Kr. 31. Abonnements-Bedingungen: raonnemeniä• Preis pränumerando! Lierteljährl. Z,SO MI. motiofl. 1,10 Mk, Ivöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg, Sonnlaas- Nummer mit Ulusiricrtcr Sonntags- Vellage„Die Neue Welt- 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Vretsliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich. Ungarn aSV Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Stumänicn. Schweden und die Schweiz. 61. Jahrg. CrfchtiDt täglich. Verlinev VolkesblAtt. Die Tnf(?rtions--Gcbüi)r vcirägt für die sechsgespallenc«olones. Zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersnuimlungs-Aiueigeu l« Pfg, „Mein« ilnrcigen", das scttgedrnrl'c Wort 20 Pfg.(zulässig 2fettgedrnU.e Worte), jedes toeiterc Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlafstellcnaii. zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes wettere Wort 5 Pfg, Worte über löBuch- ! laben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste sluinincr müssen bis » Uhr nachtnittags in der Expedition abgegeben iverden. Die Ervcdinon ist bis 7 Uhr abends gcöfsnet, Telegramm-Adresse: „SbzialdtinoKrat Rtrlia", Zcntralorgan der fozialdemoltrattrchen Partei Dcutfcblands. Redaktion: 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplati, Nr. 1S8S. Ziele des deutschen Imperialismus. Der tnodernc deutsche Imperialismus datiert seit Ende der 90er Jahre, als mit der ersten größeren Flottenvorlage die bekannte Flottenagitation der deutschen Professoren be° gönnen hatte. Damals gaben sich aber die Imperialisten noch wenig Rechenschaft von ihren Bestrebungen. Macht- und Welt- Politik war ihre Losung, ohne daß diese genauer definiert worden wäre. Bestimmte Aiele wurden nicht angegeben, und die offizielle Politik, die eine fieberhafte imperialistische Tätigkeit zu entfalten begonnen hatte, ließ diese Ziele ebenso- wenig klar erkennen. Ueberall wollte sie dabei sein, im nahen wie im fernen Osten, in Afrika wie in Südamerika. Niemand konnte sagen, was eigentlich die deutsche Diplomatie wünschte. Als die Bagdadbahnkonzession erlangt worden war. konnte man glauben, die deutschen Imperialisten würden sich auf„das große Kulturwerk" konzentrieren. Micht nichten. Mit dem Essen kam der Appetit, und sie träumten von einem Eroberungs- krieg gegen England, den sie mit Hilfe der gestärkten Türkei durchzuführen hofften. Die Ereignisse der letzten Jahre haben viele Träume der Imperialisten zerstört und sie nachdenklich gemacht. Es bc- ginnt eine kritische Analyse der Erpansionsmöglichkeiten, ein Abschätzen der Erfolge und der künftigen Aussichten. Solche Stimmen sind im allgemeinen nur vereinzelt anzutreffen. In der Flut der auf dem Markt tagaus und tagein erscheinenden imperialistischen Schriften verschwinden diese Stimmen wie ein Tropfen Wasser im Meere. Immerhin sind auch diese winzigen Schriften beachtenswert. Noch ganz im Sinne der alten imperialistischen Schriften träumt der kriegslustige General Fr. von Bernhards in seiner Schrift„U n s er e Zu k u n f t" von Welteroberun. gen und Weltherrschaft. Dagegen bekennt A. D i'x(„Deut- scher Imperialismus") offen, daß er keine Ziele fiir den deut- scheu Imperialismus sieht. Da er aber nicht bei diesem nega- tiven Resultat stehen bleiben will, hat er einen„mitteleuropä- ischen Staatenbund-Jmperialismus" ausgedacht,� der die „wirtschaftliche Annäherung und wechselseitige Kräftigung her Lande zwischen Elbe und Enphrat" aum Ziele haben soll. Dixens Schrift ist vor dem Balkankriege erschienen, konnte also die letzten Ereignisse auf dem Balkan noch nicht in Be- tracht ziehen. Die Schlußfolgerungen aus dem Zusammen- bruche der Türkei zieht eine anonyme Arbeit,„Deutsche Welt- Politik und kein Krieg", die der Annäherung an England das Wort spricht und empfiehlt, sich auf die Schaffung eines zentralafrikanischen Deutschen Reiches zu konzentrieren. Zu- nächst soll sich Deutschland in den portugiesischen Kolonien wirtschaftlich betätigen.„Die Erfahrungen der modernen Kolonialpolitik," so plaudert der anonyme Autor das diplo- matische Geheimnis aus,„lehre, daß man das Hauptgewicht darauf legen inuß, sich zunächst auf diplomatischem Wege wirtschaftliche Interessensphären zu sichern und diese sodann wirtschaftlich zu durchdringen. Das übrige findet sich von selbst." So will er auch die Annexion der portugiesischen Kolonien vorbereiten. Es ist bekannt, daß Deutschland sich tatsächlich auf diesen Raub der portugiesischen Kolonien vorbereitet. Verhandlungen in diesem Sinne werden mit aller diplomatischen Geheimnis- krämerei mit England geführt. Zugleich aber will die Re- gierung von Kleinasien und Mesopotamien nicht ihre Hand lassen. Hugo G r 0 t h e, der den Regierungskreisen nahesteht, erklärt in seiner Schrift„Die asiatische Türkei und die deutschen Interessen", daß Deutschland,' Frankreich und England ihre Interessensphären in der asiatischen Türkei genau abge- grenzt haben. England erhält Südmcsopotamien und einen Streifen an der türkisch-persischen Grenze, Teutschland das zentrale und südliche Kleinasien sowie das obere Mesopotamien als Einflußsphäre, während Frankreich Syrien und das nordöstliche Ana- tolien vorbehalten ist. Daß diese Abgrenzung der Ein- flußsphären ein Gewinn für Deutschland sei, wie H. Grothe glaubt, wollen nicht alle Imperialisten anerkennen. R. H c n n i g �(„Probleme des Weltverkehrs") betrachtet um- gekehrt dieses Abkommen für eine diplomatische Niederlage Deutschlands. Eine iltiederlage des früheren Imperialismus, der mit Hilfe der Türkei England bedrohen oder der Deutsch- lands Herrschaft bis zum Persischen Golf ausgedehnt sehen möchte, ist dieses Abkommen zweifelsohne. Für die materiellen Interessen deutscher Unternehmer, vor allem der Deutschen Bank, ist dieses Abkommen aber sicher günstig, schon des- halb, weil die Bahn Bagdad-Basra einen hohen Baugewinn verspricht. Wird aber dieses Abkommen die Türkei am Leben er- halten, wie dies I a e ck b und andere deuttche Türkenfteunde erhoffen? England hat die Eristenz der asiatischen Türkei auf 40 Jahre garantiert. Was aber aus solche Garantien SU geben ist. weiß jeder. Wird sich hier nicht das allgemeine „Gesetz" der modernen Kolonisation verwirklichen, von dem der von uns angeführte anonyme Autor spricht?� Ein Teil der Alldeutschen, mit W i r t h an der Spitze, drängt schon auf die Teilung der asiatischen Türkei. Genosse P a w l 0 w i t s ch meint, daß auch die maßgebenden Kreise des Deutschen Reiches keineswegs die Erhaltung der Türkei so unbedingt wünschen; sie wollen nur nicht erlauben, daß Deutschland bei dieser Teilung umgangen wird. Obgleich die kleinasiatischen Fragen noch bei weitem nicht gelöst sind, rollen die unermüdlichen Imperialisten neue Probleme auf. Als bedeutendstes darf man wohl das Projekt einer Bahn von K 0 n st a n t i n 0 p e l bis K i a n t s ch 0 u ansehen, von der zuerst ein Herr Landrichter a. D. Romburg und dann H e n n i g sprachen. Hennig meint sogar bei Bc- fürwortung dieses'Projekts/ daß„gerade jetzt der geeignetste Zeitpunkt fiir eine zielbewußte und vorsichtige deutsche Wirt- schaftspolitik in China gekommen" sei, die Tsingtau zum künftigen Hauptwelthafen des fernen Ostens machen könnte. An Plänen ist also kein Mangel, und der deutsche Jmpe- rialismus wird, wie es scheint, keineswegs dem Rate des anonymen Autors folgen und sich mit Zentralafrika be- gnügen wollen. Von einer Konzentrierung der deutschen Politik kann vorläufig noch keine Rede sein. Die deutsche Diplomatie hat aus den letzten Ereignissen sehr wenig ge- lernt, noch weniger aber ihre Berater, die Alldeutschen. - X— vas Ergebnis. Der Reichstag hat am Sonnabend die allgemeine sozial- und wirtschastspolitisckie Auseinandersetzung beendet. Am letzten Tage sprachen Abg. B a s s e r m a n n von den Nationalliberalen, Staats- sekretär Dr. Delbrück, Abg. Dr. W e n d 0 r f f von der fortschrittliche» Volkspartei, Graf Westarp von den Konservativen, Genosse Spiegel, von: Zentrum Dr. Fatzbender, zum zweiten Male der liberale BauernbundSsyndikuS Böhme, der Fortlchritller Schweickhardt. Genosse P e u s und zuletzt der von den Nationalliberolen an die Luft gesetzte Herr H e st e r m a n n- Mehrere Redner erwähnten das letzte schwere Bergarbeiter- Unglück. Die bürgerlichen Redner begnügten sich mit bedauernden Bemerkungen. Genosse Spiegel aber wies außerdem mit Recht darauf hin, daß solche Unfälle sich nicht so oft ereignen würden, wenn unser gesetzlicher Arbeiterschutz besser wäre,— Die Verhandlungen haben S Sitzungen in Anspruch genommen. Und sie sind nicht nutzlos gewesen. Sie haben vielmehr zu einem sehr wichtigen Ergebnis geführt: Sie haben Klarheit geschaffen über die Stellung des Reichstags und seiner einzelnen Fraktionen zu den wichtigsten sozial- und wirtichaftspolitischen Aufgaben, mit denen sich der Reichstag in den nächsten Jahren beschäftigen wird oder wenigstens beschäftigen sollte. Am ausführlichsten und lebhaftesten wurde unsere Handelspolitik besprochen, weil wir vor dem Ablauf der gegenwärtigen Handels- vertrüge stehen. Die Regierungen hatten zwar veriucht, in dieser Frage die Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien möglichst abzuschwächen durch die Versicherung, daß alles beim allen bleiben, unsere„bewährte Wirtschaftspolitik" in keiner Weise geändert werden soll. Wer nimmt aber noch die Ver- sicherungen der Regierungen ernst? Die Agrarier wissen zu gut, daß in der Politik nur ein entschiedenes Vorgehen Erfolg haben kann. Daher setzten sie sich leichten Herzens über die Bersicherung der Regierungen hinweg und machten einen Vorstoß gegen die an- geblichen Lücken der Wucherzölle. Sie beanspruchen noch mehr Wucherprosite und verlangen daher eine weitere Ver- teuerung der Lebenshaltung, mag die große Masse des arbeitenden Volkes darunter auch noch so sehr leiden.— Allerdings traten so offen nur einige Draufgänger auf. Jedoch ist es bezeichnend, daß sich solche Draufgänger bei fast jeder bürger- lichen Partei bemerkbar machen. Offenbar würden sehr viele bürgerliche Abgeordnete gerne den Spuren dieser ihrer Freunde folgen, wenn sie nicht vor der immer mehr wachsenden Zahl der sozialdemokratischen Stimmen und sozialdemokratischen Abgeord- neten Angst hätten. Daher arbeiten denn auch die Zollwucher-! Parteien unermüdlich daran, sich für den Fall zu rüsten, daß sich eine günstige Gelegenheit zur Auflösung des Reichstages und zu einer allgemeinen Hetze gegen die Sozialdemokraten bietet. Das Lockmittel zur Vereinigung der bürgerlichen Parteien im Kampf gegen die Sozialdemokratie soll ein neues Zwangsgesctz gegen die streikenden Arbeiter und die Gewerkschaften sein. Damit wollen die Agrarier auch die gewerblichen Unternehmer vor den Zollwucherkarren spannen. Die Aussprache im Reichstag hat ge- zeigt, daß ihnen dies bereits bei vielen bürgerlichen Abgeordneten gelungen ist. Und um dieses schöne Zusammenspiel der„schaffenden Stände" ja nicht zu stören, soll der so dringend notwendige Ausbau unseres gesetzlichen Arbciterschutzes und der Arbciterversichcrung des Reiches wieder auf die lange Bank geschoben Wersen. Tic sogenannte Bc- gründung dieser unverantwortlichen Schädigung der Arbeiter, wie sie der Staatssekretär für das Reichsamt des Innern jetzt im Reichs- tag vorgetragen hat, ist nicht nur sachlich ganz unzutreffend, son- der» steht auch im schroffen Widerspruch mit den Versprechungen fast aller bürgerlichen Parteien im letzten allgemeinen Wahlkampf. Trotzdem hat sich keine einzige bürgerliche Partei gegen die Ver- schleppung erklärt. Im Gegenteil ist der Staatssekretär gerade in diesem Jahre mit besonderem Lobe aus bürgerlichem Munde be- glückt worden. Dies hielt die bürgerlichen Parteien freilich nicht ab, auch einen solchen Redner vorzuschicken, der einige arbeiterfteundliche Redensarten machte. Auf eine solche Rede berufen sich dann bei den Wahlen die Parteien, um denen, die nichts von der wahren Haltung der bürgerlichen Parteien bei den entscheidenden Abstim- ExpedMon: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morittplatz, Nr. 1S84. mungen im Reichstage wissen, aufzubinden, als ob gerade sie bessere soziale Gesetze für die Arbeiter haben wollten.— Unsere Genossen im Reichstag sind den arbeiterfeindlichen Bc- strebungen der bürgerlichen Parteien entschieden entgegengetreten. Jetzt gilt es aber, die Lehren, die sich aus der Aussprache im Reichstag ergeben, in die weitesten Kreise des arbeitenden Volkes hinauszutragen. Die gegenwärtige Zeit ist wahrlich sehr ernst. Schwere Gefahren für die Arbeiter ziehen herauf. Zu dem schlech- tcn Geschäftsgang, zu den ungünstigen Arbeitsverhältnisscii, zu der großen Arbeitslosigkeit drohen uns jetzt auch noch neue Zwangs- gesetze, haben wir den Stillstand, ja hier und dort sogar einen Rückschritt in der sozialen Gesetzgebung, und schließlich soll uns eine weitere künstliche Verteuerung der Lebenshaltung auferlegt werden. So darf es doch unter keinen Umständen kommen. Ggen diese Gefahren muß sich jeder denkende Arbeiter mit allen Kräften wehren. die Grubenkatastrophe aufAeche Achenbach. Der Tod hat wieder einmal Einkehr in der Zeche „M i n i st e r A ch e n b a ch" bei Dortmund gehalten. Wenn auch die Befürchtung, daß die diesmalige Katastrophe die vom Dezember 1912 mit 30 Toten noch übertreffen würde, sich erfreulicherweise nicht bestätigt hat, so hat die Schlagwetterexplosion doch unsäglichen Jammer gesäiafseii. 22 Tote, die durch die Heldenmütigelt Kameraden aus der Tiefe heraufgeholt wurden, liegen in der Schreinerei der Grube aufgebahrt. Daneben sind 17 Bergarbeiter verletzt worden, von neun schwerverletzten sind bereits drei gestorben. Das Unglück hat also bisher 25 Todesopfer gefordert. In Brambauer herrscht tiefe Trauer. Auf den Straßen der kleinen Ortschaft stehen die Leute in Gruppen beieinander und besprechen die Folgen der Katastrophe. Manche Mutter und manche Tochter kehren tränenden Auges bom Zechenplatz zurück. Die Flagge auf dem Förderturm ist halbmast gehißt. Tie Toten liegen auf Stroh und sind mit grauer Leinewand bis zur Brusthöhe bedeckt. Kopf, Brust und Arme sind frei. Tie Mehrzahl der Toten ist V ö l I i g verkohlt und nur schwer erkenntlich, Kopf- und Barthaare sind abgesengt. Einem Toten ist die K i n n- lade zerschmettert, ein anderer hebt wie zur Abwehr beide Arme. Bei jeder Leiche liegt eixte Karte mit dem Nttinen des Toten. Die Angehörigen der Verunglückten defilierten am Sonnabend an den Leichen vorbei, wobei sich herz- zerreißende Szenen abspielten. Tie heldenmütigen Retter. Ueber die nach Bekanntwerden des Unglücks sofort eingeleitete Rettungsaktion wird uns von unserem am Unglücksorte weilenden Korrespondenten gemeldet: In das Dunkel des winterlichen Abendhimmels dring! von Zeche Achenbach der schrille' Pfiff der Dampfsireuc, fünf lang- gezogene lange Rufe, die erkennen lassen, daß drin gen deHilfe erforderlich ist. Der Telegraph trägt die Kunde zu den um- liegenden Zechen. In stürmischer Eile kommen die RcttungSmann- schaften per Auto, per Wagen und zu Fuß herbeigeeilt, um ihren Kameradett dort unten in Not und Gefahr beizustehen. Schon fahren sie mit dem Fördcrkorb in die Tiefe, die jetzt etwas nn- heimlich Gespensterhaftes hat. Sie dringen in die Strecken vor, mit Rauchhelmen und Sauerstoffapparaten ausgerüstet. Da hallt aus den Gängen ein schmerzhafter Schrei, ein Wimmern nach Hilfe. Ueber Brüche, aus denen in jedem Moment die Steinmasscn niederstürzen können, geht es mit Todesverachtung hinweg. Zuerst zu den Verletzten, die unter Verbrennungen und Durst zu leiden haben und nach Wasser verlangen, das fiir sie der sichere Tod wäre. Doch die Grube will ihre Opfer nicht freigeben. Ueber Eisen- schienen, die durch die Gewalt der Erplosion wie Spiralfedern gebogen sind, durch Schuttmassen hindurch müssen die Braven sich ihren Weg suchen. Doch es gibt für die Rettungsmannschaft kein Halt. Ist es nicht möglich, beim ersten Vorstoß in die Gänge einzudringen, wird ein zweiter, ein dritter Versuch gemacht. Man opfert das eigene Leben, um einem Kameraden Hilfe zu bringen. Die ersten Toten wurden in einem Querschlag gefunden. Ein Fahrsteiger und zwei Mann waren hier auf der elektrischen Lokomotive von der Explosion überrascht tvowen. Die Ver-. brenn u ngcn waren bei diesem Unglück um so furchtbarer, weil die Bergleute wegen der Hoheit Temperatur mit nackt ein Oberkörper arbeiten und deshalb schreckliche iLcrletzungcn erlitwn. Mittlerweile ist über Tage das Sanitätspersonal mit der Aufnahme der Verletzten beschäftigt, die in das Krankenhaus geschafft werden. Rasch verbreitet sich die Kunde zu den Hütten der Arbefter, wo die Angehörigen in banger Sorge warten, ob einer von den Ihrigen dabei ist. Diese traurigen Bilder wiederholen sich bei jeder Katastrophe. Gendarmen und Polizisten werden tn großer Zahl requiriert, denn sowohl bei Streiks als auch im Unglück ist der preußische Gendarm der Ordnungshüter. Zuerst war man allgemein der Ansicht, daß das Unglück einen größeren Umfang angenommen habe. Das Gerücht wurde dadurch genährt, da die Zechenverwaltungen er- fahrungsgemäß mft den Auskünften zurückhalten und die Größe des Unglücks nicht zugeben wollen, wie dies auf Radbot und Lothringen der Fall war. Liste der Toten. Die Rewgnoszierung der Todesopfer aus der Zeche Minister Achenbach bereitet die größten Schwierigkeiten, da die ineisten der Toten gräßlich verstümmelt sind. Bis gestern nachmittag ist es trotzdem gelungen. 16 Tote zu identifizieren, unter ihnen ist ein großer Teil polnischer Nationalität. Die gestern nachmittag aufgestellte vorläufige Liste der Toten umfaßt folgende Namen: Fahrsteiger Hermann Reinhardt, Hilfssteiger Konrad D i t t- � r i ch, die Bergleute Theodor W e l I m a n n, Edmund G a w e l. leck, Gustav Czwalina, Valentin Balcarek, Karl Fi scher, Hubert Beer. Karl Zajons, Heinrich Alborn, August K o n r a d. Johann Pollapotyski, Philipp L a b i s ch, Friedrich Czieszelski, Ernst Stephan, Leo Kurz. Von den Toten waren sieben verheiratet und neun lcdig. Die Beerdigung der Opfer findet voraussichtlich Montag nachmittag statt. Tie Untersuchung über die Ursache der Katastrophe hat noch nicht zu einem definitiven Ergebnis geführt. Nach den bisherige!, Ermittelungen scheint es indessen festzustehen, daß die Explosion in dem westlichen Teil der Arbeitsstätte von Flötz 19 entstand und von hier aus auf andere Llbteilungen übersprang. «* * Em neues Unglück. Dorsten, 31. Januar. Auf der Zeche �ürst Leopold sind in der Nacht drei Bergleute durch hereinbrechende Ge> steinsmassen eingeschlossen und bisher noch nicht g e» borgen worden. Ihr Schicksal ist unbekannt. Die Rettungsarbeiten dauern fort. Um öas Koalitionsrecht. Gelbe Arbeitswillige und grüne Bordelle. Zu der famosen Bestätigung, die uns der gelbe Fleischer- gesellenbund in Form einer„Berichtigung" über den Zusammen» hang zwischen gelber Führerschaft und Bordellbetrteb sendete, teilt uns noch die Redaktion deS Organs des Zentralverbandes der Fleischer und Berufsgenvsscn Deutschlands,„Der Fleischer", einige Ergänzungen mit, die zeigen, was von dem Versuch der Gelben zu halten ist, Herrn Rolle ein wenig von sich abzuschütteln: Im Juni 1911 erklärte die Magdeburger Brüderschaft der Flcischergcsellcn ihren Beitritt zum gelben Bund der Fleischer- ' gesellen. Der Altgeselle und Brüderschaftsvorsitzende E ruft Rolle war die treibende Kraft dieses Anschlusses. Er hat mit allen Mitteln gegen die Organisation, die damals versuchte, in Magdeburg Fuß zu fassen, gearbeitet. Tie Geschäfts des gelben Bundes für Sachsen und Anhalt hat Ernst Rolle als Bundes- Vorsitzender seit Bestehen geführt. Alle offiziellen Bekannt- machungcn usw. sind von ihm als Vorsitzender unter- zeichnet. Auf der Telcgiertenversammlung des gelben Zweig- bundeS vom 7. Dezember 1913 in Magdeburg wurde nach dem Bericht der„Deutschen Fleischergesellen-Zeitung", des gelben ofsi- Miellen Bundesorgans, dessen verantwortlicher Redakteur Herr Otto 'Brednow ist, E r n st R o I l e e i n st i m m i g zum BunbeSvor- sitzenden w i e d e r g e w äh l t. Ter Lordellbetrieb' der Frau Rolle konnte den führenden Bundesmitgliedern nicht unbekannt fein, da im„Fleischer" schon einigemal darauf angespielt wurde. Die„Deutsche Fleischergesellen-Zeitung" hat bis heute noch nicht mitgeteilt, daß Rolle sein Amt„niedergelegt" habe. Auch die den Gelben jederzeit zur Verfügung stehende„Allgemeine" und die„Deutsche Fleischerzeitung" haben bis heute noch nichts über die Angelegenheit Rolle gebracht, auch nichts von seiner Amts- niederlegung, obgleich sonst diese Blätter jederzeit bereit sind, über alles im gelben Bund zu berichten und den Zentralverband nach allen Regeln anzuschwärzen. Die Angaben Brednows in der Be- richtigung, daß Rolle sein.Amt sofort nach der Wahl niedergelegt hat, entsprechen nicht der Wahrheit. Rolle ist noch nach seiner ansang? dieses Jahres im„Fleischer" erfolgten Kennzeichnung Kundesvorsitzender gewesen. Das mag den Gelben sehr uncm- genehm sein, trifft aber doch zu. Soweit die-Bemerkungen des„Fleischer". Ob Herr Rolle heute noch Vorsitzender bei den Gelben ist, erscheint uns unerheblich, da unzweifelhaft feststeht und von dem Organ der Gelben bestätigt ist, daß er zum Vorsitzenden gewählt ist, und da Rolle unstreitig bis in die jüngste Zeit hinein eine führende Stellung bei den Gelben einnimmt, und zwar nicht nur, wenn der Weg nach den grünen Fensterverschiägen der Nr. 43 des 5woch«rhaueruferS in Magdeburg zu zeigen ist. Tie Figur Nolles darf in der Denkschrift der Reichsregierung gegen„Tcrrorismus" nicht fehlen. Wie Terrorismusanklagcn entstehen. Im November vorigen Jahres brach in der Mannheimer Kar- tonnagcnfabrik von Hirschland u. Schiettinger ein Streit aus. Ein Kartonnagcnarbeiter wurde beauftragt, die Streikposten zu ton- trolliercn. Bei Erledigung dieses Auftrages traf er eine Arbeiterin vor den Toren des bestreikten Betriebes, die als Arbeits- willig tätig war. Der Arbeiter inachte sie auf ihr verwerfliches Tun aufmerksam und forderte sie in ruhiger Weise auf, sich den -Streikenden anzuschließen; sie werde genau so unterstützt wie diese. Diese Unterredung wurde von dem. einen Firmeninhaber beob- achtet, der dann die Arbeiterin über den Inhalt des Gesprächs aus- fragte und ihr den„guten Rat" gab, sich an einen Schutzmann zu wenden. Gesagt, getan. Polizeiprotokoll wurde gefertigt. Danach gab die Arbeiterin an, sie sei bedroht worden, denn der Karton- nagenarbeiter habe ihr gesagt,„es sei notwendig, daß man ihr auf die Backen schlage, daß sie den Boden suche. Die ganze Gesellschaft der Arbeitswilligen im Betriebe gehörte angezündet." Im weiteren Verlaufe der Untersuchung nahm die Arbeiterin den letzten Teil der angeblichen Aeuherung als unwahr zurück. Trotzdem wurde An- klage aus Z 163 der Gewerbeordnung erhoben. In der VerHand- lung vor dem Mannheimer Schöffengericht nahm jetzt die Arbeiterin auch den ersten Teil ihrer Beschuldigung zurück; sie stellte überhaupt die ganze Sache wesentlich anders dar als ursprünglich, so daß sich der Gerichtsvorsitzende zu dem Hinweis veranlaßt fühlte, daß sie ihre Angaben schon dreimal geändert habe und sie sich darum nicht wundern dürfe, wenn das Gericht ihr keinen Glauben beimesse. Das Gericht verzichtete denn auch auf die Vernehmung der Entlastungszeugen, auch auf die des Firmeninhabers. Der Amtsanwalt selbst beantragte Frei- f p r e ch u n g. Das Gericht beschloß dem Antrage entsprechend und bürdete alle Kosten, einschließlich der der Vertcidi- gun g, der Staatskasse auf. Wodurch ist die Arbeiterin so terrorisiert worden, daß sie die falschen Angaben machte, die zu der überflüssigen Anklageerhebung führten?. Mrd die Reichsregierungsdenkschrift das mitteilen�, Die Arbeitslosigkeit. Arbeitslosendemonstration. Am Freitagnachmittag wurden in Düsseldorf zwei stark besuchte Arbeitslosenversammlungen abgehalten. Nach Schluß der Versammlungen zogen mehr als tausend Arbeits- lose durch die Stadt. Die Polizei versuchte mit einem starken Ausgebot an Berittenen und Fußmannschaften an jeder Straßenkreuzung den Zug zu sprengen. Die Demonstranten fanden sich aber immer wieder zusammen und führten ihre Demonstration bis gegen Dunkelwerden aus. Wer fördert die Arbeitslosigkeit? Daß die„nationale Wirtschaftspolitik" der zollgeschütztcn In- dustrien die Arbeitslosigkeit vermehrt, das wird nun auch im „Reichs-AröeitSblatt"— Nr. 1, 1914— bestätigt. In dem Bericht aus der Eisen- und Metallindustrie wird unter anderem als Ursache schlechteren Geschäftsganges bei Eisengießereien bemerkt, daß„das Roheisenshndiiat zu erheblich billigeren Preisen das Roheisen ins Ausland geliefert habe, wodurch das Ausfuhrgeschäft für Eisen- gießereien und Maschinenfabriken empfindlich geschädigt worden sei". Auf dem Inlandsmarkt wurden„die verhältnismäßig hohen Preise des Roheisens... nicht der weichenden Konjunktur an- gepaßt". Betriebseinschränknngen waren die Folge. So wird durch die vielgepriesene Politik des„Schutzes der nationalen Arbeit" die Arbeitslosigkeit im Jnlande gefördert. Die Zechen- und Hütten- Magnaten, die durch ihre Zoll- und KartellpolitiZ die Arbeitslosigkeit mehren, sind aber gerade die ärgsten Feinde der Arbeitslosen- Versicherung. Gemeindliche Arbeitslosenfürsorge. Der Stadtrat von Karlsruhe(Baden) hat ein Statut über Arbeitslosenunterstützung erlassen. Bisher wurde schon Arbeitslosenunterstützung in einzelnen Fällen aus Wohltätigkeits- Mitteln gewährt, aber da die Armenbehörde solche Gesuche begut- achten mußte, wunde wenig Gebrauch davon gemacht. Nach dem jetzigen Statut werden täglich 70 Pf. für ledige und 1 M. für verheiratete Arbeitslose gewährt. Für jedes Kind unter 15 Jahren wirb eine weitere Zulage von 10 Pf. bezahlt, der Höchstbetrag von 1,69 M. pro Arbeitstag darf aber nicht überschritten werden. Die Stadtverwaltung hat für das Jahr 1914 4000 M. für solche Zwecke in Anschlag gebracht. Staatsbeihilsen zur Arbeitslosenversicherung. Der Budgetausschuß des österreichischen Abgeordneten- Hauses hat einen sozialdemokratischen Antrag angenommen, der die Regierung auffordert, im ersten Halbjahr 1914 zwei Millionen Kronen als Zuschüsse zur geWerk schaft»- l i ch c n Arbeitslosenunterstützung herzugeben. Die„Christlich- sozialen", die in Wien die Einführung der Arbeitslosenunterstützung ablehnen, stimmten auch gegen die Staatszuschüsse!! In derselben Sitzung wurde auf Antrag des Genossen Dr. Renner auch eine Verlängerung der Steuerfreiheit für Neubauten beschlossen, die die Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter wesentlich einschränken würde. Endlich sprach sich der Ausschuß für zweijährige Gehaltsvorrückung der Eisenbahner aus. Eiuc Arbeitslosenversammlung in Brüssel. Aus Brüssel wird uns geschrieben: Die in anderen Städten so bekannte Erscheinung der von de:, sozialistischen Parteien oder Gewerlschgften veranstalteten Arbeitslosenversanunlungerl war für Brüssel bisher Unbekannt. � Die am 27. Januar von der Brüsseler Föderation der. Arbeiterpartei einberufene ArbeitSlosenversamm- lung war daher ein Novum. Rechnet man damit, daß die von der Arbeitslosigkeit Betroffenen zum geringsten Teil Brüssel selbst be- wohnen, sondern die ländlichen Distrikte, so ist das Gelingen dieses ersten Versuches um so höher anzuschlagen. Im Saal drängten sich an 1200 Arbeitslose. Den Vorsitz führte der Sekretär der Metall- arbeiter, Solan. Heber die Arbeitslosigkeit, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung sprachen die Vertreter der Handelsangestellten, der Holzarbeiter und Camille Huysmans. Die von Hnhsmans verlesene Resolution verlangt die obligatorische Arbeitslosen- Versicherung, und bis zu ihrer Realisierung Unterstützung der Arbeitslosen durch den Staat, die Provinz und die Gemeinde. Nach der Versammlung begaben sich die Arbeitslosen in geschlossenem Zuge zu einer improvisierten Manifestation durch die Stadt. politische Uebersicht. Sozialistenhetze. Keine Gelegenheit lassen die geschworenen Arbeiterfeinde vorüber- gehen, ohne gegen die Sozialdemokratie und die freien Gewerk- schasten zu Hetzen. Am Sonnabend benutzten sie im Abgeordneten- Hause die Beratung des Etats der Forst Verwaltung, um plötzlich unter Führung des Ministers Frhrn. v. Schorlemer- L i e s e r, der dadurch wohl seinen Befähigungsnachweis für den Statthalterposten in Eli'aß-Lothringen erbringen wollte, über die Sozialdemokratie herzufallen. Nach Art seines Kollegen von der Eisenbahnverwaltung verkündete er, daß die Forstarbeiter sich nicht organisieren dürften, ja auch gar keinen Grund dazu hätten, da ihnen ja� der Beschwerdeweg bis in die höchste Instanz offen stehe. Natürlich fehlte es in dieser Rede auch nicht an ven üblichen Schlag- Wörtern über sozialdemokratischen Tcrrorismus, Aufhetzung der Land- arbeiter u. dgl. Die Antwort erteilte dem Minister der Genosse Hofer. und als noch ein konservativer Redner, Abg. Dr. Meyer, sich gemüßigt fühlte, dem Minister beizuipringen und den Versuch machte, ihn in Scharfmacherei noch zu übertrumpfen, da mußte dieser Herr sich von unseren Genossen Adolf Hoffmann und Hirsch nachweisen lassen, daß er eine selbst für daS Junkerparlament unglaubliche Unkenntnis über politische und gewerkschaftliche Fragen besitzt. Die weitere Erledigung des Etats der Forstverwaltung vollzog sich ohne Zwischenfall. Am Montag fällt die Sitzung wegen deS katholischen Feiertags aus. Am Dienstag steht als erster Punkt eine Interpellation Brust(Z.) über daS neueste Grubenunglück auf der Tagesordnung. Die«eue Regierung Elsast-LothringenS. Ueber die Veränderungen, die in der Regierung Elsaß- Lothringens vorgenommen worden sind, verbreitete Wolffs Telegraphen-Bureau gestern abend nachstehende Notiz: Wie schon bekannt, hat sich der Statthalter in Elsaß-Lothrmge« Graf von Wedel auf Wunsch des Kaisers bereit erklärt, noch einige Monate auf feinem Posteu zu bleiben. Dem Staatssekretär Freiherrn Zorn von Bulach ist die nachgesuchte Dieustent- lassung unter Verleihung der Krone zum Roten Adlerordcn 1. Klasse erteilt, auch ist er vom Kaiser auf Borschlag deS Bundesrats in die Erste Kammer deS elsaß-lothringische» Landtags berufe« worden. Ferner hat Seine Majestät bei Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche dem Unterstaatssekretär Dr. Petri den König- lichen Kronenorden 1. Klaffe und dem Unterstaatssekretär Maudel den Stern zum Roten Adlerordea 2. Klaffe verliehen. Ter Unterstaatssekretär Köhler wirb in seinem Amte ver» bleiben. Zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen ist der O ö e r p t ä f i- dialrat Gras von R ordern in Potsdam ernannt; er wird auch die Leitung der Abteilung des Innern im elfass-lothringischen Ministerium übernehmen. Zum Leiter der Abteilung für Land- Wirtschaft und öffentliche Arbeiten, die bisher vom Staatssekretär geleitet wurde, ist der zum Unterstaatssekretär ernannte bisherige Bortragende Rat im Reichsamt des Innern, Geheimer Ober- regierungsrat Freiherr von Stein ansersehen. Die Entscheidung über den Nachfolger des Untcrstaatssekrrtärs Dr. Petri ist noch vorbehalten. Weitere Zuspitzung des Streites der Bischöfe. Tic Angriffe der gekränkten Bischöfe gegen den Kardinal Kopp werden immer robuster. Aller Respekt vor der kirch- lichen Autorität schwindet. Des„Ernstes der gegenwärtigen Situation" wegen folgt eine Erklärung der andern. Das „Wests. Volksblatt" läßt sich, wie bereits gemeldet, von seinem Bischof Schulte jetzt in aller Form die„absolute Richtigkeit sämtlicher Angaben", die es bisher in der Sache gemacht hat, bestätigen. Die Erklärung prangt in auffallendem Druck an der Spitze des Blattes. Mit anderen Worten, der Bischof Dr. Schulte unterschreibt die von dem„Wests. Volksblatt" gegen den Kardinal Kopp erhobene Beschuldigung, daß er es in seinem Brief an den Grafen Oppersdorfs mit der Wahr- heit nicht gerade sehr genau genommen habe. Jedenfalls ein recht bedenklicher Vorwurf gegen den höchsten Kirchenfürsten Deutschlands! Und das Paderborner Bischofsblatt fügt in derselben Nummer, in der es seinen Lesern die Bestätigung des Bischofs Schulte serviert, gleich noch einige neue Sticheleien auf Se. Eminenz hinzu. Es meint: „Wenn der Herr Kardinal seiner Aussprache gegenüber dein Bischof von Paderborn in dem Briefe vom 1. Dezember 1912 die Bedeutung beilegte, die er jetzt in dem Briefe an den Herrn Grafen von Oppersdorfs ihr allein Anscheine nach beilegt, so ist es durchaus unbegreiflich, daß er über sie demGe- samtepiskopat bis jetzt in Unkenntnis ließ, daß er jünger denn ein volles Jahr vor den Mitgliedern der Fuldaer Konferenz völlig schwieg, daß erst ein Brief des Herrn Grafen von Oppersdorfs ihn dazu zu bringen vermochte. über eine soernsteundsofolgenschwercSachc, deren amiliche Verantwortung auf ihm ruhte, sich zu äußern." Der Mut ist, wie es scheint, bei der Kölner Richtung im Zunehmen, die Schläge gegen den Kardinal, der den christ- lichen Gewerkschaften diesen unerhörten Streich spielte, der- stärken sich mit dem Erscheinen jeder neuen ZeituNgsaummer. Wo so sich alle Bande frommer Scheu lösen, da müssen tat- sächlich Befürchtungen umfassendster Art wachgerufen worden sein. Die römischen Schildhalter der Kölner Färbung schrecken denn auch nicht mehr davor zurück, besondere Minen springen zu lassen. Der nachstehende gesperrt gedruckte Satz im»Wests. Volksblatt" ist dafür ein deutlicher Beweis: „Wir können aus bestimmtester Kenntnis �der Tatsachen noch hinzufügen, daß der Bischof von Paderborn über sämtliche Vorgänge, die mit der Interpretation vor und nach dem Essener Kongreß zusammenhängen, d e in H e j l i g e n S t ü h l e von Anfang an iund vis in die jüngste Zeil' be» ständig uiid rückhaltlos Bericht erstattet c." Zugleich geht die klerikale„Essener Volksztg." mit aller Verve gegen Kopp vor. Sie erklärt: „Solveit wir unterrichtet sind, ist es zutreffend, daß der Papst den Frieden im Gewerkschaftsstrelt wünscht und in diesem Sinne sich auch Bischof Schulte gegenüber bei dessen jüngstem Besuch in Rom ausgesprochen hat. Ohne Zweifel darf angc- nommen werden, daß die übrigen Mitglieder des Episkopates sich auf die Seite deS angegriffenen Paderborner Oberhirten stellen." Das mag richtig sein. Sicherlich ist dem Vatikau der Streit im deutschen Episkopat durchaus zuwider, denn so klug ist man auch in Rom. daß man einsieht, das Ergebnis der gegenseitigen Beschuldigungen werde unbedingt das Ansehen des hohen Klerus bedenklich beeinträchtigen. Auch die Mit- teilung, daß die meisten Mitglieder des Episkopats mit Dr. Schulte sympathisieren, dürfte richtig sein: denn Kardinal Kopp hat in seiner Herrschsucht gar manchem auf die Zehen getreten. Aber das alles schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß der Breslauer Fürstbischof in Rom starke Freunde hat und seine Auffassung der Gewerkschaftsffage dort dominiert. Das gibt auch eine allem Anschein nach»ils dem Kölner Zentrumslager stammende Zuschrift an die„Köln. Ztg." zu. Es heißt dort: „Die Kundgebung des Kardinals Kopp bedeutet eine Brüs- kierung des gesamten deutschen Episkopates, die, abgesehen von den zwei Parteigängern des Kardinals, von allen deutschen Ober- Hirten mehr als peinlich empfunden werden dürfte. Mehr als einer der durch den Koppfchen Brief an den Grafen Oppersdorf bloßgestellten Bischöse dürfte es bereuen, sich bei den Fuldacr Konferenzen gegenüber der von Jahr zu Jahr gestiegenen Heftig- keit Kardinal Kopps nachgiebig gezeigt zu haben. Schon seit einiger Zeit sind in den beteiligten Kreisen Klagen über daS gewalttätige Auftreten des Fürstbischofs von Breslau bei die«»» Versammlungen geführt worden. Der Kardinal hatte mit za- nehmendem Alter sich einen Ton angeeignet, der nicht nur die jüngeren Mitglieder der Fuldaer Konferenzen verstimmte. Tie Schärfe insbesondere, mit der er dem verstorbenen Kardinal- erzbischof von Köln, Fischer, wiederholt begegnete, führte zu un- liebsamen Auftritten und hinterließ bei den ruhiger gesinnten Teilnehmern wenig erfreuliche Eindrücke. Kardinal Kopp ist alt und eigensinnig geworden, und da seine Ansichten sich mit jenen der derzcit maßgebenden Strömu n g im Vatikan decken, steht hinter diesem seinem Eigensinn die Autorität des Heiligen Stuhls, die von den polnischen Zwischenmännern, über die Graf Oppersdorfs an der Kurie verfügt. mit Geschick zugunsten der Berliner Richtung beeinflußt wird. DaS alles find Dinge, die in kirchlichen Kreisen übel vermerkt werden. Der deutsche Episkopat dürfte es auf die Dauer nicht ertragen können, sich unter die Fuchtel eines einzelnen Mannes beugen zu müssen, der. das Ansehen seiner Sonderstellung nicht in den Dienst friedlichen Ausgleichs, sondern des Haders und der künstlich aufgebauschten Mitzverständ- nisse stellt. ES scheint, daß Kardinal Kopp seinen letzten Aufent- halt in Rom nach der Richtung hin benützt hat, daß er sich mit iieuen und schärferen Instruktionen gegen die christlichen Ge- werkschaften versah. Diese EntWickelung deS alten, früher ge- rade wegen seiner Versöhnlichkeit und seines friedliebenden Sinnes hochgeschätzten Mannes weckt in kirchlichen Kreisen ernste Besorgnisse. Sie ist fast unverständlich, wenn man den hohen Grad von Rücksichtslosigkeit beachtet, den Kardinal Kopp gegen. über seinen Mitbischöfen an den Tag legt, denen er letzten Ende« daS katholische Empfinden doch nicht dürste absprechen kSm»». Zln erster Stelle kommt hier der Bischof von Paderborn in Be- kracht, der allen Anlaß hat, sich über das wenig amtsbrüderliche Verhalten Kopps zu beklagen." Zentrum und Konservative. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die dem Abg. Dr. Porsch, dem Vorsitzenden der Zentrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses, nahestehende.Schlesis che VolkSzeitung" in ihrer Nummer 43 vom 28. Januar einen Artikel, der besonders hinsichtlich der Frage„Zentrum und Wahlreform" von großer Be- deutung ist. Das Breslauer Blatt gibt einer Zuschrift Raum, die sich mit der Rede deS Grafen Schwerin-Löwitz auf dem konservativen Parteitag befaßt. Der Graf hat dort das Bestehen eines Programms der„ganzen Demokratie" behauptet, das so aus- sehen soll: „1. Erweiterung der verfassungsmäßigen Rechts deS Reichs- tages bis zur vollen parlamentarischen Regierung; 2. Einschränkung der obersten Kommandogewalt deS Kaisers und 3. Demokratisierung des preußischen Wahlrechts oder, wenn dies nicht zu erreichen. Mediatisierung Preußens und der übrigen Bundesstaaten durch Vernichtung ihrer finanziellen Unabhängigkeit." Dazu bemerkt der Artikel deS ZentrumSblattes, Graf Schwerin Habs Einsicht genug,„um zu erkennen, daß die konservative Partei für sich allein den Abwehrkampf gegen die„ganze Demokratie" nicht zu führen vermag, sondern daß sie Unterstützung braucht einer- seits von der Regierung und andererseits„von den anderen, heute noch fest auf monarchischem Boden stehenden Volkskreisen und Parteien"." Deshalb werfe er auch Nationalliberale und Zentrum nicht gleich zu den„Demokraten", aber er wolle sie möglicbst bald zu einer klaren, unzweideutigen Stellungnahme in diesem Kampfe zwingen. Dazu bemerkt der Verfasser des Artikels der„Schlesischen VolkSzeitung", mit dem„demokratischen Programm" Hobe daS Zentrum nichts zu schaffen. Das Zentrum wolle 1. keine „parla in entarische Regierung" anstreben, 2. wolle eS die Kommandogewalt unangetastet lassen, und weiter: „D.as Zentrum will 3. Preußen im cht de mo- kratisieren und auch nicht mediatisieren. Sein Ver- halten in Sachen der Wahlreform können die Konservativen am wenigsten tadeln, da das Zentrum bei der letzten Verhandlung mit der konservativen Partei e-in Wahlre chtSkompromiß getroffen hatte."; Das ist allerdings„klar" genug. Auf den Schwindel, daß das Zentrum bei der„Wahlreform" nur deshalb mit den Konservativen zusammengegangen sei. um das Mögliche zustande zu bringen, ver- zichtet der Verfasser; er gibt unumwunden zu, daß daSZentrum den Konservativen zuliebe, auf deren Kampfgenossen- schast es entscheidenden Wert legt, eine wirkliche Res arm hintertrieben hat' Auf'den gleichen Ton ist ein weilerer Artikel gestimmt, der sich der Zuschrift anschließt und wie folgt beginnt: „In der letzten Zeit scheinen Konservative und Zentrum nicht so.zueinander zu stehen, wie es in beiderseitigem I n t er- c s s e erwünscht wäre; denn darüber kann und darf kein Zweifel herrschen, daß eS nach wie vor eine ganze Reihe von bedeutsamen politischen Fragen gibt: in denen Zentrum und Konservative züsanimen- arbeiten müssen, soll nicht das gesamte Volkswohl erheb- -Archen Schaden leiden, abgesehen davon, daß' sich aruh'rnr großer 'TeilAua b� i.d e rj.e.ir>.g.e u..P r o p.r.a m m p u u.kt e. nur�daall. (wirksam nach außen zur Geltung bringen läßt, wenn beide Par- leien die gegenseitige Fühlung nicht verliere n." Eindringlich mahnt das ZentrumSblatt. sich nicht wegen Kleinig- leiten herumzuzanken, sondern die Möglichkeit zu erhalten,„daß wir in den anderen großen Fragen, wo unsere Interessen und Ziele die gleichen sind, Schulter an Schulter kämpfen können wie bisher. Möge das Verständnis hierfür den verantwortlichen Stellen, vor allem in der Presse nicht fehlen I" Der Standpunkt des Zentrums in der Wahlrechtsfrage bleibt also: Zusammenarbeit und Verständigung nicht mit den Wahlrechts freunden auf der Linken, sondern mit den Wahlrechts feinden— mit der Junkerpartei. Ter neue Oberpräsident von Brandenburg. Zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ist der Re- gierungspräsidcnt von der Schulenburg in Potsdam, zu seinem Nachfolger im Präsidium der Potsdamer Regierung der Geheime Oberregierungsrat und vortragende Rat im Landwirtschafts- Ministerium Freiherr von Falkenhausen ernannt worden. Endlich seiner wahren Bestimmung zugeführt. Der„Berliner Lokal- Anzeiger" wird offiziöses Regierungsorgan. Bisher schon stellte daS Blatt den sogenannten maßgebenden Personen der Regierungsbureaukratie bereit- willigst seine Spalten zur Verfügung; nun aber wird es aller Form�nach Publikationsorgan dieser Kreise. Die Uebernahme des Scherlschen Verlages durch ein Konsortium gutgesinnter Regierungsfrcunde, Jjou der wir kürzlich berichteten, bestätigt sich nämlich. Herr Scherl wird die Leitung des Unternehmens niederlegen. Er gedenkt, wie es heißt, auf seinen Lorbeeren auszuruhen. An seine Stelle tritt Herr Geheimer Regierungs- rat a. D. v. Krüger, früher vortragender Rat im preußischen Finanzministerium, der auch einen größeren Teil des Kapitals übernommen hat. Wetterle' zitiert Keim vor den Strafrichter. Gegen den Vorsitzenden des Deutschen Wehrvereins. General Keim, hat der clsaß-lothringische Führer Abbe Wetterle Strafan- trag wegen Beleidigung gestellt, die der Kläger in einem Artikel gefunden hat, den General Keim im„Tag" veröffentlichte und der betitelt war:„Schwobc und Elsässer". Liberaler SukkurS für Jagow. Dienattonalliberale„Magdeburgisa-eZeitung" versichert Herrn v. Jagow ihrer Zustimmung zu seinem Verbot der Auf- führnng des Rosenowschen Dramas„Die im Schatten leben". Sie schreib:: '„Zwischen der Auffassung deS Bürgertums und der Sozial- Demokratie über die Kunst und deren freie Betängung besteh:— das beweist dieses ganze Geschrei der lozialdcmokratiichen Presse wieder einmal schlagend— ein grundsätzlicher Gegensatz. Das Bürgertum prüft ein Kunstwerk auf seine künstlerischen Qualitäten hin. nicht aus seine Tendenz. Ob ein Stück vom Hohenzollern-PalriotismuS erfüllt ist. wie„Der Prinz von Homburg", ob es liberal-philosemitiiche Tendenz hat, wie„Nathan, dea Weife", ob eS einen so radikalen Grundlon hat, wie„Die Wdver": daS macht dem Bürgertum bei der Beurteilung des Kunst- Werkes nichts aus. Ter Wert dieierStücke liegt ihm eben nicht in der palrioliichen oder liberalen oder in der radikalen Tendenz. sondern in der Genialität, mit der der Dichter des Stoffes Herr geworden ist, denn nicht der Stoff macht das Kunstwerk, sondern das»Wie" ist das Entscheidende. GanzanderZ die Sozialdemokratie aber. Ihr ist die durch die Tendenz hervorgerufene Wirkung die Hauptsache. Ihr erscheint ein noch so roh zusammengezimmeries sozialistisches Machwerk tausendmal wertvoller, als Goethes„Faust" oder Schillers„Wallenstein" oder LessingS„Minna von Barnhelm" oder alle drei zusammengezogen. Ihr ist der Gewinn für die Parteizwecke die Hauptsache, nicht die Kunst... Wenn das Berliner Polizeipräsidium und daS Oberver- waltungsgericht da nicht mknnachen wollen, so wird das Bürgertum daS nur billigen können." DaS liberale Blatt bestätigt damit unser Urteil über die geistige Berlotterung unseres liberalen Bürgertums. Das Geschwätz von der rein künstlerischen Beurteilung dramatischer Dichtungen durch daS Bürgertum und die banausisch-tendenziöse Stellungnahme der Sozialdemokratie beweist nur, wie gewissen- los diese liberalen Schwärmer für Theaterzensur und Jagowsche Kunstentmannung mit den Tatsachen umspringen. Denn die literarische Kritik hat ja gerade dem Rosenowschen Stück dichterischen Wert zugestanden. Skicht.seiner Tendenz wegen sollte eS aufgeführt werden, sondern deshalb ist es gerade verboten worden! Niemals aber ist bisher ein hurra- patriotisches, byzantinisches oder chauvinistisches Machwerk seiner poetischen Wertlosigkeit wegen beanstandet worden! Polizei und Oberverwaltungsgericht als literarische Areopage wären denn doch auch eine zu groteske Erscheinung. Nein, sie' verbieten einiach, weil ihnen die Richtung eineS Stückes— und sei es auch nur eine eingebildete Tendenz!— nicht paßt. Und das findet ein liberales Blatt ganz in der Ordnung! Tie Abgeschmacktheiten des Blattes über die unkünstlerischen Auf- fassungen der Sozialdemokratie können wir um so mehr auf sich beruhen lassen, als der Sozialdemokratie von kunstverständigen Bürgerlichen— sogar Konservativen!— wegen des Unter- Haltungsteils ihrer Presse bekanntlich die größten Komplimente ge- macht worden find! Wieder ein Kölner Polizeiprozesi. An den großen Kölner Polizeiprozeß knüpfen sich eine Reihe kleiner Beleidigungsprozesse, von denen bereits einer vor dem Kölner Landgericht verhandelt wurde. Wegen Beleidigung deS Polizeiinspektors Botsch, des Polizeikommissars Stöwer ünd des Wirtes Epping hatte sich eine Frau Rieyerhofcr, Besitzerin einer Gastwirtschaft, zu' verantworten. Die Frau fühlte sich durch die Polizei ihres Bezirks besonders scharf kontrolliert, während sie be- obachtete, daß der Wirt Epping tun und lassen konnte, was er wollte.' In ihrer Erregung sagte sie eines Tages zu einem Polizei- Wachtmeister, daß Epping wohl Paketchen zum Polizeibureau nach der Mainzer Straße schicke. Epping bestritt das in der Berhand- lung. Er habe nur einmal der Frau des Kommissars geweihte Kerzen aus Kevelaer mitgebracht. Die Schenkung sollte nur einen rein religiösen Charakter haben, da Stöwer augenleidend sei.' Betreffs weiterer Behauptungen der Frau Meyerhofer über Inspektor Botsch ergab die Beweisaufnahme, daß Epping häufig mit dem Inspektor Botsch bei Fischer in der Passage zusammen- traf. Eines Tages sandte dieser an Botsch, der krank war, acht bis zehn Flaschen Wein, die zu seiner Genesung dienen sollten. Trotz eindringlicher Vorstellung des Gerichts wollte sich Epping nicht mehr entsinnen, ob er dieses Geschenk vor oder nach Erteilung einer Äonzessionserweiterung gemacht hat. Ihm gegenüber be- kündet Polizeiwachtmeffter Äonrat,.daß Epping ihm gesagt habe, es seien 50 Flaschen Wein gewesen.' Da daS Gericht den Beweis für die Behauptungen der Frau "nicht für frö"! retbrächt ansah,"Töürdc sie wegen.'dreier Beleidi- -gungett zu tnsgrsumt 45 M. Strafe verurteilt. Nach dem Kölner Polizeiprozesi. Gleich nach Beendigung des Kölner Polizeiprozesses hatte der Minister des Innern v. Dallwitz den Kölner Polizeipräsidenten und den Kölner Regierungspräsidenten nach Berlin befohlen. DaS vorläufige Ergebnis der Unterredung ist, daß der Polizeipräsident v. Weeg mann auf längere Zeit„in Urlaub" geht. Er wird wohl auö diesem Urlaub nicht mehr zurückkehren. Die Stellen der suspendierten Inspektoren sind durch Beamte aus' Hannover, Magdeburg und Kiel besetzt worden. Wie die „Rheinische Zeitung" erfährt, sollen für diese gehobenen Posten nur noch ehemalige Offiziere eingestellt werden. Eine seltsame Maßregel, da eine ganze Serie von Skandalproz'essen bewiesen hat, daß die Ofsizierskastc alles andere als unfehlbar ist. Unser Kölner Par.eiblatt hat die Prozeßverhandlungen als Broschüre erscheinen lassen. Es wurden in wenigen Tagen fast 10 000 Exemplare abgesetzt, so daß sich sofort eine Neuauflage not- wendig machte._■ Das Rcchtsbewußtsein des betruukeueu Soldaten. Im schroffen Gegensatz zu dem Straßburger Urteil gegen die Zaberner Offiziere, denen attestiert wurde, daß sie daS Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungen nickt besessen haben, wurde vom Kriegsgericht der LS. Division ein Rekrut, der betrunken aus der Kantine' kam und sick gegen den Unteroffizier� ungehörig be- nahm, nach ihm stieß und bei der Verhaftung Widerstand leistete, zu einem Jahr ach: Monaten Gefängnis verurteilt. DaS Gericht uohm an. daß ihm das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seiner Handlung nicht gefehlt habe. Siemens-Schuckert in?apan. Paris, 31. Januar. Die Erprcssungsaffäre, die vor eini- ger Zeit den Angestellten R i ch t c r vor die Berliner Gerichte führte, findet jetzt ihr Nachspiel in Japan und wirbelt dort viel Staub auf.. So berichtet wenigstens der„Matin", der folgende Depesche aus Tokio veröffentlicht: Ter durch den Berliner Presseprozeß gegen den Stenographen Richter hervor- gerufene Marineskandal erregt die Gemüter in Japan nach wie vor. In der Absicht, die Regierung zur Stellungnahme zu zwingen, beschuldigte vor einigen Tagen der japanische Abgeordnete S ch i m a d a im japanischen Parlament den Tokioer Vertreter der Telegraphenagentur Reuter, ver- schiedene Dokumente von ehemaligen Angestellten des Hauses Siems ns-Schuckert erworben und sie später in er- Presserischer Absicht an die Firma S.iemens-Schuckert zurück- verkauft zu haben. Der Marineminister Baron S a i t o hat die Richtigkeit dieser Beschuldigungen bestätigt und seine Erklärungen haben in der Kammer große Aufregung hervor- gerufen. Der japanische Vertreter der Agentur Reuter, Pooley, ist im Kabinett des Untersuchungsrichters ver- hafAfit worden. Man erklärt sogar ganz offen, daß der Skandarstioch einen' andeken Hintergrund habe und daß noch größere Enthüllungen unmittelbar bevorstehen. Die Situation ist sehr kritisch. Es haben. eine ganze Anzahl von Versammlungen stattgefunden, die sich mit der Angelegen- heit beschäftigten. Dei Folgen des Skandals. Uokohama. 31. Januar. Die Stellung des Minister- Präsidenten und des M a r i n e m i n i st e r s erscheint nun- m e h r g e f ä h r d- t. Tie gesamte Oeffentlichkeit Japans ist stark erregt. Die Ankunft der Dokumente des Berliner Gerichts am 10. Februar wird mit großer Spannung erwartet. Die Flotten- untersuch u ngs kommt ssion hat ihre Tätigkeit bereits aufgenommen. Schweiz. Sozialdemokraten als Geschworene. Richtiger sollte es heißen: als N i ch t- Geschworene. Denn, wie die Verhandlungen des Züricher Kantonsrats gezeigt haben, wird selbst in diesem demolralischen Lande das gleiche Recht der Bürger zur Ausübung des Richteramtes durch Parteitreibereien zunichte gemacht. So berichtete Genosse Dr. S t u d e r, daß ihm ein Staatsanwalt auf feine Frage, wieso fast nie Sozial- demokraten als Geschworene fungieren, erwiderte: er st r e i ch e grundsätzlich alle Sozialdemokraten von der Liste. da sie für dieses Amt nicht fähig seien. Der Staatsanwalt hat nämlich das Recht, nach seinem Belieben zwölf Namen von den aus- gelosten Geschworenen zu streichen. Studer forderte daher, diese un- begründete Befugnis im Gesetz zu beseitigen. Dr. End er li bestätigte StuderS Feststellung und teilte mit, daß aus der Liste jeder Geschworene mit seiner Parteizugehörigkeit aus- geführt werde, um dem Staatsanwalt die Streichung der Roten zu erleichtern. Genosse Lbergerichtspräsident Lang betonte, daß dies Verfahren nicht allein eine Beleidigung unserer Partei, sondern auch eine Fälschung des Ge- dauleuS der Schwurgerichte ist. Er forderte, daß der RegierungZrat die Staatsanwälte auffordere, ihre un» gesetzliche Praxis auszugeben, und im Falle der Mdersetzlichkeit von ihrer Wiederbestellung(die Ernennung erfolgt nur aus Zeit) absehe. Regie ruugSrat Moußon erklärte, wie ihm der Erste Staats» anwalt mitgeteilt habe, sei eine Verfügung in diesem Sinne nie ergangen. ES seien ja auch eine ganze Reihe sozialdemokratischer KantonSmitglieder schon Geschworene gewesen. Eine„unbedachte" Aeußerung, wie Studer sie berichtete, werde vom Regierungsrate entschieden mißbilligt. ES kommt freilich weniger auf eine formelle Verfügung, als auf tatsächliche Praxis ai� Zu dieser wußte Genosse M a n z noch mitzuteilen, daß nach einer unter seiner Lbmannschaft erfolgten Freisprechung der Staatsanwalt erklärt haben soll:„Dieser Sozialdemokrat kommt nicht mehr ins Schwurgericht". Norwegen. Steigerung der Rüstungsausgabe». Unter dein Eindruck, den die Rüstungsagitation in Schweden gemacht hat. ist nun eine ähnliche Strömung in Norwegen entstanden. Die strategische Lage ist ja ungefähr die gleiche und die russische Bedrohung der flandinavischen Territorien trifft in gleichem Matze Norwegen wie Schweden. Die rüstungSfteundlichen Kreise sind hier wie dort vorhanden und insbesondere sind sie dann fanatische Anhänger militärischer Rüstungen, wenn die Kosten auf die breite Masse abgewälzt werden können. In Ehristiania wird nun Sven Heb in, der schwedische Rüstungshetzer, demnächst auf Einladung der Studenten einen Vortrag halten. Aber es bedürfte gar nicht seiner Rede, um die Norweger zu vermehrten Rüstungen zu bekehren. DaS zeigt das Marinebudget,' das soeben von der Regierung beraten wurde, um demnächst dem Parlament vorge- legt zu werden. Tie Ausgaben lauten auf 7,5 Millionen Kronen, das ist eine Steigerung von 715 700 Kronen. Für Neubauten werden gefordert 300 000 Kronen für Minenleger, 80 000 Kronen für Hydroaercchlane, 500 000 Kronen für die Kiellegung von Unterwafferbooten und 120 000 Kronen für Minen- und Torpedomaterial. Die Marine» Übungszeit der Wehrpflichtigen soll von 6 Monaten.auf ein Jahr erhöht werden. Und zu gleicher Zeit beginnt eine Agitation für eine befestigte- Marinestation im Parlament,.wo der Zriegsminister.be- reits interpelliert wurde wegen der Versäumnisse auf diesem Ge- biete. Nach dieser Interpellation soll sich das' Land„in der einzig- dastehenden" Lage befinden, eine befestigte Hauptstation der Marine nicht zu besitzen. Und selbstverständlich soll nun das nachgeholt werden. Ter KriegSminister verweigerte die Aussage, weil die Frage'noch im Instanzenwege geprüft wird. Tie Militärkommission des Parlaments beschäftigt sich eben- falls mit der Frage neuer Rüstungen. Sie hat bisher Erwägungen darüber angestellt, welche Kosten durch eine Verlängerung der Uebungen der Rekruten auf 60 refp. SO Tage entstehen würden. Falls die Rekrutenübungen aller Waffen auf SO Tage festgelegt würden, erhöhten sich die Kosten um 1 035 000 Kronen, wozu dann noch einige weitere Mehrausgaben für vermehrte Uebungen kommen würden; man kann deshalb auf eine Erhöhung der Kosten um 2 Millionen Kronen rechnen, falls die Reserve in Angriff ge» nommen wird. Die LandeSverteidigungSmatznahmen sind aber auch hier im fortdauernden Steigen begriffen. Unsere Parteigenossen bekämpfen diese Politik mit aller Schärfe; sie fordern die Abrüstung und lehnen alle anderen Forderungen ab. Bulgarien. Der Gewaltstreich der Regiernng. Sofia, 31. Januar.(P. T.) V i e r F ü h r e r der bulgarischen sozialdemokratischen Partei sind auf Befehl der Regierung verhaftet worden. Die Ver- Haftungen erfolgten, wegen der von den Sozialisten gegen den .König und die Regierung betriebenen Agitation.. Südafrika. Nach der Deportation. Kapstadt, 31. Januar. Die Maßnahmen der Regierung B o t h a gegen die Streikführer haben einen engeren Zu- sammenschluß der Opposition zur Folge gehabt. Wie ver- lautet, wird die Hertzog-Partei in Zukunft in Gemeinschaft mit den Mitgliedern der Arbeiterpartei im südafrikanischen Bundesparlament eine scharfe Opposition gegen das Kabinett Botha betreiben. Letzte Nachrichten. Eine Skandalaffäre in Böhme». Prag, 31. Januar.(W. T. B.) Gegen den seit einer Woche flüchtigen Amtsdirektor von FranzenSbad, Dr. H a b l, wurde bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Betruges, Dokumenten- fälschung und versuchten Giftmordes erstattet. Auch gegen die Witwe des verstorbenen Franzensbader Arztes Dr. Diese, welche Dr. Habl auf seiner Flucht begleitet, ist die Untersuchung eingeleitet worden. Ein Osfiziant des Egerer Kreisgerichtes, welcher in der Angelegenheit verwickelt ist, wurde des Dienstes enthoben. Habl soll unter anderem das Testament des Dr. Diese zugunsten der Witwe gefälscht haben. Zwei Zeugen sagten aus. Dr. Habl habe ihnen je zweitausend Kronen für Beschaffung von Gift versprochen. Dr. Habl ist von seiner Gattin geschieden und unterhielt mit der Witwe deS Dr. Diese ein Verhältnis. Pockenerkrankungen in Tampico. Washington» 31. Januar. In Tampico sMexiko) ist e i n A u s- länder an den Pocken gestorben. Konteradmiral Fletscher berichret von 64 weiteren Erkrankungen. Das Hospitalschiff„Solace" befindet sich dort, die amerikanischen Seeleute erhalten keinen Landurlaub. Apotheker Kumbier's seit'�8 Jahren von bewährter Heilkraft bei Blutarmut, Bleichsucht, Nervenleisen, Arsten-, Darm-, Leber-, Gallenstein-, Nieren- und Blasenleiden, Rheumatismus, Gicht, Ischias, Lunaenkatarrh, Atembeschwersen, Herzleisen, Leiden der Wechseljahre, Epilepsie, Schlagader- Bertalkung, Zuckerkrankheit ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ Bequeme Hauskur ohne Diät.— Garantier! unschädlich.— Aerztlich empfohlen. Einige Erfolg-Bestätigungen, mit fit uns täglich einlaufen, sämtlich streng wahrheitsgemäß. 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Kann die Kur jedem Leidenden aufs beste empfehlen. Strehlen i. Schlefien, 1«. De,ember ISIS F. Brantaohek, Bäckermeister. Erteile Ihnen hiermit die Erlaubnis zur Veröffentlichung meines Erfolges bei 3 Sendungen(SvFla chen). Symptome; Veratopfnng»ad allgemeine Schwäche.~ Berlin, IG. Dezember IUI.«. Wrangelstraße 112. Wagen-Lackierermeister Fant Leae. Die 90 Flaschen Berliner Stahlbrunnen haben meinem Manne sehr gute Dienste gegen Bhenmatlsmus und Kopfschmerzen getan. -chöneverg, 23. Dezember 1913 Hauptstraße 104._ Frau Spiegel. Ich teile Ihnen ergebenst mit, daß mir Ihr Berliner Stahlbrunnen bei meinem nervösen Ilagenieiden. Brust- nnd Bttckenscbmerzen sehr gute Dienste getan hat, so daß ich ihn jedem empfehlen kann. Ich selbst werde die Kur im Herbst wiederholen. Ich gestatte Ihnen, von meinem Schreiben Gebrauch zu machen. Berlin, lö. i>uli 1S13. Hufelandstraße 46. gez. Frau C. Müller. Bei unserem jetzt zehnjährigen Töchterchen, das bis zu seinem neunten Lebensjahre stets gesund gewesen war, traten im November 1912 plötzlich haftiges Wervenreissen und Veitstanz auf. Allmählich wurde das Kind so Dlutarm und hleiohatiohtig und nachher auch so herzleidend, Verzeihen Sie, daß ich Sie so lanae auf mein Schreiben warten ließ. Ich wollte sehen, ob sich Rückfälle einste..en würden, was bis jetzt noch nicht der Fall ist, wofür ich herzlich danke. Ich litt an so hartnäckiger Verstopfung, hatte oft 4— S Tage keinen Stuhl, dazu Kopischmerzen und Rückenschmerzen. Ferner litt ich an Verdauungs- Ihr Berliner Stahlbrunnen ist mir gut bekommen, besonders gegen meine Appetitlosigkeit und Btnhlvei stopfnng. Sollte ich gegen mein Leiden mal wieder keinen Rat wissen, so werde ich wieder Ihren Berliner Ctahlbrunnen bestellen und habe ihn auch schon viel empfohlen. Sck'önebcjg, 28 Ok ober 1913. Trau VloL Hauptstr. 117, Quergebäude I. Auf Ihr Schreiben teile ich ergebenst mit, daß fe es gern erlaube, meinen guten Erfolg Ihres Berliner Stahlbrunnens zu veröffentlichen, denn man kann denselben jedem Leidenden mit gutem Gewissen empfehlen. SchSucberq. S. Dezember ISIS. Trau Vlol. Hauptstr. 117, 1 Treppe, Quergebäude. Stach meiner Ueberzeugung hat mir Ihr Berliner Stahl- brunnen sehr gut geholfen bei Leberschwellnn?, Herz- Mayenlolden, Mervositat, Schwlndelanfälloa, und und bin bereit, die Kur zu Zusendung von 60 Flaschen. Berlin. 2. November 1913. Bornemannstr. 9. daß es schneeweiße Lippen bekam, das Blut unter den Nägeln auch weiß aussah und die Gesichtsfarbe fahl und gelb wurde. Die Aerzte konnten dem Kind wegen der be- drohlichen Herzschwäche keinerlei wirksame Heilmittel mehr eingeben und nahmen uns jede Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens. Unser Töchterchen magerte vollständig ab und wurde immer kraftloser. Von Weihnachten an ließen wir das Kind in ein Krankenhaus aufnehmen, nahmen es aber im Februar ds. Is. wieder heraus, weil wir auch dort leider keinen Fortschritt zum Besseren konstatieren konnten. Im Februar ds. Is. entschloß ich mich darauf im Ein- Verständnisse mit dem behandelnden Arzte, das Kind ävoldsütr Ktuasitr's Beninar Stab.örunDen trinken zu lassen, mit dem ich persönlich vor etwa drei Iahren so gute Er- fahrungen gemacht hatte. Die Kleine trank l/s—', Flasche täglich, ihr Zustand wurde von nun an zusehends besser, sie bekam wieder Appetit, verdaute die genossenen Speisen besser als bisher, Fingernägel, Lippen, Wangen, überhaupt der ganze Körper bekamen wieder ihre frühere frische Farbe. Unser Kind fühlt sich heute, nachdem es etwa 60 Flaschen getrunken hat, kih-pcrlic» darartig wohl und kräftig, daß es wieder fröhlich und munter spielt, und gegen die Zeit seiner Krankheit gar nicht wieder zu erkennen ist. Wir schreiben den wunderbaren Erfolg nur der Kur mit Ihrem segensreichen Brunnen zu, den das Kind deshalb auf Wunsch des Arztes weiter trinken kann. Der behandelnde Arzt des Kindes und der Schularzt haben bei der letzten Untersuchung irgend welche krankhaften Erscheinungen, ins- besondere irgend einen Herzfehler, nicht mehr feststellen können, unser Kind ist wieder ganz gesund. Wir teilen Ihnen diesen glücklichen Erfolg voller Freude mit und wir gestatten Ihnen aus Dankbarkeit sehr gern, von dieser Erfolgbestätigung jeden Ihnen gutscheinenden Ge- brauch zu machen. Berlin. 2«. Juni 1913. Frobenstraße 30. gez. Gtto Woroh, Verwalter. __________________ Meine Mutter und ich bezogen vor einigen Wochen 60 Fl. wiederholen. Bitte daher um von Ihrem Stahlbrunnen. Meine Mutter gegen Gicht. Er ist ihr wie immer(sie hatte schon einmal 60 Flaschen vor 2 Iahren getrunken) sehr gut bekommen. Da ihr Reißen Störungen und an L cht af losigkeit. Schon nach Verbrauch von 30 Flaschen Ihres„Berliner StahlDrunDens" ver- spürte ich Besserung, nun hat mich der Gebrauch von 60 Flaschen wieder hergestellt, Essen und Trinken schmeckt und schlafen lann ich auch sehr gut. Ich werde jede Gelegenheit wahrnehmen, Ihren Brunnen zu empfehlen. Postliu, 7. Februar 1913. Maria Cothan. Mit Freuden teile ich Ihnen mit, daß ich durch Ihren „Berliner Stabibrunnen" von meinem Herz- und Magenleiden derartig hergestellt bin, daß ich seit einigen Wochen meinem Dienst wieder vorstehen kann. Ich war sehr matt, hatte keinen Appetit und schwitzte bei der geringsten Anstrengung. Nachdem ich ungefähr 10 Flaschen getrunken hatte, machte sich auch der übelriechende Wachtschweiss nicht mehr bemerkbar. Bor mehreren Jahren hatte ia) Ihren Brannen schon mit Erfolg angewandt und kann ihn jedermann empfehlen. Lindow(Mark), 39. Januar 1913. Lemke, _ Gendarmeriewachtmstr. Bin sehr zufrieden mit der Brunnenkur, mein Allge» meinbefinden hat sich enorm gebessert, was bei meinem Körper'ustand und Lähmung viel jagen will. Auch den krankhaften Fettansatz habe viel verloren. B- Gohr. Auf Ihr wertes Schreiben vom 25. d. Mts. bin ich gern bereit, folgendes mitzuteilen: Ich gebe nicht nur meine Ein- willigung zur Veröffentlichung, sondern bin hocherfreut, der Menschheit damit einen guten Dienst zu tun. Ich wünsche jedem Patienten, der die Kur anwendet, genau so wie mir, einen guten Erfolg. Berlin, 2S. November 1913. B. Gohr. Bornemannstr. 9, Ich muß Ihnen mit herzlichem Dank schreiben. Ich litt 4 Jahre an BheumatUmus und Gicht und Herzkrankheit und habe Gesundung nur Ihrem Etaglbrunnen zu verdanken. Ich fühle mich, Gott sei Dank, wie neugeboren. Es ist das beste von allen Mitteln, die ich schon angewandt habe. Ich brauche keinen Tee mehr, wo ich früher ohne Tee nicht leben konnte. Kurzum, Ihr Stahlbrunnen ist einfach groß- arttg. Bitte senden Sie mir noch 30 Flaschen. Berlin, 29. August 1913. Neuenburger Sttaße 12. Frau Aug. Sowalski. Ich bestätige Ihnen hiermit, daß schon nach Gebrauch von 15 Flaschen Ihres Berliner Stahlbrunnen ich Besserung ver- spürte. Meine Magen» und Krsuzschmsrzen waren nicht mehr so schlimm, Essen und Trinken schmeckt wieder, daher kann ich jedem Leidenden nur Ihren Berliner Stahlbrunnen mit gutem Gewissen empfehlen. Berlin, 29. Im, 1913. Grüner Weg 46 III. gez. Anna Orzsohok. Analyse; Natnumcblorid 1.201! Neukölln. 22. Inn uar 1913. Reuterstraße 84. Frau Martha Altmann. Ich litt an groser Blutarmut und konnte nicht schla- len,.auch hatte ich heftigs Magensohmerzen und konnte fast kein Essen mehr vertragen. Nachdem ich 120 Flaschen von Ihrem„Berliner Lieblbrunnen" getrunken habe, habe ich wieder Blut bekommen, der Schlaf hat sich wieder eingestellt und die Maaenbeschwerden sind besser geworden. Ich bin 61 Jahre alt. Meine Tochter trank 60 Flaschen ,-Berdner Statu brnnnen" gegen rheumatische Rüokensohmersan. Schon bei der 3. Flasche machte sich der Erfoltz bemerkbar und besserte stch täglich zusehends. Zeist kann sie sich wieder flink bewegen. Meine Tochter wird die Kur im Frühjahr wiederholen. Wir sinz Ihnen sehr dankbar und werden Ihren„Berliner Stahl- brunnen" mit gutem Gewissen weiter empfehlen. Berlin, S Januar 1913. Fr. B. Zepernick. Gotzkowekystr. 24, IV. Auf Ihre gütige Anfrage teile ich Ihnen mit. daß ich Ihnen nicht nur die Erlaubnis gebe, sondern ich möchte Sie sogar bitten, meinen guten Brfclg mit 3:;tem Berliner Siahl- brunnen zu veröffentlichen. Ich danke Gott, daß ich durch Zufall Ihr Inserat in der»Berliner Allgemeinen Zeitung" vom 18. August gelesen habe, ist mir doch durch die Kur>o gut geholfen worden. Ich werde Ii ren Brunnen überall empfehlen. Ich bezog von Ihnen 4 Kisten ä 30 Fl. Berliner Siahl- brunnen. Ich habe Ihren Stahlbrunnen weiterempfohlen, und wenn Sie von hier noch nicht Aufträge erhalten haben, werden Ihnen solche wohl bald zugehen. Nachstehendes Schrei- be■ können Sie veröffentlichen, denn sehr viele Patienten wissen von Ihrem Brunnen nichts. Ich habe gelegentlich von einem Pfarrer Ihre Adresse erfahren. Hodenialza, 20. Septbr. 1912, W. Drews, Kirchhofstraße 4. Inspeltor. Ich litt seit 30 Jahren an chronischem Magen- und Ptokdarmkatarrh verbunden mit hartnäckiger Stuii'.ver» stoptung, Blutandrang nach dem Kopfe, heftigen Kreui- schmerzen und allg-mslner Körperschwäche. Ich konnte zuletzt die Stelle eines Landwirtschaftsmspektors nicht - I mehr ausfüllen und b-gab mich 13 Wochen nach Posen zu Mit Freuden bestätigen wir gern hiermit, daß uns der einem Epezialarzt. Habe Karlsbader, Ki singer und Marien- Beniner Biabibrunnen Lei unseren Leiden— bei Bieren-, 1 bader Brunnen getrunken, aber dieselben wirkten bei der hart- Galienstsinen und obronlichen varrnschwellungen näckigen Verstopfung nicht genügend. Ihr Etohlbr. hat alle anderen Brunnen ubertroffen, er hat mir außerordentliche sich schon bedeutend bessert, will sie noch weitere 30 Flaschen trinken, und bitte ich um Lieferung von 30 Flaschen und Ab- holung der 60 leeren Flaschen. Nachdem meine Mutier diese *u liefernden 30 Flaschen getrunken hat, werde ich Sie er- suchen, das gleiche Quantum für mich zu liefern, da ich mich nach den ersten 30 Flaschen schon bedeutend wohl er, frischer und kräftiger fühle. Ich war vorher stets matt und schläfrig infolge grosser Blutarmut und hoffe, diesem Hebel nun allmählich ganz abzuhelfen. Ich werde Lhren Brunnen nur immer empfehlen. Ich stelle Ihnen anHeim, von diesen Angaben Gebrauch zu machen. Berttn, 15. Juli I9t;i. Wilhelm-Stolze-Straße 17. gez. Jänioke. vorzügliche Dienste geleistet hat. Wir können dem Herrn � Apotheker Kumbier nicht genug dafür danken ihn nur jederzeit bestens empfehlen. - Berli», 26 Mai 19 13. Frau Czernsfski. Antonstraße 6, Hof 2 Treppen. Frau Blatte Ich ersuche hierdurcy, die leeren Fla'chen abholen zu lassen, gleichzeitig bemerie:ch, daß mir rie Kur sehr gute Dienste regen meinen Bheumatlsmus etan bat so daß ich mich ent- schlössen habe, d�ese.be iedes Ja r zu wi der olen. �ch gestatte Ihne i, me n?n Kurerfo g in Z ren Anzeigen zu veröf nt ü en. Berlin. 16. März 19! 3. Emil Umnuss, Pasteurstr. 39, IV Natriamsulfat 20.920. Kaliumsulfat 0.172. Uagueiiumsulta: 1.160. Mangaasalfat 0.14. Kisentearbünat 2.101 in 10 000 l'eilcu oem Herrn, 2)jen{je getan, und ich kann ihn ähnlich Leidenden nur empfehlen. .uir tonnen � hatte mir das Leiden durch ein kaltes G.as Bier zugezogen. Hohensalza, 20. September 1912, W, Drews, Wirtschaftsinspektor. Kirchhofstraße 4. Ich teile Ihnen hierdurch mit, daß mir Ihr Berliner Stahl- brunnen auch dieses Jahr wieder gute Dienste gegen Gliedsr- steifheit getan hat, und bitte um Abholung der leeren Flaschen. criin.»7 Do ember 1913. Hochstr. 32 d. Fr. Schulz. Drucksachen mit welierea fcleller.olfien koslenlos. Wir liefern für Grotz-Berlin frei Haus und nehmen die leeren Flaschen zurück. Für Stadiinneres erfolgt tägliche Zustellung, für Stadtäußeres zweimalige Zustellung a 15 Flaschen(Pfand 1.50), für Vororte Zustellung von 30 Masel en zusammen(Pmnd 3.00), ,ür Provinz oaer Ausland Bahnkifte ä 30 Flaschen(Pfand 5.00) frei zur Bahn. Ter Kur-4?re.s\üv minQostrns SO Flaschen ist vorauszuzahlen und kosten 30 Flasche« 10.- Mark,«0 Flaschen t7.-, 90 Flaschen*4.-. 180 Flaschen 30-,««"*'"""' en zusammen(P�and 8.00), Zir Provinz oaer Aus- laschen ist vorauszuzahlen und kosten lltachbestellungen vor Vblauf von 19 V?o i en sind Ä.— Mark billiger. „BBrilnerStalilbriiiiiien"(Apotheker Kumbier's Erben) am.)]. lt.,«■<■..> Berlin, Narienstr. 30 letzt Berlin-Treptow, Treptower Chaussee 41 fterufptetwSiji�Uifje� Amt Moritzplatz 9636 und 9637 Fabrik gcoriind i IHMo. (zwischen Bahnhof Treptow und Spreetunnel) kerautw. Redakt.: Alfred Wielev», Neutölln. Inseratenteil verantm Th. Glocke. Berlin. Trucku.VerlagtBörwärtsBuchdr.u.VerlagSanstali Paul Singer& Co.. Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen Nr. 31. 31. Iahrgavg. 1 8tilii|( dks Jotmätb" Wim Sountag, 1. Februar Gewerkschaftliches. Trau, schau, wem! Mittelftändlcr, Zünftlcr auf allen Gebieten, entpuppten sich in der letzten Zeit immer mehr als die eifrigsten Schleppen- träger der Reaktion. Im Kampfe gegen Koalitionsrecht und gegen Sozialpolitik versuchten sie, die grostindustricllen Scharf- ruacher und arbeiterfeindlichen Junker gar noch zu überbieten. Dic� Gründung und das Programm des„Kartells der schaffenden Stände", in dem der Reichsdeutsche Mittelstands- verband eine große Rolle spielt, haben deutlich genug enthüllt, wessen sich die Arbeiterschaft von dieser Seite zu versehen hat. Unter lärmenden Kundgebungen haben die christlichen Gelverk- schasten denn auch gegen die Bestrebungen des Kartells demonstriert, öffentlich, vor versammeltem Fußvolk. Und was geschieht nun i- Von ultramontaner und katholisch-kirchlicher Seite wird das Kartell gegen Koalitionsrecht und Sozialpolitik unterstützt. Ani'24. und 25. Januar 1914 tagte in Essen der Verband der katholischen kaufmännischen Vereinigungen. Unter ausdrücklicher Zustimmung der Vertreter aus der Hand- lungsgehilfenschaft", so berichtet die„Köln. Volksztg.",„erklärte der Ausschuß, daß er in der Entwicklung des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes das erfreuliche Anzeichen einer erstarkenden Mütelstandsbewegung erblicke. Demgemäß werden die Orts- vereine aufgefordert, sich den Ortskartellen des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandcs anzuschließen. Auch begrüßte er die Bestrebungen, welche eine Gemeinschaftsarbeit der einzelnen Be- rufsstände zum Ziele haben.„In dieser Hinsicht wird, so heißt eS in der angenommenen Entschließung, das sogenannte Kartell der schaffenden Stände eine hohe Ausgabe erfüllen, wenn es an der Grundauffassung festhält, daß �alle Stände durch eine Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen, sozialen und natio- nalen Interessen verbunden ffnd. Diese Interessengemeinschaft besteht nicht nur zwischen den selbständigen Erwerbs- schichten in Landwirtschaft. Industrie, Handel und Handwerk, sondern auch zwischen diesen und den arbcituehmendcn Berufs- stände«. In der Voraussetzung, daß das Kartell der schaffenden Stände auf dieser Grundlage seine Aufgabe nach wie vor zu erfüllen sucht, hält der Verbandsausschuß die weitere Mitarbeit des Verbandes an diesen Bestrebungen für dringend notwendig und empfiehlt das gleiche seinen angeschloffenen Ortsvcreinen." Handlungsgehilfcnvcrtrcter„begrüßen" die Gründung des erwähnten Kartells und seine Bestrebungen und schließen sich der Koalition der Scharfmacher an. Fehlt noch zu er- wähnen, daß alle Mitglieder der christlichen Gewerkschaften verpflichtet sind, den katholischen Berufsvercinigungen anzu- gehören. Was diese Verpflichtung bedeutet, davon" gibt der geschilderte Vorgang eine Kostprobe. Serlin and Umgegend. Zum Streik bei Becrmanu in Treptow. Die Firma Äcermann scheint sich aus den„Run-gerade-nicht"- Standpunkt stellen zu wollen. Der Direktor hat jegliche Lerhand- lungen glattweg abgelehnt, den Streik als„frivol" und die Klagen der Arbeiter ftir„Schwindel" erklärt. Man sollte dieses Verhalten nicht sür möglich halten, angesichts der Tatsache, daß die Arbeiter nicht:iur moralisch, sondern auch gesetzlich mit ihren Forderungen im Recht sind. Daß sie weiter nichts wollen als ihr gesetzlich gewährleistetes Recht, geht schon daraus hervor, daß es sich bei den Differenzen nicht um Forderungen auf höheren Lohn oder kürzere Arbeitszeit handelt, sondern schlankweg um Ein- Haltung einer gesetzlichen Bestimmung, wonach bei Fertigste!- lung eines Akkords eine vollständige Abrechnung zu erfolgen bat. Was würde z. B. die Firma Beermann sagen, wenn ihre Auftraggeber Borschüfsc, die eine Konkurrenz- f t r m a aufgenommen hätte, ihr(der Firma Beermann) abziehen würde? Ist es dann nicht geradezu ein Stück aus dem Tollhause, Arbeitern Vorschüsse abzurechnen, die andere verbraucht haben? In einer am Sonnabend abgehaltenen und vollzählig besuchten Versammlung der JJluSftäiidigen flammte denn auch die Empörung über eine solches System lichterloh auf und machte sich in bitteren Worten Lust. Behrendt gab den Situationsbericht. Er erklärte, daß, nachdem die Firma sich aufs hohe Roß setze und jede Vcrhand- lung ablehne, die Arbeiter gar keinen Grund hätten, in den Betrieb Zu laufen, sondern ruhig abwarten würden, bis der Stolz des Herrn Direktars sich gelegt babe. Wenn der Streik sich erst am Profit bemerkbar mache, werde sich der Herr schon besinnen. Um so mehr, als mit den geworbenen Streikbrechern und den paar alten Arbeitsvertcrancn der Betrieb sich dach nicht aufrechterhalten ließe. UebrigcnS haben die Kommisslonsmitglieder die Arbeit nicht niedergelegt, wie irrtümlich in der bürgerlichen Presse mitgeteilt wurde, sondern sie sind entlassen worden. Interessant, aber nicht neu ist die Tatsache, daß der Bund der gelben Werkvcreine sich die Streikbrechcrvcrmittelung angelegen sein läßt. Während ungefähr 3(1 Mann arbeiten, stehen 31t> geschlossen im Ausstand. Die Diskussion bestätigte die Zustände, die wir bereits als ungeheuerliche bezeichnet haben. Infolge dieser Zustände waren Wochcnlöhne an der Tagesordnung, die als beschämend bezeichnet werden müssen. So gingen Arbeiter nicht selten mit Löhnen von 8 bis 12 M. am Wochenschlutz nach Hause. Ein Arbeiter verlas Lohnzcttel, nach denen verdient wurde: in 3 Tagen 7,30 M., in 9 Tagen 11,32 M.» in 8 Tagen 14,30 M., in 9 Tagen 9,32 M. usw. Und das in einem Betriebe, der Staatsarbeiten liefert, zur- zeit fast nur Militärliefcrungen in Auftrag hat und darum(nach einem bekannten Ausspruch).„Musterbetrieb" sein sollte.— Bei den Drehern und Fräsern wurde einmal sogar ver- sucht, nachdem die Abrechnung bereits abgeschlossen war, Vorschüsse, die Arbeiter von anderen Branchen(!) aufgenommen hatten, anzurechnen. Erst aus den heftigen Protest der betreffenden Arbeiter wurde von dieser Maßnahme abgesehen. Es kam auch noch ein weiterer Fall zur Sprache. Ein Arbeiter hatte einen Akkord angefangen. Da wurde er krank und ein Kollege erhielt die Arbeit. Ein Meister versicherte, daß nur 25 M. Borschutz darauf ständen. Wenn der Arbeiter nicht zurechtkomme, werde er es bei einer anderen Arbeit wieder gutmachen. Der Arbeiter fragte bei seinem kranken Kollegen an und erhielt die Mitteilung, daß auf dem betreffenden Akkord schon 51 M. Borschutz ständen.— Daß die Verhältnisse bei der Firma schlecht sind, zeigt der Umstand, daß die geworbenen Streikbrecher schon nach kürzester Frist wieder den Betrieb verlassen, weil sie nicht zurechtkommen. Es werden denn auch verzweifelte Anstrengungen gemacht, um Arbeitswillige zu kapern. Selbst in der Wohnung werden solche besucht und umworben. Joseph, der Vertreter des Hirsch-Dunckerschen Gc- wer k�vercins, ergänzte den Situationsbericht noch im einzelnen. Die Situation gestalte sich für die Arbeiter gut. Die paar Lttlte, die im Betrieb seien, konnten die Firma nicht retten, und die Kräfte, die reingingen, gingen fast abenso schnell wieder heraus, weil sie nichts verdienten. Die Arbeiter könnten mit aller Ruhe dem Verlauf der Tinge zusehen.— An dem Streik ist auch die „Polnische Bcrufsvcrcinigung" beteiligt. Der Tarifkampf bei der Firma Spcrlich, Fleisch- und Wurst- zentrale, Brunnenstratze 76, geht weiter. Herr Sperlich ist zu einer Verständigung und Einigung nicht zu bewegen. Im Gegenteil, im Laufe dieser Woche wurden die organisierten Fleischer- gesellen, welche noch bei der Firma Sperlich beschäftigt waren, entlassen. Herr Sperlich bekennt sich somit offen als Gegner der organisierten Arbeiterschaft. In seinem Laden hat Herr Spcrlich ein Plakat ausgehängt, worauf geschrieben steht, die tägliche Ar- bcitszeit beträgt zirka 12 Stunden. Dies trifft nicht zu. Die Ar- bcitszeit bei der Firma Spcrlich beginnt morgens von 147 bis 7 Uhr und endet abends um 9 Uhr. In letzter Zeit wurde an manchen Tagen die Arbeitszeit sogar ausgedehnt bis abends VilO und 10 Uhr, ohne daß Ucberstundcn bezahlt wurden. Pausen gibt es in dem Betrieb der Firma Sperlich für die Flcischergcsellen, welche in der Wnrstküche arbeiten, keine. Vom Essen geht es ohne jegliche Pause sofort wieder anF>ie Arbeit. Die Arbeitszeit beträgt also durchschnittlich täglich 14 Stunden. Die Polizei stellt sich der Firma Sperlich bei dem Kampfe in jeder Beziehung zur Ver- fügung. Die Organisation der Fleischer hat in den Wirtschaften im Norden Plakate ausgehängt, in denen auf den Kampf bei der Firma Sperlich hingewiesen wird. Die Polizei befiehlt nun den Inhabern der Wirtschaften, die Plakate zu entfernen. Verschiedene Wirte haben sich auch einschüchtern lassen und haben die Plakate entfernt. Plakate aber, welche Herr Sperlich in seinem Laden hängen hat, die sich doch auch auf den Kampf beziehen, lätzt die Polizei natürlich hängen. Wenn die Firma Sperlich glaubt, mit Hilfe der Polizei dem Kampfe ein Ende machen zu können, so irrt sie sich gewaltig. Tie Tarifkommisfion der organisierten Fleischergesellen. Buchbindervcrband. Zahlstelle Berlin. In der Branchcnver- sammlung der Buchbinder wurden als Mitglieder der Agitations- kommission gewählt die Kolleginnen Lü dicke, Wöllner und die Kollegen Grevc, Herzog, Gerber, Neubauer und Brüggemann; als Beisitzer der Ortsverwaltung die Kollegin Wöllner und die Kollegen Rüger und Ketsch er. Die Ortsverwaltuug. Achtung, Schuhmacher! Die Arbeiterschaft der Firma Schach u. C o., Münzstratze 4, ist infolge Lohndiffercnzen in den Ausstand getreten. Die Firma, welche schon im Herbst Abzüge an den Lohn- sätzcn der Maschinenarbeiter vornahm, suchte jetzt gelegentlich der Aufstellung einer Kappenschärfmaschine die Löhne der Zwicker über das mögliche Maß zu beschneiden. Die angerufene Vermittelung des Untcrnehmerverbandes war erfolglos. In der Antwort des- selben wurde behauptet, daß die Zwicker immer die Kappen ver- schärft hätten, was die Arbeiterschaft als eine Verhöhnung auf- faßte, da die Zwicker schon jahrelang zur Zufriedenheit im Bc- triebe beschäftigt sind. -Wir ersuchen daber strengste Solidarität zu üben! Zcirtralvcrband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Aus dem Flcischcrgcwerbc. Der Zcntralvcrband der Fleischer hat über die Fleischereien A. Koschmann, K o l o n i e st r. 7, und Lötsch, Fleisch- und Wurst waren zentrale, Ecke Forster- und Reichende rge r Straße, wegen Richtan- crkcnnung des Tarifvertrags die Sperre verhängt. ' Zentralvcrband der Fleischer. Deutsches Reich. Ein� koalitionsfcindlichcr Flcisckiwarenfabrikant ist Herr I. G. Siems in Apen(Oldenburg). Vor einiger Zeit wurdc� vom Fleischerverband eine Versammlung sür die Beschäftigten bei Siems einberufen. Herr Siems stellte sich mit zwei Söhnen und zwei Buchbaltcrn vor dem Lokal aus, um die Beschäftigten vom Besuch der Versammlung abzuhalten. Als der Gauleiter die Gehilfen in einem anderen Lokal aufsuchte und dort eine Ansprache au sie hielt, kam auch Herr Siems mit seinen Söhnen schleunigst dort hin und siel dem Gauleiter ins Wort; er warnte seine Leute, sich nicht verhetzen zu lassen und erklärte dem Gauleiter, die Firma wolle keine Hetzer in ihrem Betriebe und dulde auf keinen Fall organi- sicrte Gesellen. Die Firma hat darin auch bisher ihr Wort ge- halten, llm ganz sicher zu gehen, daß kein organisierter Geselle in die koalitionsscindliche Firma hineinkommt, werden die Gesellen von einem gelben Arbeitsnachweis in Braunschweig bezogen. Im Betriebe selbst werden die Neueingestcllten nochmals bespitzelt, um herauszubekommen, ob sich. nicht doch ein organisierter Arbeiter unter falschen Angaben eingeschlichen hat. Herr Siems greift aber auch von Zeit zu Zeit selbst impulsiv ein, um das Eindringen der Organisation in seinem Betrieb zu verhindern. Als kürzlich der Gauleiter des Flcischerverbandes den Leuten Flugblätter über- reichte, riß Herr Siems selbst ihnen die Flugblätter aus den Händen. Die Firma Siems fabriziert aussckließlich Cvrned beef (Büchsenfleisch), das auch durchweg bei allen Fleischermeistern und Dclikatctzgeschäftcn geführt wird. /taslaad. Einigaugsverhandlungen im österreichischen Buchdruck gcwerbe. Unter Leitung des Handelsministeriums und unter Hinzu» ziehung des Tarifamtes der rcichsdeutschcn Buchdrucker als fach» verständiger Ratgeber haben in den letzten Tagen Einigungs« Verhandlungen stattgefunden. Diese haben am ersten Sitzungstagc in den Hauptfragen eine Verständigung ergeben. Die Zustimmung von beiden Seiten vorausgesetzt» dürste nun eine bat» digc Beilegung des Konfliktes zu erwarten sein. Mailänder Arbciterkämpfe. Die Mailänder Trambahncr haben zwei Tage gestreikt und dann die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem der Anlaß des Streits, die plötzliche Entlassung eines Arbeiters, einem Schieds- gericht überwiesen worden ist. Um den Schiedsrichtern Beine zu machen, haben die Arbeiter beschlossen, in Erwartung des Schieds- spruchs jeden Sonntag zu streiken. Diese Drohung wird die Unter» nehmer sicher veranlassen, den Schiedsspruch zu beschleunigen. Ein neuer Konflikt ist in der Firma Miani u. Silvestri für die Herstellung von Eisenbahnmaterial ausgebrochen. Diese Firma, deren Arbeiter den Anlaß zu dem jüngsten Mailänder Generalstreik Kleines Zeuilleton. Der Fall Laub. Wieder einmal ist in Berlin ein Theater vor die Hunde gegangen, und der Nekrologe sind kein Ende. Wie auch an dieser Stelle gemeldet wurde, ist's durchaus nicht glatt ab- gegangen: die Schauspieler werden nicht die einzigen Leidtragenden sein, Geldmänner melden sich ohne Zahl, und Herr Lantz tritt vom Schauplatz mit einem großen künstlerischen und einem ungeheuren finanziellen Defizit ob. Wie war das möglich? Das heißt: konnte man das Fiasko denn nicht voraussehen? Konnte man nicht die warnen, die auf die junge Direktion vertrauten, konnte man sie nicht belehren, daß es hier nur einmal einen Krach, aber nie einen Erfolg geben würde? Die Behörde hat natürlich gleich versagt. Sie, die hinter jedem Berliner Witz von Hans Hyan einen Hochverrat wittert, die Konzerle, Possen und Gott weiß was alles verbietet, war ahnungslos wie ein neugeborenes Kind. Sie wußte wieder einmal von nichts, sie ahnte nicht, was ihr jeder Kaffeehauökellner hätte mitteilen können,— wenn man ihn gefragt hätte. Kurz: sie erteilte die Konzession, glaubte dem baren Geld, das vor ihr auf dem Tisch lachte, und fühlte sich nicht im geringsten bemüßigt. nach der Herkunft dieses gepumpten Geldes zu fragen. Lantz war Direktor. Aber da haben wir doch noch die Presse! Ach, die gute bürger- liche Presse! Sie wußte aus Erfahrung, wie weh es tut, wenn einem das Geschäft verdorben wird und spendete reichlich die verlangten Vorschußlorbeeren. Nicht zu vergessen, daß hier wieder eine Stelle war, bei der man Freibrlletts— und wer weiß— vielleicht auch einmal eine Unterkunstsstelle für eigene Stücke erhielt. Was nützte es da. wenn unabhängige, aber kleine Thealerblätter Warnungssignale ausstießen! Siegfried Jacobsobn hatte damals in seiner„Schaubühne"„es gleich gesagt". Was halfs! Der neue Direktor machte ihm einen Spektakel, verbot ihm das Haus und die Zeitungen berichteten ausführlich über diese belanglose Zwistigkeit. lieber den Kern der Sache schwieg man sich aus. Dem„Feurio!"-rufer wurde der Prozeß wegen ungebühr- lichen Lärms gemacht, das Haus brannte gemächlich weiter. Und nun, da eS heruntergebrannt ist, spotten die einen, die noch charakter- voll zu nennen sind, gegen die andern, die plötzlich alles, alles ver- geffen haben, was sie damals rühmten. Die anderen verkünden mit gerunzelter Stirn und gehobenem Zeigefinger, daß es demnach in Berlin nicht so leicht sein müsse. Theaterdireftor zu sei». Warum haben sie aber nicht gleich zum Beginn gesagt: dies ist eine Schwindelgründung. dw nie gehen wird, nie gehen kann, nie gehen soll? Weil sie leinen Standpunkt haben, sondern Angst. Und diese Politik der vollen Hosen wird noch viele Schieber be- günstigen, die mit pompösen Theatergründungen in Berlin hervor- treten werden. Und wenn wieder ein Mann kommt desselben Kalibers, dann werden sie hinlaufen und loben und ihn lieben und sich nicht zu laffen wisien. Hoffmanns Opernhaus. Wir bekommen aus Architektenlreisen folgende Zuschrift: Als nach dem zweiten Wettbewerb um das Berliner Opernhaus die Kunde kam, Hoffmaun baut das Opern- haus, atmete wohl der größte Teil der Jnteresienten auf, da nun jeder von ihnen die Arbeit in guten Händen lvußtc. War denn überhaupt eine andere Lösung der Frage möglich? Wir wollen darüber nicht lange streiten, Hoffmann baut das Opernhaus. Aber fragen wollen wir uns, ob er die geweckten Hoffnungen mit seiner Arbeit erfüllt hat. Mich und viele, viele andere hat Hoff- mann enttäuscht, grausam enttäuscht. Das ist nicht unser Hoffmann, der da spricht, das ist nicht mehr unser Ludwig Hoffmann, dessen geniale Bauten uns so oft entzückt, das ist ganz und gar und im wahrsten Sinne des Wortes der Herr Geheimrat Hoffmann. Der Diann, der beim Bau des Stadthauses so konsequent seinen Weg gegangen ist. hat sein eignes Ich hingegeben, hat sich einem ftemden Willen gebeugt, der seinem ganzen straffen Wesen entgegensteht, hat den freien Künstler abgestreift um der großen Aufgabe willen. DaS Opernhaus wird nun wohl so gebaut werden, aber einen Ludwig Hoffmann bekommen wir nicht, londern nur einen Schüler von ihm. Der Herr Geheimrat hat so manches beim Ludwig ge- lernt, aber er bleibt doch nur der Schüler. Der große Geist, der durch seine Berliner Bauten gebt, wird im Opernhaus nicht um- gehen, denn der Herr Geheimrat hat zu viel ftemden Willen zu ver- arbeiten. Schade, schade. Das Volksauto. VolkSauto? Wirklich,— jetzt gibt es schon Volksaulos... Eine große deutsche Automobilfirma fühlte in ihrem dunklen Reklamedrange das Bedüi fniS, ein Auto für vier Personen „VolkSauto" zu nennen. Die Reklame vermag selbst einem so heruntergekommenen Ausdruck wie„Volk» wieder zu Ehren zu ver- belfen. denn noch vor einem Jahre zählten�ich doch wirklich die Be- sitzer eines viersitzigen Autos noch nicht„zum Volk". Der Auto- vmnibus war das Volksauto. Diese neue Wortprägung zeigt die Macht des Schlagwortes. Ein gutes Schlagwort— und die Sache ist gemacht. Der Schimmer des Schiagioortes blendet die Geister, aus schwarzen Volksraben werden weiße Automobiltauben. Ohne sich etwas dabei zu denken, wird der Fabrikant, der Rentier und vielleicht sogar der— Offizier im neuen Modell, im— Volksauto über die Landstraße rollen. lind lvie es mit diesem neuen Schlagwort ist, so ist es mit älteren und alten. Patriotismus, die gottgewollte Schlacht, der Erbfeind, die Militärautorilät. Wohltätigkeit und Moral— alle diese Worte sind mit einem Schlagwvrt-Zauber versehen worden, der den Sinn gleißnerisch umflimmert. Die meisten können dabei nichts mehr sehen und denken. Es sind Schlagworte, die sich in die Ohren einnisten wie das Wellengeklatsch an der Küste und das Geklopfe und Gehämmere in der Nähe einer Werft. Bumm, bumm, bumm, geht es— bummtera, bummtera— die Pauke dröhnt und der Philister tanzt dazu.... Der Modephilosoph. Der Pariser Snob schwärmt augenblicklich sür die Philosophie BergfonS. In der Pariser Korrespondenz eines ausländischen Blattes findet sich eine nicht üble Charakteristik des Bergson-SnobismsuS, der nicht zum ivenigstcn in der nichtstuenden Damenwelt anzutreffen ist. Die Müßiggänger, heißt es, haben es sich zur Gewohnheit gemacht, Bergsou(der am College de France liest) eine geschlagene Stunde zuzuhören, ohne ein Wort zu ver- stehen.... Sie gähnen vor Langeweile, würden es aber um keinen Preis zugestehen. Am Abend beim Diner, bei festlichen Gelagen wechselt man seine„Eindrücke";„Sie waren bei Bergson, meine Liebe?"„Aber natürlich, es lvar entzückend."„Ganz meine Meinung. Es ist der unterhaltlichste Philosoph."... In solchen Ausdrücken wird die transzendente Begriffswelt der Lergion» Philosophie gewertet. Man geht zu den philosophischen Vorlesungen, wie man in den zoologischen Garten geht, um die Tiere zu füttern oder zum Tango» tee, um zu flirten. ES ist wahrlich kein Unterschied.— Das bc- trübendste ist, daß die Snobs den Studenten ihre Plätze wegnehmen, die, wenn sie ankommen, den Saal besetzt finden. Wie es heißt, wollen die Studenten, für die doch eigentlich die Vorlesungen statt- finden, ernste Maßregeln gegen die Snobs ergreifen. Bis dahin gibt es aber wohl wieder eine andere Mode, für die Snob schwärmt und für die er sich erhitzen muß. Notizen. — Freie Volksbühne. Die Direktion des Deutschen Opernhauses gibt wegen technischer Schwierigkeiten mit der Auf- sührung des„Parsifal" bekWAit, daß sie Sonntag nachmittag nicht „Zar und Zimmermann", sondern Lortzings„Waffenschmied" auf das Repertoire setzte. Eventueller Umtausch oder Rückgabe der nicht gewünschten Karlen kann im Theater oder in der Zahlstelle erfolgen. — Musikchronik. Der Wagner-Abend. der am Sonntag, den 1. Februar, 8'/, Uhr im Schiller-Saal, Charlotten- bürg, stattfindet, wird zum größten Teil Partien aus dem„Parsifal" bringen. — Lorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Montag Dr. A. R ü h l über London und Liverpool, Dienstag Dr. M. v. Gemmingen über das Zeppelin-Luftschiff zur See. Freitag Th. K r ä n z l i n über eine Schulschiffreise nach Honolulu.— Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der telegraphischen Bild- Übertragung spricht am Dienstag in der Urania Prof. Glatzcl. — Maeterlinck auf dem Index. Römische Blätter veröffentlichen ein Dekret des Papstes, wonach sämtliche Werke des Dichters Maeterlinck auf den Index gesetzt worden sind.— Diese Reklame! — DaS größte deutsche Dorf ist die Landgemeinde Borbcck bei Essen. Die gegenwärtige Einwohnerzahl dieses „Dorfes" beträgt 75 778 Personen, von denen 39 441 männlichen und 36 367 weiblichen Geschlechtes sind. Aus diesem starken Ueberwiege» der männlichen Bevölkerung geht schon hervor, daß Borbeck ein Jndustrieort ist. Borbeck wird in wenigen Monaten mit einige» anderen Gemeinden in der Stadt Essen aufgehen, die damit ihre Einwohnerzahl aus rund 45000 erhöhen wird. gegeben Huben, entließ am 26. Januar einen Arbeiter wegen eines BZortwechscls mit einem Aufseher. Die Arbeiterschaft hielt die Entlassung für unberechtigt und lieh sick zu einigen Akten von Sabotage hinreißen. Daraufhin hat die Firma ihr ganzes Per- senal, etwa 600 Arbeiter, ausgesperrt. französischer Parteitag. 4. Tag. Amiens, 2s. Januar.(Eig. Ber.) Der Abschluß der Partcitagsverhandlungen hat das Werk der vorangegangenen drei Tage in würdigster, erhebendster Art gekrönt. Die bescklossene Resolution, die der Partei die Grund- kundgegeben bat. sondern vor allem dadurch, daß sie die Ideen regeln der Wahftaktik gibt, ist eine sciröpfung des ganze n Partei- tags, irickst nur durch die Einmütigkeit, die sich bei der Abstimmung die in der Diskussion von den verschiedenen Rednern vertreten worden sind, zusammenfaßt und, ohne zu Zweideutigkeiten und Allgeineinbeitcn greifen zu müffen, verbindet. Es hat diesmal, wo es sich um die Ertoeckung und Lenkung der proletarischen Energie im Wahlkampf handelte, wirklich keine verschiedenen„Rich- tungen" gegaben. Die Partei hat nnr eine Richtung als möglich erkannt: den Wablkampf als Propaganda und Aktion für den sozialisinus, TozialiSmus ist Organisation der befreiten Arbeit, Sistierung des einzelnen und der Völker in friedfertiger Gemein- jst-.nfk. So ergab sich das entscheidende Gesetz der Taktik von selbst: nach der unmittelbaren Werbearbeit die Sicherung der besten Be- dingungen für die Entwickelung der sozialistischen Aktion: also Niederwerfung der Kriegshetzer,«chutz der Republik vor der politischen Reaktion, die den Klassenkampf noch einmal vcrtcigen oder verwirren würde, aber— bis zum Schluß— Selb- ständigkeit der Partei, Ablehnung jeder Art von Bündnis mit den bürgerlichen Parteien. Das ist der Sinn der Rcsolu- tion, das war die beherrschende Idee der Verhandlungen. Heute iveiß es Frankreich rmd mit stolzer Freude wird das internationale Proletariat die Kunde vernehmen: die französischen Sozialisten sind jetzt nicht nur„unösiziert", nicht nur eine äußerliche Ver« c i n i g u n g; sie sind vielmehr einig und ein S. Dieser große Wille zur Einheit hat auch die Verhandlung de? sonst so leicht Erregungen hervorrufende» Konfliktfällc, die die heutige VormittagSfitzung ausfüllte, gemildert und zu be- friedigendein Ende geb reicht. Der schwierigste dieser Fälle luar der des Deputierten M l> r e n s von Bonlogne sur Mer, dessen Wicderaufstellung die Föderation des Pas°de-Calais wegen entgegenkommenden Verhaltens gegen die Klerikalen abgelehnt, die WghlkrciSorganisation aber einstimmig aufrechtzuerhalten be- schlössen hatte. Myrens gab in seinem und seiner Freunde Namen die Erklärung ab, die Kongreßdeschlüsse über die Wahltaktik be- folgen zu wollen, worauf der.Kongreß beschloß, die Frage der Kandidatur Myrens zu nochmaliger Prüfung an die Föderation Pas, de. Calais zurückzuverweisen. Unterdes hatte die in der gestrigen Nachtsitzung der Rcso- lutionskounnission gewählic Subkommission, der Ja u reS. Vaillant, Rcnaudel, Compere-Morel, Bracke und P r e s s c m a ii e angchörbcu, ihren Enttvurf vollendet, der am Nachmittag vom Plenum der Kommission durchbcraten wurde. ES war schon fast 3 Uhr, als die Kongregsitzung wieder aufgerwurmcn wurde. Zunächst wurde die Verwaltungskommission beauftragt, ein Ag ra r p r og ra m m für die Wahlen zu entwerfen. Hier- auf betrat Jaures die Tribüne, um den von der Kommission einstimmig angenommenen ResolutionStcxt zu verlesen. Die Refol«tion über die Wahltaktik. Die Resolution stellt sich als eine ausfnhrlsche Darlegung der politischen Situation dar, aus der sie die Folgerungen für die im Wahlkampf anzuwendende Taktik zieht. Sie geht von der Tätsache ans, daß sich die kartellierten sozialkonservativen Parteien jetzt an- schicken, die Republik in ihre Hände zu bekommen und daß es nicht gelungen ist, durch den Proporz den Wablkampf zu einem reinen Kcmips der Ideen, Programme und Parteien zu gestalten. Sie erklärt:„Darum ist es notwendig, daß die sozialistische Partei mit ihrer klaren Politik, in ihrer Einheit, die auf der in A m st e r d a m von der Internationale, sowie durch die Parteistatuten und Kongreßbcschlüsse gegebene Grundlage errichtet ist, auf den Plan trete. Die sozialistische Partei bleibt unverbrüchlich der Politik er- geben, die ihre Kraft, ihre Disziplin und ihr Programm ausmacht der Politik, die sie unbeugsam allen Parteien der Bourgeoisie entgegensetzt, der Politik, die sie zur Partei des Arbeiter« und Bauernproletariats, seines Klassenkampfes, seiner Forderungen, seiner Befrei- uug macht. Sie spricht sich klar und entschieden gegen die Wieder- Herstellung des Blocks aus, die keine anderen Wirkungen baben könnte, als ihren Charakter und ihre Lehre abzuschwächen, ihre Kampfkraft zu mindern und die übrigens, in gar keinem »strad, die Bedingung einer republikanischen Aktion der Partei ist. Aber eben darum, weil sie eine Partei des ununterbrochenen Kampfes ist, nimmt die sozialistische Partei aus die Umstände und Ereignisse Rücksicht. Heute wie gestern und im Einklang mit ihrer Lehre und ihrer dauernden Betätigung weiß sie unler den Parteien der Bourgeoisie die- jenigen zu unterscheiden, die die Arbeiterklasse and den Sozialismus am meisten bedrohen. Sie weiß, daß alle unter verschiedenen Formen und in verschiedenem Grad einen Teil der Verantwortung an der jetzigen Situation haben. Sie kennt die Mitschuld des Radikalismus am marok- kanischen Abenteuer, seine Schwächeanfälle im Kampfe gegen das Dreisährgesctz. Aber vor allem verabscheut sie den imperialistische n Nationalismus. Sie klagt ihn an. durch seine rückschritt- lichen Auffassungen und durch seine öde Routine die Verteidigungs- kraft des Landes zu desorganisieren, den Opfermut und den Un- ablxingigkeitSgetst der Bürger in die Irre zu führen, das Volk und die Armee dadurch, daß er sie einander entgegenstellt, gleich- zeitig zu schädigen, die Produktion durch Lasten zu erdrücken, daS Budget aus dem Gleichgewicht zu bringen, die Steuern uner- träglich zu erhöhen, die Hilfsquellen der sozialen Reformen zu verschütten und die Milliarden, deren die vernachlässigten Werke der Zivilisation, das rückständige wirtschaftliche Rüstzeug, der un- «urcichentze und eingeschnürte wcltli� Unterricht, die stockcudcn ösfcntlichen Arbeiten und die kaum skizzierten Gesetze der Gc- rechtigkcit und Solidarität bedürften, zu unfruchtbaren und un- heilvollen Ausgaben zu verwenden." Nach der Anklage gegen den Nationalismus hebt die Resolution die Gefährlichkeit des Briandismus hervor, der Streiks niederwirft, das Dreijahrgcsetz gezeugt hat, ein Spieß- geselle rückschrittlichen Militarismus ist und alle gegen die Demo- kcatie und das Proletariat verschworenen reaktionären Mächte in einem Kartell vereinigt. Das sozialistische Proletariats weiß heute wie gestern, daß es allein ohne Vorbehalt und ohne schlväche für den Schutz der Unabhängigkeit Frcikreichs und des Weltfriedens durch die Organisation der bewaffneten Nation kämpft. Mit dem Drcijahrgesetz bekämpft die sozialistische Partei .zugleich die geistlose und brutale ReaktionSpolitik, deren AuS- druck und Sinnbild es ist. „Dem Aufruf der Internationale in Basel, dem 'in Bern begonnenen Unternehmen erwidernd, will sie bis zur Wurzel der europäischen Gegensätze vordringen, indem sie ihr Teil am gemeinsamen Werk des Proletariats aller Länder vollbringt und an der d e u t s ch- f r a n z ö s i scke n Annäherung ar- batet, die das dauernde Einvernehmen Frankreichs, Englands und Deutschland?, die Bedingung des Weltfriedens ernvglichcn wird." Die Resolution hebt die Bedeutung der Organisation der in verantwortlichen Parteien organisierten Demokratie für die Ver- wirtlichnng de« sozialistischen Ideals hervor und erklärt, daß die Partei, bei aller Entschlossenheit, den Mißbrauch der Wahlreform ! für die Zwecke des Militarismus und Briandismus zu vereiteln, ihre Bemühungen zur Durchsetzung des wahren ganzcn Proporzes sorlsetzcn werde.„Tie Partei ist gewiß, daß die Walsterschast des allgemeinen Stimmrechts, vermittelst einer von allen Proportio- »alisten vorgelegten klaren und gleichlautenden Formel, zugunsten der Reform einen so entschiedenen und gebieterischen Willen kund- geben wird, daß sich diese allen, ohne verdächtige Koalition durch die große Macht der Wahrheit und Gerechtigkeit, die ihr ianc- wohnt, aufzwingt. Die sozialistische Partei wird ihr um so mehr ihre Kraft leiben, als sie sie als Einleitung zur not- wendigen Verfassnngsrevision ansieht, da mit dem im Getriebe des allgemeinen Stimmrechts hergestellten GIcichge- wicht und Recht der letzte Vorwand für die Rechte dcö Senats verschwindet, der durch seinen Widerstand gegen jeden sozialen Fortschritt, die Republik, die er zu verteidigen bcbauxtct. periodisch in Gefahr bringt und das politische Leben des Landes lähmt." In diesem Geist, mit der Macht aller ihrer politischen und sozialen Forderungen zieht die sozialistische Partei in die Schlacht. Sie wird im c r st c n Wahlgang ihren Kandidaten, den Träger ihrer Propaganda, ihrer ganzen Lebre, ihres vollständigcn Programms in jedetii Wahlkreis haben. „Im zweiten Wahlgang, der den ersten fortsetzt, wird sie mit aller Kraft dazu beitragen, die milita- r i st i s ch e Reaktion m a t t z u s e tz e n. Indem sie keine andere Verpflichtung anerkennt, als die gegen die Sache des Proletariats und des Sozialismus, aber diese nickst von der Sache der Republitdes wclt- lichen Prinzips und des Friedens trennt, wird sie dort, wo sie keine direkten Aussichten auf den Sieg bat, frei ihre Hilfe den Kandidaten anderer Parteien gewähren, im Verhältnis zur Energie und Entschiedenheit, womit sie den Kamps gegen die drei Jahre, den Krieg, den Chauvinismus und die militärische und klerikale Koalition führen. Sie überträgt vertrauensvoll ihren verantwort- lichen Föderationen die Aufgabe, das Interesse des Sozialismus und der Republik«nn besten zu bestimmen. Sie weiß, daß sie, welche Lösung auch immer die Umstände des politischen Kampfes und die Haltung der verschiedenen Parteien ibnen gebieten: Aufrcchterbaltung der sozialistischen Kandidaturen, einfache Zurückziehung oder proklamierter Rücktritt mit Ein- treten für die Republikaner, die der Tcnwkratic und dem Frieden ergeben sind— sie weiß, daß sie im unteilbar sozia- Ii st i s ch e n und republikanischen G c i jt des Kon- grcßbeschlusseS von Chalon entscheiden werden, von dem die gegen wärti gc Resolution eine Anwendung a u f d i e j c tz i g c n ll m st ä n d e ist. Der Kongreß hält sich für berechtigt, unbedingt aus daS Ver- antwortlichkeitsgefühl der Föderationen gegen- übxr der Gesamtpartci zu rechnen, die vor der öffentlichen Mei- unikg für die Handlungen aller threr Gruppen notwendig haftbar bleibt. «sollte aber— alle politischen und moralischen Umstände der jetzigen Stunde machen diese Annahme völlig unwahrscheinlich— ein Konflikt zwischen einer Föderation und einer ihrer Wahlkrci Sorga nisationcn über die A»wen- dung der von der Partei vorgczcichncten Regeln ausbrechen oder sollte eine Föderation sie offenvar verletzen, hat die V c r w a l t u n g S k o m m t s s i o n s e l b st v e r st ä u d l i ch d a S Mandat, diejenigen, die in einer Minute des Irrtums von den gemeinsamen Regeln der sozialistischen Aktion abgewichen sind, zu ihrer Befolgung zu crmahnen und zurückzuführen. Aber diese Borsichtsmaßregeln haben keinen anderen Zweck, als die Partei gegen jede Gefahr zu schützen und die Kampssolidarität aller ihre: Mitglieder und aller ihrer Gruppen z» betonen. Es ist in der Tat die tiefste und freiwillige Geiucinsainkeit der sozialistischen und republikanischen Gefühle, die die Einheit der Aktion unserer Partei sicher» wird. Die sozwlijtisckie Parle» erhebt sich gegen alle Mächte der politischen und soziale» Reaktion lind zieht in den Kampf, nicht Uni dor allem Mandate zu erobern, nicht nur um ihre parlamentarische Macht und ihren Einfluß in der Gesetzgebung zu verstärken, sondern um die Geister auszu- klären, die Gelvissen für ihr hohes, klar verkündetes Jcdat zu gc- Winnen und die moralische Kraft des Sozialismus, der einzigen Schutzwachc der Zivilisation und des Proletariats, der Republik, der Vernunft und des Friedens zu erhöhen." Die Verlesung der Resolution wird wiederholt durch stür- mischen Beifall unterbrochen. Eine Diskussion sindet nickst statt. Der Vorsitzende, Genosse R e n a u d e l, nimmt die Abstimmung vor und stellt Einstimmigkeit fest. Donnernder Beifall folgt seinen Worten. Nach Erledigung der erübrigenden geschäftlichen Angelegenheiten— der DirektionS- und VerivaltungSrat der..Humanitc" und die Verwaltungskommission der Partei werden wiedergewählt, die letztere mit Eintritt des Ersatzmannes Albert Thomas an Stelle Prcssenscs— schließt Genosse Renaudel de» Kongreß mit einer kurzen Ansprache, in der er die Einmütigkeit, die die Vcrhand- lungen beherrschte, hervorhebt und den Genoffen der Somme- Föderation dankt. Die Delegierten stimmen die„Jntcrnatio- nale" an. der 14. Parteitag der britischen Arbeiterpartei. Glasgow, 28. Januar.(Eig. Ber.) Die allgemeinen Arbeiten des ls. Parteitags der britischen Arbeiterpartei begannen heute in der Cith Hall. Nach den üblichen Begrüßungsreden der Vertreter der lokalen Arbeiterorganisationen verlas der Vorsitzend«, Stadtrat Fox lManchester), die Eröffnung»- rede. Er-betonte, daß es die Aufgabe der Arbeiterpartei sei, die Arbciterunruhe, die sich in den letzten Jahren so mächtig offenbart habe, in die richtigen Bahnen zu lenken. Ein Passus war nament- lich für uns Deutsche von Interesse. Er lautete:„Welches ist die .Hauptursache dafür, daß die britische Arbeiterschaft nicht den Wirt- schaftlichen und sozialen Fortschritt gemacht hat, die den von ihr gemachten Anstrengungen und den gebrachten Opfern entspricht? Nach meiner Ansicht ist eS die beklagenswerte Unwirksamkeit uns«- rcr Organisationsmethöden. Wir tonnen nichts gvivinnen, indem wir ber Welt die Wahrheit verheimlichen, und es ist der Gipfel- puntt der Torheit, zu versuchen, sich selbst zu betrügen. Unsere deutschen Brüder haben ihre Lektion besser gelernt und machen einen besseren Gebrauch von ihrer Erfahrung trotz der größeren politischen Hindernisse, mit denen sie zu rechnen haben. 2'� Millionen deutsche"-Gewerkschafter sind in etwa 4l) Gewerkschaften organisiert. 3 Millionen britischer Arbeiter sind in mehr als 1000 Geiverkschaften eher zerstreut als organisiert." In seiner Ansprache erwähnte der Vorsitzende die wichtige Rolle, die das Tageblatt der Partei, der„Dailh Citizen", in der Bewegung spiele, und sorderte die Arbeiterschaft aus, das so nützliche isproch- organ des Proletariats nicht untergehen zu lassen. Er lobte die genossenschaftliche GroßeinkausSgesellschast, die in dem Dublincr Kamps ihre prächtige Organisation der Gewerkschaftsbewegung zur Versendung der Lebensmittel zur Verfügung gestellt Hab«; er warnte vor der Landpropaganda Lloyd Georges. Zu diesem Punkt bemerkte er:„Die Grundbesitzer, deren heiligsten Güter so rasch angetastet werden sollen, habe diese Vorschläge mit einer bezeich- nendcn Gemütsruhe aufgenommen. Die Delegierten können sich darauf verlassen, daß die Arbeiter, wenn die Beute verteilt werden wird, ihren Anteil ohne Inanspruchnahme einer Dampfmaschine werden davontragen können." Die Anrede schloß mit einer schar- fen Verurteilung des Rüstungswesens und des MUi, tarismus, in der der. Vorsitzende die Versicherung gab, daß die Arbeiterpartei stets an der Seite des Proletariats aller anderen Länder gegen den gemeinsamen Feind kämpfen werde. I Nack der Eröffnungsrede wurden B c g rü ßu n g st g ram m c von den shzial demokratischen Parteien Deutschlands und Frankreichs und dem Internationalen Bureau«erlesen. Tie Ereignisse in Südafcita. Die erste Resolution, die den Parteitag beschäftigte, betraf die jüngsten Ereignisse in Südafrika. Sie hatte den Wortlau:: „Diese Konferenz protestiert nachdrücklich gegen die Unter-- drückung der gcwerksckasrlichen Aktion in Südafrika durch di« be» wasfnete Macht und die Proklamierung des Kriegsrechts, da da» durch die cleincntarslcn britischen Bürgerrechte vergewaltigt werde» — Rechte, deren Geltendinachiing den südafrikaniscken Krieg recht- sertigK, wie dem Lande vor kurzem mitgeteilt wurde. Sie drückt den Gcwerkschastssührern, die bei Außerkraftsetzung der gewöhn- lichen Gesetze oerhaftet, eingesperrt und ausgewiesen worden sind, ihre Sympcirhie ans und beglückwünscht sie zu ihrer Aeigeruna. freiwillig aus die Versamiiilungssreiheit, daS Recht der freien Rede und das Koalitionsrccht zu verzichten, und ersucht dk?. Parket, aus eine vollständige Untersuckung aller Tatsachen der Ang�leoenhcii. besonders bezüglich der Verantwortlichkeit Lord Gladftcni.es. zi: dringen, und wenn notwendig, seine Rückberusung durchzusptzen. Die Untersuchung soll sich serner mit der Frage befassen, wie am besten eine Wiederholung der Lage in irgend cincin Teil des Reiches verhindert werden kann." Macdonald begründete diese Resolution in einer zündenden Rede. Er bezeichnete die jüngsten Ereignisse in Südafrika als den zynischen Schlußakt zn dem südafrikanischen Trauerspiel. Vor etlichen Jahren habe Großbritannien 2 bis 300 Millionen Pfund ans- gegeben. Tausende seiner Söhne auf dem Schlachtseldc geopfert, nur um der politischen Tyrannei ein Ende zn bereiten und die Recht u des britischen Staatsbürgers zur Geltung zu bringen, wie es ge- beißen habe. Und nun sehe man das Resultat des Krieges in der brutalen Vergewaltigung der Arbeiterschaft, der Unterdrückung alleic Rechte des Proletariats. Eine Streitmacht, die inaii�die Bürger» wehr nenne, habe die Tat vollbracht. Im vorigen--ommer habe: man in Johannesburg Reichstruppen gegen das Volk anfmar- schieren lassen, aber der Protest der Arbeiterpartei habe der Re- gierung Angst eingejagt und man habe die Bürgerwchr mobilisiert. Eine Lehre, die man aus den Ereignissen ziehen köniic, sei die, das; die Befreiung der Arbeiterklasse durch die gewerkschaftliche Aktion allein nicht vollzogen werden könne. Im Parlament werde die Ar-- bciterpartei die Ereignisse in Südaftika zur-spräche bringen. Man müsse jedoch bedenken,»aß die südafrikanische Union ei» sich selbst regierendes Gemeinwesen sei; eine Einmischung des Mutterlandes in die Angelegenheiten der Union würde selbst von den Opfern den Tyrannei verurteilt werden. Die Arbeiter Südafrikas müßten ihec: eigenen Kämpfe durch ihre Vertreter im Parlament der Union führen. Aber die britische Arbeiterpartei könne den StatthaUcn Lord Gladstone, der die Proklamierung deS Standrechts genehmigt: i habe, zur Rechenschaft ziehen. Ein Standreckt gebe es im britischeir Reiche nicht. Minister, die das Recht abschafften und an dessen Stelle das Kricgsrecht, die Laune des einzelnen setzten, könnten nachher gerichtlich verfolgt werden, wenn sie ihr Parlament nickt nachher durch eine JndemnitätSbill von der gerichtlichen Verfolgung befreie. Er habe bis jetzt geglaubt, daß man als britischer Bürger überall im Reiche gewisse Rechte und Freiheiten genieße, wie das Koalitionsrecht und das Strcikrccht. Heute erführe man, daß all! diese» Unsinn und blauer Dnnst sei. Wenn es bis jetzt noch keine: Rcicksbehörde gebe, die mit der Macht ausgerüstet sei, Ereignisse. wie sie in Südafrika vorgekommen, zn verhindern, dann sei eS die höchste Zeit, daß eine derartige Behörde geschaffen werde. Parlamentsmitglied Wardlc sEisenbahner; führte aus, daß die britischen Eisenbahner nichts von der Verstaatlichung der Eisen» bahnen wissen wollten, wenn die Zustände, unter denen ihre Kol- legen in Südafrika lebten, für Staatsbahnen maßgebend wären. Krir Hardie erklärte, daß daS britische Parlament dos Reckt habe, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Der Jndcmnitätsdill. die Botha in der nächsten Woche vovi Parlament der Union vec-- langen werde, könne Lord Gladstone auf Geheiß der liberalen Re».' giernng Großbritanniens die königlickc Sanktion vorentbalten. Tann würde die Sache iin Parlament zn Wcstminstcr zur Sprach« kommen und entschieden werden. Deshalb sollte die Partei darauf dringen, daß der JndemnitätSbill die Genehmigung der Krone vor» enthalten werde.— Wir haben uns bei Rechtskundigen nach der Stichhnttigteit dieser Ansicht erkundigt, konnten aber leine genaue Auskunft erhalten; es scheint, daß hiermit eine sehr verwickelte konstitutionelle Frage ausgerollt werden wird.— Aus Antrag Will Thorncs wurde der Resolution die Forderung, den südasrikanischcn Statthalter zurückzuberufen, einverleibt. Thorne wandte sich auch gegen die Auffassung, daß das Burenaufgebot eine Bürgerwehr sei. «ie sei nur dem Namen und nicht dem Wesen nach eine Bürger- wehr. Nachmittags wurde die Debatte von Vrownlr»(Vorsitzender der Maschinenbauer, fortgesetzt.� Die Gewerkschaft, der er vorsteht. ist direkt an dem Kampfe in Südafrika beteiligt. Ihre Mitglied- schaft erstreckt sich über das ganze britische Weltreich. Er schilderte, wie man in Natal alle Beamte der Maschinenbauer verhastet und die Gelder der Organisation beschlagnahmt habe, wie der Notschrei von Durban an das Zentralbureau in London gekommen sei, U»> man die Zentralleitung gebeten habe, sofort Gelder zur Führrca� des Kampfes zu schicken, wie aber der Bankier der Gelocrkschaft er- klärt habe, es habe keinen Zweck, Gelder nach Natal zn schicken. die dort nur sofort konfisziert werden würden, und toie der Kolo» nialminister sich geweigert habe, eine Deputation der Maschinen- bauer zu empfangen. Die Resolution fand durch Akklamation ein« begeisterte Annahme. Scddon, der Vorsitzende des parlamentarischen Komitees de? Gewerkschaftskongresses, der als Gast anwesend war und darauf eine Ansprache hielt, erklärte, daß das parlamentarische Komitee sobald wie möglich mit den aus Südafrika ausgewiesenen Gewerk» schastsbeamten telegraphisch in Verbindung treten und für einen entsprechenden Empfang im Londoner Hafen sorgen loerdc. Der Rest des Tages war fast ganz den inneren Parteigeschäften gewidmet. Nur eine wichtige Resolution gelangte noch zur ein- stimmigen Annahme. Sic betraf Das Rüstungswcsen und lautete: „Diese Konferenz verurteilt entschieden das ungeheure, verderbliche und unnötige Wachstum der F l o t t e n a u s g a b e n, die im laufenden Jahre wahrscheinlich SO Millionen Pfund Sterling übersteigen werden; und da sie der Ansicht ist, daß Rüstungen durch die Art der Politik bestimmt werden, erklärt sie, daß dieses Land als ersten Schritt zu einem besseren Einverständnis die Aufrechterhaltung des Seedcute- rechts zu Kriegszciten aufgeben und mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote stehen, auf die Herstellung eines Friedensbundcs, der Großbritannien, Deutschland und Frankreich einschließt, dringen sollte." Bemerkenswert an der Debatte, die sich dieser Resolution an- schloß, war die spontane Begeisterung, die jedes deutsch- freundliche Wort der Redner auslöste. Deutschland ist bei dem englischen Volke populär, populärer als irgend eine andere Nation, und alle Argumente der Rüstungsfanatiker, die sich auf den angeblichen Deutschenhaß der Engländer stützen, entbehren jeder Begründung. Mus der Partei. Das Feuilleton der„Neuen Zeit". Die Erklärungen in Nr. 30 des„Vorwärts" vom 31. Januar nötigen uns zu folgender Feststellung: Unsere Mitteilung in Nr. 18 der„Neuen Zeit" über die Aende- rung in den Redaktionsverhältnissen war gegenüber unseren Lesern geboten— dies um so mehr, als eine Reihe von Parteiblättern be» reits in dringender Weise Aufklärung gefordert hatte. Unserer i Partcipflicht gemäß haben wir so lange Zurückhaltung geübt, bi« die angerufenen Partciinstanzen gesprochen hatten. Eine Geheim- baltung ist aper in einer demokratischen Partei, bei der in letzter .Instanz der Parteitag vor aller Ocffenllichkcit entscheidet, selbst- verständlich ausgeschlossen. Charlottcnburg, den 31. Januar 1914. Die Redaktion der„Neuen Zeit'. Stadtverordnetenwahlen. Am Freitag wurde in Kiel bei der Ersatzwahl zum Stadt- iverordnetenlollegiunt, die durch den Tod eines bürgerlichen Albgc- -ordneten veranlaßt worden war, ein Sozialdemokrat gewählt. Nun- mehr ist die sozialdemokratische Rathausfraktion in Kiel wieder so stark wie die bürgerliche z jede dieser beiden Fraktionen zählt 24 Mitglieder. Der Protest, der gegen die Mainzer Stadtvcrordnctcnwahlen eingelegt worden war, die 19 Sozialdemokraten mehr ins Stadt- Parlament bringen, ist vom Kreisausschutz als unbegründet zurück- gewiesen worden. Aus den Organisationen. Eine Konferenz für den Wahlkreis Leob schütz, ine von allen Orten des Wahlkreises, wo Organisationen bestehen, durch Delegierte beschickt war, billigte einstimmig den Bcschlutz der steitung des Wahlkreises wegen Nichtbetciligung an der im Ansang dieses Jahres stattgefundenen Reichstagsersatzwahl. Einstimmig wurde der bisherige Kandidat, Genosse Ernst Trappe, wieder als Kandidat ds Wahlkreises ausgestellt. Die Kreistcilung wurde wiedergewählt. Ueber das Thema, wie in dieser schwarzen Gegend in Zukunft die Agitation erfolgreich zu gestalten ist, gab der Be- zrrtkssekrctär, Genosse H ö n i ng- Beuthen, Anregungen, die von aßen Delegierten mit Beifall aufgenommen wurden. Die Arbeiterbibliothcken. Tie Arbeiterbiblioihckcn in Leipzig weisen im Jahre 1913 wie- derum eine bedeutend erhöhte Auslcihziffer auf. Die 59 Bibliothe- kcn in Leipzig-Stadt und-Land verliehen insgesamt 214 976 Bände an rund 17 999 Leser. In den letzten sieben Jahren steigerten sich die Auslechziffern wie folgt: 1997: 79 835 Bände; 1998: 121 563; 1999: 149243; 1919: 163 933; 1911: 196 428; 1912: 197 858; 1913: 214 976. Die Organisationen wendeten 1919 bis 1913 für die Bibliotheken insgesamt rund 89 999 M. auf. Die Leipziger Arbci- tcrbibliotbeken werden voraussichtlich auf der Internationalen Aus- stellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig ihre Eniwickluirg und ihre Einrichtungen darstellen. Ebenso erscheint eine Konfe- renz der deutschen Arbciterbibliothckare im Au» gust dieses Jahres in Verbindung mit der„Bugra" nunmehr gesichert. Trtenliste der Partei. R»m, den 28. Januar.(Eig. Bcr.) Der bei den letzten Wahlen im 4. Turiner Wohlkretse gewählte Genosse Gay ist am 27. d. M. ganz plötzlich in Turin gestorben. Gay war von Beruf Buch- d rucke r, also einer der wenigen Arbeiter in der italienischen .Kannner. Seine Eltern hatten ihn für den priesterlichcn Beruf bestimmt, aber Gay wendete sich sehr jung der Arbeiterbewegung zu und wirkte erst in der anarchistischen, dann seit 29 Jabrcn in unserer Partei. Der erst 43 Jahre zählende Mann ist einer Blut- Vergiftung erlegen, die sich an einen Furunkel am Halse anschloß. Der ganz unerwartete Verlust trifft besonders die Arbeiterschaft Turins schwer, unter der Ga» als Direktor des allgemeinen Ar- beitcmereins. der grötzten Turiner Genossenschaft, seit Jahren mit Eifer und Hingedung wirkte. Parteiliteratur. Backschich— Ter Kölner Polizei-Prozeß. Unter diesem Titel hat die Buchhandlung der„Rheinischen Zeitung" in Köln die Verhandlungen des von der.Kölner Polizei gegen unser Kölner Partciblatt angestrengten Schmier- geldcrprozesscs in Broschürcnsorm erscheinen lassen. Die 128 Seiten starke Broschüre bringt einleitend eine Vorgeschichte des Prozesses, und in einem Schlußwort werden die Folgerunge» aus dem Prozeß gezogen. In»venigen Tagen war die erste Auflage von 199 999 Exemplaren bereits vergriffen, so daß sofort eine zweite hergestellt werden mutzte. Der Preis der Broschüre beträgt 25 Pf. polizeiliches, Gerichtliches usw. Festgenagelte ZeatrumSvcrlrugnung. Bei den letzten Krankenkassenwahlen in F r c i b u r g i. B. glaubte das Zentrumsorgan„Freiburger Tagespost" gegen die Vcr- treterlisle der freien Gewerkschaften dadurch einen sicheren Schlag rühren zu können, daß es einen„sozialdemokratischen Hilferuf" vcr- öffentlichtc, nach welchem die alten Parteigänger in der Freiburger Sozialdemokratie durch das neue Regiment des sozialdemokratischen Stadtrates Engter in den Hintergrund gedrängt würden. Seit Engter in Frcidurg tätig sei, wäre die Einigkeit unter den Gern)(seil in die Brüche gegangen usw. Genosse Engler strengte gegen den Redakteur>schlodcr von der„Tagespost" Klage an. Obwohl der Beklagte einen ansehnlichen Zcugcnapparat aufgeboten hatte, konnte er keine einzige seiner aufgestellten Behauptungen beweisen. Er ging eine» Vergleich ein, indem er sämtliche gegen Genossen Engler vorgebrachten Beschuldigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknahm und 59 M. Buße für die Ortsgruppe Freiburg des Vcr- eins für Krüppclfürsorge bezahlte. Soziales. Zur Ausbeutung der B-rdcllprostituiertea. In Nürnberg ist die Prostitution kaserniert, angeblich aus sitt- lichen und sanitären Gründen, in Wirklichkeit aber zur besseren Bequemlichkeit der Polizei. Denn die Geschlechtskrankheiten sind dabei nicht geringer verbreitet als anderwärts, und wenn man von sittlichen Gefahren sprechen will, so sind solche bei den Bor- bellen, die alle Welt kennt, wohl viel größer«IS bei der geheimen Prostitution. Dafür sind aber die Bordellprostituicrten der schrankenlosesten Ausbeutung überliefert, wie aus de»„Mietvcr- trägen" hervorgeht, die sie mit den Bordcllinhabcrn abschließen müssen. Hier das Beispiel eines solchen Vertrages: Mietvertrag. Frau Anna Pfister, Besitzerin des Hauses Spittlertor- »lauer 44, nimmt die Dirne......... in ihrem Hause auf. sie räumt ihr insbesondere ein möbliertes Zimmer Mit Bett ein und gewährt ihr Kost, die Bettwäsche, die Beheizung. Be- leuchtung. alles in vollständiger ausreichender Weise. Hierfür hat die Mieterin an Frau Anna Pfister täglich einen Preis von 12 M.— Pf.(mit Worten zwölf Mark— Pf.) pünktlich zu entrichten. Zwölf Mark mutz also die Prostituierte mit ihrem traurigen Gewerbe täglich verdienen, nur um die„Vemnicterin" zu befrie- digen. Zwölf Mark pro Tag— das sind im Jahre 4339 M. von einer einzigen„Dirne". Man sieht, die polizilich geregelte Prostitution ist ein sehr einträgliches Geschäft für die—„Der- mieter". Diese Aordelluchabcr siiid zwar alö Kuppler strafbar. Aber— wo kein Ankläger, da ist kein Richter. Tic frömmsten Handlungsgehilfen werden rebellisch! Die Behandlung der Sonntagsruhe durch die bürgerliche» Parteien und durch die Regierung hat selbst den Widerspruch der paritätischen katholischen kaufmännischen Bereinigungen heraus- gefordert. Der zu gleichen Teilen aus Prinzipalen und Gehilfen bestehende VerbandöauSschutz nahm nach der„Köln. Volksztg." Mr. 88) eine Entschließung an, in der er bedauert, daß der Eni- Wurf der Verbündeten Regierungen zur Neuregelung der Sonn- tagSruhe im Handelsgewcrbe so wenig den begründeten Wünschen und Forderungen der großen Mehrheit der kaufmännische» Kreise Rechnung trägt, ja sogar wesentliche Berschlechtrrungen der heute geltenden gesetzlichen Bestimmungen in Vorschlag bringt- Auch müsse der Verbandsausschutz sein Befremden über die Haltung der bürgerliche» Parteien zum Ausdruck bringen, die in einem überraschenden Gegensatz zu ihren früheren Erklärungen stehe. Insbesondere bedauere der Vcrbandsausschutz im Namen der dem Verbände angeschlossenen selbständigen Kaufleute, daß einzelne Redner ihre ablehnende Stellungnahme mit der Notwendigkeit eines «chutzcs des kaufmännischen Mittelstandes begründet haben. Die große Mehrheit des kanfmännischcu Mittelstandes stehe nicht hinter der dabei zum Ausdruck gekommene« Auffassung, wünsche im Gegen- teil keine angebliche Mittelftandspolilik auf Kosten der kauf- männischen Angestellten. Auch den Prokuristen will der katholische Verband die Wohltat der'Sonntagsruhe zuteil wenden lassen. Die Entschließung ist eine scharfe Absage an die Haltung der Zentrumspartci, die übrigens längst auch bei den katholischen Privatbcamten Mißtrauen findci, weil es das Zentrum bisher nicht für nötig gehalten hat, einen einzigen Privatbcamten in den Reichstag zu wählen. Tarifgültigkcit. Ein Schriftsetzer klagte gestern vor dem Gewerbegericht(Magi- stratsrat Schulz) gegen die Firma Abel u. Schmidt auf Zahlung von 46,88 M. wegen kündigungsloser Entlassung. Die Firma hat den Tarif anerkannt. Sie geriet in finanzielle Schwierigkeiten, konnte die fälligen Raten für die Maschinen nicht zahlen und kündigte dem gesamten Personal zum 22. November. Diese Kündigung soll nun jede Woche loiedcrholt worden sein, behauptet die Firma. Der Kläger bestreitet dos für die letzte Zeit seiner Tätigkeit. Das Schiedsgericht hatte einstimmig die Firma zur Zahlung verurteilt. Begründend hatte es ausgeführt: Von Woche zu Woche zu kündigen, also ein dauerndes Arbeitsverhältnis unter fort- währender Kündigung ist unzulässig. Ebensolvenig sei es nach dem Tarif zulässig, ein geküirdigtcs Arbeitsverhältnis mit Kündigungs- ausschlutz fortzusetzen. Das Gcwcrbegcricht kam zu derselben Entscheidung. Zuständigkeit für Kinodarsteller. In der noch immer umstrittenen Frage, ob das Gcwcrbegcricht auch für Kinodarsteller zuständig sei, hat die Berufungsinstanz unter dem 2. Januar 1914 entschieden: „Wie der erste Richter zutreffend ausgeführt hat, ist die Tätigkeit eines Statisten, bei dessen Anstellung nicht seine künstlerischen Fähigkeiten, sondern seine Fissur und Physiognomie ausschlaggebeied sind, niemals eine künstlerisch«... E. hat also mit Recht seine Zuständigkeit ai�enommen." Damit ist also der Teil der Schauspieler, die, wie etwa im vorliegenden Falle, Moltkes, Bismarcks und dergleichen darzustellen haben, dem Gcwerbegericht ausdrücklich unterstellt. Eine Entscheidung der Berufungsinstanz über die Zuständigkeit bei Filmschauspielern im allgemeinen liegt bisher noch nicht vor. Der Acrztcvcrein zu Lndwigshafen gegen die guten Sitten. In Bayern besteht schon seit langer Zeit das System der Bahn- Lrzte. Kurz nachdem die Pfalzbahn, eine frühere Privateisenbahn, in die Hände des bayerischen Staates gekommen war, suchte der bayerische Fiskus das System der Bahnärzte auch hier einzuführen. Ein Vorvertrag wurde auch im August 1911 von 99 Acrzten unter- schrieben. Zu Streitigkeiten kam es jedoch wegen der freien Arzt- ivahl und wegen der Pauschalgebühren. Als vor Erledigung dieser Streitigkeiten»irr Aerzte in Lüdwigshafen den Vertrag mit dem Fiskus abschlössen und als Bahnärzte angestellt wurden, mischte sich die ärztliche Standcsorganisation in den Streit ein, da die Aerzte nicht direkt(weder mit Krankenkassen noch mit dem Fiskus) abschließen sollten, sondern immer nur die Organisation für die betreffenden Aerzte. Nachdem weder Vennittelungen noch das Anhören eines Schiedsgerichts die vier Aerzte bewegen konnte, von dem Vertrage mit der Bahn zurückzutreten, berief der Berein der Aerzte zu Lndwigshafen a. Rh. auf den 24. Oktober 1911 ein« außerordentliche Versammlung ein, die über den Ausschluß der vier Aerzte beschließen sollte. Kurz vor der Beschlutzfassung ließen die vier in der Versammlung nicht anwesenden Aerzte dem Vereins- Vorsitzenden ein Schreiben überreichen, in dem sie ihren Austritt erklärten. Der Vorfitzende legte das Schreiben aber zunächst bei- seit« und ließ über den Ausschlutz abstimmen, den er dann pro- klamierte, bevor er zu der Verlesung der AustrittSerklärung schritt. Darauf wurde erklärt, datz mit dem Ausschlutz der Bahnärzte aus dem ärztlichen Standesvcrein alle kollegialen Beziehungen mit ihnen abgebrochen seien, der Abbruch des beruflichen Verkehrs müsse als selbstverständliche Konsequenz des Ausschlusses gelten. Diese Beschlüsse wurden auch der Gesellschaft der Aerzte in Mann- heim mitgeteilt. Wegen der Verrufserklärung und wegen des unberechtigten Ausschlusses haben die vier Aerzte, Dr. Raab und Genossen, gegen den Verein der Aerzte zu Lndwigshafen Klage erhoben und Fest- stellung verlangt, datz der Ausschluß aus dem Verein zu Unrecht erfolgt und daß die BerrufSerNärung aufzuheben ist.(KZ 139, 826, 249 des Bürgerlichen Gesetzbuches.) Das Landgericht Franken- thal hat dem Antrage entsprechend erkannt, ebenso das Oberlandes- gericht Zweibrücken. Das Oberlandesgericht begründet sein Urteil in bezug auf den unberechtigten Ausschlutz mit dem K 139 des Bürgerlichen Gesetzbuches, da die AustrittSerklärung bereits vor dem Beschlutz über den Ausschlutz in die Hände des Vorstandes ge- langt war. In dem Erlaß des Bcrkehrsverbotes, daS den Anschein der Standesunwürdigkeit erweckt, erblickt das Oberlandesgericht eine schwere Schädigung der wirtschaftlichen Interessen der Kläger. Denn das Verkehrsvcrbot stellt einen unerträglichen Gewaltakt dar und verstößt deshalb gegen die guten Sitten, während im Gegensatz dazu der Vertrag der Bahnärzte durchaus nicht zur Ver- clcndung führt, sondern auch mit vielen anderen Acrzten ab- geschlossen ist. Das Reichsgericht hat am Donnerstag das Urteil des Ober- landeSgerichts bestätigt und dazu ausgeführt; Es ist zu berück- sichtigen, datz der beklagte Verein zu ehrenrührigen Gewaltmittel« gegriffen und zugleich eine wirtschaftliche Schädigung der Kläger herbeigeführt hat. Diese Mittel verfolgten den Zweck, den Klägern den Willen des Vereins aufzuzwingen, um Vorteile für die Organi- fation herbeizuführen. Die Anwendung der KK 826 und 249 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf den vorliegenden Fall ist deshalb zu billigen.(Aktenzeichen: lV. 567/13.) Genau wie dieser vom Reichsgericht jetzt abgeurteilte Fall liegen die Fälle, in denen unter Mitwirkung von Behörden in ähn- licher Weise gegen Aerzte vorgegangen ist, die ohne Zustimmung der Aerzteorganifation Verträge abgeschlossen haben. Gerichtszeitung. Ein gemeingefährlicher Berbandsmarder. In rücksichtsloser Weise Organisationen gebrandschatzt hatte der 27jährigc KaufmannArnold Juth aus Prag, der.vor der Strafkammer Halle a. S. wegen Diebstahls, Urkundenfälschungen, Betrugs und Beilegung falscher Namen in zahlreichen Fällen ange- klagt war. Der Mann, der sich über ein Jahr in Haft besindct und in Wien mit schwerem Kerker vorbestraft ist, hat in den Jahren 1911 und 1912 in einer großen Anzahl Städte aller Ganen des Deutschen Reiches mit gestohlenen BcrbandSbüchcrn allerhand Unterstützungen erschwindelt. In 66 Fällen gab er sich als Buchdrucker und Metall- arbeiter aus und erschwindelte Beträge von 2 bis 39 M. In den Verbandsfilialen forderte er zunächst einige Zeitungen und stahl dann in einem unbewachten Augenblick Verbandsbüchcr. In Grcifswald und Saarbrücke» ist er wegen ähnlicher Schwindeleien schon vorbestraft. Durch sein Treiben hat der Angeklagte nicht bloß Schaden, sondern auch grohe Unannehmlichkeiten für Verbands- angestellte angerichtet. Nach erlassenen Warnungen und Zirkularen wurde er schließlich in Metz unter dem falschen Namen Friedländcr — so nannte er sich auch in Berlin— festgenommen. Er wollte in keinem Falle der Täter gewesen sein, wurde aber von den als Zeugen geladenen Vcrbandsangestclltcn als der Schwindler be- zeichnet. Die Strafkammer verhängte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren. i'A Monate unschuldig in Untersuchungshaft. Ter katholische Propst Dutczmal in Chohna(Kreis Gollantsch, Proviüz Posen» hatte die Errichtung einer Polnischen Parzcllic- rungsbank in Gollantsch bewirk, um den Germanisicrungsarbcitcn der Ansiedlungskommission entgegenzutreten. Der Propst, der sofort zum. Vorsitzenden der Bank gewählt wurde, war nicht nur bei den Genossenschaftsmitgliedern der Bank und in seiner Gemeinde, sondern auch in weitem Umkreise bei den Nationalpolen sehr be- liebt. Er war nicht nur bemüht, seinen Landsleutcn ihren Grund- besitz zu erhalten, er bewirkte es auch, datz diejenigen seiner Lands- leutc, die aus wirtschaftlichen Gründen genötigt waren, ihre hei- matliche Scholle zu verlassen, sich mit Hilfe der von ihm geleiteten Bank im masurischcn Teile Ostpreußens ansiedelten, damit diese Leute der polnischnationalen Sache nicht verloren gehen. Plötzlich wurde der Propst wegen Verdachts der Untreue verhaftet. Nach i'A Monaten gelang es jetzt dem Verteidiger des Propstes, Rechts- anwalt Dr. Alfted Klce-Bcrlin, die Haftentlassung zu bewirken. Dem Verteidiger ist der Nachweis gelungen, daß der Verdacht der Untreue gegen den Propst vollständig unbegründet ist. Auf Antrag der(Staatsanwaltschaft ist nunmehr daS Verfahren gegen den Propst endgültig eingestellt worden, da sich nach eingehender Prü- fung der Bücher usw. ergeben hat, der Propst habe nicht zum Nach- teil, sondern ganz wesentlich zum Vorteil der Bank gehandelt. DieS Ergebnis hätte doch wohl auch vor und ohne Verhaftung gezeitigt werden können, wenn die hakatistischen Denunziationsschriftstücke rechtzeitig vorurteilslos geprüft wären. Aberglaube« und Dummheit hatten einen recht plump angelegten Schwindel ermöglicht, der de« Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin- Schöncberg bildete. Wegen Betruges war die ledige Zigeunerin Ottilie Keck angeklagt.— Die Angeklagte gehört einem Zigeuner- stamme an, der in einem Hause der Friedrichsfelder Straße sein „Lager" aufgeschlagen hat.(sie behauptet, sich durch einen Handel mit Spitzen und Posamenterien zu ernähren, in Wirklichkeit �bildet dieser Handel nur den Deckmantel für sie, um sich an Dienstmädchen und Köchinnen heranzumachen, um diesen„auS der Hand", Kaftee» grund und anderen Substanzen wahrsagen zu können. Am 19. Ja- nuar kam die Angeklagte auch nach Steglitz, wo sie die Bekanntschaft eines Dienstmädchens S. machte, welches als ein Muster von Dummheit, die durch die Mängel unserer Volksbildung verschuldet wird, gelten kann. Die Zigeunerin, die wohl einen besonderen Scharfblick für derartig„schlaue" Küchenfeen hatte, bat die S. zuerst, ihr ein Glas Waffer zu geben, da sie angeblich halb ver- schmachtet sei. Nachdem sie sich auf diese Weise Einlaß in die Küche verschafft hatte, begann sie zu stöhnen und zu jammern. Die S. erwies sich auch tatsächlich als ein geeignetes Objekt. Denn sie lieh sich verleiten, der ihr wildftcmden Zigeunerin ohne weiteres 9 Mark zu borgen. Am nächsten Tage erschien sie wieder bei der S. und brachte ihr, anscheinend um sie recht sicher zu machen, die 9 Mark zurück. Bei dieser Gelegenheit bat sie die S.. ihr aus der Hand wahrsagen zu dürfen. Kaum hatte sie die Hand des Mädchens angesehen, als sie sehr erschreckt tat und der S. mitteilte, daß sie einer schweren Krankheit entgegensehe. Die S. wurde kreidebleich und beruhigte sich erst, als ihr die Zigeunerin mitteilte, daß es gegen die Krankheit einen wirksamen„Zauber" gebe. Zu diesem Zauber brauche sie aber drei Zwanzigmarkstückc. oder wenn sie diese nicht habe, könne auch ein goldener Ring oder eine goldene Uhr die gleiche Wirkung hervorrufen; jedenfalls müsse es aber Gold fein. Die S. ging auch auf diesen blöden Schwindel ein und holte schleu» nigst zwei Zwanzigmarkstücke und einen goldenen Ring im Werte von 59 M. herbei. Die Angeklagte zog sodann einen Leincnbeutel hervor, steckte scheinbar die Goldstücke und die Uhr hinein, pustete den Beutel dreimal an und murmelte eine geheimnisvolle Be- schwörungsformel. Sodann händigte sie den verhexten Beutel der S. aus mit der Anweisung, ihn an einen Ort zu legen, wo ihn nie- mand sehe und ihn auch keinesfalls vor dem 19. Februar dort wieder wegzunehmen. Nachdem die S. mehrere Tage gewartet hatte, kamen ihr wohl doch allmählich Gedanken, daß sie möglicher- weise betrogen sei. Sie öffnete den Beutel und fand darin— ein Zehnpfennigstück.— Das Gericht kam zu einer verhältnismäßig milden Strafe, da es anscheinend von der Ansicht ausging, daß die Zeugin S. wegen ihrer beispiellosen Dummheit eigentlich eine höhere Strafe verdiene. Das Urteil lautete deshalb nur auf eine, Monat Gefängnis._ Versammlungen. Die im Deutschen Metallarbeiterverhand organisierte« Maschi- nenarbeiter beschäftigten sich in oincr stark besuchten Branchenver- sammlung mit dem Thema:„Die wirtschaftliche Krise und die Auf- gaben der Branche hierzu." Kollege Petersdorf als Referent fchil- derte in eingehender Weife, wie sich die Krise mehr und mehr in der Metallindustrie bemerkbar mache. Als Beweis führte er die Zahlen der Arbeitslosen des letzten Jahres an. Danach waren arbeitslos im 1. Quartal 8339 Personen, im 2. Quartal 7466 Per- sonen, im 3. Quartal 7936 Personen und. im 4. Quartal 9965 Per- sonen. Insgesamt 32797 Personen. Allein an Unterstützung für Arbeitslose wurde die Summe von 1 159 969,59 M. gezahlt, und zwar für 919 256 Tage. Hieraus ergibt sich, datz der Einzelne zirka 39 Tage ohne Arbeit war. Die Summe der'Tage in Jahve um- gerechnet ergibt die stattliche Zahl von 2528 Jahren. Leider ließ sich aus den angeführten Zahlen kein genaues Bild von der Wir- kung der Krise in der eigenen Branche entwickeln. Dies scheiterte daran, weil die Branche in ihrer Zusammensestung nicht scharf genug abgegrenzt ist. Diejenigen Maschinenarbeiter, die früher in anderen Berufen tätig oder als Hilfsarbeiter beschäftigt waren. haben es bisher unterlassen, in ihren Mitgliedsbüchern sowohl als in der Kartothek eine Berufsänderung vornehmen zu lassen. Der Referent empfiehlt daher in Uebereinitimmung mit der Branchen- leitung, den Besuchern der Branchcnversammlung den Beruf „Maschinenarbeiter" im Mitgliedsbuch cinzustemp»». Der Vor- schlag wurde von der Versammlung einstimmig beschlossen. Im Verlauf der weiteren Diskussion wurde folgender Antrag gestellt: Die Versammlung beauftragt den Branchenleiter, bei der OrtSver- waltung zu beantragen, den ausgesteuerten Kollegen eine mehr- wöchentliche Unterstützung zu geben und die Mittel hierzu durch Extrabeiträge aufzubringen. Die Versammlung erwartet, datz die nächste Generalversammlung dem Antrag zustimmt. Dieser Antrag wurde mit schwacher Majorität angenommen. Bei dieser Gelegen- heil wurde auch die Weihnachtsunterstützunq an die arbeitslosen Kollegen einer Kritik unterzogen, in deren Verlauf festgestellt wer- den konnte, datz von verschiedenen Seiten eine falsche Bericht- crstattung ergangen ist, besonders in der Funktionärversammlung de» sechsten KreiswahlvercinS. Mit dem Versprechen des Branchen- leiter», hierüber Klarheit zu schaffen, erklärte sich die Versammlung einveostande«. Leipziger Strafe Versand- Abfeilung AutfBhrlldie Preisliste wtrd rugesandt. Wertheim KönigstraM Rosenthaler Strafe Moritzplatz Wasche-A�ää S...;-:aenL�n Bettwäsche PÄl1� 3 25 3.65 4.50 4.75 Kissenbezüge 90 Pf 1.05 1,25 1.40 Deckbeffbezüge gesMi owi«... 3.85 5.50 Kissenbezüge g«sMi Dimm...... 1.25 165 Damast- Garnituren, o°d>b°».? xiu-n.. 6.?5. t Qröjje ca. 150/200 Crö�e ca. 150/225 Qrö�eca.160 225 LiS.« 2,10 2.40 2.65,2,90 Herren-Wäsche Frack- Oberhemden uL.™Ä 4.50 Oberhemden ÄlnSS"; 3.75 M«Äicn 4.25 Oberhemden ÄÄlf.e.kl!i~ M":e: 2.25 Oberhemden IÄ�pnhÜ'EÄÄnml! 4.90 Nachthemden 3 50 Tisch-Wäsche Jacquard-Tischtücher, halbgebleidit Grö�e ca. 130/130 SIS» 1.90 Damen-Wäsche •der halsfrei mit rolem Btsai. Handtücher Stubenhandtücher Stubenhandtücher g;iÄ;,V�.nD£ Stubenhandtücher reinleinen facquard, gesäumt ood gebSndert, Cr6�e ca. 481120........... Dtz. Stubenhandtücher gebleldil, reinleln. Jacquard, gesäumt und gebdnderl, Gröfse ca. 48/110...... Die. Stubenhandtücher reinleinen Damast, gesäumt und gebSndert, GrOfie ca. 55/130........... Dir. 4.40 5.70 8.40 9.80 18 M. Garnituren m. Stickerei, Myrfhen-Muster Taghemd.2,95[j�d 2.75Nad)lhcrad5 M. Stickerei-Garnituren Ä�nnen Taghemden. 2.40 2.95 3.35 Beinkleid.. 2.40 2.95 3.35 Nachthemd. 3.90 4.90 6 M. Garnituren m. Stickerei-Em- u. Ansalz Taghemden...... 3.75 4,15 Taghemden....... 3.15 3 M. Taghemden....... 6.50 6.25 Garnituren Mit Stickereien u. Taghemden............ Beinkleid s. Nachthemd............ Nachtjacken?, Äamm 2.35 Nachthemden mit Handlangell«. Nachthemden m» Zudreret-Voiant Nachthemden MI> Ein- und Amalr Nachthemden m» Amab. hahirci Nachthemden BeinkleidersRÄ�ii. 80 ws Spitzen 5.75 8.25 8 m. 2.75 3.90 4.65 5.75 3.50 3.90 2.45 Cr6M ca 130'160 Grdke ca. I ZO ZOO Stüde 2.30 studl 2.90 Servietten dazu passend........... Dutzend 4.60 Jacquard-Tischtücher, vollweih Cröfte ca. 130/130 Grä|>e ca. 130/160 Oröfie ca. 130/223 Stüde 1.80 Stüde 2.25 Stüde 3.10 Grö�e ca. 160/160 GrS�e ca 160/240 Grflbe ca. 160/330 Stüde 2.80 Stfide 4.20 Stüde 5 80 Servietten dazu passend Gröh« ca. 45/45 Gröhe ca. 50/50 Grö�e ca, 60/60 Dutzend 3 15 Dutzend 3. 7 O Dutzend& 2 0 Hausmacher- Tischtücher Tch« o'�n'fa'i Oföt« ca. 130/160 Orö�eca. 160/165 ca. 160/225 Stüde 3.60 Stüde 4.90 Stüde 6.60 Grote ca 160/280 Grö�e ca. 1601325 Stüde 8.20 Stüde 9.70 Künstler-Decken moderne Muster, wascheeht bcdrudif, hervorragend preiswert Gr. ca. 130/130 130/160 160/160 160/225 84/84 2.60 3.70 4.25 6.25 1.40 Ein Posten Schweizer s'diwelzep Wäsche- Sti ckereien Stickereistoffe gufe4u5fühpg. zu außergewöhnlich billig e n Preisen co" 50 cm brelt' Meter 60 Pf. ■ In dieser Woche Großer Verkauf Besonders billig Serie A Serie B Serie C Serie D ■ Seiden-Reste u. Abschnitte».r 75.* 1.25 2m 2.50 MUWMWW»» Garbäf Gi�areWen für Cfualiiaisraucher Achtung! Grimm& Triepel Kautabak. In letzter Zeit sind mehrfach Nachahmungen unserer Stangen in den Handel gebracht worden. Man achte genau auf die Finnenzettel„Grimm& Triepel" um jede Stange. oder bei Streitigkeiten in �«at�wende man sich sofort an den Spezialisten Dp.|r. Loren*. Berlin ÄO QlUchiaer Strasse 106. Telefon; Moiitapl. 9itd«| I afentanwalt Prlljwtt7|» rjafe Jt|eyer � Dresdener Str. IM/1». Kaffee 10 u. 15, Bier, bellu.dllnk.10Pf. ca. 50 Zeitungen; Billard ätb. 80 Pf. Zahlstelle der Freien VelksbOhne '•lUiiiiMiiiiiiiiiiiiigiiiiifuiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiituiniiaiiiiiaaauiiimiianiunMfauiiiiiintNNUiHiMiuns� ÜMIlilnrrtlj<�cr Aehaktnrr: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnferatenteil vercmtw.: TH.�Gl-ckVBcrlin. Drück u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Eo, Berlin SW. Dr. A. N Iahrgmy. 2. KtilW des, Amiirls" Knlim UslksM ZlMlltag. l. sstbnlar Wl4. Die Selbstverwaltung Berlins unö öie Arbeiter. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde Von sozialdemokratischer Seite Kritik geübt an der Art, wie heute die Zuteilung der Stadtbezirke an die recherchierenden Stadt- verordneten erfolgt. Es wurde dabei auch darauf hingewiesen, dah in Berlin die Arbeiterschaft von den kommunalen„unbeioldeten Ehrenämtern ganz ausgeschlossen wäre, wenn die sozialdemokratischen Stadtverordneten es nicht für ihre Pflicht erachtet hätten, auch Ar- beiter zu den Arbeiten in Armenkommissionen, Sckulkommisfionen, Waisenrat usw. heranzuziehen, wenn sie sich zu den Arbeiten eignen. Es mutz leider festgestellt werden, datz bürgerliche Stadtverordnete mit wenigen Ausnahmen Arbeiter zu kommunalen Ehrenämtern nicht heranziehen. Es sei sogar vorgekommen, datz Arbeitern, die sich zur Mitwirkung in unbesoldeten Gemeindeämtern angeboten hatten, geantwortet worden sei, sie hätten hübsch zu bitten. Der freisinnige Stadlverordnete Thieme, dem diese Bemerkung galt, suchte die Sache so darzustellen, als hätten die Antragsteller an ihn am Schlüsse ihres Briefes geschrieben:„Und Sie wollen sich gefälligst danach richten". Dieser Darstellung des Herrn Thieme wollen wir den wahren Tatbestand gegenüber stellen. Das an Herrn Thieme gerichtete Schreiben lautet wörtlich: Sehr geehrter Herr Stadtverordneterl Aus Grund der Selbstverwaltung der Gemeinde find nach der Städteordnung die Bürger Berlins zur Mitarbeit in der Städtischen Verwaltung berufen. Aus diesem Grunde sind Tausende Berliner Bürger in den Armenkommissionen, im Gemeindewaisenrate, in der Schulkommission und in Steuereinschätzungskommission tätig. Die Vorschläge zur Be- setzung kommunaler Ehrenämter ist Sache'der Herren recherchierenden Stadtverordneten. Für unseren Bezirk haben Sie diese? Amt inne. Seit Jahren müssen wir bemerken, datz in den Kommissionen unseres Bezirks die Arbeiterschaft von diesen un- besoldeten Ehrenämtern ausgeschlossen ist, und es hat sich unter der Arbeiterschaft Ihres Bezirkes die Meinung verbreitet, datz Sie Arbeiter nicht in die Kommission vorschlagen wollen. Wir glauben, datz diese Meinung sofort widerlegt werden könnte, wenn Ihnen geeignete Vorschläge unterbreitet werden, zumal ja nach der Städte- ordnung eine Bevorzugung einer besonderen Partei oder einer besim deren Bevölkerungsklasse nicht zulässig ist. Um Ihnen hierbei behilflich zu sein, empsiehlt Ihnen der unterzeichnete Bezirkssührer für die sozialdemokratische Partei bei Vorschlägen zur Armen«, Waisen- und Schulkommisfion folgende Personen zur Berücksichtigung, da- mit auch die Arbeiterschaft in diesen Kommissionen vertreten ist. Wir meinen, datz auch Arbeiter recht geeignet sind, in den ge- nannten Kommissionen im Jnteresie der Stadtgemeinde nützlich wirken zu können. Hochachtungsvoll '(folgt Rame.) Diesem Schreiben lag ein Zettel bei, auf welchem einige Per- souen namhaft gemacht wurden, die sich zur Uebernahme von be- stimmten Aemtern bereit erklärt hatten. Dieser Zettel war mit dem Ersuchen versehen, die Vorgeschlagenen berücksichtigen zu wollen. Das patzte Herrn Thieme aber nicht, der in dem von Arbeitern stark bewohnten Bezirk in der Prinzenallee seit Jahr und Tag keinen Arbeiter in eine Kommission genommen hatte. Er schrieb darauf folgenden Brief: Herrn N. N.(Name). Geehrter Herr! Ich besitze Ihr Schreiben und möchte, ehe ich weiter darauf eingehe, darauf aufmerksam machen, datz ich folgenden Satz Ihres Schreibens:.und wünsche dieses berücksichtigen zu wollen" für eine etwas ungewöhnliche Form einer Bitte ansehe, die Sie an mich stellen und ich diese ungewöhnliche Form durch nicht ge- »ügende Federgewandtheit wohl entschuldigen mutz. Sollte ich mich aber in dieser Beziehung etwa in einem Irrtum befinden, so mützte ich Ihr Ersuchen in dieser Form als ungebührlich zurück- weisen und die folgende Antwort als nicht gegeben ansehen. Zur Sache selbst erwidere ich Ihnen, datz ich bei dem Bor- schlag für die Besetzung von städtischen ehrenamtlichen Stellen auf die politische Richlung des Kandidaten keine Rücksicht nehme und prinzipielle Vorschläge solcher Herren ablehne, die mir nur mit Rücksicht auf die politische Parteirichtung empfohlen werden. Ich kann auch im vorliegenden Falle von diesem Prinzip nicht ab« gehen und bedauere deshalb, die von Ihnen empfohlenen Herren nicht in Vorschlag bringen zu können, wenn Sie für dieselben keine weitere Befähigung als ihre Zugehörigkeit zur sozial- demokratischen Partei vorbringen können. Sollten die Herren jedoch besondere Eigenschaften besitzen, die sie für den städtischen ehren« amtlichen Dienst geeignet machen, so ersuche ich Sie, mir dies näher zu begründen, und werde ich dann keinen Abstand nehmen, den einen oder anderen Herren für eine geeignete Stelle in Vor- schlag zu bringen. Achtungsvoll Karl Thieme, Stadtverordneter. Diese Antwort des Herrn Stadtverordneten Thieme charakte- risiert sich selber. Herrn- Thieme ist darauf folgendes Schreiben zu- gegangen: Berlin, 8. Dezember 1S18. Herrn Stadtverordneten Thieme, hier X. Aus» Ihr gefl. Schreiben vom 19. September er.(«Als Antwort auf meinen Brief." Diese Worte fehlen irrtümlicherweise. Die Redaktion d..V.".), in welchem ich datz Ersuchen an Sie richtete, bei Vorschlägen zu unbesoldeten Kommunalbeamten für unseren Stadtbezirk auch Personen aus Arbeiterkreisen zu berück- sichtigen, komme ich erst heute zurück. Ich möchie nochmals bemerken, datz die von mir vorgeschlagenen Personen natürlich geeignet sind, die in Frage kommenden Arbeiten zu erledigen. Das ist in meinem Schreiben an Sie auch als selbst- verständlich angenommen worden. Ich bin der Meinung, datz die von mir geäutzerte Form des Ersuchens um Berücksichligung allen billigen Anforderungen an Hörlichleir genügen dürfte. Eine Bitte lag allerdings nicht in meinem Schreiben, da ich annahm. datz die Bereilwilligke», datz Arbeiter in den ehrenamtlichen Dienst der Stadt treten wollen, von den Herren Stadlverordneten nur begrützt werden würde. Nach der Städteordnung ist ja jeder Bürger hierzu verpflichtet. Hochachtend: Name. Diese Antwort enthebt uns wohl jeder weiteren Bemerkung. Der Briefwechsel zeigt, datz die Darstellung des Herrn Thieme in der Stadtverordnetenversammlung mit den Tatsachen nicht in Ein- klang zu bringen sein dürfte. Zur Kaufmannsgerichtswahl in öerlin. Für Liste 2! lautet das Thema einer öffentlichen Versamm- Kmg. die der Zentralverband der Handlungsgehilfen zu Montag, den 2. Februar 1914, abends 8'A Uhr, nach den.Sophiensälen", Sophienstr. 17/18, einberufen hat. Es referieren die Genossen Reichstagsabgeordneter Peus-Dcssau und Redakteur Paul Lange- Berlin. Der Wahlkampf um das Kaufmannsgericht ist im Gange. Nicht weniger als 12 Listen stehen sich im Kampfe gegenüber. Auf der einen Seite die bürgerlichen Verbände, die auf dem Boden der Harmonie der Interessen zwischen Angestellten und Unter- nehmern stehen, auf der anderen Seite die freigewerkschaftliche Organisation der Angestellten, der Zentralverband der Handlungsgehilfen. Hat der Zentralberband der Hand. lungsgehilfen schon bei der Wahl vor 3 Jahren einen großen Er- folg erzielt, indem er den antisemitischen Deutschnationalen und anderen Harmonieverbänden zusammen 16 Sitze im Kaufmanns, gericht abnahm, so wird er diesmal verdoppelte.Anstrengungen machen, um die Zahl seiner Sitze weiter zu steigern im Interesse der Handlungsgehilfen. War der Wahlkampf, soweit von einem solchen bisher gesprochen werden konnte, sachlich, so haben die Deutschnationalen dafür gesorgt, datz die sachliche Diskussion beeinträchtigt wird durch die an den Antisemiten bekannte persön liche Kampfesweise. Ist da neulich ein antisemitisches Schriftchen erschienen, das sich„Um unser gutes Recht" betitelt. Dem Ein- geweihten wird sofort klar, daß der Inhalt zu dem Titel patzt wie die Faust aufs Auge. Das Heftchen wimmelt von Verdrehungen und Entstellungen und eignet sich bestenfalls zur Lektüre für die- jenigen, die nicht alle werden. Mit denen hat wohl auch der Her- ausgeber gerechnet, sonst hätte er Mühe und Zeit sparen können. Ein halbwegs vernünftiger Mensch nimmt das Schriftchen für das, ivaS es ist, ein mitzglückter Versuch, vernünftige Leute für den antisemitischen deutschnationalen HandlungSgehilfenverband einfangen zu wollen. Am Montag soll den antisemitischen Finster- lingen heimgeleuchtet werden. Man-will ja mit dem Zentralver- band der Handlungsgehilfen„die Klinge kreuzen", wie man groß- m... ündig in einer deutschnationalen Versammlung bekanatge. macht hat. Immer zu. Es soll ihnen nichts geschenkt werden. Aber auch die anderen Harmonievereinler sollen nicht zu kurz kommen. Die Handlungsgehilfen werden gut tun, diese Bersmnm- lung zahlreich zu besuchen. Also auf zum Kampf für Liste 2! Parteiangelegenheiten- Au die Parteigeuosseu Berlins und der Provinz Brandenburg! Mitte Februar erscheint wieder eine neue Lokalliste. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Donnerstag, den 12. Februar, an die nachverzeichneten Kommissionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Franz Lucht, SW. 68. Lindenstr. 2. Für den II. Wahlkreis an den Genossen R. Reinhardt. S. S9, llrbanstratze 67. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Gustav Müller, SO. 86, Grünauer Straße 26, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Franz BehcrSdorf, O. 34, Litauer Straße 14. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahmsch, T. 64, Auguststr. 51, III. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Solomon Joseph, NW. 21, Stromstr. 36. Für Nieder-Barnim an den Genossen Ernst Werkmann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Neukölln, Neue Jonasstr. 38, IV. Für Potsdam-Osthavelland an den Genoffen Emil Stahl, Spandau, Marschallstr. 3. Für Ober-Barnim an den Genossen Karl Schindhelm, EberS- Wald«, Breite Straße 69. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Vorsitzenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelegenheiten für Grotz-Berlin dem zu. ständigen KommifsionSmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonferenzen der Wahlkreise so oft gefaßten Beschlutz hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor» gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 12. Februar einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten KommifstonS- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den.Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Albert Hahnisch, O 64. Auguststratze, 61. Vierter Wahlkreis(Landsberger Viertel). Heute Sonntag findet im Elysium, Landsberger Allee 49, ein Bolksliederabend statt. Mit- wirkende: Frl. M. Zlotnicka, Sopran; Herr Lederer-Prina, Bariton; Frl. Wallt Kussel, Rezitationen; am Flügel: Frl. Susanne Fried- berg. Saalöffnung tl/3 Uhr. Ansang 6V3 Uhr. Eintrittskarten 30 Pf. Nach der Vorstellung Tanz. Fünfter Kreis. Sonntag, den 1. Februar, in den Sophien- Sälen, Sopbienstr. 17/18: Lichtbilder-Vorirag„Eine Reise durch die sächsische Schweiz". Vortragender Genosse Rudolf Müller. Nach dem Vortrag Tanz. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Anfang pünktlich 6 Uhr Eintrittskarte 20 Pf. Sechster Wahlkreis. Eine öffentliche politische Versammlung für Männer und Frauen findet beute Sonnlag, den 1. Februar, im Moabiter GesellschafishauS, Wiclefstr. 24, statt. Wir laden hierzu freundlichst ein. Nach der Versammlung ge- mütliches Beisammensein und Tanz.» Der Vorstand. Steglitz- Friedenau. Am Dienstag, den 3. Februar, abends l/,9 Uhr. im AlbrechtShof in Steglitz: Oeffentliche politische Ver- sammlung. Reichstagsabgeordneter Daniel Stücklen spricht über: Zreies Koalitionsrecht' und die Hetze der Scharfmacher. Tempelhof, Mariendorf. Montag, 2. Februar, abends 8'/, Uhr. im Lokal von Benschek, Mariendorf, Chausseestr. 27: Versammlung der Jugendsektion. Vortrag des Genossen Eberlxin:„Die Organi- salionsformen der Arbeiterschaft." Das Erscheinen aller jungen Ge- Nossen und Genossinnen wird erwartet. Gäste willkommen. Oder-Schöaeweide. Montag, den 2. Februar, abends 81/, Uhr, bei Rabe: 4. Vortragsabend. Thema: Der Sozialismus als Ueber- I winder des Kapitalismus: Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Referent Genosse Eichhorn. Teilnehmer zahlen 10 Pf. Arbeitslose freien Eintritt. Bruchmühle. Heute Sonntag: Extra« Zahlabend bei Mille abends 7 Uhr. Zchlcndorf(Wannseebahn). Dienstag, den 6. Februar, abends 8�/« Uhr, findet bei Benno Mickley, Potsdamer Str. 26, Wahlvereins- Versammlung statt. Vortrag des Genossen A. Cohen über die Arbeit- geberorganisationen. Die örtlichen Leitungen der Gewerkschaften werden ersucht, für regen Besuch der Versammlung zu agitieren. Gäste sind willkommen. öerliner Nachrichten. winterwanüerung. Vom Görlitzer Bahnhof, den wir durch Benutzung der Hochbahn oder mit Hilfe einer der an ihm vorbeiführendcn Straßenbahnlinien erreichen, fahren wir früh 8.50 Uhr nach Schmöckwitz. Eichwalde(Fahrkarte dritter Klasse 30 Pf.). Von der Haltestelle führt uns der Weg nach Osten durch die Kolonie Eichwalde, die zum großen Teile noch aus cinge- zäunten, lockeren Waldparzellen besteht. Kurz vor Schmöck- Witz geht der Weg rechts nach dem eben genannten Orte ab, die Wagen einer Straßenbahn, der sogenannten Uferbahn, sausen an uns vorbei und wir wandern durch Schmöckwitz, das zwischen Zeuthener und Seddinsee hübsch eingekeilt daliegt. Dann überschreiten wir die Brücke zwischen beiden Seen und biegen gleich links ab auf den Fußweg, der als Seddinsec- Promenade bezeichnet ist. Auf diesem geht es an prächtigen alten Baumgestalten vorbei an das Seeufer und an diesem entlang weiter, mit prächtigen Blicken über den See hinweg auf die blauen Müggelberge. Der Kiefernwald zur rechten Hand bricht mit steilen Hängen gegen unseren Weg ab, und aus den aufgebrochenen Stellen leuchtet der angenehm gelbe. weiche, feine Dünensand, der eine große Anzahl der Höhen dieser Gegend zusammensetzt, als Zeugen vorgeschichtlicher Windtätigkeit in steppenartigen Geländen. Aus dem Seddin- see führt der Spreekanal nach Fürstenwalde. Wir über- schreiten ihn auf der schlanken Gosener Brücke und halten uns dann nordöstlich, wodurch wir bald die vor uns aufsteigenden Gosener Berge mit dem Aussichtsturm auf der höchsten Kuppe erreichen. Bei windigem Wetter spürt man hier oben Sturm. Aber es lohnt sich, besonders im Winter bei weniger starkem Besuch, hier hinaufzusteigen, wegen der schönen Fern- sichten ringsum und auch wegen des Sandes, der die Witze nicht verdient, die ständig auf seine Kosten hier gerissen wer- den. Denn der Anblick dieser Sandwüste ist eigenartig genug, und sie erzählt ihre Geschichte. Vor uns(nordwestlich)� liegt das Dorf Gosen, aus zwei rechtwinklig sich kreuzenden Häuserreihen aufgebaut. Wir steigen nach rechts gegen das Ufer des Wcrnsdorfer Sees herab, eines gestreckten, aber so flachen Beckens, daß an vielen Stellen Schilf und Untiefen auS ihm hervorragen. An seiner Nordspitze überschreiten wir den aus dem See fließenden Graben auf einer Brücke und wenden uns westlich nach Neu-Zittau, wo gegebenenfalls Station ge- macht werden kann, denn die weitere Wanderung führt uns mehrere Stunden durch ausgedehnten Wald. Wir schlagen die Straße von Neu-Zittau nach Friedersdorf ein, die den großen Friedersdorfer Forst in südlicher Richtung durchquert. Bevor diese Waldstraßc den Spreekanal schneidet, erscheint der Stabelberg, den wir besteigen uftr seiner Einsamkeit willen und wegen der Fernsicht, die sein lvaldbestandener Rücken an manchen Stellen gewährt. Nach dem Abstieg wird die Brücke über den Kanal überschritten und bald darauf das nach Süd- osten gehende Cablowcr Gestell eingeschlagen. Wir erreichen auf ihm Cablow und haben vielleicht Glück, einen Zug nach Königs-Wusterhausen und von dort nach Berlin zu erwischen. Ist er aber kurz vorher abgefahren, wie es gewöhnlich der Fall zu sein Pflegt, so wandern wir unverdrossen jenseits der Bahn und neben dieser nach Zernsdorf weiter, das wir nach Uebersckneiwng eines Dammes zwischen Krüppelsee und Langensee, mit malerischen Ausblicken, bald erreichen. Von hier weiter auf der Chaussee nach-der hübsch gelegenen"Neuen Mühle" und von da auf einem Abkürzungswege nach Königs- Wusterhausen. Hier fehlt es nicht an Zügen, die uns in weniger als einer Stunde nach dem Görlitzer Bahnhof oder noch der Stadtbahn zurückbringen. In dieser Ausdehnung umfaßt der Ausflug etwa 30 Kilo. meter, eine Strecke, die man im heißen Sommer nicht gerii. im Winter aber leicht zurücklegen kann, um die Muskeln wieder ordentlich in Gang zu bringen. Man steht'dabei oft mehrere Stunden lang keine Menschenseele, dafür aber hübsche Wald- und Seenbilder die Menge und freut sich, wieder ein neues Stück der Mark kennen gelernt zu haben. Vom Arbeitsnachweis für Grotz-BerN». Gestern tagte unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth eine freie Konferenz der Groß-Berliner Gemeinden im Berliner Rathause, um in Verfolg ihrer früheren Beratungen über die Schaffimg eines einheitlichen Groß- Berliner Arbeitsnachweises zu beschließen.. Bekanntlich war eine Sonderkormnission mit der Ausarbeitung von Vorschlägen beauftragt, über welche gestern in der Kon- ferenz Bericht erstattet wurde. Während schon früher allseitig die Notwendigkeit anerkannt war, wirksame Maßnahmen gegen die auf dem Gebiete der Arbeitsvermittelung herrschende Zersplitterung durchzuführen, war Gegenstand der gestrigen Debatte im wesentlichen die Verwaltungsform, welaic der Zusammenfassung und weiteren Ausgestaltung des Netzes öffentlicher Arbeitsnachweise zugrunde zu legen ist. Es soll angestrebt werden, einen engeren Zusammenschmß der Groß- Berliner Gemeinden und durch diesen zugleich ein Zusammen- wirken mit der Provinz Brandenburg herbeizuführen. Zu solchem Zwecke wurde der Vorsitzende beauftragt, mit den Organen der Provinz in Benehmen zu treten, wahrend die bereits gebildete Kommission die Einzelheiten des Planes ausarbeiten wird._ Mängel in der Angestelltenverstchernng. Für die Zwecke der Angestelltenversicherung sind die Arbeitgeber verpflichtet, die Verhältnisse und deren Aende- rungen ihres Personals der Reichsversicherungsanstalt mitzu- teilen, soweit diese für die Versicherung in Betracht kommen. Diese Meldungen werden aber nicht immer mit der nötigen Sorgfalt gemacht. Das Direktorium beklagt sich darüber, daß es besonders in den ersten Monaten mit großen Schwierig- leiten zu kämpfen gehabt habe, wenn eS auch gelungen felj Sctricbsflßcfuiiacn zu vermeiden. Auch beute noch können sich nicht aHe Arbeitgeber an klare und regelmäßige Bericht- erstattung über Personalverhältnisse und Personalverände- rungen ihres Betriebes gewöhnen. Es kommt vor. daß viele Beiträge von Arbeitgebern bald unter dieser, bald unter sener Absenderadresse eingehen. Es müssen erst langwierige Nach- sorschungen an Hand der Adreßbückier vorgenommen oder mancherlei Rückfragen gestellt werden, ehe die Beiträge richtig gebucht werden können. Diese Mängel nehmen langsam ab. doch wird es gut sein, wenn alle Arbeitgeber sich einer sorg- fältigen Berichterstattung befleißigen. Die Meldungen brauchen bekanntlich nur abgeschickt werden, wenn Aende- rungen in den Personen oder in den Gehaltsvcrhältnisscn stattfinden. Eine Beleidigung Religionsloser in der Schule. In der g. Gemeindeschule amtiert ein Lehrer Lemphul in der U 0 Klasse. Dieser Mann lehrt den Kindern folgenden Bas: Wer ohne Gebet zur Kirche geht, Und ohne Gebet vom Tisch aufsteht, Der ist den Ochs und Esel gleich Und hat kein Teil am Himmelreich. Herr Lemphul sollte wissen, daß mit dieser Lchraufgabe eine schwere Beleidigung vieler Eltern seiner Schüler verbunden ist. Wie kann ein solcher Mann den Kindern Achtung vor den Eltern bei- bringen, wenn er solche Beschimpfungen nachschreiben läßt. Auch seinem eigenen Ansehen nützt Herr Lemphul durch eine solche Methode nicht.__ Bon der Bcteranenuntcrstützung. Die Getvährung von Beihilfen an Kriegs- t e i l n e h m e r lBeteranenunterstützuiig) soll künftig nach dem vom Bundesrat erlassenen Ausführungsbestimmungeii erfolgen. Minister v. Dallwitz ordnet dazu in einer Verfügung an, daß den mit der Handhabung der neuen Bestimmungen betrauten Behörden und Beamte» eine wohlwollende, rein sachliche und sorgfältige Prüfung der Anträge zur Pflicht gemacht werde. Die erforderlichen Feststellungen sollen in schonender Weise vorgenommen werden; in den Bescheiden, welche die Regierungen zu erteilen und kurz zu begründen haben, soll jede schroffe Form vermieden werden. Der Minister weist u. a. noch darauf hin. daß ärztliche Atteste nicht mehr zu erfordern seien, da die Beihilfe unabhängig vom Nachweise der Erwerbsunsähigkeit gewährt wird, daß bei Prüfung der Bedürftigkeit Zuwendungen Dritter nur in soweit zu berücksichtigen sind, als sie auf rechtlicher Verpflichtung be- ruhen und daß endlich auch aus Bollrenten mehrere Teilrenten gezahlt werden dürsen.„Wenn Zweifel darüber bestehen", so schließt die Verfügung,„ob ein Veteran wegen Bestrafung als der Fürsorge unwürdig anzusehen ist, so ist, wie bisher, meine Entscheidung, tun- lichst unter Beifügung der Strafakten, einzuholen." Solche Verordnungen nehmen sich auf dem Papier ganz hübsch aus, in der Praxis verfahren die Polizeibehörden vielfach anders. Zur Beachtung für Eltern schulpflichtiger Kinder. Aus dem Rathause wird berichtet:„Die von der städtischen Schulverwaltung zur Erhaltung der Schulfähigkeit der Schüler ge- troffcnen Maßnahmen finden bei einem großen Teil der Eltern vielfach nicht die richtige Würdigung. Selbst wiederholte Auffordc- rungen seitens der Schule ugd des Schularztes, die kranken Kinder ärztlich behandeln zu lassen, werden von den Eltern häufig nicht beachtet. Die Eltern übersehen dabei das Wohl ihrer Kinder und bedenken nicht, daß in solchen Fällen das Vormuiidschaftsgericht auf Grund des§ 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches, da das Wohl des Kindes gefährdet ist, berechtigt ist. einzuschreiten und die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen anzuordnen. Tie städtische Schuldeputation hat sich veranlaßt gesehen, die Leiter der Gemeiudeschulen anzuweisen, ihr jeden Fall zur An- zeige zu bringen, in welchem Eltern die lediglich im Interesse ihrer Kinder getroffenen Maßnahmen außer acht lassen oder vereiteln. Die Eltern erhalten dann eine Warnung von der Schulbehördc und werden darauf aufmerksam gemacht, daß bei weiterer Weige- rung eine Anzeige beim Vormundschaftsgericht in Erwägung ge- zogen wird." Auch wir halten es für wünschensloert, daß die Eltern deni Rate der Schule und des Schularztes folgen, andererseits möchten wir aber die Schulverwaltung ersuchen, mit der Androhung des § 1666 etwas vorsichtiger zu sein. Uns ist ein Fall bekannt, in dein die Schulverwaltung die Anwendung deS§ 1666 androhte, obwohl sie selber Schuld daran war, daß ein schulpflichtiger Knabe drei Jahre lang die Schule nicht besuchte. Mr die Achtklassen-Schule. Der Verein katholischer Lehrer Berlins und der Vororte hat der städtischen Schuldeputation aus seiner Sitzung vom 14. Januar 1314 folgende Resolution zugesandt:„Die im neuen Lehrplan für die Gc'mcindeschulen Groß-BerlinS angeordnete Zählung der Klassen von 7—1 und Oberklasse ist für die EntWickelung der Berliner Ge- meindeschulen von Nachteil. Der Verein katholischer Lehrer wünscht daher mit der„Städtischen Schulverwaltung" Berlins und mit anderen Lehrerbereinen, der neue Lehrplan möge eine Zählung der Klassen von 8—1 gestatten."_ Die Kindesleiche im Bratofen. Einen schaurigen Fund machte gestern eine Frau Berta S. beim Einzug in eine Wohnung in der Prager Straße. Im Bratofen fand sie eine in Lumpen gehüllte Kindesleiche. Um den Hals des kleinen Wesens war ein Tuch geknüpft, mit dem das schon einige Wochen alte Kind wahrscheinlich erdrosselt worden ist. Die benachrichtigte Polizei beschlagnahmte die Leiche und hat sofort eine Untersuchung eingeleitet. Als Mutter des Kinde? kommt anscheinend ein Dienst- mädchen in Frage, daZ bei dem früheren Inhaber der Wohnung in Stellung gewesen ist._ Festgenommen wurde gestern ein lange wegen schwerer Einbrüche und anderer Straftaten gesuchter Mann namens Bruno Petzold. der aus der Strafanstalt entsprungen war und noch zehn Jahr Zucht- haus zu verbüßen hat. B-m Dach gestürzt. Auf dem Dache des Hauses Kurfürsten- dämm 124 war gestern uachinittag der Töpfermeister E d e r aus der Bülowstraße mit Reparaturarbeiten beschäftigt, als er au§ bisher noch nicht ermittelter Ursache ausglitt und in die Tiefe stürzte. Er wurde sofort zur nächsten Unfallstation gebracht, verstarb aber bereits auf dem Wege dorthin infolge der schweren Verletzungen. Ei» bedauerlicher Unfall, der den Tod eines blühenden Menschen- lebens herbeiführte, ereignete sich gestern abend auf dem Hofe de» Hauses Mariannenplatz 13. Dortselbst befindet sich eine Schneidemühle. die auf dem Hofe Bretter aufgestapelt hatte. Einige Kinder spielten darauf herum, als plötzlich die Bretter ins Rutschen kamen niid den in demselben Hause wohnhaften sechsjährigen Knaben K o ch a n s k i unter sich begruben. Als man den Kleinen aus seiner Lage befreite, war er bereits tot. Mit Leuchtgas vergiftete sich und ihren 13 Monate alten Sohn gestern früh die 26 Jahre alte Ehefrau Luise des Reisenden und Porträtmalers Mar Barczykowski aus der Adalbcrtstr. 72. Während die Mutter wieder inS Leben zurückgerufen werden konnte, war das Kind, als die beiden aufgefunden wurden, schon tot. Die Frau wurde als Polizeigcfangcnc nach der Charite ge- bracht. Tic berühmte Schimpansiii Misfi im Zoologischen Garten hat Freiheitsgelüste gehabt und ihren Wärter damit nicht wenig erschreckt. Das Tier, welches bekanntlich früher frei herumgeführt wurde, wird seit Jahr und Tag im Interesse der Sicherheit nicht mehr heraus- gelassen, da es zu stark geworden ist. Gestern war es der Aeffin gelungen, den Schlüssel der Wärterstube, in der sie sich meist bestndet. zu erhaschen; sie schloß, wie sie es vom Wärter oft gesehen hat, die Türe auf, ging ins Freie und versuchte, was von Augenzeugen als höchst ullig geschildert wird, an mehreren Automaten Schokolade zu ziehen, wie sie es von den Kindern oft gesehen. Daß ihr dies nicht gelang, erfüllte sie mit Mißmut. Noch mißmutiger wurde sie, als von allen Seiten Arbeiter und Wärter des Gartens herbeieilten, um sie in ihren Käfig zurückzubringen. Als artige junge Dame fügte sie sich aber bald den Wünschen ihrer Vorgesetzten. Hofientlich babcn die 1«) Minuten Spaziergang im Freien der verwöhnten Südländerin keinen Schnupfen eingetragen. Das Theater Folies Eapricc wartete am Donnerstag mit drei neuen Einaktern auf:„Im Easo Pringsheim", der„HeiratSgraf" und„Meyersteins" betiteln sich die Schwanke, in denen der„Jüd" oben auf ist. sei es, daß er schachert und handelt, sei es, daß er. der reichgewordene jüdische Terrainspekulaut durchaus eiiien Grafen zuni Schwiegersohn haben will, schließlich aber doch vor einem Rein- fall durch einen heriintergekominencn Herrn„von", der niit seinen Namen nur Geschäfte»lachen will, bewahrt wird.„Meyerfteins" ist «ine lustige Fastiiachisgeschichte, die durch fortgesetzte Verwechselung mit einem anderen Meyerstein zu den tollsten Heilerkeitsausbrücheil führt. Wie immer ist es auch diesmal das flotte Spiel der Herren Berisch, Horwitz, Max Steidl, Gärting und der Damen Blenke und Biron, die den Erfolg verkörpern. Zum Gencralvcrsautmlungsbcricht der Freien Volksbühne in gestriger 2. Beilage bemerken wir auf Wunsch des Vorstandes berichtigend, daß es in der Wiedergabe des Referates des Genossen Robert jsschuiidt heißen muß; Es werden in Zukunft sd. h. vom neuen Spieljahr ab) von den neucintretenden Mitgliedern beider Vereine gleichmäßig erhoben: ein Einschre'ibegcld von Mark 1,10 snicht wie es irrtümlich hieß 1,76). In dm Kinderhausc, Blumenstr. 97, findet im Februar wieder Unterricht mit praltijcheii Uebungen statt, wöchentlich einmal. Meldungen schriftlich oder mündlich von 1 bis 7 im Bureau des Kinderhauses, Blumenstraße 97. Berliner Bolks-Ehor. Der Volks-Chor veranstaltet morgen Montag, abends 8>/z Uhr, im großen Saal des Gewerkschastshauses, Engeluser 15, einen Mozart-Abend unter Mitwirkung von Dr. A. Guttmann(Vortrag) und verschiedenen Solisten. Zum Vor- trag gelangen mehrere heitere Kanons für 4 Männerstimmen; Are verum, Arien usw. Eintritt für NichtniUglicder 10 Pf. Hygienische Borträge. Tic Zcntralkouiinission der Krankenkassen Berlins und der Vor- orte veranstaltet auch in diesem Jahre wiederum hygienische Vor- träge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Borträgen ist unentgeltlich. Am Donnerstag, den 5. Februar, sprechen in den nachbenann- ten Schulaulen über das Thema:„Nervenkrankheiten" Herr D. O. Stulzs Rigaerftr. 81/82. Herr D. W. Pleßncr, Waldcnscr «traße 26/26. Herr Dr. v. Rutkowski, Eberswalderstr. 16. Herr D. O. Aronsohn, Skalitzerstr. SS/56. Am Freitag, den 6. Februar, sprechen in den nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema:„Alkohol und Gesundheit" Herr D. I. Moses, Tilsiterstr. 4/5. Herr Dr. I. Zadel, Pankstr. 17. Herr Dr. L. Kochcim, Pasteurstr. 5. Herr Dr. I. Fricdebcrg, Berg- mannstr. 28/29 am Marheineckeplatz. In Lichtenberg, Neue Schule, Marktstr., spricht am Dienstag, den 3. Februar, Herr Dr. M. Jacobsohn über das Thema:„Ge- schlcchtskrankheiten und deren Verhütung". In Brib in der 2. Gemeindeschule, Bürgcrstr., spricht am Mon- tag, den 2. Februar, Herr Dr. E. Berger über das Thema:„Blind- hcit und ihre Verhütung". In Eharlottcnburg in der 12. Gemcindxschnle. Sophie Char- lottenstr. 63/70, spricht» am Mittwoch, den 4. Februar Herr Dr. W. Holdheim über das Thema:„Das Wesen und die Bekämpfung der Tuberkulose". In Friedenau, im Gymnaftum am Maobachplatz, spricht am Montag, den 2. Februar. Herr Dr. Jsakowitz über das Thema: „Pflege des gesunden und kranken Auges". In Lichtenberg in der Gemeindeschule, Kronprinzenslr. 10, spricht am Dienstag, den 5. Februar, Herr Dr. Kowalewski über das Thema:„Krankheiten des Auges und ihre Verhütung". In Neukölln, in der Albrecht Dürcr-Oberrealschulc, Emser Straße 137, spricht am Freitag, den 6. Februar, Herr Dr. E. Berger über das Thema:„Blindheit und ihre Verhütung". JnPankow in der 2. Gemeindeschule, Grunowstr., spricht am Donnerstag, den 5. Februar, Herr Dr. F. Mendel über das Thema: „Schutz und Pflege des Auges". In Ncinickendorf-Ost, in der 3. Gemeindeschule, Letteallec 26/27, spricht am Mittwoch, den 4. Februar, Herr Dr. G. Siefart über das Thema:„Verhütung von Frauenkrankheiten".(Nur für Frauen). In Reinickendorf-West spricht in der 5. Gemeindeschule, Auguste Viktoria-Allee am Donnerstag, den 5. Februar, Herr Dr. M. Birn- bäum über das Thema:„Entstehung, Verlauf und Behandlung der Tuberkulose". In Schönebcrg, in der 10./11. Gemeindeschule, Feuxigstr. 61/62, spricht am Dienstag, den 3. Februar, Herr Professor Dr. H. Haikc über das Thema:„Hygiene des Ohres". In Steglitz, in der Gemeindeschule, Plantagcnstr. 8/g, spricht am Mittwoch, den 4. Februar, Herr Dr. Hcinsius über das Thema: „Frauenkrankheiten und ihre Verhütung". In Weißens«, in der Gemeindeschule, Langhansstr. 120, spricht am Freitag, den 6. Februar, Herr Dr. M. Böhm über das Thema: „Verkrümmungen des menschlichen Körpers, ihre Heilung und Ver- hütung". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich abends um 8 Uhr. . Vorortnachrichten. Neukölln. Gewerbegerichtswahlcn. Am Sonntag, den 8. Februar, in der Zeit von 12--4 Uhr, finden die Arbeitnehmerwablen zum hiesigen Gewerbegericht statt. Wahlbereckitigt ist jeder am Ort wohnende öder am Ort beschäftigte 25 Jahre alte Arbeiter. Um wählen zu können, hat sich jeder Wähler eine Wahllegitimation zu besorgen. Dieselbe wird für in Neukölln Wohnende im Laufe dieser Woche auf den zu- ständigen Polizeirevieren kostenlos ausgestellt. Auswärts wohnende, aber am Ort beschäftigte Wähler müssen sich über ihre Beschäftigung vom Arbeitgeber eine Bescheinigung geben lassen; dieselbe gilt dann als Wahllegitimation. Im Laufe dieser Woche werden an den be- kannten Stellen Plakate aushängen, aus denen jeder Wähler sein zu- ständiges Wahllokal ersehen kann. Nuskunft in Wahlangelegenheiten erteilt Genosse Hendrischke, Thomasstr. 26. Eine vcrhängnisWlle Rcvolverschießcrei zwischen einem fugend- lichen Einbrecher und einem Schutzmann fand gestern vormittag in der Laubenkolonie an der Weserstraße statt. Bei dem Gastwirt P., Rosegeerstratze, wurde in der Nacht ein Einbruch verübt, wobei dem Täter 200 M. bares Geld und ein Revolver mit Munition in die Hände fielen. Als Urheber des Diebstahls wurde der eigene Sohn des P., ein 19jähriger Lehrling, ermittelt. Nach verübtem Diebstahl war der junge Mensch spurlos verschwunden. In der Annahme, er könne sich in der Laubenkolonie an der Weserstraße, in der P. eine Laube hat, versteckt halten, begab sich der Bater gestern vorniittog dorthin. Tatsächlich hatte sich der Sohn auch in dem LaubcnhäuSchen veistcckt.. Er hatte von innen die Tür verschlossen und öffnete dem Vater nicht. P. Holle jetzt einen Schutzmann herbei. Als dieser den jungen P. aufforderte zit öffnen, krachte plötzlich ein Revolverschuß. der jedoch niemand traf. Daraufhin zog auch der Beamte seinen Browning und feuerte auf den Lehrling zwei Schüsse ab. Der letztere gab dann ebenfalls noch einige Schüsse ab, und die letzte Kugel richtete er gegen sich selbst. Getroffen brach er jetzt zu- scimnien. Die Tür wurde nun gewaltsam geöffnet. Der junge P. lag blutüberströmt auf dem Fußboden. Anscheinend hatte ihn auch eine Kugel aus der Schutzmannspistole in den Unterleib getroffen. Er wurde in fast hoffnungslosem Mstand nach dem Neuköllner Krankenhause gebracht. Auf offciicr Straße vergiftet hat sich gestern morgen der 34 Jahre alte Arbeiter H. aus der Münchener Straße. Der Lebensmüde wurde in bewußtlosem Zustande aus dem Bürgersteige liegend aufgefunden; im Krankenhause, wohin H. gebracht wurde, starb er bald darauf. Tic Welt in Waffen. Zu diesem Werke, das die Kriege des 19. und 20. Jahrhuiiderts in Wort und Bild beschreibt, liegt einem Teile unserer Neuköllner Auslage ein Prospekt bei, um dessen Brach- tung die Buchhandlung Vorwärts biltet. Schöneberg. Sein Amt als Stadtrat niedergelegt hat Herr Wikander infolge Ueberbürdung. Wegen groß« Schwindeleien sind die Kaufleute Richard Magnus, Adolf Klein, ein Herr Hcrzberg aus Wilmersdorf und ein Artur Premberg aus Charloitenburg verhastet worden. Die Genannten werden beschuldigt. Waren aller Art aus der Provinz bezogen und durch eigenartige Manipulationen viele Leute um ihr Geld gebracht zu haben. Steglitz. Herr Bäckermeister Paul Schütze, Zimmennannstr. 31, teilt unS unter Bezugnahme auf den von uns gebrachten Bericht über die Ver- sammlung der Mittelsländler.niii, daß er die betreffende Versamm- lung nicht besucht habe. Es scheint sich in dem vorliegenden Falle um eine bedauerliche Verwechselung durch unseren Berichterstatter zu handeln, weshalb wir keinen Anstand nehmen, die Sache richtig zu stellen. Köpenick. In einer stark besuchten Versammlung der Köpenick« Straßrn- balinangcstclltcn, die in der Nacht vom 28. zum 29. Januar im Lokal von Schultz tagte, wurde bitter Klage geführt über die Be- bandlung, der die Angestellten durch einzelne Vorgesetzte ausgesetzt sind. Das muß umsomehr ausfallen, als bisher die Angestellten mit der Betriebsleitung im guten Einvernehmen standen. Dieses Verhältnis ist plötzlich durch einen aus dem gemütlichen Sachsenland kommenden Kontrolleur gestört worden. Seitdem dieser Kontrolleur am Ruder ist, regnet es förmlich isstrasen, zudem klagen die An» gestellten über unfreundliche Behandlung. Namentlich lasse auch der zweite Betriebsleiter den Angestellten eine Behandlung angc- dcihen, die gerade nicht von besonderer Bildung und sozialem Ver- ständnis zeugen. Ferner wurde besonders darüber Klage geführt, daß Beschwerden nicht genau geprüft werden, sondern ohne die an- gegebenen Zeugen der Ilngestellten zu hören, einfach die Angestellten verurteilt werden. Neuerdings werden denjenigen, die einmal die Zeit verschlafeik haben, die Stunden abgezogen, was bis dahin nicht geschehen ist. In der Versammlung herrschte die Meinung, daß ein pünktlicher Dienstantritt erforderlich ist. Wenn aber An» gestellten, die innerhalb zwei bis sechs Jahren stets gewissenhaft ibre Pflicht erftillt hätten, bei einmaligem Zuspätkommen, solche Ab» züge gemacht würden, so sei das einfach hart zu nennen. Bei Be- mängclung defekter Wagen werde dem Fahrer ohne weiteres zu- gemutet, denselben trotzdem weiter zu fahren. Tue er das nicht, so könne er. sicher sein» eine VcrneHmung im Beisein des Betriebs- lciters und Wagenmeisters zu hören. Ale diese. Beschwerden bcranlaßtcii die Angestellten Zu ein- stimmiger Annahme solgciidcr Entschließung: „Die in der Nacht vom 28. zum 29. Januar im Lokal von Schultz tagende Versammlung der Köpcnicker Straßenbahn-Auge- stellten beauftragt ihre Berufsorganisatioli, den Deutschen Trans- portarbciterverband, in geeigneter Weise dafür Sorge tragen zu wollen, daß die in letzter Zeit sich bemerkbar machenden Mängel im Betriebe beseitigt werden. Die Versammelten fordern: l. Gerechte und gleichmäßige Behandlung. 2. Bei Beschwerden Klarstellung des Tatbestandes, cvt. Zeugen» Vernehmung. 3. Bei Bezablung der Reparaturkosten den gerichtlichen Nach- weis oder Schuldbeweis durch Zeugen. 4. Prüfung der bemängelten Bremsen nur in Gegenwart der Fahrer und auf der Strecke. 5. Die Beförderung der Fahrer zum«chaffner hat nach dem Dienstalter zu erfolgen, wenn nicht ausnahinsweisc die Befähigung dazu fehlt, was durch Probedienstleistung festzustellen ist. 6. Aushändigung eines Protokolls von jeder Verhandlung mit dem Arbciterausschuß und-dcr Betriebsleitung. Die Versammelten sind der Ansicht, daß diese Wünsche sofort erfüllt werden können, wenn das alte Verhältwis zwischen Betriebs- leitung und Angestellten wieder hergestellt wird und die Kontrolleure angewiesen werden, ihr Verhalten so einzurichten,-wie eS früher im Betriebe üblich war." Grünau. Aus der Gemeindevertretung. Der.Steucrbedars für das neue Rechnungsjahr verteilt sich wie folgt: 110 Proz. Zuschlag zur Eftc» kommensteuer. Leider werden auch noch die Einkommen unw» 900 M. versteuert, trotzdem hierfür nur 500 M. Steuersoll vor» gesehen sind. Die Grundsteuer beträgt 0,33 Proz. 197 Proz. Zuschlag zur staatlich veranlagten Gewerbesteuer der Klassen 1 und 2 und 144 Proz. Zuschlag der Klaffen 3 und 4. Der Tarif für her- zustellende Hausanschlüffe an die Kanalisation beträgt 80 M. Tie Kanalisationsacbühren wurden mit 2,2 Proz. festgesetzt. Tie Kirchengemcinde erbebt eine Steuer von 13 Proz. Der Voranschlag wurde mit 212 800 Mk. inkl. Kanalisationsverwaltung angenommen. Die StraßcnbahnvcKwaltuiig Köpenick ersuchte um eine Zustimmung zur Erhöhung der Tarife für Monats-, Arbcitwochen- und Schüler- karten. Einstimmig wurde das Ersuchen abgelehnt. Die Gruft- gebührenordnung wurde einer Durchberatung unterworfen. Die Gebühren betragen für Erbbegräbnisse-für Erwachsene- 10 M., für Kinder 3 M.. für Wablstätten 6 P>. resp. 4 M.. für Reihen gr über 4. 2 und 1 M. Hierbei fand der Wunsch unseres Genossen, die Gebübrcnordnung auch in bezug auf die Beisetzung von Urnen zu vervollständigen, Berücksichtigung. Reges Interesse brachte auch die Beratung einer neuen Umsatzstencrordnung. Es werden erhoben 1 Proz. für bebaute und 1Z4 Proz. für unbebaute Grundstücke. Genosse Mitzner befürwortete die Steuerfreiheit für gemeinnützige Baugenossenschaften, die bürgerlichen Vertreter stellten aber das Ortsintressc über das allgemeine Interesse und lehnten die Steuer. frcihcit fib. Die Luftbarkcitssteuerordnung wurde infolge zu vieler Unklarheiten an die Kommission zurückverwiesen. Zoflen. Zur Feststellung des Umfanges der Arbeitslosigkeit ersucht der Magistrat die hier wohnhaften Arbeitslosen sich bis zum Dienstag. den 3. Februar, im Rathause(Zimmer 3) zu melden. Die am Dienstag, den 3. Februar, abends 7 Uhr, im Rathause anberaumte Stadtverordnetensitzung wird sich mit den zu treffenden Maß» nahmen gegen die Arbeitslosigkeit beschäftigen. Weihensee. KaufmannSgcrichtswahl. Am Mittwoch, den 18. März, noch« mittags von 3—5 Uhr, findet im Brauereiausschank der Borussia» brauerei, Weißensee, Berliner Allee 211—215, die Wahl der Beisitzer zum KausmannSgericht Weißensee aus dem Kreffe der Handlungs» gehilfen statt. WahlK«rechtigt ist Zeder mZmiliche HandlungSgedilse, der in ZLeißensee beschäftigt und am Tage der Wahl mindestens 25 Jahre alt ist. Ermuh außerdem in die Wählerliste ein- getragen sein. Die Eintragung in die Wählerliste erfolgt auf mündlichen oder schriftlichen Antrag in der Gerichtsschreiberei deS Kaufmannsgerichts Pistoriusstr. 24, Zimmer 35, werktäglich während der Dienststunden von 3—3 Uhr. Wer nicht dort hingehen kann, findet in den vom Zentral- verband der Handlungsgehilfen eingerichteten und durch Plakat kenntlich gemachten Anmeldestellen Gelegenheit, seine Eintragung in die Wählerliste zu vollziehen. Der Antragsteller hat sich eventuell über Alter und Beschäftigungsart auszuweisen. Als Ausweis gelten: Geburtsattest, Militärpapiere, Zeugnisse der Militärbehörde oder des Arbeitgebers. Der letzte Termin für den Antrag auf Eintragung in die Wähler- liste ist der 12. Februar. Wer seine Eintragung versäumt, geht des Wahlrechts verlustig. Spandau. Gerüchte über einen Fraucnword schwirrten gestern durch die Stadt. Es bandelte sich um eine Kellnerin, die am Sonnabend früh gegen 4'/z Uhr in einem Torweg der Jiidenstratze bewustlos aufgefunden worden war. Die Polizei stellte fest, datz der Tod der in der Schönwalderstrafie beschäftigt gewesllien Kellnerin bereits eingetreten war. Die weiteren Ermittelunge» ergaben, daß das Mädchen in der ??achl zum«onnabend in Begleitung zweier junger Leute eine Anzahl von Schanklokalen und Easss besucht hatte und von diesen in total betrunkenem Zustande nach der Jüdenstraße verschleppt worden war. Dort mihbrouchten die beiden jungen Leute die sinnlos Betrunken« und überließen sie dann ihrem Schickial. Später wurden die beiden Begleiter der Toten ermittelt und in Hast genommen, sie wurden aber im Laufe des gestrigen Bormittags wieder entlassen. da festgestellt wurde, daß der Tod des Mädchens wahrscheinlich durch Erbrechen oder Ersticken erfolgt ist. Genaue Aufklärung des Vor- falleS mutz die weitere Untersuchung erbringen. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Kaulsdorf. Montag, den 2. Februar, abends 7 Uhr, im Gemeinde- fitzungsiaal, Adolsstr. 2K. Krauen-Lefeabenöe. Friedenau. Montag bei Klobe, Handjerystr. KO/Kt. Bortrag der Genossin Tunckcr. Friedrichshagen. Dienstag, den 3. Februar, abends 8'/, Uhr, im Jugendheim, Friedrichstr. 60, 2. tzos pari. links. Lankwitz. Montag, 8'/, Uhr, bei Adler, Charlvttcnstr. 34. Vortrag der Genossin Lampke. Wilmersdorf. Der fällige Lcseabcnd am 2. Februar fällt aus. Da- gegen findet gemeinsam mit dem Bildmigsausfchutz am Montag, den 9. Februar, abends 81/, Uhr, im Viktori.igartcn ein öffentlicher Vortrag statt. Herr Prof. Dr. med. Blaschko spricht über:„Der Geburtenrückgang als soziales Problem". Jugeudveranstaltunge«. Lankwitz. Heute Sonntag, nachmittags 5 Uhr, bei Schulz. Kur- sülstenftr. 37, llntcrhaltungsabcnd. Rezitationen, Gesang- und Klavier- Vorträge. Donnerstag, den 5. Februar, Distussionsabend bei Hcizmann (früher Römmele), Marienstr. 7. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den"8. Febr., Tagcspartie nach Großbeeren— Siethen— Ludwigsfelde. Fahrgeld 45 Pf., für Abonnenten der„Arbeitcr-Jugend" 25 Pf. Treffpunkt'Iß Uhr Babn- bof Lichterselde-Ost, Abmarsch �/,8 Uhr, Rücklchr abends 7 Uhr. Die Ar- beitereltan werden gebeten, ibre erwachsciien Söhne und Töchter anzu- halten, an den obigen Veranstaltungen teilzunehmen. Auch Erwachsene sind bei den Veranstaltungen gen, gesehen. Sriefkaften üer Redaktion. Die luNstilche Ebrechstauxe findet Linden st rage 69, vorn vler Treppen — Fahrftnhl—, wochentitglia, von t>z> vis 7 Vi Uhr abends, Sonnadcnds, »VN iVi bis 6 Uhr odends statt. Jever tue den Briestaften bestimmten Anfrage ist ei« Bachs, ave nnv eine Aaht als Merkzeichen hctznfügcn. Briefliche Antwort wie» nicht erttUt. Antragen, Venen keine Adonnementsqutttnng detgefltgt ist. »ced-n nicht beantwortet. EUtge Fragen trage man in der vveechstunde vor. W. M. S. 33. Eine gesetzliche Verpflichtung. Krankcmmterstützung in Höhe von 21 Mk. wöchentlich zu gewähren, besteht nicht. Die Höhe der Krankcnunterttützung ergibt sich ans dem Statut.— L. B. Sit. 1. Ja. 2. und 3. Die Mutter kann das Kind abholen. Falls die Herausgabe ver- weigert wird, kann durch einen� Rechtsanwalt Klage aus Herausgabe er- hoben werden.— H. Ä. 53. Stellen Sic bei dem Vorsitzenden der Ver- anlaguirgStommission einen Antrag ans Steuererlaß. Dieser Antrag hat Aussicht aus Erfolg.— W. T. 99. Eine Klage aus Unterlassung erscheint undurchführbar.— W. B 66. Das Gesetz schreibt. die Entlassung nicht bor.—«. Z. 59. Nein.— tp. 19. Der ZMger mich M« B-rechflgung seiner Forderung nachweisen. Ob Verjährung vorliegt oder nicht, läßt sich ans Ihrer Darstellung nicht entnehmeii.— M. K. 75. Sic sind vast- bar.— Kühn 13. Ja, salls nicht der Abschluß eines schriftlichen Ver- träges vorbehalten worden ist.— F. I. 77. 1. An das Pfarramt. 2. Ja. 3. Ja, wenn s-ic zu den gesetzlichen Erben gehören. Für die Abschrift werden Schrcibgebührcii in Höhe von 20 Pf. pro S«sc erhoben. 4. und 5. Ihre Darstellung reicht' zur Beantwortung nicht aus. 6. Ja, iaferii die Frau nicht etwa ohne den gesetzlichen Grund getrennt lebt. <£(). 71. 1. Ohne Angabe des Schuldgrundes nicht zu beantworten. 2. Wenn es sich um privatrechtliche Ansprüche handelt, nur dann, wenn der betreffende ein Einkommen von mehr als 125 M. monatlich hat. 3. Stein. — H. H., Wilmersdorf. Nur dann, wenn Sic eine Aufforderung zur Deklaration erhalten haben. Steuerpflichtig ist der Vcrmögcnsbetrag nicht. — M. L. 18. Die angegebenen Tatsachen würden ausreichen, sosern Sie de» Beweis führen können, und sofern nicht etwa Verjährung oder Ver- zcibung vorliegt.— Maricndorf 30. Eine Reklamation ist zweckmäßig. — t>. K. 1884. 1. Falls Ihre Frau Lohnbeschlagnndme nicht für zulässig. durch cüic bestimmte Ausenthaltsdaucr iinverständlich.— Gold 950. 1. und 2. Eine Klage bat nur dann Aus» sichl aus Erfolg, tvemi durch einen Sachverständigen bewiesen werden kann, daß der Goldgehalt ein geringerer ist, als wie der Stempel ihn anzeigt. 3. Nein. 4. 16 Pf.-Marken. 5. Bis zum 1. März 1914. 6. Mindestens 20 Marke».— G. W. 36. 1. Ja. nach vier Jahren. Die Verjährungs- friit ist aber in dem vorliegenden Falle durch die geleisteten Abzahlungen unterbrochen. 2. und 3. Die Enkel sind ebenfalls erstattungspflichtig. 4. Die Beschlagnahme wäre zulässig, salls das Guthaben sich noch aus der Sparkasse befinden würde. 5. Ja. 6. Wir raten zu einer Beschwerde an das Sparkassenkuratorium.— W.�.10.00 Einig« Beispiele; Damen-Wäsche Taghemd handgesüdtt mit Languette 2.50 mit Stickerei-Einsatz und O 7 C lagnemd Ansatz......... Z. I D Nachthemd mit Einsatz u. Anaatz. 3.50 Untertaille Ä�tz™1.�: 0.95 Herren Wäsche Farbige Oberhemden aus Perkai mit festen Manschetten, gewaschen und geplättet......... Weisse Oberhemden mit glatten Einsätzen, gewaschen und geplättet Mit Piquä- Falten- Einsätzen, gewaschen und geplättet 1.90 2.50 Im t. Stock; Auslage 10 fertiger Brautwäsche•Ausstattungen Genossenschaft Berliner Bandagisten SO. 16, Kttpenlcker Stp. 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Bassermann(natl.): Als erster Redner aus dem Hause will ich zunächst der herz- lichen Teilnahme des Reichstags Ausdruck geben für die Opfer des Unglücks auf der Zeche„M i n i st e r A ch e n- bach" und ihre Angehörigen. Wir erwarten, daß der Staats- sekretär noch nähere Mitteilungen darüber machen wird.— Das Koalitionsrecht der Arbeitet anzutasten, wäre sittlich verwerflich und politisch ein Wahnsinn.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Man würde dadurch die nichtsozialdemokratischen Arbeiterorganisationen dem Staatsgedanken abwendig machen und den Prozeß der Abkehr der Arbeiter von der Sozialdemokratie auf- halten. Gibt man den Arbeitern das Koalitionsrecht, so muß man ihnen auch überlassen, wie sie sich koalieren wollen.«Sehr richtig! links.) Der Reichskanzler hat sich zum Koalitionsrecht bekannt und als Gegner von Ausnahmegesetzen. Er hat eine neue Prüfung der Frage des Schutzes der persönlichen Freiheit bei der Revision des Strafgesetzbuchs in Aussicht gestellt sowie eine Denkschrift. Wir enthalten uns deshalb besonderer Anträge und werden den konser- vativen Antrag auf Verbot des Streikpostenstehens ablehnen. Das steht auch im Einklang mit den Ausführungen meines Partei- freundes Röchling im preußischen Abgeordnetenhause; auch er lehnt ein besonderes Gesetz gegen Streikposten ab, denn die Polizei hat bereits heute das Recht, einzuschreiten in allen Fällen, wo die persönliche Freiheit angetastet wird, wo die Ordnung und öffent- lichc Ruhe gestört wird; sie darf auch, wo diese Gefahr vorliegt, vorbeugend eingreifen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Zu wünschen wäre, daß unsere Justiz in Streikfällen schneller arbeitet(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), wie ich überhaupt den Wunsch habe, daß unsere Justiz prompter arbeitet.— Die Frage der Rechts- fähigkeit und der Berantwortungsfähigkeit der Berufsvereine sollte von neuem geprüft werden.— Auch die Fragen des wirtschaftlichen und politischen Boykotts sollten in einer Denkschrift geklärt werden. — Entgegen den gestrigen Ausführungen des Abg. Molkenbuhr erblicken wir in unserer Wirtschaftspolitik die Grundlage unseres wirtschaftlichen Aufschwunges. Krisen lassen sich nicht vermeiden, doch verlaufen sie dank der Wirksamkeit gelinder wie früher.— Bei der Verlängerung der Handelsverträge muß der Wirtschaftliche Ausschuß die Regierung beraten. Es sollten deshalb in ihm die größeren wirtschaftlichen Verbände vertreten sein, und er sollte in Unterabteilungen zur Beratung von Spezial» fragen geteilt werden.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Im Anschluß an die ersten Ausführungen des Vorredners möchte ich auch im Namen der Verbündeten Regierungen den Emp- findungen des Schmerzes, des Bedauerns und der herzlichsten Teil- nähme Ausdruck geben, die uns alle erfüllt aus Anlaß der Kunde von dem erschütternden Unglück im Ruhrrcvier. (Der Redner verliest die Depesche, in der das Unglück auf der Zeche „Minister Achenbach" gemeldet wird. Die Mitglieder des Hauses haben sich hierbei von den Plätzen erhoben.) Sobald mir weiteres Material zugegangen sein wird, werde ich es dem Hause mitteilen.— Den Wunsch des Vorredners auf stärkere Vertretung der großen industriellen Verbände im Wirtschaftlichen Ausschuß kann ich nicht für zweckmäßig halten. Der Wirtschaftliche Ausschuß würde sich dadurch leicht zu einer Art Neben- oder Zoll- Parlament umgestalten; dies würde ich nicht für zweckmäßig halten und werde in dieser Richtung keine Schritte unternehmen. Abg. Wendorf(Vp.) polemisiert gegen Abg. Dr. Becker- Bingen, der wohl als Hospitant der neuen FraktionHestermann beitreten werde.(Heiterkeit.) Herr H o e s ch meinte, unser Hinweis aus die ausländischen Ar- heiter gefährde den Handelsvertrag mit Rußland Vielmehr aber sind zur Gefährdung der Handelsverträge geeignet die fortgesetzt geäußerten Wünsche der Rechten auf mehr Zollschutz.— Herr H o e s ch hat sich dann das Wort des Frhr. v. Wangenheim angeeignet: die innere Kolonisation sei für die Demokratie ein hohles Schlagwort. Ich kann dies Wort nur als junkerliche Ueber- Hebung bezeichnen.(Präsident Kaempf rügt diesen Ausdruck einem Abgeordneten gegenüber.) Ich habe die Worte des Frhr. v. W a n g e n h e i m als junkerliche Ueberhebung bezeichnet und ihm gegenüber halte ich meinen Ausdruck aufrecht. Die Aeuße- rung des Frhr. v. Wangenheim ist um so auffallender, weil er sonst immer bedauert hat, daß gerade seine politischen Freunde sich als Hinderungsmoment für die innere Kolonisation erwiesen hätten,(«ehr richtig! links. Zuruf: Oldenburg!)'— Zwei Redner der Rechten haben die Landflucht anerkannt, sind aber nicht auf ihre Ursachen eingegangen. Ein wichtiges Mittel gegen die Landflucht wäre die Aufteilung von Domänen und das Verbot der Bildung neuer Fgmilien-Fideikommisse. Die G ü t e r s ch l ä ch t e r e i hat auch Graf Posadowsky seinerzeit aufs schärfste verurteilt. Der Kleinbetrieb, der neu geschaffen wird, muß selbstverständlich existenzfähig sein. Deshalb treten wir auch gegen jede unnötige Verteuerung der landwirtschaftlichen Produk- tion, z. B. gegen die Futtermittelzölle, auf.(Beifall links.) Abg. Gras Westarp(k.): Die Erfolge des Herrn Reichsbankpräsidenten auf dem Gebiete des Bankwesens erkennen wir an. halten aber ein Depositenbank- gesctz trotzdem für notlvendig. Das Koalitionsrecht wollen wir den Arbeitern nicht nehmen. Wir stehen den Arbeiterorgani- sationen, die sich auf dem Boden der bürgerlichen Gesell- s ch a f t bewegen, durchaus sympatisch gegenüber. Den rechtlichen Ausführungen Basiermanns, daß ein Verbot des Streilpostenstebens nicht nötig sei, weil die Polizeibehörde heute bereits zum Ein- schreiten befugt sei, kann ich mich nicht anschließen. Es müssen immer im konkreten Falle besondere Tatsachen vorliegen, die die Besorgnis der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit rechtfertigen. Diese Befugnis der Polizei ge- nügt eben nicht zur Unterdrückung des Streik- p 0 st e n st e h e n s, das über das Verkehrsinteresse hinaus dazu dient, die Arbeitswilligen einzuschüchtern und zu bedrohen. Der gegenwärtige Zustand ist unzureichend, und deshalb müssen wir auf einem Verbot des Streikpostenftehens bestehen. Der nationalliberale Antrag wünscht, daß die in Aussicht gestellte Denkschrift pch auch mit dem Koalitionszwang von Arbeit- gebern gegen Arbeitgeber beschäftigt. Diese Frage liegt auf einem ganz andern Gebiet und ist keines- wegS brennend. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Durch Beschäftigung mit dieser Frage würde die Erledigung der brennenden und spruchreiftn Frage de» Verbot» de» Streikposten stehen» nur ver- scheppt werden.(Bravo! recht».) Abg. Spiegel(Soz.): Wenn da» ReichSamt de» Innern unseren Wünschen mehr Rochnung getragen hatte, so würde Loben und Gesundheft der Ar» beiter weit besser geschützt sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach den neuesten Meldungen sind bei dem Unglück auf der Zeche Minister Achenbach 22 Tote, 18 Schwerverletzte und 5 Ver- mißte zu beklagen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von den Schwerverletzten befinden sich mehrere in hoffnungslose in Zustand. Allerdings liegen über die speziellen Ursachen des Un- tflücks noch keine näheren Nachrichten vor. Jedenfalls muß eifrig darauf hingearbeitet werden, daß die durch das Gesetz vorgeschrie- denen S ich e r h e it s m än n er in die Lage versetzt werden, ihre gesetzliche Pflicht zu erfüllen. Statt dessen macht man ihnen die größten Schwierigkeiten, man löst die Steigerreviere auf, wenn der Sicherheitsmann sie revidieren will, und später werden sie erst wieder ins Leben gerufen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Mit Recht verlangen die Bergarbeiter überall ein einheitliches Reichsberggcsetz. Auch der Reichstag hat diese Forderung zu der seinen gemacht, nur der Bundesrat stellt sich ihr entgegen.(Sehr ivahr! bei den Sozial- demokraten.) Herr B a s s e r m a n n hat sich zwar gegen den Antrag Westarp erklärt, aber nur, weil er meint, die heutige Gesetzgebung und die Vollmachten der Polizei genügen gegen die„Auswüchse" des Koali- tionsrecksts. Es handelt sich hier gar nicht um eine V e r t e i d i- gung des Koalit.onsrechts, sondern es mutz ein wirk- liches Koalitionsrecht überhaupt er st geschaffen werden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Heute werden die Ge- werkschaften in jedem Kampfe durch Polizeiverordnungen und Poli- zeischikanen geschädigt, wobei von den Polizeibehörden bis zum Landrat und höher hinauf eine ganz erstaunliche Gesetzes un- kenntnis an den Tag gelegt wird.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Schon heute müssen die Gewerkschaften ihre Kämpfe unter einem Ausnahmezustand führen. Das gilt auch von den christlichen Gewerkschaften, wenn sie einmal genötigt sind, in den Kampf zu ziehen. Ein großer Teil der christlichen Arbeiter wird sich deshalb bedanken, seine gewerkschaftliche Tätigkeit unter k o n- servativem Schutz auszuüben.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Der krasseste Terrorismus wird von den U n t e r- n e h m e r n ausgeübt. Wie die Herren mit dem Koalitionsrecht der Arbeiter umspringen, zeigt ein vertrauliches Zirkular des Ber- eins der O s n a b r ü ck e r M e t a l l i n d u st r i e l l e n, worin davor gewarnt wird, Leute, die freiwillig aus einer Arbeits- stelle gegangen sind, wenn sie auch ordnungsmäßig'gekündigt haben, wieder einzustellen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nur wenn ein Uebevtveisungsschein seitens der Firma gegeben wird, bei der der Arbeitsuchende früher in Arbeit war, darf eine Ein- stellung erfolgen. Ein Arbeiter, der deswegen gegen seine frühere Firma, die den Ueberweisungsschein verweigerte, auf Schaden» e r s a tz klagte, bekam vor dem Amtsgericht Recht, weil ein solcher Vertrag gegen die guten Sitten verstoße. Das Landgericht dagegen gab. ihm Unrecht, denn eine sfttlich verwerfliche Handlung stelle es nicht dar, wenn den Arbeitern nur vorübergehend auf einige Zeit die Evwerbsmöglichkeit abgeschnitten wird.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Herren rechts haben also wirklich keine Ursache, das Koalitionsrecht noch einzuschränken. Wie wissen recht gut, woher der Wind weht. Zeter und Mordio wird in allen Unternehmervcrsammlungen über den Terrorismus der Arbeiterorganisationen geschrien. Dabei terrorisieren diese Herren nicht nur die Arbeiter, sondern auch die t e ch n i s ch e n B e a m t e n. Ich erinnere nur an die Maßregelungen gegen den Bund der technisch-industriellen Beamten. Gewiß brechen auch wilde Streiks aus, so bei dem Streik auf der Zeche„Union" bei Dortmund, wo nur sieben meiner Verbands- kollegen beteiligt waren, die anderen gehörten dem Verband der Maschinisten und Heizer an. Wie elend müssen aber die Zustände sein, wenn in einer Versamml'H»7g die Leute selbst über die Köpfe der Bezirksleitung hinweg in den Streik treten. Als das geschah, sollten unsere Leute da etwa den Streik- brccher machen? Nein, nein, alle Arbeiter sind noch nicht von der Gelbsucht angesteckt.(Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) Auch bei manchen anderen Leuten ist noch Gefühl für Standesehre zu finden. Manche der Herren hier sollten sich ins Gedächtnis schreiben, was der Kaplan Hitze von der Pflicht der Arbeiter sagt, nicht entgegen ihrer Standesehre die Stellen ihrer streikenden Kollegen zu besetzen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen verlangen, daß in der zugesagten Denkschrift auch die V er- stöße der Unternehmer gegen das Koalitions- recht mit vorgelegt werden. Die Arbeiterorganisationen werden dabei gewiß nicht schlecht fahren. Herr Bassermann rief pathetisch aus. Tausende von deutschen Männern sind bereits in den Wirt- schaftsfriedlichen Organisationen. Aber er kann natürlich nicht sagen, wieviel Blutapfelsinen darunter sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Eine Maschinenfabrik im Rhein- l a n d schließt von der PensionSkasse jeden aus, der dem Deutschen Metallarbeiterverband, der christlichen Gewerkschaft oder den Hirsch- Dunckerschen angehört.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man braucht aber nicht in die Ferne schweifen, hier in Berlin bei Siemens sind allein sieben gewe Sekretäre angestellt, die die Arbeiter in die gelben Vereine pressen. Das ist natürlich kein Terrorismus! Eine Hütte hatte ihren gelben Organi- sationen in einem Jahre ein Geschenk von 150 000 M. gemacht; sie konnte es sebr leicht, denn sie verdiente durch Lohnabzüge, die ihr ja gerade das Bestehen der gelben Organisation ermöglichte, in deknselben Jahre 434106 M.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Nicht umsonst heißt es also: Zurückhaltung in der Sozial- Politik! Nicht nur die Arbeiter, auch die Beamten sollen der gelben Gesinnungslosigkeit preisgegeben werden. Es mutz wahrlich um die nationale Sache schlecht stehen, wenn die organisierte Gesinnungslosigkeit identisch sein soll mit nationalem Gefühl.(Sehr gut! bei dem Sozialdemokraten.) Die Regierung sucht nach Mittel und Wegen, um der Sozialdemokratie das Wasser abzugraben. Sie braucht nur die berechtigen sozialen Wünsche der Arbeiter zu erfüllen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Nationalliberalen verlangen von neuem eine Enguete, die auch auf die Uebergriffe der Unternehmer ausgedehnt werden soll. Vor allem muß dann auch dargestellt werden, wie die Kartelle und Ringe den eigenen Unternehmern gegenüber einen ungeheuerlichen Gesinnungszwang ausüben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und die Recht- sprechung hilft ihnen. Als ein Solinger Unternehmer die Forde- rungen seiner Arbeiter bewilligt hatte, entzog sein Stahlticferant ihm das Rohmaterial, weil seine anderen Kunden ihm sonst die Kundschaft zu entziehen drohten. Bei einem Gewerkschafts- führer würde bei einem solchen Akt des Terrorismus sehr schnell eingeschritten sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zum Schluß möchte ich noch mich der Arbeiter im Gast- Wirtsgewerbe annehmen. Die Bundesratsverordnung von 1902 findet keine Anwendung auf Portiers. Sausmädchen, Zimmer- mäd-hen usw. Nicht nur der Deutsche Gastwirtgehilsenverband ver- langt die Erweiterung und Ausdehnung dieser Verordnung, auch der nationale Gastwirtgehilfenverband steht auf demselben Boden. ES liegt eine Ueberfülle von Material über die unhaltbaren Zustände vor, unter denen diese Arbeiterkategorien leiden. Ihre sckleunige Ein- b e z i e h u n g in die BundeSratSverordnung von 1902 ist eure dringende Notwendigkeit.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Faßbender(Z.) Esrdert Regelung de» Waffenhandels und Schaffung. einer beson» eren Tiefbaukammer. , Unterstaatssekrctär Richter: Ein Gesetzentwurf über den W a f f e n g eb r a u ch�ist in Bor- 1 bereitung und wird hoffentlich noch im Laufe dieser Session vor- � gelegt werden können. Die interessanten Anregungen betreffend � Errichtung einer T i e f b a u k a m m e r für das Reich werden von der Regierung in Erwägung gezogen werden. Mir scheint die Er- richtung solcher Kammern mehr Landessache zu sein. Abg. Dr. Böhme(natl.) polemisiert gegen einzelne Aeußerungen des Abg. Hoesch. Daß weitere Kreise der Konservativen von der inneren Kolonisation nichts wissen wollen, haben hervorragende Männer der Praxis,� wie Präsident Metz und Regierungspräsident v. S ch w e r i n, selbst hervorgehoben. Professor S e h r i n g hat nachgewiesen, daß viel mehr Land zu Fideikommissen geschlagen wird, als an Renten- gittern geschaffen wird. Ein Parzellierungsgesetz haben wir wieder- holt gefordert. Ein Verbot des Ankaufs von Bauernland durch den Großgrundbesitz wäre durchaus angebracht. Es würde das den alt- preußischen, friderizianischen Traditionen entsprechen. Aber Sie (nach rechts) sind offenbar für die altpreußischen Tradi- tionen nur dann, wenn sie Ihnen angenehm sind.— Daß der Bauernbund mit Güterschlächtern zu tun hat, wie Herr H e st e r- m a n n andeutete, muß ich bestreiten. Als Beamter de» Bauern- bundes hat Herr H e st e r m a n n mir auch nichts derartiges be- richtet. Graf Westarp hat Anstoß genommen an unserer For- derung, auch den wirtschaftlichen Boykott zu untersuchen. Das ist mir sehr verständlich, da gerade ihre Anhänger im Lande, die Amtsvorsteher usw., die Waffe des wirtschaftlichen Boykotts im Wahlkampf besonders anwenden.(Sehr wahr! links.) Daß noch Lücken im Zolltarif bestehen— ich erinnere an den Hopfenzoll—, erkennen wir an und werden für ihre Ausfüllung Wirten. Zur Aufrechterhaltung unserer Schutzzollpolitik ist eine V e r st ä n d i- gung zwischen Industrie und Landwirtschaft not- wendig. Abg. Schwcickhardt(Vp.) wendet sich gegen einige Aeußerungen des Abg. Vogt- Hall. Abg. Peus(Soz.): Man hat vielfach in der Debatte auf eine Aeutzerung von mir hingewiesen, in der ich von der Verdrängung der Klein» betriebe durch die Mittel- und Großbetriebe sprach, und meinte, man müsse sich an diese EntWickelung gewöhnen. Man hat dabei aber immer getan, als handle es sich vornehmlich um die Ver- drängung der Kleinbetriebe, insbesondere der kleinen Bäcker- m e i st e r durch die Genossenschaften. In der Tat aber gibt es neben 81 Genossenschaftsbäckereien 4ö1 große Bäckereien in Händen von Kapitalisten.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Also die Konkurrenz dieser kapitalistischen Groß- bäckereien für die kleinen Bäckermeister ist sechsmal so groß wie die der Konsumvereine. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten, denn sie ist nicht Mcnschenwerk, sondern hängt mit der E n t w i ck e l u n g der Technik zusammen. Trotzdem werden ähnliche Behauptun- gen wie die von mir zurückgewiesene immer weiter erhoben werden, denn die verlogene Demagogie wird auch in Zukunft das Bedürfnis zur Betätigung finden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hcstcrmann(b. k. F.) polemisiert gegen den Abg. Böhme. Die Ausführungen des Abg. Böhme standen vielfach im Gegensatz zu den sonstigen An- schauungen der nationalliberalen Partei. Vielleicht kommt Herr Böhme auch noch aus der nationalliberalen Partei heraus.(Heiterkeit.— Als der Redner sagt: Ein Mitglied der Zentrumspartei hat sehr richtig gesagt, wird ihm zugerufen: Gehen Sie doch zum Zentrum! Darauf fährt der Redner fort:)' Ich habe tatsächlick im Reichstag erkannt, d a ß_d i c Zentrums Partei viel besser ist als ihr Ruf.(Stür- mische Heiterkeit.) Es wird ja bei den Wahlen leider so g e w a l- tig viel Schwindel betrieben.(Erneute schallende Heiterkeit.) Bei den Wahlen wurde uns immer gesagt: der schwarz blaue Block, das ist die größte Gefahr, und jetzt habe ich bei den Nationalliberalen erfahren, daß man mit der Zentrumspartei eine ganz vorzügliche Politik machen kann.(Stürmische, andauernde Heiterkeit.) Damit ist die Rednerliste zum Titel„Staatssekretär" erschöpft bis auf die Beratungen über das Vereinsrecht, die am Mittwoch stattfinden sollen. Das Haus vertagt sich. Weiterberatung dcS Etats am Dienstag, pünktlich 2 Uhr. Schluß 5 Uhr._ Mgeorönetenhaus. 16. Sitzung. Sonnabend, den 31. Januar 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer. Zu Beginn der Sitzung macht Präsident Graf v. Schwerin- Läwitz Mitteilung von der schweren Grubenkatostrophe im westfälischen Kohlenrevier und spricht unter dem Verfall aller Parteien die Teilnahme des Hauses aus. Der Zorftetat. Abg. Meyer-Tawellningken(k.): Die neueingeführte Entlohnungsart der Waldarbeiter bewährt sich vor allem dadurch, daß sie eine wirtschaftlich unentbehrliche Statistik der Erwerbsverhältnisse der Arbeiter ermöglicht. Die Verwaltung hat eine Erhöhung der Tantieme für die Vorarbeiter freigestellt. Sie hätte diese Erhöhung anordnen sollen. Denn wenn wir mit unseren Wohltaten zu spät kommen, so wird von den Arbeitern das, was wir ihnen hätten zubilligen sollen, als i h r R e ch t g e- fordert und wir gehen ohne Dank aus. Der Domänenfiskus, dessen Einnahmen bedeutend geringer sind als diejenigen des Forst- fiskus, hat für Arbeiterhäuser eine viel größere Summe als dieser in den Etat eingestellt. Gerade auf diesem Gebiete muß die Forst- Verwaltung noch viel mehr tun. Das Streben der Waldaroeiter nach guten Wohnungen soll man wirksamer unterstützen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Wald« arbeiter eine gute Wohnung hat, hat er auch eine zufriedene Frau, und wenn er eine zufriedene Frau hat, geht er nicht in den Dorfkrug, sondern fteul sich seines Heimes— und dann ist er (nach links) unser.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Luders(fk.): Auch wir treten für Waldarbeiterhäuscr ein. Abg. Dr. Ehlers(Vp.): Die ungenügende Holzverwertung durch die Verwaltung führt uns von der Prosa zur Poesie des Waldes. Wir fordern eine bessere kaufmännische Ausbildung der Forstassessoren. Da» Gehalt der unteren Forstbeamten muß aufgebessert werden. Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz bringt eine Nachricht zur Verlesung, derzufolge auf der Grube .Achenbach' heute morgen die übrigen 60 Arbeiter gerettet wurden. (Beifall.) Während der weiteren Beratungen bringen eine Reihe weiterer Redner spezielle Wünsche zum Forstetat ein. Ein Vertreter der Re« gierung verspricht eineqe höheren Betrag für Arbeiterwohnungen m den kommenden Etat einzustellen. «bg.»awa«« fWirtsch. Vg.):- ?hir dadurch, daß man die Löhne verbessert, und eine groß- ..zügige W oh nun gSpo Ii til treibt, auch den Waldarbeitern cventl. billige Darlehen gewährt, wird es möglich sein, den Be- strebungen der Sozialdemokralie entgegenzutreten. Der Abg. Hoser . hat die Lage der ländlichen Arbeiter verzeichnet. Die Lohnverhält- niise sind nicht so schlecht, und vor allein sind die E ii ä h r u n g s v e r h ä lt n i s s e auf dem Lande besser, als in der «ladt. Da die Arbeiter der ZwangSversicherung unterworfen sind, ist eine Erhöhung des Lohnes im Hinblick auf die Beitrags- letstung erwünscht'. Dadurch, daß sich die Waldarbeiter dem christlich-nationalen Zentralverbaud angeschlossen haben, haben sie einen scharfen Strich zwischen sich und der Sozialdemokratie gezogen. . Einzelne Oberförster haben den Landarbeitern, die sich der ch r i st- lich-nationalen Organisation anschließen wollten, ge- antwortet, daß dieser Anschluß vom Landwirtschaftsminister nicht gestattet wäre. Das ist natürlich nicht richtig: aber wir fordern den Minister auf, seine Stellung zu unserer Organi- s a t i o n festzustellen. Ferner wünschen wir eine Vertretung der Waldarbeiter zum Zweck der Beratung der vorgesetzten Behörden. An gesetzlichen Feiertagen und vaterländischen Gedenllagen sollen Lohnauszahlungen erfolgen. Wir erwarten, daß die Staatsregierung die auf nationalem Boden stehenden Arbeiterorganisationen ancr- , kennen wird. Landwirtschaftsminister v. Schorlemer: Soweit möglich werde ich die Wünsche des Vorredners prüfen. Die Stellung der Forstverwaltung zum christlich-nationalen Arbeiter- verband habe ich bereits im vorigen Jahre beim Forstetat im An- schluß an die Rede des Abg. Borchardt festgelegt. Die Waldarbeiier - lallen nicht. mit ihren Löhnen unzufrieden gemacht werden. Deswegen halte ich eine jede Organisation für überflüssig, eine sozialdemokratische sogar für schädlich. Entlassen werden nur solche Arbeiter, die sich an der Agitation beteiligen und Unzufrieden- heit verbreiten, vor allem solche, welche andere Arbeiter, .die mit den Verhältnissen zufrieden sind, � belästigen. Dieser Standpunlt wird verlangt durch die Rücksicht auf die Autorität der � staatlichen Forstverwaltung. Die erfreulichen patriarchalischen Verhältnisse, die zwischen der Forstverwallung und den Wald- Arbeitern bestehen, sind unvereinbar milder christlich- nationalen Organisation. Die Arbeiter haben das Be- schwerderecht und die Beschwerden werden objektiv geprüft. �Widerspruch bei den L-ozialdemokraten.) Um so weniger haben sie Veranlasiung, sich an Organisationen zu wenden, die mit den lokalen Verhältnissen nicht vertraut sind. Uebcr eine Vertretung der Arbeiter zum Zweck der Verhandlungen in der Verwaltung stellt die Regie- rung gegenwärtig noch Erwägungen an. D i e L ö h n e s i n d z u- f t i e d e» sie l l e n d. Mit der WohnungSfürsorge sind wir nicht schnell genug vorgegangen. Ich werde für eine Beschleunigung des � Tempos Sorge tragen.(Beifall rechts.) Abg. Hofer(Soz.): Der Abg. Meyer sollte sich dafür einsetzen, daß die konserva- iiven Gutsbesitzer gute Wohnungen bauen, damit die Arbeiter zu Hause sitzen. Was die Ablehnung der Organisation der Landarbeiter betrifft, so nimmt der Landwirtschaflsminister hier dieselbe reaklio- � nare Stellung ein. wie der E i s e n b a h n m i n i st e r semen Arbeitern gegenüber. Von ihrem Beschwerderecht, auf daS der Minister soeben hingewiesen bat, machen die Landarbeiter ebenso wenig Gebrauch, wie das Militär. Sie haben Furcht, und so erzieht man sie zu Heuchlern. Wenn den Landarbeitern das Koalitionsrecht vorenthalten wird, wenn sie ihren elende» Lohn „nicht verbessern dürfen nnd fühlen, daß sie weniger Recht haben, als die anderen gewerblichen Arbeiter besitzen, so werden sie nur um so leichter von der Sozialdemokratie gewonnen werden können.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Meher-Tawellulugkeu(k.): Die Sozialdemokratie hätte die 26 Millionen Mark, die sie *Mllich von der Deutschen Bank abhob) für K o I o u i s a t i o n Z- zwecke anwenden sollen. Dann bälte sie etwas geleistet. Das K o a liti o n s r e ch t der Waldarbeiter brauchen wir nicht.(Zurui bei den Sozialdemokraten: Sie nicht!) Wenn wir eS gebrauchten, dann nicht zum Schutze der Arbeiter gegen die Atbeilgeber, sondern zum Schutze gegen die Sozialdemokratie. Herr Abg. Hofer, Sie haben in einer Versammlung in Ostpreußen die Oberförster gescholten(H o f e r: Ich?) Ja, Sie haben damals gesagt, daß die Oberförster und die Minister pensioniert werden, wenn sie noch dienstfähig sind und daß das Volk dann die Pension ■ bezahlen müsse. Ich möchte einmal wissen, wo die Oberförster eigentlich sind, die jeden Tag mindestens einen Waldarbeiter auf- .„fressen?(Beifall rechts.) Abg. Ad. Hoffmauu's oo u> 2700 l B«, Ol IUI � j Obergu-din,) letzt 10«« bis 15« Erbstüll- Gardinen das Fenster 3 Flfl?el.."7 SO,. 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Anlaß der Sistierung war eine geringe Uebertretung, der Ver such Mauerhoffs, mit seinem Wagen eine gesperrte Strecke der Hermannftratze zu befahren. Weil er dem Schutzmann Gladski nicht sogleich seinen Namen angab, sondern auf ein am Wagen ange- brachteS Namenschild„Walter Mauerhoff" verwies, glaubte Gladski, ihn zur Wache führen zu sollen. Vor dem Wachlokal hätte nun Mauerhoff, so stellten beteiligte Polizeibeamte den Sachverhalt dar, dadurch Widerstand geleistet, daß er sich an einem Laternen- pfähl festgehalten habe. Der Angeklagte behauptete, Gladski habe vor dem Wachlokal ihm ohne weiteres einen Stoß ins Genick ge- geben. Durch zwei andere aus der Wache heruntereilende Schutz- leute sei er gepackt worden, worauf er wie ein Ball in den Flur hineingepflogen sei. In der Wachstube aber hätten andere Polizei- beamte, als er eingeliefert wurde, förmlich Spalier gebildet und wild aus ihn eingehauen. (Kr habe nicht nur am Körper deutliche Spuren dieser schweren Miß- Handlung davongetragen, sondern auch eine Verschlimmerung seines Herzleidens gehabt. Auch seien ihm auf der Wache 89 Mark abhanden gekommen, die er bei sich getragen habe. Der Vorsitzende fragte, ob vielleicht Maucrhoff meine, daß die Beamten der Wache schon den ganzen Vormittag auf ihn gewartet hätten, um Spalier zu bilden, wenn er käme. Die Beweiserhebung zeigte, daß die Beamten der Wache auf Mauerhoffs Ankunft vorbereitet waren, weil sie von den Fenstern aus ihn vor dem Wachlokal hatten vorfahren sehen. Sie hätten, so sagten sie aus, einen Wortwechsel zwischen Gladski und dem nicht sogleich absteigenden Mauerhoff bemerkt, darum seien schleu- nigst zwei Beamte zu Hilfe geschickt worden. Daß M. sich„renitent" benommen habe, so daß Gewalt habe angewendet werden müssen, bekundeten die Beamten übereinstimmend. Einer sagte, er habe Mauerhoff von dem Laternenpfahl, den er mit beiden Händen umklammert hätte,„mit aller Gewalt" losreißen müssen. Ein anderer meinte, vom Fenster aus gesehen zu haben, daß Mauer- hoff sich an dem Laternenpfahl festhielt. Ebenso übereinstimmend stellten alle fünf vernommenen Beamten in Abrede, daß Mauer- hoff geschlagen worden sei. Weder auf der Straße noch auf dex Wache hätten sie selber geschlagen oder einen Kollegen schlagen ge- sehen. Mauerhoff sagte dem Schutzmann Hohmann ins Gesicht, daß besonders er„schauderhaft geschlagen" habe. Hohmann bestritt das. Dieser Zeuge schilderte, wie Maucrhoff„mit Gewalt visitiert" worden sei, um ihm Sachen abzunehmen, durch die er sich hätte be- schädigen können. Von Geld, das er eingebüßt hätte, habe er nach- her geredet, aber es sei keins gefunden worden. Der Verteidiger Rechtsanwalt Oskar Cohn brachte zur Sprache, daß gegen die der Mißhandlung beschuldigten Schutzleute eine Strafanzeige eingereicht worden ist. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren bereits eingestellt, aber auf Beschwerde sind die Ermittelungen wieder aufgenommen worden. Zu der Frage, ob Mauerhoff vor und in dem Wachlokal mißhandelt worden ist, wurde auf Antrag der Ver teidigung eine lange Reihe Zeugen vernommen. Personen, die aus nächster Nähe, teils auf der Straße, teils von Fenstern aus, die Vorgänge vor dem Hause mitangesehen hatten, bekundeten, daß Gladski den zu sistiercnden Mauerhoff im Genick gepackt und vor sich her geschoben oder gestoßen habe. Gladski behauptete, er habe ihn nur am Arm gefaßt. Daß Mauerhoff sich am Laternen pfähl festgehalten habe, hatte keiner der als Zeugen vernommenen Zivilpersonen gesehen. Einige erklärten, daß er da? bestimmt nicht getan habe. Nach Mauerhoffs Einlieferung hatte vor dem Hause der Polizeiwache zu der wartenden Frau Maucrhoff eine Frau gesagt: „Gehen Sie doch rein, die Beamten schlagen ja Ihren Mann so furchtbar!" Drinnen wies man sie ab:„dem tut keiner was." Aber sie hörte jetzt selber, wie er immer wieder laute Schreie ausstieß.„Er hat Herzkrämpfe!" klagte sie angstvoll, aber ein Beamter antwortete ihr: „Ach waS, Herzkrämpfe!?" Sie lief zu einem Ülrzt, doch der wollte nicht mit zur Polizeiwache kommen. Später ließ man die Frau in die Zelle blicken, in die Mauerhoff—„auf eigenen Wunsch", wie einer der Schutzleute vor Gericht sagte— gebracht worden war. Er stöhnte und jammerte: Mein Kopf, mein Kopf!" Dieser sich wiederholende Ruf und ein lang anhaltendes Geschrei waren auch von Zeugen, die im Hause wohnen, gehört worden. Eine Zeugin gab an, dazwischen auch den jammernden Ruf gehört zu haben: „Schlagt mir doch den Kopf nicht so!" Das Geschrei sei„fürchterlich" gewesen, sagte sie.„Herzzerreißend" nannte es eine andere,„herzbrechend" habe es gewirkt, versicherte eine dritte. Mehrere Zeuginnen hoben hervor, daß es nicht wie Wutschrcie, sondern wie Schmerzcnschreie geklungen habe. Einigen Personen habe Mauerhoff nach etlichen Tagen an seinem Körper die Spuren gezeigt, die er von der Sistierung heimgebracht hatte. Der Vorsitzende meinte, wenn einer Widerstand leiste und die Polizei Gewalt anwenden müsse, dann gebe es eben„ein paar blaue Flecke." Auch das wurde, trotz Widerspruch des AmtSanwalti, in der Beweiserhebung festgestellt, daß aus den Räumen derselbe« Polizeiwache schon öfter Geschrei gehört worden ist, so daß Hausbewohner sich dadurch schwer beunruhigt gefühlt haben. Eine Zeugin hat einmal auch Schläge fallen hören, eine andere hat einmal den Ruf gehört:„Wie komme ich dazu, mich hier schlagen zu lassen!" Auf den Amtsanwalt machten die Aussagen der Zivilpersonen keinen Eindruck. Ob etwa die Beamten, fragte, er hier nuter ihrem Eid die Unwahrheit gesagt haben sollten. Sie seien durchaus glaub- würdig, und die Beweiserhebung habe gezeigt, daß sie nur ihre Pflicht getan hätten. 40 Mark Geldstrafe beantragte er gegen den Angeklagten, der ihm als des Widerstandes überführt galt. Der Verteidiger bestritt, daß rechtmäßige Amtsausübung vorliege, wo- nach dann auch nicht von Widerstand die Rede sein könne, lim den Namen festzustellen, sei nicht Sistierung nötig gewesen, zu einer solchen habe der Beamte daher nicht schreiten dürfen. Der Griff ins Genick und was dann folgte, lasse die Amtsausübung als schwere Mißhandlung erscheinen, gegen die Mauerhofs sich sogar tätlich hätte wehren dürfen. Die Behauptung, daß er durch Um- klammerung eines Laternenpfahls Widerstand geleistet habe, sei widerlegt. Jawohl, das müsse man annehmen, daß die Beamten die Unwahrheit gesagt haben, weil sie unter dem Druck des gegen sie schwebenden Strafverfahrens stehen. Der Angeklagte sei daher freizusprechen. TaS Gericht sah in der Sistierung eine rechtmäßig« Amtsaus- Übung. Auch dazu sei Gladski berechtigt gewesen, vor dem Wach- lokal den sich langsam in Bewegung setzenden Mauerhofs„anzu- fassen, damit es schneller ging." Die dazukommenden Beamten hätten den Mauerhoff„angepackt und mit großer Geschwindigkeit weggebracht." Ob Maucrhoff sich an dem Pfahl festgehalten habe, sei nicht klar geworden. Die Zeugen widersprächen einander, es habe wohl keiner ein genaues Bild der Vorgänge erhalten. Wider- stand könne nicht als festgestellt gelten, darum sei der Angeklagt« freizusprechen. Die Erfüllung des vor einigen Jakiren bei Beratung der Strafprozeßrcsorm von sozialdemokratischer Seite gestellten Antrages, alle Vorgänge auf Polizeiwachen kinematographisch aufzunehmen, wird immer dringlicher. BSasierftandS-Nnchrichte» der Landesanltalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburean Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e i, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warth«, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg am 30. 1. cm 364*) 126«) 166«) 173«) 157«) 283') 232-) 234 112 114 -154 100 80 seit 29. 1 cm1) +7 _ 2 +10 —6 +1 — 1 0 +2 4-3 — 1 +9 —6 —5 Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau-) . Ratbenow-) Spree, Spremberg-) , BecSko« Weser, Münden , Minden Rhein, MaximlltanSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, Hanau Mosel. Trier -)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unterpegel.—•) Eisstand. «) TretbelS.—») Eisfrei.—•) Oberhalb der Brücke EiSstand, unterhalb eisfrei.•_ ESttterungSübersilbi vom 31. Januar 1914._ Swinemde. erlin Franks. a.M München Wien II Sf 7S2WSW 763IS23 765SW 1773®® 773 W Bettet 5 Dunst 4 bedeckt bedeckt 2wolNg IjNebel Wetterprognose für Sonutag, den 1. Februar 1914. Mild, jedoch vorherrschend wollig mit etwas Regen und sehr lebhaft« südwestlichen Wmden, Berliner W e tt er b n r e a u. T S T T T ® 0 T T @ 0 © ® 0 © 0 @ 0 © 0 0 © 0 □cxxaQüüni nnmmcin Zum Selbstaussuchen Alpaka- Roben Jede helle, mittlere u. dunkle Ferb.. glanrreiche Qual. Hobe 5 Meter doppeltbreiter Stoff Reinwollene Roben lede einfarbig, helle, mittlere und dunkle Farben, Robe 6 Meter doppeltbreiter Stoff Zurückgesetzte Roben Jede in bellen, mittleren und dunklen Farben. 6 Meter Robe doppeltbreiter Stoff..... Kostümstoff- Roben jede schwere Konfektions- pnK« Stoffe, 130 cm breit____ �0De Blusen-Coupons gute TenolsquaUt., mod Streiten, jeder Coupon e hin Vh Motor Stoff.. Halbferlige Blusen 0 0 u © i ß 0 E 0 1 6 0 © © © 0 © 0 © © _,____ jede reinwollener Batist, m. reicher Seidenstickerei, ni,,** in creme u. dunkelfarbig u® JOJUUÜUÜUJUUUUULAJaüUUUÜ� 2.45 2.90 1.95 3.35 RS Bluse Pf. 1.10 Reste und Abschnitte Kleider- und Seidenstoffe Bedruckte Waschmusseline.Meter 18 Pf. Gestreifte Zephirs....... Meter 22 Pf- Blusenflanelle......... Meter 26 Pf- Hauskleiderstoffe....... 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Chaiisseestr. 61-62 ® s © © © 1 © © © © © 1 © © © 1 © © © © © © © © © © © 1 © © © © © © © © © © © © © © © Gl�DlDlDWlGMGMGlNGMGMGlGlGlGMNNNMGMGiGlGlEMEsGMGMTiGMDlMGlGMNGMGisNGMGlsMGMGiGIGIGIS Theater und Vergnügungen nun 000 □□□ fSiehe Wochen-Spielplans Freie Bolksbühne. Gonntag, 1. Februar, nachm. 8 Uhr: Deutsche» Opernhaus. Gxtra-vor stellung: Der Waffenschmied. nachm. L'/, Uhr: Deutsche» Theater: Der lebende Leichnam. nachm. 3 Uhr: Neue» VolkStheat.: Michael Kramer. Herrnseld-Thrmrr: Hinterm Zaun. Slene Freie Volksbühne. Sonntag, t. Februar 1914, nachm. 2*1, Uhr: Kammerspielhau»: Die Einnahme von Berg-op.Zoom. Nachm. 3 Uhr: Deutsche» Opernhaus: Der Waffen- schmied. Echiller-Theater Tharlotienb.: An- drea» Hoser. Thalia-Theater: Vater und Sohn. Schiller Theater O.: Geschäft ist Ge- schäst. Lessing-Theater: Professor Bernhard!. Theater a. Nollendorsplatz: Die schöne Helena. Meiropol-Theater: Sin Blitzmädel. Berliner Theater: Bummelstudenten. MontiS Operetten- Theater: Die Fledermaus. Tnanon-Theater: Die Liebe wacht. tasch«. Theater w der Königgrätzerstratze: Da» LebenSseft. BIÜthner-Saal: Sinsonie-Aonzert. AbendS S Uhr: Neue» volk»theater: Sonntag, Dien»- tag und Mittwoch: Der Graf von Eharolais. Abend» 8-/, Uhr: Neue» Dollstheater: Montag, Don- nergtag und Freitag: Der Kaiser- jäger. Sonnabend: Einakterabend. Zcliillss-'Mes 0. (W allaer-Theater). Sonntag, nachmittag« 8 Uhr: Cieachatt Ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Montag, abends 8 Uhr: Meyers. Schiller-Theater Ctaarlottenbarg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andreas Hofer. Sonntag, abends 8 Uhr: Merodes und Marlamne. Montag, abends 8 Uhr: Merodes and Marlamne. Dentsches Jtönstlirtheater Sozlet&t. NBrnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Sonntag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abend» 8 Uhr: Der Bönen des Odyssens. Montag: Schiri» und Gertraude. Dienstag: 0er Bogen des Odysseus. am S. Heute 3 Uhr: Die schöne Helena. s uhr: Prinzeß öretl. Abends 8 Uhr: Die Kronbraut. Komödienhaus. V Uhr. Kltnlinermilkk. 8 Uhr. Lerlioer Tiieatw. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. Tbeatera. d. Weidendamme rbrücke früher Komische Oper. Nachm. 3 Uhr: Wer zulebt lacht.. 8 Uhr: Wer zulept lacht... Ibeater des Westens. s mr: Polenbluts Sonnt. nchm.S'/.U�DerlleheAuflustin IOSE=THEATE (Grotze Frankfurter Str. 132. Nachmittags 3 Uhr: Berlin wiees weint uJaebt Abends 8 Uhr: Kinder der Großstadt. Montag: Kinder der Grostftadt. \ olgt- Theater Badftraste 58. Heut« Sonntag, den 1. Februar: Nachmittags 3 Ubr: Her Mnu und seine Familie. AbendS 7 Uhr: Der Goldbauer. Kaffeneröffnung 10 II fvt. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänger Heute nachm. 3 Uhr Heute nachm. zu ermäßigten Preisen: Eine Hochzeit in der Miillerstraße und das andere große Programm. AbendS 8 Uhr: No.131 URANIA Taubenstraße 48/40. Sonntag und Montag 8 Uhr; Winter in der Schweiz. Montag, Hörsaal 8 Uhr: Dr. H. Klias; Gleichgewicht und Steuc- rnne-»» 1 1»xze»s- n. Die wilden Feueitrssser in ihrrn fanatischen Martern. Cols Experimente: Aus dem Jenseits ZW" I.ebend! Ohne Extra-Entree. Uhr Uhr. Residenz-Theater Hoheit— der Fram! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Winterberg. Morgen u. f. Tage: Hoheit-derprant! Frieilr.-liielmstäiit. teter. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. iBDtt mZSt Gilbert. Kaffeneröffn. 7 Uhr. Aus. 8 Uhr. Heute nachm. 3 Uhr: Die Kino- Kanlgin. Meiropol-Theater. AbendS präzise 7 Uhr 55: Nachm. 3 Uhr: Elll MMöi. Die Reise um in 40 Tagen. — Tel.: LUtzow 2757— 2 Heute, Sonntag Vorstellungen! Jb 3'/� und 8 Uhr. Nacbmittags: Kleine Preise. In beiden Vorstellungen: Haustein in Der Stolz d. 3. Kompagnie Lachen ohne Pause. Vorder: Das grosse neue Vart6t6-Programm 8 Afttralitioneii 8 ! Rauchen gestattetl Heute 8 Uhr: Premiere! Madge Lessing und Fred Wrighf 18 iioetiinteressantg Debüts 12 — Kauchen �eHtattct!— Folies Caprice. .,,< Cafe Pringshelm 8 /, Der Hoirat-igraf 4 l Meyerstein» ODEON I Vergnüg;;:«gs- Palast j Mar der 10 OOü-«A Potsdamer Str. 72 Safow«" Heute Anfang 5 Uhr: Ein Fest Im Hafen von New York. 8 Attraktionen. Reitbahn. Tanz au! der OreUeilie. | Jeder Erwachsene ein Kind frei. ■ Eintritt 30 Pf. Verein für Frauen n, Mädchen der Arbeiterklasse Montag, den 2. Februar 191-4, abends S'/s Uhr, in Kellers Äieuer Philharmonie» Köpenicker Str. 99/97: Woftrag: Jugendfürsorge.§en. aÄ1 wissen. Gäste. Damen und Herren, willkoiiiinen._ Sonntag, den 8. Febttmr 1914, in den„Sophien-Sälen", Sophienstrafte 17—18: 15. Stittungsfekt „Volkskunst und Volksgesang aus alter und neuer Zdt". jviitwirhcndc; jVlarga velvard uud jVlarc k)enry. Bierauf; 2» Hnfang 6 Ohr. J? J& eintritt 50 pf. -— Kinder haben keinen Zutritt. Billetts im Verein und in den bekannten ZahlCtellen zu haben. 52/4 Der Vorstand. m Sängerchor Gedding Mitgl. d. Deutsch. Arbeiter-Sängerhundes(Gau Berlin u. U.) =♦-- Mener JMaskcnbaU am Sonnabend, den 7. Februar 1014, 1, d. Germanla-Prachtsülen, Chansseestr. 110. Während der Vorträge der Volhshumoriftcn Kaffeepause:::: Oebriider Riedel.: t: Allerlei Volksbelustigungen.— Jede Dame erhält ein Präsent. Um 12Uhr Demaskier ung. 58/4 Anfang S'l, Uhr. Eintrittskarte 60 Pf.(inkl. Tanz). Miinucchor Kukhßgkn-Kmmcisiiurlf. Den Mitgliedern und Freunden zur Nachricht, daß der MASKENBALL nicht am 7. Februar, sondern Sonnabend, 14. Februar, im„Cafe Bellevue" stattfindet. 75ib Uebungsstunden des Vereins jeden Dienstag im „Cafs Bellevue". Der Vorstand. FHMVVVffMW'WSV'M'lW'Wi'WM'Wl Beute Sonntag, d. 1. Eebruar: 2 ir.Hoviötßfl-Vopstellonpl nachm. 3 u. abends 7'/z Uhr. In beiden Vorstellungen �fST" IVen!'9� Kiikaiir»(1 Dame. 1 Herr) genannt„Goldmepliistos". Neu! Leach-La-Quinlan-Trio Neu! in ihrer neuesten Sensation? und die übrigen neuen Februar-Attraktionen. Das neue große Ausstattungsstück in 7 Bildern »Tipp" der Derby-Favorit 1914. Kur Nachm.-V orst. hat jeder Erwachs. I Kind unt. 10 Jahren frei auf allen Sitzplätzen. OOLOO ischer Garten Täglich ab 4 Uhr: Qvoßes Konzert. Eintrittspreise heute: ZOO: Aquarium; 25 Pf."' 50 pf. Kinder d. Hälfte. die» 1 Jfeu! AQUARIUM 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Trianon-Theater. Täglich abcudZ 8 Uhr: Anatoles HoelizeU. Zirkus Busch. Heute connlag, den 1. Februar: 2 große Gala-Verstellungen 2 nachm. 3>/z Uhr, abends 7'/, Uhr. Nachmittags hat jeder Erwachsene ein angehör. Kind uiiNr 10 Jahren ans allen Sidplätzen frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren zahlt die Hälfte aus den«itzplätzen. In beiden Borstellungen: Austreten der neuen Februar- Attraktionen. 11. a. Die Uessems in ihren akrobatischen Sketch „Artistenkinder" Dir. Ed. Wulff bisher völlig uner- reichte Prod. o. TerrierS am Trapez. Außerdem nachmittags die beliebte Kindcr-Bnrleske An d. russischen Grenze General Bum-Bnm, dargestellt von sämtlichen ClownS. AbendS 7'/: Uhr: „fornpeil". — Huderverein„Vorwärts"— Sonntag, den 1. Februar, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Lichtbilder-Vortrag „Ruderleben auf märkischen Gewässern" Ruderfahrten nach dem Scharmiltzelsee, nach Mecklenburg. Beginn pünktl. 7 Uhr. 756h 40 Pf. inkl. Tanz. Vereinigte Herliner Volksbühnen. Unisen-Theater. 3 Uhr: Deines Bruders Weib. 8'/, Uhr: Das erste Ehejahr. Schauspiel in 5 Akten v. E. Rittcrfeldt. Waihaila-Theater. Nachm. 3 Uhr: Die Küubcr. AbendS S1;'« Uhr: Tangofleber. Brauerei Triednehshain Täglich außer Sonnabends: Das stimmungsvollste Bayr. Rockbier-Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. :: Berliner:: Konzerthaus Jb»Ckra" Mauflrstraße 82.— Z Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. CnToße» Triple-Konzert! Musikkorps des Kaiser-Franz-Garde-Gronad.-Regts. Dirig. Oberm. Becker Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.: Oberm. Baarz und Tegcrnscer nnd Zillerthaler Musikanten, Dirig. Hans Starp. Anfang'/jd Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang ,/j4 Uhr. Oroßes« Uoppei-Konzert! Anfang 8 Uhr. M o r g e n: Arnold Scholz Neue Welt. Hasenheide 108/114. LICHTIPIELE Admiralspalast. Eis- Arena. Täglich; Z)ie lustige?uppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von 10'/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- n. Bier- Abteilung. Volkstbeater Neukölln. Hcrmamistraste 30. Sonntag, abends 8 Uhr: Zlis GrW am Feufter. Sensat.-Detektivkomödie in 8 Bildern von F. Brookc-Warren. M o Ii t a g, 8'/. Uhr: Am Altar. Lasino-Tkeatel' Loibrmger Strafe 37. Täglich 8 Uhr. Sin neues Berliner Volksstück: Die olle Webern. Ur-Beri. Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Thealer in diesem Genrai im Stile der alten Wallner-BUhne. Sonnt. 4 U.: Goheimnisse v. New York. Kurf Ars tendamni 26 I Friedrich- Ecke Tau benstr j Unter den l.indeu 21 Alexandei'plalz Weiubergsweg 16— 17 Hasenbeide Moritzplatz Reinickendorferstr. 14 ISchOueberg. Hauptstr. 49 ie Firma heiratet Die Geschichte Mannequins von Walter Turszinsky Berliner Prater-Theater .-laitaincnallce 7— 9. Von Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern. Ansang 8 Uhr. Räch der Borstellung: Gr. Hall. Ckrmsnia'?rÄale N., Chausseestr.llO. KarlRichter. Heute 8onntag: PaulManttieys lusiige Sänger Anfang 6'/, Uhr. Nachdem: Familien- Kränzchen. Im weilien Saale von 5 Uhr ab MAt- Großer Kall."*2 .Morgen Montag; Hoffmunns i» iiiiger. Alhambra Wallner-Tlieater-Straste 15. i:x Großer Ball. Grosies Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. ILarneltat. coneorsils-keslsSIe 64 Andreasstrasse 64 Jeden Sonntag; Militär- Slreldi-Konzert �<1 Hoffoianns Sänger Anfang 6 Uhr. Im oberen Saal von 5 Uhr abi - Crosser Ball----- Heute, Sonntag, den 1. Februar: Bockbier feist in den bayerischen Alpen. Anfang 4 Uhr. Entree 50 Pf. Im neuen Saal: Großer Ball. Voranzeige! Dienstag, den 3. Februar: Damenprämiierung. Prämüe„nd�äte breitest6 Pelz-Shawl. Drei bare Geld-Preise SO,—, 3«. w bare G (ark. Märkischer Hof, Admiralstraße 18g. Gcwerkschasicn und Vereinen zur gest. Kenntnis, daß ich mein Lokal selbst wieder übernommen habe. Der 1. Ofterseiertag, mehrere Sonnabende und Sonntage frei. Jeden Sonntag: Gaofier Ball. Um geneigten Zu« bittet['I Otto Graßhon. 1 spruch Brauerei Friedrichshain Am Kiinigstor Am KOnigstor Größter Konzertsaal Berlins Heute Sountag!!! Stimmungsvollstes 8agr.8oekbier-7est M der Alm! Gr, Sehenswürdigkeit Berlins! 4 Kapellen— 100 Oberbayem Der rühmlichst bekannte Festwirt Scborscti Ebrngruber SchOfSCh thlUgsUhA Miinclieiier Hetz- SO Bayrisclie Madin- Alpenzauber SehDeetreibeD- i Mords Gaudi. Auf. 4 Uhr. Entree SO Pf. Dritter Wahlkreis. DieuStag, de« S. Februar 1S14, abends 8>/z Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenftr. S8/SS: Affentilchk politische Neckmmliiiig. Tagesordnung: L Vortrag des Schriftstellers Gen. GoIUberx über: Frane« und Mädchen in der rnsfischen Revolution. 2. Diskussion. Um rege Beteillgung besonders der Frauen ersucht 218/4 Die Einbernseriu: Emilie Reinbe, Schäferstr. 9/10. Deutscher Textilarbeiter-Verband. -------- Pillale Berlin. A« Dienstag, de« 3. Februar 1914, abends 8'/z Uhr, UN ververbaellnlt»!»»»»(Saal 1), Engeluser 15: General- Versammlung. Tagesordnung: 1 Quartals» und Jahresbericht. 2. Neuwahl der Ortsverwaltung. 1 Wahl der Delegierten zur Gaukonferenz und Stellungnahme zur Vcr> bandS-Generaloerfamullung. Die Kolleginnen und Kollege« werde» ersucht, vollzählig und pünIMch m erscheine» und die Mitgliedsbücher mitzubringen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 186/2 Der V oratand. Zweigvereiu Berlin.— Sektion der u. Zementbranche. Deto«blmbrattche: Zeraentierer, 8taschalern.P|sarbeiter. Montag, den 2. Februar, abends 81/, Uhr, Hei Iauuaschk, Juselstrahe 10. Gipsbaubranche: fatzer, Träger n. Kabitzspanncr. Mitwoch, den 4. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Jauuaschk, Jnselftrafie 10. Croße Wgliecker- VenämmlunW. Tagesordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Gruppenleitung. 2. Vorschläge zur Wahl des SettionSleiters. 3. Vranchenangelegenheien. Gruppe der Putzerträger. Sonntag, de« 1. Februar, vormittags 19 Uhr, m.Kellers Festsälen', Koppenstratzc(kl. Saal). Tagesordnung: Jahresbericht.— Vorstandswahl. i Erscheine» aller Muldenträger erforderlich.——» Sektiou der Kteiuholzleger. Mittwoch, 4. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Schräder, Alte Schönhauser Str. 26. Sehr wichtige Tagesordnung. Sektiou der Isolierer. Donnerstag, 3. Februar, abends 8'/.. Uhr, bei AS i 1 k e» Sebastianstr. 39. Tagesordnung i Jahresbericht.— Vorstandswahl. fSfe weisen darauf Hin, das? die Auszahlung der Unter ststtzoug derieuige» Kollegen, welche vom I. Dezember unuuter- brach«» arbeitslos waren und sich haben eintragen lassen, am Montag, de» 2. Februar, von abends 7—» llhr, in den Verkehrs- lokale» erfolgt. Der Kwelgverelna-Voratiuid. Verwaltung Berlin. Mittwoch, de« 4. Februar, abends 8'/, Uhr, in Obiglo's Festsäle«» Koppenstraste 29: Gemeinsame Ntrtraikilsmilniier-Ncrsiliiiiiilung für sämtliche Bezirke und Branchen. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage und die nächsten Ausgaben des Verbandes. 2. Die AuSschubwahlcn für die Krankenkassen der Holzindustrie. 3. Verbands- augeleg enheiten. Die Bertrauensmännervcrsammluugen der Bezirke und Branche« falle« im Februar aus. Bezirk Oberschöneweide. Dienstag, den 3. Februar» abends S'/a Uhr, bei W a r u e ck e, Wilhelmincnhofstr. 18: I�itglieclep-Vepkammlung Küchenmöbel-Tischler. Montag, den 2. Februar, abends 6 Uhr, im Englischen Hof, Alexauderstr. L7e: Branehcn-Terfaminlung Branchen« Tagesordnung: 1. Sah! der Delegierten zur Generalversammlung. aogelegenheiten.__ SV Mitgliedsbuch legitimiert.-WM Z-r TlKSatervoratSnuliiK am heutigen Abend bei VMglo, Koppcnstr. 29, sind noch Ein» trittSIarten bei Gastwirt Greive und im Zigarrengefchäft von Baumann, Aungeslr. 20 sowie am MV Saalcingang"MW zu haben. £2/15 Die Ortsvrrwaltnng. I ArdeitSnachweiS: Jofthftr. 7. Telephon: Amt Königstadt 6734. rMiis«iUyeB und Wäschearbeiter Deutschlands. Bureau: Sebastianstr. 37/38. Telephon: Amt Moritzplatz 9737. Pitiate Berlin. Damenkonfektion I Am Montag, den 2. Februar 1914, abends 8>/z Uhr, finden F«ns öffentliche Versammlungen für alle in der Damenkonsektton Beschästtgten in folgenden Lokalen statt: Wedding, Gesundbrunnen, Moabit: Kolberger Salon, Kolberger Str. 23. Schönhauser Vorstadt und Berlin NO.: Puhlmann, Schönhauser Allee 148. Berlin O. und angrenzende Vororte: Riebeckbrauerei, Frankfurter Allee 53. Berlin 80.: Wodarg, Waldemarstr. 75. Neukölln und Berlin 8.: Bartsch Festsäle, Neukölln, Hermannstr. 49. Tagesordnung in allen Versammlungen: Was mutz geschehen zur Linderung von Not und Elend der Konsektionsarbeiter und-arbeiterinnen? Referenten sind: Frl. Hanna, Stadtverordneter 4.a. Bitter, Arbeitersekretär Brückner, Kollegen Franz Kümlng und D Bürhel. Kollege» und Kolleginnen: Erscheint in Massen: Die Kommission für die Damenkonfektion. Xedtoax! Herrenkonfektion!>cbwnx! Montag, den 2. Februar 1914, abends 8� Uhr, im Elyfium, Landsberger Allee 40: Oeffentliche Protestversammluug der in der Herren- und Stapelkonsektion Beschästigteu. Tagesordnung: Die Jnnehaltung der Tarife in der Zeit der Krise. Referent: Kollege Krienke. 162/10 Kollegen und Kolleginnen! Sorgt für Massenbesuch! Zeigt, datz Ihr Euch Derartiges nicht länger gc- fallen lassen wollt. Die Kommission. Die an diesem Tage sälligen Geschäftssttznngen fallen aus und finden eine Woche später in denselben Lokalen statt. Aus Beschluß der Vertraucnsleute-Versammlung findet zu den Sitzungen im Februar in sämtlichen Gc- schästcn eine Hausagitation stait. Die Vertrauenslculc können daS dazu notwendige Material in der Vcr- fammlung in Empfang nehmen.__ Möbelfabrik„Adler". Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht. Sonntag, den lä. Februar ISlt, vormittags 10 Uhr, im Geschästslokal, Frankfurter Allee 113 benei'sl-Vei'sawmlllvI. Tagesordnung: 1. Vorlegung der Bilanz. 2. Ge« schästsberi cht. 3. Neuwahl des Bor» ftandcs und Aussichtsrates. 4. Ver- schiedcucs. 16/6 Der Vorstand. Aug. Behrndt. E. Radcmacher. Allgemeine Orts- Krankenkasse Spandau. Montag, den 9. Februar 1914, abends 8V/, Uhr, im„Hotel zum Stern", Potsdamer Straße 35: fluskisuß-Sitzung. Tagesordnung: 1. Wahl eines Ausschuß-Vorsitzenden. 2. Beratung und Beschluß. sassung über die Dienstordnung der Beamten. NB. Die Herren Ausschuß-Mitglieder erhalten noch eine schriftliche Einladung. 268/a Der Vorstand. G. Weber, Vorsitzender. sritz WM»»«S'K- (dichtz a. d. Alt. Jakobstr.) Sonnabend, 28. Febr., Sonntag, 1. März srei gew. Vz. u. Säle b. 500, Garten 1000 Pers., Gr. Bübncn, an mehr. Geschäststag. i. März, April, Mai, Ostern, Psingst. usw. günstig zu vergeben. 782b* SpeMlMtN:Lm.dl-!erw«?ft Jeden Mittwoch: Die berühmten Griivwürstchen. Jeden Sonnabend Frische Blut- und Leberwurst.' WurSmeyer, Krunneußr. 6. An alle alleinßrljkndkn Pecknen! Dlenatax, den 8. Februar 1914. abends S'l, Uhr, In den„Sophlen-Sftlen", Sophien-StraBe 17/18: Oeffentliche Versammlung. Vortrag des Rcichstagsabgeordncten Heinrich Pens über: Das Wohnnngs- und Bekösttgnngselend der Ledigen. Alle Alleinstehenden beiderlei Geschlechts sind dringend an einer Besieruug ihrer iicftraurigen Wohnnngs- und Ernährungsverhölinissc iuteresfiert. In dieser Bersammlnng sollen ihnen die Mittel und Wege dazu gezeigt werden. Es ergeht deshalb au fie dir dringende Bitte um zahlreiches Erscheinen. Speisehaus- und Ledigeuheim-Genosienschaft Grosi-Berlin. Emgctrage Genossenschast mit beschränkter Hastung. 102/10' Geschäftsstelle: Eharlottenbnrg, Goethepark 1 III, bei Tchuchardt. VarbanlIli°s8attIkrliiil!fartetau!IIar. Ortsveroealtan« Berlin. Kranchen-Urrfammlungen ilKoschiee-arancho- Donnerstag, den 5. Februar, abends 8'/, Uhr, im ©f)0)U�|UUlin)f. VereinshauS.Südost', Melchiorstr. lö. Sroistriomon.arancho- Sonnabend, den 7. Februar, abends 8»/, Uhr, krkiorikMkU'Rllllllljr. in Schulz' Prachtsälcn, Münzstraß- 17. Ein- gang Königsgraben. Uorteffwllft» und Reistackbelbrancht: mtXnb!'e�Tav' bei Graumann, Naunynstraße 27. Wililä. HrsmAtf Mittwoch, den 4. Februar, abends 6 Uhr, in den »»UUnr'Pinnnjr. Prachtsälcn Alt-Äcrlin. Blumeuslr. 10. Finottnmtegkr u. Teppichnähkr: �'"Änd§� u%Sttruar' Bei Weihnacht, Grünstr. 21. Maaon- n Ä nsasteanch«" Mittwoch, den 4. Februar, abends S'/z Uhr, xvkljku- ll. e\lUODrunB)C. im GewerkschaftShaufe, Engeluser 15. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 156/5 Die Branekenleltansen. Sonnabend, den 14. Februar, in Obiglos Festsälen, Koppenstraste LS: Großes§tranä-selt Binz auf Bügen Im ölten von Berlin. Gratisverlosuug echt Binzscher Salz- und Süstwasserbewohner. Bei den Strandspielcn und Strandbclustiguiigcn Austreten namhafter Bühnenlünstler unter persönlicher Leitung des Herrn V. Bvlnziao. __ n— 1 1 S|> wird von der gesamten Kurkapcllc aus- Die E» 3 II VVl II 9 I K geführt. Die verehrten Damen und Herren werden gebeten, in geeigneter Toilette zu erscheinen. Anfang 8'/, Uhr. Preis der Kurkarte VV Pf. Kurkarten sind im Bureau, Engeluser 15, Zimmer 29, und bei den Wcrkslattvertraucnsleutcn zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. ««MiiliiiterS" KontorC. 2, A. d. Stralauer Brücke 4/5 WäiSEDtJFÜCkß| Wir empfehlen den verehrlichen Vereinen und Gewerkschaften unsere mit elektrischer Beleuchtung versehenen Schiffe zu Ausflügen usw. unter äußerst günstigen Bedingungen. <»wwwwwwww wwww wwwwww wwwwwwwww Wirtshaus Schloß Woltersdorf. Drei große Süle. Veranden. Ballen. Ciroße Kaffee- küehe. TerraHHenartisT am Wauuer nnd CbanHsee gelesen. Mplclplätze Im Vi aide. Amt Erkner 140. Ferner empfehle Schloßpark Wilbelmlnenhof. Ober- tSchOneweldc 3162. Ebenso meine Dampfer nnd Botor- boote a. d. Blchaelbrttc ke gegenüber der Stadtbahn. Aorlt«- platn 1H71S. Friedrich ibaetvert. Zeitungs-Ausgabestellvu und Inttraten-Annahme. Zentrum: Albert H a h n i s ch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 8. Wahlkreis: W.: Gust. Schmidt. Kirchbachstr. 14, Hochparterre. GeLssnet von 11—1'/, und von 4' 1,-7 Uhr. 3. Wahlkreis: S. und SW.: Gust a o S.ch M i d t, Gneisenaustr. 72. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31, Hos rechts pari. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 4. Waklkre'ls: D sten: Robert SS eng eis, Gr. Franksurterstr. 120. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr.— Richard H a ck e l b u s ch, Petersburgerplatz 4(Laden). Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis. Südosten: Baut Böhm, Lausitzerplatz 14/15. Geöffnet von 9- 2 und von 4— 7 Uhr. 6. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmalmelktrchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(Zloablt): Salomon Joseph, Wtlhelmshavener Straße 48. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. W edding: I. Hönisch, Müllerstr. 34» Ecke Utrechtcr Str., Laden Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. Bosenthaler und Oranicnbnrger Vorstadt: A. Wolgast, Wattstraße 9. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Desnndbrnanen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Kcliftnhanser Vorstadt: Karl Mars, Greifcnhagener Str. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Adlershof: Stza vi S dj to a rj I o f t, BiSmarckstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgen? bis 8 Uhr abends. AU-Gllenieke: Wilhelm Dürre, Köpenicker StA 6. llaunischnlcnweg: H. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. Bernau. Köntgental, Zepernick, Schünow. Mchün- brück und Buch: Heinrich Brost, Mühlen, tr. 5, Laden. Bohnsdorf, Falkcnbcrg und Falkenhorst: Paul G e n s ch, Bobnsdors, GenosicnschastshauS.ParadieS'. t/harlotteiibnrg: Gustav«vcharnderg, SesenHeimer Str. 1. Ge» öffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Kichwaldc, hchmückwltz: Oskar Mable, Stubenrauchstr. 99. Frkner, Ven-Zlttaa: EmilJwang, Schaniwebetftr. 10. Fredersdorf-Fetershagen, Eggersdorf: S. H ö s e I b a r t H, Petershagen. Friedenau, Steglitz, Südende, Gr« ß- I,tchtcrfelde. Lankwitz: H. B e r n, e e, Alsenstr. 5 in Steglitz. Geöffnet von lt— 1'/. und von 4'/,— 7 Uhr. Frledrlehshagen, Fichtenau, Bahnsdorf, Sehüneiche, Kl.-Sollünebeck: Ernst Werkmann, Friedrichshagen, Köpe- nicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. 4obnnnlstbal, Bndow: Max G o n s ch n r, Parkstr. 6. Karlskorst: Richard Ktiier. Rödelstr. 9, ll. Könlgs-Wnsterbanscn, Wildau, fVlederlchine: Friedrich B a i: in nun. Bahnhosstt. 8. Köpenick: Emil Wisiler, Ktetzerstr. 6, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Liebten borg, Frlcdrichsfelde, Hohcnschlinhanscn: Otto S e i t e I, Wartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von S'l,— 2 nnd von 4'/,— 7 Uhr. Bablsdorf, Kanlsdorf, Blesdorl: P. H e ß b e r g, Kanls» dors, Ferdinandstraße 17. Barlendorf: August Leip. Ehauffeestr. 296, Hos. Barlenfelde: Emil W ei n e r t, Berliner Str. 114 II. henenbngen, Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterstraße. �lenkülln: M. H e i n r i ch, Neckarftr. 2. im Laven. Geöffnet von 9—1 und von 4— 7 Uhr: Neukölln. Britz: Rohr, Sicgfriedsttaße 28/29. Geöffnet von 7—1 und von 4—7 Uhr. Kieder-Schüneweide: Wilhelm Unruh, Brücken str. 10, II. h'owawes: Wilhelm Joppe, Lutherslr. 2. Dber-Seliöneweide: Alfred Bader, Wilhelmincnhvsstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Fankow, h'icderschönhausen, Vordend, Frz.-Bnch- bolz, Blankcnbarg: R i tz m a n u, Mühleiislr. 30. Geöffnet von 11— l'/z und von 4'/,— 7 Uhr. Beiiiiekendorf- Ost. Wllhelmsrnb und Schönholz: P. G u r i ch, Provinzsir. 56, Laden. Geöffnet v. 11— 1'/, u, 4'/,— 7 Uhr. Bnininelsburg, Boxhagen, Stralau: A. R o s c n l r a n z, All- Boxhagen 56. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Schenkendort b. Königs-Wusterhausen; Chr. Hau t s ch l e.'Dorsslr. 10 SchUncberg: Wilhelm B ä u.m t e r, Martin Lutherslr. 69, im Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr.,. Spandau, Nonnendanuu, Staaken, Seegefeld und Falken hagen: K ö p p en, Breite, tr. 64. Geöffnet- von 8 Uhr niorgcns bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnst, 11er, nsdorf, Uokcn- Sienendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Beiiiiekendorf- West: Paul ftienaft, Borsigwalde, Räuichslraße 10. Geöffnet von 11— 1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teilow, Berliner Str. 16. Tempelhof: Joh. Strohn, Borilssiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kieiholzstraße 412, Laden.- Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Weißensee, Beinersdorf: K. Fuhrmann, Sedaiistr. 105, pari. Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Wilmersdorf, llalcnsce, Scbmurgcndorf: Paul Schubert, WilheliuSaue 27. Zeuthen, Biersdorf: Ernst H ü t t i g, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14 Sämtliche Parleiliteratnr sowie alle wiffeuschastlicheli Werte werden geltesert Sonntag» find die Ausgabestelleu geschloffen. | Todes-Anzeigen| Am Freitag, den HO, Januar. morgens l'/i Uhr, entschlief plötzlich am Herzschlag, mein lieber Mann, Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder kxiellrick Grimpe. Um stille Teilnahme bitten vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. d, Mts., nachm, 2 Uhr, von der Halle deS Zentral-FricdhoseS in Friedrichs- selde auS statt. SoziaiiieinokratiselierWaiilvereiD Ii 4. Bert. Reiehstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 198 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tapezierer �i-ieäricd Grimpe Wiener Str. 28 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Februar, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- stlde aus statt. Stralaner Viertel, Bezirk 322 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Buch- druck« Otto Röseler KoperniknSstraße 27 gestorben ist. Ehre ihrem Andenkens Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Februar, nach. mittags?/, Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht 211/3 Der Vorstand. Brandenh. tohinenselzerveran V. d. 0. B. Sitz Berlin. Am 29. Januar verschied an der Proletariertrankheit unser lang- jähriges, liebes Mitglied, der Maschinensetzer Otto Röseler aus DüringShof im Mer von 34 Jahren. Wir werden ihm ob seines offenen, ehrlichen Wesens ein ehrendes Andenken bewahren, Die Beerdigung findet am Montag. 2. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des städt. Friedhofes in Friedrichs- seid«: aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- t Der Vorstand. ersi�t BozialdemoMedekMvereill Kreis Hiederharnta. Bezirk Uernan. Die Beerdigung de« Genoffen Nermsnn Schuh findet heute, Sonntag, den 1. d,, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- Hause, Wallstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 240/11 Die Beztrkslei' DeDtseberüetailarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Vmcea? Czerny Liebenwalder Straße 85/36, am 29. Januar an Magenleiden ge- starben ist. Ehre seinem Andenke«! Di« Beerdigung findet am Montag, den 2. Februar, nach- mittags 3»/, Uhr, von der Leichen. Halle des Philippus-Apostel-Kirch- hoies in der Müllersiraße, aus statt. Reg« Beteiligung erwartet 111/15 Die Ortsverwaltung. Kasse der letallarbeiter. Filiale Neukölln. Am 29. Januar starb unser langjähriges Mitglied und früherer Bevollmächtigter Rudolf Preßler. Die Beerdigung findet heute Sountag, nachmittag« 2>/. Uhr, von der Halle, Rudower Straße, auS statt. Um reg« Beteiligung ersucht 111/18 Die Ortsvertvaltnn«. Am Sonnabend entschlies nach kurzem Leiden meine tiebe Frau ton» Hbryuartl im 38. Lebensjahre. Die« zeigt nesbetrübt an Oer trsuerude Gatte. Brandenburg a. H. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle de» Jakobi« Kirchhofes, Neutölln, Hermannstraße, aus statt, 52A SozialdemokratiseberWahlrereiii dir Seböoebero. Bezirk 10. Am 30. Januar verstarb unser langjähriges und tätiges Mtglied, der Arbeiter Paul Bildt im Alter von 55 Jahren, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des zweiten städtischen Friedhoses, Blanke Hölle, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 15/3 Der Vorstand. Treffpunkt sür Mitglieder des Gesangvereins Schöneberger Männerchor'/,3 Uhr aus obigem Friedhos. Beulseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung OroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Panl Bildt am 30. Januar im Aller von 55 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenkens Die Beerdigung findet am Montag, den 2. o, MtS.,»ach- mittags 3 Uhr, von der Halle des zweiten städtischen Friedhoses Blanke Hölle auS statt. Um rege Betelligung ersucht ���Dw�ezirb�verwaltun�� Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein innig geliebter Mann, unser guter Vater, Schwteger- und Groß- vater, der Arbeiter Paul Bildt Feurigstraß« 36, im Aller von 55 Jahren gestorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Emma Bildt 781b nebst Kindern. Beerdigung Montagnachmtttag 3 Uhr von der Leichenhalle Schöneberg, Blanke Hölle, auS. Verb. d. Bebneider. Bobneiderinnen u. Wäsebearbeiter Deutscblands. — Filiale Berlin.- Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herren- Maßschneider, Kollege VWlhelm Günther am 29. Januar im Alter von 54 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 1'/, Uhr, von der Halle des Zentral-Fried- Hofes in Frtedrichsscid« aus statt. 162/11 Die Drtsvarwaitung. Deutscher Boizarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler «Johann Saß von Horusiraße 2, im Atter 54 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Fried- richsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/15 Die Drtsverwattung. Verband der Ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolleg« Johann Saß (Hornstr. 2— Bezirk 6) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 2. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle deS städttschen Friedhofe« in Friedrichsseide au« statt. Um rege Betelligung ersucht 73/5 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahm» bei der Beerdigur-, meiner lieben Frau �xnes Painke sage ich allen Teilnehmern, besonder« dem Gesangverein»Liedertafel' sowie terrn Harndt sür die trostreichen torte meinen herzlichsten Dank. isi« Richard Painke. Danksagung. Für die vielen ttostieichen Beweise hemltcher Teilnahme bei dem Hin- scheiden meine« lieben Manne«, unseres lieben Vater», Großvater«, Onkels und Schwager«, deS Einrichters Friedrich Jaquet sagen wir allen Verwandten, Freun- den, Bekannten, Meistern und Kol- legen des Verstorbenen unser» herz- lichsten Dank, 122A Frau Jaquet g-s. raeth und Kinder. Für Danksagung. die rege Betelligung bei der meines lieben Mannes, unseres guten VaterS sagen wir allen, insbesondere dem Deutschen TranS» Portarbeiterverband unseren herz- lichsten Dank. 761b Martba Wöldecke nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, Mutter und Großmutter Berta Moritz sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten unfern herzlichsten Dank. 11531 Die trauernden Hinterfallebenen. Danksagung. Für hie vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes. VaterS und Bruders, deS Gastwirts Hugo Schulz sagen allen Bekannten, Verwandten, sowie dem Wahlverein Charlottenburg unseren ausrichtigen Dank. 115A Die Hinterbliebenen. am Krematorium Treptow, Kiefhotzstraße 349. Vorzügliche Speise» und Getränke. �«roste Veretnszimmer. August Krause. Fertle«n Lacer: DkM-wW-MK» iCntawayn. Weste®®:|°$|li.| Beinkleider IL'iVSu. Fertige schwarze Kieidung für Knaben und Jünglinge :: in größter Auswahl:s Feine Maß• Anfertigung :: in ca. 10 Stundea BoerSohn Sie fühlen sich wie neugeboren,.... 1- • Feuerbestattung> mit allem Zubelior u. Gebühren 10S Mark. ««„Flamme" Mantsuftalstraas« III. 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Febrnar 1914. flm aller Welt. Das gute tzeez der Agrarier. Bei der Beratung des Landwirtschaftsetats konnten sich im preußischen Abgeordnetenhause die Vertreter der agrarischen Jnter- offen nicht genug tun in der Versicherung, daß bei den Großgrund- befitzern das Wohl der Landarbeiterschaft aufs beste aufgehoben sei. Hoher Lohn, gute Behandlung, glänzende Verpflegung und beste Wohnungsverhältniffe sind nach den Rednern auf dem Lande die Regel. Was von diesen Behauptungen zu halten ist, weiß jeder, der von den Zuständen auf dein Lande eine Ahnung hat. Wer es aber nicht weiß, den belehrt vielleicht die agrarische Presse. In einer der letzten Nummern der konservativen.Stargarder Zeitung* findet man das folgende agrarische Kulturdokument: Lebensstellung. Suche zu sofort einen Volontär, Pension p. a. 1200 3)1. Bevorzug! wird Mediziner, der ohne weitere Ent« s ch ä d i g u n g sämtl. nicht der Landkrankenkaffe angeschloffenen Leute im Gutsbezirk zu behandeln hat. Majorat Braunsforth. Man bewundere die Bescheidenheit! Rur 1200 M. pro Fahr braucht ein Mediziner zuzuzahlen, um auf dem Gute praktizieren zu dürfen. Daneben erlernt er noch so nebenbei das Klutenpedden. Nicht weniger intereffant ist ein Inserat in der.Deutschen Tageszeitung", in dem ein Inspektor gesucht wird. Es lautet: Lebensstellung. Inspektor gesucht von mindest. Ijährigcr Praxis, nicht unt. 20 I. Skur erste Kräfte mit besten Referenzen werden berück- sichtigt. Bewerber muß fleißig, ftrebf., nüchtern, ehrlich und be- scheiden sein, überall mit Hand anlegen. Anfangs- gehalt 50 Taler. jährlich um 10 M. steigend, bei Leute- kost. Ges. Off. usw. Wenn man schon einem.Studierten" und einem Inspektor solche Bedingungen zu stellen wagt, wie muß es da um die Ver- hältniffc der.gewöhnlichen" Landarbeiter bestellt sein? Entdeckung eines Lustmordes. In einem alten Bohrloch in der Nähe der Saline Davenstedt bei Hannover wurde Freitagnacht gegen iIA2 Uhr von einem jungen Mann im Vorübergehen die Leiche der seit dem 12. Januar vermißten fünfjährigen Hildegard Wildhagen gefunden. Der Leiche war die Kehle durchschnitten und der Bauch auf- geschlitzt. Der Körper des toten Kindes war völlig unbekleidet und auch in der Nähe fand man keine Kleider. Man nimmt daher an, daß die Leiche verschleppt worden ist, nachdem an dem Kinde ein Lustmord verübt worden war. Vor kurzem erhielten die Eltern des ver- schwundenen Kindes eine Postkarte von einem Anonymus, der ihnen mitteilte, daß er an dem kleinen Mädchen ein Ver- brechen begangen habe. Man glaubt nun, daß der Täter mit dem anonymen Kartenschreibcr identisch ist. Der Staats- anwalt hatte für die Auffindung des vermißten Kindes eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Zum Untergang des Dampfers„Monroe". Wie aus Norfoll in Virginien gedrahtet wird, ist auf der dortigen Reede der Dampfer.Nantucket" mit 85 Ueberlebenden des untergegangenen Dampfers»Monroe" eingetroffen. 4 8 Per- sonen sind ertrunken. Die Ueberlebenden erzählten, daß der »Monroe" zwölf Minuten nach der Kollision im Nebel, um 2 Uhr morgens gekentert fei. Verschiedene Leute kletterten auf den freiliegenden Teil des Rumpfes des.Monroe", bis er mit dem Kiel nach oben sank. Inzwischen konnte eine Anzahl von Personen Rettungsgürtel umlegen. Verschiedene Leute trieben dreiviertel Stunden im Eiswasser umher, bis sie von den Booten des„Nantucket" aufgenommen wurden. Ein Passagier erklärte, er habe die Katastrophe erst bemerkt, als das Wasser in seine Kabine eindrang. Das Kino im Dienste der Kirche. Die Behauptung, die Kirche sei rückständig und allen Reue- rungen abhold, wird man allmählich einschränken müssen. Hat doch sogar das Kino bereits Eingang in die Kirche gefunden, und zwar nicht nur im Lande der„unbegrenzten Möglichkeiten", sondern auch schon in Deutschland. Im gottesfürchtigen Sachsenlande war eS. in Schkeuditz bei Leipzig, wo dieser Tage in der Kirche ein Licht- bildergottesdienst abgehalten wurde. Der Kinematograph zeigte die Missionen DeutschostaftikaS, und selbst der Text der ftommen Lieder war in riesigen Buchstaben auf dem Film zu lesen. Die Gläubigen waren im Gegensatz zur Frequenz bei den Vorstellungen nach der alten Methode vollzählig erschienen und mindestens ebenso sehr erbaut. Skun braucht die Kirche nur noch ihre Diener durch P h o n o- g r a p h e n zu ersetzen, was bei der Gleichheit mancher Predigten usw. sehr gut durchzuführen und in ausländischen Kirchen schon mit Er- folg geschehen ist, und sie ist infolge des besseren Besuches und der venmnderten Betriebskosten aller Sorgen, die ihr trotz alles Gottvertrauens die Kirchenaustrittsbewegung verursacht, enthoben und befindet sich durchaus auf der Höhe unseres kinemato- und phonographischen Zeitalters.___ Kleine Notizen. Schreckenstat auf einem Lloyddmnpstr. Am Sonnabendmorgen wurde auf dem Lloyddampfer.Brandenburg", der auf der Weser von Galveston angekomnren ist, der dritte Offizier Wen dt aus Zedlin in Brandenburg von einem irrsinnigen Zwischen- deckspassagier, der ihm sechs Revolvcrkugeln in den Hals jagte, getötet. Dynamitexpwfian in einem ungarischen Bergwerk. In dem Berg- werk„Äölnek� fand einr Dynamitexplosion statt, durch die zwei Bergleute getötet, der Pächter der Grube und zwei andere Bergleute lebensgefährlich verletzt wurden. Auch mehrere andere Arbeiter wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Eisenbahnunglück in Spanien. Nach einer Meldung aus Barcelona stürzte ein Güterzug infolge einer Entgleisung auf eine Gruppe von Bahnarbeitcrn. Zwei Arbeiter wurden getötet und neun verletzt. Großfeüer in New Aork. In der Pianofortefabrik von Walter in der 63. Straße in New Jork ereigneten sich Sonnabend früh zwei furchtbare Explosionen, durch die das ganze Gebäude in Brand gesetzt wurde. Die sich immer weiter ausbreitenden Feuermassen ergriffen bald auf der gegenüberliegenden Seite der Straße sechs Wohnhäuser, einen Pferdestall und ein Heim für Mädchen. Bisher sind drei Tote und viele Verwundete er- mittelt worden. Auch zwanzig Pferde kamen in den Flammen um. Wochen-Spielplan der Berliner Cbcatcr. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Carmen. Dienstag: Mignon. Wtüvoch: Boheme. Donnerstag: Tann- bäuser. Freitag: Smsoniekonzert. Sonnabend: Der Rosenkaoalier. Sonntag: Ein Maskenball. Montag: Violetta.(Ans. 7V, Uhr.) Konigl. Schauspielhaus. Sonntag: Ariadnc auf Naxos. Montag: Hans Lange. Dienstag: Die Rabenstemerin. Mittpoch: Die Neu- vermählten. Die zärtlichen Verwandten. Donnerstag: Die Journalisten. Freitag: Uriel Acosta. Sonnabend: Don Carlos. Sonntag: Der Schlag« bäum. Montag 1812.(Ansang 7>/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Der Kausmam: von Venedig. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: König Lear. Freitag: Hamlet. Sonnabend: Der Kausmann von Venedig. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: König Lear.(Ansang 7'/, Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Die Pariserin. Montag: Der Snob. (Ansang VI, Uhr.) Dienstag: AnbroIIns und der Löwe. Mttwoch: Der Snob. Donnerstag: Wetterleuchten. Freitag: Der Snob. Som, abend: Bürger Schippcl. Sonntag: Der Snob. Montag: Mein Freund Teddy. (Ansang 8 Uhr.) Lcsftng-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhardt. AbcndS: Simsim. Montag: Peer Gynt.-(Ansang?>/, Uhr.) Dienstag: Pygmalion. Mittwoch: Simfon. Dmmcrstag: Pygmalion. Freitag: Peer Gynt.(Ans. VI, Uhr.) Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Erbsörster. Abends: Simson. Sonntag: Pygmalion. Montag: Simson.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bummelstudente«. Allabendlich: Wie einst im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Kiiniggrätzer Strafte. Sonntag: Die Kronbraut. (Ansang 8 Uhr.) Montag: Brand. Dienstag: König Richard III. Mittwoch: Die 5kronbraut.(Ans. 8 Uhr.) Donnerstag: König Richard IIX Freitag: Die süns Frankfurter.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: König Richard III. Sonntag: König Richard III.(Ansang VI, Uhr.) Montag: Die Kronbraut.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Knnstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Der Bogen des OdysseuS. Montag: Schirm und Gertraude. Dienstag: Der Bogen des Odsseus. Mittwochnachmittag: PetcrchenS Mondfahrl. AbcndS und Donnerstag: Der Bogen des OdyifeuS. Freitag: Schirm und Gertraude. Sonnabcndnachmittag: Pctcrchcns Mondsahrt. Abends: Das Phantom.(Aiisang 7Y, Uhr.) Sonntag: Das Phantom. Montag: Der Bogen des OdysseuS.(Ans. 8 Uhr.) KomödienhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich: Kammermusik.(Ansang 8 Uhr.) Theater an der Weidendammbrückc. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wer zuletzt lacht. Allabendlich: Wer zuletzt lacht.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Waffen- schmied. Abends und Montag: Parsifal.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Mandragola. Mittwoch: Parsifal.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Mandragola. Freitag: Parsifal.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Und ine. Ansang 8 Uhr. Sonntag und Montag: Parsifal.(Ansang 7 Uhr.) LustsPielbauS. Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Hofgunst. Allabendlich: Die spanische Fliege.(Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Augustin. Allabendlich: Polenblut.(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzcsfin.(Ansang 8 Uhr.) Residenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frau Präsidentin. Allabendlich: Hoheit— der Franz.(Ans. 8 Uhr.) Trtanon-Theater. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: ZlnatolcS Hochzeit.(Ans. 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Liebelei. Allabend- lich: Jettchen Gebert.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendnachmittag: Kammer- kunstspiele. Schill er-Theater«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Abends: Was ihr wollt. Montag: Meyers. Dienstag: Weh' dem, der lügt. Mittwoch: Was ihr wollt. Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freitag: Meyers. Sonnabend: Die stützen der Gesellschaft. Sonntag: Rosenmontag. Montag: Was ihr wollt.(Ansang 8 Uhr.) SchMer-Theater Ebarlattenburg. Sonntagnachmittag Z Uhr: Andreas Hoser. Abends und Montag: HcrodeS und Mariamne. Dien». tag: Di« beiden Leonoren. Mittwochnachnüttag 3 Uhr: Nathan der Weife. Slbcrkds: HcrodeS und Mariamne. Donnerstag: Die beiden Leonoren. Freitag: HerodcS und Mariamne. Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Kopf und Schwert. Abends: Weh' dem, der lügt,«omitag: Die beiden Leonoren. Montag: HerodeS und Mariamne.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-WilhelmftädtischeS Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kinokönigw. Allabendlich: Fräulein Trallala.(Ansaug 8 Uhr.) Neues Bolkstheater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Michael Krämer. AbendS: Der Gras von EharolaiS.»Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Kaiserjäger.(Anfang 8Y, Uhr.) Dienstag und Mittwoch: Der Gras von EharolaiS.(Anfang 8 Uhr.) Donnerstag und trettag: Der Kaiserjäger.(Ansang 81/, Uhr.) Sonnabend: Einakter. -ormtagnnachmittag 3 Uhr und abends 8 Uhr: Einakter. Montag: Der Kaiserjäger.(Ansang 6ll, Uhr.) Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. All» abendlich: Tangofieber.(Ansang 81/, Uhr.) MontiS Operetten. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fieber» maus. Allabendlich: Die verbotene Stadt.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Abends und Montag: Kinder der Großstadt. Dienstag: Berlin, wie es weint und lacht. Mittwoch und Donnerstag: Kinder der Großstadt. Freitag: Im weißen Rößl. Sonnabend: Kinder der Großstadt. Sonntag und Montag: Othello.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplaft. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Di« schöne Helena. Allabendlich: Prinzeß Gretl.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: DeweS Bruders Weib. Allabendlich: Das erste Ehejahr.(Ansang Sy, Uhr.) Kasiuo-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Geheimniffe von New Jork. Allabendlich: Die olle Webern.(Ansang 8 Uhr.) Folies Gaprice. Allabendlich: Cass Pringsheu». Der Hetratögros. (Ansang 8'/j Uhr.) Apollo,«onntagnachm. 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hart« stein, der Stolz der dritten Kompagnie.(Ans. 8 Uhr.) Metropol. Sonntagnachmtttag 3 Uhr:'s Rullcrl. Allabendlich: Di« Reis« um die Erde iu 40 Tagen.(Ansang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3�/, Uhr und all ab endlich: Epe« zialttäten. l Ansang 8 Uhr.) Reichshallen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Stettin«.' Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags VI, Uhr.) ZirkuS Busch. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr und allabendlich 7ff, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich Vj, Uhr: Galavorstellung. ' Gebr. Herrnseld-Theater. Allabendlich: Wa! sag« Sie»u Leibusch?(Ansang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Die lusttge Puppe.(Ansang 81/, Uhr.) Berliner Eispalast. KunlUaus-Vorführung.(Slnsang li Uhr.) Eines Palast am Zoo. Variete-Lichlspiele. Täglich: S Uhr. Eines Nollendorf-Thcatcr. Barieto-Ltchtspiele. Täglich: G/,«ch S Uhr. Urania-Theater. Sonntag und Montag: Winter w der Schwel». Dienstag: Telegraphische Bildübertragung. Mittwoch: Winter i» der Schweiz. Donnerstag: Der Panamakanal. Vom Freitag bis Sonntag: Winter in der«chweiz.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbesttmmt. Sngs'os-Xaaet*' SerUner'&schler- u. Jafi&üerermeiste Wir lielern direkt an Prival««Ii Spezialität: WM Ein-, Zwei- n. Dsei-Ziii-Einnitnnp in erstklassiger Ausführung su konkurrenzlos billigen Preisen. Schlafzimmer: M. 219, 287, 377, 465, 581, 695, 898, 1061 bU 2500 Speieezimtner: M. 296, 333, 440, 619bis 3000 I Wohnsalons: M. 291,334, 469, 550 bn 1800 Herrenzimmer. M.209, 358, 485, 626b>s2800 I Neuzeit!. Kllchen;«.51.58. 75,129,166,248 Ständiges Lager von ca. 500 Einrichtungen. Enorme Auswahl bis znm Auserlesensten. Illustrierter Katalog mit Referenzenliste gratis.— 10 Jahre Garantie,— Franko- Lieferungdurch ganz Deutschland direktah Fabrikgebäude. Bis 150 km durch eigene Möbelantos. Etnzelmcibel. ty.m.b.Tsb. _'Merün C. 33 S&fcrrindrMfifftfa'. WSWifSrm JHejumderstrassc�f�t Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 lettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen. 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Hanpt- itrnstc XI; Hermann Hcratcld Wa- renbaaa, Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 55,56; für Xeubölln: „Vorwürta"- Bncbhand- Inng, Berlin 8W, Linden- straffe 69. Verantwortlicher Redakteur: Alfrrh Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag.'Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW»