Kr. 24. fibonncmcnts-Bcdingungen: BSonnemsnJS■ Vreis vränmnerando! SicrteljofitL 3,30 MI, monaU. L10 2)[£, wöcheiUIich 28 Pfg, frei in« Haus. einzelne Nummer 3 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Posi. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-ZeiMngS- Preisliste. linier Kreuzband jüt Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2M) Marl, für das übrige Ausland . Marl pro Monat. PoftabonnemeiNZ nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. «»eist Ögn». � ♦>. Verlinev Dolksblcttt. Di« Insertion!-Ledühi' beträgt für die scchSgespaltcne Kolollel. zelle oder deren Raum 00 Psg„ für politische und gewerlschaftlichc Vereins. lind Versanimliings-Aiizeigen 30 Pfg, „Ateine Zln-eig-n", das settgedrinlle Wort 20 Pfg,(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort lo P?g, Stellengesuche und Schlafslelletiaü. zeigen das erste Wort 10 Pjg„ jedes weitere Wort 3 Pfg, Worte über 13 Buch- itabcn zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nuinmcr mülfe» bis i Uhr nachinittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöfftiet. Telegramm- Adresse: „S«zizlüim»>iizt sseriia". Zentralorgan der fozlaldenioltratifd�en Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 1S8Z. Sonntag, den Ä». Januar 1914. Expedition: 8Rl. 68» I�indenatraaae 69. Fernsprecher: Amt Morii-Plnst, Nr. 1i>8t. I�es satlsksits. Ioe5 satiskaits, die Befriedigten, nannte man in der französischen Julimonarchie jene bourgcoise Kam'mermehrheit, die unter der Leitung Ludwig Philipps und feines Ministers G u i z 0 t aus den Fleischtöpfen des Kapitalismus sich den Wanst vollschlug und darum mit der Regierung durch dick und dünn ging. Solche satistaits, solche um jeden Preis befriedigten Elemente, sind auch die bürgerlichen Par° teien des Deutschen Reichstags seit der vorgestrigen Rede des Kanzlers oder eigentlich schon vorher. Der deutsche Michel hat zwar in Zabern vom Militarismus einen derben Kolben- hieb über den Kopf erhalten, aber er bekam einen nassen Umschlag um die Schläfen und dann flößte man ihm noch ein Beruhigungspulver ein, das er willig schluckte, und jetzt ist er wieder fidel und munter, obwohl der Kolben zum nächsten Schlag schon erhoben ist., Ja, über allen Wipfeln ist Ruh, und selbst in den fortschrittlichen Blättern spürest du kaum einen Hauch. Auch sie predigen Sanftmut, auch sie sind von Bethniann Hollweg befriedigt, auch sie gefallen sich in einer komischen Entrüstung über die angeblichen„taktlosen Angriffe" der Sozialdemokratie gegen den Kronprinzen, auch sie erklären: Genug von Zabern! Ues«atmkaits! Liegt die Schuld ctiva an einem meisterlichen Regiekunst- stück des Herrn v. B e t h m a n n H 0 l l w e g? Hat er von dem Seiltänzer, der vor ihm in der Wilhelmstraße wohnte, gelernt, wie man die Marionetten an den Fäden nach Belieben zappeln läßt? Bewahre! Der Reichskanzler war vorgestern wie nur je ein salzloser, trockener Hering, eingewickelt in löschpapierene Buieaukratenweisheit, und sachlich gar brachte er noch weniger als am 3. Dezember. Damals nahm er wenig- stens einen wenn auch kurzatniigen Anlauf, um die vom Bajonett bedrohte Verfassung zu schützen, damals fand er Wenigstens wenn auch bedingte und eingeschränkte Worte des Tadels für die niilitaristisckfen Ausschreitungen in Zabern. Inzwischen haben die Kriegsgerichtsverhandlungen in Straß- bürg klipp und klar bewiesen, daß alles noch viel schlimmer war, als man anfangs angenommen, und daß ein gesetzesver- sichtlicher Geist, der alle Jurisprudenz vor dem Maschinengewehr kapitulieren läßt, in weiten Kreisen des Ofsizierkorps wohnt. Und da hält der Reichskanzler es nicht einmal für nötig, aus die Interpellationen zu antworten, denn was er vortrug, war keine Antwort, sondern ein Herumreden um die Antwort. Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, uni ähnlichen Uebcr- griffen vorzubeugen? Gar nichts gedenkt er zu tun! Die Kabinettsorder von 182V soll„nachgeprüft" werden. Wissen wir schon! Und weiter? Nichts weiter! Schluß! Nicht ein- mal die Andeutung, daß und ob und wann das Ergebnis dieser „Nachprüfung" dem Reichstag bekaimtgegeben wird! Und trotz alledem ist eine himmlische Ruhe über die bürgerlichen Parteien gekommen und sie atmen auf, als sei der Alp Zabern von ihrer Brust genommen. Sie können eben nicht mehr! Wer so wie sie dem milita- ristischen Vitzliputzli Opfer um Opfer gebracht hat, der vermag nicht den Hammer zu heben und den Götzen in Scherben zu schlagen. Und was sie weiter unlustig zu jedem ernsten Widerstand gegen die Machthaber des Tages macht, ist eine nicht unberechtigte Weltuntergangsstimmung, die sie im Schlafen und Wachen nicht mehr verläßt: Siehe, es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt! Immer sieges- gewisser schallt der Marschtritt der Arbeiterbataillone, die alte Ordnung knackt in allen Fugen, von nahenden Umwälzungen gewitterts am Horizont, und da sollten die Nutznießer dieser alten Ordnung iroch so viel Mark in den Knochen aufbringen, um Kämpfe gegen eine Macht zu führen, die doch letzten Endes berufen scheint, die Kassenschränke der Besitzenden mit Maschinengewehren zu schützen? Sie können nicht mehr! Darum treiben auch die Junker mit der bürgerlichen Opposition lSksindluder und die Regierung versetzt ihr in gleichgültiger Verachtung Fußtritt um Fußtritt. Als sich gestern früh zehn Uhr der Reichstag zusammensckiarte, uin über die Anträge und Resolutionen zu beraten, die von den Parteien im Zusammenhang mit Zabern eingebracht waren, da herrschte auf den Bänken der Regierung, wo so oft das Chaos herrscht, das Nichts. Kein Reichskanzler, kein Staats- sekretär, kein Ministerialdirektor, kein Geheimrat: kein Assessor! Nichts, nichts, leere Stühle, leere Tische! Und aus dieser Leere schallte es dem Reichstag wie das urwüchsigste Zitat aus Goethes Werken entgegen. Das war denn den bürgerlichen Oppositionsparteien doch zuviel. Der Fort- schrittler Müller-Meiningen wandte sich darum bei der kurzen Begründung der Anträge und Resolutionen sckiarf gegen den Reichskanzler, der anscheinend provozieren und einen Konflikt hervorrufen wolle, und auch der Zentrums� redner Fehren bach erläuterte den Antrag seiner Partei mit scharfer Spitze gegen die berühmt gewordene Kabinetts- order von 1820, während Herr B 0 s s e r ni a n n auch durch die neueste Brüskierung des Parlaments nicht aus seiner pseudo-olympischen Ruhe zu bringen war. Für Genossen Haas« dagegen bot diese Brüskierung die Gelegenheit, den bürgerlichen Oppositionsparteien vom 3. Dezember zuzurufen, wie recht die Sozialdemokratie mit ihrer Taktik gehabt habe und wie nur der entschlossene Kampf hier bessern könne. In der Aufwallung des Augenblicks entschieden sich denn die Parteien, nachdem die Resolutionen angenommen und die An- 1 träge an eine Kommission verwiesen waren, dafür, der Ne- gicrung einen kleinen Denkzettel zu geben und nahmen, statt den Etat des Rcichsamts des Innern weiter zu beraten, den von der Sozialdemokratie angeregten Antrag Gröber- Haase-Müller-Meiningen aus Vertagung an. So ist noch einmal die erlöschende Flamme der Opposition ein wenig angefacht worden. Aber sie wird kauni wieder zu heller Lohe aufschlagen. Zu allgemein ist unter den bürger- lichen Parteien die Stimmung, der die„Germania" Ausdruck leiht: Es ist nachgerade höchste Zeit, daß das Thema Zabern aus der öffentlichen Diskussion verschwindet und nicht noch weiter den Frieden im Innern stört, zumal eine Verständigung aller bürgerlichen Parteien, auch im Hinblick auf die auswärtige Lage, jetzt nötiger zu sein scheint als je zuvor. Frieden! Ruhe! Filzpantoffeln! Ach ja, Deutschland, die große Kinderstube ist keine politische Mördergrube! Ein englischer Mmeeskanöal. Aus London wird uns geschrieben: Bor einiger Zeit hieß es, daß die englische Regierung eine Anzahl Offiziere wegen Durch- stechereien vor ein Kriegsgericht stellen werde. Das Kriegsgericht wurde auch eingesetzt, aber unmittelbar vor seinem Zusammentritt kam die Meldung, daß die Behörden das Versahren eingestellt haben und die Angeklagten auf zwilger'chtlichcm Wege verfolgen werden. Das Kriegsgericht konnte nämlich nur aktive Angehörige des Mili- tärstandes aburteilen und sich nur mit Delikten befassen, die nicht mehr als drei Jahre zurückliegen. Im Laufe der Untersuchungen hatten die Behörden herausgefunden, daß nicht nur aktive, sondern auch pensionierte Militärpersonen seit vielen Jahren ftistematisch bestochen worden sind, und zwar von der großen patriotischen Finna L i p t 0 n. Das Resultat der Durchstechereien ist, daß sich vorige Woche lt> Militär- und Zivilpersonen vor dem Polizei- richter(Untersuchungsrichter) in der Bow Street befanden. Der Fall hat viele Aehnlichkeit mit den Militärskandälcn in anderen Ländern. Die Firma Lipton, die die Quartiermeisier der Armee links und rechts bestochen hat, genießt einen patriotischen Ruf. Sie verkauft im Groß- und Kleinhandel allerhand■ Lebensmittel und Kolonialwaren; in den kleinsten Flecken Großbritanniens hat sie ihre Filialen. Ihr Gründer, Sir Thomas Lipton, war der Busenfreund deS verstorbenen Königs Eduard. Er spielt seit Jahren die Rolle des Ueberpatrioten. Man könnte sagen: Lipton, das ist der englische Krupp. Freilich besteht ein gewaltiger Unter- schied zwischen den harmlosen Schinken und Würsten und Panzer- platten und Kanonen; aber das Gefühl, das der Name Lipton im Busen jedes patriotischen Engländers erweckt, ist nicht unähnlich dem Stolze, der das Herz jedes Alldeutschen beim Namen Krupp höher schlagen läßt. Und nun scheint es, daß auch diese Seifenblase platzen soll. Die Verbrechen, deren die Quartiermeister und Angestellten der Firma L'pton beschuldigt werden, betreffen die Soldatenvcrpflegung. Der Soldat im englischen Söldnerheer bezieht außer der gewöhn- lichen Verpflegung auch noch einen beträchtlichen Gcldlohn. Aus diesem Gcldlohn bestreitet er die Genußmittel, die ihm die Heeres- Verwaltung nicht liefert. Es he-ßt, daß der Gemeine, nachdem er für die Genußmittel bezahlt hat, noch ö bis 7 Schilling wöchentlich übrig hat. Was er bedarf, kaust er in der Regimentskantine, die zum Regiment, zur Batterie oder Sektion gehört. Die Kantinen werden von Unternehmern bewirtschaftet, die für das Vorrecht bc- zahlen müssen. Zwischen den verschiedenen Armeelieferanten be- steht nun ein heißer Kampf um das Recht, den Soldaten ausbeuten zu dürfen, und in der Hitze dieses Gefechts soll die Firma Lipton mit dem langen Geldbeutel ihre Konkurrenten auf unehrenhafte Weise aus dem Felde geschlagen haben. Die Sache kam heraus, als sich die Firma mit einem früheren Angestellten namens S a w y e r überwarf, der als Vermittler zwischen ihr und den Kantineninspeltoren fungierte. Der Mann wandte sich an eine Gesellschaft, die die Durchstechereien im Handel bekämpft und die diese Angelegenheit zur Kenntnis des Kriegs- Ministeriums brachte. Es scheint, daß die Agenten Liptons pfiffiger und vorsichtiger toaren als die gewöhnlichen Subalternen, denen man meist, wenn der Schwindel herauskommt, alle Schuld in die Schuhe schiebt. Davon zeugt das umfangreiche Dokumenten- Material, mit dem der öffentliche Ankläger aufwarten konnte. Um sich eine Kantine zu sichern oder eine neue zu erhalten, mußten die Unternehmer darauf bedacht sein, sich vor allen Dingen die Gunst der Ouartiermeister, der ersten Unteroffiziere und der Köche zu wahren oder zu verschaffen; denn von der Fürsprache oder der Klage dieser Beamten hing alles ab. Zu diesem Zwecke wurde ein großes S ch m i e r s y st e m eingeführt, an dessen Spitze der frühere Leiter der Flotten- und Militärabieilung Liptons, ein ge- tuiffer Minto, stand, der zurzeit in Paris an der diplomatischen Krankheit leidet und die Lust in der Bow Street nicht vertragen kann. Die Agenten der Firma machten sich an die Quartiermcistcr heran, die in England die Ehrentitel Leutnant oder Hauptmann führen, und bestachen sie. Es scheint, daß man ihnen regelmäßig in jedem Quartal gewisse Summen zukommen ließ und daß sie dafür ein Auge zudrücken mußten, wenn die Firma den„Tommies" zuviel abnahm. Nach den von der Anklage vorgelegten Doku- menten beliefen sich die einzelnen Summen aus 2 bis SV Pfund. In einigen Fällen war der Appetit aus Backschisch bei den„ehren-! werten Leutnants und Hauptmännern" so stark entwickelt, daß es keiner besonderen Anstrengungen der Agenten bedurfte, um die; „Provision" loszuwerden. Die Aufwickelung der ganzen schmutzigen I Affäre enthüllte wenig hervorstechende Momente. Der Schwindel muß sich so eingelebt haben, daß den daran beteiligteck Personen die Verwerflichkeit ihrer Handlungen überhaupt nicht mehr zum Bewußtsein gekommen ist. Darauf deutet eine köstliche Stelle aus dem Briese, den ein Agent der Firma Lipton an den Kronzeugen Sawher schrieb. Der Mann wies daraus hin, daß gewisse Quittungen, die von Offizieren für Schmiergelder ausgestellt wor- den waren, nicht die Anfangsbuchstaben der Namen der Empfänger trugen, und bemerkte:„Das gibt unehrlichen Leuten Spielraum, nicht wahr?" Ein langes, langes Sündenregister wird in den nächsten Mo- naten aufgerollt werden. Der Gerichtshof wird sich in Zukunft jeden Samstag und Freitag mit der Angelegenheit beschäftigen, und es verlautet, daß die Untersuchung erst um die Mitte des Sommers abgeschlossen sein wird. Welch ein Augiasstall wird hier ausge- mistet werden müssen! Die Enthüllungen zeigen wieder einmal, wie gefährlich eS ist; daS Heer und die Flotte und ähnliche nationale Einrichtungen den Privatkapitalisten als Ansbeutnngsobjekte ans- zuliefSrn. � * London, 24. Januar. Heute vormittag wurde in der das Armeekantiuenwesen betreffenden Bestechungs- a f f ä r e vor dem Polizeigericht verhandelt. Der Anklagevertreter gab die Vorladungen an zwei neue Angeklagte bekannt, deren einer der Oberst W h i t t a k e r ist, der früher das zweite Dorkshire Light- Jnfanterie-Rcgiment befehligte. Der Staatsanwalt verlas einen Brief, in dem gesagt wird, daß der Oberst von der Firma Lipton Limited Zahlungen erhalten habe. Zugleich erklärte der An- klagevertreter, er beabsichtige, Zeugen zu laden, die beweisen würden, daß Whittaker zu der Zeit, als das Regiment nach Sheffield ging, Verträge abgeschlossen habe, durch welche die Firma Lipton unverhältnismäßig begünstigt wurde. Die beiden Hauptschuldigen seien der frühere Chef der Abteilung für Militärliefcrungen im Hause Lipton, Minto, und Direktor Eans- field von der Firma Lipton Limited. politische Uebersicht. Die Zollwucherer an der Arbeit. Fürchterlich ist die Rache, die Dr. Diederich Hahn dafür nimmt, daß die Wähler seines früheren ReichStagSwahllreiseS so vernünftig waren, ihn nicht wieder in den Reichstag zu schicken. Was ihm in dem Parlament des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu sagen nicht mehr vergönnt ist, das alles und noch vieles dazu, daS sucht er nun im Dreiklassenparlament an den Mann zu bringen, und die wenigen Abgeordneten, die eS mit ihrer Pflicht enist nehmen, müssen den Redeschwall über sich ergehen lassen. In seinem Größenwahn fühlt er sich als Erzieher Deutsch- lands und schulmeistert bald die Regierung, bald die Fortschrittler, bald die Nationalliberalen, bald die Sozialdemokraten. Sie alle sind ihm nicht zuverlässig genug, die einen nicht, weil sie die von ihm befürwortete Wucherpolitik scharf bekämpfen, die anderen nicht, weil sie nicht durch dick und dünn mit ihm gehen. An sich brauchte man den Hahnschen Volksversammlungsreden mit ihren maßlosen Ueber- treibungen und Selbstbeweihräucherungen keine Bedeutung beizulegen, wenn sich nicht das Streben nach immer höheren Zöllen wie ein roter Faden durch sie hilldurchzöge und nicht die große Gefahr de- stände, daß die agrarische Regierung schließlich doch den Weisungen der Bündler gehorsam sein wird. Offenbar handelt es sich bei den langatmigen Debatten zum Landwirtschaftsetat, die auch noch die ganze Sonnabend- sitzung deS Abgeordnetenhauses ausfüllten, um ein planmäßiges Vorgehen der Agrarier, um einen Vorstoß zwecks Besteuerung auch der wenigen Nahrungsmittel, die heute noch zollfrei sind. Am Freitag forderten sie einen Heringszoll, am Sonnabend einen möglichst hohen Zoll auf Kartoffeln und auf Gemü sje. Den Takt zu diesen eintönigen Klageliedern der Agrarier schlägt Herr Diederich Hahn, der fast nach jedem Redner daS Wort ergreift, aber nicht um zur Sache zu sprechen, sondern um seinem bedrängten Herzen Lust zu machen. Nicht der Bedeutung seiner Reden willen, sondern einzig und allein, damit sie nicht nnwider- sprachen ins Land hinausgehen, unterzogen sich die sozialdcmo- kratischen Abgeordneten der wenig dankbaren Ausgabe, ihm ent« gegenzutreten. Die Genossen H a e n i s ch und Hirsch ließen Herrn Hahn die gebührende Abfertigung zuteil werden, indem sie wenigstens die schlimmsten Uebertreibungen des agrarischen Hetzapostels auf ihr richtiges Maß zurückführten. Auch der Vauernbündler Wenthorst de Wente sagte ihm manche unangenehme Wahrheit. Zur Sache selbst hatte sich vorher namens der Sozialdemokraten Genosse Paul Hoffmann geäußert, der die agrarischen Unber- schämtheiten kennzeichnete als das, was sie sind; der Zoll- wuchermehrheit ihre Sünden vorhielt und der Regierung gehörig den Tert loS, weil sie bei der Einsetzung von Gärtnereiausschüssen systematisch den Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein zugunsten kleiner Ver- bände übergangen hat. Als der Landwirtschaftsministcr unter Beifall der Mehrheit sein Verhalten mit der Redensart von der Schädigung der Staatsinteressen durch die Forderung des an- geblich sozialdemokratischen Verbandes rechtfertigte, erteilte ihm Genosse Braun eine Antwort, die er so leicht nicht vergessen dürfte. Mit feiner Ironie geißelte er die„Rotscheu" der preußischen Regierung und zog, um ihre völlige Rückständigkeit und Blindheit zu demonstrieren, einen Vergleich mit anderen Ländern, die sich sehr gern sozialdemokratischer Unterstützung bedienen. Daß die Macht der Tatsachen auch die preußische Regierung einmal dazu zwingen kann, wie Braun treffend hervorhob, dafür hat der Minister kein Verständnis, denn daZ einzige, waZ er zu sagen wußte, war: Wir leben in Preußen! Das wissen wir auch ohne Herrn v. Schorlemer. Am Montag wird die Etatsberatung durch die Besprechung der freikonservativcn Interpellation über die Dienstbotenpersicheruiig unterbrochen. Zaber». Von den verurteilten Rekruten ist einer, der seinerzeit wegen unbefugter Bekanntgabe dienstlicher Mitteilungen an die' Presse be- ziehungsweise wegen UnterschreibenS der bekannten Mitteilungen an den„Elsässer" mit 43 Tagen Mittelarrest bestraft worden war, begnadigt worden. Er hat von der ihm zuerkannten Strafe bereits 29 Tage verbüßt. Auch die Nachricht, daß der fortschritt- liche Abgeordnete Burg er«Straßburg von der Militärbehörde zu einem Bericht aufgefordert und infolgedessen seinen Abschied als Neserveoberleutnant gegeben habe, bestätigt sich nicht. Dagegen soll einer Meldung des.Matin" zufolge der Stadt Z a b e r n zugemutet werden, gewisse Garantien zu leisten, damit ihr die Gnade, wieder eine Garnison zu erhalten, gewährt werde. Man verlangt das Ver- sprechen, daß die Militärs in Zukunft Iveder belästigt noch beleidigt werden. Von einer Garantie für die Zivilbevölkerung ist natürlich keine Rede.__ Herrn Delbrücks Beweise. Am Dienstag leistete sich der Staatssekretär Dr. Delbrück bei der Verhandlung seines Etats die folgende erstaunliche Ver- teidigung des Einfuhrscheinsystems: .Die Einfuhrscheine sind keine Ausfuhrprämien, soirdern geben lediglich die Möglichkeit, Getreide zum Weltmarkt- preise möglichst schnell abzusetzen. Die Ausfuhr von deutschem Roggen wird nicht ersetzt durch die Einfuhr ausländischen Roggens, sondern von Weizen. Der Verbranch von Weizen ist gestiegen und dadurch ergibt sich die Möglichkeit, Roggen auszuführen." Die Behauptungen des Staatssekretärs sind völlig unzutreffend. Die Weizeneinfuhr ist von 1905/6 bis 1912/13 von 26,15 Millionen Doppelzentner um 1,54 Millionen Doppelzentner auf 27,69 Millionen Doppel- zentner gestiegen, die Noggenausfuhr dagegen von 1,64 Mill. Doppelzentner nm 7 Millionen Doppelzentner auf 8.64 Mill. Doppelzentner. Es ergibt sich, dag die durch das Einfuhr- fcheinsystem formierte NoggenmehrauLsuhc fast fünfmal s o groß ist. als die Mehransfuhr von Weizen. Die Darstellring, daß die Roggenausfuhr durch die Weizeneinfuhr ausgeglichen wird, ist also em Unsinn vop wunderbarer Klarheit. Herr Delbrück hat aber auch behaliptet, daß die Einfuhr- scheine keine Ausfuhrprämien darstellen. Der Mi- nister, der den Gesetzentwurf auf Aufhebung des Jdentitäts- Nachweises und die Begründung dcS EinfuhrfcheinsystemS in seiner heutigen Form rechtfertigte, Dr. M i q u e l, mar allerdings einer anderen Ansicht. Er erklärte am 7. März 1894 auf eine Anfrage des Abgeordneten Nickert,„daß der Bilndesrat von d er M ö g li ch ke it die Scheine als Zollgeld zu verwenden, keinen Gebrauch ni a ch e n tv ü r d e, in einem Zeitpunkt, wo die Äusfllhr die Einfuhr überschreitet und bares Geld aus der R e i ch S k a s s e zugezahlt werden müßte. In einem solchen Falle würde das Gesetz überhaupt ganz seinen Zweck verfehlen und wir würden dann allerdings ganz u n- berechtigte Ausfuhrprämien gewähre n." Und bei der zweiten Lesung des Gesetzes am 9. März 1894 unter- strich Dr. Miguel seine Erklärung vom 7. März mit den Worten,„daß in dem Augenblicke, wo die Ausfuhr größer sein würde als�die Einfuhr, die Verwendung der Einfuhrscheine als Zollgcld aufhören müßte; darüber könnte nicht dex mindeste Zweifel sein." Im Jahre 1912 führte Deutschland 315 724 Tonnen Roggen ein und 797 317 Tonnen aus. Aber das Einfuhr- fcheinsystem, durch das nach den Worten des Finanzministers Der Zelözug in Frankreich. „Mit der Neberschreitung deS Rheins," schreibt John Holland Rose in seiner Geschichte Napoleons,„grisfen die Verbündeten nicht Napoleon, sondern die französische Revolution an." So war es in der Tat, denn abgesehen von den in Festungen eingeschloffenen französischen Truppen war bis zum Ende des Jahres 1813 daS Hauptrampfziel Befreiung des deutschen Bodens von den fremden Eroberern, auf der ganzen Linie erreicht. Wenn die Verbündeten ihre siegreichen Waffen über den Rhein trugen, um in das Herz Frankreichs vorzustoßen, Paris zu besetzen und Napoleon die Krone vom Kopf zu schlagen, so war das insofern ein ausgesprochen konterrevolutionäres Unternehmen, als eS schließlich mit der Wiederaufrichtung der Bourbonenwirtschaft enden mußte. Aber unter den Verbündeten herrschte durchaus keine ein- bellige Meinung über das Vordringen nach Frankreich. Oester- reichs Viachthaber, an ihrer Spitze Metternich, unterstützt von der englischen Regierung, sahen sich am Ziel ihrer Wünsche und konnten nur wenig mehr von einer Fortführung des Krieges er- warten, um so weniger, als sie dem russische» Zarismus einen höchst unerwünschten Machtzuwachs bringen mußte. Sie waren denn auch bereit, Ende 1813 mit Napoleon aus Grundlage der Nheingrenze und zwei Monate später auf der Basis der Grenze von 1792 Frieden zu schließen. Der Zar Alerander dagegen drängte stürmisch nach Paris und wollte nicht ruhen, bis der Thron der Napoleonideu zerschmettert am Boden läge, weniger aus eitler Ruhmlust, als weil er in dem schwedischen Kronprinzen Berna- bot t e einen ihm blindlings ergebenen Anwärter für die fran- zösische Krone befaß. Mit dem Zaren an einem Stricke zogen die kühnen Draufgänger in der preußischen Heeresleitung wie Blücher, Gneisenau und G r o l m a n, und auch Friedrich Wilhelm III., wenn cpuch schwankend und stolpernd, neigte sich der Meinung seines Freundes Alexander zu. Auf den Gang der kriegerischen Operationen mutzte dieser Zwiespalt hemmend und hindernd einwirken. Die Hauptarmee der Verbündeten setzte, aus der preußischen und russischen Garde, aus Batzern und Württembergern, aber in der Hauptsache aus Oester- reichern bestehend, unter dem Oberbefehl Schwarzenbergs bei Basel über den Rhein und marschierte bedachtsam auf daS Plateau von Langres, das, als Wasserscheide dreier Meere, die wundersame Fähigkeit haben sollte, ganz Frankreich zu beherrschen. Für einen so verwitterten Gamaschenknops wie de» vertrauten Be- ratec des Preußenkönigs, v. Knesebeck, war es denn auch der Rubicon, der auf keinen Fall überschritten werden durfte, und auch das Oberkommando Schwarzenbergs lieh sich nicht nur durch die Rücksichten auf Metternichs diplomatische und politische Pläne, sondern auch durch die Ueberlieferung des seligen Hofkriegsrats zu Wien bestimmen, einen geheimnisvollen strategifchen Krieg gegen Flüsse und Bergrücken zu führen, der mit der Be- sctzung des Plateaus von Langres eigentlich beendigt war, statt mit keckem Angriff den Stier bei den Hörnern zu packen. .,B l ü ch e r und mehr noch G n e i s e n a u," schrieb mißbilligend der Oberfeldhcrr selber an seine geliebte Rani,„treiben mit einer so wahrhaft kindischen Wut nach Paris, daß sie alle Regeln des Kriege« mit Füßen treten. Ohne die Hauptstraße von Chalons nach Nancy mit einem bedeutenden Korps zu decken, laufen sie wie Dr. Miquel„ganz unberechtigte Ausfuhrprämien" gewährt werden, besteht noch immer. Aber Herr Delbrück leugnet was Dr. Miquel als eine unumstößliche Tatsache zugab, und hütet sich, genau so das Wort des für das Gesetz verantwortlichen Ministers einzu- lösen, wie sich der preußische Ministerpräsident hütet, das Versprechen der Thronrede wahr zu machen, eine zeitgemäße Wahlrcfonn in Preußen durchzuführen. Ei» genialer Vorschlag. Der„Fall Stoecker" hat, wie man weiß, einiges Aufsehen erregt, da e-Z selbst in Preußen bisher nicht dagewesen war, daß einem völlig unbescholtenen jungen Manne der Berechtigungsschein zum Etnjäbrigendienst entzogen wurde, nur weil die Betätigung für die Sozialdemokratie moralisch minderwertig mache. Nach langem Zögern sieht sich auch die„Köln. Ztg."— Stoecker war Berichterstatter an unserem Kölner Parleiblait— genötigt, einen Leitartikel zu dem empörenden Falle zu veröffentlichen. Das nationalliberale Blatt ist so gnädig, uns nicht in Bausch und Bogen zu den moralisch Defekten werfen zu wollen: „Man kann eifriger Gegner, ja ein Feind der Sozialdemo- kratie sein, mau kann die Sozialdemokratie als daö größle Uebel, die Agitation für sie als den schlimmsten Fehler ansehen— daß dieser Fehler aber ein sittlicher Defekt, ein niorali scher Mange l sei, wird man jedenfalls generell nicht behaupten können." Sehr schmeichelhaft. Und nun kommt natürlich die energische Forderung, dem Sozialdemokraten Stoecker die rechtmäßig erworbene Berechtigung wiederzugeben und für die Folge Rechtswidrigkeiten zu unterlassen? I w o! Nur etwas anders soll die Entrechtung vor sich gehen. Man höre: „Sind im m i l i t ä r i s ch e n Interesse entsprechende Vorschriften über die Oualifikalion der Freiwilligen erforderlich, so möge man die Gesetze dabin ändern, daß der freiwillige Eintritt in das Heer oder in die Marine von der persönlichen Eignung des sich Meldenden abhängig ist, man ersetze also das Wort „moralisch" durch das Wort„persönlich". Dann wird gegen die gewünschte Auslegung vom Standpunkt der Gesetzes- interpretation nichts zu erinnern fein." Das ist beinahe zu schlau, als daß man den Gedanken einem nationallibcralcn Gehirn zutrauen könnte. Wo mag dieser geniale Vorschlag ausgeheckt sein? Der Kriegsminister wird nach solchem Stichwort nun wohl endlich die Sprache wiederfinden, denn seit vier Monaten liegt ihm die Sache vor, und als am IS. Januar Genosse Hofrichter seine kleine Anfrage stellte, war die Angelegenheit noch nicht— geprüft. Jetzt weiß v. Falkenhayn, was er zu ant- Worten hat!___ Die Wehrsteuer fließt viel reicher, als man angenommen hat. Die„Kölnische Zeitung" wenigstens meldet, daß die Steuerbehörden über- rascht seien, weil die Einschätzungen allgemein erheblich höher ausfielen, als varher angenommen. Diese Erscheinung dürfte Vor allem auf den Generalpardon zurückzuführen sein, der zahlreiche Vermögen nachgewiesen hat, die bisher unver- steuert waren. Es dürfte deshalb vielleicht möglich sein, daß die dritte Quote zum einmaligen Wehrbeitrag nicht voll erhoben werde. Die Gemeinden würden durch diese Einschätzung erheblich höhere Einnahmen erzielen, ebenso der Staat für seine Steuern, Fürsorgeerziehung und Wucherpolitik. Der Satz, daß in der Hauptsache die sozialen Verhältnisse die Verbrechen verschulden, erfährt eine neue Bestätigung durch die soeben veröffentlichte Statistik über die Fürsorgeerziehung Minder- jähriger in Preußen für das Jahr 1912. Wie die Waisen und die unehelich Geborenen das verhältnismäßig größte Kontingent zur Zahl der Verbrecher uno der Prostitutertcu stelle», so finden sich unter ihnen auch die meisten Fürsorgezöglingc. Hatten doch von den 1912 der Fürsorgeerziehung überwiesenen 9999 Minder- jährigen nicht weniger als 4227 oder 42,7 Proz. bereits vor ihrem toll bis Brienne, ohne sich um ihren Rücken und Flanken zu be- kümmern, machen sie nur Entwürfe zu parti« fines im Palais Royale." Blücher nämlich hatte, während B ü l o w und Win- tzingerode Holland im Sturm leerfegten, am Neujahrstage 1814 bei Caub den Rhein überschritten und war, die auf dem Wege liegenden Festungen einschließend oder beobachtend, durch die Ar- dennen über Saarbrücken, Metz und Nancy in die Champagne ein- gerückt, aus der vor mehr als zwei Jahrzehnten, im ersten Kreuz- zug der Ostmächte gegen die französische Revolution, die preußischen Truppen in so trostlosem Zustand zum Rhein zurückgeflutet waren. Hier griff ihn Napoleon am 29. Januar bei Brienne an, um seine Vereinigung mit der Armee Schwarzenbergs zu hindern, doch trotz eines unbestrittenen Erfolges der Franzosen gelang es Blücher am 1. Februar, unterstützt durch Truppen der Hauptarmee, bei La Rothiere den Kaiser zu werfen. Aber wäh. rend ihn diese Niederlage in trübste Stimmung verstrickte und er der Vollendung seines Schicksals verzweifelt ins Auge sah, weckte ein Fehler der Verbündeten plötzlich wieder den genialen Schlachten- meister von ehedem in seiner Seele. In der Heeresleitung der Verbündeten war endlich der Marsch auf Paris beschloffen ioorden, aber während Blücher seine Truppen ein paar Tagemärsche nach Norden vorschob, um dann nach Westen umzubiegen, sollte Schwarzen borg aus der Linie Bar-sur-Seine— Sens gegen die französische Hauptstadt operieren. Aber nur mit dem größten Unmut im Herzen setzte der Oesterreicher den Feldzug fort, schon weil Metternich den am 5. Februar in Ehätillon zusammengetretenen Friedenskongreß nicht durch ernstere kriegerische Er- eignisse zu stören wünschte. So blieb daS Haupthccr zögernd zurück, und mit seinen, alten Fcldherrnblick ersah Napoleon seinen Vorteil, als BlücherS Heer beim raschen Vorrücken der linken Flankendeckung durch Schwarzenbergs Truppen ent- behrte: Wie ein Panther sprang er blitzschnell dem Feinde an die Kehle und biß viermal zu, am 10. Februar bei Champeaubcrt, am 11. bei Moutmirrail, am 12. bei Chateau-Thierry und am 14. bei Etojjes. Jeder dieser Kampftage schlug eine Abteilung des Blücher scheu Heeres aufs Haupt, EtogeS zwang gar den Marschall Vorwärts selbst, sich rückwärts zu wenden. Diese Erfolge erfüllten Napoleon mit neuer Siegessicherheit und ließen ihn dem Ehätilloner Friedenskongreß ein Ende machen. Im Geiste sah er sich schon wieder jenseits des Rheines stehen und ganz sicher- lich stärkten die Februarsiege seinen moralischen Rückhalt im Lande. Als nämlich zu Ende des Jahres 1813 der Kaiser nach Paris zurückkehrte, um neue Aushebungen und neue Rüstungen zu be- treiben, machte Frankreich gar kein Hehl daraus, daß es des ewigen Krieges müde war. Handel und Gewerbe lagen danieder, auf den Aeckern wuchs das Unkraut, die Steuern waren maßlos erhöht worden, die Staatspapiere sanken von Tag zu Tag in dem- selben Tempo, wie die Lebensmittelpreise stiegen, und selbst die Gehälter und Pensionen wurden nicht mehr voll ausbezahlt— was wunder, daß die mißgestimmte Bourgeoisie ihren Willen zur Fahnenflucht kundgab und ihre Sprecher im gesetzgebenden Körper, die Raynouard, Gallois und Flaugerqueö, zum erstenmal eine energische Sprache gegen den Cäsar zu führen wagten. Tie bourbonisch gesinnten Aristokraten gar sahen aus dem Unglück des Baterlandes ihr Heil emporblühen und wie sie im Faubourg Saint-Germain auf das nahe Ende des Verhaßten 14. Lebensjahre den Vater oder die Mutter oder beide Eltern der» loren, davon 10,2 Proz. dadurch, daß der eine Elternteil die Familie verließ! Hinzu kommen noch 1367 unehelich Geborene, die meist der Wohltat einer geordneten Erziehung in, Elternhause entbehren mußten. Mithin waren 3604 Kinder— 56,6 Proz. vor der Uebernahme in die Fürsorgeerziehung teils sich selber über- lassen, teils fremder Obhut anvertraut gewesen. Von den anderen Kindern entstammte ein großer Prozentsatz Familien, in denen der Vater oder die Mutter, oft auch beide Eltern, mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten waren. Nimmt man an, daß in diesen Fällen die Eltern einen ungünstige» Einfluß auf ihre Kinder ausgeübt hoben, so bleiben noch die zahllosen Kliider übrig, denen eS infolge der durch die Art der Arbeit bedingten Abwesenheit der Eltern von ihrer Häuslichkeit an der nötigen Aufsicht gefehlt hat. Tiefen Grund erkennt auch die offizielle Statistik als durchschlagend an, aber anstatt die Bestrebungen des Proletariats auf eine Verkür» zung der Arbeitszeit und namentlich auf Erhöhung der Löhne zu unterstützen, damit die Frauen nicht gezwungen sind, zur Bestrei- tung des Lebensunterhalts mit zu verdienen, sondern sich der Er- ziebung ihrer Kinder widmen können, verweist der Bericht auf die Notwendigkeit einer stärkeren Entfaltung der Schutzarbeit der freien Liebestätigkeit. Wir sind die letzten, die den Wert der freien Lisbestätigkeit, vorausgesetzt, daß sie ohne Sonderinteresscn, ohne Rücksicht auf Religion und Politik, ausgeübt wird, verkennen, aber die freie Liedestätigkeit darf immer nur als Ersatz einspringen. In erster Linie sind Staat und Gemeinden verpflichtet, ihre sozialen Aus- gaben zu erfüllen. Wenn wir hören, daß 50 Mütter des Jahrgangs 1912, von denen 66 Fünsorgezöglinge abstammen, unter Sitten- kontrolle standen und daß fast der dritte Teil aller Zöglinge Eltern mit lasterhaften Neigungen oder geistig minderwertige Eltern hatten, so zeigt das, wo der Hebel anzusetzen ist. Geradezu vernichtend aber ist das Urteil, das die Statistik, wenn auch nur indirekt, über unsere die Lebenshaltung verteuernde W'rtschafts- Politik fällt; sie weist nach, daß von den Eltern, deren Kinder der Fürsorgeerziehung überwiesen sind, mehr als die Hälfte, nämlich 54,7 Proz. ein Einkommen von weniger als 900 M. und weitere 83,1 Proz. ein solches von 900 bis 1500 M. hatten. 5,4 Proz. waren überhaupt ohne Einkommen. Nur 0,3 Proz. hatten ein Einkommen von 3000 bis 6000 M. und nur 0,1 Proz. mehr als 0000 M. Mit abnvhmeiidem Einkommen wird also die Möglichkeit einer ordnungsmäßigen Kindererziehung erschwert. Daß die offizielle Statistik diese Binsenwahrheit ausdrücklich konstatiert, wäre eigentlich überflüssig. Weit wichtiger erschein! uns dagegen die Tatsache, daß seit dem Jahre 1901 der Prozentsatz der Familien mit einem Einkommen von 900—1500 M., deren Kinder in Fürsorgeerziehung gegeben ist, ständig steigt, während der Prozentsatz der Familien mit unter 900 M. Einkommen in dem gleichen Maße gesunken ist. Das ist ein Beweis für die auch in sittlicher Beziehung so unheilvoll wirkende Politik der Ver- teuerung der Lebensmittel. WüÄe die preußische Rc- gierung ihren Einfluß im Bundesrat nach der Richtung hin geltend machen, daß mit dieser Politik gebrochen wird, dann könnte sie die rund 10 Millionen sparen, die sie nach dsm neuen Etat allein an Zuschüffen an die Kommunalverbündc zur Ausführung des Für- sorgeerziehungSgesetzeS ausgibt, eine Summe, die von Jahr zu Jahr größer wird. In diesem Etat wird wieder eine Million mehr gefordert als im Jahre 1913, und zwar wird der Mehrbedarf be- gründet mit der durch die allgemeine Steigerung der Lebensmittel- preise bedingten Erhöhung der P f l e g e g e l d 1 ä tz e für die !,ürsorg«zöglinge und mit der weiteren Zunahme der Zähl der- selben. Mit dieser Begründung, die an sich einwandfrei ist, spottet die Regierung ihrer selbst und weiß n i ch t w i«._ Ttreikjustiz. Kurz vor WeihnaSten setzle der Unternehmer Richter au« Ragnit, der üi Tilsit die Arbeiten am Güterbahnhof übernommen hone, die Stundenlöhne der Arbeiter von 88 auf 34 Pf. herab. Ein Teil der Arbeiter war damit»ichl zufrieden und versuchte, die anderen Ar- beiler zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen. Einige beleidigten und bedrohten die Arbeitswilligen, und der Arbeiter Vinceck mißbai» delle in seiner Erregung sogar zwei Arbeiter. Dafür wurde er zu 8 Moilaten Gefängnis verurteilt. Ein Monat wurde ihm von der Untersuchungshaft angerechnet. Die Aufhebung des Ar« beilswilligeir-HaftbefehlS wurde abgelehnt. Drei Arbeiter erhielten je zehn Tage und zwei Arbeiter je eine Woche Gefängnis. Und da« bei schreien die Scharsmacher nach strengeren Straten! tranken, begrüßten sie in den vom Feind besetzten Gebieten die fremden Herren freudig als die Wiederhersteller der Legitimität. Aber auch die Bauern hingen dem Manne, der letzten Endes doch immer ein Bauernkaiser gewesen, nicht mehr unbedingt an. Re- belliertcn sie auch nicht gegen ihn, so war doch an die Stelle der früheren Begeisterung eine dumpfe Ergebung getreten. So wurden die Steuern mit den größten Schwierigkeiten eingetrieben und statt daß der Geist von 1792 Freiwillige auf die Beine gebracht hätte, flohen die Ausgehobenen zum größten Teile als„Refrak- täre" in die Wälder. Zwischen Troyes und Noyent verschwanden vom 3. bis zum 5. Februar 6000 AuSgehobene spurlos, und sogar unter den Triariern Napoleons, in der alten Garde, waren Desertionen nichts Seltenes. Dazu fehlte es allenthalben, so über- raschend schnell war der Einbruch der Verbündeten erfolgt, an Vorräten, Munition und Ausrüstungsgegcnständen, die Arsenale waren leer, in manchen Truppenkörpcrn entfiel auf je zwei Mann eine Flinte. Aber wo es Napoleon gelang, die neu ausgehobene junge Mannschaft zur Vaterlandsliebe und Opfermut hinzuretßcu, schlugen sich diese ungeübten, kaum einexerzierten, schlecht ge« kleideten und schlecht bewaffneten Milchbärte wie alte Helden. Aus solchen Milchbärte», die kaum reiten konnten, bestanden die Kü- rassiere, die bei Valjouan fünf feindliche Eskadronen über den Haufen ritten, solche Milchbärte waren die Jäger zu Pferde, die in den Straßen von Montercau die Oefterreicher zu Paaren trieben, solche Milchbärte das 28. Infanterieregiment, das in der Schlacht von Bac-sur-Aube nur mit dem Bajonett den Wald von Levigliy, einer gegen vier, verteidigte, ebenso wie das 14. Regiment der jungen Garde, das sich bei Craonne, überschüttet von feindlichen Stückkugeln, drei Stunden auf einem Hügelkamm hielt und von 920 Mann 650 verlor! Wenn die Waffentaten, die Napoleon mit diesen schnell zusammengerafften Haufen erzielte, einen Um- schwung der öffentlichen Meinung zugunsten des Kaisers zuwege brachten, so trugen ebenso viel dazu die vandalischen Taten der Verbündeten bei. Unbeschadet der papiernen Versprechungen, die in schönen Pro- klamationen der Verbündeten den französischen Bürgern Leben und Ekgentui» gewährleistete», hatte der Krieg in Feindesland bei den Siegern bald alle viehischen Triebe wachgetitzelt. Es war noch das Geringste, daß die Heere der verbündeten Monarchen Dörfer und Städte ratzekahl geplündert hinter sich ließen, darüber hinaus stand Raub, Mißhandlung, Totschlag und Notzucht auf der Tages- ordnung.«Der Schrecken," schrieb Gneisenau,„geht vor uns her und Hungersnot folgt uns." Mit den Kosaken, Baschkiren und Kalmücken wetteiferten preußische Regimenter in der Entfesselung der Bestie im Menschen— General jy o r k donnerte die Offiziere seines Korps, das gelegentlich in einer Nacht zu ChalonS 57 00» Flaschen Champagner aus— trank, einmal an:„Ich glaubte die Ehre zu haben, ein preußisches Armeekorps zu kammandieren. ich kommandiere aber eine Räuberbande." Und wenn die preußische Heeresleitung vorwärts drängte, so nicht zuletzt, weil sie fürchtete, durch Plünderung und Missetat werde bei längerem Verweilen das Volk zur Wiedervergeltung aufgestachelt:„Stehn wihr und zaudern," schrieb Blücher im Februar,«so zehren wir alles us und bringe» daß voll! zur verzwcifflung und alles steht in masse wider uns uf." Aber dieser Volkskrieg toar nicht mehr zu vermeiden: mit wilden Grausamkeiten antwortete er auf die schändlichen Greuel, die Russen, Preußen und Oesterreicher ins Land getragen. Geschmierter Unteroffizier. Die Einjähriqfreiwilligcn Richard H a y n e und O-kar Sin- low Ski vom Grenadierregiment in Breslau waren am 22. November v. I. ohne Urlaub nach Zapfen st reich in Zivil ausgegangen zum Konzert in das Gase Kaiferkrone und hatten auch den Unteroffizier Alfred Schmidt ein« geladen und bewirtet. Vor dem Kriegsgericht in Breslau wurden angeklagt die Einjährigen Hahne und Sin- low Ski der unerlaubten Entfernung jdurch das Ausgehen ohne Urlaub über Zapfenstreich), des Ungehorsams(durch Zivil tragen), der Bestechung(durch Einladen und Bewirten des Unteroffiziers, wodurch sie ihn veranlastten, sie nicht wegen Zivil- tragen und Ausbleiben über Zapfenstreich zu melden). Unteroffizier Schmidt wurde angeklagt des Ungehorsams(durch die nicht erfolgte Meldung der Einjährigen und Annahme von Gc- schenken: Einladung und Bewirtung, wodurch er sich zur Unter- lasiung der Meldung bestimmen liest und seine Dienstpflicht verletzte). Der Vertreter der Anklage, KriegSgerichtsrat Stechern, bean- tragte gegen den Unteroffizier vier Wochen Mittelarrest, gegen jeden Einjährigen drei Wochen Gefängnis. ES müsse mit allen Mitteln verhindert werden, dast Ein- jährige Unteroffiziere verleiten und Unteroffiziere Geschenke von ihnen annehmen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt B i ck. beantragte die Freisprechung der Einjährigen von Bestechung, und sonst gegen olle drei ein mildeS Urteil. DaS Gericht erkannte nach diesem Antrage auf Freisprechung der Einjährigen von der Bestechung und Verurteilung wegen unerlaubter Entfernung und Ungehorsams gegen Hahne auf fünf Tage Mittelarrest und gegen Sinkowski auf sieben Tage Mittelarrest. Unteroffizier Alfred Schmidt wurde wegen Annahme von Geschenken, unierlassener Meldung und Ungehorsam zu zwölf Tagen Mittelarrest verurteilt. Nußlanü. lieber zwei Milliarden Mark für Tchnaps! Petersburg, 23. Januar. Ter R e i ch s r a t begann heute mit der Beratung des Gesetzentwurfes gegen die Trunksucht. Graf Witte legte in langer Rede dar, seine öiachfolger im Amte als Finanzminister hätten sein Werk, das Branntweinmonopol, das die Unterdrückung der Trunksucht erzielen sollte, entstellt. Das Volk bezahle für den Monopolschnaps über eine Milliarde, während für Bolksaufklärung nur 1(50. Millionen verausgabt würden. Im zehn Jahren feien die Monopoleinnahmen um eine halb« Milliarde gestiegen. Es fei nicht zu ver- wundern, dast dadurch ein groher Barbestand gebildet worden fei. Doch das Mittel, durch welches dieser vornehmlich für die Landes- Verteidigung bestimmte Barbestand erzielt worden sei, sei anormal. Es wäre besser, die Monopoleinnahmen zu fixieren, find die Ueber- fchüsse zur Bekämpfung des Volksübels zu verwenden. Mittel zur Landesverteidigung mühten bereit gehalten werden, sie dürften aber nicht durch die Förderung der Volksschwächc gesammelt, son- dern mühten durch neue Anleihen und Steuern beschafft werden. Der Mini st erPräsident erwiderte, die Ziele des Grafen Witte seien nicht vergessen und würden wie früher gefördert. Ter Schnapskonsum pro Kopf sei in den letzten zehn Jahren nicht ge- stiegen. Die Einkünfte des Monopols seien nicht nur durch Er- höhung des Alkoholabsatzes, sondern auch durch Preiserhöhung des Branntweins erreicht worden. Rumänien. Neuwahlen. Bukarest, 2-i. Januar. Der Ministerpräsident berlaS heute im Senat einen Erlast, durch den das Parlament aufgelöst wird und die Neuwahlen für den 28. Februar anberaumt werden. Das ncugcwähltc Parlament tritt am 6. März zusammen. /tos öer Partei. Eine Mandatsniederlegnng in Oldenburg. Der in dem zu Oldenburg gehörenden Fürstentume Lübeck in Eutin geivählte Landtagsabgeordnete R e b e n s d o r s hat sein Mandat niedergelegt. Grund hierzu boten ihm dortige Partei- zwistigkeitcn, die indes nur harmloser Natur waren. R. wurde 191 1 mit Hilfe der Fortschritller gegen den Agrarier v. Lcvetzow gewählt. Das Mandat— die Nachwahl steht noch nicht fest— kann nur gehalten werden, wenn die Fortschrittler das Abkommen von damals wieder einhalten. ?taunings Ausweisung. Kopenhagen, 23. Januar.(Eig. Ber.) Am Miüivoch berief der hiesige deutsche sozialdemokratische Verein„Vorwärts" eine öffentliche Volksversammlung ein, um gegen die am S. Januar stattgefundene Ausweisung des dänischen Reichstags- abgeordneten Th. S t a u n i n g zu protestieren. Der erste Re- ferent, Genosse S t a u n i n g, gab in seinem Vortrage, der oft- mals von stürmischen Lachsalven unterbrochen wurde, ein ge- naueS Bild von den Borgängen in Flensburg. Als er die Aus- wcisungsordcr zur Verlesung brachte, brach eine nicht enden- wollende Heiterkeit aus. Wenn die FlenSburger Versammlung den'Zweck hatte, agitatorisch unter den Arbeitern zu wirken, so würde dieser Zweck durch die Hilfeleistung der preußischen Behörde vollkommen erreicht. Die Versammlung nahm, nachdem nach Stauning noch mehrere Genossen gesprochen hatten, folgende Stesolution an: „In Anbetracht, dast die in Dänemark ansässigen deutschen Reichsangehörigen in jeder Beziehung volle Gastfreundschaft, freies Vereins- und Versammlungsrecht sowie uneiiigeschräntte Rede- freiheit genießen, legt die ani LI. Januar 1914 in Kopenhagen, Rycsgadc K>S, einberufene, von zahlreichen Deutschen besuchte infentliche Volksversammlung gegen die sortgesetzte Nadelstich- Politik, welche die preußische Regierung in Nordschlcswig betreibt und mit welcher sie sich dem Hohngelächter der ganzen zivilisierten Welt preisgibt, einen energischen Protest ei». Dock) mehr noch protestiert die Versammlung gegen die am 9. Januar 1914 durch nichts begründete Ausweisung des dänischen Reichstagsabgeordneten Th. Stauning und erklärt diese als einen rohen Gewaltakt der preuhischen Regierung, als eine rücksichtslose Verletzung des Gastrechts."_ Ein Aufruf der schwedischen Parteileitung. Gegen die Rüstungshetze, die bis zur Sicdebitze gediehen ist, erläßt der Parteivorstand der schwedischen Sozial- d e m o k r a t i c einen Aufruf a» das arbeitende Volk. Es wird in diesem Aufrufe daraus hingewiesen, dast die unumgängliche soziale und kulturelle Reformarbeit, die unter der langen Herr- schaft der Konservativen versäumt und verschleppt worden ist, Ge- fahr läuft, wiederum zurückgestellt zu werden. Bis weit in die liberalen Reihen ist man geneigt, die bei den letzten Wahlen zu- tage getretene allgemeine Volksmeinung, die sich gegen gesteigerte Militarlasten richtete, zu ignorieren. Mit Hilie der Schrcckbildcr einer unmittelbar vorhandenen Kriegsgefahr wird die Bevölkerung für die neuen Rüstungen bearbeitet und ein„Bauernzug" wird zur weiteren militaristischen Verhetzung des Volkes nach Stockholm veranstaltet, an dem Bauern aus allen Gauen des Landes teil- nehmen sollen. Eine Uebungszeit von einem Jahre und mehr, ein Militärbudget von 100 Millionen Kronen und darüber jährlich, daS ist das nächste Ziel der Drahtzieher der Rüstungshetze. Hiergegen ruft der Parteivorstand das arbeitende Volk auf; Herabsetzung und Begrenzung der Militärlasten, bessere' Ausnutzung der Uebungszeit, Frontmachen gegen den militaristischen Geist, der rundherum im Lande sich breit macht, das ist dje Losung der So- zialdemokratie. Dem Einzug des„Bauernzuges" tn Stockholm müsse die Sozialdemokratie Protestversammlungen gegen die Ver- mchrung der Militärlasten entgegenstellen. Soweit ein kurzer Auszug aus dein Aufruf, der von Branting und dem Parteisekretär Ström unterzeichnet ist. Er ist ein er- freulicher Beweis dafür, daß die verschiedenen Richtungen in der schwedischen Partei hinsichtlich der Militärfrage einen gemein- samen Boden endlich gefunden haben. Parteilitcratur. Grundsätze des Kommunismus. Eine gemeinverständliche Darlegung von Friedrich Engels, aus dessen Nachlast her- ausgegeben von Eduard Bernstein. Verlag Buchhand- l u n g Vorwärts- Berlin. Die Schrift ist der erste Entwurf des berühmten Kommunistischen Manifestes, das von Marx und Engels gemeinsam bearbeitet wurde. Die vorliegenden Grundsätze wurden von Engels allein versaht, und zwar in Katechismusform, d. h. mit Fragen und Antworten, um die kommunistischen Ideen dem allgemeinen Verständnis näher zu bringen. Die kleine Schrift, die vom Genossen Bernstein mit einer Einleitung versehen ist, hat nicht nur historischen Wert, sie hebt auch mancherlei Gesichts- punkte zum Verständnis des Kommunistischen Manifestes. Der Preis der Broschüre betrögt 20 Pf, eine Ausgabe auf besserem Papier 50 Pf._ Soziales. Aufhebung der Selbstverwaltung in den Ortskrankenkassen. Scheinbar erstaunt zeigte sich am 20. d. M. Staatssekretär Dr. Delbrück, als ihm bei seinem Versuch, die Reichsversichcrungs- ordnung als einen sozialpolitischen Fortschritt anzupreisen, ent- gegengerufen wurde:„Ein Rückschritt ist'S!" Wir haben in dem Leitartikel vom 21. d. M. dargelegt, wie horrend die Arbeiter, ihre Witwen und Waisen durch diese Gesetzgebung belastet und geprellt sind. Nicht minder rückschrittlich ist die durch die Reichsversicherungs- ordnung ermöglichte Aufhebung der Selbstverwaltung. Mehrere' Proben davon, wie auf Grund der den Arbeitern durch die. Reichs- Versicherungsordnung auferlegten Reichseinkommensteucr Offiziere und Rechtsanwälte zu Borsitzenden der Kassen gemacht werden, gaben wir bereits. Beinahe überall betätigt sich bei den Kranken- kasscnwahlen der masochistischc(Prügel mit Wollust in Empfang nehmende) Charakter von Arbeitern gelber und Hirsch-Dunckerscher Richtung. Sie suchen in trautem Verein mit Scharfmachern Ar- beiter, die als Kassenvorsitzende sich bewährt haben, durch reichlich bezahlte Arbeiterfeindc zu ersetzen. In Dresden machen sich Bestrebungen geltend, den Vorsitzenden, Landtagsabgeordneten Frasdorf, der 19 Jahre lang die 160 000 Mitglieder zählende Kasse mit Erfolg leitete, zu beseitigen. Ver- schiedene Arbeitgeber lassen sich aber zu diesem Streich nicht herbei, werden dafstj:-aber mit. den niedrigsten Anwürfen bedacht. Nach dem neuesten Stand der Dinge ist Aussicht vorhanden,. dast den Arbeitern der Vorsitzendenposten erhalten bleibt. In Großenhain ist es dagegen den Gegnern gelungen, den bisherigen Arbeitnehmer- Vorsitzenden abzusetzen, der nahezu 20 Jahre lang seine Aufgabe zur vollsten Zuftiedenheit der Versicherten und auch der Unter- nehmer erfüllt hat und dessen Verwaltung niemals zu Einwänden durch' die' Aufsichtsbehörde"Veranlassung bot. Durch' das Verfiche- rungsamt ist ein Rechtsanwalt als Vorsitzender ernannt worden. Luch für die OrtSkr-nkenkass« Niedersedlitz«. Umgegend muhte ein Vorsitzender ernannt werden, trotzdem den Unternehmern der Posten des zweiten Vorsitzenden gewährt wurde und der bisherige Arbeitnehmervorsitzende, der wieder vorgeschlagen war, die Gc- schäfte länger als zehn Jahre im besten Einvernehmen mit dem Gcsamtvorstande führte. Arbeitern, die auf Gleichberechtigung und Selbstachtung halten, wird durch derlei Manöver eingepaukt, daß nur die regste Be- tätigung für die Sozialdeiüokratie selbst auf diesem Gebiete soziale Arbeit fördern kann. Bezahlung für Feiertage. Neun Kläger forderten gestern vor dem Gewerbegericht von der Buchbinderei„KiSmct", Roscntaler Straße, Bezahlung der zwei Weihnachtsfeiertagc. Die Bezahlung der Feiertage ist tariflich festgelegt. Am Tage vor Weihnachten wurde ven Klägern jedoch gesagt, als sie ihren Anspruch geltend machten:„Wer die Feiertage bezahlt haben will, fliegt raus!" Die Entlassung erfolgte auch. Die beklagte Firma will die Entlassung aber wegen ArbcitSmangel und auch wegen Arbeitsverweigerung vorgenommen baben. Letztere erblickt sie darin, dast die Kläger am Tage vor Weihnachten nur bis 3 Uhr gearbeitet haben. So war es vorher festgesetzt. Erst als der lmedergegebene Ausspruch gefallen>oar und die Kläger trotzdem auf die Bezahlung der Feiertage bestanden, wurde verlangt, bis 4 Ubr zu arbeiten. Das Gericht verurteilte die f�irma zur Zahlung. Nach dem Tarif stehe die Bezahlung der Feiertage auch Buchbinderei-Hilfs- arbeitern zu. Mangel an Arbeit konnte ebensowenig, wie ein Verschulden der Kläger nachgewiesen werden. Bestrafung wegen Krankheit. Einen auffällig falschen Standpunkt nahm die Kammer 5 in ihrer letzten Sitzung unter Vorsitz des Stellvertreters des wegen Krankheit behinderten Magistratsrats Wölbling, Assessor Dr. Niese, ein. Ein Werkstottschreibcr forderte von der A. E. G. 220 M. wegen künoigungSloscr Entlassung... Ter Kläger, mit monatlicher Kündigung und 110 M. Gehalt angestellt, erkrankte am 20. August und entschuldigte sich ordnungs- gemäß. Aufgefordert ging er am 23. August zum Vertrauensarzt der Firina, Dr. Mamroth. Dieser stellte Mandelentzündung fest und berichtete, die Krankheit werde i» 3 bis 4 Tagen behoben sein. Als der Kläger am 30. August noch nicht zur Arbeit erschien, wurde ihm bis zum 3. September eine Frist gesetzt, sich zu äuhern. Aber scho» am 2. September wurde ihm seine Entlassimg laut Einschreibequittung mitgeteilt. Sanitätsrat Dr. Salomon hat den Kläger vom 20. August an behandelt und ihn am 17. September nach dem 5trankenhaus über- wiesen. Dort wurde der Kläger bis Mitte November behandelt. Der Vertreter der Beklagten, Justitiar Dr. Scholz, wollte einen Entlassungsgrund aus§ 123 Ziffer 2 der Gewerbeordnung herleiten, liest diesen Grund aber falle», als ihn dxr Vorsitzende darauf hingewiesen hatte, dast wohl besser Ziffer 8— Unfähigkeit zur Fortsetzung der Arbeit— des gleichen Paragraphen in Frage käme. Schließlich willigte er in einen Vergleich von 50 M., den aber der Kläger nicht eingehen wollte. Tann präzisierte das Ge- richt nach erfolgter Beratung seinen Standpunkt dahin, daß die Beklagte aus 8 123 Ziffer 8 der Gewerbeordnung zur sofortigen Entlassung berechtigt war und der Kläger mit seinem Anspruch abgewiesen werden müsse. Nun zog der Vertreter der A. E. G. seinen Vergleichsvorschlag zurück und war erst nach langem Zu- reden zu bewegen, 25 M. vergleichsweise zuzubilligen. Ent- schieden größeres soziales Verständnis bewies der Sanitötsrat Dr. Salomon, der auf seine Gebühren verzichtete, um daran nicht den Vergleich scheitern zu lassen. Der Standpunkt der Kammer 5 tvar falsch. Nach der in Theorie und Praxis übereinstimmenden Ansicht kann ein Arbeiter wegen der durch Krankheit herbeigeführten Arbeitsunfähigkeit nur während der Krankheit, nicht nach derselben entlassen werden. Die Entlassung wegen Krankheit ist echer erst im Termin nach Fortfall der Krankheit ausgesprochen. Ferner betont die Gewerbeordnung ausdrücklich, daß im Fall der Entlassung wegen Krankheit dem Entlassencii ein Anspruch auf Entschädigung zusteht, soweit sich das aus dem Vertrag und den allgemeinen gesetzlichen Bestim- mungen ergibt AuS 8 616 B.G.B,' ergibt sich, daß dem Arbeiter wenigstens für einen Monat(die Kündigungsfrist) der Lohn zuzu- sprechen war, weil nach 8 616 B.G.B, der Arbeiter seines An- spruchs auf Lohn daourch nicht verlustig geht, daß er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung per- hindert war._ Ländliche Wohnungsverhältnisse. Ter preußische Wohnungsgcsetzentwurf vermeidet bekanntlich ängstlich ein Uebergreifen auf das platte Land. Der Erlast von Wohnuilgsordllungen, für die übrigens noch nicht einmal Mindest- anforderungen vorgeschrieben sind, ist auf Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern beschränkt, Wohnungsämter sollen sogar nur in Gemeinden mit mehr als 100 000 Eintvohnern errichtet werden. Selbst diese bescheidenen Bestimmungen gehen den Agrariern schon zu weit, sie stellen es so dar, als ob auf dem Lande alles in bester Ordnung sei und als ob schlechte, den Bedürfnissen der Gesundheit und Sittlichkeit hohnsprechende Wohnungen dort völlig unbekannt sind. In Wirklichkeit aber ist es in dieser Hin- ficht auf dem Lande nicht besser, ja vielfach noch schlechter bestellt als in den Städten. Das muß selbst die Regierung in ihren amt- lichen Publikationen zugebe». So wird— wie wir in Erinnerung bringen wollen— in dem von der Medizinalabteilung deS Ministeriums des Innern bearbeiteten Bericht über das Gesundheits- wcsen des preußischen Staates im Jahre 1911 u. a. gesagt, daß im Regierungsbezirk Liegnitz die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande immer noch viel zu wünschen übrig lassen. Aus den Kreisen Ratibor-Land, Ltchlinitz und Roscnberg wird berichtet, daß als Wohnung ineist nur ein Raum benutzt wird, der gleichzeitig als Küche dient. Die ländlichen Wohnungen in den Kreisen Bitterfeld und Merseburg werden vielfach als überfüllt und«nhygienifch ein- gerichtet bezeichnet. Auch im Kreise Mühlhausen(Bezirk Erfurt) tvaren die Wohnungen häufig eng und überfüllt, im Kreise Ziegen- rück stehen sie sogar noch oft mit den Ställen in engster Berbin- duug. Im Regierungsbezirk Lüneburg lassen die Häuslings- und Mietshäuser noch viel zu wünschen übrig. Die meisten dieser Wohnungen bestehen nur aus einer Stube und einer Kammer mit rem nötigen Feucrplatz, die Fußböden vielfach noch aus Lehm. Im Regierungsbezirk Münster sind die meist einstöckigen Häuser gewöhnlich nicht unterkellert. Im Regierungsbezirk Minden sind auf dem Lande»och häufig feuchte und dumpfe Wohnungen zu finden. Im Landkreis Dortmund waren die Wohnungen in den älteren Häusern häufig überfüllt, eng und ungesund. Die Zahl der Aborte entsprach nicht immer der Zahl der Familien des Hauses. Jui Regierungsbezirk Kassel befinden sich in den kleinen ländlichen Wohnhäusern häufig»och die Biehställe im Erdgeschoß; das Wohnzimmer dient gleichzeitig als Küche, Arbeitsstätte und oft auch alS Schlafzimmer. Im Regierungsbezirk Koblenz findet man auf dem Laude hauptsächlich in den ärmeren Gegenden noch eine ganze Anzahl alter armseliger Wohnhäuser mit den bekannten Mängeln, wie Feuchtigkeit, Raum-, Licht- und Lufimangel. Die Vorschriften der Bmipolizeiordnung lassen sich hier überhaupt nicht durchführen. Aehnliche Mißstände stellt auch der neueste Bericht für das Jahr 1912 fest. In Kiptigsberg sind die Wohnungen der Kätner, Jnstlente und Arbeiter auf dem Lande häufig noch sehr mangel-, Haft; oft stehen sie noch in direkter Verbindung mit dem Viehstall. Im Regierungsbezirk Ällenstein finoen sich aus oein Lande noch häufig alte und schadhafte Arbeiter- und Bcsitzerhäuser mit be- schädigtem Strohdach aus morschen und undichten Lehm- und Holz- wänden, und in den Kreisen Ällenstein und Johannisburg weroeu vi« Wohnungen direkt als schlecht bezeichnet. Auch. 4n-««igen Kreisen des Regierungsbezirks Danzig wird noch lcbbaft über un- zulängliche, überfüllte Wohnungen Klage geführt. Clus dem Regierungsbezirk Bromberg ivird geschrieben, daß es auf dem Lande mit den Wohnungen der kleinen Leute ini allgemeinen, besonders aber in deiC Kreisen Wirsitz und Streliw vielfach noch recht traurig aussieht. Im Regierungsbezirk Breslau bessern sich die Wohnungs- zustände auf dem Lande ztvar von Jahr zu Jahr, doch entsprechen die Wohnungen der kleinen Leute, Besitzer, Häusler und Hand» werker in bezug auf Luft und Licht vielfach noch nicht den gesundheitlichen Anforderungen. Im Gegensatz dazu zeigt sich bei der industriellen Bevölkerung immer mehr das Streben nach größeren Wohnungen; bei ihr ist auch eine bessere Pflege der Wohnungen wahrzunehmen als bei der landwirtschaftlichen. Im RegierungS- bezirk Minden fand sich fast in allen Kreisen noch eine groste Zahl mangelhafter, feuchter und sonst in mancher Beziehung gesund- heitswidriger Wohnungen vor. Vereinzelt wurden noch Kartoffel- lager unter den Betten und Kammern mit Lehmfustbüden ge- funden. Im Regierungsbezirk Kassel macht sich eine Besserung der unhhgienischen ländlichen Wohnungsverhältnissc kaum bemerk- bar. Das gleiche gilt für den Regierungsbezirk Münster, wenn auch nicht zu verkennen ist. dast der Bauer mehr und mehr das Bestreben hat, seine eigene Behausung gesunder, geräumiger und freundlicher einzurichten. Aber vielen Wohnungen, besonoerS den- lenigcn der Kolter und kleinen Handtoerker, mangelt eS an Luft, Licht und Reinlichkeit. Hierin liegt auch der Grund für die immer noch große Tuberkulosesterblichkrit. Es ist überhaupt verfehlt, sollte man annehmen, dast die Tuberkulose auf dem Laude wenig verbreitet ist. Die schlechten Wohnungsverhältnissc in Verbindung mit einer Reihe anderer Ur- fachet geben auch hier den geeigneten Boden für die Ausbreitung der Krankheit ab. Eharakteristisch ist eS, daß z. B. im RegierungS- bezirk Arnsberg die Zahl der Todesfälle an Tuberkulose im Kohlenrevier gerkug ist, daß sie in den Kreisen mit anderen In- dustriearten steigt, die höchste Ziffer aber in einige« fast a«S- schließlich landwirtschaftlichen Kreise» erreicht. Schon aus diesen wenigen Beispielen, die für sich selbst sprechen, erhellt mit Deutlichkeit die Notwendigkelt, eine obli» gatorische Wohnungsanfsicht für ganz Preußen, auch für da» platte Land, einzuführen und in Verbindung damit positive Matznahnien zur Herstellung gesunder Wohnungen zu ergreifen. Nur so wird das Wobnungselcnd, dessen Beseitigung innerhalb der kapitalisti- schcn Wirtschaftsordnung ja überhaupt unmöglich ist, wenigstens ans ein gewisses Maß beschränkt werden können. Voraussetzung dafür ist freilich, daß die Wohnungsordnungen Mindestanforde- rungcn an die Beschaffenheit der Wohnungen enthalten. Diese Bestimmung hatte die Regierung in ihrem ersten Entwurf vom Jahre 1904 als selbstverständlich betrachtet, aber in dem jetzigen Entwurf hat sie sie— dem Ansturm der Interessentenkreise nach- gebend— fallen gelassen._ Letzte Nachrichten. Gin deutsches Zuckerkartell. Wie gemeldet wird, haben in der letzten Zeit VerHand- lungen stattgefunden, die einen mehrjährigen Zu- sam menschlust der deutschen Konsum-Zucker- f a b r i k e n siir das Inland zum Gegenstand lzatten. Man hatte angenomnien, daß das Abkommen bis Ende Januar perfekt werden lvürdc. Dies scheint sich zu diesem Termine nicht zu verwirklichen, denn die ain gestrigen Sonnabend in Berlin vereinigten Interessenten haben beschlossen, den Zu- sammenschluß hinauszuschieben, da mit einzelnen Fabriken wegen gestellter Sondcrbedingungen noch weiter Der Handell werden muß. W. WERTHEIM Friedridistrajje 110-112(Passage- Kaufhaus)» Q. m. b. H.» Leipziger Strafe 75-76 am Dönhoffplatz □ODCOXOXi mm uuLDon i jujjin rrmrm m, i m imn □□nnntJGLJLiLi!.im I n u n n LuJUnJ nrri Enorm | billig! MZWMÄLliw Enorm billig! xa Besonders preiswerfe Roben halbfertig aus verschiedenen Stoßen 1.75 2.25 Reste und Kleider- und 28 Blusenflanelle Baumwolle Zephir......... Bedr. Musselin Baumwolle Kleiderstoffe doppeitbren. 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Stilagk d» jDtniörtP"{itiliiict ilollislilalt. Sonntag, 25. Januar 1914. Gewerkschaftliches. die Msfuhrung öer berliner Notstands- arbeiten. In einer ihrer letzten Sitzungen beschloß die Hochbciu- deputation der Gstadt Berlin, alle Arbeiten der im Bau be- findlichen Hochbauten so zu beschleunigen, daß auch Arbeiten, die noch längere Zeit zurückgestellt werden könnten, in Auf- trag gegeben iverden sollen, mit der Bestimmung, daß nur Berliner Arbeitgeber, die die tariflichen Löhne und Arbeits- bedingungen erfüllen, den Zuschlag erhalten sollen. Wie diese Verpflichtungen erfüllt werden, möge folgendes zeigen: Tie Tischlerarbeiten in der Feuerlvache Lindenstraße, eines Teiles der Schule Greifswalder Straße sowie der in der Duncker- straße werden von der Firma Rachfall, Kastanienallee, an- gefertigt. Für diese Arbeiten besteht in der Berliner Bau- tischleret ein bis ins einzelne ausgearbeiteter Tarif, der je nach der von den einzelnen Firmen gelieferten Maschinen- arbeit eine Abstufung erfährt. Von den von der Firma Räch- fall gelieferten Maschinenarbeiten ist sie berechtigt, 40 Proz. des Gesamtakkordpreises abzurechnen. Die Firma berechnet jedoch für ihre Maschinenarbeit je nach eigenem Ermessen 55— 60 Proz. Hierdurch vermindert sich der Lohn eines Tischlers sehr oft um 6— 6 M. pro Woche. Die Firma zahlt, um nur einen Fall herauszugreifen, für Fenster, die nach den tariflichen Bedingungen 9 M. kosten müßten, nur 7 M. Bei diesen Fenstern verdient demnach der Geselle 8 M. pro Woche weniger als ihm tariflich zustände. Die Firma ist sich auch ihrer Handlungsweise, die eiucu Verstoß gegen den Vertrag bedeutet, bewußt. Antwortete doch Herr Rachfall junior auf die Vorhaltungen seiner Arbeiter wegen zu geringer Preise: „Ich weiß wohl, daß ich mehr zahlechmuß; aber wenn Sie es nicht machen wollen, inachen es andere!" Diese den Arbeitnehmern vorenthaltenen Löhne zeigen sich zum Teil in den Preisangeboten der Firma Rachsall bei den einzelnen Submissionen. Bei der Submission der Tischler- arbeiten für die Schule Tunckerstraße war die Firma Rachfall mit 23 714 M. der zweitbilligste gegen 33 034,30 M. des höchsten und 26 800 M. des mittleren Submittenten. Die niedrigen Angebote können nur auf Kosten der Arbeits- löhne abgegeben werden. Um aber billige und willige Ar- beitskräfte zu bekommen, werden die tariflichen Bestimmun- gen, zu denen auch die Einstellung der Arbeiter durch den pari- tätischen Arbeitsnachweis gehören, von den Unternehmern umgangen. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß die Hochbauverwaltung die Beschlüsse der Gemeindebehörden zur Geltung brächte, daß die städtischen Arbeiten zu den im Ge- werbe durch Tarifvertrag festgelegten Lohn- und Arbeits- bedingungen auszuführen seien. Auch bei der Firma Martens, Turmstraße, liegen die Verhältnisse ähnlich. Tie Firma fertigt die Tischlerarbeiten für die Schule Tunckerstraße au und hat in der Submission die Firma Rachfall noch um 119 Pf. unterboten. Im Betrieb der Firma Martens wird nach einem Akkordtariß gearbeitet, der vor 8— 10 Jahren den Verhältnissen entsprach. Auch hier werden die geleisteteu Maschinenarbeiten nach Ermessen des Unternehmers bewertet, also auch Außerkraftfetzen des durch den Vertrag festgelegten Akkordtarifes. Tos krasseste Beispiel, wie die zum Wohle der Arbeits- losen getroffenen Bestimmungen umgangen werden, liefert aber die Firnia Glatzcr, Neuköln, Hobrechtstraße. Diese Firma liefert die Tischlerarbeiten für die Tertil- und Webe- schule, Warschauer Platz, für einen Preis, der 11000 M. niedriger ist als der von der Freien Vereinigung der Berliner Bautischlernleister als befriedigend festgelegte. Um nun auf ihre Rechnung zu kommen, läßt der Arbeitgeber nur in Lohn arbeiten mit einem Antreibersystem, das jeden Arbeiter zwingt, für den gebotenen Lohn von 68— 72 Pf. alle seine Kräfte einzusetzen. Es ist selbstverständlich Pflicht der Arbeiter, ihren Arbeit- geber zu veranlassen, nach den vertraglich festgelegten Akkord- preisen arbeiten zu lassen. Doch ist das ihnen vielfach gar nicht möglich, da der Arbeitgeber die Arbeiter, die nicht nach der ihm genehmen Methode arbeiten wollen, sofort entläßt. Ein skandalöser Zustand ist es, daß angesichts der großen Arbeitslosigkeit vom Unternehmer auch noch Ueberstundcn verlangt werden, wie das von der Firma Glatzer geschieht. Die von den Kominunen geschaffene Arbeitsgelegenheit soll doch die Arbeitslosigkeit einschränken und die Not der Arbeitslosen mildern helfen. Dieser Ziveck wird aber nicht erreicht, wenn die Arbeitszeit unter Bruch des Vertrages ver- längert wird. Den Arbeitgebern, die sich den gestellten Bedingungen nicht fügen, muß von den Behörden in Zukunft jede Arbeit entzogen werden. Auch wäre zu empfehlen, die zu vergeben- den Arbeiten in möglichst kleinen Losen zu vergeben, damit dieselben ans r«i)t viele Unternehmer wie Arbeiter verteilt werden.___ öerlin und Umgegend. Aus dem Fleischcrgewerbc. Tie Fleischerei Wirt, Mattern- straße 6, ist wegen Aichtanerkennung des Tarifvertrages gesperrt. Die Tarifkommission der organisierten Fleischergesellen. Deutsches Reich. Tic Arbeitslosigkeit i» der Hutindustric. Die Arbeitsloscnzählungcn des Verbandes der Hutarbeiler wiesen für die Jahre 1912 nnd 1913 sehr unterschiedliche Zahlen auf, die die Wirkungen der Ärise auch in dieser Industrie deutlich erkennen lassen. Bei einer Mitgliederzahl von 11 669 im Jahre 1913(im Jahre 1912 waren es 16 812) wurden 11 941 Arbeitslosen- fälle gezählt gegen 8961 Fälle im Jahre 1912. Viel größer aber iit die Dauer der Arbeitslosigkeit. Während 1912 die Zahl der Arbeitslosigkeits t a g e 286 376 betrug, stieg sie 1913 auf 486 334, also um 46 Proz. Eine ähnliche Steigerung zeigten auch die auf das einzelne Berbandsmitglied entfallenen Arbeitslosentage; kamen im Jahre 1912 auf das arbeitslose Mitglied 261- Tage, so 1913 etwas über 41 Tage. Auch die für am Orte oder auf der Reise arbeitslosen Mitglieder gezahlteu Unterstützungen ivetsen eine bc- trächtliche Zunahme aus. Im Jahre 1912 verausgabte der Verband dafür 61 377 M., im Jahre 1913 dagegen 88 474 M. Als Arbeits- losigkeitstage sind nicht mitgerechnet die Tage, an denen mit der Arbeit ausgesetzt wird. Die Aussctzetage sind so hoch wie die Arbeitslosirckeitstagc. Zwei Drittel der Arbeitslosigkeitstage cnt- fallen aus 3666 Näherinnen in der Strohhutindustrie.' Diese Zahlen beweisen besser als viele Worte, wie schwer die Hutarbcitcr und-arbciterinnen von der Krise betroffen sind. Die Zahlen bilden aber auch mit eine cindruiglichc Mahnung an die Gemeinden, die Bundesstaaten und an das Reich, unverzüglich eine wirksame Arbeitslosensürsorge eintreten zu lassen. Wie die Grubenherrcn strafe». Die Bergarbeiter bekommen es jetzt zu fühlen, daß die Krise auch im Jndustriebezirk an Herrschaft gewinnt. Ter Uebermut der Grubenherren wächst ins Maßlose. Wie sie die Bergarbeiter drangsalieren und mit härtesten Strafen verfolgen, dafür liefert die Stinneszeche„Glückauf Tiefbau" ein sehr beredtes Beispiel. Als vor einigen Tagen frühmorgens zwischen ö und 6 Uhr die Belegschaft anfahren wollte, stellte sich heraus, daß infolge der großen Kälte Förderseile und Seilscheibe gefroren waren.. Ter Schacht ist nämlich sehr naß und die Seile bringen viel Wasser mit zur Scheibe. Die Belegschaft mußte mit der Anfahrt warten, bis der Uedelstand behoben werden konnte. Die Leute stände« über Tage herum und es war schon 9 Uhr geworden, da erklärte der Inspektor den Arbeitern, die sich beklagten: Wem es nicht paffe, tonne ja nach Haufe gehen. Des Wartens müde gingen sie nach Haufe. Und die Folge? Dafür, daß sie nach dreistündigem Warten nach Hause gegangen waren, wurden sie je mit 2,66 M. bestraft wegen willkürlichen FeiernS! Weiter! Laut den geltenden Be- stiminungen ist morgens Anfahrt bis 6 Uhr. Jetzt hat die Ver- waltuug verfügt, dag jeder Bergmann uwrgens spätestens 146 Uhr im Besitz seiner Grubenlampe fein muß, nach 6 Uhr werden keine Lampen mehr verabfolgt; wer später kommt, wird zur Anfahrt nicht mehr zugelassen. Diese Maßregel bedeutet also eine Willkür- liche Verlängerung der Schichtdauer. Es kanien nun einige Leute um 16 Minuten vor 6 Uhr an, also noch früh gemig, um die gesetz- lich geregelte Schicht zu verfahren. Aber sie wurden zurückgewiesen und nach Hause geschickt. Sie waren also ihrer Schicht für den Tag verlustig. Wie staunten sie aber, als zu alledem sie auch noch durch Anschlag mit 4 M. bestraft wurden— angeblich wegen willkürlichen Feierns! Höher geht's kaum noch. Man bringt die Arbeiter um Schicht und Lohn und bestraft sie obendrein. Nachher figurieren die so geschädigten Leute in dee Statistik auch noch als Bummelanten. Einigung in der Münch ence Schuhindustrie. Auf Anregung des M ü n ch e n- A u g s b u r g c r Schuh- fabrikantenringes lourden noch in letzter Stunde Vee Handlungen zwecks Schaffung neuer Tarifverträge unter Ausschluß des Gewerbegerichts wieder aufgenommen. Nach sechsstündiger Verhandlung"lvurde eine Einigung erzielt. Tic Fabrikanten er höhten ihre materiellen Zugeständnisse sowohl für die Akkord- als auch Zeitlohnarbeiter; eine Verkürzung der Arbeitszeit war nicht zu erreichen, dagegen wurde an den Vorabenden vor hohen Fest- tagen um 1214 Klhr Arbeitsschluß zugestanden unter Bezahlung des Durchschnittslohnes für den ganzen Tag. Die Arbeits � ruhe a m 1. M a i wurde zugestanden und wurde protokollarisch festgelegt, so daß h i c r w e g e n Maßregelungen nicht st a t t f i n d e n d ü r f e n. Bemerkenswert ist auch, daß die Mihi- ebener Ringfabrikanten im Gegensatz zum Verbände der deutschen Schuh- und Schäfiefabrilanten, der die Urlaubsfrage entschieden und prinzipiell bekämpft— weshalb auch die Schuhfabrik Monachia (Gebr. Regenstein) den Tarif kündigen mußte— den Arbeitern nach fünfjähriger Beschäftigung jährlich einige� Tage Urlaub, unter Fortbczahlung des Durchschnittslohnes zugestand.- Eine Arbeiter- und Arbeiterinnenversämmlung stimmte den Ab- machungen mit allen gegen 64 Stimmen zu. Dadurch wurde die Gefahr"der Aussperrung beseitigt.— Ter Streik in der Regen- stcinerschen Schuhfabrik dauert nach wie vor fort. Es wird er- sucht, auch fernerhin den Zuzug nach München zu meiden. Ausland. Riefenausfpcrrung im Londoner Baugewerbe. London, 24. Januar.(Privattclegramm des„Vor- wärt s".) Das Jahr 1914 scheint ein neues schweres Kampfjahr für die englischen Gewerkschaften werden zu wollen. Die Lage in der Textilindustrie ist bei der bekannten Vorliebe der Unternehmer, ihre Arbeiter unter irgendeinem plausibel klingendem Borwande auszusperren, sehr unsicher. In London findet zurzeit ein Strcll der 54ohlenträger statt, die eine kleine Lohnforderung erhoben haben. 8—9666 Arbeiter sind in dem sich immer mehr ausdehnenden 5wmpf verwickelt, der allem Anscheine nach keine kurze Dauer haben wird. Und jetzt ist auch die am Ende des letzten Jahres angedrohte Aussperrung im Londoner Baugewerbe verhängt worden, durch die 166 666 bis 156 666 Arbeiter aufs Pflaster geworfen werden. Die Gründe, die die Unternehmer zur Rechtfertigung ihres Angriffs auf die Gewerkschaften im Baugewerbe anführen, sind von ihnen an den Haaren herbeigezogen worden, so daß allgemein das Gefüh! herrscht, daß die Arbeitgeber nur diesen ihnen günstigen Zeitpunkt abgewartet haben, um mit den organisierten Arbeitern abzurechnen. Die Unternehmer haben die Verträge mit fünf der bestehenden Arbeiterorganisationen für null und nichtig erklärt. Sie behaupte�, daß die Arbeiter in zahlreichen Fällen den ersten Paragraphen der Verträge, der die Arbeitnehmer verpflichtet, mit Nichtorganisierten Arbeitern friedlich zusammenzuarbeiten, gebrochen hätten. Sie führen an, daß seit dem Monat Mai des letzten Jahres 26 Arheiü- einstellungen über die Frage der Nichtorganisierten stattgefunden haben. Die Gewerkschaften erwidern darauf, daß keine dieser Ar- beitseinstellungen von den Organisationen genehmigt worden ist und daß es sich in 18 von den 26 Fällen nur um ganz gering- fügige private Konflikte handelte. Dissen Beschwerden gegenüber machen sie überdies geltend, daß verschiedene Firmen Arbeiter cnt- lassen haben, weil diese Mitglieder der Gewerkschaften waren, daß also auch die Arbeiter berechtigt sind, sich über die Arbeitgeber gn beklagen. Am 15. Dezember 1913 beschlossen die Unternehmer die Aus- sperrung, die verhängt werden sollte, wenn sich die Arbeiter nicht bis zum 5. Januar mit folgenden Bedingungen einverstanden er- klärt hätten: Kleines Feuilleton. Das Höchste der Religio». In der Trauerversammlnng. die dem Leichenbegängnis unseres französischen Genossen folgte, ver- las Professor Bäsch nachstehenden Testainenteniwurs, den Pressense im August 1968 niedergeschrieben hat:„Ich bitte, daß man mir kein sogenanntes religiöses Begräbnis bereite. Nicht daß ich nicht an einen Gott der Liebe und Gerechtigkeit glaubte, aber ich habe mich mit vollem Bewußtsein von allen Kirchen losgelöst nnd das Maximum der Religion im S o z i a l i s in u s, so wie ich ihn begriffen habe, gefunden... Mein Leben hat nicht alles gegeben, was es hätte geben sollen. Ich rechne auf die Nach- ficht aller.. Dieses Testament des Verstorbenen wurde von seiner geistigen Familie mit Ergriffenheit angehört. Die leibliche aber halle— von wegen der„Pietät"— einen Pastor nach dem Trauerhaus kommen und Gebete aufsagen lassen. Fichte als Sozialsatiriter.„Zufällige Gedanken einer schlaf- losen Nacht", so nennt sich der Entwurf eines satirischen Romans, den der junge Fichte in seiner Lausitzcr Heimat, in dem ärmlichen elterlichen Wcberhaus zu Rammenau, im Juli 1788 kurz vor seiner Reise nach Zürich skizziert hat. Da grübelt der unruhige Weltverbesserer«das Blatt Papier ist bor einem Jahr- zehnt aus seinem Nachlaß gezogen worden):„Wäre nicht noch immer ein Buch zu schreiben nötig, welches das ganze Ver- derben unserer Regierungen und unserer Sitten, hier von seiner lächerlichen, hier von seiner schrecklichen Seite zeigte, die not- wendigen Folgen davon natürlich, und ohne übertrieben darstellt. und'die Grundsätze einer besseren Regierung, Und besserer Sitten, nebst den Mitteln dazu zu gelangen, schilderte? Es müßte in einer bildlichen Einkleidung, mit etwas scherzhasten Wendungen geschrieben sein, teils um der Deutlichkeit willen, teils, um von unserem frivolen Zeitalter gelesen zu werden." Kaum ist Fichte der Gedanke durch den Kopf gefahren, so ist der Entwurf auch schon fertig. Er hat sich einen pikanten Titel ausgedacht:„Briefe des Marquis von St... an seinen Freund, � den Vicomte X... in Paris, aus den neuentdecktcn südlichen i Polarländern. Aus französischen Original- Briefen. Der; Herr Marquis könnte, so heißt es in dem Entwurf, in diesen' südlichen Polarländern ein Volk finden, das unserem verderbten Zeitalter auf ein Haar ähnlich sähe: nur könnte es noch um einige Schritte weiter im Etende und Bosheit vorgerückt sein(doch müßte er wenigstens dahin, wo wir jetzt stehen, zurückgehen, um deutlicher zu zeigen, das W i r das sind, und daß Wir das werden). Er müßte schildern: Die Regierungsgrundsätze dieses Volkes. Die DeukungSart des Hofs, dessen einziger Endzweck dahingeht, die Einkünfte des Fürsten zu ver- mehren. Die Mittel, durch welche dieses geschieht, die Ver- derblichkeit derselben für alle Stände, die üblen Folgen davon, für den Fürsten und den Hof selbst. Den Adel des Landes. Seinen lächerlichen Ahnenstolz, seinen verderblichen Luxus, sein Drückendes für die übrigen Stände, die schönen?lusflüchie, womit er seine elende Existenz zu beschönigen sucht— Lächerlichkeit des Satzes, daß der Adel die Stütze der Rechte des Volkes sei. Die Gerichtspflegc. Ihre Langsamkeit, Ungerechtig- keit, Parteilichkeit, besonders die Greuel des Kriminal-Rechts. Die Religion. Elende Streitigkeiten der Geistlichkeit, ihre unverständlichen Dinge, die gar keinen Nutzen für die Moral haben, Verfolgungsgeist, törichte Begriffe vom' göttlichen Wesen, und die schädlichen Folgen derselben aus Sittlichkeit, Anhänglich- keit des Volkes au sie, höchster Jndifferentismus der höheren Stände, über das Wesentliche der Religion mit Andächtclei nnd religiöser Schwämcrci vermischt. Geschwätzigkeit der geistlichen Redner. Ten Zustand der Wissenschaften. Spekulationen über unnötige Dinge und Vernachlässigung des allgemein nützlichen. Torheit der bloß spekulativen Gelehrten, ohne Welt- und Menschen- kcnntnis. Miene der Großen, die Wiycnschaftcn zu ehren und zu schützen, ohne sie zu kennen, bei der äußersten Geringschätzung und Brotlosigkeit derer, die sie treiben. Die gründlichen Räsannements der Moralisten dieses Volkes, denen jedermann Recht gibt, ohne daß es jemand oder auch nur ihnen selbst einfiele, darnach zu tun; der Künste: Frivolität und Enimarkung, verführerische Wielandsche Schriften; des Handels: Elende Begünstigung des Luxus und eitle Beschönigungen desselben, nur die Einkünfte der Fürsten zu ver- mehrein und die Gesundheit, die Lebensdauer, und das Vermögen der Burger zugrunde richtene Gcldstölz der Kaufleute. Modell der Leipziger; des Ackerbaus: Aeußerfts Verachtung und Unterdrückung durch Abgaben. Elend der Ackerbauer, Bestreben, sich in die höhe- reu Stände hinauszuwinden. Wüstenei und Schlendrian. Die Sitten. Verhältnis beider Geschlechter. Die Galan- terie des männlichen gegen das weibliche mit der äus-ersten Ver- achtung vereint. Ehelosigkeit und deren Folgen, Verführung, die der größte Ruhm ist. Unnatürliches Laster, Untreue, die auch ehrt. Verderbnis des weiblichen Geschlechts durch Modesucht, Weichlich- keit. schlechte Kinderzucht, Koketterie, und das Elend desselben, das es sich hierdurch bereitet. Luxus in allen Ständen, Gourmairdise, nebst dessen schrecklichen Folgen, Raubsnchi, Unterdrückungsgeist, Grausamkeit, Entnervung. Ungesunde Kleidung und Speisen. Aberglaube, Geisterseherei, Schatzgräberei, bei Unglauben. Egois- mus, und gänzlicher Mangel aller gesellschaftlichen Tugenden. Erziehung: Entuervung der höheren Stände von der ersten Jugend an, Begriffe, die man ihnen über Ehre, über ihr Verhältnis zum anderen Geschlechte beibringt. Lehren übep die Kunst, zu kennen, was delikater schmeckt oder nicht. Freude der Eltern, wenn der Geschlechtstrieb sich zeigt, und die Kinder ihn auf eine witzige Art zu befriedigen wissen. Dumme Bildung der Landkinder, in der Schule zu Theologen, und zu Hause zu tückischen Ha s s e r n, Betrügern und Dieben der höheren Stände. Theater. Deutsches Opernhaus Charlvtrenburg: Mandra» g o I a. komische Oper von Paul E g e r nnd Ignatz W a g h a l t e r. Um die obrigkeitlich gegängelte Prüderie der heute herrschenden Geiellichaft in ihrer Lächerlichkeit zu erkennen, braucht man sich nur zu vergegenwärtigen, welche unbekümmert freie Auffassung in Sachen der Geschlechrsmoral den Menschen de? Zeitalters der Früh- und Spälrenaissance eigen war. Hundertfällig wurde sie in Werken ihrer Kunst und Literatur zum Ausdruck gebracht. Als ein guleS Beispiel kann gelten„Mandragola", das Lustspiel deS italienischen Staatsmanns'und Historikers Macchiavelli, das in der Berlincr Arbeiterschaft durch gelegentliche Aufführungen des Vereins Freie VolkSbiitmc bekannt geworden ist. Es war ein guter Griff Paul Egers, diese EhestandSiatiriade zu einer Operndichtung von seinsteni Gehalt umzuformen. Gewisse Derbschlächtigkeiten mußten dabei freilich fallen, aber im übrigen hat die Keckheit des Macchiavelli nicht Schaden gelitten. An kdmischen Opern von modern musikalischem Gepräge ist gerade kein Ueberfluß. So begrüßen wir Ignatz WaghalterS Arbeit, denn sie hat das Repmoir unserer Theater um eine tvstliche Gabe bereichert. Aus WaghalterS Musik spricht ein unleugbar starker Könner und intuitiver Gestalter. Es ist ihm gelungen, daS lext- stoffliche Problem über alles Heikele hinan auf die Höhen freier ichöner Pvefie zu erheben. Edler melodischer Fluß vereinigt sich mit der Aussprache eines lackenden HumorS, der nicht selten eckt lust- spielmäßige, ja Mo, artliche Grazie verrät. Die Deklamation ist meist sinngemäß verwendet: dir Instrumentation hat sinnliche Farbigkeit und quellende Wärme, ohne jemals sonderlich überladen zu fem. Das Vorspiel, sowie die einzelnen Zwischenmusiken leiteli, immer das südliche Lokalkolorit der Handlung wahrend, charakteristiich ans den Inhalt tcS jeweiligen Austrills hinüber. So wird der hoffnungsfrohe Jubel, mit dem der zweite Akt ausklingt, in das Vonwek zum dritten verknüpfend übertragen. Umio fckärfer ist dann der«onlrast gegen die verzweifelte Stimmung, der Pandolso und die Mutier sick zunächst hingeben, Als Glanzstücko musikkomischer Gestaltimg dürfen der Volksauflauf, das Schlußierzett im ersten, das ionore Eingangsduelt zwischen Pandolso und der Mutter in Moll im dritten Akt, das Mandragolaquartelt. ein Pizzikatoduo sowie die Schleichermusik bezeichnet werden. Wundervoll klingt das Ständchen mit Orchesieibegleitung a la Mandoline. Dem Werk wurde eine stilechte Ausstattung im Zeitalter des Quattrocento nach Entwürfen Gustav Wunderwalds und eine glänzende Aufführung zuteil. DenPandolso in all seiner Dummheit und ängstlichen Besorgtheit um ein Kind verkörperte Julius Lieb an mit sieghafter Laune. Herta Stolzenberg war iii Erscheinung, boshafter Graste des Spiels und gesanglicher Hinsicht einfach eine unüber- treffliche Bianca. DaS ernsthafte Liebespaar hatte in Eleanor Alle zurzeit streikenden Arbeiter müssen die Arbeit wieder auf- nehmen: ein Garantiefonds trvrd durch Beiträge beider Parteien ge- schaffen, aus dem Strafen für Streiks und Aussperrungen, die gegen die Veichräge über die Arbeitsregelung verstotzen, bezahlt werden; die Gewerkschaften mü�en ihre Mitglieder wegen Vertragsbruch bestrafen; die Gewerkschaften dürfen auf den Baustellen die Mitglieds- karten nicht revidieren. Hierauf antworteten die Arbeiter mit einer höflichen Absage und die Unternehmer zogen sich von den Verträgen zurück. Nur die Verträge mii den Organisationen der Säger, Maschinenholz- säger, Schmiede, Monteure, Mempner und Kranführer blieben in Kraft. Mit den anderen Arbeitern wollten die Unternehmer nun einzeln fertig werden. Sie beschlossen, ihren Arbeitern folgendes Dokument zur Zeichnung vorzulegen: „Ich verpflichte mich, wenn ich von Ihnen beschäftigt werde, mit meinen Mitarbeitern, die entweder von Ihnen direkt oder von einem Zwischenmeifter beschäftigt werden, friedlich zu- sammenzuarbeiten, ob sie Mitglieder einer Gewerkschaft sind oder nicht, und ick verpflichte mich, meine Arbeit nicht deswegen zu verlassen, weil einer meiner Mitarbeiter Mitglied einer GeWerk- schaft ist over es nicht ist; ich verpflichte mich ferner, daß ich für den Fall, dag ich diesen Vertrag breche, eine Strafe von 20 Schilling zahle, und erkläre mich damit einverstanden, daß diese Strafe von dem mir zukommenden Lohne abgezogen werden kann." Die Gewerkschaften veröffentlichten darauf sofort ein Manifest, in dem sie ihren Mitgliedern empfahlen, das Schriftstück nicht zu unterschreibe», die Arbeit nicht zu verlassen und die Entlassunz abzuwarten. Tie Entlaffmig sollte nämlich erfolgen, wenn die Arbeiter den Vertrag, dessen Gesetzlichkeit überdies von Juristen angezweifelt wird, bis um 11 Uhr am 24. Januar nicht unter- schrieben haben. Das ist nicht geschehen. Ein Versuch des Han- dclsministeriums, vermittelnd einzugreifen, ist an dem Widerstand der Unternehmer gescheitert. Heute ist nun mit der Aussperrung der Banarbeitcr Ernst gemacht worden. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt»ach de» bisherigen Feststellungen 5000. Wir stehen in London vor einem großen Kampfe. Ii) Jahre Textilarbeitervrganisation in der Schweiz. Aus Anlaß seines 10 jährigen Bestehens hat der Vorstand des Schweizerischen Textilarbeiterverbandes ein Schriftchen heraus- gegeben, welches die Geschichte der Organisation in kurzer und klarer Weise schildert. Am Z. Mai 1013 waren 10 Jahre verflossen seit der Gründung des„Allgemeinen Schweizerischen Textilarbeiter- Verbandes", und am 5. April 1013 5 Jahre seit der Gründung des einheitlichen„Schweizerischen Tcxtilarbeiterverbandes". lieber die Anfänge des Schloeizerischen Tertilarbeiterverbandes sagt das Schriftchen:„Die Anfänge der Textilarbeiterorganisation in der Schweiz reichen ungefähr auf die Jahre 1L68/60 zurück, in welchen Jahren in Basel und Zürich Farberbewegujigen stattfanden. Zwei Jahre später folgten in den Kantonen St. Gallen und Appenzell die Bewegungen der Sticker und Plattstichweber. Aber erst mit dem Beginn dieses Jahrhunderts treten die Berufsorganisationen der Textilarbeiter mehr in den Bordergrund. Als im Jahre 1002 in Zürich der internationale Kongreß der Textilarbeiter abgehalten wurde, zählte die Schweiz bei rund 07 000 Fabrik- und 40000 Heimarbeitern ungefähr 6000 organisierte Textilarbeiter und davon waren am Kongreß nur 3000 vertreten. Es bestanden damals die folgenden Berufsorganisationen: 1. Scidenbeutel-Tuchweber(1200 Mitglieder), 2. Plattstichweber (1800 Mitglieder), 3. Bleicherei- und Appreturarbeiter usw.(300 Mitmieder), 4. Handmaschinensticker lHeirn- und Fabrikarbeiter, 700 Mitglieder), 5. Schifflistickcr(1100 Mitglieder«, 6, Textilarbeiter und-arbciterinncu(000 Mitglieder) und später noch: 7. Schlichter(175 Mitglieder).._ Von dem Wert der internationalen Verbindung gibt die fol- gende Stelle Zeugnis:„Der internationale Kongreß in Zürich (1902) gab den Anstoß zu einem Zusammenschluß dieser Verbände, zunächst der ersten sechs. Der Vorstand des Appenzeller Weber- Verbandes berief auf den 20. Juli 1902 die erste Einigungskonferenz P a i n l e r(Beatrice) und Alexander Kirchner(Florio) aus- gezeichnete Vertreter. Dem Arzt Dromio(der bei Machiavelli ein Pfaffe ist) lieh Eduard Kandl groteske Drolerie. Rudolf Kraffelt dirigierte das reizende Werk seines Kapellmeisterkollegen mit ver- stehender Hingabe und gesundem Temperament. Waghalters Musikkomödie verdient einen raschen Siegeszug über die deutschen Bühnen. ek, Notizen. — G o rki s Empfang in der Heimat gestaltete sich natürlich echtruisiich. Sofort bei Ueberschreiten der Grenze wurde die politische Polizei durch die Grenzgendarmerie von der Ankunft deS Dichters in Rußland in Kenntnis gesetzt. Mehrere Polizei- agenten folgten ibm auf der Reise von der Grenze nach Finnland, die er in Begleitung zweier Aerzte zurücklegte, und sie ballen sich seither in seiner Nähe. So groß ist die Angst der Polizei vor diesem Dichter, der aus den unlersten Sckichlen deS Volles aufstieg. — Musikchronik. Heute Sonntag, abends 8 Uhr. findet im Becthovensaal der Lautenabend von Robert Kothe statt. Zum letzten Male gelangt das neue 10. Programm zum Vortrag. Karten an der Abendkasse. — Vorträge. Im Museum für Naturkunde, Invaliden- straße43, spricht heute vormittag von 1(ll/z— 12 Uhr Prof. BelowSly über„Die Mincralschätze der Vereinigten'Staaten von Nordamerika und Kanada", Dr. Aulmann über„Das Leben der Biene"(mit Lichtbildern)! am 1. Februar Prof. BelowSky über„Die Halb« edelsteine", Dr. Ramme über„Die Tiere der deutschen Kolonien". (Führung.) Im Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34/36, spricht Montag, den 26. Januar, Dr. A. Rühl-Berlin über„Rotterdam, Amsterdant, Antwerpen"; Freitag, den 30. Januar, Prof. K. Hassert- Köln über„Landengen und Meerengen und der Verkehr". Beginn der Vorträge 8 Uhr abends. Einlaßkarten 25 Pf. — Der englische A st r o n o in David Gill, durck For- schnngen aus dem Gebiet des Venusdurchganges und der Marsforschungen bekannt, ist gestern im 71. Lebsnsjahr gestorben. Er war einer der ersten, der die Photographie für die Katalogisierung der Sterne anwendete. — 100 000 Mark für ein Paar Beine. So hoch iverden allerdings nicht die Beine von jedermann bewertet, wohl aber die einer Tänzerin, der Vera Maxwell, die sich ihre springfrohen Er- werbswcxkzeuge zu so hohem Preise versichern ließ. — Die Dreihundertjahrfeier des Greco. Der 800. Todestag des erst jüngst zu großer Berühmtheit gelangten griechisch- spanischen Malers Theotokopoli genannt Greco soll im April, wie dem„Eicerone" aus Toledo berichtet wird, durch eine Ausstellung gefeiert werden, in der alle erreichbaren Werke Grecos in Originalen oder pholographischen Reproduktionen gezeigt werden sollen. — Befähigungsnachweis. Die Münchener„Jugend" berichtet vom Meldelisch der echtpreußischen Leute:„Sie wollen dem Preußenbund beitreten? Schön, was haben Sie für'ne Mund« weite?" — Diegrößte Radiumfabrik der Welt. Denver in Colorado soll nach Meldungen aus New Aork der Mittelpunkt der Radiumindustrie der Welt werden. Hier wird eine große Radium- fabrik, die unter Leitung der Regierung der Bereinigten Staaten steht, von führenden Gelehrten eingerichtet. Carnotit, das in großen Mengen im Pisgahgebirge entdeckt wurde, enthalt etwa 2 Pro,ent Uraniumoxhd; aus einer Tonne dieses OxhdS können 103 Milli- gramrn Radium gewonnen werden. dieser Verbände ein. Die Konferenz war von gutem Erfolge. Es wurde beschlossen, die Verbände anzufragen, ob sie in eine Einigung willigen würden. Die zweite Konferenz am 3. Mai 1903 stellte allsertigs Zustimmung der Verbände fest. Der Verband erhielt den Namen:„Allgemeiner Schweizerischer Textilarbeiterverband". Am 7. Januar 1906 trat der junge Verband in ein weiteres Stadium der Entwickeluug. Er wurde aus einem„Staatenbund" zu einem„Bundesstaat". Die Beiträge wurden erhöht und der Verband übernahm das Verbandsorgan, den„Textil-Arbeiter" und machte ihn für alle Mitglieder obligawrisch. Im März 1907 konnte der Verband den Kollegen Albert Senn als ersten Sekretär anstellen(jetzt Präsident des Verbandes). Im Jahre 1908 wurde in St. Galle» ein Verbandsbureau eröffnet. Die überaus interessante und lehrreiche Geschichte der Schwei- zerischen Textilarbeiterorganisation zerfällt in zwei Teile: a) den „Allgemeinen Schweizerischen Textilarbeiterverband" 1902— 1807 und b) den„Schweizerischen Textilarbeiterverband" 1908— 1911. Die Mitgliederzahl in den obengenannten sechs Verbänden betrug 1902 rund 6000 und stieg 1905 auf 7347; 1906 betrug sie 8286 und 1907 10 199. Die weiteren bis in alle Einzelheiten gegebenen Mitglieder- zahlen weisen sodann nach, daß die Organisation in ihrer weiteren EntWickelung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und daß die Fluktuation unter den Textilarbeitern auch in der Schweiz eine recht große ist. Eine recht gesunde EntWickelung hat die Organisation aber in bezug auf die Beitragsleistung durchgemacht. Die Totaleinnahmeu stiegen in den Jahren 1906— 1911 von 34 400 Fr. auf 399 896 Fr. Die Organisation hat also eine finanzielle EntWickelung durch- gemacht, wie so leicht keine zweite gefunden werden könnte. In gleicher Weise stiegen natürlich auck die Ausgaben. Sie stiegen in den Jahren 1906— 1911 von 26 400 Fr. auf 370 800 Fr. Die Steigerung der Ausgaben, deren Verwendung in dem Werkchen im einzelnen nachgewiesen ist, geben ein Bild von dem steigenden Wert der Organisation für die Mitglieder. Eine ganz gewaltige Steige- rung weist die EntWickelung der Beitragsleistung der Mitglieder auf. Von 1906—1911 stieg die durchschnittliche Beitragsleistung der Mitglieder von 3,45 Fr. auf 8,79 Fr. pro Jahr oder um 154,7 Proz. Ein glänzenderes Zeugnis kann sich der Opfermut der Schwcizeri- scheu Textilarbeiter gar nicht ausstellen, als wie es hier geschehen ist. Neben der Verbandskasse besteht eine Arbeitslosenkasse, deren Mitgliedschaft eine freiwillige ist. Der Fonds dieser Kasse belief sich am 31. Dezember 1908 auf 5257 Fr., dagegen 1912 auf 45 213 Franken. Als erstes Fachblatt für die Textilarbeiter erschien 1899 in Reineck das Fachorgan„Der Seidenbeutel-Tuchweber". Dann folgte als gemeinsames Organ 1900 die„Appenzeller Weberzeitung, zu- nächst monatlich einmal. 1901 erschien diese Zeitung dann unter dem Namen„Ostschweizerische Jndustriezeitung" monatlich zwei- mal. Die Auflage war 1300. Am 17. August 1904 erschien das Fachorgan als„Ter Textilarbeiter", nunmehr als Organ des „Textilarbeiterverbandes", und ab 1. Januar 1900 kam das Blatt wöchentlich heraus. Bis Frühjahr 1912 war cs�zum Teil in italieni- scher Sprache gehalten. Später fiel der italienische Text weg, weil für die Italiener der Schweiz eine besondere Zeitung geschaffen worden war. Die Auflage der Zeitung betrug 1900 etwa 2500, da- gegen 1911 7500 Exemplare. Die Redaktion lag in den Händen des Genossen Eugster-Züst, des Weber-Pfarrers. Die iveiblichen Mitglieder des Verbandes erhalten statt des„Textilarbeiters" die „Vorkämpferin". Die Entwickelung der Beiträge und Unterstützungseinrichtungen hier näher zu schildern, müssen ivir uns wegen Raummangels ver- sagen, obgleich dieser Teil des Werkchens für den gewerkschaftlichen Arbeiter der wichtigste und interessanteste mit ist. Mit der Herausgabe dieses 32 Seiten starken Werkchens, welches dem Verfasser wegen seiner prägnanten Kürze und seiner -Klarheit der Sprache und seines wichtigen Ouellennachweises alle Ehre macht, hat der Vorstand der Schweizerischen Textilarbeiter- organisation etwas für die Textilarbeiter aller Länder Beachtens- 'wertes geleistet.__ Ms Znöuftrie unö ßanöel. Tie Lage des Berliner Baumarttcs wird durch eine Statistik der freiwilligen Veräußerungen und der Zwangsversteigerungen illustriert. Im Jahre 1913 wurden bebaute und unbebaute Grundstücke nur im Werte von 305,1 Millionen Mark veräußert, gegen 931,5 Millionen Mark im Jahre 1907. In den sieben Jahren betrug also der Rückgang der Umsätze 626 Millionen Mark oder 66 Prozent. Olllein von 1912 auf 1913 stellte sich der Rück- gang auf 167,4 Millionen. In der gleichen Zeit(von 1907 auf 1913) stiegen dagegen die Zwangsversteigerungen bebauter und unbebauter Grundstücke von 90,9 auf 261,5 Millionen Mark, d. h. um 170,6 Millionen oder um 190 Pro z. Die Terraininteressenten suchen diese Erscheinung hauptsächlich auf die st e u e r l i ch e Belastung deS Grundbesitzes zurückzuführen. Nun ist tatsächlich der Grundbesitz in den letzten Jahren etwas schärfer herangezogen worden. Aber darin ist nicht die Ursache für die schlechte Lage des Terrain- uird Baumarktes zu sehen. Abgesehen von den teuren Geldsätzcn, die an> ehesten und meisten das Baugeschäft belasten, ist vielmehr die seit Jahren in Berlin betriebene Ueberspekulation schuld an der Situation. Die Aus- dehnung Berlins und die Wertsteigerung der Grundstücke entsprach nicht de» Preistreibereien, die von der Spekulation vorgenommen worden sind. Ein großer Teil der vorzeitig baureif gemachten und hoch bezahlten Grundstücke ist von dem Konsum nicht ge° braucht worden. Den Besitzern fiel die Zinszahlung für die Hypotheken oaher recht sauer; Kredit war schwer und nur zu hohen Sätzen zu erlangen. So mußte der Besitz, zum Teil auf' dem Wege der Zwangsversteigerung, abgestoßen werden, während das reguläre Kaufgeschäft stockte. Ein ungarisches Zündhölzchcnkartell wurde soeben in Budapest perfekt. Der„Ungarischen Zündholzverwertungs-Aktiengesellschaft" haben sämtliche ungarischen Fabriken den Verkauf ibrer Erzeug- nisse übertragen. Das ungarische Kartell wirkt mit oem gemein- samen Verkaufsbureau der österreichischen Konzerne Solo und Helios zusammen, so daß die gesamte Streichholzindustrie der Donaumonarchie kartelliert ist. Keine Nengründung des Röhrensyndikats. Tie Verhandlungen wegen Neugründung des Röhrensyndikats sollen nunmehr e n o- gültig gescheitert sein, da eine Einigung zwischen Thyssen und Mannesmann nicht zu erzielen war. Es war zuverlässig be- kannt geworden, daß sofort nach einer eventuellen Gründung des Röhrensynditats Hugo Stinnes und Hösch gemeinsam ein neues Röhrenwerk grünoen würden. Ter Tabaktrust in Finnland. Zu der Berichtigung des Herrn E. F. Gütschow wird uns mitgeteilt, daß die finnländische Nieder- lassuna des amerikanischen Tabaktrustes unter ihren Direktoren nicht den Generaldirektor der Georg A. Jasmatzi A.-G., Herrn E. F. Gütschow gehabt hat, sondern dessen vor einiger Zeit ver- storbenen Bruder P. E. Gütschow. An dem Charakter der„Orien- taliska Cigarettfabriks A.-B." wird dadurch, daß Herr E. F. Güt- schow die Interessen der British American Tobacco Co. in Finnland nicht selbst, sondern durch einen seiner Familienangehörigen tn Stellvertretung wahrnehmen lieh und für diesen seither einen anderen Stellvertreter hat eintreten lassen, natürlich nichts ge- ändert. Ms aller Welt. Kriegslieferungen. An Lieferungen für Heer und Flotte werden bekanntlich schon in Friedenszeiten ganz nette Summen verdient. Die Dividenden der deutschen Rüstungsfirmen legen hierfür beredte? Zeugnis ab. Ganz besonders hohe Profite ergeben sich aber bei solchen Lieferungen im K' r i e g s f a l l c. Dann lvird gewöhnlich jeder einigermaßen annehmbare Preis gezahlt, eine sorgfältige Nachprüfung der gc- lieferten Ware ist meist gar nicht möglich, so daß Reklamationen so gut wie ganz ausgeschlossen sind. Mancher Geschäftsmann, der in Kriegszeiten die„Konjunktur" auszunutzen verstand, hat sich dadurch ein großes Vermögen erworben, oft genug waren ihm für seine„Verdienste" noch Orden und Auszeichnungen obendrein beschieden. So verdankt z. B. die Familie Speck von Sternburg ihr Adelsprädikat der Fixigkeit, mit der einer ihrer Vorfahren seinerzeit die preußische Armee mit Schweinefleisch ver- proviautierte. Als die russische Flotte zu ihrer glorreichen Aktion gegen die harmlose Fischerflottille an der Doggerbank und zu ihrer eignen schmählichen Niederlage im russisch-japanischen Kriege au?- rückte, nahm sie in der- Ostsee noch Kohlen ein, für die von der Regierung des Zarenreiches dem Lieferanten, einem Kieler Kohlen- Händler, ganz enorme Preise gezahlt worden sein sollen. Auch hier wurden dem klingenden Lohn später noch Orden und Titulaturen hinzugefügt. Bei der Lieferung der L i e h e s g a b e n, die im deutsch. fvanzösischen Kriege den Truppen nachgesandt wurden, haben de- kanntlich viele Zigarrensirmen ebenfalls sehr gut verdient. Weniger bekannt dürste es sein, daß bei der Belagerung von Paris deutsche Firmen mit der Armeevenvaltuug sehr lohnenve Geschäfte in Häuten und Fellen abgeschlossen haben. So berichtet die Frank- furter Großhandlung Leopold Ltndheimer in ihrer soeben veröffentlichten Jubiläumsschrift zum 50 jährigen Be- stehen der Firma, daß sie die im Bannkreise von Paris bei den Schlachtungen für die deutschen Truppen fallenden Häute und Felle aufgekauft hat. Die Renntribüne bei Versailles wurde als Trocken- und Salzhaus eingerichtet. Selbst in der Loge des Kaisers Na- polcon hingen die Felle. Außer diesem Vertrag sicherte sich die gleiche Firma in Gemeinschaft mit drei Teilhabern zwei Drittel der Lieferungen für das 2. bayerische Korps. Dagegen entging ihr durch Zufall die fünftägige Verproviantierung von Paris, an der von einem Mannheimer Konsortium Millionen verdient wurden. Der erwähnte Jubiläumsbericht gibt selbst an, daß nach Beendigung der Belagerung„alle Transaktionen mit erheblichem Gewinn abgeschlossen werden" konnten. Besonders gut hatte man an den Lieferungen von Fellen für Tornister verdient. Noch ein- mal bot sich der genannten Firma- Aussicht auf große Lieferungen bei Ausbruch des russisch-türkischen Krieges im Jahre 1877. Da- mals gingen die Verhandlungen mit dem Großfürsten Nicolai Nicokajewitsch und seiner Intendantur durch die„Gräfin Marie", die Geliebte des russischen Oberbefehlshabers. Diese war die ehe- malige Frau eines Wilnaer Fellhändlers, von dem Lindheimer früher Felle gekauft hatte, so daß diese Pseudogräfin keine neue Bekanntschaft für ihn war. Da ihre Vermittelung unentbehrlich, aber nur mit einer Abfindung von zwei Millionen Rubel zu er- kaufen war, zerschlug sich das Geschäft. Opfer der Schneestürme. lieber den Bottnischen Meerbusen und die angrenzende Landschaft sind in den letzten Tagen schivere'Schnee- st ü r ni e niedergegangen. Zahlreiche Menschen sind den Naturgewalten zum Opfer gefallen. In Kronstadt. Oranienbaum, Peterhof und anderen Küstenslädten werden viele Einwohner vermißt, die augenscheinlich während der Stürme erfroren sind. Die Umgebung wird Tag für Tag von Soldaten, die von Hunden begleitet sind, durchsucht, um die Leichen aufzuspüren. An einem einzigen Tage wurden allein 40 Erfröre n e a u s g e s ixn d e n. Ein Wildgewordcner. Aus Bonn sendet uns ein echt konservativer Mann einen Erguß, den wir al-Z ein Musterbeispiel treudeuticher Gesinnung unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Der wildgewordene Ueberpatriot — Walter Bloem nennt er sich— schreibt uns: „Nachdem Sie in Jyrem Schmutzblall die deutsche Armee und die LandeSkinder vor dem Ausland in schmachvollster Weise be- schimpfl haben— Millionen sind über Ihr Schundblatt empört— lege ich Ihnen einen Artikel der„France Militaire" vor. Der Feind hat mehr Anstand und Verständnis, als die eigene Presse, die dauernd ins eigene Nest scheißt. Ich verachte Sie und alle Ihre Gesinnungsgenossen. Ich spucke Sie an! Prost! Wer die deutsche Armee beschimpft schlägt der Nation ins Gesicht, denn Beides ist EinS. Walter Bloem. Werfen Sie dies nicht etwa in den Papierkorb, sondern ver« breiten Sie es unter Ihren Genossen, drucken Sie es ab und werden Sie konservativ!" So liebenswürdigen Ermahnungen konnten wir nicht wider« stehen. Wir haben sofort unseren Beitritt zum Preußenbund erklärt. Kapitalskonzentration. AuS New A o r k wird uns geschrieben: Eine große Ueber- raschung brachte die offizielle BermögenSfeststellung der Hinterlassen- schaft deS im Juni vergangenen Jahres in London verstorbenen amerikanischen Eisenbahnkönigs Anrhoni Brady. Als vor einigen Monaten der amerikanische RegielungSkommissar mit dem Notar Bradys sprach, glaubte der Regierungsvertreter mit der An- nähme von 60 Millionen Dollar Vermögen über die eigentliche Hinterlassenschaft weit hinausgegangen zu sein. Der Notar konnte daraus nur skepliich erwidern, daß seiner Meinung nach etwaS mehr vorhanden sei. Tatsächlich hat sich nun er- geben, daß Brady die ungeheuere Summe von 200 Millionen Dollar, also nahezu eine Milliarde Mark hinter- lassen hat. eine Summe, die fast an da? Vermögen Morgan? heran- reicht. Selbst die intimsten Freunde Bradys hatten von dessen un- geheuerem Reichtum keine Ahnung. Kleine Notizen. Schwerer Grubenunfall Wie aus R y b n i I gemeldet wird. wurden auf der Donnersmarckgrube in der 400-Metkr-Sohle zwei Arbeiter beim Holztransporl von einer hinter ihnen herfahrenden elektrischen Grubenlokomotive ersaßt und in den Holzstoß gedrückt. Beide wurden zu Tode gequetscht. Beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Auf dem Oberläufe der Eider sind am Freitag zwei Schüler aus Kiel beim Schlitt- schuhlaufen eingebrochen und ertrunken. Verdorben, gestorben.... In der Nacht zum Sonnabend brach in einer Sweune in D o m b(Oberschlefien) Feuer aus. Zwei Gelegenheitsarbeiter, die in der Scheune genächtigt hatten, kamen in den Flammen um. Revolvcrkampf zwischen Verbrechern und Polizeibeamten. J.i Kattowitz verletzte am Freitag ein russischer Einbrecher Formill zwei Kriminalbeamte, die ihn verhaften wollten, durch Revolverschüsie schwer und entfloh. Die Verfolgung wurde von anderen Beamten sofort vorgenommen. Als man zur Festnahme des Flüchtigen schreiten wollte, griff er wieder zum Revolver und schoß ans die Beamten, die die Swusse erwiderten. Dabei wurde Formill e r j ch o s s e n. Die Beamten blieben unverletzt. Insentur- WMM Eilgros Export Lager Einzel- Verkauf Engl. Ulster Leioen-Mäntel Stanb-Mäntel Damen-IacEetts, Kindor-Iacseits' Kinder-Capes � Zum Aussucbe&I »kauf 3 SW KostBme Regenmäntel Damen-Dister �inder-Gister Plüscn lacietts Ä&endmäntel Mark Zum Aussuchen! Seidene Mäntel Eleg. Kostüme Fraues-Paietcts Plüsch Paletots tac&Psch-Mänts. Kinder-Ulster Hark Zum Aussuchen! IßOOdiy.Modell'Kostüme Seal-Piüsch-Käntel«| Pelz-Imitationen Persianer, Maulwarf, Breitschwanz, Astrac ian"eise Gnmmi-Mäntel iSröS"nen 2 llfflltenjti.Ä&.tSJ Einzelverkauf nur in der I. Etage. Achten Sie genau autdleHausnummer �pezialarzt t. Haut-. Harn-, Tlrauenleidcn. nevo. schwäche, Bcinkranke jeder Art,(k'lirltch Hata> Kuren in u, Co. lonz, Laborat. t Blut- I Untersuchung,. 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Marine eingeführt edem Arbeiter Auch in Deine dunklen Tage, ormer Werlmann soll ein Cichblrahl bringen, und Du focht mit unfern großen Geistern einsam sein in Deinen Feierstunden. 25i!cherfchai|e find nichi für die Reichen, sind fürs ganze Voll gegeben, und das Boll bist Du— hier greif zu! eine Bibliothek kostenlos Pfennig wöchentlich ZU schaffen, gehört mit zu den Hauptbesirebungen der Wochenschrift„Die �ese" die für 15 durch die Buchhandlung de« Vorwärts, Berlin GW. 68 bezogen wird— Zeder Abonnent erhält für wöchentlich i5 Pfennig jedes Jahr 52 Hefte dieser von vielen Parteizeitungen empsohlenen illustrierten reichhaltigsten Wochenschrift u. vier Vöcher von je'IZV S. im Buchwert v. 6 M. Erste u. beliebte Autoren/ Buch- künstl. Ausstattung /// packende Stoffe von großer Vielseitigkeit als Geschenk „Die Bücher der Lese gehören mit zum Besten, was die deutsche Literatur hervorgebracht hat." Altenburger Dolkszeilung »Jedem Arbeiter, der sich weiterbilden will, kann Die-Lese warm empfohlen werden. Arbeiter, Bilbungsbedürfiige, Wissens- hungrige- greift zu!". Märkische Volksstimme, Kolibus Wer den untenstehenden iSestellzetiel durch die Zeitungsträ'gen'nnen, durch die Post oder der Buchhandlung selbst übergibt, erhalt mit jedem 13. Hefi der Lese ein Buch. Äefiestzestel zum«birennen. Die. Lese istbiebeste Zeitschrist. für Weiterbildung und Unterhaltung namentlich auch für Arbeiter-Krauen An die Buchhandlung des Vorwärts, Verlin SM., Lindenstr. 69 Unterzeichneter abonniert hiermit auf „Die Lese" wöchentlich ein Hest für is Pfennig und erhält beim Äezug der Hefte Ianuar-März 1914 das 1. Such 1914 „„„„ April-Juni 1914 das 2. Äuch 1914 „„„„ Juli-September 1914 das 3. Luch 1914 „„„„ Oktober-Dezember 1914 das 4. Luch 1914 Ort u. Datum:..... Straße: Name: Oer neueZahrgang 1914 beginnt mit dem Roman Galambo von Gustave Jlaubert, einem der packendsten geschichtlichen Romane der Weltliteratur. Rebenher erscheinen fortlaufend Novellen und Erzählungen unserer besten Autoren Morgen, Montag, beginnt der diesjährige Infentiir- Verkauf diverse l- i|.n Ol herab- Artike!"'StU idgesetzt! Teppich-Spezialhaus wrEmil efesre Berlins. Seit 1882 nur Oramenstr. 158 Unterhalte nirgends Filialen! luYentur-Extraliste Sonderangebote franko"; W1IU Ernst. Köpenicker Straße 55 b, I. ' Ami Moritzplatz 11314. Gr. Auswahl! Bill. Preisol Vorzeiper dieser Annonce er- hält 10 Proz. Preisermäßigung. m Ziehung 10. Februar m LS. Schleslsche PfercJc-M«|• loliene Lose nur 1 1 LOS0 aw TervUK. |�)(t Tansetdtn 10 Mark. - Porto b. List» 25 Pffl. eilrs. 160 000 Lose. 3842 Gewinne. 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Der Bezirksbildungs- ausschuß nimmt den Gedenktag zum Anlaß, um Fichte-- feiern für die Berliner Arbeiterschaft zu veranstalten. Den Hauptteil einer jeden Feier wird ein Vortrag bilden, in dem ein sachkundiger Redner Fichtes Stellung in der Ge- schichte seiner Zeit und die Bedeutung seiner Ideen für das moderne Proletariat darlegen wird. In den Versammlungen kommt eine von Kurt Eisner verfaßte Broschüre zum Verkauf, die in großen Zügen das Leben und Wirken des revo- lutionären Philosophen schildert. Die kleine Schrift, die S Pf. kostet, wird zur Befestigung des durch den Vortrag vermittelten Wissens beitragen und zur lveiteren Beschäfti- gung mit den Werken Fichtes anregen. Wir empfehlen den Genossen den Besuch der Feiern. Der Bezirks-Bildungsausschuß Groß-Berlin. Bierter Kreis, Görlitzer Viertel. Am Sonntag, den 25. Ja- nuar 1814, findet bei Graumann, Naunynftr. 27, ein heiterer Abend statt. Mitwirkende sind Frl. Käthe Pürschel(Lieder zur Laute) und Herr A H. Burger(Rezitationen). Anfang 6 Uhr. Tanz findet ebenfalls statt. Billetts a 40 Pf. inkl. Garderobe sind bei den Funktionären und beim Genossen Eichberg, Naunynftr. 07, zu haben. Vierter KreiS. Am Mittwoch, den 28. Januar, abends 8 Uhr, findet im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstr. 75, der zweite Vortrag über:»Einführung in die Gedankengänge des wissenschaftlichen Sozialismus" statt. Zunächst wird Genosse Eichhorn eine zu- sammenfassende Darstellung vom ersten Vortrag geben. Infolge- dessen können noch Mitglieder daran teilnehmen. Teilnehmerkarten a 30 Pf. sind noch am Eingang des Saales zu haben. Der BildungSauSschuh. Sechster Wahlkreis. Heute Sonntag, abends 6 Uhr, in Funkes Gesellschaftshaus. Triftstr. 03: öffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Nach der Versammlung: Gemütliches Bei- sammensein und Tanz. Schöneberg. Am Dienstag, den 27. d. M., abends 8 Uhr, in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str.. 8: Wahlvereinsver- sammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen M. G r o g e r über„Das demokratische Prinzip". 2. Diskussion. 3. Die Kreis- Generalversammlung und Wahl der Delegierten. 7. Verschie- den es. Lichterfelde. Dienstag, 27. Januar, abends 8 Uhr, im Nestau. rant Wahrendorf, Baekestrahe: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Wilmersdorf. Die für Montag fällige Wahlvereinsversamm- lung findet erst am Donnerstag, den 29. d. M., abends 8'A Uhr, im „Viktoriagarten" statt. Mariendorf. Dienstag, den 27. Januar, abends 8% Uhr, im Lokal Haak, Chauffeestr. 43: Fichte-Gedächtnisfeier. Referent Genosse Dr. Diederich. Stralau und Stralauer-Allee-Biertel. Wegen Erkrankung des Referenten findet der erste Vortragsabend über:„Die wissen- schaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung" erst am Donnerstag, den 29. Januar, statt. Karten für vier Abende zum Preise von 30 Pf. sind bei den Funktionären sowie in den Mark- grafensälen, Markgrafendamm 34, zu haben. Der Kursus wird daselbst im Tunnel abgehalten. Zehlcndorf(Wannseebahn). Die Versammlung des Wahl- Vereins findet am Dien-tag, den 3. Februar, abends 8)h Uhr, bei Benno Miiley, Potsdamer Straße 25, statt. Die regelmäßige Versammlung am 27. Januar fällt aus. Reinickendorf-West. Dienstag, den 27. Januar, abends 8� Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokal von Wohlfahrt, Eichbornstr. 18. Vortrag des Genoffen Karl Wückc über:„Die politische Lage." Ober-Schöneweide. Der dritte Vortragsabend findet am Montag, den 26. Januar, abends pünktlich 814 Uhr, bei Rabe statt. Jeder Teilnehmer zahlt pro Abend 10 Pf. Arbeitslose haben freien Zutritt. Bezirk Lichtenberg. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins Bezirk Lichtenberg findet am Dienstag, den 27. Januar, abends 8Z� Uhr, im Cafe„Bellevue", Hauptstraße, statt. Tages- ordnung:„Die politische Lage." Referent Genosse Klütz-Neu- kölln. 2. Diskussion. 3. Anträge. Spandau. Dienstag, den 27. d. M., abends 8lb Uhr, bei Koepnick, Pichelsdorfer Str. 39: ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Wahl eines 1. Vorsitzenden. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pankow. Am Dienstag, den 27. Januar, abends 854 Uhr, bei Roczycki, Kreuzstr. 3/4: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: „Säbelherrschaft und Militärgerichtsbarkeit." Referent: Redakteur Georg Schmidt. Diskussion. Ortsangelegenheiten. Verschiedenes. Niedcr-Schönhausrn— Nordend. Am Dienstag, den 27., abends 854 Uhr, im Lokale von Manke, Charlotten- Ecke Beuthstraßs: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1.„Kommunale Politik." Referent Gemeindevertreter Genosse Grunow. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Tegel. Donnerstag, den 29. Januar, abends 854 Uhr, für Tegel und Umgegend in Trapps Festsälen, Bahnhofstr. 1: ösfent- liche Versammlung. Tagesordnung:„Die Attentate der Sol- dateska und der Scharfmacher." Referent Reichstagsabgeordneter Alwin Brandes. Am Mittwoch, den 28. Januar, abends 7 Uhr, von den be- kannten Stellen auS: Handze�telverbveitung. Rofenthal. Der am Montag fällige Kursusabend fällt aus. — Am Dienstag, den 27. Januar, abends 854 Uhr, im Lokal von Gustav Milbrodt. Walderseestr. 5: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Aufiiahme neuer Mitglieder. 2. Beratung über einen Antrag der Kreiskonferenz. 3. Porteiangelegenheiten. WaidmannSlnft. Die Flugblattverbreitung findet am Freitag, den 30. Januar, statt. öerliner Nachrichten. Moderne Tetettive. Grell haben mehrere Prozesse aus neuerer Zert die Tätig- keit der Privatdetektive beleuchtet. Bekannt waren die ein- schlägigen Verhältnisse in weiteren Kreisen schon längst. Nun sind sie durch gerichtliche Feststellungen in breite Erörterung gerückt. Was sich nicht alles Detektiv nennt! Wir haben De- tektiv-Jnstitute Heute an allen größeren Orten, denn wenn irgendein Gestrauchelter im Leben gar nicht mehr festen Fuß zu fasseil vermag, greift er zu dem immer noch einträglichen Beruf des Spionierers und Beobachters wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm. Was gehört dazu? Nichts weiter als ein Reklameschild, ein bißchen Grütze und ein möglichst weit- maschiges Gewissen. Es mag derartiize Institute geben, die sich bemühen, auch in intimsten Privatfachen nach reellen Grundsätzen zu arbeiten, aber in der ganzen Natur des Gc- schäftsbetriebes liegt es, daß sie strenge Reellität, wenn sie Geld verdienen wollen, auf die Dauer gar nicht durchführen können. Sie fragen nicht:„Wer bist du?" sondern„Was zahlst du?" Es werden Anforderungen der schmutzigsten Art an sie gestellt, und so bleibt ihnen nur die Wahl, auf Kund- schaft zu verzichten oder sich zu allem herzugeben. Das be- teiligte Publikum sagt:„Der macht die Sache, der dreht das Ding wie wir es haben wollen." Ter Zweck soll die Mittel heiligen nach Jesuitenart. Alles andere ist schnuppe. Darum läuft ein gewisses Publi- kum, das seine Pappenheimer kennt, am liebsten zu Detek- tiven, die im Polizeinest gesessen haben. Sie sind noch lange nicht die schlimmsten, weil oftmals sie selbst wie ausgepreßte Zitronen von ihren einstigen Auftraggebern auf die Straße gesetzt wurden. Daneben existieren als besondere Blüten des Standes eine größere Anzahl von Detektiven, die schon hinter schwedischen Gardinen saßen, zur Abwechselung wohl auch das Irrenhaus zierten und entmündigt sind. Es ist eigentlich zum Totschreien, daß jeder ehrliche, anständige Mensch, den: irgend- ein Lunip etwas am Zeuge flicken will, solchem„Detektiv" auf Gnade und Ungnade ergeben ist. Wie skrupellos diese selbst mit allen Hunden gehetzten Geschäftsleute, die in ihrer hinter- hältigen Art eine schwere Gefahr bedeuten, zu„arbeiten" ver» stehen, hat man zur Genüge in dem Prozeß gegen den Detektiv Schwarz und erst vor einigen Tagen wieder in den: Meineids- Prozeß gegen die unverehelichte Kunze erfahren. Ob die Kunze, die das Mitleid der Geschworenen weckte, einen Mein- eid geleistet hat oder nicht, bleibt eine Frage für sich. Das System, der zu beobachtenden Frauensperson �in Ehcver- sprechen zu geben, sie zu verführen und das in Schäferstüiw- chen Ergaunerte deni Auftraggeber preiszugeben, ist und bleibt eine bodenlose Gemeinheit, für die das Strafgesetzbuch leider noch viel zu enge Grenzen hat. Aber soll man sich über diese systematische Vertrauenstäuschung so sehr wundern? Sie ist auch nur ein trauriges Zeichen der Zeit, ist Geist von unserem Polizeigeist. Auf derselben Ehrenliste stehen die noch beam- teten oder als Vigilanten beschäftigten Gentlemens. die wir wiederholt mit Blitzlicht beleuchtet und an den>schandvfahl genagelt haben. Es ist wirklich schwer, keine Satire zu schrei- ben, wenn jetzt die Polizei gegen die Geschäftspraxis der Vrivatdetcktive strengere Maßnahmen ergreifen will. Oder ist die Absicht der Polizei nur Streusand in die Augen? Will die Polizei die unsauberen Elemente unter den Detektiven abschlachten, so soll sie das Messer erst mal an dtz� eigenen Körper setzen, gegen das von oben herab sanktionierte und protegierte politische Lockspitzelwstem sind die skruvel- losesten Privatdetektive die reinen Waisenknaben. Erst müssen die amtlichen Augiasställe ausgemistet werden, dann wird die Kehrarbeit bei den privaten Spitzelinstituten einen Sinn und Zweck haben. „Bettlerpln�e". Sie schimpfen wieder mal weidlich, die Vollen und Satten in den molligen Bürgervierteln über die außerordentlich vielen Bett- ler, die in den letzten Wochen an die Tür geklopft haben. Es stimmt— die Bettelnden haben sich von Tag zu Tgg unheimlich verwehrt. Sind es Bettler im gewöhnlichen Sinne? Sind es gewohnheitsmäßige Nichtstuer, die sich auf das Betteln angewiesen sehen, wesl sie in ihrem auf der untersten Stufe angelangten Elend niemand mehr in Arbeit nimmt oder weil der durch die Not ausgemergelte Körper überhaupt keine Arbeit mehr leisten kann? Man beobachte doch mal scharf und wird bald heraus- finden, daß viele der jetzt zaghaft Bettelnden noch einen halbwegs anständigen Rock tragen und sich so aufführen, daß man auf den ersten Blick sieht, wie schwer den um Brot Bettelnden der Gang wird. Was in dieser Form seine Not zur Schau stellt, rekrutiert sich aus dem Heere der Arbeitslosen. Es sind fast ausschließlich Arbeitslose, die jedes Rettungsmittcl erschöpft haben und keinen airderen Weg als den des Bettelns sehen, um nicht zu verhungern. Man spricht es wohl so hin, daß in Berlin niemand zu verhungern brauche, aber tatsächlich müßten jetzt Hunderte halbverhungert zusammensinken, wenn nicht in höchster Not und mit zusammen- gebissenen Zähnen durch Betteln wenigstens noch soviel zu er- langen wäre, um eben nicht zu verhungern. Abzug des Lohnes der Dienstboten für Weihnachts- geschenke. Unsere„Herrschaften" kürzen häufig den Lohn um den Wert der Weihnachtsgeschenke, wenn der Dienstbote bald nach Weihnachten den Dienst verläßt. Die Gesindeordnung spricht davon, daß die Weihnachts- und Neujahrsgcschenke auf den Lohn angerech- net werden können, wenn der Dienstvertrag im Laufe des Dienstjahres durch Schuld des Gesindes aufgehoben wird. Also einmal kann der Abzug überhaupt nur erfolgen, wenn der Dienstbote während des Dienstjahres austritt. Ist also ein Dienstmädchen z. B. am 1. Februar 191? in Dienst getreten und scheidet am 1. Februar 1914— oder später— aus, so kann wegen der Geschenke unter keinen Umständen eine Kürzung des Lohnes erfolgen. In Fällen, in denen das Dienstjahr beim Aus- scheiden noch nicht vollendet war, kann die Kürzung nur geschehen, wenn der Dienstbote Schuld an der Lösung des Dienstvertrages hat. Der Begriff der„Schuld" im Sinne der Bestimmung der Gesindeordnung ist nun verschiedentlich dahin ausgelegt worden, daß in allen Fällen, in denen der Dienstbote den Dienst vor Ablauf des Dienstjahres verlätzt, der Abzug geschehen kann. U. a. nimmt diesen Standpunkt der Präsident des Landgerichts III Berlin, Lindenberg, in seinem Kommentar zum Preußischen Ge- sinderccht ein. Diese Auffassung ist falsch. Es handelt sich um eine vom sonstigen einschlägigen Recht abweichende Ausnahme- bestimmung zu Ungunsten des Gesindes, die niemals ausdehnend ausgelegt werden darf.„Schuld" an der Vertragslösung hat der Dienstbote nur dann, wenn er ohne Jnnehaltung der gesetz- oder vertragsmüßigen Kündigungsfrist und ohne gesetzlichen Gruird aus dem Dienst fortläuft. Kündigt aber der Dienstbote ordnungsgemäß oder verläßt es vorzeitig den Dienst z. B. wegen Mißhandlung oder verläßt er vorzeitig den Dienst z. B. wegen Mißhandlung Die Ausübung eines gesetzlichen Rechts kann aber nicht den Be- griff der Schuld darstellen. Diese Auffassung kommt auch in der Praxis der Gerichte immer mehr zur Geltung. Wird also Dienst» boten, die am 1. Februar nach vorheriger ordnungsgemäßer Kündigung die Stelle verlassen, der Lohn wegen des Weihnachts- geschenkes gekürzt, so ist dagegen zu protestieren. Wird die Zahlung verweigert, so ist Klage beim Amtsgericht ratsam. Bemerkt sei, daß für Dienstboten in Pensionatcn, Hotels, Gastwirtschaften die Gesindeordnung überhaupt nicht Anwendung findet, diesen also auch in Fällen wirklichen Verschuldens das Weihnachtsgeschenk nicht gekürzt werden darf. Ueber die Zusammensetzung der Armenkommissionen veröffentlicht die Armendirektion Berlins alljährlich in ihrem Ver- waltungsbericht eine Aufstellung, in der sie die Kommissionsmit- glieder nach Berufen gruppiert. Ist auch die dabei gemachte Gruppeneinteilung ein bißchen wunderlich, so kann man doch aus ihr ein ungefähres Bild davon gewinnen, welche Schichten der Bevölkerung zur Mitarbeit in der Armenpflege vor- nehmlich herangezogen werden. Am 31. März 1913 gab es in Berlin 446 Armenkommissionen, denen zu diesem Zeitraum im ganzen 5051 Mitglieder(einschl. Vorsteher), darunter 5494 Männer und nur 157 Frauen, angehörten. Unter den Männern waren, nach der von der Armendirektion, gegebenen Berufsunterscheidung: 2299 Handwerker und Gewerbetreibende, 837 Kaufleute, 351 Fabrik- besitzer und Fabrikanten, 98 Baumeister, Architekten, Ingenieure, Chemiker, 140 Restaurateure, 52 Aerzte, Tierärzte, Zahnärzte, 205 Oberlehrer, Rektoren, Lehrer, 13 Geistliche» 351 Staats- und Magistratsbeamte, 5 Rechtsanwälte, 58 Apotheker, 40 Bankbeamte, 5 Redakteure, 172 Privatbeamte, 22 Kirchen- und Friedhofsbeamte, 344 Eigentümer, 204 Rentner, 134 Personen verschiedener Berufe, 91 Werkmeister, Gesellen und andere, 7 ungelernte Arbiter. Da die „Werkmeister, Gesellen und andere" sowie die„ungelernten Arbei- ter" in besonderen Gruppen aufgeführt werden, so müssen wir an- nehmen, daß die an erster Stelle genannte Gruppe„Handwerker und Gewerbetreibende" nicht gleichfalls noch Gesellen, sondern nur Selbständige umfaßt. Wir hätten dann unter 5494 Männern der Armendirektionen nur 98, die wir nach der Berufsunterscheidung dieser Aufstellung zu den Vertretern der Arbeiterbevölkcrung im engeren Sinne des Wortes zählen dürften. Man sieht, w i e wenig in Berlin die Arbeiterklasse bisher zur ZWitarbeit in der Armenpflege zugelassen wor- den i st. Gegenüber den Zuständen allerdings, wie wir sie in diesem Punkt noch vor zehn und vor zwanzig Jahren hatten, be- deutet selbst dieser winzige Anteil schon einen„Fortschritt". In den einzelnen Armenkommissionen liegen natürlich die Verhält- niffe sehr verschieden und meist ganz anders, als sie in dem das Gesamtbild wiedergebenden Zahlen sich darstellen. Es gibt Kam- Missionen, die in den Reihen ihrer Mitglieder sogar mehrere Ver- treter der Arbeiterklasse haben, und es gibt andere, in denen die Herren Fabrikbesitzer, Rentiers, Fabrikanten usw. bis auf den heutigen Tag gänzlich unter sich geblieben sind. Manchen Be- schlutz auf Abweisung eines Bittgesuches, den eine Armen- kommission faßt, kann man sich mitunter nur aus der besonderen Zusammensetzung dieser Kommission erklären. Weit verbreitet ist die Meinung, daß„jeder, der Arbeit sucht, auch Arbeit finde t." Man begegnet ihr� begreiflicherweise am häufigsten bei denen, die nicht nötig haben,' es selber zu probieren und auf die Arbeitsuche zu gehen. Ein Spielplatzverband für Grosi-Berlin. Vertreter von Groß-Berlincr Turn-, Spiel- und Jugend- pflegevereinen haben sich zu eineni Spielplatzverband Groß- Berlin vereinigt, der die vermehrte Anlegung von Spielplätzen zum Ziel hat. Wenn nicht etwa die Ausschaltung von Ar- beitersportverbänden von den Spielplätzen beabsichtigt wird, so kann man die Bestrebungen nur begrüßen. „Ein Wackes hinterm Kronprinzen." Unter dieser geschmacklosen Ueberschrifl stellt die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" die verschiedenen Meldungen zusammen, welche über den Vorfall am Freitag vor dem kronprinzlichen Palais ver- breitet worden sind. Nach einer Meldung sollte ein Mann in daS Automobil gesprungen sein und sich neben den Kronprinzen gesetzt haben. Das Scharsinacherblatt schließt daS Depeschensammelsurium wie folgt:„Ein Kerl auS Kolmar, der sich an den wegen seines Eintretens für Reuter und Deimling von der Hetzpresse aufs un- ehrerbietigste behandelten Kronprinzen heranmacht: erst aus dem Er- gebniS der Untersuchung der Kleidertaschen Salomons wird sich er« geben, ob eS sich nur um einen Geisteskranken handelt." » Unsere Leser wissen, daß es sich in Wahrheit um einen Harm« losen Vorfall bandelt. Ein Mann, der sich als Bruder des Krön- Prinzen bezeichnete, wollte von dem Kronprinzen eine Unterstützung erbitten und lief deshalb dem Auto nach. Der Bedauernswerte wurde alS geisteskrank erkannt und befindet sich bereits in einer Irrenanstalt. Man muß die Phantasie und die Frechh-it des West- fälischen Organs der Kohlenbarone bewundern, mit der es sich auf das harmlose Vorkommnis stürzt. Zu seinem Leidwesen wird eS erkennen müssen, daß auch beim besten Willen sich Kapital zu politischen Hetzzwecken auS dieser Sache nicht schlagen läßt. Es wär' so schön gewesen— eS hat nicht sollen sein!_ Pussy Uhl— Gräfin Fischler zu Treuberg als Filmdichterin. Die kürzlich von der Strafkammer zu l'/z Jahren Gefängnis verurteilte Gtäfin Treuberg, in der Lebewelt vor Jahren als Pussy Ubl bekannt, trägt sich in ihrer stillen Klause des Weibergefängnisses in der Barnimstraße mit dem Gedanken, ihre Erlebnisse mit echten und falschen Kavalieren zu verfilmen. Der Film soll den Titel „Pussys Werdegang" tragen und bis zu der durch den Zensor gebotenen Grenze Erlebnisse mit Baronen. Grafen und Fürsten wiedergeben. Bis zur Ausführung dieses Planes hat es jedoch noch eine gute Weile Zeit, da die Frau Gräfin einen Teil der Strafe zurzeit verbüßen muß. da sie bezüglich der Betrugställe und eines Wucherfalles auf Einlegung der Revision verzichtet hat. Dagegen schwebt die vom Rechtsanwalt Bahn bezüglich der Haupt- wuchersälle eingelegte Revision noch beim Reichsgericht. Die Straße gehört dem Verkehr? Aus Anlah des Geburtstages des Kaisers werden am 27. Ja- nuar folgende VeTkehrsbeschränkungen borgenommen: Von 9 Uhr vormittags ab bis gegen 1% Uhr nachmittags wird der gesamte Verkehr über die Äaiser-Wilhelm-Brücke, den Luft- garten, die Schlohfreiheit, die Schloßbrücke, den Platz am Zeughause und den Kaiser-Franz-Josef-Platz nach Bedarf abgelenkt werden. Von 5 lkhr nachmittags ab erleidet der Fahrverkehr folgende Einschränkungen: 1. Das Befahren der Schloßfreiheit ist nur von der Schloß- brücke her nach dem Schloßplätze hin gestattet. 2. Die von Norden und Süden die Königgrätzer Straße in der Richtung nach dem Potsdamer Platz befahrenden Wagen werden nach Bedarf am Brandenburger Tor, an der Prinz-Albrecht- und Tessauer Straße nach Osten und Westen abgelenkt werden. Der Nauen« Messerstecher Nettelstroh soll, wie vor einigen Tagen mitgeteilt worden war, von den medizinischen Sachverständigen .lö geisteskrank im Sinne des§ öl angesehen worden sein, so daß es zu einem Strafverfahren überhaupt nicht konimen würde. Wie mis von anderer Seite mitgeteilt wird, entspricht diese Mitteilung .licht den Tatsachen. Nettelstroh befindet sich zurzeit wieder in dem Moabiter NntcrsuchungSgesängniS und das Verfahren gegen ihn nimmt feinen Fortgang, da bei N. nach dem Gutachten des Ober- arzteS Dr. I u n i u s in Buch, die Anwendung des§ öl nicht so ohne weitere? gegeben erscheint. ES dürste deshalb in nächster Zeit die Verhandlung vor der Strafkammer staltfinden, da sich inzwischen ergeben hat, daß die von N. in die linke Schulter gestochene Frau Karstadt nicht an den Folgen des Messerstichs, sondern an einem schon seit Jahren vorhandenen Magenkrebsleiden in dem Nauen« Krankenhause und zwar mehrere Monate nach der Tat verstorben ist. Nettelstroh, der die sog. Leseerlaubnis hat, vertreibt sich in dem Untersuchungsgefängnis seine Zeit damit, daß er Novellen schreibt und dichtet. Aus der Flucht verunglückt ist gestern abend ein alter Dieb. der in Moabit auf frischer Tat ertappt wurde. Es handelt sich um einen 37 Jahre alten Arbeiter Karl Hoffmann, der schon seit längerer Zeit den Nordwesten der Stadt unsicher machte. Mit größter Dreistigkeit schleppte er von den Böden, aus den Wasch- küchen und anderen unbeaufsichtigten Räumen weg, was er nur fand. Gestern abend beobachtete er eine Frau in der Bochumer «traße beim Waschen. Als diese sich auf einen Augenblick entfernt hatte, schlich der alte Dieb in die Waschküche und wollte den Kupfer- kessel mit der Wäsche stehlen. Er wurde jedoch dabei überrascht und festgenommen. Auf dem Wege zur Wache riß er sich las und lief davon. Er eilte durch den kleinen Tiergarten, übersah aber in der Dunkelheit eines der kleinen Gitter, stolperte darüber und fiel so unglücklich hin, daß er sich nicht wieder erheben konnte. Seine Verfolger brachten ihn jetzt zu einem Schutzmann, der ihn nach dem Virchowkrankcnhaus bringen ließ. Hier stellte man fest, daß er sich einen Schenkelbruch zugezogen hatte. Auf das Konto des Verhafteten dürfte eine ganze Reihe Bodeneinbrttche und ahn- licher Diebstähle kommen. Kleine Nachrichten. Auf der Straße vom Tode ereilt wurde Freitagnachmiltag eine unbekannte, etwa öv bis 69 Jahre alte Frau, die ihrem Aeußeren nach dem Arbeiterstands angehört zu haben scheint. Die Frau brach plötzlich vor dem Hause Friedrichstraße 217 zusanimen und verstarb auf der Stelle. Die unbekannte Tote ist 1,65 Meter groß, hat dunkelblondes, meliertes Haar und trug einen grguen Rock, eine hellgrüne karierte Bluse, ein Kopftuch und schwarze Strümpfe und Schuhe. In der Hand hatte sie eine lederne Markt- tasche.— Mit Sublimat vergiftete sich eine Köchin Helene Fuhrmann aus der Behrenstraße. Das Mädchen, das dort bei einem Rentier in Stellung war, hat Liebeskummer zu der Tat veranlaßt.— Allzu vertrauensselig war ein Schneidermeister aus der Winsstraße. Der Bteister hatte für ein großes Konfektionsgeschäft ungefähr 129 Knabensportanzüge hergestellt. Zur Ablieferung nahm er sich von der Straße einen jungen Mann und gab diesem, ohne sich dessen Papiere geben zu lassen, den Auftrag, die Kleidungsstücke mit einem Handwagen nach dem Konfektionsgeschäft zu fahren. Der Un- bekannte, der sich Göpel nannte, entfernte sich auch mit der Ladung, brachte sie jedoch nicht zu dem Geschäft, sondern ist damit der- sch wunden._ D ie Konsumgenossenschaft in der ersten Hälfte ihres neuen Geschäftsjahres. Der Bericht der Kansumgenossenschaft für die erste Hälfte d«S neuen Geschäftsjahres liegt vor. ES ist aus demselben zu ent- nehmen, daß der Umsatz in der Zeit von Juli bis Dezember 1913 8 199 7ö6,S9 M. betragen hat, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 1423 337,99 M.= 29,25 Proz. Die Umsatzsteigerung im verflossenen Geschäftsjahr betrug bekanntlich über 42 Proz. Wenn jetzt die prozentuale Steigerung nur etloas über 29 Proz. beträgt, so ist das ein Zeichen der wirtschaftlichen Krise. seit November verkauft die Konsumgenossenschast Milch zu 29 Pf. per Liter, während der ortsübliche Preis 22 bis 24 Ps. be- trug. Seitdem die Konsumgenossenschaft Milch verkauft, haben allerdings auch eine Anzahl Händler und Molkereibesitzcr den Milchpreis herabgesetzt, aber nur, um die Konkurrenz der Konsum- gcnossenschaft etwas abschwächen zu können. Im Monat Dezember 1911 hat die Konsumgenossenschast eine Vergrößerung ihrer Betriebsanlagen vorgenommen. Die seit Fe- bruar v. I. im Bau befindliche Bäckerei ist fertiggestellt. Dieser Produktivbetrieb ist mit den neuesten technischen und hygienischen Einrichtungen versehen.!v!it diesem Neubau ist die Konsum- gcnössenschaft nunmehr in der Lage, einen jährliche� Brotumsatz von 9 Millionen Mark bewältigen zu können. In dem letzten halben Jahr wurden für 1712 556,49 M. Brot und Backwaren her- gestellt. Bekannt ist, daß die Arbeitszeit der Bäcker täglich nur acht Stunden einschließlich einer halbstündigen Pause beträgt und somit die kürzeste Arbeitszeit der in Berlin bestehenden Bücke- .den eingeführt ist. Von der rührigen Agitationsarbeit, die entfaltet wird, legt das Wachstum der Mitgliederzahl Zeugnis ab, sie ist auf 84 781 gestiegen.__ Vorortnachrichten. Ueber„Kirchenaustrittsbewegung unü Sozialüemokratie" referierte am Freitag in einer vom Wahlvercin Wilmersdorf einberufenen öffentlichen Versammlung Genosse Göhre. Die Versammlung, vor deren Besuch die„Wilmersdorfer Zeitung" gs- warnt hatte, wies einen Massenbesuch auf wie kaum je. Sie ge- staltete sich in ihrem Verlauf durch das Eingreifen von vi« Wil- mersdorfer Geistlichen zu einer fesselnden Auseinandersetzung zwischen den Vertretern alter und neuer Weltanschauung. Genosse Göhre bemerkte einleitend, daß die Versammlung durchaus nicht Propagandazwecken für-den Kirchenaustritt dienen solle. Es gelte viemehr, zu untersuchen, ob der bisherige Standpunkt der Partei zur Kirche beibehalten oder einer Aenderung unterzogen werden müsse. Die Sozialdemokratie fordere in ihrem Programm die Erklärung der Religion zur Privatsache und handele nach diesem Grundsatz auch ihren Angehörigen gegenüber. Ganz anders der Staat..Obgleich die Verfassung Religionsfreiheit garantiere, sei Tatsache, daß der Staat die Religion als Zwangssache behandele. Aus diesem Standpunkt seien auch die Schandflecken des llieligions- zwanges der Disstdentenkinder und der vom Staat abhängigen Be- amten zu erklären.— Angesichts der Tatsache, daß trotz der aus- gesprochenen Neutralität der Partei die Bewegung der Massen gegen die Kirche immer mehr lebendig werde, müßten die Gründe unter- sucht werden, die hierbei mitspielen. Einer der ersten sei seiner Ansicht nach der Umstand, daß infolge der fortschreitenden Bildung der Arbeiterklasse diese immer mehr erkenne, daß das gegenwärtige Christentum, weit entfernt von den Idealen des Urchristentums, das- Gebot der christlichen Nächstenliebe durchaus ignoriere, und daß die Kirche immer mehr zu einem der willfährigsten Werk- zeuge des Klassenstaates werde. Ein zweiter Grund sei ferner der den Massen des Volkes immer mehr zum Bewußtsein kommende Widerspruch zwischen der modernen Weltanschauung und der alten Weltanschauung der Kirche und ihrer Dogmatil. Als letzter Grund endlich sei anzusprechen die immer mehr anwaMende Erkenntnis, daß auch Religion schließlich eine Sache der persönlichen Veran- lagung sei. Es fragt sich nun, ob von der Sozialdemokratie der Kirche gegenüber von dem bisherigen Standpunkt der Toleranz ab- zusehen oder dieser weiter beizubehalten sei. Redner ist der Ansicht, daß hier die aktive Toleranz einzusetzen habe. Wer innerlich mit der Kirche gebrochen habe, der habe die Verpflichtung, dies durch seinen Austritt darzutun. Wer als Sozialdemokrat zwar den reak- tionären Charakter der heutigen Kirche erkannt habe, trotzdem aber gläubig sei, habe die Verpflichtung, innerhalb seiner ReligionS- gemeinschaft auch dort den Kampf zu führen gegen jede Reak- tionl Stürmischer minutenlanger Beifall folgte den Wstündigen Ausführungen des Referenten.— In der Diskussion vermißte zunächst Herr Pfarrer Schettler- Wilmersdorf unter den vom Referenten angegebenen Gründen die Tätigkeit des Komitees Konfessionslos, dessen Erfolge bisher winzige waren, weshalb trotz der entgegenstehenden Erklärung des Aktionsausschusses die Partei habe helfend eingreifen müssen. (Stürmischer Widerspruch.) Er wisse durch Besuche bei Austreten- den, daß vielfach diese zum Austritt geradezu„getrietzt" worden seien.(Stürmischer Widerspruch.) So sehe die angebliche Toleranz der Partei aus! Er sei auch Anhänger eines gesunden Sozialis- muS, der auch gern ein Stück Fleisch äm Topf habe, aber die Sozial- demokratie betrachte er als nationales Unglück. Die Partei solle auch bedenken, daß durch die Austritte die Geschäfte des Katholi- ziSmuS besorgt werden, der für die Freiheit des Geistes der ge. fährlichste Feind auch der Arbeiterklasse sei. Wer austrete, solle bedenken, daß er sich selbst von der geistigen und kulturellen Ge- meinschaft des Volkes absondere.(Lachen. Rufe: Umgekehrt!) Der Redner, dessen ganzes Auftreten auf die Versammlung direkt pro- vozierend wirkte, schloß seine Ausführungen mit einem erneuten Bekenntnis seiner Todfeindschaft gegen die Sozialdemokratie. Herr Pfarrer Jllgenstein- Wilmersdorf stellte als Kernstück d« Religionstätigkeit den Geist der christlichen Nächstenliebe in den Vordergrund, der auch im Zukunftsstaate nicht entbehrt werden könne. Besolde doch die evangelische Kirche 21 999 Diakonissinnen und 6999 andere Schwestern. Der Redner versuchte schließlich, die vom Referenten behauptete Toleranz der Partei durch Aeußerungen einzelner Personen zu widerlegen, waZ stürmischen Widerspruch hervorrief.— Herr Dr. V i e l h a b e r erklärte, daß wir in Deutsch- land auf allen Gebieten einer formidablen Reaktion gegenüber- stehen. Dies« Umstand sowie die Vorkommnisse in letzter Zeit. Zabern usw, lieferten Waffer auf die Mühlen des Komitees Kon- fefsionslos. Er befürwortete im übrigen �ein Zusammengehen der Sozialdemokratie mit dem Liberalismus auch im Kampfe gegen die kirchliche Reaktion. Es gelte, die im Protestantismus noch lebendigen Kräfte auszunützen.— Herr Pfarrer D i e st e l- Wilmersdorf ist mit großer Freude erfüllt von dem Willen der Sozial- demokratie, Toleranz zu üben. Er sagte auch, wer innerlich loS fei von der Kirche, solle ihr den Rücken kehren. Wer aber noch gläubig sei, sei jederzeit willkommen zur Besserung wirklich vor- Hhndener Mißstände.— Dehme illustrierte an Wilmersdorfer Verhältnissen die Redensart von der„Kirche als GewissenSschärferin der Kommune". Wo sei das Gewissen der Kirche geblieben, als zwar eine neue Kirche gebaut werden konnte, notwendige Bauten wie Krankenhaus, Armenhaus usw. aber mangels Mitteln unter- bleiben mußten? Genosse Wolter trat der Ansicht Göhres ent- gegen, daß innerhalb der Kirche der Kampf gegen die Reaktion mög- lich sei. Was einem Jatho und Traub nicht gelang, werde auch Arbeitern unmöglich bleiben.— Herr Pfarrer K y p k e- Wilmers- dorf betonte, daß die Kirche seiner Ansicht nach mit dem Klassen- taat nichts zu tun habe. Allerdings sei nicht zu bestreiten, daß vieles besser werden könnte, wenn die Reichen etwas anders handeln wollten.(Sehr richtig!) Herr Lehmann-Rutzbüldt stellte auf eine gegenteilige Behauptung des Vorredners fest, daß gerade in religiös beherrschten Gebieten die Kriminalität die höchsten Ziffern aufweise. WaZ das Kernstück des Christentums, die» christliche Nächstenliebe, anlange, so möge als Beweis für deren Unwesentlich- keit die Tatsache dienen, daß in Ncuköln bei einem Etat von 599 999 M. die Kirchengemeinde für Zwecke der Wohltätigkeit nur gut 2999 M. aufwende.— Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten, der fein Bedauern darüber aussprach, daß im Kampfe der Geister gerade hier die Geistlichen versagt hätten, fand die Ver- sammlung schließlich um 12%. Uhr ihr End«. Nehmt Einsicht in die Gemeinde- Wählerliste, die nur livrfj bis zum 3 v. I a n u a r in den Gemeindebureaus zur öffentlichen Einsicht auslirgcn. Benutze jeder den heutigen Sonntag zur Einsichtnahme in die Liste. Diejenigen, die nicht clbst nachsehen können, ob sie in der Liste vermerkt sind, wollen sich vertrauensvoll an irgendeinen bekannten Genoffcn� ihres Ortes wenden und diesen um die Prüfung der Liste ersuchen. Neukölln. Die Wählerlisten für die Wahlen zum Kaufmannsgericht liegen nur noch bis zum Mittwoch, den 28. Januar, wochentags� von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends im alten Rathausgebäude, Erkstr. 29, Erdgeschoß, Zinnner 457, zur Einsicht aus. Wie ver- lautet, sollen die Listen äußerst lückenhaft aufgestellt worden sein. Es liegt daher im Interesse eine? jeden Wählers, die Wählerliste einzusehen und, falls er nicht eingetragen ist, sofort seine Ein- tragung beim Magistrat zu beantragen. Denn wer nicht in der Wühlerliste steht, kann am Tage der Wahl— am 1. März— sein Wahlrecht nicht ausüben. Es sei nochmals darauf hingewiesen daß wahlberechtigt als Arbeitnehm« jeder über 25 Jahre alte Deutsche ist, sofern er am Orte beschäftigt wird— ganz gleichgültig, w o sich sein Wohnsitz befindet— und soweit sein Ein- kommen 5999 M. nicht übersteigt. Als Arbeitgeber ist wähl« berechtigt jeder über 25 Jahre alte Kaufmann, der am Orte seine Handelsniederlassung hat und mindestens einen- Angestellten resp. einen solchen zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigt. Volkstümliche Vorträge über RrchtSfragen dcS täglichen Leben?. Der fünfte der von der Oeffentlichen Rechtsauskunftsstelle der Stadt Neukölln veranstalteten Vorträge findet am Freitag, den 39. Januar, abends Uhr, in Neukölln, Alles Rathaus, 1 Treppe, statt über„Tie Krankenversicherung", 2. Teil: Versicherung der Dienstboten, Hausgewerbetreibenden usw. Tis Leistungen der Allgemeinen Ortskrankenkassen Neukölln und Berlin.(Vortragen- der: Magistratsassessor Lange.) Eintritt frei. Schöneberg. Eine öffentliche Versammlung bcS ZentralvcrbandcS der Handlungsgehilfen im„Gesellschaftshaus des Westens" nahm zu» nächst ein Referat des Reichstagsabgeordneten Heine über:„Der Kampf um daS Äoalitiousrechr" entgegen. Abgeordneter Heine zeigte, wie die bürgerlichen Parteien den Kampf gegen das Koalitionsrecht aufgenommen haben und wie sich besonders der Hansabund in dieser Hinsicht hervorgetan hat. Der Zweck dieses Kampfes sei, die Volksrechte, welche sich die Arbeiter durch ihre Organisationen erworben haben, überhaupt zu rauben und jedeS Mittel für ihre Bildungsarbeit zu nehmen. Redner wies dann auf das Vorgehen der Banken und anderer kapitalistischer Institute hin und zeigte damit, daß das Koalitionsrecht schon lange nicht mehr eine Sache ist, die nur die Arbeiter angeht. Der Kapitalis» mus werde immer kräftiger und dreist« und wolle den Angestellten überhaupt keine Rechte mehr zubilligen. Gegenüber all diesen re- aktionären Bestrebungen, die zuletzt noch auf dem Preußentag zum Ausdruck gekommen sind, müsse es unsere Aufgabe sein, nach jeder Richtung hin aufklärend und agitawrisch zu wirken, um durch die Organisation das Koalitionsrecht zu befestigen. Hierauf sprach Kollege Schmidt über:„Die bevorstehenden Kaufinannsgerichtswahlen." Der Redner wies darauf hin, daß die Existenz d« Kaufmaunsgerichte gegenüber dem früheren Zustand für die Angestellten schon einen großen Fortschritt bedeute, die- selben könnten aber noch viel mehr tun, wenn nicht die Tendenzen der bürgerlichen Verbände dort zum Ausdruck kommen würden. Der Leipziger Verband gehöre korporativ dem Hansabund an und mache sich somit mitschuldig an den Beschlüssen desselben. Der 58er sei zwar nicht korporativ dem Hansabund angeschlossen, doch seien Führer desselben hervorragend im Hansabund tätig. Beide Organisationen machen sich dadurch des Verrats schuldig. Diese Verbände wollen zwar vom Klassenkampf nichts wissen, doch spielt sich derselbe Tag für Tag und Jahr für Jahr bei den Kauf. mannSgerichten ab. An der Hand einer Reihe von Beispielen be- leuchtete Schmidt die verräterische Tätigkeit der bürgerlichen Hand- lungSgehilfenverbände. So auch bei der Frage der Konkurrenz- klauscl sowie der Sonntagsruhe. Die anwesenden Gegner konnten die Beschuldigungen nicht widerlegen. Ein deutschnational« Handlungsgehilfe belustigte die Versammlung mit einer Philippika gegen die Juden und das jüdische Kapital, die nach seiner Meinung Deutschland ruinieren. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit der Aufforde- rung. am 22. Februar bei der Wahl der Liste 1 des Zentralver» bandes der Handlungsgehilfen zum Siege zu verhelfen. Ober-Schöneweide. Ein Betriebsunfall hat sich im Kabelwerk Oberspree ereignet. Dort war in der Gummifabrik der Illjähmg« Arbeiter Oskar Bartsch aus der Boxhagener Chaussee mit dem Pressen von Form- stücken beschäftigt. In dem Augenblick, als der Arbeit« sich bückt«, um daS Funktionieren d« Maschine zu beobachten, sprang plötzlich ein ungesicherter Eisenbolzen heraus und traf den B. mit solcher Wucht gegen die Stirn, daß das Eisenstück sich tief in den Kops hinei'nbohrte. In besinnungslosem Zustande brachten Arbeitskollegen den Verunglückten in das Elisabeth-Hospital, wo eine Operation vorgenommen werden mußte, Zossen. In einer Protestversammlung gegen die Machtgelüste der Scharfmacher rief Genosse Pätzel-Berlin in einem Inständigen Referat die Arbeiter zu energischer Gegenwehr auf. Die vor- liegende Resolution fand einstimmige Annahme. Ferner wurde beschlossen, eine Petition zur Milderung der Arbeitslosennot an den hiesigen Magistrat zu senden. Es wurden zwei arbeitslose Genossen beauftragt, dem Bürg«meister die Petition persönlich zu übergeben. Reinickendorf. Au? der Gcmeindcvertretmig. Infolge Vermehrung der Zahl der Gemeindeschöffen von fünf auf sechs und Ablaufs der Wahl« zeit des Schössen Reinicke fand zunächst die Wahl zweier Schöffen statt. Diese Wahl stellte eine Kraftprobe dar. Ihr war in der Oeffentlichkeit— soweit sie durch die Haus, und Grundbesitzer- vereine repräsentiert wird— ein heftiger Kampf voraufgegangen. Hart prallen seit langem in diesen Vereinen die gegensätzlichen Interessen der Hausbesitzer und(besonders Groß») Grundbesitzer aufeinander. Die Differenzen liegen bauptsächlich auf steuerlichem Gebiete. Die Hausbesitzer sind in diesen Vereinen in der Mehr- heit. Da sie bei der Gemeindevertreterwahl das Hauptkontingent der Wähler der zweiten Wählerklaffe stellen, betrachten sie es als selbstverständlich, daß die bürgerlichen Gemcindevertreter sich be- sonders der Vertretung ihrer(Hausbesitzer-) Interessen widmen. Dies schien ihnen eine Zeitlang gelungen zu sein, sehr zum Ver- druß der Großgrundbesitzer. Ilm diesem für sie unheilvollen Ein- fluß ein Paroli zu bieten, regten die Grundbesitzer die Bildung einer bürgerlichen Fraktion am Die Verpflichtung hierzu moli- vierten sie mit der Notwendigkeit eines organisierten Widerstandes gegen die sozialdemokratische Fraktion, die infolge ihrer Geschlossen- heit und der großen ArbeitSfreudigkeit und Sachkenntnis ihrer Mit» glieder einen weit über ihre Zahl hinausgehenden Einfluß au?» übe. Da ja nun in Preußen nichts leichter ist, als einem Spießer durch Schwenken des roten Lappens das Mark in den Gebeinen gefrieren zu lassen� fielen auch unsere Gutgläubigen alle hinein. Damit tvar der Stein aufs neue ins Rollen gebracht. Eine Versammlung der Hausbesitzer forderte die von ihnen gewählten Vertreter auf, aus der Fraktion wieder auszuscheiden. Ferner wurden diese ausgefordert, bei der angesetzten Schöffenwahl zwei Kandidaten der Hausbesitzer zu wählen. Die neue Fraktion be- schloß jedoch, den ausscheidenden Schöffen— ein Vertreter der Grundbesitzerinteressen— wieder- und einen ihr genehmen Gemeindevertreter neuzuwählen. Unt« großer Spannung der im Zuhörerraum des Ausfalls der Wahl harrenden Interessenten erfolgte die Abstimmung. Und sie ergab— den völligen Durchfall der Hausbcsitzerkandidaten. Der eine erhielt eine, der andere gar keine Stimme. Gewählt waren die von der bürgerlichen Frak- tion auf den Schild erhobenen Kandidaten der Grundbesitzer. Lachend quittierte der„neue Führer der geeinten Haus- und Grundbesitzer", Herr Busch, Direktor von Grundstücksgesellschaf- ten und lebbafter Terrainhändler, den Ausfall der Wahl. Gerade die Durchgefallenen hatten ihm am steifsten den Steigbügel ge- halten, ais er für sich die Verleihung des Gemeinderechts ver- langte. So ernten sie zum Dank auch noch den Hohn. Unsere Genossen stimmten bei beiden Wahlen für den Genossen Schön- berg. Sodann gelangte zur Beratung der Antrag auf gruud- sätzliche Zustimmung zur Herstellung der Ost-West-Verbindung durch die, Große Berliner Straßenbahn. Nach der Zustimmungs- erklärung der sozialdemokratischen und auch der bürgerlichen Frak- tion wurde der Antrag einstimmig angenommen, vorbehaltlich der Genehmigung des noch borzulegenden spezialisierten Kostenan- schlages. Das Statut der zu gründenden Gemcindeanstalt für zweite Hypotheken hatte in der vorgelegten und von der Gemeinde- Vertretung genebmigten Fassuna nicht die Zustimmung des Kreis- auSschusseS gefunden. Eine Reihe von Abänderungen waren vor- geschlagen worden. Obgleich hiergegen begründete Bedenken vor- lagen, stimmten die Bürgerlichen"schließlich den Abänderungs- Vorschlägen zu, um nur recht bald der Gemeinde die Beschaffung der zweiten Hypotbeken aufbürden zu können. Eine Vorlage über Abänderung der Baupolizeiaebübrenordnung wurde einer all Iiac gebildeten Kommission überwiesen, der auch uiisere Genossen Gursch und Lange angehören. Nach einer Vorlage über Er- richtung von neuen Lebrerstellen an den Gemeindeschulcn soll eine zweite Klasse der Osterreihe eingehen, weil die Durchschnitts- srequenz der vorhandenen acht Klaffen dieser Semestergattung nur 43 Schüler betrage. Nach Aufhebung der ciueu blasse würde sie 48 Schüler betragen. Ferner wurde beantragt, die bei den— seinerzeit auf Veranlassung der Regierung zwangsweise errichteten— katholischen Gemeindeschulen neu aufzubauenden 4. und 5. Klassen nur im östlichen Ortsteil zu errichten. Die im irestlichen OrtSteil wohnenden Kinder katholischer Religion sollen also täglich in Wind und Wetter auf zum Teil schlechten Straßen sungepflastertem Bürgersteig usw.) einen ein- bis anderthalb- stündigen Weg zurücklegen, um zur Schule zu kommen. Umsonst protestierte Genosse Schönberg namens der sozialdemokratischen Fraktion gegen eine solch ungeheuerliche Verschlechterung der doch wahrlich nicht glänzenden hiesigen Schulverhältnisse. Tiefe be- dürfen eher einer Verbesserung als einer noch weiteren Verschlechterung. Äber der GefühlSrcgulator der Besitzenden ist ihr Portemonnaie. Was diesem nicht zuträglich ist, verabscheuen sie. Sie leiden unter solch schlechten Zuständen auch nicht, denn ihre Kinder besuchen ja den Musterschulbau— � das Gymnasium— inmitten des Orts; in lorlchcin� die Frequenz in den höheren Klassen ja auch nur 8 bis 10 Schüler betragen darf, ohne daß auch nur einer den Abbau der Anstalt aus den so beliebten„Er- sparnisrücksichten" beantragt hätte. Schmackhafter suchte der Stadt» rat Reichhelm die Vorlage zu machen, indem er erklärte, daß in der Schuldeputation die erprobten Schulfachmänner, die Rektoren, sogar für die Vorlage gestimmt hätten. Das war genug Salbe auf das etwa sich rührende Gewissen der»bürgerlichen Fraktion" und sie stimmten geschlossen für die Vorlage. Einen Antrag unserer Genossen, den nächsten Punkt der Tagesordnung— Stiftung einer Turmglocke für die im Bau begriffene katholische Kirche— in öffentlicher, statt wie vorgesehen in geheimer Sitzung zu be- raten, lehnten die Bürgerlichen ab, sie stimmten dann aber in geheimer Sitzung gegen die Bewilligung. Zum Schluß wurde noch beschlossen, ein Hilfskomitee für die durch die Sturmflut an der Ostsee Geschädigten zu errichten und von Gemeindewegen eine Beihilfe von aOO M. zu bewilligen. Hohen-Neuendorf. AuS der Gemcindevertretcrsstzung. Der Beschlußfassung unter- lag zunächst ein Vertrag mit den B. E. W. zwecks Durchlegung eines Kabels durch die Berliner Straße. Die Vertretung stimaite demselben nach kurzer Debatte zu. Einstimmige Annahme fand ein Vertrag mit der Nachbargemeinde Birkenwerder. Nach dem- selben verpflichten sich beide Gemeinden zur gegenseitigen Wasser- lieferung in Notfällen. Der Preis pro Kubikmeter soll 15 Pf. be- tragen. Als letzter Punkt stand die Regelung der Honorarverhält- nisse de? WasserwerksbauleiterS Ingenieur Gottheiner zur Ver- Handlung. Eine endgültige Regelung konnte nicht erfolgen, weil eine Abrechnung mit der in Konkurs geratenen Firma Franke u. Berghold, die den Wasserturm ausführen sollte, bisher unmöglich war. Genannte Firma hat jetzt durch ihr Bankhaus die Klage gegen die Gemeinde anstrengen lassen. Es wurde deshalb be- schlössen, dem Bauleiter einen Borschutz in Höhe von 8000 M. zu bewilligen. Eine zum Schluß von unserem Vertreter gemachte An- regung, die Plenarsitzungen statt um 6 Uhr eine Stunde später anzusetzen, fand trotz eingehender Begründung bei der Mehrheit kein Verständnis. Spandan. Eine Rathaukbcsschtigung, für die Herr Stadtbaurat Paul be- reitwilligst die Führung übernommen hat, findet heute Vormittag statt. Treffpunkt pünktlich 101h Uhr vormittags vor dem neuen Rathause. Tegels Für die am 4. März stattfindenden GewcrbegcrichtSwahlen erfolgt vom 2 5. Januar bis einschließlich 7. Februar die Aufstellung der Wählerlisten. Zu diesem Zwecke werden die zur Teilnahme an der Wahl berechtigten Personen auf- gefordert, sich unter Vorlegung der erforderlichen Bescheinigungen lmr Arbeiter eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers oder der Polizeibehörde, für Arbeitgeber eine Quittung über Zahlung der Gewerbesteuer) an den Wochentagen nachmittags von 3— 6 Uhr, an den Sonntagen von 8— 10 Uhr vormittags mündlich oder schriftlich anzumelden. Zur Teilnahme an der Wahl ist berech- tigt, wer als Arbeitnehmer das 25. Lebensjahr vollendet hat und im Orte wohnt oder beschäftigt ist. Arbeitgeber müssen gleichfalls das 25. Lebensjahr vollendet und im Orte eine gewerbliche Nieder- lassung haben. Roscnthal. Aus der Gemeindevertretung. Zum zweiten Male innerhalb ganz kurzer Zeit erhob Genosse M i l b r o d t Klage über Jndis- krettonen aus der geheimen Sitzung. Er beantragte unter Namens- nennung die kommissarische Vernehmung dieser Personen, damit einnial der Urheber gekennzeichnet werde. Der Gemeindevorsteher Dr. Kruse bezeichnete dieses Gebühren als unanständig, leider bestehe keine gesetzliche Handhabe gegen solche Verstöße.— Ueber die Straßenbahnangelegenheit wurde berichtet, daß d«r Vertrag vom Berbandsdirektor unterschrieben eingegangen und die vom Berliner Polizeipräsidenten geäußerten Bedenken behoben seien. Der Fahrplan weise nun auch Spätzüge aus, und zwar ab Mittel- straße 11.30 und 12.10 Uhr.� Der vorletzte Wagen hat Anschluß an den 12.16 Uhr von Rvsenthal(Torf) abfahrenden letzten Zug. Von Rosenihal fahren die letzten Wagen 11.15, 11.50, 12.31, 12.58.— Infolge der Konkurrenz, die der Imperial Continental Gas-Asso- ciation durch die Entwickelung der Eiektrizitä' bereitet wird, tritt eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung ein, welche in einem Nachtragsvertrage mit der Gemeinde angenommen wurde. Kosten entstehen der Gemeinde dadurch nicht. Das Vertragsvcrhältnis läuft alsdann statt bis 1970 bis zum Jahre 1985.— Im ver- gangenen Jahre hatte die Gemeindevertretung die Einführung eine» kollegialischen Gemeindevorstandes, die Anstellung eines besoldeten Schöffen und damit die Erhöhung der Zahl der Gemeindeverordneten beschlossen. Der besoldete Schöffe bedarf jedoch der Genehmigung durch den Minister, während der lollegialische Vorstand vom Kreis- ausschutz genehmigt werden muß. Es wurde beschlossen, zunächst die Genehmigung des kollegialischen Gemeindevorstandes einzu- holen und alsdann vom Minister die für die Anstellung de» be- soldeten Schöffen.— Tie Gas-, Be- und Entwässerungsanlagen des Schulhausneubaues wurden den Deutschen Wasserwerken A.-G. für 11 596 M. als billigste Firma übertragen. Bei dieser Ange. legenheit teilte Genosse Milbrodt mit, daß einzelne Firmen bevor- zugt seien, indem dieselben Zeichnungen vom Baubureau erhalten haben, während andere an der Submission beteiligt« Firmen hier. von ausgeschlossen worden seien;«ine solche Handlung sei zu ver- urteilen. Regierungsbaumeister He n dewerk bsstritt diese AuS- führungen. Es sei eine Firma hinzugezogen werden, um über Neuerungen Auf den betr. Gebieten Auskunft zu erhalten und eventuelle Ratschläge anzunehmen. Diese Firma habe wohl ein« Zeichnung erhalten, doch habe daS auf die Preisgestaltung keinen Einfluß. Die von der Gemcindevertrrtung seinerzeit beschlossen« Volksbücherei ist in Tätigkeit getreten. Die Bücherei befindet sich in einem Zimmer des Schulgebäudes(Schillerstraß«). Die AuSleih- tage sind Dr«nßtag und Freitag von 4—5 Uhr und Sonntag von 12—1 Uhr. Jeder Einwohner ist berechtigt, nach AuSaveis genügen. der Legitimation die Bücherei unentgeltlich zu benutzen. Etwa 800 Bücher stehen zur Verfügung; der verwaltungKrat, dem auch ein Genosse angehört, hat daS Bestreben, die Bücherei al»»VolkSbib» liothek" im wahrsten Sinne des Wortes auszugestalten. SitznngStage der Stadt« und Gemeindevertretungen. Lichterfelde. Morgen Montagabend v Uhr tm Rathaus. Diese Timingcn sin» öllcnlli» Jever Semetndeangetzlrige i» de- rechligl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. von Allgemeine Familienfterbrkasse. Heute Zahl, und Aufnahmetag 3—6 Uiir im Restaurant Slckerltr. 122 und Buckower Str. 14. Jugendveranstaltuage«. Pankow-Niederschöiiliauscn. Jugendheim. DieuStag, den 27. d., Vortrag des Herrn Schrodeck über»Tagesereignisse'. Mittwoch: Mädchen- abend. Donnerstag: Dislutierabend. Freitag, den 30. Januar: Vortrag des Herrn Wyschka über:.Preußisches Staatsreckt'. Schönobcrg. Heute Sonntag, abends 6 Uhr, in der Neuen Rathaus- sälen, Meininger Str. 8: Vortrag über Midchenwünsche. Nefercntin: Frau Wickert._ Eingegangene druckschristen. von B. Jaroslaw. Wohlfahrt und Wirtschaft. 1. Jahrg. Heft 1. 1,50 M. E. Diederichs, Jena. Der Kunstfreund. Januarheft. Zeitschrift der Vereinigung der Kunstfreunde. Ad. O, Troitzfch, Berlin-Schöncbcrg. Ter Tropenpflanzer. 18. Jahrg. Nr. l. Zeitschrift für tropische Landwirtschast. Herausgegeben von O. Warburg und F. Wohltmanu. Erscheint monatlich. Pro Jahr 12 M. Verlag Berlin HW, Pariser Platz 7. Tie Äiestcrci. 1. Jahrg. Hest 1. Zeilschrist für die Wirtschaft und Technik dcS Kietzereiweseiis. Herausgegeben vom Verein Deutscher Even- gletzereicn. Erscheint monatlich zweimal. Pro Jahr IL M. R. Oldenbourg, München NAV 2. Die Gartenvorstadt Leipzig-Ma rienbrnnn. 1,76 M., kart. 2,26M H. A. L. Dcgener, Leipzig._ Marktvretle von Berlin am 88. Januar l!U4. nach Ermittelungen des lgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed). gute Sorte 16.80— 17,00, Donau 00,00—00,00. Mais>. runder), gute Sorte 14,80— 15,20. Nichtstroh 4,70— 4,80, Heu 6,80—7,80. Marllhallenvreise. 100 Kilogr.' Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen, wcitze 35.00—60,00. Linien 36,00—80,00. Kartoffeln(Klemddl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleilch, Bauchsieilch 1,30—1,80. Schweinefleifch 1.40—2.00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammeijlcisch 1,50—2,40. Butler 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.80—7,20. 1 Kilogramm Karvien 1.40—2,40. Aale 1,60—3,40. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,60— 3,00. Barlche 1,20—2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs« 3.00—24,00. Wttterungsüberiicv» vom 84. Januar 1914. IIS,|| If:0"1« Ii 15 Iii Swwemde. j 77 1 WSW tamburg �771 IW crlin Franst. a.M 771 I 773 NO 774 SSW ?74!Süll «II S? MÖ 1 Dunst-5 2wolkelll—6 Iwolkenl isDunst 2 Nebel Nebel —9 —11 —10 —11 Ctafionen £ e « g ge Ii« n 1 Havaranda,751iWNW PelerSburg756iW Sctllv 7e6!S Aberdeen Paris 768 771 ZW Slill 2 wollig 2 heiter 4 wolkig 3 bedeckt iwollcnl e* !' -3 8 6 -11 S" München Wien Wettervrognose für Sonntag, den 85. Januar 1914. Ziemlich heiteres und trockenes, mittags etwas gelinderes Frostwctter bei schwachen südwestlichen Winden. Berliner G e tt e r b u r e a u. Arininius-Hallen Bremer Str. 72173. Großer Saal mit Buhne Sonnabend. 21., 2H. März, zufällig wieder frei geworden. ISax SchOizel. 3» Zlklki! SMen vir Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf- zamm ürbeitermöhe! Die Musterwohnung im Gewerk- schafisbause ist geschlossen. 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Diese Art der Behandlung unserer Re- solutionen ist eine ununterbrochene Kette von Provokationen des Reichstages (Lebhaftes Sehr richtig!), es sieht so aus, als ob die Militärverwal- tung ciuen Konflikt vom Zaune brechen wt.ll. Auch daS Zentrutn fchetm dies zu � empfinden,(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentruni.) Keine Partei,' die etwas auf sich hält, kaqn sich das ge� fallen lassen.(Lebhafte Zustimmung.) Diesen Appell richte ich na- nientlich auch an die N a t i o n a l l i b e r a l e n. Unser Antrag be- zweckt, wie gestern schon ausgeführt wurde, den Frieden zwischen Militär- und Zivilgewalt, zwischen Kom- mandogewalt und Volk zu schaffen. Es ist der einzige Weg, solche Exzesse wie diese Reuterei aus der Welt zu schaffen. (Bravo! bei der Volkspartei.) Abg. Fehreubach(Z.):' Ich schlieste mich dem Antrage deS Vorredners auf Annahme unseres Antrages und Verweisung der übrigen Anträge an eine Kommission a ir. Der Reichskanzler hat gestern eine im allgemeinen zustimmende Erklärung zu unserem Antrage abgegeben. Aber der Abg. Müller hat recht, angesichts der Erfahrungen, die wir mit Resolutionen gemacht haben, müssen wir den Willen des Reichstags in starker Weise zum Ausdruck bringen, um dadurch eine Einwirkung auf den Willen der Regierung auszuüben. Der Sinn unseres Antrags ist, dast die partikularechtliche Regelung auch in Preusten so erfolgt, wie sie in Bayern. Württemberg und Baden erfolgt ist. Auch wir wollen, dast nur auf Requisition der Zivtl- behörden das Militär zu polizeilichen Zwecken herangezogen wird. Abg. Haafe(Soz.): Bereits bei der Beratung der Militärvorlage haben wir wieder- holt betont, dast die Zusagen seitens der Mtlitärverwaltung nicht ge- hallen werden, wenn nicht an Stelle von Resolutionen die An- träge in die Militärvorlage hineingearbeitet werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herrn Müllers scharfe Worte bedeuten gar nichts, wenn dahinter nicht eine Tat steht. Dast die Regierung, die bisher den Reichstag misthandclt hat, ihm auch gegenwärtig die stärkste Mist- achtung entgegenbringt, beweisen die leeren Bänke des B u n d e s r a l s t i s ch e s.(Lebhaftes Sehr richtig!) Aus dieser Tatsache allein müstte der Reichstag den Schlust ziehen, nun seine ganze Macht der Regierung zu zeigen. Wir werden abwarten, wie die bürgerlichen Parteien auch nach diesen Fustlritten sich der Re- giening gegenüber verhalten werden.(Präsident K a e m p f: Sie dürfen nicht sagen, dast die Regierung dem Reichstag Fustlritle ver- setzt! Ich rufe Sie zur Ordnung!) Ter Zcntrumsantrag besagt ja sehr wenig gegenüber den ungeheuerlichen Rcchtsbrüchen, die vorgekommen sind. Aber nach der Erklärung des Abg. F e h r e n- b a ch tragen ivir kein Bedenken, den Antrag anzunehmen. Der Antrag B a s s e r m u n n ist ja fast gar nichts. Aber es liegt keine Veranlassung vor, ihn abzulehnen. Unser Antrag ist gestern bereits ausgiebig begründet worden. Der Reichs- kanzler sagte aus sehr durchsichtigen Gründen, der Antrag sei air sich schon eine revolutionäre Tat. Bon seinem Standpunkt aus ist eS verständlich, dast er die Angriffe von sich auf die Sozial- demokratie abzulenken sucht. Unser Antrag ist oft genug gestellt worden, wir sind bereit, in der Kommission über die Einzelheiten näher zu sprechen, und schlichen uns daher dem Antrag auf Kom- mi.ionsberatung an.(Betfall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hanß(Elf.): Nach elsässischem Recht darf das Militär nur auf Verlangen des Bürgermeisters einschreiten, und mit Bedauern haben wir konstatieren müssen, dast dieser Rechlsbodcn verlassen worden ist. Es darf im Elsast neben dem Landesrecht nur Reichs- recht geben, nicht noch ein besonderes preustisches, bayerisches, würtleinbergitches Recht für das Militär: auch das Milstär inust das Reichs- und Landesrecht respektieren. Dem Anträge auf KommissionS- beratung fchliesten wir uns an. Abg. Basscrtuaun(natl.): Unser Antrag spricht für sich selbst. Auch der Herr Reichskanzler ging ja davon aus, dast Eingriffe des Militärs im allgemeinen nur aus Veranlassung der Zivilbehörden zulässig sind, dast es aber auch Ausnahmefälle davon gibt. Die Anträge des Z e n t r u in S und der National- liberalen werden gegen die Stimmen der Rechten an- genommen, die übrigen Anträge werden einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr(Etatsberatung des Reichs- amts des Innern). Schlust 11 Uhr._______ Mgeorönetenhaus. 11. Sitzung. Sonnabend, den 24. Januar 1914, vormittags 19 Uhr. An: Ministertisch: Landwirtschaftsminister Frhr. v. S ch o r- l e m e r. Zweite Lesung des Landwirtschaftsetats. Eine Resolution der Budgetkommission wünscht für das nächste Jahr erhöhte Staatsunterstützung für den Obst- und Gemüse- Abg. Dr. Bareuhorst(fk.) fordert Hebung des Kartoffelbaues durch einen Kartoffelzoll. damit die Landarbeiter im Winter beim Kartoffelbau beschäftigt werden können. Die Kartoffeln können ja auf Trockenpräparate ver- arbeitet werden. Minister v. Schorlemer: Die Trockenapparate mühten billiger arbeiten. Ich glaube nicht, dast der Eisenbahnminister die Kartoffeltarife weiter ermästigen wird. Wir müssen dahin streben, dast die Kartoffeln mehr als Vieh- iutter verwendet werden, dann werden wir auch vom Ausland unab- hängiger sein. Abg. Kache(k.) bemerkt, dast ein hoher Zoll auf Kartoffeln den Konsum nicht vermindern würde. Abg. Höveler(Z.) verlangt einen Zollschutz für Gemüse, unr den nieder- rheinischen Gemüsebau gegen die holländische Konkurrenz zu schützen. Abg. Ecker-Winseu(natl.): DaS Interesse für die Gartenkultur hat sich überall belebt; aber die Einfuhr von Gemüse und Obst hat zugenommen und eine Höhe von 139 Millionen erreicht. Deswegen must der Gemüse- und Obst- bau durch Zollschutz und Staatshilfe gefördert werden. Abg. Dr. Va'euhorft(fk.): Im Gegensatz zu den Freisinnigen sind wir für einen Gemüse- zoll, vor allem, um uns gegen die holländische Konkurrenz zu schützen. Abg. Telius(Vp.): Man darf, lvenn man den Gemüsebau fördern will, den kleinen Leuten, die in ihren Schrebergärten Obst und Gemüse bauen, nicht so viele Schwierigkeiten bereiten, wie es im vorigen Jahre in Berlin geschehen ,st.(Sehr wahr! links.) Durch einen Schutzzoll auf Gemüse und Kartoffeln würde man gerade diejenigen Nahrungs- inittel verteuern, die für den kleinen Mann am' meisten in Beträcht kommen.� Abg. Paul Hoffman»(Soz.); Die Beförderung der Gemüse- und Kartoffelkultur liegt im volkswirtschaftlichen Jntereffe, aber wir müssen noch einen erheb- lichen Teil der erforderlichen Produkte aus dem Auslande einführen. Im vorigen Jahre wurden allein für 16 Millionen Mark O b st in Deutschland eingeführt, woran Berliu in erheblichem Mäste beteiligt ist. Das Land ist also noch nicht in der Lage, diese Pro- dukte in erforderlicher Menge hervorzubringen und deswegen must von Seiten des Staates eine wirksame F ö r d e r u ng eintreten. Der Abg. Diederich Hahn kam, sprach und ging gestern. Wohlwollend nahm der Minister alle agrarischen Wünsche in Empfang. Wir erwarten, dast der Minister ebenso auch die Wünsche der Arbeiterschaft entgegennehmen werde. Hahn und seine Freunde auf der Rechten haben ein lebhaftes Interesse an der Einführung von Schutzzöllen. Die Konservativen kennen nur ein Heilmittel: Zoll. Zoll, Zoll! Ein Zoll aus Gemüse und Obst würde die Arbeiterbevölkerung aufs schwerste belasten; es wäre unenjört, wenn man auch noch auf diese Weise das Volk berauben wollte.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die Vereinigung der Gärtnereibesitzer hat an die Reicks- regierung eine Denksckrifl gerichtet, in der sie eine Erhöhung des Kartofjelzolls von 1 auf 6 M. fordert. Die K o h l a r t e n. die bis jetzt zollfrei eingeführt wurden, sollen mit einem Zoll von 3 M. belegt werden. Auf Blumenkohl soll ein Zoll von 29 M. erhoben werden, auf Bohnen, Erbsen, Spinat ein Zoll von 39 M., auf Kernobst ein Zoll von 15 bis 39 M., auf E r d- beeren— das ist wohl das höchste— ein Zoll von 49 M. Herr Krache hat geiagt, dast, wenn der Zoll auf Kartoffeln erhöht werde. auck nicht ein Zentner weniger gegessen werde. Das ist vollkommen richtig, denn die Kartoffel ist daS Haupt- nahruugsmittel des armen ManneS, das man aber gerade deswegen nicht verteuern darf. Sie haben vorhin geiagt dast man von Holland den Gemüsebau lernen könne. Wenn Ste lernen wollen, so können Sie gerade von Holland lernen, wie man ohne Zoll diese Produkte erzeugen könne. Es ist ein Borschlag gemacht worden, graste Länderstrecken für eine Obstkultur zur Ver- fügung zu stellen und dabei ist auf Hamburg und Werder hingewiesen worden. Die Regierung sollte vor allem den Anbau von Obstallecn im Interesse der Nation fördern. Ferner ist eine Anregung gemacht worden, Belehrungen über Obstkultur im Volke zu verbreiten. Auch wir sind dafür, namentlich da wir hoffen, dast das auch der Arbeiterschaft zugute kommen wird. Der Unterricht auf den landwirtschaftlichen Schulen erreicht seinen eigentlichen Zweck noch nicht; da der kleine Mann und Arbeiter davon ausgeschlossen ist. Wir verlangen deshalb, dast jeder zu diesem Unterricht zuge« lassen wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Gestatten Sie mir als Neuling einen Borschlag an die Parteien der Rechten zu machen. Sie beherifchen ja auf dem Lande die Schule, führen Sie doch a n st e I l e einer der v i e l e n R e l i g r o n s st u n d e n l a n d- wirtschaftlichen Unterricht ein! Als Mehrheit können Sie das ja beschliehen, aber freilich, eS liegt Ihnen ja nichts daran, die Intelligenz der Landarbeiterschaft zu fördern, sondern es kommt Ihnen allein darauf an, die Landbevölkerung als willenloses Werkzeug in Abhängigkeit von sich zu erhalten, so dast sie garnicht zum B e- w u st t s e i n ihres Elendes gelangt.(Abg. v. Pappenheim (kons.): Abgedroschene Redensarten!) Ach, Herr v. Pappenheim, wir muhten auch die lagelangen Reden von Ihrer Seite verdauen, das waren auch keine wissenschaftlichen Leistungen!(Sehr gut! links.) Wir begrüsten die Anregungen zu einer Ermä stigung der Frachten, aber wir fürchten, dast durch die' Ver- Packung«- und Gewichtsbestimmungen der kleine Mann an diesem Vorteil nicht teilnehmen wird.— Bei der Einsetzung von Gärtnereiausschüssen ist der Allgew-ine deutsche Gärtnerverein zugunsten anderer Verbände, die eine weitaus geringere Mitglieder- zahl haben, systematisch übergangen worden. Alle Eingaben, die deswegen an den Minister gerichtet wurden, blieben unbeant- wartet!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vielleicht ist der Minister heute so freundlich, darauf zu antworten? Aus Volks- wirtschaftlichem Interesse stimmen wir allen Anregungen, den Obst- und Gemüsebau zu fördern, gerne zu: alle Zollwünsche aber lehnen wir aus dem gleichen volkwirtschaftlichen Interesse entschieden ab. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Lüders(fk.) befürwortet einen Zvllschutz auf Gemüse und Obst. Minister v. Schorlemer: Die Staatszuschllsse für den Gemüse- und Gartenbau haben sich im letzten Jahre mehr als verdoppelt und auf diei-m Gebiete sind nicht unerhebliche Fortschritte zu verzelchnen. Ich stehe einer Ver- mehrung der Staalszuschüsse sympathisch gegenüber, warne aber vor einem zu schnellen Tempo. In der Ausbildung der ländlichen Bevölkerung ctnschliestlich der Arbeiter im gärtnerischen Betriebe ist bisher nicht genug geschehen. Die gärtnerischen und landwirtschaftlichen UnterrichtSanstalten werden ausgebaut werden. Ein groster gärtnerischer Verband, der in dem Gärtnerei- ausschust nicht vertreten war, hat sich offen unter sozial- demokratische Leitung gestellt. Das ist der eigent- liche Grund, weshalb ich bei meinen Mitteilungen diesen Verband nicht berücksichtigt habe. Die Förderung sozialdemo- lratischer Interessen läuft direkt den Staarsin leres sen zu- wider.(Zustimmung rechts— Widerspruch bei den Sozialdemo- lraten.) Die Gemüsebauern muffen sich noch mehr als bisher ge- nossenschaftlich organisieren, um den Verlauf ihrer Produkte zu fördern.(Beifall reckts.) Verschiedene Redner deS Zentrums und der Konservativen klagen über den Rückgang des Weinbaues und fordern eine intensivere Förderung und Unterstützung der Weinbauern durch die Regierung. Abg. Dr. Diederich Haha(k.): Keines von den Produkten, die hier zur Beratung stehen, kann in Deutschland billiger als in den ausländischen Konkurrenzländern erzeugt lverdeu. Infolgedessen ist die Ovsteinsuhr enorm gewachsen. Nur mit einem hinlänglichen Zollschutz, der durch Minimaltarife festgelegt sein müstte, könnten wir fast alles selbst herstellen. Auch der Abg. Wachhoist de Wente hat sich für einen Odstzoll erklärt: die N ä t i o n a l l i b e r a l e n sollten noch mehr als Visher die?!otwendigkeit eines Schutzzolls für die landwirtschaftlichen Nebenzweige erkennen. Abg. Brauu(Soz.): Wir unterstützen alle Mastnahnieit zur Förderung deS Obst- und Gemüsebaus tn weitestgehendem Matze. Dazu würde auch eine Kultivierung der' Moorflächen erheblich beitragen: in Holland, dessen Obstbaub Ag. Varenhorst so gelobt hat, befindet sich ein groster Teil der Obstgärten und Gemmüsefelder auf ehemaligem Moor. DaS sollte ein Fingerzeig sein für die preustrsche Regierung. Man sollte aber auch die kleinen Leute, die in den Vororten Berlins und anderer Groststädte auf lieinen Parzellen mit groster Liebe Obst und Gemüse bauen, vor Polizeischikancn bewahren; hat man doch solche Kolonisten, weil sie auf ihrem Grundstück über- nachtei haben, brutal aus ihren Hütten geworfen und sogar versucht, ihnen dic Sonnlagsarbeir zu verbieten.(Hört 1 hört! bei den Sozialdemokraten.) Gerade der hohe Stand des holländischen und dänischen Obst- und Gemüsebaus beweist, das schutzzöllnensche Lebensmittelleuerung" darchanS keine Vorbedingung für gute Leistungen ist. Während ftüher nur in der eigentlichen Obst- zeit in den Arbeiterfamilien Obst genossen wurde, ist das Volk jetzt durch die ausländische Einfuhr daS ganze-Jahr dazu in die Lage gesetzt. Nur dank der Gewöhnung hieran aber wird auch eine stärkere Jnlandsproduklion den nötigen Absatz gewinnen. Herr V a r e n h o r st hat von den niedrigen Löhnen in Holland und Dänemark gesprochen. Ja, warum kommen diese Leute dann zwar zu uns herüber, schränken sich aber, ebenso wie die Russen, in Deutschland aufs äustersle ein? Einfach deshalb, weil sie da- heim viel mehr für ihr Geld kaufen können. deffen Kauskrast in Deutschland Sie(nach rechts) durch Ihre Wirt» schaftspolitik herabgedrückl haben. Es ist bewiesen, dast die Lebensmittelpreise viel stärker gestiegen find, als die Löhne. Diese Wirtschaftspolitik hat aber auch die Bodenpreise hinaufgetrieben, was natürlich auch nicht zur Ver- breitung des Obst- und Gemüsebaus beitragen kann. Gewist wün- schen wir jede Unterstützung der Produzenten, aber wir vertreten an- dererseits mit aller Energie die Interessen deS konsumierenden Volkes, die durch Lebensmittelverteuerung verletzt werden. Die Antwort des Ministers auf die Beschwerde meines Freundes Hoffmann in Sachen der Uebergehurg des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins bei der Zusammensetzung der Gartenbauausschüsse der Landwirtschaftskammern war rückständig, kurzsichtig und schädlich. Diese Ausscküsie haben lediglich fachmännische Aufgaben und es sollten in sie nach der Verordnung des Ministers solche Leute berufen werden, die sich das Vertrauen ihrer Berufs» genossen erworben haben, nicht nur Arbeitgebervertreter, sondern auch Arbeitervertreter. Wenn daraufhin eine politisch neutrale, rein wirtschaftliche Organisation Berücksichtigung ihrer Borschläge ver- langt, dann hat der Minister ihr zu antworten, mag er sich sonst dazu stellen wie immer.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister beruft sich darauf, dast diese Organisatlon unter der Leitung der sozialdemokratischen, also der stärksten Partei des Landes, stehe. Wenn dies selbst so richtig wäre, wie eS falsch ist, auch dann wäre die Stellungnahme des Ministers auf das schärfste zu verurteilen. Solange man die� stärkste Partei des Landes zu den Steuern heranzieht, die den Staatssäckel füllen, solange man sie findet, wenn man ihre Angehörigen als Soldaten braucht und auch sonst immer, wo es sich um Pflichten gegen den Staat handelt, solange verlangen wir auch als gleichberechtigte Staatsbürger von der Regierung behandelt zu werden.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Abg. Adolf Hoffmann(zum Minister): Ihr Gehalt müssen wir auch a u f b ri n g e n I> DaS Staats- intereffe soll durch die Heranziehung einer solchen Organisation zur Vertretung in den Ausschüssen gefährdet sein; allerdings, wenn man daS Sta'atsinteresfe mit den Profitinteressen der Besitzenden verwechselt, dann mag daS stimmen. Ist aber daS Staatsintereffe das Interesse aller Staatsbürger, dann verstöstt das Verhalten des Ministers dagegen Im Staatsintereffe liegt es nach dem Minister, die Gärtnereibesitzer heranzuziehen, die ganz offen erklärt haben, dast sie sich an den Ausschüssen beteiligen, um al§ landwirtschaftliche Betriebe zu gelten, ihre Arbeiter dadurch den Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung und sich selbst der Gewerbesteuer zu entziehen!(Hört! hört! beiden Sozialdemokraten.) Die Heranziehung derartiger Steuerdrückebcrgcr liegt im Staatsintereffe, aber die Mitarbeit der Arbeiterorgani- satton nicht! Unsere Minister sind noch von der altpreußischen Rot- scheu befallen, sie könnten in dieser Beziehung etwas von Holland lernen, wo selbst die Königin mit dem Führer der sozialdemokratischen Partei über die Bildung des Ministeriums beraten hat und in Däne- mark war es ähnlich. Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen— ich wünsche nicht, dast dies auck in Preusten geschehe, ich weise nur auf die Gleichberechtigung in diesen Ländern hin. Uebrigcns hat man sich auck in einer Reihe süddeutscher Staaten von dieser altpreustischen Rotscheu längst abgewandt; dort sichert man sich dir Mitarbeit aller Faktoren der Landwirtschaft und dazu gehören be« sonders die Arbeiter, die verlangen können, dafj sie als gleichberechtigte Staatsbürger und als wichtige Faktoren im WinichastSleben behandelt werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Schorlemer bemerkt, daß doch auch die Sozialdemokratie einsehen werde, dag die Landwirtschaft nur bei lohnenden Preisen produzieren könne. Wenn sich diese Preise nicht anders herbeiführen lassen, müssen Zölle zu Rate gezogen werden, besonders dann, wenn eine schwache Produktion vor der Konkurrenz des Auslandes geschützt werden muß.— Der Verband der Deutschen Gärtnereigehilfen hat eine Antwort vom Ministerium erhalten. Die weitere Kor- respondenz wurde mit der Brandenburgischen Landwirtschaftskammer geführt, und als dann nochmals an mich das Ersuchen nach einer Antwort gerichtet wurde, habe ich sie nicht gegeben, weil der Ver- band bereits unterrichtet war. dad von seiner Zuziehung zu den Gartenbauausschüssen keine Rede sein könne.(Hört! hörti links.) Die Ausfährungen des Abg. Braun in politischer und staatsrecht- licher Hinsicht und über die Zustände und Begebenheiten in anderen Länder» auberhalb und innerhalb Deutschlands kann ich mit dem Hinweise kurz übergeben, dag wir uns hier in Preutzen befinden(Abg. Adolf Hoffmann: Sehr wahr! Heiterkeit.) und daß wir unser Verhalten nach unsere», und nicht nach den Grundsätzen anderer Staaten einzurichten haben.(Sehr richtig I rechts.) Nach den bekannten Grundsätzen, die stets dieselben sind und die ich jetzt nicht zu wiederholen habe.8 Millionen Mark gegen das Vor- jähr die Kleinigkeit von rund 150 Prozent ergibt. Daß die Plusmacherei wenigsten« zum Teil auf Kosten der Ar- beiter erfolgte, wenn sie auch wesentlich aus der Preiswucherei resultiert, das lassen folgende Angaben erkennen: die Gesamtzahl der in den fiskalischen Werken beschäftigten Arbeiter stieg im Jahre 1912 um 2124 auf 10S S62 oder um 2,02 Prozent bei 100 Prozent Gewinnsteigerung. Inwiefern gesteigerte Leistung der Arbeiter, resp. erhöhte Förderung bei der Gewinnzunahme beteiligt war, läßt diese Uebersichl erkennen. Es betrug: Mitbin Steigerung 1911 1912 in Proz. Die Steinkoblenförderung Mill. To.. 20.2 23.3 12,8 Zahl der beschäftigten Grubenarbeiter 90 267 92 436 22,2 Der erzielte Reingewinn Mill. Mark. 12,1 30,2 150,— Welcher Gewinnsegen wird erst der fiskalischen Plusmacherei entquellen, wenn die westfälischen Gruben aus dem Stadium der Zuschüsse in die schöne Zeit der Ueberschüsse eintreten! Dafür werden auch die Staatsarbeiter von den Junkern die sich aus den Ueber- schüssen selbst sehr reichlich alimentieren, als Hörige, als Staats- bürger 4. Klasse behandelt. Man verbietet ihnen die Ausübung de» KoalitionsrecktS und bei den Wahlen sollen sie, bei Gefahr gemäß- regelt zu werden, den Sieg der Koalitionsrechtsräuber gegen Arbeitervertreter durchletzen helfen. Auch in dieser Beziehung gibt eS keine Aenderung, solange in Preußen daS TerroriSmus-Wahlrecht besteht, daS die Junker zu Herren und Gebietern macht. Gerichtszeitung. Wenn Liebe sich in Haß verwandelt. Zu recht ledhaften GefühlSauSbrüchen, die wiederholt den Vor- fitzenden zu einem Einschreiten zwangen, kam eS in einer Berhand- lung, welche gestern unier Borsitz des LandgerichtsdirektorS Jacob die 2. Strafkammer des Landgerichts II beschäftigte. Aus der Untersuchungshast wurde der frühere Gastwirt Wilhelm Lamv vor- geführt, um sich wegen Betrug» und Unterschlagung bezw. Untreue in Gemeinschaft mit der Aufwärterin Frida Waldt geb. Weber vor den Strafrichtern zu verantworten.— Ter Angeklagte Lamp hat eine sehr ereignisreiche Vergangenheit hinter sich. Wenn er zufällig nicht im Gefängnis saß, betätigte er sich als Agent. Reisen- ver, Gastwirt, Gutsbesitzer und Terrainspetulant usw. Zuletzt eröffnete er eine„Edelbananenkakao-Fabrik". DaS„Fabrikgebäude* bestand aus zwei leeren Stuben und einer Küche. Um die nötigen Betriebsmittel zu erlangen, trat L. mit einem Kellner M. in Ver- bindung. dem er einen Hypothekenbrief über 8000 M. für 600 M. verkaufte. Mit diesem Hypothekenbrief hatte es eine eigene Be. wandtnis. Der Angeklagte war auf irgend eine Weise in den Besitz eines irgendwo an der Nordbahn gelegenen Terrains gelang», welches einen Wert von zirka 25 000 M. haben soll. Dieses Grund- stück trug eine 1. Hypothek von 20 000 M., zu welcher noch eine zweite„Schornsteinhypothe!" von 3000 M. kam.— Einige Zeit nach. dem M. die Hypothek gekauft hatte, erschien der Angeklagte wieder bei ihm und erzählte, er könne den Brief jetzt für 1500 M. ver» kaufen, sodaß M. 900 M. verdienen würde. In der Hoffnung, ein gutes Geschäft zu machen, gab M. den„wertvollen" Hypothekenbrief heraus. Einige Tage später erschien die jetzige Mitangeklagl« Waldt, die mit Lamp im Konkubinat lebte und sich als„Frau Lamp" ausgab, bei einer Frau Vorpahl und lieh sich aus den Hppo- thekenbries hin 440 M. Als Frau V. später ihr Geld nicht zurück- erhalten konnte, verklagte sie die„Eheleute Lamp*. Di« Angc. klagte Waldt ließ sich auch ruhig als„Frau Lamp* verklagen, erst als der Gerichtsvollzieher bei ihr erschien, kam sie damit heraus, daß eS eine„Frau Lamp" gar nicht gebe.— Aus den beiden„Ehe- leuten" sind inzwischen grimmige Feinde geworden, die sich vor Gericht gegenseitig belasteten. Sie bezichtigten sich vor Ge- richt gegenseitig aller möglichen Schandtaten und um ein Haar wäre es sogar zu Tätlichkeiten auf der Anklagebank, gekommen, wenn nicht der Vorsitzende rechtzeitig eine„Ehescheidung* vorge. nommen hätte, indem er anordnete, daß die Frau Waldt von dem Sachverständigentisch aus ihre Erklärungen abgeben sollte.— Da» Gericht sprach Lamp von der Anklage der Unterschlagung in einem Falle frei. Im übrigen lautete das Urteil gegen ihn auf 5 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten der Untersuchungs- hast, dagegen wurde die Angeklagte Waldt zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt._ Adoptionsschwindel. Ein von Holland aus inszenierter Adoptionsschwiudel lag einer Anklage zugrunde, welche gestern den Kaufmann Walter Albcrti, zuletzt in Rhenen(Holland) ansässig, vor die 1. Strafkammer de? Landgerichts II führte.— Ter Angeklagte, der wegen ähnlicher Schwindeleien, zuletzt von der„RechtSbank", dem holländischen Ge- richtshof in Dortrecht, schon wiederholt vorbestraft ist, erließ vor einiger Zeit in Berliner und auswärtigen Zeitungen Inserate, in denen er Leute suchte, die gewillt wären,«in„Kind diskreter Ge- burt* gegen eine einmalige größere Abfindung als eigen anzu- nehmen. Es meldeten sich zahlreiche Personen, darunter auch viele, die es hauptsächlich aus die Abfindung abgesehen hatten, die dann von dem Angeklagten ein hektographischcs Schreiben bekamen, in welchem sie aufgefordert wurden, 2 M.„Annahmegebühr" und ö M. für die einzuziehende Auskunst einzusenden. Mit der Ein. sendung dieser 7 M. schloß zumeist das Geschäft ab. Zu einer größeren Entfaltung dieses Schwindels kam es nicht. da der Angeklagte, gegen den verschiedene Strafverfahren wegen Betruges, KonkurSverbrcchenS u. a. schweben, auf Grund eines Steckbriefs an Deutschland ausgeliefert wurde.— Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis," Drei Monate unschuldig im Zuchthaus. Vor einigen Monaten wurde in Rüstringcn in Oldenburg der Heizer Eichholz von der Oldenburger Strafkammer zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Und zwar deshalb, weil seine Frau und deren Liebhaber beschworen, E. habe die beiden zusammengekuppelt. Jetzt schlug nun der Frau das Gewissen und sie teilte Nachbarn mit, daß sie ihren Mann zu Unrecht beschuldigt habe, um ihre Liebschaft mit dem anderen ungestört fortsetzen zu können. Die durch Freunde betriebene Untersuchung ergab die völlige Unschuld des E., der bereits drei Monate seiner Strafe abgesessen hatte. Donnerstag wurde er entlassen und der Liebhaber, der sein Arbeits- kollege war, verhaftet. Zrauen-lleseabenüe. Erster Kreis. 1. Eis 4. Abteilung Bei Weihnacht. Griinftr. 21: Vor. trag des Genossen Düwell über:.Frauenrechte und Pflichten'. 5. Abt. bei Drehler, Altonaer Str. 28: Vortrag der Genossin Olga Bloch:.Die Frau als Förderin der Jugendbewegung". Zweiter Kreis. Montag, den 23. Januar, SV, Uhr pünktlich, in folgenden Lokalen: Wiemers, Bülowstr. 58. Vortrag'der Genossin Grumach: , Uc Stellung der Frau in der vorkapitalistischen Zeit".— Satz, Homslr. 2: Bortrag der Genossin Bios:„Die sranzösische Revolution".— Fröhlich, Blücherstr. 56. Ecke Fonlanestratze: Vortrag der Genossin Baader:.Die Eni- Wicklung dcS Sozialismus von der Utopie zur Wissenschast'.— Lörisch, Markarasenstr. 73: Vortrag der Genossin Wurm:.Die Internationale". Dritter Kreis. 1., 2. u. 5. Abt. bei TiniuS, Rittcrstr. 123. Vortrag über;„Proletarische Jugendbewegung".— 3., 4., 6. u. 7. Abt. bei Henning, Alcxandrinenstr. 44: Bortrag der Genossin Hanna über:.Die Heim- arbe terin in der Gesetzgebung".— 8.. 9. u. 19. Abt. bei Hofsmann, Wuster. hauscner Str. 16: Vortrag des Genossen Ernst Meyer. Bierter Kreis. Gemeinsamer Frauenlcseobend des Görlitzer Viertels am Montag, den 26. d.M., abends 8'/, Uhr. bei Graumann, Naunynstr. 27. Dort ag mit Lichtbildern über:.Wohnungselcnd und Wohnungsreform". Rescrenl: Genosse Wutzky. Alt-Glienicke. Montag, den 26. d. M., im Jugendheim, Grünauer Str. 7: Vortrag des Genossen Schmidt. VaniN'chuicuwcg bei Eber, Baumschulenstr. 14: Max Schütte über: .Deutschland im Zeitalter des AMolutismuS". Bohnsdorf. Montag, den 26. Januar, abends 8'/, Uhr, in der Villa Kahl: Vortrag und Rezitation des Herrn Hans Wurzcr über:.Peter Roiegger". Borsigwalde. Wittenau. Dienstag, den 27. Januar, abends 8'/, Uhr, bei R. Hohn, Borstgwalder Festsäle, Spandauer Stratze: Genossin Arendsec über:„Bürgerliche und proletarische Fruuenbewegung". Mttt» 28. Januar, abends 8'/, Uhr, bei Wittchow, Wittenau, Oranien. Mittwoch, den 28. Januar, Vortrag der Genossin Fi'. abends V.S Uhr, bei Siedel über:„Bebel w o ch, den burger Str. 100. Britz* Buckow. Becker, Chausieestr. 97: und dsc Frauen". Köpenick. Dienstag, den 27. Januar, abends 8'/, Uhr, bei Ehren- berg, Elitabetbstr. 2: Vortrag der Genossin Schmidt. Johannisthal. Morgen Montag, den 26. Januar, im Restaurant von Heidrich, Friedrichstr. IIa: Bortrag des Grunow über:„Die Frauen in der Gemeinde". Lichtenberg. Montag, den 26. Januar: 1. Viertel bei Schmitz, Fricdrcch-Karl-Slr. 11. Genossin Käster über:„Wie können sich Frauen rüsten, sich ösientlich zu betätigen".— 3. Viertel bei Blume, All-Box« Hagen 56. Genosse Kreuer über dasselbe Thema.— 2. Viertel bei Schulze, Kronprinzenstr. 47. Vorwag des Genossen Glöckner.— 4. Viertel bei Krüger, Türrschmidtstr. 40. Vorwag der Genossin Arendsce über:„Bürger» llchc Frauenbewegung".— 5, Viertel bei Werner(Erdmann), Wilheim» stratze 86. Vortrag des Genossen Börkel über.Entstehung und Eni- Wickelung der Familie".— 6. Viertel bei Hossmann, Möllendorsistr. 53/54. Boilrag des Genossen Lieiegang über:„Modeine Kiudererzicdung". Neukölln. Moniag, den 26. d.M.. Thema:„Wahlrechts- und Frauen- fragen". 1. Bezirk bei Reugebaucr, Sandcrstr. 11(Res.: H.'Radtke).— 2. Be- zirk bei Kvkegcy, Reuierstratzc 62(W. Härder).— 3. Bezirk bei Weitzel. Pannierstratze 59'(Ernst Klar).— 4. Bezirk bei Krämer, Weserswatze 31 (A. Heitmann).— 5. Bezirk im Jdeal-Kasino, Weichseistr. 8(L. Siedel).— 6. u. 7. Bez. bei Schwengel, Elbestr. 8(E. Barth).— 8a. Bez. bei Kaiser, Wildenbruchstratze(F. Carl).— 8d. Bez. bei Gaukler, Harzer Sw. 88(F. Koch).— 9. u. 10. Bez. bei Schulz. Richardstr. 35 CR. Grohmann).— 11. Bez. bei Prill, Löhmischestr. 44(E. Bürde).— 12. Bez. bei Müller, Thüringer Str. 5(N. Krille).— 13. Bez. bei Laube, Bendastr. 20(F. Brink- mann).— 14a u. d Bez. bei Felsch, Kncsebeckstr, 48/49(K. Wermuth).— 15. u. 17. Bez. bei Beyer, Nogat», Ecke Bodestratze(R. Nowakowsli).— 16a u. b Bez. bei Miehiig. Okersw. 8/9(F. Preutz).- 18. u. 19. Bez. bei Tappert, Steinmctzslr. 114(K. Franke».— 20. u. 21. Bez. bei Bartsch, Her» mannstr. 49(A. Scholz).— 22, u. 24, Bez. im Karlsgarten, Karlsgarten» stratze(R. Schulz).— 23. Bez. bei Müller. Mainzer-, Ecke Biebrichstratze (H. Kunze).— Es ist dieses der dritte Vortrag in der Erörtcrmig unseres Parteiprogramms, und werden die Genossinnen dringend gebeten, vollzählig zu erscheinen. Reinickendorf-Oft. Moniag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, bei Sadau, Residenzstr. 124. Vortrog des Genossen Reuter über:.Deutsche Freiheitsdichter.(Rezitationen.) Retnictendorf-West. Montag, den 26. Januar, abends 8'/, Uhr, im Jugendheim, Wacholderstr. 44, Vorwag des Genossen Karl Leid über: .Soziale Streifzüge durch das Gemcindeleben." Tegel. Montag, den 26. Januar, abends 8'/, Uhr, im Jugendheim, Bahnbossw. 15. Erster Vortragabend:.Die Frau in der Vergangenheit". Rcserentin: Genossin Matschkc. Treptow. Bei Scholz«, Graetzsw. 49. Genossin Bohm-Schuch über: .Sexuelle Aufklärung"._ doeben-öpielplan der Berliner Cbeater. König!. Opernhaus. Sotmtag: Parfisal.(Ans. 7 Ubr.) Montag: Geschlossen. Dientag: Die Asrikanerin.(Ans. 8 Uhr.) Mittwoch: Kerkyra. (Ans. 8 Ubr.) Donnerstag: Der Barbier von Sevilla. Freiiag: Lohengrin. (Ans. 7 Uhr.) Sonnabend: OavaUeria rnsticana. Bäjazzi. Sonnlag: Der fliegende Holländer. Montag: Carmen.(Ans. 7V, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Quitzows. Montag: WallcnfteinS Tod. Dienstag: 1812. Mittwoch: Die Neuvermählten. Die zärtlichen Verwandten. Donnerstag: Der gehörnte Siegfried. Siegsrieds Tod. Freitag: KriemhildS Rache. Sonnabend: Der Schlagbaum. Sonn- tag: Ariadne aus Raxos. Montag: Hans Lange.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Thearer. Sonnlag: Ein Soimnernachiswaum. Montag: Der Kaulmann von Venedig.(Ans. 8 Uhr.) Dienstag: König Lear. Mittwoch: Romeo und Julia.(Ans. 7 Uhr.) Donnerstag: Ein Sommer- nachtslraum. Freitag: Romeo und Julia. Sonnabend: König Lear. Sonntag: Der Kaujmann von Venedig. Montag: Romeo und Julia. Ansang 7'/, Uhr. Kammerspiele. Sonntag: Frühlings Erwachen. Montag: Die Pariserin. Dienstag: Bürger Schippet. Mittwoch: Die Pariserin. Donners. tag: Torquato Tasso. Freitag: Die Pariserin. Sonnabend: Wetter. leuchten. Sonntag: Die Pariserin.(Ansang 3 Uhr.) Montag: Der Suob. (Ansanq 7'/, Uhr.) Lesfing-Tdeater.� Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prosessor Bernhardt. Abends und Montag: Simson. Dienslagnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörster. Abends: Pygmalion. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörster. Abends: Simson. Donnerslag: Peer Gyn!.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag: Simson. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörster. AbendS: Pygmalion. Sonnlag und Montag: Simson.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater,«aonntagnachmiltag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: Wie einit im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrätzer Strasse. Sonntag: König Ziichard Hl. Montag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag: König Richard III. Mittwoch: Die Kronbraut.(Ans. 8 Uhr.) Donnerstag: König Richard III. Freitag: Die fflns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: König Richard III. Sonnlag; Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Brand. (Ansang TL Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3�Uhr: Die Affäre. Abends: Der Bogen des Odysseus. Montag: Schirln und Gerwaude. Dienstag: Der Bogen des Odsseus. Mittwochnachmittag: Petcrchens Mondfahrt. AbendS und Donnerstag: Der Bogen deS Odysseus. Freitag: Schirin und Gertraude. Sonnabendnachmillag: PeterchenS Mondsahrt. Abends und sonnlag: Der Bogen des Odysseus. llsion- tag: Schirin und Gertraude.(Ans. 8 Uhr) Kamödienhans. Somiiagnachm!ttag3Uhr: Filmzauber. Allabendlich, Kammermusik.(Ansang 8 Uhr.) Theater au der Weidendammbrückc. Sonntagnachmittag 3 II.: Romeo und Julia. Allabendlich: Wer zuletzt lacht.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Figaros Hoch- zeit. Abends: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Mandragola. Dicns- tag: FigaroS Hochzeit Mittwoch: Der Troubadour. Donnerstag: Parsisal. > Ansang 7 Uhr.) Freitag: Manon Lescaut. Sonnabend: Mandragola. Sonntag und Montag: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.), Ansang 8 Uhr. Luftspielbaus. Sonntagnachmittag 3'/« Uhr: Hosgunst. Allabendlich: Die ipanische Fliege.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Augustiu. Allabendlich: Palenblut.(Anfang 8 Uhr.) . Thalia-Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzefstn.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: In Vertretung. Allabendlich; Hoheit— der Franz.(Ans. 8 Uhr.)... Trianon-Theater. Sonnlagnachmittaz 3 Uhr: Untreu. Die Briei- tasche. Allabendlich: AnatolcS Hochzeit.(Ans. 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3>/i Uhr: Angele. Die Lore. Allabendlich: Jettchen Gebert.(Ansang 3 Uhr.) Somiabendnachmittag: Kaminerlunstspiele. � TchiUer-Theater v. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Geschäft ist Eescha". Abends: Weh' dem, der lügt. Montag: Meyers. Dienstag: Was i.' wollt. Mittwoch: Meyers, Donnerstag: Was ihr wollt. Freitag: Weh dem, der lügt. Sonnabend: Maria Stuart Sonntag: Was ihr wollt. Montag: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottcnburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hoser. Abends: Meyers. Montag: Weh' dem, der lügt. DienS- tagnachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert: Abends und Mittwoch: Hervdes und Mariamne. Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freitag: Die Heiden Leonoren. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends: Die beiden Leonoren. Sonnlag und Montag: Hervdes und Mariamne.(Ansang 8 Ubr.) Fricdrich.Wilhclmstädtisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kinokönigw. Allabendlich: Fräulein Trallala.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolksthcater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Michael Krämer. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Der Gras von Eharoiais.(Anfang 3 Uhr.) Freitag und Sonnabend: Der Kaiser- jägcr.(Ansang 61/- Uhr.) Sonntag: Der Gras von Eharoiais.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Kaiserjäger.(Ansang 81/. Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. All- abendlich: Tangosicber.(Ansang 8'/« Uhr.) MontiS OPeretten-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Weder- maus. Allabendlich: Die verbotene Stadt..(Ansang 8 Uhr.) Rosc-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schürzenjäger. Abends und Montag: Berlin, wie es weint und lacht. DienSIag: Kinder der Grotzfladt. Mittwoch: Berlin, wie es weint und lacht. Donnerstag: Der Meincidbauer. Freitag: Kinder der Großstadt. Sonnabend: Berlin, ivie es weint und lacht. Sonntag und Montag: Kinder der Großstadt.(An- sang 8 Uhr.) Thenier am Nollcndorfplatz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die schöne Helena. Abends bis Freitag: Prinzeß Grelel. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Die Schiffbrüchigen. Abends bis Montag! Prinzeß Gretl.(Ansang 8 Uhr.). � Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Milchmädchen vo Schöneberg. Abends bis Sonnabend: Deines Bruders Weib. Sonnla. unc Montag: Das erste Ehepaar.(Ansang 8>/, Uhr.) Kaitno-Tliearcr. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Geheimnisse von New Dork. Allabendlich: Die olle Wehern.(Ansang 8 Uhr.) Folie» Eaprice. Allabendlich: Der Kuckuck. Manöverschwindel. Die Samuels.(Ansang 8'l4-Uhr.) Apollo. Sonntagnachm. 3>/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hart- stein, der Stolz der drillen Kompagnie.(Ans. 8 Uhr.) Metropol. Soinilagnachmittag 3 Uhr:'s Nullerl. Allabendlich: Die Reise um die Erde in 40 Tilgen.(Ansang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich: Spe- zialitäten.( Ansang 8 Uhr.) Neichshallen-Tbcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Stettincr Sänger.(Ansang 8 Ubr, Sonnlags 71/, Uhr,) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/. Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/,.Ubr: Galavorstellung. 'Em ANN Tietz ürn äanjuw Leipziger Strasse* Alexanderplatz* Frankfurter Allee Montag, Dienstag, Mittwoch— soweit Vorrat Grosser Lebensmittel-VerKäuf Ita MMmn Preise für l/a unck>/, Würste Echte Ponnnersche Teewurst......... p�l20 Pa-Zervelotwiirst�l20 Pfl.SBlnmiwurst.nuniF Baiisrnniistiwarst Lanilieberwurst 85"■ Feine leöerwurst l00 Jagdwurst..... Postetenleüerwurstp". I10 Rotwurst-..� 50, 80« Sülzwurst.....*»4 30 pt. SchinRenspeck Kolonialwaren Konserven vorzüglich in Qualität, und aussergewöhnlich billig.- Musterdosen sind zur Ansicht geöfinet Karotten geschnitten....... Vi Dose 23 Pf. Junge Karotten 11..... v.Dose 38 pt. Spinat................. Vi Dose 30 Pf. Gemüse-Schoten....... �Dose 30 Pf. lunee Schoten II..... v.Dose 43 Pf. Junge Scholen.. extra fein, Vi Dose 88 Pf. Erhsen u. Karotten II.. ViDose 45 Pf Brech-u. Schnitlbohn... ViDose 27 pt IHachsbohnen......... v�ose 27 Pf Staneensparsel III...... v. Dose I00 Staneensparge! I.g.r.u.n.en.�CS 13B Staneenspareel Äti.rt:!,.l,ArÄ I45 Eiite-Stansenspar�el 1" Eibsen u. Karotten III.. ViDose 38?-. Lelpz. Allerlei mitteliein... Vi Dose 38 Pf. ktilMllea V.Dose 82, PtldUlftOftstlss-saiief 38 Pf Rohlrulii.............. 26 pf. Stschelößwn......... 55 pf. Schmorgarken......... 30*. Schoten III 38 Schoten 1 63«. Te'tcwer RiiliEhen....■•. SO«. Melange.............■ 93 pf. Leipziger Rllprlci f°-°.... 6a pf. npfeinius............. 69 pf. Erdheeren.........<88». Bruchspnrgel II........ 90 pf- Sir en............... 68 pf fiprikosen.......• v. Frucht i00 Brucösporgel I........... l18 Preisel&eeren.......... 68«. Koiserkirschen.......... l05 Bei Abnahme von S Pfd pro Pfund 1 Pfg. billiger! Rle.neRocherbsen pmU«. Viktorin-Ertisen• p« 16». Ge!lje Erbsen.g.eÄ22 Grüne E:hsen.. pf�lB pf. Kleine Unsen.. pf-�lSpi. Unsen"p'm1 20 pf'�26«. KleineBohnen.. pt»n6i6rt. Rundbohnen... pf«ni 21 p.. Longbohnen...*�1] RelS F'und]5, 18, 21, 28 Pf- Mukkuroni w»• pf-d 26 w. Kuush.-Schokolfldep" 68 pf. Biockscbokolude� 68 pf. Dlsch.Rakaopf»u Eet Pökelkamm.......... Rouieden—......... Schmorfleisch Ohne Knochen Pökelrinderbrust.... KalbSkeUle I°> ganzen____ Pfund Buttern. Kfise Ecbtimmenthalerpf« 95». Schweizer Rflse pf«d 85«. Uniburger.....�38«. Rcmutour.....»»«>- 28 Brlekdse....."-»>» 35 Tilsiter KSse«� 55, 35-f. Edamer......-pf..- 85«. Landkdse» stack 25 p». Münster Kflse• pf»"« 85« BierkSse...... pfu°d 55 Feine Holkereibutter.. In'/j-Pfund-Sttteken, Paket WJ Pf Koch- u. Backbutter Ptt. 1°° Obst und Gemüse Blutornngen vt-d, 30, 40 n. Mandarinen p-nnd 10. 24 pz. finnnas... pwnd 55. 65 n. Bananen... p�nd 15. 20 Grosse Rochfipfei p®. 25 Kalif, ilepfei ptund 45 n. Blumenkobi. Kopf 15. 20». Ananas-Reinetten pf«. 35« Apfelsinen�, 20, 28, 35 pf. U/eisskohl,,,.. Pfund 3 Pf. Rotkohl Pfund' 5 Pf, Sellerieknollen. 3. 8, 12 Pf. Schwarzwurzeln p�d 9 Pf. Htirk. Rübchen. p�d 9 Pf. Hohrrühen.>>■ pf-od 20 pt. Rote Rüben..» pf-md 10 pf. Betriebskrankenkaff e der Stadtgemeinde Berlin Bekanntmachung betreffend die Wahl der Vertreter der Versicherten und der Ersatzmänner zum Ausschusi der Betriebskranken- kaffc der Stadtgcmeinde Berlin. Die Wahl der Vertreter der Versicherte» und der Ersatzmänner zum Ausschusse findet am Montag, den 16. März 1914, in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis S Uhr nachmittags statt. Nach Masigabe ihrer Beschäftigung werden für die Wahlberechtigten aus Grund des Z 11 der Wahlordnung folgende Wahlbezirle gebildet: Mahl. bezirk Nr. 5 S ? e v 10 11 12 13 11 15 16 17 18 19 Verwaltungen, Betriebe, Anstalten und Zchulen, auS denen der Wahlbezirk ge- bildet ist: Gasanstalt V, Schmargendorj Gasanstalt VT, Tegel Waisenanstalt der Stadt Berlin zu Berlin- Lichtenberg und städtisches Arbeitshaus der Stadt Berlin zu Lerlin-Lichtenberg Städtische Irrenanstalt Herzberge und Städtisches ErziebungShauS zu Berlin- Lichtenberg, Wasserhebcwcrk Lichtenberg, Städtischer Friedhos in Friedrichsselde Städtische Anstalt stir Epileptische„Wühl. garten* bei Biesdorf Städtische Irren- und Jdiolenanstalt Dalldorf Berliner städtisches Wasscrhebcwerk Tegel Berliner städtisches Wasserhebewerk Müggel- see und Forswerwaltung der Stadt Berlin in der Wuhlheide Administrationsbczirk OSdors mit Friede. rikenhos. Gut und städtisches Erziehungs- Haus Birkholz. Gut und Heimstätte Heinersdors sowie Gut und städtisches Erziehungshaus Kleinbeeren Administrationsbezirk Großbeeren mit Ruhlsdors und Vorwerk Neubeeren Administrationsbezirk Spntendorf mit Schenlcndors. Gut und Heimstätte Güter. gotz, StruveShoj und Marggraffshos Administrationsbezirl Walch ow mit Warten- berg und Gut Blanlenburg sowie die tzeimstütte» Malchow, Blanlenburg und Upstall Administrationsbezirk Fallenberg mit Bürk- ncrsselde, HellerSdorf, Ahrensselde, Eiche, Kaulsdors und Hönow Administrationsbezirk Blankenfelde mit Roscnlhal, Lübars, MöllcrSseide, Linden. hos nebst dem dazu gehörigen Teil von Schönerlinde und das Vorwerk bei Frau» zöstsch-Buchholz sowie die Hemislätle zu Blanlenselde Administrationsbczirk Buch mit Hobrechts. selbe, Schönow, Zepernick, Birlbuich, Karow, Schönwalde nebst dem dazu gc- hörigen Teil von Schönertrnde, Heim- stalte Buch, Zentrale Buch, Irrenanstalt Buch, Bauamt Buch, Hospital Buch und Neubau der 1. städl. Irrenanstalt zu Buch Gut Schmetzdors mit Ladcburg, Bernau, Carlslust und Hammelslust Gut Albertshof mit Willmersdorf und Danewitz Städtische FleischvernichtungS und-oer. wertuugsanslalt bei Rüdnitz Alle städtischen Verwaltungen, Betriebe, Anstalten und Schulen, welche vorstehend nicht ausgeführt sind und nicht einem der vorbezcichneten 1« Wahlbezirke ange- hören, sowie die Berliner elellr, Straßen- bahn-Aktiengesellschast Ort der Wahl Zahlstube in der An- statt Zahlstube in der An- stall Dienstzimmer deS Di- rekiors und daS angrenzende Berwal- tungsbureau Besuchszimmer Dicnstzimmer des Oekonomieinspektors Festsaal Dienstzimmer deS Be. triebsdirigenten Arbeitersaal aus dem Werke GulSgeschästSzimmer GensertscheS Lokal Gasthof zu den drei Kronen in Sputen- dors SchneiderscheS Lokal in Malchow WcstphalfcheS Lokal in Fallenbcrz GulSkassettbureau Schloßrestaurant m Buch(Inhaber H. Lubisch) Glltsbureau „Weißes HauS* Dicnstzimmer des Ma. schincnmeisterS Schusit a) Turndalle der 24. Gcmeindeschule, Hinter d. Garnison- tirche 3, d) Turnkalle der 101./ 159. Gemeindeschule Olivaer Straße 19. DaS Wahlrecht kann nur in demjenigen Dahlbezirk ausgeübt werden, welchem der betrcsiende Wähler aus Grund seiner Beschäftigung nach vor- stehender Uebersichl angehört. Die Wahlberechtigten des Wahlbezirks 19, jür welchen zwei Wahtorte vorgesehen sind, können entweder in dem einen oder dem anderen dieser beiden Wahlorte wählen, Zu wählen sind von den bei der Kasse Versicherten auS ihrer Mitte S« Vertreter und Iva Ersatzmänner. Gewählt wird aus die Dauer von vier Jahren, das heißt bis Ende Dezember 1917. Die Vertreter der Versicherten im Ausschüsse dürfen dem Vorstände nicht angehören. Wahlberechtigt sind die volljährigen Versicherten der BctriebSIrankcnkasse der Stadtgemcindc Berlin, Zu diesen gehören auch die im Dienste nnd in den Betrieben der Stadtgemcindc Bertin beschäftigten und am 1, Januar 1911 durch die ReichsvcrsichcrungSordnung neu in die Krantenversicherung Einbezogenen und die Veisichcrungsbercchtigtcn. Außer den volljährigen Veisicherien der Betriebstrantentasse der Ctadlgemeinde Berlin sind auch wahlberechtigt a) die volljährigen Versicherte» der BetricbSkranlcnkasse für die Arbeiter der städtischen Parldeoutation b) das volljährige versicherungspflichtige Personal der Berliner Elektrischen Straßenbahn-AItiengesellschast, sobald es aus der Betriebslranken. kasse der Vereinigten SiemenSwcrle ausgeschieden und in die Be- triebskrankenlasse der Stadtgeineinde Berlin überwiesen ist. Wählbar als Vertreter der Versicherten ist nur, wer bei der Kasse versichert ist. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Weder wahlberechligt noch wählbar find Versicherungspflichtige, die Mitglieder einer Ersatzkasse find und deren eigene Rechte und Pflichten aus ihren Antrag ruhen sowie wer die Mitgliedschast freiwillig sortsctzt. Nicht wählbar ist: 1. wer infolge strafgerichllicher Verurteilung die Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemter verloren hat oder wegen eines Ver- brechcns oder Vergehens, das den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge haben kann, verfolgt wird, salls gegen ihn das Haupt- vcrsahren eröffnet ist, 2. wer infolge gcriibtlicher Anordnung in der Verfügung über sein Vermögen beschränkt ist. Die Wablen sind geheim: gewählt wird nach den Grundsätzen der VerbältniSwabl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Die Wahlberechtigten werden hiermit ausgejordert, Wahlvorschläge einzureichen, und zwar an den Vorstand der Bctriebskrankenkasse der Stadt- gemeinde Berlin, hier, Alexanderstr. 39/19, 1. Hof, 1. Aufgang, L Treppe». Nach§ 5 der Wahlordnung werden avcr nur solche Wahlvorschläge be- rücksichtigt, die iväteslens vier Wochen vor dem Wahltage, d. h. bis zum 15. Februar 1914, beim Vorstände eingehen. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens je zehn Wahlberechtigten unter Angabe ihrer Mitgliedsnummcr unterzeichnet sein. Unterzeichnet ein Wähler mehr als einen Wahlvorschlag, so wird sein Name nur aus dem zuerst eingereichten Wabloorschlagc gezählt und auf den übrigen Vorschlägen geswichen. Sind mehrere Wablvorschiäge, die von demselben Wahl- berechtigten unterzeichnet sind, gleichzeitig eingereicht, so gilt die Unterschrist auf demjenigen Wahlvorlchlage, welchen der Unterzeichner binnen einer ihm gefetzten Frist von börbstcns zwei Tagen bestimmt. Unterläßt dies der Unterzeichner, so entscheidet das Los. Jeder Wahlvorschlag dars höchstens dreimal so viel Bewerber benennen, als, Vertreter zu wählen sind, Tie einzelnen Bewerber sind unter fort- laufender Nummer auszuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vor-(Rus-sNamen, Mitgliednummer und Wohnort zu bezeichnen. Mit den Wahlvorschlägen ist von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daß er zur Annahme der Wahl be- reit ist. In jedem Wahlvorschlag ist serner ein Vertreter des Wahlvorschlages und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner zu be« zeichnen. Ist dies unterblieben, so gilt der erste Unterzeichner als Vertreter des Wahlvorschlages und, soweit eine Reihenfolge erkennbar ist. der zweite als sein Stelloertreler. Der Wahlvorichlagsvertreier ist berechtigt und ver- pflichtet, dem Vorstände die zur Beseitigung etwaiger Anstände ersorder- Uchen Erklärungen abzugeben, Die Anstände müssen spätestens zwei Wochen vor dem Wahltage/ d. h. bis zum 1. März 1914 beseitigt sein. Bis zu diesem Zeitpunkte können Wahlvorschläge auch zurückgenommen werden, Eine Verbindung von Wadivorschlägen smdet nicht statt. Die zugelassenen Wahlvorschläge werden eine Woche vor der Wahl während der Wochentage von 9 Uhr vormitlags bis 1 Uhr nachmittags in der Bctricbslrankenkaffe der Stadtgcmcindc Berlin, Alexanderstr, 39/10, nnd Abschristen der Wahlvorschläoe in den Zahlstellen unier Angabe der OrdnungSnummcr und des Namens des ersten Unterzeichners zur Einsicht der Beteiligten ausgelegt. Die an Stelle des Mitgliedcrverzeichniises gesührten Pcrsonenblätter oder die Heberegisler, die zur Prüsung der Wahl- und Stimmberechtigung dienen, tonnen ebenfalls in der Bctriebskrankenkasse der Sladtgcmeinde Berlin an den Wochentagen vom 1. Februar bis 15, Februar 1911 von 9 Uhr vormittags bis 1 Udr nachmittags oder bei den einzelnen Der- Wallungen, Beirieben oder Anstalten eingesehen werden, E nsprüche gegen die Richtigkeit der sich hieraus ergebenden Wahl- berechtigung sind bei Vermeidung des Ausschlusses spätestens vier Wochen vor dem Wahltag unter Beisügung von Beweismitteln bei dem Vorstande einzulegen. Enthält ein Dahlvorschlag mehr Bewerber als zugelassen sind, so werden diejenigen Vorgeschlagenen gestrichen, deren Namen de» in der zulässigen Zahl vor ihnen Genannten solgen, Die Vahlvorschlöge sind ungültig, wenn sie verspätet eingereicht werden, oder wenn sie nicht mit den erforderlichen Unteischristen versehen, oder wenn die Bewerber nicht in erkennbarer Reihenfolge ausgeführt sind, es sei denn, daß die Mängel rechtzeitig beseitigt werden, Die Siimmabgabe st! an die Wahlvorschläge gebunden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur so viele wählbare Bewerber benannt, wie Vertreter zu wählen sind, so gelten sie als gewähll, Sind weniger Bewcibcr vorgeschlagen, so gelten diese ebcnsalls als gewähll, Die Wähler babcn über ihre Person und Wahlberechtigung zur Wahlhandlung Auswelse oder Bescheinigungen, daß sie am Tage der Wahl noch in Beschäftigung slchen, mitzubringen, welche sie von den betreffenden Berwaitnngen. Betrieben oder Anstauen aus Verlangen erhallen. Hat der Wähler einen solchen Ausweis nicht, so wird er zur Dahl ckllr zugelassen, wenn er in einer sämtliche Mitglieder des Wahlausschusses über- zeugenden Weise seine Wahlberechtigung nachweisen kann. Der Wahlausschuß ist bcsugt, die Wahl- und Stimmbcrechtigung jedes Wählers bei der Wahlhandlung zu prüsen. Das Wahlrecht ist in Person und durch Abgabe eines Stimmzettels auszuüben. Für die Wähler liegen am Wahlorte Umschläge bereit, die mit dem Stempel der Kasse versehen sind. Jeder Wähler tritt an einen abgesonderten Tisch, wo er seinen Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag legt und übergibt hieraus den Umschlag unverschlossen unter Aushändigung seines Ausweises und Nennung seines Namens dem Vorsitzenden oder dem von diesem bezeichneten anderen Mitglicde des Wahlausschusses. Dieser lägt die Abgabe des Stimmzettels durch Stricheln vermerlen und wirst den Um- schlag in die Wahlurne, Wähler, die durch lörperliche Gebrechen behindert sind, ihren Stimm- zettel eigenhändig in den Umschlag zu legen und dem Vorsitzenden des Wahlausschusses zu übergeben, dürfen sich der Beihilse einer Vertrau enS- person bedienen, Aus dem Stimmzettel ist lediglich die OrdnungSnummcr deS Wahl- Vorschlages, für welchen der Wähler sich enlscheidet, handschrisllich oder im Wege der Vervielfältigung anzugeben. Zusätze zur Ovdnungsnummer, insbesondere die Bezeichnung der Namen der Vorgeschlagenen sind nicht zulässig. Die Stimmzettel sollen von weißer Farbe und 10 X L Zentimeter groß lern. Ungültig find Stimmzettel, die von diesen Bestimmungen abweichen oder außer der Bezeichnung einer zugelassenen OrdnungSnummcr irgend einen Vermerk tiagen oder die oder deren Umschläge ein Merkmal haben, welches die Absichl einer Kennzeichnung wahrscheinlich macht. Dasselbe gilt von Stimmzetteln, die unterschrieben sind oder sich in einem nicht mit dem Stempel der Kasse versehenen Umschlag befinden, Ungüllig ist ferner der Jnbalt eines SlimmzcltclS. soweit er zweisclhast ist. Befinden sich in einem Umschlag mehrere Stimmzettel, so werden sie, wenn sie vollständig übereinstimmen, nur einlach gezählt, anderensalls als ungültig angesehen, Tie Wahl wird zur sestgesetzlen Zeit geschlossen; nur die am Schluß der Wahlhandluna im Wahlrouin anwesenden Wähler dürfen dann noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, 267/13 Zum Wahlraum haben nur der Wahlausschuß und die Wahlberechtigten Zutritt. Die Wahlen sind geheim. Berlin, den 15. Januar 1911. vvr\oTnti\nd der Betriebskrankeukasne der Stadtgemcindc Berlin t. Schulz. �les paachf C I GARE TT EN*» Koehemsi ]VIoiitag: Dienstag: JVKttwocb: Donnerstag; f rcitag; Sonnabend: Sonntag; Knorr-Grunkernsuppe „ Reissuppe Knorr-Eierriebelesuppe „ Blumenkohlsuppe Knorr-Kausmachersuppe „ Frankfurtersuppe Knorr-Königinsuppe 48 Sorten Knorr-Suppcn 1 Würfel 3 Teller 10 Pfg. Bestmöglichste Ansnutxnng des Heizwertes! atentanwair Prii y itz Berlin N.W21.ThiirfT:sTra5e 31». Bader�e�en• Troslbeulcn v Ueberau erhältlich Ein PJclc'-n ausreichend für viele Bäder LEIkaa Erben l-i.b.H., Berlli-Wwteml 10, Hebel- Ausstellung Auästollang von neuzeitlichen Ein- und Zweizimmer-Einrich- tungeni. schlichter gediegener Geschmacks richtunguntorBe- rücksichtigung der Bestrebun- fen der Koiunission für vor- ildL Arbeiterwohnungen in Höffner's Möbel-Engrosliaus Berlin N. 201. 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Berlin SW. flt. 24. 31. MrMy. 4. SrilMt ii« Jotrailrlü" Kttlim WsM Zovutag, 25. Jannar 1914. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Hapag gegen Lloyd. Die Gegensätze zwischen der Hamburg-Amerika-Linie(Hamburg) und dem Norddeutschen Lloyd(Bremen), die bereits im vergangenen Jabre in scharfen Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden größten deutschen Reedereien zutage traten, haben nun zu einer Auflösung der Konvention aller großen nordatlantischen Schiffahrtsgesellschaften geführt. Vor wenigen Tagen wurde der nordatlantische Schiff- fahrtspool von den Poolmilgliedern in einer Konferenz zu Paris mit Wirkung zum 34. Januar aufgelöst. Dem Pool gehören alle großen Schiffahrtsgesellschaften an, die den Verkehr zwischen Europa und Nordamerika vermitteln. Der Poolvertrag regelt in der Hauptsache den Umfang und die Preise der Beförderung von Zwischendeckpaffagiecen und teilweise auch den Frachtenverkehr. Den beiden am Pool beteiligten deutschen Reedereien war eine Gesamt- quote zugewiesen worden. Vor mehreren Monaten nun forderte die Hamburg- Amerika- Linie einen größeren Anteil, der zu- nächst nur dadurch zu gewinnen gewesen wäre, daß der Lloyd sich eine Verkürzung seines Anteils gefallen ließ. Die Hamburg-Amerika-Linie(Hapag) begründete ihre Forderung damit, daß der Verkehr sich stark ausgedehnt hätte und durch die Eiilstellung der Fahrzeuge aus der neuen Imperator- Klasse eine noch größere Erweiterung erfahren würde. Die Forderung der Hapag ging also dahin, den Lloyd im Pool zurückzudrängen. Als der Lloyd diesen Wünschen sofort entgegentrat, ging die Hapag schon damals mit Kampfmaßnahmen vor, die von dem Lloyd nicht un- beantwortet blieben. Beide Schiffahrtsgesellschaften drangen in Gebiete ein, die bisher nach gemeinsamer Verab- redung der Gegenpartei vorbehalten waren. Gleichzeitig kündigte Generaldirektor Ballin für die Hapag den Poolvenrag auf. Die Poolkonferenz, die in der vergangenen Woche in Paris stattfand, sollte nun über die Ansprüche der Hapag und über die Verlängerung des Pools beraten. Aber schon allein dadurch, daß Herr Ballin der Konferenz persönlich fern blieb, zeigte er. daß er aus eine Er- Neuerung deS Pools zurzeit kein besonderes Gewicht lege. Seine Forderungen, die er der Konferenz schriftlich vorgelegt halte, wurden abgelehnt,„weil sie weder durch die Vergangenheit noch durch die tatsächlichen Verhältnisse begründet seien, vielmehr im direkten Widerspruch ständen mit der Haltung, die die Hamburg- Amerika- Linie in ähnlichen Fällen sehr energisch anderen Linien gegenüber eingenommen hat" — wie ein Bericht des Lloyd über die Konferenz meldet. Da die Hamburg-Amerika-Linie aber eine der größten Poolmitglieder ist. hat die Konserz überhaupt von einer Erneuerung des Pools ab- gesehen. Von Ende dieses Monats ab sind die Reedereien nicht mehr an die Verträge gebunden. Trotzdem bat die Konferenz beschlossen, die statistischen BureauS de§ Pools weiter bestehen zu laffen. Auch wurde angekündigt, daß die bisher beteiligten Gesellschaften(mit Ausnahme der Hapag)„soweit es die Verhältnisse gestatten, im Einvernehmen bandeln" wollen. Daraus geht hervor, daß man an eine dauernde Auflösung des Pools nicht glaubt. Man hält die Er- Neuerung vielmehr für so nahe bevorstehend, daß man nicht einmal den Verwaltungsapparat aufgibt. Die Statistik über den Umfang des Geschäfts der Poolmitglieder wird fortgesetzt, um jeder- zeit die Grundlagen für neue Verhandlungen zu haben. Auch sollen die Zentralbureaus wohl das gemeinsame Vorgehen vermitteln. Ein Teil der Poolmitglieder hält sogar an der Konvention in der alten Form fest. Die kontinentalen Gesellschaften verlängern ihre gesamten Verträge ohne die Hapag. Abgesehen von den eng- lischen Gesellschaften stehen der Hapag also der Lloyd, zwei hol- ländische und eine französische Reederei geschlossen gegen- über. Es ist demnach sicher auf einen Raten kämpf zwischen dem kontinentalen Pool und der Hapag zu rechnen. Die Hapag hat bereits im vergangengen Jahre mit diesem Streit gerechnet und sich auf den Kampf vorbereitet. Aus den reichlichen Ueberschüffen des Hoch- konjunkturjahres 491?/ 13 legte sie einen besonderen Konkurrenzkampf- fonds in Höhe von sieben Millionen Mark zurück. Außerdem erhöhte sie im vergangenen Jahre ihr Aktienkapital um 39 Millionen Mark. wovon nur ein Teil sür Neubauten verwendet sein kann, so daß auch dadurch die finanzielle Rüstung für etwaige Kämpfe verstärkt worden ist. Jedenfalls scheint die Hapag die Absicht zu haben, unter allen Umständen ihre Mehrforderungen im Pool durchzusetzen. Eine dauernde Auflösung des Schiffahrtspools liegt natürlich nicht im Interesse und in der Absicht der Hamburg-Amerika-Linie. Gerade in der jetzigen Zeit wäre sie für alle Gesellschaften recht un- bequem; das zeigt schon die teilweise Verlängerung der Pool- Verträge. Das Schiffahrtsgewerbe wird gerade jetzt von dem Kon- junklurrückgang erlaßt, während das vergangene Jahr mit den hohen Anßcnhandelsziffern und dem vermehrten Auswanderer- verkehr noch gute Erträgnisse lieferte. Die Gesellschaften haben also eine Abnahme des Frachten- und Personenverkehrs zu erwarten, sowohl was den Uinfang als die Preise anbetrifft. Ein Ratenkampf würde nur den Rückgang gegenüber dem Vorjahr noch vermehren. Es kommt hinzu, daß die österreichische Regierung dem AuS- Wandererschacher der Schiffahrtsgesellschaslen etwas das Handwerk gelegt hat; aus Osteuropa kommt aber das Hauptkontingent der Zwischendeckspassagiere. Die Enthüllungen über die schmutzigen Geschäfte der Gesellschaften in Oesterreich haben sicherlich aber zu einer verschärften Kontrolle des AuswandererverkehrS in allen europäischen Staaten geführt. Als Wirkung zeigte sich schon in den letzten Monaten des Vorjahres ein Rückgang der Auswandererziffern, der zum Teil auch dadurch bedingt sein mag, daß beim Konjunktur- rückgang die Aussichten auf bessere Existenzmöglichkeiten in Amerika geringer erscheinen und zur Eindämmung der Auswandererlust führen. I» Oesterreich haben sich die Hapag und der Lloyd einer weitgehenden Aufsicht der Regierung unterwerfen müssen. Die Anwerbung von Zwischendeckspassagieren darf nicht mehr durch ge. Heime Agenten geschehen, auch dürfen beide Gesellschaften nicht mehr eigene Filialen für den Zwischendecksverkehr unterhalten. Vielmehr müssen sie sich stets der Agenturen der Austra-Americana, einer österreichischen Schiffahrtsgesellschaft, bedienen. Die Hapag hat außerdem ihren Aktienbesitz an der„Austra-Americana" abtreten müssen, so daß diese Gesellschaft jetzt allein in österreichischen Händen ruht. Verfolgt man den Kampf der Hapag gegen den Lloyd in der bürgerlichen Presse, so wird man unwillkürlich an den Presse- knebelungsparagraphen des Pools erinnert. In den Satzungen des Pools befindet sich ein Paragraph, nach dem die Ge- sellschaften keine Zeitung irgendwie, auch durch Annoncen nicht. unterstützen dürfen, die gegen irgendein Poolmitglied pole- mifiert hat. Die gesamte Preffe, mit Ausnahme der„Frank- furter Zeitung", hat diese für die Presse so schimpfliche Bestimmung totgeschwiegen. Selbst jetzt, nachdem der Pool aufgelöst worden ist, wagt es noch immer kein Organ diese Bestimmung der Oeffentlich« keit zu unterbreiten. Auch die ganze Behandlung der Poolfrage ist in vielen bürgerlichen Organen durch eine gewisse Aengstlichkeit ausgezeichnet, die den Gedanken einer Rücksichtnahme auf den korrumpierenden Paragraphen des Poolvertrages zum mindesten wach werden läßt.__ Versammlungen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Die Kassenabrech- nung für das vierte Quartal 1913, welche der am Donnerstag ab- gehaltenen Generalversammlung der Filiale Grotz-Berlin vorlag, zeigt für die Lokalkasse eine Einnahme von 27 435 M., eine Ausgabe von 38 723 M. Das dritte Quartal schloß mit einem Bestand von 81 198 M., der Ende des vierten Quartals auf 69 905 M. zurückgegangen war. Das Ueberwiegen der Ausgaben im vierten Quartal ist zurückzuführen auf einige außerordentliche Ausgabe- Posten. Dahin gehören uhter anderem 5000 M. für die allgemeine Weihnachtsunterstützung ver Arbeitslosen. Außerdem wurden an die Mitglieder folgende Unterstützungen gezahlt: An Arbeitslose 8356 M., an Kranke 15 626 M.. bei Sterbefällen 3602 M., in Not- fällen 672 M., Rechtsschutz 259 M.— Die Mitgliederzahl ist von 9639 auf 9805 gestiegen und zerfällt in 9371 männliche, 854 weib- liche und 80 jugendliche. Die weiteren Verhandlungen der Versammlung drehten sich um den Ausschluß von zwei Mitgliedern und andere innere An- gelegenheiten. Als Bureauangestcllter wurde auf' Vorschlag der OrtSverwal- tung Kamrowski gewählt. An Stelle eines ausgeschiedenen Beisitzers im Hauptvorstand wählte man Paetzold. Ferner wurde die Neuwahl der Ortsverwaltung vollzogen, wozu außer den Vorschlägen der erweiterten Verwaltung keine anderen Vorschläge gemacht wurden. Das Wahlergebnis war bei Schluß der Ver- sammlung noch nicht festgestellt. WaiserstandS. Nachrichten der LandeSanttalt sür Gewäsiertunde, milgetclli vom verlwer ZSetterdurea» + bedeutet Wuchs.— Fall. 4) Oberhalb der Stadt Eisstand.—') —') Unterpegel.—•) Asstand. Treibeis. ©:©i©:®:® 5X2)©©®®®© Letzte Wochel®®®®®®®®®®®®®(o ©:©i®i®t©t©i® Gänzlicher Ausverkauf Inventur- Restbestände! Wi «ü CO e o > £ C3 X O tA e o «5 tfi o c 4» O ■1 s s M3 e c £ u <ü ■o e o •** G « V •*« u »»» für Binutauss)nttun$en. Hemöentuch 80 em breit...... Stück TOD 20 Meter 6.40 Louisianatuch so cm breit..... 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Uhr, im Polkshaufe, Rosinenstrahe 3: General-Versammlung. � Tagesordnung: l Vortrag 2. DiSluiston. 3. Kaflenbcricht. t. Beratung der Anträge »nd Wabl der Teiegieilen zur ktreisgenerawersammlung. S. Vereins. «igeleijenheilen und VerichiedeneS. 250/8 Zahlreiches und pünkllicheS Erscheinen erwartet»vr Vorstand. Verband der Sattler u. Portefeuiller r-'- Ortsverwal tang Berlin.. ,,,...== Mittwoch, den 28. Januar 1911, adendS 8'/, Uhr, i» de« »Arminhalleu-, ziommandanteuitr. S8/S9: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. EelchäftlicheS. 2. Bericht und Abiechnung vom 4. Quartal 1313. I. Der ktarlellverlrag mil den Tapezierern und Antrag der Ortsverwaltung aus Abänderung der Iß l und 3 des OriSuatutS. 4. Verschiedenes. —— Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt, mmmmm- ZahlrelcheS Erscheinen der Mitglieder erwartet 155/3_ Die Ortsverwaltang. Mm! Tapezierer! Achim! Montag, deu 26. Januar, abend« 7 Uhr, Im GewertschaftShau«. Engewser 15, Saal 4: Oeffentliche Versam mlung. Tagesordnung: l. Neuwadl der JnnungSschicdSgerichtSbeisitzer. 8. Neuwahl deS Me« hilsenauSschusseS. 173/l Zahlreiches Erich einen erbitte« Der Gehilsenausschutz. I.«ontcke. Altgedilse. verdanc! äer Upmmv. Viiiale Berlin. sDonn> rstag, den 89. Januar, abends 8 Uhr, hei Zvendt, Beutdftr. 21 tzusrtsls.Versammlung. Tagesordnung:« 1. Quartal», und JadreSberickl des Vorstandes. 2. Diskussion. 3. Reu. wabl der OrtSverwallung und der Zicbisoi en. 4. Ersatzwahl zur EchlichtungS. kommisfion Ersctzw>hl zur Ledcrarbellcrlomnussioii und Ersahwahl zum Bildun saus�chug. 5. Verba»d4angcleae»beilen und Verschiedenes. S!tW~ MilgliedSduch oder ArbeuSloienlarte legilimierl.' W�Z 173/2 l»ie Qrtsverwaltnng. Verdünä �.er Zelineiller. ZedueiSenmen und Wäsetiearbeiter fientschlands. Sebasltanstrahe 37,38. Viliale Berlin. Tel. Amt Moritzplatz 9737. Aehtnng t Morgen Montag, SÄusterkcmfgUtlon! Achtung! den 26. Januar, abends 7lli Uhr. Hei Grunze, lZchönhanser Allee 166: Tagesordnung: i. Vortrag des(kcnossen«uhne über:»Tie �lrbcUslostgkeit und deren Folgen und wie isl dem obzudeisen?' 2. DiSlulsion. 3. Weikstälien. angelegendeilcn. 4. VcrschwdeneS. i6->n Tic Kollegen und Kollegiiiiie» werden eriuchl, zahlreich und panktlich zu erscheinen. Bio Kommission. Steinarbeiter Mittwoch, den 28. Januar, abend» 8 Uhr, w den Arminhallen, Kommandanlenjtr. 58/53: Dersammluug der Ztlitiou I LLnäsleinbfsnctie. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Wahl der SeklionSleitung. Kein Kollege darf schien l Dounersrag. den 89. Januar, abends 8 Uhr, in den Armtnhallen, Kommandantenstr. 58/53: Nersammtung der Zektion ll �Isl-mordraacke. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Wahl der Zctliouslcitung. >71>3» Tie Ortsverwaltung, 20 Mark Belolmung! Schwarze Muffe Freitag abend entweder in Pferde- drosch» von Rankcslrahe nach Casä Grunewald oder im Auto von£>alen» see nach Rankestrage liegen geblieben. Abzugeben gegen obige Belohnung bei Engelmann, Kursürstenltr. S. Wirtshaus Schloß Woltersdorf empsiehli sich den geehrlen Vereinen, Fabriken und Ge'cllschaften zu ihren diesjährigen Dampsersghrtcn usw. Gleichzeitig empfehle die Dampfer und Motorboote. Absahrt an der Michaelbrllcke. Auch daS Lokal TViihelininenhol. Ober-Schöneweide. Fern- Iprecher: Amt Erkner l43. Damperstation Moritzpl. 12 715. Ober- __ Schönewe>de 3162._ I Dr. Simmel Spezial-Arrt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, CÄ 10— 2, 5—7. äonntaeB 10— 12. Möbelfabrik„Fortuna" Eingetragene Genossenschast mit be« schränkler Hajtpflicht. Leneraj-Versammliing am 8. Februar 1911, vorm lOUHr, in den GcschästSräumen Heidelberger Strage 75/76. Tagesordnung: 1. Vorlsgung der Bilanz. 2. Wahlen des Vorstandes und des AussichtSratS. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. 666b Der Vorstand. Maurergesellen- Kranken- u. Sterbe- kasse zn Charlotten- bürg. Sonntag, den 22. Februar, vor- mittags 19 Uhr, im Kassenlokal, Spreestr. 17: Mitgltelienrersamtnlung Tagesordnung: 1 Jahresbericht des Kassierers. 2. Bericht der Staiutenkommission und Slbstimniung Uber das neue Sta>ul betrefss Umwandlung der Kasse in«ine Zuschuglasse. Regen Besuch erwartet 282/6 Ter Vorhand. Mar Wolfts GesellsEhaftsbaDs, Xeukdlln, Kirchhofstr 4t. Den geehrten Vereinen und Ge. werkschaslen zur gesälligen Kenntnis- nabme, dah ich mein Lokal in Neu- kölln. Kilchhosttr. 41, wieder llder- nommen habe und stelle dasselbe nach wie vor denlelben untei den kulantesten Bedingungen zur V-r- sügung. Oskar tzVoll?, Gastwirt. Anarchisten! Sozialisten! Montag, de«£6. Januar, abends S1/« Uhr, in den Hohenstaufen-Sälen, Kottbnserdamm 76: Bolksversnmmlnng. Tagesordnung: l. MlillllNSlllllg und Gksehlichkeit-mt« besonderer Be- rücksichtigung der Borgänge in Zabern. Resercnt: Bertholb Cahu. 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet 641b Der Eivderuser. Kranken- und Aterbekasse der im nligem. Nerkehrswesen deschWgten Personen und verwandten Kernfsgenossen „Einiraitjt"<«. a. G.) Ordentliche Oenerzii- Versammlung am Donnerstag, den 26. Febr., abends 8'/, Uhr, tu Schulz' Prachtsalen,«önigsgradeu 2, Ecke Münzslratze. Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht. 2. Wahl der Mitglieder sowie Ersatz- männer lür den Vorstand, den Aus- sichisrat und das Schiedsgericht. 3. Festietzung der Gehälter und Eni- ichadigungen. 4. Beschlutzsassung über eingegangene Anträge. 5. Ver- schiedenes. 651b Bei» Vorstand. I. A.: lugu»! NS»»e, Vorsitzinder. Bei der gester« vorgenommenen Borstandswahl der Arbeitnehmer- Vertreter wurden abgegeben. 40 Stimmen: Hiervon entfiele» aus List« I 23 St. .»Hl?, Liste I erlstell 4 Sitze. Liste II 2 Sitze. Es sind demnach als ordentlich c Mitglieder des Vorstandes gewähll: Arbeitgeber: Max Lengenfeld. „ HanS Fischer. Eruft krödct. Arbeitnehmer: Eruft Hübner. „ Neinhold Modrok. , Karl Gemmerer. , Oötar Vorchardt. , Gustav Stich» Josef Hahn. Einsprüche gegen die KiUttgkett der Wahl können Innerhalb einer Woche beim Versichcrnngsamt des LreiieS Teltow eingereicht werden. Berlin-Lichlerjelde, 24. Ja«mar 1914. Allgemeine Ort?- Krankenkasse für Berlin-Lichterfelde« N. laagtololä, Vorsitzender. vvutsober llolsardaitsr-vsrblUlä. Verwsltunx Berlin. Mitglieder-Versammlungen für folgende Bezirke»nd Branchen. Tagesordnung: Wahl der Delegierten zur Generalversammlung und Verbandsangelegenhetten» Montag, den 26. Januar, abends 5Vl Uhr: CifchUr. Sfldwestcn nnd Westen: l» der Anhalter Ressource, Mickern- stratze 114. Wilden: im Märkischen Hof, Admiralstr. tSa. 80d«»sten 1: im Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Südosten II: im Reichenberger Hof. Reichenberger Elr. 147. Osten I: bei Vringmanu, AndreaSstr. 26. Osten II; bei Grunwaldt. Memeler Str. 67(Eomeniussile). Osten III: in den»Prachtfäien des QstenS", Franksurler Allee 151. OestUche Vororte: in der' Riebeck-Braueret(jrüher Löwen- Brauerei), Franksurter Allee 53. Nordosten: bei Voeker. Wcberstr. 17. Worden: bei Lbtglo. Schwedler Stratze 23. Wenkvlln: im Jdeal-Kustno, Weichselstr. 8. SchttneherD-: Neue Ratdaussäle, Marttn-Luther-Str. 69. Bortrag über: Das Jnvalidenverficherungsgefetz nach der ueucu RetchSverficherunAsordiiuag. l�scieneinricbtungs- uncl PsontormöbebBrancke im Lutsenstädtischen Kastno, Qranienstr. 80. Bautiscbler. Beulrk I: HNdosten, ööden, Sfldwesten bei Raade, Ftchteftr. 23. Beslrlt lö: Osten bei Vratner. Weldenweg 85. Beslrlt:t: Hlorden nnd n«rdllehe Vororte bei Gliefche, Kopenhagener Sir. 74. Boolrk 4: Oesnndbrunnen, Wedding nnd Sloablt bei Saäife, Lindower Slr. 26. Beslrk 5: BieakUUn: hei Gütig. Ertstr. 8. j�öbel- u. GtublpoUerer lowic j�agaslnarbelter. Osten: in den.Fürstenberger Feftsälen«. Frankfurter Allee 106. Südosten: im Märkischen Hof, Admiralstr. 18o. Korden: tm Swtnemünder EcsellfchqftshauS, Swtnemünder Str. 42 jVIasckinenarbeiter. im Beslrk Osten: bei Fredersdorf, Franksurler Allee 127. Beslrk Südosten. Veukölln, Brlt» und Treptow: Reiche» erger Hof. Reichenberger Slr. 147. Beslrke Südwesten: bei Müller, Alexandrinenstr. 32. Beslrk sti erden: bei Kaczerowöki, Ravenöstr. 6. kiamm- unci Baarlckmuckarbsiter�nn.� And�a�r."U Dienstag, den 27. Januar, abends 6VL Uhr: WeiBensee; u» Prälaten, Lehderftr. 122. Mittwoch, den 28. Januar: Weddlnir und Moabit: bei KaezarowSU. RabenS. k-licnier. strage 6. AdendS 5'/, Uhr. vreckfler» llreppengelZncier- uncl Luxuenidbel- . brauche. Köaigftadt, Kastno. Holzmarttstratze 72, adendS 8st, Uhr. l�la vierarbeiter-�nds 8st.uhr�im Gewerrschast«h«Ze.«»gel. Locieuleger 1?°"� 8 Uhr im GewerkfchaftShause, Eng ei User 15, Jalouliearbeiter abends s»/, Uhr bei voeker,«eberstr. 17. l�ahmenmacher abend» 6 Uhr, im DewerkschastShauS, Saal 5. ßo'rften- U. pinW-TOCher w 8MrMMatt?er abds. ell, Uhr bei«nörig. An d. Stral-mer«rücke s. Donnerstag, den 28. Januar: 7— �__ Charlottenburc: abend» 8 Uhr tm volkSda»», �llCNler. Rosmenslr. 3. KteUmsebee Ns.V»°>.»-»->»»-. Stock- u. Ilettuloiäarbeiter Korbltiad�cr abends 8 Uhr, bei Max Krause. Marlaunenplatz 8. perlmuttarbeiter abend« s Uhr, Im GewerkschaftShauS,«aal 8. Montag, den 2. Februar: abends 6 Uhr im Englische» Garten, KUCbenniODeltUChler Alexanderstr. 270. AUe als Delegierte zur Generalversammlung vorgeschlagenen Kollegen müssen in diesen Bersammlnngeu anwesend sein.__ Donnerstag, 29. Januar, abends 8�z Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27 c: Rrchtttiitltiitg ttlln bei Wtrr-Ztttttingsmtjtcrit bksPstigtkit Kullegett. Tagesordnung: Ersatzwahl des Gesellenausschusses und Wahl der Beisitzer zum JnnnngsschiedSgericht. 82/7 Bio OrtaTerwaltans. Sonntag, den 1. Februar 1914, in Obi�Ios Festsälen, Koppenstraße 29: Komädte tu fünf Aufzügen von Emil Rosenow. In Szene gesetzt von I. Türk. Ankann 7 Uhr. �heater-vorlteiiung.«Hr Water Lampe. Kinlaü« Uhr. Gastspiel des Charlottenbnrg-Neuköllner Theaters. Von 6—7 llfjr: Lilonzertmusik.»lach der Vorstellung: Ball bis 2 Uhr. Eintrittskarte inkl. Tanz 60 Pf. Kinder miter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Eintrittskarten sind auf allen Zahlstellen, beim Gastwirt Greive, im Zigarrengeschäft von Baumann, Rnngestr. 30, und im Bureau zu haben. Die Ortsverwaltnng» Zur hundertjährigen Wiederkehr des Todestages von Johann Gottlieb Fichte am 27. Januar 1914 laden wir die Arbeiterschaft zu folgenden Gedenkfeiern: Berlin: Nißles Festsäle, Dennewitzstr. 13 Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 Buttners Festsäle, Schwedter Str. 23/24 Frankes Festsäle, ßadstr. 19 Neukölln: Bartschs Festsäle, Hermannstr. 49. Anfang'/ap Uhr abends. Tagesordnung in allen Versammlungen; Chorgesang; Krönt den Tag. Vortrag. Johann Gottlieb Fichte, sein Werk und seine Zeit. Chorgesang; Das heilige Feuer. Vortragende: JGdnard Bernstein, Bndolt Breitscheid, Ernst Dftnmig, Ernst Benter, Heinrich Sehnlz. Mitwirkende Arbeiterchöre; Fichte Georginia, Liedertafel West, Einigkeit, Gesund brunner Harmonie, Männerchor Neukölln. Der Bezirks-Bildungsansschoß Groß-Berlin. Der Einberufer: Ernst Däumig, Lindenstr. 69. Verband der Hausarzt-Vereine Bezirk Norden. Großer öffentlicher Uortrog. Montag, den SS. Januar 4S14. abends«Va Uhr, in den„Pharussälen", Müllerstrafte 14S: „Kinderreiehtutn und Kindersterblichkeit" Referent Dr. Jüloses. Ausnahmen für den Bezirk werden in der Bersammlung und in folgenden Geschäftsstellen entgegengenommen: Hermann Münchow. Lüdcritzstr. 3, Quergeb. III; Hermann Meyer. Swinemllnder Str. 97. vorn II, Port. 1; Georg Lange. Malmöer Str. 12, voni IV; Theodor Geyner. Pankow. Norddahnstr. 3. Ouergeb. III; Paul Berger. Nordost und Weihcnsee, Naugarder Str. 44. vorn IV; Ltto Wölke. Brunnenstr. t, vorn III. Neukölln. lentrsl'üi'suhenhssse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit". Dienstai,, den 27. Januar, abends 8 Mir. bei Wolf, Kirchhofstrafte 41 i Mglieder-Ntrsarnmllmg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1913 und Jahresbericht. 2. Wahl der ort- lichcn Verwaltung. 3. Verschiedenes m Kassenangelegenheiten. Ml Es liegt im Interesse jedes Mitglieds, in dieser Versammlung zu erscheinen. 151/2 Mitgliedsbuch legitimiert. Tie örtliche Verwaltung. Caf® yteyer � Dresdener Str. 128/129 Kaffee 10 u. 15, Bier, hellu.dunk.10Ps. ca. SO Zeitungen; Billard Std. 00 Pf. Zablsleile der freien fellisbiidne. Eh�ieuer Mensch wird man wieder durch eine Kur mit Reichel's Wacholder-Extrakt Marke Medico. Ein wahres, unioersclles Natmbeilmitlel u. allerprobtes, durch- aus reelles, jederzeit unschädliches Hausmittel vonkräslig blulreinigNider, loscnderu. ableitender, zugleich magen- stärkender, speziell barntreibender u. Unreinigleiten ausscheidender Wirkung. 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Den MUgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Uudwig Hinz Gneiscnaustraße 95, im Alter von 63 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Januar, nach- mittags 4'/. Uhr. von der Halle des Heilig-'Kreuz- Kirchhofes m Mariendors aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dass unser Kollege, der Tischler Fritz Hnsetoph Baumlchulenweg, Eichenbachstr. 5 im Alter von 58 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Gemeindc-Fricdaoss, Baumschulenweg, Kiesholzstratze, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/6 Die Drteverwaltung. Allen freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass mein lieber, guter Mann, unser treu- sorgender Vater und Schwieger- oater, der Kassenangestellte FritT Haseloph nach langem Leiden am Freitag. den 23. d. M., sanft entschlafen ist. Alle, die ihn kannten, werden unseren Schmerz zu teilen wissen. Witwe Ernestine Haseloph nebst Kindein und Schwieger- söhnen, Baumschulenwcg, Eschcnbachstr. 5. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Gemeinde- FriedboseS in «aumschulenweg, Kiesholzstrasse, aus statt. Am 23. Januar verschied nach langem Leiden unser Angestellter und Kollege Fritz Haseloph im Alter von 58 Jahren. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Gemeinde- FriedhoseS in Baumschulenweg, Kiesholzstrasse. auS statt. Der Vorstand und die An- gestellten der Jnnuogs- Krankeokaffe der Tischler zu Berlin. btecbruf. Fritz Haseloph t 23. 1. 1914. Du warst unser ältestes Mitglied. Deine Taten zwingen unS, Ehrend Deiner zu gedenken. Gesellen-Ausschuß der Berliner Tischler-Jouung. Deuleetitf Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht. dass unser Kollege Otto Junghans infolge eines Unfalles plötzlich verstorben ist. 23/4 Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet Montag, den 26. Januar, nachmittags 3 Uhr, aus dem Kirchhos der Nazaretbgemeinde, Reinickendors- West, Göbelstrasse, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltung. Sozlaldemokratiseber Wahlverein t. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis Stralauer Viertel. Bezirk 3011. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unsere Genossin, Frau Usette Welker Persmsstrasse 1, gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Diens'ag, den 27. Januar, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhojcs in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vci- Voi-stand. Sozialdemokratischer Wahlverein Cöpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Genosse psut Kaiser gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofs aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 201/2 Der Borstand. sumveretn„Eiche", Köpenick. Am 22. d. M. verstarb unser Turngenosse Paul Kaiser im Alter von 30 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 25. Januar, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Gememdesriedhoses aus statt. 186/1 Die Mitglieder des Vereins irrsten sich>/,3 Uhr bei Bewert. (Anzug Turnerkleidung.) Der Vorstand. Dentscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Zfieleur �Vlax Deuther Waisenstr. 5 gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 25. Januar, nach- mittags 2 Udr, von der Leichen- balle des Parockial-Kirchhoses w Rummelsburg aus statt. Ferner starb unser Mtglied, der Heiser Frnst Ramisch Weberstrasse 9, am 22. d. Mts. an Herzleiden. _ Die Beerdigung findet heute. Sonntag, den 25. Januar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen. halle des Gemeinde-FriedhoseS m Wilhelmsberg aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Maschinenardeiter Hermann Vaqus Borsigwalde, Räuichstrassc 71, am 22. d. Mts. an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Januar, nach- mittags 1*1, Uhr, von der Leichen- halle deZ Gemeinde-Friedhofes in Reini-kendors, Humboldtstrasse. aus statt. Ehre ihrem Anbcttken! Rege Beteiligung erwartet ttI/9 Die Drtsrerwaltung. Am 24, Januar verschied unsere inniggeliebte Tochter und Schwester Erna Liedtke im 7. Lebensjahre. Dies zeigen an mit der Bitte um stille Teilnahme 707b Famiile t». I-ledtlce Die Beerdigung findet D-enStag- nachmittag 3'/, Uhr von der Halle des TbomaSsnedhoscS aus statt Beutscher Banarheiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege Gottfried Loßack am 22. Januar im Aller von 65 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montagnachmillag 3*/, Uhr von der Halle der LulaS- Gemeinde in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 140,1t Der Verstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass mein lieber Mann und guter Vater, der Gastwirt 702b Aihert Matschenz nach langem geduldig ertragenen schweren Leiden am Freitag, den 23. Januar, nachmittags 1'/, Uhr, im Aller von 34 Jahren enl- schlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Frau Luise Matschenz geb. Schaack und Tochter. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des EmmauS-KirchhoseS in Neu- tölln, Hermannstrage, aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Freunden und Be» kannten, insbesondere dem Herr» Direktor und Kollegen der Genossen» schastsbrauerei, dem Verband der Brauerei- und Mübkenarbeiter, de« Genossen des 4. Berk. Reichstags- Wahlkreises, sowie dem Eparverei» .Biene" meinen herzlichsten Dank. Minna Enskat geb. Schwarz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz» spenden bei der Beerdigung meiner unvergesslichen Frau und gute« Mutter sagen wrr allen Bekannten, insbesondere dem Gesangverei» .Freiheitsllänge" und dem Wahl- verein, Bezirk Borsigwalde, unsere» herzlichsten Dank. 82A Karl Strauft«nd Sah» Borsigwalde, Ernststr. 5. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergesslichen Mannes, deS Malers Emil Schulz sage ich hiermit allen denen, dl« ihn zur letzten Ruhe gebettet haben, meinen aujrichligsten, tiesempsundenen Dank. 643b Die tteftrauernde Witwe J. Süchnlz, Kottbuser Ufer Nr. 59. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters -knxast Schmischo sagen mir allen Verwandlen, Freunden und Bekannten unseren herz- iichsteu Dank. 52A Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die berzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Knill Hartwirb sage hiermit allen Beteiligten meinen ausrichligsten Tank. � 703b W. Hartwich. Grünauer Strasse 2. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tei.nabme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres tieben BaierS und Bruders sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten, den Mitarbeitern der A. E.-G., Ableitung Meister Elermont, und dem Pstanzer- verein.TranSoaal" unseren innigste» Dank. I02A Witwe B. Jarauowski nebst Kinoern. Eam. R J-iranowSki, am. M. Klos». Kranzspenden iowre sämtliche* ßlumenarrangcmenta liesert ichnell und billig Paul (Sro»», Lindenstr.69, Tel. Mpl. 7203. Möbel-Angebot. 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