenz, wenn ein sozialdemokratisches Mitglied des HauseS von der Tribüne herab sie so darstellen würde, man ableugnen würde. Einigen Entstellungen muh entgegengetreten werden. Von gewisser Seite wird so getan, als ob die Bauarbeiter- löhne so ungeheuer gestiegen seien, daß die Wohnungen nui deshalb teurer geworden wären. Die Arbeitslöhne haben aber auf den Preis der Wohnungen nur einen ganz verschwindenden Einfluh. Die Bestimmungen des Entwurfes stellen einen starken Eingriff in das Selb st verwaltungsrecht der Gemeinde dar. Der Polizei werden weitgehende Rechte ein- geräumt, ohne daß dadurch eins Besserung der bestehenden Zustände gewährleistet wird. Diesmal heiht es auch, es seien„gute Gründe" dafür vorhanden, daß da? Hausbesitzerprivileg weiterbestehen nnisse, während es doch schon vor langen Jahren wegen seiner schädlichen Wirkungen als überlebt be- zeichnet worden ist. Die„guten Gründe" sind denn auch poli- tische Gründe. Man will ein weiteres Vordringen der Sozial- demokratie erschweren. Die ganze Argumentation ist verfehlt. Wer so argumentiert, von dem kann man wirklich nicht annehmen, daß es ihm ernst ist mit einer Abstellung der Mißstände.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der prinzipiellen Auffafsung der Gefähr- dung der Selbstverwaltung befinden wir uns in Uebereinstimmung mit dem Vorstand des preußischen Städtetages. Was da über die Erteilung des DiSpenseS vom Bauverbot vorgeschlagen wird, hat zwar eine gute Tendenz, wird aber den Gemeinden auch noch weiter- hin ermöglichen, aus steuerfiskalischen Gründen den Kleinwohnungs« bau zu verhindern; bei der Zusammensetzung der Gemeindevertretungen sind solche Befürchtungen auch für die Zukunft gerechtfertigt!(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Herstellung von Kleinwohnungen wird überhaupt durch das ganze Gesetz nicht gefördert und ebenso- wenig kann man von der Vorlage eine Verbilligung der Wohnungen erwarten. Die ganze Vorlage ist gegen die von 1904 bedeutend verschlechtert, was auf die größere Rücksichtnahme der Regierung gegenüber den Hausagrariern zurückzuführen ist. Eine Erweiterung des Rechtes der Gemeinden bedeutet zwar die Zubilligung des Rechtes der Zwangsenteignung und Zwangsumlegung, aber von der notwendigen Reform des Entcignungsrechts der Gemeinden ist hier keine Rede. Mit den baupolizeilichen Vorschriften des Entwurfs sind wir im allgemeinen einverstanden, aber grundsätzlich mutz ich verlangen, daß die Baupolizei städtischen Organen über- tragen wird. Ich schließe mich da der Forderung des preußischen Städtetages vollkommen an, weil städtische Organe viel besser als staatliche diese Aufgaben erfüllen können. Sehr große Bedeutung kommt den Bauordnungen zu. Die Regierung hat aber wiederholt Bauordnungen erlassen, die der Förderung des Woh- nungswesenS entgegenwirken. Während die Bauordnung für das Tempelhofer Feld von 1993 nur viergeschossige Häuser und eine Bebauung der einzelnen Grundstücke bis zu 59 Proz. gestattete, ließ die Bauordnung von 1997 fünfgeschossige Häufer und 66% prozen- tige Bebauung zu. Der Verkaufswert des westlichen Tempel- hofer Feldes ist dadurch von 39 bis 49 auf 72 Millionen Mark gestiegen, die der Eigentümer, der Militärfiskus, bekam.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese fiskalische Spekulation wurde nur durch die Verschlechterung der Bauordnung ermöglicht. 1919 ge- stattete der Polizeipräsident von Berlin vorübergehend Keller- Wohnungen, 1'ch Jahre später verbot er sie wieder. Die Gründe sind der Oeffentlichleit nicht bekanntgegeben worden, aber während der Geltung der Zulassung der Kellerwohnungen waren den Hausbesitzern natürlich wieder einträgliche Spekulationen er- möglicht worden.— Wenn die Vorlage den Erlaß von Wohnungs- ordnungen nur für Gemeinden mit über 19 999 Einwohnern vor- schreibt, so ändert sie eigentlich gar nichts an dem bestehenden Zu- stand I Der Bericht der Regierung spricht selbst von traurigen Wohnungszuständen auf dem Lande. Da sollte man doch wahrlich nicht auch noch eine Verbeugung vor den Agrariern machen, sondern das Wohnungsgesetz unbedingt auch auf das platte Land erstrecken. Der Zusammenhang zwischen dem Wohnungselend und der Tuberkulose ist doch wahrlich bekannt genug. Alle, denen es wirklich ernst ist mit der WohnungSreform, müssen verlangen, daß auch die Genieinden unter 19 999 Einwohner Wvhnungsord- nuugen zu erlassen verpflichtet werden. Wir müssen unbedingt auch die Festsetzung eines Winde st luftraumes fordern. Der Städtetag war dagegen, weil dann das Mindestmaß gewöhn- lich nicht überschritten werden würde; aber ohne die Feitsetzung eines Mindestmaßes wird man im allgemeinen noch hinter dem zurückbleiben, was die Wissenschaft als Mindestmaß ansieht! Die Hausagrarier wenden gegen die Wohnungsaufsicht und die woh. nungspolizeilichen Beschränkungen ein, daß ein Verbot der Woh- nungsüberfüllung den Geburtenrückgang noch verstärken würde. Derartige Einwände sind noch gegen jeden sozialen Forlschritt ge- macht worden. Zweifellos aber stnd doch nichtüberfüllte Wohnungen einem Zustand vorzuziehen, wo die Familien sich, ohne eine Trennung der Geschlechter durchzuführen, m i t-d e r Küche b e- g n ü g e n, wahrend die übrigen Räume an Schlafgänacr abvermietet werden. Ich gehöre selbst einer Wohnungsdeputation an und kann Ihnen sagen, daß selbst in einer so jungen Stadt wie Charlottenb»rg sich zahlreiche mangelhafte Wohnungen fanden und dytz mehr als die Hälfte der besichtigten Kleinwohnun- gen beanstandet werden mußte. Daß die Arbeitgeber die Insassen von Werkswohnungen bei Strafe der Kündigung an der Bekundung ihrer Ueber- zeugung hindern, wundert mich nicht, dafür leben wir in Preußen. Die Regierung macht es genau so. Wir haben ja oft darauf hingewiesen, wie rigoros vorgegangen wird. Von den Ar- beitern wird mit Recht Widerspruch gegen das Kost- und LogiSwesen erhoben. Es werden da, wo Logis gewährt wird, bestimmte Min- destforderungen erhoben. So werden u. a. Mindestansprüche an Licht und Luft gestellt. Jede Person soll ein eigenes Bett haben, die Betten dürfen nicht übereinanderstehen, die Wäsche soll wenigstens alle vier Wochen gewechselt werden. Wie schlimm müssen die Zustände sein, wenn derartige Forderungen zu erheben sind, die sogar von den Arbeitgebern und auch hier im Hause als berech- t i g t anerkannt werden. Die Wohnungsfürsorge wird ja Aufgabe der Ge- meinden weiter bleiben. Die Grenze bei 199 999 Einwohnern zu ziehen, erscheint nicht ausreichend. Selbst die„Post" ist ja auf Herabsetzung der Grenze auf 59 999 eingetreten. Die Schaffung von Wohnungs nachweisen müßte ganz allgemein ein- treten. Zu unhaltbaren Zuständen führt es, daß die WohnungS- Polizei dem Staat obliegt. Sie sollte grundsätzlich den städtischen Organen übertragen werden. Der Gesetzentwurf verzichtet auch auf jeden ernsthaften Versuch, die Spekulation in Grund und Boden einzudämmen. Wir sind davon überzeugt, daß die Wohnungsfrage nur gelöst werden kann im Zusammenhange mit der Grund- und Bodenfrage und mit der sozialen Frage über- Haupt. Trotzdem werden wir alle Matznahmen unterstützen, die zu einer Besserung der Wohnungsverhältnisse führen können. Wenn die Sache nachher an die Kommission von 23 Mitgliedern, die das Zentrum beantragt und verwiesen wird, in der wir ja nicht der- treten sind, so sorgen Sie dafür, daß dann nachher nicht behauptet wird, die Sozialdemokraten wollten nicht mitarbeiten. Wir wollen gern eine wirkliche Linderung des Wohnungselends herbeiführen. In dem vorliegenden Gesetzentwurf erblicken wir vorderhand ein untaugliches Mittel dazu, wenn er aber keine gründliche Aenderung erfährt, so ist eS unmöglich, daß er in der Schlutzabstiminung unsere Zustimmung findet.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt sich. Abg. v. Hassell(k.): Ich wollte nicht sagen, daß für das platte Land überhaupt kein Wohuungsgesetz erlassen ioerdcn sollte, sondern nur, daß die Bestimmungen dieses Gesetzes auf das platte Land nicht passen. Für den Zentrumsantrag, das Gesetz an eine Kam- Mission von 28 Mitgliedern�zu überweisen(in der imch dem Schlüssel für die Kommission die Sozialdemokraten nicht vertreten sein würden), erhebt sich nur ein Teil des Zentrums. Die Vorlage, geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern, in der die Sozial- demokraten vertreten sind. Montag 12 Uhr: Zweite Lesung des Landwirtschaftsctats. Schluß 4 Uhr. Mocken-Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag und folgende Tage: Parfisal.(An- sang 7 Ubr.) König!. Schauspielhaus. Sonntag: Kolberg. Montag: Die Neu. vermählten. Die zärtlichen Verwandten. Dienstag: Doktor KlauS. Mit- woch: Ilriel Acosta. Donnerstag: Die Rabensteinerin. Freitag: Die Journalisten. Sonnabend: Die Räuber. Sonntag: Die OuitzoS. Mon- tag: Walleniteilis Tod.(Ansang 7fl, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Wontag: Der Kauf- mann von Venedig. Dienstag: Viel Lärm um nichts. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: König Lear. Freitag: Viel Lärm um nichts. Sonnabend: König Lear. Sonnlag: Ein«ommernachtStrauin. Ansang 7fl, Uhr. Mon- tag: Der Kausmami von Venedig.(Ansang 8 Ubr) Kammerspicle. Sonntag: Die Pariserin. Montag: Wetterleuchten. Dienstag: Die Pariserin. Mittwoch: Wetterleuchten. Donnerstag: Die Pariserin. Freitag: Freiheit. iAnfang Tl, Uhr.) Sonnabend: Wetterleuchten. Sonntag: Freiheit. Montag: Die Pariserin.(Ansang 8 Uhr.) Lesstng-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Proiessor Bernhard!. Abends: Pygmalion. Montag: Wozzek. Leonce und Lena.(Anfang 7-/, Uhr.) Di-nStag: Peer Gynt.(Ans. 7'/, Uhr.) Mittwochnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörstcr. Abends: Pygmalion. Donnerstag: Peer Gynt. (Ansang TU Uhr.) Freitag: Pygmalion. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Erbjörster. Abends: Simson.(Anfang 7'/, Uhr.) Sonntag und Mon- tag: Simson.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Große Ropnen. Allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.).___ Theater in der Königgräber Strafte. Sonntag: Konig Richard III. Montag: Die süns Franksurter.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: König Richard III. Mittwoch: Di- Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag und Freitag: König Richard III. Sonnabend: Die Kronbraut.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag: König Richard III. Montag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 7'/, Uhr. Deutsches Künstler- Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der Biberpelz. Abends: Der Bogen des Odvsseus. Montag: Schirin und Gertraude.(Ansang 8 Ubr.) Dienstag: Der Bogen des Odsseus. MEt- wochnachmittag: Peterchcns Mondsahrt. Abends und Donnerstag: Der Bogen deS OdysseuS. Freitag: Schirm und«ertraude.(Ansang L Uhr.) Sonnabendnachmiltag: PetcrchcnZ Mondsahrt. Abends und Sonntag: Der Bogen des OdysseuS. Montag: Schirin und Gertraude.(Ans. 3 Uhr.) Ansang VI* Uhr. Komödienhaus. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich: Hinter Mauern.(Ansang 3 Uhr.) Deutsches Schauspielbaus. Sonntagnachmtttag 3'/, Uhr: Tie heitere Residenz. Allabendlich: Wer zuletzt lacht.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernbaus. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Figaros Hoch- zeit. Abends: Parsifal.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Manon Lescaut. Dienstag: Parsifal.(Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: Undine. Donnerstag: Parsifal.«Ansang 7 Uhr.) Freitag: Mandragola. Sonnabend und Sonn. tag: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Mandragola.(Ansang 8 Uhr.) Lustivielbaus. Sonniagnachmittag 3'/« Uhr: 777:19. Allabendlich: Die spanische Fliege.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonniagnachmittag 8'/. Uhr: Grafin Fig. Allabendlich: Polenblut.(Ansang 3 Uhr.) Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: DaS tapfere Schneiderlcin.,„. Thalia- Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzessm.(Anfang 3 Uhr.) Restdcnz-THcater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- kontrolleur. Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Ans. 3 Uhr.) Trianon-Tbeater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Untreu. Die Bnes- tasche. Allabendlich: Anatoles Hochzeit.(Ans. 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonutagnachmtttag 3'U Uhr: Angele. Die Lore. Allabendlich: Jcttchen Gebert.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendnachmtttag: Kammerkunstsp iele. Schiller-Tdeater«. Sonntagnat-mittag 3 Uhr: Geschäft Ist Geschäst. WendS: MeherS. Montag: Weh' dem. der lügt. Dienstag: Was ihr wollt. Mittwoch: Weh' dem. der lllzt. Donnerstag: MeherS. Freitag: Was ihr wollt. Sonnabend und Sonntag: Weh' dem. der lügt. Montag: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlotteuburg. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hoser. Abends: Web' dem, der lügt. Montag: Was ihr wollt. Dienstag: Die Jungfrau von Orleans. Mittwoch: MeherS. Donnerstag: und Freitag: Weh' dem, der lügt. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Götz von Berlichingen. Abends und Sonntag: Meyers. Montag: Weh' dem, der lügt.(Ansang 8 Uhr.),..._ Nricdrich.WilhrlmstädtischeS Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Di- Haubenlerche. Allabendlich: Die ftinokönigin.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolkstheater.(Neue Freie Vollsbühne.) SonntagnachmUtag 3 Uhr: Michael Krämer. Abends: Der Kaiserjäger. Montag. Mittwoch, Freitag: Der Gras von CharolaiS. Sonnabend, Sonntag und Montag: Michael Kramer.(Ansang 8-/, Uhr.) Wnlballa-Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Hamlet. lich: Tangofieber, ftlnfang 3-/,Uhr.) Montis Operetten. Theater,.sonniagnachmittag 3 Uhr: Die Fieder- maus. Allabendlich: Die verbotene Stadt.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Tbcarer. Allabendlich: Der Schllrzenzäger.(Ansang 8 Uhr.) Sonniagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Tbeaier am Nolle ndorkvia«. Sonntagnachmtttag 8 Uhr: Die schöne Helena. Sonntag bis Dienstag: Freddy und Teddy. Mittwoch (Ans. 7'/j Uhr) bis Montag: Prinzeß Gretel.(Ansang 8 Uhr.) Urania.Tlieater. Sonntag: Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Montag: Mit dem Imperator nach New Jork. Dienstag: Ueber die Physik der Sonne. Mittwoch: Deutsche Ausgrabungen in Aegypten. Donnerstag: Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Freitag: Mit dem Imperator nach New Jork. Sonnabend: Mit Ballon und Flugzeug über Berg und Tal. Sonntag: Mit dem Smperator»ach New Jork. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Allabendlich: Deines Bruders Weib.(Ansang S1/, Uhr.) Kasino-Theater. Sonniagnachmittag 4 Ubr: Geheimnisse von New Norf. Allabendlich: Die olle Webern.(Ansang 8 Uhr.) Polles Gaprtce. Allabendlich: Der Kuckuck. Manöverschwindel. Die Saniuels.(Ansang 81/, Uhr.) Apollo. Sonlitagliachm. 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hartstein, der Stolz der dritten Kompagnie.(Ans. 8 Uhr.) � Metropol. Sovnlagnachuiittag 3 Uhr:'s Nullerl. Mabendlich: Die Reise um die Erde in 40 Tage».(Ansang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonnwgnachmtttag 3 Uhr und allabendlich: Spezuul- täten.(Ansang 3 Uhr.)_ Rctchslmllen-Tbeater. Sonniagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Stetttner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7fl, Uhr.) Gebr. Herrnseld-Theater. Allabendlich: Was sagen Sie ,u Lewuich 7(Ansang 8 Uhr.)... Zirkus Busch. Sonntagnachmiitag 3fl, Uhr und allabendlich?>/, Uhr: Galavorstellung.....„..... Zirkus Schumann. Sonniagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich Tl, Uhr: Galavorstellung. Admiralspalast. EiSballett: Die lustige Puppe.(Ansang 8llt Uhr.) Berliner Eispalast. Eissport.(Ansang 9 Uhr.) Eines Palast am Zoo. Variets-Lichtsviele. Täglich: V Uhr. CtueS Nollendorf-Theatrr. Varietö-Lichtsplele. Täglich: 6'/, und S Uhr._ Allabend» Jugendveranstaltuuge«» Lankwitz. Heule Sonntnagnachittag Besuch des SchillerthealerS Ehar- lottenburg:„Andreas Hoser" Treff V,2 Uhr Bahnhof Lankwitz. Abends >/,7 Uhr, Unterhaltung bei Schulz, Kursürstenstr. 37._ II Sn0i*O3- fkrUner 3ischler~ u Wir liefern direkt an Private als Spezialität 9ipe Ein-, Zwei- 1 Diei-Zimwi-EiDipen in erstklassiger AnsfUbrung zu konkurrenzlos billigen Proisen. Schlafzimmer: Wl. 219. 287, 377, 465, 581, 695, 898. 1061 d» 2500 Wohnzimmer: M. 291,334,469, 5506:31800 i Herrenzimmer: 1*1.209,358,485,626613 2600 Speisezimmer; M. 296. 333, 440, 61 9 bis 3000 I Neuzeitl. 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Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. Zaliisteile Berlin. Sektion der Zigarrenarbeiter. Montag, den 10. Januar, abeuds SVs Uhr, im Rosen- thaler Hof, Roscnthaler Str. 11/13: SS Sektions-Versammlnng � Tagesordnung: 1. Bericht der SektionSIeitung mit freier Aussprache. 2. Wahl der Sektionsleitung. 3. Verschiedenes. 187/1 Kollegen und Kolleginnen! Erscheint zu dieser Versammlung vollzählig! Die Sektionsleitung. Alldem. Ortskrankenkasse für Zehlendorf und Uniglgend. Sekanntmaekung. Seitens der stimmberechtigten Arbeftgcber, die 10 Vertreter zu wählen haben, ist nur ein Wahlvorlchlag in der zulässigen Frist, wie bereits bekannt. gegeben, eingereicht worden. ES gellen gemäü K 9 der Wahlordiuing. die aus diesem Wahlvm schlage bezeichneten Personen ohne weiteres als gewählte Vertreter bezw. als Ersatzmänner. Nachstehend wird hiermit der Wahlvorschlag verösscntlicht: Vertreter: K. Tischlermeister Max Buchfink. 7. Schlossermeister Gustav Fiebig. 8. Buchdruckereibesitzcr Alb. Fischer. 1. Bürgermeister Dr. Hugo Köster. 2. Professor Dr. Maz Laehr. 3. Prokurist Woilner. 4. Bäckermeister Wilh. Schwertfeger. 5. Architekt Theodor Bastian. 1. Bürgermeister Reinsch. 2. Rechtsanwalt Absbagen. 8. Direktor Bock. 4. Bäckermeister Willi Reinicke. 5. Mollereibesitzer Otto Spiegel. 6. Malermeister Gottlob MDhling. 7. Kleinpnermeistcr Albert Troschko. 8. Installateur Felix Rüfter. 9. Tapezlerennetster Johann Kalter. 10. Bahnspcditcur August Riemann. 9. Kaufmann Willi Lehmann. 10.„ Fritz Paske. Ersatzmänner: 11. Direktor«ax Jaehn. 12. Bauingenieur Max Klezien. 13. Schneidermeister Otto Förster. 14. Bäckermeister Gottfr. Schirwinskl. 15. Bez.- Schornsteinsegeruieister Karl Gleinig. 16. Kohlenhändler Adolf Schnabel. 17. Malermeister Fritz Stapf. 18. Fuhrherr Karl Kopetzki. 19. Kausmann Karl Schön. 20. Sachbccktrmfti-.Heinr.Stellmacher. Ferner wird hierdurch bekanntgegeben, daß von den stimmberechtigten Arbeitnehmern 685 gültige Stimmen abgegeben worden sind. Von diesen entfielen aus Wahlvorschlag 1 379, aus Wahlvorschlag II 306 Stimmen. Räch dem Verhältnis der Stimmzablcn entsallen aus die Wahworschläge: Lifte l 11 und Liste II 9 Vertreter zum Ausschuß. ES sind gewählt worden: Vertreter: Vom Wahlvorschlag H: 12. Feuerwehrmann Oskar Sasse. 13. Gärtner Wilhelm Henning. 14. Maschinist Gustav Böhnke. 13. Obergärtner Hermann Kühl. 16. Lagerverwalter Aug. Schlottmann. 17. Dorarbctter Paul Freidank. 18.„ Heinrich Lehmann. 19. Schuldiener Richard Scherlitz, 20. Vorarbeiter Reinhold Heldier. Ersatzmänner: Dom Wahlvorschlag I: Vom Wahlvorschlag I: 1. Tischler Otto Fohihorg. 2. Geschästssührer Johann Krekeler. 3. Maschinist Rudolf Fenzau. 4.„ Friedrich Dahlemana. 5., Paul Franzke. 6. Lagerhalter August Stuhr. 7. Kutscher Karl Möller. 8. Portier Hermann Boback. 9. Tischler Karl Wurst. 10. Arbeiter Max Damerow. 11., Ernst Gutjahr. L Arbeiter Gustav Weise, 2. Gärtner Friede. Stahl. 3., Ernst Danker. 4. Maurer Otto König. 5. Arbeiter Joh. Hübscher. 6. Tischler Wilhelm Richter. 7. Bicrjahrcr Georg Mielke. 8. Tischler Albert Brüning. 9. Elisabeth Müller. 10. Maschmist Herrn. Oembowski. 11. Klempner Willi Hülscher. Vom Wahlvorschlag II 12. Tischler Andreas Trautmann. 13. Heizer Otto Ebel. 14. Arbeiter Wilhelm Berger. 13. Tischler Ernst Neumann. 16. Auswärterin Anna Lorenz. 17. Kutscher Friedrich Eisenblätter. 18. Arbeiter Friedrich Fehlauer. 19. Alaschinist Max Henker. Karl Naschke. Wilhelm Petzold. Willi Richter. 23. Gärtner Gustav Britall. 24. Vorarbeiter Gustav Schröder. 23. Gärtner Wilhelm Weber. 26. Vorarbeiter Hermann Kobel. 27. Arbeiter Paul Krüger. 28., August Schmiedecke. 29.„ Emil Bartels. 30. Tischler Ernst Köbke. 31.„ Ernst Sommer. Die Gültigkeit der Wahl kann 32. Arbeiter Julius Henicke. 33.„ Robert Müßigbrodt. 34. Gcmeindediencr Karl Doelerth. 35. Arbester Hermann Lieteldt. 38. Maurer Albert Littmann. 37. Gärtner Heinr. Harnath. 38. Arbeiter Hermann Sange. 39. Gärtner Gustav Ostborg. 40. Arbeiter Wilhelm Wolf. innerhalb zwei Wochen nach dieser B«< kanntinachmrg'angesochten werden. Ansechtungcn sind bei dem Vorstande oder bei dem Verjicherungscunt deS Kreises Teltow anzubringen. Das vcrsicherungsamt entscheidet. 267/12 Zehlendors, den 16. Januar 1914. Der Borstand: F. Sc-hwcliaer. Mltglieder-Versllmmluug der Sterbe- und Krank euunter- stnhnngs-Kasse Nr. 55 zu Berti» amDicnStag.dcn ST.Januar 1914, abends S1!, Uhr, im Kassenlokal, Linicnstr. 8. Tagesordnung: 1. Rechenschastsbericht der Ncbi- soren. 2. Wahl eines Vorstehers und eines Stelloertreters. 3. Wahl eines Revisors und eines Stellvertreters. 4. Verschiedenes. 599b Der Vorstand. eßruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin st, Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Iiieforant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Kranken-, Sterbe- und Zu- schußkasse für männliche Pechnen aller Kernft Grotz-Berlin. Dienstag, den 17. Februar 1914, abends 8 Uhr, Große Hamburger Straße 18/19: Mitglieder- Versammiung. Tagesordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Bericht der Schiedskommission. 3. a) Wahl von zwei Ausschuß- mstgliedern, b) der Krankcnkontrolleurc. 4. Verschiedenes. 281/16 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorsitzende O. Oeorgelowltz. IraDkeDüöterstitziiDgs- unil Be- IFlliBisverein oewerliL Meiter zu Berlin. Sonnabend, den 24. Januar 1914; General- Yersammlung im„Dresdener Gesellschaftshaus", Dresdener Str. 116. 281/17 Tagesordnung: 1. Vortrag des Zahnarztes Herrn Dr. Freund. 2. Rechnungslegung pro 1913. 3. Verschiedenes. Einen recht regen Besuch erwartet Her Torstand. I.A.: Friedrich Freudenreich, Britz, H annemann str. 35._ Zentral-Kranken-«.Sterbe- Kasse d.KanarbeiterDeuWl. „Grundsttill zur EmigkeU" Bezirk II Sonntag, den 25. Januar, vormittags 10 Uhr, im Lokale von isiedmldt, Lhchencr Straße 3: Mgliederversammlnng Tagesordnung: Abrechnung vom IV. Quartal. Neuwahl der örtlichen Verwaltung. Kassenangelcgenhciten. Verschiedenes. 151/1 Die örtliche Berwaltung. I. Serfltng. VöMSltungLStöllö BGiiin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Dienstag» den SV. Januar, abends 6 Uhr: Sranehen-Versammlnng der Metall-, Fasson- und Revolver- dreher sowie Dreherinnen im Gcwcrkschaftshause. Engeluscr 15(Saal Ul). Tagesordnung: 1. Vortrag mit Lichtbildeln:.Die Baugenosseuschaften und ihre Zieles. 2. Diskussion. 3. Branchcnangclcgcnheiten. 110/20. Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen zu dem Vortrag mitzubringen. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtsvcrwaUung. Soeben erschienen: Eines Arbeiters Weltreise. Von Frist Kummer. DaS Buch kostet gebunden in sehr guter Ausführung für Mit- g I i c d c r 3 M. Zu haben in unserem Bureau: Linienstr. 83/85 11 in der Bibliothek. Qeutseher Händlerverband Vorwaltnnesstclle Berlin. NM- Sonntag, den SS. Januar 1914, nachmittags 2 Uhr,"VN im Gewerkschaftshause, Saat 3: Jahres-Generalversammlung. Tagesordnung: 2. Beratung der Anträge. 8. Neuwahl 586b t. Bericht des Vorstandes. der Ortsverwallung. Mitgliedskarte legitimiert; ohne dieselbe kein Eintritt. Tie monatliche» Bczirksversammlungeu finden statt sstr: Bezirk Borden I Mittwoch, den 21. Januar, bei Böhm, Liesenstr. 12. „ Norden II Mittwoch, den 21. Januar, bei Petsch. Pappel-Allee 80. „ Osten Donnerstag, den 22. Jan., bei Kirsch, Petersburger Str. 80. Südost Montag, den 19. Januar, bei Ende, Luisen-User 2t. Südwest Donnerstag, den 22. Jan., bei Habig, Hagelberger Str. 55. , Moabit Sonntag, den 18. Januar, bei Schröder, Stromstr. 36. „ Zentrum Donnerstag. 22. Jan., bei Göttling, Prenzlauer Str. 29. . Lichtenberg Donnerstag, 22. Jan., b. Knüppel, Neue Bahnhosstr. 20. , Neukölln Dienstag, 20. Jan., bei Richter. Prinz-Handjery-Str. 3. , Schöneberg Sonntag, den 18. Januar, bei Händel, Borbergstr. 9. Da die vorliegenden Anträge, welche in den Bezirksversammlungen einer Vorbesprechung unterzogen werden sollen, sür jedes Mitglied von größter Bedeutung sind, wird um zahlreichen Und pünktlichen Besuch sowohl der Bezirls- als auch der Generalversammiung dringend ersucht. Die Ortsverwaltunz. Wir empfehlen jedem Zeitungsleser zur Anschaffung: cieblinechts Dolhsfremdworterbucb Dreizehnte Huflage. Neu bearbeitet, berichtigt und vcimiehrt unter Berücksichtigung der Rechtschreibung nach dem vereinbarten amtlichen Rcgclbuch. preis in Oeinwand gebunden sparst 3,20. iorwärts, 248/13* Zu beziehen durch die Buchhandlung Bor Berlin SW 68, Lindenstraste 69(Laben). Vcrwaltunjj Berlin Hartgummibranche. Dienstag, de» 39. Januar 1914. abends 6 Uhr, iu Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. ll/lü: ß rauschen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Konserenz der Hartgummidrechsler, 2, Verband und Branchcnangelegenheiten. Kistenmacher. DienStag, 29. Januar, abends 8 Uhr, bei Boeker, Webcrstr. 1?» Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Wahl der Delegierten und der Kommission. 3. Branchcnangelegenheiten. EftF" Die Kollegen der Firma Stolz sind zu dieser Bersammlui! besonders eingeladen. ——— Mitgliedsbuch legitimiert:——— Möbelpolierer. Montag, 19. Januar(gleich nach Feierabend), in den Andreas- Sälen, Zlndreasftraste 31: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Stadtverordneten Genossen Ritter über: Branhen- versicherung. 2. Bericht der Kommission. 3. Wahl der Branchenleitunz. Küchenmöbeltischler. Montag, den 19. Januar, abends 9 Uhr, im Englischen Garten, Alerauderftraste 37e: Branchen» Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht.— 2. Neuwahl der Sranchenkommissio»,—- 3. Branchenangelegenheiten. 81/20 Die Ortsvcrwaltang. Verband der Haler, Saekterer, Anstreieher ete. KUchenmoelbpanche. Montag, den 19. Januar, abends 8 Uhr: Sranchen Versammlung in den Mnsiker-Sälen, Kaiser-Wilhelm-Str. S1. Tagesordnung: I. Die ReichsverfichernngSordnung: „Krankenkastengesetz." Referent: Arbeiterfekretär Eugen Brückner. 2. Dislussion. 3. Brauchrnangelegenheiten. Der Wichtigkeit des Referats wegen wäre es sehr augebracht, wen» alle Kollegen ihre Frauen mitbringen würden, da vom 1. 1 a n u a r 1911 alle werktätigen Frauen unter diesem neuen Gesetz stehen. Um pünktliches nnd TOIlBllhllges Erscheinen ersucht 136/12 Die Branchenleitnng. f erband der Sehneider. Filiale Berlin. T-lepH.: Amt Mortstpl. 97Z7'. Arbeitsnachweis: Joftyftr. 7. Deleph.: Amt Königstadt 9734. Montag, den 19. Januar, abends 8'/. Uhr. bei Siegel, Grytze Frankfurter Str. 30: SV" Versammlung; im der bei der Firma Peek n. Clopptnbnrg beschäftigten heim-»nd Merkstattarbeiter. Tagesordnung: Tie Miststimmung nnier den Kollegen, Ursache nnd Wirkung derselben. Referent: Kollege Kunze. BollzähligeS Erscheine» erwartet 162/6 Dl« Kommission. Deutscher Tabakarbeiter-Verband Sektion der Zigarettenindustrie. Freitaq, den 23. Januar, abends 8'/z Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/13: 187/2- Sektions-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der SeltionZleilung. Diskussion. 2. Wahl der Sektion-- leiimig. 3. Wahl einer Slgitatioiislonlmission. 4. Verschiedenes. rajffflP" Die Kolleginnen und Kollegen tverden ersucht, zu zWiM dieser Versammlung vollzählig zu erscheinen. Die �elttionsleitanjr. Kmvn- ii. Zlttbclltissk drr imtatbritre in Ktlliv.(Znschustkaffe.) Sountag, den 15. Februar 1914, vorm. 19 Nhr, bei W i l?e, Sebastianstr. 39: KsnvDsIvvlfssmmluBg Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung. Vorstands- und ZUisichußbericht. 2. Beschlußsassung über Llushebung eventuell Zusammenlegmig der Kassiererstellen. 38/1" 3. Beschlußfassung über die Besoldung der Milglieder nach g 19 der Satzung. 4. Ergä gänzungsioahl: a) des Vorstandes nach g 19 der Satzung; b) Wahl de« AuffichtSratS nach g 17 der Satzung. - Die Versammlung wird pünklich eröffnet.' Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. In dieser Woche der Hauptzeit für den Einkauf von Wäsche- Ausstattungen, gelangen nach bewährten Erfahrungen zusammengestellte 9 Braut-Ausstattungen zur Auslage MusterstQcke von feiner Damenwäsche Garnituren Spitzen-i Stickereiröcke Prinzeßröcke Morgenröcke Batist-Morgenjacken Kämm-Mäntel Fallt« Tischwäsche und Prunkdecken für Gesellschaftszwecke || Auf Wunsch erfolgt Zusen- M Z dang der Braut- Ansttallangs- Z Preisliste Nr. 43 G. KM»MVWIII1IWI!MS Lelbwlsche...... M. 480.- Tischwäsche...... M. 186.- Haus-D.Küchenwäsche M. 134. Betten und Bettwäsche M. 615.- m.1435.- Leibwäsche...... M. 1100.- Tlschwäsche...... M. 530.- Hant-n.Kflchenwäsche M. 305.- Betteo und Bettwäsche M. 1 140- M. 3075.- Lelbwätche. Tischwäsche. Haas-n Küchenwäsche M. 600. Betten und Bettwäsche M. 2532. .. M. 2508.- .. M. 1240.- M.6880.- Leibwäsche...... M. 670.- Tischwäsche...... M. 263. Hans-u.Küchenwäsche M. 196. Betten nnd Bettwäsche M. 841. «1970.- Leibwäsche......«.1365.- Tischwäsche......«. 751. Haus-n.Kfichenwäsche M. 297.- Betten und Bettwäsche«. 1537.- «3930.- Leibwäsche......«. 3605.- Tischwäsche..,...«. 2120.- Haus u-Küchenwäsche«. 730.- Betten nnd Bettwäsche M. 3365.- «9320.- Leibwäsche......«. 858.- Tischwäsche......«. 412. Haus-n Küchenwäschc M. 246. Betten und Bettwäsche«. 1009.- «. 2525.— Leibwäsche......«. 2048.- Tischwäscbe...... M. 970.- Haus u Küchenwäsche«. 455.- Betten und Bettwäsche«. 2092.- «. 5565.— Leibwäsche......«. 4872.- Tischwäsche......«. 3036.- Haas-u. 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Tie juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres von 7—9 Uhr abends statt. Sonnabends Sprechstunde von-iVz— 6 Uhr nachmittags. W. Zt. Ivo. 1. Ohne wichtigen Grund nicht. 2. Nur, sosern das Mädchen sich etwas hat zuschulden kommen lassen. 3. Das hängt von den Umständen des Falles ab. 4. Eine Klage, der ein Sühneversahrcn bei der Polizei vorausgehen mutz, ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk die .verrschast wohnt, geltend zu machen.— Th. H. 2S. 1. Ja. 2. Die Ver- saumniskosten müssen von der unterliegenden Partei erstattet werden. 3. Der Vertrag kann auch privatschriftlich gemacht werden. Es sind dabei jedoch besondere Erfordernisse nötig, die zu beachten sind. Beim Anwalt oder Notar würden für die Vertragsanfertigung etwa 8 M. Kosten entstehen. i. ReichstagSabgeordncter Ewald, Schönleinstr. ß.— R. D. Pankow. Ja. Ihre Anfrage lätzt bestimmt erkennen, ob Verjährung vorliegt.— Zt. L. 7. Unseres Erachtens können irgendwelche ernstere Folgen im Weigerungssalle nicht entstehen. Sic könnten schlimmslensalls verklagt werden.— A. L. 87. Urkundensälschung liegt nicht vor.— Tt. R. 1. Sie müssen de» Ausgang des Prozesses abwarten.— Zt. K. 85. Die Zinsen rechnen zum steuerpflichtigen Einkommen.— R. 159. 1. Für die verstrichene Zeit nicht. 2. Nein. 3. Ja. in 2 Jahren.— H.®. IVO. Auf Ratenzahlungen einzugehen, ist der Gläubiger nicht verpflichtet. Von den genannten Sachen würde nur das Vertiko psändbar sein.— N. 777. R. N. 1. bis b. Beantragen Sie bei dem Nachlatzgericht, das ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihr Vater verstorben ist, die Vermittelung der Auseinandersetzung. Zur Zluskunstscrteiluug ist die Sparkasse, so lange Sie nicht im Besitz eines Erbscheines sind, nicht verpflichtet.— W. W. 909. 1. Ja. 2. und 3. Nein. — ffi. R. 66. Die Angaben reichen zur Beantwortung Ihrer Frage nicht aus- Kommen Sie eventuell in die Sprechstunde.— Ä. W. VI. V. Ueber die Tauglichkeit bat lediglich der Militärarzt zu entscheiden. Zweckmäßig j dürste es sein, sich vor dem Musterungstermin noch ein Attest der König!. j Universitäts-Klinik zu besorgen.— R. Waldow B. N. W. 87. t. und 2. Die Witwe hat, sofern sie im Sinne des Gesetzes invalide ist, Anspruch aus Witwenrente. Der Antrag ist an das Verficherungsamt, Am Köllnischen Park 3, zu richten. Mit der Wiederocrhciratung fällt die Rente fort.— Trennmig. 1. und 2. Nein. Es würde Verzeihung angenommen werden. — A. R. 6v. Sie können die Versicherung aufrechterhalten, sosern Sic 20 Marken einer beliebigen Lohnklasse kleben und die Karte alsdann spätestens innerhalb zwei Jahre vom Ausstellungstage an umtauschen.— T. L. 10. Haben Sie berechtigten Grund zum Getrenntleben, so kann Ihr Ehemann die Sachen nicht herausoerlangen. An monatlicher Alimente für Sie und die beiden Kinder hätte Ihr Ehemann etwa 100 M. zu zahlen.— A. G. 5L. Ein Rechtsanspruch besteht aus Auszahlung nicht. - Erbschaftssteuer. Nein.— Bülth. Ja.— K.®. LI. Ohne Einsichtnahme in das Kassenslatut nicht zu beantworten.— G. W. IVO. 1. und 2. Nein. 3. Es kann nur Armenunterstützung beantragt Iverden. — I. T. 37. 1. und 2. Die Kosten des gegnerischen Anwalts mutz Ihre Schwester bezahlen. Die Köllen ihres eigenen Anwalts nur, soseni die Voraussetzungen, die zur Zeit der Bewilligung deS Armcnrechts bestanden, nicht mehr vorliegen. 3. Der Ehemann ist zur Zahlung des Kostcnvor- schusses verpflichtet.— O. G. 17. Die Auskunsterteilung hierüber mvssen wir ablebncn.— G. Z. 33. Das dürste kaum als Betriebsunfall gelten. Wenden Sie sich an das Arbeitersekretariat.— W. L. 22. Wir können zu einer Klage nicht raten.— K. F. 444. 1. bis 3. In zehn Jahren. Das Strafmatz liegt im Ermessen des Gerichts. 4. Für die Zeit der Unter- stützungsbedürstigkeit der Mutter.— E. G. 99. 1. War der jetzige Zustand schon vor dem letzten Kündigungstermin vorhanden, so sind Sie zur so- jortigen Vertragslösung nicht berechtigt. 2. und 3. Nein.— R. 110. Es bleibt nur ein Gesuch um Beschleunigung bei der Landcsversicherungsanslall übrig. — I. G. 2V. Nein.— W. M., Wilhelmshagen. Ist bereits verjährt. Marktpreise von Berlin am 16. Januar 1914. nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais snuxed), gute Sorte 16.90—17,00. Donau 16,00—16,30. MaiS(runder), gute Sorte 14,90—15,30. Richtstroh 4.80- 5,00. Heu 6,60—8,00. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00-50,00. Sveisebohnen. wcitzc 35,00—60,00. Linsen 38,00—80,00. Kartoffeln(Kleinbdl.) 4,00—'7,00, 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1.°0— 2,40. Butter 2,40—8,00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 KUogramm Karpfen 1,20—2,40. Aale 1,60-3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40-3,00. Barsche 1,20—2,40. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.60. 60 Stück Krebse 3,00—24,00. WasierftandS-Nachrichte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureao ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpcgel.—•) EiSstand.— 4) Oberhalb der Stadt Eisstand.—') Treibeis.—•) Starkes ErundetZ« treiben.—') Grundeistreiben. ©I®I©I© Unser bekannter, alljährüch nur einmal stattfindender bietet eine ganz besonders Günstise Gelegenheit zu enorm billigen Einkäufen Für Bmütci-'SS'Dttiin�n. Hembentuch sd cm breit...... Stück von 20 Meter 6 40 Louisianatuch 80 cm breit..... stuck reo 20 Meter?.00 Fertige Bettbezüge Dccubcttu. 2 Ktsa.. fertig ernsiit 2 95 Damast-Bezüge Deckbett u. 2 Kiascn, fertig genäht 5 25 Fertige Beltinlette rot oder roaarot gestreift..... 2 95 Fertige Bettlaken ohne Hebt.............. 98pf. 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IOSEsTHEATE 1 Trotze Frankfurter Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: Maria 8tnari. KcendS 8 Uhr: Der Schürzenjäger. Montag: Der Schflrzen jager. 1 Polles Caprice. Anfang präzise •'/.Ohr Der Kackack. HanOrerach windet. URANIA TaubenstraBe 48/49. Sonntag 8 Uhr: Mit Ballon nnd Flngmeag über Berg and Tal. Montag 8 Uhr: Mit d.„Imperator" nach New York. Hörsaal 8 Uhr: Dr. H. Elias: Technik der Luftfahrzeuge. ZOOLOG ischer Garten Täglich ab 4 Uhr: Großes Konzert. Eintrittspreise turnte: ZOO: Aquarium: 6« Pf. SV Pf. Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Sleu!\'eu! AQUARIUM 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Der nnersftttllcho Halbstündlich eine Mahlzeit lebender Fische und Frösche. Cols Experimente: Aus dem Jenseits g9°* l ebend S'THB Ohne Extra-Gntree. Metropol-Theater. »<*91»s Niillepl, Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. 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Arbeiter- kildunzssctiule. Heute Sonntag, den 18. Januar 1914; 23. Stiftungs-Fest in Obiglos Festsälen, Koppenstraße 29. Hans SachssAbend unter Mitwirkung erster Künstler. Vortrag des Reichstagsabgeordn. Ednard Bernstein: „Hans Sachs und seine Zelt." Lieder zur Laute: Dr. Heinz Schall-Caspary. Rezitationen: Hans Werder(Deutsches Theater). Zur Anfführong gelangen: 6/1* 1. Das helBe Eisen. I 8. Das bOse Weib(mit Worten, 2. Der tote Hann.| Kräutern n. Steinen gntzramaohen) In Szene geeetat von Prlta Witte- Wild. Eröflnung S Uhr. Beginn 7 Uhr. Nachdem; FßSt'Bslle BfDetts a SO Pf. sind in der Schule, Orenadierstr. 37, nnd in folgenden Geschäften zn haben: Gottfr. Schulz, am Kott- boserTor; Horsch, Engelofer 15; Beul, Bamimstr. 42; Vogel, Lortaingstr. 37; Kaczorcwski, Ravonestr. 6; Kuhring, Jahnstr. 1; Weihnacht, Grünstr. 21; Agthen, Koppenstr. 33. An der Kaste 75 Pf. FossssssiwrwriXKIKIIWIISHmM Verein für Frauen o, Mädchen der Arbeiterklasse Montag, den 19. Januar 1014, abends ViO Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97: Dortruz: Körptlkiilillr u. Kleiherrchrm. (W Dorföhlvog v. vrrbrssrrter Ober- u. Nlltkrkltidmlg.) Reserrnttn: Fräulein Gertrud BOse. —— Gäste, Damen und Herren, willkommen.— Sonntag, den 8. Jebruar 1914, i» den„Sophien-Sälen", Sophienstrafte 17—18: 15. dtlftungsfeft „Volkskunst und VolksgesanF aus alter und neuer Zeit". Mitwirbende,)VIarga Delvard mid JVIarc Renry. Bierauf: CT A tl Zs Hnfaag 6 Ohr. jP AP Gintrftt 50 Pf. — Kinder haben steinen Zutritt.===== Billette im Verein und in den bekannten Zablltellen zu basten. 52/3_ Per Vorstand. Deutscher Arbeiler-Wanderbund ==„Die Naturfreunde"= Ortsgruppe Berlin. Heute Sonntag, den 18. Januar 1914, im großen Saale des„Gewerkschaftshauses", Sngelufer IL: „Venn wir wandern!" Großer Lichtbilder-Bortrag mit 100 Bildern nach Originalansnahmen deS Vortragenden Genoffen Georg KrSmer. 1. Teil- Durch die Uckermark, s. T-a- Rögen. 3. Tell: In cier'Zuninackt. T l KT*7 dem Bortrage: T t KU/ 1 All A Herren, die am Tanz teilnehmen, zahle» LS Pf. nach I Einlah 6 Uhr Eintritt 30 Pf. Beginn 7 Uhr Brauerei Friedrichshain am Königstop. Sonnabend, den 24. Janaart Großes Original-Kostümfest jllt-Serlin in Gberbagem! Ein Ansflng Ins Gebirge zn Großvaters Zelten veranstaltet vom ftc M. d. A.-S.-B. Gau Berlin. „Hännerehor Ost' Anlang S'/j Uhr. Billett: Herren 75 Pf., Domen 50 Pt Zirkus Alb. Schumann. Heute Sonntag, den 18. Jan.; 2 p. Vorstellungen 2 nachm. 3 u. abends 71/, Uhr. In beiden Vorsteüungen Ungekürzte Aoffohrung des gr. Ausstattungsstückes in 7 Bild. »Tipp« der Derby-Favortt 1914. ßAiF Vorher Das groüs Sport-Programm. Zur NachmittaOTvorstell. hat jeder Erwachsene mr 1 Kind frei-l», unter 10 Jahren auf allen Casino'Theater Lolbringer Stratze 37. Täglich 8 Uhr. Sin neues Berliner Bclksslück: Die olle Webern. Ur-Berl. Figuren, Ur-Berl. Humor I Einziges Theater in diesem Genre I Im Stile der alten Wallner-Bühne. Sonnt. 411: Geheimnisse v New York. ODEON Vergnügungs- Palast mm- der 1 ü(KM) Potsdamer Str. 72 bSÄ Heute Bockbierfest. Eintritt Gr. Kabarett} 3 Kapellen. 8 Attraktionen. Jeder Erwachsene 1 Kind frei! Auf. 5 Uhr. Eintritt SO Pf. Alhambra Wallner-Tveater-Ttraste 15. Großer Sali. MrotzeS Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Jeden Sonntag: Concordla-FestfSle 64 AndreasstraEae 64 Jeden Sonntag: ÄHilitör- Streich-Konzert Hoflmanns Sünger Anfang 6 Uhr. oberen Saal von 5 Uhr ab: Crosser Ball= Hi- £lysliim Eandsberger Allee 40. Jeden Sonntag u. Donnerstag: f�Damenfreitanz�u Ansang i'l, Uhr.* Entree frei. Zirkus Busch. Heute Sonntag, den 18. Januar: i pße Gala-Mllimgeß 2 nachm. 31/, Uhr, abends 7�, Uhr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein angehör. Kind unter t0 Jahren aus allen Sitzplätze» frei. Jedes weitere Kind unter IVJohren zabtt die Hälfte aus den Sitzplätzen. In beiden Borstellungen: Austreten aller großen Attraktionen. Nachmittags zum l. Male: Pantomtmistische Burleske, dargenell! von sämtlichen TlownS. Zum Schiutz da» gr. entzückend« Iroilcs- 8chlitten- Ballett. (Sömtl Damen b. Corps de Ballet; Ferner nachmittags Auftreten der gr. chtues. Zauvertruppe. AbendS 7'/, llhr: V olgt- Theater Badstratze 28. Heute Sonntag, den 18. Januar: Nachmittags 3 Ubr: Der Trompeter von SäkklBgea. Abends 7 Uhr: M FriedeDsriehtepf.Bineühinij, Kaffeneröffnung 10 Uhr. voran ir: Monlag, 19. Jan.: Benefiz Herne. Bach. D. Bajazzo u. seineFamilie A.llmlralspala8t. Ein- Apen». Beute 3 V»p»tellungen nachm. 1l/i Uhr, abends 1I,S Uhr: Vis lustige fuppe« Grolles Ballett au< dem Eise. Nachmittag nnd von 10*/, Uhr ab hmlbe Kassenpreise. f 6ennaniä- Prachtsäle\ N., Chausseestr.llO. KarlRichter.l Beute" Sonntag: PanlMaotheys! iDStige Sänger[ Anfang 6l/j Uhr. Nachdem: Familien- Kränzchen.{ Im weißen Saale von 5 Uhr ab GroUer Ball. Morgen Montag: Hoffmanns Sänger. Volkstheater Neukölln. Hermann strotze 20. Heute Sonntag, abends 8 Uhr: Der Frcmdenleglonäp. Schaosp. in 4 Akt. von Ad. Stetnman». Montag, 8'l4 Uhr; Das Schloß am Heer. Schansp. In 5 Akt. von OSIar Walther. £„Clou" i— Maufiratraßfi 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus Maoerstrate 82.— ZlmmcrstraBe 90/91. Oroße� Triple-Konzert! Muetkkorps Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Regts. Olrig Obarm. A. Becker. Musikkorps des I. Garde-Dragoner-Regimenta. Dirig.: Oberm. Baarz nnd Tegernseer und Zillerthaler Musikanten, Dirig. Hans Starp. Anfang'/,4 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang'l, 4 Uhr. Morgen: Oroße.8 l>oppel-fi.oiizert! Anfang 8 Ubr. Srauerei Triedrichshain Vereinigte Berliner Volksbühnen. Enlscn-Thcater.| Walhalla-Theater. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbesttzer. Nachm. 3 Uhr: Bamlet. Tägl. 8'/, Uhr: Deines Bruders Weib. Täglich 8»/. Uhr: Dangofieder. Schausp. in 6 Lild. u. 1 Vcrsp.| Gr. Posse m. Ges. u. Tanz in 3 Akten. 99»! i Täglich außer Sonnabends: Das stimmnngs vollste Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs n. Donnerstags: Elite-Tag. Neue Welt. 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Heft 6 t t Wer von Conrad Haenisch. vret» 40 Ein gewissenhasler Mensch wart«!.Ilchi, bis et sich ein« ttrankhell zugezogen dat. oder löbt ein« solche nicht«rtt einwurzeln, fonb-m beugt well« cor, inbcm tr von stell» steil ein« grftnblich» Aluittii tgung oomtmmi. denn gesunde« Blut Ist bt« Scunblag« der Bebenttruh. schlechte« Blut bagegen da« Stuu. ibcl oteler Rronlbeltcn, Bin allerprobte«, vollkommen nolllriiche« und durch leln» duhe WlrlungSlrasi rühmllchst delonnle«, wttlllche« Blulverdeste- rungtmstlel zur Aussrlschnng deS«wie« und Uöutcrung der Söst» Ist reinigt das Blnf S'S Slostwechsel anregenden und ablelienbi»»igenschasten dle FÜdlgk-h. dle Un> I relnigleilen ausscheidende iMerenlüllglei! zu beschleunigen und aus den uanzen I Menschen erlelchlernd, gleichsam erneuernd«inzuwlilen, Diesel wahr« und I reelle NalurmIUei kann de! allen»aaf S vollem Berttauen genommen Id»n unreinem Blute derrllh. III II werden und dal schon vielen I renden SesiinddellSstdrungen asee» Tausenden geholien. wie durch I glänzend« Helleisdlg« und de« Lobet volle Danksagungen glauddast I erwiesen Ist. Man versliche e» aber selbst einmal am eigenen Leide und I wird den llderans wodlläliaen»instub auf dle inneren Organ« bald wadr» j i>«dinen.«tut Stund seiner Bleien guten Eig.nichastcn oerordnen«erzie auch Reichels Wacholderexlratt I der garaniien rem und Irisch In den echten Orlgwal-stlldungen k M 1.50, |«.50 und kdt längeren Sedrauch große Blechlanne ilehr vorteildasll M 0.-, Im den meisten Drogerien w. erhälliich ist. aber nur echi mit Mart» .Medieo'. wo nicht oorrälig. wende man stq an den alleinigen Hersteller Ott» Sleich« l,«erlin«8. Eliendadnstr. 4.»ml MoUtzpl. 4781— ä8. { stnrvermeidnng v.Nach ihsnun. und stttma, die allein stir Schi» gen acht« man schars ans Mark« »ett und vollen Srsdlg bürgt. Achwng, Vereine! Saal noch einige Tage srei l lZeorg Eelsmauü l�ulsenstsclt-Lsslno vr»itlet»»tr. ISO. 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Januar, nach» mittag» 8 Nbr, von der Halle deSSmmauS-KtrchhofeSgH ermann- stratze, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht v«i- V«»i-atsii«t. SozIatdemokrallscherVahl, eretii UlBerLReichstags-Wahlkrels. Ilm Donnerstag, 16, Januar, verstarb unser lSenofle,der Schlosser �olnillpes Dongovski vasttansttatze 2. Ehre seinem Anden kenl Die Beerdigung findet heute Sonnlag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS allen Pauls- Kirchhofes in Plötzens«« auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Toratand. SozIaldemokratiscberWahlverelii ChariotteDhnrg. «rnppe 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unier Genosse, der Maur« Paul Renndorf Häselerftr. 12 d gestorven ist. Ehre seinem Andenken! Die Be«dtguna findet am Montag, den 19. Januar� nach» statt. Um reg« veteillgung ersucht 260/1 Der Borstand. DeAseherHetallarhetter-llerhaiil! Varwattungastelle Berlin. Den Kollege« zur Nachrtch!' daß unser Mitglsed, d« Vau-£ anschläg« Albert Kanl vritz, Grünauer 6t*. 9 am 16. d. M,«it Wasserfuchi| gestorben ist. Ehr« feine««udenken! Die veerdiauna findet am Sonntag, den 18. Januar, nach» mittag» 2 Uhr, von der Leichen- halle de» Britz« Gemeinde-Fried» hose«, Sbaufleestrabe, au» statt. Rege Beteiligung erwartet ltO/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattlern. PortefeBiller! Ortdverwattnng Berit». Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Sattier Stephan Atallb verstorben ist. Ehr« seine« Andenke« t Die Veerdigung findet am Dienttag, den 20. Januar, nachmittag« 8 Uhr, von der Leichen- halle de» Michael-Ktrchhose» in Neukölln, Martendorser Weg, aus statt. 166/2 Die vrtlverwaltnng. unser � kasse der Retaüarbeiter. V. a. a— Filiale Liobtenberg£. ttm 16. Januar starb Kollege ]£inU Crolz Lesstngftraste 82. Ehre seinem Andenke« t Die veerdigung findet heute. Sountag, nachmittag« 2'/, Uhr, von der Halle de» Rummel«-/ burger Friedhos» au» statt. 681b Di« OrtSverwaltnng.\ Am Donnerstagabend, 10°/. Uhr, verstarb plötzlich mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Sohn und Bruder, der Maurer Raul Rendorf. Die» zeigen tteftetrüM an Dia trauernden Hlnterbllabaneo. Die Beerdigung findet Montag, den 19. Januar 1914, nachmittags 2 Uhr, von der Halle de« neuen Luis enkirch hos», Fürftenbrunner Weg, au» statt. 11921 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei b« Beerdigung meine« lieben Manne; Frans Graf sage allen Teilnehmern, insonderheit dem Spar- verein Rrtnickendors-Oft meinen herz- lichsten Dank. 6bA Witwe MI«« Graf nebst Kindern. Danksagung. r die Beweis« berziicher Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben unvergeßlichen Frau und Mutter sagen wir allen Bekannten und Freunden, dem Eozialdemo» tratischen Wahlveretn de« 4. Berliner NeichstagSwahlkretse«, der 86. Ber» kaufsslelle der Konsmngenofienschast, den Bergschen Sängern und der Ge- nvsstn gahrenwald für die trostreichen Worte am Sarge der Sntschlasmen unseren aulrichtigsten Dank. Emil Schmidt nebst Kinder», M Friedrichssrlder Str. 18. Für Danksagung. dt« herzliche TeUnahme und spenden bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres Bater« und Großvater» Karl Schulze sagen wir hiermit alle» Beteiligte«, insbesondere den Sängern und Ge- nofsen Paul Werner für seine trostreichen Worte am karge de» Ent- schlasenen unseren herzlichsten Dank. 96A Dir Hinterbliebenen. «Jsctes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 6 Ptg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als I! Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN (Br die nächste Nummer werden in den Aaneltme» stellen tllr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bla 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstraaie 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Depptm-Thomas, Oranienstr. 44 sarblehlerhaste Teppiche lpottbillig; Gardinen, Steppdecken, Tischdecken Haiben Preis. 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