Kr. 32. Hbonnemcnts-Bcdingungen; Hlonncmcntä> Preis pränumerando! Vierteljährl. S£0 Ml, monatl, 1,10 Ml„ wöchemlilh 28 Pig. frei in» Haus, Einzelne Nummer» Pfg, Eon,«lag». Hummer»ni iQntrcietlet Sonntag». Beilage.Die Neue Welt" 10 Pia, Post. kibonnemeiu: 1,10 Marl pro Monat. «eingetragen in die Post-Zeiwiig». TreiSIiste. Unter Ureuzdand für !teut>chlanl> und Oesterreich. Ungarn 2.Ö0 Mark, für Äa» übrige » Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, simniime», Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Vit snItttionL-gediihi' beträgt für die sechsgespaltene Kolonel, feile oder deren Raum 60 Pfg,, für olitischc und oewerlschaftlichc Bercin»- und Versnminlungs-Anzeigen M Pkg, „steine)»nr«lg-rr,", da» scligedruiklc Wort 20 Pfg.(ztstäffifl Z fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 1» Pig, Stellengesuche und Schlafslelleiu», zeigen da» erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort b Pfg, Worte über I ö Bind. flaben zählen für zwei Worte, Juserale für die nächste Nummer müsjen bis I" I ErtOjeint lögllch. Verlinev Volksblatk. 1. vn. imuflic illMiUHlt'l.«mjffU Vit? _ Uhr nachmittag» in der Ervedition abgegeben werden. Die Expedition ist K# 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Udrefle: „Z»i»Itle«»lliPl«reli,-. �entralorgan der fosiatdemokrati febe« Parte» Deutfcblands. Redaktion: 8SI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. tS«Z. Endlich ein Erfolg des Hanfabunöes. Die letzten Wochen standen zu sehr unter dem Zeichen der Erfolge des Preußenbundes. Darüber ist ein Erfolg, den txr Hansabund davongetragen hat, in der öffentlichen Be- achtung zu kurz gekonimen. Wir halten es deshalb für unsere Pflicht, uns zu.Herolden des liberalen Sieges zu machen, lvobtü wir allerdings starke Zweifel hegen, ob den Siegern damit ein Gefallen geschieht. Es gibt Triumphe, die man aller Welt in die Ohren schreit. Es gibt andere, die an Wert einbüßen, wenn man sie mcht im stillen genießen kann. Und zu diesen rechnet offenbar der Hansabund selbst den seinige«, denn sonst würde der Schall seiner bewährten Reklametrommel schließlich auch den Lärm der politischen Kämpfe übertönt haben, die durch Zaber» geweckt worden sind. Es handelt sich um die Erklärung, die der preußische M in ist er des Innern im Laufe der ersten Lesung des Etats über die Verhinderung von Streik- unruhe n abgegeben hat. Im Anschluß an eine Rede des Herrn v. Zedlitz konnte Herr v. Dallwitz„zu seiner Freude" mitteilen, daß alle Oberpräsidenten angewiesen worden sind, Polizeiverordnungen zu, Erlassen,„nach denen die Nichtbefol- gung von AnordnungetT unter Strafe gestellt ist, die nicht nur auf die Störung des Verkehrs sich beziehen, sondern auch den Zweck haben, die allgemeine Sicherheit, Ruhe und Ord- uung auf den Straßen aufrecht zu erhalten, insbesondere aber den Schutz des Eigentums und der Person". Damit ist den Wünschen entsprochen, die der Hansabund in dieser Beziehung geäußert hat. Am 8. November 1913 forderte sein Jndustrierat unter anderem die gleichmäßige und energische Anwendung der bestehenden polizeilichen und swafrechtlichen Vorschriften zur Sicherung des Verkehrs. Die Erekutivbeamten sollten über die Pflicht zum Einschreiten bei Streikcxzessen belehrt werden. Am 25. November 1913 der- langte das Direktorium des Hansabuudes, das bekanntlich im übrigen das Programm des Jndustrierats einigermaßen abschwächte, die„Anwendung der bestehenden Gesetze und Per- ordnungen im vollen Umfang". Worauf es den Industriellen bei den Polizeiverordnungen und ihrer Durchführung in erster Linie ankommt, das lzat weder der Hansabund noch der preußische Minister des Jimern ausdrücklich ausgesprochen, und doch liegt es klar am Tage. Es soll auf dem Verord- nungswege das Streikpostenstehen unmöglich gemacht Vierden. Wenn es darüber noch irgendwelche Zweifel hätte geben können, so wären sie im Abgeordneteu�guse durch den nationalliberalen Herrn Röchling zerstreut worden, der ein gesetzliches Verbot des Streikpostenstehens für überflüssig erklärte und auf die Befugnisse hinwies, die der Polizei durch das Allgemeine Landrecht gewährt sei. Tie nachgerade berühmt gewordene Stelle, auf die sich Herr Röchling beruft, macht es zur Aufgabe der Polizei, die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe. Sicher- heit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren zu treffen. Aus ihm, in der ihm durch das Gesetz von 1859 gegebenen Einschränkung leitet sich auch die polizeiliche Be- sugnis zur Regelung und Ueberwachung des bürgerlichen Ver- kehrs ab, zu deren Durchführung nach einer Entscheidung des Obcrverwaltungsgcrichts die Freiheit der einzelnen insoweit beschränkt werden kann, als dies zur Erhaltung der öffeut- licheu Ruhe, Sicherheit und Ordnung unerläßlich ist. Auf Grund solcher Verkehrsordnungen ist man in zahlreichen Fällen gegen Streikposten vorgegangen. Man hat sie als Hindernisse des Verkehrs beseitigt, und die Gerichte haben nach der Entfernung des obstinaten Kammcrgcrichtsrats, Havenstein stets entschieden, daß eine Nachprüfung ihrerseits, ob die An- ordnüng im einzelnen Falle zweckmäßig und notwendig ge- Wesen, unzulässig sei. Mit anderen Worten, das Streikposten- stcheu ist gesetzlich erlaubt, aber die Polizei darf den Arbeitern dieses Recht rauben, indem sie ohne eine gerichtliche Nachprüfung der Zweckmäßigkeil ibres Vor- geHeus besorgen zu müssen, Streikposten mit Rücksicht auf den Verkehr aufhebt. Immerhin aber war der Begriff des„Verkehrs" doch noch ein wenig eng und es bedurfte schon einer sehr extensiven! Auslegung, um mit seiner Hilfe alle diejenigen Handlungen � zu erfassen, die nach Ansicht der Scharfmacher die Sicherheit, � die Ehre und den Frieden der Arbeitswilligen auf der Straße! zu gefährden geeignet sind. Da war denn eine Reichsgerichts- � entscheidung, durch die weitergebende Polizeiverordnungen in der Rheinprovinz und in Westfalen als rcchtbeständig an- erkannt sein sollen, außerordentlich willkommen. Sie hat dem preußischen Polizeiminister Anlaß gegeben, alle Ober- Präsidenten zum Erlaß von Verordnungen aufzufordern, die mit den rheinischen und westfälischen im Einklang stehen.\ Die Polizei wird sich also von jetzt ab nicht mehr auf die Auf- rechterhaltung des Verkehrs im engeren Sinne beschränken, sondern die Streikposten von vornherein auch unter dem Ge- sichtsvunkt betrachte», tvie weit ihre Funktionen den An- sprüchen der allgemeinen Ordnung und Sicherheit zuwider- laufen, und es ist praktisch dann nur noch von untergeordneter Bedeutung, ob sie das Streikpostenstehen bei Ausbruch eines Streiks generell verbietet oder im einzelnen Falle Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzpiatz, Nr. tS84. die Posten entfernt, weil sie nach ihrer Meinung eine Reichsgerichtsentscheidung IW lübische Streikpostenverbot für rechtsungültig erklärt hat Die Sache wird aber eben so gedreht, daß die Streikposten nicht als Streikposten gefaßt werden sollen, sondern als Leute, die die Ruhe und Bequemlichkeit anderer stören, und nachdem die Gerichte sich einmal auf den Standpunkt gestellt haben, daß die Polizei über die Zweckmäßigkeit ihrer aus Verkehrs- polizeilichen'Gründen getroffenen Anordnungen allein zu befinden hat, ist es bei der heute herrschenden Richtung der Judikatur möglich, daß sie ein allgemeines polizeiliches Streikpostenverbot, dos bei jedem Streike erneuert wjrd, als nicht rechtsungültig erklärt. Die konservativen Scharfmacher fordern zwar heute noch immer ein Gesetz gegen die Streikposten, aber sie werden sich mit der Zeit von der Zwecklosigkeit dieser Bemühungen überzeugen. Nicht nur im gegenwärtigen Reichstag ist keine Mehrheit für ein solches Gesetz vorhanden, es würde an ihr auch in einem den Reaktionäreu sympathischeren Parlament fehlen. Nicht weil die Liberalen und das Zentrum moralische Bedenken hätten, sondern weil sie aus taktischen Gründen die Zustimmung verweigern würden. Warum diese Parteien den geraden Weg der Konservativen nicht gehen können, das plaudert ähnlich wie in seinen neulich von uns niedriger gehängten Artikeln aus dem„Tag" in der neuesten Nummer der Zeitschrift„Das Recht" der Oberverwaltungsgerichtsrat B l ü h e r, der juristische Berater des Verbandes sächsischer Industrieller, in aller Naivität aus: Erstens einmal, weil es die Arbeiter, deren Verbände sämtlich Wert auf Streikrecht und auf Streikpostenstehen legen, erbittern und radi- kalisieren würde, dann aber, weil bei einem Gesetz eine paritätische Formel gefunden werden müßte, die für die Unternehmer sehr unangenehme Folgen haben könnte. Diese Schwierigkeiten umgeht wau, ivenn man auf das Gesetz verzichtet und die Polizei mobil macht. Das hat der liberale Hansabund durchaus richtig erkannt->7 Ehre dem Mre gebührt— und dieser Organisation, die seinerzeit aus- gezogen ist, um das A g r a r i e r t u m zu dämpfen, ist ihr erster schöner Erfolg im Kampf gegen die Arbeiterbelvegung erblüht._ Zur öie Streikfreiheit. Noch stets haben uns gerade die schlimmsten Angriffe un- serer Gegner die Gelegenheit zu einem um so wirksameren Vorstoß gegen die herrschenden Mißstände gegeben. So ist es auch jetzt wieder gekommen. Die Beratung des Haushaltsplans für das Reichsamt des Innern ermöglichte es unserer Fraktion, im Reichstage auf das Geschrei unserer Gegner nach neuen Strafgesetzen gegen die streikenden Arbeiter und gegen die Gewerkschaften mit der nötigen Gründlichkeit und Ausführlichkeit einzugehen. Das hat gestern Genosse Heine getan, und seine Rede wird in den weitesten Kreisen der Arbeiter und Angestellten Zu- stimmung finden. Ja, ivenn die Herren, die angeblich noch immer nicht wissen, wie sie sich zu dem„Terrorismus" der Arbeiter zu stellen haben, wirklich der Wahrheit die Ehre geben wollen, dann müßte für sie die Rede des Genossen Heine entscheidend und jetzt auch bei ihnen jeder Zweifel über die unbedingte Notwendigkeit der Streikfreiheit ausge- schlössen sein. Denn Genosse Heine wies auf Grund ge- nauester Kenntnis der Verhältnisse— ist er doch als Ver- teidiger in zahllosen Streikprozessen tätig gewesen— unwiderleglich nach, daß auch nicht der geringste Anlaß zu dem Geschrei über den immer schlimmer auftretenden Terrorismus der Arbeiter vorliegt. Im Gegenteil treten dank der Auf. klärungs- und Organisationsarbeit der Arbeiterverbände, Ausschreitungen streikender Arbeiter je länger desto mehr zurück. Diese segensreiche Entwickelung wird freilich durch das ungerechte, rücksichtslose Vorgehen so mancher Behörde gegen die streikenden Arbeiter nur zu sehr gehemmt. Genosse Heine schilderte in besonders wirksamer Weise, daß wir schon heute gegen die streikenden Arbeiter ein ganz unberechtigtes, unhaltbares Ausnahmegesetz haben, und daß diese Beschränkung der Streikfreiheit geradezu die streikenden Arbeiter zu Gewalttaten aufreizt. Deshalb ist der Ausbau der Streikfreiheit notwendig, und der Reichstag sollte den Ar- beitern endlich volle Freiheit für den Kampf um möglichst günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen einräumen. Wer aber im Gegenteil den Arbeitern die jetzt geltenden, ganz ungenügenden Rechte noch weiter einschränken wolle. der versündige sich nicht nur au der Arbeiterschaft, sondern auch an der Gesamtheit: er hemme die Entwickelung der Ge- samtheit zu einer immer höheren Gesittung und Bildung. Und er treibe damit auch eine elende Heuchelei. Gerade die Vereinigung und Streikfreiheit ist unerläßlich, wenn sich die Arbeiter gegen den Terrorismus schützen wollen, den die heutige Ausbeutungswirtschaft ausübt. Vor dem Genossen Heine waren noch drei bürgerliche Redner zu Worte gekommen. Der Pole N 0 w i ck i beklagte sich aus seinen Erfahrungen als Vorsitzender einer polnischen Gelverkschaft über Verfolgungen der polnischen Gewcrkschaf- ten durch preußische Behörden. Der Elsässer H a e g y hielt es für notwendig, dem Reichs- tage wieder einmal seine Ansicht über eine lange Reihe Poll- tischer und sozialpolitischer Fragen vorzutragen. Als passen- des Gegenstück dazu produzierte sich der unvermeidliche Dr. erner-Gießeu mit seiner gewohnheitsmäßigen Juden- rede. Bei der Festsetzung der Tagesordnung für die nächste Sitzung kam es zu einer längeren Aussprache. Der Führer der Konservativen Graf v. Westarp erhob Einspruch da- gegen, daß der Reichstag am Freitag— wie der Präsident vorschlug— nach Erledigung der Zaberii-Jnterpellatiouen noch über die Anträge verhandeln sollte, die infolge der Zaberner Vorgänge Gesetzesänderungen fordern. Die Gründe, die Graf v. Westarp vorbrachte, waren so wenig stichhaltig. daß sie bei allen Parteien auf Widerspruch stießen und der Reichstag schließlich mit allen Stimmen gegen die der Kon- servativen den Vorschlag des Präsidenten annahm. Jedoch hat der Zwischenfall deshalb eine größere Bedeutung, weil er zeigt, wie sehr die Konservativen fürchten, daß der Reichstag ernsthaft von seinen Rechten Gebrauch macht._ Reaktionäre Maßnahmen gegen öie Kirchenaustrittsbewegung in Sicht! Zur KirchencmStrittebeluegnng wird uns geschrieben: Getreu den Sätzen unseres Parteiprogramms hat der„Vor- wärts" sich in die Einzelheiten der Kirchenaustrittsbewegung bisher nienials hineingemischt. Er hat höchstens, soweit es Grotz-Berlin angeht, Tatsachen auS ihr und aus Vorgängen innerhalb der Kirche. die damit zusammenhingen, kurz veröffentlicht und gewürdigt. Im übrigen hat er sich mit Fragen auS religiösem und lirchlichem Gebiet immer nur dann beschäftigt, wo diese auf das politische oder wirtschaftliche Gebiet übergriffen und dort ihre Konsequenzen hervorriefen. In einer solchen Lage sind wir auch heute wieder einmal. Man erinnert sich. daß. als bor einigen Wochen ieS war kurz vor dem letzten Biitztag) die Wogen derKirchcnauSIrittsbcwegung besonder» hoch gingen, plötzlich das Gerücht auftauchte, die Kirche wolle, um ihr Wirksam zu begegnen, die Gebühren für den Kirchen« austritt, die heute schon unanständig hoch sind, noch um ein 9?,trä»tliches hinaufschrauben. DaS ist denn, zwar nicht von feiten deS Kirchenregimeiils, aber von einer Anzahl Geistlicher, die in Kirchenanstrittsversammliingen das Wort nahmen, mit Entrüstung dementiert worden. Tatsächlich ist bisher auch kein Versuch zu einer Erhöhung der AuStrittSgebühr gemacht worden. Nun aber taucht ein anderer Vorschlag ganz ähnlicher. nur noch viel radikalerer Art ans. der, wenn durchgeführt, die Austrittsbewegung angeblich an einer sehr empfindlichen Stelle treffen soll. In der soeben herauskommenden Nr. 4 der„Christlichen Welt" vom 22. Januar findet sich auS der Feder eines Herrn Adolf Mayer- Heidelberg ein Artikel unter der Ileberschrifl: Steuerbegünstigung der Konfessionslosen. Ter Inhalt dieses Artikels ist etwa dieser:„Die Austritts- bewegung wirke bereits heute überaus schwächend auf die Finanzen der offiziellen Kirchen. indem die Kirchen- steuer aller Austretenden für sie in Wegfall komme. Zugleich sei dieser Wegfall von Kirchensteuer wieder geradezu eine Prämie für den Kirchenaustritt. Scheinbar sei dagegen nichts zu machen. Man müsse, oberflächlich gesehen, zugestehen, daß wer aus der Kirche aus- trat, auch keine Steuern mehr für sie aufzubringen brauche. Aber so liege die Sache nur nach modernistischer Ausfassung. In Wahr- heit sei sie ganz anders. ES sei eine Fiktion sEinbildung), daß die Kirche nur der Befriedigung eines geistigen Bedürfnisse« diene, da? ganz individuell und nicht allgemein sich äutzere. Man vergesse dabei die andere Seite des Äirchenwesens. nämlich die moralische. Die Kirche übe auf die moralischen Handlungen deS Menschen einen günstigen Ein- flutz aus, namentlich auf dem Lande, tvo der Geistliche der natür- liche Berater in allen Gcwissensangelegenheiten und der Kirchgang in jeder Woche der Höhepunkt fittlichen Erlebens sei. Nun aber sei Moralilät ein Interesse aller. Die Kirche ergänze also den Staat gerade in seinen feinsten, diesem selbst nicht mehr erreichbaren Funliionen. Sie leiste daher eine allgemein soziale Auf- gäbe, zu der jeder, wer immer es sei, seinen Beitrag zahlen müsse. Die Konsequenz daraus sei die Erhebung einer Ex traft euer von allen Konfessionslosen für die Kirchen, ähnlich wie man bereiis Junggesellensteuern und Wehr- steuern für vom Militärdienst Befreite vorgeschlagen habe. Mit einer solchen Steuer würde auch zugleich die Stcuerprämie auf den Kirchenaustritt wegfallen. Allerdings müsse man verhüten, daß die Erträge dieser neuen Steuer den Kirchen nicht wieder da- durck entgingen, daß sich die Ausgetretenen zu neuen Gemeinschaften zusammeniäten, die alsdann auch ihren Anteil an' der Steuer ! forderten. Das aber könne und müsse allein der Staat verhindern. Ueberhaupt sei das Ganze letztlich eine Frage der Politik des Staats, der sich niemals seiner kirchlichen Souveränität cntäutzern dürfe. Die Forderung: Der Staat über der Kirche I sei eine bessere Sache als die andere: Trennung der Kirche vom Staat!" Es ist überaus auffällig, daß ein solcher Vorschlag in einem kirchlich so liberalen Blatte erscheinen kann, wie es die „Christliche Welt" ist, deren Herausgeber sich schon des Oeftcren als ein ersteulich weißer Rabe entpuppt hat. Und auch da? ist charakteristisch, daß der Vorschlag auS Süddeutschland kommt. Hält man ihn zusammen mit jenem Gerücht von einer be« absicbtigt gewesenen Erhöhung der Au-Ztritt-gebühren, so liegt die Vermutung nahe, daß allerdings in kirchlichen Kreisen der Gedanke immer lebendiger zu werden beginnt, mittels einer kirchlichen Finanzpolitik die Austrittsbewegung zu unterdrücken oder doch zu unterbinden. Der Vorschlag st e l l t einen Versuch dar, durch ein Ausnahmegesetz sdaS wäre eine„Extra- slener für Konfessionslose" in Wirklichkeit) den v e r- fassungsmäsiig gewährleistete» Grundsatz der Religionsfreiheit zu beseitigen und den Reli- gions zwang, besser noch den Kirchenzwang in- direkt an seine Stelle zu setzen. Der Vorschlag reiht sich damit als neues Glied würdig ein in die Kette der reaktionären Lorstöfce und Aeußerungen, die wir in diesen Wochen mit so be- wuiidernswerkr Unverfrorenheit allenthalben auftauchen sehen. ES ist also unsere heilige Pflicht, auch darauf den Finger zu legen. Dabei ist auch die Begründung des Vorschlags ebenso faden- scheinig wie unhaltbar. Sie baut sich auf der These von der Kirche als einer moralischen A n st a l t auf. Run wollen wir gewiß nicht die vielfach guten und heilsamen Wirkungen der Tätigkeit vieler Geistlicher weder in der Vergangen« heit, noch in der Gegenwart leugnen. Es ist aber ein starkes Stück von Anmaßung, die Kirche als Ganzes als eine s-Peckthin moralische Anstalt zu deklarieren. Gerade in unserer kapitalistischen Zeit hat sich, wenigstens die offizielle Kirche, so wie sie durch die Kirchen- rcgimente repräsentiert wird, als eine so einseilige Klassen- o r g a n i s a t i o n vor aller Augen entpuppt, daß sie allerhöchstenS auch nur als die Vertreterin einer Klassenmoral, und zwar der Moral der herrschenden Klassen anerkannt werden kann. Die Moral aller aufsteigenden, gegen den Kapitalismus ankämpfenden Schichten unseres Volkes steht in entscheidensten Punkten im scharfen Gegen- satz auch gegen die von der Kirche heute verkündigten Moral. Auch die Einzelheiten in der Begründung des ebenso listigen wie brutalen Vorschlages sind ganz unhaltbar. Das Pfarrhaus ist heute durchaus nicht mehr eine Zentrale der Moral: man denke an das katholische, in dem die Ehelosigkeit der Geistlichen herrscht. Ehe, nicht Ehelosigkeit ist die höhere sittliche Organisation. Und der Kirchgang? Die neuerlichen wiederholt veröffentlichten Zählungen der Besucherzahlen der Sonntagsgottesdienste beweisen auch dem Blinden, daß der Kirchgang je länger, desto allgemeiner geradezu ausscheidet aus der Reihe der Gelegenheiten, um„den Menschen zum Erfassen von höheren Gesichtspunkten in bezug auf Tun und Lassen zu bringen". Alles in allenr also: auch auf kirchlichem Gebiete ist die durch die Kirchenaustrittsbewegung offenbar wild gewordene Reaktion im Begriff, nach neuen Handhaben gegen Grundrechte der modernen Menschen zu suchen. Es gilt auch hier, ihr durch immer stärkere demokratische und freiheitliche Organisationen das Handwerk für immer zu legen. Reinlichkeitssihwunö. Es war einmal eine Zeit, da wurde Bestechung eines Beamten in Preußen als eine der schmutzigsten Handlungen betrachtet. Und es war einmal eine Zeit, da galt Bestechlichkeit als selbstverständ- liches, unbedingtes Hindernis gegen das Verbleiben im Staats- dienstc. Das war eine köstliche Zeit; die Zeit eines, wenn a�ch naiven, so doch achtenswerten Stolzes auf die Integrität des preußischen Beamtentums. Doch sie ist dahin, sie ist entschwunden. Heute scheint Bestechlichkeit nur noch als ein kleiner Schönheits- fehler empfundeil zu werden, sozusagen als eine Modetorheit, eine Vevbeugung vor der Allmacht des Geldes, die auf freundliches Ver- ständnis stößt; selbst bei der Justiz. Einstens wurde ein Reservist, der, um sich von der Kontrollversammlung zu befreien, dem Be- zirksfcldwcbcl mit einem Doppeltalcr unter die Arme griff, sechs Monate eingesperrt. Und wie ein Nachklang dieser vertlungenen Tage scheint der jüngste Strafantrag des Hallenser Staatsanwalts, der einen Schutzmann wegen 1,50 Mark, das heißt cinhundertund- fünfzig Reichspfennigen empfangenen Bestechungsgeldes auf sieben Monate ins Gefängnis sperren wollte. Brand, das Kruppwerk- zeug, der eine reine Bestechungsfabrik in Berlin eingerichtet hatte, mit dem Erfolge, der Firma Krupp Jahre hindurch vollkommenen Uxberblick über alle Geheimnisse des KriegSministeriums und des Reichsmarineamts zu verschaffen, bezog dafür ein paar in der Untersuchungsbaft bequem abgebüßte Monate Gefängnis; und das gesainte Hauptschuldige Krupp-Direktorium wurde in der einzigen Person des Herrn Eccius mit einer Geldstrafe belegt, die ihn etwa so traf, wie einen Arbeiter 50 Pfennige. Und die schuldigen Militärpcrsonen sind nun auch, dank der erstaunlichen Weitherzigkeit des Oberkriegsgerichts, dem heiligen Dienste des deutschen Vaterlandes erhalten geblieben. Und das ist recht so. Merkt's doch, ihr Toren! Wir leben halt nicht mehr in Preußen von Guno dazumal! Das moralische Reinlichkcitsbedürf- nis unserer Burcaukratie und Armee, natürlich in Punkto Be- stechung, ist rapide im Schwinden begriffen;„das ist nun so der Lauf der Welt". Uns kann eine solche Diskreditierung der Armee und der Bureaukratie nur eben recht sein. Das begreift anscheinend sogar die bürgerliche Presse, die über das Urteil des Oberkricgsgerichts in Sachen Titian und Genossen bisher recht kleinlaut berichtet. Möglich, daß sie selbst von dem Gefühl beseelt ist, hier sei des Guten zu viel getan, die Militärjustiz habe sich wieder einmal über- nommen, und allzuviel ist ungesund. Immerhin ist dieses Urteil ein Triumph der Krupp-Fronde, so wie das Urteil gegen Reuter und Forstner ein Triumph der Kronprinzen- und Jagow-Fronde war. Warum aber sollte das Oberkriegsgericht in Berlin nicht die Titian und Genoffen mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe be- decken, wenn das Oberkriegsgcricht in Straßburg die Reuter, Schad, Forstner und Genossen freisprach! Ganz in der Ordnuirg ist auch, daß Herr Maximilian Brand nach dem Oberkriegsgerichtsurteil, nach dem erstaunlichen Erfolg der Tilian und Genossen nun nach größeren Erfolgen dürstet. Ganz in der Ordnung ist, daß er, wie die„Nationalzeitung" mel- det, Arm in Arm mit dem ausgezeichneten Herrn Löwenstein das Jahrhundert von neuein in die Schranken fordert und ein Wieder- aufnahnieverfahren beantragt. Es wird schon gelingen.„Nur immer feste druff." Und wir sehen schon im Geiste die Schluß- apotheose: die Herren Brand und Eccius lorbeergekrönt, umjubelt von den begeisterten Tilian und Genoffen und allen den anderen Bestochenen, deren Ruhm vorläufig noch im Dunkeln blüht, und eine Deputation der alldeutschen Kruppiancr unter den siegreichen Klängen des Dessauer Marsches den verkannten Helden eine Ehren- adresse überreichend.„Deutschland, Deutschland über alles!" politische Uebersicht. Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhaus schreitet die Etatsberatung nur langsam vorwärts. Die Zeit, die die Mehrheit dadurch gespart zu haben glaubt, daß sie in der Generaldebatte unserem Genoffen H o f e r das Wort abschnitt, wird jetzt doppelt und dreifach dadurch vergeudet, daß die nichtigsten Dinge mit einer Beredsamkeit und einer Breite vorgetragen werden, als ob es sich um welterschütternde Fragen handelt. Bald wird darüber geklagt, daß die Tierärzte, die in der Schweiz den Doktortitel erworben haben, ihn in Preußen nicht uhren dürfen, bald wird unter Anführung von tausend statistischen Daten für die Ziegenhaltung agitiert, bald werde» lokale landwirt- schaftliche Schulfragen erörtert. Rur wenige Redner brachten allgemeine Gesichtspunkte zur Sprache. Vor allem Genosse L e i n e r l, der das System unserer landwirtschaftlichen Wanderhaushaltungsschulen einer Kritik unterzog und unter Hinweis aus die Wichtigkeit des hauswirtschaftlichen Unterrichts besonders für Arbeitertöchtcr eine größere Förderung dieser Schulen und die Unentgeltlichkeit des Unterrichts verlangte. Von verschiedenen Seiten wurde über die Schädigung der kleinen Landwirte durch die Abschlachtungen ihrer«rkraukteu Viehbestände geklagt und über die Bevorzugung der Großgrundbesitzer auch bei dieser Maßnahme Beschwerde geführt. Daß der Minister gegen solche „Unterstellungen" energisch protestierte, versteht sich von selbst, aber Zrancis öe Pressense. Paris, de» 22. Januar.(Privattelegramm des„V o r w ä r t s".) Heute fand unter kolossaler Beteiligung das Leichenbegängnis Francis de Prcssensös statt. Tauscndc geleitete» Presscnse zum Friedhof Montparnaffc. Hierauf fand eine von der Liga der Menschenrechte organisierte Versammlung statt, in der auch S e m b a t und I a u r e S sprachen. Unter den zahlreichen Beileidsdepcschen der verschiedenen sozialistischen Parteien befanden sich auch die des deutsche» Parteivorstandcs nnd der Reichstagsfraktion. Auch der bulgarische Ministerpräsident R a d o s l a w o w hatte ein Kondolenztclegramm gesandt. Mit tiefer Trauer hat der Verlust Francis de Pressenses das französische Proletariat erfüllt. Mit ihm geht einer unserer ver- chrtesten, geliebtesten Vorkämpfer dahin, ein Kopf, der zu de» erleuchtetsten des zeitgenössischen Frankreich gehörte, ein Herz, das in gleicher, unzerstörbarer und tatbereiier Liebe für die Ausgebeuteten und Niedergetretenen aller Länder, für das vom Kapitalismus geknechtete Proletariat der Kulturwelt wie für die unterdrückten Völker aller Rassen schlug. Dieser Tod reißt eine Lücke in hundert Verbände, die der Arbeit an der allgemeinen Kulturcntwickelung dienen, er wird in Gelchrtenkreisen ebenso empfunden werden wie in den Schutzvereincn für das verletzte Recht von Nationen und Einzelpersönlichkcitcn, aber nirgends wird die Klage einem stärkeren, dauerhafteren Gefühl entströmen als in der sozialistischen Arbeiterklasse Frankreichs, zu der Pveffenss als reifer Mann, in einer Sturmzeit sittliche» Aufschwungs, aber dock; auf dem Weg einer in allen Gängen der Erkenntnis schürfen- den Selbstaufklärung gekommen ist, um ihr fortan als Agitator, Berater und Schriftsteller sein Bestes zu geben. Francis Dehault de Pressense war am 30. September 1353 in Paris geboren. Er entstammte einer alten Hugcnottenfamilic, die ihm Begabung, hohe Interessen und Zähigkeit im Verfolgen des als richtig Erkannten als Erbteil mitgab. Sein Vater, Edmond de Pressense, war ein Pastor von liberalen Gesinnungen, der sich als Schriftsteller und Politiker betätigte. Er wurde als Deputierter'des Scine-Departcmcnts in die Nationalverfaminlung nnd später als unabsetzbares Mitglied in den Senat gewählt. Ter junge Francis wuchs so in einem Kreis auf, der von den Ideen des gemäßigten Liberalismus beherrscht war. Diese Jugendein- brücke wirkten in ihm lange nach arnd es bedurfte eines durch- dringenden Studiums der modernen Geschichte, um ihn— aber dann endgültig— den entscheidenden Schritt machen zn lassen, der ihn in die Welt des revolutionären Proletariats führte. Francis de Pvcsiense war eine Art Wunderkind. Schon in der Mittelschule um einer Begabung willen angestaunt, die ihn die Aufgaben der humanistischen wie der exakten Wissenschaften gleichermaßen spielend bewältigen ließ, konnte er lange Zeit schwanken, in welchem Beruf sich die Kräfte seiner Persönlichkeit am stärksten auswirken würden. Ein Fachmcnsch ist er eigentlich nie geworden, aber dank dem leidenschaftlichen Ernst, womit er alle Gegenstände ergriff, auch kein Dilettant geblieben. Seine Sprachkenntmsse toaren außerordentlich. Während des Krieges von 1870, den er in der Epoche der Nationalverteidigirng als Freiwilliger mitmachte, wurde er dem Generalstab des Generals Chanzy zugeteilt, der den siebzehnjährigen Jüngling um seiner Beherrschung der deutschen Sprache willen wiederholt mit Unter- Handlungen"betraute! In Le Mans wurde er gefangen genommen, als er auf seinem Zimmer in einer alten, bei einem Trödler auf- gestöberten Ausgabe des Herodot las. Aehnliche Anekdoten aus seinem Leben ließen sich in Menge erzählen. Die Liebe zur griechischen Sprache, Geschichte und Literatur blieb übrigens eine der stärksten Neigungen seines Geisteslebens. Er hat als einer der gelehrtesten Hellenisten unserer Zeit � gegolten und täglich stundenlang griechische Lektüre getrieben. Seinen Plan einer Ge- schichte der Verfassungen von Athen hat er allerdings nicht aus- führen können. Gleich nach dem Krieg debütierte er als Journalist. Das „Journal de Geneve" berief ih» als vorzüglichen Kenner der englischen Sprache und Politik als Londoner Korrespondenten. Aber bald rief ihn der Betätigungsdrang, der ihm zeitlebens eigen war, in die aktive Politik. Der greise G u i z o t hatte den jungen Mann zum Liebling erkoren, auch Thiers versuchte auf diese vielversprechende Begabung einzuwirken. Nach einer vorüber- gehenden Wirksamkeit in der inneren Politik— im Kabinett des Unterrichtsministers B a r d o u— trat er 1879 in den diplomatischen Dienst ein. Er brachte es rasch bis zum Rang des ersten Botschaftssekretärs in Washington, verließ aber bald die Karriere und widmete sich in Frankreich journalistischer und schriftstellerischer Arbeit. 1888 wurde er Chef des Auslandsteils des„Temps". Wenn dieses Blatt eine unbestrittene Stellung im internationalen Informationsdienst errungen und bis heute, trotz seiner kapitali- stischcn Fäulnis bewahrt hat, so hat es dies der genialen organi- satorischen Arbeit Pressenses zu danken. Was freilich seinen Nach- folger, den allerdings von ihm mit brennender Mißachtung ge- straften Profitmacher Tardieu nicht gehindert hat, in seinem heutigen Nachruf an der Spitze des„Temps" mit perfider Ver- drehung den Bruch Presscnses mit dem Blatt in der Weise dar- zustellen, daß die Entwickeln, lg der Ideen Presscnses seine weitere Mitarbeit für den„Temps" unmöglich gemacht, d. h. daß er den Abschied erhalten habe,»nährend es allbekannt ist, daß Pressense die hochangcsehenc und glänzend dotierte Stellung selbst aufgegeben hat, tveil. er seine weitere Mltarbeit an dem Hauptorgan der Großkapitalisten mit seiner Ueberzeugung nicht mehr vereinbaren konnte und weil er die Freiheit für die Verfechtung seiner Ge- sinnung gewinne» wollte._ Man darf nicht etwa glauben, daß Prcssenses Sozialismus erst in der heißen Temperatur der Trcyfuskrise jäh emporgeblüht wäre. Vielmehr war fein Anschluß an die Partei das letzte Glied einer langen, von strenger Logik beherrschten Entwickelung. In die Entwickelungszeit fallen seine Studien über den moderne» englischen Katholizismus, dessen soziale Richtung unter den Kar- dinälen Newmann und Manning ihn besonders anzog. Sein be- rühmtcs Buch über Kardinal Manning zeigte ihn unter dem Ein- fluß dieser Tendenzen. Tie entscheidende Wendung seiner Lebensbahn brachte aller- dings erst die„Affäre", in der er einer der leitenden Köpfe der die Tatsachen worden dadurch nicht aus der Welt geschafft. Natur- lich benutzten die Agrarier die Gelegenheit wieder, um unter dem Vorwand der Seuchengefahr die Einfuhr von Schweinen aus Ruß- land nach Oberschlesien zu beseitigen. Aber diesen Gefallen wil ihnen die Regierung denn doch nicht tun. Freitag: Fortsetzung. Sieg der Militärpartei auf der ganze» Linie. Nach einer Meldung der„Rhein.-Westf. Ztg." ans Straß- bürg fand im Statthalterpalast eine Ministerkonferenz statt. Wie mitgeteilt Ivird, soll mit dem Rücktritt der leitenden Per- sonen der elsaß-lothringischen Regierung nach Abwickelung der mit dem Fall Zabern zusammenhängenden Angelegenheiten, also etwa Ende des Frühjahrs, zu rechnen sein. Mit Aus- nähme des Finanznnmsters Köhler werden sämtliche Posten neu besetzt werden, also auch der des Statthalters. Der Teuiorenkonvent des Reichstags beschästigte sich am Donnerstag mit der Behandlung der Jnter- pellationen über Zabern und der daran anschließenden sachlichen Anträge. Es liegen Anträge von der Fraktion der Elsässer, der Fortichrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten vor. Das Zentrum und die Nationalliberalen werden ebenfalls Anträge stellen. Der Seniorenkonvent kam dahin überein, diese Anträge im Anschluß an die Interpellationen auf die Tagesordnung zu setzen. Die Interpellation über Zabern soll am Freitag zur Berhandlung kommen. Man nimml an, daß hierzu Freitag und Sonnabend notwendig sein werden. Die Anträge werden dann jedenfalls am Mittwoch nächster Woche auf die Tagesordnung kommen, da Montag und Dienstag sitzungsfrei sind. Die Polen wünschen, daß ihr zum Vereinsgesetz gestellter Antrag auf dem nächsten SchwerinStage ver« handelt werde. Ein geeigneter Tag soll noch festgesetzt werden. Ferner wurde in Aussicht genommen, den 24. März sitzungsfrei zu lassen.___ Gegen das militärische Sonderrecht. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen den Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den— unter Aushebung der Militärgerichts- barkeit— die Militärpersonen des akliven Heeres und der aktiven Marine und die übrigen in Z 1 der Mckitärstrafgerichts- ordnung für das Deutsche Reich genannten Personen der b ü r g e r« lichen StrafgerichtSbarkeit unterstellt werden. Anträge zu den Zabern-Jnterpellationen. Die Fortschrittler hatten im Reichstag den Versuch gemacht, sich mit den Nationalliberalen und dem Zentrum über einen gc« meinsamen Antrag zu einigen, der die Befugnisse der Militärs gewalt regeln sollte, um Zaberner Vorfälle in Zukunft unmöglich zu machen. Die Verhandlungen scheiterten, da Nationalliberale und Zentrum über— natürlich ganz unwirksame— Resolutionen nicht hinausgehen wollen. Jetzt liegen diese vor. Das Zentrum beantragt:„Der Reichstag wolle beschlicßcii» den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei den verbündeten Re» gierunge» dahin zn wirken, daß die Voraussetzungen für das Einschreiten des Militärs in polizeilichen'Angelegen- heilen übereinstimmend in einer die S e l b st ä n o i g I e i t der Zivilverwaltung sichernden Weise geregelt werden." Die Nationalliberalen(Baffcrmann und Genossen) tellen folgenden Antrag:„Der Reichstag wolle beschließen: Ter Reichstag nimmt davon Kenntnis, daß eine R a ch p r ü f u n g der Dien st Vorschriften über den Waffengcbrauch des Militärs vom Jahre 1899 angeordnet worden ist, nachdem sich bei den jüngsten Ereignissen in Zabern Zweifel daran ergeben haben, ob diese Vorschrift die Befugnisse der Zivil- und Militärbehörde rich- tig abgrenzt. Ter Reichstag ersucht den Herrn Reichskanzler, das Ergebnis dieser Nachprüfung baldigst dem Reichstag bekannt zu geben." Während der Antrag des Zentrums die Lösung des Probien»; der Regierung Bethinann-Falkenhayn anheimstellt, ist für die Revifionsbcwegung wurde. Fetzt zeigte sich die Kampsnatur de; scheinbar ganz in der Wissenschaft aufgegangenen Denkers. Die Agitation für die Revision hat er im ganzen Land organsiert, seine Mitgliedschaft Im der Ehrenlegion»ach der Suspcndicrung Zolas mit einem, öffentlichen Protest hingeworfen. Er war einer der Gründer der Liga der Menschenrechte, die ihn nach dein Tode Trarieux' vor 10 Jahren zum Präsidenten wählte. Er ist es bis zu seinem Tode geblieben. Der Eintritt Pressenses in die sozialistische Partei erregte großes Aufsehen. Es waren damals die traurigen Tage des inneren Zwistes. Pressense, durch, persönliche Beziehungen und durch seine Stellung in der Revisionskampagne dem reformistischen Flügel angehörend, wußte sich indes das Vertrauen aller Sozialisten zu seiner Ucberzeugungstreuc und zur Entschiedenheit seiner sozialistischen Ausfassungen rasch zu gewinnen. Tatsächlich war Pressense zu Anschauungen gekommen, die ihn dem revolutionären Flügel näherstellten als dem ministerialistischen Reformismus. Seine historischen Studien hatten ihn, trotz seiner ethischen Gläubigkeit, die er im Kampf für verletzte Rechte �bewährte, zur Erkenntnis der Rolle des Klassenkampfes gebracht. So konnte er einer der hingebendsten Werkmeister der Partei» e i u i g u n g werden. Aber auch im Parlament, dem er leider nur ackt Jahre lang— von 1902 an— als Deputierter von Lyon angehörte, hat cr ein Werk von dauernder Bedeutung geschaffen. Er war der Verfasser des ersten Entwurfs über die Trennung von Kirche und Staat, der dann, von Briands Lcibgclehrtcn Grünbaum-Ballin umgearbeitet, der Kern des Gesetzes wurde, das den Namen Briands berühmt machte und für dessen Trä- ger den weiteren Aufstieg ermöglicht hat.— Sonst trat Pressense in der Kammer hauptsächlich bei der Diskupion der ansivärtigcn Politik hervor, für die cr einmal auch als Berichterstatter»virkte. Sein mutiges Auftreten gegen den Revanche» Patriotismus erregte Aufsehen und verwickelte ihn auch in eine Preßdiskussion mit dem Chauvinisten Elcmenceau. Der Partei hat Pressense unschätzbare Dienste geleistet. Er war Mitarbeiter der„Humanite" in ihrer ersten und»vicdcrum in ihrer neuesten Epoche, seit ihrer Erweiterung auf Ii Seiten. Bis in die letzten Tage hat cr feine Auslandsartikcl geschrieben, die mit einer unvergleichliche» Fülle der Details die Festigkeit des sozialistischen Gesichtspunktes verbanden. Er hat auch der Partei eine ausgezeichnete Revue„Vie Sozialiste" geschenkt, der leider kein langes Leben beschieden war nnd an den verschiedensten sozialistischen Publikationen mitgearbeitet. Als Redner gehörte Pressense zn den geschätztesten Kräften der Partei. Beim erstenmal mochte sich der Zuhörer leicht durch die außerordentlich schnelle, etwas monotone Sprechweise, worin sich die klassisch vollendeten Perioden aneinanderreihten, ein wenig be» fremdet fühlen. Aber rasch zwang die geschlossene Logik, der aufblitzende Geist und der Vinter dem so unpathetischen Gehaben glühende Ernst der Ueberzeugung die Versammlungen in den Bann seiner Worte. Eine seiner prachtvollsten, den Hörern un.' vergeßlichen Reden war die gegen den Militarismus auf dem letzten Parteitag in Brest. Francis de Pressenses Andenken wird in der Partei lebendig bleiben nnd das lebende Geschlecht zu neuen Kämpfen in seinem Geist ansqucrn. OttoPohl- Paris. Rational liberalen das Problem bereits erledigt. Herr v. Veil)- mann hat gütigst eine Nachprüfung der Dienstvorschriften zugesagt und die Nationallibcralcn sind vollauf zufrieden! Nur eine Mit- tcilung darüber, lvas die Regierung in ihrer Weisheit beschlossen hat, wagen sie noch zu erbitten. Es ist die bedingungslose Unter- werfung unter die Militäroiktatur, wie sie die Konservativen ge- fordert haben. Uebergeschnappt. Die brave„Kreuz-Zeitung" ist schon ganz größenwahnsinnig geworden. Der glänzende Erfolg, den ihre Kampagne für die Reuter und Forsiner bei dem Kriegsgericht erzielt hat, läßt sie offen- bar meinen, daß auch die Zivilgerichtsbarkeit unler ihr Kommando gestellt werden muß. Und so verlangt sie denn unter dem unpassenden Titel„Eine e r n st e Sache", daß uns ein Hochverratsprozest — darunter tut fie's nicht— gemacht werde. Den Vorwand soll eine Stelle aus dem Artikel„Hohenzollerntradition" bieten, in dem gesagt war, man müsse die Möglichkeit ausschalten, daß irgend ein Thronwechsel die Stetigkeit der deutschen Politik erschültern könne. Darin siebt das Blatt das Unternehmen, die Verfassung eines deutschen Bundesstaates oder die in demselben bestehende Thronfolge gewaltsam zu ändern! � Da mildernde Umstände für uns natürlich ausgeschlossen seien, müßten wir dafür unbedingt ins Zuchthaus. Wenn unser konservativer August nicht jüngst im Delirium tremens gestorben wäre, Härte er einen Eid darauf abgelegt, daß er es war, der das Junkerblatt mit dieser Einsendung mystifiziert hat. So aber müssen wir annehmen, daß unser August noch einen Zwlllingsbruder hat, der trotz des Deliriums noch schreiben kann. Bereinigungsrecht der Beamten. In seiner„ergänzenden" Anfrage über das Verbot der„Vec- einigung Berliner Schutzleute" hat der Abgeordnete Erz- berger am Dienstag darauf hingewiesen, daß im Jahre 1908 bei Beratung des VcreinsgesetzcS der Staatssekretär des Innern (damals Herr v. Bethinann) in der Kommission erklärt habe, auch den Beamten stehe oic Vereins- und Versammlungsfreiheit zu, und man behalte sich nur das Recht vor, sie von Vereinen und Ver- sammlungen fernzuhalten, die dem Wesen des Beamtentums widersprächen. So hat sich der Staatssekretär in der Tat damals geäußert, aber um den Standpunkt der Regierung zu verstehen, muß man seine Erklärungen ausführlicher wiedergeben. Es wurde in der Kommission oarüber debattiert, welchen Beschränkungen das durch den 8 1 des Entwurfes gewährleistete Vereins- und Versamm- lungsrecht von dritter Seite unterliegen könne, und im Gegensatz zu einem sozialdemokratischen Redner vertrat ein Konservativer die Ansicht, daß das Gesetz nicht die Beschränkungen berühre, die gegenüber einzelnen oder ganzen Kategorien von Staatsbürgern auf Grund von außerhalb des Gebietes des Vereinsrechts liegenden Rcchtstitcln oder Rechtsvorschriften bestünden. Er betonte ganz besonders die disziplinarischen Rechte der Anstellungsbehörden gegenüber den Beamten. Diese Ausführungen bezeichnete Herr v. Bcthmann Holllveg als durchaus zutreffend. Er schloß sich ausdrücklich der Auffassung an, daß Gewaltverhältnisse dis- ziplinarischc und vertragsmäßige Rechte zlvischen bestimmten Per- sonen oder Kategorien von Personen vom Vereinsgesetz unberührt gelassen würden, und wenn er dann weiter noch besonders von Vereinen sprach, deren Zwecke dem Wesen des Beamtentums zu- widcrliefen, so lag ihm nichts ferner, als irgendeiner Instanz außerhalb der Disziplinargerichtsbarkeit eine Entscheidung über das, was dem Wesen des Beamtentums entspricht und widerspricht, zuzugestehen. Trotzdem hat die Mehrheit des Reichstages, zu der allerdings das Zentrum ebensowenig gehörte wie die Sozialdemokratie, das Gesetz angenommen, und man kann also nur dieser Mehrheit einen Vorwurf machen, daß sie die Rechte der Beamten damals nicht gc- wahrt und der Disziplinargewalt die weitestgehenden Befugnisse zur Beseitigung des nach 8 1„allen Reichsangehörigen" zustehenden Rechtes, Vereine zu bilden und sich zu versammeln, gelassen hat. Uebrigens ist der Standpunkt der Regierung zu diesen Fragen ja auch in derselben Sitzung, in der Herr Erzbergcr seine Anfrage stellte, von dem gegenwärtigen Staatssekretär des Innern in anderem Zusammenhang noch einmal präzisiert worden. Herr Delbrück berief sich, als er auf das Koalitionsrecht zu sprechen kam, auf seine Rede vom 19. Dezember 1912 und erklärte, daß er von dem damals eingenommenen Rechtsstandpunkt abzugehen keine Veranlassung habe. Am 19. Dezember 1912 aber hat Herr Delbrück die geradezu berühmt gewordene Feststellung gemacht, daß eS ein gesetzlich gewährleistetes unbeschränktes Koalitions- und Vereinsrecht nicht gebe. Der§ 1 des Rcichsvereinsgcsetzcs beeinträchtige nicht die Rechte der Vor- gesetzten gegenüber den ihnen unterstellten Beamten. Wer Beamter werde, unterwerfe sich freiwillig den auf den Traditionen der Ver- waltung beruhenden Beschränkungen. Das ist deutlich genug und beweist, wie notwendig die Schaffung eines wirklichen Vereinigungsrechtes ist, das uns heute noch fehlt. Wenn das Zentrum, um dieses Ziel zu erreichen, sich mit Entschlossenheit an die Seite der Sozialdemo- kratie stellen wollte, so würden auch die Beamten das Recht er- halten, das man ihnen auf dem Wege der Erzbergerschen Jnter- prctationSvcrsuche nicht verschaffen kann. AuS dem sächsischen Landtage. Ein Wettrennen der bürgerlichen Parteien um die Gunst der Staatsbeamten! Damit ist am treffendsten die Erörterung be- zeichnet, die in der Zweiten Kammer über drei Anträge— je einer von der konservativen, nationalliberalen und freisinnigen Fraktion— betreffend die Reform des Bcamtcnrcchts gepflogen wurde. Den Rang liefen dabei die Freisinnigen den anderen beiden Gruppen ab, indem sie sich die größte Mühe zur Führung des Beweises gaben, daß ihnen die Priorität in diesem Wcttlauf zukomme.„Wir haben zuerst schon vor vier'Jahren einen derartigen Antrag eingebracht"— schrie der erste freisinnige Redner in die Masse der 85 999 festangestellten„Staats- dienet" hinein. In anderthalb Jahren ist nämlich Landtagswahl! Alle drei Anträge verlangen von der Regierung eine Gesetzes- Vorlage über ein neues Beamtcnrecht. Eine Forderung, der schon aus formellen Gründen die Sozialdemokratie zustimmen kann, aber es kommt dabei alles auf das W i e und Weshalb an. Die Konservativen haben sich in der Frage bisher reservierter verhalten, weil eine politische Notwendigkeit eines aggressiven Vorgehens für sie nicht vorlag. Staatswesen. Zucht, Sitte und Ordnung forderten sie eben unter allen Umständen, daß ein Staatsbeamter konservativ sein bczw. werden muß. Auf diesem Standpunkt stand und steht die Regierung im wesentlichen auch noch heute, denn der Minister des Innern erklärte vor nicht allzu langer Zeit, daß das Staatsamt ganz von selbst die konservative Gesinnung erzeuge, daß es also eines besonderen Druckes gar nicht bedürfe. Dieser Standpunkt hat die Liberalen ungeheuer ver- schnupft, und nun machen sie mit einer gut ausgeklügelten Be- amtcnpolitik der Regierung und den Konservativen das Leben schwer. Und diese Politik scheint doch in den Kreisen der Beamten «ine gewisse Wirkung zu haben. Sie sind nicht mehr über jeden Zweifel konservativ. Nun müssen sich wohl oder übel auch die Konservativen an der Konkurrenz um die Gunst der Beamten be- tciligcn, was ihnen von dem nationalliberalen Rednern vorgehalten wurde, da die Liberalen in diesem Verhalten der Konservativen so eine Art unlauteren Wettbewerbes erblicken. Während aber sich die Konservativen klugerweise im wesentlichen auf das rein Tat- sächliche zurückzogen, gingen die Nationalliberalen etwas weiter heraus aus dem Bau. Sie wollen keinen Drill der Beamten, keine preußische Schncidigkeit, wie ausdrücklich betont wurde, sie wollen auch politische Bewegungsfreiheit für die Beamten,— die„Freiheit", wie die Nationalliberalen sie meinen! Denn auch sie fordern, daß der Staatsbeamte„königstreu" sein muß und nicht an den „Grundlagen der Verfassung" gerüttelt werden darf. Sozial- demokratische Staatsbeamte sind infolgedessen von dieser liberalen staatsbürgerlichen Freiheit ausgeschlossen! Mit einem Wort: die Nationallibcralen wollen ihre Kostgänger auch an die Staatskrippc und zwar bis in die höchsten Aemter heranbringen, Parität mit den Konservativen verlangen sie. Der Minister goß reichlich Wasser in den Wein der bürgerlichen Hoffnungen und Wünsche. Er erklärte ohne viel Umschweife und un- zweideutig, daß die gewünschte Reform weder in materieller noch in formeller Hinsicht dringlich sei. Rur darin war. die Regierung mit den bürgerlichen Parteien einer Meinung: Sozial- demokraten müssen von der staatsbürgerlichen Bcamtenfrciheit ausgeschlossen sein. Der Minister erklärte klar und bestimmt, daß den Roten gegenüber der Aus- nahmezustand aufrecht erhalten werden müsse. Die Sozialdemokratie in Sachsen kann diese Mehrheit und Klarheit nur begrüßen, da sie ein Feind aller verschwommenen Verhältnisse ist. Wir verlangen volle Koalitionsfreiheit für alle Beamten, politische Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit, einziger Maßstab für das Amt die berufliche Tüchtigkeit. Die Anträge wurden an eine Kommission verwiesen. ■** * Dresden, 22. Januar. Die Erste Kammer nahm heute den bereits von der Zweiten Kammer angenommenen nationalliberalen Antrag betreffend Fristverlängerung zur Erklärung für den Wehr- b e i t r a g bis Ende Februar mit allen gegen vier Stimmen an. Finanzminifter von Scydewitz erklärte abermals, im Bundesrate für eine allgemeine Fristverlängerung nicht eintreten zu können. Tic Reichtagsersasiwahl im Wahlkreise Rosenberg endete, wie zu erwarten war, mit dem Siege des freikonservativen Landrats v. Brün eck, auf den 11331 Stimmen entfielen. Sein polnischer Gegenkandidat erhielt 8146 Stimmen. Ersatzwahl für den ülrase« Mielczynski. Die infolge der Mandatsniederlegung des Grafen Mielczynski im Wahlkreise Samter-Birnbaum notwendig gewordene Reichstagsersatz- wähl ist auf den 17. März angesetzt worden. Tie Gegensätze in der»akionalliberalen Partei. Zur Geschichte der Gegensätze und Reibungen innerhalb der nationalliberalen Partei liefert folgende Meldung des„Berliner Börsen- Courier" einen sehr niedlichen Beitckg: Zur Geschichte der viel besprochenen altnationalliberalen EtatSrede des Abg. Röchling im preußischen Abgeordnetenhaus ist es von politisch pikanten, Reiz, daß diese Rede nicht etwa nur eine persönliche Sonderleistung des genannten Abgeordneten ge- wesen ist, sondern, daß sie einer Verabredung ent- sprachen hat, die unter einigen dreißig alt- nationalliberalen Mitgliedern der national« liberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses vor der Etatsdebatte im Hotel Adlon stattgefunden hatte. Politisch recht interessant— besonders da die Meldung wiederum zeigt, wie nach und nach die„Friedberger" mehr und mehr in der nationalliberalen Partei an Einfluß gewinnen. Der Oberpräsidcut der Provinz Brandenburg, Wirklicher Geheimer Rat v. Conrad, ist heute vormittag im Alter von 61 Jahren an der Rivicra gestorben. Neue Wechselordnung. Der„Reichsanzeiger" hat den Entwurf einer neuen Wechsel- ordnung nebst EinführungSgesetz und Begründung veröffentlicht. Der au§ 92 Artikeln bestehende Entwurf sucht in der Hauptsache dem internationalen Abkommen zur Vereinheitlichung des Wechsel- rechts vom 23. Juli 1912 zu entsprechen. Neue spanische Gefängnisgreuel. Von Zeit zu Zeit erfährt die Welt, daß in Spanien ein libe- rales, demokratisches oder reformistisch-konservatives Kabinett re- giert, daß der König die Berechtigung der fortschrittlichen Besirc- bungen anerkannt habe, und ähnliches mehr. Bald danach aber erfährt man wieder, daß im inneren Wesen des Staates und seiner Verwaltung sich gar nichts geändert hat, daß Schlendrian und Grausamkeit nach wie vor zu den vornehmsten Grundsätzen der spanischen Staatskunst gehören. Besonders das Gefängnislvesen, das schon so oft in den Greueln von M o n t j u i ch und anderen die Empörung der gesitteten Welt geweckt hat, scheint allen Versuchen zur Einführung menschlicher Zustände mit größter Hartnäckigkeit zu widerstehen. Jetzt hat sich in Madrid ein Komitee gebildet, das für die unglücklichen Gefangenen eintreten will. Marcelino Suarez, der selbst zu den unglücklichen Insassen des Gefäng- nisses von O v i e d o gehört hat, hat über ein Jahr lang erdrückende Beweise für die Grausamkeiten in den spanischen Gefängnissen ge- sammelt. Danach werden Gefangene brutal mißhandelt und nahezu dem Hungertod in ungesunden Kcrkcrlöchern preis- gegeben. Die Verschleppung der Verhandlung dauert so lange, daß die Untersuchungshaft immer ein, oft zwei bis drei Jahre dauert. So schaffen die Kaziken(örtlichen Machthaber) ihre politischen Gegner auf Jahre beiseite, indem sie ihre Verhastung unter den nichtigsten Vortvänden veranlassen. Die Geschworenen sprechen diese Leute regelmäßig frei, aber inzwischen waren sie jahrelang der Freiheit beraubt und den Gefängnisgreueln preis- gegeben. Das Gefängniskomitce hat einen Aufruf erlassen, der eine Reihe der gegen Gefangene, die oft nur wegen ihrer fortgeschritte- neu Ideen verhaftet sind, begangenen Schandtaten feststellt. Darin heißt es:„Ter Direktor eines Gefängnisses in Figueras(Cata- lonien) namens Milena hat einen unterirdischen Kerker bauen lassen, um dort seinen Gelüsten zu frönen. In dieser Zelle, die Sibirien genannt wird, werden Gefangene gefesselt und bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Dann bringt man den Gefangenen in eine andere Zelle, um die Wunden heilen zu lassen, läßt ihn dort fasten, bis er so hungrig ist, eine Menge gesalzenen Stockfisch zu essen. Dann läßt man ihn die Oualen des D'u r st c s erdulden. Jüngst wurde ein Gefangener an ein Kreuz genagelt. Er starb. Einem anderen wurde ein Auge ausgestochen, einem dritten ein Arm gebrochen. Wieder einem anderen wurden Stücke Fleisch abgerissen. Die Schreie der Opfer wurden außerhalb der Festung gehört. Unser Freund Marcelino Suarez, der einen energischen Feldzug gegen diese Scheußlichkeiten eilige- leitet hat, wurde ins Gefängnis geworfen und ist noch dort." Es ist leider nicht zu erwarten, daß vor der gründlichen Aus- mistung des Schandshstems von Korruption und Inquisition, das Spanien beherrscht, auch auf diesem Gebiete ernstliche Abhilfe gc- schaffen wird. Namentlich die gutgesinnte Presse hat zuviel von den weit übertriebenen Mißständen zu berichten, unter denen die Opfer der monarchistischen Putsche in portugiesischen Ge- fängnissen leiden, um Raum für die Spanier zu finden, die in teuf- lischer Entartung einem Gefängnisshstem von mittelalterlicher Grausamkeit zum Opfer fallen. Auch pic liberalen W e st m ä ch t c, die heute die spanische Monarchie zu ihren Verbündeten zählen, hüten sich sorgsam, etwas zur Milderung der enffetzlichen Zustände im Innern des befreundeten Staates zu tun. (pesterreich. Der Handelsvertrag mit Deutschland. Wien, 2Z. Januar. Zu den Erklärungen des Staats- sekretärs Delbrück im Deutschen Reichstage schreibt das offiziöse„Fremdenblalt": Die deutsche Reichsregierung scheint es vorziehen zu wollen, möglichst eine bloße Ler- längerung des Handelsvertrages zu erzielen. Es ist selbst- verständlich, daß die' einfache Verlängerung u n- denkbar ist und daß gewisse Revisionen durch Zusatzanträge beschlossen werden müssen. Englanö. Die Flottcnfrage. London, 22. Januar. Die heutige Kabinettssitzung, die mit großer Spannung erwartet wird, dürfte für das Flotten- b u d g e t die Entscheidung bringen. Bedeutsam ist es, daß„Daily Chronicle" ein großes Defizit zugibt. Schuld hieran seien die Mehrausgaben des letzten Jahres, indem für die Flotte über die an- genommenen 46 Millionen Mehrauftvcndnngen noch weitere 6 Millionen ei forderlich sind. Dazu kommt, daß für das Jahr 1914/lö weitere 3 Millionen Mehrausgaben nötig werden. Im ganzen wird das Defizit also 8 Millionen betragen. Außerdem wird ein Defizit durch das Bersicherungsgesetz verursacht. Da das Flottenbudget aller Voraussicht nach keine Kürzung erfahren dürfte, wird Lloyd George in eine schwierige Lage versetzt und sein Versprechen, Ueberschüsse zu erzielen, kaum erfüllen können. Rußland. Massenstreik und Verhaftungen in Petersburg. Das heldenmütige russische Proletariat feiert auch dieses Jahr die neunte Wiederkehr des blusigen Sonntags durch DemonstrationSstreiks. In Petersburg ivurdcn Donnerstag einige Arbeiter verhaftet, die mit der Verteilung des Aufrufes zum Streik für den 22. Januar beschäftigt waren. Auch eine Anzahl von Studenten und Studentinnen wurden verhaftet. Trotz der Verhaftungen und des massenhaften Aufgebots von Polizei und Kosaken ist die Beteiligung an dem Streik sehr stark. Mbamett. Der mißglückte Putschversuch. Balona, 22. Januar. Ilnter Vorsitz von Oberst de Weer be- gann heute unter Ausschluß der Oeffentlichkeit der Prozeß gegen Belir Aga und 27 M i t s ch u l d i g e, die den Versuch geiiiacht haben, sich der Negicrung zu bemächtigen. Es sind sehr strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Ms Ser Partei. Ein Schildbürgerstreich. In Görlitz besteht seit sieben Jahren eine städtische Volks« bücherei und Lesehalle. Das Bildungsinstitut ist das Werk eines wohltätigen Sttftcrs. Zeitschriften und Tageszeitungen aller Partei- schattierungen lagen bisher aus; u. a. auch der„Vorwärts" und die„G ö r I i tz c r V o l k s z e i t u n g". Jetzt lxtt der Magistrat eine reinliche Scheidung vorgenommen: Das sozialdemokratische Zentralorgan und das Görlitzer Parteiblatt sind nicht mehr unter den anderen Zeitungen zu finden. Ein Plakat besagt:„Vorwärts" und„Görlitzer Volkszeitung" hängen neben dem Äeamtentisch! Adit dieser Maßnahme gegen die sozialdemokratischen Blätter hat der Magistrat die bisherige Neutralität, die er auch bei der Eröffnung der Lesehalle versprochen hat, gebrochen. Gegen die vermutete Absicht des Magistrats, durch seine Anordnung die Leser der sozialdemokratischen Presse zu kennzeichnen, muß aber altfs schärfste protestiert> Verden. Im übrigen ist die Maßnahme des Görlitzer Magistrats nur geeignet, die Stadt Görlitz dem Gespött preiszugeben._ Ein sozialdemokratischer Kirchcnrat. Bei der Wahl zur Kirchen- gemeinde in A l t e n b u r g, Amt Waldshut in Baden, gaben von 84 Abstimmenden 59 sozialdemokratische Zettel ab. Die Verwaltung dieser katholischen Kirche liegt sonach in den Händen unserer Partei- genossen._ Die Bildungsarbeit der tschecho-slawischcn Parteipresse, die aus den Tageblättern in Prag(hier mit einem in 199 999 Exemplaren erscheinenden Abendblatt), Brünn und Wien und zahl- reichen weniger oft erscheinenden Blättern in der Provinz besteht, ist in den« zentralen Avbeitervcrlag zu Prag konzentriert. Außer den illustrierten Unterhaltungsbeiträgen des„Pravo lidu" in Prag, die Genosse K r e j c i redigiert, wird die illustrierte Kinder- Zeitschrift„Jaro"(„Dc> Frühling") und die Kinderbibliothck „Neue Welt" herausgegeben, die u. a. auch ein sozialistisches Lese- buch„Unseren Kindern" und ein Märchenbuch erscheinen ließ. Zweimal im Monat erscheint die illustrierte Uuterhaltungszcit- schrift„Rote Blüten". Der Presseausschuß der Partei gibt endlich noch zwei Romanbibliothekcn heraus, wovon die eine zur Be- kämpfung der Schundliteratur in ll tägigen Lieferungen erscheint. Der„Ärbeitcrkalender" bat eine Auflage von 199 999 erreicht. Letzte Nachrichten. Die Kälte und die Schisfahrt. Riga, 22. Januar. Die Schiffahrt auf dem Rigaischen Meer- Husen leidet unter außerordentlichen Schwierigkeiten. Zwanzig Dampfer sind vom Eise umringt, einige von ihnen befinden sich in äußerster Not. Dem Eisbrecher„Jcrmak", der den hava- rierten Eisbrecher„Peter der Große" bugsiert, ist cS unmöglich, den gefährdeten Dantpsern zu helfen. Im Hafen harren zwanzig Dampfer der Abfahrt._ Beilegung der Jndcrunruhe» iu Südafrika. Pretoria, 22. Januar.(W. T. B.) Stach dem Bericht der mit der Untersuchung der von den Indern augestifteten Unruhen be- trauten Kommission, haben sich die.Inder bereit erklärt» von ihrer Politik der passiven Resistenz abzugehen. Die Behörden haben sich dagegen verpflichtet, die wegen passiver Resistenz verhafteten Inder freizulassen. Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein liir Schöneberg. Bezirk 9. Nm 21. d. M. verschied unser Mitglied, der Tischler (iustsv I�euber't iin Alter von LS Jahren. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des zweiten städtischen Friedhofes, Blanke Hölle, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 13/1 Der Vorltand. Tresspunkt sür Mitglieder des Gesangvereins Schöneberger Männerchor 2'/« Uhr aus obigem Friedhof. heutscher eoizarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Boden- leger �uxust Saager Katzlerstrahe 12, im Alter von 71 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Januar, nachmittags 3'L Uhr, von der Halle des Luther-Kirchhoses in Lankwitz aus statt. Den Mitgliedern ferner zi Nachricht, Tischler daß unser Kollege, (Zustav I>ieubert Cheruskerstrafie 15 im Aster von 26 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Januar, nach- mittags 3 Uhr. aus dem Schöne- berger Gemeinde-Friedhos, Blanke Hölle, statt. Um rege Betelligung ersucht 82/5 01« Ortgyerwaltung. Verband der Ireien Gast- und Schankwirte Dentschiands. Ortsverwaltung Charlottenburg. Unser ehemalige« langjähriges Mitglied Fritz Kant ist nach schwerem Krankenlager verstorben Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Haselhorst, Nonnendamm, aus statt. Treffpunkt? Uhr Nonnen- dämm 1 bei Streu. 73/3 01« Ortsverwaltung Deutscher kletaiiarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schmied ¥rmi Olschewski Wicsenstrafie 45, am 20. d. Mts. an Magenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, de» 24. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Sebastian-Kirchhofes in Zleinickendors, Humboldtstratze, aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Maschinen-Former Weniel Fisch Scneselderstr. 3, am 21. d. Mts. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Januar, nach- mittags ä'/a Uhr, von der Leichen- halle des St. Hedwigs-KirchhoseS in WilhelmSberg aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 111/6 0!« Ortsverwaltung. Deutscher sransportarheiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Mehl- kutscher (justav Neumann am 16. d. Mts. im Aster von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Audenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. Januar, nachmittags S1/. Uhr. von der Leichen- Halle des'Gethsemane-Kirchhofes in Nordend aus statt. 61/12 Ol« Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die herzlicheTeilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes, unseres Bruders ITarl Franke sage» wir hiermit unseren besten Dank,»'ranke Gescbw. Harz und Franke, 6 146_ Waldemarstr. 28. Am Donnerstag, den 22. Ja- nuar, verstarb Plöijlich unser lieber Vater, Schwiegervater und Groß- vater, der Schriftsetzer 642b �iax I3ark(wski im 57. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an lsa» Barkewski uebst Frau. Anton Lingk, Elfriede lingk geb. Barkowsk, Berlin W, Steinmetzstr. 46. Willi Barkewski. Karl Barkewski und Enkelkinder, Neu!ölln,Prinz-Handjerystr.S7. Die Beerdigung fizidet Sonntag, den 25. Januar 1914, nachmittags 2'/, Uhr, auf dem Neuköllner Friedhof, Mariendorfer Weg, statt. Heute früh erlag unser treuer Mitarbeiter und lieber Kollege �iax Barkowski seinem langjährigen Leiden. In ihm verlieren wir einen ge- raden, aufrichtigen Charakter. Die Beerdigimg findet am Sonntag, den 25. Januar, nach- mittags 2xI2 Uhr, aus dem neuen Gemeinde-Friedhofe in Neukölln, Mariendorfer Weg, statt. Berlin, 22. Januar 1914. Gas Personal der Buchdruckerei Otto Eisner. 6486 Kranken-Unterstützungs- und Begräbnis-Verein für Bau- und gewerbliche Arbeiter Berlins und Umgegend. STachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser treues Mitglied .Julius Bargel am 10. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 37/2_ Der Borstanb. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Olxa Kripskansky geb. Eictawtaedt im Alter von 40 Jahren am Mittwoch, den 21. Januar, saust entschlase» ist. DI« trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, 24. Januar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Gethsemane-Kirchhofes, Nordend, aus statt. 123A Zentral-Kranken- u. Sterbekasse d. deutsch. Wagenhauer{Gotha). Berlin. Bezirk 9. Franen- S torbekasse. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied der Frauen-Sterbekasse Olga Kripskanski am Mittwoch, den 21. Januar 1914 verstorben ist. Dle Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gelh- semane- Kirchhoses in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 257/4 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und Paters sprechen allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank aus. 11öA Frau Grunvald zZc. Tanksagung. Für die vielen Beweffe herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, des Malers Emil Schnly sage ich hiermit allen denen, die ihn zur letzten Ruhe gebettet haben, meinen ausrichiigsten, tiesempsundenen Dank. 643b Die tiestrauernde Witwe Schnly, Kottbuser User Nr. 59. Allgemeine Orts- Krankenkasse sür den Stadtbezirk Köpenick. Gemäß A 98 der Kassensatzung laden wir hiermit die Vertreter des Ausschusses zu einer am Tonnerstag, den 29. Januar 1911. abends Präzise 8 Uhr, im Caf6 Sorge, Schlos, straffe 12, stattfindenden 267/14 Außerord. Ausschußfihung ein. Tagesordnung: 1. Wahl deS Vorsitzenden des Aus- schusses. 2. Beratung und Beschlußfassung über die zu erlassende Dienst- ordnung sür die Angestellten der Kasse. 3. Bericht über den Stand der Arztsrage. 4. Geschüstliches. Die Vertreter erhalten schriftliche Einladung, welche als Legitimation gilt. Köpenick, den 21. Januar 1914. Her Vor«tand. Otto Wickel, Vorsitzender Sechster Mahlkreis. Sonntag, den 25. Januar, abends 6 Uhr, in Funkes Gesellschaftshaus, Triftstraße 63: Nksskiilliihk Dliiiliijc jlrtlmiiiiiliiiiii sür Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Ucko. 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 224/6 Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufcr:«rnno Krause, AUllbcnowstr. 18. Heines Werke Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Sonntag, den 23. Jannar 1014:, vormittags 10 Uhr: Sranehen-Versammlung sämtl. Maschmennrdeiter it. Arbeiterinnen in den Musiter-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 sgr. Saal). Tagesordnung: i. Die wirtschastliche Krise und die Ausgaben unserer Branche hierzu. 2. Verschiedenes._ Sonntag, den 25. Januar 1914, vormittags 10 Uhr: 3raneheit-Vevsammliitig der Werkzeugmacher, Werkzeugschleifer, Ginrichter sowie sämtlicher als Zigaretten- maschmenführer beschäftigten Kollege« in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/69. Tagesordnung: 1. Bericht der AgitationSkommisfion. 2. Neuwahl des Branchenleiters und der Agitationslommission. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten 4. Verschiedenes. ----------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.. Sonntag, den 25. Januar 1014, vormittags 10 Uhr: W Versammlung ke aller i« der Emaillier-Kranche befchäft. Kolleginnen und Kollegen im Gewerkschastshause, Engeluser 15(Saal 1). Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenkommiiston. 2. Wahl der Dranchetllommsssion. 3. Welcher Branche wollen(Ich die im Deutschen Metallarbelterverbande organisierten I-acklerer anschließen. 4. ÄiSIussion und BerschiedeneS. Mitgliedsbuch legiiimiert. Außerdem werden zu dieser Versammlung sämtliche im Deutscheu Metallarbeiterverbaud organisierten Lackierer eingeladen! Soeben erschienen: Eines Arbeiters Weltreise. Von Fritz Kummer. gebunden In sehr guter Ausführung sür Mit. Das Buch kostet g I i e d e r Z M. Zu haben in unserem Bureau: Linienstr. 83/85 II in der Bibliothek. 111/5 Die Ortsverwaltang Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Sonntag, den 25. Januar, vormittags 10 Uhr, in de» Arminhallen, Kommandantenstr. 58/50: Sektions-Vers ammlung. Tagesordnung: des Vorstandes. 2. Neuwahl desselben. 3. Ver- 1. Jahresbericht schiedenes. Um Pünktliches Erscheinen aller Miiglieder wird ersucht. Lektieu der Stukkateure. Montag, den 20. Januar, abends 8 Uhr, bei Wilke, Sebastianstr. 30: WV Versammlung~9i Tage sordnung: 1. Vortrag. 2. Neuwahl der Seltionsieitung. 3. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches Erschemen ersucht Die Dettionsieitung. Hierdurch ersuchen wir alle Mitglieder, die von: 1. Dez. bis jetzt ununterbrochen arbeitslos waren und verheiratet find, sich bis zum Sonnabend, den 24. Januar, im Verbands- bureau oder auf den Kontrollstellen zu melden. 140/10»_ Der Zweigvereinsvorstand. ist der schönste Ausflugsorts Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. , 3 Btabr 4 ainrf■ Buchhandlung vorwärts Bekanntmachung. 1. Der Rechisanwall Handtmann Beleidigung auS Hannover ist wegen des AmtSrichiers Thiele in Reüslabt a. Rbge. und des Amitanwalts Jaeobi in Hannover von der Strastammer I des Königl. Landgerichts in Hannover vom 20. Dezember 1913 zu einer Geldstrafe von 500 M., hilsweise zu 50 Tagen Gefängnis und in die Kosten des Versahrens verurteilt. Die Beleidigung ist begange» durch VeröffenIIichuiig eines Artikels in der Nr. l84 des.Volkswillen" in Han> nover vom 8. November 19l3 mit der Ueberschrift:.Achtung vor dem Gesetz'. II. Der Redakteur Andree aus Hannover-Kieeseld ist wegen Beleidi- gung des Amtsrichters Thiele in Neustadt a. Rbge. und des Amts- anwaltS Jaeobi m Hannover von der Sirottammer I des Königl. Land- gerichts in Hannover am 20. Dezember I9l3 in einem Falle zu einer Geld- straje von 100 M., hilssweise zu 10 Tagen Gefängnis und in die Koste» de? Bersahrens verurteilt. Die Beleidigung ist begangen durch Veröffentlichung eines Artikels in der Nr. 184 deS.Volkswillen" in Han- nover vom 8. t'luguit 1918 und in der Nr. 185 der.Osnabrücker Abendposp' in Osnabrück vom S. August 1913 mit der Iteberschrfft:„Achtung vor dem Seietz'. Hannover, den t5. Januar 1914. Der Erste Staatsanwalt. Ortskrankenkasse der Schlosser und verwandten Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung betr. die Mahlrn der Nertreter und der Ersalimänntr zum Ausschuß dtt Kafft für die Zeit bis 31.Dt|kMbtr19l7 Auf Grund des K 73 der neuen Satzung sind sür die Wahlperiode bis zum 31. Dezember 1917 in geirennier Wahlhandlung zu wählen 30 Vertreter und 60 Ersatzmäuuer aus der Mitte der Arbeitgeber uud 60 Vertreter und 120 Ersatzmänner aus der Mitte der Versicherten. Die Arbeitgeber wäbien am Montag, den S. Mörz 1014, von 4— 7 Uhr nachmittags im Kaftci, lokal, Linienstr. 5. Die Versicherten wjihlen am Sonntag, den 8. März Ivll, von tv Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags im Kassrnlokal, Linienstr. S. Dle Verffcherten sowohl als die Arbeitgeber haben das Wahlrecht in Person auszuüben, dürfen sich also nicht vertreten lassen. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Die Arbeitgeber können auch als Vertreter und als Ersatzmänner zum Ausschuß bevollmächtigte Betriebs- leiter, Geschästssübrer und BelriebSbeamte der beteiligten Arbeitgeber wäclen. Die Wahlen find geheim: gewählt wird nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Jeder Wähler, welcher an der Wahl teilnehmen will, erhält aus sein Verlangen in der Zeil vom 23. Februar bis 7. März d I. im Kassenbureau während der Dienststunden von 8—1 Uhr eine Wahltarte die am Wahltage als Ausweis über seine Wahl- und dient, und welche er dem Wahlausschuß vorzuweiien hat. ausgehändigt, ilimmberechtigung Wähler, die nicht im Besitz einer Wahlkarte sind, werden zur Wohl nur zugelassen, wenn sie in einer sämtlichen Mitgliedern des Wahlausschusses überzeugenden Weise durch Vorlegung deS vom Arbeitgeber einzusordernden derzeugenden Weise durch Vorlegung Kusse» mitgliedbuch es ihre Wahlberechtigung einzusordernden nachweisen können. Aus der Wahilarle sür die Arbeitgeber wird auch die Zahl ihrer Stimmen vermerkt. Der Wahlausschuß am Tage der Wadl ist besugt, die Wahl, und Stlmmberechliguna jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüfen. Die Wähler können die Arbeitgeber- und Milgiiederoerzeichnisse während der Kaffenstullden von 8—1 Uhr. im Staffenbureau einsehen. Einsvrüche gegen die Richltgkeit, der sich aus dem Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichniffe ergebenden Wahl- und Stimmberechtigmig find bei Vermeidung des AuSichluffeZ ipätestenS bis zum 7. Februar 1914 unter Beifügung von Beweismitteln be, dem Kaffenvorstand einzulegen. Wir fordern nunmehr die Wähler(Versicherte und Arbeitgeber) aui, bis spätestens zum 8. Februar 19l4 Wahlvorschläge bei dem Kassen- vorstand, getrennt sür Arbeitgeber und sür Versicherte einzureichen Tie Stimmabgabe der Wähler ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge müssen von mmdesten» 10 Wahlberechttglen der betressenden Gruppe mit zusammen mindellens 30 Stimmen unterzeichnet sein. Die einzelnen Bewerber sind unter sortlaufender Nummer auszu- führen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Bor-(Rus-) Namen, Berus und Wohnort zu bezeichnen, bei Versicherten ist auch der Arbeilgeber, bei dem sie beschästigt sind, anzugeben. Mit den Wahloorschlägen sür Bei sicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahloorschlägen für Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur ersorderlich, soweit ein vorgeschlagener Bewerber nach§ 17 der RetchSversichernngZ- ordnung zur Ablehnung der Wahl besugt ist. In jedem Wahlvorschlag ist serner ein Vertreter des WablvorschlageS und ein Stellvertreter sür ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu be- zeichnen. Ist dies unUrbiieben. so gilt der erste Unterzeichner als Verireier des Wahlvorschlages und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist, der zweite als sein Stellvertreter. Der Wähloorschlagsoertreter ist berechligt und ver- pflichtet, dem Vorstand die zur Beseitigung etwaiger Anstände erforderlichen Erklärungen abzugeben. Die zugelassenen Wahivorichläge können von den Wählern Im Kassen- bureau während der Kassenstunden von 8— 1 Uhr eingesehen werden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägeu im ganzen nur so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter bezw. Ersatzmänner zu wühlen sind, so gelten sie als gewählt. Sind wemger Bewerber oorgrschtagen, so gelten diese ebensalls als gewühlt. Der Wähler erhält einen der Umschläge, die mit dem Stempel der Kasse versehen und im Wadiraum berrilzuhallen find, tritt sodann an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legi, und übergibt den Umschlag unverschlossen unier Nennung seines Namens dem Vorsitzenden oder dem von diesem bezeichneten anberen Mit- glied des Wahlansschlisses. Dieser läßt die Abgabe des Stimmzettels vermerken und wirst dann den Umschlag in die Wahlurne. Arbeitgeber mit mehrsachem Stimmrecht haben so viel Stimmzettel je M einem besonderen Umschlag abzugeben, als sie Stimmen haben und abgeben wollen; in diesem Falle ist die Zahl der abgegebenen Umschläge vorzumerken. Wähler, die durch lärperliche Gebrechen behindert find, ihren Sttmm- zettel eigenbändig in den Umschlag zu legen und dem Borfitzenden des WablausichusjeS zu Übergeben, dürfen fich der Beihllse einer Vertrauens- Perjon bedienen. 267/16 Berlin, den 23. Januar 1914. Ter Vorstand der Ortskrankenkasse der Schlosser und verwandten Gewerbe zu Berlin. Gustav Lubatsch. Robert Krüger, Vorsitzender. Schrisisuhrer. Kapitän-Kautabak (äksefek. Qcfckjöjjt)* Kapitan-Rauch- u. Schnupftabake A � hervorragend feine Qualität so schnell beliebt geworden. Zu haben in den einichlägigen Geschäste» event. zu erfahren durch C. Höcker, Kerli«, Griiurr Weg 119. KgsiÄbi.) Ikxatitv. Belwlfci aifreb Wirlep». Aeujölln. Inseratenteil deranttv..- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VertagsanstaU PaulS'ngerö: Co., Berlin ZV/. Hierzu 8 Beilage««.Unterhaltung»«. 9I.22. i Keilllge des„Nllmilrts" M\m AlksblM. Gewerkfthastliches. das unüberwmöliche Unternehmertum. Daß die Scharfmacher mit ihrem Terrorismusgeschrei, mit ihrem Gejammer über Bedrohung der Unternehmer durch die Gewerkschaften furchtbar schwindeln, das— unfreiwillig— zu enthüllen, ist ein Verdienst der„Deutschen Arbeitgeber- Zeitung", Ruhm ihr und Anerkennung! Sie macht Fest- siellungen, die ganz unzweideutig erkennen lassen, daß die Begründung für den Ruf nach Schutz und Hilfe für das Kapital durch Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter nur der Deckmantel für nicht ausgesprochene Absichten und Ziele sind. Richt aus Arbeiterfreundlichkeit, sondern aus scharfmacherischen Gründen wird das durch Feststellungen verraten. Doch über Motive wird bekanntlich nicht abgestinimt. Und mögen die Beweggründe das Blatt auch über das Ziel hinausschießen lassen, seine Darlegungen sind trotzdem hoch- interessant und äußerst wertvoll für uns. Das wildeste unter den wilden Scharstnacherorganen versucht zu beweisen, daß die Gewerkschaften trotz ihrer Größe, trotz ihres inneren Ausbaues, trotz ihrer Finanzmacht, trotz aller ihrer Tücke und Bosheit, gegen die Macht des Unternehmertums durchaus nicht aufkommen könnten. Sozusagen spielend würden die„Arbeitgeberorganisationen" mit den Gewerkschaften fertig, wänden ihnen Erfolge und Erfolgmöglichkeiten aus der Hand. Aus seinem ehrlichen und tiefempfundenen Haß gegen die Gewerkschaften schreibt das Blatt— Nr. 3 vom 18. Januar 1914— frohlockend: „Auf das verflossene Jahr hatten die sozialdemokratischen Ge- werlscbaften große Hoffnungen geletzt. Es sollte ein Kampfjahr erster Ordnung werden, um den Ausbau der Organisationen zu fördern. Alle erdenklichen Vorbereilungen für den Kampf wurden getroffen, die KriegSkass« gefüllt und die Werbetrommel kräftig gerührt. Und wirklich, die Aussichten aus Erfolg in den Kämpfen, die man provozieren wollte, erschienen wirklich nicht ungünstig, so dätz mancher Arbeitgeber sich wohl einschüchtern ließ und mit großem Unbehagen der Entwickelung der Dinge entgegensah. Aber es i st anders gekommen! Die Prophezeiung, daß Ende des Jahres 1913 die Arbeilgeberorganisationen in Trümmern am Boden liegen würden, ist nicht eingetreten. Fester gefügt denn je stehen sie da, während die Arbeiterorganisationen schwere Einbußen an Mitgliedern und noch mehr an Ansehen zu beklagen haben...." Die Behauptung, die Gewerkschaften hätten die„Arbeit- geberorganisationen in Trümmern" schlagen wollen, beruht Wohl auf einer kleinen Verwechselung. Nicht die Gewerk- schaften verpflichteten sich auf das Programm, die Unter- ncbmerverbände zu„zerschmettern", der Zentralverband der Industriellen war's, der nach einer Prograinmrede Buecks die „Zerschmetterung der Gewerkschaften" als seines Weges Ziel proklamierte. Doch das nur nebenher. Ganz entschieden tvendet sich das Blatt der Scharfmacher gegen die Aufsassung, als ob eine schlechte Wirtschaftslage die Hauptursachc der Ueberlegenheit des Unternehmertums im vergangenen Jahr gewesen sei. Aus eigner Kraft behaupte es die Herrschaft. Wörtlich wird dazu bemerkt: .... Es ist klar, daß die Wirtschaftslage sich im Verlaufe des vergangenen Jahres nicht derartig verschlechtert hatte, daß hieraus die Erfolglosigkeit der sozialdemokratischen Lohnbewegungen erklärt werden könnte. In Wirklichkeit ist das Fehlschlageii der Erwartungen der sozialdemokratischen Gewerkschaflssührer ledig- lich aus das fe st e Zusammenhalten der Arbeit» g e b e r zurückzuführen. Nur der Zusammenhalt und die Rücken- srärkung in ihren fest organisierten Arbeitgeber-Verbänden ermög- lichte eS den Unternehmern, die Kampfansage seitens der Arbeiter ruhig entgegenzunehmen und den ausgedrungenen Kampf erfolg- reich durchzuführen." Weiter bemüht sich das Blatt um den Nachweis, daß selbst die vermeintlichen Halberfolge der Gelverkschaften bei kleines Zeuilleton. Auf der Post. Wenn Du den deutschen Untertanen so recht stu- dieren willst, so geh' auf ein Postamt. Nicht wahr, da ist der mittelgroße Raum mit den vielen Schaltern, von denen immer nur ein paar geöffnet sind(die anderen sind zur Dekoration da), den Verboten an den Wänden, der ganzen geschmacklosen Einrichtung. Und vor den Schaltern stehen die Leute und warten. Sie warten. Was sollen sie auch anders anfangen? Sie warten, bis sich der schwerfällige Betrieb abwickelt, bis das große Rad der Abfertigung sich um einen Zahn weitergedreht hat. Sie warten, aber sie mucksen nicht. Manchmal ist dann der weißhaarige, cholerische Herr da, der vor sich hinflucht:„Was ist denn das hier für eine Bummelwirtschast!"— Dann mutzt Du die anderen sehen! Ach, wie sehen ihn meine braven Deutschen an! So etwas tut man doch nicht! Wer lehnt sich denn da gegen die von GOTT eingesetzte Obrigkeit auf? Pfui! Und bekümmert und leicht ange- widert sehen alle Guterzogenen weg, um zu dokumentieren, daß sie mit dem da nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Und warten weiter. Sie. warten. Die Beamten, vorn an den Schaltern, tun ihre Pflicht, sie unterschreiben Formulare, sie stempeln, das Brief- markenfräulein verkauft ihre Vorräte: Zwei zu Zehn und drei zu Fünf und wieder vier zu Zehn... Wie ein Automat. Warum die Postverwaltung nicht mehr Automaten ausstellt? Ja, siehst Du, sie probiert es. Sie probierts schon seit vier, fünf Jahren. Aber sie ist noch nicht recht dahintergekommen: sie hat es zwar schon oft erlebt, daß der Automat auch wirklich, was man kaum glauben sollte, die Marken ordnungsgemäß verkauft, aber sie ivartet immer noch auf den Moment, wo sie ihm nachweisen kann, daß er versagt hat. Und dann: Kann man vielleicht einen Automaten so drangsa- licren, wie einen lebendigen Beamten? Ja? Kann man ihn straf- versetzen, rüffeln, maßregeln? Na also. Die aber warten noch immer. Sie warten, daß ihnen die Füße schmerzen, sie warten, daß ihr Herz nervös klopft, daß ihre Hände zittern... sie warten. Mal müffen sie ja dran kommen. Bei der Post... da mögen sie recht haben. Sonst aber haben sie ihr ganzes Loben immer nur gewartet, sind nie drangekommen und werden's auch nie. Sie warten. Die Werkleute auf Haus Nhland. Diesen Namen hat sich eine Gruppe rheinisch- westfälischer Leute gegeben, die sich in eigener dichterischer Arbeit um soziale Kunst mühen. Ernstgerichtcte Leute sicherlich, für die gestern Richard Debmel, gerufen von der Versuchsbühne, diesem nach literarischen Zielen ausgreifenden Ab- zweig der Neuen Freien Volksbühne, im Theatersaale der Hochschule stlr Musik eintrat. In jungen Jahren begriffen diese Werk- leut«. daß das Recht, den Namen Dichter zu führen, näherem Zuschauen sich als Siege des Unternehmertums ent- puppten. Und zwar als Siege aus selbstgeschaffener organisierter Macht. Schließlich verweist die„Arbeitgeberzeitung" dann noch auch die Hilfe, die ihr nun aus der wachsenden Macht der„nationalen Gchilfenverbände"— lies„Rausreißcr- verbände"— erstehe. Auf diesen Punkt geht der Verfasser eines anderen Artikels, dem vorerwähnten unmittelbar folgenden näher ein. Die Gewerkschaften hätten den Höhepunkt überschritten, be- fänden sich auf dem Niedergang, in mächtiger Entwickelung dagegen seien die Werkvereine begriffen. Darum habe auch in Zukunft das Unternehmertum nichts zu fürchten: „Für die Arbeilgeber aber ergibt sich aus den obigen Dar- legungen die eindringlicde Mahnung, auch in Zukunft die Pro- vokationen der Kampfgewerkschaften fest und geschlossen zurück- zuweisen und die nationale Arbeiterschaft zu schützen und deren Interessen zu fördern." Die Unternehmer fühlen sich also auch ohne das so- genannte„Arbeitswilligenschutzgesetz" so stark, so überlegen, so sehr als Herren der Situation, daß sie den Gewerkschaften fast jede Erfolgsmöglichkeit absprechen, schon jetzt erklären: wir sind und bleiben in Zukunft— aus eigener Kraft— die Diktatoren; jede Forderung der Arbeiter wird abgewiesen, weil wir mächtiger sind als sie l Daraus ist für jeden vernünftigen Menschen, für jeden nicht auf das allergröbste Scharfmacherprogramm Ein- geschworenen klar ersichtlich, zwingend logisch, daß nicht das Unternehmertum, sondern die Arbeiterschaft gestärkt werden Muß. Das kann nur geschehen durch Verivirklichung der sozialdemokratischen Forderungen in der Frage des Koalitions- rechts. Diese Forderungen sehr wirksam unterstützt zu haben, ist ein Verdienst der„Deutschen Arbeitgeberzeitung". Deutsches Reich. Eine technische Zentralstelle im Verband der Lithographen und Steindrucker. Auf seinem vorjährigen Stuttgarter Verbandstage hatte ge- nannter Verband befchloffen, eine technische Zentrale einzusetzen, um die technische Entwickelung des graphischen Gewerbes genau beobachten zu lassen, die Pflege der Fachbildung durch eine Samm- lung von Druckbogen in den verschiedensten alten und neuen Druck- und ReProduktionsverfahren und die zweckentsprechende Nutzbar- machung dieses Anschauungsmaterials zu befruchten und zu för- dern. Die Zentralstelle erhielt ihren Sitz in der Metropole des deutschen Druckwesens, Leipzig. Sie hat sich inzwischen konsti- tuiert und alles, was über ihren Zweck, ihre Aufgaben, ihren Nutzen, ihre Ausgestaltung, Organisation usw. zu sagen ist, in einer Reihe von Leitsätzen zusammengefaßt, die sie kürzlich veröffent- licht hat. Nach Viesen Leitsätzen liegt der Einsetzung der technischen Zentrale der Gedanke zugrunde, den Berufsangehörigen zu tieferer Erkenntnis der Fortschritte und Neuerungen in der Technik der vielgestaltigen Berufe des graphis�ien Gewerbes zu verhelfen. Sie stellt sich daher die Aufgabe, nach und nach möglichst alle Her- stellungs- und Druckverfahren durch Sammlungen geeigneten An- schauungsmaterials darzustellen, allen Neuerungen besonders auf- merksam zu folgen und mit Abhandlungen in Vortragsform den organisierten Gehilfen zugänglich zu machen. Bei intensivster Bc- strebung der Mitglieder auf diesem Gebiete wird umfassenderes Wissen verbreitet und dadurch größere Widerstandsfähigkeit im Kampfe ums Dasein erreicht. Die Zentrale appelliert daher an das Selbstinteresse des einzelnen,-durch Teilnahme sein Können zu bereichern und verlangt zur Erreichung ihres Zieles von allen Verbandsmitgliedern, am Aufbau der Sammlungen der Zentrale tatkräftig mitzuwirken Durch Veranstaltung von Vorträgen und Ausstellungen sollen die Sammlungen weiten Kreisen von Berufs- genossen vorgeführt, dadurch anregend und bildend gewirkt und zu- gleich auch das Interesse der Gehilfen an den schier zahllosen Arbeits- und Druckverfahren des graphischen Gewerbes belebt und gefördert werden.— Die technische Zentrale ist ferner Gutachter des Verbandes in allen technischen Angelegenheiten; ihr Wirkungs- niemandem mühelos zufällt, sondern in ausdauerndem Ringen erarbeitet fein will. So ließen sie Jahre vergehen, um nun die Gedickte, die sie gelten lassen wollen, ohne ihre Namen an die Oeffentlickkeit zu geben. Das Ziel, das sie sich steckten, ist sozial- künstlerisch. In das gigantisch pulsierende Arbeitsleben der Gegen- wart wollten sie eintauchen, um von dort ncues Blut in das künstlerische Schaffen herüberzuleiten. Sie sind nicht die ersten und heule nicht die einzigen, die diesem Ziele anhängen, aber sie möchten um sich sammeln, was ähnliche Wege schreitet wie sie. An den wirtschaftlichen Voraus- setzungen solcher Sammelarbeit fehlt es ihnen nicht. Sie sind begütert und stehen heute, wie Dehme! erzählte, in ansehnlichen bürgerlichen Stellungen: einer ist Fabrikleiter, einer Bürgermeister, einer Notar. Einer stiftete ein westfälisches Gut, eben das Haus Nyland, das seine Türen den künstlerisch im Sinne der Werkleute Schaffenden monatelang gasifreiindlich öffnet. Bor zwei Jahren gründete die Gruppe die Vierteljahrsschrift„Quadriga", die im Verlage von Vopcliits in Jena erscheint. Wie Dehme! sagte, möchte das Unter- nehmen der Werkleute für die Kunst eine ähnliche Bedeutung ge- wmnen, wie aus anderem Felde daS Zeißlche Werk in Jena: es möchte der Kiinst, die heute aus sozialen Quellen gespeist aufsteigt, eine Slätle des Schaffens gründen, die ihr ein Entfalten frei von wirtschaftlicher. Bedrängnis sickert. Dehme! trug aus den Gedichten deS einen, den er als der- kannlen Dichter ernst nehmen möchte, mit hingebender Verkünderkunst vor. Seinen Namen verriet er nicht; in der Quadriga zeichnet er als „der Dichter der Eiiernen Sonette". Von ihm liest man im letzten Herbsthefte der Zeiischrist. daß er sich Dehme! vor ollen nahe fühlt, der ihm nach Liliencrons Bezeichnung als der „Dichter unserer Zeitseele" gilt. In diesen Eisernen Sonetten lag das Stärkste deS Abends. Sie drücken wohl überhaupt am deullicksten den Kern der Soziallyrik des Nyland- Kreii'es aus. Sie strömt auf zu einem enlhusiastlschen Kult der ungeheuer bewegte» Kraft, die das Merkmal der neuzeutigen In- diistriearbeir ist. Ihren Widerhall findet sie in einem neuen lyrischen Krastwoll>.n, in, dem sich innerstes persönliches Erleben be- kündet. Dehme! sprach die Sonette inbrünstig- ergriffen, mit fast pastoral getöntem. aber wuchtig bauenden Patbos. Aber man muß sich hüten, dies Kraftfeiern, das allzusehr nur von dem älißeren Bilde der neuen sozial wichtigen Dinge lebt, für den Gipfel sozialen Dichtens zu halten. Daß ihm die Gefahr beschieden ist, gerate für den wichtigsten sozialen Inhalt blind zu sein, beweisen die beiden großen Gedichte, die Debmel zuletzt vortrug: das endlos ausge'poiiiiene, stofflich geringe, als Ganzes mißlungene Gedicht„Der Rheinbagger", von dem Dichter der Eisernen Sonette, und auch das Dehmeliche Gedicki.Hafenfeier", das in der Quadriga gerühmt wurde und abgedruckt stand. Die Kraftlust des einen Ge- dichtes begnügt sich, das ewige mächtige Werden und Vergehen in neuem gewaltigem Ausdruck vor Augen zu sehen, und das andere reizt durch seine � Gedankengänge jenes soziale Empfinden gegen sich auf, das den Wert der Dinge bemißr nach der Kraft, mit der sie menschliches Leben hemme» oder fördern. Das Debmelsche Gedicht kann gedanklich in pro« letariichen Köpfen und Herzen nur wenig Widerhall wecken. Aber was bedeutet sozial ein Krastkult, dem allenfalls der Beifall von Industrie- und Handelsherrschern sicher sein mag! Solchen Kult kreis erstreckt sich über das ganze Vcrbandsgebiet. Die Gauvor- stände sind die verantwortlichen Stützpunkte der Zentrale. Sie haben die Tätigkeit in den Mitgliedschaften anzuregen und zu för dern, wozu chnen Sammlungen der technischen Zentrale zur Ver- fügung gestellt werden Großen Mitgliedschaften wird die Gründung besonderer technischer Bereinigungen empfohlen, über deren Gestaltung die technische Zentralstelle weiteres Material und An- leitungen in Aussicht stellt. - Der Verband der Lithographen und Steindrucker wurde zur Schaffung dieser neuen Einrichtung hauptsächlich durch di« schwere Krisis veranlaßt, in die die manuellen graphischen Verfahren durch die ununterbrochene weitere Ausdehnung der Photomechanik ge- drängt worden sind, sowie durch die steigenden Einflüsse in der Ent- Wickelung der Druckmaschinentechnik auf das bisherige Arbeits- gebiet der Stein-, Licht- und Kupferdrucker. Hoffentlich wird der Verband bei seinem Unternehmen gute Erfahrungen sammeln, die voraussichtlich auch anderen Verbänden für ihre Pflege der Fach technik von Vorteil sein können. Zaber« und die deutschnationalen Handlungsgehilfen. Wenn Offiziere a. D. und Leuinanis d. R. ihre braven Za- berner Kameraden nach dem Freispruch in Straßburg gratuliert haben, so ist das zu verstehen, obwohl es auch unter Offizieren Leute gibt, die die Schlacht von Zabern nicht zu den Ruhmestaten unseres Heeres zählen. Wenn aber das Zwilpack nach all den Fußtritten, die es erhalten hat, noch die Edlen von Zabern bc- glückwünscht, so muß das doch schon ein Zeichen besonderer, sagen wir— Charaktereigenschaften sein. Diese besonderen Eigenschaften zu besitzen, rechnet sich offenbar der Deutschnationale Handlung?- gehilfenverbaud zum Verdienst an. Nach dem„Vogtländischen An- zeiger" richtete die Ortsgruppe Plauen des genannten Verbandes folgendes Telegramm an den Obersten v. Reuter: „Von alters her im deutschen Volke war der größte Ruhm, getreu und wahr zu sein. So beglückwünschen wir den siegreichen Offizier und grüßen Sie als einen Mann der Tat. Max Wagner, Kaufmann. Osw. Daßler, Prokurist. Robert Schambach, Handlungsgehilfe." Stcinarbciteraussperrung in Wiesbaden. Die Unternehmer der Grabsteinbranche in Wiesbaden haben sämtliche in ihren Bc trieben beschäftigten Steinarbeiter ausgesperrt. Sie wollen die Arbeiter zwingen, einen von ihnen vorgelegten verschlechterten Tarif anzuerkennen und aus ihrer Organisation, dem Zentralver. band der Steinarbeiter Deutschlands, auszutreten. Die Arbeiter kamen dem Ansinnen der Unternehmer nicht nach, worauf diese die Aussperrung vollzogen. �uslanS. Streik im londoner Hafen. 7000 Kohleniräger sind im Londoner Hafen in den Streik ge- treten. Die Arbeiter hatten Lohnerhöhungen gefordert, und als sich die Verhandlungen zerschlugen, legten die Leute einer großen Kohlenfirma die Arbeit nieder. Von hier aus dehnte sich der Streik nach anderen Stadtvierteln aus. Der Streik wurde ohne Genehmigung der Gewerkschaft beschlossen, von dieser aber nach- träglich gutgeheißen._ Neue Kämpfe in der italienischen Handelsmarine. Den italienischen Reedern wird von dem Zentralverband der Mannschaften kein Pardon gegeben. Nachdem man allen von der Regierung subventionierten Gesellschaften die Annahme des von der Gewerkschaft ausgearbeiteten Tarifvertrages aufgczwungci� hat, gehen die Organisationen des Personals jetzt daran, auch die Gesellschaften für den Transport der Passagiere und Auswandere�. zur Annahme zu zwingen. Während in Italien nur drei fubventiö- nierte Gesellschaften bestehen, beläuft sich die Zahl der Passagier- und Auswandercrgesellschaften aus sieben, und es handelt sich da- bei um sehr kapitalkräftige Unternehmungen, wie die„Navigazionc Jtaliana", den„Lloyd Jtaliano", den„Lloyd Sabaudo" usw. Für den Fall, daß diese Gesellschaften sich weigern, droht das Personal, ihre sämtlichen Dampfer zu verlassen. Die Gesellschaften ihrer- seits drohen, ihre Schiffe abzurüsten und erklären, zu diesem äußersten Schritt bereit zu sein, wenn auch der ganze Transporl der Passagiere und Auswanderer den deutschen Gesellschaften zu- setzen die Werlleute vom Hause Nyland nicht etwa als Programin- tendenz(sie wollen jede Art Sozialismus gelten lassen und haben in der Quadriga auch Gedichte eines deutschen Sozialdemokraten ge- druckt), aber der Nylander, den Dehme! für dichterisch besonders beachtenswert hält, huldigt diesem modernen Götzen mit grenzen« loser Verehrung._ frck, Theater. Theater am Nollendorfplatz. Es genügt, an Försters allbekanntes Schauspiel Alt-Heidelberg zu denken, um sich die Fabel von Prinzeß Greil, der neuen Operette von Heinrich Rein- b a r d t, vorzustellen. Dort muß ein Prinz, hier eine Prinzessin freier Liebesneigung entsagen: mit dem Unterschiede nur, daß dies- mal ein humoristischer AuStlang gewählt und am studentischen „Milieu" durchweg festgehalten wurde. Der erste Akt spielt im Karzer, der zweite im Gasthaus zur Lindenmühle am Neckar mit Salamanderreiben usw. Ein Gewitter muß die Gelegenheit schaffen, daß die vor dem Regen Schutz suchenden Berliebten sich küssen könne». So wills seit Allers die wienerische Sentimentalität. Und Reinhardt, der Komponist der„süßen Mädeln", hat es gern. Auch diesmal ist seine Musik voll melodischer Süßigkeit. DaS Liebeslied der Prinzessin mit seinem schinacktend schokoladigen Beiwerk wird wohl rasch auf die Grammophonplatle kommen. Eine humoristische Schauerballade als Quartett dazu, und ein Studentensang auf den Wirt zur Linden- mühte, ein komisches Sextett usw. Die ersten beiden Alle sind in textlicher sowie musikalischer Be- ziehung das beste an dieser Operette. Der drilte Akt, eine studentische Paukerci, die nicht zuin Austrag kommt, wurde wohl lediglich für Max Pallenberg zurechtgemacht, damit er als jüdischer Koips- studenr„in Micks" seine Witze anbringen kann. Er tat es aus- giebig in gar nickt übel pointierten Coupletversen. Die Tilelpartie wird von Mary Behrens-Linke nett gegeben. Noch besser ist ihr Partner Josef V i c t o r a als Walter von der Aue und Mar K u t t n e r, der gesanglich gut abschneidet. Pikant spielt Grete Freund eine Hosenrolle, den Prinzen Max. Walter F o r m e s als Serenissimus und Hans L ü p s ch ü tz als Pumpbruder geben gute Chargen. Die Operette schlug zwar nicht ein wie eine Bombe, aber einigen„Erfolg" wird sie schon haben. Notizen. — Ludwig H o f s in a n n s O p e r n h a u s b a up l ä n e sind nunmehr abgeschlossen. Im Wesendonckschen Palais wurden sie öffentlich ausgestellt. — Theaterchronik. Im Deutschen Schauspiel- Hause kiiselts und krachtS. Direklor Lantz hat die Direktion niedergelegt. Er erklärt: er könne einen geordneten Rückzug antreten, Künstler würden nicht geschädigt. Direklor Kunstadt führt das Theater ohne Unterbrechung weiter. — Ein neues Buch Ernst Haeckels. Mitte Februar erscheint im Verlage von Dr. W. Breitenbach in Brackwede unter dem Titel„Monistische Bau st eine" ein neues Buch Ernst Haeckels, das gesaminelte Aussätze zur Begründung und zum Ausbau der monistischen Weltanschauung enthält. fiele. Aus dieser Drohung könnie mau schließen, daß die italieni- schert Reeder zu den größten Opfern bereit sind, nur um nicht nach- zugeben. In Wirklichkeit würden sie aber gar kein Opfer bringen, denn hinter den deutschen Schiffahrtsgcsellschaften, die im Streik- falle einspringen sollen, steht dieselbe Gruppe von Finanzleuten, wie hinter den italienischen. Es ist kein Geheimnis, daß das Kapital der Banca Commerciale fast ausschließlich deutsches Kapital ist, und daß die italienischen Reeder in gleicher Weife von der in ibm konzentrierten Finanzgruppe abhängen wie die größten denk- schcn Schiffahrtsgesellschaften. Es kann also den italienischen Ge- sellschaften ganz gleich sein, wenn zeitweilig der Verkehr von deut- schen Unternehmungen monopolisiert wird. Man muß nur ab- warten, ob sich in der Praxis die Rechnung so glatt löst, wie in den Büchern einer Bank. Da hat das Personal der Dampfer auch ndch ein Wörtchcn mitzureden. Ziskus und Kohlenspuöikat. Als das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat im Jahre 1912 Preiserhöhungen für 1913 beschloß, erklärte der preußische Berg» fiskus, daß er Ende 1912 von dem für 1912 geschlossenen Abkommen init dem Syndikat zurücktreten werde, weil er diese Preiserhöhungen nicht mitmachen und verantworten wolle. Aber wer die Verhandlungen über den Etat des Handelsministeriums in den Sessionen 1919 und 1911 im preußischen Junkerparlament verfolgt hatte, konnte schon damals nicht im Zweifel fein, daß dieser Rücktritt nur vorüber- gehend sein würde. Im Abgeordnelenhause haben im Jahre 1911 sämtliche bürgerliche Parteien den Beitritt des FiskuS zum Rheinisch- Westsälischen Kohlenshndikat gefordert, und was dem Dreiklassenparlament Wunsch, ist der Regierung be- kanntlich Gesetz. Ja eS scheint nicht einmal, daß der Fiskus das Jahr 1913, in dem er dem Syndikat fern blieb, benutzt hat, möglichst günstige Bedingungen für sich bei den erneuten Verhandlungen mit dem Syndikat herauszuschlagen. Denn was der Handelsminister Sydow am DienSwg vor 8 Tagen im Abgeordnetenhause als Mindestbedingungen für den erneuten Anschluß des FiskuS an das Syndikat bezeichnete, ist herzlich unbedeutend. Dabei findet sich der FiskuS gegenüber dem Syndikat in einer außerordentlich günstigen Lage. Im März 1915 läuft der bestehende Vertrag des Kohlenihndikats ab und die Erneuerungsverhandlungen werden dadurch außerordentlich erschwert, daß die Gegensätze zwischen den jetzigen Syndikatsmitgliedern recht große sind. Die Bevorzugung der Hüttenzechen, die einen Teil ihrer Kohlen- Produktion im eigenen Betriebe für die Eisenproduklion verwenden, gegenüber den reinen Kohlenzechen, die ihre Förderung völlig weiter verkaufen, hat zu einer weiteren Verschärfung der Gegensätze zwischen beiden Gruppen geführt. Wichtig ist auch, daß die Nichlmitgtieder des Syndikats in den letzten Jahren erstarkt sind und ihr Anteil an der Gesamtkohlenproduktion des Westens gestiegen ist. Ferner ist der Fiskus der größte Außenseiter;. er könnte am ehesten seinen Beitritt von der Erfüllung gewisser Bedingungen abhängig machen. Seine Stimme wäre um so gewichtiger, als er nicht wie die Privat- Unternehmungen unter allen Umständen auf hohe Erträgnisse ange- wiesen ist. Bei dieser Situation muß es daher doppelt erstaunen, daß der Minister im Landtag erklärt hat, der FiskuS selbst habe das größte Interesse am Zustandekommen des Syndikats. Der Minister hat es geradezu als Bedingung gestellt, daß auch die staat- lichen Zechen an der Saar, nicht nur an der Ruhr, WS Syndikat aufgenommen werden. Für das Syndikat ist diese.Forderung" die angenehmste, die es sich wünschen kann. Denn tritt der Saarfiskus dem Syndikat bei, so müssen auch die privaten Zechen an der Saar . sich anschließen, da der Fiskus etwa die Hälfte der Saarproduktion stellt. ES ist daher recht verständlich, wenn die größte deutsche .Gandelszeitung, die»Frankfurter Zeitung", höhnt: »Der Fiskus selbst betreibt also- die Vervollständigung des Monopols des Syndikats; er, defien Aufgabe es ist. das Syndikat in seinem Monopol zu bekämpfen, fördert dieses Monopol, damit das Syndikat ihn nicht bekämpfe. Und dann betont er von der Tribüne des Landtages erneut seine vollkommene Bereitwilligkeil zum Beitritt,»sobald die Anforderungen erfüllt sind, die im Interesse deS Staatswohls und des Allgemeinwohls, im Interesse der Konsumenten und im fiskalischen Interesse gestellt werden müssen." Zweifellos, dieser FiskuS wird den führenden Männern des Kohlensyndikats fabel- Haft imponieren!" Ganz ähnlich steht es mit den weiteren—.Forderungen" des Ministers an das Syndikat. Da hat der Fiskus verlangt, daß der Bedarf, den der Fiskus in seinen Unternehmungen(Bahnbetrieb, Marine usw.) hat, ohne Beschränkung aus den fiskalischen Betrieben gedeckt werden könne. Der FiskuS verlangt also nur das, was jeder Hllttenzeche als„Selvsiverbrauch" garantiert ist. Schon nach dem geltenden Syndikatsvertrage erhalten die privaten Syndikatsmitglieder sogar für ihre Tochtergesellschaften eine Selbstverbrauchsmenge, die nicht den Syndikatsbeichränkungen unterliegt. Nach dem Vertragsentwurse für das neue Syndikat wird der Begriff des Selbstverbrauchs auch noch erweitert. Weiter verlangt der FiskuS eine selbständige Verkaufs- o r g a n i s a t i o n. Für die privaten Syndikatsmitglieder bestehen vonr Syndikat völlig abhängige Kohlenhandelsgeiellschaften, die iin Auftrage des Syndikats nüt den Abnehmern vermitteln. Der FiskuS wünscht dagegen selbständig mit seinen Abnehmern zu verhandeln. Natürlich hätten es die Kohlenproduzenten lieber, wenn der Fiskus sich ihnen auch hierin völlig auslieferte. Dem FiskuS würde dann im Falle eines Rücktritts vom Syndikat der Weg zu feinen Ab- nehmern fehlen und versperrt sein; er müßte sich erst mühsam neue Abnehmer suchen. Der Beitritt des Fiskus ist dem Syndikat aber so wertvoll, daß es diese Forderung bewilligt, da sie dem Syndikat erst dann Schwierigkeiten bereiten kann, wenn der Fiskus vom Syndikat zurücktritt, was das Syndikat natürlich nie verhindern kann. Als erste Forderung ist sodann nach den Worten des Ministers die gestellt worden, daß dem FiskuS auf die Preisbildung ein größerer Einfluß eingeräumt werde, als ihm bei dem Abkommen für das Jahr 1912 zustand. Dieser Punkt ist für die Konsumenten von größler Bedeutung. Als der Fiskus sich zum erstenmal in VerHand- langen mit dem Syndikat einließ, erklärte er, er wolle im Syn- dikat die Interessen der Konsumenten schützen. Nun ist es an sich ein Widerspruch, daß man sich einem Monopolverband, der doch zur größeren Ausbeutung der Konsumenten gegründet worden ist, anschließt, um dann dort die Interessen der Auszubeutenden zu wahren. Aber selbst wenn der Fiskus diese löbliche Absicht haben sollte, fehlt es ihm doch an jedem Mittel zu diesem Zwecke. Der Minister hat denn auch niit keinem Worte angedeutet, wie er sich seinen Einfluß auf die Preisbildung denkt. Entweder das Syndikat überläßt dem Fiskus die Preisbestimmung— ein ganz unmöglicher Gedanke— oder der Fiskus beugt sich der Majorilät des Syndikats. Selbst wenn der Fiskus innerhalb des Syndikats stels für Preis- Herabsetzungen stimmen sollte, wird sein Votum wenig nützen. Die.Preismilderung" kann der Fiskus viel besser als Außenseiter und Konkurrent des Syndikats betreiben. Wenn der Fiskus seine Produktion billiger als das Syndikat anbietet, dann wird in vielen Fällen auch das Syndikat, mit dem Preis heruntergehen müssen. In solchem Falle erhält der Fiskus auch moralische Unter- stützung durch die Oeffentlichkeit, während er als Mitglied des Syndikats alle Maßnahmen des Verbandes deckt, mag er auch ur- sprünglich dagegen gestimmt haben. Außerhalb des Syndikats wird der Fiskus unter allen Umständen die Interessen des Konsums viel bester wahren können. Nun bezweifeln wir allerdings, daß es dein Fiskus überhaupt ernst damit ist, für die Konsumenten einzutreten. Der FiskuS steht unter dem Druck des DreiklassenparlamentS, das vom Staatsberg- bau höhere Erträgnisie fordert, damit die Staatsausgaben ohne An- ziehen der Steuerschraube gedeckt werden können. Schon heute werfen die staatlichen Kohlenzechen recht erhebliche Beträge ab. Im letzten Etatsjahre(1912) erzielte der Fiskus aus dein Bergbau Millionen, wovon mehr als 39 Millionen auf den Steinkohlen- bergbau entfielen. Die Steinkohlenzechen in Westfalen erfordern in- defien noch Zuscbüsse, die der Fiskus durch den Beitritt zum Syndikat zu verringern gedenkt. So begegnen sich die Wünsche der Regierung und des Syndikats: die Regierung und mit ihm das Dreiklassenparlament erhofft eine Steigerung der Erträge, das Syndikat eine wirtschaftliche und moralische Stärkung der eigenen Position. AuS diesen Gründen heraus kann die Zusage des Ministers, daß die Interessen des Staatswohls, worunter er auch das Interesse der Konsumenten verstehe, geschützt werden sollen, nur als als leere Beschwichtigung angesehen werden. Einmal hat er, wie schon erwähnt, jede Andeutung über die Form seines Einflusses auf die Preisbildung unterlassen. Dagegegen erklärte er grundsätzlich mit besonderem Nachdruck: »Ich bin vollkommen bereit, den Fiskus, was die Quote seiner Förderung und die von ihm zu verlangenden Preise betrifft, zu binden." Darin liegt das Zugeständnis, daß der Fiskus wiederum seine Preispolitik der Kontrolle des Syndikats unterstellen will. Das Jnteressg der Konsumenten erfordert aber, daß der Fiskus das Privatmonopol des Kohlensyndikats bekämpft. parlamentarisches. Aus der Budgctkommission des Reichstages. Bei der am Mittwoch begonnenen Beratung des Etats der Post- und Telegraphenverwaltung machte ehr Regierungsvertreter nähere Angaben über die Verwendung weiblicher Hilfskräfte bei den Postäln�n III. Beschwerden des Genossen Eberl über die s k a n d a l� e Besoldung dieser Angestellten- kategorie zwangen die Regicrung zu dem Zugeständnis, daß die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse weiblicher Hilfskräfte einer sorgfältigen Nachprüfung dringend bedürfen. In der Donners- tagssitzuAg wurden von verschiedenen Seiten weitere Wünsche und Beschwerden von Beamten vorgetragen. Einmütigkeit herrschte dar- über, daß sich die Verwendung weiblicher Kräfte im Postdienst durchaus bewährt hat. Die Personal- und Besoldungsfragen waren Gegenstand einer unverbindlichen Aussprache zwischen Regierung und Vertretern der Parteien. Staatssekretär Kraetke erklärte, daß er eine neue Besaldungsvorlage in kürzester Zeit einbringen werde. Bezüglich der Tagegelder für nicht etatsmäßig angestellte Post- und Telegraphenassistcnten wurde ein Antrag Hubrich auf Erhöhung angenommen. Ebenso fand ein Antrag Giesbcrts auf Erihöhung der Vergütungen für die bei Postämtern III beschäftigten G e- h i l f i n n e n Annahme.* Bei Erörterung des Beamten- Unterstützungswesens wurde gerügt, daß die Postbehörde die Bezüge von Beamten aus privaten Versicherungen in die gewährten Unterstützungen aufrechnet. Zum Titel Krankenkassen teilte die Regierung mit, daß 69 Proz. der Beamten(78 999 am 1. Oktober 1913) Kassenmitglieder siird und zirka 259 999 Personen durch die Kassen versorgt werden. Die Wirksamkeit der neuen Einrichtung dürfte als im großen ganzen befriedigend gelten, wenn auch bis jetzt ein Defizit von 176 999 M. entstanden sei. Als Zuschuß sind gegen 679 909 M.— im Vorjahre 700 999 M.— in den Etat eingestellt. Genosse Z u be i l bezweifelt, ob die Kassen auf die Dauer ihren Ansprüchen würden genügen können, weshalb eine Erhöhung des Zuschusses unerläßlich sei. Genosse E ber t wandte sich gegen den von der Regierung gemachten, vom Abg. Struve(Fr.) gebilligten Versuch, den Mitgliedern der finanziell schlecht gestellten Kassen einen Teil der Kosten auf- zuerlegen und trat für eine Erhöhung des Zuschusses ein. Die Kommission konnte sich dazu nicht verstehen, begnügte sich viel- mehr mit der Annahme eiites Antrages Roland-Lücke(natl.), der von der Resiierung spezialisierten Bericht über die Leistungen und die wirtschaftlich« Lage der Kassen nach Ablauf des ersten Betriebsjahres fordert, um sichere Unterlagen und Anhaltspunkte für spätere Maßnahmen zu haben. Fortsetzung Freitag: Ostmarken- Zulage._ Burcauangesielltenfragen in der Petitionskommisfion des Reichstages. In der Sitzung der Petittonskommission vom 22. Januar stand die Petition des Verbandes der Buteauange st eilten zur Debatte, die eine gesetzliche Regelung der Rechtsvethältnisse aller Bureauangestelltengruppen fordert. Gefordert wird zunächst die rechtliche Gleich st ellung aller dieser Angestellten mit den Handlungsgehilfen. Von den Regierungsvertretern wurde gegen ein solches einheitliches Bureauaitgestelltenrecht ein- gewendet, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse viel zu verschieden lägen und daß sich daraus soviel Schwierigkeiteii auftürmten, daß ein solches Gesetz geradezu undurchführbar.sei. Weiter wurde eingewendet, daß zum Teil eine reichsgesetzliche Rsgelung, z. B. für die Angestellten der Beriifsgeirossenschaften und Kranken- lassen inzwischen durch die Reichsversicherungsordimug geschaffen sei und daß auch eine Gesetzesvorlage in Angriff genommetr sei für die R e ch t s a n w a l t s a u g e st e l l t e n; diese Vorlage sei z u r ü ck g e st e l l t worden, weil inzwischen Taritverhandlungen zwischen dem Teulichen Anwaltsvercin nnd den Angestelltenvcrbänden, eingeleiter worden wären. Im übrigen sei auch für andere Bureau- gehrlfen im TienstaussichtSwege manche Regelung vorgenommen. Unsere Genossen traten diesen Aufsasiungen der Regicrungsuertretei: entgegen. Die vermeintlichen Schwierigkeiten aus den verichieden- artigen Verhältnissen träfen zumeist nicht mehr zu, wenn man die Wirt- schaftliche Entwicklung berücksichtige. Namentlich sei es nicht angängig. die gesetzliche Regelung für die Rechtsanwaltsgehilfen desbalb zurückzustellen, weil Tarifvcrbandlungen angebahnt� seien. Die Petitionskommisston folgte auch diesen Darlegungen unserer Genossen und überwies für diejenigen Gruppen des Bureauberufes, für die eine gesetzliche Regelung der Beruf-verhällnisse von der Regierung bereits in Aussicht genommen ist, die Petition des Bureau- angestelltenverbandcs zur Berücksichtigung und hinsichtlich aller übrigen Berufsgruppen zur E r w ä g u n g. Industrie und Handel. Zinsermäsiignngeu. Am gestrigen Tag sind in mehreren europäischen Staaten von den Zentralnotenibanken Zinsherabsetzungen vorgenommen worden. Die Deutsch« Reichsbank ging von 5 aus •114 Proz. herunter, die Bank von England von VA auf 4 Proz., die schwedische Reichsbank in Stockholm von 5(4 aus 5 Proz., die belgisch« Nationalbank in Brüssel von 5 aus 4K Pro-. In diesen Maßnahmen drückt sich die allgemein« Erleichterung am Geldmarkt aus, die gewöhnlich am Jahresanfang eintritt. Zins. ermäßigungen werden daher fast regelmäßig im Januar von den Zentralbanken vorgenommen. Schissahrtskampf? � Der Nordatlantifchc Schiffahrtspool, der das ist nur zu begreiflich, wenn man bedenkt, mit welchen widerwärtigen poli- tischen Verhältnissen hier gerechnet werden mußte. Die Reaktion, die auf dem Lande lastete, erstickte jedes freiheitliche Streben, setzte jedem Versuch, auch nur auf dem Gebiete der Schule einen Schritt vorwärts zu komineu, unbeugsamen Widerstand entgegen. Sogar die Fröbelschen Kindergärten wurden als staatSgejäHrlich aufgelöst! Der einzige bürgerliche Frauenberuf, der der Lehrerin, war überfüllt. Die im Jahre 1865 entstandenen bürgerlichen Vereine, die eine Hebung der Frauenbildung bezweckten und die Eröffnung anderer Berufe für die Frauen herbeifübren wollten— der Letteverein in Berlin und der Allgemeine Deutsche Frauenverein in Leipzig—, wagten nur äußerst vorsichtig zu arbeiten.„Wir ver- langen nur, daß die Arena der Arbeit den Frauen geöffnet werde", hieß es, aber selbst die gemähigte Sprache dieser Organisationen erschien den führenden Geistern in Preußen vermessen. Tie Bitte um Schaffung von Mädchengymnasien wurde entrüstet abge- lehnt, und noch im Jahre 1898 versagte der preußische Kultus- minister Bosse der Stadt Breslau die Erlaubnis, ein Mädchen- gymnasium zu errichten. Man bekommt erst einen richtigen Bc- griff von der Rückständigkeit unserer Regierung, wenn man dagegen hält, daß Rußland, dieser Hort jeder Reaktion, damals bereits seit 30 Jahren Mädchengymnasien besaß! Wie auf dem Gebiete der Mädchenbildung, so sah es auf allen anderen aus. Die Petitionen um Eröffnung des Post- und Tele- graphendienstes, um Zulassung zum Apothekerberuf, zum medizi- nischen Studium erregten„schallende Heiterkeit" im Reichstag. Unter unsäglichen Mühen mußte Schritt für Schritt um all das gekämps werden, was die anderen Länder bereits besaßen; und keine Partei hat in allen diesen Kämpfen den Frauen so zur Seite gestanden, wie die Sozialdemokratie. In den neunziger Jahren entstanden die ersten Frauenstimm- rechtsvereine in Deutschland. Sie hatten nicht unter den Polizei- lichen Schikanen zu leiden, denen die Arbeiterinncnorganisationen ausgesetzt waren; aber sie fanden besonders in der ersten Zeit nur sehr wenig Verständnis bei den Frauen des Bürgertums. Man war vorsichtig geworden— und ist es bis aus den heutigen Tag geblieben. Vielleicht hat der Widerstand, den Regierung, Kam- munalbehördcn, Philistertum den Frauen entgegensetzten, ihren Mut gebrochen und ihre Kampfesfreudigkeit gedärnpfr Genug, es ist bei den bürgerlichen Frauen in Deutschland nichts von dem zähen Vordringen der Skandinavierinnen, nichts von dem Tempera- ment der Amerikanerinnen zu spüren, für die keine Schranke zu hoch und kein Gegner unüberwindlich ist. Den etwa 10 000 bürger- lichen Frauenstimmrechtlerinnen stehen 150 000 organisierte Sozialdemokratinnen, steht die gesamte sozialdemokratische Partei gegen- über, die seit dem Jahre 1875 für das Frauenwahlrecht eintritt. Die wirtschaftlichen Vorbedingungen für die Beteiligung der Frauen an Gesetzgebung und Verwaltung sind heute vorhanden. Eine ungeheure Zahl von Frauen gewinnt den eigenen Lebens- unterhalt oder trägt zu den Kosten des Familienhaushalts erheb- lich bei. Handel und Industrie, Post- und Telegraphenwesen, ischule und Hauswirtschaft, Krankenpflege und manches Ändere ist heute ohne die Mitarbeit der Frauen nicht zu denken. Sie sind zu einem tvichtigen Faktor im Wirtschaftsleben der Nation geworden. Aber es wird ihnen nicht erlaubt, politisch verantwortliche Arbeit zu leisten, so wie ja auch im Grunde die deutschen Männer noch weit entfernt von wirklicher politischer Macht sind. Diese Recht- losigkeit verdanken sie m crücr Linie dem liberalen Bürgertum, das sich dagegen sträubt, den Parlamentarismus durchzusetzen. Der Liberalismus schilt zwar hin und wieder aus die Regierung, aber er hat nicht den Mut, sich von ihrer Bevormundung frei zu machen, weil er sich davor fürchtet, daß die parlamentarische Gewalt schon nach kurzer Zeit an die Partei der arbeitenden Massen übergehen könnte. Von einem Liberalismus wie er heute ist, können wir eine Stärkung des Parlaments gegenüber der Regierung, ein be- wüßtes Hinarbeiten auf das parlamentarische Regierungssystem nicht erwarten. Die Arbeiter stehen im Kampf allein, die Rechtlosen müssen zusammengehen, um Macht zu erobern. Deshalb gehört die Frau, die das Wahlrecht nicbr als ein Spielzeug betrachtet, sondern die es verlangt, um ihren Forderungen durch den Wahlzettel Kraft und Nachdruck zu verleihen, in die Rechen der Sozialdemokratie. Nirgends hat das Frauenwohlrecht ohne die Mitwirkung der Arbeiter durchgesetzt werden können; auch in Deutschland wird die Dauer des Kampfes von der Macht der Arbeiterklasse und ihrer Vertretung in den Parlamenten abhängen. T. B. « Wir erhalten im Anschluß an die Artikel der Genossin T. B. folgende Anregung: In Nr. 14 des„Vorwärts" hat der Ab- druck einer Artikelserie begonnen, die sich mit der Geschichte des Frauenwahlrechts beicbäftigt. Da es unseren Genossinnen natürlich sehr daran liegen muß. recht gründlich über diese wichtige irragc informiert zu werden, auch wenn sie nicht Zeit haben, dicke Bücher zu lesen, machen wir darauf aufmerksam, daß die Vorkämpfer deS Frauenwahlrechts, ihr Leben und ihre Werke, in der.Frauenwahl- rechtszeiiung" des Jahres 1913 eingehend besprochen sind. Auch finden unsere Genoisinnen dort weitere Literaturangaben. Vom Verlag sind noch einige Tausend Exemplare ja 5 Pf.) zu beziehen. Bestellungen nehmen, wir auch im Vorstandsbureau, Lindenstr. 3, entgegen.'_ Luise Zietz. Eine charakteristische Neugrünöung. Die Agitation gegen die Forderung deS ReichstagswahlrechteS innerhalb des Verbandes für Frauenstimmrecht hat den Berliner Boden so vorgearbeitet, daß die Deutsche Vereinigung für F ra u e n st i m m r e ch t idie mit jedem Frauenwablrecht. auch einem Dreiklassenwahlrecht zufrieden ist) jetzt auch hier Wurzel fassen kann. Bisher war die Vereinigung aus die nationallibcralen Frauen West- und No�dwestdeutschlonds beschränkt. Seit Montag, den 19. Januar, besitzt sie auch in Berlin eine Ortsgruppe. In der Gründungsversammlung führte Frau Frida Tehmel, die Vor- sitzende der Ortsgruppe Hamburg, über:„Tie Aufgaben der Frau im Staate" aus, daß es eine beschämende Wahrheit sei, daß in den höheren Kreisen das Streben der Frau über den Tag hinaus viel seltener zu finden uxue. ale in Proletarierkreisen. Während die Sozialdemokratie 140 000 Frauen in ihren Reihen zählt, gehören der fortschrittlichen, nationalliberalen und konservativen Partei zu- sammen nur 5000 Frauen und dem Francn'isinmrechtsverban!» 15 000 an; im ganzen gibt es also nur 20 000 bürgerliche Frauen, die politisches Interesse betätigen. Was die Organisation der aüf- geklärten Frauen anbetreffe, so schwebe dem Verein als Ideal' eine große Frauenpact ei vor, die auf ihre Flagge„Humanität" schreiben und so die Frauen aller Stände vereinen will. Leider aber käme dieser schöne Plan zu spät, denn die 140 000 Sozialdemo- kralinnen würden schwerlich noch zu gewinnen sein. Ten Schrei„noch ein Verein in Berlin" werde die„Deutsche Vereinigung für Frauenstimmrecht" hoffentlich bald zum Schweigen bringen, da sie durch ihre praktische Arbeit ihre Notwendigkeit zu beweisen gedenke. So seien z. B. in Berlin bei den Krankenkassen- Wahlen keine Frauenliften ausgestellt gewesen, und dadurch ist hier keine Frau in den Vorstand der Krankenkasse gekommen. Nach Maria Lischnewsla. die auch hier wieder ihre Begeisterung für 5lriegsrüstungen zum Ausdruck brachte und dem Zentrum ein Lob wegen Bewilligung der letzten Wehrvorlagc aussprach, nahm Frau Schreiber-Krieger als Vertreterin des„Verbandes für Frauenstimmrecht" das Wort. Sie erklärte ein Nebeneinander- arbeiten der beiden Stunmrechtsvereine für gut möglich, wenn sich nämlich die neue Vereinigung daraus beschränkt, durch politische Erziehung ihre Mitglieder für den Slimmrechtsverband reif zu machen. Auch der Demokrat Herr b. Gerlach vertrat diese merk- würdige Ansicht, daß die Vereinigung als Kadcttenschule Gutes leisten könne, wenn auch politfich gebildete Frauen in den„Ver- band" gehörten sder vorläufig noch in seinen Satzungen das Reichs- taaswahlrecht fordert). Was soll man zu Vertreterinnen und Vertretern des Verbandes sagen, die bei der Begründung einer re-. akiionären Konkurrenzorganisation noch Pate stehen! Es ist nur ein| rrein'r Nelneis. wie recrkiinnnr rtiirfi der..Verband" bereits ge- neuer Betveis, wie reaktionär auch der„Verband" worden ist._ Frauenberufe. Die Fraucnbank G. m. b. H. Die bürgerliche Fraueneman« zipatio» hat merkwürdiae Gruppierungen zur Folge. Der Gedanke einer„Frauenbank" führt die Absonderung auch auf dem Gebiete der Vermögensverwallung durch. Jni Jabre 1908 faßten die Gründerinnen den Plan, auf genossenschaftlicher Grundlage ein Bankinstitut zu schaffen, das den im Leben stehenden Frauen eine Stütze sein sollte:„ein Institut, das die Frauen wirtschaftlich zusammenführt, ihnen im Bedarfsfalle Kredit gegen Sicherheit gibt, sie veranlaßt, ihr Geld durch ihr eigenes Institut zu verwalten und sie lehrt, selbständig zu disponieren und ihre Geld- und Vermögensverhältnisse nicht lediglich durch die Hände der Männer gehen zu lassen". Soweit sich die Ent- Wickelung der Frauenbank aus den veröffentlichten Geschäftsergebnissen beurteilen läßt, scheint di e Bank einem Bedürfnis zu entsprechen: sie wird von Frauen aufgesucht, die die Verwaltung ihres Ver- mögens lieber einer von Frauen geleiteten Bank anvertrauen, weil sie dort eine besondere Wahrnehmung ihrer Interessen erwarten. Die Bank umfaßt heute bereits annähernd 1500 Mitglieder. Mit« glieder der Fraueubank können alle Frauen Deutschlands und seiner Kolonien werden. Die Mitgliedschaft wird durch Zeichnung eines Anteils in Höhe von 100 M. erworben, der auch ratenweise zu zahlen ist. AlS neueste Abteilung hat die Frauenbank die Gründung eines Verlages vorgenommen, der eine Zeilschrift herausgibt. Die Zeit- schrift führt den Titel„Frauen kapital— eine werdende Macht. Wochenschrift für Volksivirtschaft. Frauenbewegung und Kultur." Tie Zeilschrift, die in erster Linie der Propaganda für die Frauen- bonk dienen soll, könnte von Nutzen werden, wenn sie in einer sjir Frauen verständlichen Sprache über privat- und volkswirtichaslliche Fragen unterrichten würde. Um so mebr wird sie sich aber von Uebertreibnngen fernhalten müssen, wie sie sich in der ersten NunMer finden. Gerade von bürgerlicher Seite wird man sich dagegen wehren, daß die Fraueubank der Frauenbewegung Waffen und Geld für den Kampf schaffen könne. Die Frauenbank ist ein privates Er- werbsinstitut, das durch gewiffenhafte Geschäftsführung— und nur so— einenr Kreis von besitzenden Frauen Dienste leisten kann. Königl. bayerisches Beamtinncnelend. Vor dem ober- bayerischen Schwurgericht in München stand am Donnerstag eine 22 Jahre alte Postagenturgehilfin, angeklagt eines sortgesetzien Verbrechens im Amte. Schon als Mädchen mit sieb- zehn Jahren wurde die Angeklagte der Postagentur Winhöring als Beihilfe zugeteilt. Sie hatte dort den gesamten Po st dien jt zu versehen. Bezahlt wurde sie von dem Postagenten, und zwar außer freier Wohnung und Verpflegung mit dem fürstlichen Ge- halt von monatlich— 10 M.— zehn deutsche Reichsmark im Monat! Verpflichtet und beeidigt wurde sie von der Oiberposi- direkiion, sie war also im Sinne des Gesetzes lönigl. daher. Staats- bcamtin. Die in ihrer geistigen und körperlichen Entwickelung sichtbar zurückgebliebene königl. baycr. Staatsbeamtin soll in den Jahren 1911 bis 1913 nach und nach Gelder, die auf Postanweisun- gen und Zahlkarten einbezahlt waren, in der Höhe von 1592,35 M. unterschlagen und für sich verbraucht und Briefsendungen, in denen sie Reklamationen befürchtete, beseitigt zu haben. Um ihre Veruu- treuungen zu verdecken, fälschte sie Bücher und Heberegister. Die Angeschuldigte war geständig und führte ihre Handlungsweise daraus zurück, daß sie fortgesetzt Manko in der Kasse hatte. Durch Zeugen wurde bewiesen, daß das Mädchen total unfähig war für den Postdienst und daß sie oft bis zu 100 M. mehr ausbezahlte, als sie hätte ausbezahlen sollen. Ter Verteidiger kritisierte scharf das System, unter dem in Bayern eine solch minderwertige Person als königl. bayer. Staatsbeamtin verpflichtet werden konnte. Tie Geschworenen verneinten denn auch die Schuldfrage, worauf das Mädchen unter Ueberbürdung der sämtlichen Kosten auf die Staatskasse freigesprochen wurde. Der eigentliche Angeklagte, der königl. bayer. PostfiSkuS, hätte hier in erster Linie zur Verantwortung gezogen werden müssen. Die Zrauen in öer Partei. Frauenkouferenz für den Bezirk Leipzig. Am Sonntag, den 18. d. MlS., tagte im Leipziger Volkshaus eine vom Bezirksvorstand einberufene Frauenkonferenz. Erschienen waren zirka 200 weibliche Funktionäre aus den vier in Frage kommenden Wahlkreisen. Außer- dem waren der Bezirksvorstand, drei Sekretäre und mehrere Kreis- Vorsitzende anwesend. Vom Parteivorstand war die Genossin Luise Zietz erschienen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung:„Wie ge- Winnen und schulen wir die Arbeiterinnen und Hausfrauen für die politische Tätigkeit?" hatte Genossin Zietz das Referat über- nommeii. das für die Agitation, die Organisation, die Schulung und die Mitarbeit der Genossinnen eine Fülle praktischer.Winke und An- leitrmgen gab. Die lebhafte Diskussion, die sich an daS Referat knüpfte, legte Zeugnis ab von dem rege« Interesse der Genossinnen und von dem hohen geistigen Niveau unserer dortigen Frauen- bewegung. Eine spezialisierte Agitation unter den Arbeiterinnen vorzunehmen, ist in Aussicht gestellt, ebenso, in noch erhöhterem Maße als seither die allgemeinen Agitation»» und Schulungsarbeiten unter den Frauen weiter zu fördern. Genosse Lipinski referierte über den zweiten Punkt:„Frauen- tag und rote Woche." Er teilte detailliert alle Maßnahmen mit, die vom Bezirksvorstand in Aussicht genommen sind, um den Frauentag zu einer imposanten Demonstalion für das volle Bürgerrecht der Frau und die rote Woche zu einer glänzenden Werbeaktion für Or- ganisation und Presse zu gestalten, wobei in besonder» hervor- ragender Weise die Mitarbeit der Frauen nutzbar gemacht werden soll. Soziales. Acrzte«ab Krankenkassen. Der Aerztestrcik in Königsberg ist beendet. DaS Ober bersicherungsamt hat nach mehrtägigen einseitigen Verhandlungen mit der medizinischen Fakultät und mit den Führern der Aerzte deren hohe Forderungen fast unverändert gelassen und sie für an. gemessen erklärt. Die Einwendungen der Kassenverwaltungen wurden nicht beachtet und deren Vertreter wurden überhaupt nur zu einer kurzen Besprechung zugezogen. Die Krankenkassenver- waltung wird wahrscheinlich gegen den Beschluß des Obcrver- sichcrungsamtes beim Ministerium Protest einlegen. In Braunschwcig haben die Aerzte den Streik erklärt und stellen diesen Freitag ihre Tätigkeit in der Behandlung der Krankcnkassenmitglieder ein. Die Aerztehonorare sind in Braun- schweig höher als in jeder anderen Stadt in Deutschland. Die seht in der neugeschaffenen Allgemeinen Ortskrankenkasse, die etwa jetzt in der neugeschaffenen Allgemeinen Ortskrankenkasse ver- einigten Krankenkassen zahlten an Arzthonorar im letzten Rech- nungsjahr 8,08 M. pro Mitglied. Die Allgemeine Ortskrankenkasse, die etwa 45 000 Mitglieder zählt, wollte dieses schon hohe Honorar sogar noch um 15 Proz. erhöhen: die Aerzte forderten eine Erhöhung des Honorars um 25 Proz. Sie fordern weiter unter allen Um- ständen die freie Arztwahl. Die Kasse beabsichtigt auf je 1250 Mitglieder einen Arzt zuzulassen und bei etwaiger Einführung der Familienversicherung auf je 1000 Mitglieder einen Arzt. Die Aerzte waren bereit, unter den von der Kasse vorgeschlagenen Honorarsätzen bis 1. Januar 1016 weiterzuarbeiten, dann sollte ein Schiedsgericht entscheiden, ob freie Arztwahl eingeführt werden sollte und weiter sollte dann über eine nochmalige Erhöhung des Honorars verhandelt werden. Darauf konnte die Kasse nicht ein- gehen, worauf die Aerzte den Streik erklärten.— Die Fabrik- krankeukassen sind vollständig mit auswärtigen Aerzten versorgt. Gerichtszeitung. »Schlossermax«" vor dem Obervertvaltungsgericht. Der Berliner Polizeipräsident hatte dem Direktor Ritter vom Luisentheater in Berlin die öffentliche Aufführung der vieraktigen Posse„Schlossermaxe" von Hans Hyan aus sitten- und ordnungspolizeilichcn Gründen verboten. Der Oberpräsident bestätigte das Verbot. Beide Be- Hörden nahmen Anstoß am zweiten Akt, der eine Kaschemmen- szene bringt, und dann noch besonders am vierten Akt, der auf der Polizeiwache spielt. Namentlich durch diesen vierten Akt soll die öffentliche Ordnung gefährdet sein, weil? nun weil Polizeibeamte als ungebildet und taktlos hingestellt und in ihrer Königstreue lächerlich gemacht worden seien. Direktor Ritter vom Luisenthcater klagte nun beim Oberverwaltungsgericht. Dies beschäftigte sich gestern mit der Sache. Rechtsanwalt Hercher betonte u. a., daß auch bei dieser Posse, wie in allen Possen, der Schlußeffekt sei,„ob sie sich kriegen".(Nämlich das Töchterchen eines Geldschrank- fabrikanten und ihr Auserkorener.) Die Kaschemmenszene und die Schutzmannsszenen seien nur in den Dienst der der EntWickelung der Handlung des Stückes zugrunde liegenden künstlerischen Idee gestellt worden. Von einer Gesährdung der Sittlichkeit könne keine Rede sein; aber auch nicht von einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Die Szenen mit den Schutzleuten und dem Wachtmeister lösten beim Zuhörer nur humoristisches Empfinden aus. nicht aber das Gefühl, daß die Schutzmannschast herabgesetzt werden solle. HanS Hyan, der auch das Wort erhielt, hob hervor, daß es ihm vollständig fern gelegen habe, die Schutzleute lächerlich machen zu wollen. Er habe sie lediglich, hier mit humoristischem Einschlag, schildern wollen, wie er sie kenne: als einfache Volksmenschen, die wie andere auch sind und die auch mal„ick, dett und Watt" sagen und sich auch mal über sich selber lustig machen. Diese einfachen Menschen fühlten sich gar nicht beleidigt, wenn mal auf ihre Kosten ein Witz gemacht werde, der nicht ehrenkränkend sei. Das Oberverwaltungsgericht(3. Senat) wies die Klage des Theaterdirektors a b. Gründe: Für die Beurteilung scheide völlig aus, was der Verfasser mit dem Stück beabsichtigt habe und ob er irgend eine Tendenz damit verfolgt habe. Auch würde es grundsätzlich falsch sein, wenn man sagen wollte, irgendwelche komische Szenen dürften bei der Schutzmannschaft oder anderen Behörden nicht vorkommen und nicht dargestellt werden. Es komme vielmehr nur darauf an, wie daS Dargestellte objektiv erscheine und wie es Wirken müsse. Das Gericht habe nun keinen Zweifel, daß es sich hier nicht um eine Komik handele, die von außen herangetreten sei an die geschilderten Beamten und in die sie hineingezogen worden wären, so daß dadurch die possenhafte Darstellung sich rechtfertigen würde. Der Senat nehme hier vielmehr als objektiv feststehend an, daß sie hier als Mitteldurchschnittstypen der Schutzmannschaft dargestellt sind. Somit erscheinen die Schutzleute nach dem Stück als solche Personen, die durchschnittlich nicht das Pflichtbewußtsein und die Ausbildung das Aufführungs Ordnung. Eine sei deshalb nicht � haben, daß sie ihre Pflicht in richtiger und würdiger Weise erfüllen. Das sei in dem Stück der Grund, daß ihre possenhafte Darstellung gelinge. Diese Darstellung widerspreche der öffent- lichenOrdnung. Es werde die Achtung und das Ver- trauen gegenüber der doch eine erhebliche Wichtigkeit darstellenden Einrichtung der Schutzmannschaft verletzt und es werde dadurch ferner im allgemeinen das ganze Institut, weil Durchschnittstypen dargestellt seien, herabgewürdigt. Das sei unzulässig. — Fernerhin werde, ganz unabhängig von dem etwaigen Willen des Dichters, jeder, der das Stück sehe, den Eindruck gewinnen, es sei be- absichtigt, das ganze Institut der Schutzmannschaft zu verulken durch eine die Schutzleute als Typen verletzende Darstellung. Somit rechtfertige sich verbot aus Gründen der öffentlichen Beurteilung der Kaschemmenszenen mehr nötig. Der Schutzmann ist der Mann der Ordnung. Die Ordnung ist nach Schillers Lied von der Glocke die segensreiche Hiininelstochter. Also ist der Schutzmann der Schwiegersohn des Himmels. Wer hätte geglaubt, daß dieser Schwiegervater für das Unheil verantwortlich werden kann, das das Ober- Verwaltungsgerichtserkenntnis angestiftet hat oder verhüten will? Schiller singt:„Heilige Ordnung, segensreiche Himmels- tochter, die das Gleiche frei und leicht und freudig bindet." Die Ordnung wird nach Ansicht des Zensurgerichts verletzt, wenn„freudig" über die Schwiegersöhne des Himmels gelacht wird. Wird sie nicht viel mehr verletzt, wenn man über diese Schwiegersöhne unfreudig fluchen muß? Na Hyan, mal ran an einen„Backschisch-Schutzmann". Der wird nicht verboten werden._ Die Folgen eines dummen Silvesterulks. Das alte Wort von„dem Fluch der bösen Tat--* bestätigte sich wieder einmal in einer Verhandlung, welche gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Schulz beschäftigte. Am Silvester 1912 kam der in Schöneberg wohnhafte Fri- seur D. auf die Idee, dem Portier Beyer, mit dem er nicht sehr gut stand, einen Streich zu spielen. Am nächsten Tag« erhielt B. von der Post ein Paket zugestellt, welches schon dem Postbeamten in seinem engen Paletpostwagen verschiedene qualvolle Minuten bereitet hatte, da dem Paket ein geradezu mefitischer Gestank entströmte. Dieser iübelkeiterregende Geruch verstärkte sich, als B. das Paket öffnete, welches, wie sich bald ergab, Kot und andere ekelhafte Dinge enthielt. Der Empfänger des Pakets erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung gegen„Unbekannt". Als D. hier- von hörte, bekam er es mit der Angst zu tun, da er glaubte, als Ab- sender ermittelt zu werden. Um sich aus der Schlinge zu ziehen, veranlaßte er den ihm bekannten Arbeiter Alexander Teichmann gegen Geld und gute Worte, zu Beyer hinzugehen, sich selbst als Absender des Pakets auszugeben, und ihn zu bewegen, den Straf- antrag zurückzuziehen. Teichmann führte diesen Auftrag auch aus. Nachdem er sich bei Beyer entschuldigt und mehrere„Lagen" zur Strafe gegeben hatte, erklärte sich B. bereit, den Strasantrag zu- rückzunehmen. Als nun alles in schönster Weise in Ordnung ge- bracht war, kam Teichmann auf den Gedanken, aus der Sache Kapital zu schlagen. Er erzählte seinem Auftraggeber, daß Beyer nur gegen Zahlung von 15 M. bereit sei, den Strafantrag zurück- zunehmen und ließ sich von D. das Geld geben. Er fälschte dann mit dem Namen des B. eine Quittung, die er dem D. gab.— Erst als Beyer und D. nach langer Zeit einmal zusammentrafen und zufällig das Gespräch auf jenen„Silvesterulk" kam. kam der Schwindel des Teichmann zur Entdeckung. Die Folge war eine Anklage wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges gegen T. Die Strafkammer erkannte unter Zubilligung mildernder Ilmstände auf zwei Wochen Gefängnis.. Wer darf sich in Deutschland Arzt nennen? Nach§ 147 Ziffer 3 der Gewerbeordnung wird bestraft, wer, ohne hierzu approbiert zu sein, sich als Arzt(Wundarzt, Augen- arzt, Geburtshelfer, Zahnarzt, Tierarzt) bezeichnet oder sich einen ähnlichen Titel beilegt, durch den der Glaube erweckt wird, der Inhaber sei eine geprüfte Medizinalperson. Wegen Uebertretung dieser Bestimmung war Herr Bischer von der Strafkammer in Bochum verurteilt worden, weil er sich ge- nannt hatte: ehemaliger amerikanischer Doktor med.; früherer städtischer Arzt in Jamaika. Der Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, er sei zur Führung des Arzttitels berechtigt, weil er nach vorauf- gegangenem Studium von der Universität in Philadelphia zum Doktor promoviert worden sei. Das Kammergrricht verwarf aber am 15. d. M. seine Revision. Zwar, so wurde ausgeführt, erkenne das Reichsgericht die Möglich- keit an, daß sich in Deutschland eine im Ausland approbierte Me- zinalperson Arzt nennen könne, wenn durch eine Hinzusügung deutlich gemacht werde, daß die Approbation nicht im Jnlande erfolgt sei. Dieser Auffassung könne sich aber das Kammergericht nicht anschließen. Im Gegensatz zum Reichsgericht ncbme es an, daß, wer nicht in Deutschland approbiert sei, sich in Deutschland die Bezeichnung Arzt überhaupt nicht beilegen dürfe. Mit Recht sei Angeklagter verurteilt worden. Aus demselben Grunde hält das Kammergericht es für unzulässig, daß sich ein in Rußland approbierter Zahnheilkundiger in Deutschland„russischer Zahir arzt" nennt. Kerlin. Heute Freitag, den 23. Januar, abends S1/* Uhr: Sitzung der Ortsverwaitung. Sargtischler. Sonntag, de« 2ö. Januar 1914, vorm. 10 Uhr, bei Michaltseck, Petersburger Str.«4: Branchen»Versammlung. Tagesordnung: Verbands« und Branchenangclegenheiten. Montag, den 26. Januar: Mtglieder- Versammlungen der Bezirke und Branchen. Die Bersammlungslokale werde« am Sonntag bekanntgegeben. 82/4 I»tv Ortsvern-altanq:. Mebnu Bier öas lob ich mir gehaltvoll, bcriämralid) Hautleiden entstehen durch unreines Blut, können deshalb auch nur durch DV innere Behandlung gründlich u. dauernd geheilt werden. Hgutpillen das beste hierfür. Innigsten Dank sür gründliche Heilung meines 40 Jahre alten Hautlcidens. 1. �teplllor, Gnutzgen. 16 Jahre sind jetzt verflossen, seit ich durch Ihr vorzugl. Heilmittel von meinem schwere n Flechtenleiden befreit wurde. Ich danke Ihnen aufrichtig sür die wunderbare und dauernde Heilung. Dortmund, Fr. Schneiderm. Helle. llsiltvillcn inBerlin u allen Vororlan liitlUjlnlCU in all. Apothelen zu baben. Versand nach auswärts durch Bismarcll-Apottioko, Wrangalstr. 47, Berlin. ReukersWerke • 3 Läade 4 Mark• Buchhandlung Vorwärt» Stoffe elleg. MgNÄgS. 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Pfund 85 Eckstück. mmr Miltelstück bis 3 Pfd., Pfd. 75 Pf. Pfund... 95 Pf. Hühner........ 1 60 hu 2.70 Puten................. 2.95 Poulets 2-20, 2.50, Bekroren 1.20 Birkhennen 150, Hähne 2m. Haselhühner......... 80 p'- Starke Hasen Be-treik«..»» 3.40»» Tischbutter........ Pfund 1 28 Tafelbutter........ Pfund 1 32 Rollschinken»» e tu s piund. pm. 1.40 Landschinken»■ 8 b'« 12 ptund pra. 1.30 Zervelat-«.Salamiwurst---- pm 1.20 Schinkenspecki st.v.iji-ipfd. pfd 1.10 Speck ke»............ Pfd. 75 Pf. Jlus elvener Wurstfabrik Rotwurst.......-. p». 55, 75 Pf- Jagdwurst.......... Pta 1.05 Landleberwurst......... Pfd. 90 Pf Pastetenleberwurst....... Pfd. 1.10 Seelachs.......... Pfund ig pt. If„UäII— a obns Kopf In ganzen Dt ■\clb6iJ9U Fischen... Pfund 2!) Pf* Schellfisch...... 1 OO Rotzungen.....)pu.££pt. Schollen.......... Pfund 20 Pf. Lachs In gamen Flechen. Pfund 35 Pf- Zander........... Pfnnd 55 pt. Leb. Karpfen p» 75j 95 Pf. MO Lebende Schleie... Pfund 1.10 G Apfelsinen sutiend 20, 28 35 Pf. Mandarinen Pfund 18, 22, 24 Pf- Mandarinen Kiste 25 stuck 80 Pf. Graue Reinetten) 2 Maschanska-Aepfel/Prd 35 pr' Meraner Calvillen Pfund 35 pt. Kodläpfel....... s Pfund 65 Pf. Datfein.. Pfund oder Karton 33 Pf. Blumenkohl. Kopf 15, 20, 25 Pf. Weifskohl......... Pfund 3 Pf. Wirsing- u. Rotkohl Pfund 6» Rhabarber..... Bund 5, 10 Pf. Mark. Rübchen..» Pfund 25 K Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wieleyp. Neukölln. Für den Inseratenteil verautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Borwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co„ Berlin SW, Hr. 22. Bi Jahrgang. ZKnIllze des Lmirls" Knlim WlksM Freitag. 2B. Januar 1914. In öie weibliche Jugenö unö deren Eltern. Die weüiche Jugend beteiligt sich leider noch viel zu wenig an den Veranstaltungen der freien Jugendbewegung. in denen ihr in reichem Mäste Freude und Wissen, Aufklärung imb Umgang mit gleichgesinnten Alterskameradinnen der mittelt wird. In der letzten Zeit versucht namentlich auch die bnrgev liche Jugendbewegung, die Töchter der Arbeiterschaft sür ihre Bestrebungen einzusaugen. Darum ist es Pflicht der Eltern, ihre Töchter den Veran staltungen der freien Jugendbewegung zuzuführen. Es finden am nächsten Sonntag, den Ä3. Januar, abends K Uhr, vier unpolitische Mädchen- Versammlungen statt, und zwar in folgenden Lokalen: Jndustric-Festsäle, Beuthstraste 13/20, Zsürstcnbergs Feftsälc, Frankfurter Allee 106, Prachtsälr des Nordens, Gerichtstrohe 31, Büttners Festsäle, Schwedterstrahe 23 24. Tagesordnung: Bortrag über das Thema: Mädchcnwünsche. Referentinnen sind Frau Klara Bohm-Schuch, Frau Regina Friedländcr, Fräulein Gertrud Hanna und Frau Mathilde Wurm. Nach den Versammlungen findet gesellige» Beisammensein statt, bestehend au» Mufik und Gesangsvomägen sowie Rezitationen. Die gesamte weibliche Jugend, ob Arbeiterin, Verkäuferin oder Kontoristin, ist mit ihren Eltern, besonders den Müttern, zu diesen Versammlungen herzlichst eingeladen. Parteiangelegenheiten. Fnhruugen durch die Sammlungen der Geologischen Landes- anstatt und Bergakademie, Jnvalidenstraste 44, veranstaltet der Bczirksbildungsausschust an folgenden Sonntagen: den 8., 15. und 22. Februar. Beginn:'/zll Uhr vormittags. Tcilnehmerscheine sind zum Preise von 25 Pf. im Bureau des Bildungsausschusses sowie in« Jugendsekretariat, Lindenstr. 2, Hof I. zu haben. Geschäftszeit: 9— 5 Uhr. Mittwoch, Freitag und Sonnabend auch von 5—8 Uhr abends. Wir empfehlen den Besuch der sehr wertvollen und lehrreichen Sammlungen von geologischen Schauobjekten und Versteinerungen. Im März lassen sich einige weitere Führungen einrichten. Ginzelorganisationen, die solche für ihre Mitglieder belegen wollen, wollen sich unter Angabe des gc- wünschten TageS beim Sekretariat des Bezirksbildungs- ausschusses melden. Sie erhalten 30 Kartpn und haben nach der Führung für jede Karte 25 Pf. an das Sekretariat ab- zusührcn. Erster Wahlkreis. Heute Freitag, abends 8>/.z Uhr, findet bei Knörig, An der Stralauer Brücke 3, der zweite Vortrag über Deutsche Geschichte vom westfälischen Frieden bis Jena statt. Teilnehmer- karten a 30 Pf. find noch am Eingang zu haben. Neukölln. Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 2'/, Uhr im .Neuköllner Theater", Bergstrohe 147, Theatervorstellung. Zur Auf- führung gelangt: Frau Marrens Gewerbe. Drama in 4 Akten von Bernard Shaw. Billetts a 60 Pf. inkl. Garderobe, sind bis Sonntag mittag 1 Uhr im Restaurant Richter, Prinz-Handjery-Stratze 3, zu haben. Tcmpclhof. Heute, Freitag, Flugblattverbreitung von den be° kannten Stellen aus. Waidmannslust. Sonnabend, den 24. Januar, abend- S'A Uhr, findet im„Schweizerhäuschen" zu Waidmairnslust die Mitglieder- Versammlung statt.— Sonntag, den 25. Januar, findet in allen Orten des Bezirks eine Flugblativcribreitung statt. Die Bezirksleitung. Schcnkcndorf bei KönigS-Wusterhausen. Sonntag. 25. Januar, nachmittag» 2 Uhr, im Lokal des Herrn Otto Pätsch: Oeffentliche Frauenversammlung. Vortrag von Frau Elsriede Ryneck: Die Frauen und die Politik! Pctrrshagen. Am Sonntag, den 25. d. MtS., Flugblatt- Verbreitung. Bcrliu-Buchholz. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, Handzettel- Verteilung für die öffentliche Versammlung am Sonntag, den 25. Januar, von Kähne au«. Röntgental, Zepernick, Buch. Sonnabend, den 24. Januar, abends 8»/, Uhr, im Lokal von August Lange tRöntgental). Siemens- stratze 10: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Stellung- nähme zu den Gemeindevertreierwahlen. 2. Autstellung der Kandidaten. 3. Parteiangelegenheiten. 4. Verschiedene». Mühlenbcck. Am Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Gasthaus von Adolf Barsch: Mitgliederversammlung. öerliner Nachrichten. Der Görlitzer Tunnel. Mcm könnte ihn auch den Proletentunnel nennen. Tau- sende und abermals tausende Arbeiter durcheilen ihn täglich. Am frühen Morgen, wenn es noch finster ist, wälzen sich die Arbeitermassen durch diese lange Röhre. Im Sturmschritt gehen sie, als könnten sie nicht früh genug einen Ort erreichen, darin allerlei Freuden ihrer harren. Es ist am frühen Morgen, es ist noch gar nicht Tag, und ist doflz schon spät. Jeder will pünktlich sein. Oder: er muß es sein, ob er will oder nicht. Der Tunnel verbindet zwei Straßen, die sich in nichts von vielen andern unterscheiden. Sie sind lang, grau und reizlos. Die Wiener ist immerhin lebhaft, aber die Görlitzcr liegt träge und teilnamslos hingestreckt. Aber aus ihren Ouerstraßen kommt am Morgen die große Masse und steigt in den Tunnel hinab. Zeitweilig ist ein Tempo in ihr, als ginge es in den Kampf um Licht und Erlösung. Aber am Ende führen nur■rr.-. paar Stufen aufwärts und oben ist ein grauer Straßendamm. Nichts weiter. Das ist der Tunnel, der niemals leer wird. Ein langes Gewölbe, in welchem immer Leben und Licht ist. Die Glühlampen brennen immer— wie das ewige Licht. Sie verlöschen niemals. Sie sind wie ein Symbol der Hoffnung. Nur die beiden Blinden, die ain Abend in dem Tunnel stehen, sehen sie nicht. Ter eine ist bleich und rot- bärtig, und in seinem Kästchen bat er verschiedenen Klein- kram: Streichhölzer, Knöpfe und Schlüsselringe. Der andere ist gut bei Leibe und rund im Gesicht. Aber er hat kein Kästchen. Er„handelt" nur mit Schnürsenkeln, die er in der Hand hält. Und viele Hunderte gehen an den beiden vorbei, als wären sie selber blind. Sie stehen so still und regungslos an die Wand gedrückt, so scheu und bescheiden. Und in ihrem Gesicht liegt eine Spannung, als horchten sie auf einen fernen, geheimnis- vollen Ton. In ganz jungen Menschen, die von der Arbeit kommen, erwacht mit elementarer Kraft die Lust an der Soldateska. Sie schreien Kommandoworte und beginnen die Füße zu heben, als wollten sie die Fliesen klaftertief in die Erde stampfen. Aber der Tunnel hat keine hervorragende Akustik. Es hallt nicht sonderlich. Er ist zu lang und nicht hoch genug. Und doch dient er nicht nur einem praktischen Zweck. Ich habe schon gesehen, wie zwischen seinen Wänden eine furcht- bare Schlacht ausgefochten wurde. Die Görlitzer machten einen verzweifelten Ausfall gegen die Wiener. Bewaffnet waren die Knirpse mit Holzsäbeln und Bohnenstangen. Sie hieben so wild um sich, daß selbst der friedfertigste Zuschauer etwas abbekam. Die Wiener wurden aufs Haupt geschlagen und flohen. Tie Görlitzer Buben blieben Herren des Tunnels. An manchen Abenden sitzt auch ein Invalide auf den Fliesen. Er hat einen kleinen Leierkasten vor sich zu stehen und„nudelt" fürs Vaterland. Einen Schutzmann habe ich noch niemals in dem Tunnel gesehen. Vielleicht übt die Polizei, weil er unter der Erde liegt, keine Macht über ihn aus. Sie verirrt sich nicht in den langen Darm, aber er füllt sich und entleert sich trotzdem ohne jede Störung. Unaufhörlich. Tag und Nacht. Verhöhnung von Arbeitslosen. Müde, mit balbleerem Magen, geht der Arbeitslose durch die Straßen der Stadt. So lange der Winter nur scherzte, war er als Bauhandwerker doch noch morgens mit der Hoffnung von Hause fortgegangen, endlich auf einem der wenigen Neubauten Arbeit zu finden. Nun hat der Winter Ernst gemacht, zur größten Freude aller derer, die nach harter Arbeit in stickiger Fabrik- oder Konlorluft dem gesunden Sport auf glatter Eisfläche nachgehen können. Für den Bauarbeiter bedeutet der Frost weiteres Hinausschieben der Arbeits- Möglichkeit und in Verbindung damit Entbehrungen schlimmster Art. Das kommt ihm am stärksten zum Bewußtsein, wenn er die Ausalagen in den Schaufenstern mustert. An der nächsten Straßenecke bleibt er ohne Willen, nur seinen müden Füßen gehorchend, vor dem Schau- kästen einer größeren Papierwarenhandlung stehen. Ansichtskarten, sehr patriotische, andere mit schönen Laudschasten, wieder andere für LiebeSIeute bestimmt, hängen durcheinander. Ja, ein guter Geschäfts- mann weiß, was begehrt wird. Da, unter den vielen Karten hängt zu- fällig eine, die dein Arbeiter vor Empörung ein lautes Pfui! abringt: Ein junger Mensch in heruntergekommener Verfassung, die Schnapsflasche in der Tasche, ist abgebildet, wie er stolz an dem Arbeltsnachweis vor- übergeht.„Und wenn sie mir die Arbeet mit Kaviar beschmierten, so würde ick doch keene Arbeet anrühren", steht als Erklärung unter dem Bilde. Gewiß, Freund, Du hast recht mit Deinem„Pfuil"; aber ver- langst Du bei den meisten unserer bürgerlichen Kleinkrämer auch nur das geringste Verständnis dafür, daß im Aushängen einer solchen geschmacklosen Ansichtskarte eine Beleidigung für jeden vorüber- gehenden ehrlichen Arbeitslosen liegt? Nein, nein; trotzdem der Inhaber des Geschäft« bielleicht ein Mtglied der Armenkommission ist, er hat sich gewiß nichts dabei gedacht, als er diese Karte neben anderen guten und schlechten aus- stellte. Auch der jetzt noch Arbeitslose wird sich nichts dabei denken können, wenn er sich in besseren Zeiten an solche bürgerlichen Ge- schäftsleute erinnert, die selbst in der augenblicklichen Zeit der Krise noch Spott für sein Elend haben. Tie Entwickelung des städtischen Osthafens. Der Osthafen der Stadt Berlin hat mit Ende des vorigen Jahres das erste Vierteljahr seines Betriebes hinter sich. Die aus der Betriebsübersicht sich ergebenden Zahlen zeigen, daß der Verkehr auf dem Hafen sich in recht erfreulicher Weise entwickelt hat; so sind beispielsweise an Lagergütern in dem genannten Zeitraum eingegangen 16800 Tonnen, ausgegangen sind 8287 Tonnen, so daß sich mit Ende des Viertel- jahres noch ein Lagerbcstand von rund 8300 Tonnen ergab. Außerdem sind noch sür den Benzinhof eingegangen 298 Tonnen, ausgelagert dagegen 257 Tonnen, so daß hier ein Lagerbestand von 41 Tonnen verblieb. An Umschlags- g ü t e r n, das heißt Güter, die von Kahn auf Land(Eisen- bahn oder Fuhrwerk) und umgekehrt verladen sind, zeigt der Oktober einen Verkehr von 8014 Tonnen, der November von 10 160 Tonnen und der Dezember von 13 139 Tonnen, sonach im ganzen Umschlagsgüter 31 313 Tonnen. Im Schiffsverkehr sind im Oktober 105,�im November 114 und im Dezember 160, zusanimen also 379 Schisssfahrzcuge gelöscht oder beladen worden. Auch der Verkehr aus der Hafenbahn zeigt eine bemerkenswerte Steigerung; während im Oktober an beladenen Eisenbahnwagen ein- bezw. ausgefahren sind 507 Wagen, betrug der Verkehr im November 692 und ini Dezember 752, insgesamt also 1951 Wagen. Bei Berücksichtigung des Umstandes, daß der Osthafen ein für Verlin ganz neues Unternehmen darstellt, kann man die aus diesen Zahlen sich ergebende Zunahme des Hafenverkehrs als ein günstiges Zeichen für die iveitere Ent- Wickelung des Unternehmens bezeichnen. Verwendung von Beitragsmarken zur Invaliden- und Hinterbliebencnversicherung lür weibliche Personen. Vom 1. Januar 1914 ab tritt für eine Reihe von weiblichen Personen eine Aenderung in der Höhe der Beitragsmarken ein. Im weientlichen kommen folgende Aenderungen in Bewacht: 1. Für Diensibolen, welche der III. Stufe der Allgemeinen OrtS- kianlenkafie der Stadl Berlin angehören, sind Marken IV. Lohntlasse zu 40 Pf. zu verwenden, ohne Rücksicht aus da» Alter der Dienst- boten. Ist der Dienstbote von der Krankeiiversicherungspflicht betreit, io sind Molken IV. Lohnklasse nur dann zu verwenden, wenn der Dienstbote über 2l Jabre alt ist; so lange er unter 21 Jahre alt ist, sind Wochenbeilräge III. Lohnklasse zu 32 Pf. zu verwenden. 2. Für HauSreinigerinneii und A u s w ä r t e r i n n e n, welche der I. Stufe der Allgemeinen Ortskrankenkasse angehören, sind Beitragsmarken der I. Lohnklasse zu 16 Pf. zu verwenden. 3. Für unständig Beschäftigte(Koch-, Wasch- und Rein- machefrauen, Plättfrauen, Näherinnen, Aus- besserinnen usw.) sind Wochenbeiträge IV. Lohnklasse zu 40 Pf. zu entrichteu; ist die Beschäftigte noch nicht 21 Jahre alt, so sind Wochenbeiträge III. Lohnllasse zu 32 Pf. zu verwenden. Die Arbeitgeber werden im eigenen Jnteresfe zur Vermeidung von Weiterungen dringend ersucht, für die Verwendung der richtigen Marken zu sorgen. Stadt und Arbeitslose. Der Ausschuß zur Beratung des sozialdemokratischen Antrages, zur Unterstützung der Arbeitslosen 500000 M. her- zugeben, hat sich vertagt. Man will prüfen, ob die Hergäbe städtischer Gelder eine Armcnunterstützung darstellt oder nicht. Hoffentlich geht das Tempo der Beratung etwas schneller als bisher._ Linkshändig— beidhändig. In den Berliner Volksschulen finden zurzeit im Austrage der städtischen Schuldeputation Erhebungen darüber statt, welche Kinder und wieviel von Natur die linke Hand vor der rechten dauernd be- Vorzügen(linkshändig sind), und wieviel Kinder die rechte und die linke Hand gleich gern und gleich geschickt gebrauchen(beidhändig veranlagt sind). Bei diesen Feststellungen sollen unter Umständen die Schulärzte zurate gezogen werden. Bekanntlich haben die Ver« suche in de» Hilfsschulen Berlins, die Kinder beidhändig auszubilden, ungünstige Resultate ergeben. Eine gesteigerte geistige Entwickelung ist auf keiner Stufe bemerkt worden. Den Tod auf den Eisenbahnschienen fand gestern nachmittag ein noch unbekannter Mann von etwa 30 bis 35 Jahren. Auf dem Bahnhof Treptow warf er sich um 5 Uhr vor einen Borortzug, wurde unter den Rädern zermalmt und auf der Stelle getötet. Der Unbekannte ist groß und kräftig gebaut, hat einen dunklen Schnurr- bart und trug dunkle Kleidung. Eine Tragödie der Großstadt. Ein bedauernswerter Unfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, hat sich gestern nachmittag in dem Hause Grüne- Waldstraße 81 zu Schöneberg abgespielt. Der dort wohnende Fischhändler Franz Neu mann hatte vor sechs Wochen gc- heiratet und in dem oben erwähnten Hause ein Ladengeschäft eingerichtet, das sehr gut ging. Die junge erst 20iährige Frau war ihrem Manne behilflich und vertrat ihn auch in seiner Ab- Wesenheit beim Bedienen der Kundschaft. Gestern hatte Neumann ein Inserat erlassen', daß creinenHauSdiener und Kutscher brauche, und infolgedessen sammelten sich gegen 5 Uhr etwa hundert arbeitswillige Personen vor dem Geschäft an, dessen Laden in wenigen Augenblicken überfüllt war. Da der Fischhändler fürchtete, daß die einander drängenden und sich streitenden Etellungsuchendeii die Einrichtung beschädigen könnten, eilte er in die an den Laden grenzende Küche, um dort seinen Revolver zu laden und bereit zu legen.(?) Seine junge Gattin war bc- sorgt, daß ihr Mann mit der Waffe Schaden anrichten könne und begab sich, als der Fischhändler den Raum verlassen hatte, heimlich in die Küche, um den Revolver zu entladen. Dabei be- rührte sie unglücklicherweise den Abzug, ein Schutz krachte und die Kugel drang der Bedauernswerten in» Herz, so daß sie entseelt zu Boden stürzte. Der von der nahen Rettungs- mache hinzugerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der Ehemann versuchte sich in seinem Schmerz ebenfalls zu erschießen, loimte jedoch noch im letzten Augenblick an seinem Vorhaben ver- hindert werden. Eine Tragödie, wie sie sich nur in der Großstadt ereignen kann. Einen Mann braucht der Fischhändler, und hundert drängen sich danach, die vielleicht nicht einmal gut bezahlte Stellung zu erhalten.. Der Fischhändler gehörte vielleicht auch zu denen, die nicht glaubtet�, daß es so viele Arbeitslose gebe. Als dennoch so viel erschienen, glaubte er sich nicht anders als mit dem Revolver ihrer erwehren zu können. Und nun muß seine junge blühende Frau, die ihren Mann vor einer unbedachten Tat zurückhalten will, die» mit dem Tode büßen. Diphtherie und Scharlach. Die Gemeindedoppelschule Rr. 167 (für Knaben) und Nr. 175(für Mädchen) in der Putbuser Str. 23 wird von Freitag an wegen mehrfacher Erkrankungen von Schul- lindern an Diphtherie und Scharlach auf 14 Tage geschlossen.—- Für die notwendigen sanitären Maßregeln ist Sorge getroffen. Für 10 000 M. Juwelen geangelt haben Einbrecher in der gestrigen Nacht in der Rheinstraße 17 �u Friedenau. Der Lade» des Juweliers Ostwald hat ein vorspringendes Schaufenster mit zwei schmalen Seitenscheiben. Eine von diesen zertrümmerten die Einbrecher und dann langten sie mit einem Angelhaken die ganzen Auslagen heraus. Der Einbruch wurde gestern morgen um S'fa Uhr von der FrühstücksauSträgerin entdeckt. Spuren haben die Täter nicht hinterlassen._ Schadenfeuer bei Borfig. In der zweiten Morgenstunde kam am Donnerstag im Borfig» werk zu Tegel ein größeres Schadenfeuer zum Ausbruch. Der Brand entstand aus bisher nicht ermittelte Weise in einer großen Halle, in der die mechanische Werlstatt untergebracht ist. Die Flammen er- faßten einen Teil des Gebäudes und zahlreiche kleinere Bearbeitungs- Maschinen. Außer der eigenen Fabrikfeuerwehr eilten auch die Feuerwehren aus Tegel, Reinickendorf-West und Wittenau zu Hilfe. Es wurde aus mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben, doch dauerte es über zwei Stunden, ehe die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Die vollständige Ablöschung mit den Aufräumungs- arbeiten zog sich bis in die Vormittagsstunden hin. Der entstandene Schaden ist erheblich.___ 15 Millionen Quadratmeter Eisfläche bietet jetzt der Müggelsee dem Sport jeder Art. Das Eis bat unter dem andauernden und zeitweilig starken Frost eine solche Stärke erlangt, daß nunmehr eine Gefahr nicht mehr besteht. Der Rumnrelsburger See ist gleichfalls polizeilich frei- gegeben worden. Er weist eine Eisfläche von zirka 35 Hektar auf. Der Zutritt zur Eisbahn kann von allen anliegenden Lokalen aus erfolge»._ Beschäftigung geistig schtvach veranlagter Kinder. Eltern, die mn die Zukunft ihres nicht oder schwer erwerbs- fähig toerdendeir geistig schwachen Kindes in Sorge sind, werden darauf hingewiesen, daß man gegenwärtig beabsichtigt, ein Sc.« schäftigungs- und A u s b i ld u n g s h e i m für solche Kinder zu gründen. In der Regel ist eS diesen Eltern nicht gelungen, ihr Kind in einer Arbeitsstelle unterzubringen, und früher oder später tritt an sie die Frage heran, wo daS Kind, das niemand zu einfacher Beschäftigung anleiten oder in Arbeit beHallen will, ein Unterkommen besonders nach dem Tode seiner nächsten Angehörigen finden könnte. Heute steht nun die Wahl offen zwischen der Pflegeabteilung der Irrenanstalt und dem Siechenhaus— beides Anstalten, für die diese Kinder nicht geeignet sind. Das von dem Erziehungs- und Fürsorgeverein geplante Heim will eine Art Zwischenanstalt schaffen, die die zwar arbeits- fähigen, aber doch in der Oeffentlichkeit nur schwer erwerbsfähig werdenden Kinder lebenslänglich nützlich beschäftigen und unter Umständen ausbilden will für eine bestimmte Betätigung in der öffentlichen Arbeit. Das Heim will also diese Knaben und Mäd- che» versorgen und pflegen, um den Eltern den Kummer um die spätere Zukunft ihres Kindes zu erleichtern und hie Kinder jelbst zu bewahren vor Nichtstun und Verkommene Anmeldungen werden bis Ende Januar täglich von 12—1 M,r Stargarder Straße 9, Montag und Donnerstag von 6—7 Uhr Bergstraße 58 und Dienstag und Freitag von 6—7 Uhr August- straße 67/68 durch Herrn Rektor Fuchs angenommen. Warnung vor einem raffinierten Schwindler! Dieser Tage er- schien in der Zeit zwischen 5 und 6 Uhr abends an einer Wohnungs- tür eines Hauses im Osten ein junger Mann mit der Bitte, siir den Hauswirt ein Paket, enthaltend einen Läufer und ein Kissen, ent- gegenzunehmen und die quittierte Rechnung von 27,80 M. zu begleichen, Da die Person einen Betrüger nicht erkennen ließ, wurden die Sachen entgegengenommen und die Rechnung beglichen. Später stellte sich heraus, daß man einem Schwindler zum Opfer gefallen ivar und der Inhalt des Pakets nur aus schmutzigen, zerrissenen Sachen bestand. Der Ueberbringer Ivar zirka 21 Jahre alt und 1,75 Meter groß, hatte breites Gesicht, schwarzes Haar, Augen- brauen und englischen Schnurrbart. Bekleidet war er mit schwarzem steifen Hut, braunem Ulster, braungestreiften, weiten Beinkleidern und schwarzen Stiefeln. Da? Berliner Aquarium ist in diesen Tagen in den Besitz einer Anzahl riesenhafter Landschnecken gelangt, die in einem Behälter des JnsektariumS ausgestellt sind, ES ist die afrikanische Achat. s ch n e ck e, wohl die größte Landschnecke, dje eS gibt. Besonders be- merkenswert ist das schöne, glatte, ansprechend gefärbte Gehäuse, Ihrer Größe entsprechend vertilgen sie recht ansehnliche Mengen von Salat. Ist das Futter zu Ende, so geben sie auf die Suche und kriechen an den Glaswänden umher, wobei man die Art der Fort» bewegung besonders gut beobachten kann. Arbeiter-Bildungsschule. Der Unterricht im Gewerkschaftswesen beginnt heute abend S'/s Uhr im Schullokal, Grenadierstr. 37. Vorortnachrichten. ?n üec Charlottenburger Staütverorünetenverfammlung hatte am Mittwoch die Haltung des Oberbürgermeisters Dr. Scholz im Herrenhause bei der Abstimmung über den Antrag Dorck v. Wartenburg ein Nachspiel. Zur Beratung stand der sozial- demokratische Antrag auf Absendung einer Petition betr. Einführung der geheimen Stimmabgabe bei den Stadt- verordnetenwahlen und Beseitigung des Hausbesitzer- Privilegs. Genosse Dr. B o r ch a r d t führte zur Begründung des An- trageS aus, daß sich über die Ueberlebtheit des HauSbesttzerprivilegs wohl kaum etwas Neues sagen lasse. Seine Freunde hätten es für nötig gehalten, den Antrag, mit dem sich die Versammlung schon vor 10 Jahren einmal beschäftigt habe, jetzt zu wiederholen. Es gebe Zeilen stürmischer BorwäitSentwickelung, wo an einem Tage ganze Haufen überkommenen Wustes beiseite geschafft werden, es gebe aber auch Zeiten stiller, andauernder, stetiger Fortentwickelung. Er wolle kein Urteil fällen, welche Zeit werlvoller ist und frischere Lebenskräfte weckt. Auf das Hausbesitzerprivileg treffe daS Goethesche Wort zu:.Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage.' Wenn trotzdem gewisse Kreise seiner Beseitigung Wider- stand leisten, so sei dies ein Zeichen der kleinlichen Art des Kampfes gegen die Sozialdemokratie. Halte doch die Regierung, die 1875 das Privileg selbst als überlebt bezeichnet habe, nur aus Furcht vor der Sozialdemokratie noch daran festl Aber die Erkenntnis, wie töricht ein solcher Kampf ist, dringe in immer weitere Kreise nicht nur der Arbeiterklasse sondern auch des liberalen Bürgertums. Die Sozial- demokratie verlange nicht, daß das Bürgertum seine Gegnerschaft gegen sie ausgibt, wohl aber müsse e» auf eine so lleinliche Art des Kampfes verzichten. Aus diesem Grunde hoffe er auf Annahme des Antrages. Stadtv. Otto erklärte, seine Freunde seien einstimmig für die geheime Wahl. Hierin liege tür sie der wichtigste und grundsätzliche Teil des Antrages. Diese Grundsätzlichkeit könne der zweite Teil nicht beanspruchen, seine Freunde würden deshalb nicht einstimmig, aber doch zum größten Teil dafür stimmen. Früher habe er sRedner) sich gegen die Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs in der ganzen Monarchie ausgesprochen, weil dies Reckt für kleine und mittlere Städte eine ganz andere Bedeutung habe als für große. Infolge der Entwickelung der Verhältnisse sei er heute zu einer anderen Ueberzeugung gekommen. In Charlottenburg habe sich die Zahl der Häuser, die im Besitz von nichtphysiichen Personen sind, prozentual am stärksten vermehrt, die Äufrechlerhaltung des Privilegs lasse sich deshalb sachlich und logisch nicht mehr begründen. Hier klaffe ein Gegensatz zwischen den Verhältnissen in großen und in kleinen Städten, hier sei ein Widerstreit der Interessen vorhanden, und in diesem Widerstreit schlage er sich auf die Seite der Großstädte. Ob bei der Zusammensetzung des Landtags auf eine Reform zu rechnen sei, das sei freilich eine andere Frage. Im Abgeordnetenhausc werde er als Vertreter der Stadt Charlottenburg die Petition befürworten. Welche Stellung der Vertreter Charlottenburgs im Herrenhause einnehme, wisse er nicht. Habe doch Oberbürgermeister Dr. Scholz kürzlich erst für den . Antrag des Grafen Dr. Aorck v. Wartenburg gestimmt! Das sei sein Recht gewesen, man müsse seine Auffassung respektieren, ober seine Freunde hätten es lieber gesehen, wenn er mit Nein ge- stinimt oder sich der Abstimmung enthalten hätte. Er könne nur sagen:.Es tut mir in der Seele weh. daß ich dich in der Gesell- schaft seh'.' Der Oberbürgermeister sei stolz daraus, auch ein Bürger zu sein. Hoffentlich werde sich, wenn die Eingabe an das Herren- haus kommt, sein Bürgersinn so betätigen, daß er dafür ein- treten wird. Oberbürgermeister Scholz erwiderte in fichtlicher Erregung, er wolle die erste sich ihm bietende Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne mit aller Bestimmtheit zu erklären, daß er eine Kritik über die Abstimmungen, die er in einem anderen Parlament mache, als durchaus unzulässig betrachte. Es könne dem guten Verhältnis zivffchen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung nur förderlich sein, wen» wir uns in Zukunft, soweit unsere außeramtliche Tätig- keit in Betracht kommt, die größte Zurückhaltung in der Beurteilung hierüber auierlegen. Nach dieser, von der Versammlung mit völligem Schweigen auf- genommenen Erklärung wandte sich die Debatte tvieder zu dem eigentlichen Thema. Der Reihe nach lobten die Vertreter Haus- agrarischer Interessen die llneigennützigkeit der Hausbesitzer, die freudig jede Belastung auf sich nehmen und trotz der Notlage, in der sie fich befinden, alles aus ihrer Tasche zahlen, nur in dem Bestreben, die Bevölkerung vor höheren Steuerzuschlägen zu be- wahren. Mit diesen reaktionären Elementen rechnete Genosse Hirsch ab. der die Schädlichkeit des Hausbesitzerprivilegs nackwies und, um jedes Mißverständnis zu beseitigen, die Erklärung abgab, daß die Sozialdemokraten grundsätzlich für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Kommunalwahlrecht sind, sich aber aus taktischen Er- wägungen auf die Forderung der geheimen Stimmabgabe und der Beseitigung des Hausbesitzerprivilegs beschränkt hätten. Dem Ober- bürgermeister irgendwelche Direktiven für sein Verhalten im Herren- hause zu geben, liege ihm fern, aber nach seiner Ueberzeugung müßte doch auch er Wert darauf legen, sich nicht in Widerspruch zu setzen mit der Mehrheit der Charlottenburger Einwohner. Die übergroße Mehrzahl der Bürger Charlotten- burgs sei mit der Stimm abgäbe des Oberhauptes der Stadt nicht einverstanden. Nach weiterer kurzer Debatte gelangte ein Schlußantrag zur Annahme. Da aber der Vorsteher einen Herrn hinderte, in Form einer persönlichen Bemerkung sachliche Ausführungen zu machen, beantragte dieser eine zweite Lesung. Nach der Geschäftsordnung mutz einem solchen Verlangen Folge gegeben werden und so wird sich die Versammlung nochmals mit dem Antrage zu beschäftigen habe». Einstimmige Annahme fand ein weiterer sozialdemokratischer Antrag, der den Magistrat ersucht, noch vor den nächsten Ersatz- wählen die Wahlbezirke anders abzugrenzen. Genosse Gebert wies zur Begründung des Antrages, dem der Magistrat Folge zu geben versprach, zahlenmäßig die in den letzten vier Jahren eingetretene Verschiebung der Wählerzahlen in den einzelnen Bezirken nach. Am größten ist der Unterschied zwischen dem dritten, von Arbeitern bewohnten, und dem achten, von Wohlhabenden be- wohnten Bezirk. Ersterer zählt heute 9931, letzterer noch nicht halb so viel, nämlich nur 4304 Wähler. Das bedeutet für die durch das Drei- klassenwahlshstem ohnehin schon in ihren Rechten geschmälerte Arbeiterschaft eine weitere Kürzung ihres Wahlrechts. Zwei von bürgerlicher Seite gestellte Anträge auf Verbesserung der Verkehrsverhältnisse nach Westend und vom Spandauer Berg über den Fllrstenbrunner Weg nach dem Siemens- sieg, für die sich u. a. auch Genosse Will aussprach, wurden gleich- salls mit großer Mehrheit angenommen. In der geheimen Sitzung wählte die Versammlung die Beisitzer für die am 8. Februar im dritten Bezirk stattfinden- den Ersatzwahlen._ Neukölln. Am Sonntag, den 23. d. Mts., findet eine Besichtigung des Verkehrsinuseums für Kinder über 10 Jahre statt. Es ist damit den Eltern, die die Theatervorstellung des Bildungsausschusses besuchen, Gelegenheit gegeben, ihre Kinder unterzubringen. Treffpunkt um 12 Uhr am Hermannplatz: Fahrgeld 20 Pf. Mittwoch, den 28. d. Mts., Märchenvorstellung bei Bartsch, Hermannstr. 49. Anfang 5 Uhr, Ende O'/z Uhr. Eintritt srei. Nur schulpflichtige Kinder haben Zutritt. Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung erledigte durch Akklamation die Wahlen zu den Ausschüssen. Die Petition eines früheren Meß- gehilfen um Wiedereinstellung in den städtischen Dienst wurde ab- gelehnt, da seine Entlassung wegen Unfähigkeit erfolgt sei lnach achtjährigem Dienst!). Eine Petition der Wilmersdorfer Lehre- rinnen, gegen die Atitzstände bei den Vorstellungen in den Kino- theatern für Jugendliche einzuschreiten, wurde allseitig unterstützt und dem Magistrat überwiesen. Man wünscht die Einsetzung eines Ausschusses, da die Polizeiaufficht versagt habe. Für die Bereit- stellu ng von Krankenbetten in der Stadt Schöneberg auch vor dem 1. April 1914 ist Sorge getragen, die entstehenden Kosten werden genehmigt. Die Versicherung der Beamten, Lehrer usw. wird die Stadt selber übernehmen, eine diesbezügliche Vor- läge wurde in erster und zweiter Lesung erledigt. Die Vorlage betr. Vermietung des Restaurationsgrundstückes Kaiseralle« 51/52 wurde dem Finanzausschuß üderwiefen. Schöneberg. Ei» gemeinsames Wintervergnügc» veranstalten am Sonnabend, den 24. Januar, der Arbeiter-Turnverein und der Schöneberger Männerchor in den Neuen Rathaussälen, Martin-Luther-Straße 69. Anfang 8t/z Uhr. Eintritt inkl. Tanz 50 Pf. Es wird um zahl- reichen Beiuch dieser Veranstaltung gebeten. Der Stand der Bewegung für Errichtung eines Jugend- Heims der Proletarierjugend, sowie der Zweck und Nützen des Vereins zur Förderung dieser Bestrebungen wird heute Freitag, abends 8'/, Uhr, in einer Mitgliederversammlung in den.Neuen Rathaussälen' erörtert. Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht. Marienfelde. Die Schönheiten des Dreiklassenwahlrechts werden wiederum illustriert durch die jetzt ausliegenden Wählerlisten für die im März stattfindenden Gemeindewahlen. Danach haben drei Wähler der ersten Klasse genau so viel Rechte wie 657 Wähler der dritten Klasse. Die zweite Klasse besteht aus 41 Wählern. Der Gemeindevorsteher hat es abgelehnt, eine Abschrift der im Einwohnermeldeamt, Kaiier-Allee 20, an den Werktagen von 8 bis 3 Uhr und Sonntags von 9 bis 10 Uhr bis zum 31. Januar zur Einsicht ausliegenden Wählerliste herzustellen. Die Gemeinde- Wähler werden� darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich auch im Lokal von A. Schuster, Kirchstr. 68, zur Einsichtnahme einzeichnen lassen können. Kummersdorf bei Storkow. Wer find die Feinde der llcincu Landwirtschast und wo bleiben die Steuergroschen? lieber dieses Thema referierte in einer gut be- suchten öffentlichen Versammlung im Hellingschen Lokal Genosse Zubeil. In vorzüglichster Weise verstand eS der Redner, seine Zu- Hörer zu überzeugen, daß die Sozialdemokratie einzig und allein die Interessen der kleinen Landwirte vertritt und daher die großen Be- triebe sowie die Fideikommißwirtschaft bekämpfen müsse. Das ganze Steuer- und Zollsystem schädige die kleinen Betriebe unendlich, während die großen den Vorteil daraus ziehen. An einigen AuS- zögen aus Kreisblättern zeigte der Redner, mit welchen wider- sinnigen, verlogenen Argumenten die Gegner uns auf den, flachen Laude bekämpfen. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen. Auf eine Anfrage aus der Mitte der Versammlung ging Genoffe Zubeil noch auf die Borgänge in Zaber» ein und geißelte unter dem Beifall der Versammlung die zutage getretenen Zustände. Genosse Frankel aus Kablow wies sodann auf die.Vollsfürsorge' und deren Vorzüge hin. Nachdem der Borsitzende die Anwesenden zum Ein- tritt in die Partei und zum festen Zusammenhalten gegen unseree gemeinsamen Feinde aufgefordert hatte, schloß er die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Nieder- Schönhauseu. Aus der Gcmeindevertretersitzung Zunächst ließ der Bürger- meister Abraham die kommunale Betätigung im verflosienen Jahr Revue passieren, zugleich gab Redner einen kurzen Ueberblick über die bevorstehenden Aufgaben. Hierauf wurde beschlossen, für die lleberlasiung der Turnhalle des Lyzeums an Vereine zur Abhaltung turnerischer Uebungen 15 M. pro Abend zu erheben. Von unseren Genossen wurde scharf kritisiert, daß man gegenüber den Arbeiter- vereinen nicht gleiches Recht ivalten lasse, indem ihnen die Räume von Gemeindeanstalten stets verweigert werden. Prompt erfolgte darauf die Antwort, daß darüber das Provinzialschul- kollegium zu entscheiden habe. Den Bericht der Kommission be- treffend die Arbeitslosenversicherung erstaltete der Bürgermeister. Die Kommission habe sich an sämtliche Gemeinden Groß-Berlins gewandt, um zu erfahren, inwieweit die Verficherung eingeführt ist. Aus den Antworten von 31 Gemeinden sei zu ersehen gewesen, daß in dieser Frage eine große Zersplitterung herrsche. Die Kommission habe zwar den Willen gehabt zu helfen, aber die finanziellen Kräfte der Gemeinde reichten nicht dazu aus. Die Kommission habe auf Vorschlag der beiden sozialdemokratischen Vertreter bescklossen, in dieser Frage gemeinsam mit den Groß-Berliner Gemeinden vorzugehen. Die Vertretung stimmte dem Voricklage der Kommission zu. Um aber etwas für die Arbeitslosen zu tun, hatte die Armen- lommiision schon vor Weihnackten den Antrag gestellt, 1000 M. zur Verteilung zu bringen. Dieser Antrag ist nun zurückgezogen worden und zwar sollen Notstandsarbciten ausgeführt werden. In Betrackt kommen die Verlegung von Wasserleitungsröhren im Kaiserweg solvie in der Charlottenstraße. Die Kosten betrogen für diese Arbeil 2200 M. Hierbei wurde von unserren Vertretern verlangt, daß zn- nächst nur verheiratete Arbeiter am Orte hierzu Verwendung finden, ferner soll von dem Lohn für etwaige rückständige Steuern nichts abgezogen werden, dem wurde zugestimmt. Einer weiteren An- regung, außer diesen Arbeiten 1000 M. zur Verfügung zu stellen für diejenigen, die nicht für diese Arbeit in Frage kommen, bekämpfte Herr Dr. Pratsch mit dem Einwand, daß es nicht angängig sei, Geld- Unterstützungen ohne Gegenleistung zu geben, da das nur Erbitterung ■unter den Arbeitslosen, die sich an den Erdarbeiien beteiligten, hervorrufen würde. Die Anregung unserer Genossen fand keine Gegenliebe bei den bürgerlichen Vertretern. Dem Verein Kinderhort wurden zur Unterhaltung der Suppenküche 500 M. bewilligt. Herr Gebhardt meinte, für eine warme Suppe sei er zu haben, sie sei bester für die Arbeitslosen, als wenn dieselben von Haus zu HauS betteln gingen und das erbettelte Geld in Bier und Schnaps umsetzten. Diese Dislreditierung der Arbeitslosen wurde von unseren Vertretern niedriger gehängt, insbesondere machten sie den Herrn daraus aus- merksam, daß gerade die Sozialdemokratie die einzige Partei sei, die gegen den Schnäpsgenuß vorgehe. In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Antrag des Gemeinde-K'rchcnrats betreffs Einziehung der Kirchen» steuer durch die Gemeinde gegen eine Stimme abgelehnt. Dieser Beschluß wurde deshalb gefaßt, weil unsere Vertreter darauf auf» merksam mackten, daß durch das rigorose Vorgehen der Vollziehungs- beamten die Gemeinde erfreulicherweise die Kirchenaustrtttsbewegung fördere. Eine Anregung. Volkskonzerte zu veranstalten, soll in Erwägung gezogen werden. Nowawe». Die Arbeiterjugend, die bisher ihre Zusammenkünfte im kleinen Saale des Volksgartens abhielt, siedelt demnächst nach den Deutschen Festsälen, Wilhelmstr. 41— 43, Eingang Friedrichstraße, über, wo sie einen ihren Zwecken entsprechenden Raum für einen mäßigen Preis gemietet hat. Dieser Wechsel ist besonders deshalb zu begrüßen, weil das neue Zusammenkunftslokal einen direkten Eingang von der Straße aus hat, so daß die Jugendlichen mit dem Schankraum nickr in Berührung zu kommen brauchen. Um die zu Ostern die Schule verlasienden Jugendlichen für die freie Jugendbewegung zu ge» Winnen, ist für Ende März eine Propagandaversammlung in Aus- ficht genommen, zu der vor allem auf das Erscheinen der Eltern ge- rechnet wird. Bernau. Bon den mißlichen Zuständen in der Kreiskrankenkasse wurden auch die hiesigen Mitglieder betroffen. Die Kranlengeldempsänger waren nicht wenig überrascht, als ihnen am ersten Freitag auf der Meldestelle erklärt wurde, es sei kein Geld gekommen. Einige be- kamen ihr Geld mit der Post übersandt, andere mußten warten. Darunter befanden sich Mitglieder, die nicht in der Lage waren, ihre Einkäufe zu besorgen, ohne borge» zu müssen. Aber auck in der letzten Woche bekam ein großer Teil der Hauslranken kein Kranken- geld, obwohl dieselben vorher pflichtgemäß ihren Kranken- schein abgegeben hatten. Aber die findigen Macher in dieser Kasse sandten einfach in den folgenden Tagen denjenigen, die weder Krankenschein noch Geld in der Meldestelle erhalten halten, erst den Krankenschein und dann auch das Krankengeld per Post unter Kürzung des Portos zu. Dadurch werden d� kranken Mitglieder erheblich geschädigt. In einzelnen Fällen sind den Kranken bis 55 Pfennig an Porto vom Krankengeld abgezogen werden. Mit welchem Recht macht die Kreiskrankenkasse die Kranken für einen Zustand hastbar, an dem dieselben schuldlos sind? Es wäre ratsam, wenn alle diejenigen, welchen Abzüge oben benannter Art von ihrem Krankengelde gemacht wurden, sich bei der Aufsichtsbehörde beschwerten und in Zukunft die Annahme des Krankengeldes, wenn es nicht in voller Höhe übersandt wird, ver» weigerten.__ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Bohnsdorf. Am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, im Lokal vo« M. Schulze. Hohen-Schönhaufe«. Heute Freitag, abends 6 Uhr, im Verwaltung»- gebäude, Hauptstr. 50. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder«emeindeangehörige«si H> rechtigt, ihnen«ls Zuhörer beizuwohnen. Spiel unö Sport. Radfahrer. Arbeiter- Radfahrerbuud„S ol idarität". Ortsgruppe Berlin. Achtung, Motorfahrerl Zwecks Gründung einer Abteilung für Motorradfahrer berufen wir zum Sonntag, den 25. Januar, abends 8 Uhr, bei Siegel, Gr. Frantjurter Str. 30, eine Versammlung ein, wozu wir alle Motorradfahrer der Ortsgruppe einladen. Freitag, den 30. Januar, Generalversammlung bei Obiglo(früher Keller), Koppen st r. 29. Die Ortsverwaltung. » Arbeiter-Radfahrerbund.Solidarität». Touren zum Sonntag, den 25. Januar. Ortsgruppe Berlin. Sämtliche Abteilungen, 2 Ubr: Wittenau,«»esellschastshaus, Hauptstraße, bei«schütz. Heute abend K'/. Uhr Zcntralfahrwartsitzung. stralauer Brücke 3. Ortsgruppe schöncbcrg. Besuch des Krankenhauses Schönebcrg, nachdem bei Fintel zum Kegeln. Start: VI, Uhr bei Obst. Arbeiter-Radfahrerbund.Solidarität». Gau 9. 2. Bezirk, KrciS Teltow. II.(2.) Unlcrbezirk: Sonntag, den 25. Januar, nachm. 1 Uhr, findet in Dabendorf bei Zossen im Wald- und Seeschlotz, Jnb. A. Büttner, die Vorbesprechung zum Bezirkstag statt. Verpflichtet zum pünktlichen Er- scheinen sind die Mitgliedschaslen in Dabendorf, Dabiewitz, Glienicke, Mittenwalde. Motzen, Kallinchen, Schöneiche, Schünow. Töpchin, Zossen. IV.(4.) linterbezirk: Somttag, den 25. Januar, nachmittags 1'/, Uhr, findet in Groß-Besten bei Hermann Meinicke die Vorbesprechung zum Be- zirkstag statt. Verpflichtet sind die Mitgliedschaften Grotz-Bestcn. Groß» Eich holz, Grotz-Ziescht, Halbe, HcrmSdors bei Münchehofe, Krausnick, Neuen- dors bei Wcndisch-Buchholz, Pactz, Schwerin. Tornow. Arbeiter- Radfahrerverein Gross-Berlin. Sonntag, den 25. d.M., nachmittags 1 Uhr, Besichtigung des Reichstagsgebäudes. Treffpunkt t Uhr, Portal 5, am Rcichstagsuscr.— Alsdann nach Hirschgartcn, Wilhclmshof. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wanderdund»Die Naturfreunde». A» Sonntag, oen 25. Januar, werden folgende Touren unternommen: Ortsgruppe Berlin: 1. Strausberg, Hegermuhle» Straussec, StrauSoerg. Abfahrt Bhs. Friedrichstr.(Fernbhf.) 6.42 Uhr vorm. — 2. Lehnt», Beelitz. Abfahrt Potsdamer Fernbhf. norm. 5.35 Uhr, nicht 6.31 Uhr(umsteigen in«flroß-Kreutz).— 3. Wünsdors, Saalower Höllcnbcrg. Trebbin. Abfahrt'Anhalter Fernbhf. 6 Uhr vorm. — 4. Grünau, Müggclbcrge, Köpenick. Abfahrt Gorlitzcr Bhs. ISO Ubr nachm.— 5.(Kindertou r.) Stolpe, Tongruben. Havel, Tegel. Treff- punlt Stetliner Vorortbhs. 8 Uhr vorm., Abs. 8.07 Uhr.— 6. Ludwigs- selbe, Rangsdorscr See, Dahlewitz. Absahrt Anhalter Bhs. 6.15 Uhr vorm. Ortsgruppe Steglitz: 2ö. Januar. Besichtigung der Au»- stellung für Arbciterwohlsahrt, Charlotteuburg, Fraunhoserstr. 11/12. Treff- Punkt an der Unlergrundbahnstation.Knie»'/,2 Uhr, Nicht 12 Uhr. Ortsgruppe Neukölln: 25. Januar. Grüneberg, Grund» mühle, Scklcuen. Doringsbrück,«Schwante. Abfahrt Bhs. Neukölln 7.08 Uhr, Stettiner Bhs. 7.42 Uhr. Ortsgruppe Köpenick-Friedrichshagen: 25. Januar. Strausberg, Blumenthal. Ticsensee. Abs. 6.05 Uhr vorm. Arbeiter- Wandcrderein Berlin. Sonntag, den 25. Januar: 1. Löcknitzwanderung. Abs. 6.5l Uhr Schles. Bhs. bis Erkner. Wanderung an der Löcknitz entlang bis Grünheidc und zurück naw Erkner. Weglänge zirka 17 Kilometer. Scklilffchuhe mitbringen. Gäste willkommen. 2. S ch l i t t s ch u b t o u r. Ticffpunkt 9 Ubr Bahnhos in Grünau. Wanderung nach Schmetterlingshorst— Kiesgruben— Müggelheim. Gäste willkommen. Arbeiter.Touristenderrin.Die Naturfreunde». OrtSgntppe Berlin. Sonntag, den 25. Januar. 1. Grotz-Lichterselde, Teltow, Krumme Lank», Botan. Garten. Abf. nach Gr.-Lichlers-Ide PotSd. Ringbhs. 7,05.— 2. Reb- sclde. Kienbaum, Neue Mühle, Dahmsdorf. Abs. nach Rehsclde schiel. Bbs. 7 Uhr.— 3. Für Eissportler Treffpunkt am Pätz« Vordcrsec. Abs. nach Gr. Besten Gört. Bhs. 6.55 und 9.30 Uhr vorm. Gäste stets willkommen. Fußball. Märtische Spieldereinigung. Bezirk Groß- Berlin. Am Sonntag finden folgende spiele der ersten Klasse statt: Rummelsburg gegen Fichte XVII in Lichtenberg, Tristweg: Borussia gegen Spandau in Wittenau, Nödern-Allee: Vorwärts gegen Ncuhellas in FriedrichShagen, Gemeinde- sportplatz; Charlostenburg gegen Fichte XII in Weitzcnsee, Rcnnbahnftr. 40; SiBetla? gegen Schönebcrg in Rcinickendorf, Pankower Allee 5Z; R. B. C. gegen Fichte XI in Remickendorf, Schillcrste� 49> Spielbeginn'2ll, Uhr. Neuköllner Sportklub„Sperber" ISIÄ. Aus dem neuen Sperber- Sportplatz Neukölln, Köllnische Allee 123, treffen sich am Sonntag, den LS. Januar, N. S. C,.Sperber" und S. C. Mahlsdors i m fälligen Bundes- spiel. Ansang 2'/, Uhr. Turner. Turnverein„Fichte". 10. M.-Abt.: Sonntag, den 25. Januar: Schlitlichuhpartie. Treff: 8.04 Uhr Schief. Bhf., Warschauer Brücke 8.07, Stralau-Rummclsburg 8.1 l Uhr. Schlittschuhläufer fahren bis Spindlersselde, alle anderen bis Grünau u. Gemein- sanier Treffpunkt abends beim Turngenossen Rick in Köpenick, Grünauer Straffe 7. 2. Männerabteil ung. Sanntag, den 25. Januar: Schlittschuh- Partie. Friedrichshagcn, Müggelsee, Dämeritzsee, Erkner. Treffpunkt •/.S Uhr ischles. Bhs. 0. Abteilung. Sonntag, den 25. Januar:Schl ittschuhpartie Treffp. 8 Uhr srüh Müller- Ecke Triflstraffe. Schwimmer. Ter Arbeiter-Schwimmerbund Kreis I veranstaltet am kommenden Sonntag, nachm. 3 Uhr, sein Winlerschwimmfest in der städtischen Bade- anstalt Gerichtstraffe 67. Zur Vorführung gelangen: Damen- und Lampion- reizen, Figurenliegen, Riegen- und Gruppenspringen, Wasserballspiel, ver- schicdcne Vereinswehrkämpse u. a. in. Da der Kreis I in der Umgegend von Berlin neun Ortsgruppen hat und in Berlin selbst der Arbeiter- Schwimmverein Berlin süns starke Abteilungen unterhält, steht uns ein guter Sport in Aussicht. * Arbeiter-Samariterbund, Kreis Brandenburg. Berlin, Sonntag, den 25. Januar, vormittags pünktlich 3'/. Uhr, ordentliche Generalversammlung der Kolonne Groff-Berlin bei Haverland, Neue Friedrichstr. 35. Lchrabend haben in dieser Woche sBeginn 8>/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, den 26. Jan., Kommandantenstr. 62 bei Becker. Berlin, 2. Abt. Montag, 26. Jan., im Swinemünder Gesellschasts» Haus, Swinemünder Straffe 42. Berlin. 3. Abt. Donnerstag, 29. Jan., Schöneberg, Borbergstr. 9, bei Sacndel. Berlin, 4. Abt. Donnerstag, 29. Jan., Lichtenberg, Scharnweber- straffe 60, bei Pickenhagen. Berlin, 5. Abt. Freitag, 23. Januar, Neukölln, Weichselstratze 8, Jdealkasino. Berlin. 6. Abt. Dienstag, 27. Januar, Extralehrabend bei Häver- land. Neue Friedrichstr 35. Berlin, 7. Abt. Freitag, 23. Januar, Charlottcnburg, Bismarck-, Ecke Sesenhcimer Straffe, bei Wcrnickc. Friedrichshage n. Donnerstag, 29. Jan., Friedrichstr.- 60. 2. Hos, parterre. Köpenick. Dienstag, 27. Jan., Schönerlinder Str. 8, bei Stippekohl. Nowawes. Dienstag, 27. Januar, Fortbildungsschule. Ober-Schöncweide. Montag, 26. Jan., siemenZstratze 12, bei Schulz._ Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit" ist soeben da? 17. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Bestes heben wir hervor: Backschisch. Von Wolsgang Heine.— Zu I. G. Fichtcs hundertstem Geburtstag. Von Max Adler �Wieni.— Andreas Scheu. Von Karl Kautsky.— Die Ansänge des prcuhischen Staats. Von Fr. Mehring. II.— Sozialdemokratie und Landeskirche. Von Walter Lehme(Berlin).— Schwierigkeiten und Irrtümer in der Behandlung der Ägrarstatistik. Von Alsred Moeglich (Steglitz),— Die Organisationssorm der Gewerkschaften. Von Georg Ricpl (Magdeburg). Die„Neue Zeil" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandwngen, Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro O uartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Die neueste Nummer des„Wahren Jacob", die 3. des 31. Jabgangs, ist soeben 12 Seiten stark erschienen und in hervorragendem Maße der Zaberner Assäre gewidmet. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag I. H. W. Dictz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Bon der„Gletehhett". Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns soeben Nr. 3 des 24. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer beben wir hervor: Unser Tag. Von Luise Zietz.— Der Triumph des Säbels.— Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. XU. Von Anna Blas.— Zwei amerikanische„Bergarbeiter- Engel". II. Annie Clemenc.— Ein Jahr der Reaktion und des Imperialismus. I. Von L. L. — Frauenarbeit im Mittelalter. Von August Erdmann.— Berusssragen der Bürsten- und Pinselmacher. Von fk. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer tO Ps.. durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSpreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.; unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.60 M. Krankenkost. Fleischlose Küche. Speisezettel sür alle Jahreszellen. Diätetische Präparate. Von E. Beetz. 90 Pf. E. Abigt, Wiesbaden. Marktp reife von Berlin am 21. Januar 1014. nach Ermittelungen onau 0,00. des kgl. Polizeipräsidiums Mais(mixcd), gute Sorte 16,80— 17,00, Donau 00,00—00,00. Mais(runorr), gute Sorte 14,80—15,20. Richtstroh Heu 6,80-8,40. Markt h allenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Speisebohnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 36,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kalbfleisch l,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,40—2,40. Aale 1,60—3,40. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,60—3,00. Barsche 1,20-2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,00—24,00. WttternngSüderstcht vom 22. Januar 1914. Ktakwnen a< Li Ii B- Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.P! München 765,0 Wien 765|N = I e| 766, N 7683D31D 767|5S 767|91D B «eller | Tbedeckt übedeckt l!wollig 2Dunst, 4bedeckl 7 Lbedeckt\—7 tos ri« ä II i? M« — 1 — 1 10 —10 «talloaen lös P i| 13 Havaranda757 N PeterSburgl75ÄNNW Scilly 763 SO Aberdeen 76ÄSW Paris 764, NO Bellet "s* t* Sk 4 Schnee—9 2'Schnee 4!bedeckt| 5 Lbedeckt! 2 l-wotlenl—8 Wetterprognose für Freitag, den 23. Januar 1914. Vtelsach nebeliges, sonst ziemlich heiteres Frostwettcr mit mäßigen östlichen Winden; leine wesentlichen Nicderlchläge. Berliner Wetterbureau. Wasserftands-Nachrichten d er LandeSanstalt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetterburean >)-I- bedeutet Wuchs,— Fall.— 1 Unterpegel.— � EiSstand.— 4) Oberhalb der Stadt Eisstand.— 5) Treibeis. Aeußerst anregend wirkt bei Erkältung Santa Sneia Stärkungs-ftotwein Nachahmungen bitte zurückzuweisen Flasche 1.50 und 2.00. Käuflich in Apotheken, Drogen- u. Delikateßgeschäften. Theater und Vergnügungen Freitag, 23. Januar 1914. Aniang 6 Ubr. Clues Palast am Zoo. Variels- Lichtspiele, 'Aniang 6'/i Ubr. VincsNollendorf-Tcheatcr.Variets- Lichtspiele. ZInsang 7 Ubr. Opernhaus. Parsifal. Aniang 7ft, Ubr. Kgl. Schauspiel haus. Die Jour- nalisten. Teutichcs. Biel Lärm um Nichts. Kammeripicle. Freiheit. «vniggraner Straffe. König Ztlchard III.« Zirkus Buich. Galavorstellung. Zirkus Schuman». Galavorstellung. tlniana 8 Ub:. Urania. 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Morgen z. 1. Male: Kammermusik. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Hai. 8 Uhr Uhr. Hoheit— der Fron;! Musikalische Groteslc in 3 Alten von Artur Landsberger und Willi Wolss. Musil von Robert Winterberg. Morgen u. s. Tage: Hobelt- der Franz! Sonntagnachin.: Schlaf wagenkontral. Tbeater am NolleDdorlplatz S. Prinzess Grell. Sonnab., 4 Uhr: Die Scblttdrüchlgen. oee-ine/iie «Kroße Frankiurter Str. 132. Anfang 8 Uhr: 1 Berlin wie es weint d. lacht Sonnabend, 4 Uhr: lioblnson Crusoe, 8 Uhr: Seriln wie es weint u. lacht. Sonntag, 3 Uhr: Der Schürzenjäger. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Reichshailen-Tbeater Stettiner Sänger Mo. 13 I Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermaß. Preisen: Eine Hoehzeit in derMiiilerstraSe. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Lnlsen-Tbeater. 1 Walhalla-Theater, Täglich 8llt Uhr: s Täglich 8'/« Uhr: Taugofieder. Deines Braders Weib. Gr. Posse m. Ges. u. 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Offerten erbeten an Biebacl Xowak, Hildesheim, Oclonom des Gewerkschastshauses, Goschen» straffe 23. NB. Kaution kann gestellt werdem. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wirlepp, Neukölln. Für de« Inseratenteil verantw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstatt Paul Singer& Co, Berlin SW. Zt. 22 31. JadtMg. 8. öcilUk des JoriDirls" Kcrlim Bolfolilatt. Freitag. 23. Januar 1914. Reichstag. tS7. Sitzung. Donnerstag, den 22. Januar 1914, nachmittags 1 Uhr. Am BundeLratStisch: Dr. Tj e l b r ü ck. Die zweite Beratung des Etats des ReichSamtS des Inner» wird beim Titel Staatssekretär fortgesetzt. Abg. Rowicki(Pole) (aus der Tribüne unverständlich) beschwert sich über unzulässige «chikairicrung der polnischen Arbeitervereine. Abg. Dr. Hacgy(Elsässer): An den Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik mich festgehalten werden.— Mit der Steuer urirtschaft, wie sie jetzt im Reiche betrieben wird, kann es aber nicht so weiter gehen, die neuen Reichssteuern haben große Mißstimmung hervorgerufen. Das Reich sollte endlich die alte Forderung erfüllen, uns die bei der Steuererhebung für das Reich gemachten Ausgaben in vollem Ilm- fange zu vergüten.— Elsaß-Lothringen bat Handelsbeziehungen in der ganzen Welt: aber Konsulate haben wir nicht.— Die Ablehnung der Mosel- und S a a r k a n a l i s a t i o n hat die Eisen- industrie Lothringens überaus geschädigt: man hat hier die Interessen liothringens der preußischen Eisenbahnpolitik geopfert und den Interessen der Eisenindustrie des RuhrgebieieS. An der Mosel- und Saarkanaliiation bat auch die E i s e n i n d u st r i e L u x e m b u r g S ein großes Interesse. Man sollte den ablehnenden Entscheid wieder rückgängig macheir.— DaS Kaligesetz vom 9. Juli 1919 schädigt unsere lothringische Kaliindustrie autS schwerste und hindert uns an der rationellen'.Verwertung der Milliarden von Schätzen, die in unserem Boden liegen. Bei der Ausarbeitung einer Kalinovelle sollte man Ausnahmebestimmungen zugunsten Elsaß- Lothringens schaffen.— Für de» Weinbau Elsaß-Lothringens war das Jahr 1913 ein Jahr schlimmster Mißernte. Das Reich sollte dazu beitragen, unfern Weinbau vor dem Ruin zu bewahren. Vor allem müßte die rigorose Handhabung des ReblauSgesetzes aufhören, das unsere Weinbauern zwingt. Hunderttausende von Mark ganz unnütz auszugeben. Dem Mittelstand sollte die Gesetzgebung zu Hilfe kommen, liniere Sozialpolitik darf nicht pausieren. Es muß jetzt an den Ausbau der Reichsverjicherungs- ordnung gegangen werden. Redner bringt schließlich besondere rlsässische Wünsche für die Wirrschastspolitik vor. Reichsbaitkpräsident Havenstein: Die Angriffe des Abg. Arendt gegen die frühere Diskont- Politik der Reichsbaick kann ich nicht als gerechtfertigt anerkennen. Die Entwickelung der Verhältnisse bat der Diskontpolitik der Reichs- dank recht gegeben. Erst im Laufe des Oktober, als sich die politischen Verhältnisse entspannten, war an eine Dislontermäßigung zu denken. Gewiß hat der frühere hohe Diskont die Unter- nchmungSluft nicht gefördert, aber das war unter den damaligen Ilmständen kein Fehler. Das Daniederliegen des Bau- Marktes ist nicht eine Folge unserer Diskontpolitik, sondern der un- genügendeit Finanzierung der llnternchmungen. (Sehr richtig! links.) Eine Folge unserer Diskontpolitik ist jeden- falls, daß wir jetzt stark und unabhängig vom Ausland auf eigenen Füßen stehen.«Bravo!) Wir haben keinen Anlaß zu wünschen, daß die wirtschaftliche Lage sich sofort wieder im überhasteten Tempo hebt. Redner verteidigt des weiteren ausführlich die Politik der Neichsbank, seine Darlegungen bleiben aber im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Abg. Dr. Weroer-Gietzcn(Ant.) erörtert M i t t e I st a n d s f r a g e n. Gegen Schmutzkonkurrenz und Psuschertum muß der Mittelstand geschützt werden. Einen ganz be- sonderen Krebsschaden stellen die Warcnhäuser dar, durch welche der selbständige gewerbliche Mittelstand vernichtet wird. Mit allen Mitteln müßten die Warenhäuser unterdrückt werden. Das gleiche gilt von den Konsumvereinen. Abg. Heines welchen nachher die bedauernslverten Aufläufe und Zusammenstoße mit der Polizei entstanden sind. ES wäre zu den Gewaltakten da- mals nie gekommen, ohne daS bis zur Lächerlichkeit einer- seits und bis zur Provokation andererseits ungeschickte Auf- treten der Polizei.(Lehhaste Zustimmung bei den Sozialdemo- traten.) Hielt es doch die Polizei für notwendig, jeden Wagen der bestreikten Firma, auf dem sich Streikbrecher befanden, in der ausfälligsten Weise durch zehn Schutzleute gerade um die Zeit durch die Straßen begleiten zu lassen, wo Taufende von Arbeitern während der Mittagszeit sich auf den Straßen be- fanden. Aber eS ist ja bei jedem Streik so, daß die Behörden sich nicht etwa unparteiisch Verhalten, sondern unter dem Vorwand, es handle sich um Schutz von Ordnung und Ruhe, sich auf die Seite der Arbeitgeber stellen, denen sie Streikbrecher zuführen und deren pekuniäre Interessen sie vertreten, daß sie zum Teil mit den raffiniertest ausgedachtcn Mittel» und auf den unehrlichsten Um- wegen die Arbeiter zu schädigen suchen. Vizepräsident Dove: Ich möchte doch bitten, nicht eine so generelle Kritik an dem Verhalten der Behörden zu üben. Abg. Heiue(fortfahrend): Ich bin gern bereih diesen Vorwurf einzuschränken auf die Fälle, wo es wirklich vorkommt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es war ein früherer Staatssekretär, jetziges Mitglied des Hauses, der die Streikbrecher als besonders nützliche und für den Staat wertvolle Elemente bezeichnete. Das sagt ein Vertreter desselben Staates, der in dem Offizierkorps und der Beamtenschaft den st ä r k st e n K o r p S g c i st und das entschiedenste Solidaritätsgefühl förmlich züchtet und die Voraussetzung für die Zugehörigkeit zum Stande fordert. Ich habe gar nichts dagegen, daß dies Solidaritätsgefühl auch von Be- amten und Offizieren gefordert wird, ich finde das sogar schön. Dann mag man aber dasselbe auch den Arbeilern gestatten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Streikbrecher dagegen sind ganz anders zu beurteilen, wie der Herr es seinerzeit getan hat. Ich gebe zu. auch unler den Streikbrechern sind Leute, die aus Rot, zum Teil aus großer Rot handeln. Ich will nicht einmal fragen, ob diese Rot immer unverschuldet ist. Es sind oft Trinker, Degenerierte, und die Grenze zwischen verschuldeter und un- verschuldeter Not ist i» unserer Gesellschaft sehr schwer zu ziehen. die unverschuldete Not soll ebenso unterstützt werden. Aber hat un- verschuldete Not fdmals als Rcchtfertigungsgrund gegolten, wenn ein einzelner gegen die Moral, gegen die Pflichren seines Standes verstoßen hat? Denken Sie an die armen kleinen Beamten, die wenn sie eine geringfügige Unterschlagung begehen, sich fast immer in größler Not befinden, und die doch die f u r ch t b a r st e schwerste Strafe txifft, wenn sie sich einer kleinen Pflicht-, Dienstwidrigkeit schuldig gemacht haben, nicht nur schwere Gefängnis- oder Zucht- hauSstrase, sondern die r ü ck s i ch t s l o s e A u s st o ß u n g aus ihrem Stande. Ein Streikbrecher ist in der größten Mehrzahl der Fälle weit schlimmer, als solch ein kleiner Beamter..In der Zeit, wo die Arbeiter, die Kollegen, sich auf den Kamps vorbereiten, täglich von ihrem Lohn etwas beisteuern, steht er zur Seite und hält seine Hand auf die Taschen, steuert nichts bei. Bricht dann aber der Kampf aus, legen sich die ander» große Entbehrungen aus. um die gemciusaine Sache zu fördern, dann füllt sich der Streikbrecher zun: zw eilen in al die Tasche, denn die Arbeitgeber zahlen ihm dann mit Freuden den doppelten Lohn, ivährend sie ihren alten Arbeitern auch die geringste Aufbesserung verweigern. Der Streikbrecher liegt auf der Lauer in solchen Zeiten. Sucht man an sein Gewissen, an seine Ehre zu appellieren, macht man ihm llar, daß das Sprüchwort:„Wesj' Brot ich esse, dess' Lied ich singe" die größte Lumperei ist, die in der Welt gesagt worden ist, dann denuiiziert der Streik- brccher seine Berufskollegen und bringt sie ins G c f än g n i s. Fällt aber der Kampf trotz seines Verrats siegreich aus, so zieht auch der Streikbrecher die Früchte davon, und das Gesetz schützt ihn davor, daß diejenigen, denen er in den Rücken gefallen ist, nachher seine Entfernung vom Arbeitsplatz durchsetzen. DaS olles gilt schon von den gewöhnliche» Streilbrechern, aus Feigheit, aus Not, aus Egoismus, aus Gleich- gülti gleit. Nun gibt es aber seit einer Reihe von Jahren Streikbrecher aus Berus, eine besondere Klasse von Leuten, die nichts als Streikbrecher sind, die für diesen Zweck eigens erzogen und geistig korrumpiert worden sind. Es gibt Strcilbrrchcragenturru, die in dem Moabiter Prozeß durch die Geständnisse, die der Herr H i n tz e einem«Schriftsteller gemacht hat, zur Genüge charakterisiert worden sind. Hintze sagle damals von seinen Leuten: es rebzt sie, daß sie unter den Augen der Polizei ungestraft loshauen könne». (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie dies Gesindel sich betragen hat, dafür habe ich hier einen Beweis, einen mit Sand gefüllten Gummischlauch, der an beiden Enden ein s ch w c r e s eisernes Gewicht hat. Mit diesem barbarischen Instrument hat dies Pack in Gegenwart der Polizisten auf arretierte Streikende losdreschen dürfen. Die Polizisten haben dabei ge st an den, und wenn einer seine schweren Wunden hatte, dann haben sie gesagt:„Run ist es aber genug".(Stürmisches Hört! hört! und Pfuirufe bei den Sozial- demokraten.) Jch"brauche gewiß nicht gern starke Ausdrücke, aber hier würde ich meine Pflicht-verletzen, wenn ich nicht sagen würde, daß das Lumpengesindel ist. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und dies Lumpengesindel, daS sind die nützlichen, den Staat wahrhaft fördernden Elemente des Grafen Posado wsky(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten), die Schützlinge des Grafen Westarp, des Hausabundcs und leider auch der Justiz. Im vorigen Frühjahr hat iit Solingen eine Aussperrung bei der Firma Rauteubach stattgefunden. Die hatte sich auch solche Streikbrecher auf Profession kommen lassen. Ich habe hier ein Album und einige der von diesen Leuten benutzten Wurfgeschosse. Diese Streikbrecher befanden sich abends in den Räumen des Fabrikhcrrn, denn lein anständiger Gast- wirt nahm sie auf. weil jeder wußte, was er von ihnen zu fürchten hatte. Da ergaben sie sich bei dein Fabrikanten dem Suff. wurden äußerst laut, zogen auf die Straße oder warfen vom Fenster oder vom Tore der Fabrik aus m i t E i s e n st ü ck e n u n d S t ei n en mitten unter das ruhigePublikum, schössen, demolierten die gegenüberliegenden Häuser und Läden. Hier haben Sie die Photographien, wie es auf der Straße nach diesen Szenen, die die Leute ohne jede Reizung ausgeführt hatten, aussah. Die Behörden tragen eine starke Vcranlwortung, wenn sie immer wieder die Ausrüstung der Streikbrecher mit Schußwaffen genehmigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So kommt es, daß die Streikbrecher sich rühmen können:»Wir können einen totschlagen, eS kommt nichts danach". So kommt es zu solchen Szenen wie in Nürnberg zu der Ermordung des Fleischmann durch den Streikbrecher Thiel. Er schoß ihn, der ihm nicht das geringste getan hatte, fiber den Haufen, aufgehetzt durch den Fabrikanten Maurer, der ibm gesagt hatte:„Geht doch hinaus und haut sie zusammen. Euch geschieht ja doch nichts!" (Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Sechs Streikende waren da und 1 99 S t r e i k b r e ch e r in geschlossenem Zuge, die sich wahrhaftig vor einem Angriff nicht zu fürchten hatten. Aber als der M ö r d e r von der Polizei festgenommen wurde, und am nächsten Tage sagte:„Ich bin in Notwehr ge- wesen", ließ man �hn auf der Stelle auf Grund dieser offen- kundigen Lüge aus der Haft.(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) lind als man sich nach wenigen Jeugenaussagen über- führt hatte, daß von Notwehr keine Rede sein konnte, war er uatür- lich längst über die� Grenze. Und war es im Falle Brandenburg bei Stettin anders? Man muß srci- lich das Gehirn eines freikonscrvatiocn Zcitmigsrcdaktcurs haben, um zu behaupten, daß dieser Fall, wo ein harmloser Mensch durch einen Streikbrecher, der sich vorher schon gerühmt hatte, daß er diese Tat beabsichtige, ohne Grund über den Haufen g e st o ch e n worden ist, eine Folge der sozialdemokratischen AuS- schreitungcn sei. Wirkliche Exzesse kommen allerdings vor bei Streiks, aber doch in verschwindender Zahl, und sie sind sehr häufig durch die Streik- brecher hervorgerufen. Wegen solcher Exzesse aber reichen die Straf- gesetze vollkommen aus. Wegen bloßer wörtlicher Beleidigung wird Gefängnisstrafe bis zu einem' Jahre verhängt, bei tätlicher Beleidi- gung bis zu zwei Jahren, bei einfadhcr Körperverletzung bis drei Jahre. Ist die Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs, als solches gilt schon ein Bier filz, oder von mehreren gemeinsam begangen, so beträgt die Strafe zwei Mo- nate bis fünf Jahre Gefängnis. Die Nötigung, Be« drohung mit Perbrechen oder Vergehe», zu dem Zweck, jemand zu Verhandlungen zu zwingen, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre be st rast. Schon 1899 hat Herr B a s s e x- mann hier gesagt, er finde diese Rechtsprechung sehr b e« denklich, die einen Arbeiter, der zwecks Erlangung höherer Löhne mit Arbeitseinstellung droht oder sich weigert, mit Nichtorganisierten zusammenzuarbeiten, lvegen Erpressung bestrast. Daß diese Rechtsprechung bedenklich ist, hat inzwischen auch die Reichsregierung eingesehen, denn in der kleinen Strasgesetznovelle ivird der Versuch gemacht, das Gesetz anders zu formulieren. Der Fehler liegt darin, daß der Versuch. sich einen rechtswidrigen VerinögenSvorteil zu verschaffen, schon dann als vorliegend angesehen wird, wenn das Verlangen ein solches ist, auf das ein rechtlicher Anspruch nicdt de- steht. ES wollen z. B. Arbeiter nicht mit einem Nichtorganisierten zusainmenarbeiten. Das Gericht deduziert dann, sie wollen ihn veranlassen, ihrer Organisation beizutreten, was meist gar nicht zutrifft, da sie mit ihn, überhaupt nichts zu tun haben wollen; weiter heißt eS dann, sie wollen also für die Organi- sation die Beiträge, also einen rechtswidrigen Vermögensvorteil haben. So wurde ein Polier, der lediglich des lieben Friedens willen einem Nichrorganistertm zuredete, doch in die Organisation einzutreten, wegen versuchter Erpressung mit GcfimgniS bestraft. (Hört! hört! bei den Sozialdemolraten.) Deswegen haben wir in unserem Antrage verlangt, daß es sich bei der Erpressung um einen V e r m ö g e n s v o r te i l handeln muß, der dem Rechte zuwider- läuft. Unser Antrag will auch, daß die Ankündigung der Arbeits- nicderlegnng, also einer durchaus im Rahmen der Vertragsverhand- lungen notwendigen Handlung oder Unterlassung, nicht als Drohung angesehen werden kann. Alle, die in daS allgemeine Gezeter über die Notwendigkeit der Verschärfung der Strafgesetze gegen Streiks und Streikausschreitungen einstimmen, sollten doch sagen, was fllr Gesetzesbestinimungen sie denn vorschlagen. In Wahrheit gehcn� die Gerichte, die dock) tvirklich nicht sanft mir den Streikenden umspringen, noch nicht an die Hiilfte der Höchststrafe heran. Die Höchststrafen sind ebenso wahnsinnig hoch, daß die wirklich erkannten«trafen sich im ersten Drittel bewegen. Wozu also da noch eine Verschärfung der Strafbestimmungen? Wollen die Herren überhaupt ein neue? Straf- gesetz, so müssen sie sageir: Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Erpressung, werden, wenn sie von st r e i k c n d e n A rb e i t e r n und aus Anlaß von Lohnkämpfen auf Veranlassung der Koalitionen be- gangen werden, mindestens in i t der Hälfte der Höchststrafe belegt, wenn sie von Arbeitgebern oder von Streikbrechern begangen werden, bleiben sie straffrei. Bringen Sie ein solches Gesetz ein, so ist das wenigstens ehrlich, und wir sind eS zufrieden. «o lange Sie aber nicht sage», was für Bestimmungen Sie wollen, ist alles nur ein Gerede, um die Oeffentlichkeit irre zu führen. Die Scharfmacher wollen freilich nicht offen sagen, dag sie» die Arbeiter bindern wollen, höhere Löhne zu verlangen. Deshalb reden sie vom Schutz der Arbeitswilligen. Das ist aber S ch Windel.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung hat wiederholt erklärt, sie wolle kein Ausnahme- gesetz, sondern ein neues Recht in das allgemeine Strafgesetz hineinarbeiten. Nötigung soll künftig strafbar sein, wenn mit einem rechtswidrigen Verhalten gedroht wird oder wenn jemand genötigt werde» soll zu einem Verhalten, zu dem er rechtlich nicht verpflichtet ist. Wenn der Arbeiter also unter der An- drohung der Arbeitseinstellung höheren Lohn fordert, so kann der Richter darin ei» recht SividrigeS Verhalten finden, und er wird es finden, wenn eine Arbeiterorganisation es getan hat. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Also das, was jede Koalition tun muß, wenn sie nicht auf jede Tätigkeit verzichten will, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bedroht. Ich will hier die Oeffentlichkeit warnen, die bis weit in die Parteien der Linken hinein nicht genug auf dem Posten ist. Das neue Strafgesetzbuch bildet eine Ge- fahr� für die Rechte der Staatsbürger und das Koalitionsrecht. Und die Gefahr ist umso größer, als das neue Strafgesetzbuch in seinen allgemeinen Bestimmungen eine ganze Reihe von Fortschritten bringt. Man kann nicht früh genug Sturm blaien gegen solche gemeingefährlichen Best Übungen. Ein Ausnahmegesetz bleibt ein Ausnahmegesetz, auch wenn es in ein. . sogenanntes Gesetz hineingearbeitet ist.(Zuraf bei den Sozial- demokraten: Es ist nur noch gemeiner I) Hinzu kommt, daß 8 123 der Gelverbeordnung bereits ein Ausnahmegesetz ist. Formell richtet er sich auch gegen Arbeit- geber, angewendet wird er nur gegen Arb eit er.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Er zielt darauf ab, die Streikbrecher zu schützen und das Roalitionsrecht lahmzulegen. Was kann ein Koalitionsrecht leisten, wenn die Koalierten nicht für ihre Sache und Ueberzeugung werben können, und wie kann man werben, ohne den Appell an das Ehrgefühl und die Furcht, also ohne Drohung und ohne eventuelle Ehrverletzung— auch diesen Begriff haben � unsere Juristen geschaffen. Wir verlangen deshalb Aufhebung des 8 153. Nur zwei Fälle der Verurteilung auf Grund dieses Paragraphen will ich anführen. Ein Gewerk schaftsbea in ter ging in die Wohnung eines Streikbrechers, um ihm vernünftig zuzu- reden. Er traf nur die Frau des Arbeiters und diese sagte recht provozierend: Ei» Hund, wer meinen Manu einen Streikbrecher nennt. Der Gewerkschaflsbeamte ließ sich hinreißen zu sagen: Er i st doch einer! und erhielt hierfür vier Monate Gefängnis.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Magdeburg verhandelte ein G e w e r k- schaftsbea m ter inr Slreikburean mit einem Streikbrecher. Inzwischen sollen im Vorraum andere Streikende Schimpsworle ge braucht haben, und nun deduzierte das Gericht, der GewerkschaslS- beamre hätte die Worte gehört und mindestens eventuell in sein Bewußtsein aufgenommen, daß dem Streikbrecher Unrecht ge schebe» könne. Infolgedessen ivurde er als Mittäter der Beleidigung zu Gefängnis verurteilt. Wollen Sie bei solcher Auslegung noch be- baupten, daß neue Strafbestimmungen notwendig sind? Der Antrag Westarp wendet sich vor allem g?gen die Streikposten. Alle gewerkschaftlichen Arbeiter aller Richtungen werden mir zustimmen, daß das Sttrikpostenstehe» für die Arbeiter unentbehrlich ist.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir der- langen das Streilpostenstehen als ein Recht der Arbeiter (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), und wer ihnen dieses Recht verwehrt, ist ein Feind der Arbeiter.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ter nationallibevale Herr Röchling Verlangte eine besondere Ausbildung der Polizeibeamten zur Beobachtung von Streikposten. DaS ist ganz unnötig, den Polizeibeamten ist es niemals eingefallen, in Streikposten, die sich ruhig und bescheiden benehmen, eine Gefahr für die öffentliche Ordnung zu erblicken, bis sie von ihren Vorgesetzten eigens instruiert wurden, sie hätten unter Berufung auf die Gefährdung des«trahenverkehrö gegen Streikposten vorzugehen. DaS K a>n ni e r g e r i ch t hat entschieden, daß es nicht daraus ankommt, ob die öffentliche Ruhe. Sicherheit und Ordnung wirklich gefährdet wordcir sind, sondern ob der S ch u tz in a n n sie für ge sährdet hielt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die Kapitulation der Rechtsprechung vor dem Schuvman». Man will eben das Slreikpotlenftehen verhindern, einer der echtpreußischeii Herren hat ja jüngst auch gejagt, man solle sich nicht mehr auf die Straßen- polizeiverordnung berufen, iondern frisch, fröhlich und frei das Streikpo st en stehen verbieten. Man will damit auch das Streiken selbst verbieten, das notwendig ist zur Herstellung des Aus- gleichS zivischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der Arbeilgeber kann durch tausend Kanäle Arbeiter heranziehen, er bedient sich dazu auch der Meuscheuhäudler, denn nichts anderes sind die Streilbrechervermittler.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Arbeiter dagegen kann nur durch die Aussprache von Mund zu Mund auf die anHeren Arbeiter einwirken. Diese Emwirkung ist erlaubt und muß erlaubt bleiben. Wer das Appellieren an das Ehrgefühl verbieten will, soll lieber offen und ehrlich tagen, wir verbietPi das Streiken. Das 'Verbot des Streikposteustehens ist eine cinfeit ge, ungerechte Unter- drückung der Arbeiter zugunsten der Untcnchmer, eine Parteinahme im Lohnkampfe für das Kapital gegen die Arbeiter.(Sehr richlig! bei den Sozialdemokraten.) Charakteristisch ist. daß die Scharfmacher auch fordern, den g 32 des B. G.-B. gegen Arbeiierkoalitionen anwendbar zu machen, die keine Rechtsfähigkeit haben. Wo sie einen Vorteil von der Rechtsfähigkeit haben könnten, verwehrt man sie ihnen, man will sie ihnen auferlege», wenn sie Schaden davon habe». Wenn das kein Ausnahmegesetz schlimmster Art ist. gibt es überhauvt kein Ausnahmegesetz.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Allerdings haben wir schon solche Vorgänge. Geweikichaften sind im allgemeinen nicht p r o z e ß f ä h i g. Wer sie be- stöhlen und belrogeu hat, kann sich i eines Gewinstes erfreuen. Aber verklagt lann eine solche, nicht rechlslähige Vereinigung werden. Wir haben also in dem unler Milwirkung eines höchst'ozialpolilischea Slaatdsekrelärs zustande gekommenen Gesetzes berells eine solche Ausnadmegcietzgebnng. In Sperren, die Gcwerlschaften vorhängen, werden gegen die Sitten ver- stoßende H a n d l u u g e n gesehen, namentlich, ivenn die Auf- forderung sich an das allgemeine Publikum richtet. Ein Gericht hat erklärt: der Appell an das S o l i d a r i t ä t S g e f ü h l der großen Menge ist eine unsittliche Handlung.(Lebhaftes Hört! hört!) Der Arbeitgeber aber, der aus reiner Willkür das KoalitionSrechl vernichten will, handelt nicht unsittlich. Das ist unverfälschte Klasseujusliz. (Lebhafte Zustiurmung bei bell Sozialdeinokraten.) Wenn in einem Streik- oder Sperreslugblatt beleidigende Worte für den Arbeitgeber Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wiclcpp, Neukölln. gebraucht werden, wird das als unsittlich angesehen. Als kaiho- tische Geistliche eine liberale Zeitung mit derben Worten in Verruf erklärten, fand das Gericht leinen Verstoß gegen die guten Sitten darin, denn die Herren seien diese ÄuSdrucksweise gewohnt.(Heiterkeit.) Wir verlangen, daß auch die Sprech« tveise der Arbeiter respektiert wird. Arbeitgeber können sich Angriffe gegen die Arbeiter gestatten, ohne daß von TerroriS- muS die Rede ist. Dabei handelt es sich längst nicht mehr bloß uni Arbeiter, sondern auch um höhcreAnge stellte, ich erinnere an den Bund der t e ch n i s ch- i n d u st r i e I l e n Beamten, an den Bankbeamtenveretn usw. Die Unter- nehmer zwingen die Angestellten auch, in die g e lb e n G e w e rk- vereine einzutreten, ja. sie ziehen die Beiträge dafür vom Lohn ab. Das ist in mehrfacher Hinsicht strafbar, aber kein Huhn und lein Hahn kräht danach. Untere Presse hat erst jüngst Schmerzens- schreie von Arbeitern veröffentlicht, die hierunter leiden. Die Staats- anwallschaft bat leine Veranlasiung genommen, gegen die Arbeit- geber einzuschreiten. Dabei erfolgt Strafverfolgung wegen Er- Pressung auch ohne Antrag. Das geschieht aber bei uns nur gegen Arbeiter.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Das Unternehmertum bedient sich ganz ungeniert der Verrufs- erklärnng. Unser Kollege König wurde in Remscheid auf die schwarze Liste gesetzt und mußte landflüchtig werden. Dadurch ist er in die sozialdemokratische Agitation hinein- gekommen und ans diesen Ehrenplatz, den das Volk zu vergeben hat. Jetzt rechnen Sie sich aus, ivas Sie auf diesem Wege erreichen. Eine Arbeiterklasse, die unter dem Gefühl der allgemeinen Entrechtung leidet, der man das Recht vorenthält, das jedem anderen Staatsbürger gewährt wird, kann nicht anders als erbittert und voll Haß sein.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdeurolraten.) Und diesen Haß säen alle, die das Koalitionsrecht angreifen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer diesen Haß sät, wird Sturm ernten.(Erneuter lebhafter Beifall.) Die Fabrikanten be- nutzen die schwarzen Listen sogar gegen die Streikbrecher, um diese an ihren eigenen Betrieb zu fesseln. Das ist geradezu diabolisch, das ist ein unerhörter Mißbrauch.(Lebhafte Zustimmung.) Da kann von einer Abwehr keine Rede mehr fein, da handelt es sich um eine bewußte Tendenz zur Bersklavuug der Arbeiter. (Sehr richtig I) Wenn Arbeiter unter der Drohung mit der Hunger- peitsche sich verpflichten, einer Organisation nicht anzugehören, so hat das juristisch gor keinen Wert. Und doch hat ein Richter in öffentlicher Gerichtssitzung einen Arbester, der trotz eines solchen erzwungenen Reverses der Organisation beigetreten lvar. als ehrlos bezeichnet.(Lebhaftes Pfui!). Aber gegen den Arbeitgeber, der ihm den Revers abgepreßt hatte, erhob er nicht den leisesten Vorwurf. DaS fand er ganz in der Ordnung. obwohl er wissen mußte� daß dieser Revers null und /Nichtig ist. Ekelhaft ist diese in den Schein der Gesetzlichkeit sich verkleidende Gewalt, ekelhafter wird sie noch, wenn sie mit der R e ligion verbunden wird.(Lebh.«ehr richtig! bei den Soz.) So verlangte eine Firma, daß ihre Arbeiter ans dem ch r i st lichen Metallarbeiterverbande austreten sollten. weil das dem Willen des Heiligen Vaters, wie er in der Enzy klika LiuKularuro quadam zum Ausdruck gekommen sei, widerspreche, und auch die Haupt st ekle Deutscher Arbeitgeber- verbände äußerte sich in diesem Sinne. Wenn e» gilt, den Ar- beitern den Hals umzudrehen, da werden diese Herren mit einein Male fromm und devot, diese Heuchler.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Terrorismus der Arbeitgeber richtet sich nicht nur gegen ihre Arbeiter, sondern auch gegen andere Arbeitgeber. Aber nur formell richtet sich der ß 153 der Gewerbeordnung auch gegen Arbeitgeber, denn bei ihnen kommt persönliche Einwirkung auf Außenstehende nicht in Betracht, sie lönnen einem Arbeitgeber, der sich ihnen nicht anschließt, die Kundschaft durch indirekte Einwirkung abschneiden. Freilich fallen auch die Bev einbarungen und Einforderungen von Konventionalstrafen unter � 153. Während aber bei Arbeitern die Einziehung von Gewerk- schaslSbeilrägen noch als Erpressung angesehen wird, hat man noch nie etwas davon gehört, daß Arbeitgeber wegen ihres Vorgehens gegen andere Arbeitgeber bestraft worden wären. Hier fehlt den Herren nämlich immer das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit. Ein Arbeiter ist intmer so gebildet, daß er dieses Bewußtsein hat. ein Arbeitgeber aber und, wie wir inzwischen auch erlebt haben, ein Oberst, hat nie dos Bewußt seip der Rechts- Widrigkeit,(«ehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In den '25 Jahren, in denen ich diese Dinge verfolgt habe, sind nur nur 3 bis 4 Fälle bekannt geworden, wo Arbeilgeber sich in den Maschen des§ 163 verfangen haben.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Und da wundert man sich, wenn wir bittere Worte über Klassenjustiz brauchen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Justiz bat sehr viel Verständnis für SolidaritätSgefühl bei' den Arbeitgebern, wenn Arbeiter ebenso handeln, werden sie dagegen mit Gefängnis bestraft. Sogar d i e G e s e tz e selbst werden zum Terrorismus miff braucht. Z. B. die Zwangsbefugnis der Innungen. 16 Jahre hat eS gedauert, bis der preußische Handelsminister sich dazu aufgerafft hat, diesen Mißbrauch zu verbieten. Aber die Jnnungsmeister lümmern sich auch jetzt noch den Teufel um das Verbot. Das sind nur einige Stichproben für deu heutige» Zustand. Die Gesetze sind dcrenlig scharf, die Strafen so unsinnig hoch- daß jede Verschärfung sinnlos wäre. Bretano hatte vollnändig recht mit den Worten: die deutschen Arbeiter haben das Koalilions- reckt, ober wenn sie es anwenden, werden sie bestraft. Ebenso recht haue jener Getoerkschasisführer. der mir einmal sagte: wir stehen immer mit einem Fuße im Gefängnis.(Sehr wahr! bei den Sozialdeurolraten.) Auch der Abg. B a s s e r m a n» vat schon 1399 im Reichstag gesagt:„Gegenüber einer derartigen extensiven Recht- sprechung ist allerdings die Frage erlaubt, ob es notwendig ist, noch weitere S t r a s m i t t e l z u gewähren. Wenn die Rechtspiechnng mit der Erprenung sich so weiter entwickelt, tst es klar, daß ein großer Teil des Koalitionörechts in Frage gestellt ist. Sehr oft wird beim Strafmaß das richtige Maß nicht ein- gehalten."(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Was Herr B a s s e r m a n n vorausgesagt hat, ftt eingetreten. Diese Art der Rechtsprechung hat sich inzwischen in damals nicht geahntem Maße weiter befestigt, und ist immer einseitiger gegen die Arbeiter geworden. Der jetzige Zustand bedeutet bereits eine Entrechtung der Arbetterkoalittonen an allen Ecken und Enden und eine Förderung des Terrorismus der Arbcitgcbcmganisationcn gegen die Arbeiter und Arbeitgeber. Nicht eine wettere Einschränkung, tondern eine weitere Sicherung des Koalitionsrechts durch neue Gesetze ist notwendig.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Es gilt, das Koalitionstecht der Arbeiter zu st a b i» lisieren wie einen roeber de bronce als Grundlage des Rechts iinb der Exifienz der Arbeiter. Am 19. Dereniber 19t 2 har nun der «taalSiekrerär des Jnttein dem staunenden Reichstag bewiesen, daß es im Grunde gar kein Koalitionsrecht gäbe. Das ist die Art der Verivallungsjuristen: wovon im Geiev nicht ousdrückttch steht, daß es erlaubt sei. cristiert lür sie nicht. Nun tst gewiß in keinem Gesetz mit ausdrücklichen Worten gesagt: der deutsche Arbeiier bat da« Koatiiionsrechl. Aber das braucht auch gar nicht gesagt zu iverden. Denn das Mvralische versteht sich immer von setbst. Daß die Staatsbürger sich zur Erkämpfung gemeiniamer sittlicher nicht verwetflicher Ziele zusammenschließen, ist nickt ihr Reckt allein, sondern tbre Pflicht. Der einzelne ist der Uebermacht des Kapitals gegenüber nichts. Er hat nicht das Recht, seinen periön- lichett Vorteil höher zu stellen als da» Interesse der Gesamtheit. Es liegt im Interesse der ganzen Gesellschaft, daß das Eigenintereffe dem Allgemeinwohl untergeordnet ist, daß ein solcher Gemeinsinn aus dem Volke heraus sich erzeugt und nicht erst von oben vor« geschrieben zu werden braucht.(Sehr gut! bei den Soztaldemo» traten.) Auch der Kampf der Arbeiter um mehr Brot ist ein sittlicher Kampf, er bedeutet mehr körperliche und»wralische Gesundheit, höheres Menschentum.. Ist so das Koalitionsrecht eine soziale Notwendig. keit, dann ist es ein selbstverständliches Naturrecht jedes«taats» bürgere. Es folgt daraus, daß es zwar in seiner Ausübung durch Gesetze an bestimmte Grenzen gebunden werden kann, aber eS folgt daraus auch, daß es nicht ein Gegen st an-d der Willkür sein kann, weder der Behörden noch der einzelnen, und daß es nicht durch disziplinarische Verbote und Privatvertrag aus der Welt geschafft werden kann,(«ehr wahr! bei den Sozialdemo- kratcn.) So gut wie eine Verpflichtniig zur Ehelosigkeit nichtig ist, wie eilt Vertrag, durch den ein Mädchen seine Ehre vertaust. nichtig und unsittlich ist, wie ein Verzicht auf das Wahlrecht zu öffcntlichcit Körperschaften nicht als verbindlich anerkannt werden kann, ebenso ist ein Vertrag, durch den jemand ans die Ausütmng seines ÄoalitionsvcchtcS verzichtet, unwirksam, gegen die guten Sitten: eine Handlung, die daraus abzielt, das Koalt. tiousrecht durch Vertrag und Ztvang, und wenn es auch ein Bcr« trag mit dem Staate wäre, auszuschließen, ist u n g ü I t i g. u n- sittlich.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb ver» langen wir in unserem Antrage, dies ausdrücklich im Gesetz auZ» zusprechen. Wir verlangen aber weiter, daß das Koalitionsrecht ausgedehnt wird auf die Kategorien von Angestellten, denen es bisher bestritte« nfird, vor ollem auf die Landarbeiter, die D i e n st b o t c n, Schiffs le nie, Sraatsarbeiter. Eisenbahn» arbeite r, Beamte,«toßen sie sich nicht an den Gedanken, daß solche Arbeiter eines Tages mit Hilfe des Koalitionsvechts in den Streik treten könnten, der für den Staat bedenkliche Folgen haben könnte. Mag der Staat sich mit seinen Angestellten so stellen, daß eine derartige Entwickelung nicht eintritt. Die Beamtelt und Staatsarbeiter lucrden ja nur im äußersten Notfall zu dem Mittel des Streiks, also zum Austritt aus ihrem Dienst greifen. Die Angst vor dem Staatsarbeiterstreik ist daher die reine Chimäre. (Lebhaftes Sehr wahr!) Ein Märchen ist es, wenn man behauptet, die Ä! o a l i» Honen streikten um des Streiks willen. Ich leugne weiter aber nicht, daß es einen Zwang von Arbeitern gegen ihre Berussgenossen gibt, sich der Koalition �anzuschließen. Aber ich frage die Herren, die für den ständischen Staat schwärmen: Wollen Sie auch nicht Zwangsorganisation? Wollen Sie nicht das ganze staatliche Leben in solche Zwangsorganisationen ein- kleiden? Was sind denn die Z w a n g s i n n u n g e n anders als Zwangsorgantsationen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Organisationen haben ja auch nur einen Wert, wenn alle Betet- ligten sich ihnen anschließen. Es ist nicht zu umgehen, daß eine Organisation, die kräftig sein will, daraus hält, möglichst alle Ar» beitsplätze in einem Betriebe, wo sie herrscht, zu besetzen. Nur so kann sie Einfluß ausüben, und das ist doch ihr Zweck. Ich beklage es auf das tiefste, wenn die Konkurrenz verschiedener Orgcmi» sationsformen zu Reibungen führt, ich sehe darin einen nutz« losen Kräftcvcrbrauch und hoffe, daß die Zeit einmütigen Zusammenarbeitens aller Arbeiter kommen wird. Der Kamps gegen die Zulassung der Richtorgani« sierten und der Gelben zu den Arbeitsplätzen ist aber eftte Lebens» frage für jede Organisation.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Daraus beruht auch die Tarifgemeinschaft der deutschen Buch- drucker. Wenn es vorgekommen ist, daß Arbeiter sich gewaltsam der unerwünschten Elemente aus den Gelben und Unorganisierten entledigt haben, so war der Hauptgrund immer die Furcht vor den Z w i s ch e n t r ä g c r c i e n und Denunziationen dieser Elemente. Ihre Bekämpfung ist für die Arbeiter ein G c b o t d e r Sicherheit und der Reinlichkeit.(Sehr gut? bei den Sozialdemokraten.) Nun sagt man, die individuelle Freiheit könnte zu kurz kommen durch die Erstarkung der Macht der wirtschaftlichen Organisationen. Aber was ist das für eine Freiheit, sich vom Arbeitgeber zwingen zu lassen, dem gelben Verband beizutreten oder sich itt� die persönlichsten Dinge hineinreden zu lassen. Kein heuchlerisches Lied, als wenn die Anhänger des kapitalistischen«taates von der individuellen Freiheil singen!(«ehr wahr! bei den Sozialdemo» kratcn.) Was wird denn in dieser Gesellschaft aus dem Arbeiter» dem nicht seine Organisation zur Seite steht? Er ist der Kuli, der Sklave seines Arbeitgeber«. Gewiß, wer sich der Organisation an» schließt, gibt etwas von individueller Freiheit auf, das Recht, zu Hu n gerlöhnen zu arbeite it. Aber was die Organisation ihm nimmt, gibt sie ihm hundertfach wieder. Der Reichskanzler hat neulich Kassandratöne hören lassen darüber, wie in Zukunft große Koalitfinten den Staat erschüttern können. Möge er sich lieber mit der Gegenwart beschäftigen und dafür sorgen, �daß erst das Koalitionsrecht der Arbeiter verwirklicht wird,(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen wird eine wirklich demokratische Staatsverfassung auch immer die Möglichkeit bieten» mit Reibungen fertig zu werden, die daraus entstehen könnten, daß Arbeiter- und Arbcitgeberorganisationen gleich stark werden. Ich appelliere an die Gewissenhaftigkjcit, an das Staats» g e f ü h l der Verbündeten Regierungen, daß sie zunächst einmal Recht für Arbeiter und'Arbeitgeber MMjDDDD Es ist die Auf» gäbe derer, denen die Existenz des Reiches, das Wohlbefinden der Nation, die Stellung der Nation im wirtschaftlichen und politischen Kampf der Völker anvertraut ist, dafür zu sorgen, daß nicht parteiisch zugunsten eines übermächtigen Unternehmertums den Forderungen der Arbeiterklasse ent- gegcngetreten wird.-Damit fördert man nicht die Kraft unseres Volkes, sondern richtet sie zugrunde. Ich glaube nicht daran, daß der jetzige Reichskanzler oder der Staatssekretär der Mann dazu wäre, eine Regeneration der Gesundheit unseres Volkes herbei- zuführen. Aber dies Programm soll in dieser Stunde aufgestellt werden: Wer r« gut meint mit dem deutschen Bolke, seiner Macht, seinem Ruhm, seiner Ehre upd seiner Kultur, der sorge für ein freie« Koalitionsrecht!(Stürmischer Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Das Haus vertagt sich. Präsident Äaempf schlägt vor, die nächste Sitzung abzuhalten Freitag 12 Uhr mit der Tagesordnung: Interpellationen der Sozial- demokraten und Fortschrittlichen Volkspart ei über Zabcrn. und im Anschluß dat..n Anträge der Freisinnigen und Elsässcr betr. das Eingreifen der'bewaff- n e t e n Macht. Abg. Graf Westarp(kons.) erhebt Widerspruch gegen die Beratung der Anträge im Anschluß an die Interpellation. Formell sei das zwar nach der Geschäfts- ordnung zulässig, materiell aber eme Erweiteru'.ttz des Jnter- pellatwnsrechts. Abg. Haase(Soz.): Die Ansicht des Vorredners ist irrig. Der Herr Präsident hat nicht vorgeschlagen, in unmittelbarem Zusammenhang mit der Interpellation die Anträge zu erörtern, sondern erst, wenn die Interpellation abgeschlossen ist, soll man zu dem neuen Punkt der Tagesordnung übergehen. Die Abgg. Gröber(Z.), Bassermann(natl.), Dove(Vp.) stimme» der Auffassung des Abg. Haase zu. Das Haus beschließt gemäß dem Vorschlag des Präs s i d e n t e n. Schluß 6'A Uhr.____ gleiches in der Ausübung des Koalitionsrechtes schaffen. Für den Jnscrat'mteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW.