Pr. 83. flbcnnementS'Redingungen: Kbormcmenlä• Preis pränumerando! Merteljährl. SM Mk» monall. l,10 Mk, wöchenllich 2S Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- nuinmcr mit illustrierter Sonntags- Seilage.Die Neue Welt' ll> Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich, Ungarn 2,B0 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. kUfrlnl täglich. Verlinev VolksblÄkk. 31. Jahrg. vle sstsertionz-Lebtihi' beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Lcrcins» ttnd Bersnmmlungs-Aiizcigen R Pfg. „Kleine Anreizen", da- fettgedruckte Wort A> Pfg.(zulässig 2 fettgedruckt- Worte), fedcS weitere Wort 10 P-g Stellengesuche und Schlafstellenan. «eigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort s Pfg. Worte über ISLuch- ftaben zahlen für zwei Worte. Jiiferate stlr die nächfie Nummer müsicii bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm< Adresse: ,,S»lkiäIil«in»k»t ütrlin". Zcntralorgan der roziatdemobratifcheii Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 AI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 3. Februar 1914. Expedition t 8AI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Nr. 1984. Zum Gröen Sie öeförüerung! Das offiziöse Scherlblatt bringt die Meldung, daß Ober st v. Reuter und Leutnant v. Forstner ver- setzt worden seien. Oberst v. Reuter, bisher Kommandeur des 2. rheinischen Jnfanterie-Regiments Nr. 99 ist als Kom- mandeur des Grenadier-Regiments Prinz Karl von Preußen Nr. 12 nach Frankfurt a. Oder versetzt worden. Leutnant v. Forstner wird einstweilen im Infanterie- Regiment Graf Schiverin Nr. 14 in Bromberg seines Amtes walten, sofern ihni nicht demnächst wegen der bekannten anderweiten Ver- fehlungen die Nemesis ereilt. Das Scherlblatt teilt über die Versetzung des Obersten v. Reuter noch folgendes mit: .Die Order des Kaisers, durch die ihm diese Versetzung persönlich mitgeteilt wird, ist, wie wir hören, am gestrigen Sonntag nachmittag an ihn abgegangen. Der Oberst v. Reuter tritt damit an die Spitze eines durch seine rühm- volle Kriegsgeschichte weit bekannten Regiments, und die Versetzung erhält noch für den Obersten dadurch eine besondere Bedeutung, daß einst sein Vater an der Spitze dieses Regiment« im Jahre 1879 auf reich«- ländlichem Boden einen ehrenvollen Soldatentod gefunden hat. Wenn eine Versetzung des Obersten v. Reuter im JMerefie der Beruhigung der Gegensätze vielleicht manches für sich hat. so ist sie jedoch in einer Form erfolgt, die für ihn durchaus ehrenvoll ist." Schon diese Mitteilung beweist, daß die Versetzung des tatenlustigen Oberst v. Reuter, weit entfernt davon, jene Reklifizierung des freisprechenden Straßburger Urteils zu sein, die der ewig unverwüstliche Optimismus unserer libe- ralen Presse erträumte, keineswegs eine einfache Versetzung, sondern eine ganz unverkennbare Beförderung bedeutet. Man hat dem Helden von Zabern ein ganz besonderes Eni- gegenkommen bewiesen, nicht nur dadurch, daß ihm die kaiser- liche Order, die seine Versetzung verfügte, persönlich mitge- teilt worden ist, sondern man hat dem Akte,£er ja nun einmal unumgänglich war, auch dadurch jede Spitze abgebrochen, daß man v. Reuter zum Kommandeur eines Regiments machte, das im Jahre 1870 sein Vater befehligt hat. Hinzu- kommt, daß das betreffende Grenadierregiment als Garde- r e g i m e n t gilt, dessen vornehmster Rock nach den militärischen Begriffen wesentlich höher zu werten ist, als die Uniform, die Oberst v. Reuter bisher als Kommandeur des simplen Linienregiments tragen durfte. Die Versetzung ist also eine Beförderung in aller Form, eine neue Auszeichnung, die dem Manne widerfahren ist. der mehrere Tage lang gesetz- und verfassungswidrig die Militärdiktatur über Zabern ver- hängte und die Maschinengewehre gegenüber harmlosen Bürgern bereitstellen ließ! Das mißfällige Erstaunen, das die breitesten Kreise des Volkes ergriff, als die Ordensdekorierung des Oberst v. Reuter bekannt wurde, und das seinen Ausdruck nicht nur in der sozialdemokratischen, sondern auch in der liberalen Presse fand, hat es also nicht verhindern können, daß zu der�Deko- rierung nun noch die Beförderung gekommen ist. Das Säbel- und Scharfmacherregiment hat zu allen übrigen Triumphen auch noch den l e tz t e n Triumph gefeiert. Nicht länger�kann sich das liberale Spießertum dessen getrosten, daß das Säbel- regiment zwar die Verteidigung des Kriegsministers und des Reichskanzlers und die Billigung des Oberkriegsgerichts, nicht aber auch die Sympathie des„obersten Kriegsherrn" gefunden habe. Auch dieser letzte Trost ist den loyalen Staatsbürgern geschwunden. Jedermann im Volke weiß nun, daß die Za- berner Gewaltherrschaft die bedingungslose Villi- g u n g aller Instanzen gesunden hat und daß die Rechte des Bürgers schonungslos den Konfliktsgelüsten unseres Mili- tärs preisgegeben sind! Und dennoch: So von allen guten Geistern verlassen ist unser Liberalismus, daß sich liberale Blätter finden, die es nicht über sich gewinnen können, den nackten brutalen Tat- fachen die Ehre zu geben Bringt es doch der Major a. D. Moraht fertig, im--„Berliner Tageblatt" um das harte, höhnische Faktum der b e s 0 n d e r e n Ehrung, der B e- förderung des Obersten Reuter allerhand beschönigende Floskeln zu machen. Gewiß, nach der landläufigen Auffassung sei die Versetzung zu einem„Provinzgarderegiment" eine Auszeichnung. Indessen wache dort der Brigadegeneral und Tivisionsgeneral darüber, daß die bürgerliche Freiheit durch Maschinengewehre und Militärarrestlokale nicht bedroht werde soweit das eben im Lande der Kabinettsorder garan- tiert werd. könne. Auch stehe einem vorschnellen Tatendrang die gewicht ge Persönlichkeit eines Regierungspräsidenten im Wege, mit dem die„Verbindung" wohl besser funktionieren werde als mit dem elsässischen Kreisdirektor, Insofern könne man mit der Versetzung zufrieden sein. Man könne auch über die unangebrachte Parallele hinwegsehen(gemeint ist der Schcrlsche Hinweis darauf, daß der Vater des Oberst v. Reuter als Kommandeur des 12. Grenadierregiments„aus reichsländischem Boden einen ehrenvollen Soldatentod gefun- den hat"), mit der ein Offiziosus die Tatsache verschönt habe. Man sieht. Major a. D. Moraht möchte den neuesten Nacken- schlag dem braven Bürgertum minder empfindlich machen.! .Ohne einige Selbstironie bringt allerdings auch er das nicht, l zuwege— als ob nicht diese ganze Art eines frei-! sinnigen Blattes, die neueste Auszeichnung des Obersten hinzunehmen, die blutig st e Selb st Verhöhnung wäre! Aber so ist nun einmal unser„unentwegter" Liberalis-, inus. Er heult wohl einmal vor Schmerz und Entrüstung' auf. wenn ihm das preußische Eisen allzu unsanft zwischen die Rippen fährt, er sprudelt wohl einmal ein paar Tage lang � zornige Entrüstung, aber er duckt sich und kuscht gar bald wieder, wenn er sieht, daß der Absolutismus seiner Schmerzen und seines Grimmes spottet. Um eine Kampagne auch nur ein paar Wochen lang energisch durchzuhalten, um der Reaktion Trotz und bis vor den Königsthron unversöhn- lich steifnackigen Bürgerstolz entgegenzusetzen, dazu langts nun einmal nicht bei unserem Liberalismus. Kein Wunder, daß da junkerlicher Uebermut und Offiziersdünkel mit Verachtung über alle Proteste dieses Bürgertums zur Tagesord- nung übergehen. Die Zaberner Affäre ist von Anfang bis zu Ende die auf- reizendste Kriegserklärung gegen das Volk, gegen die demo- kratischen Bestrebungen der zur Mündigkeit erwachten Massen geblieben. Das ist gut so und zerstört von Grund auf alle törichten Illusionen, nicht zuletzt auch die Illusion von einem demokratischen Block der Linken. Auch für die Erringung demokratischer Zustände behält das Wort seine fundamentale Gültigkeit: Die Befreiung der arbeitenden Klasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein! Eine neue Va�lrechrsschlacht in öraunfchweig. Die Mißhandlung der Wahlrechtsdemonstranten am ver- gangenen Donnerstag durch die Bräunschweiger Polizei hat große Empörung auch in bürgerlichen Kreisen h.ervorgerllfeit: denn der Gummiknüppel war nicht nur gegen zahlreiche Ar- beiter in Anwendung gekommen. Neben Arbeitern sind auch Männer und Frauen der bürgerlichen Kreise mit dem Gummiknüppel mißhandelt worden. Selbst die Tochter des Oberbürgermeisters gehört zu den Mißhandelten. Die Stimmung des Bürgertums kommt in zahlreichen Zuschriften an die bürgerliche Presse zum Ausdruck. Die Redaktionen dieser Blätter freilich bringen nicht den Mut auf. von sich aus ein Wort gegen die Polizei zu sagen: und diese erbärmliche Feig- heit erhöht noch den Zorn des Bürgertums. Zum Sonntagvormittag hatte die Sozialdenwkratie eine große Proteswersammlung nach dem Konzerthause in Braun- schweig einberufen. Der Zudrang zu dieser Versammlung war unter solchen Umständen ein ganz enormer. Viele Tau- sende der vom Wahlrecht Ausgeschlossenen strömten zur Ver- sammlung. Die gewaltigen Räume des Versammlungslokals waren überfüllt, ebenso auch der einige Tausend Quadrat- meter große Garten. Selbst nach Beendigung der Ver- sammlung strömten ununterbrochen noch die.Massen zur Versammlung herein. Die Reichstagsabgeordneten A n t r i ck und Bios referierten über„Die erste Straßenschlacht unter der Regierung Ernst Augusts",«türme der Entrüstung und Pfuis durchbrausten den Saal bei der Schilderung der poli- zeilichen Heldentaten. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die ain I. Februar im Konzcrthause versammelten Ar- beiter und Arbeiterinnen protestieren entschieden gegen das brutale, ungesetzliche Vorgehen der Polizeibehörde gegen fried- liche, das gleiche Wahlrecht fordernde Bürger. Die Versammelten geloben, nicht eher ruhen zu wollen, bis sie sich das freie Wahlrecht und das Recht auf die Straße erkämpft haben. Ferner verurteilt die Versammlung das feige Ver- halten der bürgerlichen Presse, die kein Wort der Entrüstung für das schmachvolle Verhalten der Wobeser Garde (Wobeser heißt der Polizeihauptmann) findet. Die Versammelten versprechen, mehr denn je zuvor für die Verbreitung des„Volksfreunds", als des einzigen Blattes des Herzogtums, welches das Interesse der Arbeiterschaft im Wahl- rechtskampfe vertritt, zu sorgen." Nach der Versammlung bewegten sich die vielen Tausende, ohne daß die geringste Absplitterung erfolgte, in einem ge- waltigen Demonstrationszuge, wie ihn Braunschweig noch nicht gesehen hat, über die Promenade nder Stadt, an den Wohnungen der Reichen vorbei, schließlich in das Innere der Stadt, dem großen Hagenmarkte zu. Vom herzoglichen Hof- theater herab begrüßten zahlreiche wehende weiße Taschen- tücher den endlosen Zug. Die Polizei hatte um alle Zugangsstraßen zum Schloß- platz starke Schutzmannsketten aufgestellt. Der Platz selbst füllte sich irrt Nu mit einer großen Menschenmenge, gegen die die Polizei sofort mit der blanken Waffe und mit Gummiknüppeln vorging, als ein brausendes Hoch auf das freie Wahlrecht ausgebracht wurde. Doch war diesmal die Polizei machtlos, sie brachte es. nicht fertig, den Platz zu„säubern", so viel Attacken die Polizei auch ritt. In den angrenzenden engen Straßen wurde die Ordnungsgarde selbst äußerst gefährdet, so daß sie sichi schleunigst wieder zurückzog. Es gab ei n e ga n z e A n z a h l Verwundete. Auch Verhaftungen wurden vor- genommen. Die Polizei war jedoch der Masse' gegenüber, die durchaus nichts Ungesetzliches beging, völlig machtlos. Schließ- lich wendete sich der Wachtmeister der Berittenen selbst an den Genoffen A n t r i ck mit dem Ersuchen, doch seinen ßin- sluß aufzubieten, daß der Platz geräumt werde. Dem Ge- nosseu Antrick wurde aber gleichzeitig gemeldet, daß ein b o r i t t e n e r Polizist gesagt habe. Antrick solle zuerst was über den Kopf kriege n. Antrick meldete den Polizisten sofort dem Polizeiliauptmann und sor- derte diesen auf. die Polizei zurückzuziehen. Als das ge- schehen, war die Ruhe sofort wieder hergestellt. Unsere Ge- nossen hatten durch ihre Bemühungen den Platz bald freige- macht. Ter Zweck der Demonstration war erfüllt. Ein Schutznianitshelm und der Gummiknüppel eines Be- rittenen blieben ans dem Kampfplatz zurück. Einen im Ge- dränge verlorenen Schutzmannssäbel vermochte der Eigen- tümer. ein Berittener, im letzten Augenblick noch zu retten. Die Braunschweiger Arbeiter haben durch ihre Demonstration der letzten vier Tage bewiesen, daß es ihnen bitter ernst mit dem Kampfe um das freie Wahlrecht ist. In den Arbeiter- kreisen ist große Stimmung für den politischen Massenstreik zur Erzwingung eines freieren Wahlrechts vorhanden. Eisenbahnwesen in Sachsen. Die sächsische Regierung hat dem Landtage den Ent» Wurf eines Eisenbahngesetzes vorgelegt, das am 1. Januar 1913 in Kraft treten soll. Dieses Gesetz gilt für alle Eisenbahnen, deren Fahrzeuge auf oder an Schienen oder an Seilen mit elementarer Kraft fortbewegt werden. Es be- zieht sich also auf alle Voll- und Neben-Dampfbahnen, elektrische Straßen-, Drahtseil- und Schwebebahnen. Das Ge- setz wird vornehmlich Anwendung finden auf die Straßen- bohlten, da die eigentlichen Eisenbahnen in Sachsen durch- weg Staat s bahnen sind und'für sie ja in erster Linie die reichsgesetzliche Regelung der Verhältnisse in Frage kommt. Sachsen hat entsprechend der großen Dichtigkeit der Be- völkmmg und der enormen industriellen EntWickelung auch ein sehr dichtes Eisenbahnnetz. Dabei ist noch zu be- achten, daß der größte Teil des Landes stark gebirgig ist, für den Eisenbahnbau und-verkehr Schwierigkeiten bestehen, die andere Länder des Reichs nicht oder mcht in dem Maße kennen, und die Industrie bis weit in das Gebirge hinauf reicht. An vier Stellen überschreiten vollspurige Bahnen mit flottem Personen- und Güterverkehr den Gebirgskamni und stellen so direkte Verbindungen mit Böhmen und Bayern lx-r. Die höchste Bahn— Kleinbahn— endet in Oberwiesental, 900 Meter hoch, am Fuße des Fichtelberges(1213 Meter). Ter Wintersportverkehr m dieser hoch gelegenen Gegend ist enorm I Ebenso in Geising-Altenberg, wohin ebenfalls eine Kleinbahn fährt. Seit Jahren schwebt ein Projekt, nach dem der Keilberg untertunnelt, und auf diese Weise eine schnellere Verbindung zwischen Karlsbad und Chemnitz— Leipzig sowie dem Norden hergestellt tverden soll. Zurzeit geht dieser Ver- kehr viel weiter westlich Uber Johanngeorgenstadt. Da zwei Regierungen, die sächsische und die österreichische, hineinzu- reden haben, dürfte sobald aus dem Projekt noch nichts werden. In Sachsen ist man besonders darauf bedacht, so wenig wie möglich„Konkurrenzlinien" entstehen zu lassen, eben weil der Staat selbst Besitzer der Eisenbahnen ist. Dieser Standpunkt bringt eine gewisse Schwerfälligkeit und allzu große Vorsicht in die sächsische Eisenbahnpolitik, die dem weiteren Ausbau des Bahnnetzes im allgemeinen hinderlich ist. Das macht sich auch bei der Errichtung privater Klein- bahnen oder Anßen-Straßenbahnen bemerkbar. Wenn der Staat solche Bahnen nicht selbst baut, dann macht er häusig große Schwierigkeiten, wenn sie von anderer Seite gebaut werden sollen. Auch den Gemeinden gegenüber, die ja mehr und mehr dabei in Betracht kommen. Einige Zahlen dürften für die Beurteilung der sächsischen Eisenbahnen wichtig und interessant sein. Nach der amtlichen Statistik betrug Ende 1913 die Länge der Staatsbahnen ins- gesamt 3372 Kilometer, an den Linien befinden sich 947 Per- sonenbahnhöfe und Haltestellen. Im Jahre 1912 wurden 120 162 204 Personen und 41 717 799 Tonnen Güter befördert. Der Löwenanteil der beförderten Personen entfällt mit rund 47 und 46 Proz. auf die dritte und vierte Wagenklasse. Da seitdem die vierte Klasse in den Zügen stark vermehrt worden ist— Sonn- und Festtags, sowie auf Kleinbahnen war sie früher überhaupt nicht eingestellt—, machte sich in neuerer Zeit eine starke Abwanderung nach der vierten Klasse, aber auch eine starke Steigerung des Verkehrs, bemerkbar. Der vorige Finanzminister(dem in Sachsen das Eisen» bahnwesen untersteht) wies die selbstverständliche Forderung nach vierter Klasse an Sonntagen mit dem unglaublich klin- genden Argumente ab, daß damit nur die Reiselust der groß- städtischen Bevölkerung gefördert würde! Der Mann fand es nicht in der Ordnung, wenn der in muffiger Stadt- und Fabrikluft lebende Arbeiter wohlfeile Gelegenheit habe, am Festtag hinaus in Berge und Wälder fliehen zu können. Und noch heute ist die sächsische Staatsbahnverwaltung diel weniger als andere entgegenkommend gegenüber Vereinen und Ge- sellschasten bei Bestellung von Sonderzügen und dergleichen. Das Anlagekapital der sächsischen Staatseisenbahnen ist für 1912 auf rund 1179 Millionen Mark angegeben. Tie Eisenbahnrente ist wegen der bereits erwähnten Gelände- und damit zusammenhängenden sonstigen Schwierigkeiten nie- driger als in Preußen. Sie war vor einigen Jahren bis auf etwa 3% Proz. herunter, ist aber 1912 wieder auf ungefähr 5% Proz. gestiegen. Die Zahl der beschäftigten Personen betrug am 1. November 1913 51 395, worunter sich 39 879 Arbeiter befanden. Auch das S t r a ß e n b a h n w e s e n hat sich stark ent- wickelt. Im Jahre 1912 gab es in Sachsen— außer den oben erwähnten Schwebe- und Drahtseilbahnen— 19 Straßen- dahnunternehmungen, davon gehörten 9 den Gemeinden, 5 dem Staat, 5 waren Privatunternehmungen. Von letzteren befinden sich drei in Leipzig, je eine in Plauen i. V. und Zwickau. Die staatlichen Straßenbahnen sind sämtlich Außen- bezirksbahnen, die an dieDresdener städtischenStraßenbahnen anschließen und von der Stadt für Rechnung des Staates betrieben werden. Außer in den vier sächsischen Großstädten werden noch in vier Mittelstädten und von drei ländlichen Gemeindeverbänden— alle im Anschluß an das Dresdener Bahnnetz— Straßenbahnen betrieben. Auf Dresden und Umgegend entfallen 118,99, auf Leipzig und Umgegend 121,19 der gesamten Linien-Äilometer. Personen wurden insgesamt im Jahre 1912 329 399 222 befördert, das Anlagekapital ist auf rund 121 Millionen Mark angegeben, die Betriebs- einnahmen betrugen 1912 ca. 31 Millionen Mark. Das neue.Eisenbahngesetz will jetzt bestehende Verord- nungen, rechtsgültige gerichtliche Entscheidungen und gewohn- heitsrechtliche Verhältnisse in ein einheitliches Recht zu- sammenfassen. Es ist naheliegend, daß der Staat. bei dieser Gelegenheit versucht, sein fiskalisches Interesse in erster Linie zu wahren. Dabei wird hier und da die Selbständigkeit der Gemeinden mehr als nötig und gut ist, beeinträchtigt. In dieser Hinsicht dürfte das Gesetz im Landtag doch wesentlich geändert werden. Es macht fast keinen Unterschied, o b G e- meinden oder Private die Unternehmer sind; eine Schablone, die unter Umständen zu schweren Be- lästigungen der allgemeinen Gcmeindeinteressen führen kann. Daß ein Eisenbahnbau im Sinne des Gesetzes— also auch Straßen- und ähnliche Bahnen— nicht nur der Genehmigung bedarf, sondern„verlieheir"(konzessioniert) werden muß, ist ein Grundsatz, gegen den nichts einzuwenden ist, und der ja in anderen Staaten bereits Geltung hat, auch in Sachsen setzt schon ohne besonderes Gesetz angewendet wird. Tief ein- schneidend ist Z 12, nach dem bedungen werden kann, daß das Unternehinen nach Ablauf der Konzession ohne jede Ent- schädigung in das Eigentum des Staates übergeht. Gerade in dieser sehr wichtigen Frage müßte unterschieden werden zwischen Gemeinden und Privatunter- nehmern. Jni allgemeinen aber dürfte diese Bestimmung der Entwickelung des Straßenbahnwesens recht hinderlich werden. Auch die Fahrpläne und Beförderungsbe- dingungen sollen der Genehmigung der Staatsbehörde unterliegen. In der Begriindmrg dazu kommt das einseitige fiskalische gegen das allgemeine Verkehrsinteresse scharf zum Ausdruck. Die Regierung sagt nämlich, daß„der Staat, so- weit er selbst Eisenbahnen besitzt, auch ein Interesse daran haben kann, daß nicht die Tarife der mit einer Privat- -bahn konkurrierenden Staatseisenbahn in übertriebener Weise unterboten werden." Die Konkurrenz soll also zu un- gunsten des Publikums vom Staat ganz willkürlich ausge- schlössen werden! Wenn eine nichtstaatliche Bahn mit einer staatlichen in Wettbewerb tritt— besonders bei Parallellinien zwischen Eiseir. und Straßenbahn—, so kann der Unternehmer ver- pflichtet werden, einen Teil des Reingewinns(nicht mehr als ein Zehntel an den Staat abzugeben. Auch die Bureaukratie sitzt dem Gesetzentwurf fest im Nacken. So wird z. B. be- stimmt, daß Fahrplan und Beförderungsbedingungen von der Generaldirektton und Kreishauptmannschaft gemeinschaftlich „festgestellt" werden. Gegen Entscheidungen der General- direktion der-Staatsbahnen ist Rekurs an das Finanzministe« rium zulässig. Beide arbeiten aber als fiskalische Instanzen der Eisenbahn Hand in Hand! Im Laichtage dürfte das Gesetz zu scharfen Debatten führen. Dos sächsische Eisenbahnwesen ist überhaupt in der neueren Zeit Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen. Dabei spielte auch die angeblich gegen Sachsen gerichtete Eisend ahn Politik Preußens eine Rolle, der vor- geworfen wird, daß sie geflissentlich versuche, die sächsischen Eisenbahnen im Durchgangsverkehr zu schädigen. Das Thema ist ja alt und hängt auch mit den Plänen nach einer Reichseisenbahngemeinschaft zusammen. Tagegen sträubt sich nach wie vor die sächsische Regierung und sie bestreitet das behauptete Vorgehen Preußens. Ter positive Nächweis dafür wird sich allerdings schwer erbringen lassen. Tatsache aber ist, daß im sächsischen Eisenbahnverkehr noch recht viel zu wünschen übrig bleibt. Die Industrie klagt immer wieder über Wagenmangel. Der Lokalverkehr entspricht noch lange nicht dem Bedürfnis: an die Elektrisierung wurde bisher überhaupt noch nicht gegangen: erst in den nächsten Jahren soll auf einer Lokallinie Dresdens ein„Versuch" gemacht werden. Die Fahrzeiten der Fernzüge sind häufig viel länger, als es die besonderen Schwierigkeiten des Geländes und der Linienführung bedingen. Mit der vierten Wagenklasse wird auch jetzt noch sehr sparsam umgegangen. In vielen Personenzügen verkehrsreicher Linien ist sie nichtenthalten. Im Bau neuer Bahnen wird sehr vorsichtig verfahren. Erster Grundsatz ist: möglichst große Ueberschüsse; erst ein zweites Moment das Verkehrsinteresse. Um öas koalitionsrecht. Im größten Saale Nürnbergs, im Herkulesvelodrom, fand am Freitag eine Demonstrationsversammlung für dasKoalitions- rocht statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Genosse Dr. Breitscheid referierte unter oft stünnischer Zu- stimmung. Die Massenversammlung nahm eine Resolution an, in der gegen die Versuche, das Koalitionsrecht der Arbeiter noch weiter zu verschlechtern, nachdrücklich protesttert und als dringende Forderung die Sicherung der Vereinigungs- und Kampffreiheit der Arbeiter verlangt wird. Ei« Amtsvorsteher als Terrorist. Der kommissarische Amts» und Gemeindevorsteher im Seebad A h l b e ck, Herr S ch a e P e, teilte dem Buchdruckereibesitzer Ernst schriftlich mit, das Gemeindeamt könne die jahrelange geschäftliche Berbindung nicht weiter fortsetzen. Der Buchdruckereibefitzer erkundigte sich nach dem Grunde. Darauf erwiderte der Gemeinde- Vorsteher, er könne nicht mit einem Geschäft arbeiten, in dem ein sozialdemokratischer Agitator beschäftigt sei. Das sei der Betriebs- leitcr Parzmavn. Diesen hatte der Gemeindevorsteher als einzigen sozialdemokratilchen Hecht im kommunalen Karpfenteich der Gemeinde Nemnühlen-Dietrichsdorf kennen gelernt. Nun, meinte der AmtSvorsteher. sei Parzmann in der Parteischule in Berlin. DaZ zeige, was man von ihm noch zu erwarten habe. Solange Parzmann ün Geschäft sei, sei«Z ausgeschlossen, daß der Buchdruckereibesitzer die großen Druckaufträge der Gemeinde, wie Badeprospekie. Kurliste usw. wieder erhalt«. Er, der Gemeinde- Vorsteher, wisse sehr wohl, daß ob seiner Forderung in der ganzen Presse ein Höllenlärin losgehen werde, aber � das wäre ihm ganz gleich; er trüge jede Konsequenz. Vergeblich wandte der Buchdruckereibefitzer ein, daß er einen so tüchtigen Arbeiter nicht verlieren möchte, er mußte sich dem behörd- lichen Druck fügen»»d den Arbeiter entlassen, wollte er nicht die Arbeit verlieren. Wie ungern er es tat, geht auch auS dem Zeugnis hervor, in dem er unserem Genossen attestiert, daß er seit Mai 190S in dem Geschäft als»außerordentlich tüchtiger" Leiter des Betriebes sich bewährte. Das Borgehen des AintSvolsteherS verstößt in gröblichster Weise gegen die Grundsätze der öffentlichen Ordnung und gegen die guten Sitten. Denn es verletzt die politische Gleichberechtigung, die hoch- zuhalten der AmtSvorsteher nebenbei durch seinen Eid auf die preußische Nersasiung versprochen hat, und die Gewissensfreiheit. ES ist übrigens auch ein artiger Beitrag zu dem Kapitel„Schutz der Arbeitswilligen" durch amtliche Einwirkung zur Entlassung von Arbeitern. Anträge im Reichstag. Die sozialdemokratische Fraktion hat außer den bereits mit- geteilten Anträgen zur Ausdehnung und Sicherung des KoalitionS- rechts folgenden Antrag zu dem mit dem Koalitionsrecht in engster Verbindung stehenden BereinSrecht eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: die Verbündeten Regierungen werden ersucht, dem Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung deZ VereinSgesetzeS vom 19. April 1903 vorzulegen, welcher das Gesetz in folgender Weise abändert: 1. die Geltung landeSrecht- licher polizeilicher Befugnisse über den in§ 1 Abs. 2 des Vereins- gesetzeS bezeichneten Umfang hinaus ist unbedingt auszuschließen: 2. auszuheben find: a) die Bestimmungen über die Anmeldung und Ueberwawung politischer Versammlungen, b) das Verbot des Ge> brauch? fremder Sprachen, o) das Verbot der Teilnahme jugendlicher Personen an Vereinen und Versammlungen; 3. die für politische Vereine gegebenen Bestimmungen sind zu beschränken auf Vereine- welche die Erörterung politischer Angelegenheiten in Versammlungen bezwecken._ Menschenopfer ohne Zahl! Nicht ihrer 60, 70 oder 80 find eS, die durch das neueste Massen« grubenunglück, die Schlagwetterexplosion auf der Stummschen ecke Minister Achenbach dahingerafft worden, sondern.nur" 25. ußerdem noch einige mehr oder minder schwer Verletzte. Viel zu viel! Und doch ist die Zahl eine verschwindend geringe gegenüber den Massenopfern, die die Jagd nach dem schwarzen Golde— für andere!— Tag für Tag, Jahr für Jahr stückweis fordert. Aber wer gedenkt ihrer? Um einen einzelnen ver- unglücklen Sportfexen wird mehr AiMebcns gemacht, als um 10 000 einzeln verunglückte Bergknappen, die im Kamps umS Brot in gefohrenreickier Oual ihr Leben einbüßen oder zum Krüppel ge- schlagen werden. Es müssen ihrer aus einmal schon Dutzende, vielleicht Hunderte sein, wenn die Aufmerliainkeit der breiten Oeffentlichkeit auf deren elendes Sterben gelenkt werden soll. Und auch daS gelingt nur für einige Tage, wenn es viel ist, einige Wochen. Bei solchen Gelegenheiten wird auch die Presse, wir meinen die bürgerliche Presse, mobil. Einige Blätter, namentlich die Generalanzeigerpresse, tut sich dabei sogar gern besonders hervor- Nicht nur in möglichst umfangreicher und sensationeller Aufmachung, sondern auch im Ton. Der wird zuweilen sogar kritisch. Je nach- dem, wie man am besten glaubt, sich bei solchen Gelegenheiten bei der Leserschaft anbiedern zu können. Wenn es aber gilt, in ent- scheidungsvollen politischen Lugenblicken Farbe zu bekennen, wenn es gilt, bei Wahlen zu den Parlamenten sich zu entscheiden für das Recht und den Schutz der Arbeit— oder fürs Kapital, dann— schweigen im bürgerlichen Blätterwalde alle Flöten. Einige wenige Blätter ausgenommen, die man an den Fingern abzählen kann. * Ein Massenunglück ist auch nur imstande, die oberen Zehntausend und ihre politischen Geschäftsführer für einige Tage oder Wochen auS ihrer gemächlichen Ruhe aufzuschrecken— bei nächster Gelegenheit kann man von verantwortlicher Seite an ver- antwortlicher Stelle hören(Delbrück im Reichstage): »... Unsere Gesetzgebungsarbeit ist an einem gewissen Ab- schluß angelangt.... Aber, meine Herren, ebern'o ist es eine selbstverständliche Pflicht sowohl dieses Koben Hauses wie der Re- gierunq, sich zu hüten, auf diesem Gebiete sich einem gedanken- losen Borwärtslreiben in ausgefahrenen Gleisen hinzugeben." Beim nächsten Massenunglück— spricht man der betroffenen Ge- sellschaft in erster Linie, den Hinterbliebenen in zweiter Linie sein Beileid auS. * Und die Bergarbeiter selbst?— Sie find an die Ge> fahren und Katastrophen schon so gewöhnt, daß auch s i e kaum noch aufbegehren, wenn selbst eine ganze Reihe von ihnen auf einen Schlag hingemäht werden. Auch h,er müssen es schon u n g e- h e u r e Ereignisse sein, wenn sich ihr Inneres aufbäumen soll ob der Opfer, die sie an Leben und Gesundheit bringen müssen. Ein Radbod mit 360 Toten war nötig, um sie in wilden, heiligen Zorn entflammen zu lassen; ein Lothringen mit 119 Toten reichte noch aus/ um die Acbeiterbevölkerung, insonderheit die Belegichast und ihre Familienangehörigen, vor den Toren der Unglückszeche ihrem Schmerz lauten, verzweifelten Ausdruck zu geben. Minister Achenbach— obschon binnen 13 Monaten zum zweiten Male von einem solchen Unglück heimgesucht— Minister Achenbach sah am Freitag und sah am Sonnabend die Arbeiter und die Angehörigen der Verunglückten ruhiger, gefaßter. Aber es ist eine schlimme Ruhe. ES ist die Ruhe des Fatalismus, die wir aus vielen Gesichtern sahen. Und sie hielt sogar an, als am Sonnabendvormittag gegen 11 Uhr sich die Zechentore öffneten zur Totenschau. Stummes Suchen der An- gehörigen und Freunde während des BorbeidefilierenS an den acht- zehn zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen, die da dicht nebeneinander lagen, strack und starr auf Stroh gebettet am Boden liegend, bis zum Halse zugedeckt, um den Anblick uicht grausiger zu gestalten als eben nötig. Ergriffen, doch lautlos zogen die K a m e r a d e n an ihnen vorüber, um sie zum letztenmal zu sehen. Mancher von ihnen mag dabei dennoch gedacht haben: Wie lange noch— und auch du I Oder aber und hoffentlich auch: Wie lange noch wollen wir unSzerfleiicheninun- seligem Bruderkampf, unser Leben noch mehr zu gefährden als die Natur des Berufs es schon mit sich bringt! Die Toten, fi« mahnen. Ihr stummer Mund spricht den Lebenden eine deutliche, eindringliche Sprache! Nicht 60, nicht 70, nicht 80, „nur' 25 find eS, die da auf«inen Schlag, a» einer Stelle gefallen.— Und die Hunderte und Tausende, die einzeln dahingerafft, erschlagen werden! Sie mahnen, sie warnen vor— schlagende» Wettern! politische Ueberstcht. Eine Kundgebung der Dynastie Krupp. Tie Kaisergeburtstagsfeier der Kruppschen Be- Hinten, an der auch viele Vertreter fremder Staaten und zahlreiche Gäste aus allen Teilen Deutschlands teilnahmen. hat Herr Krupp v. Bohlen-Halbach zu einer eigenartigen Kund- gebung benutzt. Er hat in seiner Festrede auf das Hohenzollern- jubiläum in geziemender Bescheidenheit ein Preislied auf die D h n a st i e Krupp angestimmt, dessen Haupt ja der Redner selbst ist. Offenbar wollte er damit die von Kriegsgerichtsräten und militärischen Sachverständigen in den Krupp-Prozessen bc- itrittene Behauptung erhärten, daß Krupp und das Reich eins sind, daß zum mindesten die Beziehungen zwischen der Dynastie Hohenzollern und der Dynastie Krupp unlösliche find. Herr Krupp v. Bohlen und Halbach wandte sich gegen die An- griffe„d e r Partei, deren Gegnerschaft uns immer ehrenvoll sein wird". Diesen Gegnern zum Trotz, betonte er, daß die kauf- männische Ehrenhaftigkeit der Firma Krupp, die neben ihren Leistungen das Ansehen der ganzen Welt genieße, auch heute in ihrem Beamtenkörper noch ebenso lebendig sei wie je zu- vor. Nicht den Taten dieser Firma habe denn auch der Sturm gegolten, sondern dem Dasein der Firma,„die zugleich Kind, Symbol unserer hart bedrängten individuellen WirtschaftS- Ordnung" sei. Selbständig und unabhängig, wie die Firma bisher gewesen sei, wolle sie auch bleiben. Nicht Profit- gier sei die Triebkraft des Unternehmens, sondern das Gefühl voll bewußter Verantwortung für das Gemeinwohl.„Lassen wir uns nicht niederdrücken durch vereinzelte KrankheitS- erscheinungen, gegen die die eigene Natur Abwehr- fermente zur Genüge hervorbringt und die sich selbst dadurch neu kräftigt und stählt." Wir verstehen nicht recht, was Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach das Recht zu dieser Glorifizierung der Firma Krupp gibt. Von den Gepflogenheiten der Firma bei der Erspionierung der militärischen und Konkurrenzgeheimnisse war er doch schwerlich unterrichtet, da er doch sonst wohl selbst mit in die Anklage gegen die Krupp-Direktoren hineingezogen worden wäre. Aber auch deshalb fehlt ihm zweifellos die Legitimation zur Lobpreisung der Verdienste der Firma, weil er für deren kaufmännische und technische Entwickelung sicherlich nicht die Verantwortung tragt. Denit als ehemaliger Beamter des Auswärtigen Amtes, Bot» schafter in Peking und Legationsrat der preußischen Gesandtschaft beim Päpstlichen Stuhl, der er bis zum Jahre 1906 war, hat er doch schwerlich Gelegenheit gehabt, sich die kaufmännischen und Fachkenntnisse anzueignen, die zur Leitung des Essener Riesen- betriebes befähigen. Offenbar ist er denn auch nicht einmal zu jenen wichtigen Konferenzen der Direktoren hinzugezogen worden. die sich nach der Enthüllung der Brandt-Skandalosa mit dem Spionagesystem dieses Herrn beschäftigten. Denn wäre es dennoch der Fall gewesen, so wäre doch sicherlich auch Herr Krupp v. Bohlen und Halbach von der„objektivsten Behörde" in den Anklagezustand versetzt worden! Der jetzige Repräsentant der Firma scheint also im wesentlichen d i e Bürde auf sich genommen haben, aus dem Betriebe der Firma und den Rüstungstreiberelen einen jährlichen Gewinnst von vielen, vielen Millionen zu ziehen. Da diese Bürde auch ihr angenehmes hat. begreifen wir es allerdings, daß Herr Krupp v. Bohlen und Halbach immer wieder die„Selb- ständigkeit" und„Unabhängigkeit" der Rüstungsfirma proklamiert und alle etwaigen Absichten des Parlaments schroff zurückweist, daS RüstungSIapital unter eine schärfere Aufsicht zu stellen oder gar das Rüstungswesen zu verstaatlichen. DaS Haupt der Dynastie Krupp schätzt seine Souveränität nicht minder wie die Träger befreundeter Dynastien und erblickt demnach in ihrer Gefährdung ein dreistes Attentat auf seine so überaus ein» träglichen Privilegien. Ganz folgerichtig sieht die Dynastie Krupp in den Bestrebungen der sozialen Demokratie den Erzfeind ihrer gemeingefährlichen Vorrechte. Aber trotz aller großspurigen Proklamationen und Deklamationen, und trotz eines Danl» telegramms Wilhelms II., in dem es heißt:„Wir werden nach wie vor unablässig bestrebt sein, für deutsche Ehre und Wehr unsere Kraft einzusetze n", wird die soziale Tcmolratie auch mit dem Krupp-AbsolutiSmuS fertig werden.. Rom und Kopp. Das»Verl. Togebl." erhält von seinem BreSlauer Korrespon» denten folgende Nachricht: Wie ich erfahre, beabsichtigt Kardinal Kopp, in die Zeitung«- Polemiken wegen seines Briefes an den Grafen Oppersdorff nicht einzugreifen. Dagegen erfahre ich auS unterrichteten Kreisen, daß die Meldung, daß dem Kardinal Kopp die Mißbilligung de» Vatikans ausgesprochen worden sei, absolut aus der Luft gegriffen ist. Die Kurie hat zu der Gewerkschaftsfrage bis- her keine Stellung genommen und habe hierzu auch keine Ver« anlassung. Es liege dem Kardinal nichts ferner, als die Gewerk- scharten zu provozieren und Rom vor die letzte Entscheidung zu stellen. Die Entscheidung der Kurie sei längst eine feststehende Tat- fache. Die„unzerechte Kritik" an Kardinal Kopps Vorgehen. so wird hier weiter berichtet, könne den Fürstbischof nicht er- reichen. Geschlossen stehe die Geistlichkeit seiner Diözese hinter dem Fürstbischor auch in der GewerkschaftSsrage. Die Zahl der Geistlichen, welche in den christlichen Gewerlschaiten die einzig mögliche Organisationsmethode erkennen, sei bedenklich zusammen- geschrumpft. Diese Meldung ist entschieden glaubhafter, als die höchst wahr» scheinlich von Parteigängern der Kölner Richtung ausgesprengt« Nachricht, dem Kardinal Kopp sei auS dem Vatikan ein strenger Verweis erteilt worden. Es mag der römischen Kurie der Streit im preußischen Episkopat tatsächlich recht unangenehm sein, ober selbst wenn sich Rom zu einer Art FriedenSmohnung entschlösse, würde diese Mahnung dem Fürstbischof von Breslau in der schonendsten Form übermittelt werden— und ibm nicht allein, sondern auch seinen Widersachern; denn alle Ausblähung de« „Wests. BolksblatteS" und ähnlicher Organe schafft die Tatsache nicht auS der Welt, daß der Kardinal Kopp in Rom höher ein- geschätzt wird, als ein halbes Dutzend SchulteS. Wie wenig die sogenannten.Integralen" die Kölner fürchten, beweisen zur Genüge die scharfen Aeußerungen der letzten Nummer der Oppersdorffschen Wochenschrift.Klarheil und Wahrheit' über die Bachemiten. und Graf OpperSdorff hat gute, sehr gute Beziehungen zur römischen Kurie. Der rücksichtsvolle Herr v. Dallwitz. Gegen das Verbot des Schleswiger Regierungspräsidenten ft» Falle Stauning war noch am Tag« der Bersammlnng ei« telegraphische Beschwerde an den Minister de» Inner» ge« sandt worden, für die die R ü ck a n t w o r l Monterweise sogar t m voraus bezahlt war. Aber Herr v. Dallwitz, der al-Z Polizei- minister ja über Pflichten der Höflichkeit seine eigenen Ansichten haben mag, hotte es nicht so eilig. Jetzt, nach drei Wochen sl), ist > endlich folgende liebenswürdige Antwort eingelaufen: »Ihre telegraphische Beschwerde vom S. Januar hat mir keine Veranlassung gegeben, die zutreffende Entscheidung deS Herrn Regierungspräsidenten daselbst vom 8. Januar von Auf- sichtswegen abzuändern oder aufzuheben. Berlin, 20. Januar 1914. Dallwitz." Die Entscheidung ist offenbar Herrn v. Dallwitz schwer geworden. Da er sich aber nun einmal mit FlenSburger Angelegenheiten zu beschäftigen die Zeit gefunden hat. möchten wir ihn gern noch einmal an eine andere Pflicht der Oeffentlichkeit gegenüber er- innern, die möglichst bald zu erfüllen die bescheidene Zurückhaltung ihn nicht abhalten darf. Als es galt, das Verbot deS streitbaren Schleswiger Regierungspräsidenten gegen den Norweger Roald Amundsen zu rechtfertigen, erfuhr die»Nordd. Allgem. Ztg.", datz schon früher eine ähnliche Veranstaltung in Flensburg, nämlich das im vorhergebenden Jahre von dem dänischen Kammersänger Herold gegebene Konzert»zu deutschfeindlichen Kundgebungen mißbraucht" worden sei. Wir haben sofort mitgeteilt, daß diese Behauptung von allen beteiligten Seiten gleich als eine»glatte Lüge" bezeichnet wurde, und daß unter anderen Konzertbefuchern auch der Flensburger Polizeichef und mehrere dortige Offiziere bereit feien, die Gegenbehauptung zu bestätigen. Es ist seitdem nunmehr fast ein Vierteljahr vergangen, ohne daß die.Norddeutsche" auf die Angelegenheit zurückgekommen ist. Wir benutzen daher die Gelegenheit, in Anerkennung der beschleunigten Arbeitsweise des Herrn v. Dallwitz in Flensburger Angelegenheiten, ihn noch einmal auffordern, d e r O e f f e ntl i ch ke i t sein W iffen üb e r die»deutschfeindlichen Kundgebungen" beim Hero'ld-Konzert nicht mehr vorzuenthalten. Eine Unverschämtheit. Das offiziöse Wolsfsche Bureau erlaubt sich ein aus Bukarest datiertes Telegramm eines Privatkorrespondenten zu ver- breiten, daZ folgenden Wortlaut hat: Aus hiesigen maßgebenden Kreisen erfährt man, daß verschiedene rumänische Politiker und höhere rumänische Offiziere aus Berlin erst vor kurzer Zeit unter Kreuzband den amtlichen steno- graphischen Bericht über die ReichstagSsitzung vom 26. April 1913 zugesandt erhielten. In dieser Sitzung hatte der Abg. Liebknecht seine bekannte Rede gegen die Firma Krupp gehalten. Man schließt auS dem späteren Zeitpunkt der lleberiendung dieses Sitzungsberichtes an jene einflußreichen Per- sönlichkeiten, daß eS sich dabei um ein Manöver der aus- ländischen Konkurrenz gegen die deutsche Waffenindustrie handelt, und erblickt darin eine neue Bestätigung der Tatsache, daß unsere Sozialdemokratie mit ihren gehässigen Ausfällen gegen die private deutsche Waffenindustrie in erster Linie die Geschäfte des deutschfeindlichen Aus- l a n d e S besorgt. Das Wölfische Bureau wird für seinen ohnehin nicht besonders guten Nachrichtendienst von der Presse bezahlt. Man darf deS- halb wohl auch fordern, daßS�S wenigstens ein Minimum von ObjeklivilSt beobachtet und sich nicht in den Dienst privater Profit- interejsen stellt. Die Beschuldigungen der Kruppagenten find unS ebenso verständlich wie gleichgültig und beweisen bloß, wie hart wir die Leute getroffen haben. Die Verbreitung ihrer Frechheiten aber durch das offiziöse Bureau ist eine Unverschämtheit, die nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Eine patriotische Scharfmacherlüge. Mt anderen deutschen Hetzblättern brachte die„Deutsche Tages- zeitung" unter der Spitzmarke:»Typisch oder nicht typisch?" au« Mülhausen i. Elf. die»leider nicht mehr überraschende" Nachricht. es sei am Borabend von Kaisers Geburtstag auf dem RatbauSplatze zu Mülhausen, als beim Zapfenstreich die Mufik einig« Stücke spielte, zu Ruhestörungen gekommen; halbwüchsige junge Leute hätten zu pfeifen und zu johlen angefangen, und während des Gebets wäre der Lärm so stark gewesen, daß man die Musik von zwei Infanterie- und zwei Kavallerieregimentern kaum hörte. Die Hurrapatriolische Hetzpresse knüpfte an diese Mitteilung die Be- merkung:»Man darf wohl gespannt sein, zu erfahren, wie sich in Mülhausen die Polizei gegenüber diesen Ruhestörungen verhalten hat. Das Militär selbst scheint ja nicht eingeschritten zu sein, da die dcmokratiiche Presse das sonst unvermeidliche Geschrei noch nicht erhoben hat." Wie uns dazu aus Mülhausen i. E. geschrieben wird, schritten weder daS Militär noch die Polizei ein, weil die angebliche AuS- schreitung eine lächerliche U e b e r t r e i b u n g ist. An der ganzen Geschichte von dem.Lärm", der die Musik von vier Regimentern übertönt haben soll, ist kein wahres Wort. Da« in Mülhausen er- scheinende ZentrumSblatt. die»Oberelsässische LandeSzeitung", teilt eine Erklärung der Polizei mit, wonach an dem an- geblichen milirärfeindlichen Skandal„gar nicht«" gewesen ist: er sei nichts als eine»groteske Uebertreibung." Glaubt die»Deutsche Tageszeitung", die ja vielleicht die deutsche Polizei in Mülhausen i. E. als von den Franzosen bestochen be- zeichnen wird, wirklich, daß das Militär sich die angebliche deutsch- feindliche Kundgebung ruhig hätte gefallen lassen, ohne auch nur im geringsten einzuschreiten? Wahrscheinlich gelten patriotische Lügen den Echtpreußen für erlaubt. Forderung eines Reichsschulamts. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat einen An- trag eingereicht, durch den der Reichskanzler ersucht werden soll, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Reichsichul- kommission in ein selbständiges Reichsamt für das Schul- und Btldungswesen umwandelt. Pfaffe und Lehrer. In der„Katholischen Schulzeitung für Norddeutschland" be- findet sich folgender Protest: „Im Auftrage des katholischen Lehrervereins Bielschowitz erkläre ich: Am vorigen Sonntag ist von der Kanzel herunter in Anwesenheit von Schulkindern in einem derartigen Tone gegen die Lehrerschaft und deren Schularbeit gesprochen worden, daß in der Parochic eine wahre Entrüstung über uns herrscht. Mit hämischer Freude wird in den Gasthäusern über die erteilte Lektion geurteilt, einzelne» Kollegen ist sogar auf der Straße nachgerufen worden. Wir ver- wahren uns ganz entschieden gegen alle unberechtigteil Vorwürfe — gegen berechtigte gäbe eä_auch wohl noch andere Wege— und bitten, daß von derselben Stelle aus der angerichtete Schaden wieder gut gemacht wird, damit die in dem für uns ohnedies' schwierigen Zweisprachengebiet so nötige Autorität der Schule einigermaßen wiederhergestellt wird. Als Leiter der hiesigen Bolksbibliothek I protestiere ich noch persönlich gegen den Vorwurf. die Schundliteratur nicht bekämpft zu haben. Ich bin sehr wohl in der Lage, mit Gegenbeweisen dienen zu können. Tschoeke, Lehrer." Die Art und Weise, wie hier gegen die Schule von der Geist- lichkelt gehetzt wird, zeigt ganz deutlich, wohin die Reise geht, wenn die Berpfaffung der Schule noch mehr um sich greift. Deshalb wird sich auch der Einsender deS Protestes bitter täuschen, wenn er der Meinung ist, daß. die gegen ihn und seine Kollegen erhobenen Beleidigungen von der gleichen Stelle, ibo sie gefallen sind, von der Kirchenkanzel, widerrufen werden. Worte. Der augenblickliche Rektor der Berliner Universität Professor Dr. Planck hat— wie wir einer studentischen Zeitschrift entnehmen — bei Antritt seines Amts u. a. folgende Worte an die Studierenden gerichtet: „Sollte Ihr ehrliches, durch mehrfache Proben bewährtes Streben Ihnen mit Entschiedenheit besondere, von den bisherigen abweichende Wege wessen, dann— folgen Sie Ihrer eigenen Ueberzeugung mehr als jeder anderen. Denn diese ist und bleibt Ihr höchstes, köstlichstes Gut, so gewiß als die Heranbildung zur wisienichafilichen Selbständigkeit das schönste Ziel des akademischen Unterrichts bildet, und so gewiß eine in redlicher Arbeit erworbene eigene wissenschaftliche lieber- zeugung einen festen Ankergrund abgibt, um auch der sittlichen Weltanschauung allen den möglichen Wechselfällen des Lebens gegenüber den nötigen Halt zu gewähren. Die edelste unter den sittlichen Blüten der Wissenschaft und zugleich die ihr eigentümlichste ist ohne Zweifel die Wahr- haftigkeit: jene Wahrhaitigleit, die duräi das Bewußtsein der persönlichen Verantwortung hindurch zur inneren Freiheu führt, und deren Wertschätzung in unserem gegenwärtigen öffentlichen wie privaten Leben noch viel höher bemessen werden sollte. In dem Maße, wie unser junges Geschleckt sich an dem Kampf beteiligt. um ihr zu immer allgemeinerer Anerlenming zu verhelfen, darf es sich eines Sinnes fühlen mit den Helden, die vor hundert Jahren die Wahrhaftigkeit ihrer Liebe zum Vaterland mit ihrem Herzblut besiegelten." Sehr schöne Wort«! Aber wird der Rektor nun, anders als feine Borgänger, sozialistische Anschauungen unter den Studierenden dulden und nicht jedes Bekenntnis zum Sozialismus sofort mit der Ver- stoßung von der Universität beantworten? Wird er den Willen und die Kraft haben, dem neuen erzreaktionären Universitätsrichter Wollenberg entgegenzutreten, der an seiner früheren WirkungS- statte sogar Vorträge von Sozialdemokraten vor Studierenden verbot? Nur nicht aufblähen. Die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland ersucht uns um Abdruck folgender seltsamen Be- richtigung: Unter Berufung auf§ 11 des PreßgesetzeS ersuchen wir um Ausnahme nachstehender Berichtigung: In der Nummer 28 des.Vorwärts" vom 29. Januar 1914 ist zu lesen:»Zugleich mit der»Köln. Vollszeitung" geht auch die„Korrespondenz deS katholischen Volksvereins" in einem»Klar- heit und Wahrheit" überschriebenen Artikel gegen den Kardinal Kopp vor." Demgegenüber ist festzustellen: 1. Eine Korrespondenz deS katholischen VolkSvereinS gibt es nicht. Der VoUSverein gibt heraus eine»Sozialpolitische Korrespon- denz" und eine„Apologetische Korrespondenz". 2. Ein Artikel»Klarheit und Wahrheit" ist weder in der erst- genalinten, noch in der zweitgenannten Korrespondenz erschienen, auch sonst nickt in irgendeiner Publikation, die vom Volksverein ausgegangen ist. M.-Gladbach, den 31. Januar 1914. � Zentralstelle de§ VolkSvereinS für das katholische Deutschland. Dr. H. BraunS, Direktor. Die Zentralstelle des Volksvereins hat recht, der Artikel »Klarheit und Wahrheit" entstammt nicht, wie wir anfangs vermuteten, einer ihrer Korrespondenzen; er ist, wie wir alS- bald nach dem Abdruck unseres Artikels(in Nr. 28 des„Vor- wärts") feststellten, von dem jetzigen Redakteur der„Köln. Volksztg." und früheren Seminardirektor Dr. Karl Hoeber ge- schrieben und, soweit wir zu ersehen vermochten, auch zuerst in der„Köln. Volksztg." zur Veröffentlichung gelangt. Aber weshalb rückt denn die Zentialstelle des Volks- Vereins für das katholische Deutschland von diesem schönen, im bachemitischen Geiste gehaltenen Artikel so ostentativ ab? Hat man vielleicht inzwischen auch in der Zentralstelle ent- deckt, daß dieser Artikel der katholischen Kirchenlehre direkt ins Gesicht schlägt?_ Gefterreich. Christlichsozialer Wahlschwindel. Ein grelles Schlaglicht hat auf die Machenschaften der Christ« lichsozialen in Wien eine Gerichtsverhandlung vor dem Leopold- ftädter Sirafrichter geworfen. Ein Bezirksvorsteher, sein Stellver- treter und ein Redakteur hatten sich wegen Beamtenbeleidigung zu verantworten. Sie hatten den Schuwiener einer städtischen Mädchenschule, die bei der letzten ReichsratSstichwabl als Wahllokal benutzt worden war, als den„ärgsten Wahlschwindler vom ganzen Bezirk" bezeichnet. Die Beklagten hatten den Schuldiener, welcher der christlichsozialen Partei angehört, beobachtet, wie er zahl- reiche Wähler anhielt und deren Stimmzettel öffnete, auch die Wähler init in seine Dienstwohnung nahm. Der Ausgang des Prozesses interessiert weniger, als die Beweis- aufnähme. Durch einen Zeugen, den Anstreichermeister Friedrich Guth, wurde nämlich ein großzügiger Wahlschwindel der Christlichsozialen aufgedeckt. Trotz der Mahnung des Richters, der Zeuge möge sich durch seine Angaben nicht strafbar machen, sagte Guth aus, er wolle nur die Wahrheit sagen und sähe deshalb auch einem Strafverfahren mit Ruhe entgegen. Dann erklärte der Zeuge, er sei im Jahre 1911 als Dr. Kienböck für den zweiten Bezirk kandidierte, von den Christlichsozialen als Wahl- sch windler bestellt worden. Er habe aber nicht nur bei dieser, sondern auch bei allen anderen Wahlen für die Christlich- sozialen gearbeitet. Im Jahre 1911 sei er von einem Magistrats- b e a m t e n in ein Amtszimmer geführt worden, in dem eine längere Reihe Schachteln mit unbestellbaren Wähler- legltimationen standen. Der Beamte sagte, indem er auf die Legitimationen zeigte:„So, Guth, das ist Ihr Material". Guth nahm sich etwa 5—8 00 dieser Legitimationen von nicht auffindbaren Wählern und warb dann Leute an, welche für die unauffindbaren Wähler die Stimme ab- gaben. Ein solcher Mann habe von ihm(Guth) für den Wahl. tag zehn Kronen erhalten. Gegen diesen Lohn habe der Mann natürlich öfter bei den verschiedenen Sektionen wählen gehen müssen. Einige der Leute seien auf diese Weise tibi» ISmal zur Wahl gegangen. Er(Zeuge) sei trotzdem auf seine Rechnung gekommen, da er zur Durchführung dieser Wahl 2200 Kronen von der christlichsozialen Partei erhalten habe. Alle Schuldiener seien in vertraulicher Sitzung der christlichsozialen Partei von dieser Tätigkeit sogar soweit instruiert gewesen, daß sie einen Notausgang bereitzuhalten h-l- ten. falls einer der Wahlfälscher ertappt wurde. Der Zeuge legte noch zur Bekräftigung seiner Behauptungen zwei Pakete von unbestellten Legitimationen vor, die ihm von sozialdemokratischen Agitatoren abgenommen und die später einem der Angeklagten wteder eingehändigt worden waren. Diese Bekundungen erregen in Wien nicht geringes Aufsehen. In der Urteilsbegründung— das Urteil fiel trotz der haarsträubenden Bekundungen für die Beklagten ungünstig aus, da für eine Amtsehrenbeleidigung der Wahrheitsbeweis nicht zulässig ist— bemerkte selbst der Vorsitzende Richter, daß die Aussage des Zeugen Guth von solcher Art sei. daß«an über ein derartiges Borgehen einfach sprachlos sei und sich an den Kopf fassen'müsse. Frankreich. Die Steuerreform. Mamers, 1. Februar. Caillaux erstattete heute seinen Wählern Bericht und spielte dabei auf die leidenschaftlichen An- griffe an, die ihm die Fortsetzung seiner demokratisch-republika» nischen Politil zugezogen habe. Caillaux wicS dann auf die Un- ordnung in den Finanzen hin, die er dem Umstand zu- schrieb, daß früher ungenügende Maßnahmen ergriffen woroni seien, um das Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Der Minister rechtfertigte es, daß er für die gegenwärtigen außerordentlichen Ausgaben Anleihen vorschlage, die sich über mehrere Jahre verteilen sollten, um den Steuerzahlern unnütze Lasten zu ersparen. Die dauernden normalen Ausgaben dürsten allein durch daS Ergebnis der jährlichen Mittel des Schatzes gedeckt werden. Caillaux bekämpfte dann lebhaft jede Steuerpolitik, die nur darauf hinziele, die i n d i r c I i e n und direkten Steuern zu vermehren. Seine Pläne enthielten keinerlei Angriff gegen irgendeine Klasse von Bürgern, sondern wollten einfach steuerliche Gerechiig- keit sichern, indem sie die mätzigen Vermögen mäßig besteuern und den reichen Klassen erhöhte A n st r e n g u n g e n auferlegen, die sich aber immer noch in den erforderlichen Grenzen hielten. Man müsse bei neuen Steuern auf Traditionen, Gewohn- Hessen und bis zu einem gewissen Grade auch auf Vorurteile Rück- ficht nehmen, dürfe sich aber nicht durch Phantome schrecken lassen. Zum Schlüsse warnte der Minister diereichenKlassen bor den Gefahren egoistischen und blinden Wider». st a n d c?. Silüafrika. Die Deportation der Streitführer. Kapstadt, 2. Februar. DaS Abgeordnetenhaus und die Tribünen waren heute stark besetzt, da die Einbringung der vom Minister Smuts angekündigten Bill, durch welche der Regierung für ihre Stroikmaßnahmen Indemnität verliehen wird, erwartet wurde. Der Sprecher wies einen Antrag der Arbeiterpartei, den Deporierten die Rückkehr zu gestatten, zurück, worauf dann Minister Smuts be- antragte, die Indemnität einbringen zu dürfen. Der Oppo- sitionsführer Sir Thomas S m a r t t erklärte, er wolle nicht gegen den Antrag stimmen, da die Regierung Gesetz und Ordnung mit allen Mitteln aufrecht erhalten müsse. Die Jndemnitätsbill wurde gegen die Stiinmen der Ar- beiterpartei in erster Lesung a n g c n o m m e n, nachdem ein Abänderungsantrag Ereswells, der einem Mißtrauensvotum gegen die Regierung gleichkam, ebenfalls gegen die Stimmen der Arbeiterpartei abgelehnt worden war. Deutschnationales„Heldentum". Wiederum hat der Deutsch-Nationalc Handlungsgehilfenverband sich seiner würdig gezeigt. DaS Thema„Für Liste 2", das in einer vom Zentralverband der Handlungsgehilfen einberufenen Ver- sammlung behandelt werden sollte, nahmen diese edlen Herron zum Anlaß, ihre Sprengkunststücke wieder einmal zu produzieren. Sie haben diese Kunst noch nicht verlernt, doch werden sie, man verzeihe den harten Ausdruck, derartige Flegeleien noch zu be- reuen haben. DaS allem parlamentarischen Anstand hohnsprechende Benehmen der teutschen Jünglinge, eS bestand in gellendem Krei- schen, hysterischem Geschrei, wüstem Getrampel, ohrenbetäubendem Singen und Lärmen und was diesen Lauten sonst noch eigen ist, brachte es zum nicht geringen Aerger der teutschen Lärmkolonnen doch nicht zu einer Auflösung der Versammlung. Im Gegenteil. Nachdem die Radaumacher den Saale verlassen, füllten sich die Lücken recht bald wieder. Nun konnte Reichstagsabgeordnete P e u s vor gut gefülltem Saale seinen mit beißendem Sarkasmus gespickten Vor- trag halten. Von lebhaftem Beifall des öfteren unterbrochen, wies PeuS mit zwingender Logik nach, daß für jeden Handlungsgehilfen am Wahltage, den 12. Februar, nur vie Liste 2 des Zentral- v e'tAo ndeS der Handlungsgehilfen in Betracht kommt. Gleich schneidig redete auch Paul Lange, Redakteur der„Hand- lungSgehilfenzeitung". Beide, ernteten stürmischen Beifall. Eine Erklärung des Leiters R o g o n. die sich gegen den D. H.-V. richtete. fand allseitige Zustimmung. Alles in allem ein gutes Omen zum Ausfall der kommenden KaufmannSgerichtSwahlen. Letzte Nachrichten. Ein badischer Minister gegen die GroWockpolitik. Karlsruhe, 2. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer führte der Minister des Innern von und zu Bodman aus. daß er die Grotzblockpolitik be» dauere, well er glaube, daß man durch diese Politik nur zwei Parteien bekommen werde, das Zentrum und die Sozialdemokratie. Er verkenne, nicht die Gefahr, die in einem weiteren Anwachsen de» Zentrums liegen könne, er halte aber den Weg, den der Groß- block gehe, nicht für den richtigen und allein möglichen, er verwahre sich dagegen, mit dem Großblock arbeiten zu wollen, er arbeite mit allen Parteien. Auf das Ersuchen des Zentrumsabgeordneten Kopf, der zu wissen wünschte, inwiefern das starke Anschwellen des Zentrums eine Gefahr bedeuten könnte, da das Zentrum immer einen frei». heitlichen Standpunkt eingenommen habe und keine Sonderrechte verlange, erklärte der Minister, darin eine Gefahr zu erblicken, daß das Zentrum es seinen Wählern zu einer ge» wissen Pflicht mache, daß die Katholiken Jen- trumsabgeordnete wählen müßten. Eine Zurückhal- tung der Geistlichen sei notwendig. Der angebliche Raubübcrfäll im Eisenbahnzuge. Saarbrücken, 2. Februar.(W. T. B.) Die amtlichen Ermitte» lungen in Sachen des angeblichen Raub- und Mordversuchs im Eisenbahnzuge zwischen Kreuznach und Oberstein Isaben keinen Anhalt für einen verbrecherischen Anschlag ge- geben, man kommt daher zu der Annahme, daß ein Selbst- Mordversuch vorliegt. Zwei Flieger tödlich verunglückt. Paris, 2. Februar. Nach einer Meldung aus BourgeS stürzte heute nachmittag auf dem Flugfelde von Avord der Leutnant Del» v e r t. der den Hauptmann R i q u e t als Fluggast an Bord seine? Zweideckers hatte, aus beträchtlicher Höhe ab. Beide Ossi» ziere waren aus der Stelle tot. Verhaftung der russischen Posträuber. Rostow am Do», 2. Februar. Kürzlich wurde hier, wie ge- meldet, auf dem Wege von der Bahn zur Staatsbank ein Leder-, beutet mit 100 000 Rubeln geraubt. Die Untersuchung hat jetzt die überraschende Tatsache ergeben, daß dieser Raub von Post- beamten ausgeführt worden ist. Ueber 3 0 Post» beamte wurden schon verhaftet und täglich werden neue Verhaftungen vorgenommen. Die Untersuchung richtet sich auch gegen die Polizei, deren Beamte den Räubern Vorschub ge- leistet habe« solle«. SozIaMemokratlsctier Wahlverein Wilmersdorf I Blttwoek, den 4L Februar, abends 81/, Uhr, te vei(t«tlag«rttn*(großer Gaay, Wilhelmsau« 114: Uchtbllder-Vortrag: QaS?0lk lll der KöDSt. vortragend«! Schriftsteller Robert Breuer« StntrtttSpreiS 10 Pf. an der Abendkasse. Hontag, den O. Februar, abend» 81/, Uhr, st«.Viktortagarten'(Eingang vom Garten auS): Oeffentlicher Vortrag:------- „Der GebnrtenrQekgang als soziales Problem". Referent: Prof. Dr. med. Blaschko. Freie Aussprache. Freitag, den 18. Febrnar, abend» 81/, Uhr, im großen Saale de». V i kt or ta g art en» WilhelmSaue 114: «sü OtfftMlhe lolhsottferaniliinj.* „Zur politischen r/z Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15/, Ubr. EinesNollendorf-Theater.Varictä- Lichtspiele. Antang 7'/, Ubr. Opernhaus. Mignon. «gl. Schauipielhaus. Die Raben« ileinerin. Königgräver Straf?«.. König Richard III. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Zirkus Busch. Galavorstellung. g Zirkus Schumann. Galavorstellung. Ansang 7°- Ubr. »jr Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Antang 8 Ubr. Urania. Fortschritte aus dem Ge- biete der telegraphischen Bild- Übertragung. Im Hörsaal: Professor Dr. Lindner Massenziichtung von Hcsen, Batterien usw. Deutsches Opernhaus. Mandra- gola. Sein»». Pygmalion. «ammersptelc. Androllus und der Löwe. Deutsches Künstler- Dheater. Der Bogen des OdysseuS. KomödieuhauS. Kammermusik. Tbeater an der Weidendammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollendorfplah. Prinzeß Greil. Suiitpieibau». Die spanische Fliege- Montis Operetten. Die verbotene Stadt. Schiller Q. Weh' dem, der lügt I Schiller Eharlottenburg. Die beiden Leonoren. Theater des Westens. Polenblut Berliner. Wie einst im Mai. Kinnes. Jcltchen Gebert. Trianon. Anatoles Hochzeit. Tbuiia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelinftädttsches. Fräulein Trallala. Rote. Berlin, wie es weint und lacht. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Was sagen>sie zu Leibusch? Rcichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnie. Anlang 8'/, Ubr. Luiien. Das erste Ehejahr. Walhalla. Tangosieder. Folies Eaprice. Cafe Pringsheim. HeiraiSgras. MeyerstcüiS. Antang 8'/, Ubr. ReueS Bolkstvrater. Der Gras von Charolais. Admtralspalast. Die lustige Puppe. Aniang S Mir. Berliner Eispalast. Eissport. EinesNollendorf-Theater.Barieie- Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. 67— 62 Theater des Westens. « mr: Polenblut. Msches Jtönstlertheater Sozietät. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Kassa: Nolltndori<383. AbendS S Uhr: Der Bogen de« Odya.en«. Mittwoch, 3'/,: Peterchens Mondfahrt. glbds. 8 Uhr: Der Bogen des Odysseus Schiller-Theater 0. (W allner-Theater). Dienstag, abendS 8 Uhr: Web' dem, der IU gt. Mittwoch, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt. Donnerstag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Schiller-Theaier"VC ' Dienstag, abends 8 Uhr: Die beiden I.eonoren. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: bntbnn der Welse. Mittwoch, abends 3 Ubr: Berodes und Bariumne. Donnerstag, abends 8 Ubr: Die beiden I,eonoren. 71/, Uhr: König Richard III. Komödienhaus. «uhr. Kammermukb.«uhr. öerliner Ideater. Abends 8 Uhr:• Wie einst im Mai. Tbeatera.d. Weidendammerbrück e früher Komische Oper. 8 Uhr: Wer znteht lacht... Theater am Nolleniiorlplatz 8. Abends 8 Uhr: Prinzeß Gretl. 8 Uhr Residenz-Theater» Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Wmterberg. Morgen u. f. Tage: Hoheit- der Franz! 10SE-THEATE Grone Frankfurter Str. 132. Berlin wiees weint u. lacht Polks'tück in 3 Akten v. Berg u. Kalisch. Musik v. Conradi. Abends 8Uhr: Mittwoch: Kinder der Groststadt. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr SS: Dia Reise um die Erde in 40 Tagen. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Anatoles Hochzeit. Die wilden Fouerfresser in ihren fanatischen Startern. Col. Experimente: Aus dem Jenseits I.ebend! Oboe Extra-Entree. YPOQISlPHIA Alexander VäiBbauni HdAS ........... Vereinigte Berliner Volksbühnen. I,n isen-Theater. 8'/, Uhr: Das erste Ehejahr. Schauspiel in 5 Akten von Ernst Ritterseldt. Dienstag, den 10. Februar 1914, abends 8 Uhr, im Konzertsaale der Kgl. Hochschule für Musik, FasanenstraBe 1:: Ecke der HardenbergstraBe: Volkstümliches Konzert Mitwirkende:'. Paula Weinbaum, Gesang Alfred Wittenberg, Violine. Pintrittalraptpn � l-SO. l.oo, 0.75 M, in der Hof- LiUil IlwhQI ICU Musikalienhandlung von Bote ft Bock, Leipziger Straße 37 und Tauentzienstraße 7; bei A. Wert- heim, Leipziger Platz und Tauentzienstraße 7b; P. Horsch, Engelufer 15; G. Schulz, Kottbuser Tor; sowie abends an der Kasse. FÖr die Sänger!»rS' Ä*' probe in der Kgl. Hochschule für Musik. 58/5 i URANIA TaV84n».tr' 8 Uhr: Professor Dr. Glatzel: Fortschritte auf dem He- blete der telegraphischen BlldUbertragnng. Hörsaal 8 Uhr: Prot Dr. Lindner: Masten- Züchtung von Hefen, Bakterien usw. h J?„Clou« MaiiKPctpafio JW_ :: Ber'iner Konzerthaus MauerstraBe 82.— ZimmarstraBe 90 Crroßes Doppel-Konzer®« Musikkorps des Kaiser-Franz-Garde-Grenad.-Regts. Oirig. Ober"' ec'-ranrw'>rrun)+ bedeutet Wuchs,— ') Treibeis.— 8) EiSsrei. Fall.—") Unterpcgel.—') Eisstand. Unserem Genossen iiösMZNki Schweikanlt die besten Glückwünsche zum heutigen Tage. Die Bezirksführer der X. Abteilung| 3. Kreis. tzOG." in Verbindung. Eine Reihe Fragen der Gesellschaft beaitt-| armen Sachscngängern die Leutseligkeit der vornehmen Gesellschaft � 16/19 P H. F. G. G. 8 °"Prfn �nsrimtent«il�«antü>17' rpwi�w�rin. DTiick u. Verlag: Vorwärts� Luchdruckerei u. Lcrlagsanstalt Paul Sing«& Co, Pcrlm SW. Unseren, lieben Genossen und 1 Genossin 115SI s UerinaDii und Elisabetb Klatte zum Svjährigc» Ehejubiläum die herzlichsten Glückwünsche. Die Genossen des Bezirks 755 a. V Heute feiert der Böttchergeselle Otto 8cdütt! stz Baumschulenweg, Baum- X schulenstr. 86 Bei der Firma G. Haubotd ebendaselbst sein |} SZjähriges Jubiläum. Unserem alten Kampfgenossen jetzigen Tischlermeister ]£»k'K Höfei» nebst Gemahlin herzlichsten Glück. wünsch zumÄZjähr. Ehejubiläum. ' st. F. G. Dienstag. 3. Februar t9l4. Parteiangelegenheiten. Führungen durch die Sammlungen der Geologischen Landes- austalt und Bergakademie, Jnvalidenstraße 44, veranstaltet der Bezirksbildungsausschutz an folgenden Sonntagen: den 8. und 13. Februar. Beginn:'/zli Uhr vormittags. Teilnehmerscheine sind zum Preise von 25 Pf. im Bureau des Bildungsausschusses sowie im Jugendsekretariat, Lindenstr. 2, Hof I, zu haben. Geschäftszeit: 9— 5 Uhr. Mittwoch, Freitag und Sonnabend auch von 5—8 Uhr abends. Es ist uns ge- langen, einen außerordentlich tüchtigen Führer zu gewinnen. Wir empfehlen daher den Besuch der sehr wertvollen und �lehrreichen Sammlungen von geologischen Schauobjetten und Versteinerungen. Wir werden versuchen, den Besuchen der Geologischen Landesanstalt Führungen durch die geologischen, paläontologischen und zoologischen Sammlungen des Museums für Naturkunde folgen zu lassen, um so eine systematische Folge von Führungen durch die wichtigsten naturwissenschaftlichen Sammlungen Berlins zu bekommen! Im März lassen sich einige weitere Führungen einrichten. Einzelorgauisatiouen, die solche für ihre Mi t g l i e d e r belegenwollen, wollen sich unter Angabe des gewünschten Tages beim Sekretariat des Bezirksbildungsausschusses melden. Sie erhalten 39 Karten und haben nach der Führung für jede Karte 25 Pf. an das Sekretariat abzuführen. Der Bezirksbildungsausschuß Groß-Berlin. Dritter Wahlkreis. Heule abend S1/* Uhr findet in den Armin« ballen, Äommaiioaiuenstr. 68/59, eine öffentliche Versamnilung statt. Der Genosse Goldberg spricht über: Die Frauen und Mädchen in der russischen Revolution. Bernau. Heute Dienstag, abends Ssiz Uhr, findet bei H. Modisch, Kaiserslrafie, der zweite und letzte Vortrag statt. Jngenier Woldt spricht über die Maschine im Wirtschaftsleben. Eintrittskarten a W Pf. sind an der Kasie zu haben. öerliner Nachrichten. Für Sarbierstuben-f>pgiene. In letzter Zeit wird die Frage der Hygiene in den Bar- bierstuben wieder lebhaft erörtert. Die polizeihygienischen Vorschriften für die Barbierstuben sind durch das Reichs- menschenseuchengesetz vom Jahre 1995 hinfällig geworden. Sie haben manche Besserung bewirkt, doch waren sie im all- gemeinen unzweckmäßig. An den sinnfälligsten Mängeln gingen sie vorüber, während sie andererseits Manipulationen forderten, die teilweise undurchführbar waren. Es wurden dann Vorschriften erlassen über die Reinhaltung der Geräte aus Grund des Allgemeinen Landrechts Titel 17, doch in der Hauptsache ist jetzt die Abfassung solcher Vorschriften und deren Kontrolle den Innungen und deren Beauftragen über- lassen. Für Berlin hat die Handwerkskammer solche Vor- schriften im Jahre 1998 erlassen, die unter anderem bestimm- ten. daß binnen vier Jahren die Fußbänke derart beschaffen sein sollten, daß sie nicht mehr als Deckel zu Kehrichthaufen ' benutzt werden können. Die für ein Barbiergeschäft eigentlich selbstverständliche Vorschrift, daß eine an die Wasserleitung angeschlossene Waschgelegenheit vorhanden sein muß, wurde eingeschränkt durch die Eventualbestimmung. wo Wasserlei- tung fehlt, soll reines Wasser in genügender Menge vorhanden sein. Kennzeichnend für die ganze Reformiererei ist auch hier die vollständige Negierung der sozialen und Wirtschaft- lichen Verhältnisse und die Rücksichtnahme auf die Wünsche der Jnnungsmeister. Die Lehrlingszüchterei der Innungen und deren Politik einer ständigen Gehilsenverjüngung zur Aufrechterhaltung der schlechten Löhne und des Kost- und Logiszwanges bringen es mit sich, daß die älteren, den Meistern zu alten Gehilfen, direkt gezwungen sind, sich selbständig zu machen, wenn sie nicht arbeitslos bleiben und Sonnabends und Sonntags den Aushelser machen wollen. So kommt es denn, daß viele Betriebe äußer st primitiv eingerichtet sind. Oft fehlt eine genügende Anzahl von Wäschestücken, und mit- unter hat der Meister nicht mehr als einen einzigen Kamm, eine Kopfbürste und eine Bartbllrste für seine ganze Kund- schaft, anstatt mindestens je ein halbes Dutzend dieser Geräte für jede Toilette. Auch in sonst gut eingerichteten Betrieben • wird darauf viel zu wenig Wert gelegt, mit der Benutzung dieser Geräte zu wenig gewechselt. Handelt es sich auch nur um eine Ausgabe von wenigen Mark, so fehlen sie doch mit- unter. Die große Zersplitterung des Gewerbebetriebes in- folge der Lehrlingswirtschaft und der„patriarchalischen" Ge- Hilfenpolitik bedeutet eine erhebliche Verschwendung an Ge- schästsunkosten auf der einen, äußerste Einschränkung der im hygienischen Interesse wie dem der Lebenshaltung notwen- digen Aufwendungen auf der anderen Seite. Nach einem von der„Friseurgehilfen-Zeitung" angestell- ten Vergleich zwischen den Ziffern der Betriebszählung vom 12. Juni 1997 und den Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1919 kam in Teutschland auf durchschnittlich 1259 Einwohner ein Friseurgeschäft, in den Großstädten aber schon uns je 779 Einwohner, in Groß-Berlin tBerlin. Charlottenburg. Neu- kölln und Schöneberg) aus je 615, in Berlin auf je 573 Ein- wohner ein selbständiger Betrieb. Die überhandnehmende Konkurrenz brachte es mit sich, daß das Barbiergewerbe in Ladenlokalitäten ausgeübt wird, die oft wenig dazu geeignet sind. Zum gleichen Mietpreise würden meist hellere, geräumigere und besser zu lüftende Räume in der ersten Etage zu haben sein. Aber es muß nun einmal ein„Laden" sein, sei er noch so winzig, winklig und finster und ohne die ge- ringste Vorrichtung zur Ventilation. Nur eine gewisse Zu- sammenfassung der Betriebe kann hier die notwendige Ab- änderung herbeiführen. Soll der Barbier allen berechtigten hygienischen Anfor- derungen genügen, muß er natürlich auch eine aus- reichende Bezahlung für seine Verrichtungen fordern. Doch darin begegnet er noch allzu sehr der mangeln- den Einsicht des Publikums, das teilweise nur deshalb den billigen Barbieren den Vorzug gibt, um die Preisdifferenz als T r i n k g e l d geben zu können. Es ist Sache der Gehilfen, sich ausrMiende Löhne zu erringen. Und soweit die Gehilfen gewerkschaftlich organisiert sisid. werden sie in diesem Bestreben von'der organisierten Arbeiterschaft auch unterstützt. Doch hat die Arbeiterschaft durchaus keine Veranlassung, die Gleichgültigkeit und Leichtfertigkeit der großen Mehrzahl der Gehilfen durch Trinkgeld zu begünstigen. Die Fünf- und Zehnpfennigbarbiergeschäfte, wie sie in Berlin häufig zu finden sind, sind im Reiche nur noch selten anzutreffen. Die Bevorzugung der billigen Barbiere verhindert nicht nur die Durchführung der hygienischen Reformen, sie verhindert auch die soziale Hebung der überaus ungünstigen wirtschaftlichen Lage der Barbiere. Ein Uebelstand ist. daß die Kundschaft der kleineren Ge- schäfte zum Teil erst kurz vor Ladenschluß kommt, zumal des Sonntagnachmittags. Der Andrang läßt dann dem Barbier keine Zeit, die einzelnen Kunden mit der notwendigen Sorg- falt abzufertigen. Trotzdem sich der Barbier strafbar macht, wenn er nach 2 Uhr(des Sonntags) noch arbeitet und Lehr- ling und Gehilfe beschäftigt, er wird durch die säumige Kund- schaft zum Weiterarbeiten gezwungen. Diese üble Ange- wohnheit ist eine Rücksichtslosigkeit gegen das persönliche und soziale Interesse. Dem reaktionären Zunftelement liefert sie den hauptsächlichsten Vorwand, um jeden Versuch zur Ver- kürzung der Arbeitszeit zu hintertreiben. Die Allein- m e i st e r(deren Zahl in Berlin von 984 im Jahre 1895 auf 1534 im Jahre 1997 gestiegen ist und nahezu die Hälfte aller Selbständigen bildet) sind vom frühen Morgen bis zum späten Abend an ihren Betrieb gefesselt, obgleich sie mitunter stunden- lang weiter nichts zu tun haben, als auf Kundschaft zu warten. Die Gehilfen haben vor ihnen den Vorteil eines freien Nachmittags in jeder Woche voraus, der ihnen jedoch von manchen Meistern, besonders den Inhabern der sogenannten besseren Geschäfte verkürzt oder überhaupt verweigert wird. Auch den L e h r l i n g e n war ein freier Nachmittag gewähr- leistet durch die Sonntagsruhebestimmungen. doch haben die Innungen es aus„sittlichen" Gründen durchgesetzt, daß die Zeit zum Fach- und Fortbildungsschulbesuch als Ersatzruhezeit für die länger als drei Stunden dauernde Sonntags- arbeit gilt. Ein vollauf befriedigender Zustand in hygienischer Be- ziehung kann nur durch die notwendigen Wirtschaft- lichen Reformen im Barbiergewerb» herbeigeführt werden. wie sie die Gehilfenorganisation erstrebt. Im allgemeinen aber sind die hygienischen Gefahren im Barbiergewerbe nicht größer als in manchen anderen, die der Herstellung und dem Konsum der Nahrungsmittel dienen. Die Vorgänge in der Barbierstube kann jeder mit eigenen Augen verfolgen.� Wer mehr auf saubere, ordentliche Bedienung als auf 5 Pfennig Mehrausgabe sieht, geht ziemlich sicher. Und wenn schließ- lich die Gehilfenorganisation wünscht, daß Gesclxifte mit organisierten Gehilfen von der organisierten Ar- beiterschaft bevorzugt werden sollen, so soll keinestxegs ein Freibrief zur Mißachtung der einfachsten hygienischen Begriffe ausgestellt werden._ Bevölkerungsrückgang in Berlin. Im Jahre 1913 hat das Stadtgebiet Berlin einen sehr beträchtlichen Bevölkerungsrückgang gehabt/ Die Bevölke- rungszahl war. nach dem nunmehr bekanntwerdenden Ergcb- nis der Berechnungen des Berliner Statistischen Amts, für 1. Januar 1914 auf nur 2 979 156 anzunehmen. Für 1. Ja- nuar 1913 hatten die Berechnungen 2995939 ergeben, so?. nach hat das Jahr 1913 mit einem Minus von 1587 4 abgeschlossen. Dagegen hatten die Jahre 1912. 1911, 1919 einen Bevölkerungszuwachs von 19 985. 12 138, 14 297 ge- bracht. Ein Verlust, wie jetzt in 1913. ergab sich in Berlin auch vor fünf Jahren. Nachdem das Jahr 1996 noch mit einem Gewinn von 31 119 abgeschlossen hatte, mehrte sich die 'Bevölkerungszahl in 1997 nur noch um 2916. in 1998 aber minderte sie sich um 19 163. In 1999, wo die Abwärtsbe- wegung zum Stillstand kam, konnte Berlin sich nicht mehr als ein Plus von 336 buchen. Erst in 1919 begann dann wieder ein Auffchwung, der jetzt in 1913 durch einen weiteren Rück- gang abgelöst worden ist. Nur zum Teil läßt der Verlust sich daraus erklären, daß dem Stadtgebiet Berlin Ein- wohn er durch die Vororte entzogen worden sind. Die Vororte haben ja auf die Mehrung der Einwohner Berlins schon seit einer langen Reihe von Jahren und von Jahr zu Jahr mehr einen verlangsamenden und hemmen- den Einfluß ausgeübt. Waruni er aber in 1913 sich plötzlich so überaus stark geltend gemacht haben sollte, ist nicht einzu- sehen. Der Bevölkerungsrückgang in Berlin, den das Jahr 1913 gebracht hat, ist hauptsächlich aus der Wirtschafts- k r i s i s und dem Arbeitsmangel zu erklären. Ver- ringerung der Arbeits- und Erwerbsgelegenheit hat bisher in dem Arbeitsmarktzentrum Berlin noch immer ihre Wir- kungen in der Weise geäußert, daß sie die Bevölkerungs- mehrung beeinträchtigte. Sie hat, wie schon früher, so auch wieder in 1913 eine Minderung der Zuzüge nach Berlin verursacht, zu der eine gleichzeitige Mehrung der Wegzüge sich gesellte. Nach den eingegangenen Mel-. düngen, die für die Wegzüge wegen UnVollständigkeit durch einen vom Statistischen Amt berechneten Zuschlag erhöht sind. waren in Rechnung zu stellen für 1912 noch 337 517 Zuge- zogene und 339123 Weggezogene, also schon damals ein Wegzugsüberschuß von 1696. Dagegen ergeben sich für 1913 nur noch 321936 Zugezogcme, aber 349 413 Weggezogene, so daß diesmal der Wegzugsuberschuß 28 377 beträgt. Neben dem Uebcrschuß an Zu- oder Wegzügen kommt für die Be- Völkerungsmehrung der Geburtenübers ch u ß in Be- tracht. und bei einem Ueberschuß an Wegzügen ist ja allem von den Geburten noch etwas zu hoffen. In 1912 bel'ef ihr Ueberschuß über die Sterbekälle sich auf 12 591, in 1913 war er mit 12 593 nicht viel geringer. Daß dennoch die Bevölke- rungszahl sich diesmal um 15 874 verringert hat, ist lediglich auf die bedeutende Steigerung des Wegzugsüberschnsses zurückzuführen._ Tie städtische Sparkasse am Mühlendamm. Der Andrang des Publikums in den städtischen Spar- kassenräumen am Mühlendamm war am Montag so groß. daß Ohnmachtsanfälle vorgekommen sind und zahlreiche Per- sonen unverrichteter Sache wieder umkehrten. Die Zustände, besonders das übermäßig lange Warten, das langsame Ab- fertigen, das recht umständliche Verfahren bei Ein- und Aus- zablungen, erschweren den Verkebr ungemein, Nirgens wird das Publikum so zeitraubend langsam bedient wie am Mühlendamm. Leider sind diese Zustände nicht neu und man fragt vergebens, warum noch immer keine Aenderuna erfolgt ist. Es scheint hier an einer festen Hand zu fehlen, die mit Sachkenntnis eingreift. Im Magistrat gibt es doch Leute, die sachverständig sind. Warum schaffen sie keine Abhilfe? Aus der Elendsstatistik. Im Berliner Asylverein für Obdachlose nächtigten im Monat Januar im Männerasyl 15 276 Personen, wovon 6189 badeten, im Frauenasyl 2814 Personen, wovon 625 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer und Frauen: Wiesenstr. 55-59. Backpfeifen anstatt Arbeit. Ein arbeitsloser Bauarbeiter sendet uns eine Schilderung über seinen Gang durch die Straßen Berlins, wie er von Bau zu Bau eilt, aber überall abgewiesen wird. Auf diesem Wege besuchte er auch einen Bau in der Markgrafenftraße, weil er von dem Akkord- scbieber noch einmal hinbestellt war. Wie es ihm hier ergangen ist, beschreibt er wie folgt:„Ich ging an der Vorderfront der zweiten Etage auf einer Leiter hinauf, um den Polier oder den Schieber zu suchen, der mich bestellt hatte. Da trat mir ein korpulenter Mann entgegen, der dem Aussehen nach den Eindruck eines Gutsinspektors machte.„Was wollen Sie denn hier?" hauchte er mich an.„Zum Schieber", antwortete ich ruhig und bescheiden.„Denn kommen Se wenigstens anständig uff' n Bau un sagen Se guten Tag zum Polier, wie et sich jehört. Machen Se, dct Se vom Bau kommen, aber schnell, sonst jeb ick Ihnen ne Backpfeife, det Se die Leiter runter trudeln." Gegenüber dieser Frechheit, über die ich im ersten Augenblick ganz konsterniert war, blieb ich ruhig und gelassen und sagte, daß ich um Arbeit nachfragen wolle, weil mir solche doch niemand ins Haus bringe...„Sie sollen machen, det Se vom Bau kommen," brüllte der Dicke. Und als ich antwortete, daß ich natürlich meiner Wege gehe, wenn keine Arbeit sei, wurde der Mann wie toll und kam mit erhobener Faust auf mich zu. Ich verließ dieie Stätte und machte mir meinen Vers auf diesen Polier. Der Vorgang zeigt, wie schlimm die Verhältnisse auf dem Bau- markt liegen, wenn sich Poliere so viel Frechheiten herausnehmen können, wie im vorliegenden Falle. Hoffentlich kommt bald wieder eine andere Zeit, in der mit Hilfe der Organisation den Bauherren und ihren Kreaturen gezeigt werden wird, daß sie sich anständig zu betragen haben. Solche Burschen, wie der auf dem Bau in der Markgrafenstraße, dürften dann keine Arbeiter mehr zu beaufsichtigen haben._ 20 M. für ein Vcilchensträustchcn. Das Hofblatt der„Lokal-Anzeiger" verkündet, daß der Krön» prinz gestern eine große Tat vollbracht habe. Vom Brandenburger Tor in seinem Auwmobil herkommend, habe er an der Kranzlerecke gehalten, sei mit seinem Adjutanten ausgestiegen, habe einem dort«. stehenden Blumenhändler ein Veilchensträußchen abgekauft und ihm dafür 20 M. eingehändigt. Unter den„lebhaften Grüßen der schnell versammelten Menge sei er dann nach seinem Palais weiter ge- fahren". Wenn nun der Kronprinz nicht volkstümlich wird ob seiner Leutseligkeit, dann hilit nichts mehr. Der Blumenhändler wird sich sicher alle Tage solche Kunden wünschen, die ein Zwanzigmarkstück für ein Veilchensträußchen ausgeben, wird aber deshalb das Volk die Telegramme an Reuter vergessen: Bravo! Feste drauf l? Wir glauben es nicht!_ Höflichkeit ist eine Zier... Wenn man als Angeklagter vor Gericht geladen wird, enthält die Anklageschrift die Berufsbezeichnung oder wenn es sich um eine weibliche Person handelt, dw Geschlechtsbezeichnung des oder der Angeklagten, Wenn nian'ln den Stand der Ehe treten will, so wird selbst diese Form außer acht gelassen; wenigstens scheint das beim Standesamt in Pankow der Fall zu sein Uns liegt eine Bescheini« gung eines Aufgebots vor, das folgendermaßen lautet: „Aul Grund des Aufgebots Nr, 2 ist die Eheschließung zwischen N, und K. vor dem Königlichen Standesanit zu Berlin-Pankow auf Sonnabend, den 14, März 1914, vormittags 19 Uhr fest- gesetzt." Irgendwelche Bezeichnung, daß die Ehe zwischen Herrn Müller und Fräulein Schulze geschlossen wird, fehlt. Das ist doch das mindeste, was man selbst von einem königlichen Standesamt in Pankow verlangen könnte, wenn schon jede Höflichkeitsform fehlt. Da erzählt man immer von dem heiligen Stand der Ehe, daß die Ehen im Himmel geschlossen werden, und hier fehlt Ivgar die nähere Bezeichnung der Personen, welche die Ehe schließen wollen. Vor einigen Jahren beklagte sich in Berlin ein bürgerlicher— tadtverordneter über die wenig höfliche Behandlung durch die Standesbeamten, man läme sich vor, wie wenn man vor Gericht erscheinen sollte beim Hin- treten vor den Standesbeamten. In Pankow scheinen die Verhältnisse nicht besser, sondern eher noch schlimmer zu liegen. Wie man mit einem Lehrling umspringt! Ueber die Behandlung von Lehrlingen scheinen im Betrieb der Pianofortefabrik von BogS u. Voigt tWarschaner Straße TO) eigenartige Ansichten zu gelten. Ein Lehrling G., der dort zu Michaelis 1913 eingetreten war, konnte am 27. Januar wegen plötzlicher Erkrankung nicht zur Arbeitsstätte gehen. Sein Vater sollte ihn durch Telephon entschuldigen, der unterließ das aber infolge eines Versehens. Als am nächsten Tage der Lehrling sich wieder in der Fabrik einfand, fragte ihn Meister Lemke, warum er gestern gefehlt habe. G.s Angabst daß er krank gewesen sei, fand bei dem Meister keinen Glauben. Das sei nicht wahr, behauptete der ohne weiteres, durch die Straßen sei G. gebummelt, weil des Kaisers Geburtstag war, ander Jungen hätten ihn ja ge- sehen. Seine Beteuerungen, daß dies ein Irrtum sei, machten auf den Inquisitor keinen Eindruck. Tatsächlich war G. auch am 28. Januar noch nicht wiederhergestellt, und er begab sich an diesem Tage in ärztliche Behandlung, die noch heute nicht beendet ist. Am 27. Januar hatte er die Wohnung nicht verlassen und bis 6 Uhr abends sogar im Bett gelegen. Vergeblich forderte G., daß man ihm die anderen Lehrlinge, die ihn„gesehen" haben sollten, gegen. überstellen möchte. Der Geschäftsführer Dvehmann sagt« ihm. er solle es nur zugeben, dann sei alles erledigt und er könne dann weiterarbeiten. Ein bißchen sonderbar ist ja dieses Verfahren, aus einem Angeschuldigten ein„Geständnis" herausholen zu wollen, indem man dem„Nichtgeständigen" mit der Aussicht auf Entlassung winkt. G. wollte selbst auf die Gefahr, daß er entlassen würde, das ihm zugemutete„Geständnis" nicht ablegen.„In seiner jugend- lichen Torheit erklärte er:„Na, wenns nicht anders ist, dann geben Sie mir meine Bücher." Das schlug dem Faß den Boden au?. „Mit so einem frechen Jungen", wetterte Meister Lemke,„können wir nichts anfangen; das beste wird sein, daß wir ihn raus» werfen." Und richtig erhielt G. alsbald vom Buchbalter Ochsen» reiter seine Papiere ausgehändigt und sah sich entlassen. Wahrscheinlich wird man jetzt die sofortige Entlassung be- gründen wollen nicht mit dem angeblichen Bummel, für den man dem Lehrling jeden Beweis schuldig geblieben ist, sondern mit seiner„Frechheit". Daß die„Frechheit" erst durch die Anschuldi- gung, geschwänzt zu haben, und durch die Drangsalierung mit dem Verhör hervorgerufen wurde, gilt wohl den Inquisitoren nicht als mildernder Umstand. Für den behaupteten Kaisersgeburtstags. Bummel allein würden sie eher mildernde Umstände gesehen haben. da so ein aus„patriotischem Drang" entstandener Fehltritt bei der Hoflieferanten firma BogS u. Voigt Wenn ihr« Hoflieferantentitel auch nur ausländische sind) doch gewiß nicht als unentschuldbarer Frevel eingeschätzt wird. An dieser Art, mit einem Lehrling um- zuspringen, ist da» seltsamst«, daß offenbar niemand eS für Pflicht gehalten hat, zunächst mal die Eltern des Lehrlings z u hören. Zwar war am Abend des 27. Januar eine Postkarte an den Vater abgesandt worden, die um Auskunft darüber ersuchte, warum sein Sohn ohne Entschuldigung Iveggeblieben sei. Aber selbstverständlich gelangte diese Anfrage erst am Morgen des 28. Januar in die Hände des BaterS, und zwar zu einer Zeit, wo der Sohn sich längst auf den Weg nach dem Geschäft gemacht hatte. Dort wurde nun nicht etwa abgewartet,'welche Antwort von dem Vater eingehen würde, sondern man entließ iuxH am Vormittag den Sohn. Ein Isjähriger Lehrling erklärt:„Geben Sie mir meine Bücherl" und das genügt, ihn ohne Anhörung seiner Eltern zu entlassen. DaS ist eine sehr merkwürdige Auffassung von der Bedeutung eines Lehrverh ältnisses, das bekanntlich dem Lehrherrn nicht nur Rechte gibt, sondern ihm auch Pflichten auserlegt. Die Eltern des Lehrlings G. werden wohl kein Verlangen danach haben, eine Fortsetzung deS Lehrverhältnisses durch Klage zu erzwingen. Im übrigen ist nicht mal ein schrift. licher Lehrvertrag vorhanden, so daß sie gegenüber der Firma Bogs u. Voigt ziemlich wehrlos sind. Eltern, die ihre Söhne in die Lehre geben wollen, mögen sich das zur Warnung dienen lassen. Von der neuen Obst- und Gemüsehalle. Au» dem Rathause wird geschrieben:„Tie Vorbereitungen für den Bau der neuen Obst- und Geinüse. Markthalle sind im vollen Gange. Zurzeit ist man innerhalb her beteiligten Verwaltungen mit der Ausarbeitung der SpezialProjekt« beschäftigt. Diese An- lagen in Verbindung mit dem zukünftigen Westhafen lassen einen bedeutsamen Aufschwung der Handels» und Verkehrsverhältnisse Berlin» erwarten. E» ist nicht recht ersichtlich, daß, trotzdem die Ausführung beider Projekt« von den Gemeindsbehörden beschlossen ist. immer noch von einigen Jnteressentengruppen in der Oefsentlichkeit gegen da» so hochbedeutsame Unternehmen der neuen GrotzmarkthMe Stellung genommen wird." Diese Mitteilung nimmt Bezug auf eine Agitation, die neuer» dingS aus Grundbesitzerkreisen ausgeht und die sich gegen da» be» schlossene Projekt wendet. Diese Agitation dürfte aber kaum Er- folg haben, da schon viel zu lange mit der Inangriffnahme der neuen EngroS-Markthalle gezögert worden ist. Die Zustände an der Zentral-Markthalle am Alexanderplatz sind so unhaltbar ge> worden, daß da» Polizeipräsidium seit Jahr und Tag die Ber» legung fordert, und mit Recht fordert. Ein Lebensretter ertrunken. Auf dem Krüpelsee bei Cablow brachen am Sonntag zwei Schulmädchen an einer dünnen Stelle ein. Ein 14 jähriger Junge au» Zernsdorf sprang sofort nach und rettete beide Mädchen. Er selber jedoch versank lautlos in den eisigen Fluten. Rettungsarbeiten waren bis S Uhr abends vergeblich. „Prophet Johannes", der vom Spandauer Schöffengericht für gemeingefährlich erklärte Kurpfuscher und- Gejundbeter aus der Gleimstratze. arbeitet mit seinem Hokuspokus zum Schaden der kranken Menschheit unentwegt weiter. Er hat. da die Dummheil nie ausstirbt, noch mehr Zulauf als sonst und äuhcrt sich sehr an» «rtennenSwert, daß ihm die Gerichte so billig Reklame machen. Jetzt heilt er zur Abwechselung mit— weißem Käse, den sich die an seinen Blödsinn glaubenden Weiber nachls auf den Bauch oder auf die verehrliche Kehrseite schmieren und dazu fleißig beten müssen. Weitzenberg verbreitet ein Anerkennungsschreiben, wonach er einen von den Aerzien für unheilbar erklärten Magenkrebs durch Auf» legen von weißem Käse geheilt hat. Der Mann muß entschieden die Rote>Kreuz-Medaille haben. Auch die Aerzte sollten, anstatt zehn teure Semester zu studieren, nur noch weißen Käse ver- ordnen, dann gibtS bald keine Krankheiten mehr— nach Weißen- berg. Zwei Kinde»«»rde. In der Nähe deS Marktplatzes an der Eber»siraße zu Schöneberg wurde gestern morgen auf dem Terrain der Wannseebahn die Leiche eine» neugeborenen Kinde» ge- funden, die in weiße Leinwand und Packpapier eingewickelt war. Wie angenommen wird, ist das Paket mit der Leiche aus einem fahrenden Wannseezug geworfen worden. Die Polizei hat umfangreiche Nachforschungen angestellt, bisher aber noch nichts er- mitleln können.— Auf einen KindeSmord deutet auch ein Fund hin, der gestern morgen in der Magazinstraße gemacht wurde. Dort wurde in dem Reisekorb eines Drenstmädchen» zwischen Wäsche versteckt die Leiche eines neugeborenen Knaben gefunden. Die Müller wrrrde nach dem Virchow-KrankenhauS gebrachl. Die Leiche wird im Schauhaus obduzieri werden, um festzustellen, ob da» Kind gelebt hat oder tot zur Welt gekommen ist. Winter in der Schweiz. ES gibt große Annehmlichkeiten des Winters, allerdings nicht für jene vielen Tausende, die wie in der letzten Frostperiooe hun- aernd, frierend und oft ohne Heim auf der Straße umherirren. Diesen vom Tische deS Lebens Gestoßenen erweist sich der Winter als eine furchtbare Marter. Zum hohen Lebensgenuß, zum Nerven- auffrischer wird er jenen, die, reichlich mit irdischen Glücksgütern versehen, sorglos durchs Leben gehen. Sie treibt die Langeweile in jene Gegenden der Erde, die im Zeitalter des Verkehrs und der kapitalistischen EntWickelung auch im Winter als Tummelplätze der internationalen Lebewelt gelten. Wer weder die prächtigsten Winter- und Gebirgslandschaften gesehen, noch beobachtet hat, wie sich der Reichtum die lebenspendenden Kräfte der klaren winterlichen GebirgSluft zunutze macht, der mag die naturgetreuen Abbilder be- trachten, die gegenwärtig im wissenschaftlichen Theater der Urania, Taubenstraßc, vor den Augen der Zuhörer vor- überziehen. Unter dem Titel:„Winter in der Schweiz" führt der Vortragende, Herr Professor Dr. Leo Wehrlr(Zürich), die An- wesenden in die reiche Pracht des Gebirgswinters. Dem Stuben- Hocker, der sich bei starkem Frost vielleicht nur hin und wieder über die kunstvollen Eisblumen an den Fensterscheiben ergötzt, wird bald klar, daß- der Winter einem Kunsthandwerker gleich die Natur gestaltet. Schon auf der„Bahnfahrt" ziehen prächtige Winterlandschaften vor unseren Augen vorüber; die Obstbäume täuschen den Blütenzauber des Frühlings vor. Und werden wir dann gar auf die Höhen des Gebirges geführt, so bietet sich uns «in überwältigendes Bild: unter uns ein dichtes Nebelmeer, über dem stahlblaue Gebirgsriesen emporragen. Wir besuchen den Wetteruracher auf St. Gotthard im Santis-Observatorium, der hier oft in furchtbaren Stürmen seines Amtes waltet. So un- angenehm, gefahr- und entbehrungsvoll diese Mission der Wissen- schaft sein mag— eines kommt uns zum Bewußtsein, nämlich: daß eS in diesem hohen GebirgSäther so manche Entschädigung gibt. Während der Vortragende die Zuhörer im ersten Teile seines be- handelten Themas mit all den Winterbildern der Schweiz bekannt macht, lenkt er im zweiten Teile die Aufmerksamkeit derselben auf den in den Schweizer Winterkurorten herrschenden Winter- spart. Ter Film ließ uns erkennen, daß die hier Erholung inchende Creme der Gesellschaft erfinderisch ist in der Anwendung deS Wintersports. Das Trabfahren ist nicht nur Mode auf unseren Rennbahnen, sondern auch in den Schweizer Winterkurorten und die dem Skisport Huldigenden- begnügen sich nicht allein damit, ei umherzutollen, sondern sie lassen sich zuweilen von Autos, ferden, ja Hunden ziehen. Ein solches Vergnügen erweist sich allerdings oft als großes Wagnis. Doch Uebermut und Wohlleben schreckt davor nicht zurück. M,t farbenprächtigen Bildern schloß der Bortrag, der einem großen Teil der Zuhörer nur erneut zum Be- wußtsein brachte, daß die Natur uns wohl einen unermeßlichen Reichtum abwechselnder Schönheit, eine unerschöpfliche Quelle leben- spendender Kraft bietet, daß alle die Wohltaten aber leider ver- schlössen bleiben denjenigen, die die Begründer und Erzeuger alles kulturellen Daseins sind._ Zeuge» gesucht. Perionen, die am 18. November 1913 Zeugen deS Renconires zwisiben dem Kutscher eines Möbelwagens und einem Radfahrer am Lützowplotz(Scdillstraße und Ecke Lützow-Ufer) waren, werden um Angabe ihrer Adresse an Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, Spandauer Brücke 1s, gebeten. vorottnachrichten. Neukölln. Aus dem Neuköllner Krankenhaus zu Buckow. Unsere Mitteilung(in Nr. 28), daß gegen das Neuköllner Krankenhaus der Vorwurf erhoben worden ist. in ihm habe ein mit Diphtherie eingeliefertes Kind sich eine Ge- sdblechtSkrankheit geholt, ist dem Magistrat peinlich. Er schickt uns eine Zuschrift, von der er meint, daß sie eine„Berichti- gung" sei und er ihre Aufnahme„gemäß(j 11 des PreßgeietzeS" fordern könne. Seine Erwiderung entspricht nicht im entferntesten den Vorschriften, deren Beachtung im Preßgesetz— er sollte sich dieses Gesetz einmal ansehen I— auch den„Berichtigern" auferlegt wird. Weitschweifig erzählt uns der Magistrat ein Langes und Breites über all das, was wir unter Benutzung eines an den Vater jenes Kindes gerichteten Schreibens der Krankenhausdeputation bereits in unserem Artikel— gleichfalls lang und breit genug— dargelegt haben. Er bestreitet nicht unsere Angabe, daß das vier- jährige Mädchen mit Diphtherie eingeliefert wurde, vom 19. Ro- vember ab SV, Wochen in Diphlheriestation 14 b bezw. zuletzt in einer dazu gehörenden Baracke lag und am 13. Dezember auf An- ordnung deS Krankenhauses als.gebeilt" entlassen wurde. Er äußert auch keinen Zweifel gegenüber der weiteren Angabe, daß an dem Kinde noch am Abend des EntlassungStages die Eltern deutliche Spuren eines Trippers entdeckten, die sie allerding» nicht sogleich richtig beurteilten. Bestätigen muß er, daß in derselben Station 14b, in der jenes diphtheriekranke Kind lag, ein als tripperkrank behandelte» Kind wegen einer auch bei ihm aufgetretenen Diphtherie untergebracht wurde. Der Magistrat wiederholt die schon in unserem Arsitel wiedergegebene Versicherung der KrankenhouSdeputation. daß besondere Vorsichtsmaßregeln ge- troffen worden seien. Die strengen Anweisungen de« Arzte« seien von dem Wartepersonal befolgt worden, fügt er hinzu. Dagegen unterläßt er leider, die von uns aufgeworfene Frage zu beantworten, ob das tripperkranke Kind in der Diphtherie- station eine besondere Wärterin hatte oder von einer gemeinsamen Wärterin mitbesorgt wurde. Wozu schildert uns der Magistrat, da doch im vorliegenden Fall eine Isolierung in be- sonderem Raum nicht stattfand, die Jsolierabteilungen und die sonst zur Verfügung stehenden Räume für Sonderisolierung? Sehr überflüssig ist auch sein nowmaligeS Gerede über die vier Kinder, die sür eine Racbt in zwei große Bellen gelegt wurden, weil Diphtheriestation und Baracke überfüllt waren. Auch da» sagte schon unser Artikel, ebenso, daß bei ihnen Diphtheriebazillen sich nicht mehr nachweisen ließen und daß unter diesen vieren nicht das tripperkranke Kind war. Auf unsere Bemerkung. Reservebetten seien nicht zur Stelle gewesen, erwidert die Zuschrift, daß die Reservebetten milbelegt waren und Ersatz aus anderen Stationen zu so später Stunde nicht herangeschafft werden konnte. Am anderen Morgen sei für die nolwendigenErsatzbetten.selbstverständlich sofort" gesorgt worden. DaS soll eine.Widerlegung' sein! Wa» bezweckt denn eigentlich der Magistrat mit seiner Erwiderung? Wir haben lange nicht so gelacht, wie über diese schnurrige.Berichtigung". In einem einzigen Falle macht die Zuschritt den Versuch, elwaS als.tatsächlich unrichtig" nachzuweisen. Als der Vater sein nun an Tripper er- krankleS Kind wieder dem Krankenhaus übergeben hatte, soll ihm auf seine Frage nach der Art der Krankheit ein Arzt deS Krankenhauses nicht, wie wir meldeten, gesagt haben:.Na, Sie wissen dock— I" Er habe den Vater ermahnt, mit seiner Behauptung einer im krankenhau» erfolgten Ansteckung vorsichtig zu sein. Wich- tigkeitl Ob der Arzt dem Vater gesagt(wie dieser noch jetzt aufrecht eihält) oder nicht gesagt hat, daß er.doch wisse", ist für die Schuldfrage sehr nebensächlich. Die Zuschrift erklärt, ein Verschulden treffe da's Krankenhaus nicht, darum könne auch nicht auf Zahlung ber Kosten für die erneute Krankenhauspflege verzichtet werden. Sie schließt:„Bei den vollkommenen Einrichtungen unsere« Kranken- Hauses können wir ohne Besorgnis einein gerichtlichen Verfahren zur Klärung der Erstattungipflicht entgegensehen." Will uns der Ma- gistrat nicht sagen, wem er die Schuld beimißt? 3ftz Wochen hindurch ist das Kind so vollständig von der Außenwelt abgeschlossen gewesen, daß selbst die Eltern es stet» nur durch ein Fenster be- trachten durften. Nach erfolgter Ansteckung braucht Tripper bis zum Ausbruch nicht mehrere Wocben, sondern einige Tage. Soll das Kind erst nach der Entlassung angesteckt worden sein und dann noch an demselben Tage schon nach wenigen Stunden deutliche Spuren eines Tripper» gezeigt haben? Oda soll eS die Ansteckung schon in das Krankenhaus mitgebracht haben und dann dort der zum Ausbruch gekommene Tripper Wochen hindurch unbemerkt ge- blieben sein? Wir sind neugierig, welche dieser beiden Unmöglich- keilen der Magistrat in einem gerichtlichen Verfahren für sich geltend machen wird._ Steglitz. Die Gcmeindrwählerliste ungültig? Von unseren Genossen ist gegen die Gültigkeit der Geniemdewählerliste Einspruch erhoben worden. Die Geineindeverlretung hatte vor einigen Jahren«in Ortsstatu« beschlossen, wonach die Abgrenzung der Wählerabreiliingen nach dem Grundsatz de» 1>/2-Durchschnitls aufzustellen ist. Diese« Ortsstatut wurde aber vom Gemeindevorstand nach dem Oberver- waltungSgerichlSurteil in Sachen Neukölln nicht mehr in Anwendung gebracht, da dies Prinzip in dem vorliegenden Fall den gesetzlichen Bestimmungen widerspricht. Der Gemeindevorstand nabm die Auf- stellung nach dem Prinzip der Drittelung vor, entsprechend dem Gesetz und den Entscheidungen deS Oderverwaltungsgerichts. Die Wirkung ist folgende: In der I. Abteilung beträgt die Gesamt- steuersumme 1 142 698, öS M., in der El. Abtellung 1 141 615,08 M.. in der III. Abteilung 1 141 104,90 M. Die III. Abteilung schließt mit einer oberen Grenze von 2V9.40 M. Steuern ab. Der Ge- meindevorstand hat bei derAbgrenzung der Wählerabteilungen folgendes übersehen: Das Gesetz über die Dreiklassenwahlin den preußischen Stadt- und Landgemeinden bestimmt, daß in den Gemeinden, die nach der letzten Volkszählung mehr als 10000 Einwohner zählen, die nach ß 1 des Gesetzes.erfolgte" Drittelung derart verändert wird, daß jeder Wähler, der mehr al« den im Durchschnitt auf einen Wähler in der Gemeinde entfallenden Steuerbetrag entrichtet, stet« der zweiten bezw. ersten Abteilung zuzuweisen ist. Bei der Berechnung des Durchschnitts sind in Abzug zu bringen 31S Wähler, die nach dem Kommunalabgabengesetz Staats- bezw. Gemeindeabgaben nicht zu entrichten haben, mit einer Geiamlsteuersumme von 294 478,35 M. Für die Ermittelung de« Durchschnitt» sind in Berechnung zu ziehen 15 966 Wähler mit einer Gesamtsteuersumme von 3 131 040,23 M, so daß un Durchschnitt auf den einzelnen Wähler«in Betrag von 196,10 M. Steuer entfällt: Alle Wähler, die mehr al« diesen Belrog an Sieuern entrichten, sind nach dem Gesetz und den Enlscheidungen des OberverwaltungSgerichlS der zweiten Abteilung oder der ersten zuzuweisen. Nach der aufgestellten Wählerliste sind aber noch Wähler der dritten Abteilung diejenigen, die bis 259,40 M. zahlen. Die Abgrenzung der Wählerabteilungen entspricht alio nicht den gesetz- lichen Bestimmungen, demzufolge ist die Wählerliste ungültig. Es ist abzuwarten, ob die Gemeindevertretung sich diese Schluß- folgerung zu eigen machen wird. Schöneberg. Di« verhafteten Kausleute Richard Magnus, Adolf Klein und Büchsenmacher Herzberg sind nach eingehendem Verhör au» der Haft entlassen worden. Nach einer Meldung soll sich herausgestellt haben, daß die Firma 2000 M. Verpflichtlmgen hatte, wovon 1500 M. inzwischen bereits getilgt worden sind. Lankwitz. In der gut besuchten Generalvenammlupg des Wahlvereins erstattete der Vorsitzende, Genosse Schimmeier, den Vorstandsbericht vom 3. Quartal. Leider könne der Bericht nicht günstig bezeichnet werden. Hinzukomme, daß der Inhaber des Vereinslokals. H. Schulz, dieses für die Sitzungen deS Wahlvereins zurückgezogen habe. Die Gründe für diese Maßnahme seien wohl zu suchen in baupolizeilichen Schwierigkeiten, die ihm als sozialdemokratischen Bereinswirt von der hiesigen Ortsbehörde bereitet werden. Trotz aller schikanösen Bestrebungen des Ortsgewaltigen, den Wahlverein obdachlos zu machen, werbe eö die hiesigen Genossen zu immer regerer Agitation anspornen.— Der vom Genossen Kisier erstattete Kassenbericht ergab an Einnahmen 297 M.. an Ausgaben 267 M. Der vom Genossen Radicke erstattete Gemeindevertreterbericht konnte aus dem Grunde kurz sein, weil fast alle Gemeindeangelegenheiten durch den kollegialischen Gemeindevorstand, ohne Zutun der Gc- meindevertretung, erledigt werden. Als Kandidaten zur bevor- stehenden Gemeindewahl wurden die Genossen Radicke, Lange und Hinze nominiert. Mit einem erneuten Hinweis zu recht reger Be- teiligung aller Genossen an den Wahlarbeiten schloß die Ver- sammlung. Tegel. „Die Attentate ber SoldateSka und der Scharfmacher." Mit diesem Thema beswäsligte sich eine stark besuchte Versammlung, in welcher der Reichstagsabgeordnele Alwin Brandes referierte. In seinem Vortrage kritifierle Redner das Verhalten der Scharfmacher in der Presse sowohl wie im Reichstage, die dabei sind, durch Ver- bot des StreikpostenstehenS das Koalitionsrecht der Arbeiterschaft illusorisch zu machen. Auch die Freisprechung deS Oberst Reuter sowie des Leutnani» Forstner unterzog der Redner einer scharfen Kritik. Reicher Beifall folgte seinen Ausführungen. Zum Schluß wies der Vorsitzende auf die Gememdeverirelerwohlen hin, mit denen sich in nächster Zeil eine öffentliche Versammlung beschäftigen würde.— Zu den bevorstehenden Gewerbegerichlswahlen habe sich jeder am Orte wohnende oder arbeilende Wablberechiigte in die Liste eintragen zu lassen, da er sonst kein Wahlrecht besitzt; die Liste liegt nur noch bis einschließlich 7. Februar, nachmittags von S— 6 Uhr, aus._ Versammlungen. Ter Zentralverband der Dachdecker� hielt eine gut besuchte Generalversammlung bei Wilke in der Sebastianstrahe ab. Ter Kassierer erstaltete den Kassenbericht vom 4. Quartal 1913. Die Einnahmen betrugen mit dem Bestand vom vorhergehenden Quartal 6144,40 M. Die Ausgaben 3042,71 M. Bleibt am 1. Januar 1914 ein Bestand von 3101,69 M. Dann nahmen die Mitglieder Stellung zum Geschäftsbericht des Vorstandes. Der Vorsitzende Görnitz ergänzte in längeren Ausführungen den Geschäftsbericht. der den Mitgliedern, durch Schreibmaschine vervielfältigt, zugestellt war. Danach hatte der Vorstand zweimal den Versuch gemacht, mit den Arbeitgebern zu einem Tarifvertrag zu kommen. Die Unter- nehmer haben sich aber stets ablehnend verhalten. Jedesmal haben sie geantwortet:„Der Zentralverband soll sich nur den Abmachun- gen mit der Freien Vereinigung anschließen." Die Unternehmer leben noch in dem Wahn, mit der Freien Vereinigung können sie alles erreichen. Wie eS aber mit der Freien Vereinigung bestellt ist, das haben die am I. Januar 1914 vollzogenen Wahlen zum Ge- sellenauSschuß und die Wahlen der JnnungSschiedSgerichtSbeisitzer bewiesen. Bei der Wahl zum Gesellenausschutz wurden für die Freie Bereinigung 47 Stimmen abgegeben, für den Zentralverband dagegen 67 Stimmen. Bei der Wahl der SchiedSgerichtSbeisitzer erhielten die Gelben 61 Stimmen, für die Kandidaten des Zentral- Verbandes wurden 106 Stimmen abgegeben. Zu dieser Wahl hatten die Gelben und die Unternehmer alles aufgeboten, um für sich den Sieg zu erringen. In recht zutreffender Weife schilderte Görnitz auch den TerroriSmuS, den die Unternehmer anwenden, um die Mitglieder in die gelbe Organisation zu pressen. Von diesem Gesichtspunkte au» betrachtet ist auch der Mitgliederrückgang zu verstehen. Zum Schluß forderte er alle Mitglieder zur emsigsten Mitarbeit auf. Die Diskussion über den Geschäftsbericht war eine recht lebhafte und sachliche. Irgendwelche Beschwerden wurden von den Mitgliedern nicht erhoben. Es wurde dann die Neuwahl deS Vorstandes vorgenommen. Als Vorsitzender wurde Görnitz einstimmig wiedergewählt. Desgleichen A l t h a u s als zweiter Vorsitzender, W e i S k e als Kassierer, Stolzenhain als zweiter Kassierer und Ernst Beutber als Schriftführer. Als Beisitzer wurden Otto Block, Richaro S ch o n a ck, Eduard Welze! und Emil F ö d e gewählt. Das ruchlose Treibe« der Scharfmacher und ihrer gelben Kum- pane beschäftigte eine gut besuchte Versammlung der Arbeiterschaft der SiemenS-Werke im großen Saal des Moabiter Gesellschafts- Hauses. Der Referent. Dr. Rudolf Breitscheid, ging auf die so- genannte„Propagandaversammlung der Gelben", die am 20. Ja- nuar 1914 im Kriegervereinshaus tagte, ein und zerpflückte be- sonders die nach dem Bericht im„Bund" dort von Dr. Nathan- f o n gemachten Ausführungen. An der Hand reichhaltigen Material» beleuchtete der Referent dann da» Treiben der Unternehmer und sonstiger Scharfmacher gegen das Koalitionsrecht und zeigte, wie sich die Obergelben als Handlanger der Reaktion und damit als Verräter der Arbeiterinteressen betätigen. Er verglich sie mit den Landsknechten des Mittelalters, die für Geld von jedermann zu haben waren. Mit scharfer Kritik beleuchtete er da» ganze gelbe System und führte den Siemensarbeitern vor Augen, wie not- wendig es sei, sich mehr denn je zum Kampf zu rüsten gegen die niederträchtigen Pläne der Scharfmacher. Minutenlanger Beifall bezeugte, daß Dr. Breitscheid allen Anwesenden au» der Seele ge- sprachen hatte. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Der Ver- sammlungsleiter Lück schilderte dann noch kurz, wie die gelbe „Propagandaversammlung" unter Ausschluß der Oefsentlichkeit tagte, so daß keine Möglichkeit gegeben war, den gelben Phrasen des Sekretärs der Industriellen, Dr. Sch n e i d e r. Dr. Nathan- s o n S und des Renommierarbeiters Glathe, entgegenzutreten. Nur gegen Einlaßkarten, die auf den Namen deS Betreffenden aus- gestellt waren, wurde Eintritt gewährt. Jede» muhte förmlich Spießruten laufen durch den Stab gelber Funktionäre. Gelbe Vertrauensleute durchquerten den Saal, um etwa verdächtige Per- fönen(freigewerkschaftliche Arbeiter) ausfindig zu machen. Tie gelben Macher hatten große Besorgnis und versuchten eine etwaige Opposition von vornherein mundtot zu machen. Unter Führung des Obergelben Lehmann, über den jetzt so„rühmliche" Ge- rüchte verbreitet werden, hatte sich eine gelbe Truppe mit.Radau- Instrumenten' im Saale plaziert. Diese„gelbe Kapelle" sollte in Funktion treten, wenn irgend ein Redner den gelben Referenten entgegenzutreten versuchen sollte. So konnte denn den gläubigen gelben Seelen ungehindert das gelbe Evangelium gepredigt werden. Äit einem brausenden Hoch auf den Deutschen Metallarbeiter- Verband wurde die Versammlung geschlossen. Hriefkaften üer Redaktion. Tie iartfttldjl e»rr«ft»lU>c ftenet 2 1 tt s e« fl t«« e 69, vorn tuet IrtMev — F a d r ft» Ii l—, nodientägltd) 00«*16 bis 7Vj Uhr atcmb», CmtsaicabI, von iVj dt» 6 Uhr oitnbä flott Jeder für de»«rirfloüe» befilmnrre»«»fragr tft ei» Buchfiodi und eine gohz Ol» Merkzeichen delzllfügen. Briefliche Äorwori wird»ich! encllt Anfrage», denen keine AdounementSouttinug drigefügi ist. «erde» nicht Seaniworiet Eilige grageu trage«an i» der«vrechftznde vat E. G., Norde«. 2.50 M. für das Kalenderjabr.— M. 1. 1. Aa, es kann em Eintrag an die LandeSverfilberungSanstalt gestellt werden, sofern die Rechte nicht bereits erloschen find. Ob dies der Fall ist oder nicht, läßt Ihre Darstellung nicht ausreichend erkennen. Eme Verpflichtung, den Zabn» erlatz zu gewähren, hat die ÜandeSversicherungSanstalt nicht. 2. Eine de- ttimmle Anzahl ist nicht festgesetzt. Diätenanfpillch besteht nicht.— A. Zt. 1816. l. Dazu war der Gendarm leider befugt. Die Waren müssen aber herausgegeben werden, sobald die Strafe bezahlt ist. 2. Auher- dem. 3. Leider ja, da§(30o der Gewerbeordnung das Mitführen des Gewerbelcheins verlangt. 4. Nein.— F. H. 82. 1. Ja, sofern Sie von der Armenverwalwng ein Armenattest bekommen. Dieses Attest ist dem Landgericht einzureichen. Es ist Beschleunigung geboten, damit die Berufungsfrist von einem Monat von der Zustellung des Urtell» ab ge- rechnet, nicht verstreicht. 2. Die Zeit des Verkehrs fällt in die gesetzliche Empsängniszeil, die vom 21. Oktober 1912 bis zum 19. Februar 1913 läuft. 3. Der Nachweis würde ausreichen. 4. Fall» Ihnen daS Armenrecht in der * Instanz bewilligt wird, kann daS Gericht einen AuSIagenvoischuß für Zeugengebühren nicht erfordern.- G. W. 39. Ihr Bruder ist nicht hastbar. — M. M. 23. DaS Polizeipräsidwin.— H. L. 13. sie find ebenfalls baftbar, da Sie Ihrer Frau gegenüber die Unterhaltspflicht haben und die Frau berechtigt ist, dai zum Unterhalt Erforderliche— dazu ge. hören auch Kleidungsstücke— selber zu kaufen. Sie tonnen Jh, er Frau sowohl, als wie auch Ihrem Bruder Prozessbollmacht geben. Bon der Be- stellung eines Anwalts raten wir ab. da aller Voraussicht nach der Prozess sür Sie verloren gebt.— I. 139. Wir können nur wiederholen, dass Ihre Angaben zur' Durchfübning eines Scheidungsprozesse« nicht aus- reichen, selbst dann nicht ausreichen, wenn sie beweisbar find.— I. Bü. New.— 23 H. 1. bis 3. Ja.— M. Sch- 63. Ihre Frau ist nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zu Recht veranlagt. — B.«. 2743. 1.% 123 Ziffer 2 G.-O.: Nor Ablauf der Vertrags- mätzigen Zelt und ohne Auflündigung können Gesellen und Gehilfen cnt. lassen werden, wenn sie eine« Diebstahls, ehter Entwendung, einer Unter- Ichlagung, eines Betruges oder eine» liederlichen Lebenswandels sich schuldig machen; Ziffer 8: wenn sie zur Fortsetzung der Arbeit unfähig oder mit ewer abschreckenden Krankheit behaftet sind.§ 516 B. K.-B. lautet: Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird deS Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er sür eine verhältnismässig nicht erbebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er mutz sich jedoch den Betrag an- rechnen lassen, welcher ibm für die Zeit der Verhinderung auS ewer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken, oder Unsallversicherung zukommt. 2. Pro Kalenderjahr IM.— BS. 33. 1. Zur Erlangung der Altersrente muh das 70. Lebensjahr vollendet sowie 1200 Beitrags- Wochen nachgewiesen sew. Hatten Sit bei Inkrafttreten de» Gesetzes das 40. Lebensjahr berests vollendet, fo werden für jede» volle Jahr, das Sie äller als 40 Jahr« waren, 40 Marken angerechnet. 2. 22,10 M. pro Monat. Marktpreise von Berlin am 31. Januar 1914. nach Ermittelungen des kgl. VolizeivräsidwmS. Mai» smixed). gute Sorte 15,80—17,20. Do.imi 15,00— 16,30, Mais i runder), gute Sorte 14,90—15,30. Richtftrvh 0,00—0,00 Heu 6,60-8,40. Martthallenpreife. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34.00-50.00. Sveisebobnen. weisse 35,00-50,00. Linien 35,00—80.00. Kanosieln(Kleinhdl.) 4.00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,50—2,40, Rindfleisch, Bauchfletich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2.40—3,00. 60 Stück Eier 4,80—7,20. 1 Kilogramm Karvien 1210—2,60. Aale 1,60—3,40. Zander 1,20—3,20. Hechte 1.60—2,80.»an die 0,80—2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.60, 60 Stück Krebse 3,50—24,00. WttterungSübersicpt vom 2. Februar 1914. 2 Schnee—3 sswoikenl 1 wollig 10 Lchedeckt � 10 21 wolkenl;—l 1 1 Wetterprognose für DienStag, den S. Februar 1914. Vielfach heiter, am Tage sehr mild bei mässigen südwestlichen Winden, keine oder unerhebliche Niederfchläge. Berliner Wetterburrau. erlin Franks. a.M München Wien Todes-Anzeigen SozialtakratiseberWalilTefelD L12.ßerl.Reiohsta5S-ffaWkrsis. Bezirk 51. Am Sonnabend, den 31. Jan., verstarb unser Mitglied �uxuste Stinke. Ehre ihrem Andenke« k Di« Beerdigung findet heute Dienstag, den 3. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Luther-KirchhofeS zu Lankwitz aus statt. 205/6 Der Vorstand. SoziaWemokraüscberWatteein LlUepl. Reicbstagsvaiiikreis. Petersburger Viertel. Bez. 407 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass untere Genoffw, Frau Wie Ladzlltovski Eibinger Str. 10, gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag. 5. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zeniral-Friedhofes w Friedrichs- leide aus statt. ßärlitzer Viertel. Bezirk 199 1. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Aenoff«, der Vergolder tisas L-eteder Grünauer Str. 2. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zenttal-Friedbose» in Friedrichs- selbe auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Per Vorstand. Deutsctier Rolzarbeiter-Yerbaod. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unser Kollege, der Stock- a'beiter 82/18 Dawell Gartenstrasse 60, im Atter von 24 Fahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung swdet heute DienStag. den 3. Februar, nach- mittags 3'jU Uhr, von der Leichen- halle deS Sebastian-KirchhoseS w Rewickendorf, Humboldtstrasse, auS statt. Die OrtSverwaltung. RellLebeptielaRapbellep-Yerbaiil! Vertteitiingestelie Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mttglied, der Klempner I/, Ubr, von der Leichen- ball« des Städtischen Zentral FrtedhoseS w Fried richSfelde auS stall. Rege Beteiligung erwartet ill/20 Die Orteveraeltung Yerbanil der Maler, Lackierer, ÄDStreieber usw, Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mttglied, der Kollege prit? Meklernntin am 29. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung swdet heute. DienStag. den ck. d. MtS., nach- mittags 3 Ubr, von der Halle des Friedhofes der Segens- gemeinde in Beissensee, Adolf- stratze, auS statt. 136/7 Der Vorstand. Md.Me!der.MeiderjiHiell d. Wäscbearbeiter Deatseblands. Filiale Berlin. Unsere» Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herren- massschnewer, Kolleg« Johann Nousiaineo am 1. Februar im 69. Lebensjahre verstorben ist. Ehre sewem Andenke»! Die Beerdigung swdet am Mittwoch, nachmittag» 21/, Ubr, von der Halle de« JohanniS-Kirch- boseS, BarfuSstrahe, aus statt. 162/12 Die Qrtsverwaltnug. Transportarbeiter- Verband. Bezirkeverwaitung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass unsere Kollegin, dieBotensrau Xnna Marquardt am 3t Januar im Aller von 38 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am DienStag, den 3. d. Mi»., nachmittag» 4 Uhr, von der Salle deS Jatobi-Kirchhofe« w Neukölln, Hermannftr. 100, auS statt. Um rege Betefliaung ersucht 6t/20 Oie Bezlrkoarwaltung Für die vielen Lewesse herzlicher Antettnahme bei der Beerdigung meine« lieben ManneS, deS Werkzeug meisterS Artur Abrahamsson jage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, seinen lieben Kollegen, Freunden und dem Herrn Berti«ter der Firma Weber u. Co. mewen herzlichsten Dank. 789b Frau liell«lg ftbrahamseon geb. Lother. Danksagung» Für die vielen Beweise berzNcher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Bräutigam» Christian Jlitsch sage ich den Meistern, sowie allen Kollegen und Kolleginnen der A. E.- G., Ackerstraße, meinen innigsten Dank. 125A Minna ttüxe. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme Lei der Beerdigung meiner inniggelleb- ien Frau. Mutter, Tochter, Schwagerw und Tante Elisabettn No&l geb. Httller sprechen wir dem Cbef und den Kollegen der Firma Rohrbach und den Mietern de« Hause» Pantstt. 6 unseren herzlichsten Danl aus. Wilhelm NoSl 125s nebst Tochter, Schwiegereltern und Geschwistern. Danksagung. Für die vielen Bewcsse herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung mewe» lieben Manne», unsere» lieben Vater«, Schwiegervater» und Grossvater«, de« Eigentümer» 111A Rudolf PrcBIcr, sowie für die schönen und zahlreichen Kranzspenden sagen wir allen lieben Freunden und Bekannten, WSbelondere der Freien HUfStass« der Metall- arbetter, sowie den Mietern de« HauleS Teupitzer Str. 104 unseren herzlichen Dank. VIe traueraden Hinterbliebenen. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄS. 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. H.Pfau, T," DireksenslraBe 20 zwischen Bahnhof Ale�and erplatz und Polize' ränbmm.— aiml Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankentaffe«. Möbelfabrik. Rob. Seelisch Berlin 0 Rigaer Straße 71-73. GegrOndel 1876 ninstrlert«!1 Katalog Wo. 18 gratis and franko. Wotanclnuner„Kolberg;» kompl. TU. 385.- Spezialität: Kompl.Wohntingselnrichtutigeiivon 200-3000 Mark und darober. BlekereigenosseDsebaft „Yolksbrot" Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. Dreizehnte ordentliche General-Versammlung am 15. Februar 1914. morgen» 9 Uhr, im GenoffenschastSwirtShauS, Westend. Königin-Elisabeth-Sttasse 6. TageSordnun 1. JahreSrechnung und bericht 1912/13. 2. Befchlussfaffuna über Bilanz, Vor- luftdeckung 19t2/13unb Entlastung. 8. Ergänzung des AussichtSrattzS, 4. Festsetzung deS Gesamtbetrages, den die Anleihen der Genossen- fchaft nicht überschreiten i ollen. Bilanz und Gewinn- und Verlust- rechnung tonnen w unierer Geschästs- stelle, Fehmarnstrasse 10, eingesehen werden. 784b Bäckereigenossenscbatt„Yolksbrot" Ewgetiogcne Genossenichast mit beschräntter Hastpflicht. Der Borstand. Ronstsr. Korn. Uabsrall za haben InFleeeben von igPl.en. Fabiik: Chemhchc WerkeLubstynsluiCa Aaüengesclucliatt, Berlin- Ucfltenberf, zur AusfQhrung jeder Art Malerarbeiten für Berlin und Umgegend, eingetragene Genossenschaft mit beschräntter Haftpflicht. 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