Dr. TV. 31. Jahrg. flbonnementS'Bedingungen:~�mA\| flic Infcrtions-Gebüfer WonnementZ- Preis pränumerando: SB9 1 MM i f�r s 1 H tRh« I beträgt für die sechSgespaltenc Kulonel. Liertcljährl. 330 Mk, monotl. 1,10 ZOT, WW WA I WW f/» W> WA WM gcifc oder deren Slaunt CO Psg„ für wöchenUich 2s Pfg, frei inS Haus. WW—CmBk I W> WW l�\ DM WW �W MW WW WW» WW/ politische und gewerlschaftliche Vereins. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. äBSri I[_HH I H M> WW MW MW IM WW mW WW 1�. WW WW s // und Versnniinlungs.Anzeigc» ÜO Pfg, Nummer mit illustricrler Sonntags. WWW» ySS� I �W WW AM WW»WW WD WW WW")■ WW //„Kleine Mnseigen-', das fettgcdruckle Vellage„Die Neue Welt- 10 Pfg, Post. WWW WM I WW �W WW» WWI WM WW WW MD HS DW 1 eftw Wort SO Pfg.(zulässig Ssctlqedruiktc «oonnement: 1,10 Mark pro Monat. I �W �W �W WWI WM WW WW �W WW Worte), jedes weitere Wort l<> Pia. Eingewogen m die Post. Zeitungs. M> WM> �W �W �Mv. JHA. MM.l WM KW i Stellengesuche und Schlasstellennn. Preisliste. Unter Kreuzband für WW �W WWl. �WM>> MmK\ WB T/ 1� Zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedeS Teutschland und Oesterreich. Ungarn �M� �W/ /VtW/ // KH 1 weitere Wort ä Pfg. Worte über 1' Pu.! 2L0 Mark, für das übrige Ausland~/ V S // MW Ilaben zählen nir zwei Worte. In> l . Marl pro Monat. PoftabonnelnentS--- � s* /I��. MMi für die nächste.littmmcr iliüjjen i> nehmen an: Belgien. Dänemark, /f' � ry ▼/\ 5 Uhr nachmittags in der Ervedilion Holland, Italien, Luxemburg. PorMgal,----- � Vs�O �-VirZ' abgegeben werden. Die Erbcditlou ist Nuuiänicn, Schweden und die Schweiz.■* JX---Q J)— s S bis 7 Uhr abends geöffnet. Verlinev Volksblnkk. � Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcri Partd Doitfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 31. Januar 1914. Expedition: 8öCl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. ! sitzenden des gelben Bundes der Fleischergescllen bringt nachstehende an uns gerichtete Erklärung des Vorstandes des Deutschen Fleischer- gesellenbundcs: Geehrte Redaktion! In Nr. 28 vom 29. Januar d. I. bringen Sie einen Artikel mit der Ueberschrift„Arbeitswilliger und Bordell". Wir ersuchen Sie aus Grund des Z 11 des Preßgesetzcs folgend« Berichtigung in Ihrem Blatt aufzunehmen: Es ist unwahr, daß Ernst Rolle-Magdeburg Vorsitzender des Zweigbundes für die Provinz Sachsen-Anhalt hn Deutschen Fleischergesellenbund ist. Wahr ist dagegen, daß Rolle als Zweigbundcsvorsitzender gewählt wurde, er aber sein Amt sofort nach der Wahl schon im vergangenen Jahre nieder- gelegt hat. Es ist ferner unwahr, daß der„Vorwärts" seine Behaup- hingen aus Mitteilungen in der„Deutschen Fleisckcrgesellen- Zeitung" stützen kann. Die„Deutsche Fleischcrgesellen-Zeitung" hat sich mit dieser Angelegenheit überhaupt nicht beschäftigt. Hochachtungsvoll Deutscher Fleischergesellen-Bundi Der Vorstand. Otto Bredow. Also Herr Rolle i st nach dieser„Berichtigung" in der Tat zum Zweigbundesvorsitzenden gewählt. Wenn er sein Anit nieder- gelegt hat, so ändert das nichts an der Tatsache, daß sein« gelben Bundesbrüder ihn zu ihrem Vorsitzenden erkoren haben. Hat er vielleicht wegen des Bordellbetriebes niedergelegt? Herr Rolle übt übrigens noch heute recht erhebliche Funktionen im gelben Bund (Deutscher Fleischergesellcnbund) aus. So hielt er noch vor kurzer Zeit eine Rede zu Ehren des Obermeisters Grünig und überreicht« demselben ein Kaiserbild als sichtbares Zeichen der Wertschätzung. Vielleicht hängt auch in dem Bordell der Frau Roll«, wie in den meisten solcher Stätten, ein Hohenzollernbild. Als Quelle unserer Nachricht hatten wir vorgestern die„Deutsche Fleischergesellen-Zeitung" angeführt. Das beruht auf einem Schreibversehen. Selbstverständlich hat nicht das Organ der Gelben, sondern„Der Fleischer", das Organ des Zentralver- bandesderFleischcrund Berufs genossen Deutsch, I a n d s, die interessanten Mitteilungen über die Beziehungen des von den Gelben zum Vorsitzenden gewählten Herrn Rolle zu dem K.uppelhaus gebracht.—„Der Fleischer" sollte das Organ aller deutschen Flrischergesellen sein. Trotz aller Schwierigkeiten kämpft er mit Ausdauer und Erfolg für Besserstellung der Lage der Fleischergesellen und für ein freies, gesichertes Lloalitionsrccht. Schutz dem Koalitionsrecht. Mit welcher Ungeniertheit den Arbeitern das Koalitionsrecht einfach geraubt wird, dafür liefert das Vorgehen der Biskuitfabrik „Holland" in Cleve einen neuen Beweis. Er ist um so bemerkens» werter, als die ungesetzlichen Maßnahmen anscheinend sogar mit ausdrücklicher Genehmigung der Aufsichtsbehörde erfolgen. Als die Firma merkte, daß sich ihre Arbeiter gewerkschaftlich organi» sierten, erließ sie kurz entschloffen einen Nachtrag zur Arbeits- ordmung, in dem sie also dekretiert: „... Er(der Arbeiter) muß ferner die schriftlich« Erklärung abgeben, daß er keinem Arbeiterverbande angehört... Als gegen. seitige Kündigungsfrist sind 14 Tage festgelegt. Wer trotzdem einem Arbeiterverbande beitritt, hat dieses sofort der Leitung zu melden und wird von dieser sofort ohne Kündigung entlassen." Diese„Ordnung" widerspricht in mehrfacher Hinsicht den gesctz- lichen Besrimmungen. Zunächst darf eine Acnderung der Arbeits- ordnung nicht„erlassen" werden. Die Firma mutz vor der Aende- rung die Arbeiter benachrichtigen und ihre Meinung hören. Zwei. tens müssen die Kündigungsbedingungen für beide Kontrahenten gleich sein, und drittens ist der Koalitionsrechtsraub ungesetzlich, weil mit den guten Sitten unvereinbar. Trotz alledem wird der Nachtrag als behördlich„genehmigt" bezeichnet. Ist die Genehmi. gung wirklich erfolgt, so hak die AuffichtSbehörde ihre Pflicht über. sehen. Sie ist verpflichtet, Bestimmungen, die gegen die guten Sitten verstoßen, in der Arbeitsordnung nicht zu dulden. Daß aber Anträge, tvelche die Koalitionsfreiheit beschränken, zweifellos" gegen die guten Sitten verstoßen, ist bei Gelegenheit der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wie im amtlichen Kommissionsbericht zu lesen ist, von allen Parteien und von den RegierungSvertretern anerkannt. Es ist höchste Zeit, durch klare Stra fbestimmungen diesem Schindludertreiben gegen das Menschenrecht der Arbeiter entgegenzutreten. Anträge zum Koalitionsrecht. Am Mittwoch wird der Scharfmacherantrag der Ztzonserdative» im Reichstag zur Abstimmung kommen. Die Stellung der Pa» teien zu diesem Antrag ist bekannt, nur über die Absichte« der Nationalliberalen herrscht Unklarheit. Auf ihrem Bertretertag in Wiesbaden setzten sie eine dreigliedrige Kommission ein, die das von den Scharfmachern gelieferte Material prüfen und dann Vor- schlüge machen sollte. Als Niederschlag dieser Arbeit darf man wohl eine Resolution betrachten, die von der nationalliberalen Freckiion im Reichstag zum Etat des Innern eingebracht wurde. Die Na- tionalliberalen drücken sich darum herum, Farbe zu dekennen; sie verlangen Material! Der Reichskanzler hat bei der ersten Lesung des Etats eine Denkschrift über den Terrorismus in Aussicht gestellt und die Nationalliberalen verlangen nun, daß diese Denischrist auch über die folgenden Fragen sich auslassen soll: 1. Welche Auswüchse des Koalitionsrechts sind in Deutsch- lamd zutage getreten? 2. Hecken sich die bestehenden gesetzliche« Bestimmungen al« ausreichend erwiesen, nm diese Auswüchse, einerlei, ob solche bei Arbeitgebern oder Arbeitnehmern zutage getreten sind, zu be- kämpfen? 3. War die Handhabung der gesetzlichen Bsstimmungen in den deutschen Bundesstaaten eine einheitliche, und wenn die» Trocken Srot und peitsthe. Wenige Wochen erst sind die dreimal gesiebten Vertreter des preußischen Volkes versammelt. Positive Tätigkeit zu entfalten, war ihnen bisher keine Gelegenheit geboten. Aber um so eifriger haben sie ihre Aufgabe darin erblickt, den alten Ruf Preußens als Vormacht der Reaktion in Deutsch- land aufs neue zu betätigen. Durch die bisher in beiden Häusern des Landtages gepflogenen Debatten zieht sich wie ein roter Faden der Ruf nach einer weiteren Knebelung der Arbeiterklasse, nach einer Unterdrückung des Volkes, spricht die Sehnsucht nach der Rückkehr des a b s 0- luten Polizei st aats. Je weniger sie im Reichstag zu sagen haben, desto mehr suchen die Junker und ihr Anhang vom preußischen Treiklassenparlament aus die Reichs- regicrung zu beeinflussen, und ihre engen Beziehungen zu den Verwaltungsbehörden rechtfertigen die Befürchtung, daß sie das, was sie auf dem Wege der Gesetz- gebung nicht erreichen können, durch eine reaktionäre Vcrwaltungspraxis zu der- wirklichen bemüht sind. Der Reichstag hat kein Verständnis für die Sehnsucht der Scharfmacher nach einem Zuchthausgesetz gezeigt. Flugs verlegen sie das Feld ihrer Tätigkeit in das preußische Abgeordnetenhaus, beauftragen sie die Regierung, im Bundes- rat in ihrem Sinne zu wirken, und die Regierung, die sich in erster Linie als Vollstrecker des Willens der ostelbischen Krautjunker und der wcstelbischen Schlotjunker fühlt, beeilt sich, deren Wünsche zu erfüllen, noch bevor sie ausgesprochen sind. Ihr gefügigstes Werkzeug, der Polizeiminister v. Dallwitz, hat die Obcrpräsidenten angewiesen, Polizeiver- ordnungcn zu erlassen, die aus Gründen der allgemeinen Sicherheit, Ruhe und Ordnung das S t r e i k p 0 st e n st e h e n verbieten und die Arbeitskämpfe illusorisch machen sollen. So wird den Arbeitern auf Umwegen durch einÄi e i n z igen Federstrich ein ihnen gesctz- l i ch g e w ä h r l e i st e t e s R e cht geraubt. Ter Kurs unserer Sozialpolitik paßt den Scharf- machern nicht. Zwar hat der Staatssekretär Delbrück ausdrücklich erklärt, daß die sozialpolitische Gesetzgebung vor- läufig abgeschlossen ist, aber diese Zusage genügt ihnen nicht. Denn noch besteht die Gefahr, daß die Regierungen sich in absehbarer Zeit einmal für die Einführung der Arbeits- losenvcrsicherung aussprechen werden. Hat doch Delbrück die Lösung dieses so wichtigen Problenis nicht grund- sätzlich und nicht für alle Ewigkeit von der Hand gewiesen! Was tun die Scharfmacher? Sie entreißen dem Vorgesetzten Delbrücks, dem Reichskanzler, die bindende Zusage, daß die Regierungen sich der Einführung der Arbeitslosenversicherung auf das Entschiedenste widersetzen werden. Dies Versprechen wird Herr v. Bethmann Hollweg besser einlösen als die ver- heißene Reform des Dreiklassenwablsystems. Ueberhaupt sinnt ja Herr v. Bethniann Holl weg in seinen schlaflosen Nächten darüber nach, wie er die Gunst seiner konservativen Freunde wiedergewinnen kann. Die Attacke, die im Herrenhause Graf Aork v. Warten bürg und im Abgeordnetenhause Dr. v. Heydebrand gegen ihn geritten hat, toar denn doch zu ernst, als daß er nicht allen Grund hätte, darüber nachzudenken, durch tvelche Ge- schenke er die kleine, aber mächtige Partei aussöhnen kann. Wie konnte der Ministerpräsident es auch tvagen, sich in dieser und jener Frage einmal nicht auf den erzreaktionären Stand- Punkt zu stellen, sondern den Befehlen der Preußischen Re- aktionäre zu trotzen! Wie soll die preußische Eigenart er- halten bleiben können, wenn auf den höchsten Beamten des Staates schon kein Verlaß mehr ist! Weiß Herr v. Bethmann Hollweg nicht, daß es ihm aufs strengste verboten ist, sei es als Reichskanzler, sei es als Ministerpräsident, irgend eine Maßnahme zu befürworten, zu der er nicht vorher die Ein- willigung der preußischen Junker eingeholt hat? Hat er ver- gessen, wie gut die Junker zu hassen verstehen, und wie es ihnen durch ihre Beziehungen noch von jeher geglückt ist, widerspenstige Minister zu stürzen? Discite moniti! Lernet, Ihr seid gewarnt! ruft Herr v. Heydebrand den Ministern zu. Ihr seid nicht die Minister des Volkes, auch nicht die Minister des Königs, sondern unsere, der Junker Diener, denn unseren Willen habt Ihr zu vollstrecken. Und wie auf Kommando lenken sie ein, denn Rückgrat ist ihnen eine fremder Begriff. De- und weh- mlltig fleht Bethmann Hollweg um Verzeihung, und in langatnligen Reden entschuldigt er sich, weil er gegen den Willen der preußischen Junker sich mit der Vermögens- zuwachssteuer befreundet hat, anstatt die Vertretung- des deutschen Volkes zum Teufel zu jagen. Buße zu tun ver- spricht Herr L e n tz e, weil er es gewagt hat, das Porte- monnaie der Besitzenden, wenn auch nur in ganz bescheidenem Maße, dem aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Reichstage auszuliefern. Aengstlich kriecht Herr S y d 0 w zu Kreuze, weil er in der Frage der Dienstbotenver- s i ch e r u n g einmal den modernen Anschauungen Platz ge- Seben hat. und gefügig den Befehlen der Junker stellt er eine ievision der Grundsätze über die Errichtung von Land- krankenkassen in Aussicht. Aber all das genügt unseren Junkern noch lange nicht. Was nutzt ihnen die Rechtlosmachung, was nutzt ihnen die Knebelung des Volkes, wenn damit nicht zugleich ein neuer Fischzug auf dessen Taschen verbunden ist. Und fordern sie denn dreist und gottesfllrchtig bei der in Vor- vereitung begriffenen Revision des Zolltarifs hohe Zölle auf alle Lebensmittel, die bisher zollfrei oder nach ihrer Meinung mit unzulänglichen Zöllen versehen sind. Fische, Obst, Ge- müse, Honig, kurz, alle Nahrungs- und Genußmittel sollen verteuert werden, auf daß es den Junkern gut gehe aus Erden. Es war ja von jeher das eifrige Bemühen der Mehrheit des preußischen Landtages, das Volk zu verdummen und zu knebeln, um es dann nm so besser ausbeuten zu können. Ganz der gleichen Taktik, wie vor dem Abschluß der jetzt geltenden Handelsverträge begegnen wir auch heute tvieder. Wie damals das Gejammer über sozialdemokratischen Terro- rismus, der Schrei nach mehr Arbeitswilligenschutz Hand in Hand ging mit der Jnaugurierung der Miguelschen Sammel- Politik, so ertönt auch heilte wieder die Forderung: Höhere Steuern und höhere Lasten vom Volke, und weniger Rechte und weniger Freiheiten für das Volk! Wer die parlamentarische Geschichte Preußens auch nur oberflächlich kennt, der weiß, daß seit mehr als 30 Jahren die Machthaber den Einfluß, den ihnen das Drei- klassenwahlsystem einräumt, in der niederträchtigsten und rllcksichtlosesten Weise mißbraucht haben zum Vorteil ihrer eigenen Klasse und zur Schädigung der Arbeiterklasse, zur Schädigung der Gesamtheit. Polizei, Justiz, Schule, Kirche, die ganze Gesetzgebung und Verwaltung haben sie in den Dienst ibrer Interessen zu stellen verstanden, und der Neid muß es ihnen lassen, sie gehen dabei so geschickt, so unbeirrt und so planmäßig vor, wie keine andere Klasse der Bevölke- rung. Würde das freiheitliche Bürgertum auch nur den hundertsten Teil von Energie für die Durchsetzung liberaler Reformen aufwenden, wie die Junker für die Durchsetzung ibrer reaktionären Anschläge, dann wäre der Junkerherrschaft schon längst ein Ende gemacht. Aber was sehen wir statt dessen? Ein Teil des Bürgertums schließt, anstatt sich auf seine Vergangenheit zu besinnen und den Kampf gegen die schlimmsten Feinde jeden Fortschritts aufzunehmen, mit diesen.ein.Bündnis auf Gegenseitigkeit�- um auch seinerseits an der Beute zu partizipieren, und der- andere Teil kann sich aus Angst vor den etwaigen Folgen zu keiner entscheidenden Tat aufraffen. So ist denn der Arbeiterklasse die Aufgabe zugefallen, dem gemeingefährlichen Treiben der Junker ein Ende zu be- reiten. Soweit die Reichsgesetzgebüng in Frage kommt, ist das bis zu einem gewissen Grade bereits geglückt, aber alle Mühen werden vergebens gewesen sein, wenn es nicht auch in dem führenden deutschen Bundesstaat, in Preußen, gelingt, mit der Macht einer Kaste aufzuräumen, die in ein inodernes Staatswesen nicht hineinpaßt. Die Wurzel ihrer Macht bildet das Dreiklassenwahlsystem. Ihm gilt der Kampf des Proletariats, ihm den Todesstoß zu versetzen, ist Pflicht aller derer, denen es ernst ist, um die Schaffung freiheitlicher Zustände in Preußen und in Deutsch- land.- Schwerer als je ist heute der Befreiungskampf des Pro- letariats. Tie Junker haben der Regierung verboten, eine uieue Wahlrechtsvorlage einzubringen; die Regierung hat den Wink verstanden und rund heraus erklärt, daß es ihre Sache sei, den Zeitpunkt zu bestimmen, den sie sich eine Reform des Wahlrechts für geeignet halte, sie werde sich vom Parlament ein Wahlgesetz nicht aufoktroyieren lassen. Das Wort Wilhelms II., daß die Reform des Treiklafsenwahlsystems in Preußen die wichtigste Aufgabe der Gegenwart ist, ist für die Regierung nach ihrem Eingeständnis eingelöst. Nicht aber eingelöst ist das Wort für das Proletariat, für uns bleibt die Beseitigung des Dreiklassenwahl- systems und damit die Beseitigung des Herdes der preußische li und der deutschen Re- aktion nach wie vor eine Lebensfrage. Das ist zurzeit die wichtig st e Aufgabe, die zu lösen dieSozialdemokratie ihrem eigenen A n s eh e n, dem Ansehen Preußens, dem An- sehen Deutschlands schuldig ist. Erst dann wird wahrer Kultur und wahrem Fortschritt der Boden geebnet sein. Um das Koalitionsrecht. Eine Anzahl Versammlungen iin Regierungsbezirk! Magdeburg nahm Stellung zu der Bedrohung des Koalitionsrechtes. Der Reichstagsabgeordnete Silber- s ch m i d t sprach in Magdeburg vor einer � überfüllten Versammlung; in Halber st adt, Wernigerode, Oschersleben und O st e r w i c ck fanden gleichfalls stark besuchte Protestversainmlungen statt. Im östlichen Westfalen und in Lippe fanden vom 23. bis 27. Januar zwölf Volksversammlungen statt, die dem- selben Zwecke dienten. In Bielefeld beteiligten sich an � der Demonstration für ein freies Koalitionsrecht 6000 Ar- bester und Arbeiterinnen. Die anderen Versammlungen fanden statt in Herford, Minden. Oeynhausen, Bünde. Vlotho, Sundern, Berbeck, Lemgo und an anderen Orten. Arbeitswilliger und Bordell. Eine lustige Bestätigung unserer vorgestrigen Mitteisung über die Wahl des Themannes der Bordellinhaberi« Rolle zum Bor» nicht ber Fall war, welche MaHregeln empfahlen sich,«m ein« einheitliche HandhaKung der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Koalitionsfreiheit und zur Abwehr des Koalitions zwanges herbeizuführen? 4. Empfiehlt es sich, eine zwil-rechtliche Haftung der Koali- twmen für Schaden, den dieselben im Widerspruch mit den Ge. setzen und guten Sitten durch Beauftragte herbeiführen, einzu führen? 8. Welche Erfahrungen liegen bezüglich deZ wirtschaftlichen und politischen Boykotts vor? 6. Wie ist die Lage der ausländischen Gesetzgebung und welche Erfahrungen sind im Auslande bezüglich der uitter Ziffer 1 bis 5 aufgeführten Materien gemacht worden? Eine gleichzeittg eingebrachte Resolution der Führer der christ- Iichen Arbeiterbewegung, der Abgg. Behrens, Giesberts und Schift scr wünscht die Ausdehnung der Tenkfchrift auch„auf die Ersah- rungen über solche Auswüchse des Koalitionswesens im Wirtschaft� lichen, gesellschaftlichen und politischen Leben, die nicht von Ar> heitern und Angestellten und deren Koalitionen, insbesondere aber auf die Erfahrungen und Maßnahmen, die von Arbeitgebern und deren Organisationen durch Beschränkung der gesetzlich gewährlei- steten Koalitionsfreiheit, ArbeitSaus-schluß von Angehörigen bc sttmmter Vereinigungen und Verbände, Zwang zum Eintritt in Weriverein«, Führung schwarzer Listen, geheime Abmachungen über Annahme oder Nichtannahme von Arbeitnehmern, Streikbrecher� vermittelungSwescn usw. veranlaßt wurden". Damit steht fest, daß die Zahl der Stimmen, die auf den konser, vativen Antrag entfallen werden, wohl nicht größer als im Vor fahr sein wird. Wer es wirklich ehrlich mit dem KoalitionSrecht meint, der wird für den sl�iaidemokrattschen Antrag stimmen muffen, politische Ueberficht. Die Abrechnung. Je länger sich im Reichstage die Aussprache über unsere .Handelspolitik hinzieht, um so eifriger wiederholen die Redner der Zollwucher-Parteien den Vers von dem Segen des Zoll' Wuchers. Arn Freitag produzierte sich in dieser Kunst zunächst ein edles Paar: der Stöckerjüngling Behrens und der— einst so wütige Sozialistenfresser Dr. Becker(Hessen). Ihnen folgte Genosse M o l k e n b u h r. Er widerlegte die allgemeinen Redensarten der Zollwucherer, indem er auf die wirtschaftliche EntWickelung, ihre Gründe� und ihre Folgen an Hand der amtlichen Statistik einging. So konnte er aufs klarste darlegen, daß der Zollwncher durchaus nicht die guten Wirkungen gehabt hat, die ihm die Zollwucher-Parteien zu schreiben, daß er vielmehr die Arveiter aufs schioerste ge schädigt hat. Ebenso wirksam wies Genosse Molkenbühr die Behauptung zurück, als ob es dem Zollwucher zu danken sei, daß die Arbeiterversichcrungen durchgeführt werden konnten. Besonders unangenehm war es den Gegnern, als unser Redner aus-der Geschichte unserer sozialen und wirtschaftlichen Gesetzgebung in Erinnerung brachte, daß die Zoll. lvucher-Parteien vor jedem Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes versucht haben, die Arbeiter durch ein Zuchthausgesetz zu knebeln. Dies hinderte freilich nicht den Abg. E m m i n g e r vom Zentrum, den Nachfolger des Freiherrn von T h ü n e f e l d, 'die alten zollwucherischen Redensarten noch einmal zu.wieder- holen und im Anschluß daran die besonderen Zollwucher- wünsche seiner Wähler vorzutragen. Damit zeigte er aber Äur, daß es auf der Bahn des Zollwuchers kein Halt gibt. Die Herren mögen den Zollwucher noch so weit treiben, das Geschrei nach Verschärfung des Zollwuchers hört nicht auf. Zu Anfang der Sitzung brachten die Abgg. Wein- hausen(Fortschrittliche Volkspartei), D o m b e k CPole) und W a r m u t h(Reichspartei) noch einige sozialpoliftsche Wünsche vor.— Nach einer rein sachlichen Rede des Präsidenten der Reichs- bank H a v e n st e i n über die Bankpolitik wurde die VerHand- lung auf Sonnabend vertagt_ Abgeordnetenhaus. Am Freitag hat das Abgeordnetenhaus den Etat der D o m ä n e n- Verwaltung zu Ende beraten. Die Debatte bewegte sich aus- nahmSweise einmal in rein sachlichen Bahnen. Unter den zahlreichen Anregungen verdienen besondere Beachtung die unseres Genossen H o f e r, die darin gipfelten, daß der Staat die Domänen heute viel zu billig verpachte und daß bei der Neuverpachtung Wert darauf gelegt werden müsse, daß solche Zweige der Landwirtschaft betrieben werden, die dem vorhandenen Boden entsprechen. Mit Nachdruck be- tonte er die Notwendigkeit, durch sachgemäße Aufsicht die Pacht- ertrage zu steigern, da daS durch die hohen Lebensmittelzölle aus- geplünderte Volk ein Recht habe, zu verlangen, daß der Staat aus seinen Domänen höhere Einnahmen zieht. Im weiteren Verlauf seiner von wahrer Liebe zur Landwirtschaft getragenen Ausführungen besprach er die Frage, ob der Großgrundbesitz oder der Kleingrund- besitz rentabler sei, wobei er sich im Gegensatz zu David und Schulz und auch zu den Liberalen gegen die Zerschlagung des Großgrund- besitzeS aussprach und sich für einen von Arbeitern genossenschaftlich geführten Domänenbetrieb ins Zeug legte. In den sozialistischen Arbeiter» und Bauerngenossenschaften, so schloß unser Genosse seine interessanten Ausführungen,- wird die deutsche Landwirtschaft ihre Wiedergeburt feiern, wenn der heutige landwirtschaftliche Großbetrieb untergegangen sein wird. Die Hofersche Rede ist ein Beweis dafür, welches Interesse die Sozialdemokratie der Landwirtschaft entgegenbringt, sie wird denen die Waffen aus der Hand schlagen, die uns fortgesetzt als Feinde der Landwirtschaft hinzustellen belieben. Am Sonnabend wird der Forstetat beraten. Ter Seuiorenkonveut des Reichstags traf am Freitag Anordnungen über die Beratungsgegenstände in der nächsten Zeit. Bis zu den Osterserien find noch 41 SitzungStage. Zunächst soll am Sonnabend der Titel.Staatssekretär deS Innern' zu Ende gebracht werden. Arn DtenStag werden dann einzelne Titel de» Etats des Innern zur Beratung gelangen. Am Mittwoch soll die Debatte stattfinden über das BereinSgefetz; außerdem sollen an diesem Tage die Abstimmungen über die Resolutionen zum Etat deS Innern borgenommen werden. Auf Anregung von sozial- demokratischer Seite wird man auch versuchen, baldmöglichst Wahl» Prüfungen auf die Tagesordnung zu dringen. Nach der zweiten Beratung des Etats des Innern soll die zweite Beratung des Reichs» justizetat« folgen, dann des Reichspostetats, der ReichSdruckerei und der ReichSeifenbahn. Die elsasfische Krise. Der Statthalterlvechsel ist vorläufig vorschoben worden. Tie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt mit: Wie wir hören, hat sich der 5teiserliche Statthalter Gras d. Wedel J&erett erklärt, noch einige Monat« auf feine« Posten zu bleiben, um die Nachfolger des Staatssekretärs Frciherrn Zorn v. Bulach und anderer aus ihren Aemtern scheidender Mit- glieder der reichSländischen Regierung in die Geschäfte einzu- führen. Politisch wird durch diesen Aufschub nichts geändert. ES bleibt bestehen, daß die elsässische Regierung der Soldateska als. Sühneopfer geschlachtet wird, daß sie gehen muß, weil selbst die spärlichen Garantien, die ihr in Donau- e s ch i n g e n geboten worden sind, wieder zurückge n o m m e n wurden. Und damit diesem lieblichen Gemälde auch der letzte Strich nicht fehle, können die„Straßburger Neuesten Nachrichten" noch mitteilen, daß die Reichsregierung auf die Durchdringung der beabsichtigten Ausnahme ge setze für Elsaß-Lothringen nicht verzichtet hat! Generalleutnant v. Deimling aber steht vor seiner B e- förderung zum General der Infanterie-, er soll mit der Führung des 14. Armeekorps in Karlsruhe betraut werden und dann allerdings Straßbnrg verlassen— als Sieger Neue militärische Uebergriffe im Reichslande. Ter Ausgang des Reuter- und Forstner-Prozesses scheint in manchen Offizieren die Ansicht noch mehr befestigt zu haben, daß sie die über allem Gesetz stehenden Beherrscher des Zivilistenpacks sind und dieses ganz nach ihrem Belieben mißhandeln können Wie dem„Berliner Tageblatt" aus Straßburg i. E. berichtet wird, hat sich in Sablon bei Metz bei der dortigen Kaisergeburtstagsfeier des Pionierbataillons«in Vorfall zugetragen, der fast die Zaberner Uebergriffe des Militärs noch übertrifft. Den Aufführungen der Musik hatten zwei französisch sprechende Lothringer zugehört, als ein Leutnant mit der Aufforderung zu ihnen getreten sei, entweder deutsch zu sprechen oder das Lokal zu verlassen. Die Loth- ringer seien dieser Aufforderung nachgekommen und hätten sich in das bor dem Feftsaal gelegen« Restaurant begeben, wo sie sich mit zwei hinzukommenden Lothringern weiter in ftanzösischer Sprache unterhalten hätten, aber in ganz ruhiger Weise. Der Leutnant sei jetzt auch in das Restaurant gekommen, und da er hörte, daß die Lothringer nicht deutsch sprachen, habe er sie in der energischsten Weise aufgefordert, das Lokal zu verlassen, da sie durch ihr Benehmen die Kaisergeburtstagsseier absichtlich störten, was jedoch nicht der Fall gewesen sei. Die Lothringer erwiderten in Deutsch, so gut sie es konnten, daß sie sich in ihrer Unterhaltung nicht stören laffen würden und daß sie in der Wirtschaft bleiben würden. Der Leutnant habe dann den Major herbeigeholt, der ohne jegliche Verhandlung die vier Lothringer durch Unteroffiziere und Mannschaften habe verhaften lassen. Da die Lothringer ihre Mützen aufbehielten, habe sie der Major folgendermaßen an- gefahren:„Nehmen Sie die Mütze ab. Sie stehen vor einem königlich preußischen Major!" Bevor die Leute der Aufforderung nachkommen konnten, habe der Major einem von ihnen die Mütze mit einer derben Ohrfeige vom Kopfe geschlagen. Das sei geschehen, während die Unteroffiziers den Mann bereits festhielten. Mit der Bemerkung: Verzeihen Sie, Herr Majori" habe einer der Männer Aufklärung von dem Major zu erlangen»ersucht. Der Major habe es jedoch nicht so weit kommen lassen sondern angeblich gerufen:„Ihre Mutze kennzeichnet Sie schon, die guten Franzofen sind alle ausgc- wandert, was noch hier ist, ist bloß die Hefe vom Volk." Darauf eien die vier Leute, von Offizieren und Unteroffizieren begleitet, guf das Bürgermeisteramt von Montignh gebracht und dort der PolizeigeUXtlt übergeben worden, worauf sie dann auf freien Fuß gesetzt worden seien. Metz, 30. Januar. Zu dem im heutigen ersten Morgen- blatt der„Frankfurter Zeitung" aus Metz gemeldeten Vor- all bei der Kaisergeburtstagsfeier des 20. Pionierbataillons gibt das Generalkommando des 16. Armeekorps folgende Richtigstellung: Die vier Lothringer erregten im Vorderzimmer des Lokals den Unmut der dort anwesenden Offiziere, Unter- osfiziere und Mannschaften, weil sie ihre französisch geformten Mützen auf dem Kopfe behielten und sich laut in französischer Sprache unterhielten. Dieses Benehmen mußte gerade am Geburtstage Seiner Majestät als eine Herausforderung an- gesehen werden, und der höflichen Aufforderung eines Offi- ziers, das Lokal zu verlassen, weil es in allen Teilen von dem Bataillon für den Abend gemietet sei, wurde nicht nachge- kommen. Der sodann herbeigeeilte Bataillonskommandeur hat nicht, wie angegeben, den: einen dieser Leute die Mütze vom Kopfe geschlagen, fondern sie ihm abge- n o m m e n, weil er der Aufforderung, die Mütze abzunehmen, nicht nachkam. Auch von einer Ohrfeige durch den Bataillons- kommandeur ist keine Rede. Darauf sind die Leute in durch- aus ruhiger Form aus dem Lokal herausgebracht und der Polizei zugeführt worden. Die Unrichtigkeit der Schilderung i)es Vorfalles durch die„Frankfurter Zeitung" beweist ferner ,Zec Umstand, daß schon heute eine schriftliche Erklärung der vier beteiligten Lothringer vorliegt, in der sie bedauern, die Feierlichkeit gestört zu haben, und ausdrücklich erklären, daß ihnen Beleidigungen ferngelegen haben. Tie vier Leute haben sich außerdem bereit erklärt, mündlich bei dem Ba- taillonskommandeur um Entschuldigung zu bitten. Eine Aufklärung dieser Angelegenheit ist entschieden not- wendig. Wie erwähnt, wird versichert, daß die Lothringer sich in keiner Weife etwa über die Kaisergeburtstagsseier des Bataillons lustig gemacht, noch auf dem Wege zum Bürgermeisteramt sich irgendwie unanständig benommen oder zur Wehr gesetzt hätten. Die Erklärung des Generalkommandos bestätigt demnach im wesentlichen die Meldung der„Franks. Zeitung" und des„Berl. Tageblatts". Die Zustände in Elsaß-Lothringen werden immer unhaltbarer. Das Urteil gegen die Zeugfeldwebel hat Rechtskraft erlangt. Die Angeklagken wie der Gcrichtsherr haben auf die Etulegung der Revision verzichtet. Noch billiger als mit etlichen Wochen Stubenarrest davonzukommen, konnten allerdings die Schleuder, Hinst und Genossen nicht hoffen. Und offenbar wollte es auch der Gerichtshcrr„nun genug des Skandals" sein lassen. Was freilich die Sozialdemokratie nicht hindern wird, die Absonderlichkeiten des Krupp-Pro- zefses im allgemeinen und des letzten Prozesses gegen die Zeugleutnants im besonderen noch recht scharf unter die Lupe zu nehmen. Und wenn vollends Herr Brandt durch Be- treibung des Wiederaufnahmeverfahrens eine nochmalige Wiederaufrollung des Krupv-Prozesses herbei» zuführen bemüht sein sollte— um so besser! Unserer Teil- nähme am Prozeß kann er sicher sein! Wahlrechtsdemonstration in Brannschweig. In Braunschweig ist gestern der 32. ordentliche Land» tag im Thronsaale des Schlosses durch den Herzog mit einer nichts- sagenden Thronrede eröffnet. Als Einleitung zur Eröffnung veranstalteten die Braunschweiger Arbeiter am Donnerstag eine Wahlrechtsdemonstration. Die Parteiorganisation hatte die Arbeiter zu nachmittags ö Uhr zu fünf Volks- Versammlungen zusammenberufen, in denen die Rechtlosigkeit deS braunschweigischen Volkes kritisiert wurde. Alle Versammlungen faßten eine Resolution, in der gegen diese Rechtlosigkeit protestiert und das freie gleiche Wahlrecht zum Landtage gefordert wird. Da es sich herumgesprochen hatte, daß die Landtagsabgeordneten im Schlosse beim Herzog seien, sammelte sich gegen 6 Uhr abends eine große Menschenmenge vor dem Schloß und brachte dort brausende Hochs auf das gleiche Wahlrecht auS. Auch die Marseillaise wurde gesungen. Die gesamte Tag- und Nachtpolizei war zusammengezogen, bewaffnet mit Gummiknüppeln, Revolvern und Säbeln, und ging bald von verschiedenen Seiten zum Angriff vor. Unbarmherzig wurde mit den Gummiknüppeln drauflosgehauen, sodaß es zahlreiche Verwundete gab. Die berittene Polizei ritt rücksichtslos auf dem Bürgersteig entlang und verwundete gleichfalls mehrere Personen. Auch die bürgerlichen Stratzenpassanten, die sich um Liese Zeit besonders zahlreich auf dem in der Nähe des Schlosses befindlichen Sleinwege, Bohlwege, der Danlwardstraße und dem Ruhfäutchenplatze befanden, erhielten Hiebe und wurden niedergeritten. Die Polizei holte die Leute sogar aus den Hausfluren heraus und schlug auf sie ein, wobei sich besonders die Nachtwächter sNachtschutzleute) hervortaten. Die Menschenmenge zog schließlich vor das Landtagsgebäude und brachte dort Hochs auf das fteie Wahlrecht aus. Sie wurde durch die Gummiknüppel der Polizei durchaus nicht entmutigt; aber- sin Bürgertum machte sich steigende Entrüstung gegen die Polizei wegen ihres Vorgehens gegen die Arbeiter bemerkbar. Der Wahl- rechtSgedanke wird in Braunschweig trotz Polizeirevolver, Säbel und Gummiknüppel nicht zur Ruhe kommen; im Gegenteil, je schroffer die Polizei die Arbeiterschaft mißhandelt, um so bester marschiert die Wahlrechtsbewegung. Die Gummiknüppel der Polizei sind die beste Agitation.__ Die Nachwahl im 14. sächsischen Reichstagswahlkreise ist auf den 17. März angesetzt. Bekanntlich Hai die Nachwahl für den bisherigen Abg. Reichsverbändler und Generalleutnant v. Lieber! tattzufindeu. Tie bayerische Reichsratskammer und der Preustenbund. In der heutigen Sitzung der ReichsratZkammer kam bei dem Referat über die AuSschußverhandlungeN zum Etat des Staats- Ministeriums des Königlichen Hauses und des Aeußeren der Zweite Präsident Graf Crailsheim auch auf die Verhandlungen des Preußentages zu sprechen, welche sich als eine versuchte Ab- schwächung des föderalistischen Charakters des Reiches deuten ließen. Der Redner erklärte, daß die Süddeutschen niemals vergessen, daß in der großen Zeit vor hundert Jahren der Auffchwung des bayerischen Volkes von Preußen ausging. Sie erkennen auch gerne an, daß das, was die Reichsgründung dem deutschen Volke an Macht, Einigkeit und Wohlstand brachte, in erster Linie Preußen zu danken sei; Bayern lasse sich aber seine Stellung im Reiche nicht verkümmern, die ihm alS dem zweitgrößten Bundesstaat zukomme, und sei nicht gesonnen, auf den ihm durch die Reichsverfassung eingeräumten Einfluß zu verzichten. In der Achtung der Rechte der Einzelstaaten liege die beste Gewähr für die Festigkeit des Reiches und die Voraussetzung für die Erhaltung der Reichs- frcudigkeit. Eine ernste Gefahr für das Reich wäre der Versuch, eine Scheidewand zwischen Nord und Süd aufzurichten, und die Betonung eines Gegensatzes von preußischen und Reichsinteressen. Immer langsam vora«! Eine hohe Regierung fühlt sich wieder mal veranlaßt, um die Erörterungen über die bekannte Kabinettsorder von 1820 und die Dienstvorschrift von 18SS zu besänftigen, dem guten Bürgertum ein Beruhigungsmittel zu überreichen. Die„Rordd. Achgem. Ztg.' ch reibt nämlich: Für die an dieser Stelle angekündigte und vom Reichskanzler in seiner letzten ReichStagSrede erwähnte Nachprüfung der Dienst- Vorschrift von 1899 über den Waffengebrauch des Militärs im Frieden sind zunächst beim Kriegsministenum die notwendigen Vorarbeiten erledigt worden. Gegenwärtig finden unter Zuziehung der preußischen und der ReichSresiortS der Justiz und des Innern kommissarische Beratungen statt. Auch hat sich der Kriegsminister mit den zuständigen Stellen für die nichtpreußischen Kontingente in Verbindung gesetzt, um möglichste Uebereinstimmung in der Fassung der Vorschriften herbeizuführen. Gegen die Fahrkartensteuer. Die sozialdemokratische Frattion des badischen Landtages brachte einen Antrag ein. der die Regierung ersuchte, beim Bundesrat einen Antrag auf Beseitigung der Fahrkartensteuer zu' stellen. Blaue und Schwarze. Konservative und Zentrum waren in der letzten Zeit manchmal aneinandergeraten. Besonders des Zentrums später ja freilich so kläglich abgeschwächte Stellungnahme zu der Zaberner Affäre hatte die Junker verdrossen. Doch wäre es sehr töricht, aus diesen kleinen Häkeleien auf eine dauernde Verstimmung und ein Abrücken de« Zentrums von den Konservativen schließen zu wollen. Schon ist die Zenlrumspress« auf der ganzen Linie am Werk, den Konservativen eindringlichst klar zu machen, daß geringfügige Zugeständnisse de« Zentrums an den Geist der Massen doch nicht als Kriegserklärung an die Junker aufzufassen seien, dieweilen im Grunde doch eine ttefe Seelenverwandlschaft die Blauen und die Schwarzen verbinde. So meint die„Schlei. Bolksztg.':„ES hieße Selbstzerfleischung treiben, wenn zwei Parteien, denen gemeinsam so der Haß de» ganzen Radikalismus gilt, sich wegen Kleinigkeiten herum- zanken wollten". In demselben Geiste redet auch die„Köln. Bolksztg.' der Junkerpartei zu. Und im Grunde haben ja die Zentrums» blälter so recht. Es sind ja wirklich nur„Klemigkeiten', die da» Zentrum von den Junkern trennen. Die berühmte Sozialpolitik de» Zentrum? läuft ja nur auf den Arbeiterfang hinaus, durch den die konservative Politik der agrarischen Ausbeutung und reattionären Volksknebelung geschützt werden soll. Sozialpolitisch hält es da» Zentrum schließlich nur mit der weißen Salbe, und wie eS mit den demokratischen Forderungen des Zentrums steht, das wissen ja die Konservativen aus eigenster Erfahrung. Erinnert sie doch zum Ueberfluß die„Germania":„Bezüglich der Wahl reform in Preußen hat das Zentrum vor einem Jahre mit den K o n s e r v a- t i v e n ein� Wahlkompromiß abgeschlossen, und diese sind dock gewiß nicht„demokratisch". Das vorjährige Wahlkompromiß zwischen Blauen und Schwarzen hatte also in der Hauptsache die Vereitelung einer auch nur bescheidensten Wahlreiorm in Preußen zu» Zwecke! Wenn die Junker der Regierung einmal gestatten, zur Ein- lösung des bereits vor einem halben Jahrzehnt verpfändeten Königs- worts eine neue Wahlrechtsvorlage einzubringen, so haben sich die Schwarzen bereits darauf festgelegt, wiederum nur eine solche Refor« zuzulassen, die den Junkern genehm ist und der Herrschaft der .Edelsten' in keiner Weise gefährlich wird l SDte Tatsache solch konservativ-ultramontaner Waffenbrüderschaft zur Bekämpfung jeder ernsthaften Wahlreform war ja ohnehin kein Geheimnis: aber der dreiste Zynismus, mit dem die.Germania" sich seiner wahlrechtverräterischen Handlangerdienste gegen die Junker rühmt, schlägt doch dem Faß den Boden auS! Keine Berpreutzung der Jugend. Wie aus Slraßburg gemeldet wird, hat die Budgetkomniission - der Zweiten elsatz-lothringischen Kammer nicht nur die in den Etat eingestellten Gehälter für sechs Gendarmerieoffiziere, sondern auch die für den Verband für Jugendpflege geforderten 10 000 37?. gestrichen. Begründet wurde diese Streichung damit, daß man sich nach Zaber» von der Tätigkeit eines Verbandes, in dessen Komilee die Spitzen der Zivilverwallung mit den kommandierenden Generälen zusammenwirken sollen, nichts Gutes verspreche. Zur Mandatsniederlegung des bisherigen Mitgliedes des oldenburgischen Landtages und deS Stadtverordnetenkollegiums von Eulin, Genossen Rebenstorf in Eutin, die der bürgerlichen Presse vielfach Stoff zu Legenden ge- geben hat, sei mitgeteilt, daß sie erfolgt ist, weil Rebenstorf einen Boykottbeschlutz nicht beachtet hat und deshalb von der Parteileitung eine Rüge erhielt. Was an anderen Gründen behauptet wird, gehört ins Reich der Fabel. Von fleisinniger Seite scheint man den Bündler v. Levetzow in den Sattel heben zu wollen, denn daraus läuft es hinaus, wenn die»Freis. Ztg." erklärt, daß die Liberalen sich nicht mehr an das Kompromiß mit den Sozialdemokraten ge- Kunden erachten, das diesen beiden Parteien je ein Mandat sicherte. Richtigstellung. Die Adresse des Schriftführers deS»Deutschen HilfSvereinS für die politischen Gefangenen und Verbannte» Ruß- lands" lautet: N. H. Witt, W a n n se e(nicht Zehlendorf), Bismarckstr. 36. Oesterreich. Das Parlament an der Obstpuktiou gescheitert. Wien» 20. Januar. In der beutigen Sitzung des Abgeorvueten- haufeS nahmen die tschechischen Agrarier die Ob- st r u k t i o n zur Vereitelung des Budgetprovisoriums wieder auf. Nachdem einige Obstruktionsredner gesprochen hatten, wurde die Sitzung unterbrochen, um neuerliche Perhandlungen mit den Tschechen einzuleiten. Während der Unterbrechung traten die Führer sämtlicher tschechischen Parteien: also auch jener, welche sich der Obstruktion nicht angeschlossen hatten, zu einer Kon- f e r e n z mit dem Ministerpräsidenten zusammen. Die Ob- struktionsparteien machten die Einstellung der Obstruktion davon abhängig, daß der Ministerpräsident einen bestimmten Termin an- gebe, an welchem die Neuwahlen zum böhmischen Land- tage stattfinden sollen. Der Ministerpräsident erklärte, er könne diese Forderung nicht bewilligen, solange nicht die Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit des Landtages von Böhmen geschaffen sei. Die Anbahnung einer Annäherung zwischen. den beiden Volks- stämmcn sei die natürliche Voraussetzung für die Wieder- Herstellung v e r fa s s u ng S m ä tz rg e r Zustände. Es müsse ein Einvernehmen zwischen den beiden Volksstämmen des Landes herbeigeführt werden, welche geeignet sei, auf dem Boden des Lgndtages, aber auch außerhalb deS Landtages in dem ge- sffmten bürgerlichen Leben die nationalen Reibungsflächen zu de- scitigen oder doch zu vermindern. Die tschechischen Obstruktio- n i st e n gaben hierauf die Erklärung ab, daß sie nicht in der La g e seien, ihre Taktik zu ändern, daß fit vielmehr iu der Ob- struktiou gegen das Budgetprovisorium mit unverminderter Kraft fortfahren müßten. Um 1 Uhr nachmittags eröffnete der Präsident' w.ederüm"die Sitzung des Abgeordnetenhauses und erklärte, daß die Obstruktion jede erfolgreiche parlamentarische Tätigkeit ausschließe, obwohl die große Mehrheit des Hauses arbeitswillig sei. Da ihm die Geschäfts- ordnung kein Mittel an die Hand gebe, dem Unfug der Obstruktion zu steuern, schließe er die heutige Sitzung und werde die nächste auf schriftlichem Wege einberufen. Zrankreich. Paul Teroulödr. Ein Telegramm aus Nizza meldet, daß Paul De- r o u l ö d e Freitag früh in Nizza im 68. Jahre gestorben ist. Derouldde, der den Krieg von l870 mitgemacht hat, war ein Hauptvertreter der Revancheidee, für die er eine hitzige und lärmende Agitation entfaltete. Zur Zeit Boulangers war er dessen eifrigster Parteigänger und gehörte damals eine Zeitlang auch der Kammer an. Die politische Bedeutung des sonderbaren Schwärmers für den militaristischen Staatsstreich war nie besonders groß und in der letzten Zeit wurde De- rouldde überhaupt nicht mehr ernst genommen. Anerkannt dagegen war seine dichterische Begabung, die er freilich auch ganz iu den Dienst des Nationalismus gestellt hat. Am be- ranntesten sind seine Soldatenlieder geworden. Chile. Eine sonderbare Reform. Santiago de Chile, 30. Januar. Die Kammern haben das Wahlreformgesetz angenommen, durch welches die Aufstellung der Wahllisten den Gemeindeverwaltungen entzogen und den Haupt st euerzahlery anvertraut wird, um auf diese Weise die rechtmäßige Ausübung des Stimmrechts zu sichern. parlamentarisches. Budgetkommission des Reichstages. Die am Freitag begannen? Beratung des Etats der Per- waltung der Reichseisenbahnen setzte mit einer Erörterung des Riedbähnprojektes ein. Bisher war die Frage offen geblieben, ob drei- und viergleisige Ausbauten der Strecke Straßburg— Basel er- folgen solle oder ob es zweckmäßiger sei, eine Parvllelbahn(die Riedbahn) zur Entlastung der Haupllmic zu bauen. Die Regie- rung � hat sich inzwischen aus Ersparnis- und Zweckmäßigkeits- gründen, vor allem auch auf Betreiben der Militärverwaltung, für das erste Projekt entschieden, während die Vertreter des Elsaß aus Verkehrsinteressen für die Riedbahn eintreten, die ein dem Verkehr bis jetzt noch völlig unerschlossenes Gebiet durchkreuzen würde. Genosse. Emmel und Genosse Peirotes erklärten, sich dem Änsbav der Strecke Stratzburg— Basel nicht widersetzen zu wollen, wenn Garantien gegeben würdan, daß auch der Lau der Seitenbahn in Angriff genommen werde. Ein Bedürfnis für beide Bahnen fei vorhanden. Auf Antrag'E r z der g e r wurde ein Titel in den Etat eingefügt, der 50 000 Di. für Vorarbeiten zum Bau einer Seitenbahn vorsieht, und im übrigen der drei- und viergleisige Aus- bau der Strecke Straßburg— Basel genehmigt. Im weiteren Verlaufe der Beratungen verlangte Genosse Emmel von der Rcichseisenbahnverwaltung, bei Vergebung von Arbeiten die Jnnehaltung der zwischen Arbeitern und Arbeitgebern bestehenden Tarifverträge zu sichern. Genssse Dr. W e i l l wandte sich gegen die im Reichslande geübte PertehrSpolltrk, die zu stark von nskalischem Interesse beherrscht sei. Bezüglich der Fahrkarten- steuer erklärte der Eisenbahnmmister, keine Initiative zu ihrer Be- seitiguiig ergreifen zu wollen. Ter Gedanke, die Fahrkartenpreffe fiir die erste Klasse herabzufetzen, fei fallen gelassen worden, nach- dem sich herausgestellt habe, daß 40 Prozent der Erste-KIasse- Passagiere Ausländer sind.— Abg. Erzberger(Ztr.) verlangte Berücksichtigung des vom Reichstag wiederholt angenommenen Ali- trag» auf Ausdehnung der Freifahrtkartengültigkeit über die ganze Legislaturperiode und des Wunsches der elsaß-lothringischen Land- togsabgeordneten. Freifahrtkarten für daS ganze Reichsland zu er- halten.— Von der Regierung wurden indes keinerlei Zusagen gemacht._ Zentrum und Geburtenrückgang. Die neue Gewerbeordnungsnovelle, die gegenwärtig von einer besonderen Kommiision beraten wird, will neben einer Einschränkung des Hausierhandels auch den Handel mit Mitteln zur Verhütung der Empfängnis einschränken. Praklische Bedeutung in letzterer Hinsicht hätten die Vorschläge der Regierung in nur sehr beschränkiem Maße, denn der Vertrieb solcher Mittel erfolgt zum wenigsten durch Hausierer. Das Zentrum will nun aber ganze Arbeit machen und hat der Kommission einen fertigen Gesetzentwurf unterbreitet: Der s 1 besagt: „Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegenständen, die zur Verhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwangerschaft bestimmt sind, beschränken oder untersagen. Soweit der Bundesrat den Verkehr mit einzelnen Gegenständen untersagt hat, ist deren Einfuhr verboten." Diese Bestimmung ist dem Kurpfuschergcsetz entnommen, das seinerzeit den Reichstag beschäftigt hat, aber nicht mehr zur Er- ledigung kam. Damals sollte auch die Kurpfuscherei unterdrückt werden. So sehr man mit einer wirklichen Bekämpfung der Kurpfuscherei einverstanden sein konnte, so sehr mußte man das Gesetz bekämpfen, weil es j e de, nichr von einem approbierten Arzt ausgeübteHeilbehandlung zur strafwürdige»Kurpfuscherei stempelte. Der berühmio Orlhopäde Professor Hessing in Bad Kissingen wäre nach diesem Gesetz ein Kurpfuscher gewesen. DaS Zentrum wollte von dem Gesetz nichts wissen, weil es be- fürchtete, die Wallfahrten nachLourdes und anderen „Gnadenorten" könnten unter das Gesetz fallen. Mit einem Verbot des Verkehrs mit Gegenständen, die zur Verhütung der Empfängnis dienen, war das Zentrum bereits damals einverstauden, aber das eine war nicht ohne das andere zu haben. Deshalb macht daS Zentrum jetzt den Versuch, ein Abänderung der Gewerbeordnung zu benutzen, um sein Ziel zu erreichen. WaS sind nun aber Gegenstände, die zur Verhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwangerschaft dienen? Abgesehen von einigen rein mechanisch wirkenden oder chemischen Präparaten dienen die meisten dieser Mittel auch anderen durchaus erlaubten Zwecken. Wie will man kontrollieren, zu welchem Zweck das ver- abreichte Mittel verwendet wird? Die öffentliche Anpreisung solcher Mittel wird sogar nach dem zentrümlichen Gesetzentwurf mit Ge- fängnis bis zu sechs Monaten bedroht.— Die GelegenheitS- gesetzcsmacherei des Zentrums findet vermutlich in der Kommission keine Zustimmung, aber es ist anzunehmen, daß die Regierung einen Gesetzentwurf ausarbeiten wird, dessen Zweck es sein soll, dem Ge- burtenrückgang zu steuern. Dann wird ernstlich über die Sache zu reden sein._ flus Ser Partei. Das Feuilleton der»»Neuen Zeit". Uns geht folgende Erklärung zu: In Ihrer gestrigen Nummer drucken Sie eine Erklärung ab, worin die Redaktion der„Neuen Zeit" die Entscheidung der Kontroll- kommission in Sachen des„Neuen Zeit"-Feuilletons unvollständig wiedergibt und daran eine teils entstellte, teil» unwahre Dar« stellung des Sachverhalts knüpft. Soweit �ich darin angegriffen werde, habe ich zu erklären: Ich habe gemäß meiner Parteipflicht und im wohlerwogenen Parteiinteresse den Streit auf den Instanzen. weg geleitet, der dazu«ingerichtet worden ist, Parteikonflikte in einer der Partei würdigen Weise zu erledigen und namentlich öffentlichen Streit zwischen Parteimitgliedern auszuschließen. Diese ganze Einrichtung wird aber sinnlos, wenn einer der streitenden Teile die Entscheidung einer Parteiinstanz sofort zum Gegenstand eines„Parteikrakeels" der Presse machen will. Deshalb lehne ich ab, der Redaktion der„Neuen Zeit" auf diesem Wege eines bösen Gewissens zu folgen. Dagegen komme ich ihr gern entgegen, wenn sie, was unzweifelhaft ihr gutes Recht ist, die ihr mißfällige Entscheidung der Kontrollkommission vor die höhere Instanz des Parteitags zu bringen beaibsichligt, und werde mir demgemäß, um nicht meine Aktivlegitimation als Be- schwerdeführer bei den geordneten Parteiinstanzen zu verlieren, bis dahin noch daS Opfer auferlegen, an der„Neuen Zeit" mit- zuarbeiten. Steglitz, 30. Januar 1914. F. Mehring. »■* * Genosse Bock, der Vorsitzende der Kontrollkommission, schreibt uns: In ihrer Nr. 18 der„Neuen Zeit" nimmt die Redaktion Stel- lung zu dem Beschluß der Kontrollkommission, welcher die Auf- Hebung des Feuilletons in der„Neuen Zeit" als sachlich ungerecht- fertigt erklärt und bemängelt, daß die Kontrollkommission„die Lösung des Parteivorstandcs abgelehnt, aber keine andere an ihrer Stelle vorgeschlagen" habe. Die Dinge liegen so. Genosse Mehring beschwerte sich bei der Kontrollkommission über die Aushebung deS Feuilletons, und die Kontrollkommission hielt nach eingehender Prüfung diese Auf- Hebung für sachlich ungerechtfertigt. Die Kontrolltommiffion erachtete den Konflikt zwischen KautSky und Mehring nicht für hinreichend, das, Feuilleton in seiner jetzi- gen Gestaltung mitten im Quartal aufzuheben. Wie die Frage zu lösen ist oder zu lösen wäre, war und ist nicht Aufgabe der Kontrollkommission. Diese hatte nur die Befug- nis über die Beschwerde zu entscheiden. Die Flucht aus der P. P. S. Zu ddr Erklärung des Geiwssen Huttny, die wir vor einigen Tagen brachten, worin dieser seinen Austritt aus der P. P. S. mit- teilte, erhalten wir eine Zuschrift unserer polnischen Genossen in Berlin. Darin werden in längeren Ausführungen schwere Vor- würfe gegen Huttny erhoben. In der Hauptsache wird cr beschul- digt, ein Doppelspiel gespielt zu haben, indem er den Glauben er- weckte, er werde der P. P, S. treu bleiben, während er schon wegen seines Uebertritts in Unterhandlungen stand. Wir tonnen die Richtigkeit der Vorwürfe nicht nachprüfen und müssen auf ihren Abdruck verzichten. /tos Inöustrie und Handel. Endlich ein„Erfolg". Auf die zur öffentlichen Zeichnung aufgelegten 3S0 Millionen Mark preußischer vierprozentiger auslosbarer Schatzanweisungen find etwa 25 Milliarden Mark gezeichnet worden, darunter rund l9 Milliarden mit sechsmonatiger Sperrverpflichlung. Die An» leihe ist also mehr als 60 mal überzeichnet worden. Nun ent- spricht die Höhe der Zeichnungen nie der wirklichen Nachfrage nach StaatSpapieren. Ein gut Teil der Zeichnungen find stets nominell «der geschehen nur zu spekulativen Zwecken. Auch die vorjährige Anleih« war nach den ursprünglichen Mitteilungen überzeichnet worden, aber tatsächlich nahm das Kapitalistenpublikum damals noch nicht die Hälfte der neuen Anleihen auf. Diesmal hat man außer der vierprozentigen Verzinsung noch einen besonders niedrigen Er- Werbungskurs und günstige RückzahlungSbedingungen geschaffen, um der Anleihe einen Erfolg zu sichern. Für die ersten SL Millionen der neuen Anleihe, die bereits nach einem Jahre zurückgezahlt werden, stellt sich die tatsächliche Verzinsung z. B. auf 7 Proz. Im übrigen mag der Konjunkturumschlag, der Dividendenrückgänge zur Folge haben wird, daS Interesse für die fest verzinslichen Rentenpapiere gesteigert haben. Eine schwere Grubenkatastrophe. Ein schweres Grubenunglück, dessen traurige Folgen in ihrer ganzen Fürchterlichkeit bis zur Stunde sich noch nicht übersehen lassen, wird aus dem rhsinisch-westfälischen Gruben- revier gemeldet. Aus der in Brambauer bei Dortmund befindlichen Zeche„Minister Acheubach", die den Swmmschen Werken gehört, ereignete sich gestern abend kurz nach? Uhr eine Schlagwetterexplosion. Es wurden sofort die nötigen Rettungsarbeiten in An- griff genommen und die Sanitätskolonnen der Umgebung alarmiert, die auch in kurzer Zeit zur Hilfeleistung am Un glücksort anlangten. Ihren angestrengten Arbeiten• ist es bisher nur gelungen, 12 Tote und 15 Perlchte. zutage zu fördern. Die Belegschaft des Schachtes beziffert sich jedoch auf etwa 86 bis 166 Mann. Die Schwerverletzten wurden in das Krankenhaus Brambauer gebracht. Ter Bevölkerung des Ortes bemächtigte sich eine enorme Aufregung, als die Nachricht von der Explosion durch das An- fahren der Sanitätsmannschasten bekannt wurde. Eine un- geheure Menge hält die Eingänge zum Zechenhof, die durch Gendarmen und Polizei abgesperrt sindi umlagert und verharrt in düsterem Schweigen der traurigen Nachrichten ge- wärtig, die ihrer aus dem Schöße der Erde harren. Die Zeche„Minister Achenbach" war am 18. Dezember 1912 ebenfalls der Schauplatz einer schweren Schlagwetter- Explosion, der 17 Bergleute zum Opfer fielen. Ueber die Katastrophe gehen uns noch folgende Mel- düngen zn:.. Dortmund, 30. Januar.(10,30 Uhr abends.) Ei befinden sich nach den allerdings noch ungenauen Angaben hundert Berg- leute in dem von der Explosion betroffenen Re- vier. ES ist noch nicht gelungen, bis zur eigentlichen Unfallstelle vorzudringen. Ans diesem Gnuidc läßt sich über daZ Schicksal der eingeschlossenen Bergleute noch nichts weiteres sagen. Man kann jedoch annehmen, daß mit einer großen Zahl, von Toten oder Schwerverletzten zu rechneu ist. Dortmund, 30. Januar. Bis ll�h Uhr abends war es noch nicht gelungen, an den Ort der Explosion, der im 6. Revier liegt, vorzudringen, ans diesem Grunde läßt sich auch die genaue Zahl der Toten und Verletzten»och nicht mit Sicherheit feststellen. Bis jetzt find 12 Tote und 15 Verletzte, davon 7 Schwerverletzte, zutage gefördert worden. In dem vom Unglück betroffenen Revier waren ungefähr 60 Bergleute beschäftigt. Die Rettungsmannschaften sind noch nicht wieder zutage gekommen, so daß eine bestimmtere Darstellung noch nicht gegeben werden kann. Letzte Nachrichten. LandtagSersatzwahl in Lippe-Detmold. Detmold, 30. Januar.(Privattelegramm de#»Bor» wärt s".) Bei der heuttgen Wahl der dritten Klasse im sechsten Kreis zum lippeschen Landtag erhielten Becker(Eoz.) 777. Stärcke(lib.) 1012, Kreiling(kons.) 718 Stimmen. Es hat also Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten und dem Liberalen stattzufinden. Seit der Hauptwahl im Jahre 1913 ist dies die dritte Rachwahl im Kreis«. Scharfes Wortgefecht zwischen Briaud und Zaurö«. Paris, 30. Januar. Zum Schluß der heuttgen Kammerfitzung rief ein Antrag des bonapartfftischen Deputierten P v g l i« s i. Conti, innerhalb eines Monats, also noch vor den allgemeinen Kammerwahlen, unter der Wählerschaft ein Referendum über das MehrheitS- und Verhältniswahlsystem zu veranstalten, eine lebhafte Debatte hervor. Ministerpräsident Doumergue be- kämpfte den Antrag als verfassungswidrig und stellte die Ver- trauensfrage. Brian d sprach sich ebenfalls entschieden gegen den Antrag ans, der für die Deputierten demütigend sei. nachdem sich die Kammer wiederholt für daL Verhältniswahlsystem ausgesprochen habe. Er griff hierbei die Sozialiften an, welche mit Rücksicht auf ihre Wahlmandate den Grundsatz de« Verhältniswahlsystems im Stiche lassen wollten. JaureS er- widerte heftig, rechtfertigt« die Halung der Sozialisten und be. schuldigte Briand, durch die Frage des Verhältniswahlsystems Zwietracht unter die Republikaner säen zu wollen, selb st wenn dadurch die Republik ge- fährdet werden sollte. Ter Antrag Pugliefi-Contt wurde darauf mit 385 gegen 167 Stimmen abgelehnt. Die Vergewaltigung der südafrikanischen Arbeiter. Kapstadt, 30. Januar. Der Generalgouverneur ViScount Glad- stone hat heute das Parlament mit einer Rede eröffnet, in welcher er einen Rückblick auf die jüngeren Ereignisse in Südafrika warf und den Dank zum Ausdruck brachte für die Schnelligkeit, mit welcher die Streitkräfte Südafrikas ihre Mobilmachung beWerk- stelligt und sich an den Orten gesammelt hätten, wo Unordnungen drohten. General SmutS kündigte dann die Einbringung eines Gesetzentwurfes für Montag an, durch welchen das Standrecht auf. gehoben, der Regierung Indemnität für alle Handlungen zur Unterdrückung der inneren Unordnungen erteilt und Lande«» Verweisung über die Deportierten verhängt wird, wie über unerwünschte Einwanderer fiir den Fall, daß st« zurückzu- kehren versuchte». Tie Mitglieder der Arbeiterpartei machten fruchtlose Versuche, eine Debatte über die Deportation der Ar- beiterführer zu eröffnen, aber im Hinblick auf General SmutS' Ankündigung lehnte der Sprecher es ab, eine solche Diskussion zu» zulassen._ Der Uebexfall auf die Missionsstation Liuanchow. Schanghai. 30. Januar.(Meldung de» Reuterschen Bureau?.) Bei dem Angriff auf die MissionSstation Liuanchow haben die Räuber von der Bande des weißen Wolf einen Jesuiten» Missionar getötet und zwei andere gefangen ge. n o m m c n. Letztere behielten sie zurück, um ein Lösegeld zu erpressen, einem anderen Missionar gelang eS, zu entkommen. Ein französisches Kanonenboot hat Befehl erhalten, sich bereit z» halte», nach Anhui z» gehe«. Kaffee (ri*W jebrnml,'IrFind-Pikit M,65,M A.3andorf&6 Spittelmarkt Beile-Alllancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Billige Lebensmittel Soweit Vorrat. Verkauf nicht an Wiederverkäufer.(Nl£ht«« Spittiimarku Die mit H bezeichneten Artikel sind von der Zusendung aasgeschlossen, Stack Suppenhühner 1.75, 2.60 Brathühner 1.75, 2.25 Stock Stack "Enten 2.00,2.76 'Hirschblatt 65» Plud Kaninchen gcttraltl Stück 96, l io Wurst waren Cervelat-od.Salamiwurstptud i.35 Teewurst............. wa»» 1,10 Bauernbratwurst......... nud 1.25 ff. Leberwurst......-........ nod 1,10 Landleberwurst________ nud 95». Jagdwurst fouuiI.OO MettWUrSt»eck Braunsclitr. Art Pfund 1.05 Sülzwurst.................... Pfund 65 pf- Rot- od. Zwiebelwurst. Pfud 55?,. Schinkenspeck............. pfmd 1,10 Nusschinken................ pf-nd 1,35 SpeCk»ud 78 Pt»agar Pfund 90'1- Räucherwaren Flundern..................... Pfund 38 Goldfische................ 2 stock 25 pt Makrelen-Bücklinge 2 stock 25"- Sp. ottbücklinge........... ptnnd 40 pt Bücklinge...................... Kiste 39» Matjes-Herlnge........ stock 9V 12 Frisches Fleisch Schweinekotelettes...... Pfund 90» Schweineschinken!m..Gan"nfand 80» Schweinekamm od. Schuft»�85». Schweineschuiterbiatt ünGS 75». Kalbskeule od.-Rücken pfunTen95» Kalbsbug oder-Kamm»and 80» Behacktes od. Boulasch»und 70». Suppenfleisch......»und 75» Apfelsinen Dutzend 25,30,35, "Zitronen üaizend 25, 35 pf. Kolonialwaren Butter und Käse Hammeldunnung...pfond||f 75» Dicke Rippe..»and jl1 85». Hücken.ett..........»und 55» Liesen.................»and 65» Konserven Victoria-Erbsen............»und IL» Erbsen siuint................»und 24» Bohnen................. pf-nd IL, 23 ff- Linsen........ 16, 28, 23 pf- Reis...........»und 16, 20, 25 Hartgries...................... Pfund 22». Moikereibutter..... f/jPtund.pake, 65»- Schweizer käse....»und 85,05». Tiisiter Käse......... ptund 60, 75 pf- L'mburger äse............»und ZA» Spitz- od. Faus käse 3 stock 20» Harzer Käse............. 5 stock Izz». Brech- od. Sühnittitohntn 33p-- Kohlrabi w Scheiben mit Grün>1 Dose 28 Pf- Spinat.........................'Ii Dose 40 pf- Suppenschoten...........>r> vc« 38» Gemüse-Meiange-,-v°.e 43, 48» Gamüsespa.gel............'rvos.jQpt Essäpfel (Tiroler) 15,20 Pfund PI. �Bananen 18,23 pf. »d �Ananas 58,68 pf. Blnmenkohl Kop. 15 29 pf. Weisskohl Pfund Pf. Wirsingkohl Ptnnd 0 Pf. Kakao 63 garantiert rein Pfund Pf. Heute Oomrknf«»Weissen Woche Weisse Waren in sulen, üeaiiüirten Dualitäten ausserseuühnlicli dlliizi Sa f Todes-Anzeigen Allen Freunden und Befannlen die traurige Nachricht, datz mein lieber Mann, unser guter Vater. der Gastwirt 71A Joksrm Saß am 29. Januar gestorben ist. Minna Taft und Rinder. Die Beerdigung findet Montag, den 2. Februar, nachittags 4 Uhr. von der Leichenhalle in Friedrichs. seid- aus statt. Sozialileinokratisctier Wahiverein I. ILBerl-Reietetagsvalilkreis. Bezirf 83. Am 28. Januar verstarb plötzlich unser langjähriges Mitglied, der Gastwirt 205,5 •tahsnnvs Saß Hornstr. 2. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Februar, nach- mittags 4 Uhr. von der Leichen. balle de? Zenttai-Friedhoses in FriedrichSseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Voratand. Sozialtookratiscto Wahiverein 1. 1 4. Berl. Reiehstagswahlkreis. Girlitzer Viertel. Bezirf 153 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Musiler Rudolf Wagner Kottbuser Str. 21 getlorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Februar, nach» mittags 3 Uhr, von der Halle des Zimeon- Kirchhofes in Neukölln. Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/2 Der Vorstand. Nach langem, schwerem Leiden versckiied am Donnerstag, den 29. Januar früh 5',« Uhr. mein lieber Mann, der Werkzeugrevisor �rtnr�brakamsson im 26. Lebensjahre. 757b DieS zeigt ttejbetrübt an SsUurlx Abrahamason geb. L o t h e r. Die Beerdigung findet am Sonnlag. den 1. Februar, nach- mittags 3 Ubr, aus dem neuen Gemeindefriedhof in Treptow, Kieshoizstratze statt. Benlaehep HeiallarheiteF-VErtiand Verwaltungiutelle Berlin. Den Kollegen zur Rachrichl, dag unser Mitglied, der Schlosser Krlur Abratiamsson Treptow. Harzei-sirage 118, am 29. Januar an Lungenleiden ge- storben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Februar, nach. mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle des neuen Aemeinde-Fried. hoses in Treptow, Zkiesholzstrage. aus statt. Rege Beteiligung erwartet 111,15 Die Orteverwoltung. Am 29. d. M.. 5 Uhr früh, ver- starb unser lieber Sohn und Bruder, der Schlosser fkrlur Abrabamsson im 26. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet V'amUI« AbrahamsaoD. 749b Pettenkoserstr. 82. Die Beeidigung findet am Sonntag, nachmittag» 8 Uhr, aus dem neuen Friedhos in der Kies« holzsttage am Bahnhos Baum- ichuienweg statt. 749b Verein der in SehriftgieSereien hesehäft-Arbeilern. Arbeiterinnen Berllna. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafj unser Kollege Heinrich Damnitz gestorben ist. 7556 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3 Ubr, vom Gethsemane-Kirchhos inNord- end aus statt. Bei' Toratand. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz« licher Teilnahme bei der Beerdigung memes lieben Mannes 7540 Ausfuat Qnaat age ich auf bintm Weg« allen Freunden mid Betannlen, dem Beerdigung»» »«rein Berliner Ztmmerleut» und dem L. Berliner ReichsiagswahUreis, Be« zir! 212, weinen herzlichsten Dank. Witwe Beartvtt« t�naat. SozialdeinokratischerWablyerein Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Franz Zimmer BiSmarckstt. 31, am Mittwoch, den 28. d. Mi», verstorben ist. Ehre seinem Andenken!| Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. Februar, nach- mittags 4-/« Ubr, von der Leichen- balle des hiesigen Gemeinde- FriedhoseS aus statt. Die Mitglieder trefien sich 3'/,Uhv Bismarcksir. 31. Zahlreiche Beteiligung erwartet 201/4 Der Vorstand. Bentseber Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bergolder Frsn� Zimmer AdlerShos. Bis marcksttahe 31 im Alter von 52 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag. den 1. Februar, nach- mittags i'li Uhr, von der Halle des Gemeinde- Friedhofes in AdlerShos aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82,13 Die Ortsverwal'ung. Sozialdemokratischer Wablvereln lür Tempelhof. Am Dienstag, den 27. Januar, verstarb m der Heilstätte Teupitz unser tteueS Mitglied Urma« Marx. Wir verlieren in dem Ver- storbenen einen braven Partei- genossen, der, wenn es galt, stets seine Schuldigleit tat. Wir werden sein Andenten stets in Ehren halten. 201/5 Der Vorstand. LdlBerLReichstags-Wabikreis. Bezirk 597. Am Mittwoch, den 28. Januar. verstarb unser Genosse, der Maurer Ernst Oeck Graunstt. 21. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Januar, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- balle des HimmelsahrtS-Kirchbofes in Riederschönhausen-Nordend auS statt. Um rege Beteiligung eriucht 224,12_ Der Vorwtand. Am Donnerstag, 29. Januar, nachm. 2'/, Uhr, entschlief nach lurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser lieber Vater, Großvater und Schwiegervater, der Eigentümer 111A Rudolf Preßler. Dies zeigen tiesbetrübt an Jenny Prestler nebst Kindern, Neukölln, Teupitzer Stt. 104. Die Beerdigung findet Sonntag. nachmittags 2-/, Ubr. von der Leichenhalle des FneddoseS in der Rudower Straße auS statt. Beutscher• Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der GeschäsiS- kuticher Friedrich Schmidt am 27. d. MtS. im Atter von 77 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 31. Januar, nachmittags 4-/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS-Kirch- Hofes, Britz, aus statt. Gie Bezirksverwaltung. Dr.Simmel Oerantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil vernntw. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichlichen Kranz. spenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter und Schwester Erna Liedtke sagen wir allen unseren aufrichtigsten Dank. 106« __ Familie G. Ltedtke.__ Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstali Spezial-Arzt für Haut- und Harnleideo. Prinzenstr. 41, 10—2, 5—7. Sonn tag» 10—12. Mohrenste 37a i GrPramkfiirter� stnus./ Totale Räumung sämtlicher Winterbestände aus der letzten Inventurl Ssidanpllisch-Mintel Grosse Posten bocbelegauter a Velours du Nord, enjfl! Seal(jetzt M. 85—) Wollplüsch recht warm gefüttert(auch für stärkste Figurpn) sonst ÖQ,.-1 OÄ 69.— bis275.— Räumung1'�» IaO»"" Grosse Posten echter Räumung' Paizmäntele hoch- •elegant. 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Die getroffenen Abmachungen sind im loesentlichen die folgenden: Ter deutsche Zentralverband verpflichtet sich, die Mitglieder des italienischen Landarbeitervcrbandes gratis aufzunehmen, wenn aus ihrer Mitgliedskarte hervorgeht, daß sie mit ihren Beiträgen auf dem Laufenden sind. Natürlich liegt deir in die deutsche Organisation ausgenommenen Italienern die Pflicht ob, allen Leistungen nachzukommen, die das Statut des deutschen Zentralverbandes der Bauarbeiter festsetzt. Für die Unterstützungen, die der deutsche Verband gewährt, (Krankengeld, Sterbegeld, Reise- oder Streikunterstützung), werden nur die in Teutschland gezahlten Mitgliedsgelder angerechnet, aber die in Italien verbrachten Monate gelten nicht als Unterbrechung der Vcrbandszugehörigkeit, wenn nur die Saisonauswanderer während des Aufenthalts in der Heimat ihren Mitgliederpflichten gegen den italienischen Zentralverband der Landarbeiter gerecht werden. Serlin und Umgegenö. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei der Firma Härtung, Lichtenberg, ist durch Verhandlungen. mit dem Verband Berliner Metallindustrieller beendet. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbciterverband. __ Betwaltungsstelle Berlin. Tie Schmiede und der Tarifablauf. Tie in den InnungSbetrieben l>cschäftigtcn Schmiede befaßten sich am Donnerstag mit dem Tarif, der am 31. März d. ch abläuft. Jakob referierte. Tie Lohn- und Arbeitsbedingungen bedürften dringend einer Verbesserung, um so mehr, als in biclcn Fällen die tariflichen Bestimmungen nicht cingclialtcn werden. Tie Arbeit- geber glauben, sich dies leisten zu dürfen, da der Geschäftsgang im Schmiedegewerbe unter der allgemeinen wirtschaftlichen Depression leidet. Verschiedentlich mußte das Jimungsschiedsgericht angerufen werden, um der allzu weitgehenden Verletzung der Verein- barungen entgegenzutreten. Mit Rücksicht darauf und auch infolge der Steigerung der Lebensbedingungen wäre es notwendig, neue Verhältnisse zu schaffen und auch eine festere Garantie für Ein- Haltung der Abmachungen zu erzielen. Viele Klagen würden auch über die unhaltbaren Zustände auf dem Jnnungsnachweis vor- gebracht. Trotzdem könne die Branchcnlommtssion eine Kündigung des Tarifs nicht empfehlen, da Zeit und Umstände nicht dazu gc eignet erscheinen. In der Diskussion nahm auch Sicring das Wort und be- leuchtete die beruflichen Verhältnisse in Verbindung mit der Wirt- schafislagc. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Schmiede cnt- sprechen allerdings nicht den heutigen Lebensverhältnissen, trotzdem empfehle auch er, den Tarif noch csn Jahr weiterlaufen zu lassen. Als wichtigste Frage bezeichnete«iermg eine andere Ausgestaltung der Arbeitsvermittlung. Sämtliche Redner kritisierten mit größter Erbitterung die Zu- stände auf dem Nachweis in der Mulockstraßc. Siering betonte, daß diesen Zuständen zweifellos ein Ende gemacht werden müsse. Es frage sich nur, w i c dies geschehen solle. Wären die Schmiede aus sämtlichen Jnnungsbetricbcn Mann für Mann organisiert, so wäre die Frage rasch gelöst. In der vor- gelegten Resolution sei ein gangbarer Weg gezeigt; er empfehle darum, dieser Resolution zuzustimmen. An den Arbeitern liege es, den Wünschen Nachdruck zu verleihen. Von einzelnen Rednern wurde der Vorschlag Sickings bc- kämpft. Folgende Resolution wurde gegen wenige Stimmen angc- nommen: „Die in„Bockels Festsälen" tagende Versammlung der Jnnungsgcscllen Berlins erklärt sich mit dem Vorschlag der Branchcnkommission einverstanden und beschließt in Anbetracht der außerordentlich schlechten Konjunktur, den Tarif nicht zu kündigen. Die Versammelten sind aber der Meinung, daß trotz- dem eine Aussprache des Jnnimgsvorstandcs mit dem Gesellen- ausschuß notwendig ist, um die in den einzelnen Betrieben be- stehenden Mißstände zu beseitigen. Insbesondere ist die Ver- sainmlung der Auffassung, daß"die Zustände ans dem Nachlveis der Innung in der Mülackstsaßc ll unhaltbar sind und unvcrzüg- lich Abhilfe geschaffen werden muß. Tic Versammlung beaui- tragt daher den Gesellenausschuß, mit dem Jnnungsvorstand in Verhandlung zu'treten. Tie Versammelten erkennen ferner an, daß sie nur durch eine straffe Organisation vor Ucberraschungen geschützt sind, und verpflichten sich, für den Ausbau der Organi- sation dem n zu sorgen; vor allqn verpflichten sich die Unorganisierten, Deutschen Metallarbciterverbandc beizutreten." Tic Tarifbcwcgung der Steinarbeiter. Am Donnerstag beschäftigte sich eine Versammlung der Mar- m o rar bcit er mit dem Tarifcntwurf ihrer Kommission. Wie W i n k I c r ats Referent ausführte, haben die Marmorarbeiter seinerzeit ihren Tarif gclündigt. und darauf kündigten die Unter- nehmer den Tarif der Sandsteinarbeiter, die am Mittwoch ihre Forderungen aufgeitcllt haben. Durch die Kündigung des Sand- steinarbeitertarifs haben die Unternehmer erkennen lassen, daß sie eine gemeinsame Beratung beider Tarife für erforderlich halten. Mit Rücksicht darauf haben die Kommissionen beider Branchen ihre Tarif entwürfe, soweit es die Verhältnisse beider Branchen gc- statten, gleichmäßig gestaltet.— Ter. von der Versammlung nach eingehender Beratung beschlossene Entwurf stellt folgende Haupt- sordcrungen auf: Für Steinmetzen und Dreher einen Stundenlohn von SO Pf. in der Werkstellc. 95 Pf. außerhalb der- selben, 1 M. für Versetzarbeiten; für Schleifer und Fräser 75 Pf. in der Wcristelle, 80 Pf. außerhalb derselben. Beträgt die Tarifdauer mehr als 2 Jahre, so tritt ani Beginn jeden JahrcS eine Lohnerhöhung von 6 Proz. ein. Bei vorübergehender Be- schäftigniig bis zu 5 Tagen tritt ein Zuschlag von L0 Proz. pro Stunde ein.— Für Ansänger im Beruf beträgt der Stundenlohn in der Werkstelle im ersten Halbjahr 50 Pf., im zweiten Halbjahr 55 Pf., im dritten Halbjahr 00 Pf., im vierten Halbjahr 68 Pf. Nach zwei Jahren werden die vollen Lohnsätze beztnilt. Außerhalb der Werkstellc wird in allen Fällen ein Zuschlag von?» Pf. pro Stunde gezahlt..Zöhere Löhne dürfen nicht Iwr ad gesetzt werden. Uebcrstundcn— höchstens 4 in der Woche— dürfen nur in An?- nahmcsällcn gemacht werde». Erforderlich ist, daß in jedem Falle der Vorstand seine Zustimmung gibt und daß keine Arbeitslosen vorhanden sind. Die Uebcrstundcn werden mit einem Zuschlag von 30 Pf., die Nachtstunden mit einem Zuschlag von 50 Pf., Solln- tagsarbeit wird doppelt bezahlt.— Die weiteren Forderungen er- strecken sich auf Pergütung des Fahrgeldes und dkr Fahrzeit. Wie im Sandsteintarif, so wird auch von den Marmorarbeitern die Stellung von Baubuden gefordert. Achtung, Sattler, Koficrmachcr! Bei der Firma Zimmer- mann u. Maerten, Engelufer td, haben sämtliche Äosfermacher die Arbeit eingestellt. Die Veranlassung liegt in dem Verhalten des Inhabers der Firma, der in Werder einen Zweigbetrieb errichtet hat. um dadurch die vertraglich garantierten Lohn- und Arbeits- bedingungen zu umgehen. Durch Beschluß der SchlichtungSkommission ist die Firma verpflichtet worden, im Werderschen Zweigbetrieb die Berliner Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuführen. Herr Zimmermann gab darauf den Arbettervertretern daZ ehrenwörtliche Versprechen, daß er unter diesen Verhältnissen den Werder- scheu Betrieb auflösen werde. Dieses Versprechen hat Herr Zimmer- man» dadurch eingelöst, daß er die Weiterführung des Werderschen Betriebes seinem soeben vom Militär entlassenen Bruder über- trug. Der Zweck dieses Manövers ist sehr durchsichtig, da nach eigenem Ausspruch deS Herrn Zimmermann auch dann, wenn in verschiedenen Töpfen gekocht wird, bei dem verwandtschaftlichen Ver- hällniS am Ende alles wieder zusammen läuft. Dieses Muster- beispiel von unanfechtbarer Vertragstreue empfehlen wir besonders der Sammelmappe der„Arbeitgeber-Zeitung". Ilm das Doppelspiel des Herrn Zimmermann aber endgültig zu zerstören, blieb nur die Stillegung des Berliner Betriebes übrig. Wir ersuchen alle Berufskollegen Arbeitsangebote der Firma Zimmermann u. Maerten, sowie auch Angebote des Herrn Zimmer- mann in Werder a. H. unbedingt abzulehnen. Verband der Sattler und Portcfcuillcr. Ortövcrwaltung Berlin. Deutsches Neich. Differenzen in einer Wurstfiibrik. Den bei V o ß u. EIS n c r in Nortorf iHolsteinl beschäftigten Schlochtern wurde vom Inhaber ein einseitiger Arbeitsvertrag vorgelegt, der außer anderen Verschlechterungen namentlich eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit enthielt. Tie Gesellen verweigerten ihre Unterschrift inner dieses Monstrum und bcouftragteu, da sie bis auf einen organisiert sind, ihre Organisalionsleitung mit der Einreichung eines Tarif- Vertrages. Auf den Versuch des Gauleiters, die Differenzen friedlich beizulegen, Ichntc der Inhaber schroff jede Verhandlung ab, trotzdem die Firma ihre Waren zum größteü Teil an Konsumvereine absetzt. Zuzug ist streng fernzuhalten.____ Beendeter Zimmererstreik Am Mittwoch' ist der monatelang andauernde Streik der Zimmerer auf den Neubouten des Truppenübungsplatz Neu- Hammer abgebrochen worden. Ganz hoben die Züninerer ihre Forderungen nicht durchsetzen können. Zimmerer, die von Sagau aus nach Neuhammer geschickt werden, erhalten zu dem Tarislohn von 43 Pf. einen Landgeldzuschlag von 5 Pf. die Stunde._ Daß nicht mehr erreicht wurde, ist aus das Verhalten der Militärbau- behörde zurückzuführen, die in der einseitigsten Weise zugunsten der Unternehmer Partei ergriff. Einen vom Bürgermeister in Sagau unternommenen VermittelunaSversuch wußte der Sekretär de-5 ProvinzialunternehmerverbandeS zu hintertreiben. Da cS nicht auSgeschlosieii ist, daß die Unternehmer in Anbetracht der nn- günstigen Witterimg das Errungene mögltchst zu Nichte machen werden, und in Neuhammer ungemein hohe Logispreise bestehen, der Stundenlohn doch aber nur 43 Pi. beträgt, so wird vor Zuzug nach Ncuhamincr gewarnt. Die gleiche Warnung erstreckt sich auch auf die Firma Möbius in Soran. Diese Firma hat über- Haupt keinerlei Zugeständnisse gemacht und bekämpft in schärfster Weise die Organisation der Zimmerer. Aus den Geschäftsgeheimnissen der Streikbrecher- agenten. Vor dem Schöffengericht in Wandsbek bei Hamburg standen sich am 29. Januar zwei bedeutende Vertreter des ehrsamen Handwerks der Streikbrecherpermittelung gegenüber. Adolf HeSberg aus Blankenese trat als Zeuge gegen seinen früheren Angestellten Kart Meyer auf, der der Unterschlagung Hesbergschcr Gelder beschuldigt ist. Meyer führt in der Firma Lindcnberg u. Meyer das Geschäft der Auguste Müller in Wandsbek weiter. Meyer soll, nach HesbergS Beschuldigung, beim Streikbruchgeschäft in Rotterdam und Gent über seine Verhältnisse gelebt und 1214 Mark unter- schlagen haben. Meyer behauptet.übrigens, daß Hesberg ihn erst von dem Augenblick mit Anschuldigungen und Haftbefehlen ver- folge, seit er in die Konkurrenzfirma Lindcnberg u. Meyer ein- getreten sei. Die Verhandlung ergab, daß die Art der Geschäftssührung bei Hesberg dein edlen Beruf der Streikbrecherbermittelung durchaus angepaßt ist. Hesberg hat den Meyer auf Treu und Glauben j!) beauftragt, nach der Beendigung des Streiks in Gent von den Unternehmern 108 000 Frank einzuziehen und alle anderen Verbindlichkeiten zu lösen. Der Geschäftsführer Hesbergs, Jgnaz Lnkaszewieez, bestätigte, daß H e s b e r g s B c>- auftragte mit Summen bis zu 400 000 Mark ar« b c i t e n. Bei der Addierung der Streikbruchunkosien soll Meyer sich dann zu seinen Gunsten um 1214 M. verrechnet haben. Als Hesberg in der Berhandluiig dein Meyer Fälschung vorwarf, wies Meyers Verteidiger auf HesbergS Vorstrafen hin und verlangte zur Klarstellung der ganzen Angelegenheit die Vor- legnng der Hesbergschcn Bücher. Hesberg war das unangenehm, er protestierte erregt und meinte, man wolle ihn mn.bloßstellen". Auch warf er Meyer vor, er habe ihn aus dem Dreck gezogen. Die Sache gewann nicht an Klarheit durch die Feststellung des Amts- anwalts' daß die in Frage stehenden addierten Endsummen geändert sind. Es wurde schließlich beschlossen, die Akten zur weiteren Vor- bereitung an die Staatsanwaltschaft zurückgehen zu lassen. Ins- besondere soll ein Sachverständiger die Hesbergschen Bücher prüfen. Das Ergebnis der weiteren Verhandlung dürfte recht interessant werden. kleines Zeuilieton. Wo bleibt das Fichtr-Dcnkmal? Kant hat in Berlin zwei Denk- mäler, eins unter dem Schweif des Gauls, auf dem der„Alte Fritz" sitzt, das andere als Nebenfigur der SiegeSallee hinter Friedrich Wilhelm dem Dicken, unter dessen üppiger Regierung der Religionserlaß gegen den Königsberger Philosophen verübt wurde. Fichte hat noch kein Pferd und keinen König gefunden, in dessen Schatten sein Denkmal versteckt werden kann. Aber cS ist nun fast ein Jahrzehnt vergangen, daß ein schwungvoller Aufruf erging, für ein Fichte- Denkmal zu sammeln. Alle Namhaften hatten den Aufruf unter- schrieben, vornan der damalige Reichskanzler B ü l o w. Zum Jahr- hiindertgedächtnis der Reden an die dcntiche Nation sollte das Denk- mal enthüllt werden. Aber das Jahr 1908 ging ohne einen steinernen oder bronzenen Fichte vorüber. Dann hieß eS: 1910, wenn die Universitär Berlin 100 Jahre alt geworden ist. Das Denkmal kam nicht. Endlich wurde der Januar 1914, der 100. Todes- tag, als Termin verkündet. Und wieder hört man nichts. Denkmäler dürfen in Berlin nicht ohne königliche Genehmigung aufgestellt werden. Ist die Erlaubnis verweigert worden? Oder ist noch kein Geld da? sDcr Fichte-Schwärmer Fürst Bülow könnte ohne Unbegncmlichkeiten die erforderliche Summe allein bestreiten!) Jedenfalls: für Fichte ist die Zeit noch immer nicht gekommen. Selbst eine Universitätsfeier scheint Jagow oder der Kronprinz oder sonst ein GesimiungSgenosse der Kracht-Lcute verboten zu haben; und natürlich hat die Berliner Gelehrtcngarnison solche Wünsche und Srimmuiigeii als Dienstbefebl aufgenommen und ihm„nackgeachtel". Und das ist gut so. Man har die Fichte-Feier dem Berliner Proletarial überlassen. ES ist ein Verdienst der Maßgebenden, daß sie diese echte Fichte-Ehrung nicht durch ihr leereS Feiergepränge gestört haben und auch nicht durch die Aufstellung einer Figur, die für die Herrschenden nichts mehr sagt. Der slrcikcndc Filmkritiker. Wir erhalten folgende Zuschrift: Lieber„Vorwärts"! Du hast mir eine Karte zu einer Film- prennere geschickt, und ich— ich bin nicht hingeganzen. Offen und chrlick: ich bin nicht hingegangen. Es geht nicht mehr, lieber„Vorwärts", eS geht nicht mehr. Nun werden ja wieder die Kinoiachzeilschristeii, die allerdings kein Mensch liest, in ein übleS Geschrei ausbrechen: so wird also beim „Vorwärts" über Films berichtet! Aber sieh einmal, liebe Redaktion, da ist nun nniereiner immer und immer wieder in dieien Auf- führungen mit dem„geladnen Publikum" gewesen, hat sich immer und immer wieder das Vorgeführte geduldig angesehen,— und es war nie etwas Gescheites! Nie! Jedesmal dachte ich: Na, dies Mal wird's vielleicht etwas! Ja. etwas ungeheuer Langweiliges wurde es. und nur einem unermüdlichen Pflicdt- bewnßlsein hast Du es zu verdanken, wenn ich doch nieinen Bericht machte. Aber nun hat's geschnappt! Ich kann nicht mehr. Dieses Meer von Banalitäten flutet über mich her, ich schließe die Augen, aber unaufhaltsam dringt's auf mich ein:„Frida, ein Lebens- bild... in vier Alten... lebte glücklich und zufrieden, bis mit dem jungen Herrn L. das Schicksal in ihr Leben trat. Kampf zwischen Pflicht und Neigung... soziale Stellung glänzend erhöht... tiefer Absturz... Aufstieg... Rettung in höchster Not..." Uff! Vielleicht stimmt das in den Einzelheiten nicht, vielleicht hat der Schmarrn nicht vier, sondern drei Akte, vielleicht eresgnet sich das mit dem Auf- und Abstieg in anderer Reihenfolge.... Aber im Prinzip ist's schon so. Da stellen die Statistiker fest, daß die Kino- besucher zu streiken beginnen: die Arbeiter erklären, sie gäben für den Schund lein Geld mehr aus— und da soll ich nun wieder eine „Kritik" ichreiben)? Wir wollen unS um wichtigere Dinge kümmern, Du und Dein Jgnaz Wrobel. Eine putzige(ßeschichtc. Der Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, der bei den Tanziger Leibhnsaren steht, nahm im Kreis Putzig hstldvollst die Verwüstungen in Augenschein, die die letzte Sturmflut verursacht hat. Auch stattete er dem Putziger Kurhaus einen Besuch ab und ließ sich eine Tasse Kaffee servieren. Nach- dem er sich wieder entfernt hatte, stürzte sich ein Beamter der Putziger Kreisverwaltung auf den strahlenden Wirt, entriß ihm die Tasse, aus der der Prinz getrunken hatte, und bezahlte zehn Ni a r k für sie. Was wäre geschehen, wenn der Wirt„Nein" gesagt hätte? Nun, der Beamte hätte versucht, ihm die kostbare Tasse mit Gewalt zu entreißen. Es wäre zu einem Handgemenge gekommen. Ter Beamte bätte geschrien:„Tod oder die Tasse", und etliche Gäste, brave und kaisertreue Bürger, hätten sich seiner gerechten Cache angenommen. Der Wirt wäre zu Boden geworfen worden. Man hätte ihn gewürgt und getreten. Die Tasse wäre in Scherben gegangen und die See hätte aufgeheult. Alle Not. alle� Schrecken der Sturmslub wären zu einem kindischen, lächerlichen Scherz verblaßt. und Beamte und Bürger hätten über das tragische Schicksal der Tasse geweint, aus der c-cine Hoheit, der Prinz Friedrich Sigismund von Preußen Kaffee getrunken hatte. Die Droschke stirbt aus. Daß die Pferdedroschke auf den AuS- sterbeetat gefetzt ist, wissen wir ftbon lange. Daß aber auch die Zahl der Droschken überhaupt— Pferde- und Aulodroschken zu- iammengenomme»— im langsamen Abnehmen begriffen ist, daß dieses, wenn man so will, aristokratische Beförderungsmittel immer mehr durch Massentransportmittel ersetzt wird, dürste doch manchem neu sein. Dem Statistiicben Jahrbuch deutscher Städte zufolge gab es in 5l größeren deuiiibeii Städten, die darüber nähere Angaben machten, im Jahre 1900 15 497 öffentliche Droschken. Bis zum Jahre 1906 vermehrte sick die Zahl dieser Vehikel auf 16 166, um von da bis 1910 auf 14 528 zurückzugeben. Dabei sank die Zahl der Pierdedroichken im Laufe dieser lO Jabre von 15 470 auf 12 044, während gleichzeitig die der Autodroschken von 27 auf 2484 in die Höhe ging'. Nahezu die Hälfte aller Motordroichken beherbergte die Reichs- Hauptstadt, die unter 5767 Droschken überhaupt 1049 Autos zählte. Hamburg hatte im Jabre 1910 1249, Breslau 734, Dresden 585, Leipzig 545. München 480 Droschken. Daneben figurieren mit einer ganz besonders niedrigen Zahl dieser bequemen Beförderungsmittel das 294 000 Einwohner zählende Essen 163 Droschken), Erfurt(27), Augsburg(27), Duisburg und Plauen(1b), Bochum und Gelsen- kirchen(10). Besonders gut zu Fuß müssen die Einwohner von Mülheim a. d. Ruhr sein, das bei 112 000 Beukohnern nur vier Droschken hat. Doch wird e§ noch von Hagen i. W. übertroffen, deffcn 88 605 Einwohner sich mit ganzen zwei Droschken begnügen. Notizen. — Musikchronik. Während die Aufführungen des Bühnen« Weihfestspiels im Königlichen Opernhause für längere Zeit unter- brochen find, gehen sie im D e u t s ch e n O p c r u h a u s e in an- gemessenen Abständen weiter. Für den Februar sind vorläufig fünf Aufführungen angezeigt und zwar am 1., 2., 4., 6., 10. Die beiden Besetzungen werden mit einander wechseln. — Im Schatten de r� Berliner Zensur darf RosenowS soziales ZustandSdrama„Die' im Schatten leben" nicht aufgeführt werden. Dafür wird dasselbe Drama draußen im Reich an vielen Orten gespielt. Jetzt ist es auch in M ü n ch e n aufgeführt worden durch den„Neuen Verein". Da dieser Verein nur künstlerische Tendenzen verfolgt, hat er durch die Aufführung den literarischen Wert des Stückes anerkannt. Oder sollte dieser Verein aufhetzen wollen? Jagow lo. u. A. g. — Ein Ethiker der Tat. Der jüngst in Wien gestorbene Philosophieprofessor Friedrich Jodl hat sich nicht nur offiziell mit Ethik beschäftigt. Er hat sie nicht nur gelehrt und ihrer Entioicklung nachgeforscht, er hat ihr auch nachgelebt. Er trat. mutig siir seine Ileberzeugung ein und wirkte auf seine Weise für die Allgeineinhcir derer, die nicht die Universität besuchen, an der Spitze deS Wiener Volksbildungsvereins. Zu seinem Gedenken hat ein ehemaliger österreichischer Minister daS treffende Wort gefunden: Jodl hat den Gedanken stets vertreten, daß jeder Gebildete sein Pfund nicht brach liegen lasse, sondern es weitergebe den großen Klaffen, die sich Bildung mir schwer aneignen können. — Theater für Schwerhörige. Zwei Londoner Theater haben jetzt.nach einem sinnvollen System, das in New Jork bereit-. seil mehreren Jahren besteht,„Orchesterfauteuils für Schwerhörige" eingerichtet. Diese Sitze, die sich in allernächster Nähe der Bühne befinden, sind mit akustischen Apparaten ausgestattet, die sich in der Form zweier Telephonhörer darstellen. Diese Apparate, die durch eine unter dem Sitz befindliche elektrische Batterie wirksam gemacht werden, verstärken jeden Ton in sehr beträchtlicher Weise und er- möglichen io schwerhörigen Theaterbesuchern, jedes Wort der Auf- führung genau zu verstehen. — Z a b e r n in New N o r k. Ein aktuelles Drama„Zabern", das die Ereignisie in Zabern schildert, gelangte im New Dorker Adolph-Philipp-Theater zur Erstaufführung. Es kam hierbei zu lebhaften Kundgebungen. — Ein Dorf aus der Bronzezeit. Bei Fundainen- tierungsarbeiten fand man im Herrcntale bei Mergentbcim in der Tiefe von 4 Meter ein ganzes einstiges Dorf. ES gehört nach den Untersuchungen des Landeskonservators Goeßler iu Stuttgart der Bronzezeil um etwa 1500 vor Ehr. an. Es kamen die Reste von etwa 15 Hütten in Gestalt von Steinsockeln. Sitzsteinen und von Herdplatten zum Borschein. Zwischen den Hütten fand man drei Uniengräber, die Bronzesachen enthielten. �tuslanö. Wieder ei» Sieg der italienischen Seeleute. Der Zentralverband der Jtalieiiischeil Secmannschaften schreitet in den letzten Monaten von Sieg zn Sicg� Nachdem die drei sub- vcntionierten Schiffabrtsgesellschafte» nach einander haben iiachgeben und den Tarifvertrag des Verbände« annehincii müssen, hat sich jetzt auch der Lloyd Sabaudo, der den überseeischen Personenverkehr vcr- mitteU, zum Nachgeben entschlossen. Am Nachmittag des 27. sollte der Dampfer„Regina d'Jtalia" nach New Aork in See gehen. Die Mannschaften hatlcn aber die Einschiffung verweigert, wenn die Gesellschaft nicht den Tarifvertrag bewilligte. In zwölfter Stunde habe» die Reeder nachgegeben, was zweifellos darauf schlicken löst, daß auch die übrigen sechs Schiffahrtsgesellschaften für den transatlantischen Verkehr ihren Mannschafren den Tarifvertrag beioilligen iverden. Die Zugeständnisse des Lloyd sind rückwirkend bis zum 1. Januar. Die„Sieger" von Südafrika. Die Deportation der südafrikauischen Streikführer hat eine stets wachsende Erregung in den weitesten Kreisen hervorgerufen. Am Donnerstag verlangte Macdonald, einer der Führer der Arbeiter- Partei im Unterhause, die sofortige Abberufung des General- gouverncurs von Südafrika, des Lord Gladstone. Weiterhin hat Keir Hardie eine äußerst heftige Rede gehalten, nach der eine Tages- vrdnung angenommen wurde, in der das englische Kabinett auf- gefordert wird, Lord Gladstone alle Kredite, die für die Deportation verlangt werden würden, nicht zu bewilligen. Der„Evening Chronicle* macht den Vorschlag, man solle die Streikführer, die sich an Bord der„Ungeni" befinden, nicht deportiere», sondern einfach einige Tage auf hoher See lassen, bis das Amnestiegesetz an- genomnien sei. Das Kriegsrecht ist noch immer in Kraft, wird aber jetzt mit der größten Milde gehandhabt. Gerade der letzte geniale Streich der Deportation von Slreikführern hat nämlich ungeahnte Folgen ge- habt. Die weißen Arbeiter, ohne welche man die Betriebe nicht fortsetzen kann, haben in großer Zahl Iteberfahrtkarten nach Europa, Australien und Neuseeland bestellt. Die Bergarbeiter verlassen scharenweise daS Land. In Kapstadt fand eine Massenversammlung statt, an der viertausend Arbeiter teilnahmen und in der ein geharnischter Protest gegen die Verurteilung des Arbeiterführers Creßweil sowie gegen die Deportation der Streikführer zur Annahme gelangte. Auf der«ideren Seite bereiten die englischen Trade Unionisten einen großen Empfang der Verurteilten vor. Die Tatsache der Deportation sollte übrigens völlig geheim ge- halten werden. Die Zeitungen, gleich viel toelcher Richtungen, sollten nichts über diesen Gegenstand erwähnen. Alle Kabel- depeschen über die Verschickung nach England wurden zurück- gehalten. Lediglich infolge eines Versehens ist die Meldung durch- «schlüpft. französischer Parteitag. 3. Tag.(Schluß.) Jaures über üie wahltaktik. Nach den Erklärungen der verschiedenen Redner ist eS leicht, den Kern des Problems zu erfassen. Zwei Punkte fordern sofortige Fest- stelluog.' Nach der einstimmigen Aeußerung aller Redner— Herve einbegriffen— ist der Block ausgeschieden oder vielmehr die Block- frage ist als nicht existierend zu betrachten. Sie war nur künstlich gestellt, nicht durch die Ereignisse. N i e m a n d in der Partei hält Verhandlungen, einen Pakt, eine Kombination welcher Art immer mit irgswdemer Partei, wer sie auch sei, für möglich. Wenn man die Erinnerung an den Block erneuert, vergißt man, daß er in einem gegebene» Zeitpunkt nicht ein Vertrag, aber eine übereinstimmende Aktion nrit einer Fraktion der Bourgeoisie Ivar, deren Grundlage die Verweltlichungspolitik war, die der revolutionären Tradition angehört. Aber jetzt stehen wir im sozialen Kampfe; wirtschaftliche Probleme sind gestellt, für die keine revowtio- näre Tradition eine gemeinsame Aktion ermöglicht. Wir sind setzt in einem Chaos, au« den, wir um so rascher herauszukommen hoffen können, je mehr sich die Parteien organisieren. Aber wie schwer ist die radikale Einigung, wie schwächlich die Regierung, die auö ihr hervorgezangcn ist. Der Sturz BriandS ist von der sozialisti« scheu Demokratie mit solcher Freude begrüßt worden, daß die Nach- solger einen Augenblick populär waren. Aber fie tun alles, um diese Wirkung zu verderben. Und B a r t h o u wirft ihnen schon, um sie zu kompromittieren nicht vor. daß sie etwaS anderes, sondern daß sie dasselbe tun wie er selbst. Der zweite Punkt, über den wir uns aussprechen müssen, ist die Wahlrefon». Welche Rolle wird sie in den Wahlen spielen? Es erscheint mir unmöglich, daß sie zur verbindenden Linie mit der inilitaristischen Realtion Iverden könnte. Sixte Ouenin beruft sich auf uiiseren Lyoner Entschluß. Vergißt er die seitherigen Er- eiguisse auf dem Balkan, das Neuerwachen des Chauvinismus, den allgenieinen Rückfall in die Barbarei, die Rüslungsvermchrnngen in allen Ländern? Ist eS möglich, das alles zu ignorieren und den Kampf gegen das Dreijahrgesetz, für die Volkswehr, für die deutsch- französijche Annäherung in zweite Reihe zu stellen und einen klerikalen Militaristen, der für den Proporz eintritt, zu wählen? Das ist eine Unmöglichkeit!(Stürmischer Beifall.) Das Problem der Wahlreform bleibt aber, in seiner volle» Bedeut�mg. Barthou behauptet, wir hätten es vergessen. Er selbst aber war es, der bei seinein Regierungsantritt der Rechten den Tausch des Proporzes gegen da» Dreijabrgesetz angetragen hat. Wir kämpfen für die Wahlreform weiter bis zu ihrer Durchsetzung— mit allen Mitteln, nur nicht mit dem unmöglickien der Wahlkoalition. Ich Halle die Anregung der Föderation Deux-Sövres, die ein Re- serendum vorschlägt, für durchführbar. Wen» wir nicht eine all- gemeine Befragung der Wähler erreichen, genügt., es, daß die Proporzanhänger aller Parteien eine identische Formel in ihr Pro- gramm aufnehlpen. Wenn sie dann zusammen ein« große Stinimen- »ichrheit erlangen, ergibt das eine imposante Kundgebung für die Reform. Es wird Ihnen banal und simpel erscheinen, wenn ich weiter hervorhebe, daß unser Kampf ein sozialistischer sei» soll. ES gibt im Grunde nur einen Wahlgaug: den ersten. Wen» wir in diesem die sozialistische Propaganda machtvoll und klar betreiben, werden wir auch auf jene Eindruck machen, die uns nicht gleich ihre Stimme geben. Der zweite Wahlgang ist nur eine Fortsetzung des ersten. Die wirtschaftlichen Tatsachen arbeiten für uns, die Kon- zentration, die Vertrustung des Kapitals. Und dann: wir find tat- sächlich die einzige Partei. Hervö hat bei uns die Doktrin auf der einen, die Aktion auf der anderen Seite finde» wollen. Aber Doktrin und Aktion sind nicht zu scheiden.(Beifall.) Keine Reform ist möglich ohne eine Doktrin und eS gibt keine lebendige Doktrin, ivofern sie sich nicht im täglichen Kampf gegen die Hindernisse ihrer Verwirklichung bewährt. Warum find wir in den ökonomischen und Steuerfragen den bürgerlichen Parteien überlegen. Weil wir bis aus Ende zu gehen tvifieii und mehr itlarheit, mehr Mut haben. Warum haben wir allein den Mut gegen den Kolonialismus ein- zuireten. Warum haben wir zuerst die Rückwirkung des Marokko- abentcuers auf die ganze äußere und innere Politik erkannt? Nicht, weil wir klüger sind, als die anderen, sondern weil wir die Kraft des internationalen Sozialismus in uns haben. Darum haben wir den großen Atem in den Kämpfen des TageS. darum sind wir auch stark im Kamps gegen den Militarismus. Man hat hier davon gesprochen, daß daS Dreijahrgesetz nicht überall in den Massen den er- warteten Protest hervorgerufen habe. Piele haben sich resigniert, weil sie glaubten, weil die verlängerte Dienstzeit der einzige Schutz gegen die Invasion sei. Wenn es in der Tat Arbeiter gegeben hat, die einen Augenblick in dieser Erwägung die Last des dritten Jahres auf sich zu nehmen bereit waren, so beglückwünsche ich mich zu unserer Nasse. Aber toir sagen dem Voll i Dein Opfermut ist miß- braucht worden. Die Männer in der Negierimg waren unfähig, einen neuen Weg zil finden, und sie wollten es nicht, weil sie die Armee als Waffe gegen den inneren Feind schmieden. (Stürmischer Beifall.) Wir werden dem Volk auch den Abgrund des Defizits zeigen, der so schrecklich ist, daß die bürgerlichen Politiker ängstlich an ihm herumirren und nicht hineinzuspringen wagen— itztzr die anderen möchten sie hineinwerfe».(Heiterkeit.) Wenn eS skw als ilotwendig erweisen wird, jedes Jahr eine aus dem Arbeits- fchtvciß des Volkes erpreßte Milliarde hineinzuwerfen, dann wird man vielleicht die seit 80 Jahren veisprochene und nie gemachte Steuerreform endlich durchführen, aber nicht um dem Landmann zu zu helfen, nicht für soziale Reformen, nicht für Verbesserung des Schulwesens— nein, alles für den Rachen des Ungeheuers. (Brausender Beifall.) Wenn wir das alles dem Volke zeigen, dann wird es die ganze Wirkung des Dreijahrgesetzes erkennen und be- greifen, daß es den Konflikt der Völker durch den der Klassen der- stärkt, lind es wird begreifen, daß allein der Sozialismus, der alle Völker versöhnt, im st an de ist, den unbewaffneten Friede«, die Zivilisation zu sichern. Und iveun wir dem Volk diese Lösungen zeigen, werden wir in unserem Kampf alle Fragen aufrollen, mit der Wahlreform die Berfassuiigsrevision, die Befreiung von der Unfähigkeit und des bösen Willens des Senats. Wenn wir daS alles im ersten Wahlgang zeigen und in ganz Franlreich Kandidaten mit diesem Programm haben, bin ich u»- besorgt wegen der Art, wie wir im zweiten dort, Ivo wir selbst den Kampf nicht führen können, unsere Stimmen anderen Parteien �u- wenden. Die Zuteilung wird sich unter dem Antrieb des ersten Wahlgangs leicht vollziehen. Wie können Sie schwanken zwischen jenem, der Ihr Gegner in allem und jedem ist, und dem aildcren, der, wenn er auch selbst schwächlich ist, sich von dem Strom, den Sie entfesselt haben, tragen läßt— zwischen einem militaristischen Klerikalen und einem Radikalen, der für die Rückkehr zur zwei- jährigen Dienstzeit ist und der sich. Iveil er nach Bern ging, als „Preuße" beschimpfen ließ? Schon der Beschluß von Chalon weist die Linie einer republikanischen Taktik. Warum wollen Sie sie nicht ausführen? LebuS meint, man solle diese Dinge tun, aber nicht aussprechen. Aber Sie befolgen diese Taktik seit 30 Jahren und iiÄii kennt Ihre Geheimnisse wie die der Generalstäbe.(Heiterkeit.) Wir ivollen nicht die Freiheit, in den Enthaltungen zugunsten der Radikalen weilerzugehen, beschränken. Wenn Sie im Norden sogar zugunsten der radikalen Anhänger des DrcijahrgesetzeS Abstinenz üben wollen, so müssen wir doch eine allgemeine Direktive geben. Die Werbearbeit für den Sozialismus ist nur möglich, wenn wir unsere republikanische Pflicht tun. Wir müssen, ohne daß wir eine exklusive, zwingende Formel aufstellen, erkläre» i 1. daß jede Kombination aüsgeschloffen ist, die einem militaristischen Reaktionär sozialistische Stimmen zuführen würde; 2. daß die Sozialisten die Republikaner zu unterstützen haben, die gegen die dreijährige Dienstzeit, für die weltliche Schule und für die Steuerreform eintreten. Es können sich wohl dann noch einige Ausnahmefälle ergeben, die den Versuch einer schmählichen Kombination zeigen. Für diese Fälle, die in der Föderalion seither selbst einen Zwist hervorrufen würden, müssen ivir eine Kommission konstituieren, die— nicht gegen die Einzelnen oder die Gruppen, die sich vergehen— sondern im Interesse der Partei, um ihre Verantwortung klar zu stellen, ihren Spruch fällen muß. Ich bin kein Veteran der Partei, aber känipfe doch lange genug in ihr, um mit vollem Bewußtsein sagen zu dürfeu, daß ich noch nie eine solche Disziplin, Einheit der Anschauungen und Brüderlichkeit gesehen habe, wie dieienige, die diesen Parteitag am Vorabend der Wahlen denkwürdig macht. iMinutenlanger Beifall.) Compdre-Morcl erklärt sich mit den Grundgedanken JauröS einverstanden und schlägt nur einige Modifizierungen im Verfahren in strittigen Fällen vor. Es spricht noch Genosse Bracke, dessen Ausführungen bei der übermüdeten Versammlung nicht die verdiente Aufmerksamkeit finden. Er erklärt, alles, was JauröS gesagt habe, zu unterschreiben und regt die Herausgabe einer Broschüre an, die diese Auffassungen auSführ- licher darlegt. Aber er meint, daß JauröS die Beispiele zu leicht gewählt habe. Wie sei es, wenn ein sozialistischer Kandidat als zweiler mit einem Kandidaten in Stichwahl käme und er nur mit Hilfe klerikaler Stimmen gewählt werden könne. Müsse er sich da zurückziehen?(Rufe: Nein!) Ja, aber die ältere Auffassung der republikanischen Disziplin sagt j a. Sie war begreiflich vor der politischen Herrickiaft der Radikalen mit ihren Verrätereien. Gibt eS überhaupt„regktionäre Stimmen"? Vorläufig haben wir noch keine organisierten Parteien. Auch die Unifizierung der Radikalen im Parlament hat init der Konsolidierung der Parteien nichts zu tun. Was ist ein„Skandal", wie ihn Sembat für möglich bezeichnet hat? Unser größter Fehler wäre, uns um die Meinung unserer Gegner zu lümmern. JauröS Rede gipfelte darin, daß wir die Wahlaktion als unsere, als sozialistische Aktion ansehen müssen. Scmbat erwidert, eS gäbe reaktionäre Stimmen. Man müsse verhüten, daß die Hoffnung Briands sich erfülle, der die Radikalen nfft der Gefahr von zwei Seiten ängstigen wolle. Ein Skandal wäre, wenn eine Föderation einen Kuhhandel betriebe,, der die De- klaration verletzt, z. B. in einem Wahlkreis einen sozialistischen Kandidaten zurückzöge, um in einem anderen klerikale Stimmen zu bekommen. Die Sitzung wird geschlossen. Die ResolutionSkommission tritt noch in der Nacht zusammen, um den Text des Beschlusses über die Wahltaktik fertigzustellen.(Den Text der einstimmig angenommenen Resolution haben wir bereits telegraphisch mitgeteilt.) der 14. Parteitag öer britischen Arbeiterpartei. ch' Glasgow, 27. Januar 1914.(Eig. Ber.) Dem eigentlichen Parteitag ging heute eine besondere Kon- s e r e n z über die parlamentarische Taktik und die Wahltaktik der Partei voraus. Im vergangenen Jahre ist die Partei von ihren Mitgliedern so viel kritisiert worden, daß eS die Parteileitung für gut befand, die ganze Taktik ans einer Spezialkonferenz zur Sprache zu bringen. Als Unterlage der Diskussion diente ei» Bericht über die parlamentarische Tätigkeit der Fraktion und die'Nachwahlen in Leicester und Ehesterfield. Die Morgensitzulig, die unter dem Vorfitze Robinsons statt- fand, beschäftigte sich mit der Haltung der p a r l a m e n t a r t s ch e n Fraktion. Macdonald, FraktionSvorsitzender, beantragte die Amiahme des Berichts und verteidigte die Haltung der Partei im Parlament. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die die Satzungen des Unterhauses und das Parlamentögeietz der freien Betätigung der Arbeilervertreter entgegensetze». DaS Parlamentsgesetz habe auS einer einjährigen eine dreijährige Session gemacht. Alle umstrittenen Vorlagen müßten jetzt drei Jahre hintereinander dnrckbcraten iverden, ehe der Wider- stand der Lords überwunden werden könne. Das ließe sich nur ändern, wenn die Arbeiter anstatt 40 840 Vertreter in« Parlament schicken würden. Aus de* extremen Linken der Partei iverde häufig behauptet, daß zwischen den Liberalen und Konservativen kein Unter- schied bestehe. Wenn diese Ansicht richtig sei, dann sei auch die Taktik der Arbeiterpartei richtig. Würde eine der bürgerlichen Parteien den Arbeitern wichtige Zugeständnisse machen, dann werde die Arbeiterpartei diese Partei zur Macht verhelfen, ganz gleich, ob es die liberale oder die konservative Partei sei. Die Erfahrung habe die Fraktion gelehrt, daß zwischen de» bürgerlichen Parteien in tveimtlichen Dingen nicht viel Unterschied bestehe: die Arbeiterpartei habe kein Interesse daran, die eine oder die andere Partei zu Fall zl� bringen und eine allgemeine ParlameiitSwahl mit all ihren Mühen und Unkosten zu provozieren. Die einzige Regierung, die sie anstrebe, sei eine Arbeiterregicrung. (Zum besseren Verständnis dieses Arguments sei darauf hin» gewiesen, daß in Großbritannien parlamentarische Wahlen stets mit getvaltigen Kosten verbunden sind, die die mit irdischen Güter» nicht allzu reichlich gesegnete Arbeiterpartei nur mit großer Mühe erschivingcn kann. Die Wahl iu einem einzige» Kreise— kostet der Partei nicht selten 80 000 bis 40 000 M.) Anderson(I. L. P.) eröffnete den Reigen der Kritiker. Er klagie darüber, daß der Bericht der Fraktion die Frage des Krnurnstiimnrechts nicht erwähnte. In bezug auf die allgemeine Taktil der Partei bestehe unter vielen Mitgliedern— namentlich im sozialistischen Flügel der Partei— die Ansicht, daß sie sich nicht genügend von der Taktik der anderen Parteien unterscheide. Die Partei müsse sich init lvirt» ichastlichcn und sozialen Fragen befassen uiid inr Parlament die Wirt» schaftlichen Kämpfe der Arbeiterschaft widerspiegeln. Gemeinderat Macarthi»(Leicester) behauptete, daß unter de» Mitgliedern der Partei eine große Unzufriedenheit mit der Partei bestehe. Die Arbeiter fühlten, daß es nicht vorwärts gebe; ihre materielle Lage habe sich seit der Gründung der Partei nicht ver- ändert. Das Recht des Streikpostenstehcns bestehe in der Praxis nicht mehr; das VcrsicherungSgesetz habe in ihrem Leben nichts ge- ändert, und die staatlichen Arbeitsnachweise kämen den Unternehmern und Streikbrechern zugute. Sanders(Sekretär der Fabischeir Gesellschaft) betonte, die Arbeiter« Partei niüsse danach streben, sich durch unabhängige Stellungnahme zu allen Fragen im Bewußtsein des Volkes zu befestige». ES bestehe die Gefahr, daß sich die Gewerkschafter, enttäuscht von der Politik der politischen Unabhängigkeit, wieder der alten Taktik zu- wendeten, indem sie auf die politische Unabhängigkeit verzichteten und die eine bürgerliche Partei gegen die andere ausspielien. Die Parole müsse lauten: Zurück zur Taktik der Jahre 190S und 1907, als man die liberale Regierung zwang, die Vorlagen der Arbeiter- Partei zu ihren eigenen machen. Man dürfe Lloyd George nicht trauen, wie es einige Parlamenmrier tun. Der Schatzkanzler halte schöne Reden, die mit seinen Taten nicht in Einklang gebracht werden könnten. Brownlie(Vorsitzender der Maschinenbauer) kritisierte das Ver- halten der Partei in dem M a r c o n i- S k a n d a l, der entstand. als der Schatzkaiizler, der Justizminister und andere Mitglieder der Regierung bei der Spekulation mit amerilanischen Aklien ertappt ivurden. Bei dieser Gelegenheit hätte die Partei beweisen müssen, daß Ihre Auffassung der öffenilichen Moral eine höhere sei als die der bürgerlichen Parteien. � Der Vertreter der Partei im Unter« suchnngSauSschuß hätte einen Minoritätsbericht herausgeben müssen. Der Redner tadelte auch, das Macdonald einen Posten in der indischen Kommission angenommen habe und nach Indien gc- gangen sei; zuhause hätte er der Arbeiterbewegung beffeie Dienste tun könne». Quin»(Buchbinder) beschuldigte die Parlanientarier, daß sie vergessen, hätten, daß sie auch Propagandisten seien. Das Parlamentsmitglied Clyncs verteidigte die Fraktion. Wenn man ihr etwas vorwerfen könne, so sei dieS eine übermäßige Bc- scheidenheit: sie kläre die Mitglieder nicht über die große und mühselige Arbeit der Fraktionsmitglieder in den Ausschüssen auf. Die Fraktion iverde beständig von Feinden verfolgt, die sich als Freund« ausgäben, die daS Gute, daS die Partei tue, verschwiegen und Lügen über sie Verbreitelen. I» allen wirtschaftlichen Kämpfen habe die Fraktion mit der Bewegung Fühlung genommen und für den Erfolg der Kämpfe gewirkt. Er forderte die Kritiker auf, der Partei bessere Aktionspläue vorzulegen. Shaw(Textilarbeiter) meinte, daß die Angaben über die Un« zufriedenheit der Massen mit der Arbeiterpartei wohl nur auf die Mitglieder der kleinen sozialistischen Sektion der Partei zutreffen könne. Er könne versichern, daß im Gegenteil der großen Masse der Gewerkschafter die Politik der Arbeiterpartei noch zu fortschritt» lich sei. Von einem Redner wurde in der Debatte ausgeführt, daß eine Taktik, die sich auf den Grundsatz stütze, daß keine der bürgerlichen Parteien wert sei, daß sich die Arbeiterpartei durch einen RegiernngS« stürz die gewaltigen Kosten einer Neuwahl aushalse, die Partei zur Machtlosigkeit verdamme. Denn die jeweilige Negierung brauche einer Partei keine Zugeständnisse zu machen, von der sie keine ernst» hafte Opposition zu erwarten habe. Ein anderer meinte, die Fraktion könne die Erfolge der Jahre 1900 und 1907 nicht wieder- holen, weil sich die Parlamentarier heute als Staatsmänner auf» spielten. Das Schlußlvort hatte Macdonald, der sich in der Hauptsache mit einzelnen Punkten der Parteiraktik befaßte. Zur allgemeinen Frage führte er aus, daß sich die vielbesprochene Differenzierung der Politik der Arbeiterpartei in den Köpfen der Kritiker und nicht durch eine Veränderung der Taktik vollziehen müffe. Durch die Angabe, daß die Haltung der Arbeiterpartei in den Anfängen ihrer parlamentarischell Laufbahn verschieden gewesen, schaffe man nur eine Fabel. Die Erfolge des Jahre» 1906 bildeten nur die Frucht der propagandistischen Tätigkeit der vorher�ebendeu Jahre. Anstalt Unzufriedenheit zu stiften, sollten sich die Kritiker damit beschäftigen. die llnzusriedenhcit mit der Partei zu beseitigen, die pon außen in die Reihen der Mitglieder gebracht werde. Die Partei könne sich auf eine Taktik, die nicht klar und offen sei— auf ein politisches Blindekuhspiclen— nicht einlassen. Auch könne die Partei ihre Haltung nicht nach den Wünschen einer Sektion einrichten. In der sich nunmebr entspinnenden Spezialdebatte verlangte daS Parlanrentsmitglied Will Thornr, daß sich die Fraltion, wenn sie in der kommenden Session mit den Liberalen Abmachungen treffe, für die Unterstützung der Regieruiig wenigstens etwas ausbedinge. Er mache den Vorschlag, von der Regierung zu fordern, daß die Vorlage JowettS, die die jetzt fakultative Ernährung der Schulkinder aus öffentlichen Mitteln obligatorisch mache, Gesetz iverde. Zu rügen sei die jetzige Praxis des Fraklionövorsitzenden (Macdonald), der manchmal mir der Regierung geheime Abmachungen über die parlamentarische Haltung der Fraktlon treffen, von denm die FraktionSmitglieder nichts wüßten. In früheren Jahren, als Keir Hardie Vorsitzender gewesen, sei etwas Derartiges nie vor- geloinmen. DaS Parlamentsmitglied Heudersou(Parteisekretär) wieS diese Anklage entschieden zurück und bemerkte, daß Macdonald deS Ver» trauenS der Partei nicht länger würdig sei, wenn Thomas Angaben auf Wahrheit beruhten. Der einzige Unterschied zwischen der Leitung Keir HardieS und Macdonald» bestehe darin, daß Keir Hardie ab- gelehnt habe, die Verhandlungen persönlich zu führen, aber ein« gewilligt habe, daß Henderson als Haupteinpeitschcr sich damit be- schäftige. Keir Hardie erklärte, daß die Verhandlungen im Jahre 1S0S ganz verschieden gewesen seien von denen, um die es sich jetzt handle. Domal» halten keinerlei Verhandlungen mit der Regierung über die Haltung der Arbeiterpartei stattgefunden; man habe nur über den Wortlaut der Gesetze verhandelt. Macdonald erklärt zum Schluß, daß keinerlei Verhandlungen über die Hallung der Partei mit der Regierung stattgefunden hätten, seitdem er Vorsitzender der Fraktion sei. R a ch m i t t a g S s i tz n u g. In der NachmittagSsitzung, die der Beiprechung der Wahl- taktik der Partei gewidmet war, brachte die kurze Diskussion nichts NeueS. Es handelte sich um die beiden Nachwahlen zu Leicester und Ehesterfield. die im letzten Jahre stattfanden. Auf Antrag deS Parteisekretärs wurde der Fall Ehesterfield zurückgestellt. Hier handelt es sich um einen Bergarbeitervemeter, einen Schlaumeier, der sich von der Arbeiterpartei und von den Liberalen als Kandidat aufstellen ließ, um die Stimmen der liberalen Wähler und das Geld der Arbeiterpartei zu bekommen. Er ivurde auch gewählt, aber die Arbeiterpartei weigert sich jetzt, diesen Mann als einen der ihren anzuerkennen, worüber die Bergarbeiter DerbyshircS. denen er angehört, erbost sind. Sie möchten von der Arbeiterpartei(oder viel» inehr der Bergarbeiterföderation) die Wahlkosten für ihren sonder- baren Vertreter einkassieren. Die Bergarbeiterföderafton steht zur- zeit noch in Verhandlungen mit den» Verbände DerbyshireS und das Resultat der ganzen Sache wird voraussichtlich sein, dag der Bergarbeiterverband DerblzshireZ als poli- tisch« Bestandteil der Bergarbeiterfiideration aus dieser aus- scheiden wird. Der Sekretär der Arbeiterpartei erklärte, daß die Partei auf alle Fälle darauf sehen werde, datz ihre Statuten, die die Mitglieder zur Unabhängigkeit verpflichteten, respektiert würden. Fm Fall L e i c e st c r handelte cS sich um die. Klage der Partei- Mitglieder dieser Stadt, deren Wunsch, bei. einer Nachwahl neben Maedonald noch einen zweiten Arbeiterlandidaten ins Feld führen zu dürfen, von der Parteileitung nicht bewilligt wurde. Ein unab- häugiger Sozialist wurde daraus aufgestellt und der Haupteinpeilscher der Arbeiterpartei, Roberts, gab einem Liberalen in einem Privargespräch zu verstehen, datz die Kandidatur des Sozialisten der Arbeiterpartei nicht erwünscht sei, daß seine Wahl die Stellung Macdonalds in Leicester erschüttern und die Arbeiterpartei zerstören Iverde. Der Liberale ging dann hin und veröffentlichte das Privat- gespräch als Manifest der Arbeiterpartei. Roberts bedauerte auf der Konferenz den Borsall und erklärte sich bereit, zurückzutreten. DaS mannhafte Eingeständnis seines Fehltritts verschaffte ihm die Sympathie der Delegierten. Die unangenehme Episode ist nunnrehr begraben. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Tie Einigungsverhandlungen zwischen den Acrztcn und Krankenkassen in der Amtshauptmannschaft Zittau und der Stadt Lübau sind von den Aerzten abgebrochen worden, weil die Kranken- kassenvertreter die Forderungen der Aerzte nicht erfüllen konnten. Die Aerzte fordern 22 Proz. der auf 4 Proz. des Lohnes erhöhten Mitglioderbciträgc. Damit würden die Aerztchonorarc von 2ll llllll Mark auf 3Ü 000 M. steigen. Das mutzten die Vertreter der Krankenkassen ablehnen. Die Aerzte erklärten sich darauf bereit, nur noch bis zum 1. März zu den alten sähen zu praktizieren, unter der Boraussetzung, datz der neue abzuschlietzende Vertrag' bis zum 1. Januar rückwirkende Kraft erhalte. Zwischen der Allgemeinen Ortsirantenkasse für den Freistaat Lübeck und den Aerzten ist nach langen Verhandlungen ein Bertrag zustande gekommen. Derselbe sieht für 4914 eine Pauschale von tll M. pro Mitglied, für 19lö eine solche von 11 M. und für 1918 bis 1918 eine solche von 12 M. vor. Der Pauschalsatz betrug bisher 8 M.. so datz die Aerzte eine ganz bedeutende Honorarerhöhung zu berAeichnen haben. Die freie Arztwahl besteht schon seit mehreren Fahren. Frühstück und Mittag für hungernde Schulkinder. Die Stadt Frankfurt a. M. wandte in den letzten Jahren immer grötzcre Summen, zuletzt 2S M. auf, um Kindern bc- dürftiger Eltern warmes Frühstück in den Schulen zu geben. In. der Stadtvcrordneicnversanimlung kam kürzlich die Frage der Schulspeisung erneut zur Verhandlung. Genosse Heiden beantragte, bedürftigen Kindern nicht nur warmes Frühstück, sondern auch tvarmes Mittagessen zn geben, da die Schulspeisung eine notwen- dige Ergänzung des Kinderschutzes sei. Der Schulausschutz schlägt nun vor, den Kinderborten die Gewährung von Mittagessen an be- dürftige Kinder zu übertragen und die Kosten auf die Stadtkasse zu übernehmen. Es ist nicht daran zu zweifeln, datz das Plenum der Stadtverordnetenversammlung sich diesem Vorschlag anschietzcn wird._* Gerichtszeitung. Unschuldig im Zuchthaus? Die Flandcrsbachcr Mordsache und die Tätigkeit, die der frühere Kriminalkommissar und jetzige Privatdetektiv K. v. Tresckow dabei ausgeübt hat, gaben gestern vor der 148. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mittc unter Borsitz des Amtsrichters Dr. Engclmann Veranlassung zu längeren lebhaften Erörterungen. Der Kriminaltommissar a. D.». Tresckow, unter Beistand des Rechtsanwalts Dr. Korn klagte gegen den Redakteur der„Welt am Montag", Hans Lcuß, dessen Verteidigung die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr Lijweustein führten. Veranlassung zur Privatklage hat ein Artikel der„Welt am Montag" unter der Uebcrschrift„Zeichen und Wunder" gegeben. Im Jahre 1998 ist eine Frau Hamm aus Flandersbach bei Elber- feld vor dem Schwurgericht in Elberfeld wegen Ülnstifhmg zur Ermordung ihres Ehemannes und Beihilfe hierzu zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Es wird behauptet, datz hier ein furchtbarer Justizirrtum vorliege und Frau Hamm unschuldig im Zuchthause sitze, v. Tresckow hat seinerzeit in seiner Eigenschaft als Kriminalkommissar die Ermittelungen geleitet, die später zu der Verurteilung der Frau geführt haben. Für die Unschuld der Frau Hamm ist neuerdings der bekannte Polizeirat Braun in einem Gutachten eingetreten und hat nachzuweisen gesucht, datz der da- maligc Kriminalkommissar v. Tresckow im Uebercifer zn ganz un- zutreffenden subjektiven schlutzfolgerungen gekommen fei, die die Geschworenen zu dem Schuldigspruch geführt haben dürften. Der Angeklagte hat nun in dem Artikel scharfe Angriffe gegen den Privatklägcr gerichtet. Dieser habe die Frau Hamm nach der be- kannten Methode eingekreist und die narkotisierende Manier des Zurechtmachens mit vollkommenem Erfolge in Anwendung gebracht. Weiter wurde in dem Artikel ausgeführt, datz der Privatklägcr mit dem Staatsamvalt in Elberfeld, als diesem die Bedenken gegen die Richtigkeit des Urteils von dritter Seite unterbreitet wurden, cingc- redet habe, der Polizeirai Braun sei ein alter Mann, der bald in Pension gehe.— Der Privatkläger erklärte, datz er seinerzeit die Ermittelungen in der Mordsache geleitet habe und auf Grund dieser sehr sorgfältig angestellten umfangreichen Erhebungen zu der festen Ueberzeugung gckommcn sei, datz Frau Hamm die Anstifterin sei. Dies habe er auch bei seiner Vernehmung vor deru Scknvurgericht ausgesagt. Er sei 1911 aus dem Amte geschieden, weil aus früherer Zeit noch Verpflichtungen pekuniärer?lrt bestanden, die gegen ihn geltend gemacht wurden. Er bestreite, datz er nach der Verurteilung neuerdings zu dem Staatsanwalt in Elberfeld gefahren sei und mit ihm über die Bedenken gegen die Richtigkeit des Urteils gesprochen habe.— Rechtsanwalt Dr. Löwenstein: Der Artikel beschäftige sich in erster Reihe nicht mit der Person des Pritnitklägcrs. sondern mit dem Verfahre� mit der Tatsache, datz im Flaudersbacher Falle ein unseliger Justizirrtum vorliege, an dem die schuld dem Privat- kläger aufzubüodcn sei, der in übertriebenem Amtseiscr und durch pflichtwidrige Amtshandlungen das unselige Resultat herbeigeführt habe. Darüber müsse Beweis erhoben werden, ebenso darüber, datz der Privatkläger persönlich auf dem Bureau der„Welt am Montag" war und gebeten habe, die Angriffe gegen ihn doch zn unterlassen iini) datz auf Grund eines Verfahrens die Dienstentlassung gegen ihn eingeleitet sei. Endlich müsse Beweis darüber erhoben werden, datz der Privatkläger in der Tat seinen frühere» Vorgesetzten, den Polizeirat Braun, dem Staatsanwalt als„alten Herrn, der bald in Pension gehe und auf dessen Gutachten nicht viel zu geben sei", bc- zeichnet habe. Der Vertreter des Klägers wendet sich gegen eine zu weite Ausdehnung der Beweisaufnahme.— Rechtsanwalt Dr. Wertlianer dagegen behaupteie, datz für alle Behauptungen des Artikels Punkt für Punkt der strikte Wahrheitsbeweis geführt werden könne. Der Privattläger habe seinerzeit den wirklichen Täter nicht ermitteln können und sei dann plötzlich dazu übergegangen, Frau Hamm, die gar nichts damit zu tun gehabt, der Anstiftung zum Morde zn be- schuldigen und habe für diese seine Idee in Zeitungsartikeln Stim- inung gemacht. Er habe die Behauptung erfunden, datz der angcb- lichc Mörder gar nicht aus dem Fenster gesprungen sei, sondern datz die Frau die Kleider des Mannes in täuschender Absicht vor das ge- öffnete Fenster gelegt habe. Der Privatkläger habe seine Bchanp- tungen und Schlutzfolgerungen vor dem Schwurgericht in Elberfeld wiederbolt mit der Behauptung bekräftigt: er habe eine jahrelange Erfahrung als Kriminalbeamter und die Geschworenen haben der Ueberzeugung dieses„erfahrenen Kriminalbeamten" soviel Wert beigelegt, datz sie zum Schuldigspruch kamen. Der Polizeirat Braun, ein auf kriminalistischem Gebiete seit einem Menschenalter hervorragend und erfolgreich tätiger Beamter habe nun auf Grund der Akten und der Berichte des Privatklägers sowie in Ueberein- stimmung mit den separat nach der gleichen Richtung sich erstreckenden amtlichen Feststellungen des Nabrungsmitteluntcrsnchungsamtes des Polizcipräsrdiunis feststellen können, das, der Privatkläger mit Hilfe amtlicher Verfehlungen durch seine falsche Darstellung die Anklage gegen die Witwe Hamm verschuldet habe. Der Polizeirat Braun babe seinerzeit die Berichte des Privatklägers entgegengenommen, ohne die Vergangenheit detz letzteren zu kennen. Herr V. Tresckow sei Schrcibmaschincnhändler in Düsseldorf gewesen und habe soviel Schulden gemacht, datz er sich nicht mehr habe retten können und zahlreiche Zwangsvollstreckungen gegen ihn vorgenommen ioerden mutzten. Er sei dann auS Düsseldorf verschwunden, nachdem er zur Leistung des OffcnbarnngScidcs geladen worden sei. Er sei dann plötzlich in Berlin als Kriminalkommissar wieder ausgetaucht; seine Anstellung sei erfolgt, nachdem er der Behörde wahrhcitSwidrig gesagt babe. datz er in geordneten Verhältnissen lebe, während er tat- sächlich mehr als 5000 M. Schulden gehabt habe. Als ein Glau- bigcr aus Düsseldorf ihn ausfindig gemacht hatte und Zahlung im Polizeipräsidium von ihm forderte, habe der Privatkläger zunächst seine Identität geleugnet, dann aber diesen Betrag nach und nach bezahlt. Auch andere Gläubiger hätten ihn, nachdem sie seine Identität festgestellt hatten, nach und noch bedrängt. Als einige Zeitungen seine jetzige Tätigkeit als Privatdetektiv angegriffen, habe er versucht, sie durch Herausbringung einstweiliger Vcr- füguilgcn und eidesstattlicher Versicherungen mundtot zu machen. Der Privatkläger habe nicht in der üblichen Weise seinen Wschied genommen, sondern er habe unter Veezichtlcistung auf die ihm aus seineb Beamtenstellung zustehenden Rechte auf den Dienst ver- zichict und auf diese Weise ein Disziplinarverfahren vermieden. Dr. Wcrthaucr bezeichnete es als ein Märchen, wenn die Gegen- Partei behaupte, das Wiederaufnahmeverfahren in der Sache Hamm sei abgelehnt worden. Nach der Veröffentlichung des Gutachtens des Polizeirats Braun sei die Staatsanwaltschaft in Elberfeld selbst auf die Nachprüfung der Angelegenheit gekonunen und habe neue Ermittelungen angestellt. Diese hätten schon dahin geführt, datz gegen zwei der Tat verdächtige Personen ein Verfahren eingeleitet worden sei. Von anderer Seite sei gesagt worden: mau sollte doch nicht bis zum Abschlutz dieser Ermittelungen warten und dafür sorgen, datz die bedauernswerte Iran Hamm nicht einen Tag zn lange unschuldig im Zuchthause schmachten müsse. AuS diesem Grunde liabe der Verteidiger den Wiedcraufnahmeantrag gestellt. Der Verteidiger beantragte schliesslich, den Redakteur Rose von der „Vosssschen Zeitung" und einen Redakteur der„Staatsbürger-Zei- tung" darüber zu vernehmen,>dass der Privatkläger sich demüht habe, diese Zeugen in dein Sinne zn beeinflussen, dass Herr Braun ein alter Mann sei, auf dessen Ansicht nicht viel zn geben sei.— Nach längerem Hin und Her bcschloss das Gericht: die Sache zn vertagen und die Ergebnisse des Ermittelungsversahrcns und des Wiedcraufnabmevcrfahrcns abzuwarten. Ferner sollen die-Per- sonal- und Disziplinaraktcn des Privatklägers herangezogen und die beiden Redakteure der„Bossischen Zeitung" und der„Staats- bürgcr-Zcitung" darüber vernommen werden, ob der Privatklägcr ihnen Material gegen Braun gegeben hat. Weiße Sklavenhändler. Beiträge zum Haltekindcrwesen lieferte eine Verhandlung, welche gestern mehrere Stunden lang die 2. Strafkammer des Land- gerichts II unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirettors Jacob be- schästigte. Wegen fortgesetzten Betruges war der Kaufmann Willi Hodam angeklagt.— Die Beweisaufnahme warf grelle Schlaglichter auf das Schicksal unehelicher Kinder, auf das gcmcingesähr- liche Treiben gewisser Leute, die nicht umsonst mit der Bezeichnung „weiße Sklavenhändler" belegt werden. Als Zeugen Waren 25 Frauen aus den ärmsten Volksschichten geladen, denen man es ansah, datz Hunger und Not bei ihnen keine seltenen Gäste waren. Diese Frauen hatten es fertig gebracht, ihre letzten Groschen zu- sammenzuscharren, vielfach auch sich erst das nötige Geld zusammen- znborgen, um in der Lage zu sein, ein Pflegekind annehmen zu können, welches dann später mit ihnen hungern sollte.— Wie die Verhandlung ergab, hatte der eingeklagte in folgender Weise ope- riert: Er erliess Inserate folgenden Inhalts:„Herzenswunsch. Ehepaar nimmt Kind als eigen an. Lagcrkartc 58. Postamt 59." Auf diese Weise erhielt er Kenntnis von den Namen von unehc- lichcn Müttern, meist Dienstmädchen und Fabrikarbeiterinnen, die ihr Kind vergeben wollten. Sodann erliess er ein Inserat:„Pflege- ktnd gibt Mädchen, 85 M. Lagerkarte 67. Postamt 50", auf welches sich dann die jetzt als Zeuginnen auftretenden Frauen meldeten. Diese erhielten dann von dem Angeklagten eine Postkarte folgenden Inhalts:„Sehr geehrte Frau! Antwortlich Ihres Schreibens bin ich bereit, Ihnen Adressen von Damen, die ihr Kind in Pflege geben wollen, nachzuweisen. Falls Sie in der Lage sind,«in Kind sofort in Pflege zu nehmen, bitte ich Sie um Ihren sofortigen Bc- such. Frau Anna Hodam, Hebamme a. D. i. V. W. Hodam." Diesem Schreiben loar gleichzeitig eine Reklame der ehemaligen Hebamme Hodam, der Mutter des Angeklagten, die s. Z. eine Ge- fängnisstrafe wegen Verbrechens gegen das keimende Leben in Breslau erbütztc, beigefügt, in der sie ans eine von ihr vertriebene Frauendouche„Stella" hinwies. Hierdurch wurden die Frauen in den Glauben versetzt, als habe eine Hebamme, wie dies häufig vorkommt, ein uneheliches Kind zu vergeben. Wenn sie dann zu dem Angeklagten kamen, so liess sie dieser ein Schriftstück unter- schreiben, welches sie, wie viele ihres Bildungsgrade»«s leider tun, gar nicht erst durchlasen. In diesem Zettel verpflichtete sich der Angeklagte allerdings zmr, ihnen binnen 6 Wochen 89 Adressen von„Damen" die ihre Kinder in Pflege geben wollen, mitzn- teilen, während die Frauen, da der Angeklagte wiederholt von 85 M. Pflegegeld sprach, des Glaubens waren, dass sie sofort ein Kind, für welches Pflegegeld gezahlt werde, erhalten würden. Nachdem der Angeklagte den Frauen hierfür 6 M. abgenommen hatte, war für ihn die Sache erledigt. Die Frauen erhielten zwar eine Anzahl Adressen, erfuhren aber in den v o'iVn Fällen, daß die betreffenden unehelichen Mütter ihre Kinder verschenken oder nur ein ganz geringes Pflegegeld zahlen wollten. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen dieser Bc- trügcreien zu 3 Monate Gefängnis verurteilt. Auf die von ihm eingelegte Berufung mutzte sich die Strafkammer nochmals mit dieser Sache beschäftigen. Staatsanwalt Assessor Roß bedauerte, dass nicht auch von dem Amtsantvalt Berufung eingelegt worden sei, da er dann in der Lage wäre, eine erheblich höhere Strafe zu beantragen. Das Gericht kam zu einer Verwerfung der Berufung auf Kosten des Llngeklagten. 1 Inveniur-Verkauf der alien Stiller- Firma! 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Tagesordnung: Di« Lahn- und Arbeitsverhältnisse in der Branche.— Lcrbandsangelcgen- heilen.— Verschiedenes. Billetts zur Theater-Vorstellung am l. Februar sind noch aus allen Zablftcllcn, beim Gastwirt Plpetvv, im Zigarrengcschäst von Itaumaiiii, Rungestr. 30, und im Bureau zu haben. 62112* Die crtsverwaltung. flcMuna! Brauereiarbeiter! Sonntag, den 1. Februar, vormittags II � Uhr im Lokal Neue Welt,.Hasenheide 108 II�I(großer Saal) kklftiuiq! Allgemeine Sranereiarbeiter- Versammlung. Tagesordnung: Bericht der Lohnkommission. Zu dieser Versatnmlung sind sämtliche in den Lagerbierbrauereien, Mälzereien, Malzbierbrauereien und Bierineder- lagen in Berlin und Umgegend"beschäftigten und den unterzeichneten Organisationen angehörenden Arbeitnehmer eingeladen. als da sind: Brauer. Hilfsarbeiter, Böttcher und deren Hilfsarbeiter, gtaschenkellerarbeiter, Hilfsarbeiter, Maschinen- und Kesselpersonal und Hilfsarbeiter, Handwerker und deren Hilfsarbeiter, Verschiedene, Fahrer, Mitfahrer, Reservefahrcr. Lastchauffeure, Bremser und Stallcute![43/5 == Kollegen! Erscheint in Massen in dieser wichtigen Versammlung! Kollegen! Wir richten an Euch daS dringende Ersuchen, oünktlich zu erscheinen, da der Saal um 1lß Uhr geräumt werden mich und die Polizeibehörde unter keinen Umständen die Abhaltung dieser Versammlung am Vormittag gestattet. vis Einberufer: Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter. Deutscher Transportarbeiterverband. Verband der Maschinisten und Heizer. Deutscher Metaiiarbeiterverband, Verband der Böttcher. Deutscher Holzarbeiterverband. Verband der Maler und Lackierer. Verband der Kupferschmiede. Verband der Sattler. Allgemeiner Deutscher Qärtnerverein. --------,-- Ortsverwaltungen Berlin.--------= Theater und Vergnügungen L o n n ab c n d, 3l. Januar lOU. Anfang 3'/3 Uhr. Sefiing. Ter ürDföiffcr. Deutsches Küiiftlcr Theater. Peterchms Mondfahrt. Schiller-�Eharlottenburg. Zopf und Schwer!. Anfang 4 II Hr. Theater am Nollciidorfplali. Die Schiffbrüchigen. Lutfe«. Prinz Heldenmut. Rose. Die sieben Raben. Anfang 4'/, Uhr. ttlciiics. Kainmerkunstspicle. Anfang S Uhr. Eines Palast am Zoo. Variete- Lichtspiele. Anfang 6'/, Uhr. EinesNolleudorf-TheaterVanete- Lichtfpiele. Anfang 7". Ilbr. lLpcrnhaus. OavaUeria i-usticana. Bajazzi. «gl. Schauspielhaus. Der Schlag- baimi. Deutsches. König Lear. KonigqräNcr Straffe. König Richard' Iis. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Ansang 7" Uhr. BHetrapol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Aniang 8 Ubr. Urania. Winter in der Schweiz. LlM Hörsaal: Pros. Dr. Donath: Bon der Ausbreitung der Licht- wellen. SefHng. Pygmalion. «ammerspiele. Wetterleuchten. Deutsches Opernhaus. Mandra- gola. Deutsches Künstler- Theater. Der Bogen des Odysseus. «omödicnhaus. Kammermusik. Theater a» der BSeidcndammer Brürke. Wer zuletzt lacht. Theater am NollendorfplaN. Prinzesi Greil. Luftipieldaus. Die spanische Fliege- Wkontis Operetten. Die verbolcnc Stadt. Schiller O. Maria ehmii. Schiller Gharlottendurg. Die beiden Lconoren.. Theater des Westens. Volcnblut. Berliner. Wie einst im Mai. «leine». Fcltchen Gebert. Triano». Anatoles Hochzeit. Thalia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelmstädtischcs. Fräulein Trallala. Rose. Berlin, wie es weint und lacht. tiasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Reichshallen. Steltiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Slolz der 3. Rom- pagnie. Aniang 8'/, Ubr. Tuiieu. Deines Bruders Weib. Walhalla. Tangosiebcr. Folies Eaprice. Caso PringSheirn. HeiratSgras. Mehersteins. Lai.ang S'l, Ubr. Reue« Bolkstheater. Der Kaiser- jäqer. ?l>isang S Ubr. AdmiralSpalaft. Die luitigePuppe. Berliner Eispalast. Eissport. EinesStollcndorf-Thcater.Barieis- Lichtspiele. Sternwarte, Lnvaiidetisir. b7— 62 Sehiüer-Thealer O.IS: Sonnabend, abends 8 Uhr: TIaria Stuart. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt. Montag, abends 8 Uhr: ___ Weyers. Sehiller-Theater Sonnabend, nachmittags o'l, Uhr: JlEopf nnd Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: I»Ie beiden I./, Uhr: Letztes Auftreten des Autokönigs Klarlno sowie der großen Jännar-Allraft. Zum Schluß: „Pompeji". Orlg. Ausstatlungs-Pantomime des Zirkus Busch in 5 gsänz. Akten. Voranzeige! Sonntagnachinittag 3'/, Ubr, 1 Kind unter 10 Jahren frei. 2 Kiiidrrburlesken CasinosTheater Loi hringcr Straffe 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Volksstück:. Die olle Weber». Ur-Berl. Figuren, Ur-Birl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner-Biihne. Sonnt. 4 U.: Geheimnisse v. New York. idmirais-Paiasl. Heute Tanz-Turnier 1914 18 große Preise für Aiuatenrtänzcrpaarc Greation des gesellschaftlichen Einheits-Tangos. Die Jury besteht aus Damen und Herren der Gcfcllschast, Künstlern und Bcrtins bc- kann testen Tanzlehrern. Eintrittskarten im Voroerkaus und an der Abendkasse iß M-, �����Zuschaucr»�!���� oveo» Vvrgiiüguugs- Pulset »ES- der liiiMiO Potsdamer Str. 72 SSIÄ Täglich: Im Hafen von New York. 3 Kapellen. 8 Attraktionen. Eintritt SO Pf. Anfang TV-Uhr, Sonnt. 5 Uhr. I-—— Berliner----- nmor-ftmirtett W. Watzky'qtOderbergerStr.se Fat Den FnUott Der I» ernte übernimmt die Otcsoftiou dem DubUtum gegenüber tewerlct B> ranewxrenn, 6 Kapellen. 30 bayrische Mad' Neue Welt Bockbierfest in den bayerischen Alpen Anfang 7 Ihr. Kntree 30 Pf. Dxraiitworiliche; Redakteur: älfttfe Wiclepp» ZkeuM», gut ie» LnftratenkÄ vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:Lorwärt» Kuchdruckerci g. Lerlagsanstalt Paul. Singer& to.t Berlin S\N. / Dr. 30. 31 Jahrgang. 2. Ötilnjc des Jotmirts" Kcrl« Zonnabend. 31. Januar Seörohung unehelicher Mütter mit Arbeitshaus. Die Arbeitshausandrohung wird von Armenverwaltun- gen eifrig dazu benutzt, auf Unterhaltungspflichtige einen Druck auszuüben und Zahlungen aus ihnen herauszupressen. Das söge- nannte„Arbeitsscheuengesetz" von 1912, das dieses Verfahren er- moglicht,„bewährt" sich als ein für die Gemeinten sehr bequemes Mittel zur Erleichterung ihrer Armenlasten. Auch Charlotten- bürg gehört zu den Gemeinden, deren Armenverwalwngen die Waffe der Arbeitshausandrohung zu gebrauchen wissen. Wie hart dabei zuweilen Verfahren wird, zeigt der folgende Fall. Mit Unterbringung in einem Arbeitshaus bedrohte die Armen- direktion Charlottenburgs ein Hausmädchen K., das vor mehreren Monaten im Charlottenburger Krankenhause an der Kirchstrahe ein uneheliches Kind gebar und es zunächst der Armenpflege hat zur Last fallen lassen müssen. Frl. K. hatte bisher für das Kind, das bei den Eltern des Erzeugers auf Kosten der Armenpflege untergebracht ist, noch nichts zu zahlen vermocht. Sie meint, auch jetzt nicht den hohen Betrag zahlen zu können, den die Armen- direktion ihr abfordert. Schon längere Zeit vor ihrer Entbindung war sie, wie sich denken läht, stellungslos geworden, so dah sie Schulden machen mutzte. In den letzten vier Wochen befand sie sich als Hausschwangere schon in der Gebärabteilung des Kranken- Hauses, das ihr so zu einer erwünschten Zufluchtsstätte wurde. Nach der Entbindung blieb sie noch einige Wochen stellungslos, dann aber ging sie aufs neue in Dienst, und sie ist seitdem bemüht gewesen, wieder in die Höhe zu kommen. Jetzt soll sie, obwohl ihr Lohn in bar nur 23 M. pro Monat beträgt, für das Kind monatlich 15 M. an die Stadt zahlen. Die Armendirektion hat ihr das mitgeteilt in einem Schreiben, das zum Schlutz droht: „Sollten Sie dieser Aufforderung nicht Folge leisten, so wer- den wir Ihre Unterbringung in einem Arbeits- hause in Erwägung ziehen. Man lvird hier fragen, was denn getan worden ist, um den doch in erster Linie Unterhaltungspflichtigen Vater des Kindes zur Erfüllung seiner Pflicht anzuhalten. Charlottenburg hat eine Bcrufsvormundschaft, die für uneheliche Kinder gegen ihre Väter den Anspruch auf Unterhalt durchfechten soll. Gegenüber dem Vater des Kindes, um das es sich hier handelt, scheint die Berufsvormund- schaft bisher.nichts von Belang erreicht zu haben. Er ist Arbeiter, wohnt in der Provinz, hat Stellung, bezieht aber wohl keinen sehr hohen Lohn. Weniger als das Mädchen wird er allerdings nicht haben, so datz nicht einzusehen ist, warum die Mutter des Kindes durch Einforderung eines so beträchtlichen Teiles ihres Lohnes drangsaliert werden soll. Von dem Vater ihres Kindes hat sie selber bisher keine direkte Unterstützung erhalten, und nach der Angabe, die ihr im Bureau der Berufsvormundschast gemacht wurde, hätte er auch an die Stadt bisher nichts gezahlt. Berufs- Vormundschaft und Armendirektion scheinen da jede auf eigene Faust zu handeln und sich wenig um einander zu kümmern. Die Armendirektion hält sich an die Mutter, wie wenn kein Vater vorha.nden wäre. Mit der ArbeitShauSan- drohung aber, durch die sie auf die Mutter einwirken will, hat der Berufsvormund— so erklärte er ihr—„nichts zu tun". Soll es üblich werden� datz fortan überall die Armenverwal» tungen der Gemeinden die Mütter unehelicher Kinder bei Zahlungs- Weigerung der Väter in dieser Weise bedrängen? Bisher gelangte so manche unverehelichte Mutter zu der unseligen Tat des Kindes- mordes, weil sie keine Unterhaltungsmöglichkcit für ihr 5stnd sah oder sie seber durch das Kind in ihrer Crwerbstätigkeit behindert wurde. Leicht könnte in Zukunft eine unverehelichte Mutter zur Berzweifelung getrieben werden durch daZ Vorgehen einer Armen- Verwaltung, die von ihr die Unterhaltungsmittel für ihr Kind durch Androhung von ArbeitShaus-überweisung herauszudrücken sucht. Parteiangelegenheiten. Zur Lokalliste. Im 3. Kreise wird der organisierten Arbeiterschaft das Lokal „Zum Schultheitz", Neue Jakobstr. 25 zu Versammlungen verweigert: wir ersuchen deshalb das Lokal streng zu meiden. Im-t. Kreise ist das Lokal Oranien-Festsäle, Oranienstr. 179, von der Lokalliste zu streschen. und als gesperrt zu betrachten. In Hohcu-Ncilendorf N.-B. steht uns das Lokal von Haber- mann. Florastr. 18 zu den bekaiiiilcn Bedingungen zur Verfügung. In Fichtenau hatl das Lokal„Gesellswatlshaus" seinen Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber. Herr Neumann, stellt uns sein Lokal ebenfalls zur Verfügung. Die Lokakommission. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 8. Februar, abends 8>/« Uhr sindel in den Arminhallen. Kommandantenstr. 58 59 eine öffentliche Beisammlnng statt. Vortrag des Schnslstellers Genossen Goldberg über: Frauen und Mädchen in der russischen Revolulton. Rege Beteiligung besonders der Frauen wird erwartet. Die Krcisgencralversammlung des Zcntralwahlvereins für Teltow-Beeskow-Storkolv-Charlottenburg findet am Sonntag, den 1. Februar, vormittags 9 Uhr. in den Jndustrie-Fest- sälcn, Berlin SW, Beuthstr. 20(großer Saal), statt. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Die Landarbeiterfrage im Kreise. Referent: Genosse Georg Schmidt. 3. Beratung und Beschlußfassung der eingereichten Anträge. Zutritt zu der Generalversammlung haben nur die mit Mandaten versehenen Delegierten. Als Gäste haben Zutritt Parteigenossen, die sich durch ihr Mitgliedsbuch legitimieren können. Der Kreisvor'stand. Friedenau. Morgen Sonntagvormiltag von den Bezirkslokalen aus: Wichtige Ftugblaliverbteitung. Steglitz. Morgen Sonntag, vormittags 8 Uhr. von allen Bezirks- lokalen aus Flugblattverbreitung. A Mershof. Dienstag, den 3. Februar, abends 8' z Uhr. im Lokale d-S Herr» Lehmgrübner. Bismarckstr. 2: Oeffentliche Ge- meindewäblerversammlung. Tagesordnung: Ans zur Gemeindewahl I Referent: ReichslagSabgeordneter Genosse Fritz Zubeil. Groß-Bcften. Am Sonntag, den 1. Februar, nachmittags 2V, Uhr, im Lokal von Behrendt in Zeesen Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Röntgental, Zepernick, Buch. Die Parteigenossen werden ersucht, sich vollzählig an der heute Sonnabend in Bernau stattfindenden Proiestversammlung zu beteiligen. Abfahrt von Röntgental abends &3B Uhr. I öerliner Nachrichten. Generalversammlung der Ffreien Volksbühne. Die Generalversammlung gab am Donnerstagabend mit er- fraulicher Einmütixsteit ihre Zustimmung zu einem neuen Kar- tellvertrag mit der„Neuen Freien Volksbühn e". Neue Straßenbahnvcrbindungen. Am 1. Februar tritt aus der Linie O(Friedenau, Südwestkorso— Kupfergraben) ein neuer Fahrplan in Kraft, nach dem der Betrieb dieser Linie nicht mehr wie bisher von dem Stratzenbahnhof in der Westfälischen Straße, sondern teils von dem Stratzenibahnhof in der Bclziger Straße in Schöneberg und teils von dem neuerk Stratzenbahnhof in Lichter- i felde aus erfolgt. Es tritt damit namentlich für die südlichen ' Vororte Friedenau, Steglitz und Lichterfelde eine Verbesserung ein, Durch diesen Beschlutz ist ein bedeutsamer Schritt zur Schaffung indem die Linie künftig im Früh- und Spätverkehr beim Ein einer einheitlichen Bildungsorganisati-on getan, wie sie in gleichem und Aussetzen der Wagen von und nach Lichterfelde diesen Vor Umfange sonst nirgends besteht. Nachstehend geben wir den Bericht über diese wichtige Ver- sammlung. Einleitend besprach Dr. Conrad Schmidt die bekannten Polizeiaktionen gegen die Karfreitagsaufführungen in der„Neuen Welt" und gegen die Aufführung des Rosenowschen Dramas„Die im Schatten leben". Er legte der Versammlung eine Resolution vor, die begeistert aufgenommen wurde und folgenden Wortlaut hat: „Die Generalversammlung der„Freien Volksbühne" nimmt davon Akt, daß die Weisheit des LMrvenoaltungsgerichts die öffentliche Aufführung des Rosenowschen Stückes„Die im Schatten leben" vor den Arbeitern Berlins unmöglich gemacht hat, während dieses für Berlin verbotene Stück vor der Arbeiter- schaft von Frankfurt a. M und anderer deutschen Städte gespielt worden ist und gespielt werden wird. Sie stellt fest, daß die Lektüre und öffentliche Vorlesung des verfehmten Dramas selbst in Preußen nicht verboten werden kann, und sie erneuert ihren Protest gegen die Zensur und ihre sinnlose Anwendung." Der Redner gab dann noch einen kurzen Ueberblick über die umfangreiche künstlerische Tätigkeit, wie auch über die erfreuliche Weiterentwickelung des Vereins und des durch das Kartell der Volksbühnen besonders geförderten Volkschors. Den Kassenbericht erstattete der Geschäftsführer, Genosse W i n k l e r. Daraus ist zu entnehmen, datz in der Zeit vom 1. Oi- tober bis 31. Dezember 1913 die Einnahmen 112 932,96 M., die Ausgaben 89 599,37 M. betrugen, so datz ein Bestand von 31 433,59 Mark verblieb. Das sind zirka 19999 M. mehr als im entsprechen- den Vierteljahr des Vorjahres. In der Debatte über den Geschäftsbericht kamen vornehmlich die bäufigen Kürzungen der Stücke in den Sonntagsnachmittags- Vorstellungen zur Sprache. Geschäftsführer Winkler gab darüber folgende allgemein interessierende Aufklärung: Diese Kürzungen werden künftig möglicherweise allgemein werden, denn sie seien auf eine polizeiliche Verfügung zurückzuführen, die den Theater- leitungen die Verpflichtung auferlegt, zwischen Schlutz der Nachmittagsvorstellung und der Kassenöffnung zur Abendvorstellung eine Lüftungspausc von zwei Stunden einzuschalten. Hierauf nahm Genosse Robert Schmidt das Wort zur Darlegung und Begründung des neuen Kartellvertrags. Er führte etlva aus: Durch den vor% Jahren abgeschlossenen Kartellvertrag haben sich die Gegensätze zwischen beiden Vereinen immer weiter ausgeglichen, so datz bereits jetzt ein Schritt weiter zum engeren Zusammenschluß getan werden könnte. Die Vorteile seien unverkennbar. Dadurch würde an Kosten gespart: die Aus- wähl des Repertoirs könne eine freiere sein und vieles andere mehr. Sämtliche Schwierigkeiten seien jedoch noch nicht beseitigt. Das liege jedoch nicht am Willen der Vereine, sondern in den Umständen. Die Aenderungen bestehen darin, daß beide Volksbühnen eine Be- triebsgemeinschaft bilden. Die Kassengeschäfte sollen zusammen. gelegt und ein gemeinsames Betriebsbureau im neuen Theater am Bülowplatz errichtet werden. Für die Gewinn- bzw. Verlust- Verteilung wird die Mitgliederzahl zugrunde gelegt. Die Ver- waltung des Verbandes wird paritätisch von beiden Vor- ständen geführt. Die Mitglieder können künftig in jeder beliebigen Zahlstelle Beiträge entrichten. Diese Möglichkeit habe der Polizei- Präsident geschaffen, indem er der„Freien Volksbühne" den ge- schlossenen Vereinscharakter absprach. Allerdings sei für die Mit- glieder der„Freien Volksbühne" ein finanzielles Opfer nötig, das aber im Hinblick auf die bedeutsamen Aufgaben, die des neu- geschaffenen„Verbandes freier Volksbühnen" harren, gern gebracht werden könne. Es werden in Zukunft von den Mitgliedern beider Vereine gleichmäßig erhoben: ein Einfchreibegeld von 1,79 M. für Ncueintretende und am Schlutz jeden Theaterjahres ein Extra- beitrag von 9,69 M. zur Bestreitung der Verwaltungskosten. Der Vorstellungsbeitcag von 1,19 M. resp. 1,39 M. für Oper oder Operette bleibt unverändert. Di« gemeinsame Monatsschrift wird künftig regelmäßig neunmal im Jahr erscheinen, inhaltlich und im Umfange ausgebaut und den Mitgliedern durch die Post zugestellt werden. In der Diskussion wurden nur ganz wenige Stimmen laut, die forderten man solle erst den Ablauf des bestehenden, auf drei Jahre geschlossenen Vertrags abwarten. Daraufhin fand der neue Verlrag in dem Genossen Adolf Hoffmann und dem Ver- sammlungsleiter Vaake warme Befürworter. Letzterer ftihrte etwa aus: Der neue Kartcllvertrag stelle wohl das End« von mancherlei Vereinsmeierei dar, aber auch den Anfang einer ge» waltigen, wirklich freien Organisation von Konsumenten, deren Be- dcutung erhöht werde dadurch, datz ihr ein prächtiges Theater, von allen Privatinteressen befreit, zur Verfügung stehe. Zur Durch- führung dieser idealen Aufgabe sei aber das gemeinsame Arbeiten beider Vereine nötig. Der Zusammenschluß sei die beste Antwort auf die polizeilichen Schikanierungen. Darauf wurde jet Kartell. vertrag fast eim'timmig angenommen. Die Folge dieses Beschlusses war auch eine entsprechende Aenderung der Satzungen der„Freien Volksbühne". Ein Entwurf lag gedruckt vor und wurde en bloc angenommen. Der Untergrnndbahnhof„Wedding" der städtischen Nord- Südbahn, für welchen, wegen der Anschlutzmöglichkeit nach Reinickendorf, ein neuer Plan aufgestellt und öffent- lich ausgelegt worden ist, liegt in der Müllerstraße zwischen Schulzendorfer und Seller-Straße, woselbst der südliche Zu- gang angeordnet ist: der nördliche liegt nach der Reinicken- dorfer Straße zu. Der Bahnhof erhält einen Mittelbahnstcig, die Anschlußgleise nach Reinickendorf werden sich östlich neben die Hauptgleise der Nord-Slldbahn legen, sodaß ein direkter Uebergang von der einen zur anderen Bahn von vornherein ausgeschlossen ist. Für die nach und von Reinickendorf ver- kehrenden Züge ist ein getrennter Bahnhofstunnel unter der Reinickendorfer Straße vorgesehen, welcher nur einen direkten Zugang, und zwar von der Talldorfer bzw. Fenn-Straße her,! sammen. erhalten soll. Ein unterirdischer Gang verbindet die beiden und mehrere. Stationen. Die Schrnuckanlagen der Donkeskirche bleiben Budapest— Szent-Lorincs stießen in der Nähe von Kispest zwei orten zugute kommt und die Linien ö, J und W in der Verkehrsaufnahme unterstützt werden.— Ferner ist in Aussicht genommen, die Linie Z demnächst vom Mirbachplatz in Wcitzensce durch die Schönstratze bis zur Rennbahnstrahe(an der Parkstratze) weiter- zuführen.'_ Die Balkan- Schwindler. Zu der unter obiger Spitzmarke veröffentlichten Notiz teilt unZ der Verband der Gastwirtsgehilfen mit, datz die genannten Personen gestern auch das Vcrbandsbureau im Verbandshaus, Große Hain- burger Straße beehrten. Infolge ihres aufdringlichen Wesens' hatten sie aber kein Glück, sie wurden abgewiesen. Kurze Zeit nach ihrem Fortgang wurde die Entdeckung gemacht, daß von einer Bureaulür die mit Reißnägeln befestigte Geschäflskarte mit dem Aufdruck:„Ber- band der Gastwirtsgehilfen" gewaltsam entfernt worden war. Ver- mutlich haben die Genannten die Karte an sich genommen zu dein Zweck, irgendwelchen Unfug damit zu treiben. Bei eventueller Vor- zeigung wird ersucht, den Leuten die Karte abzunehmen. Ei» internationaler Hochstapler ist in Leipzig in der Person des Kaufmanns Wilhelm Just festgenommen worden. Der Mann besaß eine außergewöhnliche Intelligenz, er eignete sich mehrere fremde Sprachen an und verüble in vielen Städten umfangreiche Schwindeleien unter dem Vorgeben, ein Graf zu sein, während er der Sohn eines Fabrikarbeiters war. Auch auf den Heiratsichwindel verstand sich der Herr Graf. Mau ilimmt an, datz er auch in Berlin solche Schwindeleien begangen hat. Zu dem Lcichcnfund an der Möckernbrückc wird uns mitgeteilt, datz die Obduktion des zerstückelten Körpers, die gestern nachmittag im Schauhause stattfand, keine bestimmte Todesursache ergeben hat. Die völlige Zerreißung der inneren Organe, sowie die zerschmetter- ten Rippen, die alle unblutig, also nach dem Tode gebrochen worden sind, lassen darauf schließen, datz sie entweder von Schiffsschrauben herrühren oder auf starken Eisgang zurückzuführen sind. Zur Fest- stellung der Persönlichkeit des Toten, die bisher noch nicht erfolgen konnte, dient hauptsächlich die etwa 8 Zentimeter lange Narbe, die von einer Operation infolge Nicreneiterung herrührt. Das Wohnungs- und Beköstigungselend der Ledigen'behandelt der Reichstagsabgeordnete Genosse Peus in einer am Dienstag, den 3. Februar 1914, abends 8i4 Uhr, in den„Sophienfälen", Sophienstr. 17/18, stattfindenden öffentlichen Versammlung. Arbciter-Bildungsschulc, Grenadierstr. 37. Morgen Sonntag, den I.Februar, abends 7 Uhr: Lichtbilder-Vortrag von Frau Dr. Liebknecht über Micke! Angelo. Eintritt für Mit- glieder gegen Vorzeigung des MitgliedsbuckeS frei, Gäste 29 Pf. Kleine Nachrichten. 12 999 M. bares Geld erbeuteten Beldsckrank» einbrechet in der vergangenen Nacht in der Greifswalder Str. 5.— Im weißen Kleid vergiftet hat sich eine 22 Jahre alle Frau aus der Gubener Straße.__ Ms aller Welt. Ichiffskatastrophen auf hoher See. Nach einer Meldung aus Norfolk im Staate Vir- ginien ist Freitag früh auf der Höhe von Hog Island der Dampfer„M o n r o e" mit dem Dampfer„Nantuckct" zusammengestoßen.. Der Dampfer„Monroe" erlitt so schwere Beschädigungen, daß er bald darauf sank. Der„Nantucket" rettete von dem sinkenden Schisse 86 Personen, 31 Passagiere und 55 Mann der Besatzung. 23 Passagiere und 24 Mann der Besatzung sind ertrunken. ** * Ueber ein anderes schweres Sckiffsunglück wird au? OueenStown aus Neuseeland gemeldet: Die Liverpooler Barl„Battle Abbey" ist auf der Fahrt von Newcastle in Neu-Südwales nach Vancouver durch Feuer vernichtet worden. Der Kapitän, seine Frau. seine beiden Kinder und die 14 Mann starke Besatzung wurden durch die Hamburger Bark„Eilbek" gerettet und nach Astoria in Oregon gebracht. Nach der Aussage des Kapitäns war das Feuer, als er das Schiff verließ, bereit« so weit vor« geschritten, datz die Eisenteile rotglühend wurden. Die aus Kohlen bestehende Fracht entwickelte Gase, so datz man eine Explofion be« fürchten mutzte. Zwei Rettungsboote wurden beim Herablass»» zertrümmert, erst den, letzten übrig gebliebenen Boote gelang eS, unversehrt abzukommen. Drei Tage und zwei Nächte lang war das Boot auf hoher See einem schweren Sturm ausgesetzt, der ti zu vernichten drohte, bis seine Insassen schließlich von der„Eilbek" ausgenommen wurden. Als die„Battle Abbeh' zuletzt gesehen wurde, war sie vom Bug bis zum Heck in Rauch und Flammen gehüllt. Ueberfchwemmungen in Südamerika. Telegramme aus dem Staate B a h i a melden, datz die Städt« Cannavieras. San Felix, Cachoeira und viele andere Ortschaften überschwemmt sind, da die Flüsse Hochwasser führen. Die Häuser seien unterwühlt, die Verbindungen unter« brachen. Zweitausend Menschen würden vermißt, der Sachschaden sei überaus groß. Auch aus verschiedenen Orten von Pernambuco kommen Ueberschwemmungsmeldungen. In die gefährdeten Gebiete sind Hilfsexpeditione» entsandt worden. Kleine Notizen. Ein Zug entgleist. Auf der bayerischen Lokakbahnstreckr Hak— Marxgrün entgleiste Freitagmittag bei der Station Köditz die Lokomotive und zwei Personenwagen eines Zuges und st ü r z t e n um. Während der Lokomotivführer rechtzeitig abspringen konnte und so unverletzt blieb, wurde der Heizer schwer verletzt. Außerdem sind fünfzehn Passagiere verletzt worden, davon mehrere schwer. Zugzusammenstößc. Freitag früh stießen auf der Elsenbahnstrecke Stettin— Finkenwalde zwei Güterzüge zusammen, wobei die eine Lokomotive und elf Güterwagen e n t g l e i st e n. Sechs Wagen wurden vollständig zertrümmert. Zehn Personen des Fahrpersonals erlitten Verletzungen.— Bei Johnstown in Pennsylvanien stieß Donnerstag nacht ein Pullman-Expreßzug mit einem Güterzug zu- Drei Personen wurden getötet, drei schwer leicht verletzt.— Auf der elektrischen Kleinbahn vom Bahnbau völlig unberührt. An der Ecke der Müller- und Fennstraße ist ein elektrisches Unterwerk zur Speisung der Arbeitsleitung der Nordstrecke geplant. Da Einsprüche gegen diese Pläne nicht erhoben worden find, dürften die Anlogen toohl in der geschilderten Form die Ge- aehmigung der Aufsichtsbehörde» finde». Züge zusammen. Bon den Fahrgästen wurden fünf mehr oder weniger schwer verletzt. Grubenunglück. Wie au» Bre«la» gemeldet wird, ist in der Nacht zum Freitag auf der Schlefiengrube die bei der Abteufung eine? Schachtes benutzte Bühne durch herabstürzendes Gestein zer« trümmert worden. Hierbei wurde« zwei W au» getötet iwt >drei leicht verletzt. Sentafam# einer n-Mchen Post. In R o st o w-an Da» find bei der Beförderung der Post vom Bahnhof zum Postamt 100200 Rubel geraubt worden. Der die Post begleitende Beamte ist verhaftet worden. Fleischvergiftungen in einem französischen Regiment. Im 33. französischen Jnfanterie-Negiment sind zahlreiche Relruten nach dem Genug verdorbenen Fleisches crkrantt. Sriefkaftea öer Redaktion. V- pflichtig ». 1887. Sie — M. 06. au de» Antrag gebunden, also zahlungs. zum t. April aoendZ. 2. An beide.— _ midt. Gropiusftr. Eme Rentenentziehung findet nur dann statt, wenn bei der ärztlichen Untersuchung sestgcfteV wird, daß Invalidität nicht mehr vorliegt. Falls die Bersichcrungsanstall Kenntnis von der jetzigen Tätigkeit erlangt, kSnnte dies Anlaß geben zur Wnleitung eines Renten- cntziehungSversahrenS..__ Fretreltgiöte Gemeinde. Sonntag, .. t-H! Bappel-Allee 13/17; Neulölln,.Jdealpaffage'; Tegel, Bahnhositr. 15, und Ober-Schöneweide, Klarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags -bruar, vormittags S Uhr, 11. Uhr, Kleine Franlsurter Straße- Sr Borrrag von Herrn E. Säumig: .Aus der Geschichte der evangelischen Landeskirche".— Damen und Herren als Gäste willkommen. » VemMngstfellg Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Montag» den 58. Februar, abends S'/a Uhr, im Vcreins- haus, Schöneberg, Hauptstr. 5: Bezirks-Versammlung für Westen und Schöneberg. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahl der BczirIZIcitmig. Mttgliedsbuch legitimiert.'911 Montag, den 2. Februar, abends 6 Uhr, im Lokal „Südost", Waldemarstr. 75; Versammlung der in Metallgießereien beschäftigten Former und Berussgenossen. Tagesordnung: 1. Hortrag deS Kollegen Pawlowitsch über daS Thema:»Leben und Leiden im Strafgefängnis und Zuchthaus. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenhetten. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 111/16 vi« Ortaverwelteng. Ist«» Zweigverein Berlin.— Sektion der Gips- u. Zementbrauche. Ketonbaubranche: Zlementlerer, 8ia5eds!erv.Wsrdeiter. Montag, den 58. Februar, abends 8>/. Uhr, dpi Jan nasch l, Jnselstraße 10. Giysbaubranche: 5ut?er. 7rSger v. Zisdikzysmer. Mitwoch, den 4. Februar, abends 8�/, Uhr, bei Januaschk, Jnselstraße 10. krope Mgliecker-Verzammlungen. Tagesorditung: I.Bericht und Neuwahl der Gruppenleitung. L.Vorschläge zur Dahl deS EektionSIeiterS. 3. Branchenangelegenheien. Gruppe der Putzertrager. Sonntag, den 1. Februar, vormittags 10 Uhr, in„Kellers Festsälen", Koppenstratze(kl. Saal). Tagesordnung: Bahresbericht— Vorstandswahl. i'■■ Erscheine» aller Muldenträger erforderlich.- Sektion der Steinhokteger. Mittwoch, 4. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Schräder, Alte Schönhauser Str. 26. Sehr wichtige Tagesordnung. Sektion der Isolierer. Donnerstag, 5. Februar, abends 8'/. Uhr, bei W i t k e, Sebasttanstr. 39. Tagesordnung: Jahresbericht.— DorstcuidSwahl. ASir weise» darauf hi», daß die Auszahlung der Unter» ftühung derjenigen Kollegen, welche vom 1. Dezember unuuter. brachen arbeitslos waren und sich habe» eintragen lasse», am Montag, den ii. Aedruar, von abends 7— S Uhr, in den Verkehrs- lokale» erfolgt. Oer» Zwetarrerelna-Torataiia. Inventur-Ausverkauf! 20000 Paar Schuhwaren Damen- Lackstiefel Herren-Lackstiefel moderne Formen moderne Formen 8®� grsfaunllch hcrabftcsetzt Kinder- ÜÜ � Kinder- Stiefel O Stiefel n/ao m m H»>/»» 2" ff O 3,s %>°'BosentliolerStr.40-U Iis Hs.t citri Hackescher Markt Tischler-Yerein - E. H. SS.- Gonnabend, de« 31. Januar, abends S1/, Uhr, Gewerkschaftshaus. Engeluser 15: Versammlung. Lichtbildervortrag sca. 90 Naturaufnahme») von Herrn E. Horm über: MM« Ausgabe der Billetts zum 14. März. Zahlen der Beiträge. Nachdem: Gemütliches Beisammensein — und Tanz.——■ Gäste»(Damen und Herren) freier Eintritt. Zahlreiches Eifcheinen wünscht 282/10 Iber Vorstand. MöMaH JEM" Eingetra jene Genossenlchaft mit be- zränkter Hastpflicht. KsliosZl-VelAiiiiiiIiiiiz am IS. Februar 1914. vorm. 10 Uhr, im GeschästSlokal Riga« Itr. 46 IV. Ta gesordnung« t Vorlegung der Bilanz. 2. Dahlen deS Vorstandes und des AuffichtSrates. 3. Anttäge. 4. Verschiedenes. 102/12 vor Vorstand. Allgemeine Gttskrankeu- Kasse der Zladt§erlm- SchSueberg. Der Borstand der Kasse hat in seiner ersten VörstandSsitzung gewählt: 1. den Lagerverwalter f. Krukow, Mühlenstrage 8, als Vorsitzenden; 2.' den Buchbindermeisler A. Wöller, Kolonnenstr. 20, als stellvertretenden Borsitzenden; 3. den Werkzeugmacher K.Thielloke, Fregestr,. 77, alS Schriftführ«; 4. den Malermeister F. Johns, Brun- hildeltrahe.2, als stellvertretenden Schriftführer. Berlin-Schöneb«g,2S. Januar 1914. Krukow, Vorsitzender.(268/4 Thiclicke, Schristfübr«. Vnr novki knrne l�olt! Erlselt Ma aw wa tt. grü- aas IB Isk ne der Ost- rinne lOO6- 2-/. IL-- SO � l1/, M. \ nr g. Einsends. d. Betrages. E. Dagener, Swinamünde 2g,Herin�- OreCfieoherei-Export. 230/16* vr» Ball" u. GeseltecBekf te~ Kleldun«! flir Herren Cufaway u. 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Waldemar Brase, Driesonorst.3 Hennacn BuB, GrOnsuerstr. 12. Ewald Bndiler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselers tr. 43. Qust. Böhm, Gubenerstr. 26 O. Büchner, Nordbsnsenerstr. 39 Alb. Dadiwlli, Kameruneratr. 16. Davids LaocibrotRidendortsrdtr.ia TtliMil«rnlr.l4.Ws6»nM-.E.Eli»abelkst. Paul Deliy, Markusstraho 13. Albert Denkewltj. JaMomkiiir. 14 Oollwa, Ferdinand Toreilstr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 32. H. Donner, Dunckeratr. 73. Rud. Dun ck er, Pankow, MülilsutTl Fritz Elchler, Baatianstr. 18. W. Ernst, Pflcklerstr. 42. Franz Faulwetter, Maalsuffslstr.ff. Carl Feist, Friedcnstr. 101. Friedr.Flemming,Boibs9eientT.t7. Paul Freitag, Stuttgarteratr. 18. E. Freyer. Bluaierdr. 72.E. Marloiitr. R.Friedrlch, Marienburgerstr. 38. HelnrlcbFrlater�sikow.FlorasC.BO Rob. Gobier, Wildenbrnchstr. 68. F. George, Viilbalmaharracratr. 23. Fritz Glauner, Cfaausseestr. 80. Gnmnlor, R. Poseneratr. 16. Wilh. Godt, Emdenerstr. 89. B.Oonsior, Treptow, Grltistr. 65. O.G8rt,Wifieiutr.»l,tir.o.grii« Rtm. 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Richard Raageb, Weichselstr. 64 FrltlRlchter jr.jLiebenwalderst.lS ""' Rekordbrotbäckerei Scbulzeadarlerst.23. O.Riewe,Bsain«clila*.,EiBai8eht!cst.87 C.Reisch, Bäcker., HfninüiiMr.ie.Sköüi. F. Radioff, Nklln., Alierstr. 37, Osw. Rauhut, Gürtelstr. 27 Qust. Rautenberg, Metzerstr. 11 Kurt Reinecke, Franzstr. 13 P.ReinhoIz,TreptowKiofholz8t.l7 RlchardRieger,IrlfUt.55,5p»iT»t.29 OttoRcetwisch, SimonDachstr.l. F. Rlslcben, Samariterstr. 11. R. Riemer, Pannierstr. 4. Willy Robde, Zelieatr. 11 Hubert RSsner, Triftstr. 4 AlfredRost, Reich enborgerst.185 F.Szmdmann, Treptow, Grätzstr.2S. Wilhelm Sauter, Ooiieoarderstr. 33. W.Schanf, Reisicl.ad.-Ost.Pminzsl.SJ Emil Sdtaller, Schreinerstr. 52. P. Sdtinauer, Ankiamerstr. 15. PSchlrmer, BelDlckeBd..0.lProTiu>t.53 Carl Schleich, O., WühUscbst. 3 Wilh Schmidt, Liebenwaideret. 10 Paul Schmoll, Amsterdamerstr.S. O. Schneider, NW., SeminerinjitilS. Willy Schneider, Melsiekloutr. 13. Gustav SchSfisch, Dolzigcrstr. 31 Paul Schön, Koperhagenerstr.74, Eberbnr(lSchBnwiese,Ltder.'.J.Uli'.etbgit.l2. R.Wagner,Paakoff,Wollank6tr.lld W. Wllke Friedens tr. 98 pjeritraLersi., aisriiantlla. Akt.-Brauer.Pot8dam.Eig.KiedeTl. Berlin SW, Tcmpelhofcr Ufer. 15 Branden bwg e a.,WiJh«lai»derfent.1 10 Spez. Potsd. Staugeabier 40 Filialan in Berlin und Vororten August Holtz C r. haqen 22 Verkauf»teilen 22 Hubertus, Botterhdlg. Straussberg. Herrn. Kunert, Culmstr. 29 A.Liepold,Anton8t7.1,Milchhdlg. 48«ix«ü« Detällgciekäfte PwE Pie8, Bßttepßiiiiio D| 1 Berlin C. 54, Rosenthalerst. 40 R ■(EsckescherHoOFenwp.A-Knrd.SSSTj Kosmalla, L, 4Äft. Paul RälaiüB Berlin S.59. T.AmtMoritrpl.21bO Direkterimport« Lieferant viel. Konsum-Vereine. Verl. Sie Offsrl«. Schröter, K. fiust.$chüitz8&soiin [t. SltintduiD Wrangelstr.64 Eiergroßhdlg. ühly& Wolfram Vereinigte 48 Pommersche hrkaois- Meierelen* C. F. lüienstPucH en-gros Butter en-detall S. W., Leipzigerstr. 82. j /?jac30,Sc}iahoiafl,.Coniitlir. 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Co., Bellealliancesttaße 1/2. Achtung! Achtung! CassAngeztellle! Nachstehende Betriebe sind für organisierte Gehilsen bis aus weiteres gesperrt: CatS Pfeiffer. Alt-Moab. 126 ,, Fried, Belle- Allianee- Platz 9; „ Oranienpalast, Ivb. Barton u. Sohn, am Oranien, Platz, Infolge Anerkennung unserer Forderungen ist die Sperre über da» Caf« Tivoli, Jnh. Hnofcmnnn, Bergmannftr. 109 aufgehoben. Verband der GastwirtSgehilfe». Zweigverein der Cafd-Angestellten Große Hamburger Straße 18/13. Verantwortlicher Redatteur: Alfred Wielepp, Nevkölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei a, Verlagsanstalt Paul FlkWergeskllkii! Wegen Nichtanerkennung der zwölf- stündigen Arbeitszeit usw. ist die Fleisch- und Wurst- waren-Zentrale, lenstrahe 7« IJohader Otto Sperrlich), gesperrt! 282/9/ Zentralvarhand der Flalaclwf KM.KeilU des LMck" flr Mil-Weß� Vorortnachrichten. Abgefeimtes Verfahren zu Ken Vertreterwahlen der flülershofer Krankenkasse. Die Ursache, weshalb das Versicherungsamt Teltow �Vorsitzen- der Landrat v. Achenbach) mit der Belanntgabe der Wahl zum Aus- schuß für die obengenannte Kasse so lange gezögert hat, dürfte aus den für die Durchführung der Wahlen nunmehr bekanntgegebenen Bestimmungen zu erklären sein. Die Wahlen finden am Donnerstag, den 26. Februar, don vormittags 16 Uhr bis nachmittags 7 Uhr für die Arbeitgeber und Versicherten statt. ES umfaßt der Bezirk I alle die versicherungspflichtigen Mit. glieder, welche ihre Diensttätigkeit in Berlin-Treptow einschließlich Ortsteil Baumschulenweg, Bezirk II alle die versicherungspflichtigen Mitglieder, welche ihre Diensttätigkeit in Berlin-Niederschöneweide und Berlin-JohanniSthal, Bezirk III alle die versicherungspflich- tigen Mitglieder, welche ihre Diensttätigkeit in den Gemeinden AdlerShof, Grünau. Altglienicke, Bohnsdorf, Rudow, Schönefeld, WalterSdorf, Schulzendorf, Schmöckwitz, Eichwalde und Müggelheim sowie in den Gutsbezirken Grünau-Dahmer-Forst, Schönefeld, Diepensee, Waltersdorf und Schulzendorf haben. Die der Kasse freiwillig angehörenden Mitglieder üben ihr Wahlrecht in dem Be- zirk aus, in welchem sie wohnen. Liegt ihr Wohnort außerhalb deS Kassenbezirks, so wählen sie in dem ihrem Wohnort am nächsten gelegenen Wahlbezirk. Die Zahl der in jedem Bezirk zu wählenden Versicherten-Vertreter ist nach dem Verhältnis der Gesamtzahlen der in den einzelnen Bezirken vorhandenen Wähler bemessen worden. Zu wählen find: im 1. Bezirk 11 Versicherte und 22 Stellver. treter, im 2. Bezirk 8 Versicherte und 16 Stellvertreter, im 8. Bezirk 11 Versicherte und 22 Stellvertreter, zusammen 36 Versicherte und 66 Stellvertreter. Gewählt wird für den Wahlbezirk l in dem Restaurant von Kimmel, Berlin-Treptow, Grätzstr. 28; Wahlbezirk II in dem Re. staurant von AugustKienast in Berlin-Niederschöneweide, Grünauer Straße 8; Wahlbezirk III in dem Rest, von Heinze, Rudow, Kaiser-Wilhelm-Stratze 36. Die Arbeitgeber wählen zur gleichen Zeit für den ganzen Be. zirk gemeinsam in dem Restaurant„Lorelep"(Iah. Max Fricke) in Berlin-Niederschöneweide, Berliner Straße 161. AuS diesen Bestimmungen ist klar und deutlich zu ersehen, daß die Versicherungsbehörde bei Festsetzung des Wahllokals für den dritten Bezirk die geometrischen Verhältnisse gänzlich außer acht gelassen hat. Dadurch, daß man das Wahllokal in Rudow be- stimmt hat, ist es den zirka 3666 Versicherungsnehmern des Bezirks fast unmöglich gemacht, sich an der Wahl beteiligen zu können. Wie ersichtlich, ist der dritte Bezirk räumlich sehr weit aus- gedehnt. Ein Wähler, der fein Wahlrecht ausüben will, hat selbst von Adlershos aus noch reichlich eine Stunde zu Fuß zu gehen, um das Wahllokal zu erreichen. Eine Fahrverdindung von hier aus nach Rudow gibt es nicht. Wenn man nun bedenkt, daß der Bezirk bis Eichwalde ausgedehnt ist und daß sich in Grünau und llm- gegend Fabriken befinden, in denen bis zu 1606 Arbeiter und Ar. beiterinnen beschäftigt werden, so steht unzweifelhaft fest, daß die hier beschäftigten Versicherungsnehmer, selbst wenn sie um b Uhr nachmittags Feierabend machen würden, nicht mehr bi» 7 Uhr im Wahllokal sein können. Diese Matznahmen der VersicherungS- behörd« sollen dazu angetan sein, den dritten Bezirk der freien Ar- beiterschast zu entreißen. Wie raffiniert die Sache ausgedacht wor- den ist, geht weiter davau» hervor, daß man anscheinend Rudow als Wahlort deshalb herausgesucht hat, weil sich hier die Gummi- Warenfabrik von Daube befindet. Diese Fabrik mit ihren zirka 266 versicherungspflichtigen Arbeitern und Arbeiterinnen, in der bisher durch den TerroriSmuS des Unternehmers die freien Ge. werkschaften keinen Fuß fassen konnten, soll vielleicht den Ausschlag geben. Die vom Versicherungsamt getroffenen Maßnahmen wurden in einer stark besuchten VertrauenSmännerversammlung, welche au» allen für die Adlershofer Krankenkasse in Betracht kommenden Betrieben zusammengefetzt war. scharf kritisiert. Eine zur An- nähme gelangte Resolution wurde noch am selben Tage dem ver. sicherungsamt zugeschickt. Di« Aussprache in der Versammlung hat ferner ergeben, daß ein Teil der Arbeitgeber alle» daransetzt, «in« Zersplitterung der Arbeiterschaft herbeizuführen. Ein Ar. beitgeber namens Hansen, früherer Vorsitzender der AdlerShofer Krankenkasse, lieh selbst die Streikbrecher der Firma Lutze zu sich in die Wohnung kommen, um von diesen Getreuen eine List« auf- zustellen. Di« Arbeiter und Parteigenossen mögen daraus erseihen, mit welchen Mitteln gegen die freie Arbeiterschaft gearbeitet wird. Die Vertrauensmänner haben daher beschlossen, überall Versamm. lungen abzuhalten, um den Versicherungsnehmern Kenntnis von all den Dingen zu geben. Es wird erwartet, daß die Arbeiterschaft den stärksten Protest gegen diese Machinationen einlegt. Wilmersdorf. Die Monatsversammlung deS Wahlvereins ehrte das Andenken deS verstorbenen Genossen Mühlenstedt in der üblichen Weis«. Danach sprach.Genosse P e i r o t e» über daS Thema„Immer fest« drauf". In fesselnder Weise beleuchtete er die Strahburger Urteile und erzählte zu ihnen eine Reihe von Einzelheiten, die die krasse UnHaltbarkeit dieser Entscheidung klar zutage treten lassen. Elsaß- Lothringen selbst, daS schon schwer unter seiner besonderen polst«- schen Lage zu leiden hat, werde nach diesen Dingen wirtschaftlich und politisch noch mehr als bisher zurückgedrängt werden. Seit 1876-71 seien nicht weniger als 66 666 Menschen ausgewandert und den Kapitalverlust schätzen Kenner auf 6 Milliarden M. Zudem drohe eine erneut« Verklerikalisierung, Martin Spahn sei zum Leiter des Schulwesen» auSersehen worden und diese Abspeisung werde eventuell genügen, um da» Zentrum zahm zu machen. Der Verlauf der Dinge habe wieder einmal gezeigt, daß die preußische Wahlrechtsftage eine großdeutsche Frage sei, vor deren Lösung weder für Deutschland noch für Elsaß-Lothringen Fort- schritte zu erwarten seien. Lebhafter Beifall dankte PeiroteS für feine interessanten Ausführungen. Danach gab Genosse Goddäus den Kassenbericht deS letzten Quartals, der von niemand bean- standet wurde. Die Genossen Baumland, Goddäus, tzilbig und KoperSki wurden zur Kreisgeneralversammlung delogiert. Zum Schluß teilte der Vorsitzende mit, daß am 13. Februar Genosse Dch ildemann im Viktoriagarten über„Die politische Lage" sprechen wird. Thorlottenburg. Ueber die vom Magistrat in Aussicht genommene LnstbarkeitS- teuer schreibt da» Nachrichtenblatt des Magistrats:„Der Entwurf steht in erster Linie eine Besteuerung der Kinematographentheater d«, wie sie sich in allen neuen Steuerordnungen der Groß-Berliner Gemeinde» findet; hieraus ist schon deswegen ein hoher Ertrag M erwarten, weil innerhalb de» Charlottenburger Stadtgebiet» | im Vergleich zu den Nachbargemeinden eine unverhältnismäßig � große Anzahl derartiger Unternehmungen betrieben wird. Um , jedoch eine einseitige Belastung der KinoS zu vermeiden, sollen nach dem Vorbilde anderer Städte auch Zirkus-, Spezialitäten» und Varietevorstellungen sowie Tanzlustbarkeiten und musikalische Vorträge in Cafe-Restaurants und Gastwirtschaften, ferner Ver- anstaltungen auf Vergnügungs- und Rummelplätzen einer Be- steuerung unterworfen werden. Die Steuersätze, die erheblich niedriger sind als in Berlin und Schöneberg, sind so bemessen, daß das Bestehen und die Rentabilität lebensfähiger Unternehmungen nicht gefährdet wird. Veranstaltungen mit wissenschaftlichem, be- lehrendem und künstlerischem Charakter sind von der Steuer be- freit; für gemeinnützige Veranstaltungen kann die Steuer erlassen werden. Der Reinertrag der Steuer ist für 1S14 auf 156 666 M. geschätzt." Trotz dieser Darstellung ist und bleibt die Lustbarkeitssteuer eine Sondersteuer von höchst kulturwidriger Wirkung. Eine im fortschrittlichen Geiste handelnde Stadwerwaltung sollte unter allen Umständen vermeiden, sie als Steuereinnahmeqüelle zu betrachten. Ein schwerer Bauunfall hat sich vorgestern auf dem Grundstück Scharrenstraße 27 ereignet. Dort wird in dem Oppenheimschen Park ein Abriß vorgenommen, bei dem auch der Arbeiter Hausdorf aus der Kirchstraße 23 beschäftigt war. Als er auf einer Mauer in der Höhe des vierten Stockwerke» arbeitete, verlor er plötzlich daS Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Der Ver- unglückte erlitt einen Schädelbruch und anscheinend auch innere Verletzungen und wurde in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Westend geschafft. Eine Millioneustiftung für skrofulöse Kinder. Ein Ehar- lottenburger Bürger, der nicht genannt sein will, hat der Stadt- gemeinde eine Million Mark als„Emil- und Marie-Stiftung für arme skrofulöse oder schwächliche Kinder der Stadt Charlottenburg' geschenkweise überwiesen und den Betrag bereits bei der Stadt- Hauptkasse eingezahlt. Die Zinsen de» Kapitals sollen dazu dienen, skrofulöse und schwächliche evangelische Kinder zur Erhaltung oder Erlangung voller Gesundheit in ein Solbad zu senden. Zu diesem Zwecke soll aus den Mitteln der Stiftung eine Anstalt auf einem eigenen Grundstück in der Nähe eines Solbades errichtet werden, wo unter ärztlicher Aufsicht die Kuren erfolgen sollen. Neutöll«. BerkehrSfragen. Die letzte Sitzung der Verkehrsdeputation trat für eine Weiterführung der Linie II durch die Knefebeckstratze bezw. Herthastrahe bis zum Mariendorfer Weg, für eine Verdich- tung des Verkehrs auf der Linie 65 während der gesamten Betriebs- zeit und für die Verlängerung der Linie 26 bis zur Teupitzer Straße ein. Im übrigen steht jedoch die Deputation auf dem Standpunkte, daß die Verkehrsverhältniff« eines Stadtteils nicht zuungunsten eines anderen verändert werden dürfen. Bei der A.B.A.O.G. soll ein Antrag auf Führung der Linie 11 bezw. jedes zweiten Wagens dieser Linie bis zum Vorplatz des Bahnhofs Kaifer-Friedrich-Straßc gestellt werden. Von einem Antrag auf Verlängerung der jetzt am HermannSplatze endenden Pferd eomni- buSlinie bis zum Bahnhof Kaiser-Friebriöh-Straße soll abgesehen werden. Auch hält die Deputation die Frage der Verlängerung der Untergrundbahn durch die Kaiser-Friedrich-Straße bei dem jetzigen Stand der Schnellbahnangelegenheit für nicht diskutabel. Wegen der angeblich durch die städtische Gasanstalt verbreiteten unangenehmen Gerüche soll die Petition der Deputation für die städtischen Werke überwiesen werden.— Die Deputation ist damit einverstanden, daß gegen die seitens der Großen Berliner Straßen- bahn geplante Verlegung der Linie 55 aus der Ziethen-, Stein- metz-, Berg- und Berliner Straße nach der Hermannstraße u. a. m. Protest erhoben wird. Sie hält eS für durchaus notwendig und wünschenswert, daß mindestens für diese Linie in der Berliner und Bergstraße ein vollwertiger Ersatz geschaffen wild.— Der Bau einer Fußgängerbrücke über den Landwehrkanal im Zuge der Hobrechtstraße wurde der entstehenden hohen Kosten wegen abge- lehnt. Der Vorsitzende teilte mit, daß nach eingeholten Auskünften die Ratswagen in Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf zwischen 12 und 1 Uhr mittags geschlossen bleiben. Demgemäß soll es auch bei den hiesigen RatSwagen bei dem Schluß von 12 bis 1 Uhr verbleiben.— Die Ratswagen sollen versuchsweise im Winter bereits morgens um 6 Uhr geöffnet werden. Ueber mangelnde soziale Einficht eines Hausverwalter» wird uns folgendes geschrieben: Angesichts der herrschenden Arbeits- losigkeit wird es öfter zur Unmöglichkeit, die fällige Miete auf- zubringen. Der durch unverschuldete Verhältnisse in Not geratene Mieter hat ständig zu gewärtigen, mit setner geringen Habe auf die Straße gesetzt zu werden. Ganz unverständlich ist ei aber, wenn ein Verwalter selbst da, wo bisher trotz der ungünstigsten wirtschaftlichen Verhältnisse die Miete, wenn auch öfter in Raten bezahlt wurde, die schärfsten Maßregeln androht. In da? HauS Jnnstraße 27, da» dem Ofenfabrikanten. Herrn Emil Krause in Velten gehört und von einem Herrn Hammerschmidt verwaltet wird, zogen am 3l. Dezember 1612 Mieter ei». Da der Mann bis zum März arbeitslos war, wurde der Verwalter gebeten, die Miete für Februar zu stunden; der Verwalter versprach auch, den; Wunsche nachzukommen, um so erstaunter war der Mieter, daß derselbe trotz- dem die Räumungsklage eingereicht hatte. Die Leute borgten sich daS Geld und konnten die Miete bezahlen. Obendrein hatten sie aber die Kosten der Exmissionsklage im Betrage von 18,45 M. zu tragen, und als sie sich das nicht von der Miete abziehen ließen, wurde die Pfändung veranlaßt; dadurch kamen noch 5 M. Kosten hinzu. Alle diese Rösten sind von dem Mieter bezahlt worden. Nachdem ist die Miete stets beglichen worden, auch für Januar 1314. Am 28. Januar lief bereits ein Schreiben ein, worin der Verwalter mitteilt, daß er auf keinen Fall die Miete mehr stundet, und daß er im Falle der unpünktlichen MietZzahlung von seinem Räumungs- recht Gebrauch machen werde. Der Mieter ist seit Weihnachten wieder ohne Arbeit, wäre hier nicht etwa» Nachsicht am Platze? Hat der Herr Verwalter in seinem Leben noch keine Not kennen gelernt, so möge er sich glücklich schätzen, gut wäre e» aber, wenn er einmal darüber nachdächte, was er tun wurde, wenn e» ihm ähnlich erging« wie diesem Mieter. Schöneberg. Einen Mozart-Abend veranstaltet am Sonntag, den 1. Februar, nachmittags 5 Uhr, in der. Aula der Hohenzollern schule. Belziger Straße 48, die Stadt Schöneberg. CS wirken mit: Frau Helene Wichmann-Vogt, Konzertsängerin; Herr Dr. Leopold Hirschberg, 'Dozenj der Musikwissenschaft; Herr Joseph Mödlinger, Königlicher Hofopernsänaer. Eintrittskarten zum Preise von 36 Pf. sind in der „VorwärtS'-Expedition. Martin-Luther-Str. 69, und im Laden der Konsumgenossenschaft, Apostel-Paulus-Str. 46, zu haben. Kassen- öffnung 4 Uhr. AdlerShof. Den Bericht des Borstande» erstattete in der Generalversamm- lung des WahlvereinS Genosse Klodt. Trotz der herrschenden Krise sei die Mitgliederzahl von 826 im verflossenen Oktober auf 867 gestiegen. Auch fc' die Zahl der Restanten seit Einführung der Hauskassierung bedeutend zurückgegangen. Um eine weitere Besse- rung nach dieser Richtung zu ermöglichen, wurde die Wahl eines zweiten Kassierers, die auf den Genossen Bratz fiel, vorgenommen. Die Abonnentenziffer deS„Vorwärts" beträgst 886 gegen S86 am Anfang des vorigen Quartals. Ein Antrag des achten Bezirks, die Zahlabendc unter allen Umständen an den von der Partei- orgonisation Groß-Berlins festgesetzten Tagen abzuhalten, wurde nach lebhafter Debatte abgelehnt. Der Kassenbericht de» Genossen Martin weist eine Einnahme von 977,84 M. auf, der eine Ausgabe von 967,46 M. gegenübersteht. Ueber die Tätigkeit de» Jugend- und Bildungsausschusses berichtete Genosse Friedrich. Ein von ihm gestellter Antrag, eine Trennung dieser Körperschaft vorzu- nehmen, um so ein zweckdienliches Arbeiten zu ermöglichen, wurde angenommen. Dei« Bericht aus der Gemeindevertretung erstattete Genosse Zabel. Der Redner rekapitulierte die wichtigsten Vor- kommnisse, über die wir berichtet haben und ersuchte am Schlüsse, bei den bevorstehenden Gemeindetvahlen auch in die zweite Ab- teilung Bresche zu legen. Am 3. Februar wird sich bereits eine öffentliche Versammlung mit den Wahlen beschäftigen DaS Re- ferat hierzu hat Geiwsse Zubeil übernommen. Al» Kandibaten bestimmte die Versammlung für die dritte Abteilung die Genossen Emil Klodt und Georg Müller, für die zweite Abteilung Karl Schwarzlose und Wilhelm Baschig und für die erste Abteilung Robert Meil. Dem wegen AlterSbeschtverden ausscheidenden Gemeindevertreter Genossen Ernst Laube, der in achtzehnjähriger treuer Pflicht- erfüllung diesen Posten in unserem Sinne ausgeübt hat, sprach die Versammlung ihren Tank auS. Als Delegierte zur KreiSgeneral� Versammlung wurden die Genossen Meil, Pätzold, Rei» und Klodt gewählt. Am Schlüsse der Versammlung erläuterte Genosse Zabel die Aufgabe, die der Arbeiterschaft aus den ebenfalls bevorstehen« den Wahlen zum Ausschuß der hiesigen Ortskrankenkasse zufallen. Danach gehört Adlershof zum drtttei« Bezirk, für den sich da» Wahl- lokal in Rudow befindet. Bergluch-Faugs chleus e. In einer öffentlichen Berfammlung sprach Genosse Gevint» kowsky über die Gefahren, die jetzt durch da« scharfmacherische Vorgehen gegen das Koalitionsrecht der Arbeiterklasse erwachsen. Nicht eine Verschlechterung, sondern ein Ausbau des wichtigsten Kultur- rechts der Arbeiterklasse sei Vonnöten. Durch lebhaften Beifall be« wiesen die Versammelten ihr Einverständnis mit den Ausführungen deS Vorwagenden. Spanva«. Stadwerordnetenverfammlung. Zu Beginn der Sitzung wurde Stadtkämmerer Weber auf 12 Jahre wieder- und an Stelle des zum Bürgermeister von Tegel gewählten besoldeten Stadtrats Stritte von den acht zur engeren Wahl gestellten Kandidaten im zweiten Wahlgang Stadttat Dr. Woelck aus Frankfurt a. O. neu- gewählt. Hierauf wurde in die Etatsberatungen eingetreten. Beim Gasetat, der mit 1 594 666 M. abschließt, wünschte Stadtv. Dahmes bessere Beleuchtung der Wilhelmftadt, wie ja überhaupt die Außen- viertel sehr schlecht beleuchtet seien; er beanwagte, in der Wilhelm- stadt eine eigene Gasanstalt zu bauen. Genosse Pieck wandte sich gegen den hohen GaSpreis. Die Herstellung des GaseS einschließlich aller Unkosten betrage Vk Pf. pro Kubikmeter, ver Konsument müsse aber 15 Pf. pro Kubikmeter bezahlen; werde also ordentlich geschröpft. Der Preis deS GafeS fei bedeutend höher wie in anderen Gemeinden Grotz-BerlinS und ließe sich sehr wohl er- mäßigen. Der Elektrizitätspreis fei doch auch bedeutend ermäßigt worden, trotzdem elektrisches Licht meistens von reichen Leuten und großen Fabriken benutzt werde. Redner beantragte zur Herab- setzung deS Gaspreises die Einsetzung einer Tarifkommission. Stadtv. Neusch beantragte die Herabsetzung des Gaspreises auf 14 Pf. und bezeichnete die Handwerkerfreundlichkeit der Sozial- demokratie als faule Reden, die nur dazu angetan feien, Wähler einzufangen. Genosse Pieper bemängelte die schlechte Beleuch- tung der Seegefeldcr und Seeburger Straße und kritisierte auch die schlechte Beschaffenheit des Gases. Dem Stadtv. Neusch er- widerte Redner, daß seine Partei es nicht nötig habe, auf Sttmmen- fang zu gehen, da die Arbeiterschaft hinter ihr stehe. Stadtbaurat Paul trat der Ermäßigung des GaspreiseS entgegen. Die Herabsetzung des Preises um 1 Pf. bedeute einen Ausfall von 46 666 M., sie wurde eine Erhöhung der Steuerzuschläge um 5 Proz. mit sich bringen. Der Stadtkämmerer warnte gleichfalls vor einer Er» Mäßigung des Gaspreises, da nach seinem Voranschlag jetzt schon etwa 156 666 bis 266 666 M. zur Deckung des Finanzbedarfs fehlen. Sollen die Steuerzuschläge nicht erhöht werden, so müsse der Steuerausgleichfonds in Anspruch genommen werden. Genosse Pieck stellte fest, daß eine Preisermäßigung doch auch den Konsum bedeutend erhöhen würde. EL sei doch nicht nötig, die Gasanstalt immer als melkende Kuh zu betrachten. Stadtv. Werner wandte sich gegen die Preisermäßigung. Seiner Meinung nach stände die Arbeiterschaft nicht hinter der Sozialdemokratie, was ja auch die letzte Stadtvcrordnetenwahl bewiesen habe. Genosse Pieck er- widerte dem Vorredner, daß die letzte Reichstagswahl ja auch hier in Spandau bewiesen habe, daß�dte Arbeiterschaft hinter der Sozial- demokratie stehe. Wenn auch für die Kommunalwahlen das gleiche und geheime Wahlrecht eingeführt würde, so würde Herr Werner mit seiner Fraktion in die Versenkung verschwinden. Redner wies noch auf«inen Passus in den zehn Geboten der Kommunalen Ver- einigung hin, in dem e» heiße: Gas soll zum Selbstkostenpreise abgegeben werden. So lange diese Fraktion ihre Gebote nicht halft, müsse er sie als Heuchler bezeichnen. Der Etat wurde mit dem Antrag Pieck auf Einsetzung einer Kommisston angenommen. Bei der Beratung des KrankenhauSetatS, der in Einnahme und Ausgabe mit 465 866 M. abschließt, 86 315 M. mehr wie im Vor- jahrc, beantragte Stadtv. Dr. Kantorvwicz die Ermäßigung deS Tarifs für Krankenkassenmitglieder von 3 M. auf 2,75 M. pro Tag. Genosse Pieck sprach sich gleichfalls für eine Tarifermäßigung aus, zumal im Krankenhaus 466 Betten vorhanden feien, durchschnitt- lich aber nur 236 Betten belegt seien. Man könne eS den Krankenkassen nicht verdenken, wenn sie ihre Kranken in auswärtige Krankenhäuser schicken, dg sie dort nur 2,56 M. pro Tag bezahlen brauchten. Nachdem sich Oberbürgermeister Koeltze und Dr. Zapel gegen die Tarifermäßigung ausgesprochen hatten, wurde der Etat unverändert angenommen. Der Etat der Spandauer Straßenbahn schließt ab mit 1 683 756 Mark, der Ueberschuß ist auf 58 666 M. veranschlagt. Der Etat der Nonnendammbahn ist in Einnahme und Ausgabe mit 192 994 Mark vorgeschlagen. Der städtische Zuschuß ist auf 12 169 M. fest- gesetzt. Der Referent Stadtv, Bender führte aus, daß vom 1. April ab auf allen Linien, mit Ausnahme der dl-Linie, wieder der 6 bezw. 12 Minutenverkehr vorgesehen sei. Genosse Pieper bemängelte, daß bei der großen Kälte in vielen Wagen die warmen Decken gefehlt haben. Durch zu viele Haltestellen, insbesondere in der Schön- walder Straße, werde der Betrieb sehr verlangsamt. Redner be- antragte, einige Haltestellen fortfallen zu lassen. Ferner krttisterte Redner noch, daß von dem Buchhalter Schröder jedem neuange- stellten Straßenbahner ein Verjicherungsformular zur Unterschrift vorgelegt werde. In der weiteren Diskussion wurde festgestellt, daß die Stadt mit der Erhöhung des Preises für Arbeiterwochenkarten ein großes Fiasko erlitten habe. Ferner wurden noch eine Reihe von Beschwerden über unpünktliches Fahren der Wagen vorge- tragen, auch daß dieselben ohne Rücksicht vom Bahnhof abfahren, ohne auch nur eine halbe Minute auf die Fahrgäste zu warten. Außerdem wurde der Ausbau der Straßenbalm bis zur Fabrik von Orcnstein u. Koppel und Wilhelmsruh gewünscht und beanttagt, daß die B-Wagen wieder bis zum Hauptbahnhof fahren. Dem Antrag deS ersten Ausschusses auf Einführung der Schülerkarten für 3 M. auf allen Linien und Lostrennung der Lebensversicherung von der Straßenbahn wurde zugestimmt und der Etat hierauf an- genommen. Zum Schluß hatten sich die Stadtverordnete« noch einmal mit der Mietung von Bureauräumen auf den Nonnendamm zu be» schäftigen. Die abermalige Vorlage verlangte, daß daS Angebot T>tx««genommen verde, nachdem derselbe mit seinem An. «bot nach und nach auf 3000 M. heruntergegangen- sei. Wie Stadtv. Herrfarth alz Berichterstatter mitteilte, hat Tilgner im Laufe der Zeit nicht weniger als sechs Angebote gemacht. Der ein- geseye Ausschuß, der sich in der Nngelgenheit nicht ganz einig ge- Wesen sei. sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß aus den Akten nicht hervorgehe, daß dem Stadtv. Tilgner seitens des Magistrats bindende Versprechungen gemacht worden seien. Nach kurzer Dis- kusfion wurden der Vorlage zugestimmt. Die Generalversammlung des Wahlverews nahm zunächst den Vorstands» und Kassenbericht des Genossen W- Jahnke entgegen. Danach hatte der vorstand das Hauptmleresie der Lokalfrage zu- gewendet. Wenn auch der verhängte Saalboykott bisher einen vollen Erfolg nicht gezeitigt habe, so stehe doch eine Verständigung »lit den Saalbesitzern in Aussicht, andernfalls die Lokalkommission nicht davor zurückschrecken werde, den Boykott auch auf andere Lokale auszudehnen. Auf die Stadtverordnetenwahl übergehend bemerkte Redner, daß gegen diejenigen Genossen, die sich an der Wahl nicht beteiligt haben, konsequent vorgegangen werden soll. Der Bildungs- anSschuß plane im Winterhalbjahr noch einige Veranstaltungen, müsse ober mit den zur Verfügung stehenden Geldmitteln äußerst sparsam wirtschaften. Die Genossen Pieser und Pieck stellten sich auf den Standpunkt, daß gegen StaatSwerkstättenarbeiter wegen Nichtbeteili- gung an der Wahl nicht vorgegangen werden solle, weil dieselben durch Beteiligung an der Wahl ihre Existenz aufs Spiel setzen würden. Gegen freie Arbeiter müsse indessen rücksichtslos vorgegangen werden. Die Prüfung der einzelnen Fälle wurde dem Vorstand übertragen. Das Ausschlußverfahren wegen Boykottbruch gegen Genosien Wohlfeil wurde mit 32 gegen 29 Stimmen beschlossen. Die Minderheit trat für mildernde Umstände ein und beantragte eine scharie Rüge. Nach dem vom Genossen Abraham erstatteten Kassen» bericht schloß die Einnahme und Ausgabe mit 1626,72 M. ab. Abgeführt an die Kreiskafie wurden 291M., der Zuschuß aus derselben beträgt 848 M. Die Funktionen des mit anderen Arbeiten überhäuften ersten Vor- sitzenden wurden bis zum 1. April dem zweiten Vorsitzenden über- tragen. Gemäß einem Antrag des 8. Bezirks wurde beschlossen. vom 1. April einen vierteljährlichen Extrabeitrag von 19 Pf. zu erheben. Von diesem Extrabeitrag erhalten die Funktionäre vom 1. Oktober ab eine Entschädigung von 30 Pf. für jede Sitzung. Be» schlössen wurde noch, für den Posten des ersten Vorsitzenden eine jährliche Entschädigung von 72 M. aus der Kasse zu bewilligen. Mit der Ausforderung zu tatkräftiger Mitarbeit bei der vom 8.'hiS IE. März stattfindenden roten Woche schloß Genosse Jahnke die Ver- sammlung. Jugendveranftaltmige«. Neukölln. Tonntag. den 1. Februar, Wanderung von Nordend«ach Mönchmühle-Witlenau. Treffpunkt 8 Uhr am Rathaus. Fahrt mit Linie 47. Fahrgeld 30 Pf. Trmpelhof.Marieodorf. Sonntag, den 1. Februar, abends 6 Uhr. im Jugendheim: Elternabend. Lichtbildervortrag!„Meine Harz- Wanderung". Referent: Herr HanS Maffow. Gesang- und Musikvorttäge. Rezitationen. Bringt Eure Eltern mit! Montag, den 2. Februar: Mufft- und Geiangabcnd. Dienstag, den 3. Februar: Mädchenabend. Mittwoch, den 4. Februar: Vortrag. Referent: Herr GIeßmaNn. Donnerstag, den 5. Februar: Lese- und Diskutierabend. Besucht rege unsere Veranstaltungen. Werbt für unsere Jugendbewegung! Marktpreise von Berlin aw2S. Januar 19X4, nach Ermittelungen des tgl. Polizeivräfidiums. Mais tmixed), gute Sorte 16,80—17,20, Donau 16,00—16,30. Mais(runder), gute Sorte 14,90—12,30. Richtitroh 0,00—0,00, Heu 0,00—0,00. 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Dr. Frenzcl(Z.) betreffend die Aus- legung einer Bestimmung des Wehrbcitragsgesetzcs er- widerr ' Untcrstaatssckrctär Jahn: Das auf Grund des Wehrbeitragsgcsetzes am 31. Dezember 19l3 festgestcllle Vermögen ist unverändert bei Feststellung der Ver- mögen im Jahre 1917 zugrunde zu legen. Es wird mit dem Er- gebnis der am 21. Dezember 1916 ermittelten Vermögen verglichen werden. Abg. Sittart(Z.): Tie Verlegung des 9 9. Jnfanterie-Reginients aus ?, abern nach den Baracken von Hagenau und insbesondere die Fortdauer der Verlegung wird, zumal sie in einen so harten Winter fällt, als eine schwere Bestrafung empfunden, und zwar nicht nur von den Beteiligten, sondern von dem Volke und in erster Linie von den Angehörigen derjenigen Ossiziere und Mannschaften des Regiments, welche leinen Anlag zu der Verlegung gegeben haben. Ich richte an den Reichskanzler die Anfrage, ob und lvie lange die bitter empfundene Bestrafung deS ganzen Regiments ausgedehnt werden soll, bezw. wann das Regiment wieder seiner früheren oder einer anderen Garnison überlvicscn werden soll? Generalmajor Wild v. Hohenborn: Es handelt sich bei der Verlegung der Garnison von Zabcrn durchaus nicht um eine Bestrafung derselben. Die Verlegung kann um so weniger als Strafe empfunden werden, als eine große An- zahl von Truppen seit dem 1. Oktober 1912 auf Truppennbungs- Plätzen untergebracht werden mußte. Eine Beantwortung der Frage selbst kann nicht erfolgen.(Heiterkeit rechts. Unruhe und Hört! hört! im Zentrum und links.) Hierauf wird die zweite Beratung de-Z Etats öes Reichsamts öes Innern beim Titel. S t.a a t s s e l r e t ä r" fortgesetzt. Abg. Wcinhauscu(Vp.): Wir sind gegen die Resolution der Konservativen in der Frage de» K o a l i t i o n s r e ch t s und wir erwarten, daß die Regierung in ihrer angekündigten Denkschrift auch die Auswüchse erfaßt, die auf feiten der Arbeitgeber vorkommen.(Sehr gut! links.) Wie wenig die Regierung die Stimmung der Arbeiter kennt, hat wieder der Vorgang auf dem Verbandstag der Gewerkvereine bewiesen, wo der Regierungsvertreter nach der Rede eines Referenten die Verhandlungen verließ. Man kennt eben die Sprache der Arbeiter nicht. Wie verschieden derselbe Begriff ausgedrückt wird, beweist das Wort Streikbrecher. Die ikonservaliven sagen dafür„Arbeits- willige", bei den Aerzten wurden sie„ N o t h e l f e r" genannt. Aber in der Sache ist es dasselbe: die Aerzte waren gegen ihre Nothelfer genau so erbittert wie die Arbeiter gegen ihre Streikbrecher,(«ehr richtig! links.) Eine wesentliche Förderung verdienen die gemeinnützigen R e ch t S a u s k u n s s st e l l e n die u. a. auch unseren jungen Juristen Gelegenheit geben, mit dem Volke in Verbindung zu kommen. Unbedingt notwendig ist die Schaffung eines einheitlichen Arbeiter- und A n g e st c l l t e u g e s e tz e s. Die Zersplitterung auf diesem Gebiet führt dahin, daß die einzelnen Angestellten überhaupt nicht Wiste», was für sie rechtens ist. Auch der deutsche Juristentag hat wieder- holt ein einheitliches Arbeiterrecht gefordert. In der sozialpolitischen Gesetzgebung verlangen meine Freunde einen weiteren Ausbau. zunächst im Staatsarbeiterrecht. Die für dieses Gebiet vom.Staatssekretär versprochene Denkschrift soll hoffentlich keine Verzögerung im Ergreifen praktischer Maßnahmen bedeuten. Die Herabsetzung der Alters- grenze für die Berechtigung zum Bezug der Altersrenten vom 70. aus das 65. Lebensjahr ist ja ein allgemeiner Wunsch des Reichs- lageS. Für die Heimarbeiter sollten endlich die F a ch a u s sch ü s s e ins Leben treten. Das Zögern der Regierung wird vielsach dahin gedeutet, daß sie befürchtet, durch die Fachausschüsse würde das ganze Elend der Heimarbeiter bekannt werden. Weiter wünschen wir die Ausdehnung der Schutzbestimmungen für das G a st w i�t s g e w e r b e auf viele in diesem.Ge- werbe beschäftigten Personen. Auch sollte das«chutzalter der Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr festgesetzt werden; das Reichsaml des Innern sollte sich dafür einsetzen, auch auf der internationalen Ärbeitcrschutzkonserenz die Schutzgrenze auf daS 18. Lebensjahr heraufzusetzen. ES ist bedauerlich, daß gerade die deutschen Vertreter den Ausschlag gaben für das 16. Lebensjahr als Schutzgrcnze.— Wir wünschen keine Pause in der Sozial- Politik, die wir nur aus Liebe zu unserem Voll, zum Wohle des Ganzen treiben.(Bravo! bei der Bolkspartci.) Abg. Dombek(Pole): Der letzte oberschlesische Bergarbeiterstreik, bei dem 90000 Arbeiter sich im Ausstande befanden, hat erneut die Notwendigkeit eines Reichs- einigungsamtes erwiesen, vor dem die streitenden Teile zum Ver- handeln gezwungen sein müssen. Katholische Arbeiter wurden dort entlassen, weil sie an hohen katholischen Feiertagen nicht arbeiten wollten.(Hört! hört! bei den Polen.) Die Förderung und die Preise der Kohlen sind enorm gestiegen: da sind die Berg- arbeitcr berechtigt, höhere Löhne zu verlangen und der preußische Fiskus hätte die Pflicht, den anderen Bergherren mit gutem Beispiele voranzugehen. Angesichts der ganzen Lage der Arbeiter mutet der Antrag Westarp eigentümlich an, der einen gesetzlichen Schutz gegen den Mißbrauch des Koalilions- rechts verlangt. Wir lehnen diesen Antrag ab. Akte des Terrorismus verurteilen auch ivir. Aber die Angaben über Terrorismus der Streikposten sind meist stark übertrieben. Redner kritisiert des weiteren scharf die Tätigkeit des Osimarken- Vereins in der Frage der Wanderarbeiter. Abg. Warmuth(Rp.):. Die Schwierigkeiten für den Mittelstand werden dadurch vermehrt, daß es an jungein Nachwuchs fehlt. Die jungen Leute gehen lieber in die G r o ß b e t r i e b e, in der Hoffnung, aus der Stufenleiter des Angestelltenlebcns eine möglichst hohe Stufe zu erklimmen. Diese Hoffnung erweist sich natürlich meist als trügerisch. Aber die Behauprung, daß der Turm des Mittelstandes allmählich ganz ab- bröckelt, ist doch nicht richtig. Nach der Statistik hat die Zahl der selbständigen kleinen Gewerbetreibenden zugenommen. DaS Gesetz über den unlauteren Wettbewerb muß ausgebaut werden. Ueber das AusvcrkaufSun Wesen sollten Erhebungen in der Richtung veranstaltet werden, ob es von den Detailisten überhaupt gewünscht wird. Den Hauptvorteil davon haben doch die Warenhäuser. In der Frage der Heimarbeit und der Kinder- und Jugendlichen arbeit stimme ich den An- regungen des Abg. Schmidt zu.— Der Auswüchse des Ausrufer- tums. wie sie sich insbesondere in den«traßeu Berlins zeigen, sollte sich Herr v. I a g o w einmal aiinehmen.— Dringend notwendig ist «in Depositcngesetz. Abg. Bchrcus(Wirtsch- Verg.): Die christlich-nationalen Arbeiter stehen auf dem Standpunkt der Leitenden Wirtschastspolitik. Die brennendste Frage ist, ob unser Wirt« schaftslebcn die Fortführung der Sozialpolitik noch ertragen kann. Tatsache ist, daß die Sozialpolitik eine der wesentlichen Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Ausschwung ist, denn sie schafft eine größere Leistungsfähigkeit der Arbeiter als Produzenten und als Konsumenten. Sie trägt auch zur Erhaltung der Gesundheit der Arbeiter bei, und ein gesunder Arbeiterstand ist ein nationales �Kapital von größter Bedeutung. Die dreiviertel Milliarden an Renten, die auf Grund unserer sozialen Gesetzgebung jährlich ausgezahlt werden, erhöhen wesentlich die Konsumkraft der Arbeiter. Die Gesunderhaltung der Arbeiter, die, was man nicht vergessen darf, mehr als zwei Drittel des Volkes ausmachen, ist auch wichtig für die Wehrhafligkeit der Nation.— Die so- genannte Ruhepause in der Arbeiterversicherung darf nicht etwa eine Ruhepause in der Sozialpolitik sein. Sic besieht nicht bloß im Gesetzemachen, sondern auch in der Durchführung der Gesetze. Einige Reformen, wie die Herabsetzung der Altersgrenze auf das 65. Lebensjahr, sind auch spruchreis. Das H e i m a r b e i t s g e s e tz. das wir vor zwei Jahren angenommen haben, ist auffallcnderweise immer noch nicht durchgeführt.— Unter den Staatsarbeitern ist besonders notwendig eine gesetzliche Regelung für die Arbeiter der Verkehrsbetriebe und der Betriebe der Vate'rlandSverteidignng, weil für diese das Streikrecht unistritten ist. Für die anderen staat- lichen Arbeiter, Bergarbeiter, Forstarbeiter usw. ist das Streik- recht nicht bestritten.— Dem Antrag, auch die Auswüchse des 5ioalitionsrcchts in A r b e i t g e b c r k r e i s e n festzustellen, stimme ich zu, damit die Regierung in die Lage kommt, eine wirklich paritätische Denkschrift vorzulegen.— Das Anwachsen der Werk- vcreinsbewegung ist in der Hauptsache zurückzuführen ans die Wirt- schaftlichc Krise und auf den sanften Druck von Arbeit- g e b e r s e i t c.«Abg. Dr. Arendt: Auf die verlorenen Streiks!) Nein, sie hat auch zugenommen in Gegenden, wo seit Jahren kein Streik geführt worden ist.-- Die ablehnenden Bescheide des Bundes- rats auf Beschlüsse des Reichstags sollten mit Gründen versehen werden. Der Reichstag täte gut, eine st ä n d i g e Kommission zur Beratung der sozialpolitischen Fragen ein- zusetzen. Die von einer solchen Kommission gefaßten Beschlüsse würden dann wohl mehr Beachtung beim Bundesrat sinden.— Die sehr loichtige Landarbeitcrfrage sollte nicht zum Gegenstand politischen Parteikampfes gemacht werden. Die Ursachen der Landflucht liegen nicht auf materiellem, sondern auf ideellem Gebiet. Da kommt in Betracht die leider übliche Miß- achtung der Landarbeit, die doch eine der volkswirtschaftlich wich- tigsten ist. Der Landarbeiterstand wird zu wenig geachtet, den Landarbeitern muß ein gesundes Standesbewußtsein bei- gebracht werden. Das Landarbeiterrecht ist völlig veraltet und viel zu kompliziert. Hier muß die Gesetzgebung eingreifen. Dazu kommt, daß die Landarbeiter öffentlich-rechtlich nicht den an- deren Bürgern gleichgestellt sind. Ferner sind die Lohn- Methoden nicht immer genügend der Neuzeit angepaßt. Um die Verhältnisse zu bessern, ist notwendig eine großzügige Reform des Landarbeiterrechts. In bezug auf die K o a l i t i o n s f r a g e haben lvir Provinzen mit absoluter Koalitionsfreiheit, die weiter geht als die der Industriearbeiter, und solche mit stark beschränktem Koalitionsrecht. Gestreikt wird aber in den Provinzen mit völliger Koalitionssreiheit weniger als in den Provinzen mit beschränktem Koalitionsrecht. Die' Furcht vor einem all- gemeinen E r n t e st r e i k ist ganz unberechtigt; ein solcher Streik könnte nur politische Motive haben, also nur in Frage kommen. Wenk die Sozialdemokratie mit ihren Ideen in die Land- arbeiterschaft eindringt. Der allgemeine Erntestreik ist daher wejent- lich eine Doktorsragc. Jedenfalls muß man versuchen, der Land- flucht Einhalt zu tun, und das kann nur geschehen durch eine groß- zügige Reform des Landarbeiterrechts.(Bravo! bei der Wirtschaft- lichen Bereinigung.)'' Abg. Tr. Becker-Bingen(bei.keiner Fraktion): Aerzte und Krankenkassen wollen ernstlich den Frieden; deshalb sollte man ihn nicht durch Besprechung von Einzelfällen hier im Reichstag gefährden.— Der Redner bringt dann Wünsche in bezug auf Aendcrung der ärztlichen Prüfungsordnung vor.— Weiter wünscht der Redner erhöhten Zolls chu tz für die Industrie der künstlichen Zähne.— Dafür, daß in der Sozialpolitik eine Ruhe- pause eintreten soll, daß an neue große Laste» durch eine Arbeits- losenversicherung nicht gedacht wird, dafür sind die Erwerbs- stände im Lande dem Staatssekretär dankbar. Abg. Molkcnbnhr(Soz.): Die Schutzzöllner sagen dem Schutzzoll alles erdenkbar Gute nach, die ganze Sozialgesetzgebung soll ohne ihn unmöglich sein, Dabei hat G r o ß br it an n i en, das keinen Schutzzoll hat, sogar eine Arbeitslosenversicherung, und seine Industrie ivird daran nicht zugrunde gehen. Freilich haben auch englische Fabrikanten bei Einführung von Schutzbestimmungen sür die Arbeitcr beständig geschrieen, sie könnten das nicht ertragen und müßten zugrunde gehen. Dickens hat weidlich darüber gespottet. Auch in Deutschland ist die Industrie nicht durch die Lasten der Sozialpolitik gefährdet. Sind denn alle Prophezeiungen in Er- süllung gegangen, die die Hochschlitzzöllner uns gemacht haben? Zunächst behauptete»mir ja, wir könnten viel bessere tandclsv ertrüge abschließen, wenn wir mehr Positionen im arif hätten. Nachher hat man Positionen, ivie z. B. den Ouebrachozoll, nur in Handelsverträgen mit Ländern aufgenommen, von denen wir gar kein Ouebracho beziehen. Dann sollte uns der neue Zolltarif vor Krisen bewahren. Aber gerade nachdem der rettende Tarif l'/z Jahre in Kraft war, kam die schwere Krise von 1906/7. Und jetzt'nach fünf Jahren leben wir wieder in einer Krise. Sie ist auch nicht etwa schwächer als in Freihandels- länderu. Im Gegenteil, die Arbeitslosigkeit ist bei uns größer als in England.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die große wirtschaftliche Blüte, die uns der Zolltarif gebracht hat! Auch der Rückgang der Viehproduktion in den Jahren von 1907—1912 steht im Gegensatz zu den Prophezeiungen der Schutzzöllner, z. B. deö Grafen P o s a d o w s k y. Gewiß wird die Viehhaltung wieder steigen, die Hungersnotpreise reizen ja zur Viehhaltung an. Im Zoll aber liegt eine Hemmung; denn wenn die Produktion den Bedarf deckt, fällt ja die Wirkung des Zolles auf den Preis fort. Vor Epidemien haben uns Zoll und Grenzsperren nicht bewahrt. Aber d� Geldwert ist dadurch um etwa ein Dutzend Milliarden gestiegen. Das ist jedoch keine Vermchrüng des Nationalvermögens, sondern stellt einen Verlust der Volksmasfen dar: denn dieser Wert ist ja nur der kapitalisierte Betrag der Ausbeutungsrate. die durch den Schutzzoll möglich ist.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ein Herabdrücken des Lohnes der Bergarbeiter z. B. wiirdc die Dividenden und damit den Wert der Bergwerke steigern.— Man hat gesagt, die Trusts wie in Amerika könnten bei uns nicht auf- kommen- gegen Tabak- und Petroleumtrust ziehe die Re- gierung vom Leder. Aber wie ist es mit dem Steinkohlen-, Roheisen- und Stahlwerksverbande? Daran denkt die Regierung nicht, dagegen vorzugehen. Wäre der Schutzzoll das einzige Mittel, die Produktion zu steigen,, so müßte in Ländern wie England ein Rückgang in der Entwickelung der Produktion eintreten. Aber merkwürdig ist, daß gerade in diesem Freihandelslande die Einfuhr mehr zugenommen hat, als im Schutzzollande Deutschland, und die Ausfuhr um ebensoviel. Ist also der wirtschaftliche. Aufschwung die Folge unserer Wirtschaftspolitik, wie kann dann England genau den gleichen Aufschwung haben l Es müssen also andere Ursachen sür den wirtschaftlichen Aufschwung maßgebend sein, und das ist in erster Linie die Intelligenz der Ardeiterschaft. Wat wir vor England voraus Hoden, ist die schneller wachsende Bcvölkcruugs- und Arbciterzahl. Sind denn die geschützten Industrien am meisten ausgeblüht? Die geschützte Wcißblechindustrie kann nur die H ä l f t e deS Bedarss Deutschlands decken, die andere Hälfte wird aus Großbritannien eingeführt. Die nicht geschützte Seeschiffindustric dagegen ist mächtig aufgeblüht, unsere stolzesten Schiffe sind in Deutschland selbst gebaut von einer völlig ungeschützten Industrie. Trotz der Schutzzoll- epidemie. die die ganze Welt verseucht, hat Großbritannien eisersüchtig darauf gehalten, seine Industrie ungeschützt auf der gleichen Höhe zu halten. NLut, für den industriellen Aufschwung sind ganz andere Ursachen maß- gebend. Wir haben sehr viele Naturschätze und eine zahlreiche intelligente Arbeiterschaft. Frankreich hat höhere Schutzzölle, mehr Naturschätze, hohe Intelligenz, aber leine so zahlreiche Ar- b e i t e r s ch a s t. Daran mag es liegen, daß in Frankreich der industrielle Aufschwung nicht so groß ist wie bei uns.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Interessant ist auch, daß gerade die größten Schutzzöllner die infernalischste» Gegner der Arbeiter sind. Einer Erhöhung der Schutzzölle sind immer Maßnahmen gegen die Arbeiter vorausgegangen. Ich erinnere nur an das Z u ch r h a u s g c s e tz vor dem letzten Zolltarif und die neuesten Bestrebungen auf Einschränkung des Koalirionsrechts. Die Schutzzöllner wallen mit solchen Gesetzen die Lohnkämpfe der Arbeiter lahmlegen und sie zu Leibeignen machen, l Sehr wahr! b. d. Soz.) Wenn die Arbeiter sich eine bessere Lebenshaltung erkämpfen wollen, heißt es immer, die Industrie kann es uichl tragen. Die Industrie kann die Lasten sehr gut tragen, denn mit der Besserstellung des Arbeiters wächst auch seine Leistungsfähigkeit Die. Leistungs' fähigkeit des Arbeiters wächst, wie ein englischer Fabrikant mit Recht sagte, mit der Große seines Beefsteaks.(Sehr gut! bei den sozial- demokraten.) 19l1 betrugen die Lasten unserer Arbeiterversicherung 442 Millionen Mark. Sie nennen das sehr viel, bei militärischen Rüstungen nennen Sie es sehr wenig.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Lohnhöhe betrug 16 Milliarden Mark, die Lasten der sozialen Versicherung also noch nicht 3 Proz. davon, aus de» einzelnen Arbeiter kommen 3 Pf., und das kann die Industrie nicht vertragen, schreien die Unternehmer. Sie fürchten nament- lich das Kommen einer Arbeitslosenversicherung. Aber es gibt kein Halten in der Sozialpolitik. Die Arbeiterschaft wird immer selbstbewußter und auch die Christ- lichen, die gegen die Sozialdemokratie gegründet worden sind, drängen darauf, daß den Arbeitern bei dem wirtschaftlichen Auf- schwung mehr Rechte gegeben werden. Die größte Zerstörung der Arbeitskrast liegt in dem Elend der Arbeitslosen. Es wäre sehr interessant, wenn einmal eine Untersuchung darüber an- gestellt würde, wieviel brauchbares Menschenmaterial und Arbeits- kraft durch die ArbeitSlosigkeir und ihre Folgen zerstört wird. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann wird man sehen, daß die gegenwärtige Gesellschaft doch recht un- sinnig handelt, daß sie solche Massen wertvoller Lolkslräfie zugrunde gehen läßr.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung mag wollen oder nicht, durch die Perhältnisse wird sie doch dazu gedrängt werden, etwas gegen die aller- schlimmsten Schäden der Arbeitslosigkeit zu tun.— Der Zolltarif besteht jetzt zehn Jahre. Wir Sozialdemokraten haben nichts von der Stellung aufgegeben, die wir 1902 dem Zolltarif gegenüber ein- genommen haben. Und ich glaube, die Massen v e r st c h c n u n s. Wie der damalige Zolltarif der eigentliche Anstoß wurde, daß wir zur Dreimillionenparter wurden, so würden Sie dieselbe Wirkung erleben, wenn Sie dasselbe Spiel wiederholen ivollten. Wir unterstützen die Handclsvertragspolitik, weil dadurch der Weltverkehr gefördert wird. Nur durch unsere HiUttind gegen die Konservativen kam ja die„rettende Tat" des russijchen Handelsvertrages zustande. Unsere Auffassung ist, daß die ganze Welt ein Wirtschaftsgebiet ist; je höher die Kultur in einem Lande ist, desto mannigfacher sind die Bedürfnisse und desto.meist ist jedermann auf die Produkte anderer Länder angewiesen.' Die gesundeste Wirtschaftspolitik ist die, durch Ivelche die Konkurrenzfähigkeit am besten gesteigert wird. Aber durch die Verteuerung der ganzen Lebenshaltung der Massen leidet unsere Konkurrenzfähigkeit, weil die Leistungsfähigkeit der Arbeiter sinkt, die eS gerade gilt zu steigern.(Sehr wahr! 6ct_ den Sozialdemokraten.) Diejenigen, die behaupten, daß nur der Schutzzoll und ähnliche Maßregeln unsere Volkswirtschaft aufrechterhalten können, lästern das deutsche Volk, indem sie sagen: Du bist so unfähig, daß du nur durch Gewaltmittel auf den Füßen erhalten werden lanust.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Abg. Emmiuger(Z.): Wir behaupten gar nicht, daß der Schutzzoll das einzige Mittel ist. die Industrie zu heben. Die Intelligenz der'Arbeiter unter- schätzen wir nicht. Jedenfalls war die Krise von 1907 in England schärfer als bei uns. Der Vorredner hat auch unrecht mit der Be- hauptung, daß Deutschland von Natur aus ein ebenso reiches Land sei wie England.— Der Redner tritt dann für einen Zoll auf Milch und Käse ein im Interesse der Milch- und Käseproduzenten im Allgäu. Von 1904—1912 sind die Milchpreise gestiegeil, jetzt jedoch sinken sie stark und die obcrbayerischen Milchbauern müssen ohne Zollschutz zu Grunde gehen. Weiter ist ein Rahm- zoll notwendig- als logische Ergänzung des Butterzolls; die zollfreie Einsuhr von Rahm ermöglicht die Um- gebuitg des Butterzolls, ohne daß der Konsument einen Nutzen da- von hat.(Zustiinmung im Zentrum.) Für einen gesetzlichen Dekla- rationszwang des Fettgehaltes von Käse und Milch kann ich mich nicht erwärmen. Ueber diese Forderung sind die Milchproduzcnten selbst sich nicht einig. Ihre Durchführung würde für die Milch- bauern auch mit einer Menge von Schikanen verbunden fem. Unsere Schutzzollpolitik soll vor allem auch dazu dienen, unseren Bauern stetige Preise zu sichern, sie zu schützen vor dem starken Schwanken der Weltmarktspreise. Auch unsere bayerischen Hopfenbauern be« dürfen eines stärkeren Zollschutzes. In einer schlimmen Lage be« finden sich auch die bayrischen Gerstenbauent. Reichsbankpräsid�nt Havenstcm wendet sich gegen die Forderung des Abg. Warmuth, die Banken einem ReichsaufsichtSamt zu unterstellen. Die bisherige Gesetzgebung auf diesem Gebiete habe durchaus gut gewirkt. Gegen Betrug und Bilanzverschleierung helfen aber keine Gesetze, auch lein Depositen- gesetz und kein Aussichtsamt. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Sonnabend 12 Uhr.___ Schluß 7»/, Uhr. Mbgeorönetenhaus. 15. Sitzung. Freitag, den 30. Januar 1914, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlcmer. Der domänenetat. (Abg. Delins(Vp.) klagt über Verzögerung der Aufteilung von Domänen zur Be» Hedelung. Abg. Tr. Wcndlandt(natl.) wünscht ebenfalls Domänenaufteilungen. Abg. Hoser(Soz.): Die gewaltige Preissteigerung der landwirtschaftlichen Produkt« lammt in tat Erträgmlle» zum&£* brutf. Die Domänen werden vielfach viel zu billig ver- pachtet, wobei ich aber nicht generalisieren will. Damit, dasi die Domäne dem der Verwaltung gcnelnnen Bieter zu- geschlagen wird, ist es nicht getan.' Die Verwaltung muh nach den Ursachen zu niedriger Pachterträge forschen. Falsche Be- triebsorganisation kann eine Ursache sein. Bei der Neuverpachtung müßte Wert darauf gelegt werden, daß solche Zweige der Landwirt- schaft betrieben werden, wie sie dem vorhandenen Boden entsprechen. Wenn sich ein passender, auch kaufmännisch tüchtiger Pächter nicht sindet, könnte die Domäne zeitweilig in eigener Regie ver« waltet werden. Durch eine sachgemäße Aufsicht würden die Pacht- ertrage bedeutend gesteigert. Das Volk, das die hohen Lebensmittelpreise bezahlen muß, hat ein Anrecht darauf, daß der Staat aus seinen Domänen höhere Einnahmen zieht. Die Domänen müßten Musterwirtschaften sein, insbesondere auch auf dem Gebiet der L a n d a r b e i t e r w o h n u n g e n. Anfänge dazu sind � ja � gemacht worden. Vielfach aber besetzen die Domänenpächter die vorn Staat errichteten Arbeiterwohnungen nicht und beschäftigen Polen, Russen und G a l i z i e r. Die staatliche Aussicht soll sich auch um die Eni- lohnung und Behandlung der Arbeiter kümmern, damit endlich auf den Domänen deutsche Landarbeiter wieder heimisch werden können. Die Domänen sollen aber auch technische Mn sterbetriebe fein, die Technil gibt uns längst die Mittel dazu an die Hand. Dadurch würde den Arbeitern die Enitearbeit etwas erleichtert, der Pächter bekäme seine Ernte schneller unter Dach, der preußische Staat seine sichere Pacht und das Volk schnell und gut gewonnenes Getreide. Mit Hilfe der Ueberlandzentralen könnten Maschinen von hober Vollendung verwendet werden und ei würde auch die Vorbedingung geschaffen für eine rationelle Viehzucht, während es jetzt noch viehlose Domänen gibt. Das darf bei der heutige» Fleischknappheit nicht geduldet werden, außerdem saugt eine viehlose Wirtschast das Land viel mehr aus und setzt den Wert der Domäne herab. Nach den amtlichen Zahlen wird auf zehn Morgen Domänenland noch nicht ein Stück Großvieh gehalten, während bereit? auf vier Morgen ein Stück Großvieh geholten werden müßte.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen den Ausbau der Staatsdomänen zu Musterbetrieben durchaus unterstützen und glauben, daß das ganze HauS gleichen Sinnes fein müßte. Wenn auf die von uns gezeigte Weise die Domänen deutsche Arbeiter erhalten, dann ist der Weg dazu auch den übrigen Gutsbesitzern gezeigt und dann wird die Drohung Ruß- lands mit dein Verbot der Abwanderung seiner Landarbeiter nach Deutschland hinfällig. Die Liberalen verlange» möglichst rasche Zer- schlagung des Domänenbesitzes und Verkauf an kleine Selbstwirt- schafter. Wenn wieder heimische Arbeiter angesiedelt werden, dann wird man nicht mehr eine Entvölkerung des platten Landes durch den Großbetrieb befürchten müssen. Gewiß könnten viel mehr Menschen auf dem Lande leben, wenn die Domänen und großen Güter zerschlagen würden, aber die land- wirtschaftliche Saisonarbeit dauert doch nur 4 Monate; in den übrigen acht Monaten kann der Großgrundbesitz mit dem dritten Teil von Familie» auskommen und die Saisonarbeit mit Hilfe der technischen Errungenschaften und Gelegenheitsarbeitern überwinden. der Kleinbetrieb aber müßte diese ganze Zahl von Menschen auch während der acht Monate dauernden stillen Zeit ernähren. Wie soll cj diese große Menschenzahl in der langen Zeit produktiv beschäftigen? Sollen die Leute wieder Hauswcberei treiben, Holzschuhe schnitzen und Leinöl herstellen? Was würde unsere Industrie dazu sagen? Wir würden einen Zustand bekommen, den unsere Gutsbesitzer heute ersehnen, der ihnen aber dann nichts nützen würde, weil die Güter zerschlage» werden. Mit je weniger Menschen aus dem Lande die notwendigen LebenSmiktel erzeugt werden, um so pra duklivcr wird diese Arbeit und um so mehr Menschen werden frei zur Erzeugung von anderen Kulturwerkeii. Auch für die Viehzucht ist der Großbetrieb durchaus vorzuziehen. Wenn er diese Aufgabe heute nicht entsprechend erfüllt, � so liegt das nicht am Können, sondern am Wollen. sHört I hört! bei den Sozial demokraten.i Bei dem heutigen Bodenwucher Verla, gen wir, daß der Staat seine Domänen festhält und sie nicht auch zum Svekulationsobjekt inacht. Gewiß kann es Ausnahmen im allgemeinen Interesse geben, wie z. B. die Domäne Dahlem bei Berlin um es kann sich auch ein Abtreten von Staatsland an Bauern empfeh.en. Wir setzen uns nicht etwa der Domänenzerschlagung entgegen, weil wir fürchtete», die Kleinbesitzer würden einen Damin gegen den So- zialiSmus darstellen.— Die Logik der sozialistischen Idee ist so stark, daß sie sich unter allen Umständen durchsetzen muß. Gerade unter den Bauern haben wir unzählig« Anhänger, blicken Sie nur nach Dänemarks Der gen offen schait- liche Gedanke greift unter den Bauern um sich: erst die Ver- wertungsgenossenschasten. dann die Zuchttiergenossenschafte» und schließlich die Maschinengenossensckasten. Diese Leute sehen dann, daß die Arbeitsleistung der genossenschaftlich gehaltenen Maschinen beeinträchtigt wird durch die kleinen Parzellen, über deren Grenzen hinaus man pflügen und erwerben will. Und so entstehen ganz von selbst sozialistische Produttionsgemeinschaften. Auch von da aus muß dein sozialistischen Gedanken der Sieg kommen. sBeifall bei den Sozialdemokraten.— Lachen rechts.) Wir wenden uns gegen die Zerschlagung der Domänen, um jeden Umweg zu vermeiden. Wenn bei einer strengeren Staatsaufsicht ein Tomänenpächter versagt, dann find wir bereit, die Mittel zu be- willigen für einen von denArbeitern genossenschaftlich geführten Domäne»betrieb. Mag sich die Verwaltung hierzu die geeigneten Kräfie unter den Landarbeitern heraussuchen. An einein solchen genossenschaftlichen Prinzip wären die Landarbeiter interessiert und könnten zeigen, was sie leisten können. Heute geht unsere Landwirtschaft in Form der Großbetriebe auf Krücken umher, sie muß immer höher subventioniert werden und glaubt sich nur dadurch halten zu können, daß sie die Taschen KeS Volkes ausplündert. Dieser landwirtschaftliche Großbetrieb geht seinem Untergang entgegen. In den sozialistischen Ar- beiter- und Bauer ngenossenschaften aber lvird auch die deutsche Landwirtschaft ihre Wiedergeburt feiern. sLebhafler Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ei» Antrag B o i s I h siiatl.) will die Regierung auffordern, bor dem Abschluß von Pacht- oder Kaufverträgen über Doinänen die Nachbargemeinde», sowie die AnsiedelungSgesellschaften zu hören, die nationalen Interessen zu berücksichtige» und zu prüfen, ob sich die Domänen nicht zur inneren Kolonisation eignen. Hierbei soll jeder Latifundienbildung entgegengewirkt werden. Abg. Nehren(Fl.) zweifelt die Richtigkeit der Angaben des Abg. Hoff über Domänen- Verpachtungen an nnd bestreitet, daß die Domänenpächter politische Stützen der Regierung seien. Wir förder» die innere Kolonisation n ur im Interesse des Vaterlandes und des kleinen Bauern.