Ar. 34. flbonnementS'ßedingungcn: ftbonncmentä• Preis ptämimetmtbo: Vierteljährl. S,30 Mk, tnoiiall. 1,10®vf, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pig. Sonntags- nummer init illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- klbonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prcislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2.60 Marl, für das übrige Slusland 4 Marl pro Monat. Poslabonnemenls ncbmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. erfdtdnt täglldi. Verlinev VolKsblatt. Die snkertlonz-Sebilhe Betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins- Und Versammlungs-Anzeigci, 00 Pfg „kleine Unoetgen", das settgedru-lte Wort 20 Pfg. fzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstellen™- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 16 Buch- staben zahlen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer mülse» bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedirio» jfl bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm- Adresse: „SdÄsillimglirzt Reriia", Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplatz, Nr. 4S8Z. Mittwoch, den 4. Februar 1914. Expedition: SM. 68, �.indenstvasse 69. Fernsprecher: Amt Aioritiplati, Nr. 4984. Wo ist üer Würger! In der Nacht vom 11. zum 12. November 1908 fanden auf der Zeche Radbod durch eine furchtbare Grubenkatastrophe 343 Berg- leute ihren Tod. Da endlich raffte sich die preußische Regie- rung zur Einbringung jener Berggesetznovelle auf, die am 24. Mai des nächsten Jahres vom Dreiklassenparlamcnt in dritter Lesung nach den Beschlüssen des Herrenhan es an- genommen wurde. Endlich sollte der ungeheuerliche Zustand, daß Preußen mit tödlichen Unfällen im Steinkohlenbergbau weitaus an der Spitze der wichtigsten Bergbau treibenden Länder marschierte, beseitigt werden. Leider nur blieb der Erfolg dieses Gesetzes, mit dem der damalige preußische Handelsminister Delbrück um die Seele der Bergarbeiter ringen wollte, völlig aus. Fast Jahr für Jahr erzwangen neue ähnliche Grubcnkatastrophen neue Interpellationen, bis jetzt gleich zu Beginn des neuen Kalender- jahres das Unglück auf der Zeche Achenbach bei der am Dienstag verhandelten Interpellation abermals die Frage aufrollte: Gibt es denn wirklich kein Mittel, um dem schwarzen Tod, der in unseren Bergreviercn als grausiger Würger um- geht, wenigstens soviel Opfer zu entreißen, daß die Todes- ziffer der preußischen Gruben nicht mehr alle anderen Länder hinter sich läßt? Wer die Grubrnherren durch den Mund der Abgeordneten A l t h 0 f f und Schräder und auch den derzeitigen preußischen Handelsminister S y d 0 w hörte, mußte freilich glauben, daß es sich bei der ungeheuren Todcsernte unter den preußischen Bergarbeitern um ein tückisches, schier unabwend- bares Fatum handle. Schloß doch der Minister mit der Be- tonung der„großen objektiven Gefahren des Bergbaues", die aller bcrgpolizeilichen Vorschriften spotteten, sprach er doch von„Elementarcrcignissen", die alle menschliche Weis- heit zu Schanten machten. Und sagten doch die nationalliberalen Bergherren immer wieder das Spruch- lein her, daß alle Grubenkatastrophen niemals zu vermeiden seien. Aber die Verteidiger des Grubcnkapitals wurden noch deutlicher: Der Herr Minister selbst machte das System der Sicherheitsmänner mitverantwortlich. Diese verstünden zu wenig von den technischen Verhältnissen des Bergbetricbes und entzögen sich obendrein manchmal ihrer Pflicht, indem sie im Interesse ihrer Mitarbeiter von der Anzeige absähen. Also Elementarereignisse und die Unkenntnis und Pflicht- widrigkeit der Sicherheitsmänncr sind danach die Haupt- schuldigen für die entsetzliche Stetigkeit der Todesziffcr im preußischen Bergbau! Diese oberflächlichen Redensarten stießen freilich im Hause bei den wirklichen Kennern der Verhältnisse auf geharnischten Widerspruch. Mit überwältigender Sachkunde und einer Fülle des schlagendsten Tatsachenmaterials widerlegte in eindrucksvollster Rede Genosse H u e die schiefe Darstellung der Berginteressenten und ihres Sekundanten auf der Minister- bank. Er zeichnete mit markigen Strichen das wahre Bild der preußischen Grubenzustände, in denen trotz der Masse der bergpolizeilichcn Vorschriften, auf die sich Herr Sydow so viel zugute getan, im Vergleich zu anderen Ländern für die Sicherheit der Grubensklaven nichts Ersprießliches geleistet werden kann, weil die Selbstherrlichkeit und der Terror der Bergherren sich über die wichtigsten Vor- schriften einfach hinwegsetzt und durch Einschüchterung und Schikanierung der Sicherheitsmänncr deren Tätigkeit rücksichts- los vereitelt. Das behauptete Hue nicht nur, sondern das Ivies er durch zahllose Beispiele nach. Vergebens suchten die Herren von der nationalliberalen Partei die unerbittlichen Feststellungen Hues durch Zwischenrufe zu entkräften— sie erlitten jedesmal eine blutige Absuhr, und als die sofort zu Zeugen ausgerufenen Vertreter des christlichen Bergarbeiter- Verbandes die schweren Anklagen unseres Genossen jedesmal bestätigen mußten, da verstummte schließlich kleinlaut die Opposition der Grubenvertreter. Aber auch das, was der Interpellant I m b u s ch sowohl, wie die nach Hüe sprechenden Abgeordneten B r u st und K 0 r- f a n t y vorbrachten, vermochte nur die Darstellung des sozial- demokratischen Fraktionsredners zu erhärten. Die rücksichts- lose Jagd nach Kohlen, die Uebcrarbeit und die Drang- salierung der Sicherheitsmänner, so erklärten auch sie, trügen einen guten Teil der Schuld an den nicht abreißenden Gruben- katastrophen. Gegenüber solch gehäuften Anklagen verging begreiflicherweise dem zweiten nationalliberalen Redner, Dr. C r c ni e r° Hagen, die Lust, die hoffnungslose Verteidi- gung des Grubcnkapitals zu führen. Er überließ die un- dankbare Aufgabe dem frcikonservativen Abgeordneten Schräder und ließ sich auf der Rednerliste soweit zurück- stellen, daß ihm nachher die konscrvativ-nationalliberale Mehr- heit durch den üblichen Schlußantrag die WoHlkch des Wortabschneidens eriveisen konnte. Das hielt freilich diesen Herrn Abgeordneten nicht ab, in persönlicher Bemerkung sein Be- dauern über den Schlußantrag auszusprechen, dem seine eigenen Fraktionskollegen zur Annahme verholfcn hatten! Da auch der fortschrittliche Redner, Abgeordneter T r a u b, in die Kritik der schonungslosen Selbstherrlichkeit der Grubenbarone eingestimmt und die kategorisch)? Forderung erhoben hatte, daß endlich zur Wahrung der nationalen Ehre dem Grundsatz Geltung verschafft werde:„in erster Linie die Menschen, in zweiter erst das Gold," könnte man wähnen, daß der Gedanke der Humanität und der Arbeiterfrcundlichkeit selbst im Geldsackparlament einen entscheidenden Triumph über das selbstsüchtige Profitinteresse des Grubenkapitals davongetragen habe und daß die große Armee der Berg- arbeiter endlich hoffnungsvolleren Zeiten entgegengehe. Leider liegen die Dinge ganz anders. Denn wer die früheren Jnter- pellationen aus gleich tragischer Ursache und namentlich auch die Verhandlungen über die Berggesetznovelle vom Jahre 1999 im Dreiklassenparlament miterlebt hat, weiß, daß fast all die heutigen Anklagen und Tatsachen schon damals ebenso nachdrücklich vorgetragen wurden. Der Hinweis auf die der- gleichsweise ungeheuerliche Todesziffer, aus die Gefahren der schwersten Art heraufbeschwörende Antreiberei zur Arbeit, auf das mörderische Akkordsystem, auf den Terror der Gruben- barone, alles das hörte man schon damals. Und was war der Erfolg? Daß die beiden konservativen Parteien in trotzigeni Scharfmachcrbund mit den Nationalliberalcn aus dem Ar- beitcrschutzgesetz die berüchtigte„Weiße Salbe" machten, über die— auch das kam damals schon zur Sprache— die Bergherren in ihrer geheimen Zusammenkunft im Palasthotel schon vorher ihre zynischen Glossen gerissen hatten. Und daß das Zentrum, einschließlich der christlichen Bcrgarbeiterführer, diese arglistige Gesetzesfabrikation mitmachte und sich nicht genug entrüsten konnte über die„maßlose" Kritik und die warnenden Prophezeiungen der Sozialdemokratie. Daß die Bergarbeiter statt unabhängiger und nnt wirklichem Einfluß ausgestatteter Arbciterkontrollcure � die famosen Sicherheits- niänner bekommen haben, war nicht zuletzt Schuld der Herren Jmbusch und Brust, die damals die alten Forderungen ihres eigenen Verbandes preisgegeben hatten. Was nützt es dä, wenn jetzt dieselben Herren Klage- lieber anstimmen, über den Terror der Zechengewaltigen jam- mern und an das Wohlwollen der Grubenherrcn und der Re- gierung appellieren! Den herrschenden Gewalten imponieren schöne Worte verteufelt wenig. Sie wollen Taten sehen. Und die Taten der christlichen Vergarbeitcrfllhrer bei der Berggesetznovelle und dem letzten Bergarbeitcrstreik sind wahr- haftig nicht dazu angetan, Respekt vor dem ernsten Willen des Zentrums und seiner„Arbeitervertreter" einzuflößen. Der Appell an die Humanität prallt wirkungslos an den Nutz- nießern des Grubenkapitals ab, und auf wessen Seite sich im Widerstreit zwisdhen Kapitalisten- und Arbeiterinteressen die Regierung stellt, das haben ja die Auslassungen des Handels- Ministers über die Sicherheitsmänner und seine höhnische Ab- lehnung der Grubcnkontrolleure am Dienstag wieder sattsam bewiesen. Wir fürchten deshalb, daß diese Interpellation leider lange nicht die letzte gewesen ist und daß es noch ganz an- derer Selbstbesinnung der Grubensklaven auf ihre Kraft und ihre proletarische Solidarität bedarf, um dem Würger Tod das grausame Szepter zu entringen! Um das Koalitionsrecht. In Württemberg wurde in den letzten Wochen in einer Reihe von Versammlimgen der Kamps für Erweiterung und Eiche- rung des Koalitionsrechts fortgesetzt. In Slbwenningen,' dem Mittelpunkt der Schwarzwälder Uhreninduslrie, in Stuttgart, in Ulm, Reuilingen, Eßlingen, Cannstatt, Feuerbach, Biberach und vielen kleineren Orten wiesen die Versammlungen starke Beteitigung auf. In allen Verscmimlungen gelangten Resolutionen zur Annahme, in denen neben schärfstem Prolest gegen die Pläne, die die Verteidiger der Militärdiktatur und die Feinde jeder selbständigen Regung der Arbeiier verfolgen, die Erweiterung des KoalitionSrcchts durch Auf- Hebung des K 153 der Gewerbeordnung und Schaffung strafgesetz- licher Bestimmungen gegen den mit schwarzen Listen, Reversen usw. verübten Rechtsraub verlangt wird. Eine Verschärfung des Kampfes um das Koalitionsrecht wird in Württemberg eintreten durch den am 2. Februar eröffneten Arbeitsnachweis des Vorstandes württembergischer Metallinduftriellen. Die bewährten kommunalen Arbeits- ämter, die unter der Kontrolle paritätischer Komnussionen stehen, sollen für die gesamte Metallindustrie ausgeschaltet werden. Kein Arbeiter soll in der Metallindustrie mehr eingestellt werden, der nicht beim Arbeitsnachweis des Unternehmerverbandes um Arbeit gebeten und die hier vor sich gehende Musterung erfolgreich be- standen hat. So wollen es die Herren Scharsmacher, denen nach dem für die Arbeiter ungunstigen Ausgang bei der großen Stutt- garter Firma Bosch der Kamm ordentlich geschwollen ist. Da Boich selbst bis vor wenigen Monaten keinem Unternebmerverband an- gehörte, mußten die Heißsporne des Verbandes der Metallindustriellcn bis dahin ihren Tatendrang ein wenig zügeln. Nachdem aber nun- mehr auch Bosch dem Verband angehört,, geht dieser aufs Ganze. Nochmals Gelbe und Bordelle. Nach dem Bericht der„Deutschen Fleischergcsellen-Zeitung", dem Organ der Gelben, Nr. 3 vom I.Februar ist Rolle einstimmig tvieder zum Vorsitzenden der Magdeburger Fleischergesellen-Brüderschaft getvählt worden. Die Magdeburger Brüderschaft gehört dem gelben Bund an und ist im Bezirk Sachsen und Anhalt der größte Verein. Die Ver- suche des Vorstandes des Deutschen Fleischergesellenbündes und dessen Vorsitzenden Brednow, den Rolle von sich abzuschütteln, sind also eitel Spiegelfechterei. Rolle mag den Konservativen zur Ehrung für ihren„Arbeits- Willigenschutzantrag" ein Kaiserbild überreichen— oder gibt's kein solches mehr in der Nr. 48 Knochcnhauerufcr in Magdeburg? Zuweitgehendes Koalitionsrecht. Die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung"— Nr. 5—, das Sprachrohr der M.-Gladbacher Gewerkichaftsstrategen. beschäftigt sich mit den Anträgen der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion zum Ko« alitionsrccht und findet sie teilweise zuwcitgehcnd! Schau, schau. Das ist schon das Vorspiel zum christlichen Unrfall und Verrat. Die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften, die natürlich genau ttas- selbe Interesse am Koalitionsrecht haben wie die freien Gcwerk- schasten, weiden gut tun. ihren Tribunen auf die Finger zu paffen. Man denke nur: z u w e i t g e h e n d ist den ultramonianen Drahtziehern die selbstverständliche Forderung auf Ausdehnung der 8 152 Absatz 1 der Gewerbeordnung auf alle Angestellten und Arbeiter. Wollen die Abgeordneten Gicsberts und Genossen den Landarbeitern, Dienstboten und den Angestellten in Staatsbetrieben nach wie vor das Koalitionsrecht vorenthalten? So sorgt man dafür, daß die Junker weiter erbärmliche Löhne zahlen können und Pen Industrie- arbeitern gewerkschaftliche Erfolge durch die vom Lande herein« kommenden, an niedrige Löhne gewöhnten Arbeiter erschwert werde». Fast noch bemerkenswerter für die.KoalitionLfrcundlichleii� der Zenlrumsabgeordneten ist der Widerspruch gegen folgende Forde- rungen: „ES ist im Gesetz ausdrücklich auszusprechen, daß jede Abrede und jedes Rechtsgeschäft als gegen die guten Sitten verstoßend, nichtig sind, wonach der Dienstverpflichtete gewissen, politische oder soziale Interessen vertretenden Vereinen nicht beitreten darf oder aus ibnen auszutreten hat." „Es ist mit Strafe zu bedrohen, wer die Ausübung de< KoalitionSrechts der Arbeiter hindert oder zu hindern sucht." Das ist wirklich stark. Also die Bestimmung, die sich gegen den Terrorismus der Unternehmer und ihrer Trabanten richtet, findet die„Westddeutsche Arbeiterzeitung"— z u w e i t g e h e n d. Dadurch bekunden die Herren, daß sie als Mitglieder des Zentrums nicht nur kein freies Koalitionsrecht wollen, sondern sogar für Straffreiheit des Koalitionszwanges und des Raubes staatsbürgerlicher Rechte sich erwärmen. Und diese Herr- schasten zetern seit Jahr und Tag über sozialdemokratischen Terrorismus l Zum Kuckuck noch mal: wenn man an die Schauer- geschichtcn über Vergewaliigimg christlicher Arbeiter glaubt, warum sorgt man nicht für gesetzliche Bestimmungen zum Schutze der Koalitionsfreiheit? Die Erklärung liegt nahe. Die Arbeitgeber im Zentrum, die kapitalistisch Interessierten in dieser„Volkspartei", wollen sich das Recht auf Terrorismus, auf den Zwang zugunsten ihnen angenehmer Vereine, auf Bekämpfung nicht gern gesehener Organisationen nicht nehmen lassen. Das erklärt die verdächtige Haltung der christlichen Gewerkschaftsführer als M. d. R. Sie stellen die gewerkschaftlichen, die Arbeiterinteressen hinter die Klassen- inieressen der im Zentrum dominicrendcil ausbeuterischen Gruppe» zurück.______ der Zweck öer Uebung. Mit dem Ausnahmegesetz, das die Konserpativen gegen die Koalitionen der Arbeiterschaft fordern, hoffen ste nicht nur der gewerkschaftlichen, sondern auch der politischen Bewegung des Proletariats einen schweren Schlag zu versetzen und aus diese Weise die Gefahr, die ihnen von dem stärksten und ent- schlossenstön Gegner ihrer Machtansprüche droht, einigermaßen zu verringern. So natürlich dieser Wunsch ist, so bietet er aber doch noch keine ausreichende Erklärung für den großen Eifer, den die Rechte auf dem Gebiete des Schutzes der Ar- beitswilligen in der letzten Zeit entwickelt hat. Ihre Be- geistcrung für ein gesetzliches Eingreifen, das zunächst in einem Verbot des Streikpostenstchens gipfeln soll, muß noch andere Gründe haben. Zum Teil wurzeln sie in Erwägungen, die sich aus den Verhältnissen der landwirtschaftlichen Arbeiter ergeben. Nicht als ob die Großgrundbesitzer die Ehre, die Freiheit und die Sicherheit der Landproletarier durch streikende bedroht sähen: das komnit gar nicht in Frage, zumal den landwirt- schaftlichen Arbeitern das Koalitionsrecht in der Hauptsache fehlt. Aber den Agrariern ist jede Einschränkung der Rechte und der Freiheiten der Industriearbeiter schon deshalb will- kommen, weil sie sie der Angst, sie könnten zu Z u g e stä n d- nissen an ihre eigenen Arbeiter genötigt werden. enthebt und gleichzeitig in ihnen die Hoffnung aufkeimen läßt, daß der Anreiz zur L a n d f l u ch t verringert werde. Völlig jedoch lassen sich die konservativen Manöver nur begreifen, wenn man ihre ganze politische Situation mit in Rücksicht zieht. Ihre- Vorstöße gegen das Koalitionsrecht sind zum guten Teil nur Mittel zu dem Zweck, die allge- mctnc St el�un ff ber Parte??iu verbessern und haben daher ungefähr die gleiche Bedeutung wie die patriotischen Bemühungen zugunsten der Monarchie', des Heeres und der kaiserlichen Kommandogewalt. Seit der Niederlage von 1312 haben die Führer der Konservativen das dringende Bedürfnis, die Basis, aus der sie stehen, zu er weitern und Bevölkerungsschichten zu sich herüberzuziehen an die sie als ausgesprochene Agrarpartei nicht hatten heraw kommen können. Hand in Hand damit ging von Anfang an die Absicht, bald mit Lockungen, bald mit Drohungen den Nationalliberalismus wieder vollständig für die Sache der Ztaatserhaltenden zu gewinnen und sie aus der sogenannten Umklammerung durch die Linke zu lösen. Beiden Bestre bungen winkte Erfolg, wenn es gelang, eine auch den Besitzen den im nichtagrarischen Lager willkommene Parole zu finden mit anderen Worten, wenn die Gefolgschaft Heydebrands den Eindruck zu erwecken vermochte, daß sie von nun ab nicht mehr ausschließlich die Politik des Großgrundbesitzes, son dern ähnlich wie die englischen Tories die P o l i k aller wohlhabenden Leute machen wolle. Zu den wohlhabenden Leuten aber gehören vor allen Tingen die großen Industriellen, und für sie wird daher der Köder des Schutzes der Arbeitswilligen ausgeworfen. Da die .Konservativen von den Wählerstimmen der Industriearbeiter nur in sehr geringem Maße abhängig sind, können sie bei ihren Angriffen gegen die Koalitionsfreiheit sehr weit gehen. Sie dürfen es, ohne starke Nackenschläge befürchten zu müssen, ivagen, ein kl a r e s Ausnahmegesetz gegen die� Ar- beiter zu fordern tmd sich so den Herren vom großen Schlot als die rücksichtslosen Verfechter ihrer Wünsche empfehlen. Damit haben sie dann die Nationalliberalen ausgestochen denn die sind im Hinblick auf die Zusanimensetzung ihrer Wählerschaft nicht in der Lage, für das klare gesetzliche Ver bot des Streikpostenstehens einzutreten und können anderer seits die Konservativen auch nicht durch die Forderung eines gesetzlichen Einschreitens gegen den Terrorismus auf allen Gebieten übertruinpfen, wenn sie nicht eine Grube graben wollen, in die unter Umständeir auch das Unternehmertum einmal hineinfallen würde. Aber die Sorge, es könnten die industriellen Kühe von ihrer Weide weggetrieben werden, hindert die Nationalliberalen natürlich daran, sich der Aktion vollständig zu entziehen. Sie versuchen es mit dem. was der konservative Abgeordnete v. Gräfe� in seiner Rede zum Etat des Innern spöttisch das Herum kr i e ch e u mit Polizeiverord nungen um das Streikposten stehen nannte, und geraten auch damit in jenen scharfen Gegensatz zu der Arbeiterbewegung, der sie den konservativen „Sammlungswünschen" geneigter macht. Der Rechten liegt im Grunde gar nichts daran, daß ihr Antrag auf Erlaß eines Sondergesetzes zum Arbeitswilligen schütz im Reichstag eine Mehrheit findet. Es ist ihr im Gegenteil ganz lieb, wenn sie isoliert bleibt, denn diese Tat- fache bietet ihr die Möglichkeit zu Verdächtigungen der am deren bürgerlichen Parteien, und schließlich kann sie doch alle die Versuche, die gemacht werden, das Ziel einer Beschrän- kung der Koalitionsfreiheit, sei es auf dem Wege über die Polizeiverordnungen, sei es bei Gelegenheit der allgemeinen Reform des Strafrcchts, zu erreichen, als einen Erfolg ihrer Agitation buchen. Viel wichtiger ist ihr. daß sie mit Hilfe der Sympathien, die sie sich in den Kreisen des Zentralver- bandes deutscher Industrieller erwirbt, den Nationalliberalen etwa noch vorhandene Neigungen zu einer liberalen Politik vollständig austreibt und sie an den Wagen der konservativen �Interessen kettet. Schon um ihre direkte Ablehnung eines Ausnahmegesetzes gegen die Streikenden in Vergessenheit zu bringen, werden die Bassermann und Schiffer alles tun. um in anderer Beziehung ihre nationale Gutgesinntheit in das hellste Licht zu rücken. Darauf aber rechnen die Agrarier für die bevor- stehenden Kämpfe uni den Zolltarif und die Han- dclsver träge. Es ist. wie es so oft schon war: Sie sammeln die bürgerlichen Parteien, um den Umsturz und die Demokratie abzuwehren, und wenn sie alle beieinander sind, dann benutzen sie das geduldige Philisterpack, um sich ihre Privilegien erhalten zu helfen. Die Monarchie ist eine schöne Sache, aber der Roggenzoll von 3 M. und der Weizenzoll von 5,33 M. sind eine noch schönere. So lebhaft die Kon- iervativen auch von dem Wunsche beseelt sind, die Organisa- tionen der Arbeiter zu zerschmettern, so würden sie sich für die Streikbrecher die Finger wahrscheinlich nicht schmutzig machen, wenn diese ehrenwerten Mitbürger ihnen nicht gleichzeitig dazu verhelfen sollten, eine Mehrheit zustande zu bringen, die bereit ist. den lückenlosen Zolltarif auch gegen die Angriffe Oesterreich-Ungarns und Rußlands mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. «* * Der sächsische Landtag über das Koalitlonsrecht. Dresden, 3. Februar.(Telegraphischer Bericht.) Im sächsischen Landtage wurde heute die Debatte über den Streikbrecherschutz und über die wegen Ausübung des Koalitionsrechts eingebrachten Interpellationen und Anträge fortgesetzt. Genosse W i n k l e r kennzeichnete zunächst den Terroris- mus der Scharfmacher durch einige Beispiele. Es wies dann nach, daß die Terrorismusgeschichten, die die bürgerlichen Redner und die Regierungsvertreter in der letzten Debatte vorgebracht hatten, Dichtungen waren. Der konservative B ü r g e r m e i st e r Dr. Schanz läßt eine meisterhaste Rede vom Stapel. Er will das Streikpostenstehen nicht nur aus verkehrspolizeilichen Gesichtspunkten verboten wissen, er hält es auch für unerträglich, daß Arbeiter bei Streiks überhaupt inüßig auf der Straße stehen dürfen und durch ihre Unter- Haltung bei den:„besseren" Publikum Belästigungen ver- Ursachen. Zur Verwirklichung der Schanzschen Forderungen wäre nicht nur ein Verbot des Streikpostenstehens, sondern noch dazu einige Ausnahmegesetze erforderlich. Natürlich eifert er auch für eine beschleunigte Streikjustiz, die schnelle llrteilsfällung soll abschreckend wirken. Der Redner dankt dem Justizminister für seinen auf schnelle Aburteilung der Streikbrecher abzielenden Erlaß. Der Nationalliberale Dr. Z ö s e l führt einen Eiertanz um den Streikbrecherschutz aus und kennzeichnet sodann den von den agrar-konservativen Bündlern ausgeübten Boykott, durch den man es bei einer Ersatzwahl schon soweit gebracht habe, daß selbst den Ratio- n a l l i b e r a l e n in zahlreichen Dörfern die Säle abge- trieben seien. Genosse Krause geißelte die behördlichen Maßnahmen gegen streikende Arbeiter und legt dar, daß nicht ein Gesetz für Streikbrecher, sondern ein solches für das K o a l i t i o n s r e ch t nötig sei. Durch eine größere Anzahl von Beispielen illustriert er die Treibereien der Unternehmer. insbesondere der sächsischen Bergwerksbesitzer gegen die organisierten Arbeiter. Die sächsischen Bergherren hätten hundertfach Erpressung verübt, um die Arbeiter aus ihrer Organisation zu zwingen. Es sei auch vorgekommen, daß Unternehmer von ihren Arbeitern forderten, ihre Söhne aus den dem Bergwerk gehörenden Wohnungen zu weisen, wenn sie nicht mehr bei dem Unternehmer arbeiten wollten. Nach belanglosen Ausführungen einiger konservativer und natio nalliberaler Redner wurde die Debatte fortgesetzt und dauere noch fort. Doch steht schon jetzt fest, daß die eingebrachten Anträge, einschließlich des sozialdemokratischen, der Schutz des Koalitionsrechts fordert, der gesetzgebenden Deputation überwiesen werden. Eine Erklärung öes Kardinals Kopp. Um nichts ist der hohe Klerus brsorgter, als um die. Aufrecht crhaltung seiner Autorität. Eher entschuldigt er eine Anzweiflung alter Kirchendogmen, als die Anzweiflung seiner kirchlichen Autorität Es ist deshalb begreiflich, daß sowohl der römischen Kurie als dem deutschen Epiikopat der sich immer mehr zuspitzende Streit zwischen dem Fürstbischof von Breslau und dem Bischof von Paderborn höchst unangenehm war, und beide nichts sehnlicher wünschten, als diesen Streit wenigstens vor der breiten Oeffentlichkeit begraben zu sehen. Diesem dringenden Verlangen ist es zuzuschreiben, daß Kardinal Kopp— wohl schwerlich frei auS eigenem Antrieb— vor einigen Tagen dem Bischof Dr. Schulte eine sogenannte„Verständigung" an geboten und ihm heute eine Art Ehrenerklärung ausgestellt hat. die nach dem Paderborner„Westfäl. Volksblatt" folgenden Wort laut hat: „Bei einer Vergleichung der Akten des Herrn Bischofs von Paderborn mit den meinigrn hat sich ergeben, datz ich der mir nur zur Kenntnisnahme am 20. November 1912 eingesandten Jnter pretation am 21. 11. 1912 freiwillig beigepflichtet habe und daß ich aus freier Entschließung sie am 22. 11. dem Bischof von Paderborn gegenüber als eine solche bezeichnete, von der die Gewei kschastssührer in Essen erklären konnten, sie wüßten sich in bezug auf sie in Uebereinstimmung mit den Bischöfen. Bei dieser Sachlage erkenne ich nachträglich, daß mein Brief an den Herrn Bischof von Paderborn vom 1. 12. 1912 nicht jene Bedeutung haben könnte, die ihm in meinem Briefe an Herrn Grafen von Oppersdorf beigelegt worden ist. Es hätte einer Zurücknahme meiner Entschließung vom 22. November vor dein Episkopat als solchem bedurft. Ich kann versichern, daß ich mit meinem Briefe an den Grafen von Oppersdorf den Herrn Bischof von Paderborn in keiner Weise habe verletzen noch in irgendivelche Ilngelegenhciten bringen wollen. Kardinal Kopp. Diese Erklärung wird sicherlich in den nächsten Tagen in den Zentrumsblältern Kölner Richtung und vor allem in den christlichen Gewerkschaftsblättcrn lauten Jubel entfesseln. Die„Köln. Volksztg. selbst hält sich freilich, wie uns aus Köln gemeldet wird, in ihren Acußerungen über die Koppschc Erklärung ziemlich zurück und lobt sogar die„freimütige Objektivität des Herrn Kar d i n a l s Kopp". Um so gewaltiger aber wird unzweifelhaft die kleine klerikale Lokalpresse Rheinland- Westfalens in das Siegeshorn stoßen. In Wirklichkeit liegt dazu jedoch gar kein Anlaß vor; denn die Erklärung Kopps besagt nur, daß er sich in bezug auf die gegen den Bischof von Paderborn erhobene Anschuldigung geirrt hat und Herr Dr. Schulte in keiner Weise verletzen wollte. Keineswegs aber erklärt der Kardinal Kopp, datz er seinen sachlichen Standpunkt in der Gewerkschaftsfrage aufgegeben hat— oder auch nur, daß er die Interpretation der päpstlichen GewerkschaftSenzytlika durch Bischof Schulte als völlig korrekt und bindend für sich anerkenne. Der Streit um die Gewerkschaftsfroge ist also durch die Koppsche Erklärung in keiner Weise erledigt. Diese Frage steht noch genau da, wo sie vor der Koppschen Er- klärung stand, und deshalb wird auch der Kampf zwischen der Kölner und der Berlin- Breslauer Richtung seinen Fortgang nehmen— wenn auch zunächst wohl mehr hinter den Kulissen. politische Uebersicht. Seefischerei und Reblauskrankheit. Der Reichstag begann am Dienstag in der zweiten Lesung des Haushaltsplanes mit den sogenannten a l l g c- meinen Fonds, nämlich regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben für eine lange Reihe verschiedenartiger, meist wirk lich nutzbringender Zwecke. Eine besonders ausgedehnte Aussprache fand bei der Ausgabe zur Förderung der Seefischerei statt. Hierfür stehen im Haushaltsplan eine halbe Million Mark. Der Betrag genügt"bei weitem nicht. Deshalb hatte der Reichstag bereits im vorigen Jahre einen höheren Betrag verlangt. Die Nationalliberalen haben jetzt tviederum eine Erklärung vorgeschlagen, die bis zur dritten Lesung des Haushaltsplanes eine Erhöhung des Betrages mit Rücksicht auf. die Unwetterschäden an der Ostseeküste des Reiches orderte. Genosse N o s k e, der als erster Redner über die Forde rung sprach, erklärte, daß die Sozialdemokratie die Fischerei gerne in jeder Beziehung unterstützen werde, wenn sie sich auch auf Zölle gegen die Einfuhr von Fischen unter keinen Umständen einläßt, weil diese Maßnahme nur schädlich für die große Masse des arbeitenden Volkes ist. Außerdem wies aber unser Redner auf die unerträglichen Verhältnisse der bei der Hochseefischerei beschäftigten Arbeiter hin. Auf diese Seite der Frage gingen die Redner der bürger- lichen Parteien nicht ein. Die Herren S ch w a b a ch und Richthofen von den Nationalliberalen, v. Böhlen- dorff-Kölpin von den Konservativen sowie Dr. S t r u v e von der Fortschrittlichen Volkspartei begnügten sich damit, die dringende Notwendigkeit einer viel weitergehenden Förderung der Seefischerei darzulegen. Bezeichnend war die Antwort des Regierungsvertreters, des Direktors im Reichsamt des Innern v. Jonquiöres. Selbstverständlich versicherte der gute Herr, datz die Reichs- Verwaltung das bekannte warme Herz ftir die Seefischerei habe. Ja, er erkannte ausdrücklich an, daß eine größere Unterstützung wünschenswert ist. Aber— jammerte er dann woher das Geld nehmen? Wann das Reich auch nur 133333 M. mehr für die Förderung der Seefischerei werde aufwenden können, lasse sich noch nicht übersehen. Dazu paßte ehr gut, daß sich der Herr dann bemühte, die schlechten Arbeitsverhältnisse als— unvermeidlich hinzustellen. Genosse N o s k e wandte sich mit berechtigter Entschieden- heit dagegen, daß die Reichsverwaltung zwar leichten Herzens mit Forderungen von dielen Hunderten von Millionen Mark für den Militarismus an den Reichstag kommt, bei nu bringenden Ausgaben aber nicht einmal lumpige 100000 'mehr als bisher zur Verfügung hat. Ebenso konnte Gcnosie N o s k e feststellen, daß die Ausführungen des Regierungs- Vertreters nur bestätigten, wie notwendig Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeiterverhältnisse sind. Genosse K ö r st c n trug ebenfalls berechtigte Beschwerden der Fischer vor. Der Fortschrittler Fegter regte die Förderung des Absatzes von Fischen an. Darauf wurde die Erklärung einstimmig angenommen.— Für M a tz r e g e l n gegen die Reblaus- k r a n k h e i t sind 1000 M. gefordert. Genosse P e i r o t e s schilderte eingehend, wie schwer Elsaß-Lothringen unter den Schäden infolge der ReblauSkrankciten zu leiden hat. Daher forderte unser Redner, daß für Elsaß-Lothringen die An- Pflanzung der Amerikarebe allgemein freigegeben werde, da diese Rebe gegen die Reblauskrankheit widerstandsfähiger ist. Herr v. Jonquieres gab zu, daß hier in der Tat in Elsaß- Lothrmgen große Schwierigkeiten bestehen. Abhilfe soll auch unbedingt geschaffen werden. Bis jetzt aber ist die Reichs- Verwaltung mit ihren Erwägungen noch immer nicht fertig. Darauf wiederholte der unvermeidliche Elsäsfer Dr. H a e g y in endloser Breite die vom Genossen Peirotes bereits vor- getragenen Beschwerden. Die besonderen Wünsche ihrer Wahlkreise in dieser Frage besprachen noch die Abgeordneten Becker- Hessen und P a a s ch e. Morgen kommt die Handhabung des Vereins- g e s e tz e s zur Verhandlung. Der Wahlkampf in Köln-Land. Aus Köln wird uns geschrieben: Obwohl die Nachwahl im Wahlkreise Köln-Land erst auf den 17. Februar festgesetzt worden ist, wird lchon seit mehreren Wochen vom Zentrum und der Sozialdemokratie ein heißer Wahlkampf ge- führt. Das Zentrum hat angekündigt, in dem ausgedehnten Wahl- kreise nicht weniger als 170 Versammlungen abzuhalien. und 70 hat es in der Tat schon hinter sich. Die Sozialdemokratie hat es bisher auf 80 gebracht. Sie ist in der Versammlungs- agitation gehindert, weil die Klerikalen ihr in zahlreichen Orlen die Lokale abtreiben. In zahlreichen Landorten finden daher selbst bei strenger Kälte die Versammlungen unter freiem Himmel statt. ES ist kaum glaublich, auf welchem Tiefstand die Zentrums- agitation in diesem Wahlkreise steht. Der„Millionär Bebel" ist die Wahlparole des Zentrums. Daneben spielen auch die weiße Weste und die Lackstiefel des Genossen S ü d e k u m eine große Rolle. Kühn wird behauptet, daß Herr G i e s b e r t S im kleinen Finger mehr Verstand hat, als alle Sozioldemokiatcn in ihren sämtliche» Schädeln. Ein persönliches Regiment gebe es in Deutschland nicht mehr, weil Bebel das Zeilliche gesegnet habe. Da die Erwähnung deS Umfalls des Zentrums in der Zabernaffäre den Zcntrumsstratcgen nicht paßt, hat der Pfarrer Kasterl in Kalk, der eigentliche Führer der Zentrums« Partei im Wahlkreise und Prolektor des bisherigen Abgeordneten Kuckhoff, öffentlich proklamiert:„Wer heute noch von Zabern spricht, der verdient, best rast zu werden." Selbstverständlich wird die„Religionsfeindschaft" der Sozial- demokratie wieder ins Treffen geführt. Wie es aber mit der Religion" der Zentrumsparlci bestellt ist, dafür liefert folgende Tatsache einen urkundlichen Beweis: Am Sonnlag, den 1. Februar, verteilten zwei Genossen in Köln-Nippes in der Nähe einer Kirche, aber keineswegs vor dieser, Flugblätter. Als sie aus den Befehl einiger Kirchenbesucher aus ihr gesetzliches Recht nicht ver- zichlcien, wurden sie von den Zenlrumsanhüngern umringt und laut dem eigenen Bericht der Zenlrumszeitung„Rheinischer Merkur" lNr. 26) schwer mißhandelt: „Jetzt war die Geduld der Kirchenbesucher zu Ende. Sie ver- anlaßicn den Genossen, unter Verabreichung einiger Ohrfeige» den Kirchplatz zu verlassen, und da er sich zur Wehr ietzle, wuide er ziemlich unsanft unrer Gelächter der Umstehenden vom Kirchplatz abgeschoben. Der Genosse flüchtete in ein Geschäslshaus, das er durch eine Hinlertür verließ, und so entkam er, ohne daß er seinen Zweck erfüllt hatte." Drei katholische Geistliche sahen den wüsten Ausschreitungen ihrer Pfarrkinder lachend zu. Ein sonderbarer Herr ist der bisherige Abgeordnete und jetzige Kandidat Oberlehrer K u ck h o f f. Er sagt freimütig in allen Per- ämmlungen, daß er über Zabern und den Kölner Polizeiprozetz nichl sprechen könne, da ihm dies seine amtliche Stellung als Oberlehrer verbiete:- Unserem RcichStagskandidaten, dem Genossen Sollmann, koinmen die Ergebnisse des Kölner Polizeiprozesses sehr zu stauen. Seine Versaminlungen sind auch von politisch Gleichgültigen und von Bürgerlichen stark besucht. Polizeikampf gegen den Kirchenaustritt. In Eßlingen a. N. sWürttemberg) wurde eine Versammlung mit dem Thema„Der Massenstreik gegen die S'aatskirche" verboten. Das Verbot erfolgte auf Grund eines Flugblattes, das zum Besuch der Versammlung einlud und wurde damit begründet, daß in dem Flugblatt von der Kirche gesagt sei, sie benutze im Interesse der kapitalistischen Gesellschaft die Religion nur, um die Arbeiterschaft in Unwissenheit und Kncchtseligkcit zu erhalten, und sie üche der herrschenden Gesellschaft in jeder Beziehung die Bahn zur Ausbeutung und Unterdrückung des werk« tätigen Volkes freizumachen. Wenn schon die Einladung zu dieser Versammlung eine öffentliche Beschimpfung der christlichen Kirche enthalle, so sei mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß auch in der Versammlung selbst diese bereits eingeleitete Verfehlung fort- gesetzt werde. Wirksamer kann die Polizei wohl kaum die Nichtigkeit der von ihr getadelten Acußerungen des Flugblattes beweisen, als durch dieses ebenso ungesetzliche wie törichte Verbot, das obendrein vom Oberamt auf eingelegte Beschwerde hin bestätigt wurde. Die badische Regierung und der Grofibloik. In der gestrigen Sitzung der badischen Zweiten Kammer führte der Minister des Innern von und zu Bodman aus, daß er die Großblockpolitik bedauere, weil er glaube, daß man durch diele Politik nur zwei Parteien bekommen werde: das Zentrum und die Sozialdcmo- kratie. Er verkenne nicht die Gefahr, die in einem weiteren An« wachsen des Zentrums liege» könne; er halte aber den Weg, den der Großblock gehe, nicht für den richtigen und allein möglichen. Er verwahre sich dagegen, mit dem Großblock arbeiten zu wollen, er arbeite mit allen Parteien. Auf das Ersuchen des Zentrumsabgeordneten Kopf, der zu wiffen wünschte, inwiefern das starke Anschwellen des Zentrums eine Gefahr bedeuten könnte, da das Zentrum immer einen freiheitlichen Standpunkt eingenommen Hobe und keine Sonderrechte verlange, erklärte der Minister, darin eine Gefahr zu erblicken, daß das Zentrum eS seinen Wählern zu einer Gewissenspflicht mache, datz die Katholiken Zentrumsabgeordnete wählen müßten. Eine Zurück- Haltung der Geistlichen sei notwendig. Karlsruhe, 3. Februar. In der heutigen VormittagSsitzung der Zweiten Kammer kam der Minister deS Innern, Freiherr von und zu Bodman nochmals auf seine Stellung zu den einzelnen Parteien zu sprechen, wobei er betonte, daß die nationaMberale Partei eine gewisse Abhängigkeit von der Sozial- demokratie zeige. Es habe ihm ferngelegen, die staatsbürgerlichen Rechte des Zentrums beschneiden zu wollen. Konfessionelle Absonderungen bedauere er, überall wo solche stattfinden. Er glaube aber, daß sich hierin das Zentrum sehr von den anderen Parteien unterscheide. Der Minister versicherte, ein entschiedener Gegner der politischen Ziele der Sozial- demokratie zu sein, deren Gefährlichkeit hauptsächlich darin bestehe, daß sie das Volk zu radikalisieren versuche, wenn er auch anerkenne, daß die Sozialdemokratie schon jetzt positive Arbeit geleistet habe. Die Statthalterfrage. Tie„Köln. Ztg." meldet offiziös: Die Auswahl eines Nach- folgers für den Grafen v. Wedel auf dem Statthalterposten in Elsaß-Lothringen ist bisher nicht erfolgt. Die in verschiedenen Formen der Presse zugetragene Vermutung, daß nach einigen Monaten Graf v. Wedel von dem Reichskanzler, Herr» v. B e t h- mann Hollweg, abgelöst werden solle, wird hier auf Erkundi- gung als irrig bezeichnet. Auch die Meldungen über die Wahl eines preußischen Prinzen oder überhaupt eines prinzlichen Statt- Halters werden für nicht zutreffend erklärt. In der elsässischen Zweiten Kammer beantragte Genosse E m m e l, als ersten Punkt auf die Tagesordnung die Entgegen- nähme der Regierungserklärungen zu setzen, um zu ermöglichen, daß das Haus in eine Besprechung darüber eintreten könne. Dem widersprach der Präsident und die Redner der bürgerlichen Parteien stellten sich ebenfalls aus den Standpunkt, daß sich eine Aussprache über den neuen Kurs dadurch ermöglichen ließe, daß man auf die Tagesordnung der übernächsten Sitzung die zweite Lesung des Etats des Statthalters stelle. Hierüber soll am nächsten Dienstag Beschluß gefaßt werden. Aus dem Lager der bürgerlichen Parteien Sachsens rumort es gegenwärtig wieder. Die vor kurzem von uns avisierte Wahlverbrüderuug der Nationalliberalen und Fortschrittler für die im nächsten Jahre stattfindenden L a n d t a g s w a h l e n ist in- zwischen zustande gekommen. Praktisch wird sie schon bei der Nachwahl in der Lausitz am 26. Februar. Dort stellen die Verbündeten Liberalen der Sozialdemokratie, die das Mandat bisher besaß, einen gemeinschaftlichen Kandidaten gegenüber. Nebenbei ge- sagt, einen ganz rechtsstehenden Rationallibcralen I Das ist be- zeichnend für den Fortichritt, der gerade in der Lausitz noch einigen Anhang hat und sich bisher dort sehr radikal gebürdete. Den Konservativen ist das sogenannte liberale Kartell gar nicht recht, da zu Beginn des Landtags eine konservativ- nationalliberale Verbrüderung in Aussicht zu stehen schien, wobei natürlich die Konservativen da? Fett abzuschöpfen gedachten. Dazu kommt, daß die Nationalliberalen im l4. sächsischen sBoruaer) Reichstagswahl- kreise bei der Nachwahl für den um sein Mandat gekommenen Generalleutnant von Llebert wieder einen eigenen Kandidaten auf- stellen. Die Konservativen halten sich als ersten Freundschafts- beweis gedacht, daß die Nationalliberalen auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten würden, sintemalen der Reichsver- bandSgeneral nach konservativer Ansicht den Nationalliberalen näher- stehen soll, als den Konservativen. Daraus wurde nichts und nun ist Polen offen. Der konservative Führer und Vorsitzende der Landtagsfrakrion Opitz ließ einen sehr verärgerten Zeitungsartikel gegen die Nationalliberalen los, auf den die letzteren gereizt antworteten. Sie weisen die Annahme weit von sich, daß die Abmachung mit den Fortschrittlern sich vornehmlich gegen rechts richte, womit sie aufs neue ihre Doppelzüngigkeit er- weisen. Die Antwort auf diese Rabulistik ist Opitz nicht schuldig ge- blieben, und so bombardieren sich die Rechte und die Mille gegen- wärlig mit Zeitungsartikeln. Die sächsische Sozialdemokratie kann vom Parteistandpunkt lächelnd diesem Treiben zusehen; denn es kann ihr am Ende gleich sein, wie sich die bürgerlichen Brüder einigen; daß sie einig werden im Kampfe gegen uns, ist sicher. Bei allen wichtigeren poliitischen Kämpfen ist das Zusammengehen der Bürgerlichen zur Regel geworden. Sie können sich auch den Luxus selbständigen Vorgeben» kaum mehr leisten, wenn auch das LandtogSplural- Wahlrecht kleine Abweichungen von dieser Regel gestattet. Opitz hat erst dieser Tage selbst festgestellt, daß unter dem ReichStagswahlrecht die Sozialdemokratie in Sachsen von 91 Landtagsmandaten 61 im Besitz haben würde. Ein erledigtes Reichstagsmandat. Durch den Montag nacht erfolgten Tod des Reichstagsabge- ordneten Dr. P r e u ß ist das Mandat für den Wahlkreis Brauns- b«rg-He»löbcrg neu zu besetzen. Der Wahlkreis ist eine Domäne des Zentrums, das sich bei der letzten Wahl die Aufstellung zweier Kandidaten leistete. Das Zentrum vereinigte auf seine Kaudidaleii 15 247 Stimmen. Aus den sozialdemokratischen Kandidaten entfielen 398«timmen, auf den Kandidaten der Liberalen 173 Stimmeil. Polizeiinspektor Kautz vom Amte suspendiert. Hannover, 3. Februar. Polizeiinspektor Kautz, der in den Kölner Bestechungsprozeß mit verwickelt war, ist von seinem Amte suspendiert worden. ES wurde das Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. /tos üen Kerkern ües Zaren. Ein Genosse, der kürzlich nach längerem Ausenthalt in einer Anzahl russischer Gefängnisse in Freiheit gesetzt wurde, schildert in der Petersburger„Neuen Arbeiterzeitung" die ungeheuerlichen Zustände in den Kerkern, deren Zeuge er selber gewesen. So werden die politischen Gefangenen in Baku; auch die Untersuchungsgefangenen, in Arrestanten- klcider gesteckt und müssen aus ein bestimnites Signal, das sich im Laufe des Tages unzählige Male wiederholt, vor der den Gang passierenden„Obrigkeit" stramm stehen. Im Ge- fänguis in B a n l o w sind die Zellen so überfüllt, daß die Gefangenen eng aneinander gepreßt auf dem nackten Fuß- boden schlafen müssen. Das Essen ist elend. Für jede Kleinigkeit regnet es Hiebe und Faustschläge auf die Ge- fangenen. Eine unglaubliche Roheit herrscht in den Kerkern in R o st o w a. Don. Für jedes Wort der Widerrede wird man mit Erschießen bedroht. Im Transportgesängnis werden in Zellen, wo höchstens 30 Platz finden, 70 oder 90 Gefangene hineingestopft. Die Gefangenen wälzen sich auf dem schmutzigen, bespuckten Asphaltboden. Tieselben Zustände herrschen auch in dem sogenannten Katorga-Gefängnis, dem Kerker der zur Zwangsarbeit Verurteilten. Im Charkow er Gefängnis vergeht kein Tag, wo nicht ein oder zwei Katorga-Gc- fangcne von der Schlvindsucht fortgcrafft werde n. Die Behandlung ist grausam. Zur Ergänzung dieser Schilderung, deren Authentizität nicht angezweifelt werden kann, seien nachstehend einige offiziell bestätigte Mitteilungen gebracht: Die Insassen des Grodnoer Gefängnisses reichten dieser Tage bei der Hauptgcfängnisverwaltung eine Klage ein und sandten die Abschrift davon an die sozialdemokratische Tumafraktion. Die Gefangenen führen Klage über fort- tvährende Durchprügelungen durch die Astmiinstration. Selb st der Gouverneur und der Staatsan- walt haben diese Tatsache bestätigt! Die Ge- fangenen werden oft für zwei Wochen in den Karzer ge- sperrt und während der ganzen Zeit ohne warmes Essen gelassen. Ein noch fürchterlicheres Bild wurde vor kurzem vor dem Bezirksgericht in S a r a t o w entrollt. Dortffand am 16. Ja- nuar die Verhandlung gegen 10 politische Gefangene statt, die zur lebenslänglichen Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Sämtliche Gefangene wurden beschuldigt, die Wand in der Kammer Nr. 33 durchbrochen zu haben. Die Ange- schuldigten erklärten, sie hätten absichtlich einen— übrigens von vornherein aussichtslosen. Fluchtversuch inszeniert, um die Aufmerksamkeit der Verwaltung auf die Zustände in dem Kerker zu lenken. Die Gefangenen— so erklärten sie vor Gericht—„starben hier w i e die Fliege u" an der Schwindsucht und an anderen Krankheiten. I n verhältnismäßig kurzer Zeit sind von 130 Insassen 100 g e st o r b e n! Von 20 Kaukasiern starben 17! Alle Bitten um Ueberführung in eine andere Abteilung blieben fruchtlos. Das Gericht erklärte fünf Angeklagte als schuldig, ver- urteilte sie aber zu der niedrigsten zulässigen Strafe— zu 30 Tagen Einzelhaft. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.— Selbst ein zarischcs Ge- richt demonstrierte auf diese Weise gegen die furchtbaren Greuel, die während der Verhandlung aufgedeckt wurden. Die Justizbrigantcn nehmen Rache. Kiew, 2. Februar. Der Herausgeber des konservativen Kiewer Kiewlanin und Mitglied der Reichsduma S ch u l g i n wurde heute zu drei Monaten Arrest verurteilt, weil er am 27. Sep- tember 1913 in einem von ihm gezeichneten Leitartikel seines Blattes zur Beilisaffäre über das Verhalten des Staats- anwalts Tschaplinsky vor der Strafkammer wissentlich falsche Nach- richten verbreitet haben soll. In Wirklichkeit hatte S ch u l g i n das elende Machwerk, auf dem sich der Ritualmordprozetz aufbaute, vernichtend kritisiert. Helgien. Nichts für die hungernden Schulkinder. Man schreibt uns aus Brüssel. Die Kammerabstimmung vom Freitag zeigt wieder einmal wie der politische Klerikalismus da« Christentum auffaßt. Ca mille HuySmans verlangte für das neue Schulgesetz die Aufnahme eines Amendements, dcmzu- folge in allen Gemeindeichulen Kantinen errichtet werden sollen. wenn die Gemeinde oder die Schnlinspektion dies für notwendig er- achten. In die Kosten hätten sich der Staat mit die Gemeinde mit t/10 und die Provinz mit s/io zu teilen. Der Antrag verlangt die Errichtung von Kantinen und die Bekleidung bedürftiger Kinder für alle, also auch für die katholischen freien Schulen. Dieser Antrag wurde gleichwohl abgelehnt, ebenso der Antrag des Sozialisten T r o c l e t, der verlangt, daß sich der Staat mit 59 Pcoz. an den Kosten für die Schulkantinen und die Bekleidung beteiligt. Schließlich beantragte Va udervelde einen staatlichen Kredit von einer Million für die Schulkantinen,— die Klerikalen stimmten auch dagegen. Und dieS, obgleich alle diese Anträge in gleicher Weise den Kindern der konimunalen wieder konfessionellen Schulen zugute kommen würden. Aber die Klerikalen ziehen die demütigende Wohltätigkeit, mit der sich ein Schacher- und PreisionSsystem ausüben läßt, der An- erkennung des LebcnSrechtes deS KindeS vor und sie begnügten sich mit dem RegierungStext, der das Ernährungsproblem umgeht und nur die Kommunen von der Regierung abhängig macht. Wie alles, machen die Klerikalen auch die Frage der Schulkantinen zu einer politischen Spekulation, zu einer Frage des Geschäftes und der Herrschaft. Hunderttausend Schulkinder find unterernährt, Fünfzigtausend haben nicht einmal eine Tasse warmen Kaffee deS Morgens. Aber sogar der Antrag des christlichen Demokraten Fonteyne, wenigstens im Winter Kantinen zu errichten. wurde verworfen. Ein sauberes Christentum l Italien. Cipriani lehnt ab. In der„Humanits" veröffentlicht Amikcare Cipriani einen offenen Brief an die Wähler von Mailand, in dem er die Nichtannahme des Mandats motiviert. Sein aß gegen die Monarchie sei unauslöschlich. In den acht ahrcii des Bagnos, in 2920 Tagen habe er diesen Haß ein- gesogen. Da könne man nicht von ihm verlangen, daß er den vorgeschriebenen Treueid aiS Deputierter leiste. Deshalb möge man ihn außerhalb des Gesetzes lassen wie bisher. Die Wähler hätten ihn rehabilitiert und das genüge ihm. Von der Monarchie nehme er keine Rehabilitation an. Norwegen. Tie sozialdemokratische Fraktion des norwegischen StorthingS hat beschlossen, ihren vorjährigen Antrag dem Nobelkomitee des Swrthings erneut zu unterbreiten, wonach der Friedenspreis aus der Nobel st istung dem Internationalen Soziali st ischen Bureau oder dem Genossen Hjalmar B r a n t i n g zugeteilt werden soll. Die Motivierung des An- träges erklärt, daß gerade das Internationale Sozialistische Bureau als Vertreterin der internationalen Sozialdemokratie, der eifrigsten und tatkräftigsten Friedcnsinstitution, in erster Linie den Nobel- preis beanspruchen könne. Der Eventualvorschlag betrifft den Fall, daß man dem Bureau den Preis nicht zuerkennen, sondern nur eine um den Frieden verdiente Person berücksichtigen könne. Branting hat mehr als irgendein anderer lebender Politiker den Frieden in Skandinavien 1996 ivahren helfen. lieber die Verteilung des etlva 1ö9 999 bis 299 099 M. be- tragenden Friedenspreises der Nobelstiftung entscheidet bekanntlich das norwegische Parlament. Wahrscheinlich wird man, wie im Vorjahre, den Antrag unserer Genossen unberücksichtigt lassen und den Preis lieber jemand erteilen, der an einem Tage Frieden?» reden hält, am anderen für die Vermehrung der Rüstungen eintritt. lthina. Die Republikaner und die Diktatur. Die„Huniamte* gibt ein Gespräch mit dem Redakteur deS unterdrückten republikanischen Blattes„dlin-LuoLi-?»o" sDer chinesische Republikaner). Wal. wieder, das die allgemeine Lage in China beleuchtet. Die Zeitung erschien in chinesischer, englischer und französischer Sprache in dem unter Verwaltung des französischen Konsuls stehenden französischen Stadtteil von Schanghai sein weiterer internationaler Stadtteil steht unter Ver- waltung deS Konsukarkorps). Am 4. November wurden die Redakteure zum Konsul bestellt, der ihnen auf A n w e i s u n g d c S französischen Gesandten in Peking erklärte, daß ihre Zeitung nicht mehr erscheinen dürfe. Er habe sogar Auftrag, sie an die chinesischen Behörden auszuliefern, werde das jedoch nicht tun, sie vielmehr erforderlichenfalls schützen. Als Grund der Anordnungen gab er die in der Zeitung enthaltenen Angriffe aus den Tiktaror Jüanschikai an. Man sieht, wie trefflich sich Frankreich als Anhängsel der russischen Politik weiterentwickelt har. Die Redakteure forderien darauf, daß man sie vor das gemischte (chinesisch- europäische) Gericht verweise, vor dem ein im inter- nationalen Stadtteil erscheinendes republikanisches Blatt wegen des gleichen Vergehens mit sechs Monaten Einsperrung und 2599 Fr- Geldstrafe davon gekommen war. Der Konsul lehnte das jedoch ab und erklärte, die ganze Verantwortung auf sich zu nehmen. Er er- klärte sich nur? bereit, die Unlerdrückung der Zeitung amtlich bekannt zu machen, um nicht den Glauben an ein freiwilliges Verschwinden. elwa auf Grund irgend einer Vereinbarung mit der Pekinger Re- gierung, aufkommen zu lassen. Ueber die allgemeine Lage und den von der bürgerlichen Presse ausposaunten Mißerfolg der republikanischeu Partei äußerte Wal: Die Republikaner sind nicht gescheitert. Der erste Teil unseres Pro- gramms, die Revolution, ist verwirklicht. Sie war sehr Volks- lümlich und entsprach dem. einmütigen Verlangen des Landes, das kein Kaisertum mehr wollte. Dieses stürzte unter dem gewaltigen Drucke der demokratischen Kräfte zusammen. Wir sind nicht weiter gekommen, weil wir von Jüan- schikai verraten wurden, der erst der republikanischen Verfassung Treue geschworen hat. um sich dann, dank der Hilfe der Groß- mächte, zum Werkzeug der Feinde des neuen Regiments zu machen. Aber Jiianschikai wird seinen Verrat nicht, bis zum Ende durchführen können. Er war und bleibt der Mann des alten China. Er weiß überhaupt nichts von der Entfaltung der modernen Ideen und dein Wollen des wirklichen chinesischen Volkes. DaS Regime, das er dem Lande auferlegen will, kann nicht dauern. Um mit seiner Festigung auch mir zu beginnen, bedurfte er ungeheurer Summen. Wo sollte er sie finden? Alle Einkünfte Chinas sind belastet. Auf den Zöllen ruhen schon.sieben Pfandrechte und acht auf der Salzsteuer. Bleibt die Grundsteuer. Aber sie kann nicht mehr erhöht werden, den» das wäre die sichere Revolution, die Massenerhebung. Schon herrscht die Anarchie in mehreren Provinzen. Die Unruhen, die aus Junan (der südwestlichsten Provinz) gemeldet werden, sind nur das Borspiel weit ernsterer Verwickelungen. Aus die Frage nach der Organisation der Republi« k a n e r sagte Wal: Ich kann nur sagen, daß Sun-Jat-sen,der sich jetzt in Japan befindet, immer noch der überzeugte Vaterlands- fteund ist, der die erste Revolution gemacht hat, und daß seine Freunde ihm alle treu bleiben. Die Republikaner rüsten nicht ab- Die Teilbewegungen werden nicht aushören, denn die HandlungS- weise Jllanschikais darf nicht geduldet werden. Man muß eine neue gewaltigere Revolution erwarten, die die Verwirklichung eines Programms ermöglichen wird, die die letzten Ereignisse nur unter» brechen konnten.— So wird also unter dem Winterschnee des Ab» solulismus die Volksbewegung weiterleben. Das Freudengebell der kapitalistischen Preßmeute über das Erliegen der von der Verräter- Hand des.großen Staatsmannes" Jüanschikai niedergeworfenen Republik wird nicht immer dauern. /lmerika. Beschränkung der Einwanderung. Washington, 3. Februar. Das Repräsentantenhaus verhandelte gestern über die Gesetzesvorlage betreffend die Ein- Wanderung. Der Antrag, die Klausel über den Nachweis von Schulbildung zu streichen, wurde abgelehnt. Dagegen wurde ein Amendement angenommen, Hindus und alle Personen der mongolischen oder gelben Rasse, Malaien und Afrikaner aus zu» schließen, außer wenn über ihre Einwanderung internationale Verträge oder Abkommen vorhanden seien, Mexiko. Waffen für die Insurgenten. Washington, 3. Februar. Präsident Wilson hat be» schlössen, das Einfuhrverbot für Waffen nach Mexiko auszuheben. Letzte Nachrichten. Reichstagsersahwahl in Offenburg-Kehl. Offenburg, 3. Februar.(W. T. B.) Bei der heutigen Reichs- tagSersatzwahl für den bisherigen Abgeordneten Stadtrat Kölsch, der sein Mandat niedergelegt hatte, erhielt der badische Landtags- abgeordnete W i r t h(Zentrum) 12 259 Stimmen. Kölsch(lib. Block) 9616 Stimmen und Redakteur Geiler(Sozialdemokrat) 3932 Stimmen. ES hat sonach zwischen Wirth und Kölsch Stichwahl stattzufinden. Bei der Hauptwahl im Jahre 1912 erhielt das Zentrum 11 615. der Nationalliberale 8962 und der sozialdemokratische Kandidat 3795 Stimmen. In der Stichwahl erhielt dann der nationalliberale Kandidat Städtrat Kölsch 12 712 Stimmen. Arbeitslosensürsorge. Frankfurt a. M., 3. Februar.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Das Stadtparlament bewilligte auf Antrag des Magistrats weitere 29 999 Mark für die Unterstützung der Arbeits» losen._ Der Nachfolger Lemircs. Paris, 3. Februar.(W. T. B.) Die Kammer hat heute an Stelle des zurücktretenden Abbe Lemire den sozialistischen Radi- kalen Radier mit 211 Stimmen zum Vizepräsidenten gewählt. 219 Stimmen entfielen auf Andre Lefcvre. Serbische Gcmeindewahlen. Belgrad, 3. Februar.(W. T. B.) Nach den amtlichen Be- richten sind bei den Gemeindewahlen in 922 Gemeinden die Alt» radikalen, in 343 die Jungliberalen, in 144 die Nationalisten, in 86 die Fortschrittlichen und in 15 die Sozialisten gewählt worden. Aus 49 Gemeinden stehen die Wahlergebnisse noch aus. Bootsunglück. Tanger» 3. Februar. Die Schaluppe de? spanischen Kreuzer« „Estremadura" scheiterte heute auf der hiesigen Reede infolge einer falschen Wendung. Zwei Matrosen ertranken. Für die Alpenfeste TracMen-Ausstellung iiiuiiiimiiiiuiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiir.iiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiii im Ii. Stock. CroDe Mm\A in ollen Teilen. Verkauf zu niedrigen Preisen. 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Gternwar te,__ Invaliden ftr. 57— 62 Schiller-Tbeator 0. (Wallner-Theater). Mttwoch, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Donnerstag, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Freitag, abends 8 Uhr: _ Meyers._ Schiller-Theater Chabrü0rr Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Katban der Weise. Mittwoch, abends 8 Uhr: Herodes und Marianine. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Freilag, abends 8 Uhr:. Herodes und Marlamne. AbendS 8 Ubr: Die Kronbraut. Komödienhaus. 8 Uhr. Kanlmmillljjti.«Uhr, Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater a. d. Weidendammerbrück e früher Komische Oper. 8 Ubr: Wer zuletzt lacht... Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Bentsehes Künstlertheater Sozietät. Nürnberger StraSe 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Mittwoch, 31/,: Peterchens Mondfahrt. Abends 8 Uhr: Der Bogen des Odyssens. Morg,8Uhr: Der Bogen des Odysseus. Theater m NoUenilorfplatz S. SlbcndS 8 Uhr: Prinzeß Gretl. 8 Uhr Residenz-Theater« Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Wintcrberg. M orgen u, f. Tage: Noh eit- derFranz! 0SE=THEATE| Große Frankfurter etr. 132. Kinder der Großstadt. Schausp.r, 4Akt,v, W. Braun,' Ansang 8 Uhr. Donnerst,: Kinder der Groftstadt. Sonnabend 4 Uhr: Rotkäppchen. FriedT.-ffieliiistäit. Theater. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. Gilbert. Von Okonkowski, Leipziger, Kasscneröffn, 7 Uhr, Ans. 8 Uhr, Sonntag, 8. Febr., nachm. 3 Uhr: Bio Kino-Kttnigin. URANIA Taubenstrafie 48/49. 8 Dhr: Winter in der Schweiz. Hörsaal 8 ühr: Dr. W. Berndt: Abstammung des Menschen. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger No. 15! Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu erinäjj. Preisen: Eine Hochzeit in der Müllerstraße (Log.l,—.Balkon 0,75,Gntm;{9V'. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Uhr: Anatoles Hochzelt. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise m die Erde in 40 Tagen. Germania-Prachtsäle N., Chausseestr.HO. K.Richter. Jeden Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger* Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Pj. Nachdem Freitanz. — Vorzugskarten gelten,— Jede» Donnerstag:- Kroßes Militär-Streich-Konzert Zlnschl. Jamilienkränzchen. Heute Mittwoch, den 4. Februar, abends 7I/J Uhr: Große Elite-Vorstellung Das vollständig neue Februar-Programm k U. a.: Ku-Ka-Di's Senannt„Die Goldmephistos". trlginal I.ittlc Freds Akrobat, u. kunstreit. Hunde. Ijcach-Lapuin-Trio 2 Damen, 1 Herr, Drahtseilakt Therese Benz dress, Elefanten u. Ponys. Crescendo u. Forrest. Musik.Akt. Das neue große Ausstattungsstück in 7 Bildern ..Tipp", der Derby Favorit 1914. Vereinigte Berliner Voiksbülinen. Lmisen-Theater. Walhalla-Theater. 8'/« Uhr: Das erste Ehejahr. Abends 81/, Ubr: Schauspiel Tangofleber. Greste Posse m. in 5 Allen von Ernst Ritterseldt. s Ges. u. Tanz in 3 Akt, v, Erich Urban. Zirtliß Busch. Heute Mittwoch, den 4. Februar, abends T'/s Uhr: Graste Novitätenvorft. U. a.: Edusi-cj Wulffs 3 Hunde am fliegenden Trapez (Einzig dastehend). Ferner Die Fessems in ihr. akrobatischen Sketsch „ Artist enl. Inder". Austreten v. Frl. Martha Mohnke, Schulreiterin, aus Loldbird, sowie das große Februar-Prograinm. Zum Schlug: „Pompeji". Orig. AuSitatwngs-Pantomime des Zirkus Bu'ch in 5 glänz. Akten. Srauerei Wedrichshain Täglich außer Sonnabends: Das stimmnngsvollste Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. Neues Programm! Madge Lessing und Fred Wrlghf in In Grock u. Lole Perezoff-Truppo Jongleurszene „Un souper chez Maxim" Publikum und J?„Won" Mauerstraße 82.— Z Komisches Musik-Duo sowie die von Presse glänzend beurteilten Febraar- Attraktioneu! :: Berliner: Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmerstraße 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikkorps d. Garde-Füsilier-Regiments Dirig. Oberm. Dippel und Tcgernseer und Kiilerthaler Musikanten, Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Dirig. Haus Starp. Eintritt 50 Pi Gr. NachmUtags-Konzert Anfang 8 ühr. bei freiem Eintritt Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Heute, Mittwoch, den 4. Februar: Elite-Tag:: Extra-Prämiieruog Prämiiert wird die größte Kohlrübe. Drei bare Geld-Preise 30,—, SO,—, 10,— Mark. Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Voranzeige! Morgen, Donnerstag: Große Sehweine-Braterei! I Uhr Tel.: Lützow 2757 8 Uhr Zum 41. Maie: Der Stolz der 3. Komp. Lachen ohne Pauset Vorher: Das grosse neu* Varste-Programm u. a. Henry de Iry's Traumbilder Rauchen gestattet! Voigt- Theater Badstraste 58. Mittwoch, den 4. Februar: Cor die Toebter des Pflanzers. Schausp. in 6 Akt. von Wichmann. Kafseneröstn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Voranzeige I Mittwoch, 11. Februar: Benefiz für Paul Uding: In letzter 8tande. Folies Caprice. < Caf6 Pringsheim O /. j Der Heiratsgraf l Mcyerstelns CasinosTheater Lothringer Stra-ie 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Bolksstück: Die olle Webern. Ur-eeel. Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner-BUhne. ®onnt.4U.: Geheimnisse* New York. Admiralspalast. Eis- Arena. SflT Täglich:"913 Sie lustige?uppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von KP/j ühr ab halbe Kassenpreise. Wein- n. Bier- Abteilung. Die wilden Feuerfresser in ihren fanatischen Martern. Cola Experimente: Aus dem Jenseits gM- l ebend! Ohne Extra-Entree. /ynr den Inhalt der Jn erate »dernimmr die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei B-'ronimorrunq Lerantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Lnseratentell verantw.�Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Veriagsanjtalt Paul Singer ä: Co., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaliungsbi. st. 34, Bi. imm. t Ktilllgt des Lmillts" Kerliller Usldsbllltt. 4. k.br°-- I»l4. Gewerkschaftliches. Nicht wanken! Tcr gr�e Wert und die soziale Notwendigkeit der Organisation werden heute in den Reihen der aufgeklärten Arbeiterschaft ernstlich nicht nichr angezweifelt werden könne». Tie ungeheueren Vorteile, die der solidarische Zusammenschluß dein Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung bietet, sind sichtbar genug, um den sicheren Fortbestand der jetzigen Organisationen zu garantieren. Und doch isr es an- gesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage, der verheerenden Krise, angebracht, die organisierten Arbeiter dringend zu mahnen, alle Kraft daran zu setzen, die bisher errungene Position zn verteidigen, die Kampfreihcn fester zu schließen und zu verstärken. Tie Situation liegt so, daß nicht nur die Krise den Organisationen schwere Wunden schlägt, sondern daß dazu noch die Scharfmacher ihre ganze Kraft auf den einen Punkt konzentrieren, die Verbände der Ar- bcitcr zu vernichten. Der wilde Sturm auf daZ Koalitionsrecht, das einzige Mcnschenrecht des ausgebeuteten Proletariers, hat nicht zu- fällig in der Zeit wirtschaftlicher Not den Höhepunkt eines Orkans erreicht; die scharfinacherischen Fronherren spekulieren besonders auf den verminderten W i d c r st a n d der Arbeiter. Sie rechnen ferner damit, während der Krise die Stantsregierunz ihren maßlosen Machtgeliisten gefügiger machen zu können. Neben dem Kampf gegen das Koalitionsrccht geht die Förderung der gelben Bewegung einher, jener charakterlosen Prätorianergarde des Kapitals, die zn jeder Stunde bereit ist, die Gewaltherrschaft des Geldsacks zu schützen. Tie bürgcr- liche Presse berichtet mit Behagen von den„beispiellosen Fortschritten" der gelben Gewerkschaften, wohingegen sich in den freien Gewerkschaften andauernde OrganisationsmüdiKeit geltend mache. Selbst die„Frankfurter Zeitung" glaubt diese Tatsache konstatieren zu müssen. Die faktischen Erfolge der freien Gewerkschaften ständen schon lange in keinem Ver- hältnis zu ihrer Propaganda. Die Arbeit der freien Gcwerk- schaftcn leide vor allen: darunter, daß die von ihnen erreichten Erfolge klein sind in: Vergleich zn den enormen Opfern, die sie von ihren Mitgliedern fordern, und zu den Kraft- anstrcngungcn, die sie bei ihren Kämpfen machen müssen. Und so komme cS, daß mancher in ihren Reihen ernüchtert, kampfmüdc wird und sich der friedliebenden gelben Betvegung anschließt. Dafür sollen die„mächtig emporschnellenden" Mitgliederziffern der Gelben zeugen; man spricht triumphierend von ÜOüOOO(!) gelben Gewerkschaftsmitgliedern, deren Zahl täglich wachse. Diese Darstellungen entbehren jeder tatsächlichen Bc- gründung. Die Mitgliedsziffern der Gelben werden in den Betriebskontoren der Unternehmer hergestellt, so daß diesen Statistiken mit vollem Recht jede Objektivität abzusprechen ist, schon aus dem Grunde, weil die Vorarbeiter, Meister und Beamten mitgezählt werden. Würden die Mitglicderzahlen der Wirklichkeit entsprechend angefertigt, so müßten nach unserer Schätzung reichlich Zweidrittel gestrichen werden. Noch irriger ist es aber anzunehmen, die Mitglieder der freien Gewerk- schaffen flüchten massenhaft aus Kampfmüdigkeit in die Zwangsorganisationcn der Kapitalisten. Entweder werden die Arbeiter mit Hilfe des schärfsten TcrrorismuS in die gelben Vereine gepreßt, das ist die Mehrzahl, oder aber es sind In- differente, denen der kritische Blick zur Beurteilung des wahren Charakters der gelben Bewegung fehlt. Obgleich also der gelbe Rausch, in dem die Bourgeoisie heute mit Begeisterung schwelgt, im Grunde nur ein übles Machwerk des Scharfmachertums ist, haben die klassenbewußten' Arbeiter doch alle Ursache, auf der Hut zu sein. Der gelbe Popanz, diese vollendete Karikatur einer wirklichen GeWerk- schaftsbewcgung, soll das Dynamit der freien Gewerkschaften werden; deshalb prunkt die bürgerliche Presse in letzter Zeit systematisch mit den gelben Zahlen, deshalb werden kleines Jeuilleton. In der Schmiede Bnlkans. Hermann Oncken, der Geschichts- forscher, dessen Buch über Lassalle auch von sozialdemotratischer Seite als ernsthafte Arbeit behandelt Ivurde, geht im neuesten Hefte der Preußischen Jahrbücher in einem umfangreichen Aufsatze auf den Briefwechsel zwischen Karl Marx und Friedrich Engels ein, den der Dietzsche Verlag im letzten Herbst herausgebracht hat. Den Eindruck, den die vier Jahrzehnte schriftlichen Verkehrs der beiden Kampfarbciter auf ihn gemacht haben, gibt er in diesen Sätzen: „Unübersehbar, von verwirrender Buntheit und nur in letzter Synthese einheitlich, ist der stoffliche Inhalt dieses Briefwechsels. Menschliches, Allzumenschlichcs und trotzdem zwei Lebensläufe, die ganz in der Arbeit an dci: allgemeinsten Strebungcn der Mensch- keit aufgehen; von den intimsten Kreisen des Hauses wird man unaufhörlich in den weitest gespannten Nahmen der Weltpolitik und Weltwirtschast versetzt. Klatsch und Zank des Tages wechseln mit den Tiefen philosophischer Spekulation und ökonomischer Einsicht. Diplomatie und Krieg aller Völker, die Interna der englischen Politik, in einer gewissen Entfernung der leidenschaftlich verfolgte Gang unserer deutschen EntWickelung in den Jahrzehnten der Einigung; Partcibildung und Spaltung in unaufhörlichen Kämp- fen, von den vormärzlichen Ansätzen kommunistischer Gruppen- bildung bis zur Begründung der Internationale im Jahre 1864, Presse, Broschüren. Resolutionen, Blaubücher und parlamentarische Reports, ein K'loinkampf von aufreibender Kleinlichkeit, aber immer über alle Völker, von Rußland bis nach Amerika sich spannend: was zieht nicht an Menschen, an Namen und Namen- losen hier vorüber. Den Hintergrund aber bildet die unabsehbare geistige Arbeit von Marx; Adam Smith und Ricardo, Carcv und Proudhon, Lassalle und Dühring lösen sich ab; die ganze Werk- statt, aus der..das Kapital" entstanden ist. öffnet sich vor vns; aber weit über Nationalökonrwie im weitesten Sinne dehnt sich die Aufnahmefähigkeit dieses Mannes. Engels hat von dem ersten Besuch, zu dem er Marx in das Britische Museum führte, einmal einem Freunde erzähl::„Er stopfte sich voll mit der Leidenschaft einer unersättlichen Schlange." Jetzt sehen wir die Riesenschlange an jener unvergleichlichen wissenschaftlichen Arbeitsstätte fahr- zehntelang in Tätigkeit, und wenn Marx einmal über einige Wochen ernster Erkrankung schreibt:„in dieser Zeit, wo ich ganz arbeitsunfähig, gelesen: � Earperlters Pliz-siologv, Lord ditto, Kölliker, Gewebelehre, Spurzhcim, Anatomie des Hirns und Nervensystems, Schwann und Schleiden über die Zellenschmiere". so mag man danach den geistigen Umsatz in normalen Zeiten er- «essen. Gewiß überwiegt auch hier der Eindruck der Massen- die„beispiellosen Erfolge" in die Oeffentlichkeit lanciert. Diese Erscheinung ist für die kapitalistische Gesellschaft, die nur von der Spekulation zehrt, durchaus nichts Außergewöhn liches, und die kampferprobte Arbeiterschaft wird davon nicht im windelten erschreckt sein. Haben doch die Unternehmer, seitdem sie die gelben Vereine züchten, nur ihre Angriffs- Methode gegen die Arbeiterklasse vervollkommnet, ein Zeichen wachsenden Klassenhasses auf jener Seite. Freilich ist hierbei die betrübende Tatsache zu verzeichnen, daß es rechtlose und ausgebeutete Proletarier sind, die ihren Ausbeutern zur Nieder- zwingung der eigenen Klassen- und Leidensgenoffen eine Waffe in die Hand geben. Alle diese verwirrenden Erscheinungen dürfen aber keines- wegs Entmutigung und Kampfesniüdigkeit in die Reihen des organisierten Proletariats tragen. Im Gegenteil. Obgleich die Wucht der Krise vereinigt mit den schamlosen Scharf- machermethoden der Ausbeuter die Arbeiterklasse hart be- droht, gilt es erst recht den bisherigen Klassenkampfstandpunkt hochzuhalten. Was zeigen jene Tatsachen deutlicher, als den wachsenden, unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, also die absolute Notwendigkeit des Klassenkampfes? Darum: Nicht wanken! Serlin und Umgegend. Die Tarife i» der Zeit der Krise. In einer sehr stark besuchten Protesiversammlung, die der Schneiderverband einberufen hatte, referierte Krienke über die Tarifverstöße in der Herren- und Stapelkonsektion. Die Arbeitgeber haben die wirtschaftliche Depression im vollsten Um- fange in ihrem Interesse ausgenutzt. Sie haben es verstanden, die feierlich vereinbarte Schaffung eines Schiedsgerichts durch unan- nehmbare Bestimmungen zu hintertreiben; sie haben den in be- stimmter Frist zu schaffenden Tarif für Kleinstiicke und Lodensachen hinlertriebcn; sie haben vollständig klare Bestimmungen des Tarifs in das Gegenteil verkehrt; sie haben durch Verfeinerung der Kon- feklion die Stücke vornehmer ausgestattet und den Arbeitern das Leben schwer gemocht, und sie haben es weiter verstanden, die oberen Serien bis ans ein Mindestmaß zu beschränken, linier diesen Zuständen haben alle in Betracht kommenden Arbeiter zu leiden, ob sie in der besseren oder Stapelkonfetlion, in der Fantasie- westenbranche oder als Zuschneider tätig sind. Außer den erwähnten Uebelständen förderte der Referent noch eine ganze Reihe weilerer Verstöße zutage, die alle zeigen, wie tariftreu die Arbeitgeber sind. Mit eindringlichen Worten wandte sich Redner auch an die Zwischen- meister, nicht durch Uebernahme von großen Posten Arbeit unter den tariflichen Preisen die Lage der Arbeiter noch mehr zu ver- schlechter». Ebenso sollten auch die anderen Arbeiter sich nicht unter den tariflichen Löhnen anbieten, da die Allgemeinheit hierdurch schwer geschädigt werde. In der Diskussion wurde eine Fülle von Beispielen vorgebracht, wie die Arbeitgeber mit allen Schlichen und Pfiffen den Tarif zu umgehen bestrebt sind. ES wurde auch mitgeteilt, daß sich hierbei besonders die Firma Hugo Herrmann hervortue. Schuster, vom Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein, bestätigte und ergänzte die Ausführungen des Referenten und der übrigen Redner und forderte zum schärfsten Kampf gegen die geschilderten Zustände auf, indem er ausdrücklich sich im Namen des Gewerkvereins mit der vorgelegten Resolution einverstanden erklärte. Ein Beauftragter der Zwischenmeister, namens S ch l e i m i n g e r, nahm ebenfalls das Wort und betonte, daß nur durch gemeinsames Vorgehen der Arbeiter und Zwischcnmeister gegen das Großkapital etwas erzielt werden könne. Ebenso erklärte Zwischenmeister Joseph sich mit den Ausführungen des Referenten Krienke einverstanden. In einer einstimmig angenominenen Resolution verurteilte die Versammlung das Verhalten der Unternehmer, nahm aber auch Stellung gegen das Verhalten derjenigen Kollegen, die durch ihre Nachlässigkeit ein gut Teil dazu beitragen, den Arbeitgebern das die Arbeiterschaft schädigende Vorgehen zu ermöglichen. Die Ver- sammelten erklären sich mit dem Vorgehen der Vertreter ein- verstanden und geloben, mehr noch als bisher, dahin zu wirken. dem geschlossenen Arbeitgebertum eine geschlossene Macht der Arbeit- nehmer gegenüber zu stellen.___ Aus dem Fleischergcwerbe. Die Firma Georg Ott, Fleisch- zentrale, Wicherlstr. 1, hat den Tarifvertrag der Fleischerorganisation anerkannt. Die Fleischereien P o s ch m a n n, Koloniestr. 7, L ö t s ch, Ecke Reichenbcrger und Förster Straße, S p e r l i ch, Brunnenstr. 76, und W i r t h, Matternstr. 6, sind wegen Nichtanerkennung des Tarif- Vertrages gesperrt. Zentralverband der Fleischer. Deutsches Reich. Ein neuer Karteüvertrag. Der Holzarbeiterverband hat, wie zuvor schon mit dem Fabrik- arbeitervcrband, jetzt auch mit dem Transportarbeiterverband einen Kartellvertrag abgeschlossen, der den Zweck haben soll, das � gegenseitige Organisationsgebiet abzugrenzen und die so wenig au- genehmen„Grenzstreitigkeitcn" zu beseitigen. Das Zuständigkeits- gebiet beider Organisationen ist durch nachfolgende Vereinbarungen festgelegt: Zum Zustäudigkeüsgeblct des T r a n s p o r t a r b e: t e r- Verbandes gehören diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen der Holzindustrie, die beim Transport und bei den umnittelbaren Vorbereitungen zu dem Transport von Rohholz von und zu den Lagerplätzen und von Jndustrieprodukten zu deren Ab- nehmern beschäftigt sind. Ferner die ausschließlich im Holz- Handel beschäftigten Arbeiter, einschließlich der Platzarbeitcr, des- gleichen die in den Fabrikationsbetrieben dauernd im Lager- räum und als Packer beschäftigten Arbeiter, mit Ausnahme der Kistenmachcr und solcher Arbeiter, die in ihrer Eigenschaft als Holz- arbciter(Tischler usw.) beim Packen beschäftigt sind und deshalb zum Holzarbeitervcrband gehören. Zum JuständigkeitSgcbict des Holzarbeiterverbandes gehören alle in der Holzbearbeitung, einschließlich der Sägereien und Hobelwerke, beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Soweit es sich um Holzlager und Handelsgeschäfte handelt, die mit Fabrikationsbetricben, Sägercien usw. verbunden sind, gehören die Platzarbeiter, die regelmäßig, wenn auch jeweils nur auf kürzere Zeit, auch zur Hilfeleistung an den Maschinen herangezogen werden. gleichfalls zum Holzarbeitervcrband. Ferner alle Platzarbeitcr auf solchen Holzlagcrplützen, die zu Möbelfabriken oder anderen Holzwarenfabriken gehören und dein eigenen Bc- darf derselben dienen, desgleichen diejenigen Arbeiter, die mit dem Transport des Holzes an die Maschinen oder von den Maschinen zur ü ck beschäftigt sind, alle Hilfs- arbeiter und Arbeilcrimieii in den Betrieben der Holzindustrie, so- wie auch die Holzarbeiter aller Art, die in Handelsgeschäften in ihrem Berufe tälig sind. Als zur Holzindustrie gehörig zählen auch die- jeuigen Betriebe, die statt Holz andere Rohstoffe(Gummi, Horn, Bein usw.) verarbeiten, deren Arbciter und Arbeiterinnen aber � in Ansehung ihres Berufes als Drechsler, Bürstenmacher usw. gleich- falls dem Holzarbeitcrverband zugehören. Den vertraglichen Bestimmungen entsprechend soll der Austausch der Mitglieder, die nach diesen Abmachungen zum andern Verband überzutreten haben, sofort erfolgen. Als Schlichtungsinstanz für etwa aus dem 5tartellvertrage entstehende Differenzen sind die beider- seitigen Zentralvorständc vorgesehen. Abwehrkampf der Schneider. Die Großslückarbeiter bei der Firma Rosenblatt in Gotha befinden sich in einem Abwehrkampfe lvegen Lohnrcduziernngcn. Mehrmals hat die Firma bereits Lohnkürzungen vorgenommen. Jetzt haben 24 Schneider die Kündigung eingereicht. Gelingt es in der achttägigen Liiindignngssrist nicht, eine Einigung zu erzielen, so werden die Schneider und mit ihnen auch die vierzig übrigen im Betriebe tätigen Personen die Arbeit einstellen. Die Firma beschäftigt außerdem eine große Anzahl von Heimarbeitern; sie läßt auch viele Arbeiten auswärts(u. a. auch in Stettin) an- fertigen. Da sie durch Inserate in auswärtigen Blättern schon Schneider sucht, so sei vor Zuzug besonders gewarnt. Ablösung der Christen durch die Gelben. Am 31. Januar fanden in sieben Sprengcln de§ RührgebietS Knappschaftswahlen statt, die durch Aufteilung zu großer Sprengel nötig geworden waren. Im christlichen Gewerkverein herrschte schon Jubel. Am Wahltag soll Zahltag sein, so schrieben sie in ihren Flugblättern. Doch es kam anders als sie meinten. Von de» sieben Sprengel» holte der Verband vier, die Christlichen zwei und die gelben Werkvereinler einen. Die abgegebene Slimmenzahl ver« teilte sich folgendermaßen: Verband 1060, Christi. Gcwerkberein 474, Polnische Berufsvereinigung 161, Gelbe 413. In einigen Sprengel» gingen die Christlichen mit den Gelben zusammen, in einem Sprengel Christliche und Polnische Berufsvereinigung.— An der Stimmen- zahl ist ersichtlich, daß die Gelben die Stellung der Christlichen nach und nach einnehmen. Tie angekündigte Aussperrung in der Schuhindustrie zu Speyer scheint größeren Umfang anzunehmen. Die Firma B. Roos hatte haftigkcit und manchmal Wahllosigkeit, die Grenzen zwischen Dilettantismus und Wisscnschaftlichkeit fließen bei beiden Män- nern ineinander, aber am letzten Ende scheint doch alles wieder einer neuen Weltanschauung zu dicncii und sich einzuordnen. Und das bleibt das letzte: wie wir auch immer von dem Boden unseres Staates und unserer Gesellschaft, den jene bekämpften und wir behaupten, über diese Menschen, ihre Ideen, ihr Tun und Lassen urteilen, wir können uns nicht dagegen verschließen, daß viel von ihrem individuellen Wähnen und Trachten zu einer fort- lebenden Wirklichkeit geworden ist. Wir stehen in der Schmiede Vulkans, wild und ungeordnet türmt sich das Werkzeug übcreiu- ander, Dampf und Rauch und Schmutz verwirri das Auge, ein ohrenbetäubender Lärm ersckiallt, die Funken stieben vom Amboß, aber eine kunstreiche, eine Leben und Tod bringende Waffe wird geschmiedet. Es ist eine Werkstatt historischer Dinge." Oncken bekennt, daß Karl Marx und Friedrich Engels in die Reihe der wahrhaften Lebensgemeinschaften unseres Volkes gehören, diese zwei, die als Individualitäten weit genug von einanver ent- fernt und doch zn untrennbarer Einheit verschmolzen seien, für sich, für ihre Arbeit und für die Nachwelt. Er wendet sich gegen die, die den Gründern der Internationale„nicht ohne weiteres die Ebrc einer Toppclhermc im Tempel nationaler Größe" bewilligen möch- ten. Gewiß sei eine Verständigung darüber erschwert, aber schon um ihrer weltgeschichtlichen Nachwirkung willen müsse man immer wieder fragen, was diese Männer der Nation bedeuten. Theater. K a m m e r s p i e l e:„Der Snob", Komödie von Karl S t e r n h e i m. Die Erwartungen, die Siernheims Erstling„Die Hose" i» den Kamnierspielen vor mehreren Jahren weckte, sind leider bisher nicht erfüllt. An die sielle des lustigen, aus dem Vollen schöpsenden UebermuleS der dort das schlagend lebenswahre Komerfei des in Behagen eingrsponnenen, unerschütterlich siegessicheren Philisters Tbeobald Maske zeickmete. trat in dem„Bürger Schippet" eine ver- stimmende Gezwungenheit. Der Snobisrnus, die Suckt, sich in „höhere" Kreist einzudrängen und deren Narreteien nachäffend noch z» übertrumpfen— ein Hang, der seine üppigsten Blüten in gewissen bürgerlichen Schickten(der Reserveleutngnt) lreibl, wird dort ver- ulkt an dem Beikpiel eines armen Schluckers, den seine Zugebörigkeit in einen: bürgerlichen Gcsangskränzchen den Hockmutsdiinkel in den Kops gesetzt hat. Das Strebercken, für den Ehrenkodex höheren Menschentums begeistert, bringt es bis zum Duell. Mit den zer- lumpten Kleidern legt es zugleich die proletarische Gesinnung und seine ehemals revolutionäre Pose ab. Das neue Sliick„Der Snob", das eine Spielart bourgeoisen SnobtumS in satirischer Beleuchtung vorführen will, hält sich von den phantastischen Sprüngen des „Bürger Schippe!" fern, aber der Mangel an ErfindungS- und Ge- staltungskrast tritt nur noch greifbarer hervor. Etwas wie eine! Handlung existiert kaum, die Personen(den hier als alter Herr wieder erscheinenden Theobald Maske ausgenommen) entbehren wie der Dialog jedweder individuellen Prägung. Auch der Snob, ein Sprößling MaSkes, erscheint als blasses Gcdankenpräparat. Sein Veihältnis zn der abenteuernden reichen Dame, die dein hungernden Studenten mit ihrem Geld die Bahn zu dem Erfolg geebnet hat und die dann von ihm schnöde abgelehnt wird, die Oualitäten, denen er sein Avancement zum Goldbergwerksdircktor und Mutti- millionär verdankt, die Beziehungen zu der Komteß, die er, um sein Lebenswerk zu krönen, als Gattin heimführt: alles bleibt gestaltlos unbestimmt. Ganz unverständlich ist auch, wie dieser von blaubliitigen Strebungen beseelte Herr, der die kompromittierlich kleinbürgerlichen Eltern gegen das Versprechen einer Rente ins Ausland abschob, plötzlich auf den Gedanken verfällt, mit ihnen vor der gräflichen Familie Staat zn machen. Im Brautgemach schwärmt er der Komteß vor, was seine Muitcr für eine auserlesene noble Natur gewesen sei; er dichtet die Maskcsche Familiengeschichte von der verlorenen Hose in diesem Sinne um und lügt, einmal in Zug gekommen, weiter: er, Christian Maske, sei die Frucht eines galanten Abenteuers, das die Mama mit einem richtigen Pariser Aristokraten hatte. Die Komteß ist entzückt. So erst kann sie ihn aus ganzem Herzen hochschätzen. Ein Teil des Publikums protestierte gegen den auch diesmal nicht ausbleibenden Applaus mit Zischen. Bassermann als Snob, Wintersteln als Graf. Leopold ine Konstantin als Komtesse, gewannen ihren mageren Rollen ab, was Schauspiel- kunst vermochte. Wundervoll drollig war Viktor Arnold in der reichlicher bedachten Figur des alten Maske. ät. München er Theater. Max Drcycr. einst eine Hoff- nung' der jungdeutschen Gegenstandsdichtung, ist heute auf dem Standpunkt eines gesinnungstüchtigen GclegenhcitSdramatikerS angelangt. Wie sein Schauspiel: Der grünende Zweig bewies, das nicht ohne lauten Beifall im Münchener Schauspielhaus seine Uraufführung erlebte. Dreyer hat die Konjunktur der Fälle Jatho und Traub auszunützen versucht und ihr Abbild, weil er nun einmal aus seiner Waterkant- Atmosphäre nicht heraus kann, Iviedcr in mecklenburgisches Milien verpflanzt. Ein Domänenrat päd ans der Art geschlagener Äirchcnpatrvn, dazu ein Leutnant gar, protegieren einen jungen scharfen Hitzkopf mit Bäffchen. dex im staatskirchen- feindlickien Fahrwasser Traub- Jatho plätschert. Der Hüter der Orthodoxie, ein Superintendent, wird natürlich in kohlrabenschwarzen Farben gemalt und alles Licht fällt auf den jungliberalen Kanzel- redner und seine Stützen. Wozu hätte Dreyer auch von dein lüchngen Volksbildner Lehrer Otto Ernst Schmidt aus Altona die Swwarzivcißtechnik gelernt! Zwischen Gesinnung, Milieu, dürre Dialogscherze hat Dreyer noch einige kinodramatische Einfälle gestreut: eine Leichenrede im schwarzverhüllten Saale zwischen brennenden Kerzen wird durch einen Damen-Skandal schnöde gestört. Schaffenskraft und Temperament haben bei Max Dreher leider scbr nachgelassen. ra. Bcveii-3 170 Arbeitern gekündigt: am Sonnabend haben nochmals 00 Arbeiter ihre Kündigung erhalten, so das; jetzt schon 280 Arbeiter bei der Aussperrung in Betracht kommen.— Zuzug ist streng fern- zuhalten. Drei umfangreiche Tarifverträge i» der Gärtnerei laufen im Frühjahr ab. Haupllräger derselben ist der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein. Am IS. März erlischt der lSlO abgeschlossene Vertrag für die Hamburger LandschaflSgärtnerei, am 20. März der 1911 abgeschlossene Vertrag für die Düsseldorfer Landschafts- und Handels- gärinerei und am IS. März der 1911 abgeschlossene Vertrag für die Münchener LandschaflSgärtnerei. Diese drei Verträge regeln die Arbeitsverhältnisse von rund 800 Personen.— Der jetzige Tariflohn für Vollarbeiter beträgt in Hamburg S8 Pf. für die Stunde, in Düsseldorf SO Pf., in München S4 Pf! fluslanS. Ueber die Verhandlungen zur Beilegung des Buchdrucker- streiks in Oesterreich wird offiziös berichtet: Bekanntlich haben am 23. Januar Verhandlungen zum Zwecke der Beilegung des TarifstreitcS im Bnchdruckergewerbe begonnen. Bei diesen Verhandlungen, die unter deni Vorsitz des Geheimen Rates SeklionschetS Dr. M a t a j a und in Anwesenheit des Ministerialrates v. G a st e i g e r. Hofrates W ü r t h und Minisicrial- sckrctärs Dr. Le d er erstalifandcn, intervenierten als sachverständige Berater die nachstehenden Funktionäre des Deutschen Tarifamtes: Geheimer Kommerzicnrat Büx enstein, Piäsident diese? Tarif- ainteS, Prinzipalsvorsitzender Franke, Gehilfenvorfitzender G i e s e ck e, Geschäfissührer S ch Ii e b s, Prinzipalsbeisitzer H aber- I a n d und Gehilfenbeisitzer D L b l i n. Diese Vcrgleichsverhandlungen sind ani Sonnabend in später Abendstunde zu einem glücklichen Ende geführt worden, indem in den Hauptfragen zwischen den Parteien eine Einigung, und zwar mit Stinimeneinhelligkeit, erzielt wurde. Zum Gelingen der Verständi- gung trug wesentlich die VermittelungStätigkeit bei, welch? die Ver- tretcr deS Deutschen Tarifamtes entfaltet haben. Uebcr eine Reihe von Neben fragen werden im Laufe dieser Woche weitere Ver- Handlungen vor der großen österreichischen Tarifkonimission statt- finden; etwa hierbei auftretende Schwierigkeiten sind aber im vor- hinein dadurch beseitigt, daß eventuelle Fragen, über welche die Parteien sich nicht einigen sollten, durch einen Schieds- spruch des SektioitSchefs Mataja. dem sich auch hierfür Vertreter des Deutschen Tarifamtes zur Verfügung gestellt haben. geschlichtet werden sollen. ES wird angenommen, daß diese Verhandlungen so zeitgerecht beendet werden, daß in herkommenden Woche mit der Wiederaufnahme der Arbeit in den einzelnen Druckereien gerechnet werden kann. Für Steiermark war übrigens die Bewegung schon vorher entschieden. Auch für die Hilfsarbeiter wurde dort ein Vertrag abgeschlossen, der ihnen brachte: Erhöhung der Mindestlöhne um zwei bis vier Kronen für Männer, eine bis zwei Kronen für die Frauen und all- gemeine Lohnzulage um zwei Kronen für die Männer und eine Krone für die Frauen.______ Ms öer Partei. Eine hessische Gemeindevertreterkonferenz. Eine aus allen hessischen Wahlkreisen sehr gut besuchte sozial- demokratische Gemeindevertreterkonferenz für Hessen tagte am letzten Sonntag in O f f e n b a ch. An Hand des hessischen Kommunalprogramms referierte Genosse B u s o l d- Friedberg über die Aufgaben der sozialdemokratischen Gemeindeverlreter. Zur Frage der Errichtung einer elektrischen Neberlandzentrale sprach Genosse E i ß n e r t- Offenbach. Diese Frage ist für Hessen besonders durch das Bestreben großer Elek- lrizttätslizerke, durch Abschlicßung von Verträgen mit den Gemeinden sich Monopole zu verschaffen, brennend geworden. Ferner konnte hier die Erfahrung gemacht werden, daß die oberen Verwaltungs- behördcn, als Aufsichtsinstanz der Genieinden, nicht immer in wünschenswerter Weise die Allgemeininteressen gegenüber den privat- kapitalistischen Gesellschaften wahrnehmen. Um die Regierungs- behördcn an ihre Pflicht der Allgemeinheit gegenüber zu erinnern, sahen sich die hessischen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten veranlaßt, im Landtage diese Tatsache zur Sprache zu bringeu. Das hessische Gemeindesteuergesetz, das nach zehnjährigem Be- mühen nn Jahre 1911 reformiert worden ist, hat bei seiner An- ivendung große Unzufriedenheit hervorgerufen, so daß alle Parteien schon jetzt'die Absicht hegen, im künftigen Landtag dagegen Stellung zu nehmen, um die größten Mängel zu beseitigen. Genosse Ulrich hob in seineiu Referat diese drastisch hervor. Auf der Konferenz waren insgesamt 200 Vertreter anwesend. Humor unv Satire. Ein modernes Hotel für Liebende. Bon einem„diskreten Hotel", das im Zentrum von Paris eröffnet lvorden sein soll, erzählt der Satiriker Clement Vautel im„Matin". An der Tür des Hotels befindet sich eine Marmortasel mit der Inschrift:„Hotel für Liebende. Moderne Behaglichkeit. Warmes Waffer, Revolver, Vitriol in allen Zimmern. Direkte Verbindung mit dem Leichenschauhause. Be- sondere Telephonverbindung mit dem berühmten Verteidiger Henry- Robert. Mäßige Preise." Diese Hotelgründung, schreibt Vautel, entspricht einem längst gefühlten Bedürfnis. Und man kann mit Sicherheit annehmen, daß daS Hotel für Liebende sehr besucht sein wird.... Nun sollte aber auch die Justiz die Mörder aus Liebe etwas besser bebandeln als bisher. Es ist, unter uns gesagt, töricht, jede solcher Mordtaten separat abzunrteilen. Geichworne, Richter, Gerichtsdiener und auch die Angeklagten verlieren dabei viel kostbare Zeit. Die Prozesse, die für' die Steuerzahler recht kostspielig sind, bleiben sich ja doch inimer gleich und enden immer mit der Freisprechung. Weshalb soll man also die Angeklagten nicht„en bloc" freisprechen? Alle drei Monate müßten ein paar hundert Herren und Damen, die wegen eines Verbrechens aus Leidenschaft unter Anklage stchen und gern so rasch wie möglich eine neue Liebe anknüpfen möchten, in einem Schub vor den Geschworenen erscheinen. Es würde dann zugehen wie einst vor dem RevolulionStribunal, init dem Unterschiede nur, daß die Angeklagten nicht zum Tode verurteilt, sondern glänzend freigesprochen würde». Das Hotel ffir Liebende bietet modernen Liebespaaren alle Bequemlichkeiteii, die man braucht, um sicb gegen- festig diskret aus der Welt zu schaffen. Sache des Justizpalastes ist eS, mit diesem Hotel sozusagen Hand in Hand zu gehen... Notizen. — Theaterchronik. Im Lesffng-Theater soll im Anfang der nächsten Spielzeit Ibsens Schauspiel„Kaiser und Galiläer" auf- gesührt werden.— Henri Natbaniens Schauspiel„Hinter Mauern" ist vom Komödienbause in das Repertoire des Theaters in der Königgräyer Straße übergegangen. Die erste Vorstellung findet am koniniendcn Montag statt. — E r n st AbbeS Witwe, die in gleicher Weise wie ihr Gatte zugunsten der gemeinnützigen Zeiß-Sliflung auf Millionen verzichtete, ist in Jena gestorben. — Ein vorsintflutliches Ereignis ohne Be- deutung hat Maeterlinck das päpstliche Verbot seiner Werke genannt.'Spöitisch sagt er, eS sei eine ausgezeichnete Neuigkeit. über die der Verleger entzückt sein werde. — Der größte Hummer. Nach dem Bulletin der Zoolo- gischen Gesellschaft in New �jork besitzt das dortige Aquarium den größten Hummer, von dem i« berichtet worden sein soll. DaS Tier inißt 95 Zentimeter in der Länge und hat«in Gewicht von 21 Pfund. Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Am Sonntag hat im Volkshaus in Zürich der Parteitag der Sozialdemokratie des Kantons Zürich bei starker Beteiligung von ca. 200 Delegierten und zahlreichen Gästen stattgefunden. An das Referat des Genossen Dr. Studcr über die Taktikbeschlüsse des schweizerischen sozialdemokratischen Parteitages in Atau schloß Genosse Lang eine Rede, in der er sich mit dem von den Gegnern behaupteten augeblichen Rückgang der Sozialdemokratie bc'schäf- tigtc. Er bestritt die Richtigkeit der Behauptung und führte dann weiter aus, daß es ein Unglück für die menschliche Kultur wäre, wenn die Sozialdemokratie als die Befreierin der großen Mehrheit der Menschheit aus Not und Unterdrückung wirklich zurückgehen werde. Genosse Pflüger orientierte über den Stand der Arbeitslosen- Versicherung, insbesondere über die bezügliche Vorlage der Stadt Zürich und betonte die Notwendigkeit des gesetzgeberischen Ein- greifens von Kantonen und Bund und zwar im Sinne der Ein- sührung des gemischten Systems der freiwilligen öffentlichen Per- sicherung und der Unterstützung der gewerkschastlichen Arbeits- losenversicherung. lieber die Ende April stattfindenden Kantons- und Regierungs- ratswahlen referierte Genosse Manz. Beschloffen wurde, unseren bisherigen Vertreter in der Regierung, den Genossen Ernst, wiederum als Kandidaten aufzustellen. Die Parteileitung erhielt die Ermächtigung, je nach der Gestaltung der Wahlsituation einen zweiten sozialdemokratischen Kandidaten aufzustellen. Bei den Kantonratswahlen sollen unsere Genossen in allen Wahlkreisen selbständig vorgehen. Einstimmig wurde der Antrag der Parteileitung auf Heraus- gäbe der Geschichte der Arbeiterbewegung des Kantons Zürich an- genommen._ Das Wachstum der Arbeiterpresse in Rußland. Die wichtigste Errungenschaft, die die Arbeiterbewegung in den letzten zwei Jahren in Rußland zu verzeichnen hat, ist, daß die Ar- bcitcrpresse sich eine starke Position geschaffen hat. Trotz unsäg- licher �Schwierigkeiten, wie sie in einem solchen Maße selbst unter dem Sozialistengesetze in Deutschland nicht zu überwinden waren, haben die russischen Arbeiterblätter festen Fuß gefaßt und sind zu der � wichtigsten Waffe der vorwärtsschreitenden proletarischen Klaffenbewegung in den vielsprachigen Gebieten Rußlands ge- worden. Die Mittel zur Herausgabe dieser täglich oder wöchentlich erscheinenden Blätter wurden von den Arbeitern selber gesammelt, die auch das Gros der Mitarbeiter dieser im wahren Sinne des Wortes proletarischen Organe bilden. Das Wachstum und der stei- gcnde Einfluß dieser Presse lassen sich deutlich an der starken Stei- gerung. der gegen die Arbeiterblätter angewandten Repressalien er- messen. Während im Jahre 1912„nur" 97 Konfiskationen und 87 Monate Gefängnis über die Arbeiterpresse verhängt wurden, stieg die Zahl dieser behördlichen Verfolgungen im Jahre 1913 um das Bielfache. So wurden über die Blätter menschewistischer Rich- tuug in Petersburg bei 283 Nummern 77 Konfiskationen und 39 Strafen mit einer Gesamtsumme von 19 500 Rubel verhängt. Die Verbüßung dieser Geldstrafen ergab 117 Monate oder 9 Jahre 9 Monate Gefängnis für die Redakteure. Zu gleicher Zeit wurden gegen die Blätter bolschewistischer Richtung in Petersburg bei 280 Nummern 91 Konfiskationen und 29 Strafen in Höhe von 14 500 Rubel oder 87 Monate Arrest ausgesprochen. Außer diesen Strafen wurden gegen die Redakteure zahlreiche Anklagen erhoben, die zu verschiedenen längeren Gefängnisstrafen auf Gerichtsbeschluß führten. Indessen vermochten alle diese Verfolgungen nicht, de» beiden Petersburger Arbeiterblättern das Lebenslicht auszu- löschen. Wurde ein Blatt durch die Behörden inhibiert, so erschien gleich darauf ein neues, das den Kampf seines Vorgängers mit un- geschwächter Kraft weiterführte. Zurzeit erscheinen als Organ der menschewistischen Richtung die„Neue Arbeiterzeitung" und als Organ der bolschewistischen Richtung die„P r o l e t r s k a j a Prwada".— Außer diesen Organen der beiden grundlegende» Richtungen der russischen Sozialdemokratie erscheinen noch folgende, meist wöclientlich oder einige Male in der Woche herausgegebenen Arbeiterblätter: Das Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiter„Z e i t"(in Petersburg), das Organ der lettischen sozial- demokratischen Arbeiter„D s i h w e s Bäks"(in Riga), das Organ der estnischen sozialdemokratischen Arbeiter„R a ch w a l e ch e t"(in Narva), das Organ der Grusischcn Sozialdemokraten„M e r z ch a l i" im Kaukasus), die polnische Wochenschrift„Ku z n ia"(in Wilna), die polnische Zeitung„Nävi Glos" sin Warschau). Außer den ge- nannten Blättern erscheinen als theoretische Organe der beiden sozialdemokratischen Richtungen die Monatsschriften„Nascha S a r j a" und„P r o s w e s ch t s ch e n i je" in Petersburg. Die Bestrebungen der Arbeiter im Anschluß an die Einführung der Krankenkassen finden ihren Ausdruck in den Petersburger Organen: „Versicherung der Arbeiter" und„Fragen der Ver- sicherung" und der in Warschau in polnischer Sprache erschei- nenden„Stimme des Bevollmächtigte n". Außer den genannten Organen erscheine» in Petersburg die Fachblätter der Metallarbeiter, der Buchdrucker, der Handlungsgehilfen, der Gold- und Silberarbeiter, der Bureauangestellten, der Bäcker und der Schneider. Mit der Gründung eines Partciblattes in Aachen beschäftigte sich eine Kreiskonserenz in Aachen. ES iff die Gründung einer Gesell- schaft mit Geschäftsanteilen von je 500 M. vorgesehen. Alle Redner sprachen sich für den sofortigen Beginn der Durchführung deS Planes aus. Soziales. Die höchsten OrtSlöhne und die für Groß-Berlin. Eine Zusammenstellung der neu festgesetzten Ortslöhne gaben wir in der Nummer des„Vorwärts" vom 30. Januar. Darin sind diejenigen Gebietsteile aufgeführt, in denen der Ortslohn unter eine ziemlich tief gezogene Linie noch hinabgeht. Es dürfte aber auch interessieren, die Bezirke zu wissen, in denen die höchsten OrtSlöhne festgesetzt worden sind. Dann erkennt man, wie weit die Fest- setzungen auseinandergehen. Alle Festländer werden einen gewissen Neid verspüren, wenn sie vernehmen, daß die Hclgoländer mit einem Ortslohn in Höhe von 5 M. für Männer weitaus an der Spitze stehen. Die Preise für die Lebenshaltung sind aber dort besonders hohe. Im Oberversiche- rungsamt Frankfurt a. O. liegt der Ort mit dem niedrigsten Lohn für erwachsene Männer; es ist Königsberg(Neumark); der Ortslohn beträgt hier nur 1,50 M. 1,80 M. bis 2 Tl. als Ortslöhne für Männer haben in den örtlichen Bezirken eine ganze Reihe von Orten. Den zweiten Platz mit den höchsten Männerlöhnen nimmt die Gemeinde Wilhelmsburg(Lüneburg) ein, er beträgt hier 4,60 M.; dann kommt Bayerns Hauptstadt, München, mit 4,30 M.; dieser schließt sich der Stadtkreis Geestemünde(Stade) an, wo der Ortslohn 4,20 Ä. beträgt. Dann folgt eine Anzahl Bezirke, in denen 4 M. OrtSlohn festgesetzt sind. Das sind vorwiegend großstädtische Bezirke, darunter auch Berlin und eine Reihe von Vororten. Mit den Ortslöhnen für erwachsene, über 21 Jahre alte Frauen ragt kein Gebietsteil so weit aus dem Rahmen heraus, wie Helgo- land bei den Männerlöbnen. Zwar hat die Insel auch den höchsten Satz, der überhaupt festgesetzt worden ist, nämlich 3 M., aber der- selbe Lohn hat auch noch in anderen Bezirken Geltung.� ES sind das: Lehe(Stade), Buer(Münster), Pirmasens, Pforzheim, Mry und Berlin mit einer Reihe Vororte. Den Rekord mit dem niedrigsten Lohn für Arbeiterinnen hat nicht Königsberg lReumark) aufgestellt. Den niedriasten Satz l90 Pf.) verzeichnet die Stadt Sprottau, dann folgt die Stadt Rothenburg mit einem Teil des Kreises, wo der Ortslohn 90 Pf. beträgt. Diesen beiden Bezirken im Gebiete des Oberversicherungsamts Liegnitz folgen Königsberg(Neumark) und die Gemeinden des Kreises Angerburg(Gumbinnen) mit einem Ortslohn in Höhe von 1 M. Uebcr die OrtSlöhne in Groß-Bcrlin unterrichtet die folgende Zusammenstellung: Es beträgt der Ortslohn für über 21 Jahre alte Männer 4 M., für über 21 Jahre alte Ar« beiterinnen 3 M., für männliche Arbeiter von 10 bis 21 Jahren ebenfalls 3 TL, für die gleichaltrigen Arbeiterinnen 2,40 SN., für die jüngeren männlichen Arbeiter 1,80 M. und die jüngeren weib- lichen Arbeiterinnen 1,40 M.: in Berlin, Eharlottcnbnrg und Wil- mersdorf. In Köpenick beträgt der höchste Ortslohn für Arbeiter 3,50 TL, für Arbeiterinnen 2,40 M., für die 2. Gruppe Männer 2,50 M., Arbeiterinnen 1,80 M. und für die 3. Gruppe männl. 1,50 TL, weibl. 1,20 M. Lichtenberg hat in derselben Reihenfolge folgende Löhne fest« gesetzt: Arbeiter 3,00 M., Arbeiterinnen 2,50 Tl., Arbeiter 2,50 M., Arbeiterinnen 2 M., männl. Jugendliche 1,80 Tl., weibl. 1,40 M. Für Neukölln gelten diese Sätze: Arbeiter 4 Mk., 3 M. und 1,80 M., Arbeiterinnen 2,00 M., 2,20 M. und 1,40 M. Für Arbeiter 3,50 M., 2,75 Tl. und 1,50 M., sowie für männl. Kinder 75 Pf., für Iveibl. Arbeiterinnen 2,50 M., 2 M.. 1,25 M. und 75 Pf. haben festgesetzt: Bernau, Oranienburg, Altlandsbcrg, Licbenwaldc, Stralau, Reinickendorf, Hohenschönhausen, Friedrichs- felde, Biesdorf, Dahlwitz, Köpcnick-Forst, Fricdrichshagen, Erkner, Hcrzfcldc, Rüdersdorf, Altlandsbcrg lAint). Blumbrrg, Riedcrschön- hausen, Buchholz, Wittenau, Tegel, Obrrschöncwcide und Heiners- dorf. Im übrigen Teil des Kreises Nicderbarnim, mit Ausnahme von Pankow und Weißensee, betragen die Ortslöhne für Arbeiter: 2,75 M.. 2 M., 1,25 M. und 75 Pf., für Arbeiterinnen: 2 M., IchO Mark, 1 M. und 75 Pf. Außer diesen Teilen von Niedcrbarnim sind für Kinder keine besonderen Löhne festgesetzt worden. Pankow hat folgende Ortslöhne: Arbeiter 4 M., 3 M., 1,80 M.; Arbeiterinnen 2,75 M., 2 M. und 1,25 M. In Wcißensee betragen die Löhne für Arbeiter 4 M., 3 M. und 1,50 M.; für Arbeiterinnen 3 M.. 2,40 M. und 1,25 M. Für Schönebcrg gelten folgende Sätze: Arbeiter 4 M., 3 TL und 1,80 Tl., Arbeiterinnen 3 M.. 2,40 M. und 1,40 M. Di- gleichen Ortslöhne sind festgesetzt für Steglitz mit der Ausnahme, daß der niedrigste Lohn für Arbeiterinnen 1,20 M. beträgt. Die Ortslöhne für Spandau betragen: Arbeiter 3,00 M., 3 M., 1,80 M.; für Arbeiterinnen 2,20 M., 1,80 M. und 1,40 M. Im Kreise Teltow betragen die Ortslöhne für Adlershof, Britz, Dahlem, Friedenau, Grüna», Grunewald, Johannisthal, Lankwitz, Lichterfelde, Mariendorf, Nikolassee, Nicdcrschönewcidc, Ruhleben, Schmargendorf, Tcmpclhof, Treptow und Zehlrndorf: für Arbeiter 4 M., 8 M. und ILO M.; für Arbeiterinnen 2,50 M., 2,30 M. und 1,30 M. In Mittenwaldc, Teltow, Teupitz, Trebbin, Zossen, Alt- glienickc, Babelsbcrg, Bohnsdorf, Buckow, Düppel, Eichwaldc, Groß- heften, Grvnau-Tahmer Forst, Hoherlehme, Kleinglicnickc, Klein- Machnow, Königswustrrhauscn, Lichtenrade, Maricnfeldr. Miers- dorf, Nowawes, Osdorf, Rudorf, Schmöckwitz, Stahnsdorf, Waunsre und Zeuthen find festgesetzt: für Arbeiter 3 M., 2,50 M. und 1,50 Mark; für Arbeiterinnen 2 M.. ILO M. und 1,20 M. In den noch nicht namentlich aufgeführten Teilen des Kreises Teltow gelten folgende OrtSlöhne: Arbeiter 2,75 M., 2,25 M. und 1,25 M.; Arbeiterinnen ILO M.. ILO TL und 1 M. Wie sich zeigt, sind in unmittelbar zusammeuhängendeir Ge- bieten die Löhne sehr verschieden festgesetzt und dabei ergeben sich außerdem noch große Unterschiede für die verschiedenen Mcrs- grupven und Geschlechter._ Abfindung der kassentreuen Aerzte. Als die Krankenkassen im vorigen Jahre mit der Wahrschein« lichkeit zu rechnen hatten, daß eine Verständigung über die Honorierung der Aerzte an den übertriebenen Forderungen der Aerzteorganisationen scheitern und die Kassen deshalb vom 1. Ja- nuar ab keine Aerzte zur Verfügung haben würden, da zogen die Krankenkassen in verschiedenen Städten Aerzte von auswärts heran und schlössen mit ihnen Verträge ab, um den Kaisenmitgliedern für jeden Fall ärztliche Hilfe zu sichern. Bekanntlich kam aber aus Betreiben des Reichsamts des Innern an den letzten Tagen des vergangenen Jahres eine Vereinbarung zwischen den Aerzte- Organisationen und den Krankenkassenvereinigungen zustande, welche den Frieden sicherte. Unter den EinigungLbedingungen befindet sich eine Bestimmung, wonach die Verträge mit den während des Streites herangezogenen Aerztcn gegen entsprechende Abfindung gelöst werden sollen. Die Verbände der Krankenkassen, deren Vertreter an den Einigungsverhandlungen mitgewirkt hatten, sollen— so heißt es in den Einigungsbedingunaen— ihren Ein- fluß dahin geltend machen, daß die Kassen die Aerztehonorare um 5 Pf. pro Mitglied und Jahr erhöhen, damit der Leipziger Aerzte- verband die Kosten der Abfindung der betreffenden Aerzte aus diesem Zuschlage decken kann. Mit dieser Angelegenheit beschäftigte sich am Montag eine von der Zentralkommission der Krankenkasse» Berlins einberufene Versammlung der Kassenvorstände, in der 43 Kassen vertreten waren. Wie der Vorsitzende Simanowski mitteilte, hat das Ver» sicherungsamt als Aufsichtsbehörde an die Groß-Berliner Kranken- lassen die Aufforderung gerichtet, sich darüber zu erklären, ob sie den Zuschlag von 5 Pf. zahlen wollen. Die gegenwärtige Ver- sammlung sei einberufen, um sich über diese Angelegenheit aus- zusprechen. Beschlüsse sollen jedoch nicht gefaßt werden. Es entstand eine lebhafte Aussprache. Mehrere Redner er- klärten sich ganz entschiede» gegen die Zahlung des Zuschlages. Sie erklärten, das Verlangen, daß die Krankenkassen die Kriegs- kosten für den von den Aerzten heraufbeschworenen Streik tragen sollten, sei ungesetzlich und in keiner Weise zu rechtfertigen. Namentlich flir die Berliner Krankenkassen bestehe gar kein Au- laß, diese Zahlung zu leisten. Denn sie seien ja an dem ganzen Streit nicht beteiligt gewesen, da sie schon beizeiten ein den Frieden sicherndes Abkommen mit ihren Aerzten geschlossen hätten. Man wisse ja nicht, auf wie lange Zeit der Zuschuß geleistet werden sollte. Es heiße, zur Ablösung der betreffenden vertraglichen Per- pflichtungen seien 10 Millionen erforderlich. Ueber die Verwen- dung der durch den 5 Pf.-Zuschutz zusammenfließenden Gelder hätten die Kassen gar keine Kontrolle. Könne man denn wissen, ob der Leipziger Aerzteverband vielleicht nur einen Teil dieser Gelder für die Absindung gebrauche und aus dem übrige» Teil einen 5wmpffonds für einen künftigen Krieg gegen die Kassen bilden werde? Andere Redner befürworteten zwar die Zahlung im Interesse des Friedens, obwohl sie die Gründe, welche dagegen vorgebracht wurden, an sich als zutreffend anerkannten. Simanowski als Vor- sitzender der Zentralkommission und Albert Koh» als Vorstands- Mitglied des Hauptverbandes der Ortskrankenkassen empfehlen die Zahlung des 5-Pf.-Zuschusses, gegen den ja manche Gründe sprächen, den man aber leisten möge, weil doch die Krankenkassen vor einem Kancpst der ihnen doch wohl mancherlei llnannehm- lichkeiien hätte bringen können, bewahrt geblieben sind. Eine Kontrolle über die Verwendung der Gelder sei ja gegeben durch die auf Grund der Einigungsbedingungen geschaffone paritätische Instanz. Simanowski machte noch einige geschäftliche Mitteilungen, unter anderem die, daß Verhandlungen mit den Apothekern schwe- den, Idie wahrscheinlich zum Abschluß eineS Vertrages führen werden und daß die Zentralkommission mit der Aerzteschaft Berlins auf deren Antrag über Einführung einer Sonntagsruhe der Aerzte verhandelt._ Ms Znöustrie und Handel. Krupp— Putilow. Die Presse bescbäffigt sich noch immer mit dem jetzt auf« gegebenen Plan der russischen Kanonenfirma Putilow, durch die Permittelung Krupps Kapital aufzunehmen. Dabei erfährt man weitere Einzelheiten über die internationale Bersippung der Rüstungsfirmen. So weiß die Londoner„Times" zu berichten, daß zwischen den Putilow-Werken und der deutscheu Werft Blohm u. Voß in Hamburg Beziehungen bestehen. Die Schiffswerften der Putilow-Werle sollen in deutschen Händen sein und ebenso die Konstruktionswerften in Riga und Reval. In Petersburg sind nun Vertreter der französischen Kanonen- firma Tchneider-Creuzot angelangt, um den Putilow-Werken neue Vorschläge für die Kapitalsaufnahme'zu unterbreiten. Frühere Verhandlungen zwischen der russischen und französischen Gesellschaft sollen sich vor einiger Zeit zerschlagen haben. Der Schiffahrtskonflikt vorläufig beendet. Kaum find die als Kampfmafiregeln gedachten Ratenermäfii- gungen am 1. Februar in Kraft getreten, als die beteiligten Schiffahrtsgesellschaften bereits einen vorläufigen W a f f e n st i l l- stand abschliehen. Der Norddeutsche Lloyd, die Holland-Amerila- Linie und englische Reedereien haben der Hamburg-Amerila-Linie den Vorschlag gemacht, für den Februar von weiteren Kampfmafi- nahmen abzusehen. Die Hapag hat diesen Vermittelungs- vorschlag angenommen. Bis Ende d. M. soll zugleich die bereits aufgelöste nordatlantische Schiffahrtskonvention als verlängert gelten. Die Preise für den Zwischendecksvcrkehr und die Fracht- raten werden also wenigstens vorläufig nicht mehr ermäßigt werden. Kapitalistische Preispolitik. Im Frühjahr vorigen Jahres beantragten die niederschlesischen Grubenbesitzer für ihre Kohlenprodukte Llusnahmetarife auf den preußischen Staatsbahnen. Sie begründeten ihre Forderung mit der mangelnden Rentabilität ihrer Werke und mit der rncksichts- losen Konkurrenz der oberschlesischen Gruben. Die Tarifermäßigung wurde für den Ilmkreis von öl) Kilometern vom Erzeugungsort gewährt. Bei Beratung der Eingabe sind aber von dem vreußischcn Eisenbahnrat und der Kommission Tinge erörtert wordm, die nicht ohne Interesse für die Beurteilung kapitalistischer Methoden sind. In den geheimen Verhandlungen wurde das Verlangen der nieder- schlesischcn Grubenbesitzer ganz besonders von den oberschlesischen Grubendirektoren bekämpft; sie behaupteten, daß bor allem die rücksichtslose Preispolitik des niederschlesischen Kohlcnsyndikats die Schuld an einer etwaigen ungünstigen Geschäftslage trage. Von Jndustrievcrtretevn wurde zu der Preispolitik des niederschlesischen Kohlenshndikats ausgeführt: „Die Tätigkeit des Syndikats sei darauf gerichtet, die Pro- duktion zugunsten der zu erzielenden Erlöse(Preise) einzu- schränken und die Preise gerade im Nahgebiet, in dem sich eine Konkurrenz mit anderen Kohlengebieten weniger fühlbar mache, hoch zu halten. Daß die oberschlesischc Kohle in das engere niederschlesischc Gebiet eindringe, sei auf die„falsche Preis- Politik" des Syndikats zurückzuführen. Durch seine hoben Preise schränke es den Absatz ein... Die Lieferung der oberschlesischen Staubkohle sei erfolgt, weil die niederschlesischen Verbraucher die hohen Preise für einheimische Kohle nicht mehr zu zahlen imstande gewesen seien." Einschränkung der Produktion und Preissteigerung zum Zwecke der Schröpfung des Verbrauchers— das alte Mittel der Syndikate. Der Bremer Bullau, Schiffbau- und Maschinenfabrik, erhöht für das abgelaufene Geschäftsjahr seine Dividende von 10 auf 11 Proz. Gerichtszeitung. Die Allüren des GutsbesitzersohueS. Das Kapitel: Behandlung der Landarbeiter hat in einer Potsdamer Strafkammer eine eigenartige Beleuchtung erfabren. Der Vorfall, der eine gerichtliche Anklage herbeiführte, spielte sich auf dem Gut Friesacker Zotzcn ab, daZ dem Landwirt Brockmann gehört. Ani 15. September vorigen Jahres wollte der polnische Schnitterjunge Dennes seinen Dienst verlassen, da ihm der Lohn nicht genügte. Er forderte vom jungen Brockmann seine Papiere. Als Antwort darauf erhielt er einen tüchtigen Peitschenhieb. Diese rohe Behandlung erweckte den Unmut des Melkers Engelmann, der sich durch die Reitpeitschenzüchtigung zu der Aeußerung hinreißen ließ:„DerLauscjungc, wenn mirdas passierte, ich riß ihm die Kaldaunen aus dem Leibe!" Der junge Brockmann hörte das und rückte daraufhin mit noch stärkerem Aufgebot an. Er erschien mit einem Jagd- g e w e h r aus der Bildfläche, begleitet von drei Hunden. In seiner temperamentvollen Herrchcnart stieß der also Be- waffnete den Engelmann mit dem Gewehrkolben vor die B r u st. Die Mutter des jungen Herrn sah das Ren- konter von weitem und befürchtete ein Unglück. Sie eilte herbei und hielt das Gewehr ihres Sohnes. Da Engelmann nun seinerseits aufs höchste gereizt war» ließ er sich zu einer häßlichen Schmähung der alten Dame hinreißen, die jeden Konflikt verhindern wollte und verhinderte. Das Rachspiel vor Gericht fiel nun sehr merkwürdig aus. Das Rathcnower Schöffengericht hatte sich damit begnügt, für den Hieb mit der Reitpeitsche und den Kolben- stoßje5Mark Geldstrafe gegen den jungen Herrn zu ver- hängen, dagegen mußte der Melker für die Beleidigungen j e 10 Mark in Kauf nehmen. Seine gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegte Berufung wurde von der P o t s d a m e r Strafkammer, die einer breiteren Erörterung der höchst sonderbaren Vorgänge aus dem Wege ging und jede Erklärung des Angeklagte» darüber abschnitt, verworfen. Wäre das Gericht ebenso milde gegen einen Arbeiter ge- wesen, der einem Gutobcsitzcrsohn oder einem Richlcr einen Peitschenhieb versetzt hätte?_ Verrat militärischer Geheimnisse. In dem Prozeß, der in den letzten zwei Tagen gegen den Korvettenkapitän a. D. Rüdiger Frhr. v. d. Goltz vor der ö. Straf- kammer des Landgerichts III unter Ausschluß der Oefsentlichkcit verhandelt wurde, ist gestern in später Nachmittagsstundc daS Urteil durch den Vorsitzenden LandgerichtSdirektor Seelert öffent- lich verkündet worden. Das Urteil ging dahin: Der Angeklagte wird wegen Anstiftung zum Ungehorsam gegen Befehle des Vor- gesetzten, wodurch die Gefahr eines erheblichen Nachteils herbei- geführt ist(im Sinne des 8 83 Mil.-St.-G.-B.) zu drei Monaten Festungshaft verurteilt, wovon ein Monat als durch die Unter- suchungshaft für verbüßt erachtet wird.— Aus der Urteilsbegründung ist folgendes hervorzuheben: Der Angeklagte war der Mariuevcrtreter der Rheinischen Mctallwarcn- und Maschinen- fabrik ErHardt in Düsseldorf und hat seine ihm noch aus feiner Dienstzeit obliegende Pflicht zur Dienstverschwiegenheit nicht immer rnnegehlten. Er hätte gewiß die Pflicht, seiner Firma, so w»it er konnte und durste, Dienste zu leisten, aber er durfte dies nur mit Rücksicht darauf, daß er als ausgeschiedener Offizier sich Be- schränkungen aufzuerlegen hätte. Was er dienstlich erfahren und nicht weitergeben durfte, durfte er auch nicht weitergeben, nach- dem er aus der Marine ausgeschieden war. Er hat in der Vor- Untersuchung selbst zugegeben, nicht immer korrekt gehandelt zu haben und für seine Firma manches zu erfahren versucht zu haben, was mit der Pflicht der Dienstverschtviegenheit im Widerspruch stand. Er hat von dem Korvettenkapitän v. Hoffmann-Larratfch. der sein Freund war, Schußtafeln und Durchschnittspreise sich verschafft, obwohl er wußte, daß dieser sie nicht herausgeben durfte, denn nach einer Vorschrift ist es verboten, solches Material an Personen außerhalb der Marine weiterzugeben und cS existiert darüber sogar ein besonderer Werftbefehl. Das mußte dem An- geklagten bekannt gewesen sein und es ist nicht richtig, wenn er erklärt, er habe gemeint, daß der Korvettenkapitän als Verwalter des Bücherdepots ihm die Bücher herausgeben durste. Er hat daher jenen zu dem Verstoß gegen die Befehle angestiftet und zwar durch den Mißbrauch des Vertrauens als Freund und Käme- rad. Zwar hat er in seinen Briefen nicht ausdrücklich die alte Freundschaft hervorgehoben, das ist aber nach der Rechtsprechung nicht erforderlich; ihm war bewußt, daß diese Freundschaft ein Mittel war, um auf den Willen des anderen einzuwirken. Er hat aber auch noch ein zweites Mittel angewendet: Er hat in dem Briefe auch einen Irrtum bei dem Herrn v. Hoffmann hervor- gerufen, indem er es so darstellte, als ob er die Schußtafeln nur zum persönlichen Gebrauch haben wollte. Durch diese Irr- tumserregung und die Freundschaft ist der andere zu seinem Vorgehen angestiftet worden. Das gegen diesen ergangene Kriegs- gerichtsurteil hat drei einzelne Handlungen angenommen, die Strafkammer nimmt ihrerseits bei dem jetzigen Angeklagten nur eine fortgesetzte Handlung an. Durch diese Anstiftung ist die Gefahr eines erheblichen Nachteils herbeigeführt worden, diese entsteht schon, wenn Sachen, die durchaus borsichtig behandelt werden müssen, in dritte Hände kommen. Sie sind ja bei der Firma vorsichtig behandelt worden, immerhin ist eine der Photo- graphien offenbar gestohlen worden von einem Manne, der keine Ahnung hatte, um was es sich handelt. Zweifelhaft war, ob der Angeklagte auch aus§ 2 des Gesetzes betr. den Verrat militari- scher Geheimnisse zu bestrafen war. Das Gericht hat dies zu- gunstcn des Angeklagten verneint. Er wäre strafbar, wenn er sich bewußt sein mußte, daß es sich um Dinge handelte, die im Interesse der Landesverteidigung geheim zu halten sind. DaS Ge- richt hat dem Angeklagten geglaubt, daß ihm dieser Charakter der Drucksachen nicht bekannt war, daß er sie nur für sogen. Dienstsachen hielt und wenn auch einer seiner Briefe dagegen zu sprechen scheint, so ist der Gerichtshof doch der Ausführung seines Verteidigers gefolgt, der da sagte:„So intelligent der An- geklagte auch sonst ist, in der Korrektheit des Ausdrucks ist er nicht sehr genau und es ist möglich, daß er sich auch ebenso unklar gewesen ist über die Unterschiede zwischen„nur Dienstsachen" und solchen Sachen, die geheim zu halten sind. Was die Strafe anbetrifft, so ist berücksichtigt worden, daß der Angeklagte als früherer Offizier sich hätte sagen müssen, daß mit solchen Dingen besonders vorsichtig umgegangen werden muß, andererseits aber ein erheblicher Schaden nicht entstanden ist. Es ist ferner berück. sichtigt worden, daß der Angeklagte sich durch seine Handlungsweise in seiner Stellung befestigen wollte, aber auch darauf ausging, die Leistungsfähigkeit seiner Firma zu heben und von der Erwägung ausgegangen ist, daß er damit dem Reiche gute Dienste leisten würde. Schließlich ist berücksichtigt worden, daß er seinen allen Freund mit gerissen und diesem erheblichen Schaden zugefügt hat, wodurch er wohl als Mann von Ehre in seinen Gefühlen sich bedrückt fühlt. Ein Geistlicher vor Gericht. Ein umfangreicher Betrugsprozeß, der sich gegen den Geist- lichen der Salemsgemeine, Christian Luschnat in Grunewald rich- tete, beschäftigte gestern mehrere Stunden lang die 6. Straf- kammer des Landgerichts lll unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Rosenthal. Der Angeklagte war von dem Schöffengericht Charlottenburg wegen Betruges in ö Fällen zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt und wegen Fluchtverdacht sofort verhaftet worden. Gegen dieses Urteil hatte L. unter Beistand des Rechtsanwalts Eramcr Berufung ein- gelegt. Das schöffengerichtlichc Urteil sah folgenden Sachverhalt als erwiesen an: Der Angeklagte ist Gründer einer freireligiösen Gemeinde in Jnsterburg, für die er aus eigene Kosten eine Kirche baute. Als er sich einen anderen Wirkungskreis verschaffen wollte, sah er sich gezwungen, das Kirchengrundstück an seinen Nachfolger zu verkaufen. Dieser geriat in Konkurs und die Kirche kam unter den Hammer. Bei der Zwangsvollstreckung fiel der Angeklagte mit seiner Hypothekenforderung aus. Hierdurch geriet der Angeklagte, ocr inzwischen Prediger von der freireligiösen Gemeinde in Grunewald geworden war, in eine sehr schwierige finanzielle Lage. Er war schließlich, da er auch anderweitig Verpflichtungen chatte, ge- zwungen, den Offenbarungseid zu leisten. Als er eines Tages vis a vis de rien(gegenüber vom nichts) stand, ließ er sich der- leiten, eine Anzahl Kredftschwindeleien zu begehen. Er setzte sich mit Mitgliedern der Gemeinde, von denen er wußte, daß sie ein Bankguthaben hatten, in Verbindung und erzählte ihnen, daß er „sein Haus" in Jnsterburg verkaufen wolle und deshalb daran Reparaturen Vornehmen lassen müsse; wozu ihm leider das Geld fehle. Auf die falsche Angabe hin, daß er in der Lage sei, das Geld baldigst zurückzahlen zu können, verschaffte er sich insgesamt 4öz> Uhr abend», Eon»«»»»«. von bis C Uhr abends statt. Jeder für den Brtcstasteu»efttmmtrn Aufrage ist ein«uchnade und ecnr Zahl als Mertzelchi» bctsufstgen. VrtesUche«utwort wird nietn erteilt. Sinirage», denen leine Stdonntmentsgutttuug detgefügl ist. ->erd-n nicht deannvorier Eilige Fragen trage mau iu der eorechstundc vor. Phönix 1913. Ungünstiges ist unS ssper die Gesellschaft nicht bekannt- Sie nnteilleiit dem Aufsichtsamt und muß auch den Reseroesonds sicher- gestellt haben.— E. H. 100. Die Binderinnen usw. unterliegen nicht der Angcstelltenversicherung. Die Abzüge stimmen.— it. 45. Ohne Kenntnis des Sachverhalts nicht zu beantivorten.— H. H. 18. Der Beamte war im Irrtum.— G. T. 1 1. Ihre Frau hat sich strafbar gemacht. Unter Berücksichtigung der geschilderten Umstände wild oorausichtlich aus eine ge- ringe Geldstrasc erkannt werden.— Jt. 20. Zur Versicherung der Schau- senilcricheiben sind Sie nicht verpflichtet. Wer den an den Scheiben etwa entstehenden Bruchschaden zu tragen hat. lägt sich nur nach Einsichtnahme in den MictSvcrtrag beurteilen.— W. T. 100. 1. Wenden Sie sich an den Genossen Hackclbusch, Odcrstr. 2, der Ihnen die Fragen unter 1 bcant- warten wird. 2. Die Ehe ist gültig. Sic haben sich lischt strafbar geuiacht, da ein Verwandtichaftsverhällnts im Sinne des Gesetzes nicht besteht.— —«.(H. 68. 1. und a Ja. 2. Nein—«•«. 23. 1. Ja. 2. Zwei Jahre.— M. G. 22.. Unter Zugrundelegung Ihrer Darstellung würden die Kosten nur etwa 6 M. betragen.— A. I. K. 1. Ja. L. B« der Steuer» faffc im Nathausc. All den Mazisiral Neulöllii.zu Händon dcs Stadimls Arlart. - A. L. und Ach.«. Ja, nur dad als besondere Bedingung noch der Nachweis über Entrichtung direkter Steuer besteht.—(c. K. 25. feonn- lago von U— 6 mit Unterbrechung der Tischzeit und Mittwochs von 2— ü. -- Ä.(H. 1377. 1. bis ü. Zu erfragen beim Arbeitcr-Ruderbund, Adresse:(Vi. Gerlach, Eörlltzer Str. 36.>. Ja, wenn nicht aus Älntrag das Boiinundschaftsgcricht eine andere Entscheidung trifft, ö. und 6. Wenden Sie sich, auch �christlich, an daS Bureau des IV. Kreises Stralauer Pl. 10/11. 7. Aus dem Statut der Ortskrankenkasse, der �.ie angehören, ersichtlich.— P. K. 1. lieber die Bonität dieses Instituts sind wir nicht informiert. Der Betreffende ist schadenersatzpflichtig.— Egon 7. Privatanstalten lönuen wir nicht cinpschlcn. Vertrauen Sie sich dem Herrn Stadtschulrat Tr. Fischer an, Bureau im Rathaus, Zimmer Gö/SOf— V. Z.(»0. l. Volksbibliothek Adalbertstr. 41. 2. Darüber erteilt Ihnen gerne Auskunst die Zcntralkommission der Krankenkassen Alexanderstr. 09/10.— Falke». borg 3-1» Fachmann fragen.— W. H. 83. 1. Wenn Sie sicher gehen lvolleit, bei der Sparkasse. 2. soweit mls bekannt 1 Proz.— E. P. 10. 1. In den 60 er Jahren. Bon den Gründern des Vereins ist uns nur noch Paul Singer bekannt. Nicht nur bei der Gründung, sondern dauernd hat er beträchtliche Zuwendungen gemacht. Die Höhe der Zuwendungen ist uns nicht bekannt.— P. S. 86. 1. bis 3/ Zentralstelle sür Auswanderer, Berlin, Karlsbad S'l0, dort erfahren Sic das Gewünschte. — Bayreuther 13. Meldung ani besten mündlich bei der Krankcnhausdeputation des Magistrats im Rathaus Zimmer 111—116. — R. S. 10. Heilmittel lönnen wir nicht empfehle». Wenden Sie sich an den Arzt.— Frankreich 1011. 1. Im Durchschnitt sind die Preise wie hier. Einiges billiger, anderes teurer. 2. Ungefähr 10 M. 3. Nein. — N. W. 36. 1.— 3. Die Preise sind schwankend. Ersahren Sic genau in einem der Zluswandercrbureaus Unter den Linden. 4. 10,3 Ar. 3. 36,33 Liter.— W. Sch. Können wir leider nicht dienen.— Streit- fragen. Eine ähnliche Acusierung ist z. B. in bezng aus Rußland gefallen. Der genaue Wortlaut ist uns allc-dings nicht mehr erinnerlich.— K. 91. 1. Das ist sehr verschieden und läßt sich so allgemein nicht sagen. Erfahren Sie aber auch in jedem größeren Farbcngeschäst. 2. Ist bei dein betreffen- den Spediteur zu erfahren.— BS. 9l. 100. 2p. Wenden Sic sich, viel- leicht unter Berufung aus den Lehrer, an das Zcntralbureau im Haupt- tclegravhcnamt Berlin, Französischestratze. Dort erhallen Sie die gewünschte Auskunst, lieber eventuellen sonstigen Berus setzen'sie sich wohl am besten mit dem Lehrer in Verbindung.—<6. B. 27. Ist der Name einer Straf- anslalt.— E.-V».-18. Fragen Sic bei der Zentralkommission der Kranken» lassen an, Alexanderstr. 39/10.— F. E. 75. Stistungsdeputation des Magistrats, Poststr. 16.— E. K. 83. ZcntralauskunstSstcllc, Berlin, Karlsbad 9/10.— M. S. 100. 1. Ja. 2. Das haben wir uns nicht gc- merkt. 3. Prinz zu Schönaich-Carolath.— Alter Abonnement, Gräten- tnl. Wollen Sic uns die betreffende Rümmer nicht zusenden?— M. Kl. 100. Adressen finden Sic unter Münzen Handlungen im 2. Band. Teil 1 des Adreßbuches.— Ltto Gglm. Mit diesen Vereinen haben wir keine Fühlung. SozialdeniokratisctierWaiilverelii f. d. yerLReichstags-WatilkPEis. Bezirk 800. Am Montag, den 2. Februar, „ verstarb unser Genosse tiermsaa Lentz Wiesenstr. 7. Ehre seinem Andenken k Die Einäscherung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borktand. �mldemMtfderVahivemn |f. tllßeii. Reichstags-WaMkreis, Am Freitag, den 30. Januar, j verstarb unser Genosse, der | Schlosser 224/11 Richard Sumpf Wiclcsstr. 8. Ehre seinem Andenken: Tie Einäscherung hat bereits am Montag, den 2. Fcbraar, im Krematorium in der Gerichtstratzc statigesunden. Der Vorstand. Deutscher Transportarlieiter-Verband. Bezirksverwzltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührcr Ulbert Kordiert am 31. Januar im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am M ttwoch, den 4. d, Mls,. nach- mittags'-t'li Uhr. von der Leichen- balle des städtischen Friedhofes, Müllcrstratze, Ecke Seestratze, aus statt._ 62/1 Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege Karl Uetz am 31. Januar im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. M., nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- balle des Emmaus- Kirchhofes, Hennannstratze, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Verb, d.Sehneider, Schneiderinnen u. Wäschearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur ptachricht. daß der Militär- schncider, Kollege .�uxust Papendiek am 2. Februar im 51. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem 9lndenrcn: Die Beerdigung sindet am 5. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des alten Georgen- Kirchhofes, am Königstor, aus statt, 162/13 Die Ortsverwaltung. Deutscher Roizarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bergolder Klans l�efeder Grünauer Str. 3, im Alter von 21 Jahren ge- sterben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Fried- richsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/19 Die Ortsverwaliung. Deutscher Uetallarheiter-Verhand Verwaliungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unier Mitglied, die Metall- arbeiterin Anna von der Heidt Ravenestr. 5 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k 112/1 Die Ortsverwaltung. SoziaideniDkratischer Wahlverein! Zernsdorf und Umgegend. Den Mitgliedern d-e traurige! Nachricht, daß der älteste Sohn| unseres ersten Vorsitzenden,| W. Kosonberg Alfred bei einem Rettungsversuche er- trunken ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachnrittags 3 Uhr. aus dem Friedhose in Zernsdors sobne Geistlichen) stall, Um rege Beieiligung ersucht 201/7 Der Vorstand. Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Werner im 10. Lebensjahre nach langen, schweren Leiden sanst entschlafen ist. Albort Danmc nebst Frau. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 2'/,Ubr, von der Halle des Gethjeniane- Kirchhofes aus statt. 129A Hierdurch zur Kenntnis, daß untere liebe Mutter Marie Tuchscheerer geb. Sclioch am Montag, den 2. Februar, nach. mittags 2 Uhr, nach schwerem Krankenlager verstorben ist. Tie Einäscherung findet am Freitagnachiniltag 4 Uhr im Kre- niatoriun! Gerichtstraße statt. Um stilles Beileid bitten Die irauenillen Hinterbliebenen. Kränze verbeten. 803b Statt Karten. Für die viele» Beweise herz- licher Teilnahme bei dem Heim- gange meiner lieben Frau, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin, Tante und Nichte Bse Neumann sagen wir allen Bekannten unse- ren herzlichsten Dank. T!ax Xcnmann. Ww. Agnes Xatsch geb. Hagist, nebst Angehörigen. Schöneberg, den 3. Februar. Gninewaldstr. 81. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen Verwandten, Freunden, Bekannten, Genossinnen und Genossen, sowie den Kollegen in der Zeniralmarklhalle hiermit meinen besten Dank. 93A Hermann Wcigand, Werneuchener Str. 13. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres Sohnes �rtur �drsliamsson sagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie der Firma Weber u. Eo. unseren besten Dank. Familie Abrahamsson 7985 Pcttenkoscrstr. 32. Für die thcrztiche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes läge ich allen Beteiligten herzlichen Dan!. 12921 Witwe Koch, Stargarder Str. 61. Oanksagfung:. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines neben Mannes und guten Vaters Paul Bildt sage ich allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, meinen herzlichsten Dank. Ww. Bild nebst Kindern. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, dich,am 10—2. 5—7. Moritzplatz Sonntaes 10— 12. .» •J Ohne jede Anzahlung k Keine Kassierer, kleine Raten! BettwSscbe, Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen, Stores, Stepp- u. and. Decken. MAT36VEK,' Hufelandstraffc Nr. 11. Haben Sie öiott� tdt fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband� Neue Promenade 8. Ii.(Stadtb. Bors., SJ Blumen und Kränze. Cüsla¥ßrüssow,®@r22cr ualitol Allgemeine Ortskrankenkasse Am Montag, den 16. Februar 1914, abends 8 Uhr, findet in Bartschs Festsälen. Xenkölln. Bcr- mnnnstr. 49, eine außerordentliche Ausscbuß-Versammlung statt, zu welcher die Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten hierdurch eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl dos Vorsttzenden des Aus- schusses. 2. Beschlußfassung über die Kranken- Ordnung. 3. Beschlußfassung über die Dienst- ordnung. 4. Bejchlutzfassmlg über Zlenderung der Satzungen. 5. Verschiedenes. 263/11 Neukölln, den 3. Februar 1914. Der Knsienvorstand. G e s ch>v i n d n c r, Ritter, Vorsitzender. Schristsührer. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Ami Norden 1967, 1239, 9714, 185. Donnerstug, den 5. Februar 1014. abends 6 I hr Große VersammSung der Metalldrücker und Polierer Berlind und Umgegend im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Jahr rsbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Branchenverlreters und der gesamlcu Kommission. 4. Verschiedenes. AM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.~%SSS Kollegen k In Avbettacht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir das Erscheinen jedes Einzelnen. Die Drtsverwaltnng. Möbel-Angebot. Solide Möbclstrma liefert Pfpeviial-Fin- und Kweizimmcr- Finrichtungen sowie Einzelmöbel gegen mäsiige Zinsver- güti-ng bei kleiner Slnzablung und geringen monatlichen Raten- zahlungen. Zinfragen: Postiartc 806. Poiiamt S7.* Keine Kassierer. Orößtc Kulanz. Ulinahmeilelleii für„Kleine anzeigen #1 Koppenitratze 82. Iteriin C. A. Haliniicki, Ackerstr. 174. W. G. Scinnidr, Kirchbachstr. 14. D. Petersburger Plas 1. Gustav Bogel R. TLcngels, Gr. Frankfurter Str.!20. XD. L. Zucht. Jmmannelkirchstr. 12. I. Renl, Baniimitr. 42. dl. A. Wolgast. Wattstraße 9. H. Fischer, Baiiianslraße 6. Karl Mars, Greisenhagener Str. 22 I. Hönisch, Müllerslr. 31a H. Bogel. Lortzmnür. 37. A. Tie». Jnvalidenstr. 121 VW. Sa' oino>> Joseph, Wilhelmshabener Str. 18. 8 W. G. Schmidt, Gneiienaus» 72. Tactl», Hagclbcrger Str. 27. 8. 2t. Frin, Prinzenslr. LI. H. Lehinai»». Kottbuier Damm 8. 8«. Bant Bö lim. Lansitzel Ptap 11.13. P. Horich. Engetuser 15. Adlersbol. Karl Tchwarzloic, Bismarckstr. 28._ iianinsebulenweg. H. Hornig. Maricntbaler Str. 13, I. Borsigwalde. Pant Kicunit, Räuichstr. 10. <1 Ii»i'I Ottenburg. O!»stnv 2chnr»vcrg, Scicnbeimtr Str. 1. Friedricbshagcn. Ernst Werkma»», Köpenickcr Str. 18. Grünaa. Franz Klein, Fricdrichstr. 10. Jobannisthal. Max Goiischnr. Parkstr. 6. Karisborst. Richard Kiitcr. Rödclstr. 9. II. Köpenick. Emil Wiffler, Kietzcrstr. 6, Laden. Eiebtenberg. Tlto Scikcl, Wartenbergitr. 1. Xieder-j>»eb«>neweide. Wilh. Unruh. Srüdcnfti. 10. Xowanes. Wilhelm Jappe, Lutherstr. 2. «ber-pieböneweide. Alfred Bader Wilheiminciihosstr. 17, Laden. Fankow. Otto stiiiimaiin, Müdlenstr. 30. Ifeiniekendork. P. Gursch, Provinzslr. 56, Laden. > enköl In. M. Heinrich, Neckarstr. 2. Eonrad, Hermannstr. 50 E. Rohr, Siegfriedsir. 28/29. Bnmmeisburg. 31. Roirnkranz. ZIII-Boxbagen 56� Schöneberg. Wilhelm Bau ml er. Marlin-Lulher-Str. 69 im Laden. Spandau. Köpve», Breiteirr. 61. !8teglitz. H. Bcrnfee. Alsenstr. 5. Tempeihof. Iah. Krohn, Borussiastr. 62. Treptow. Robert Gramenz, Kiejbolzstr. 412, Laden. Weißensee. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Schillert, Berliner Allee 253. W'iimersdork. Paul Schubert. Wilb-Imsaue 27. Zur Beachtung! Die Einladung gilt als Legitimation und ist beim Eintritt in die Versammlung zur Eintragung in die Präsenzliste vor- zuzcigen. Vertreter, welche die Wählbarkeit verloren haben, sind aus dem Aus» sdjutz ausgeschieden. Es wird ersucht, Anträge oder Bc- schwerden. bei denen die Einsicht- nähme der Kaffenaktcu crsordcrlich ist, spätestens einen Tag vor der Aus» schutzveriammlung mitzutcilcl!. MchrenstrSfä Kolonnaden. örrranKfurteritrllS Trauer- Magazin Kleider.Hüteöt yr Äußerste Preise-«c .. farbige Konfektion in gröfMem Maßstäbe zu bil ligsten -Preisen— Westmann i)?"Sri> - ÄMM '�Eatentanwalt Prillwltzj� Jjri'h�ÄA-trr-' c5td,t3 Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher ete. Bureau: Mclchiorstr. 28, pari. t!ilialos?orlin Arbeitsnachw.: Nückcrstr.9 Fcrnspr.:Amt Moritzpl. 4787.«ffIU»l�>t i ltll. Fernspr. i Amt Norden 6708 Donnerstag, den 5. Februar 1914, abends 8'/. Fbr Zekliolls-Vmsmmlvllg Uer Lsekierer im Gcwcrkscha fish aus, Engcluscr 15. Tagesordnung: 1. DaS Bcrtretrrsystem für die Filiale Berlin. 2. Diskussion. 3. Verbandsangeiegenheiten. — Mitgliedsbuch legitimiert.< Wir erwarten, daß die Mitglieder vollzählig erscheinen. Tic Sektionsleitung. Drtskrankenkasse läi- das Baurergewerbe zu Berlin. Gemäß§ 93 der Satzung wird bicrmit bekanntgegeben, daß der am 15. Januar 1914 gewählte Vorstand der Kaffe sich in seiner Sitzung vom 2. Fcbiuar 1914 wie solgt tonslituierl hat: 1. Angnst Daehne. Arbeitnehmer, 1. Vorsitzender, 2. Hermann Schmidt. Arbeitgeber, l. stellvertr. Vors. 3. Beinrieb Betzke. Arbeitnehmer, 2. 4.«instav Eehmpfuhl.„ 1. Schriitsiibrcr. 5. Richard Frennd, Arbeitgeber, stellvertr. Schristsührer, 6. Ben» im n Völcker, Arbeitgeber, Vorstandsmitglied, 7. Fan! Bötteber,„„ 8. Angnst Vogel, Arbeitnehmer,, 9. Friedrich Schieß,„. 10. Hermaun Krüger,„„ 11. Karl Borger,„'„ 12. Otto Rennthaler,„. Berlin, den 4. Februar 1914. Der Borstand der Ortskrankenkasie für das Maurcrgewcrbc zu Berli«.____ A. Daehne, 1. Vorsitzender. G. Lehmpfuhl, 1. Schristsührer. Die; jecllsten nnd solidesten:: 55 5 iBEL- Ä MÄ.' Möbelfabrik... Schult,.R<«!T' mit langjähriger Garantie zu äußerst hilligen Kassenproisen .'. und gegen Zinsvergütung auch auk �Teilzahlung. Größte Auswahl in moderner Ausführung in allen Preislagen ===== von 240 bis 10 000 M. am Lager.----------=- Attäntwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnjeratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u.BerIag:VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 8». 34 3i wr9„, 2. Keilllßt des Jormörts" Jerliner DldsdlM. � 4 4rti««t 19,4 Zur Kaufmannsgerichtswahl in Serlin, Die Wahlen der Beisitzer zum Kauftnannsgericht Berlin finden am Zonntaz, den 15. Februar 1314, in der Zeit von 10 bis 3 Uhr statt. Wahlberechtigt ist jeder rcichsdcutsche männliche Handlungs- gehilfe, der am Tage der Wahl mindestens 25 Jahre alt und in Berlin beschäftigt ist. Sein Einkommen darf jedoch den Betrag von 5000 M. pro Jahr nicht übersteigen. Zur Ausübung der Wahl ist eine Bescheinigung des Prinzipals oder der Polizei- bchörde erforderlich, aus der hervorgeht, daß der Wahlberechtigte in Berlin.als Handlungsgehilfe beschäftigt ist. Wahllegitimationsformulare sind an folgenden Stellen zu haben: Zentral-Verband der Handlungsgehilfen, Münzstr. 20(9— 8 Uhr). Expedition des„Vorwärts", Linden- stratze 09, Laden, Horsch, Zigarrenhandlung, Engelufer 14/15, Weyland, Zigarrenhandlung, Koloniestr. 35, Tietz, Alb., Zigarren- Handlung, Jiwalidenstr. 124(gegenüber Stettiner Bahnhof), und in folgenden Zeitungs- Ausgabe st ellen: Zentrum: Albert Hahnisch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz(11— 1% und 4�— 7), S. und SW.: Gustav Schmidt, Gneisenaustr. 72(9—2 und 4— 7), St. Fritz, Prinzcnstr. 31, Hof rechts Part.(11— 114 und 4)4— 7), Osten: Robert Wengels, Große Franksurterstr. 120 9— 2 und 4— 7).— Richard Hackelbusch, Petersburger Platz 4 i Laden)(9— 2 und 4— 7). Südosten: Paul Böhm, Lausitzer- Platz 14/15(9— 2 und 4— 7). Leo Zucht, Jmmanuelkirchftr. 12 iHof)(11— 1% und 4)4— 7). Moabit: Solomon Joseph, Wik- helmshavcner Str. 48(9— 2 und 4— 7). Wedding: I. Hönisch, Müllerstr. 34�, Ecke Utrechtcr Str., Laden(9—2 und 4— 7). Roscnthaler und Oranienburger Vorstadt: A. Wolgast, Watt- straße 9>9— 2 und 4—7). Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden(9— 2 und 4— 7). Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifcnhagener Str. 22(9— 2 und 4—7). Jeder wahlberechtigte Handlungsgehilfe beschaffe sich recht- zeitig ein Legitimationsformular, damit er am 15. Februar sein Wahlrecht ausüben kann. Die gewerkschaftliche Organisation der Handlungsgehilfen, der Zentralverband der. Handlungsgehilfen, hat die Liste Nr. 2. Aus dem Kampfe um das Kaufmannsgericht muß die Liste Nr. 2 siegreich hervorgehen, dcnnit Männer in das- selbe gewählt werden, deren grundsätzliche Stellungnahme eine wirksame Interessenvertretung für die Gehilsen verbürgt. Wenn es galt, im Gutachterausfchuß für den Ausbau der Sozialpolitik einzutreten, dann haben stets die Beisitzer des Zentralverbandcs der Handlungsgehilfen in vorderster Reihe gestanden. Gerade weil die gesetzgebenden Körperschaften auf dem Gebiete der Sozial- Politik für die Handlungsgehilfen in den letzten Jahren so wenig fruchtbringende Arbeit geleistet haben, mutz die Stimme der Hand- lungsgchilfen um so lauter ertönen. Deshalb ist im Kaufmanns- gericht kein Platz für die Leisetreter, die auch jetzt bei der Wahl wieder um die Stimmen der Handlungsgehilfen buhlen, um nach der Wahl genau wieder so Verrat zu üben, wie letztens bei der Frage der Konkurrenzklausel. Aber auch die Rechtsprechung wird wesentlich beeinflußt von der sozialen Grundanschauung der Bei- sitzcr. Deshalb ist auch von diesein �Gesichtspunkte die Wahl der Liste Nr. 2 notwendig, weil die Kandidaten dieser Liste die Garantie für eine soziale Rechtsprechung bieten und im übrigen unabhängig genug sind, um ihre Auffassung auch im Beratungszimmcr des Kaufmannsgcrichts zur Geltung zu bringen. Darum hinaus mit den Halben und Lauen. Jeder Handlungsgehilfe wähle die energischen und zielbewußten Jntcressenvcrtreter der Liste 2 des Zcntralvcrbandes der Handlungsgehilfen. Rückwärts statt vorwärts. Vctrachtungcn über den neuen Grundlehrplan für die Volks- schulen Groß-Berlius. Die Einführung eines neuen Lehrplanes für die Volksschulen ist ein so wichtiges und die Ocffentlichkeit so sehr angehendes Ereignis, daß es sich verlohnt und als eine Pflicht erscheinr, sich damit auch in der breiten Oeffentlichkeit zu beschäftigen. Der neue Lohrplan, der am 1. April d. Js. zur Einführung gelangt, ist be- stimmt, auf lange Zeit hinaus die Grundlage für den Unterricht der Mehrzahl der Berliner Kinder zu bilden. In aller Sülle und mit größtmöglichster Heimlichkeit ist er ent« standen, und als ein von höchster Stelle genehmigtes Faktum liegt er vor uns. Das muß von vornherein mißtrauisch machen, und wir werden sehen, daß dies Mißtrauen nicht unberechtigt ist. Die Mängel öffentlich auszusprechen ist aber auch insofern eine Pflicht, als der neue Lehrplan eine Bemerkung enthält, wonach die im Plane cnthalienen Abweichungen von den Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 vom Minister der geistlichen und Unterrichts- Angelegenheiten bis auf weiteres nur versuchsweise für die Volks- schulen Groß-BerlinS genehmigt worden sind. Drei Hauptmängel springen dem aufmerksamen Betrachter deS neuen Lehiplanes sofort in die Augen: 1. die Zurückschraubung der Schulorganisation von 8 Schulklassen aus 7 mir einer wenn nöligen Oberklasse, 2. die fehlende Rücksichmahme out den Uebergang einzelner Kinder zu höheren Schulen und 3. die Belastung des Planes mit einer großen Fülle von R e l i g i o n s st o f f. Der erste Punkt ist bereits so oft und eingehend in der Oeffent- lichkeit erörtert worden, daß er hier übergangen werden kann. Der zweite Punkt wiegt gleich schwer. Dadurch, daß der neue Lehrplan keine Rücksicht nimmt auf den Uebergang einzelner Kinder auf höhere Schulen, haben wir uns vom Zukunstsideal der allgemeinen Volksschule wieder weiter entfernt. Daß es sich nicht um einzelne Kinder handelt, zeigt die Statistik. Im Berichtsjahre 19l2/13 gingen vor vollendeter Schulpflicht in höhere Schulen über 2155 Kinder. Dieser großen Zahl wird also künftig der Uebergang erschwert werden. Als ein Ersatz für diesen Mangel des neuen Planes sollen besondere Klassen des drillen Schuljahres dienen, die durch Ministerialerlaß gestattet sind, die aber erst eingerichtet werden sollen. Gesetzt den Fall, daß sie in ausreichender Zahl eingerichtet werden, so har diese Einrichtung zunächst noch gute Wege und dann ist noch zu bedenken, daß diese Klassen doch unmöglich an jeder Schule eingerichtet werden können. Viele Kinder werden dann also einen sehr weilen Schulweg machen müssen, um solche Klassen zu erreichen. Dieser Mangel wird jedenfalls den Vorschulen zu gute kommen, also Schulen, die den Bemittelten nur zugänglich sind, uud die Volksschule wird dadurch zur Armenschule herabgedrückt. Der drnte Mangel ist weniger auf das Konto der Lehrplan- kommission zu setzen, denn ihr Religionsplan fand nicht die Genehmigung der obersten Kirchenbehörde. Unsere Schulen stehen eben iinmer noch zu sehr unter der Herrschaft der Kirche und die überlebte Verquickung der geistlichen und Schulangelegenheiten hat es zur Folge gehabt, daß die oberste Schulbehörde nachgeben mußte, wo sie allein zu bestimmen das Recht haben sollte. Neben diesen prinzipiellen Bedenken erregt der neue Plan aber noch manche von weniger allgemeiner Bedeutung. Auch nach dem neuen Lehrplan müssen unsere Kinder wieder zwei verschiedene Alphabtne erlernen und tfven, das deutscye und das lateimsche. Im Vordergrunde der Geschichte steht die Geschichte der Hohenzollern. Der Gesangunterricht betont zu sehr das Musiklheoretische(Musik- diktate) usw. Doch werden diese kleinen Schönheitsfehler wieder ausgeglichen durch viele Verbesserungen gegenüber dem früheren Plan. So sind viele Forderungen der Neuzeit glücklich verwendet worden. Sie können aber nicht die eingangs beleuchteten Haupt- mängel verdecken._ Parteiangelegenheiten. Erster Wahlkreis. Morgen Donnerstag, abends 8l/z Uhr, findet der letzte Abend des Vortragszyklus bei Knöria, Stralaucr Brücke 3, statt. Die Genossen werden ersucht, pünktlich und zahlreich an diesem Abend zu erscheinen. Vierter Wahlkreis. Heute abend S'/a Uhr findet im Lokal von Schulz, Schreinerstr. 18, eine Versammlung der 34. Abteilung statt. 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Raute. 2. Dis- kussion. 3. Wahl der Abteilungsführcr. 4. Verschiedenes. Die AbteilungSleitung. Wilmersdorf. Der Bildungsausschuß veranstaltet heute Mittwoch, abends 8l/z Uhr pünktlich, im„Viktoriagarten"(großer Saal), Wilhclmsmie 114, einen Lichtbilder-Vortrag: Das Volk in der Kunst. Vortragender: Schrift st eller Robert Breuer. Eintrittspreis 10 Pf. an der Abendkasse, für Arbeitslose und Jugendliche freier Eintritt. Neukölln. Heute abend bei Bartsch, Hermannstr. 49: Versamm- lung der Jugendlichen. Auf der Tagesordnung steht der dritte Vor- trag des Genossen Max Peters über: Der historische Materialismus. Alle jungen Arbeiter und Arbeiterinnen über 13 Jahre werden er- sucht, zu dieser Versammlung zu kommen. Lichtenberg. Morgen Donnerstag, den 5. Februar, im Lokal von Wilh. Schulz, Kronprinzenstraße, Ecke Scharnweberstraße: Ver- sammlung der Jugendsektion über 18 Jahre. Tagesordnung: Be- richt über die Verhandlungen mit dem Wahtverein. Diskussion. öerliner Nachrichten. Kinüerhorte. Nach den von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge angestellten, ziemlich zuverlässigen Erhebungen befinden sich an 236 deutschen Orten 561 Vereinigungen mit 1245 Horten und 84 241 Hortkindern. Noch heute gibt es 7 Städte mit 16(XX) Einwohnern, die keine Horte besitzen. Als Träger der Kinder- horte werden in dieser Ausstellung 40 städtische Verwaltungen, 35 Kirchengemeindcn, 10 Fabrikbetriebe, 2 Güterverlvaltungen, 2 Stiftungen und 472 Vereine genannt. Für die Unter- Haltungskosten nimmt der letzte Vereinsbericht für die Kinder- horte einen Gesamtbetrag von rund 2 Millionen Mark an. Davon gewähren städtische Behörden.Z30 000 M. und-der Staat die lächerlich geringe Summe von 2700 M.; am ciitgogcn- kommendsten zeigt sich die Stadt Frankfurt a. M., die für.24 Horte 34(XX) Dt. zahlt. In den preußischen Etat ist zwar neuer- dings„für die Förderung der Bestrebungen zur Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend" ein Posten von 30000 Mark eingesetzt lvorden, der aber zunächst nur für die Jugcndgerichtshilfe Verwendung finden soll. Nach der amt- lichen Bcrufsstatistik von 1907 waren in Berlin 136724 Ehe- frauen hauptberuflich tätig, wozu nach Schätzung des Gcwcrk- Vereins der Heimarbeiterinnen 30000 Heimarbeiterinnen und das Heer der regelmäßig für gewisse Tagesstunden dem Heim entzogenen Aufwärterinnen, Wäscherinnen, Zeitungsausträgc- rinnen usw. kommen. Heute nach sechs Jahren dürften diese Zahlen schon wieder erheblich überholt sein. Nach einer Schätzung des Vereins für Kinderhorte, die eher zu niedrig als zu hoch gegriffen ist. siniz in Berlin 20 OOÖ Kinder ohne die genügende Aufsicht und Pflege während der Arbeitszeit der Mütter. Diesen Notstand gleichen nur 134 Hortanstaltcn, die höchstens 6500 Kinder fassen können, einigermaßen aus. Demnach ist für mehr als 13 000 aufsichtslose Kinder in Berlin nicht genügend gesorgt. Zur Jllustrierung dieses Notstandes zitiert der Jahresbericht aus der Denkschrift des Fräulein Dr. Dünsing: „Wenn die industrielle Arbeit der verheirateten Frau eine unabänderliche Konsequenz der materiellen Lage der Ar- bciterbevölkerung ist, wenn diese materielle Lage der Arbeiter- bevölkerung die unabänderliche Konsequenz � der Wirtschaftsweise ist, mittels deren der Staat lebt, auf die er sich stützt, so ist auch seine Pflicht ebenso wie sein größtes Wirtschaft- lichcs Interesse, die unverschuldete Not, in der sich Hundert- tausende deutscher Kinder befinden, zu beheben." Das darf natürlich nur in Form von pekuniärer Förde- rung, nicht durch Verstaatlichung der Horte geschehen. Der Staat, der unser Geld für militaristische Zwecke gebraucht, hat auch für die Verstaatlichung des Hortwesens nicht die ge- ringste Neigung. Aber auch die freie Liebestätigkeit ist, wie die Erfahrung lehrt, längst an der Grenze des Leistungs- fähigen angelangt. Wenigstens zeigen sich, die besitzenden Kreise nicht bereit, noch mehr zu geben, obwohl sie ohne große Schmerzen allen Ansprüchen genügen könnten. Es bleibt also, wenn man radikal Helsen will, nur die V e r st a d t l i ch u n g übrig, die Uebernahme der Aufsicht und Pflege aller aufsichts- losen Kinder in st ä d t i s ch e R e g i e. Diese Entwickelung des Hortwesens ist auch in Berlin trotz aller Widersprüche auf die Dauer nicht aufzuhalten. Sie wird kommen, wenn die Not immer größer geworden ist und der Konimunal- freisinn endlich einsieht, daß er auch auf diesem Gebiete nicht mehr bloß mithinkcn darf._ Soziale Frauenhilfe in Krankenhäusern. Die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege hat in ihrer Sitzung am 2. d. Mts. einen Antrag der Müschen- und Frauengruppen für soziale Hilfs- arbeit, in sämtlichen städlischen Krankenhäusern einen systematisch ausgestalteten sozialen Dienst durch in der Wohlfahrtspflege er- fabrene Frauen zuzulassen, genehmigt. Diese werden an bestimmten hierfür festgelegten Tagen die Krankenstalioncn besuchen, um von den Patienten— eventuell mit Hilfe der Schwestern oder Aerzte— zu erfahren, ob durch ihre Krankheit die Lebensverhältnisse ihrer Familie so beeinflußt find, daß eine soziale Fürsorge nötig ist. oder ob für sie selbst beim Verlassen des Krankenhauses irgend eine besondere Hilfe, Vermittelung einer neuen Arbeitsgelegenheit, Beschaffung von Pflegemitteln, Erholungsaufenthalt oder dergleichen erforderlich ist. Bei kranken Müttern kommt auch die Unterbringung der Kinder in Horten oder Heimen oder ihre Versorgung durch eine Hauspflegerin in Frage, bei kranken Familienvätern Beschaffung von Arbeitsgelegenheit oder Unterstützung für die Frau. Ein ähnlicher Dienst besteht bereits seit längerer Zeit in einzelnen Stationen deS Krankenhauses Moabit so- wie auch bei der königl. Charits. Ferner hat die Deputation beschlossen, daß in der Voraussicht- lich iin Frühjahr zur Eröffnung gelangenden Anstalt für lcichtkranke Männer den Kranken alkoholhaltige Getränke ohne ärzt- liche Erlaubnis nicht verabreicht werden sollen. ES ist an- zunehmen, dvß dieser Beschluß für die Alkoholbekämpfung nicht ohne Bedeutung bleiben wird._ Kosten des Schneefalls. Der außergewöhnlich starke Schneefall, der am 30. De- zember früh eintrat und während des ganzen Tages bis in die Nacht hinein anhielt, hat der Stadt Berlin rund 410000 Bc. Kosten für die Beseitigung verursacht. Die Abfuhr kostete unter ausgiebiger Benutzung der Kanalisation und der öffent- lichen Wasserläufe zum Schneeeinwurf 310500 M,, das ist für den Kubikmeter rund 82 Pf. Unter Hinzurechnung der Löhne für die eingestellten Hilfsmannschaftcn und der Be- spannungskosten für die'Schneepflüge betragen die Gesamt- kosten die angegebene Summe von 410000 M., also für die Gesamtstraßenfläche Berlins, welche 11350000 Quadratmeter umfaßt, 3,8 Pf. auf den Quadratmeter. Aus der städtischen Gasverwaltung. Die Deputation der städtischen Gaswerke hat gestern be- schlössen, die Dezentralisation der Verwaltung weiter aus- zudehncn. Gleichzeitig wurde eine Vorlage über Neu- bauten usw. angenommen. Die Kosten sind mit 2'/i Millionen Mark veranschlagt. In der Wuhlheide sollen neue Wege nach der dortigen Gasanstalt angelegt werden, wofür 145 060 M. bewilligt wurden._ Die Blauveilchen des Kronprinzen. Man schreibt uns: Genau dieselbe Geschichte, daß der deutsche Kronprinz an der Kranzlerecke aus dem Wagen sprang, einem fliegenden Blumenhändler ein Veilchensträußchen abkaufte und dafür ein Zwanzigmarkstück bezahlte, habe ich vor etwa einem Jahre im „Berliner Lokal-Anzeiger" gelesen. ES liegt also die Möglichkeir vor, daß daS Scherlsche Hofblatt oder einer seiner„Spezial"- Berichterstatter in der sattbekannten Vcrhimmelungsmanie wieder mal geflunkert hat. Wenn aber das Geschichtchen nicht erfunden sein sollte, würde ja die Wiederholung nur erkennen lassen, daß Methode in der Sache liegt. Liebling des Volks zu sein...? Nee, so leichte nich mehr, sagt Michel. Erfahrungen mit Toilettenpachtung. Eine Toilettenpachiung, die durch Artur Gröbing u. Co., Zentralburcau für Verpachtungen, besorgt worden war, wurde gestern vom Amtsgericht Berlin-Mitte geprüft. Die Pächtcrin hatte von diesem Bureau eine Tamentofleite in den� Kammerlichtlpielen am Potsdamer Platz gepachtet, wosür sie pro Monat 89 Mark zahlen und das Pachtgeld mit zusammen 249 Mark für drei Monate im voraus entrichten mußte. Sie klagte auf Rückzahlung der bereits am 19. Dezember an Artur Gröbing u. Co. gezahlten 240 Mark, weil sie am 1. Januar, dem für die Uebernahme der Tqilette vereinbarten Tag, diese nicht hatte übernehmen können. Zugesagt war ihr durch schriftlichen Ausweis die Toilette des ersten Stockwerks, aber als sie sich am 1. Januar dort einstellte, wurde die Toilette noch von der stüheren Inhaberin verwaltet. UeberdieS erhob Anspruch auf die- selbe Toilette noch eine andere, gleichfalls am 1. Januar sich ein- findende Pächterin, die einen noch früher mit Artur Gröbing u. Co. geschlossenen Pachtvertrag vorweisen konnte. Schließlich erhielt diese andere Pächterin am 15. Januar die Toilette des ersten Stockwerks überwiesen, die erstgenannte Pächterin aber inußte suchen, durch Klage wieder zu ihrem Gelde zu kommen. Wir haben diese Dinge und auch einige andere mit dem Bureau Artur Gröbing u. Co. gemachte Erfahrungen erst kürzlich eingehend besprochen. Bor Gericht erschien nicht der Firmeninhaber, sondern als Vertreter ein Angestellter. Er gab auf Befragen an, daß ein Herr Gröbing früher Teilhaber der Firma war und jetzt ein Herr Artur Keil alleiniger Inhaber ist. Die Rückzahlung der 249 M. lehnte der Vertreter ab. Gegen den Vorwurf einer Doppelverpachtung wendete er ein, die Pachtung der anderen Pächterin habe erst ab 15. Januar gegolten. An diesem Tage wurde der Klägerin zugeinutet, statt der ihr zugesagten günstig gelegenen Toilette des ersten Stockwerkes, die sick am 1. Januar nicht hatte übernehmen dürfen, zunächst die ungünstiger gelegene des zweiten Stockwerkes zu übernehmen und dann alle 14 Tage mit der anderen Pächterin zu wechseln. Der klagenden Pächterin war vontz Artur Gröbing u. Co. schon durch Schreiben vom 3. Januar-wegen NichtzustandekommenS der Pacht« Übernahme eine Vergütung zugesichert worden, aber auf Zahlung einer solchen hatte sie vergeblich gewartet. AlS sie das Schreiben dem Gericht vorlegte, mußte der Vertreter des Beklagten zugeben, daß die Firma diese Vergütung zu zahlen habe. Versprochen waren pro Tag 2 M., es waren also bis 3. Februar 98 M. zu zahlen, wie der Vertreter anerkannte. Dasselbe Schreiben hatte auch zugesichert, daß bei anderweitiger Verpachtung das Pachtgeld sofort zurückgezahlt werden würde. Daß die Toilette, da sie ja einer anderen Pächterin übergeben wurde, tatsächlich bereits anderweitig verpachtet sei, wollte der Vertreter nicht gelten lassen. Weil er dabei beharrte, die Rückzahlung der vollen 249 M. zu verweigern, so mußte vertagt werden. Klägerin hat ihren Pachtverrrag schon am 2. Januar in Händen der Kriminalpolizei gelassen, als sie dort ihre Erfahrungen mit GröbingS Bureau zu Protokoll gab. Zum nächsten Termin soll der Vertrag herbeigeschafft und die andere Pächterin geladen werden. Zeugcngesuch. Am 7. August 1913, gegen Mittag, stürzte in der Nähe Am Friedrichshain das Pferd(Schimmel) eines mit einem Leitergerüst � beladenen Wagens an einen Brunnen. Zeugen des Vorfalls, besonders die beiden Rollkutscher, welche den Wagen an den ihrigen anhängten, werden um Angabe ihrer Adressen an Zimmerer GöreS, Nieder-Schöneweide, Hasselwerdcr Str. 32, vorn I, gebeten. Verlöre». In der Nähe Schönhauser Allee eventuell Lychener Straße ist ein Wahlvereinsbuch, lautend auf den Namen Richard Schimmelpfennig, sowie ein Verbandsbuch des Malerverbands, auch nock andere Papiere enthaltend, verloren gegangen. Man bitter, dasselbe abzugeben: S t o lp is che S t r. 49, Gastwirtschaft von Alwin Schulze. Bravouröse Leistung eines deutschen Megers. Einen erfolgreichen Angriff auf den von dem Franzose» F o urny mit ciner Flugzeit von l 3 Stunden 22 Minuten gehaltenen Weltrekord im Dauerflugc hat am Dienstag in Johannis- ral der Flieger Bruno Langer unternommen. Langer hielt sich mit seinem Pftildoppeldecker„Roland" 14 Stunden 8 Minuten un- imterbrochen in der Luft und hat damit den Weltrekord an sich gerissen. Langer hatte alle Vorbereitungen für seinen großen Flug sehr sorgfältig getroffen. Er hatte in seinen Doppeldecker einen Riesen- bcnzintank einbauen lassen, der ö80 Liter Benzin und üO Kilogramm O el faßte. In zwei Thermosflaschen führte er heiße Milch und Kraftbrühe bei sich, außerdem nahm er während des Fluges etwas Fleisch zu sich. Ilm 8 Uhr 1» Minuten er- fplgte der Start vor dem Wright-Schuppen in Johannisthal. Der Doppeldecker kam trotz der riesigen Belastung leicht vom Boden ab und stieg schnell bis auf 388 Meter Höhe. Diele Lage hielt Langer fast während des ganzen Tages inne und rundete mit bemerkcns- werter Pünktlichkeit die Flugbahn. Seine Geschwindigkeit betrug dauernd 188 Kilometer in der Stunde. Obivohl er zwei Chrono- meter an Bord führte, wurden ihin vom Erdboden aus doch die zurückgelegten Stunden, so lange es Tag war, durch große Tafeln kcnnilich gemacht. Mit Anbruch der Dunkelheit flammten auf dem Platz die verschiedenen Leuchtfeuer auf, um Langer seine ein zuschlagende Richtung anzuzeigen. Vorortnachrichten. Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde in eine allgemeine Besprechung des Etats eingetreten. An Steuern werden vorgeschlagen: 118 Proz. Zuschlag zur Staatseinkommen- stcuer; 188,37 Proz. der staatlich veranlagten Grund- und Gebäude- stcuer. Ferner 3 Proz. vom gemeinen Wert der bebauten Grund- stücke, 6 Proz. Zuschlag vom gemeinen Wert der unbebauten Grund- stücke, Proz. der unbebauten Grundstücke am Stadtpark bis zu einer Entfernung von 188 Metern von den Grenzen des Parkes, b Proz. Zuschlag der unbebauten Grundstücke am Stadtpark von mehr als 188 bis zu 488 Metern von den Grenzen des Parkes, 4 Proz. Zuschlag werden von den mehr als 488 bis zu 588 Metern von den Grenzen des Partes gelegenen und 3 Proz. Zuschlag von den 588 bis zu 788 Metern gelegenen unbebauten Grundstücken er- hoben. Außerdem werden erhoben: 141,63 Proz. der vom Staate veranlagten Gewerbesteuer, umzulegen mit 165 Proz. der Klasse 1; 158 Proz. der Klassen 2 und 3 und 188 Proz. Steuer der Klasse 4. Kämmerer Machowicz erklärte, daß ein Ueberschuß von 188 888 M. dem Reservefonds zugeführt werden könne.— Zobel (Lib. Fr.) sprach dem Kämmerer seine Anerkennung über die recht- zeitige Einbringung des Etats aus. Der Etat zeige, daß von einer 'trostlosen Lage der Stadt keine Rede sein könne. Auch treffe nicht zu, was die Haus- und Grundbesitzer in einer herausgegebenen Festschrift behaupten, nämlich, daß die Stadt für den Hausbesitz nichts getan habe. Der Hypothekenbankverein habe bereits über eine Million Mark ausgeliehen. Zu wünschen sei, daß für Spiel- Plätze größere Mittel eingestellt werden. I a tz o w(Fr. Fr.) meinte, man könne auf den Etat nicht allzu stolz sein, denn der Ueberschuß sei doch sehr gering. Eine Sicherung des Hypothekenmarktes trete erst dann ein, wenm die Umsatzsteuer fallen gelassen werde. Die Ncubebauung der Schloß- brauerei scheine noch in loeiter Ferne zu liegen, trotzdem jetzt eigentlich eine günstige Zeit für die Bebauung sei. Zu wünschen wäre auch, daß dem Hypothekenmangel mehr abgeholfen werde, dann werde auch alles besser aussehen. „ Genosse Bernstein: Die Porredner haben sich mit Ausein- andersetzungen aufgebalten, ohne den Etat zu berücksichtigen. Das '.ganze Gerede des Redners der Freien Fraktion erwecke den Ein- druck, wie wenn ein Pater, der sein Gut mit Hypotheken überlastet hat, seinem Sohne einen Vorwurf daraus macht, daß das Gut überschuldet sei. Wenn die Weitererhebung der ll8 Proz.� Zuschlag zur Staatseinkommensteuer vorgeschlagen wird, so widersetzen wir uns dem nicht, verlangen aber, daß von neuem an die Regierung und die gesetzgebenden Körperschaften mit der Forderung heran- getreten wird, den Gemeinden mehr Spielraum zu geben, die be- sitzende Klasse stärker zu den Steuern heranzuziehen und die unteren Etnkommensklassen zu entlasten. Als eine Wolke am Horizont unserer Finanzen rückt die Belastung durch die Groß- Berlin aufgenötigten Waldankäufe in immer greifbarere Nähe, ebenso das Projekt der Schaffung einer Ausgleichung der Volks- schullasten in Groß-Berlin. Keiner könne diesen letzteren Gedanken sympathischer gegenüberstehen als wir. Aber dieser gesunde Ge- danke werde verfälscht durch die Aufrechterhaltung der unorganischen Beziehungen der Gemeinden Groß-Berlins zueinander, die dadurch bewirkte Konkurrenz der Gemeinden miteinander verursacht eine Unsumme falscher Kosten und erschwert die richtige Verwendung der Gemeindcmittel. Auch die sozialdemokratische Fraktion halte es für verfehlt, den erwarteten Gewinn aus dem vorgeschlagenen Vertrag mit den Charlottenburger Wasserwerken, der doch noch gar nicht da ist, in den Etat als Einnahmen einzusetzen. Sie ist für die Erichtung eines eigenen Wasserwerks. Sollte sich das nicht machen lassen, so sind wir für den Anschluß an die Wasserwerke Berlins. Jeder Schritt, der die Gemeinden Groß-Berlins in engere Verbindung bringe, habe die sozialdemokratischen Vertreter zu Freunden. Daher begrüßen wir auch den Vertrag mit Wilmers- darf über gemeinsame Benutzung des hiesigen Krankenhauses. In- folge der ungünstigen Konjunktur konnte man nicht erwarten, daß Umsatz- oder Wertzuwachssteuer höhere Einnahmen abwerfen. Bei den Stratzenreinigungsarbeitern fehle immer noch der achtstündige Arbeitstag, obwohl beim Pumpwerk derselbe sich bewährt hat. Beim Friedhof sollten die Leichenträger fest angestellt werden. Ebenso sollte endlich die Heraufsetzung deS Aufenthalts der Kinder im Er- bolungsheim zu Bolddixum von 6 auf 9 Wochen beschlossen werden. Desgleichen die Errichtung des Ferienheims in Sternberg._ Es fehle immer noch das städtische Entbindungsheim, obwohl es längst beschlossene Sache sei. Anzuerkennen sei die gute EntWickelung der städtischen Schulzahnklinik. Das Rieselgut liege danieder, weil der bisherige Dezernent sich der Aufgabe nicht so widmen konnte, wie es erforderlich wäre. Darum müsse jetzt ein Mann mit Fach- kenntniffen das Dezernat erhalten, der sich der Sache dauernd widmen könne. Den Vorschlag, für die Fortbildungsschule jetzt ebenfalls Schulgeld zu erheben, lehne seine Fraktion ab. Die Lehr- linge könnten nichts zahlen, und unter den Meistern seien Klein- gewerbetreibende, die genug zu leiden hätten. Ueberhaupt solle die Benutzung von sozialen Instituten dieser Art nicht besteuert wer- den. Die Polizeikosten seien wieder erheblich erhöht worden und nichts sei dazu gesagt worden von den Vorrednern, wir aber sagen, daß hier immer wieder von neuem protestiert werden muß. Die Forderung kann nicht abgelehnt werden, iveil sie gesetzlich aufgezwungen ist, aber still könnten wir nicht sein. Die zweite städtische Badeanstalt muß errichtet werden, ebenso die Turnhalle für Arbeiter. Nicht sollte gespart werden an sozialen Aufgaben, aber auflehnen wollen wir uns, wo die freie Enthaltung kommu- naler Arbeit durch behördliche Maßnahmen eingeschränkt werden soll. Oberbürgermeister Dominicus teilte zunächst mit, daß bei der Untergrundbahn sich die Einnahmen erfreulich hessern. Wenn Herr Jatzow gemeint habe, es sind Zahlen eingesetzt, die in der Luft schweben, so irre er sich. Der Gemeinschaftsbahnhof am Nollendorfplatz und die Erschließung und Bebauung des Süd- geländes werden große Ausgaben notwendig machen, so daß die Forderungen des Herrn Bernstein noch lange zurückgestellt werden müßten. Im allgemeinen könne man sagen, daß die Stadt sich in einer soliden Finanzlage befinde. Der Ueberschußfonds werde picht in Anspruch, genommen werden, sondern derselbe dürfte bald Zuführungen erhalten, Kämmerer Machowicz betonte noch, daß die Warmwasserversorgung die Stadt außerordentlich belastet habe. Die Ilmsatzsteuer sei erheblich zurückgeblieben, jedoch werde wieder ein langsames Steigen eintreten.— Der Etat wurde dem Etats- ausschuß überwiesen. Beim Titel Friedhof wurden für Arbeiter- lohne einige Beträge verlangt, die bewilligt wurden. Für Entsendung von Arheitslosen in die Kulturarbeitsstätten des Vereins für innere Kolonisation wurden 588 M. verlangt. Schmedes(Lib. Fr.) erklärte, es handele sich um einen Versuch, darum sollte man die Summe bewilligen.— Küter meinte, da eine genügende Klärung über diese Frage noch nicht vorhanden sei, wäre es gut, die Beschlußfassung zu vertagen. Die Versammlung stimmte dem zu. Die Einrichtung einer Mädchenhandelsschule durch die Aeltesten der Kaufmannschaft wurde gutgeheißen. Es wurde jedoch die Bestimmung getroffen, daß das Schulgeld nicht höher sein dürfe wie in Berlin, sodann soll eine obligatorische Turnstunde eingeführt werden. Bei der hierauf erfolgten Besetzung der Deputationen wurde die sozialdemokratische Fraktion ihrer Stärke �entsprechend berück- sichtigt. Der öffentlichen folgte eine geheime Sitzung. Neukölln. Ueber die Aufnahme einer neuen Anleihe im Betrage von 37,2 Millionen Mark wird die Stadlverordnetenversammlang in ihrer iiäcbslen Sitzung Beschluß fassen. Die Anleihe ist zur Deckung folgender Kosten bestimm!: Regulierung von Straßen einichließlich Erwerb von Stratzenland 5 888 888 M., Verbesserung der Verkehrs- Verhältnisse des sogenannten oberen Oristeils zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld nach Berlin 1 688 888 M., Verstärkung der Anleihemittel für den Bau der Volksbadeanstalt und Schwimm- anstalt 785 888 M., Anlage und Einrichtung des Jubiläums-Spiel- und Sportplatzes an der Grenzallee 388 888 M., die GrundeuvcrbS- kosten für eine zur Erweiterung der Oberrealschule in der Emser- straße erforderliche Parzelle 38 888 M., den Erweiterungsbau für das Lyzeum am Richardplatz 258 888 M.„ Bau einer Handwerker- Pflichtfortbildungsschule einschließlich Grunderwerb 1 888 888 M., Erweiterung der Känalisalionswerke, Riesel- selber, einschl. Grunderwerb, Erweiterung der Rieielgüter durch Aus- und Neubau der Wirtschaftsgebäude uiw. 3 5l8 888'M., Bau einer neuen Feuermeldeanlage und Anschaffung neuer Löschgeräte 248 888 M., Herstellung des Körnerparkes 1 237 888 M., Einrichtung ciner Stadtgärtnerei 188 888 M., Anlage zum Schutze gegen die Sandplage auf dem Tempelhofer Felde und Schaffung von Grün- flächen 288 888 M., Bau einer Straßenreinigungsanstalt und Feuer- wacke, zweite Rate 328 888 M., Ausbau des Krankenhauses Buckow 288 888 M., Deckung der Grunderwerbs- und Baukosten für ein im Stadtbezirk zu errichtendes Privatkrankenhous. erste Rate 2 888 888 M.. Bau einer Desinseklionsanstatl 138 888 M.. Bau eines Altersheims 288888 Mark. Erwerbskosten für das zum Bau der Taubstummenanstalt bestimmte Grund- stück 278 888 M., Bau eines Verwaltungsgebäudes im neuen Stadtteil hinter der Ringbahn 588 888 M., Schaffung neuer und Verbesserung bestehender Verkehrsbedingungen 500 000 3)1./ Herstellung einer Unterführung der Kaiser-Fricdrich-Straße unter der Anschlußbahn Neukölln— Nieder-Schäneweide am Bahnhof Köllnische Heide 588 888 Nk., Herstellung und Ausbau von Hafenanlagen am Neuköllner Schiffabrtskanal ö 200 OOO M., Erweiterung der städtischen Gaswerke 4 388 888 M., Erweiterung des städtischen Eleltrizitäts- Werkes 3 508 808 M., Bau eines Säiiller-Theaters der Stadl Neu- kölln 1 888 888 M., Bau von Gemeindeschulen 3 865 888 M., Bau eines FcrienerholungsheimS in Ucckritz einschließlich Grunderwerb 135 088 M., Bau eines SparkassengebäudeS einschließlich Grund- erwcrb 1 888 888 M. Der Verwalter deS Hauses Jnnstr. 27, Herr Hammerschmidt. sendet uns mit Bezug aui die in der Sonnabendnummer des„Vor- wärtS" veröffentlichte Noiiz:„Ueber mangelnde soziale Einsicht eines Hausverwalters" ein Schreiben, worin er' bestreitet, daß er den am 31. Dezember 1912 eingezogenen Mieter aui Räumung verklagt habe. Ihm iei vielmehr die Miele gleich im Anfang zweimal ge- stundet worden. Al» der Mieter im Anfang Februar wiederum Stündung nachgesucht habe, iei ihm zirka 10 Tage Frist gegeben worden. Erst etliche Tage nach Ablauf der Frist habe er, H., Klage erhoben; das ergangene Räumungsurteil sei indessen nicht vollstreckt worden. Die jetzt angedrohte Exmiision sei erfolgt, weil der Mieter sich den Mietsvertrag verletzende Uebergriffe habe zu schulden kommen lassen, Die körperliche Erziehung deS Kindes. Der nächste Vortrag „Das Kind im Spielaller" lzweitcs bis sechstes Jahr) wird vom ersten Arzt der städtischen Säuglingsfürlorgestelle Dr. M. Cohn am Donnerstag, den 5. Februar, im allen Sitzunasiaal des Rathauses. Eingang Berliner Str. 61 I, gehalten werden. Beginn abends 8 Uhr. Der Eintritt ist unentgeltlich. Wilmersdorf. In einer trostlosen Verfassung befindet sich die städtische Turn- halle, die seit Jahren auch der Freien Turnerschaft zu ihren Leibes- Übungen zur Verfügung steht. Die Halle war srüher ein Tanziaal; da das Gebälk bereits morich ist, lönnen Hängegeräte nicht mehr angebracht werden. Nun befindet sich aus dem Grundstück Berliner Straße 48 die städtische Fleisch- und Fischballe. In Ermangelung anderer Räumlichleiten sah sich der Magistrat genötigt, in der Turn« halle einige Kühlräume zu bauen. Von der Vornahme der Baulich- keilen wurde indessen die Freie Turnerschait nicht in Kenntnis gesetzt, weshalb eines schönen Tages die Mitglieder derselben wieder nach Hause gehen mußten. Kaum daß nach wochenlangem Warten der Turn- betrieb wieder aufgenommen werden tonnte, traten neue Zwischenfälle ein. Augenblicklich ist auf dem Grundstück mit der Bauerci wieder einmal Hochkonjunktur, weshalb in der Turnhalle die Bainnatertalien verstaut werden. Reste von Kanalisationsröhren, geteerte Koilplatten, Mörtel, Bauschutt und für den Bedarf der Fleii'chballe umherliegende Säcke mit Salz machen die Ausübung des Turnsporls zur Unmög- lickleit. Am letzten Freitag endlich wurde in die Halle noch ein mit Fischschuppen dekorierter Ladentisch gestellt. Wir können unS nicht denken, daß der Magistrat von einer solchen Vcrichandelung der Halle Kenntnis bat. Denn da der Verein jährlich 158 M. Miete für die Benutzung derselben zahlen muß. hat er doch auch einen Anspruch darauf, dieselbe in ordnungsmäßigem Zustand vorzufinden, ganz abgesehen davon, daß städtische Behörden einem solchen Sport nicht unnötige Schwierigkeiten machen dürfen. Tempel Hof. Einen hohen künstlerischen Genuß für alle Musik- und Gesang- liebende verspricht der vom BildungöauSschuß zum 7. Febiuar, abends 8 Uhr, im. WilhelmSgarten" veranstaltete Schubert- Abend. Die Eintrittskarte hat einen dauernden Wert, indem sie außer der Vortragssolge eine Einführung in die Werke Schuberts und die Texte der zum Vortrag gelangenden Lieder enthält. Mit- wirkende: Das Kutfchke-Ouartett<1. Violine. 2. Violine, Cello und Violoncello). An Stelle des erkrankten Herrn v. Gutimann singt Herr Dr. Rud. Klutmann(Bariton). Eintritlskarten a 68 Pf. sind noch bei allen Bezirksführern des Wahlvereins und in den Verkaufs- stellen der Konsumgenossenschaft zu hoben. Grünau. Unter der Einwirkung deS Alkohols rief der 22 jährige Sohn der Eigentümerin B. in der Nacht vom Sonnlag zum Montag recht un- erquickliche Szenen hervor. Nachdem derielbe wegen seines rohen Benehmens aus den verschiedensten Lokalen enlsernt worden war, suchte der herbeigeholte Nochtwochbeamte und ein zu Hille gerufener örtlicher Angestellter ihn nach Hause zu bringen. B. schlug jedoch auf die Beamten ein und verletzte den Hilfsbeamten B. schwer im Gesicht. Des Publikums bemächtigte sich eine berechtigte Er- regung und eS verabfolgte dem B.-ine gehörige Tracht Prügel. Doch auch das half nichts. In der Stromstraße versetzte B. dem einen Beamten einen Fußtritt, sodaß derselbe zu Boden stürzte. Erst einem herbeieilenden Jugendfreund gelang es, den B. nach Hause zu bringen. Das Verhalten der beiden Beamten war äußerst rücksichtsvoll und eS schien, als ob diese Rücksicht deshalb geübt wurde, weil es sich um den Sohn wohlhabender Eltern handelte. Wo waren übrigens die drei Gendarmen, um den bedrängten und schutzlosen Nachtwachbeamten beizustehen? Köpenick. Tie Mitgliederversammlung des Wahlvereins ehrte zunächst das Andenken des verstorbenen Genossen Paul Kaiser in der üblichen Weise. Alsdann hielt Genosse Köster-Charlottcnburg einen Vortrag über das Werden und Vergehen der Welten und die Astronomie. Die Ausführungen wurden mir regem Interesse verfolgt und am Schluß mit lebhaftem Beifall belohnt.— Zur Aufnahme in den Wahlverein halten sich lö neue Mitglieder gemeldet, die ohne Wider« spruch aufgenommen wurden. Hierauf gab Genosse Kießling den Kassenbericht vom 3. Quartal. Einer Einnahme von 1726,85 M. steht eine Ausgabe von 1475.58 M. gegenüber, so daß ein Ueber- schuß von 258,55 M. verbleibt. Einem Antrage des Sportkartells, der besagt, daß Billetts zu Vergnügungen, die nicht den Stempel des SporlkartellS tragen, von der organisierten Arbeiterschaft zurück- geiviesen werden sollen, wurde debalteloS zugestimmt. Genosse Wißler teilte mit, daß ein Antrag von Genosten der Köllnischen Vorstadt die Einführung einer Kartoihek nach Neuköllner Muster verlangt. Nach lebhafter. Deoalte wurde dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Genossin Kitzing führte Beschwerde darüber, daß der Vorstand es abgelehnt habe zu dem Referenlinnenkurius drei Genossinnen zu enltenden. Sie sei der Meinung, daß man den Genossinnen etwas mehr Entgegen- kommen zeigen müßte, um so mehr als zur Teilnahme an diesem. Kursus anstatt einer, vom Kreise dm Genossinnen zugestanden� worden seien. Der Vorstand rcchlscrtigte sein Verhallen damit, daß er in dieier Angelegenheit nach bestem Ermessen gehandelt habe. Zum Schluß teilte Genosse Herbst mit, daß am 25. Februar der Voltragskiirius über„Tie wisienschasllichen Grundlagen der moderne.ii Arbeiterbewegung" beginnt. Derielbe eistrecki sich über vier Abende. Der Preis für den ganzen Kursus beträgt 38 Pf. Vortragender ist Genosse Däumig. Mittenwalde. Die Notwendigkeit einer intensiveren Agitation für unsere Orgamiation und Presse zeigte wieder einmal die am Sonntag hier abgehaltene, leider nur mäßig beiuchle, öffentliche Versammlung, in der Genosse Karl Wückc-Berlin über das Theina:„Das KoolilionS- reckt in Gefahr" und, Immer feste drauf" referierte. AuS den trefflichen, mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen ge- wannen die Versammelten die Ueberteugung, daß sie mehr als bis- her sür die Arbeuerbeivegung wirken müssen. Zun» Schluß der Versammlung verlas der Vorsitzende eine Petition des Wahlvereins, in welcher der Magistrat um die Einführung einer besseren Straßen- beleuchtung ersucht wird. Potsdam. Für Slraßeiipflaficrungen und Bürgcrstrigaiilagcn ist für daS Jabr l3l4 der Betrag von>32 425 M. in Aussicht genommen. Es handelt sich um die B> hlerlstraße, die den Betrag von 69 725 M. er- iordert. Mit bei Pflasterung ist gleichzeitig eine Verbreiterung der Straße vorgesehen. Ferner ist die Pflasterung der Wollnerstraße vorgesehen. Hier betragen die Kosten 53 988 M. Noch nicht sicher ist, ob auck die Osthälfte der Priesteritraße neues Pflaster erhalten wird. Sollte diese Pflasterung beschlossen werden, wird sich der oben angegebene Betrag um>5 988 M. erhöhen. Eine Zusammenstellung der Straßen, die der Neupflastcrung bedürfen, hat ergeben, daß der Betrag von 6l9 125 M. notwendig sein würde, wenn sie alle im kommenden Jahre berücksichtigt werden sollten. Sitzungstaste der Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Donnerstag, den S. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Ralhauic, Kaiicrst>aße. »ieukolln. Donnersiag, den 5. Februar, nachmittags 6 Uhr, im Ratbanle, Berliner. Str 6S. Rosentlial. Am Donnerstag, den 5. Februar, abends 6 Uhr, in der Aula der Gemcindcschule. Schillerstraße. Tcmvelhof. Am Donnerstag, nachmittags 5'/, Uhr. im Gemeinde« sitzungSzimmer, Dorsjtr. 42. Tlksc Sitzungen sinv össcntlich Jeder Bemeindeangehörige t» be» rechtigt, ihnen als Zuhörer bcizuwohneu. Iugeudveranftaltuuge». Pankow-Niedcrichön hausen. Jugendb eim. Heute Mittwoch, Mädchcnabend. Freitag, den 6. Februar, dr tter Bortrag dc§ Herrn Ingenieur Mcitzncr über:.Das alte Testament«. Sonntag, den 8. Febr., nachmittags 1'/, Uhr, Spielen Im Freien aus dem Spielplatz, Kissingen- straßericht). Abends zwanglose Unterhaltung im Heim. Das Sportkartell von Ober- und Nicder-Schöncweide hält heute abend im Waldbaus in Nieder-Schäneweide eine Versammlung ab, zu der die Arbeitersport treibenden Genossen eingeladen find. Marktvretie von Berlin am 2. Februar INI4. nach Ermittelungen deS kgi. Poiizcivräiidiums. Mais lmixed), gute Sorte>6.90— 17,20. Donau 16,00—16,30. Mais runder), gute Sorte 14,90— 15,30. Richtstroh 0,00— 0,00. Marllbattenvreiie. 100 Kilogr. Erbien, gelbe, zum Kochen 34.00—50,00. Sveisebobnen. weige 35,00—60.00. Linien 36,00— 80,00. Kartonein(KlembM.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindsteiich, von der Keule 1.60—2,40. Rindsteiich, Bauchfleilch 1,30—1,80. Schwcinesteiich 1,40—2.00. Kaibstciich 1.40—2,40. Hammeisteiich 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.80— 7.20. 1 Kilogramm Karoten 1.20— 2,60, Aale 1.60—3,40. Zander 1,20-3,20. Hechte 1,60—2,80. Barsche 0,80-2,20. Schie»c 1,60—350 Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebie 4.00-24,00. TSttterungSüderücht vom 3. Februar 1914. S 5 'S o kuMone» c 0 c 5 B— == CieNR M S 3? 1 Swinemdc. Hamburg Berlin Franki. a.M München Wien 766lSIW 766! SW 788 S 772 Still 774 SSW I775O »S all S? Äbeiier 3:bnlb bd. 1 heiter 1—0 Nebel(—3 2 bester 1—6 liNebel|— 8 Gtavonen 4 S 1« = i- (Sa SS 40 SB tun tavaranda elcrsburg Scilla Aberdeen Paris 742! N 716WSW 761« 757SW 760 SSO 1 K* Ii ik wölken!!— 10 Regen i 4 bedeckt 11 wollenl 3 wollen! 1 0 Wrrtrrvrognoie für Mittwoch, den 4. Februar 1914. Bielsach heiter und am Tage mild bei mäßigen südwestüchen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e tt er b ur e au. TSasserstandS-Nachrichten der LandeSanstolt für Gewästertunde. mitgetellt vom Berliner Detterbureau Wasserstand Memei. Tilfit P r e g e l, Jnsterburg W e i ch s e i. Tborn Od«:. Raribor , Krassen , Frankiun Warthe. Schrimia , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden , Bardo , Magdeburg 8+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstau». *) Treibeis. Erscheint 2 mal röehentlich. | Beztigsqueiien-�erzeichnSsa| Untenstehende Gesohäfte empfehlen slob b. Einkauf. M lloeniein-Usrlciiiedengs pjjgepie Grunow's Kaffee-Versd. Dreedser»L7# CUjonb Lindenstr. 105 . nidU-l Spect- MjScIllakemalttnI. GotrBnke ITranz Abraham i«nb. Messina-u.Hömertrank-Kell. C.g5 Bartelstr. 8#, Fernsp. K�st. 13708 Keiner, Otto, Gerichtstrafie 86. Partiewaren�., Tegel, Branowittf F. Zlllat, Waldemarstr. 64 a, jCentr. Auto Technikum Norden r Prinzen-Allee 42/43 ChaDffeonchale I Tages- und Abend-Kunns j Kiutri« jedencit. ProBpekU gnti*. Bgss-finnaitsn Arkona-Bad, Anklamer-Str. M, B?ü!t«il1ß4Ä�rs8. SIZ«M tri Landsbcrgerstr. 107 Gollnowstr. 41. M-Sail An�ÄV?r.«. Bari Frankfurt, Gr.Frkftßtr. 136. Lieferant sämtl. Krankenkassen Bad Hufeland, Hufelandstr. 45. Kaiser-Fr'.edricha-Bad.Cliarl.a.Bli. 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Paul Berger, Mirbachetr. 29 P.Bethgc,Nklln,Kais.Friedriebst.2S4 E. Beyer, Thornerstr. 6. Josef Brefka, Kirchhofstr. 46/47 Okkel, ElbiogMe 33. Otto Billepp, KasUnies-Allee 21 n. 69 Reinh. Blenkle, Wiesen str. 19a* R. Block, Soraucrstr. 18. Alw. B.ämer, Roraintenerstr. 40 Brotfabrik Helnersdorfer Mühle F. Bockcnkamp, Camphausenst.6 PaulBochnlg,! ankow.Görschstr.U Rudolf Brechlln,Ockerst. 3 Nklbu F. Breitkopf, Exerzierstr. 19a. Waldemar Brase, Driesenerst. 3 Hermann Büß, Grünauerstr. 12. Ewald Buchler, Weserstr. 47. Ernst Buller, Brüsselerstr. 43. Gust. Böhm, Gubenerstr. 26 G. Büchner, Nordhausenerstr.SO Alb. Dackwih, Kamerunerstr. 16. m. w tdbf'" 1' A A. Kosubeck, Sparrstr. 4 Josef Kreil, Weserstr. 17» Alb. Kratky. Oadinerstr. 1». Landbr.-Bäck.Kröcher, Saalestr�Sl C. Ranze, Liebigstr. 1. Karl Kiinsrls uZTmL*, Max Kühl, Triftstr, 9 Felix Kynast, Dänenstr. 5. Bäckerei Eünscher Kastanlen-AIlee 57 Davids LandbrotUnlendtrlertiir Ja J'aliaadanBlr.U.Waümana-, K-EllBabciKit. koul Delly, Mürkusatraüe 15. Albert Denkewlp, Jablooskulr. 14 Dollws, Ferdinand Torellütr. 4 Otto Douatb, Stolpisehestr. 22, H. Donner, Dunckerstr. 78. Rud.Dourlier, Pankow, HühlenrtTl Fritz Eichler, Bastianstr. 18. W. Ernst, Pückloretr. 42. Franz Faulwctter, Manlealelitr.t?, Carl Feist, Friedenstr. 101. Frledr.Flernming, Boihi,eDeritr.l7. Pani Freitag, Stuttgarterstr. 13. E. Freyer, Blinautr. 72. ff. liarkcjitr, H.Friedridi. Marienburgcrstr.ag. HeinridiFrister,P«nl«w, Florost. 60 Rob. C-ebler, Wildenbruchstr. 68. F. George, IVilhtlmtbaTeiiinlr. 23. Fritz Glauner, Chausseestr. 80, Gumnior, K. Posencrstr. IG. Wilb. Godt, Emdcnerstr. 69. B. Gonsior, Treptow. Grätzstr. 85. O.06rb,iVicsfiutr.31,iir.ii.gräii<' Kbm. CroSe-RhodeUeinickendorferst. 95 üroß-Bäckerei„Berolina"LWest. PauIGrisard, Pankow, FloraslrlO. Paul Gärtner, Treskowstr. 44 A. Günther, Gr Frankfurterst. 75 Kilsake.Urlr.W.Mcbae Jltri«nborgerst.7 KarlKeidcnrelch,llünchener8t.44 Karl Keuuig, Steinmotzstr. 74 Cuat. Heintscbel.Uavetbenierstr. 38, ü. Henning, Schmidtstr. 8a. Job. HUdeurandt, Kykestr. 32 Paul Hoppe, Hornisdorforstr. 8 Hoppe'sNtcbf.Knmsrek.idilbsrUl.e« PJinsgen,lierfonb-,£.l,icbttirsdeT>t L. Itale, Gerichtsstr. 53. Max Jacob, PCflgerstr. 79-1. Bei nh. Jahn, Ke&idenzst. 75, T.582 Peluickendorf, Hauserstr. g. Faul Jarrasch, üprengelstr. 33 Jendreyko, Iniraanuelkirchstr. 10 Fr. J,.uareyko, Ohmstr. 9. Max Jesse, liandelstr. 27. O. Jeske, Libsuerstr. 1 B. Kanlhak, Liebten bergerstr.21 Georg Kappe, Wilba rnfhartoeritr. 8. A. Kelb, Kostockeretr. 31. F. Kiesewetter, ftbiralbatoatstT. 16. Friedr. Kiinder, Mirbsohstr. 37 R.Klinke, Wciflens., Lohderst 120. '.Kluck, Residenzsi.155, ReiairkesA Kleiner. SehnlBtr. 102 k päuiEUOkiilGiETSK" Max kni nlliert, Landab. Allee 29. Friedrich Knop, Bodestr. 31 Paul Köbernick, Wilb.Stolze8tr.35 AJtosmehltzM klln �)on tu 8ir.02-53 P. Lamla, Immanuelkirchstr. 20 Ew. Liesegang. Danzigerstr. 42 Adolf Linde, Lichtnbg.,Wltt8l««tr.76 Carl Lindenberg, Lycheicr«tr. 4. H. Lühs, Reinickenl-Ost, K&mekestr.lX Frih Lungwitz, Hohenlohestr. 3. W.Luzemann,0.,Gabr]>lMax8t.2 W. Megow, Lichtenbg., Gärtnerst 5 H.Markgraf, Charl.,Goethe8tr.49. R. Markworth, Pflügerstr. 11. F. Maschler. Lirhtesb�rq.Odfrstr 37* AntonMelynar,Landsbergerst.l7 Alfred Mehner, Fulda str. 55/6 Mfihlsteff, Spandau, Btsmarckstr. 5. G. Mosler, Weiflenburgerstr. 42 E. Muhle. Manteuffeletr. 87 Max Mnth, Falkensteinstr. 37 Carl Neuendorff, Sickingerslr. 76 Wilhelm Nlklau, Malplaqnetst. 6. Gustav Nlelson, Lindowerstr. 9 P. Kits ebbe, Oadinerstr. 4. Paul Otto, Danzigerstr. 81 Robert Pötschke,Sprengclßtr.4/5. J.H.Fopp. Ainendcstr.lOt, Reinfckend-Oit Herm.Prager,Gr.Frankfurtcr8t.2 Fr. Prlbyl, Osnabröckerstr. 26. 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BBttner, A., Danzigerstr. 96. gattteflerMetten H.Holh,Braun8bergerstr.4B«lDigg. W. Liebreich, Jablonskistr. 4. ßiumejMinflj� O. Damerius, Maxstr. 13c, preschorjr., Landsbergerstr. 116 B1 tun cn-Fischor-Z Ollner SeestBO Jul. Großer, Pankow, Florastr.94 M. Klinkow, Triftstr. 69 Menzel« Nenkölln.Bergstr. 110/111 AMieiih,SchaTBV®bfrst.3,Relfliek«iW A.SiB.Wö?. IVeissbicr, 0. Breitliauf Palisadenstr. 97. Tel-A. VII, 26." grotlabrik H.Wallhanser.Teg., Bahnhof st, 15 jidercinralimg� eiaierei H. Bolahnn& Co., Wiclefstr. 42 BS rtiep. H.P.BiedermannJ™"", Dann«, Karl Chorinerstr. 36. Eier Storch, engroa-eo det. Adiniralat 5 Bruno Trccbe [ Wilüielm �olliel _25�gene nUn�en�,� 40 Filialen In Berlin und Vororten August Holtz r. HAGEM 2S Verfcaufwtellen 22 H ubertus, Butterhdlg. Straussbcrg. Herrn. Kunert, Culmstr. 29 AXiepold,AntonBtr.l,Uilchhd1g. f 48 eigene Betailgeectiirte ! Will. PleS, Eotterpflliillg. 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I. gu geben und>vaS lvill sie tun, um der häufigen Aiederholung solcher Unglücksfälle vorzubeugen?— Die Treiberei, um jeden Preis Kohlen, Kohlen zu fördern, ist schuld an den Grubenlatastrophcn. Die Ueberarbeit muh die Arbeiter nervös machen. Die Arbeiter auf den Schlagwettergruben— es sind das Zehntausende Arbeiter im Ruhrbergbau— müssen über die Schlagweuergefahr ausgeklärt werden. Die Ersetzung der Sicher- beiislampen durch elektrische erhöhl die Schlagweuergefahr. Wie steht es mit der Erprobung dej: Schlagwetterpfeife? Die Unfallziffer ist immer noch im Steigen begriffen, trotz der Ein« fiihrung der Sicherheitsmänner, denen die Zechenverwaltungen viel- fach nicht die nötige Freiheit lassen. Da können die Sicherhcilsmänner, die im Fall der Pflichterfüllung Lohnreduzierung zu erwarten haben, freilich keine Erfolge erzielen!(Zustimmung im Zentrum.) Handelsminister Dr. Sydow führt nach einigen Worten des Beileids aus: Nach den amilichen Feststellungen hat die letzte Befahrung durch einen Sicherheitsmann am 26. Juli v. I. staltgesunden(Hört! hört! bei den Sozial- dcinokralen!) Aber er war als Schießmeister täglich an der Un- glücksstclle. Schlagwetter wurden nie gefunden, es wurden Sicher- beitssprengstoff und Siwerheitslampen verwendet. Die Bc- wetterung ging weit über die bergpolizeilichen Vorschriften binaus. Der Mnister schildert dann den Verlauf der Ex- plosion, die 21 Knappen und Steiger tötete und 7 so schlver der- letzte, daß sie noch nicht vernehmungsfähig find. Es war eine reine Schlagwettererplosion: woher die Schlagwetter gekommen sind, ist noch nicht aufgeklärt, eben so wenig die Zündungsursache. ?>euerdings wurden Risse gefunden, aus denen Schlagwetter steigen. Die Ermittelungen und Aufräumungsarbeiten werden hoffentlich noch Mlarheit bringen.— Der seit 10 Zähren im Bergbau stehende Sicherheitsmann berichtete, daß niemals Schlagwetter auftraten, die Arbeiterschaft ziemlich ständig ist und vor dem Unfall nicht geschossen wurde. Der Achenbach-llnsall im Dezember 1912 ist ebenfalls im Südfeld, jedoch auf einem anderen Flötz passiert.— Die Bergverwallnng führt seit jeher einen Kampf gegen die Gefahren des Bergbaus. Stein- und Kohlen- fall verursachen viel mehr Unfälle als Schlagwetter, wirken jedoch nicht so elementar und erregen deshalb nicht ein solches Auf- sehen wie die großen Schlagwetterexplosionen. Wir haben in allen Sicherhcitsfragen besondere Kommissionen eingesetzt, die gründlich gearbeitet haben. Tie Bergpolizeivorschriften enthalten eingehende Anordnungen für die Minderung der Gefahren. Die ExplosionS- gefahren wollen wir durch Sicherheitssprengstoffc, ein« fchränkende Bestimmungen für den Abbau in gefährlichen Betrieben und Borsichtsmaßregelli beim Schießen vermindern. Die.Habrrsche Schlagwetterpseife muß erst praktisch erprobt werden, auch Zeiß in Jena hat einen derartigen Apparat zur Erkennung des Methangehalts rn der Luft konstruiert. Eine allgemeine Bcrmindcrnng der Unfälle ist nicht erreicht worden, aber es ist wenigsteris die Zahl der Explosionen erheblich zurück- gegange».— Die Steigerung der Kohlenproduktion entspricht dem gefteigexten Bedürfnis der Industrie. Da wir dafür nicht genug deutsche Arbeiter haben, müssen die Bergherren zu ihrem Leid- w e f e n auch A uSländer beschäftigen. Die Ausländer müffen aber nach der Bergpolizeiverordnung" die deutsche Sprache bc- herrschen. Ihre Aufklärung ist daher möglich und wünschenswert. Wir vermehren unausgesetzt die Aufsichtsbcamten, Einfahrer usw. und haben die Sicherheitsmänner eingeführt. Es ist unrichtig, daß der Staat es an der Förderung der Sicherheitsmänner fehlen ließe. Aber wiederholt haben die Sicherbeitsmänner Mängel übersehen und haben auch Verfehlungen ihrer Mitarbeiter nicht angezeigt, iveil sie dann die größten Unannehmlichkeiten zu besürckilen hätten.(Hört! hört! rechts und bei den Nationalliberalen.) Unabhängige Arbeiter- ko n trolle ure würden sich lediglich als Angestellte ihres Ver- bandeS fühlen und agitieren.(Zustimmung bei der Mehrheil.) Die Bauiontrolle durch Arbeiter in Bayern hat die Unfälle noch nicht so heruntergedrückt wie die polizeiliche Bautenkontrolle in Preußen.(Hört! hört! bei der Mehrheit.) Wir werden im Kampf gegen die Gesahren des Bergbaues nicht erlahmen, so lange aber ihrer nicht ganz Herr werden, als ihre Bekämpfung in der Hand von Menschen mit ibren Fehlern und ihrer Unzulänglichkeit liegt.(Bei- fall bei der Mehrheit.) Abg. Brust; zi n g. ES ist unrichtig, daß nur der organisierte Bergmann noer berusliche Gefahren auigellärt wäre. Die politischen Örgaiiisalionen sollten auch solche Aukilärnitgsarbeit leisten. Die BerufSgenossenschaflen können stolz sein auf ihre Leistungen. Von Hues Geschichte der Bergarbeiter ist der erste Band sehr lescnsivert. aber der zweite ist tendenziös und verhetzend, und daS hätte Herr Hue anderen überlassen können. Die p o l i t i s ch e n O r g a n i s a t i o n e u rauben den Arbeitern die Freude am Berus, der deutsche Bergmann soll nur ein Proletarier sein— aber das wird er nie sein, er wird diesen Perführungen nie folgen!(Bravo! rechts— Abg. Ad. H o f fm a n u(Soz.): Warum regeu Sie sich denn so auf?— Heiterkeit.) Ack> Herr H o f f IN a n n: Ihnen sage ich mit den» Erdgeist im..Faust":»Du gleickist dem Geist, den Du be� greifst, nicht mir 1"(Große Heiterkeit links.) Abg. Korfanty(Pole): Zu parteipolitischen Reden ist dieses Unglück doch gu traurig!(Zustimmung links.) Um wieviel sachlicher war die Rede H u e s als die des Vorredners!— Der Redner beklagt die Abstumpfung gegen die Unglücksnachrichten, gibt der Jagd nach Kohle die Schuld an den Unglücksfällen und bespricht dann obcrschlesische Verhältnisse. Den Berginspektoren wird bei ihren vorher bekannt gegebenen �Besuchen immer größte Ordnung vorgespiegelt. Die Sicherheitsmänner sind nur weiße Salbe! Abg. Hasenclever(natl.): Soviel Menschlichkeit wie die Sostaldemokraten haben die Bcrgwerksbe sitzer noch lange; sie machen sich sofort jede technische Neuerung zur Verminderung der Unfälle zunutze. Die jahrlich neueingestellten zehntausend Arbeiter kommen zum großen Teil aus Westfalen, Ivo es noch keinen Geburtenrückgang gibt. Tarifverträge können im Bergbau nicht ein- leführt werden, denn der Unternehmer muß auch seinen Verdienst finden! 1913 wurden die höchsten Löhne bezahlt. Die Angaben des Abg. Hue über die Strafen waren übertrieben. Abg. Brust(Z.) widerspricht der Behauptung, daß die Arbeiter selbst kein Interesse mehr an den Sicherheitsmännern nähmen. Die Sicherheitsmänner müssen unabhängiger gemacht werden und wenn es ihnen an Fachkenntnissen fehlen sollte, dann muß man eben Kurse für sie ein- richten. Wir hoffen, daß diese Jnterpellationsdebatte die Erregung unter den Bergarbeitern einigermaßen beschwichtigen wird.(Beifall im Zentrum.) Ein Schlußantrag der Rechten wird angenommen. Abg. Dr. Cremcr(natl.), der nicht mehr zum Wort gelangt, spricht.zur Geschäftsordnung" die Hoffnung aus, daß die rheinisch- ivestfälische Bevölkerung nicht weiter im sozialdemo- lratischen Sinne beunruhigt werde. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 11 Uhr: Justizetat. Schluß 4 Uhr._ V Reichstag. 204. Sitzung. Dienstag, den 3. Februar 1914, nachmittags 2 Uhr. Am Tische des Bundesrat«: Dr. Delbrück. Präsident Kacmpf macht Mitteilung von dem heute nacht er- folgten Ahleben des Abg. Preuß(Z.).(Die Mitglieder ehren das Andenken des Verstorbenen in der üblichen Weise.) Der Präsident gedenkt dann des Unglücks, das die Handelsmarine betroffen, indem ein Schiff in stürmischer Nacht an der Küste Englands zer- schellt ist, wobei 19 brave Seeleute mit dem Kapitän den Tod fanden, und weist darauf hin, daß unbeirrt durch alle Mißgeschicke und Widerstände die deutsche Technik fortschreite und Beweise ihrer Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit erbringe. Er verweist aus das Begrüßungstelegramm, das der Kaiser auf drahtlosem Wege an den Präsidenten der Vereinigten Staaten gesandt hat, und auf die Vollendung der Gleis spitze der Ostafrikanischen Bahn. (Bravo I) Kurze Anfragen. Abg. Gothein(Vp.) fragt an, ob der Reichskanzler die Prüfung des von den Herren Krüger und Krause entdeckten Mittels gegen die Maul- und Klauenseuche veranlaßt habe, und ob er das Mittel für das Reich zu erwerben gewillt sei, um es den deutschen Viehhaltern gegen Erstattung der Selbstkosten zur Verfügung zu stellen. Ministerialdirektor V. Jonquiöres: Ein abschließendes Urteil über die Brauchbarkeit des neuen Mittels läßt sich noch nicht gewinnen. Die Reichsverwaltung wird ihr Augenmerk auf die weiteren Versuche richten. Zu Erwägungen wegen Erwerb des Mittels hat bisher ein Anlaß nicht vorgelegen. Abg. Kunert(Soz.) erinnert, daß bereits vor drei Jahren eine Denkschrift über die Reforni bedürftigkeit und Vereinfachung der Heeresverwaltung, insbesondere der Armeeintendantur ver- sprochen worden ist. Er tragt, in welches Stadium der Erwägungen und Vorbereitungen diese Reform gelangt ist, und wann die Ver- öffentlichung der Denkschrift erfolgen soll. Oberst Scheuch: Die Beantwortung ist im Rahmen der Erledigung einer solchen Anfrage jetzt nicht möglich; sie wird bei der Beratung des Militäretats erfolgen. Abg. Dr. Mnller-Meiningen(Vp.) fragt an, ob ein Gesetzentwurf zur Beseitigung der schweren Schäden, die der Grund kr edit durch die übermäßige Erstreckung der F r i st e n der M i e t s z e s s i o n e n erleidet, noch in dieser Session zu erwarten ist. Direktor im Reichsjustizamt Delbrück: Ein entsprechender Gesetzentwurf ist bereits fertiggestellt und wird alsbald dem Bundesrat vorgelegt werden. Etat ües Reichsamts ües Innern. Die Beratung wird fortgesetzt beim Titel Förderung der Hochseefischerei. Abg. Noske(soz.): Meine Parteifreunde haben die Einstellung größerer Mittel für diesen Zweck mit Genugtuung begrüßt. Eine weitere Förderung der Hochseefischerei muß m der Weise geschehen, daß die Fischer Mittel zur Versügung bekommen, um sich die Forlschritte der Technik zu- nutze zu machen. Trotz des erfreulichen Aufschwunges der Hocksee- fischerei ist sie noch keineswegs imstande, den Verbrauch der deutschen Bevölkerung an Seefischen zu decken. Viele Fischer können aus Mangel an Mitteln nicht zur Hochseefischerei übergehen, ein erheblicher Mangel ist auch das Fehlen von Fischereihäfen an der Ostieeküste. Wenn man aber Mittel für die Fischerei auswirft, so darf man den Arbeiter in diesem Berufe nicht vergessen. Die geplagte Mannschaft muß vor U n- fällen soweit Schutz finden, wie es überhaupt möglich ist. Leider zeigt ein großer Teil der Unternehmer sehr wenig guten Willen, die Lage der Mannschaften zu verbessern. Die Ruhezeit der Angestellten in der Hochseefischerei ist sehr gering und außerdem müssen die Maunschaflen sie noch in äußerst engen Mannschaftskabinen zubringen, die zugleich als K ü ch e dienen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Leute sind beschäftigt von Mai bis November, was den Winter aus ihnen wird, darum kümmert sich der Reeder nicht. Die festen Wochculöhne sind äußerst gering, außerdem erhalten die Leute einen Fang- a n t e i l, der sie zu einer rasenden Akkordarbeit verleitet. Nur große Reedereien zahlen ein bestimmtes Mindesteinkommen, das aber angesichts der mörderischen Arbeit keineswegs genügt. Die Beköstigung läßt sehr viel zu wünschen übrig. Frisches Gemüse gibt es nur in ganz ungenügender Menge; Butter gibt es bei manchen Reedereien gar nicht. Desto schlimmer steht es mit der Zubereitung der Speisen. Der sogenannte Koch ist ein Teil der Schiffsmannschaften. der bei Fängen mitarbeiten muß. Die Kontrakte bei der Herings- fischerei werden den Leuten nicht bei Beginn der Arbeil vorgelegt. sondern im Winter, wenn ihnen am meisten daran liegen muß, wieder Arbeit zu erhalten. Selbst bei den größten Gesellschaften findet man die reinen Sklavenkontrakte, nach denen der Arbeiter fast nur Pflichten, der Arbeitgeber nur Rechte hat. Wird die Arbeit nicht angetreten, so verfallen 100 M. Konventionalstrafe.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Bei Beschädigungen der Netze erfolgen Lohnabzüge. Einen Freibrief auf Lohn drückerei und Entlassung bedeutet die Bestimmung, wonach der Reeder berechtigt ist. einen Mann, der sich nicht als geeignet erweist für die Stellung, für die er angemustert wurde, seinen Fähigkeiten entsprechend zu be- zahlen. Der Bundesrat sollte dasür sorgen, daß die ärgsten Miß- stünde in den Arbeitsverhältnissen der Hochseefischerei, die eines Kulturstaates unwürdig find, schleunigst beseitigt werden.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) . Abg. Schwabach(natl.): Durch Sturmschäden sind nicht nur die Fischer in Pommern und Westpreutzen, sondern auch an der Ostsee schwer geschädigt worden. Das Reich, das Zuschüsse für die Höchste und Binnen- fischerei zahlt, ist verpflichtet dafür zu sorgen, daß diese Bevölkerungs- kreise nicht zugrunde gehen. Im Gegenteil hat das Reich ein Interesse daran, daß die Fischerei sich immer mehr entwickelt, damit der Fisch in erhöhtem Maße zum Volksnahrungsmittel wird. Abg. v. Böhlendorff-Kölpin: Auch wir bedauern die schweren Schädigungen der Seefischer durch die Stürme dieses Winters. Es sollten bis zur dritten Lesung Mittel zur Entschädigung dieser Fischer in den Etat eingestellt werden. Die Fischerei muß so entwickelt werden, daß sie imstande ist, uns vom Ausland unabhängig zu machen. Dazu muß sie kräftig unterstützt werden, viel mehr als jetzt im Etat vorgesehen ist. Nicht 500 000 M., sondern 1 000 000 müßten dem Deutschen Seefischerei- verein zur Verfügung gestellt weiden. Wichtig ist auch die Er- zsthung der Fischer zur Selbsthilfe. Man muß ihnen das enossenschaftswesen geben, das die übrigen Zweige der Landwirtschaft haben. Abg. Dr. Struve(Vp.): Meine Freunde bedauern ebenfalls herzlich das Unglück, das die Seefischerei betroffen hat. Ich wundere mich, daß noch immer kein Regierungsvertreter gesprochen hat, um zu erklären, was nun eigent- lich von den geäußerten Anregungen verwirklicht werden soll. Auch wir unterstützen die Forderung, daß die Fischer aus Reichs- miltein entschädigt werden.— Ich freue mich, daß die Konservativen jetzt auf ihre frühere Forderung des Fischzolls verzichtet haben; ich hoffe, daß das eine dauernde Einrichtung der konservativen Partei werden wird.(Heiterkeit.)— Auch an den schweren Klagen der A r b e i t e r, die Kollege Noske vorgetragen hat. darf die Reichsregierung nicht achtlos vorübergehen.— Die Konservativen sollten ferner auch dafür sorgen, daß der Wunsch der Fischer, auch etwas Land zu bekommen, endlich erfüllt wird.(Sehr gut! links.) Eine große Schuld Preußens ist es, daß a» der pommerschen Küste noch so wenig Fischereihäfen angelegt sind.(Sehr richtig! links.) In der Ostsee sollte nur ein Fischercireckt herrschen, mit Be- stimmungen über die Schonzeit, über die Maße usw. Mehr Mittel müssen endlich eingestellt werden für die internationale Forschung auf diesem Gebiete.(Bravo I links.) Abg. Frhr. v. Richthofe»(natl.): Auch wir würden es begrüßen, wenn angesichts der Einmütigkeit des Hauses die Regierung endlich zur Materie das Wort nehmen würde. Einen Seefischzoll halten wir ebenfalls nicht für an- gebracht. Ministerialdirektor v. Jouguiöres: Im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Mittel werden wir den Fischereibetrieb gern fördern. Ob es aber möglich sein wird, für diesen Zweck mehr Mittel in den Etat einzustellen, ist eine reine etat-technische F>age, die nur bei Abwägung aller anderen Bedürfnisse beantwortet werden kann.— Entgegen den Klagen über die preußische Regierung möchte ich betonen, daß ie tut, was in ihren Kräften steht, speziell die preußische Eisenbahn- Verwaltung hat sich der Fischereiinteressen in dankenswerter Weise angenommen.(Bravo! rechts.)— Die Verhältnisse in der deutschen Fischerei haben sich in den letzten Jahren erheblich gebessert.— Entschädigungen für die Sturmschäden kann nicht daS Reich leisten, hier müssen die E i n z e l st a a t e n eintreten. Die Verhältnisse auf den Fischereifahrzeugen sind gewiß nicht ideale, der Berus ist sehr gefährlich. Aber dem Abg. Noske muß ich doch bemerken, daß die Sicherheitseinrichtungen den Vorschriften der See- mannsordnung entsprechen. Die Arbeitszeit und die Verpflegung ist absichtlich in der Seemonnsordnung nicht geregelt, weil das Fischereigewerbe eine Scdemaiisierung nicht verträgt. So schlecht, wie es nach den Ausführungen des Abg. Noske scheinen könnte, geht es unseren Fischerleuten nicht. Abg. Körsten(Soz.): Das Klagelied über die Fischerei, das heute wieder erklungen ist, ist berechtigt. Die Fischerei ist eben das Siieflind unserer Gewerbe. Es wird noch mir mittelalterlichen Einrichtungen ge- arbeitet. Ich habe hier Bestimmungen aus dem 14. Jahr- hundert, die heute noch genau so gelten. In der Fischerei gilt noch das Erstgcburtsrccht, nur der älteste Sohn erbt das Fischereirecht. Die Sühne dienen alle drei Jahre in der Marine, aber wenn sie nach Hause kommen, dürfen sie nicht fischen, ja im Betriebe des eigenen Vaters dürfen sie nicht arbeiten. In Bezug auf die Strafen ist eS bei den Fischern nickt um ein Jota besser geworden. Bei der kleinsten Uebertretung wird aus 3 0 M. Strafe erkannt, beim zweiten Mal auf 5 0 M., beim dritten auf 100 M, und Konzessions- entziehung. Will man den Fischern helfen, so schaffe man diese drakonischen Strafen ab. durch die die Fiicher noch schlimmer als unier der Gesinde- ordnung stehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Den armen Fischern verweigert man oft die Fischereierlaubnis, den großen Kapitalisten aber kommt man entgegen und gestaltet an derselben Stelle das Fischen zum Vergnügen, wo dem armen Fischer ver- boten wird, sein Brot mit Fischen zu erwerben.— Schließlich sollte die Regierung auch ihre Aufmerksamkeit aus die W a s s e r- Verhältnisse im Stettiner Hafs richten, die durch den Stettincr GroßschiffahrtSkanal ungünstig beeinflußt sind.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Fegter(Vp.): Man sollte alles versuchen, den Fischkonsum zu heben. Dazu gehört auch eine Beschleunigung des Transports der Fische nach dem Inland. An Geld sollte es in diesem Jubel- WehrbeitragSjahr wirklich nicht fehlen. Abg. Noske(Soz.): Es ist außerordentlich charakteristisch für die deutschen Zustände, daß der Herr RegierungSvcrlreter bewegliche Klagen über die Finanznot anstimmte in dem Moment, wo es sich um lumpige 100,000 Mark für die Hebung der Seefischerei handelt. («ehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Wenn Milliarden für Heeres zw ecke verlangt werden, ist von der Finairz- not keine Rede.(Sehr richtig! bei den Soziatdcmokratcn.i Bei meinen Beschwerden habe ich vor allem aus die Mängel der SeemannSordnung hingewiesen, wo man wichtige Lebens- Interessen der Seefischcr aus Entgegenkommen für die Reeder ver- nachläsfigt hat. Wenn man schon eine übermäßig hohe Arbeitszeit in den Zeilen der Fänge für notwendig hält, so müßte doch aus jeden Fall die Regierung gegen die Vertrags- bestimmung vorgehen, die es de» Arbeitern verbietet, auch nur ein- mal einen Vertreter zu stellen, um sich einen freien Tag zur Erbolung zu verschaffen. Die Seefischer werden hoffentlich aus der Haltung der Regierung die Folgerung ziehen, daß sie für möglichste Stärkung ihrer Organisation sorgen, um sich dadurch aus eigener Kraft selbst zu helfen,(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielevp. Neukölln. Für deu Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag.'Vorwärts Damit schließt die Debatte. Ein Antrag Bassermann(natl.) auf Erhöhung des Fonds bis zur dritten Lesung wird ein- stimmig angenommen. Beim Titel„Unterstützung deutscher Seemannsheime im Ausland" begrüßt Abg. Meyer-Herford(natl.) die Erhöhung des Titels um 6000 M. und wünscht noch weiter- gehende Unterstützung dieser christlich-nationalen Liebeswerkc. Abg. Sivkovich(Vp.) betont ebenfalls die nationale und wirtschaftliche Bedeutung der Seemannsheime. Es folgt der Titel Maßregel» gegen die Rcblauskrankheft. Abg. Pcirotes(soz.): In Elsaß-Lothringen ist ein großer Teil des Areals der Wein- bauern durch die Reblaus versucht. Leider sieht die Reichs- regierung dieser Verwüstung unseres Rebgeländes tatenlos zu. Die elsäsfischen Rebbauern fordern den Anbau der Amerikanerrebe in weitem Umfange. Die Reicbsregierung hat ganze 1000 M. zur Bekämpfung der Reblaus ausgeworfen und dieie 1000 M. werden nicht einmal ausgegeben. Elsaß-Lothringen dagegen har seit Bestehen des Gesetzes 5>/z Millionen zur Bekämpfung der Reb- laus ausgegeben. Trotzdem ist Vi des Rebgeländes verseucht. Da versteht man den Unwillen der Winzer, die durch das Gesetz am Anbau der Amerikanerrebe gehindert werden. Sie verlangen eine Aenderung des Gesetzes, das sie ein häßliches, ein Lausgesep nennen. Daß die Abänderung des Gesetzes notwendig ist, hat auck, der gewesene Staatssekretär Zorn v. Bulach im elsässiichen Landtag zugegeben, wo er bedauerte, daß die elsäsfische Regierung diesem berechtigten Wunsche der elsäsfischen Winzer nicht nach- kommen könne. Ministerialdirektor v. Jouquiörcs: Die Verhandlungen über die Auslegung des Gesetzes zur Be- kämpfung der Reblaus und über den Anbau der Amerikanerrebe sind fast zum Absckiluß gelangt. ES fehlt nur noch die Verständigung über einige technische Einzelheiten. Sobald diese erfolgt ist, wird eine entsprechende Borlage zur Aenderung des Gesetzes dem Bundes- rat zugehen. Abg. Dr. Haegy(Elf.): Die Erfahrungen, die wir heute durchmachen, hat Frankreich schon ftüher durchgemacht, und es hat seinen Rebbestand durch den Anbau der Amerikanerrebe wieder rekonstruiert. Die Schweiz bat dasselbe getan. Wir wünschen, daß auch uns der Anbau der Amerikanerrebe gestattet wird. Abg. Dr. Becker-Hessen(bei keiner Fraktion): Die Winzer unserer Gegend wollen durchaus an dem Reblaus- gesetz festgehalten wissen, wir sind mit dem jetzigen AuSrottungs- verfahren der ReblauS gut gefahren. Wir wünschen aber, daß größere Versuche mit dem Anbau der Amerikanerrebe gemacht werden. Abg. Dr. Paasche(natl.): An dem ReblauSgesetz wollen auch wir festhalten, aber soweit irgend möglich, wollen wir den Wünschen der Winzer, deren Besitz von der Reblaus verheert wird, entgegenkommen. Eine einheitliche Handhabung des Gesetzes ist gewiß wünschenswert; doch find die Wünsche der Winzer auf mildere Handhabung des Gesetzes gerecht- fertigt. Die Diskussion schließt. Der Titel wird angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr(Handhabung des Vereinsrechts). Schluß 6 Uhr._____ Jugenöbewegung. Wie die Gegner auf das Verciusgesetz pfeife». Der§ 17 des Reichsvereinsgesctzes. der Jugendlichen unter 18 Jahren die Teilnahme an politischen Vereinen und Versammlungen verbietet, existiert für die gesamte bürgerliche Jugendbewegung be- kannilich nicht. Täglich übertreten uniere Gegner mit klarem Bewußtsein das VereinSgesetz und zwar unter den Augen der Aufsichlsorgdne. Vvn der großen �ahl konkreter Fälle seien aus letzter Zeit nur zwei typische Beispiele von verschiedenen Lagern mitteilt. Die„Nationale Arbeiterjugend", ein Kopfblatt der„Jung- deutschlandpost" und Organ der gelben Jugendbewegung im Rhein- land berichtet, daß auf einer Konferenz der gelben Jugendleiter und Helfer, die am 11. Dezember in Essen abgehalten wurde, ein Dr. Arnold einen Vortrag über„Die sozialdemokratische Jugendbewegung" gehalten hat. Aus dem Thema geht deutlich hervor, daß der Vortrag einen politischen Inhalt hallo und auch haben sollte. Die„Präsides- Korrespondenz", Zeitschrift für da? katholische soziale Vereinswesen, herausgegeben von dem katholischen Genera- lrssimuS Dr. August Pieper, bringt in ihrer Nummer 12 vom vorigen Jahre das Winterprogramm einer Jünglingskongrcgatio», das für DienStag, den 10. Februar 1914 einen Vortrag über„Wie hast du als deutscher und christlicher Jüngling über die Sozialdemokratie zu urteilen? Redner: Herr Stadtverord- neter Kloft, Esscn-Rubr, vorsiebt. Derartige offenkundige politische Jugendveranstaltungen dürfen unsere Gegner in voller Oeffentlichkeit abhalten, ohne sich der Gefahr einer Bestrafung auszusetzen. Und obwohl fast alle bürgerlichen Jugendvereine politische Tendenzen verfolgen, also den Strargesetzeir zuwiderlausen, werden sie dennoch von allen staatlichen Organen kräftig unterstützt. Aber zur Knebelung der Bildungsbestrebungen der proletarischen Jugend findet die mißbräuchliche Anwendung des Z 17 keine Grenzen. Die„Arbeiter-Jugend" im Urteile der Gegner. Die Arbeiter-Jugendbewegung wird von den Gegnern fortgesetzt mit grimmigem Haß verfolgt und nach Reichsverbandsmanier ver« unglrmpst. Dabei spielt das Buch des cvangeliichcn Pfarrers Jllgen- stein eine große Rolle. In dieser Reichsverbandsfibel wird ein Zerrbild gegeben von der Bewegung des jungen Proletariats, von dessen Wesen und Streben. Wie aber ehrliche Gegner, die durch eigenes Studium die Arbeiter-Jugendbewegung kennen zu lernen sich bemühte», über sie denken, zeigt das Urteil des Pastors Johannes Herz- Chemnitz in einer Diözesanversammlung, also einer Konferenz von Sachverständigen, worüber der. I ü n g li n g s- P e r e i n die Monaisichriit für die Leiter evangelischer Jünglingsvereine, iir seiner Januar Nummer berichtet. Pastor Herz empfahl den Ver- tretern der Krrchengemeinden unsere Werbearbeit zur Racheiferung, beklagte weiter das Fehlen einer geeigneten, wirklich packenden bürgerlichen Feilschrift, und urteilte über den literarischen Wert unserer„Arbeiler-Jugend" folgendermaßen: „In wieviel günstigerer Lage ist da wieder die Sozialdemo- kratie, die in ihrer„Arbeiter-Jngend" sich für die Mitglieder ihrer Jugendvereine ein Organ geschaffen hat, das zwar vom einseitigsten Klasienstandpunkt aus geschrieben ist und an Verhetzung osl Un- erträgliches leistet, dabei aber— wie verschiedene Leiter kirch- licher Jugendvereine, die da? Blatt lesen, mir wiederholt bezeugt haben und wie ich selber aus Grund eigener Lektüre bestätigen muß, geradezu glänzend redigiert wird, in seinen wissenschaftlichen Artikeln meist Vortreffliches bietet, in seinem belletristischen Teil selbst hohen Anforderungen gerecht zu werden vermag und mit seinem energischen Kampf gegen Alkohol- und Tabakgenuß, Schundliteratur und Äinematogräphenunwesen zweifellos manches Gute stiftet." Wenn wieder irgendein Gegner mit der Jllgensteinschen Fibel die freie Jugendbewegung verleumdet, sollte man ihm da» in fach- verständigen Kreisen abgegebene sachverständige Urteil des Pastors Herz gründlich unter die Nase reiben.____ Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW.