Ar. 38. flbonnementS'Bedingunsen: NdonnemeiUS- Preis pränumerando! Lierteljährl. 3.30 Ml� Mona«. 1,10 Ml, d-öchenllich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S P'F Sonntags. nummer mit iHusirieasr Sonnlags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Post. «bonnement: 1,10 Marl pro Mona!. Eingetragen in die Pofl-Zeitungs. Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,00 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat, Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. Die InfcrtionS'Gcbüljr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg.. für politische und gewerlschaftliche Bercins- und V-osminnlungs. Anzeigen L0 Pfg. „kleine Anreizen", das fettgedruclie Wort 20 Pfg.(zulässig 2 settgedruckte Worte), fedes weitere Wort 10 Pig Stellengesuche und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes wettere Wort ö Pfg, Worte über 12 Buch, slaben zählen für zwei Worte. Inserale für die nächste Nummer müsse» bis K Uhr nachmittags in der Erpedition vbgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Cifdxlot tlgOdi. Berliner Volksblnkk. Telegramm- Adreffe: „Sopissiiemolitäl Ntlll»-, Xcntralorgax) der rozialdemokratifchcn parte? Deutfchlands. Rcdahtion: SCQ. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplati, Nr. 1983. Sxpedillon: 8LI. 68» I.lncicns1rassc 69. Fernsprecher: Amt MoriNPlast. Nr. 1984. Rechtsheuchler unö Rechtsbrecher! Im Dreiklassenhaus stand auch am Sonnabend noch der Justizetat zur Beratung. Noch hallten im Saale die schönen Phrasen der ordnungsparteilichen Redner nach, daß der hetzerische Begriff Klassenjustiz in das Fabelreich gehöre, daß auch in der westrussischen Provinz Preußen die unbestechliche Justitia, die Göttin mit der Binde vor den Augen, das Szepter führe. Nur das eherne Recht walte ohne Ansehen der Person. Unerreichbar jeder Beeinflussung der Mächtigen, jeder Einschüchterung von unten herrsche das dreimal heilige Recht. Und ein schnöder Verleumder, wer es ivagc,.das un- beirrbare, unbeugsame Rechtsgefühl der herrschenden Gewalten anzuzweifeln! Und dann, plötzlick, ungeahnt, kam die Probe auf das Erempel. Unverhofft lachte den roten„Verleumdern" das alte Schweineglück, warf ihnen Fortuna einen Akt blutigster Selbstverhöhnung der Gralshüter des unentweihten Rechts als Gottesgeschenk in den Schoß. Die Ordnungsparteien, die noch soeben das Recht und nichts als das Recht als den unwandelbaren Leitstern preußischer Justiz gepriesen hatten, und unter denen selbst so mancher Richter sitzt, begingen selbst den unglaublichsten Rechtsbruch, bekannten sich selbst in der nacktesten Form zur nacktesten, brutalsten Gewalt. Und da sollte es noch einen Leicht- gläubigen geben, der noch auf die Deklamationen solcher Rechts- Hüter hineinfiele?! Die Generaldebatte über den Justizetat war geschlossen. Man befand sich in der Debatte über die Spezialtitel. Beim Titel„Amts- und Landgerichte" wurden zunächst allerhand Lokalwünsche und Anregungen organisatorischer Natur vor- gebracht. Dann wollten verschiedene Redner, neben den Sozialdemokraten Liebknecht und Braun auch der Fortschrittler Cassel, alter Gepflogenheit des Hauses gemäß auf Spezial- angelegcnheiten von allgemeinerer Bedeutung eingehen. Der Präsident— bezeichnender Weise der„liberale" Vizepräsident Krause— widersetzte sich und erklärte kategorisch, daß er das unter keinen Umständen zulassen werde. Gleich beim Genossen Liebknecht kam es zur Kata- strophe. Liebknecht wollte, wie er in der Generaldebatte bereits angekündigt, auf den Fall der Witwe Hamm ein- gehen, der sich, wenn nicht alle Zeichen trügen, als furcht- barer, unsühnbarer Justizmord herausstellen wird. Unser Genosse begann mit ein paar einleitenden Sätzen, in denen er die behördliche und parlamentarische Hilfsaktion für die Firma Krupp zu der himmelschreienden Gleichgültigkeit in Parallele setzte, die Justizbehörden und Parlament dem Schicksal dieses proletarischen Opfers eines verhängnisvollen Justizirrtums entgegenbrächten. Aber schon das Wort„Krupp" wirkte auf den nationalliberalen Präsidenten wie ein Peitschenhieb oder ein Tarantelbiß. Er verwies Liebknecht jedes Zurückgreifen auf die Generaldebatte. Liebknecht entgegnete, daß er gar nicht daran denke, die Generaldebatte wieder aufzu- nehmen, sondern daß seine Worte nur die Einleitung zu der Erörterung des Falles der Witwe Hamm dar- stellten. Aber der Herr Vizepräsident war durch das Schreckens- wort Krupp derart aus aller Fassung gebracht worden, daß er auch den Einzelfall der Witwe Hamm nicht mehr zur Erörterung zulassen wollte. Die Sozialdemokraten glaubten anfangs bei dieser Proklamation der präsidialen Dittatur, die jeder Tradition des Hauses Hohrf sprach, zu träumen. Aber Herr Krause bewies, daß es ihm ernst war. Er beharrte trotz des energischsten Protestes Liebknechts auf seinem Machtgebot. Und als er auf Liebknechts Forderung das Haus befragte, gab dieses mit Ausnahme der Frei- sinnigen und Polen dem nationalliberalen Unistürzler aller bisherigen Geschäftsgepflogenheiten des Hauses recht! Voller Befremden stellte nunmehr der fortschrittliche Ab- geordnete Cassel an den Präsidenten die Frage, ob er denn auch die Erörterung des Richterersatzes durch die Generaldebatte als erledigt ansehe und demgemäß nicht mehr zulassen wolle. Der nationalliberale Vize bejahte die Frage, worauf Cassel aus das Wort verzichtete, jedoch nicht ohne den Vorbehalt, demnächst auf Grund der Akten aus den früheren Jahren den Beweis der entgegengesetzten Praxis des Hauses zu führen. Das dritte Opfer der präsidialen Willkür wurde dann Genosse Braun, dessen Appell an die Logik und dessen Hinweise auf die Praxis des Hauses ebensowenig Gnade vor dem Präsidenten fanden, wie Liebknechts Vorstellungen und Cassels Proteste. Auch hier wurde jedoch wieder das Urteil des Hauses an- gerufen. Und bevor das Haus abstimmte, kam es zu einer ««�gedehnten Gcschästsordnungsdebatte, in der den„Ordnungs- Parteien" die Sachlage in der erschöpfendsten und unverkenn- barsten Weise vor Augen geführt wurde. Es konnte also keine Rede mehr davon sein, daß sie blindlings auf die Auffassung ihres präsidialen Machthabers hineinfielen, daß sie das Für und Wider nicht kannten. Nein: obwohl der Mehrheit das schreiende Unrecht ihres Sachwalters zur Evidenz be- wiesen wurde, stellten sie sich auch bei der zweiten Ab- stimmung wie ein Mann auf die Seite des Rechtsbruchs! Adolf Hoffmann hatte— er kennt die ja auch von Herrn Liman attestierte geistige Schwerfälligkeit der Junker samt ihres auf die päpstliche und Kruppsche Unfehlbarkeit ein- geschworenen Anhangs— den Vorschlag gemacht, die Sitzung auf eine halbe Stunde zu vertagen, damit man sich aus den Protokollen der Verhandlungen früherer Jahre ein Urteil über die bisher geübte Praxis bilden könne. Darauf war man natürlich aus dem berühmten Gefühl für Recht und Sachlich- keit nicht eingegangen. Aber das war schließlich auch nicht nötig. Denn die sozialdemokratische Fraktion hatte sich rasch genug die Protokolle früherer Justizetatsdcbatten verschafft, um aus ihnen nachweisen zu können, daß bisher nie- mals die Erörterung von Einzelfällen bei Behandlung der Spezialtitel abgeschnitten worden war! Ebensowenig war je bei anderen Etats, zum Beispiel dem Kultusctat, wie Herr Cassel bestätigte, ein solcher Versuch gemacht worden. Die Diktatur des Herrn Krause bedeutete also ein völliges Novum, einen Bruch mit aller bisherigen parlamentarischen Praxis, den Versuch, jede gründlichere Er- örterung von wichtigen Einzelfällen zu vereiteln! Aber es wurde dem so befremdlich irrenden Vizepräsidenten nicht nur nachgewiesen, daß seine Geschäftsführung die ganze bisherige Praxis über den Haufen werfe, sondern es wurde ihm und dem Hause auch vom Standpunkte des Budgctrcchts und des gesunden Menschenverstandes aus demonstriert, daß eine solche Art präsidialen Waltens jede geordnete und vernünftige Verhandlung überhaupt unmöglich mache. Denn dadurch zwinge man ja die Etatredncr, ihre Generalrcdcn ins Ufer- lose auszudehnen und mit einer Fülle von Einzelfällen zu belasten, die.jede Verhandlung zur Farce machten. Daß Herr 5krause unbelehrbar blieb, ist psychologisch schließlich verständlich. Er hatte sich nun einmal festgerannt und vermochte nicht die Courage zu eineni Selbstdcsaveu aufzubringen. Aber daß die Mehrheit des Dreiklassenhauses seinen unglaublichen Willkürakt billigte— zum zweiten Male billigte, nach der eingehenden Geschäfts- ordnungsdebatte!— das ist ein neues Dokument der Schande dieses' an schmachvollen Kundgebungen schon so überreichen Geldsackparlaments! Um die ganze moralische Ungeheuerlichkeit des Beschlusses zu würdigen, der auf den Gewaltakt des Vizepräsidenten das Siegel drückte, muß man Zeuge der Verhandlung gewesen sein. Nicht ein Redner der Mehrheit riskierte die Blamage, dem sachlich so schwer bedrängten Vizepräsidenten zu Hilfe zu kommen. Sic murrten wohl, als sich die Entrüstung der sozialdemokratischen Fraktion zunächst in heftigen Zwischen- rufen entlud, aber sie saßen stumm, wie vor den Kopf geschlagen da, als ihr und ihres Präsidenten Willkürakt von einem Redner nach dem andern an den Pranger gestellt wurde! Gegen alle budgetrcchtlichen Argumente, gegen alle Beweise aus der Praxis des Dreiklasscnhauses hatten sie auch nicht einmal ein fadenscheinigstes Scheinargument vorzubringen. Ja: als ihnen einer der Redner zurief, daß sie nur deshalb für Herrn Krause stimmten, um den Präsidenten nicht bloßzustellen, daß sie aber im Herzen von dem guten Recht der niedergestimmten Minderheit völlig über- zeugt seien, erhob sich auch nicht der schüchternste Widerspruch! Man hatte nichts zu entgegnen, nicht das mindeste zur Ent- schuldigung der Vergewaltigung vorzubringen— aber man stimmte einfach, man erdrückte das Recht und seine Ver- treter durch das Gewicht des Kadavers und des Geld- s a ck s. der ja im Dreiklassenparlament allmächtig ist! Wie verzweifelt muß die Situation für die ver- bündeten Reaktionsparteien gewesen sein, wenn sich aus ihnen allen, den agrarischen Heißspornen, den siebenmal gesiebten Zentrumsjesuiten und den gerissenen juristischen Dialektikern der Nationalliberalcn auch nicht ein einziger fand, der etwas gegen die Brandmarkungen der Sozialdemokraten vor- zubringen wußte! Manche von denen, die dem natwnalliberalen Vize- Präsidenten am Sonnabend blindlings Heeresfolge leisteten, mögen seinen Geniestreich bereits verwünscht haben. Und gewiß gehörte ein nicht gewöhnlicher Grad von FassungS- losigkeit dazu, durch präsidiale Ungeschicklichkeiten der Reaktion diese Suppe einzurühren. Aber Herr Krause ist doch schließlich nur das Opfer der Politik geworden, die der ganze preußische Ordnungsklüngel geübt und propagiert hat. Der Politik der Vertuschung, der V e r h e h l u n g der übelriechendsten Korruptionsskandale! Die unbequeme Kritik sollte unterbunden werden, das war der Zweck aller ordnungsparteilichen Aktionen, diesem höheren Zivecke glaubte auch Herr Krause dienen zu müssen. Und der Endzweck war und ist, der sozialdemokratischen Kritik überhaupt einen soliden Maulkorb anzulegen! Aber der Zweck der Ucbung ist erkannt und die Arbeiter- massen werden den preußischen Gewaltpolitikern die Antwort nicht schuldig bleiben! Rüstungshetze unö persönliches Regiment. Stockholm, 6. Februar.(Eig. Ber.) Als Glanzpunkt der konservativen Demonstration für vermehrte Rüstungen muß der Augenblick angesehen werden, wo der König als De- monstrationsredner offen vor versammeltem Volk gegen seine eigene Regierung demonstrierte. Die Regierung hat durch den Premierminister öffentlich er- klärt, daß siv die Uebungszeit der Infanterie nicht erhöhen kann, ohne e r st d i e W ä h l e r z u b e f r a g e n. Und zwar weil ihre Partei wie auch die anderen Parteien, an dement- sprechende Wahlparolen gebunden ist. Die Regierung hat mit vollem Recht durch Herrn Staaff erklärt, daß den Wählern gegebene Versprechen gehalten werden müssen, und davon will sie nicht abgehen, weil sie keine K 0 r» r u p t i 0 n in der Politik großziehen will. Der König aber erklärt den um ihn versammelten Bauern, daß Wahlversprechen nicht gehalten werden b r auch e n, sondern daß man sehr wohl ohne die Wähler zu befragen und unbekümmert um gegebene Versprechungen dem Lande eine Ausgabe für den Militarismus auferlegen kann, die weit über das Maß hinausgeht, das bisher in Schweden eine Regierung zu bieten wagte. Ten König ficht die Korruption, die in dieser Zumutung liegt, wenig an: die Regierung da- gegen will den Schild der Politik reinhalten, zum mindesten will sie ihre eigene Partei nicht damit beflecken, daß sie Man- date durch ein Versprechen erschlichen hat. das sie gar nicht halten will. Herr Staaff hat denn auch schnell die Situation erfaßt. Der Deputation des„Bauernzuges", die ihn aufwartete, er- klärte er, daß die Regierung zwar alles tun wird, um die Landesverteidigung zu stärken, daß aber auf der anderen Seite die Bevölkerung draußen im Lande nicht allen Schwindel glauben darf, der von den Rüstungsagitatoren verbreitet wird. Herr Staaf nannte Beispiele, wie von den Rüstungshetzern geschwindelt wird, und erklärte der Deputation, daß eine besondere Gefahr für die Sicherheit des Landes gar n i ch t v 0 r h a n d e n i st. König und Staatsminister haben also am gleichen Tage gegeneinander geredet. Der König verteidigt den Wort- brnch Wählern gegenüber und tutet mit den Rüstungshetzern ins gleiche Horn. Der Staatsminister weist den Schwindel der Rüstungshetzer zurück: eine Gefahr liegt nicht vor. Es ist eigenartig, daß das Berliner Organ des„ent- schiedenen Liberalismus" d i e s e S i t u a t i 0 n nicht bemerkt hat. Das„Berliner Tageblatt" läßt sich vielmehr von seinem Stockholmer Korrespondenten iiber den Bauernzug in einer Weise berichten, als sei dieser zur Unterstützung der liberaleir Regierung nach Stockholm gekommen, während in Wirklich- keit die Konservativen den Baueriizug organisiert haben, um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Und der König hat sich dieser Aufgabe des Zuges angepaßt. Womit beiviesen wird, daß der Draht zwischen dem Schloß und den Rüstungshetzern ausgezeichnet funktioniert Das liberale Berliner Blatt sollte doch nicht vergessen, daß Schweden zurzeit eine liberale Regierung hat, während sein schwedischer Korrespondent ein reaktionärer Hetzer ist. * * Protest gegen die 5lönigsdcmonstration. Stockholm. 7. Februar. Die heutige Sitzung der Kammern, in der die Vorlage über die Zivilliste des Königs auf der Tagesordnung stand, nahm einen st ü r m i s ch c n V e r l a u f. In der Zweiten Kammer sprach zunächst der Führer der Sozialdemo- traten B r a n t i n g und erklärte, daß er und seine Partei d e m 0 n- strativ gegen die Vorlage stimmen wollten. Branting unterzog die gestrige Rede des Königs einer autzerordent- lich scharfen Kritik und nannte sie eine ungehörige Rede. Der Präsident unterbrach den Redner und ersuchte ihn, seine Ausdrücke zu mäßigen. Darauf hob der Führer der Libe- 1 ralen Sammlungspartei Eden unter starker Zustimmung seiner Partei das u n k 0 n st i t u t i 0 n e ll e in der Rede des Königs an den Bauernzug hervor. Der Führer der Rechten Lind man führte aus, daß er es nicht für richtig halte, die Person des Königs in die Debatte zu ziehen. Zuletzt sprach Staatsminister Staaff, er teilte mit, daß die Regierung in corpore heute vormittag beim König in Audienz erschienen wäre, um ihre ernste« Besorgnisse ük>er die entstandene Situation und den Anlaß dazu auszusprechen. Er habe da auch dem König eine bedeutsame Vorstellung gemacht. Weitere Mitteilungen zu machen, sehe er sich augenblicklich nicht imstande, doch würden die nächsten Tage volle Klarheit bringen. Die Zweite Kammer nahm darauf die Vorlage mit 137 gegen 57 Stimmen(die der Sozialdemokraten) an. In der Ersten Kammer war die Annahme der Vorlage von einer kurzen Debatte begleitet, in welcher Kvarnzelius(Rc- gierungspartci) die Ansicht seiner Partei über die V e r p f l i ch- t u n g des Königs, bei seinen konstitutionellen ver- antwortlichcn Ratgebern Rat einzuholen, aus- sprach. Steffen und Lindblad lGotenburg) vertraten die sozialdemokratischen Gesichtspunkte, nachdem der Führer der Rechten, Trygger, das Recht des Königs verteidigt hatte, sich in einer großen und wichtigen Frage dem Volke gegenüber auszu- sprechen, und nachdem noch der Minister des Aeußeren und einige andere Redner das Wort ergriffen hatten, wurde zur A b st i m- m u n g geschritten. Die Vorlage wurde mit IIS gegen 14 Stimmen angenommen. Um das Koalitionsrecht. Sechs Mouate Gefängnis wegen Werbens für de« Zimmerer» verband! Das enchörendste aus der Rechtsprechung gegen Arbeiter ist die Verurteilung von Arbeitern, die einen Streik ankündigen, wegen— Erpressung. Das Leipziger Landgericht hat im Jahre 1887 diese Rechtsprechung, die ehrliche Arbeiter Er- pressern gleichstellt, zum ersten Male angewendet. Das Reichs- gericht hat diese Verzerrung des Erpressungsbegriffs gebilligt. Und seitdem ist jeder Arbeiter, der einen Streik für den Fall einer Nichtlohnerhöhung androht, der Gefahr einer Anklage wegen Erpressung ausgesetzt. Es erpreßt, wer, um sich oder einem anderen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu ver- schaffen, durch Drohung oder Gewalt jedemanden zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt. Der Versuch ist strafbar. Das Reichsgericht hat die Hineinzerrung des Gebrauchs des Koalitionsrechts in diesen Begriff dadurch zu- stände gebracht, daß es den Begriff„rechtswidriger Ver- mögensvorteil" dahin auslegt: das sei jeder Vorteil, auf den jemand zur Zeit der Drohung keinen rechtlich verfolg- baren Anspruch habe. Drohung sei das Jnaussichtstellen eines Uebels. Auf Grund dieser ungeheuerlichen Praxis sind viele ehrliche Arbeiter, die Lohnverbesserungen verlangten, wegen— Erpressung bestrast. Ja der Maurer Duda wurde gar in Dresden zu sechs Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, weil er unter der An- drohuug der Sperre den üblichen Stundenlohn von 43 Pf. ge- fordert hatte, während der Arbeitgeber nur 43 Pf. zahlen wollte— die Differenz betrug im ganzen 60 Pf. In ähn- licher Weise ist die Rechtsprechung gegen Arbeiter vorgegangen, die Gelder zum Streikfonds sammelten oder Arbeiter zum Eintritt in ihre Organisation zu veranlassen suchten. Ein solcher Fall hat sich jetzt wieder in Jnsterburg zugetragen. Zwei jetzt verurteilte Zimmergesellen arbeiteten mit 60 Kollegen an einem Kasernenbau. Ein Nichtorganisierter Zimmerer wurde zum Beitritt zu dem Verband aufgefordert, weigerte sich aber, das zu tun. Einer der Angeklagten soll ettiir allgemeine Drohung gegen alle ausgestoßen haben, die dem Verbände nicht beitreten. Der andere Angeklagte hatte detst Polier erklärt, er und seine Kollegen würden die Arbeit einstellen, wenn der Unorganisierte nicht entlassen würde. Darauf verurteilte die Jnsterburger Strafkammer die beiden Zimmerer wegen Vergehens gegen Z 133 der Gewerbeordnung und den Arbeiter, der zum Polier gegangen war, auch wegen versuchter Erpressung zu je drei Monaten Gefängnis. Im Reichstag ist wiederholt auch von bürgerlichen Par- Wien und in der letzten Legislaturperiode selbst von der Re- gierung zugegeben, daß diese Hineinkünstelei der Ausübung des Koalitionsrechts in den Erpressungsparagraphen mit ge- sundem Rechtsempfinden unvereinbar ist. Leider blieben alle auf Beseitigung solcher Praxis gerichteten Bestrebungen er- folglos. Ja, der erste wie der zweite Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch haben diese Praxis gebilligt und gar vor- geschlagen, nicht nur Gefängnis-, sondern selbst Zuchthaus- strafe zuzulassen. Die Arbeiterklasse muß ohne Unterschied der politischen Anschauung der einzelnen Arbeiter verlangen, daß das Gesetz llipp und klar solchen ungeheuerlichen Gesetzesanwendungen einen Riegel vorschiebt._ politische Uebersicht. Vom Kaligesetz. Am Sonnabend hatte sich der Reichstag mit der Aus- führung des Kaligesetzes vom 23. Mai 1910 zu bo schäftigen. Äis Gesetz liat jedem Kaliwerksbesitzer eine Abgabe auf- erlegt. Das Geld fließt in die Reichskasse. Es ist zur Deckung der Kosten, die dem Reich aus der Ausführung des Gesetzes entstehen, und zur Hebung des Kaliabsatzes zu ver- Ivenden. Die Einnahmen und Ausgaben sind in den Reichs- tmushaltsplan einzustellen. Daher iin Reichstage jedes Jahr die Auseinandersetzung darüber, wie sich das Kaligesetz be- währt. Je mehr aber über diese Angelegenheit gesprochen wird. um so klarer tritt zutage, daß die Ablehnung der sozialdemo- kratischen Anträge, dem Reiche die Verwertung der Kali- schätze vorzubehalten, ein großer Fehler gewesen ist. Der jetzige Zustand ist unhaltbar. Die Regierungen bereiten denn auch bereits feit längerer Zeit eine Aenderung des Ge- setzes vor. � Genosse Sachse verlangte, daß die Regierungen endlich den Entwurf an den Reichstag gelangen lassen. Ferner schilderte er die schlimmsten Mißstände, deren Beseitigung durch das neue Gesetz notwendig ist.. Der Regierungsvertreter Unterstaatssekretär Dr. Rich- t e r teilte mit, daß der Entwurf in den nächsten Wochen dem Reichstag zugehen wird. An der Aussprache beteiligten sich noch die Abgg. K r i x und Erzbeeger vom Zentruni. Dr. B ä r w i n k e l und Stove von den Nationalliberalen, G o t h e i n von der Fortschrittliche Volkspartei, von Brockhusen von den Konservativen und der Elsaß-Lothriuger Dr. Haegy. Auch sie brachten viele Beschwerden vor und verlangten Abhilfe, die freilich meistens den Forderungen der Sozialdemokraten entgegengefetzt ist. Jedoch kann der Reichstag hierüber erst bei der Beratung des Entwurfs zur Aenderung des Kali- gesetzes entscheiden. Montag Fortsetzung der Beratung des Haushaltsplans für das Reichsanit des Innern. Die Beratung beginntjbei den Ausgaben der Behörden für die Untersuchung von See- Unfällen. Spottet ihrer selbst! Die agrarische„Deutsche Tageszeitung" hat ihr Herz für die Armen und Unterdrückten entdeckt, denen die Kriegsrüstungen ihr letztes Stück Brot verteuern. Zunächst handelt es sich allerdings nur um die Türken, über die in Nr. 60 folgendes zu lesen steht: „Die von den Junylürleu unter dem Namen„Osmanischer Flottenverein" veranstalteten Geldsammlungen für de» Ankauf von Schlachtschiffen, werden weiter in der rücksichts- loseste» Weise betrieben. Tie schon seit vielen Monaten nicht bezahlte Beamtenschaft, die sich aus allen Parteien deS Lande» und desien verschiedensten Völkern zusammensetzt, hat längst ein volles Monatsgehalt als Flottenbeilrag zeichnen müssen. Nun soll eine Steuer auf Brot eingeführt werden und zwar 6 Para für Okka, so daß auch die ärmsten Schichten der Bevölkerung im gesamten Osmanenreiche zur Rüstung gegen die Hellenen her- angezogen werden. Und diese Aermsten haben in den Zeiten der durch die Kriege und die anhaltende Geldbedürftigkeit verursachten Lebensmittel- teuerung wahrlich nichts übrigl" Bei uns stehen die Dinge genau ebenso. Die Rüstungen des Deutschen Reiches verschlingen einen großen Teil der Einnahmen, die ebenso wie bei den Türken auf Ver- teuerung des Brotes und der wichtigsten Genutzmittel aufgebaut sind. Bei der Konsequenz, mit der die„Deutsche Tageszeitung" alles von ihr als richtig Erkannte verfolgt, zweifeln wir nicht einen Augenblick, daß sie von jetzt ab Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie den Brotwucher bekämpfen wird. Koalitionsrecht und Arbeitsintensität. Bekanntlich hat die bayerische Regierung einen systematischen Kampf gegen den Süddeutschen Eisenbahnerverband aufgenommen, angeblich, weil er den Streik als ein Kampfmittel der Staats- arbeiter propagiere, in Wirklichkeit nur, um der klerikalen Kon- kurrenzorganisation den unbequemen Nebenbuhler vom Halse zu schaffen; besonders augenfällig mußte das ja werden, nachdem der Süddeutsche Eisenbahnerverband ausdrücklich erklärt hatte, daß er darauf verzichte, für feine Mitglieder das Streikrecht in Anspruch zu nehmen, ohne daß deshalb die Regierung ihr Bei- trittsverbot zurückgezogen und das Vorgehen gegen die Mitglieder des Verbandes eingestellt hätte. Eine eigenartige Beleuchtung erfährt dieser Kampf gegen das Koalitionsrecht der Eisenbahner jetzt durch einen Aufsatz, den E u g e n F r ä n k e l im 3. Heft des„Archivs für Sozialwisien- schaft und Sozialpolitik", der von den Professoren Sombart, Max Weber und Michels herausgegebenen angesehenen Wissenschaft- lichen Zeitschrift, veröffentlicht. Eugen Fränkel untersucht darin die Lage der Arbeiter in den Werkstätten der bayerischen Staats- bahnen. Dabei konnnt er auch darauf zu sprechen, daß im Werk- stättenbetrieb der Staatsbahnen die Gegensätze zwischen der politisch-burcaukratischen und der technisch-wirtschaftlichcn Ver- toaltung oft hemmend wirkten, und fährt fort: „Ich erwähne nur z. B., daß sämtliche Vorsitzende, mit denen der Verfasser über diesen Punkt gesprochen, die Mitglieder des gegenwärtig vom bayerischen Verkehrsminister so heftig bc- kämpften und zu einem langsamen Absterben verurteilten Süd- deutschen Eisenbahnerverbandes einstimmig und rück- haltlos als rocht tüchtige und kenntnisreiche Arbeiter und zugleich als sehr fleißige und objektive Vertreter ihrer Arbeiterausschüsse bezeichnet haben und daher ihre Verdrängung außerordentlich bedauern würden und daß ihnen ein gewisser Schematismus in der Lösung aufgezwungen ist, den manche als starken Hemmschuh für die Arbeitsintensität ihrer Untergebenen empfinden." Es handelt sich hier um einen neuen Beleg dafür, daß gute Arbeitslei st ungen und gute Organis ationsver- Hältnisse in einer gewissen Wechselwirkung stehen; daß eine Zerstörung der Organisation, eine Vernichtung der Koalitionsfreiheit gleidhzeitig ein Nachlassen der Arbeitsfreude und der Arbeitsintensität bedeuten. Das ist ja auch nur zu gut verständlich. Wenn es schon an sich nicht die schlechtesten Arbeiter sind, die Einsicht und Tatkraft genug besitzen, um sich einer modernen Berufsvereinigung anzuschließen, so muß die Er- ziehungSarbeit, die von dieser Arbeiterorganisation an ihren Mitgliedern geleistet wird, noch dazu beitragen, die vorhandenen Kräfte und Fähigkeiten der Arbeit dienstbar zu machen. Anderer- seits muß die Vorcnthaltung eines Rechtes, das der Arbeiter als sein wichtigstes empfindet, das ihm die Möglichkeit gemeinsamen Vorgehens und damit ein. gewisses Machtgefühl verleiht, ganz naturgemäß dahin wirken, daß das Interesse und die Lust an der Arbeit zurückgehen. Das Nachlassen der Arbeitsleistungen ist, solange es sich um Privatbetriebe handelt, schließlich nur ein Nachteil für den Unter- nehmer. Bei den Staatswerkstätten aber handelt es sich um Bc- triebe, an' denen die Gesamtheit der Steuerzahler interessiert ist. Es kann ihr nicht gleichgültig sei», wenn mit der Entrechtung der Staatsarbeiter auch noch eine starke Hemmung der Arbeitsintensität Hand in Hand geht. Die Bemerkungen Fränkels, die auf so unanfechtbare Quelle» wie die Aussagen der Leiter der Werkstätten selbst zurückgehen und sich ohne jede Ten- denz in einer rein wissenschaftlichen Untersuchung befinden, sollten von neuem mahnen, gegen den Koalitionsrechtsrawb an den Staats- arbeitern, der ja nicht nur in Bayern geübt wird, sondern z. B. in Preußen alte Tradition ist, vorzugehen. Es handelt sich dabei um ein Lcbcnsinteresse breiter Schichten oft elend ausgebeuteter, unwürdig behandelter StaatSarbciter, es handelt sich aber auch um das Interesse aller, die jede Minderung der finanziellen Ergebnisse in den Staats« betrieben mit erhöhten Steuern und Abgaben zu bezahlen haben. Der Brief des Kardinals. Die„Kölner Korresp." des Grafen OpperSdorff tritt mit großer Schärfe der Meinung entgegen, als habe es sich bei der bekanmen Erklärung des Kardinals Kopp um einen Rückzug gehandelt. Denn es komme auf folgendes an: Die fünf Punkte der Schultescken Interpretation, die an dem Inhalt der für die christlichen Gewerkscholten io unerfreulichen Enzyklika in Wirklichkeit nichts änderten, stellten das äußerste Eni- gegenkommen gegenüber den„Christlichen" dar. Diese Milde wurde nicht nur von Kardinal Kopp selbst bedauert, wie der Brief an den Grafen OpperSdorff beweist, sondern sie wurde„auch von einer anderen kirchlichen Stelle nicht gebilligt'. Man bedenke:„nicht gebilligt', d. h. desavouiert.„Nicht billigen' mag so ziemlich der schärfste Ausdruck sein, den man an der gedachten kirchlichen Stelle in einem solchen Falle zu gebrauchen pflegt! Mochte alio die Schultesche Interpretation den wesentlichen Sinn der Enzyklika intakt lassen, sie wurde trotzdem nach den Wener Ereignisjen weder durch den Kardinal und Fürstbischof von Breslau noch durch die„andere kirchliche Stelle" gebilligt. Wir vermuten, daß die Verhandlungen vor dem Kölner Schöffengericht ein anderes Aussehen erhalten hätten, wenn bekannt geworden wäre, daß die Paderborner Jnter- pretation weder. durch den Herrn Kardinal Kopp noch durch die andere kirchliche Stelle gebilligt wurden! In der Tat ist das Wesentlicbe. das Verhalten der„anderen kirchlichen Stelle', d. h. des Papste s. Und dieser ist gegen die chri st lichen Gewerkschaften und für die Auffassung Kopps. Uebrigens wird ja der Pap st jetzt direkt angerufen werden. Das Organ des Vatikans,„Unita cattolica', hatte nämlich bemerkt, Kardinal Kopp habe mit seiner Erklärung nur die Ehre des Bischofs Schulte retten wollen. Das hat mm Herrn Schulte veranlaßt, sich unverzüglich an den Heiligen Stuhl zu wenden, um gegen diese„Entstellung der Tatsachen" Verwahrung einzulegen. Außerdem aber steht eine neue päpstliche Enzyklika bevor. Diese werde die konfessionellen Vereine vor- z.i e h e n, aber auch die interkonfessionellen christlichen Gewerk- schaften dulden. Sehr zuversichtlich scheint man ini Zentrums- lager dieser neuen Einmischung nicht entgegenzusehen. Wie fie sich lieben! Von der Polemik im katholischen Lager entwirft die katholische„Westfälische Rundschau" folgendes Bildchen: „Wüster Aufruhr herrscht im katholischen Lager. Der Brief des Kardinals Kopp an den Grafen Oppers- dorff hat alle Bande frommer Scheu gesprengt und bietet der Welt sogar das unerhörte Schauspiel des erbitterten Krieges zweier Bischöfe. Alle niedrigen In« stinkte werden aufgerührt, aus den Augen der Kämpfenden lodert der Haß, jedes Wort atmet Bosheit und Rachsucht, jeder möchte auf den andern mit Dolch und Revolver los- gehen. Von der höheren Ethik des Chri st en» tum? ist kein» Spur mehr zu finden Wo bleibt der Geist der Liebe und der Gerechtigkeit, die Wärme gemeinsamen Zusammenstehenö in allen diesen leidenschaftlichen periön- lichen Anfeindungen, wie sie in vielen Zentrumsblättern unzählige Spalten füllen? Das Bombardement richtet sich zunächst gegen Kardinal Kopp, auf ihn haut man loS. aber den Papst meint man: denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß Kopp in dieser hochwichtigen Frage sich eins weiß mit dem P a p st. Der Sturmlauf katholischer Blätter gegen einen Bischof, gegen einen Kardinal ist an Schärfe kaum noch zu überbieten. Fast scheint es, als ob alle„modernisierenden" Zentrumsblätter, die „Kölnische Volkszeitung' voran, sich in eine Verschwörung gegen Rom und den Pap st zusammengeschlossen haben. Den Schaden hat allerdings die kirchliche Autorität, und viele Jahre werden nicht hinreichen, um diesen Schaden gut zu machen.' Wenn zwei sich streiten, erfährt der dritte manchmal die Wahrheit.__ Tie gefälschten Futtermittel. Einen„offenen Brief' an den sozialdemokratischen Landtag«» abgeordneten Gutsbesitzer Hofer-Pleinlauken veröffentlicht der Geschäftsführer des Bundes der Landwirte für die Provinz Ost» preuhen. Haupt, in der konservativen„Ostpreußischcn Zeitung'. Da- »ach soll Genosse Hofer in der LandtagSsitzung vom 2l. Januar ge» sagt haben, die Verkaufsslelle des Bundes der Landwirte in Johannisburg habe nach Zeitungsmeldungen den Bauern ge- fälschte Futtermittel verkauft. Diese Behauptung sei erfunden. Es gebe in Johannisburg keine Verkauftstelle des Bunde» der Sandwirte: es seien niemals von einer Berkaufsstelle des Bunde» der Landwirte gefälschte Futtermittel verkauft worden und die betreffende Behauptung sei auch nicht durch die Presse gegangen. Format ist das viel» leicht zutreffend, aber die Bauern sind doch betrogen worden und zwar von der Masurischen Landwirischastlicken Betriebsgeiiossen'chaft. die den Agrariern und damit auch dem Bund der Landwirte durch- aus nicht fernstehen dürfte. Die Genossenschaft hatte stark mit Sand durchsetzte Leinkuchen mehle verkauft und auf ihrem Speicher waren Haferspelzen in Ger st enschrot eingemischt und als vollwertig verkauft worden. Als das die AuffichtSorgane der Genossenschaft für unwahr erklärten, beschuldigte Winterichuldirektor K r e i ch o w S l i den Direklor der Genossenschaft Mickley der unreellen Handlungsweiie, und als eS nun zu einer Beleidigungsklage kam, sagten vor Gericht drei Speicherarbeiler der Genossenschaft unter ihrem Eide aus, Direktor Mickley hätte sie beaustragt, Reiskleie, Hirse- kleie, Gerstenkleie in Roggen- und W e i z e n k l c i e bezw. Getreideschrot einzumengen und dieses Gemenge wäre als Gerstenschrot an die Kunden abgegangen. Weiter sagte ein enge, Direktor Mickley hätte befoblen, schweres weißes Mebl in teie zu mengen. Nach diesen Aussagen stellte das Schöffengericht fest, daß der Wahrheitsbeweis für das behauptete unreelle Geschäfts- gebaren erbracht sei._ Zentrumshilfe für Herrn Liebert. Die ulttamontane„Sächsische Bolkszeitung' befaßt sich mit der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl im 14. sächsischen Wahlkreis. Das Blatt kündet die ganze Größe der Gefahr an, die darin liegt. daß der Kreis an die Sozialdemokratie verloren zu gehen droht. Dem Zentrum liegt aber daran, daß Herr v. Liebert ge- wählt wird und deshalb wird von einer besonderen Zentrums« kandidatur abgesehen und die Zentrumswähler sind angewiesen, gleich im ersten Wahlgang für Liebert zu stimmen. Das Zentrum erweist sich damit als ungemein selbstlos. Bor einigen Jahren hat der Geschäftsführer des Lieberischen Reichsverbandes. Dr. Baven- schen, an einen Zentrumsmann— dessen Parteistellung er natürlich nicht kannte— geschrieben: wenn der Reichsverband die Sozialdemokratie überwunde« habe, dann käme das Zentrum an die Reibe, und im Reichstage hat Herr v. Liebert gegen dU Aufhebung des Je iuitenge setzes ge- stimmt. Biel kann diese Hilfe für Liebert freilich nickt bedeuten. denn das Zentrum erhielt bei den letzten Wahlen in diesem Kreise ganze bll Stimmen. Agrarier-PattiotiSmus und Wehrsteuerbeiträge. Der Landrat des westpreußischen Kreises Stuhm erzählte jüngst auf einer Kaisersgeburtstagsfeier, viele Eingesessene seines Kreises wären'so patriotisch gesinnt, daß sie ihn bei der Festsetzung der Wehrsteuer gebeten hätten, ihre Besitzungen möglichst hoch zu taxieren, nur damit sie für das teure Vaterland mehr Wehr- steuer zahlen könnten. An diese Uneigcnnützigkeit der Herren Agrarier zu glauben fiel etwas schwer. Unser Danziger Partei» blatt sprach denn auch sofort die Vermutung aus, daß die Agrarier, die derartige Wünsche geäußert hätten, sich wohl nur bei dem Ver- kauf ihrer Güter eine bessere Position schaffen wollten. In der konservativen„Elbinger Zeitung'(Nr. 26) bestätigt jetzt ein Landwirt diese Vermutung. Naiven Herzens meint der gute Mann: „In der„Elbinger Zeitung" vom 28. d. M. las ich aus dem Kreise Stuhm die Mitteilung, daß viele Kreiseingesessene bei Festsetzung des Wehrbeitrags gebeten haben, den Wert der Grund- stücke höher zu bemessen, um mehr Wehrbeitrag zahlen zu dürfen. Dasselbe i st ü b r i ge n s auch i in K r e i s e Kulm geschehen. Ich möchte nun meine Berufsgcnossen darauf aufmerksam machen, daß dieses Verfahren in ihrem eigensten Interesse liegt und auch die Landwirte außerhalb der Kreise Stuhm und jwlm nach diesem Vorbild handeln sollten. Ich glaube nicht, daß meine BcrufZgenossen in den Kreisen Stuhm und Kulm den Wert ihres Grundstücks höher angeben werden, als er in Wirklichkeit ist. Ich bin der Meinung, sie werden nur gebeten haben, den Wert ihres Grund st ückes höher angeben zu dürfen, als es der Gesetzgeber ver- langt. Wollten wir den Löflichen(Grundsteuer-)Reinertrag als Grundstückswert gelten lassen— wie es der Gesetzgeber fordert—, so würden die ineisten von uns von der Wehrsteuer befreit bleiben, denn das Gros der Landwirte hat viel mehr Hypotheken auf dem Grundstück, als der Löfache(Grundsteuer-)Reincrtrag ausmacht. Wir handeln nur in unserm eigensten Jntereye, wenn wir uns an diese gesetzlichen Vorschriften nicht kehren. Verkaufen wir nämlich, oder geht das Grundstück durch Erbgang in andere Hände über und sein wirklicher Wert mutz festgestellt werden, so wird der Wertzuwachs einer besonderen Steuer unterworfen. Als Wertzuwachs gilt derjenige Teil des Grundstückspreises, der über die Wehrsteuerveranlagung hinausgeht. Da nun die Wertzuwachssteuer oder Vermögens- zuwachssteuer, wie sie genannt wird, ganz wesentlich höher ist als die Wehrsteuer, liegt es auf der Hand, daß meine Berufs- genossen in den Kreisen Stuhm und Kulm nicht nur patriotisch, sondern auch klug gehandelt haben. Ich kann es deshalb den Landwirten nicht dringend genug ans Herz legen, ebenso zu verfahren. Die Vermögenszuwachssteuer ist vier- mal so hoch als die Wehr st euer. Jetzige Ersparnisse rächen sich also später." Uebcr die agrarischen Gemütsmenschen kommt doch nichts. Die Arbeitslosigkeit. Wie groß die Arbeitslosigkeit ist, zeigt u. a. auch die Benutzung des städtischen Arbeitsnachweises von Fürth i. B. Im Jahre 1913 lagen in der Abteilung für Männer 9256 Stellengesuche vor. Da» gegen erfolgten nur 4t3ü Stellenangebote; auf KXZ offene Stellen kommen also 223 Stellensuchende. In der Abteilung für weibliche Arbeitskräfte, wo sonst die Stellenangebote die Stellengesuche über- wiegen, änderte sich das 1913. Es suchten 3393 Personen Arbeit und nur 2346 Stellen wurden angeboten. Die Lage des Arbeits- markteS hat sich im Januar 191t noch bedeutend per- schüchtert. In der männlichen Abteilung standen 931 Stellen- gesuchen nur 161 Stellenangebote gegenüber. Auf 166 offene Stellen kommen also S30 Arbeitslose. In der Weib- lichen Abteilung find 3Sö Stellengesuche und 236 Stellenangebote gezählt worden. « Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion der Stadt Altenburg brachte in der letzten Sitzung einen Antrag ein. övvvM. für Notstandsarbeiten und Arbeitslosenunterstützung bereit zu stellen. Bei Nolstandsarbeiten soll für Verheiratete ein Stundenlohn von 35 Pf., für Ledige 30 Pf. gewährt werden. Personen, die nicht be- schäftigt werden können oder die sich zu Notstandsarbeiten nicht eignen, soll pro Tag eine Unterstützung von 1 Mark und für jedes Kind 15 Pf. bis zum Höchstbetrage von 45 Pf. für drei und mehr Kinder, für Ledige ein Betrag von 70 Pf. gewährt werden. In einer Erklärung protestierten unsere Genossen gegen die Per- schleppung der Angelegenheit, forderten die Beschleunigung der Arbeitslosenzählung und die Erledigung des Antrages unter allen Umständen in der Sitzung am 19. Februar. Emile Lanürln. Paris, 7. Februar.(Privattelegramm des .Vorwärts") Die französische Partei hat wieder einen schmerzlichen Verlust erlitten. Mit Emile La ndrin, der gestern in Paris starb, ist ein alter und bewährter Genosse unserer Bewegung entrissen worden. Landriu, 1341 geboren, war von Beruf Ziseleur. Er gehörte schon der ersten Internationale au. Im Zwesten Prozeß gegen die Internationale wurde er zu drei Monaten Gefängnis ver» urteilt. Am Kommuneaufstand nahm er regen Anteil. Nach der Eroberung von Paris entkam er nach London. Als ihm die Amnestie erlaubte nach Paris zurückzukehren, wurde er 1393 in den Gemeinderat gewählt und war dort bald Führer unserer Fraktion. Landrin gehörte der Richtung der Blanquisten an. war aber schon vor Amsterdam einer der eifrigsten Förderer der Einigung. Landrin war auch Mitglied des Parteivorstandes. Das französische Proletariat verliert in ihm einen treuen und guten Berater. Dänemark. Eine Schwenkung der Altliberaleu. Die altliberale Partei hat bereits zu dem von nnS gestern mitgeteilten an sie gerichteten Schreiben der Regierung betreffend end- gültige Vorschläge zur Durchführung der Verfassungsreform Siel- lung genommen. Demnach hat sie � mit Mehrheit beschlossen, der Regierung mitzuteilen, datz die d i r e k t e W a h l d e r A b g e o r d- neten zur Ersten Kammer im Parlament größere Aussicht hat, angenommen zu werden, als die Wahl durch die Gemeinde- Verwaltungen. Allerdings müsse eine Altersgrenze von 35 Jahren an das Wahlrecht.geknüpft werden. Demnach würden alle Männer und Frauen das Wahlrecht zu beiden Kammern bekommen, die Altersgrenzen werden aber verschieden. Für die Wahl zur Ersten Kammer mutz der Wähler 35 Jahr alt sein, für die Wahl zur Zweiten Kammer nur 25 Jahre. Beschlossen wurde zugleich, datz dieser Abänderungsantrag von Parteiwegen eingebracht wird, datz also Herr I. C. Christensen diesen Antrag in der Kommission stellen und vertreten soll.' Der Antrag bedeutet zweifellos eine Verschlechterung der von der Zweiten Kammer angenommenen Vorlage Berntsens. Ob er leichter eine Mehrheit in der Ersten Kammer findet, als die Wahl durch die Gemeindeverwaltungen, wird sich bald zeigen. Ueber die Stellung unserer Genossen lätzt sich noch nichts mitteilen. Griechenlanö. Die Räumung Albaniens. Paris, 7. Februar. Aus Athen wird gemeldet: Die griechische Regierung hat auf Grund der Besprechungen, welche Minister- Präsident VenizeloS in den verschiedenen.Hauptstädten hatte. verfügt, datz die Räumung der Albanien überwiesenen Gebiete von Epirus am 1. März beginnt und am 31. März beendet sein solle. Nußlanü. Prozeß der Seeleute der Schwarzmeerslotte. Wie aus Odessa berichtet wird, sind in dem dortigen Haupt- gcfängnis über 100 Personen, meist Matrosen, interniert, die laut Artikel 102 des Strafgesetzbuches(Umsturz der bestehenden Staats- ordnung) zur Verantwortung gezogen werden. Sämtlichen An- geklagten wird die Zugehörigkeit zum Perband der Seeleute der Schwarzmeerflottc(einem geheim existierenden, weil von den Be- Hörden nicht genehmigten) Fachverband zur Last gelegt. Außer den verhasteten Seeleuten find in demselben Prozesse angeklagt: der Redakteur des FachorganS„Der Seemann", Genosse K. Ad am v- witsch, der in Alexandrien verhaftet, schwächlicher Weise an Ruß- land ausgeliefert wurde; ferner die aus der administrativen Ver- bannung zurückgeholten: Dr. A. I o f f e, Dr. N. Rabinowitsch, N. I a k o w l e w u. a. Die Verhandlungen in dem Prozeß sind für den März angesetzt. Sämtliche» Angeklagten droht der Verlust aller Rechte und Zwangsarbeit von 4 bis 15 Jahre. Eröffnung des finnischen Landtags. Unser finnischer Mitarbeiter schreibt nnS: Am 3. d. Mts. er» folgte die Konstituierung des finnischen Landtags in Helsingfors. Zum Landtagspräsidcnten wurde der Jungfinne. Professor K. I. Stahlberg gewählt. Er erhielt im ersten Wahlgange die Mehr- heit— 102 Stimmen. Gemäß dem Parteitagsbeschlutz von 1913 stellte die sozialdemokratische Fraktion keinen eigenen Kandidaten für den Präsidentcnposten auf. Sie gab bei dieser Wahl weiße Zettel ab. Dagegen erhob die Fraktion auf den Platz des ersten Vizepräsidenten Anspruch und stellte die Kandidatur des Genossen Oskar Tokoi auf, der im vorigen Landtage das Amt des Präsidenten bekleidete. Genosse Tokoi wurde mit 123 Stimmen ge- wählt. Den Platz des zweiten Vizepräsidenten erhielt der Altsinne Lauri Jngman mit 82 Stimmen.— Die sozialdemokratische Landtagsfraktion konstituierte sich am selbe» Tage. Die Genossen Tokoi und Painö Tann er wurden in das Präfidrum gewählt und als Sekretäre die Genossen O. Lylykorpi und A. H u o t a r i. Japan. Das Mißtrauensvotum. Tokio, 7. Februar. Der schriftliche Antrag auf Ertei- lung eines Mißtrauensvotums an die Regierung wurde heute Nachmittag im Parlament eingebracht. Der An- trag wird am 19. dieses Monats zur Debatte gestellt werden. Die Mitglieder des Kabinetts haben bestinrmt erklärt, daß sie nicht die Absicht hätten, zurückzutreten, und daß die Partei der S e i y u k w a i die Regierung auch weiterhin unterstützen werde, ohne sich durch die Mitteilung von Be- stechungen in der Marine beeinflussen zu lassen, es sei denn, daß stärkere Beweise als bisher vorgebracht würden. /tos der Partei. ReichStagskandidatur. Zum Reichstagskandidaten für Erstein-Molsheim (Elsaß) bestimmte eine Parteiverfammlung am letzten Sonntag den Genossen Redakteur S. G r u m b a ch i n P a r i s. Der Wahlkreis ist für die Sozialdemokratie keineswegs aussichtslos. Gegenwärtig vertritt ihn im Reichstag der katholische Pfarrer Nikolaus D e l s o r, der 1912 mit 14 926 gegen 7305 sozialdemokratische und 5588 fortschrittliche Stimmen gewählt wurde. Die absolute Mehrheit Delsors beträgt also nur 1000 Stimmen. Die sizialistische Einigkeit in Großbritannien. Po» unserem Londoner Korrespondenten. Die auf Anregung des Internationalen Bureaus eingeleitete Einigungsaktion der sozialistischen Organisationen Großbritanniens nimmt einen ungestörten Verlauf. In den nächsten Wochen werden in den größeren Städten des Landes Versammlungen ab- gehalten werden, in denen Redner der drei in Betracht kommenden Organisationen gemeinschaftlich für die Einigung eintreten werden. Der Vorstand der B.S.P. hat folgenden Ausruf an die Mitglieder der B.S.P. veröffentlicht. .Genossen! Am 13. Dezember des vergangenen Jahres fand eine historische Versammlung in London statt. Delegierte der roten Internationale aus Oesterreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Holland, Rußland, den Bereinigten Staaten. Argentinien und anderen Ländern kamen mit ihren britischen Genoffen zusammen in der Hoffnung, die Einigkeit zwischen den verschiedenen Sekttonen des britischen Sozialismus herzustellen. Die Britische Sozialistische Partei wurde zu dem ausdrucklichen Zweck gegründet, alle sozialistischen Kräfte in diesem Lande zu ver- einigen. Aus diesem Grunde und dieser Hoffnung vertrauend gab die alte sozialdemokratische Partei ihre Sonderexistenz mit ihren langen und ruhmreichen Traditionen auf und verschmolz sich mit der neuen, größeren Körperschaft. Heute fordern unsere internationalen Genossen die Sozialisten Großbritanniens, des klassischen Landes deS Kapitalismus, auf, eine weitere und bedeutungsvollere Vereinigung herbeizuführen durch die Bildung eines Vereinigten Soziali st ischenRatcs der drei sozialistischen Organisationen und den Beitritt der B.S.P. zur Arbeiterpartei. Wenn die B.S.P. in Uebereinstimmung mit dem Wunsche der ganzen internationalen sozialistischen Bewegung diesen Schritt tut, so tut sie ihn doch nur als eine ausgesprochene revolutionäre sozialistische Partei, die den Klassenkampf anerkennt und zu allen Zeiten dem kapitalistischen System ihre unversöhnliche Feindschaft erklärt. Es ist uns vom Internationalen Sozialisttschen Bureau und auf der Einigungskonferenz vom 13. Dezember versichert worden, datz in bezug auf diesen Punkt nicht der geringste Zweifel zu be- stehen brauche. Die Arbeiterpartei ist selbst der Internationale an- geschlossen, und zwar auf Grund des Absatzes A der Statuten des Internationalen Sozialistischen Bureaus, nach dem alle Organi- sationen, die die wesentlichen Grundsätze des Sozialismus aner- kennen, nämlich die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die internationale Vereinigung und Aktion der Arbeiter, die Erobe- rung der politischev Macht durch das als Klassenpartei organisierte Proletariat, zum Anschluß zugelassen werden. Diesen Artikel hat die Arbeiterpartei angenommen und damit hat sie der sozialisttschen Bewegung der Welt eine Bürgschaft ge- geben, die der Glasgower Parteitag der Arbeiterpartei bestätigt hat, indem er die Resolution annahm, die den Sozialismus als das Ziel der Arbeiterbewegung erklärt. Die Unverletzlichkett unserer Stellung innerhalb der Arbeiterpartei ist deshalb gesichert. Auf der internationalen Einigungskonferenz am 13. Dezember wurde es überdies ausdrücklich abgemacht und offiziell anerkannt, daß die B.S.P. in nationaler wie lokaler Hinsicht alle ihre Macht- befugnisse als integrierende Körperschaft und alle ihre Rechte bei der Propaganda'und der Organisation des revolutionären Sozia- lismus beibehalten wird. Sie wird sich jedoch als Partei in die Reihen der organisierte» Arbeiterschaft stellen, um diese in der einzigen Weise zu beeinflussen, in der sie beeinflußt werden kann, nämlich: indem sie an ihren gemeinsamen politischen und Wirt- schaftlichen Kämpfen gegen die Streitkräfte des Kapitalismus teilnimmt. Datz die Taktik der Arbeiterpartei im Unterhause zu scharfer Kritik berechtigt, wird allgemein von vielen Mitgliedern der Arbeiterpartei selbst anerkannt. Doch so bedauernswert dies auch sein mag. so sollte dies nicht eine beständige Verurteilung der politisch organisierten britischen Arbeiterbewegung im Gefolge haben. Taktische Fehler können jjut gemacht werden, und was auch die Fehler der Arbeiterpartei sein mögen, so darf man doch nicht vergessen, datz die Arbeiterparte, der politische Ausdruck der Arbeiter- bewegung dieses Landes ist und datz sie in ihren Reihen gerade die Elemente, die organisierten Arbeiter, enthält, deren Kämpfen um wirtschaftliche Befreiung wir Sozialisten allem Zusammenhang und ein klassenbewußtes Ziel geben können. Gerade in diesem Augenblick der Enttäuschung und der Er- nüchterung bietet sich uns eine gute Gelegenheit, uns mit unseren politisch organisierten gewerkschaftlichen Brüdern zu verbinden, ihrer politischen Betättgung eine Stärke mid�Kraft zu verleihen, der sie bisher entbehrte, und sie, indem wir Schulter an Schulter mit ihnen marschieren, davon zu überzeugen, daß im Sozialismus allein die Hoffnung auf ihre Befreiung liegt. Dies kann nickt ge- schehen, indem wir den Feind als einen isolierten Truppenteil, der von der tzauptarmee der Arbeiterschaft gctreiuit marschiert, angreifen. Angesichts der heimtückischen kapitalistischen Verschwörung, die die Sache der Arbeiter i» der ganzen Welt bedroht, kann es für diese wie für uns irnr eine Parole geben: Einigkeit! Einigkeit! Einigkeit! Die sozialistische Einigkeit kann nicht aufgeschoben werden, bis alle Mitglieder der Arbeiterpartei revolutionäre Sozialisten sind. Die Verfassung der Arbeiterpartei sagt ausdrücklich:»Kandi- daten und Mitglieder müssen diese Verfassung aufrechterhalten, vor ihren Wählern nur als Arbeitertandidaten erscheinen, sich streng enthalten, sich mit einer anderen Partei zu ideiittfiziereri oder deren Interessen zu fördern und die durch die parlamentarische Praxis geschaffenen Verantwortlichkeiten übernehmen." Der Vorsitzende der Einigungskonfercnz— unser belgischer Genosse V a iU> e r- Velde— erklärte,„daß die Arbeiterpartei, ivenn sie der Jnter- nationale angeschlossen bleiben will, als Körperschaft betrachtet werden mutz, die das Bestehen des Klassenkampses anerkennt," und wies darauf hin, datz, falls sich die Arbeiterpartei nicht um ihre eigene Verfassung kümmerte,„es Sache der Sozialisten ist, inner- halb der Arbeiterpartei so viel Macht zu erlangen, um ihren�Ein- flutz in der gewünschten Richtung geltend machen zu können." Die Konferenz vom 13. Dezember nahm ferner einen Antrag an, demzufolge Anstrengungen gemacht werden sollen, um so bald wie es die Statuten gestatten, die Verfassung der Arbeiterpartei zu ändern, damit sich ihre Kandidaten nicht nur als Arbeiterkaiidi- daten, sondern auch als sozialisttsche Kandidaten bezeichnen können. Zurzeit ist der offizielle Name Arbeiterkandidai, aber der Wahlaufruf kann ausschließlich dem Sozialismus gewidmet sein und der Kandidat kann sich darin als Sozialist bezeichnen. Genossen! So zwingend die Gründe auch gewesen sein mögen, die uns in der Vergangenheit bewogen, den Vorschlag zurückzu- weisen, daß der Anschlutz an die Arbeiterpartei der Angelpunkt der sozialisttschen Einigung sein sollte, heute hat sich die Lage ver- ändert. Die Aufforderung des Internationalen Sozialistischen Bureaus ist ein Ruf an uns, das rote Banner des revolutionären Sozialismus innerhalb der Arbeiterpartei selbst zu errichten, unb auf der Konferenz im Dezember erhielten wir Bürgschaft dafür, daß man, indem wir diesem Rufe Folge leisten, nie von uns ver- langen wird, sozialistische Grundsätze zu opfern. Auf dem Amsterdamer Kongretz im Jahre 1904 erklärte sich jede Sektion der britischen Delegation für die von jenem Kongreß angenommenen Einigkeitsresolutionen. Der große Erfolg, den die Einigung in anderen Ländern gebracht hat, sollte uns ermutigen, entschlossen vorzugehen im Vertrauen darauf, daß unsere sozialisti- schen Grundsätze in Großbritannien wie anderswo unvermeidlich triumphieren müssen. Inzwischen werden wir unser Betätigungs- seid und den Kreis unserer sozialistischen Propaganda- und Er- ziehungsarbeit sehr erweitern und unseren Genossen in anderen Ländern, namentlich in Rußland, wo die sozialistische Einigkeit noch herzustellen ist, ein Beispiel setzen. Wir sind nicht allein unserer eigenen Zukunft verantwortlich, sondern der ganzen internationalen sozialisttschen Bewegung, von der wir ein integrierender Bestandteil sind. Zeigen wir uns dieser Verantwortlichkeit gewachsen, indem ihr die Beschlüsse der Delc- gierten, die euch nachstehend unterbreitet werden, ratifiziert: 1. Erhaltung der Integrität und der revoluttonären Ziele unserer Partei; 2. Bildung eines die B.S.P., J.L.P. und Fabische Gesellschaft vertretenden Vereinigten Sozialisttschen Rats zwecks gemeinsamen sozialisttschen Vorgehens auf internationalem, nationalem und lokalem Boden; 8. Anschluß der Britischen Sozialistischen Partei an die Arbeiterpartei. In diesem Geiste empfehlen wir den Mitgliedern der B.SP. mit Vertrauen, dem Rufe, den das Internationale Sozialistische Bureau an sie richtet, Folge zu leisten." � Parteiliteratm. Im Verlag von I. H. W. Dietz Aachs, in Stuttgart ist Sieben erschienen als Nr. 31 der Kleinen Bibliothek: Der achtzehnte rumairc des Louis Bonaparte von K a r l M a r r. Wir sind überzeugt, datz das„mit Meisterhand gezeichnete Bild" des Staatsstreichs Louis Napoleons auch heute noch ein ungeteiltes Interesse beanspruchen darf. Preis broschiert 75 Pf., gebunden 1 M. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Prrßprozessc. Unser Bayreuther Parteiblatt, die„Fränkische Volks- t r i b ü n e" wird von den Liberalen geradezu mit Beleidigungs- klagen überschüttet. Am Donnerstag hatte sich Genosse P u ch t a wieder wegen Beleidigung des Vorsitzenden der liberalen Wahl- kreisleitung zu verantworten. Er wurde zu 8 0 M. Strafe ver- urteilt. Die Beleidigung wurde in mehreren Artikeln gesunde», in denen die Hetzerei der Bayreuther Liberalen anläßlich des Majestätsbeleidigungsprozeffes gegen den Genossen Puchta charak- irisiert wurde. Genosse G r u b e r von der„M ü n ch e n e r P o st" ist vor vier- zehn Tagen schon deshalb zu 100 M. Strafe verurteilt worden. Aus der Bayreuther Gerichtsverhandlung ist nicht uninteressant, daß sie die Abhängigkeit der Liberalen vom Geldbeutel der Unter- nehmer ergab. Es war auch der Ausdruck„uuternehmerfromm" unter Anklage gestellt. Puchta erbot sich, den Wahrheitsbeweis dafiir zu erbringen, daß die Finanzierung des liberalen Parteisekrctariats in Bayreuth mit Hilfe der Unternehmer erfolgt sei. Er hatte, um diesen Beweis zu führen, den liberalen Parteisekretär als Zeugen laden lassen. Der Kläger ließ nun schleunigst die Klage wegen diese? Ausdruckes fallen und das Gericht konnte dann die Ver- nehmuna des unbequemen Zeugen ablehnen. Zeugcneidlich konnte die Abhangigkeft der Liberalen von der Kasse der Unternehmer so nicht festgestellt werden; aber dieses indirekte Geständnis genügt auch. Vor dem Schöffengericht in Saalfeld(Thür.) hatte sich am Freitag Redakteur Genosse Zorn vom Saalfelder„Volksblatt" wegen zweier Korrespondenzen zu verantworten, durch die sich der OrtSbrandmeistcr Faber in Pößneck beleidigt fühlte. Wegen der ersten Notiz beantragte der Amtsanwalt Freisprechung, das Gepicht erkannte aber auf 3 0 M. Strafe; bei der zweiten Notiz stellte der Amtsanwalt die Strafe in das Ermessen des Gerichtshofes, der letztere erkannte jedoch ans Freisprechung da der Wahrheitsbeweis geführt worden sei. Letzte Nachrichten. Ein Dementi. München, 7. Februar.