Nr. 36. Bbonnements-Bcdingunätn: Abonnement»• Preis pränumerando! «ierteljährl. SLV M!, monatl. 1,l0 Mk, wöchentlich W Pfo frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg� Sonntags. nummer mit Mustrierter Sonntags. Beilage«Die Neue Well" 10 Psg. Post. Abonnement: UV Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeltungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deullchland und Oesterreich. Ungarn ZSO Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonncmcnts nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Auniänien. Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. Crffteint Isglich. Verlinev Volksblctkt. �entralorgan cler tozxaldemoUv&titchcn partd Dcutfcblands. Die Insertion;-Ledilhi' Bcirägt für die sechsgcspaltcne Kolonel. zcile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine zsnreigen", das settgedruekte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fetlgcdruckte Worte), jedes weitere Wart 10 Psg. 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Wie die westlichen Vorort- gemeinden als Wohnsitzgemeinden Berlin von Jahr zu Jahr mehr steuerkräftige Bürger abnehmen, so suchen insbesondere die östlichen Vororte, die mit ihren kommunalen Werken zum Teil glänzend reüssieren, durch günstige Tarife die Industrie aus Berlin heraus und in ihr Weichbild zu ziehen. Es ist klar, daß, wenn Berlin allein über die Elektrizitätswerke ver- fügt, es nicht nur schneller allen Tarifbedürfnissen entgegen» kommen kann, sondern auch finanziell besser imstande ist, die Tarife günstig zu gestalten, als wenn es durch Vertrag an einen anderen Kontrahenten gekettet ist und diesem einen Teil der Gewinne abzugeben hat. Bei tatkräftigem Vorgehen Berlins auf diesem Gebiete, auf dem es zunächst noch gegen- über allen anderen Vororten ein so ungeheures Uebergewicht hat, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Vororte dazu ge- zlvungcn Vierden, mit Berlin eine Tarifgemeinschaft cinzu- gehen. Bckannllich sind die Riesenbetriebe der städtischen Gaswerke in der Lage, das Gas zu einem Preise abzugeben, mit dem kleinere Anstalten nicht konkurrieren können. Die städtischen Gaswerke versorgen bereits in einem Um- kreis bis zu 4t) Kilonieter etwa 30 Ortschaften mit Gas und das städtische Absatzgebiet würde noch weit größer sein, wenn inan nicht, wiederum wegen der Zersplitterung Groß-Berlins, eine weitere Ausdehnung durch zum großen Teil schikanöse Vervxiltungsniaßregeln bezüglich der Verlegung der Rohr- lcitungen stetig zu verhindern suchen würde. In gleicher Weise, wie die Berliner Gaswerke den kleineren ähnlichen Anstalten überlegen sind, wird das auch mit einem kommu- nalen Berliner Elektrizitätsioerke der Fall sein. Gerade auch der Umstand, daß. Berlin loenigstens einen Teil seines Weichbildes selbst mit Gas versorgt, spricht ferner für die Verstadtlichung der Elektrizitätswerke. So tapfer im allgemeinen die Gaswerke im Wettstreit mit der Elektrizität sich bisher gehalten haben, so ist dcxlj anzunehmen, daß schließlich die Elektrizität Siegerin bleiben wird. Während im letzten Jahrzehnt sich die Gasabgabe um zirka 7ö Proz. ver- mehrt bat, nahm die Elektrizitätsabgabe um 160 Priw. zu. Jeder kluge Kaufinann wird nun eine Konkurrenz, die er nicht mehr ausschließen kann, lieber doch sich selber machen, als sich durch Dritte machen lassen. Auch werden nur dann, wenn Gas- und Elektrizitätserzeugung in einer Hand ruhen, bei der Wahl zwischen Gas und Elektrizität lediglich sachliche Momente, d. h. beste und zweckmäßigste Befriedigung des vor- handenen Bedürfnisses, und nicht Rücksichten auf die Kon- kurrenz ausschlaggebend sein. Die Uebernahme in eigene Regie gibt ferner die einzige Möglichkeit, einen Schnitt durch die Versitzung mit der A. E. G. zu inachen. Nicht nur kommt hier das Recht der A. E. G. in Betracht, zu Lasten der B. E. W. die Hälfte aller neuen Aktien zum Pari-Kurse zu erhalten— ein Recht, das der A. E. G. Millionen und Abermillionen eingebracht hat—, nicht nur haben die B. E. W. vertragsmäßig einen großen Teil der Verwaltungskosten der A. E. G. zu tragen,— tueit wichtiger ist noch die Verpflichtung der B. E. W., alle Ma- schinen usw. von der A. E. G. zu beziehen. Wieviele Mil- lionen auf diese Weise aus Gewinnen, die durch die B. E. W. erzielt wurden, an die A. E. G. abgeflossen sind, wird nie- mals mit einiger Sicherheit festzustellen sein. Wird dieser Sckjnitt gemacht, so braucht man nicht, wie dies von den Geg- nern der Uebernahine angeblich geschieht, die A. E. G. und ihre Konkurrenz zu fürchten. Im Gegenteil, die Stadt- gemeinde im Besitz der Elektrizitätswerke ist für die A. E. G. ein so guter und kaufkräftiger Kunde, daß die Herren der A. E. G., tüchtige Kaufleute wie sie sind, sicherlich alles tun werden, um sich das Wohlwollen eines solchen Kunden zu er- werben und zu erhalten. Nun wird von den Gegnern der Verstadtlichung versucht, weiteren Kreisen mit der Behauptung gruselig zu machen, die A. E. G. würde im Braunkohlcngcbiet bei Bitterfcld ein Fernkraftwerk errichten und dort den Strom weit billiger herstellen, als Berlin das in den teuer erworbenen B.-E.-W.-Zentralen tun könnte. Bei der Knappheit des zur Verfügung stehenden Raumes ist es unmöglich, auf diese Be- hauptuug ini einzelnen einzugehen, wie überhaupt das der großen Zahl strittiger Fragen hier nur die wesentlichsten herausgehoben werden konnten. Bemerkt sei hier nur, daß nach übereinstimmender Auffassung hervorragender Techniker die A. E. G. bezüglich der Errichtung einer Fernkraftzentrale zwar durchaus von Berlin abhängig ist, keineswegs aber Berlin von der A. E. G. Mit der Versorgung von Berlin steht und fällt jedes Werk im Braunkohlenrevier. Das wird klar, wenn man bedenkt, daß die B. E. W. heute schon% bis 4/h der Gefamtabgabe in Groß-Berlin liefern, und nur der große Berliner' Konsum ist es, der niedrige Herstellungskosten er- Möglicht.— Kluge Taktiker, wie die Herren der A. E. G. und ihre Freunde in den städtischen Körperschaften sind, bauen sie bei- zeiten vor. Nach dem Grundsatz, daß die Hälfte besser ist als gar nichts, machen sie bereits in der Oeffentlichkeit Stimmung dafür, daß, wenn eine Erneuerung des Vertrages gar nicht durchzudrücken ist, an Stelle der Verstadtlichung eine gemischt- wirtschatfliche Unternehmung nach den Vorschlägen des Mi- nisterialdirektors Freund treten müsse, wobei man dann gnädigst der Stadt eine geringe Stimineumchrhcit in der Generalversammlung einräumen wolle. Wie oben erwähnt, tverden zurzeit bereits viele Hunderte von kommunalen Elek- trizitätswerken durch städtische Beamte geleitet. Es liegt also auch nicht e i n erfindlicher Grund vor, die Berliner elek- irischen Werke durch private Unternehmer leiten zu lassen, wie es Sinn und Zweck der gemischt-wirtschaftlichen Unternehmung ist. Die Gefahr dagegen ist riesengroß, daß auch bei der ge- mischt-wirtschaftlichen Unternehmung mit Stimmenmehrheit für die Kommune letztere keinen Einfluß gelvinnt und voll- kommen im Schlepptau des Unternehmertums verbleibt. Die eigentliche Leitung nach der wirtschaftlichen und technischen Seite liegt naturgemäß beim Vorstand des Unternehmens und die Vorstandsmitglieder, die alle Fäden in ihrer Hand ver- einigen, müßten doch dumme Kerle sein, wenn es ihnen nicht bald gelänge, die ganze Politik des Unternehmens durch die Summe der Einzelentscheidungcn/ die nur bei ihnen liegen, in geradezu entscheidender Weise zu beeinflussen. Auf eine derartig schwankende Brücke zu treten, liegt jedenfalls sür die Sozialdemokratie nicht der geringste Anlaß vor. Was die sonst noch in der Oeffentlichkeit vorgebrachten Einwendungen gegen die Verstadtlichung betrifft, so genügt es, die wesentlichsten hier anzuführen. Jede Erwiderung er- llbrigt sich. Verhinderung der freien Betätigungsmöglichkeit führender Privatunternehmer! Vermehrung des Heeres der städtischen Beamten und Angestellten!„Es liegt ja leider in unserem Zeitgeist die betrübende Tendenz, daß alles zur Staat- und Stadt-Krippe sich drängt, alles erstrebt eine Pen- sionsberechtigte Versorgung! Wir nähern uns Schritt für Schritt dem großen Bcamtenstaat und damit dem erstrebten Zukunftsstaat der Sozialdemokratie, in dem der einzelne seine freie Eigenart, seine persönliche Freiheit der Allgemeinheit zu Liebe zu Grabe tragen muß. Was entsteht' da in der Zukunft für ein traurig Geschlecht, weim alle Vorzüge indi- viduellen Lebens verschwunden sind. Taruni muß gegen die Kommunalisierung großer Betriebe energischster Widerspruch erhoben tverden." Solcher Art sind die Deklamationen für die Entscheidung der einfachen Frage, ob die Berliner Elektrischen Werke wie in vielen Hunderten anderer Städte fortan durch die Stadt zu- gunsten der Allgemeinheit oder durch eine mächtige Aktien- gescllschaft zugunsten ihrer Aktionäre betrieben werden sollen! Kann es eine bessere Begründung für unser Verhalten geben? Im Interesse unserer engeren Stadtgemeinde wird die sozialdemokratische Fraktion in dieser wichtigsten Angelegen- heit, die die städtischen Behörden seit langem zu entscheiden hatten, mit aller verfügbaren Kraft unsere Anschauung zum Durchbruch zu bringen suchen. Sie weiß sich dabei eins mit den Anschauungen der übergroßen Mehrzahl der Berliner Bürger, weit über den Kreis unserer politischen Anhänger hinaus. Gelingt es wiederum nicht, den privatkapitalistischen Interessen einen Damm entgegenzustellen, so haben wir als Politiker und Agitatoren unseren Gegnern zu danken. Einen bessereu Agitationsstoff für die Zukunft können wir uns nicht wünschen. Tie Ernte, die aus solcher Saat unserer Gegner sproßt, werden wir in die Scheuer bringen! vas„liberale" Vereinsgesetz. Das schleible Gewissen hat gestern im Reichstage dem Redner der Nationalliberalen Dr. I u n ck und dem Dr. Müller« Meiningen von der Fortschrittlichen Volkspartci einen schlechten Streich gespielt: ES verleitete sie, bei Beginn der Sitzung ein Lob- lied auf das RcichSvereinSgesetz anzustinnnen und mit Stolz daran zu erinnern, daß auch sie in der Zeit der berühmten Paarung des Karpfen mit dem Kaninchen zu den Bätern dieses Gesetzes gehörten. Freilich sind die vielen unerhörten Verstöße gegen die Bereinsfreiheit diesen Herren mehr oder weniger unangenehm. Aber nach dem Beispiel, das ihnen am Tage vorher der Regierungsvertreler gegeben hat, wollten sie die unbeguemen Tatsachen mit dem Tröste abtun, daß oie Zahl der Verstöße immer geringer werde. Ueberdies, so rief Herr Dr. Müller aus, ist an den Verstößen einzig und allein der Mißbrauch des schönen Gesetzes durch einen Teil der Behörden schuld. Daher dürfe an dem Gesetze nicht gerüttelt werden. Die Anträge auf Aenderung des Gesetzes erklärte der Herr mil der Wichtigkeit, die— die er sich beilegt, für zwecklos, für eine leere Demonstration. Dieser blinde Eifer ist den„liberalen" Herren sehr schlecht be- kommen. Alle folgenden Redner: Genosse Dr. Landsberg, der Elsaß-Lothringer D e l s 0 r. der Däne Hansse n, Gröber vom Zenirum, die Polen v. T r a m p c z y n s k i und Fürst R a d z i w i l l, ja selbst der Welfe V. M e d i n g: sie alle beriefen sich auf eine schier endlose Reihe von Verstößen gegen eine wirkliche Ver- sammlungsfreiheit. Außerdem hielt unser Redner den Herren Dr. Junck und Müller mit Recht vor, daß die Liberalen wahrlich gar keinen Grund haben, so stolz auf ihr Reichsvcreinsgesetz zu sein. Die Herren wußten bereits im Jahre 1SlZ6, mit was sür Behörden wir in Preußen, Sachsen usw. zu rechnen haben. Die Sozialdemokraten hatten sie überdies damals ausdrücklich daraus hingewiesen und sie dringend vor der Annahme des Sprachenparagraphen und der Bc- stimmungen gegen die Jugend gewarnt. Trotzdem haben die Libe- ralen diese Bestimmungen in das Gesetz gebracht und dadurch Zu- stände ermöglicht, die alles andere, nur nicht liberal sind. Abg. Gröber wies mit überlegenem Spott die Wichtigtucrci des Abg. Müller zurück. Er führte ihm zuerst in längerer Rede, dann in kurzen persönlichen Bemerkungen zu Gcmüte, wie unfähig sich die Liberalen gezeigt haben, ein wirklich liberales VeerinSgesetz zu schassen. Das Schlimmste jedoch erlebten die Liberalen von dem Rc- gierungsvertreter, Ministerialdirektor Dr. L c w a I d. Ter Herr benutzte die Gelegenheit, um eine ganz engherzige Auslegung de» Vereinsgesetzes zu rechtfertigen, die, wie Herr Dr. Müller ver- sichert hatte, im Widerspruch steht mit der Absicht der Liberalen bei ihrer Zustinimung zu dem Gesetz. So mußte der unglückliche Vater sehen, wie sein liebstes Kind unter der Pflege der Ver- waltungsbchörden und Gerichte entartet ist. Darob jammerte er ganz gewaltig und dabei entschlüpfte ihm sogar das Eingeständnis, daß unter diesen Umständen eine Aenderung des Gesetzes notwendig sei. Das tat er in demselben Atemzuge, in dem er die Parteien, die Acnderungsanträge gestellt haben, noch einmal abkanzelte, weil solche Anträge nicht angebracht seien, worüber die Mehrheit deF Reichstags mit der gebührenden Heiterkeit quittierte. Nach Beendigung der Aussprache über das Vereinsgesetz wurde dem Staatssekretär des Innern das Gehalt bewilligt und dann die Sitzung geschlossen Die Abstimmung über die Anträge zum Ver- einsgesetz sowie über einige Resolutionen findet morgen statt. Tann wird die zweite Lesung des Haushaltsplans für das Neichsamt dcS Innern fortgesetzt. Wider öie Klassenjustiz! Wieder einmal lvurde ain Donnerstag bei der Beratung des Justizetats die Rednertribüne zum Tribunal für unsere 5llassenjustiz. Hatte schon der fortschrittliche Redner Dr. K a n z 0 w, selbst ehemaliger Richter und Staatsanwalt, Klage wcgtzn der furchtbar hohen Strafen gegen streikende Arbeiter erhoben und gleich dem Abgeordneten Jtschert an dem parteiischen Vorgehen des Vorsitzenden im Falle Knittel scharfe Kritik üben müssen, so wurde die große Rede des Abgeordneten Liebknecht zu einer Generalabrechnung mit all den Elementen und Bestrebungen, die unsere Justiz znr dienstwilligen Helferin unserer Klassenjustiz erniedrigen. Mit beißendem Sarkasmus, aber auch mit hohem sittlichen Ernst, der das ganze Haus mehr als anderthalb Stunden lang in seinen Bann zwang, behandelte der sozialdemokratische Redner die furchtbare Tatsache, daß sich unsere Rechtsprechung je länger je weniger den politischen Einflüssen und dem sozialen ftlasseneinpfinden zu entziehen vermag. In dramatisch wir- kender Steigerung reihte er Fall an Fall, Symptom an Sym- ptoni, um zu dem Endergebnis zu kommen, daß die Klassen- justiz kein leerer Wahn ist und daß es neben der großen Zahl höchstachtbarer, ehrlich ringender preußischer Richter auch eine nicht geringe Zahl von Richtern gibt, denen politische und soziale Voreingenoinmenheit jedtzs gerechte Urteil trübt. Einleiteich verwies Genosse Liebknecht darauf, daß die Kriininalstatistik die erfreuliche Tatsache lehrt, daß die Kri- minalität nicht zu-, sondern abgenommen hat. Die Sta- tistik lehrte auch, daß die Kriminalität unter den Katholikeii höher ist als unter den Protestanten, am geringsten aber bei den Angehörigen sonstiger Rcligionsgeineinschaften und den Konfessionslosen. Er folgere daraus keineswegs, daß die katholische Religion eine Ursache der stärkeren Kriminali- tät sei, wohl aber, daß das Religionsbekenntnis für die Widerstandsfähigkeit gegen das Verbreche» völlig u n> erheblich sei. Nur die soziale Hebung der nichtbesitzendcn Klasse könne das Verbrechen mindern, die Sozialreform allein die Kriminalität wirksam bekämpfen.— Wenn man über die Weltfremdhcit der Richter klage, möge man sich nicht ein- bilden, durch Besichtigungen von Fabriken oder praktische Tätigkeit in Industrie und Landivirtschaft die Richter zu Universalgenies auszubilden. Das wichtigste für den Richter sei Rückgratfestigkeit und soziales.Verständnis, Respekt vor der Kompliziertheit des Lebens, und die Einsicht, daß die Rechtsprechung der Sachverständigen nicht entraten könne. Das gelte namentlich auch für das Gebiet der Kunst, wo eine abgeschmackte Sittlichkeitsschnüsfelei oft ein erschreckendes Banausentuni verrate.— Höchst bedauerlich sei, daß sich auch der nationalliberale Redner gegen die A u s d e h n u n g des Wiederaufnahmeverfahrens getvendat habe. An einem Einzelfalle, der Verurteilung der Wittve Hamm wegen Gattenmordes, legte der Redner die hohe Wahrsckjeinlichkeit dar, daß hier auf Grund der Ermittelungen eines höchst verdächtigen Polizeibeamten— eines Mannes, der jetzt an einem Ehemänneraustausch-Jnstitut beteiligt sein soll— ein verhängnisvoller Justizmord begangen worden sei, der nach den: inzwischen beigebrachten Revisionsmaterial der schleunigsten Nachprüfung bedürfe. Und was habe es mit dem soviel mißbrauchten Worte von der Unabhängigkeit der Richter auf sich? Seien nicht die Reserveoffizierseigenschaft des Richters und das Ordens- und Titelunwesen neben vielem anderen rinA schwere Gefahr für seine legendäre Unabhängigkeit? Und wenn, wie im Falle des Generals v. Pelet-Narbonne, dem Dienste für die MMarpartei die Beförderung auf dem Fuße folge, liege darin nicht das schwerste Korruptionsmoment? Sollkit da nicht moralisch Schwächere verlockt werden, zur Gnadensonnc aufzublicken, die da oben dem„Wohlverbalten" leuchte? Ja, man scheue nicht einmal davor zurück, die Un- abhängigkeit der Anwälte anzutasten. Was bei den numerus clausus herauskommen werde, sei jedem Kundigen sonnenklar. Könne man die Anwälte wegen politischer Dinge nicht maßregeln, so schikaniere man sie. Habe inan doch ihm selbst und mehreren anderen sozialdemokratischen Rechts- auwälten einen Substituten verweigert und damit die politisch mißliebigen Verteidiger materiell schwer geschädigt I Und sei es doch sogar vorgekomnien, daß Richter Klienten sozial- demokratischer Rechtsanwälte direkt vor ihrem Verteidiger ge- .warnt hätten. Als ein solcher Rechtsanwalt ein derartiges Vorgehen Mit Recht„hinterhältig und von Mangel an Mut zeugend" genannt habe, sei er dafür zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. So setzen Richter im Namen des Königs den Stempel unter Akte krassester Willkür und Vergewalii- gung. Brillant ironisierte Liebknecht dann die staatserhaltenden Herren, die der Sozialdemokratie das Recht zu einer Kritik an der Justiz absprächen. Habe sich doch die„P o st" herausgenommen, die Zeugen in Zabern und zwar besonders auch die als Zeugen vernommenen Staatsanwälte und Richte r des Meineides zu verdächtigen. Ja, habe nicht das Blatt des Führers der freikonservativen Partei von dem lluterstaatssekretär Petri behauptet, daß wahrend seiner Amts- tätigkcit die Rechtsprechung manchmal beeinflußt worden sei und daß die Verwandten PetriS zu Aem- tern und Würden gekommen seien? So schmutzige Unterstellungen gegenüber den Justizbehörden habe sich ein Sozialdemokrat niemals zuschulden kommen lassen. Und habe denn etwa Herr v. I a g o w nicht in das schwebende Ver- fahren durch die rücksichtsloseste Kritik eingegriffen? Da würden es sich auch die Sozialdemokraten nicht nehmen lassen, an der Justiz die gebührende Kritik zu üben, zumal wenn ein so typisches Beispiel eines politischen Prozesses vorläge, wie der Prozeß Knittel. Beiläufig: Was glaube man wohl, welche Strafe gegen einen Sozialdemokraten verhängt wor- den wäre, der sich an Stelle des Amtsrichters Knttt«l befunden haben würde! Jin Kölner P o l i z e i p r o z e ß sei der Redakteur Sollmann trotz eines niederschmetternden Wahrheitsbeweises und vblvohl er sich die höchsten Verdienste um die Aufdeckungen eines Korruptionssuinpses erworben habe, zu 500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Wie nehme sich dagegen die Bc- strafung des D i r e k t d r s E c c i u s wegen Anstiftung zu dem unerhörten Sptonagesystem der Kruppschen Bestechungs- sabrik in Berlin aus. Und wo blieben gar die Anklagen gegen die übrigen hohen Kruppbeamten. die der Beihilfe zur Be- stechung dringend verdächtig seien oder gar das offene Be« kenntnis ihrer Mitschuld abgelegt hätten! Nicht minder ungeheuerlich sei das Vorgehen der Staatsanwaltschaft in dem S i e in e n s- S ch u ck e r t° P r o z e ß gewesen. Habe nian doch im Interesse der großen Finna die Hauptbelastungsaktcn für die Tatsache der durch diese Firma verübten Bestechung sorgfältig in Privatschränke eingeschlossen und sogar dem Ver- teidiger vorenthalten. Statt neben dem Erpresser nun auch die Bestecher zu fassen, habe die Staatsanwaltschaft sogar einen der der Mitschuld verdächtigen Vertreter der Firma bei den Durchsuchungen mit hinzugezogen. Den Schlußstein der lückenlosen Beweisführung für das Aoshaiideirsein der Klassenjustiz bildete eine wuchtige Kenn- Zeichnung der S t r e i k s u st i z. Trotzdem Hunderte von Jalxren Gefängnis gegen Streikposten wegen minimalster Ver- gehen verhängt worden seien, sei der Minister des Innern am Werke, nut Hilfe der politischen Justiz das Streikposten- stehen zu verbieten. Und auf der anderen Seite jyeige die ungeheuer milde Behandlung der Hintzeschen Streikbrecher- gardisten, die Freisprechung des MördersBran- d c n b u r g, wie berechtigt das Mißtrauen der arbeitenden Bevölkerung zu unserer„objektiven" Justiz sei, deren Klassen- charakter'unlängst selbst von einem katholischen Arbeiter in einem christlichen Gewerkschaftsblatte unumwunden zugestan- den worden sei. Wolle die Rechtsprechung ernstlich ihres Amtes walten, so möge sie nicht einen Schutz f ü r Streikbrecher schaffen, sondern einen Schutz vor Streikbrechern. Und was hatte der Justizmimster Beseler Legen alle diese iurchtbaren Tatsachen vorzubringen? Soweit er sich nicht in Unterstellungen gefiel und Liebknecht Behauptungen in den Mund legte, die dieser niemals gemacht hatte, behalf er sich mit ein paar armseligen Redensarten. Sein Haupt- trumpf war der emphatische Ausruf, was denn beim 5trupp- Pro-eß herausgekommen sei? Im Verhältnis zu dem, was Liebknecht behauptet habe, sehr wenig, nichts! Und das wagte der Justizminister zu sagen trotz Liebknechts eingehen- der Darlegungen der Krupp-Skandalosa, trotz seiner Feststellung. daß sowohl die Kriegsgerichte als auch die Moabiter Strafkammer jedem Versuch, ernstlich in die Tiefe des Krupp- scheu Korruptionssystems hineinzuleuchten, hartnäckig wider- standen haben. Natürlich konnte der Herr Minister sich durch das Nachlalleir der kruppoffiziösen Vertuschungsphrasen den stürmischen Beifall der Nationalliberalen holen. Das Ver- trauen dieser Herren genießt unsere Rechtsprechung aller- dings. Aber das macht sie für das Volk mir um so bedenk- l icher. Um das Koalitionsrecht. Koalitiousrechtdebatte im sächsischen Landtag. Am Schluß der bis gegen Mitternacht dauernden Ver- Handlung über die wegen des StreikpostenstehenS und der Handhabung des Koalitionsrechts iin sächsischen Landtag ein- gebrachten Anträge erklärte der M i n i st e r d e s I n n e r n, Graf Vitzthum, in einer gegen den Genossen Stnder- mann gerichteten Bemerkung: Der Regierung sei lveder von einem besonderen, den Schutz der Arbeitswilligen betreffenden Abschnitt im Entwurf zum neuen Strafgesetz etwas bekannt, »och von einer Absicht der Verbündeten Regierungen, diesen Schutz zum Gegenstand eines besonderen gesetzgeberischen Vorgehens zu machen. Dem Wortlaut nach hat der Minister recht: Der Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch enthält, wie wir wiederholt dar- legten, keinen„besonderen Abschnitt über den Schutz der Arbeitswilligen", aber eine Reihe neuer Vorschriften, die die Anwendung des Koalitionsrechts mit enormen Strafen be- drohen. Wer fordert Arbeiterkuebelung? Bei der Hetze gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter mimt das Tcharsmacherium eine Schutzengelrolle. Es sucht den Anschein zu «lwecken, als ob es mit seiner Forderung hauptsächlich Arbeiter gegen TerroriSnmS schützen wolle, und Schutz gegen TerroriZmuS, den Arbeiterorganisationen ausüben, notwendig sei. Da sollte man meinen, daß von Arbeitern selbst die Forderung nach solchem Sckmtz erhoben würde. Sieht nian ab von Zwangsorganisationen der Arbeiter, die von den Unternehmern gegründet worden sind, von ihnen überwacht und dirigiert werden, dann gibt es keine Stimme aus Arbeiterkreisen, die das scharfmacherische Hetzertum zu seiner „Schützerrolle" legitimierte. Im Gegenteil: alle nicht unter der direkten Botmäßigkeit der Unternehmer stehenden Organisationen protestierten ganz energisch gegen all- auf eine Beschneidung des Koalitionsrechts gerichtete» Bestrebungen. Nicht nur die freien Ge- werkschaften stehe» in der Abwehr. Die christlichen Gewerkschaften schlössen sich ihnen an, desgleichen eine große Reihe der sog. natio- nalen Arbeitervereine: kaufmännische Organisationen nahmen dieselbe Haltung ein. sogar der große deutsche Werkmeisterverband fordert freies Koalitionsrecht, lehnt die Forderung der industriellen und agrarischen Arbeiterfeinde entschieden ab. Die Forderung nach dem sogenannten Arbeitswilligenschutz ging aus vom Zentralvcrband der Industriellen, dessen programmatische Forderung bekanntlich lautet: Zetschmettening der Gewerkschaften! Der Bund der Industriellen folgte den Spuren der Oberscharf- macher. Die meiswn Handelskammern, Handwerker- und GeiVerbe- kammern trotteten ebenfalls hinter den Kraut- und Schlotjunkern her. Die schönste Weihe bekam der Kreuzzug gegen das KoalitionS- recht vom„volkstümlichen" Hansabund. Er gab das Zeichen zum Zusammenschluß aller reaktionären Lüstlinge im„Kartell der schaffenden Stände." Das Treiben dieser Elemente genügte natürlich der deutschen NeichSregierung, um die Willfährigkeit zu bekunden, bei der Er- drosselung des Koalitionsrechts die verlangte Hausknechtsrolle zu übernehmen. Da die Reichsregierung nach der Pfeife der preußische» Regierung tanzt, ist diese selbstverständlich auch gegen eine Knebelung der Arbeiter. DaS hat sie ja auch hinlänglich deutlich im Abgeordnetenhause bewiesen. An einem Strange nnt der preußischen Regierung zieht die von den Konservativen beherrschte sächsische Re» gierung. Von den Regierungen der Bundesstaaten hat sich bisher nur die bayerische ablehnend ausgesprochen. Von den Parteien stehen die Konservativen und Nationalliberalen grundsätzlich auf dem Boden scharfmacherischer Attentatspläne. Da? Zentrum und die Volkspartei erkläre», sie würden das KoalitionS- recht nicht beschneiden lassen. Eine unbedinge Garantie dafür, daß sie nicht doch„verschärften Bestimmungen" angeblich gegen die Aus- wüchse des Koalitionsrechts zustimmen, bieten die Erklärungen jedoch noch nicht. Wie zuverlässig diese Parteien sind, wird ihr Verhalten zeigen. Jeder Angriff auf das Koalitionsrecht, ganz gleich unter welcher Maske er erfolgt, ivird mit absoluter Sicherheit nur die Sozial- dcmokratie in der Abwehr finden. Sie begnügt sich damit nicht, sondern sie geht auch zum Angriff vor und fordert Erweiterung und Sicherung des Koalitionsrechts. Wenn ihr das Zentrum und die Voltspartei dabei nicht folgen, dann beweisen sie dadurch, daß sie nur Scheinfreunde des Koalitionsrrchts sind. politische Ueberflcht. ftkst im Vertrauen seines Herrn. Der Kanzler der schlaflosen Nächte scheint einstweilen keiner Schlafpulver mehr zu benötigen. Die halbamtliche„Leipziger Zeitung" glaubt nämlich feststellen zu können, daß dem Reichskanzler Dr. v. Bethmann Holl weg die Absicht fernliege, als Statthalter nach dem Elsaß zu gehen. Das genannte Blatt teilt weiter mit, daß der Reichskanzler sich überhaupt nicht mit Rücktrittsgedanken trage; weder die inneren Verhältnisse noch die auswärtige Politik könnten ihm den Gedanken nahelegen, sich von seinem Amte zurückzuziehen. In Kreisen, die in der Lage sind, Beobachtungen zu machen, werde hervorgehoben, daß der Reichskanzler sich des vollen Ver- trauenS des Kaisers erfreue. Die Propheten, die ihm nur eine bestimmte Frist für seine amtliche Wirksamkeit gesetzt hätten, würden sehen, daß diese Frist vorübergehen werde. ohne daß ihre Voraussage sich bewahrheitet habe. Herr v. Bethmann Hollweg hat zwar von allen Seiten Miß- trauenSboten erhalten— vom Herrenhause, vom Abgeordnetenhause und vom Reichstag— aber er erfreut sich des Vertrauens des Kaisers und hält eS deshalb sür unnötig, mit einer Möbeltransport- firma in Verbindung zutrete». Zur Sicherheit freilich wird er künftig doppelt eifrig bemüht sein, sich auch das Vertrauen der Junker» kamarilla zurückzugewinnen. Denn ohne die Gnade der Heydebrand und Konsorten ist er vor einer plötzlichen Katastrophe keineswegs sicher. Aber Herr v. Bethmann Hollweg hat ja auch das Zeug dazu, sich bei diesen mächtigsten Herren seines Schicksals wieder in Gunst zu setzen!__ Der neueste Prinzenerzieher. Der Kronprinz hat sich zur EinführiMg in die Vertval- tungsgeschäfte als Mentor den konservativen Landtagsabge- ordneten Landrat v. Maitzahn erkoren. Die„National- Zeitung" bemerkt dazu: „Ehe er lv. Maltzahn) Landrat wurde, ist er sieben Jahre lang Rcgieruugsassessor in Kyritz gewesen, vorher war er Refc- rendar in Lüneburg. Sollte diese normale Beamtenlaufbahn irgendeine außergewöhnliche Gewähr dafür bieten, daß Herr v. Maltzahn hervorragende Kenntnisse in Dingen des„öffent- liehen Lebens" besitzt, in denen er, wie es heißt, den Kronprinzen unterweisen soll? Herr v. Maltzahn wird auch sein Abgeordneten- Mandat nicht niederlegen, also zu gleicher Zeit ein kon- servativer Partei mann und nächster Ratgeber des Erben der Krone sein. Wo und wie wird er bei dieser doppelten Eigenschaft die Grenze ziehen? Eine solche Ab- grenzung wird sich wohl überhaupt nur schwer treffen lassen und Herr v. Maltzahn dürfte auch kaum imstande sein, seine Natur zw verleugnen." Die Anschauungen, die der Kronprinz durch seinen Ver- kehr mit dein Vollblutjunker v. Oldenburg-Janu schau in sich aufgenommen, werden durch Herrn v. Maltzahn keine Erschütterung erfahren. In dieser Beziehung ist die Hohen- zollernpolitik wenigstens eine stetige. Und das Volk weiß wenigstens,»voran es ist._ Agrarier unter sich. DaS Kgl. Preußische LandeSökononiiekollegium begann gestern in Berlin seine tll. Tagung unter dem Vorsitz des Grafen Schwerin« Löwitz. Der Landwirtschaftsminister v. Sckorlemcr be- nutzte seine Begrüßungsrede, um sein schon hunderte Male gehörtes Lob auf unser« gegenwärtige Wirtschaftspolitik nochmals abzuleiern. Einiges Jnteresie boten die Verhandlungen über die Förderung des Wohnungsbaues auf dem Lande. Einzelne Heiß. sporne unter den Rednern leugneten überhaupt, daß eine Wohnungs- not auf dem Lande besteht, während andere Redner gerade die Notwendigkeit besserer Wohnungen zur Bekämpfung der Landflucht betonten. Aus Furcht davor, diese De- hatten könnten als Eingeständnis der Reformbedürftigkeit d»r ländlichen Arbsiterwohnungen genommen werden» einigte man sich schließlich dahin, von der Bedürfnisfrage abzusehen und nur— vom Staat die Beschaffung der Mittel zu fordern für die Fälle, wo man Wohnungsbauten für nötig halte. Der LandwirtschaftSininister beeilte sich denn auch zu erklären, daß er von einer Kominisston Direktiven über die Frage der Geldbeschaffung entgegennehmen wolle. Sehr charakteristisch ivar übrigens seine Bemerkung, daß es mit dem preußischen Wohnungsgesetz nicht so schlimm gemeint sei Und daß die Wohnungsverhältnisse aus dem Lande natürlich mit anderen Augen betrachtet werden würben als die in den Städten! Die gleiche Aengstlichkeit beobachtete die Tagung auch in der Erörterung der Arbeitslosigkeit. Nach einem Referat des Schrisistellers O st w a l d- Zehlendors über den Verein für soziale innere Lkolonisation— dessen Ausführungen uns in der Skepsis gegenüber diesen Plänen verstärkten— begründete Rittergutsbesitzer v. Klitzing einen Antrag, der sich u. a. f ü r die K tu d e r a r b e i t auf dem Lande, aber gegen die Fabrikarbeit Jugendlicher unter 17 Jahren erklärte. Daß der Rittergutsbesitzer die bekannten Ver« dächtigungen einer Arbeitslosenversicherung wiederholte, ist für eine agrarische Versammlung selbstverständlich. Aber schließlich fürchteten die Zuhörer auch hier die Oeffentlichkeit— ein Redner forderte sogar die Streichung des Wunsches nach vermehrter Kinderarbeit— und man begnügte sich mit der Kenntnisnahme des Reserals, ohne über die vorgelegten Anträge abzustimmen. Mandatsniederlegung. Der freikonservative Landrat Abg. v. Halem(Wahlkreis Schwetzs hat sein Mandat zum Reichstag niedergelegt. Dadurch ist er dem absolut sicheren Hinauswerfen zuvorgekommen und hat auch ver- hindert, daß der ungeheuerliche Wahlschwindel, dem er sein Mandat verdankte, im Reichstag zur Erörterung gelangen konnte, Herr v. Halem hat sein Mandat schon einmal niedergelegt im Septeniber 1912. Auch damals halte die Wahlprüfungskommiision das Mandat kassiert, weil nicht b. Halem, sondern in Wirklichkeit der Pole ge- wählt war. Bei der schleunigst vorgenommenen Ersatzwahl siegte v. Halem dadurch, daß man hunderte polnischer Wühler einfach aus den Wählerlisten strich. Der unternehmungslustige Landrat will nun zuin dritten Male kandidieren und wird diesmal hoffentlich nicht wieder in den Reichstag gewählt. Ein Rückzug der Strastburger Militärbehörde. Die Militärbehörde hat nach Straßburger Zeitungsmeldungen die BeleidigtingSklagen gegen diejenigen Zeitungen, die behaupteten, daß Leutnant v. Forstner die französische Fahne durch den bekannten rüpelhaften Ausdruck beleidigt habe, zurückgezogen. 22 Soldaten erklärten, daß der Leutnant die beleidigende Aeußerung getan habe, vier sagten aus, sie hätten nickits gehört. Unter solchen Umständen hielt die Militärbehörde einen Prozeß wegen Beleidigung ForstnerS für zu riskant, zumal die Zeitungen nicht vor das Pelet-Narbonnesche Kriegsgericht gekommen wären._ DaS Wahlergebnis in Offenburg-Kehl. Aus Baden wird uns geschrieben: Die am Dienstag im 7. Reichstag-WahlkreiS Offenburg-Ober- kirch-Kehl vollzogene Nachwahl hat unsere Partei— hier gibt cS nichts zu beschönigen— eine bittere Enttäuschung gebracht. Wäh» rend die Natioiialliberalen ihre Stimmenziffern von 8892 auf 9612 plus 659 und das Zentrum die Zahl seiner Stimmen von 11 61ö auf 12 259 plus 644 zu steigern vermochten, gingen wir von 3705 auf 3032, also um 073 Stimmen zurück. Die bürgcr« Itchen Parteien getvannen 1294Stimmen, Ivährend wir 673 Stimmen einbüßten. Unser Stimmenanteil beträgt 13Proz. gegen 15!� Prvz. im Jahre 1912. Wie»venig Ursache wir haben, mit dem Wahl» resultat auch vom Jahre 1912 zufrieden zu sein, lehrt die Tal- fache, ixffj 1808, also vor 14 Jahren, schon 13/4 Proz. der abgegebenen Stiminen auf unseren Kandidaten entfielen. Es ist also eine Täuschung, wenn man— wie das vielfach geschieht— annimmt, unsere Stimmenziffer sei im Jahre 1912 infolge der Wirkung der Reichsfinanzreform unnatürlich hoch gewesen und der Rückschlag daher ganz natürlich. Der weitere Einwand, daß die Partei, von der man»veiß, daß sie für eine Stichwahl nicht in Frage kommt, bei einer Nachwahl imnier schlecht abzuschneiden pflegt, weil die Stimmenzählung nicht die Bedeutung hat, wie bei allgemeinen Wahlen, verdient schon eher Beachtung. Richtig ist, daß die Nachwahlen gegenüber den allgemeinen Wahlen uns meist ungünstigere Resultate bringen. Aber in solchen Fällen haben die bürgerlichen Parteien auch immer an Stimmen eingebüßt. Aus es�em anderen Grunde hätte man nunmehr erwarten dürfen, daß wir unser Prozentanteil an den abgegebenen Stimmen be- Haupte» würden. Weil»vir bei der im Oktober v. I. stattgefunde» nen LandtagSivahl eine Schlappe erlitten haben, hätte man meinen sollen, daß unsere Genossen alles aufbieten werden, um die Scharte wieder auszuwetzen. Soweit sich jetzt das Schlachtfeld übersehen läßt, scheint unser Stimmenverlust nicht nur eine Folge der Wahlabslincnz früherer sozialdemokratischer Wähler zu sein, sondern es scheint, daß auch Ueöerläufc in das gegnerische Lager zu verzeichne» sind. Sobald die genauen Resultate aus den einzelnen Orten vorliegen, wird sich zeigen, wo der Hebel anzusetze» ist. Der Kandidatcnwechsel hat wahrscheinlich ebenfalls zum Etim- menrückgang. speziell in der Stadt Offenburg, Ivo»vir 167 Stim- men verloren, beigetragen. Hoch darf er aber umso weniger veranschlagt werden, als auch das Zentrum seinen Kandidaten gc» wechselt hatte. Illusionen der bürgerlichen Tozialreformer. Auch den ernster zu nehmenden bürgerlichen Sozialreformern fft die Ankündigung des Staatssekretärs Dr. Delbrück, daß in der sozialen Reform nunmehr eine Ruhepause eintreten muffe, einiger» maßen auf die" Nerven geschlagen, und einer ihrer Führer, der Professor F r a n ck e.»virft in der„Sozialen Praxis" die Frage auf, ob man denn wirklich die Absicht haben könne, das Signal„Das Ganze halt!" zu blasen. Er weist auf die ge- wältigen Aufgaben hin, die auf sozialpolitischeui Gebiete der Lösung harren, und kommt zu dem Ergebnis: „Gerade»veil der Umfang der sozialpolitischen Tätigkeit im Einklang stehen muß mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik, ist ein Stillstand in der Sozialreform ganz unmöglich, ja nicht ein- mal eine längere Pause ist iwnkbar: die Bedürfnisse des Tages, die quellenden Kräfte des Lebens erheischen gebieterisch ihre Fortsetzung, ihren Ausbau, die Lösung neuer großer Probleme." Ilm sich selbst Mut zu machen, zitiert Professor Ftancke die berühmte Botschaft Wilhelms I., verschiedene der Sozialreform günstige Aussprüche Wilhelms II. und eine Anzahl von Minister- Worten, und um so lvenigcr will er an den Stillstand glauben, als vor einiger Zeit der Reichskanzler in eigener Person ihm ge- schrieben hat:„Wir können nicht stark bleiben, ohne gesunde soziale EntWickelung." Diese mitteleuropäische Redensart des Philosophen von Hohen- finow, die sich würdig dein schönen Diktum von der stillstehenden Entivickelung anschließt, besagt wirklich nicht allzuviel, und et bewcist die Verlegenheit so gut»vie die Bescheidenheit der bürgec- lichen Sozialreformer, wenn sie ihre Hoffnung auf eine derartig inhaltarme und vieldeutige Phrase stützen. Aber selbst»ocnn Bethmann mehr gesagt hätte: was wollte das bedeute»? Dieser Mann der gottgewollten Abhängigkeiten macht schließlich doch nicht die Politik, von deren Wert und Zlotlvendigleit er innerlich überzeugt ist, sondern die, die ihm von den Mächtigen im Staate vor- geschrieben wird, und auch Professor Francke wird nicht in Abrede stellen wollen, daß das Kartell der schafsenden Stände heute wesent- lich einflußreicher ist als die Gesellschaft für Soziale Reform. Das bedeutet, daß der freundliche Zuspruch einiger Idealisten die Regierung nicht veranlassen kann, eine ziel- und zweckbewußte Sozialpolitik zu treiben. Wenn sie sich nicht mit Haut und Haaren den Scharfmachern verschreibt und gelegentlich wenigstens noch einige Ansätze zu Fortschritten macht, so ist das stärkste Motiv hierfür nach wie vor die Angst vor der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie. Gerade auch die von Herrn Francke rühmend hervorgehobenen Versuche, soziale Gesetze im Interesse der Angestellten zu machen, beweisen das. Deutlich steht diesem Flickwerk der Zweck an der Stirn geschrieben, die Angestellten vor der Gefahr der politischen und gewerkschaftlichen Radikali- sicrung zu bewahren, und nichts ist bezeichnender, als daß man auf eine einheitliche Angestelltenschutzgesetzgebung ver- zichtet und die Reformen hauptsächlich auf die Handels- angestellten zuschneidet. In den Kreisen der Kaufmanns- gchilfen gibt e» dank der geistigen Berloddcrung, die auf das Konto der großen HarmonieverbäNde zu schreiben ist, noch immer einen relativ starken Prozentsatz von gut„nationalen", anti- sozialistischen Elementen. Die sollen bei der bürgerlichen Stange gehalten und an dem Bctveten des Bodens der Gewerkschafts- bewegung gehindert werden. Deshalb macht man Gesetze zu ihren Gunsten, obwohl sie von allen Angestelltenkategorien sich schon heute verhältnismäßig des besten Rechtes erfreuen. Die Gesetze taugen zwar nichts, aber sie wirken doch auf die Dummen. Für die Techniker, die Bureaubeamten und andere Klassen zeigt man weit weniger Eiser, denn die sind zum guten Teil bereits so radikali- siert, daß sich mit Hilfe von ein paar nichtssagenden Novellen ihre Seelen, zu deutsch ihre Wählerstimmen, doch nicht mehr retten lassen. Ter Erfolg einer deutschen Ttrnfexpedition. Die Strafexpedition gegen den Häuptling Gabola von Nguku, in dessen Dorf am 12. Oktober Oberleutnant v. Raven getötet und Bezirksrichter Seger verwundet worden war, ist nach einer soeben aus Kamerun eingegangenen drahtlichen Meldung des Gouvernements nunmehr beendet. Der Häuptling ist, nachdem die Schutztruppc, unterstützt durch eine Abteilung der Polizei- truppe, unter Hauptmann v. Puttkamer am 18. Dezember ein Dauptdorf erobert hatte, geflohen. Durch sofortige Aufnahme der Verfolgung ist es gelungen, die Macht des unbotmäßigen Häuptlings, dessen die französische Regierung nicht hatte Herr werden können, vollständig zu brechen. Die Mörder des Ober- leutnants v. Raven sind gefallen. Alle Häuptlinge, die sich im Vertrauen auf die Macht des Häuptlings Gabola und ermutigt durch den Tod des Oberleutnants v. Raven der Aufstandsbewcgung angeschlossen hatten, haben um Frieden gebeten. Zwei Sozialdemokraten sechs Jahre unentdeckt im Schulvorstande. Der Wachsamkeit der preußischen Schulaufsichtsbehörden war eS entgangen, daß in der Gemeinde Nwderbonsfeld bei Bockum seit sechs Jahren zwei sozialdemokratische Gemeindevertreier dein Schul- Vorstande angehörten. Endlich ist durch einen Spürhund die Geiahr entdeckt und es sind dann durch den Ehrenamtmann Bröcker die er- forderlichen Voriehrungen getrosten worden. AlS die Wahlperiode der beiden Genossen König und Kohlmann ablief und beide von der Gemeindevertretung, die mit ihrer Täligkeit durchaus zufrieden war, erneut vorgeschlagen wurden, erklärte der Herr Amtmann, daß die Regierung die Wahl der beiden Vertreter wegen ihrer Eigenschaft als Sozialdemokraten beanstanden werde. Die bürgerlich» Mehrheit knickte natürlich automalisch zusammen und wählte zwei andere Ver- treter. ES ist also wieder alles in Ordnung. Verbot eines franzöfische» Vortrags in Strastburg. Vom Straßburger Bezirkspräsidium wurde ei» auf nächsten Freitag angesetzter französischer Vortrag, den der AuslandSredakleur der Pariser Zeitung„Le TcinpS" über den.Reichsverband, seine Vergangenheit und Zukunft" hallen wollte, ohne Angabe von Gründen verboten. „Man mnst jetzt aufs Ganze gehen!" Unter dieser Ueberschrift bringt die„Kölnische Volks- zeitung" eine bemerkenswerte Zuschrift aus Trier, in der es „Jetzt gilt es, nichts nur einige beschwichtigende Worte zu machen, sondern offen Stellung zu nehmen. Es muß zu einer offenen Abschüttelung der langjährigen Unruhestifter kommen, darum darf man fortan nicht mehr bloß der Presse es überlassen, gegen die Verwirrungen anzugehen, sondern es gilt, geschlossen gegen die gesamte integrale Wach- und Schlietzgesellschast vorzu- gehen, die in der Aussaat des Unfriedens, in der Verdächtigung und Verärgerung so vieler und in der indirekten Schädigung selbst der kirchlichen Autorität enormes geleistet hat. Die Katholiken Deutschlands tragen zu schwer an der Lage, wie sie durch die «chuld dieser Kreise geworden ist, als daß einige Worte des sanften Bedauerns und der Mahnung zur Geduld genügten. Es muß gehandelt werden." Wenn sich die Bachemiten mit diesen energischen Worten nur nicht wieder ins eigene Fleisch schneiden und die gleichen Liebenswürdigkeiten der Integralen und der sie stützenden Bischöfe heraufbeschwören! � Tic Stichwahl in Offenburg-Kchl. Die Stichwahl im ReichStagswahlkreiS Offenburg- Kehl ist auf den 12. Februar festgesetzt worden. Der schiestwütigc Major. Der Major a. D. Sckäfer in Zabern, der seit Jahren immer in Zivil in Zabern herumging, aber in den letzten Tagen wieder die Uniform anzog und außerdem von der Polizei einen Waffenschein haben wollte, um sich gegen die bösen Zaberner zu schützen, hat dem Vorstand des Zaberner Zivilkasinos jetzt eine Forderung auf Pistole» zugehen lassen, Eharakieristisch ist. daß dem Zivillasinö beinahe nur alldeutsche Herren angehöre»._ die zehn Verbannten. London, 4. Februar. stSig. See.)„Die Gewalttätigkeiten in Südafrika," erklärte uns ein englischer Genosse auf dem Parteitag der Arbeiterpartei in Glasgow,„haben mehr zur Aufklärung der Arbeiterklasse getan als SV Jahre Agitation." Dublin war der Auftakt; mit Südafrika setzt die Melodie ein. Es regnet Protestresolutionen von allen Arbeiterorganisationen. Und m!i Protesten läßt man es nicht bewenden. Kurz nach dem Bekannt- werden der letzten Freveltat der südafrikanischen Regierung fand in Nordwest-Durham eine Nachwahl statt. In dem Kreise kandidierte zum erstenmal ein Ardesterkandid«, der über 5000 Stimmen— fast ein Drittel der abgegebenen— auf sich ver» einigte. Alle Parteien mutzten zugeben, daß aus dieser gelvaltigen Absplitterung von der liberalen Partei die Proteste der Arbeiter sprachen, die den liberalen Statthalter der Union für die Schand- taten mitverantwortlich machten. Bald werden nun die Verbannten in England ankommen, wo ihnen eine herzliche Aufnahme sicher ist. Ob der Kapitän der„Umgeni", auf die die Arbeiterführer bei Nacht und Nebel geschafft worden sind, der Ankunft im Londoner Hafen mit gleicher Gemütsruhe entgegensieht, ist zweifelhaft» Solange er sich in den Gewässern der Union befand, konnte er sich sicher- fühlen; doch jetzt können ihn die englischen Gerichte wegen Men- schenraub belangen. Die Arbeiterpartei wird sich so bald als möglich mit den Verbannten telegraphisch in Verbindung setzen und das gerichtliche Nachspiel auf englischem Boden wird nicht aus- bleiben. Wenn man der kapitalistischen Presse glauben wollte, so sind die ausgewiesenen Arbeiterführer katilinarische Gestalten, berzwei- felte Menschen, die vom Bombenwerfen und Blutvergießen träu- men. Doch wie weit die Lügen, mit denen die Geldsackpresse ihre Berichte ausgeschmückt hat, von der Wahrheit entfernt sind, lehrt ein Artikel in dem„Daily Citizen", in dem W. W. S- die Charaktere und Schicksale der Verbannten schildert. Besonders emi pörend ist nach diesen Schilderungen das Verbrechen der südaftika- nischen Gewaltmenschen in bezug auf die beiden bekanntesten Arbeiterführer: Dr. Poutsma, den Sekretär der Eisenbahner, und B a i n, den Sekretär des Transvaaler Gewerkschastsbundes. Denn diese beiden„unerwünschten Bürger" hatten sich um das zweite Vaterland, das sie erkoren, besonders verdient gemacht. Dr. Poutsma, ein Mediziner, half den Buren im letzten Feld» zuge mit einem fliegenden Hospital, das er auf eigene Kosten ausrüstete. Bain, ein geborener Engländer, stand der Buren- republik treulich bei, als die englischen Truppen das Land für die Goldgrubenbesitzer eroberten. Er kämpfte in einem Johannes- burger Kommando, wurde gefangen genommen und nach Ceylon verbannt. Das ist der Dank Bothas, daß er nun die Leute, die einst Geld und Blut für ihn geopfert, ohne Verhör ans ihrer Heimat verjagt und sie mit einem Schlag zu Bettlern macht. Dr. Poutsma ist Holländer von Geburt, ein tüchtiger Arzt und Journa- list und spricht 5 Sprachen. An ihm verliert die südafrikanische Arbeiterbewegung einen ihrer hervorragendsten Köpfe. Bain war der Vater der Bewegung, die Seele der vorwärtsstrebenden Ar- beiterbewegung der Union, ein ruhiger und besonnener Redner. Beide haben Frau und Kinder in Transvaal. Unter den Aus- gewiesenen befindet sich auch der Sekretär der südaftilanischen Ar- beiterpartei der Lokomotivführer, W a t e r st o n, der das Amt erst seit 1V Monaten bekleidet und im Juli des letzten Jahres nach der Niedermetzelung der Arbeiter der Regierung mannhaft entgegentrat. Er mußte seine Frau und 4 Kinder in Boksburg hinter sich lassen. Der verbannte Vorsitzende des Transvaaler Gewerkschaftsbundes, W a t s o n, ist ein Schotte von Geburt, ein glänzender Disknssions- redner, vorzüglicher Organisatior und grundgütiger Mensch. Er ist Schreiner von Beruf. Erst vor einigen Monaten lieh er seine Braut aus Schottland kommen und heiratete sie. Jetzt befindet sich die junge Frau mutterseelenallein im fremden Lande. Einer der Zehn ist McKerrell, em Bergarbeiterführer, der seiner Frau und 3 oder 4 Kindern entrissen worden ist. Er lebte schon unter der Republik im Lande. Man muh sich jetzt darauf gefaßt machen, daß eine„große Verschwörung" in Südafrika entdeckt wird. Die bisher bekannten Argumente, mit denen die Unionsregierung ihre Willkürherrschaft rechtfertigen wird, sind so lächerlich und unzureichend, daß selbst die reaktionärsten Blätter hier zu Lande ratlos dastehen und von Eni- hüllungen fabeln, mit denen die Unionsregierulg aufwarten werde. Eine derartige EntWickelung der Dinge scheint in dem Lügenland Südafrika die natürliche zu sein. Ein« entdeckte Verschwörung würde die Regierung über manche Schwierigkeiten hinweghelfen und die einfältigen Buren überzeugen, daß sie in Botha einen echten Staatsmann haben. Die Anklage brauchte ja auch nicht bewiesen zu werden; denn die Angeklagten sind nicht mehr da und man hat ihnen das Betreten des südafrikanischen Bodens verboten. Eine Antwort an Grep. Aus London wird uns geschrieben: Die Rede GrehS hatte den Zweck, die liberale Protestbewegung gegen die Flottenvermeh- ruirg zun, Schweigen zu bringen. Diesen Zweck wird sie Wohl kaum erreichen. Der„Manchester Guardian", da» führende Blatt der nordenglischen Industriellen, begleitet die Rede mit folgenden Randglossen: „Ist eS möglich, daß die Regierung noch nicht das Gewicht der Beschwerde begreift, die hinter den wiederholten Forderungen steht, daß die Regierung Schritte unternehme zur Abschaffung des Seebeuterechts in Kriegszeiten? Die Zeit ist gekommen für eine ganz offene Sprache in dieser Frage. Das Hauptargumcnt für die Rüstungen ist immer, daß sie nötig seien, um die See- handelswcge offenzuhalten. Unsere Klage ist diese: daß die Ad- m i r a l i t ä t, zu deren Hauptpflichten es gehört, diese Handels- straße in Äriegszeitcn offenzuhalten, hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich dafür verantwortlich ist, daß über- Haupt eine Gefahr ihrer Schließung besteht. Hätte die britische Admiralität nicht Widerstand geleistet, dann wäre heute nach Völkerrecht aller Handel mit Ausnahme von Konterbande frei. Es bestünde keine Gefahr der Unterbindung unserer Nahrungsmittel- oder Rohmaterialicnzufuhc, und wahr- scheinlich gäbe eS auch keine kommerzielle Blockade mehr. Der Krieg wäre ein Kampf zwischen Regierungen uno nicht ein Kampf zwischen Völkern, Kombattanten und Nichtkombattanten. Ter Konservativismus der Admiralität, mit dem sie auf der Aufrechterbaltung des Seebeuterechts besteht, ist für die Gefahren verantwortlich, die den Handel und die Nichtkombattanten in Kriegszeiten noch bedrohen. Nur die schwerwiegendsten Staats- gründe vermöchten eine solche Politik zu rechtfertigen. Aber die größte Schwierigkeit in dieser Sache hat immer darin gelegen, die Admiralität überhaupt zu einer Aeußerung über diesen Gegenstand zu bewegen. Solange dieses Stillschweigen fortdauert, bleibt uns nichts übrig, als die Admiralität als den groß- ten Feind der Sicherheit unseres Handels und der Wohlfahrt der Richtkombattanten in Kriegs- Zeiten zu betrachten. Wir erheben diese Beschuldigung im vollen Bewußtsein ihrer Schwere." Diese Antwort des führenden liberalen Organs auf Sir Edward GrehS Rede läßt sich hören. Die Ueberdrüssigkeit des englischen Volkes mit der maßlosen Rüstungspolitik ist, wie es scheint, nicht so leicht zum Schweigen zu bringen. Davon hatten wir gerade auch gestern einen Beweis in London. In der„Queens Hall" wurde eine große Protestversammlung gegen die Rüstungspolitik. an der hervorragende Redner aller Parteien und Klassen sprachen, abgehalten. Die energischste Rede hielt der Vertreter der I. L. P., Genosse W. C. Anderson. Seine Rede erfüllte die große Ver- sammlung mit solcher Begeisterung, daß sie mit Beifallskundgebun- gen nicht aufhören wallte, bis Anderson noch eine zweite Rede hielt. Mit einer energischen Propaganda kann man den Rüftungshctzern wenigstens in England noch das Handwerk legen- der Salkan. Kämpfe zwischen Griechen und Albaniern. Athen, 5. Februar. Aus Korttza wird aus authentischer Quelle gemeldet: Die zur Vertreibung der Albanescn entsandten Truppen rückten mit den Heiligen Bataillonen bis vor Bakus und Ochrida vor, die von albanesischen Banden besetzt waren. Nach heftigem Kampfe gelang es den Griechen, die A l b a n e s e n zurückzuschlagen, die hierbei große Verluste erlitten. Die Ortschaft Kessaraka im Aktionszentrum der Albanesen wurde von den Griechen bombardiert, worauf die Albanesen sich zu regel- loser Flucht wandten. Vier griechische Soldaten wurden verwun- det. Die Griechen setzten den Vormarsch fort, wobei sie das Gelände vmn Feinde säuberten. Die Heiligen Bataillone von Koritza kämpften tapfer an der Seite der griechischen Truppen. Meldungen aus Klissura besagen, daß sich beim Dorfe Zeppovo zwischen Albanesen und griechischen Truppen ein Kamps cnt- spönnen habe, dessen Ausgang unbekannt sei. Portugal. Arveiterdemonstration und Ministcrkrise. Lissabon, 4. Februar. Heute abend hat auf Veranlassung von Machado San tos eine Straßenkundgebuug stattgefunden. Eine große Menschenmenge, meist ans Ar- beitern bestehend, begab sich unter Vorantragung von Fackeln zum Palast des Präsidenten der Republik, um eine allgemeine A m n e st i e für die politischen Gefangenen und die Wiedercröffnungder Versammlungsorte der Arbeiterorganisationen zu fordern. Während der Kundgebungen begab sich eine Abordnung der Demonstranten in den Palast, um dem Präsidenten ihre Forderungen vorzutragen. Ter Präsident erklärte, daß er der Regierung die Wünsche der Abordnung mitteilen iverde, die, wie er annehme, dieWünschedesganzcnportu- giesischen Volkes seien. Die Demonstranten vor dem Palast brachen daraufhin in Beifallskundgebungen aus tind zerstreuten sich in voller Ordnung, wobei sie ab- wechselnd die Internationale und nationale Lieder sangen. Ter Präsident der Republik hat Bernardino Machado mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Machado hat den Auftrag angenommen. Japan. Die Siemens-Afsäre. Tokio, 4. Februar.(Meldung des Reuterschen Buroaus.) Die Beschuldigungen umfangreicher Bestechungen, die im Anschluß an den Prozeß Richter in Berlin gegen hohe Marineoffiziere und Beamte erhoben werden, haben ini Volke große Entrüstung hervorgerufen. Es sind zahlreiche Massenversammlungen abgehalten worden. Aber die Angaben sind alle unbestimmt, und in verantwortlichen Kreisen geht die allgemeine Tendenz dahin, init eincin Urteil zurückzuhalten, ausgenommen seitens eines Teiles der Oppo- sition, welche beständig der Regierung im Landtage zusetzt, indem sie unbewiesene(?) Anklagen gegen die Persönlichkeiten der ersten Minister vorbringt, und ebenso gegen Admirale, andere Offiziere, Vertreter der europäischen Firmen und den Korrespondenten des Reuterschen Bureaus. Die Polizei und der Staatsanwalt werden durch die Erregung des Volkes zu äußerster Tätigkeit angespornt. Der Tokioter V e r t r e- t e r der S i c m c n s- S ch u ck c r t- W e r k e, H e r r m a n n. ist jetzt ins Gefängnis gebracht worden. Das Er- gebnis der Voruntersuchung steht noch aus. Die hiesigen Ver« treter hervorragender auswärtiger Firmen haben heute.itzÄ Aufforderung erhalten, als Zeugen zu erscheinen. Der Mck» rineminister hat erklärt, daß die Untersuchung im Fort« schreiten sei und er weder hoch noch niedrig schonen iverde, doch habe er volles Vertrauen zu der Integrität der Marine im ganzen. Ucberdies ivächst beständig der Glaube, daß die Wahrheitnochnichtenthlllltsei, und daß die von Richter benutzten Briefe gefälscht gewesen sein könnten. Auch scheint es sicher zu sein, daß die Regierung gezwungen werden soll, den F l o t t c n e t a t und das Budget im all- gemeinen herabzusetzen. Die Bewegung iin Volke für eine Steuerherabsetzung und besonders für eine Ab- schaffung der Geschäftssteuer vermehrt noch die Verworren« heit der Lage.... Die vereinigten Oppositlosparteren� haben be- schlössen, aiil nächsten Sonnabend eine Resolution cinzn- bringen, durch welche der Regierung ein Mißtrauens- Votum ausgesprochen wird. Peru. Ein gelungener Putsch. New Aork, 5. Februar. Nach einer Depesche auS Lima ist der Präsident von Peru von den Aufständischen gefan- gen genommen worden, die unter dem Kommando des Bersten Bcnavides den Palast des Präsidenten angegriffer- Patten. Der Ministerpräsident und Kriegsminister Varcla ist in dem heftigen Kampfe, der auf die Eroberung des Palastes folgte, getötet worden. Dr. Auguste Durand, der frühere Führer der Revolutionäre, ist Herr des Palastes. ES heißt, daß er eine neue Regierung bilden wird. In der Stadt herrscht große Er- regung. Die Banken und Läden sind geschlossen. Präsident B i l l i n g h u r st ist als Gefangener nach Callao geschafft worden, um von dort außer Landes gebracht zu werden. Der Kongreß ist gestern abend zu einer außerordent- lichen Session zusammengetreten und hat beschlossen, eine Rcgierungskommission zu ernennen, welche die Geschäfte bis zu den nächsten Wahlen führen soll. Oberst Benavides ist zum Vorsitzenden dieser Kommission gewählt worden. Die Marine hat das neue Regime anerkannt. Letzte Nachrichten. Eine neue Friedenskonferenz. Washington, 5. Februar.(W. T. B.) Aus dem Weißen Hause wird mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten Einladungen zur Abhaltung einer dritten Friedenskonferenz im Haag im nächsten Jahre ergehen ließen. Wie verlautet, hat die Regie- rung auf Wunsch der Königin Wilhelmina diesen Schritt getan. Der Kampf gegen den Krebs. München, 5. Februar. Der Landtag genehmigte einstimmig den Betrag von 600 000 At. zur Anschaffung von radioaktiven Stoffen für die Kliniken der drei Landcsnniversitäten. Wien, 5. Februar. Die Erben des Großindustriellen Wittgen- stein haben der Oesterreichischcn KrebSgesellschast 600 000 Kronen überwiesen. Die Grundsteinlegung für daS Krebsinstitut m Wie» ist daher unmittelbar bevorstehend. vnserm SoCtgtft 814B Her in a» u Behnkc zu feinem 50. GebuetStage ein dreifach donnerndes Hoch l! I Die Schmiede der A.E.G.-Turb.-Fabr. Todes-Anzeigen üiUen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, der Brauereiarbeiter k�erdinsiid Dröse im Atter von 43 Jähret» ver- starben ist. 10621 Dies zeigt tiefbetrübt an Wwe. Ksn)Iine Dröse. Sozialdemokratiscber Wahlverein I. dl BerL Reichstags-Wahlkreis. Bezirk 600. Am Mittwoch, den 4. Februar, verstarb unser tIenofse, der Brauereiarbeiter f�-dmsnd Dröse f Graun ftr. 34). Ehre feinem Andenken: � Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 7. Februar, nach- mittags 31/, Uhr, von der Leichen- balle des Friedens-Kirchbofes in Nieder- Schönhaufen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 224/16 I>vr- Vorstand. Verband d. Brauerei- u. Miihlen- arbeiterü.verw.BeruIsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach. richt, daß mifer Kollege, der Mit- fahr« doli arm Rosinski Bockbrauerei, Abt. I, gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung erfolgt heute. nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle deS'Heiligkreuz-Kirch Hofes in Mariendorf, Eifenacher Straße 62, aus. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Den Mitgliedern diene zur Nach. richt, daß der Kollege, Flaschen- kellerarbeiter Ferdinand Dröse Bockbrauerei, Abt. II, gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr, auf dem Kirchhof der Friedens. gemeinde in Berlin- Nordend, Blankenfelder Straße 6, statt. � Rege Beteiligung erwartet 76 Die Ortsverwaltung. Tage lerlin ezierer Verband der Filiale Berl Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tapezierer Rudolf Voß nach langem Leiden am 2. Februar verstorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. ds. Mts., nach- mittags 3'/, Uhr, auf dem An- ftalts-Friedhof in Buch statt. Abfahrt 1,35 Uhr vom Stettiner Vorortbahnhof. 178/3 Die Verbandsleitung, Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Kollege, der Droschken- führer (Zustav Herbst am 4. d. MtS. im Lllter von 74 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. d. M.. nach- mittags S'/j Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 62/2 Die Bezirksverwaltung. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Arbeiter Georx Sczieleit am 2. d. Mts. im Alter von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Am Dienstag, den 2. Februar, verstarb unser Mitglied Hermann Maaß. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Freitag, den 6. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle | des Tegeler Friedhofes aus statt. Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht daß unser Mitglied, der Drcher dakob Hager gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Februar, nach- mittags 4>Z Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes iir der Müllerstraße, Ecke See- straße, aus statt. Ferner starb der Gürtler unser Mitglied, Paul Kappiscb. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Februar, nach- mittags 2 Ubr, von der Leichen- halle des Städtischen Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet 112/5 vi« ortsverwaltung. Allgenieine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. V.a. G.Hamturg. Filiale Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfer Genosse und lang- jähriges Verwaltungsmitglied Paul Kappisch am Mittwoch, den 4. Februar, plötzlich an Blutsturz gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Februar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leiwen- halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 815b Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschinisten u. Heizer sowie Berulsg. Deutsch!. Geschäftssteile GroB-Berlin. Bezirk Kalkberze. Am Dienstag, den 3. Februar, verstarb infoige eines Unglücksfalls unser Mitglied, Kollege Ricdard Hanke. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. d. M.,»ach- mittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Tasdorf, Vogelsdorfer Straße 1. aus statt. 1S3/2 Die Geschäftsstellenverwaltung. am Nach kurzer Krankheit starb am 3. d. Mts. unerwartet mein einziger lieber Sohn, Bruder. Schwager u. Onkel, der Korrektor Hermann Otto im 46. Lebensjahre, welches hiermit tiefbetrübt anzeigen stLw. Frederika Otto geb. Tabbert. Familie 9Iax lidimann. Neukölln, Kannerstr.3, b.5.2.14. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Simon- und Lukas-Gemeinde, Britz-Tempelhos (Haltestelle Südringbahn I), aus statt. 17/20 Heute früh 5>/. Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser treuer Vater, Schwiegervater, Großvater und Schwager, der Gastwirt TOdelm Bruhn im 53. Lebensjahre. In tiefer Trauer Friederike Bruhn weidemann. Cuvrystraße 7. Berlin, den 5. Februar 1014. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Kapelle des Thomas-Kirchhoses, Hermann« straße, aus statt. Den Freunden, früheren Berufs- lollegen und Parteigenossen meines Pflegevaters, deS Malers Heinrich Schippoidt zur Nachricht, daß dieser nach jahrelanger Invalidität und lan- gem Leiden im Alter von 68 Jahren am Mittwoch verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- abendnachmittag 4 Uhr auf dem Friedhof der Markusgemeinde in Wilhelmsberg statt. Ihrem Gatten: Ww. Berta Förster. In ehrerbietiger Erinnerung: sein Pflegefohn Franz Förster mit Frau, Breslau. OanknaKaaßr. Für die vielen Beweise herz- lichster Teilnahme bei der Be- erdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. 129A Frau Vilara Hildcbrandt, Kopenhagener Str. 64. Dr.Simmel Spezial-Arzt ir Haut- und Harnleiden. rinzenstr. 41, HdiÄ 10— 2. 5— 7. Sonntas-s 10— 12. Metallbetten, Holzrahmenmatratzen, Kinde rbetten billigst an Private. Katalog frefi Elsenmtibelfabrik.Suhli.ThDr. Das beste Familiengetränk ist Kathreiners Malzkaffee« Er ist gesund und kräftig, sehr wohlschmeckend und billig. Der Gehalt macht's! [äfenfsnwäjfPrni�llgp Man meide Nachahmungen! Zcntral-Vcrband der Töpler u. Berufscenossen Deutschlands. Filiale Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unfer Kollege �rtur Mtschke (Bezirk Osten) im Alter von 22 Jahren 31. Januar verstorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Februar, nach- mittags 4�/. Uhr, von der Leichen- Halle des Bartholomäus- Kirch. Hofes in Weißenfee. am Falken- berger Weg, aus statt. Is�/����Doi�ForstandL� öubalsol (Wz. Kaiserl. Patentamt gesetzl. geschützt) (Best: Kaw. Sant. Cub, Traf. Arach. Ol. emuls., Sal. Zn. carb. Tann. Aqu.) das langjährig bewährte Mittel gegen Gonorrhoe (AusRuss in frischen und ältesten Fällen beider Geschlecht). Die prompte Wirksamkeit erlaubt folgende Garantie: Bei Nichterfolg erfolgt gegen ärztl. Attest anstandslos Rückzahlung des Kaufpreises von 9.— Mk. Verlangen Sie kostenlos aufklärende Broschüre in verschlossenem Kuvert ohne Aufdruck mit zahlreichen Gutachten von Professoren und Aerzten sowie Hunderten Dankschreiben Geheilter, die bisher nirgends Heilung fanden, durch Dr. med. H. Seemann, Sommerfeld 15(Kreis Krossen a. Oder). Verkauf durch alle Apotheken. Versand u. stets vorrätig. Berlin: Luisenstädtische Apotheke, Köpenicker Str. 119, Kronen-Apoth., Friedrichstr. 160. Breslau: Kronen-Apotheke, Neue Schweidnitzer Str. 3. Dresden: Salomonis-Apotheke, Neumarkt 8. Köln a. Rh.: Apotheke z. goldn. Kopf, Schildersasse. Achten Sie im eigenen Interesse auf den Namen ,EUBALSOLm Besonders sei darauf auch aufmerksam gemacht, dass ,Eabalsolu absaht geruchlos und daher überall diskret ohne jede Beruf sslörung anwendbar ist. SL KV Pf In Drogerien u. fbotbel.'vo nicht. durch Otto Heichel, Berlin 43 Elienbaliattr. i, Hautleiden entstehen durch unreines Blut. können deshalb auch nur durch M- innere Behandlung gründlich u. dauernd geheilt werden. Ngutpillöu das beste hierfür. Jetzt bin ich in der Lage. Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre wundervoll heilende Medizin, die mich ' vollständig von dem fchauder- hafte» Hautleideu befreit hat, voll und ganz zu zollen. Gustav Sichting, Mücheln(Bez. Halle). Die paleutamtlchll,,,f»!llnn inBerlin geschützten uaUljllilCII u. allen Vororten in allen Apotheken zu haben. 3®� Versand nach auswärts durch Bismarck-Apotheke. Berlin. Vfraagel- sträBe 47. Postkarte genügt.* = Verwaltung Berlin.— Montag, den 9. Februar, abends 8l/3 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, großer Saal: = Versammlung= aller im Holzarbeiterverband organisierten Mitglieder der Jnnungskrankenkasse der Tischler Berlins. Tagesordnung: I.DieJnnungskrankcnkassc unter derReichsversicherungsordnung. 2. Aufstellung der Kandidatenliste für die Ausschußwahl. —— Mitgliedsbuch des Berbandes legitimiert. SW Einsetzer."W Sonntag, den Februar, vormittags 1V Uhr, in den bekannten Lokalen: Bezirks- Versammlung. Tagesordnung: Bericht der Bezirksleiter; Aussprache über die gegenwärtige Lage und Durchführung des neuen Tarifs; Verbands- und Branchenangelegenheiten. Jeder Kollege ist verpflichtet zu erscheinen.— 82/20 Ple Ortsverwaltnng. adftd auf diefks «tikrtt. Mtbtin öifr Willi Ernwt. Köpenicker Strafie 55 b, I. Amt Moritzplatz 11 314. Gr. Autwahl! Bill. Preit«! Vorzeiger dieser Annonce er- bält 10 Proz. Preisermäßigung. Ohne jede It f.ahtu,,! Keine Kassierer, kleine Rate» Bettwäsche. Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen, Stores, Stepp- u. and. Becken. MATZXEB,• Hufetandstraste Rr. 41. KerantW. Redalt.: Alfred Wirlepp, Neufölln. Lnferatentetl verantw.- TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerIagsanjmlt Paul SingerS: Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungAGz. Cabsk-Fabfiken J.(Soföfatb ptrass.Stoaati gegründet 1839.«■•«■•o Mac nisse d priser. goiit de Kowno. □-□»□♦□.□.□♦□♦□'□'□•□•□■□•ü-ckoci-a sas Tob ich mir Jüt'Üg, �challvoll, bcjiScamlid) Prawdziwa kabaka do zazywania„Kownoep� li>*k!l'0«D>D»n»D'D,D*P*0*DOO»D'D Dr. 36. 31. Iahrgiwg. 1 KilM des Jonüttf Knlim KlksdlM. Freitag. 6. Febrnar 19 Gewerkschaftliches. Ein prinzipieller Vorstoß öer italienischen Seeleute. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) Die jüngsten Kämpfe und Siege der italienischen See- maimschaften haben eine begreifliche Panik in den Kreisen der Schisfahrtskapitalisten hervorgerufen. Wenn nicht Angriff auf Angriff folgte, kann man sicher sein, daß die heutige prekäre Situation die Reeder verlassen würde, sich zu einer mächtigen Widerstandsorgauisition zusammenzuschließen. Dazu läßt aber das Vorgehen des Zentralverbandes keine Zeit. In zwei in kurzen Abständen folgenden Bewegungen sind die drei subventionierten Schiffahrtsgesellschaften zur Strecke gebracht und zur Annahme des Tarifvertrages gezwungen worden. Dann folgte der Lloyd Sabaudo, der, ohne es auf einen Streik ankommen zu lassen, nachgab; jetzt ist die Reihe an den anderen sechs großen Gesellschaften für den transatlantischen Per- fonenverkehr. Wann und wie hier der Angriff erfolgen wird, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls wird ihnen keine lange Gnadenfrist gewährt werden. Wie das Genueser„La- voro" berichtet, handelt es sich aber bei all diesen Kämpfen nur um Vorgefechte. Die Seemannschaften wollen sich vor- läufig, sowohl den Offizieren wie dem niedrigen Personal, menschenwürdige Arbeitsverhältnisse sichern. Wenn der Tarif- vertrag auf der ganzen Linie durchgesetzt ist, wird das Ver- walwngspersonal der Gesellschaften, das seine Wirksamkeit in den Bureaus entfaltet, eine Agitation beginnen. Aber über diese Kämpfe hinaus hat der Zentralverband der Seeleute seine Augen auf ein weit höheres Ziel gerichtet: er strebt danach, den Betrieb der Flotte selbst zu über- nehmen, indem er das gesamte Personal zu einer Koopera- tive zusammenschließt, die die Flotte vom Staat Pachtet, wie seinerzeit die Eisenbahngesellschaften die Eisenbahnen vom Staate gepachtet hatten. Heute ist nun freilich nicht der italienische Staat, sondern das private Kapital Besitzer der Handelsflotte. Die Seeleute wollen also darauf dringen, daß der Staat diese Flotte aufkauft. Sie erinnern dabei daran, daß bereits zwei Drittel des in der Flotte der subventionierten Gesellschaften investierten Kapitals dem Staate gehört, der diese zwei Drittel bei Gründung dieser Gesellschaften in der Form von Obligationen beigesteuert hat. Die Organisation der Seemannschaften stellt neben die einst von den Eisen- bahnern vertretene Forderung„die Eisenbahnen den Eisen- bahnern" die Formel„die Flotte den Seeleuten". Sie will dem Staat eine Kaution in der Höhe von mehreren Millionen stellen, ihm natrülich ausgiebige Kontrolle über die ganze Verwaltung sichern, will aber den Betrieb der Handelsflotte unter völliger Umgehung des privaten Unternehmerkapitals selbst führen. Das italienische Gesetz gibt den Arbeits- und Betriebs- genossenschaften bei Wettbewerben den Vorzug vor privaten Unternehmern. Das Bestreben� der Seeleute findet also in den Gesetzen und überhaupt in den Gepflogenheiten des Staates kein Hemmnis. Um so größer ist aber der Wider- stand, auf den es bei den Unternehmern selbst stoßen wird, welchem Widerstande natürlich der Staat als Ausdruck und Vertreter der Interessen der herrschenden Klassen in jeder Weise Hilfe leisten wird. Es handelt sich um«inen Kampf, der Jahre dauern kann. öerlin und Umgegend. Maßnahme» zugunsten der Opfer der Krise. In einer am Mittwoch abgehaltenen Vertrauens- männerversammlung des Holzarbeiterverbandes beleuchtete Glocke den Umfang der Krise, die mit besonderer Schwere auf der Holzindustrie lastet. Weiter zeigte der Redner, wie große Summen der Verband zur Unterstützung seiner arbeitslosen Mitglieder ausgegeben hat. Auch in anderen Gewerkschaften haben ungewöhnlich große Aufwendungen für die Arbeitslosen gemacht und damit eine Pflicht erfüllt, die eigentlich dem Staat und den Gemeinden obliegt, da die Opfer der Krise unter unverschuldeter Not leiden. Der Redner wies darauf hin, daß die Unternehmer und Scharfmacher die Zeit der Krise zu einem Borstoß gegen das Koalitionsrecht benutzen. Um derartigen Bestrebungen entgegen- zutreten, müssen sich die Arbeiter um so fester in ihren Organisa- tionen zusammenschließen. Um den ausgesteuerten arbeitslosen Mitgliedern zu helfen, hat der Verbandsvorstand einen Aufruf erlassen, der die in Arbeit stehenden Kollegen ersucht, freiwillige Sammlungen zur Unter- stützung der Ausgesteuerten zu veranstalten. In Ausführung dieses Aufrufs hat die Ortsverwaltung beschlossen, 25-Pf.-Marken heraus- zugeben, welche als Quittung für die freiwilligen Beiträge gelten. Es wird erwartet, daß jeder vollbeschäftigte Kollege wöchentlich wenigstens eine solche Marke kauft, damit den notleidenden Kollegen nach Möglichkeit geholfen werde.— Am 1. März tritt laut Tarif- vertrag eine Erhöhung der Akkordpreise um 3 Proz und der Stundenlöhne um 2 Pf. ein. Es ist darauf zu halten, daß diese Zulagen überall gewährt werden. Die Ortsverwaltung hat sich während der Krise mehrmals an den Obermeister R aHardt gewandt mit dem Ersuchen, über eine Verkürzung der Arbeitszeit bis auf ö Stunden zu verhandeln. Durch die verkürzte Arbeitszeit soll einem Teil der Arbeitslosen Beschäftigungsmöglichkeit geboten werden.— Lange hat der Ober- meister auf Antwort warten lassen. Kürzlich ist eine Antwort ein- getrosten. Sie besagt, die vereinigten Vorstände der Berliner Holzindustrie haben sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß sie sich auf derartige Verhandlungen, die eine Konzession nicht nur prinzipieller, sondern auch pekuniärer Art bedeutet, nur dann ein- jassen könnten, wenn auch die Arbeitnehmer Zugeständnisse auf einem anderen Gebiet machen. Den Verzicht auf die am 1. März vertragsmäßig eintretende Lohnerhöhung würden die Arbeitgeber als eine geeignete Kompensation ansehen. Dieses Verlangen wird damit zu rechtfertigen versucht, daß auch die Arbeitgeber unter der Krise zu leiden und bei verkürzter Arbeitszeit erhöhte Ausgaben für Versicherungsbeiträge zu leisten hätten. Auf dieses Schreiben— sagte Glocke— hat die Ortsverwaltung nicht geantwortet, weil es eine so starke Zumutung an die Arbeiter stellt, daß es eine Antwort nicht verdient. Bezeichnenderweise ist das Schriftstück nicht, wie sonst alle an den Verbalst» gerichteten Schreiben, vom Obermeister Rahardt, sondern von dem Syndikus des Arbeitgeberschutzverbandes, also e inem Angestellten, unter zeichnet. Obermeister Rahardt mag sich wohl geschämt haben, ein solches Ansinnen mit seinem Namen zu vertreten. Die Octsver. waltung steht auf dem Standpunkt, daß das Ansinnen rundweg abzulehnen ist.(Beifall.) Es ist in allen Betrieben streng darauf zu halten, daß die tarifmäßige Zulage vom 1. März ab un- bedingt gezahlt wird. Diesem Standpunkt trat die Versammlung ohne Diskussion einstimmig bei.— Ferner wurde eine Resolution einstimmig an- genommen, welche die Vertrauensmänner verpflichtet, in den Werk- stellen dahin zu wirken, daß sich die Kollegen in weitestem Matze an den freiwilligen Sammlungen beteiligen. Deutschnationale Agitationsmethoden. Die Agitalion zu den Beisitzenvahlen zum Berliner Kaufmanns- gericht ist gegenwärtig in bollern Gange. Besonders der den freie» Gewerkschaften angeschlossene Zentralverband der Handlungsgehilsen entfaltet eine äußerst regsame Agitation. Fiir den antisemitischen deutschnationalen Handlungsgehilfenvcrband steht dieses Mal etwas ganz Besonderes auf dem Spiel. Bei den Wahlen vor drei Jahren stieg die Beisitzerzahl des Zentralverbandes von 24 auf 40, während die Antisemiten sich mit 49 statt vorher 57 zufrieden geben mutzten. Jetzt befürchten sie, dem Zentralverband die erste Stelle abtreten zu müssen, und daher richten sich die Bc- schimpfungen, mit denen die Antisemiten den Wählkampf bestreiten. in erster Linie gegen den Zentrolverband. Nachdem eine Broschüre der Antisemiten, die so von offenbaren Lügen strotzte, daß sie bei den Berliner Handlungsgehilfen nur Lacherfolge erzieh hatte, den gewünschten Erfolg nicht erreichte, versuchten sie es wieder einmal mit dem„geistigen" Kampf, in dem die Antisemiten Meister sind. Es galt, die stark besuchten Versammlungen des Zentralver- bandes zu sprengen. Am 2. Februar machte man, wie wir schon mitteilten, den ersten Versuch, der aber vollständig vorbeigelang. Alles Johlen, Singen und Krachmachen konnte den beabfichtigten Zweck der Versammlungssprengung nicht erreichen, und nachdem das „geistige" Oberhaupt der Sprengkolonne, ein gewisser Thomas. des Saales verwiesen war. verließ mit ihm ein Häuflein von IVO bis 150 Getreuen den Saal, und die auch jetzt uoch stark besuchte Versammlung konnte in Ruhe zu Ende geführt werden. Diese erneute Blamage veranlatzte die antisemitischen HandlungS- gchilfen zum Einberufen einer Versammlung zum 4. Februar mit demThcma:„SozialdeinokratischeAngstmeier". Zu dieser Versammlung waren sowohl der Redner der Zentralverbandsversammlung. Genosse P e u s, wie die Führer des Zentralverbandes eingeladen. Die Ver- sammlung war, da der Zentralverband in einem Flugblatt aufgefordert hatte, die Versammlung nicht zu besuchen, nur von etloa 300 Gegnern der Antiseiniten besucht. Selbstverständlich dachten die Führer der Antisemiten gar nicht daran, dafür zu sorgen, daß die gegnerischen Redner zu Worte kamen. Sowie ein Redner sprach. erhob sich ein ohrenbetäubender Lärm, so daß der Redner sich nichr verständlich machen konnte. Bei diesem Benehmen ist es kein Wunder, daß der Tumult schließlich in eine Prügelei ausartete. Die Deutschnationalen hatten wieder einmal erreicht, was sie erreiche» wollten. Es ist aber kaum anzunehmen, daß sie durch diese „Heldentat" bei den Berliner Handlungsgehilfen irgendwie an Boden gewonnen haben, und man darf daher auf den Ausgang der Wahl, die am 15. Februar stattfindet, gespannt sein. Nochmals die Akkordpreise in der Bautischlerei von Ffranz Rachfall. Anläßlich unserer Ausführungen in Nr. 24 des„Vorwärts" haben wir von Herrn Franz Rachfall ein Schreiben erhalten, auf dessen tatsächliche Angaben wir noch einmal kurz eingehen wollen. obgleich uns das Pretzgesetz, auf das sich Herr Nachfall beruft, nicht dazu verpflichtet. Herr Rachfall behauptet, der Vertreter des Holzarbeiter- Verbandes, Herr F e ch n e r, habe mit Rücksicht auf die Exaktheit und Sauberkeit der Maschinenarbeit einen/ höheren Abzug als 45 Proz. für zulässig erklärt und vorgeschlagen, man möge sich auf 47—48 Proz. einigen.— Bei der Verhandlung, auf die sich Herr Rachfall bezieht, war der Streitfall zu schlichten, ob er mehr als 40 Proz. abziehen dürfe. Der Verbandsvertreter Fechner bestreitet nach wie vor, daß er einen Abzug von 47— 48 Proz. vorgeschlagen habe. Fechner konnte und durfte einen solchen Vorschlag ja gar nicht machen, denn der geltende Bautischlertarif bestimmt, daß, wenn alle möglichen Vorarbeiten geliefert werden, der Abzug hoch- stens 45 Proz. betragen darf. Darüber hinaus darf niemand gehen. Herr Rachfall beruft sich darauf, daß bei ihm die Akkordpreifo, vereinbart werden unter Zugrundelegung eines im Jahre 1905 zwischen ihm und seinen Gesellen vereinbarten Tarifs, der seit- dein einmal um 5 und einmal um 3 Proz. erhöht worden sei.— Eine derartige Preisfestsetzung ist nicht mehr statthaft. Maß- gebend ist nur der seit 1913 bestehende Allgemeine Bautischlertarif, kleines Zeuilleton. Nationale Sprachmimosen. Scharen wackerer Deutschen machen in Sprachreinigung. Sie treten zunächst dem Deutschen Sprachverein bei. der an und für sich sehr zu achten ist, richten olle 14 Tage ein„Eingesandt" an eine nationale Zeitung, in dem sie ihre Wut über ihren Nachbarn auslassen, der immer noch das französische „Adjeu" statt„Heil" als Abschiedsgruß benutzt und schwingen abends am Stammlisch drohende Bierreden unter Verwendung knatternder, säbelrasselitder Worte. Die Sprachreinigung ist wie jede andere Reinigung von er- frischender und verschönender Wirkung, und jeder vorurteilsfreie Mensch ist ihr Freund. Aber— wie lächerlich muten einem allzu oft die nationalen Sprachmimosen an. Ihre Wut entspringt nicht der heiligen Entrüstung über eine verschandelte schöne Sprache, sondern sie blähen sich auf unter Beteuerung alldeutscher Vaterlands- reite rci. Sie sagen nicht, daß es eines Deutschen nicht würdig sei, seine Sprache zu verunstalten durch Worte einer anderen mit anderem Klang, sondern sie betonen, ausgerechnet vom erbfeindlichen Lande Ausdrücke zu entlehnen, darüber müßte uns die Schamröte ins Gesicht steigen. Politisch bedeutsam erscheint ihnen die Sprach- reinigung.„Es ist ja gerade so, als ob wir(hui) international wären...!" Neulich habe ich solchermaßen entrüstete Teutsche bei zorniger Rede belauscht. Sie saßen um den teutscheichigen Bierlitch und der eine, die schlimmste Sprachmimose, schlug mit der Faust auf die Tischplatte. Es war ein Dichter(wer räuspert sich da?). Seine Stimme dröhnte:„In meinem neuesten Drama kommt kein einziges Fremdwort vor! Es heißt:„Adler und Kanone". Soviel trauten idm die anderen doch nicht zu. Sie wollten mit ihm weiten, daß sie doch einige Fremdwörter finden würden. „Gut, ick'c!' sagte der wohlbeleibte Dichter,„ich gebe französischen<.»v lasse mich nicht lumpen!!' Und olle»a. oaalen Sprachmimosen freuten fich königlich auf den echten französischen Champagner.., Ja, ja,— ivenn es sich um Leckerbissen für den feisten Wanst handelt, geht die teutsche Schranke in die Höhe. Es handelt fich da um dieselben Spießbürger, die auf die von ihnen heilig genannte Ehe manch wenig mimoienhaftes Sprichwort g-mflnst habe». Zum Beispiel:„Die Liebe des Mannes geht durch den Magen.." Ja, ja,— der Magen... Die Suche nach dem Schlagwctterwarner. Zu der von dem Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dort- mund ausgeschriebenen Preisbewerbung sür eine im Betriebe brauch- bare, mit zuverlässigem Wclleranzeigrr versehene elektrische Gruben- lampe, deren Einreichungstermin am 1. Oktober vorigen Jahre» ab- gelaufen war. sind, wie man jetzt, wohl unter dem Druck des jüngsten Grubenunglücks, mitzuteilen für geraten hält. 52 Be- Werbungen eingegangen, und zwar drei Welieranzeiger ohne Lampen und 49 eleltrische Lampen, teils mit. teils ohne Welter- anzeiger. Di« Prüfung bestand zunächst in einer vorwiegend wissem'chaftiichen Untersuchung, die sich auf Schlagwettersicherheit, Möglichkeit der Wetterkunde, Lichtstärke, Brenndauer, Konstruktion der Lampen usw. erstreckte, und der sich nun noch längere praktische Versuche im Grubenbetrieb selbst anschließen werden. Hoffentlich wird die Organisation dieser Prüfung keinem zeit- vergeudenden Bureaukratius anvertraut. Der Verein mit dem langen Namen hat allen Anlaß, jedes Schleppen zu vermeiden. Eine vertane Minute kann hier unzählige Leben vernichten. Musik. Aruold Schönberg. Dem umstrittensten deutschen Ton« dichter unserer Tage wurde am Mittwoch wieder einmal ein kleiner Konzertskandal zu Teil. Der ehrwürdige Saal unserer auf den Goelhefreund Zeher zurückweffenden Singakademie ward von wider- lichen Zisch- und Pfifflauten durchgellt; wütendes Klatschen kam kaum dagegen auf, und schließlich ging das Für und Wider wie stets oder doch zumeist im öffentlichen Leben vorläufig zur TageS- ordnung über. Dem Komponisten selbst wird durch derartige so- genannte Ablehnungen nichts weniger als der„Denkzettel" anS- geleilt, den ihm die Ziicher gern geben möchten, und auch der Beifall etlicher Schönbergianer beweist deswegen so gut wie. nichts, weil man heutzutage ja gerade in künstlerischen Dingen einem Snobismus huldigt, dessen Ausdruck eben ein FanaiiSmuS ohne Maß und Ziel zu bilden pflegt. Gerade der Fall Schönberjj zeigt,»vre ungesund das moderne Musikleben ist, besonders soweh das Schaffen lebender Tondichter in Frage kommt. Ehe wir cS nicht planmäßig durch- setzen, daß unsere ganz modernen Künstler zunächst vor einem engen, am besten einem eingeladenen Kreise ehrlicher Jntereffenten den Kern ihrer Weltanschauung in Wort und Ton auseinandersetzen, eher wird eine allmähliche Gesundung dieses unseres modernen KunstverstehenS und Kunstgenießens nicht angebahnt werden können. Auf den Wiener Tondichter Arnold Schönberg angewandt, liegt der Fall so: es ist nichts unfruchtbarer, als die sporadischen Auf- führungen seiner Werke im allgemeinen Konzertsaal. Hier würde nnr eine Entwickelungsreih« seiner Werke zum Verständnis und dann vielleicht zu einer innerlich begründeten Ablehnung führen. Selbst dem berufsmäßigen Besucher der Konzertsäle sind bisher nur da und dort Bruchstücke seines Lebenswerkes bekannt geworden, und z B. gerade sein„zabmstes" Opus, die manches Edle und Echte, vieles Ur- und Nurmusikalische enthaltenden Surrelieder sind dem Publikum doch noch nichts weniger als bekannt, und die ganze innere Wandlung, die sich in Schönberg, der heute ein mittlerer Dreißiger ist, von jenen Liedern an bis zu der gestern erklungenen Kammersinsoni« für 15 Tolvin st rumente(Opus 9) und von da bis zu dem quälerischen Zyklus der Lieder des „Pierrot lunaire"(nach Verlaine) vollzogen haben muh,— diese ungeheuere innere Wandlung und Komplizrerung in der Seele des schaffenden Künstlers Schönberg bleibt un» armen Erdenhörern unbekannt. In uns kämpft die angeborene Achtung vor dem Musikalisch- Schönen im Sinne unserer großen unsterblichen Ton- dichter mit der unwillkürlichen Achtung vor jedem künstlerischen Arbeiten; dazu tritt dann die bittere Ironie, die über die greulichen Mißklänge, die sich da häufen, lachen muß. Wenn dann, etwa in de» Andanlcsätzen derKaminersiiisonie, plötzlich und unvermittelt seit- sam verklärte Ruhepuntte auftauchen, so bemüht sich daS Laienpublikum leider nicht, von diesen Ruhepunkten ausgehend den Gehalt der gehäuften und gepeitschten Mißklänge aus der Seele eines schmerzlich zerrütteten Kllnstlergemütes heraus nachzuerleben. sondern tuschelnd wartet man schadenfroh auf die wieder einsetzenden Dissonanzen, und die sogenannte Ablehnung des Werkes ist erfolgt. Gewiß) der fast andauernde Ueberschwang des Gefühles in dieser Kammersinfonie, daS Uebermatz gräßlicher Schinerzen, das dieses Tonchaos durchzuckt, all' dies ist nichts für ein gutbürgerliches Konzertpublikum, und mag auch die Aufführung durch 15 Solisten — Geiger, Cellisten, Bassisten, Holz- und Blechbläser— noch so innerlich begeistert, mag der Anteil des Dirigenten(Hermann Scherchen war es diesmal) noch so hingebungsvoll sein— näher gebracht wird auf solche lediglich„praktische" Art ein so unendlich zerklüfteter Künstler den Durchschnittsmusikern oder gar den Laien nie und nimmer. Gerade in der Musikzentrale Berlin sollte es doch möglich sein, hier Wandel zu schaffen, auf daß das Verständnis für die musikalische Moderne endlich wachse.»n. Notizen. — Der Jhne-Wettbewerb. Die Chancen des Herrn v. Ihne haben sich abermals gebessert. Erst hieß e», er solle in dem neuen Wettbewerb, der in Sachen des Washingtoner Botschafter- palaiS stattfinlien wird, mit vier anderen Architekten konkurriere». Jetzt aber schmilzt die« Vierblatt um die Hälfte zusammen und bloß Möhring und Dülfer bleiben auf der Liste. Welche Sonne mag hier ihre Kraft geübt haben! Die Begutachlung der drei neuen Entwürfe soll die Akademie des Bauwesens besorgen. Und wenn ihr Gutachten ergangen ist. wer wird dann— entscheiden? Man darf gespannt sein, ob die Bauakademie ihr neues Gutachten wiederum vor der Oeffentlichkeit verstecken wird. Wie die Dinge liegen, hat man ein Recht an- zunehmen, daß das davon abhängen wird, wie sie begutachtet. — Theaterchronik. Carl RößlerS neues Lustspiel„Röffel- sprung" wurde für das Lcssingthcater erworben, wo cS noch in den nächsten Wochen zur Aufführung gelangen soll. — Der Schwingnngspykno nreter. Unter diesem Namen gibt der Danziger Professor Kalähne einen Apparat bekannt, der die Dichte von Gasen und Flüssigkeiten schnell anzeigt und auch Fernablesung ermöglicht. Er soll praktische Bedeutung sür die Arbeit in Kohlenbergloerken und sür die Luftschiffahrt haben: als»in Mittel, die Bildung von Schlagwettern und die Verschlechterung der Lustschlffgose zu erkennen. — Die„Liga zurVerteidigung der Menschen- rechte" ernannte an Stelle des verstorbenen Preffensö den Ab- geordneten Ferdinand Buisson zu ihrem Vorsitzenden. — Neue Panzerplatten sür Kriegsschiffe werde», dem Londoner„Globe" zufolge, zurzeit durch die britische Admiralität erprobt. Der neue Panzerplattentyp soll besonders für die Drcad- noughtS von ungeheuerer Bedeutung fein. Das Prinzip der Er- findung besteht angeblich darin, daß Kautschukblocks zwischen die nach dem Verfahre» von Harvey zementierten und gehärteten Nickelstahlplatten eingefügt werden. Die nächste kriegstechnische Erfindung würde also nun ein« Kanone sein, die solchen Kaulschukschntz spielend sprengt. Sie würde wohl auch nicht lange auf fich warten lassen, wenn sie überhaupt notwendig und die ganze Nachricht nicht bloß ein Manöver ist, daS für die neuen millionenfressenden Dreadnonght-Pläne der englischen Regierung Stimmung machen soll. —„Ein Mann" als Oper. Camille Lemonniers Herr- sicher Roman„Ein Mann", dessen dichterische Wuchst die Leser des „Vorwärts" im Sommer kennen lernten, ist für die Opernbühne bearbeitet worden. Bei der Aufführung in Brüffel erwies sich die Oper, die von Francis Casadesus komponiert ist, in Text und Musik als eine Verfchandelung des RomanvorbildeS. der leine besonderen Vereinbarungen für einzelne Betriebe zuläßt. Lt> ein Wochenvcrdienst van durchschnittlich 40 M. ein ausreichender Lohn ist, wie Herr Rachsall meint, darauf kommt es im vor- liegenden Falle gar nicht an. Was der Tarif bestimmt, das muß gezahlt werden, und wenn ein Tischler dabei 60 M. verdienen könnte, was allerdings nicht der Fall ist. In einem Punkte sind wir zu unserem Bedanern durch eine objektiv unwahre Angabe unserer Gewährsmänner irregeführt worden. Es ist nicht richtig, daß einer der beiden Herren Rachsall, weder der Vater noch der Sohn, gesagt hat:„Ich weiß wohl, daß ich zu wenig bezahle, aber wenn Sie es nicht machen, dann machen es andere." Räch der jetzigen Angabe unserer Gewährsmänner hat der Werkführer eine ähnliche Aeußerung getan. Er sagte näm- lich, als die Arbeiter die Akkordpreise als zu niedrig bezeichneten: „Wenn Sie die Arbeit für den Preis nicht machen wollen, dann lasse ich sie in Lohn inachen; aber von anderen, denn Sie sind mir in Lohn zu teuer." Wir bedauern natürlich, daß wir uns nach dieser Richtung hin haben täuschen lassen. Die beteiligten Arbeiter ersehen daraus, wie vorsichtig man in seinen Angaben sein muß. Herr Rachfall ist mit seinen Tarifauslegungen durchaus im Unrecht. Und das festzulegen, darauf kam es an. Weil ihm aber darüber hinaus eine Aeußerung in den Mund gelegt wird, die er nicht getan hat, kann der Herr nun mit einem Schein von Recht sagen, daß er die Bloßstellung nicht verdiente, die er durch den„Vorwärts" erfuhr. Die Gewissenhaftigkeit verlangt, daß— wenn man schon einem Nebenmenschen in Wahrung der eigenen Interessen etwas nachsagen muß— man nie mehr behauptet, als man beweisen kann. Die Klugheit gebietet, daß man immer mehr beweisen kann, als man öffentlich behauptet. Wer diese Regeln nicht be- achtet, wenn er seine Klagen den Gewerkschaftsinstanzen oder der Arbeiterpresse übermittelt, stumpft die Waffen ab, welche sich das Proletariat für den Kampf um seine Rechte geschaffen hat. Unsere Parteipresse findet nur darum die Achtung und Beachtung der in Frage kommenden Kreise, weil man dort weiß, daß sie sich bemüht, nicht wahllos jede Behauptung zu übernehmen und zu verbreiten. Tie Arbeiterschaft hat das größte Interesse daran, daß dieser Ruf der Parteipresse nicht gefährdet werde. Achtung, Friseurgehilfcn! Tariflich geregelt sind die Arbeits- Verhältnisse bei Krüger, Neukölln, Jägerstr. 3; S i st k e i, Loh» niühlensiraße 26: Schafser, Danziger Str. 3t, und Zickert, Danziger Slr. 67. Die Kontrollkarte ist braun. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Reich. Zentrale Tarifverhandlungen in- Schneidcrgewerbc. Am 2. Februar begannen in Nürnberg die Verhandlungen zur Beilegung der in etwa 60 deutschen Städten au-Sgebrocheneii Diffe- renzen im Schneidergewerbe vor einem unparteiischen Kollegium, das aus Magistratssyndilus Dr. Hiller-Frankfurt/Main, Gewerbegerichts- direktor Dr. Prenner-München und Magistratsrat v. Schulz-Berlin gebildet ist. Mit anwesend sind über 200 Vertreler der Unternehmer und Arbeiter aus ganz Deutschland. In den ersten drei Tagen wurde von früh bis abends über die Zuweisung der einzelnen Firmen in die verschiedenen Tarifklassen verhandelt, es sind 16 Schiedssprüche gefällt. Die nächsten Sitzungen gelten der Erledigung der in 10 Städten bestehenden Meinungsverschiedenheiten über Beseitigung oder Einschränkung von Doppel- und Untertarifen. Im Anschluß daran wird die Hauptfrage der Lohnansprnche in sämtlichen Städten in Angriff genommen werden. Die Verhandlungen gestalten sich bei der außerordentlichen Verschiedenheit der Verhältnisse nicht nur von Stadt zu Stadt, sondern auch innerhalb einzelner Städte außer- ordentlich schwierig._ � Formcrausstnnd in Lauban. Bei der Firma Maschinenfabrik und Eisengießerei vorm. Schwartzkopff, Jnh. Reeger, haben sämtliche Former die Arbeit niedergelegt. Die Ursache dieser Arbeitsniederlegung ist in der beabsichtigten Einführung eines neuen Akkordtanfes zu suchen, der für die Former bedeutende Verschlechterungen bringt.— Zuzug von Formern, Kernmachern und Gießereiarbeitern ist von Lauban streng fernzuhalten. Zur Behandlung der Privatangestellten. Einen interessanten Beitrag zu der„gehobenen" Stellung der Privatbeamten liefert ein Ukas, den die„Eoncordia" in Köln ihren Angestellten zur Unterschrift vorlegte: Eoncordia Cöln, 21. Nov. 1S13. Cöln. Lebens-Vers.-Ges. Wir ersuchen Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß wir künftig jeden Beamten entlassen werden, der aus irgend eine Art einem andereil Beamten unserer Gesellschaft über die Höhe seiner Ge- Haltsbezüge Kenntnis verschafft. Das Gehalt wird lünftig am Ende eines jeden Monats jedem Beamten im Zimmer 4 des ersten Obergeschosses in besonderem Briefumschlag ausgehändigt loerden. Ueber die Zeit der Aus- händigung tvird den einzelnen Abteilungen gesondert Mitteilung gemacht. Coneordia Leb.-Vers.-Ges. gez. Senden. gez. Hensel. Von Vorstehendem habe ich Kenntnis genommen, Unterschrift des Angestellten. Die Verfügung hat den Zweck, den Anreiz zu Gehalts- sordelungeu zu vermindern. Darunl soll kein Beamter erfahren, was fein Kollege verdient. Mail darf ruhig sagen, daß eine solche Zumulung im allgemeinen Arbeitern gegenüber nicht mehr ge- wagt werden würde. Es ist nicht bekannt geworöen, daß die so- genannte„Organisation" der Versicherungsangestelllen, der Bund deutscher BersickierungZbeamten, gegen diese Unlernehmerdreistigkeit etwas getan hätte. Muslanü. Die Gewerkschaftsbewegung in Rnstland im Jahre In den kürzlich erschienenen Berichten der russischen Fabrik- iuspekloren für daS Jahr 1012 wird die Zahl der Gewerlschaften zu Ende des Berichtsjahres auf 538 angegeben. Mangels einer ge- ordneten GewerlichaflSstalistik in Rußland ist es zurzeit unmöglich, diese Behauptung auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Indessen weist, wie die„Neue Arbeiterzeitung" in Petersburg erklärt, eine Reihe von Umständen darauf hin, daß die Zahl der bestehenden Geiverk- schaften von offizieller Seite stark übertrieben wird. Dasselbe Blatt gibt auf Grund der Ehronik der Arbeiterpresse folgende Zusammen- stellung der Geioerkschaftcn, nach einzelnen Bernsen geordnet. Arn zahlreichsten sind, was bei den russischen Verhältnissen durchaus begreiflich ist, die Bereinigungen und Organisationen der H a Ii d I u n g s g e h i l f c n. Im Einklang mit dem von ver- schledenen Elementen durchkreuzren Eharakter der Masse der Hand- lungSangestellrcn gibt eS denn auch Fachorganisationen der Hand- lungsangestellten, Sie dem Geiste deS Klassenkampfes fremd, ja zu- weilen feindlich gegeiuiberstehen. Gewerkschaften der Handels- augestellren, die aus dem Boden des Klassenkampfes stehen, gibt eS zurzeit in Petersburg sdrei Vereine). Wilna, Charkow, Bachmut, Mariupol, Rostow am Don, NoworossiSk, Bahi, Orenburg, Krasno- jarsk, WerchneudinSk, Blagoweichtschensk. Jwanowo-Wosnesensl. Nach den Handlungsgehilfen folgen die Arbeiter des D r u ck e r e i- gewerbes, deren Organisationen in folgenden Städten zu finden sind: Petersburg, Moskau, Ostseeprovinzen, Wilna, Witebsk, Kiew, Nowgorod, Rostow am Don, Bachmut, Tomsk, Baku, Blagowe- schlschensk und Samara. Die Metallarbeiter besitzen 0 Gewerkschaften und zwar in Petersburg. Riga, Jurjew. Wilna, Lodz, Kiew, Odessa, Rostow am Don und Tula. Die Holzarbeiter besitzen Gewerh'chaften in Petersburg, Moskau. Riga, Jurjew, Lodz, Kiew, Odessa, Rostow am Don und Saratow. Die Bäcker und Konditoren besitzen 8 Gewerkschaften, die Schneider ebensoviel, die Schuhmacher 6, die Gast- Wirtsgehilfe n 5, die Textilarbeiter, die Bureau- angestellten und die P h a r m a z e u t e n je 4, die S t e i n- s e tz e r und Lederarbeiter je 3, die Bauarbeiter 2. Ferner werden in dieser Statistik 25 weitere Gewerkschaften an- geführt, die auf einzelne Berufe und Industrien entfallen. Diese Statistik ist zwar noch lückenhaft, sie entspricht aber jedenfalls weit eher der Wirklichkeit, als die schönfärberische Statistik der Fabrik- inspektoren, der offenbar die Tendenz zugrunde liegt, zu zeigen, daß die Arbeiter sich auch unter dem bestehenden Vereinsgesetz gewerk- schastlich zu organisieren vermögen. Zeigt schon die oben angeführte Statistik, wie falsch diese Auffassung wäre, so würde sie noch mehr bekräftigt werden durch eine nähere Schilderung der Einschränkungen und behördlichen Verfolgungen, die die Arbeiter im Kampf um die Existenz ihrer Gewerkschaften und um die Verwirklichung ihres»Ver- einsrechts" zu überwinden haben. Zrauen unö Mä'öchen in öer ruffischen Revolution. Ueber dieses Thema sprach in einer vom 3. Wahlkreis einberu- scnen öffentlichen politischen Versammlung Genosse Goldberg. Änleitend bemerkte der Redner, daß in Rußland nicht nur 1905/06, wo die Wogen der russischen Revolution hochgingen, von den dortigen Parteigenossen gearbeitet worden sei, sondern diese Arbeit und Agi- tation sei bis zum heutigen Tage mit gleicher Energie und gleichem Opfermut weitergeführt worden. Die Kämpfe, die daselbst geführt werden, haben nicht nur politischen Eharakter. Vielmehr sind diese Kämpfe auch wirtschaftlicher und sozialer Natur. Ter mittlere Jahresverdienst eines russischen Arbeiters beträgt 408 Mark nach deutschem Gelde. Da qualifizierte Arbeiter verhältnismäßig hoch- bezahlt werden, weil man ihrer nötig bedarf, so ist es leicht zu verstehen, daß der Lohn der übrigen Arbeiter außerordentlich gering sein muß. Wie es mit der Entlohnung der Frauen aussieht, kann man sich demnach vorstellen. In Ziegeleien zum Beispiel ver- dienen sie 30 Mark im Monat. Die russischen Fabrikanten sehen es meist als ganz selbstverständlich an, daß ihre Arbeiterinnen auf dem Wege der Prostitution noch Geld hinzuverdienen. Darum habe die russische Frau dasselbe oder noch ein höheres Interesse an der Beseitigung der jetzigen Zustände wie der Mann. Wohl ist daS Fleisch in Rußland billiger wie in Teutschland; das nützt aber den russischen Arbeitern wenig, da sie kein Geld habe», um selbst das billige Fleisch kaufen zu können. Tie Wohnungen sind außerordentlich teuer. Daher kommt es, daß sich in eine Stube oft fünf bis sechs Familien teilen. In Rußland besteht noch nicht einmal die beschränkte politische Freiheit, wie wir sie in Deutschland haben. Kein Versammlungsrecht, kein Koalitionsrecht, keine Preßfteiheit! Etwas freie Bahn hatte die Revolution seiner- zeit geschaffen, aber das war nur ein kurzer Freudenrausch. Zum Beispiel ist jeder Streik in einem Betrieb, der irgend welche Lieserungen für den Staat hat, strafbar und wird schwer geahndet. Aber auch ohnedies liegt es in der Hand der russischen Behörden, jeden streik zu unterdrücken und die Hauptbeteiligten ohne Richterspruch bis zu fünf Jahren zu verbannen. Tie Beamten sind straf- frei; es kann ihnen nichts geschehe», wenn ihr Vorgesetzter nicht die Genehmigung zu einem Verfahren erteilt. Was der Oberst v. Reuter in Z a b e r n gxtan hat, kann in Rußland jeder Beamte tun. Die ganze Rechtsprechung ist nur eine Komödie. Es ist schon vorgekommen, daß vor Gericht ein Urteil irrtümlich verlesen wurde, das erst in einer anderen Sache am nächsten Tage gefällt werden sollte. Jeder, der für die sozialistische Partei wirkt, riskiert viele Jahre Zuchthaus. Tie russische Parteibcwegung will die politische Freiheit, sie will eine gesetzgebende Körperschaft, allerdings nicht wie die heutige Duma. Tie Gewerkschaften können sich in Rußland nicht, wie hier, auf großen Massen und Kassen aufbauen, sondern die besten unter den Arbeitern schließen sich im Geheimen zusammen und schüren so den Kampf. Hierbei sind besonders Frauen tätig. Sie sitzen in allen Körperschaften, treten aber auch besonders dort hervor, wo die Agitation mit besonderer Gefahr verbunden ist. Sie geben ihre Wohnungen her zu..Zusammen-- künsten, obwohl sie jede Minute dabei abgefaßt werden können und furchtbare Strafen gewärtigen. Auch in den Geheimdruckereien leisten die Frauen wertvolle Arbeit. Acht Jahre Zuchthaus, mit darauffolgender lebenslänglicher Verbannung, ist die Strafe, wenn sie dabei gefaßt werden. Oft kommt es dabei zum bewaffneten Widerstand, wobei manche Frau heldenhaft den Tod fand. Ja, sie gehen noch weiter nud opfern ihren guten Ruf, indem sie den politisch Gehetzten Obdach gewähren und so bei der Nachbarschaft in sittlichen Verruf kommen, lleberhaupt wäre die Arbeit nicht möglich ohne Frauen. Dabei treffen sie die Strafen viel furcht- barer. Der Mann wird nur eingekerkert, die Frauen aber werden im Gefängnis noch geschlechtlich mißbraucht. Da es notwendig ist, sich in Rußland schon des jetzigen Militärs zu versichern, so muß die Agitation iinter den Soldaten betrieben werden. Hier sind es wiederum die Frauen, meist junge Mädchen, die sick opfern, indem sie mit den Soldaten Liebschaften anfangen und sie dabei gewerkschaftlich und politisch aufklären. In der Revolutionszeit wurden wegen dieser Tätigkeit eine ganze Reihe Frauen hingerich- tet. Eine davon stand dicht vor ihrer Niederkunft. Selbst in den Kasernen sind sie hineingegangen und haben sich tagelang in den Mannschaftsstuben verborgen. Bei den Attentaten, die in Rußland nicht zu umgehen sind, haben die Frauen ihren ganzen Heldenmut offenbart, und zwar nicht die besonders mutigsten, sondern wenn die Notlvcndigkdit an sie herantrat, tat es jede mit Freude. Wur- den sie dabei gefaßt, so mutzten sie furchtbare Folternngen erleiden und wurden dann hingerichtet. Redner schildert, wie grauenvoll und niederträchtig die Be- Handlung der verhafteten Frauen geübt wird. Die Frauen nehmen in das Gefängnis vielfach ihre Kinder mit. Frauen von 70 und mehr Jahren haben im Gefängnis gesessen und sitzen noch darin. Tie Gefangenen, auch die weiblichen, lönnen jederzeit gezüchtigt werden. Die Folterungen sind das Raffinierteste, was zu denken ist. Sie werden angewandt, um Aussagen zu erpressen. Trotz der fürchterlichsten Onalen verraten die heldenhaften Frauen aber ihre Gesinnungsfreunde nicht. Unter den Frauen haben sich besonders die Bolksschullehrer innen tapfer hervorgetan. Die Frauen, die hingerichtet wurden, starben qlle ohne Pose und thea- tralische Worte. Die Frauen, die in der Revolutionszeit den Tod erlitten, starben in dem beseligenden Gefühl, daß nunmehr die Morgenröte der politschen Freiheit angebrochen sei. Es ist unrecht, meinte der Redner, wenn die Genossen in Deutschland sich oftmals beklagen, daß hier nur langweilige trockene Kleinarbeit verrichtet werden müsse. Diese Kleinarbeit muß ebenso in Ruß- land geleistet werden, und man mutz bei dieser Kleinarbeit nur die Empfindung für die grüße schöne heilige Sache nicht verlieren. Darum sollen wir uns an der Kleinarbeit tatkräftig be- teiligen im Hinblick auf die Zukunft. An die anwesenden Frauen wändte sich der Redner mit zündenden eindringlichen Wor- ten und forderte sie aus, sich freudig in die Bewegung zu stellen und initzukämpfen und dafür zu sorgen, daß wir den kommenden Stürmen siegreich trotzen können. Der an erschütternden Einzelheiten reiche Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall ausgenommen. Aach einem aufmunternden Schlußwort der Vorsitzenden Reinkc nahm die Versammlung ihr Ende. StaötverorSnetenversammlung. 4. Sitzung vom Donnerstag, den 8. Februar 1914, nachmittags 5 Uhr. Die Verhandlungen werden vom Borsteher Michelet nach ö'ch Uhr mit einem ehrenden Nachruf auf den jüngst im 96. Lechens- jähre � verstorbenen Geh. Sanitätsrat Körte eröffnet. Vor der Sitzung hak die Wahl von zwei Ausschüssen statk« gefunden. In den Ausschuß für den Antrag Arons betr. Ver- mchrung der Armendirektion um drei weibliche Mitglieder find auch die sozialdemokratischen Stadtverordneten Ewald, Hintze» M anasse und Rosenfeld(zweiter Vorsitzender) deputiert. Dem Ausschuß für die Vorlagen wegen Ankaufs des Ermelerfchen Hauses gehören auch die sozialdemokratischen Stadtverordneten Drescher, Dupont, Manasse und Meber an. Ferner waren in die gemischte Deputation für den Empfang des Urologen-Kongresses zehn Mitglieder zu wählen; unter den Gewählten befinden sich auch Bruns, Koblenzer und Wehl(Soz.). � Zi�r Kenntnisnahme übersendet der Magistrat seine am a. Ja- rnxar an den Kultusminister bezüglich der Klassenzählung der Gemeindeschulen in dem neuen Grundlehrplan für Groß-Berliu abgesandte Petition und die vom 10. Januar datierte ablehnende Ant, wort des Kultusministers. Stadtv. Cassel(A. L.): Wir können die Entscheidung des Ministers nur sehr bedauern. Die Staatsregierung selbst ist es gewesen, welche, entgegen den früheren Intentionen der städtischen Verwaltung, die Einricktung der achtklassigen Schule, wie sie jetzt besteht, getroffen hat. Wir können die Beziehungen Berlins zu den Vororten auch nicht als genügenden Grund dafür ansehen, daß jetzt dieses Svstcm verlassen werden muß; die materielle Ueber- einstimmung des Lebrplans braucht nicht notwendig eine Ueber- einstimmung der Klassenzählung nach sich zu ziehen. Wir hoffen indessen, daß darunter das Prinzip nicht leiden wird, daß, glelchviel wie die Benennung ist, acht auffteigende Klassen an jeder Ge- meindeschule vorhanden sind; wir sehen die entgegenstehenden Schwierigkeiten auch in Zukunft nicht für unüberwindlich an. Ich habe zu der Schuldeputation und zu der Bevölkerung daS Vertrauen, daß der große Nutzen für die Kinder, in die oberste Klasse zu gelangen, an keiner Stelle derkannt werden wird. Andererse.ts liegt der Vorteil eines gewissen Abschlusses der Ausbildung für die- jeiiigen, die das letzte Ziel nicht erreichen können, auf der Hand. Wir wolle» aber auch, daß alles getan wird, die achten obersten Klassen zu erhalten, und wir werden uns dabei nicht etwa von Sparsamkeitsrücksichten leiten lassen. Stadtv. Rosenow(N. L.): Es ist charakteristisch,»aß der Magistrat über die schließliche Entscheidung des Ministers direkt nichts erfahren hat, sondern erst ans einer Notiz in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" sich be- lehren lassen mußte. So wird der Magistrat von Berlin von einem preußischen Minister behandelt! Daß der Minister sich setzt nach elf Jahren plötzlich einer anderen Auffassung zuwendet, das illustriert die preußische Schulauwkratic. Im Gegensatz zu dem Vorredner teile ich die Auffassung der Schuldepntation und des Stadtschulrats, daß das siebenklassige System mit Oberstufe einen Schaden für die EntWickelung der Berliner Volksschule oc- deuten kann und vielleicht bedeuten wird. Wir nehmen übrigens. ob es dem Minister gefällt oder nicht, für uns das Recht in An- spruch, Maßnahmen, die wir für unsere Schule � als schädlich an- scben, auch als solche zu bezeichnen. Mit rauher.Hand hat der Minister in die Schulverhältniffe Berlins eingegriffen, zugunsten einer oder der anderen Borortgemcinde. in Verbältnisse, die aufs bc'te geordnet sind und für deren Herbeiführung die Stadt sehr erhebliche Opfer bringt. Wie mißgünstig der Minister Berlin gegenübersteht, sieht man ja auch daran, daß neuerdings auswärt!- gen Lehrern der Urlaub zu Probelektionen verweigert wird. Und andererseits sinnt man darauf, Berlin auch noch die Lasten für die Schulen der Vororte mit aufzuerlegen!. Um 6 Uhr wird die Versammlung unterbrochen znr Vornahme der Wahl zweier unbesoldeter Stadträte an Stelle der mit Ende 1913 ausgeschiedenen Herren Gericke und Marggrafs._> Bei der Wähl des Nachfolgers für Gericke werden 126 Stimm- zettel abgegeben; davon sind 5 weiß, also ungültig. Von den 121 gültigen entfallen 76 ans den Stadtv. Reimann(A. L.), 41 auf den Stadtv. Dr. Wehl(Soz.); 4 Stimmen zersplittern. Reimann ist somit auf 6 Jahre gewählt. Bei der Ersatznmhl für Marggraff siegt Holzhändler Artur Francke mit 62 Stimmen über den Stadtv. Dr. Arons. der 59 Stimmen erhält; 3 Stimmen sind zersplittert, 3 Zettel ungültig. Von 123 gültigen Stimmen hat Francke gerade die absolute Mehr- heit erhalten. Hierauf setzt die Versammlung die vorhin abgebrochene Er- örterung fort. i Stadtv. Bruns(Soz.): An der Tatsache selbst wird durch die Reden, die hier heute noch gehalten werden, nichts mehr geändert. Ich beschränke mich daher aus die Bemerkung, daß hier ein n cu e r Streich gegen die Selbstverwaltung Berlin? ge- führt ist; die Regierung hat uns wieder einmal gezeigt, daß sie die Macht bat. Auf dem Gebiete der Volksschule leben wir noch immer wie in der guten alten Zeit, wo das Wohl und Wehe der Bcvölke- rung durch Kabincttsorders bestimmt wurde. Wir unsererseits haben den lebhaften Wunsch, auch möglichst an den Geschicken der Volks- schule beteiligt zu werden. Von der Beteiligung an der Schuldepn- tation sind wir durch die Taktik der Regierung ausgeschloffen; vielleickt bringt uns aber der Magistrat in einer Vorlage zur Kenntnis, wie er den neuen Lehrplan auszuführen gedenkt; dann könnten lvir die Ausführungen machen, die wir in der Schnldctmta- tion zu machen hätten, aber dort nicht machen können. Zurzeit ist es nicht möglich, etwas gegen die Regierung auf mesem Gebiete zu unternehmen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel tritt dem Angriff des Kollegen Rosenow beziig- lich der Bewertung des Abschlusses mit der siebenten Klasse ent- gegen. Stadtschulrat Dr. Fischer hält den einheitlichen Grundlehrplan für Groß-Berlin für eine Fiktion. Bon jetzt ab werde auch die Potsdamer Regierung in die Berliner Schulverhältniffe hineinzu- reden haben. Die Berliner Schulverwaltung habe nun ihre Sorge in orster Linie daraus zu richten, daß die Dispensationen möglichst erschwert werden. Die zlvei Abteilungen in den obersten Klassen müßten beseitigt werden; man werde die Schulen nach Oster- und Mickaelisschulen zu scheiden haben. Wenn in den nächsten Jahren die ersten Klaffen etwas schwach besetzt seien, möge die Versamm- lung nicht auf Auflösung hindrängen. Trotz der Unfreundlichkeit der Regierung werde es dann möglich sein, die Berliner Volksschule aus ihrer Höhe zu erhalten. Stadtv. Rosenow spricht seine Befriedigung über diese Er- klärung des Stadtschnlrats aus. Stadtv. Glayel(Fr. Fr.) hofft mit seiner Fraktion, daß alle? geschehen wird, die achten Klassen zu erhalten und immer mehr zu filllen. Stadtv. Cassel erklärt sich noch gegen die Idee der Schasfiing von Mittelschulen, die Berlin nicht brauche und die bloß die Ge- meindeschule schädigen würden. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Die S ch l eu s en b r ü ck e soll, nachdem die SirombehöcHen zugestimmt haben, nunmehr auch mit einem festen Ucberbau versehen werden, womit die verkehrshindernden Brückenklappon in Fortsall kommen. Die Kosten sollen mit 80 000 M. in den Etat für 1914 eingestellt werden. Die Versammlung stimmt zu. Der Antrag Arons wegen Anflölnng des Kura- toriums der Heim statten wird auf Antrag W e Y l von der heutigen Tagesordnung �abgesetzt und soll in der nächsten Sitzung an erster Stelle beraten werden. Das ebemalige, zurzeit völlig unbenutzt stehende Förster- haus in Kleinbeeren soll für Zwecke des städtischen Er» z i e b u n g S h a u s e s Kleinbceren(Ausgestaltung der Haus» wirtschaftlichen Ausbildung der weiblichen Zog» linge) mitverwendet werden. Für die Umgestaltung sind 18 750 Mark erforderlich, die in den Etat für 1914 eingestellt sind. Der Mogistrat beabsichtigt, einen Teil der Arbeiten schon im Winter ausfiibren zu lassen. Die Vorloge wird genehmigt und die Summe bewilligt. « Die ,'t ä d t i s ch e n Zuwenönngen an gemein- i'.ützige Vereine, Veranstaltungen usw. sollen auch 191! eine Vermehrung bzw. Erhöhung erfahren; 15 Positionen sollen neu, 26 mit einer Erhöhung in dem Etat für 1911 figurieren. Unter den neuen befindet sich auch ein Zuschuh von 59 999 M. an den deutschen Reichsausschuß für Olympische Spiele für die sechste, 1916 in Berlin abzuhaltende Olympiade; der Zuschusi soll mit je 25 999 M. 1914 und 1915 zur Bewilligung gelangen. Es wird Ausschusiberatung beantragt. Stadtv. Pfannkuch lToz.): Mit Ausschusiberatung sind wir cinversranden. Ich habe für jetzt auch nur vor, über die beantragte Bewilligung für die„6. Olympiade" etwas zu sagen. Selbstver- üdnMich bewilligen wir alle Mittel, welche für die turnerische und sonstige gesundheitsgemäsie Ausbildung unserer Jugend erforderlich sind. Zlber die deutsche Fugend mutz g l e i ch m ä tz i g und gleich- weriig behandelt werden. Fn der Begründung wird der„Deutsche Ncichsausschutz" für-diese spiele als die zuständige Vereinigung aller deutschen Turn- und Tportverbände bezeichnet. Der Magi- strat mutz nicht ganz gut orientiert gewesen sein, als er diese Bc- gründung gab; denn diesem„Deutschen Reichsausschutz" unter- stehen nicht die sämtlichen Arbeiter-Turn- und Sportvereine. So- lange diese Vereine nicht als gleichberechtigt mit den bürgerlichen Vereinen gleicher Art anerkannt werden, sind wir nicht in der Lage, die geforderten Mittel zu bewilligen. Die deutschen Arbeiter- Turn- und Sportvereine erfreuen sich autzcrordentlicher Aufmcrk- samteit sowohl seitens der Polizei als der Verwaltungsbehörden; die Leidensgeschichte des Turnvereins..Fichte" spricht ja dafür deutlich genug. Ter Vorsitzende des Ausschusses, Herr v. Podbielsli, betont übrigens, datz die nachgesuchte Bewilligung nicht blotz für die Olympischen Spiele 1916 selbst zu erfolgen habe, sondern datz ihm schon vorher Beträge zur Verfügung zu stellen seien, um auch die Ausbildung zum Wettkampf methodisch aufzunehmen. Da müssen doch die Arbeiter-Turn- und Sportvereine notwendig zu kurz kommen, wenn sie an diesen Zuwendungen nicht partizipieren sollen. Ferner aber sind die Meinungen darüber noch sehr geteilt, ob diese Spiele für die Förderung des Turnwesens überhaupt einen Zweck haben. Für das Sportwesen ganz gewitz; aber hervorragende Turnlehrer bestreiten, datz die Turnpflege mit Sport überhaupt elwas zu tun hat. Der Reich szuschutz von 299 999 M. ist be- kanntlich von der Budgetkommission des Reichstages abgelehnt worden. Bei einer Kostensumme von im ganzen 1 458 999 M. für diese Spiele mutz man doch fragen, ob nicht die dem Sport huldi- gcnden Kreise diese Mittel selbst aufzubringen hätten. Ich möchte bei dieser Gelegenheit daran erinnern, datz allerlei über moralisch- siiliche Gefahren bei ähnlichen Veranstaltungen in Hamburg und Leipzig in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Im Ausschutz mutz also eine gründliche Prüfung dieser Position vorgenommen werden. «tadtv. Cassel: Die„Zentrale für den Fremdenverkehr Grotz- Berlins" soll 5999 M. einmalig erhalten; ich halte diesen Betrag iür sehr gering und bitte den Ausschutz, diesem Punkte seine be- sondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Vorlage geht an einen Ausschutz von 15 Mitgliedern, der vom Vorstande sofort ernannt wird. Die Ucbernahme der Arbeitgeberbeiträge für die unständig Be- schästigien fSjZ 441 ff. der Reichsversicherungsordnung) wird nach dem Magistratsantrage beschlossen, desgleichen der Um- und Er- Weiterungsbau der Pumpstation des Radialshstcms XII und der Umbau eines Stellwerks an der Anschlutzbahn des Städtischen Viehhofs. Schluß'AS Uhr. Gerichtszeitung. «Sie wissen doch: ich mache in Streiks." So rief der als Vermittler von Streikbrechern bekannte Agent Karl Katznrarek den Richtern der Halber- st a d t e r S t r a f k a m m e r am Mittwoch zu. Dort hatte er sich wegen sah rl ä s sige r T ö t it n g zu verantworten. Am 4. Oktober nachts gegen 3. Uhr lenkte Kazmarek ein un- beleuchtetes Auto auf einer Spazierfahrt von Aschers- leben nach Magdeburg. Er überfuhr den 89jährigen Schneider Kühne. Kühne erlitt Verletzungen an den Beinen, den Armen und am Rücken sowie einen doppelten Beckenbruch. Zehn Tage später starb er an den Folgen dieser Verletzungen. Der Angeklagte legte den U eberfahre nen vor seine Wohnungstür und küinmerte sich nicht weiter um ihn. Ter Angeklagte ist wegen Unter- s ch l a g u n g, Beleidigung und Körperverletzung wiederholt bestraft, mehrmals mit Gefängnis von vier und fünf Monaten. Bei seiner Vernehmung erklärte Katzmarek, wohl um für sich eine günstige Stimmung zu erwecken, zu den Richtern: „Sie wisseu doch: ich mache in Streiks". Der Vorsitzende machte ihn darauf aufmerksam, daß das nicht zur Sache gehöre. Entsprechend dem Antrage deS Staatsanwalts, der hervorhob, datz das Liegenlassen des alten ManneS in hilfloser Lage frivol sei, lautete das Urteil auf einen Monat Gefängnis. Schutz für diese Art Zeitgenossen verlangt bekanntlich die konservative Partei. Ein Geistlicher vor Gericht. Genosse Adolf Warndt vom Vorstand der Freireligiösen Ge- meinde in Berlin bittet uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Durch eine Reihe von Zeitungen ging der Bericht einer Gerichts- Verhandlung gegen den Geistlichen der Salemsgemeindc, der wegen Betruges zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Fn den Berichten war dieser Geistliche als Gründer einer freireligiösen Gemeinde bezeichnet, auch soll er setzt Prediger der freireligiösen Gemeinde im Grunewald sein. Es ist richtig, datz der Herr sich selbst als rrcircligiöser Prediger vor Gericht bezeichnet hat. Ter Oeffentlichkeit gegenüber mutz aber nachträglich betont werden, daß diese Bezeichnung im landesüblichen Sinne nicht zutrifft. Die Bezeichnung der betr. Gemeinschaft„Salemsgemeindc" beweist deutlich, daß es sich hier ui» eine ck, ristlich sektiererische Gruppe bandelt, wahrend die freireligiösen Gemeinden Deutschlands auf dem Boden freigeistiger, monistischer Weltanschauung stehen. Betrugsanklage gegen eine» Tberamtmann. Eine VetrugSanklage, die sich gegen den Obcramlmann Ernst Tuchen richtete, beschäftiglc gestern die 6. Straskanimcr des Land- gccichts I unter Vorfitz des Landgcrichtsdircktors Goebel. Der jetzt in Halle a. S. ansässige?liigeklagte. der vom Er- scheinen an GerlchlSstellc entbunden war, war am 39. August v. I. in Weimar unter dem Verdacht verhaftet worden, zahlreiche Kredit- schwindeleicn begangen zu haben. Das eingeleitete Strafverfahren führte zu der Erhebung der Anklage wegen Betruges in zwei Fällen. in denen es sich um folgendes handelte: Eines Tages erschien der Angeklagte in den Geschäftsräumen Ger Wasscnsabrik Sauer u. Sobn. Er gab an, datz er Tomäncnpächter sei und sich vcr- sehcntllch in Berlin verausgabt habe. Außerdem bürge seine Stellung als Oberamtmann dafür, datz er den Preis für das auf Kredit entnommene Jagdgewehr für 790 M. sofort bezahlen werde. Aehnliche Angaben machte er dem Bankier Fr. Oechelhäuser gegen- über, den er um ein Tarlcben von 799 M. anging, unter der Vorspiegelung, er müsse in Berlin noch Vieh einlaufen und habe liier kein Bankkonto. Er erhielt das Geld, lietz dann aber nichts urebr von sich hören. Das Schöffengericht kam nur in dem zweiten Falle zu einer Verurteilung nnd zwar zu einer Geldstrafe von 1990 M. Hiervon wurden 599 M. als durch die verbüßte Unter- juchungshcrft ausgeglichen angeschen. Die von dem Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer verworfen._ Die eingebildete Krauke und ein Doktor Eisenbart. Einen humoristischen Beigeschmack hatte die Anklage wegen Betruges, Körperverletzung und Unterschlagung, die gestern gegen den Techniker Max Grone vor der 1. Strafkammer des Land- gerichts V vcrbandelt wurde. Der Angeklagte hatte sich in den Jahren 1911 und 1912 damit befaßt. Kranke zu behandeln, wobei er sich als Arzt ausgab. Einen Patienten behandelte er aus Rheumatismus, einen anderen aus Leberanschwellung, andere Personen auf Ohrenleiden, wobei er sich aus Einspritzungen mit irgend einer harmosen Flüssigkeit be- schränkte. Zu seinen Patienten gehörte auch ein Fräulein Johanna W., die mit ihrem Vater den„Herrn Doktor" in einem Restaurant in der Levetzowstratze kennen gelernt und ein solches Zutrauen zu seiner ärztlichen Kunst hatte, datz sie sich bei ihm in Behandlung gab. Fräulein W. gehört, zu den hysterischen Damen, die sich ein- bilden, an allen möglichen Krankheiten zu leiden und erst glücklich sind, wenn ihnen ein Heilmittel verschrieben wird. Für den Herrn „Dr. Grone" war sie ein bequemes Objekt, sich Geld zu verschaffen. Er übernahm die BehandlungMne damit begann, datz er im Beisein seines„Assistenten", eines"Schweden, in feierlicher Form eine körperliche Untersuchung vornahm, mit einer Spritze und einem Fläschchen hantierte und zunächst etwas von einer„undefinierbaren" Krankheit sprach. Schließlich„stellte er fest", daß sich in ihrem Körper ein„Geschwür" gebildet und„Wasser angesammelt" habe und erklärte, datz beides durch eine Operation entfernt werden müsse. Diese wurde auch ausgeführt und bestand darin, datz ihr der„Herr Doktor" eines Tages einen 5 Zentimeter langen Schnitt unterhalb der rechten Schulter beibrachte, ihr dann ein Fläschchen mit einer angeblich aus dem kranken Körper hcrausgesaugten Flüssigkeit zeigte. Fräulein W. mutzte 14 Tage lang das Bett hüten, ohne daß sie nach ihrer Meinung von ihrer„undefinierbaren" Krankheit befreit wurde. Der Angeklagte machte ein bedenkliches Gesicht und schritt zu einer zweiten Operation, die in einem gleich- falls 3 Zentimeter langen Schnitt über der 9. Rippe bestand. Nun war die Kur geglückt— nämlich für sein Portemonnaie, das sich mit einem von ihm geforde.ten Honorarvetrage von 122 M. füllte. Wie später von ärztlicher Seite festgestellt wurde, lag zu der ganz zwecklosen Vornahme der Schnitte auch nicht die geringste Veranlassung vor, denn Fräulein W., die nur sehr nervös ist, batte keinerlei inneres Leiden, so datz die sogenannten„Opera- tioncn" als direkte Körperverletzungen anzusprechen sind. Neben dieser glanzvollen„Kur" wurden dem Angeklagten noch zwei kleinere Versehlungen zur Last gelegt. Als die Patientin nach der ersten Operation im Bett lag, hat er ihr einen goldenen Ring mit einem Rubin vom Finger gezogen unter dem Versprechen, den Stein durch eiuen Brillanten, den er aus Amerika mitgebrackit, zu ersetzen. Die Patientin hat den Ring erst nach vielen vergeb- lichcn Bemühungen wieder erlangen können.— Der Angeklagte bestritt, die?lbsicht des Betruges und der Körperverletzung gehabt zu haben. Er habe bei-der körperlichen Untersuchung durch Be- borchen und Beklopfen festgestellt, datz bei der Patientin die inneren Sauptorgane— Herz und Lunge— gesund seien, da aber das Fräulein sich fest einbildete, krank zu sein, habe er, um sie von dieser eingebildeten Idee zu befreien, ihr die zwei ganz ober- flächlichen Schnitte beigebracht. Was den Ring betrifft, so handele es sich um einen nicht sehr wertvollen synthetischen«kein, dessen Rückgabe sich durch Zufälligkeiten verzögert habe.— Der Staats- anwalt beantragte gegen den Angeklagten VA Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf zehn Monate Gefängnis unter An- rechnung auf einen Monat Untersuchungshaft. Versammlungen. Die Forderungen der Burcanangestellten. Zu einer eindringlichen Kundgebung gestaltete sich eine öskent- liche Versammlung der Bureauangestellten Berlins, die am Miit- woch in den Jndustrie-Festsälen, Beuthftr. 29, stattfand und an der sich der Verband der Burcauangestellten Deutschlands, der Verband Deutscher'Rechtsanwalts- und Notäriatsbureaubeamten und der Verein der Bureauvorsteher der Berliner Rechtsanwälte und Notare e. V. beteiligten.. Genosse Dr. Rudolf D r e i t s ch e i d referierte über das Thema: „Die gesetzliche Regelung unserer Berufsverhältnisse." Völlig in den Bann seiner wirksamen Ausführungen zwang Breitscheid die Versammlung, als er an Hand von statistischen Zahlen die geradezu jämmerlichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Burcauangestellten belruchtete. Bedingungen, die teilweise geradezu gegen die guten Sitten verstießen. Im übrigen gipfelten des Redners Aus- führungen in den Forderungen, die im wesentlichen in der vorge- legten Resolution enthalten sind. Borsitzender Karl Bauer teilte mit, datz alle Fraktionen des Reichstags eingeladen seien, indes aber nur der Abg. Giebel er- schienen ist. Zwei Vertreter des Sozialen Ausschusses hatten sich schriftlich entschuldigt. Jusiizrat Wrefchner hatte die Bestrebungen der Angestellten im großen und ganzen als berechtigt anerkannt. Justizrat I a k o b s o h n hatte weiter die Mitteilung zugehen lassen, datz der Deutsche ÄrOvaltSverein, auch wenn die schweben- den Tarifverhandlungen mit den Angestellteltvertretern abgeschlossen seien, eisten Druck wegen Durchführung des Tarifs aus seine Mit- gliedcr nicht ausüben könne. Reichstagsabgcordneter Giebel erklärte im Namen der sozial- demokratischen Reichstagssraktion, datz diese alles aufbieten werde, um den Angestellten zu ihrem Rechte zu verhelfen. Ingenieur Lüde mann erklärte, datz es den Technikern und verwandten Bcrufsgenossen ebenso schlecht gehe wie den Angestellten und sie gewillt seien, mit diesen den Kampf gemeinsam zu führen. Nach einem eindrucksvollen Schlußwort des Vorsitzenden Bauer nahm die Versammlung einstimmig folgende Reso- lutioil an: „Die Versammelten verlangen die alsbaldige gesetzliche Rege- lung der Berutsverbältnisie der AnwaltSangestellten. Diese gesetzliche Regelung ist notwendig, selbst dann, wenn die Tarifverhandlungcn die mir dem Deutschen AnwaltSvcrein ge- führt werden, zum Ziel gelangen. Derartige Tarisbercinbarungen sind nicht geeignet, gesetzliche, zwingendes Recht darstellende Bc- stimmungen zu ersetzen oder überflüssig z» machen. Die Versammlung verlangt zunächst für die Bureauangestell- ■ ten die rechtliche Gleichstellung mit den Handlungsgehilfen unter Einbeziehung der einschlägigen Bestimmungen des Handelsgesetzbuches, der Gewerbeordnung und des KausmannSgerichtsgesetzes. Ferner verlangt die Versammlung von der Gesetzgebung ein ausnahmsloses Verbot der SonntagSarben. den achtstündigen MarimalarbeitSiag, einen zusammenhängenden Urlaub von min- d Ostens 14 Tagen im Jahre, Unterstellung der Biircaube.tricbe unter die Getoerbcinspellio», Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Burcauangestellten. Die von der Regierung beabsichtigte Regelung im Anschluß an die Anwaltsordnung hält die Versammlung nicht für zweck- mätzig, da alsdann wichtige, oben angedeutete Fragen unerledigt bleiben würden. Es werden vielmehr die Bestrebungen a:r Zentralisation der. geltenden Schutzbestimmungen zu einem ein- heitlichen Angestelltenrccht begrüßt." Generalversammlung der Hut- und Filzwarcnarbeiter. Die Vor- siandSwahl für die Filiale Berlin vom Sonntag, den 25. Januar, hatte folgendes Ergebnis: Vorsitzender Max Bahlke; Schrift- sührer Max Arlt; Beisitzer Erich Nawrazell, Robert Grande und K a r l K l a l t.— In der Generalversammlung gab M ö ck e l zu dem gedruckt vorliegenden Jahresbericht einige Er- gänzungen. Trotz der ungeheuerlichen Arbeitslosigkeit im Beruf ii. es möglich gewesen, den Mitg lie verstand auf 1115 zu er- halten. Beachtenswert find auch sin Hinblick auf die wirtschaftliche Lage die Erfolge der Verhandlungen zwecks Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es wurden in 24 Be« trieben für 79 Beschäftigte eine Lohnerhöhung von pro Woche 399 M., ür 145 Bezahlung der Ueberstnnden. für 92 Verbesserung der Arbcitsbe- dingungen und für 8 eine Verkürzung der Arbeitszeit um 48 Stunden pro Woche erzielt. In 28 Betrieben wurden namhafte Verschlechterungen ab- gewehit.— Der K a s s e n a b s ch l u tz weist bei einem augenblick- lichen Bestand von 6913 M. in Einnahme und Ausgabe 34 225 M. aus. Die Ausgabe setzt sich auS folgenden hauptsächlichsten Posten zusammen: es wurden gezahlt an Arbeitslosenunterstützung 1�525 M., an Krankenunterstützung 5922 M., sonstige Unterstützungen 1251 M. Den Umfang der Arbeitslosigkeit beleuchten nach» mde Zahlen: Männliche Arbeitslose Tage verheiratet 523 18 259 ledig 197 5 857 Weibliche Arbeitslose Tage verheiratet 71 1 693 _ ledig 49 1331 msgewint 840 27 165 Durch den Arbeitsnachweis wurden sämtliche gemeldeten 596 Stellen besetzt. Der Referent ging dann noch ans die tobende Hetze gegen die Koalitionsfreiheit ein und ermahnte die Versammelten init beredten Worten zu eifrigster Agitationsarbeit. An den Bericht schlössen sich die Kommissionsberichte an, sowie eine längere Diskussion über einzelne Punkte. Zu dem Ortsstatut machte M ö ck e l einige erläuternde Aus- 'ührungen. Auch hieran knüpsle sich eine längere Aussprache, sodatz ichlietzlich die Vetsammlung vertagt werden mutzte. Die Branche der Kauf- und Warenhäuser, Mitglied des Deut- ichen Transportarbeiterverbandes, hielt ihre Jahresversammlung in den Coronasälen ab. Die gut besuchte Versammlung hatte eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Fröhlich gab den Jahresbericht. Die Lohnbewegungen haben den Branchenmit- gliedern erhebliche Vorteile gebracht. Der mit der Firma H. Joseph-Neukölln vereinbarte Tarifvertrag sieht Löhne von 28,59 bis 36,59 Vi. vor. Ueberstnnden werden mit 69 Pf. bis zu 1 M. vergütet. Durch diesen Tarisabschlutz werden ganz bedeutende Lohn- Zulagen erreicht. Das Organisationsverhältnis in den Waren- Häusern der Firma H. Tietz ist leider ein ganz unbefriedigendes. Die 191-Mark-Konventionalstrase, welche die Firma seit dem Jahre 1997 eingeführt hat, hält die Hausdiener ab, sich der Organisation anzuschließen. Der Tätigkeit der Branchcnleitung werde nach einer den Bericht ergänzenden Diskussion zugestimmt. Nach den vor» genommenen Neuwahlen zur Branchenleitung beschäftigte sich die Versammlung mit der Herausgabe der Bons für die Weihnachts» Unterstützung der Arbeitslosen. Nach einer sehr lebhaften Tis» kussion wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der es heißt: Die Versammelten sprechen ihre Entrüstung darüber aus, daß die Berliner Gewerksckiaftskommission den organisierten Ar- beitern Warenhausfirmen für ihre Einkäufe empfohlen hat, die ihren Angestellten ein uneingeschränktes Koalirionsreckit nicht gc- währen, im Gegenteil Reverse unterschreiben lassen, die den Ar» beitern eine Konventionalstrafe von 191 M. aufzwingen. Anderer» seits ist es den Versammelten unverständlich, daß eine Firma für die Weihnacbtseinkäufe nicht berücksichtigt wurde, die in jeder Bc» ziebung tariftreu ist und zurzeit die höchsten Löhne in der Branche zahlt. Die Versammlung nimmt weiter Kenntnis von den Aus« führungen des Genossen Böske iu der Kreisgeneralversammlung des Wahlvereins Teltow-Beeskow, nach welchen die in Frage kom- Menden Gewerkschaften keinerlei Einwendungen gegen die Berück- fichtigung solcher Warenhäuser erhoben hätten. Tie Versammlung stellt fest, daß seitens der Organisationsleitung alles getan worden ist, dem Ausschutz der Berliner Gewerkschaftskommission nur solckie Warenhäuser in Vorschlag zu bringen, welche den gewerkschaft- lichen Forderungen voll und ganz Rechnung tragen.— Hierauf erfolgte Schluß der stark besuchten Versammlung. Briefkasten üer Reüaktion. Tie lurtfttisc efttMuntt findet 2 tnt e n 1 1 et t 69,»orn»ier Steppt« — Fayrftupi—, wochtiitä glich l»»i 4>z> bis?>i> Uhr abends, kannadend», «an 416 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflasten drttimmten ülnsrag» ist et» Buchsiave und eine Zahl als Mertzeichcn betzufügen, iv riefliche Antwott wird nicht ertcilt. Anfragen, denen leine Adannementsautttnng deigkfägt ti», urrd'l,«ich, bcantwortrr. Eilige Fragen trage man tn der Sbrechünude var. Reukölln, Friedelstrahe. 1. Die Bestellung eines Anwalts ist kein Er- fordernis, Ihnen jedoch srcigcstellt. Das Anwallshonorar würde mindestens 30 M. ausmache», 2. Ohne Kenntnis des Sachverhalts nicht zu beantworten.— P. 8. 1., Köpenick. Die Kasse ist im Recht.— F. H» 2,50 M. pro Kalenderjahr.— A. B. Ä.». Ihre Frage ist bereits im Bricskaftcn vom 27. d. Mts. unter der Chissre E. K. beantwortet worden. — 91. E. 105. DaS Testament kann auch durch eigenhändige mit Orts- bezeichuung, Datum und Unterschrist versehene Niederlchrist deS einen Teils errichtet werden. Der andere Ehegatte mutz den gleichsallS cigcuhändia gc- schrtebcncn mit OrtSbczcichnung. Datum und Unterschrift versehenen Zmatz machen, datz das Testament auch als das scinige gilt.— C. I. 33. 1, Nein, wohl aber ein Anscchtungsgrund. wenn nicht die jechsmonatliche Frist oerstrichen ist. 2. Nein.— EI. 88. 1. Ja, salls der Nachweis er- bracht werden kann, daß die Frau die Mischung bewirkt oder veranlatzt hat. 2. Einige Monate. 3. Etwa drei. 4. und 5. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts, das vom Gericht sestgesetzt wird. Einen beftimmim Rechtsanwalt empfehlen wir nicht,(i. und 7. Nein.— A. D. 37. 1. Eine lvortgctreuc Vergleichsabschrist tonn vom Gericht erfordert werden. 2. Ja. — M. M. 15. 1. Leider nicht. 2. Für das sechsjährige Kind kann Waisenrente beantragt werden. Autzerdem hat die Witwe'Anspruch aus Witwenrente, soscrn Invalidität vorliegt.— K. B. Ja.— Vi SS. 1000. Die Angabc deS Namens iätzt sich nicht erzwingen.— Fh. S>. 29. Der Vergleich ist unwiderruflich. Eine neue Klage kann daher nicht erhoben werden.— Anna 30. 1. Sic können auch ohne Beibringung einer solchen Bescheinigung die Ausstellung einer Ouittungskartc verlangen. 2. Dem Antrage wird'zweclmätzigcrwcise eine Bescheinigung des behandelnden Arztes beigesügt. DaS Gesuch ist au das Bureau, Fricdrichstr. 207, Hos rechts II. zu richten. Spröchstunde zwischen 11 und � 1 Uhr. 3. Ersahren Sie dort. 4. Unterbaunistr. 7, Königliche Ckaritö. Man- tag und Freitag zwischen 4 und �I|� Uhr. Sonntags zwiichen 0 und 12 Uhr. — A. F. 1. 2. 3.>. Nr. 2. Ist ivodt zur Einlösung, aber nicht zur Beräutzermig deS BrlllantringcS berechtigt. 2. und 3. Es kann öffentliche Lersleigenmg des Ringes veranlatzt werden, nach vorheriger Aussordcruug zur Einlösung unter Schling ciiicr Frist. Zwischen der Aufforderung und dem Bersteigerungstcrinin mutz eine Frist von mindestens einem Monat liegen.— E. B. 12. Das wäre eventuell ein Anscchtungsgrund. wenn nicht die sechsmonatige Anscchtungssrist, die von Kenntnis des Grundes abläuft, verstrichen ist— E. Bö. 30. 1. Eine Gefahr besteht nicht. Die Rückzahlung erfolgt auch dann unter den statutarischen Bestimmungen. 2. Die Lohnzahlung kann verlangt werden beim Verlassen der Stellung.— E. H. 16. 1. Nein. 2. Die Kündigung durch eingeschriebenen Brief gc- nllgt. 3. Nicht erforderlich. Um die Löschmig zu erreichen, müssen Sic jedoch«inen Erblchcin beschaffen. Der Antrag ist bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihre Mutter gestorben ist, einzureichen. 4. Nein. ö. Wenden Sie sich an den Borstand der Friseurinnung.— R. H. 50. Die Kürzung lvar unberechtigt. Es kann beim Amtsgericht Klage erhoben werdv».— 91. Lud. Falls Sic die Bezabtung nichl uachmeiseii tonnen, raten wir, den Betrag zu zahlen. Eine Berpslichlmig, den Stempel bei der letzten Mietszahluug zu fordern, bestand jür deu Ber- Walter nicht.— C. St. 6. 24- Psemiigmarken.— C. W. Ja. —clbcn kann auch der Eid zu- geschoben werden.— R. P. 14. Die r..rlspolizeibehörde.— A. H. 15. i. Nein. 2. Tic Herabsetzung ist zulässig. 3. Auch das BersteigerungS- verfahren in der Form, wie die Brauerei Ihnen mitgeteilt bat. kann ein- geleitet werden. 4. Die Sparkasse ist zur Austunst erst verpslicht, wenn die Elbeslegitimation gesührt ist und Sie in dem Erbscheiu, der beim Amts- gcricht, in dessen Bezirk der Erblasser verstorben ist, zu beantragen ist, als Erbe bezeichnet find.— W. 40. Das erhaltene Krankengeld kann von Ihnen zurückgesordert werden. Sie können jedoch die geleisteten Bditräge kürzen.— Vi. 10O. 1. Ja, mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Hast- strafe bis zur Dauer von 6 Wochen. 2. Unf««» Erachtend ja. 3. Nein. /l 711 Li* Äcwte biUiae. JCetemmmsl Fleisch Odi$enschmorflelsdiPM95 w- Roastbeefpw 90 Pf.ohn �.140 Sdiweinekoteletten Pfund 1.00 Sdiweinekammn.sthuffPfd 80 Pf- Pökelkamm..... p» 80 Pf- Rückenfelf Pfd.55i-"e>e"PM- 70 p'- Kass. Rippespeer �ek««°d' 85 Pf- arnnd�Ptd' 75Pf- MIrtel.tflcfc 95 Pf. Kalbskeule w» g»n«ea Pfund 1.10 Kalbsrüdcen w>»»»-«» Pfund 1 10 Kalbsbrust spitze« pm"rf" 1 00 Kalbskamm Pfd. 80' 85 Pf- Starke Hasen 3 00« Kaninchen wfWe.Buntreifi 70, 85 Pf- Wursfwaren Rollschinken».«-epfund.ptd. 1.45 Landschinken e».s--iapfd.,Ffd. 1.40 Teewurst......... Pf«od 1.20 Schinkenspeck 1-20 Jfus eigener Wurstfabrik: Rotwurst...... Pfund 55 75 Pf. Jagdwurst........ Pfund 1.10 Landleberwurst.. Pfund 90 Pf- Pastetenleberwurst Pfund 1.15 Butter Kodi-u.Backbutt.Pfd. 1. 10» 1.18 Tischbutter Pfd. 1.28'/.?">-? 64?«. Tafelbutter Pf« i,32,''-pm-p 66Pf- Gefluge» Suppenhühner stok. 1.6O M92.70 Brathühner,.stuck 1.60»>»2.70 Poulets 2.30» 2 70. gefroren 1. 30 Haselhühner..... stuck 80 Ff Schneehühner stuck 88 Pf. 1.15 Puten.... Pfund 78» 83, 95 Pf- Enten........ stuck 3 m.. 3.90 Sprotten TSi 42 Pf Gänse gefroren, Pfd 45, 55 Pf. Fische Kabeljau�- Kopf. i«g|u«n 16 Pt. Rotzungen Pfund 25 Pt. Steinbutten Pfund 75 pt. Zander Pfund 68 p'- LadlS In ganzen Flechen. Pfund 35 Pf Lebende Plötzen Pfd 40, 60 p( Grüne HeringeMandei25u 55 p' Seemuscheln... 100 stuck 3.00 Frische Hechte---- Pfund 60 p' Leb. Karpfen pfd70J 90 Pf. 100 Lebende Schleie... Pfund 115 Lebende Foreilen. Pfund 1.90 Obst und Gemüse Apfelsinen Dutzend 18, 28, 35 Pf. Blut-Orangen Dutzend 28, 38 Pf Mandarinen---- 2 Pfund 45 Pf. Graue Reinetten Pfd. 18,28 Pf. Kalif. Aepfel.. Pfund 30, 38 vi. Kochäpfel....... s Pfund 65 Pf. Blumenkohl. Kopf 10, 13, 18 Pf. Weißkohl........ Pfund 2 Pf. Rotkohl.......... Pfund 5 Pf. Mohrrüben..... 4 Pfund 10 Pf. Schwarzwurzeln s ptund 25 Pf. Ananas....... Pfund 55, 65 Pf. Feigen....... Körbchen 25 Pf. Tomaten...... Pfund 20, 25 Pf. SSSOCSkcSST Georg Otto, Flkisch- unb Mucheiltrilt Wichert«Straße 1 empfiehlt ff. Fleisch- n. Wnrstwaron zu billigen Tagespreisen. Der Betrieb ist tariflich geregelt- Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Lnger.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei Ohne Zweifel die bequemste u.wtrksamfteHilfe. 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Februar 1914. Ansang 6 Uhr. Cines Palast am Zoo. Darietö- Lichtspiele. Ansang e'/, Mr. «iueSNollendors-Theater.Varietb- Ltchtspiel«. Anfang 7 Uhr. Deutsches Opernhaus. Parfisal. ''' Anlang 7>/, Uhr. Kgl. Opernhaus. Sinsoniekonzert. «gl. Schauspielhaus. Uriel Acosta. Deutsches. Hamlet. LeMug. Peer Gynt. ZirkuS Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 7« Uhr. Metropol. Die Reise um die Well i» 40 Tageu. Antang 8 lldr. Frantsurter. «merspiel Winter w der Schweiz. '' Die füns Urania. «ontggrätzer Strafte Kauimersptele. Der Snob. Deutsches Künstler< Theater. Schirin und Gertraude. Komödienhans. Kammermusik. Theater an der Wetdendammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater um Nollendorsplaft. Prinzetz Greil. SuftsptelbauS. Die spanische Fliege. Montis Operette«. Die verbotene Stadt. Schiller O. MeyerS. Schiller Gharlotteuburg. Herodes und Mariamnc. Theater des Westen». Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. «tlcines. Jettchen Gebert. Triauo«. AnatoleS Hochzeit. Thalia. Die Tangoprinzelstn. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wtlhelmstädttsches. Fräulein Trallala. Rose. Im weißen RStzl. Kasino. Die olle Webern. Herrufeld. WaS jagen Sie zu Letbusch t Reichshalle«. Stettmer Sänger. Wiutergarte«. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- paguie. Ansang S'l, Uhr. Luisen. Deines Bruders Weib. Walhalla. Tangofieber. Folie» Kaprice. Cafn Pringshcim. Der HelratSgras. Meyersteins. Ansang 8'l, Übt. Neues Boltstdeater. Der Graf von Charlais. Admiralspalast. Die lustige Puppe. Anfang 9 Udr. Berliner t>».«.v,ilast. Eissport. EtuesRollcttdors-Theater.Variets- Lichtfpiele.- « Ster« warte, Jnvalidenstr. 57—«2 »Kiileiii-Iliesles»». Hoheit— der Franz! 8 Uhr MufikaUfche GroteSle in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolsf. Musil von Robert Winterberg. Morgen u. f. Tage.- Hoheit» der Franz! Seiler-Theater 0. (W allner-Theater). Frellag. abends 8 Uhr: Meyer«. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Stutzen der Gesellscbaft Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Cresehiift l«t Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Rosonmontag. Schiller-Theater"TC Freitag, abends 8 Uhr: Merodes lind Marlamne. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Zopi and Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: -A-ndrea» Hofer. Sonntag, abends 8 Übt; Die beiden I.conoren. Abends 8 Übt: Die stuf Frankfurter. Komüdieahatis. öUhr. KammkMllüli.«Uhr. Lerliner Thealer. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. Tbcatera.d, Weidendammerbr ücke 8 Uhr: Wer zuleftt lacht. Ideater des Westens. 8 uhr- Polenblut. Deutsches Künstlertheater »ozletiU. Nürnberger Sti-aSo 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Freitag, abends 8 Uhr: Schlrln nnd Gertraude. Sonnab., 3'/,: Peterchens Mondfahrt. , 7-/. Uhr: Zum ersten Mal«: lläs Fhaatorn. Komödie in 3 Akten o. Herm. Bahr. Mizf am Nolleßdorlplatz§. s uht: Prinzeß öretl. Morg. Sonnab. 4; Die Schiffbrüchigen. !0SE=THEATE| URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Vinter in der Schweiz. Voigt- Theater Badstrafte 38. Freitag, den«. Februar: ver öoldbauer. Schausp. 1 4 Alt. v. Ch. Birch-Pseifier. KassenerSssn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Voranzeige! Mittwoch, 11. Februar: venefiz für Paul vdfng: In letzter Stande. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Ubr: Anatole. Hochzeit. Reiehshallen-Theater Stettiner Sänaer Zimmer Mo. 1 Urkomische Burleske. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermätz. Preisen: Eine Hochzeit in öer Milterstr. Vereinigte Berliner Volksbühnen. K/ni«en-Theater. 8»;« Uhr: DeineS Bruders Weib. Schauspiel in 5 Akten von Ernst Ritterseldt. Walhalla-Theater. Abends 8'/. Uhr: TanKoficber. Große Posie m. Ges. u. Tanz in 3 All. v. Erich Urban. Sratterei 7riedrichshain Täglich außer Sonnabends: Das stimmungsvollste Bayr. Bockbier-Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. :: Berliner:: Konzerthaus J?„Clou" *——— Mauerttrafie 82.— ZimmerstraBe 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikkorps des 1. Garde-Dragoner-Regiments. Dirig.; Oberm. Baarz und Tegernseer and Zlllcrthaler Haslkanten, Dirig-. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pt. Anfang 8 Uhr. Cr. NachmiHags-Koiiferl Große Frantturler»tr 132. Zu der heutigen Vor- stcllung find, amtliche Billetts vergeben. Sonnabend 4 Uhr: Rotkäppchen. , 8 Uhr: Kinder d. GroBstadl. Sonntag, 3 Uhr: Kinder d. GroBstadl. , 8 Uhr: Othello. Wi'.-VjllieWlll. Theater. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. Von Okonfowski, rilhaH Leipziger, ullllölT. Kaffeueröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonnlag, 8. Febr., nachm. 3 Uhr: __ Die Kino- KBalgln. Heue Welt. Arnold Scholz. Haaenhelde 108/114. Heute Freitag, den 6. Februar 1914 sowie thglich: Bockbierfest in den bayerischen Alpen. Anfang wochent. 7 Uhr. Entree wochent. SO Pf. „ Sonntag. 4 Uhr.„ Sonntag. 60 Pt. O Kapellen. 30 bayrl.che Hadl. Tanzrad. Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Sonntag- Größer Ball. Toranzeige! Morgen Sonnabend, den 7. Febr.: In«hmtllchen Fcst.illen, über 10 000 Personen fassend; Bockbierfest und Ball. bilden. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr ab halbe Kaesenprcise. __________________________________ Wein- u. Bier- Abteilung «mtwortlicher Redakteur: 91 r eb"® ietepv,Neu!ölln.�Für den JnserÄenteil veräntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag.'Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagsanstattPaül'Singer& QoH Berlin SVf, äs 1. Sctorai. Heute Freitag, den 6. Februar, abends 71/, Uhr: Große Elite-Vorstellung U. a.; Original Ldttle Fred. Akrobat, u. kunatreit. Hunde. AkrobatlM;her Heitakt Geschw. Bhunenfelds. Therese Ben. dress. Elefanten u. Ponys. Crescendo u. Forrest, Musik. Akt Kn-Ka-Dl'. genannt„Die Goldmephistos". Ueach-Laquina-Trlo Dtahtseüakt. DBS- Um 91/« Uhr: MS> Die neue gr. Ausstatt i. 7 Bildern „Tipp" der Derby- Favorit 1914. Neues Programm! Madge Lessing nnd Fred Wright in Jalloh Madge! Bailoh Freöyf' Grock u. 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Vordem hatte die bürgerliche Mehrheit des Ausschusses nicht nur den genannten sozialdemokratischen Antrag abgelehnt, sondern auch einen weiteren Eventualantrag unserer Genossen im Ausschuß, dem Zentralverein für Arbeitsnachweis »00 000 M. zur Verwendung für arbeitslose Arbeiter und Angestellte zu überweisen. Nach dem vorliegenden Rechtsgutachten eines Berliner Magistratsrates sind die politischen Rechte des Empfängers einer städtischen Unterstützung bei Arbeitslosigkeit nur im Salle einer Arbeitslosen Versicherung völlig gewährleistet, in allen anderen Fällen und besonders, wenn dem einzelnen Arbeitslosen Unterstützung gewährt wird, was ohne genaue Prüfung der Hilfsbedürftigkeit nicht möglich sei— denn es könne fa der Betreffende, nach Meiitung der Bürgerlichen im Ausschuß, noch private Geldmittel zur Verfügung haben—, sei das als Armenunterstützung zu betrachten und habe die Entziehung des Wahlrechts in Staat und Kommune zur Folge. Der einzige Ausweg sei die Ucberlveisung an einen Wohltätigkeitsvcrein. Die Ueberweisung von städtischen Mitteln an die Organisationen der Arbeiter und Angestellten zur Unterstützung derjenigen ihrer arbeitslosen Mitglieder, die zurzeit keine Unterstützung aus ihrer Organisation er- halten, also ausgesteuert sind, lehnte die bürgerliche Mehrheit des Ausschusses rundweg ab. Man könne, so hieß es, unmög- lich einer Bcvölkerungsklasse Zuwendungen machen, auch andere Schichten der Bevölkerung hätten unter der herrschen- den Notlage zu leiden, die keinesfalls bestritten werden solle. Dem Hinweis auf die 1 Million für die„notleidenden".Hans- besitzer wurde nlit dem Einwand begegnet, daß es sich hierbei nicht um Unterstützungen, sondern um Darlehen handele, die noch dazu verzinst werden mühten. Aber das hat wohl den Anlaß gegeben, die Form des Darlehens auch für den vorliegenden Fall zu wählen, nur hat man dabei mehr die selbständigen Elemente des Kleinbürger- tums im Auge, als die große Masse der Arbeiter und Ange- stellten, die durch die Anträge unserer Genossen geschützt wer- den sollten. Aus dem Grunde lehnte man es auch ab, dem Zentralverein für Arbeitsnachweis die notlvendigcn Gelder zu überweisen, einer Körperschaft, die wie geschaffen ist für einen solchen Zweck, nachdem die Stadt sich den maßgebenden Einfluß auf diesen Verein gesichert hat. Inzwischen hat auch eine ganze Reihe Gemeinden, von denen Material eingefordert worden war, anläßlich der Herr- schvnden Krise Mittel zur Unterstützung der Notleidenden zur Verfügung gestellt, was als A r ni e n u n t c r- st ü tz u n g nicht gilt. Darunter auch unsere Vorort- gemeinden Adlershof, Johannisthal und Weißensee, die das in Form von Tarlehen gewähren. Nach diesem Modus soll nun auch in Berlin verfahren werden, sofern die Stadtverordnetenversammlung dem Antrage Cassel ihre Zustimmung gibt. Die Entnahme der Gelder aus dem Armenetat, wogegen sich unsere Genossen wendeten und beantragten, den Dispositions- fonds für unvorhergcsehane Fälle dafür zu setzen, begründete man auch voni Magistrat damit, daß dann die Kontrolle er- leichtert sei und verhütet tverden könne, daß jemand neben der ArmenunterstützuNg«och ein solches Darlehen bis zur Höhe von 40 M. bezieht. Ausdrücklich wurde erklärt, daß bezüglich dxr Rückzahlung keinesfalls rigoros verfahren werden solle. Einige der Bürgerlichen wendeten sich energisch auch gegen diesen Antrag, weil das der erste Schritt sei zur kom- munalen Arbeitslosenversicherung. Von unseren Genossen wurde erklärt, man müsse schon fanatischer Gegner einer jeden Arbeitslosenversicfcrung sein, um derartiges in diesem Antrag zu erblicken. Sie würden aber für den Antrag Cassel stimmen, da zum ersten Male die Zuwendung von Barmitteln außer dem Rahmen der Armenunterstützung damit anerkannt wird und dadurch die politischen Rechte nicht gefährdet sind, außerdem dieser Weg den Arbeitern und Angestellten nicht abgeschnitten werden dürfe, die da glauben, ein solches Dar- lehen aufnehmen zu könne,?. Das, was man mit moderner Arbeitslosenfürsorge über den Rahmen der sogenannten Notstandsarbeiten hinaus be- zeichnet, liegt allerdings in dem Antrag Cassel nicht. Aber es fei ein kleiner Schritt nach vorwärts. Aufgabe unserer Gc- nossen wird es sein, die bürgerliche Mehrheit in, roten Hause zu weiteren Konzcssionen auch in dieser Frage zn drängen. Und bei einigem guten Willen muß nach Verständigung init den Vorortgen, eindcn die Schaffung einer kommunalen Ar- beitslosenversicherung möglich sein, wie es in der Arbeitsnach- weisfrage schon geschehen ist. Eingemeinöung von Reinickendorf nach Serlin. Die Einverleibung nach Berlin zu beantragen hat am Mittwoch die Gemeindevertretung in außcrordcnt- licher und geheimer Sitzung beschlossen. Der Beschluß ist ein- stimmig gefaßt worden. Der Magistrat von Berlin wird sich in seiner heutigen Sitzung bereits mit dem Antrage beschäftigen und dürfte ihm.— den gepflogenen Vorverhandlungen nach zu urteilen— ohne Widerspruch zustimmen. In dem Antrage wird für die Einwohner Reinickendorfs ge- fordert die sofortige Gleichstellung mit den übrigen Bürgern Berlins. Die Abfindung an den Kreis soll Berlin zahlen. Die gesamte Beamtenschaft und die Lehrer sollen mit übernommen werden. Von den leitenden Beamten sollen der Bürgermeister und der Beigeordnete ebenfalls in Diensten der Stadt Berlin übertreten oder abgefunden werden. Die Durchführung der beiden SHrzeit schwebenden großen Projekte Ost-West-Verbindung und parkähnliche Anlage der Sccpromenade in einigen Jahren soll garantiert werden. Berlin tritt in die sämtlichen ctatsrcchtlichen Verhältnisse der Gemeinde Reinickendorf ein, übernimmt deren— ziemlich umfangreichen— Grundbesitz, das Krankenhaus und das Rieselgut Schöncrlinde mit allen der Gemeinde Reinickendorf daran zustehenden Rechten und Lasten. Die Berliner Stadtverordneten- Versammlung dürfte sich in einer ihrer nächsten Sitzungen bereits damit zu befassen haben und steht deren Zustimmung zur Ein- vcrleibung wohl außer Frage. Zur weiteren Bearbeitung dieser Frage hat die Gemeindevertretung eine Kommission gewählt, bc- stehend aus den Herren Bürgermeister W i l k c, Beigeordneten R e i ch h e I m, Direktor Busch, Rechtsanwalt Pinkus»md unserem Genossen Schönberg. Der Beschluß der Gemeinde Reinickendorf dürfte weiteren Kreisen etwas unerwartet kommen. Soweit Reimckendorf selbst in Frage kommt, handelt es sich um eine arme Gemeinde, die heute schon erheblich hohe Zuschläge erheben muß, um den Gemeinde- bedarf zu decken. Für eine solche Gemeinde, ist es eine Lebens- frage, nach Berlin eingemeindet zu werden. Für Berlin würden zunächst Lasten entstehen, die aber angesichts des Etats der Stadt Berlin und der einsetzenden einheitlichen Verwaltung weniger ins Gewicht fallen. Andererseits sind für Berlin bei einer Eingemein- dung von Reinickendorf nach Berlin nicht unwesentliche Vorteile verbunden. Der große unbebaute, noch verhältnismäßig billige Grundbesitz würde der Stadt Berlin gute Verwendungsmöglich- leiten bieten, wobei nicht verkannt werden soll, daß dieser Wert bei einer Einverleibung nach Berlin sich erheblich steigern würde. Berlin würde seine Nord-Süd-Bahn ausdehnen können und wert- volle Zubringerlinien erhalten. Außerdem würde Berlin als Eigentümerin bis an die Liebenwalder Bahn heranrücken und so den Lanker Besitz leichter aufschließen können. So dürfte eine Eingemeindung von Reinickendorf nach Berlin für beide Teile vor- teilhaft sein. Es entsteht die Frage, wie werden sich Kreis, Provinz und Staat zu dem Plane stellen? Nach den gescheiterten Eingemein- dungsverhandlungen mit Treptow sind die Hoffnungen auf diese Behörden etwas gesunken. Es ist aber nicht zu verkennen, daß an einer solchen armen Gemeinde wie Reinickendorf die genannten Bc- Hörden kein erhebliches Interesse haben. Wie es jetzt steht, kann Reimckendorf auf die Dauer ohne große Hilfe der staatlichen Bc- Hörden gar nicht mehr wirtschaften. Der Staat muß früher oder später mit Mitteln eingreifen. Der Kreis hat gleichfalls kein er- hebliches Interesse an Reinickendorf, da es doch nur eine Frage der Zeit ist, daß Reinickendorf noch im Kreise bleibt. Nach alledem ist es im Interesse des Ortes, des Kreises, des Staates und der Stadt Berlin, wenn Reinickendorf in Berlin aufgeht. Nur durch eine Eingemeindung nach Berlin dürfte allen in Betracht kommen- den Teilen genützt werden. Parteiangelegenheiten. Vierter Wahlkreis(Stralau« Viertels. Sonntag, den 8. Februar. vormittags llst/g llhr, findet die Besichtigung des Krüppelheimcs, An, Urban 11/12, statt. Treffpunkt dortselbst. Der Fraucnkursus des Zcntral-WahlvereinS Teltow-Bceskow- Storkow-Charlottenburg findet am Freitag, den 6. Februar, abends 7>/z Uhr, in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstr. 2V, statt. Um pünktliches Erscheinen der Teilnehmerinnen wird gebeten. Der Vorstand. Eharlottenburg(III. Gruppe). Heute abend �8. Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Sonntag, den 8. Februar treffen sicd die Parteigenossen im �.-Bezirk bei Bade. Kaiserln-Augusta-Allee 52-, K-Bezirk bei Lange, Reuchlinstr. 5; O-Bezirk bei Meißner, Helmholzstr. 35; v-Bezirk bei Bogalt. Luisenplatz 3; Zentralbureau bei Bolze, Sömmeringstr. 24. Schcnkendorf bei Königs-Wusterbauscn. Sonnabend, 7. Februar, abends 8 Uhr, im Lokale von Otto Pälsch: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Berichte; 2. Aufstellung der Kandidaten zur Ge- meindevertreterwahl; 3. Vereinsangelegenhciten und Verschiedenes. Schönciche, Klein-Schöneicck, Fichtenau. Sonntag. 8. Februar, nachmittags 3 Uhr: Ocffcntliche Versainmlung bei Max Mann in Schöneiche. Tagesordnung: Die bevorstehenden Gemeindevertreter- Wahlen. Referent: Genosse Schwarzburger. Aufstellung der Kan- didaten für obige zwei Gemeinden. öerliner Nachrichten. Vorfrühlingstage' find nach der großen, anhaltenden Kälte gekommen. Die letzten Schneereste sind auch draußen in, Freien zerschmolzen. Noch erscheint alles tot nnd starr. Aber die Mittagssonne umgoldet alles mit einen, lvarmen, blinkenden Glanz. Hier und da lenken schon Knospen den Blick auf sich. Allein ihre Farbe ist noch stumpf, ihre Blätter sind noch hart und spröde. Auch die Moospolsterungcn der Baumrinde sitzen fest an, Stamm. Noch sind die«säftc nicht so machtvoll ins Holz ge- quollen, daß sie die gelbgrünen, mooswolligen Bänder zer- sprengten. Aber irgend etwas nicht näher zu Bezeichnendes liegt doch schon in der Luft, das über den Winter hinforttäuschen möchte. Nicht die Drosseln und Amseln sind es, die vereinzelt überwinternd bei uns zurückgeblieben sind. Denn noch wage« sie sich nicht mit ihren ersten lcnzlichen Gesangsversuchen her- aus. Dazu sind auch die Baumkronen noch zu schwarz und starr. Erst wenn ein rötlicher Hauch um ihr Rutengewirr svielt, dam, lockt das erste Drosselflötcn hinaus in den stillen Vorfrühlingsabend und ruft irgendwo in der Feme ein antwortendes Echo wach... Noch ist die Zeit für diese Dinge mcht gekommen. Die Kälte kann ja schon morgen oder übermorgen wieder zurück- kehren, daß in wenigen Stunden wieder alles cisglitzernd und verschneit daliegt. Deshalb halten sich auch die Halnie noch schüchtern im Schollenland: und auch für die Frühblumen ist noch nicht die Zeit gekommen. Nur auf den Plätzen der Groß- stadt, zu denen der Winter ja eigentlich niemals in seiner ganzen rauhen, rücksichrslosen Art schrecket, schauen die Knospen hier und da größer und glänzender drein. Und wo eine Hasel steht, da läßt sie ihre jüngst noch harten und dünnen Kätzchen ständig flockiger und goldiger in der Februarsonne ans- leuchten, um der lärmenden Großstadtjugend wenigstens ein kleines Schaustück des langsam erwachenden Naturlebcns vor Augen zu führen. Wen aber der Weg an, Sonntag hinaus in die freie Natur führt, der wird sicherlich darüber staunen, wie sehr das gesamte Landschaftsbild die wenigen Sonnentage, die jetzt hinter uns liegen, zu ändern vermochte. Wie ein befreiendes Aufatmen liegt es über Wasser und Wald, über Wiese und Feld. Der„och jüngst hartgesrorme Erdboden hat sich zusehends gelockert. Und schon ist es mitunter, als entströme ihm jener herbe Duft, der dem Erdreich in den ersten Früh- lingstagen eigen zu sein pflegt. Man spürt es auf Schritt und Tritt, daß sich überall neues Leben vorbereitet. Nicht lange mehr-wird es währen, dam, drängen die ersten grauen Kätzchen aus dem Weidengeäst. Nur noch etwas mehr Macht braucht die Sonne zu gewinnen. Denn Vorfrühlingsstiin- mung liegt über dem Land... Tie Stadtverordnetenversammlung vollzog gestern zwei Stadtratswahlen. Bei der einen erregte das Zahlenergcbnis der Abstimmung einiges Aufsehen. Die Wahl des Stadtverordneten R c i n, a n„ zum Nachfolger des ausgeschiedenen«Stadtrats Gehrickc war gesichert, weil alle Freisinnigen ihn„nterstützten. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte für unseren Genossen Wetzl. Bei der Wahl eines Nachfolgers für den ausgeschiedenen Stadtrat Marggraff wurde die von der sozialdemokratischen Fraktion aufgestellte Kandidatur unseres Genossen A r o n s auch von der„Neuen Linken" unterstützt. Der Holzindustriclle F r a„ ck c, den die übrigen Freisinnigen auf den Schild erhoben, erlangte bei überhaupt 123 gültigen Stimmen gerade eine halbe über die Hälfte, 62 Stimmen. Auf ArouS fielen 59 Stimmen, zer- splittert waren 2 Stimmen. Entsetzlicher Gedanke, daß in der königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin bei einer Stadt- ratswahl„beinahe ein Sozialdemokrat" die Stimmenmehrheit erhalten hätte! Die Leute des Herrn Cassel atmeten erleichtert auf, als sie ihren Fraucke glücklich noch durchgebracht hatten. Der Magistrat überreichte zur Kenntnisnahme eine Mit- teilung in Sachen des A ch t k l a s s c n s tz st e m s d e r G e- mcindeschule. Seine gegen die Siebenklassenzählung gerichtete Eingabe ist vom Unterrichtsminlstcriun, mit kühler Ablehnung beantwortet worden. Die Redner aller Fraktionen beklagten das Verhalten der Regierung als einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Stadt Berlin. Genosse Bruns trug den Wunsch vor, daß nach diesem Streich gegen dic� Achtklassenschule der Magistrat den Stadtverordneten wenigstens davon Kenntnis geben möchte, wie er sich die Ausführung des Lehrplans denkt. Die sozialdemokratische Fraktion muß eine Vorlage hierüber schon deshalb fordern, weil sie ja, von jeder Mitarbeit an der Gen, ein beschul- Verwaltung ausgeschlossen, sich ans andere Weise keinen Einblick verschaffen kann. Stadtv. C a s sc I erging sich wieder in einem Gerede, das seine frühere Stellungnahme gegen die Achtklassenschule vergessen machen ivolltc. Stadt- schulrat Fischer äußerte, wie schon vor mehreren Wochen, rückhaltlos sein Bedauern über diesen für die weitere Eni- Wickelung der Gemeindeschule Berlins keineswegs glück» verheißenden Ausgang des Streites um das Achtklassensystem. Die Schulverwaltung will versuchen, die drohenden Gefahren möglichst abzuwenden. Die ganze Debatte mutete an, wie ein Nachruf auf die Achtklassenschure. Im letzten Teil der Sitzung kam es zu einer kurzen Aus- spräche über die S p o r t b e st r c b u n g c„ und den darin zutage tretenden Gegensatz zwischen Bürgertum und Arbeiter- klaffe. In einer Vorlage über Zuwendungen an Vereine ustv. beantragt der Magistrat unter anderen,, auch für d» O I tz m p i s ch c n Spiele des Jahres 1916 ein tüchtigeß Stück Geld herzugeben. Gegen die Darstellung, daß' der Deutsche Reichsausschuß für diese Veranstaltimg die zuständige Vereinigung aller deutschen Turn- und Sportverbände sei, wandte sich Genosse P f a n n k u ch. Er erwähnte die Drang- salierung der Arbeiter-Turn- und Sportvereine und deutete an, daß die hohen und höchsten Gönner der bürgerlichen Vereinigungen die olympischen Spiele durch einen Griff in die eigene Tasche unterstützen könnten. Tie ganze Vorlage ging an einen Ausschuß. Sprechstunden des städtischen Wohnungsamtes. Das Wohnungsamt hat sich im Interesse des Auskunft und Rat einholenden Teiles des Publikums veranlaßt gesehen, täglich Sprechstunden in den Diensträumen Stralauer Str. 3— 6 I von 1—3 Uhr nachmittags und außerdem Mitt- wachs und Sonnabends„och von 8—10 Uhr früh einzurichten. Abgesehen von diesen Sprechstunden ist aber auch Fürsorge getroffen, daß jederzeit dem Publikum im Bureau Auskunft erteilt wird.._ Rabatt für große Gaökonsumcntc». Jeden, Konsu», eilten der städtischen Gaswerke, welcher jährlich mehr als 5000 Kubikmeter Gas verbraucht hat, wird auf Beschluß der Gemeindebehörden ein ent« sprechend der Höhe der Gasentnahme steigender Jahreörabatt gc- währt. Die Vergütung des Rabatts erfolgt auf der letzten Rechnung am Schluß des Rechnungsjahres(31. März). Bei Berechnung des Jahresrabatts wird die Gasentnahme sämtlicher Verbrauchs- stellen eines Konsumenten zugrunde gelegt und dabei kein Unter- schied gemacht, ob die Gasentnahme zu gewerblichen oder privaten Zwecken erfolgt ist. Da nun den Gaswerken nicht durchweg bekannt ist, welche Konsumenten an inchreren Stellen Gas beziehen, empfiehlt es sich, daß diejenigen Konsumenten, welche ans den'Jahresrabatt Anspruch machen, bei den städtischen Gaslvcrkcn einen dahin- gehenden Antrag stellen und dabei ihre vcr- schiede nen Verbrauchs st eilen angeben. Die bc- treffenden Anträge müssen spätestens bis zum 31. März jedes Jahres bei der Berwatiung der städtischen Gaswerke in Berlin, Neue Friedrichstraße 109. eingegangen sein. Die Einnahmen der stäbtischen Straßenbahiicn im Januar 1914 betrugen 216 994,10 M. gegen 187 735,88 M. im Januar 1913, daS ist eine Tageseinnahme von 6999,80 M. gegeit 6056,00 M. im Januar 19l'3. Es wurden insgesamt 2 877 274 Personen gegen 2 028 257 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im -ßamlar gesahrcncit Wagenkilometer(Motorwagen und Anhänge- wagen) ist von 417 791 des Vorjahres auf 645 003 gestiegen. Die Einnahme für das Wagenkilomeler beträgt 39,82 Pf. gegen 44,93 Pf. im Vorjahre.__ Aus der Elendsstatistit. Am 1. Februar 1914 befanden sich im städtischen Familien- obdach 301 Personen, und zwar 40 Familien mit zusammen 133 Köpfen(darunter 50 Kinder und 17 Säuglinge) und 168 Einzelpersonen. Der Gesamtbestand betrug am 1. Januar 1914 25 Personen weniger. Das nächtliche Obdach tvurde tvährciw des Jahres von 157 037 Männern und 1529 Frauen besucht. Ter Tag des geringsten Besuches tvar der 1. Januar 1914 mit 4164 Personen, der des stärksten Besuches der 23. Januar mit 5401 Personen. Gebadet haben in den Brausebädern täglich durchschnittlich 684 Personen. Wannenbäder wurde» während des ganzen Monats an 510 Mäiuier und 686 Frauen verabreicht._ Ein Zusammenstof, zwischen einem Pferdcomnibus und einem Straßenbahnwagen ereignete sich gestern abend gegen 334 Uhr in der Elsasscr Straße zwischen Ackerstraße und Nosenthaler Tor. Da- bei wurden fünf Personen teils schwer, teils leicht verlxtzt. Sie wurden zunächst nach der Unfallstation in der Kcibelstraße gebracht. Unfall. Ein von der BieSdorfcr Halle kommende Kraftwagen überschlug sich in der Nähe der Frankfurter Allee infolge Awsenbruchs. In deni Wagen befanden sich Hauptmann Linnarz und Leutnant Sckramm. Der Wagen wurde ziemlich erheblich beschädigt. Die Insassen kamen ohne Verletzungen davon. Die Bereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung hat unter Führung eines Geheimen RegicrungZrats am Mittwoch, den 4. Fe- bruar, die Kleiderwerke Baer Sohn besichtigt. Mehr als 40 Herren, unter ihnen auch der Professor Muto von der Handelshochschule in Nagasaki in Japan, waren anwesend, unr die Neuerungen auf dem Gebiete der Teilarbeit in der Herstellung der Herrcnschneiderei in Augenschein zu nehmen. Einer der Inhaber der Firma trug in einem anschaulichen Vortrage die Enlwickelungsgeichichte der den wichtigsten Bestandteil der Fabrikation bildenden Nähmaschine vor. Er wies darauf hin, daß die ersten Versuche mit Nähmaschinen schon in da« Jahr l7S0 zurückreichen, in welchem Jahre dem Engländer Thomas Saint auf eine primitive, konstruktiv noch höchst unvoll« kommene Nähmaschine ein Patent erteilt worden ist. Die heutige Nähmaschine verdankt dem Amerikaner Walter Hunt in New Aork ihre Entstehung. Trotzdem gilt gewöhnlich nicht dieser, sondern Elias Howe aus Spencer(Massachusetts) als der eigentliche Schöpfer der Nähmaschine. Die in den Kleiderwerken seit mehreren Jahren erfolgte Ein- führung des Teilarbeitssystenis hat in Amerika seinen Ursprung, wo ebenso wie ii« England die Arbeitsteilung gegen Zahlung von Akkordlöhnen geschieht. Die größte Konkurrenz der geregelten Teil- arbeit erblickt der Vortragende in der Heimarbeit, in der Berufs- arbeiter und Gelegenheitsarbeiter zu niedrigeren Löhnen beschäftigt werden. In den Teilnehmern an der Besichiigung haben besonders die neuen Pikiermaschinen und die Schnellnähmaschinen, deren letztere 4000 Stiche in der Minute vollbringen, lebhaftes Interesse wach- gerufen. Auch die Bügelmaschinen, die einen Druck von 15 Zentnern erwirken, wurden als Neuheiten eingehend besichtigt. Fabrikbrand in der Reichenberger Straße. Gestern(Donnerstag) morgen kurz vor 7 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Reichenberger Straße 47 gerufen, wo in der Maschinenfabrik von Theodor Jiricka und in der Goldleistenfabrik von Grosse Feuer ausgebrochen war. Es brannten in, Erdgeschoß und ersten Stock des Fabrikgebäudes Fußböden, Balkenlagen, Schaldecken und Leisten. Den größten Schaden erleidet die Firma Jiricka, da iverlvolle Maschinen un- brauchbar geworden sind. Ueber die Ursache des Feuers war nichts mehr zu ermitteln. Eine Monatskarte auf den Namen Richard Arnhold für die Strecke Kaulsdorf-Berlin ist verloren gegangen. Um deren Abgabe an Hermann Arnhold, Kaulsdorf(Ostbahn), Dorfstraße, wird ge- beten. Vorortnachrichten. Der Etat in öer Charlottenburger Staötverorüneten- Versammlung. Nach Erledigung einiger kleineren Vorlagen wurde die De- hatte über den von unseren Genossen eingebrachten Antrag um Einführung der geheimen Stimmabgabe und Ab- schaffung des Hausbesitz er Privilegs bei den Ge- meindewahlen zu petitionieren, fortgesetzt. Die Redner der beiden jetzt getrennten alten, aus Nationalliberalcn bestehenden Fraktionen bekannten sich als begeisterte Anhänger deS Hausbesitzerprivilegs mit weit reaktionäreren Redewendungen, als man sie selbst von den Nationalliberalen im preußischen Abgeordnxtci, Hause zu hören gewohnt ist. Auch von den Liberalen trat der Stadtverordnete Porl in, Namen einer kleinen Minderheit seiner Fraktion für die Aufrechterhaltung des Privilegs ein, wobei er sich zu dem Grundsatz bekannte:„Gleiches Recht für alle", und diesen demokra- tischen Grundsatz dahin erläuterte, er bedeute nach dem Satze «Jedem das Seine", jedem ein besonders für ihn angemessenes und passendes Recht. Der Sprecher der Mehrheit der Liberalen versuchte diesen sonderbaren Heiligen mit recht kräftigen Worten abzuschütteln. Unser Redner Genosse Dr. B o r ch a r d t begnügte sich damit, in wenigen Worten die bezeichnendsten Momente der Debatte noch einmal hervorzuheben und die grundsätzlichen Gegen- sätze scharf zu betone», die unsere Weltanschauung von der der bürgerlichen Parteien trennt. Der Antrag aus Einführung der geheimen Stimmabgabe wurde einstimmig, der Antrag auf Aufhebung des Hausbesitzer- Privilegs in namentlicher Abstimmung mit S9 gegen 19 Stimmen angenommen. Das Hauptinteresse der Versammlung nahm der dann vor- gelegte Etat in Anspruch. Der Kämmerer wies darauf hin, daß er mit äußerster Sparsamkeit, aber immerhin in ausreichender Weise aufgestellt sei. Der Dispositionsfonds sei mit nur 300 000 M. bemessen gegen bisher fast 000 000 M., an Bauten für Gemeinde- schulen seien statt der beantragten 900 000 M. nur 350 000 M. ,n den Etat eingesetzt, das schade aber nichts, man könne ja .vorübergehend" die Frequenz der Grundklassen erhöhen. Trotz dieser Sparsamkeit reichen die bisherigen Einnahmen nicht aus, der Magistrat schlägt daher die Erhöhung der Einkommensteuer auf 110 Proz. vor, außerdem die Einführung einer Kino- und Lustbarkeitssteuer, von der er eine Einnahme von 175 000 M. bei 25 000 Erhebungskosten erwartet, und schließlich lehnt- er jede Revision des Normalctats für das nächste Jahr ab. Die Redner der bürgerlichen Parteien stimmten dem Kam- mcrer darin bei, daß man bei der Finanzlage der Stadt von jeder Erhöhung der Bezüge der Angestellten und Arbeiter ab- sehen müsse, sowie daß man die Lustbarkeitssteucr als annehmbare neue Einnahmequelle in Anspruch nehmen solle. Für sehr be- dauerlich erklärte es der nationalliberale Redner Geh. Reg.-Rat Dr. Stadthage», daß angesichts der hohen Provinzialtasten Berlin nicht auch zu diesen Lasten hinzugezogen werde; die Gesetz- gebung sollte doch in diesem Sinne zu Ungunsten Berlins geändert werden. Im übrigen war er wie der liberale Redner W ö l l m e r mit der vom Magistrat geübten Sparsamkeit sehr zufrieden, sie deuteten an, daß man vielleicht doch die Erhöhung der Einkommen- steuer vermeiden könne, man könne die aus der Einkommensteuer zu erwartende Einnahme nicht unbeträchtlich höher ansetzen, viel- leicht auch die Einnahmen des Elektrizitäts- und Gaswerks etwas höher veranschlagen, und so noch einmal mit 100 Proz. Ein- lommensteuerzuschlag auskommen. Dem Redner unserer Partei, Genossen Dr. B o r ch a r d t war e? unter diesen Umständen allein vorbehalten, auf die vielen Mängel des Etats hinzuweisen, auf die vielen notwendigen Ausgabe», die in ihm nicht enthalten sind. Für Straßcnpflastcrungen sei nichts ausgesetzt, obwohl seit Jahren der Spandaucr Berg als dringend der Regulierung bedürftig von allen Seiten bezeichnet werde. Der Dispositionsfonds sei viel zu niedrig bemessen. Daß aus dem Ausgleichsfonds 400 000 M. genommen werden sollen, entspreche nicht einer vorsichtigen Finanzgebahrung und der Ab- ficht bei der Gründung des Fonds, wonach er zum Ausgleich für mangelnde Ueberschüsse dienen soll. Die Ueberschüsse des Jahres 1912 betrügen nur 840 000 M. statt der erwarteten Million, infolge- dessen müßten aus dein Fonds 100 000 M. geiiouiiilen werden; daß man ihm mehr entnehmen wolle, sei umso weniger gerecht- fertigt, als das Jahr 1913 voraussichtlich fast gar keine Ueberschüsse ergeben werde, der Fonds im nächstjährigen Etat also mit einer vollen Million herangezogen werden müsse, die natürlich fehlen werde, wem, man ihn jetzt fast erschöpfe. Das Anwachsen der Provinzialsteuera um weitere 300000 M. sei gewiß bedauerlich. aber charakteristisch sei es, daß ausgerechnet von nationalliberaler Seite unsere..großstadtfreundliche" Regierung darauf hingewiesen werde, Berlin deshalb zu schröpfen. Die Erhöhung der Provinzial- lasten müßten wir umsomehr bedauern, als unsere Vertreter im Provinziallandtag nur einen sehr geringen Einfluß auf die Ge- staltung des Etats der Provinz nehmen können— sei doch seit dem Tode des Oberbürgermeisters Schustehrus nicht einmal ein Vertreter im Provinzialailsschuß, freilich nicht sowohl durch man- gelndes Entgegenkommen der agrarischen Mehrheit des Landtages, als durch die Zerrissenheit der Städte selbst, vor allem durch das heimtückische Verhalten der Vertreter von Neukölln. Ganz unerhört sei die Behandlung des Schuletats durch den Magistrat. Das langsame Vorgehen im Bau von Gemeindeschulen, das jetzt noch mehr verlangsamt werden soll, habe bereits dahin geführt, daß die Zahl der in Mietsräumen untergebrachten Klassen wieder stark gewachsen sei, auf 79, außerdem seien die fliegenden Klassen wieder eine ständige Einrichtung unseres Schulwesens geworden, nicht weniger als 12 solcher Klassen bestehen zurzeit und bei der vom Magistrat empfohlenen Schulpolitik werde ihre Zahl bald noch weiterwachsen. Ganz� unverständlich sei es, daß der Magistrat statt der von der Schuldeputation geforderten 25 neuen Klassen nur 15 bewilligen wolle, und daß infolgedessen entgegen dem bereits gefaßten Gcmcindebeschluß aus Schaffung von 12 neuen Lehrstellen nur 5 in den Etat eingestellt seien. Ebenso unverständlich sei, daß die von der Schuldeputation für den Nachhilfeunterricht geforderten 80 OOO M. ohne jede Angabe eines Grundes um 30 000 M. gekürzt sind. Es scheint demnach die Ab- ficht vorzuliegen, die zur Hebung der Volksschule ergriffenen Maß- nahmen ohne jede eingehende Beratung in den zuständigen Dcpu- tationen(Schuldeputation und der zur Beratung dieser Maß- nahmen eingesetzten Sonderdeputation) ganz nebenbei im Rahmen der Etatsberatung zu hemmen und wieder rückgängig zu machen. So zeigt der Etat an allen Ecken und Enden ganz nnerfreu- lichc Mängel. Dahin gehört auch der Verzicht aus die Erhöhung der Bezüge der Arbeiter und Angestellten. Die Stadt Charlotten- bürg ist keineswegs so bankerott, daß die untersten Angestellten sich mit so geringen Bezügen weiter begnügen müssen. Unsere Genossen haben deswegen den Antrag gestellt, die Arbeiter und Angestellten der untersten Einkommenklassen aufzubessern, wobei im allgemeinen ein Einkommen bis zu 1800 M. um 15 Proz« ein Einkommen bis zu 2500 M. um 10 Proz., ein Einkommen bis zu 3000 M. um 5 Proz. erhöht werden soll. Gewiß ist es not- wendig, für die geforderten Ausgaben auch Deckung zu schaffen. Aber die Lustbarkeitssteuer müssen unsere Genossen als indirekte Steuer schon aus prinzipiellen Gr ünden ablehnen. Sehr erhebliche regelmäßige Einnahmen können dagegen geschaffen werden durch Einführung einer direkten Wertzuwachssteuer an- stelle oder neben der jetzt bestehenden, die den Wertzuwachs nur sehr selten, nur beim Verkauf eines Grundstückes, trifft. Lehnt man solche Einnahmen ab, so bleibt freilich nur der sehr bittere Weg der Erhöhung der Zuschläge zur Einkommensteuer, der in dieser Zeit schlechten Geschäftsganges gewiß nur schweren Herzens beschritten werden kann. Etwas anderes wäre es, wenn eine Möglichkeit gegeben wäre, die höheren Einkommen mit stärkeren prozentualen Zuschlägen heranzuziehen als die geringeren Ein- kommen. Eine Aenderung der Gesetzgebung in diesem Sinne entspricht zwar einer selbstverständlichen Forderung der Gerechtig- keit, aber gerade deswegen ist sie in Preußen nicht sobald zu erwarten. Das kann unsere Genossen aber nicht abhalten, die Ausgestaltung des Etats in solcher Weise zu fordern, daß die Er- füllung der notwendigen sozialen Pflichten der Stadt in würdiger Weise ermöglicht wird. Der Etat wurde dann nebst unserem Antrage auf Aufbesserung der untersten Gehalts- und Lohnstufen und dem Antrag des Magistrats auf Einführung einer Kino- und Lustbarkeitssteucr dem StatSausschutz überwiesen. Lichtenberg. Der Erwerb des sogenannten JubiläumS-Spiel. und Sport- Platzes ist nunmehr perfekt geworden. Draußen, auf dem Gc- lände zwischen der Irrenanstalt Herzbcrge und dem Anschluß- geleise, nördlich der Herzbergstratze gelegen, soll er mit rund 22 Morgen Größe einen wirklich ansehnlichen Platz darstellen. Von dem Gesamtgelände werden 9)4 Morgen mit 150 000 M. bezahlt, während 297 Quadratruten städtischer Besitz sind und der Rest, 10,7 Morgen, von dem Eigentümer Röder kostenlos aufgelassen werden. Das Projekt drohte— wie wir seinerzeit berichteten— daran zu scheitern, daß die Stadt ein zwei Morgen großes Schul- grundstück herausschneiden wollte. Aber auch darüber ist nunmehr eine Einigung zustande gekommen. Damit sind zugleich zwei Projette gefördert; Lichtenberg erhält neben den bisher angelegten kleineren Spielplätzen einen solchen von größten Abmessungen und für die Angestelltensiedelung der Großen Berliner Straßenbahn ist ein Schulgrundstück erworben. Was den Spiel- und Sportplatz anbelangt, ist wohl mit Bestimmtheit zu erwarten, daß er in gleicher Weise wie den bürgerlichen, den Arbeitervereinen zur Per- fügung steht, denn die Stadtverwaltung hat in diesem Falle allein über den Platz zu verfügen. Nach vielen Fährnissen ist es jetzt auch über die Angestellten- Siedelung zu einer endgültigen Regelung gekommen. Sie wird sich demnach zu beiden Seiten der Herzbergstraße an der Siegfried- straße entlang erstrecken. Wenn die EntWickelung des Orts immer in solch unverantwortlicher Weise von den Hausagrariern ge— fördert würde, dann stünde es schlimm. Neukölln. Sonntag, den 8. d. MtS., findet im.KarlSgarten' ein Eltern- abend statt, bestehend in Tanz und Ausführungen. Einlaß 3 Uhr. Anfang 4 Uhr. BilleltS zum Preise von 15 Pf.(einschließlich Ton,) sind zu haben im Sekretariat, Neckarstr. 3; Bartsch.? Restaurant, Hermannstr. 49; bei Lietich. Wildenbruchstr. 80; Spedition Rohr. Siegfriedstraße; und Restaurant Prill, Böhmische Straße, Ecke Schudomastraße. Kinder in Begleitung der Angehörigen frei. Mittwoch, den 10. Februar: Märchenvorlesung bei Bartsch. Anfang 5 Ubr. Ende OVz Uhr. Eintritt frei. Rur schulpflichtige Kinder haben Zutritt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Spiellommtssion. Charlottenburg., Die Schneebeseitignng im Januar d. IS. hat der Stadt Cbar- lottenburg rund 40 000 M. Kosten verursacht. Mit Rücksicht auf die herrschende Arbeitslosigkeit lieh die Verwaltung den Schnee soweit als möglich durch angenommene Hilfskräfte in die Schächte der Kanalisation befördern, während die Abfuhr durch Gespanne auf daS notwendigste Maß beschränkt wurde. Demgemäß entfallen rund 21 000 M. auf die an die Hilfsarbeiter gezahlten Löhne, während für die Abfuhr des Schnee« durch Gespanne nur 7 200 M., für die Bespannung der Schneepflüge 3 300 M. ausgegeben wurden. ES wurden rund 80 000 Kubikmeter Schnee beseitigt. Steglitz. Die Wahlen der Beisitzer zn« Kaufmannsgericht, Steglitz, finden für die Handlungsgehilfen am Mntwoch, den 13. März, in der Zeit von 12—2 Uhr nachmittags, und zwar im Raihause zu Steglitz. Kommisstonsfitzungszimmer Rr. 2, statt. Wahlberechtigt sind alle männlichen Handlungsgehilfen, die am Tage der Wahl mindestens 25 Jahre alt, am Orte beschäftigt find und nickt mehr als 5000 M. verdienen. Die Ausübung des Stimmrechts steht nur den Wahl- berechtigten zn, die ihren Namen in die aufzustellende Wähler- liste hapeit eintragen lassen. Der Antrag auf diese Eintragung muß in der Zeit vom 3.— 16. Februar schriftlich oder mündlich gestellt werden; später»folgte Anträge bleiben unberücksichtigt. Der Antrag muß enthalten: Vor- und Zuname sowie Wohnung und Alter des Antragstellers. Handlungsgehilfen haben noch ein Zeugnis ihres Arbeitgebers beizubringen, durch das bestätigt wird, daß sie bei ihm in Stellung find. Formulare zu diesen Zeugnissen werden schon jetzt Schloßstr. 36 Hierselbst, Zimmer 47, kostenlos verabfolgt. Hier nicht wohnhaste Kaufleute oder Handlungsgehilfen haben sich außer- dem über ihre Person auszuweisen. Als Ausweis kommen Geburls- Urkunden, Steuerzettel, Militärpapiere u. dgl. in Betracht. Mündliche Anträge, die im Interesse völliger Klarstellung der Wahlberechtigung vor den schriftlichen den Vorzug verdienen, werden an den Wochen- tagen von 8 Uhr vorm. bis 3 nachm. und von 5— 7 Uhr nachm., Sonntags in der Zeit von ll'/z bis 12>/z Uhr mittags im Hause Schloßstr. 36, Zimmer 47, entgegengenommen. Nähere Auskunft erteilt der Zentralverband der Handlungsgehilfen, Berlin, Münz- straße 20. Kaulsdorf. Die Gemeindev»tretuns hatte sich mit einem An-trage d«S Hausbesitzervereins zu beschäftigen, der die Stellungnahme zur Novelle des Kommunalabgabengesetzes verlangte. Da bereits in voriger Sitzung die Gemeindevertretung aus eigener Initiative die Uebersendung einer Petition in dieser Angelegenheit an das Ab- qcordnetenhaus beschlossen hatte, so erübrigte sich ein Beschluß über den Antrag.— Das von einem Einwohner gestellte Gesuch, ihm nach tödlichen Verlauf eines Tuberkulosefalles die Kosten für die Desinfektion seiner Wohnung zurückzuerstatten, wurde bewilligt. Unsere Genossen hoben hervor, daß es Sache der Kommune sei, die Desinfektionskosten überhaupt in allen Fällen bis zu einer Mindesteinkommengrcnze zu überneymen; sie würden daher eine Aenderung des Ortsstatuts in diesem Sinne beantragen. Der Beitritt der Gemeinde zum Schutzverband Berliner Bauinteresseiiten wurde abgelehnt, da die Gemeindevertretung im genannten Ver- bände nicht die zweckmäßigste Vertretung der Bauhandwerkerforde- rungcn erblickt.— Die zunehmende EntWickelung des Ortes macht es nötig, daß an Stelle des einen Waisenratbezirkes nunmehr zwei solche geschaffen und daher auch zwei Waisenräte zu wählen sind. Der Gemeindevorstand brachte für den nördlichen Ortsteil Herrn Kaufmann Herzog, für den Ortsteil Dorf und Süd Herrn Amtsdiener Springhorn in Vorschlag._ Von unseren Genossen wurde auf die verantwortliche uiid gewissenhafte Tätigkeit, die mit einem solchen Posten verbunden sei. hingewiesen und ersucht, einen Herrn aus der Lehrerschaft mit dem Amte zu betrauen, da pädago- gische Fähigkeiten ein nicht zu unterschätzender Faktor sei. Gc- inäß unserem Antrage wurde dann Herr Herzog für den nörd- lichen Bezirk gewählt und der Gemeindevorstand beauftragt, mit Herrn Lehrer Fischer bezüglich des anderen Ortsteiles in Ver- bindung zu treten.— Die Stadt Berlin stellte den Antrag, der schon erfolgten Verlegung eines Wasserdruckrohrcs unter dem Wuhlebett nachträglich zuzustimmen. Nach erregter Debatte, in welcher der Stadt Berlin der Vorwurf gemacht wurde, daß sie bei verschiedenen gemeinsamen Verhandlungen mit Vertretern der Gemeinde Kaulsdorf diese sehr nichtachtend behandelt habe und daß jetzt Gelegenheit sei, die Quittunq für ein solches Verhalten auszustellen, wurde beschlossen, den Gemeindevorstand zn beauf- tragen, mit Berlin erneut in Verbindung zu treten. Erst nach dem sich erqebenden Resultat der Verhandlungen wird die Vertretung ihren Beschluß fassen.— Weitere Anträge von Anliegern in der Bredereck- und Köpenicker Straße, die bessere Straßenbeleuchtung wünschen, wurden der Beleuchtungskommission überwiesen. Ferner wurde eine Kommission ernannt, die mit dem Leiter der frei- willigen Feuerwehr in Verbindung tritt, um die Wünsche der Wehr an die Gemeinde entgegenzunehmen.— Eine von unseren Genossen in der vorletzten Sitzung gestellte Anfrage betreffend fortlaufender Erkrankung von Schujkindern an Ziegenpeter wurde vom Schularzt dahin beantwortet, daß ihm nur zwei Fälle zur Kenntnis gekommen seien, die keineswegs die Schließung einer Klasse berechtigten. Leider war aus dem Bericht nicht ersichtlich, ob Herrn Dr. Forgber diese Erkrankungen in seiner Eigenschaft als Schularzt, oder durch feine Privatpraxis bekannt geworden sind. Unsere Genossen hatten mit ihrer derzeitigen Anfrage auch keine Klassenschließung beabsichtigt, sondern sie wollten verhüten, daß durch den Schulbesuch erkrankter Kinder die Ansteckungsgefahr ver- größert wird, worunter auch der Schulbetrieb leiden mutz. Es wurde nun auf Antrag unserer Genossen der Rektor ersucht, in Zukunft an Ziegenpeter erkrankte Kinder vom Schulbesuch durch DispenS fernzuhalten. Rosenthal. Das gegen den Schlächtermeister Gaul wegen Vergeben« gegen da? Nahrungsmittelgesey angestrengte Verfahren ist jetzt von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Ende Oktober vergangenen Jahres traten Masienerkrankungen auf, deren Ursache Schabefleisch sein sollte, daS bei Gaul gekauft war. Wenn auch seinerzeit vom Amtsvorsteher Dr. Kruft in öffentlicher Gemeindevertteiersitzung die Versilberung abgegeben wurde, daß die sanitären und hygienischen Einrichtungen bei G. einwandfrei seien, strengte die Staatsanwalt- schaft eine Untersuchung an; im Lauft ver Zeit fanden sowohl in Niederschönhausen wie in Rosenthal polizeiliche Vernehmungen statt. Die Ermittelungen haben als Resultat nunmehr zur Einstellung des Verfahrens geführt. Seinen Posten als Schöffe hat Herr RemmerS niedergelegt. AIS Grund wird angegeben, daß Herr R. an der Ausübung de« Amts durch berufliche Verpflichtungen behindert ist. Die Wahl eine? neuen Schöffen soll bereits in der nächsten Gemeindevertretersitzung stattfinden. Verna«. In ein» gutbesuchten öffentliche» Bersammlung sprach Genosse Franz Spliedt-Berlin über:.Freies KoalilionSrecht und die Hetze der Scharfmacher". In seiner oft von Beifall mtterbrochenen Rede betonte der Referent, daß, wenn der TerroriSmuS durch Gesetze beseitigt werden solle, diese Gesetze nur die Unternehmer treffen könnten. da sie den größten Terrorismu« gegen die Arbeiter ausüben. Große Entrüstung rieten die harten Strafen hervor, von denen streitende Arbeiter getroffen werden, die sich kleine Vergehen zuschulden kommen lassen, dagegen können Streikbrecher die größte» Verbrechen un- gestraft begehen. Der Vorsitzende brachte«ine Resolution zur Ab- stimmung, die einmütige Annahme fand. Mit einem Appell an die Anwesenden, ihrer gewerkschaftlichen sowie der polittichen Organi- sation beizutreten und die Arbeiterpresse zu lesen, wurde die impo- sante Versammlung geschloffen. Rowawe«. Die NotstandSarbeiten, die wegen des anhaltenden starken Frostes im vorigen Monat eingestellt werden mußten, konnten trotz der in- zwischen eingetretenen gelinden Witterung»och nicht wieder in vollem Umiange aufgenommen werden, weil das Auftauen des tiefgefrorenen Erdbodens infolge der Nachtfröste nur sehr langsam fortschreitet. Daher ist auch die Zahl der beschäftigten Arbeitslosen, die ansang» etwa 80 betrug, gegenwärtig auf neun gesunken. Diese Reduzierung hat nun in den Reihen der Arbeiislosen vielfach die Ver- mutung austauchen laffen, daß die für die Notstandsarbeiien bereitgestellte Summe bereits aufgebraucht sein könnte. Das ist selbstverständlich nicht der Fall, da ja die in Aussicht genommenen Arbeiten, z.B. die Planierung deS Müllabladeplatzes, die Anlegung eines FußgängerwegeS in der Gartenstraße, der Rcgu- liernng der südlichen Hälfte des PlantagenplatzeS usw.. erst in An- griff genommen sind. Bei weiterem Anhalten der gelinden Witte- rung hofft der Eiraßeninspektor bereit« in den nächsten Tagen wieder eine größere Anzadl von Arbeitslosen beschäftigen zu können. Bei der Wiedereinstellung werden vor allem solche Einwohner berücksichtigt. die ein Jahr im Orte wohnen, eine starke Familie haben und längere Zeit arbeitslos find. Die Arbeitszeit ist auf nur 8 Stunden iestgesetzt; der Verdienst der Beichäsligten ist dadurch zwar ein etwas geringerer, doch können dafür um so mehr Arbeitslose eingestellt werden. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Tteglft». Freitag. S. Februar, abends 6 llhr, im Rathaussaal«. Dies- Sitzungen find SfsenNt«. Jever«e»ei«»««n«eh»ri,e W rechtigt. ihnen«ii Zuiftrer beizuwohnen. Spiel und Sport. Radfahrer. Arbeiter- Radfahrcrverciu Grosj-Berliu. Sonntag, den 8. Febr.. nachmittags! Uhr, noch Eichwalde, Wittes Waldschlößchen� Anschlichftart: Bahnhof Treptow. Berliner Arbeiter-Radfahrer-Berein, Mitglied des Bundes .Solidarität«. Touren zum Sonntag, den 8. Februar. l Abt.: 12'/, Uhr: Museum sür Naturkunde. Invaliden- slraße 43. Start: Siilowstr. 58.— 2. Abt.: Fußtour nach Zeblendors. r»-, tL.............. n__ r. r r, �__"JTitrfmiamtJrhpv West— Krumme Lanke— Havclbcrge— Saubucht— PichelSwerder(Freund). Start: 1 Uhr Bahnhof Groß-Görschcn-straße.— 3. Abt.: Johannisthal (Senitleben). Start: 1'/, Udr Lausitzer Platz 12.— 4. Abt: Fußtour. Friedrichsbagen, Schmetterlinslust Start: 1 Uhr Fruchtstraße, Madal- slraßcn-Ecke.— 5. Abt.: Kaulsdorf-Süd(Sanssouci) über Köpenick, Pf-rdebucht Start: 1 Uhr Petersburger Straße. Elysium.— 6. Abt.: Franz. Buchbolz.(Kähne). Start: 1'/. Uhr Od-rbcrg-r Str. 28.— 7. Abt.: Schönwalde bei Schulz. Start: 1 Uhr Schulstr. 29.— 8. Abt: Adlershos(Wöllstein). Start: 1 Uhr HIV, Levetzowstraße.— 9. Abt.: Rosenlbal, bei Feind. Start: 1'/, Uhr Mclchiorstr. 15.— Schoneberg: PtchelSwcrder(Freund). Start: 1 Uhr bei Obst. Zlchtnng: Motorfahrer! Die Ortsgruppe Berlin hat eine Ab- teilunz sür Motorjahrer eingerichtet. Die Sitzungen finden jeden ersten Donnerstag im Monat, abends 8'/, Uhr, bei Siegel. Große Frank- surtcr Str. 30, statt. Gäste willkommen. Turner. Turnverein„Fichte«, 7. Männer.-Abt. veranstaltet einen Vor- turnerlursus, welcher am Mittwoch, den 1 1. d. M. in der Turnhalle, Reichenberger Str. 151. abends 8 Uhr, beginnt. Freie Turnerschaft Neukölln-Brit». Am Sonntag, den 8. Febr., Pereins-Familienpartie nach Rahnsdorf(Naundorfs Waldschlößchen). Ab- sobrt 12.58 bezw. 1.08 von Bahnhos Bergstraße bis Friedrichshagen unter Mitwirkung des Musikkorps. Arbeiter- Turnerbund, 4. Bezirk. Sonntag, den 3. Februar, Gerälewettwrnen in Schöneherg. Fuhball. Arbeiter-Turnerbund, 4. Bezirk. Sonnabend, den 14. Februar, Versammlung aller Fußballspieler der zum Bezirk gehörigen Vereine. Tagesordnung: Regelung des SpiclbetriebcS. Märkische Spiclvcrriniguug. Bezirk Groß-Berlin. Am kommenden Sonntag finden solgcnde Spiele statt: Fichte III— Fichte XVII aus dem Tempelhoser Feld; Spandau— Vorwärts in Spandau, Seeburger Straße (Exerzierplatz); Borussia— Wetßensee in Wittenau. Rödern-Allee; Char- lottenburg— V. s. B. in Charlottenburg, Rüsternallee: Viktoria— Fichte XI in Tkmpähos, Friedrich-Karl-Straße: Fichte XII— Allemania in Weißen- see, Rennbahnsir. 40: R. B. C.— Liberias in Reinickendorf, Schiller- Promenade 49. Spielbeginn 3 Uhr. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wandcrbund„Die Naturfreunde«. Am Sonntag, den 8. Februar, werden solgende Touren unternommen: Ortsgruppe Berlin: Fangschleusc, Wilhelmsbrück, Fürstenwalde. Ab- fahrt SchlefischcrBahnhos Uhr(nicht 6.35 Uhr) vorm. Strausberg. Werneuchen. Abfahrt Schles. Bbf. 6.29 Uhr vorm. Frohnau, Hennigsdorf, Tegel. Absahrt Stettiner Vororlbhs. 12.58 Uhr nachm. Kindertour. Buch. Blumberg. Mahlsdors. Treffpunkt Schles. Bhf.(Ecke Frucht- und Madaistraßc) a/,8 Uhr. Bhs. Wcdding(Eingang Nctteldeckplatz) 8 Uhr von». Absahrt Ltetttner Borortbhf. 9.93 Uhr vorm. Ortsgruppe Fricdrichshagen-Köpenick: Erkner, Löcknitz, Möllensee, Kogel, Fangschleuie. Absahrt Bahnhof Köpenick 7.28 Uhr vorm. Ortsgruppe Neukölln: Der am Sonntag stattfindenden Geroerbe» gcrichtswahl wegen fällt die angesetzte Tour aus. Arbeiter- Wandcrverein„Berlin«, sonntag, den 8. Februar, Wanderfahrt nach Grünau— Bohnsdorf— Wollersdorf— Kiekebusch—Miers- dors— Hohcrlchme— Königs-Wusterhausen. Weglänge zirka 29 Kilometer. Treffpunkt 8—'/,9 Uhr am Bahnhof in Grünau. Gäste willkommen. Arbeitcr-Touriftenvercin„Tie Naturfreunde«. Ortsgrupve Berlin. Sonntag, den 8. Februar, Wanderungen: 1. Grunewald, Schildhorn, Wannsee. Absahrt nach Grunewald Alexanderplatz 7.11. 2. Werneuchen, Tcmpclsctde, Bernau. Abfahrt nach Werneuchen, Wriezcncr Bahnhos 6.49. Gäste stets willkomwen. Schwimmer. Arbeiter-Schwiwmcrbund, Kreis I. Kreis-Wasser-Ballspiele im Monat Februar. Montag, den 9.. Wetßensee gegen Arb.-Schw. Berlin Abt. II m städt. Badeanstalt, Oderberger Str., abends'/.g Uhr. Sonntag, den 15., Arb.-Schw. Neutölln vegen Lichtenberg in städt. Badeanstalt Schivingsbrücke. nachmittags 3 Ubr, aus Schwimmsest. Mittwoch, den 18., Lichtrnbcrg gegen Berlin Abt. II. in städt. Badeanstalt, Gerichtstr., abends '/,V Uhr. Montag, den 23., Berlin Abi 1 gegen Neukölln in der Bade- anstatt. Oderberger Straße, abends'/«9 Uhr. Gäste und Freunde des Wafferballspieis find willkommen. Eintritt nur gegen Vorzeigung der von den Bercinen gelösten Gästelarte. » Arbctter-Snmaritcrbund. KreiS Brandenburg. Lehrabend haben in dieler Woche(Beginn 8'/, Uhr): Berlin, 1. Abt. Montag, den 9. Febr., Kommandantenstr. 62. Berlin, 2. Abt. Montag, 9. Febr., Swinemünder Straße 42. S ch ö n e b e rg. Am Donnerstag, den 12. Februar, Vorbergstr. 9. Lichtenberg. Am Donnerstag, den 12. Februar, Scharnweber- straße 69. N o w a w c s. Am Montag, den 9. Februar, Fortbildungsschule. FriedrichShagen. Am Donnerstag, den 12. Februar, Friedrich- straße 69, 2. Hos. O b e r- S straße 12. chöneweide. Am Montag, den 9. Februar. Siemens- Köpenick. Am Dienstag, dm 19. Februar, Schönerlinder Str. 5. Am Sonntag, den 15. Februar, vormittags 19 Uhr, In Martendorf, Ehausjeestr. 27, bei Burow, findet die KreiSkonsermz statt. Mus aller Welt. Ein preußischer Jugenübilüner. Ein braver Mann, ganz nach den Wünschen unserer Reaktionäre, ist ein V o l k S s ch u l l e h r e r in R a t i b o r, der an einen Tier- a r z t folgenden Brief schrieb: Sehr geehrter Herr! Hochverehrter Herr Doktor I Ew. Hochwohlgeboren werden gütigst verzeihen, daß der ergebenst unterzeichnete Lehrer N.N..... es wagt, eine recht große Bitte Ihnen vorzutragen. Wie Ew. Hochwohlgeboren vielleicht wissen, mietete der ergebenst Unterzeichnete die von Ihnen bisher innegehabte Wob- nung. Da nun die von Ew. Hochwohlgeboren gemietete Wohnung bei Frau P. P..... schon in voriger Woche renoviert worden ist, so fragt der ergebenst Unterzeichnete hiedurch gütigst an, ob Ew. Hochwohlgeboren nicht etwas vor dem 1. Oktober umziehen könnten und würden, damit in der Wohnung dann die Küche gemacht und Gas eingezogen werden könnte, ehe der Unterzeichnete einzieht. Würden daher Ew. Hochwohlgeboren die große Güte und Liebenswürdigkeit haben, mir in wenigen Zeilen gütigen Bescheid zu tun; damit ich mit dem neuen Besitzer dcS Grundstücks sprechen könnte, oder würden Ew. Hochwohl» geboren, wenn ein ehercr Umzug nicht möglich ist, mir nicht wenigstens zwei Zimmer g ü t i g st freimachen, da ich am 2. früh hier ausziehen muß. so würden Ew. Hochwohlgeboren mich zu größtem Danke verpflichten. Ganz ergeben st Ew. Hochwohlgeboren bittend gütig st Bescheid zu geben und herzlichst flehend eS nicht übel zu nehmen, daß ich so sehr belästige bin ich mit vorzüglicher Hochachtung Ew. Hochwohlgeboren ganz ergeben st er N. N...., Lehrer, ... straße 4. Was für einen Ekel mag der Empfänger des Briefes verspürt haben, als er die schulmeisterliche Winseiei über sich ergeben lassen mutzte. Zu bedauern sind nur die armen Jungen, denen der Mann die deutsche Sprache lehrt. Blutige Familientragödie. Familienstreitigkeiten haben in Gießen einen Kutscher Lehmann zu einer entsetzlichen Untat geführt. Lehmann, der schon seit einiger Zeit mit seiner Frau in Unfrieden lebte, ermordete in der Nacht zum Donnerstag seine Frau und seine vier Kinder, indem er ihnen mit einem Beil den Schädel einschlug und die Kehle durchschnitt. Nach der Tat warf er sich vor einen Eisenbahnzug. der ihm die Beine abfuhr. Er wurde in eine Klinik gebracht, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlegen ist. » Aehnliche Motive haben auch in Lehe zu einem Familien- drama geführt. Der frühere Kaufmann und jetzige VersicherungS- agent Raven schoß seiner Frau nach kurzem Wortwechsel zwei Kugeln in den Kopf und brachte sich dann selbst zwei Schüsse bei. Raven erlag seinen Verletzungen sofort. Die Frau liegt im Sterben. Die Gründe der Tat sind finan- zielle Zerrüttung und eheliche Zwistigkeiten. Schiffsbrand auf hoher See. AuS Neu-Seeland ist in London die Nachricht eingetroffen, daß das Segelschiff„Moa* auf einer Fahrt von Wellington nach Port Wanganui in Brand geraten und untergegangen sei. Das Schiff hatte eine Ladung Benzin und Petroleum an Bord. Das Feuer entstand anscheinend durch eine Ex p l o s i o n, durch die ein Mann getötet wurde. In kurzer Zeit stand das Schiff vom Bug bis zum Heck in Flammen und die Mannschaft konnte die Boote nicht mehr flott machen. Sie warf daher Holz und RettungSgürtel ins Meer und sprang nach. Der Dampfer .Arapawo« kam zu Hilfe, doch konnte er wegen der Hitze nur bis auf 190 Meter an das brennende Schiff herankommen. Die Lage war besonders gefährlich, da auch die„Arapawa" Benzin und Petroleum an Bord hatte. Mit den Rettungsbooten der„Arapawa gelang es jedoch, die Mannschaft der.Moa' zu bergen, die bald darauf unterging.___ Hausbesitzcrfrcchheit. Unter den Hausbesitzern kann man ohne Mühe wahre Pracht- cxemplare entdecken. Was sie ihren Mitmenschen zu bieten wagen, das verraten schon die durchweg gebräuchlichen Mietskontrakte. In Zeiten der Wohnungsnot, die ja für kleine Wohnungen fast ständig besteht, steigen die Anmaßungen der Hauspaschas oft bis zur lln» crträglichkeit. Was sich so ein Hausbesitzer alles erlauben kann, beweist folgende Notiz der klerikalen.Mülheimer Voliszeitung": „Auf ein Wohnungsgesuch in einer hiesigen Zeitung lief unter anderem folgende Offerte ein:„Die Beoinaung ist aber, daß Sie immer kinderlos bleiben und daß Sie m i n d e- stens monatlich 2b0 M. verdienen, da ich nur auf Leute reflektiere, die eines besseren Herkommens sind und wenn mög- lich auch mit Vermögen. Wenn solches zutrifft, können Sie die Wohnung gleich beziehen." Daß der Mann ein Einkommen von monatlich 259 M. ge- wiffermaßen als Existenzminimum betrachtet, könnte uns ja schließ- lich wieder versöhnlich stimmen; wir befürchten aber, daß er nicht konsequent bleibt und mit am lautesten auf die Begehrlichkeit der Arbeiter schimpft, wenn sie danach trachten, ihren Lohn auf nur einen Bruchteil obiger Summe zu bringen. Daß er sich aber auch in die allerintimsten Familienangelegenheiten zu mischen erdreistet, ist eine jener Frechheiten, die an den Pranger gestellt werden müssen, um so mehr, als sie von dem Angehörigen einer Kaste ausgeht, die in Staat und Kommune Privilegien genießt unter dem Vorwande, dem Wohle des Ganzen besonders wertvolle Dienste zu leisten. Kleine Notizen. Tödlicher Fliegcrabsturz. Der französische Flieger R e a I S. der DoniierSiagnacvmitlag auf einem Doppeldecker über dem Flugplatz Villaconblay Flugversuche mackite, ist aus 2 Meter Höhe abgestürzt. Die Leiive des Fliegers war schrecklich verstümmelt. Dir Epidemien im sranzöfischen Heere. Nach einer Blätter- meldung aus Le ManS ist unter der dortigen Garnison eine heftige Swarlachepidemie ausgebrochen. An 200 Personen liegen krank im Militärhospital, da« durch Baracken vergrößert werden mußte. Auch in TourS iollen mehrere hundert Soldaten an Typhus und Masern erkrankt sein. Großes Schadenfeuer. Die„Times" melden aus Houston (Texas), daß in den Schuppen der Southern Pacifie-Bahn in den Clinton-Docks ungefähr 00 000 Ballen Baumwolle verbrannt sind. Der Schaden beträgt vier Millionen. Nach anderen Schätzungen süns Millionen Mark. Bei den Ucberschwemmunge» in Bahia find nach einem Berichte des Gouverneurs mehr als tausend Menschen um« gekommen. Ein Geyser im rumänischen Petroleumgebiet. In Filipescr bei Moreni(Rumänien), wo große Mengen von Petroleum gc- Wonnen werden, erfolgte am Donnerstag plötzlich»ine Eruption stark salzhaltigen siedenden Wassers. Das Wasser sprudelte unter gewaltigem, in einem Ilmkreise von zehn Kilometer vernehmbaren Getöse zu bedeutender Höhe empor. Rings um die Mündung dieses Geysirs hat sich eine etwa 500 Meter breite Salz» kruste abgelagert.__ Jugendveranstaltunge«. Freitag, Vortrag deS Herrn lose«. Heim I. Jdealpaffage- ginge 4,35. 1,89. 2,19. 1.49. 9,99. 3,49. L. 22 3,95. L. 59 2,70. L. 7t 5,50. L. 93 2,50. L. 68 11,70. L- 36 2.—. L. 61 6,10. 2. 72 3,—. L. 199 0,70. L. 75 2,25. L. 51 L. 62 L. 73 L. 58 L. 78 Neukölln. Heim II, Nogatstr. 15. Heute, Dr. Walter Fürst über:„Alkohol und Tuberkulose._«- Mädchenabcno. Portag der Frau Hünecke über:„Körperpflege«. Treptow. Sonnabend, den 7. Februar, im Jugendheim, Beermann» straße 5, Portrag über:„J. G. Fichte«. Resirent: Genosse Farwig-Britz. Lantwih. Sonntag, den 8. Februar, Tagespartie nach Großbeeren— Zi ethcn— Lndwigssetde. Fahrgeld 45 Pf., sür Abonnenten der„Arbeiter- Jugend« 25 Pf, Treffpunkt'1,8 Ubr Bahnhof Lichterfetde-Ost, Abmarsch '/,8 Ubr, Rückkehr abends 7 Uhr. Dienstag, den 19. Februar, Mädchen- abend bei Frau Modratt, Charlolicnstraße. Ansang 8 Uhr. Donnerstag, den 12. Februar, Diskussionsabcnd bei Heizman», Marienstr. 7. Ansang 8 Uhr. Sonntag, den 15. Februar, Rczitationsabend bei Schulz, Kur- jürstenstr. 37. Ansang 5 Uhr. Unter anderem„Enoch Arden«. Arbeiter- cltcrn! Sorgt dafür, daß Eure Kinder die obigen Veranstaltungen regei- mäßig besticken, insbesondere wird ans den Mädchenabend hingewiesen, der als neue Einrichtung der größten Unterstützung bedarf. Für das Arbctter-Jugcndheim Pankow-Nieder-Schönhausen icn bisher folgende Beiträge ein: Aus Sammellisten L. l 3,50. L. 4 4,35. L. 7 5,10. L. 13 0,40. L. 15 1,60. L. 52 4,40. L. 53 9,60. L. 56 2,50. L. 64 3,85. L. 66 1,50. L. 67 8,20. L. 77 0,80. L. 88 4,50. L. 92 2,60. L. 65 1,55. L. 11 1,10. L. 9 3,20. L. 113 0,40. L. 120 15,20. L. 114 7,05. L. 122 19,95. L. 108 2,40. L. 69 0,20, L. 23 0,20. L. 95 3,40. L. 96 5,05. L. 101 1,80. L. 109 2,75. L. 110 1,—. L, 118 3,—. Freiwillige Sammlung bei der Maiseier 1912 114,—. Gesammelt auf dem Frauenleseabend 7,—. Gaßmann, Schmid- straße 5,—. Scchserkaffc der GcldsckranksabrU König. Küten u. Co. 5,15. Tierbach, Berliner Str. 3,—. Ucberschuß vom Theaterabend des Vereins Arb.-Jugendheim 134,10. H. R. 0,20. A. I. 0,80. Kranzübersckuß PiSlureck 3,90. Lehmann. Binzstr. 2,—. Gruppe VII Niederich onhanicn 2,—. Paul Schöiiherr. Niederschünb. 10,—. Gesammelt in der Sitzung der Gewerkschasts-Unterkommisstan 12,70. Arbeiter von Götzle, Wollanlstr. 14,20. Sechserlasie d. Jsolatorenwerte, Abt. Stanzerei 5,—. Für ein Referat von Weinberg 6,—. Schubert, Maximiüonstr. 1,—. Tcllerlammlung bei der Krankenkaffenverfammlung 14,30. Freiwillige Sammlung 4,30. Sechser- I ge der Jsotatorenwerke. Abt.-chlosserei und Dreherei 5,—. Gruppe 6, Sechserkassc 10,—. Frost, Brcitestr. 0,30. Leiser, Parkitr. 10,—. Weitere Gclbsendungen-sind zu Mhten an Gustav Prippernau, Pankow, Görsch- straße 32, vorn ll. Eingegangene Druckschristen. von der„Neuen sjett" ist soeben das 19. Hest des 32. Jahrgang» erschienen. Aus dem Inhalt des HcstcS heben wir hervor: Die oberste Kommandogewalt.— Neue Tendenzen in der ameritanischen Landwirt- schast. Von A. M. Simons.— Modernisierter Marxismus. Von I. B. Asfew. — Staatskirchentum und Sozialdemokratie. Von E. Vogtherr.— Zeigen sich in der deutschen Gewerlfchastsbcwcgung spndikaiistijche Tendenzen k Bon Hennann Licbman». Die„Neue Zeit« erscheint wöchentlich einmal und ist durch oll« Buch- Handlungen, Poslanstatlen und Kolporteure zum Preise von 3,SJ5 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 2ä Pf. Von der„Gleichheit«. Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen. ist uns soeben Ar. 10 des 24. Jahrgangs zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Rümmer heben wir bcrvar: Aus die Schanzen!— Zur Kranken- vcrstckerung der Hausangestellten. II. Von F. Kl.— Frauenarbeit im Mittelalter. Von August Erdmann.(Schluß.)— Ein Jabr der Reaktion und des Imperialismus. II. Von H. B. Arbeitende Mütter. III. Von Johann Ferch. Die.Gleichheit« erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer <0 Pj.. durch die Post bezogen beträgt der AbonnemcntSpreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pj.: unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2.150 M. Vom„tSahren Jacob« ist soeben die 4. Nummer des 31. Jahrgang« 16 Seiten stark, erschienen. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeil durch den Vertag I. H. W. Dietz Nachs. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehe». BStnerungsübcrsiche vom S. Februar 1914. klalloae» jliUfll Omet iä Bj— 1 Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien !S 769i®33 76S,SW 7701® 773 Still 775SW 775! SO steint ft 2! heiter l!halb bd. iRebel Äwolkeni ifNebei mm et- Ä II i* 0 2 1 6 8 —9 Stationen V£; ä? i£ hl i|'i1 Havaranda Petersburg 7 Scilly Aberdecn Poris 748(91 28 760)030 757('SÄW 769, SO Februar 1914 Wette» wolkenl bedeckt halb bd. wolkig wolkenl *9 e* Ii .11 2 10 9 -1 Wetterprognoie für Freitag, den K. Vorwiegend heiler und trocken, zeitweist nebelig, nachts leichter Frost, um Mittag wieder mild bei meist schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbnreau. Ycrband der Lederarbeiter Pillale Berlin I. Sonntag, de» Februar, vormittags 10 Uhr: Mitglsecier-Versammlung im Lokal Prtnzen-Allce.'IS. Tagesordnung: 134/3 Bericht der Statutenberatungskommission. Zoblreiches Erscheinen erwartet»ei- Vorstand. Aeußerst anregend wirkt bei Erkältung«ä Santa Suda StärUungS'Hotwsin Flasche 1.50 und 2.00. Nachahmungen bitte zurückzuweisen! Käuflich in Apotheken, Drogen- u. Delikateßgeschäften. Spezialität: Mibe: Otto Riehl, Möbelmagazin, Berlin Ii Brunnenstr. 120 H mittleren Genres Achten Sie aui den Vornamen: Otto 60 000 □•Fuss Ausstellungen allein Brunnenstrasse 120 Weitere grosse Lllger Im neuen Fabrlkgebfludc S° o Extra-Rabatt bis 30. April auf Kein e IVgem. Vrtskrauktnkasse für Kcrliil- Mmrndorf und Umgegend. Tcr neilgewählti: Vorstand hat sich tot feiner Sitzung am 27. Januar 1914 wie folgt konstituiert: 263/ 9 1. Herr August Leip, Arbeitgeber, Vorsitzender. 2. Herr Marek. Arbeitnehmer, stellv. Vorsitzender. L. Herr Karl Baechler, Arbeitgeber, Schriftführer. 4. Herr Willielm Buck. 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Dr. Juuck(natl.): Wenn auch nur ein Teil der vorgebrachten Beschwerden über die Handhabung des BereinsgesetzeS richtig ist, so läßt diese Hand« habung die n o l w en d i g e Ruh e und Würde vermissen. Aber zur Aufhebung des Sprachenparagrapheu liegt kein Anlaß vor, es würde das ein Zurückweichen bedeuten. Auch die Klagen L e g i e n S über die Drangsalierung von Turn- vereinen und Gewerkschaften sind unberechtigt; diese Vereine sind doch nun einmal sozialdemokratische Organisationen. Bömelburg hat seinerzeit ausdrücklich gesagt.Sozialdemokratie und Gewerkschaften ist eins". Es ist ein Mangel an Offenheit, wenn Sie das immer bestreiten.— Ich bin diesmal nicht in der Lage wie früher vor dem Reichsvereinsgesetz eine Fülle von einzelnen Miß- griffen unterer Verwaltungsorgane vorzutragen. Gewiß hat sich das Gesetz noch nicht überall eingelebt, aber eine gewisse Besserung ist doch zu verzeichnen. Es wäre verkehrt, eine große Bewegung, wie sie die Sozialdemokratie ist— ich meine das nicht im bewundernden, sondern im konstatierende Sinne(Heiterkeit)— mit Nadel st ichen zu bekämpfen. Der Fall Amundsen bedeutet zweifellos einen Fehlgriff. Bedauern würde ich es auch, wenn wirklich ein Gericht den Satz aufgestellt hätte, das Vereinsgesetz gebe nur die Freiheil Bereine zu bilden aber nicht die Freiheit der Betätigung für dieie Vereine. Ich kann mir vorläufig nur denken, daß hier ein Mißverständnis des Abg. L e g i e n vorliegt. Wenn Reichsgericht und Oberverwaltungsgericht verschieden urteilen, muß eine gemein« same höhere Instanz geschaffen werden. Jedenfalls muß die Frage, die der Antrag Spahn durch Aenderung deS Gesetzes lösen wilß vielmehr den Gerichten zur Entscheidung überlassen werden. An eine Aufhebung der Bestimmungen über die Jugend- l.ichen denken wir gar nicht. Die Beschäftigung mit der Politik ist wirklich nicht so etwas arg Schönes, daß wir sie auch unseren Kindern.gönnen" sollen. Ich gebe zu. daß in den u n b e m i t t e lt e n Klaffen das Be- d ü r f» i S, sich an volkswirtschaftlichen Fragen zu beteiligen, früher er tv acht als bei den Kindern bemittelter Eltern. Aber die Grenze deS 18. JahreS ist immer noch früh genug. Wir wollen unsere Jugend von allem.Gift" möglichst fern halten. Dann ist gestern der Fall Jagow erwähnt worden. Der Reichstag ist zu seiner Kritik zweifellos kompetent. Herr Jagow ist ein typischer Verwaltungsbeamter und seine Ent« scheidung ist vom preußischen Minister deS Innern gebilligt worden. Wir wissen, daß das Vereinsgcsetz nicht alle Einflüffe aus- schließt, die auf. sich Vereinende und Versammelte ausgeübt werden können. Aber diese Maßnahme gegen einen Verein, der die Pflege königötreuer Gesinnung, kameradschaftlicher Geselligkeit und ähnliches als seine Ziele bezeichnet und politische und wirtschaftliche Betätigung— im Unterschied von dem Londoner Berein— ausschließt, richtet sich doch gegen den Gedanken der Koalition als solchen und das würde nach dem Reichs- vereinsgesetz nicht zulässig sein. Wir hoffen von der zu- nehmenden Vorurteilslosigkeit aller Behörden, daß daö Gesetz sich immer mehr einleben wird. Eine schikanöse und spitz- findige Auslegung billigen wir keinesfalls. Jedenfalls zeigt sich jetzt, daß toir einen schweren politischen Fehler begangen hätten, ivenn wir seinerzeit dem Kompromiß nicht zugestimmt hätten, denn das jetzige Gesetz ist zweifellos günstiger als der frühere Zustand. (Bravo! bei den Rationalliberalen.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): ES gibt keine beffere Rechtfertigung der Haltung der freisinnigen Parteien im Jahre 1908 als die Bezeichnung des Reichsvereins- gesetzeS von konservativer Seite als.bitterste Frucht der Blockpolitik". Tatiache ist leider, daß die unteren nachgeordneten Behörden zum Teil auf einzelne Bestimmungen deS Gesetzes geradezu pfeifen. Ist die RechtSauSlegung eine systematisch falsche, so müffen wir zu einer Aenderung des Gesetzes kommen. Seine Vorteile werden wrr natürlich nie aufgeben. Zu den falschen Rechts- resp. Verwaltungö- auSlegungen rechne ich den Mißbrauch der Polizeistunde, den Mißbrauch bei Auswahl der Zeitungen zur Bekanntmachung der Versammlungen usw., vor allem auch den Mißbrauch de« Disziplinarrechts. Einer Aenderung der Bestimmungen über die Jugendlichen können wir dagegen nicht zustimmen. Hier spielt der große Konkurrenzkampf um die Seele der jugendlichen Arbeiter zwischen Zentrum und Sozialdemokratie eine Haupttolle. Auf beiden Seiten dieselben Reden über die.Vergiftung" der Jugend. Wer hat nun die richtige Weltanschauung?(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wir!— Heiterkeit.) Innerhalb deS Zentrums klagt man ja auch über»VergiftungS'crscheinungen. Also mit diesem Begriff sollte gerade das Zentrum sehr vorsichtig sein. Wir wollen unsere Jugend nicht zu Versuchskaninchen für die verschiedenen Gifte machen. Auch in die Jungdeutschlandbewegung darf keine politische Betätigung hineingetragen werden. Ich gebe zu, daß auch sie mißbraucht wird. Aber die deutsche Turnerschaft ist kein politischer Verband(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die Arbeiterturnvereine auch nicht I). Wir wollen die Jugend weder zur Abwehr noch zum Angriff benutzt wissen. Herr L e g i e n sagte ja selbst, wir wollen die Jugend nicht mit Politik vollstopfen. Aber ihre Anträge stehen im Gegensatz dazu. Auf das schärfste ist e« natürlich zu brandmarken, wenn Jugendliche zu Spitzeln benutzt werden oder wenn dt« Bestimmungen über Jugendliche zu Schikanen gegen die Erwach- s e n e n benutzt werden.(Sehr richtig I link«).— Wa« die Beamtenvereinigungen angeht, so sieben wir da auf dem Standpunkt, daß Reichsrecht über Disziplinarrecht geht. Herr v. Jagow fürchtet ja alles, nicht nur.Die im «chatten leben".(Sehr gut I links.) In England hendelte eS sich um da« S t r e i k r e ch t, das auch wir für die Staatsarbeiter und Beamten nicht wollen. Hier aber handelt eS sich um das einfachste VereinSrechl der Beamten. Der RegierunaSvertreter wies auf das Bestehen großer Beamten« vereine hin. Welche Arbeit und Mühe hat eS nicht gekostet, sie zu- stände zu bringen! Auch die Schutzleute werden noch zu ihrem Recht kommen. Herrn v. Jagow« Vorgehen kommt lediglich der Sozialdemokratie zugute.(Lebh. Zustimmung b. d. BolkSp.) Der mit Versetzung an die polnische Grenze bestrafteSchutz« mann hat in der Schutzmannsversammlung die sechs Richtpunkte für das Programm verlesen»vorbehaltlich der Genehmigung des Herrn Polizeipräsidenten", und hat die � Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser und König von Preußen geschlossen. Und dafür ist er an dt« polnische Grenze versetzt. Wa» soll denn dieser unglaubliche Mangel an Vertrau«» m den Beamten! Wir haben die Präventivverbote ausdrücklich aus dem Gesetze herausgebracht. Die Reverse aller Art sind aber nichts anderes als Präventivverbote. Die Erklärung geschlossener Vereins- Versammlungen zu öffentlichen ist ein fortgesetzter Miß- b r a u ch des Vereinsgesetzes.(Sehr richtig! links.) Den Sprachen- Paragraph wird die preußische Regierung nicht fallen lassen, ohne ihn wäre das Gesetz nicht zustande gekommen, deshalb haben meine Freunde diesem Kompromißparagraphen zugestimmt. Damit sind wir aber nicht für immer an ihn gebunden. Natürlich läßt die polnische Bewegung sich durch diesen Paragraphen nicht unterdrücken, und nun kommt die Auslegung, daß geschlossene Ver- sammlungen öfentliche seien. Wir müssen daher statt der Auf- Hebung des Paragraphen, die wir doch nicht erreichen, eine authen- tische Interpretation durch Aenderung des GesetzestextcS geben. Ein Schulfall für die mißbräuchliche Anwendung deS Gesetzes ist der' Fall A mundsen. Ganz abgesehen von der ungeheuren Blamage, die Deutschland dadurch erfahren hat, verbietet der§ 12 des Vereinsgesetzes die.Verhandlungen" in öffentlichen Verfamm- lungen in anderer als deutscher Sprache. Ein Vortrag ohne jede Diskussion ist aber keine Verhandlung(Sehr richtig! links), wenn auch verschiedene Gerichte, allen voran das Ober- landesgericht Marienwerder, gegenteilig entschieden haben. Die Konsequenzen dieser Judikatur sind staunenswert. Auch alle Theateraufführungen und Konzerte fallen danach unter den§ 12, Ein solcher Mißbrauch ist nicht nur ein Unrecht, sondern auch eine politische Torheit. So stützt man nicht das Deutschtum, sondern stellt es bloß. ES ist ein verderblicher Köhlerglaube, daß man jeden Mißgriff der Behörden in den Grenzbezirken aus.nationalen Gründen" decken müsse. Man erregt dadurch nur Mißstimmung in den nordischen, germanischen Ländern und da» Auswärtige Amt hätte alle Ver- anlassung, solcher Durchkreuzung seiner Taktik entgegenzutreten. Das Vereinsgesetz selbst ist an allen diesen Mißbräuchen nicht schuld. Der beste Beweis für die Güte deS Vereinsgesetzes ist der Umstand, daß aus allen süddeutschen Staaten nicht eine einzige Klage darüber kommt. Da» beste Gesetz wird schlecht durch schlechte Anwendung, wie sie in O st e l b i e n herrscht. Durch diese Art der Bekämpfung von nicht deutschen Bestrebungen ruft man nur Feindschaft, Haß und Verachtung bervor. Wir werden nicht ruhen und rasten» bis diese russische Verwaltung?» maxime vom deutschen und preußischen Boden verschwindet.(Bei« fall bei der Volkspartei.) Abg. Dclsor(Elsäsier): In Afrika sucht man die Muttersprache der einzelnen Stämme sorgfältig zu erhalten. Wa» in den Kolonien recht ist, muß auch im Mutterlande billig sein. Bei der Beratung des Sprachenparagraphen verwies uns Herr v. B e t h m a n n H o l l w c g auf da« Wohlwollen der elsah-lothringischen Re- gierung. Gesetzliche Garantien sind uns aber lieber als daS Wohl- wollen einer von Berlin abhängigen Regierung.(Sehr richtig! bei den Elsässern.) Auch kleinen Minoritäten sollte man den Ge- brauch der Muttersprache nicht beschränken; man schließt sie dadurch geradezu vom öffentlichen Leben aus. Die Sprache ist auch keines- wegs ein Symbol der politischen Gesinnung; eine polnische Rede deS Fürsten R a d z i w i l l ist sicher loyaler und königstreuer als eine im schönsten Deutsch gehaltene Rede eines Sozial- demokratcn. Mit dem Sprachenparagraphen bewirkt man nur Groll und Erbitterung. Wir stimmen für seine Abschaffung, auch wegen der Unklarheit de» Begriffes öffentliche Versammlung. Auch für die Beseitigung de»<| 17 stimmen wir, denn wir wollen unsere Jugend der Politik zufuhren. Politik ist nicht notwendigerweise Parteipolitik und Parteigezänk, sondern Politik ist vor allem Bürgerkunde.— Auch in den anderen Punkten sind wir mit den Antragstellern einig und werden für die Anträge stimmen. Abg. Hansen(Däne): Ich bitte Sie, allen vorliegenden Anträgen zuzustimmen. Bei uns wird sogar der Bortrag dänischer Kirchen- lieber in Kirckicnkonzerten verboten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die norwegische Sprache wird bei uns verfolgt. Das Absingen eines berühmten norwegischen Liedes wurde mit SO M. b e st r a f t. Ein norwegischer Leutnant wurde ausgewiesen, weil er einen wissenschaftlichen Bortrag über seine Reisen in China und Japan halten wollte. Auf diesem Hintergrund ist da» Verbot des Vortrages Amundsen er- klärlich, das endlich der weiten Oeffentlichkeit die Augen über die bei uns herrschenden Zustände geöffnet hat und daS von.allen Rednern hier im Hause zu unserer Genugtuung aufs schärfste mißbilligt worden ist. Um die Genehmigung des Vortrags hat die veranstaltende Konzertagentur deshalb nachgesucht, weil ihr früher da» Konzert eines berühmten SünßerS in Flenöhurg verboten worden war, weil dieser auch einige dänische Volkslieder singen wollte. DaS wurde damals erst gestattet, nachdem nachgewiesen wurde, daß die Lieder aus dem 12. Jahrhundert stammten. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) All diese Vorgänge be- weisen, welcher Mißbrauch von einigen Verwaltungsbehörden mit der sogenannten danischen Agitation getrieben wird. Die Be- hauptung der»Rordd. Allgem. Ztg.", daß seinerzeit der Bortrag dänischer Volkslieder in dem erwähnten Fall zu deutschfeindlichen Kundgebungen mißbraucht worden sei, ist eine grobe Unwahr- heit und wenn diese Behauptung de» offiziösen Blatte« sich auf Berichte von Verwaltungsbeamten stützt, eine wissentliche Un- Wahrheit.(Hört! hört!) Die Aufrechterhaltung des Sprachen- Paragraphen kann nur Haß und Erbitterung erzeugen, wird aber nie zur Germanisierung der Grenzländcr beitragen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Geschlossene Vereine im eigentlichen Sinne gibt es auch bei un» nicht mehr. Schon die Möglichkeit, daß Jugendliche anwesend sein können, gibt der Polizei die Handhabe, ist solche Versammlungen einzudringen. Die Autorität der Behörden wird durch solches Lorgehen nicht gestärkt. Das Ansehen Deutschlands im Ausland wird dadurch geradezu ge- schädigt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Landsberg(Soz.): De- Regierungsvertreter hat sich die Sache gestern kehr leicht gomacbt. Er meinte, gegen die Gerichte und der Exekutwbeamten der Einzelstaaten hätten die Verbände der Regierungen kein« Macht. Herrn Junck gebe ich ohne weiteres zu. daß z. B. für Mecklenburg das Reichsvereinsgesetz Fortschritte gegen den früheren Zustand gebracht hat. Aber das ReichSvercinsgesetz hat doch zwei Flecken, die so schwarz sind, daß die gewiß vorhandenen Fortschritte viel glänzender sein müßten, um die Flecken auSzu- gleichen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das frühere preußische Gesetz war zweifellos besser als da» Reichsvereinsgesetz. Gewiß legte es Vereinen, die sich mit öffem- lichen Angelegenheiten beschäftigten, die Verpflichtung auf, da» Verzeichnis ihrer Mitglieder der Polizeibehörde zu überreichen. DaS war gewiß eine Belästigung für die Vereine, aber eine noch viel größere für die Polizei. So wurde der Fabrikarbeiterverband in Hannover eines TageS für einen öffentlichen Verein erklärt. Der Vorstand reichte darauf ein Verzeichnis der Namen seiner Mit- glieder bei der zuständigen Polizeidirektion ein. Es standen darauf über loovvo Namen. Sie Lünen sich denken, was für ver« zweifelt« Gesichter die Polizeibeamte» in Hannover machten. (Heiterkeit.) Alst, von dieser Bestnmmmg hätte die Polizei zweisel- los bald ebenso wenig Gebrauch gemacht, wie mau daS in England gegenüber nicht brauchbaren Gesetzen tut. Ferner war im. preußischen Gesetz ein schwerer Mangel die v ö l l i g c p o l i t i s ch« E n t- rechtung der Frau. Aber da bei der wachsenden politischen Betätigung der Frau alle Parteien ein Interesse Der Senatspräfident Schmölder» Hamm hat es ja letzthin veröffentlicht. Ist die Gefundheitskontrolle der Dirnen nicht eine.Förderung der Unzucht", da sie doch ein- gestandenermaßen die Gefahren im Umgang mit der Prostitution vermindern soll! Ich habe das Vertrauen zur Menschheit und sogar zur p r e u ß i» scheu Menschbeit(Heiterkeit), daß man den Wahnsinn nicht tun wird, die Anlikonzeptionsmittel zu verbieten. Gegen die Ausdehnung des Wiederaufnahmeverfahreus hat sich sogar ein so achtenswerter Richter wie der Abg. BoiSly ausgesprochen, der mit vielen anderen Richtern das Wiederauffrahme» Verfahren als etwas Verdächtiges betrachtet. Er hat einen Einzel» fall, in dem die Manöver eines Privatdetektivs hier in Berlin eine Rolle spielten, zur Begründung angeführt. Aber wie schwer wiegt dagegen das von cincin Prof. Liepmann- Kiel und einem Prof. v. L i S z t» Berlin als höchst wichtig anerkannte Buch deS Rechts- onwalts Dr. Alsberg- Berlin mit seiner Fülle von Materiol, die die unausweichliche Notwendigkeit einer Ausdehnung des Wieder- aufnahmeverfahrens beweist. Im Interesse der Staatsautorität wird beute die Rechtskraft über die Gerechtigkeit ge- st e l l t! Denken Sie z. B. an den Essener Meineidsprozeß, an den Fall der Witwe Hamm aus Flandersbach, die wegen Gaitenmordes auf Grund der Ermittelungen des Kriminal- koinmiffarS a. D. v. T r e Z ck o w zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Dieser v. TreSckow, der unter Vorspiegelung einer langen Praxis— er war vorher Schreibmaschinenhändler!— eine so einflußreiche Stellung erlangre und jetzt an dem Ehemänuerauslciheinstitut beteiligt sein soll. Das ist die Hauptstütze des Urteils über Frau Hamm, das von aktiven Kriminalkommissaren als falsch erklärt und durck das von den Verwandten beigebrachte Material aufs schiverste erschüttert wird. Mein Parteigenosse Reichstagsabgeordneter D i t t m a nn hat mir dieses Material übermittelt— die Spur geht nach einer ganz anderen Richtung, es handelt sich wahrscheinlich um Körperverletzung mit Todesfolge bei der Verfolgung eines flüchtigen Diebes. Ich werde bei einem späteren Trtel den Fall noch be- sprechen, aber ich muß jetzt bei den vielen gravierenden Tatsachen die Wiederaufnahme fordern. Die Staatsanwaltschaft hat zwar von neuem Verdächtige in Untersuchungshaft genommen, aber sie hat die arme Frau Hamm nicht aus der Hast entlassen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Fall ist dringend, jeder Tag, den Frau Hamm im Zuchthaufe zubringt, ein Justizmord! (Sehr wahr I links.) Die Unabhängigkeit unserer Richter steht zwar in der Verfassung, aber die Beförderungs- und Anstellungsverhältnisse machen sie immer abhängiger. Freilich, ein General v. Pelet- N a r b o n n c, der wird für treue Dienste für dir Militärpartei glänzend belohnt. Wie sollte das nicht korrumpieren, wie sollte es nicht verlocken, aufzublicken zur Gnadensonne, die da oben keuchtet!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Pfuirufe und Lärm rechts.) Der Reichstag hat die Abschaffung des Vermögensnachweises der Referendare verlangt, Ihnen freilich ist die Reserve- offizierSeigenschaft des Richters die Hauptsache. Ein Richter hat angeregt, daß Richtern keine Orden und Titel verliehen werden, sie dürften auch nicht militärisch befördert und dadurch noch mehr abhängig gemacht werden, als sie es schon bei der Zu- lassung, Anstellung und Beförderung in Zivil und Militär sind. Das ist heute die Unabhängigkeit der Richter!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch die politische Unabhängigkeit der Anwälte sucht man anzutasten. Was daraus beim uumerus clausus würde, wissen wir! Als vor einigen Jahren die„Freie Bollsbühne" unter Polizeiaufsicht gestellt wurde, erklärte der Minister des Innern, man denke nicht daran, sie kleinlich zu schikanieren. Und nun wird sie schikaniert, wo es nur geht. Das sind die Zusicherungen der preußischen Re- gierung! Freilich ein anderes Verhalten wäre ja gegen ihre Natur! Und darum wissen wir auch, was wir von den Versicherungen über die Unantastbarkeil deS Anwaltstandes zu halten haben. Die Nicht- vcrfolgimg der AnwaltSbeleidigungen in Dortmund ist bezeickmend! (Sehr wahr! links.) Man kann ja nun Anwälte wegen politischer Dinge nicht maßregeln, aber man schikaniert sie. Hätte ich wegen Duells auf der Festung gesessen, ich hätte einen Substituten sofort eventuell sogar telegraphisch bekommen; ich bekam ihn nicht. (Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Und meinem Parteigenossen Landsberg wurde der Substitut trotz schwerer Krankheit� verweigert.(Stürmische Pfui-Rufe bei den Soz.) Dem Sozius des Rechtsanwalts Dr. Artur Schulz- München, des bekannten Revisionisten und„agrarischen" Sozialisten hat man die Nieder- lassung in Preußen gestattet, dem Dr. Schulz aber nicht, obgleich Preußen seine Heimat ist und die bayerische Regierung die besten Berichte über ihn erstattet hat.(Zuruf rechts: Wir haben schon zu viele!) Dieser Zuruf ist ein offenes Eingeständnis Ihrer„fach- lichen' Gründe.(Zuruf rechts: Zu viele Agrarier!) Ach so? Ich dachte, Sie meinten am Ende„zu viel Sozialisten"?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In Frankfurt a. O. sagte ein Re- gierungsassessor Frölich zu einem Klienten meines Parteigenossen Rechtsanwalt Falkenfeld:„Warum nehmen Sie sich einen sozial- demokratischen Anwalt? Das wird Ihren Jntcrrffc» kaum dienlich sein!"(Stürmisches Hört! hört!) bei den Sozialdemokraten.) Rechtsanwalt Falkenfeld nannte dieses Vorgehen mit Recht hinter- h ä l t i s ch und einen Mangel an Mut. Er wurde dafür zu 50 M. Geldstrafe verurteilt, Fröhlich aber freigesprochen, weil das Gericht seine Aeußerung nicht für beleidigend hielt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So setzen unsere Richter den Stempel im Namen des Königs unter Akte krassester Willkür und Vergewaltigung und das heißt man dann unabhängige Justiz! Daß es bei uns Klasse>r j u st i z gibt, bestreitet ja keiner mehr. (Oho I rechts.) Auch das Zentrum hat das Bestehen einer Klassen- justiz schon anerkannt. Kritik an der Justiz dürfen wir jetzt wohl üben, nachdem sie auf der rechten Seite so ungemein lebendig geworden ist zmd in der Presse der Rechtsparteien manchmal erpresserische Formen angenommen hat.(Sehr gut! links.) Ich erinnere da an die Ausführungen der„Post", wonach die Staatsanwaltschaft in Zabern jetzt alle Händevoll mit Meineidsprozessen gegen die Zeugen zu tun haben müßte.(Hört! hört! links.) Es handelt sich hier um die Staatsanwälte, die selber als Zeugen aufgetreten sind. Die„Post" hat ja auch von dem Unterstaatssekretär P e t r i be- hauptet, daß während seiner Amtszeit die Rechtsprechung manchnial beeinflußt worden ist(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und daß die Verwandten Pelris zu Aemtern und Würden gekommen sind. Eine so schmutzige Auffassung, wie sie hier von der Möglichkeit der Amtsausübung eines Staatsmannes zum Ausdruck kommt, ist noch von keinem Sozialdemokraten jemals geäußert worden. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da müssen wir doch auf die Idee kommen, daß solche Dinge bei uns in Preußen auch möglich sind, da die staatserhaltenden Blätter es doch wissen müssen. Von der Auffassung dieser Herren über die Korruption unserer Staatsverwaltung heben wir Sozialdemokraten uns wie eine liebe weiße Unschuld ab.(Heiterkeit.) Bei der Kritik der Justiz hat sich Herr v. Jägow gewisscrinastcn als Eisbrecher bewährt. Ein Redakteur des„Vorwärts" hat wegen einer Kritik des Abgeordnetenhauses sechs Wochen Gefängnis erhalten. Daß die Kritik trotzdem richtig war, beweist das Zeugnis der„Kölnischen Zeitung', die damals von einer Spiegel- fechterei sprach. Der Fall K n i t t e I soll als Beweis dafür dienen, daß es leine Klassenjustiz gäbe. Ich möchte einmal sehen, was ein Sozialdemokrat für eine Strafe erhalten hätte, wenn er das Gleiche geschrieben hätte. Der Prozeß Knittel ist das typische Beispiel eines politi- schen Prozesses reinsten Wassers, soweit ein politischer Prozeß unter den Differenzen zwischen den bürgerlichen Parteien überhaupt noch möglich ist. ES ist lein einzelner Fall; in B r e S l a u hat sich ein ähnlicher abgespielt. Dort hat Herr Mundry einem Redakteur der „Vollswacht' gegenüber, der auf der Anklagebank vor ihm saß, ge- sagt, daß höhere Beamte und Offiziere, die den Schutz der sozialdemokratischen Presse nachsuchen, Schweinehunde seien, und die Zuschauer bei der Beerdigung eines Sozialdemokraten hat er als Janhagel, arbeitsscheues Gesindel und Faulenzer bezeichnet. Wird der Herr Justizminister, falls sich dies als zutreffend herausstellt, Mundry in der gleichen Weise preis- geben?(Ein Ministerialdirektor nickt mit dem Kopse.) Das genügt nicht, Kopfnicken kommt nicht ins Stenogramm hinein.(Heiter- keit.) Gegen den Landgerichtsdirektor Unger, der seinerzeit im Moabiter Krawallprozeß in der Rechtsbelehrung von der Not- wehr ausführte, jeder Bürger habe das Recht, auf einen Polizeibeamten zu schießen, der ihn ungerechtfertigt an- greiser, wurde mobil gKnacht, und er ist nicht m e h r bei der Strafkammer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das wird sich ja wohl nicht wiederholen nach Jagows Briefen und nachdem der Begriff der Notwehr die Straßburger Interpretation er- fahren hat. Im Kölner Polizeiprozeß hat der Redakteur Soll- mann einen niederschmetternden Wahrheitsbeweis erbracht. Trotz- dem hat er eine sehr hohe Geldstrafe bekommen. Man sollte annehmen, daß hier, wo ein Mann sich ein Verdienst um die Auf- deckung eines Skandals erworben hat, höchstens die Verhängung einer ganz geringen Geldstrafe von 6 bis 10 M. wegen formaler Beleidigung genügt hätte. Wie nimmt sich dagegen die Bestrafung des Direktors E c c i u s mit 1000 M. wegen Beihilfe zur AuS- Nutzung der Krnppschen Bcstcchungsfabrik in Berlin aus. ES war ein vollendetes Spionagesystem. Wieviele Menschen hat nicht Brand ins Unglück gebracht! Aehnlich wie in Straß- bürg hat ja auch hier das Oberkriegsgericht die Strafen g e- mildert. Während der Verhandlung gegen den Zeugfeldwebel Linke wurde Bränd von dem Staatsanwalt Dr. Welt gefragt, ob er alle Namen genannt habe, was Brand verneinte. Daraus sagte Welt: Also gibt es doch noch welche. Es ist erstaunlich/ daß andere Quellen, an denen noch zu bohren gewesen wäre, vollständig versagt haben. Bestechungen sind bei uns jetzt verflucht billig geworden. Während nian einem Schutzmann, dem drei Studenten je Li) Pfennig für Nichterstattung einer Anzeige wegen ruhestörenden Lärms gaben, nenn Monate Gefängnis zuerkennt, und einem Bezirksfeld we'bel, weil er eine Kleinigkeit zwecks Befreiung von der Kontrollversammlung annahm, sechs Monate Gefängnis zu- diktiert, ist Herr E c c i u s heute noch Direktor bei Krupp. Und für Brand ist natürlich auch gesorgt. Die Verbindungen mit Krupp sind selbstverständlich nicht abgebrochen. Wenn K i n d t a u s e ist oder ein Orden fällig ist, geht man hin und gratuliert. An den wesentlichsten Zeugen v. Metze», der natürlich in vieler Beziehung eine unerfreuliche Erscheinung war, aber sonst nicht schlimmer als Zeugen, mit denen die Justiz täglich arbeitet, richtete der Ober- staatsanwalt Chrzesinski zu Beginn der Verhandlung eine einschüchternde Aeußerung, wobei es einen wundern muß, daß der Zeuge nicht ganz zusammen- krachte und überhaupt noch wagte, den Mund aufzutun. Die Geld- strafe, die Eccius bekommen hat, bedeutet bei ihm so viel, wie bei einem Arbeiter 50 Pfennig G e l d st r a f e. Das Gericht hat ja angenommen, daß das ganze Direktorimn um die Sache wußte. Wo sind die übrigen Herren, die noch auf die Anklagebank gehören, Herr D r e g c r, v. Metze»? Wo die anderen Herren, die wegen Verdachtes der Mittäterschaft nicht vereidigt worden sind, deren Mittäterschaft bereits erwiesen ist und deren Mitschuld die Spatzen von den Dächern pfeifen? D r c g e r hat der Staats- anwalt vorgeworfen, daß zur Zeit seiner Amtsführung noch ein weiteres Opfer gefallen ist. Immerhin hat in Anbetracht der Umstände das Gericht seine Sache recht gut gemacht. Gleichwohl muß man hier sagen: Welch eine Wendung durch Gottbcrgs Fügung! (Beifall links, Unruhe und Pfuirufe rechts. Vizepräsident Dr. Porsch rügt den Ausdruck: Sie haben diesen sehr bekannten Satz in einer Weise travestiert, die beim Hause Mißfallen erregt I) Herr v. G o t t b e r g ist doch der bekannte Kruppagent in dem Krupp-offiziös gewordenen„Lokal-Anzeiger". Was ist aus dem guten deutschen Gretchen der Beamtenunbestechlichkeit geworden? Ein geradezu blutiger Zynismus steckt in der Rede einer verfolgten Unschuld, die Herr Krupp v. B o h l e n- H a l b a ch vor kurzem gehalten hat. Man könnte fast aus ihr entnehmen, daß er alle« ioußte und billigte. Jetzt fehlt nur noch, daß Brand im Wieder- ausnahmeverfahren freigesprochen wird. Was dem Reuter und F o r st n e r recht ist, muß für ihn billig sein. Man wird mir vielleicht vorwerfen, ich urteile hier einseitig. Da kann ich auf einen neueren Fall hinweisen, der große internattonale Erörte- rungen verursacht hat und noch verursacht und von dem ich genaue Kenntnis habe. Er wird an anderer Stelle noch zu erörtern sein. Die Staatsanwaltschaft hat im Interesse der betreffenden großen Firma die Hauptbelastungsdokumente sorgfältig in ihren Privatschränken eingeschlossen. Sie sollten gestohlen sein und wegen des Diebstahls tvar Anklage erhoben worden. Dem Verteidiger sogar wurden die Papiere vorenthalten(Hört! hört! b. d. Soz.) Dabei handelte es sich um strafbare Handlungen der Inhaber und Leiter der Firma, die im Inlands begangen find. Statt aber nun diese Bcstechcr zu fassen, hat die Staats- anwaltschaft Vertreter der Firma und zwar einen derer, die ins Gefängnis hineingehörten, bei den Durchsuchungen mit hinzugezogen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Bis zum heutigen Tage ist noch kein Versuch unternommen worden, gegen die Leute einzuschreiten. Man hat versucht, da man den Prozeß nicht hinter verschlossenen Türen verhandeln konnte, die Sache in der frühen Morgenstunde im Verlaus weniger Minuten abzumachen. Der Staatsanwalt erklärte nachher, wenn der Liebknecht nicht dazwischen gekommen wäre, wäre die Sache schon längst vorbei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Auswärtige Amt ist in diese ganze Aktion verwickelt. Die inhaltreiche Rede meines Parteigenossen Heine im ReickiS- tag, die die Verlegenheit des Geschreis nach noch mehr Schutz für Arbeitswillige nachgewiesen hat, werden Sie ja bei Ihrem großen Interesse sicher genau lesen. Die vom Minister des Innern viel- gerühmte Justiz des Reichsgerichts ist ja drauf und dran, mit Hilsc der sich immerfort verschlechternden polittschen Justiz auf Grund der Straßenordnung das Streikpostenstehen zu verbieten. Die fünf Monate für das Wort„Streikbrecher", die hunderte Jahre Gefängnis für die Streikenden im Ruhrgebiet— das alles zeigt, daß unsere politische I u st i z unser Vertrauen nicht verdient. Der Mörder Brandenburg, ebenso ein Mörder, wie der des Arbeiters Hermann, ist auf die Zeugenaussagen seiner Mit- streikbrecker freigesprochen worden. In die Schuld an der Nichtergreifung der Mörder des Hermann teilen sich der Minister des Innern, der der I u st i z und der Polizei- Präsident. Der Minister sagte uns, wir dürften auf Grund von Zeitungsberichten die Stettiner Verhandlung nicht kritisieren. Und hat der Dr. jur. v. I a g o w und die„Kreuz-Zeitung" nicht nur auf Grund von Zeitungsberichten in ein schwebendes Verfahren ein- gegriffen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und der Minister spricht von den Volksrichtern des Schwurgerichts, das genau so ein Volksgericht ist, wie Sie eine Volkskammer!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ja. dieser Brandenburg ist nicht der einzige— hie guet Branden- bürg allewege!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.)— und „Ersatz Brandenburg" gibt es überall, wo bewaffnete Hintze- g a r d i st e n die sich in Disziplin zurückhaltenden Arbetter(Lachen rechts) straflos provozieren dürfen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die K l a s s e n j u st i z ist kein leerer Wahn. So wahr es ist, daß die Richter in ihrer großen Anzahl hochachtbare Männer sind, so wahr ist, daß sie unter den bekannten Einflüssen stehen und daß es Ausnahmen gibt. Nicht einen Schutz für Streikbrecher brauchen wir, sondern einen Schutz vor Streikbrechern!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister Dr. Beseler: Ich habe oft genug die Beschuldigung zurückgewiesen, daß die Justizverwaltung die Richter beeinflusse.— Die Geschworenen im Hamm- Prozeß in Elberfeld haben sieben Tage gefessen, äußerst gründlich ist vorgegangen worden und nun soll die Aussage des einen Kriminalkommissars unwahr sein, weil ein anderer, der gar nicht dabei war, dagegen geschrieben hat? I(Abg. Dr. Lieb» kriecht: Dieser andere Komnrissar war doch dabei!) Sind wir denn hier ein Gericht, können wir hier eine Untersuchung führen? I (Sehr wahr I rechts.) llnd was ist denn beim Krupp-Prozeß herausgekommen? Im Verhältnis zu dem, was der Vor- redner behauptet hat. so wenig, daß ich wohl sagen kann, nichts! (Stürmisches Hört I hört! bei den Sozialdemokraten. Beifall recht? und bei den Nationalliberalen.) Es scheint, als ob dem Abgeordneten die Felle fort- geschwommen wären und er jetzt darüber klagt.(Heiterkeit rechts.) Die Nichter in Breslau sind sehr ernstlich vermahnt und auf das Unrichtige ihres Verhaltens aufmerksam gemacht worden. Gegen den Landgerichtsdirektor Unger hat absolut kein Verfahren stattgefunden. Daß Dr. L i e b k n e ch t den hier nicht anwesenden Minister v. Dallwitz angreift, ist von Taktgefühl sehr weit ent- fernt. Der Vorwurf gegen den General v. Pelet-Narbonne, daß er aus Liebedienerer unr Gunst gebuhlt und sie nun erreicht habe(Abg. Dr. Liebknecht: Das habe ich nicht gesagt!), ver- dient die allerschärfstc Zurückweisung. Der General hat als Ge- richtsvorsitzender pflichtgemäß entschieden und gesprochen. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten. Beifall rechts.) Abg. Kloppenborg(Däne) klagt über Parteilichkeit der Justiz gegen die Dänen in der Nordmark, wo man die Leute, die nicht deutsch sprechen können, benachteiligt und sogar mit Ordnungsstrafen belegt. Wir nehmen den uns aufgedrungenen Kampf auf. Sic werden unsere Rattonalität nicht vernichten.(Beifall links.) Sin Vertagungsantrag des Zentrums wird gegen die Rechte angenomnien. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) fpersrnilichf: Ich freue mich, daß der Minister auf den Breslauer Fall eingegangen ist, bedauere aber, daß er nicht auch auf den Fall S cd u l z eingegangen ist. Es ist ein Irrtum des Ministers, daß der Polizcibeamtc, der die Untersuchung v. Tresckows als falsch erklärt hat, nicht bei dem Prozeß in Elberfeld anwesend gewesen wäre. Zwei Beamte haben die Untersuchung Tresckows verworfen, der eine davon tvar bei dem Prozeß anwesend. Mit der Be- merkung, daß mir die Felle weggeschwommen seien, wollte der Minister meine Ausführungen ins Lächerliche ziehen. Ich erwidere darauf, daß die Antwort des Ministers(Präsident Graf Schwerin- Läwitz: Das können Sie in einer persönlichen Bemerkung nicht ausführen!) Ich stelle fest, daß mir meine Felle nicht weg- geschwommen sind, sondern daß mir noch manche Felle dazu geschwommen sind, die ich früher noch gar nicht gehabt habe(Hört l hört!). Darüber reden wir ein ander Mal. Meine Aeußerung über den General v. P e I e t hat der Minister unrichtig dargestellt. Ich habe gesagt: Nach der provokatorischen Art der Prozeßführung durch diesen General ist er befördert worden und diese Tatsache muß korrumpierend wirken auf die gesamte Rickterschast und muß sie geneigt machen, nach Gunst zu buhlen(Sehr richtig I links). Sachlich werde ich bei anderer Ge« legenheit erwidern.(Bravo! bei den Sozialdemokraten). Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr vorinittag. Schluß: 4'/« Uhr. parlamentarisches. Budgetkommissio» des Reichstags. Die Beratung des Marineetats wurde anr Donnerstag fortgesetzt. Die Einstellung von sechs neuen Jntendantursekretären entfesselte die alljährlich Iviederkehrende Jntendanturdebatt«. Bon verschiedenen Seiten wurde die wiederholt verlangte Vereinfachung Set Illieildaniurgeschäfte, Sie auch von der Regierung alZ dringend reformbedürftig bezeichnet wurden, erneut gefordert. Eine von der Marineverwaltung in Aussicht gestellte Denkschrift soll für die vorzu- nehmende Personalreform als Grundlage dienen. Genosse R o s k e brachte den großen Abgang von Unteroffizieren und Deckoffizieren zur Sprache, wodurch die Leistungsfähigkeit der Schiffsbesatzungen in �rage gestellt werde. Die Ausbildung von Mannschaften habe mit dem Tempo der Schiffsbauten nicht Schritt gehalten. Der Vertreter der Marineverwaltung gestand den Nebel- sland zu und verbreitete sich in längeren Ausführungen über dessen Ursachen und die bisher zu seiner Beseitigung getroffenen Maß« nahmen. Unter Zustimmung der Kommission erklärte der Abg. Erzberger(Z.), daß die Verabschiedung des Marineetats nicht erfolgen werde, bevor nicht die angekündigte Besoldungs- Novelle vorgelegt sei. Das Reichsschatzamt stellte die Besoldungs- Novelle für die allernächste Zeit in Ausficht. Zum Schluß brachte Genosse Bogtherr einen ungeheuerlichen Mißhandlungsfall vom Kreuzer.Stralsund� vor, der untersucht werden soll. Fortsetzung der Beratungen: Freitag.___ Tie Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. In der Reichstagskommission für die Sonntagsruhe im Handels- gewerbe begründete' am Donnerstag der Freisinnige Schweich- Hardt einen Antrag, der auf die vom Zentrum vorgeschlagene Ortsklasseneinteilung eingeht, aber diese noch erheblich v e r- schlechtert, weil er nur für Großstädte mit über 100 000 Einwohnern die volle Sonntagsruhe zugestehen und für alle übrigen Orte mit der Regierungsvorlage drei bis vier Stunden Sonntags- arbeit zulaffen will: Schluß der Sonntagsarbeit soll erst uin 3 oder 1 Uhr eintreten. Für Badeorte will der Redner noch besondere Ausnahmen zulaffen. Die Debatte über die vorliegenden Anträge wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt. Mus der Partei. Ein neues vlämischeS Xagblatt. Man schreibt uns anS Brüssel: Die Ausschüsse der Organisationen der Brüsseler Föderation hatten kürzlich einein prinzipiellen Antrag auf Gründung eines v l ä m i s ch e n T a g b l a t t e s für den Brüsseler und Antwerpener Wahlkreis ihre Zustimmimg gegeben. Der Wunsch auf Herausgabe eines täglichen Blattes für die vlämischen Genossen datiert schon lange zurück, und wiederholt schon sind in dieser Richtung Projekte und Borarbeiten gemacht worden. Nunmehr scheint daS Projekt aber festere Gestalt zu gewinnen, und möglicherweise, wenn sich die Boraiissetzungen erfüllen, kann mit dem 1. Mai bereits die erste Nummer erscheinen. Das Blatt soll gemeinsam von der Brüsseler und der And werpener Föderation herausgegeben werden und unter Kontrolle des Parteivorstandes stehen. Es wird in Antwerpen ge druckt, mit de», ersten Frühzuge nach Brüssel expediert und hier gleichzeitig mit dem.Peuple' ausgetragen werden. Für die Redaktion find fünf interne Redakteure, drei für Antwerpen und zwei für Brüssel vorgesehen: der Drüffeler Redakteur hätte auch den Parlamentsbericht zu besorgen Die politische Richtung, die das Blatt zu befolgen hätte, würde von den beide» Föderalionen vereinbart werden. Für daS Defizit haben beide Föderationen zu gleichen Teilen aufzukommen. Für die finanzielle Fundierung des vlämischen Tagblattes schlug die erwähnte Versammlung einen Jahresbeitrag der Parteiorgant sationen vor in der Form, daß die angeschloffenen Gruppen— politische, gewerkschaftliche und genoffenschaftliche Organisationen— von ihren Mitgliedern entweder selbst Beiträge erheben oder sie aus der Vereinskasse decken. lieber die Notwendigkeit einer eigenen vlämischen Zeitung für Brüssel und Antwerpen, beides Städte mit ausgesprochen vlämischer Arbeiterbevölkerung, kann kein Zweifel sein, zumal der Genter „Vooruit" diesem BedürsniS naturgemäß nur in ungenügender Weise entaeaenkommen kann. ' Die nationale Frage in Belgien, die sich auf allen Gebieten in ffymjcr schrofferen Formen kundgibt und innerhalb aller Parteien zu Scheidungen führt, wird auch von der Partei Klarheit und Stellung- nähme fordern, und sie wird, wie die sozialdemokratischen Parteien anderer Länder mit gleichen Probleinen auch in Belgien die be« rechtigten nationalen Forderungen und Ansprüche beider Volks- stäinme, der Vlämen und der Wallonen, von ihrem vergiftenden chauvinistischen Beiwerk zu befreien und aus der Hülse bourgeoiS- nationalistischer Spekulation auszuschälen haben. Gerade in diesem Punkt wird aber ein zweites vlämischeS Tagblatt gute Arbeit leisten könnet,._ polizeiliches, Gerichtliches usw. Trotz Wahrheitsbeweises verurteilt. Das„Sächsische Bolksblatt" in Zwickau hatte im Juli vorigen Jahres in einen, sachlichen Artikel aufgedeckt, daß die Reservisten und Landwehrleute auf dem Truppen- Übungsplatz in Zeithain„Lausbuben, Rotzjungen, faule Kerle. Drücleberger' von Offizieren beschimpft wurden und daß sie ge- zwungen waren, ihr Brot in engster Berührung mit Stiefelschmiere, schmutzigen Strümpfen und Neinigungsmaterial aufzubewahren. Ferner hatte es daS Verhalten einiger Offiziere und des Regimentsarztes gegenüber den Mannschaften festgestellt und be- mangelt, daß das Effen nicht gut war. Für einige dieser Tat- fachen war der Regimentskommandeur verantwortlich gemacht worden, und einem Hauptmann war nachgesagt worden, daß seine Behand- lung die Leute in Erregung versetzt habe. Wegen der Angriffe aus diese beiden Offiziere stellte das Kriegsministerium Strafantrag. Die ganze übrige scharfe Bloßlegung der Mißstände wurde still- schweigend zugegeben. Das Landgericht Zwickau hat nun den Ge- Nossen Barth vom„Sächsischen Volksblatt", der damals verant- wortlich zeichnete, obwohl er alle behaupteten Tatsachen beweisen konnte, zu b 0 0 M. Geldstrafe eventuell 50 Tagen Gefängnis verurteilt.___ Wege« angeblicher Beleidigung der bürgerlichen Stadtverord- iieten in R a t h e n o lo erhielt der Genosse Max Groger-Neukölln vom Schöffengericht Rathenow eine Strafe von einem Monat Gefängnis. Die Beleidigung wird in einer Aeußerung ge- fanden, die Genoffe Groger in einer öffentlichen Versammlung in Raihenow am 21. November 1913 getan haben soll. Obgleich die drei von dem Beklagten geladenen Zeugen unter ihrem Eide be- kündeten, daß die zur Anklage stehende Aeußerung weder der Form noch dem Inhalt nach gefallen fei, wurde auf da? Zeugnis der überwachenden Beamten hin die Verurteilung ausgesprochen. Gegen daS Urteil ist Berufung eingelegt. Iusenöbeweguns- Lom Polizeikampf grgcu die Arbeiterjugend. Im pommerschen Jndustriedorf Torgelo w ist in letzter Zeit, allen Schwierigkeiten und den Anstrengungen der Gegner zum Trotz die Arbeiterjugendbewegung kräftig empor geblüht. Nun möchte man sie mit einem Schlag vernichten. Der ÄmtSvorsteher Bremer schickte nämlich ihren Anhängern folgende Verfügung ins HauS: Torgelow i. Pomm., den 28. Januar 1914. Sie find Mitglied des im Kusserowschen Lokale Hierselbst tagenden sozialdemokratischen Jugendvereins, der von Mitgliedern des BildungsauSschusieS der sozialdemokratischen Partei unterstützt wird. Obwohl der Verein offiziell keinen Vorstand und keine Satzungen haben will, so find doch die Begriffsmerkmale eines „Vereins" gegeben. Wie diesseits festgestellt, befaßt sich der Verein auch mit politischen Angelegenheiten und ist somit ein politischer Berein. Da die Mitglieder dieses verein« das 18. Lebensjahr noch nicht bollendet haben, läuft der Zweck des Vereins den Strafgesetzen zuwider und erkläre ich daher den Verein gemäß Z 2 des Reichs« Vereinsgesetzes hierdurch für aufgelöst. Ich setze Sie hiervon mit dem Hinweis in Kenntnis, daß Sie weder Mitglied eines politischen Vereins, noch in den Sitzungen oder Versammlungen solcher Bereine anwesend sein dürfen, da Sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.(K 17 des Reichsvereinsgesetzes.) Sollten Sie diese Verfügung unbeachtet laffen, so wird gegen Sie eine Geldstrafe von 80 Mark, an deren Stelle im Unvennögens falle eine Haftstrafe von 5 Tagen tritt, festgesetzt werden. Die Wer- sügung ist auf Grund des Z 132 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 erlassen. Bremer. Der„sozialdemokratische Jugendverein", den Herr Bremer mit seiner Verfügung niederknütteln will, existiert nur in seiner Phantasie. Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Torgelower Arbeiter- jugendheim zusammenkommen, bilden keinen Verein; sie haben nicht nur keinen Vorstand und keine Satzungen, sie bezahlen auch keine Beiträge und halten keine Versammlungen ab. Sie kommen nur zu Spiel und Unterhaltung zusammen. DeS halb sind die geeigneten Schritte eingeleitet, um Herrn Bremer klar zu machen, daß er nur da eingreifen darf, wo es was zu greifen gibt. Und das wäre die Torgelower Fortbildungsschule, in deren Unterrichtsstunden und auch in dem ihr angegliederten Jugendklub die niedrigste Hetzerei gegen die Arbeiterbewegung ent faltet wird. Gegen diese politische Hetzarbeit hat aber Herr Bremer nichts einzuwenden, da rät er nur deren Leiter„vorsichtiger" zu sein. Steht er doch ganz auf dem Boden jener bürgerlichen Jugendpflege, deren politisches Ziel der Leiter des Jungdeutschlandbundes zu Stralsund, Bankdirektor Schmidt, in die Worte zusammenfaßte, man wolle„die liebe Jugend stark machen im Kampfe gegen die vielköpfige Hydra der haß erfüllten Sozialdemokratie". satz Mus Industrie und Handel. Weitere Zinscrmäßiguugeu. Die Deutsche R e i ch S b a n k hat am Donnerstag den ZinS von 4Vz auf 4 Proz. herabgesetzt. Sie folgt damit der Bank von London, die vor kurzem bis auf 3 Proz. herunterging. Die Ermäßigung ist ein neues Symptom für die Erleichterung am Geld markt. Vom November 1912 bis Ende Oktober 1913 betrug der Satz noch 0 Proz. Er ist dann dreimal um je Proz. bis auf 4�/2 Proz. ermäßigt worden, worauf nun innerhalb von 4 Monaten die vierte Herabsetzung folgt. Damit hat der Zinssatz seit 3 Jahren wieder zum ersten Male den Satz von 4 Proz. erreicht. In der Zwischenzeit waren infolge der aufsteigenden Konjunktur und der Zurückhaltung aus Kriegsfurcht die Zinssätze ständig höher. Erst der Umschlag zum Konjunkturrückgang und die politifche Beruhigung veranlaffen eS jetzt, daß dem Kapitalmarkt wieder reich- lichere Milte! zufließen. Die übrigen deutschen Notenbanken, die in ihrer Zinspolitik von der Reichsbank abhängig sind, nahmen die gleichen Ermäßigungen vor. Zu gleicher Zeit setzte die Schwedische ReichSbank ihren Satz von 5 auf 4'/, Proz., die dänische Nationalbank von 5>/z auf 5 Proz. herab. Bom Konjunkturrückgang in Rheinland-Westfalen. Vor einigen Tagen berichtete die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", daß von einer Besserung der Konjunktur im Kohlenbergbau keine Rede sei» könne. Jetzt fällt dasselbe Organ ein gleiches Urteil über die Eisenindustrie, was um so mehr hervorgehoben zu werden ver- dient, als von Interessenten die Nachricht verbreitet wird, die Situation auf dem Eisenmarkte bessere sich. Die„Rheinisch-West- fälische" schreibt u. a.: Die Marktlage schleppt sich hin, ohne zu einer rechten Erholung kommen zu können, ohne aber auch abgesehen von den Preisen al« besonders ungünstig gelten zu können. Was iveniger zu befriedigen Icheint, ist der Abruf auf die vorliegenden Abschlüsse: die Abnehmer haben zu den billigen Preisen im Dezember mehr abgeschlossen, als sie jetzt gebrauchen können und es ist deshalb zu scharfen Mahnungen gekommen und eventuell sind auch gelinde Zwangsmittel an- gewandt worden. Dieser langsame Abnahmemodus macht natürlich de» Auftragsbestand illusorisch und beeinträchtigt den Walzbetrieb. Die den Händlern aber von den Werken wieder aufgezwungenen Mengen suchen oft vergeblich Unterkunft am Markt und werden zu billigen Preisen angeboten. DaS Preisniveau hat sich aber trotzdem bisher gut behauptet. Die Neigung nach oben, die eS vor 14 Tagen ein- mal hatte, scheint aber nicht standhalten zu können und man hört heute wieder von größerer Nachgiebigkeit. Man wird auch gut tun, in der Beurteilung der Zukunflsentwicklung noch etwas Bor- ficht walten zu lassen. Die Basis für die Konsolidierung und neue Belebung der gewerblichen Tätigkeit ist in den günstigen Geld- Marktverhältnissen ja gegeben: so rasch aber vollzieht sich die.Rück- Wirkung erfahrungsgemäß nicht, und wie die Dinge liegen, wird man mit einer durchgreifenden Besserung in diesem Jahre noch kaum zu rechnen haben. Die gesteigert« Erzeugung macht sich langsam stärker geltend und hält die Marktverhältnifse unter Druck. ES wird eine Zeitlang vergehen, bis der wieder auflebende stärkere Bedarf sich ihr angepaßt hat. Der allgemeine Abstieg ist aber noch nicht ganz beendet und dürfte erst im Laufe deS JahreS bei den Rohstoffen seinen Abschluß finden. Zum Waffenstillstand im Schiffahrtsgewerbe. Die ursprüngliche Weigerung der Hamburg— Amerika-Linie, einer Verlängerung der nordailantischen Schiffahrtskonvention zu- zustimmen, findet die Erklärung durch die zum Teil recht unangenehme Situation, in der sich die Hapag befand. Die Hapag hielt e» des- halb zunächst für zweckmüßig, sich freie Hand zu wahren. Während nämlich Generaldirektor Heineken vom Norddeutschen Lloyd bei seinen Konferenzen mit der österreichischen Regierung in Wien fiir seine Gesellschaft— allerdings gegen mannigfache Zugeständnisse seinerseits— wenigstens einiges erreichte, wurde Ballin, der General- direktor der Hamburg— Amerika-Linie, mit leeren Händen nach Hause geschickt. Auch in Budapest erzielte er keine besseren Erfolge. Nun ist aber die Beförderung der österreichischen Auswanderer und Güter für die deutschenLinien geradezu eine Lebensfrage. Deshalb versucht man eS wieder— wie in der Zeit vor dem AuSwandererfkandal— mit lebhafterer Propaganda in Galizien. Die österreichische Regierung er- hielt jedoch von diesem Treiben Wind und ließ zahlreiche Agenten verhaften, Schriften und Drucksachen sowie gefälschte Pässe beschlag- nahmen. Die Hoffnung, daß man auch ohne Unterstützung der Regierung wieder ins Geschäft kommen könnte, wurde auf diese Weise zu Wasser. Gleichzeitig erhob sich in Italien, wo man ebenfall« auf Auswanderersuche gehen wollte, eine von den ein« gesessenen Schiffahrtsmteressenten geschürte Entrüstung. Zu allem Ueberfluß stellte sich noch heraus, daß der überseeische G ü t e r v e r- kehr aus dem nördlichen Teile Oesterreich-Ungarns von den beut- fchen Häfen systematisch abgelenkt und via Trieft geleitet wurde, wo hauptsächlich die Austro-Americana die Weiterbeförderung übernahm. Aus allem ging hervor, daß die neuerding« in Oesterreich- Ungarn so eifrig propagierte„nationale Schiffahrtspolitit" keine leere Phrase, sondern ein für die deutschen Reedereien recht gefährlicher Faktor ist. Da nun neuerdings auch noch das Bestreben hervortritt, die schweizerischen Güter über Genua zu verfrachten, an- statt sie wie bisher rheinabwärts gehen zu lassen, und da ferner die Konkurrenz der russischen, italienischen, rumänischen und französischen Linien im Mittel- und Schwarzen Meer besonders scharf Hervorlritt, schlug die Direktion drr Hapag plötzlich gegenüber dem Lloyd ver- fohnlichere Töne an. Die Generaldirektoren Ballin und Heineken begeben sich zu neuen Konferenzen mit den Vertretern der öfter ') EiSstopsung.—') Elsltand.—•) Treibeis. Räch telegraphischer Meldung herrscht ün M-melstrom s«t gester» starker Eisgang; Wafferstand heut« Morgen am Pegel Ttlfit: S«S 0». _____................................................... Oberhalb der TelliMgSspitz« bei Sch-m-nberg ist SiSftopsung eingetreten. Verantwortlicher Redakteur:«lfreh Wielepp, Neukölln. ZüT d«n Inseratenteil verantw.: Th?Glöckc, Berlin. Druck».Verlag: VorwSrts Buchdruckerei u. VerlagScmstalt Paul Singer k Ce>„ Berlin SW, reichischen Regierung nach Wien. Nachdem die Hapag gesehen hat, daß sie fast sämtliche SchiffahrtSinieressenten Europas gegen sich bat, wird sie es voraussichtlich nicht auf eine Katastrophe ankommen laffen. Sie hat sich, wie gemeldet, bereit erklärt, der vorläufigen Verlange« rung der Schiffahrtskonvention zuzustimmen. Bom Schiffahrtskampf. Infolge des Kampfes im Schiffahrts- Pool setzte die C u n a r d l i n i e den Fahrpreis dritter Klasse für russische Auswanderer nach Amerika von 120 auf 105 Kr. herab. Deutsche Gesellschaft für Welthandel. Unter dem Borsitz des Generaldirektors Ballin-Hamburg fand am Donnerstag in Berlin eine Besprechung von Vertretern der zenttalen Organisationen der Industrie und des Handels statt, die grundsätzliche Uebereinstimmung über�die Begründung einer„Deutschen Gesellschaft für Welthandel" ergab, welche sich die Aufgabe stellt, die Bestrebungen zur Förderung der deutschen AuslandSintereffen zusammenzufassen. Die Begründung der Gesellschaft ist für den 2S. Februar d. I. in Berlin in Aussicht genommen. Soziales. Arbeitsnachweis in Halle. Mit dem Arbeitsnaehlveis liegt's in Halle recht im argen. Neben einer großen Anzahl von Fach-, Jnnungs- und sonstigen ArbeitSnachiveisen besteht noch ein solcher, der von einem so» genannten Berein für Volkswohl betrieben wird und in dessen Aufsichtskommission neben dem Oberpolizeiinspektor ein Bankier sowie ein Geistlicher sitzt. Trotz des bisher erhaltenen beträchtlichen städtischen Zuschusses in Höhe von 6000 M. pro Jahr blieb dieser Nachweis ein Blümchen im Verborgenen, weil ihm infolge des Mangels jeglicher Parität das Zutrauen von beiden beteiligten Seiten fehlte. Um diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu bereiten, hatte sich der Magistrat nach wiederholtem Drängen des Gewerkschaftskartells endlich zu dem Vorschlag entschlossen, diesen Bolkswohlnachweis auf die Stadt zu übernehmen und mit einem Kostenaufwand von 50 000 M. als städtischen Arbeitsnachweis weiter zu betreiben. Das vom Magistrat vorgelegte Ortsstatut war so gehalten, daß die Arbeiter im allgemeinen demselben zu- stimmen konnten, vor allem, wenn die gestellten AbänderungS- und Ergänzungsanträge Berücksichtigung gefunden hätten. So sollten nach der Magistvatsvorlage die Gewerbcgerichlsbeisitzcr sechs Ver- treter in die Deputatton entsenden, auch sollte es statthaft sein, den Ausbruch von Streiks und Aussperrungen im Warternum durch Plakate anzuzeigen. Neben anderen Forderungen verlangte das Gewerkschaftskartell auch die Festlegung der mündlichen In» formatton über den Ausbruch von Differenzen, wie das ja in München bereits mit gutem Erfolg geschehe. Die das Rathaus beherrschenden kapitalistischen Jntevessenpolitiker liefen aber mit allen Kräften gegen die Vorlage deS endlich einmal sozialpolitischen Ideen huldigenden' Magistrats Sturm. Vor allen, wandten sich die Unternehmergruppen gegen die geplante Bestimmung des Statuts, daß im Warteraum durch Anschlag von dem Ausbruch wirtschaftlicher Kämpfe Mitteilung gemacht werden soll, wenn die Interessenten deS Nachweises dies zur Kenntnis der Verwaltung bringen. Und die Scharfmacher erzielten in der entscheidenden Stadtverordnetensitzung, trotzdem die sozialdemokratischen Stadt- verordneten treffliches Material für die Magistratsvorlage und vor allem für die Verbesserungsanträge vorbrachten, einen vollen Er- folg. Die Bestimmung über den Aushang der mehrfach erwähnten Mitteilungen wurde mit Zweidrittclmrhrhrit gestrichen; der An- trag, neben der schriftlichen auch die mündliche Information über Differenzen festzulegen, erhielt gar nur die Stimmen der Sozial» demokraten. Es findet demnach überhaupt keine Benachrichtigung statt. Für die Zulassung weiblicher Personen zum Kurawrirnn stimmten neben den Sozialdemokraten nur vier Bürgerliche. Da unsere Genossen sich für einen nur den Interessen der Unternehmer dienenden Nachweis nicht erwärmen konnton, werden die 50 000 M. für die städtische Streikbrechervermittelung weiter umsonst ver- pulvert. Ein Betrieb mit Ohrfeigen. Ein Hausdiener forderte gestern vor dem Gewerbegericht von dem Inhaber einer Kreppapierfabrik, Simon, Boeckhstr. 21, eine Entschädigung für 14 Tage wegen kündigungsloser Entlassung. Der Klage liegt folgender Vorgang zugrunde: Wegen einer Verzögerung in der Ausführung eines Auftrages erhielt eines Tages der Lehrling Z.— ein Krüppel— von dem Beklagten eine Anzahl Ohrfeigen. Wieviel, war nicht festzustellen. Dieser Vor- gang empörte den Kläger dermaßen, daß er dem Beklagten Vor« Haltungen machte mit den Worten:„ES ist eine Schande, sa einen kleinen Krüppel zu schlagen." Der Beklagte erwiderte:„Sie sind auch ein Krüppel" und gab dem Kläger schließlich nach einem weiteren Wortwechsel auch eine Ohrfeige. Durch das Dazwischen» treten von- Arbeitskollegen wurde der anschließenden Schlägerei ein Ende bereitet. Dem Kläger, dessen Behauptungen durch Zeugen bestätigt wurden, würde also sein Anspruch zugestanden haben. Streitig war, ob er 8 oder 14 Tage zu fordern berechtigt war. ES kam zu einer Einigung auf 20 M. Der Beklagte scheint ein sehr schlagbcreiter Herr zu sein. Denn die Zeugen, als auch der Lehrling selbst sagten aus, daß e» nicht der einzige Fall war, wo er Ohrfeigen erhielt. Welche Gemütsverfassung durch diese Prügelpädagogik anerzogen wird, f;eht aus dem Ausspruch deS Lehrlings hervor: er habe die Ohr- eigen nicht gezählt, aber er sei auch noch nicht daran gestorben. Marktpretse du» Berlin am 4. Februar lS14. nach Ermittelung«, deS tgl. Polizei vräfidtmns. Mals(mixed), gute Sorte ls.90— 17L0. Donau 16,00— 16,80. Mal«(runder), gute Sorte 14,S0— 16,30. Richtstrob 0,00. Heu 6,60-8,40. Marlthallenvreise. 100 Kilogr. Erbten» gelbe, zum Kochen 34,00—60,00. Sveisebobnen. weiße 36.00—60,00. Linien 36,00—80,00. Kartoffeln(Kletnbdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rtndflelsch. von der Keule 1.60-2,40. Rindsteiich, Bauchffellch 1.30—1.80. SchweineNeisch 1.40-2,00. Kalbfleisch 1.40—2.40. Hammelfleisch 1,60-2,40. Butter 2.40—3.00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karvien 1,20—2,60, Aale 1.60—8,20. Zander 1,20-3,20. Hecht« 1,60—2,80.«arlibe 0,80— 2,2a Echl«« 1,60— 3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück«rebie 4,00— 24,0a Wafferstand». Back, richte» der Land«»anNatt für Gewässertund«. mitgetellt vom Berliner ZLetterburoaa Wafferstand M e m e l, Tilsit Pregel. Jnsterburg Weichtet, Thon, Oder. Rattbor Kroffen , Frantwrt ar t h e, Schrimm , LandSberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmerltz . Dresden , Bardo , Magdeburg am 4. 2. am 676») 433«) 101 156') 150 264') 186») 236') 77 101 —154 121 92 feit 8. 2. cm1) -i-48 +8 +f +8 +3 —8 -16 0 +1 —7 —2 +10 +6 Wafferstand Saal«, Erochlltz Havel, Svandauft , Ratbenor:') Spree, Svremberg') , BceSkow Weser, Münden , Mmden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar. Hetlbron» Mal». Hanau Mosel, Trier am 4, 2. cro 156») SS 106») 106 182*) 158 347 340 166 168 80 303') 87 lest 3. 2. cm') —8 0 —7 — 1 —8 —2 — 1 —2 —3 —5 0 -4 +1 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel.—') eisfrei—