Ur. 40. fl bflimemcntj'Bf dingungen: WonncmenlS. Prciz Dränumctattbo; ki-rt-Ijährl. ö,30 STuf., monotl. 1,10 Mk, wöchentlich 23 Pjg. frei inS Haus. Einzelne Kummet 5 Pfg. Sonntags- nummer init illustrierter Sonntags- Seilage„Die Neue Well' 10 Psa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband liir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Die Tniertions-Gcbübr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum«0 Psg.. ff.j politische und gewerkschaftliche Lereins- und Bersammlungs-Ai�eigen HO Pfg. „Kleine Hnreigcn", das settgedrinlie Wort 20 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- «eigen das erste Wort 10 Psg., jedes tveilere Wort 5 Pjg. Worte über 13 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. erfcheiiit täglich. Vevlinev Volksblnkk. Telegramm- Adreffe: „SoziaMtnoknt Rtnii"« Zentralorgan der rozialdcmohratifchcn Partei DeutfcMands. Rcdahtion: SLl. 68, Lindcnstrasee 69. Fernsprecher: Amt Moriftplaft, Nr. 1388. Dienstag, den 10. Februar 1014. Expedition: 830. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplaft, Nr. 1384. Das Organisationswesen. Mir meisterhafter Beherrschung des Stosfes und unbe streitbarer Objektivität behandelt Dr. Franz Klein, Justiz minister a. D., in einem soeben im Berlage von Franz Bahlen (Berlin) erschienenen Buche„Das Organisationswesen der Gegenwart" dieses Thema. Das Buch gibt mehr, als der Titel verspncht, und es gibt das Gebotene in gefälliger, an- sprechender Form. Klein versteht es, die spröde Materie dem Leser in flüsfiger Sprache, fast im Erzählerton vertraut zu machen. Bis ins Altertum hinein spürt der Verfasser den Ansätzen und Motiven aller Art von Organisationen nach. Im Wandel der Organisationsbestrebungen spiegelt sich, oft sehr deutlich, die Veränderung der Produktionsverhältnisse und der sozialen Gestaltung der Gesellschaft. So wird das Buch von Klein ein Stück Kulturgeschichte. An dieser Stelle interessiert uns vornehmlich das Cr- ganisationslvcsen der Gegenwart in der Beleuchtung und Beurteilung des Verfassers. Mit wünschenswerter Deutlichkeit tritt dabei folgendes in den Vordergrund: Das Unternehmertum macht von dem Koalitioiisrecht den weitgehendsten Gebranch! Es uberschreitet dabei sehr oft die gesetzlich gezogenen und gewollten Schran- kcn: es übt Terrorisnins. vor allem.Koalitionszwang, und zwar nach verschiedenen Seiten. Es terrorisiert die eigenen Klassengenossen, die sich der Organisationsdiktatur nicht fügen wollen, und es übt Terrorismus gegen Arbeiter, uni diese von der Benutzung des gesetzlichen Koalitionsrechtes abzu- halten und ihnen willkürlich Arbeitsbedingungen aufzu- zwingen. Schließlich richtet sich der Zwang der Unternehmer- organisationcn auch noch gegen die Konsumenten. Syndikate, Kartelle usw. diktieren Preise, die weder in der Marktlage nocki in den Produktionskosten eine Rechtfertigung finden, vielmehr eine Bewucherung der Käufer darstellen. Ganz rich- tig sagt Klein von der Organisation der Unternehmer:„Sie bezweckt nicht oder doch nur nebenlfer, den Betrieb in Fabrik oder Werkstätte technisch zu verbessern, die Verwaltung oder die Geschästsmanipnlationen von ihr anhastenden Mängeln zu reinigen, in erster Linie ist die angriffsweise oder dcfeirsive Forderung subjektiver wirtschaftlicher Interessen durch Vcr- einigung von Einzelkräften zu einer unwiderstehlichen Macht beabsichtigt."(S. 89.) Trotzdem schätzt Dr..Klein den Wert der Organisationen sehr boch ein, ja er hält sie für unentbchr- lich...Gehorsam. Pflichterfüllung und Treue werden in den Organisationen wenigstens in bezug ans die Genossen und Vereinigungen gepflegt.... Das Gesagte klingt wie eine Apologie der Organisationcn, ist aber nur ein Teil des Bildes..."— S. 210/11—. Kein Gegner der Organisationen. ein Befürworter derselben hat das Wort. Um so gewichtiger sind die Anklagen, die er gegen den Terror der Unternehmerorganisationen erhebt. Kleins Obsektivität läßt deren Schäden und Uebergriffc, insbesondere in bezug auf die Versuche, das Koalitionsrccht der Arbeiter zu erdrosseln. um so schärfer hervortreten. Eine ganze Summe von Mitteln steht dem organisierten Unternehmertum bei der Durchsetzung seiner incist engherzig-egoistischen Ziele zur Verfügung. In dieser Beziehung ist der Arbeiter ganz außerordentlich im Nachteil. Er wäre es auch dann noch, wenn er ein wirklich freies.Koalitionsrccht besäße und dem Unternehmertum keine Vorrechte eingeräumt wurden, wenn z. B. die Unternehmer weder gegen Unternehmer noch gegen Arbeiter Koalitions- zwang ausüben könnten, was bekanntlich aber in der aus- gedehntesten Weise gdchieht. Trotzdem ruft das Scharfmacher- tum nach weiterer Beschneidung des Koalitionsrccht�' der Ar- bester. Wenn man dabei den Anschein zu erwecken versucht, als ob die getvercjcvastlicben Kämpfe von henke eine Ans- artung gegen früher darstellen, dann ist das blanker Schwin- dcl. An einer Stelle benierkt Klein,„daß es lange vor dem Beginn der kapitalistischeii Produktionsära Arbeiterausstände gegeben lwst die in Form und Verlauf den heutigen Arbeits- einstellungen wie ein Ei dem anderen gleichen, deren Motive auch für die damalige Zeit 10 ernst waren, wie heute die dem Lohnverhältnisse entnommenen..."(S. 137). So wichtig die Waffe des Streiks für die Arbeiter ist, so scharf die Waffe sein kann, das Unternehmertum steht ihr nicht wehrlos gegen- über, im Gegenteil, es befindet sich im allgemeinen im Ueber- gewicht, es kann seine Waffen viel ungenierter benutzen und es ist zudem bei der Anwendung rücksichtslos bis zur äußersten Grenze der Brutalität. Eine Hauptwasfe der Unteriiehmer ist die Aussperruiig:„Der Unternehmer hat es eben, das ist das Entscheideiide, zumeist in seiner Hand, niit seinen Forde- rungen und der Aussperrung in dem für ihn günstigen Augen- blick hervorzutreten, er kann berechnend und vorbedacht vor- Sehen..."(S. 141.) Die Schneide dieser Waffe kann sich falwr gegen die Re- «ierung richten. Kommt es doch vor, daß die Unternehmer gelegentlich die Etablissements schließen,„um dadurch in An- gelegenheitcu der Gesetzgebung oder Vertvaltung, die den frag- lichen Geschäftszweig berühren, der Regierung ihren Stand- Punkt aufzudrängen."(S. 141.) Terrorisinus schlimmster Art übt das Unternehmertum gegen Unternehmer, die sich den Organisationsbestimmungen nicht unterwerfen wollen, mit dem Mittel der Spcue.„Gegen die Mitglieder der eigenen Organisation kommt eine solche Sperre vor bei Aussperrung von Arbeitern..." Man terrorisiert Unternehmer, um sie zu terroristischem Vorgehen gegen Arveiter zu zwingen.„Es wird beispielsweise einzelnen Unternehmern oder allen Out- sidern durch Abmachungen mit Arbeitgeberorganisationen der Zuzug von Arbeitskräften abgeschnitten..."— S. 142/143 — Entziehung der Kundschaft, indem den Mitgliedern der Unternehmervereinigung untersagt wird, von Außenseitern zu beziehen oder von ihnen zu kanfen und die gleiche Wer- pflichtung wieder ihren eigenen Abnehmern auferlegen, ist ein weiteres, oft in boshaftester Weise angewandtes Zwangs- mittel der Unternehmer. Nicht minder wuchtig ist die Waffe der Verrusserklärung, von der die Unternehmer den aus- schweifendsten Gebranch machen.„Der Verruf bepneckt also Schädigung durch Abtreibung der Arbeitskräfte oder der Kundschaft."(S. 145.) Ter Zweck der von den Unternehmer- verbänden angeordneten Sperren ist n. a.,„die Mitglieder der Organisation oder darüber hinaus weitere Unternehmer- kreise davor zu bewahren, in ihrem Betriebe gewisse Personen oder Personengruppen zu beschäftigen... Und warum wird der Arbeiter verfemt, mit der Hungerpeitsche niiß- handelt? Etwa aus ethischen oder sogenannten nationalen Gründen? Nichts weniger als das! Holt man doch Aus- länder heran, um deutsche Arbeiter züchtigen zu können. Klein sagt über die Motive:„Meistens ist es aber eine vom Unternehmerstandpunkt nicht erwünschte Haltung in den Fragen des Arbeitsverhältnisses... agitatorische Tätigkeit, Auftreten in Versammlungen, Verhalten bei Wahlen(!), Zugehörigkeit zu einer bestimmten Arbeiter Partei oder Organisation, Weigerung, aus ihr auszutreten... Es taun ferner sein, daß Arbeiter von einem Unternehnier verbände bloß deshalb boykottiert werden, weil das Etablisse ment, in dem sie früher beschäftigt waren, höhere Löhne als die Verbandsfirmcn bezablen. In diesem Falle wird mittels des Boykotts ein Kampf zwistchen Unternehmern auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen. Aehuliches wurde schon bei den Aussperrungen erwähnt.... Die Statuten sprechen es zum Teil direkt ans, daß bestimmte Arten von Arbeit nehmern überhaupt für eine gewisse Zeit von der Benutzung der Nachweisstellen und der Einstellung im Betriebe der Ver- einsmitglieder auszuschließen sind."(S. 146/147.)— Das sind Ausschnitte ans der Fülle des Materials, das in spielen- der Weise Aufschluß gibt über den vielgestaltigen Terroris- inus, dessen sich das Unternehmertum nach den verschiedensten Richtungen schuldig macht, und zwar stets zur Befriedigung von Gelüsten, die dem Allgeincininteresse mindestens nicht dienlich sind. Zwar handelt es sich um Vorgänge, die jedem im poli- tischen und wirtschaftlichen Leben Stehenden nicht unbekannt sind, ibren besonderen Wert haben die Feststellungen und Ur- teile in der Person des Verfassers und in seiner anerkannten Sachkunde. Darum kann man auch den Männern der Re- gierung das Buch ihres früheren Kollegen dringend zur Bc- achtimg empfehlen. Das umsomehr, als bei uns die Regie- mngsvertreter anscheinend mit einer eigenartigen Augen- krankheit belastet sind. Sie sehen nur Schäden und Mißstände in der Ausnutzung des Koalitionsrcchts, soweit es sich um die Betättgung durch die Arbeiter handelt, blind sind sie in bezug auf den von Unternehmern ausgeübten Terrorismus und die von den Kapitalisten verfolgten Zlvecke. Gewiß, die Arbeiter haben ihre organisierte Macht gesteigert, aber sie mißbrauchen die Macht nicht, sicher nicht zu geineiiigefährlichen Zwecken, wie das mit vollem Recht von Ultternehmcrverbändcn gesagt werden kann. Zudem haben die Arbeiter mit ihrer Macht- erweiternng, wie ganz richtig Dr. Klein sagt,„zugleich die Wehrfähigkeit der Unternehmer mindestens in demselben Maße erhöht".(S. 275.) Das nicht nur: ohne den durch die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiter geförderten sozialen Ailfstieg der Arbeiterschaft, ohne die Steigerung der Konsum- kraft für eine breite Schicht des Volkes wäre auch der in- dustriclle Aufschwung, die kapitalistische Entwickelung nicht in dem erreichten, Staunen erregendem Maße möglich ge- Wesen. Bei der Beurteilung der Arbeiterorganisationen macht sich der Verfasser am wenigsten frei von den Anschauungen und Vorurteilen seiner Klasse. Das ist erklärlich, man kann es ihm gern nachsehen. Wird doch auch dadurch sein Urteil über die ungleichmäßige Macht und das ungleichmäßige Recht zwischen Arbeitern und Unternehmern nochmals stark unter- strichen. Ohne es direkt auszusprechen, plädiert der ehemalige österreichische Justizminister für eine Erweiterung des Koalitionsrechts der Arbeiter und für das Verbot verschiedener Ausschreitungen der Unternehmer. Die Leute, die allzu eifrig den Scharfmachern sich dienst- bar erweisen, werden sich mit den Darlegungen von Klein auseinandersetzen müssen. Sie müssen bei objektiver Würdi- gung der Arbeit des bekannten ehemaligen österreichischen �ustizmi nisters statt der Angriffe auf das Koalitionsrecht zu seiner Ausdehnung und Sicherung gelangen. Scharfmacher karöorss. Die Generaldebatte zum Etat des Ministeriums des Jauern, die am Montag im Abgeordnetenhause begann, beschränkte sich natur- gemäß nicht auf das Ressort des Herrn v. Dallwitz, dessen Ge- halt zur Diskussion stand, sondern sie erstreckte sich auf die ver- schiedensten innerpolitischen Fragen. Die Mehrheit des Dreiklassen- Parlaments widersetzt sich nicht nur jeder noch so bescheidenen Reform, sondern sie möchte am liebsten sogar die wenigen Freiheiten be- seittgen, deren baS preußische Volk fich heute noch erfreut, sie möchte den absolute» Polizeistaat wiederherstellen und sein Gebiet Über Preußen hinaus auf ganz Deutschland ausdehnen. Preußen in Deutschland voran! Dies geflilgelte Wort des Fürsten Bülow ist daS Leitmotiv der echiprcußischen Leute. Allerdings nicht voran, wenn es sich um kuliurelle Fortschritte handelt, wohl aber, wenn es die Schaffung mittelalterlicher kulturwidriger Zustände gilt. Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Aus« fiihrungen des freikoiiscrvativeu Abg. v. Kardorff, eines der schlimmsten Scharfmacher, dem selbst die preußische Regierung noch nicht schneidig genug im Kampfe gegen Sozialdemokraten, Polen und Däne» vorgeht. Seine Rede, die in dem Appell an die Re- gierung gipfelte, auf dem Posten zu sein, wenn das Volk etwa ver« suchen sollte, mit Hilfe des Massenstreiks sich da» Wahlrecht zu er- kämpfen, bildete ein Sammelsurium reaktionärer Forderungen, verknüpft mit unqualifizierbaren Angriffen auf den Reichstag, dem er vorwarf, den preußischen Staat verunglimpft zuhaben. Und warum? Weil die Mehrheit des Reichstages ihre Pflicht erfüllt und die gesetz- widrige Handhabung des ReichsvereiuSgesetzeZ durch die preußischen Behörden an den Pranger gestellt hat. Wie darf sich auch ein aus allgc- meinen Wahlen hervorgegangenes Parlament, in dem die Freunde des Herrn v. Kardorff nichts zu sagen haben, so etwas erlauben! Was bedeutet denn so ein auf Grund allgemeiner Wahlen gewählter ReichZbote gegenüber einem dreimal gesiebten preußischen Gesetzgeber? Nichts. Uud deshalb sollen nach Ansicht dcS Oberzensors v. Kardorff nicht nur die einzelnen Mitglieder des Reichstages hübsch ihren Mund halten, sondern auch der Reichstag als solcher soll seine Tätig» keit einstellen und vor allem der sozialen Gesetzgebung ein Ende be- reiten. Fühlt der Reichstag durchaus das Bedürfnis, neue Gesetze zu machen, dann möge er endlich das Wort deS Kaisers einlöse» und das Zuchthausgesetz, für dessen Zustandekommen sich seinerzeit Wilhelm II. ins Zeug gelegt hat. erlassen. Keine Wahlrcform, wohl aber neue Knebelgesetze! Das ist das Ideal, daS Herrn v. Kardorff und mit ihni der großen Majorität des Junkerparlaments vor Augen schwebt. Und wer es wagt, den Scharfmachern die Heeresfolge zu verweigern, der wird öffentlich der Unzuverlässigkeit geziehen und schonungslos an den Pranger gestellt, seien e§ selbst preußische Natioualliberale, die sich doch wahrhaftig nicht allzusehr von den Freikonservativen unterscheiden. Dieser dreisten Provokation des scharfmacherischen Junkers die gebührende Antwort zu erteilen, hielten die nachfolgenden Redner für überflüssig._ Anstatt die Rechte des Volkes wahrzunehmen. zeterte Herr Linz vom Zentrum über den Geburtenrückgang, dem nur durch Festigung einer religiös- sittlichen Welt- anschauuug entgcgeiigetreteu werden könne, und Herr P a chn i ck e von den Fortschrittlern sprach zwar etwa« über das freie VereiiiSrecht, das Koalitionsrecht und daS Wahlrecht, aber sein Auftreten war so zahm, wie man es selbst an diesem doch gewiß bescheidenen Vertreter freiheitlicher Forderungen bisher nicht ge» wohnt war. Der Nationalliberale Lohma»» vollends, der die Entdeckung machte, daß das Herrenhaus in seiner Zusammensetzung ein Spiegelbild des preußischen Volkes darstelle, wird wohl selbst keinen Anspruch darauf erheben, als Gegner zu gelten, dem die Scharfmacher irgend welche ernste Beachtung schenken. Zwischendurch gab auch Herr v. Dallwitz ein paar Töne von sich, einmal um den durch den Prozeß gegen unseren Genoffen Sollmann so stark kompromittierten Kölner Polizisten einen leichten Tadel auszusprechen, der ihnen kaum wehe tun dürfte, und zweiten» um das Vorgehe» JagowS gegen den Verein Berliner Schutzleute zu rechtfertigen. Nach einer mehrstündigen Anklagerede des Polen S e h d a, der eine interessante Schilderung der Machinationen der Hakatisten im Kampfe gegen die Polen gab, wurde die Debatte auf Dienstag vertagt. die Nachwahl in Berich ow. Mit besonderer Spannung wird dem Ausgang der Reichs» tags Wahl im Kreise Jcrichow 1 und II entgegengesehen. Muß doch hier die Sozialdemokratie zum ersten Male ein Mandat verteidigen, das sie bei den roten Januarwahlen von 1312 neu- erobert hatte. Bekanntlich hat die Reichstagsmehrheit das Mandat unseres Genossen Haupt aus ganz unzureichenden Gründen für ungültig erklärt, sodaß die Wähler am Dienstag, den 10. Februar, aufs neue an die Urne treten müssen. Der heiß umstrittene Kreis wird als 3. Magdeburger Kreis amtlich geführt. Er beginnt in unmittelbarer Nähe von Branden- bürg(Havel) erstreckt sich bis vor die Tore von Rathenow und Magdeburg. In überwiegendem Maße ländlichen Charakters, um- faßt er nur wenige Städte und unter ihnen auch nur eine, die über f0 000 Einwohner zählt. Es ist dies die Stadt der Schuh- fabrikation Burg, die mit 24(XX) Einwohnern stärkeren in» dustriellen Einschlag hat. Diese soziale Struktur macht es erklär- lich, daß der Wahlkreis zwar häufig die politische Farbe gewechselt, aber erst 1312 mit ganz knapper Mehrheit sich für Rot entschieden Iiiih Von 1871 bis 1879 sandte tt ein Mitglied der damaligen „liberalen Reichspartei" in den Reichstag und 1879 einen National- liberalen. Aber bereits 1881 wurde dieser durch einen Fort.- schrittler abgelöst, der 1881 als Tcutschfrcisinnigcr wiedergewählt wurde. Bei deu Kartcllwahlen von 1887 ging der Kreis erstmalig an die Konservativen uberz er wurde dann zwar 1890 noch eiumal von einem Freisinnigen gewonnen, 1898 aber auf lange Zeit für die Konservativen erobert, die in Herbert Bismarck einen„Heimat tandidatcn" proklamierten. Liegt doch das Bismärckische Schloß Schönhausen in diesem Wahlkreis. Nach Herbert Bismarcks Tode wurde im Jahre 1904 vorübergehend der Berliner Lehrer Merten als freisinniger Kandidat gewählt, jedoch bei den Blockwahlen 4907 durch den konservativen Gutsbesitzer v. Byern verdrängt. Bei den roten Januarwahlen von 1012 wurden aber beide bürgerliche Parteien durch die Sozialdemokratie weit überholt: Wir musterten 11992 Wähler im ersten Treffen, während die Junkerpartei mit 9870 und die Fortschrittler mit 8291 Stimmen zurückblieben. In der Nachwahl fiel dann das Mandat mit nur 7 Stimmen Mehrheit unscrm Genossen Haupt zu, der 19 288 Stimmen aufbrachte, während sein kon- scrvativer Gegenkandidat mit 15 256 in der Minderheit blieb. Ter Kreis Jerichow gehörte zu jenen Kreisen, die in das fort- schrittlich- sozialdemokratische Stich wahlab- kommen einbezogen waren. Im besten Falle haben sich 8200 fortschrittliche Wähler, der zentralen Parole folgend,„gegen rechts" entschieden, die übrigen 5000 aber sind restlos zu den Junkern ab- geschwenkt. Bezeichnend für die Situation im Kreise ist die Tat- fache, daß die fortschrittliche Wahlkrcisleitung sich 1912 beharrlich weigerte, die zentrale Stichwahlparole im Kreise bekannt zu geben. Auch jetzt hat der Wahlkampf damit begonnen, daß der Führer der Fortschrittler im Kreise Jerichow II in der ersten Wahl- Versammlung in Genthin die Parole ausgab: „Darüber werden wir wohl alle einig sein, daß die Haupt- fach« ist, die Sozialdemokraten unter den Tisch fallen zu lassen und«inen bürgerlichen Kandidaten zu ivählen. ganz gleich, ob es der konservative oder der liberale ist..." Die Konservativen haben aus Grund dieser Aeußerung den Fortschrittlern ein S t i ch w a h l b ü n d n i s angeboten, jedoch hat die offizielle Wahlkrcisleitung dann ausweichend geantwortet. Sic wollte es doch noch nicht ganz mit dem linksstehenden Bürger- tum verderben und sich für später nicht die Hände bürden. In Erinnerung an ihre langjährige Vorherrschaft im Kreise haben die Fortschrittler jetzt alles aufgeboten, was bei ihrer man- geluden Organisation möglich erschien, um den Wahlkreis für sie wiederzuholen. Ihr Kandidat, der 1912 in Magdeburg durchgc- fallcne Blockfleischermeister K o b c l t bat nicht nur die denkbar größten körperlichen Strapazen auf sich genommen, sondern auch in so erheblichem Maße politische Glicderverrcnkun- gen vornehmen müssen, daß er fast zu bedauern ist. Um die Agrarier nicht vor den Kopf zu stoßen, die ihn beständig nach seinem Zollprogramm fragen, erklärt er treuherzig, er denke nicht daran, die. Landwirtschaftszöllc zu beseitigen, da er die Landwirt- schaft nicht ruinieren wolle. Wohl aber sei er für den Abbau der— Jndustriezöllc und vielleicht auch noch der Futtcrmittelzöllc zu hoben. Auf Anfrage eines Gemüsebauern erklärte er sich auch bereit, für einen Gcmüsezoll einzutreten, wenn die Jnter- cssentcn nur die Notwendigkeit nachweisen wollten. Die ihn be- gleitenden Parteisekretäre haben dann jedesmal die Pflicht, den Wählern zu beweisen, daß diese absonderliche Stellungnahme ihrcS Kandidaten durchaus„fortschrittlich" sei. Da Kobclt auch auf, wenn auch nur laue, Unterstützung durch die Nationalliberalen hofft, so kann er an dem Streikbrecherschutz nicht gut vorübergehen. Er erklärt sich zwar gegen ein Ausnahmegesetz, fügt aber regelmäßig hinzu, daß die Sozialdemokratie an einem Ausnahmegesetz selbst die Schuld trage, und fordert dann zur Be- ruhigung„nur eine schnellere Streikjustiz", die ab- schreckend wirken solle. Di- Konservativen, die nicht weniger als 23 W a h l s e k r e- täre im Kreise arbeiten lassen, verzapfen gegen uns ihre be- kannten Redensarten von Batcrlandsfeind schaft, Mittelstands» Vernichtung und dergleichen. Im übrigen aber wenden sie ihre Spitze hauptsächlich gegen den bürgerlichen Nebenbuhler, den sie aus der Stichwahl zu verdrängen trachten. Sic führen den Wahl- kämpf— gemessen zu anderen— bisher verhältnismäßig ruhig. Nur der Tischlermeister Pauli aus Potsdam mußte einen rüderen Ton in die langweilige Musik bringen, als er in einer Versammlung zu Burg in den Saal trompetete:„Runter mit dem schmutzigen, blutigen, roten Fetzen der Sozialdemokratie!" Auf den stürmischen Widerspruch eines Teils der Versammlung wiederholte er trotzig diesen unverschämten Ausdruck, und der neben ihm sitzende konservative Kandidat, ein bürgerlicher Ritterguts- Pächter, Stärkcfabrikant, Schnapsbrenncr und— A m t s v o r- stehet, namens Schiele aus Schollehnc spendete ihm dcmon- strativen Beifall! Unsere Wählarbeit ist in dem weit ausgedehnten ländlichen Kreise doppelt schwer. Denn unter den 200 Orten sind kaum zehn, in denen wir auf Versammlungsräume rechnen können. Unsere Genossen waren also trotz Winterkälte, trotz Schnee und Regen im wesentlichen auf Versammlungen unter freiem Himmel angewicscn. Sie haben sich aber zu helfen gewußt und für diesen Wahlkampf ein zweites W a h l z e l t— das erste wurde bereits 19l2 verwandt— herstellen lassen, das Verhältnis- mäßig leicht aufgebaut und leicht„demontiert" werden kann. Tie Zelte fassen je 120 Personen und bieten wenigstens gegen die bösesten Unbilden des Wetters notdürftigen Schutz. Mit Hilfe dieser besonderen„AgitationSwigwams" ist es gelungen, iu einer großen Anzahl von Orten, in denen die Saalwirtc uns boykottieren, trotzdem zu den Wählern zu sprechen. Unsere Versammlungen erfreuten sich überall oft überraschend guten Besuches auch auf den zahlreichen Dörfern des Kreises. In fast allen dörflichen Ver- sammlungen wurde ein zusammenlegbares Modell der neuen Wahlkiste vorgezeigt, um die Schüchternen zu über- zeugen, daß Wohlmogeleien fast so gut wie ausgeschlossen sind. Wie notwendig diese besonders intensive Agitation auf den Dörfern ist, zeigt das Wahlrcsultat von 1912 aufs deutlichste. Von 11 992 Stimmen, die für unseren Kandidaten damals abgc- geben wurden, stammten nicht weniger als 5956 aus Ort- schaften unter 2090 Einwohnern! 2453 wurden in Orten von 2000— 10 000 Einwohnern für uns gezählt und nur 3583 aus Burg und einem eingemeindeten Vorort von Magdeburg. llnscr Stimmenzuwachs von 1907 auf 1912 betrug nicht weniger als 3641 oder mehr als 43 Prozent! Ob es möglich sein wird, am 10. Februar diesen ungewöhnlich großen Zuwachs zu halten, kann zweifelhast scheinen. Unsere Genossen haben sich aber in dem ausgedehnten Kreise keine Mühe verdrießen lassen, haben an organisatorischer und agitatorischer Arbeit das Menschenmögliche geleistet und sehen deshalb dem Ausgange der Wahl mit gutem Mute entgegen.. Auch die rednerische Agitation-st im wesentlichen von cm- beimischen Kräften betrieben worden. Bon den Abgeordneten sind nur weuigc und auch erst in den letzten Tagen zur Hilfe ein- gesprungen. Umsomehr wird ein guter Wahlansfall für die großen Anstrengungen Belohnung sein, die die Jerichower Gc nassen und ihre Magdeburger Nachbarn gemacht haben. Unö Koch Entlassung von Eisenbahnarbeitern. Vom Minister der öffentlichen Arbeiten erging im November vorigen Jahres ein Erlaß an die Königl. Eisenbahndlrektionen, der die Beschränkung der„Betriebsausgaben ans das unbedingt not- wendige Maß" zur Grundlage hatte. Es wurde darin aus den Rück- gang des Verkehrs, besonders des Güterverkehrs, hingewiesen, woraus für die Eisenbahnverwaltung die Notwendigkeit erwachse. die Betriebsausgaben entsprechend herabzumindern.„Namentlich muß, heißt es in dem Erlaß „dahin gewirkt werden, daß die Zahl der Güterzüge durch ihre volle Auslastung eingeschränkt und die Zahl der Bedienung der Anschlüsse und sonstigen Verwendungsstellen dem zurückgebenden Verkehr angepaßt wird. Auch ist zu prüfen, iwoicwcit da-Z Rangierpersonal und die Zahl der Rangierlokomotiven vermindert werden kau u. Ich beauftrage die.Königliche Eiscilvahudircttioncn, alsbald aus allen größeren Bahnhöfen Ihres Bezirks die Bctriebsverhält- nisse örtlich ganz eingehend nachprüfen zu lassen und für Vermniderung des Betriebsaufwandes zu sorgen. Soweit der Verkehr, z. B. in den Rübenbczirken, die sofortige Ver- minderun-g der Züge, des Personals oder der Maschinen noch nicht zuläßt, sind wenigstens die erforderlichen Vorbereitungen z u treffen. Gleichzeitig bestimme ich, daß die Neueinstellung von Arbeits- kräftcn, so weit es sich nicht um den Ersatz für angehende Kräfte handelt, ohne meine vorherige Genehmigung nicht vorgenommen werden darf. Der etwa entstehende Bedarf ist aus den vorhandenen Kräften zu decken. Rur wenn das Bedürfnis sich als so dringlich beweist, daß die vorherige Einholung meiner Genchmi- gung nicht mehr angängig sein sollte, will ick? es dem Ermessen der Herren Präsidenten überlassen, die Einstellung zuzulassen. In diesem Falle ist aber meine Genehmigung nachträglich ein- zuholcn." Aus dem Dienstwege hoben nun die Eisenbahndircktionen die ihnen nachgeordneten Dienststellen, Dircttionsbureaus, Vorstände der Steintet und Bauabtcilungen und alle Dienststellenvorsteher cnt- sprechend informiert. Die Verfügungen der Direktionen sind durch die Amtsblätter ergangen und führen ettva folgenden Titel: „B e r s ü g u n g b e t r e f f e n d E i n s ch r ä n k u n g u n d w i r t- schaftlichen Verbrauch an Kopsziffer n".(<£. D. Frankfurt. Amtsbl. Nr. 49.)—„Einschränkung des Personalbedarf s".(E. D. Köln. Nmtbl. Nr. 35). Die vom Minister gewünschte„Beschränkung der Betriebsaus- gaben auf das unbedingt notwendige Maß" ist also für die Dirck- tionen gleichbedeutend mit der Einschränkung des P e r s o- n a l s. Wir haben bereits am 4. Dezember v. I. mit Bezugnahme auf die Verfügung der Direktion Frankfurt darauf hingewiesen, daß danach Entlassungen von Etscnbahnarbcitern nicht ausgeschlossen sind. Derselben Auffassung begegneten wir in der gesamten Partei- presse und auch in bürgerlichen Blättern.. Halbamtlich wird nun der Versuch unternommen, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Skrbeiterentlassungcn seien nicht angeordnet. In der„Nord. Slllg. Ztg" und in der„Eisenbahn" wird sodann ans eine seit Jahren bestehende Anordnung des Ministers hingewiesen „wonach Skushilfsbedicnstete und Arbeiter, die infolge des Vcr- kehrsrückganges und der dadurch hervorgerufenen Abnahme der Dicnstgcschäfte auf den Bahnhöfen oder an anderer Stelle cnt- behrlich geworden sind, aus diesem Anlaß unter keinen Umständen aus dem Eisenbahndienst entlassen werden dürfen. Solche Be- dienstete sind vielmehr an anderer Stelle zu beschäftigen und überall da zu verwenden, wo infolge des natürlichen Slussefieidens von Arbeitskräften Bedarf eintritt. Bei den hiernach crsorder- kichcn Ucberwcisungcn von Arbeitern an anderen Dienststellen ist noch Möglichkeit zu vermeiden, daß Arbeiter, die eine Familie haben, nach anderen Stationsortcn versetzt werden. Diese Anordnung bezieht sich auf alle dauernd im Dienst der Eisenbahn- Verwaltung beschäftigten Bediensteten. Sic kann sich natürlich nicht auf solche Personen erstrecken, die von vornherein, nur vor- übergehend eingestellt und hiervon ausdrücklich gleich bei ihrer Annahme verständigt worden sind. Aber auch diese Bediensteten gelten trotz dieser Eröffnung als dauernd im Eisenbahndicnste beschäftigt, �wcnu seit ihrer Einstellung ein Jahr verflossen ist, und abgesehen hiervon wird weiter ein großer Teil der nur vorüber- gehend beschäftigten Slrbciter nicht entlassen, sondern findet bei der Neuvesetzung erledigter Stellen gleichfalls Verwendung." Diese Darstellung ist in jeder Beziehung irreführend und steht m i t d e n T a t s a ch e n i m W i d c r s p r u ch. Die betreffende Anordnung des Ministers ist durch die Direktionsverfügungen auf- gehoben worden. Lediglich durch Verschiebungen des Perso- nals lassen sich Eilischränlüngcn desselben, und um solche handelt es sich, nicht herbeiführen und wenn wir am 4. Dezember der Vcr- mutung Ausdruck gaben, daß Entlassungen von Eisenbahnarbcitern nicht ausgeschlossen seien, so können wir heute mitteilen, baß be- ceits an verscksiedcncn Stellen Entlassungen erfolgt sind. Was soll denn auch anders bezweckt werden, wenn es z. B. in der Verfügung der Eisenbahndirektion Köln heißt: „... Da sich an einzelnen Stellen eine Abschwächuna des Ver- kchrs bemerkbar macht, muß erwartet werden, daß sich nunmehr auch der Personalbestand entsprechend vermin- dert. Die Dienststellenvorsteher werden daher beauftragt, den Personalbestand nach Möglichkeit einzuschränken, die nicht unbedingt notwendigen Kräfte zurück- zuziehen und die zur Kontrolle des Personalverbrauchs er- lassen«« Bestimmungen genau zu beachten." Wenn demgegenüber von der„Eisenbahn" behauptet wird, die Eiscnbahnvcnnaliung tue alles, was in ihren Kräftcn stehe, um den Eisenbahnarbeitern auch in schlechten Zeiten das tägliche Brot zu erhalten, so trefft das nicht zu. Von den Eisenbahnarbeitern wird beständig über Personalmangel und übermäßige d i e n st l i ch e Anstrengung geklagt und die wiederholten Vcr- kehrsstockungen im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk sind zu einem sehr erheblichen Teile auf den chronischen Personal- Mangel zurückzuführen. Wenn dessenungeachtet bei den ersten Anzeichen eines Verkehrsrückganges in solcher Weise die Spar- schraube angezogen wird, so kann auch der«billig denkende Mensch nicht mehr ernstlich behaupten, daß die Eiscnbahnverwaltung Ruck- ficht auf die allgemeine Notlage der Arbeiter nehme. SluS einer ganzen Reihe von Orten sind Entlassungen von Eisenbahnarbcitern gemeldet und die Verwaltungen der bundcs- staatlichen Bahnen scheinen den großen preußischen Bruder auch in dieser Beziehung nicht nachstehen zu wollen. Von sozialen Pflichten des Staates ist hier nichts zu erkennen, noch weniger aber von Wohlwollen. Es gibt eine ganze Anzahl von privaten Unter- nehmern, die nach Skusnutzung der wirtschaftlichen Konjunktur, beim Slbflaucn des Geschäftsganges die Slrbciter weiter beschäftigen, eventuell bei verminderter Slrbettszeit. Von solchen sozialen Sln- Wandlungen wissen sich die Verwaltungen unserer staatlichen Ver- kehrsinstitute vollkommen frei. Die Entlassungen von Staatsarbei- lern sind um so schlimmer, als der Staat stets unter Berufung auf daö dauernde Arbeitsverhältnis die Slrbciter zu geringeren Lohnsätzen einstellt als private Ilntcrnebmcr. Das Schlimmste aber ist, daß die preußische Eiscnbahnverwaltung ihr rücksichtsloses, unsoziales Vorgehen durch solche unzutreffenden Nachrichten, wie sie„Die Eisenbahn" und die„Nordd. Allg. Ztg." verbreiten, zu beschönigen sucht, denn damit wird den Privatunternehmern das 1 häßlichste Beispiel geliefert, und Staatsbetriebe sollen doch bekannt- � lieh Musterbetriebe sein. politische Ueberjlcht. Statistik und Fürsorge sür das Krantcu- und Pflegepersonal. Am Montag erledigte der Reichstag zunächst den Haushaltsplan für das Statt st i s ch c A m k. Abg. S i v k o v i ch von der Fortschrittlichen Lolkspariri legte die Mängel der S ch u l st a t i st i k dar. Genosse Rühle fragte, wann endlich das Ergebnis der Erhebungen über die Kinderarbeit in der Forst- und Landwirtschaft veröffentlicht wird. Die Erhebung fand im Jahre 1904 statt. Unser Redner verurteilte es scharf, daß diese Sache so lange— 10 Jahre— verschleppt wird. Was über die Kinderarbeit in der Forst- und Landwirtschaft bekannt geworden ist, läßt uns mit Sicherheit auf eine unverantwortliche Ausbeutung und schwere Schädigung der Kinder schließen. Daher müßte die Gesetzgebung mög- lichst schnell eingreifen. Unter diesen Umständen verbreitet sich die Ueberzeugung immer mehr: die Reichsverwallung vcr- öffentliche nicht das Ergebnis jener Erhebungen gerade des- halb, weil sie ein entschiedenes Lorgehen gegen die Ausbeutung der Kinder verhindern will und ihr das nicht mehr möglich sein werde, wenn das durch die Erhebungen amtlich festgestellte furchtbare Elend bekannt wird. Staatssekretär Dr. D c l b r ü ck lehnte die Aerantivortung für die Verschleppung der Veröffentlichung ab, da zwei Bundesstaaten die Erhebungen noch.nicht dem Statistischen Amt zugestellt haben. Er„hofft" aber, daß dereinst doch ein- mal die Veröffentlichung erfolgen könne. Dr. Pieper vom Zentrum sang ein Loblied auf die Leistungen des Statistischen AmteS; aber auch er hatte noch einige Wünsche.— Ge». Thiele regte Verbesserungen der Handels st ati st ik und die Einführung einer Eni- in ü n d i g u n g s st a t i st i k an. Gen. L c g i c n wies daraus hin, daß die amtliche Streik- statistik noch immer so durchgeführt wird, wie sie seinerzeit versucht worden ist, um Stimniung für das beabsichtigte Zucht- hausgesctz zu machen. Die Folge davon ist, daß die Arbeit als Streikstatistik ein falsches Bild liefert und völlig wertlos ift._ Das hat auch der Staatssekretär eingesehen und erwägt seit vier Jahren bereits, daß die Streikstatistik vcr- bessert werden könne. Genosse Legten hob hervor, daß über diese Verbesserungen eine Verständigung sehr schnell möglich ist. Daher richtete er die Frage an den Staatssekretär, wann das Statistische Amt mit seinen Erwägungen fertig sein werde.— Staatssekretär Dr. Delbrück zeigte deutlich genug, daß er iiber das Lächerliche dieses Spiels mit der falschen Streik- statistik nicht im unklaren ist. Aber— wann sich die Herren im Reichsamt des Innern dazu aufschwingen können, diesem Spiel ein Ende zu machen, weiß auch er nicht. Und doch handelt es sich hier um eine wichtige Angelegenheit. Bei der Normal- Eichungskommission brachte Abg. K r i n g s(Neuwied) Beschwerden der Stein- arbeiter vor. Dann kam das Gesundheitsamt an die Reihe. Gen. Antrick begründete unseren Antrag auf Schutzgesetze für das Kranken- und Pflegepersonal. Er erinnerte daran, daß er seit 12 Jähren für derartige Forderungen ein- getreten ist. Inzwischen ist allgemein anerkannt, daß hier schwere Mißstände vorhanden sind und Hilfe geleistet werden muß. Trotzdem geschieht nichts. Unser Redner zeigte an der Hand unbestreitbarer Tatsachen, daß eine längere Verzögerung der Schutzmaßnahmen geradezu unverantwortlich ist. Unser diesjähriger Antrag beschränkt sich gemäß einem Wunsche des beteiligten Verbandes auf die Ansänge des notwendigen Schuhes, weil diese Forderungen bisher auch die Zustimmung der bürgerlichen Parteien gefunden haben und ein ein- stimmiger Beschluß wünschenswert ist. Der Zentrums- abgeordnete Dr. Gerlach bedauerte, daß noch so viele Mißstände ans diesem Gebiete vorhanden sind. Aber— die Aerzte, so versicherte er, sind nicht schuld daran. Sie haben schon oft die notwendigen Vcr- besscrungen vorgeschlagen— ihnen werden jedoch die Geld- mittel dazu nicht bewilligt. Um so notwendiger, sollte man meinen, ist hier die Regelung durch die Gesetzgebung. Das will eben der Zentrnmsherr nicht gelten lassen. Er tröstet sich vielmehr damit, daß die Verhältnisse auch ohne dies all- mählich besser werden.— Staatssekretär Dr. Delbrück wies den Vorwurf zurück, daß nichts zum Schutze des Krankcn- und Pflegepersonals geschähe. Eine Regelung durch die Gejetz- gebung sei zwar nicht angebracht. Wohl aber habe er an- geregt, daß die Anstalten auf Grund besonderer Verein- barungen die Mißstände beseitigen.— Der konservative Freiherr v.!k n i g g c stimmte selbstverständlich dem Staatssekretär zu. Abg. Dr. B l u n ck von der Fortschrittlichen Volkspartci hatte nicht gehört, daß Genosse Antrick die Abweichungen unseres jetzigen Antrages von�unscrcm vorjährigen Antrage eingehend' begründet hat. Ter fortschrittliche Herr ent- rüstete sich dabei über das venneintliche„Umlernen" der Sozial- dcinokratcn. Er mußte sich von Genossen Antrick sagen lassen, daß wir den Antrag abgeschwächt haben, um den Fortschrittlern und den anderen bürgerlichen Parteien den im vorigen Jahre noch vorgebrachten Vorwand zu nehmen, unsere Forderungen gingen zu weit. Daher ist es bezeichnend, daß jetzt Herr Dr. Blunck gerade das Gegenteil von dem spricht, was im vorigen Fahre für seine Partei angeblich entscheidend gewesen ist, nur um gegen unseren Antrag zu stimmen. Wer ist der Feind? Außer den Vertretern der christlichen Gewerkschaften in Bockium hat auch der ReichSausschuß des Zentrums, der sich am Sonntag unter dem Borsitz Dr. Spahns konstituiert hat, zum Gewerl- schaftsstrcit Stellung genommen. In seinem Aufruf an die Zentrumswähler betont der Ausschuß zunächst die Wichtigkeit der christlichnationalen Arbeiterbewegung, um dann fortzufahren: Alle Milglieder der Partei müssen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß gegenüber der stetig wachsende» Macht der st a a i s- und r e l i g i o n S f e i n d l i ch e» Sozialdemokratie die christlichnationalc Slrbeiterbewcgung nur dann voll zur Geltung kommen kann, wenn olles hintangehalten wird, was ihre Einigkeit und ruhige Entwicklung gefährdet. Die segensreiche Tätigkeit der Partei und der Fraklioncn, ihre Disziplin und Geschlossenheit sind fest verankert in dem»in« erschülterlicken Vertrauen der Zentrumswähler. Dieses Vertrauen wird seit längerer Zeit von e iji z e k n e n Personen und Preßorganen zu unterwühlen gesucht. Selbst die katho« lisch« Gesinnung altverdienter katholischer Mitglieder deS Zentrums wird verdächtigt. So grundlose Angriffe weisen wir mit Ent- rüstung zurück. Sie führen zur V e r w i r r u n g der Geister und erschweren dem Zentrum die Erfüllung seiner großen Sl»s- gaben, insbesondere auch den Kampf sür die Freiheit und Un- abhängigleit der katholischen Kirche und der Gleichberechtigung des katholischen Volksteils. Die Träger dieser Vcr- dächtigunae» haben sich selbst austerhalb der Partei gestellt! sie sind als Z- e i n d e d e S Zentrums zu b e- trachten und zu behandeln. Lb der Vatikan diese Erliiirung ruhig hinnehmen wird? Es wird ihm zwar gesagt— denn die„Quertreiber" sind ja nur die Deckadresse— dost die ganze christliche Gcwerkschaft-Zorganisation ja nur der Bekämpfung der Sozialdernokratie diene, aber eS wird dann doch offen mit dem Krieg gedroht. Denn die„Träger der Verdächtigungen" stehen ja unter dein Schutz des Papstes und dieser ist es in Wahrheit, den das Zentrum heute als seine n Feind slirchten mutz. Wird der„Feind" nun wirklich kapitulieren? Ter innigste Wunsch. Ter Bischof Johannes von Münster hat vor einigen Tagen ISO geistliche Präsides der katholischen Arbeiter und Knappen- vereine um sich versammelt. In einer Ansprache erklärte er: ..Es ist mein innigster W u n s ch, dah alle katholischen Arbeiter der Diözese sich in katholischen Arbeiter- oder Knappen- vereinen zusammcnschlietzen zum Schutze ihres Glaubens, zur praktischen Betätigung, Verteidigung und zum Bekenntnisse dieses Glaubens und zu einer gründlichen sozialen Schulung, zur Teil- nähme an den Wohlfahrtseinrichtungen� aller Art, zur Pflege einer Herz und Geist befriedigenden Geselligkeit." Der Bischof redet hier also ausdrücklich nur von Arbeiter- oder Knappcnvereincn. Die christlichen Gewerkschaften sind nicht einmal erwähnt— und das natürlich nicht ohne Absicht. Immer feste drauf! Ein Beamter soll die Sozialdemokratie auf alle Art bc- kämpfen; diesen Grundsatz hat der DiSziplinarfenat des preußischen Qbcrvcrwaltungsgcrichts von neuem aufgestellt. In einer Land- gemeinde war infolge der Stimmenthaltung des Gcmeindcvornchers ein Sozialdemokrat in die Schulkommission gekommen. Eine An- zeige gegen den Gemeindevorsteher hatte die Einleitung des Disziplinarverfahrens zur Folge. Ter D i s z i p l i n a r s c n a t des Oberverwaltungsgerichis sah von einer Dienstentlassung des Gemeindevorstehers ab, verurteilte ihn jedoch zu einer D i s z i- p l i n a r o r d n u n g S st r a f c in Höhe von 30 M. Ter Senat ging nach einer Mitteilung des„Berliner Lokal- Anzeiger" von folgenden Erwägungen aus:„Ter Gcmeindcvor- steher mutzte sich von vornherein bei einer Wahl von Schulorganen, die zugleich als solche Staatsorgane seien, sagen, daß eine Stimm- «nthaltung den Eintritt sozialdemokratischer Mitglieder in das Kol- legium ermöglichen könnte. Wenn er dies zu verhindern unter- lassen habe, indem er sich der Stimme enthielt, lasse dies einen be- bauerlichen Mangel an politischem Scharsölick erkennen» denn als Beamter hätte er aus jeden Fall durch seine Stimme verhindern müssen, daß Feinde der heutigen Gesellschaftsordnung und des Staates auf die Schule, die die Kinder nicht nur für den Lebens- weg vorbereiten, sondern sie auch zu monarchisch gesinnten Menschen erziehen solle, bestimmenden Einslutz gewinnen. Seine Pflicht wäre «S gewesen, selbst wenn der bürgerliche Kandidat ihm persönlich un- geeignet erschien, diesen zu wählen. Es wäre nach der Wahl immer noch Zeit genug gewesen, seine etwaigen Bedenken an die Aufsichts- behörde weiterzugeben. Es könne ihm auch nicht als Entschuldigung angerechnet werden, daß er bei seiner Stimmenthaltung von dem iGedanken ausging, eine etwaige Wahl sozialdemokratischer Mit- giieder würde durch die Aufsichtsbehörde doch nicht bestätigt werden." So wird die Selbstverwaltung der Gemeinden Stück um Stück zunichte gemacht, und die Gcmeindcbeamten sind nach dem vor- faxenden, llretil nicht mehr die Konsuln der Gemeinden, sondern >« willenlosen Werkzeuge der Reaktion! Karl Peters kriegt ei» Denkmal. ...»Dank der Opferwilligkeit weiter Kreise" soll in kurzer f>eit eine so große Summe zusamnlengckonuiien sein, daß das Dcnkiiialkonntee bereits beschlossen hat. mit dem Bau eines Peters-Denkmal sofort zu beginnen. Das Denkmal soll in Taressalam in Dcutschostafrika errichtet werden und auf «nein fünf Meter hohen Obelisk stehen, ans dem eine drei Meter hohe Porträtstatue des Peters errichtet lvird. Es soll, wie die Tcnkmalkommission mitteilen läßt, in seinem monumentalen Eharakter am Hafeneingaiig von Taressalam stehen und„jedem Ankommenden als Wahrzeichen dienen und ihm sagen: Hier ehrte das deutsche Volk Karl Peters." Es ist kennzeichnend für unsere weltpolitische Unmoral, daß sich Leute gesunden haben, die einem Peters ein Denkmal errichten. Wie Peters Tentschostafrika gewann, indem er die eingeborenen Häuptlange bezecht machte und ihnen dann ein- fach die gewünschten Kaufverträge abschwatzte, das hat er ja selbst in einem Buche mit jener Uiwerfrorcnbcit. die ihn aus- .zeichnete, geschildert. Und tvas der„stille Pastorensohn" später an den brutalsten Mißhandlungen und an Vcrhängung barbarischster Strafen leistete, das ist ja durch die verschiedenen Peters-Prozesse zum Schaudern der Knlturwelt entlarvt worden. Aber Weltpolitik und Menschlichkeit silld ja nun ein- mal unvereinbare Begriffe. Daß sich unsere Weltpolitiker also just diesen Peters zum nationalen Schntzgeist Deutsch. ostafrikas ansersehen haben, kennzeichnet sie und unsere ganze Kolonialpolitik. Vielleicht setzt man den Leist, Ilaschen- Schröder. Arenberg und den anderen Knlturpioniercn vom gleichen Kaliber demnächst auch noch Denkmäler! Tie badische Regierung zur Blockpolitik. Die„Karlsruher Zeitung" veröffentlicht einen längeren offuiüien Artikel über tue polmiwen Auseinandersetzungen tu der Zweiten badischcn Kannner. Darm wird hervorgehoben, daß der Minister des Innern. Frhr. V. Bodman, die Erotzblockpolitil unumwunden verurteile. andercrieNs aber auch das Anwachsen des Zentrums als eine Gefahr st-r die weitere freiheitliche Entwickelung des Landes betrachte. WaS die Arbeiten des Grotzblocks im Landtag betreffe so erkenne der Munster an. da« die Linke, einschließlich der Sozial- deinvkratie. nützliche Arbeit zum Wohle des Landes geleistet habe. Der Minister möchte das badrsche Volk wahr, frei und selbständig sehen, und damit erscheine ihm nrcht verernbar. was in der Wahl- bewegung und in der politischen Betätigung der katholischen Geist- lichen vielfach hervortrete. Deshalb sei dw Mahnung nur zu be- rechtigt. datz auch die Geistlichen sich eine gewisse Zurückhaltung im politischen Kamps auferlegen mochten. In Ehrennotwehr gehandelt. Vor dein Schöffengericht in Kehl fand am Montag eine Ver- Handlung statt, die mit den Zabcrner Vortommnissen in engster Verbindung steht. Ein Zaberner Kopfblatt einer Siratzburger Zeitung, die in denselben Spuren wandelt wie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung", hatte den Redakteur Liebecke in der schwersten und gemeinsten Art beleidigt. Der 24jährigc Sohn des Redakteurs begab sich darauf am 4. Dezember mit einem Freunde zum Redakteur des Ehauvinistcnblattes und züchtigte hier den ver- antlvorttichcn Redakteur mit der Hundepeitsche. Aus Befragen gibt der Angeklagte an. daß auf die ungeheuren Beleidigungen seines Vaters der Weg der gerichtlichen Klage schon deswegen nicht be- schritten wurde, da der vcranllvortliche Redakteur des Kchler Blattes mit seiner Frau in Gütertrennung lebe, und man des- wegen damit rechnen mutzte, bei einer Verurteilung des Beleidigers schließlich noch obendrein die Kosten selbst tragen zu müssen.— Der Staatsanwalt plädierte auf eine Geldstrafe, da der Angc- klagte aus einer ehrenhaften Gesinnung heraus gehandelt habe. Der Verteidiger plädierte auf Freisprechung oder zumindest eine ganz geringe Geldstrafe, da der Angeklagte in Ehremiotwchr ge- handelt habe. DaS Gericht verurteilte den angeklagten Sohn des Redakteurs wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch zu 100 M., den Begleiter wegen Hausfriedensbruch zu 40 M. Strafe. Eine„gerechte, aber feste" Regierung sollte nach der Proklamation Bethmann Hollwcgs im Reichstage mit dem Regierungswechsel in Elsatz-Lothringen Platz greifen. Die Probe aufs Erempcl ist sofort nach dem Amtsantritt des neuen Staatssekretärs und Ministers des Innern gemacht worden mit zwei französischen Vorträgen, die der Auslandsredakieur des Pariser„TcmpS", Andre Tardicu, letzte Woche in Mülhausen i. E. und in Strasburg vor Eingeladenen halten sollte über zwei verwandte Themata: in Mülhausen i. E. am Donnerstag üver „Die Balkantris: und ihre Folgen für Europa", in Stratzbnrg am Freitag über„Die Triple-Entente, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft". Das„gerechte, aber feste" neue Regiment dokumen- tierte sich alsbald darin, datz in Mülhausen der Vortrag stattfinden durfte, wo er im Saale der„Industriellen Gesellschaft" vor etwa 700 Personen aus der einheimischen, fran- zösisch sprechenden Bourgeoisie ohne Zwischenfall ruhig vor sich ging, während er in Stratzbnrg. wo der Vortragende doch eben- falls in geschlossener Gesellschaft sprechen sollte, vom Bezirks- Präsidenten ous Grund der Bestimmungen über die Fremden- Polizei verhindert wurde; verhindert nicht etwa, weil es für die Reichssicherheit gefährlicher erschien, den Pariser Redakteur über die Triple-Entente reden zu lassen, als über die Baltankrise, Ivo- bei sich im Vortrag, ohne vom Thema abzuweichen, genau das- selbe sagen läßt, sondern weil der in Mülhausen harmtose französische Plauderer in Stratzburg als„lästiger Ausländer" galt, der mittelst eines anonymen(!) Briefes bei dem Saalbesitzer und der Polizei als„einer der schlimmsten Feinde des Deutschtums" denunziert wurde, gegen den man mit einer„öffentlichen wirkungL- vollen Stellungnahme reichstreuer 5lrcise" vorgehen werde, um der Wiederholung von Fällen vorzubeugen,„in welchen die Hand des westlichen Friedensstörers und Verratsstifters im Bunde mit den hier ansässigen Welschlingen im Spiele gewesen ist". Der Saal- besitzer übergab diesem Brief dem„Journal d'Alsace-Lorraiue", Und dieses steht darin nicht mit Unrecht einen Beweis, daß ein Spaßvogel— denn um den Streich eines solchen handelt es sich offenbar— jeden Augenblick mit einem anonymen' Brief die Polizei in Elsaß-Lothringcn gegen einen harmlosen politisch- wiffenscbafllichcn Vortrag vor einer Vrivatgescllschaft mobil machen kann, wie der Zahlmeister Wolter in Stratzburg vor einem Jahre zur Krönung des Karnevals die Siratzburger Garnison mit einem gefälschten Telegramm alarmieren konnte. Ja, die„ge- rechte, aber feste" Regierung!_ Steuerhinterziehungen. Ter Gencralpardon zum Wehrbcitrag bringt— soviel steht jetzt schon fest— ungeahnte Vermögen in Preußen zum Vorschein. Es zeigt sich, daß der Reichtum in Preußen viel größer ist, als man bisher geglaubt hat. Denn bisher sind ungewöhnlich hohe Vermögen nicht versteuert war- den. Und nur in wenigen Fä l l e n sind Steuer- s ii n d c r, so schreibt die„Neue Gesellschaft!. Korrespondenz", zur Verantwortung gezogen worden. Denn die Steuer- behörde kann natürlich nur in ganz krassen Fällen ein beson- dcrcs Ermittelnngsversabren einleiten. Im letzten Jahre tvurden insgesamt 2950 Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung anhängig gemacht, 450 mehr als im Vorjahre. Tie meisten im Negiernngsbczirk Potsdam, in dem die Ber- liner Vororte liegen. Hier wurden 410 Strafverfahren ein- geleitet, in Berlin selbst nur 091. Dann folgen die Regie- riingsbezirkc Arnsberg mit 174, Düsseldorf mit 132, Münster mit 119 und jiassel mit 109 Strafverfahren. Ihnen schließen sich an mit mehr als 50 Verfahren die Regierungsbezirke Frankfurt a. O., Stettin. Licgnitz, Oppeln, Magdeburg, Schleswig, Hannover, Hildesheini und Köln. Ohne Straf- verfahren war kein einziger Regierungsbezirk. Tie besten Bezirke waren Allenstein nndE-igmaringen mit nur jcLVer- fahren. In 2441 Fällen wurden sofortige Straffestsetzmigen durch die Regierungen erlassen� Im ganzen wurde nahezu 1 Million Mark als Strafe verhängt, nämlich 918 583,80 M. In 1877 Fällen wurde die Strafe olrne weiteres bezahlt, und zwar in Höhe von 059323,30 M. In 298 Fällen wurde ein gerichtliches Verfahren eingeleitet. Da- von führten 43 Fälle zum Freisprnch. An Nachsteuer kamen 529 002,57 M. Einkommensteuer und 5531,19 M. Ergänzungs- stciier ein. An Strafen und Nachsteuern wurden rund 1.00 000 M. eingezogen. Dazu traten noch mehr als 400 000 Mark Scachstcuern aus Erbschaften, wenn ein verstorbener �tenerpflichtiger Steuern vorenthalten hatte. Im ganzen >uw dem Staate also durch strenge Steuerkontrolle mehr als? Millionen Mark zngcflosscn. Eine Summe, die f n r s i ch s p r i ch t. Die Wirkungen üer Kö'nigsreüe— Minister- krisis � Toben üer Rüftungshetzer. -- Auftreten des Königs vor dem„Bauernzuge" und seine offene Stellungnahme gegen die Regierung, hat am Sonnabend zu heftigen Debatten im Reichstage geführt, über die der Telegraph bereits berichtet hat. Unser Genosse Brgnting wies in einer eittdrucksvollen Rede den Versuch zurück, in Schweden das persönliche Regiment einzuführen. uer liberale Führer Eden fand nicht minder den passenden Ausdruck für eine sachliche Zurückweisung der königlichen Uebergriffe. Leider versagte seine Partei bei der A b st i m- mnng über die Zivilliste. bei welcher Gelegenheit dem König eindringlich zn Gemüte geführt werden konnte, daß nicht der Reichstag auf ihn. sondern umgekehrt er auf den Reichstag angewiesen ist. Nun wurde allerdings erklärt, daß die Zivilliste einem Btonarchen auf Lebenszeit bewilligt sei und daß die alljährliche Einstellung ins Budget eine reine Formsache wäre. Weshalb die Liberalen nicht dagegen stimmen konnten. Das kann über den Ernst der Situation nicht hinweg- täuschen. Die Regierung hat bereits vom Könige Aus- klärung über einzelne Stellen seiner Rede erbeten, womit sie beweist, daß sie nicht geneigt ist. sich zu Schuhputzerdiensten der reaktionären Riistungshetzer herabwürdigen zu lassen. Andererseits haben die konservativen Politiker die Kon- seoiienzen der Königsrede durchschaut und versuchen nun, den Mantel der christlichen Liebe über die politische Entgleisung r/8 königlichen Redners zu decken. Herr L i n d m a n und mit ihm die ernstere konservative Presse verfechten nur das Recht des Königs, seine Meinung zu sagen, aber sie lassen sich über meje Meinuirg selbst nicht aus. Herr S v e n H e d i n aber, der die Ruitungshetze mit so großem Eifer betreibt, droht schon mit dem— Staatsstreich. Am Sonnabend bat er eine Rede in einer Bauernversammlung gehalten, in der er gegen den Reichstag herzog und erklärte, der Parlamentarismus V a s s c nicht für die s ch w e d i s ch e n P c r h ä l t n i s s e. Er versuchte, die Bauern gegen den Reichstag ans- z u h e tz e n> dessen parlamentarische Führer er als A den- teurer beschimpfte. Diese Tollheit ist allerdings verständ- lich. Dadurch, daß der König den irrsinnigsten RüstungShetzcrn anstatt seinen verfassungsmäßigen Ratgebern folgte, hat er eine M i n i st e r k r i s i s h er a u fb e s ch w o r e n. die nur behoben werden kann durch einen Rückzug d e s Königs. Erfotgt dieser Riickzug nicht, dann ist die Militärvorlage für dieses Jahr aus- geschaltet. Denn ein Regierungswechsel kann jetzt nur erfolgen, wenn die Konservativen bereit sind, die Regierung zn bilden. Sic haben aber keine Mehrheit im Reichstage und können daher keine Militärvorlage diirchbringcn. Es müßte also zu Neuwahlen kommen. Und das ist ja. was die Liberalen und Sozialdemokraten wollen, dem aber der König Wider- sprach. Tic Rüstungshetzer sehen nun ein. was sie und der von ihnen dirigierte König angerichtet haben, und daher die wüsten Ausfälle des Herrn Hedin und seiner Leute. Italien. Tie Ziviltrauung. Aus R o m wird uns geschrieben: Trotz der Mobilmachung des Vatikans gegen den geplanten Entwurf bat der Justizminister am 4. Februar das Gesetz über den Vortritt der standesamtlichen Trauung vor der kirchlichen vorgelegt. Der Entwurf, den der ..Osservatore Romano"„mehr als ein Ausnahmegesetz, ein Gesetz der Verfolgung" nennt, besteht aus neun Paragraphen. Es wird festgesetzt, daß der Geistliche jeder Konfession eine kirchliche Trauung nur vornehmen darf, nachdem ihm die Papiere über die erfolgte Ziviltrauung vorgelegt wurden. Im Uebcrtretungsfalle wird da? Ebepaar mit Buße bis zu 1000. der Geistliche mit Buße bis zn 2000 Lire bedroht. Ist der Geistliche rückfällig, so kann auch auf Verlust seines GcbaltcS bis zur Dauer eines JahrcS erkannt werden. Von praktischer Tragweite ist die Bestimmung des vierten Paragraphen, nach der die widerrechtlich durch nur kirchliche Trauung vereinigten Paare trotz der Ungültigkeit dieser Trauung die Rechte cinbützcn, die ihnen aus ihrem früheren Zivilstand als Lcdige oder Verwitwete erwuchsen. Diese Bestimmung wendet sich gegen die in Italien recht häufig vorkommenden Fälle, in denen sich Witwen von Beamten, die eine neue Ehe eingehen wolle», nur kirchlich trauen lassen, um ihre Witwenpeusion nicht zu verlieren.— Als Heber- gangsüestim mung setzt das Gesetz fest, datz alle im Laufe von vier Monaten nach dem Jnkrastreten des heutigen Gesetzes standesamt- lich geschlossenen Ehen in ihren zivilrechtlichen Wirkungen bis ans die früher geschlossene nur kirchlich eingesegnete Ehe zurückgreifen. Obwohl ein ähnliches Gesetz sogar schon in dem urkatholischen Königreich beider Sizilicii, also unter bourbonischcm Regime be- stand, bereitet sich der Vatikan auf eine Abwehr bor, die in der katholischen Aktion Italiens seit langem ihres gleichen nicht hat. Tie bürgerlichen Abgeordneten werden mit Protesttelcgrammen von Pfaffen und Mönchen geradezu überschwemmt. Alle Kirchenväter werden angerufen, um die Ruchlosigkeit des Unterfangens der Regierung darzutun, die den Priestern das Recht verkürzen will, ein Sakrament zu spenden. Man darf gespannt sein, wer in der an sich ziemlich belanglosen Frage den Sieg davontragen wißkd. Japan. Ein weißer Rabe. Tokio, 0. Februar. Tie B u d g c t k o m m l s s i o n des Land« tages hat eine H e r a b s e tz u n g des M a r i n e e t a t s mn 30 Mit- lioncn Den beschlossen. Ter Rüstungsskaudal. Tokio, 0. Februar.(W. T. B.) Der Marineminister crllärle in der heutigen Sitzung der Budgctkommission des Landtage?, er werde sich der beschlossenen Budgethernbsctzung nicht widersetzen. Die II ntersuchung in dem Flotlenskaubal schreite fort; er hoffe, bald in der Lage zu sein, die gegenlvärtigc Ungewißheit auf« zuklären.— Eine von ungefähr 2S 000 Personen besuchte Ver- samnrlung im Amphitheater nahm heute mehrere Anträge an, in der gegen die Regierung wegen des Flotten« skandals Anklage erhoben und jedermann dringend auf- gefordert wird, eine noch größere Versammlung, die morgen im Hibaya-Park abgehalten werden soll, zu besuchen. Dieser Ver- sammlung wird mit einiger Sorge entgegengesehen. Es besteht Grund zu der Annahme, daß die Volksstimmuirg gegen die Re- gierung und die Flotte hauptsächlich nicht durch den Flotten- skandal veranlaßt ist, sondern durch die fortgesetzten hohen Flottenausgaben und die Aufrechterhaltimg der unpopulären Steuern, Letzte Nachrichten. Ein neuer Pananmskandal. Panama. 9. Februar.(W. T. B.) Nach Untersuchung g°- wisser Transaktionen im Zusammenhang mit der Verpflegung der Kanalarbeiter hat Oberst Goethals den Direktor derVerpflegungJohn Burke entlassen. Als Grund wird angegeben, daß Burke während seiner Amtsdauer 7 8 0 0 0 Dollar aufgehäuft und Grundbesitz im Werte von 50000 Dollar erworben hat. Ter Kriegssekretär hat die gerichtliche Verfolgung angeordnet. Ende der Revolution in Peru. Lima, 9. Februar.(W. T. B.) D i c O r d n u n g i st v o I l« st ä n d i g w i e d e r h e r g e st e l l t. Der Handel ist normal. Ein Erlaß der Kammern wird die Wähler zur Wahl eines neuen Präsi« denten zusammenrufen. Die beiden Kandidaten sind A u g u st o Durand und T aVier Prado Ugartcchc. Tanerflug eines deutschen Fliegers. Johannisthal, 9. Februar. Der Flieger Max Schüler startete heute morgen 7 Uhr 20 Min. aus Agodoppeldecker mit lOOpferdigem özyliudrigem Agomotor auf dem Flugplatz Johannis- thal zu einem Fernslug um die Stundcnprämie der National« Flugspende. Er flog über Magdeburg, Braunschweig. Hannover, Hamburg, über Rendsburg nach Kiel, wo er nachmittags B Uhr 3 Minuten landete. Mit diesem N e u n st u n d c n f l u g erwarb er die Anwartschaft auf eine Prämie von 14 300 M. Die Epidemien in den französischen Garnisonen. Paris, 0. Februar. Nach einer Depesche au» Epinal find im Laufe des gestrigen Tages in den östlichen Garnisonen wieder sechs neue Todesfälle vorgekommen. Tödlicher Unfall eines Fliegers. San Diego(Kalifornien), 9. Februar. Leutnant Post von der Militärflicgerabteililna ist heute mit seinem Flugzeug tödlich verunglückt. Er stürzte rniS einer Höh« von 300 Fuß aus dem Apparat, während er neben der Bucht dahin- flog. Nach Berichten von Augenzeugen explodierte d i» Maschine und schleuderte den Flieger hinaus. lassen Sie Per bette Ertatz für Oper, Theater, Variete, Konzert.— Nur erste Künstler i Unsei' Luxus- Modell besitzt feinpoliertes, großes Eichen- Gehäuse von 37X37X20 cm, hat bunte Holzcinlaoe und Bronze- Knöpfe an den Türen, extra starken, geräuschlos; arbeiienden Motor etc. etc. Ein im Innern bc- lindlidierResonanzkörper aus gebogenem Tonholz schließt jeden metallisdicn Beiklang aus. Durch die verstellbaren Türen ist beliebige Dampfung des Schalles ermöglicht.-- Spielt ohne Nadelweehsel mit einem unzerstörbaren Saphirsilft. Bial& Freund in Breslau II kommen! — Senden Sie um noch heute diesen Schein Wir senden denselben kostenlos n A" dic Fa Biai a Freund w Breslau n fünf Tage zur Probe nebst 40 ausgewälilten Stücken auf 20 doppelseitigen 29 cm großen Pathe-Platfen. Haben Sie unsere Pathc-Platten schon einmal gehört? 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Die Meistersinger von Nürnberg. TrntschcS Lpernhans. Parstfal. Anfang T'li lliir. kl gl. Tcliaiiiptelbaus. Tie Neu- vermählten. Zärtliche Verwandte. Deutsches. Der Kailsmann von Venedig. Leinug. Peer Ghnt. Möuiggräner Seraste. Brand. .Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Tchumnu«. Galavorstellung. Ansang 7" Uhr. Nielropol. Die Reise um die Well in 40 Tagen. Auiang 8 Ubr. Urania. Pros. Dr. A. Schmidt: Die ForschungSiiistiwte aus dem Telegrapheuberg bei Potsdam und ihre Täligleit. Hörsaal: Pros. Dr. Liudiier: A.c. " ihodcu der milrobiologischen Forschung. Deutsches Künstler- Theater. TaS Pbantom. Kamiuerspiclc. Der Snob. KomödieuhanS. Kammermusik. Dlieater an der Wctdeiidammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollcndorsplatz. Prinzesi Greil. Lnftsptelbaus. Die spanische Fliege. Montis Operetten. Die verbotene Stadt. Schiller«. König Lear. Schiller Eliarlottenburg. Die beiden Levuorcn. Tbcater des VürsteuS. Polenblut. Berliner. Die einst im Mai. Klelne«. Icltchcn Gebert. Trtauon. AnatolcS Hochzeit. Tbaiia. Tie Taugoprinzeisin. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- SLilbelmstädtischeo. Fräulein Trallala. Rolr. Oibello. Kasino. Die olle Webern. Hcrrnfeld. Was sagen Sie zu ücibusch? Reichshalleu. Stcttiner Säuger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnic. -Anfang 8'/, Ubr. Luisen. Das erste Ehcjahr. VSalhalla. Tangosiebcr. Folies Eapricc. Casä Pringsheiin. Der Hciratsgras. Mehirstcins. Aniang 8'/, Ubr. NcueS BoltSthcater. Der Kaiser- säger. NdmtralSPalaft. Tie lustige Puppe. Aniang 9 Ubr. Berliner Eispalast. Eissport. EiiicsNollcndorf-Thcatcr.Varicte> Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. Ö7—62 Sciiiüor-Iiisater 0. (WaUner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: König äicar. Mittwoch, abends 8 Uhr: Jloral. Donnerstag, nbcndS 8 Uhr: Tleyers._ Schiller-Theater c~n' Dienstag, abends 8 Uhr: Di« keiden Deonorcn. Mittwoch, nachmittags 3'/, Uhr: Xnpf und Schwert. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die heiden Dconorcn. Donnerstag, abends 8 Uhr: Herodcs und Iflarianinc. Tlifiaier am tiolleniloriplatz 5. s uhr: Prinzeß Gret!. Trianon-Theater. Täglich abendS 8 Uhr: Anntolcs Hochzeit. Vereinigte Berliner Volksbühnen. liUisen-Theater.>4Talhnlla-Theater. 8'/, Uhr: AbendS 8'U Uhr: Das erste Ehelahr. Tangoficbcr. Grosie Posse tu. Schaust), in 5 All. v. Ernst Rittcrseldt. s Ges. u. Tanz in 3 Akt. v. Erich Urban. tolei'inije!' KöoigptzerStraSB T'/j Uhr: Zum 50. Wlnlc; Brand. Komödienhaus. 8 Uhr. KaMlNMtlM. 8 Uhr. verliner Thesler. AbendS 8 Uhr: Wie einst im Mai. Brauerei Weäriehsham Täglich außer Sonnabends: Idk»ju gtintmungsvollstc Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. i0SE=THEATEI (Strotze Frankinricr Str. 132. Kinder der Großstadt. Anfang 8 Uhr: Mittwochnachm. 3 Uhr: iVilbelm feil. Abends 8 Uhr: Im meisten Riist's. Donnerstag: öerlin«!s es weint u.lacht IIS IIB Glon" 8 Uhr 8 Uhr. Hoheit— der Franz! Musikaliiche KrotcSke in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Robert Wintcrbcrg. Morgen u. f. Tage: hoheit- der Franz! Sonntag, 15. gebr., 3 Uhr: Gretchen. :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraßo 82.— ZimmerstraSe 90/91. Oroße» l�oppel-ICoiizert! Musikkorps des Kaiser-Franz-Gardo-Grenad.-Regts. Oirig. Oberm. Becker und Tcscrii.eer und ISlllcrthaleF Hnsikantcu, Dirig. Hans Sfcarp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anlang 8 Uhr. Wochentagen: Li'. NaeliBiillags-Koiizert ber längste Sdinurrbai**- bare Cieldprciso SO,—, SO,—, lO,— Mark. Feuertresser in ihren fanatischen 33aptern. 3Ilster ISappo. der Ausbrocherkönig. I nf essel bar! N?- I-ebend! TÄä Olms ExlFa-Eniree. Folies Caprice. 81/ I Cafe Pringshetni Der Helratsgrat 1.Tlcjerstclns Casinos Theater LolhringerStraße S?. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Volksstud: Die olle Webern. Ur-Berl. Figuren, vr-Bsrl. stumor! einziges Theater in diesem Genrel Im Stile der alten Wallner-Blihr.e. Sonntag 4 Uhr: Ttnttcrliebe. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Bio Beize ooi die Erde in 40 Tageo. Admiralspalast. Eis- Arena. S®- Täglich:st jetzt an die zlvanzig Jahre her, datz eine Mnnch-Ausstellung die Berliner Philister rabiat machte. Damals mußten die Bilder binnen weniger Tage verschwinden: man schalt den Maler einen Verrückten, einen Zerstörer der Tradition und einen fruchtlosen Verneinet jeglicher Form. Heute bedürfte es schon einer sagen- haften Dummheit, um nicht zu spüren, datz dieser Edvard Münch Ditllstftg, 10. Februar 1014. Jahre nur für Verwaltung über 1199 M. Der Kassenbestand bc- trug ganze 85 M. Dabei hat man in der vorletzten Versammlung beschlossen, die Arbeitslosenunterstützung einzuführen, bei einem Wochenbeitrag von 39 Pf. Vorsichtigerweise ist aber die Höhe der Unterstützung nicht beschlossen. Jedenfalls will man erst abwarten, wieviel Geld zusammenkommt. Auf eine energische Anfrage nach der Mitgliederzahl des Vereins, erklärte der Vorsitzende: voriges Jahr seien es 387 gewesen, bezahlt hätten— 78. Dann klagte der Vorsitzende darüber, datz ein Teil der Mitglieder immer noch mit dem Zentralverband harmoniere, sonst hätte derselbe bei der letzten Wahl zum Gesellcnausschutz und Jnnungsschiedsgcricht nicht so glänzend abgeschnitten. Obwohl antzer 7 Polieren 63 Mitglieder des Vereins anwesend gewesen wären, seien nur 47 Stimmen für dessen Liste gezählt. Herr Sydow meinte: es würde ja freilich nie gelingen, den Zentralverband zu vernichten, aber der gelbe Verein halte ganz Berlin in Schach, besonders wenn der Verband wieder mal eine Lohnbewegung anzetteln wolle. Mit diesen Ausführungen zeigte der Redner deutlich, in wessen Interesse der gelbe Verein arbeitet._ Ostelbische Zustände bei der Jirtna Aschinger. Ein Akt empörenden Verhaltens gegenüber langjährigen An- gestellten wird uns berichtet. Der Fall betrifft einige weibliche Angestellte, welche bereits 19 und 12 Jahre bei der Firma ihren Verpflichtungen als Arbeiterinnen nachgekommen waren und deren Tätigkeit darin bestand, des Nachts nach GeschästSschlutz die Lokale zu reinigen. Eines Tages wurde diesen Mädchen von dem In- spektor W c g e n e r, einer Stütze des gelben Vereins, mitgeteilt, datz sie nutzer den regelmätzigen Arbeiten, die sie jahrelang ver- richtet hätten, noch die Reinigung eines grotzen Kochherdes mit zu übernehmen hätrcn. Da diese Reueinsühruna den Mädchen selbstverständlich nicht angenehm war, da die Arbeitszeit sowieso 12 b i s 13 S t u» d e n täglich dauert, so er- kundigien.sie sich zunächst erst bei der ersten Wirtschafterin, welche die Antwort gab, datz diese Arbeit den sogenannten Tagmädchcn zukäme und sie nicht dazu verpflichtet wären. Die Folge davon war nun, datz zwischen den Mädchen und dem Inspektor Wegencr ein Streit entstand, in dessen Verlauf Herr Wegencr die Mädchen mit geradezu hahnebüchencn Schimpfflamen belegte. Erregt über die angetanen Beleidigungen, beschwerten sich die Mädchen bei dem Pcrsonalinspektor Herrn Hütt l. Hier kamen sie aber schön an. Herr Hütl fragte sie, ob er wegen der Beleidigungen dem Herrn W. etwa den Kopx abreißen sollte, ob er ihn aufhängen oder sich für Herrn W. entschuldigen solle. Und nun kam das Schönste. Ans Wunsch des Beleidigers sollten sie nach einem anderen Betrieb versetzt werden, wobei ihnen die Möglichkeit eine? kleinen Nebenverdienstes, den sie bisher gehabt hatten, entzogen wurde. Unter diesen Umständen zogen es die Mädchen vor. die freundliche Stätte zu meiden. Die in Frage kommenden Linge- stellten sind im Besitze von Anerkennungsdiplome» für sechs- bzw. zehnjährige Dienste. Statt daß Herr Hüttl sich dieser ausge- zeichnetcit Arbeiterinnen angeiwmmcn hätte, erklärt er sich gc- wissermatzen mit dem„Gutsinspektor" Wegencr solidarisch und kommt dessen Wunsch auf Bestrafung der Mädchen nach. Wie uns mitgeteilt wird, kann Herr Hüttl doch sonst alles. Kein Opfer an Zeit und keine Schwierigkeit scheut er z. B., wenn es sich um die Feststellung der Organ isationszngchörig- keit der Ange st eilten handelt. Fraglich ist es demnach, ob einerseits die ArbeitSfreudigkeit der Angestellten durch die Aussicht, nach zehnjähriger Tätigkeit ivie eine ausgedrückte Zitrone beiseite geivorfen zu werden, erhöht wird, und andererseits die Berliner Bevölkerung besondere Luft verspürt, bei dem Vorhandensein solcher Zustände die Aschinger- betriebe zu frequentieren. Nach Meinung der Angestellten hätten die verschiedenen Kontrolleure und Inspektoren alle Ursache, sich um die Vorgänge im Betrieb selbst mehr zu kümmern als um die Gesinnung der Angestellten. Die Gesinnungsschnüffelei sührt doch nur dazu, datz Heuchler und Schmarotzer erzogen werden, deren Wert als Arbeitskräfte meist sehr zweiselhast ist. Eine Reibe unappetitlicher Vorgänge im Betriebe, welche uns in letzter Zeit gemeldet wurden, bedingten allein schon, datz gewisse Herren ihre uns etwa? Wesentliches zu geben hat. Er begann als ein Mystiker; er zeigte Frauen, die mit weit geöffneten Augen in da? Leere starren, als hörten sie das Unheil weben. Er zeigte Mädchen, die sich neugierig und angstvoll zusammendränge», als geschehe irgend- tvo etwas Grausiges. Er zeigte Häuser, die wie verzaubert schliefen, die wie von Träumen gelähmt, leblos und doch bewohnt schienen. Münch wpar wie ein müde gewordener Wiking: es war etwas Unholdes, etwas Gejagtes, Nebelhaftes in seinem Blut. Die Linien zerflossen, die Flächen verdunsteten, die Bilder schienen mir mit den Nerven gemalt zu sein. Wie alle gesunden Myftiter so ist nun auch Münch mit ivn Jahren der Natur immer näher gekommen. Immer tiefer er- kannte er, datz die Wunder nicht erst in das Leben hinein getragen zu werden brauchen, datz vielmehr das Leben selber schon erffillt vom Wundersamen ist. Und dieser Wunder größtes ist der Mensch. So wurde Münch ein Bildnismaler. Gleich seinem nordischen Bruder, dem Dichter Strindbcrg, sucht Münch durch eine bohrende Psychologie das Wesen des modernen Menschen zu erfassen; ihn reizen die Urwüchsige», die Bauern, und die Komplizierten, die Intellektuelle». Er weitz die Runen der schweren Arbeit zu deuten; er lveitz die Vibrationen des rastlosen Hirnes aus dem skeptischen Blinzeln der Augen und a»ö dem schweigsamen Verzichten des Mundes zu lesen. Seine Bildnisse werden einst von der Seele unserer Zeit stark und sicher Kenntnis geben. Münch weitz von der Beständigkeit seines Wertes; sein In- slinkt wittert die Bedeutung, die seiner Kunst noch werden wird. Er fühlt sich als Verkünder und darum als ein Svmbol der Zeit. Und solch Gefühl steigert natiirgemätz seine Analysen in dos Monumentale. Der einzelne, den er erfaßt, wird ihm zum Tvpus. zu einer Fasscttc, durch die der Blick in die lebende Gattung fällt. Das ist die neue, die gereifte Innerlichkeit dieses Künstlers. Seine Bilder haben nun etwas Lodernde»: sie brennen in wenigen, aber viel bewegten»nd deutnngsreichcn Farben. rhr. Notizen. — Vorträge. Prof. Schmidt« Potsdam wird am DienS» tagabend 8 Uhr in der Urania in der Reihe der Gelehrtenvorträge einen Vortrag über„Die Forschungsinstitute auf dein Telegraphen- berg bei Potsdam und ihre Tätigkeit" halten.— In der Deutsche« Gesellschaft für Gartenkunst spricht Mittwoch, 11. Februar, abends 8 Uhr. im Festsaal des Märkischen MnseumS, am Märkischen Platz. Professor Dr. Pniower über„Berliner Plätze und ihre gärtnerischen Anlagen in Vergangenheit und Gegenwart" mit Lichtbildern. — Im Theater des Westens erlebte die Operette .Polenblut" unter Leitung des Komponisten Oskar N e d b a l am Sonnabend ihre 199. Aufführung. Das günstige Urteil, das hier bei der Premiere gefällt wurde, bestätigte sich: es ist aus- nahmsweise ein musikalisch vortreffliches Werk, das eine höchst ge- lungene Darstellung findet. — Eine Bremer Volksbühne. Ein eigenartiges Zu- sammenwirken zwischen BildungsauSschutz und Theater wird in Bremen erprobt. Der dortige Bildungsausschuß hat für zwei Wochcuabende das Schauspielhaus gepachtet und macht eS der Arbeiterschaft zu 79 Pf. pro Vorstellung zugänglich. Ein Komilee. bestehend auS Vertretern des«chauspiclhauseS, des Goethe-Bundes (der den gleichen Vertrag geschlossen hatl� und des Bildung?» ansschusseS wählt die Stücke ans, engagiert die Schauspielträfte und überwacht den ganzen künstlerischen Betrieb. So erobert die OrganisationS- und Konsumkraft deS Proletariats das Theater. Tüchtigkeit auf anderen Gebieten als dem der Drangsalicruug der Angestellten suchten. Hoffentlich entschließt sich die vcrantlvortliche Leitung der Firma endlich dazu, recht gründlich Remedur zu schaffen. Tic Firma soll schließlich auch nicht vergessen, daß das Publikum im..Rheingold" und.Fürstenhof" allein die Existenz und Weitercntwickelung der Firma nicht gewährleistet, sondern daß die arbeitende Bevölkerung ebenfalls einen sehr bedeutenden Teil der Besucherzahl ihrer Betriebe ausmacht. Aussperrung der Kellner im Cafe Borussia, Haseuheide 3. Ter Unternehmer M ü s e l e r hat am Sonnabend krampshaste Anstrengungen gemacht, um den paar Gästen, die nach Bekannt- werden der Ursache der Aussperrung sein Lokal noch besuchten, auseinanderzusetzen, daß er die unschuldige Ursache dabei sei, daß lediglich die Organisation ihm Schwierigkeiten zugunsten seines Konkurrenten im Cafe Jahn mache. Wir stellen fest, daß der Verband der„Gastwirtsgehilfcn, Zweigvereiu der Cafe-Angestelltcn" nur bestrebt war, Herrn Müseler zu unterbinden, daß er jugend- liebe Mitglieder des Vereins zu seinen denunziatorischcn Zwecken bcnukte. Diesem Bestreben glaubte Herr Müseler aur besten dadurch zu begegnen, daß er sich mit den Gelben in Verbindung setzte und die organisierten Kellner aussperrte. Zur Charakteristik sei noch gesagt, daß Herr M. in, verflossenen Jahre annähernd 100 Kellner verbraucht hat, trotzdem er nur 4 Kellner be- schäftigt. Verband der Gastwirisgehilfen. Zweigverein der Cafe-Angestellten. Aus de« Fleischergewcrbe. Der Fleischermeister Wonne» b e r g e r, Weisestr. 24. ist in der Liste der taristreuen Fleischer- meister von Neukölln vergessen worden. Herr Wonneberger steht schon feit einigen Jahren mit der Fleischerorganisation in» tariflich«, Verhältnis. Die Tariskonunisfion des Fleischerverbandes Berlin. deotsihe» Reich. Tie zentralen Tarifvcrhandwngen im Schneidergewerbe haben am Sonntag mit der Regelung der Tarif- für die Damenschneider und mit der Fällund einiger Schiedssprüche lokaler Natur ihren Abschluß gesunden. Die von den Unternehmern einer Reihe von Orten beantragte Einführung einer neuen Klasse von Damenschneidern, Anfängern genannt, habe» die Schiedsrichter abgelehnt. Es handelt sich hier um die Einführung einer wcuen Gruppe, die den Uebcrgang von den Herrenschneidern zu den Damenschneidern bilden. Mit Rück- ficht darauf, daß die Unternehmer selbst zugaben, daß sie in der Praxis diese UebergangSgruppe nur für ganz jugendliche Personen, also lediglich ausnahmsweise brauchen, und ferner mit Rücksicht darauf, daß bereits die Zwnscheugruppe der Hilssarlxnter besteht, verneinten die Unparteiischen das Bedürfnis für die Schaffung einer neuen UebergangSgruppe. Zu stundenlangen, teilweise recht lebhasten Auscinandersetzun- geil kam es bei den Verhandlungen über die Damenschneider in Frankfurt a. M. Die Arbeiter wollten den Vertrag auch für die Schneiderinnen erneuern, die Unternehmer widersetzten sich dem uilter Hinweis daraus, daß die Zahl der organisierten Arbeiterinnen in Frankfurt ganz minimal sei und überhaupt nicht ins Gewicht falle. Besonders stürmisch gestaltete sich die Debatte, als bei dieser Gelegenheit eine Franlfurtcr Unternehmerin sich aus den scharf- macherischen organisatwnsfcindlichen Standpunkt stellte und rund beraus erklärte, es sei überflüssig, daß ein« Instanz sich zwischen sie und ihre Arbeiterinnen einschiebe. Die Unparteiischen ent- schieden schließlich dahin, daß in voller Anerkennung des Koalitions- rechtes und dessen praktischer Betätigung dem Unternchmervervand die grundsätzliche Verpflichtung obliege, auch für die in der freien Gewerkschaft organisierten Arbeiterinnen einen Vertrag abzu- schließen. Es frage sich aber, ob in Frankfurt bereits die �nötigen taisächlichen Unterlagen vorhanden seien, um einen Tarifvertrag nicht nur zu schaffen, sondern auch praktisch in wirksamer Weise zur Durchführung zu bringen. Nach Ansicht der Unparteiischen sind diese Grundlagen zurzeit noch nicht gegeben. Es bestehe die Gefahr, daß ein möglicherweise abgeschlossener Tarifvertrag mangels eines hinreichenden persönlichen Wirkungskreises völlig in der Lust hänge. Die Tatsache, daß in dem bisherigen Vertrage Lohnsätze für Arbeiterinnen bereits enthalten waren, könne daran nichts ändern, denn die Aufnahme dieser Lohnsätze sei ohne genügende Grundlage und ohne Prüfung der Einzelheiten erfolgt und beide Parteien hätten ugegeben, daß die tariflichen Bestim- miiilg hinsichtlich der Arbeiterinnen nicht durchgeführt werden konnte. Die Anerkennung des Grundsatzes der uneingeschränkten Betätigung des Äoalitumsrechtes führe von selbst dazu, daß in ab- schbarer Zeit, sobald sich die Verhältnisse fundiert haben, auch für die organisierten Arbeiterinnen ein Tarifvertrag abzuschließen ist. Mit der Einführung des Reichstarifvertrages, der die Tendenz haben müsse, sich überall persönlich und territorial durchzusetzen, müsse die Einbeziehung der Arbeiterinnen einer eingehenden neuerlichen Prüfung unterzogen werden, und es seien im Ziveifcl stets auch für die Arbeiterinnen Tarifverträge abzuschließen. In- zwischen müsse es Aufgabe beider Organisationen sein, die nötigen Grundlagen zum Abschluß und zur Durchführung eines diesbezüglichen Tarifvertrages zu gewinnen. Auf dieser Entscheidung fußend, wehrten sich auch die Braun- schweizer Unternehmer gegen die Einbeziehung der Schneiderinnen in den Tarifvertrag, doch stellte sich hier der Vorstand des Unter- uehinerverbandes im Gegensatz zu seiner Ortsgruppe auf den Standpunkt, daß angesichts der Zahl der organisierten Arbeiterin- ncn in Braunschweig für diese ein Tarifvertrag abzuschließen sei. Bii zum 21. Februar werden die Parteien zu Händen der Unparteiischen die Erklärung ab- licheS Ganzes önnekno o- usvdör umlhwy rdgovc mlhwc bfsum geben, ob sie die Schiedssprüche, die als einheitliches Ganzes aufzufassen sind, annehmen werden oder nicht. Aufruhr unter den Gelbe». Der Kitt, der die..Wirtschaftsfriedlichen" zusammenhalten soll, verliert auf die Dauer seine Wirksamkeit. Wir haben schon wieder- holt gehört von schweren Differenzen, die die Reihen der Gelben aufwühlten. Jetzt wird ein Gleiches aus Magdeburg berichtet, und zwar � ist eS das dortige gelbe Blatt selber, das den verhüllenden Schleier vor� diesen Zuständen wegzieht. Hader und Streit seien eingezogen, so heißt eS, so daß die„Förderung zur Kollegialität zum Märchenbilde geworden und das wichtige Moment der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen herabgesunken sei zu einem Feilschen um Paragraphen, Abrechnungen— alles in allem eine geborstene Sänke, ein zersplitterter Stamm, den noch schützen zu können auch der Zielbewußteste nicht mehr erhoffen dürfte." Trotz dieser doch wahrhaft verzweifelten Situation wurde der Ber- such unternommen, der„geborstenen Säule" wieder aufzuhelfen. Dazu wurde dieser Tage eine Versammlung abgehalten, in der ein , Kartell der vaterländischen Arbeitervereine von Magdeburg und Ilm- negend" gegründet werden sollte. Der Syndikus der ReichSvcrbändler Dr Pohl hatte die Aufgabe, die auseinandcrstrcbendcn Elemente ivieder zusammenzureden. Der Erfolg war der. daß es zu einer lviistcn Auseinandersetzung kam. die schließlich in persönlichem Klatsch und Tratsch endete. Unter diesen Umständen hat es auch keine Be- deutuna daß die Mehrheit der Versammlung sich zuletzt noch„prin- tzvicll für die Gründung eines Kartells entschied. DaS gelbe Blatt meint selbst, wenn das. Kartell zustande kommen sollte, dann müßte mit einem eisernen Besen gründlich ausgefegt werden. Diese Gärungen in den Reihen der Gelben kommen mcht von ungefähr: sie sind in dem Wesen dieser„Bewegung" begründet, die nicht großen Zielen nachstrebt, sondern sich stützt emesterls auf den terroristischen Zwang, den das Unternehmertum auSubt and anderen- teil- auf jene haltlosen eharaktere, die da glauben, durch liebe- dienerisches Wohlverhalten weiter zu kommen. al§ durch zielklaren Zusammenschluß mit ihren Arbeitskollegen. Da ergeben sich zu bald Differenzen, die auch so leicht nicht zu überbrücken sind, weil ein einigende? alle zusammenschweißendes Band fehlt. Solche Streitig- leiten aber fördern in den Reihen der Arbeiter die Erkenntnis, daß nicht bei den Gelben, die nur dem Unternehmertum dienen, ihr Platz ist, sondern daß sie in die freien Gewerkschaften hineingehören. �tuslanö. Ter Grositampf i« Norwegen beigelegt. Die norwegische Unternehmerzcntrale hatte wegen drei an sich bedeutungslose» Lokallonflikteu eine Generalausspcrrung von 48 000 Arbeitern der verschiedensten Gewerbe zum IS. Februar angekündigt. Die Landesorganisation der Gewerkschaften anwortete auf diese Aus- sperrungsandrohung mit der Ankündigung eines Sympathie- ausstandeS der Buchdrucker, der Bäcker und einiger anderer Branchen von insgesamt 10000 Arbeitern, die mit den Ausgesperrten zugleich am 19. Februar die Betriebe verlassen sollten. Auf Beranlasjung der Regierung haben nun Vergleichsverhandlungen stattgefunden, die am Sonnabend zu einem für die Arbeiter erfolgreichen Ergebnis führten. Der wesentliche Srreikgegenstand betraf die nach einem Streit in einem Mühlenbetriebe ausgeschlossenen 24 Arbeiter. Die Unternehmer haben jetzt diesen 24 Arbeitern das Recht zugesprochen, in dem gleichen Betriebe zu den damals vereinbarten Bedingungen in Arbeil treten zu können und zlvar sollen zehn Mann sofort, weitere zehn bis zum 1. April eingestellt werden, und die letzten vier haben nachher das Vorzugsrecht, bei etwaigem Gebrauch von Arbeitskräften eingestellt zu werden. Die Generalaussperrung und die Sympathie- streiks sind damit hinfällig geworden. Das Gesamt- rrgebnis ist als ein großer Erfolg der Arbeiter zu buchen. wirtschaftlicher Wochenbericht. Vom Terrain- und Baumarkt. Die Lage des Terrain- und Baumorktes hat sich, wie auch aus den jetzt zur Veröffentlichung gelangenden Geschäftsberichten von Hypothekenbanken hervorgeht, im Jahre 1913 weiter verschlechtert. Seit zivei bis drei Jahren stockt das Baugeschäft in den meisten Großstädten. Durch die große Arbeitslosigkeit im Bau- gewerbe hat die Arbeiterschaft am schlimmsten von allen Beteiligten unter diesem Zustand leiden müssen. Die ganze verflossene Hochkonjunkturperiode hat durch de» Stillstand im Baugeschäft ihre besondere Note erhalten. Das Baugewerbe ist einer der wichtigsten Abnehmer der Eisen-, Metall- und Holz- indnstrie und der Ausfall im Warenabsatz an das Baugewerbe hat daher lähmend auf die allgemeine Konjunkturentwickelung gewirkt. So verzeichnete z. B. der Stahlwerksverband im vergangenen Jahre einen ganz bedeutenden Rückgang im Versand von Formeisen sT- und O-Eisen. Trägern), die wesentlich im Baugewerbe Vcr- Wendung finden. Im Jahre 1912 herrschte geradezu eine Krise auf dem Terrain- und Boumarlt. Zahlreiche Gesellschaften ge- rieten in Zahlungsschwierigkeiten und Konkurs. Ebenso wurden die berufsmäßigen Kreditgeber, die Hypotheken- banken, für den Terrainmarkt in Mitleidenschaft ge- zogen. Die Hypothekenbanken beleihen Grundstücke durch Hypotheken, während sie den Kredit durch Ausgabe von Obligationen (Schuldscheinen) flüssig machen. Sowohl das Hypothekeugeschäft als die Obligationenausgabe sind nun in den beiden letzten Jahren stark zurückgegangen. Nach einer Statistik der.Frankfurter Zeitung"— die amtliche Statistik ist völlig unbrauchbar— nahm bei 37 der größten Hypothekeuinstitute der Bestand au Hypotheken seit 1911 nur um ein geringes zu(L Halbjahr 1912: 205 Millionen, II. Halbjahr 67 Millionen, I. Halbjahr 1913: 24 Millionen, II. Halbjahr 3 Millionen). In gleicher Weise sank die Nachfrage nach den Obligationen der Hypothekeninstitute(in den genannten Halbjahren betrug die Zunahme des Obligationenumlaufs nacheinander nur 201, 4, 40 und 3 Millionen). Fragt man nach den Gründen der Krise, so betonen alle kapi- lalistischen Kreise, daß die zunehmende steuerliche Belastung des städtischen Grundbesitzes die Entwickcluiig des Terrain- und BaumarkteS hemme. Gemeint ist dabei in erster Linie die Ein- fllhrung der Wcrtzuwachssteuer in einzelnen Kommunen und im Reich. Aber die WcrtzuivachSsieuer kann höchstens in einzelnen Fällen die Krise der Unternehmen beschleunigt haben, die ihr früher oder später doch verfallen wären. Die eigentlichen Ursachen liegen auf ganz anderem Gebiet. Trotzdem hat die Unzufriedenheit über die Steuern zu einem Zusammenschluß der Grundbesitzer geführt. An- fang 1912 bildete sich ein„Verband zum Schutze des deutschen Grund- besitzeS und ReallreditS". der zunächst nur die städtischen Grund- besitzer umfaßte. Im Jahre 1913 nahm der Verband auch die länd- lichcn Grundbesitzer auf uud änderte seinen Namen in.Schutzverband für den deutschen Grundbesitz", so daß jetzt das Agrariertmn in Stadt und Land in dem Verbände vereinigt arbeiten— vornehmlich gegen jede schärfere steuerliche Heranziehung deZ Grundbesitzes. Aus der Geschichte des Terrain- und BaumarlteS in den beiden letzten Jahren ergibt sich aber mit aller Deutlichkeit, daß nicht die steuerliche»Ueberlastung" für die Krisenerscheinungen verantworilich zu niachen ist. Stets tritt in Hochkonjunkturzeiten ein gewisser Stillstand de? Hhpothekengeschäfts und damit des BaugeschästS ein. weil sich das Kopital der Industrie zuwendet, die in solchen Zeiten größere Profite verspricht. Zur Zeit der teueren Geldiätze tritt dos Hypothekengeschäft zugunsten industrieller Aktienunternehmungcn zurück. Terrain- und Bauunternehmern fällt eS dann schwer, Geld zu erschwing- lichem Zinssatz aufzunehmen. Die Jahre 1912 und 1913 zeichneten sich nun durch hohe Zinssätze aus. Hypothekenschuldner, die nicht am Termin der Zinszahlung über die nötigen Summen verfügten. litten natürlich unter denselben Schwierigkeiten, billigen Kredit zu erhalten. Die Einstellung der Zinszahlung mußte daher notwendig zn Zwangsversteigerungen führen. Für die Terrainbesitzer mußte die Verteuerung des Kredits um so unangenehmer werden, als in einzelnen Großstädten— voran Berlin— noch unerschlosiene Gebiete vielfach überzahlt worden sind. Nach der industriellen Krise von 1907/08 wandte sich das Kapital in großem Umfange dem Terraingeichäft zu. x-ii schnelle Ausdehnung der Großstädte an der Peripherie, die rasche Citybildung im Innern versprachen, wenn diese Entwickcliing lauger anhielt, die gleichen enormen Gewinne, die einst den~�lhonen- Bauern vor den Toren der engeren Stadt mühelos zugefallen sind. Große Terrains wurden deshalb erworben in der Hoffnung, daß deren Boden sehr bald für industrielle Anlage oder für Wohnsiedelungen Verwendung finden würde. Die EntWickelung ist nun aber teilweise ausgeblieben oder hat andere Wege bevorzugt, Viele Besitzer von Terrains fanden also nicht die erhofften großen Erträge; zum Teil war eine Verwertung überhaupt noch nicht mög- lich. Nur die kapitallräftigeii Spelulanten konnten aber die Zinsen für den aufgenommenen Kredit zahlen und auf Erträgnisse verzichten. Kredit für die Zinszahlung war ebenfalls nur unter teuren Bedingungen zu haben. Die Folge mußte ein Abstoß des Besitzes unter Verlust oder die Zwangsversteigerung sein. Die Terromgescllschasten haben nun diesem Schicksal entgegen- gearbeitet, indem sie mit allen Mitteln den Zuzug in ihr Gebiet zu lenken suchten. Das Terrain wurde aufgelaffen, Straßen angelegt, kurz baureis gemacht. Sie gründeten besondere Baugescllschaften, die im erschlossenen Gebiet Häuser errichteten; vereinzelt gingen die Terraingesellschaften sogar zum Eigenbau über. Aber vielfach haben diese Bemühungen dennoch nichts genützt. Schlimmer noch als auf dem Terrainmarkt wirkten die teuren Geldsätze auf dem Laumarkt. Im Terraingeschäfl herrschen die großen Kapitalisten, meist Aktiengesellschaften, vor, die zur Nut mehrere Jahre auf jeden Gewinn, jede Dividende verzichten können und die sich trotzdem halten. Der Hausbesitzer dagegen gehört vorzugsweise dem Mittelstand an. Sein Kredist ist beschränkt. Die Kündigung von Hypotheken bringt ihn sofort in die schwierigste Lage. Die Beschaffung von Hypothelen, die au zweiter Stelle eingetragen sind, bereitet den Hausbesitzern die größten Sorgen. Da die Hausbesitzer kraft des kommunalen Dreiklaffen- Wahlrechts überall die Mehrheit in den Gemeindeverwaltungen be- sitzen, haben sie in den letzten Jahren diese Macht benutzt, um städtische Gelder für ihre Kreditbedürfnisse flüssig zn niacheu. An verschiedenen Orten sind städtische Institute für zweite Hypotheken entstanden. Trotz dieser Sorgen ist aber die wirtschaftliche Lage des Haus- besitzers, der einigermaßen über Kapital verfügt, eine recht gu:e. Die hohen MietSstcigerungen haben die Mehrkosten(leucre Zinssätze, höhere Steuern) oft noch weit überjchritten. Zu den be- kannten Krisenerscheinungen kam es erst da, wo der Hausbesitzer ohne genügende Mittel erscheint. Bei Neubauten ist das am häufigsten beobachtet worden. Die Terraingesellschaften und großen Bauunternehmer haben diese EntWickelung z. T. selbst hervorgerufeu. Sie liehen dem Hausbesitzer die Summen, die zum Beginn des Baues notwendig waren. Für die Vollendung des Baues beschaffte sich der Besitzer weiteren Kredit von dritter Seite. Die Lieferanten und Handwerker stundeten die Rechnungen für Material und Arbeit. Blieben die Mieter im Neubau aus, so mußte der Besitzer die Zinszahlung einstellen und bei der Zwangsversteigerung erwarben die ersten Kreditgeber das Haus, während alle anderen Gläubiger mit ihren Forderungen ausfielen. Handwerker und Lieferanten wurden so betrogen, während der frühere Terrainbesitzer auf billigem Wege sein Grundstück nebst dem fertigen Gebäude zurückerhielt. Diese ungesunden Verhältnisse lassen sich nicht durch die steuer- liche Entlastung des Grundbesitzes überwinden. Durchgreifende Verbesserung verspricht nur eine großzügige Wohnungspvlitil der Ge- meindcn. Ihnen fällt die Aufgabe zu, durch Erwerbung großer Gelände die Terrainspekulatiou einzudämmen. Der kommunale Grundbesitz müßte von der Stadt selbst bebaut werden oder er wäre besondere» gemeinnützigen Baugenossenschaften pachtweise zu über- lassen. Daß der Staat durch Hergabe billigen Kredits kapital- schwache Gemeinden und Baugenossenschaflen unterstützt, ist eine weitere selbstverständliche Forderung dieser Bodenpolitik. Erst dann würden Wohlmngsverhältnisse geschaffen werden, die dem Interesse der Mieter entsprechen. Denn heute leiden gerade die Wöhnungs« lonsumenteu am schwersten unter schlechten und teueren Wohnungen, der notwendigen Folge der privaten Bauspekulation. /ius der Partei. Emile Laudrin. Paris, 7. Februar.(Eig. Ber.) Ein neuer schwerer Perlust hat die französische Partei getroffen. Emile L a isd r i n ist gestern gc- starben. Ein halbes Jahrhundert hat er für die wache dcS Proletariats gekämpft. Und den durch unermüdliches Studium und durch reichssa Erfahrung gereiften Ratsmann der Pariser Arbeiter beseelte derftlba idealistisibe Zukunftsglaube, der den Jüngling angetrieben hatt:, furchtlos in die kleine erste Schar der revolutionären Arbeiterarmce zu treten. Landrin war 1841 in Paris geboren. Er erlernte das Handwerk des Ziseleurs. Frühzeitig zeigte sich bei ihm eine Lernbegierde, deren Zweck nicht nur die Emwickelung der eigenen Fähiglciteu uud die Verbesserung der Bedingungen im individuellen Lebenskampf war, sondern auch die kraftvollere Wirksamkeit für das Allgemeine. Die selbständige Arbeiteropposition, die sich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vom bürgerlichen RepublikaniSmus los- löste und mir dem Kampf gegen das Kaiserreich auch den für die gesetzliche Freiheit der Arbeiterbewegung verband, fand Landrin unter ihren tätigsten Mitgliedern. Sein Berufskollege Cams- linat— heute der Kassierer der geeinigten Partei— führte ihn der Juternationale zu. Nach dem Prozeß von 1868, der mit ihrer Verurteilung und der Auflösung ihres Bureaus endete, sprang Landrin bereitwillig ein und ließ ssq, mit Malon, Varlin u. a. in das neue Komitee wählen. Er wurde mit ihnen vor Gericht gestellt und mußte drei Monate Gefängnis abbüßen. Aber unerschrocken setzte er seine Tätigkeit fort. Er»ahm u. a. an der Organisation des Baseler Kongresses teil. Die Richtung seines sozia- listischen Denkens war damals gleich der der meisten seiner Alters- genossen durch die Lehren Proudhons bestimmt...„ r.. Nach Ausbruch des Krieges, gegen den die Parner Arbettcr fruchtlos zu demonstriere» versucht hatten, betclligte sich-.anorin am 4. September an der Massenkundgebung, die nnt dem Etndrmgcil in den Sitzungssaal des gesetzgebenden Körpers und mit der Pro- klamiemng der Republik endete. Während der Pariser Belagerung tat er im 66. Bataillon der Nationolgarde Dienste. Dieses Bataillon gehörte zu denen, die den Erfolg des Aufstandes vom 18. März sicherten. Unter der Kommune kamprte er bis zum letzten Tage, trotz einer leichten Wunde, die er im Kampf bei'der Madeleine-Kirche davongetragen hatte. ES gelang ihm durch einen wunderbaren Zufall, der Füsillade zu entgehen. Im Londoner Exil fand er sicki niit vielen anderen Mitstreitern der Koinmune zusamincii, so namentlich mit B a» l l a n t, dessen SozialiSniuS, der mit uu- erbittlichem Festhalten am revolutionären Endziel die unermüdlichste Hingabe an die soziale Reformarbeit auf allen Gebieten vereinigt, auf ihn sichtbaren Einfluß geübt hat. Roch zwölf Jahren des Exils kehrte Landrin nach Paris zurück, um sofort seine propagandistische und organisatorische Tätigkeit wieder � aufzunehmen. Er gehörte dem Wahlkomitee des Vicrlcls des Psre-Lackaise an, das 1884 Vai llantS Wahl in den Gerne, nderat� durchsetzte. 1893. als Vaillant in die Deputierten- kammer gewählt worden war, wurde Landrin sein Nachfolger. Er hat das Mandat mit steigenden Mehrheiten behauptet. Seine ge« wliinende Persönlichkeit, aber vor allem auch seine außerordentliche wachkenntnis und seine Hingabe an die Ausgaben der kommunalen Verwaltung sicherten»hui nicht nur in der Wäblerschaft, sondern auch ber seinen Gegner» im Gcmeinderat sympalbische Hochachtung. Er geborte zu den aiigesebensten, immer mit Aufmerksamke», angchöricu Rednern des StadlhauscS. 1898 wurde er zum Sekretär des Genieindcrats gewählt. Wäb« rcnd der nationalistischen Herrschaft nach 1900 war er der eigentliche Führer der ganzen republikanischen Opposiiion. Nach�dem Sieg der Republikaner in den GcneralratSiuahlen der weine im Jahre 1904 wurde er von der republikanischen Mehrheit eilistiiinmg zum Präsidenten gewählt.. Auch im eigeiitlichell Partcilebcn hat er ciiie sehr bedeutende Rolle gespielt. Vor der Einigung gchvrle er der blanquistischcn Gruppe an, aber imnier war er ein Anhänger der Aerstäiidigung unter allen Sozialisten. So war er nach dem Amsterdamer Kongreß ein eifriger Förderer des EinigungSwerkeS. Er gehörte auch der Admiiiistrativkommissiou der Partei an. war Vorsitzender aus Partei« tagen, bis ihm Kränklichkeit und Erkrankung der Stimnibäuder die Ausübung dieses Amtes versagten und äußerte sich im„Socialiste in wohlbedachten, stets auf die Stärkung der einheitlichen Aktion gc" richteten Artikeln über die wichtigen Partcifragen. Da§ Hinscheide» dieses in unzerstörter Jugendlichkeit für da» sozialistische Werk begeisterten, tatkräftigen„Alten" wird tn der ganzen französischen Arbeiterschaft und über diese hinaus in der Internanonale. an deren Wiege er gestanden, Trauer er- wecken._ Von der Parteipresse. Im Wahlkreise H o s ist es das ernsteste Bestreben der Genossen, siir das Qrgan des Kreise«, die„Oberfriinlische VolkS- zeitung", die seither in der Druckerei des Genossen Dill in Hof hergestellt wird, ein eigenes Heim gu schaffen. Von den zuständigen Instanzen ist kürzlich beschlossen worden, eine Gesellschaft mit einem Grundkapital von 20 Ovo M. zu errichten. Die Höhe der Anteil- scheine ist auf 10 SM. festgesetzt, die auch in geringen Raten ein- gezahlt werden können, um es allen Genossen zu ermöglichen, das neue Unternehmen finanziell zu fördern. Der Gesamtbetrag der ge- zeichneten Anteilscheine überstieg in kurzer Zeit die Höhe von 30 000 SM., so dast daS Projekt seiner Verwirklichung entgegen- gehen kann. � Ter Deutsche Arbeiterverein in Brüssel. ?lus Brüssel wird uns berichtet: Der Deutsche Arbeiter- verein in Brüssel hat im Januar seine Generalversammlung ab» gehalten. Er tann auf das verflossene Jahr mit besonderer Bc- friedigung zurückblicken. Seine Versauinüungstätigkeit im Jn5)re 1013 Ivar äußerst rege. Es fanden u. a. statt: vier Generalver°> sanrmlungen, acht Abende mit politischen, vier mit naturwisscn- schaftlichen und sieben mit gewerkschaftlichen Vorträgen und SO RedeübirngSabendc. Fast durchweg war der Beriaminlungs- besuch zufriedenstellend. Unter den Referenten befanden stch.wich ausländische, so Liebknecht. A. Hoffmann und H. Schulz aus Teutschland. :su Bebels Tod veranstaltete der Verein cme Gedächtnisfeier. Die Bibliothek, die der Vorstand immer weiter auszu- gestalten bemüht ist. zeigt gegen das Vorjahr eine steigende Frequenzziffer und auch die Kolportage weist zusehends Fort» schritte auf. Bemerkenswert ist auch die Tätigkeit des Deutschen Arbeitervereins auf dem kilnstlerischen Bildungsgebicte. Es fanden Museumsbestchtiguilgen in Brüssel ruii Antwerpen statt und in den Wintermonaten zwei Kaimnermusikabcnde mit klassischem Pro- gramm.— Das vom Arbeiterverein gegründete Lesezimmer, das jetzt gemeinsam mit der belgischen Partei verwaltet wird und deutschen und belgischen Arbeitern zugänglich ist, erfreute sich gleichfalls eines guten Besuchs. Im vergangenen Jahre wurde auch die Zentrale beut- scher Arbeiter-Vereinc für Belgien gegründet, die für die Zukunft noch mancherlei Vorteile für die deutschen Slrbeiter- organisationen Belgiens verspricht. Mach Erledigung der Tagesordnung nahm die Versammlung eine Resolution gegen die militaristischen Gewalttaten in Zabern an. Wir möchten hier gleichzeitig auf die in- Belgien besteheiwen deutschen Arbeiterorganisationen in Brüssel, A n t Iv c r p c n und L ü t t i ch aufmerkscmr machen und die nach Belgien reisenden Genossen ersuchen, sich bei einigermaßen dauerndem Aufenthalt den deutschen Organisationen anzuschließen. Die Vereine erteilen alle erforderlichen Auskünfte, so z. B. über den Anschluß an die belgi- scheu Gewerkschaften, über die Arbeitsverhältnisse usw. Die Brüste- ler Organisation hat einen eigenen Permanenzdicnst im„Maison du Peuple"._ AuS»er belzische« Partei. Man meldet unS au, Brüssel: In Erwägung der lürzl.ch «brachten Nachricht über die Gründung eines vlamischen Tageblattes m den Brüsseler und Antwerpener Wahlkreis»st noch mitzuteilen, dak die aeitriae Plenarversammlmig der Brüsseler Föderation die B�schlS« d««usschüss- nach kurzer Diskussion mit 67 gegen 47 Stimmen angenommen hat. Das Blatt wird, wie der Ant- werpener Referent hervorhob, unter Kontrolle des Parteivorstandes stehen) der auch die Ernennung der Redakteure zu bestätigen bat. polizeiliches, Gerichtliche» ufw. ?mchti«t« Interessen der sozialdemokratischen Presse. Der sozialdemokratische Redakteur, der Streiknotizen bringt, handelt in Wahrnehmung berechtigter Interessen nach 8 103 Dtr.G.B. Zu diesem sehr vernünftigen Grundsatze hat sich jetzt da» Düsseldorfer Schöffengericht bekannt, linser Düffel- dorfer Parteiorgan, die„V o l k s z e i t u n g", hatte seinerzeit die beim Streik auf der Kugellagerfabrik„Rheinland" geübte Verräter- taktik des christlichen Metallarbeitervcrbandes scharf kritisiert. Durch den Artikel fühlte sich der Bevollmächtigte L e u p k e vom christ- lichen Metallarbeiterverbande beleidigt und strengte gegeu den Ver- anttvortlichcn unseres Düsseldorfer Partciblattes Beleidigungsklage an. Die Privatklagc wurde jedoch kostenpflichtig abgewiesen, weil der beklagte Redakteur in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. In der Begründung des ab- lehnenden Bescheides sagt das Gericht: „Der Privatklagc war der Erfolg zu versagen, weil der in Frage kommende Artikel der Wahrnehmung berechtigter Jnter- essen dient. Zweck des Artikels war, die Streikbewegung des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf der Kugellagerfabrik ..Rheinland" zu beleuchten und den Lesern, insbesondere den Mitgliedern des Deutschen Mctallarbciterverbandcs. ein Bild von der Haltung des christlichen Verbandes, wie sie seiner Mei- nung nach vorlag, zu geben. Dieses Interesse war für den Be- sctmldigten ein naheliegendes, da die Voltszeitung" nach dem Düsseldorfer Ortsstatut des Deutschen Metallarbeiterverbandes das Publikationsorgan dieses Vereins ist. Da auch eine Be- lcidiguug in der Form der Acußcrung nicht vorliegt, war dem Beschuldigten der§ 193 St.G.B. zuzubilligen und die Privat- klage daher zurückzuweisc»." Dieser Entscheid ist bereits rechtskräftig geworden, da der Privatiläger dagegen nicht angegangen ist. Im Kampfe gegen die Boltskncchtuiig. Als im Frühjahr v. I. im B r a u n s ch w e ig e r Landtag ein neues Volksnbulgesetz beraten wurde, beantragte der Landtags» abgeordnet« OberlandesgerichtSrat S e i d l e r, der auch Vorsitzender de? Verwoltungsgerichts ist, ein kleines Sozialistengesetz in daS Sclmlgesetz hmeinzuormgen, nach dem es den Arbeiterlindern schul- scitig bei Strafe verboten werden kann, mit ihren Eltern Arbeiter- icste ,n b-Nlchen. Der Seidlersche Antrag fand im Landtag auch ..D«„ Br aunschweiger Volksfreund" ging ,n ztoe. Artikeln scharf m.t Se.dler und dem Landtag ins Gericht. Seidler lief zum Kad,. Er erreichte die Verur, eilung des Genossen Mal, zu zwe, Monaten Gefängnis und des Genossen Wagner zu d r c i-j o na t e».Genosse May kehrte am vorigen Montag aus dem Gefängnis zurück und Genosse Wagner hat die Zelle diesen Montag bezogen. Henossenschastliches. Schlöchtrreigenossrnschaft. Ter Bielefelder Konsumvcreiii beschloß am Sonntag in seiner außerordentlichen Generalversammlung, die von über 2000 Ge. nvsseilschaftcrn vcsucht war. eine eigene Schlächterei zu errichten. Nach den vorgelegten, im Grundsätze genehmigten Plänen, soll die Anlage auf dem Grundstück der Zentrale in der Märkischen Straße in Bielefeld errichtet werden. Der Bauentwurs steht ein Keller- gcschoß und drei Stockwerke vor. Tie Baukosten find berechnet niit 210 000 M. für das Gebäude. 30 000 M. für die Maschinen und die innere Einrichtung: der bilanzmäßige Wert für das Grund- stück wurde mit 03 000 M. eingesetzt, also Gesamibaukostcn: 323 000 Mark, welche einstimmig bewilligt wurden. Die Mittel sollen den verfügbaren Beständen aus der Genossenschaftssparkasse entnommen werden. Man gedenkt, etwa sechs Fleischerladen, von den bi?- herigen Verkaufsstellen getrennt, zu errichten. Der Beschluß wurde damit begründe:, daß die Metzger auch bei sinkenden Viehpreiscn ihre Preise hochhielten, und daß, da im letzten Jahre im Verein an 300 000 M. für Wurst- uud Fleischwarcn umgesetzt seien, eine Preisregulierung nicht nur für die Genossenschafter, sondern auch für die Allgemeinheit eintreten werde. Der Vorstand wurde be- auftragt, mit den Vorarbeiten schleunigst zu beginnen. fix» Industrie und Handel. Krupp gegen Kirdorf. Die Gegensätze be' der Erneuerung des Kohlenshndikats, über die zuerst nichts an die Oeffentlichkeit gedrungen war, treten jetzt deutlicher hervor. Sie beruhen aus Differenzen zwischen zwei Grup- Pen. an deren Spitze auf der einen Seite die A.-G. Krupp steht, unterstütz� u. a. von dem Eisen- und Stahlwerk Hösch, auf der anderen«citc G e l s e n k i r ch en, Phönix u. a. Das Objekt des Streites bildet die Deckung der Geschäftsunkosten des Syndikats. Bisher wurden entsprechend der Konjunktur wechselnde Abzüge von der auf dem Markt verkauften Kohlemnenge gemacht. Die Last der Unkosten trugen also außer den reinen Zechen, die an Bedeutung ständig zurückgegangen find, diejenigen gemischten Werke, die, wie Gelsenkirchen, Phönix, Deutsch-Luxemburg, neben ihrem Selbstverbrauch große Mengen Kohlen direkt verkaufen. Vor- teile bot dies Verfahren dagegen den Werken, welche einen geringen Kohlenvcrkauf, dafür aber riesige Selbstverbrauchstontingente be- saßen. Sie genossen alle Vorteile des Syndikats, ohne das geringste für seinen Unterhalt zu tun. Der Thp dieser Firma war Krupp. Nach monatelangen Verhaiidlungen tvar es dem Geheimrat Kirdorf von der Gelsenkirchener Bergwergsgesellschaft, der seit Gründung des Syndikats dessen Direktor ist. gelungen, einen neuen Modus ausfludig zu machen, der dies Mißverhältnis �milderte und allgemein zur Annahme zu gelangen schien. Danach sollte nur ein Abzug von 3 Proz. des monatlichen Umsatzes gemacht werden und das tann verbleibende Defizit durch eine allgemeine Umlage ge- deckt werden, zu der auch die Hiittenzechen mit ihrem Selbstverbrauch herangezogen werden sollten. Dies Defizit würde vor- aussichtlich immer beträchtlich gewesen sein, da bisher Umlagen von 3 bis 7 Proz. nicht selten waren, cS sogar Umlagen von l2 Proz. gegeben hat. Krupp hatte bisher die geringe Köhlen- verkalifsinciige von 775 000 Tonnen, dagegen für seine Hochöfen und Stahlwerke einen Eelbstverbrauch von 2 074 000 Tonnen. Wenn Krupp nach dem Entwurf vielleicht durchschnittlich 3 bis 4 Proz. des Wertes seiner Kohlen jährlich hätte beisteuern müssen, würde dies fchätznngstveise eine Mehrausgabe von 0,9 bis 1,5 Milli- ouen Mark ausgemacht haben. In Zeiten schlechter Konjunktur, mit Exportprämien und hohen Frachtkosten nach dein Ausland wäre dieser Betrag bedeutend höher. Werke wie Gelsenkirchen, Deutsch- Luxemburg und der Phönix hatten sich mit dieser Neuordnung einverstanden erklärt, weil ihr direkter Kohlenvcrkauf im Verhält« nis zum Selbstverbrauch sehr groß ist und diese Neuverteilung für sie recht vorteilhaft gewesen wäre. Nach den Mitteilungen, die die Gruppe Kirdorf durch die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" und Krupp durch die„Tägliche Rundschau" und die„Deutsche Bergwerkszeitung" in die Oeffentlichkeit gelangen lassen, scheint es, als ob Krupp die Verhandlungen, welche sich monatelang um diesen Punkt gedreht hatte», ziemlich unettvartct durch seinen Widerspruch zum Stocken gebracht hat. Kirdorf läßt denn auch verärgert er- klären, daß er, wenn es bei der nächsten Versammlung wieder zu solchen Gegensätzen kommt, die Verhandlungen nicht mehr leiten wolle. Nun wird an dieser Frage auf keinen Fall das Shndikat scheitern. Immerhin ist aber die Verzögerung, die Krupp hcrpor- ruft, den Machern des Syndikats unangenehm, weil dadurch auch die Verhandlungen mit dem Fiskus und privaten Außenseitern ebenfalls in? Stocken geraten. Wieweit der Druck, den Krupp mit seiner Obstruktion ausübt, wirken wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist es sehr interessant, zu beobachten, welchen Einfluß tleiiie Werke und welchen der Riese Krupp auf den Gang der Syndikats- Verhandlungen ausüben können. Einige Magerkohlenzechen ver- langten eine Besserstellung. Heber ihre Wünsche ging man einfach zur Tagesordnung über. Krupp dagegen hält mit seinem Ein- spruch die ganzen Verhandlungen auf. Erweiterung der Spirituszentrale. Die Spirituszentrale, die die gesamte KartoffelspirituSproduktion beherrscht, geht jetzt daran, sich auch die Erzeugung von Korn- s p i r i t u S zu unterwerfen. Zurzeit schweben Verhandlungen der Spirituszentrale mit der K o r n s P i r i t u s z e n t r a l e G. m. b. H. in Dortmund, um sich diese anzugliedern. Vorläufig hat die Spirituszentrale nur geringen Einfluß auf die Kornspirituserzeugung. Obgleich die Dortmunder Zentrale nicht allzu große Bedeutung hat, würde die Vereinigung beider doch die Stellung der größeren Zentrale noch weiter befestigen. Die seit langer Zeit bereits schwebenden Verhandlungen der Zentrale mit der Destillateurorganisation sollen dahin geführt haben, daß die Destillateure in die von der Zentrale geforderte Festlegung von M i n d e st st ä r k e n siir Branntweine einwilligen. Die Zentrale inacht die Durchführung von Mindeststärken zur Voraussetzuno der Fortgewährung der Rabatte._ Silberwährung in China. Ein chinesisches WährungSgefetz ist dem Parlament vorgelegt werden: es bestimmt als Münzeinheit ein chinesisches Dollarstuck, den Auan. mit etwa 24 Gramm Reinsilber Andere Silbermimzen find die Fünfzig-, Zwanzig, und Zehn-Cenls- Stücke. Sie haben zehn Proz. Kupferbeimischung. Ferner gibt es ?up/-rn.unzen von e,n und zwei Cents und eine Nickelmünze von fünf Cents. Die Dollarstücke alter Wahrung haben für einige Zeit noch neben den neuen Gültigkeit. r �«»»ßigimg. Die Bank von Norwegen fetzt den Diskont von 5 auf i'/j Proz. herab. Soziales. Ein ostelbisches Jammerbild. Für kranke Landarbeiter ist bestens gesorgt! rief dieser ?i,age im preußischen Dreiklassenhause ein„Volksvertreter" aus, als unser Genosse Hofer sachkundig und scharf die elenden Zustande geißelte, unter denen die Landsklaben des Junker- Paradieses hoffnungslos seufzen, und„große Unruhe rechts" verzetchnete der stenographische Bericht, als Hofer zeigte, wie in jenen Landen mit kranken Landarbeitern Schindludcr gespielt wird. Naelssolgcnder Fall beweist wieder mal, wie sehr die„große Unruhe" jener Herrn von und zu begründet war. die bekanntlich iimuer in heftigste Erregung geraten, wenn init der Laterne in ihre Schlupfwinkel hinein- geleuchtet wird. Unweit des Kirchdorfes Schaaken, nicht allzu fern der Kurischen Nehrung, liegt das einem Baron v. Hausen gehörige Rittergut S u d n i ck e n mit vier ausgedehnten Bor- werken. In einein dieser Vorwerke, Germchnen. haust in einer jener bekannten Instkaten in einer einfenstrigeu „Stube" mit teilweise zerstörtem Ziegelfußbodeu eine acht- köpfigc Landarbeitcrfamilie. die dem Verhungern nahe ist. Eine alte. 63j(ihrige Mutter, die nicht mehr arbeiten kann. Tochter mit drei Kindern im Alter von 3. 7 und , � bei schwerer Arbeit früh bis spät täglich 4 0 P r, und wöchentlich eine Metze grobes Mehl erhält, und ; auf dem Krankenlager— eine andere, lungenkranke Tochter mit zwei Kindern. Tie letztere, eine 27jährigc Frau, hat mit Ausnahme von etwa vier Jahren immer auf Sudnicken ge- arbeitet, ist dort geboren und zur Schule gegangen. Im Jahre 1911 schon einmal in der Lungenheilstätte Allenstciu untergebracht, kehrte Frau K. im vorigen Jahre auf da Rittergut zurück. Im Oktober erkrankte sie abermals schwer, wurde im Krankenhause zu Biska-Schaaken fünf Wochen lang behandelt und dann als„gebessert" entlassen. Schmach und krank, konnte die Frau nicht ans Arbeiten denken und mußte das Bett hüten. Da teilte ihr der Gutsrendant mit. daß sie für ihre Kinde keine Unterstützung erhalten werde, wenn sie nicht in Stellung gehe. In ihrer Not begab die Kranke sich zum Landrat. der ihr sehr freundlich entgegenkam, ihr Hilfe versprocki und ihr ein Schreiben an den Gutsrendantcu mitgab, denn es müsse für sie gesorgt werden, sie dürfe unter keinen Umständen obdachlos werden. Und nun geschah das für unsere ländlichen Verhältnisse Bezeichnende. Die Frau wurde am Heiligabend vor den Amtsvorsteher geladen. Dieser Herr, ein Lehrer Vogel, der vertretungsweise die Amtsvorstcherfunktion ausübte, fuhr d:e kranke Frau an: D» bist beim Landrat gewesen um Unterstüvilng? Ein junger Mensch von 27 Jahren will Unter- stüvuug haben? Das ist dem Herrn Baron nicht angenehm. Das wäre noch so was, da könnte sich jeder aus die Bärenhaut legen und faulenzen. Was willst Tu denn noch, wenn der Herr Baron schon für die Kinder bezahlt. Tu kannst in Stellung gehen und Dich vermieten! Nach dieser„Ansprache" legte der gestrenge Herr Lehrer und stellvertretende Amtsvorsteher der eingeschüchterten Fron ein Sckwiftstück vor. in dem sie d u r ch U n t e r s ch r i f t b e- s ch e i n i g e n mußte, daß sie aus weitere Unterstütz, mg r er, sichtet�. ßonn Frau K. dieses Schreiben: Kreisausschuß Königsberg, den 2. Januar 1914. des Landkreises Königsberg. Königstr. 56. J.-Nr. 13 2S8/i. Nachdem der dortige OrtSarmenverband sich zur Unterstützung Ihrer beiden Kinder bereit erklärt hat und Sie auf die Gewär- rung einer Unterstützung verzichtet haben, sehen wir den bei uns gestellten protokollarischen Unterstntzungsantrag vom 10. Dezem der v. I. als erledigt an. An die Arbeiterfrau% V.t A. K..... Magnus, zu Germehncn. Kreisdeputierter. Und w i c„unterstützt" man nun die Frau? Sie erhält für beide Kinder monatlich sechs Mark(für jedes Kind 10 Pf. pro Tag) und e i n Liter Milch täglich. Wie schon erlvähnt, erhalten die alte Mutter und die Kranke nichts. Es müssen hier also acht Menschen von 00 Pf. pro Tag. einem Liter Milch und ei» paar Händen voll Schwarzmehl leben! Zu der Kranken kommt kein Arzt, sie bekommt keine Medizin. Wer diese kranke Frau mit den verdächtigen roten Flecken aus den Wangen und der von fortwährenden auälenden Husten- stoßen gemarterten Brust sieht, der weiß, ohne Arzt zu sein, daß sie der heimtückischem Proletarierkrankheit verfallen ist. Und niemand sorgt für die Unglückliche, die ihre bleichen Lieblinge hungern sehen muß. Schenken nicht mitleidige Nachbarn den armen Kleinen ein paar elende Brotrinden, so sind Kartoffeln mit Salz die einzige Nahrung. Was aber kümmert dieser cntstzeliche Jammer den reichen Rittergutsbesitzer, den Herrn Gtttsrendanteu oder den Herrn Amtsvorsteher. Tränenden Auges erzählte die Frau, wie glücklich sie gewesen sei. als ihr vor einigen Tagen jemand de» sozialdemokratischen Landbotenkalender brachte: es sei ihre letzte Hoffnung gewesen, denn nun wisse sie doch, daß es noch Menschen gebe, die sich der Armen annehmen. S o sieht es in Wirklichkeit im Jnnkerparadiese aus. Wir aber vermuten, daß aucki diese wahrbeitsgcmäße Schilderung wieder„große Unruhe" in gewissen Kreisen erregen wird. Da werden in geradezu unverantwortlicher Weise Menschenleben aufs Spiel gesetzt und dann zetert das Nimmersatte Junker- tum über die Landflucht der„begehrlichen" Arbeiter. Aerzte und Krankenkiisse«. Die Einigungsverhandlungen in Breslau haben am Sonn- abend zu einer Verständigiing über die Grundlage zu weiteren Ver- Handlungen geführt, die voraussichtlich den Frieden zwischen dem Breslauer Krankenkassenverband und den Aerztcn bringen werden. Aus Braunschweig wird gemeldet, daß dort der zwischen Acrzlen und Krankenkassen vereinbarte Vertrag von beiden beteiligten Seiten endgültig auf fünf Jahre angenommen wurde, und daß damit der Slerztestreik beigelegt worden ist. örieftaften der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde fällt morgen, Mittwoch, de» ll. Februar, aus. B. B. 10«. 1. und 2. Ja. jedoch nur zunächst sür die Zeit vom 1. Januar bi« cmschlichlich Marz 1014. 3. Die Steuert, flicht hört aus mit dem 31. Dezember 1914. 4. Innerhalb der OLtägigen Frist bei der Kirchen- bebörd, reflamiere».—«. SB. 6". 100. 1. bi« 3. Im FricdhofSburean des Magistrats. Ratbau». Zimmer 104, zu erfahren.— P. 11. Sostril Sic am 1. Stpril 1914 ausziehen wollen, uiußte das Kandigungssch�ibc» spätesten» am 29. Dezember im Besitz de» Vermieter» lein.— K. W. I. 1. 18 bi» 20 M. 2. Zwei bi» Drei. 3. Nein. 4. Solerii Sie zum Osten- barunaseid geladen werden, sind Sie zur Angabe der Arbeitsstelle ver- pflichtet.— H. M. 13». Auch Autländcr find zur Zahlung der Kirchen- steuern verpflichtet, sofern Sie der Religionsgemewlchast angehören— St. P. 100. Nein, Ii- können aber auf Wi-derhcrstelluua der ihestchen Gemeinschaft klagen. Fall» die Frau nicht innerhalb Jahreifttst nach Recht». kraft diese» Urteil« zunlckkebrt. haben Sie einen Schcldung»grund.— Er»»«. Ohne näher» Darstellung der Sachlage nicht zu b-antworlei,. —»8. H. R. Ja. die Klag« mutz Ihr Vater erheben. Fall» er zur Bestreitung der Kosten außerstande ist. mutz er sich-in Almcnattest beschasten und beim Landgericht Dan, ig die Bewilligung des Armenrechts und Beiordnung eine« Rechtsanwalt« beantragen. — R. D. LS. Da» ist zulässig, sosern dadurch Bäume oder sonstige Au- Pflanzungen nicht beschädigt werden. Einer polizeilichen Srlaubm» bedar, e» alSdann nicht.— 5l. G. S3. Da? Einkommen ivlrd nach gesetziichcr Borschrist ziliammengerechiiet.— BS. W. 75. 1. Wenn e« sich um eine DarlcbnSforderung handelt, in 30 Jahren. 2. Durch Schuldanerkenntnis. auch durch Leistung von Mzahlimgeu.— Miinchen 10. In dem an» gegebenen Falle kann Anspruch erhoben werden. Der Antrag ist bei der OrtSvoNzeibebörde anzubringen.— Abonnent 100. Ab Mittwoch.— TS. L. 88. Di- Anspräche, die länger al» vier Jahre zurilckliegei- sind verjährt. Autzerdem tonnte der Unterhalt nur bis zur Volleiidun.» de» 14. Lebensjahre» gesordeit werden.— kl. 31. Die Hälfte de» geviein- samen VcnnögcnS. Die Frau kann jedoch ihr eigene» Vermögen unter Verzicht auf den weiteren Anspruch»»«sondern. 1. und 2. In beiden Fällen. 3. Sofern er mehr al» etwa 24 M. wöchentlich ver- dient. 4. Heiratsurkunde sowie ein ärztliwe» Zcugn!« de» Irrenarztes. Vor Erhebung der Klage mutz aber die Frau erst beim Zlmtsaericht de» Antrag aus Bestellung eines Pfleger« stellen.— X.«. Moabit. 1. Rur dann, wenn da» VorniundschaflSgcricht aus Antrag hin zustimmt. 2. und 3. Wiederholen Sie die Aiisrage und geben Sie noch au. wieviel Personen in dem Betriebe bcschäsiigt sind.— 18007. M.®. Sic waren zur Zahlung der vollen Kirchensteuern an die katbolische.Kirche sür die Zeil bis eliischlietzlich Dezember 1913 verpflichte!. Soweit ersichtlich, haben Sie an die katbolische Knche sür ein Vierteljahr zuviel gczabU. Sic können deswegen Rillkzqhluug fordern. Zur Zahlung de» von Ihrer Ehefrau au dir evangelische Kirche gezahlten Betrage» ist diese verpflichtet. Ist dieser Bc- trag bei Ihrer Ehefrau nicht bcitreibbar. so hasten Sie dasür.— G.i=m Muster bei näher. Angabe krank'o Berlin, Oranion straBs ilmiUsas; litis- Für die vielen Beweise herzlicher Tciinahmcbci der Beerdigung unseres geliebten sohncs und Bruders Alfred sagen wir allen Miseren herzlichsten Dank. Wilh. Nosenberg nebst Frau u.Kindern Herbert, Wally, Eterime Zentralveriiani! lier Maschinisten u. Heizer sowie Berufsg. ßeuischl. Geschäftsstello GroB- Berlin. Bezirk VSedding. 31m Freitag, Den 6. Februar, verstarb unser Mitglied, Kollege ßmil Ehrhardt. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10, d. M„ nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Dankes-Kirchhoses in Zieinickendors- West, Blankestraße, aus statt. 153/3 Die Gescbäftsslellenvcrwaltung. Eingetragene Gcnossenschast mit beschränkter Haftung. Bilauz per 30. September 1913. Aktiva, 1. Kassakonto..... 1 639,00 2. Banktonto..... 11 659,13 3. Warenkonto..... 4 647,03 4. EinrichtungSkonto.. 13 500,— 5. Gcspannloiito.... 17 000,— 6. Gespamumkostenkonto. 2 793,60 7. Betriebsunkostenkonto. 105,— 8. Konto pro diyersi■■ 610,— M. 51 933,84 Passiva. 1. Konto pro divers:.. 14 119,50 2. Darlehnstonto... 31 500,— 3. Rcservesondslonto.. 550,— 4. Konto der Genoffen. 1 500,— 5. Gewinn- u, Verlustkonto alter Saldo 1 717,30 neuer 2 567,04 kN,-51 953,84 Im Lause des Geschästsjahrcs 1912/13 ist lein Genosse beigetreten und keiner ausgeschieden, CS gehörten der Genossenschaft am Schluß des Geschästsjahrcs 1912/13 15 Genossen an mit einer Gesamt» Haftsumme von 1500 Mark und dem gleichen Gcschästsguthabcn. Die Hast- summe hat sich nicht vermehrt und nicht verringert.' 102/29 Berlin, den 9. Februar 1914. vsr Vorstand. A. Michaelis. Paul Lei»». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterZ »iakoli Hages: sagen wir allen Bekannten und Freunden, den tkollegen und Kollc- ginnen der Vereinigten Isolatoren- Werke zu Pankow und den Partei- genossen des 6. WahllreiseS sowie dem Metallarbcitervcrbnnd unseren herz- lichsten Dank. l153l Vlitwo Hager nebst Kindern. SozialtleiiiokralischerWahiverein LßJ.ßErl.lieichstays-Waiilkreis. Bezirk 801a. 3lm Sonnabend, den 7. Februar, verstarb unsere Genolsin Frau UhheimmeNsirmsim Hochstraße Ib. Ehre ihrem Andenken! Tie Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. d. M., nach- mittags Uhr. oon der Leichen- balle des Dankes- Kirchhofes in Zieinickendors, Blankestraße, aus statt. lim rege Beteiligung ersucht Her Vorstand. Rk die Alpenfeste llliiltSiiiilllllliiüllHlIliüüiiiilll!!! im II. Stock, Verliandtierliut-iiöilFilzwaFe!!- arheiteru.MeiteriRnenDeulsciil. Ortsverwaltung Berlin. Allen Milgliedern zur Nachricht, daß die Kollegin Ida Kioizel (Betrieb Lichtenstcin) verstorben ist. 76/3 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3'l, Uhr, von der Halle des Markus- i Kirchhofes m Hohenschönhausen aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet I Hier Vorstand. ! Sonntag früh 8 Uhr enischlies saust nach längerem, schwerem Leiden mein lieber, treusorgender Mann und unser guter Vater, Sohn, Bruder und Schwager,! der Schriftsetzer. August Schneider im Aller von 5t Jahren. Dies zeigen au im Namen der Hinterbliebenen Ida Schueider nebst Sohn. Tie Beerdigung findet am Donnerstag, den 12, Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Gcmeinde-Fricd- 3 hoseS, Nculolln, Maricndorser � Weg, anS statt. wtvwmiwu p»Im Sonntag, den 8. Februar, jß starb unser lieber Mitarbeiter, B Schriftsetzer Verkauf zu niedrigen Preisen Speztalarzf Hierdurch allen Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unser guter, lieber Sohn. Bruder und Schwager, der Former 11531 Dr. med. WockentaB, Friedrichstp. 125(Oranienb. Tor) fBr Syphilis, Harn- d. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tag©). Blutuntersuchung. Schnelle, eichera schmerzlose Heilung ohne Berufe- Störung. MäSIge Preise.■ Sprechet, v. S— 8, Sonntags 9—11, Stein peifabrlk A> Robert Hecht, ÄrintiJllF.Scliiieller Berlin S. dS, Rittcrstr. 116. liefert schnell und mOKim. billig alle Arten Berlin, Eerichtstr, 8, ont 8. Februar, im 3lltcr von 28 Jahren nach schivcreilt Leiden sanft entschlafen ist, DicS zeigen tiesbetrllbt an Witwe Zinna Rohloff nebst Kindern und Familie Weischnrr. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den ll. Februar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Kapelle des Philippns-'Apostcl-FriedhoseS, Alüllerstraße 44/45, aus statt. !im'Atter von 5t Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes 3lnde»lc» bewahren. fi Vorwärts Buchdruckerci und Berlagsanstalt is Faul Singer& C,'o. nT.tassg�iaB-'i.a'jjeauiiiitangwsBMms 3lm Sonntag, den 8. Februar. morgens 8 Uhr, enischlies nach längerem schweren Leiden unser lieber, trcucr Mitarbeiter, der schrislsetzer August Schneider im Alter von 51 Jahren. Durch seinen offenen, ehrlichen Charakter sowie seinen kollegialen Sinn hat er sich bei ims ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahrt. Möge ihm die Erde leicht sein Las Personal der Vorwärts- stucddruckerei u.Verlaxsanstalt Paul Singer& Co. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. Februar, nachmitlagS 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Friedhofes in Neukölln, Maricndorser Weg, aus statt. 3lm Freitag, den 6. d. Mts,, abends 8 Uhr, verstarb nach lan- gern, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute N-utter Ida ülEiSzel im vollendeten 48. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an und biitcn um stille Teilnahme Rcinhold Künzel nebst Kindern, Elisabethstr. 12. Die Beerdigung findet heule Dienstag, den 10. Februar, nach- mittags:/z4 Uhr, von der Halle dcS Marlus-Kirchbofcs, Hohen- Schönhauscu, aus statt. 860b tu bester 3lusftlhrung. unnatürl. Blutrote des Gesichts, Blut- äderchen, Pusteln usw. werden beseitigt durch..Marubin". Kein ober« fläch l. Bleichmittel! Wissenschaftlich er- probt u. von durchgreifender nbsoluter Wirksamkeit. Nachweisl. Erfolge seit fast 25 Jabreti. Garanliert unschädlich. Dose nebst Seife«. 2.59. ONokleiebel, BeriinlZ. Eisenbnhrwtr.t ISpezialarzt f. Haut-, Harn-. Frauenleiden, nerv. �ckwäche. Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata. Kuren in Hs.(lomeyer Untersuchung., Fäden i. Harnusw. PieiiricbLir. Li, Spr. 10—2, 5— 9, Sonnt, 11— Honorar mäfiig, auch Teilzahi. Separates Tameiizimmer. ileberali zuhaben In Flaschen von IQPI.sn, Fabrik; Chemhche WerkeLubszyniki&Co. Aklicngeseilschait, Berlin- Lichtenberg Klnmtn- n üb Krainliiudkrti von Robert Meyer,' Jnh,; P. Golletz Alariannenstr. 3. Tel. Mpl. 349 Zweigverein Berlin. 3l>n 5. Februar starb unser Mitglied, der Maurer Karl Lehmann (Bezirk Südost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11, Februar, nach. niitlags 3 Uhr, von der Halle des St. Michael-Friedhoses in Neukölln, Mariendorser Weg, aus statt. Uni zahlreiche Beteiligung ersucht 140/15 Der Vorstand. Oskar Wollburg T rauer- Magazin Berlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach MaB in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* 8t. 40. 3i i.it9MS z. Ktilllge des„NorVlirts" Kerlim NsIdsdlR � 10<9.4 Kampf! Ein paar Tage vor den Berliner Kaufmanns- gerichts Wahlen klagt einer im„Berliner Tageblatt" recht herzbrechend über den Unfrieden unter den H a n d I n n g s g e�h i l f c n von Berlin. Er variiert daS biblische Thema: Siehe wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchrig beieinander wohnen, und sucht den Sfach- weis zu erbringen, dojz es im Grunde keine tiefgehenden Mei- uungsverschiedenheiten zwischen den Verbänden gebe und daß daher der Kampf um die Beisitzermandate sinnlos und fchäd- lich fei. Tie großen Organisationen hätten doch fast durchweg die gleichen sozialpolitischen Forderungen aufgestellt, und nur einige kleine radikale Gruppen hätten dem mehr oder weniger gemeinsamen Prograinm einige nltraradikale Forderungen angefügt, von deren Unfruchtbarkeit sie selbst überzeiigt seien. Man tue also viel besser daran, das Geld, das für die Wahl- kampagnc ausgegeben werde, zur Linderung der Not unter den Angestellten zu verwenden. Achnliche Töne Pflegt man ja bei allen Wahlen zu ver- nehmen und auch bei denen zum Parlamente ist der Friedens- apostel, der für eine bessere Verwendung der Gelder plädiert, keine unbekannte Erscheinung. Er steht in der Regel im Lager derjenigen Leute, denen die Wahl nicht der Kosten, sondern der Unruhe wegen unsympathisch ist, und die die Meinung des preußischen Erzreaktionärs Ludwig V. Gerlach teilen, daß eigentlich jede Wahl ein Unglück sei. Je weniger gewählt wird, um so geringer ist die Möglichkeit zur Verbreitung oppositioneller Ideen, um so gesicherter ist das bestehende Systeni. Ach, und der gute Mann im„Berliner Tageblatt" ist durchaus von derselben Couleur. Am Schluß seines erbau- liehen Sermons kommt es ja heraus: er weist daraus hin, daß der Verband deutscher Handlungsgehilfen(Leipziger Ver- band) mit dem Verein für Handlungscommis von 1838, dem Verein junger Kaufleute und dem Verein der Bankbeamten ein Abkommen dahin geschlossen habe, daß der Wahlkamps ohne jede Erbitterung und im Zekheir der Gemeinsamkeit der Interessen geführt werden solle. Ter Wind Pfeift also aus dem H a n s a b u n d- L o ch c. Denn die genannten Organisationen sind diejenigen, die hinter der Hansafahne cinhertraben und die daher allen An» laß haben, Rücksichten ans das Rnhebedürsnis des Unter- nehmcrtums zu nehmen. Denn darauf läuft es hinaus: Die Angestellten vertragen schon den Kampf, und wenn natürlich auch die Art und Weise, wie ihn die Sprengkolonnen des Teutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes führen, dem doch nebenbei gesagt die Leipziger nicht so fern stehen, von jedem Anständigen aufs schärfste verurteilt wird, so wissen sie dock, daß die Auseinandersetzungen notwendig sind, um die Lust zu klären und die abseits stehenden Angehörigen des Be- rufes aufzurütteln. Und indem gerade die radikalen Ver- bände, von denen der Leipziger so geringschätzig spricht, den Gegensatz zu den rechtsstehenden unterstreichen, bringen sie die Angestellten zu der Erkenntnis des Gegensatzes zum Unternehmertum und leisten damit eine Arbeit, die, mag sie den Hansabündlern auch noch so wenig gefallen, die aufgewandte Mühe und die ausgelvandten Kosten nur lohnt. Die Erfolge, die gerade der Zentralverband der.Hand- lungsgehilsen in der letzten Zeit bei den Kausmannsgerichts» Wahlen im Reiche erzielt hat, beweisen im übrigen, wie wenig Verständnis die große Masse der Angehörigen des Berufes für die friedliche Taktik der Leute besitzt, die sich ermattet auf das Faulbett legen. Ter Zentralvcrband hält es mit Gott- fried Keller: Wer spricht von Anmut, während die Gedanken Noch schuylos irren mit zerrauftem Haar? Noch kämpfen wir durchringend Jahr um Jahr, Noch tut uns not ein scharf, ob unschön Zanken. Parteiangelegenheiten. ?. Kreis, ö. Abteilung. Mittwoch, den 11., gemeinschaftlicher Zahlabcnd der 5. Abteilung in Habels Brauerei. Vortrag des Rsichstagsabg. Schöpflin. Tritter Wahlkreis. In folgenden Abteilungen finden gemein- schafilickie Zahlabende statt:. 1. Abt. Bez. 189—141, 151 u. 1o2 im Martychen Hof. Ldmiralstr. 18o. Vortrag des Genossen Adolf Ritler. 2. Abt. Bez. 141—144 u. 234 im GewerkichastshauS. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Karl Habcrland über:.Die Aufgaben der Sozialdemokratie in Staat und Kommune". 8. A b 1. Sbez. 216— 220a bei Augustin, Oranienstr. 103, Vortrag des Genossen Wissell über:.Unfallversicherung". 5. A b t. Bez. 224— 2Z6a Ritterstr. 123. 6. Abt. Bez. 227—229 bei Augustin. Oranienstr. 103, Vor- trag dcS Genossen Goldbcrg. 7. A b t. Bez. 232— 233, 283 u. 237 bei Henning. Alexandrinen- strotze 44, Vortrag des Genossen Pfeiffer über:„ReichSversicherungS- ordmiiig und Krankenkassen. 8. A b t. Bez. 236-242. 249 u. 249a im GewerlschastShauS. 10. Abt. bcl Wille. Sebastianstr. 30. Vortrag des ReichstagS- abgeordncten Hildenbrand. Trcptow-Vaumschnleuwcg. Morgen Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Gemcimckasllicher Zahlabend für alle Bezirke: Abteilung I im GesellschaflshauS. Baumichulenflr. 7S: A b t e i l u n g H bei Ludwig Arn Treptower Park 2o/26. Vortrag über:.Die deutsche ReicbS- verfassung". Referenten stnd die Genossen Ucko und K l ü tz. DiS- luffioit und Mitteilungen, Köpenick. Heule Dienstagabend veranstaltet der Bildunas- ouSilbuh seinen 23. Thealerabend. Zur Aufführung gelangt: Der G'wisienSwurm". Bauernkomodic von L. Anzengrubcr. Euilatzkarlen sind noch bei Witzler. Kietzer Str. 6. und im Stadttheater zu haben. Maricnfelde. Die Mitgliederversammlung des Wahlvercins findet ain Mittwoch, den 11. Februar, abends 8'/, Uhr. j.n Lokal des Herrn Gastwirt«chuster. Marieiifelde, Kirckstr. 68. statt. Tagesordmiita: 1. Vortrag des Genoyen Max Groger-Neukölln über:„Die bevorstehende Gcmeindcwahl". 2. Diskussion. 3. Partei. angelegenheiten. FriedrichShagen. Mittwoch, den 11. Februar, abends 8>/z Uhr, bei Lercke, Friedrichstr. 112: M i t g l t e d e r v e r> a m m l u n g. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Friedrich Sachtleben über moderne Feuerbestattung. Im wetteren findet die Ausstellung der Kandidaten zur Gemen, de- Vertreter Wahl statt. Grünau. Mittwoch, den 11. Februar, abends 9 Uhr, in der .Brünen Ecke": Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Bwaid- Tempclhof: Berichterstattung von der Kreis- General- Versammlung. Bohnsdorf. Am Sonntag, den 13. Februar, nachmittags 6 Uhr. veranstaltet der hiesige VildungsauSschutz in der Villa Kahl einen VolkSliederabend. Vortrageuder: Herr Dr. Heinz Schall-Casparh. Einleitungsvortrag und Lieder zur Laute. Eintrittskarten a 30 Pf. sind noch zu haben beim Kassierer W. Franz, Paradiesstr. 4. Alt-Gliciiitkc. Mittwoch, den 11. d. M.: Zablabend: 1. Bezirk bei Ritze, Grünauer Stratze; 2. Bezirk bei Bahr, Köveuicker Straße; 8. Bezirk(Ortsteil Falkenberg) bei Schäfer, Schirnerstratze. Nirderschönhmisen und West. Morgen Mittwoch: Gemeinsamer Zahlabend i-n Lokal„Schwarzer Adler", Blankenburger Str. 4. Sluf der Tagesordnung steht n. a.: Aufstellung der Kandidaten für die bevorstehende Gemeindewahl. Fredersdorf(Ostbahn). Mittwochabend SJ/2 Uhr: Zahlabend bei Schönwiese. Erkner. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet am Mittwoch, den 11. Februar, abends 8'/» Uhr, bei Grund, Friedrich- stratze 21, statt._ öerlmer Nachrichten. Tie juristische Sprechstunde fällt morgen» Mittwoch, den tl. Februar, aus._ Ii» Streit erschossen. Nach einem Streit erschossen hat der 33 Jahre alte Arbeiter Theodor Schmidt aus der Plantagensir. 13 den 19 Jahre alten Ar- beiter Bruno Rotheuler, der wenige Häuser von ihm entfernt bei seinen Eltern in dem Hause Plantagenstr. 39 wohnte. Schmidt, der Vater von zwei Kindern im Alter von vier und sieben Jahren ist, lebt mit seiner Frau in Zwist und wohnt für sich allein in einer Küche. Die Scheidungsklage schwebt noch. Vor drei- viertel Jahren, kurz nach der Trennung von seiner Frau, Uetz er sich einen Waffenschein geben mit der Begründung, datz er von Liebhabern seiner Frau ständig verfolgt und bedroht werde. Er erhielt den Schein und trug seitdem ständig eiueli scharfgeladenen Revolver bei sich. So auch Sonnlagnacht wieder, als er das Tanzlokal von Hampel in der Gerichtstr. 31 aufsilchte. Dort traf er den ihm bekaitiltell jungen Rothculer, der mit seiner Braut uiid zlvei Freunden er- schienen war. Im Laufe des Abends tanzte Schmidt, der abseits von der kleinen Gesellschaft Platz genommen hatte, einmal mit Rotheulers Braut. Diese beklagte sich nach dein Tanze darüber, datz ihr Tänzer sich unpasseiid benommen habe. Notheuler stellte ihu darauf zur Rede und verbat sich diese Belästigungeit. Ein Wortwechsel, der hieraus entstand, und an dem sich auch die Freunde Rotheulers beteiligten, legte sich bald wieder und alles schien wieder gut zu sein. Das war gegen 2 Uhr nachts. Eine Stunde später begaben sich Notheuler, seine Braut und seine Freunde nach dem im Borderhalise gelegenen Cafe, daS zu den, Tanzlokal gehört. Schmidt folgte dorthin und setzte sich au einen Nebentisch. Man kam in ein Gespräch, in dem der Vorfall wieder aufgerührt wurde. Auch jetzt blieb es bei einem unbedeutenden Wortwechsel. Rotheuler, der als ein sehr ruhiger und besonnener junger Mensch bekannt war, dachte an nichts mehr, als er gegen 4 Uhr die Toitette aufstichte. Die anderen dachten sich ebenso wenig dabei, als Schmidt ihm folgte. Zu ihrem Schrecken hörten sie gleich darauf einen Schutz fallen. Als sie, andere Gäste und das Personal hinzueilten, fanden sie in de», Toilettenraum Roth- euler aus einer Siirnwunde stark blutend mit dem Rücken auf dem Futzboden liegen. Seine Hände hielten sich krampshaft an dem Rocke Schmidts, der über ihn gebeugt dastand und in der rechten Hand noch seinen Revolver hielt. Das Bild lietz erkennen, datz Schmidt dem jungen Manne aus nächster Nähe eine Kugel in die Stirn geschossen hatte. Im Fallen hatte der Getroffene sich an ihn so festgchallen, datz es ihm noch nicht möglich gewesen war, seine Stellung zu ändern. Notheuler wurde nach der Hilfswache in der Lindower Stratze gebracht, starb aber schon unterwegs. Schmidt wurde wegen Totschlags verhaftet und zunächst nach der Revierwache gebracht. Hier behauptete er, in der Notwehr gehandelt zu haben. Rotheulers Freunde hätten ihn vorher schon verprügelt und dieser selbst habe ihn auf der Toilette schwer an- gegriffen. Nach dem Ergebnis aller Vernehmungen kann davon gar keine Rede sein. Schmidt wurde deshalb in Hast behalten und im Laufe des Tages der Kriminalpolizei übergeben. Ter Hauswirt in der Armcupflegc. Wenn die Armenpflege von einem Notleidenden um Hilfe gebeten wird, wendet oft der von der zuständigen Armenkominission niit den Ermitteluugcl, betraute Rechercheur sich an den Hauswirt des Bittstellers. Der Herr Hauswirt mutz ja Bescheid darüber wissen, was seine Mieter im Topf haben oder nicht haben, und falls er das etwa doch nicht wissen sollte, so kann er mindestens sagen, ob einer mit der Miete- zahlung im Rückstände ist. Sehr einfach und be- quem macht sich die Sache, wenn in der Armen- kommisfion. die über das Gesuch eines Bittstellers ent- scheiden soll, zufällig sein Hauswirt selber Mitglied ist und dort amtlich bestätigen kann, datz der in Not geratene Mieter ihm noch nicht mal die Wohnungsiniete bezahlt hat. Datz aber ein Hilfe- suchender, wenn sein an die Armenkommiision gerichtetes Gesuch um Uiiterstützuiig seinem Hauswirt bekannt wird, auch sehr üble Er- fahruiigeii machen kann, das hat sich in einer Armenkonnnission des Stadtteils Wedding gezeigt. Eine Frau, die von ihrem Mann Verlaffen worden war und seit Dezember auw ihre Erwerbsarbeit verloren hatte, wandte in ihrer Not sich Ende Januar au den Vorsteher der A r m e n k o m m i s s i o n. Den Bescheid auf ihr Gesuch erhielt sie schon nach kurzer Zeit. Ter Herr, der als Mitglied der Kommission diese Sache zu bearbeiten hatte und bei seine» Recherchen auch in ihrer Wohnung war. sagte ihr, sie solle am Abend des 31. Januar mal bei ihm anfragen. Vielleicht werde für sie„etwas da sein", und er habe ihr dann die Unterstützung auszuzahlen. Noch ehe sie zu diesem Herrn -gehen konnte, lietz am Nachmittag des 31. Januar ihr Hauswirt sie rufen. Wollte er mahnen, datz sie ihm schon für zwei Monate die Miete schuldete und jetzt zu Beginn des dritten Monats endlich zahlen müsse? Als sie zu dem HanSivirt kam, begann der, von ihrem Unterstützungsgesuch zu sprechen. Woher er davon wutzte, blieb unklar. Gesagt hatte sie ihm nichts, und darüber, daß sie ihm nicht vorher in Kenntnis gesetzt hatte, öutzerte er selber seine Verwunderung. Er machte der Frau dann die angenehme Mitteilung, datz ihr 15 Mark bewilligt seien, aber das sei„nur für d i e M i e t e", setzte er zu ihrer minder angenehmen Ueberraschung hinzu. Das Geld kriege er. fuhr der Herr Hauswirt fort, indem er wiederholte, eS sei eben »für die Miele". Sogleich legte er auch einen Zettel vor, den sie unterschreiben sollte. Sie antwortete, das könne sie doch nicht, wenn er ihr kein Geld zahle. Ob sie denn noch anderes Geld kriegen solle, um sich Essen k a u f e n zu können, fragte sie. Er wutzte es nicht. Immer wieder suchte er sie zu bc« lehren, die 13 M. seien für die Miete bestimmt, sie solle nur unterschreiben. Schlietzlich tat sie's— und sie verließ die Wohnung des Hauswirts, ohne einen Pfennig Geld er- halten zu haben. Bald aber stiegen ihr doch Bedenken auf, ob sie nicht da eine Dummheit gemacht hatte. Schleunigst lief sie zu dem Rechercheur, der die Ilntcrstützuiig ihr hatte auszahlen sollen. Als sie eintrat, satz bei ihm schon— ihr Hauswirt. Dem schien daS Wiedersehen peinlich zu sein, aber ohne viele Umschweife fragte sie den Rechercheur, ob die ihr bewilligte Uittersiiitzung für die Miete be- stimmt sei und ob sie sonst noch etwas für den Lebensunterhalt zu erwarten habe. Kleinlaut antwortete der Rechercheur, das sei„alles". Sie habe doch nicht„für den Hauswirt gebettelt", schalt die entrüstete Frau. Run, dann wolle sie überhaupt kein Geld haben, die Stadt möge eS nur ruhig behalten. Verlege» schwieg der Rechercheur. Der Hauswirt suchte sie zu beschwichtigen, sie solle nochmals zu dem Vorsteher gehen, vielleicht werde ihr noch etwas bewilligt. Widersirebend entschloß sie sich, den nochmaligen Gang zum Vor st eher zu tun. Er lietz sie sofort vor, ohwohl er um diese Zeit keine Sprechstunde hatte. Mit Verwmrdermig hörte er sie an. Warum sie, fragte er unwillig, unterschrieben habe, obwohl ihr kein Geld gezahlt wurde. Die Unterstützung sei nicht für Miete bestimmt, sondern für Lebensunterhalt. Wie komme denn der Hauswirt dazu, selber sich diese» Geld holen zu wollen. Der Vorsteher gab» ihr jetzt schwarz auf weiß, daß die 13 Mark ihr ausgezahlt werden sollten. Als sie zum Rechercheur zurückkam, fand sie den Hauswirt nicht mehr vor. Die 13 Mark aber waren noch in den Händen des Rechercheurs, und es schien ihm eine Freude zu sein, datz er sie noch nicht weggegeben hatte und sie jetzt der Hilfesuchenden aushändigen koimle. Wie kann der Hauswirt erfahren haben, datz seiner Mieterin eine Unterslützimg winkte? Er ist selber M i t g l i e d d e r A r m e n k o m m i s s i o n, auch hatte der Rechercheur ihn in seiner Wohnimg aufgesucht lind sich bei ihm über die Bittstellerin erkundigt. So erfuhr c» der Hauswirt, und da glaubte er, beizeiten sich seine Miele sichern zu dürfen. Datz zur Abwendung einer Exmission eine Unterstützung für rückständige Miete eines Monats bewilligt wird, kommt vor, und in der Regel wird dann direkt an den Hauswirt gegen dessen Ouittling gezahlt. Hier aber war, lvie ja der Ein- spruch de» Vorstehers zeigt, die Absicht der Kommission nicht die, die 13 M. ohne weiteres in die Tasche des Hauswirts zu leiten. Darüber hätte er selber sich leicht vorher die nötige Auf- klärung verschaffen können. Hoffentlich wird er jetzt über die Un- zulässigkeit seines Verfahrens nachdrücklich belehrt. Tie Errichtung von Artillerie-Fugendwehren ist im vorigen Jahre wieder sehr gefördert worden. Mit Ge- nehmigmig des Kriegsmmisteriums stellen die Artillorietruppen für die Ueblmgen Geschütze und zur Unterweisimg ältere Uiiieroffizicre zur Verfügung. Wie berichtet wird, haben diese Jugeudwehrcu auch auf den Artillerieschietzplätzen sich im Scharfschietzen betätigt. Und wer zahlt die Kosten für die doch recht teuere Munition? Für ÄSOOO M. Wertpapiere entwendet. In dem Orte Glau bei Trebbin fand am Sonntagabend eine Festlichkeit statt, an der auch der dortige Gutsbesitzer Albert Mudrich mit seinen Angehörigen und seinem Personal teilnahm. Die Feier, die in einem Gasthause abgehalten ivurde, dehnte sich bis in die frühen Morgenstunden aus. Als Mudrich dann mit den Seinen heimkehrte, machte er die unangenehnie Entdeckung, datz Einbrecher sein Gehöft heimgesucht und u. a. eine Kassette, die für 23000 M. Wertpapiere cntbielt. mitgeiiommen hatten. Der Gutsbesitzer machte sich sofort auf den Weg nach Berlin, und wandte sich an die hiesige Kriminalpolizei, weil er vermutet, datz ihm Berliner Einbrecher den Streich gespielt haben und datz sie versuchen werden, in Berlin ihre Beute zu Geld zu machen._ Flammentod einer Geisteskranken. Auf furchlbare Weise hat die 37jährige Ehefrau des in der Grunewaldstratze 20 zu Schöneberg wohnenden Architekten Rein- Hardt den Tod gesucht uiid gefunden. In der Nacht zum Montag, als sich Frau R. allein zu Hause befand, erhob sie sich au» dem Bett, ging nach der Küche, übergoß sich mit Petroleum und ent- zündete dieses. Im Nu stand die Frau in hellen Flammen. Bon Schmerzen gepeinigt, lief sie auf den Korridor hinails und alar- mierte durch ihre gellenden Hilferufe die Hausbewohner, die bald in großer Zahl herbeieilten. Erst nach einiger Zeit gelang es mit großer Mühe, durch Aufwerfen von Kleidungsstücken und Decken die Flmnmen zu ersticken. Die Unglückliche, die am ganzen Körper furchtbare Brandwunden erlitten hatte, wurde nach dem Schöne- berger städtischen Krankenhause gebracht, wo sie bald nach ihrer Auf- nähme an den Folgen der Brandverletziingen verstarb. Die Unglück- liche litt seit längerer Zeit an einem schweren Nervenleiden, das sich jetzt bis zum Wahnsinn gesteigert hatte. Bon dem Automobil des türkischen Botschafters überfahre« wurde gestern nachmittag kurz vor 4 Uhr ein acht Jahre alter Schüler Willi Döwel aus der Florastraße zu Pankow. Der Junge lief hinter einem Kraftwogen, der von der Charlottenburger Chaussee her kam und durch das Brandenburger Tor fahren wollte, her und übersah, als er auf die Seite rannte, den Wagen des türkischen Botschafters, der von den Linden koinmend nach dem Tiergarten fuhr. Er ivurde umgestotzen und kam so unglücklich zu liegen, datz ein Rad über sein rechtes Bein hinwegging und ihm den Ober- ichenkel zweimal brach. Ein Schutzmann und der Botschafter brachten den Verunglückten nach der Charitö, wo er Aufnahme fand. Einen unheimlichen Fund niachte gestern nachmittag der Pförtner des Hause» Fraiiseckistratze 33. AIS er über den Flur ging, sah er an der Kellertreppe ein Palet liegen, in dein er die Leiche eines neugeborenen Knaben emdeckte. Die kleine Leiche war in Papier und Pappkarlon eingewickelt. Sie wurde zur Feststellung der Todes- Ursache nach dem Schauhause gebracht. Einen schweren Bcrlnst erlitt am Sonntag ein Abeitcr am Strand des Müggelsees, der unweit der Wasserwerke ein dunkel- braunes Herrcnporiemonnaie mit Inhalt(Geld und vier Eisenbahn- fahrlarten) verlor. Der Finder wird um Abgabe an die Spedition des„Vorwärts" Lausitzer Platz 14/13 gebeten, zumal der Verlierer seit elf Wochen arbeitslos ist. Wegen rineS Hundes ertrunken. Am Sonntagilachiiiittag gegen >/z6 Uhr ertrank das in Hnngelsberg a. d. Spree bedienstete MädSen Anna Fink. Wie uns berichte) wird, wurde das Mädchen beauftragt, deu Hund ihrer Herrschaft, der auf das Eis gelaufen war, zurück- zuholen. Kaum datz das Mädchen das Eis betreten hatte, brach es ein und versank in den Fluten. Die sofort unteriionimenen RettungS- versuche hatten zwar Erfolg, indessen starb das Mädchen bald darauf unter den Händen ihrer Retter. Berlorrn hat am Sonnabend ein Arbeiter auf dem Wege von der Volta- bis Rügener Straße, Berlin, sein Portemonnaie mit i'J M. Inhalt. Den Arbeiter trifft der Verlust um so härter, als das Geld der erste Verdienst nach längerer Arbeitslosigkeit war. Der ehrliche Finder wird gebeten, seine Adresse nach der„Vorwärts"- Spedition, Spandau, Breitestr. 64, gelangen zu lassen. Vorortnachrichten. Charlottenburg. Notstnndsarbciteii in Charlottrnburg. Zu der in Nr. 57 des „Vorwärts" vom 7. Februar veröffentlichten Mitteilung schreibt uns das Nachrichtenbureau des Magistrats: Die Entscheidung der Frage, ob bei den erwähnten Arbeiten den Steinsetzern und Rammern die tarifmäßigen Stundenlöhne zu zahlen sind, ist abhängig von der Grundfrage, ob diese Unipflaste- rungen nur v o r a u S g e» o m in e n e Arbeiten sind, d. h. solche, die unbedingt ausgeführt werden müsse», die mau aber mit Rücksicht auf die herrschende Arbeitslosigkeit statt in absehbarer Zeit schon jetzt ausführen läßt, oder aber wirkliche N o t st a n d S a r b e i t e u. d. h. solche Arbeiten, die lediglich mit Rücksicht auf die herrschende Arbeitslosigkeit borgenommen Ivurden, um den Arbeitslosen Ge- legenheit zum Verdienst zu geben. Es handelt sich tatsächlich nur um wirkliche Notstandsarbeiten, für deren Bezahlung unsere» Erachtens die tarifmäßigen Sätze nicht in Frage kommen. Diese Zuschrift ändert leider nichts au der Wirkung, die die Ausführung solcher Arbeiten auf die lohnherabsetzendcn Tendenzen der tlliternehmer haben müssen. Zudem niüßte unseieS Erachtens das Tiefbauamt unterscheiden zwischen Notstandsarbeiten, die nur von gelernten, und solchen, die von ungelernten Arbeitern hergestellt werden. Für die Steinsetzer und Rammer kann e» nicht gleichgültig sein, wenn durch Verrichtung solcher unter dem Tarif bezahlter Ar- beiten ihnen bei Erneuerung ihres Tarifvertrages von den Unter- nehniern die größten Nachteile zugenrutet werden. Steglitz. „lieber unserer Mittelschule schwebt ei» Unstern"— klagte in der letzten Gcmeindevcrtrctcrsitzung Herr Jürgens—.„früher wurde zu wenig, jetzt wird zu viel über sie gesprochen." Der Mann bat von seinem Standpunkt als Freund der Vlittelschulen recht. Wir als prinzipielle Gegner der Mittelschulen stimmen dem nur darin bei, daß früher, das heißt bevor ihre Gründung beschlossen war, tatsächlich zu wenig über sie geredet wurde. TaS von einigen Leuten ausgeheckte Projekt tauchte so unverhofft ans und wurde so über Hals und Kopf beschlossen, daß man nur eine gewollte ueberrumpelung annehmen kann. Daß jetzt zu viel über sie geredet werde, bestreiten wir, cbcr kann von einem„zu wenig" gesprochen werden, weil wohl die wenigsten Eltern recht unter- richtet sind. Der erste und wichtigste Einwand gegen die Mittelschule über- Haupt ist der, daß mit ihr eine neue Klassen schule geschaffen wird zum Nachteil der Volksschule. Die Neugründung der Mittel- schule wird(und soll nach dem Wunsch ihrer Befürivorlcr) die- jcmgcn, die das Schulgeld von 66 M. jährlich erschwingen können, veranlassen, ihre Kinder dieser Schule statt bisher der Volksschule zuzuführen. Das lvird zunächst zur Folge haben, daß in diesen Kindern das Gefühl erwächst, daß sie elloas Besseres sind als die Volksschüler. Hiermit wird ihnen von klein aus ein Standesdünkel eingeimpft zum Verderb der Kindcsscelc. Aber auch der Volksschule selbst erwächst ein großer Schade daraus, daß nunmehr das Interesse jener Eltern für eine Schule, der sie ihre Kinder entziehen können, völlig schwindet, wodurch die so dringend nötige Verbesserung und Weitarentwicke- lung der Volksschule zumindest nicht gefördert wird. Auch das geistige Niveau der Volksschule wird unleugbar hcrabgedrückt durch Entziehung eines Teil» der intelligenteren Schüler, wie auch andererseits durch die Abivauderung der„Zahlungsfähigen" die Volksschule geradezu zur A r m e n s ch u l e gestempelt wird. Und wo bleibt gar das Ideal aller wirklichen Bolksfrcunde, die Ein- h ei ts schule, die einzig und allein die Möglichkeit des Emporrommens aller begabten Kinder gewährleistet? Es entschwindet in immer weitere Ferne, anstatt sich zu nähern. — WaS bietet nun aber diesen der allgemeinen Volksbildung drohenden Gefahren gegenüber die Mittelschule ihren Schülern und deren Eltern eigentlich für Vorteile? Sie vermittelt den Kindern eine etwa» bessere Allgemeinbildung und die� Kenntnis einer fremden Sprache sdeS Französischen), ohne jedoch den Schülern irgendeine„Berechtigung" wie die„höheren" Schulen zu gewähren. Das sei besonders hervorgehoben, daß durch Absol« Vierung der Mittelschule das Einjäyrigen-Zeugnis nicht erworben werden kann, ja nicht einmal die Befreiung von der Fortbildnngs- stbulpflicht wird erreicht. Der Mittelschüler hat also nach neun- jährigem Schulbesuch bei einem Kostenanftvand von 546 M. nur genau das erreicht, wie der begabte Volksschüler nach nur acht Schuljahren bei Schulgeldfreiheit: Er kann Handwerker Werbeln, wobei ihm das bißchen Französisch absolut nichts nützen kann. Deshalb ist es ratsamer, befähigte Knaben in die Real- s ch u l e zu schicken. Tort beträgt das Schulgeld allerdings 166 M. pro Jahr; da aber dann nur noch sechs Schnliahre in Frage kommen, im ganzen doch nur 666 M., also 46 M. mehr als für die Mittelschute. Damit hat aber der Junge die Möglichkeit, das „Einjährige" zu erlangen, das nun einmal(man muß sagen „leider") fast allgemein in den besseren Berufszweigcn Vorbc- dingung ist. Auch für Mädchen ist der Besuch des Lyzeums nach dreijährigem Volkssthulbesuch nicht teurer wie die Mittelschule, dafür aber praktischer und aussichtsreicher. Noch auf eins sei aufmerksam gemacht: die drei untersten Klassen der Mittelschule haben genau den gleichen Lehrplan wie die Volksschule und der Unterricht wird auch von Volksschullichrern erteilt. Deshalb können sämtliche begabte Volksschüler mit dem vierten Schuljahre ohne iveitcrcs auf die Mittelschule übergehen und die Eltern haben 186 M. Schulgeld erspart. Mögen deshalb die Eltern sich die Sache reiflich überlege», bevor sie ihre Kinder zur Mittelschule anmelden, damit sie selbst und ihre Kinder vor herben Enttäuschungen bewahrt bleiben. Lichtenberg. Zur Ertüchtigung und Erziehung zum Hurra- Patriotismus der Lichtcnberger Jugend hat der„Ortsausschuß für Jugendpflege" am Sonntag in der Möllendorfstraße schrägüber dem Rathause ein ,1. Jugendheim Berlin-Lichtenberg" eröffnet. Die Eröffnung fand nur bor geladenein Publikum statt. Der Vorsitzende des Orts- ansschuffeS, Oberbürgermeister Ziethen, betonte in seiner Ansprache besonders, daß es dank der überaus reichlichen finanziellen Hilfe der „königlichen Staatsrcgierung" gelungen sei, ein Heim zur Pflege der Vaterlandsliebe in Lichtenberg zu errichten. Dann folgte das unvermeidliche Kaiserhoch. Ein leibhastiger RcgierungSrat war als Vertreter de» Negiernngspräsidenten erschienen. Anscheinend glauben die Hurrapatrioten nrmmehr, Lichtenberg von der„Seuche der freien Arbeiterjugend" gerettet zu haben. Die Polizei tut ein übriges, das von der Arbeiterschaft errichtete Jugendheim besonders zu beaufsichtigen. Läßt sie doch in Abwesenheit der Heinileitung die Türen öffnen, um nachzusehen, ob auch jeder Ziegel der Mauer noch auf dem rechten Fleck liegt. Wenn außerdem mit dem Gelde der Steuerzahler ein Heim zur Bekämpfung der Arbeiterjugend errichtet worden ist, so kann der letzteren das keinen Abbruch tun. Die Lichtcnberger Arbeiterschaft wird ohne staatliche und städtische Subvention trotz Polizeischikane und Per- solgung das Heim zu behaupten und als Bilbungserholungsstätte der Arbeiterjugend dienstbar zu machen wisse». Den Arbeiter- cltern möchten wir aber bei dieser Gelegenheit zurufen: Achtet auf euere Kinder! Die freie Jugendbewegung verfolgt man. wittert überall politische Veranstallungen, löst blind ling» ihre Versammlungen auf. läßt Strafmandate auf sie regnen, indessen die vaterländischen Jugendvereinc in Neinkultur gezüchtet werden. Als solche kommen in Lichtenberg in Betracht: Jungmädchengruppe„Wanderlust", Jugendverein „Borussia"(?. Gemeindcschule),„Germania"(8. Gemeiudeschule), der 4. Gemeindeschule,„Brandcuburgia"(3. Gemeiudeschule), Jung- Lichtenberg, 1. gewerbliche Fortbildungsschule und noch verschiedene solcher Veilchen, die im Verborgenen blühen. Arbeiterellern, schickt eure Kinder in das Arbeiter-Jugendheim. Dorfstr. 22. Dasselbe ist Sonntag» von nachmittags 4.— Ssi/s Uhr und wochentags von abends T—O1/., Uhr geöffnet. Neukölln. Eine Rcvolvcrschießerci spielte sich in der vorvergangenen Nacht wieder auf einem Laubengelände ab. In der Kolonie Einsamkeit am Dammiveg bat der 18 Jahre alte Schlosser Mattil au» der Köllnischen Allee sein Federvieh im Laubenstall eine» Kaufmanns W. untergebracht. Weil in der letzten Zeit auf diesem Gelände die Gefliigetdtcbstähle überhandnahmen, so fürchtete der junge Mann auch für seinen Bestand und beschloß deshalb, einmal in der Laube zu übernachten, um die Diebe bei einem etwaigen Besuche abfassen zu können. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr erwachte er durch ein Geräusch, sah zum Fenster hinaus und nahm wahr, daß sich eine Hand durch die Latten schob, �urn die Stalllür aufzuriegeln. Sofort feuerte er nach der Stelle hin einen Schrotschuß ab. Jetzt zog sich die Hand zurück. Ob er sie getroffen hat, weiß Mattik nicht. Er sprang nun auf. um weiter nachzusehen, wurde aber von zwei Männer, die er in der Dunkelheit nur in den Umrissen sah, mit Revolverschiissen empfangen. Er bückte sich schleunigst und entging so jeder Verletzung. Die Kugeln ichlugen in die Tür und die Wandungen der Laube ein. Der Bedrohte hielt sich»och eine Weile in seiner Schutzstellung Als dann alles ruhig blieb, ging er hinaus, sand aber von den Männer« keine Spur mehr. Gestern morgen ergab sich, daß mehrere Lauben in der Kolonie aus- geplündert waren. Bei den am Sonntag, den 8. Februar, stattgefundenen Ersatz- Wahle» der Arbeitnehmer zu dem Gewcrbegericht wurden für die Liste der freien Gewertschasten 6246 Stimmen abgegeben. Die Bc- teiligung an der Wahl war leine gute, es fehlte der Reiz; die Gegner, sich ihrer Schwäche bewußt, haben es seit einer Reihe von Jahren unterlassen, irgendwie zu kandidieren, und so unterließ es so mancher, was keinesfalls gutzuheißen ist, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Infolge der vor zwei Jahren erfolgten Vermehrung der Gemeindevertretung machte sich in diesem Jahre eine Auslosung zweier Geineindeverordneter not- wendige Geineindeverordneter Dr. Tänzler, 1. Klasse, erklärte, daß er zum 1. April durch Verzug ausscheide, worauf nur einer, und zwar aus der 2. Klasse, ein Herr Dreger ausgelost wurde. In der 3. Klasse finden für die Herren Leo Schultz und Vorschullehrer Finte Neuwahlen statt. Schöffe Bache ist als Mitglied der Ecknil- devutation wiederverufen; für Herrn Sadee wurde Herr v. Wrochem bestimmt, demselben wurde auch noch das Marktdezernat über- tragen. Während Gcmeindcvorstand und Gemeindevertretung vor etwa einem Jahre die Errichtung eines VcrsicherungSamteS für den Ort entgegen dem Antrag unserer Genossen avlchntcn, hat sich der Gcmeindcvorstand inzwischen eines besseren belehren lassen; er beantragte nun selbst die Errichtung dieser Institution. Da es sich um eine Sache handelte, die Arbeiterinteressen berührt, hielten die Herrschaften diese Neueinrichtung für nicht so eilig und bc- antragten Vertagung, um Informationen darüber einzuziehen, wie teuer sich die Geschichte stellen wird. Es tourde dabei aus- drücklich bemerkt, daß die Errichtung eines Versichcrungsamtes unterbleiben würde, wenn auch nur ein Beamter deswegen von der Gemeinde mehr beschäftigt werden müßte. Bürgermeister Walger wies darauf hin, daß die Ausgaben ganz minimale sein würden gegenüber den Annehmlichkeiten, die man hier einem großen Teil Interessenten, insbesondere Arbeitern, bieten könne. Er bemerkte u. a., daß die Gemeinde es schon seit Jahren übernommen habe, an die am Orte wohnenden Staatspensionäre die Pension aus- zuzahle», ohne irgendwelche Entschädigung dafür zu beanspruchen. Auch hierbei erwachsen, wie er sagte, der Gemeinde Unkosten. Was nnii den Pensionären recht, sei für die zum allergrößten Teil wirtschaftlich schlechter gestellten Arbeiter durchaus billig. Genosse Richter trat entschieden für den Antrag ein, er kennzeichnete treffend die Haltung der Mehrheit, die für die Bedürfnisse der Reichen alles, für die Armen aber nichts übrig habe. Der Antrag wurde dein Finanzausschuß überwiesen, der nachprüfen soll, ob der Etat für 1914 noch mit ein paar hundert Mark für das VersicherungSamt belastet werden kann. Viel mehr Interesse brachten die Herren dem nächsten Be- ratiingsgegenstand entgegen. Handelte es sich doch hier um die heiligsten Interessen des spekulierenden Grundbesitzes, die Ab- schaffnng dce Wertzuwachsstcucr. Eines der großen Berliner Bankinstitute hat durch die zweite Klasse einen sonst sehr schweig- samen jungen Mann namens Heiße in die hiesige Gemeindevcr- tretung delegieren lassen. Dieser beantragte nun die Aufhebung der Wertzuwachssteuer für Friedenau zu beschliehen. Heute konnte Herr Heiße reden. In grellen Farben schilderte dieser Vertreter der großen Finanz das Elend des Grundbesitzes. Pflicht der Ge mcinden sei es, durch Aufhebung derartiger Steuern den Grund stücksmarkt wieder zu beleben. Das war so recht eine Rede im Sinne der Friedcnaucr Gcmcindcvcrtrcterinehrhcit. Rur mit Mühe gelang es dem Gemeindevorsteher, unterstützt durch unseren Genossen Richter, eine definitive Beschlußfassung vorläufig zu vcr- hindern. Herr Walger teilte mit, daß er die Beibehaltung� der Steuer für unbedingt geboten halte, da zur Bilanzierung de» Etats andere Einnahmen nicht zur Verfügung ständen. Die Steuer habe im vergangenen Jahr 26 666 M. gebracht. Dieselben Herren, die vorher den Etat nicht mehr mit einigen hundert Mark für das Vcrsichcrungsamt glaubten belasten zu können, toolltcii nun im Interesse des ungeschmälerten Profites taufende von Mark aus den Einnahmen de» so schwer zu balancierenden Etats ausscheiden Die Angelegenheit wurde vorläufig bis zur Etatsvcratung vertagt doch kann man jetzt schon mit Sicherheit voraussagen, daß dem Antrag des Herrn Heiße und seiner Auftraggeber dann Rechnung getragen wird. Am Schluß der Sitzung trug Genosse Richter noch Beschwerden über unhaltbare Zustände in den Arrestzellen, die zur Verbützung von Haftstrafcn dienen, vor. Abgesehen davon. daß es eine Waschgelegcnheit dort nicht gebe, soll es vorkommen. daß in einer nur mit einer Pritsche versehenen Zelle zwei Pee sonen gesperrt werden. Sodann ersuchte unser Redner, veim tpiien- bahnfiskus über unpünktlichen Verkehr auf der Ringbahn, zwischen den Bahnhöfen Wilmersdorf-Friedcnan und Potsdamer Platz, Bc- schtverde zu erheben. Nach Mitteilung des Gemeindevorsteher» beträgt die Bevölkerungszahl des Ortes zurzeit 44 686 Personen Trcvtolv-Baumslltulenweg. Die Neuwahlen der Beisitzer für das hiesige Gewerbegcricht finden für die Arbeitgeber am Mittwoch, den 18. Marz, von J Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags und für die Arbeitnehmer ain Sonntag, den 22. März, von 6 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach- mittags' im Nathause, Neue Krugallee 1— 3, Zimmer 66, statt.� Für die Wahlen der Arbeitgeber liegt die Wahlerliste wahrend der Zeit vom v. bis zum 16. Februar im Rathaule, Zimmer 67. von vormittags 6 Uhr bis 3 Uhr nachmittags, und am Sonntag von 6 bis 16 Uhr vormittags öffentlich aus. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, sich während der Dauer der Auslegung davon zu über- zeugen, ob sie in der Wählerliste eingetragen sind. Arbeitgeber, die nicht in der Wählerliste stehen, sind nicht wahlberechtigt. Die Arbeitnehmer haben ihre Wahlberechtigung am Tage der Wohl durch ein Zeugnis des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde nachzuweisen. Hierüber wird später durch ein Flugblatt weitere Information erteilt. Bei der bevorstehenden Gcmcindcvertrcterwnhl werden, wie aus der Wählerliste hervorgeht, zwanzig Wähler der ersten Klasse allein zwei Gcmeindevcrtrcter ernennen, 622 der zweiten Klasse ernennen weitere zwei, und von den 6863 Wäh- lern der dritten Klasse dürfen die 1616 des 3. Bezirks und die 2326 de» 4. Bezirks(beide westlich der stiefholzstraße) je einen Gemeinde- Vertreter, der zudem Hausbesitzer sein muß, erküren. Gegen jene 5863 Wähler der dritten Klasse mit 2 stehen 642 der beiden oberen Klassen mit 4 Mandaten. In Wirklichkeit kommen aber für die Entscheidung über jene vier Anscrwähtten insgesamt keine 26 Wäh» ler in Frage, denn in der ersten Klasse kommt nur die Hälfte der Berechtigten zur Wahl und in der zweiten gibt erfahrungsgemäß ein einziger Wähler den Ausschlag, der mit fast andcrthalbhuNdert Forcnfsnstimmcn antritt. Ter Aermste der zweiten Klasse zahlt immer noch 267,26 M. Steuern, was darunter ist, konimt zum Plebs. Um in die erste Klasse zu kommen, muß man aber schon mindestens 6636 M. an Steuern entrichten. Der wertvollste Wähler, die Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation(Agfa), steht sogar mit 233 976 M. Steuern pro Jahr zu Buch. Ein weiterer Steuerzahler, die Stadt Berlin, nimmt mit 186 666 M. die zweite Stelle ein. Man muß also hier schon recht„gut situiert" sein, um bei diesem Wahlrecht ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. Das Un» recht der Drciklassenwahl wird durch diese Verteilung recht drastisch illustriert. Köpenick. In der letzten Sitzung der hiesigen Ultterkommission lag der Jahresbericht gedruckt vor. Bei den vorgenommenen Wagten wurde Emil Schubert, Flemmingstr. 18/19, als Obmann� und August Scinrau als Kassierer wiedergewählt und Paul«chönthal� als Schriftführer neugewählt. Tie Wahlen der Bibliothetkommlssion wurden, da der Abschluß derselben erst im Juli erfolgen kann, zurückgestellt; sie soll zusammen mit der Wahl des Bildungsaus- chustes stattfinden. Folgender Antrag des Arbeiter-Sportkartells gelangte zur Annahme:„Einlaßkarteic für Vergnügungen, spart- tiche Veranstaltungen, Maskenbälle sowie alle anderen Vereins- festlichteiten haben den Stempel des»sportkartells zu tragen. Ein- laßkarten, weiche den Stempel nicht tragen, sind von den Mitgliedern zurückzuweisen. Die GcwerkschaftS- sowie Parteimitglieder werden gebeten, dem Beschluß beizutreten." Es wurde jedoch besonders bemerkt,, daß alle Veranstaltungen der Partei und der freien Ge- werkschaften von diesem Beschluß nicht berührt werden. Auch soll derselbe auf die im Februar stattfindende Veranstaltung des?lr- vcitergcsangvereins„Männerchor" keine Anwendung finden. Als- dann wurde die andauernde furchtbare Arbeitslosigkeit eingehend besprochen. Mit Befremden und Bedauern wurde es ausgenommen, daß� die seinerzeit im Stadtparlamcnt gewählte Kommission(bc- treffend Arbeitslosenversicherung) bisher noch zu keiner Sitzung zu- sammengetreten ist. Die Vorstände der Gewerkschaften vertraten einmütig den Standpunkt, daß, da die Reichsrcgiernng sich fort» während um diese Aufgabe herumdrückt, es Pflicht der Gemeinden sei, hier vorläufig helfend einzugreifen, um den unverschuldet Not» leidenden zu Helsen. Für die Funktionäre soll in nächster Zeit ein Vortrag über:./Arbeitslosenversicherung" gehalten werden. ES wurde daraus aufmerksam gemacht, daß der diesjährige Vortrags- kursus des Bildungsausschusses über:„Die wissenschaftlichen Grund- lagen der modernen Arbeiterbewegung" am 26. Februar, 4., 11. und 18. März, abends 8T> Uhr, im kleinen Saal des Stadtthcaters stattfindet. Teilnehmerkarten für alle vier Abende 36 Pf. Arbeits» lose haben freien Eintritt, jedoch müssen sich dieselben erst an ihre Organisation wenden. Lankwitz. Aus der Gcmeindevertretcrsitzung. Die Gemeindebehörde hat die Wählerliste, die in der ersten Klasse 18, in der zweiten 159 und in der dritten 1796 Wähler aufweist, noch mehr zuungunsten der dritten Klaffe dadurch gestaltet, daß da» Kinderprivileg nicht in Anrechnung gebracht wurde._ Der letzten Gemeindevertretersitzung lagen deshalb eine Anzahl Einsprüche vor, denen auch stattgegeben werden mußte. Da die Wählerliste jedoch nur wochentags von 8 bis 3 Nhr anslag, gl dieicloe nicht so geprüft worden, wie das erwünscht gewesen wäre, denn sonst wäre die Anzahl der Einsprüche sicher eine weil größere gewesen. Daß es sich, ivie der Gemeindevorsteher meinte, um einige Uiiregelmaß, gleiten handelte, ist nicht anzunehmen. Genosse Radi'ke stellte fest, daß bei einer ganzen Anzahl Wähler, für welche die Liste eingesehen worden ist, der Steuersatz um das Kinderprivileg zu wenig in Ansatz gebracht worden war. Ein Antrag des Gemcindevertreters Teurig, die Wählerliste ans dem Grunde für mirichtig zu erklären, wurde von der Mehrheit abgelehnt.— Die Errichtung eines Oberlyzenm» zum April 1917 wurde gegen 3 Stimmen beschloffen. Für 296 Schülerinnen wird zurzeit ein Lyzeum für 900 060 M. errichtet und im Oktober dieses Jahres bezogen, und schon jetzt ist es notwendig, für ein Oberlyzeum zu sorgen. Die Kosten für dasselbe wurden vom Gemeindevorsteher auf4— 668", Briespoit- amt. Berlin. 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Es müßte» an ihr schulmannnche Fachleute mitarbeiten. Abg. Rühle(Soz.): Beim K i n d e r s ch u tz g e s e tz verlangte der Reichstag eine En- quete über die Kinderarbeit in der Land- und Forstwinichaft und ihre Ge- fahren. S e i t 1 0 I a h r e n ist sie abgeschlosten. aber heute n och n r ch t veröffentlicht. sHört: hört I bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre antwortete Gehcimrat Caspar auf meine Anfrage, das'Material über Umfang und Art der landwirtschaftlichen Kinder- arbeit sei von einigen großen Bundesstaaten noch nicht eingegangen. tHört; hört l bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Veröffentlichung der Gutachten über Vorzüge und Gefahren der Kinderarbeit nun fo großen Schwierigkeiten begegnet, so hätte die Regierung� doch »nndcstens da? gewonnene Z a h l e n ni a t e r i a l veröffentlichen sollen. Wenn das unterblieben ist, so wohl, wie A g a h d meint, weil es der .Kinderfrcundlichkeit" der Agrarier ein solches Zeugnis ausstellt, daß die Oefientlichkeit mit Entrüstung einen Schuü der Kinder ver- langen würde, davor aber scheut man sich aus Furcht vor den Junkern. Die lauvwirtschaftliche Kinderarbeit ist in der Tat eines der traurigsten Kapitel. In Bayern— dort sind die Zahlen veröffentlicht— waren 190*1 100 000 Kinder landwirtschaftlich beschäftigt, im ganzen Reich muß man die Zahl der ausgebeuteten fremden Kinder auf 2 Millionen schäücn. tHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ueber das Elend der Kinder auf dein Lande ließen sich Dutzende von Bänden schreiben. Wenn sie den Sonnenschein bei schwerer Arbeit kennen lernen, so lernen sie den Sonnenschein der Kindheit überhaupt nicht kennen. Es fehlt ihnen die Zeit zur Erholung, sie sind schweren sittlichen Gefahren bei der Arbeit und dem gemeinsainen Schlafen mit den Knechten und denr Gesinde ausgesetzt. Zahllos sind die Klage» der Lehrer hierüber und über die Ucberanstrengung der Kinder, die auch zu einer Ab» nahnie der Intelligenz führt. Den Agrariern rst das recht, denn ihnen ist der dümmste Arbeite r d e r best e. I�ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Regierung suhlt pch zur Hüterin der agrarischen Interessen berufen. Schon elf- lähriaen Kindern wird die HuteerlaubmS gegeben, und zwar ohne Begrenzung der Arbeitszeit. 10-, 17», 18 stündige Arbeltszeit ist im Sommer die Regel. Die Folgen machen sich bei Knaben und Mädchen in der schlimmsten Weise an Geist und Körper geltend. Der Schulbesuch beschränkt sich für Hlltelinder auf zwei Vormittage die Woche, und man stelle sich die rückständigen oft- elbischen Schulvcrhältniffe vor. Eine Statistik muß diese Verhältnisse klarstellen und es ist geradezu eine Gewissenlosigkeit, mit der Veröffentlichung des Materials noch länger zu warten. lPräsidcnt K a e m p f rügt den Ausdruck Gewissenlosigkeit.) Den Agrariern ist es noch nicht genug, daß Millionen von Kindern nur dem Namen nach Unterricht erhalten, daß die Zahl der Halbtags- f ch u l e n in wenigen Jahren von 2879 auf 7873 gestiegen ist sHörtl hört!), landwirtschaftliche Kammern petitionieren um Vermehrung des Ernte- und Rübenurlaubs und verlangen die Verlegung des Unterrichts auf die Zeit von 8—9 Uhr morgens. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Siiddcutschland werden unter der Führung von Geist- l i ch eu förmliche Kindersklavenmärlte veranstaltet, wo die Hütckinder sür den ganzen Sommer vermietet werden.(Als Redner einen Bericht über die Vorgänge bei einem solchen Kindermarkt verliest, ersucht ihn Präsident K a e m p f sich mehr an das Thema Statistisches Amt zu halten.) Wir wünschen eben, daß das Material über die KinderauSbeutnug baldigst veröffentlicht wird. damit diese himmelschreienden Zustände beseitigt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES wird soviel von Jugend- pflege geredet, die beste Jugendpflege aber liegt darin, daß man die Jugend vor Ausbeutung schützt. Darum erivartct ineine Fraktion u»d. wie ich annehme, das ganze Haus daß die Zahlen über Art und Umfang der landwirtschaft- lichen Kinderarbeit bald veröffentlicht werden, damit mit den Vor- arbeiten für den Schutz auch der landwirtschaftlich ausgebeuteten Rinder endlich einmal begonnen werden kann.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdeiliokraleii.) Staatssekretär Delbrück: Am 21. Januar 1913 ist Ihnen mitgeteilt worden, daß das Material deshalb noch nicht velöffentlicht worden ist, weil es von mehreren Bundesstaaten noch nicht eingegangen ist. In- zwii'chen ist cS von einem weiteren Bundesstaate eingegangen, von zweien fehlt es noch.(Hört l bort! bei den Sozialdemolratcn.) Das liegt daran, daß dort die Erbebung nach anderen Grundsätzen veranstaltet ist; ich habe daher aus Wunsch der betreffenden Re- gierungen ein Mitglied des kaiserlichen Slalislischen Amts beauftragt, das Material zu bcarbcilen, um es mit dem übrigen vergleichbar zu Iiiachen. An ieincr baldigen Veröffentlichung(Zurus bei den Sozialdcmokiatcn: Nach weiteren 10 Jahre») ist auch uns gelegen, damit ivir an semer Hand den ungeheuerlichen Uebertreibungen cutgegciitrclen können, die bct dieier Gelegenheit hier gemacht werden. (Bravo! rechts.) Abg. Pieper(Z.) klagt über zu lange Daner. ehe gesammelies Material, statistisch be- arbeitet, veröffenllichl tvird; tpczicß der Abteilung sür Arbeiter- st a t i st i t scheine es an Kräften zu fehlen. Man müsse hier für Ab- W- P,Md-Nt ruft den Abg. Rühle nachträglich zur Orb n u n g. weil er der Re- gierung Gewissenlosigkelt vorgeworfen habe. Staatssekretär Delbrück: Es besteht nicht die Absicht, die Abteilung sür Arbeiterstatistik irgendwie einzuschräilken. Abg. Thiele(Soz.): Der Staatssekretär hat keineswegs einen ausreichenden Grund dafür angegeben, daß bon einigen Bundesstaate� die Ein- sendung des Rohmaterials um 10 Jahre verzögert ist.(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vielfach macht stch auch der Eindruck geltend, daß unsere Slalistik nicht tendenzlos arbeitet, loährcnd ihre Aufgabe doch ist, lediglich Tattacheu darzustellen.— In die Produktionserhebmigeii des Statistischen Amtes sollte der Handel mit einbegriffen werden, er trägt auch zur Wert- bestimmung des Produktes bei. In dieser Richtung fchemt die eng- lische Methode der Produltionserh«bungen der unsrigen überlegen.- Zu wünschen ist, daß uns endlich einmal eitle Statistik der E it t m ü n d i g n n g e tt vorgelegt wird, wir müssen wissen, wieviele Anträge und von ivem sie gestellt sind, wieviele abgelehnt worden find, wievielen stattgegeben worden ist. Abg. Legten(Soz.): Am 3. März 1910 verlangte der Reichstag in einer Resolution, eine Aenderung der Streikstatistik herbeizuführen. Der Bundesrat teilt mit, daß die Erwägunge n hierüber schweben. Also vier Jahre erwägt man die Prüfung der Aenderung eines Formulars.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Indessen dauert der Jammer der amtlichen Streikstatistik fort. Wiederholt habe ich auf ihre Unrichtigkeit hingewiesen. Gibt sie doch die Zahl der Streiks und Aussperrungen geringer an als die Gewsrkschaftsstatistik, was allein schon ihre Unbrauchbarkeit beweist. Man wollte die Streikstatistik von vornherein zu einer K r i in i n a l st a t i st i k machen, um das zu schaffen, was man 1899 bei Vorlegung der Zuchthausvorlaae nicht hatte, eine Begründung dieser Vorlage. Das konnte natürlich nicht gelingen. Denn wenn die Streikstatistik schon in den einfachsten Grundlagen falsch ist, wird doch kein vernünftiger Mensch glauben, daß das richtig ist, was sie über das Eingreifen der Polizei sagt.«Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Jedenfalls inöchte ick> vom Staatssekretär wissen, wieviel Jahre die„Erwägungen" noch dauern sollen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Daß die jetzige Streikstatistik nicht alle» Anforderungen entspricht, habe ich wiederholt zugegeben. ES handelt sich aber nicht nur um die Aenderung des Formulars, sondern um die Schaffung einer anderen Grundlage für die Ermittelung. Darüber schweben Verhandlungen, solange ich im Amte bin. Ich wäre selbst sehr glücklich, wenn ich dem Herrn Vorredner einen Termin mit- teilen könnte, bis zu dem sie abgeschlossen sein werden.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das Kapitel wird bewilligt. Abg. Krings(Z.) perlangt Eichung der F ö r d e r w a g e n in Steinbrüchen im Interesse der Steinbrucharbeiter. Gehcimrat v. Jonquiöres betont, daß nach der Maß« und Gewichtsordiiung die Förberwagen in Steinbrüchen eichungspflichtig sind. Eine Befreiung der Steinbruchs- von dieser Verpflichtung ist nicht erfolgt. Dahingehende Wünsche der Steinbru chSbesitzer sind abgelehnt worden! soweit eS sich um fabrikmäßige Betriebe handelt, sind die zum Messen be- stimmten Gefäße eichungspflichtig. Die Wünsche der Arbeiter, die sich auch an die Regierung gewandt hatten, sind also hier berück- sichtigt worden. Abg. Dr. Burckardt(Wirtsch. Vg.) betont, daß auch in seinem Wahlkreise diese Wagen nicht geeicht werden und wünscht, daß die« in Zukunft geschieht. ES folgt das Kapitel Gesundheitsamt. Abg. Autrick(Soz.): Wir haben Ihnen wieder eine Resolution unterbreitet, die die Wünsche des Kranken- und Pflegepersonals knapp zu- sainmengefaßt enthält. Die Redner der bürgerlichen Parteien, die voriges Jahr so warme Worte für das Pflegepersonal gefunden haben, müßten für unsere diesjährige Resolution stimmen, da wir diesmal all' das ausgeschieden haben, wogegen sich im Vorjahre die Mehr* heit gewandt hat. Nicht etwa weil wir unsere voriges Jahr auf* gestellten Forderungen nicht für realisierbar hielten, sondern damit wenigstens die dringendsten Wünsche dieses Personals er- füllt werden. Von den Nationalliberalen liegt eine Resolution vor. die lediglich einheitliche Regelung der Arbeits- und Rechtsverhältnisse des Pflegepersonals eventuell durch Vereinbarungen zwischen den Re* gierungen verlangt. Das hat der Reichstag schon vor zwei Jahren be schlössen, die Regierung hat Erwägungen zugesagt, ober diese schweben noch immer. Wir verlangen klare gesetzliche Sckutzbestimmungen sür das Pflegepersonal. Zuvörderst ist notwendig obligatorische Ausbildung des Pflegepersonals einschließlich des Massage* Personals sowie eine Neuregelung der bestehenden PrüfungSvor* schriften. Die heutige Ausbildung der Pfleger ist vielfach ganz un- genügend. Die Kranlenpflegcschulcn beschaffen sich billiges Pflege» personal indem sie die Leute für 30 M. im Monat zwei Jahre lang „ausbilden" und dann als geprüfte Krankenpfleger entlassen. Ferner verlangen wir entsprechend der Entwicklung des Krankenpflegcwesens aus der Liebestätigkeit zu einem Beruf Unterstellung des Pflegepersonals unter die Gewerbeordnung. Heute unterstehen ihr nur die in Privat-Kranken- und-Irrenanstalten angestellten Pfleger; die Angestellten öffentlicher, gemeinnütziger Anstalten können und werden zum Teil mittelalterlichen Gcsindcordnungc» unterstellt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Jede KrankenhauSver* waltung kann es sich herauSnebmen. das Pflegepersonal wie das Gesinde cineS ostpreußischen GulShofS zu behandeln. Der Landes ____________, Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ausdrücklich gesagt worden, daß Vertrage, die dem Arbeiter das Koalitionsrccht rauben, wider die guten Sitten verstoßen, also rechtsungültig sind. In einer anderen Landesirreiianstalt ist den Wärtern das Halten und Lesen bestimmter Zeitungen verboten, vor allem der„SanitätSivache", des Fachorgans der Organisation der Rrankeupfleger. DaS Pflege- personal ist ja erireululicrweise heute schon soweit zum Bewußtsein seiner Klassenlage gekommen, daß es sich an solche Erlasse nicht kehrt. — Wir verlangen weiter Festsetzung einer 12stündigen D i e n st z e i l. Tag- und Nachtschicht. Im vorigen Jahre forderten wir den Achtstundentag. Das crllärtc man für völlig undurckiführ- bar, obwohl im Auslände diese Forderung vielfach erfüllt ist, zum Beispiel selbst in Japan durch Einführung des Dreisöhichlen- systemS. In Schweden ist diese Frage vor einer parlamentarischen Kommission unter Hinzuziehung von Vertretern des Pflegepersonals untersucht worden uud dort ist man genau zu den Forderungen ge- kommen, die wir aufstellen. � Man verlangt Ausbildung des Personals, feste Anstellung nach vierjähriger Dienstzeit usw. Die Arbeitszeit soll beschränkt werden. Bei uns wird noch 18 Stunden in den Krankenanstalten gearbeitet. Kollege Dr. Gerlach hat das im vorigen Jahre bestritten. Jnzivischen hat er sich wohl überzeugt. daß ich die Verhältnisse noch zu rosig geschildert habe. Sehr viele Zuschriften aus den Kreisen des Pflegepersonals bclvcisen das. In der Laiidcskraulenanstalt in N e il- R u p p i n besteht 17 stündige Arbeitszeit, und alle 11 Tage sind nur sechs Nächte dienstfrei. Noch andere Mißstände herrschen dort, wie in anderen Krankenhäusern. So ist in Königsberg innerhalb 18 Stunden nur eine Schlafpause von sechs Stunden. (Hört! hört! bei den Sozialdeniolraten.) In Chemnitz hat eine einzige Person die Wache von 1I20 früh bis>/z2 Uhr nachts.(Hört! bort bei den Sozialdeniokraten.j Wir verlangen, um diesen Zu- ständen ein Ende zu machen, eine allwöchentliche Mindest ruhe- z e, t v o n 21 Stunde n. DaS Essen ist häufig sehr schlecht, Fremdkörper, wie Haare, Nadeln usw. im Essen sind keine Selten- heit Die Forderung des Personals auf Beseitigung des Kost- und �oglszivanges in der Anstalt ist daher sehr begreiflich und berechtigt. o?■ derartig, daß alle Parteien sich einigen müßten, um Die Regierung zu zwingen, endlich aus dem Zustand der Er- wagungeu herauszukommen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- Wir verlangen weiter Unterstellung des gesamten Pflege-, Maisage- und BaoepersonalS unter die R e i ch s v e r f i ch e r u u g s- ordnung. Die Gefahren, denen dieses Personal unterliegt, sind ganz außerordentlich, nicht nur in Irrenanstalten, sondern zufolge der Pflichtvergessenheit der Verwaltung auch in Kranken- Häusern. Ein besonders krasser Fall ist der eines Hausdiener«, der ohne jede Unterweisung mit der Wartung Typhus- kranker betraut tvurde, sich dort infizierte und in 2 Tagen tot war.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Bürgerliche Gesetzbuch gibt dem Pflegepersonal ja einige kleine Rechte, aber durch den Dienstvertrag werden diese oft ausgeschlossen und das Personal verpflichtet, bei Streitfällen sich der Entscheidung der Verwaltung ohne Anrufen des Gerichts zu unterwerfen. So steht das Personal direkt unter einer mittelalterlichen Gesinde ordmmg.— Sehr wichtig ist auch unsere letzte Forderung auf Gewährung eines jährlichen Erholungsurlaubs von mindestens 11 Tagen unter Fortzahlung des Lohnes nud Entschädigung für sonstige Beziige. Ich hoffe, daß Sie unseren Anträgen, die, wie ge- sagt, nur das allerdringendste im Interesse des Pflegepersonals ver- lauge», zustimmen. Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). Abg. Dr. Gcrlach(Z.): Wir anerkeimcn das Streben des Krankenpflegepersonals nach Verbesserung ihrer Lage, aber wir müssen betonen, daß der Beruf des Krankenpflegers unter Verzichtleistung auf materielle Genüsse sehr viel Geduld und Aufopfernng verlangt. Notwendig ist eine gute Ausbildung des Pflegepersonals. Die Austaltsdirektoren der Jrrenanstalteil haben schon 1898 weitgehende Forderungen auf Verbesserungen der sozialen Lage des Pflegepersonals erhoben. Die Durchführung unserer Forderungen scheitert aber vielfach an dein Mangel der den Anstalteu zur Verfügung stehenden Mittel. Als Krankenpfleger dürfte nur der bezeichnet werden, der tatsächlich das Ikrankcnpflegerexamen gemacht hat. Was die Arbeitszeit anlangt, so darf man es doch nicht mit dazu rechnen, wenn ein Wärter z. B. inr Dienstzimmer schläft, auch wenn es in Ausnahmefällen vorkommen kann, daß er mittendrin geweckt werden mutz. Redner geht des weiteren ausführlich auf die Ausführungen des Abgeordneten Antrick ein, bleibt aber im einzelnen auf der Tribüne unverständlich. Den Urlaub wird jeder Arzt, jeder Direktor g e r n b e w i l l i g e n, ob es möglich rst, hängt von de» Verhältnissen der Anstalt ab. Ich bitte Sie die Resolution der Nationalliberalen, die berücksichtigt, daß die Verhält- niffe in den einzelnen Staaten ganz verschieden liegen, einstimmig anzunehmen. Redner betont weiter die Notwendigkeit der Aus- bildung der Aerzte in der sozialen Medizin. Staatssekretär Delbrück: Er sprechen erhebliche Bedenken dagegen, die Verhält- niffe des Kränkenpersonals analog dem der Arbeiter zu regeln. Die Arbeitgeber dieses Personals sind zum erheblichsten Teil nicht Gewerbetreibende, sondern Behörden oder charitative Unter- nehinungen, Kongregationen usw. Da ist es bedenklich, mit einem Gesetz einzugreisen, das nachgebildet ist den Verhältnissen der Arbeiter. Ferner sind die Ver- hällnisse in den Betrieben außerordentlich verschieden in bezug auf die Anforderungen, die an das Pflegepersonal gestellt tverden. Bor allem kommt es darauf a», daß bestimmte Grundsätze über die Ausbildung und Prüfung des Pflegepersonals vorhanden find. Die bestehen durch Vereinbarungen der Bundesstaaten. Ob sie verbesserungsbedürftig sind, wird geprüft werden. Ferner sind als Grundsätze, die den Bundesregierungen zur Prüsuug vorliegen, die solaenden aufgestellt: Getrennte Tag- und Nachtschicht, neunstündige Ruhezeit für Personal, das außer Tagesdienst auch Nachtdienst hat. Beginn der TageSarbeit möglichst nicht vor 8 Uhr und Ende nicht nach 8 Uhr. Ein freier Nachmittag in der Woche, an dem Ausgang zu- gestanden ist und der mindestens einmal im Monat auf den Sonntag fällt. Ein jährlicher Urlaub von 11 Tagen und Ausstellung einer Dienstordnung sowie deren Kontrolle. Das beweist also, daß die Behauptung des Abg. Antrick, es sei nichts geschehen, unrichtig ist. Gegen die nationalliberale Resolution haben wir nichts, da sie etwas von der Regierung verlangt, was sie bereits geleistet hat. Abg. Baron Kniggc(k.) wünscht Maßnahmen gegen die Säuglingssterblichkeit. Die Beseitigung des Kost- und Logiswesens in Krankenhäusern, wie sie der sozialdemokratische Antrag verlangt, ist undurchftihrbar. Abg. Dr. Blunck(Vp.): Ich freue mich, daß die Notwendigkeit der Erörterung von Maß- nahmeii gegen den Geburtenrückgang hier im Reichstage auch von dem konservativen Redner anerkannt worden ist, obwohl diese Maß- nahmen doch Landes fache sind. Der Preußenbund und Herr v. K a r d o r f f. der heute im Landtage gegen die unerhörten Eingriffe des Reichstages in � die Befugnisse des Landtages ge- wettert hat, werden damit wenig zufrieden sein.— Die Ver- hältnisse des Krankeuperionals habe ich zuerst hier vorgebracht. Damals haben sich die Sozialdemokraten ausgeschwiegen. Wenn wir die diesmalige Resolution des Abg. Antrick in bezug auf die Dauer der Arbeitszeil von 12 Stunden annehmen würden, — im vorigen Jahre forderten sie 8 Stunden— wäre das direkt ein Anreiz zur Verschlechterung bestehender Verhältnisse(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir stimmen der nationalliberalen Resolution zu. Das Haus vertagt sich. Abg. Antrick(Soz.): Abg. Blunck hat offenbar die Begründung meines Antrag« gar nicht gehört. Ich habe ausdrücklich darauf hingewiesen, warum wir diesmal nicht 8 Stunden, sondern 12 Stunden Dienstzeit ver- langen, nämlich um auch die Freisinnigen dafür zu ge- Winnen, die damals unentwegt gegen die acht Stunden sprachen. Im übrigen habe ich langebevor ein Dr. Blunck im Reichstag saß. hier die Verhältnisse deS Pflegepersonals erörtert. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 71/4 Uhr.__ Mbgeorönetenhaus. 22. Sitzung, Montag, den 9. Februar 1Kt4, vormittags 11 Uhr. Der Etat des Innern. Eine Generaldebatte findet beim Titel„Gehalt deZ Ministers" statt. Ei» nationalliberaler Antrag Dr. v. Krause verlangt 1. Mitteilung der von dem Minister deS Innern in der Sitzung vom 11. Januar 1911 erwähnten Anweisung an die Oberpräsidenten wegen des Erlassendem Polizeiverordnungeu zum Schutze der öffentlichen Sicherheit, Stühe und Ordnung, der Person uud deS Eigentums— und Auskunft darüber, in welcher Art und welchem Ilmfange der Anweisung entsprochen ist; 2. daß die örtlichen Polizeibehörden und Exekutivbeamlen angehalten werden, sobald bei Ausbruch einer Arbeits st reitig» keit eine Störung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe nild Ordnung, insbesondere durch Belästigungen Ar- beits williger, festgestellt wird oder zu besorgen ist, in Anwendung und in Gemäßheit des bestehenden Rechtes und der auf Grund dieses Rechtes erlassenen Polizeivcrordmmgen unter sorg» fältiger Wahrung der Koalitionsfreiheit dem MißdrauÄ dieser Frei- heit in der Richtung eines KoalitionSztvanges unverzüglich und nach- drücklich entgegenzutreten. l!. dah die Negierung ihrerseits im Bundesrate auf eine bc- schleunigte Vorlegung der im Reichstag geforderten und vom Reicks- lanzlcr in Aussicht gestellten Denkschrift zur Vorbereitung einer reich s gesetzlichen Regelung des Schutzes der per- s ö n l i ch e n Freiheit hinwirke. Ein AbändcrungSantrag der Konservativen und Frei- konservativen will hinter dem Worte„Freiheit" eingesckaltet wissen:„insbesondere des Schutzes der Arbeits- willigen". Ein weiterer Antrag der Nationallibcralen