(W. T. B.) Wie offiziös mitgeteilt wird, beruht die Meldung eines Berliner Blattes, daß auf eine Umfrage der Reichsleitung die bayerische Staatsregierung sich für Aenderung deS Strafgesetzbuches in der Frage de» Schutze? der Arbeitswilligen erklärt habe, auf Erfindung. Gegner der mexikanischen Regierung verhaftet. Mexiko, 7. Februar.(W. T. B.) Die gehciuie Polizei hat eine Anzahl von Geschäftsleuten und Angestellten verhaftet, die in eine Verschwörung gegen die Regierung ver- wickelt gewesen sein sollen. Die Polizei erklärt, in den Taschen der Verhasteten belastende Schriftstücke gefunden zu Hab?«. •£il j SfOll Friedrichsfr. 110-112(Passage-Kaufhaus)- Leipziger Str. 75-76, am Dönhoffplatz Waschblusen neue und moderne Fassons 160 195 *9*9 Blusen aus Batest mit reich gesticktem i � /'s Vorderteil und Passenform.... 1.D vJ aus Batist mit gestickt. Umlege- 4 � r- kragen, Einsatz und Hohlsäumen 1•«7 O ans Batist mit reich garnierten Valenciennes- Einsätzen...... ans VoilC z- T. Raglanschnitt, mit � QQ 2.75 5.25 garn. Umlegekrag. u. Manschetten ans Voilß in vornehm Ausfuhr, mit durchgehender Valenciennespasse ans Voile mit Stuartkragen, imit. Ci-t Klöppeleins., Weste mit Säumchen O.O U Hervorragend preiswert: Damen-Putz I Schleier weiß,-ic qc scb\varzu.farb.,Mtr. I\J j I w y w Pf. Abgepaßte Schleier mit-7 c q c Bord., weiß, schw., färb, St. f Wj w w Pf. 75 Pt 45 pi. 25 p. 40« ChifFonS gute Qualität, ca. 105 cm breit.............. Meter PutZ-Stoffe ans Tüll, OK Qaze usw...... 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilage«. »ja„.m» i öfilanc des Jsritirts" Kerl« Vcksdlslt. Gewerkschaftliches. Generalaussperrung in Norwegen? Die norwegische Unternehmerorganisatton hat einen plumpen Angriff auf die Arbeiter unternommen, der das ganze Land mit einem allgemeinen Kampf bedroht, wie in Schweden 1909. Wegen einiger lokaler Betriebskonflikte, von denen einer im Tischlereigewerbe in Haugesund zwischen den örtlichen Parteien beigelegt wäre, wenn die Unternehmer- zentrale ihre Genehmigung erteilt hätte, sollen 48 000 ausgesperrt werden. Zunächst werden etwa 8900 Arbeiter der Möbelindustrie, der Gießerei und in dem Bezirk von Dront- heim mehrere Berufe ausgesperrt. Im Drontheimer Bezirk besteht ein Konflikt mit einem Mühlenbetriebe, der beim Tarif- abschluß einige ältere Arbeiter gemaßregelt hat. Die Fabri- kate dieser Firma werden vom Publikum nun nicht gekauft, ohne daß die Gewerkschaften einen Boykott verhängt hätten. Die Unternehmerzentrale aber will aussperren, um den Boykott aus der Welt zu schaffen! Es sind nun Verhandlungen auf Bcranlassung der Re- rung geführt»vorden, die bisher einen Erfolg nicht hatten. Die Unternehmerzentrale hat jetzt die Kündigung weiterer 40 000 Arbeiter der Eisenindustrie und anderer Gewerbe aus- gesprochen, so daß am 19. Februar rund 48000 Arbeiter ausgesperrt sein würden. Diese Zahl wird allerdings kaum erreicht werden, weil nicht alle Unternehmer der Aus- sperrungsgewerbc organisiert sind. Aber soweit sie organisiert sind, werden sie auch zweifellos die Aussperrung vollziehen, Wie sie von der Unternehmerzentrale angeordnet wird. Die Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften, gegen die sich der Angriff richtet, hat beschlossen, von ihrer bisherigen Taktik abzuweichen und ihrerseits zum Angriff überzugehen. Sie hat deswegen angeordnet, daß folgende Arbeitergruppen am 19. Februar ebenfalls die Arbeit ein- stellen, falls die Aussperrung zur Wirklichkeit wird. ES sollen demnach in Sympathiestreik treten die Arbeiter bei der Aus- stellung in Christiania, in allen Zeitungs- und Buchdruckereien des Landes mit Ausnahme der Arbeiterdruckcreien, die Hafen- arbeiter, die Seeleute in der Küstenfahrt, die Bäcker in Christiania, Bergen, Drontheim und Stavanger mit Ausnahme der Genossenschaftsbäckereien, die Arbeiter der elektrochemischen Industrie, der Milchkondensierungsfabriken und schließlich die Rohrleger in Drontheim. Der Sympathiestreik wird sich auf rund 10000 Arbeiter erstrecken. Die Untcrnehmertaktik, die zu dieser Gegenaktion der Arbeiter führt, ist dieselbe, wie sie in den anderen skandinavischen Ländern geübt wird. Die Unternehmer sind hier Anhänger des Sympathiekampfes und haben die Tarifverträge so ab- fassen lassen, daß auch während der Vertragsdauer Streiks und Aussperrungen zulässig sind, wenn sie von der zu- ständigen Organisation verhängt und nicht um oder gegen die Bestimmungen des Vertrages geführt werden. Der Zweck dieser Bestimmung ist, jederzeit einen Kampf so ausdehnen zu können, daß die gegenseitige Unterstützung der Gewerkschaften bald unmöglich gemacht wird. Je breiter die Kampfesfront wird. je schwerer wird es den Arbeitern natürlich, ihre im Kampfe befindlichen Brüder zu unterstützen. Das ist der Zweck der Uebung, die von dem dänischen Unternehmertum zuerst an- gewendet wurde und nun seit mehr denn einem Jahrzehnt von den Unternehmern in den andern skandinavischen Ländern auch befolgt wird. Im vorliegenden Falle hatte die Unternehmerzentrale die Aussperrung über eine so große Mehrheit der organisierten kleines Feuilleton. Könige im Kino. Und wenn man auch dem Kino gar kein verdienst zugestehen will, eins hat» doch. Es hat eigentlich zum erstenmal die Idee des Gottesgnadentums so recht kompromittiert. Schon die Abbildungen der„Woche" grenzten manchmal dicht an ähnliches; aber schließlich hatte der sorgfältige Photograph immer noch Zeit zur Retouche und brauchte auch ein ganz und gar miß- lungenes Bild nicht zu reproduzieren. Mißlungen durfte maus allemal nennen, wenn es den hohen Herrn in gar zu lächerlicher und ungeschickter Stellung festgehalten hatte und der Leser sich erstaunt sagte:„Sieh da! auch ein gewöhnlicher Mensch! Mit zwei O-Beinen...." Da ist der Kino schlimmer vorgegangen. In der dummen Sucht, dem beglückten Bürgerauge auch nur ja jede Position der Herrscher aufzudecken, vergaß der Mann an der Kurbel oft genug, daß auch in den höchsten Sphären Schönheitsfehler zu Hause sind, und daß zwar der Filmfabrikant, aber nicht sein Apparat an loyaler Gesinnung zu leiden hat. Die Folgen liegen auf der Hand—, Wenns nicht gerade die Hohenzollern find, durchbraust stürmische Heiterkeit das Haus, wenn ein alter Knacker Treppen herunter- wackelt, und wenn seine irdische Erscheinung so in recht possierlichem Gegensatz zu seiner himmlischen und göttlichen Mission hienieden steht. Was Alfons von Spanien angeht, den mit der„Sabberlatz» lippe"— so hat er in jedem Kintopp derartige durchschlagende Erfolge, daß allen Lachern der K 103 des Strafgesetzbuches(iöe- leidigung ausländischer Landesherren oder Regenten) drohend überm Haupt schwebte—, wenns nicht eben gar so dunkel wäre, daß man den einzelnen nicht unterscheiden kann. Es ist aber reizend, wenn dieser König die Flinte an die schöne Wange legt, Tiere abschießt, die ihm die Treiber ins Bereich gehetzt haben, die habsburgische Unterlippe hängt unterdessen stolz herunter, und der Junge sagt mit seinem ganzen Körper:„Na? Ick bin eener? Wat?!" Ist er auch, und jedes Filmparkett erkennts lachend an. Sind sie nicht zuni Nachdenklichwerden, diese Könige im Kino? Di? Berichte und Feuilletons mögen noch so flunkern: das objck- tivste Auge der Welt, die Kamera, behält Recht und macht uns herzlich lachen über den Unterschied von Wollen und Können. Die älteste Nähmaschine. Versuche mit der Herstellung von Nähmaschinen wurden bereits am Ende des 18. Jahrhunderts ge- macht. Von diesen ersten Nähmaschinen ist jedoch keine einzige bis auf die Gegenwart erhalten geblieben, und es wurden auch wenig Erfolge damit erzielt. Anders war es mit der Nähmaschine, die der Schneider Thimonnier aus der französischen Stadt St. Etienne im Jahre 1814 herstellte. Thimonnier galt in seiner Heimatstadt als ein Irrsinniger und wurde tüchtig verhöhnt, weil er es sich in den Kopf gesetzt hatte, die Handnäharbeit durch eine Maschine zu ersetzen. Das hielt jedoch den wackeren Schneider nicht ab, immer wieder Versuche zur Herstellung einer brauchbaren Nähmaschine zu unternehmen. Im Jahre 1814 gelang ihm dies auch. Die erste Nähmaschine war vollständig aus Holz angefertigt; eine von diesen ersten brauchbaren Nähmaschinen ist noch jetzt im Wiener Polytechnikum zu sehen. Thimonnier begnügte sich aber nicht damit, die eine Nähmaschine herzustellen, er fertigte nach Arbeiter verhängt, daß die Gewerkschaften sich entschließen mußten, auch einige andere Gruppen mit herauszunehmen, die das Unternehmertum etwas schärfer anpacken. Diese Taktik wird auch dazu dienen, die Oeffcntlichkeit über die Konsequenzen der Aussperrungspraxis der Unternehmer auf- zuklären. Eigenartig berührt es. daß dieser Auftakt zum General- kämpf sich vollzieht im gleichen Augenblick, lvo die Regierung ihre Vorlage, betreffend Vermittclung und Zwangsschiedsverfahren in gewerblichen Kämpfen dem Parla- ment unterbreitet. Beide Parteien, Arbeiter wie Unternehmer, sind entschieden gegen diese Vorlage aufgetreten und haben gemeinsam eine Vorlage ausgearbeitet, die das Zwangs- schiedsverfahren ausschließt. Der große Kampf, den die Unter- nehmer jetzt inszenieren, läßt ihre bisherige Haltung zur Regierungsvorlage zweifelhast erscheinen. Vielmehr lvird dieser angedrohte Kampf der Regierung im Moment nur an- genehm sein können, da er die Mehrheit für ihre Vorlage zu verstärken geeignet erscheint. Herlin und Umgegenö. Achtung Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Schach u.Eo. Münzstraße 4, dauert unverändert fort. Zentralvcrband der Schuhmacher. Maßregelung. In dem Betrieb„Krone", GlaSglühlicht- Gesell- schaft G. m. b. H. in der Köpenicker Straße herrscht als Allgewaltiger der Meister Gase»we r k e r. Durch sein rücksichtsloses Schwingen der Straffuchtel und wegen der Schimpfwone, die er gebrauchle, fühlten sich die Arbeilerinnen gezwungen sich zu versammeln, um über die Wahrung ihrer Rechte zu beraten. ES wurden Einladungen zu der Versammlung verteilt und als Herr Gosenrerker hiervon Kenntnis bekam, sagie er:„Geht nur alle hin zur Versammlung". ES erschienen denn auch fast alle Beschäftigte» und es ivurde in ruhiger sachlicher Weise beraten, ob die Strafen von 10 Pf. an. steigend bis 4.b0 Mark gesetzlich zulässig sind, und ob die Slrafgelder ihre gesetzmäßige Verwendung finden, wenn V e r- gnügungen dafür veranstaltet werden sollen. Es wurde auch darüber beraten, ob die Arbeitsordnung vom Jahre 1900 noch zu Recht besteht. Daß dann noch die Arbeiterinnen energisch dagegen protestierten. Schweine und Säue tituliert zu werden. ist gewiß berechtigt. Statt daß nun die Firma die berechtigten Be- schwerdcn geprüft und loiveit möglich für bessere Zustände gesorgt- hätte, setzte sie eine größere Anzahl Acbeiterinnen auf das Pflaster. Der Grund der Entlassung war der Versammlungsbesuch. Die ent- lassenen Arbeiterinnen sollten einen Revers unterschreiben, daß sie keine weiteren Forderunge» an die Firma hätten. Auf den Rat der Organisation verweigerten sie dies, und das Gewerbegericht wird Gelegenheit haben nachzuprüfen, ob alle Strafgelder zu Recht ab- gezogen worden sind. Der Fleischcrmeistcr Karl Lehmann, Fleischzentrale Prinzen- Allee 32, hat den Tarifvertrag der Organisation der Fleischer an- erkannt. Die Fleischereien: Poschmann, Koloniestraße, Sper- l i ch, Vrunnenstr. 70, Wirt, Matternstr. 0, und L ö t s ch, Ecke Förster und Neichenbeiger Straße, sind wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages gesperrt. Zentralverband der Fleischer. Deutsches Reich. Der Streik in der Schuhfabrik von Paul Lainga in S t r a u«- berg bei Berlin dauert bereits zwölf Wochen. Begünstigt durch die stille Saison, war es dem Fabrikanten möglich, in dieser Zeit mit wenigen Arbeitswilligen seinen Betrieb notdürftig aufrecht erhalten zu können. Daher seine hartnäckige Weigerung, irgendwie zu verHändeln. Beim Anbruch der nunmehr bevorstehenden guten Geschäfisperiode wird sich die Situation wesentlich zugunsten der Streikenden verändern, weshalb nochmals besonders auf die Fern- Haltung des Zuzugs hingewiesen wird. und nach 80 Stück an und gründete mit einem Geldmann eine Firma, um Kleider in größerem Umfange herzustellen. Vor allen, wurden auf den Nähmaschinen Uniformen für die französische Armee hergestellt. Thimonnier und sein Kompagnon waren auf dem Wege, reiche Leute zu werden. Doch im Jahre 1341 entstan- den in Paris, wo sich Thimonnier niedergelassen hatte, Arbeiter- unruhen. Eine Schar Arbeiter stürzte sich in die Werkstätten Thimonniers und demolierte dort sämtliche Nähmaschinen und das vorgefundene Material. Nun war der Erfinder der ersten brauch- baren Nähmaschine wieder so arm wie vordem, und da ihm neues Kapital nicht zur Verfügung stand, schlug er sich längere Zeit auf die Weise durch, daß er von Ort zu Ort zog und eine rasch wieder hergestellte Nähmaschine gegen eine kleine Gebühr zur Schau stellte. Thimonnier setzte dann große Hoffnungen auf die große Lon- doner Weltausstellung vom Jahre 18öl. Er hoffte, sie müßte ,hm die allgemeine Anerkennung der Welt für seine Erfindung bringen. Aber auch damit war es nichts. Unbeachtet wie irgendeiir alter Kasten stand die ausgestellte Nähmaschine da, es lief kein ein- ziger Auftrag ein. Nun verlor der Erfinder die Lust zu weiteren Kämpfen. Er wurde jetzt wirklich ein Sonderling, kehrte nach seiner Heimatstadt St. Etienne zurück und ist dort im Jahre 1857 im Armenhause gestorben. Die gewaltige Verbreitung der Näh- Maschine hat er nicht einmal in ihren Anfängen gesehen. Der Kirchhof eines steinzeitlichen Pfahldorfes. Ein gallischer Friedhof der neolithischen Zeit ist, wie das„Bulletin de la Societe archeologique champenoise" mitteilt, in Mary-Sognh(Marne-De- partement) entdeckt worden. Es sind 270 Gräber aufgedeckt worden, von denen 48 unversehrt waren. Die Gräber sind 80 Zentimeter tief in die Erde gegraben und alle von Westen nach Osten gerichtet. In 14 von ihnen hat man Krieger, auf Wagen i» voller Bewaff- nung gefunden; außerdem kamen viele Gesäße, Degen, Lanzen, Dolche, Messer und Schmucksachen aus Eisen und Bronze zutage. In der Nähe des Kirchhofes hat eine bedeutende gallische Ansicde, lung bestanden, die kürzlich von der französischen archäologischen Gesellschaft besucht worden ist. Es hat dort früher im Morast von Saint-Gond ein Pfahldorf bestanden, und noch jetzt stecken Baum- stämme im Schlamm, aus die sich die Häuser stützten. Die Be- wohner suchten für ihre Toten auf dem an der Seite gelegenen Bergabhange ein sicheres Asyl, und sie haben darum jene Gräber in den dortigen Kreideboden gegraben. In die Gräber kann man nur mit großer Mühe kriechend gelangen; sie bestehen alle aus einem Vorraum und einem inneren Gewölbe, in dem sich Skelettreste, Muschelschmuck, polierte Stein- beile und Horngeräte befinden. An der Wand sind Opferplattcn angebracht. Ein schwerer Stein, der ungefähr 1000 Kilo wiegt, verschließt in der Regel den Eingang zur Grotte. Die meisten Gräber wurden stark beschädigt aufgefunden. Man hat sich diese Tatsache erst erklären können, als mau in einem Grabe das Skelett eines Dachses fand. Die Beschädigungen stammen also von Tieren. Wege» des großen vorgeschichtlichen Interesses, das die Grotten bieten, hat das Marnedepartement das Gelände angekauft. Der Prozeß um die Verführte. Von einem eigenartigen Pariser Verführungsprozeß weiß die„Tribuna" zu berichten. Die Verführte war bei der Gerichtsverhandlung nicht anwesend, aber nach der Be- schreibung de« Verteidigers muß sie von auserlesener Schönheit sein. „Sie besitzt unvergleichliche Eigenschaften.� führte der Anwalt au», „und alle ihr« Rachkommen sind aus reinstem Geblüt. Jetzt hat sie Von de» zentralen Tarifverhandlungen im Schneider- gewerbe. Die in Nürnberg unter dem Vorsitz des Unparteischen statt- findenden Verhandlungen für das Schneidergewerbe sind, nachdem oie Fragen der Doppel- und Untcrtarife durch Schiedssprüche er- ledigt waren, nunmehr so weit vorgeschritten, daß an die Regelung der Lohnfrage herangetreten werden konnte. Am Freitagabend haben die Unparteiischen nach eingehenden Verhandlungto Schiedssprüche für eine Reihe von Städten ge- fällt. Die Unparteiischen haben hierbei lediglich eine Erhöhung der Grundlöhne ins Auge gefaßt; über die von ArbeUerseite gestellten Anträge bezüglich der Heimarbeiter, der Extraarbeiten und der Lieferung von Furnituren haben sie keine besonderen Ent- scheidungen getroffen, da diese Fragen bereits durch die Erfurter Vereinbarungen vom Jahre 1912 grundsätzlich geregelt sind. Eine Reihe von Forderungen lokaler Natur sollen durch örtliche Verein- barungen geregelt, andere Fragen,-wie z. B. die der Gewährung von Ferien, sollen bei der Schasfiing des Reichstarifs im Jahre 1910 generell erledigt werden. Bei ihren Entscheidungen über die Höhe der Zulagen haben sich die Unparteiischen von folgenden Gesichtspunkten leiten lassen: Sämtliche in Frage kommende Tarife sind erst vor drei Jahren abgeschlossen worden, und zwar durch- weg mit nicht unwesentlichen Lohnansbefferungen. Dazu kommt, daß die neuen Tarife, abweichend von den Tarisen säst sämtlicher anderen Gewerbe Deutschlands, nur auf zwei Jahr» laufen solle». Gerade dieser letztere Umstand müsse dahin führen, daß die Lohn- zuschlüge sich iu mäßigen Grenzen bewegen. Dazu komme, daß die wirtschafbliche Lage anerkanntermaßen zurzeit eine äußerst gc- drückte ist und daß auch keine sicheren Anhaltspunkte dafür gegeben sind, daß in absehbarer Zeit eine wesentliche Auflnärtsbelvegung stattfindet. Für das Jahr 1914 lasse sich schon jetzt annehmen, daß eine möglicherweise erfolgende Umkehr von der niedergehenden Konjunktur geschäftlich»och nicht wahrnehmbar sein wird. Es liege auch klar zutage, daß die wirtschaftliche Depression sich gerade in einem Gewerbe wie der Maßschneiderei in größerem Umfange äußern muß. Andererseits sei nicht zu verkennen, daß die Lebens- Haltung sich besonders in den letzten beiden Jahren wesentlich per- teuert hat. Es gelte das nicht nur von den Lebensmitteln, son- der» besonders in den Großstädten auch von den Wohnungsmieten. DaS daniederliegende Baugewerbe habe sich naturgemäß in ciuc� Abnahme der leerstehenden Wohnungen äußern und damit auch die Wohnungsnot verschärfen müssen. Die Unparteiischen haben per- sucht, aus diysen sich toiderstrebeuden wirtschaftlichen treibenden Kräften einen Mittelweg zu finden, der einerseits den Wirtschaft- lichen Verhältnissen der Arbeitgeber, andererseits der Lage der Ar- beiter Rechnung tragen soll. Unter der Voraussetzung, daß die den Gehilfen bisher eingeräumten Vergünstigungen auch in Zukunft aufrechterhalten werden, sind bisher folgende Lohnzuschläge für die Zivilschneiderei bewilligt: 5 Proz. für Leipzig, Königsberg, Kassel; 48) bis 5 Proz. für Nürnberg; 4K> Proz. für Stuttgart, Stettin. Mannheim, Erfurt, Mainz, Darmstadt, Görlitz, Freiburg; 4 bft 7 Proz. für Münster; 4 bis 554, Proz. für Danzig; 4 bis iVr Proz. für Ludwigshafen; 4 Proz. für Elberfeld-Barmen; 3Zi Proz. für Necklinghausen, Auf den Uniformtarif wurden an Zuschlägen im wesentlichen die gleichen Prozente bewilligt. Gegen eine weitere Erhöhung der Sätze sprach nach Ansicht der Unparteiischen im besonderen der höhere Jahresverdienst der Uniformschneider. In der Begründung des Schiedsspruchs heißt es u. daß der Mehrbedarf, der durch die neue Militärvorlage unbestreitbar zu erwarten ist, sich der- artig auf einzelne Städte, Geschäfte und Jahre verteile, daß von einem merklichen dauernden Ausschwung der Uniformbranche ernsl- lich nicht die Rede sein könne. Außerdem sei allgemein betanni. daß das Offizicrkorps sich mehr und mehr aus den minderbemiMI? ten BolkSkreisen ergänze und daß diese Offiziere im allgemeinen nicht in der Lage seien, bei der Uniformbeschaffung einen über das notwendige Maß hinausgehenden Aufwand zu treiben. Wie weit die Begründung der Unparteiischen in ihren Einzel- heiten das Richtige trifft, vermögen wir nicht zu beurteilen. Sie mutet teilweise recht gewunden an. Zugestanden muß allerdings werden, daß es in der gegenwärtigen Zeit der Krise den Arbeitern ihr Verführer dazu gebracht, daß sie sechs Bastarde zur Welt brachte, die so häßlich sind, daß man sie in die Seine werfen mußle.... Die junge Dame, der dies Unrecht geschehen, ist nämlich eine Jagdhiindin. Sie war von ihrem Herr» für die Reisezeit zu einem seiner Freunde gegeben ivorden, und dieser Freund hatte einen schönen Hund. Und wie die beiden einige Tage nebeneinander ge- lebt hallen, geschah das Unvermeidliche:„er" inachte„ihr" den Hoi, und in einein schwachen Augenblick gab sie seinen LiebeS- Werbungen nach. In beredten Worten verteidigte der Anwalt des Beklaglen den ritterlichen Hund, der von der Schönheit seiner Ge- fährlin hingerissen, etwas getan habe, was nur natürlich und keines- falls ein Verbrechen lvar. Der Vorsitzende wußte kaum, wie er sich vor der Beredlsamkeil der spitzfindigen Anwälte rette» sollte. Der Gerichtshof beriet sodann anderthalb Stunden über den wichtigen Fall, um ja ein salomonisches Urteil zu finden. Der Ur- leilsipruch»st acht Foliospalten lang, enthält 16„in Anbetracht dessen" und endet mit der Abweisung der Schadenersatzklage, die der Besitzer der Hündin angestrengt hatte. ES ist nicht gesagt, wie die junge Dame selbst über dieses Urteil denkt. Notizen. — Der Berliner Volks-Chor veranstaltet am Montag, den 9. Februar, abends 8'/, Uhr, in Happoldts Konzertsaal, Hasenheide 32—38, unter-Mitwirkung von Prof. Robert Kahn, Prof. Karl Klingler. Jos. Rywkind. Fridolin Klingler und Artur William? einen Kammermusik-Avend, an dem nur Werke von Mozart zum Vor- trag gelange». Einlaßkarten in den bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse. — Die internationale Gesellschaft für Sexual- f o r i ch u n g veranstaltet im Herbst in Berlin ihren ersten Kongreß. — Borträge. Oeffentliche Borträge und volkstümliche Vor- tragsrcihcn am Institut für Meereskunde, Georgenstraße 34—36. Montag, 9. Februar, Dr. A. Rühl: Genua und Marseille.(15. Vortrag der Reihe: Die Welthäfen und ihre wirtschastlich« Stellung).— DienStag, den 10. Februar. Prof. Ed. Brückner-Wien: Die Jnter- nationale MeereSforschnng.— Freitag, den 13. Februar, Prof. O. Baschin: Das Treibeis des Atlantischen OzeanS. Beginn 8 Uhr abends. Eintritt 25 Pf. — Eine Sammlung künstlerischer Photo- graphien ist in der Bibliothek des kgl. Kunstgewerbe-MuscumS ausgestellt. Der Maler F. Mailhies-Masuren in Halle hat sie dem Muium als Grundstock für eine kunstphotographische Sammlung über- wiesen. Die Ausstellung ist wochentags von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends unentgeltlich zu besichtigen. — Das ist die Liebe. Diesen Titel will Ludwig Thoma einem neuen einaktigen satirischen Schwank geben, den er zurzeit unter der Feder hat. — M a i> e t s berühmtes Bild„Die Barke", das der Mqler selbst im Boote zeigt, ehemals ein Hauplstück der Sammlung Pellerin in Paris, wurde für die Münchener neue Pinakothek er- worden. — Das Kennzeichen. Auf einem Bilde der Müuchener Lugend", da» den Niel„Berliner Fasching" trägt, umdränge» bunte Masken mit Griffen der Leibesvisitation eine massige Schutzmauils- gestalt und stellen fest:„Der Schutzmann ist nicht echt:«r hat keen konfisziertes Bild bei sich l" acn die pittfi»hue die Bedenken bcc Unparöeiischen Herzlich schwer werden würde, irqeudwclchc Vorteile für sich Herauszuschlagen. In Krisen- zeiten sind eben die Arbeiter bei Tarisbcwcgungcn säst allemal die Leidtragenden. Die Verhandlungen im Schneidergewerbe gelangten am Sonn-- abend noch nicht zum Abschluß. Die Unparteiischen sällten zunächst eine Reihe von Schiedssprüchen für einzelne Städte, die im wescnt- iichen die gleiche Erhöhung der Grundlöhne aussprechen/ wie die bereits vorher ergangenen Schiedssprüche. Die Erhöhungen bc- wegen sich zwischen 3 und 7 Proz. Einzig und allein sür KöSlin wurde eine Erhöhung abgelehnt und ausgesprochen, daß der Ver- trag unverändert bis 1916 weiterläuft. In Anschluß daran begannen die Verhandlungen für die Danien-Schneidcr-Tarife. über die eine Entscheidung vor Sonntag- mittag laum gefällt werden dürfte. In den JStcinschlcifercicn des Fichtclgebirgcs ist eine Tarifbe- wegung der Steinarbeiter im Gange. Der bisherige Normaltarif läuft am 1. März ab. Da der Fichtelgebirgstarif seit mehr als 15 Jahren eine Verbesserung nicht gebracht hat und die Verhältnisse auch sonst vielfach nichts weniger alt mustergültig sind, ist eS iebr verständlich. daß die Arbeiter zur Tariferneucrung verschiedene Forderungen stellen, wenn sie aber auf ein Entgegenkommen bei den Unternehmern hofften, so hatten sie sich schwer gelauscht. Die Herren schlagen einen ungewöhnlich herausfordernden Ton an und ver- langen in einem Schreiben kurz und gut die bündige Zurücknahme aller Forderungen finanzieller Art. An der Bewegung sind beteiligt die Orte Berneck, Bayreuth, Asch, Hof, Nicderlamih. Markileuthen, naiserhammer, Selb, Seußen, Schwarzenbach a. S., Spanneck, Wun-- siedel und Weißenstadt.__ parlamentarisches. Der Marine-Etat in der Budgetkommission. Am Sonnabend wurde nach längerer Aussprache gcge Stimmen der Sozialdemokraten ein Marine-Attache für Buenos- Aires, der besonders die Interessen der Schiffsbau-, Waffen- und Raichineninduslrie fördern soll, bewilligt. DaS Zentrum vollzog damit einen Umfall, denn im Vorjahre hat es den Posten ge- strichen. Darauf gab der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Unterstaats- sekretär Z i m in e r in a n n, Aufschluß über die Stellung Deutsch- lands in den zwischen inehreren Staaten schwebenden Konzessions- 'ämpfen um die Oelfeldcr in Mesopotamien und /Syrien und über die Erschließung der O e l q u e l l c n in M e r i k o. Beim Kapitel Jnstandhaltuiig der Flotte und der Werften trug Abg. Hofs sVp.) zahlreiche Beamtenwünsche vor, deren Erledigung jedoch zum Teil bis zum Erscheinen der Besoldungsnovelle zurück- gestellt werden mußte. Genosse Brandes nahm sich in spcziali- siertcn Ausführungen der mannigfachen Wünsche und Beschwerden an, die besonders von Arbeitern und Angestellten der Wersten ge- äußert werden. Er verlangte übersichtliche Nachweise über die Zahl der Ui�älle, Bestrafungen und Urlaubserteilungeii, beklagte die offensichtliche Zurückfetzung der Arbeiterausschüsse und die Eni- lassung von Arbeitern wegen politischer Gesinnung und Partei- pigehörigkeit, führte Beschwerde über parteiische Stellungnahme der Werftverwaltung bei Arbeitskämpfen in der Privatindustrie. die Fortdauer deZ Ueberstundenunloesens, die vielfach recht geringen Verdienste und die zu große Zahl von Betriebsbeamten und wünschte Erweiterung des Erholungsurlaubs, durchgehende Ar- beitszcit, wöchentliche Akkordberechuung u. a. m. Staatssekretär v. Tirpitz wird sich am Dienstag zu den Wünschen und Bc- schtverdcn äußern._ Soziales. Wie eine„chriftlich-national" geleitete Kraukenkafle wirtschaftet. • Unsere Leser eutiimicu sich, wie jahrelang eine Flut von 'ZZerdächtigungen gegen die von Sozialdemokraten geleiteten Krankenkassen durch den Reichsverband(nicht zu vergessen die Unterstützung des fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Mugdan) losgelassen wurde. Punkt für Punkt wurde widerlegt. Das half nichts: der Zweck der Uebung war die Vernichtung der Selbstverwaltung der Arbeiter und dieser Zweck ist durch die Reichsversicherungsordnung zum Schaden der Versicherten und zum Nutzen der Kostgänger der Arbeiter- feinde erreicht. Unter den Anwürfen spielte noch zum schlug der Beratungen über die Rcichsversicherungsordnnng die Behauptung eine große Rolle, es Iverde versucht, die Angestellten aus Kassenmitteln lebenslänglich zu versorgen. Die Regierungsvertreter mußten schließlich zugeben, daß die nach dieser Richtung hin verbreiteten Gerüchte jeglicher Basis entbehren. Einige Zentrnmsabgeordncte waren es insbesondere, die die unwahre Behauptung einer Verwendung von Kassenmitteln sür eine übermäßige Abfindung von Kassen- beamten kolportierten, schon damals wurde bewiesen, daß nicht sozialdemokratische, sondern„christlich" geleitete Kassen solche Manöver exerzierten. Heute können wir aus jüngster Zeit einen Fall registrieren, der zeigt, in ivelcher Gesetz, Anstand und guten Sitten hohnsprechenden Weise eine„christlich" geleitete Kasse mit dem Vermögen der Kasse umgesprungen ist. In Krefeld wurden die Krankenkassen für Fabrikbetriebe der Färber, der Appreteure und der Winder von den freien Gewerkschaften verwaltet, während die Ortskrankenkassen der Handwerker, Crefeld-Linn und Crcfeld-Bockum unter der Verwaltung der„Christen" standen. Trotz bis ins Ministerium hinein erfolgter Beschwerde wurde behördlich an- zcordnet, daß die von den freien Gewerkschaften verwaltete Srtskrankentasse für Fabrikbetriebc zu der allgemeinen Orts- trankenkasse voni 1. Januar ab umgestaltet werden sollte, ■üe aus allen obengenannten Ortskrankenkassen und aus U Betriebskrankenkassen besteht. Bei den Ausschußwahlcn erhielten die„Christlich- Nationalen" die Minderheit. Kurz vor Toresschluß, am 31. Dezember 1913 schlössen .iun der frühere Vorsitzende und der Schriftführer der„Cre- iclder Handwerkerkrankenanstalt, Ortskrankenkasse der Hand- verker in Crefeld" einen notariellen Vertrag mit dem früheren Rcndanten dieser Kasse Ramper. Durch den Vertrag wurde auf Grund eines Vorstandsbeschlusses vom 30. De- >, e m b c r dem Rcndanten eine Pension in voller Höhe seines Gehalts von 4500 Mark zugebilligt und zur Sicherung seines Anspruchs eine Sicherheitshypothek von 70000 Mark auf dem -kassengrundstück eingetragen. Ferner wurden dem Rendantcn ie Ansprüche abgetreten, welche die Kasse aus ihrem Spar- mssenbuch hat, das auf 108000 Mark lautet, so daß der Rendant seine Gehaltsansprüche aus dem Sparkasscnguthaben bei der Kasse erheben kann. 1500 Mark Pension und Uebereignung des Kassenvermögens zur Sicherheit— das >t denn wohl doch das tollste Stück, das zuungunsten einer . asse geleistet werden konnte. Selbstverständlich wird der Vertrag als ungültig angefochten werden, weil er— ganz on der Frage abgesehen, ob in ihm die strafbare Handlung tner Untreue gegen die Kasse liegt— den guten Sitten aufs stärkste zuwider ist. Eine nette Schlamperei scheint überdies bei dieser»christ lich-national" verwalteten Kasse gewaltet zu haben: die Hebe- liste befindet sich in starker Unordnung, eine Anzahl Invaliden- karten sind durch Unterlassung rechtzeitigen Umtausches cnt wertet und bis heute ist die Kasse nicht übergeben. So gehen„Ehristlich-Nationale" mit Arbcitergroschcn um. Die Strinindustriellen und die Berechnung der Nnfallrente. Die Steinbrilchs-Bcrussgenossenschaft versuchte bisher bei der Berechnung der Unfallrcnten 19 Proz. vom Jahrcsverdienst des Verletzten in Abzug zu bringen. Soviel Unkosten verursacht näm lich die Schmiedeschärfe, das Jnstandhaltcn der Werkzeuge. Und nach Abzug dieses Prozentsatzes wurde dem Verletzten die Rente berechnet. Die Berufsgcnosscnschaft drang aber mit dieser sonder- baren Rentcnverechnung in der Höberen Gcrichtsinstanz nicht durch. Das Reichsvcrsicherungsamt bat jene Berechnung im Jahre 191t für ungültig erklärt.— Die Steinindustriellen geben sich aber da mit nicht zuftieden, sie spekulieren so: Hat ein Arbeiter 1399 M. im Akkord verdient, so muß der Unternehmer eine Unfallprämie von 39 M. entrichten(auf 1909 M. Verdienst zirka 39 M.). Dürfen die 19 Proz. aber voni Jahresverdienst abgezogen werden, so ist die Unfallprämie bloß für 1179 M. Jahresarbeitsverdienst zu bezahlen, sie sparen also pro Mann und Jahr 4— 5 M. Die Unternehmer in Würzen versuchen nun einen anderen Weg. Sie legten eine Arbeitsordnung vor, wonach sich die Steinarbeiter bei der Lohnbucheintragung sür die Berussgenosscnschaft diese 19 Proz. abziehen lassen sollen. Diese gesetzwidrige Zumutung wurde von den Arbeitern abgelehnt. Nun hat die Behörde die Pflicht, schien- nigst diese dem Gesetz, nämlich dem Lohnbeschlagnahmegesetz und tz 394 B.G.B, zuwiderlaufende Arbeitsordnung aufzuheben. 2Bum dern muß man sich bloß darüber, daß die Steinbruchsbcrufsgeiwsscn schaft den sächsischen Steinindustriellcn ein so unvorftorcncs Be gehrcn nicht kurzerhand abschlägt. Schutz von Gesundheit und Leben. Die Rücksichtslosigkeit des Unternehmertums gegen Gesundheit und Leben der Arbeiter erkellt aus der immens bohen Zahl fortdauernder Uebertretungen der Arbeiterschutzvorschriften. Zwar ge- langt leider wohl kaum der zehnte Teil der tatsäcklichen Verstöße zur Anzeige, Klage und Verurteilung. Dennoch wächst die Zahl der Uebertretungen gegen die zum Schutz der Arbeiter erlassenen Vorschriften von Jahr zu Jahr. Nach der amtlichen Statistik erfolgten Verurteilungen: Vergehen betr. Bestimmungen über 1997 1912 Lohnzahlung........... 37 32 Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugend- lichcn Arbeitern......... 2114 2714 Ruhezeit und Mittagspause...... 222 369 Gezeichnete Zeugnisse oder Arbeitsbücher. 2 4 Sonntagsruhe........... 8 835 13 553 Ladenschluß...........£219 3677 Berbortene Veschästigung.......— 63 Vorschriften zum Schutze der Arbeiter tz 147 Nr. 4 d. G.-0........ 2195 1 789 Arbeitsordnung.......... 29 53 15 653 22 254 Die ungeheure Zunahme der Uebertretungen von Arbeiterschutz- gesetzen zeigt die Dringlichkeit eines besseren Schutzes der Arbeiter gegen Angriffe der Unternehmer. Ein solcher besserer Schutz wäre ein freies, gegen Unternehmerterror gesichertes Koalitionsrecht. Zentrum gegen Barzahlung. Jn Ziegenhals an der schlesisch-böhmischen Grenze haben die Arbeiter den Genossenschaftsgedankeir aufgegriffen und einen Konsumverein auf moderner Grundlage gegründet, der am 1. Februar sein Warenlager eröffnete. Das ging nicht nur den Mittelstands leuten, die bisher die Konsumenten nach Strich und Faden schröpfen konnten, gegen den Strich, sondern auch dein dortigen so- genannten katholischen Arbeiterverein. Dieser Verein beschäftigte sich in seiner letzten Mitgliederversammlung auch mit dem Arbeitcrkonsümverein. Der Herr Präses, ein Kaplan Dr. B l a ch a, ging deni Verein mit entstellten Zitaten aus Reden von Sozialdemokraten zu Leibe und warnte vor dem Bertritt. Dann wurde ein Antrag angenommen, tvonach jedes Mitglied des katholi- tischen Arbeitervereins bei.sinngemäßer" Auslegung des Statuts aus dem Verein ausgeschlossen wird, das dem Ar- bciterkonsumverein beitritt. Als Hauptargument gegen den Konsum- verein sübrte der Herr Kaplan noch an, daß die Käufer im Konsum- verein— doch nichts geborgt bekommen. �!us Industrie und Handel. Differenzen im Kohlensyndikat. Die Zechenbesitzerversammlung des Rheinisch-Westsälischeii Kohlen- syndikalZ hat am 31. Januar den neuen SyndikotSvertrag gut- geheißen. Aber diese Zustimmung ist zustande gekommen, ohne daß eine vollkommene Einigung erzielt wurde. Die.Rhciniich-West- fälischc Zeitung" stellt es sogar als möglich hin» daß die Verhand- jungen von neuem begonnen werden müßten, da die Differenzen zwischen den Syndikatsmitgliedern noch nicht gelöst seien. Bereus am 4. d. M. schrieb sie über die Sitzungen der Kommission, die den neuen Vertrag vorbereitete: „Zahlreiche Bestimmungen— und natürlich gerade die wichtigsten — sind das Ergebnis harter Kämpfe und scharfe Meinungs- Verschiedenheiten haben sich dabei aneinandergerieben. Uni so er- freulicher ist es denn nun, daß das Plenum der Zecheubcsitzer- versamiiiluiig sich jetzt in der Mehrheit zu de», Enlwurf bekannt bat, ohne daß in dieser großen Versammlung an den grundsätzlichen Tendenzen des Entwurfes etwas Wesentliches geändert worden ist Immerhin ist aus der langen Dauer der Verbandlungen und aus den Diskussionen über zahlreiche wichtige Punkte deutlich zu erkennen, daß es unter der Oberfläche doch noch stark brodelt. Dies geht unter anderem daraus hervor, daß einige der aller- wichtigsten Bestimmungen nur mit kleinster M e h r h e it genehmigt wurden. Eine geringe Verschiebung könnte leicht das Gebäude in» Wanken bringen. Dieser Ansicht darf man sich nicht verschließen, womit nicht clwa gesagt sein soll, daß deshalb pessimistischer Auffassung Raum gegeben wäre. Derartige Bedenken sind schon deshalb am Platze, weil in der letzten Zechen- besitzerversammlung nicht alle SyndikatZmitglieder vertreten waren und die Abstimniung nicht, wie der Vertrag eS vorschreibt, nach Tonnenzahl, sondern nach der Zahl der Anwesenden erfolgte. Aber mehrere der Syiidikatsmitglicder und sogar eines der größten, fehlte. Man muß hiernach noch immer auf Ucbcrraschungen ge- faßt sein." Den Hüttenzcchen. die einen Teil ihrer Förderung im eigene» Eil'enbetriebe verarbeiten, widerstrebt eS, daß ihr Selbstverbrauch fortan zu den SyndikatSkosten(der Umlage) herangezogen werden soll. Die reliien Kohlenzechen hingegen bekämpfen die neue Bestimmung, daß der Sclbstverbrauch der Hlllteiizechen von der Kontingentierung(Produklionseinschränkting) in Zuknnft befreit sein soll. Am 29. d. MlS. sieht der neue Syndikatsvertrag wiederum auf der Tagesordnung der Zechenbesitzerversammlung. Die„Rhein.-Westf. Zeitung" droht bereits damit, daß der.Vater" des Syndikats, der bekannle Großindustrielle Kirdorf, die Leitung der Verhandlungen ablehnen werde. Auch weist sie daraus hin. daß neue Forderungen die Beitrittsoerhandlungen mit den Außenseitern und dem FiStuS erschweren würden. Den Konsumenten könnte eS natürlich nur recht sein, wenn die Verlängerung des Syndikats an diesen Differenzen scheitern würde. Aber leider besteht tvcnig Aussicht darauf, daß dieser Fall wirklich eintreten wird. Die letzte Konjuuktiirperiode in ihrer Bedeutung für die in- dtlsiriellcn Großstaaten Deutschland, Großbritannien und Vereinigte Staaten von Nordamerika wird gut durch eine Statistik der Eisen» Produktion in diesen drei Ländern illustriert. Es wurden erzeugt(in Millionen Tonnen): 1999 1919 1911 1912 1913 Vereinigte Staaten 25.89 26,84 23.31 29,37 39,73 Deutschland... 12,92 14,79 15,53 17,87 19,29 Großbritannien. 9.66 10,22 9,72 8.89 10,48 Die Zunahme von 1999 auf 1913 beträgt in Deutschland 49.2 Proz., in den Vereinigten Staaten 19,1 Proz., in Großbritannien 8.5 Proz. Deutschland steht also weitaus au erster Stelle. Bon Jahr zu Jahr ist sein Voriprung gegenüber Britannien größer geworden; heule produziert es bereits fast doppelt so viel Eisen als England. Aber auch Amerika gegenüber ist seine Produktion ge- stiegen. Im Jahre 1999 war Deutschlands Eisenerzeugung nur halb so groß lvie die der Vereinigten Staaten. Heute erreicht sie bereit» zwei Drittel der amerikanischen Produktion. Rückgang der Eiscnproduktion. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Slohlindustricllrr betrug die Roh« eisenerzer zeugung in Deutschland und Luxemburg im Monat Januar 1914 insgesaint 1,567 Millionen Tonnen gegen 1,611 Millionen im vorigen Monat und im gleichen Monat des vorigen JahreS. Aus den Arbeitstag kamen im Berichtsmonat 59 539 Tonnen gegen 51989 Tonnen im vorigen Monat und im gleichen Monat des vorigen JabreS. Die Eisenerzeugung erfuhr also im Januar einen wetteren Rückgang. Gerichtszeitung. Die Detcktivin als Äüchcnmädchen. Durchstechereien in den Speisewagen der D-Züge Berliu- Eydtkuhnen bildeten den Gegenstand einer umfangreiche» Anklage, welche gestern unter Vorsitz des Landgerichts. direktors Bahr die 1. Strafkammer des Landgerichts III beschäf- tigte. Angeklagt wegen sortgcsetztcn und gemeinschaftlichen Bc- trugcs gegen die Firma„Deutscher Eisenbahn-Spriscwaqenbetrieb. E. Kromretz u. Söhne" in Charlottcnburg waren: der Oberkellner Karl Freidank, der Koch Adolf Gunther, der Kellner Karl Tchliebe- »er, sämtlich aus Charlottenburg, und der Kellner Artur Braun. Wegen Beihilfe zum Betrüge war ferner das Küchenmädche» Pauline Matiayszyk mitangeklagt. � Die Angeklagten Ovaren seit längerer Zeit bei der Firn« Deutscher Eisenbahn-Speisewagenbetricb C. Kromrey u. Söhne angestellt, und zwar Freidank als Oberkellner, Günther � als Küchenchef und die übrigen Angeklagten als sogenannte Zuträger. Alle fünf befuhren ausschließlich die Strecke Berlin-Eydtkuhnen. und zwar in dem D-Zuge Nr. 55. Dein Angeklagten Freidauk stand als Oberkellner die Aufficht in dem Speisewagen des D-Zuges zu. während Günther, der schon Vorstrafen wegen Dieb- stahls und Betruges erlitten hat, den Vertrauensposten des Küchen- chefs in dem Speisewagen zu verseben hatte. Die Kontrolle wurde in der Weise ausgeübt, daß der Oberkellner jede von der Küche ausgegebene Speise usw. mit einem Bon zu bezahlen hatte. Diese Bons mußten von Günther nach Beendigung der Fahrt in dem Kontor der Firma am Stuttgarter Platz abgeliefert werden, wo auch Freidank zu erscheinen hatte, um das von den Gästen des Speisewagens erhaltene Geld abzuliefern. Schon vor längerer Zeit ging unter den zahlreichen Angestellten der Firma das Ge- rächt, daß in dem D-Zug 55 die tollsten Sachen vorkämen..: Es wurde behauptet,.daß der Koch Günther billiges, minderwertiges Fleisch und andere Speisen selbst einkaufe, die Speisen zubexeite und verkaufe und dann den Erlös mit Freidank, der mit ihm nnter einer Decke stecke, und den übrigen Angeklagten teile. Ferner hieß es, daß die beiden Angeklagten z. B. dadurch, daß sie aus dein ibnen übergebenen Quantum Kaffee eine erbeblich höhere An» zahl Tassen herstellten, ferner den Tee zweimal aufgössen usw.. sich einen erheblichen Nebenverdienst verschafften. Als der Firma diese Gerüchte zu Ohren kamen, veranlatzte sie die Angestellte eines Detektivinstituts, in dem Speisewagen als Kiichenmädchen mitzufahren, um die beiden Angeklagten zu beobachte». Diese Beob- achtungcn führten dazu, daß die Firma am Morgen des 12. August 1912 die Angeklagten in das Kontor bestellte und ihnen aus den Kopf zusagte, daß sie durch die Tetektivin völlig überführt� seien. Der Angeklagte Günther legte auch ein Geständnis av. Er gab an, gemeinsam mit Freidank auf jeder Fahrt 69— 70 M. veruntreut zu haben. In einem anderen schriftlichen Anerkenntnis erklärte er, auf die geschilderte Weise 7990 M.„erspart" zu haben und verpflichtete sich, 5999 M. sofort zu zahlen. Auch der An- geklagte Freidank und die übrigen gaben zu, sich in der geschilderte» Weise vergangen zu haben. Vor Gericht widerriefen die Angeklagten mit Ausnahme des Schliebener ihr Geständnis. Nack längerer Beweisaufnahme ver- urteilte das Gericht Freibank und Günther wegen Untreue bzw. Beihilfe zu je vier Monaten Gefängnis und 1099 M. Geldstrafe, Schliebener zu einem Monat und die Matiayszyk zu 2 Woche« Ge» fängnis. Ter.Angeklagte Braun wurde freigrsprvchen. . Majestötsbeleidigunq. Das Landgericht Oels hat am 1. September den Gewerk- schaftssekretär Fritz Schneidrwind aus Berlin wegen MajestätS- bcleidigung zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung wurde in einer in Trachenbcrg abgehaltenen Mcrifcierrede ge- runden. Das Reichsgericht verwarf am Freitag die vom Auge- klagten eingelegte Revision._ Unterschlagungen auf dem Viehhof. Umfangreiche Diebstähle aus dem Städtischen Schlacht- und Viehhof beschäftigten gestern die 4. Straftammcr des Land- gerichts I in einer Strafsache, die sich gegen den Schlächter Albert Newiger und den Fctthändler Paul Stenzel aus Weißensee ricktete: letzterer hatte sich wegen gcwerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei zu verantworten.— Ter Angeklagte Newiger hatte vor mehreren Jahren mit dem Hofschlächtermeister Koschwitz einen Vertrag geschlossen, nach welckem er sich verpflichtete, sämtlicke Schlachtungen sür K. auszuführen. Gleichzeitig hatte er für K. Vieh einzukaufen� und mit einem Scheck seines Auftraggebers zu bezahlen. Die Schlachtungen, bis zu 199 Schweinen usw. pro Woche, hatte der Angeklagte in eiuein von K. gemieteten Stand in dem Schlachthause 1). auf dem Städtischen Schlacht- und Viehhof auszuführen. Er bezog von Koschwitz pro Jahr 3699 M. Gehalt, hierzu kamen iwch 1299 M. Nebencinnahmen. Auf Grund einer Anzeige eines entlasienen Gesellen wurde gegen Newiger ein Strafverfahren eingeleitet, in welchem ihm zur Last gelegt wurde, innerhalb der letzten fünf Jahre einen Teil des Fetts der von ihm geschlachteten Tiere entwendet und an den Mitangeklagten Stenzel, der in Weißensee eine Talgschmelze und Seifenfabrik betreibt, verkauft zu haben. Nach den angestellten Ermittelungen handelte es sich in jedem Falle um 29— Pnind Fett, so daß der Bestohlene dazu gekommen ist, seinen Schaden auf über 29 999 M. zu berechnen..„_,. Vor Gericht bestritten die Angeklagten, sich strafbar gemacht zu haben. Der Angeklagte Newiger behauptete, daß er sich nur bestimmte Fetteile angeignct habe. Hierzu sei er aber nach einem auf dem»schlachthos bestehenden Brauch berechtigt gewesen. Das Gericht hielt bei Newiger nur Unterschlagung tur vorliegend und erkannte gegen ihn auf 3 Monate Gefängnis. Stenzel wurde freigesprochen, da er, wie der Vorsitzende verkündete, einen io be- schränkten Eindruck gemacht habe, daß er sich offenbar gar nicht der Strafbarfeit seiner Handlungsweise recht bewußt gewesen sei. Mus aller Welt. Schreckenstaten eines Geisteskranken. Eine furcktbare Familientragödie hat sicti in der Nacht 5um Sonnabend in dem märkischen Dorfe Staffelde bei Kremmen abgespielt. Dort hat der Kaufmann Engel in einem Anfalle religiösen Wahnsinns seine Frau und seine dreizehnjährige Tochter durch B e i l h i e b e und Messerstiche getötet, seinen fünfzehn jährigen Sohn in gleicher Weise schwer verletzt und sich selb st das Leben genommen. Ueber die schwere Bluttat erfahren wir folgende Einzelheiten: Engel betrieb in Stasselde ein gutgehendes Kolonialgeschäst. Vor anderthalb Jahren hatte er sich einer religiösen Sekte angeschlossen und sein ganzes Sinnen und Trachten war daraus gerichtet, auch seine Frau und Kinder und andere Leute zum Beitritt zu veranlassen. Seit einigen Monaten trug er bereits ein sonderbares Wesen zur Schau. Es machten sich bei ihm Anzeichen religiösen Wahns immer häufiger bemerk- bar. Am Freitagabend hatte Engel eine Versammlung der religiösen Sekte besucht. Als er spät abends heimkehrte, kam bei ihm der reli- g i ö s e Wahnsinn zum Ausbruch. Er holte sich aus der Küche ein Beil und ein großes Brotmesser und schlich sich damit in das Schlafzimmer, wo er seiner schlafenden Frau mit großer Wucht einen B e i l h i e b über den Kopf versetzte, der den Schädel spaltete. Dann stach Engel blindlings auf die Be- dauernswerte ein, die mehrere tiefe Stichwunden in der Brust davontrug und deren Tod wohl aus der Stelle ein« getreten sein muß. In gleicher Weise tötete er seine Tochter. Sein löjähriger Sohn, der durch das Geräusch erwachte und in das Zimmer kam, erlitt zwei Slbnittwundcn am Halse und Verletzungen an den Händen. Es gelang ihm aber, sich los- zureißen und aus dem Fenster• der im Erdgeschoß gelegenen Wohnung zu entkommen. Die von dem jungen Mann alarmierten Nachbarn fanden Frau Engel und die Tochter furchtbar zugerichtet in großen Blutlachen tot in den Betten liegend auf. Auch der Mann wurde nur noch als Leiche aufgefunden. Der Unglückliche hatte sich mehrere Schnittwunden am Unter- arm und am Halse beigebracht und sich dann in der Wohnstube erhängt. Der schwerverletzte Sohn ist nach dem Krankenhause in N a it e n gebracht worden.__ Ein Eiscnbahntunnel in Brand gesteckt. Wie aus Juarez(Mexiko) gemeldet wird, ist der C u in b r e- Tunnel bei Cosas Grandes von dem Räuber Castillo in Brand gesteckt worden. Ein Zug, der Mittwoch früh Juarez verließ und in den brennenden Tunnel einfuhr, ist vollkommen verbrannt. SiebenEisenbahnbeamte sollen uni gekommen sein. Die Brandstiftung war vermutlich ein Racheakt Castillos für die Hinrichtung von 22 Leuten seiner Bande General Villa hat die Be- fehlShaber der Konstitutionallsten in dem Bezirk von Cosas Grandes angewiesen, jeden zu erschießen, der für seine Anwesenheit dort keinen genügenden Grund angeben kann. Die 754 487. Ehrung. Unter all den Kundgebungen, die dem Oberst v. Reuter aus den Kreisen der echten Preußen zugingen, verdient eine— irren wir nicht, ist es die 72 487.— besonders erwähnt zu werden. Die in D a u z i g und Umgegend wohnenden Alten Herren der Vereins De ut scher Studenten entsandten am 4. Februar an den von Zaber» nach Frankfurt a. O. als Kommandeur der l2. Grenadiere versetzten Oberst v. Reuter folgenden drahtlichen Gruß r Laß sie labern, laß sie labern Ueber Elsaß, über Zabern, Du bist jetzt die größte Zier Für den zwölften Grenadier. An der Spitze deutscher Streiter Immerdar ein Oberst Reuter. Von der Memel bis zum Rhein, Deutschland, du magst ruhig sein. Wenn der oder die Dichter die Mahnung, daß Deutschland ruhig sein sollte, nur selbst befolgt hätten. Man riecht ja förmlich den Bockbiergeist, der das Poem gebar. Kleine Notizen. LicbeSdrama in Hannover. Der 21jährige Student der Rechte Schulz, gebürtig aus Frankfurt a. O., enlführte vor einigen Tagen die lcdige 17jäbrige Gertrud Abel aus Göningen, wo er bislang studierte, nach Hannover. Freitag nacht tötete der Student seine Geliebte durch einen Schuß ins Herz, dann aber fehlte ihm der Mut, sich, wie verabredet, selbst zu töten. Sonnabend morgen wurde er festgenommen. Explosion einer Bcnzinsabrik. Eine folgenschwere Benzinexplosion ereignete sich am Freitag in einer Benzinfabrik in Manchester im Staate Kentucky. Das entstehende Feuer nahm einen so großen Unuang an, daß in kurzer Zeit die Fabrik selbst und acht b e- nadb borte Häuser vollständig niederbranten. Den meisten Arbeitern gelang es. sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, doch wurden sechsArbciter getöter und fünfzehn andere schwer verletzt. Die Epidemien im französischen Heere. Nach einer Blätter- Meldung aus Spinal sind in der letzte» Woche im dortigen Militärhospital neun Soldaten an Lungen eutzün- d u n g g e st o r b e n. In M a c o n sind in den letzten Tagen fünf Soldaten den Masern erlegen. Im Kampf mit Zigeunern. Im Verlaufe eines vstreiteS, der zwischen Zigeunern und jungen Burschen aus dem bayerischen Dorfe Habkirchen ausgebrochen war. wurde ein Passant von einem Zigeuner n i e d e r g e st o ch e n. Auch wurden zwei der in den Streit verwickelten Burschen durch Schüsse schwer verletzt. Die streitlustigen Zigeuner wurden verhaftet. öriefkaften üer Redaktion. Tie inrlfttsche Epreqftunde findet Lindenftrape es, vorn vier Treppen — Fahr Knill—, wochentäglia von dts<>i> Uhr abends, SonnadeadS, von i'/j bis S Uhr abends statt. Jeder für de« S rieftasten»esitmmien«nfraze ist ein Buchiiade und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliche«intwon wird nicht crtcUt. Slnfragen, denen leine ZibannementSanittnng beigefiigt ist, verd-n nicht bcanttvortet. Eilige Frage» trage«an tu der Sbrechftnnbe vor. — A. W. 1000, Steutolln. An den Amtsvorsteher und zwar sowohl bezüglich der Konzelsion, als wie auch wegen Errichtung des Baues.— B. B. IDO. 1. Mancemäßig bis 11 Uhr. Polizeillorichriften bestehen nicht. Entscheidungen können wir im Augenblick nicht mitteilen. 2. Eine derartige Bestimmung im Mietsvertrag wäre bindend. Jedoch könnte der Hauswirt daraus nur Rechte herleiten.— H. W., 10 000. Nein. — Wagner 21. 1. Richten Sie ein erneutes Gesuch an die Staats- anwaltschaft. 9. Dagegen können Sie nichts unternehmen. 3. Nein. Das ist Sache des Vormundes bezw. des Bormundschaftsgerichts.— E. Sch. 1871. Wenn Sie den Schrank im guten Glauben erworben haben, sind sie Eigentümer.— ff. Z. 7. 1. Ja. 2. und 3. Die Schwiegermutter muß intervenieren.— B. H. 100. Die Karte uruß ausgehändigt iverdcn. Beschweren Sie sich eventuell beim Polizeipräsidium.— R. 76. ES ist eine Austritlserklärung beim Amtsgericht abzugeben.—<8.®. 81. CS genügt die Ummeldung des Gewerbes und die Umänderung der Finna. Ist Ihre Tochter minderjährig, so muß die Genehmigung des Bormundschailo- gcrichts eingeholt werden.— M. 70. 1. DaS ist möglich. Zweckmäßiger wäre es jedoch gewesen, den Antrag vor der Operation zu stellen. 2. Bei der LandesversichcruugSaustalt. 3. Von demjenigen Teil, bei dem der Zahnersatz ersolgcu soll.— M.<2. 78. Der Mann ist sür die An- schaffungen ersatzpflichtig. Außerdem ist er verbstichtet. e!ne Entschädigung für den i» Erwartung der Ehe gestatteten Verkehr zu zahlen. Die Höhe des Betrages richtet sich nach den Standes-, Einkommens- und VermögenS- virhältnissen der Parteien.— M. E- III. An die Kreishauptmannschash — W. Z. 2- Mit Zustimmung des Lehrherrn ja.— L. St. Nein. —(£. Z. 39. Unseres Erachteus haben Sic ab 1. Januar Anspruch ans daS erhöhte Krankengeld.— E. W. 37. Jeder Abzug ist unbegründet. Falls daS Mädchen sich nicht cinvcrstandcn erklärt hat, kann Klage beim Amtsgericht erhoben werden.— P. W. 300. 1. und 2. Falls das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, kann Kläger durch einen Zluwalt beim Land- gericht Berufung einlegen.— G. H. 37. Der Stempel beträgt pro Kalenderjahr 2 M. Für das 1. Quartal Januar bis April 50 Ps.— C. H. 1891. Falls.gelremite Achlasräuinc und besondere Schlasgelegen- hciteu vorhanden, zulässig.— 31. B. Kreuzbergstraste. Sic haben An- f Irnich auf einige Stunden srcie Zeit an etwa 2 Tagen in der Woche zum Aussuchen einer neuen Stellung. Falls Ihnen dies verweigert wird, können Sie beim Gewerbegcricht eine einstweilige Berjügung beantragen. Bei der von Ihnen genannten Krankbeitsdaucr ivürde der Lohn unter Kürzung des etwa bezogenen Krankengeldes sortbczahlt werden müssen.— R. Z. 36. Die Kündigung laun nur bis zum 15. mit Wirkung zum daraussolgendcn Ersten erfolgen. Die von Ihnen angegebenen Gründe ichcincn zur fosorjigcu Lösung nicht ausreichend zu sein.— K. W. 1. Nein. 2. Reicht nicht aus. um früher ausziehen zu können.— W. 3l. 10. Neben der Kraiikenversichei ungSpslicht besteht auch die Verpflichtung zur Angestellten- und Jnviilidenversichcruna.— E. S. 84. Falls nachweisbar, in der Regel ja. Die Frau haftet für die Miete ebenjglls.— Nr. 9. Nein — C. Z. 1. Ja. 2. Nur dann, wenn eine Versicherungspolice besieht. — E. Z. 100. Ja.— M.<6. H. 86. Richten Sic Ihre'Anfinge an die„Wiener Arbeiterzeitung" iu Wie», Wicnzeile 97.— F. E 4531. Wiederholen Sie Ihre Anfrage- und geben Sie noch den genauen Zeitpunlt an, ieitdem Ibr verstorbener Bater die Rente bezogen hat.— W. ck». 66. 1. Bis(iOOO M. einschließlich. 2. Gericht oder Notar.— A. R. 330. Dem Arbeiter.— M. Z. 14. Die Beschlagnahme wäre zuläisig, sosern nicht vorher eine Veräußerung(Abtretung) erfolgt ist.— 3l. 100. Tie Beschlagnahme ist nur insoweit zulässig, als die Lohniordcrung 28,85 M. wöchentlich übersteigt.(Z 4 des Lohnbeschlagnahmegesetzes.)— B. 15. Ja, sofern die Fran nicht anderweit eine vcrsichcrungSpstichtige Beschäftigung hat und gemeldet ilt.— E. Z. 15. Den Nachlag Ihrer Frau müssen Sie in das'Verzeichnis ausnehmen und dem Gericht mitteilen. Ob die Wirtschastssachen zum Nachlaß gehören, läßt sich aus Ihrer Darstellung nicht entnehmen. Wiederholen Sie eventuell Ihre Anfrage und geben Sie an, wann Sie die Ehe geschlossen haben und wo der erste Ehewohnsitz ge- wesen ist.— Xh. 100. 1. Die Weigerung ist«. E. unberechtigt. 2. An das Versich crungSamt, Am Äöllnijchen Park 3.— 3t. I. 113. Nein.— — E. N. 44. Die Frage läßt iich erst beantworten, wenn- Sie noch an- geben, welchen Mictszins Sie gesondert sür die Geschästs- und güpiidcrt für die Privaträmne zahlen.— B. 86. 1. Ja. 2. Das ist zweckmäßig. 3. Nein. 4. Es ist ratsam, beim Notar eine Schenkungsurkunde ausnehmen zu iassen. S. Ja. 6. Von jedem Lohubetrag.— 31. H. 16. 1. u. 2. Ja, falls die Wartezeit erfüllt ist.. Z, An das VersicherungSamt.— W. R. 13.50. Das Wort stellt eine Formalbeleidigung dar. 2. Die Beleidigungsklage hätte Aussicht aus Ersolq. Sie könnten in einem Entlassnngsfalle Anspruch auf Forizahlung des Lohnes sür die gesetzliche KündigungSsrisl er« heben. Sic waren jedoch verpflichtet, sich anderlvcit um Stellung zu be- mühen.— F. T. 87. Nein.— F. Z. 77. 1. Sie köimcn sich au den Regierungspräsidenten wendcu. 2. Nein. 3. Dn Hauswirt. 4. Für die Reinigung der Zugkanäle ist der Wirt veraniwortlich. sür die Ncinigung der Kochmaschine nur dann, wenn den Mieter kein Verschulden trifft. Im MictSvertrage können aber Bestimmungen enthaltru fein, die die Rechtslage ändern.— 1. 1. Nein. Sie sind aber zur Unterstützungsleistung vci- pflichtet. 2. Die Schwester nur dann, wenn sie Vermöge» oder sonstiges Einkommen hat. das über den Betrag, den sie zur Deckung ihres Unter- Halts und ihrer sonstigen Verpflichtungen benötigt, hinausgeht. 3. Wenn die Eltern arbeilsunsähig find, ist die Gemeinde zur Unterstützung verpflichtet. — Wehn 1914. 1. Ohne Kenntnis davon, welche Schritte unternommen sind, läßt sich die Frage nicht beautlvorten. 2. Ja, falls dem Anwalt nicht noch eine Kostcnsordcrung zusteht. Hat der Anlvalt einen Kostcnanspruch, so kau» er Herausgabe der Akten ablehnen. 3. Nervenkrankheit, eventuell Geislesschwäche, gesteigert bis zur GeistsSirankheit.— 31. T. 36. 1. Ja. 2. Hängt von den Bestimmungen des im Ausland geltenden Gesetzes ab. 3. Erkundigen Sie sich bei der dortigen Zollbehörde. 4. Es würde eine Gebühr gezahlt werden müssen, und zwar sür je 10 M. Wert 2 Pf. sür 10 Tariskilometer. Schoßhündcheu sind frei.— F. Oberfchönewcide. Der Arbeitgeber ist zur Anmeldung verpftichtct und zwar bei der Berliner Ortskrankenkasse. Diese zieht den Beitrag vom Arbeit» geber ein. Sie können sich au die Berliner Ortslranlenkasse wenden. — W. Z. 35. Wir empfehlen Ihnen Lebet„Die Frau und der Sozialismus" Preis 3 Pi: Zu beziehen du«h Ihren Vowärts-Spcditcifr. Spezialarzt Dr. med. Wockenüaß, Friedrichstr. 125(Oramenb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Mäßige Preise.* Sprechst. v. 8— 8, Sonntags 9— 11. fassen Sie sicK curch bisherige Erfahrungen nicht abhatten, noch einen Versuch mit „ Alcolor"»! machen, u. Sie werden Keine Mißerfolge mehr had.n.„Aleolor" ist absolut unlchadlich und färbt aufS vollkommenste mißfarbene und grsus Zissre von hellstem Blond bis zum tiefsten Schwarz waschecht n. aaturgetren.Alle Nuancen erbättt. II. 3.—. Tie Haare wachsen Sletchmämgcr in der Farbe nach und erhalten lebhaften, natllrltchen tillanz burw Plantol-UalHani, IL 125. 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'MMiaimaiiitMiMaiiiiiitilViiuiiMilNiliiitniiiNiuiuiininNaiiMtaiiNmMttiiiiniiaKHaiinnttiitiiiiiiiiiMiu lveranttvottlichet Redakteur: Alfred Wiele»». Neukölln. Für den Jnferatettteil verMtw.: Th-Slacke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruaerei u. VerlagSanstaU Paul Singer& Co. Berlin SW. gr.gs. 3i 2. Atüllßt!ltö Jotmirff Jfrlinfi Mwoch, den Die verjlcherungsangestellten für Liste 2. Eine am vergangenen Freitag abgehatiene Bersammlung bewies durch den glänzenden Besuch und die famose Kampfstimmung, dast auch die Versicherungsangestellten gewillt sind, die Liste 2 des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen am tö. Februar zu unterstützen. Reichstagsabgeordnetcr Dr. Cohn verstand in einstündiger, grohzügig angelegter Rede ein Bild der EiUwicklung der gewerkfchaftlichen, insbesondere der Handlungs- gchilfenbewegung zu geben. Die Konkurrenzklausel sowie das leidige Wesen und Wirken der Kaufmannsgerichte unterzog er einer grllnd- lichen. Kritik. Daß Harmonicvereine vom Schlage der bürgerlichen .Auchgehilfenvertreter" nicht in der Lage sind, die Gehilfeninteressen rücksichtslos zu vertreten, mußte nach den trefflichen Ausführungen Cohns auch dem Indifferentesten einleuchten. Das zweite Referat deö Genossen Georg Witte gestaltete sich zum Teil zu einer niederschmetternden Kritik der Versicherungs« gesellschafl.Jduna". Wenn alle die großen Versicherungsgesell- fchaflen, wie die Viktoria, die„Fricdrich-Wilhelm" usw., darin weit- eifern die Angestelltengehälter so niedrig wie möglich zu halten, so scheint jetzt die„Jjbuita* den Rekord geschlagen zu haben. Ein von der.Wilhelma" importierter Direktor namens Eugelbrecht hat es verstanden, die Gehälter der Angestellten auf ungeahnte Tiefen zu bringen und für die Angestellten»nützliche Reformen" einzu- führen. Einem Korrespondenten, der 115 M. bezieht, wurde, als er um Erhöhung dieses fürstlichen Gehalts ersuchte, die Antwort, diese Bezahlung ser ist 22 Jahre alt) sei angemessen. Darum erhält auch ein 55 jähriger Beamter 140 M., ein 40 jähriger Angestelllcr, der 8 Jahre im Hause, 100 M.. Abteilungschefs, die über 10 Jahre im Dienst 140 M. usw. Eine andere Blüte: 15 Jahre ist jemand 1. Buchhalter und verdient 150 M. Er begeht da? Verbreche» schwer krank zu werden und wird— prompt gekündigt. Nach einigen Wochen schleppt sich der Aermste ins Geschäft, um seine Dienste dieser menschenfreundlichen Firma wieder anzu- bieten. Die Kündigung wird zurückgenommen, ihm aber gesagt, daß er Zulage nicht mehr zu erwarten habe. Ein Haupt- kassierer darf 5000 M. Kaution stellen und erhält für diesen ver- ontwortlichen Posten ganze 200 M. monatlich. Nebenbei sei er- wähnt, daß die Vorsteber der Buchhalterei 150 M. verdienen. Die jüngeren Kräfte vom 18. bis Anfang der 20 er Jahre bekommen 00 M.. höchstens 75 M. Dabei wird, wi? in allen diesen Gesell- schaften gefordert, daß die Angestellten.standesgemäß" gekleidet sein müssen. Die Gehälter der weiblichen Angestellten entsprechen den an- geführten Zahlen. Eine 25 jährige Angestellte hat einen Höchstgehalt von 90 M. Das der jüngeren ist natürlich noch geringer als das der männlichen Kräfte. U ck o war in der Lage, von einem hoch- interessanten Briefwechsel Kenntnis zu geben. Die Filiale Berlin schreibt eines Angestellte» wegen an die Hauptdireklion Halle, daß dieser Sozialdemokrat und gewerkschaftlich orga- visiert sei, so daß man ihn glimpflich behandeln muß, da sonst die Oeffemlichkeil sich mit der.Jduna" beschäftigen könnte.(Was sie wahrscheinlich noch tun wird.) Antwort:.Wir denken daran, i hn auszumerzen." Kommentar überflüssig. Die Behandlung ent- spricht ganz den schmutzig-niedrigen Gehältern. s Nun ist es für den 58 er Verband charakteristisch, daß dieser für diese noble Firma die Stellen vermittelt. Ihm muß es bekannt sein, was dort für skandalöse Zustände herrschen. Grund zur Wahrung seiner Mitgliederinteresscn scheinen ihm solche Zustände jedoch nicht zu sein; denn er ist halt eine Harmonieorganisation. Im übrigen erzählt die Fama, die Jduna-Angestelllen würden so schlecht bezahlt, weil der Neubau in der Charlotten straße noch nicht vermietet sei. Wer weiß? Gleich Cohn nahm auch U ck o die anderen Verbände unter die kritische Lupe. Daß beider stritik am Platze war, bewiesen die lebhaften Beifallsäußerungen und die Zustimmung während und nach ihren Ausführungen. Alle Diskussionsredner unterstrichen das von den Referenten Gesagte. Eine Ausnahme davon machte ein Mitglied de? Leipziger Verbandes, der nicht glauben konnte, daß sein Verband in Leipzig bei Verhandlungen mit der Großfirma P o h l i s ch die Gehilfen- interessen schmählich verraten hat. In vorzüglicher Kampfesstimmung gingen die zahlreichen Besucher auseinander. parteiangeiegenheiten. Dritter Wahlkreis. Heute, Sonnlag, den 3. Februar, abends K'/z Uhr, findet im Luisenstadt-Kasino, Oranicnstr. 180, eine öffent- liche Versammlung mit einem Vortrag de» Genossen H. Farwig über .Ursprung und Wesen der Religion" statt. Nach dem Vortrag ge- mütliches Beisammensein und Tanz. Schmargendorf. Montag, den 9. Februar, abends 8 Uhr, im Lokal .Zuin Schützenhaus", Hundekehlestraße 20, Eingang Ruhlaer Straße: Leffentliche Versammlung.. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags- abgeordneten Fritz Zu be i l über:.Immer feste drauf". Freie Aus- spräche. Gcnosien, sorgt für Massenbesuch. Obcr-Schöncwcide. Montag, den 9. Februar, abends 8Vz Uhr. findet bei Rebe der 5. Vortragsabend des Genossen Eichhorn statt. Thema:.Ziel und Wege der Arbeiterbewegung.— Klassenkampf.— Kompfinittel.— Ausblick." Eintritt 10 Pf. Arbeitslose frei. Köpenick. Die Zahlabende sind wie folgt festgesetzt: Für die Altstadt bei Augustin, für die Kietzvorstadt bei Zeidler, für die Köllniiche Vorstadt bei Stippekohl. Der Zahlabcnd der Damm- Vorstadt fällt aus, dafür findet am Somilag, den 15. d. Mts., vormittags>/z10 Uhr bei Jungklaus eine Versammlung sämtlicher Genossen und Genossinnen statt. NownwcS. Mittwoch, den 11. Februar, abends pünktlich 3'/z Uhr im Lokal.Deutsche Fcstsäle", Wilbelmsiroße 41/43: Versammlung des WahIvereinS. Tagesordnung: 1. Vortrag über Feuerbestattung mit Erklärung am Modell. Vortragender ist der Zahnarzt, Genosse Freund, Neukölln. 2. Geschäftliches. 3. Bericht von der Kreis- geueralversammlung. 4. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Serliner Nachrichten. Seelenfang. Ein Handwerksbursche schreibt uns: In den meisten Herbergen zur Heimat in Deutschland ist folgendes Plakat zu lesen:„Israeliten werden freundlich eingeladen, unser Heim in.... zu besuchen, wo sie freund- liche Ausnahnre, Rat und Hilfe finden". Nichts von Arbeit, nichts von Gegenleistung ist auf dem Plakat zu lesen. Oft schon' habe ich meine jüdischen Tippel- briider um dieses glänzende Angebot beneidet. Nun aber ist mein Neid geschwunden. Verschiedene, die schon der Ein- . Februar: Zal)ldbend ladung Folge geleistet haben, erzählen nur übereinstimmend: Es gibt in niehrcrcn Städten Deutschlands protestantische Missionen, die sich bemühen, Juden zu Proseliten zu machen. Jungen mittellosen Menschen wird eine schöne Existenz und das elvige Heil und sonst noch viel Gutes versprochen, wenn sie die Missionsarbcit über sich ergehen lassen wollen. Hunderte �armer abgehetzter Handwerksburschen gehen jährlich zu den Seelenfängern, um endlich ihren Kopf ruhig hin- legen zu können und satt zu essen zu bekommen. Man muß ja auch arbeiten. Geschenkt wird einem nichts, aber nian ist wenigstens geborgen. Wer einmal die Mission aufgesucht hat, kann sich ihr so leicht nicht mehr ent- winden. Er wird solange wie ein Gefangener bewacht, bis es unzweifelhaft ist, daß der ganze intellektuelle Mensch in ihm auf Kosten religiöser Wort- und Gefühlsüverschwcnglich- leiten getötet ist. Auf den Plakaten ist nicht angegeben, warum es sich handelt und von wem die Sache ausgeht. So werden auch viele strenggläubige Juden angelockt. Gerade die sind besonders gern gesehen. Meist sind es junge Menschen, die aus den östlichen Gegenden(Galizien, Russisch- Polen) kommen. Sie erscheinen den Seclenrcttern als ge- eignetes Material, weil sie, abgesehen von ihrem engen Gesichtskreis, nicht unintelligent und geistig regsam sind. In ihren sittlichen Anschauungen stehen sie den religiösen Eiferern christlicher Couleur sehr nahe. Dafür haben sie ein weiches Gemüt und sind darum nicht schwer zu bc- handeln. Die Absicht der christlichen Wohltäter geht dahin, aus den Missionszöglingen selbst Missionäre zu machen und diese dann möglichst in exotischen Ländern zu verwenden. Dazu scheinen ihnen die geistig regsamen und anpassungsfähigen Abkömm- lingc des Gettos gut genug. Im allgemeinen bekommen sie aber doch nur tvillensschwaches, charakterloses und unintelligentes Material zur Bearbeitung. Die anderen reißen trotz der Bewachung bald aus. Und durch die Polizei kann man sie nicht gut zurückholen lassen. Die vielen, die sich nicht frei machen können, werden nach wenigen Monaten ge- taust. Die Herren der Mission ivissen aber wohl, daß eine unter solchen Umständen vollzogene Taufe nicht viel bedeutet. Sie ist ein äußerer Anstrich, ein Firnis, der etwas vortäuscht. Sic fangen darum erst nach der Taufe an, den ganzen Menschen durchzukneten und mürbe zu machen. Dies geschieht dadurch, daß man ihm eine Existenz verschafft, die ihn vollständig abschneidet von dem, ivas wir Leben nennen und ihn zugleich in eine religiöse Atmosphäre stellt. So erzählt z. B. ein etwa Zstjähriger Mann namens G. L.: Er wurde als Kranken- Pfleger in eine Irrenanstalt gebracht. Er war aber nicht vom Krankenhause, sondern von einer Schwestcrnkongregation an- gestellt. Seine Vorgesetzte tvar eine Oberin. Die Arbeitszeit betrug 14— 16 Stunden. Dafür, daß man trotzdem nicht viel Zeit fand, geistig zu sich zu kommen, sorgten die Schwestern durch zahlreiche religiöse Uebungen. Zwei bis drei Jahre/ bei schwersten körperlichen Anstrengungen, abgeschnitten von der Welt, unter in religiöser Beziehung sehr heiligen, in anderer Beziehung mehr scheinheiligen Frauen; da muß auch der beweglichste Geist erlahmen. So wird man zu dem rechten Glauben geführt. Ob man die Notlage des anderen ausnützen darf, ihm eine Konfession aufzudrängen, das zu beurteilen bin ich in der religiösen Sittlichkeit nicht beschlagen genug. Aber ich glaube, es ist sehr bezeichnend für die Leute, die jetzt alles Mögliche anwenden, die alten Schäflein in der Kirche zu be- halten, auf welche Weise sie ihrer Kirche neues Blut zuführen. Landerholungsstellen für eben schulentlassene Berliner Bolksschulkinder. Der Verein für Volkshygiene Groß-Berlin bittet wiederum wohlwollende Männer und Frauen, ihm behilflich zu sein, daß auch in diesem Jahre solche Knaben und Mädchen, die am 1. April nach der Einsegung aus Berliner Volksschulen zur Entlassung kommen, aber ohne eigentliche Krankheit wegen ihrer körperlichen Schwäch- lichkeit nicht sofort in einen Beruf eintreten können, auf dem Lande und in den kleineren Provinzstädten unentgeltlich für wenigstens drei Monate untergebracht werden. Diese Kinder können, wie der Verein in seinem Aufruf weiter sagt, auch sehr wohl mit leichten Arbeiten wie Kindcrtvarten, Botengängen, Garten- und Hausarbeit beschäftigt werden, so daß eine gewisse Gegenleistung für die gewährte Hilfe eintritt. Der hauptsächlichste Gegenwert solle aber das Gefühl der Genugtuung bleiben, an dem LebenSglück dieser Kinder mitgewirkt zu haben. Das ist gewiß ein sehr schönes Ziel, das sich da der genannte Verein gesteckt hat. Es fragt sich nur, ob die Vereinsorganisation stark genug ist, um nachprüfen zu können, ob mit den nach außer- halb gesandten jungen Leuten auch keinerlei Mißbrauch getrieben wird. Selbst Arbeiten wie Kinderwarten, Botengänge und der- gleichen können so ausgedehnt werden und so anstrengend sein, daß der Nutzen für den Arbeitgeber größer ist als für daS in dieser Form beschäftigte schwächliche Kind. Eine ganz leichte Beschäfti- gung, die vernünftig auf mehrere Tagesstunden verteilt wird, hat selbstredend ihren Wert, da sie der erste Uebergang zur Berufsarbeit sein soll. Die Hilfe des Vereins wird natürlich das hier in Frage kommende Kindcrelend immer nur in sehr geringem Akaße lindern können. Schwächliche Kinder, die ohne Rücksicht auf ihren Körper- zustand sofort nach der Schulentlassung ins feindliche Leben hinaus müssen, zählt die Großstadt nach Tausenden. Die Schätzung der Höhe des Wchrbcitragcs für Berlin steht nach neueren Mitteilungen noch nicht fest; eine solche kann erst Ende April gegeben werden._ Eine Schutzmannsdemonstratio». Auch Schutzleute demonstrieren! Der Schauplatz der Demon- stration war der Schlesische Bahnhof. Etwa 200 dienstfreie Schutz- leute in Zivil hatten sich eingefunden, um einem durch Jagow nach Königsberg versetzten Kollegen Lebewohl zu sagen. Dieser gemäß- regelte Schutzmann Höhnow hat 13 Jahre lang in Berlin Dienst getan. Mißliebig hat der Diann sich gemacht, weil er eine Ver- einigung Berliner Schutzleute ins Leben rufen lvolltc. Und obwohl dieser Verein die Pflege patriotischer Gesinnung sich mit zum Ziel gesteckt hatte, verbot Jagow die Bereinsgründung. Die Beamten» disziplin gestatte einen solchen Verein nicht, obwohl den Polizei- oftizieren die Vereinigung nicht verwehrt ist. Aber was Offizieren erlaubt ist, ist den Schutzleuten noch lange nicht gestattet. in(froK'lMn. Jagow tat noch ein übriges; er maßregelte die Leute, die für die Bereinigung der Schutzleute wirkten. Neulich ist bereits der zum ersteu Borsitzenden bestiimute Schutzmann»ach Zabrzc ver- setzt worden, jetzt folgte Höhnow, der sich zum zweiten Vorsitzeirdcn hergegeben hatte. Auf dem Bahnhofe richtete Höhnoiv noch einige Abschiedswortc an seine Kollegen. Wenn er sich auch bei seinem Bestreben, für seine Kollegen die Kastanien aus dem Feuer zu holen, die Finger verbrannt habe, so hoffe er doch, daß in absehbarer Zeit auch die Schutzleute ihre Bereinigung hätten. Dafür dankte ihm ein anderer im Namen seiner Kollegen. Die Ansprachen wurden in keiner Weise gestört und so rollte der Zug aus der.Halle, begleitet von den Hochrufen der denwnstrierenden Berliner Schutzleute. Ver- Haftungen von Demonstranten sind nicht vorgekommen. Die Begleitung der Wachtparade. Bisher war man an gewissen Stellen etwas stolz daraus, daß die Wachtparade von einer größeren Menschenmenge begleitet war. Man verbreitete die Meinung, daS„Voll" interessiere sich sehr für den militärischen Klimbim. Wir kannten dieses„Volk" und haben oft daraus hingewiesen, welcher Art dieses„Volk" ist, das auf Kom- mando„Hurrah!" brüllt und„Heil Dir im Sicgerkranz" anstimmt. Jetzt scheint dieses„Volk" doch auch oben recht unangenehm werden zu wollen, wie folgende aus polizeioffiziöser Quelle verbreiteten Mitteilungen besagen. Es heißt in einer solchen Auslassung: Zu einer wahren Plage für Passanten und Geschäftsleute arten mehr und mehr die Burschen aus, die neben der Musik- kapelle herlaufen, wenn mittags die Schloßwachc auszieht,«chon wiederholt sind darüber Klagen laut geworden, daß die Begleiter der Wache, wenn diese mit klingendem Spiel durch die Straßen zieht, Passanten, die sich nicht in einen Hausflur retten, einfach umrennen. Auch die Ansammlungen vor und nach dem Aufzug an den verschiedensten Plätzen, loobei die radaulustigcn Burschen großen Lärm machen und ruhige Bürger, die ihres Weges gehen, besonders aber Damen, anrempeln und freche, gemeine Worte nachrufen, sind schon oft gerügt worden. Ihre Radaulust und ihre Flegeleien lassen die Burschen jedoch erst recht aus, wenn sie nach dem Aufzug i» großen Trupps durch die Straßen ziehen. Besonders gefährlich ist eine Rotte, die sich immer nach dem Norden zu beivcgt. Gestern nachmittag trieb diese es wieder ein- nial besonders arg. Etwa 200 bis 300 Burschen im Alter von ungefähr 14 bis 20 Jahren, aber auch noch ältere Flegel, zogen, vom Oranienburger Tor kommend, laut lärmend uiib_ johlend durch die Oranienburger Straße. Eine besondere Gefahr bc- deuten sie hier für Geschäftsleute, die ihre Ware vor der Tür stehen haben. Sie stoßen diese einfach um und stecken, was ihnen zur Hand liegt, unbehindert ein. Tic Geschäftsinbaber können, obwohl sie auf solche Ausschreitungen vorbereitet sind, nichts tun. Sobald einer einen Unfug angerichtet hat, verschwindet er in der Menge. Gestern nachmittag rissen sie von dem Wild- und Ge» flügelgeschäft von Bartel in der Oranienburger Straße 51 zwei Fasanen von einer Stange an der Straße herunter und ver» schwanden damit. Zwei Häuser weiter, bei dem Kolonialwaren- Händler Discher Nr. 55, flog einer, von anderen gestoßen, in die Schaüsensterscheibe, so daß diese in Scherben ging und die Aus- lagen auf die Straße flogen. Ueber diese machten sie sich dann her und steckten ein, was nur zu erhaschen war. Als auf diese Untaten hin mehrere Schutzleute zwischen die Rotte gingen, stob diese nach allen Richtungen hin auseinander, so daß auch nicht einer der Uebeltäter festgenommen werden konnte. Der Äiob, wie er leibt und lebt! Das ist das„Volk", da? die Wachtparade begleitet. Aufgeklärte Arbeiter halten sich für zu schade und haben auch besseres zu tun, als Maulaffen feilhalten und neben der Militärkapelle einherzutraben. Der Etat der Stadt Berlin. Der Magistrat hat die Etatsberatungen gestern abgeschlossen. Mit erheblichen Streichungen von Positionen, welche von den Einzel- Verwaltungen verlangt wurden, schließt der Etat mit 403 Millionen ab. Der Magistrat schlägt auch in diesem Jahre wieder 100 Proz. Geineindesteuerzuschlag vor, entgegen den Vorschlägen der Magistrate in Charlottenburg, Schöneberg und selbst Wilmersdorf. Eine Verzweiflungstat. Auf schreckliche Weise suchte sich gestern vormittag der 35 Fahre alte Franz Barer aus Weißensee das Leben zu nehmen. B. ist stark nervenleidend. Gestern vormittag suchte er einen Spezialarzt in der Schönhauser Allee auf. Als er hier erfuhr, daß sein Zustand sich eher verschlimmert als gebessert habe, faßte der Bedauernswerte den Entschluß, sich das Leben � zu nehmen. Unten im Hausflur zog B. dann ein scharfes Messer aus der Tasche hervor und schnitt sich damit die Kehle teilweise durch. Blutüberströmt brach der Schwerverletzte zusammen. Er wurde zunächst zur Hilfswache in der Gaudhstraße und von dort nach denr VirchowkrankenhauS gebracht. Da die Blut- Verluste außerordentlich stark waren, so ist der Zustand d«S Lebens« müden sehr bedenklich.__ Fortdauer der Wasser sperre. Die Wassersperre im Hause Rheinsberger Str. 41 dauert fort. Die Berliner Wasserwerke mögen noch so viel Gründe für ihr Ver- halten beibringen, einen stichhaltigen Grund, Hunderten von Menschen das Wasser zu entziehen, gibt es nicht. Die Maßnahme ist geeignet, schweren Schaden anzurichten und einen Pestherd vorzubereiten, der für die gesamte Einwohnerschaft Berlins geradezu gefährlich ist und Epidemien direkt heraufbeschwört. Da werden Gesetze gemacht zur Abwendung der Einschleppung von Epidemien; hier werden, weil die Fäkalien nicht den geordneten Abweg finden können, Herde von Epidemien gezüchtet. Will die Stadt Berlin wirklich die Ver« antwortung für die Verseuchung Berlins übernehmen? Dem Berein für soziale innere Kolonisation in Deutschland sE. V.) hat der Magistral Berlin ein Darleben von 100 000 M. bewilligt. Der Verein verpflichtet sich dafür 200 Berliner Arbeitslose ein Jahr hindurch ständig zu beschäftigen. Das Darlehen erhält der Verein auf zwei Jahre unverzinslich und ist für die Stadt 12 Jahre un» kündbar. Es ist später mit 4 Proz. zu verzinsen und mit 1 Proz. zu amortisieren. Die ledigen Arbeiter sollen 2,60 M. Mindestlohn und die Verheirateten 3,35 M. erhalten. Außerdem wird den Arbeitslosen Gelegenheit gegeben, in Akkord täglich 3 M. und darüber zu verdienen. Beim Besteigen seines Wagens tödlich verunglückt ist der 54 Jahre alte Kutscher Gustav Moritz aus der Strclitzer Str. 31. Moritz, der für das Warenhaus Wcrtheim fuhr, hielt mit seinem Wagen in der Diedenhofener Straße, um abzuladen. Als er dann Wieder aufsteigen wollte, zogen die Pferde plötzlich an. Bei dem Ruck verlor der Mann im Auffteigen das Gleichgewicht, fiel rück- lings auf die Straße und schlug so heftig aus das Pflaster auf, daß er sich einen Schädelbruch zuzog und besinnungslos liegen blieb, Der Verunglückte starb bereits auf dem Wege nach der Hilfswachc in der Äeibclstraße. Auf der Brandstätte in der Mühlcnstratze ivar die Feuerwehr gestern(Sonnabend) vormittag noch in voller Tätigkeit. Um 8 Uhr waren zwei frische Löschzüge zur Ablösung angerückt, die die Auf- räumungsarbeiten fortsetzten. Das Feuer hat gewaltige Pappvor- räte der Märkischen Holzstoff- und Pappensabrik von Bredereiche zerstört, da die Firma in den Kellerräumen das Mnterlager unter- gebracht hatte. Der Schaden ist größtenteils durch Versicherung gedeckt. In den frühen Morgenstunden des gestrigen Tages kam in der P a I i s a d e n st r. 41 ein größerer Dachstuhlbrand zum Ausbruch. Der 7. Löschzug hatte mehrere Stunden mit den Löscharbeiten zu tun. Der Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teil vernichtet worden. Hygienische Vorträge. Die Zentral-Kommission der Krankenkassen Berlins und der Bororte veranstaltet auch in diesem/ tZahrc wiederum hygienische Vorträge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Vorträgen ist unentgeltlich. Am Montag, den 9. Februar spricht im Bürgersaal des Ber- liner Rathauses Herr Professor Dr. Rosin über das Thema:.Ader- Verkalkung und deren Verhütung". Am Donnerstag den 12. Februar sprechen in den nachbenann- ten Schulaulen über das Thema:„Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen". Herr Dr. M. Bab, Rigaeritr. 81/82. Herr Sanitätsrat Dr. A. Nathan, Waldenserstr. 2ö/26. Herr Dr. L. Lilien- thal, Eberswalderstr. 10. Herr Sanitätsrat Dr. Grosser, Skalitzer- strafte 55/56. Am Freitag, den 13. Februar sprechen in den nachbenannten Schulaulen über das Thema:„Gesundheitspflege von Nase und Ohr". Herr Dr. R. Lehmann, Tilsiterstr. 4/5. Herr Dr. I. Schwarz, Pankstr. 17. Herr Dr. P. Scharz, Pasteurstr. 5. Herr Dr. I. Loewenheim, Bergmannstrafte 28/29, am Marheineke-Platz. In Britz in der 2. Gemeindeschule, Bürgerstrafte, spricht am Montag, den 9. Februar Herr Dr. Keil über das Thema:„Fort- schritte und Erkennung in der Behandlung der Geschlcchtskrank- Helten." In Cbarlottenburg spricht am Mittwoch, den 11. Februar Herr Professor Dr. A. Pinkuft über das Thema:„Entstehung und Ver- hütung von Frauenkrankheiten".(Nur für Frauen.) Der Vortrag findet in der Schulaula in der Sophie-Charlo-tten-Str. 69/79 statt. In Köpenick in der Dorotheenschule, Freiheit, spricht am Dienstag, den 19. Februar Herr Dr. A. Bernstein über das Thema: „Ursachen und Verhütung der Schwindsucht". In Friedenau im Gymnasium am Mahbach-Platz spricht am Montag, den 9. Februar Herr Dr. Wollenberg über das Thema: . Infektionskrankheiten". In Lichtenberg spricht am Donnerstag, den 12. Februar Herr Dr. E. Adler in der Gemeindeschule, Kronprinzenstr. 19 über das Theina:„Geschlechtskrankheiten, ihre Entstehung, Verhütung und Bekämpfung". In Lichtenberg in der Neuen Schule, Marktstrafte, spricht am Dienstag, den 19. Februar Herr Dr. W. Brunck über das Thema: „Hals-, Nasen und Ohrenkrankheiten". In Mariendorf, im Gymnasium in der Kaiserstr. 17/21, spricht am Donnerstag, den 12. Februar Herr Dr. E. Berger über das Thema:„Blindheit und ihre Verhütung". In Neukölln, in der Albrecht-Dürer-Ober-Realschule. Emser- strafte 137, spricht am Freitag, den 13. Februar, Herr Dr. W. Pleft- ner über das Thema:„Nervenkrankheiten als Berufskrankheiten". In Pankow. 2. Gemeindeschule. Grunowstrafte, spricht am Donnerstag, den 12. Februar, Herr Dr. I. Margoniner über das Thema: Ursache und Verhütung von Frauenkrankheiten.(Dieser Vortrag ist nur für Frauen bestimmt.) In Reinickendorf-Ost, Gemeindeschule in der Lette-Allee 26/27, spridht am Mittwoch, den 11. Februar, Herr Dr. v. Rutkowski über „Nervenkrankheiten und ihre Verhütung". In Reinickendorf- West, Gemeindeschule Auguste- Viktoria- Allee 37. spricht am Donenrstag, den 12. Februar. Herr Dr. E. Lewin über„Die Fortschritte in der Erkennung und Behand- lung der Geschlechtskrankheiten". In Schöneberg. Gemeindeschule, Feurigstr. 61, spricht am Dienstag, den 19. Februar, Herr Dr. G. Seegall über„Aus dem Gebiet der Haut- und Geschlechtskrankheiten". In Steglitz, Gemeindeschule in der Plantagenstrafte, spricht Herr Dr. N. Brann über„Die chronischen Beinleiden und ihre soziale Bedeutung". In Tegel, Gemeindeschule in der Tresckowstrafte, spricht am Dienstag, den 19. Februar, Herr Dr. Federmann über„Magen- geschwüre". In Tempelhof, Gemeindeschule Friedrich-Wilhelm-Str. 11/13, spricht Herr Dr. Gurau über„Schutz und Pflege des Auges". In Weiftensee, Gemeindeschule Langhansstrafte, spricht am Freitag, den 13. Februar, Herr Dr. Jacobsohn über„Hygiene deS Auges"._ Eine gute Belohnung ist auf die Wiederherbeischaffung einer Mappe mit Aktenstücken ausgesetzt, die ein hiesiger Kanzleibeamter am vergangenen Freitag in einem Abteil 3. Klasse eines Stadt- bahnzuges von Charlottenburq nach Potsdam verloren hat. Die ausgesetzte Belohnung erhält derjenige, der die Mappe mit Inhalt zurückbringt oder über den Verbleib Mitteilung machen kann. Diese wird in Wilmersdorf, Augustastr. 25 v. l links in Empfang genommen. Ein Fahrradmarder wurde am Donnerstagabend auf der Strafte festgenommen, als er einem Straftenpassanten ein Rad zum Kauf anbot. Der Käufer bemerkte, daft das Firmenschild des Noch zieinlich neuen Rades fehlte und benachrichtigte einen Schutz- man», der den Verkäufer festnahm. Das Rad hat vorn einen roten Deckmantel, hinten einen grauen. Angeblich ist das Rad in Lichtenberg gestohlen._ Vorortnachrichten. Neukölln. Wenn ein Arzt zu seinem Geld kommen will. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert— und jeder will seinen Lohn haben. Das gilt selbstverständlich auch für den Arzt. Bet zahlungsfähig scheinenden Patienten dringt er gewöhnlich nicht auf sofortige Bezahlung, sondern geduldet sich bis zum Jahresschluft, wo er dann seine Rechnung einsendet und— weiter wartet. Von Minderbemittelten aber, zumal von solchen, der er nicht kennt, verlangt er in der Regel, daft ihm sogleich bar Geld auf den Tisch gelegt wird. Es gibt Leute, die sich immer noch nicht ab- gewöhnen können, den Arzt für etwas anderes als einen Gewerbe- treibenden zu halten. Sie wundern sich immer wieder über das Verfahren, das manchmal so ein Arzt anwendet, um sich vor Ver- lüften zu sichern und sofortige Bezahlung durchzusetzen. Wir glau- bcn, daft>vir den betreffenden Aerzten— und auch all denen, die mal als Patienten ihre Hilfe in Anspruch nehmen wollen— einen Dienst erweisen, wenn wir zur Verbreitung der Kenntnis solcher sich mehr und mehr einbürgernden Bräuche der Arztpraxis bei- tragen. Ungewöhnlich und gewift noch ganz neu ist ein Einfall, den vor einigen Tagen ein im Hause Ganghoferstr. 1 wohnender Arzt Dr. Heinemann hatte, als in seiner Sprechstunde eine Frau, die mit ihrem an Masern erkrankten Säugling in Begleitung der Groß- mutter zu ihm gekommen toar, das Honorar nicht sofort bezahlen konnte. Sie war, weil sie bei dem Kind eine schwerere Erkran- knna befürchtete, etwas eilig zu dem Arzt gefahren, ohne daran zu denken, ob sie auch genügend Geld eingesteckt hatte. Als nach Untersuchung des Kindes der Arzt auf Befragen das Honorar nannte, muftte die Fra» ihm sagen, sie habe nicht so viel bei sich. Aber er werde ja. fügte sie hinzu, die weitere Behandlung über- nehmen, da wolle sie beim nächstenmal zahlen. Der Arzt wehrte ab. weitere Rateinholung oder Hilfeleistung sei voraussichtlich nicht nötig, darum müsse sofort bezahlt werden. Dann werde sie ihm das Geld nachher bringen, antwortete die Frau. Was war da zu tun? Der Arzt sah sie zum erstenmal, aber auch die Großmutter schien er nicht zu kennen, obwohl sie ihm sagte, daft sie selber ja schon öfter bei ihm gewesen sei. Kurz entschlossen sah der Arzt die beste Lösung darin, daft die eine von beide» sofort das Geld holen, die andere aber so lange mit dem Kinde hierbleiben solle. Und so geschah es. Während die Mutter, um das Geld heranzu- schaffen, nach Hause fuhr, hatte die mit dem Kind zurückbleibende Großmutter auf ihre Rückkehr zu warten. Sie wurde aus dem Sprechzimmer nicht wieder in das Wartezimmer geschoben, sondern in einem besonderen Zimmer untergebracht, das neben diesem liegt. Wie wenn sie in A r r e st gesteckt worden sei oder als Pfand- stück einbehalten würde, habe sie das, sagt sie uns, empfun- den. Sie klagte nachher auch der Empfangsdame, daft so etwas doch nicht nötig gewesen sei; aber diese antwortete mit Achselzucken. Der Arzt hatte offenbar keine Ahnung davon, daft jemand sich durch ihn gekränkt fühlen könnte. Er konnte auch nicht nach- träglich darüber belehrt werden, weil beide Frauen nicht mehr mit ihm in Berübrung kamen. Sie zahlten das herbeigeholte Geld an die Empfangsdame und übertrugen die weitere Behandlung des Kindes einem anderen Arzt. Gewerbegerichtswahlen. Heute Sonntag, V o n 12 b i S 4 U h r, finden die Arbeitnehmerwahlen zum hiesigen Gewerbegericht statt. Wahlberechtigt dazu ist jeder über 25 Jahre alte, in Neukölln wohnende oder beschäf- tigte Arbeiter. Für am Ort wohnende Wähler werden auch heute noch auf dem zuständigen Polizeirevier in der Zeit von 3 b i s 2 Uhr die nötigen Legitimationen ausgestellt. Es ist damit auch demjenigen, der in der Woche zur Beschaffung einer solchen keine Zeit gehabt, die Möglichkeit gegeben, sich an der Wabl zu beteiligen. Auf folgende Fehler der amtlichen Bekanntmachung ist noch hinzu- weisen: Das Wahllokal für den 7. Wahlbezirk befindet sich nicht Knesebeckstr. 21, sondern Mariendorfer Weg 72/74, und im 4. Bezirk muh es statt Elsenstr. 42/48, E l s e n st r. 42/88 heißen. Auf zur Wahl, niemand darf fehlen! Die Arbeitgebervertreter werden am Montag, den 9. Februar, in der Zeit von 4 bis 7 Uhr gewählt. Es wird dringend ersucht, alles daran zu setzen, um jeden für uns in Betracht kom- Menden Wähler zur Wahl zu bewegen. Die Lokale, von denen aus am Montag die Wahlarbeiten erledigt werden, sind folgende: für das 1. Viertel: Restaurant Meitzel, Pannierstr. 59; für das 2. Viertel: Restaurant Schenk, Rosenstr. 24; für das 3. Viertel: Restaurant Schulz, Mariendorfer Weg 1/2; für das 4. Viertel: Restaurant Richter, Mahlower Str. 7,3. Wilmersdorf. 119 Prozent! Bekanntlich war eS vorwiegend Wilmersdorf, das in bewußtem Gegensatz zu anderen westlichen Vorort- gemeinden 199 Proz. Zuswlag zur StaalSeinkommensteuer erhob. Die maßgebende Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hinter« trieb bisher noch stets die Schaffung eines einheitlichen Steuer- zuschlageS für die Kommunen Grofe-BerlinS. Vor einem Jabre erst stellte der Magistrat die Finanzlage als so günstig hin, daft man mit dem niedrigen Satz gut loirlichaflen könne. Jetzl siehl man sich doch genötigt, namentlich in Anbetracht der längst beschlossenen, aber immer wieder hinausgeschobenen Neubauten(Rarhaus, Seepark, Krankenhaus, Krematorium usw.) die Erhöbung des Steuer- Zuschlages als unerläßlich zu betrachten, um„späierhin allzu große Steuerbelastungen �u vermeiden". Die Abkehr von der Kirchturmspolrtik. die durch eine geringe Steuerlast die zahlungsfähigen Einwohner aus anderen Gemeinden wegzulocken suchte, bringt Wilmersdorf dem einheitlichen Groft-Berlin näher. Außerdem bestehr durch die größeren Mittel die Möglichkeit, endlich in sozialpolitischer Beziehung mehr zu leisten als bisher. Daß Wilmersdorf in diesem Punkte noch recht viel zu tun hat, um selbst gegenüber den fortschrittlichen Nachbargemeinden nicht zu weit zurückzustehen, bedarf keiner näheren Begründung. Steglitz-Ariedena«. Die im März bevorstehenden Gemeindewahlen warfen schon auf die Gemeindevertretersitzung am Freitag ihre Schatten voraus. Gegen die Gemeindewählerliste war von acht Personen Einspruch erhoben worden mit dem Anspruch auf Auf- nähme in die Liste, außerdem von Zachow und Genossen auf U n- gültigkeitserklärung der Liste wegen ungesetzlicher Ab- grenzung der drei Abteilungen. Der Referent, Schöffe Fabarius, beantragte, sechs Einsprüchen stattzugeben und die Betreffenden nachträglich in die Wählerliste aufzunehmen; dagegen zwei abzu- weisen, weil der eine Antragsteller nicht in Steglitz toohne, der zweite keine Gemeindeabgaben bezahle. Den Antrag Zachow und Genossen beantragte er abzulehnen, weil die Antragsteller in ihrer Begründung von unrichtigen Voraussetzungen ausgingen. Genosse Aftmann rügte zunächst, daft diesmal den Gemeindevertretern die Anträge und Begründungen nicht zugestellt worden seien. Der Gemeindevorstand fordere jetzt eine Abstimmung für oder gegen seine Anträge, ohne daft die Gemeindevertreter in der Lage gewesen wären, selbst zu prüfen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Er fühle sich deshalb gezwungen, hauptsächlich auf den Antrag Zachow ausführlich einzugehen, damit die übrigen Genleindevertreter wenig- ktens wissen, worum es sich handelt. Zunächst verlas Redner die vem Einspruch beigegebene Begründung; alsdann suchte er an Hand von Zahlen aus der Wählerliste und unter Heranziehung des Ober- waltungsgerichtsentscheides in Sachen des bekannten Rixdorfer(Neu- köllner) Wahlrechtsraubes nachzuweisen, daft die Abgrenzung der drei Wählerklassen falsch und demzufolge die ganze Wählerliste un- gültig sei. Deshalb beantrage er, die Ungültigkeit der Wählerliste auszusprechen und den Gemeindevorstand aufzufordern, eine neue Liste aufzustellen, die den gesetzlichen Bestimmungen entspräche. Diesen Ausführungen wurde von zwei bürgerlichen Rednern und nochmals vom Referenten widersprochen, und dann die Gültig- keit der Liste gegen die sozialdemokratischen Stimmen b e- schlössen. Einen Antrag der Sozialdemokraten, die Wahlen der dritten Klasse an einem Sonntag stattfinden zu lassen, begründete Genosse Aftmann mit dem Hinweis darauf, daft der gleiche Antrag vor zwei Jahren von der Gemeindevertretung zwar zum Beschluft erhoben, aber vom Gemeindevorstand nicht aus- geführt worden sei; aus welchen Gründen, sei ihm nicht bekannt. Die glatte Abwickelung des Wahlgeschäftes bei einer Wählerzahl von fast 14 999 sei nur an einem Sonntag möglich, wo sich die Stiinmabgabe auf die ganze Wahlzeit gleichmäßiger verteile, wie die Sonntagsstichwahlen vor vier Jahren bewiesen hätten, während sich an Wochentagen naturgemäß fast alles auf die Abendstunden zusammendränge. Verschiedene Groft-Berliner Gemeinden seien schon init Sonntagswahlen vorangegangen und auch die hiesigen Gewerbegerichtswahlen fänden stets Sonntags statt, ohne daft irgendwelche Mißstände zutage getreten seien. Gegen diesen Antrag sprach Herr Westphal, der zwar noch bis zu den Neuwahlen aus der äuftersten bürgerlichen Linken sitzt, aber wobl schon zu der Ein- ficht gekommen ist, daft er seine Mietervereinsrolle in der dritten Klasse ausgespielt hat. Bei solch unsicheren Verhältnissen kann die Bekämpfung eines sozialdemokratischen Antrages vielleicht doch von Nutzen sein, falls in der zweiten Klasse Kandidatenmangel Herr- schen sollte. Der Antrag wurde jetzt von denselben Herren, die chn vor zwei Jahren annahmen, abgelehnt. Dafür stimmte außer den Sozialdemokraten nur der Demokrat Gädke. Ein Dachstuhlbrattd kam gestern nachmittag in der Schloftstr. 54» Ecke Kursürstenstrafte, zum Ausbruch. Als die Steglitzer Feuerwehr anrückte, stand der Dachstuhl des Eckhauses fast in ganzer AuSdeh- nung in Flammen. Außer der Ortswehr eilten auch noch die Feuer« wehren au» Lichterfelde und von der Neuen Photographischen Gesell« scbaft zur Hilfeleistung herbei. Der Löschangriff erfolgte mit sechs Schlauchleitungen, und zwar drangen die Rohrsührer über zwei mechanische Leilem und von den Treppen aus gegen das Feuer vor. Es dauerte aber über vier Stundeu, ehe die Lösch- unv Aus- räumungsalbciten beendet waren. Der Dachstuhl des Hauses ist fast vollständig zerstört worden. Die Ursache des Brandes ist nicht ermittelt. In einer gutbesuchten öffentliche» Versammlung refericrle Reichstagsabgeordneter Genosse Stückten unter großem Beisall über„Der Kampf um das Koalitionsrecht". In trefflicher Weise führte der Redner den Anweienden die Pläne der Schorfmacher und Junker vor Aligen; er zeigte, wie durch den Terrorismus der Unter- nehmer und Behörden schon jetzt den Arbeitern das Koalitionsrecht geschmälert werde. Die Arbeiterschaft habe deshalb nicht nur den Abwehrkampf zu führen, sondern sie müsse, nach dem Grundsatz, daß die beste Verteidigung der Hieb sei, zum Angriff übergeben und durch einen festeren Zusammenschluß erst ein uneingeschränkte« KoalittonS- recht erringen. Nach Annahme einer im Sinne des Referats ge- haltenen Resolution forderte der Leiter der Versammlung zum Bei- ritt in die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen auf. Schöneberg. Die Ausjchußwahlcn der Ardeitgeber für die Allgemeine OrtS« krankenkaffe finden am Montag, den 9. Februar, abends von 6V4 bis 9 Uhr. in der Turnhalle am Wartburgplatz, Apostel-Pauluö- Straße 19/ll, statt. Anhänger der Innungen und Scharfmacher aller Grade haben sich vereinigt, um den bisherigen Vorstand der Kasse zu beseitigen, der den Vertretern deS Geldsacks nicht mit der ge- bührenden Ehrfurcht begegnet haben toll. Aufgabe der Anhänger eines uneingeschränkten SelbstverwaltungSrechtS, das den Mitgliedern der Kasse sowie den Angestellten den ihnen gebührenden Schutz ge- währt, müssen es daher als ihre Ehrenpflicht betrachten, daß die Liste II bei der Wahl eine erhebliche Stimmenzahl auf sich ver- einigt. Die Wahl ist geheim. Als Legitimation dient für die Arbeit- geber bezw. Tienftherrichoflen die Ouiltung über die zuletzt ge« zahlten Beiträge; auch werden in der Kasse besondere Legitimationen verabiolgt. Zur Erleichterung des WahlgeschäfiS werden Stimm- zettel vor den Wahllokalen ausgegeben. Die Liste II beginnt mit dem Namen Bäumler. Bei der gestrigen Wahl zur Allgemeinen Ortskrankenkasse wurden insgesamt 4387 Stimmen abgegeben. Das Resultat kann erst in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Freie Elternvereinigung. Heute Sonntag, nachmittags Spiel- Partie. Treffpunkt 8/«2 Uhr an der Schloftbrauerei, Hauptstrafte. Eine Theatervorstellung, veranstaltet vom Verein für Kunst und Wiffenschaft, findet Freitag, den 13. Februar, abends 3>/z Uhr. in der Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstr. 121, statt. Zur Aus- führung kommt Erich Schlaikjers„DeS Pastors Rieke". Einlaß- karten a 69 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Temvelyof. Aus der Gemeindevertretersitzung. Auf Vorschlag deS Bürger- meisters W i e s n e r würden zur Prüfung der gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerliste eingelaufenen Einsprüche ein Ausschuft von drei Mitgliedern eingesetzt, demselben gehört auch unser Genosse Müller an. Die Kassenrevision für Januar ergab einen Bestand von 2 958 625,19 M. einschließlich der zinsbar angelegten Beträge. Die Neuwahl der Armenkom Mission zeitigte die Neu- resp. Wiederwahl von 19 Bürgerlichen. Unsere Parteigenossen wurden dabei nicht berücksichtigt. Auch der Vorschlag unserer Genossen. einige Frauen in diese Kommission zu wählen, wurde unter recht komisch wirkenden Ausflüchten zurückgewiesen. Motivierte doch der Bürgermeister seinen ablehnenden Standpunkt damit: es stände davon nichts im Ortsstatut, daft auch Frauen in die Arm-nkoni- Mission gewählt werden dürsten. Dem Herrn erwiderte Genosse Schmidt, daft diesem Mangel sehr schnell abgeholfen werden könne, indem man in Verbindung mit der Wahl eine dahingehende Aenderung des OrtsstatutS vornehme. Jetzt wurde mit einernrnal entgegnet, daft man doch nicht jahrelang in der Kommission tätige Mitglieder zugunsten einiger Frauen hinausbugsieren könne. In den Kommunalsteuerausschuft wurde auch Genosse Schmidt gewählt. Die Beratung der Befreiung von Beamten und Angestellten von der Krankenversicherungspflicht wurde einer hier- für eingesetzten Kommission überwiesen. Bei der Beratung der Neufestsetzung des Schulgeldes für die höheren Lehranst rlten teilte der Bürgermeister mit, daß die Genehmigung des Ministers für die Errichtung eine? OberlyzeumS eingelaufen ist. Während bisher beim Realgymnasium für die Vorschulklassen 199 M. t.nd für die Häuptklaffen 149 M., bei der Louife., Henriette- Schule dagegen für die Vorschulklassen 119 M., für die Hauptklassen 139 M. erhoben wurden, sollen vom 1. April d. I. ab bei beiden Anstalten für die Vorschulklassen 119 M. und für die Hauptklassen 149 M. zur Erhebung gelangen. Bei dem Oberlyzeum beträgt das Schulgeld 159 M. Die auswärtigen Schülerinnen des Lyzeums zahlen 39 M. mehr. Besuchen drei Kinder aus einer Familie eine der höheren Lehranstalten, so kann auf Antrag das dritte Kind von der Zahlung des Schulgeldes befreit werden.— Der öffentlichen folgte eine nicht- öffentliche Sitzung. Handlungsgehilfen, welche in Berlin beschäftigt und 25 Jahre alt sind, können Wahllegitimationen beim Kollegen Strack, Ringbahn« strafte 29, erhalten. Für alle aufgeklärten Handlungsgehilfen kann am 15. Februar bei der Wahl in Berlin nur die Liste 2 des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen in Betracht kommen. Lichtenberg. GewcrbegerichtSwahl I Heute Sonntag, von 19—3 Uhr, finden die Arbeitnehmerwahlen zum Gewerbegericht statt. Wer noch nicht im Besitz einer vorgeschriebenen Legitimation ist» kann dieselbe»och heute aus jedem Polizeirevier erhalten. Die in Berlin und anderen Vororten Wohnenden, aber in Lichten« berg Arbeitenden, haben ebenfalls die Pflicht, ihr Wahlrecht auSzu- üben. Berliner GewerkschastSkommiffion, Abt. Lichtenberg. Ober-Schöneweide« Berstorden ist in den letzten Tagen im Elisabeth- Hospital der am 21. Januar in der Gummifabrik deS Kabel- werks Oberspree schwer verunglückte 19jährige Arbeiter Oskar Bartsch. Zu diesem schweren Unfall wird uns auS Arbeiterkreisen berichtet: Dieser Unfall ist in erster Linie auf das gerade in der Gummifabrik zu einer schweren Gefahr ausartende Antreibersystem zurückzuführen. So werden speziell die jugendlichen Arbeiter zur Lohndrückerei verwandt. Die Arbeit, bei welcher der Verunglückte beschäftigt war. wurde bis dato von älteren Arbeitern für 29 Pf. pro Stück hergestellt, während sie jetzt von Jugendlichen für 12 Pf. angefertigt werden sollte. Als der Verunglückte mir den Preisen nicht zurechtkam, wurde ihm 3 Tage vor dem Unglück die Enllasiung angedroht, wenn er nichr mehr verrichte. Der ewigen PreiSdrückerci ist es denn auch in erster Linie zuzuschreiben, daft die Schutz- maßregeln nicht in genügender Weise beachtet werden können. Gerade die häufigen Unglücksfälle in der Hartgummiformerei, darunter in letzter Zeit drei schwere, sollten doch der Betriebsleitung oder der Direktion zu denken geben. Es muß fast wie ein Eingeständnis der Schuld anmuten, wenn Arbeitern verboten wird sich über den Unglücksfall zu unterhalten. Hoffentlich trägt dieser schwere Unglücks- fall, dem ein blühende« Menschenleben zum Opfer fiel, dazu bei, der Betriebsleitung zu zeigen, daß sie sich auf falschem Wege befindet. Z�riedrichsfelde. AuS der Gemeindevertretung. Zu Beginn der Sitzung wurde der neue Gemeindevertreter Dr. Settegast eingeführt, dessen Wahl ja wiederholt Gegenstand einer sehr bewegten Auseinandersetzung war. Wir weisen deshalb auf die an sich belanglose Tatsache hin» weil es der Bürgermeister für richtig hielt, dem Neugewählten den Dank dafür auszusprechen, dah er sich in den Dienst der Gemeinde stellen wolle. Diese Art der Einführung war durchaus am Platze, denn: alle Achtung vor soviel Mut, ein unter so frag- würdigen Umständen zustandegekommenes Mandat auszuüben. Wie alljährlich, wurden auch Heuer die Kanalisationsbeiträge vor der eigentlichen Etatsberatung festgesetzt, weil sie nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts nur erhoben werden dürfen, wenn sie vor Beginn des Rechnungsjahres die erforderliche Genehmigung erhalten haben. Ihre Höhe wurde wiederum auf 4 Proz. bemessen. In einer weiteren Vorlage wurde die Er- höhung des Baufonds für die höhere Schule ge- fordert. Bewilligt sind bereits für den Grunderwerb 67 000 M.; für ein Direktorwobnhaus 46 000 M. und zwei Bauraten von ins- gesamt 1 WZ.ion Mark. Dann wurde die Bausumme für das Direktorwohnhaus um 10 000 M. erhöht; später wurden 34 000 M. für Beschaffung von Lehrmitteln bewilligt und jetzt endlich, nach- dem der Bau soweit fertiggestellt ist» daß er zu Ostern in Be- Nutzung genommen werden soll, merkt man, daß in den Vor- anschlügen kein Architektenhonorar vorgesehen ist, also weitere 21 000 M. erforderlich sind. Die vorgesehene Dampfheizung wurde des sparsamen Betriebs wegen in eine Warmwasserheizung um- gewandelt. Kostenpunkt: 20 000 M. In den Voranschlägen waren ferner.ausreichende Summen für die Inneneinrichtung nicht vor- gesehen, in der Annahme"— bitte nicht zu lachen—„daß diese aus den bestehenden Schulen�— den Volksschulen!—»zum größten Teil entnommen werden könnten." Hier sind abermals 56 000 M. nötig. Alles in allem werden vorläufig noch 116 000 M. gebraucht. Mit einer solchen Summe der Gemeindevertretung zu kommen, erschien dem Gemeindevorstand denn doch zu riskant und man verlegte sich jetzt mit aller Inbrunst aufs Sparen. Es ist die Nachforderung denn auch auf„nur" 67 000 M. herabgequetscht worden. Jnteresiant wäre es ja, zu erfahren, wie es angefangen wurde, jetzt, nachdem der Bau soweit vollendet ist, 68 000 M. zu sparen. Von einer besonderen Sorgfalt bei Bearbeitung der Pro- jekte kann hier nicht geredet werden. Zur Speisung bedürftiger Einwohner waren im Haushaltplan 1000 M. eingestellt. Davon sind jedoch 264 M. für die erste Einrichtung ausgegeben worden. Täglich werden 53 Portionen zumeist an Kinder verabreicht und zwar seit dem 3. November. Ilm aber die Speisung bis Ende März fortsetzen zu können, sind noch 360 M. erforderlich. Diese wurden auch bewilligt. Die Neuwahl der Mitglieder der Schuldeputa- t i o n führte zu einer längeren Debatte. Nicht, daß man über die Frage geredet hätte, wie den Eltern der Schulkinder ein Einfluß auf die Volksschule verschafft werden könnte. Daran hat man nicht einmal gedacht! Es handelt sich vielmehr darum, auch der Lehrerschaft eine Vertretung zuzubilligen. Das Verlangen ist gewiß berechtigt, in weit höherem Maße sicher, als die Anwesenheit der Pfarrer. Aber auch das trat schließlich in den Hintergrund und die Szene zeigte wieder einmal den Dualismus in unserer Ge- meindeverwaltung. Es ist geradezu himmelschreiend, was sich da für Zustände herausgebildet haben. Und das schlimmste daran ist, daß sie schließlich zu den schwersten Schädigungen des ganzen Gemeinwesens führen müssen. Den Anlaß zu dem Skandal hat ein Mitglied der„Bürgcrmeistcrfraktion" gegeben. Ob absichtlich oder nicht, sei dahingestellt. Jedenfalls wurde durch das Da- zwischentreten eines Gemeindebcamten erst die ganze Sache auf das Niveau allergehässigsten Klatsches gezogen. Man sieht also, iinmer handelt es sich um einen bestimmten Personenkreis der Ge- nieindebeamtenschaft. Durch den Klatsch wurde dem Beigeordneten Caßebaum der kränkende Vorwurf niedriger Gesinnungsheuchelei gemacht. Natürlich suchte er seine Ehre zu wahren, fand aber nur widerwillig beim Bürgermeister Schutz. Deshalb suchte er selbst den Sachverhalt klarzustellen. Als er nun das Material der Ge- meindevertrctung vorlegen wollte, wurde er, iveil er es dem Bürgermeister nicht vorher unterbreitet hatte, in öffentlicher Sitzung in ganz unqualifizierbarer Weise angefahren. Mit Recht erwiderte der Angrrffene, daß er sich nicht als den jungen Mann des Bürgermeisters betrachte. Diese Lektion hat der auf seinen Titel so überaus stolze Bürgermeister überreichlich verdient und manch einer hätte sicher noch weit schärfere Worte gebraucht. Schließlich wurde in geheimer Sitzung die Aufnahme einer Anleihe für das Gaswerk in Höhe von 2 380 000 M. beschloffen, die mit 4 Proz. verzinst werden soll. Zernsdorf. Zu einer impokanten Trancrfeicr gestaltete sich das Leichen- begängniS des auf so tragische Weise umS Leben gekommenen SohneS des Genossen Rosenberg. Die Eltern des ertrunkenen Knaben glaubten auf eine Mitivirkung des Ortsgeistlichen verzichten zu müssen; diese Tatsache schien die Geistlichkeit als unerhört zu empfinden, weshalb sich dieselbe bemühte, namentlich die trauernde Mutter zu einem anderen Entschlüsse zu bewegen. Soll doch der Herr Pastor geäußert haben:„Sie werden Ihren Sohn doch nicht wie einen Hund begraben lassen?" Dem ertrunkenen Lebensretter bereitete die Bevölkerung des Ortes und der weiteren Umgebung ein Leichenbegängnis, wie es weihevoller nicht gedacht werden konnte. Der Arbeilergesangverein sowie ein anwesender Musikchor trugen ihr Teil zu dieser würdigen Feier bei. Und am Grabe gedachte in zu Herzen gehenden Worten Genoffe O b st- Schöneberg des jung Vev storbenen, der die rettende Tat mit seinem Leben bezahlen mußte- Daß es aber auch Menschen gibt, die selbst bei so ernsten Anlässen gegenüber ihren Mitmenschen Haß und Unduldsamkeit in der krassesten Form zum Ausdruck bringen, bewies jener Moment, in welchem Genosse Obst mit seiner Rede begann. Wie auf Kommando ver- ließen plötzlich sechs Personen die Trauerversammlung in der Ab- ficht, dieselbe zu stören. Ihr Beginnen war indessen vergeblich. Und die Anwesenden hatten, als der Redner geendet, nur eine Meinung über denselben, nämlich, daß er sich trotz de« Vorgefallenen frei hiel von irgendwelchen Angriffen auf Personen, wie man daS zuweilen an Gräbern aus berufenem Munde zu hören bekommt. Britz-Bnekow. Die Jugendbibliothek ist beim Genoffen Freudenreich, Hermann- straße 35(Laden) eröffnet. Beleibung dortselbst kann täglich bis 8 Uhr abends, Sonntags von 12—2 Uhr erfolgen. 260 der besten Jugendschriften stehen den Jntereffenten zur unentgeltlichen Ver- tügung. Die Bedingungen, unter denen die Verleihung erfolgt, sind dortselbst zu erfahren. Nowawe». Der geplante Bau einer Badeanstalt am Havelufer hat dem Orts- ausschutz für nationale Jugendpflege schon manchen Verdruß bereitet, blieben doch auch ihm trotz des begreiflichen Entgegenkommens seitens der Regierung die bei solchen Projekten üblichen lang- wierigen Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Behörden nicht erspart. Nach dem Bericht in der letzten Hauptversammlung hat der Polizeipräsident seine Erlaubnis zum Bau der Badeanstalt, um deren Errichtung sich die Gemeinde im vorigen Jahre ver- geblich bemüht hat, bereits am 24. Dezember v. I. erteilt, so daß niit dem Bau wahrscheinlich im Frühjahr begonnen werden kann. Einen Teil der Bausumnie haben der Ländrat und der Landes- direktor hergegeben, weitere Zuwendungen erhofft man von der Regierung und der Gemeinde. Daß letztere sich gegen Gewährung eines mitbestimmenden Einflusses hierzu bereitfinden wird, ist wohl kaum zu bezweifeln, handelt es sich doch um eine im Interesse der Volksgesundheit wichtige Einrichtung, die möglichste Förderung verdient. Bedauerlich bleibt es allerdings, daß die Regierung nicht alles versucht hat, um der Gemeinde als Vertreterin aller Schichten der Bevölkerung den Bau der Badeanstalt zu ermöglichen. Es ist dies wiederum eine offensichtliche Förderung der nationalen Jugendpflege und deren Bestrebungen, und zwar unter Miß- achtung nickst nur der den Kommunen obliegenden Aufgaben, son- dern auch der Interessen des anders denkenden Teils der OrtS- bevölkerung. Die Benutzung der Badeanstalt soll zwar jedermann gegen ein geringes Entgelt gewährt werden, doch hat es der Orts- ausschuß in der Hand, ihm nicht genehme Vereine oder Personen auszuschließen. Tpandau. Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen, welche noch im Besitz von Eintrittskarten ziz. den vom Bildungsausschuß veranstalteten' Theater- und Konzertaufführungen sind, werden dringend ersucht, dieselben bis zum Dienstag, den 10. Februar, bei dem Genoffen Äotschoreck, Frobenstr. 14/15, abzurechnen. Titzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Lübars-Waidmanuslust. Montag, den 9. Februar, abends 7'/, Uhr, im Gememdcburcau, Kurhausstraße. Tiefe Sitzungen smv öffentlich. Jeder Semeindeangehörige ist be, rrchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Iugcndveranftaltuuge». FriedrichShagen-Ertner. Der Kursus über„Geschichte deS neun« .ehnten Jahrhunderts' beginnt heute abend S Uhr im Jugendheim " icdrichshagen, Fricdrichstr. 60, 2. Hos Part. Schönebcrg. Sonntag, den 8. Februar, abends 6 Uhr, Bortrag über „Die Arbeiterjugend im WirtjchajtSleben.' Reserentin: Frau Mathilde Wurm- Berlin.________ Hilfstaisc der Graveure. Ziseleure und verw. Bernfsgenossen in Berlin tagt jeden zweiten Montag im Monat, abends von 8—10 Uhr, im Restaurant Lutseirnser 1. Allgemeine Familienstcrbekasse. Heute Zahl- und Ausnahmetag von 3—6 Ubr im Restaurant Ackcrstr. 122. Allgemeine Kranken» und Sterbekastc der Metallarbeiter. (B. a. G.) zu Hamburg. Filiale AdlerShos. Heut« Sountag, den 8. Februar, vorm 10 Uhr, bei Töpfer; Wahl deS Kassierers und der Revisoren.______ WitterungSübersichr vom 7. Februar 1914. »et Sri SZ öß s Slvinemde. 764!S Hamburg 76ÄSO Berlin 765!is Franks. a.Ms767Still München 770®®® Wie» i770O Oeön Dunst woltcnl heiter Dunst wölken! 1 Nebel t*« t»5> t* mS> ö s—« irand 0)758 etcrSburgffOl Sctllv 1749 Aberdeen 1749 Paris 1762 Bf W still S sSW SSO J 1 wollen! bedeckt bedeckt wölken! bedeckt -24 -5 8 3 4 Wetterprognose für Sonntag, den 8. Februar 1914. Trocken und vlelsach heller, zeitweise etwas nebelig, nachts gelwdcr Frost, am Tage mild bei mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbnr«««. WailerftandS-Nactzrichte« der LandeSanikalt für Gewässerkunde, milgcieül vom Berliner Wetterbureau st+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel.—•) Eis stand. *) Eiistopfung.—•) Grundeis.—•) Eisgang—*) Treibeis. © Unsere [®y®�i(®t®r®i®]®i®i®rgj beginnt Montag, den 9. Februar Diese nur einmal jährlich stattfindende Veranstaltung bringt in allen Abteilungen unseres Kaufhauses wältigte Mextg'exi weissei* Waren zu ganz anssergrewohnlioh billigren Preisen." Wäsdiestoffe Hemdentuch. e*. sicmbr. Mir 22,28,32 kt Louisianatuch. es. 82 cm br. mit 28, 38, 50 w. Renforce____ es.S2embr Mir. 35, 48, 60 PI. Madapolam..es.82cmbr.Htr 48, 60,70 PI Croisebarchentca.socmbr m». 35,55, 78 pi © Bettwäsdiesfoffe Fertige Bettwäsche Handtüdier Louisianatuch es. uoem br, mü. 75, 90 Ft. I00 Bettsatin.... es. 80em br. Mir. 55, 65. 75 Pr. Bettsatin....«s. im ea br. 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Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/6 Der Vorstand. Allen Verwandten und Be> kannten die traurige Nachricht, I das, mein lieber Mann, unser ] guter Bater, der Zigarrcnhändler TOdelin Lclwai�er Zorndorfcr Str. 15, jünch kurzer schwerer Krankheit im ] Atter von 44.fahren verstorben ist. Dies zeigen ticsbetrübt an Wws. Paüiine Schwarzer nebst Kindern. Sozialdemokratiseber Wahlverein |L öJ-SerLReiehstags-Wahlkrels. Bezirk 818. Am Freitag, den 6. Februar, oerstarb unser Genosse, der Handelsmann ZLrnst Müller (Soldiner Str. 17). Echre seinem Andenken! Die Einäscherung sindet am Montag, den L. Februar, nach- mittags 3 Uhr. im Krematorium, Gerichtstragc. statt. Um rege Beteiligung ersucht Vei- Vorstand. ZentfiVverhand der Lederarbeiter J Filiale Berlin I. Hierdurch den Kollegen zur Kennt, ns, dag Mser Mitglied, der Weiggarbcr Müller im Alter von 58 Jahren am g. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, den!). Februar, nach. mittag s 3 Uhr, im Krematorium, Gerichrstrafie, statt. Um zahlreiches Geleit ersucht 134/4 Der Vorstand. ....... I1.MPMINM.MN— Neukölln. Am 6. Februar verstarb unsere j Parteigenossin Mavie Marquardt «aalestr. 15, 12. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscherung sindet am Montag, den 9. Februar, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium zu Treptow statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Hierdurch die traurige Nachricht, das, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Grog- u. Schwieger- mutier, Schwester,«schwieger« tochter« Schwägerin und Tante Marie Marquardt 'geb. im Alter von 49 Jahren am Freitag, den 6. Fe- bruar 1914 nach schiverem Leiden um!)'/, Uhr srüh sonst cnt- schlafe» ist. 831b Die Einäscherung sindet Mon- tag, den 9. Februar 1914, nachm. 3 Uhr, im Krematorium Treptow- Baumschulenweg, Kiesholzstrasje. statt. Neukölln, Saalestr. 15, ben C. Februar 1914. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Kranzspenden dankend verbeten. Allen Freunden und Bekaunten die traurige Nachricht, oatz am 2. Februar meine inniggelicbte Frau, Mutter und Schwester Brieda Wussow im Alter von 19 Jahren an Herz- schlag gestorben ist 832b /iuguet Wussow. Familie Koppehl. Beerdigung morgen Montag, nachm. 4 Uhr, aus dem Bartholo- maus« Kirchhos in Weigensec, Fallcnbergstrafie. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel �dolk Kammer nach langem, schwerem Leiden im Alter von 42 Jahren vcr- starben ist. Dies zeigen ticsbetrübt an Witwe M. Kammer geb. Schmidt nebst Kindern. Die Beerdigung sindet Montag, den 9. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle in Stahnsdorf aus statt. HÜA Charlottenburg. Gruppe Ist. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Arbeiter �dolk Kammer Sickingenstr. 52, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Südwest- Fricdhojes in stahnsdors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 259/4 Der Vorstand. ]leri]andd.(;enieinde-D.Staatsarb. Filiale Ciroß-Berlln. Unfern Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege �dvlk Kammer welcher im Ebarlottenburger Gas- werk 11 beschäftigt war, im Alter von 39 Jahren gcstorbenr ist. Wir werden ihm cm ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am Montag, den 9. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Südwest- Kirchhojes in Stahnsdorf aus statt. 33/6 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin.» Den Kollegen zur Nachricht, dajz unser Mitglied, der Klempner pau! Gulke Müllerftr. 13, am 5. d. Mts. an Lungenleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. Februar, nach- mittags 12'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Zkazareth-Kirch- Hofes in Reinickcndors aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der«Schlosser Otto Seyffert Tegel, Schöneberger Straße, am 6. d. Mts. an Blutvergiftung. Die Beerdigmtg findet am Montag, den 9. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Tegeler Gemeinde- Friedhoscs aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Former Oskar Bester Neukölln, Herrn annstr. 126, am 7. d. Mts. an Lungcnleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. Februar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Gemeinde-Kirch- hoses in Neukölln, Mariendorjer Weg, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 112/19 Die Ortsverwaltung. Verband der Haler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Kuchenmöbel-Branche. Den Kollegen zur Nachricht, daß am 6. Februar der Kollege Bermatin Trimter gestorben ist. Die Beerdigung sindet am Dienstag, den 9. d. Mts., nach- mittags �z3 Uhr, von der Halle des Gemcinde-Friedhoss, Weißen- sce, auS statt. 136/8 Die OrtSvcrrvaltung. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 7. Februar, früh 1 Uhr sonst nach langem, schwerem Leiden meine innigst- geliebte Frau und gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tanic Ida Mwillat geb. Jeachien Rüdersdorser Straße 61 II im 53. Lebensjahre entschlafen ist. Dies zeigen ttcfbctrübt an Hermann Dwillat. Max Schnlz. Küthe Schulz gcb. Dwillat. Herta ütcimlz. Die Beerdigung findet Dicns- tag. den 19. Februar, nachmittags 3 Uhr, aus dein St. Georgen- Kirchhos. Landsberger Allee, von der Leichenhalle aus statt. 846b SoziaidemokratiscberWahfrerein Kreis Kiederhamini. Bezirk Tegel. Am Freitag, den 6. Februar, nachmittags I Uhr, verstarb im 23. Lebensjahre unser Genosse, der Schlosser Otto Seyikert. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet Montag, den 9. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Tegeler Fried- Hofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 14/2 Tic Bezirksleitung. Am 5. Februar verstarb unser Kollege, der Kassenbeamte . Fr. August Hüde Neukölln, Juliusstr. 70. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet heute, Sonntag, nachmittags 3>/, Uhr, im Krematorium zu Treptow statt. 8I0b Die Kollegen der /tilg. O.-K. der Stadt Berlin. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler 2Xtkreä kunk Neukölln, Weisestraße 35, im Alter von 22 Jähren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 9. Februar, nach- mittags VI, Uhr, vom Trauerbaus c aus aus dem neuen Jakobi- Kirchhos, Hermannsttaße, statt. 83/2 Die OrtSverwaltung. Verband d. Drauerel- u. Höhlen- arbeiter u. verw.ßerufsgenossen. OrtSverwaltung Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach- richt, daß der Kollege Aldsnt Kulow BrauerciKönigstadt, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Erlöser- Kirchhofes in Nummelsburg, Lück- stcaßc, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. f iermit die traurige Nachricht, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegcr- und Großmutter Ottilie Oestreick am 6. Februar, srüh 1 Uhr, sanst entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten tVilbolm Oestreich und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Thomas-Kirch- Hofes aus statt. frauen■ Sterbekasse von Mitgliedern der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer(V. a. G). OrtSverwaltung Berlin 11. Am Freitag, den 6. Februar, verstarb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied Frau �naa Knospe im 49. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. Febntar, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Zentral« Fricdhoscs in Friedrichsieide aus statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 257/6 Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Liebe, welche uns bei dcw Dahinscheiden unseres geliebten Sohnes v r a« r zu teil wurde, sagen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank. 12931 Albert Taume und Frau nebst Tochter. vaakaagang. Für die vielen Beweiie herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. Frau Anna Bost, _ Falckensteinstt. 28. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres geliebten Sohnes Dans Lefeber sagen wir dem Wahlvercin des vierten Kreises, dem Holzarbeitervcrbaud, den Kollegen der Firma Gast u.!tv., Alexandrincustr. 195— 106 sowie den Mietern des Hau ses Grünauer Str. 3 unseren herzlichsten Dank. Die tieltrauernden Eitern. Montag: Dienstag: JMittwocb: Donnerstag: freitag: Sonnabend: Sonntag: Knorr-Weibertreusuppe „ Rumfordsuppe Knorr-Eiersternchensuppe „ Tapiokasuppe Knorr-Geflügelsuppe „ Tomatensuppe Knorr-Pilzsuppe 48 Sorten Kn orr-Suppen 1 Würfel 3 Teller 10 Pfg. Mit wenigen Briketts ein behaglich durch- wärmtes Heim! |l Gardinen besonders billig kaufen Sie in unserem jinventur> Ausverkauf! Große Posten Gardinen aller Art Rcstbestände— 1 bis 4 Fenster Tüllgardicnen Tüll-Stores— Tüll-Künstler-Gardinen Allovenet-Fensterdekorationen Etamin- Garnituren— Halb- Stores —— Bettdecken— Scheiben-Gardinen——- Vertrieb von Erzeugnissen sächs. Gardinen- Fabriken Johann Pcllot Co* Kommaudit-Gesellschaft. Verkauf H�tellcn nur: C, Rosenthaler StraBe 2, am Ilosenthaler Tor S, Oranien-Strafia 37, nahe Öranien-Platz S, Kottüuser Damm 65,(Neukölln) nahe HermannpL X, Schönhauser Allee 83, I Ö, Gr. Frankfurter StraBe 5-6, Ecke Frucht-Straße O, Niederbarnim-StraBe 13, Ecke Boxhagenor Straße O. 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Der Minister spricht sein Wohlwollen für diesen Antrag aus. (Abg. Hue(Soz.) kritisiert die Unzulänglichkeit deS Gerichtswesens im Ruhrgebiet. Gerade die S t r e i k p r o z e s s e im Ruhrgebiet haben die Gefahr einer Ueberanstrengung der Richter deutlich erwiesen. Man hat dem Gerichtspersonal wahre P fe r d e ku r e n zugemutet; besonders in den anormalen Zeiten einer steißenden Arbeiterbewegung hat man ein Galoppverfahren eingeschlagen, und eine derartige Justiz- pflege mufe selbst erfahrenen Juristen die Haare zu Berge stehen lasten. Wir sind für diese Anträge. Beim Kapitel„Land- und Amtsgerichte" bringen zunächst einige Abgeordnete lokale Wünsche nach Errichtung von Gerichten usw. vor. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) bespricht den Fall der wegen Anstiftung zum Gattenmord ver- urteilten und im Zuchthause sitzenden Witwe Hamm aus Flandersbach. Man hat hier gestern den kapitalgewaltigen Krupp verteidigt, in dessen Interesse das Wölpsche Telegraphen- bureau die Presseberichterstatlung beeinflußt hat.(Vizepräsident Dr. v. Krause ermahnt den Redner, jetzt nicht die Rechtsprechung im allgemeinen zu kruisieren, da das zur Generaldebatte gehöre und ruft ihn zur Sache). Gestern hat der Justizminister mit einigen von keiner Sachkenntnis getrübten Worten die Korruption bei Krupp in Schutz genommen und auf der anderen Seite hat er die Rehabilitation der unschuldig verurteilten Witwe Hamm abgewiesen. Vizepräsident Dr. v. Krause sden Redner unterbrechend): Ich möchte Ihnen nicht gern das Wort abschneiden, aber Sie können beim Titel Amts- und Landgerichte den Fall Hamm nicht mehr allgemein besprechen. Das gehörte in die Generaldebatte. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Fall Hamm schreit geradezu nach Gerechtigkeit. Ich mache den Präsidenten darauf aufmerksam, daß ja auch früher bei diesem Titel Einzelfälle erörtert worden sind. Vizepräsident Dr. v. Krause: Ich werde als Präsident nach der Geschäftsordnung die Er- örterung dieses Falles nicht zulassen. Sie haben ja die Möglichkeit, ihn in der dritten Lesung des Justizetats bei der Ge- neraldebatte vorzubringen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Nein! Auf jeden Tag kommt es an. Ich appelliere an den Gerechtigkeitssinn des Hauses und bitte den Präsidenten, das Haus zu befragen. Vizepräsident Dr. v. Krause: Das ist zulässig, ich befrage das Haus. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Polen und Fort- schrittler beschlieht das Haus die Erörterung des Falles Hamm bei dem zur Debatte stehenden Titel nicht zuzulassen.(Lärm und , lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Aus die Frage deS Vizepräsidenten, wer die Pfuirufe auö- gestoßen habe, melden sich solidarisch die sozialdemo- kratischen Abgeordneten Adolf und Paul Hoff- mann, Hofer, Ströbel, Braun und H a e n i s ch. Sie werden insgesamt vom Vizepräsidenten zur Ordnung gerufen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) steigt mit dem AuSruf von der Tribüne: Sie haben sich zur Kruppkorruption bekannt I(Große Unruhe rechts, von sozial- demokratischer Seite lebhafte Erwiderung; die weiteren Worte Dr. Liebknechts bleiben in dem Lärm unverständlich.) Vizepräsident Dr. v. Krause: Mit dieser Bemerkung haben Sie gegen die Würde deS HauseS verstoßen, ich rufe Sie dafür zur Ordnungl(Beifall bei der Mehrhsit, große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Cassel(Vp.)(zur Gcschaftsordnungs: Ich hatte die Absicht, bei diesem Titel über die Ernennuxg von Assessoren zu Landrichtern im letzten Etatsjahr zu sprechen. Sollte auch das nach der Entscheidung des Hauses als eine all- gemeine Frage aus der Spezialdebatte ausscheiden, so mutz ich darüber aufgeklärt werden. Die frühere Praxis des HauseS aber gestattete die Behandlung einer solche» allgemeinen Frage bei diesem Titel.(Lebhaftes Bravo l links und bei den Sozial- demokraten.) Vizepräsident Dr. v. Krause: Im Hinblick auf die von dem Hause ausgesprochene Auffassung kann ich jetzt eine solche Erörterung nicht zulassen. (Zurufe der Sozialdemokraten: Landwirtschaftsetati) Abg. Cassel(Vp.): Ich behalte mir vor, die Praxis des HauseS in frühere» Jahren aus den Akten nachzuweisen und gelegentlich Geschäfts- ordnungsanträge zu stellen. Nach der Erklärung des Präsidenten muß ich aus daZ Wort verzichten.(Hört I hört! links.) Abg. Adolf Hoffmann(Soz.) (zur Geschäftsordnung): Den Ausführungen des Abg. Cassel schließe ich mich an. Würden Sie die Sitzung nur auf eine halbe Stunde vertagen, so würden wir Ihnen aus drei dicken Bänden den Beweis führen können, daß derartige Erörterungen von Einzelfällen in der Spezialdebatte nach der früheren Praxis zu- lässig gewesen sind. Dr. Liebknecht hat ja bereilS bei der Generaldebatte darauf hingewiesen, daß er den Fall Hamm in der Spezialdebatte erörtern will. Warum hat man ihn denn nicht rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß seine Absicht mit der Geschäftsordnung nicht vereinbar sein wird?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)� So wie Sie es jetzt machen, ist eS eine Bergewaltigung. (Unruhe recht». Glocke des Präsidenten.) Ihnen ist eS ja unbequem. daß an dieser Stelle der Fall der Frau Hamm behandelt werden soll, die unschuldig im Gefängnis fitzt.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Erinnern Sie sich doch an die Generaldebatte des Landwirtschaftsetats, da durfte der Abg. Dr. Hahn beim Titel Obst- und Gemüsebau über alles Mögliche sprechen. Wenn Sie sich nach außen hin noch mehr als zuvor kompromittieren wollen, dann tun Sie eS auf Ihre Verantwortung hin! Das ist Ihr Anstand! (Große Unruhe rechts.) Vizepräsident Dr. v. Krause: Ich bitte doch, Herr Abgeordneter, sich zu mäßigen. Dein Hause wie mir liegt eine Vergewaltigung des HauseS vollkommen fern. Ich habe lediglich die Pflicht als Präsident, die Geschäfts- ordnung und die Ordnung im Hause aufrecht zu erhalten(Zuruf deS Abg. Ad. H o f f m a n n: Sie haben ja die Unordnung hervorgerufen!— Heiterkeit links, Lärm rechts). Ich bitte Sie, eine derartige Kritik, die mit dem Ansehen des Hauses nicht ver- einbar ist, zu unterlassen. Abg. Braun(Soz.): Ich will über die Gehälter der Richter an den Land- und Amtsgerichten sprechen; wenn ich die Gehälter bewilligen soll, muß ich die Tätigkeit dieser Beamten prüfen können. In früheren Jahren ist bei diesem Titel sogar eine große Debatte über das Ausverkaufswesen geführt worden. Denn früher wurde die Geschäftsordnung anders als heute gehandbabt. Der Abg. Delbrück hat in der Generaldebatte über Klassenjustiz gesprochen...(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. v. Krause: Ich bitte Sie nochmals nachdrücklich, die Einteilung in eine all- gemeine und eine besondere Diskussion zu beachten. Bisher haben sich alle Redner streng an die zur Beratung stehende Materie ge- halten. Es geht doch nicht an, daß die Herren jetzt noch einmal die allgemeine Debatte hier eröffnen wollen. Abg. Brauu(Soz.): Es kann doch nicht ein jeder Redner bei diesem Titel neue Amtsgerichte und Richterstellen verlangen. Wir müssen doch bei der Bewilligung der Gehälter der Richter ihre Tätigkeit einer Kritik unterziehen dürfen.(Glocke deS Präsidenten. Zwischenruf von den Sozialdemokraten: Weiterreden!) Deswegen muß ich auf die Ausführungen des Abg. Delbrück über die Klassen- justiz...(Glocke des Präsidenten). Vizepräsident Dr. v. Krause: Ich wiederhole noch einmal, daß eS unzulässig ist, jetzt in der Spezialberatung nochmals zu der Klassenjustiz zu sprechen. Ich rufe Sie zur Sache. Abg. Braun(Soz.): Ich bin überzeugt, daß ich zur Sache spreche, wenn ich die Klassenjustiz unserer Richter behandle. Vizepräsident Dr. v. Krause: Die Klassenjustiz ist Sache der allgemeinen Besprechung. Wenn Sie wieder darauf zurückkommen wollen, mutz ich das Haus noch- malS befragen.— Der Vizepräsident teilt weiter mit, daß inzwischen ein Antrag des Abg. Dr. Liebknecht eingegangen ist. durch welchen der Minister ersucht wird, den Staatsanwalt anzuiveisen, die Witwe Hamm in Flandersbach aus der Haft zu entlassen. Abg. Adolf Hoffmauu(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Der Herr Vizepräsident befindet sich durchaus im Irrtum; denn mein Kollege H a e n i s ch hat gestern selbst bei einem einzelnen Titel ausführlich einen besonderen Fall zur Sprache gebracht. Ich könnte noch viele einzelne Fälle aus früherer Zeit anführen, durch welche die neue Praxis des Vizepräsidenten widerlegt wird. Mit dieser neuen Praxis fördert man auch nicht die Arbeiten dieses Hauses und man zwingt uns, in Zukunft alle Einzelfälle bei der Generaldebatte vorzubringen. Im vorigen Jahre ist von einer Generaldebatte über den Kultusetat ganz Ab- stand genommen worden, die Einzelfälle sollten bei den einzelnen Titeln behandelt werden. Heute geschieht das Gegenteil. Das ist eine Gewalttat.(Lebhafter Widerspruch rechts und in der Mitte.) Vizepräsident Dr. v. 5lrausc: Ihre Worte machen keinen Eindruck, denn Sie provozieren das Haus.(Zurufe der Sozialdemokraten: Man provoziert uns!) Beim vorjährigen KultuSewt hat eine allgemeine Besprechung nicht stattgefunden. Das damalige Borgehen spricht gerade für den Präsidenten. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Indem wir den Ewt beraten, üben wir das B u d g e t r e ch t aus und zwar dadurch, daß wir die einzelnen Gehälter und Po- silionen bewilligen oder ablehnen. Wenn wir die Gehälter be- willigen sollen, müssen wir selbstverständlich das Recht haben, über die Tätigkeit der Beamten, denen wir die Gebälter bewilligen, Rechenschaft zu verlangen. Deswegen muß eine Beratung der ein- zelnen Positionen erfolgen. Beim Titel Ministergehalt stand die gesamte Justiz zur Debatte, weil der Minister die Verantwortung für die gesamte Justiz trägt. Dementsprechend steht bei dem Titel Land- und Amtsgerichte die Tätigkeit der Land- und Amts- gerichte zur Debatte. Wir brauchen ja nur einfach den Antrag zu stellen, das Gehalt der Amtsrichter nicht zu bewilligen und dann muß uns Gelegenheit gegeben werden, unseren Antrag zu begründen. Gerade die Möglichkeit eines solchen Anttages beweist aber, daß der Standpunkt des Präsidenten gar nicht haltbar ist. Das Verhalten der Mehrheit deS Hauies ist unlogisch und eS widerspricht der Praxis, die bisher hier geübt wurde. Ich selber habe im Jahre 1St2 bei einem einzelnen Titel ausführlich den Fall Hermann behandelt und ebenso ist im Jahre 1911 bei demselben Titel, den wir jetzt beraten, der Essener Meineidsprozeß und der Moabiter Prozeß zur Sprache gekommen. Der Vizepräsident gibt also der Geschäftsordnung eine unzulässige Interpretation. Abg. Adolf Hoffmann(Soz.): Wenn wir bei dieser Gelegenheit lebhaft werden, so ist das kein Wunder, denn wir haben eben k e-i n Fischblut in den Adern; auch haben wir hier nicht die Macht. Hätten wir die Macht, dann würden wir einfach abstimmen. Die Ausführungen des Präsi- deuten sind unzutreffend. Wir haben unbedingt das Recht, in der Spezialberatung Einzelfälle zur Sprache zu bringen. So ist es auch früher gehandhabt worden. Ich gebe ja zu, daß es für die Mehrheit recht peinlich ist, jetzt den Präsidenten zu desavouie- ren. Aber wir wollen auf unser Recht nicht verzichten. Und ich weiß genau, daß Sie(nach rechts) dem Präsidenten innerlich nicht Recht geben. Abg. Cassel(Vp.): Der Ansicht des Präsidenten kann ich mich nicht anschlie- ße n. Sein Rückblick auf frühere Fälle ist unzutreftend. Auch früher haben wir nach der Generaldebatte bei den einzelnen Kapi- teln allgemeine Fragen behandelt. Wenn der Gegenstand innerhalb des Etattitels erwähnt ist, muß er auch jetzt zur Sprache gebracht werden. Vizepräsident Dr. v. Krause: Dann könnten wir ja bei jedem einzelnen Titel die ganze Generaldebatte erneuern. Das können Sie nichr für zulässig halten. Wenn es in früheren Fällen geschehen ist, darf man es nicht verallgemeinern. Ich richte daher an das Haus die Frage, ob es ein solches Verfahren für zulässig hält. Abg. Ströbel(Soz.: Die Befürchtung, daß wir bei einem einzelnen Titel die Gene- raldebatte wieder heraufbeschwören wollten, ist ganz ungerechtfertigt, denn wir heißen nicht alle Diederich Hahn.(Sehr gut! links.) Wenn der Präsident die Stenogramme durchliest, wird er finden, daß>vir uns durchaus beschränken und unsere Haltung mit der Praxis des Hauses übereinstimmt. Man ist jederzeit in der Spezialdebatte auf einzelne Fälle eingegangen, soweit sie in der Generaldebatte nicht eingehend besprochen werden konnten. Diese Auffassung entspricht dem logischen Sinne des ganzen Budgetrcchts. Ich erwarte, daß das Haus bei nochmaliger Abstimmung darauf Rücksicht nehmen wird, daß w i r es sind, die die Praxis des Hauses und sein Budgetrecht aufrechterhalten wollen. Vizepräsident Dr. v. Krause: Ich werde das Haus befragen, ob Abg. Braun jetzt über Klassenjustiz sprechen kann. Abg. Braun(Soz.): (der immer noch das Wort zur Geschäftsordnung hat) Ich will über die Rechtsprechung der Land- und Amtsgerichte reden. Vizepräsident Dr. v. Krause: Sie haben aber gesagt, daß Sie dies aus dem Gesichts» Punkt der Kla s s enj usti z tun wollen.. Bei der Abstimmung beschließt das Haus gegen dw Sojtal- demokraten, Polen und Fortschrittler, daß Abg. Braun eine solche allgemeine Besprechung jetzt nicht vornehmen könne. Abg. Braun verzichtet daraufhin auf weitere Ausführungen. Vizepräsident Dr. v. Krause: Damit ist also dieser Gegenstand erledigt. Hierauf begründet der Abg. Dr. Liebknecht beim Titel Staatsanwälte seinen Antrag, den Justizmii, ister zu ersuchen, die Staatsanwaltschaft Elberfeld zu heauflragen, die Witwe Hamm aus Flandersbach aus derHaft zu entlassen. Der Fall Hamm. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Minister sagte, der Fall gehe das Abgeordnetenhaus nichts an. Wenn wir über ein schwebendes oder, wie gestern, nicht ein- geleitetes Verfahren sprechen— ist es ein„Eingriff", wenn wir über ein rechtskräftig entschiedenes sprechen, sagt man uns. wir seien kein Gerichtshof! Ja. wozu denn überhaupt noch eine Beratung des Justizetats? Aus solchen Ausfluchten spricht eine Aengstlichkeit vor der öffentliche» Krttik, die gesunde Institutionen ersehnen und freudig entgegen- nehmen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Polizeikommissar Putzy. der von Anfang an mit der Sache befaßt war, während der Kommissar v. TreSkow erst später dazu kam, hat in Uebereinstimmung mit den Berliner Polizeibeamten Mäkel mann und Traub als klaren objel- tiven Tatbestand festgestellt, daß der Gastwirt Hamm von einem flüchtigen Dieb getötet worden ist und daß v. Treskows unheilvolle Mitwirkung eine Unschuldige auf lange Jahre ins Zuchthaus gebracht hat. Das Berliner chemische Polizeiuntersuchungsamt hat ebenfalls ein Gutachte» über die Blutspritzer usw. gegeben, das der Verurteilung jeden B o d c n e n t z i e h t. Die Witwe Hamm wurde nachts durch Schreckensschreie-'ihr«? Mannes aufgeweckt, fand ihn zum Fenster hinanshängend; er klagte ihr„sie haben mich gestochen!" Sie setzte ihn auf den Korridor. und der mit ihr verfeindete Onkel des Mannes, der dazukam, sagte ihr, daß sie den Mann ins Bett legen soll. Das Bett war vorher sauber— er verblutete darin und da brachte man eS fertig, trotz mancher verdächtigen Funde vor dem Fenster, wo man Sachen der geflüchteten Diebe fand, zu behaupte», daß der Mann in seinem Bett ermordet worden sei. Der Redner bespricht eingehend das sonstige Beweismaterial gegen Frau Hamm, das ganz unsicher ist und gegenüber den ent- lastenden Momenten nicht in Betracht kommen kann. Es sind aber auch wichtige neue Momente hervorgetreten. Man sagt, Hamms seien arm gewesen, wer hätte bei ihnen einbrechen sollen? Hamm hatte aber einen übel beleumundeten Menschen namens Haber- k o r n, der bei ihm tätig war, erzählt, er müsse 17(XX) M. aus- zahlen. In der Mordnacht schlief Haberkorn nicht in seinem son- stigen Schlafraume und hatte seine Sachen mitgenommen. Es besteht die große'Wahrscheinlichkeit, daß Haberkorn die Diebe eingelassen hat. Ein gewisser I m k a w p aber war bei einem Nachbarn tätig, fand sich wenige Tage nach der Tat im Zucht- h a u S Zelle ein— er war irgendwo aus einer Strafanstalt ans- gebrochen—, er benahm sich sehr merkwürdig, wusch blutige Wäsche und zog mit einem ebenfalls höchst verdächtigen Schlosser Ticl- Horn von dannen, dem die vor dem Fenster gefundenen Gegen- stände gehört haben dürften, der sie wieder seinem Meister Storck- mann entwendet hatte. Einige Zeit nach der Tat wurde bei einem Umzug Storck- manns im Gerumpel ein blutiges Hemd gefunden, das dem Tielhorn gehört haben muß, wie verschiedene Zeugen bc- künden. Auch Tielhorn ist ein übelbeleumundetes Individuum. Er sitzt jetzt im Gefängnis zu Herford, weil er mit anderen einen Bergmann beraubt, erstochen und über die Mauer geworfen hatte. Die Gefängnisverwaltung erklärt freilich, Jmkamp und Tielhorn sei die Tötung Hamms nicht zuzu- trauen. Und etwa der Witwe Hamm eher?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Vorleben JmkampS und TielhornS spricht ja durchaus dafür, daß sie, als sie einen guten Griff zu machen glaubten und erwischt wurden, zustachen, um sich zu befreien! Mit einem kleinen Taschenmesser ist die Tötung begangen, da die Schlagader getroffen wurde— und damit soll ein Mord ge- schehen sein! Das Gefängnispersonal, die Bürger von Flandersbach und selbst die damaligen Geschworenen halten jetzt die Witwe Hamm für unschuldig. Im Gefängnis lernt man die Menschen-besser kennen als auf der Anklagebank. Tie Geschworenen erklären, daß ihnen der disziplinarisch als un- würdig geschaßte Kommissar v. Treskow, der jetzt in Berlin eine lichtscheue Existenz führt, nachdem er sich ins Polizei- Präsidium eingeschlichen hatte— daß ihnen dieser unsualifizierie Mensch imponiert habe, als gewiegter Kriminalist erschienen sei! Die Rechtskraft darf doch nicht stärker sein als daS Bedürfnis nach Gexechtigkeit!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Justizminister Dr. Beseler: NamenS der Kgl. Staatsregierung lege ich Einspruch gegen den Antrag ein, der ein Eingriff in die nach der Verfassung dein König vorbehaltenc Exekution darstellt. Die Regierung könnte einem solchen Beschluß nicht nachkommen. Damit ist für mich die Sache für heute abgeta«. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister führt dann aus, daß„nur" 7 von den Geschworenen die Wiederaus- nähme verlangt haben, ohne jedoch selbst neue Tatsachen anzu- führen.— Ueber Schuld und Unschuld kann nur das Gericht entscheiden,(Beifalls Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Em Eingriff in die Rechte des Königs liegt nicht vor. da es sich nm eine vom M i n i ft e r verantwortete Tätigkeit des Königs handelt. Die Strafvollstreckung ist allein Sach> der Staatsanwaltschaft, die das gesetzliche Recht hat, wenn die Sach- läge ihr dazu angetan erscheint, die Strafvollstreckung zu untco brechen und eine Nachprüfung der Verurteilung zu veranlassen Sie ist verpflichtet, die Wiederausnahme zu beantragen, wenn ein Anlaß dazu vorliegt und pe ist ja die objektivste B e- Hörde der Welt— soll es sein! Und es kommt ja auch wohl vor, daß die Staatsanwaltschaft im Interesse des Verur- teilten eingreift. Der Minister hat im übrigen nur das bestätigt, was ich über die Geschworenen gesagt habe. Nur fünf von zwölf haben die Bitte um Nachprüfung nicht unterzeichnet— zum Schuld- fprnch gehören aber acht. Naturlich kennen die Geschworenen nicht die neuen Tatsachen, aber das Gutachten des Polizeikommissars Traub hat den Geschworenen bewiesen, daß sie sich zu Unrecht von Treskow beeinflussen ließen. Ich habe so sachlich gesprochen und mich von jedem Angriff so fern gehalten, daß ich die ab- weisende Art des JDiinisterS nicht verdient habe, die auch die Sache nicht verdient.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.— Abge- ordneter Ad. Hoffmann: Es handelt sich ja nur um eine arme Frau!) Der Minister hat in dieser Sache mit einer Strömung zu rechnen, die weite Kreise der Bevölkerung mit sich gezogen hat. Niemand von uns will dem Gericht die alleinige Kompetenz be- streiten, über Schuld oder Unschuld zu entscheiden. Aber die Justiz ist auch eine Angelegenheit des ganzen Volkes und es ist für die Oeffentlichkeit nicht gleichgültig, ob jemand uu- schuldig im Zuchthaus sitzt. In der Weltgeschichte haben Justizmorde fchon große Volksbewegungen hervorgerufen. Man nrühtg im der Gerechtigkeit verzweifeln, wenn man Leute, die aus dem Bewußtsein ihrer Unschuld heraus aus dem Zuchthause heraus wollen, verspotten oder sich ihnen gegen- über auf Kompetcnzbedenken zurückziehen wollte!! /Sehr gut! links). Deshalb ist es mein dringender Wunsch, das Herz des Ministers zu rühren. Wir pflegen sonst unsere Kämpfe in anderer Weise zu führen, das wissen Sie! Aber bei dieser An- gelegenheit darf man einen anderen Ton anschlagen, als sonst im politischen Kampf. Es handelt sich hier um eine Angelegen- heit der Partei aller anständigen Menschen, und allen sollte klar sein, daß die Verurteilte nicht einen Tag, nicht eine Stunde, nicht eine Minute im Zuchthaus sitzen darf, wenn die Besorgnis vorhanden ist, daß fie unschuldig sitze. Das müßte uns allen, auch den Herren auf den Regierungsbänken in die Seele hinein brennen, das dürften wir nicht einen Tag länger ertragen!(Sehr wahr!) Lassen wir hier alle politischen Erörte- rungen weg, Herr Minister! Ich bitte Sie dringend, vergessen Sie in diesem Falle, daß ich Sozialdemokrat bin, denken Sie nur daran, daß ich ein Mensch bin!(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Ehlers(Vp.): Bei der größten Sympathie für den Gegenstand des Antrages Liebknechts, müssen wir aus prinzipiellen Bedenken gegen diesen Antrag stimmen, denn er ist ein Eingriff in die Justiz- Verwaltung. Abg. Grundmann(kons.) lehnt den Antrag ebenfalls ab, da daS Parlament keinen Einfluß auf die Justiz ausüben dürfe. Wenn Kriminalkommissare die Stellungnahme von Treskows abfällig beurteilt haben, so liegt das vielleicht an Eifersüchtelei. Iustizminister Dr. Beseler: Die Schlußworte Dr. Liebknechts zwingen mich zu einer kurzen Bemerkung. Er stellte es gewissermaßen so dar, als ob ich ein Herz van Stein und kein menschliches Mitleid damit hätte, ob jemand unschuldig im Zuchthaus säße oder nicht. Er hat das nicht direkt gesagt, aber das lag darin. Was weiß Dr. Liebknecht von meinem Herzen und meinem menschlichen Empfinden? Glaubt er, daß ich es nicht ebenso bedauern würde wie er, wenn die Frau unschuldig im Zuchthaus säße?! Menschliches Empfinden ist mir vielleicht in höherem Maße eigen, wie dem Abgeordneten Dr. Lieb- knecht: was sollen solche Redewendungen? Wenn ich gesagt habe, daß nur das Gericht zu entscheiden hat— was soll das sonst heißen, als, daß, wenn die Schuldfrage zweifelhaft ist, das Gericht wieder zu prüfen hat, was ja durch den Antrag der Verteidigung ermöglicht ist. Ich weiß ebensowerng wie Dr. Liebknecht, ob die Frau unschuldig ist. Wollte ich sagen, wie das Gericht darüber ent» scheiden müsse, so würde ich der Justiz vorgreifen. Ich bin mir aber klar darüber, daß ich an menschlichem Gefühl hinter dem Ab- geordneten Dr. Liebknecht nicht zurückstehe.(Beifall.) Der Präsident teilt mit, daß Abgeordneter Dr. Liebknecht seinen Antrag zurück- gezogen und folgenden Antrag eingebracht hat:„Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Staatsregierung zu er- suchen, die Staatsanwaltschaft in Elberfeld anzuweisen, eine weitere schleunige Prüfung des Falles Hamm eintreten zu lassen. Abg. Jtschert619bi«3000 1 Wohnsalons: M. 291,334, 469, 550bla1800 Herrenzimmer; M. 209, 358,485, 626 bis 2600| Neuzeltl.KOohon; M. 51,58, 75,129,166,248 Ständiges Lager von ca. 50U Einrieb tnngea Enorme Auswahl bis znm Auserlesensten. Illustrierter Katalog mit Relerensenliste gratis.— 10 Jahre tiarantie.— Franker Lieferung durch ganz Deutschland direkt ah Fabrikgebäude. MßeriG&iser s--- ty.m.b.Tzi'. Bis 150 km durch eigene Möbelautos. Einzelmöbel. __!3erün C. 33 iMexanderpfalZ' Jlfejtanderstrassc�Z Thealer und Vergnügungen nun DQD □□□ (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, 8. Februar, nachm. Z Uhr: Deutsches Opernhaus. 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Montag, abends 81/, Uhr: Unschuldig verurteilt! Schauspiel in 4 Akten von tz. Haas. l!ermsmS'?rsehts�L\ 1 N., Chausseestr.tlO. KarlRichter.* 1—— Heute» Monntag:? PanlMantheysp lustige Slii]ger[ Anfang 6'/, Uhr. J (Nachdem: Familien-Kränzchen.? ! Im weißen Saale von 5 Uhr ab jj SV Großer Ball."ME A Morgen Montag: Ü Hoffmanns Sänger. S Alhambra Wallner-Dheater-Straste 15. Großer Ball. Jeden Sonntag: Großes Orchester.' Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Für ben Inhalt der Jnterate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Srauerei Triedrichsham Täglich außer Sonnabends: Das stimmnnKSTolIsie Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. Heue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 10S/114. Heute Sonntag, den 8. Februar 1914. in sämtlichen, über 10 000 Personen fassenden Sälen: Bockbierfest In den bayerischen Alpen. Anfang 4 Uhr. SO bayrische Hadl. Entree 50 Pf. Im neuen Saale: Oroßer Ball. Torannelge! Dienstag, den 10. Februar 1014: Damenprämiierung. 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Dezember 1917, sind von den Versicherten, außer dem Wahworschlag des Vorstandes noch drei Wahlvorschläge beim Borstande eingereicht worden, ivelche als gültig anerkannt sind. Der Wahivorschlag des Vorstandes, beginnend mit dem Namen Emil Oeesla und endigend mit dem Namen Richard Boitze, erhielt die Bezeichnung Lifte I. Der zweite Wahlvorschlag, eingereicht durch Herrn Ernst Wilhelm, beginnend init dem Namen Ernst Wilhelm und endigend mit dem Namen Robert Schirrmacher, erhielt die Bezeichnung Liste II. Der dritte Wahlvorschlag, eingereicht durch Herrn Richard Pipenhagen, beginnend mit dem Namen Richard Pchenhagen und endigend mit dem Namen Otto Lrandtner, erhielt die vezeichmmg Lifte III. Der vierte Wahworschlag. eingereicht durch Herrn Karl Halm, beginnend mit dem Namen Franz Förster und endigend mit dem Name» Johann Doktor, erhielt die Bezeichnung Liste IV. Die Wahworschiäge können im Kassenlokal Oranienstr. 37, wochentags in der Zeit von 8 Uhr bis nachmittags 4 Uhr,»ingeichen werden. Die Wahlausweise sür die Mtglieder können wochentags von 4 bis 7 Uhr nach- miltags in Empfang genommen werden. Die Wahl findet statt am Montag, den 93. Februar 1014, von nachmittags 3 bis 9 Uhr im Gewerkschastshaus, Engelui-r 15. Der Stimmzettel hat die Bezeichnung des Wahworichlages zu enthalten, für den der Wähler stimmen will. Er mutz von weißer Farbe und einer Größe von 10 XL cm sein. Bon den Arbeitgebern ist außer dem Wahlvorschkag des Vorstandes kein weiterer Wahworschlag eingereicht. Die in dem Wahworschlag des Vorstandes an erster Stelle benannten zwanzig Arbeitgeber gelten nach 8 9 der Wahlordnung ohne Wahlaang aiS Vertreter der Arbeitgeber im Ausschuß der Kasse bis zum 31. Dezember 1917, die in der Liste weiter benannten vierzig Arbeitgeber als deren Stellvertreter sür die gleiche Zeit als gewählt. Die Gültigkeit der Wahl kaim innerhalb eines Monats nach der Be- lanntmachung des Wahlergebnisses bei dem Kassenvorstand oder dem Ver- sicherungsamt der Stadt Berlin angefochten werden. Der Vorstand. 268/12 Emil CoeSIe, Vorsitzender. Otto Stube, Schristsührer. Genossenschaft Berliner Bandagisten SO. 16, Köpenicker Str. 08 h («wischen Leander- und Neue Jakohstraße) Gegr.. am 1. Juli 1907_ 102/13* von organisierten ßandagisten-Gehilfen. Bruchbandagen, Leibbinden, Artikel zur Krankenpflege u. dergl. Lieferant der Krankenkassen Berlins u. Vororte, des Verbandes der Biausarat-Vereine und der Konsum-Genossenschaft Berlin o. ümg. Eigene Werkstatt. Fachgemäße Bedienung. Für Damen weibliche Bedienung. Berliner Landpacht-Genossenschaft Eingetragene Genoffenschast mit beschränkter Haftpflicht. Aktiva. Bilanz per 30. Juni 1013. Passiva. Bestand am 30. Juni 1912 Kautionen....... Debitoren...... 733,50 855,— 810,— 2398,60 Anteile der Genossen.. Reingewinn..... Wird verteilt: Reservefonds.. 563,— Aus neue Rechnung.,.. 815,50 Vorgetragm.. 1378.50 1020,— 1378,50 2398,60 Mitgliederbestand 95, eingetreten 39, ausgetreten 2, Hastsumme der Mitglieder 2040.— M. Da« GeschästSgnthaben der Genossen erhöhte stch um 440,— M., die Hastsumme derselbe» um 880,— M. 8446 Der Verwaltungssteile Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Dienstag, den 10. Februar 1914, abends 6 Uhr: SF Große Versammlung der Metalldrücker und Polierer Berlins und Umgegend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 13. Tagesordnung: Fortsetzung der am S. Februar vertagten Versammlung. Kollegen I In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir das Erscheinen jedes Einzelnen. : Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.: 112/9__ Die Ortsverwaltnng. /Deutscher Transportarbeiter-Verband. Eugelufer 14-15. Bezirk Groß-Berlin. Tel.: Mpl. 2382 u. 4747. Mitglikder d. Deutschen Trauspurturbeiter-Nerbandes aus sämtl. Srauerejen u. Niederlageu Derlius u. Umgegend! Dienstag, den 10. Februar 1914, abends 7'/- llhr: Mitglieder-Versammlung im Gewerkschastshause, Engelufer 13, Saal 1. Tagesordnung: 1- Die Transportarbeiter im Kampfe mit den wirtschaftlichen und Politischen Mächten. Reserent: Reichstagsabgeordneter Ferd. Bender. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Branchenleitung. 4. BerbandZangelegenhesten. Kollegen, erscheint in Massen, kein Mann dars fehlen. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe keinen Zutritt. 62/6 Die Branchenleltnng. Verwaltung Berlin. Montag, den 9. Februar, abends SVj Uhr, im GeWerk» schaftshause, Engelufer IS, groher Saal: ä* Versammlung« aller im Holzarbeiterverband organisierten Mitglieder der Jnnungskrankenkasse der Tischler Berlins. Tagesordnung: I.DieJnnungskrankenkasseunterderReichsversicherungsordnung. 2. Aufstellung der Kandidatenliste für die Ausschußwahl. Montag, den 2. März» abends 8 Uhr: üußerordentDche General-Oerfammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, Saal 4. Mitgliedsbuch des Verbandes legitimiert 83/1 Die Ortsvcrwaltung. Zahlstelle Berlin. Bureau; Engelufer 14—15, pari.— Telephon; Amt MoriUplatz No. 8430. Montag, den 9. Februar, abends 8'/, Uhr, im Lokale „Englischer Hos", Alexanderstr. 27o: Oekkentl. Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag:.Warum ist die Arbeiterschaft schaftliche Kämpfe zu führen?* 2, Diskussion. 3. Unsere Lohnbewegung zum Frühjahr. 4. Verschiedenes. gezwungen, Reserent: Genosse I. Kluß. Wirt- Dienstag, den 19. Februar, abends S'h Uhr, im Jnnnngshanse, Fischerstr. 25: Wahl des Gesellenausfchufses und der Jnnungsschiedsgerichts-Beisitzer. ■Mg* Bescheinigung vom Arbeitgeber oder Krankenkassenbuch legitimiert. Montag, den 10. Februar, abends 8'/z Uhr, im Lokale „Englischer Hof", Alexanderstr. 27c: Große öffentl. Versammlung von alle« Mitgliederv der Schiihmacher-Innungs-Kraltkeltkasse. Tagesordnung: 1. Vortrag; �Die Hemmung des sozialen Fortschritts in der Krankenkaffe durch die Innung." Reserent: Kolltge H ama ch er. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gute Beteiligung an allen Veranstaltungen erwärmt 16912 Die Ort h vcrwal tun g. „___ Verstand. Paul Zwanzig. Wilhelm Seth. Verantwortlicher Redakteur:«lfted Wielepp. NeukSlln. fchr deö�nseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Gardinen Die uralte Siardinen- Spe stalfirma GardlnenS�aus Bernhard Sclvwartas (früher Wallfir. 29) jetzt Svindlerstzol fWallstr. 12) 1 Uli gegenüber dem ncBturu). iauäjgnfl mrunutaue ovehuhöi Lpiltelmarkl) War(iHelntoc Vcrlanfsllelle'WVA bietet der»undschafl zwar iwon an u. für Nch tn tcbet«eziehmig die denkb« größten Borteile. Dazu kommt aber noch, daß fast alle Ablellunaen ihres Immensen Lagers tAelegeNheitSware»i«»0% uttter PrciS eutdattea. NB. alt Firma ssterhll».«et auib ttm erofttt Statt tum Tedvi»'«.-»i« BreiSwürvi« iril»«rse>t-«v>fl»derraich.nd. �«rnfor.:.fienir.>«9» Dla.'7>.: iSarvinenbalie litnitiigs- Srenlleit- kessed.Zchllhmchcr- Imililg (Zwangs- Innung) zu Berlin. Bekanntmachung. Aus Grund der unterm 11. Januar 1914 ausgeschriebenen Wahlaufforde- ruiig find von den Arheitgcbern sowie von den Berficherten je zwei Wahlvorschläge eingereicht worden, welche der Vorstand als gültig an- erkannt hat. Der erste Vorschlag von Seiten der Arbeitgeber, eingereicht durch die Herren P. Dierbach, Peschcl, beginnend mit dem Namen !v. Brerbach, endigend mit dem Ramer H. Oettker, erhielt die Be« zeichnung Idste I Der zweite Wahlvorschlag, ringe- reicht durch die Herren I. Ege und A. Schulz, beginnend mit dem Namen a. Ege, endigend mit dem Namen « Powileit, erhielt die Bczeich- nung Liste II. Von Seiten der Berficherten ist der erste Wahlvorschlag eingereicht vom Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands durch die Herren C. Dally, P. Hamacher, beginnend mit dem Namen A. Bher, endigend mit dem Namen W. Kohlhammer, erhielt die Bezeichnung Oiste I. Der zweite Wahlvorschlag, ringe- reicht durch die Herren H. Beyer und Fr. Busch, beginnend mit dem3!amen H. Beyer, endigend mit dem Namen I. Schypulla, erhielt die Bezeich nung Oiste II. Die Wahworschiäge können täglich im Kassenlokal, Friedrichsgracht 17, in der Zeit von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 1 Uhr eingesehen werden. Etwaige Einsbrüche find beim Vorstand schriftlich einzureichen. Die Wahl findet, wie bereits be- kannl gemacht, am Montag, den 93. Februar d. Js.. im Jnnungs. haus, Fischerstraße 25, statt. Nur die Wahlftunde mußte eine neue Feit- setzung«rsahren und zwar sür die Arbeitgeber von S Uhr nachmittags bis 0 Uhr abends. Für die Ber- sicherten von 5 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends. Der Stimmzettel braucht nur die Auffchrist des Wortes„Lifte" und eine der oben genannten Nummern zu tragen. Derselbe mutz von weißer Farbe sein und eine Größe von 12X9 Zentimeter haben._ Der Briesumschlag, in welchen der Stimm- zettel zu legen ist, wird jedem Wähler im Wahllolal überreicht. Berlin, den 8. Februar 1914. Der Verstand. Jakob Ege. Vorsitzender. 1268/13 Reiuhold Schenk, Schriftführer. Krauken- und Sterkekaffe d. f. OrtsvereinS der Maler, Stukkateure und Bildhauer a. G. zu Charlottenburg. Montag, den 9. März l9l4. abends 8 Uhr, im Restaurant stSernicke. BiSmardstr. 38: Genend-Ve�snunlung. Tagesordnung: Protokollverlejung, Jahresbericht und Verschiedenes. Ter Borstand. 282/13 Wilh. Seeger,.Vorsitzender. i BeHHorl. Einladung zur lllmdvöW'M-VemWlW zum Mittwoch. 18. Februar 1014. abends 8 Uhr, im»Landhause« Kaiser-Allee, Ecke Berliner Straße. Tagesordnung: 1. Wahl de« Ausschutzvorsitzenden und dessen Stellvertreter sowie eines 1. und 2. Schristsührers. 2. Wabl eines RechnungS. Aus schusses zur Prüfung der Jahres rechnung 1913. 268/11 3. Wahl einer Kommission zur Beratung des Voranschlages jär das Jahr 1914. 4. Beschlußfassung über die im Jahre 1914 zu belegende Betlcnzabl im Genesungsheim Groß.Bcsten und Bewilligung der Milte! hierzu. Berliu-WllmerSdori, 7. Februar 1914. Der Verstand. I.V.: cngelhaelst, Wleeer, 56, Sterbekasse No. Berlin. Ordenfl. General-Versammlung Freitag, den 13. Februar 1914, abends 8V2 Uhr, im alten Saal« der Berliner Bock- Brauerei, Abt. II, Chausscepr. 64. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Wahl der ausscheidenden Vor- standSmitglieder. 3. Wabl der Revisoren. 4. Wabl der Ersatzpersonen. 5. Satzungsberichtigungen. 6. Anträge und Verschiedenes. 282/14 Der Verstand. Der Eintritt ist«m: gegen Borzeige« deS Kaffe«d«ches ge- stattet. Uölttlfabrik Hoffnung. Eingetragene Genossenschaft mit be- beschränkter Haftpflicht. Berlin. Krautstrasse 69. Am 99. Februar, vorm. 9 Uhr, in uns. Geschäslsräumen Krautftr. 52: Gcllcrsl-Ver5smmlll!ig. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und des AuffichtSrateS. 2. Beschlußfassung überBilanzverlust» deckung. 3. Neuwahl des Vorstandes und Aussichtsrates. 102/17 Der Borstaud. Möbelfabrik Beroiina Eiugeiragcne Gcnossenlchast mit be» schräntter Montag, den 93. Februar, abends 5 Uhr, im Geschästslokal: Geoeral- Versammluug Tagesordnung: 1. Bilanz. 2. Wahl des Vorstandes und des Allssichtsrates. 3. Geschäftliches. 112/18 Die Bilanz liegt Im Geschästswkal zur Einsicht aus. Der Verstand. H. Krebs. Karl Müller. Möbelfabrik.Zukunft' Eingetragene Genossenichaft mit beschränkter Haftpflicht. General-Versammlung Montag, den 23. Februar 1914, nachmittag; ö1/, Uhr, im Geschästslokal, Frankfurter Allee 130. Tagesordnung: 1. Bilanz. 2. GejchästSbericht. 3. Neuwahl des Borstandes und AussichtsrateS. 4. Verschiedenes. Der Borstand. Ernst Andreas. Theodor Losie. Ean BieMey ■IHIIWIWillMllllllllll Msnssh wird man wieder durch eine Kur mit Reichel'S Wacholder-Exttakt Marke Medico. 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Dienstag: Der Kauimann von Venedig. Mittwoch: König Heinrich IV.(Ans. 7 Uhr.) Donnerstag: König Lear._ Freitag: König Heinrich IV. Sonnabend: Ein Sommernachistraum. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: Der Kaufmann von Venedig.(Ansang 7'/. Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Der Snob. Montag: Mein Freund Teddy. Dienstag: Der Snob Mittwoch: Erdgeist. Donnerstag: Der Snob. Freitag: Bürger Schippe!. Sonnabend: Wetterleuchten. Sonntag: Der Snob. Montag: Wetterleuchten.(Ansang 8 Uhr.) Lefsing-Tbeater. Sonnwgnochmitlag 3 Ubr: Prosessor Bernhard!. Abends: Pygmalion. Montag: Simson. TstenStagnachnnttag 3 Uhr: Der Erbsörsler. Abends: Peer lAynt.(Anfang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Pygmalion. Donnerstag: Simson. Freitag; Peer Ghnt.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend: Liliom.(Ansang?'/, Uhr.( Sonntag und Montag: Liliom.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittaa 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: Wie einit im Mai.(Ansang 8 Uhr.) Theater in der Königgrävcr Straße. Sonntag: König Richard III. Montag: Hinter Mauern.(Ans. 8 Uhr.) Dienstag: Brand. Mittwoch: Die Kronbraut.(Ans. 8 Uhr.) Donnerstag: König Richard III. Freitag: Die sü»s Franksurter. Sonnabend: Die Kronbraut.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag: König Richard III. Monlag: Brand.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. SonntagnachmUtag 3 Uhr: Das Prinzip.'Abends: DaS Phantom. Montag: Der Bogen d«S Odhsscus. Dienstag: Das Phantom. Mttwochnachmittag 3 Uhr: PoterchenS Mond- sahrt. AbendS: Der Bogen des Odhsieus. Donnerstag; Das Phantom. Freitag: Der Bogen des Odysseus. Sonnabendnachmiliag it Uhr: Pclerchens Mondfahrt. Abends: Das Phantom. Sonntag: Der Bogen des OdsseuS. Montag; Schirin und Gertraude.(Ans. 8 Udr) Koniödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich: Kammermusik.(Ansang 3 Uhr.) Theater an der Weidcndammbrückc. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wer zuletzt lacht. Allabendlich: Wer zuletzt lacht. lAnfang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Di« lustigen Weiber von Windsor. Abends. Montag und Dienstag: Parfifal.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Mandragola. Donnerstag: Manon L-scaut. Freitag und Sonnabend: Parfisal.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Mandragola. Mon« tag: Die Königin von Saba.(Ansang 8 Uhr) Lustivtelliaus. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Hosgunst. Allabendlich: Die spanische Fliege.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens, sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der liebe Augustm. Allabendlich: Polenblut.(Ansang 8 Uhr.) Thalia< Theater. Allabendlich: Die Tangoprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Residenz, Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Allabendlich: Hoheit— der Franz(Ans. 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Anatolcs Hochzeit.(Ans. 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Paul und Paula. Lotichens Gebuiistag. Allabendlich: Jettchcn Geberl.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater«. Sonntagna: mittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Abends: Rosenmontag. Montag: Was ihr wollt. Dienstag: König Lear. Mittwoch: Moral. Donnerstag: McyerS. Freitag: Die beiden Leonoren. Sonnabend: WaS ihr wollt Sonntag: Die beiden Leonoren. Montag: Was ihr wollt.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theaicr Charlottenburg. SonntagnachmUtag 3 Uhr: Andreas Hoser. Abends: Die beiden Leonoren. Montag: Herodes und Marlamne. Dienstag und Mittwoch: Die beiden Leonoren. Donnerstag und Freitag: Herodes und Mariamne. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Zops und Schwert. Abends: Weh' dem. der lügt. Sonntag: Rosenmontag. Montag: Weh' dem, der lügt.(Ansang 8 Uhr.) stzriedrich-Wilhclmstiidtisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kinoiönigin. Allabendlich: Fräulein Trallala.(Ansang 8 Uhr.) Neues Bolksthcater.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr und abends 8 Uhr: Courteline. Ein Einakter. Montag und Dienstag: Der KaiseiiSger. Mittwoch: Courteline. Ein Einakter. Donners- tag: Der Kaiserjäger. Freitag: Courteline. Ein Einakter. Sonnabend: Der Kaiserjäger. Sonntag: Der Gras von CharolaiS. Montag: Der Kaiseriäger.(Ansang N/, Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Allabendlich: Tangosteber.(Ansang 81/, Uhr.) Montis Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fleder- maus. Allabendlich: Die verbotene Stadt. Sonnabend: Jung-England. (Ansang 7'/, Uhr.) Sonntag und Montag: Jung-England.(?lns. 8 Uhr.) Rose-Tbeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kinder der Großstadt. Abends und Montag: Othello. Dienstag: Kinder der Großstadt. Mitt- wach: Im weißen Rößl. Donnerstag: Berlin, wie eS weint und lacht. Freitag: Kinder der Großstadt. Sonnabend: Othello. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Die Maschinenbauer von Berlin.(Ansang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplai,. Sonntagnachmittag 3 Uhr» Die schöne Helena. Allabendlich: Prinzeß Greil.(Ansang 8 Uhr.) Lüiseu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Deines Bruders Weib. Allabendlich: Das erste Ehejahr.(Ansang 8'/. Uhr.) Kasina-Tbcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Geheimmsie»on New Jork. Allabendlich: Die olle Webern.(Ansang 3 Uhr.) Molies Caprice. Allabendlich: Cafe PringShcim. Der Heiratsgras. (Ansang 8'/, Uhr.) Apollo. Sonntagnachm. 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hact- stein, der Stolz der dritten Kompagnie.(Ans. 8 Uhr.) Mctropol. Sonnlagnachmittag 3 Uyr: Ein Blitzmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Anfang 7.SS UhrL Wintergarten. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich: Spe« zialitätcn.(Ansang 8 Uhr.). Reichshallcn-Tbcatcr. Sonntagnachmillag 3 Uhr sowie allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags T'/i Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich VI, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr und allabendlich 7'/, Uhr: Galavorstellung.■ Gebr. Herriiseld-Theater. Allabendlich: Was sagen Sie zu Leibusch?(Ansang 3 Uhr.). AdniiralSPalast. Eisballett: Die lustige Puppe.(Aiisang 8st, Uhr.) Berliner Eispalast. Kunstlauf-Vorsührung.(Ansang 9 Uhr.) Eines Palast am Zoo. Varieto-Lichtspiele. Täglich: S Uhr. Cincs Rollendorf-Theater. Varieto-Lichtspiele. Täglich: ö>/, und 9 Uhr. Urania-Theater. Sonntag und Montag: Winter in der Schweiz. Dienstag: Die Forschungsinstitute bei Potsdam. Mittwoch: Klima- schwankungen und Völkerwanderungen. Vom Donnerstag bis Sonntag Winter in der Schweiz.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Marktpreise von Berlin am S. Februar 1914, nach Ermittelungen d«S kgi. Polizeipräsidiums. Mais(mixcd), gute Sorte 18,90— 17,29, Donau 16,00—1(5,30. MaiS(runder), gute Sorte 14,80— 15,20. Richtstroh 6,00. Heu 6,60-8,00. Marlthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebobnen. weiße 35.00—60,00. Linsen 40.00— 80.00. Kartoffeln(Kleinbdi.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60-2,40. Rindsletich, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Bulter 240-3,00. 60 Stück Eier 4,80—7,20. 1 Kilogramm Karoten 1,20—2,60. Aale 1,60-3,20. Fander 1,20-3,20. Hechle 1,60—2,80. Barsche 0,80-2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0.80— 1.60. 60 Stück Kreble 4.00—21,00. Gehtchf für MzJfNsfstfM KoskümvMf »tecies Wort 10 Pfennig. P«f fettgedruckte Wort 20 Plg.(zuiaislg 2 fettgedruckte Worte). Sfellengesoclie und Schlpfstellen- Anzeigen B Pf 0.) das erste Wert ftewgedrucfcf) 10 Pfg. Worte mit mehr alt Ii Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN fllr die nSchtteNuryner werden In den Annahme- itellen für BerlU» bis 1 Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenttraue 09, bis 5 Uhr angenommen. Pfandleihhaus Hermannplatz ö. Spolkbilliger Bettenverfaus. Wüsche- verlauf. Gardinenverlaus. Teppich. verfaul. Goldwarenlager. Riesen» auswabl Hcrrengarderohe. Sonntags- verkaut cbenjalls_* Gardinen! Sievvdkckent Por, leren I Tischdecken! außergewöhnlich billigt Vorwörtsleier 5 Prozent Rabatt extra I Gardmenbaus Brünn. Hacke» scher Markt 4(Bahnhos Börse). Sonntags geöffnet.* BiVfNtirtge ettganteHerrrnanzüg« «nv Baielots aus seinsten Maßlioven 25—0« Mari, Hosen 6—18 Mari. 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