Kr. 26. HbonnemcntS'Bedingungen: Hionnemcnlä. PrciZ pränumerando: Lierteljährl. SSO MI, monotl. 1.10 Ml, wöchenLich 28 Plg. frei WS HauS. Einzewe Nummer s Pfg. EoimtagS- Nummer mit Mustricrter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Vsg. Post- Wonnement: 1.10 Marl pro Monat. kingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für da» übrige Ausland t Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dmiemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. cklcheiot tlglitt Verlinev Dalfo&Ialf. Die Tnfertions� Gebühr beträgt für die jechsgespaliene Kolmiel- Zeile oder deren tRamn«0 Prg., für politische und gewcrlichastliche Lcreins- und Versammlungs-Anzcigett 30 Psg. „Kleine Mnrcigcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(znlässtg 2 fettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstelleuan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über I5Buch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate ur die nächste Nunnner niüfsen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soziaidmlirat Reclin", Zcntralorgan der(ozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktton: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. IS8S. Dienstag, den 27. Januar 1914. Sxpedttton: SM. 68, Lindcnstrassc 69* Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. Ein öeutsiher Nann. Zum hundertsten Todestage Johaun Gottlieö Fichte s. Es gibt zwei Sorten Jahrhunderteriniierungen. Die eine Sorte wird von oben anbefohlen und mit all dem rauschenden Klingklang gefeiert- der zum Zeichen unserer Zeit gewordeil ist. Böllerschüsse dröhnen- Sektgläser klirren- die Straßen siüd geputzt wie Bierpaläste in Karnevalszeiten, die amtlichen Depeschenbureaus versenden spaltenlange Festreden aus aller- höchsten Kehlköpfen. Diese Erinnernngsseiern— das verflossene Jahr hat sie bis zuin Ueberdruß gesehen— sind wertlos wie taube Nüsse. Sie haben keinen Teil an der Zeit vor hundert Jahren, sie beleidigen die wackeren Kämpfer jener Tage mehr als sie sie feiern; sie haben auch keinen Teil an dein Leben und Streben unserer Zeit- eindruckslos wie Militärparaden lärmen sie an der Seele des Volkes vorüber. Dann gibt es nach eine andere Art von Jahrhundert- erinncrung. Sie wird nicht besohle», sie wird nicht durch laute Worte begangen, sie kräuselt nicht die Oberfläche des öffentlichen Lebens. Aber tief iin Herzen des Volkes hat sie ihre Stätte und die besten Empfindungen des Volkes werden von ihr angeregt und befruchtet. Wenn sich die kämpfenden Arbeiter als einzelne und in ihren Zusammenkünften mit dem Geist ihrer Zeit vertraut machen, wenn sie die treiben- den Kräfte zu erkennen suchen, wenn sie Zwiesprache mit den führenden Geistern jener Tage halten, wenn sie die Kämpfer selbst mit ihreni besten Wollen und ihren besten Worten zur Mitarbeit ausrufen, so sind das Jahrhundertfeiern, die die Kämpfe und den Fortgang unserer eigenen Zeit unmittelbar beeinflussen und vorwärtstreiben. Fichte gehört zu den Freiheitskämpfern der Zeit vor hundert Jahren, die bei den offiziellen Ehrungen und in den allerhöchsten, höchsten und hohen Trinksprüchen zu kurz kommen. Er wird darin überhaupt nicht genannt. Man kennt ihn nicht. Und wenn unsere ordensselige Zeit auch noch die Männer der Vergangenheit dekorieren könnte, so wurde sein Knopfloch leer bleiben. Es bliebe freilich auch dann leer, wenn sein Name von irgendeinem Geheimrat, dessen Scham noch nicht völlig zu den Hunden entflohen ist, doch noch auf die Ordensliste gemogelt worden wäre. Fichte würde solchen unmännlichen Zierrat dem Geheimrat an den Kops werfen. Fichte war ein Mann, ein Charakter, ein trotziger Revolutionär, aber kein ordens- lüsterner Diener seines Herrn, keine Memnie, kein in Ehr- furcht ersterbender Byzantiner, keine feige und schwankende Gestalt, kein Liberaler. Fichte kommt auch bei den Erinnerungsfeiern des Bürger- tums zu kurz. Man widmet ihm einige Artikel. Gewiß. Die crinnerungsfrohe Mode der Zeit will es einmal so. Wenn es hoch kommt, berauscht man sich sogar an der urwüchsigen Kraft seiner Gedanken und der wuchtenden Form seines Ausdruckes. Aber man feiert ihn nicht durch die Tat. Man verleugnet das tapfere Vorbild Fichtes zehnmal am Tage. Man ist„real- politisch" geworden und begnügt sich lieber mit einem ärm- lichcn nackten Spatz, den man mit List und Logelleiin ein- gefangen hat, statt daß nian das große Raubzeug aus dem Reiche der Lüste herunterschießt. Tie letzten Ereignisse sind wie ein Hohn aus Fichte und seine leidenschaftlichen, sturmgewaltigen Reden an die deutsche Nation. Diese Nation, die schon Fichte vor mehr als hundert Jahren zur iselbstbesiunung, zur Selbständigkeit, zur Frei- hcitsliebc, zum Kampf um der Menschheit höchste Güter ausrief. sie muß sich hundert Jahre später ärger mißhandeln lassen, als es Fichte sich je hätte träumen lassen. Zwar drückt keine fremde Erobererfaust den Deutschen das Genick. Aber ist schamlose Willkür, von eigenen Mächten gegen das eigene Volk geübt, etwa weniger unwürdig? Hört zu, ihr Posaunisten des behördlichen Patriotismus, was Fichte darüber sagt: „Wenn wir daher nicht im Auge behielten, was Teutschland zu erwarten hat, so läge an sich nicht so viel daran, ob ein � französischer Marschall wie Bernadotte. an dem wenigstens früher begeisternde Bilder der Freiheit vorübergegangen sind, oder ein deutscher ausgeblasener Edelmann ohne Sitten und mit Roheit und frechem Uebermut über einen Teil von Teutschland geböte." Was Deutschland zu erwarten hat! Deutschland hat es leider npch immer zu erwarten, was Fichte von ihm mit glühender Seele erträumte und wünschte: daß es der Hort der Freiheit, der Vorkämpfer der Menschheit für neue und höhere Kulturziele werde. Heute sieht es in inancher Beziehung ärger aus als zu Fichtes Zeiten, ärger besonders deshalb, weil seitdem über hundert Jahre verflossen und die Menschheit im allgemeinen und die Arbeiterklasse im besonderen gewaltig vorwärts ge- schritten sind. Wenn man Fichtes aufwühlende Reden an die deutsche Nation liest, so greift man sich erstaunt an den Kopf: das hat schon damals ein austechter Mann gedacht und gesprockfen, und heute gilt diese leidenschaftliche Predigt noch fast Wort für Wort! Schon damals hat ein Fichte die Zustände der Un- freiheit, der unmännlichen Unterordnung, der beschaulichen Feigheit mit leidenschaftlichen Worten gebrandmarkt: heute aber ist das große, wirtschaftlich so starke Bürgertum politisch noch ebenso unfrei, ordnet es sich noch ebenso demütig und unmännlich dem trotzigen Gebot der Junkerdiktatur und des Säbelregimcnts unter, läßt es sich noch feige jede Entrechtung und jeden Fußtritt gefallen!„Unsere Zeit stellt es oft als einen über alle Gegenwart erhabenen Grundsatz auf, daß man eben schmeicheln, kriechen, sich zu allem gebrauchen lassen müsse, wenn man leben wolle, und daß es ans keine andere Weise angehe. Sie schämt sich nicht, daß, wenn man sie auch mit dem heroischen, aber durchaus wahren Gegensprnche verschonen wolle, daß, wenn es so ist, sie eben nicht leben, sondern sterben solle, noch die Bemerkung übrig bleibt, daß sie hätte lernen sollen, mit Ehren leben zu können." Als ob Fichte die bornierte Prenßenpolitik von der gc- hässigen„Ostmarken"methode bis zur Schmach von Zabrrn und der neuesten Harlekinade des Preußenbundes voraus- geahnt hätte, zeichnet er ein Bild der Völker, wie sie sein sollen und wie sie nicht sein sollen:„Es gibt nämlich Völker, welche, indem sie selbst ihre Eigentiinilichkeit beibehalten und dieselbe geehrt wissen wollen, auch den anderen Völkern die ihrigen zugestehen und sie ihnen gönnen und verstatten... Wiederum gibt es andere Völker, denen ihr eng in sich selbst verwachsenes Selbst niemals die Freiheit gestattet, sich zu kalter und ruhiger, Betrachtung des Fremden abzufinden, und die daher zu glauben genötigt sind, es gebe nur eine einzige mögliche Weise als gebildeter Mensch zu bestehen, und dies sei jedesmal die, welche in diesem Zeitpunkte geradeihnen irgend- ein Zufallangeivorsen: alle übrigen Menschen in der Welt hatten keine andere Bestimniung, denn also zu werden. wie sie sind, und sie hätten ihnen den größten Tank abzu- statten, wenn sie die Mühe über sich nehmen wollten, sie also zu bilden... selbst die Gestalten der vollendeten Vorwelt ge- fallen ihnen nicht, bis sie dieselben in ihr Gewand gehüllt haben, und sie würden, wenn sie könnten, dieselben aus Gräbern aufwecken, um sie nach ihrer Weise zu erziehen." Der Hohn ist scharf und schneidend genug. Dennoch hat er nicht verhindert, daß die„echtprenßischen" Männer, die der Wissenschaft wie die der geschwollenen patriotischen Phrase, selbst an der knorrigen Gestalt Fichtes ihre Schneiderkünste versucht haben. Nur gelingt es ihnen nicht, den mächtigen Gliederbau dieses Recken mit ihren verhüllenden Gewändern zu verbergen-. Und als ob Fichte die lächerliche Karikatur einer Er- zichung zur Wehrhaftigkeit vorausgesehen hätte, wie sie in der bürgerlichen Jugendbewegung, besonders im Jungdeutschland- bund ihr Unwesen treibt, zeichnet er die Umrisse eines wirk- lichen Volksheeres, wie es die Sozialdemokratie anstrebt:„Bis jetzt ist der bei weitem größte Teil der Einkünfte des Staats auf die Unterhaltung stehender Heere verwendet worden... Dagegen würde der Staat, der die von uns vorgeschlagene Nationalerziehnng allgemein einführte, von dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachgewachsenen Jugend durch sie hindurch gegangen wäre, gar keines besonderen Heeres bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen." Aber nicht von oben her kann die Befreiung des Volkes, seine Veredlung, die„beseligende Bildung", die„wahre Frei- hcit" kommen. Laut und vernehmlich spricht Fichte ans, daß „alle Fortentwickelung der Menschheit in der deutschen Nation vom Volke ausgegangen, und daß an dieses immer zuerst die großen Nationalang�legenheiten gebracht, und von ihm besorgt und weiter befördert werden", lind so sieht er voraus, daß, wenn die Schichten, an die er sich mit seinen Reden in erster Linie wendet, versagen sollten, das Volk„nach kurzer Zeit ohne alle Beihilfe sich selbst werde helfen könne n". In der modernen Arbeiterbewegung, im Klassenkamps des Proletariats hat diese Weissagung Fichtes eine glänzende Er- füllung gefunden. Heute vor hundert Jahren starb der kühne Denker und 5lä>npser. mittelbar als ein Opfer seiner tätigen Mithilfe im Besreiungskampfe des deutschen Volkes. Sein Geist aber lebt mitten unter uns! Möreas Scheu. Heute feiert Andreas Scheu seinen 70. Geburtstag. Ten Genossen ist er vor allem als Dichter vieler hinreißender Freiheitslieder bekannt. Aber dieser sozialistische Poet war zu- gleich in den Anfängen der Arbeiterbewegung einer ihrer erfolg- reichsten Förderer und unermüdlichsten Agitatoren. Andreas Scheu stand an der Wiege der österreichischen Ar» beiteichelvegung. Nach dem Zusammenbruch von 1866 setzte in Oesterreich eine liberalere Acra ein und das neu errungene Ver- eins- und Versammlungsrecht wurde sosort von der Arbeiterschast mit aller Krast ausgenützt. Als 1867 der Lassallcancr Ober- winder von Frankfurt nach Wien kam, fand er für seine Agi- tation einen günstigen Boden und einer der Ersten unter den Wiener Arbeitern, die sich ihm anschlössen, war der Zeichner und Modelleur Andreas Scheu, der bald in die erste Reihe trat. Da- nrals fühlten sich die österreichischen Arbeiter noch als Teil der deutschen Arbeiterbewegung und als die Eisenacher 1869 ihren Kongreß abhielten, waren unter den Delegierten auch Obcvwinder und Scheu. Oberwinder wurde neben Geib und Bebel ins Prä» sidium gewählt und Andreas Scheu war einer der Schriftführerl Die Teilnahme an dem Kongreß sollte aber für Scheu ver» hängnisvoll werden. Die große Straßendemonstration der Wiener Arbeiter am 13. September 1869 zur Erringung des KoalitionS» rechts, setzte die Bourgeoisie in Schrecken. Den hervorragendsten Genossen wurde ein Hochverratsprozeß gemacht. Ober» winder und Scheu wurden zu sechs und vier Jahren schweren Kerkers verurteilt, im nächsten Jahre aber von dem neuen Mi» nisterium amnestiert, nachdem sie etwa zehn Monate abgesessen hatten. In die Freiheit zurückgekehrt widmete Scheu seine ganze Kraft ausschließlich der Partei. Mit Oberwinder zusammen rc- digierte er den„Volkswillen" und entfaltete daneben eine uner- müdliche agitatorische Tätigkeit. Die schwere Krise von 1873 schwächte aber die österreichische Parteibewegung außerordentlich. Sic bereitete— und'das wirkte am verhängnisvollsten nach— zugleich den Boden für innere Zwistigkeiten. Eine opportunistische Richtung unter Führung Obevwinders trat für ein Zusammen» gehen mit den Liberalen ein, während die Befürworter einer un- abhängigen Arbeiterpolitik in Andreas Scheu ihren Wortführer fanden. Der Zwist endete mit völliger Spaltung, Andreas Scheu verließ den„Volkswillen" und gründete die„Gleichheit". Im Kampf der beiden Richtungen unterlag schließlich Oberwinder, der dann völlig die Partei verließ. Andreas Scheu aber, von den Behörden unaufhörlich verfolgt, konnte in seinem Berus nirgends Arbeit finden. Als er im Sommer aus einer AgitationLrcise verhastet und als erivcrbs- und besitzloser Vagabund aus den Schub gebracht worden war, mußte er Oesterreich verlassen üud ging nach England. Als das So- zialistengcsctz 1878 über Deutschland verhängt worden war und Most in London vom Januar 1879 an die„Freiheit" herausgab, wurde Scheu ein eifriger Mitarbeiter, bis sich Most immer mehr zum Anarchisten wandelte und so Scheu eine lveitere Mitarbeiter- schast unmöglich machte. Das ließ aber Scheu nicht auf sozia- listische Betätigung verzichten. Als 1881 in der„Demoeratic Fö» deration" eine neue sozialistische Organisation von Bclsort Bax, Hhndman, William Morris, Onclch und anderen gegründet wurde, war bald Scheu einer ihrer tätigsten Mitglieder und leistete er- folgrciche Arbeit, um deutsches sozialistisches Denken den eng- lischen Arbeitern näherzubringen. So hat Andreas Scheu in drei Ländern für den SozialisiiniZ gekämpft, seit 16 Jahren für die Sozialdemokratie geworben und sich zu ihr begeistert bekannt. Und diese Begeisterung strömt auch aus seinen Liedern, die sein Bruder Joseph in Musik gesetzt hat. Seine Mailicdcr namentlich werden auch heute noch viel gesungen. Daneben übersetzte Scheu auch die Chartistenlieder ans dem eng- lischen ins deutsche und schrieb eine Anzahl von Novellen und dramatischen Arbeiten. Erst in den letzten Jahren hat er sich von propagandistischer Tätigkeit zurückgezogen und verlebt den Abend seines Lebens in Weimar. Wir senden ihm unsere herz- lichen Glückwünsche, ihm, der fast fünf Jahrzehnte lang gestrebt hat. Nach einem Leben ohne List und Tücken, zu einem Dasein ohne Not und Zwang. wo weder Furcht noch Sorge uns bedrücken und frei sich sättigt unsres Wesens Draiig: Der Drang, einander liebend zu beglücken in Werk und Spiel- in Tat und Lustgesang— zu einem Leben, das lvir stündlich krönen im Tun des Guten— im Genuß des Schönen. Rom unö Sie christlichen Gewerkschaften. Di»„Köln. Volkszeitung" veröffentlichte am letzten Mitt- wach an der Spitze ihrer Nr. öl einen kurzen„Zur Stet- I u n g d e s E p i f k a p a t s i m G e w e r k f ck a f t s st r c i t" iiberschriebenen Artikel, in dem dargelegt wurde, daß die deut- scheu Bischöfe keineswegs, wie vielfach behauptet werde, an die christlichen Gewerkschaften nur unklare Anforderungen gestellt und auch von den Gewerkschastssührcrn nur mibe- friedigende Antworten erlangt hätten. Denn die am 2. März 1912 in einer großen Versammlung zu Köln von dem Generalsekretär Stegerwald namens des Generalvorstandes der christlichen Gewerkschaften abgegebene Erklärung sei als eine t a t s ä ch l i ch e. w c n n a u ch n i ch t f 0 r m a I c, Unterwerfung der christlichen Gewerkschaften unter die Enzyklika „Liugulari quadam" zu betrachten. Wörtlich heißt es am Schluß des Artikels: „Es gibt nun viele Kritiker, die nicht unterscheiden können zwischen formaler Unterwerfung der interkonfessionellen Or- ganisation unter die päpstliche Enzyklika LinZuler! und zwischen tatsächlicher, die religiösen Pflichten der katholischen Of ganisativlisniitylieder respektierenden freiwilliger Er- Närung. Solche Kritiker hätten doch wahrhaftig Grund, bescheidener aufzutreten und nicht eine Sprache zu führen, als seien die Bischöfe stumme urteilslose Zuschauer. Die Bischöfe ' erfüllen ausnahmslos mit heiliger Treue alle Borschriften des Heiligen Stuhles, sind aber auch zugleich bestrebt, daß diese Erfüllung umfichtiger, dem Gemeinwohl nützender Weise geschehe." Der Artikel ist zweifellos eine nachträglich Tcmentierung deZ im 5tölner Gelverkschaftöstreit gefällten Urteils und be- stätigt bis ins einzelne die Richtigkeit unserer am 24. Dezember v. I. an diesem Urteil geübten Kritik, denn wir führten schon damals aus: ..Daß die Herren Stegerwald und Genossen dem hohen Klerus in irgendeiner Form eine schriftliche Unterwerfuugser- klärung abgegeben oder sich feierlichst in einer privaten Unter- Haltung mündlich zu einer solchen Unterwerfung verpflichtet haben, war von vornherein ganz untvahrscheinlich und in An- bctracht deö geheimen Eharakter» solcher Akte in keinem Fall zu erweisen. Die Frage ist vielmehr, inwiefern läßt sich ans dem Bcr- • halten der Gewerkschaftsführer seit der Verkündigung der Enzyklika und vor allem ans der Stellung des Klerus zu den christlichen Gewerkschaften schließen, daß eine Unterwerfung oder, sagen wir lieber, eine Unterordnung der christlichen GeWerk- fchaftsleiter unter die Forderungen und Bedingungeri der päpst- ljchen Enzyklika erfolgt ist. Und in diesem Punkt kann man nur dem Zeugen Dr. Kaufmannn beistimmen: die einfache Tatsache, daß der Episkopat trotz der päpst- lichen Aufforderung zur Ueberlvachung der christlichen Gewerkschaften bisher keinen An- laß zum Eingreifen gesunden hat, beweist an sich schon zur Genüge, daß die Gewerkschafts- führer sich, wenn auch vielleicht nicht formell, so doch tatsächlich den von Rom ge st eilten Be- dingungen gefügt habem Bekennen sich doch auch alle diese Herren fast ostentativ als gute Söhne der kalhotischen Kirche, und diese Kirche lehrt und fordert, daß in allen Fragen, die die Moral und das öffentliche sittliche Leben betreffen— und hierzu gehört nach der katholischen Kirchen- lehre auch die gewerkschaftliche Tätigkeit—, der Katholik sich unbedingt der Anweisung der höheren Geistlich- kcit zu unterwerfen habe..." Trotz dieser Uebereinsffmniung deS Artikels der„Köln. Bolkszeitung" mit unserer Urteilskritik haben wir auf eine Wiedergabe der Ausführungen des Kölner ultramontanen Blattes verzichtet, da der aus der Korrespondenz des katholi- scheu Volksvereins entnommene Artikel lediglich von einem gewöhnlichen Mitarbeiter dieser Korrespondenz herzurühren schien. Ini Zusammenhang rnit dem gestern von uns mit- geteilten Brief des Kardinals Kopp an den Grafen von Appersdorf und der Meldung der hhperkatholiichen„Köln. . Korrespondenz", der betreffende Artikel der„Köln. Volks- zeitung" entstamme einer„Teitc", die dem er z- bischöf lichen Stuhl in 5�0 ln nahe stände, er- hält der Inhalt dieser Aeußernng des Bachenffchen Blattes aber eine ganz andere, größere Bedeutung. Stammt tatsächlich der Artikel aus dem erzbischöflicheu Palais, dann besagt er nichts anderes, las daß man dort Wert darauf legt, sich gegen knc Behauptung zu verwahren, als erfülle man nicht.Mit hiliger Treue alle Vorschriften des Heiliaen Stuhls" und . sähe den Leitern der christlichen Gewerkschaften nicht scharf aenug auf die Finger/ Zugleich aber bedeutet der Artikel in diesem Falle die Bekanntgabe, daß auch der Kölner Erz- bischof seine schützende Hand von den christ- lichen Gewerkschaften abziehen werde, wenn diese nicht baldigst bessere Garantren ihrer völligen Unter- ' wersnng unter die Befehle Roms böten. Wie wir schon vor einigen Wochen meldeten, ist man . nämlich in Rom indigniert über die milde Auslegung der Enzyklika„kvingnlari quadam" durch manche preußischen Bischösc und trägt sich dort sogar mit der Absicht, eine Art Ergänzung der Enzyklika folgen zu lassen, die die christlichen Gewerkschaften noch tiefer niederzwingt. Das wissen auch die Herren Kopp und� v. Hartmann sehr genau, und um sich als unterwürfige Diener des Heiligen Stuhles zu erweisen, rücken sie noch um einige Schritte weiter von den christlichen Gewerkschaften ab als bisher.< Auch die„Kölner Korrespondenz" scheint diese Verstim- mung in Rom selir genau zu kennen, ioenn sie zum Schluß ihres Artikels schreibt: „Wir sind auch unsererseits der„kirchlichen Seite" dankbar für die Ztechtfertigung, die sie, wenn auch viel- leicht unfreiwillig, so doch tatsächlich der Kölner Korre- spondcnz zuteil werden läßt. Wir wären auch der„Kölnischen Volkszeitung" dankbar, wenn sie bei Aufnahme jener Recht- fertigung nicht ein so saueres Gesicht gemacht hätte. Sie wird uns ja noch oft Recht geben müssen. Xous v e r r o n sl" Dos klingt reckst verheißungsvoll. Sollte der neue Erlaß gegen die christlichen Gewerkschaften b e r c i t s i n R o m f c r t i g s e i n? Revolutionsfeier in Rußland. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Der Gedenktag des Blutsonutags des Jahres 1905, an dem die Gewehrsalvcn vor dem Winterpalais der russischen Arbeiterklasse die revoluiionürc Feuertaufe gaben, ist in diesem Jahre noch eindrucks- voller gefeiert worden, als selbst im vorigen Jahre, lieber 170 000 Arbeiter haben nach mäßiger Schätzung in Petersburg allein gestreikt, hierzu kommen noch ungefähr ebensoviel aus der Provinz, namentlich aus den Ostseeprovinzen, in denen die revolutionäre Maffcnbewegung mit der Petersburger Schritt hält. Welch einen gewaltigen Fortschritt bedeutet diese Kundgebung selbst im Vcr- gleich mit dem Revolntionsjahr 1905, ganz zu schweigen von den nachfolgenden Jahren der schlimmsten Reaktion! Damals, am 22. Januar 1905, führte ein demagogischer Pope, gefördert von der Regierung, die Massen der Petersburger Arbeiterbevölkerung mit Zarenporträts und Heiligenbildern vor das Winterpalais, um dem Zaren eine Petition zu überreichen, und nur der Druck der sozial- demokratischen Avantgarde der Arbeiterschaft hatte es vermocht, in diese Petition sozialdemokratische Forderungen hincinzusetzen und so das Unternehmen des demagogischen Popen in eine Waffe der revolutionären Aufklärung der Arbeiterklaß'e zu verwandeln. Und jetzt? Jetzt bedarf es keiner künstlichen Mittel, um das Peters- burger Proletariat in eine Kampfstellung hineinzubringen. Tief wurzelt in seinem Bewußtsein der unversöhnliche Haß zu dem be- stehenden Regime; in den Schlachten der Revolution und noch mehr in den düsteren Jahren der Gegenrevolution hat es sein Klassen- bcwußtsein gefestigt, seine politische Einsicht, seinen Kampfcsmut gestählt, und wo nur die Gelegenheit sich bietet, zertrümmert es in jugendlichem Elan die Schranken des Polizcistaales und dcmon- striert kühn, alle sonstigen Berechnungen außer acht lassend, für das Andenken der gefallenen Brüder, für den Aufstieg zur neuen Revolution. Schon mehrere Tage vor dem 22. Januar machte sich, wie stets vor einem bedeutsamen Tag, eine intenstve-�Tätigkeit der Polizei und der Gendarmerie bemerkbar. Die Haussuchungen und Verhaftungen verhindert ei; es aber, doch nicht, daß die Fa- briken und Werkstätten mit Aufrufen der beiden Richtungen der sozialdemokratischen Partei und der Sozialrevolutionäre übersät waren, in denen die Arbeiter aufgefordert wurden, am 22. Januar die Arbeit niederzulegen. Am Abend des 21. Januar fanden in einer Anzahl Fabriken(Baltische Fabrik, Stary AiwaS, Geißler, Promet, Pntllow- Werke u. a.) große Meetings statt, auf denen der Streik beschlossen wurde. An demselben Tage fand in der Kanzlei des Stadthauptmanns eine Beratung der Polizeigcwaltigen der Hauptstadt statt, auf der festgestellt wurde, daß die Polizei allein nicht imstande sein würde, etwaigen Demonstrationen vorzubeugen. Heöanken über Militarismus, volkswehe unö Krieg. (1793—1*13.) Von I. G. Fichte. Der Zweck des Krieges. Der Zweck eines Kriegszuges ist gar nicht der, zu töten, sondern nur der, die Bewaffneten, die den Bürger und sein Land � bedecken, zu vertreiben und zu entwaffnen. Im Handgemenge, ■ wo Mann an Mann gerät, tötet einer seinen Gegner, uin nicht -Won ihm getötet zu werdeti; zu folge seines eigenen Rechts der Selbsterhaltung, nicht aber zufolge eines ihm von seinem Staate verliehenen Rechts, totzuschlagen; toelchcS derselbe nicht hat, und folglich auch nicht verleihen kann.... DaS einzige in unserer . neueren Kriegskunst, was schlechthin rechtswidrig ist, sind die /Scharfschützen, die im Dickicht auflauern, und kaltblütig und selbst .gesichert, nach dem Menschen zielen, wie nach einer Scheibe. Bei ihm ist der Mord Zweck. Grundlage des ZlaturrechtS. 1797. Schiedsgericht, Völkerbund und ewiger Friede. Die absolute Unmöglichkeit eines ungerechten Richterspruchs -des Völkerbundes ist doch noch nicht dargctan worden? Diese läßt sich nicht dartun: ebensowenig als im Staatsrechte sich die absolute ./Unmöglichkeit eines ungerechten Nichterfpruchs des versammelten Volks dartun ließ. Ss lange die reine Vernunft nicht in Person auf der Erde erscheint und das Richteramt übernimmt, muß immer ein höchster Richter sein, der, weil er denn doch endlich ist, sich irren oder einen bösen Willen haben kann; die Aufgabe ist nur: / denjenigen zu finden, von dem dies am allcrivetngsten zu befürch- tcn ist; und daher ist, über das bürgerliche Lerhätlnis, die Ration; über das«taatsvcrhältnis, der beschriebene Völkerbund. Wie dieser Bund sich weiter verbreitet, und allmählich die ganze Erde umfaßt, tritt der ewige Friede ein: das einzige rechtmäßige Verhältnis der Staaten. Grundlage des Naturrcchts. 1797. Des Aken scheu grausamster Feind. Des Menschen grausamster Feind ist der Mensch. Noch durch- irren gesetzlose Horden von Wilden ungeheure Wüsteneien; sie begegnen sich in der Wüste, und werden einander zur festlichen Speise; oder, wo die Kultur die wilden Haufen endlich unter daS Gesetz zu Völkern vereinigte, greisen die Völker einander an mit „ der Macht, die ihnen die Vereinigung gab, und das Gesetz. Ten Mühseligkeiten und dem Mangel trotzend, durchziehen die Heere ...friedlich Wald und Feld; sie erblicken einander, und der Anblick von ihres Gleichen ist dxs Mordes Losung. Mit dem Höchsten, was der menschliche. Verstand ersonnen, ausgerüstet, durchschneiden die Kriegsflotten den Ozean; durch Sturm und Wellen hindurch drängen sich Menschen, um aus der einsamen, unwirtbaren Fläche Menschen zu suchen; sie finden sie, und trotzen der. Wut der Elemente, um mit eigener Hand sie zu vertilgen. Bestimmung des Menschen. 1800. Innere Freiheit und äußerer Frieden. Durch die Errichtung dieses einigen wahren Staates, diese feste Begründung des innerlichen Friedens, ist zugleich der aus- wärtige Krieg, wenigstens mit wahren Staaten, seiner Möglichkeit nach abgeschnitten. Schon um seines eigenen Borteils willen» schon um in seinem eigenen Bürger keinen Gedanken an Unrecht, Raub und Gewalttätigkeit aufkommen, und ihm keine Möglichkeit des Gewinnes übrig zu lassen, außer durch Fleiß und Arbeitsam- keit in der vom Gesetze angewiesenen Spbäre, muß jeder Staat die Verletzung eines Bürgers des benachbarten Staates ebenso streng verbieten, so sorgfältig verhindern, so genau ersetzen lassen, und so hart bestrafen, als ob sie an dem eigenen Mitbürger aus? geübt wäre. Dieses Gesetz über die Sicherheit der Nachbarn ist iwlivendiges Gesetz jedes Staates, der lein Räubcrstaat ist. Und hierdurch ist dann die Möglichkeit jeder gerechten Klage eines Staates gegen den anderen, und jeder Fall der Notwehr unter den Völkern völlig aufgehoben. Es gibt nicht notwendig und fort- dauernd unmittelbarc Verhältnisse der Staaten, als solcher, zueinander, über die sie in Streit geraten könnten; es gibt in der Regel nur Beziehung der einzelnen Mitbürger eines Staates auf die einzelnen Mitbürger des anderen; nur in der Person eines seiner Bürger könnte ein Staat verletzt werden; aber diese Vcr« letzung wird auf der Stelle ersetzt, und so der beleidigte Staat befriedigt.—— Es gibt zwischen solchen«taalcn keinen Rang, der da beleidigt, keinen Ehrgeiz, der da verletzt werden könnte; zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates ist kein Beamter bevollmächtigt, noch kann er dazu versucht werden, indem ihm für seine Person nicht der geringste Vorteil aus einem solchen Einflüsse entstehen könnte. Daß eine ganze Nation be- schließen solle, des Raubes halber ein benachbartes Land mit Krieg zu überziehen, ist unmöglich, indem in einem Staate, in welchem alle gleich sind, der Raub nicht die Beute einiger weniger werden, sondern unter alle sich gleich verteilen müßte, dieser Anteil deS einzelnen aber ihm niemmermcbr die Mühe des Krieges lohnen würde. Nur da, wo der Borteil den wenigen Unterdrückern zu- teil wird, der Nachteil aber, die Mühe, die Kosten auf dos zahllose Heer der Sklaven fällt, ist ein Raubkrieg möglich und begreiflich.— Nicht von Staaten ihresgleichen tonnten diese Staaten Krieg zu befürchten haben; lediglich von Wilden, oder Barbaren, die di» Ungeschicklichkeit, durch Arbeit sich zu bereichern, zum Raube reizte, oder von Sklavenvölkern, die durch ihre Herren auf einen Raub ausgetrieben würden, von welchem sie selbst nie etwas genießen werden. Gegen die ersteren ist ohne Zweifel schon jeder einzelne Staat durch die Künste der Kultur der stärkere; gegen die letzteren durch Verbindung sich zu stärken, heischt der gemeinsame Vorteil aller. Kein freier Staat kann Verfassungen, deren Oberherren Vorteile davon haben, wann sie benachbarte Völker unterjochen, und die daher durch ihr bloßes Dasein die Ruhe der Nachbarn un° aufhörlich bedrohen, vernünftigerweise neben sich dulden; die Sorge Es wurde deshalb beschlossen, die Kosaken und die Gendarmerie zur Unterstützung heranzuziehen. Schon in der Nacht zum 22. Januar wurden die Arbeiterviertel mit Polizcimannschartcn zu Fuß und zu Pferde überschwemmt. Der Prcobrashensti-Fricdhof, auf dem die Opfer des BlutsonntagS beerdigt find, wurde von starken Kosakenabteilungen umzingelt. Am Morgen des 22. Januar wurden alle Zugänge zu der inneren Stadt von Polizei und Kosaken besetzt gehalten. Indessen vcr- mochten alle Maßnahmen der Polizei weder den Streik zu vorhin- dern. noch der Uebcrflutung der inneren Stadt von streikenden Ar- bcitern vorzubeugen. Auf den meisten Fabriken gingen die Ar- beitcr, ohne die Arbeit begonnen zu habe», unter Absingen rcvo- lutionärer Lieder auseinander. In den Arbeitervierteln nahmen die Demonstrationen auf den Straßen zuweilen ganz gewaltige Dimensionen an. Polizei, Gendarmeric und Kosakeü trieben die Demonstranten auseinander, die sich aber immer wieder vcr- sammelten und bis spät abends aus den Straßen manifestierten. Ein interessantes Bild bot wie immer der Ncwsky-Prospekt, die Prachtstraße der Residenz. Schon vom frühen Morgen war der Newsky in ein wahres Kriegslager vcrtoandelt worden. Trotz aller Hemmnisse sammelten sich zahlreiche Arbeiter in der inneren Stadt an, um auf dem Newsky zu demonstrieren. Die Polizei drängte fic immer wieder in die Seitenstraßen zurück, es kam aber doch im Laufe des Tages zu einigen Dt a n i f e st a t i o n s v e r- suchen, von denen einer, an der Ecke des Newsky- und des Wladi- misky-Prospekts, einen großen Umfang annahm. Tie Polizei drängte die Demonstranten zurück, indessen brach der Gesang nicht ab, vielmehr gruppierten sich die Manifestanten in der Mitte' des Fahrdammes und rollten eine rote Fahne auf. Ein Trupp Schutzleute stürzte sich mit blanker Waffe auf die Demonstranten und trieb sie mit wütenden Schlägen auseinander. Erst gegen Abend vermochte die Polizei die„Ordnung" auf dem Newsky wieder herzustellen. Einen ähnlichen Umfang wie in Petersburg nahm die Rcvo- lutionsfeier in Riga an. Es streikten hier am 22. Januar über 80 000 Arbeiter, oder fast sämtliche Fabrikarbeiter. In den Vor- orten wurden von den Arbeitern rote Fahnen gehißt. Es kam im Laufe des Tages zu drei Demonstrationen auf den Straßen. An der einen, die neben der Fabrik Salamander stattfand, nahmen 1000 Personen teil. Eindrucksvoller Ivar die Demonstration neben der Waggonfabrik„Phönix", an der 5000 Arbeiter teilnahmen. Weitere Streiks und Manifestationen werden gemeldet aus Moskau, wo 30 Betriebe mit zirka 10 000 Arbeitern streikten, aus Kiew, Nikolajew, Tloer und Warschau. politische Uebersicht. Gc.qcn die Ticnstbotcnvcrsichcrung. Das Drciklasscnparlament hat am Monlag die Etatsberatung unterbrochen, da die Mehrheit das dringende Bedürfnis fühlte, Proben ihres anüsozialen Geistes vor der Oeffentlichkeit abzulegen. Zuerst viele Tage auf die Propaganda für höhere Lebensmittel ver» wenden und dann nach dem siegreichen Abschluß dieser Campagne gegen die ReisbSverstchrrungSsrdnung, vor allpnr. gegen die Dienst- botenversicherung vom t.'eder zu ziehen, das paßt so.ganz in das Programm dreier reaklionären Gesellichafr, Anlaß zu der Debatte gab die von dem fteikoniervalioen Abg. Dr. W a g n er- Breslau begründete Interpellation, die an die Re« gierung die Anfrage richtet, was sie zur Abhilfe der bei der Dienst« botenversicherung in OrlSkrankenkassen hervorgelretenen Mißstände zu tun gedenke. An sich mag der Wortlaut der Interpellation vielleicht harmlos erscheinen, aber worauf eS den Interpellanten ankommt, das wußte man schon vorher auS ihrer Presse und noch deutlicher ging das aus der Diskussion hervor: Ueberall Errichtung be« sonderer Land Iranlenkasien, damit möglichst wentg für die Dienst« boten geschieht, und völlige Vernichtung der Selbstverwalluiig, so lveit die Arbeiter dadurch Vorteile erlangen. für ihre eigene Sicherheit nötigt alle freien Staaten, alles um sich herum gleichfalls in freie toiaatcu umzuschaffen, und so um ihres eigenen Wohles willen das Reich der Kultur über die Wilden, das der Freiheit über die Sklavcnvolkcr rund um sich herum zu ver« breiten. Bestimmung des Menschen. 1800. Nationalhaß. Da die Stücke, in welche die moderne europäische Republik sich zerteilt bat, nicht mit Ueberlegung und nach Begriffen, sondern durch das blinde Ohngefähr bestimmt worden, so würde sich, auch wenn man historisch hierüber nichts wüßte, schon aus der Natne der Sache vermuten lasse», daß die entstehenden Cstaatcn ihre natür» lichen Grenzen nicht erhalten haben dürften, sondern daß hier in dem llmfangc, den die Natur zu einem Staate bestimmte, zwei Hcrrschcrfaiinlien nebeneinander jede ihren Staat zu bilden strebe, dort eine andere mit ihren Besitzungen über abgetrennte und gc- schiedcnc Grenzen sich ausdehne. Was hieraus folgen werde, läßt sich ebensogut absehen. Die Regierungen werden dunkel fühlen, daß ihnen etwas fehle, wenn sie auch nicht deutlich einschen, was dieses Fehlende eigentlich sei. Sie werden von der Notwendigkeit, sich zu arrondieren, reden; werden beteuern, daß sie um ihrer übrigen Länder willen diese fruchtbare Provinz, diese Berg- und Salzwerke nicht missen können, indem sie dabei immer dunkel auf die Erwerbung ihrer natürlichen Grenzen ausgehen. Blinde und unbestimmte, oder auch wohl hellsehende und sehr bestimmte Eroberungssucht wird alle treiben; und so werden sie sich unaufhörlich im Zustande des mittelbaren oder unmittelbaren, des wirklich erklärten oder sich nur vorbereitenden Krieges befinden. Staaten, welche eigentlich nur einer fein sollten, und ganz oder zum Teile innerhalb derselben natürlicbcn Grenzen liegen, stehen in natürlichem Kriege; nickt eigentlich die Völker;-- denn diesen, wenn sie nur vereinigt werden, kann es ganz gleichgültig sein, unter welchem Namen und welcher Hcrrschcrfamilie dies geschehe,-- tvohl aoer die Herrscher- familien. Diese haben ein durchaus entgegengesetztes Interesse, welches, den Völkern mitgeteilt, Nationalhaß wird. Der geschlossene Handelsstaat. 1800. Jugenderziehung und Volkswehr. Bis jetzt ist der bei weitem größte Teil der Einkünfte de? Staates auf die Unterlfaltung stehender Heere verwendet worden. De» Erfolg dieser Verivendung haben wir gesehen---- Dagegen würde der«taat, der die von uns vorgeschlagene National- erziebnng allgemein einführte, von dem Augenblicke an, da crn Geschlecht der nachgewachsenen Jugend durch sie hindurch gegangen wäre, gar keines besonderen Heere» bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen. Jeder einzelne ist zu jedem möglichen Gebrauche seiner körperlichen Kraft voll- kommen geübt, und begreift sie auf der Stelle, zur Ertragung jeder Anstrengung und Mühseligkeit gewöhnt, sein in unmittelbarer Anschauung autgcwachsener Geist ist immer gegenwärtig und bei sich selbst, in seinem Gcmüte lebt dir Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, deö Staates und des Vaterlandes, und vernichtet jede andere selbstische Regung. Der Staat kann sie rufen und Leider besah der HandclZministcr Dr. S h d o Iv nicht den Mut, diesem antisozialen Verlangen den notigen Widerstand zu leisten. Zwar gab er selbst zu, das; die Reichsversicherungsordnung sich erst ' einleben uinh und daß die Frage der Errichtung von Landiranken- lassen nach lokalen Bedürsnisscn zu beurteilen sei, aber trotzdem er- klärte er sich bereit, die Oberversicherungsämter zu veranlassen, daß sie ihre Genehmigungen zur Nichrerrichtunz von Landkrankenkasien zurücknehmen. Natürlich nicht in allen Fällen, aber doch oft genug werden wir nun zum Schaden der Versicherten mit unzulänglichen Landkrankenkassen beglückt werden. Dah Herr Sydow daneben auch ein paar Worte über die sozialdemokratische Agitation in den Krankenkassen einsliehen lieh, versteht sich von selbst. Dafür ist er preuhischer Minister. Mit der Rede des Ministers erklärte sich immens der Jnter- Pellanten in seinem Schiuhivort Abg. Dr. Arendt ebenso befriedigt wie mit dem Verlauf der Debatte. In der Tat hat er dazu alle Ursache, denn wenn auch die übrigen bürgerlichen Diskussionsredner nicht so plump gegen die Sozialdemokratie wüteten wie Herr Dr. Hahn, so war doch auch aus ihren Ausführungen zu ent- nehmen, dah es ihnen weniger auf den Schutz der Dienstboten als auf die Bekämpfung der Sozialdemokratie ankommt.' Unserem Genossen Braun fiel es nicht schwer, die Angriffe auf unsere Partei zurück, uwctscn und für eine wirklich grohzügige Sozialpolitik eine Lanze zu brechen� Den angeblichen Mihständen in unter sozial- demokratischer Leitung stehenden Krankenkassen gegenüber komtle er zum Aerger der Mehrheit die Mihwirtichaft stt den Berufsgenossenschaften ausspielen; mit warmen Worten befürwortete er die best- möglichste Durchführung der Dienstbotenversicherung und forderte den Minister auf, sich die Tinge einmal ausgestalten zu laffen; er werde dann sehen, dah keine Notwendigkeit zum Einschreiten vorliegt. Am Mittwoch wird die EtatSberatrmg fortgesetzt. Noch ein echtprachtschev Mann. Zu den lautesten Schreiern des reaktionären„Preußen- bttndes" gehört auch Generalleutnant a. D. v. W r o ch e m. Hat sich dieser Herr doch unterfangen, den Reichstag als eine „höchst gemischte Gesellschaft" zu bezeichnen und ihm Dreistheit und Unverschämtheit vorzuwerfen. Von diesem ostpreußischen Kriegsmanne nun erzählt die ultramontane„Märkische Volkszeitung", der Ableger der „Germania", ein höchst pikantes Geschichtchen aus der Zeit, als er, dantals noch Major, in Deutsch-Ostafrika den Gouverneur v. Scheele vertrat. Neben anderweitigen ebenbürtigen Reformen habe Major V. Wrochem auch einen Grüßerlaß verbrochen, durch den nicht nur die Eingeborenen, sondern auch Griechen und Italiener zum ehrerbietigen Gruße des stellvertretenden Herrn Gouverneurs gezwungen werden sollten. Auf diplo- matischc Beschwerde der betreffenden Mächte habe man von Berlin aus dem Verfasser des Erlasses zum Berichte auf- gefordert. Ueber das weitere berichtet dann die„Märkische Volkszeitung" wörtlich: „Herr v. Wrochem, der nun sah, dah er sich hineingeritten und seine Befugnisse überschritten hatte, griff jetzt zu einem eigenartigen Mittel, um einen Ausweg aus der für ihn sehr peinlichen Situation zu erhallen: Er nahm zunächst an seinem eigenen Manuskript eine„Verbesserung" durch Hinzufügen einiger Worte und Umstellung der Interpunktion vor, dann aber begab er sich . nach dem Bureau des BezirlSamtps. Dar.es Saiam s.r ü h vor > tj jlh r. lieh sich die Tür aufichllche«, entnahm feinen E r läh uub setzte''.diesem einen den t n sehr erheblich ver- ä n d c r n d e n Z u s a tz hinzu.'IN seinem Bericht las man dann, dah die bedauerlichen Folgen seiner Beifügung lediglich dem Bezirksamtmann, Hauptmann Scharner. zuzuschretben seien, da er diesem keinen Befehl, sondern lediglich„Direktiven zur entsprechenden V c r.ö f f entlich u n g" habe zugehen lassen. Die vier Dezernenteit, die den Zusammenhang sehr bald ent- deckten/ stellten Wrochem zur Rede. Er gab sein Ehrenwort, dah er den nachträglichen Zusatz in seinem eigenen Manuskript ledig- lich mechanisch und als Stilverbesserung vollführt Kabe. Vielleicht hätte man das geglaubt, aber nun entdeckte unter die Waffen stellen, so bald er will, und kann sicher sein, dah kein Feind sie schlägt. Reden an die deutsche Nation. 11. Rede. 1808. St ehe ti de Heere. Diese...Bevölkerung, sowie alles Geld, dessen man nie zuviel bekommen konnte, flössen nun zusammen itt den ungeheuren Schlund der stehenden Heere, die nie groh genug sein konnten, und die zu keiner anderen Ausgabe etwas übrig liehen. Die Weisheit dieser Verwendung des Geldes läßt sich daraus absehen, dah, wenn nun etn Staat so manches Jahrzehnt im tiefsten Frieden seine Armee in Sold, Kleidung und Bewaffnung unterhalten, und sie unablässig und emsig hatte regieren lassen, beim Ausbruch des ersten Krieges in der ersten Schlacht die Armee gänzlich zugrunde ging. Politische Fragmente aus den Jähren 1807 und 1813. Der höchste Mut. Um Mut zu zeigen, bedarf es nicht, dah man die Waffen er- greife; den weit höheren Mut, mit Verachtung des Urteils der Menge treu zu bleiben seiner Ücberzengung, mutet unS daS Leben oft genug au. Rede an die Studenten beim Ausbruch des Krieges 1813. Neue Welt. Der Krieger bildet keinen besonderen Stand, und kann im Reiche Gottes auf der Erde kein besonderer Stand werden, und zum Kriege werden, außer in besonderen Fällen,... die Menschen niemals willig sein... ES mühte darum, um die Zeit des ersten Durchbruchs des Reiches Gottes in einem christlichen Volke, der christliche Völkerverein in.der Lage gegeneinander sein, dah zwar die Bereitschaft zum Kriege fortdauerte, des wirklichen Krieges aber alle herzlich müde würden. In eine solche Epochx, wo bloß des inneren Zwanges Möglichkeit stattfände, mühte die erste dcut- liche Wahrnehmung eintreten, dah keiner mehr nötig sei, indem die Zwingenden und Regierenden ohne alle Beschäftigung blieben. Auf diese Weise tvird irgend einmal irgendwo im Retdte des Christentums die hergebrachte ZwangSregiernng allmählich einschlafen, weil sie durchaus nichts mehr zu tun findet... So wird der dcr- malige Zwangsstaat ohne alle Kwaftäußernng gegen ihn an seiner eigenen, durch die Zeit herbeigeführten Nichtigkeit ruhig absterben, und der letzte Erbe der Souveränität, falls ein solcher vorhanden, wird eintreten müssen in die allgemeine Gleichheit, sich der Volks- schule übergebend, und sehend, Ivas diese aus ihm zu machen vermag... DicS sage ich. wird eintreten, in einem Zwischenräume, da önherer Krieg und darum Zwang zu demselben nicht stattfindet. Wäre die Möglichkeit desselben in der Welt dennoch nicht gänzlich aufgehoben, und würde späterhin ein Volk, in welchem die Theo- kratie schon feste Wurzel gefaht, mit demselben überzogen, so ist keine Frage, ob nicht dieses Volk ebenso gegen den äußeren Feind stehen werde mit getneinschgstlicher Kraft, als Ein Mann, wie es gegen den inneren Feind die Natur, immerfort steht, und ob es nicht bei seiner überwiegenden Naturkenntnis, Kunstfertigkeit und gottbegcistetudcin Mute entschiedener Sieger fein werde. Staatslehre, Sommer 1813. Haupt Uta nn Scharner, veranlaßt durch den Dolmetscher Gölingcr, der Wrochem bei seinem Morgenbesuch in dem Bezirks- amtsbureau beobachtet hatte, die in seinen Akten vorgenommene Aenderung. Daraufhin schrieben die vier Dezernenten, von denen nur noch ein uns gut bekannter Herr lebt, dem stellvertretenden Herrn Gou- verneur Major v. Wrochem, er solle sofort seine Funk« tion niederlegen, da sie mit ihm nicht mehr arbeiten wollten.(Drei der Herren waren Reserveoffiziere.) Herr v. Wrochem hat dann in einer letzten Zusammenkunst mit dem Referenten noch versucht, den wilden Mann zu spielen, wobei ein die Lage außerordentlich komisch gestaltender Zwischenfall sich er- eignete, der den Charakter des Herrn vollends klärte, falls da noch Zweifel bestanden hätte. Major v. Wrochem befand sich be- reits im März 1894 wieder auf der Heimreise. Geschehen ist ihm nichtsl!l Wenn diese Darstellung richtig ist, hat Herr v. Wrochem allerdings alle Ursache, sich über die„höchst gemischte Gesell- schaft" des Reichstags moralisch erhaben zu fühlen! Ruhe ist des Bürgers Pflicht! Tie reaktionäre Presse ist mit dem Ausgang der Zabern- debatten insoweit ganz zufrieden, als das Mitztraucnsvotuin, das der Reichstag dem Reichskanzler ausgestellt hat, vergessen ist. Der edle Oktavio Freiherr v. Zedlitz und Neustrch höhnt daher auch in der„Post": „Somit hat der Reichstag in der Verhandlung vom gestrigen Tage selbst die Auffassung des Reichskanzlers bestätigt, dah das Mihbilligungsvotum vom"-!. Dezember v. I. ohne größere Bedeutung und daher mit Recht unbeachtet geblieben ist. Dieser Verlauf der Dinge wirft weiter aber auch ein scharfes Schlag. licht auf die ganze Einrichtung von Billigungs- oder Mitzbilli- gungsbeschlüssen im Anschluß an Interpellationen.... Statt einer Erweiterung seiner Macht hat der Reichstag mit der neuen Einrichtung bisher also nur«in klägliches Fiasko zu verzeichnen gehabt." Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Erfreulich war an dieser zweiten Zabertidebatte namentlich auch die Einmütigkeit der großen bürgerlichen Parteien darüber, dah in den Reichslanden Zustände herrschen, die nicht durch eine schlaffe Zügelführung, sondern nur durch eine stetige und feste Politik wieder ins rechte Gleis gebracht werden können. Als wichtigste Frage bleibt aber aus der Verhandlung vom Freitag das weitere Schicksal der KabinettSorder von 1820 übrig; und hier können wir uns nach wie vor einer ernsten Sorge nicht cm- schlagen." Das Blatt sieht die„kaiserliche Kommandogewalt" schwinden, und die Schaffung einheitlicher Bestimmungen für das ganze Reich macht ihr Sorge. Das ist nichts Neues. Die liberale Presse führt große Worte, die in diesen Blättern wenig realen Boden haben. So bemerkt die„Freist Ztg.": „Im übrigen bleibt es ein unvergängliches Verdienst des Reichstages, dah er in der Besprechung der Zabernaffäre in- mitten des wüsten Treibens der Junker und Militärs dem Volke gezeigt hat, dah es an ihm, soweit es in seiner Macht liegt, einen Halt hat gegen Unrecht und für Recht." Mit Recht bemerkt SaS„Berk. Tagcbl.", es sei leider noch sehr die Frage, ob die geforderten Garantien auch wirklich gemäß dem allgemeinen NechlSeiiipsinden deS Volkes � gewährt werden sollen. Darüber indessen müsse man sich klar sein, daß eine kleine Korrektur der gesetzlichen Bestimmungen über die mtlitärischen Rechte und Pflichten nicht ausreichen würde, um die sehr starke Er- reguug des Volkes über die Zaberner Vorgänge und ihre Äon- sequenzen hü beseitigen. Trotz dieser Einsicht linksliberaler Kreise versucht die fort. schrrttliche Roichstagssraktion, den Vorstoß gegen die Militär- kamarilla abzuschwächen. Die Abgg. Dr. Ablaß und Genossen haben zum sozialdemokratischen Antrag folgenden Abänderungs- antrag eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen, den Antrag Albrecht und Genossen wie folgt zu fassen: Ten Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den die Militärpcrsonen des aktiven Heeres und der aktiven Marine und die übrigen im § 1 der Militärstrafgerichtsordnung für das Deutsche Reich ge- nannten Personen der bürgerlichen Strafgerichtsbarkeit wegen derjenigen strafbaren Handlungen unterstellt werden, welche nicht militärische Verbrechen oder Vergehen sind." �ort mit dem Papierkorb des Bundesrats. Unendlich diel Zeit und Mühen des Reichstages sind letzten Endes zwecklos aufgewendet, wenn der Bundesrat die Beschlüsse des Reichstags unberücksichtigt läßt. DaS geschieht in reichem Mahe. Das Zentrum hat deshalb zum Haushalt des Reichsamts des Innern solgenden Antrag eingebracht: „Die Zusammenstellung der Entschliehungen deS Bundesrats der Budgetkommission zur Berickterstattung zu überweisen, was bezüglich der als nicht erledigt zu eraldtenden Be- schlllsse deS Reichstage».geschehen soll. Zu grundlegenden Aenderungen in dem den Reichstag so herab« setzenden Verhältnis wird sich das Zentrum nicht herbeilasiett. Der Autrag verspricht daher wenig Besserung auf diesem Gebiete. Tie strafende Gewalt in Zabern. Das offiziöse Wolffschc Depeschcnburcau d-mcntiert die Mel- dung, es seien in zwölf Fällen die von der Militärbehörde aus Anlaß der bekannten Vorgänge in Zabern eingereichten Siros- anzeigen gegen Zivilpersonen fallen gelassen und die schwebenden Verfahren eingestellt worden. In den aus Grund der militärischen Strafanzeigen gegen Zivilpersonen eingeleiteten Strafverfahren seien bisher Einstellungen nicht erfolgt. Diese Versahren seien bisher noch nicht erledigt worden, weil die zur Durchführung er- forderlichen und von der Militärbehörde erbetenen not- wendigen Unterlagen bei der Staatsanwaltschaft noch nicht ein- gegangen sind. Es handle sich dabei im ganzen um 33 Straf- anzeigen aus Anlaß der Strahenunruhen. In weiteren 27 Strafunter suchuitgett wegen der Strahenunruhen, die aus Anzeige der Polizei eingeleitet worden sind, sei Bestrafung eingetreten in 20 Fällen; in drei Fällen stehe die Bestrafung noch aus und in vier Fällen sei Einstellung erfolgt, weil sich eine straf- bare Handlung nicht hat nachweisen lassen. Also ist wieder einmal ein Beweis von der„Schlappheit" der Zivilbehörden in Zabern dahin. Das Fazit wird sein: Die Militärpersonen, die die Schuld am Fall Zabern tragen, bleiben straffrei, während die Zivilbevölkerung vielfach büßen muß. Ter Görlttzer Schwabenstreich. In der städtischen Lesehalle zu Görlitz wurden, wie wir bereit? berichteten, der„Vorwärts" und die„Görlitzer Vvlkszeitung" von den übrigen Zeitungen abgesondert; die beiden sozialdemokra- tischet, Parteiblätter erhielten den Ehrenplatz„neben dem Beamten- tisch". Diese Mahnahme �oll der Magistrat auf Betreiben des patriotischen Ingen dpflegevcrbandes veranlaßt haben,«ine Annahme, für die auch folgendes spricht: Am Freitag hatte in der Lesehalle ein junger Mann zum„Vorwärts" gegriffen. Bald trat aber die aufsichtsführende Dame an den.Borwärt»"» Leser heran und bat ihn um die Angabe seines Alters. Als die Forderung entrüstet zurückgewiesen wurde, erschien die Bibliotheka- ritt. Diese sah sich den Herrn näher an und entschuldigte sich mit dem Hinweis, der„Vorwärts" solle nicht in die Hände von jungen Leuten im Alter von unter 16 Jahren kommen. Der Mann hatte aber bereits ein schmuckes Bärtchcn und zählte 25 Lenze.— Nur zul Verbotene Früchte schmecken auch der Görlitzer Jugend süß Reichstagscrsatzwahl in Löbau-Rosenbcrg. Amtliches Wahlergebnis: Lei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Marienwerder 2 am 2l. Januar wurden 19 008 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt Landrat von Brünneck-Rosen- berg(Reichspartei) 11434, Gutsbesitzer Raszkowski-Krzeniniewo (Pole) 8140 Stimmen. Zersplittert waren 28 Stimmen. Gewählt ist somit v. Brünneck(Reichspartei). Lindenberg. Wir erhalten folgende Zuschrift: Gemäß ZU Preßgesetzes ersuche ich, Ihren Artikel„Auf Jagows Spuren" in der Nr. 23 dahin zu berichtigen, daß die angeblich mit dem Namen Lindcnberg unterzeichnete in der Kretiz-Zeitung abgedruckte Kundgebung betreffend daS Zaberner Zivilgericht und das preußische Gesetz vom 13. Febr. I8ö4 nicht von mir ausgegangen oder veranlaßt worden ist. Dr. Lindenberg Geheimer Oberjustizrat Senatspräsident bei dem Kammergericht. Die Art. wie die„Krcuz-Zcitung" die Zuschrift veröffeut- licht hat, mußte den Gedanken nahe legen, daß sie von dem Scnatspräsidenten herrühre. Merkwürdigerweise behauptet die„Kreuz-Zeitung" in ihrem Montagsabendblatt, selbst nicht zu wissen, ob wir recht haben, da ihr die Zuschrift ganz gewiß nur mit der Unterschrift Lindenberg zugegangen sei. Sic hält dies aber für unwahrscheinlich, weil das Schreiben nicht von Berlin datiert war, und stellt uns anHeim, welcher von den int preußischen Jnstizdienst tatigen Lindenbergs es sonst sein könnte. Die„Kreuz-Zeitung" selbst nimmt also gleichfalls an, daß die höchst merkwürdigen Ratschläge von einem hohen preußischen Justizbeantten ausgehen. Und das allein ist für uns das Wesentliche und nicht die Feststellung, ob etwa der Poststempel von Posen datiert war, was auf den Bruder des SenatSpräsidenten, den Oberlandes- gerichtspräsidenten Lindenbcrg in Posen deuten würde. Allerdings ist es sehr titerkwürdig, daß die„Kreuz- Zeitung" sowohl als auch der Berfasser der Zuschrift seine Stellung verbirgt. Vielleicht gibt die Erklärung für diesen Umstand gerade die Berichtigung des Herrn Senatspräsidenten. der offenbar seinen Namen mit solchen juristischen Ausführungen nich t in Verbindung gebracht wissen will. Ciprian! gewählt. Mailand, 25. Januar. Bei der Nachtvahl im sechsten Wahlkreise wurde der Sozialist Amilcare Cipriani mit 10 852 Stimmen gegen den Konstitu ti o na listen Pressi, der 0118 Stimmen erhielt, gewählt. Sobald die Wahl bekannt worden war, veranstalteten die So- zialisten große Manifestationen durch die Hauptstraßen der Stadt. Die Polizei mußte sich ins Mittel legen; viele Ver- Haftungen wurden vorgenommen. Ueberall wird die Wahl Et» prianis von den Sozialisten und.Republikanern festlich begangen. Ctpnam ist citvc der merlwürdigstcn Persönlichkeiten der Partei. Er nahm an allen Kriegen und Revolutionen regen Anteil. Cr kämpfte im Jahre 1859 gegen Oesterreich, 1870 gegen, die Deutschen und im Jahre 1897 gegen die Türken auf seilen der Griechen. Er ist schon mehrmals zu den verschiedensten Strafen verurteilt worden und befindet sich in der Verbannung in Paris. Die zahlreichen Verurteilungen, die Cipriam in Italien erfahren hat, verhindern seine Rückkehr. Die italienischen Sozialisten wollen nnü auf diese Weise die Regierung zwingen, ihn wieder nach Italien zurückzulassen. � tzollanü. Das Kabinett und der Militarismus. Das Kabinett hat am Sonnabend zum ersten Male eine beut- liche Mahnung erhalten, daß seine militaristische Richtung stch nicht mit seinen sonstigen demokratischen Absichten verträgt. Bei der Beratung des Marinebudgets beantragte Genosse Hugenholtz die Streichung eines Betrages von 100 000 Gulden zur Re- paratur des alten Kreuzers„Holland". Der Minister meinte, er könne da» Schiff nicht entbehren, solange die Samtner ihm den ersten Dreadnought, den er demnächst anfordern werde, nicht zu- gestanden hätte; er drohte mit dem Rücktritt, falls der Antrag an- genommen würde. Diese Aeußerung rief große Entrüstung auf allen Seiten der Kammer hervor. Genosse Schaper protestierte gegen den Pressionsversuch. Ein Liberaler, ein Freisinn-Demokrat, ein katholische: Abgeordneter schlössen sich dem an. Di« beiden ersteren erilärstn jedoch, sie würden jetzt dem Antrag, obwohl sie damit stimpathisiercn, nicht zustimmen, weil sie nicht durch den Fall des Marincministers das Wahlrechtskabinett schwäche» wollten. Darauf wurde der Antrag mit 40 gegen 15 Stimmen verworfen. Mit den Sozialdemokraten stimmten nur drei katholische Abge, ordnete. Letzte Nachrichten. Der Tarifkampf der österreichischen Buchdrucker. Wie», 20. Januar.(W. T. B.) Um die seit einiger Zeit herrschenden Unstimmigkeiten im Buchdruckgewcrbc drizulegen, finden am 28. d. M. im Handelsministerium unter der Leitung des SektionschefS Dr. Maiaja Besprechungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Ge» hilfens.chaft statt. Gleichzeitig hat daS Handelsministerium daSTarifamtderdeutschenBuchdruckerzuBerlin eingeladen, einige seiner Mitglieder als Sachverständige zu den Besprechungen zu entsenden. Unfall des Pariser Expreßzuges. Trohes, 20. Januar. Der Expreßzug Nr. 17 stieß auf dem hiesigen Bahnhof mit einer Rangierlokomotive infolge falscher Weichenstellung zusammen. Der Postwagen des Zuges wurde vollständig zertrümmert und die beiden darin befindlichen Beamten tödlich verletzt. Nach etwa halbstündiger Ver- spätung konnte der Expreßzug seine Fahrt fortsetzen. Konkurrenzkampf der Schiffahrtsgesellschaften. London, 20. Januar. Die Cunard-Linie, die White-Siar-Linie und die American-Linie haben ihre Tarife für die Passägierbeförderung herabgesetzt. Seffentliehe politische VersatnmlmiBen. Zur hundertjälirigefl Wiederkelir des Todestages von Johann Gottlieb Fichte am 27. Januar 1914 laden wir die Arbeiterschaft zu folgenden Gedenkfeiern:. Berlin: Nißles Festsäle, Dennewitzstr. 13 Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 Büttners Festsäle, Schwedter Str. 23/24 Frankes Festsäle, Badstr. 19 Neukölln: Bartschs Festsäle, Hermannstr. 49. Anfang Va9 Uhr abends. Tagesordnung in alten Versammlungen: Chorgesang: Krönt den Tag. Vortrag: Johann Gottlieb Fichte, sein Werk und seine Zeit. Chorgesang: Das heilige Feuer. Vortragende; Eduard Bernstein, Rudolf Breitsehcid, Ernst Däumig, Ernst Beuter, Heinrich Schulz. Mitwirkende Arbeiterchöre: Fichte Georginia, Liedertafel West, Einigkeit, Gesund brunner Harmonie, Männerchor Neukölln. Der Bezirks-Bildnngsansschnß Groß-Berlin. Der Einberofer: Ernst Däumig, Lindenstr. 69. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslf. 41, ÄÄ 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. l» Verwaltung Berlin. Mitglieder-Nerfaurmlungen für folgende Bezirke und Branchen: Mittwoch, den 28. Januar: j--'«. Wedding und Moabit: bei Äaczarowski, Ravens- kAICnlcr. ftratje 6. Abends 5'/. Uhr. Tagesordnung: 1. Dahl der Delegierten zur Äeneraloersammlung. 2. Berbandsangelegenheitcn. Vre�sler, �reppengeläncler- unct Uuxusmöbef- bfancde. Königftadt-Kasino, Holzmarktstrage 72, abends S'/j Uhr. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Kommission und Neuwahl der- selben. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. L. Verbands- und Branchenangelegenheiten.» Klavierarbeitei» abends S1/, Uhr im Gcwcrkschastshausc, Cngel- Tagesordnung: 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Neuwahl der Kommiision. 3. Dahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Die Krankenkassenwahlcn. ö. Branchenangelegenheiten. Bodcnlcger a~'"j51? 8 �lhr im Gcwcrkschaftshaüse, Engelufer 15, Tagesordnung: 1. Wahl der Kommission. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. Braiichciiangelegenhcileii. �alousiearbeiter abends 8'/3 Uhr bei Boctcr. Wcberstr. 17. Tagesordnung: 1. Die Entwickelung unserer Berufsorganisation. 2. Jahresbericht des Obmannes. 3. Dahl der gesamten Kommission. 4. Dahl der Delegierten zur Generalversammlung. 5. Branchen- Versammlung. Rahmentuacber abends 6 Uhr, IM Gewerkschastshaus, Saal 3. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. L. Branchenangelegenheiten. Bürrten-u-pinrelmachcr iü Tagesordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Äommiision. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. Branchenangelegenhciten. BcbllttlttiadlCi* abds. S1/, Uhr bei Kitorig, An d. Ztralaucr Brücke 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheiten. Donnerstag, den 29. Januar: Clfchlct* �arlotteuburg: abends 8 Uhr im BolkShauö. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Bericht und Neuwahl der Funktionäre. 3. Verbandsangelegenheitcn. Stellmacher S nihw im m�tttmct 9l0,ent�Icr Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur«Iencralversammlung. 2. Bericht und Neuwahl der Kommission. 3. Bericht und Neuwahl der Zentrallommission. 4. Verbands- und Branchenaugelegenheitem Stock- u. Zelliiloidarbeiter»tten«o,%"ftiii?i*ra72?f/, Uhr: Mitglieder-Versammlimg der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenofsen im„Dresdener Karten", Dresdener«tr. 45. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte:„Japanische Kultur*. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. - Mitgliedsbuch legitimiert.---■■■ Mittwoch, den 28. Januar 1914, abends 8>/z Uhr: Sratiehen-Versammlimg der Graveure und Ziseleure in den„Corona-Prachtsölcn", Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: Jahresbericht der Kommission und Neuwahl derselbe». Mitttvoch, den 28. Januar 1914, abends V Uhr: W Versammlung"W sämtlicher in der chirurgischen Branche beschästigten Kollegen nnd Kolleginnen im„Rosentbaler Hof", Rosenthaler Sir. 11/12. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der gesamten AgitationSlommisfion. 3. Verschiedenes. ===== Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-- Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller. Kollegen und Kolleginnen, zahlreich zu erscheinen. 111/10 Die Ortsverwaltimg. H.& P. Uder, enÄ Tabak-Kroßhandinng und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q.£. Kanewacker, Qrimm Triepel. Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.■ Amt IV.»014. Ncliöuebei'g'. Sozialdemokratischer(flablvcrcin. Heute Dienstag, den 27. Januar, abends 8'/z Uhr, in den Renen Rathaussälen, Meininger Strafte 8: Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Kroger über:„Das demokratische Prinzip'. 2. Diskussion. 3. Kreisgeneralversammlung und Wahl der Delegierten. 4. Verschiedenes. 15/2 Her Vorstand. Steinarbeiter Mittwoch, den 28. Januar, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Versammlling der Zkktion 1 Sandsteinbranche. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Wahl der SeltionSleitung. Kein Kollege darf fehlen I Donnerstag, den 20. Januar, abends 8 Uhr, in den Slrminhallc», Kommandantenstr. 58/59: Nersammlmig der Sektion 11 �lannorhranche. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Wahl der SektionSleitung. 171/3' Die Ortsverwaltung. l.a>(en p. St. v. 12 Plan Tischtöch.„ 15„ G r.Bezüge., 18, Handtücher p. St. 4 Pf. Servietten„ 4 Taschentuch. 3 St. 10 Blendend weiße Wäsche! Preisliste für schrankfertige Wäsche: Kl. Bezüge p. St. 7 Pf. Strümpfe p. Paar 8„ Frottiertuch. p.St. 10„ Schal v. 50 Pf. an. einkleid. Schürzen Ii. stueü iz v:. umenanien, Rorsetlschoner, Netzhemden p. Stück 8 Pf. [jnderwäsche p. Stck. 7 Pf. geplättet Oberhemd v. 35 Pf. an, Kragen 7 Pf-, Chemisettes. Paar Manschetten 15 Pf. N— Tägliche Abholung— Lieferung 7 Tage-------= Telephon: Königst, 8480 Dampfwäscherei Rübezahl" 0. Fruchtstr. 2. Spezialarzt Hr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlioh-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. 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Januar 1914. bei Königswusterhausen. Er. W. Schroedcr, 102/8* KonlurSvcrwaltcr. Berlin My-Hotei UUI III! j)res(iener Straße 52 zunächst d. Gewerkbchaf tshauso. Neuer Besitzer, seit Juni vorigen Jahres' Th. Glocke. Berlin. Druck u. Berlag: Bouvärts Buchdr. u. Berlagsanstait Paul Singer öi Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhaltungsbi. ».26 31.»«. i. SeilM des„vlimörts"§n\m Nolksblalt. Gewerkschaftliches. Scharfmacherische ßallchmünzer. Die im Dienste ücs Unternehmertums stehende Presse versucht geflissentlich, wenn es gilt, das Wirken der Arbeiter- organisationen zn verunglimpfen, die einfachsten Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Das zeigt init erfreulicher Offenheit die setzt nochmals in der Unternehinerpresse hier und da auf- tauchende Beurteilung des Kampfes im Malergewerbe. Die letzte Nummer der„Arbeitgeber-Zeitung" leistet sich etwas sehr viel in der Verdrehung der Tatsachen. Da wird versucht, den Reinfall der Sckiarfmacher mit ihrer Aussperrung in einen Mißerfolg der Gehilfen umzumünzen. Zu diesem Zwecke wird erklärt, die Meister hätten ein von den Gehilfen erst abgelehntes Angebot von 3 Pf. Lohnerhöhung gemacht, die Gehilfen berechneten ihren Erfolg aber selbst nur auf l Vj Pf. pro Jahr(also 4�z Ps. während der dreijährigen Tariföauer). also deckte sich das Angebot der Meister und das Resultat des Kampfes.(!!) So viel Worte, so viel Unsinn und Schwindel zugleich. Der Unternelnnerverband im Malergewerbe hat seinerzeit vor Zällung der ücknedsspriiche der bekannten Unparteiischen in ganz großen Bezirken Teutschlands nichts, in anderen einen Pfennig, vereinzelt drei Pfennig, auf drei Jahre verteilt, angeboten und außerdem jede Arbeitszeit- Verkürzung st r i k t e abgelehnt. Ter dann gefällte Schiedsspruch setzte für die beteiligten 64 006 Gehilfen eine Lohnerhöhung von 3 bis 7 Pf., auf drei Jahre verteilt, fest und eine Arbeitszeitverkürzung von drei Stunden wöckzentlich für rund 10 000 Gehilfen. Dieser Schiedsspruch wurde von den Unternehmern abgelehnt nnd sofort die Aussperrung ver- hängt. Bald darauf sprachen die Untcrnchmerführer beim Staatssekretär Dr. Delbrück vor und verdächtigen dort die Unparteiischen wegen ihres Schiedsspruches. Sic brachten ober neue Verhandlungen zustande. Nack) vier Woche n Aussperrung("!) beguemten sich die Unternehmer zu dem Angebot von 3 Pf. Lohnerhöhung generell(ohne Ver- teilung), sie lehnten aber jede Arbeitszeitverkürzung ab und wollten das Tarifschema in zehn wichtigen Positionen für die Gehilfen verschlechtern. Diese Zumutung wiesen die Gehilfen- Vertreter entschieden zurück und verlangten die Anerkennung der alten Schiedssprüche und deren Verbesserung für eine Anzahl Städte. Nacki elfwöchiger Dauer des Kampfes drängten die Unter. nehmerführer. nachdem ihnen, nach ihren eigenen offiziellen Mitteilungen, aus ihren Kreisen von allen Seiten„jaminer- volle Briefe" zugingen, zu neuen Verhandlungen. Und n u r. s ch l u ck t e n s i c d i e e r st i n G r u n d u n d B o d e n verdaminten und elf Wochen bekämpften Schiedssprüche nnd mußten sogar noch für eine Anzahl Städte eine darüber hinausgehende Lohnerhöhung zugestehen. Wenn das kein Reinfall der ausiperrungssüchtigen Unternehmer ist, dann ist jeder ver- unglücktc Kampf der Unternchmer schon von vornherein ein Sieg. Dies trifft anch zu. wenn die Tatsaclie. daß die Kämpfe den Gewerkschaften Kosten verursachen, als Beweis dafür betrachtet wird, daß sie für die Arbeiter erfolglos waren. Denn die lluternehnrerverbände zahlen in den meisten I allen nichts, weil sie nichts haben, sind also nach der famosen Logik der„Arbeitgeber-Zeitung" i in m e r die Sieger. Tic Maler- meister, die erst in die Aussperrung gehetzt und durch ungesetz- liche Innung s. und Arbeitgeberverbandstrafen, durch Ma- Kleines Feuilleton. Die Poftkarte. Es werden nach wie vor gedruckt und vertrieben: Goethes Werte leinichlictzlich der„Römiichcn Elegien"!, die Bibel sderen„Altes Testament" besonders reidi an sexuellen Episoden ich. die„Marqnise von O..." von Kleist, der wenig„züchtige" Wieland, die Literatur der Modernen, die erotische Stoffe nicht wenig lieben. Die Polizeibornicrtbcit wagt dagegen nur selten etwas. Man fürchtet doch ein bißchen die geistige Blamage. Aus dem Theater freilich— da ist man mimosenhafter(im„sittlichen Gefühl") und dreister(im brutalen Zupacken). Es werden nach wie vor gedruckt und weithin sichtbar aufgehängt die bösartig kiiichigen Rellamebildcrr, damals wild aufgärenden Monimartre- lneialur. Wie sie die Chansons der Straße rezitierte und agierte. wie ne m frecher Ausgetaisenbeit mit einer Geste, einem Biick ein Stück sozialen NackilebenS aufzucken ließ, das schien uns eine Offen- barung. Dinge, die vorher nicht auf der Bühne gesagt werden konnten, wurden nun möglich: denn hier spielte nichl ein Svubreltchen mit Zötche», sondern eine große(und ganz unversührerische) Künstlerin riß blutige Wunden auf. Jetzt haben wir die Ivette wieder gesehen. Sie tritt mit einer ganzen Truppe im Beethovensaal auf. Der rote Schopf droht nicht mehr wie früher und Madelaine ist mollig geworden. Sie singt und rezitiert im bauschigen grünen Rock mit Rosaleibchen allerlei lustige, auch satirische Sachen aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist «eckisch und spöttisch, Schelmerei spielt um den Mund, und keck terial- und Kundensperre, gegen ihren Willen darin fest- gehalten wurden, erhielten keinen roten Heller U n t c r st ü tz u n g. So mancher steht vor dem wirtsckiast- licheu Ruin und denkt heute darüber ganz anders als zur Zeit der Aussperrung. Sie unterliegen jetzt vielfach dem Drängen ihrer Gläubiger und der durch den unsinnigen Kampf ge- förderten Schmutzkonkurrenz. Besonders esfektvoll soll es nun wirken, daß die„Arbeit- geber-Zeitung" aus einein Protokoll der Generalversammlung des Berbandes der Maler einige Delegierte zitiert, die der Schiedsspruch nicht befriedigte. Daraus soll der Mißerfolg der Gehilfen nachgewiesen werden. Wir sind aber demgegen- über in der Lage, aus dem Protokoll des Hauptverbaiidstages der Unternehmer des Malergewerbes(August 1913) zu Berlin die Meinung aus Unternehmerkreisen über ihren„Sieg" zn illustrieren. Dort sagte u. a. ein Unternehmerführer aus Magdeburg: „Nachdem bald 13 Wochen vergangen waren, wurden unsere .Kollegen wankelmütig und mißmutig, und nach den großen Opfern war eS nicht mehr möglich, ein anderes Resultat zu er- zielen.... Tie Gehilfcnführer haben e S ganz vorzüglich verstanden, uns in den April zu schicke n." Ein Unternehmer aus Nordhausen sagte:„Unsere Kol- legen glaubten, sie gehören einein starken Hauptverbande an. der geschlossen hinter ihnen steht. Das ist aber nicht der Fall." Ein Berliner Delegierter erklärte: „Ein oder zwei(!) Redner haben gesagt, wir hätten einen Erfolg errungen. Ich behaupte: es war eine ganz gehörige Niederlage.(Sehr richtig!) Der Arbcitgeberverband ist so- zusagen niedergebrochen. Ist es ein Erfolg, wenn wir das, was wir am Ansang haben konnten, nach dreizchnwöchiger Aussperrung unter unge- Heuren Opfern annehmen mutzten.(Sehr richtig!)" Tann berichtete der Syndikus der Rheinländer: Es seien „tagtäglich die jammervollsten Briefe" an den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes gerichtet worden, so daß er„nicht mit Lust und Liebe" die Interessen der Arbeitgeber vertreten habe. (Hört! hört!) Und der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes beklagte es. daß sechs Mann(die sechs Gauvorsitzenden) dieAitssperrutlg einfach dekretiert hätten. Die Situation wäre immer bedenklicher geworden. Die Organisation hätte gedroht, zum Teufel z u gehe ü. Verschiedene Gauvorsitzende hätten Angst gehabt, den Ortsgrupenvorsitzenden die Situation ehrlich zu schildern. Ein Teil der sieben Hailptvorstandsmit- g li e d e r sei zehn Wochen mit dem Bewußtsein herumgegangen, durch ihre Beschlüsse die Arbeitgeber geschädigt zu haben. Es sei im Arbeifizeberverband etwas nicht in Ordnung,„aber niemand weiß, wo es steckt". Einem Delegierten, der renommierte, er werde gegen die rote Flut anschwimmen, wurde„Ueberhebung" zugerufen. Ein Hamburger sagte: Wir haben es schwer empfunden, daß wir noch einen Extrakampf von vier Wochen durchfechten mußten.... Glauben Sie sicher, in Zukunft werden wir es uns überlegen, ob wir unter diesen Umständen wieder so stramm zur Fahne halten.(Sehr richtig! und Bravo!) Ein Delegierter ans Barmen: Man lial uns zugemutet, einen Frieden einzugehen, der für uns schmachvoll war. Tann warf man sich gegenseitig„Stänkerei", „Quengelei". Disziplinlosigkeit" und anderes vor. Die Tele- gierten eines ganzen Gaues verließen unter Protest die Ver- Handlungen. Ein Führer sagte, d e r Arbeitgeberver- funkeln die Augen unter der grauen Perücke. Mit netten jungen Mädchen führt sie Menuette und andere Tänze auf. Kurzum: es scheint eine kulturhistorische Familicnunterhaltung zu werden. Ein Flötenspieler stimmt sanfte Gcsühlsseligkeiten an. Eine Engländerin (Frl. Brooks) trägt prachtvollen Organs mit den großen Gebgrdcn deS französischen Theaters den Traum der Iphigenie von Gluck vor. Die Guilbert droht in dem Ensemble zu verschwinden. Aber dann erweckt sie mit einer grausigen Ballade oder einem kecken Gassenhauer die Erinnerung an früher. Wenn sie die fromme Beterin vorführt und im Kirchenlon psalmodiert, ist sie köstlich. Und wie weiß sie zu packen und daö Gedicht plastisch zu übersetzen in Rollinats Liede vom Schlangenfänger. Sie ist immer noch eine große Künstlerin.—r. Fichte als Zensor. Vor dem Einzug der französischen Truppen 1806 verließ Fichte Berlin und ging nach Königsberg, wo er im Dezember als ordentlicher Professor der Philosophie angestellt wurde. Der wirkliche Grund seiner Berufung war, die Zensur der Zeitungen auszuüben.„Ihm wird zugleich," so hieß es im Er- nennungspatent,„die Zensur der hiesigen Zeitungen aufgetragen und deshalb zur Pflicht gemacht, dahin zu sehen, daß die Nachrichten von den Kriegs- und anderen öffentlichen Begebenheiten nicht in einem dersührerischen, den Patriotismus niederschlagenden Ton er- zählt, gegenseitig alle Anlässe, um den Mut der Untertcmen zu beleben, gehörig benutzt werden." Das sollte keine Polizeizensur im gewöhnlichen Sinne sein, sondern mehr ein patriotisches Erziehungsamt. Aber der bisherige Polizeizensor, dem nun die politische Beeinflussung der Presse abgenommen wurde, die sonstige Preßkontrollc aber bleiben sollte, streikte gegen den Eindringling und mutete Fichte z», sich auch um die rein polizeiliche Zenfurierung zu kümmern. Dos lehnte Fichte schrosf ab. Ter Konflikt wurde zwar zunächst zu seinen Gunsten entschieden, er scheint aber keine Gelegenheit gehabt zu habe», irgend einen patriotischen Aufschwung damals hervorzurufen. Auch die Äönigsbergcr Umveriüätsvorlesungen begannen mit einem Skandal. Als er seinen ersten Portrag damit begann, daß bis jetzt die Menschen im Dunkeln getappt seien, vollführten seine Gegner einen wüsten Lärm. Fichte blickte ruhig in das Ge- tümmel und fuhr fort:„Ich habe geglaubt, meine Borlesungen vor einer Versammlung von Menschen zu halten._ Sollte ich mich darin getäuscht haben? Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Dex Mensch kann seine Gedanten. Ideen in Worten ausdrücken, die man versteht; das Tier, der Elefant, der Ochse und der Esel kann das nicht, daher stampft er mit den Füßen, brüllt in un- artikulierten Tönen, kurz, er benimmt sich unverständig." Jetzt war man ruhig, aber nachts wurden ibm die Fenster eingeworfen. Die Königsberger Wirksamkeit endigte am 23. März 1807. Der Borläufer. Auk eine gelungene Weise bat ein reaktionärer französischer Journalist die Plaltbeit der Bourgeoisrepublikaner. die das Volk mit den breiten Bettelsuppen der ,.AuskIänmgS"phrase abspeisen und das mechanische ParlamcntSgetriebe verhöhnt, wo der „Volksvertreter" den Dank der Wähler, nickt durck, Dienste für die Gesamtheit, sondern durch Gefälligkeiten für den Herrn jederinonn anstrebt. Em Redakteur des„Eclair" ließ vor einigen Monaten Briefbogen drucken, die die Anffchrist„Komitee für die Jahrhundert- feier Högesippe Simons" und darunter das mit dem Autornamen des Jadrhundertmensche» gezeichnete geistvolle Motto trugen:„Die Finsternis verschwindet, wenn die Sonne aufgebt". Er sandte hier» auf, auf diesen Bogen, an je hundert Deputierte und Senatoren, die er aufs geradewohl herausgesucht hatte, die Einladung, sich an der Enthüllung deS Denkmals, das„endlich", dank der Großmut band habe die Neiauna. auseinander- zufallen.— Das ist inzwischen schon geschohen. denn das Haupttarifamt hat ihn pezwungen, einen ganzen Gau wegen Tarifbruchs auszuschließen und in anderen Gauen sind die Meister wegen des erlebten Mißerfolges in großer Anzahl ausgetreten. Es ist ein starkes Stück der„Arbeitgeber-Zeitung"(diese wird von dem eigentlichen Treiber zu der verunglückten Aus- sperrung, der iu Hainburg sitzt, inspiriert), nach alldem den Versuch zu wagen, die offenkundigsten Tatsachen ins Gegen- teil umzudrehen._ öeriin und Umgegend. Tie Arbeitslosigkeit in der Berliner Holzindustrie ist bekannt- lich eine noch nie dagewesene. Ties bedauerlich im Angesichte dieser Tatsache ist, daß auch Firmen, die mit au erster Stelle im llntcr- nchmervcrband stehen, in ausgedehntem Maße Ueberstunden leisten lassen. So die Firma I a r o tz k i in einem Geschäftsausbau in der Oranienstraße in Berlin. Hier leisteten 10 Tischler geraume Zeit täglich vier Ueberstunden. Ferner forderte iu einem anderen Ausbau in der Oranienstraße die Firma Rötzler u. G o s s o w Nach f. von ihren Arbeitern Ueberstundenarbeit. Es wäre Pflicht der Leitung des Arbeitgeberschutzverbandes in der Holzindustrie, diese ihre Mitglieder zur Einhaltung des Vertrages aufzufordern und die Ausdehnung der Arbeitszeit zu untersagen. Deutsches Reich. Eine Konferenz von Vertretern der Bcrbaudsvorständc fand nach dem„Correfpondenzblatt der Generalkommission" am 12. bis 14. Januar im Berliner Gewerkschaftshause statt. An erster Stelle wurde über die Regelung der Unterstützung außer- ordentlicher Lohn- und A b w e h r k ä m p s e im Wege des UmlagevcrfahrenS beraten und der Geiwralkommission die weitere Ausarbeitung eines bozüglichen Regulativs überlassen. Sodann ivurde nach eingehender Debatte beschlossen, den seit dem Berliner Gewerkschaftskongreß l8W bestehenden Gewcrkschaftsausschuß zu beseitigen und die Vorständekonferenzen auszugestalten. Eine Neugestaltung des vom Stuttgarter Kongreß 1002 beschlossenen Regulativs ist der Geueralkvmmission übertragen worden. Der bevorstehende Kongreß in München soll darüber Beschlutz fassen. Die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse, deren seit 1'.>06 jährlich 3 bis 4 abgehalten wurden, sollen, nachdem nun- mehr so viele getvertschaftlich tätige Kräfte teilgenommen haben, daß dem dringendsten Bedürfnis damit Genüge geleistet ist, der- artig eingeschränkt werden, daß jährlich nur noch ein solcher Kursus stattfindet, dessen Teilnehmerzahl 50 nicht überschreiten darf. Es sind seit 1306 insgesamt 20 allgemeine Unterrichtskurse für 1274 Teilnehmer abgehalten worden, ungerechnet die Spezialkurse für Arbcitersekretäre. An der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig 1314 werden sich die Gewerkschaften durch eine Kollektivausstellung ihrer Gewerkschasts- upd technischen Fach- blätter beteiligen,— In Wien findet in diesem Jahre ein Internationaler Kongreß für Gewerbekrankheiten statt. Auf Ein- ladung der Kongreßleitung wird den Gewerkschaften nahegelegt. der letzteren ihre für Ausstellungszweckc geeignete Materialien zur Verfügung zn stellen und sich aus dem Kongreß, soweit dies ihr Berufsinterefie erheischt, vertreten zu lassen. Eine bedeutungsvolle Neuerung beschloß die Konferenz für eine Reihe seit längerer Zeit vorliegender Grenz streitig» leiten, deren endgültige Erledigung durch Beschlutz mit binden- der Wirkung durch'Schiedsgerichte herbeigeführt werden soll. Zu jedem dieser Schiedsgerichte wählen die beteiligten Verbände je 3 unparteiische Schiedsmänner, die sich einen weiteren Unpar- teiischen als Obmann wählen. Die beteiligten Verbände haben vor Einsetzung des Schiedsgerichts zu erklären, ob sie sich dem Schiedsspruch fügen wollen. Unter den sonst noch erledigten Fragen ist bemerkenswert, daß den Verbandsvorständen nahegelegt wurde, dahin zu wirken, daß eines edlen Spenders, dem„Vorläufer und Erzieher der Demokratie" errichtet werden könne, durch Eintritt inS Ehrenkomitee sowie durch eine Rede bei der Feier zu beteiligen. Neun Deputierte und 15 Senatoren haben bisher zugesagt. Nu» rückt der Spaßbogel mit der Enthüllung heraus, daß„Hsgöfippe Simon" nie existiert hat! Unter den Leuten, die auf den Ulk hereingefallen find, befinden sich sehr bekannte Parlamentarier, u. a, der ehemalige UnterstaalSsekretär der schönen Künste Bcs n ard und der Senator L i n t i l h a c, der Doktor verschiedener Fakultäten ist, an der Sorbonne Vorlesungen hält und eine Menge dicker literaturgeschichtlicher Bücher geschrieben hat!— Einige der Ge- foppten reden sich auf ihre Sekretäre aus. In der Tat lassen viele Parlamentarier die ungeheure Korreipendenz, die ihnen von Bitt- stellern jeglicher Art aus ihrem Wahlkreise zugeht, ungesehen durch Angestellte beantworten. Dieses Verfahren mag im gegebenen Fall die betreffenden Abgeordneten von der Blamage entheben, aber dafür »st das System bloßgestellt. Nur daß man nicht glauben muß. daß eS etwa die dem„Eclair" nahestehenden Politiker besser trieben. Notizen. — Theaterchronik. Die neue Direktion der Komischen Oper oder de« Theaters an der Weidendammer Brücke hat die Billettpreise bedeutend ermäßigt und die Einrichtung getroffen, daß keine Vorverkaufsgebühr erhoben wird. Die Billetts find schon acht Tage vorher zu haben. — Vorträge. Der Vortrag von Julius Meier-Graef« „Kunst oder Kunstgewerbe?" findet Mittwoch, den 28., im Kunstsalon Paul Casstrcr stark.— Prof. Georg W e g e n e r hält am Mittwoch auf Grund seiner persönlichen Kenntnis in der Nrania einen Bor- trag mit Lichtbildern über den Panamakanal, über seme Geschichte, seine Vollendung und seine künftige Bedeutung. — Das Müiichener Künstler-Theater, da« von ganz unpraktischen Theatcrrefonnatorcn der Stadt München auf- geredet wurde, scheint jetzt am Ende zu sein. Die letzten Jahre war es an den Drei-MaSlen-Verlag vermietet, der dort die auch im Berliner Theater am Nollendorffplgtz gespielten Offenbach»Operetten aufführen ließ. Der Verlag hat jetzt seinen Kontrakt mit der Stadt München gelöst und das zur Fremdenlockung bestimmte Theater wird nächsten Sommer nichl spielen. Ob die angekündigten Uni- bauren dem Theater ermöglichen werden, endlich reformierend zu wirken, bleibt sehr fraglich, — Prof, Friedrich Jodl ist in Wien, wo er seit 1380 als Lehrer der Philosophie lätig war, gestorben. Er war«in freimütiger Forscher, der den Schwarzen ein Greuel war. Seine große Ge- schichte der Elhik sickert ihm den wisienschafllichen Rang. In seiner lleineren Schrift über ethische und lulturelle Themata hat er in seL.er Weile ausi.ärend gewirkt. Jodl hat auch Feuerbachs sämtliche Werke herausgegeben und sein Leben und sein Schaffen dargestellt. — Ein Tagesverdienst v on 2400000 Mark. Den höchsten Handelsgewinn, der je innerhalb von 24 Stunden erzielt wurde, dllrsle das Geschäft ergeben haben, das neulich die beiden New Iorker Bankfirmen.Kuhn, Loeb u. Co. und William A. Read u. Co. durchführten. Der Staat von New Jork hatte in diesen Tagen einen Stock von 4fizprozentrgon Bonds im Nominalwert von 204 Mill. Mark zur öffentlichen Versteigerung gebracht. Die beiden zu einem Syndikat vereinten Bankfirmen erhielten den Zuschlag. Am nächsten Morgen brachten sie die Papiere an den Markt und verkauften sie im Laufe von zwei Stunden mit einem Nutzen von 2 400 000 M.—' Und da faseln die Hetzer noch von einer verrückten Wirtschaft«» ordnrnrg. «"Ic Gewerkschastsangestellten gcmäd dcm Vercinbaruiigsbeschluß de/ Partei- und Gewerkschaftsinstauzeu den auf den I. Mai jedcc- IahrSS entfallenden Gchaltöanteil an den MaifcicrfondS thrcZ Bezirks abführen. Achtung, Musikschallplattcn-Prcsscr! Bei der Firma„Urion", Cociete Frnn�aise des Phouographes, Frankreich, Clicht)(Seine), >!t Rue Klock, stehen die Prcsser im Streik, tri toird versucht, Presscr in Deutschland anzuiverben. Wir warnen davor, Arbeit nach Frankreich anzunehmen. Alle Angebote sind auf unserem Bureau zu melden. Fabrikarbeitcr-Nerband, Engelufer 1ö. MuslanS. Streik in der Blechwarenfabrtk Slffoltcr, Christen u. Cie. in Basel. Seit 1t), Januar stehen 120 Arbeiter dieser Firma im Streik. Im November wurde ein neuer Betriebsleiter in der Fabrik ein- gestellt. Zuerst versuchte er es mit der Unterdrückung der Orgaiti- sntion, was ihm allerdings nicht gelang. Dann unternahm er Vor- stöge zur Reduktion der Akkordpreisc und schließlich präsentierte er niitcr Bruch eines Arbeitsvertrages, der noch bis lölti gelten sollte, eine neue Fabrikordnung, die alle Errungenschaften der Organi- satiou in den Ichten 20 Jahren über den Haufen warf. Statt des Neunstundentageö, der seit 1007 bestand, sollte wieder der Zcljn- stundentag eingeführt werden. Ferner war eine Erhöhung cin- behaltenen Lohnes von 2 auf 5 Tagelöhne, Acnderung des Zahl- tagcs, einseitige Festsetzung der Akkordpreise, Entlassung bei Akkord- Verweigerung vorgesehen. In einer Reihe von Artikeln der Ar- beitsordnung kommt die ganze Mißachtung gegen die Arbeiter zum Ausdruck. Auf den Einspruch der Arbeiter erfolgten 11 Maßrege- langen, worauf die Gesamtarbeiterschaft kündigte. Die Streiken- den appellieren an die Solidarität der deutschen Genossen und bitten, sie in dem aufgezwungenen Kampfe dadurch kräftig zu unterstützen, daß aller Zuzug ferngehalten wird. Iichte und der Jungdeutschlandbund. Unsere großen Dichter und Denker geiWeßen ohne Ausnahme die zweifelhafte Ehre, von unseren„offtziellcn" Kreisen gefeiert zu locrdcn,— wenn sie längst gestorben sind. Im Leben pflegt man sich gewöhnlich nicht viel um sie zu kümmern. Das war früher so und hat sich auch in unseren Tagen nicht viel geändert. In diesen Tagen ist Johann Elottlieb Fichte an der Reihe. Zu dienen, die den Namen Fichtes oft tm Munde führen, gehört auch der Jungdcntschlandbund. Und gerade er hat auch nicht daS mindeste Recht, sich irgendivie auf diesen Philosophen zu bcruscn. Dessen Ideen stehen im deutbar schärfsten Gegensatz zu den Zwecken und Zielen, die der Jungdeutschlandbund verfolgt. Wir brauchen, um uns das klar zu machen, nur seine„Reden an die deutsche Nation" heran- zu ziehen. Diese Reden sind nicht nur ein unvergängliches Denkmal der deutschen Literatur, sie sind auch ein fchöiws Zeugnis eines wahrhaft deutschen Mannesmutes. Freilich von einem ManneSmutc, wie er so gar keine Aehnlichkcit hat mit dem, was sich die Herrschaften um v. d. Goltz gewöhnlich darunter vorzustellen pflegen. Im Angesichte einer starken fcinolichen Besatzung, unter den Kanonen der französischen Armee forderte Fichte das gesamte deutsche Volk(das damals noch ein imaginärer Begriff war) zum Widerstand, zur Erhebung auf. Indessen, so meinte Fichte, müsse das deutsche Volk, um stark genug zu sein, eine ganz andere Schule durchmachen alo Die lebende Generation. Nad ztvar müsse der Nachwuchs aller Deutschen, ohne Unterschied des Standes und des Vermögens, dieser neuen Erziehung teilhaftig iverden. Nicht mehr soll es oen verzärtelten und verweichlichten Söhnchcn der Neichen unter An- Wendung von allerlei Mitteln möglich sei, mit Ach und Krach durchs Examen gepreßt zu werden, während der Prolctnricrjungc, der wohl das Zeug dazu hätte, aus das Studium verzichten muß, weil er nicht vorstckNig genug war in der Wahl seiner Eltern. Doch hören wir Fichte selbst: „Es bleibt uns sonach nichts übrig, als schlechthin an alles ohne Ausnahme, was deutsch ist, die neue Bildung zu bringen, so daß dieselbe nicht Bildung eines besonderen Standes, sondern � daß sie Bildung der Nation schlechthin als solcher und ohne alle Ausnahme einzelner Glieder derselben werde, in welcher... aller Unterschied der Stände, der in anderen Zweigen der Eni- Wickelung auch fernerhin stattfindcn mag, völlig aufgehoben sei und verschwende..." Will der Jungdeutschlandbund cttva behaupte», daß er schon das geringste getan hat, um diese Fichtesche wirtliche Volksschule aus der Idee in die Wirklichkeit zu überführen? Mail sehe sich diese Vertreter unseres offiziellen Preußcntums, diese Spitzen der Militärkastr nur ein wenig näher an und man wird begreifen, wie ivemg berechtigt diese Leute sind, den Namen FichtcS im Munde zu führen. In FichteS Schule selbst sollen Unterricht und Arbeit Hand in Hand gehen. Es gibt bisher nur eine Partei, die diesen Gedanken ehrlich vertritt und das ist die„vatcrlandslose" Sozialdemokratie. Noch manches ist in diesen Reden enthalten, wovon man bei den offiziellen Feiern höflich schweigen wird. Dem Jungdeutsch- landbunde ist nach vielen Aeußerungen seiner Führer die Religion im Unterricht nicht entbehrlich.„Dem Volte mutz die Religion erhalten werben." Fichte hat sie in seiner Erziehungsanstalt nicht nötig: „,.. diese Religion, die offenbar eine Dienerin der Selbst- sucht war, soll allerdings mit der alten Zeit zugleich zu Grabe getragen tvcrden; denn in der neuen Zeit bricht die Ewigkeit nicht erst jenseit des Grabes an, sondern sie kommt ihr mitten in ihre Gegenwart hinein, die Selbstsucht ist aber sowohl des illegiments als des Dienstes entlassen und zieht demnach auch ihre Dienerschaft mit ihr ab." Ist der erste Teil der neuen Erziehung erledigt, dann erst soll es sich entscheiden, wer von den Zöglingen die„Äclehrtenlanfbahn" einschlagen soll und wessen Schulzeit nun beendet ist. „Nur dcm Knaben, der eine vorzügliche Gabe zum Lernen und eine hervorstechende Hinneigung zu der Welt der Begriffe zeigt, kann die neue Nationalerziehung erlauben, diesen Stand zu ergreifen: jedem aber, der diese Eigenschaften zeigt, wird sie es ohne Ausnahme und ohne Rücksicht auf einen vorgeblichen Unterschied der Geburt erlauben müssen; denn der Gelehrte ist es keineswegs zu seiner eigenen Bequemlichkeit, und jedeS Talent dazu ist ein schätzbares Eigentum der Nation, das ihr nicht entrissen werden darf." Natürlich kostet diese Nationalerzichung viel, viel Geld. Und woher will Fichte eS nehmen? Wer soll zahlen? Der Staat ist nach FichteS Ansicht verpflichtet, diese Aufgabe zu übernehmen. „Bis jetzt ist der bei weitem größte Teil der Einkünfte des Staates auf die Erhaltung stehender Heere verwendet worden. Den Erfolg dieser Verwendung habe» wir gesehen; dies reicht hin, denn tiefer in die besonderen Gründe oicses Erfolges und der Einrichtung dieser Heere einzugehen, liegt außerhalb unseres PlaneS. Dagegen lvürdc der Staat, der die von uns vor- geschlagene Nationalerziehung allgemein einführte, von dem Augenblick an, da ein Geschlecht der nachgclvachsenen Jugeno durch sie hindurchgegangen wäre, gar keines besonderen HcereS bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen." Gelüstet es den Jungdeutschlandbund, mitzuhelfen an der Erreichung dieses Zieles? Will er brechen mit der„volksfrennd- lichen" Tradition von der Aufgabe des Heeres, den„inneren Feind" zu bekämpfen? Wir empfehlen den Herren auch noch folgende Stelle zur gc- Nauen Durchsicht und Bcherzigung: „Schon seit einer Reihe von Jahrhunderten haben die Völker Europas aufgehört, Wilde zu sein und einer zerstörenden Tätigkeit um ihrer selbst willen sich zu freuen. Alle suchen hinter dem Kriege einen enolichc» Frieden, hinter der Anstrcn- gung die Ruhe, hinter oer Verwirrung die Ordnung, und alle wollen ihre Laufbahn mit dem Frieden eines häuStichcn und stillen Lebens gekrönt sehen. Auf eine Zeitlang mag selbst ein nur ein eingebildeter Nationalvorteil sie zum Kriege begeistern; Wvas diese Kämpsc der Gegenwart charakterisiere, vorübergehen: an den gc- wcrtschaftlichcn und politischen Organisationen. Er könnte nicht diese als einfach nicht existierend ausschalten. Es wäre cm Nonsens. das charakteristische Moment als nicht vorltandeN zu bc- truchian. Da nun im Rosciiowschen Stück davon nicht die Rede sei, so folge daraus, datz das Stück in einer zurückliegenden Zeit spiele. Ferner aber, datz der Dichter schildern lvolltc, Ivelche Zustände sich seiner Auffassung nach entwickeln müssen, solange nicht die orga- nisicrie Selbsthilfe der Arbeiter in das Verhältnis zwischen ihnen und den Unternehmern eingreife. Er habe andeuten wollen, datz der einzelne ivehrlo» sei und der Zusammemchlutz den Weg der Arbeiterschaft im Dienste der Zivilisation der Menschheit zeige. Für aufreizend tonne nur der das Stück halten, der da meine, daß die Schilderung der Armut überhaupt schon staatSgcfährlich sei, datz also die öffentliche Odnung gefährdet werde, wenn man die Wahrheit sage. Endlich dürfe nicht vergessen werden, datz das Stück vor der Elite der Berliner Arbeiterschaft ausgeführt werden sollte, die in ihren Organisationen gelernt habe, eiserne Tiszipli» zu üben. Diese Arbeiter wützten auch, datz Zustände, wie sie der Ttchier geschildert habe, heute nicht mehr möglich seien infolge der Organi- sierung der Arbeiter, und datz sie immer mehr in eine fernere Vergangenheit zu liegen kämen. Von dieser Auffassung ausgehend, würden diese Arbeiter nach einem solchen Stück das Theater nicht in einem Zustande der Neigung zu Gewaltiätigkeiten gegen ein nbcrniächtigeS Unternehmertum verlassen, wie der Oberpräsident befürchte, sondern im Gefühl des Stolzes gegenüber den Unter- nehmern, ganz wie Lisa in stiosenows Stück am Schluß: groß und aufrecht und olmc sich umzusehen. Das Oberverwaltungsgericht erkannte nach mehr al! fünf- stündiger Vcrhairdlung und Beratung auf Abweisung der Klage der„Freien BolkSbühne". Der Vorsitzende Tippe führte begrün- dend kurz aus: Zur Anwendung tsimne � 10 II 17 des Allee meinen Landrechts, wonach es Aufgabe der Polizei sei. sür die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit» Ruhe und Ordnung zu sorgen. Der Senat nehme an, datz hier die äffentlichc Ordnung gmährdct erscheine. Und zwar deshalb, weil es sich um«in Stück handele, welches durch cinseitige Schilderung verschiedener Gesellschaftsklassen geeignet sei. die Klassengegensätze zu verschärfen und dadurch die öffentliche Ordnung zu stören. Also„die im Schatten leben" dürfen nicht ans Licht, weil das die öffentliche Ordnung gefäsirdet. Stört es nicht viel mehr die öffentliche Ordnung, datz die Polizei als Zensur- behörde berechtigt sein soll, darüber zu befinde», wie der Dichter zu schreiben habe? Uebrigens soll der Grundsatz des Oberverwaltungsgerichts ein allgemein gültiger Rechtsgcund- satz fein— mit welchem Recht gestattet man die Aufführung Wildenbruch'cher und von Laufsscher Stücke, die in einseitig- ster, durch ihre UnWahrhaftigkeit geradezu aufreizender Weise brandenburgische und preußische Herrscher darstellen? Mus der Partei. Die internationale marxistische Zeilschrift in französischer Sprache. Man schreibt uns aus Brüssel: Die von De Brouckbre hctauSgegebeiie sozialistische Zeitschrift.,I,utto ckc Olasse" i„Klasicnlampf">. die über belgische Parteisragen informierte und allgemein sozialistische und taltische Fragen vom ntarxistischen Gesichtspunkt aus behandelte, hat vom Januar an ihr Etscheinen eingestellt. Sie wurde mit der von G u e S d e herausgegebenen Revue„Os Sooialiemo" verschmolzen, die nun in vergrötzeriem Format erscheint und. da auch dem Sozialismus des fraiizösischeii Sprachgebietes der Schwei z eine spezielle Rubrik mit einem eigenen Redakteur eitigcräumt ist, so zu einer Publikalion aller französischen Marxisten wird. Die Zeitschrift, die alle vierzehn Tage erscheint, führt den Titel „Socialisme et Lutte de ölasss" �Sozialismus und Klassenkampf"), — Marxistische Revue in französischer Sprache. Für die belgische Abteilung zeichner der frühere Herausgeber der Lutte do ClasKcr', De Bröuckere, für die französische Schweiz Graber. Als internationale Mitarbeiter sind genannt für Deutschland: K a u t s k y und Karsli: für England bt o t h st e i n. sür Oester- reich Adler, für Holland R o l a n d- H o l st. sür Spanien I g l e s i a S, für Italien L e r d a und M u f s a t t i und für Rutz- iaub P l e ch a ii o s f.— Die eben erschienene erste Nummer zeigt in ihrem reichen Inhalt den ittternatiottalen Charakter der Zeitschrift! es ichteihen über FrankretÄ Bracke, Eotttpere- Motel, E ct ch t n u.a., über England R o t h st e i n, überBclgicil Delsinne und De Brouckere.____ pslizeilichrs, GcrichÜichcs usw. Wie die Brombcrger Polizei über da« Wohl der Arbeiter wacht. Eine öffentliche politische Lersattttnltmg, die zur Geinsindewahl in Schwedetthöhe, in dem von den Brombcrger Gewerkschaften er- worbettan früheren OffizierSkasrnö stattfinden sollte, wurde durch die Polizeibehörde auf Grund einer Verfügung verboten, in der e» heißt: „ES ist festgestellt worden, datz in der Benutzung der Ver- simmtlungsrättme im vorbezeichnelen Hause eine umttittelbare Gefahr für Leben und Gesundheil der Teilnehmer besteht." Früber war man um das Wohl der Herren Offiziere nicht so besorgt, wie jetzt um das der Arbeiter. Nicht weniger als 04 Polizei- u n d K r i in in a l in a n n- s ch o f t« n hielten den Posener Plag imd die Zugänge zum Ver- sammlungslokal besetzt, um die Abhallung der Versammlung zu verhindern. Die Versammlung mutzle trotz großen Andrangs unter- bleiben. Allerding« wurde durch den ÄersammlungSletler den Besuchern dir Fürsorge der Polizei um ihr Leben und ihre Gesundheit mitgeteilt, was der Polizei einen großen HeilerkeuSerfolg einlrng. Prcjtprozcß. Der„Thüringer V o l k S f r e u n d" in S o n n e b e r g hatte während des Streiks in der Sonneberger Spielwarenindustrie scharfe aber berechtigte Kritik an der Haltung der Polizei, die rück- sichtsloS von ihrem Säbel Gebrauch gemacht � halte, geübt. Einige Schutzleute fühlten sich deshalb beleidigt und der verantwortliche Redakteur, Genosse K u a u» r, wurde am Freitag vom Schöffen- gericht zu 100 M. Strafe verurteilt. �ugenöbewegung. Patriottscher Phrasenschleim. Auf die arme Jugend, die sich in christliche und � nationale Jugendvereine hat fangen laffon. geht in diesen Tagen eine wahre Sintflut von geschwollenen Kaisergeburtstags- Artikeln nieder. Eine einzige Probe aus diesen Erzeugnissen wird genügen, um zu zeigen, was man den jungen Leuten an sogenanntem „Patriotismus" zumutet: „Wenn wir das inhaltsreiche, bewerte und erfolgreiche Leben des Kaisers an unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen, dann treibt'S uns wohl, nach den Ouellen zu forschen, ans denen ihm fortgesetzt Kraft und Mut. AttS- d a u c r und Zähigkeit, Weisheit und Einsicht. E r- folg und Sieg zufließen. ES hält nicht schwer, diese Ouellen zu finden. Die Lebens- und Tageslosuntz des Kaisers deutet sie uns, die da laulct: Bete und arbeite! Darin liegt daS Geheimnis seiner großen Be- deutung, worüber dos Ausland sich in steten, staunenden Bewiinderungeti ergeht, woran« das deutsche Volk so viel Segen schöpfen durste und worüber wir au de« Kaisers Geburtstag reden und rühmen in hoch st er Be- g e i st e r u n g." So der„Leuchtturm"(Nr. 4), da« Blatt der evangelischen Jüitglitige. Woher der Kaiser die„Ouellen" seiner übernteitschltchen Eigenschaften heu� wissen wir ja nun. AuS welchen„Ouellen" aber der evangelische Schmeichler schöpft, möchten wir gern erfahren. Mus?nöustne unö Handel. Der Abschluß der Hapag. Die Ziffern des Welthandels für das Jahr 1913 zeigen gegen- über ISIS ganz bedeutende Erhöhungen. Besonders die Aussuhr hat in allen industriellen Staaten stark zugenommen. In Deutsch- laud allein stieg die Ausfuhr um mehr als eine Milliarde Mari auf über 10 Milliarden Mark. Von diesem Aufschwung haben die Schtfsahrtsgesellschasten reichlich profitiert. Ihre Mehreinnahmen mußten um so größer sein, als auch die Frachtsätze ieucrer waren als im Jahre 1912. Ter Bedarf an Schiffsraum war so groß, daß die Gesellschaften noch fremde Fahrzeuge leihen mußten. Auch der AuSwanderervcriehr Hai sich stark gehoben, wenn auch die Zwischen- decköraten infolge der Streitigkeiten in der nordatlatttischen Schiff- sahrtskonvention teilweise ermäßigt wurden. Für die H a mb u r g- A m c r i k a- L i n i e führte diese gün- stige Situation der Sceschiffechrt zu einer Erhöhung des G c- Winnes. Ter Betriebsgewinn wuchs gegen 1912 von auf 00 Millionen Marl. Dieses Ergebnis hatte eine Erhöhung der Dividende ermöglicht. Aber die Bevwaltung will, wie im Vorjahre, itur 10 Proz. Dividende ausschütten. Der Mehrüberschuß wird zu Abschreibungen und Rrfervestelluttgen verwandt, und zwar werden für diesen Zweck 4ö Millionen Mark(gegen 39,5 Millionen Mark im Vorjahre) bereitgestellt. In einer Mitteilung betont die Ver- waltung. daß ein Teil davon dem Konkurrettzabwehr- i o n t o zuslietzt. Bereits im vergangenen Jahr wurden diesem Kampffonds 7 Millionen Mark zugewiesen, da schon damals die Gegensätze zwischen Hapag und Lloyd bestanden, die jetzt zur tilus- löjung der nordatlatttischen SchiffahriSiottvetttiott führten. Englands und Deutschlands Ausfuhr. In ihrem letzten Wocktcnbericht schreibt die Berliner Handelsgesellschaft: Tie Ziffern de« deutschen Außenhandels liegen ttumnchr für das ganze Jahr 1913 vor und es zeigt sich da» überaus erfreuliche Bild, daß in drei Monaten, nämlich im März, Oktober und Dezember, die Handels- .bilanz aktiv war. Bemerkenswert ist ferner die Tatsache, daß der Gesamtwert der Warenausfuhr im abgelaufenen Jahr zum ersten Male den Betrag von 10 Milliarden Man überschritten hat. Noch vor zehn Jahren betrug der Wert der deutschen Ausfuhr nur 5 Milliarden Mark; er stieg im Jahre 1900 auf 0, im Jahre 1910 auf 7, im Jahre 1911 aus 3 und 1912 auf nahezu 9 Milliarden Mark. In den letzten zehn Jahren hat sich also die Ausfuhr ver- doppelt, während England 14 Jahre brauchte, um von 5 auf die gleichfalls im Jahre 1913 zum ersten Male erreichten 19 Milliarden in der Ausfuhr zu kommen. Nichts kamt deutlicher als diese Zahlen nno dieser Vergleich zeigen, lvelchen ungehureN Aufschwung Industrie und Handel in Teutschland im letzten Jahrzehnt ge- nourmen haben._______ Soziales. Sozialdemokraten werden nicht bestätigt. Die Landgemeinde Eichlinghofen bei Dortmund hat seit einigen Jahren eine sozialdemokratische Mehrheit in der Gemeindevertretung. Diese wählte Ende v. I. einige sozialdemokratische Familienväter in den Sch u I v o r st a n d. Tie Negierung hat den Gewählten jetzt jedoch mitgeteilt, daß sie ihnen die Bestätigung versage. Gründe sind jücht angegeben. Es ist also wahrscheinlich die Parteizugehörigkeit sür die Entscheidung der Regierung maßgebend gewesen. Der sozialdemokratischen Mehrheit macht die Regierung auch sonst erheltliche Schwierigkeiten. Die Einführung der Gruirdstcuer nach dem gemeinen Wert wurde beanstandet, ebenso die steuer- ljche Freilassung der Einkommen unter KM M. und die Heber- nähme des Armcilwesens in eigene Verwaltung. Ja, was der Allgemeinheit zum Vorteil dienen könnte, muß von altpreußischer Art verivorfen werden. So etwas nennt man Auf- ficht über die Selbstverwaltung. Die Richtbestatigung wegen politischer Gesinnung der Betreffenden verstößt gegen den klaren Sinn und Wortlaut der Verfassimg. Aber was geht einen„echten Preußen" die Verfassung an. Kehren sich doch das Oberverwaltungsgcricht und Offiziere nach dem Herzen des Jaimschauers nicht an dieselbe. Wüblerliste obne Wahlnbteilunoen. Die Wahl von fünf Gemeindevertretern in Bittkow. die im Frühjahr 1912 stattgefunden hatte, wurde angefochten. Es wurde «ante INI ich ans das Zustandtkommen der Wählerliste, die an sich nicht angefochten worden war, zurückgegriffen. Der Bezirksausschuß als Berufungsinstanz erklärte sämiliche angefochtenen Wahlen für itttgiiltig, weil bei der Offenlegung der Liste nicht ordnungsgemäß vorfahre» worden wäre. U. a. habe sie keine Eiiticilung in Wählerabteilungen gcchabt. Das ObcrverwaltnngSgerlcht bcsintigtr dieser Tage das Urteil. E§ ging von folgenden Erwägungen aus: An sich sei ja eine ordnungsmäßig zustande gekommene Wählerliste, auch wenn sie Per. soncn enthalte, die nicht hineingchörten, oder solche nicht enthalte, die hineingchörten, die gesetzmäßige Grundlage für die Wahl. Wenn aber eine Liste unter Autzerachtlassung wesentlicher gcsei?. sicher Vorschriften zustande gekommen sei, so daß sie an sich als ungültig erachtet und deshalb als nicht vorhanden erachtet werden müsse, dann ziehe daö bei ordnuitgSmäisiger Anfechtung der ans Grund der Liste erfolgten Wahlen die Ungültigkeit dieser Wahlen nach sich. Hier habe nun die Liste zur Zeit der Auslegung keine Einteilung in Wahlabteilungen gehabt. Da eine derartige Ein» tcilung aber ein wesentliches Erfordernis der Liste sei. so leide hier da§ ganze Verfahren an einem wesentlichen Mangel, daß die angefochtenen Wahlen ungültig seien. Zum Kampf zwischen Krankenkassen und Aerztrn. AuS Brauufchweig wird gemeldet; daö Obcrverfichc rungSam t habe an die Regierung das dringende Ersuchen gestellt, eine Ein!» gung zwischen dem Aerzteverband und den Krankenkassen herbeizuführen, oder den Krankenkassen aufzugeben, bis zu diesem Termin die erforderlichen 12 Acrztc einzustellen. DaL ObevversicherungZ- amt begründet diesen Antrag damit, daß infolge sohlender aus- reichender ärztlicher Versorgung die Zahl der Halb- und Ganz. invaliden unverhältnismäßig hoch werden dürfte, weil eine tndr- viduelle Behandlung bei der geringen Acrztezahl vollständig un- möglich sei. Nach einer Meldung aus Leipzig hat sich der Leipziger Acrzte- verband bcschwcrdefiibrcitd an das RcichSamt des Innern gewandt, um zu verhindern, daß die Braunschweiger Krankenkasse 15 in Düsseldorf zur Disposition gestellte Aerzte anstelle, KsiindigungSansschluß. Kürzlich hatte in citter Klagesache eines Fensterputzers gegen ein Fensterreinigungsinstitnt das Gewcrbcgericht, Kammer 8, Vorsitzender Magistratörnt Schultz, entschieden: Weuu im vorigen Jahre, wählend die Tarifverhandlungen schwebten, vom Arbeii- geber im allgemeinen die alten Tarifbedingunge» eingehalten wurden, dann gilt auch der KünktgUngSausschluß. Die Berufuttßsinstanz hat sich jetzt in einer anderen Sache durch Urteil dieser Aufsaffuttg eingeschlossen. Demnach würde also auch für alle diejenigen KirndigtingS- auSschluß bestehen, die ohne besondere Vereinbarung in der tarif-t losen Zeit im FenfterreiitigungSgewerbe in Arbeit getreten sind. Eine derartige Auslegung einer allgemein gültigen Ucbung erachten wir als mit 8 122 der Gsverbeordnung unvereinbar. Nach 8 122 besteht, falls nichts anderes vereinbart ist, vierzehn- tägigc Kündigungsfrist. Gewiß mag es im Einzelfall Mcifcl-Hait sein, ob der Arbeit- geber nicht Ausschluß der Kündigungsfrist vereinbaren wollte. Wollte er das, so mußte cr eben daS ausdrücklich vereinbaren; denn Treu und Glauben erfordere, datz der Arbeitgeber da» für ihn Vorteilbalte- mit zweifelsfreien Worte« ausheding«. So hat das RetchsoberhandelSgericht bereits in der Entscheidung Band 17 S. 19 sich ausgesprochen und so hat es mit Recht bislang da» Reichs- gericht gehalten. Gegen diesen AuSIegringSgrundsatz verstößt die mitgeteilte Entscheidung._________ Gerichtszeitung. Nnpatriotifchcs Tanzen ist„grober Unfug"! lieber die sächsische Gemütlichkeit geht doch nichts, meint mancher. Aber cr irrt, weit darüber geht sächsische Justiz. In Königshain bei Mittweida hielten Arbeiter-Radsahrcr am 18. Oktober ihre Monatöversammlung ab. Dann gingen sie in den «aal, allwo auS Anlatz der Jahrhundertfeier öffentlicher Tanz ab- gehalten wurde,«ie taten. waS Tanzlustige bei solch Dorf- vergnügen zu tun pflegen: sie tanzten, sie sangen, sie tanzten und ließen gegen 12 Uhe nacht« noch eine Extratour tanzen. Mitglieder de« patriottichen Radfahrerbereins fragten den Gendarm, ob man da nicht gerichtlich einschreiten könnte. Und siehe da: sächsische Fixigkeit holte daS Polizcimädchen für alle«, den Groben-UirfugS-Paragrapheu heran und brummte mit Hilfe dieses PatentmädelS jedem Teilnehmer 20 Mark Geldstrafe auf. Das Schöffengericht Mittweida bestätigte den Polizeibefehl, alldieweil die Angeklagten im Saale dadurch mit ver- eiitten Kräften„groben Unfug" verübt hätten, weil sie die hübschen Lieder„Frisch auf, frisch auf dem Radfahrersport", den „Sozialistenmarsch" und AehnsicheS gesungen uud schließlich eine Extratour getanzt hätten. Acht der Bestraften glaubten, sie könnten beim Chemnitzer Landgericht durch Freisprechung Recht erlangen. Sie legten Berufung ein. Da kamen sie aber schön an. Sie wurden befragt, ob sie der sozialdemokratischen Partei angehören? Die Mehrzahl bejahte diese zur Be- urteilung der Schuldfrage schier völlig unerhebliche, wohl auch unzu« lässige Frage, da ja doch nicht nach Maßgabe der politische« Gesinnung der Täter, sondern noch Maßgabe der?ur Be� urteilung stehenden Tat Reckt zu sprechen ist. Die Mehrzahl bejahte die Frage, einer antwortete„noch nicht", zwei sagten: Der Partei sind wir beigetreten, nachdem wir be st rast sind. Das Gericht verwarf die Berufung. Der öffentliche Tanz sei anläßlich der Jahrhundertfeier zwar nur vom Wirt abgehalten worden, aber durch ihr Auftreten hätten die Angellogten i h r e p o l i t i s ch e G e s i n n u n g den a u w e s e n- den patriotisch gesinnten OrtSbetoohnern aufdrängen wollen, tschlicßlich bedauerte das Gericht, daß nicht auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, sonst hätte cS auf höhere Strafen erkannt. Ob wohl Gerechtigkeit und Rechtsprechung allemal das- selbe ist?_ Uufittiichkeitsschnufflcr und Tetettivburcau. In die Geschäftspraktiken eines Detektivs, und zwar des rmS dem Garrison-Kunze-Prozeß bekanntgewordenen Tctcltivs Ernst ■roffman« leuchtete eine Verhandlung hinein, welche gestern unter Vorsitz de? Landgcrichtsdirettors Vaumgarten die 3. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Der Angeklagte, der bekanntlich in der Garrison-Affäre eine höchst gemeingefährliche Rolle spielte, ist, wie der Vorsitzende bc- kanntgäb, schon vor längerer Zeit ans?tntrag seines Bruders, des Overettensänger» Paul Hoffmann, wegen Geistesschwäche ent- mündigt. In der jetzt vorliegenden Anklage wegen versuchter Erpressung bandelt«S sich um folgendes: Der Kaufmann Frauken thal in NiiolaSsee pachtete vor vier Jahren ein Gelände am Wannsce, auf welchem er das bekannte Freibad Wannsce errichtete. Da diese Idee fast allseitigen Anklang fand, so dauerte es nicht lauge, bis von den Inhabern der an den märkrfchen Wasserstraßen gelegenen Badeanitcrlteri. für die das Freibad eine gefährliche Konkurrenz bedeutete« aus geschäftlichen Gründen eine Anti-Frcibadbcwegung inszeniert wurde.' Der Obmann des„Vereine märkischer Natur- badeanstaltsbesiber", der Badeanstaltsbefitzer Zieh« in Treptow. beauftragte den Rechtskonsulenten Ma», heimlich Beobachtungen in dem Freibad Wannsee anzustellen, ob dort Unsittlichkcitrn vor- kämen. May verlangte dafür 125 M. und später 3 M. Die vorr Zibhin verlangten Beobachtungen wurden von dem jetzigen Augeklagten Haffmann ausgeführt, der seinerzeit bei May als Detettw beschäftigt wurde und pro Tag 6 M. erhielt. Er wurde beaustragt, wenn er dort Gruppen in unanständigen Stellungen bemerken würde, diese sofort zu photographieren. Einige Tage, nachdem H. diesen Auftrag übernommen hatte, wurde der Zeuge Frankcnthal von einem Unbekannten angerufen, der ihm mitteilte, daß er in der Lage sei, die Anti-Frcibadbewegung zu unterdrücke». Am nächsten Tage traf Fraukenthal mit dem Unbekannten, der sich als der Angeklagte entpuppte, in einem Cafe am Rosenthaler Tor zusammen. Ter Angeklagte erzäblte, daß von den übrigen Bade- anstaltSbefitzern ein Kampf mit allen Mitteln gegen das Freibad geführt werden solle. Er habe den Auftrag erhalten. Unsittlich- keitcn in dem Freibad festzustellen und sogar eventuell mit Hilfe von Straßendirncn selbst solche„unsittlichen Gruppen" zu stellen und alö Beweis zu photographieren; der Auftraggeber Ziehm habe auf das Gelingen des Auftrages eiiw Prämie von 200 M. ausgesetzt. Frankcnthal kam sofort auf den Gedanken, daß es sich hier um die vorbereitenden Handlungen zu einer Erpressung handele. Er bestellte den Angeklagten nach dem Restaurant„Beelitzhof" und bar gleichzeitig einen Bekannten, den Redakteur Mauracher in Pols- dam. von einem Nebentisch auS die Unterhaltung mitanzuhören. Bei dieser Gelegenheit erzählte der Angeklagte dann: er habe den Auftrag, de» Abortwärter in dem Freibad zu bestechen und sich dann mit einer Straßendirne überraschen zu lassen. Die von ihm aufgenommenen Photographien würden dann in einer öffentliche» Versammlung, zu der möglichst viel Pastoren und Borsitzende von christlichen Lereiuen eingeladen würden, als Lichtbilder vorgebracht und als Kampfmittel gegen das Freibad benutzt werden. Er fei bereit, sich auf seine Seite zu schlagen, wenn er iFrankenthal) sich eutschiießcn könne, ihm den durch Verlust feiner Stellung bei May erlittenen Schaden zu ersetzen. Bei einer anderen Gelegenheit zeigte der Angeklagte dem F. auch einen Fragebogen mit ll Fragen, die Ziehm beantwortet haben wollte, darunter auch die Frage, ob Frantcnthal Jude fei.— Als Hoff mann dann, mit einem Photo- graphifchcn Apparat bewaffnet, im Freibad Wannsee erschien, ließ ihn F. durch den Geudarmerieivachtmeister Sommer festnehmen. Zu der Verhandlung war von den Rechtsanwälten Dr. Klee und Schumann auf die Gutachten des Medizinalrats Dr. Hoff, mann und des Anstaltsarztes Dr. Sulinger Bezug genommen. Da sich beide Sachverständige außerstande erklärten, ohne eine längere Beobachtung des Angeklagten ein Gutachten abgeben zu können und deshalb den Antrag aus 8 81 der Strafprozeßordnung stellten. kam daS Gericht zu einer Bcrtagung. Es wurde beschlösse», den Angeklagten bis zur Dauer von 8 Wochen in einer öffentlichen Irrenanstalt auf feinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Das find, wie aus den� Zeugnissen der Verhandlung ersichtlich, ja nette Früchte aus der Schule der politischen Polizei. Ein Zimmcrvermietcr-Beschwindlcr. Ein Schwindler, der zahlreiche Zimmervcrurieterinncn geprellt und vor dcui wir seinerzeit eindringlich gewarnt hatten, wurde gestern von der 1. Strafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit unschädlich gemacht. Es war dies der Reisende Friedrich Gutsche, der sich wegen Betruges und Urkundenfälschung in mehre- ren Fällen zu verantworten hatte.— Der schon vorbestrafte An- geklagte erschien bei zahlreichen Zimmervermieterinnen, deren Namen er aus den an der Haustür hängenden Karten ersehen hatte, und tischte ihnen folgende Erzählung auf: Er komme als Vertreter der„Bereinigung zur Bermietung möblierter Zimmer". Diese Ver- einigung erstrebe eine bessere Verwertung möblierter Zimmer und VrmittÄlung besserer Mieter, insbesondere Dauermieter. Der Ver- einigung gehörten fast ausschließlich Beamte an, wie z. B. Lehrer, Postbamtc. Telephonistinnen. Mit großem Redefluß trug der An- geklagte die großen Vorzüge dieser Vereinigung vor und erklärte schließlich, daß die Erlangung der Mitgliedschaft von einer ein- maligen Einschreibcgebühr von 3 M. abhängig sei. Er wies dabei eine Geschäftskarte vor, welche die Aufschrift trug: E. Gutsche, Vorstand der„Vereinigung zur Vermietung inöbliertcr Zimmer". Trotz des recht plump angelegten Schwindels fielen zahlreiche Zimmervermieterinnen auf die Angaben des Angeklagten hinein und zahlten die verlangten 3 M. Sie erhielten dafür eine Quittung, die der Angeklagte mit Müller, Kassierer des „V. z. 53. m. Z." unterzeichnete. Hiermit war für den Angeklagten die Sache erledigt. Wenn dann die Hereingefallenen, nachdem sie einige Zeit vergeblich auf den sehnsüchtig erwarteten„möblierten Herrn" gewartet hatten, nach der Kottbuser Straße gingen, wo sich angeblich das Bureau der Vereinigung befinden sollte, so fanden sie dort eine Schankwirtschaft vor, in der der Angeklagte einige Zeit sein„Kontor" aufgeschlagen hatte, um dann zu verschwinden. Der Schwindler wurde schließlich zufällig von dem Bekannten eines Hereingefallenen wiedererkannt und festgenommen. Der An- geklagte b-hauvtete, geisteskrank zu sein. Die Sachverständigen, Medizinalrat Dr. Hoffmann und Gerichtsarzt Dr. Marx, bekundeten jedoch, daß von einer Anwendung des 51 bei dem Angeklagten keine Rede sein könne. Mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit der von dem Angeklagten verübten Schwindeleien erkannte das Gericht auf 2 Jahre Gefängnis, außerdem wurde der Angeklagte sofort verhaftet._ Ein Einbruch in die Berliner Stadtmission lag einer Anklage wegen schweren Diebstahls zugrunde, welche gestern den Schlossergcsellen Willi Schiepc und den Arbeiter Theodor Pictzucr vor die 4. Straftammer des Landgerichts II führte. In der Nacht zum 1k. Dezember v. I. drangen Diebe in die am Johannisiisch gelegenen Geschäftsräume des„ZcntralbureauS der Berliner Stadtmission"«in und erbrachen dort sämtliche Pulte und Schränke. Da die Einbrecher von dem dort angestellten HauS- diener gestört wurden, ergriffen sie unter Mitnahme eines Regen- schirms und verschiedener Burcauutcnsilicn die Flucht. Es wurde festgestellt, daß die Diebe an dem zwecks Vornahme von Repa- raturen an dem Hause aufgestellten Gerüst außen entlang geklettert waren, dann eine Scheibe eingedrückt hatten und so in die Bureau- räume gelangt waren. Vor Gericht waren beide Angeklagte gc- ständig. Die Strafkammer billigte dem wiederholt vorbestraften Angeklagten Schiepc noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte gegen ihn auf die geringste zulässige Strafe von ein Jahr Gefängnis, gegen Pietzner lautete das Urteil auf sechs Monate Gefängnis._ Versammlungen. Die Putzersektion des Bauarbeitcrverbandes hielt am Sonn- tag ein« Versammlung ab, tvclchc den Jahresbericht des Sektions- Vorsitzenden Lern m c entgegennahm. Ter Referent führte u. o. aus: Schon im Jahre 1912 war der blcschästsgang so schlecht, daß man glaubte, der Höhepunkt der Krise wäre erreicht. Aber das Jahr 1913 brachte eine weitere Verschlechterung. Während im Jahre 1912 von 1619 Mitgliedern der Sektion durchschnittlich 299 pro Woche arbeitslos nxlrcn. wurden 1913 bei 1172 Mitgliedern durchschnittlich 355 Arbeitslose pro Woche festgestellt. Diese Fest- stellung erstreckt sich nur auf die 49 Wochen, Ivo Verbandsbci träge gezahlt werden. Die noch viel ungünstigeren 12 Winterwochen, für die kein Beitrag erhoben wird, sind dabei nicht berücksichtigt. In Wirklichkeit ist also die Arbeitslosigkeit noch größer, als die angeführten Zahlen erkennen lassen. Mit dem Konjunkturrückgang lioben sich auch die Lolmpcrhaltnissc verschlechtert, und zwar insofern, als die Unbernebmer— anscheinend auf Grund eines Ucbercinkommens unter sich— den Putzern keine Nachzahlung mehr gewähren, wenn sich herausgestellt hat, daß sie hei den verein- harten Akkordprcisen den üblichen Lohn nicht verdient haben. Hauptsächlich trifft das die Außcnputzer. weil sich deren Arbeit im voraus nicht leicht veranschlagen läßt. In früheren Jahren haben die als anständig geltenden Firmen immer den Lohn bezahlt, auch wenn er bei dem Aktordpreis nicht erreicht worden war. Das hat, wie gesagt, aufgehört, und so passiert es nicht selten, daß Putzer am letzten Lohntage eines Akkords ohne Geld nach Hause gehen müssen. Um bei niedrigen Preisen zurechtzukommen, überschreiten die Putzer oft die für sie geltende achtstündige Arbeitszeit. Nicht selten wird der Arbeitstag ans 9 Stunden verlängert. ES ist klar, daß durch solches Verhalten die Preise noch weiter gedrückt werden. Deshalb muß strikte Jnnehaltung des Achtstundentages jedem Kol- legen zur Pilichi gemacht, werden.— lieber die Tätigkeit der Sektionsleitung teilte der Redner mit, daß er im Laufe deS Jahres in 69 Fällen Differenzen auf Bauten zu schlichten hatte. Vier- Sperren wurden verhängt, von denen nur eine Erfolg hatte. Bezüglich der Wahl des Sektionsvorstandes beschloß die Ver- sammlung. daß zunächst in den Bezirken Vorschläge gemacht werden. Darüber wird dann in einer Versammlung dislulicrt und die Kan- didatenliste ausgestellt. Danach erfolgt dann die Wahl in den Bezirken.__ fius aller Welt. Der beleidigte Leutnant. Uns kann keiner, denn wir baben ein ganz besonders fein aus- geprägtes Ehrgefühl und müssen deS Königs Rock und seinen Träger gegen jederlei Beschimpfung schützen. DaS Zivilistenpack hat— das haben die unglaublichen Uebergriffe der bürgerlichen Kanaille in Zaber« gezeigt— stetS die Absicht, den preußischen Leutnant tätlich zu beleidigen. Und darum ist es nur recht und billig, wenn bei tätlichen Angriffen unsererseits Putativnotwehr angenommen wird. So etwa mögen die Gedankengänge eines Leutnants Krüger gewesen sein, der in KottbuS in einem Eafo beim Bockbierfeste sein Teil dazu beitrug, daß der Wirt leere Fässer bekam. Im Gedränge ergab es sich nun, daß ein Gast den Leutnant Krüger mit dem Ellenbogen anstieß. Der Gast bat sofort höflichst um Ent- schuldiguug. aber er hatte vergessen, daß vor ihm ein Lcut- nant in Zwil faß. Dieser war mit der Entschuldigung, die jedem gewöbnlichen Erdenbürger genügt, nicht zuftieden. Er fuhr von seinem Sitze aus und gab seinem Feind einen Stoß vor die B r u st. Der Betroffene wußte noch immer nicht, daß er eS mit einem preußischen Leutnant zu tun hatte und erwiderte darum den Schlag.?lun zog der Leutnant seinen Revolver und hielt dem Gast den Laus direkt unter das Kinn. Der ganze Vorgang rief den Unwillen der Gäste wach. Ein Kellner entriß de« Wütenden schleunigst die Waffe, und der Leutnant fiel nunmehr auf seinen Stuhl zurück. Beim Untersuchen der Waffe ergab e« sich, daß sie scharf geladen war; vier scharfe Patronen und zwei Platzpatronen füllten die Kammer. Nun erfuhren die Gäste auch, daß man es mit einem Leutnant zu tun hatte. Freunde des Militarismus legten sich ins Zeug, baten um Gnade und schoben den Leutnant ab. Nach der vortrefflichen Entscheidung eines hohen Kriegsgerichts wird dem Leutnant Krüger Putativnotwehr ganz selbstverständlich angerechnet werden müssen. Wenn einem Leutnant Forstner ein Lahmer gefährlich werden kann, warum soll es dann nicht ein Kaffee- hauSgast werden, der einen Leutnant auS Versehen an den Ellen» bogen stößt._ Liebe und Ehe, Zahlreiche Ehe- und Erfersuchstdramen haben sich am letzten Sonntag abgespielt. In Hamburg verletzte der pensionierte Zollaufseher Groth seine Frau in ihrer gemeinschaftlichen Woh- nung durch Bcilhiebc lebensgefährlich und sprang dann aus dem fünften Stockwerk auf die Straße, wo er t o t l i e g e n blieb. Tic Frau wurde ins Krankenhaus gebracht.— Gleichfalls in Hamburg erstach der Schifssheizcr Christoph in der Woh- nung seiner von ihm getrennt lebenden Frau den Kaufmann G a u s e, der Frau Christoph in ihre Wohnung geleitete, mit einem Küchenmcsscr, nachdem Gause vorher angeblich au? Christoph zwei Revolverschüffe abgegeben hatte. Christoph wurde s ch w e r v c r- letzt ins Krankenhaus gebracht. Frau Christoph, die behauptete. siehabege schössen, nachdem ihr Mann den Kaufmann Gaus« angegriffen hätte, wurde verhaftet. 'In Hersfeld drang der Arbeiter Jakob Daenze! am Sonn. tagabcnd aus Eifersucht in die in der Friedloserstraße gelegene Wob. nung des Ehepaares Roth ein und verletzte beide Eheleute durch Messerstiche schwer. Di« Frau ist auf dem Transport zum Krankenhause g e st o r b c n. Daraus warf sich der Täter vor den nach Bebra abfahrenden Personenzug, hierbei wurde ibm das rechte Bein abgetrennt. In schwerverletztem Zustand wurde er ins Krankenhaus geschafft. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde in der Sonntognacht der bekannte Schauspieler Paul Guide, Mitglied des Sarah- Bernhard-Theaters. als er das Theater verlassen wollte, von seiner früheren Geliebten, der er den Abschied gegeben hatte, überfallen und durch sechs Revolverschüssc lebcns. gefährlich verletzt. Kleine Notizen. Giftige Gase. Aus der D o n n e r s m a r ck h ü t t e bei Beutke« stiegen am Sonnabend mehrer« mit der Ausbesserung der Rohr» leitung beschäftigte Monteure in einen Kanal der Rohrleitung ein. Drei Monteure wurden dabei durch giftige Gase be- täubt; nur einer von ihnen konnte ins Leben zurückgerufen werden. Opfer der Fahrlässigkeit. Zwei Grubenarbeiter aus S a l o s z e bei Dombrowna hatten aus der Grube Dynamit mit nach Hause genommen, um cS in der Küche am Herde zu erhitzen. Es erfolgte eine heftige Explosion. Beide Bergleute wurden Opfer ihres unglaublichen Leichtsinns, denn sie wurden buchstäblich in Stücke zerrissen, Ein Geistlicher als Biichermarder. Großes Auffehen erregt« Paris die Verhaftung des 56 Jahre alten Abbäs P l o o u i n, eines sehr geachteten Priesters, dem nachgewiesen wenden konnte, daß er seit geraumer Zeit in öffentlichen und privaten Bibliotheken eine Anzahl wertvoller Bücher ent» wendet hat. Absturz riueS spanischen Militärfliegers. Aus dem Militär- flugplatz Euatrovicutos stürzte am Montag der Leutnant Ma» r i m o R a m o s, ein Sohn des General Ramos, aus einer Höhe von 399 M e t e r n ab. Er war sofort tot. mu "B«fer JTMallpütz I DtMnlt n kaken w Fluctin Mn 10 Ftift Fibt ik: Chemische Werke Uibuyniki ck Cei Akiiengeieiinehift. Berlin Lichtenberg. XenkAlln! id. Bartsebs Fesisäie Hermannatr. 49. Ten werten Vereinen zur MMelluug, daß der grohc und kleine Saal Eo»ut«go sowie Sounabends ün März u. LvrU zu kok. Bedingungen zur Verfügung steht.. Lerantwertlichcr Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Für den Jnserätenteil vcrantw.: Th.Glvck?', Berlin. Druck u.vcrkag:VörwärtS Buchdruckerei' u« Verkazsavstalt' Paul Singer& Ce, Berlin SW. Nr. 26. 31 Iöhrgavg. 2. JStilinjt des Jonürtf DM» öolblilatt Dienstag. 27. Januar 191�. Schule und Kinösrausbeutung. Der vor kurzem von uns mitgeteilte Fall schlimmster Aus« «utzung eines noch schulpflichtigen Kimben durch langandauernde Erwcrbsarbeit bat aufs neue gezeigt, datz die Mithilfe der Schule im Kampf gegen die Kinderausbcutung noch viel zu wünschen übrig läßt. Vor mehreren Jahren klagte die Schuldeputation in einem ihrer jährlichen Berwaltungsberichtc, daß die Vorschriften des Kinderschutzgesetzes— im besonderen z. B. die Forderung, die zur Erwcrbsarbeit zugelassenen Kinder jedenfalls nicht früher als zwei Stunden nach Schluß des Vormittagsunterrichtes und über- Haupt nicht länger als drei Stunden an einem Tage zu beschäfti- gen— immer noch zu wenig beachtet würden. Die Schule sei, führte der Bericht aus, ohne große Mühe in der Lage, festzustellen, ob und wieweit bei getverblich beschäftigten Schulkindern die Be- stimmungen des Kinderschutzgesetzes befolgt werden. Zum Zweck einer strengeren Kontrolle hatte damals die Schuldepu- tation den Nektoren entsprechende Anweisungen zugehen lassen. Man darf aber allerdings nicht verkennen, daß für die Schule doch hie Schwierigkeit, etwaige Verstöße gegen das Kindcrschutzgesctz zu ermitteln, nicht gering ist. Wer bürgt dafür, daß bei der von Zeit zu Zeit wiederholten Befragung der Kinder über Art der Llrbcit, über Beginn und Dauer der Arbeitszeit usw. wahrheitsgemäße Auskunft gegeben wird? Oft sind die Kinder durch ihre Eltern oder wohl auch durch die Arbeitgeber ganz genau darüber unter- richtet loorden, was das Gesetz erlaubt und was es verbietet. Und hie Kinder wissen, daß sie den Verlust der Arbeit riskieren, wenn sie die Wahrheit sagen und selber eine Ucbertretung angeben. Von diesem Gesichtspunkt aus wird man die in den Schul- heputationsverichten alljährlich enthaltenen Angaben über den Einfluß der Er w erb'» arbeit auf den Unterrichts- erfolg der Schule mit Vorsicht aufzunehmen haben und in ihnen nicht mehr als eine kleine Stichprobe sehen dürfen, deren Ergebnis wohl vervielfacht werden müßte, wenn es ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen geben soll. Die Berichte bringen regelmäßig einen statistischen Nachweis über die Ursachen, aus denen viele Kinder hinter den Anforderungen ihrer Klasse zurück- blieben, so daß sie nicht versetzt werden konnten. Der Bericht aus dem Schuljahr 1912/13 gibt für Ostern 1913 nur 89 Fälle an, in denen die Kinder wegen gewerblicher Beschäftigung fitzen geblieben seien. Daneben werden als Ursache der Nichwersetzung genannt: 98 mal Tchulwcchfel zu Beginn des Schuljahres, 411 mal Schul- Wechsel im Laufe des Schuljahres, 68 mal Zuzug aus Vororten, 161 mal Zuzug aus entfernteren Orten, 579 mal ungünstige häus- liche Verhältnisse, 79 mal mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache sondere Muttersprache), 1184 mal Krankheit, 6499 mal geringe Befähigung, 3933 mal ungenügender Fleiß, 55 sonstige Ursachen. Wir vermuten, daß noch sehr oft da. wo die Lehrer nur geringe Befähigung oder ungenügenden Fleiß annahmen, eine der Schule unbekannt gebliebene Erwcrbsarbeit den Unterrichtserfolg beeinträchtigt hatte. Nicht sclt:n findet man übrigens, daß erwerbtätigc Kinder den nachteiligen Einfluß auf ihre SchuUeistungen durch vermehrten Fleiß weit zu machen suchen. Durch eine Verminderung der Leistungen fallen dann solche Kinder nicht auf, aber dre Verschlechterung'ihres Gesundheitszustandes, die meist die Folge ist, kann einem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen. Die Feststellungen der Kinderschutzkommission zeigen immer wieder, daß leider noch sehr viele schulpflichtige Kinder in harter Fron fürs Brot arbeiten müssen. Daß selbst Kinder der unteren und untersten Klassen schon erwerbtätig sind, wird auch durch die Ermittelungen der Schule bestätigt. Von jenen 89 Kindern, bei denen zu Ostern 1913 die Lehrer als Ursache der Nichtversctzung die gewerbliche Beschäftigung erkannten, saßen in Klasse II 31 Kinder, in Klasse III 9 Kinder, in Klasse IV 14 Kin- der, in Klasse V 15 Kinder, in Klasse VI 13 Kinder, in Klasse VIl 6 Kinder, in Klasse VIII 1 Kind. Ist es nicht eine Schmach, daß Kinder bis hinab zu denen der achten Klasse, der Klasse für die Sechsjährigen, schon crwerbtätig sein müssen? Soll es zuviel verlangt sein, daß durch Erweiterung des Kinderschutzes solche himmelschreienden Zustände verhütet werden? Die Gedenkrede hält der Reichstagsabgeordnete Genosse Heinrich Schulz. Der Männerchor Steglitz-Friedenau hat seine Mitwirkung zugesagt. Eintritt frei. Adlershof. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, im Lokal von Kaul, BiSmarckstr. 45: Generalversammlung. Köpenick. Morgen Mittwoch, den 28., abends 8 Uhr, im Stadt« Theater(Inhaber Otto): Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag.(Thema wird in der Versammlung bekanntgegeben.) 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Parteiangelegenheiten. Fichte-Feier. Am heutigen Tage sind hundert Jahre seit dem Tode von I o h. G o t t l i e b Fichte verflossen. Der Bezirksbilöungs- ausschuß nimmt den Gedenktag zum Anlaß, um Ficht e- feiern für die Berliner Arbeiterschaft zu veranstalten. Den Haupiteil einer jeden Feier wird ein Vortrag bilden, in dem ein sachkundiger Redner Fichtes Stellung in der Geschichte seiner Zeit und die Bedeutung seiner Ideen für das moderne Proletariat darlegen wird. In den Versammlungen kommt eine von Kurt E i s n c r verfaßte Broschüre zum Ver- kauf, die in großen Zügen das Leben und Wirken des revo- lutionärcn Philosophen schildert. Die kleine Schrift, die 5 Pf. kostet, wird zur Befestigung des durch den Vortrag ver- mitteltcn Wissens beitragen und zur weiteren Beschäftigung mit den Werken Fichtes beitragen. Wir empfehlen den Gc- nassen den Besuch der Feiern. Näheres i in Inserat der heutigen Ausgabe des„V o r w ä r t s". Ter Bczirks-Bildnngsausschuß Grosz-Berlin. Vierter Wahlkreis. Heule abend 8l/2 Uhr findet im Saale des Ostbahuhofes, Küstriner Platz, eine Veisammlung der 23. Abteilung statt. 1. Vortrag des Genossen H. Barenthin 2. Neuwahl der Ableilungsmbrer. Die Abteilungsleilung. Der Kursus beginnt am Mitwoch, im Lokal..Südost", Waldemar« straßs 73, nicht um 8, sondern um 9 Uhr pünktlich. Am Sonntag, den 1.'Februar, abends Uhr, findet, im Elhsium, Landsberger Allee 40, ein Volksliederabeud statt. Mit- wirkende sind: Frl. Zlotnicka, Sopran; Herr Lcdcrer-Prina. Bariton; Frl. Kussel. Rezitationen: am Flügel: Frl. Susanne Friedberg.— Nach der Vorstellung: Tanz. Eintrittskarten a 39 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Die Viertelsleitung. Charlottenburg. Heute, Dienstag, abends 8stz Uhr: General- Versammlung des Wahlvereins im Volkshanse, Rosinen- straße 3. Tagesordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Dr. Meyer über:„Neue Ausbeutungsmetboden". 2. Diskussion. S. Kassenbericht. 4. Beratung der Anträge und Wahl der Delegierten zur Kceisgeneralversammluug. 5. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedenes. Steglitz-Friedenau. Donnerstag, den 29. Januar,>/z9 Uhr : Fichtefeier im AlbrechtShof, Steglitz. Albrechrstr. 1a. öerliner Nachrichten. Mäüchenverfammlungen. Die Arbeiterjugcndheime, Pflegestätten der Bildung und Ge- selligkeit für die Jugend des Proletariats, werden von der weib- lichen Jugend nicht so zählreich besucht, wie mait es wünschen muß. Um das Interesse der jungen Mädchen an den Veranstaltungen der freien Jugendbewegung zu wecken, fanden am Sonntagabend in verschiedenen Stadtgegendcu Berlins vier Mädchenversammlungcn statt. Auch die Eltern waren eingeladen, damit sie sich aus eigener Anschauung ein Bild machen sollten von dem, was die freie Jugend- bewegung ihren Kindern bietet. Sich nicht umgarnen zu lassen von den reaktionären„Freunden" der Jugend, sondern sich anzu- schließen an die jungen Klassen- und Schicksalsgenossen, Bildung und Geselligkeit in ihren Kreisen zu pflegen— das war es, was die Genossinnen Klara Bohm-Schuch, Regina Friedländcr, Gertrud Hanna und Mathilde Wurm den zahlreich erschienenen jungen Mädchen ans Herz legten. Warum treten wir mit diesem Ersuchen an die weibliche Jugend des Proletariats heran? Warum wollen wir sie für die freie Jugendbewegung gewinnen?— Die Genossin Wurm, deren Vortrag wir hörten, beantwortete diese Fragen im wesentlichen so: Mit dem 14. Lebensjahre verlassen die Arbeiterkinder die Volksschule. Viele von ihnen werden den Wunsch haben, weiter zu lernen, sich einer Tätigkeit zu widmen, für die sie eine beson- dere Neigung haben. Viele junge Mädchen werden wünschen, daß sie nach dem Ende der Schulzeit die Mutter bei der Hausarbeit unterstützen können. Doch davon ist bei den Kindern des Prole- tariats keine Rede, Wenn sie die Schule verlassen haben, dann geht es hinaus ins Erwerbsleben, in die Fabrik oder in die Heim- arbeit. Ein Paradies der Kindheit, ein« sonnige Jugend hat es für sie nie gegeben. Die Kinder der Besitzenden dagegen können, während die Proletarierjugcnd schon am harten Kampf ums Dasein teilnimmt, weiter lernen und studieren oder als Haustöchter ein behagliches Leben führen. Sie haben reichen?lnteil an den Freu- den des Daseins, die der?lrbetterjugend versagt sind. Warum das so ist, das hat man den Kindern in der Volksschule nicht gesagt, Nichts hat man ihnen gelehrt von den Zusammenhängen des Wirt- schaftlichcn Lebens. Man hat ihnen im Geschichtsunterricht ein ganz falsches Bild der Verhältnisse gegeben. Blau hat ihnen er- zählt, daß das Volk alles Gute den Fürsten und Herrschern zu danken habe, aber nichts hat man ihnen gesagt von dem Ringen des Voltes und seinem Anteil an dem kulturellen Fortschritt, nichts von dem, was die Arbeir des Volkes an Kulturgütern errungen hat.— Was die Schule an den. Kindern des. Volkes vexsäumt hat, das muß die' Jugend, das müssen die jungen" Mädchen, wenn sie die Schule verlassen, nachholen. Dazu wird ihnen Gelegenheit geboten in den Arbciterjugendheimen."Dort können sie, jeder nach seiner Neigung und seiner Veranlagung, ihr Wissen bereichern und im zwanglosen Verkehr mit gleichdenkenden und gleichstrebenden Altersgenossen Unterhaltung und Geselligkeit pflegen. Was die bürgerliche Jugendbewegung bietet, das hat letzten Endes nur den Zweck, die proletarische Jugend zu willigen Arbeitskräften zu macheu. Die freie Jugendbewegung dagegen will die Kinder des Volkes zu denkenden Menschen erziehen, die sich ihres Wertes als Mensch bewußt sind und die Gebrauch machen sollen von ihrem Recht, als Menschen im wahren Sinne des Wortes zu leben.— Wenn vielleicht in den Kreisen der Eltern noch hier und da die Anschauung herrscht, es sei bedenklich, daß in unseren Jugend- Heimen die Jugend beider Geschlechter gemeinsam zusammen- kommt, so mögen die Eltern selbst einmal ein Jugendheim besuchen. Sie werden sich dann überzeugen, daß ihre Bedenken unbegründet sind, und daß der ungezwungene gesellige Verkehr beider Geschlechter gute erzieherische Einflüsse hat.— Die verhältnismäßig geringe Beteiligung der Mädchen an unseren Jugendveranstaltungcn mag zum Teil darin seine Ursache haben, daß die Mädchen nach be- cndeter Erwerbsarbeit noch im Haushalt tätig sein müssen, wäh- rend die jungen Männer über ihre arbeitsfreie Zeit uneingeschränkt verfügen können. Doch das läßt sich ändern. Auch in den häus- lichen Arbeiten sollte der Bruder die Schwester unterstützen. Dann wird für beide noch Zeit bleiben, um sich an den Veranstaltungen der freien Jugendbewegung zu beteiligen. Nachdem die Bortragenden in dieser Weise den Wert der freien Jugendbewegung für die jungen Mädchen der Arbeiterklasse dar- gelegt hatten, trat die Unterhaltung und die zwanglose Gesellig- kcit in ihr Recht. Der gute Besuch der Versammlungen, der leb haste Beifall, mit dem die Vorträge aufgenommen wurden, läßt erwarten, daß diese Veranstaltungen auf den Besuch der Arbeiterjugcndheime durch die weibliche Jugend günstig einwirken werden. Zwischen Insel- und Waisenbrülkc. Der Winter hat sich nun auch ins Herz der Großstadt hineingefressen. Tort, wo noch die alten Häuser in den engen Gaffen stehen, treibt er entschieden merklicher sein frostiges Wesen als in den breiten Straßenzügen der Geschäftsviertel. Besonders aber hat zurzeit jener Teil der Altstadt ein Winter- liches Gesicht aufgesetzt, durch den die Spree ihre Eisschollen treibende Wasser zieht. Zwischen Insel- und Waisenbrücke bieten sich da dem Auge ganz eigenartige Bilder von hohem winterlichen Reiz. Spreekahn liegt dort dicht an Spreekahn gedrängt. Nur ganz vereinzelt ragt der Schlot eines Danipfers. Rauhreif hat das Schiffsgebälk weiß überpudert. Hier und da blinkt noch ein Schneerest ans einem Kahn, der erst kürzlich, aus einer Gegend mit reichlichen Schneefällen kommend, in Berlin eingetroffen ist. Der grüne und graue Anstrich der einzelnen Kähne flimmert in dem Nebel des kurzen Mntertages leicht auf. Die feinen Rauhreifkristalle funkeln im blitzenden Sonnen- strahl. Nur selten wölkt ein blauer Rauchstreisen aus dem Abzugsrohr einer Kajüte. Ein Schiffcrspitz bellt, den ein Rudel Großstadtjungcn ärgert. Sonst ist es ganz stA über dem Wasser. Nur graugrüne Eistafeln knirschen und knistern und kratzen beim Vorwärtsgleiten hart und scharf an den Schiffswänden. Dicht am Wasser heben hier die alten Häuser ihre Mauern empor. Aus grauem, bröckelndem Gemäuer schauen eintönig symmetrisch gezogene Fensterreihen hinunter auf das Wasser und auf die Kähne. In den Kellern dieser Hänser fristen ein paar Schifferkneipen ihr fragwürdiges Dasein. Nur selten steigt ein Gast zu ihnen hinunter. Der Winter hat der Schiffahrt seine Eis fesseln angelegt. Der Schiffer hat nichts zu tun; also auch kein Geld. Und doch drängen sich gerade hier in der Nähe der fest- liegenden Kähne allerlei Menschen zusammen. Frierende, schlecht gekleidete Gestalten sind es, denen die Not ans den Augen schaut. Unter dein hochgeschlagenen Rockkragen leuchtet ein rotes, lose zusammengeknüpftes Halstuch. In den Taschen der fadenscheinigen und verwetzteu Hosen suchen die blau- gefrorenen Hände vergebens Schutz und Wärme. Eine große Trostlosigkeit bannt an den Blick dieser Leute. Einzeln oder in Gruppen schlendern sie an der Eisenbrustwehr des Flusses entlang. Sie sprechen nur selten miteinander. Ihre Augen hängen an den festliegenden Fahrzeugen, als. ob auf diesen ihre Heimat, ihre Hoffnung, ihre Zuversicht läge. Ueber den Spreelauf mit seinen feiernden Kähnen, über alte Höfe und rissige Giebelhäuser schweift der Blick. Winter- lich, weiß bereift, und cisbchängt liegt alles da. Ueber daS Schwarz der Flußeinfriedigung lehnen die dunklen Schatten Arbeitsloser und unter Wintersnot Leidender.'Nichts, was einen Hauch von Wärme vortäuschen könnte, mildert dieses vor Frost förmlich klirrende Bild. Nur wenn die Schatten des Abends sich senken und der Flußlauf scheinbar zu dampfen beginnt, verwischen sich allmählich mildernd die Härten des Wintertages.—_ Die Kirche als Afyl des Elends. Im Scherlschcn Regierungsblatt macht einer, der über die christliche Nächstenliebe wohl sehr naiv denken muh, den allerdings nicht ganz neuen Vorschlag, die Kirchen zu heizen und sie nachts den Obdachlosen zur Verfügung zu stellen. Er meint, daß auch in Kriegszciten die Verwundeten in Kirchen Untergebracht werden, darum seien in Anbetracht des anhaltend herrschenden schrecklichen Frostes die Behörden verpflichtet, alles nur mögliche zu tun, um arme Mitmenschen vor dem Schicksal zu bewahren, daß sie in dieser grimmigen Kälte ohne Obdach sind. Zunächst eine Frage: Wo bleiben die vielen Obdachlosen, die jetzt nach den Berichten bürgerlicher Zeitungen von den beiden Asylen Berlins, dem kleinen Vereinsasyl in der Wiesenstraße unv dem großen städtischen Asyl in der Fröbelstraße, wegen deren gänzlichen Ueberfüllung abgewiesen werden müssen? Im Freien können sie unmöglich schlafen; das wäre Selbstmord. Was mag also in den Seelen dieser Unglückliche» vorgehen, bis sie wieder mal ftir eine Nacht einen Unterschlupf, der den allernotdürftigsten Schutz gegen das Erfrieren gewährt, gefunden haben? Schuppen, Stallungen, Remisen, Fabrikräume sind nicht zu gebrauchen. Eni- weder sind sie fest verschlossen, oder es ist auf dem Grundstück ein bissiger Wachhund, der jeden Versuch des Nächtigens vereitelt. Die einzige Rettung bleiben Wohnhäuser, in die sich die Obdach- losen kurz vor Toresschluß einschleichen, um auf der Vorbodentreppe oder im Vorkeller auf eiskaltem Boden ein paar unruhige Stunden in dürstigster Kleidung zuzubringe»� Ost. werden sie auch noch boV hier durch einen hartherzigen Hauswirt oder Mieter, der in dem ehrlichen Obdachlosen einen Verbrecher wittert, in die Kälte hinaus- gejagt und müssen dann für die Rächt in förkgesetzter Bewegung bleiben oder den glücklichen Moment abzupassen suchen, wo etn heimkehrender Nachtschwärmer die Haustür nicht abschließt. Am hellen Tage ist das Elend nicht ganz so groß, aber anch noch groß genug. Die offiziellen Wärmchallen am Alexanderplatz verniögen die Fülle der Frierenden nicht entfernt zu fassen. Tausende ber» teilen sich auf die öffentlichen Gebäude, auf Posträume, Museen usw., wo man sie frostficbernd rings um die Heizkörper stehen sehen kann. Nicht selten kommt xin uniformierter Staatsdiener vom warmen Amtsofen und weist sie auch da noch fort, wenn fie ihm zu lange veriveilen oder in ihrer abgerissenen Kleidung„Anstoß erregen". Aber das Schlimmste ist doch die Nacht, diese furchtbare Angst vor der Nacht. Nur wer jemals in solchen Elendstagen selbst obdachlos durch die Straßen irrte, kann die Gefühle der Unglück- lichen begreifen. Nach dem Borschlag sollen nun die Kirchen geheizt und für die Nacht geöffnet iocrden? Die Antwort können wir schon heute geben. Nicht eine einzige Hand, die es vermag, wird sich in unserem so- genannten christlichen Staate dazu rühren. Eine Entweihung scheint es den Frommen zu sein, was doch nur echte Menschenliebe wäre. Ja, im Kriege, das ist etwas anderes! Da habe» die nach dem Willen des Gottesgnadentums schon Halbgemordete» anch rn der Kirche noch Platz, zur höheren Ehre des Gottes, den man cm- betet und um den Sieg anfleht, der nur durch Massenmord zn erreichen ist. Aber die Kirchen den unglücklichsten, notleidendsten Lebenden öffnen, daß diese nicht den elenden Tod des Erfrierens sterben? Nein, man will nicht. Das verbietet die göttliche Welt« ordnung, die man auch hier wieder als einen Höh»«nff wahre Nächstenliebe erkennt. Das Attentat auf die Achtklassenschule perfekt. Der Magistrat bringt der Stadwerordnetmversamnüung zur Kenntnis, daß der Minister die von der Provinzialschul- behörde getroffene Verschlechterung der Berliner Volksschulen gutgelwißen habe. Das war zu erwarten. Was man aber nicht hätte erlvarten sollen, war die etwas lendenlahme Art, in der die städtische Verwaltung, ihre Eingabe abgefaßt hatte. Natürlich, wo ein Mann wie Cassel bestimmenden Einfluß in . chulfragen ausübt, braucht man mehr nicht zu erwarten, zumal dieser Führer des Berliner Rathausfreisinns im innersten Grunde seines Herzens für die von den Aufsichtsbehörden getroffene Verschlechterung des Berliner Schulwesens seit Jahren gewirkt hat. Die nächste Stadtverordnetenversammlung soll von der Eingabe und der Antwort des Minffters Kenntnis nehmen._ Bahnhofsmitzstände. Wie wenig die Verkehrsverhältnissc dem Großstrcktfeben ange- paßt sind, konnten am Sonntagabend die Berliner Ausflügler vor dem Bahnhof Friedrichshagen erfahren. In den Abendsknntzeu von>-7 bis 1-2 9 Uhr hatten sich einig« Tausend Menschen vor der Bahnhofstür angesammelt. Die Polizei ließ die Türen nur zeit« weise öffnen. Ruhig harrte die Menge, aber vor der allzu schmalen Tür kam es zu einem entsetzlichen Gedränge. Die Samariter muß« ien in den zwei Stunden bei 35 Ohmnachisanfällen Hilfe leisten� Auf der Straße waren keine Schutzmänner zu sehen, die den Este. gang hätten freihalten können. Die standen im Innern deS Bahnhofs, um den Bahnangestellten beim gewaltsamen Türenschließen zm �Tfe«. Öm M8 Nhr toiirtc d«r Schlosser Albert Mansie, Berlin, Stralsunder Str. 53 wohnhaft, so heftig gegen den Tür- Pfosten gedrängt, daß er däbei eine Rüchzratguctschung erlitt. Als er dann juc Erde niederfiel, erhielt er noch von einem Beamten einen Genickstoß. Freunde trugen den Schwerverletzten auf den Bahnsteig; der Bahnhofsvorsteher wollte den Kranken im Packwagen nach Berlin befördern'lassen. Ein Glück, datz die Samariter mit einer Bahre kamen, um ihn zur Unfallstation zu tragen, von wo er ins Kreiskrankcnhaus Oberschönewcide gebracht wurde. Seit Jahren kommt es an den Sonntagabenden auf dem Bahnhof Friedrichshagen zu Menschenansammlungen, denen die Bahnver- Waltimg bis jetzt immer ratlos gegenüberstand. Mit Bahnsteig- und Türadsperren ist wenig geholfen; mindestens zwei Eingangs- türen könnten vorhanden sein. Ja, wenn in einem Jugendheim die Türen um einige Zentimeter zu klein sind, dann läßt die Polizei die Räume aus Sicherheitsgründen schließen. Bei bcson- deren Verkehrsverhältnissen kann die Polizei ihre Aufgabe gar manchesmal nicht erfüllen, weil sie niemals im voraus das Uebel erkennt. Vom städtischen Wohnungsamt. Das Wohnungsamt der Stadt Berlin hat Anfang Januar seme praktische Tätigkeit aufgenommen. Tie Stadt ist in 10 Inspektionen eingeteilt, die von 20 technischen Beamten bearbeitet werden. Außerdem sind mit einer Reihe von privaten Vereinen usw., die aus irgendwelchen sozialen Gründen in die Wohnungen Bedürftiger kommen, Abkommen getroffen, die die Arbeit des Amtes unterstützen. Es wird also trotz der enormen Fülle des Materials(zirka 530 000 bewohnte Wohnungen, darunter zirka 420 000 Kleinwohnungen — 2 Stuben, 1 Küche und darunter—) und der relativ ge- ringen Zahl der BÄimten möglich sein, nach ein bis zwei Jahren einen gewissen Einblick in die Berliner Wohnungs- Verhältnisse zu gewinnen. Die bisher in den 3 Wochen ge- machten Erfahrungen zu verallgemeinern, ist natürlich un- möglich. Eine Tatsache konnte bisher jedoch schon allgemein festgestellt werden. In den zirka 1000 Wohnungen, die bisher besichtigt wurden, war das Verhalten von Vermietern und Mietern ein durchaus entgegenkommendes. Es war den Be- amten in einer Anzahl von Fällen möglich, Mietsstreitigkeiten zu schlichten, technische Ratschläge zu erteilen oder Anord- nungen zu treffen, die Hausbesitzer und Mieter befriedigten. Tie täglichen Sprechstunden der technischen Beamten von 9 bis 10 Uhr und nachmittags von 2 bis 3 Uhr in den Bureau- räumen des Amtes(Stralauer Str. 3/6 I) wurden bereits von feiten des Publikums häufig benutzt. Es ist natürlich Vorsorge getroffen, daß auch während des Außendienstes der Beamten in Ausnahmefällen Klagen und Beschwerden beim Bureau des Amtes entgegengenommen werden können. Bon de« höheren Lehranstalten der Stadt Berlin hatten im Schuljahr 1912/13, wie wir aus dem jetzt erschienenen Berwaltungsbericht des Magistrats ersehen, viele einen weiteren Rückgang der Schülerzahl. Die durchschnittliche Schüler- zahl verringerte sich von 1911/12 zu 1912/13 bei den elf G h m- na sie« von zusammen 5911 auf 5994, bei den sieben Real- gymnasien von zusammen 4261 auf 4158. Nur bei den Ober- r c a l s ch u l e n, die in neuerer Zeit um eine dritte und im letzten Schuljahr um eine vierte vermehrt wurden, ist eine Mehrung der Schüler von zusammen 1737 auf 1942 zu verzeichnen. Die Studienanstalt für Mädchen, die etwa auf gleicher Stufe mit den Realgymnasien für Knaben steht, hatte eine Minderung von 147 auf nur noch 149.-In allen hier ausgeführten höheren Lehranstalten zusammen verringerte sich die Schülerzahl von 12 156 auf 12 144. Sondert man von den Anstalten die Vorschulklassen, so ergibt sich, daß die Vorschulen nahezu gänzlich von dem Rückgang verschont geblieben sind. Um so schärfer tritt dann aber der Rückgang bei den Hauptanstalten hervor. Die Schülerzahl der Gymnasien sank in den Hauptanstalten von 4541 auf 4446, in den Vorschulen von 1476 nur auf 1458. Bei den Realgymnasien hatten die Hauptanstalten eine Minderung von 3149 auf 3935, die Vorschulen eine Keine Mehrung von 1121 auf 1123. Die Oberrealschulen zeigen ig den Hauptanstalten eine Mehrung von 1599 Schülern aus 1752, in den Vorschulen eine Mehrung von 138 auf 199. Hier fällt ins Gewicht, daß für die neu eröffnete vierte Oberrealschule(in Moabit) auch eine neue Vorschule, in 1912/13 zunächst mit der untersten Klasse, hinzuge- kommen ist. Gegen die Absicht, verständigerweise bei dieser Anstalt aus eine Vorschule zu verzichten, hatten die bessersituierten Kreise der Bevölkerung sich eifrig und erfolgreich gewehrt. Bei allen höheren Schulen zusammen ergibt sich für die Hauptanstalten eine Minderung der Schülerzahl von 9427 auf 9373, für die Vorschulen eine Mehrung von 2729 auf 2771. Auch die vierzehn Real- schulen hatten, wenn man die jahresdurchschnittliche Gesamt- zahl ihrer Schüler nimmt, diesmal wieder einen kleinen Rück- gang von 6341 auf 6334. Sollten auch sie in bezug auf die Frequenz den Höhepunkt ihrer EntWickelung bereits überschritten haben? Angefangen hatte hier die Abwärtsbewegung schon im vorletzten Schuljahr. Dasselbe gilt von den sieben höheren Mädchen- schulen, den jetzt so benannten„Lyzeen". Auch sie hatten schon im vorletzten Jahr eine Minderung der Schülerinnen, die sich im letzten fortsetzte. Die Durchschnittszahl sank diesmal von 4765 weiter auf 4658. Die Minderung der Frequenz führt naturgemäß zu einer entsprechenden weiteren Erhöhung des Zuschusses pro Schüler oder Schülerin, der trotz Schulgeld noch aus dem Stadtsäckel draufgelegt werden muß. Nach den Angaben des Ver- waltungSberichtes, dessen Berechnungsverfahren noch nicht einmal die Ausgaben für außerordentliche bauliche Arbeiten und außer- ordentliche Anschaffungen sowie für die Turnhallcnverwaltung be- rückstchtigt, stieg von 1911/12 zu 1912/13 der Zuschuß pro Schüler bei Gymnasien. Realgymnasien, Oberrealschulen, Studienanstalt von 226,39 M. auf 232B9M., bei den Realschulen von 193,11 Mk. auf 199,47 M., bei den höheren Mädchenschulen von 113,49 M. auf 120,99 M. Warum fällt es keinem Freisinnsblatt ein, über die Kostensteigerung hier ein ähnliches Geschrei zu erheben wie bei öen Gemeindeschulen? Eröffnung neuer höherer Mädchenschulen. Auf Beschluß der städtischen Behörden wird zu Ostern d. I. in dem neuerrichteten Schulgebäude Greifswalder Str. 24/25 eine neue— die achte—höhere Lehranstalt für die weibliche Jugend(König städtisches Lyzeum) er- öffnet werden. Die Eröffnung dieser neuen Anstalt soll, da bereits Anmeldungen in genügender Anzahl vorliegen, ioforl mit sämtlichen 20 Klassen, und zwar mit Ost er- und Mi-baeliS-Zöten eriotgen. Weitere Anmeldungen nimmt der zum Direktor des König- städtischen Lyzemns gewählte Professor EsdertS vom 29. Januar d, I. ab im Schulgebäude des Städtischen Luiien-Lyzeums, Ziegelstr. 12, an jedem Donnerstag in der Zeit von 12—1 Uhr nachmittags entgegen. Ferner wird zu Ostern d. Js. in dem GemeindeschulhauS Tempelhofrr Ufer 2«ine-neue— die neunte— höher« Lehranstalt für die weibliche Jugend(Städtisches Lyzeum) mit den drei untersten Klassen X, IX und VIU eröffnet und ihre weitere Entwicklung in der üblichen Weise durchgeführt. Ans dem Grundstück Tempelbofer User 1b wird demnächst ein eigenes Schulgebäude für diese höhere Lehranstalt errichtet werden. Anmeldungen' nimmt der mit der Leitung des neuen Lyzeums be- auftragte Professor Dr. Cauer vom 28. Januar d. Js. ab im Schulgebäude der Städtischen Studienanstalt, Fürbringerstraße 33 34, an jedem Mittwoch in der Zeit von 5—7 Uhr nachmittags entgegen. Das Schulgeld beträgt für Kinder hiesiger Einwobner 149 M., für Schülerinnen, deren Eltern nicht Einwohner Berlins sind, jährlich 189 Mk. und ist bei der Anmeldung in Höhe des Betrages für das erste Vierteljahr mitzubringen. Zweckverband und Waldfrage. Der Verbairbsausschuß des Verbandes Groß-Berlin trat gestern im Rathause unter dein Vorsitz des Oberbürgermeisters Werniuth zusammen. Einen breiten Raum nahmen die Be- ratungen über die Verhandlungen mit dem Fiskus bezüglich der gepflogenen Verhandlungen über den Erwerb von fiSkali- jchen Forstflächen ein. Auf Grund eines einheitlichen Votums des Verbandsausschusses wird der Verbandsdersaninilung in nächster Zeit Gelegenheit gegeben werden zur Beschlußfassung über die weiteren Modalitäten der weiteren Verhandlungen mit dem Fiskus. Außerdem wurden zahlreiche Bebauungspläne und Bau- sluchtlimeu für Zehlendorf, Schlachtensee, Heincrsdorf bei Weißensee, für Oranienburg, besonders in der Umgebung des Lehnitzsees zur Freilegung der Ufer und der Hasenheide, sowie Arensdorf bei Drewitz, für die Großbeerenstraße in Nowawes, für den alten Berg bei Schwanebeck und den Zentralpark bei Lichtenberg beraten und angenommen. Gtraßenbahn Hohenschöithausen-Siemensfiadt. Eine durchgehende Straßenbahnverbindung von Hohenschönhausen bis Siemensstadt er- öffnet die Große Berliner Straßenbahn im Verein mit der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn, der Westlichen und der Nordöstlichen Berliner Vorortbahn am nächsten Sonntag, den 1. Februar. Sie kommt dadurch zustande, daß die Linie 164 Hohenschönhausen-Bahn- Hof Jungfernheide anstelle der Linie V über die Nenbaustrecke auf dem Nonnen dämm bis Siemensstadt im 15-Mi»utenverkehr weiter- geführt wird. Die verbleibenden Pendelzüge zwischen Bahnhof Jungfernheide und Siemensstadt verkehren unter der Bezeichnung 164 E. Die Wagen gehen Werktags ab Simensstadt von 6.51 bis 19.96 nachmittags alle 15 Minuten, außerdem 19.36, 11.96 und 11.36 nachmittags, Sonntags bis 11.53; vom Wilbelmplatz in Chor- lottenburg nach Siemensstadt 6.29 bis 9.35 nachmittags alle 15 Mi- nuten, 19.95, 19.85 und 19.59 nachmittags, Sonntags bis 11.33. Im übrigen verkehren die Wagen im bisherigen Fohrplan. Der Fahr- preis nach Siemensstadt beträgt von Hohenichönbauien 29 Pf., vom «lexanderplay 15 Pf., vom Bahnhof //orkstraße 19 Pf. Im Umsteige- verkehr verlängert sich die jetzige Teilstrecke Luiienplatz-Bahnhos- Jungfernheide bis zur Charlottenbura-Spandauer GemarlungSgrenze am Nonnendamm. Zeitkarten kosten Hohenschönbausen-Bohnhos Jungfernheide oder Röderstraße-Siemensstadt 19 M. 59 Pf., Röder- stroße-Babnhof Jungsernhcide oder Nollendorfplatz-SiemenSstadt 7 M. 79 Pf._ Borficht beim Betreten von Eisflächen. Wir erhalten folgende Zuschrift mit der Bitte uin Ver- öffentlichung: .Mit welchen Gefahren auch ruhige, besonnene Bürger auf der EiSbahit rechnen müssen, erfubr ich letzten Sonntag. Mit meinen beiden Söhnen von elf und zwölf Jahren besuchte ich die Bahn auf dem Langen See. Als ich von Grünau aus das Ende der Bahn bei Schmöckwitz erreicht hatte, betroten wir da« dort gelegene Lokal .Zur Palme". Nach kurzer Zeit gingen wir wieder vom Garten aus, in der Nähe der Schmöckwitzer Brücke auf die Eisfläche. Da kam mir ein Gendarm entgegen. Höflich und zuvorkommend meinte er, daß ich mich wohl auf falscher Fährte befinde. Auf meine er- staunte Frage, wie das wohl möglich sei, da sich doch keinerlei WarnungSzeichen in der Nähe befänden, ant- wortete er mir. daß ich mich darüber mit dem Amts- Vorsteher auseinandersetzen könnte, er wäre verpflichtet, mich aufzuschreiben. Ich hielt lange Auseinandersetzungen für zwecklos und gab meine Personalien an. Einige Tage vorher hatten mein ältester Sohn mit seinem Lehrer und 35 Mitschülern auf einem Ausflug genau dieselbe Stelle unbehelligt passiert, und wie ich wahr« genommen hatte, vor mir' auch viele andere Schlittschuhläufer. Trotzdem ich nun nicht das geringste Bewußtsein irgendeiner Ueber- tretung oder eines Vergehens habe, was ja bekanntlich sogar einen preußischen Oberst straflos machen kann, wird mich meine.gerechte Strafe' nun wohl ereilen.— Ich möchte Sie bitten, dies Ihren Lesern zu unterbreiten, damit sie sich eventuell vor Aerger und Geld- Verlust sckützen können." Diesem Wunsche kommen wir gern nach. Sauft für Euren Kaiser! Anläßlich des Geburtstages S. M. inseriert eine deutsche Sekt- firma im.Tageblatt" ganzseitig. Der Ernst Heilemann, der „geniale und liebenswürdige' Zeichner der Satten und Wohlgenährten, der Parvenüs und des schneidigen Militärs, hat echs fesche Leutnants klischiert; sie erheben die Gläser und grinsen. .Morgen, am 27. Januar— sagt die patriotische Sektfirma— werden begeisterte Hurrarufe von Tausenden und Aber- taufenden erschallen. In Stadt und Land des Deutschen Reiches, in ganz Europa— ja überall in der Welt, wo Männer sind, die deutsch denken und fühlen, wird man den GeburlStag unseres Kaisers feiern. Dann soll auch nur der edelste deutsch« Sekt in den Gläsern perlen und Begeisterung in die Herzen tragen wie Herr- licher Sonnenschein, der seine Trauben relfte l" Diese Reklame gipfelt in der Aufforderung: Sauft für Euren Kaiser! Saust deutschen Sest! Diese Aufforderung wird jedenfalls reichlich befolgt werden, da- mit die nötige patriotische Hurrastimmung erzeugt wird. Aus Nahrungssorgeu in den Tod! In ihrer Wohnung im Hause Hohenstaufenstr. 24 in Schöneberg wurde heute morgen gegen 8 Uhr der 61 Jahre alte Chemiker Rädicke in leblosem Zustande aufgefunden. Seine 45jährige Frau lag in einer großen Blutlache am Fußboden und war durch emen Revolverschuß in die rechte Schläfe niedergestreckt worden. Man glaubt« zunächst an einen Einbruch mit darauffolgendem Kampfe, doch stellte sich später nach hinterlassenen Aufzeichnungen heraus, daß Radicke im Einverständnis mit feiner Frau diele durch einen Revolverschuß zu löten versucht und dann selbst Gift genommen hatte. Bei Radicke blieben Wiederbelebungsversuche vollkommen er- solgloS, während die unglückliche Frau, die noch schwache Lebens« zeichen von sich gab. nach dem Auguste-Viktoria-KrankenhauS ge« schafft wurde. DaS Motiv dieser schrecklichen Tat beruht auf Nahrungssorgen. Bom Arbeiterrifiko. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag um 4 Uhr in der Geldschrankfabrik von Panzer, Badstr. 56. Dort waren Arbeiter mit dem Transport einer 199 Zentner schweren eisernen Tür beschäftigt. Infolge eigenartiger Umstände fiel die Tür plötzlich um und begrub den Arbeiter Conrad unter sich. Der Verunglückte, der Frau und Kinder hinterläßt, konnte nur noch als Leiche hervorgeholt werden._ Ein grofler Jnwclcndiebstahl. Im Laufe deS Sonntags statteten Einbrecher dem Juwelier« geschäft von Julius Seidel, das sich im Passage-KaufhauS in der Friedrichstraße befindet, eüien Besuch ab, nachdem sie von den Dächen» der Kackbarhäuser durch Bodenluken eingestiegen und verschiedene eiserne Türen erbrochen batteu. Sie stahlen nur werlvolle Sachen im Werte von über 29 999 M. Die genaue Höhe des Schadens konnte noch nicht festgestellt werden. Mord und Selbstmord. Ein Familiendrama spielte sich gestern Nachmittag in Weißen- see ab. Dort wohnte in dem Hause Lederstr. 94 der 35 Jahre alte Tischler Hermann Schmolle mit seiner Frau und zwei Kindern, einem Mädchen von 9 Jahren und einem Söhnchen von 11 Mo- naten. Schmalle hatte schon seit Jahresfrist keine Beschäftigung. Das Notwendigste für den Lebensunterhalt erwarb die Frau, die kurz vor der Niederkunft steht, durch Waschen und Nähen. Für die Miete und sonstige Verpflichtungen reichte dies jedoch nicht. Tie Leute hatten deshalb stets mit großen Sorgen zu kämpfen. Gestern voruiittag war Frau Schmalle nach Berlin gefahren, um fertige Arbeit abzuliefern. Als sie nachmittags zurückkehrte, fand sie die Tür verschlossen. Ihr Mann hatte jedoch von außen an die Tür geschrieben, daß er weggegangen sei, aber bald wiederkommen werde. Die Frau wartete daraufhin auch eine ganze Weile. Als sie aber ungefähr zwei Stunden vergeblich gewartet hatte, schöpfte sie Verdacht und ließ die Wohnung durch den Hauswirt öffnen. Gleich nach dem Eintritt strömte der Frau ein starker Gasgeruch entgegen.und als sie die Stube betrat, fand sie in dem dort stehen- den Bette ihren Manan und den 11 Monate alten Sohn tot auf. Schmalle hielt das Kind im Arme. Beide waren, wie ein Arzt feststellte, schon mehrere Stunden vorher gestorben. Aus einem hinterlassenen Zettel ging hervor, daß der Mann, um zu dem Mord und Selbstmord genügend Leuchtgas zu erhalten, den Automaten erbrochen und die Groschen wieder oben hineingesteckt hatte. Die beiden Leichen wurden im Laufe des Abends nach der Halle ge- bracht._ Arbeiter- BildungSschule, Grenadierstr. 87. Heute DienStaq, den 27. Januar, beginnt der Kursus in Naturerkenntnis. (Mit Lichtbildern) Vortragende: K ä t e D u n ck e r. Vorortnachrichten. Das Stimmrecht üer Zorensen(auswärts Wohnenäe) bei üen Gemeinüewahlen. Eine von unseren Genossen in den Landgemeinden um Berlin leider noch zu wenig beachtete Bestimmung enthält der§ 45 der Landgemeinde-Ordnung. Oft wird die Unkenntnis oder Nicht- beachtung dieses Paragraphen von den zuständigen Behörden wcid« lich ausgenutzt. Der§ 45, Abs. 1 der L.G.O. lautet: „Wer ohne im Gcmeindebezirk einen Wohnsitz zu haben, in demselben seit einem Jahre ein Grundstück besitzt, welches wenig- stens den Umfang einer die Haltung von Zugvieh zur Bcwirt- schaftung erfordernden Äckernahrung hat, oder aus welchem sich ein Wohnhaus, eine Fabrik oder eine andere gewerbliche Anlage befindet, die dem Werte einer solchen Ackernahrung mindestens gleich- kommt, ist ebenfalls stimmberechtigt Usw."— Wie liegen nun die Dinge in Wirklichkeit. Man sehe sich einmal die Gemeinde- Wählerlisten daraufhin an, und man wird finden, daß in den meisten Orten jeder auswärtswohnende Besitzer einer Baustelle, auch der kleiusten, in der Wählerliste eingetragen ist. Hiergegen müssen unsere Genossen Einspruch erhebe», wenn sie nicht wollen, daß am Tage der Wahl die Gegner mit den so- genannten„Papiersoldaten" antreten und so alle aufgewandten Wahlarbeiten illusorisch machen. Denn diese auswärts wohnenden Wähler sind nicht verpflichtet, ihr Stimmrecht persönlich auszuüben, sondern sie können eine andere Person hiermit be- trauen. Die Haus- und Grundbesitzer machen den ausgiebigsten Gebrauch hiervon, sie hindern dadurch unsere Genossen nur zu oft, ihren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Wie ist nun die Rechtslage in dieser Sache? Das Obervcr» waltungsgericht entschied(Bd. 6, 142):„... nach allgemeinem Sprachgebrauch ist unter Grundbesitz, welcher zu seiner BeWirt- schaftung Zugvieh erfordert, nur ein Grundbesitz von dem Umfang zu verstehen, welcher das Halten von Zugvieh nach landwirt- schaftlichen Grundsätzen gestattet und erforderlich macht...." Hiernach ist nicht der Gesichtspunkt maßgebend, ob zur rationellen Bewirtschaftung eines Grundstückes die Dingung einer Zugkraft für gewisse Arbeiten nötig ist, auch nicht der, ob der Besitzer eines Grundstückes tatsächlich Zugvieh hält, sondern eS kommt allein darauf an, ob das Grundstück nach Umfang und Be- schaffenhcit zu seiner landwirtschaftlichen Benutzung Zugvieh er- fordert, d. h. ob nach landwirtschaftlichen Grundsätzen da» Halten von solchem auf dem Grundstücke möglich und zweck- mäßig ist. Weiter kommt das O.V.G. dann dazu, 15 Morgen als die Mindestgrenze anzunehmen. In Birkenwerder wurde auf Grunv dieser Entscheidung von unseren Genossen Einspruch gegen die Wählerliste eingelegt mit dem Erfolge, daß sich der Kreisausschuß Niederbarnim am 9. August 1911 dem Urteile �es O.V.G. anschloß und ebenfalls 15 Morgen als Grenze festsetzte, und am 8. Oktober 1913 dieses aberinals nach Anhörung von landwirdschaftlichcn Sachverständigen bestätigte.— Bei bebauten Grundstücken wird wohl in der Mehrzahl der Eintragungen keine Möglichkeit des Einspruches gegeben sein. Wir können nur wünschen, daß überall dort, wo eine solche ungesetzliche Eintragung m der Wählerliste vorgenommen ist, jetzt bei deren Auslicgung von unseren Genossen Einspruch dagegen erhoben wird. Neukölln. Gewerbegerichtswahl in Neukölln. Die Ergänzungs- und Ersatzwahlen für die Beisitzer deS Gewerbegerichts finden für die Arbeitnehmer am Sonntag, den 8. Fe- bruar, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nachmittags, für die Arbeitgeber am Montag, den 9. Februar, in der Zeit von 4 bis 7 Uhr nachmittags statt. Der ganze Stadtbezirk bildet«inen einheitlichen Wahlbezirk. Zur Ausübung des Wahlrechts werden für die Arbeitgeber vier und für die Arbeitnehmer zwölf Wablstcllen eingerichtet. In den nächsten Tagen werden Plakate ausgehängt, au? denen ein jeder Wähler ersehen kann, wo er sein Wahlrecht ausüben kann; ebenso werden die Bestimmungen über die Wahlberechtigung usw. angeführt werden. Wir fordern deshalb, auf, den Plakaten genaue Beachtung g» schenken und mit der Agitation zu beginnen, damit die Kandidat«« 6er frcigeiverkschastlich organisierten Arbeiter und die der freien Arbeitgeber gewählt werden.. Ein schwerer Straßenbahnzusammcnstoß ereignete sich gestern früh gegen 7 Uhr an der Ecke dos Hermannplatzes und der Berliner Strohe. Als dort ein Motorwagen der Linie SS mit einem Anhänger hielt, fuhr von hinten ei» Motorwagen der Linie 15 so heftig auf, dah sich der Anhängewagen in die Höhe bäumte und aus dem Gleis sprang. Die Fahrgäste auf der vorderen Plattform des Anhängers wurden durch den Anprall so stark zurückgeworfen, dah sie in die Türscheibe flogen und diese zertrümmerte. Durch die umherfliegenden Scherben Wurden im Wageninnern eine Anzahl Fahrgäste im Gesicht und an den Händen verletzt. Der Zusammen- stoß hatte eine halbstündige Verkehrsstockung zur Folge, denn solange brauchte man, um den Wagen wieder ins Gleise zu bringen. Am Mittwoch, den 28. d. M.. findet bei Bartsch, Hermannstr. 49, eine Märchenvorlesung statt. Ansang 5 Uhr. Ende tfl/- Uhr, Eintritt frei. Nur schulpflichtige Kinder haben Zutritt. Lichtenberg. Den vor einige» Wochen zu Stadträten gewählte» sozialdemokratischen Stadtverordneten John und Grauer hat die Regierung die Bestätigung versagt. Eine solche Mitteilung überrascht keineswegs, wenn man bedenkt, daß Lichtenberg in Preußen liegt. Die Schachtel und Genossen, die sich unmittelbar nach der er- folgten Wahl der beiden Genossen durch die Stadtverordneten- Versammlung nicht genug in Denunziation der Beamtenvertreter tun kqnnten, werden jedenfalls jetzt ihr seelisches Gleichgewicht wieder erlangen._ KaufmanuSgerichtswühlcr Lichtenbergs. Am Sonntag, den 8. März finden die Wahlen der Beisitzer zum Kaufmannsgericht Lichtenberg statt. Wahlberechtigt zu diesen Wahlen sind alle männlichen Handlungsgehilfen, die in Lichtenberg beschäftigt, am Tage der Wahl mindestens 25 Jahre alt und in d i e W ä h l e r- liste eingetragen sind. Die Eintragung in die Wählerliste erfolgt nur auf Antrag. Es sind nur noch zwei Tage Zeit, die E.niragung zu beantragen. Der 28. Januar ist der letzte Tag. an dem dies geschehen kann. Der Antrag ist entweder schriftlich an das hiesige Kaufmannsgericht zu richte», oder mündlich an den Wochentagen in der Zeit von 8—2 Uhr im Stadthause, Türrschmidt- straße 2t Hl. Zimmer 31, zu stellen. Er muß enthalten des An- tragstellers Vor- und Zunamen, Wohnung, Stand und Angabe der BeichäftigungSstelle. Der Antragsteller hat sich event. über Alter und Beschäitigungsort auszuweisen. Als Ausweise dieser Art gelten: Geburtsurkunden, Taufscheine, Militärpapiere, Zeugnisse der Poltzei- behörde oder des Arbeitgebers. Schöneberg. Bei der am Sonnabend, den 2t. Januar, stattgefundenen Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht wurde die Liste der Gcwerkschaftskommission mit 17S5 gültigen Stimmen gewählt. Gegnerische Kandidaten waren nicht aufgestellt. Mahlsdorf an der Ostbahn. Die letzte Gemeindrverwetcrfitzuug hatte sich zunächst mit einer Vorlage betreffend die Erhebung von Lustbarkeitssteuern zu be- schäftigen. Wie der Gemeindevorstchcr hierzu mitteilte, haben sich die Gastwirte vielfach über die unklare Fassung und rigorose Hand- habung der bestehenden Steuerordnung beklagt. Diese Klagen sollen durch die Vorlage beseitigt werden. Dazu war die Vorlage aber auch wirklich angela», denn wenn man alles versteuert, was zur Annehmlichkeit des Lebens dient und noch einiges dazu, dann kann wohl von ungerechter Anwendung keine Rede mehr sein. Selbst das Auftreten von Tafazenfpielern und Bauchrednern sollte pro Tag mit 2 M. besteuert werden. Ausge- nommen sollten nur sein Veranstaltungen, bei denen ein höheres wifienichaftliches oder Äulistinteresse obwaltet, und— patriotische Festlichkeiten. Alle Redner spracben sich einmütig für Ablehnung der Vorlage aus. was denn auch einstimmig geschah. Ferner wurde die Aufhebung der bestehenden Lustbarkeitssteuerordnung gefordert. Die eingsbrachle Vorlage betr? den Erlaß einer Hundesteuerordmnig wurde, nachdem verschiedene Redner ihre MonitaS vorgebracht hatten, einer Kommission überwiesen. Di« erste Lesung des Etats für 19l4/15 gab unserem Genossen Schumann Veranlassung, einen großen Teil unserer kommunalpolilischen Forderungen aufzurollen. Ferner forderte er eine Verringerung der Perwallungskoslen, vor allen Dingen durch Vereinfachung des Schreibwesens. Die Amts- Unkosten sind seit 1912 von 4.000 auf 5400 M. gestiegen. Genosie Schumann wies nach,.daß die Gegner eines selbständigen Amts- bczitks hier nicht im Interesse der Gemeinde handeln. Zum Schluß regte er noch an, daß man Mittel und Wege finden möge, um Arbeitslose ohne Beeinträchtigung ihrer Gcmeinderechte jederzeit unterstützen zu können. Der Gemeindevorsteher teilte mit, daß für ArbeilSlosemmterstützung an 15 Verheirate je 30 M. und an 10 Ledige je 15 M.. zusammen 600 M. gezahlt worden seien. Die Gewährung von Arbeiisloienunlerftützung im Sinne Schumanns sei nicht ohne weiseres durchführbar, sondern bedürfe sorgfältiger Ileberlegung. Herr Plewe wies darauf hin, paß die Frage des selbständigen Amts- bezirks für ihn und seine Freunde weniger eine finanzielle alS viel- mehr eine persönliche Frage ser. Nach einigen unwesentlichen AuS- führungen wurde der Etat an eine sünfglicdrige Kommission verwiesen. Die weiteren Beratungsgegcnstände betrafen Uebereignung von Straßenland, Löschung von SicherheilShypolhelen usw. Bei einer Anfrage des Herrn Friedrich stellte sich wieder einmal heraus, daß die Errichtung der OrtSkranlen'asie für Niederbarnim eine geradezu bureaukratiiche Glanzleiftinig ist. Wenn nämlich ein Mit- glied erkrankt, so gebt es zum Arzt und fordert sich einen Kranken- schein. Der Arzt schickt das Mitglied, da er Krankenscheine nicht besitzt, nach dem Rathaus. Auch dort sind 5lrankenscheine nicht vor- banden, und nun wird der Kranke nach Berlin, Friedrich-Karl« Ufer 6, geschickt. Aber auch da wird gesagt, daß Krankenscheine nicht ausgehändigt werden können. Man rät dem Suchenden, nach FriedrichSfelde zu gehen; dort angelangt, erhält derselbe endlich einen Krankenschein. � Hat ein solches Mitglied die Rundfahrt auf seine Kosten glücklich überstanden, dann kann er sich hier in Mahls- dort vom Arzt behandeln lassen. Das ist jedenfalls ein Fori schritt, den die Niederbarniiner Krankenkasse den Mitgliedern gebracht hat. Tenipelhos. Freies Koalitionsrecht und die Hetze der Scharfmacher. Dieses Thema, mit dein sich am letzien Sonniag eine öffentliche Versamm- lung beschäsiigte, lockte Hunderte von Arbeiiern nach dem«Wilhelms- garten'. Der Reserenl, Arbeitcriekrctär Her in. Müller, rechnete mit den Gegnern des Koalilionsrechts gründlich ab. An Hand einer Fülle von Tatsachenmaterial wicS Redner nach, daß den Arbeitern die wenige KoalilionSsreiheit. die sie besitzen, schon immer geschmälert worden ist: dieS schmale Reckt aber vollständig zu nehmen, bedeutet Sturm. Die mit starkem Beifall aufgenommene Rede war durch- drungen von dem Geist, der alle Arbeiter erfüllt:.Keine Gesetze zur Verschlechterung, sondern Gesetze zur Verbesserung des KoalitionSrccktS sind notwendig." Um diesem Gedanken Nachdruck zu verleihen, wurde eine Resolution angenommen und diese an das Reichstags- bureau abgeschickt. Der Versammlungsleiter, Genosse Ewald, machte aus die scharfmacherischen Artikel im Ortöblatt aufmerksam, in welchen zur Gründung christlicher und gelber Organisationen sowie zur Auistellung gegnerischer Arbeiterkandidaten bei der nächsten Gemeindewahl aufgefordert wird. Die Mahnung, einem solchen Beginnen energisch entgegenzutreten, fand stürmischen Beifall. Spandau. Bei der Beerdigung deS Genossen Kant, die am Sonntag unter großer Beteiligung ans dem Haselhorster Friedhof erfolgte, erregte eS unliebsames Aufsehen, daß am Eingang des Friedhofes Polizei- Wachtmeister Bohne alle Kranzträger mit roten Schleifen anhielt und die Widmungen auf den Schleifen einer eingehenden Prüfung unterzog. Die Beerdigung selbst verlief im übrigen ohne Störung. Der Gesangverein„Charlottenburger Liedertafel" sang am Grabe einige weihevolle Lieder und Genosse Odii hielt dem Verstorbenen eine eindrucksvolle Grabrede.— Es inag das erstemal gewesen sein, daß auf diesem kleinen, so einsam gelegenen Friedhof ein Begräbnis ohne Pfarrer stattfand und so viele Leidtragende init roten Schleifen erschienen, weil der Friedhof ursprünglich nur tür die Bewohner der Staatsarbeiterkolonie Haselhorst bestimmt war. Aus dem Spandaucr Friedhof habe» sich ja die Verhältnisse gebessert. Während früher bei Begräbnissen von Genosse» am Eingang zum Friedhof Polizeibeamte unter denr lebhaften Protest der Leidtragenden gewaltsam die roten Schleifen entfernten, haben derartige Belästigungen jetzt aufgehört. DaS hiesige Stadttheatcrprojckt gescheitert. Wie die„Spandauer Zeitung" berichtet, haben sich Magistrats- und Stadtperordnetenkreise bereits mit. der Frage beschäftigt, von dem mit der Theatergesell- schaft abgeschlosienen Vertrag zurückzutreten. Ilm nun aber einer Klage mit der Thealcrgesellschaft ans dem Wege zu gehen, spreche man davon, der Gesellschaft eine Abfindungssumme von 50 000 M. zu zahlen. Der ursprüngliche Vertrag mit der Gesellschaft soll nämlich derartige Lücken aufweisen, daß die Stadt einer Klage der Theatergesellschaft nur mit wenig Vertrauen entgegensehen kann. Die reiche Stapt Spandau kann sich solche Bagatelle von 50 000 M. schon leisten. Bernau. Aus der Stahtverordnetcnvcrsainmluitg. Das Gesuch eines Haus- besitzers. die Straße 16, welche die Bismarckstraße mit der Wein- bergstraße verbindet, zu pflastern, wurde abgelehnt. Der Antrag- steller hat in der erst neu angelegten und nur mit drei Häusern bebauten Bismarckstraße ein Haus errichtet; die Stadt ist den dort wohnenden Mietern insofern entgegengekommen, als sie die noch nicht regulierte und bis dahin gesperrt gewesene Straße 10, die Eigentum der Stadt ist. teilweise abtragen ließ und den Mietern einen Durchgang nach der Weinbergstraße gestattete. Zwei Bau- gesuche von Gärtnern, die auf ihren Grundstücken ein Haus zum Selbstbewohnen errichten wollten, wurden von der Veriairimlung mit Ii gegen 11 Stimmen, wobei oor Vorsteher den Ausschlag gab, abgelehnt. Unsere Genossen erklärten sich für die Genehmigmrg. Ein Antrag des Stadtverordneten Schulze, eine Eisbahn zur unsut- geltlichen Benutzung der Schuljugend zu pachten, wurde dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Genosse Helbig war der Ansicht, daß es gar nicht nötig wäre, dafür eine Pachtsumme auszuwerfen, da doch die Stadt über einen sehr geeigneten Platz verfüge. Er empfahl, den Platz, auf welchem seinerzeit die Hussitenspiele alifgeführt wurden, in eine künstliche Eisbahn»mzuwandcln, ähnlich wie eS Berlin mit den Wiesenflächen im Schillerpark usw. tue. Dieser Anregung gedenkt auch der Magistrat näherzutreten. Alsdann wurden die Wahlen zu den verschiedenen Deputationen vorgenommen. In die Forstdevntatio» wollten die Bürgerlichen keinen unserer Genossen haben, sie besetzten hier sämtliche Posten mit ihren Leuten. Genosse Werner rügte dieses Gebare», indem er den Bürgerlichen die Frage vorlegte, ob sie dort so viel Geheimnisse hätten, die unseren Genossen nicht offenbart werden dürften. Die Herren antworteten mit großem Schweigen. In die Baudeputation und in die Verwaltung des Wasserwerkes wurde Genosie Heibig, und in die VerschönerungS-, die Beleuchtungskommission und in die Kommission für Verausgabung von Brennmaterialien Genosse Salzmann gcioählt. Der ServiS- und Einguartienings sowie der FeuersicherheitS- und der Bebauungsplandepntalion ge- hört Genosse Swabina, der Armendcpliiation, der Krankenhaus- und der Gesundheitskommission der Genosse Schneider an. Ferner wurde Genosse Sasse in de» Gemeindesteuerausschuß und in die GesundheitSkoinmisfion und Genosse Pohl in die KanalisationS- und in die KrankenhauSdeputation, der auch Genosse Werner ongebvkt, gewählt. Genosie Knöichke wurde in die EieklrizilätSkommission wiedergewählt. Außerdem gehören als Bürgerdepulicrte der Armenkon, Mission die Genosien Krüger und Grapenthicn, der VerschönerungS- kommiision Genosse Knbat und der Verwaltung des Wasserwerks der Genosse Urban an. Eine neue SradtbezirkSeinteilung. wonach jetzt Bernau 10, anstatt wie bisher aus 6, Stadtbezirken besteht, wurde angenommen. Teltow. In einer gutdesuchteu Bersamiillung im Lokal von Bonolv re- fekierte Reichslagsabgeordneter Genosse Pens- Dessau über den Kampf um das'Koalitionsrecht. Scine interessanten Ausführungen über die Uebergriffe des Großkapitals gegenüber den geivcrkschast- liehen Organisationen wurden mit reichem Beifall aufgenommen. Am Schluß der Versammlung machte noch Genosse Röder Mit- teilung, daß eS nun auch gelungen fei, in dem Kassenwcsen unserer OrtSkrankenkasie erhebliche Uinwälznngen zugunsten der Versicherten herbeizuführen. Reinickendorf« Weft. „Freies KaalitionSrccht und die Hetze der Scharfmacher'� lautete das Thema, über das in einer gut besuchte» Volksver- samnilung in den„Eickbornsälen" Genosse Paul Barchel referierte. An Hand zahlreicher Beispiele wies der Referent nach, wie gerade unsere Scharfmacher und Unternehmerverbände, die das Koa- litionsrecht durch AuSnahnrcgcsctze völlig zu unterbinden trachten, den wüstesten TerroriSmus, wenn es sich um ihre Interessen handelt, befürworten und ausüben. Dem Ruf der Scharfmacher nach mehr Schutz für„die dem Staat besonders nützlichen Elc- meirte", den sogenannten..Arbeitswilligen", sei vielmehr die F«- derung entgegengesetzt:„Erhöhter Schutz vor den mit allen mo- dernen Mordtverkzeugcn soi elende» Hintzegardisten".— Der lebhafte Beifall bewies, daß die Anwesenden voll und ganz aus dem Boden des Referenten standen. In der Diskussion unterstrichen die Redner die Ausführungen des Referenten.— Einige anarchistische Redner wichen weit vom eigentlichen Thema ab und glaubten die Versammlung für die Ausbreitung ihrer Ideen bc- nutzen zu können. Sie fanden jedoch keinerlei Anklang. Viel- mehr wurde ihnen empfohlen, unnütze Eigenbrödelei aufzugeben und sich in Reih und Glied mit der Masse des klassenbewußten Proletariats zu stellen. Die vorgelegte Resolution, die sich in entschiedener Weise gegen eine Schmälcrung des KoalitionSrechtS wendet, wurde gegen die Stimme erueö Anarchisten angenommen.— Nach einigen an- feuernden Worten deS Genossen Falk, sich der gewerkschaftlichen und politischen Organisation anzuschließen und die Arbeiterpresse zu abonniereu, um den Kampf gegen unsere Feinde mit aller Energie durchführen zu können, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdeuwkratic geschlossen. Mühlendeck. Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS stellte für die ve« vorstehende Gemeindevertreterwahl als Kandidaten den Genossen B r u ck m a n n aus; mit den nöligen Vorbereitungen hierzu wurde eine Kommission betraut und die Genosien atifgefordert, sich nach Kräften zur Agitation zur Verfügung zu stellen.' Den Bericht von der Kreiskonferenz erstattete Genosse Seisert-Niederschönhausen. In einer am 8. Februar stattfindenden öffentlichen Versammlung soll das KoalilionSrecht der Arbeiter und die bevorstehende Gemeindewahl behandelt werden. Die Frage, wie man durch Errichtung einer Jugendsektion die örtliche Jugend mehr als eS bisher möglich war, im Sinne der proletarischen Weltanschauung erziehen kann, wurde zurückgestellt, bis festgestellt ist, wieviel solcher jungen Leute in Frage kommen. Zrauen-Leseabenöe. Hermsdorf. Mtiwoch, den 28. d. M: Vortrag über„Entstehung de? Handels". Reserenl: W. Kubig.— Abends b'j. Uhr im Lokal von Egge- brecht, Albrechtltr. 1. Marienfelde. Morgen, Mittwoch, 8>/, Uhr, bei Schuster, Kirchstrasie: .VerfassungSsrageu und Frauenwahlrecht". Res: Marie Böhm. Dcmpelhos. Mitttvoch. den 28. Iamiar, im WilhelmSgarleü. Berliner rar.e 10; Vortrag' des Genosseu Alex Sttesenhofer über»das Kranken- versichirungSgeteb". BSaidmaniislnft. Mittwach, den 28. d., im„Schweijerhaul", Tiana« stratzc:»Frnlicniiitcresscn iu der Gemeinde". Iligcttdveranstaltmlge». Neukölln. Die sehr günstig gelegene Eisbahn aus nnscrcm Spielplatz an der Gcygerstrasjc stehi allen Jugendlichen gegen Vorzeigung der Jugend- heimbesucherkarte zur Verfügung. Eintritt an Wochentagen 10 Ps An Sonntage» bei Konzert 25 Pf. Britz. AM Domierötag 8 Uhr abends sindet im Heim der zweite Bortrag unseres Zyklus statt. Lortragender: Herr D a p i d s o h n. Eingegangene Druckschristen. „In freien Stunden". Verlag der B n ch h a n d I u n g Bor- wärrs Paul Singer G. m. d. H., Bdrlw, 2. Band des 17. Jahr« gangs mit dem kalifornischen Goldgräberroma»-„Gold" von Friedrich Gerstaclcr,„Der roie Hahn", ein Roman des dänischen Dichters Palte Rosen krau tz.?.>!it erzählenden Beiträgen sind ferner Robert. Schweichcl. -Auto» Tschechow, Andcrsen-Nexö und viele andere vertreten. Ter Prci- beträgt aus gutem Papier gedruckt iu Leinen gebunden 4 M., Halbfranz- band 5 M. Ilniversal-Bibliothek. 5016 Der Schmuck der Madonna. Oper von Gruiaiino Wols-Ferrari.— 5622 Ueberwiilder. Drama von G. Hirschfeld.— 5625 Der romantische Ocdipus. Lustspiel von A, Gras v. Platcn. — 5629 Der HochzeitSabend. Lustspiel von Peter Nansen.— 5605 Der fliegende Holländer. Oper.— 5636 Daunhänscr. Oper.— 5637 Lohen- gri». Oper.— 5638 Tristan und Isolde. Vollständiges Buch.— 5640 Parsifal. Vollständiges Buch. 5635 bis 5640 sämtlich vonR. Wagner. Herausgegeben von R. Kruse. Einzelnummer 20 Ps. PH. Rcelam, Leipzig. Briefkasten öer ReKaküon. Die lirrtsttlcye Sprraistundc ftube» Ltudenstroke 0t>,«oiil vier Treppe' — Fadrstuht wochentit glich ovo 40, Ms lltir adenvS, Tounadendo von 4% bis 6 Uhr abends statt. Jever sur ve» Briefkasten bestimmte««»frag. Ist ei« Buchscade und etne Zahl als Merizachen dctzastlgrn. Brtesiiche«nttt»'.! wird nicht rrtcil». Anfragen, denen titue Avannemrntsqntttnng bcigcchgt ist. irrdeo nicht bcantwortel. Eilige Fragen trage mau tu der EprrchsiUtNic vor. 6k. I. IVO. 1 M. pro Kalenderjahr.— K. D. 22. Die Weiter« Versicherung ist zivcckmägig. ES müssen innerhalb zwet Jahren mindestens 20 Marken einer beliebigen Lohnklasse entwertet werden und in demselben Zeilraum mutz der Umtausch der Karte erfolgen.— F. H. IVO. J», sojern der Bräutigam die Verlobung ohne gesetzliche� Grund gelöst hat.— W. G. 11. Der Vater ist nicht haftbar. Fall» Sie gegen den Sohn Anzeige erstatten, würde dieser voranssichttich liest rast werden. Mr raten jedoch von der Erstattung der Slnzeige ab.— 90. M. 100. 1. Da» mit RechtS'rastattcst versehene Scheidungsurteil, aotzerdei» Geburtsurkunde ni� Militärpapiere. 2. Beim Anwalt, eventuell auch beim Landgericht. S. Mit einem Antrag an das Landgericht. 4. Nein, falls Lüne.!: da«. Armenrecht bewilligt worden war.— P. 3k. 1. Selbständig nach Vollendung des 14. Lebensjahre?. 2. Ja, bis zum 14. Lebensjahr.— 01.(S, 30. Fa.— (j, K. 50. Das statutengemäße Sterbegeld kann von der irraukenkaffc gefordert tverden. An die Invalidennersichcruiigsanstält besteht kein.An- spruch.— W. S. 55. 1. Ja.' 2. Sic haben aber einen Ersatzanspruch an den Ehei, u. E. in Höhe der gesamten UtnzutjSkojtei.l und in Höhe eines Monatsgehalts. 3. Nach Ihrer Darstellmig ohne Aussicht aus Erfolg. 4. Für die Abmachung sind Sie allerdings beweispstichtig. — G. W. 7301. 1. Eine solche Aussorderung ist zulässig, jedoch ist die Frist zu kurz. Sie müssen eine Frist von mindestens drei Tagen setzen. 2. Derartige Ansprüche können gegen Sie nur dann gestellt werden, ivemi Ihnen unsachgemätzcS Feuern nachgewiesen werden kann. 3. Ja. soseru derselbe nusreicheiid heizt. 4. Rein.— Ha. 1801. Das geschilderte Verhallen der Polizeibehörde halten wir für unzuiässig. Die Zeugen sind wohl zum Er- scheinen, jedoch nicht zur Allslage aus dem Polizeirevier verpflichtet.— TO. I. 33. Nur bann, wenn eine solche Berpstichtung für Sie im Miels« vertrage vorgesehen ist.— H. K. 87. 1. Ja, soseru es sich am einen HandwcrkSbclricb handelt. 2. Bejragen Sie einen Arzt. Sic können sich auch mit dem Magistrat in Verbindung setzen. Von dort ans wird die DeSinsektion veranlagt.— Ai. F. 13. Nein, da die Ansprüche r'> loschen sind.— G. St. 1881. Soweit ersichtlich, brauchen Sie sich ans eine Ermätzigung nicht einzulassen. Bestimmte Auskunft kann jedosj im. erteilt werben nach Einsichtnahme in den in Frage lommcndc« Kausvertrag. - K. G. 24. 1. Ja, falls eigenhändig geschrieben. 2. Die Mutter könnte ihr Pflichtteil fordern, solern dieses nicht durch den etwa verbleibenden Nachtatz gedeckt ist.—■ A. D. 41. Es mutz mehr als zwei Drittel Er« werbSuujähigkeit vorliegen. Matzgebend ist in der Regel ärztliches Gul» achte».— F. 37. Bis bic Wäsche trocken ist.— 35. R?1 Handelt eS sich um ein Versahren vor dem Nachlatzgerichi, so gehen die Kosten von der gesamten Nachlatzmasse ab. Schwebt ein Prozctzverfahren, so fallen die Kosten der unterliegenden Partei zur Last.— F. 61. 100. Der Anspruch verjährt, erst iu drei Jadren.— I. L. 02. 1. Ja. 2. Wenn die Urkunde» sicher ausbewahrt tuerde», kann mit dem Löschungsautrag noch gewartet werden. 3. Etwa 15 M.— C. Sp. Pro Kalenderjahr 2,"0 M. Zur Erstattung sind Sie nur dann verpflichtet, falls im Mietsvertrag vorgesehen. — Ludwig 80. 1. Ihre Darstellung ist unverständlich.— 2l. B. 2.. Ihre Behauptungen, selbst wenn sie beiviescu werden könnten, reichen zur Durchsllhrimg einer ScheidungSllag« nickt aus.— Unfall 3. 3. 3. eoetzcn Sie sich mit dein Arbeitersekretariat, Engoluser l4jI5, in Verbindung.— Ztz. H, 100. Leider lntzt sich die Herausgabe des Kindes nicht erzwinge Es kann dem BorninndschastSgericht Mitteilung von dem Sachverhalt gr macht werden.— [5?.!«4 S ««!£« ilj s? B-"! taparanda eterSburg' Scilla Aberdeen Paris SeUrr 73l!SW j 2 iw olkig '44W Siheiter 765. NW biwolkig 754WSW! 4 wölken! "70 T l 3 bedeckt -K t* 4 m«<*. t V-t» f 4 M WH.» s»-�UelUVt«.»» A �» Zunächst etwas wärmer bei ziemlich starke» südwestlichen Winden, der- ändcrlicher Bewoilnug und geringen Niederschlägen; nachher wieder ein wenig kalter. Berliner Wette rburea«. SSafferstandd-Nackriichte» der Landesanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau Wasserstand M e m e i, Tilsit P r e g e i, Jnsterburg D e t ch I e l. Thoni Oder. Ratibor '„ Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz Dresden Barba Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Epanoau') , Rathenow fl Spree, Sprcmberg') , Bceskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau Kaub Köin Neckar, Heilbrow, Main, Hanau Mosel, Trier ') 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—■) Unterpegel.—•) Eisstand. ♦) Treibeis.—') Grimdeisireiben.—') Eisgang. Todes-Anzeigen 1 SaziaißemokratisctierWatilvereinl !. i i Eerl. Reiclisiagswatilkreis, Görlitzer Viertel. Bezirk 207 II. Dcn Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gastwirt Ulbert Mtsclien? Kottbuser User 3d, gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Gmmaus-KirchhoseS, Neukölln, Hermannstrage, aus statt. 210/1» Der Vorstand. DeutseliEF Baüarlieiteryerband. Zweigversin Berlin. Am 23. Januar starb unser Mitglied, der Maurer Franz Eichberg (Bezirk Wedding). Ehre seinem Andenken l Tie Beerdigung findet am Tienstag. den 27. Januar, nachmittags S'/j Uhr, von der Halle deS DankeS-KirchhoseS in Rei« mekendorf« West, Blankeftrage, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 110/12 Der Vorstand. rlllen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter.schtvieger-undGrokmutter Emilie!(iihring am Sonnabend, den 24. Januar, früh 2 Uhr, im Alter von 58 Jahren, gestorben ist." 714b t'ran?! ZiinkrtnA, Putzer. Die Beerdigung findet Mittwoch, um 2>/, Uhr, aus dem Jakobi- Kirchhos, Neukölln, Hermann- strage, statt. iZeatzedeF IkaazDFtakdeiteF-Verdallil. Bezirllsvsr«sltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Industrie� arbeiter Wilhelm Gerhardt am 24. d. MtS. im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Januar, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle des Gethsemane-Kirchhoses in Nordend aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege Eriedrich Moll am 25. d. MtS. im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Januar, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Friedhofes in Hoben- Schönhausen- Wilhelms- berg auS statt._ Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege Ihorbald Petersen am 23. d. MtS. im Zllter von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, dei, 27. Januar, nachmittags 2I/a Uhr, von der Leichen- halle des Dankes- Kirchhofes in Reinickendorf-West, Schaniweber- strage, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 61/14 Die Bezirksverwaltung. Für die liebevollen Beweise herz- licher Teilnahme und die Begleitung zur letzten Ruhestätte nnsereres lieben Verstorbenen des Schriftsetzers Barhowskl, sagen allen Kollegen, Freunden und Bekannten besten Dank IlLb Tie Hinterbliebenen. Dentselier dolzarbeiter-lferbantl. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Eudwjr Brauer Weberstraße 25, im Alter von 26 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Januar, nach- mittags 3 Uhr. von der Halle deS MartuS-KirchhofeS in Wilhelms- berg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/9 Die Ortsverwaltung. Nach sehr schwerem Kamps ent- schlief sanft am Freitag, den 23. Januar, abends 8 Uhr. mein innigftgeliebter Mann und Vater, der Obsthändler und Hauseigentümer 13/20 Beinrich Fretzer im 41. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetriibt an mit der Bitte um stille Teilnahme Angnste Fretzer und Sohn. Die Beerdigung findet Dienstag. den 27. Januar 1914, nachmittags B'/i Uhr, von der Leichenhalle deS St. Phllippus- Apostel-Kirchhofs, Müllerstraße 44/45, auS statt. Malrcreill der Bildhauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Am 25, d. M. verstarb unser Mitglied, der Holzbildhauer Mred Puttlitz. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Janur, nach- mittags 4 Uhr. auf dem Park- Friedhhof, Grog-Lichterfelde-Süd, statt. 20/ t Um rege Beteiligung ersucht Ter Borstand. Verband der BureauangesteDlen Ortsgruppe Grost-Berli». Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Fritz Haseloph, Kassenangestellter, am 23. Januar 1314 verstorben ist. 46/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr in Baumschulen- weg(Gemeindestiedho) statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaltung. NsnieSAgung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vaters, des RestaurateurS Fritz Kant In der Nacht zum Sonntag starb, 74 Jadre alt, unser Vater, Schwieger- und Großvater �dolt Davidsohn. Die Beerdigung erfolgt Donners- tag, den 29. d. M., nachmittags 1'/, Uhr, von der alten Halle des Jüdischen Friedhofes zuWeißensee. Kranzspenden dankend verbeten. bamilie Georg Daviösobn. sagen wir allen Parteigenossen, Freunden, Verwandten und Be- kannten, sowie dem Kollegen Obst-Tchöneberg und dem Gesangverein �Charlottenburger Liedertafel" unseren aus- richttgen, tiesempsundenen Dank. Die trauernde Witwe Marie Kant nebst Kindern. Spandau(Nonncndamm), Siemensstr. 34. ihnmku- üiiö fcriiuilmiörrf! von Roberl Meyer,' Inf).: P. Golletz Mariannrnstr. 3. Tel. Mpl. 346 Für die überaus zahlreichen Be- weise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens meinerinniggeliebten Frau, unserer herzensguten Mutter, Tochter, Schwester. Schwägerin und Taute- 129A Olga Kripskausky geb. Eicbstaedt sprechen wir allen denen, welchen persönlich zu danken uns nicht mög- lich ist, auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Dia Hinterbliebenen. Bruchbandagen mm«rt Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., ISnspensorlen, sowie alle Artikel z. 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Im Hörsaal: Pros. Dr. Lindner: Die Insekten als Ueberträger von Mikrobenkeinien. Opernhaus. Die Asrikanerin. Kammerspiele. Bürger Schippe!. Lefstug. Phgmalion. Deutsches Künstler- Theater. Der Bogen des Odysseus. Deutsches'Opernhaus. Figaros .Hochzeit. Komödienhaus. Kammermusik. Theater an der Wetdendammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollendorsplast. Prinzeß Greil. SustiPielbauS. Die spanische Fliege. WiontiS Operetten. Die verbotene »Stadt. Schiller D. Was ihr wollt. Schiller Eharlottenburg. HerodeS und Mariamnc. Theater des Westens. Volenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Kleines. Jeltchen Gebert. Trianon. Anatoles Hochzeit. Thalia. Die Tangoprinzeisin. Residenz. Hoheit— der Franz. Metropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. Rose. Kinder der Großstadt. Kasino. Die olle Webern. Herrnseld. Was jagen Sie zu Leibusch? Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnie. Anfang 8'/, Ubr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Tangofieber. Folies Caurice. Der Kuckuck. Manöverichwindel. Die Samuels. Admiralspalast. Die lustige Puppe. Ansang S1!, Ubr. Neues Bolkstheater. Der Graf von Charolais. 'Ansang 9 Ubr. Berliner Eispalast. Eissport. Ei»esNollendorf-Theater.Variete- Lichtspiele. «• Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62 Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt. Mittwoch, abends 8 Uhr: Meyers. Donnerstag, abends 8 Uhr: Was Ihr- wollt. Ikeater des Westens. » uhr; Fofienblui. gönnt, nchm. 3'/, U.: Der liebe Augustin_ �ennttroortlicbet Sfebüfmit; Alfred Wielepp, NeuMn. Sehiller-sheAier cTu£en' Dienstag, nachmittag S'/j Uhr: Zopi and Schwert. Abends 8 Uhr, zum ersten Male: Merodes and Maidumne. Eine Tragödie i. 5 Aufz. v. Fr. Hebbel. Mittwoch, abends 8 Uhr: Merodes and Maclainne. Donnerstag, abends 8 Uhr: Weh' dein, der lügt. URANIA Taubensiraße 48/49. 8 Uhr: Mit Ballon und Flugzeug Uber Berg und Tal. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Lindner; Die Insektenwelt als Ueberträger von Mikrobenkeimen. Zlbends 71/., Ubr: König Richard III* Komödienhaus. L Uhr. Kauinlmnnslk. 8 Uhr. Berliner Idealer. Abends 8 Uhr: Wie einst im /Vtei. deutsches fctlertheater Sozietat. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Wends 8 Uhr: Der BoAen de» Odyssen». Mittwoch, B'/j: Peterchens Mondfahrt. Abends 8 Uhr': Der Bogen d. Odysseus. Tbeater am tloHemiorfplatz 8. Allabendlich: Prinzeß Gretl. 8 Uhr 8 Uhr. Residenz-Theater Hoheit— der Frau;! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artar Landsberger und Willi Wolff. Musik von Roberl Winterberz. Morgen u. f. Tage: Hoheit- der Franz! OSE=THEATE Große Frankiiirter Str. 132. Aum erstenmal: — Kinitsr der Großstadt. Schausp. in 4 Akten v. Wich. Braun. Ansang 8 Uhr: Mittwoch; Berlin wie es weint u. lacht. 1 Theatera. d. Weidendammerbrücke früher Komische Oper. 8 Uhr: Wer zuletzt lacht..• CasinosTheater Lothringer Strane 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Volksstück: Die olle Webern. Dr-Berl. Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner-Bflhne. Sonnt. 4 U.: Geheimnisse» New York. Schwarzer im. Adler, Frankfurter Chaussee 5. Tieustag, den L7. Januar: Gastspiel des Voigt. Theaters. Ter Trompeter v.Täkkin/ien. Romant. Schausp. m. Ges. i. 6 Bildern von Hildebrandt und Keller. Kafseneröfsn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Ä-ftWill. Theater. Direktion: H. Dryk. Fräulein Trallala. Posse mit Gelang in 3 Akten von L konkowski, Musik von I. Kichert. Kassenerösstt. 7 Ubr. Ans. H Uhr. Sonntag. d. 1. Febr.. nachm. 3Uhr: Die Kino-Kantgtn. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: tlte Reise um die Erde in 40 Tagen. Vereinigte Berliner Volksbühnen lynlsen-Thoater. Täglich 8'/. Uhr: Deines Bruders Weib. Schausp. in 6 Bild. u. 1 Vorsp. Walhalla-Theater. Täglich 8'/« Uhr: Tangofieber. Gr. Posfc m. Ges. u. Tanz in 3 Akten. von ö. Urban. Musik v. Hugo Hirsch. Zrauerei 7risÄ?ieksllain laxlidi außer Sonnabends: Da« stimm nng« vollste Bayr. Bockbier-Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. Ü?„Clou" •™—- MauerstraBe 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraße 82.— ZimmerstraBe 90/91. Großes öoppel-lionzert! Berliner Konzerlliaus-Orcliesler Dirigent: Franz; v. Blon. und Tegernseer und lElllerthaler Musikanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Gr. Nachmiltags-Konzert beÄtm An allen Wochentagen: Arnold Scholz. Neue Welt. Hasenheide 108/114. Heute Dienstag:, den 27. Januar: 8lHc-Tag! Samen- främiiening! ' Prämiiert wird"Wl Die hellste Blondine. 3 bare Geldpreise: 50.-, 3«.—,«O.— Mark. O80~ Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Nur echtes Haar: Die schon einmal Prämiierten scheiden aus. Anfang 7 Chr. SO bayrische Madl. £utree SO Pf. 6 Kapellen. Voranzeige: Elltc-Tag!___ PrSrt Die längste saure Gurke. 3 bare Geldpreise: 30.—, ÄO.—, 10M. Mittwoch, den 28. Januar: Extra- Prüm! ierung! Zirkus Alb. Schumann. Heute Dienstag, den 27. Januar, abends T1/. Uhr; Große Gala- Fest-Vorsielluiig! Auftreten sämtlicher Attraktionen! Das mit so großem BeifaU auigenomm.Ausstattangs- Htiick in 7 Bildern 99" der Derby-Favorit 1914. Tipp Letzte. Woche! YVETTE j Robert Steidl 1 Willy Pantzer Co.| Per» Ballett divertiss. Kostüme: Paul Poiret, Paris und die Januar-JUIraktlouen! — Rauchen gestattet!— :: 8 Uhr. Tel.:Lüt20w 2757. 8 Uhr.» Heute und folgende Tage: SS Der Stolz der 3. Kompagnie i| mit Zirkus Busch. Heute Dienstag, den 27. Januar, abends 7'/, Uhr: /fes Marino, den Autokönig, noch sehen will muß sich beeilen, da derselbe nur noch einige Tage seine unglaub- lichen Produktionen zeigen wird Ferner Austreten aller großen Spezialitäten. , ZumSchluß: „Pompeji". Orig. Ausitattungs-Pantomime des Firkus Busch in 5 glänz. Akten. folies Caprice. Der Kuckuck. ManUverachwlndel. Die Samuels. Donnerstag, den 29. d. Mtg.: Premiere. Die wilden Feuerfresser in ihren fanatischen Martern. C'ols Experimente: Äus dem Jensens' gor l.ehend!"VQ Ohne Eztra-Entree. Admiralspalast. Eis Irena. � Täglich:_ Vis lustige?uppe. Großes Balleft auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von lO3/, Uhr ab halbe Kassenpreiso. Wein- ii. Bier- Abteilung. IHartslein «1s i» MuskctierDistelbeck;; Eachcn ohne Pause!•• Vorher das gr Januar-Progr.!» u.a. Bernhard Ilörbitz»» Rauchen gestattet.:| aan■ /»—----------------- Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Anatole« Hochzelt. Reiebshailen-Tiiealer Stettiner Sänger No. 131 Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu crmäß. Preisen: Eine Hochzeit in depliiillersWe. /Vitt aen Jiinatt Oer Ju ernte ■ bcrntmnti sie lltesatlion Sem Publikum gegenüber keinerlei Berantwnreunq M��nscratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdraf mi u. VerlcrgScmstalt Piml Singer& Co., Berlin SW. Hr. 26 31. ZadrMy. 3. ßdinnt des Jonrätf Kerlim paSteMnlt. Dienstag. 27. Januar 1914. Abgeordnetenhaus. 12. Sitzung. Montag, den 26. Januar 1911. vormittags 11 Uhr. Am MinistertisS: Dr. S y d o w. Interpellation über die Ticnstboteuvcrfichcrung. Abg. Dr. Wagner-Breölau(ff.) begründet folgende Interpellation: „Wa-Z gedenkt die Staatsregierung zur Abhilfe der bei der Dienstbotenversicherung in Orlskrankenkassen hervorgetretenen Miß- stände zu tun Der Redner bezeichnet die Dienstbotenversicherung in den Städten als eine Mittelst andsfragc von besonderer Bedeutung. Der Geschäftsmann kann vielleicht diese neue Belastung auf die Kundschaft abwälzen, der Beamte aber nicht. Die Orts- krankenkasfen arbeiten teuer und langsam. Das Publikum muß stundenlang warten. Dazu die Konflikte mit den Aerztrn. Es werden fremde Aerzte herangezogen, die ihren Auf- gaben nicht immer gewachsen sind. Staatssekretär Delbrück hat inl Reichstag diese Mängel anerkannt. Diejenigen Herrschaften, welche die Bürgschaft sür die Gewährung der Krankenhilfe für Dienstboten selbst übernehmen wollen, müssen ihre ganzen Steuer- und Permögensverhältnisfe angeben und dies auch von den Dienst- boten unterzeichnen lassen, so daß diese die Berhälmisse ihrer Herrschaft genau kennen lernen. Vielleicht stellt man sie in Zukunft als Hilfsbeainle der SteuereinschätzungSkommission an!— Der Redner richtet dann Angriffe auf die sozialdemokratischen Verwaltungen der Ortskrankenkassen, die die Selbstverwaltung dis- kreditierten.(Beifall rechts.) Handelsminister Dr. Sydow: Auch mir sind zahlreiche Klagen zugegangen. Auf die Angrisse gegen die Reichsversicherungsordnung selbst will ich hier nicht ein- gehen; ich muß diese Angriffe zurückweisen, da die Reichs- Versicherungsordnung besteht und die Zustimmung aller. Parteien, auch derjenigen des Vorredners, ge- f u n d e n h a t. Es ist getragt worden, weshalb die Staatsregiernng nicht von dem Z 170 Gebrauch gemacht und im Wege der Lande»- gcsetzgebung nicht noch eine besondere Dienstbvtenversichcrung für Preußen eingeführt habe. Die Entstehungsgeschichte des Reichsgesetzes zeigt. wie � das auch in der Reichstags- kommisjion ausdrücklich zur Sprache gekommen ist, daß man schon vorhandene Einrichtungen schonen wollte und ich bezweifele, daß ein Landesgesetz für Preußen Vorteil gebracht hätte. Man hätte damit die Errichtung von Landkrankenkassen ge- hemm t. Die Mitglieder der Landkrankenkasscn sind landwirischaft- liche Arbeiter! hier niuß also überall im Einverständnis mit dem Laiidwirtschaflsminister vorgegangen werden! von ihm niuß die Ent- scheidung getroffen werden, inwieweit Landkrankenkasten leistungs- fähig sind. Wo die Errichtung von Landkrankenkassen unterblieben ist. geschah das mir Zustimmung des Landwirtschaftsministers Man hat die Ausführung des ReichSversicherungsordnungsgesetzes angegriffen und dafür ist die preußische Regierung verantwortlich. Vor allen, hat man bemängelt, daß nicht überall die Dienstboten in Landkrankenkassen zusammengefaßt worden sind. Dagegen ist zu sagen, daß dort, wo ein Gemeindeverband eine solche Kaiie errichten will, er durch keine gesetzliche Bestimmung daran gebindert werden kann. Wo also eine solche Kasse nicht existiert, da hat man leine haben wollen; also war der Gemcindcvorstand mit diesem Zustande einverstanden. Bon der Regierung sind öfter Anregungen zur Errichtung von Land- krankenkasfen gemacht worden, auch dort, wo die lokalen Behörden dafür kein Interesse zeigten. Ohne Rücksicht auf die lokalen Behörden können wir nicht vorgehen. Die Regicriingsbchörden haben überall die Errichtung von Land- kralikenkossen vorgeschlagen, aber cS wurden nur etwa 100 errichtet. Die Leistungen für Dienstboten sind in OrtS- uiid Landkranken- lassen in den Großstädten oder ihren Vororten nicht sehr voneinander unterichiedcn, aber die Beiträge ii, den Landkraiikenkafsen sind viel niedriger.(Der Minister weist dieS aus Verglcichszahlen aus«schönebcrg und Wilmersdorf, Berlin und Friedenau nach.) Die Dienstherrschaften haben das Jnterefle, daß ihre Dienstboten nicht in die sozialdemokratische Agitation hinein- gezogen werden, was in de» Ortskrankcnkaffcn der Fall ist. Den OrlSkrankenkasien kann die freie Arztwahl nicht aufgenötigt werden, sie muß aber in den Laiidlrankenkasseii bestehen. Die Dienstboten wollen selbst nur dieselben Aerzte in Anspruch nehmen, wie die Dienstherrschaft. Falls die Ortskrankenkassen ihren Zweck nicht er- füllen, so werde ich, wozu daS Gesetz die Möglichkeit gibt, noch auf nachträgliche Errichtung von Landkranleitkassen hinwirken.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) � Die Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung sind zwar vielfach unklar, aber ich werde trachten, für eine vernünftige Ausführung des Ge- sctzcS zu sorgen.(Beifall rechts.) Die Besprechung der Interpellation wird be- schlössen. Abg. Dr. Hahn(f.) fordert, daß die Dienstboten sämtlich in Landkrankenkassen versichert werden sollen. Die Einreibung der Dienstboten in die Ortskrankenkassen belasten den Mitlelstand. Die gesetzlichen Kautelen zur Zurückdrängung der Sozialdemokratie versagen im Westen und besonders in Milieldeulsckland. Und diesmal haben noch zahlreiche Arbeiter unter dem Eindruck des Jubiläumsjahres patriotisch gewählt.(Abg. Ad. H o f f m a n n: Machen Sie doch wieder so was! Heilerkeit.) Die bürgerliche Gesellschaft muß ihren Einfluß verstärken. Ich fürchte, daß die Kassenärzte immer mehr sozialdemokratisch werden. Die Sozialdemokratie muß aber von den liberalen Berufen ferngehalten werden.— Tie soziale Belastung steigt� viel zu schnell und zu stark. Der Redner spricht dann über die Syndikate, die Sozialpolitik im Ausland, rühmt die sozialpolitischen Leistungen der bürgerlichen Gesellschaft und tadelt die Richtberncksichligung des MiitelstandeS. Heute allerdings danken wir dem Minister für sein Entgegcnkomincn.(Beifall rechts.) Minister v. Tydow weist die Andeutungen Dr. Hahns zurück, als habe er die Ber- antwortung auf den Landwirtschaftsminister geschoben. Abg. Dr. Pieper(Z.) empfiehlt bei allzu hohen Beiträgen die Gründung eines V e r- sicherungsverein» zur gemeinsamen Uebernahme des Risikos und bespricht Einzelheilen des Geschäftsganges der Versicherung. Gegen die Sozialdemokratie kann nur die'ch r i st l i ch n a t i o n a l e Arbeiterbewegung Heise», möge sie noch mehr unterstützt und gefördert werden. Sozialpolitik muß sein, darf aber de» technischen Fortschritt nicht etwa illusorisch machen. Abg. Dr. Cremer(natl.): Bekennen wir großen Parteien un» doch' offen und gemeinsam zur Vaterschaft an diesem Gesetz; wir brauchen auch gar keinen Fehler festzustellen. Mit der Behandlung der Sache durch den Minister sind wir einverstanden. Richtig kann es nicht zugehen, daß an Stelle der niedrigen Beiträge der AbonnenieiitSvereine usw. jetzt so hohe Beiträge für die gleichen Leistungen gezahlt werden müssen. Die Mittelstandsireundlichkeit Dr. H a l) n§_ kommt mir sonderbar vor. Sie ist ein Danaergeschenk. Die Sozialpolitik ist uns einfach eine soziale Pflicht und was die S o z i a l d einokratie dazu sagt oder davon hat, ist uns gleichgültig. Die Diakonissinnen und das weibliche Pflegepersonal sollen von der Versicherungspfticht befreit werden. Die Dienstboten können nicht ausnahmslos in Lano- krankenkasfen einrangiert werden. Die Wurzeln der Sozial- deinokratie sind durch die Aufklärungsarbeit der christlich- sozialen Gewerkschaften und anderer Verbände untergraben worden. Die sozialdemokratische Agitation darf nicht in den Schoß der Familie hineingetragen werden. Die deutschen Frauen, denen die Ausführung dieses sozialen Gesetze» in die Hand gegeben ist, sollen nicht verärgert beiseite stehen.(Beifall bei den Rational- liberalen.) Abg. Dr. Mugdan(Vp.): So rückständig sind unsere Frauen nicht, wie e» der Vorredner darstellte. Die Krankenversicherung der Dienstboten war� u n- bedingt notwendig. Landkrankenkassen in großen Städten werden sehr oftnichtbestehenkönnen.— Der Redner erklärt sich entschieden für die freie Arztwahl nicht nur für die Dienstboten, sondern — im Unterschied zu den Erklärungen des Ministers— für sämtliche gewerbliche Arbeiter Die zahlreichen Anträge zur Befreiung von der Versicherungspflicht werden durch das Nichtvorhandensein der freien Aerztewahl erklärt.(Beifall bei der Freisinnigen Volkspartei.) Abg. Braun(Soz.): Die kolossale Steigerung der Vermögen, die die amt- liche Statistik beweist, zeigt doch zur Genüge, daß die angeblich so riesigen sozialpolitischen Lasten die Kapitalsbildung nicht g e- hindert haben. Die Konservativen sind ja nicht nur gegen die Dienstbotenversicherung, sondern gegen die Krankenversicherung über- Haupt. Herr Wagner hier und Graf W e st a r p im Reichstag haben erklärt, daß man in ihren Kreisen nicht überall die Notwendigkeit anerkennen könne, die Dienstboten in die Krankenversicherung eiiizu- beziehen. Worauf es ankommt, ist, den Dienstboten einen gesetz- liehen Rechtsanspruch auf gleichartige und ausreichende Krankenhilfe zu gewähre», und weil die familiäre Fürsorge vielfach vertagt hat, ist daS Reich nach dem Beispiel einiger Bundesstaaten, wo sich diese Einrichtung bereits bewährt hatte, zur Einführung der gesetzlichen Dienstbotenversicherung gekommen. Ich weise nur darauf hin, daß in den Haushalten oft gar nickt geeignete Räume zur Ver- fllgung stehen, um erkrankte Dienstboten unterzubringen. Das bat sogar der Staatssekretär Dr. Delbrück für sich erklärt, der doch gewiß über ausreichende Wohnräume verfügt; wie toll das erst bei Leuten sein, die nur 3 bis 1 Zimmer bewohnen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man erklärt, daß nur Landkrankenkassen für dio» Dienstboten- Versicherung in Frage kommen. Weshalb? Lediglich deshalb, weil die Landkrankenkasien weniger leisten und deshalb den Arbeitgebern weniger kosten. Der Beitrag zur Landkrankenkasse wird nach dem.Ortslohn" berechnet, der weit unter dem tatsächlichen Lohn ist. Während die Ortskrankenkassen acht Wochen lang Wöchnerinnenunterstützung gewähren müssen, können die Land- krankenkasfen diese Hilfe auf nur vier Wochen feit- setzen, also auf weniger. als in den Ortskrankenkassen schon unter dem alten Gesetz vorgeschrieben war. Die Städte haben ganz richtig gebandelt, wenn sie die unzureichenden Landkrankenkassen nickt zugelassen haben. Herr Wagner hat sich über den BureaukratiSmus in den Ortskrankenkassen beschwert. Nun wenn Herr Wagner gegen den Burcaukratismu» vorgeben wollte, so hätte er in P r e u ß c n wabrlich noch ganz andere Gelegenheit, als bei den Ortskrankenkassen. Er hat sich über die angeblich zu hohe Entschädigung de» Vorsitzenden der Breslauer Ortskrankenkasse be- schwert, aber die Arbeitgeber und Arbeitervertreter sind dort übereinstimmend dazu gelangt, den Verdienstentgang de» Vorsitzenden so hoch zu beurteilen. Dagegen ist e» Tatsache, daß ehrenamtlichen Vorsitzenden bei den llnfallverficherungs-Gcnossen- schaften skandalös hohe Entschädigungen gewährt wurden— freilich, gegen diese Selbstverwaltung, die einem Arbeitgeber zugute kommt, haben Sie(nach rechts) nichts einzuwenden. In Wahrheit sind die Entschädigungen bei den Ortskrankenkassen so gering, daß man es hoch anrechnen muß. wenn die Vorsitzenden sich mit solchem Eifer ihrer Arbeit widmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Uebrigens werden ja nach dem neuen Gesetz mehr und inehr Arbeitgeber zu Vorsitzenden gemocht werden können!— Wenn alle Verwaltungen im Staate bei Einführung neuer Gesetze sich dem Ansturm so gewachsen zeigen würden, ivie e» die Ortskrankenkassen- verwaltungen jetzt getan haben, so könnten wir zufrieden sein. Wenn manche Kassenleitungen aus Sparsamkeitsgründen nickl die nötige Personalvermehrung vorgenommen haben, so ist das doch im Interesse der Arbeitgeber geschehen, deren Leistungen man nicht erhöhen wollte; wie können Sie daraus Vorwürfe herleiten? Uebrigens das JnvalidenversicherungSgcsetz besteht seit fast dreißig Jahren, und wenn die Invalidenrenten ausgezahlt werden, dann müssen die armen kranken Personen und Krüppel oft stundenlang an d e n P o st s ch a I t e r n stehen.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie find lediglich desivegen gegen die Versicherung der Dienst- boten in de» Ortskrankenkassen. weil dort die Beiträge und die Lei- stungen höher sind. Haben doch in einer Versammlung Berliner Hausfrauen einige gesagt, die erhöhte Wockenhilse sei eine Prämie aus die Unsittlichkeit. Mögen diese Damen vor ihrer eigenen Tür kehren, mögen sie auf ihre erwachsenen Söhne einwirken, daß sie nicht ihre Dienstmädchen verführen;(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) dann haben Sie sür die Hebung der Sittlichkeit genug getan. Ohne die unehelichen Geburten ivürde der Geburtenrückgang, den Sie beklagen, noch größer sein; Sie haben also alle Veranlassung, auch die unehelich Gebärenden zu schützen. Ob wirklich die Dienstboten ein geringeres Risiko für die Ortskrankasien bedeuten, bleibt noch abzuwarten. Die gesunden Wohnungen der Dienstboten babe ich vorhin schon gestreift, und in bczng auf das Essen der Dienstboten darf man keineswegs da» Essen der Herr- s ch a f t zum Maßstab nehmen. Auch die Aerztefrage wurde angeschnitten und Herr Wagner sprach verächtlich von den ärztlichen Streikbrechern. Bei industriellen Streikbrechern reden Sie von nützlichen Ele- in e n t e n und versehen sie mit Gummiknüppel und Revolver. Diejenigen Aerzte, die sich den exorbilanren Forderungen ihrer Kollegen nicht an'chließen, sondern unter allen llm- ständen ihre ärztliche Berufepflickl erfüllen wollen, stehen mir jeden- falls sehr viel höher, als die Streilbrecher, die man sonst zu den nützlichen Elementen' zählt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokralen.) Von einer Verschlechterung der Verhältnifie der Aerzte durch die Krankenversicherung kann keine Rede sein; noch nickt die Hälite der sür Arztbonorar von den Kasten ausgegebenen Summen ivürde ohne die Versicherung den Aerzlen zufließen. Sind doch die Arzlbonorare der Orl-trankenkassen von 3 Millionen r m Jahre l 8 8 ö auf 1 1 M i l l i o n e n im I a b r e l v l l gestiegen.(Hon! hört I bei den Sozialdeniokraten.) Herrn Wagner möchte ich bemerken, daß der Berein der sozialdemo- kratifchen Aerzte keineswegs den Zweck hat, bei Kämpfen zwischen Aerzten und Kassen den angeblich sozialdemokratischen Kassen bei- zuspringen. Wir habeir ja im Gegenteil meist zu ver- zeichnen, daß gerade sozialdemokratische Aerzte die Führer der Aerzte im Kampfe gegen die Kassen sind. Herr Mugdan schwärmt für die freie Arztwahl, damit jeder Kranke zu dem Arzt seines Vertrauens gehen kann. Aber gerade die Aerzte. die durch die KaffenpraxiS Erfahrung gesammelt haben und nun Ver- trauen genießen, stellen sich den Kassen nicht mehr zur Verfügung. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Soll jeder Arzt zur Kassen- Praxis zugelaffen werden, so muß sich auch jeder Arzt den Kassen zur Verfügung stellen. Wären übrigens die Dienstboten wirklich ein geringeres Risiko für die Kassen, so würde keineswegs folgen, daß für sie besondere Beitragsklasse» einzurichten wären. Einer für alle und alle für einen, das ist ja das Prinzip der ganzen Versicherung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb find meine Freunde auch G e g n e r v o n S o n d e r k a f j e n für einzelne Gewerbe und Betriebe." Gerade die B e t r i e b» k a f f e n belasten den Mittel- stand, denn aus den großen Betrieben werden die schlechten Risiken entlasseii, die älteren Arbeiter müssen in den kleineren Be- trieben unterkommen, so daß gerade dadurch der Mittelstand die Kosten der Bersichernng der großen Betriebe trägt,(sehr wahr! bei den Sozialdemokralen.) Für die„Mißstände" hat man sich auf die Schöneberger OrtS- krankenkape berufen, die ganz schemalisch 1200 Befreiungsanträge abgelehnt hat. Gewiß, das ist nicht zu billigen, jeder Amrag muß geprüft iverden. Aber man muß auch die abnormen Wer- h ä l t n i s s e berücksichtigen, die verhindern, daß die Verwaltung ordnungsmäßig verfahren konnte. In Berlin liefen in wenigen Tagen 15 000 BefreiuugSanträge ein. Die Verwaltung half sich, indem sie sämtlichen Anträgen stattgab mit dem Vorbehalt, in einem Jahre nachzuprüfen, ob die Bedingungen sür die Befreiung gegeben sind. WaL für Gründe für die Anlragfteller maßgebend sind, zeigte ein Antrag in Königs« b e r g, wo der Antragsteller befreit iverden wollte, weil er n i ch t so gestellt sei, die Beiträge zu zahlen.(Heiterkeit.) Li Pf. wöchentlich kann er nicht zahlen, aber er loill sich verpflichten, even- luell t 000 Mark an Krankenkosten für den Dienst- boten aufzubringen! Herr Wagner wie» auf den Ber- ein in Breslau bin. der sich gebildet hat. um die Mit- glieder über ihre Rechte au» dem Gesetz aufzuklären. Sehr schön. Wenn er aber hinzufügt:„Damir haben die Herrschaften bewiesen, daß in ihren Kreisen noch Opfer willigkeil herrscht", so ist das eine eigenlümliche Opferwilligkeit, die doch nur darauf hinaus- läuft, die Versicherung billiger zu bekommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Berliner Hausfrauen haben sogar mit dem Streik gedroht.(Heiterkeit.) Sie iv ollen gar keine D i e n st in ä d ch e n mehr nehmen. Ob sie die Arbeiten dann billiger bekommen, möchte ich bezweifeln. Uebrigens gibt es viele Familien, die einen Dienstboien hallen, obwohl sie� nach ihrer Ein- kommenS- und Vermögenslage dazugar keine Veranlassung hätten.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokralen.) Man will sich eben nach außen e i n gewisses Relief geben— die Kosten hungert sich die Familie ab und man zwingt auch das Dienstmädchen noch, m i t z u h u n g e r n. Wenn die Dlenstbotenversicherung wirklich dazu beitragen sollte, daS Halten von Dienstmädchen zu verhindern, so kann das nur im Jilleresse dieser Dienstboten und dieser Familien selbst liegen. Gegen- über dem Abg. Wagner stelle ich fest, daß Mädchen, die im Geschäft verwendet werden, schon früher versicherungspflichltg waren und auch nicht in die Landkrankenkassen einbezogen werden dürfen. Als ein be- sonderer Vorzug erscheint Ihnen, daß der Vorstand der Landkranken- lasse nicht gewählt, sondern von der Gemeinde ernannt wird. Dadurch wird angeblich die Wahlagitation von den Familien fern- gehalten. Aber wir haben letzthin erlebt, daß bei Äassenwahlen die Damen selbst mit dieser Agitation bei den Dienstboten ein- gesetzt haben, um die Sozialdemokratie in der Ortskrankenkasse zu bekämpfen. Der Minister bat uns ja gesagt, von welch sachlicheu Gründen man bei der Errichtung oder Nichlerrichtung von Landkranken- kasfeii ausgeht. Er hat rundheraus zugegeben, daß dabei der Ge- fichtspunkt maßgebend war, auf welche Weife man einer sozial« demokratischen Kassenverwaltung Abbruch tun oder die Dienst- mädchcii vor sozialdemokratischer„Ansteckung" bewahren könnte. Eine nette Sachlichkeit!(Sehr gut! bei den Sozialdemo« lrateu. Abg. Ad. Hofsmann: Staatsraison!) Auch der Zentrums- abgeordnete Becker hat im Reichstag verlangt, daß die Dienstboten bei der Ortskrankenkasfe bleiben sollen, um den Einfluß der Sozialdemokratie zu mindern: also nicht wegen der höheren Leistungen der Ortslraillenkafsen. sondern nur um Partei- politischer Geschäfte willen! Würden wir uns lediglich von unseren Parteiinterefsen leiten lajseir, dann müßten Ivir eigentlich überall für Landkrankenkassen eintreten, denn dann würde ja unser angeblich überragender Einfluß in den Ortskrankenkasien weniger ge- fährdet! Wir aber streben, wenn wir auch unseren Einfluß erhöhen wollen, immer nur danach, die große Masse des Volkes gegen wirtschaftliche Ausbeutung und politische Bevor« mundung, sowie gegen die Wcchselsällc des LebenS zu schützen. Wir wollen der Allgemeinheit dienen, deshalb wünschen wir, daß der Minister nicht, wie er angekündigt bat, die Oberversicherungsämter anweist, gegen sogenannte Mißstände schleunigst einzugreifen, sondern daß er abwartet, wie sich das vieldeutige Gesetz — alle unsere Gesetze sind vieldeuiig. sonst brauchte» wir keine so komplizierte Recktsprechnng und RechtSanwaltschaft— in der Praxi» bewährt, wie sich die Schwierigkelten in der Ausführung überwinden lassen, damit schließlich auch für die Dienstboten die bestmögliche Versicherung besteht. Weiiil man sich auf das neue Gesetz einrichtet, dann wird es sich sehr schnell einleben und e» wird nicht notwendig fei», über Mißstände zu klagen.(Lebhaftes Brav« bei den Sozialdernvkrciten.) Abg. Dr. Arendt(ff.): Diese Anerkennung für das Gesetz freut mich, denn im Reichstag haben die Sozialdemokraten auch gegen dieses neue Versicherung?- gesetz gestimmt. Die Debatte und die Erklärung des Ministers haben uns befriedigt. Von den Aerzten, die als Streikbrecher in dem Kassenstreit auftreten, spricht hier niemand.(Zuruf der Soz.: Das sagt der Vertreter von M a n§ s e l d, wo die M a s ch i n e n- g e w e h r e gegen die Strcrkendeu aufgeboten wurden!) Diese Maschinengewehre waren nötig, um Schlimmeres und namentlich ein Vluivergiefen zu verhindern. ES ist übrigens ein Unterschied, ob Arbeiter itreiken und sogar Maschinen demolieren und wenn Krankenkassen ungenügend ausgebildete Aerzte auf ihre Mitglieder loslassen; dadurch kann ein Schaden angerichtet werden, der nichi wieder gut zu machen ist. Wir hoffen, daß. ent- 'preckend der Zusage des Ministers, den Mißständen abgeholfen wird. (Beifall reckls.) Die Besprechung schließt.— DaS Haus vertagt sich auf Mittwoch 12>/z Uhr mittags: Weiterberalung des LandwirlschaflS« etat?. 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