Kr. 20. BbcnnementS'Bedinaunaen; ttonncmentä- Preis vränmlieiando! »ierteljährl. 3.30 MI, monolL HO MI, wöchenilich 28 Pfg. frei inä HariS. Ewzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mil Muslrierier Sonntags- Pejlage.Die Reue Weit' lO Pfp. Post- Kbonnement; 1,10 Marl uro Monat. eingetragen■ in die Post-ZeitungZ- Nreislisle. Unter Kreuzband sizr Dcutichland- und Oesterreich. Ungarn 2A) Marl, für das übrige Zlusiand 4 Marl pro Monat. Bostabonnemenis nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, «tumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. erididnt lzglich. f. Verlinev VolksblÄtt. Die InferiionS' Geböhr keträgt für die sechSgespaitene Koionel- iielle oder dercti Raum 00 P,g., fiii politische und gewerlschaftliche Berems- und Berfnmmlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Anreizen", Da» fettgedruckte Wort 20 Big,(julaffig 2 fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 10 Psa. Stellengesuche und Schlchstellenau. zeigen da» criie Wort 10 Pjg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über tSBu». ttbgegeben werden. Die Erbedition ijt tis> 7 Uhr abends geossaet, Telegramm. Adreffe: „SsÄiiitiemsüm ZcntmXorgxn der fosialäemokratilcken Partei Dcutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstraese 69. Fernsprecher: Amt Morikpla», Rr. IS8Z. Expedition: 8M. 68» I�-indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Ntorttiplat?. Str. 1984. Francis öe Pressense. Paris, 20. Januar.(Privattelegramm des„Bor- worts".) Genosse Francis de Pressense ist heute nacht- gestorben. Pressense' starb an den Folgen eines Schlag«, anfalls, den er am Freitag erlitten hatte. Das Be- g r ä b n i s findet am Donnerstag statt. Unsere französische Brudcrpartci und mit ihr die ganze Jnter- nationale haben einen schweren und schmerzlichen Ver« lust zu beklagen. Genosse P r e s s e n s ö ist Dienstagnacht in Paris gestorben. Wer den untersetzten Mann mit dem interessanten Kopf und den lebhaiten Augen in Basel gesehen hat, wie er mit leidenschaftlichem Interesse an der gewaltigen Friedenskundgebung Anteil nahm, der hätte nie gedacht, dag dieses Herz, das so warm für die großen Ideale der Menschheit schlug, so bald schon still stehen werde. Um so größere Trauer erweckt jetzt die Todesnachricht. Pressem'ö wurde 1823 als Sohn eines protestantischen Geistlichen von altem Adel geboren. Er schlug ursprünglich die diplomatische Laufbahn ein und war Botschaftssekretär in Äonstäntinopcl und Washington. Dann wandle er sich der Journalistik zu und war etwa ein Jahrzehnt AuslandSredakteur des„Teinps". Bald war feine Autorität in auswärtigen Fragen unbestritten. Sein un» ermüdlicher Fleiß wurde von einem ausgezeichneten Gedächtnis unterstützt und immer wieder verblüffte seine umfassende Detail» kenntnis. Die DreysuS-Affare bildete für Pressenss ähnlich wie für Anatole France einen Wendepunkt. In digscm großen Kampfe gegen die Gefahr des Militarismus erkannte er die geschichtliche stiolle des Proletariat«. Er schloß lich der Partei an und wurde 1902 in Lyon in die Kammer gewählt. Und. der Partei hat er Treue gehalten. Ungleich den Millerand und Briand widerstand er allen Lockungen deS.OpportuniSmuS und Ministersalismus und war ein energischer Verfechrer der Einigkeit der Partei und der Unabhängig- keit ihrer Pvlitik. Als Präsident der Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, die er 1993 gegründet hatte, entfaltete Pressensö eine unermüdliche Tätigkeit im Kampfe gegen soziale und politische Unter- drückung und sein Auftreten gegen die Gefängnisgräuel im Reiche des Zarismus, feine Propaganda für die unterdrückten Nationen des Orients ist nickt ohne segensreiche Folgen geblieben. Ein unerschrockener und selbstloser Idealist stellte er seine große Autorität in den Fragen der auswärtigen Politik in den Dienst der Friedenspropaganda und zusammen mit Jaures trat er sowohl' als Mitarbeiter der„Humannv" wie als Deputierter unermüdlich für die deutsch-fronzösische Verständigung ein. Mit unseren französischen Genossen trauert auch die deutsche Sozialdemokratie an der Bahre dieses großen und edlen Menschen. sorgung. Auf den Seiten 572 und 573 der Begründung lvurde ausgeführt, daß der Reichszuschuß für jeden Versicljerten <ür die Hinterbliebenenrenten auf 3,588 M., also bei 14,8 Millionen Versicherter auf 53 263 221 M. steigen»verde, Hebt öen Witwen unö Waisen Rente! Die Gesetzgedungsarbeit auf dem Gebiet der Sozialpolitik ist abgeschlossen. Delbrück. Bei Beratung der Reichsversicherungsordnung standen sich zlvei Anschauungen gegenüber. Unsere Genossen forderten höhere Renten für die Wittven und Waisen, als die Vorlage bieten wollte. Tie Regierung und die Vertreter der bllrger- lichen Parteien bekämpften die Anträge, indem sie behaup- ten, daß die Turchführung dieser Anträge geradezu phan- tastilch hohe Summen vcrfchlingcn wurde. Tie Grundlage für die entgegengesetzten Ansichten lag in der Annahme über die Zahl der zu unterstützenden Witwen und Waisen und in den Schätzungen der zu ertvarteuden Erträge der erhöhten Beiträge. Die Regierung rechnete mit einer unglaublich hohen Zahl von Waisen, die von unseren Genossen ange- zweifelt wurde. Die Regierung stützte sich in der Begründung wovon für Witwenrente.... 23.31 Proz. „ Witwengeld..... 4 67„ ,. Waisenrente.... 66 68, „ Waisenaussteuer... 5,39, verbraucht»verde. Die Ausgaben, die durch den Reichszuschuß von 2o M. zu jeder Waisenrente entstehen würden, ivürden auf 35 489 284 Mark steigen, also müßten hiernach 1413 571 Waisen Rente erhalten. Ferner behauptete man auf Seite 563 der Begründung, daß die Beitragserhöhung von 2 bis 19 Pfennig je nach der Lohnklasse 39 172 249 M. im Jahre bringen»verde. Unsere Genossen bestritten die Richtigkeit all dieser Rech- nungen. Erstens seien die Grundlagen falsch. Das Verhält- ins der Kinder zu den Wittven bei der Unfallversicherung vom Jahre 1998 könne nicht als der Beharrungszustand angesehen »Verden. 1992 kamen auf 57 339 Unfallwitwen 99 881 Kinder, also aus jede Witwe 1,5849 Kinder. In sechs Jahren habe die Zahl also um 9,2382 abgenommen und sie werde weiter sinken. Völlig unglaubliche Ziffern enthält das ztveite Betveis- stück, die Tabelle VII auf Seite 686 und 687 der Begründung. Ganz abgesehen davon, daß schon ein sehr hohe Durchschnitts- ziffer für Kinder angegeben ist, sind in der Tabelle allerlei Untvahrscheinlichkeiten. Unter den 27 jährigen Vätern sind schon z>vei mit Kindern von über 14 Jahre. Bei diesen hat also die Vaterschaft im zwölften Lebensjahre begonnen. Dann haben die sechs 69 jährigen Väter noch 22 Kinder im Alter von unter 15 Jahren. Ein Kinderreichtum, wie er in der ganzen Tabelle bei keiner anderen Altersstufe vorkommt, Da bei der übergroßen Zahl der Arbeiterehen Mann und Frau im gleichen Alter sind, so müßte man ja an alt- testamentarische Fortzengungsmöglichkeiten glauben,»venn djese Tabelle als Spiegelbild des durchschnittlichen Kinder- segens angesehen»Verden sollte. Unsere Genossen konnten bei den Beratungen in der 16 er-Kommission den Rechnungen nun andere Rechnungen gegenüberstellen. Sie griffen dabei zu folgendem Mittel. Sie sagten sich, daß olle Hinterbliebenen, die nach der Reichsversicherungs- ordnung Anspruch auf Rente haben, hätten nach dem In- validenversicherungsgesei; Anspruch auf. Erstattung der Bei- träge des»erstorbenen Ehemannes oder Vaters. Tie Zahl und das Alter der Verstorbenen tverden in den Rechnungs- ergebnissen der Invalidenversicherung mitgeteilt. Als Kinderzahl setzten sie für jeden die Minderzahl ein, »vie sie gleichalterige Berginvaliden haben. Die Bergleute sind die kinderreichste Arbeitergruppe. Das sieht man aus den Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften. Auf 1999 Wittven in den Jahren 1996 bis 1919 durch Unfall gc- töteter Arbeiter kamen in der Knappschafts-Berufsgenossen- schaft�844 Kinder, bei den übrigen 65 getverblichen Berufs- genossenschaften nur- 2939 Kinder und bei den landtvirtschaft- lichen Berufsgenossenschaften nur 1743 Kinder. Wenn man also den Kinderreichtum der Bergarbeiter als Durchschnitt einsetzt, bekommt man eine zu hohe Zahl. Um aber ganz sicher zu gehen, nabmen unsere Genossen die Zahlen, die vom Re- aieriingsrat Dr. Pietsch für 1992 ermittelt sind und stellten folgende Zahlen in Rechnung: für jeden Berstorbencn im Aller von 26-24 Jahren 25-29.. 36-34 35—39 46-44 45-49 56-54 55-29„ 60-61. 65-69 70 und mehr Danach konnte man mit Kinder im Alter von unter 15 Jahren 6.364 1 230 2640 3.817 3.635 3.770 1,890 1,026 0,528 0,133 einem durchschnittlichen jähr- gruppe Militär, Hof, freie Berufe usw., die sämtlich nicht versichert sind. Es blieben also höchstens: t. Ein Drillet der Selbständigen rniS A— C..... 09 172 2. Die Kinder der Angestellten b aus A— C..... 30 233 3. Die Kinder der Arbeiter c aus A— C...... 462 807 4. Die Kinder der Gruppe v. häusliche Dienste.... 12 863 2. AuS der Berufsgruppe T, ohne Beruf...... 8 987 026 022 Von diesen sind in Abzug zu bringen, weil sie Hinter- bliebenenrente anS der Unfallversichcrung bezogen.. 106 699 216 323 Es bleiben also höchstens 516 353 entsprechend berechtigte vaterlose Kinder. Demnach kann der jährliche Zugang hoch- stens 64 844 betragen. Als 1912 die Hinterbliebenenversichcrung in Kraft trat, forderte die Regierung für den Reichszuschutz, entsprechend den Bclastungsberechnungen aus der Begründung der Reichs- Versicherungsordnung, für jeden Versicherten 13 Pf., insgesamt 1959 999 M. Zur nicht geringen Ueberraschung der Abge- ordneten, die an die in der Begründung der Reichsversiche- rungsordnung mitgeteilten Ziffern glaubten, wurde für 1913 dieselbe Summe noch einmal gefordert. Mau sagte zlvar in der Anmerkung im Etat für 1913, daß die 1912 geforderte Summe n i ch t g a n z gebraucht werde. Das sei aber eine alte Erfahrung, die bei jeder neuen Versicherung gemacht werde, daß Anspruchsberechtigte ihre Ansprüche nicht geltend machen. Im vorliegenden Falle handelt es sich nicht uin eine neue Versicherung, sondern nur um andere Ansprüche. Alle Personen, die Anspruch auf Hinterbliebenenrente haben, hatten nach dem Jnvalidenversicherungsgesctz Anspruch auf Beitrags- erstattung. Wußten sie nicht, daß das Gesetz geändert ist, dann forderten sie Beitragserstattung und sie inußten nun belehrt werden, daß es an Stelle von Beitragserstattung Hinterbliebenenrente gibt. Wie weit»var nun aber die Wirk- lichkeit hinter den mathematischen Phantasien der Begrün- düng zur Reichsversicherungsordnung zurückgeblieben? 1912 wurden bewilligt: Wilwenrenten,,,»» 3811 Wiiwenkrankenrenten.* HO Witwengeld. 4118 Waisenrenten..... 13062 Waisenaussteuer.... 108 Im Rechnungsjahr 1912, also in der Zeit bis 31. März 1913, sind statt 1959 999 M. nur 776 453 M. als Reichs- zuschuß für diesen Zweck ausgegeben. Nach den„mathematischen Berechnungen" der Begründung hätte man für 132 212 oder,»venn man die Ziffer von Seite 573 nimmt, für 177 4-16 Waisen Rente fordern müssen. Nicht der zehnte Teil kam. Bei der Beratung des Etats 1913 forderten unsere Genossen, daß inan neue Berechnungen aufstellen soll und»venn sich ergibt, daß man aus den in der Belastungsberechnung eingestellten Summen höhere Renten geben kann, dann sollen die Renten entsprechend erhöht»ver- den. Dieser Antrag»rmrdc am 22. Januar vom Reichstage einstimmig angenommen. Bei der Beratung der Reickisversicherungsordnung wur- den die Anträge unserer Genossen angeblich ja nur abgelehnt, weil sie zu viel Geld kosteten. Die Summen, die in der Begründung genannt»varen.»vollte man doch bewilligen. Der Reichszuschuß soll im Beharrungszustand auf 3,588 M. für den Kopf der Versicherten steigen. Die Regierung kann sich jetzt nickt mehr entschuldigen und behaupten, daß sie an die hohen Ziffern der Belastungsberechnung glaubt. In der Anmerkung zu Kap. 7 a zum Etat für 1914 wird ausg-stihrt, daß 1913 voraussichtlich 24 489 Waiseurenten ueubcwilli-it werden und für 1914 rechnet man mit 31 599 Ncubclvillr- gungen für Waisenrenten. Da man aus den Suminen. die man als Reichszuschuß hergeben wollte, statt 25 M. jährlich 69 M. Reichszuschuß zahlen kann, so nehmen wir die Regierung und die bürger- lichen Parteien jetzt beim Wort und fordern: Heraus mit dem Geld,»vas ihr angeblich den Waisen geben wolltet. Mit der Erhöhung des Reichszuschusses allein ist es nicht getan. Die Waisenrente besteht neben dem Reichszuschuß von 25 M. für ein Kind aus a/2o des Grundbetrages und der Steigerungshöhe, auf welche der Vater am Tage seines Todes lichen Zugang von 76 999 Waisen rechnen. Mithin lvürde im Anspruch hatte. Für jedes weitere Kind wird V« gegeben. Beharrungszustand die Zahl von 698 999 erreicht»verde». � der Reichsversicherungsordnung nicht ans Zählungen, sondern-Von diesen sind aber reichlich 199 999 Waisen in Abzug zu am Errechnungen. Hierbei benutzte sie zwei sehr unsichere bringen,»veil sie aus der Unfallversicherung Hinterbliebenen- � Grundlagen. Nach den bcrufsstatistisck�n Erhebungen vom rente beziehen. Sie hatten nach dem Jnvalidenversicherungs- 1 Jahre 18 82 sollen 774-189 Arbeiterwitwcn vorhanden gc- gesetz Anspruch auf Beitragserstattung, aber sie haben keinen. Wesen win. Zur Ermittelung der Zahl der Waisen benutzte die Regierung die Rechnungsergebnisse der Unfallversicherung aus dem Jahre 1998. Damals kamen auf 81 498 Unfall- Anspruch auf Waisenrente. Bald nachdem der Streit im Reichstage dadurch cnt- schieden»var, daß die bürgerlichen Parteien unsere Anträge wiiwen 199 757 Waisen, also auf eine Witwe l,3467 Waisen.> ablehnten, erschien der Band der Berufsstatistik, in dem die Man nahm nun an, daß auch jetzt noch 774 489 Arbeiter Witwen vorhanden seien und jede dieser Wittven 1,3467 Kinder im Alter von unter 15 Jahren habe. Ferner brachte man im Anhang der Begründung eine Tabelle VII über die Kinderzahl verheirateter Väter und kam dort zu einer ähn- lichen Zahl, so daß man die Zahl der zu erwartenden Waisen Zahl der 1997 gezählten vaterlosen Kinder angegeben ist. (Berufsstatistik, Abt. II, Band 293, Seite 199 bis 193.) Wenn man von den Kindern im Alter von 14 bis 16 Jahren 51 vom Hundert als im Alter von 14 bis 15 Jobren stehend rechnet, dann waren 1997 in ganz Teutschland 854 645 Vater- lose Kinder im Alter von unter 15 Jahren vorhanden. Bon auf Seite 384 der Begründung, bei 14 844 822 Versicherten, diesen waren 297 515 Kinder von Selbständigen in den Be aus 1 057 799 angab.! rufsabteilungen Landwirtschaft, Industrie, Getverbe, Berg- Zu einer erheblich höheren Zahl kam die Begründung bau, Handel und Verkehr. Von diesen darf man doch an- der Reichsversicherungsordnung bei der Berechnung der finan- nehmen, daß mindestens ztvei Drittel Kinder nichtVersicherter zlellen Belastung des Reiches durch die Hinterbliebenenver»» Bäter find. Ferner find 33 247 Kinder ans der Berufs- Es sind das reine Bettelpfennige. Um diese geringen Summen geben zu können, tvurden die Beiträge um 2 Pf. in der Lohn- klaffe I. um 4 Pf. in der Klasse II, um 6 Pf. in der Klasse III. um 8 Pf. in der Klasse IV und um 19 Pf. in der Klasse V erhöht. Statt der in der Begründung errechneten 39,2 Millio- neu Mark brachte die Beitragserhöhung 1912 über 54 Millionen Mark. Dazu kommen 19 Millionen Mark ersparte Bei tragserstattung. Tie ganzen Ausgaben, die die Versichr- rungsträger in den Jahren 1912 und 1913 für Witwen und Waisen gemacht haben, bleibt weit zurück hinter den Einnahmen aus den Zinsen des allein im Jabre 1912 aus Bei- tragserhöhung für die Hinterbliehenenversorgung und er- sparten Kapitals der Beitragserstattung. Bleibt das Gesetz »vie es ist, dann erhalten die Witwen und Waisen niemals nur die Zinsen von den Summen, die man durch Beitragserhöhung und ersparte Beitragserstattung ansammelt. Ein solcher Mißstand darf, sobald er erkannt ist. keinen Tag länger fortbestehen. Heute wird wohl kein Mensch mehr die Stirn haben und die in der Begründung der Reichsver- ficherungsordnung angegebenen Ziffern als richtig bezeichnen, Nor kurzer Zeit rühmte sich freilich Herr Giesberts noch, daß das Zentrum die Anträge der Sozialdemokraten �abgelehnt und dadurch die Unternehmer vor größeren Ausgaben be- ioahrt habe. Nein, inan hat nicht nur die Anträge abgelehnt/ die höhere Beiträge forderten, sondern mich die Anträge, die den Witwen und Waisen die angeblich bewilligten Summen zuwenden wollten. Zur Durchführung der Witwen- und Waisenversorgung müssen die Versicherten jährlich über 62 Millionen Mark Bei- träge aufbringen. Die Frauen, die Krüppel und die Witwen und Waisen müssen aus mehr als 19 Millionen Mark Bei- tragserstattung verzichten. Aber die Witwen und Wotsen müssen hungern und verhungern, während sich ungezählte Millionen in den Kassen der Versicherungsträger ansammeln. Für den nicht ausgezahlten Reichszuschnß werden schon der Kriegsminister und Marineminister Verwendung haben. Allein der Reichszuschuß zur Waisenrente wird im. Be- harrungszustand statt 36,6 Millionen, wie in der Begründung zur ReichSversichcrungsordnung gesagt ist, nur 13 Millionen Mark betragen. In den nächsten Tagen wird der Reichstag vor die Frage gestellt werden, zu entscheiden, ob den Witwen und Waisen das Geld ausbezahlt werden soll, was rnan bei Beratung der Reichsversicherungsordnung in Aussicht stellte, oder ob man anerkennen will, daß die großen Summen nur genannt wuc- den, um Dumme zu täuschen. Aus der Rede Delbrücks vom Dienstag muß man an- nehmen, daß die Regierung nicht gewillt ist, das Unrecht zu beseitigen. Zwei Velten. Im Reichstage erwartete man, daß die Dienstagsitzung nnt der Rede des Staatssekretärs des Innern beginneil werde. Herr Delbrück war jedoch zunächst nicht anwesend. Und so kam vorerst Genosse K r ü tz i g zu Wort. Das lugr schlinun für die Rede, auf die sich Herr Dr. Delbrück vorbereitet hatte. Genosse Krätzig entwarf nämlich als Antwort auf die Schönfärberei, die sich am Montag der Konservative v. Graese geleistet hatte, ein Bild des furchtbaren wirtschaftlichen und sittlichen Elends, in dem dank der patriarchalischen Fürsorge der Junker nur zu viele landwirtschaft- liche Arbeiter leben. Aber auch aus der Industrie, besonders aus der Textilindustrie, die ja Genosse Krätzig aus eigener Beobachtung kennt, brachte er sehr schlimme Mißstände zur Sprache. So war seine Rede eine vortreffliche Ergänzung der Ausführungen, die Genosse Robert Schmidt am Sonnabends über den völligen Stillstand der-Arbeiterschutzgesetzgebung ge- macht hat. Aber das niachte Herrn Dr. Delbrück keine Beschwerde. Für.Schutz und Leben der Arbeiter sorge ja— die Polizei aufs beste. Und in der Ärbeiterversicherung haben wir mit der Reichsversicherungsordnung einen vorläustgen Abschluß erreicht. Dann schwang der Staatssekretär sich zu einen: Iubellied über die glänzende und schnelle EntWickelung unseres Wirtschaft- lichen Lebens auf. Seine Räte hatten sich damit abquälen müssen, die allgemein bekannten. Zahlen, über- die. Ein- und- Ausfuhr, � über 5d»hley� EffeN usw., über die Sparkasseneinlagen,' über die Arbeits- löhne usw. zusammenzustellen. Diese Zahlen, mit denen öm. Weisblätter jedes Jahre mehrero Mal ibro geduldigen Leser dunmi zu machen suchen— diese Zahlen trug Herr Delbrück als etwas ganz Besonderes vor. Auf diese Weise. wollte der Herr den arbeitslosen, hungernden Arbeitern und den so schwer kämpfenden kleinen Geschäftsleuten beibringen, daß es ihnen eigentlich ganz ausgezeichnet gehe. Und hieraus schloß der Herr, daß sich die Zollwucherpolitik aufs beste be- währt habe. Daher denken die Regierungen gar nicht daran, die Verschärfung der allgemeinen Teuerung durch die Wucher- zolle zu beseitigen oder auch nur im geringsten abzuschwächen. Ebenso wenig freilich wollen sie den Wünschen der Ueber- agrarier nachkommen und die Handelsverträge kündigen, um den Zollwuche'r noch mehr zu verschärfen. Wenn aber, und damit wendete sich der Staatssekretär gegen Rußland, das Ausland einen Vorstoß gegen unsere Wucherzölle machen sollte, dann werden unsere Regierungen die heiligen Rechte des Zollwuchers mit allen Kräften verteidigen. DaS ist daS, was der angebliche Minister für Sozial- Politik den Arbeitern in der Zeit großer Arbeitslosigkeit und drückender Teuerung"zu sagen hat. Er wird die Antwort darauf von unserem nächsten Redner bekommen. Die bürgerlichen Redner, die in dem weiteren Verlauf der Sitzung zu Wort kamen, hatten freilich etwas anderes zu tun. Das Zentrum schickte Herrn Ch ry sa n t vor, damit er wieder einmal in Mittelstandsretterei- seine— Redekunst zeige, worauf zwei Geheimräte selbstverständlich ihre Bereitwilligkeit zu dieser Art von Mittelstandsretterei erklärten. Ein billiges, leider aber ganz wertloses Vernügen.— Der Geschäftsführer des Deutschen Bauernbundes, Herr Dr. Böhme, entrüstete sich dann über die. Arbeiterfeindlichkeit der konservativen Agrarier, mußte aber auf einen Zuruf unserer Genossen eingestehen-, daß er selbst— große Bedenken gegen die Veremigungsfreiheit der landwirtschaftlichen Arbeiter habe. Ein netter Arbeiter- freund!— Mittwoch geht die Verhandlung weiter. Neue Krupp'Kunosa. Eigentümliche Informationen der Äanonensirma. Ter Angeklagte Pfeifer hat dem Kruppspion Brandt bekannt- lich Auszüge ans dem Etat gemacht. Natürlich nicht etwa Auszüge aus dem dem Reichstage bereits vorgelegten- Etat—-die bärte sich Serr Brandt selbst anfertigen können—. sondern, wie der Gchetni'e Rechnungsrat Fokkcnbro! aus dem KnegSminist-num am Dienstag als Zeuge bekundete. Auszüge aus den spezifizierten Akten des K r i e g s m i n i st e r i u m s. RcchnungSrat Becker aus dem Kriegsministerium erklärte nun, daß er, wenn ein.offi- zicller Vertreter der Firma Krupp zu ihm gekommen wäre, auch er ihm diese Auskünfte unbedingt erteilt haben würde; denn daS sei-ihm nach den Vorschriften gestattet. Also handelt es sich, um g a n z e i n w a n d f i e i e g c s ch ä f t I i ch e Mitteilungen� N e i n, keineswegs; denn Herr Rechnungsrat Becker fügte sofort hinzu, daß er diese Mitteilungen einem Vertreter der Firma Ehrhardt nicht gemacht haben würde. Denn, so erklärte er auf Befragen, mit der Firma stehen wir nicht. in so engem.Verhältnis, wie mit der'Firma Krupp. Ter militärische Sachverständige. Major von Weiter- Ahausen, behauptete zwar. Becker fasse die Vorschriften falsch auf: er hätte auch der Zir m a Ehrhardt Mitteilungen machen müssen, wenn sie darum ersucht hätte. Rechnungsrat Becker jedoch entgegnete, daß er eS trotzdem nicht getan hätte; denn er fasse daS Verhältnis der Firma Krupp zum Kricg-ministcrium anders auf, als.daS der Firma Ehrhardt. Auch hier.stoßen wir also wiederum auf das ganz b c s o n- d/e r e Verhältnis, in dem die Firma Krupp zu dm Milltärbdjörden gestanden hat. Wer mehr noch: Sicherlich hatte auch die Firma Krupp kein er! ei. Anspruch auf die- ihr von Pfeifer unter- irdisch gemachten Mitteilungen, denn sonst würde sie ja den g e- raden Weg. gegangen sein. Zudem hat ja in dem Moabiter Prozeß Major v. Weitcrshauscn selbst erklärt, daß ein unmittel. barer Verkehr des Äriegsimnff'teriums mit der Firma nur in besonders wichtigen und dringenden Fällen stattfinde. Es handele sich dann nur um Fragen, bei denen die Lei st u n g S- f ähigkei t der Firma■ b e s o nd e r S, a ng e st r e n g t werden müsse, oder um Lieferungen, die zu beschleunigen seien. Um solche Dinge aber handelte es sich bei den Etatauszügen des Herrn Pfeifer nicht. Dann aber hatte auch der RechnungSrat-Becker kein Recht, einem Vertreter der Firma Krupp Auskunft zu geben! Vielmehr handelt es sich dann nur um ganz besonder« Ge- fäll ig ketten gegenüber der M o n o p o I f i r m a, die nur wiederum deren besondere Begünstigung verrieten. Und dies Be- güstigungssystem der durch die lledernahme hoher Staatsbeamter und Offiziere in die glänzend bezahlte höhere Ärnpp-Bnreankratie mit den Staats- und Militärbehörden besonders eng liierte Kanonenfirma bildet ja gerade einen wichtige» Teil der Korrup- tionsanklagen! -* Ter„große Wert" der Kornwalzcr— die Äornwalzer hatten„gar keinen Zweck". Der Kruppsche Bureauvorsieher Grünwald erklärte am D'nStag als Zeuge, daß die Kornwalzcr für die Firma Krupp ..von großem W e r t e" gewesen seien, denn sie habe dadurch die Preise der Konkurrenz erfahren. Aus Grund der Koicknrrciiz- preise seien dann die Preise der Firma Krupp nachgeprüft und je nach den Verhältnissen herab- oder heraufgesetzt worden. Im gleichen' Atemzug aber bekundete der Zeuge Grünwald, daß der Staat dadurch- niemals- Schaden erlitten habe; dem: auf Grund der- Konrwalzer seien nur Herabsetzungen der Kruppschen Preise erfolgt, niemals aber H e r a u f s e tz u n g c n. Auf diese letzte Aussage legte auch hier wieder die Bertoidi- gung ein Hauptgewicht. Denn wenn niemals Preisher auf- s e tz u n g e n vorgekommen seien, so könne man ja der Firma Krupp nur-dänkbar dafür sein, daß sie durch Brandts Spionage zur Herabsetzung ihrer Preise veranlaßt worden sei. Freilich gab eS unter dem Richterkollegium einen Beisitzer, den Oberstleu t- nant B u d d i ck e. der erstaunt die Frag: aufwarf, was denn durch solche Feststellungen bewiesen werden solle! Seiner Ansicht nach stehe es doch für alle Richter fest, dah die Preise von der Firma Krupp nach den Kornwälzer» reguliert worden seien. Der VerHand- lungsführer jedoch meinte, daß das ja von der anderen Seite be- st r i t t e n werde. Oberstleutnant Buddicke jedoch warf nun die Frage aus, aus welchem Grunde denn die Preisherabsetzun- gen oder Herauffetzungen überhaupt vorgenommen seien, wenn nicht infolge der Kornwalzer. Zeuge Grünwald jedoch blieb bei seiner Darstellung, daß die Firma Krupp aus Grund der Kornwalzer„in viele.» Fällen" mit den Preisen herab- gegangen sei; daß jedoch eine H e r a u f s e tz u n g der Preise auf Grund der Kornwälzer niemals erfolgt sei, sondern .nur auf Gr»nd.-.NÄchu:.a,-lüg.er.:R.achp.rüfung der Preiskal- kulatjonen-.- Rur däm:-seien PreiScrhöhni�en vorgenommen wor- den, weim festgestellt worden sei, daß die Preise- u nbed i n gt zu -ni-edr-ig gewesen wären.- Als dann nach-, langen:. Hin und-Her Oberstleutnant Buddicke die Frage an den-Zeugen richtete, ob er nicht wenigstens zugeben wolle, daß die Kornwalzcr den Anlaß zu der famosen Nachprüfung der Preise gegeben hätten, antwor- tete Herr Grünwald, daß auch das nicht der Fall gewesen sei, son. dern daß auch ohne Kornwalzer die Preise nachgeprüft worden wären. Dann waren also die Kornwalzer ganz überflüssig, folgerte nnt Recht der Oberstleutnant. Das wollte der.Zeuge Grünwald aber auch nicht sage::. Sie seien oben wichtig für die Preis Herabsetzung getvefen, nur für die Preisheraufsetzung hätten sie k e i n e r l ei Rolle gespielt. Der Zeuge Grünwald hat diese seine Aussage zwar, wie in >rüheren Instanzen, unter seinem Erde gemacht, aber damit aller Logik und dem gesunden Menschenverstand gröblichst ins Gesicht geschlagen. Wenn die Kenntnis der Konkurrenzpreise für die Firma Krupp von großem Wert war. dann mußte sie doch für sie ein kommerzielles Interesse haben. Daß eine Nachprü, jung der Kalkulationen stattfand, kann man ohne weiteres zugeben. Aber daß diese Nachprüfung auch ohne Kenntnis der niedrigeren ober höheren Preise der Konkurrenz stattgefunden haben würde, daS vermag nur jemand glauben, dessen kruppg laubige Novität Berge zu versetzen vermag! Freilich würde auch die Herabsetzung der Kruppschen Preise allein schon genügen, um die. Krupp-Korrupt'on und die. Krupp- Manöver gegen die Konkurrenz ohne weiteres zu beweisen. Richtete sich, diese Preisherabsetzung doch einfach gegen die Konkurrenz. Wäre es der. Äanonensirma in ihrem Patriotismus aus möglichst w ohl s eile Lieferungen an das Reich angekommen, so hätte sie einfach von vornherein gründlich kalkulieren und wohlfeil liesern müssen. Durch ihre verspätete, erst auf die Erspionierung der Konkurbenzpreise, bäsicrcnde Preishexabsetzung konnte sie. nu-r die Taktik verfolgen, die Konkurrenz zurückzudrängen und a u S z u s ch a l t« n, um sich dadurch, wiederum ein m ö g l i ch- sie»-Monopol und damit spätere Wucherpreise zu sichern!. Auf die Beteuerungen des Herrn Grünlvald kann kein verständiger Mensch hereinfallen, er müßte denn geflissentlich die Augen schließen? » Tic Vereidigung des Zeugen Tregcr. Auch der durch den Moabiter Prozeß-in so bengalischer Be- leuchtung gezeigte Direktor Dreger fungierte in dem neuesten Krupp-Prozetz wieder als Zeuge. Er stellte Herrn Maximilian Brandt das Zeugnis cineS ungewöhnlich liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen aus, der vielleicht auch einem Pfeiffer zu Weihnachten regelmäßig aus reiner Gutherzigkeit einen Hundertmarischein spendiert haben könnte, ohne dafür die geringste Gegenleistung zu erwarten! Als sichs dann um die Frage der Vereidigung des Herrn Direktors Dreger handelte. betonte der Anklagevertreter, daß eS angemessen erscheine, diesen Zeugen nicht zu vereidigen. Inwieweit die Firma Krupp oder ihre Direktoren an den Handlungen Brandts beteiligt seien, könne das Kriegsgericht nicht beurteilen, da es„in diese Materie gar nicht eingedrungen" sei. Aber da das Zivilgericht mit der Möglichkeit der Mitschuld des Herrn Dreger gerechnet und ihn infolgedessen nicht vereidigt habe, zi.uye auch dem Kriegsgericht die gleiche Praxis. Natürlich protestierten die Herren Verteidiger lebhaft gegen den Vorschlag des Anklagevertreters, und auch Herr Dreger selbst bat beweglich um seine Vereidigung. Sei doch seine Nicht- Vereidigung in den Vorprozessen„der schwer st e Schlag ge- wesen, den er in seinem Leben erhalten" habe. U n d w a s geschah. Nach kurzer. Berawng beschloß das Ge- richt die Vereidigung des Zeugen Dreger! Zur Kcnnzcich- n u n g des Zeugen Dreger und seiner BereidigungSfähig- k e i t wollen wir uns darauf beschränken, folgenden Passus au» der M o a b i t e r Anklagerede des OherftaatsanmaltS CTHrzescinski wiederzugeben:,' „Am 25. Oktober aber beschließt man nun, es soll dies alles. damit kein- böser Schein-entsteht,-keine- irrige Auffassung ent» steht, einstweilen in veränderter Form weitergeführt werden, und deswegen sollen von jetzt an die Nachrichten, die von Berlin kommen nicht mehr ohne Unterschrift kommen. sondern sie sollen mit der Unterschrift de» Herrn Dreger ver- sehen werden. Aber der Betrieb Brandts geht trotzdem rubig weiter, bis ihm am 7. Februar 1913 der Haftbefehl des König- lichen Landgerichts Berlin ein Ende macht, Brandt sucht nach wie vor seine Kornwalzer. verlockt von neuem einen Mann in seine. Netze, den Schmidt. Der war, al» der Beschlutz vom 25. Oktober kam, noch gar nicht in der Feldzeu gm c i st c- . r e i, er ist erst rm November in die Feldzeugmeisterki eiii- getreten. Er ist da» letzte Opfer dieser Sache, und er ist erst ver- fallen, nachdem der Beschluß gefaßt war: Damit kein falscher. schein entsteht, soll Herr Dreger die Nachrichten unterschreiben. Wo sind denn die Nachrichten de» Brandt nun geblieben? Wir haben ein paar in der Schublade des Herrn Dreger gesunden; die waren angehalten, weil sie dem Herrn Dreger zu verfänglich erschienen. Daraus mußte doch Herr Dreger sehen, daß Brandt seinen Betrieb nicht eingestellt hatte. Der Betrieb ging arso ruhig weiter» bis ihm die Verhaftungen ein Ende gemacht Haien." Jeden weiteren Kommentar zu diesem rätselhaften Beschluß de» Oberkriegsgerichts halten wir einstweilen für überflüssig! Die arbeitslosen berliner Holzarbeiter beim Gberbürgermeifter. Tie abgehaltene Versammlung der arbeitslosen' Holz- arbeiter am 14. d. M. hatte eine Deputation gewählt, die sich au den Oberbürgermeister wenden sollte, um Maßnahmen zur Linderung der Not der Arbeitslosen zu befürworte». Die Deputation, der sich auch Stadtverordneter Glocke als Vorsitzender der Berliner Mitgliedschaft des Holzarbeiter- Verbandes angeschlossen hatte, wurde gestern vornnttag vom Oberbürgermeister Wermut h empfange» und hatte eine andcrthalbstündige Unterredung mit ihm. Die Sprecher der Deputation, Zaske, Birke und Breitkopf, � tvihsen darauf hin, daß gegenwärtig rund 6000 Holzarbeiter in Berlin arbeitslos sind, daß die Dauer der Arbeitslosigkeit eine ungewöhnlich lange ist und viele schon bis zu 20 Wochen arbeitslos sind. Mehrere Deputationsmitglieder konnten aus persönlicher Erfahrung mitteilen, daß ihre Versuche, in an- deren Bernsen unterzukommen oder sich durch Handel einen kümmerlichen Erwerb zu schaffen, keinen Erfolg hatten. Die Sprecher betonten, daß die Arbeitslosen es bis jetzt grund- sätzlich vermieden haben, uin Armenuntexstützung nachzusuchen; aber die Not habe eine solche Höhe erreicht, daß viele Arbeitslose keinen anderen Ausweg mehr sähen, als die öffentliche Armenpflege in Anspruch zu nehmen, wenn ihnen nicht von anderer Seite Hilfe zuteil werde. Vor allem sei eS den Arbeitslosen um Arbeit zu tun. Deshalb ersuchen sie den Herrn Oberbürgermeister, er möge dahin wirken, daß die städtischen Bauarbeiten in größerem Umfange als bisher in Äugrifp. genommen werden. Ettoas sei ja in dieser Hinsicht geschehen; aber die.Arbeiten könnten noch mehr gefördert : oerden. Ein weiterer Wunsch der Arbeitslosen ist der, daß Berlin dem Beispiel.anderer Gemeinden folge und Mittel znr Unterstützung der Arbeitslosen bereitstelle. Eine derartige Unterstützung, die nicht den Charakter der Armenunterstützung tragen dürfe, werde. gewünscht für diejenigen, welche von ihren Gewerkschaften bereits ausgesteuert sind, also keinerlei Unterstützung mehr beziehen. Der Notstand mache sich gerade jetzt bei der anhaltenden Kälte besonders fühlbar, um so dringender sei die Gewährung einer Notstandsunterstützung. Die Sprecher verwiesen darauf, daß mehrere Nachbargemeiu- den Berlins für diesen Zweck Summen zur Verfügung ge- stellt haben.— Außer der vorübergehenden Notstandsunter- ftützung sei dringend zu wünschen die Einführung einer dauernden Arbeitslosenunterstützung durch die Stadt. Wenn das Genter System in Berlin keinen Anklang finden sollte. dann sollte doch wenigstens. das Kölner System eingeführt werden: Eine städtische Arbeitslosenversicherung, bei der die Gewerkschaften ihre Mitglieder versichern können. Oberbürgermeister Mermuth zur Frage der Arbeitslosenversicherung. Oberbürgermeister W e r m u t h sprach sich zur Frage der Arbeitslosenversicherung dahin aus: Tie freiwillige Versicherung, welche ja für eine städtische Einrichtung nur in Frage kommen.kann, habe gewisse Bedenken. Aber wenn die Gemeinden eine gesetzliche Handhabe zur Einführung einer zwangsweisen Ärbeitsloseuversichcrung hätten, dann würde diese Frage in befriedigender Weise' gelöst iverden können. Im übrigen versicherte der Oberbürgermeister, daß er, soweit es an ihm liege, alles aufbieten werde, um die Not. der Arbeitslosen zu lindern. Tie städtischen Bauten sollten nach Kräften gefördert werden. Es sei in Aussicht ge- nommen, für 9 Millionen Mark Bauarbeiten, die später aus- geführt werden sollten, schon in nächster Zeit in Angriff zu nehmen. Es werde streng darauf gehalten, daß jetzt alle Ar- beiten, welche die Stadt zu vergeben hat, von Berliner Arbeitern und Handwerkern ausgeführt werden. ♦ In: Laufe der Unterredung kam auch die vom„Lokal- anzeiger" und anderen Blättern verbreitete falsche Be» Haupt un g. d a ß s i ch n i ch t g e n u g A r b e i t s l o s e zum Schneeschippen gemeldet hätten, zur Sprache. Ter Oberbürgermeister sagte, i h m sei mitgeteilt worden, die Straßenreinigung habe 5991» Arbeiter zum Schneeschippen gebraucht, aber nur 3999 bekommen.— Tarauf wurde ihm geantwortet: Wenn das Gesuch um Ar- beitskräfte rechtzeitig und ausreichend bekannt gemacht wor- den wäre, dann hätten sich der Straßenreinigung m e h r A r. beiter zur Verfügung gestellt� als sie brauchte. Mehrere Milglieder der Deputation haben in dieser Hinsicht persönliche Erfahrungen gemacht. Als be- kannt wurde, w o man sich zun: Schneeschippen zu melden habe, haben sie sich um diese Arbeit beworben, sowohl bei der städtischen Straßenreinigung als auch an anderen Stellen. Sie find aber nicht angenommen worden, weil keine Arbeits- kräfte mehr gebraucht wurden. Auf eine Frage des Oberbürgermeisters, ob man nicht die innere Kolonisation unterstützen solle, antworteten die Arbeitslosen: Dagegen sei an sich nichts einzuwenden; aber das sei doch nur für eine ganz kleine Zahlvon Arbeitslosen eine Hilfe. Auch sei zu bedenken. daß nicht jeder Arbeiter imstande sei, schwere Landarbeit zu verrichten. Schließlich sprach die Deputation noch den Wunsch au3, es möge in der nächsten Versammlung der Arbeitslosen ein Vertreter des Magistrats erscheinen, damit er aus eigener Anschauung die Lage der Arbeitslosen kennen lerne. Tie Resolution, welche die Versammlung der arbeitslosen Holzarbeiter angenommen hat, ist den städtischen Körper- ichaften sowie dem Reichstags übersandt worden mit einem Begleitschreiben, worin unter anderem gesagt wird: „Die Arbeitslosigkeit im Holzgewerbe ist seit Jahren schon sehr umfangreich nno hat im Jahre 1912 noch eine weitere Steigerung erfahren, so daß die Zahl der Arbeitslosen selbst diejenige oeei Krisenjahres 1905 noch übersteigt. Waren doch Anfang Juli 1913 5069 arbeitslose Holzarbeiter durch Kontrolle im paritätischen und in unserem Verbandsnachwcis festgestellt worden. Nach einer mätzigen Verringerung in den Monaten August und i-reptember erhöhte sich diese Zahl bis Enoe des Jahres auf 67:28, Hiernach ist jeder fünfte Holzarbeiter in Berlin arbeitslos. Bei dieser außerordentlich großen Zahl der Arbeitslosen verlängert sich die Arbeitslosigkeit des einzelnen zu vielen Wochen und Monaten. Durch eine Stichprobe, die in der ersten Juliwoche vorgenommen wurde, wurden festgestellt: 206 Arbeitslose, die am Stichtage bis zu 1 Wocke arbeitslos waren N16„„„ 2-4 Wochen 1226„..... 5-8 905„„„ 9—12 961 ,....... 13-20 190» 1..... 21-29.„ 35„- 30 u. mehr Bei der in den letzten Monaten gesteigerten Arbeitslosen- zahl hat sich auch die Dauer der Arbeitslosigkeit noch ungünstiger gestallet. Dieser Zustand bringt namenloses Elend für die Familien der davon betroffenen Arbeiter, das zu mildern sich die Organisation fortgesetzt bemüht, wie die ständig steigenden Summen zeigen, die für Unterstützungen ausgegeben werden. Im Jahre 1911 zahlte der Holzarbeitcrverband in Berlin an Arbeitslosenunterstützung 433 365.16 M.. im Jahre 1912 525j70,18 M. und im Jahre 1912 868 628,58 M. Trotz dieser hohen Summen, oie sich aller Voraussicht nach in diesem Jahre noch bedeutend steigern werden, mildern dieselben doch nur zum Teil die, Not der Arbeiter währeno ihrer Arbeitslosigkeit� politische Uebersicht. Die Zollwucherer an der Arbeit. Die Generaldebatte zum Etat der landwirtschaftlichen Ler- waltung, die auch noch die Dienstagsitzung des preußischen Ab- geordnotenhauieS ausfüllte, kennzeichnet sich als ein planmäßiger Vorstoß der Hochschutzzöllnerischen Mehrheit, schon jetzt bei den in Vorbereitung befindlichen Handelsverträgen möglichst viel für sich herauszuholen. Die Herren, die so oft der Sozialdemokratie den unberechtigten Borwuri machen, daß sie die Zeil deö Hauses über Gebühr in Anspruch nimmt, treiben hier, wo es sich um die Wahr nehmung ihrer eigenen Interessen handelt, einen kaum glaublichen Mißbrauch mit der Zeit. Weit über zwei Stunden sprach der Koniervaiive H o e s ch über Fragen, die gar nicht vor das preußisch- Abgeordnetenhaus, sondern vor den Reichstag gehören, und in den selben Ton verfiel auch der Nationalliberale Schifferer. Natür- lich fehlte es dann an Zeit, noch einen Sozialdemokraten zu hören, und so wurde dann unserem Genossen Hofer, der den agrarischen Ilebertreibnirgen entgegentreten. wollte, kurzerhand das Wort ab- Mchnitten. — Kih Zollwuchermehrheit vom Jabre 1902 hat sich wieder zil- sanimengefunden; Konservative. Freikonservalive, Zentrum und Na tionalliberals schreien förmlich um die Welle nach höheren Vieh- und Gelreidezöllen. Sie alle sind darin einig, daß Deutschtand seinen Bedarf an Fleisch selbst produzieren kann, wenn nur der Ikandwirischast ein ausreichender Zoll- und Seuchenschutz zuteil wird, Auch über die vermeintliche Noiwendigkeü der Beibehaltung des Systems der Einfubricheiiie herrscht unter ihnen keine Meinungs- velschiedenbeit. Alles ist ein Herz und eine Seele, und nur das zu den Lairdiagswahlen geschlossene Bündnis zwischen Fortschritllern und Nationallibcroleil hat einen kleinen Mißron erzeugt. Daö ist den preußischen Nalionalliberalen, die ja im Grunde ihres Herzens Fleisch vom Fleische und Geist vom Geiste der Konservaiiven sind, recht unangenebm, sie können eS nicht verschmerzen, daß die Sonne Heydebrands ihnen nicht leuchtet, und so süblte sich denn Herr Schiffercr gemüßigt, die feierliche Erklärung abzugeben, daß sich seine Freunde mit de» Fortschritllern nicht identifizieren. Ob Heydebrand nun verzeihen wird, wissen wir nicht. Grollt er weiter. so sind die Nalionalliberalen daran nicht schuld, sie sind ihm weiter entgegengekommen, als ihre polnische Ehre es zuläßt. Eine abweichende Slellung nahm nur der Abg. Dr. P a ch n r ck e (lSp.) ein: aber auch er will von einer Beseitigung der Zölle nichts wissen, er begniigl sich mit einer Zollherabletzuna. Die Beratung des Landwutschaftsetais wird am Mittwoch fort- gesetzt._ Parlamentarier unter Militärdiktatur. Die wildgewordene Soldateska der Reichslande geht herum tvic ein hungriger Löwe und sucht sich ihre Opfer, wo es auch sei. um sie zu verschlingen. Das Volk ist ihre Frei- beute seit je. Vor der Zivilverwaltung, vor der Justiz hat sie nicht Halt gemacht. Jetzt kommt das Parlament an die Reihe, die„Ouatschköppe", in die einmal„ordentlich rin- pfeffern" zu dürfen, jener wackere Berliner Leutnant nicht ab- warten konnte. Der„Vossischen Zeitung" wird auS Stratzburg gemeldet: „Landlagsabgcoroiieter R e ch r s a n w a l l Bürger wurde auf Grund seiner Auslassungen über die Zaberner Volkommiiiffe im Landtag vom Bezirkskommando Slraßburg zu einem ein- gehenden Bericht aufgetorderl. Diese Maßnahme beamworlele der Abgeordnete mil Einreich uirg seines Abschiedsgesuches als Reserve- Oberleutnant der Fetdanillcne." Die„Vossische Zeitung" erinnert an das verwandte Vor- gehdn der Militärverwaltung gegen den fortschrittlichen Reichs- tagsabgeordneten Major Hinze: auch der Fall Pansche, der freilich bei dem elastischen Rückgrat dieses sonderbaren„Heiligen" unter den mit Gummiknochen gesegneten Nationalliberalen zu einem„befriedigenden" Abschluß führte, ist noch in aller Er- innerung. Ter Fall Burger ist aber doch der schönste. Er paßt so wundervoll in die Zabernraserei des Militarismus. Das letzte Stcinchen im Mosaik. Ilnbezahlbarc Aussichten winken.' Jetzt kann's bei den Zabernverhandlungen im Reichs- tag nicht mehr fehlen! Die Äommandogewalt kommandiert der„gemischten Gesellschaft", der„Rotte", dem„Abgeordneten- gesindel" und alles, was Reserveoffizier ist oder werden will, wird die Hacken zusammenschlagen und rufen:' Hurra die deutsche Armee! Hurra! Hurra! Und der Staat ist gerettet! Tic groheu Mistverftändniffc. Heber dem am letzten Sonnlag in Berlin abgehaltenen .Preußentag" der echipreußiicken Leute scheint ein böses Per- hängnis gewallet zu haben. Bewaffnet mit schön ausgeardeileten. wortgewalugen Reden waren die Herren nach Berlin geeilt, um durch ihre Demonstration die Ueberlegenheit des echten Preußen- geisteS über die süddeutsche Schlappheit und liberale Schwächlichkeit zu feiern und die Hegemonie Preußens im deutschen Staalenbund zu befestigen— und nun haben sie nicht nur in Südddeulschland, sondern auch bei den Norddemschen, für die sich der Name„Deutsches Reich" nicht mit dem Begriff Ostelbien decki, Anstoß erregt und sehen sich gezwungen, sich durch kuriose Erklärnngen, die kein vernünftiger Mensch ernst nimmt, selbst zu dememieren. Gerade die sührendrii Geister der SoiiulagSversammtulig sind, wie sie in langen Zeilungs- zuschritten erklären, die sofort vom offiziösen Wo.fsschen in alle Welt hinausletegraphlerl worden sind, gründlich in i ß v e r- standen worden, so z. B. der bekannte Freiherr V. Pechmagn- München, der Borsitzende des Preußeilbtinoes, Herr Dr. Rocke, und vor allem der GeneraUeutnanl v. Kracht, der, wie er in der„Nordd. Allg. Ztg." versicheri, durch seine Eizählung von dem Rückzug der Bayern in der Schlachr von Loiguy nur zeigen wollte, wie treue Waffenbrüderschast stets die Preußen gehalten hätre. Leider slimnil mir mit dreier AvschwächungSerklärung die stenographische Aufnahme der Krachlschen Rede durch das Bureau Herzverg recht wenig überein, die jetzr dieses Bureau veröffeniltcht, um von sich den Verdachr abzuwehren, falsch berichtet zu haben- Nach diesen Äuszeichiiinigen des Herzbergschen Berichlerftallcrs hat nämlich Herr Generatteuinanl v. Krachr geiagl; „Ich war Koinpagnieführcr im Regiment Hamburg, das mit dem Regiment Bremen eine Brigade unter dem Oberbefehl des Grotzhcrzogs von Mecklenburg bildete. E war in der Schlacht von Orleans; bayerische Truppen gingen gegen die Franzosen vor. Die ganze bayerische Artillerie, eiwa 100 rsesai ritze, war in slartem Feuer gegen oie Franzoien vc- griffen. Plötzlich sah ich, wie die bayeriicue Jiifanicne vor dem ttaiizösischen Feuer aus ihre eigenen Geschütze ziuLckflulele und schließlich hinter einer Kircdhossnianer• Deckung mchre. Das iranzösische Feuer war so stark, daß, wenii jemand den Kopf über oie Mauer erhoben Höne, er....(der Redner macht eine de zeichnende Bewegung). Unsere Brigade wurde aus einer rückwärts tiegenden Slellung herangezogen. Wir konnlen aber nicht lolorr ein» gr eisen, weit vor uns ein Gefecht stattfand. Als die Bahn chr uns frei geworden war, ließ der Großherzog von Mccklenvurg die Fahnen enthüllen, und mil einem totossalemHurra gingen wir auf die Franzoien tos und haben sie auch glücklich geworfen. Vor eiwa 2 bis 3 Jahren war ich auf einem KotoiiiaUage in Worms, und wir Teilnehmer machten von dort- einen Ausflug nach Neustadt an der Hardr... Ich lrug mein Eisernes Kreuz(das der Redner auch während der Sitzung lrug) und kam neben einen Herrn zu sitzen, der ebenfalls das Eiserne Kreuz halle. Wir kamen ins Gespräch und er fragie mich: Wo haben Sre denn das Eiserne Kreuz her? Daraus aulworlere ich: Sagen Sie mir doch mal erst, wo Sie Ihr Eisernes Kreuz her haben? sHeiterleit.) Darauf erzählte er mw, daß er Leutnanl bei jenem vahenscheir Truppenleil gewesen sei, der damals hinter der KirchqosSmauer habe Deckung suchen müssen. Er schitderle:„Aus einmal, während die bayerischen Truppen in jener unangenehmeii Siluanon waren, haben wir ein kotossates Hurra gehölt und gesehen, wie die Preußen in einem kotosiaten Angriss' gegen die Franzosen toSstürmlen mid sie warien, so daß dann auch oie bayerischen Truppen vorgehen tounreu." Ich sagte: „Herr, da war ich ja auch dabei." Indessen war oie Redezeit des Generals v. Kracht abgelaufen und der Vorsitzende der Preußenkundlagung macht Generat v. Kracht daraus ausmerkiam. Generat v. Kracht: Ich wollte nur dieses Erlebnis erzählen. Wenn wrr kommen, dann kriegen sie alte Courage.(Heiterkeit und Beifall.) Tielleichl verfügt die Lenung des Preußenbundes, daß zu seineu nächsten Tagungen kerne Berichlerstailer und Stenographen wieder zugelassen werden, damit nicht mehr so sonderbare Mißverständnisse voikommeil._ Auch et» Erfolg des„Preustcntages". München, 20. Januar. In der heuligeii Sitzung der Kammer der Abgeordneten protestierte bei der Beralung des Mililäretals Ab- geordneler Loibl(Z.) gegen die Aeußcrung des Generals v. Krach: aus dem Preußeutage in Bertin über das Verhallen der bayerischen Truppen bei Orleans und erkläne, derartige Angriffe ständen viel zu niedrig, als daß sie das Ansehen und den Ruhm des bayerischen Heeres irgendwie beschmutzen könnten. Abg. Dr. Dirr(üb.) gab namens seiner Partei folgende Er klärung ab: Wir empfinden die aus dem sogenannten Preußentage gefallene Aeußerung eines preußischen Mitilärs a. D. gegen die bayerische Armee als eine durch nickls gerechtfertigte Herabsetzung der bayeriilpen Armee und ihrer ruhmreichen Geichicdlc und als eine ganz unerhörte Schmähung der Verdienste, welche sich die bayerische Armee um die Einigung DeulichlandS, um die Wiederaufrichlung des Deutschen Reiches auf den Schlachifetdern Frankreichs erworben hat. Jä weiß nicht, soll man sich bei dieser Aeußcrung mehr wundern über die Unkeniilnis emes hohen Offiziers über die ein« schlägigen kriegeriscden Verbältnisie oder über die unglaubliche Anmaßung, mit welcher dieser Herr über die bayerische Armee zu sprechen sich erlaubte.(Zustimmung.) Kriegöminister Freiherr von Kreß erklärte: Die durch die Presse gegangene Nachricht, nach der General von Kracht gelegentlich deS am 18. Januar abgehaltenen PreußentageS geäußert haben soll, daß die bayertiche Armee bei Orleans sich zurückgezogen, die Preußen aber flott angegriffen hätten, muß mir als in telldenziöser Absicht entilellt erscheinen. Wenn sich aber die Nachricht als richtig erweisen sollte, so könnte ich eine so unerhörte Aeußerung nicht scharf genug brandmarken. Sie würde eine Verunglimpsung der glorreichen Erinnerungen der bayerischen Armee einhalten, die gerade in den Kämpfen von Orleans sich auf das beldenniütigste geschlagen iind mit unvergleichlichein Ruhme be- deckt hal. Ich mützie eine solche Aeußerung aus dem Munde emeS so hohen Offiziers aufs lief sie bedauern und einen solchen Anwurf gegen die bayerische Armee auf das entschieden st c zurückweisen.(Allseitiger Beifa» im ganzen Hause.) Der„Preußeiigeist" macht, wie man sieht, neue Eroberungen. Zivilgewalt und Militärgcwalt in Württemberg. Ueber die Frage, unier welchen Voraussetzungen die militüri- ichen Befehlshaber zur Unterdrückung innerer Unruhen einzuschreiten befug! sind, ist der„SmalSanzeiger" nachstehendes miizuteilen in der Lage: Die Bestimmungen über Verwendung des Militärs bei inneren Unruhen sind im Reiche keine einheiilichen. In Würtlem- bera darf ein Eingreifen des MclilärS nur nach vorangcgangenei Aufforderung �der zuständigen Behörde erfolgen. Diese Vor schritt die sich auf das würtieinbergtt'che Gesetz vom 28. August 1849 be»' treffend das Aufgebot der bewaffneleii Machi gegen Zusammen- roltiingen und Auttudr gründet, ist für alle in Württemberg dienen- den O'finere. also auch für die hierher kommandierten Offiziere anderer Koinipgente, ausschließlich maßgebend. Strafverfahren gegen de»„Elsässev". Gegen den Redakteur des„Eliässer" in Slraßburg hat nunmehr die SlaatSamvaltschast ein Slrafverfabren wegen Verleitung bezw, Anstiftung zum militärischen Komplott eingeleitet. ES handelt sich dabei um die Berichterstaltung über die bekannten Vorfälle in Zabern, zu welcher der Redakleur die inzwischen zu Arreststrafeu veruneilten elsäifischen Rekruten veranlaßt hatte. Termin findet in dieser Sache bereits Anfang Februar vor der Straßburger Straf- kammer statt. Nach dem Kölner Polizeiprozeh. Kol», den 20. Januar.(Privattelegramm de§„Vor« w ä r t ü".) AuS Anlaß deS Kölner Polizeiprozesscs fanden hier gestern zwei öffentliche Versammlungen statt. Ob-- wohl beide Lokale bis auf den letzten Platz gefüllt waren, wogte noch eine zahlreiche Menschenmenge durch die anliegenden Straßen. Der verurteilre Redakteur S o l l m a n n, der in der einen Vcr- sammlung sprach, dankte für die ihm bereitete Kundgebung und bemerkte u. a, weiin man auch das Gerichlöurtetl respektiere, so müsse er doch als Demokral das Urteil der Bevölkerung höher stellen. Redner erkannte die objektive Haltung des Gerichts an, ist aber der Meinung, daß die Verbandlung alleidingZ durch eiileii Freispruch halte gekrönt werden müssen. Die ihm seitens des Gerichts vor- geworfene schärsere Abfassung des Artikels rechtfertigte der Redner damit, daß wohl keine Behörde rücksichtsloser mit der Bevöllerung verfahre, als die Polizei. In der Verhandlung selbst habe er sein Möglichstes getan, um Existenzen zu schonen, er müsse deshalb alle Berantwoilung ablehnen, ivenn infolge des Prozesses, den er nicht gewollt, Existenzen zugrunde gerichtet sein sollten. AuS dem württembcrgischen Landtag. Im württembergischen Landtag, der am Mittwoch zusammen- tritt, wird von der sozialdemokratischen Fraktion folgende Jnter- pellation eingebracht: „Iii die Regierung bereit, AuSkuilft darüber zu geben: 1. welche Maßnahmen sie zur Bekämpfung der vorhaiidenen Arbeitslosigkeit und des dadurch bewirkten NolstandeS weiter Arbeiterkreise sowie zur Unterstützung der durch die wirtschaftliche Krise schwer geschädigten kleinen Gewerbetreibenden zu ergreifen gedenkt; ob sie die Beschlüsse der Zweiten Kammer vom 13. August 1909 und 1. Juni 1911 betreffend Arbeitslosensürsorge nunmehr durchzuführen gedenkr." Bemerkl.sei, daß die erwähnten Beschlüsse der Zweiten Kammer die Negierung bereits aufforderten, an Gemeinden, die Arbeilsloseir- Unterstützung gewähren, staailiche Zuschüsse zu leisten. Bis jetzt hat die Regierung diesen Beschlüssen nicht entsprochen. Die Vol'kSpartei bringt zum Fall Zabern eine lleine Anfrage ein; sie laulet: „In Württemberg ist, wie in den anderen deutschen Bundes- staaten infolge der bekannteli Vorgänge in Ellaß-Lothringen eine Beunruhigullg der Bevölkerung entstanden, itisofern mit der Mög- lichkcit gerechnet wird, daß auch in Württemberg die Ausübung der bürgerlichen Polizeigewalt vom Militär an sich gerissen werden konnte. Gedenkt die Regierung, diese Beunruhigung durch Klar- slellung deS in unserem Lande bestehenden RecvlSzustondes zu zer- streuen, wie das in Bayern durch die dortige StaatSregieruug ge- schehen ist." Die VolkSpariei will sich mit einer schriftlichen Beantwortung der Anfrage begnügen. Von der Antwort der Regierung wird es abhängen, ob auch im würtiembergischen Landtag größere Debatten über den Fall Zabern stattfinden. Die Alldeutschen gegen den bayerische» Kriegsminister. Im baherischeli Landtag hat der Kriegsminister Kreß b. Kressen« stein ausdrücklich betont, daß die Militärverwaltung dem Treiben der „alldemichen Mitilärfanaliker" vollkommen fernstehe. Die„Alldeutschen Blätter" befassen sich Nun in ihrer letzten Nummer mir dieser Er- klärung und bemerken: „Die„alldeutschen Militärfanatiker" find jedenfalls um daS Heer hochverdiente selbstlose Männer, und sie werden eS sich wohl ent- schieden verbitten, in dieser Weise öffentlich angesprochen zu werden. In anderen Ländern ist man für militärische Anregungen dank- bar. Auch der preußische Kriegsminister hat auSdrückiich im ReichSlage kürzlich erklärt, daß er Anregungen und Vor- ichlägen, wenn sie in guter Absicht erfolgen, wohlwollend gegen« überstehe. Solche Anregungen und Vorschläge sind aber seinerzeit- von den„Mililärsanalilcrn" ausgegangen, und sie halten eS auch jetzt für ihre vaterländische Pflicht, im Sinne des preußischen Kriegsministers vorzugehen." Hinter die behauptete Selbstlosigkeit der Alldeutschen muß zu« nächst ein großes Fragezeichen gemacht werden, denn unter ihnen wird sich mancher Interessent befinden, dem jede Vermehrung des Heeresbedarfs klingenden Lohn bringt. Wie sich der preußische Kriegsminister zu dem Trick stellt, baß man ihn gegen seinen bayerischen Kollegen ausspielt, wird man viel« leicht im Reichstag zu hören bekommen. Inöien. Ein Attentat. Äalkutta, 20. Januar. Gestern abend hat sich hier ein neues politisches Attentat ereignet. Ein Unter- i n s p c k t o r d e r K r i m i n a l p o l i z c i wurde auf offener Straße durch Revolverschüsse getötet, und zloar in Gegenwart von Hunderten von Passanten, von denen niemand den Per- such machte, den Mörder zu ergreifen. Nach langer Jckgd, auf welcher der Mörder mehrere Schüsse abgab und zwei.Personen verwundete, konnte er von dein Ordonnanzoffizier des Unter- inspektors festgenommen werden. Der Unterinspektor hatte an der Untersuchung wegen der letzten Verschwörungen in Kalkutta sehr tätigen Anteil genommen. ' Letzte Nachrichten. Die letzte Ehrung PicqnartS. Paris, 29. Januar. In der Kammer ersuchte der KriegS» minister N o u I c n s um die Bewilligung von 20 000 Mark für die Beisetzung des Generals Picquart auf Staatskosten. Unter leb» haftem Beifall-bcr gesamten Linken und heftigem Lärm der Rechten und deS Zentrums hob AoulenS die Verdienste PicquartS um die Gerechtigkeit hervor. Der Entwurf wurde darauf mit 858 gegen. 114 Stimmen angenommen. Paris, 20. Januar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung'des Senats legte Kriegsministor N o u l e n s den Gesetzentwurf und das Abstimmungsresultat der Kammer betreffend die Bestattung des Generals Picquart auf Staatskosten vor.(Lärm auf der Rechten; lebhafter Beifall links.) Während der Verlesung des Entwurfs und der Motive hielt der Lärm an.(T r e V e n e n c rief: Was werden Sie für Dreyfui tun?) Präsident Dubost er- klärte, die Vorlage sei nur die Anwenoung der Gebote der Ge- rechtigkeit, für die das Parlament gestimmt habe. Ministerpräsident D o u m e r g u e griff in die lebhafte Debatte ein und erinnerte karan/daß Picquart im Vertrauen auf Gerechtigkeit und Wahrheit dem Laude große Dienste geleistet habe. Selbst in den finstersten Stunden sei er nicht verzweifelt, und um sich diesen Triumph zu sichern, habe Picquart seine Zukunft und seine Freiheit geopfert und stets für das Vaterland gewirkt. Die Vorlage wurde darauf mit 221 gegen 30 Stimmen angenommen. In Südafrika wird weitergcftreikt. Johannesburg, 20. Januar.(W. T. B.) Der Generalsekretär deS südafrikanischen Bergarbeitcrverbandcs erklärte bei einem Interview, daß die Mitglieder des BergaröeiterverbandeS von Transvaal nicht zur Arbeit zurückkehren könnten, bis die Regie» rung daS Kriegsrecht aufgehoben habe oder der Gewerkschaftler» band oder der Bergarbeiterverband ihren durch Abstimmung ge» faßten Streikbeschluß zurückgenommen hätten. Todes-Anzeigen SozialiieinoMelier VablTereio (. d. 4. Herl ReiebstagswaiMs Landsberger Viertel. Bezirk 422. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Arbeiter Ulbert Lctiaeltler Woldenberger Ltraße 19, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, dm 22. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Zvitralsriedhoss m Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ltai» Vorstand. Sozialdemokratischer WablvereiD i.d.4Jerl. Reithstagsvahikreis. uörlitzer Viertel. Bezirk 199 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Tischler Lmil Hartwig Grünauer Str. e, gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet an, Donnerstag, den 22. Januar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Friedhoss in Friedrichsfeldo aus statt. Uni rege Beteiligung ersucht 210/14 vor Vorstand. Sozialdemokratischer Wahiterein Am 18. Januar verstarb unser Parteigenosse, der Schlosser Max Heinrich Weser Str. 163— 6. Bezirk). Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Januar,»ach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des AnstaUskirchhojeS in Sorau ans statt. 236/3 Der Borstand. DeotseberKietaiiarlieiter-VerbaDil VarwaltungssteDe Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mttgued, der Schlosser Max Heinrich am J8. d. M. an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Januar, nach- mittags 2 Udr, von der Leichen- Halle des AnslaUSkirchhoseS in Sarau aus statt. Rege Beteiligung erwartet l 119/2 Die Ortsvenoaltung. Beutseber Rolzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Maschinen- arbetter AlbeH; Neben Lqchener Str. 21, im Wer von 26 Jahren gestorben ist. Ehre setnem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des HimmclsahrtslirchhofeS ui Nordend aus statt. 82/2_ Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Am 16. Januar starb unser Mitglied, der Maurer Ksr! Bieneck (Bezirl Wedding). Ehre seinem Andenke»: Die Ewüscherung findet heute Mittwoch, den 21. Januar, nach. mittags 3 Uhr, im städtischen Krematorium in der Gerichtstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 149/9 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Mlchhändler 196A August Schmäscho •am 19. Januar nach langem, ichwerem Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung stndet am Donnerstag, den 22. d. RlS., nachmittags 3 Uhr, von der Halls des neuen Jakobi-Kirch- hoseS in Neukölln. Hermann- straße 99/199, auS statt. Deutscher Transportarbeiter-Yerhand. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Arbeiter Karl Gebhardt am 17. d. MtS. im Alter von 47 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 21. Januar, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichenhalle der Andrcas-Gemsinde.Wilheluls- berg, aus statt. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- diener lXuxust Gärtner am 19, d. Mis. im Wer von öS Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Marlus-Gcmemde, Wilhelms- berg, auS statt. 61/19 vi« Bezirksverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am l9. d. nach langem, schwerem Leiden meiir lieber Mann und guter Bat-r, der Tischler EErnst Schulze verstorben ist. 6266 Um stille Teilnahme bitten Anna Schnlzc nebst Tochter. Die Beerdigung findet morgen Donnerstagnachmiitag 3 Uhr von der Leichenhalle dc§ Luther-Kirch- Hofes in Lankwitz auS statt. Zectrai-Men- u. Sterbekasse iL deutsch. Wagenbauer(Gotha], Filiale Reinickendorf-Ost. Am 19. Januar verstarb unser Mitglied Marie Sebneider. Ehre ihrem Andenke« I Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22 Januar, noch- mittags 3 Uhr, aus dem Ge- meiude-Friedhoj Humboldtstraße aus statt. 2S7,3 257/2 Die OrtSverwaltnng. Da»»ksaguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Testnabme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Baters sagen wir allen Verwandten und Bekannten, ins. besondere den Borgesetzten und Kollegen der Fabrik Zyklop sowie den Genossen des 6. Kreises unseren herz- lichsten Dank. Bosalie Dongovski 12SA nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme»nd Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres un- vergeßlichen Vaters psul ksnlkons sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden, Kollegen und Bekannten sowie dem Wahlverein. Gruppe I, unseren herzlichsten Dank. Witve Rendorf 1195t nebst Kindern. Or.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 19— 2. 5— 7. Sonntasrs 19— 12. Haben öie ototi9 ich fertige daxton Anzug od. PatCtot nach Mass* sdück. daaerii. Zutaten von 25 Mark an. Moritz LMbsitd, Nene Promenade S. II.(Stadib. Bon.) Ordsnfl. Senerai-Versantnilungj der Krallkengeld- Zuschuß- und Ktgrübuiskasse der Kerliuer Kuopfarbeiter u. verw.Gew. Sonnabend. 84. Januar 1911, abends S1!. Uhr, bei Kuotd. Wrangelstr. 195. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. a) Vierteljährlich, b Jährlich. 2. Wahl des Gesamtvorstandes und der Revisoren. 3. Innere Kaff nanlegenheiten. 4. Verschiedenes. L24b D«r Vorstand. I. A.: Paul Schulz, Schri tführer. Freireligiöse Gemeinde. Freitag, den S3. Januar, abends S1/- Uhr, in„Alt-Berlin", Lluroon-rr. 10: |BeschlieBendeVersammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des ScliriftsteUers O. I-ebmann■ EoCbüldt: „Luther und Giordano Bruno44. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Wahl der Eevisoren. 4. Verschiedenes. -- Die mtgliedsbarte ist vorzuzeigen.---- 54/2 e ntfrrtfz H . J Uebermll znfeaban In Flaichen von 10 Pf.in. F»biik: Ctiemi;cheWeri(«Liibwyaiki A Ca. AJuieBgeseii-chaft, Berliii Licalenbere- atentanwalt Prillwitz Berlin N.W21.Thurmsfraße 31*. Verband der Maler. Sackierer, Anstreichet Bureau: Melchiorstratzc 28, pari. Fernsprecher Amt Mpl. Rr. 4787. Male SerUn. U8w. Arbeitsnachweis: Rückerstrafie y. Fernsprecher: Amt Norden 6708. Hierdurch ersuchen wir diejenigen Mitglieder, die vom 1. Dezember bis jetzt ununterbrochen arbeitslos waren und verheiratet sind, sich bis zum Sonnabend, den 24. Januar, im Verbandsbureau oder auf den Kontrollstellen zu melden. Die Ortsverwaltung. Mohrensttffä Kolonnaoerv QrfranKfurteritrllS Trauer-. Magazin Kfeioer.HiifB Öc ja- Äußerste Preise .. Tarbige Konfektion in grölMem Maßstäbe zu bfl ligsten -Preisen— Westmann Arminius-Hallen Bremer Str. 72/73. Gros; er Saal mit Bühne Sonnabend,'it.,'iS. Marz, zufällig wieder frei geworden. Ann Schölzel. Ii I. laiitunimiunnHiiutiiiiiiiiiniiiiiiUiüiiiiiiiiitutuiiiiiiiiiimimiuuiuiiimiiiiiiinüuiiiiHiiiniuiiiiuiunmnnNiii Ich war krank Ich«chmmen. Ütfratl. Jede klone SrkSttung ließ mein beiden stärker in die Erscheinung treien. Lfi konnte ich vor«Schmerie» in der Nicrmgegend nicht leben. Schließlich bekam ich An- schwestungen an den Kißen, so daß ich keinen Echrist mehr gehen konnte. Dazu aesellten stch bald die gräßlichsten Schmerzen in den Armen. Ich Patte schon aste tust zum reden verlöre». Da machte ich eine Entdokung. Zch fand ein einzigartiges Mittel »mimiMinineiiiuiiinmmnnHuummiiiUMiiiunmnin Diese« Mistel hak mir geholfen. Ich Paste erkannt, daß mein Znstand nur ans dm �---),«al iiderinäßigm Senuß von Fleisch. und Tee znrß-kjllfübrcn war, wodurch stch im raufe der Jahre eine ungeheure Mmge Harnsäuregift in meinem Kärper ange- gaffe- im Taufe t a Kärper anae- sammelt hast«. Heute bin ich wieder snsck« auf dem Posten, meine«Schmerzen haben stch verloren und ich siihl- mich wie neugeboren. Diese« einzigarrige Mittel Heß Ich durch Deutsches RelihS-Patc»« gesetzlich schützen, et erhiest den pkamm„Botano". Bei ZuetertraukheU,«Nicht, Rheumatismus, terzleidrn, Nierenleiden, Blalenlridcn, Wastrrsuch» usw trinken je nur„Bolnno". Solana ist ärztlich begutachtet und besten» empfohlen. Diele glänzende Anerkennungen liegen vor. probieren Sie Boiano, es kostet •Sie nichts und lassen Sie stch sofort ein probepälkchen sowie die Auf. klärungsschr-t,„Botauo— Ter gieind der Hnrnsäure" grast« kommen. Schreibm Sie noch heute eine pvstkario an die Bolano-Wcrte, «A. m. b. H., B r r s l a n 2, P o st s a ch 147/ 38 weiche die Herstellung diese« ausgezeichneim Präparate« übernommen Häven. Ein Original-Paket „Botano" Ivstet nur 1.50 M?.. von 4 pakeien an erfolgt Zranko-Zusendung. rmllllllllllllstllstk!llltllllllllilllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllll»l!lll!»»l!llstlllllilllststlllstlllsintiltlllinilillml t.K.m.d.». lentkale: licbtendeni, Rittergutstf. 16 26. Donnerstag Sehellflseh per Pfd..., Kabliau Ohne Kopf, per Pfd. 28 Seelachs.«. Sessisohs . Z0 Pf. Seeaal.. per pf-t. 28 pf. 28 koliuogeil 30 u. Lonnsden� in süen Verkaufsstellen; Australische Kaninchen. Danksagung. Für die vielen Bvveis e herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen Beteiligten uieinen herzlichsten Dank. 625b. _ S. Biermann. I___________ "gwänttt. Redokt.: Alfred Wiekep», Neukölln. Lnseratenteil veran tw. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Donnerstag, den ÄS. Januar, abends S�/z Ihr, im Crewerkschaftshunsc(grosser Saal): General- Versammiung und Tagesordnung; Kassenbericht des Vorstandes und der 1) Geschäfts- Revisoren. 2) Antrag der Vereinsieitung und der Funktionäre zwocks Abänderung des Kartellvertrages der beiden Freien Volksbühnen. Reforent: Keichstagsabgeoidneter Robert Schmidt. 0) Antrag der Vereinsieitung, Vorstand, Ausschussund Ordner, auf Abänderung des Vereinsstatuts. Diskussion, Abstimmung über den der Goneralversamxn-| hing vorliegenden Entwurf eines abgeänderten Statuts. 244/2 Nur Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung der( Mitgliedskarte. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder, bittet Der Vorwiand. In Vortr.: Der Geschäftsführer G. Winkler. I Verwaitungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Tonnerstag, den SÄ. Januar INI 4, abends 8»/; Uhr: Mitglieder-Versammlung der Klempner in den AndreaS-Festsälen, Andreasslraße 21. Tagesordnung: t. Lichtbildervortrag des Genossen Ernit Reuter über:.Di« Befreiungskriege«. 2. Interne Branchenangelegenheiien. Die Kollegen werden ersncht, ihre Frauen mitzubringen. In Anbettacht dessen, daß wir leine Kosten scheuen, den Kollegen etwas Neues mit den Vorträgen zu bieten, ersuche» wir dringend, zahlreich zu erscheinen._ 111/3 Soeben erschienen: Eines Arbeiters Wellreise. Von Fritt Kummer. Das Buch kostet gebunden in sehr guter Ausführung sür Mit» g 1 i e d e r 3 ZA. Zu haben in unserem Bureau: Linienstr. 8Z/85 II in der Bibliothek. Dl« Ortsverwaltang. Kaufmannsgeriehtswähler! HandlungSgehilfinncn! Handlungsgehilfen! Ionucrslag, den 22. Januar, abends 8V2 ilhr, in Ucllcra Xcue Philharmonie, Köpeniiker Strasse 96.97 4 Graste öffentliche Versammlung. Thema: Wo steht der Feind? Referenten: Reichstagsabgeordneter vUUvk-Dresden, Kollege K.ai'1 Bnblltz. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 77/4' Jentralverband der handlungsgehilfeu. Bezirk Berlin. V SS, Münzstr. SV II. menn ole3hre Sf rme i Wyberf Der Vorstand. ES>—' fr CfrSP fei'Ml Srts Büchdr. u. LorlagSanstalt P mütigem Augenvcrdrehcn die dargebotene Gelegenheit, aufs neue ihre unwandelbare Ordnungsliebe, das heißt Charakter- losigkeit, dem Unternehmer zu zeigen; sie wendeten ihre ganze Kraft auf, um die Mitglieder der freien Gewerkschaften aus dem konstitutionellen Paradies zu vertreiben. Es war ibncn ein voller Erfolg beschieden; sie haben nunmehr das unbe- schränkte Monopol auf die Freesesche Futterkrippe. Dieser bescheidene Sieg über die freien Gewerkschaften hat nun dem konstitutionellen Frcese die Kampfeslust ins schier Maßlose gesteigert. In einem Tone, der dem des verbissensten Scharfmachers aufs Haar ähnelt, ruft er zum Ver- nichtungsfcldzug wider die Sozialdemokratie zusammen. Mit Hilfe der Hirsch-Tunckerschen, christlichen und gelben Lands- knechte, serner gestützt auf das konstitutionelle Prinzip glaubt er den harten Strauß wagen zu können. Dieser Mann hat auch endlich die Wurzeln der sozialdemokratischen Macht cnt- deckt, da kann der Sieg nicht ausbleiben:„Man sucht die Wurzeln der Kraft der Sozialdemokratie vergeblich in den Wahlvereinen, in ihrer Presse oder in ihren Massenvcrsamm- lungen mit den großen Worten und den lahmen Resolutionen. Ihre Wurzeln liegen in der Werkstatt. Da gewinnt sie ihre Mitläufer und ihren Nachwuchs... In der Werkstatt muß der Kampf mit der Sozialdemokratie ausgenommen werden. Dort muß ihr Einfluß gebrochen, müssen die Neulinge und Mitläufer vor ihr geschützt, muß ihrer Agitation der Boden entzogen werden. Das kann mit Erfolg nur gesckiehen durch Gegenorganisationen, die den Arbeitern wirtschaftlich und rechtlich mehr gewähren als die sozialdemokratischen Gewerkschaften. Die Wcrkvercinc können es sebr gut im Rahmen ibrer Wohlsahrtszwecke. Die Gcivcrkvcrciiic und nationalen (Gewerkschaften könnten es mit mehr Erfolg als jetzt, wenn sie mehr Schutz und Förderung bei den Arbeftgebcrn finden würden. Die konstitutionelle Fabrik kann es am besten." Als„Dämme gegen die rote Flut" empfiehlt der Herr Konstitutionalist„alle nationalen Bestrebungen": Kriegcrver- eine, Gewerkvcreiue, christlich-nationale Gewerkschafte« und den— Psadfinderbund! Und er schließt mit dem kriegerischen Alarmruf:„Ich richte deshalb an alle meine Standesgcnossen den Mahnruf: dem Kampfe um die Seele des Arbeiters und damit um die Zukunft des Volkes nicht länger auszuweichen. Der Sieg liegt noch in unserer.Hand. Wir können ihn ober nur erringen, wenn wir den Forderungen der Zeit nachgekom- men sind. Nur wenn das geschehen ist. werden die Arbeiter aufhören, dem Lockruf der Sozialdemokratie zu folgen. Die Reihen der nationalen Vereine und Getverkschaftcn, der Kriegcrvcreine und der lxiterländischen Jugendorganisationen werden sich dann füllen. Der konstitutionellen Fabrik wird dann die Zukunft gehören." Hurra! Das ist also das wahre Gesicht der so heiß umstrittenen konstitutionellen Fabrik. Frees? lwt schon reckst, wenn er schreibt:„Konstitutionelle Einrichtungen, wie ich sie empfehle, können niemals mit der Sozialdemokratie, sondern nur gegen sie durchgeführt werden." Sehr richtig! Die organisierten Arbeiter waren zu gescheit, hatten in ihrem l?arten, rechtlosen Dasein zu rcick'?e Ersabrungen gesammelt, daß sie nun ge° dankenlos den süßen Leimruten eines fünfmal klugen Kapita- listen nachlaufen sollten. Und weil die Arbeiter auf diesen schön servierten Schnick-Schnack nicht eingingen, weil sie für die hohlen Phrasen des Frees? nickst das geringste Verständnis hatten, deshalb werden jetzt alle bösen Geister wider die So» zialdemokratie und die freien Gewerkschaften aufgerufen. Zuerst war die konstitutionelle Fabrik ein unfehlbares Uni- versalmittel, auf friedlichem Wege die soziale Frage zu lösen, und jetzt wird sie allen Scharfmachern zur Ueberwindung der Sozialdemokratie angepriesen. Welch treffliche Wandlung! Und wie absolut sicher Frcese schon den�Ticg gegen die Sozialdemokratie in der Tasche hat:„Die Sozialdcnnstratie ist ein Koloß mit tönernen Füßen. Ein kräftiger Schlag darauf und der Riese bricht hilflos zusammen." Immer feste dranf! Warum führt dieser starke Mann nicht den cntichei- denden Schlag? Tic Scharfmacher und Reaktionäre jeder Couleur würden ihm für dieses großartige Scherbengericht stürmischen Beifall zollen, ja sie würden ihn sicher zu ihrem ersten Obcrhäuptling küren. Also mir immer feste dranf! Er ist damit auf dem besten Wege, der berühmteste Mann der Gegenwart zu werden. ' Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften wer- den diese reaktionären Anpöbelungen am besten zu dem Ma- terial legen, das sie schon in großer Fülle vom Reichsverband und den Scharfmacherverbänden gesammelt haben. Frees« wollte den Klassenkampf in der konstitutionellen Fabrik in aller Ruhe erdrosseln. Das gelang ihm nicht. Darum zieht er jetzt das Schwert, Leider aber ist es nur von Pappe. Tie ganze lärmende Aktion des Konstitutionalisten mutet an wie eine neuzeitliche Ton Ouichotterie. Die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften werden weiter ans der harten Bahn des Klassenkampfes marschieren. Und sie gehen dabei hinweg über Frees? und alle„konstitutionellen" Fabriken, bis endlich durch den K l a s s c n k a m p f der soziale Friede er- rungen ist!_ Serlin und Umgegenö. Zum Streik in der Berliner Etuisbranche. Schon 15 Wochen währt der Kampf in dieser Branche, ohne daß ein Ende abzusehen wäre. Die Unternehmer machen in der letzten Zeit verzweifelte Anstrengungen, um Arbeitswillige zu erhalten. Unter allen möglichen Versprechungen werden Nichtorganisierte Buchbinder gesucht, die Lust haben, sich auf EünS einzuarbeiten. Aber der Gimpelfang lohnt sich bis jetzt nicht. Einige brauchbaren Kräfte, die in Unkenntnis der Sachlage Arbeit angenommen hatten, kehrten den bestreikten Betrieben sehr schnell den Rücken, nachdem sie über die Ursachen deS Streiks aufgeklärt waren. Schon längst glaubt keiner der Arbeiter dieser Branche mehr an die Behauptung der Unternehmer, daß es sich in diesem Kampfe nur um die Benutzung des Arbeitsnachweises und die Einschränkung der Anzabl der Lehrlinge handelt. Nein, dieser Kampf wird wegen der Erhöhung der Stundenlöhne geführt, die die Unternehmer nicht bewilligen wollen, obgleich die Arbeiter in allen anderen Forderungen Entgegenkommen gezeigt hatten. Aus diesem Grunde kann auch von einem Abbruch deS Streiks nicht gesprochen werden, den man sich im Unternehmerlager sehnlichst herbeiwünscht. In der letzten Versammlung der Streikenden wurde einstimmig he- schlössen, den Kampf trop der langen Dauer mit unverminderten Kräften fortzusetzen. Daher ist auch fernerhin jeglicher Zuzug nach den Berliner Etuisbetrieben fernzuhalten und Streikarbeit zu ver« weigern._ Die Zustände bei der Firma Peek u. Cloppenburg. Eine öffentliche Versammlung, die der Verband der Schneider einberufen hatte, beschäftigte sich mit den Verhältnissen bei der Firma Peel u. Cloppenburg. Kunze referierte. Seit Beendigung deS Streiks in der Herrenkonfektion werden immer mehr Klagen laut von den Arbeitern, die bei der Firma Peel u. Cloppen- bürg beschäftigt sind. Wie Kunze erklärte, sind diese Klagen bc- rechtigt. Sofort nach dem Streik setzte bei dieser Firma eine un- genügende Beschäftigung ein, die sich immer einschneidender geltend machte. Zweifellos bestehe bei Peek u. Cloppenburg seit dem Streik ein raffimerteS System, bei dem die einzelnen Arbeiter gegen ein- ander ausgespielt werden. Wenn aber von einem Teil der Arbeiter aus Verärgerung auf den Verband geschimpft werde, so sei das nicht nur unrecht, sondern auch unklug und schlage zum Schaden der Arbeiter selbst ans. Bei diesem Spiel sei nur das Unternehmertum der lachende Dritte. Die nachfolgenden Redner unterstrichen die Ausführungen de» Referenten und ergänzten dieselben an Hand ihrer Ersahrungen, die kleines Feuilleton. Das neue Witzblatt. Auf dem Prcutzentag hat ein Super- lutendent die Gründung eines Witzblattes verlangt, das angreisend vorgehen solle. Wen angreifend? Natürlich die Umstürzler. Nun wird das ja damit nichts werden: denn es ist ganz eigen- tümlick, aber so oft die Konservativen und die Agrarier und die Militärs einen Witz machen wollten, blieb alles lotenernst. Vielleicht mutz man Hunger haben, um gute Witze zu machen. Aber wenn sie ernst sind, dann haben wir uns schon oft aufS trefflichste amüsiert. Was braucht der Superintendent ein Witzblatt, solange seine Partei die„Kreuz-Zeitung" hat und die»Deutsche Tageszeitung" und die„Post"? Beispiel: Da hat der Zaberner Held einen Orden bekommen. Man fand das merkwürdig, datz ein Mann, der eben nur gerade noch init GotteS und anderer Hilfe an der Verurteilung wegen schwerer Ver- gehen vorbeigerulscht war, nun auch noch dekariert wurde. Die ernsten Witzblätter rechts baben aber schon eine Antwort bereit: Rein, sagen sie, einen Orden hat er nicht bekommen,— er hat seinen Orden bekommen. „Oberst v. Reuter hat ein Patent seines Dienstgrades vom IS. November 1912, und er besaß bisher als höchsten prcutzischen Orden den Kronenorden 3. Klasse. Nachdem er sich mithin im zweiten Jahre seines Dienstgrades befand, mutzte ihm mit den Regiments- kommandeuren vom gleichaltiigen Patent die nächsthöhere Stufe in der preußischen Ordensskala verliehen werden, die eben der Rote Adlerordcn 3. Klasse mit der Schleife ist." Na? Ist das vielleicht kein guter Witz? Wir andern haben immer geglaubt, der Orden sei eine Auszeichnung. Nun erfahren wir,— und das wird uns mit trocknem Witz mitgeteilt—, er ist eine Alterserscheinuug, wie etwa Hämorrhoiden oder eine Glatze... Der Herr Superintendent soll nur seine Zeitungen aufschlagen. Da findet er, was er verlangt. O welche Lust, Soldat zu sein! Je schlechter das Geschäft, um so wilder die Ncktame. In England greift das Liebesweiben für die Armee jetzt zum Inserat. Die Titelseite grotzer Zeitungen wird gekaust und mit einem Rieseninserat gefüllt, in dein die Armee ihre verlockenden Borzüge iolgendermatzeii anpreist: „Was die Armee bietet: Allen Junggesellen von tadellosem Ebarakler im Alter zwischen 1b und 25 Jabren biete! die Armee guie Bezahlung, gute Verpflegung und glänzende Gelegenheit zu Sport und Spielen." Und das Rieseninierat ladet jedermann ein, die 32 Seiten lange Broschüre zu verlangen, die all die grandiosen Borteile des Soldaten- lebens verführerisch anpreist, als da sind: „Herrliches Futzball. Criquet, Hockey. Billard. Bagatelle, prächtige, farbenprunkende Uniformen. Gratlsreisen nach Gibraltar, Matla, Aegypten, Hongkong, Indien. Westindien und Südafrika." TaS Weltparadics. das diese Inserate aufsteigen lassen, ist natürlich ein grandioser Schwindel. Der Dichter Kipling hat in seinen Liedern von» armen Tommy Alkins das rotröckige Elend der Dummen, die sich werben ließen, mit ätzender Deutlichkeit ge- zeichnet. Der englische Soldat ist nichts als eine besondere Sorte Paria, und nicht bloß der englische. In England läßt man's ihn bürgerlich fühlen, und in Deulschland beweisen endlose Mitzhand lungSprozesse und anderes, welche Rolle ihm militaristisch zu gewiesen ist. Und wenn nun in England die Heeresleitung das Soldatsein in Zeitungsinseraten übers Bohnenlied preist, so wird das in Deutschland zwar nicht von feiten der Armee und auch nicht mit be- »ahlten Inseraten besorgt, sondern hier setzen sich bürgerliche Zeitungsspalten mit redaltioneller Begeisterung freiwillig dafür ein. In Hceresdingen schlagen wir die Engländer eben um ein paar mächtige Nasenlängen. Der Zollstreit um die Jbsen-Büstr. In New Aork geht äugen- blicklich Bernard Shaws Schauspiel„Philander" über die Bretter Zur Inszenierung gehört eine Büste Ibsens, die sich der amerikanische Thcaterdirektor von Europa verschrieben hatte. Der Ahnungslose balle aber vergessen, mit dem skeptischen Geiste der New Dorker Zollbebörden zu rechnen. Als nämlich die Büste auf dem New Dorker Zollamte anlangte, wurde sie sofort der Gegenstand einer leb basten Diskussion. Die Beamten konnten nickt einig werden, ob Ibsens Büste als Kunstwerk betrachtet werden könne und damit zur Kategorie der zollfreien Gegenstände zu rechnen sei oder ob eine Steuer für das Gipsporträt des großen Norwegers in den Säckel Uncte SamS stießen müsse. Und als man sie für verzollbar hielt. erhob sich aufs neue die Schwierigkeit, unter welche Kategorie der verzollbaren Gegenstände denn die Büste zu rechnen sei. Nachdem die stiiltigc Frage gehörig erörtert worden war. bis zu den höheren und höchsten amerikanischen Behörden hinauf, erging der Entscheid, daß„die Wiedergabe der Gesichlszüge eines Menschen nicht als Kunst zu betrachten sei". Wahrscheinlich werden also in Zukunft Büsten, Porträts usw. aus dem New Dorker Zollamte nach der Kategorie der„künstlichen Körperteile" oder„anatomischen Unterrichtsmittel" verzollt werden. Hnmor und Satire. Agrar-Apachen. Hcydebrand und von der Läse, Der geübte Kanzlerstürzer, Packt den Belhmann an der Note Und schon geht sein Atem kürzer. Zwar nach immer an der Stelle, Die S. M. ihm gaben, siebt er, Sorgenrnnzeln wirst die Pelle, Und man sragt sich: ' er? Dock jetzt packt cS Wartenburgen! Railb kniet er ihm aus die Lungen, Um ihn völlig zu erwürgen. Belhmann ist von Schweiß durchdrungen. Wincklcr sordcit von dem Greise Die direkten Steuergelder, Doch der stottert ernst und weise Seine Predigt. Fällt er? Furchtbar glüht der Höllenrachen Und dem Belhmann und dem Hollweg Reißen die Agrar-Apachen Gleich die Stiefel samt der Soh( weg! Aber ob sie noch so reißen. Unerschüttert dennoch schreibt er lieber die Kultur der Preußen An Herrn Lamprechl. Bleibt er? R a t' ck. Notizen. — Rudolf G e n s e gestorben. Im neunzigsten Lebens« jähr starb gestern in Berlin bei greise Shakespeare-Apostel Gense, der aus einer altberliniichen Schauspielerfamilie stammte und dessen Lebensarbeit iinmer eng init dem Theaterschaffen verbunden war, vor allem mit der Shakespearesorschung. Ein große» Wer! über Shakespeare, über Hans Sachs und über die Lehr- und Wanderjahre des deutschen Schauspiels krönen seine literarische Tätigkeit. Vor einem halben Jahrhundert war Gense ein sehr bekannter Shakespeare- Rezitator. In. den berühmten kleinen satirischen Volkskalendern Glaß- brcnnerS aus den vierziger Jahren findet man Genses Namen hier und da unter kleinen Bildern: er begann nämlich als Lehrling der Holzschneidekunst; später hat er noch die Bilder zu seinem„HanS Sachs' selbst geschnitten. In einem Büchlein„Das Goethe-Geheimnis" er« ging sich seine Spolllust noch in letzter Lebenszeit über die Verfechter der Theorie. Shake'peares Werke habe der Philosoph Bacon gedichtet. Seiner Liebe zu Mozart gehörte die Kraft seiner letzten Jahre; die Berliner Mozartgcmeinde hat den Gelvinn davon gehabt. — Theaterchronik. Brieux' Schauspiel„Die Schiff- brüchigen", das im Sommer auf Veranlassung der Gesellschaft für Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten im Deutschen Theater gegeben wurde, gelangt neu einstudiert an einigen Nachmittagen im Theater a m'N o l'l e n d o r f p l a tz zur Aufführung, und zwar zuerst am Sonnabend, den 24. Januar, nachmittags 4 Uhr. — Vorträge. Auf Veranlassung des Vereins für Volks- Hygiene Grotzberlin(E.-B.) spricht Freitag, den 23. Januar 1914, abends 8 Uhr. in dem BLrgersaol des Berliner Rathauses, Eingang Königstraße, Fräulein Dr. Prosv über„Hygiene der Kleidung bei Frauen und Kindern'. Der Zutritt ist unenigeltlich. — K u n st a b e n d. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, findet ün Ehoraliansaal der Goethe-Abend von Emil Milan statt. Karten bei A. Werlheim, Bote u. Bock und an der Abendlasse. — Ein Lyriker von Achtundvierzig. Aus Hamburg wird der Tod Heinrich Z e i s e s gemeldet. Ein Alter von 92 Jahren hat dieser in den Milteljahrzehnten des vorigen Jahr- hunverts einigermaßen bekannt gewesene Dichter erreicht, der im Jahre der Märzrevolution mit einer Sammlung„Kampf- und Schwertlieder" für seine Heimat SchleSwig-Holstein eingesprungen war. — Das P a r s i s a l- G e s ch ä's t. Die Pariser Parsiial- Uuternehmer sind begeistert: ihr Geschäft ist gemacht. Der„Exeelfior" veröffentlicht eine Statistik, wonach die Kasse der Großen Oper für die ersten fünf Parsifal-Ausführungen nicht weniger als 222 876 Frank eingenommen hat. Mit welcher Einnahme der bisherige Rekord für alle bisher bei Opernpremieren erzielten Einnahmen geschlagen wurde! Heilig, heilig, heilig ist der Gral! Denn ihm ward gegeben die Kraft, den ungeheuerste» kapitalistischen Profitdurst zu'löschen. I Wenigstens einstweilen. sie öci Peel u. Cloppenburg gesammelt kjabeir Kunze erklärte noch, dag die Firma, sich gesagt sein lassen möge, daß sie ihre Schurigelei nicht auf die Spitze ireiben dürfe, da es sehr wohl noch Mittel gebe, ihren Ucberinut zu dämpfen— auch ohne Streik. Seien doch bc- reils Firmen, die bisher bessere Konfektion nicht anfertigten, mit dem Wunsche an den Verband herangetreten, ihnen zu ernivglichen, Kon- iektion in größerem Umfange zu fabrizieren, damit sie Peel u. Cloppenburg schärfere Konkurrenz machen können. Deutsches Reich. Die Ardeitcrausfchußwahlen auf der Kaiserlichen Werft in Wil- hclmshave» haben mit einem vollen Siege der Liste der freien Gewerkschaften geendet. Es Ivurde zum erstenmale nach dem System der Verhältniswahl gewählt. Die Hirsch-Dunckerschen paktierten mit den Gelben, die christlichen Gewerkschaften gingen selbst- ständig vor. Auf die Liste der freien Gewerkschaften entfielen 4:102 Stimmen, somit 17 Vertreter, auf den Hirsch-Dunckersch-nalio- nalen Mischmasch 932 Stimmen, somit 1 Vertreter und auf die Christlichen 173 Stimmen, somit einen Vertreter. 188 Stimmen ivaren ungültig. In den Stimmen des Mischmasches stecken die der Werftfeuerwehr- und der Schutzleute, sowie die der Monatslöhner, Schreiber usw., kurz alle jene, die in einer sogenannten.gehobenen Stellung' sich befinden. Die Wahlbeteiligung betrug 90 Prozent der Wahlberechtigten._ Bergarbeiterstrcik. Auf der Grube Breunsdorf lBezirk Leipzig) streiken die Berg- arhcitcr bereits acht Wochen, ohne daß es bisher zu einer Per- Handlung zwischen den Streikenden und der Verwaltung der Grude gekommen ist, obwohl selbst einige Kuxinhaber sich mit diesem Wunsche an die Streikleitung wendeten und die Streikenden diesem Wunsche Rechnung trugen. Jedech hat es die Verwaltung nicht einmal für nötig gehalten, darauf eine Antwort zu geben. Das Werk Breunsdorf steht finanziell sehr schlecht und ist technisch nicht auf der Höhe. Die Förderschächtc sind nach Ausführungen des technischen Beirates au verkehrter Stelle niedergebracht, auch hat das Werk starken Gcbirgsdruck und Wasserzuflüffc, Ivodurch in den letzten elf Monaten allSin sechs Todesfälle, zwei während des jetzigen Streiks, vorkanien. Einige Kuxinhaber äußerten sich zu der Streikleitung, daß, ivenn zu diesen finanziellen und technischen Schwierigkeiten noch Differenzen zwischen Verwaltung und Ar- heitern hinzukämen, das Werk zugrunde gehen müsse. Daß die finanziellen Verhältnisse keine allzu günstigen sind, geht aus einem Zirkular des Fabrikanten W a l t h e r aus Plauen im Vogtland hervor, worin dieser ausführt, daß seit dem zwölfjährigen Be- stehen des Werkes noch nicht ein Pfennig Ausbeute gezahlt sei, loohl aber hätten schon sechs Millionen Mark Zubuße auf die Kuxe gezahlt werden müssen, und die Bank lehne es ab, weitere Geld- mittel zur Verfügung zu stellen. Diese Wirkschaft müsse endlich aufhören, und es wäre den Kuxinhabcrn zu dem jetzigen Vor- stand �Vorsitzender ist Rcgierungsrat Schoen in Dresden) der letzte Rest jeden Vertrauens geschwunden; man habe auch zu dem technischen Leiter des Betriebes sehr geringes Vertrauen. Die streikenden Bergarbeiter wehren sich nur gegen die angedrohte Ver- längerung der Schichtzeit um 114 Stunde täglich; die Verwaltung hofft, das Werk dadurch rentabler zu gestalten. Es sind bisher noch keine Abtrünnigen zu verzeichnen. Im Gegenteil, die bisher krank�Fcicrnden schließen sich nach der Entlassung aus der Kur dem Streik an. Im Interesse der Streikenden wird ersucht, den Zuzug von Breunsdorf fernzuhalten. Mus öer Partei. Manifest des Internationalen Bureaus für die Einigkeit in England. Auf der letzten in London abgehaltenen Plenarsitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus, der es gelang, die Eiuigungsbcstrebungen in England einen wichtigen Schritt vor- wärts zu bringen, wurde vereinbart, das; das Internationale Bureau sich in einem Manifest an die englischen Genossen wende, um ihnen die Notwendigkeit und die Pflicht der Einigung aus Herz zu legen. Dieses Manifest ist nun den drei sozialistischen Fraktionen Englands, um deren Einigung es sich handelt, der Independcnt Labour Party, der Fabian Society und der British Socialist Party zugegangen. Es hat-den folgenden Wortlaut: „Genossen! Wir richten das gegenwärtige Manifest an Euch im Namen der gesamten Internationale. Als wir uns mit Euren Delegierten in der vorbereitenden Konferenz vom 18. Juli 1913 versammelten, handelte t>as Exekutivkomitee des Internationalen sozialistischen Bureaus bereits im Namen der gesamten Arbeiter- Partei in Durchführung der Amsterdamer Resolution über die sozialistische Einigkeit. Aber die gesamte Internationale wollte durch die Anwesenheit aller ihrer Delegierten am 13. Dezember 1913 in London Eure Bemühungen zur Herstellung der sozia- listischen Einigkeit in Großbritannien augenfällig gutheißen und ermutigen. � Gewiß, im Prinzip erkenncii alle überzeugten Sozialisten an, daß es nützlich und notwendig ist, der wachsenden Konzentrierung der kapitalistischen Mächte die wirksame Konzentrierimg der proletarischen Vkachtmittel entgegenzusetzen. Das wird schon dadurch bewiesen, daß auf dem Amsterdamer Kongreß vom Jahre 1904 alle britischen Delegierten ohne Unterschied der Partcischattierung ein- stimmig die wohlbekannte, von Bebel, Adler, Kautsky, Troelstra, Vandervelde gezeichnete Einigkeitsresolution annahmen. ES war demnach die Pflicht des Exekutivkomitees des J.S.B., den der Verwirklichung der Verständigung günstigsten Augenblick auszunutzen, und man kann ihm nicht den Vorwurf machen, die Dinge übereilt zu haben, denn es hat neun Jahre gewartet, ehe es die Initiative ergriff. Großbritannien hat der Welt das Schauspiel eiueS Landes geliefert, in dem die kapitalistische Entwickelung sich schneller voll- zog als anderwärts. Demgemäß hätte man hoffen können, daß auch der Sozialismus eine ähnliche EntWickelung anfzuweisen haben würde. Aber das Unglück hat es gewollt, daß bedauerliche Differenzen entstanden sind, und selbst heute scheinen die Svzia- listen noch mehr den Sektengeist zu kultivieren, als einträchtig gegen den gemeinsamen Feind zu marschieren. Ein solcher Irr- tum darf nicht fortdauern. Er würde unheilvolle Folgen für das klassenbewußte Proletariat haben, denn mehr und mehr kann der Sozialismus überall nur dann eine seiner würdige Rolle spielen, wenn er fest vereint ist. Wir können auch nicht sehen, daß. vom praktischen Gesichts- punkt aus betrachtet, Eure internen Differenzen größer wären, als sie anderwärts sind. Blicket nach Frankreich! Hat es nicht der sozialistischen Welt ein bewundernsivcrtes Beispiel geliefert? Haben nicht die fran- zösischen Sozialisten trotz alter Streitigkeiten, die heute vergessen sind, eine mächtige, gecinigte Partei geschaffen und dadurch allen ein Beispiel des politischen Klardlicks und der Treue gegenüber den von den internationalen Viongressen, auf denen Ihr vertreten wart, feierlich vroklamierten Prinzipien geliefert? Selbst vorübergehend darf der Sozialismus nicht verdunkelt und die sozialistische Bewegung gehemmt werden durch aebcnsäch- ticke Erwägungen, durch persönliche Differenzen, durck den Sekten- gcist, durch verschiedenartige politische Auffassungen. Wer sich dem schuldig macht, der begeht ein wahres Verbrechen gegen die Ar- beiterklasse, denn er perzögert die Stunde des endgültigen Sieges. Das haben die Delegierten Eurer drei Parteien begriffen. Ihr einstimmiger Beschluß boiveist. daß es keinen plausiblen Grund mehr gibt, eine notwendige Verständigung zurückzuweisen. TaS Exekutivkomitee des J.S.B, hat feine» Mitgliedern be- reits anempfohlen, sich der Labour Party(Arbeiterpartei) anzu- schließen unter der Bedingung, daß diese den Sozialisten das Recht zuerkennt, als solche auch innerhalb der Arbeiterpartei ftir die Ab- schaffung des 5tapitalismus zu kämpfen. Wir richten auch einen Appell an unsere Genossen von der J.L.P. und der F.S., daß sie ihren Einfluß innerhalb der Arbeiter- Partei dazu verwenden, damit die Kandidaten das Recht erhalten, sich in Wahlkämpfen sowohl als„Arbeiterkandidaten", wie als „Sozialistische Kandidaten" zu bezeichnen— eine geringe Statutenänderung, die nur den tatsächlichen Zustand anerkennen würde: das Bündais des Sozialismus mit dem Trade-Unionismus. Wir appellieren auch an die Genossen von der B.S.P., daß sie der überall anerkannten Wahrheit Rechnung tragen, daß die gc- wertschaftliche Aktion keinen andern logischen Ausgang haben kann, als die Abschaffung des Kapitalismus, und daß die sozialistischen Ideen in den Organisationen, die den Klassenkamps tatsächlich führen, notwendig zum Stege gelangen müssen. Die letzte Bitte, die wir an Euch richten, ist die, daß Ihr schnell und ohne Zögerung handelt. Am Wiener Kongreß muß der britische Sozialismus mit einer einzigen Stimme sprechen können. Ihr müßt der soziaftstischen Welt ein neues Beispiel der Disziplin liefern, damit wir die Möglichkeit haben, auch anderwärts das Werk der Festigung und der Verständigung fortzusetzen, von denen der endgültige Triumph der sozialistischen Bewegung abhängt. Für das Internationale Sozialistische Bureau: Das Exekutivkomitee. (gezeichnet): Vandervelde, An seele, Bcrtrand, H u h s m a n s,«sekretär." Totenliste der Partei. �n D a n z i g starb im Alter von 79 Jahren der Begründer der Danziger Parteibelvegnng, der Zimmerer Julius D o r o w s k i. Bereits im Jahre 1872 warb Dorowski in Danzig dem Sozialismus Jünger. Wenige Jahre später� 1870. gründete er den Arbeiter- wahlverein. Abs dann das Sozialistengesetz kam, bar Dorowski viel leiden müssen, ohne doch einen Augenblick an dem, was er für Reckt erkannt Halle, irre zu werden. Sechs- III a l schlössen sich die Gefängnistore hinter dem sozialdemokratischen Führer. 1887, in dem großen Geheimbündelei- Prozeß, war Dorowski neben Jockem der meist Bestraste: zwei Monate Gefängnis erhielt jeder von beiden. Als in den neunziger Jahren die Bewegung der„Jungen" einsetzte, schloß sich Dorowski vorübergehend dieser an, machte jedoch dann wieder seinen Frieden mit der Partei und war bis in die letzten Monats feines Lebens von tätiger Teilnahme am Partcileben erfüllt. Die Danziger Ge- nossen werden das, was Dorowski in stürmischer Zeit für die Ar- beitcrsache getan hat, nicht vergessen. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Haussuchungen. Im Bremer Gaubureau des Verbandes der StaatSarbeitcr und in der Wohnung des Gauleiters wurde noch dem Manuskript von drei Artikeln gesucht, durch die ein Bausekrclär in Bremerhaven sich beleidigt fühlte. Gefunden wurde nichts. Korruption öer Rüstungsindustrie. Eine Erprcsseraffäre. in deven Mittelpunkt die Siemens- Schuckert-Werke und deren Geschäftstätigkeit in Japan standen, beschäftigte gestern die 0. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rosenthal. Unter der Anklage, im Jahre 1913 zu Tokio einen Rückfall- diebstahl und einen Betrugsversuch begangen zu haben, stand der Stenotyprst Karl Richter, dem als Verteidige� die Rechtsanwälte Dr. Schwindt uns Dr. Karl Liebknecht zur«cite standen. Der Angeklagte ist zweimal wegen Diebstahls, das letzte Mal auch wegen wiederholter schwerer Urkundenfälschung mit 1 Jahr ö Monaten Gefängnis vorbestraft. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde er auf seine Bewerbung, wobei er falsche Zeugnisse vorlegte, im Jahre 1909 bei den Siemens-Schuckert-Werkcn eingestellt. Er arbeitete bis zum Januar 1913 in den Berliner Betrieben als Stenotypist und wurde dann auf Grund eines mit ihm abgeschlossenen Ver- träges nach Tokio in die Tochtergesellschaft, die Sicmcns-Schuckcrt Denkt Kaduschi Kaischa, deren Leiter der Direktor Herrinann ist. geschickt. Er hatte bei diesem Stenogramme auszunehmen und diese in Maschinenschrist zu übertragen. Herr Herrman bewahrte in einem in seinem Zimmer stehenden feuersicheren Schrank u. a. auch die vertrauliche Korrespondenz der Firma auf. Nach der Be- Hauptimg der Anklage soll nun der Angeklagte bei günstiger Ge legenbeit aus dem Schrank eine Reihe von vertraulichen Briefen an sich genommen haben, in der Absicht, später Geld aus ihnen herauszuschlagen. Dazu gehörten besonders Briefe, die zwischen der Berliner Zentrale und der Filiale in Totio über Lieferungen an japanische Behörden gewechselt worden waren. Am 30. Juli 1913 wandte er sich an die in Tokio gleichfalls arbeitende Tochter- gesellschaft der Allgemeinen Elektrizitätswerke— die Firma Okawa u. Co.— und bot„vertrauliche Informationen" an. Als Direktor Herrmann dies erfuhr, wurde der Angeklagte nach Dalny versetzt und bald darauf durch das Hauptgeschäft telcgraphisch nach Berlin zurückberufen. Er kam aber dieser Aufforderung nicht nach, blieb in Dalny und wurde wegen des Vertrauensbruchs entlassen. Er begab sich dann nach Totio und sandte am 17. Oktober 1913 an den stellvertretenden Direktor Wilhelm einen Erprcsserbrief. Er behauptete darin: es feien ihm zufällig einige Briefe in die Hände gefallen, die ein helles Licht auf die Geschäftstätigkeit der Siemens-Schuckert-Werte in Japan würfen. Er deutete an. daß er diese Briefe an die japanischen Behörden oder an die Presse ver- kaufen könnte, daß er aber kein Interesse an einem Skandal habe und deshalb bereit sei, die Briefe gegen Zahlung von 25 000 Jen (50 000 Mark) der Firma zurückzugeben. Er verwies auf die große Slot, in die er durch die Entlassung geraten sei. er bemerkte, daß er von der japanischen Henne, der die Firma so ausgezeichnet die goldenen Eier abzunehmen verstehe, auch etwas profitieren möchte. Als die Gesellschaft hierauf nicht einging, gab er die Briefe in sichere Aufboioahrung, nachdem er von einigen derselben noch eine photographische Aufnahme bestellt und die Platten an sich gc- nominell I>atte. Auf Ersuchen des Auswärtigen Amts wurde er in Deutschland im v-Zug verhaftet. Der Angeklagte bestritt, daß er sich eines Diebstahls schuldig gemacht habe. Ihm wären von seinem Vorgänger mehrere Körbe Briefe, die bisher der Direktor Herrmann in Tokio aufbewahrt habe, zum Registrieren gegeben worden. Bei dieser Arbeit habe er zu seinem Erstaunen gesehen, daß sich die Firma Siemens-Schuckcrt die unglaublichsten Main- pulationen, wie z. B. Bestechungen hoher japa- nischer Beamten, habe zuschulden kommen lassen. Er habe diese Briefe behalte», uni sie den japanischen Behörden auszuliefern, da es sich um eine Korruption im schlimmsten Sinne gebandelt habe. Erst als er später in Not geriet, sei ihm die Idee gekommen, aus den Briefen Kapital zu schlagen. Er habe deshalb die am meisten kompromittierenden Briese photographiert und die Abzüge zum Teil später mit dem Er- presscrbrief an den Obmu'genieur und Direktor Herrmann geschickt, damit die Firma sehe, daß alles, was er behauptet, wahr sei. Das Gericht ivollte nunmehr ohne jede Beweisaufnahme. ja sogar ohne Verlesung des angeklagten Briefes die Ver- Handlung schließen. Gegen dieses ungewöhnliche Verfahren protestierte der Verteidiger. Er beantragte Verlesung der beim Angeklagten beschlagnahmten entwendeten Briefe; er hob hervor, daß diese zu den Akten herangezogenen Briefe vom Dezernenten der Staatsanlvaltschaft aus den Akten in besondere Verwahrung genommen sind und daß ihm, dem Verteidiger, entgegen dem klaren Gesetz d i c E i n- ficht in diese Briefe verweigert worden sei. der Anklageschrift sei auch das andere. Hanptobjett des Ver- fahrens, der Brief des Angeklagten an Wilhelm, nicht ein- mal als Beweismittel erwähnt. Ohne die Vorlesung dieses Briefes fei aber die Verhandlung unmöglich, es fehle ihr jede Grundlage. Der Vorsitzende hob hervor, daß auch er die entwendeten Briefe nicht e i n in a l g e l e s e n h a b c...-- Nach fast Yz stündiger Beratung beschloß das Gericht, die Vorlegung der entwendeten Briefe abzulehnen, dagegen den Brief des Angeklagten an Wilhel m zu verlesen. Aus dieser Verlesung ergab sich der Grund für die er- st a u n I i ch e G e b e i m t u e r e i, die getrieben worden war. Der Brief bringt Auszüge aus einer höchst bedenklichen Korrespondenz zwischen den Vertretern von Siemens-Schuckert. so schreibt der Prokurist Keßler-Berlin an den Direktor Herrmann-Tokio am 16. Juli 1911:„War es doch schon ein Frevel, das Kommissionsabkommen mit Admiral Fujii in London zu treffen, wo unser altes Abkommen mit Admiral Jtoasaki noch besteht und tadellos funktioniert. Welche Gründe lagen denn vor, zu einem so weitgehenden Abkommen init Fujii, wie fünf Prozent für das in England zu bauende Schiff und zweieinhalb Prozent für alle anderen Aufträge für die japanische Marine?" � Hierauf antwortete Herrmann, daß Fujii ein Mann sei, der großen Einfluß auf die Vergebung von Aufträgen für die japanische Marine babe und man sich ihn daher warmhalten müsse; er sei ein rechter Kommissionsjäger. Siemcns-London fragt in einem anderen Fall bei Siemens Berlin tolegraphisch an, wieviel Kommissionen(Bestechungsgeld) einzuschließen seien in den Preis für die elektrische Ausrüstung eines Torpedobootes für Japan. Siemens-Berliu antwortet: 206 6 bis 2866 Pfund Sterling(d. h. 16—86 666 M.). In London besteht eine japanische Mari n e k o in-- in i s s i o n, die die Aufgabe hat, sich über alles Neue auf dein Marinegebiet zu infornneren, die Ausführung von Aufträgen zu überlvacheu usw. Bei dieser Kommission war ein Kapitän Jde, früher der persönliche Adjutant des Marineministers Saito, der die Preise von Siemens als zu hoch bemängelte. Hierzu schreibt Sieniens-London an SicmenS-Tokio;„Auf Kapitän Jde find sicherlich die neuerdings in Tokio erhobenen Beschwerden iiber unsere zu hohen Preise zurückzuführen---- So wird uns wohl weiter nichts übrig blechen, als eine größere Preisreduktion vorzunehmen. Denn Kapitän Jde jetzt noch in unser Interesse zu ziehen, dürfte zu spät sei n." Siemens-Tokio antivortet, daß es nicht angebracht sei, allgemein einen größeren Preisnachlaß eintreten zu lassen, denn die Entscheidung überjiie Verteilung der Aufträge falle in Tokio, und daß die>sicmensfreundc im Ma- rineamt zuverlässig arbeiten, bätten die letzten Bestellungen erwiesen.„Wenn Kapitän Jde uns dauernd lästig fällt, muß er fallen und auch das wird uns nicht schwer sein, zu erreichen. Z)oshida hat jetzt die Aufgabe, in London zu untersuchen, wer von den Mitgliedern d e r M a r i n e k o pi Mission nicht für uns und im Sinn unserer hiesigen Freunde ar- beitet und für deren Beseitigung und 11 n- schadlrchmachung zu sorge n." Aus einem anderen Briefe geht hervor, daß bei der An- läge einer Funkenstation in Japan in dem Preis von 1 866 666 Mark außer 2 6 Proz. Provision auf Eigeusabrikatc und 16 Proz. Provision auf fremde Fabrikate noch 18 Proz. für besondere vertrauliche Ausgaben ent- halten sind, und daß außerdem, falls ein« gewisse Reichweite nicht erzielt werde, etwa 866666 Mark Konventio- n a l st r a f e zu zahlen sind. Charakteristisch ist. daß nach einer brieflichen Aeußerung diese Konventrvnalftrafe um deswillen als so hock; bezeichnet wurde, weil dadurch fast der ganze Verdien st absorbiert würde I Hervorgehoben sei noch, daß S i e m e n s- S ch u ck e r t in Deutschland n o ch u m 36 bis 8 6 P r o z. teurer verkauft als im Auslande! Staatsanwaltsassessor Simon führte aus. daß dcr Angeklagte überaus schamlos gehandelt und einen groben Vcrtrauensbruch begangen habe. Es liege außerdem nicht, ivi-c von der Verteidi- gung gesagt werde, eine Unterschlagung vor, sondern ein glattcr Diebstähl, da sich die lomproniittiercndcn Briefe im Besitze und Gewahrsam der Firma selbst befunden hatten. Bei Abmessung des Strafmaßes sei zu erwägen, daß der Angeklagte es verständen habe, sich mit Hilfe gefälschter Zeugnisse in das Vertrauen der Firma einzuschleichen, und ferner, daß er schon erheblich vorbestraft sei. Aus diesen Gründen müsse dem Angeklagten eine harte Strafe treffen, und zwar beantrage er eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren und 10 Jahre Ehrverlust. Rechtsanwalt Dr. Liebknecht sührte in einem längeren Plai- doher, in der er die geschäftliche Tätigkeit der Siemens-Schuckert- M>erke sehr scharf kritisiert«, eine Reihe rechtlicher Gesichtspunkte vor. um darzutun, daß nicht Diebstahl, sondern nur Unterschlagung vorliege. Der Angeklagte habe die Schriftstücke zunächst nur sich angeeignet, um sie der Behörde zu übergeben; erst nachträglich sei unter dem Drucke der 8iot die Aneignungsabsicht entstanden. Der Antrag des Staatsamvalts laufe auf eine dauernde Unschädlichmachung des Angeklagten für Siemens hinaus, das sei aber nicht Aufgabe der Justiz. Der Staatsanwalt habe das Verhalten des Angeklagten schamlos genannt. für die unglaublichen Manipulationen der großen Firma aber nur sanit säuselnde Worte gefunden. Was am Verhalten des Angeklagten für die Firma besonders gefährlich sei. sei der Umstand, daß seine Behauptungen wahr seien, und e3 könne doch nicht als erschwerend angesehen werden, daß er die Wahrheit gesagt habe. Diesen Schaden habe sich die Firma s c l b st zuzuschreiben, deren Verhalten das Licht der Oesfentlichkeit zu scheuen habe. Der Staatsanwalt wolle die Schuld der Firma dem Angeklagten ausbürden. Die Gefährlichkeit der Drohung des An- geklagten sei nicht durch sein Verschulden geschaffen, diese Gefähr- lichdeit sei ohne weitercs gegeben gewesen. Das Material habe dam Angeklagten in der Hand gelegen; er habe nur das genommen, was sich ihm von selbst bot. Das' Vorgehen des Angeklagten sei gewiß absckwulich und er rücke weit von"ihm ab. Er sei aber durch die skandalösen Machenschaften der Firma geradezu verführt worden, von der rechten Balm erneut abzuweichen. Er sah sich in einem Milieu von Ungesetzlichkeit und Skrupellosigkeit und verlor so wieder alle Hemmungen seines Gewissens um so leichter. ES müsse mit gleichem Maß gemessen werden ohne Ansehen der Person: der Angeklagic sei ein gewöhnlicher Erpresser und möge als solcher bestraft werden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle und versuchter Erpressung zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Wie der Vorsitzende in der Urtcilsbearündung ausführte, habe das Gericht dem Angeklagten die Zubilligung mildernder Umstände versagt, da er einen außer- gewöhnlich groben VertrauenSbruch begangen liabe. Es handele sich auch keineswegs um wertlose Briese, die den Gegenstand des Dieb- stahl» bilden, sondern um Briese, die ihren Wert in sich haben, wie auch schon daraus Tjcrborgelrc, daß der Angeklagte SO WO M. für die lliückgade verlangt habe. Als ftrasmildcrnd sei enlsprechend den Ausführungen des Verteidigers berücksichtigt worden, daß die un- lauteren Manipulationen der Firma Schuckert vielleicht einen gewissen Anreiz auf den Angeklagten ausgeübt haben mögen. Ter Angeklagte erllärte, daß er gegen das Urteil Revision ein- legen werde._ Soziales. Lohnabzüac wegen Fehler l. Ein Zahntechniker forderte gestern vor dem Gewerbegericht (Vors. Magistraisrat Schultz) im stlageivege von dem Inhaber eines Zahnatclicrs Schmidt einlxhaltene M. und ein Monatsgehalt von 125 M. wegen kündigungsloscr Entlassung. Beklagter wendete gegen die Forderung ein, der Kläger habe in zahlreichen. Fällen mangelhaft gearbeitet und außerdem der Konkurrenz Adressen seiner Kunden mitgeteilt. Ein schlüssiger Bc- weis wurde nicht geführt und dem Kläger 177,84 M. zugesprochen. Ter Abzug von 2,1ti M. geschah für geleistete Beiträge zur In- validcnversicherung. Die Krankcnkasscnbeiträge in Abzug zu bringen lehnte das Gericht ab, weil der Beklagte nicht genau die Höhe der Beiträge angeben tonnte. 2. Ein anderer Zahntechniker klagte gegen den Inhaber mehre- rer Zahnateliers Saloinon auf Zahlung von 75 M. wegen kün- digungsloscr Entlassung. Vom Beklagten wird mangelhafte Arbeit als Entlassungsgrund augeführt. Die dem Sachverständigen vorgelegten Beweisstücke waren nicht als unter dem Durchschnitt ausgeführt anzusehen. Außerdem mußte der Beklagte zugeben, daß er bei der Anstellung den Kläger nicht nach Zeugnissen gefragt hatte. Das Gericht sprach dem Kläger die geforderte Summe zu mit der Begründung: der Beklagte habe bei der Anstellung die nötige Sorgfalt vermissen lassen und könne nun auch nicht Täuschung ein- wenden. Die Arbeit sei nicht derart mangelhaft gewesen, um damit die sofortige Entlassung zu rechtfertigen. Wohnungsgcsctz und Arbcitcrquartierc. Der neue preußische Wohnungsgcsctzcntwurf sieht u. a. vor, daß durch Polizeiverordnungen, Durch welche die Unterbringung von Arbeitern geregelt wird, Mindestanforderungen hinsichtlich der Beschaffenheit, Einrichtung und Unterhaltung der Unterkunftsräume für Arbeiter und ihres Zubehörs festgesetzt, sowie die zur Durchführung der Bestimmungen erforderlichen Vorschriften vor- gesehen weroen können. Wie notwendig das ist, beweist die Denk- schrift über das Gesundheitswesen des preußischen Staates für das Jahr 1911. Es geht Daraus, um nur wenige Beispiele an- zuführen, hervor, daß im Regierungsbezirk Maricnwcrdcr die Quartiere der fremdländischen'Arbeiter meist schlecht gehalten werden. Auch in den Kreisen Becskow-Storkow und P renzlau entsprachen die Arbeiterquartiere vielfach nicht den Vorschriften der RegieruiigspolizewerDronuiig. Im Regierungsbezirk Köslin Ivaren die Arbeiterquartiere meist zu dicht belegt, die Schlaf- räume hatten häufig überhaupt keine Fenster oder nur solche, die nicht geöffnet werden konnten. Im Regierungsbezirk Breslau waren die Quartiere der Saisonarbeiter wiederholt unzureichend, so daß dagegen eingeschritten werden mußte. Zwei Quartiere mußten sogar wegen Baufälligkeit beanstandet werden. Im Kreise Löwcnbcrg wurden einmal keine getrennten Lagerstätte», sondern für zwei Personen berechnete Bettstellen angetroffen. Im Rc- gierungsbcztrk Schleswig zeigen die Arbeiterquarticre erhebliche Mängel, sie waren überfüllt und unsauber gehalten, Wasserversor- gung, Entwässerung und Aborteinrichtungen loaren unzureichend. Im Kreise Stolzenau(Regierungsbezirk Hannover) genügten die Quartiere für ausländische Arbeiter bei den Ziegeleien und auf den Domänen nur den bescheidensten Ansprüchen. In einem Vorort von Frankfurt a. M. mußte sogar ein in einer alten Ziegelei gelegenes Quartier für Wanderarbeiter wegen völliger Verwahrlosung geschlossen werden. So die amtliche Denkschrift. Am richtigsten wäre es ja, man würde die Arbeiter, die bei ihren Arbeitgebern wohnen, als Zim- mermieter oder Einlogierer betrachten und die hierauf bezüglichen Vorschriften auf sie ausdehnen, vorausgesetzt natürlich, daß die Wohnungsordnungen Bestimmungen enthalten, die wirklich eine Besserung herbeizuführen geeignet sind,«solange dies Ziel nicht zu erreichen ist, muß zum mindesten dafür gesorgt werden, daß auf dem Wege der Gesetzgebung— nicht, wie es der Entumrf will, durch Polizeiverordnungen— Mindcstanforderumien aufgestellt werden, Mindestanforderungen, die freilich nicht allzu bescheiden sein dürfen._ Ms Inöustrre und Handel. Der deutsche Arbeitsmarkt im Dezember. Nach vorläufiger Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zeigt die Lage des gewerbliche:: ArbeitSmarltes im Dezember gegenüber dem Vormonat und dem gleichen Monat des Vorjahres eine weitere Verschlechterung. Nach den Berichten von 15 größeren Arbeiterfachverbändcn mit zusammen 1,72 Million Mitgliedern waren Ende Dezember 1913 79 345 oder 4,7 Proz. der Mitglieder arbeitslos, gegen- über 3,1 Proz. Ende November 1913. Die alljährlich von Ende No- vcmber auf Ende Dezember steigende Arbeitslosigkeit erreichte in diesem Jahre einen besonders hohen Stand und übertraf sogar die des Dezember in dem Kriscnjahre 1998(4,4 Proz.). Von November bis Dezember 1912 war die Verhältniszahl der Arbeitslosen von 1,8 auf 2,9 Proz. gestiegen. Bei 338 öffentlichen Arbeitsnachtveisei: mit 104 684 Vcrmittc- lungen kamen in: Dezember auf 100 offene Stellen bei den mann- lichen Personen 214, bei den weiblichen 120 Arbeitsgesuche. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats waren 219 und 143. Hier- nach hätte der Andrang männlicher wie weiblicher Arbeitsuchenden etwaS abgenommen, was zum Teil auf die zahlreicheren Ein- stellungen zur Bewältigung der Werhnachtsarbeiten zurückzu- führen ist. Tie Berichte von industriellen Firmen und Verbänden über die Lage des Arbeitsmarktes im Dezember lauten verschieden. Ucbcrwicgcnd günstig, wenn auch von Verschlechterung betroffen, sind danach die Verhältnisse im Kohlenbergbau, mit Ausnahme des Ruhrkohlenmarktcs und teilweise des mitteldeutschen Braunkohlen- bergbaues, ferner im Erzbergbau sowie in der Kali-, der Maschinen- und der elektrischen Industrie, lieber Vcrschlcchte/rung klagen die Berichte namentlich aus der Roheisenerzeugung und die Textilindustrie. Auch die mit dem Baugewerbe, das auch im Le- richtsmonat vollständig daniederlag, zusammenhängenden Geiverbc, wie Holz-, Glasindustrie usw., klagen über ungenügende Beschäfti- gung. Verschlechterung gegen das Vorjahr berichten nahezu samt- liche Industrien, namentlich der Ruhrkohlenbergbau, die Eisen- und Stählindustrie, die Tertil- und die Holzindustrie und das Baugewerbe. Jugendveranstaltunge». Neukölln. 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Zlpollo. Der eotoiz der d. Kom- pagnie. elniang 8"lt Uhr. Luisen. Das erste Ehejahr. Walhalla. Tangojiebcr. Foties Caprice. Der Kuckuck. Manöverschlvindel. Die Samuels. Admiralspalast. Die lustige Puppe. Ansang 8';, Ubr. Neues Bolkstheater. Der Gras von CharolaiS. Ansang 0 Uhr. Berliner Eispalast. Eissport. CinesNollcndorf-Thcaker.Barieto- Lichtspielc. Sternwarte, ldiivalidenstr. 07— B2 Meutscbesfechauspielhuusi AbdS. 8 Uhr: Wer zuleht lacht! kieues Opern-Ibester jXroll). Ütbcnds t> Uhr: Hart Ii a. fdestöl' Zill AIIMllßM i Heute T'/t Uhr, zum I. Male: prin�ess(iretl. llperellc in:j Alten. Sclier-Ilieatsr (Wallaer-Thcater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Weh' dciu. der lägt. Donnerstag, abends 8 Uhr: Meyer». Freitag, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Schiller-Tiieater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Meyers. Donnerstag, abends 8 Uhr: Weh' dein, der lägt. Freitag, abends 8 Ubr: Weh' deai. der lägt. föeäteriöÄöflipäizer Straße Abends 7ch» Ubr: Die!er Bugen des Od.vsseus. Donnerstag: Oer Bogen des Ody sseus. X Residenz-Theater i Hoheit— der Fron;! Musikalische Groteske in 3 Akten von Arlur Landsberger und Willi Wolst. Musik von Robert Winterbcrg. Morgen u. f. Tage: ttobeii. der ssranr! Somitagnachin: Boblai�agentcontrol. �ieiir.-VüdeiMMl. f beater. Nur noch 3 Tage: Die Kino-Königin Operette in 3 Akten. Kakscnerötfii. 7 Ubr. Ans. 8 Uhr. Sonnabend: Premiere: Fräulein Traiala. Sonntag, den 23. Jan., nachm. 3 Uhr: Die Kino-Konigin. lOSEfTHEATEI Große Frankiurter Str. 132. Ansang 8 Uhr: Ii Der Sobürzenjager. Posse mit Gesang u. Tanz in 3 Akten. Musik von Walter Zacher. Morgen: Ber iSehürzenj äger- Gerraania-Praelitsäle N., Chausseestr.ilO. K. Richter. Jeden Mittwoch: lustige [Sänger. Ansang 8 Uhr. Eintritt l!ä Ps. Aachdcm D'rettan». — Vorzugskarten gciteit.— Jeden Donnerstag:'' Großes Militär Streich konjert Anfchl. Familienkränzchen. Theater des Westens. 8 uhr: PolenbSut. Sonnt, nchm. 31/, U.: Der liebe Äugustin Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Oie Heise um die Erde in 40 Top, Voigt- Theater Badstrasic 58. Heute Mittwoch, den 21. Januar: Oer Oajazzo unii seine Faniilie. Poiksschaufp. in 5 Akt. von D'Ennerh und Fournier. Kasseneröffnung 7 Ubr. Ans. H'j, Uhr. URANIA Taubenstr. 48/40. 1 Uhr: Mit d.„Imperator" nach New York. (Kleine Preise.) 8 Uhr: Prof. Dr. Bchäfer: Deutsche Ausgrabungen{.Aegypten 1898—1913. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Abstammung des Menschen. Reicbshailen-Tiieater Stettinsr Sänger Neu: No. 13! Urkomische Burleske. 'Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm.1 3 Uhr zu ermaß. Preisen: Kiite noMeit in lieTVIIeTZtesSe. tteule Mittwoch, den 21. ianuar, abends T'/a Uhr: Gr. Galavorstellung mit dem Riesen-Weltstadt-Prograinm bestehend aus 12 erstklassigen 12 Ättraklionen. Um O1/. Uhr: 4US Die neue grobe Ausstattung in 7 Bildern; vereinigtu Berliner Volksbühnen. Luisen-Theater. 1 Walhalla-Theater. Täglich H'lf Übt:| Täglich 81/, Uhr; Tangofievcr. Beine» itrud er» Weib. Gr. Posse m. Ges. u. Tanz in 3 Akten Schau/v. in 3 Bild, u. t Vorsp._| von E. Urban. Musik v. Hugo Husch. Zirkus ausek. Heute Mittwoch, den 21. Januar, abends 7'/z Uhr: Lt. Lala-Spod-Voialellllng u. a.: , Pompeji' Orig. AnsitattungS-Pantomime des Zirkus Busch in 3 glänz. Akten. Borber: Austreten aller großen Attraktionen. U. a.: Zlarino. der Beiwinger des Autos. „Im Reiche der Mitte-, Chinas beste Jonglier- u. Gaukler- Truppe. ZrsusreS MeMsksksm Täglich außer Sonnabends: Da» stlniniangsvollstc Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. Jf«Clon" � �™- Mauprstraßfl 82.— Z Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. CTroßes I>opiiel-K.<$iizert! Musikkorps d. Garde-Füsilier-Regiments Ding. Oberm. Oippel und Tcgernsieer und Zillerthaier Mtusikanten, Dirig. Hans ti t a r p. :: Berliner Konzerthaus Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Uintritt 50 Pf. Arnold Scholz. Gr. Naehminags-Konzert Neue Weit. Anfang 8 Uhr. bei freiem Eintritt. llascnhelde 108/114 Heute Mittwoch, den 21. Januar: Eliietag! 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Dio Genossen und Ausflügler werden ersucht, jetzt beim EiSsporr die Lokalliste genau �u beachten, insbesondere weisen wir auf Friedrichshagcu bin. Dort isl uns das Lokal„BeHeime", Inhaber itarl Mischer, Waldowstraße. entzogen worden. In Königs-Wusterhausen ist das Lokal„Altes Schützeilhaus", Jny. Witwe Waldhorn, von der Liste zu streichen, und sind daher beide für die organisierte Arbeiterschaft als gesperrt zu betrachten. Die L o k a l k o m m i s s i o n. Neukölln. Heute bei Bartsch, Hermannstr. 49: Versammlung der I u g e n d s e k t i o n. Genosse Dtax Peters wird daS Thema »Der historische Materialismus" behandeln. Johannisthal. Heule Mittwoch, abends 8 Ubr, im Lokal „KrügerS Festiäle", Friedrichstr. 10: Oeffentliche Prolestversammlung gegen das geplante Attentat auf das Koalitionsrecht. Genosse Dr. Kurt Rosenfeld hat das Referat übernommen. Bohnsdorf. Heute Mittwoch, abends Lss Uhr: Mitgliederversammlung in Villa Kahl. Wichtige Tagesordnung. Rudow. Am Sonnabend, den 24. Januar, abends 8 Uhr, im Lokal von A. Palm: Generalversammlung des Wahlvereins. Petershagen. Die Genossen werden ersucht, am Sonntag, den La. Januar, pünktlich um 2 Uhr, vollzählig im Lokal von K. Kutsch sRudlof) zu erscheinen. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeinde- Vertretung. Borsigwalde- Wittenau. Am Freitag, den 23. Januar, abends 8>/„ Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokale von Schulz. Wittenau lNordbahn), Oranienburger Straße. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsaugelegenheiten. öerliner Nachrichten. Silber von öer Eisbahn! Hat der Winter Seen und Flüsse mit einer Eisdecke überzogen, dann sucht Jung und Alt die Schlittschuhe hervor, um mit dem Winde um die Wette über die harten, blanken Flüchen zu sausen. Im Kampfe mit der Glätte werden die in der ewigen Monotonie der Alltagsarbeit steif gewordenen Glieder wieder geschmeidig. Auch die sozialen Gegensätze kann man auf der Eisbahn vorzüglich studieren. Nicht allein an dem Aeutzeren der Läufer, vielmehr noch an ihrem Betragen. Der dicke Mensch im warmen, wollenen Sweater, mit langen Schals, deren Enden beim schnellen Laus hinter ihm her flattern, mit der Pudel- mutze, die zugleich auch die Ohren mollig verhüllt, kennt gewiß nicht die 3!ot des Lebens wie jener andere, den nur ein dünner, vor Abgeschabthcit glänzender Ueberzieher vor der Kälte schützt. Während dieser still für sich dahinläuft und durch hastige Eile sich warm zu halten sucht, kümmert sich der Ticke mehr um die jungen, hübschen Vertreterinnen dcS an- deren Geschlechts als uni seinen Weg. Mit der Sicherheit des Auitretcns, die ein wohlgefülltes Portemonnaie verleiht, und all' der Frechheit, die mit ihr einhergeht, bietet er seine Bc- gleitung wahllos allen alleinlaufcndcn Mädchen ant hat er Erfolg, so ist er mit seiner Gefährtin bald von der Bahn verschwunden. Ihn lockte nicht der Eissport, sondern nur die Möglichkeit eines tüchtigen Flirts. Ein anderes Bild! Kaum hat man die Eisfläche betreten und will seine Stahlschuhe anlegen, so bieten auch schon einige junge und alte Männer in fadenscheinigen Kleidern ihre Hilfe an. Es sind meist Arbestslose, die auf diese Weise einige Groschen verdienen wollen. Ihre Hände und Gesichter hat der Frost blau angehaucht und nur" die Nasenspitzen leuchten vor Kälte wachsbleich. Eifrig schlagen sie die Hacken an- einander, um die kalten Füße zu erwärmen. Kaum vermögen ihre steifen, zitternden Hände den Schlittschuhschlüssel zu regieren, und eS dauert eine gute Weile, che sie die Riemen an den Füßen befestigt haben. Und für den Sechser oder Groschen, den man ihnen für ihre Müheivaltung gibt, danken sie so oft und so freudig, daß man verlegen so schnell als mög- lich das Weite suchen möchte. Leider gibt es genug Leute, die ihnen in ihrer eigenen behäbigen Sattheit selbst ein kleines Trinkgeld, das sie sich doch ehrlich verdienen, kaum gönnen. Neben mir saß ein elegant in Pelzmäntel und-Mützen gekleidetes Ehepaar, das sich ebenfalls die eisbezwingenden stählernen Schienen anschnallen ließ. Es belohnte den Helfer— einen älteren, grau- haarigen Mann, dem die Not aus den Augen sah— mit einem ganzen Fünfpfennigstück und bildete sich noch Wunder was auf diese fürstliche Gabe ein. Denn als der damit Bc» glückte nicht schnell genug dankte, flog ihm gleich die Frage an den Kopf:„Nanu, langt denn das noch nicht?"... Folgendes Gespräch zweier Schlittschuhläufer konnte ich belauschen:„Du. Orje. det is doch scheener als den janzeu Tag in der stinkigen Bude sitzen, wa?"—„Ja, det schon, aber ick möchte doch lieba arbeeten. Aber et sind auf'm Nachweis noch so ville vor mir!"— Das kam sehr resigniert heraus. Aber der andere wollte dem Freund wohl Mut ein- sprechen, und meinte:„Ja, wat denkst de denn? Meenst de bei inir nich? Aber man muß sich doch eben so durch- fressen!" Ein Läuferpärchen im eleganten Sportdreß führte dagegen folgende Unterhaltung:„Ja, ich versichere Sie, meine Gnädigste, wenn ich diese frierenden Proletengesialten sehe— er zeigte bei diesen Worten auf einen vorbeilausenden, sehr ärmlich gekleideten Menschen— wirklich, wenn ich sowas sehe, dann krampst sich mir das Herz im Leibe zusammen, Aber schließlich, weshalb bleiben solche Leute denn nicht zu Hause? Müisen die denn Eis laufen? Wenn sie sich nicht warm an- ziehen können, sollen sie doch hier wegbleiben!" „Sehr wahr. Herr Doktor", flötete sie,„man müßte für sie eigentlich ein Stück vom See abgrenzen, damit sie nicht immer gerade dahinkommen, wo unsereiner läuft!"--- Ein eigentümlich scharrendes Geräusch kündigt einen � Segelschlitten an. Kräftige, jugendfrische Gestalten regieren das Steuer und die Segel. Ihre Augen blitzen und scharf � lugt der Blick ins Weite. In rasender Eile fliegt ihr Gefährt � an einem Schlittschuhläufer vorüber, der fast unter seine Kufen' geraten wäre. Aus dem Schlitten tönt lautes Schimpfen:� „Bande... überall im Weg... eigentlich müßte man die ganze Bahn pachten usw."... Ja, das möchten diese Leute allzugern; alle Eisflächen kraft ihres Geldbeutels für sich in Anspruch nehmen, damit sie keinerlei Rücksicht auf simple Schlittschuhläufer zu nehmen brauchen. Sie haben's ja dazu!---- Tie Verpachtung städtischen Laubenlandcs. Entgegen den eigenartigen Grundsätzen bei der Ver- Pachtung städtischen Geländes durch die Grundeigentums» deputation handelt die Verwaltung der städtischen Güter und Rieselfelder anders. Diese Verwaltung verpachtet die bei Blankenburg liegenden Kleingärten an Einzelpersonen, liefert auf Wunsch Latten und� anderes Material zu Laubenzwecken, Bäume, Sträucher und Sämereien zur Herstellung des Lauben- landes. Warum geht das dort? Man wende uns nicht ein, daß die in Betracht kommende Zahl der Pächter nicht sehr groß ist. Wenn die Grundcigentunlsdeputation nur will, könnte mit einem Schlage mit dem jetzigen Generalpächter» und Aus- beutungssystem ein Ende gemacht werden. Hoffentlich redet die Stadtverordnetenversammlung mit den rückschrittlichen Dezernenten der Grundeigentumsdeputation ein deutliches Wort._ Die Subventionierung der Olympischen Spiele. Der Beschlutz der Budgetkommission des Deutschen Reichsiags, den für die Abhaltung der Olympischen Spiele im Jahre 1916 im Grunewakd-Staidion geforderten Reichsznischutz in Hohe von 200 000 Mark abzulehnen, hat die Veranstalter dieser Spiele und alle-, was nrit ihnen zusammenhängt, aus-dem Häuschen gebracht. Bekanntlich hatte da- Zentrum geltend gemacht, datz die Sübventionicrung der Beransialtung Sache der Einzclflaaten sei und nicht die de- Reiches. Und die sozialdemokratischen Vertreter konnten sich mit dem Sud- veniionsantrag nicht befreunden, weil die Arbeiterturn- und Sporü vereine von der Veranstaltung ausgeschlossen sind. Aus diesen ver- schiedencn Gründen kam die Mehrheit der Budgetkommission zur Ablehnung des geforderten Zuschusses. Gegen diesen Beschlutz wettern nun die Blätter der verschie- denston Richtungen. Die„Post" verbricht einen Leitartikel, in dem vom Zentrum gesagt wird, datz man von ihm gar nicht voraussetzen könne, datz e- vom Reich- gedenken durchdrungen sei. Von der Sozialdemokratie sei vorauszusehen gewesen, datz sie nur für den Sport sei, der politisch etwas abwerfe. In Wirklichkeit ist c- uingekehrt. Der Sport, der sich national und patriotisch gibt, wird gefördert, subventioniert, und der Arbeitersport wird verfolgt und schikaniert. Und die Ullsteiusche„B. Z. a. M." bringt es fertig, folgende Sätze niederzuschreiben: „Der deutsche Sport steht allem Partei- g e t r i e b e v o l l st ä n ld i g fern, und er hat nie daran gedacht, die Arbciterturn, und Sportvereine zu unterdrücke n.� Das geht ihn ja auck» gar nichts an. Er handelt von seinem istand- punkt aus durchaus konsequent, wenn er das Zusammengehen mit den Arbeitervereinen ablehnt; denn diese bekennen sich osfen zu einer Partei, und mit denen hat der deutsche Sport nicht- zu schaffen. Die sozialdemokratische Partei setzt sich aber sogar in schweres Unrecht �gegenüber'den Klassen, die sie vertreten will; denn der deutsche Sport— in dem die Partei- organisationen ja nur einen kleinen Bruchteil ausmachen— umfaßt Tausende und aber Tauscnide von Angehörigen der werk- tätigen Stände." Soviel Worte soviel Unsinn. Die sportliebenden Arbeiter trci- ben den Sport de- Sport- wegen: zur Kräftigung von Körper und Geist, von dun Grundsatz ausgehend, datz in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohne. Mit der Partei haben diese Ber- eine nickst- zu tun; sie werden aber von den Behörden zu politischen Vereinen zu stempeln versucht, um sie besser verfolgen zu können. Was den deutschen Turnern berspielsireise erlaubt ist, ist den Ar- beiterturnern verboten; ja. nicht einmal Turnunterricht darf in den Arbeiterturnvereinen jungen Leuten erteilt werden, weil das von einem Erlaubnisschein abhängig gemacht wird. Dieser Erlaubnis- schein wird aber Arbeiterturpern veriveigert. Dabei haben Einzelstoaten bereits Mittel hergegeben: Preutzen stellt 100 000 M. zur Verfügung, 200 000 M. sollte das Reich opfern. Jetzt wird geltend gemacht, es handle sich um eine Reichssache: es sei nationale Pflicht, den Beschlutz der Budgetkommission wieder aufzuheben. Es wird sich zeigen, üb das Plenum deS Reichstags dem Beschlutz der Budgetkommission beitreten wird. Inzwischen hat man auch in Berlin angeklopft und, wie berichtet wird, nicht ohne Erfolg. Der Magistrat hat beschlossen, für die Olympischen Spiele im Jahre 1916 einen Beitrag von 50 000 M. zur Verfügung zu stellen und bei der Stadtverordneten- Versammlung die Bewilligung dieser Summe zu beantragen. Dies geschieht in der bestimmten Erwartung, datz auch die Vororte und alle sonst beteiligten Faktoren, darunter auch das Reich, einen ent- sprechenden Zuschutz leisten werden. Auch die Berliner Stadtverordnetenversammlung wird es sich ernstlich überlegen, ob sie dem Magistratsanirage beitreten will. Soweit Berliner Interessen in Frage kommen/ ist c- bekannt, datz das Stadion im Grunewald Arbeitervereinen verschloffen ist. Autzerdem besteht auch nicht die geringste Garantie über die Ver- Wendung dieser Gelder. In der Hauptsache werden dieselben dazu benutzt, bestimmten Personen, die zum Teil aus Amerika hergeholt sind, hohe Gehälter zu zahlen zu dem Zweck, in Deutschland umher- zureiscn und bestimmte Kräfte zur Teilnahme an der Olympiade durchzusieben. Das Ende der Hundesperre. Ter Polizeipräsident von Berlin hat in Gemeinschaft niit deni Regierungspräsidenten von Potsdam die Verfügung er- lassen, daß vom La. d. Mts. ab der Zwang, die Hunde an der Leine zu führen, aushört und zwar bis zum 1. März. Von diesem Tage ab wird auch der Maulkorb- zwang von selbst aufhören, falls sich bis dahin nicht neue Erkrankungen von Hunden an Tollwut ereignen. Natürlich tommt auch die Erschwernis der Ausfuhr und Durchfuhr von Hunden damit in Fortfall._ grauen in der Armenpflege. Die Frauen- und Mädchengruppen für soziale Hilfsarbeit veranstalteten eine Versammlung, in der die Tätigkeit von Frauen in der Armenpflege beleuchtet und ihre Zulassung in leitende Stellen der Armenverwaltung gefordert wurde. Es wurde folgende Erklärung angenommen: Die Versammlung hält die Arbeit von Frauen in der Berliner Armendirektion aus sozialen Gesichtspunkten für dringend notwendig. Sie spricht die Erwartung aus, daß die Stadtverordneten- Versammlung beschließen werde, die Zahl der Mitglieder der Armendirektion zu vermehren, um auf diese Weise die Mög- lichkeit für die Zulassung von Frauen zu schaffen. Fortschritte in der Fürsorgeerziehung. Im Berliner Verband der W a i s e n p f le p erin n eu sprach Pastor Platz, Direktor de- Erziehungsheims„Am Urban" zu Zehlcndorf, über:„Neueste Entwickclung und Er- fahrungen der Fürsorgeerzieh un g". Er überraschte durch die warme und freudige Anerkennung, die er der Waisen- vertvaltung Berlins für ihre in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Fürsorgeerziehung geleistete Arbeit spendete. Platz wandte sich gegen das Mitztrauen, da» gegenüber der Fürsorgeerziehung sich herausgebildet habe, nachdem bei den ersten Versuchen zur Durchführung des F ürso rgeerziehungSges ctzes„gc- wisse Entgleisungen" vorgekommen seien. Heute sei jenes Mitz- trauen nicht mehr berechtigt, da in neuester Zeit die Fürsorge- crziehung eine„mächtige, wirklich grotzartige Entwickelung" gehabt habe. Redner wie- schon hier besonders auf die Stadt Berlin hin, deren Waisenverwaltung sich grotze Mühe gegeben habe, das Werk der Fürsorgeerziehung auszubauen. Was Platz selber von einer rechten Fürsorgeerziehung fovdcrt, ist bereits früher im„Vorwärts" dargelegt worden. Seine An- schauungen wurzeln in der Erkenntnis, datz die Schuld der Ver- Wahrlosung so vieler Kinder den trüben Verhältnissen zuzuschreiben ist, in denen sie aufwachsen. Wie er sich eine erfolgversprechende Arbeit an den Verwahrlosten denkt, da- zeigte er in der von ihm geleiteten Anstalt, die als Vorbild und Muster für viele andere gelten darf. Die erste Forderung ist die, datz die Eigenart des Zöglings berücksichtigt werde. Rur eine eindrin- gendc Beobachtung des zur Fürsorge überwiesenen Kindes und eine dem Beobachtung-ergebnis angepatzie Unterbringung in geeigneten Anstalten oder Pslcgestcllen kann einen Erfolg anbahnen. Auch die Stadt Berlin hat jetzt ihre BeobachiungSstation, die dazu dient, eine die Eigenart jedes Zöglings berücksichtigende Sonderung und zw eck m ätz ige Unterbringung vorzubereiten. Ai»-zweites fordert Platz, datz den Fürsorgczöglingen mehr Liebe ge- währt, mehr Freude in ihre oft so freudlose Jugend hineingetragen werde. Gerade hierfür hat seine Anstalt vorbildlich gewirkt, obwohl auch da noch manches besser werden kann. Er hob hervor, datz auch in dieser Richtung die Berliner Waisenverwaltung schon manches geändert hat urid ebenso bei den von ihr benutzten Privat- anstalten auf entsprechende Aenderungcn dringt. In der Besprechung, die dem Vortrag folgte, wurde an die Aufdeckung der Zustände in der Erziehungsanstalt ,B l o h m c S Wildnis" und in dem damals von Berlin benutzten Fürsorge- stist„M i e l t s ch i n" erinnert. Platz erkannte in seinem Schlutz. wort an, datz wir ohne„Mieltschin" und.LZlohmeS Wildnis" in der Fürsorgeerziehung heute wahrscheinlich noch nicht so weit wären, wie wir es erfreulicherweise seien. Er erklärte, in den mit diesen beiden Anstalten zusammenhängenden Ereignissen seh« er„etwas fürdieEntwickelungderFürsorgeerziehuuggauz Bedeutendes". Wir dürfen vielleicht bei dieser Gelegenheit auch daS in Er« iunerung bringen, datz eS die sozialdemokratisch« Presse -war, die damals von dem Elend der Fürsorgeerziehung den Schleier ritz und eS der entsetzten Welt zeigte. Im besonderen hat für Berlin zweifellos die Ausdeckung der Greuel von„Mieltschin" den ersten Anstotz zu den Fürsorgeerziehungsfortschritten gegeben, die Platz jetzt so rühmt. Befremdend wirkte e- da. daß Platz ist seinem' Vortrag von der„Kritik der Presse" tu fast mißbilligendem Ton sprach.' Wir hakten im Gegensatz zu-ihm ein gewisses Mitztrauen gegenüber der Fürsorgeerziehung auch heut« noch sehr angebracht. Roch manchen Fürsorgeerziehungsanstalten tut leider nach wie vor die Kritik der Presse sehr not. Der Kohleutopf der..Grosicu Berliner�. Wir erhalten folgende Zuschrift: Am Montag, den 19. d. Mts., nachmittags zwischen t— L Uhr, benutzte ich den Wagen Nr. 2081 der Linie 13, um von Berlin nach Neukölln zu gelangen. In der Lektüre der Zeitung wurde ich Plötz- licki gestört durch einen aufdringlichen, brenzlicben Geruch. Nach der Ursacke brauchte ich indessen nickt lange zu sucken. Obgleich in dem Wagen von Wärme nichlS zu spüren war, war der unter der mir gegenüberliegenden Sitzbank befindliche Kohlentopf dermaßen glühend, daß die Asbestverdicktung nickl stand hielt und die Sitzbank Feuer fing. Eine tragikomische Szene folgte nun. Die gerade über der „Heizung" sitzenden Fahrgäste, auf die Gefahr aufmerksam ge- macht, schnellten in die Höhe und slilchreten aus dem Wagen, während der Schaffner sich abmühte, das Feuer zu löscken. DaS wollte ihm aber nicht gelingen. Der Kohlenlopf stand während dieser Zeit mitten im Wagen. Letzterer lvar schon dermaßen mit Rauch und Gasen angefüllt, datz ein Ausharren im Innern deS Wagens nicht mehr möglich war. Ich bat deq Sckaffner wiederholt, den verdammten Kohlentopf auf den Stratzendamm zu werfen; er kam dieser Auf« korderung endlich insofern nach, als er das Unglücksding auf den Vorderperron stellte. Während dieses Vorganges fetzte der Wagen ruhig feine Fahrt fort, und erst durch da- herzhafte Eingreifen eines Fahrgastes(zufällig ein bei der„Großen Berliner" beschäftigter Schlosser), der mit den bloßen Fingern in die Glut hmeingriff, gelang es, das Feuer zu ersticken. Der Kohlentopf wurde wieder an seinen alten Platz gestellt und lustig ging die Fahrt weiter. Ob sich nach kurzer Zeit derselbe Borgang wiederholte, entzieht sich meiner Kenntnis. Sollte dieser Vorfall nicht geeignet fem. die Direktion der „Großen Berliner" zu veranlassen, endlich mit diesem Mittelalter- ticken System zu breche» und eine der Neuzeit entsprechende Heiz- Vorrichtung in ihren Wagen anbringen zu lassen? Oder wird die „Grotze Berliner" noch länger mit der Sicherheit und Gesundheit des Publikums spielen, damit die Dividende ihrer Aktionäre ja nicht geschmälert wird?_ Zur Abholzuug eines Waldgeländes auf dem der Stadt Berlin gehörigen Rieselgute Sputendorf bei Groß- Beeren sollte eine Anzahl Arbeitslose(zunächst 10, später 30—40) be- schäftigt werden. Alle Vorbereitungen waren schon gettoffen, als plötzlich der Berliner Magistrat einem alS Unternehmer in Betracht kommenden Verein in letzter Stunde erklärte, an- gesichA- der kurzen Dauer der Arbeit(etwa 8—10 Wochen) und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten(Unter- bringung und Beköstigung in der der Stadt Berlin gehörigen Baracke auf dem Vorwerk Marggraffshof) verlohne sich die Sache nicht. Eigenartig klingt dieser Bescheid, wenn man de- rücksichtigt, daß zunächst eine Zusage erteUt war und nun in letzter Stunde die Ablehnung erfolgte, als bereits einige Ar- beiter im Begriff waren, mit ihren gelösten Fahrkarten nach Sputendors abzudampfen._ Ju treuer Pflichterfüllung ums Lebe« gekomme«. Im Augusta-Hospital ist gestern morgen bald nach 8 Uhr Brand« meister Grabow von der Berliner Feuerwehr, der, wie berichte� Sei dem Großfeuer am Lehrter Bahnhof von abstürzenden Brand- trünimern getroffen-und schwer verletzt wurde, gestorben. Schon in den Nachmittagsstunden des Montag trat bei dem bedauernswerten Offizier völlige Bewußtlosigkeit ein, die bis zum Tode anhielt. Brandmeister Grabow gehörte der Berliner Feuerwehr feit dem 1. April 1903 an und war zweiter Adjutant des Branddirektors. Ei» tödlicher Straßeubahnunfall ereignete sich gestern in WilmerZ- darf. Eine noch unbekannte, etwa 70 Jahre alte Frau wollte gegen ti1/- Uhr von der Üauenburger Straße kommend, den Fahrdamm der Berliner Straße überschreiten. Sie achtete dabei nicht auf einen zweispänmgen Selterwasserwagen, der auö der Berliner in die ttauenburger Straße einbiegen wollte. Sie wurde überfahren und so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle verstarb. Die unbekannte Tote, deren Leiche nach der Halle in der Berliner Straße gebracht tourde, ist ungefähr 1,6ü Meter groß und trug ein schwarzes Kleid mit braunem Besatz, eine gestrickte Weste, cineil braunen llnterrock, einen graubraunen, karierten Umhang, schwarze halbe Schnürschuhe und einen kleinen schwarzen Samthut mit Feder und Samtband. Sie ging an emem Stock. Reiter in einer Metallwarenfabrik. Gestern morgen kam in der Metallwarenfabrik von Baer u. Stein in der Alexandrinenstraße 2i ein größeres Feuer zum Aus- bruch. Bei Ankunft der Löschzüge standen im dritten Stock des linken Seitenflügels auf dein ersten Hofe Regale mit Waren, Teile des Fußbodens, der Schaldecke und Balkenlage in Flammen. Auch der Fußboden und die Balkenlage im vierten Stock hatten bereits Feuer gefangen. Die Wehr griff den Brand mit drei Rohren an, hatte aber mehrere Stunden niit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten zu tum Der Schaden ist beträchtlich. In der Lindenstraße 114 herrschte gestern früh ein größerer Wohnungsbrand. Die Flammen erfaßten Möbel, Kleidungsstücke, Bücher und Türen und koimten erst nach längerem Wassergeben er- stickt werden. Die Wohnungsinhaberin Klara Strache erlitt Brand- wunden an beiden Händen und erhielt von den Samaritern der Feuerwehr die erste Hilfe._ Gefunden wurde am Montag in der Versammlung im Lokal „Loreley" ein Kneifer. Derselbe ist abzuholen bei Boß, Nieder- Schöneweide, Berliner Straße 40 1. Vorortnachrichten. Neukölln. Polizeipräsidtum— Zimmer 21. Im Polizeipräsidium scheint man an Naunrmangel zu leiden. Annehmen niöchten wir das nach einem Erlebnis, das zwei Frauen dort vor einigen Tagen gehabt haben. In einer Meineidsache waren beide, eine Mutter mit ihrer Tochter, zur Vernehmung vor die Kriminalpolizei geladen worden, und zwar sollten sie nach dem Wortlaut der ihnen übersandten Ladung sich ani Nachmittag, jede zu einer besonderen Terminszeit, im Erdgeschoß in Zimmer 21, cinfinden. Als die Mutter, die als erste herankommen sollte, im Flur einen Beamten nach Zimmer 21 fragte, antwortete der:„Ja, Sittenpolizei! Gehen Sic mir da den Korridor und dann um die Ecke!" Tie Frau glaubte, sich verhört zu haben.„Sitten- Polizei!?" fragte sie sich verwundert, während sie den Korridor entlang ging. Sie bog um die Ecke— da präsentierte sich ihr an einer Tür ein Plakat, auf dein groß und deutlich das Wort„Sitten- Polizei" stand. Ja, das war Zimmer 21! Kopfschüttelnd blieb die Frau stehen:-„Was habe ich auf der Sittenpolizei zu tun?" Ein Beamter, der herzukam und nach ihrem Begehr fragte, schloß ihr die Tür auf. Sie zögerte, aber er lud freundlich ein:„Kommen Sie nur ruhig rein! Was an der Tür steht— da brauchen Sic sich nicht dran zu stoßen. Ich kann Sie nicht anders als in diesem Zimmer vernehmen." Die Frau folgte ihm in das Zimmer, und die Vernehmung ging vor sich..Dabei bot sich Gelegenheit, in dem Raum umherzublicken und Einrichtungsstücke zu betrachten, die an» scheinend den Zwecken der Untersuchung von Prostituierten dienen. Nachdem die Mutter abgefertigt worden und gegangen war, traf die Tochter ein. Auch sie erschrak nicht wenig, als sie an das Zimmer 21 gelangte und sich ihr das Plakat„Sittenpolizei" dar- bot. Während sie wartend auf dem Korridor auf und ab schritt, kam ein Angestellter, um die Lampen anzuzünden. Er sah ihr mit langem Blick nach. Was mag er sich dabei gedacht haben? ES blieb dem jungen Mädchen nur übrig, gleichfalls das Zimmer der Sittenpolizei zu betreten, um sich vernehmen zu lassxn. Empört kam sie nach Hause und erzählte dem Vater, was auch ihr zugemutet worden war. Man stelle sich einmal vor, daß sie dort von anderen Bewohnern Neuköllns gesehen worden wäre. Die Klatschsucht hätte da eine willkommene Gelegenheit gehabt, den guten Ruf eines jungen Mädchens zu vernichten. Gewiß, es war zu später Nach- Mittagsstunde, wo im Polizeipräsidium wohl kaum noch Publikum verkehrt. Aber die Tochter wie die Mutter wurden mindestens von den Reinemachefrauen beobachtet, die bereits in dem Gebäude tätig- waren. Diese Frauen müssen auch gehört haben/ wie beide nach dein Zimmer 21 fragten, dessen sonstige Bestimmung den Reinmachefrauen sicherlich nicht unbekannt ist. Das Tollste ist, daß eine andere Tochter, die ebenfalls zum Nachmittag geladen worden aber nicht erschienen war, nun für einen anderen Tag zu Ä9 Uhr vormittags hinbestellt wurde. Da sie wieder ausblieb, so kam der mit der Vernehmung betraute Beamte nach der Wohnung und wiederholte die Aufforderung.„Stoßen Sie sich etwa daran, daß Sie auch nach Zimmer 21 kommen sollen?" fragte er. Er hatte wohl selber eine Empfindung dafür, wie peinlich für ein junges Mädchen eine Ladung nach dem Sittenpolizeizimmer sein muh. Die Ladung war angeordnet worden vom 5mminalkommissar Schuppe, der im Zimmer 22, neben Zimmer 21, sein Bureau hat. Wer hat angeordnet, daß für diese Vernehmung das Zimmer 21 benutzt wird? Ob der Polizeipräsident das für zulässig hält, darüber sollte man ihn durch Beschwerde um eine Aeußerung er- suchen. Die ganze Angelegenheit stand, das wollen wir ausdrücklich hervorheben, zu der Arbeit der Sittenpolizei in absolut keiner Be- ziehung._ Stadtverordueten-Ersakwahle«. In der zweiten Abteilung sollen Mitte März Ersatzwahlen stattfinden. Im 2. Bezirk für den verzogenen Stadtv. Koye(Altbürgerl.) und im 3. Bc- zirk für den kürzlich verstorbenen Stadtv. Gröpler(Altbürgerl.). Unsere Partmaenossen werde» gut tun, so früh als möglivi in die Wahlagitation einzutreten. Schöneberg. Mit Mißstände» in�der Schöneberger Ortskrankenkassc be'chäs- tigte sich die letzte Stadtverordnetenversammlung. Die Freie Fraktion richtete an den Magistrat eine Anfrage, ob er Kenntnis davon habe, daß der Vorstand der Ortskrankenkasse sämtliche Bc- freiungSanträge in gesetzeswiariger Weise und ohne Prüfung ab-- Ichnc. Der Stadtv. I a c o b i begründete diese Anfrage und be- haupfete, daß der Vorstand der Ortskrankenkasse alle Anträge von Dienstherrschaften aus Befreiung von der Versicherungspflichi ihrer Dienstboten schematisch behandele und ablehne. In vielen Fällen sei direkt ungesetzlich verfahren worden. Auch habe die Kasse die - Asrztefrage unvollkommen geregelt. Oberbürgermeister D o m i n i» c u s bestätigte, daß auch nach Ansicht des Magistrats der Kasse er- hebliche Härten nachgewiesen seien. Der Magistrat habe sich auch bald mit' der Kasse in Verbindung gesetzt und den Vorstand daraus aufmerksam gemacht, daß fem Verhalten nicht" den gesetzlichen Vor- schriften entspreche. Ein Recht zum Eingreifen habe der Magistrat nicht, das stehe allein dem OberverstchcrungSamt zu. Die Errich- tung einer Landkrank-nkass- habe die Versammlung vor zwei bis drei Monaten abgelehnt in Rücksicht auf das Prinzip, die Zentrali- sation der Kassen durchzuführen. In der Frage der ärztlichen Versicherung«ei festgellellt. worden, daß die Ortstrankenkassc zur- zeit in Schöneberg und Groß-Berlin 306 Aerzte angestellt habe, darunter befänden sich 79 Aerzte, die in Schöneberg ihren Wohn- sitz haben; unter diesen seien 38, die die allgemeine Praxis be- treiben. Der Magistral habe erreicht, daß der Vorstand der Kasse bis zum l. April die Zahl der Aerzte um weitere 12 erhöhe, die im Ort ihren Beruf ausüben sollen. In der Zahnklinik seien einige Aerzte im Hauptamt angestellt, auch könnten Eilfälle von anderen Zahnärzten ausgeübt werden, die anstandslos honoriert würden. Da weitgehende Garantien geboten seien, nahm der Magistrat Ab- stand davon, eine Landkrankenkasse zu errichten. Genosse Molke nbuhr betonte, daß jede Neuerung Un- annehmlichkeiten schaffe, die indessen bald behoben sein werden. Die Landkrankenkassen könnten, schon weil sie der Selbstverwaltung ermangelten, nicht das gleiche leisten, wie die Ortskrankenkassen. Cr, Redner, habe im Reichstage selbst die Befreiung von der Ver- sicherungspflicht bekämpft. Anfänglich sei auch in der Gesetzesvor- läge ein solcher Passus nicht enthalten gewesen, sondern er sei erst auf Betreiben der Agrarier in dieselbe hineingeschmuggelt wordep. Er könne nur raten, daß diejenigen, die sich von der Verficherungs- Pflicht befreien wollten, mit ihren Anträgen recht vorsichtig sein sollten, denn es müßten bei Krankheitsfällen die gesetzlichen Leistungen bis zu 26 Wochen erfüllt werden; letzteres würde so manchem teuerer zu stehen kommen, als ihm die Versicherung koste. Genosse K ü t e r verwies auf die llrnivälzungen, die die Reichs- versicherungsordnung für das Kassenwesen gebracht habe; darunter hätten natürlich auch die Versicherungspflichtigen zu leiden. Eine große Anzahl Personen, die Befreiungsanträge gestellt hätten und abgewiesen worden seien, hätten sich nachträglich mit der Versiche- rungspflicht einverstanden erklärt. Jetzt eine Landkrankenkasse zu verlangen, müsse als überaus rückständig bezeichnet werden. Nach- dem noch Oberbürgermeister Dominicus sowie Genosse Molkenbuhr. hierzu gesprochen, wurde die Anfrage für erledigt gehalten. Am Anfang hatte sich die Versammlung mit dem von den libe- ralen Parteien bereits in voriger Sitzung gestellten Antrag zu be- schäftigen, wonach in den Etat 1914 eine Summe eingestellt werden soll, die eine Anrechnung der Dienstjahre für die Militäranwärter ermöglicht. Die Herren Bester und Lachmann befürworteten die Annahme des Antrages, während Genosse Küter davor warnte, bei einzelnen Beamtenkategorien Ausnahmen zu schaffen. Zur Prüfung der Frage sei der Etatsausschutz zuständig. Der Kammerer M a ch o- w icz wies darauf hin, daß durch die Annahme des Antrages dem Stadtsäckel eine Mehrausgabe von etwa 2S 000 M. erwachsen würde. Der Antrag wurde dem Etaisausschutz überwiesen. In die ständigen Ausschüsse wurden folgende Genossen gelvählt: Für Petition: Czeminski, Peterson, Rottländer; Anstellung und Wahl von Gemeindebcamten: Eichelhardt, Hoffmann, Obst; Rech- nungsausschuß: Bäumler, Küter. Rottländer; WahlprüfungsauS- schuß: Küter, Peterson, Molkenbuhr; Etaisausschutz: Bernstein, Küter, Molkenbuhr; im nichtständigen Ausschuß für Bebauung des Südgeländes: Bernstein, Magnan, Molkenbuhr; Entsendung von Arbeitslosen in die Kulturarbeitsstätten für innere soziale Koloni- sation: Hoffmann, Küter, Mohs; Vergebung von städtischen Ar- beiten an Deputationsmitglieder: CzcminSii, Küter, Mohs. Hierauf folgte geheime L-itzung. Selbstmord in einem Stadtbahuzuge. Auf dem Bahnhof Schöne- berg fanden gestern gegen stht Uhr nachlS Beamte bei der Revision eines Stadkbahnzuges in einem Abteil dritter Klaäe die Leiche eines Mannes, der sich erhängt halte. Man schnitt den Lebensmüden sofort ab und rief einen Arzt herbei, der aber nur den bereits. ein- getretenen Tod festnellen konnte. In dem Verstorbenen wurde der 35 jährige Buchhalter Sch. aus Tcmpelhos ermittelt. StellungS- lostgkeit und Nahrungssorgeu sollen ihn in den Tod getrieben haben. Der Berein„Jugendheim" hält Freitag, den 23. Januar, abends »'/s Uhr, in den Neuen Ralhausiälen, Meininger Str. 8, eine Ver- sammlung ab. Hier sollen eingehende Erörterungen gepflogen werden über den Zweck und Nutzen, sowie auch den island des Vereins; vor allem tritt die Frage in den Vordergrund: Ist die Errichtung eines Jugendheims für Schöneberg in Bälde möglich? Zahlreicher Besuch ist deshalb nötig. Schmargendorf. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis hielt Genosse G r o g e r zunäcbst einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bortrag über innere Angelegenheuen in der Partei. Nach der Wahl zweier Delegierter zur KreiSgeneralversammlung wurde mitgeteilt, daß in nächster Zeit sich eine öffentliche Versammlung mit aktuellen Fragen beschäftigen solle. Dos Wintervergnügen des Wahlvereins soll im März abgehalten werden. Trebbin(Kreis Teltow!. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Bei der Besichtigung des Förstereigrundslücks durch die Boukommiision wurden erhebliche Mängel festgestellt, die auS der Lieferung minderwertigen Materials herrühre». Der frühere langjährige Stadtverordnelenvorsteber, Maurermeister Haaie, ist verichiedenrlich vom Plane des FörslereineubaueS abgewichen. Da die schriftlichen Ausflüchte des Herrn Haase bei den Körperichaiten nicht genügten. wurde derselbe in die Baukommiisioirssitzuug geladen; Herr Haaw erschien jedoch nicht. Sämtliche Redner verurleilten auts schärfste die Handlungsweise des Herrn Haase, der sich stets so viel daraus zugute tat, in der Bbrgerichasl so viel Vertrauen zu besitzen. Der Magistrat schlug vor, die Arbeiten in der vorgefundenen Weile abzunehmen und an den minderwertigen Arbeiten entsprechende Ab- züge zu machen. Beschlossen wurde mit zehn gegen sieben Stimmen. daß Herr Haase das Förstereigebäude laut Voranschlag herzustellen habe. Schönow(Kretz� Niederbarniml. Soimtagswnhl zur Gemeindevertretung. Eni in der letzten Ge- meindeverlreleisitzung von unierem Genossen Duckwltz gestelller An- trag aus Einführung der Sonntagswahl zur Gemeindevenretung gelangte, nachdem auch Herr Sellin warm für den Antrag ein- getreten war. einstimmig zur Annabme. Die Flage der Ein- fiihrung der Hundesteuer rief eine längere Debatte hervor. Unser Berlreter meime, mir Rücksichr darauf, daß die Gemeinde finanziell »ich! ungünstig dastehe und bertilS einen kommunalen Zuschlag von 150 Proz. erhebe, die Steuer nicht befürworten zu können. Die bürgeilichen Vertreter verlangten, daß jedem Hausbesitzer ein Hund steuerfrei bleiben iolle. Unser Vertreter verlangle, daß- dann jeder Einwohner, der einen eigenen Haushalt habe und im Besitze eines Hundes fei, von der Steuer öefreil. bleibe. Die Bernetung beschloß demgemäß. Für jeden weiteren Hund sollen 6 M.� Steuer erhoben werden. Die Straßenbeleuchtung soll in Zukunft eine Besserung er- fahren. Grnnan. Am Sonnabend, den 24. d. M., veranstaltet der hiesige Arbeiter- Gesangvere n Sangeslust(M. d. A.-S.-B.) ein Winterfest. Die Ar- beiterschaft wird ersucht, dasselbe möglichst zu unleistützen. Einsichtnahme in die Gemeindewählerliste. Bohnsdorf. Im Gemeindebureau während der Dienststunden. Eine Abschrift liegt beim Genossen Reinhold Schulz, Paradiesstr. 8 (Laden), aus. Erkner. Im Gemeindebureau(Zimmer 9) während der Dienst- stunden.,. Petershageu. Im Gemeindebureau. Zehlendorf. Vom 20. Januar bis 3. Februar während der Dienst- stunden im Meldeamt., Zimmer, 3, Gemeindehaus. Hauptstr. 3Sd. Auch können die Stimmberechtigten sich in den bekannten Lokalen in die ausgelegten Listen einzutragen. Sitznngstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Reinickendorf. Morgen Domierstag, abends 5 Uhr, im Rathaus, Hauptstrage 38/40, II. Roientiial. Morgen Donnerstag, den 32. Januar, abends 6 Uhr, in der Aula der Gememdeschule, Schillerstratze. Diese Sitzungen sind ögenilich Jeder Ecmeindeangehorigc Ii be» rcchttgl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Mus aller Welt. Ein Drama auf hoher See. Inmitten des Atlantischen Ozeans geriet der englische Dreimaster„Bauschen" in einen furchtbaren Sturm, der die Takelage und den größten Teil der Bc- satzung über Lord spülte. Das Schiff trieb als steuerloses Wrack seit elf Tagen auf dem Meere. Gestern hat der Dampfer„Cormishman" das Wrack gesichtet und hat, wie er auf drahtlosem Wege nach London meldet, den aus fünf Mann bestehenden Rest- der Besatzung übernommen.__ Blutiger Kampf mit Ausbrechern. Drei Insassen des Strafgefängnisses von M a i- A l e st e r im Staate Oklahoma unternahmen am Dienstag einen Ausbruchversuch, nachdem sie sich in den Besitz von Revolvern gesetzt und der Scblüsscl eines Wächters bemächtigt hatten. Sie stürzten auf die Gefäiignistore zu, indem sie Scvüiie aus die herbeieilenden Wäckter abgaben und dabei ein Telephonmädchen als lebendes S ch u tz s ch i l d gebrauckten. Sobald sie die Tore aufgeschlossen halten, lietzen sie das Mädchen los, das durch den Scduß eines Wächters verwundet worden war. Bier Wächter wurden von den Verbrechern niedergeschossen, die sodann auf einen Wagen sprangen. Während die Wächter auf die Fliehenden seuerteu, verfolgten andere sie zu Pferde, und es eiilspann sich ein Cd 6• Haftes Fcuergefecht. Schließlich wurden alle drei Aus» brecher erschossen. Getötet wurde bei dem Kampfe auch das frühere Mitglied des Kongresses Thomas aus Illinois, der gerade das Gefängnis besichtigte._ Schweres Explofionsungluck. Nach einer Meldung aus Kanada explodierte bei Arbeiten an der Strecke der Cunadian Northern Railway in der Nähe' des Ortes Arn prior(Provinz Ontario) vorzeitig eine Dynamitpatr o ii.e. Durch die Explosion wurden sechs Arbeiter sofort getötet und vollständig zer» rissen, drei andere wurden so gräßlich verstümmelt, daß sie k u r z darauf starben. Kleine Notizen. Grubcnuilfall. Infolge ZubruchgehenS von Kohlenmassen auf der Eminenz-Grube bei Katlowitz wurden zwei Berg- l e u t e derartig schwer verletzt, daß an ihrem Auskommen gc» zweifelt wird. Fleischvcrgistung. Die beiden 12 und. 14 Jahre alten Kinder der Fabrrlarbeilerin R v j dam Hamborn erkrankten vor einigen Tagen unter verdächtigen Erscheinungen und starben am Montag. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß beide Kinder das äDpfrt einer Fleischvergiftung geworden sind. Ei» deutscher Dampfer in Flamme«. Dienstag früh brach auf dem deutschen Dampfer„Venus" aus Flensburg Feuer aus, während das Schiff im englischen Haken Leven Kohlen einnahm. ES waren zurzeit bereits 1 200 Tonnen Kohlen an Bord. Alle Bemühungen, das Feuer zu löschen, waren vergebens. Es wird be- fürchtet, daß da« Schiff unter Wasser gesetzt werden muß. Ein frommer Betrüger. In Wien wurde nm Dienstag der Ver- Walter der f ü r st I i cd e r z b i s ch ö f l i ch e n G ü t e r d i r e k t r o n Rudolf Slbernhorst verhaftet, weil er im Laufe der letzten zehn Jahre 150 000 K rotten veruntreut hat. Von der ver- untreutcn Summe sollen allein 100 000 Kronen im Kleinen Lotto draufgegangen sein. Licbcsdrama in Paris. Als Montag abend ein Zug der Pariser Untergrundbahn in die Station Odson einfuhr, stürzte siw e i n junges Paar unter die Räder und wurde völlig zermalmt. Aus den bei den Leichen vorgefundenen Papieren ersah man. daß die beiden, ein eben eingerückter Soldat namens Mignon und eine Krankenpflegerin namens Pasteur. Selbst- mord verübt halten, weil ihre Eltern sich ihrer Heirat wider« setzten.'__ ßrauen-Leseabeaöe. Karlshorst. Mittwoch, den 2l., abends L'/. Uhr, bei Poser, Dönhoff» straße 6. Bortrag der Genossin Bohm-Schuch:'Die sexuelle Erziehung de» Kinde«. Obcr-Schöneweide. Die Frauenleseaberidc sinden bis aus weiteres jeden vierten Mittwoch im Monat, abends S'/, Uhr, bei Rade statt. Bor- tragende ist die Genossin Giummach. Der erste Mend ist am nächste» Mittwoch, den 28. Januar. tiHmrungsiidernckit vom 20. Januar 1014. lOettrrvrogno'e»ur Mitrwoch, den 21. Januar»»ich. Vorwiegend beiter und trocken bei frischen ösUichen Winden, nutzer mittags ziemlich strenge Kälte. Berliner D e t t e r b u r e a u. «Safiertmnds.Ronmchreii der uandeSanliaU tflr Gewäsierlunde, mugelerti vom Berlwcr Wellerdurca» Wasieriiand M c m e l,, Tilsil, V r e gc l, Jnsterburg ® 1 1 5 i 1 1, Tbörri Oder, Rasibor , Kronen' , Frantiurt ZLartbe. Sckrunm , LandSberg Netze, Vordainm Elbe. LeiNnentz Dresden ' Bardo , Magdeburg am 19. 1 om ieü 18. 1. cm1) 356?»—17 184«)—11 100-)!-4 210-)+17 185-)'—16 253++41 156«)— l83-)s+10 120-)+1 —10| 0 -162-),—14 113-)—15 98») I—Ii Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau ff ,' Rardenow>) Spree. Sorembergst SeeStow Seftr, Münden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Motel. Trier am I seit 18 l.j 18.1. om om1) 218*) llO-si 136«) 113 155«) 195») 322«) 456 293 368») 187 180«) 190 +4 +1 4-10 +4' +3 +8 —6 —14 —36 —30 _ o —10 -8 »)+ bedeutel Wuchs.— Fall.— 1 llmerpegel.—*J Eisstimd.— «) Oberhalb der Stadt EiSstand.— 1 TrcibeiZ. Erscheint 2 mal wöchentlich. j BezMgsqueBEewyeraeichiiisa Untenstehende Gesahäfte empfehlen sich b. Einkauf. 1 �Tjitow's Kaffee-V ersd. Dmdncrst.TO P KlQf'h Lindenstr. 105 y. ütOutS Speck- n�SeiüBkeBMlzerei. y�an k Abraham thffil.He.Eita-u.Roaiertrank-Kel!. t.;» Eat'.tlslr. 5a, Femap, Kgst.i3708 Äcl�ier, Otto. Qerichtstrafio P&rticiTarea j., Tegel, Brcnowst. 19 F. Züiat, Vv'aldemarBtr. 04 a. MW fökiiMulS igaafli_ iCeittr. Auto Tecbhikum Norden prinzen-AUee 42/48 Cb«rftir«ckBle ! las;©«- und Afeead-Kursus i EiBliit; jederseik mK�ekte flnti». Bfie�faiien Arkoija-Bad, Auklamer-Str. 24. Kad Äw« 107 Esm!-Sai ig. , Jad Frankfurt, Gr.Frkft.Str. 13C. j Lieferant sämtl. Krankenkassen g«d Bafeland, Hufelandstr. 45. Kftlser-Ft;edricht-Bad,Ch*rl.ii.Eli. Äur-Dad Treptow« Bouchöstr. 18 IinHflnharfi''n<1?r,3tr- lvs Seolaaclle iiUllclilJau FviedrieW 8. Lief. a. Kail. Naizonal-Bad, ßrunnenstr. S. Bad Ostend Ori�inaf Lohlannin-Bad> Wallatr. 70 71 früh. Münsel 1 [Sinti. Bader, auch, f. Krankenk.! Passage- Bad 79. Reform-Bad, Wiener Str. 65. Rcforni-Bad Wcl Bensee, Lehierst.104 Süiimep-BeojiitelSjaJ Siaesia sS�esis"""sT ßffliß�gnjEiimj» R. Hauke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpenickerstr. 70. A* E. Lange, Brunn enstr. 166 Liepe, Schöneberg. GnmewaldJtr.SO. Mover, P.,Nk!ÜL,BorIinerstr.4D— 50 H. Neusch, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmann, Lctbriagerstr. 60, M. Spranger, Reinlckend.Str. 11. Bächer- ü. Conanorsien ............... ihm.............. A. Hosubeck, Sparrstr. 4 Josef Krell, Weserstr. 178 Alb. Kratky. Cadinerstr. 19. Landbr.>Bäck.Kr6chcr, öaalestr.Soa C. Kunze, Liebigstr. 1. M terie iSITäiC.«», Max Kühl, Triltstr. 9 Felix Kyuast. DSnenstr. 5. Bäckerei Künscher Kastanien-Allee 57 Bacher- u. Konoitoreien C.Adameck, Nklln., Jonasstr. 22 A. A Ibat ,äl a rkt 8t.l 2 1 3, Heini ckoadorl A brecht, E., Fruchtstr. 29. Landbrotbäcker. Heim. Albredit P. Audersch, Zionskirchetr. 17. R, Anderson, Thüringerstr. 32 Asmns, WPh., üec!«raiänderstr. 11. K. Aost, Drontheimer Str. 40, Wllh. Bagge, Wiclefstr. 55/6. Willy Bär, Slromstr. 48. Paul Berger, Mirbachstr. 29 P.Bethge, Nklln, Kais.Friedrichft.234 E. Beyer, Thomeratr. 6. Jose! Brcfka, Kirchhofstr. 46/47 il.EkiteUiiiMrslie 33. Otto Billepp, KastaDiea-Allee 21 c. 69 Keinh. Blonkle, Wiesen str. 19a* R. Block, Soranerstr. 18. Alw. H dm er, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Helnersdorfer Muhle P.Bockeukamp, Camphauaenat-G PauiBochnig, P«ftko w,Görschßtr. 1 1 Rudolf Brechlln,Ocker6t. 3 Nklla. F. Breitkopf, Errerzierstr. 19 a. Wa uemar Brcse, Driesenerst.S Hermann Baß, Gr&naueratr. 12. Ewald Buchler, Weserstr. 47. Ernst Bulier, brüsselerstr. 4L. Gnst. Böhm, Gubenerstr. 26 O. Büchner, Nordhausenerstr.SO Alb. Dadiu its, Kamorunersti. 16. bavidsLanabrotHüdersuorierJi.r.y'J Pelhsden»t r. 4 4, WaBmsnn-. K. El iie b• b>l. taul tieily, Markusstraße i 5. Albert Dcukcwib. itbloaekiatr. 14 Doliwa, Ferdinand Toreliatr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 22. H. Donner, Dunckerstr. 73. Rud.Duu'ker, Pankow, MübleostTl Friö Eichler, Bastianstr. 18. W. Ernst, Pücklcretr. 42. Franz Paulwetter, yanlen.TelBlr.67. Carl Feist, Frledenstr. 101. Friedr.Flemmlng, Boxhagenerftr.27. Paul Freitag, ötuttgarterstr. 13. E. Freyer, BfameMtr. 72.E.Marku5itr. R.Friedrich, Marienburgerstr. 28. HeinrichFrister, Pankow, Florast. 50 Rod. Gebier, Wildenbruchstr. 68. F. George, Wilhelmsbmnerstr. 23. Fritj Glauner, Chausseestr. 80. Gunmior, K. Posenerstr. 16. Wllh, Godt, Emdenerstr. 59. B. Gonslor, Treptow. Grätrstr. 66. O.GLrq.� icaensir.SLtr.n.jrunc Ebm. Großc-Rhodelteinickendorfer8t.95 Groß- Bäckerei„Berolinn" LWest. PauIGrisard,Pankow,Flora6tr.lÜ. Paul Gärtner, Troskowstr. 44 A.Günther, Gr Frankfurterst. 75 P.Hanke, Vcrir.W.ifehrieMarienbnrgersi.? KariF.ticenrelch,MüJicheDersL44 Karl Hennig, Steihmetzstr. 74 Gnst. Hrintschelril&velbergentr. 26. O. Henning, ächmidtstr. La. Job. Hilde brondt, Kykestr. 82 Paul Hoppe, Hermsdorferstr. 8 Honpo'iKach/.Kramarek.AdalfcerUi.eo P.H'usgen,UerfGrÜi-,E.Li«bieDr»derst- L. Ihle, Geriohtsstr. 63. Max Jacob, Pflügcrslr. 70-1. Bei eh. Jahn, Rcsideuzet. 75,T.582 Reinickendorf, Hauserstr. 3. Faul Jorrascti, Sprengelsir. 33 Jendreyko, Immanuelklrchstr. 10 Fr. Jendreyko, unmstr. 9. Max Jeese, Bandelstr. 27. O. Jeske, Lib&uerstr. 1 B. 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Sonntags 9— 11, Jedes Wort 10 Pfennig. ?,"s-l!?l möchte sagen— moralischer Ellbogen- freiheit gibt, das notwendig ist. um die großen Aufgaben zu er- füllen, die unsere Industrie erfüllen muß, wenn sie ihre führende Stelle behalten will. Eine verständige i�ozialpolitlk muß sich in den Grenzen des wir�chaftlich Möglichen halten.(Zunif bei den Sozialdemokraten.) Sie iverden mir doch zugeben, daß man auch anderer Meinung sein kann, wie Sie, ja es ist Pflicht der Regierung, diese Dinge anders zu beurteilen wie Sie, iveil wir nicht die Ziele und Interessen einer einzelnen Partei zu verfolgen haben.(Lebhaftes Bravo I rechts. Zurufe bei den Sozialdemokraten)) Ob Sie mich Knecht der Unter- nehmer nennen odör nicht, ist mit ganz gleichgültig.(Bravo! rechts.) Ich komme nun aus das Gebiet ber Wirtschaftspolitik und will da zunächst auf die Vorteile eingehen, die sie den Ar- beitern gebracht hol und die Sic(zu den Sozialdemokraten) immer bestreiten. Betrachten wir die Periode, die einsetzte mit dem Zoll» tarif von 1870. Ein zuverlässiger Grad der wirtschaftlichen Bedeutung eines Landes ist zweifellos sein Außenhandel. Im Jahre 1880 betrug unsere Einfuhr 2,8 Milliarden, 1012 10,60 Milliarden: unser» Ausfuhr 2,02 Milliarden 1880 und 8,06 im Jahre 1912. Ein Ver- gleich mit Frankreich, England und den Vereinigten«taaten von Nordamerika zeigt, daß Deutschland noch 1801 mit Frankreich und den Vereinigten Staaten in bezug auf seinen Gesamthandel auf einer Stufe stand und britischericils um rund 7ö Proz. übertroffen wurde. Heule hat Deutschland Frankreich und die Vereinigten Staaten weit überflügelt und ist dem britischen Gesamt» Handel n a h e g e r ü ck t.— Dieser Entwickelung unseres Außen- Handels entiprichl auch die Entwickelung unseres inneren Marktes. DaS beweist auch die dauernde Zunahme des Güterverkehrs, der Kohlenförderung, des Kapitalmarktes, des Umsatzes der Reichsbank. An diesem ganz allgemeinen Ausschwung sind auch die nicht be- g ü t e r t e ii Kreise in st a r k e ni Maße beteiligt. Das beweist die große Steigerung der Zensilen in Preußen mit einem Einkommen von 900 M. von 6700 Millionen im Jahre 1392 ank 15 200 Millionen. Das Einkommen der Bevölkerung ist also um 167 Proz. gewachsen, die Bevölkerung selbst nur uin 80 Proz. Auch die Spareinlagen in den Sparkassen sind fünfmal so stark gestiegen wie die Bevölkerung. Bei der Interpellation über die Teuerung habe ich mich über die ungünstige Konjunktur und die Aussichten ihres Weichens verbreitet. Seitdem ist nichts eingetreten, was mich zu einer anderen Auffassung bringen könnte. Veraniajjung zu der un- günstigen Konjunktur gaben die internationalen Vermittelungen. Anfangs hatten wir Sorge, ob unsere finanzielle Kriegs- b e r e i t s ch a s t stets vorhanden sein würde. Aber am Ende dieser zweieinhalb Jahre ist unsere sinanzielle Kriegsbereitschaft besser als am Anfang. Der Geldmangel ist zum Teil auch darauf zurückzu- führen gelvesen, daß die Kapitalisten zurückhaltend tvaren und daß sie teilweise ihr Geld i»ö Ausland brachte».(Hört! hört!) Außerdem wurden die ausländischen Zahlungsmittel zurückgezogen. Jetzt können wir jedenfalls lvieder mit einer Erleichterung des Geldmarktes rechnen. Genau festzustellen, in welchem Maße an der günstigen wirt- schafrlichen Entwickelung die Arbeiter leilgenomincn haben, ist sehr schwer. Jedenfalls ist trotz der steigenden Lebensmittelpreise auch der kleine Mann in der Lag» gewesen, sein Vermögen zu vermehren. Nach den ausgezeichneten Aufstellungen von C a l w e r ist die Steigerung der Löhne stärker gewesen, wie die der Preise der Nahrungsmittel. Auch das, was mau für das Geld bc- kommt, ist besier gelvorden. Die Wobnungen sind erheblich besser ge- ivorden, da- Niveau der ganzen Lebenshaltung der Arbeiter ist gestiegen. Bei den Arbeitern und unteren Angestellten der preußisch- hessischen Eisenbahn hat sich das Eitlkommen in 20 Jahren f a st verdoppelt, die Löhne der Bergarbeiter ffnb in Oberschlesien von 675 M. im Jahre 1805 aus 1056 M. gesiegelt.(Zuruf bei den E-ozialdemolraten: DaS ist zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel!) Ob die Löhne /, n sich ausreichend sind, steht jetzt nicht in Frage. Ich sttll»•tue fest, daß die Steigerung der Löhne stärker war, wie die Steuerung der Preise. Auch in allen übrigen Bergbaubezirkeu sind di, Löhne entsprechend gestiegen, so im Dortmunder Bezirk von 068«iff 1586 M., im Saarbrückcr Bezirk von 620 M. auf 1251 M. Nickt an letzter Stelle sieben bei der L 0 h n st e i g e r u 11 g auch die Buchdrucker. Das Kaiserl. - Statistische Amt gibt daS Urteil ab: Ueberblickt man liue längere Zeitdauer, so ist der Lohn unzweifelhaft stärker gestiegen, wie die Preise der Lebensmittel; die Lebenshaltung hat sich unzweifel- Haft verbessert." Auch die„Holzarbeiter-Zeitung", also ein Blatt Ihrer(zu den Sozialdemokraleiy Gesinnung, schreibt am 2. August 1913:„Der Forlschritt ist freilich nicht von heute auf morgen ein- getreten, zeitweilig treten sogar Rückschläge ein. Speziell die ver- kehrte Zoll- und WirticbaftSpolitik hat die Preise der Lebensmittel erheblich erhöht. Aber die Hebung der Lebenshaltung ist unverkennbar. (Hörl! hört! rechts.) Wenn wir un« nur einige Jahre zurückversetzt denken, und unsere Ernährung, Behandlung und Kleidung von damals vergleichen mit der, wie lvir heute die entsprechenden Vedürfnisse be- friedigen. Eine Steigerung der Lebensmittelpreise haben lvir auch in dem FreiHandelSlaude England zu verzeichnen. Und selbst wenn die Preise dort geringer gestiegen sein sollten, so ist das noch nicht als Folge unserer Schutzzollpolitik zu bezeichnen. ES hängt vielmehr damit zusammen, bafe der englische Arbeiter um ein Menschenalter in seiner Lebenshaltung voraus ist.— Ferner beweist die Statistik, daß auch die Behauptung irrig ist, daß unsere Wirt- schastspolitik eine Bernachlässigung des Futlerniiltclbaues zur Folge gehabt habe,� die zur Lerringernng der Biehprodutlion geführt habe. Wenn die Viehzählung von 1S12 einen Rückgang des Vieh- b e st a n d es verzeichnete, so hing daö mit den erst kurz vorher überwundenen schweren Viehseuchen zusammen. Von 1912 bis 1919 ist denn auch wieder eine Zunahme des Viehbestandes festgestellt.— Was daö System der E i n f u h r s ch e i u e anlangt, so gibt es allein die Möglichkeit, dem einzelnen Produzenten in den Besitz d e S vollen Zoll schütz es zu setzen. Es ist keine Ausfuhrprämie sondern die Einfuhrscheine haben den wirtschaftlichen Zweck, den Produzenten im Osten die Möglichkeil zu geben, ihr Getreide auf dem billig st en Wege da zum W e t t m a r k t p r e i s e zum Verkauf anzubieten, wo eS gebraucht wird.(Sehr richtig! rechts.) Ich komme also zu dem Ergebnis: unsere Wirtschaftspolitik hat zweifellos einen a l l g e in e i n c n wirtschaftlichen Auf- s�ch w u n g fast aller produzierendeir Stände in Deutschland zur gehabt: sie hat uns in die Lage versetzt, die Sozialpolitik, die wir seit 39 Jahren planmäßig fortgeführt haben, überhaupt durch- zuführen. Wir haben also kein Interesse daran, au den b e- währten Grundsätzen unserer bisherigen Zoll- und Wirtschaftspolitik irgendwie zu rütteln. sBravo! rechts.) Ich möchte als ausdrückliche Meinung der Reichs leitung folgendes seststellen: der Zolltarif vom 25. Dezember 1902 hat in Vcrblnduiig mit dein auf leiner Grundlage abo-schlossenen Tarif- und Meist- begünstigungsverträgen sowohl den Interessen des inneren Marktes als auch unlerem Streben nach Erweiterung eines gesicherten Au§- landsabsatzeS Rechnung getragen. Die Reichsleitung vertritt daher nach wie vor den Standpunkt, daß unser bisheriger Zollschuh im all- gemeinen genügt, daß es aber auch aufrecht erhalte» werde» muß, und daß die Richtung unserer Vertragspolilik im wesentlichen dieselbe bleiben muß. sBravo! rechts.) Insbesondere muß uilserrr Landwirtschaft der derzeitige Zollschuü nach wie vor erhalten bleiben. (Bravo I rechts.) Aus Interessentenkreisen ist darauf hingewiesen worden, daß bei der außerordentlich schnellen Entwickclung der deutschen Volkswirtschaft in unserem Jahrhundert unser Zoll- .tarif in manchen Punkten den Bedürfnissen der heimischen Produllion nicht mehr voll Rechnung trage. Mehrfach sind Wünsche auf Ab- änderung der Sätze des deutschen GenerattarifS sowie auf Ein- fchränkung von handelStariftich erfolgten Zugeständnissen laut geworden. Auch ist der Reichsveuvaltung nicht unbekannt, daß einige Unebenheiten des autonomen und der Berlragstarife eine Ausgleichung erwünscht erscheinen lassen, und daß die Entwicklung der Technik eine Reihe von Veränderungen deS TarifSlhemaS zur Folge haben muß. So wllnschenSwen aber diese Verbesserungen sind, so handelt es sich doch überall um Einzelheiten. Im großen und ganzen entspricht der gegenwärtige Zustand durchaus den Bedürfnissen der deutschen Volkswirtschaft. Das Ziel unseres Strebens muß es sein, die bisherige Äirlschafts- und Handelspolitik in ge- sicherten Bahnen fortzuführen. Soweit sich zurzeit übersehen läßt, wird für uns keine Veranlassung vorliegen, durch Kündigung der Tarifverträge von 1996 zu einer Neuregelung der Handelsbeziehungen den Anstoß zu g«be». Es besteht daher einstweilen nicht die Ab» ficht, dem Reichstag eine Novelle zum Zolltarif vor- zulegen. Wenn die BertragSstaate» sich mit uns auf eine einfache Verlängerung der geltenden Handelsverträge einigen sollten, so würde' sich eine umfassende Tarifnovelle überhaupt erübrigen. Wird dagegen von anderer Seile das BertragSverhältnis gekündigt oder werden in ihren Tarifen Aenderungen vorgenommen, die unsere Ausfuhr berühren, dann werden die Verbündeten Regierungen nicht zögern, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Wirt- fchafttichen Interessen Dentschlands z» verteidigen, Angriffe auf den derzeitigen handelspolitischen Besitzstand abzuwehren und Ver- besserungen deS geltenden TarisS, die als notwendig erkannt werden, durchzusetzen. Sie sind sich des Ernsies dieser Ausgabe voll bewußt. Die beteiligten Bertoaltungrn sind bereit» seit längerer Zeit damit befaßt, die in Betracht kommenden Verhältnisse miter Würdigung des Materials und der Anregungen der beteiligten Erwerbskrcise und ihrer Organisationeii einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. Dies Material zu ergänzen und im Benehmen inil den Beteiligten aus dem Laufenden zu erhalten, wird Sorge der Bundesregierungen bleiben. Auch werden die einschlägigen Fragen rechtzeitig Sachverständigen vorgelegt werden; gegebenenfalls wird auch der Wirtschaftliche Ausschuß rechtzeitig damit befaßt werden. Die Sozialpolitik und die Wirtschaftspolitik sind annähernd zur gleichen Zeit entstanden und sind ans demselben Boden gewachsen. Die Fortführung der einen erfordert die Aufrechterbaltung der andern. Beide haben sich bewährt, beide in richtiger Beziehung zu einander zu halten und weiterzuführen, wird daher unsere Aufgabe sein.(Lebhafter Beifall recht?.). Abg. Chrysant(Ztr.): Der gewerbliche Mittelstand wird sich nach der gestern ange- führten Äeußerung des Abg. Pens bei gegebener Getegenheit hoffentlich des Wortes erinnern:„Nur die allergrößten Kälber wählen ihren Metzger selber.�— Daö Verfahren bei den Submissionen bedarf dringend der Verbesserung. Das Prinzip deö angemessenen Preises muß niehr zur Geltung kommen. Die deutsche Handwerks- ousstellung 1915 in Dresden sollte niöglichste Förderung seitens des Reichs finden. Sehr wichtig ist auch die Förderung der g e w e r b- l i ch e n K r e d i t g e n o s s e n s ch a f t e n. Auch der Hypothekenkredit muß verbessert werden. Hier müssen die Regierungen mithelfen, daß die L a n d e S v e r s i ch e r u n g S a n st a lt e n das Geld billiger geben, um dem gewerblichen Mittelstand zu Helsen. Unseren Bcschlüycn aus Einschränkung des geheimen Waren- handelS ist der Bundesrat nicht beigetreten. Wahrscheinlich hat der Bundesrat gar keine Ahnung von dem Umfang des geheimen Warenhandels. Auch der Unfille des Z u g a b e w e s e n s sollte auf gesetzlichem Wege entgegengetreten werden.— DaS Baugewerbe wünscht dringend eine einheitliche Regelung der Frage deS Baumeisterlitels für daS ganze Reich. Wer z. B. in Leipzig rechtmäßig den Titel erworben hat. wird bestraft, wenn er ihn in Braun schweig führt— ein schönes Bild deutscher Kleinstaaterei nach 49 Jahren der ReichSeinheit. Geheimrat Caspar: Der Beschluß des Bundesrats, der Petition gegen den geheimen Warenhandel nicht Folge zu geben, einspringt nicht einer Gleich- gültigkeit gegenüber dem geheimen Warenhandel, sondern de», Umstände, daß die einzelnen Regierungen gesonnen sind, energisch gegen den geheimen Warenhandel von Beamten vorzugehen. Abg. Dr. Böhme(nat.): Unsere Viehzucht hat sich nach der Dürre von 1911 und der Maul- und Klauenseuche derart erholt, daß wir niit Stolz auf diese Leistung der Landwirtschast blicken könneil. Unsere Wirtschaftspolitik hat auch den Erfolg gehabt, daß der Import von Getreide zum Stillstand gekominen ist. Diese ganze Entwickelung war allerdings nur inöglick', weil die Futtermittel nickt in der Höhe bclasie» worden sind, Ivie aas der Bund der Landwirte verlangte. lSehr richtig! links.) Im Interesse der Bauern liegt inSbeiondsre die Aufrechterhält u n g deS Haferzolles. Vor allem muß an dem Schutz der Vieh- zucht festgehalten weiden. An hohen Sckweinepreisen sind die Bauern viel mehr interessiert als an hohen Getreideprei'en, für die sie nur aus Solidarität für die übrige Laiidwirlichaft eintreten.— Eine Aenderung des Systems der Einfuhr- scheine halten wir zurzeit u i ch l für angebracht. Die innere Kolonisatioil sollte von der Reichsregierung in die Hand genomnien werden. Nur so werden sich die Widerstände der Agrarkonservativen in Preußen überwinden lassen. In Preußen gebt man nur darauf aus, durch das Schlagwort der Arbeiter- änsiedelung. für die es nach der Ansicht der Sachverständigen an den geeigneten Elementen fehlt, die Bauern änsiedelung tot- zuschlagen.(Sehr richtig! links.) Die russischen Drohungen der Einführung von G-treidezöllen und der Entziehung der russischen Arbeiter darf die Regierung nicht außer acht lassen. Auch das Fideikommißwesen wird schließlich vom Reich gelöst werden müssen, da vom preußischen Landtag in dieser Frage nichts zu er- warten ist. Das K o a l i t i o n s r e ch t ist für die Land- a r b e i t e r nicht von der Bedeutung wie für die Industriearbeiter. In manchen Gegenden besteht es schon, in Gegenden mit nationalen Gegensätzen tväre eS weniger a n- gebracht.(Lachen'bei den Sozialdemokraten.) Aber entschieden wende ich mich gegen die Bestrebungen, den Landarbeitern die Koalition überhaupt unmöglich zu machen.(Bravo I bei den National- liberalen.) Die Weiterberatung wird vertagt auf Mittwoch 1 Uhr. Schluß 6'/« Uhr._ Mgeorönetenhaus. 7. Sitzung. Dienstag, den 29. Januar 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer. Der Gesetzentwurf, betreffend die Erweiterung deS Stadtkreises Danzig geht an die verstärkte Gemeindekommission. Die Vorlage, betreffend die Zuständigkeit der Amtsgerichts- s ch r e i b e r zur öffentlichen Beglaubigung einer Unterschrist wird in dritter Lesung angenommen. Zweite Lesung des Landwirtschaftsetats. Zweiter Tag. In der fortgesetzten allgemeinen Besprechung führt Abg. v. Morawski(Pole) die Schwierigkeiten, die Rußland der Abwanderung von Feld- arbeitern von Preußen bereiten will, auf die preußische Ostmarken- Politik zurück. DaS Seuchengesetz werde schikanös auSgesührt. Abg. Hoesch(k.): Die Steigerung der Preise der Lebensmittel ist nur schein- bar; sie muß durch die Entwertung deS Geldes in den letzten Jahrzehnten erklärt werden. Die ViehverwerlnngSgenosien« schaften könnten von großer Bedeutung werden, wenn die städtischen Gemeinden ihnen durch ständige Beziehungen einen geregelten Absatz eröffnen würden. In unserer künstigen Zollpolitik muß die russische Mehl- und Gersteeinsuhr uuter Kontrolle genommen werden. Die Seuchen haben die aufstrebende Viehzucht stark mitgenommen. Die innere Kolonisation ist nach einem Wort des Herrn v. Wangenheim die Frage unseres Jahrhunderts. Wenn sie durchgesübrt icin wird, wird auch der Viehbestand wachsen. Zum Schluß bekämpft der Redner den Ausspruch des Abg. Braun, daß wir die ausländische Viehzucht zu fördern hätten, um dadurch billige Bezugsquellen für Fleisch zu haben. Abg. Dr. Schrffcrer(natl.): Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die gegenwärtige Beratung des LandwirtschaftSetatS steht unter dem Zeiche» der künftigen Gestaltung unserer Handelsverträge. Ebenso wie von unseren Rüstungen ist von dem Ausbau unserer Wirtschaft die Festigkeit des Staates abhängig. Nach den Tagen der Blockpolitik ist es gelungen, alle bürgerlichen Parteien in der N ü st u n g S- frage zu einigen. Bielleicht ist eine solche Einigung auch in den Fragen der Landwirtschaft zu erzielen. Selbstverständlich nehmen wir die S o z i a l d e in o k r a t i e. die von ganz anderen Voraussetzungen als die bürgerliche Gesellschaft aus- geht, von vornherein grundsätzlich von einer solchen Einigung aus. Wie diese Partei die Vergesellichaitung des Privateigentums propagiert, so propagiert � sie demenlsprechend auch die Vergesellschaftung des Grund und Bodens. Freilich schwächt die Sozialdemokratie diesen ihren Standpunkt bei der Agitation aus dem Lande ab, weil sie weiß, daß der kleinste Bauer an seinem Stückchen Lande zäb sestdält. Die Hochflut agrarischer Literatur ebenso die Einsetzung einer Agrarkommission auf dem letzten sozialdemokratischen Parteitag beweist, welche Schwierigkeiten die Sozialdemokratie auf dem Lande hat. Wenn das Agrorprogramm dieser Partei so einfach wäre, wie der Abg. Braun es gestern dargestellt hat: Zerlrümmelung des Großgrundbesitzes, aber auch keine Stützung des kleinbäuerlichen Besitzes, Abschaffung aller Zölle, Enteignung— dann hätten sich K a u t S k y, Eduard David, Anbur Schulz, ihre liefgreifenden Untersuchungen sparen können. — Es ist unmöglich, jetzt zu einem völligen Freihandel und zur Aufhebung der Schutzzölle ohne tiefe Erschütterung unserer gesamten Wirtschaft überzugehen. Namentlich im Kampf mit anderen Groß- mächten, die mit stärkeren Schutzzöllen als wir ausgerüstet sind, bedürfen wir der Schutzzollpolitik. ES kann sich alio nur um das Maß und die Ausdehnung des Schutzzolles handeln. Die Forischrittler sind in dieser Frage nicht einig. Gestern stellte ihr Sprecher, Abg. Hoff, der gegenwärtigen WirtschaslSpolitik ein vernichtendes Zeugnis ans. indem er die Capriviffchen Handelsverträge in den Himmel hob. Wir dagegen schließen uns der Ansicht des Fürsten Bülow an, welcher erklärte, daß die Herabsetzung der Agrar- zölle durch Caprivi unserer Landwirtschaft eine s ch w e r e K r i s i S gebracht habe.— Der Redner rechtfertigt dann dieEinsuhrscheiiie als eine Entschädigung der Landwirtschaft für die Schädigung durch den deulsch-rnisischen Handelsvertrag. Wenn die Konservativen uns nach- sagen, daß wir durch ein politisches Zusammengehen mit weiter liiiks stehenden Parteien auch in unserer WirlschaftSpolnik wankend werden könnten, so frage ich dagegen: Werden die Konservativen in ihrer Haltung zur Wahlrefonn durch die des Zentrums beeinflußt? (Sehr gut! bei den Natl.) Bleiben tvir alw einig bei unserer be- währten Wirtschaftspolitik.(Beifall bei den Natl.) Abg. Graf Moltke(k.) polemisiert im gleiche» Sinne wie der Abg. Schifferer gegen die Ausführungen des fortschrittlichen Abg. Hoff und tritt für die Ausrecht- erhaltung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik ein. Abg. Brors(Z.): Der kleinbäuerliche Besitz hat vielfach über Wildschaden zu klagen. Es scheint, als ob die diesbezüglichen Bestimmungen im Jiilcresse der Jagdvorstehcr und zum Nachteil deS kleinbäuerlichen Besitzes gehandhabt werden. Abg. Pachnickc(Pp.): Die Herren von der Rechten scheinen zu. meinen, als ob die Fragen der Landwirtschaft nur von Großgrundbesitzern behandelt werden lönnten. Aber diese persönliche Seile muß ganz ausscheiden; ionst müßten die Konservativen auch zu den MilteljtandSfragen schweigen. Wir stimmen mit der Rechten in der Freude über dw Hebung der Jiilaudsproduktion überein. DaS Ziel der Selbstversorgung ist zivar auf- gestellt, ober wir entfernen uns ständig von ihm. Der Betrag der Einfuhr der Lebensmittel ist nämlich gewachsen. DaS Wachsen des V i e h b e st a n d e s hat nicht Schritt gehalten mit dem Wachsen der Bevölkemnq. Unsere Einfuhr ist im Steigen begriffen. Man hat es in der Debatte so dargestellt, als ob wir in den Eaprivischen Handelsverträgen ein Ideal erblickten. Das ist keineswegs der Fall: denn diese Beiträge waren h o ch s ch u �» z ö l I n e r i s ch. Aber die Zeil der Eaprivischen Verträge zeigt ein Wachsen des Viehbestandes. Mit Recht hat Abgeordneter Schifferer gesagt, daß es auf das Maß des Schutz- zolleö ankomme. Das ist auch unsere Ansicht. Eine große Geiahr erblicken wir in der künstlichen Steigerung der G r u» d st ü ck S p r c i s e und in dem damit zusammenhängenden Grundstückswechsel. Wir fordern eine Revision des Zolltarifs nach der Seite der F u t t e r m i t t e l z ö l l e. Die Folge dieser Zoll- Politik war die Sleigerung der Preise der Produkle der Viehzucht. Um nickt in den lückenlosen Zolltarif Bresche zu legen, sträubt man sich gegen die Ermäßigung der Futtermittel— und des MaiSzolies. Die Nationalliber alen haben sich heute selbst widersprochen, indem sie sich dagegen wandten, denn der Geschäftsführer deS Bauernbundes, Dr Böhme, hat in einer öffentlichen Erklärung sich dabin ausgesprochen, daß die Eni- Wickelung der Landwirtschasi auf eine Ermäßigung der Mais- und Futlerzölle gehe. Auch die bayerische Regierung bat den engen Zusammenhang zwischen hohen Kraftfutteipreisen und Rückgang der Viehprodnktion anerkannt. Was daS VerbälmiS von Groß- und Kleinbesitz betrifft, so bricht hier die sozial- demokratische Theorie vollständig zusammen. Die Mittelschicht der bänerlichen Betriebe ist in ständiger Entwickelung begriffen. Diese Eniwickelung wollen wir unterstützen durch eine nationale Bauernpolitik.(Beifall bei der Volkspartei.) Durch Annahme eines SchlußantrogeS verliert Abg. Hofer (Soz.) das Wort. Das Gehalt deS Ministers wird bewilligt. Mitlwoch 11 Uhr: Einzelberatung. Schluß 4'/� Uhr.________ Parlamentarisches. Die Budgetkommisfiou des Reichstages. Am Dienstag wurde die Beratung des Kapitels Ausführung des Kaligesetzes beender. Der Reichsbeitrag zu den Kosten der Untersuchung von E m p s ä n g e r p r o b e n wurde auf Antrag Erzbergers von 109 000 auf 150 000 M. erhöht. Eine Rc- solution, nach welcher die vom Deuischen Handwerks- und Gewerbe- kammertag errichtete zentrale BeralungSstclle für VerdingungSämtcr der Handwerkskammern, welche die Vergebimg öffentlicher Arbeiten und Lieferungen an das Handwerk fördert, mit 30000 M. unterstützt werden soll, wurde angenommen. Hierauf trat die Kommission in die Beratung des Etats der ReichSjnstizverwaltung ein. Die Forderung von drei neuen Reich SgericklSrats stellen»nd einer f« ch st e n R e i ck S a n w a l t's st e l l e wurde von den Abgg. Gröber(Z.), Schiffer(natl.), Südekum und Noske(Soz.) lebhaft de- kämpft unter Hinweis auf den Umstand, daß dadurch die unerläßliche notwendige Reform des ganzen Systems verzögert werde. Die Ab» stlmniung ergab die Bewilligung der Räte und die Ab» l e h n u n g deS AnioaltS. Zum Etat der Reichsdruckerei werden 437 084 Ai.(von inSgeiamt erforderlichen 3 150 190 M.) für Erweiterungs» bauten der Reich Sdruckerei verlangt. Abg. R. F i s ch e r (Soz.) bemängelte, daß die Kommission keine Möglichkeit einer Nach« Prüfung der Projekte babe. Die Abgg. Erzberger und G l e S« b e r t S(Z.) bezweifelten die Zweckmäßigkeit der geplanten Anlage. — Die Beratung wird am Mittwoch fortgesetzt. Das Konkurreuztlauselgesch. In der Sitzung der ReichStagslommission vom 20. Januar wurde die zweite Lesung begonnen und zu Ende geführt. Die Abgeordneten der bürgerlichen Parleien hatten sich vorher auf einen gemeinsamen Kompromißantrag geeinigt, nur der nalionalliberale Abgeordnete S t o y e war nicht bei der Partie, weil ihm als unentwegter Bonner- träger des Unlernehmeiinleresies auch der zweite Regierungsenlwurf viel zu weil geht.— Für die Beschlüsse der ersten KommiisiouS» lesung stimmten daher lediglich die sozialdemokratischen Abgeordneten. Der Kompromißanlrag der bürgerlichen Kommiisionsmitglieder akzeptiert den zweiten nach der ersten KomimisionSlernng eingegangenen Regierungsentwurf mit folgenden Ausnahmen: 1. Das Weltbeweibverbot ist unzulässig,.wenn die dein Handlungsgehilfen zustehenden jährlichen Leistungen den Betrag von 1800 Mark nicht übersteige»(der Regierungsentwurf sieht 1500 M. vor). 2. In der Frage des Anspruches auf Erfüllung eines der» einbarten Weltbelverbverbotes ist das alte Recht wieder hergestellt; danach kann die Erlüllung nicht gefordert werden, wenn eine Vertrags stufe vereinbart ist. 3. Der Eiiti'chädiguiigöbetrag muß für jedes Jahr deS Ver» botes mindestens die Hälfte der Gehaltsbezüge betragen(der Re» giernngSentlvurf sieht ein Drittel vor). Die sozialdemokratischen KvinmiisionSinitglieder versuchten, daS sogenannte tsonimerkomprommiß der Parteien zu retten: aber auch diese Anträge<2>:00 M. GehaltSgrenze und Schadenersatz für die so» genannte heimliche Konkurrenzklauiel) brachten jetzt die bürgerlichen Abgeordneten zu Falle. Alsdann stimmten nniere FraklionS» Vertreter in der Abstimmung für die 1800 M. VerbotSgrenzc. Die RegierungSverlreter, die im Augenblick keine offizielle Er« klärung abzugeben vermochten, bemühten sich, etwaige Zweifel dar» über nickt bestehen zu lasten, daß diese Aenderungen das Zustande- kommen des Gesetzes.auis äußerste" gefährden. Die vorgebrachten Gründe sind wenig beachtlich._ Die Gcbührcnvrduung für Zeuge» und Sachverständige. Die Kommission zur Vorberalung eines Gesetzes über Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige begam, am Dienstag in, Reichstage ihre Tätigkeit. In der allgemeinen Vor» besprechuiig wurde von sozialdemokratischer Seite beantragt, daß die Regierung zur Information statistisches Material über die Höbe der Belastung herbeibringen solle, die durch die Zeugen- und Sach- verständl'gengcbübren für die prozessierenden Parteien und den FiSluS entstehen. Der Antrag wurde im Hinblick aus Schwierigkeiten, die ihm entgegenstehen, vorläufig zurückgezogen. Bei der Beratung des§ 2 des Gesetzentwurfs wurde von unseren Genossen darauf hingewiesen, wie unzulänglich die Eni- schädignng für die Zeugen sei. Der neue Entwurf sieht wieder als niedrigste Grenze 10 Pfennig, als höchste eme Mark pro Stunde vor. Beschlossen wurde, die niedrigste Grenze auf 30 Pfennig, die höchste aus 1,50 M. pro Stunde festzulegen iviarktpretie von Berlin am Ii). Januar 1911, nach Erinittetunge» deS lgl. PolizeivräüdiumS. Mais(mircd), gute Sorte 16,89—17,00. Donau 00.00—00,00. Mais 1 runder), nute Sorte 11,80—15,20. Richtstroh 0,00. Heu 0,00—0,00. Martldallenvreise. 100 Kilogr. Erblen. gelo«. ,ilm Kochen 31,00—50.00. Sdeiieboimen. weise 35.00—60.00. Linien 36.00— 80.00. ilarionetn(Klembdl.i 1,00—7,00. 1 Kilogramm Rindlleiich. von der Keule J.60— 2.40. Rindileüch, Sauchfleiich 1,30— 1.80. Schweinefleisch 1,10—2.00. Kalbileiich 1.10— 2,10. Hammel ilciich 1,50— 2,10. Butter 2.10— 3,00. 60 Slücl Eier 1,80— 7.20. l Kilogramm Karvicn 1.20—2.10 Aal« 1,10—3.20. Zander 1.40-3,30. Hechte 1.60—3,00.«arlcke 1.20— 2.4a Schleie 1,60—3,20. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebi« 8,00— 21.00 �nantwortlicher Redakteur: Alfred«Uletzp. Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo« Berlin SW.