Ur. 41. Htonncmcntf'Bcdingungen: SbonnemnUS- PrciZ pränumerando: Sierteljäbrl. z,?v Mr, monall. I.1N Mk, wöchenllich 2si Pjg. frei in- Haus. Sinzein- Nummer S Pfg. Sonntag?- nnnnner mit illustrierier EoimtagZ- Beilage.Die Neue Weil" 10 Pfg. Poll- AdonnemeiU: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland uich Oesterreich- Ungarn LL0 Marl, für da- übrige Ausland . Marl pro Monat. Postadonnemen»? nehmen un: Belgien. Däncntark. töolland. Italic». Luxemburg. PorNtgal. Siumänicn, Schweden und die Schweiz. erscheint täglich. Vevlinev Volksblnkt. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn partet 31. Jahrg. Die TnfertienS' Gebühr llelrägi für die sechegespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum 00 Ptg.. für politische und gewerkschaftliche Verein'-- und BcrsnmmIungd.Anzeigen 00 Pig ..Atein« An-eig-n", da- fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzulässig 2 fettgedruckte Worte), icdcs weitere Wort 10 Pig Stellengesuche und Schlafitellenon. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jede? wettere Wort ö Pfg. Worte über IS Such, fiabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Ntiminer»lüfseu di? ü Uhr nachmittags in der Erpedilion abgegeben werden. Die Erpedilion ist bi- 7 Uhr abend- geöffnet. Tetearamiii- Adresse: „ScziaWemcHrai kerlin", Deutfchlands. Redaktion: 8Rl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moritiptat-, Nr: 1S83. Die Wahl in Ierichow. Stickuvakl zwifeben Sozialdemokraten und konservativen. Tic mit Spannung erwartete Wahl ist vorüber. Das Resultat ist das folgende: Burg, 1«. Februar.(P r i v a t t e I c g r a m in des..Vor- wärt s".) Bei der licutigen Neichstagsersabwalil im Wahlkreise Magdeburg 3(Jerichow 1 und Jerichow 2) erhielt Gutsbesitzer Schiele lk.) tl773 Stimmen, Expedient Haupt(Soz.) 11 lüi.'l, und Fleischermeister Kabelt(Fortschrittliche Bolkspartei) vüäll Stimmne. Es ist somit Stichwahl zwischen Schiele und Haupt erforderlich. Bei den Wahlen im Jahre 1912 erhielten im ersten Wahlgange: Sozialdemokraten 11992, Konservative 9879 und Liberale 8291 Stimmen. Die Stichwahl brachte den Sieg des Genossen Haupt mit 15 263 gegen 15 256 Stimmen, die dem konserpativeu Kandidaten zugefallen waren. Tic Sozialdemokratie hat den starken Zuwachs, den ihr die Wahlen von 1912 gebracht haben, fast vollständig bc- hauptet. Wahrscheinlich werden wir sogar, lvcnn die Zahlen vollständig vorliegen, noch einen geringen Stimmenzuwachs verzeichnen können. Dagegen hat die Fortschrittspartei trotz ihrer großen Agitationsarbcit und den Konzcssionen, die ihr Kandidat nach allen Seiten machte, schlecht abgeschnitten. Ihre Hoffnung, mit uns in die Stichwahl zu kommen, hat sich nicht erfüllt. Den Konservativen hat dagegen der Wahlterrorisinus und die Entfachung der nationalistischen und militaristischen Instinkte genützt, zumal da die Wut über die Finanzreform bei vielen ländlichen Wählern wieder verraucht ist. Nun gilt es, den Kreis nicht in die Hände der Reaktion fallen zu lassen. Von dem VerhaltenderFortschrittspartei wird es abhängen, ob die Konservativen nach der schweren Nieder- läge von 1912 wieder neue Hoffnung schöpfen dürfen. Milöerungen im Militär- strafgesetz. Die drakonischen Bestimmungen des iPilitärstrafgcsctz- buches haben in den letzten Jahren im Reichstag, in der Presse usw. viel Anlaß zur Kritik gegeben. Besonders die furchtbare Reservistenverurteilung durch das Erfurter.Kriegsgericht brachte die öffenttiche Meinung derart in Erregung. daß die Regierung doch etwas tun mußte, was wie eine Milderung einiger Bestimmungen des Militärstrafgesetzes aus- sieht. An eine vollständige Modernisierung des ganzen, noch auf den Traditionen des Söldnerheeres beruhenden Militär- strafgesetzbnches ist natürlich nicht zu denken, dazu ist der Wille der utilitaristischen Kreise zu mächtig. Nur einige Paragraphen sollen etwas abgeändert werden. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlichte Dienstagabend den Entivurf eines Gesetzes betreffend Aenderung des Militärstrafgesctzbuches, nach dem folgende Abänderungen der Strafbestimmungen erfolgen sollen: Der 66, der die„unerlaubte Entfern u n g" behandelt, sah bei einer durch Verschulden des Abwesenden länger als sieben Tage, im Felde länger als drei Tage währenden Abwesenheit Gefängnis oder Festungshaft bis zu zwei Jahren vor. Diesem Paragraphen soll der Satz zu- gefügt werden:„In minder schweren Fällen kann, wenn die Tar n i ch t i m F c l d e b e g a t�g c n ist, die Strafe bis auf vierzehn Tage mi t t- leren oder strengen Arrest ermäßigt werden". Der K 70 handelt von der Fahnenflucht, die mit sechs Monaten bis zu zwei Jahren Gefängnis, im ersten Rück- falle mit einenr Jahre bis zu fünf Jahren Gefängnis, im wiederholten Rückfalle sogar mit Zuchthaus von fünf bis zehn Jahren bestraft wird. Diesem Paragraphen soll der Satz ein gefügt werden: In minder schweren Fällen kann, wenn kein Rückfall vorliegt, die Gefängnis- st r a f c bis auf drei Monate ermäßigt werde n." t? 78 enthält die Strafen wegen Beihilfe z u r Fahnenflucht. Diese betragen in Friedenszeit sechs Monate bis zwei Jahre Gefängnis, im Felde fünf bis zehn Jahre Gefängnis. Diesem Paragraphen soll angefügt werden: „In minder schweren Fällen kann die Gefängnisstrafe, wenn die Tat nicht im Felde begangen i st, bis auf drei Monate ermäßigt werden." Besonders hart waren rüsher die Strafbestimmungen über Gehorsamsverweigerung. Verharren im 11 11• g e h 0 r s a m usw. vor versammelter Mannschaft oder unter dem Getvelir. Nach � 95 konnte wegen dieses militärischen Vergehens Gefängnis oder Festungshaft bis zu fünf Jahren verhängt werden: Im Felde steht, falls die Tat vor dem Feinde erfolgst sogar Todesstrafe, mindestens aber Freihcits- Mittwoch, den 11. Februar 1�14. I strafe nicht unter 10 Jahren darauf. Dem ersten Absatz dieses Paragraphen soll jetzt folgende mildernde Bestimmung angefügt werden:„In minder s ch w e r e n Fälle n kann,>v e n n die Tat nicht im F e l d c,- n i ch t gegen den Befehl, unter das Gewehr zu treten, und nicht unter dem Gewehr begangen ist, die Strafe b is auf 1 1 Ta g e strengen t'l r r e st ermäßigt w e r d e n." Die Widersetz nng gegen einen Vorgesetzten mit Gewalt oder Drohung wurde bisher nach§ tHi mit einer Freiheitsstrafe(also auch Zuchthaus) mit 6 Monaten bis ztt 10 Jahren, im Felde mit Gefängnis nicht unter zwei Jahren bestraft. Hier soll die Bestimmung eingefügt iverden,„daß i n minder s ch w e r e n F ä l l e n F r e i h c i t s st r a s c n nicht unter d r e i Mo n a t en V e r h äugt wer den k ö n n e n". Tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten ivurde nach Z 97 bisher mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahre bestraft. Die vor versammelter Mannschaft oder mit einer Waffe begangene Tat wurde mit einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren, in minder schweren Fällen nicht unter zwei Jahren gesühnt. Die Mindeststrafen für die minder schweren Fälle sollen jetzt sechs M o u a t e beziehungsweise ein Jahr betragen. Der Absatz 2 dieses Paragraphen soll in Zukunft lauten: „Hat die Tätlichkeit eine ichwere Körperverletzung oder den Tod des Vorgesetzten verursacht, so ist statt auf Geiängnis oder Festungshaft auf Zuchthaus von gleicher Dauer zu erkennen: in minder schweren Fällen tritt Zuchthaus oder Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahre ein." Die überaus harten Strafen wegen Z n s a m m c u- r o t t u n g, militärischem A u f r u h r usw. werden beibehalten. In allen solchen Fällen solp in Zukunft auch noch die Versetzung in die zweite Klasse des S o l d a t e n st a n ti c s zulässig sein. Im§ 138, der Strafen über militärische V e r gehe n gegen das Eigentum vorsieht, soll die Bestimmung, daß als Mindestsirafe nicht unter 1-1 Tagen Arrest verhängt werden muß. gestrichen werden: cS kann also in Zukunft auch auf eine mildere Strafe erkannt werden. Alle diese Aenderüngsv'orschläge stellen eine Milderung der bisherigen Bestimmungen dar. Es ist ein, tvemt auch nur kleiner Schritt auf dem Wege der Militärstrafgesetzreform. Daß sie Gesetzeskraft erlangen werden, ist kaum zu bezweifeln. Ihre Anwendung in der Praxis wird aber von dem Ermessen der Kriegsgerichte abhänge». Die Militärrichter und Gerichts- offiziere werden, besonders bei Subordinationsvergehen, nicht immer geneigt sein, minderschwere Fälle anzunehmen. Es wird daher Aufgabe des Reichstags sein, in dieser Richtung gewisse Garantien zu verlangen. Notwendig wäre aber vor allen Dingen eine Reform des Militärstrafgesetzes, das die S o l d a t c n in i ß h a n d l n n g e n in ihren verschiedenen Ab- arten unmöglich machte.__ Mfstanö in Tokio. Tokio, 10. Februar. Das von der Opposition in der Kammer eingebrachte M i ß t r a u e n s v o t u m wurde mit 205 gegen 163 Stimmen abgelehnt. Während der Debatte kam es zivischen Mitgliedern der die Regierung unter- stiitzenden Seiyukwai-Partei und Mitgliedern der nationalistischen Kokuminto- Partei zu einem Handgemenge. Der der Kokuminto- Partei angehörende Abgeordnete I t o mußte bewußtlos hinausgetragen werden. Jm Hibiya-Park ivurde heute morgen die gegen die Regierung gerichtete Massenversam in l u n g abgehalten. In der Nähe des Pari a m en tS und des Marineministeriums hatten sich große M e n s ch c n. m engen angesammelt. Nachmittags drang die vor dem Parlament ver- sammelte Menge, als ihr die Ablehnung des Mißtrauens» Votums mitgeteilt wurde, in die Höfe des Parlaments ein und versuchte die Türen zu sprengen, gegen Abend steigerte» sich die Tumulte. Drei- tausend Polizeimannschaften in Zivil sind mobilisiert und be- müht, die Gefahr nächtlicher Unruhe n abzuwenden. der nickenöe Kronprinz. Den Kronprinzen ermuntern offenbar die glänzenden Erfolge, die seine Zabernpolitik unleugbar davongetragen hat, zu immer neuen Manifestationen seines politischen Geistes. Eine gute Gelegen- heit boten ihm dazu die Beratungen des Deutschen Land- wirtschaftsrats, denen er Dienstag beiwohnte. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die landwirtschaftliche Arbeiter- frage, über die der bekannte agrarisch-reakiionäre Königsbcrger Pro- fessor Gerlach sowie der baherische NeichSrat Freiherr V. Thiingcn referierte. Es waren die gewöhnlichen nichtssagenden Redensarten. Lebhaft ivurde es erst, als Herr v. O l d e n b u r g- I a n u s ch a u das Wort nahm. Er erklärte, daß die Kranlenkassen- g e s e tz g e b u n g für das Land nichts tauge- und fuhr fort: Expedition: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt Morikplah, Nr. 1981. Bei un- in Westpreußen hatten die Leute längst, was ihnen jetzt unter erheblicher steuerlicher Belastung gc- geben wird. Wenn man heute die Leute fragt, ob sie zwei Drittel der Beiträge zahlen wollen, dann sagen sie: um Himmels willen, laßt eS so, wie es bisher gewesen ist, wir haben ja daS llnsrige. Bei dieser Stelle gab der Kronprinz durch lebhafte- Kopfnicken sein E i n v c r st ä n d n i s mit diesen fort- geschrittenen sozialpolitischen Anschauungen lebhaft tifnfe. Herr Oldenburg forderte dann eine Ein- schränkung der Freizügigkeit. Tie jungen Männer mußten mindestens bis zur Militärzeit, die Mädchen bis zum 29. Jahre gezwungen werden, in der Landwirtschaft tätig zu sein. Damit aber nicht genug. Oldenburg will noch mehr: Ein ganz hervorragendes Mittel für die Erhaltung der Landarbeiterschaft wäre es aber, von jedem, der in der Stadt Arbeit sucht, den Nachweis zu verlangen, daß er eine W 0 h- nun g bat.(Lebhafte Zustimmmlg. Der Kronprinz gibt wieder seiner Z 11 si i m m u n g A u s d r u ck.i Jeder ver« niinflige Mensch muß sich doch zunächst einmal eine Wohnung suchen.— Wenn wir nicht durch die Gesetzgebung Verbindern, daß die Leute vom Lande in die Stadt st ü r m e 11, dann Iverden alle Wohlfayrtseinrich- t u n g e n nichts nützen, und, meine Herren, da können Sie so viel Gesangvereine gründen, wie Sie wollen.(Stürmische Heiterkeit, lebhafter Beifall. Auch der Kronprinz stimmt lebhaft z u.) Nach dem Oldenburger proklamierte Frhr. v. W a u g c 11 h e i m den Kampf gegen die Sozialdemokratie aus der ganzen Linie. Er trat für Arbeitszwang bei gewohnheitsmäßigen Arbeitslosen und leichteren Verbrechern ein— den Agrariern würde die billige Arbeitskraft schon passen— und bedauerte, daß man aus Angst vor der demokratischen Presse und vor den nächsten Reichs- tagSwahlen keinen Schritt weiter komme, lind auch dieser Redner fand wiederholt den lebhaften Beifall desKro 11 Prinzen. Dieser verließ darauf den Saal, während die Herren vom Land- Wirtschaftsrat ihre Resolutionen über Handelspolitik und Arbeiter« frage erledigten. Es kann für uns Republikaner nur durchaus erfreulich sein, wenn der'Kronprinz, dessen Autorität wir in dieser einen Frage gerne anerkennen, so eifrig bemüht ist, die Legende vom„sozialen Königtum" zu zerstören. Seine Stellungnahme in der Zabern- Affäre hat ja über die politischen Ideale de? Kronprinzen keinen Zweifel mehr gelassen. Seine heutige Kundgebung schafft Klar- heit über seine sozialpolitischen Ansichten. Einschränkung der Freizügigkeit, Knebelung der Arbeiter, Wieder« Herstellung des Hörigkeitsverhältnisses ans dem flachen Lande, soweit dies irgendwie geht, das sind die Ideale der extremen Schars- macher, denen der Kronprinz heute so lebhast zugestimmt hat. Heydebrand und Oldenburg sind seine politischen Freunde, Sie, in denen das deutsche Volk seine Todfeinde erblickt! das Polizeiregiment auf öer Anklagebank. Mehr als fünf Stunden sprach am Dienstag Genosse Adolf H 0 f f m a 11 n im Abgeordnctenhause über die preußische Polizei- Wirtschaft. Mehr als füsif Stiindcn! Und doch brachte er nur einen kleinen Teil des schier erdrückenden Anklagematerials gegen Herrn v. Dallwitz und seine Gefolgschaft vor. Die reaktionäre Presse wird natürlich wieder iiver Mißbrauch der Redefreiheit zetern und nach Kräften gegen die bösen Sozialdemokraten losziehen, die die kostbare Zeit des Dreiklassenparlaments in An- spruch nehmen. Nim, ein Haus, das Zeit genug hak, eine ganze Woche den agrarischen Klageliedern eines Diederick Hahn zu widmen, muß auch einmal einen Tag übrig haben, sich mit den iniierpolitischen Zuständen des Staates zu beschäftigen. Aber nicht nur in der Sache selbst war die Länge der Hofsniaiinschen Rebe begründet, zu diesem sachlichen Grunde kam noch ein äußerlicher Anlaß. Seitdem der Vizepräsident v. Krause entgegen der bis- hörigen Praxis berboien hat, bei Spezinil iteln Fälle zu erörtern, die bereits in der Generaldebatte gestreift sind, bleibt denen, den an einer erschöpfenden Behandlung bestimmter Materien gelegen ist, nichts anderes übrig, als sich eingehender zu verbreiten, als man es vielleicht selbst wünscht, und als man es gewohnt ist. Was Hofsmann gegen die Polizei und den Polizcimin ister aus- führte, ist beschämend für den preußischen Staat, der trotz allen Ableugnens der Regierung und der Klassen, die ihr Gefolgschaft leisten, ein Polizeistaat im wahren Sinne des Wortes ist. Zwar bestehen Gesetze mehr als genug, aber soweit sie Pflichten in sich schließen, gelten sie nur für die besitzlose Masse; die herrschenden Kreise pfeifen aus Recht und Gesetz. Sie haben die Macht, diese Macht mißbrauchen sie in der rücksichtslosesten Weise unter Beihilfe der Polizei. Wählerisch in ihren Mitteln freilich sind die Herr- schaften nicht, und noch weniger wählerisch in ihren Mittels- Personen. Schon wegen ehrlosester und gemeiiistcr Verbrechen vorbestrafte Elemente, gewerbsmäßige Verbrecher, sind bei der Polizei gut angesehen, sofern sie sie in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie unterstützen, und wenn diese Elemente sich sogar zu Strcikbrcchervermittlcrii entwickeln, dann werden sie nicht nur von der Polizei, sondern auch von den kapitalistischen llniernehmern mit offenen Armen aufgenommen. Dieselben Herren, die sonst nicht genug in sittlicher Entrüstung machen können, schreckten nicht zu-' ruck, sich des Auswurfs der Menschheit zu bedienen, um ihr Portemonnaie zu füllen und die Arbeiterbewegung mit Gewalt niederzuhalten. Warum sollten sie auch nicht? Treibt es die Polizei doch auch nicht anders. Was sie sich an Bespitzelungen leistet, mit welchen nichtswürdigen Machinationen sie ihre Opfer zu unsittlichen und gesetzwidrigen Handlungen zu berlcitcn sucht, das spricht Bände. Es ist unmöglich, die von unserem Genossen besprochenen Themata auch nur andeutungsweise zu bringen. Wir verweisen unsere Leser auf den ausführlichen Parlamentsbcricht. Nur soviel sei an dieser Stelle betont, daß unser Redner mit seinen Ausführungen ins Schwarze getroffen hat. Das beweist das Wutgeheul, in das die Gegner wiederholt ausbrachen. Herr v. Dallwitz freilich hatte den klügeren Teil der Tapferkeit gewählt, er, der eigentliche Angeklagte, ging der Anklagerede dadurch aus dein Wege, daß er gleich zu Beginn den Sitzungssaal verließ. Nun, wenn er auch die Worte des sozialdemokratischen Redners nicht gehört hat, das Bolk wird sie vernehmen und die richtige Lehre daraus ziehen. Dafür werden wir sorgen. Die Sitzung wurde gegen 7 Uhr mit U n t e'r b r e ch u n g der Rede Hoff manns vertagt, da, wie der Präsident mitgeteilt hatte, die Stenographen der Verhandlung nicht mehr zu folgen vermochten. Vorher hatte sich das Haus mit der Zentrumsinterpellation über die Automobilunfälle beschäftigt, wobei charakteristischerweise der sozialdemokratische Redner Genosse H o f e r wieder der einzige war, der sich der Chauffeure annahm, die bei ihrer schlechten Eni lohnung fortgesetzt polizeilichen Schikanierungen ausgesetzt sind. Mittwoch: Fortsetzung der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Die Niesenöemonstration öer Stockholmer Arbeiter. Stockholm, 9. Februar. sEig. Ber.) Die Stockholmer Arbeiter haben gestern den Rüstungshetzern und dem Könige eine Antwort erteilt, die den Drahtziehern des Bauernzuges gezeigt hat, daß sie nicht allein die Geschicke des Landes dirigieren, und daß der Versuch, das persönliche Regiment im Lande zu etablieren, die entschiedenste Gegnerschaft in der Arbeiterklasse finden wird. Der von der Sozial- demokratie veranstaltete T emonstrationszug fand einen größeren Anschluß als je zuvor eine Demonstration in Schweden ge funden hat. Selbst gegnerische Zählungen geben die Zahl der am Zuge Beteiligten auf 48 909 an, eine Zahl, die eher zu klein als zu groß ist. Der Aufmarsch dauerte S1/3 Stunden. Ani Gebäude der Regierung erwartete der Premierminister mit den anderen Mitgliedern des Kabinetts den Zug. Hier übergab unser Genosse B r a n t i n g dein Herrn Staaff eine Adresse des Arbeiterzuges, sie lautet: „Das arbeitende Volk, das unter Teuerung, Arbeitslosigkeit nnd hohen Abgaben verschiedener Art leidet, und immer noch die sozialen und demokratischen Reformen vermißt, um die es seit Fahrzehnten gekämpft hat, wendet sich entschieden gegen die Forderungen auf erhöhte Militürlasten. Im Anschluß an das Programm der Sozialdemokratie und die Grundgedanken in dem sozialdemokratischen Militärantrag von 1911, fordern wir, über- zeugt, daß dadurch die wirkliche Wehrkraft des Landes nicht ge- schwächt wird, eine Begrenzung und Herabsetzung der schon allzu hochgeschraubten Militärlasten, sowie eine kräftige Arbeit siir Frieden und Brüderschaft mit allen Nationen. An Negierung und Reichstag richten wir das entschiedene Ersuchen, sich durch die andauernde besinnungslose Riistungs- agitation nickst dazu verleiten zu lassen, dem dem Volke bei der Wahl gegebenen Versprechen untreu zu werden. Der Bruch dieser Versprechen ist unvereinbar mit Treu und Ehre. Ferner wollen wir aus gegebenem Anlaß erklären, daß das schwedische Volk sich niemals den Ansprüchen einer persönlichen K ö n t g s m a ch t beugen wird, sondern daß wir davon überzeugt sind, daß das Volk mit aller straft, immer den alten tragenden Grundsatz der Demokratie hochhalten wird, wonach der Wille des Volkes allein in Schweden zu be- stimmen h a t." Die Antwort des Herrn Staaf war sehr warm ge- halten, obgleich er natürlich seinem Regiernngsprogramm gemäß einen anderen Standpunkt zur Vermehrung der Landcsverteidigungs- kräfte einnimmt als die Demonstranten. Er schloß sick> entschieden der Forderung auf eine eifrige Friedensarbeil an, wiederholte aber dann die in seiner Wcihnachtsrede in Karlskrona ausgestellten Grund- sätze über die Militärreform, über die wir damals berichtet haben. Dann aber erklärte er, die UebungSzeit der Infanterie nach wie vor erst den Wählern unterbreiten zu müssen. Schließlich erklärte er mit Nachdnlck, daß die Grundsätze der Demokratie ihm wie den Demonstranten heilig sind, und daß jeder entschieden ver- pflichtet ist, für die Aufrechterhaltung und Fortemwickelung deZ Selbst be st immungSrechtS des Volkes. So hat dieser Zug, der ursprunglich nur eine' Gegen- demonstration gegen die Uebertreibungen der Rüstungshetzer, einen ganz anderen Charakter bekommen. Durch die KönigSrede vom Freitag und die Staatsstreichsdrohungen der den König bestimmenden Reaktionäre, ist der Zug der Arbeiter zu einem Wahrzeichen der Volksrecht� geworden. Minister- und Verfassungskrise. Stockholm, 10. Februar. Das Ministerium Staaff hat seine Entlassung eingereicht.— Der König hat den g e- mäßigt liberalen Senator und Gouverneur von Kristianstad, Freiherrn de Ge er, mit der B i l d un g des neuen Kabinetts beauftragt. Die Demission S t a a f f s wurde verursacht durch die Weigerung des Königs, über seine Rede an die Bauern- demonstration befriedigcndeErklärungen zu geben. Der König verharrt bei seiner antikonstitutionellen verfassungs- widrigen Haltung. Es wird sich jetzt zeigen müssen, ivelche Antwort das schwedische Volk auf diese Herausforderung erteilen wird._ Um öas koalitionsrecht. Die empörende Verurteilung von zwei Zimmerern durch die Strafkammer in Jnsterburg zu zusammen 6 Monaten Gefängnis wegen Werbens für den Zimmererverband erhält eine drasttsche Beleuchtung durch folgende in der Verhandlung stattgehabten Vorfälle. Der Vorsitzende sagte vor der Beweis- ausnähme zu den Richtern: Eines Tages kam ein Mann zu mir und klagte über uner- hörten Terrorismus der Arbeiter. Für eine Zettung, der Baustein oder der Grundstein müßte er jede Woche Beitrag entrichten. Wurde er sich weigern, die Zeitung zu halten, bekomme er über- Haupt keine Arbeit. Mit der Aeußerung: So meine Herren, wird es gemacht, um der Kasie Geld zuzuführen, und um d e n Arbeitern den letzten Groschen aus der Tasche ,u jagen. Daun trat der Vorsitzende in die Beweisaufnahme ein. Der Vorsitzende hat also einen unkontrollierbaren Vorfall, der mit der Anklage in keinerlei Zusammenhang stand, in die Verhandlung hineingezogen und daran durchaus unzutreffende Schlußfolgerungen geknüpft. Ist das eine zulässige Art, um objektiv die Wahrheit zu ergründen? Es ist bedauev lich, daß die Angeklagten nicht genügend juristtsch geschult waren, uiil zu verlangen, der Vorfall solle protokollier e und der Vorsitzende und der von ihm gemeinte Maurer als Zeugen gehört werden, damit festgestellt tverde, daß die Behauptung des Maurers und die Schlußfolgerung des Vor- sitzenden:„so tverde es gemacht, um der Kasse das Geld zu- zuführen usw.", der Wahrheit direkt widerspricht. Die Ver- bandsgclder werden nicht gezahlt, um eine Zeitung zu er- halten, auch kann der Miiurer nicht veranlaßt sein, den „Grundstein" zu abonnieren, vielmehr ist die Wahrheit die: Wer Verbandsmitglied ist, erhält die Zeitung umsonst und hat überdies durch Zahlung der Verbandsgelder den Verbands beitrag weit übersteigende materielle Vorteile. Das weiß jeder, dem nicht die Gewerkschaftsbewegung ein Buch mit sieben Siegeln ist. Weil der Vorteil, den die Gewerkschafts Zugehörigkeit dcni Mitglied bringt, weit höher ist als der Verbandsbeitrag, deshalb kann ein rechtswidriger Vermögens vorteil in der Empfangnahme von Mitgliederbeiträgen nie mals liegen. Namhafte juristische Theoretiker haben das Widersinnige der Auffassung des Reichsgerichts, das übersieht, daß der Leistung eine Gegenleistung gegenübersteht, dargelegt. Das Reichsgericht selbst ist auch vor der Konsequenz seiner Judikatur in einen: Falle selbst zurückgeschreckt. E� handelte sich da allerdings nicht um Arbeiter, sondern um einen Erwerbsverein. Die norwegische Regierung hat in den Motiven zum norwegischen Strafgesetzbuch diese Praxis des Reichsgerichts, die Bestrebungen der Arbeiter zur Besserung ihrer Lage und zur Getvinnung von Gewerkschaftsgenosscn zu erpresserischen stempelt, unumwunden als eine solche gekenn zeichnet, die mit der Gerechtigkeit unvereinbar ist. Schutz gegen diese Judikatur, bei der jede Jurisprudenz aufhört, ist dringend erforderlich. Der Enüvurf zum neuen Strafgesetzbuch in Deutschland sieht aber keinen Schutz für das Koalitions- recht, sondern Bestrafung für seine Anivendung vor— genau so unsinnig und gesundem Rechtsempfinden ins Gesicht schlagend, als wenn ein Gesetzgeber unter dem Vorgeben, das Eigentum zu schützen, nicht den Dieb, sondern den Bestohlenen bestrafen würde. politische Uebersicht. Gesundhcitsfragen. 10. Februar. Wie viel Gutes des Reiches leisten müßte, Aus dem Reichstag das Gesundheitsamt zeigte die heutige Beratung. Genosse Büchner schilderte das Elend hilfloser Wöchnerinnen und empfahl den sozialdemokratischen Antrag, der einen Gesetzentwurf zur Regelung des Hebammcnwesens fordert. Genosse Jä ck e l wies nach, daß die Textilarbeiter unter gesundheitsschädlichen Einflüssen aufs schwerste leiden. Er forderte insbesondere ein Verbot der Nachtarbeit und der Arbeit am Sonnabendnachmittag. Abg. Dr. S t r u v e von der Fortschrittlichen Volksvartei erkannte die Mißstände an. Vor ihm aber hatte sich der Nationalliberale L i st(Eßlingen) abgemüht, die Textilbarone als wahre Musterknaben herauszustreichen. Genosse Jockel zeigte aber sofort, daß Herr List die Verhältnisse in der Tertil- industrie gar nicht kennt. Als würdiger Frakrionsgenosse dieser Herren hatte sich beiin Beginn der Sitzung Herr Meyer(Celle) hervorgetan, der sogar die Mißstände in der S ch w e r e i s e n i n d u st r i e aus der Welt— reden wollte. Ihm wies jedoch der Pole D o m b e k nach, daß die Entsch-uldigungsrede ganz und gar nicht angebracht war. Dem Genossen Spiegel, der sich ebenfalls mit Herrn List beschäftigen wollte, schnitten die bürgerlichen Parteien das Wort ab. Im Laufe der weiteren Debatte wurden die Fragen der Bekämpfung der Maul, und Klauenseuche und wiederum der Verhältnisse des Krankenpflege- Personals erörtert. Auf alle diese Anregungen konnte der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Herr Dr. B u in m einen ausreichenden Bescheid nicht geben. So begnügte er sich bezüglich der vom Genossen Büchner behandelten Frage init der Ankündigung, daß das Reichsanit des Innern mit den Bundesstaaten über einheitliche Grundsätze verhandle. Bei Besprechung der Weinfrage wurde es unserem Genossen H o f r i ch t e r durch Schluß der Aussprache unmög- lich gemacht, unsere Zustimmung zu dem Antrage Behrens aus Schutz gegen die gesundheitlichen S ch ä d i° gungeu der im Weinbau beschäftigten Per- s o n e n zu begründen. Der Antrag wurde von den Sozial- demokraten und dem Zentrum angenommen. Abgelehnt wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten unser Antrag, der in fünf Punkten die not- tv-endigsten Schutzmaßnahmen für das Kranken- und Pflegepersonal verlangt. Darauf wurde einstimmig der Antrag C a l k e r angenommen, der sich mit einheit- lichen Grundsätzen zum Schutze dieser Arbeiter begnügt. A n g e n o m m e n wurden ferner der Antrag der Sozial- demokraten auf Regelung des H e b a m m e n w e s e n s. der Antrag des Grasen v. Posadowsky für das internationale Verbot der Nachtarbeit jugendlicher Arbeiter unter 18 Jahren, der Antrag Behrens auf Regelung der Sonn- tagsarbeit und Nachtruhe der Arbeiter in der Binnenschiffahrt und Flößerei und der An- trag Frommer fiir größere Mittel zur Erforschung der Maul- und Klauenseuche. Morgen beginnt die Verhandlung beim Hallshaltsplan für die Biologische Anstalt für Land, und Forstwirtschaft. Tie Mitschuld des Ministers. Zu den die Kölner P o l i z e i a f f ä r e betreffenden Erklärungen des Ministers schreibt die„Rheinische Zeitung": Wir behaupten, entgegen der Meinung des Ministers, daß die Aufsichtsbehörde es an der nötigen Aufmerksamkeit hat fehlen lassen. Ueber die Zustände im Kölner Polizeiwesen sind nicht nur wieder- holt Beschwerden an den Kölner Polizei- Präsidenten, sondern auch an den Reg ierungs- Präsidenten und au den Minister des Innern ergangen, ohne daß die notwendigen Maßnahmen ergriffen worden wären. Der Angeklagte des Backschisch-Prozesses hat Aktenstöße durchgearbeitet und aus ihnen Wertvolles Material gezogen, die auch den Anffichtsbehörde» vorgelegen habe«, ohne daß sie das Beweismaterial darin fanden, das der sozial- demokratische Redakteur mit leichter Mühe daraus ent- nahm. Speziell über Inspektor Kautz und andere Beamte sind schon zu Beginn der Amtstätigkeit des Polizeipräsidenten dicke Aktenbündel von Beschwerden an den Minister gegangen. Man fand aber trotz der bedenklichen Anschuldigungen keine Veranlassung zum Einschreiten. Die Be- hauptung des Ministers, daß die Aufsichtsbehörden ihre Pflicht getan, ist also ganz verfehlt. Hinter den Kulissen. Der römische Mitarbeiter der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" erzählt: „Tatsache ist, daß Kardinal Kopp schon bei seinem Aufent- halt im vergangenen Spätherbst in der ewigen Stadt den Schlag gegen die christlichen Gewerkschaften in seinen Unterredungen mit dein Papste und dessen Umgebung vorbereitet hat. Es ist auch für den Kenner der Verhältnisse gar nicht verlounderlich, daß Kopp sich an den Grafen Oppersdorfs gewandt hat. Dieser be- sitzt in der Prinzessin Radziwill, seiner nahen Verwandten, eine verzüglichc Mittlerin für seine Pläne und Absichten. Die Villa der Prinzessin in der Via Boncompagni zu Rom ist der Miltel- Punkt der vatikanischen Feinde der Kölner. Die Prinzessin richtet mit einer einzigen Audienz beim Heiligen Vater mehr aus als Dutzende von deutschen Zentrümsgrößen, von deren Tätigkeit der Papst übrigens sich ganz eigenartige Vorstellungen machen will, Vorstellungen, die hervorgerufen und genährt werden durch die genannte polnische Dame, die weibliche Führerin und Vertreterin der Oppersdorsfschen Berliner Richtung. Wenn jetzt der Breslauer Kardinal widerruft, und zwar gleich- falls mit päpstlicher Genehmignng, so ist dies dem Eintreten der preußischen Regierung, die sich dem Zentrum zu verpflichten trachtet, sowie dem Druck der öffentlichen Meinung zu ver- danke». Von der Größe des Zwiespaltes zwischen Vatikan und Zentrum inacht_ man sich im Deutschen Reich kaum eine Vor- stellung. Die Streitaxt ist nur für einen Augenblick begraben." Eine Gegendemonstration zu der christlichen Gewerkschafts- bewegung in Bochum und zu der Tagung des Reichsausschusses der Zentrumspartei unternahmen am Sonntag in Neunkirchen(Saar- revier) Vertreter der katholischen Arbeiterver- eine(Sitz Berlin) unter Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Koßmann. Einstimmig wurde die Absendung einer Huldigungs- depesche an den Bischof Korum von Trier beschlossen, der bekanntlich mit Kardinal Kopp zu den erklärten Gegnern der interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften gehört. Auf Befehl des Papstes. Die Führer der christlichen Gewerkschaften und des Zentrums haben einen neuen Schlag erhalten. Zur Richtig- stellung„böswilliger Vermutungen" christlicher GeWerk- sckiastssührer muß die„Gernmnia" ein Schreiben veröffent- lichen— sie tut es sichtlich höchst ungern unter„Kirchliche Nachrichten", in dem es heißt: „Man kann sehr wohl ein Freund einer kräftigen Arbeiter- organisation sein, ohne sich auf die christlichen Ge- werkschaften ein schwören zu lassen. Die Fährte, auf welcher sich jene„führenden Kreise" befinden, ist also eine falsche. Und die richtige lag doch so nahe! Sollte denn in diesen Kreisen nicht bekannt geworden sein, daß die Enzyklika- Interpretation vom 24. November 1912 in Rom sehr befremdet hat, und daß man besonders infolge des fortgehenden Streites und des Kölner Prozesses sich dort veranlaßt fühlte, die Enzyklikafrage klarzustellen? Um das zu er- reichen, hat, wie ich von zuverlässiger römischer Seite er- fahre, das päpstliche Staatssckrctariat dem Kardinal Kopp den Wunsch ausgedrückt, seinen längst vollzogenen Rücktritt von der Enzyklika-Jnterpretation auch öffentlich kundzugeben. Diesem Wunsche hat der Kardinal um so bereitwilliger nach- kommen können, als er diese Interpretation schon längst als wirkungslos und verwirrend erkannt hatte. Das ist des Rätsels ebenso einfache wie zweifellose Lösung." Vor dieser Klarstellung müssen alle Zentrumslügen zu- schänden werden. Hinter Kardinal Kopp steht der Papst. Er ist der Feind der christlichen Gewerkschaften. Der korrigierte Strohmann. In einer im Schützenhofe zu Bochum abgehaltenen national- liberalen Wählerversammlung redeten die Herren Reichstagsabgeord- neter H e ck m a n n, Landtagsabgeordneter A l t h o f s und Reichs- tagsabgeordneter Schi�er. Sie redeten über Zabern, Koalitions- recht, Sozialpolitik und über das Wahlrecht, ohne auch nur etwas Bemerkenswertes zu sagen. Ein Vorgang verdient jedoch besondere Erwähnung. Als Herr Heckmann sich in seinem Redefluß soweit vergaß und erklärte, daß �''ie Sozialpolitik nicht stille stehen, sondern weiter ausgebaut werden müsse, womit er starken Beifall erntete, erregte er den sichtlichen Unwillen seiner Brotgeber. Herr Bergassessor Landtagsabgeord- neter Althoff korrigierte diese Entgleisung des Strohmanns- Vertreters sofort, indem er zu Eingang seiner darauffolgenden Rede ausführte: Die EntWickelung unserer Sozialpolitik muß dort eine Grenze finden, wo sie die Konkurrenzfähigkeit unserer In- dustrie und Landwirtschaft im Auslande bedroht. Natürlich wurde dem Zechenherrn nicht widersprochen, aber eine bemerkenswerte Abkühlung war immerhin zu beobachten. Dann hieb Herr Schiffer fest in die Kerbe. Er verlangte aus- gedehnten Schutz der Streikbrecher, schärferes Zu«reifen der Behörden. So, wie beim Bergarbeiter- streik zugegriffen wurde, indem man rasch Militär herangezogen, wonach sofort Ruhe eingetreten sei, müsse es fortan überall ange- strebt werden. Was hier im Großen, das wolle er auch im Kleinen sehen. Das ist der Standpunkt der nattonalliberalen Partei. Herr Heckmann wird sich also für die Zukunft hüten, sich in der Oeffent- lichkeit hervorzuwagen!_ Preustische Eigenart. An Bescheidenheit gehen die Junker nicht zugrunde. Das weiß man. Selten aber kam ihre Anmaßung so brutal und so provo- katarisch wirkend zum Ausdruck, wie auf dem vielbesprochenen Preußentag. Für Preußenart!— so lautete der Schlachtruf der Junker gegen die Reichsverfassung und den schrecklichen— zahmen Reichstag. Worin besteht denn nun eigentlich die gepriesene preußische Eigenart der— Junker? Darin, daß sie herrschen und ..ndere Slcuern zahlen lassen. DoS ergibt die Steuerleistung in agrarischen und nichtagrarischen Bezirken. Nachfolgend stellen wir eine Anzahl solcher Bezirke und die aus diesen Bezirken auf je einen Landtagsabgeordneten geleisteten Steuersummen in Vergleich. Regierungs bezirk Berlin Düsseldorf Potsdam. Arnsberg Eteuerletstung auf 1 Abg. 8 325 999 M. 3 347 609. 2719099 2 567 500 Köln..... 2 322 700 RegierungS« Steuerleistung bezirk auf 1 Abg. Gumbinnen... 551 799 M. Posen..... 507 300. Ällensteiu.... 469000, Äöslin..... 463 300, Sigmaringen... 387 600, Aürdeu die Abgeordnete» nach der Steuerleistung berteilt, die .Herrlichkeit der Junker im Abgeordnetenhause schrumpfte gewaltig zusammen. Die aufgeführten Bezirke zusammen ergeben in der Gegenüberstellung folgendes Bild Berlin Düsseldorf Potsdam Arnsberg Köln 19,8� Mill. M. Steuern 81 Abgeordnete Gumbinnen Posen Allenstem KöSlin Sigmaringcn 2,3 Mill. M. Steuern 48 Abgeordnete Bei einer Verteilung der Mandate nach der Steuerleistung ent- fielen auf die fünf ogrischen Kreise nur 14 Abgeordnete, auf die fünf städtischen dagegen 115. Es wird die allerhöchste Zeit, mit der preutzischen Eigenart, dag die Junker herrschen und das Volk bewuchern, aber das Steuerzahlen andern überlassen, gründlich zu brechen. Landtagswahl in Lippe. Detmold, 19. Februar. sPrivattelegramm des Vorw.) Bei der Landtagsstichwahl der 3. Klasse im 6. Kreise erhielten am Dienstag Becker sSoz.) 1063, Staercke(Hb.) 1149 Stimmen. Der Liberale ist gewählt. In der Hauptwahl erhielten Soz. 755, Lib. 1912, ein„Unparteiischer' 719. DaS Mandat war bisher libe- raler Besitz. Die neuen Männer in Elsah-Lothringe«. In der Dienstagsitzung des elsafi-lothringischen Landtages, der die neuen Minister v. Roedern und v. Stein beiwohnten, ergriff als erster Redner der neue Staatssekretär Graf v. Roedern das Wort, um sein Programm zu entwickeln. Viel war es nicht, was er sagte, jedenfalls war es nicht das, was man von den neuen Männern erwartete. Er erklärte zuerst, daß eine Aufstellung seines Programms für ihn heute nicht in Frage kommen könne, denn seine Direktiven werden ihm vom Stadthalter erteilt. Diesen Anordnungen werde er freudigen Herzens Folge leisten. Im übrigen habe er keine große Sorge, daß er mit dem Hause nicht gut arbeiten könne. Soweit die Regierungsvertretung. Man trat dann in die Debatte über den Nachtragsetat des Haushaltungsgesetzes ein. Nach Erledigung dieses Punktes ergriff der Abg. E m m e l das Wort und stellte an den Staatssekretär die Frage, weshalb se�n Programm so dürftig ausgefallen sei, da doch in der ganzen alldeutschen Presse zu lesen war, mit dem Einzug der neuen Minister werde auch eine neue Rcgierungsära in Elsaß Lothringen Platz greifen. Emmel fragte auch noch, wie es komme, daß der Reichskanzler im Reichstage anläßlich der Zaberner Debatte den Statthalter Wedel habe fallen lassen und damit zum Ausdruck gebracht, daß man in Berlin mit den Regierungsgeschäften des Statthalters nicht einverstanden war. Er frage hierauf den Staatssekretär, weshalb er gerade auf diesen Punkt, der doch be- sonders interessiere, nicht eingegangen sei. Der Staatssekretär erklärte hierauf, er könne auf das Bestimmteste erklären, daß man in Berlin mit der Regierungspolitik des Grafen v. Wedel einver- standen war, und daß man ihn nicht habe fallen lassen. Der Abgeordnete Emmel blieb auf seinen Darlegungen be- stehen und meinte, daß sich der Herr Staatssekretär mit seiner Feststellung irrte. Die neue Regierung sollte ihr Programm nicht in der Tasche tragen, sondern auf den Tisch des Hauses legen. Darauf wurde vom Abg. Weber von der lothringischen Fraktion wie aum vom Abg. Emmel angefragt, weshalb man denn überhaupt neue Männer in die Regierung eingesetzt habe, wenn man in Berlin mit dem Kurs des Statthalters Wedel ein- verstanden gewesen sei. Eine Antwort des Staatssekretärs er- folgte nicht. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam auch der Mißbrauch der Malzweinfabrikanten mit dem Namen Mdlzwein zur Sprache, der gerade den Winzern in Elsatz-Lothringen großen Schaden zufüge. Hierauf ergriff der neue Unterstaatssekretär der Landwirtschaft Freiherr v. Stein das Wort und betonte, daß er mit den Aus- führungen der einzelnen Fraktionsredner über eine Einschränkung resp. über Mahnahmen, mit dem Namen Malzwein keinen weite- ren Mißbrauch zu treiben, voll und ganz einverstanden sei. Das Haus nahm diese Ausführungen des neuen Unterstaatssekretärs mit Beifall entgegen. Das Nachtquartier im Pandurenkellcr. Meldungen aus Straßburg zufolge weilten am Montag mehrere höhere Offiziere in Zabern, um die Schadenersatzklagen aus der Welt zu schaffen, die wegen der bekannten Ein- quartierung im Pandurenkellep von den Inhaftierten angestrengt worden sind. Die Kläger verlangen 199 M.: die Militärbehörde will jedoch nur ö9M. Schadenersatz für die nächtliche Freiheitsberaubung zahlen, außerdem die bisher ent- standenen Kosten tragen. Es ist noch sehr unbestimmt, ob der Bergleichsvorschlag von den Klägern angenommen wird. Weitere Vernehmungen im Kölner Polizeiprozest. Außer den in dem Kölner Polizeiprozeß als Zeugen ver- nommenen Kriminalichutzleuten haben nunmehr auch die in dem Prozeß verwickelten Polizeikommissare und der Kriminalkommissar Hannemann vor dem Untersuchungsrichter zu erscheinen. Sie sollen über die Annahme von Geschenken vernommen werden. 2'/« Jahre Gefängnis für zwei Ohrfeigen. Der Dragoner Franz S ch o n k a l l a vom Regiment 8 in N a m s la u wurde vom Wachthabenden, Gefreiten Machnitzk'e, belehrt, er dürfe ohne seine Erlaubnis den Stalldienst nicht ver- lassen. Der Dragoner sagte, der Gefreite solle ihm keine Vor- schriften machen, sonst haue er ihn in die Fresse. Der Gefreite meinte, das solle er versuchen, an den Mann herantretend. Nun gab der Dragoner dem Vorgesetzten zwei Ohrfeigen. Sch. wurde vor dem Kriegsgericht in Breslau angeklagt des tätlichen Angriffs, der Widersetzung, Achtungsverletzung. Kriegsgerichtsrat Schubert beantragte zwei Jahre vierzehn Tage Gefängnis, da- von allein zwei Jahre für die Ohrfeige bei Annahme eines minder- schweren Falles. Das Kriegsgericht ging noch über den Antrag hinaus und erkannte auf zwei Jahre vier Monate Gefängnis, wovon allein zwei Jahre drei Monate für die Ohr- feigen! Sch. legte Berufung ein. Vor dein Oberkriegs- gericht in Breslau plädierte der eine Verteidiger, Oberlcüt- nairt Freiherr v. Falkenhau�en, für eine bedeutend niedrigere Strafe. Der Gefreite hätte nicht dauernd auf den Mann ein- reden, sich ruhiger und verständiger benehmen sollen. Auch sei zu berücksichtigen, daß der Gefreite aus S ch.'s Jahrgang und außer Dien st sein Kamerad sei. Rechtsanwalt B i ck be- tonte, der Gefreite habe sich nicht in rechter Weise gegen den Untergebenen benommen und den Vorgesetzten respektiert. Das Militärstrafgesctzbuch setze barbarische Strafen aus, wie sie oft Zivilgerichte nur über schwere Verbrecher verhängen. Sch. glaubte sich vorschriftswidrig behandelt. Ter Anklagevertreter, Geheimrat Laub, beantragte Belassung des angemessenen Kriegs- gerichtsurteils. Demgemäß erkannte das Oberkriegsgericht. D i e Berufung ward jedoch verworfen, so daß es bei der Strafe von zwei Jahren vier Monate» bleibt! Englanü. Die Eröffnung des Parlaments. London, 19. Februar. Das Parlament wurde heute vom König mit einer Thronrede eröffnet. Diese kündigt ein Ge- setz über die britische Staatsangehörigkeit an, das die Reichs- Naturalisierung borsieht. Es wird die Wirkung haben, daß eine Naturalisierung in irgendeinem Teile des Reiches im ganzen Reiche gültig sein wird. Sodann kündigte der König an, daß die Gesetzentwürfe, über welche in der letzten Session zwischen den beiden Häusern des Parlaments Meinungs- Verschiedenheiten bestanden, von neuem eingebracht werden würden. Der König bedauerte, daß die Bestrebungen, für die mit der Regierung von Irland zusammenhängenden Probleme eine Lösung durch ein Uebereinkommen zu erreichen, bisher ohne Er- folg gewesen seien, und fügte hinzu: Es ist mein ernstester Wunsch, daß guter Wille und das Zusammenarbeiten von Männern aller Parteien und Bekenntnisse die Spaltung heilen und den Grund zu dauernder Verständigung legen mögen. Die Thronrede kündigt sodann Vorlagen über die Wohnungsbeschaffung für die industrielle und landwirt- schaftliche Bevölkerung, über die EntWickelung eines nationalen Unterrichtssystems und über die Behandlung und Be- strafung jugendlicher Missetäter. Roch(liberal) beantragte die Annahme der Adresse. Er be- grüßte die Fortdauer guter Beziehungen mit dem Auslande, die vor ein paar Tagen einen Widerhall im Reichstag gefunden hätte und bewillkommnet die Reise des Königs nach Frankreich. Die Adrcßdebatte wurde von Walter Long(Unionist) er- öffnet. Er erklärte, die Homerulebill könnte nich ohne Blutvergießen oder ernste Unruhen Gesetz werden. Premierminister A s q u i t h betonte, daß die Homerulebill bereits zweimal vom Unterhaufe angenommen worden sei und beim dritten Male Gesetzeskraft erlangen werde. Zu Neu Wahlen liege kein Grund vor. Ueber die Absicht der Regierung, die Homerulebill einzubringen, habe vor den letzten Wahlen kein Zweifel bestanden und das Land habe seine Ansicht darüber nicht geändert, wie die Nachwahlen bewiesen hätten Niemand wünsche mehr als er eine Beilegung des Streites. Ueber seine Besprechungen mit Bonar Law werde er strengste Ver schwicgenheit bewahren. Er zweifle nicht an der Möglichkeit eines Ausgleichs. Die Worte der Thronrede würden im ganzen Hause ein Echo finden. Wenn aber die Regierung die Initiative zu neuen Anregungen er griffen habe, so dürfe das nicht als ein Zugeständnis ihrerseits aufgefaßt werden, daß die Bill, die zweimal im Unterhause au genommen worden sei, fehlerhaft sei. Die Regierung werde ihre neuen Vorschläge nur dem Frieden zu Liebe machen. Unter Frieden ver st ehe er nicht die V'e rmeidung von Bürgerkriegen, sondern den Beginn eines neuen RegierungSshstems in Irland, unter Bedingungen, die gute Aussicht auf Erfolg versprächen. Die Angelegenheit dulde keinen ungebührlichen Aufschub, und die Regierung werde Vor schlüge machen, die nach seiner Meinung alle Billigdenkenden mindestens als einen Versuch ansehen würden, einen Ausgleich zu erreichen, der sowohl die Interessen als auch die Empfindlichkeiten aller Beteiligten berücksichtige. Er und seine Kollegen wollten keinen Weg versperren, der zu einem Ausgleich zu führen ver spräche. Die Adreßdcbatte im Obcrhause. London, 19. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Oberhauses wurde von Middelton ein Abände ruugsantrag zur Adresse, ähnlich dem von Walter Long im Unterhause gestellten, eingebracht. Der Lordpräsident des Ge Heimen'Rates, V i s c o u n t M o r l e h, antwortete in demselben Sinne wie Asquith. Der Antrag wird mit Schluß der Diskussion gegen die Regierung angenommen werden, jedoch hat seine A» nähme durch die Peers keine politischen Folgen. Italien. Die Äriegskosten. Rom, 6. Februar.(Eig. Ber.) Endlich hat der italienische Schatzminister die Zahlen der Kriegsausgaben vorgelegt, die sich ins gesamt auf 1 Milliarde 149 Millionen belaufen. Davon wurden 21.8 Millionen für die Besetzung der Aegäischen Inseln verbraucht, 3,3 für Albanien, 78,9 für Matznahmen, die durch die internationale Situation nötig geworden waren, 82 Millionen für Materialanschaffung. 9 Millionen für An. schaffung von Schiffen, 50 Millionen für die im Vertrag von Lausanne vereinbarte Zahlung an die Verwaltung der ottomani schen Staatsschuld und schließlich 9 9 3,9 Millionen für die Besetzung von Libyen selbst. Die einzelnen Posten der Ausgaben interessieren kaum. ES sei nur gesagt, daß an Tagegeldern für Offiziere und Truppen 119 Millionen ausgegeben wurden, für den Sanitätsdienst 11 Millionen, für Artilleriemunitionen 127, für die Ingenieur- dienste 112, für Luftschiffahrt und Funkcntclegraphie 26 Millionen, für die Verproviantierung 177 und für die Bekleidung 138 Millionen. Die Transportspesen belaufen sich auf 67 Millionen; außerdem wurden für 26 Millionen Pferde, Esel, Maultiere und Kamele angeschafft. Die Marine verbrauchte 34 Millionen für Kohlen, 39(sie!) für Reparatur der Schiffe, 21 Millionen für Mieten von Transportschiffen und schließlich 29 Millionen für Munition. DaS„Giornale d'Jtalia" macht darauf aufmerksam, daß nicht weniger als 29 999 verschiedene Rechnungen von 459 ver- schiedencn Rechnungsabschlüssen für die Aufstellung dieses Budgets benutzt wurden. Man muß hoffen, daß es trotz dieser rechnerischen Komplikationen der Kammer gelingt, etwas in die Kriegsrechnung hineinzuleuchten. � Rußlanü. Ein neuer politischer Monstreprozeß. Vor dem Geschworenengericht in Piotkow wird demnächst einer der größten politischen Prozesse beginnen. Angeklagt sind 82 Männer und Frauen. Sie werden beschuldigt, Mitglieder der revolutionären Richtung der polnischen sozialistischen Partei gewesen zu sein. Die umfangreiche Anklage beschuldigt die Angeklagten, an 32 terroristi- schen Alten. Attentaten und Expropriationen, deren Opfer Beamte, Fabrikanten, Polizeiagenten und andere Personen waren, teil- genommen zu haben. Vor Gericht werden 126 Zeugen erscheinen. Der Prozeß greift auf die Jahre 1999 bis 1919 zurück; mehrere der Angeschuldigten befinden sich bereits länger als drei Jahre in Unter- suchungshaft. Das polnische sozialistische Blatt„Naprzod" hat soeben wichtige Enthüllungen über die Nolle veröffentlicht, welche Spitzel und Pro- vokateure in diesem Riesenprozetz spielen. Auf die Anschuldigung zweier notorischer Verbrecher und Provokateure— Sukiennik und Iarantowiez— wurden die meisten der Angeklagten in diesen Prozeß verwickelt.„Naprzod" erzählt über die beiden Polizeispitzbuben einiges: Farantowicz war Leiter einer sogenannten Kampfcsorganisation. Im Jahre 1998 wurde er nach heftigein Widerstand, mit der Waffe in der Hand in Ostrowiez von der Geheimpolizei verhaftet und der Okrana von Warschau über- liefert. Der Ehcf der Okraua, Lawarzinc, der durch sein System der Provokation berüchtigt ist und zugleich einer jener erbärmlichen Polizeiverbrcchcr war, die die Uiltersuchungsgefangenen der grau- samstcn Tortur unterwarfen, vcranlaßte Farantowicz in den Dienst der Polizei' zu treten. Farautowiez wurde zwar vor Gericht ge- stellt und zum Tode verurteilt— eine Komödie, denn der russische Zar selbst begnadigte ihn für die Dienste, welche er der Okrana geleistet hatte. Auf seine umfangreiche Denunziation hin wurden dann etwa zehn Mitglieder der revolutionären Parteien zum Tode verurteilt und hingerichtet. Unter den von Farantowicz Denun- zierten waren viele, die mit der revolutionären Bewegung in Polen absolut nichts zu tun hatten und die er nur aus Mangel an anderen Personen beschuldigte. Seine persönlichen Bekannten hatte er alle denunziert. Farantowicz wurde für seine Verbrechen an der polnischen rcvo» lutionären Bewegung von dieser zum Tode verurteilt und das Urteil wurde vollzogen. Im Februar wurde seine Leiche in einem Hotel in Rom aufgefunden. Bei der Leiche fand sich kein Ausweis, der die Persönlichkeit des Toten hätte feststellen können. Erst die russische Geheimpolizei stellte in dem Toten einen ihrer schätzbarsten Spitzel fest. Als Lawarzine die Nachricht von dem Tode seines Pro- vokateurs erhielt, soll er entsetzt gesagt haben:„Jetzt komme ich an die Reihe."— Trotz seines tragischen, wenn auch wohlverdienten Todes fand Farantowicz Nachfolger. Einer davon war S u k i e n- n i k. Er hat in zahlreichen politischen Prozessen der letzten Zeit eine Rolle gespielt. Sukiennik war Mitglied derselben Kampfes- organisation gewesen, deren Leiter Farantowicz war. Nach dem Verrat des Farantowicz übernahm er sogar dessen Posten. Sukiennik wurde jedoch bald aus der sozialistischen polnischen Partei ausgeschlossen, wegen seiner Beziehung zu notorischen Verbrechen und sonstiger unsauberer Geschichten. Er gründete nun eine Gruppe, die sich gegen die Partei richtete und die russische Regierung mit Expropriation bekämpfen wollte. Seine Anhänger haben mit ihm verschiedene räuberische Diebstähle, Morde an Fabrikanten und anderen Personen verübt. Sukiennik, der die Rache der Revo- lutionäre fürchtete, stellte sich nun selbst unter den Schutz der Okrana. Wie Farantowicz verriet er nun alle seine früheren Kameraden und sogar seine eigene Räuberbande an die politische Polizei. Auf seine lügnerischen Denunziationen hin wurden viele Personen verhaftet und der Prozeß der Zweiundachtzig, von dem eingangs gesprochen wurde, ist das schändliche Werk dieses gefähr- lichen Polizeispitzels. Die zweiundachtzig Angeklagten gehören allen GcsellschaftS- klassen an; die meisten jedoch sind Arbeiter. Eine der Angeklagten ist die Schriftstellerin Cherie Glickson, die. sich bereits seit zwei Jahren in den zaristischen Gefängnishöhlen befindet. Letzte Nachrichten. Sozialüemokratischer Stimmenzuwachs in Ierichow. Während es nach dem von uns an anderer Stelle ver» öffentlichten nichtamtlichen Resultat der Reichstagswahl in v Jerichow so schien, als ob wir einige hundert Stimmen einge-"' büßt hätten, können wir nach folgendem, uns nach Mitternacht!"'- zugegangenen Telegramm einen ansehnlichen Stimmen- zuwachs konstatieren. Burg(Bezirk Magdeburg), 1v. Februar. V o r I ä u f i- g e s amtliches Wahlergebnis.) Bei der heutigen Reichstagscrsatzwahl im Wahlkreis Magdeburg 3 erhielt Rittergutspächter Schiele- Schollene(k.) 11 999, Fleischer- meister K o b e l t- Magdeburg(Fortschr. Vp.) K893 und Expedient Haupt- Magdeburg(Soz.) 12699 Stimmen. Aus drei Ortschaften fehlen die Ergebnisse. Demnach steht für unsere Partei schon jetzt, trotzdem noch einige Ortschaften fehlen, eine Zunahme von über 699 Stim- men fest. Auf einen solchen Erfolg hatte wohl kaum jemand von uns gerechnet. Die aufopferungsvolle, allen behördlichen Schikanen trotzende Wahlarbeit unserer Genossen hat reichliche, wohlverdiente Früchte getragen. Gegen die GermanifierungspolUtf. Flensburg, 10. Februar.(Privattelegramm des Vorwärts".) In einer glänzenden, von 2999 Personen be- suchten Versammlung beleuchtete Genosse Breitscheid den Klassenstaat und besonders seine Auswüchse in Nordschlcswig. Die Versammlung protestierte gegen die AusweisungS- Praxis in der Nord mark und die Junkerfrcchtheiten. Ein Begrüßungstelegramm vom ausgewiesenen Genossen Stauning wurde von der Versammlung beantwortet. Begeisterte Stimmung beherrschte die Versammlung, die ohne Zwischenfall auseinanderging. Die Ministerkrise in Schweden. Stockholm, 10. Februar.(W. T. B.) Freiherr de Gecr hat auf Anfrage erklärt, daß er den Auftrag, da? neue Ministerium zu bilden, angenommen habe. Die vollständige Ministcrliste kann morgen erwartet werden. Die Volksunruhen in Tokio. Tokio, 10. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agcntur.) Bei dem Zusammenstoß zwischen der Polizei und der Voltsmenge, die in den Hof des Parlaments eingedrungen war, ind auf beiden Seiten mehrere Personen verwundet worden. Ein zu Hilfe gcruscucs Jiisantcriercgimcnt umstellte das Parlamcntsgebäude und das Marineministerium. Die Volks- menge griff die Abgeordneten der Scyulaipartei an. welche gegen das Mißtrauensvotum gestimmt hatten. Später zerstreute sich die Menge allmählich. Bei Anbruch der Nacht wurden Truppen aufgeboten. um jeden weiteren Versuch eines Aufruhrs zu unterdrücken. ES besteht Aussicht auf Besserung der Lage. Das Kricgsrccht in Südafrika aufgehoben. Kapstadt, 19. Februar. Wer über 8 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. 62/8 Die Bezirksvcrwaltuiig. I. A.: A. Werner. Bekanntmachung. Die am 24. 11. 13 durch das Kgl. ObcrversichcriingSanit Groß Berlin gcnehmiglc Satzung der� Jnnmigs- Krankenkaste der Dach. Schiefer- und Ziegeid ccker-Jnnung zu Berlin ist vom 1. Januar 1914 ab in Kraft gclrctcn. Druckcxcinplare der Satzung können im Kasscnloial Waldemar straßc 48 sowie bei dcn Arbeitgebern in Emvsang gcnonnncn werden. Freie Jimuiig des Dach-, Schiefer- u. Zicgeldcckcr-Handwcrks zu Berlin E Gregor, Obermeister. jlaiiArzt'Verein Llisrloiienlmri Donnerstag, den 12* Februar, abends 8V2 Uhr, im Volkshaus, Rosinenftr. 3: Geffentliche Uersammlnng. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn»r. Hoses gcsundheit". 2. Diskussion cvcnt. Fragebcantwortung. über:„Ralscnhstgicnc und BolkS- 79/3 Verband der Maler» Saekierer, Anstreicher MohrenstnSfs Kolonnader». örfrankfurteritr 115 Trauer- Magazin Kleicer.HGiB etc 3»- Äußeritt Preise-«t .. farbige Konfeld ion in größtem Maßstäbe zu bfl ligstcn -Preisen— Westmann Bureau; Mclchiorstraßc HS, Part. Fernsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. TUiale SetUn. 05«. Ardritsnachmeis: Rückcrstraüe 9. Fernsprecher: Amt Norden K7l>8 HoiiHivi'stkK. deu 12. 4'eIirURar, abends S'/2 l'hr: 4 Mitslieders Versammlungen Für die Bezirke Osten, Noxdoften, Lichtenberg, Weistenfec: Kömgsbanb, Frankfurter Str. 117. Für die Bezirke Norden, Nordwesten, Weddingp Gesund- brnnnen, Pankow: frankes festfäle, Badstraße 9— 10. Für die Bezirke Weste», Südwesten, Schöneberg, Ghar- lottenburg: königskof» Bülowstraße 37. Für die Bezirke »üben, Südosten, Zentrum, Neukölln: Graumanns feftfäle, Naunynstr. 27. Ausstellung Ausstellung von neuzeitlichen Ein- und Zweizimmer-Einrichtungen i. schlichter gediegener Ges chm acksrich tung n ntor Be- rücksichtigung der Bestrebungen der Kommission für vor» bildl. Arbcitenvohnungen in Höffner's Möbel-Engroshaus Berlin N. 201. Veteranenstr. 11, 12, 13. - Besichtigung frei.- Abgabe der kompl. Einrichtungen sowie einzelner btücfco zu ganz mäCigen Preisen. Lewmtw, Rchaktd Alfred Wjejep», Keiitöll«. Li�e«N«te»l Iwrantt�'N.WlockttZvirlin.'" Zdmd«.Uerli�: K���chi».«�rläg�M»z�ulS7ngerikEo�AmMk7�ierz� Beilage« u.Untcrhaltungsbi. de» 49. Vedrimr, abends SVa t be: Für bic Bezirke Adlershof, Cöpenick, Friedrichshagen und Oberfchöneweide bei Kiek in Köpenick, Grünauer, Ecke Schönerlinder Straße. Sonnabend, den 14. Februar, abends S1/- Ihr: Für die Bezirke Gr.-Lichtcrfclde, Stcglih, Friedenau, Wilmersdorf und Zchlcndorf im Lokal von Llement in Steglit-, Düppelstraße 7. Tagesordnung: das Ortsstatut Jnr die Filiale Sertin. Da hier ein sehr wichtiger Punkt aus der Tagesordnung steht, so erwarten wir das vollzählige Erscheinen Die OrtSverwaltun�, der Kollegen. entstehen durch unreines Blut. können deshalb auch nur durch innere Behandlung grüiid» lich u. dauernd geheilt werden. HsuipiÜon das beste hierfür. Jetzt bin ich in der Lage. Jlinci: i'.icincn herzlichen Tan! für Ihre wundcrvull heilende Medizin, die mich vollständig von dem � schaudcr- hasten Haiitleide» befreit hat, voll und ganz zu zollen. Gustav Sichtiug, Müchclil(Bez. Halle). HaiitiieD Vororten in allen lllpotheken zu haben. AWx- Versand nach auswärts durch Bismseck-ApvIIieke. Berlin. Vkrsngei- slraße 47. Postkarte genügt.* Ur. 41. 31. Jakrglmy. 1. Keilage des Jamitis" Krlim Mittwoch, 11. Februar 19t4. Gewerksthastliches. Solidarität. Grimmig wütet die Krise! Tausende und Abertausende liegen ohne Arbeit, ohne Brot aus der Straße. Aber auch die, welche noch Arbeit haben, müssen diese vielfach unter den ungünstigsten Bedingungen ausführen. Nichts ist ja dem Unternehmer willkommener, als wenn er unter dem Hinweis auf die mächtig angeschwollene Reservearmee der Arbeitslosen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu drücken vermag. Und dann die Zahl derer, die bei verkürzter Arbeitszeit tätig sind, die das Unternehmertum durch Verringerung der Arbeit aber auch des Lohnes an den Betrieb fesselt, um einen Stamm geübter Arbeiter für den Eintritt der besseren Konjunktur zu erhalten! So trifft das Elend der Krise nicht nur die direkt Arbeitslosen, sondern greift darüber hinaus beinahe in alle Schichten der schaffenden Bevölkerung. Es ist keine Arbeiter- familie— insonderheit in Berlin— davon verschont. Es schien gewagt, als unter diesen Umständen Partei und Gewerkschaften die Arbeiter Berlins aufriefen, von dem Wenige», was sie jetzt verdienen, noch etwas für den Weihnachtstisch der völlig Darbenden zu opfern. Aber der Ruf verhallte nicht umsonst. Die Solidarität der Berliner Arbeiterschaft hat sich glänzender denn je bewährt. In wenigen Wochen brachte das Proletariat Berlins beinahe eine halbe Million zusammen l Von der Gewerkschaftskommission erhalten wir jetzt die Angaben über die zu Weihnachten gezahlten Extraunterstützungen an die Arbeitslosen. Es wurden an rund 29 248 Arbeitslose die Summe von 147 064 M. in bar ausgezahlt und außerdem für 91 502,69 M. in Waren und Lebensmitteln gegeben. Ferner kostete die Weihnachtsbescherung für zirka 20000 Kinder 27 8//, 98 M. Außer der von der Gewerkschaftskommission gezahlten Summe zahlten die Gewerkschaften Berlins noch an außer- ordentlichen Weihnachtsunterstützungen die Summe von 180 534,57 Mark, so daß eine Gesamtsumme von 446 979,24 Mark an die Arbeitslosen und deren Kinder zur Auszahlung gelaugte. Man vergleiche mit diesem tatkräftigen Eingreifen der Arbeiterschaft die zögernde Zurückhaltung des Bürgertums und der Behörden dem doch nicht zu leugnenden Elend gegen- über! Wahrlich hier ist vor aller Augen ein modernes Wunder geschehen. Die Speisung der Zehntausende von den Krumen einer ärmlichen Mahlzeit ist kein biblisches Geheimnis mehr. Der Messias Solidarität ist aufgestanden. Er hat die Brote verteilt. Und sie bekamen alle davon! Serliti und Umgegend. Die Putzer beschäfligten sich in einer gulbesuchten SektionS- Versammlung mit dem Thema:»Neue Bahnen der Lohn- b e>v e g u ir g\ Die Ausführungen des Referenten Hanke gipfelten in der Forderung, daß sich die Putzer mehr mit dem Tarif- gedanken befreunden müßten. Die sehr lebhaste und interessante Diskussion zeigte, daß die Putzer heute durchweg dem Tarisgedanken Sympaihien entgegenbringen. Zur Erklärung sei erwähnt, daß die Putzer bis jetzt ohne Tarif arbeiten und dabei auch ganz Erkleck- liches, darunter den Acktstundentag, herausgeholt haben. Doch das früher Gnte hat sich in den Zeiten der schlechten Wirtschaftslage in.S Gegenteil verwandelt. Da die Putzer keine festen Lohnsätze haben fsie arbeiten nur in Akkord), läßt sich leicht ermessen, was das Unternehmertum diesen in schlechten Zeiten zu bieten beliebt.— Für den Sektionsvorsland wurden sodann folgende Wahlvorschläge angenommen: 1. Vorsitzender: Lemme und Neumann; 2. Vor« sitzender: Grodetzki; Schriftführer: Richter; Beisitzer: Bölter.Beier, Hoppe, Eilhard und Gebhardt. Lohnbewegung der Slrbeiter in den Besohlanstalten. In einer öffenllichen Versammlung, die der Zentralverband der Schuhmacher am Montag nach dem„Englischen Garten" einberufen hatte, nahmen die Neparaiurarbeiter aus den Besohlanstalten Stellung zu einer im Frühjahr dieses Jahres einzuleitenden Lohn- bewegung. Dolly teilte mit, daß die Arbeiter aus der Maßbranche ihren Tarif gekündigt haben. Nun müßten auch die Reparaturarbeiter ihre Forderungen stellen. ILIO wurde mit der Schuhmacherinnung und noch mit anderen Vereinigungen aus den Vororten ein Minimal- tarif vereinbart. Die Innung, die eine Zwangsinnung ist, hat er- klärt, einen Zwang aur Einhaltung des Tarifs bei den Mitgliedern der Innung nicht ausüben zu können. Moralisch hat sich der JnniingSvorstand jedoch verpflichtet, auf die Bezahlung der raiislichen Bestimmungen hinzuwirken. Ebenso hat das Jnnungsschiedsgericht in Fällen, wo der Tarif nicht ein- gehalten wurde, stets die betreffende» Arbeitgeber verurteilt. Kam es doch vor, daß die Woche bis 5 und S M. weniger bezahlt wurden, als der Tarif vorschreibt. Und das bei den an und für sich schon äußerst erbärmlichen Löhnen. Redner schilderte auch, wie ungemein schwierig sich die Agitation unter dieser Arbeitergruppe gestalte. In der Debatte wurde eine Erhöhung des jetzigen Minimal- lohnes gefordert, da derselbe den heutigen Lebensverhältnissen durch- aus iiiwt mehr entspreche. Im übrigen wurden vielfache Beispiele von Tarifbrüchen vorgebracht, desgleichen von unglaublichen Arbeits- räumen. Woschgelegcnheiten usw. ES wurde noch mitgeteilt, daß die Firma Karl Stiller ihre Arbeiter einen Revers unterschreiben ließ, in dem sie sich verpflichten, für den Lohn zu arbeiten, den sie in den aufgelösten Filialen vorher erhielten. Die Firma hat sich damit einer llebcrtretung der Vereinbarung schuldig gemacht. Die Versammlung beschloß gegen vier Stimmen, im Frühjahr in eine Propaganda zur Einleitung einer Lohnbewegung für die Reparaturarbeiter einzutreten._ Aus dem Fleischergcwcrbe. Die Fleischermeister Exner, Weichsel- straße 49 und Ochmke, Johann-Huß-Straße 8 haben den Tarif- vertrag der Fleischerorganisation anerkannt. Die Tarifkommission der organisierten Fleischergesellen. Deutsches Reich. Wieder ein arbeitswilliger Revolverheld. Während des letzten Pinselarbeiterstreikes, der im vorigen Jahre in Nürnberg tobte, fanden sich die zweifelhaftesten Elemente als Streikbrecher ein, die aus allen Richtungen der Windrose herbei- strömten. Diese nützlichen Elemente benahmen sich gegenüber den Streikenden i» unerhört provozierender Weise und wurden durch das Verhalten der Polizei dazu geradezu animiert. Polizei und Arbeitswillige sowie das Unternehmertum, dessen Wünsche die Polizei in geradezu unglaublich gefälliger Weise respektierte, brachten es fertig, den streikenden Arbeitern unzählige Straf- Prozesse aufzuhalsen, die immer noch nicht alle erledigt sind. Der ehemalige Friseur, spätere Gastwirt Fettger aus Regensbyrg, eine verkrachte Existenz, zog gleichfalls gen Nürnberg, um den kämpfen- den Pinselmachern in den Rücken zu fallen. Einige Tage nach Be- endigung des Streikes, anfangs September vorigen Jahres, glaubte Fettger, daß er auf dem Wege zur Arbeitsstätte der Pinselfabrik Schramm photographiert worden sei. Vor der Garderobe des Be- triebes angekommen, schimpfte der Arbeitswillige in der unflätigsten Weise auf die organisierten Arbeiter und nannte diese Gesindel, Lumpenpack usw. Durch di-ses provozierende Verhalten ließen sich einige ältere Arbeiter, die schon lange Jahre im Betrieb waren, hinreißen, dem Arbeitswilligen, der außerdem eine drohende Stellung eingenommen hatte, ein paar Hiebe zu verabreichen. Fettger zog seinen Revolver und schoß blindlings auf Arbeiter, die an dem Borgang gar nicht beteiligt waren und die eben erst die Fabrik betraten. Eine Kugel schlug in eine Tür ein, durch die soeben ein Werkmeister, der aus dem Bereich des gefährlichen Arbeitswilligen kommen wollte, geflüchtet war, Es war nur ein Zufall, daß der Werkmeister nicht von der Kugel getroffen wurde. Andere Werk- meister und Vorarbeiter flüchteten gleichfalls vor dem arbeits- willigen Revolverhelden. Ein organisierter Pinselmacher B., der soeben den Fabrikhof betreten hatte, sah de» Revolver plötzlich au' sich gerichtet. Kurz entschlossen nahm B. eine in der Nähe liegende Kiste und stieß diese nach dem Arbeitswilligen. Der gefährliche Revolverheld fiel hierauf(ein bezeichnendes Spiel des Zufalls) in ein Abfallkistc. Nun sprang ein anderer ührbeiter hinzu und sucht. dem Arbeitswilligen den Revolver zu entwinden. Der Arbeits willige drückte auf diesen Arbeiter die Schußwaffe ab. Die Kugel prallte glücklicherweise an einer Ledertasche, die der Arbeiter(co war ein verheirateter Streikender namens D.) in der Tasche trug. ab; sie hatte nur den Rock des D. zerfetzt und blieb in der Westen- tasche stecken. Eine dritte Kugel, die der wütende Arbeitswillige abschoß, sauste D. dicht am Kopfe vorbei. Diese Schüsse hatten die ganze Fabrik in Auflegung gebracht. Man sah, daß D. getroffen war. Alles flüchtete. Ein beherzter jugendlicher Arbeiter, der ge- rade den Fabrikhof betrat(es war gleichfalls ein ehemaliger Strei ker), faßte einen Besenstiel, eilte zu dem Arbeitswilligen und schlug diesem die Mordwaffe aus der Hand. Andere Arbeiter, die gleist' falls eben zur Arbeit gehen wollten, und die den Borgang noc> ansahen, eilten herbei, bläuten den Revolverhelden durch und übergaben ihn der Polizei. Ihrem von jeher geübten Brauch treu, erhob die Nürnberger Anklagebehörde die Anklage nicht gegen den arbeits- willigen Revolverhelden, sondern gegen jene drei Arbeiter, die den gefährliche» Bursche» unschädlich machten, und noch gegen zwei weitere Arbeiter dazu. Diese fünf streikenden Arbeiter, von deneii zwei ganz unbeteiligt waren, mutzten sich vor dem Nürnberger Schöffengericht wegen Körperverletzung verantworten. Es erfolgt: ein großes Zeugenaufgebot. Jedoch schon die von der Anklage- behörde geladenen Belastungszeugen machten derartige Angaben. daß der Amtsanwalt die Anklage fallen lassen mußte, ehe noch die von der Verteidigung geladenen Entlastungszeugen vernommen waren. Ein Vorarbeiter, der den arbeitswilligen Revolverhelden in seiner Abteilung hatte, schilderte diesen als unfähigen und un- zuverlässigen Arbeiter, vor dem sich Zeuge fürchtete. Der Arbeits willige sei ein ganz rabiater Mensch, von dem schon früher bekannt war, daß er stets einen Revolver trug. Die Angeklagten mußten auf Kosten der Staatskasf e freigesprochen werden Mit Recht konstatierte der Verteidiger, daß sich das Verhalten de: Arbeitswilligen als ein glatter Todschlagsversuch qualifiziere. Natürlich wird dieses gefährliche„nützliche Element" vom Staatsanwalt trotz alledem verschont bleiben. Wenn jedoch die Reaktionär-' und Koalitionsrechtsräuber wseder davon reden und schreiben, daß die Arbeitswilligen gezwungen sind, sich mit Waffen zu versehen, so wird man an diesen Nürnberger Fall erinnern müssen. Schneidcrstreik in Gotha. Die Firma Rosenblatt(G.m.b.H.) hat es abgelehnt, sich i» der Küudigungswoche mit den bei ihr be- sckiäftigten Arbeitern und Arbeilerinnen zn einigen. Es ist nunmehr zur einmütigen Arbeitsniederlegung der 24 bei den Differenzen in Frage kommenden Personen gekommen. Sic sind sämtlich im Sckinciderverband Organisierte. Der so brutal vom Zaune ge- brockene Kampf wird sicherlich nickt enden— zumal die Löhne in anderen Städten in der Branche höhere sind— ehe die Firma er- klärt hat, daß die alten Lohnsätze weiter gezahlt werden. Ausland. Keilings Mordtat in Tetschen. Der„Nordböhmische Volksbote" in Bodenbach bringt eine Extraausgabe heraus mit einer ausführlichen Darstellung des grquen- haften Verbrechens, dem der Genosse Solinger zum Opfer fiel. Johann Solinger, der erste Maschinenmeister der Parteidruckexei Gärtner u. Co. in Bodenbach, war der Vertrauensmann der ausgesperrten Buchdrucker von Tetschen-Bodenbach. In dieser Eigenschaft rief man ihn hinzu, als Keiling den Versuch machte, den Arbeitswilligen Geltsch(?) aus Dresden(?) in Tetschen unter- zubringen. Keiling war übelster Laune. Sein Ruf als Zuchthäusler war ihm vorausgeeilt. Der Hotelier Reindt der„Stadt Prag" hatte ihm am Abend bei der Einkehr den„Volksboten" als Lektüre hin- gelegt und in diesem mußte er sein— Straflegister finden. Wütend warf er seinen Revolver auf den Tisch, so daß der ihn bedienende Kellnerlehrling kreidebleich entfloh und den Besuchern des Gast- lokals von dem Vorfall erzählte. So erfuhren die Buchdrucker da- von, die ihn in einem anderen Lokal gesucht hatten. Sie verlangten kleines Feuilleton. Germania, den eisernen Besen! Das Martyrium der.klassischen" Zeugin aus dem Zabernprozcß, der Zigarrenhändlerin Evcrs, glimmt fort. Wiewohl täglich größere Bestellungen von oulen Pawiotcn einlaufen und die Kisichen immer leerer werden, das Herz, das unverkäufliche Herz, bleibt voll. Und sie hat es vor kurzem in einem Brief an eine scklesische Dame ein wenig ausgeschültet. Sie hat ihrem Zorn die Susi gemacht, die bekannllich Zigarren nicht immer h'ben. und fie hat sich auch kein Deckblatt vor den Mund genommen. Sie sckreibt u. a.: „Wie hat Herr v. Reuter das Land hier geliebt und bewundert, wie viel Gnies hat er getan, auch die Frau Oberst war sehr gütig, ich iah ihr mal zu, als sie ganz in der Früh mit ihrer Fräulein Tochter spazieren ging, da kamen einige ganz arme Kinder daher, die schrien, weil große Hunde kamen, und die Damen gingen sofort über die Straße und führten die Kinder fort. Immer sah ich so schöne Handlungen von der Familie des Herrn Oberst und ihm. Ich bin deshalb auch jo empört darüber, weil die Zaberner diesen ckarakterstarken und gereckten Mann so behandelt haben.� Der Herr Oberst war zu gut. Hier bleiben kann ich nicki, das würde meine Gesundheit kosten. Hier gibt eS auch noch lange keine Ruhe, diese Feiglinge setzen ihre Maulwurfsarbeit fort. Ein eiserner Besen müßte mal hier auskehren, solange noch Zeit ist." Und ob auch die mutigen Palriolen der Frau Evers nicht nur in die Zigarrenkistchen, sondern auch pflichtschuldigst unier die Arme greifen, die Spezialmarkt: Zaberner Feigling wühlt noch immer. Da müßie eben einmal ein eiserner Besen auskehren, daß es nur so raucht. Die Zigarrenhändlerin Evers brennt danach. Bassermann zu Pferde. Die Stadt Mannheim hat vor einiger Zeit einen schmucken, neuen Führer herausgegeben, der neben dem Text allerlei Sehenswürdigkeiten der Stadt in kleinen, netten Bildern wiederspiegelt. In diesem Bildersaal ist eines, das ein Stück Straße zeigt, oder eigentlich nur ein Haus, oder noch besser: cm paar Meter von einer Villa. Und vor diesem Hause hält ein llieiter in würdiger Ruhe, mit sinnender Miene, ein Reiter auf einem stattlichen Pferde. Keine Unterschrift verrät, mit welcher Mannheimer Sehenswürdigkeit uns dieses Bild da bekannt macht. Mit großem Wissensdurst behaftet, habe ich mich nach Sinn und Bedeutung des Bildes erkundigt, und mir ist die Antwort ge- worden, daß der Reiter mit der halb bedeutenden, halb sorgenvoll- bekümmerten Heldenpose der Abgeordnete Bassermonn ist, der Führer der Nationalliberalen, ein Bürger Mannheims, ein Sohn einer alten Familie der Stadt zwischen Neckar und Rhein— mit einem Worte—: ein Ruhm der Stadt, ein Stolz und eine Freude der Seinen. Ein Mann, wie man weiß, mit Ruhin und Ansehen bei allen Gutgesinnten so reich beladen, daß er dereinst seinem Denkmal sicher nicht entgehen kann. Nun verstehe ich auch das Reiterbild in Mannheims schmuckem Führer: Freund Bastermann hält Generalvrobe für sein künstiges Denkmal ab. Musik. Berliner Volks-Chor: Mozart-Abend. HappoldtS stimmungsvoller, gut akustischer Konzertsaal war am Montag gefüllt bis zum letzien Platz. Das ist um so höher anzuschlagen, als die Bourgeoisie seit Jahrzehnlen bei der Aufführung Mozarischer Opern meistens durch ihre Abwesenheit zu glänzen pflegt. Aehnlich ab- neigend verhält sie sich auch zu seinen ftir den Konzertsaal kompo- nierien Werken, es sei denn, daß berühmte Dirigenten oder Solisten als Zugmittel mitwirken Anders denkt und handelt das Volk. Es will die Schöpfungen seiner unsterblichen Meister hören, wo und wann immer sie ihm in eckt IllnülerisÄer Wiedergabe geboten werden. Diesmal war's ein Kammerkonzert in reinster Form, dem ein von Dr. A. Guttmann im Gewerkschaftshause gehaltener Lehrvorirag über Mozarts Musikschaffen vorausgegangen war. Auf dem Programm standen: Das Slreichquartelt Nr. 84 B-clur, auch Jagdquarlett genanut, eine Sonate für Violine und Klavier v-äur und daS Klavicrquartett Nr. 158 in G-raoll. Wie Mozart durch die Begründung der romantischen Oper, insbesondere durch die Nengesialiung und Ausbildung der komischen Oper die großartigste musikalische Umwälzung hervorrief, so führte er in der Jnstrumentalinusik das von Josef Hahdn Begonnene weiter, indem er ihr die ganze Sprache seines Herzens miiteilte. So ist denn auch in den obengenannten Werken ein berückender Glanz origineller Melodien ausgegossen, dem sich niemand zu ent- ziehen vermag. Ausführende waren das Klinglersche Streich- quarrett und Robert K a h n(Klavier). Nicht sobald wirdein idealerer Zusammenklang der Jnstiumenle zu denken sein, als er hier zu Gehör kam. Die grazile Leichligkeil des Mozartschen Musik- geistes wurde gerade durch die Vehandlung des Bechsleinflügels offenbar, dem der Spieler wundervoll gefärbte und meinerlich aus- geglichene Töne entlockte. Es war eine von feinstem Miisikempfinde» gelragene scbivungvoll-lebcndige Wiedergabe, die denn auch bei den Hörern dankbaren Jubel auslöste. ob. Humor unv Satire. So'lvaS kommt hei uns nicht vor!, Die lücki'gen Herrn von Ar und Halm, Sie schätzen jetzt die Wuchl der Massen. Sie rücken an aus Feld und Alni Und demonstrieren in den Gasse» l Und— welche Wendung unsrcr Zeit! Sie wollen nicht nur schrei'n und reden, Zu zahlen auch sind sie bereit— In Schweden, teurer Freund, in Schweden! Und hört! kann so'was denn gekchehn? Ist dieses sonst schon dagewesen? Der König, sich recht auszublähn. Mißachtel die Verfaisungslhesen! Und er beginnt ganz eminent Mit starken Worten zu befehden Des Reichs erwähltes Parlament— In Schweden, teurer Freund, in Schweden! Jedoch in unserm Ordnungsstaat Kommt dadurch nicht das Recht ins Wanken. Auf steht das Proletariat Und weist dem König leine Schranken! Und ruhig sieht's die Polizei In diesem staatsrcchllichen Eden, Und die Minister stimmen bei— In Schweden, teurer Freund, in Schweden! ___ Knax. Notizen. — Ann st che oni f. Bei Paul Eassirer ist eine neue Aus- stellung eröffnet. Sie bringt mit 46 Bildern von Waldemar Rösler einen Ueberblick über das Werl dieses Künstlers. Ferner enthält si» fast ebenso viele Werke von dem französischen Maler Odilon Redon und Arbeilen von dem Bildbauer Wilhelm Lehmbruck. — Eine E r n st- H ä ck e l- F e i e r. Zu Ehren Ernst HäckelS. der am 16. Februar 89 Jahre alt wird, veranstalten die Berliner Monisten am 17. Februar im Kaisersaal des Zoologische» Gartens eine große Feier. Die Festreden halten Wilhelm Ostwald und Prof. Dr. Guenther-Freiburg. — Die Zensur im Elsaß. DaS elsässische Dialektstück ,D'r Ouatorze Juillct" von Henry Lallemand, daS von dem Elsässiscken Theater in Colmar demnächst aufgeführt werden soll, ist vom Bezirksprasidenten des Obcrclsaß verboten worden. DaS Stück ist vor Jahresfrist bereits aufgeführt worden.— Ist das schon die Wirkung deS neuen Regiments? — Eine neue V u l k a n d ä m m e r u n g. Der italienische Forscher Professor Colli meldet, daß er seit einiger Zeil eine Folge ungewöhnlicher farbiger Dämmerungserscheinungcn beobachtet habe, da» erste Mal Mitte Juli in Rom und dann ohne Unterbrechung. wenn auch mit gewissen Schwankungen der Helligkeit bis zur Mitte des Dezember. Er führt diese Erscheiuungen auf den sehr heftigen Ausbruch des japanischen Vulkans Asama zurück, der in der zweiten Hälfte des Juni stattfand. — Auch eine S p r a ck m i in o s e. Zu dein Thema, das neulich in diesen Spalten illustriert wurde, schreibt uns ein Leser: Neulich geriet ich bei Gelegenheit der Agitation ans einen der ent- fernteren Berliner Vororte, dessen Bahnbofsverhältnisse mir yoch unbekannt waren. Bei der Rückfahrt fand ich mich nicht gleich zu- reckt und fragte einen Beamten, welcher der Uniform nach einer gehobenen Klasse anzugehören schien:.Wo bekomme ich hier ein Billett?" Ein gewöhnlicher Bahnsteigschaffner hätte mir Bescheid gegeben. Aber der„Gehobene" war auch ein Deutschtümler. Er musterte mick verächtlich und sagte: „Eine Fahrkarte meinen Sie doch!" „Meinethalben eine Fahrkarte I" Da hob er den Arm und zeigte tiefer in das Dunkel des Bahnhofsiunnels hinein:„Dort, am Billett schalter!" — Das Ende der größten Kult urpalme. Die fast hundert Jahre alle, 82 Meter hohe Livistona im Palmcnhaus« von Herren Hausen bei Hannover, dein ehemaligen Schloßgut der hannoverschen Könige, wird demnächst gefällt werden, weil sie"fast an das Glasdach de« Gewächshauses stößt. Eine Erhöhung des mehrfach durch Aufbauten erweiterten Glashause» ist mit Rucksicht auf die Tragfähigkeit der Fundamente nicht mehr möglich. von dt!r Polizei dia Entivaffnung des gestihrlichen Menschen, die aber abgclehitt wurde. Man unterrichtete nun Solinger, der noch in der Nacht von Bosenbach nach Tetschcn-iaiit. E» war ain Sonntag, den 8. Februar, nm zirka 7 Uhr früh, als Aciling und sein(Gefährte aus ihrem Zimmer in die Gaststube des Hotels„Stadt PatyJ* hcrabkamen, um das Frühstück einzu- nehnien. Er setzte sich Fanz in der Nähe der Küchentür. Von den Ausgesperrten waren, nur 5 oder 6 im Lokal anwesend, die verstreut an den Tischen fasten. Solinger irt einer Ecke, Keiling entgegengesetzt. Eine Anzahl Ausgesperrter stamd auf dem Markt- platz auf Posten. Keiner ashnte, was die nächsten Minuten bringen würden. Es war im Lokal wohl eine gewisse Spannung, aber zu einem ernsten Konflikt war doch kein Anlast. Die Ausgesperrten, weit davon entfernt, provozieren zu wollen und in Kenntnis, daß Keiling als rabiater Mensch zu allem fähig sei, hatten nur die Absicht, ihm den Streikbrecher wegzulocken. Ein Buchdrucker, der in der Nähe desselben sah, wandte sich an diesen. Keiling, der besorgen mochte, er könne um seinen Schandlohn kommen, mischte sich sogleich ins Gespräch. Nun kam Solinger herzu und meinte begütigend:„Last man den Herrn, ich werde selbst mit ihm(dem Arbeitswilligen) reden." Dabei legte er eine Hand vertraulich auf die Schulter desselben. Das solßc ihm zum Verderben werden. Denn in diesem Augenblick sprang Keiling auf und sagte im aller- gemeinsten Berliner Vorstadtdeutsch:„Wat wollen Se von >nir? Wenn Se noch ecne Silbe saien, sind Se so- sofort eene Lei che." Diese freche und leider allzu ernst ge- ineinte Drohung veranlastte einen der wenigen anwesenden Buch- drucker auf den Marktplatz zu laufen und zwei Polizisten 'erbeizurusen. Ehe aber diese vermittelnd eingreifen konnten, war die entsetzliche Tat bereits geschehen. Alles spielte sich sekundenschnell ab. Genosse Solinger, der lässig, die Hände in den Taschen, vor dem Keiling stcrnd, antwortete mehr gemütlich als aufgeregt:„Sie schießen nur einmal, ein weitesmal nicht mehr!" Keiling, ein großer robuster Patron, der ven Browning bereits in der Faust hatte, ging einige Schritte urück in die Küche. Solinger, immer noch die Hände in den -Laschen, stand ruhig drei Schritte vor Keiling. Plötzlich krachte in Schuß und Genosse Solinger stürzte, in den bals getroffen, auf den Fußboden nieder, wobei er im Fallen im Gesicht noch einige leichte Verletzungen erlitt. Vom Schreck erstarrt, waren die Anwesenden im Moment mssungslos, bis sich der Bann löste. Mit' dem Revolver in der Hand, stand Keiling unbewegt vor seinem Opfer, um das sich die Buchdrucker nun bemühten. Die Kugel ging an der linken Seite durch den Hals in den Wirbel, das Rückenmark verletzend, so daß Lähmung eintrat, und streifte auch den Kehltopf. Solinger, der wi Bewußtsein war, bat einen Freund, ihm den Kragen und das gorhemd abzunehmen, sowie die Uhr einzustecken. Herr Dr. Füger, der herbeigerufen wurde, leistete erste Hilfe und ordnete die Ueber- ührung des tödlich Verletzten ins Krankenhaus an. Dort tourde Solinger am Vormittag operiert, doch konnte die Kugel nicht cnt- fernt werden. Keiling wurde von dem Gendarmeriewachtmeister Pohl, der zufällig, von der Post kommend, vorbeiging, verhaftet. Der Mord- übe sagte, als der Beamte erschien:„Ich habe ihn erschossen." Wie besonnen die Buchdrucker trotz ihrer ungeheueren Erregung uaren, beweist der Umstand, daß sie sich gegenseitig ermahnten, den Läter nicht anzurühren, dieser werde anderswo zu büßen abcn. Es wurden daun die Zeugen befragt und Keiling in Arrest abgeführt. Solinger war am Nachmittag des 3. Februar noch bei Be- ,.vußisein, an eine Rettung war aber nicht mehr zu denken. Am Februar, 7 Uhr früh, hatte der kräftige, gesunde und lebens- "■"Wje Mensch ausgerungen. Er hinterläßt eine Frau mit S Kin- Jent; ein sechstes Kind wird erwartet. Ucberall, wohin die ersten Nachrichten von dem Worfall dran- wn— zuerst unklar und unbestimmt— erregten sie die größte Bestürzung und Helles Entsetzen, aber auch Wut, daß derartiges ti einem Rechtsstaat noch möglich ist. In der„Volkshalle" schluchz- -en Frauen und Männer laut auf, als sie hörten, daß einer ihrer wackersten Mitstreiter durch die Kugel eines Elenden hingestreckt wurde. Das Leichenbegängnis des toten Genossen findet am heutigen Mittwoch unl 3 Uhr statt. Für den Abend ist nach dem Saal der „Stadt Prag" in Tetschcn, nahe der Stelle, wo ei siel, eine Massen- -Versammlung einberufen, die gegen die Rechtszustände protestieren jvll, welche solche Vorfälle möglich machen. Mus öer Partei. Der Kreisarzt als Oberzensor. Der ArbeiierbildungSauSfckmß in Uelzen i» der Provinz Hannover hatte beiSlossen, zwei wissenscbaftlicbe Lickitbildervorträge Öer die Geschlechtskrankheiten zu veranstalten: die Vorträge sollten am Freitag und Sonnabend voriger Woche, einmal vor Männern, md das andere vor Frauen, gehalten werden. Man hatte .-doch die Rechnung ohne die Uelzener Polizei gemacht, die am Freitagmittag ohne Angabe näherer Gründe die Vorträge verbot— us Gründen der„Sittlichkeit und Ordnung". Räber anzugeben, worin die Gefahren bsfteben sollten, wäre auch unmöglich gewesen, "enn Personen unter 18 Jahren war der Zutritt verboten, und in iligeir Nachbarstädten, so in Lüneburg, Wiesen und Cello, waren wn der Polizei keinerlei Schwierigkeiten gemacht worden. Ver» rndlungcn mit dem Bürgermeister als dem Vertreter der Polizei- .'«Hörde hatten schließlich den Erfolg, daß der Kreisarzt als Ober- liior bestellt wurde, und der gab sein Gulachreu dahin ab. daß >!ch große Gefabren für die„Sittlichkeit und Ordnung", wie der Bürgermeister befürchtet, doch nicht beständen. Der Vortrag wurde ann genehmigt, aber nur in der verstümmelten Form, daß der iedner, ein Arzt, nur über„Ehrlich-Hata 606" sprechen durfte. wmit war die Sittlichkeit der Uelzener bewahrt, ob aber auch die Lchicklichleit gewahrt wurde, ist eine andere Frage, denn beide Vor- .:äge, auch der für Frauen, waren polizeilich überwacht. polizeiliches, Gerichtliches usw. Die sozialdemokratischen Bürgerschaftsfraktioneu der drei Hanse- wdte Hamburg, Bremen nnd Lübeck hielten erstmalig am Sonntag l Hamburg eine Zm'ammenkunst ab. Behandelt wurden die Steuer- :nd die Schulsragen, die einer eingehenden Besprechung unter Klar- -gung der örtlichen Verhältnisse unterzogen wurden. Beschlüsse wurden nicht gesaßt. Einmütig stimmten die Versammelten einem Aorschlage zu, iux nächsten Jahre wieder eine derartige Konferenz abzuhalten.__ Mus Industrie und Handel. Konjunkturrückgang in der Schweiz. Bei den Ziffern des schweizerischen Sandels und Verkehrs im ahre 1013 tritt ein gewisser Stillstand zutage. Die Einsuhr i r Schweiz ist nach ihrem gewaltigen Vorstoß von 1802 Millionen rank im Jahre 1911 aus 1979 Millionen Frank im Jahre 1912 nn Berichtsjahr nicht weiter gewachsen. Vom Januar bis Ende -eptember ergibt sich in der Einfuhr ein Minus von 6 Millionen �1120 gegen 1426 Millionen Frank) und dies trotz außerordentlich starker Getrerdezufuhren während der Kriegsbcsorgnisse im letzten Winter und trotz nicht minder außergewöhnlicher Wein-, Obst- und Zuckerimporte im Herbst. Für den Rest des Jahres scheint die Ge- staltung der Zolleinnahmen auf eine noch viel ausgesprochenere Ein- fuhrverminderuug hinzuweisen. Weniger schroff tritt die Stockung des Erwerbslebens in den Haiiptinduftrien der Schweiz auf. Ihr Gesamtexport ist sogar von 996% aus 1010,8 Millionen Frank seit Ansang des Jahres ge- stiegen. Ein mätziges Zurückbleiben liegt vor im Stickerei- und im seidcnstoffexport und bei der Ausfuhr kondensierter Milch. Im letzteren Falle hängt der Ausfall zusammen mit dem Kampf um den Milchpreis im Früzhjahr 1913. In? übrigen aber hat sich der Absatz der Schweizer flihrenden Exportindustrien bis zur Stunde aus der früheren Höhe zu halten, teilweise auch noch weiter auszudehnen vermocht. Von einer Anzahl industrieller Betriebe meldet die Zentral- stelle des Verbandes schweizerischer Arbeitsämter gegen Ende des Jahres Kündigungen und Entlassungen größeren llmfangS, was sie vermuten läßt, daß die Arbeitslosigkeit des Winters ihren Höhepunkt erst nach Neujahr erreichen wird. Das Hauptkontingent der zurzeit bestehenden Arbeits- und Pro- duktionsstockung ist nicht unter den Erportindustrien zu suchen, sondern beim Baugewerbe und den damit zusammenhängenden wesentlich nur für den eigenen Markt der Schweiz arbeitenden Baumaterialfabrikcn. Die Stockung im Baugewerbe ist diesmal vielleicht weniger begründet in einer Uebersättigung des Wohnungs- und des Baubedarfs ahs vielmehr in der allgemeinen Versteifung aller schwereren langfristigen Kredite. Auf einem Gebiete allerdings rührt die Stockung in der Bau- tätigkeit vorwiegend vos dem Ueberangebot der letzten Zeiten her: ans dem Gebiet des schweizerischen Gastgewerbes. Hier war allerdings in früheren Jahren schon in Erweiterungen und Neu- bauten des Guten reichlich genug geschehen. Die gute Reise- saison von 1911 schien noch, einmal neue glänzende Aussichten her- vorzaubern zu wollen. Die beiden Regcnsommer 1912 und 1913 haben aber alle derartigen Rechnungen und Hoffnungen vernichtet. Weniger schroff tritt die Zchlechte Geschäftslage des Gastgewerbes hervor in den staüstifthen Ausweisen der großen Fremdcnzentren, die naturgemäß unter der.Ungunst des Wetters weit weniger zu leiden hatten als die bochgeAegencn Berghotels. Die schweizerische Landwirtschaft stand im Jahre 1913 unter vierfachem Druck. Jm.Frübjabr kam es zu einer Abrechnung über die künstliche Schraubuarg des Milchmarktes durch die Preis- treiberei der Bauernorganißrtionen und über den Versuch einer künstlichen Hochhaltung der Käsepreise durch die Käseexportgescll- schaft von Brugg, die nun ihr zweites Geschäftsjahr mit noch weit größerem Verluste als das erste, nämlich mit einem Defizit von einer Drittelmillioz, abschließt. Der Regenfonuner war zwar den Laubkulturen, dem Gemüse voran, ausnehmend günstig, hat aber die Nährkraft des sFutters sowohl als auch die Zucker- und Mehl- bildung der übrigen Kulturen zum Teile erheblich beeinträchtigt. Am schlimmsten stelht es um den Wein vom Herbst 1913. Seine Ernte ist auf ein Zaum je erreichtes Minimum zurückgegangen, so daß in autzerorderitlichen Importen unvergorener Jtalienerweine Eriatz gesucht werde»! mußte. Auch der Zucker im Port ist im Zusammenhang damit neuerdings gewaltig gestiegen, und diese beiden Posten, vor«allem der Wein, waren es, die den in die Millionen gehenden Ausfall in den Zolleinnahmen des Bundes aus dem übrigen Import bis Ende November auf den mäßigen Betrag von 1,62 Millionen Frank ermäßigt haben. Im ganzen tritt die schweizerische Volkswirtschaft das neue Jahr, entsprechend den Vorgängen im eigenen Lande und ihrer engen Verkettung mit dem Weltmarkt, in gedämpfter S t i m- ni u n g an. Tividendenrückgang bei der Nationalbank. Die Nationalbank für Deutscklond wird für das abgelaufene Jahr nur 6 Prozent Dividende gegen 7 Prozent im Jabre 1912 verteilen. Die Bank hat ihre Be- stände an Effekten, deren Au-Zgabe sie übernommen hatte, gar niSt oder nur zu schlechten Bedingungen abstoßen können. Ebenso sind die Kurse von Aktien und Renten im vergangenen Jahre stark ge- funken. Daraus ist der Bank ein Verlust von rund 700 000 M. erwachsen. Dieser Bstrag wird nicht den inneren Rücklagen cnt- nommen, sondern als Verlust in der Bilanz verbucht werden. Die Allgemeine Berliner Omnibus A.-G. erhöht ihre Dividende von 8 auf 9 Prozent. Der Gewinn ist gegen das Vorjahr von 1,52 auf 1,73 Millionen Mark gestiegen. Die Abschreibungen be- tragen 1,7 Millionen Mark(1,4 im Vorjahre.) Soziales. Verständigung zwischen Aerzten und Krankenkassen. Bei der gestrigen Besprechung, die zwischen den Vertretern der Aerzte und den Krankenkassen im Reichsamt des Innern statt- fand, wurde über die Fassung der Ausführungsbcstimmungen zum Berliner Abkommen vom 23. Dezember 1913 eine Einigung erzielt. Zur Witwen- und Waisenversichcrnug. Eine Anklage, wie sie schärfer uktd vernichtender kaum gedacht werden kann, bildet in diesem Jahre die Nachweisung über die Rechnungsergebnisse der Träger der Invaliden- und Hinterbliebenen» Versicherung. 'Ganz normal hat sich freilich der alte Teil der Versicherung entwickelt. Die Zahlungen für Invalidenrenten sind um rund 7>/j Millionen Mark, für Krankenrenlen um 24 000 M. gestiegen und die Ausgaben für Altersrenten um mehr als 400 000 Mark zurück- gegangen. Neu hinzugekommen sind die sogenannten Hinterbliebenenrenten, das Witwengeld und die WaisenauSsteuer. Und doch weist die Schlußabrechnung seil Bestehen der Versicherung zum ersten Male einen Rückgang in den Ausgaben nach. 1911 wurden ausgegeben: au Renten...... 168 973 704,22 M. an einmaligen Leistungen. 10 246 469-70, 179 2l0 173,92 M. Für 1912 sind aber folgende Zahlen verzeichnet: Ausgaben kür Renten... 176 659 892,20 M. an einmaligen Leistungen. 1 969 805,09„ Summa 178 629 097,29 M. Die Versicherten haben also 1912 580 470.03 M. weniger erholten als im Jahre 1911. Dabei ist der Reich-zuswuß gestiegen. Dieser betrug im Fahre 1911 53 283129,70 M. und im Jahre 1912 aber 54 292 879,55 M., und ist um 1009 753,85 M. höher als im Vor- jähre. Die Ausgaben der Versicherungsträger sanken um 1 590 233,48 Mark. DaZ ist durch die Einführung der Hinterbliebenenversicherung herbeigeführt. 1911 wurden an Be'itragserstattung 10 246 409,90 M. ausgezahlt. Dieser Teil der alten Versicherung ist in Wegfall ge- kommen, weil man das Geld zur Durchführung der Hinterbliebenen- Versicherung gebrauchte. Für solche Frauen, die sich 1911 bereits verheiratet halten, oder Krüppel, die 1911 verunglückt, oder Familien- Väter, die 1911 verstorben waren, wurden 1912 noch 709 590 M. Bei- tragserstattung ausgegeben. Aber an Witwen- und Waisenrente gab man 1912 nur 1048 870 M. Im Jahre 1911 hatten sie durch die Beitragserstattung 4 050108 M. gehabt. 1912 hatten sie zu- sammen mit der Beitragserstattung nur 1 318 460 M. Durch die Witwen- und Waiienverficherung also nicht einmal die Hälfte, die sie ohne diese Versicherung gehabt haben. Dabei wurden durch die Beitragserhöhung 64 Millionen Mark an Beiträgen mehr erhoben als im Jahre 1911. Als bei Beratung der Reichsversicherung-Zorduung unsere Genossen diese Wirkung voraussagten und die ganze Heuchelei ent- larvten, da schrien die Heuchler aus den Reihen der bürgerlichen Parteien. Jetzt möge man sie fragen: ob sie diese Wirkung des Gesetzes gewollt haben?_ Göttliche Weltordnung in amtlicher Beleuchtung. Mit einigen inicressanten Bemerkungen begleitet der„Reichs- anzeiger" die Zahlen über die Bevölkerung der preußischen Gesang- nisse im Rechnungsjahre 1912/13. Zunächst erfährt man, daß der tägliche Durchschnittsbestand in den Anstalten beider Verwaltungen — Justizministerium und Ministerium des Innern— im Berichtsjahre 52 795 Gefangene ergab, gegen 51 549 im Jahre vorher. Legt man die Bevölkerungsziffer zu Grunde, dann entfallen aus 100 000 Einwohner 1912/13 131,44 Gefangene. 1911/12 waren cS 138„34. Nähere Angaben liegen über die der Justizverwaliung unterstehenden Anstalten vor. Danach betrug der Zugang im letzten Jahre 401 447 gegen 401 659 im Vorjahre. Dadurch ergab sich ein Gesamtbestand von 426 139(427 573) ohne Polizeigefangenc. Dazu bemerkt der„Reichsanzeiger":„Der Höchststand der neun- ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde im Rechnungsjahr 1892/93 mit einer Gesamtzahl von 522 267 iichaflierten Personen erreicht und noch im Jahre 1894/95 mit 520 587 Gefangenen annähernd behauptet. Dann fand ein allmählicher Rückgang bis zum Rechnungsjahr 1899/1990 statt, in dem die Gesamtzahl der in den Gefängnissen der Justizverwaltung untergebrachten Gefangenen 435 603 betrug und damit um 86 064 unter dem Maximum lag. Ja dem Kriscnjahre 1901/02 erfuhr sie wieder eine gewaltige Steige- rung, bis auf 482 606, um dann abermals zu sinken und im Rech- nungsjahre 1906/07 mit 42-5 132 den ttessten Stand zu erreichen. Während der beiden folgenden Jahre ungünstigerer Arbeitsgelcgcn- heit stieg die Gefangenenzahl von neuem bis aus 470 057. Seitdem ist sie wieder in der Abnahme begriffen: sie ging im RechnungS- jähre 1909/10 um 17 238 auf 439 429, 1910/11 um 21 333 auf 438 006, 1911/12 um 10 523 auf 427573, im letzten Berichtsjahre 1912/13 aber nur um 1414 aus 420 139 zurück; in den letzten vier Jahren hat eine Verminderung um insgesamt 50 508 stattgesun- den."— Die Füllung der Gefängnisse verschulden demnach die Lebensmittelwucherer und kapitalistischen Ausbeuter. Das kommt noch schärfer zum Ausdruck. Besonders die Moralisten und satten Frömmler, die mit gefüllten Bäuchen über die Schlechtigkeit der Menschen zetern, wollen sich das zu Gemüte führen. Wie das amtliche Organ weiter feststellt, ist die Zahl der weiblichen Gefangenen ständig, seit 20 Jahren um zirka 00 Proz. gesunken. Dann heißt es wörtlich weiter: „Unter der Gesamtzahl der Gefangenen befanden sich im Berichtsjahre... 38 940(42 039) Männer und 26 668(23 639) Weiber, die zu geschärfter Haft verurteilt worden sind— Bettler, Bagalunidcn, Trunkenbolde, Dirnen, Obdachlose, meist Wintcrgäste, die das Gefängnis als eine Wärmeballe oder Her- berge oder als Krankenhaus ben-«en... Schließlich wird noch festgestellt, daß die Zmuachme der Unter- suchungsgefcmgenen— darunter Bettler, Landstreicher, Dirnen vielfach auf Witterungseinflüsse zurückzuführen sei. In> venigen Worten und Feststellungen hat da der„Reichs» anzeiger" eine nette Illustration von der göttlichen Weltordnung geliefert. Glänzende Ernten waren dem Lande beschert. Das Kapital errafft riesenhafte Profite, trotzdem treibt bittere Lebens- not viele Volksgenossen in die Gefängnisse. Hunger und Frost läßt manchen armen Teufel, läßt manches arme Weib das Ge- fängnis als einen Hafen des Glücks betrachten, dem man sehn- suchtsvoll cntgegenstrebt. Im Gefängnis gibt es einen warmen Raum, eine Lagerstatt und Nahrung. Das bedeutet für den,"der es nicht besitzt, der Gefühle Hochgenuß. Darum das Verlangen nach Zuchthaus und Gefängnis. Und für diese ideale Gesellschafts- ordnung sollen sich obendrein noch die Proletarier begeistern. Die Auerswalber Wohnungssiedelung. Die erste sächsische Wohnungösiedelung nach Ulmer System ist An vorigen Jahre in Auerswaldc, einem Vorort von Chemnitz, erstanden. Ter dortige Gemeindevorstand Kluge, ein früherer Ratsbeamter von Chemnitz, fand seine langjährige bodcnresorme- rische Arbeit von schönstem Erfolge gekrönt, nachdem er die Hinder- nisse im Gcmeinderate beseitigt hatte, die auf falschen Ansichten beruhten. Die erste Siedelung wurde im oberen Ortstcile, etwa 15 Minuten von der Bahnstation Oberlichtenau gelegen, errichtet und am 1. Oktober 1913 von den Kolonisten bezogen. 25 Einfamilienhäuser inmitten großer Gärten bieten sich dem Beschauer als ein tatsächlich schönes Bild dar. Die Gemeinde hat das Land gekauft und die Bauten nach verschiedenen Plänen aussührcu lassen. Im Wege deS Wiederkaufsrechts sind sie in das Eigentum der Kolonisten übergegangen. Jede Spekulation ist ausgeschlossen. Tie Landesversicherungsanstalt bat die Siedelung Mieheu. Das Kapital ist von den Kolonisten mit Einschluß einprozentiger Amortisation mit 4% Proz. zu verzinsen. Arbeiter und kleine Beamte, meist aus der mit der Bahn in wenigen Minuten zu erreichenden Großstadt, wo sie ihre Beschäftigung haben, sind die Bewohner dieser Kolonie. Durch Errichtung dieser Kolonie sind der Gemeinde gute Steuerzahler und deren Familien sind der Natur zugeführt worden. Der gute Erfolg des Unternehmens hat die Gemeinde angespornt, auf dem beschrittenen Wege weiter- zuschreiten. Sie hat in der Näbe des Bahnhofes wieder Gelände von 25 099 Geviertmetern angekauft und beabsichtigt, hier noch 20 Einfamilienhäuser zu errichten, um die Nachfrage zu be- friedigen. Das Interesse für die bereits errichtete Kleinwohu- hausstedelung macht sich durch häufige Besuche derselben bemerk- bar; auch die Behörden wenden ihr jetzt Interesse zu. Tie Wohnungsnot der Großstadt begünstigt die Errichtung derartiger Siedelungen._ Versammlungen. Nochmals: Frauen und Mädchen in der russischen Revolution. Wir erhalten vom Genossen G o l d b e r g die Mitteilung, daß er keineswegs zur Verbreitung der reaktionären Legenden beigetragen babe. Seine Ausführungen hätten in dem schon am 7. Februar berichtigten Punkte gelautet: Die Agitation und Propaganda unter den Soldaten war mit großen Schwierigkeiten verknüpft, da ein Soldat sich verdächtig machte, ivenn.er in Gesellschaft von Zivilisten gesehen wurde. Unauffälliger konnten die Frauen und Mädchen diese Propaganda betreiben. Denn wurde der Soldat in ihrer Begleitung gesehen, so glaubten die Vorgesetzten, es sei eine Liebschaft, wahrend in Wirklichkeit von einer solchen telne Rede war. Quittung über die Sammlung zum Bebelfonds: Bauarbeiter des Dorwärts-N> ubaues 46,—. Kranzüberschuß von den Kollegen der Finna Bruno Wicdcnnanu d. Weudt 10,70. Kabelwerk Ober. forte, Rcvolverdreher Stif 10,05. Telegrammüberschuß Abt. Kvntrolleurbau Bergmann, Scesiraße 2,—. Derlstattorbciler der Firma Heinrich Hoffmann 70,— Sechserkassc der Buchdruckerci Rosentbal u. Comp. 10.—. A.&. 5. Rate 200,—. 5. Kreis aus Liften 53,90-«Darunter: 1. Abt. aus Listen durch Gen. Hubnfleisch 3,35- la Abt- auf Liften durch Gen. Blum 16,25. tb. Abt. auf Liften durch Gen. ChmiletrSli 2,20. 3. Abt. auf Liste« durch Gen. Braun 29,60. i. Abt. aus Listen durch Gen. Thiemecke 2.50.) 4. Kreis aus Asten 300.—. 6. Kreis Fahrow 25.—. Die Sammlungen zum Bcbcl'ondZ find noch nicht abgefchloffe». Weitere Beiträge sind zu Achte» an Emil LocZke, 8W. 68, Lmdenjlr. 2, L Erscheint 2 mal wöchentlich. j BegugsquelSew-�erzeichiniSa| Untenstehende Geschäfte empfehlen sich b. Einkauf. Hüsemein-UericMeaenss Granow's Kaffee-Versd. Dresdnerst.TO f1 iliQPh Lindeiistr. 105 U\ niuwli Speck- nndSchiakiESRlrerti. Frnnz Abraham Hiwb. Me«sina-u.RÖmertrank-Kell. C.j{6 Eatieletr. 8», Fernsp. Kg8t.l3708 Keiner, Otto, Gerichtstraße 86. Partäewareng., Tegel, BrQB0Tr8i.49 P. Zillat, Waidemarstr. 64 a. & uto-FahPichQis Centr. Ante Technikum N öTde n Priazea-Allee 42 43 Cnanffcarschalc Ta�es- uad Abend-K nrsus iintn» jederzcil. Prospekte gratis. gad�OiUtaltsn Arkona-Bad, Anklamer-Str. 34. ßadftit-MeaMlIßU�1�,. �ndaderxerZtr. 107 Gollnowstr. 41. I60tial-Bäll Anro�Är.«. Bad Frankfurt. G r.Frlcft.Str. 1S6. Lieferant samt!. Krankenkassen Bad HuTeland, Hiifelandstr. 45. Kalser-Friedricba-Bad.Chsrl.tJk. Kur-Bad Treptow, Bouchestr. 13 liBdfiiliaöJÄÄii,,I{li>. Natlonal-Bad, Bmnuenstr. 9. Bad Ostend [Original LoLtaunln-Iliul Wallstr. 70 71 früh. Münsel Smtl. Bäder, auch. f. Kraakenk. Passage- Bad Reform-Bad, Wiener Str. 65. Reform-Bad WeiBcnsee, LehdersL104 Sdiiiier-Sailjiiüefstf.t.'üll "Bad B■£ OB an «IIRSSI« Schiesische Str. 31. Btanflagen, srnnmiwaren R- Bänke, Stralauer Str. 56. Berkholz, Köpcnickerstr. 70. A. E. Lange, Brannenstr. 166 Liepe, Schöneberg, GrB2eif»Id«tT.20. Mever,P.,Kk!li.,Berlinentr. 4�—50 Ha Neaidi, Breitest- 24, Spandau. J. Ch, Pollmani], Utbriigerfitr. SV. M. Spranger, Reinickond. Str. 11. B! eher- u. Kcgditei'efso C�damcck. Nklin., Jonasstr. 23 A.Albat.Marktst-lS la.heiiitkooilorf Albreckt, E., Fruchtstr. 29. I.andbrotbäcker. Harm. Albrecht F. Andersdi, Zionskirobstr. 17. R. Anderson, Thüringrerstr. S2 Astnus. Wilh., reck.rntnäsrür. II. K. Aust, DrontUeimor Str. 40. WUb. BdCge, Widefstr. ö6;6. Willy BAr, Stromstr. 43. Paul' Bergar, Mirbacbstr. 29 P. Eoyer, Franseckystr. 45. Josef Grefka, Kirchhofstr. 46/47 Uickei,[ibiosEistrüQe 33. Otto Billepp, KMtanlea-ille« 21 d. 69 Reinh. Blcnkle, Wieaenstr. 19 a* R. Block. Soraucretr. 18. Alw. Btkmer, Romintenerstr. 40 Brotfabrik Helnersdcrfer Mühle PaulBochnlg,P«ikew,Gör8cbstr.ll Rudolf Bre chlln,Ucker8t. 3 üklln. F. Breitkopf, Exerzierstr. 19 a. Waldemar Brose, Driesenerst.S Hormaou Büß, Grünauerstr. 12. Emst Buller, Urüsaelerstr. 43. M. Burghardt, Waidemarstr. 76. Oust. Böhm, Gubenerstr. 26 G. Büchner. Nordhauaenerstr.SS Alb. Dadiwif;, Kamcruncrstr. 16. David» Lzmdbrot.KuüeisdorierSir.S:) ra!ia«derätr.'.4.WaS!ni'.iB-.i:.E{igabclkst. Paul Delly, Markusstraßo 15. Albert Dcnkevvi�, Jablosikistr. 14 Dnüwa, Ferdinand Torellstr. 4 Otto Donath, Stolpischestr. 22. H. Donner, Dunckerstr. 78. Rud.Dnncker, Pankow, Miiblanat.? 1 Fritz Elchler, Bastianatr. 18. W. Ernst, Pöckleratr. 42. Franz Fauiwetter, Masteuf elftr.17. Carl Feist, Friodenstr. 101. Paul Freitag, Stnttgarterstr. 13. E. Freyer, BlBBiemtr. 72. E. Marko-iitr. R. Friedrich, Marienburgerst r. 38. HeInrlchFrl8t0r,?aakow, Florast. 50 Rob. Gebier, Wildenbruchstr. 68. F. George, WilheijssbaTenerstr. 2?,. Fritz Glanner, Chausseestr. 80. Gumnior, K. Posenerstr. 16. \lri]b. Godt, Emdoneratr. 59. B. Gonsior, Treptow, Grfitzstr. 65. O.OCrh,WirieBitr.31, br.i.rrilBe ßbm. Orobc-KhodcReinickendorferst.95 Groß- Bäckerei„Berolina" i.Wcst. PaulGrisard, Pankow, Florastr.10. Paul Gärtner, Treskowstr. 44 A. Günther, Gr. Frankfu rtcrat. 75 P.Ilanke.Vortr.W.Mckce Mirie tksrgeril.7 KarlHe!denreicb,Mün chenerst-U Karl Hennig, Steinmetzstr. 74 Gast. Heintsdiel.fiaTeilir geretr. 26. G. Henning, Schmidtstr. 8 a Job. Hildebrandt, Rykestr. 32 PJHusgen, Uflrfarth-,E.Lichtenraderst. L. Ihle. Oorichtsstr. 53. Max Jacob, Pflngerstr. 70-1. Beruh. J ahn, Residenzst. 75, T.582 Reinickendorf, Ka users tr. 3. Ipaul Jarrasch, Sprengelstr. 33 Jendreyko, Immanuelkirchstr. 10 Fr. Jendreyko, Ohmstr. 3. O. Jeske, Libauerstr. 1 B. Kant hak, Lichtenberg arstr. 21 Georg Rappe, Wühc'irihaiea�ntr. I. A. Reib, Rostockerstr. 31. F. Kiese uetter, 8chiT«lkain«ralr. 16. Frledr. EHrder, Mirbacbstr. 37 R. Klinke, Weißens.fLohderst.lfO. j.Klud», Kesidenzst.löo, Keiiiekeai p. f'etrer. Schulstr. 102 Ibcukid.miHiiiofP.i Paul Kouha Bssdelitr. 42. Max Kuitlcrt, Landsb. AIIoo 29. Friedrich Kncp. Bodestr. 31 Paul Köbernirt. Wilh.Stolzestr.a5 A.Ko»mchl,XkIln ,Donau6tr.52-53 Albert Kramaredi. Adilktrlit. 66. A. Kosubeck. Spsrrstr. 4 Josef Krell, Weserstr. 17» Alb. Krstk?, Cadinerstr. I». Scher- u. Conditoreisn Lindbr.-Bäck.Kröchcr, Saalestr.3oa C. Konze, Uebigstr. 1. Karl Kunerle Max Kühl, Triftstr. S Felix Kynast, Dänenstr. S. Bäckerei Sünschsr Kastanien-Allee 67 Ew. Liesegan?. Danikrerstr. 42 Adolf Linde, lichtabs., Wilheliiiilr.76 Carl Llndooberu, Ireitacritr. 4. R. LObs, Re'nielead.-Ost, Kanelealr.12 Frlft Lnngwlt), Hohenlohestr. 3. W. Luzemann, 0.,GabrieIMaxst.2 W. Megow, Licbtenb?.,(iärlaem 5 H.Markgraf, Char!.,Goethestr.49. R. Karkworth, Pflügerstr. 11. R-Maarblor. LiekbibeM, Oiisnlr 27» AutonMelynar,Landsbergerät.l7 Alfred Mehner, Fuldastr. S5/C Mßblsteff, Spandau, Bliaarekstr. 5. O. Hosler, Weißenburgerstr. 42 E. Mahle, Manteaffelstr. 87 Max Muth, Falkensteinstr. 37 Carl Neuendorff, Sickiager6tr.76 Wilhelm Nlklau, Malplaquetst. 6. Gustav Nielson, Lindowerstr. 9 p. Kitsdike, Cadinerstr. 4. Paul Otto, Danzigerstr. 31 Robert P8tschke,Sprengelstr.<;S. l.U.fopp, Ameodeslr.lPl, i'.ciBTckand.-Oit Herm.Prnger.Gr.Frankfurterst.a Fr. Prlbyl, Ornabrückerstr. 26. Richard Raatch, Weichseistr. 64 FrlfiRiibter Jr.,Licbenwaldersl.lS Qnh DlnHnl RekordbrotbAdierel nüll. nlüüol Schulze odorierst. 23. G.Riewe,BaBnicIi!Dir.,Baiaischutiit.87 C.Relsch, Bader., llennHBstr.l6.1ik61lji. F. Radioff. Xklin.. Allerstr. 37, O.w, Rautaut, Gürtelstr. 27 Gugt. Kautenberg, Metzerstr. 11 Kurt Reinetke, Frnnzstr. 13 P.ReinhoIs.TrentowKiefholzst.17 RichardRloger,Iriftit.i5.Spsrrsl.29 OttoRectwlsch, SimonDacbstr.l. F. Rlsleben, Samariteratr. 11. R. Riemer, Pannierstr. 4. Willy Robde. Zellostr. 11 Hubert Köaner, Triftstr. 4 Alfred Rost, Reicbenbergerst.135 F.Sandmann, Tteplou.Grätzstr. 25. Wilhelm Sauter, 0c'itn»rder«:r. 36. W.Schaaf,ReiBic!iiil.-0>t,PriTiaizl.83 Emil SdiaUer, Scbreinerstr. 52. P. Sdiluauer, Anklamerstr. 15. P.Schlnner, IltiBidtid.-9.,FrOTiint.51 Carl Schleich, O., WOhliscbat. 3 WUb Schmidt, Liebenwalderst. 10 Paul Schmoll, Amst ordamerscr.9. O. Scbneidor, NW., SöBmorias.trl S. Willy Schneider, kfelaocstaastr. 13. Gustav Scfaöflsch, Doizigerstr. 31 Paul Sd:&n, Kopenbagenerstr. 74. EberhardSchSnwieseJ.ädsTitsatr.s Paul Sdiröder, Beireeredorferalr. 27 E. Schön, Kniproderstr. 8 W. Schönwiese, Romintenerst. 54 Carl Schulz, Neukölln, Ilsestr. 26 Faul Schulz, Hufelandatr. 2 Paul Schuncrt, Stolpischestr. 35, Adolf Schulz, Florastr. 78 Pank. Faul Schörer, Tilsiterstr..l2. Reluh.Schu.-vcanz.k'sMaaiea-Ailede Karl Schwarz, Tbaeratr. 21 P, Schwarzbeck, Wiclefstr. 27. Bruno Schwarz, Andreasplatz 3. Sthvencke. Herrn. Rykestr. 33 E. Seelönder, Lenaustr. 7. Ernst Seifert, Keuterstr. 75 Robert Seil, Mainzerstr. 15 Reinbold Sperling. Jahnstr. 19. E.Sple(tslö8er(CbarIottb.,Kantst.83 Otto Stieler, Warschauers tr. C9.- P, Syguscb, Sehönh. Allee 150 Georg Tank, Cbristburgerstr.SO Carl Töaiges, Wlldonowstr. 17 Carl Tennert, Scblesischcstr. 19. E.Tessmer Sesideazit.US.Eeiaidnd. Emil Thomaz, Voi R. Tlttel Johann____ Tunhnn Filialen in allen I uro an SWdtteilen. F. Tzachetzscb, WranPelst. 4» A. Unkrodt, Nklin., We'erstr. 47, Otto Waghitz, Milllerstr. 28 Ludwig Walter, HoleJaoilsIp. 37. C. Wack erb agen. Pank. Bredme,!r. 6 1 Max Walter, Sebastianstr. 82 E. Weber, ProTiiuit.99, Reinickend.-O. Karl W einholz, Kamerunerstr. S7 W.Wellilir.Kopernikisgt. 9Wiihlisch!it.27 ArtburWesser, SebiilerpromentdeS» Clemens Weise, Joblonskistr. 1 Otto Winkler, Nannynstr. 73. Fr. Wittig, Nordhausenerstr. 23. O. Wolsdiendorf, WzIf'eRseratr. 23. Otto Wowerlers, Oldenburgstr. 8 /achau, Gr.-LIchterf.,Chanss8cit85a Paul Zastrow, Stromstr. 33. M.Zeesc, Immanuelkirchstr. 29 J.Zindler, Bsohwg., Eohringstr.fl. Züblke, Glatzorstr.?. Gürteist. mer.iovBiQEuzik. i A>/,45CiaicftvaQ. bomaz, Voigts tr. 17 el.Nklln., Salchowerstr.2» i Troffer, AUeestr. 46 BaBsnligesanll. Sars nagz. Bbrl.H.-Sirgfibr.A.Lehimn,G«riclitisl.35 J. Liszczinskl, Gerichtstr. 30. Üläl Ml Frsnkfurier-AIIeo 170 F. Herzog, Kottbuserstr. 7. Oliftririfnit Berl.Christmen8t.14 . LlKUClIJII Pankow, Berlin. St.13 lfiUe.KeiBiekendorf-W.Ang.-Vikt.-AIJ.85 W Pade, Reimckendorferstr. 119 H. Petermeler, Strelitzerstr. 8. Thcod.Pocschke,E.E*nptst..Gr.R.-Allce A.Sprinkmann�bsckcner.KathAiiisi�V Reieucmüngsgegentionfle Büttner, A.« Danzigerstr. 96. geiKefleiuBenen H olt|,Braunsbergerstr.4EelilBg. W. Liebreich, Jablonaklstr. 4. BSaJSLSSS G. Damerius, Maxstr. 13c. Drascherjr., Landsbergerstr. 116 Blumen-Flscfaer-Zöllner 3costeo Jul. Großer, Pankow, Florastr. 94 M. Klinkow, Triftstr. 69 Menzel, Neukölln, Bergstr. 110 III A.MieIiü,Sebmvoberst.3,ReialekeKd.W A. Schneider, B8ekwg.,Baüas3clj.Sl.96. Tomaszewski, Weilen-,LieliiettbgiL12. R.Wagner,Pflikow,WolIankstr.ll4 W. Wllfce Friedenstr- 98 gieMeretj� Akt.-Brauor.Potsdam.Eig.kiedirl. Berlin SW, Temnelhofer Ufer. 15 Enadfabarg z. H.,Wilhelii Jirlsrat.l 16 Spez. Potsd. Stangenbier Bep'Sner Bierbrauerei- i eeseHachaft m. b. H. i laHckk. Braaarazlr.S.lcMUBitBsilM(t. Ilruipet. E., Mflllentr.>380. Lolsenb raaerei WelleniM. BhuI iüisstaät feinste Qualitätsbiere. 1 Enders Brauerei g;»: Mal zbler,Chan58cest40/41T.U. 10655 Qrotcrjan Ballbier, Friazra-illM 79,80.«!>. 6768 ü. Habels Brauerei hell— HabalbrEu— dnnkcl. Unser gsoldbieB« ist nicht nur ein Erfrischangsgeträak, sondern auch ein Gesandhcitsbier ersten Ranges. Berliner Onions-Branerti. Berlins. 9eissl}isr [nciblBr Brauerei E. Willner Pankow, l-öwen-Branerei vorzügliche Faß- und Flaschen-Biere. E. Giese, Müllorstr. 12 c. L.Hart ung, Pankow, Brehmestr. 62 O. Klose, Reimckendorferstr. 36. F. janon rti0iiorsiM2. O. Kunze, Reinickendorfer St. 14 Carl Lange, Lindenstr. 2. F.Laufmann,Reinickendorf€rst92 O.QuieSjHoll. 117, Reinickend.-O. WillyRoaenow,Camphausen3t.4. K. Schotte, Pankow, Florastr. 94 M. Torge, Schön ebcr|r,Ko)o6'ienjt.66 Ch.Vosgeraa.Pank.Bcrlinerst.l 1. 1 ilOßölütlSSb4?: Alärk.Flcischkons., Nklin., Warlhcst73 ! Paul Matschke, Thaerstr. 17 Moers, Otto Crestr«ier- M.Mauersberger,NklIn.:K&nBerstr,16 Martin Moslg, Schiesische Str. 36 �iyarrsntatirilien Hl ilnrhcf Kitterslr.SS.Tcl.M, rill, 1.3873 ff. Ii. IHM Ci��cnhmi��m�M M. Brößling,V'eiß«nsce,Uißh£BMt.l40 Otto Gülle, Prenzlauer Allee 27 MariaJahn,Spand.,Potsda!nerat.46 dS m Reinickendorf Hauptstr. 25-27. Manchener Brauiiaus Berlin und Oranienburg Siltloiiäii-fiasii'iaaliii! regen unü Faraen O. Barkow, Weldonweg 72. Bcussel-Drogerfc Scocz, BeaflselstSb E. Beckmann, Woldenborgstr. 10 Drogerie Lippehnerstr. 33 Drogerie Sudrow, Ebcrtystr. 28. Alt.Gllenicke,H.Klo8ka,K(iren.8tr.46. M.Gürich, Drog.,Schön£iießerst.ll O. Jürgens, Winsstr. 32. F. Kulimann, Prinzen-Allee 87. OttoKretzschmarRosenthalerst.6-7 KrehPs Drogerie, Fennstr. 51. Lank\vitzRiecKrnaiin,K.-WilnelnHt.25. J!ägcNc!i?..IiJimanucIkircli3t.29,E.WiQ8Bt. Alfr. Marsch, Cuimstr. 37. Ratbau«-Drogcric.M:!lD. noatttstr. 24. jüieQtiaiitaiisiheruoprässfldF lere DS-B[cüereiT2i!lßDia.!lW 117. Weisstier, 0. Brcitliaupt, PalisadenstitS?. Tel-A. VII. 2634. Zu fordern in allen Geschäften Rathaus Drogerie.P&rkov.Breitest. W. Hauhut, Gorichtsstr. 54. Schivelbeincr-Drogerie,SckiveIb.St26 Franz Rick, SchTieroannstr. 18. » fl Neukölln .1, dl G. R. PrenzcL Hugo Schnitz, Möllerstr. 166 a.. Hyg.Gummiw., Photogr.- Artikel. E. Schürmann, Wici.crtstr. 10 Wcrdcr-Drogeric, Briti.Badowerat. 5a Urlten u. Selleruisren JLWallhauserjTe��Bahnhofst� jiflereinralimB., eisisrsi H. Bolabnn 4 Co., Wiclefstr. 42 H. KBieder man" äs Danne, Karl Chorinerstr. 36. Eier Storch, eagros-en det.AdBiiralit.5 Bruno freche t'l'ß'e's rrT'ti öü e I 25 oljeae Filialen._ Eilen, stahiwaren.(Danen, .....■iUDer�:;QE|| WTAUnerTMuiackstr R. Baumann, Reinickendorf erst.116 Herrn. Braun, Landsbg. Allee 14d ßttoBsiiö�Ä� Emil Braun, Aidrcuri. 7S EekeBresl- G. Brucklacher, SÄ Klnck, E., Spsadii, Sehice walderstr. 34. Carl Jung, Stromstr 31. A,Ibold,TempeIh., Berlinerst. 119 W.Knoth.Wiclefst..E.Oldenbgst. KuhntHfißifik«Bd,-W.ScharBveb.-Sl.l47 OttdLehraann,Neuk.,Fricdelst.9. Carl Pagel, Winsstr. 63 H. Palme, Frankf. Chaussee 61e-d Ruh!inann.P.Jtföll©rst.40b, E.Soest. F.SchobcltJoigt«tlO,li.8chreiDeratr. C. Weraite RrÄ.lÄ 40 Filialen G August Holtz FESEJmSSII Otto EeinzBjniaeiistr.fi. AjAUgCjKjiijleiozitnt�SjR� pjjjcheüjjonioTOn Hoffmann, Cotlb.St 17, 11399 IJ r. II�CiEM 22 Verfcauf«»teilen 22 sarüerslen.(üüictsrgisn Hubertus, Butterhdlg. Straussberg. Herrn. Kunert, Cuimstr. 29 A.Llepold,Antonstr.l,MiIchhdlg. f � 48«ix»« Detailgtuchaft« � i üroß~Dair.pfwä33ierei „Spreenixe" Berlin SO., Forsterstr. 5-6 Tzdellosa IV»»>-5«! Billiaite Pitis» O. IVaefe 3Wi!li. Pleö, Bnttergrßfilüüg.6 Berlin C. 54, Roscnthalcrst. 40| 'ßackei!chcrIiof)P®nwp.A.Nora.3837j Kosmalia, E., 4gÄt0 ras ReiaiKe Berlin 3.59. T.AmtMoritzp).21&0 Direkterimport. Liefcrantviel. Konsum-Vereine» YerLSie Offerte. Schröter, R. 43�perhauf69l,llen 43 — Färberei u. ehem. Wäscherei f. Herren- u. Daraengarder» Läden In allen Stadtteilen| Berlin j�jd�rt�Schonctow�J St. Aust, AleundriDti-, E.Wui(rt«ritr. A. Bentalc, Thaerstr. 21. Rieh. Baust, Kastanien-Allee 168. X. BlsUupsIti, Pflugstr. 47 Fr.Brauor, Neukölln, Woiterstr.SS Willy Dorfmann, Wienerstr. 62. Thilo Dorgcrlob, LUhauerstr, 23 Oust. Ehrenberg, Ilr>iideiibu9>>r. 23 August Fanger, Grünauerstr. 8 Flelsch.Vepknufs.Holla" R. Winter, Cotheniusslr. 12 O Friedrich, Melchiorstr. 27 Paul Friedrich», Stephanstr. 44 FritschIziitr. 139. P.Bock, Klosters tr. 8,!>, Spandau Daehne, F.. Ri., Nene.Tonasstr.Se Geppert, Paul, Zo.�soiierslr. 32. E.Uolfri. 19. UlillslP in r..aen r- qror. k'-lcla, lleUea Gardinen und Portieren. Hflcde&C0.. Tegel FeM. loatiiiBi nacütolg. Gneisenau Qtr. 15. 33 Jahre bestehend Auch ZahlnncsTlolcliterung. Lange, Wax��dr�2e. rmkagBl.flG'JiütiJFI HNnlln Zionskirchatv. 38/39. . DUllb, Teilzahlung gestattet. Wilh.Strohstfieer BoHtnerei�)' Heinrich Stumpe, Buckowe rstr. 8 R. Theuer, Elsaßerstr. 78. �giimaicnmcn Bellinann, E., H. Vogel, lBh.E.Srtr«ilei.Willi«liii»tr 11 Aug. Würke, Müllerstr 165. G. Zimmerling, Wclnhcrgswcg 4. Ed. Hruda, Frister Sc RoBmann Nähmaschinen, Rosentbalerstr.lD Littauer Nöbmascb., Spandau 5 Jahro Garantie, Teilzahlung yähm.-Si>z.-Gesch.,Pot«6ftiicritr.l6. LittauerFcchner,Weifieas.,13erI.AH.Z54 Alb. Ruhnkc, Berlinerst. 112, Pauk. 'Thärles. Fleisch.«. Wont-Fsbr A F. Sern Sonnucrmana, BoiilZ7.ncriit.76 Tscberbner, Strailmannstr. 3. MaxTüminel,Christb;irgerstr.24. H. Thomas, Köpenickerstr. 64 a G.Vetiin F. Wendt, Simon Dachstr. 87. W.Wlese, Lichtenberg, Kr#Bnerit.5u.l Paul Zwarg, Landsberg. Allee 136. P.Zimircr, Fleisch-, Wnrstw.Waldstr.l 4 L. Zimmermann, Kottb. Damm 94 puhragl� F. Roland Sr.tT. Qla�Popzelian O. Kröger, Weiöenluirg.retr. 79. H aarartihei R.Loub,N.tl('llir;B«rIia.Sl.l«! CH.nc PBlLto.kJelle-ilHast'ezW-iMlakA H-NIzilori.Frznttari.t.Ui. 1 37,■>"»Kzb. K aus- o. KGcbsngerate Bre wick., Seif. i.Bäruw.,Eciniek4.St.t6S G.Geiger, Schleiferei, Möllerst. 7 Frz-HaiiiBniwsky�h��u: jengegainj Fr. Raff cid, SW.,Cit»cliiiet»tr»5s«9l, ll.ilji.liiif,». Xasieur, gcw.rk.ik. orj., bslts. hciBed.b.'tcmpf. Ulf.». Krzpkk. efrse-trlitel H G. Cohnheim, Reinickend. Str. 8. ALQck, Markst.2, lUiinickendorf. tagelstr,45 W.Sendler G/Woltcrs��sterst�O�gand. erren- u. HnaDengspd. JBln*»!• Ead,llr- 26. Ecke •»-D ca."! Prinzen-Allee. A.Hannemann, Tegel, Berl. St. 68. Leike A Slupeckl, Schuak-Allee 7 0 e S. Rosenberg. Reinickend.StllS. oizschuii-.PafiünenlaDPiK A. Dlerke, Frankfgrter Chaasseo 145. üte. lilützen, Pelzuiar. BelQe, Rud., Chanzaeeztr. 66. E. R. Hesse. Tegel, Schlieperat.13 ÜFMEieliiiiiutinactieriS » Gebr.«Bisse» A Miillersfruac 155. G ' HuthausConsum, Kaltau.-AUee3 HQtiiaDsMoflßiiöl, Möllsrsti.166. A.Lemoltre,Wilai4rf.,B»riii.r»t.l32. Rieck, Em. A.Ring.Jnh.B.RingRo« nlhilrriLI9 Schoerr, Herrn., Wllm«rsd.-St. 46. \liaC.te>W P Kottbuser- " CSkeB*, i-a pamm iz iz Zum Huftwinkel f* Kohl», Chauaieeatr. 85. Nicdrl.d.C5t2en-Kaffccr5«t..LenAuat5 auihdülar IMMM Ctiauaseeet. 51 bill.Einkaufsqu. A. Elloer, Tegel, Brunowstr. 8 Paul faikensttin Ilochstfitter Sri-. 1 - Rabattmarken- Restaurant und Cafö „Alier Xuhstafl" invaliden-, Ecke Chausseestr. Tiglldi KdnartlT-gonzertg. �fohiefi, Hots, Holz, Brihens W.Bussian, Immanuclkirchst. 11 Otto Müller, O., Romintenerst. 82 Franz Reichert, Maxstr. 18/19. C.Richtcr,IriLW.P.KhiorIUaptst.9X318r> Ferd.Wree, Reinicirondorfor6t.86 Kurz-, weiß-, woilusaran Trliipiegen� Alb. Bork, Pankow, Florastr. 41 Kcrm.Engel, Tegel, Schlieperat.2o MfiarripU �euaselstraßa 76 • UalUEid Tauroggouerst. 10 Hoppe, E., Scharnweberstr. 52. Carl Klein, Höchstestr.16, N.O.18 Kauf b ausHenkel Winast. 31.1 0%Rah Hermann Meyer, ScbirelbeiDer SL 2 1. H.Pedi,0.112.Scüarnweberstr.49. Rosen Ihil.RelBi ckend WScharnweb-SL 1 2 2 Albert Vogt j�eflÄnfllung H. Schwarz, Petershnrgerst�jj). I ehranltaiten BöcherroT. Sonst Reinickend.-St. 110 Bcthke, Georg, fÄ Äenlölli, Slbeitr.J3, K.iier-Fricdr.- 8tr. 14, Wezerstr. 186, Frledelnr. tt. ' 1 rcpiov. llrzö-Strt&T-«4 Frese, Ernst 5 tta* Gaege.Otto'Cr" WilLCralilSkÄn." Wrangel- Str. 117. Harzorstr.90 Korn, Kugo s". E.Janouschek,Nkölln, Harz itflauJUirmie mi\ H. Mauke, C., Münzstr. 12 Nd. 8249 R. Mai, Kaiser Friodrichstr. 233. F. Pflugmacher, Colonn«n»tr.46. PanlS<£Onberg.Ctul.,FutsIouiit.97 F.w.siditntoÄ M. Wolter, mfoiHereten C. Braun, Niederbarnimstr. 16. H BrüÄn6r,Friedens8t.2,Adlersh. Carl Braune, Steinmetzstr. 42 m. Hoppe, Spandau Achenbachstr. 10, Telephon 912. interessengemeinschag BiarKiscßer fflHctiprofluzeman O. 27, Sehillingatr. 12 Vollmlldi, 3°, Fettgehalt, zum billigsten Tagespreis. ZwelggesdiSfto: Berltu-O., Marsiliusstr. 17. Berlln-MW., Luisenstr. 25, Fem- Sprecher: Amt Norden 1790. Neukölln, Berlinerstr. 18/18. Sdiöneberg, Barbsrossastr. 36a, Grunewaldstr. 71, Hsbiburger- Str. 3, Fernspr.: Act Utios 3544. Wilmersdorf, lleierottostr.l(am Fasanenplatz), Fernspr.: Amt Ehland Nr.SOlG; Uhlandstr. 79a. Zehlendorf, Wannseebahn. F.i»- ilamersl.40,i eruiipr.:AntZtlileidr.l3C 1 Grfinhelde b. Erkner, Babahcfslr.Sl. NabmascUsen Lüden in allos Stadtteilen. ©ELS2 CeBatt, NW., Turmstr. W. Ernst GOthling, öcliwedenslr. 1. KlEinfiMarWliallfMÄ] Fritz Wollt, Naugarderstr. 45. hsusssl Dose, Paul, N. Möllerstr. 174. K. Groß, O., Frankfurt. Allee IS Groß, Paul, Warschauerstv. 66. Leop. Patocka, Rraadenbnrsulr 46 Schubert, Cari.Nklla.Bergstr.US W. Zapletal, Frsakfnntf Alle. 168. parnewaren u. r isiager G.ClnaB, Weiße«., Berl.AlleeäS atentanuuBlte AjKuhnjliiipLl»��� Plandisihen IIKB9B3Bn Schmidt, Fennstp. 3 Ado'f Knbe, Badstr. 32 R. Maerr, Badstrasse bä. Rud.Obigt, N.i;c; nickendorfeTsS.J Gg.Wllte, ga4zif. 35, I«l. Mubil 4z46 ■TW P52S2Ü22S H�thrnriif SO. Kottbaseretr. S. . r.lDlrUll auch Gelegenheitskf. Diiaa(rfmlH MüUerstrasse 166 a !!UyO lUllIlll Geltgenhntskäure. Photo-Jansen, Hauptstr. 23. pjsnos Cesare Donadonl 4 Pohl Berlin NO,, Landsberger Alle» 1». Neu© Pianos von 350 Mark an. Gustav Frank, Ackerstr. 135. Naiecon Bmnnenstr. 155 llu'Suul NordMA�allerbilll�� poafcnii!r.mepeIeffi H. Kahlbrock, Danzigerstr. 49. D.Danielsohn, KotlbusordammS. M. Kitiow, Frilles»tr.42, Neistemr.a. K. Opaihe, Pankow, Florastr. U cchneldersi 'chueidareiartiKei Fritz Wildenhayn, Elsaßerstr. S SSSLSL F. Knappe, Goebonstr. K» Arth. Kambach. Scbwedenst. IIa. Rad. Kiesal, Mirbacbstr. 66. O. Mlericke, Tegel, Brunowstr. 15 W. Gollert, Schlesischestr. SO. „Schweirerhof", Moierei und Uilchkuranstali. Emdener Str. 46.:: Tai U J5Ö5. H-Tpegep, Tegel, Bahnhotst.7-8. öbeifabrikund-uersanö Rossien- Möbel Kaetauien-Allee 57 Gustav Richter Köpenick, Grünauerstr. 9 MI usiH-Lehranstalten tieuwedenstr. 3 f. Gowissenh. Ausbld. F. Bartels, ßericlusjlr.SOBest.X.SSj? C. Berner, Gibaazt 29 Tel. IttUow 9)03 O Fabrenkrug,ütiiU!lEWaU«rslr.31 Paul Schur, G.a.b.U.;Dirt«tc8ir.ai|.t2 k�briingsniitlel iL Jahn, WSrttterstr. 33. gcbpeiöwaPM Rieb. Blume, Fiak.v, Florastr. II. O. Prochnowjrkila Hsrauutr. 61 Gg. Velten, Pankow, Florastr. 21 'chuhiuarsn, schuhmacb. Fldeladc, Lief. d.K.,Ktoeriiunir.t. A.Uafkbarth,Clit,K«inick»iiil.-SI. 107 JgnassJ BERLIN S.W. 3 09 Teiizehiurig Kataloge gratis u. franko, O.AismannJempelliof.BerlikentlSl A. Bartsch, Weiini.,(Juil.-Ad»lf«U87. Bähr manu»JL— Spindaa.Schdn w.Sl 1 X MaxElserm«h*sB/'harl.,Nchncg8tr. r o. Max Busse br?7n�tr- Emst OrSbar, Brunranstr. 78. Ooldschmiadomairter, , Fennstr. I, t. Wsililiosplst! O. Karger, O.. Orbnhsrprorsti-. 15 Knlebuscb.w., Frft. Chaussee 08 H. Kühn. IL-Behsiksu., K.-Wilh.-8L85, Lehmann. Alb., Frnnkf. AlleelO Schrein nick, 0,»Ulli. 7 g. N.Jgrgkst. 1 0 W. Scbroeder, Inrniangtllirchstr. 35 O.Sckurig,Dresiln.-Bt.80Z.Wick«rZgitr. F. Setfner M. lÄs'.8 eo Max Storch, Klbingerstr. 100. C.Wagner, Reinickendorf. Str. St Cieorg Welgel, Wrangelatr.«7. yernchBrungen „Deutschland" Berlin Arbeltenreralcherang— Schützen« SteebekaggenvergieherU.«trsfie» »Iduna'zu Halle a.Su Berlin, Charlottenstr. 80 Tolkg« und Lebensversicherung. yijjjjjjeli�iBi Georg: Riedl» Elsaßerstr. 57. Ycsliurt-Milcii- Kakao wirkt blutreinig. 100 Tass.M. 8.— Für Korpulente Zehr-Yoghurt. Paul Hahn, 0.34, Warach.-Str. 83 aHiia!ö!ier Max Alm, Frsnseokistr. 1t P. Bsrein, ateinmetzstr. 80. V/.Best, 5killt««ritT.6SE.Wr»ngeIstr. M.Dresier, Grätzstr.toi, Treptow. DQby, H., HcnKUs, Bcrflil, 4 SN- K. 1 1 79 Alb. Endter, Alvensiebenst. 21 Goetze, Kili.-Frleiir.-Si 19811, N.-IiUa. E. Junk, Blumcnstr. SSKgst. 13846 H. Lindeke, Wsrsebauergtr.». R.Moudo, Sehulätr.lIT, Eckcllgxstr. Ernst Müller, Invaiidenstr. 160. Zahn-Atel.VolkswohlfHuiierai.lSIg.b M. Rasenke, Uirkenstr. 22. Rrimmann, Besidenist. Iii. Beiglckeud. G. Säger, N.-Kiillg, Bugal.t], Tel. 9594. Hermann Scbnltxe.Beusselstr.lS Fmil tonn Grolle Frankfurters!. 4 CIUII JUilll Ecke FruchtatraBe. Karl Sommer, FrsskigNer Allsel 04. SiraucliiHanB�ÄnN� W.TUedt, Reinlckendorforstr. 7, Wofoe Uqt Beinlrkeailrrrit.IlO M ClöoIJnttATsiltlf.9e4l.B«rlO»;0 P. Schnitze, Torm.Wieiiirgek, FeuuL I. Witto Mav Muskauersir. 16 n lllO, mdl taki Vasteaifglitr. Zskipraxii.Ntrdui' Jleit gut. it.Telliklg. AI diershof Fhgt.-Atel.R.Klietniann.Bliniaiekgl.lIg Kauthaus Julius Well Naditl. i�rilz | ichterfslde Künigsberger& Co.Lankwitzerstr. 1 Herrenartikel und Konfektion. EraiiGold, Bäckerei. Germania-FrcHigg. 8 B Paacwald)Fleierkerei.Roilo»ers(.)8 E.Schrider,Back.Cki]i'ieeiL10te!i.36g Sl.Soröwka, Packerei Rudowerst. 34a Fr.Tisdientke.'»tli..(liai»'eM'r.7i. Gertierei a.laiieakaaillg. Fil.Nklla.Ucnnuut.Iie Ferdinand Titel, Kagierugerair. 57. , Konfltaren-Weber.Chausaeeet,46 Msflörf G.SchülerRmd-u.Schweinemetzß: H. Oötj, Drogen und Farben. CarlSchleßer, Brot-u.Feinbäcker. Gust. Sdidufeld, Schuhw. u. Rep. Carl Tekel, Brot- n. Feinbäckerei änigs-Mrhaursn Rüd.BPünßWatiiaÄ,i-" lekekardl. Bäek.-Oegdltarel Bahahafelr. 2. Wekli|,Fiieav..Wetkteu9a,Baiieliefiit.44 Butsertiandiüog üionopol GüCbschep,lhrcii.rio'dw.,B»l»näfst20 Kaunious Emil Bergüiann Otto KruschefFris., Koübaser Str. 54 Unv 1 nlfi Pelzwaron.Hüte, Mützen I?!uALl1(] Herrcnartik. Gegr. 1ÄI7 Franx Pflsfhnerjlan)»- n.KjpngnnDaji. OttoSdiampeyEikieniianciig.yäuu- arlikel, Haus- u. Küchengeräto. R*. Schatte, Sc�iäch(crii«tr.l'oi»d&a«rft: scmoa-ppcaariB�,";� Rieh. Sdiolz, Bäckerei n.Konditor. W. WerdermaiGaltwÄ" E.Stark, Bäckerei, Berl!nerstr.26. Schuhwaren u. ■ wirlll�«? Repa a uren. �euiiölln E Groß,SifiHg. Str. 44BSck.,Kondit, fitDlobar, Häcker-n K»Ddiitierw. chöneöü W. Hühner, Bfllowstr. 61 MSbel. 0. Kurzweg, Schuhm. Fegrigelr. 17. 81 J. Bode, Pichelsdorferst. 96. W.Lntte Pzkrr., Pichelsdorferslr�S. O.Rauer.i'icheladrfrst.in. Möbelgfsch, O. Wenzel, Richelsdorfer Str. 2a. O.Kesael,ülircna.Gold».,o?ti»cheWÄr. C. Klopfer, Möbelhandluug. Roitkovsky, FIel!.ch-,Wiriiw.,(ir.at.l9 felland CeerdigQDS8-]iist.Stawcaow,SpiDd.Ber!T.S 0. Kammer, Spand Bfirg21,0bst.Genia3e K.Zarthe, Qaeseieiit. Ho, Obst o. Geciij« V/Ilh.Koch, Schlichter, Lfhd?rstr. i Mehihdlg. Pastorino,GB.ü..Ad.-Str.l7 WUt Mmm Weifisnses- E.GleisingFl.iLWaFstw.Uiskati.si�r.H. Ka;ser3;RoxIau,MaßsclinvüJsl. Ad.Si. 17 CarlGahl, SchUr h'*r«i)Edelwai&3lr.36. J.LasrhinskijUäek.jEdelweißst.ll. P.r»(egow,Mil€bfi8ch. LindenalIeol2 W. Siilack, SargmuiM., HanptBtr.28 A.Trenner,l'hriiin.Col(lw.,Uanpistr 12 R.Wolsdorf, Koloniale., liauphlr.3 yossen Bulieriiandiung üfionopol E. Scheiter, Art.-,BerIäkLBerliagrjl34| Warenhaus S. Co hon �nllcträttinc Ckualität. 100 Stück M.2,— ,200814, 35 frk.,1000St.l6.50frk. Otto Reichel, Berlln43. Eicenbahnstr. 4. Geiuiidr Sinder sind der Stolz der Mutter. Der(Stund zur Gesundheit wird schon im srilhen Aller der Kinder dadurch aelegt, dag man sie tichtig und gut ernährt. Flaschentindern reiche man. ft u t c I c* mid Kuhmilch.„Jlufefe* erhShl die Siährlrast der verdünnten Milch, »inchl sie leichter verdaulich, lähi keine abnormen Darmaärimge» ausfommen und schützt dadurch vor den häufigen Magen- und Darmk-ankheilen; eS wirkt muskel- und knochenbUdend und hebt das Körpergewicht in normaler Weise. 1» Zlklkii Ststtei - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien wöchentlich 1 Heft für 10 Vf. Möbel-Angebot. Solide Möbelsirma liesert Npr»lal-E!ii>- gingt Swetrimnier» Einrichtungen sowie Klnzelmdibcl gegen miifiige ZinSvrr. gülvng bei kletner Anzahlung und geringen uionatliche» Raten- zahlungen. Antragen: Posliartc tzivk. Poiiaint L7. Kleine Kaeisierer. Oriißte Kulanz. Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Flg.(zulüsslg 2 fettgedruckte Wort*). Stellengesuche und SchlaisteHen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr alt IS Bocnstsben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen ANZEIGEN tBr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expcdltlon, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Gardine«: Stepvdecken! Portieren I Tischdecken! aufiergewöhnlich billig! SZorwärtsleie: 5 Prozent Rabatt exrra! Gardinenhauä Brünn, Hacke. scher Marl! 4 sBahnhoj Börse). Sonntags geöfinet.____* Vorjährige elegant eyerrrnanjüge «nd Paletots au» jeuAieii PLigitonen 25—60 Marl, Holen k— 18 Mari. VerianddauS Germania, Unter den Teppiche!(selüerhosie) in allen Grötzen, sasl für die Hälfte de» Wertes. Teppichlager Kiünn, Hacke. scher Markt 4, Bahnhos Börse.(Leser de«.Vorwärts- erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet l_* "�Abbccfbmitzt wöget) AÖSWtTausS dt» Lager» zu sehr billigem Prci'e. Holzhandiung, Heidelbergerstr. 71/72. Dattbenbuch für Gartenfreunde »in Natgeber sür die Pflege und iachgemäfie Bewirtichastung de» bäu«. lichen Zier-, Gemüie» und Obst. gartenS von Max Hesdörser. Zweite oermehrte Auflage. Mit 137 Text» abbildungen. Preis 3.50 Marl. Sxpe. dition Vorwärts. Üindenilr. GS. TepPilh ThomaS, Oranienitc. 44 sarbiehlerhaste Teppiche spottbtMg; Gardinen, Steppdecken, Tischdecken halben Preis. BorwärtSlesern SProzent Extrarabatt. 78551' Bettcnftand. Brunnen strage 70, im Keller. ISOOft* Gaökronrn ohne Anzahlung, e 1,00. Rieseniagerl Loni» Böttcher ((clbftl), Betriebsleitung: Boxbagener- strage 32(lein Laden).(Fahrver» bindung WarIchaueritrade.)(Städtische Siratzendahn.) Einzige Mliale: Kott. buier Damm 41(Hermannplatz). Di- allbekannte, in Berlin alleinig- In- Haderperson Böttcher verbürgt gaS- dtchteVcrarbeitung.brennharteLötung. (VorwürtSkunden 3 Proz.) listltK* Teppiche. Aorwärttleser erhalte» 20 Prozent. Grone Partleu Teppiche mit kleinen Webejehlern. jetzt Gröge zirka 200: 300 13,50, 250; 350 22,50, 300: 400 28,60. Gardine». Portieren, Tischdecken, Sosadecken, Solle, Läuserslosse spottbillig. Therese Lesevre, Toppich- Spezialhaiz» mit Fabrikation, Potsdamerstrage 10Sb (lein Laden). Hausnummer beachten. Beitenvertanf! Prachtbetten 7.50! 9,75! 12,75! Brautbelten! 15�6! 18,751 Daunenbetten I 19,751 Neue Ausskeuerwäsche spoltbillig l Psanb. leihe Bninnenstroge 47. 2062K� Teppichhau» Lesbvre, Lrainen- strage 158. jetzt Jnventur-RäumungS- prei e. Extralisle grati». 203151* Pfändleihlinus Hermannplatz fl. SpoltbiMger Bettenverkaus. Wäsche. verkauf. Gardinenpertaus. Teppich. verkam. Goldwarenlager. Riesen- auSwahl Herrengarderebe. Sonniag»- verkauf ebenfalls._* Cime Anzahlung. 60 Pfennig Wochenrate an, liefere Bilder, Wand- «hren, Teppiche, Gardinen. Portieren, Tischdecken, Steppdecken. Strengste Diskretion zugesichert. Aus Wunsch SluSwahlsendtmg. Bestellungen erbitte .Postlagerkarte 9-, Postamt 102. Monatsanzüge und Winter« palelotS von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Mebrockanzüae von 12.00, Fracks so» 2.50, sowie lüe korvuiente Figuren. Neue Garderobe zu stauueul billigen Preisen, au» PsanMeiken ver. sallene Sachen kaust man am billigsten bei Nag. Mulackstrage 14.__, echte splükchteppiche, prima Dualität. 130/200 14,25, 160)230 20,75, 200/300 33,50. Jnvettturprei». Teppichhau« Emil Lesövre, nur Oranienstrahe 158.__ 203651* Monatsanyüge, Paletots,«gtostei Lager, jede Figur, taust man am billigsten beim Fachmann: jede Aenderung nach Wunsch in eigener Wcrlstatt. 5 Prozent billiger sür Vorwärtsleier. Zürstenzelt, Schneider» meisier, Rosenthalerstrage 10. 1579» Eepviche(Farbenjebler) Ipott. billig. Fabriklagor Mauerhoss, Brost- Frantsurierstraste 9, parterre..Vor» wärtS-.Leser zehn Prozent Extra- rabatt I>23651* verkauf. Ein Posten halkbarster Spezial» Smyrnateppiche, munder- volle Musterauswahl, 160X240 10.85, 200XLI)0 14.85, 200 X 350 24.50. 300 X 400 84.80. Lauserreste svott- billig, Wolf» Teppichbau», Dre«- deneritrahe 8(Koltdusertor). Abon- nenlen Rabatt l 2132K* ftlMdertoagch, sehr güi erhalten, Klappsportwagen, villtgst vertänslich. Schwarzmann, Kottbuserdamm 93 II. "iSlnpuflmrtBingen, Kinderbettstelle. Marost, Neukölln, Köllnische«. ufer 63. 868b iWlimtclfofcrit LesPvre. Möhren- straste 41 II. Dtei- Woche Antver- taui letzter Herbst- und Winter- Modelle, ftoftume, Ulster, Plüsch- mäntel usw. Verkauf an Private imt zwischen 4—6. 20/13* Seife» tvögol mit Brut, Gesang- spinde, Kasten billig. Tietze, Graun- straste 34._ tl45 lasche un hren J Pholoapparate 1 spetlbilligst. Ernst, vrückenstcaste 6.* UesetiilktEvez-ksute. Bäckerei, Fein-, Niederlage, wöchent- licher Verdienst 60 Matt, allerswegen für 850,— verkäuflich, Neukölln, Her- mann straste 176, I recht». t56 Cbft- und Gemüse-Geschäsl mit Kolonialwaren und Bestand sofort billig wegen Krankheit zu verlausen Neukölln, Prwz-Handjerystrahe 70. »»»fitürenstrma vertäust mehrere Fjlsalen.Extstenz, wegen Verkleinerung, Raiserstraste 47.-3l/6 Restauration mit Zahlstelle verkaufe» Liebtgftraste 1?...... ZigarrrugesDist krantheitShalber sofort billig verkäuflich Eharlotten« bürg 8. 67,_ 20/16 Restauration ver kaust iiftnan- straste 12.__________ 20M9 PerbandSlotal, Frau, allein- stehend, schwer, Lothringerstraste 67. Sparen Sle bei den schlechten Zeiten. Sie erhalten von ntiv gegen ganz kleine Sin» und tzlbzahlnng nach Ihrem Wunsche ganze Woh- nungSemrichiungen und einzelne Möbelstücke. Eiu» und Zweizimnier- einrichiungen von 200 Mark bis 1000 Mark. Spezialität: Vo» bildliche Musterwohnungen sür Handwerker, Arbeiter und Beamte. Auch gebrauchte, guierbattene Möbel sehr billig. Ga- ranliel Umtausch oder Geld zurück, wenn nicht gefällt. Bei pünktlicher Zahlung hohe Prämien in bar, atso graste Vorteile lür den reellen Käufer. Gewerkschaftsmitgliedern 5 Prozent Rabati Bekannte Rücksicht bei Kraul- hett, ArbeitSlosigleit, Streik usw. A. Schab len., feil 1886 Brunnen- straste 160, Emaang Bnllamer Straste. — Kein AbzadlmlgSgeschäst. 1726«» Bequem. Möbel für Swbe und Küche, geringste Anzahlung, kleine Raten. Ehrlich, Mt Schönhauser. straste 32._ 202851* STOefnIJftrttftt, zmei, modern, Mnderbett, spottbillig verkäuflich. Zoflenerstraste 10, Zwirn. 18/8* Rnsibaüm-WirtschasirN lich billig. Moderne Schrän lkngiauk. Snke UWWWW�WWWWW���Wmit Bichenicheiben 55 Mark. Bettstellen mit Matratzen 36 Mark. Bildschöne Küchen Lg Marl. Enorm groste Auswahl in vier Elogen. Han» Lennert. Speztnlhau» für Gelegen- haitSläuse, Loibringerstraste Nr. 66, Rosenlhaler Platze_ 20645V* Möbel-Cohn, 1. Geschält: Graste Franksarterilraste 68, 2. Geschäft: Grüner Weg 10b. Wohnung». Sinrichttmgefi aus bequeme Teil» zablung. Stube und Küche An, zablmig von 15 Marl an. Simelne Möbelslücke Anzahlung von 5 Marl an. Moderne Schlafzimmer, Sveise- zimmer, Herrenzimmer In bunten 5iüchen riesengroste AuSwabl. Liesere auch nach auswärt». Abzahlung wöckentlich,»icnallich, ganz nach Wunsch. Gröstte Rücksicht bei Krank. hett und Arbeilsloflgkeit. Vorzeiger diese« Inserat» erhält beim Kauf 5 Mari aulgeschrieben. Sonntag« 12—2 geöffnet._• 200551» Möbel(diskret). Aus Teil- zahlung lieierl Wohnungscinrich- iungen, auch Einzelmöbel, bei lleiniiee Anzahlung und den allerbequemften Ratenzahlungen. Postlagerlarte 3, Poilaml 22._____ 262951* Wohnzimmer sür 265 Morl, bestehend aus: modernem Schrank, modernem Vertiko, modernen Bett- stellen mit Mairatzen, komplett, mo- deinen Stühlen, modernem Spiegel und Sofa nach Wahl: serner Küchen- einrichtung(fiebciitcilij) 52 Marl. Scben Sie sich die Einrichtung vor Anlaus genau an, ohne jede 51mls. Verpflichtung. Möbel- Ehrlich, Alte Schönhauserftraste 32. 2027K* Billiger Möbelauaverkauf we- gen Ilmbau de» Hauses. Schlas. »immer, Wohnzimmer 140,—, 200.—, Küchenmöbel, Bettstellen billigst, Hut« bodenspinden 28,—, 35,—, 45,—, Büfetts, Schreibtische, Chaiselongues 20,-, 24,—, Plüschjota 48,—, 55.—. DreSdenerstiatze 107—108. 51 eiu Schwindelangebot I 212851* Reizende» Speisezimmer! eng- lisch, beste AuSsührung, komplett 620 Marl I Niewiedcrkehrend Preis- wert Nur Skalitzerstraste 25,»Möbel- Haus*. 212251 Musikinstrumente. Manino. kreuzsaltlge» 100,—, (eventuell Teilzahlung). Ptanoliau», Turmnraste S. 20/18 Pissno-A-riaus, wenig gebramüt, ganz billig(auch MSbelverlauf). vranl ensfraste 88, Hos parterre. 20/12 pzkiirr&tler. Fahrräder 15,— dl» zu feinsten Garantierädern Leihhaus Rosen- thaler Tor, Linienstraste 203/4, Ecke Rosenlhalerstraste. 2057K. lieste. Frankels Restcrftandlung. kott- bulerstaaste 2, staunenswert billig: Herren-, Damenstoste. Plüsche, Seide, Belatzarlilel. Pelzwaren. l508K* flnvästmeilelleli M„ftleine ilnzejgen »» Uei-llu C. A. Halinilch, »»' Ackerftr. 174. Möbel. Möbel ebne Geld! B-i kleiner Anzahlung zeöen Wirkichaiten und enizeine Stucke aus Kredit unter äusteriter PretSnotterung, auch Waren aller Art. Der ganz« Lflen tauti bei uns. 51retsckmann u. To.. Kopven- straste 4.(Sibletiicher Vadnboi.)* Wirtschaft, noch neu, billig ver- käuflich.(Gewerblich), Händler per» beten. Rosentkalerstraste 57, vorn III bei Glas. 20/2* Wringmaschinen und Wasch- Maschinen billig, auch auf Teilzahlung. Bellmann, Gollnowstrast« 26.(29651*—■-v„._ Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Tischlermeister gibt Möbel aus Teilzahlung bei beliebiger Iwzahlung zum ilassenpreis. Stet« Gelegenheit»- täuse in gebrauchten und zurück- gesetzten Möbeln, auch aus Teil- zahlung. Nachweis von Kunden wird gut honoriert. Osserten Post« amt 30»Lagerkarte 44*. >V. W. Schmidt. Mrchbachstr. 14. O. Petersburger Pia? 4. Gustav Bogel, Koppenstr-ste 82 Si. Weugcl». Gr. Frankfurter Str. 120. itz'O. L. Znchl. ymmanueiiirchstr.>2. I.«-»l. Barinmilr. 42. flk.«. Wolgast. Wattslraste v H. Fischer. Bailianstraste 6. Karl Mar», Breisenhagener Str. 22 I. Hönisch. Müllcrsir. 34» H. Bogel. Lorymatir. 37«. Dien. Jnvalidenstr. t24 st/Htz'. Sa omo» Joseph. WUhelmShavener Str. 48. »W. K. Schmidt. Gnciiencuil) 7k. Taehn. Hagelberger Str. 27 A. St. Fr»,. Prwzenftr. St H. Lehmann. Kottbmer Daimn 8. ««. Paul Böhm. Lanfitzer Platz 14.16. A. Horkch. Engelujer 16. AgUgernIsot. Karl Schwarzlote, BtSmarckstr. 28. nuuuineliulvnhex. H. Hornig, Marieiitbaler Str. 13, L UorBls/svaldc. Paul Ktcnait, Räuichftr. 10. 4/I,urIg»tt«udurx. Gustav Sttiarnberg. Sesenbeimer Str. 1. l�i-ivckg-ßvkigiguzrgeu. Grust Werkmann, Köpenicker«tr. 18. <4g»iiimu. Franz Klein, Ftiebtichstr. 10. Joliannlüthal. Mar Gouschur. Parlstr. 6. KuR-I»It«i»»t. Richard Küfer, Rödetslr. 9, II. Kit?Si»t«Ir. Emit Wii-ler, Kietzerstr. 6. Laden. l-ioktgeudvi'e. cito Seikcl, Wartenberastr. 1. » tvckvr-SoliSug-�vzS«. Wilh. Unruh. Brückenstr. 10. K'uHvuvgeo. Wilhelm Jappe. Lulherstr. 2. � «wvf.AokltneM»!,,«. Alfred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. sPuuIlO'w. Ctt« Ristmaiin, Müblenstt. 80. Keinickendorf. P. Guricd, Provinzfk. 66, Laden. ««ukUUu. kW. Heinrich. Neckarstr. 2. Gonrad. Hermannstr. 50. C. Rohr, Stegsriedstr. 28/29. UiininiuULnrg.». lliofenkranz, Alt-Boxhagtu 56� dickiinvkvre. Wilhelm Bäumler, Martin-Luther--?lr. 69 im Laden. tz,pa!idau. Koppe», Breileslr. 04. MtcgUts. H. Bcrnlee. Alsenstr. 5. Xcmpelhof. Joh. Krohn, Barussiastr. 62. A're-ptuw. Robert Gramenz. Kiesboiziir. 412. Laden. HVg,ftl«u»u«. Fuhrmann, Scdanstr. 105. Schillert. Berliner Allee 263. HH'URuer>gd«>r«. Paul Schubert. Wilw lmsaue 27. Ksuixesuciie. Goldschmelze taust böchftzahlcnd Zabugebiste, alle Metalle. Witwe Nteper, nur Köpemckerstraste 167. Blat, nadfälle, alle Goldiachen, Bruchgold, Lilb-r, Gebisse, alle Uhren, Kebrgold. Goldwatten, Quecksilber, Stanniol towie iämilicke Gold-, Siiber-, vlattnballigen Rückstände laiiil Broh. Edelmctallschmelze, Berlin, Kövenickerstraste i9. Telephon Moritz- platz 3476. 192751* Zalingebistr, Goldlachen, SUbtt. lachen. Platlnabläll«. sämtliche Metalle böchstzablend. Schmelzerei Chrtstionat, Kövenickerstraste 20»(gegenüber Mameustelkrrastel._ 1/1* gold. Silber. Zabngebisje. s'lanniol, Y'Iühsttumpsasche, Oueckfilber taust böchüzablend Blümel, Schmelzerei, tzUigustilraste 19 III. Fahrradankaüf Weberiirä�e 42. Platin- Zahngebisse, Goldsachen. Silbersachcn, Stanniolpapier, Queck- fllber. Melallschmclze Tohn, B> unncn- sirgste 26. 862b* Kupier. Messing, Zink. Zinn, Blei. Metallschmelze Sohn, Brunnen- straste 26 � 863b* Fahrradankauk. Linienstraste 27. Zahugebiss». Sold.Silber, Piatina taust böchstzahlend Blumenretch. Brunnenitraste 3. Kolentbaler Tor.* Vriekmarkr», Münzen kauft Grostmann. Spandauerbrücke Ib.• Unterricht. Auto- Fahrschuleu. Achtung, unentgeltliche Auskunft wird erteilt im Gewerkschastshause, Engeluser 15 Ii. Zimmer 43/44.____ 61/1* Unterricht in der englischen Sprache. Für Anlänget und Fori- geichnttcne. einzetn oder im Ziriet. wird englischer Unterricht erteilt. Auch werden Ueberietzungen an- gesertlgt. G. Swienty- Liebknecht Ebariotienburg.«tutlgarterplatz 9 Gartenbau« III. 44K» �Vkuftergülttge» Deutsch sprechen und schreiben lehrt billig(auch abend«) erfahrener Privatlehrer,«nsragen unter.Postlagerkarte 668*, Brtespost- amt, Berlin.+89* Verschiedenes. Patentanwalt Müller. Gilschmer- strage 16�_ Patentanwalt Leisel. Gitichlner. ftrane 94a._ Rähmaichinenreparaturen fach- gemäst, schnell, billigst, in eigener Werlstatt, auch.auster dem Hause. Bellmann, Gollnowstrast« 26, nahe der LandSbergerftraste. 292K* f sengen gesucht. Am 7. August !!, gegen Mittag, stürzt« tu der Nähe Am Friedrich» Hain da« Pferd (Schimmel) eine» mit Leitergerüst be- laden«» Wagen» an einen Brunneu. Zeugen des Vorsalle». besonders die beiden MchIIutscher. welche den Wagen an den ihrigen bis zur Prenzlauer, straste 2l anhängten, werden um Adressenangabe gebeten. Zmimerer Göre«. Nieder-Scyöiieweide, Hassel- werderstraste 32 L Unkosten werden vergütet. 2120K Gasiwirt, Moniag, 2.. gegen Zech- schuld Ring mit blauem Stein empsangen hat. Adresse Paul Weisser, Wrangslstrasta 22. Atoi itzplatz 1060. Handwäsetierei Frau Hünick, Köpenick, Karlsiraste>6, wäscht chlor- frei Leibwäsche. Bettwäsche, süus Handtücher, Taschentücher 0,10. Ab- holung täglich._ 212751 Köpenicker Waschanstalt Bleichanstalt Fr. Necker, Grünauerstraste 40, liesert ladellose, im Freien getrock- nele Waich», Betiwäsche, Leibwäsche, vier Handtücher 0,10. Abholung Sonnabends.__ 865b Buchführungen übernimmt ftnir- denweise Eberl, Malptaquetitraste 24. Spreewälder- und Tiroler Kostüme oerleiht Marggras, Teltow, Linden- straste 29. 212951 Wohnungen. Schöne Wohninigen, 2 Stuben und Küche und 1 Stube und Küche. Scheringflrahe 8. 19/19* Schlafstellen. Schlafstelle. zwei oder 1., Bernokat. straste 11, vorn III. Herren, 15. -chönhokzer. 142 Stellengesuche. Heimarbeit, lohnend, regelmähig, sucht Frau Reichelt, Steglitz. Lauen- burgerstraste 6. fi Steilenangedote. Zinkabzieher aus Aetzplatteu so- fort verlangt. Eharlottenburg, Wie- landstraste 42._ 213151 Arbeiter, derPuhsieinesür Schuhe machen kann, gegen hohen Lohn ge- sucht. Jaeger u. Kiestiich. Kicsholz- jtraste 402. �10 Regligb�Plätlerinnen aus neu ver- langt Dampswäscherci Jduna, Schlc- sischestraste 31._+10 Garniercriunen aus Uebcrlragen im und austerin mit Kraslbetrleb. Schiemann, Ladstraste 54, 1 Treppe rechts. 20/13 Arbeitslose Mlldlljtl!, welche bereit sind, sreiflnnige religiöse Schriften zu kolportieren, erhalten sehr günstige Bedingungen und mögen ihre genaue Adresse mitteilen an <«. Achwurx in Oberweiler, Amt Müllheim, Baden. 870b > T T"i 1""l 1 Achtung! Achtung! CaK-ingestellte! Nachstehende Betriebe find sür organisierte Gehlljen bis aus weiteres ötffirct: Caf6 PfcIlTep, ätit>9Wo«b. 12« Fried. Belle- Allianee- plah»; Borngusia,?nh. Robert MUseler, Hasenheide 5. Berbaud der Gastwirtsgehilfrn. Ivcizversin der Cafd-Angestellten Graste Hamburger Straste 18/19. � Inseratenteil berantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u�Berlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co, Berlm SW. st. ü. st. mm. 3. Jrilnp Jfoniirtö" Sdter JolköMiilt Mtt«ch>l ktbt°°tisl4. Reichstag. 210. Sitzung. Dienstag, den 10. Februar 1S14, nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Dr. D e l b r ü ck. Eingegangen ist die Novelle zum Kaligesetz. Die zweite Beratung des Ctats ües Reichsamts ües Innern wird fortgesetzt mit der A b st i m m u n g über Kapitel»Aus« führung des Kaligesetzes.* Das Kapitel wird nach den Beschlüssen der Budgelkominisfion angenommen mit der Aenderung, daß die für die Ausstellung in San Francisco bestimmte halbe Million dem allgemeinen Fonds für die Auslandspropaganda zugeführt wird. Dann wird die Debatte über das Kapitel Reichsgesundheitsamt fortgesetzt. Abg. Meyer-Celle(natl.) wünscht Erhebungen über den Gesundheitszustand der Arbeiter in der G r o h- E i s e n i n d u st r i e. Die Behauptung, datz die Arbeiter mit 40 Jahren abgelegt werden, sei nicht richtig. Unfälle werden sich nie ganz vermeiden lassen, aber man muh ihren U r- fachen nachgehen und ihre Zahl möglichst einzuschränken suchen. Daran haben gerade die Berufsgenossenschasten ein lebhaftes Interesse. In den letzten Jahren hat die Zahl der Unfälle in der Eisen- und Stahlindustrie abgenommen. Zum Teil liegt das daran, daß die Erkenntnis für die Wichtigkeit der Unfallverhütungs- Vorschriften in den Kreisen der Arbeitgeber gewachsen ist. Den Werkspensionskassen wirft man vor, sie fesselten die Arbeiter ans Werk. Aber eine längere Beschäftigung auf demselben Werk vermindert die Unfallgefahr erheblich. Bei den sogenannten „Hüttenläufern* ist die Unfallzahl über dem Durchschnitt.— Die lieber stunden sollten möglichst eingeschränkt werden. Freilich sind sie nicht etwa ein Zeichen dafür, daß die Löhne nicht aus- reichend sind.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokraten können eben nicht begreifen, daß jemand lieber- stunden macht, um für seine Kinder etwas sparen zu können. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ganz vermeiden läßt sich die Ueberstunden- und Sanntagsarbeit nicht, sie ist nötig, schon damit der Betrieb am Montag ohne Störung weitergehen kann.— Den Vorwurf, den der Abg. S o s i n S k i hier erhoben hat, daß die Arbeitgeber wie jedes Gesetz so auch die Bundesratsverordnungen umgehen, weise ich voll Entrüstung zurück.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Büchner(Soz.): Baron K n i g g e sprach gestern über den„erschreckenden* Ge- burtenrückgang. Ich habe schon 1911 auf die Notwendigkeit des Schutzes der Lebenden hingewiesen. Dazu gehört in erster Linie der Schutz von Mutter und Kind. Der Regierungsrat E I st e r hat darauf hingewiesen, daß der Ge- burtenrückgang mitderHöhe der Kultur wächst. Er hätte auch auf die Ursachen dieser Erscheinung hinweisen sollen, die Wirt- schastlicher und sozialer Natur sind. Es fehlt nicht an Konzeptions- sahigkeit, sondern an Konzcptionsfreudigkeit. Erfreulicherweise hat auch die Sterblichkeit abgenommen. In erster Reihe wird das verdankt der Arbeiterschutzgesetzgebung, nicht etwa, wie Baron Knigge meinte, der Schutzzollpolitik. Seine Freunde wollen sogar noch das wichtige Nahrungsmittel, die Milch, ver- teuern. Das ist die Politik der Satten gegen die Hungrigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eine sehr wichtige kulturelle Frage ist die Frage der Hilfe für Wöchnerinnen und Säuglinge. Deshalb verlangen wir eine reichsgesetzliche Reform des HebammenweseuS. Seit 30 Jahren wird diese Reform verlangt, leider vergeblich. Herr v. Belhmann Hollweg sagte als Staatssekretär, die Frage eigne sich nicht zur reichsgesetzllchen Regelung. Warum nicht? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Freilich darf man nicht immer erwägen, sondern mutz handeln. Ucber 100 000 Frauen einbinden in Preußen ohne Hebamme, 9, IS Proz. sämtlicher Entbindenden (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), die größte Zahl davon auf dem Lande, und zwar im Osten, in den Regierungsbezirken A l l e n st e i n, Posen und B r o m b e r g. Taufende von Frauen gehen jährlich am jsindbetlfieber zugrunde. Säuglingsschutz ohne Mutterschutz ist nur eine klägliche Halbheit. In den Häusern der Reichen wütet das Kindbettfieber nicht. Dort sorgt man für genügende Geburtshilfe und für ausreichende hygienische Einrichtungen. In den Wochen- stuben der Proletarierinnen dagegen wird gekocht, ge- schlafen, Heim- und Hausindustrie getrieben. Diese Wochenstuben sind natürlich dann die Brutstätten von Lungentuberkulose und anderen Krankheiten. In den Entbindungsanstalten ist das Kindbettfieber so gut wie ausgestorben. Leider können nicht alle Frauen darin untergebracht werden. Nun haben Sic ja die Reichs- versichcrungSordnung geschaffen, wonach Arzt und Medikamente für die Wöchnerinnen frei sind. Leider ist daS aber nur fakultativ, der Versicherungsträger kann die Kosten für Arzt, Medikamente, Hebamme und Wöchnerinnenunterstützung übernehmen, er muß es aber nicht. Und in den Statuten besonders der Landkranken- lassen fehlt diese Unterstützung. Die Wöchnerin muß daher meist von dem Armenrecht Gebrauch machen, wodurch ihr Mann das Wahlrecht verliert. Im Jntersffe der Kultur müssen wir die Unentgeltlichkeit der Geburtshilfe und ärztlichen Schutz bei Schwanger- schaft fordern. Im vorigen Jahr nahm der Reichstag eine Resolution an. die Mittel zur Föderung des Hebammenwesens zum Etat anforderte. Sie ist aber in den großen Papierkorb des Bundesrats gewandert, für diese Zwecke find Mittel nicht vorbanden. Die Ver- bündeten Regierungen können»och immer nicht begreifen, daß es ihre höchste Aufgabe ist, die nationalen Werte zu schützen und daß die höchsten nationalen Werte das zukünftige Geschlecht bilden. Die gegenwärtig amtierenden Hebammen sind nur fünf und sechs Monate ausgebildet. Die Hebammenvereinigungen verlangen selbst eine Ausbildung von zwei Jahren, wie sie in anderen Ländern bereits besteht. Die Hebamme muß auch verstehen, die Wöchnerin über die Behandlung des Kindes zu belehren, sie muß die Be« raterin der Wöchnerin fein. Ferner ist zu fordern eine Hebung der wirischaflichen Lage der Hebammen, 75 Proz. der Hebammen nagen geradezu am Hungertuch Besonders auf dem Lande hoben dre Hebammen zu klagen, so bildet im Regierungsbezirk Gumbinnen 2-300 M. als Einkommen für eine Hebamme keine Seltenheit. Die Reichsversicherungsordnung ist den Wünschen der Hebammen auch nicht entgegen« gekommen. sie haben kein Anrecht auf Versicherung bei Krankheit und Invalidität. Im Falle ansteckender Krankheiten dürfen sie ihren Beruf nicht weiter ausüben. Solange aber die Hebamme keine gesetzlich berechtigte Unterstützung erhält, wird sich das nicht vermeiden lassen, und einer weiteren Ansteckungsgefahr wird Vorschub geleistet. DaS Reich hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß diese Frauen im Alter und bei Invalidität und bei Ansteckungsgefahr unterstützt werden. Eine leicht zu veranstaltende Enquete würde deutlich zeigen, wie es in diesem Beruie aussieht. Nehmen Sie deshalb unsere Resolution an. ES liegt dann an der Regierung, endlich zur Tot überzugehen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Krings(Z.) fordert Schutz vor der Staube irtwickelung und dem Rasen der Automobile auf den Landsttaßen. Ministerialdirektor Lewald: In England wird die Staubentwickelung durch die Teerung der Landstraßen vollkommen verhindert. Dort wird die Ein« nähme aus Automobilabgaben und Benzinsteuer dazu verwandt, um Gemeinden Zuschüsse zur Teerung der Straßen zu geben. Es ist zu hoffen, daß man allmählich auch in Deutschland dazu kommen wird, wenigstens die großen Landstraßen zu teeren. Für die Bäume und Felder bedeutet die Teerung keine Schädigung. Abg. Dr. van Calker(natl.): Daß Grundsätze zum Schutz des Krankenpflegepersonals heraus- gegeben worden sind, ist gestern zum ersten Male durch die Er- klärung des Staatssekretärs bekannt geworden. Diese Grundsätze deS Reichsgesundheitsamtes sollten auch den Krankenanstalten übersandt werden. Die sozialdemokratische Resolution geht mir nicht weit genug.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Im vorigen Jahre ging sie Ihnen zu weit!) Wo es möglich ist, sollte auch gesetzliche Regelung erfolgen, vor allem sollte die Regie- rung für die wirkliche Durchführung ihrer Grundsätze sorgen. Abg. Leube(Vp.): Im Interesse der Versorgung des Volkes mit billiger Fleisch nahrung müßte die teure Quarantäne für eingeführtes Vieh fallen und die Untersuchung sich auf das geschlachtete Fleisch beschränken. Heute ist die Fleischversorgung für unser Heer voll- ständig ungenügend. Wir sollten daher auch die Versorgung des Heeres mit Gefrierfleisch einführen, wie das andere Länder getan haben; dadurch würde auch der innere Markt entlastet. Abg. Frommer(k.) befürwortet eine Resolution, die den Reichskanzler ersucht, für die wissenschaftliche Erforschung der Maul- und Klauenseuche und ihre Bekämpfung weitere größere Mittel möglichst noch in den Etat für 1914 einzustellen. Die Politik sollte vor der Stalltür Halt machen, politische Abschlachtungen kennen wir bis jetzt auf dem Land noch nickt.(Heiterkeit.) Ich bitte, unserem Antrag zuzu- stimmen, damit wir gesundes, billiges Fleisch bekommen im Interesse von Stadt und Land, zum Segen für unser Vaterland.(Bravo! rechts.) Abg. Dombek(Pole) polemisiert gegen einzelne Bemerkungen des Abg. Meyer- Celle. Daß die Arbeitgeber vielfach gegen die Unfallverhütungs- und sonstigen Arbeiterschutzbestimmungen verstoßen, sei Tatsache. Abg. Mumm(Wirtsch. Vg.): Der Krankenpfleger kann seinen Beruf nicht im Geiste des Klassenkampfes führen, wie ja auch die vom Abg. A n t r i ck geleitete Krankenpflegerbewegung auf dem Aussterbeetat steht. Mit seinem ZwölfstundenarbeitSantrag wird der Abg. Antrick seiner Fraktion keinen großen Gefallen getan haben, unsere Stimmen bekommt er dafür nicht. In den branden- burgischen Diakonissenhäusern ist der Zehnstundentag durch- geführt und nicht ein vierzehnrägiger, sonder» ein vierwöchent- licher Urlaub.— Die Hebammen sollten der ZwangSver- sicherung unterstellt werden, auch sonst ist eine reichsgesetzliche Regelung ihrer Verhältnisse erwünscht.— Das Elend der Kinder auf dem Lande schildern die Sozialdemokraten, indem sie vereinzelte Vorkommnisse in übertriebener Weise verallgemeinern.— Die soziale Arbeit muß stets iveiter geleistet werden; die deutsche Regierung sollte auf der nächsten internationalen Konferenz von Bern dafür eintreten, daß die Nachtarbeit für Jugendliche unter 18 Jahren verboten wird, wie es die Resolution Posadowsky ver- langt; es ist bedauerlich, daß das Deutsche Reich auf dem letzten Berner Kongreß diese früher vertretene Forderung nicht mehr ver- treten hat. Präsident des Reichsgesundheitsamts Bnmm: Der ReichsgesundheitSrat hat im vorigen Jahre unter Zuziehung von Sachverständigen und Interessenten des HebammsnweienS eine Sitzung veranstaltet, in der einheitliche Grundsätze über die Regelung des Hobammenwesens aufgestellt, über die das Reichs- amt des Innern gegenwartig mit Preußen und den anderen Bundes- staaten verhandelt.— Der Abg. Büchner hat Klage geführt über die große Zahl von Entbindungen, die ohne Geburtshilfe vor sich geben. Durch die soziale Gesetzgebung ist es bedeutend besser geworden.(Abg. Büchner[Soz.j; In 91 II e n st e t n noch 36,6 Prozent aller Entbindungen.) Herr Büchner hat selbst ausgeführt, daß viele Kassen, die Wöchnerinnen- Unterstützung leisten könnten, sie nicht leisten; eS stehen also die bezüglichen Bestimmungen der ReichöversicherungSordnung vielfach noch lediglich auf dem Papier. Zu ihrer Einführung in die Praxis können wir sehr wenig tun, das ist durch das Wirken der Abgeordneten in weit höherem Maße möglich. Undankbar wäre eS auch, zu vergessen, wie viel die private Wohltätigkeit für den Schutz von Wöchnerinnen und Säuglingen getan hat.— Herrn Leube bemerke ich, daß wir unmöglich, wenn in Dänemark Maul- und Klauenseuche herrscht, Vieh aus Dänemark ohne Kontrolle und Quarantäne hereinlassen können. Andere Länder, z. B. England, läßt solches Vieh überhaupt nicht herein.(Abg. G o t h e i n[Vp.]: Das behaupten Sie; das Gegenteil ist wahr.) Wegen der Erleichterung der Vieh- und Geflügeleinfuhr aus Rußland, die Herr Leube wünscht, muß ich ihn an den preußischen Land- wirtschaftsmini st er weisen, der das Gesetz auszuführen hat und zweifellos das möglichste tun wird. Wenn aber eine Epidemie droht, kann nicht die Rücksicht auf die einzelnen maßgebend sein, eS müssen dann alle Maßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung der Seuche getroffen werden.— Der wisienschaftlichen Tätigkeit des Reichsgesundheitsamts auf dem Gebiete der Maul- und Klauenseuche ist hier anerkennend gedacht worden. Leider hat sich bisher immer noch erwiesen, daß der Erreger dieser Seuche noch nicht gefunden ist. Mit der Prüfung der Ergebnisse von Ärieger und Kraule ist das Gesundheitsamt noch beschäftigt. Abg. Thuman«(Elf.): Die berechtigten Wünsche der Krankenpfleger sollten er- füllt werden.— Notwendig ist eine Reform der Arzneitaxe. — Dringend erwünscht wäre ein O b st w e i n g e s e tz. Auch beim Obstwein muß der Wasserzusatz begrenzt und dem Panschertum, daS im Weingesetz niedergerungen ist, das Handwerk gelegt werden.— Der Verheerung des Weinbaues durch den Sauerwurm muß energisch entgegengetreten werden.— Ebenso muß der Ver- fälschung von Malzweinen gesteuert werden. Ministerialdirektor v. Jonquiöres: Der Gesetzentwurs zur Bekämpfung der Verfälschung von Malz- weinen ist dem Bundesrat heute zugegangen. Abg. Jäckel(Soz.): Die gesundheitlichen Gefahren, denen die Heimar- beiterinnen unterliegen, muß_ die ernsteste Aufmerksamkeit der Gesetzgebung auf sich zrehen. Die mit der Spitzenweberei be- schöfligten Arbeiter und Arbeiterinnen unterliegen vielfach auch der Gefahr der Bleivergiftung; sie sind vielfach mit blei- haltigen Stoffen beschäftigt. Der Resolution Posadowsky, die Nacht- arbeit für Jugendliche unter 16 Jahren zu verbieten, stimmen wir zu. In der Spitzenmdustrie hat die Nachtarbeit Jugend- licher in erschreckender Weise zugenommen, und zwar ist das eine Folge der technischen Umwälzung, die dahin geführt hat, daß dis' Maschinen mit ganz leichten Handgriffen zu bedienen sind. DaS hat zu umfassender Einführung der Beschäftigung Jugendlicher und ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit geführt. Diese Nachtarbeit müßte gesetzlich verboten werden auch im Interesse der vielen kleinen Existenzen, die durch diese EntWickelung erwerbslos gemacht werden. An Stelle der Schiffchen, die das An- saugen des Fadens mit dem Munde notwendig machen, miisseu mechanisch wirkende Saugvorrichtungen im Interesse der Gesundheit der Arbeiter gesetzt loerden. In England ist man mit sozialen Vorschriften viel weiter als bei uns. Zum Beispiel müssen dort alle Jnnenränme, Decken usw., wo Textilarbeiter be- schäftigt sind, alle Jahre mit Oelfarbe gestrichen und alle Monate mit heißem Wasser gewaschen werden. In Deutschland ist das unbekannt. Wenn Fabriken besichtigt werden, sollte das nicht wochenlang vorher angekündigt werden, damit nicht den betreffenden Potemkiusche Dörfer vorgeführt werden, wie das nämlich dem König von Sachsen passiert ist. Ganz entsetzlich sind die Zustände in den Flachsnaßspinnercien, Ivo der genäßte Faden beim Drehen der Spule beständig Wasser ausipritzt und die Arbeiterin einen: dauernden Sprühregen ausgesetzt ist. Wasserdichte Kleidung muß für die Arbeiterinnen ver« langt werden. Es entrüsten sich viele Leute über aus- geschnittene Blusen. In den Flachsnaßspinnereien müssen die Arbeiterinnen überhaupt halb nackt arbeiten. Da sollten die Sittlichkeitsapostel für wasserdichte Kleidung sorgen, vor allein im Interesse der Gesundheit.(Sehr wahr I bei den Sozial« dcmokraten.) Ein großer Uebelstand in der gesamten Textilindustrie ist die zunehmende Ermüdung namentlich der verheirateten Arbeiterinnen. Die verheiratete Frau hat ja nicht nur die zwölf Stunden in der Fabrik zu arbeiten, sondern mindestens noch vier Stunden täglich im Hause zu schaffen. Damit in engem Zusammenhang steht die große Säuglings st erblichkeit. Sie geht weit über den Durchschnitt der Säuglings- sterblichkeit des Reiches hinaus.(Hört! hört I bei den Sozialdemo- traten.) Der Durchschnitt betrug 1911 9,2 Proz., aber in Aachen 24,2 Proz., in Augsburg 24 Proz., in Chemnitz 28 Proz. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Im Herzogtum O 1 d e n- bürg ist die Säuglingssterblichkeit gering, sie betrug 1909—11 nur 11,9 Proz. In der Textilindustriestadt D e l in e u h o r st aber beträgt die Säuglingssterblichkeit 2 0 Proz. Diese Zahlen müssen die Gesetzgebung zum Einschreiten ver- anlasten, und das kann nur darin bestehen, daß man diesen Frauen Muße gibt, neue Kräfte zu sammeln. DaS BiSmarcksche Wort„Die Großindustrie degeneriert unser Volk* gilt insbesondere für die Frauen und Mädchen in den Fabriken. Dem müssen wir entgegen- wirken, deshalb müssen wir einen Ruhetag für Frauen und Mädchen schaffen, und so bitte ich Sie, mit uns einzutreten für die Frei- gäbe des Sonnabendnachmittag in den Fabriken.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. List(Nat.-Lib.): In dem einen oder andern Punkt haben wir uns vielleicht vom Ausland überholen lassen; aber die Entwicklung steht bei uns nicht still. Die Darstellung des Abg. Jäckel ist in manchen: Punkt zu« treffend, in vielen aber sehr übertrieben(Widerspruch bei den So- zialdemokraten).— Ein paar Worte über das„Schiffchenküsten* zu Ehren des Unternehmertums. ES besteht, so lauge das Schiffchen besteht. Die Frage wäre sofort gelöst, wenn der Automatensiuhl eingeführt wird. Aber die Arbeiter selbst setzen dieser Ein» führung einen Widerstand entgegen, weil dann ein Arbeiter 10 bis 12 statt 3 bis 4 Stühle bedienen kann. Daß die Unternehmer nichts getan hätten zur Beseitigung des ekelhaften Schiffchenküstens ist nicht richtig. Es gibt in Deutschland mindestens 50 Patent- fchristcn über mechanische Webschützen. Aber es ist in die Arbeiter allmählich ein großes Mißtrauen hineingehämmert gegen alles, was von den Arbeitgebern kommt. Dabei haben die Arbeit«, wie nachgewiesen ist, eine Schmälerung ihresVerdicusteS bei Benutzung der mechanischen Vorrichtung gar nicht zu befürchien. Die Herren vom Textilarbeiterverband würden sich ein großes Ver- dienst erwerben, wenn sie den Widerstand der 91rbciter gegen diese von den Unternehmern eingeführte mechanische Einwebvorrichtung brechen wollten. Dem Reichsgesundheitsamt empfehle ich die Ein- setzung einer Kommission zur Prüfung dieser ganzen Frage im Interesse der Volksgesundheit.(Bravo!' bei den Nationalliberalen.) Abg. Poppe(Z.) kritisiert die Maßnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauen- seuche, insbesondere die rigorose Stallkontrolle. Die Kosten der Abwehrmaßregeln der Seuche muß unbedingt der Staat tragen. Jetzt aber werden die Viehhändler eines Kreises dafür bestraft, daß in einem anderen Kreise die Seuche ausgebrochen ist.(Vizepräsident Dave macht den Redner darauf aufmerksam, daß die Beschwerden vor den preußischen Landtag gehören.) Wenn das Reich derartige Maßnahmen anordnet, muß es auch die Kosten tragen. Abg. Voigt-Crailsheim(k.) erkennt dankbar an. daß die Forschungen über die Maul« und Klauenseuche fortgesetzt werden sollen und spricht dann über die Reblaus. Weiter wünscht er eine Revision des Nahrungsmittel- gesetzes. Präsident des Rcichsgcsundheitsamts Bnmm: Eine Revision des Nahrungsmittelgesetzes ist bereits eingeleitet in der Richtung, daß der Bundesrat Normativbestimmungen erlassen soll über die Zusammensetzung und Beschaffenheit von Nahrungs- mittel», die für den Richter maßgebend sein sollen. Abg. Dr. Ttruvc(Vp.) polemisiert gegen das Kurpsuschertum, zu dem auch die Gesund- beterei gehöre. Wenn wir die 9lushebung von Grenzsperren und Quarantänen bei der Einsuhr von Vieh verlangen, so ist uns die Einschleppung von Maul- und Klauenseuche keineswegs gleich- gültig. Unsere ganze Viehseuchengesetzgebung Hütte gar keinen Sinn, wenn die Kontrolle an der Grenze nicht ebenso streng wäre wie im Jnlande.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Aber über die Art. wie die Quarantäne auszuführen ist, dabei: die Anschauungen des Reichsgesundheitsamts selbst geschwankt, und über die gegen- wärtige Art der Quarantäne kann man sehr verschiedener Ansicht sein.(Sehr wahr! bei der Volkspartei.) Der von Herrn Frommer begründete konservative Antrag, für die wissenschaftliche Erforschung der Maul- und Klauenseuche weitere Mittel in den Etat«inzusetzen, entspricht ganz unseren An- schauungen. Herr Frommer hat zu seiner Begründung auch wesentlich Argumente angeführt, die unseren beständigen Anregungen eut« nommen sind.(Lebhafte Zustimmung bei der Volkspartei.) Abg. Jäckel(Soz.): Herr List ist von falschen Voraussetzungen ausgegangen. ES gibt Vorrichtungen, die das Ansaugen und Durchziehen des FadenS durch das Oehr des Schiffchens ermöglichen, ohne daß die Weberin überhaupt hinsieht, und solche Einrichtungen sind in England eingeführt und könnten und müßten auch bei uns eingeführt werden. Er will den Arbeitern die Schuld an der Nichteinführung der mechanischen Saugvorrichtuugen zuschreiben, aber mit Unrecht. Sie verlangen die g e s e tz- liche Einführung dieser Vorrichtungen, wie sie in England und mehreren Staaten Nordamerikas besteht. Was dort möglich ist, muß auch bei miS möglich sein.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kerschbaum(Hosp. d. Natt.) wünscht weitere Mittel zur Erforschung und Bekämpsiing der Maul- und Klauenseuche. Die DcBnite wird geschlossen. DnS Kapitel wird genehmigt. Die sozialdemokratische Resolution, die die Besser- stellung des KrankenpflcgepersonalS fordert, wird abgelehnt, die n a t i o ii a l I i b e r a l e, die einheitliche Grundsätze zur Regelung der Verhältnisse dieses Personals verlangt, wird angenommen. Die sozialdemokratische Resolution auf reichs- gesetzliche Regelung des Heb a m men Wesens, die Resolution Graf PosadowSky auf Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche unter lL Jahren, die Resolution Behrens, die die Regelung der Arbeitszeit in der Binnenschiff- fahrt und Flotzerei verlangt, die Resolution Behrens, die Maßnahmen fordert, um gesundheitliche Schädigungen der im Weinbau beschäftigten Personen zu verhindern, und' die Re- solution Frommer, welche Mittel für die wissenschaftliche Er- forschung der M a u l- und Klauenseuche in den Etat ein- zustellen verlangt, werden sämtlich a n g e n o m m e n. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Mittwoch 1 Uhr. Schluß I'/« Uhr. Mgeorönetenhaus. ?3. Sitzung, Dienstag, den 10. Februar 191�, vormittags 11 Uhr. Am Ministcrtisch: v. Dallwitz. Zur Beratung steht zunächst eine Zentrum s-Jnter- h e l l a t i o n, durch welche die Regierung um Auskunft ersucht wird über die Ursachen des Slutomobilunfalls, von welchem am 4. Februar zwei Reichsiagsabgeorduete betroffen wurden, und über die Maßnahmen, welche die Regierung zur Verhütung der Automobilunfälle bei den: steigenden Verkehr vor- zunehmen gedenkt. Abg. Freiherr v. Stcinäckcr-Trier(Z.) begründet diesen Antrag. Die Statistik beweist, daß die Unfälle sich beständig vermehren. Eine erstaunliche Zahl von Menschen fällt Jahr für Jahr in der Reichshauptstadt und besonders in den Hauptverkehrsstraßen dem steigenden Verkehr zum Opfer. Die Autofahrer fahren hier gewöhnlich mit einer größeren Ge- s ch w i n d i g k c i t als ihnen erlaubt ist. Zuweilen rasen sie wild durch die Straßen, um einen Fahrgast zu erwischen. Die Privat- a u t o s— eS ist ja gleich, wem sie gehören!— gehen den Droschkenautos mit schlechtem Beispiel voran. Ferner wendet sich der Redner gegen die Rücksichtslosigkeit der R a d f a h r e r und gegen den Unfug des Rollschuhlaufens in belebten Straßen. Die Kraftfahrzeuge werden von den Behörden nicht genügend kontrolliert. Diese Kontrolle muß in Zukunft schärfer durchgeführt werden. Wir brauchen ferner eine sorgfältigere Ausbildung der Chauffeure. Die elektrische Industrie leidet dadurch, daß die Benzinautos wegen ihrer größeren Schnelligkeit vom Publikum den elektrischen Autos vorgezogen werden.(Beifall im Zentrum.) Minister v. Dallwitz: Im Vergleich mit anderen Weltstädten ist die Zahl der Unfälle in Berlin verhältnismäßig gering, viel geringer z. B. als in Paris. Die größere Zahl der durch Kraftdroschken herbei- geführten Unfälle findet dadurch ihre Erklärung, daß diese Kraft- fahrzeuge den ganzen Tag und die halbe Nacht hindurch in Bewegung find, während die Privatautos und Equipagen nur ein, zwei Stunden unterwegs find. Trotz der Vermehrung der Kraftfahrzeuge ist die Zahl der tödlichen Unfälle im Berliner Straßenverkehr gesunken. Eine Aenderung der Bundesrats- bcstimmungen zur Ausführung dxS Automobilgesetzes wird gegen- loärtig erwogen. Ich werde dafür sorgen, daß auf den Straßen diejenige Sicherheit herrscht, auf die das Publikum Anspruch hat. Auf Antrag des Abg. Herold(Z.) tritt das HauS in eine Be- sprechnng der Interpellation ein. Abg. v. Gescher(£.): Wir haben das Vertrauen zur Regierung, daß sie geeignete Maßnahmen zur Abstellung der Mißstände treffen werde. Abg. Just(natl.): Bei der EntWickelung des modernen Verkehrs können wir ans das Auto nicht mehr verzichten. Wir besitzen ein gut ausgebildetes Fahrpersonal; die Zahl der Unfälle hat sich verringert. Die Klagen über die Pferdekutscher erscheinen mir berechtigter. Für die Automobilisten bis in die höchsten Stellen hinein muß die Rücksicht auf den Nächsten die ausschlaggebende Rolle spielen.(Sehr richtig! links.) Durch ihre Unvorsichtigkeit schaden sie ihrer Autorität. Es lyüssen Geschwindigkeitsmesser eingeführt werden, die eine genaue und leichte Kontrolle der Ge- schwindigkeit ermöglichen. Wir lehnen eine weitere Einschrän- kung des Verkehrs durch Polizeibestimmungen ab und legen Wert auf ein gutes Wagenmaterial und eine sorgfältige Ausbildung der Chauffeure. Abg. Roscnow(Vp.):. Der Verkehr ist ein unbarmherziger Geselle, der seine Opfer fordert. Das Material der Kraftwagenführer bat sich in der letzten Zeit wesentlich gebessert. Unsere Automobilindustrie hat einen großen Aufschwung genommen. Die polizeiliche Verkehrsregulierung in Berlin nach Pariser und Londoner Muster ist ausgezeichnet. Wir wünschen eine einheitliche Regelung des Umfahrens der Ecken und deS Ueberbolens von Straßenbahnen. Warum ist der V e r- kehrSminister nicht da? Vielleicht könnte man Motoren mit der Höchstleistung von 25 Kilometer konstruieren. Keine Verkehrs- Hemmung, aber Anpassung an den bürgerlichen Wer- kehr.(Beifall links.) Abg. Hofer(Soz.): Auch wir sprechen unser Bedauern über den Unfall der beiden Zentrumsabgeordneten aus. In Berlin gibt es sechzig Chauffeurschulen, die durch allerhand Versprechungen Schüler heran- ziehen und sie vielfach unausgebildet schon fahren lassen. Die Aus- b ildungszeit dauert o f t n u r a ch t T a g e, sie sollte aber vier bis fünf Wochen dauern. Zwei Automobilwerke haben eigene Schulen errichtet und ihre Schüler werden besonders gern eingestellt. Die Arbeitsverhältnisse der Autochauffeure können allerdings Unfälle verschulden. Bei den Lastkraftwagen in Berlin kommen Arbeitszeilen bis zu 17 und 18 Stunden vor.(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten.) IS Stunden Arbeitszeit ist der Durchschnitt bei den Chauffeuren der L a st w a g e n a u t o s, 12 Stunden bei denen der D r o s ch I e n a u t o s. Genau so wie im Eisenbahnwesen verursacht auch hier U e b e r m ü d u n g manchen Unfall. Auch die ständige Arbeitszeit mancher Droschkenchauffeure, besonders derjenigen, die bei einem Grundlohn von l.öv M. auf Akkordverdienst angewieien sind, ist für das Publikum wie für die Autoinsassen gefährlich. DeS- wegen muß der Grundlohn gesteigert und die Arbeits- zeit verkürzt werden. Die hohen und häufigen Strafen gegen die Chauffeure, die man infolge des Aufsehens, das sie er- regten, nicht mehr veröffentlicht(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten), können das nicht ersetzen, was ausreichender Lohn und mäßige Arbeitszeit bewirken würden. Herr v. S t e i n ä ck e r aber klagt noch über zu wenig Strafen. Nach den amtlichen Veröffent- kichungen wurden im Jahre 1910 lOOOV Strafen gegen Automobilführer allein in Berlin verhängt. Von 1910 ab ist nichts mehr ver- öffentlicht worden. Wir fragen den Minister, warum die Veröffent- lichungen eingestellt worden sind. Die Polizei sollte in der Haupt- fache Uebertrelungen verhüten. Aber mit Recht beklagen sich die Chauffeure darüber, daß die Polizisten sich hinter d i e B ä u m e verstecken, den Autos auflauern und sie aufschreiben, während c§ doch angebracht wäre, daß sie die Chauffeure auf da? zu schnelle Fahren aufmerksam machten, um ein Unglück zu verhindern. Manche Vororte machen sich eine Einnahme daraus, daß alle am Sonntag von Berlin hinauskommenden Autos aufgeschrieben und mit Strafmandaten bedacht werden, ob sie nun schnell gefahren sind oder nicht. Nun hat die Automobilliga diesen mit Strafmandaten Beglückten geraten, eo ipso Widerspruch zu erheben und kurz vor der gerichtlichen Verhandlung den Widerspruch zurückzuziehen. Das Strafgeld fiel jetzt der S t a a t s k a s s e zu und die Anzeigen ließen merklich nach. Wenn die Geschwindigkeit zu sehr beschränkt wird, so haben die Führer ja nur mit Schalten zu tun, ihre Aufmerksamkeit wird dadurch in Anspruch genommen und von der Beobachtung der Straße abgelenkt. Was soll ein Motor mit der Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometer nützen? Jedes Berliner Auto muß doch auch in der Lage sein, sofort Landfahrten anzu- treten und da kann es auf eine größere Schnelligkeit ankommen. Es wäre auch zu erwägen, ob für das weit ausgedehnte Berlin nicht 30 Kilometer Schnelligkeit zulässig wären bei einer guten, ver- nünftigen Verkehrsregelung. Die Chauffeure wünschen G e- s ch w i n d i g k e i t s m e s s e r für jeden Wagen, damit die Anzeigen eventuell nachgeprüft toerden können. Die kaiserlichen Automobile können rasen, wie sie wollen, und es ist wahrlich kein Wunden, wenn immer wieder Kinder und Erwachsene von prinzlichcn Autos überfahren werden, nicht nur in Berlin, sonderu auch in Potsdam, D a n z i g usw. Deswegen interpelliert man aber nicht. Mir ist mitgeteilt, daß die Prinzen, ohne ein Examen gemacht zu haben, Auto fahren. Passiert dann ein Unglück, so müssen die Chauffeure für die hohen Herrschaften einspringen und deren Un- Vorsichtigkeiten ausbaden.(Hört! hört! b. d. Sozialdem. Abg. Dr. Liebknecht: Wo bleibt das Strafverfahren gegen den Prinzen?) Alle Verkehrsmittel, die Eisenbahnen, die elektrischen Bahnen fordern Un- fälle, das läßt sich nicht vermeiden, aber mit Rücksicht besonders auf die Animosität, die im Landvolk gegen die Automobile und die Chauffeure herrscht, ist eine Beschränkung der Autounfälle dringend erwünscht. Diese Animosität darf nicht noch vergrößert werden, denn unsere Autoindustrie, die beständig im Wachsen ist und sich in großem Maße zu einer A u s f u h r i n d u st r i e entwickelt hat, ist zu einer wichtigen Erwerbsquelle für die deutschen Arbeiter geworden und muß als solche erhalten bleiben. Wir sind also gegen alle Maßnahmen, die diese aufstrebende Industrie und ihre Tausende von Arbeitern schädigen würden.(Lebhafter Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Tramprzhnsti(Pole): Ein Notgesetz wäre nötig. Eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer wäre überall ausreichend. Diejenigen, die am raschesten fahren, haben meist den ganzen Tag nichts zu tun. Sehr leicht ließe sich an allen Autos eine Uebersetzung einbauen, die die Geschwindigkeit begrenzt. Abg. Frhr. v. Steiuäckcr(Z.) hätte eine Erklärung des Ministers gewünscht, daß die Polizei- Verordnungen gegen jedermann rücksichtslos angewendet werden. Die Besprechung schließt. Der Etat öes Innern. Minister v. Dallwitz: Dem Abg. Dr. S e y d a muß ich doch erwidern, daß die der- werfliche Mordtat eines einzigen Fanatikers nicht dem ganzen ruthe- nischen Nationalkomitee zur Last zu legen ist(Abg. Korfanty: Die Ruthenen im Reichsrat zu Wien haben den Mord gebilligt!), mir dem der Ostmarkenverein nur zur Beschaffung von Saisonarbeitern in Verbindung getreten ist. Ganz unrichtig ist es, daß die Anwendung des Enteignungsgesetzes auf eine Einwirkung v. Tiedeinann S auf den Minister v. Schorle m er zurückzuführen sei. Dergleichen bcschließr nur das Staatsministcrium auf Grund allseitiger Information und Berücksichtigung aller Verhältnisse. Wenn wieder polnischer Terro- rismuS die Bauern und Grundbesitzer hindert, an Deutsche zu ver- kaufen, so wird wieder enteignet werden unbekümmert um Tiedemann oder Korfanty.(Bravo! rechts.) Ein privater Meinung»- auStausch mit Herrn v. I a g o w untersteht nickt dem Parlament (Beifall rechlS), das erwidere ich Dr. P a ch n i ck e. Schon Bülow hat da» festgestellt. Legislative und Exekution müssen getrennt werden. Eine Erörterung des kleinen Borfalls würde die Autorität erschüttern und die Stellung des Beamten von Strömungen des Parlaments abhängig machen. (Beifall rechts.) Abg. Ad. Hofstnauu(Soz.): Mit dem Abg. v. Kardorff stimme ich in der Frage der zu späten Einberufung des Landtages überein. Aber wenn er von den langen Reden spricht, soll er sich doch mal an seinen Blockbruder Diederich Hahn wenden, der hier über alles reden darf. Im übrigen war die diesjährige Scharfmacherrede v. Kardorffs nur ein schwacher Aufguß vom Vorjahre. Wenn Sie übrigens ein Tänzchen mit uns wagen wollen— nur �u, das Volk wird antworten. Sie sind am Ende Ihres Lateins, Sie appellieren wieder an G e w a I t und Unrecht. Dafür versuchten Sie, die Nationalliberalen einzufangen. Hinter Herrn v. K a r d o r f f sitzt schon der Fuchs(Abg. Frhr. v. Zedlitz), der die Nationalliberalen verspeisen will.(Heiterkeit.) Zwiscoen K a r d o r s f und Loh- mann flog gestern der Reichskanzler hin und her, wie der Ball auf dem Sportplatz, den jede Partei haben und keine behalten will. (Heiterkeit.) Freilich, manchmal war es wie ein Fußballspiel, zu dem Herr v. H e y d e b r a n d schmunzelte.(Abg. v. Kard orff: Unerhört!) Finde ich auch! Daß das Parlament kein Mädchen- Pensionat sein soll, ist uns ganz sympathisch. Aber die Herzens- b i l d u n g, die Herr v. Kardorff unseren Genossen im Reichstag absprach, bewies er selbst, als er den Abg. Müller- Meiningen dem Psychiater überweisen wollte, Werl der Abgeordnete nicht der Meinung des Herrn Landrats ist, der ja freilich mit Scharf- macherei erblich belastet ist. Mit der Zeit wird er es ja auch so gut lernen wie es sein Vater konnte!(Heiterkeit.) Wir sollen gegen Personen aufhetzen, sagt Herr v. K a r da r f f. Keine Ahnung von unserer Partei und ihrem Wesen! Wir bekämpfen das System, die Gesellschaft und nur d i e Perionen, die sich für sie besonders in den Vordergrund stellen! Und nach Dr. Lohmann soll die„Bremer Bürgerztg." die Königin Luise beleidigt haben. Sie hat nur b ü r g e r li ch e Schriftsteller zitiert. Welch ein Vorwurf, wenn die Polizei und die Gerichte dagegen nicht eingeschrirten wären. Aber sie wollten sich nicht blamieren.— Und dann unser„Haß gegen die Kirche", den wir nicht � haben. Wir bekämpfen sie nur, wenn sie Volksunterdrück u n g unterstützt und sich mißbrauchen läßt zur Ausbeutung der Massen. Beweisen Sie doch Ihre Geschichten vom Zwang zum Kirchen- austritt, N a m e n, lllamen! Aber davon wird geschwiegen. Gerade sehr fromme Leute, Sektierer usw. treten auS der Kirche aus. Manche davon wollen ihr Kind trotzdem taufen lassen. Freilich, wenn der Äirchenaustritt so fortgeht, werden die Pfarrer froh sein, wenn sie noch hier und da ein Kind zu taufen kriegen.(Heilerkeit.) Mit Ihrem Gewissenszwang gegen die Dissidentenkinder fördern Sie den Kirchen- austritt, verharren Sie dabei, so wird bald die halbe Million voll sein! Als die rechtsstehenden Blätter sahen, wie die von ihnen ge- brachte Nachricht von der„allerhöchst" gewünschten I00-M.-Slrafe für den Kirchenausirrtt wirkte, sagte» sie, es sei eine s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e Erfindung. Die Unmöglichkeit, die Kirche zu reformieren, die Behandlung JathoS, Traubs und K r a a tz', die Nichtexistenz der Religions- freihert, die Vergewaltigung der Eltern und der Kinder, die fördern den KirchenauStritt! Unter„Religions- freiheit" versteht das Zentrum, daß die Jesuiten hereingelassen iverden. Nur immer rein mit ihnen, wo so viele Jesuiten sind, können auch noch die paar dazu!(Heiterkeit.) Mer jetzt, wo China Religionsfreiheit gegeben hat, schöpfe ich doch Hoffnung, daß wir sie in Preußen auch kriegen!(Heiterkeit.) Herr Linz erklärte den Geburtenrückgang und den Gebrauch der Mittel dazu als Krankheit der Moral. Nun, wie krank müßten die Besitzenden sein, sie, die auch weit früher als die Massen diese Mittel kannten und gebrauchten. Wollen Sie den Geburten- rückgang bekämpfen, so schaffen Sie den Massen billige Lebensmittel, bessere Existenz, statt durch Ihre W u ch e r p o l i t i k die Lebens» mittel zu verteuern!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) War es nicht die Herrenhaus mitgliedsgattin von V o P c l i u s, die einst den Arbeitern daS Antikonzeptionsmittel der Waschbütle empfahl?(Heiterkeit.) Schaffen Sie dem arbeitenden Volle die Möglichkeit, seine geliebten Kinder zu erhalten, und Sie werden keinen Geburten- rückgang zu beklagen haben, der seine Hauptursachen in der Not hat. Wollen Sie aber nicht angesichts dieser Gefahr das Zölibat aufheben(Heiterkeit), nicht nur das der katholischen Geistlichen, sondern auch das höchst unwürdige der Lehrerinnen(Heiterkeit), das doch gegen die Gesetze der Natur. Gottes, verstößt. Der M i n i st e r ist ja nicht hier � aber wir wissen seinen Namen und brauchen nicht seine Nummer im Schema d e s O st m a r k e n v e r e i n s zu wissen, die hoffentlich nicht unter Nummer 175 ist.(Stürmisches Pfui! recht».— Vizepräsident Dr. Krause rügt den Redner, der erst fragt, was denn die Enltüsieten meinen.— NeueS stürmisches Pfui! Neue Rüge des Vizepräsi- deuten, auf die der Redner energisch erklärt, was er meine, könne nur e r selbst wissen.) Eine echt patriotische Geschmack- losigkeit, die böchstgestellten Männer im Staat, den Kaiser, den Kanzler, die Minister mit Nummern zu bezeichnen, wie die ZnchthauSgefangencn. Der Minister hat die privatkapitalistischen VersicherungSgesell- schaffen gewarnt, wenn sie sich nicht einigten, würden sie von der„Volksfürsorge" gestessen, die— weil sie sich nicht bereichern will— wie so vieles andere Gute gleich als s o z i a l d e m o- kr a tisch hingestellt wird.— Run unsere Landrätc! Zu allem haben sie Zeit, für konservative Partei» tätig! eit, fürLotterieveranstaltungen— für Luft- schiffbillettverkauf. In Ostpreußen verlangte ein Gemeinde- Vorsteher im Auftrage des LandratS von den P o st- beamten, welche Zeitung jeder bezieht. Was sagt zu diesem Versuch der Verleitung zum Eidbruch der Minister, der so schnell mit dem Wort„Eidbrecher" zur Hand ist!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Unser Kollege Landrat v. Maltzahn ist vom Schöffengericht Waren zu 50 M. verurteilt worden, weil er zum Gericbtsschreiber gesagt halte, er lasse sich von einem solchen Jungen nicht vernehmen.(Zuruf rechts.) Na, wenn es ein anderer Maltzahn ist, sie sehen ja einer so auS ivie der andere. (Heiterkeit.) Und wie verfügen die so vielseitigen Landräte über die Kreisblätler— über Redaktion, wie über die Inserate. Auch ins Privatleben greifen sie nach Herzenslust ein, z. B. bc- stimmen sie über den Warenbezug von Privaten.(Der Redner verliest einige solcher Briefe.) Auf solche Weise unterstützt man den ortsansässigen Mittelstand. Ein solcher Landrat gehört hier der freikonservativen Fraktion an, wenn Sie Näheres wissen wollen, fragen Sie Herrn v. K a r d o r f f.(Heiterkeit links.) Diese Landräte sitzen hier als Richter iu eigener Sache! Als ich letzthin erzählte, daß ein konservativer Gutsbesitzer seinen Bullen nicht zur Deckung der Kühe eines liberalen Be- sitzerS hergeben wollte, hielt mau das für einen Witz. Der Ritter- gutsbesitze'r v. H i l d e b r a n d im Kreise K ö s l i n hat aber in der Tat nichlkonservativen Küstenbewohnern gedroht, daß er ihnen die Unter st Ltzung für Sturmschäden nicht gewähren und seinen Bullen nicht für ihre Kühe leihen würde. Ja. fürchten Sie (nach rechts) denn nicht, daß, wenn die freisinnigen Kühe von dem liberalen Bullen des Nachbarorts gedeckt werden, in jener Gegend ein bedenklicher Rückgang des konservativen Rind» Viehs eintritt?(Stürmische anhaltende Heiterkeit.) Zum Wohnungswesen will ich nur auf eine Eingabe der Haus- und Grundbesitzervereine hinweisen, worin maßlose Schikanierungen der kleineren Hausbesitzer auf dem Lande gerichtet sind. Gestern hat sich Herr v. K a r d v r f f furchtbar über den angeblichen Diebstahl der Dokumente des Ostmarkcnvereins eut- rüstet. Als aber im vorigen Jahr die Polen hier mitteilten, daß in Oberschlesien Polizeibeamte mit Nachschlüsseln HauS- b r i e s k ä st c n aufgeschlossen und die Briefschaften gestohlen, wenn auch nachher zurückgegeben haben, und als Abg. Korfanty dieses Jahr in der Budgetkommission erzählte, daß der Polizeikommissar Klan» in Bochum den Druckereileiter der polnischen Druckerei Brejski zum Dieb st abl von Manuskripten angestiftet hat, da entrüsteten Sie sich nicht, offenbar lagen diese Verbrechen in der Staalsräson, während der Inhalt der nicht gestohlenen, sondern nur abgeschriebenen Dokumente des Ostmarkcnvereins Ihnen sehr unangenehm ist. Will Herr v. K a r d o r f f die Herzensbildung, von der er sprach, nicht lieber dem Ostmarkenverein predigen, der sich ganz gegen seine sonstige Ueberzeugung mit den rutheni- schen Agrarstreiklern und Attentätern in Verbindung gesetzt und dabei ein gerüttelt Maß von Lug, Trug und Heuchelei bewiesen hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten und Polen.) Da ich in diesem Hause noch nicht die Rechte des Dr. Diederich Hahn besitze, gehe ich jetzt auf Dr. L o h m a n n s Angriffe gegen meinen Freund H o f e r in Sachen der inneren Kolonisation nicht ein und wende mich zum Kapitel Zensur. Wenn Herr v. Kar- dorff über die zunehmende Unfittlichkeit in Berlin klagt, so ist die landwirtschaftliche Woche allerdings die geeignete Zeit dafür. Da sollten Sie in die Nachtlokale und BarS gehen, die schon gerüstet sind, die Provinzonkels zu empfangen— die Berliner fallen doch nur selten drauf herein(Heiterkeit)—, Sie sollten hingehen, einmal um Ihre Brüder vor den sittlichen Ge- fahren zu warnen und dann, um einmal einwandfreie, glaub- würdige Zeugen festzustellen! Wenn Herr v. Kardorff gesagt hat, die konfiszierten Postkarten hätten uns aufgeregt, so war das doch etwas zu viel. Wenn er das auf seine Fraktion meint, dann will ich das mit Ausnahme einiger älterer Herren noch hingehen lassen(Große Heiterkeit), aber sonst l-bue ich das„uns" ab. Die Ver- breitung solcher Reproduktionen wirklicher Kunstwerke hat die Sittlich- keit gehoben und die Schmutzprodukliou gewaltig zurück- gedrängt, wie ich aus meiner Erfahrung als Buchhändler jagen kann. Uebrigens, wer sind denn die Käufer der Schweinereien im Preise von 100, 150 M. und noch mehr? Doch nicht die kleinen Leute? Dem Reinen ist alles rem— den Schweinen ist alles Schwein, hat einmal mein Freund Stadthagen im Reichstag gesagt. Die Jagd auf unzüchtige Schriften und Bilder ist geradezu ein Sport geworden und die Kriminalbeamten sind die Sachverständigen dafür! Es ist geradezu eine Beleidigung der hervorragendsten Künstler, was da verbrochen wird. Letzthin wurde sogar ein Kunsthändler verurteilt, der die Bilder zur Polizei geschickt hatte. um siÄ zu vergewisser», daß man dagegen nichts eiiizuivcnden hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte die Bilder für unzüchtig erklärt, aber ausdrücklich von einer Verfolgung abgesehen, weil die Ein- reichung bei der Polizei beweise, daß nicht die Absicht eines Ver- triebs unzüchtiger Bilder bestanden hatte. Einige Monate darauf wird der Mann v e r u r t e i l t.(Hört! hört! links.) Das brutale Verbot der Aufführung eines großen, sogar religiösen Chorwerks an einem Feiertag durch die Berliner„Freie Volks- bühne" machte die monatelange selbstlose Arbeit aller Mitwirkenden mit einem Schlage zu Nichte.' In der diesbezüglichen Entscheidung hieß es, daß auf Grund der Entscheidung des Ministers die„Neue Welt" in der Hosenheide nickt zu den Lokalen gehört, in denen am Karfreitag geistliche Musik w ü r d i g zur Aufführung kommen kSnnte. JSie kommt nun die Bevörde�dazu, derartige Unterscheidungen �wische» den Lokalen zu treffend Sollen wir vielleicht die Amor- sä le dazu nehmen oder die Blumen säle?n u S. Meinen Sie den, der gegen die christlichen Gewerkschaften geübt wird? Oder die Aussperrungen, die schwarzen Listen, diese nach des Kaisers Wort zuchihanswür- digen Hinderungen der Arbeitswilligkcit? Oder die Shiidikate und Kartelle und U n t c r n e h in c r v l»r b ä n d e? Diese alle sind die schlimmsten Terroristen, die das gesetzlich„garantierte" Koalitionsrecht init Füßen treten. Wie unterroristisch, wenn Flcischcrlrhrlingc 1 Mark für jede Denunziation eines organisier- ten Fleischcrgcscllen bekommen. Klecis hat den unerhörte» In- nungsterrorismns usw. systematisch dargestellt. Herr v. Kar- d o r f f hat gegen die Süddeutschen vonr Leder gezogen. Ich glaube es schon, die Hcnen geben lieber als mit den Süd- deutscheil mit den Russen zusammen, nicht mit dem russischen Volke, aber mit den russischen Gewalthabern.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Partei des Herrn v. Kardorff ist im Reichstag zusammengeschmolzen, daß er jetzt hier im Dreiklassenhaus seine Schmerzen vorbringei�inutz.(Heiterkeit.)— Auf dos Ehren- bürgerrecht von Bs?lin lege ich wirklich keineu Wert. Aber eher würde ich es. jedenfalls werden als Sie, Herr v. Kardorfs! Wohin geht die Fahrt, die Sie steuern? Keine Wahlrechts- Verbesserung aber neue Steuern und neue Lasten für die Arbeiter. Konservative und Nationalliberale fordern gemein- sam Knebelung der Arbeiter, das unbeschränkte Aus- beutungs- und Aushungerungsrecht. Wenn der Reichstag nicht Order pariert, will man das Ziel durch Verwaltungsmaßnahmen erreiche».(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zur Wieder- Herbeiführung der Sklaverei scheinen Kapital und Junkertum eine Gesellschaft mit beschränktem Horizont gegründet zu haben.(Heiterkeit.) Bisher haben Sie mit allen Ihren Versuchen, die Sozialdemokratie zu zerschmeltern, nichts ausgerichtet. Jetzt sind Sie am Ende Ihres Lateins. Da loiiiint Herr v. Kardorff, der Jüngere, aber nicht der Schlauere(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten) und verlangt wieder Aus- n a h m e g e s e tz e. Er hat nichts gelernt und alles vergessen. Man geht gegen unsere Jngendvereine vor. weil sie angeblich Politik treiben, während doch die bürgerlichen Jugendvereine nur gegründet sind, um die Jugend in Ihrem Sinne politisch zu beein- flussen. Aber unsere Jugend ist viel zu schlau, als daß sie auf Ihren Leim geht. Im übrigen machen Sie die proletarisSe Jugend in Ihren Vereinen nur anspruchsvoll und wenn sie dann später in die Knochen- mühten der Fabrikarbeit kommt, wird sie sich schon auf ihr Menschen- tum besinnen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Jetzt stützen Sie sich weiter auf die Gelben. Wir werden den Arbeiter» klar machen, daß sie nicht ihre ganze Stoßkraft gegen diese Arbeiter richten, die von Ihnen in die gelben Vereine gezwungen werden, sondern gegen die Skiedertrampler des Vereinsrechts. Denken Sie daran, daß auch die Orangen außen gelb und innen rot sind.(Heiterkeit.) Die Rcchtlosmachung der Gewerkschaften wird diese nur zu neuen Erfolgen, zu neue» Siegen führen, den Gewalthabern und Unterdrückern aber nur neue Enttäuschungen bringen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man versucht es, die Gewerkschaften für politisch zu er- klären, um die Jugendlichen unter 13 Jahren aus den GeWerk- schaften zu entfernen. Man scheut von seilen der Polizei keine Mittel, man nimmt alle Spitzeldienste entgegen, um die freien Ge- werkschaften als politische Organisationen zu erweisen. Der Holz- a rb eite rv e rb a n d hat das große Verdienst, dieses gefährliche Treiben der Polizei, die ihre Gutachtcu zum größten Teil von den Unternehmern bezieht, dokumentarisch belegt zu haben. Selbst ch r i st I i ch e Arbeiterverbände haben hierbei der Polizei Judas- dienste geleistet. Sicherlich ist dabei da« Verhältnis der freien Ge- werkschaften zur sozialdemokratischen Partei nicht enger als das Verhältnis der christlichen Gewerkschaften zum Zentrum. Auf jene Guiachten will ich nickt näher eing-�n, da ich nicht juristisch auf der Höhe bin wie der' Berliner Polizeipräsident. Mit den fragwürdigsten Mitteln suchen Sie die Säulen Ihres Staates aufrecht zu erhalten; die Spitzel, die Sie ge- brauchen, nennen Sie dann staalserhaltende und nützliche Elemente. Die Frau des Vorsitzenden einer gelben Bereinigung ist Besitzerin eines Bordells in Magdeburg. Das Bestehen solcher Bordelle, solcher moralischen Anstalten in einem christlichen Staate, verstößt gegen Ordnung und Gesetze. Nock vor kurzer Zeit befand sich dicht hinter der Kruppschen Fabrik ein Bordell in einer Straße, die den Namen.Heiligegeiststraße" trug. Jetzt ist der Name dieser Straße geändert; aber die Sache selbst ift dadurch nicht besser geworden. Selbst in München-GIadbach, dem Eldorado deS Zentrum?, gibt es ein Bordell. Merlwürdig, daß es dort überhaupt zu einem Bordell überhaupt kommen konnte. Die Unzucht ist staatlich konzessioniert, obwohl sie gesetzlich verboten ift. Wir sollten die Heuchelei nicht soweit treiben, daß die Behörden Personen und Einrichtungen begünstigen, die unzüchtig sind. Diese Begünstigung ist strafbar. Andererseits haben sie arme Mütter mittels ihrer Kuppeleigesetze ins Gefängnis geworfen, die in lln- kenntnis des Gesetzes den Verkehr ihrer Tochter mit deren Ver- lobten erlaubten. Besitzer von Bordelle» sind sogar Wähler e r st e r K l a s s e zu diesem Hause. Da die Regierung die Bordelle duldet, entschließt sie sich vielleicht noch, die Bordelle in Staatsbetrieb zu übernehmen. Zum mhidesteu sollte der Staat die armen Mädchen in ocn Bordellen vor der sürchler- lichen Ausbeutung schützen. Den Ministern sollten Freikarten zum Besuch von Bordellen zur Verfügung gestellt werden. (Präs. Dr. Porsch: Ich ersuche Sie, solche unwürdigen Ausdrücke zu unterlassen!) Ich meine zur Kontrolle.— Der Redner kritisier» ferner eingehend die polizeiliche Kontrolle der ProstiUnerten und bespricht den bekannten Fall T h i e m e, in dem ein Beamter der Sittenpolizei als Zuhälter enthüllt wurde.(Präs. Dr. Porsch: Die Erörterung dieser An- gelegenheit gehört nicht mehr in den Rahmen dieser Debatte.) Doch! Wir verlangen eine Reform der Polizei an Haupt und Gliedern und fragen den Minister, tvaS er zu tun gedenkt, um derartige Zustände gründlich auszurotten. Es genügt nicht, immer nur einzelne Fälle herauSzugreisen, sondern die gesamte Institution der Polizei muß umgestaltet werden, so daß auch aus der Polizei eine moralische Anstalt wird. Weiterbin spricht der Redner über den Mädchenhandel und die ungenügende Tätigkeit der Polizei zu dessen Verhütung. An der Spitze der Blätter, die solche Annoncen ausnehmen, � sieht der Scherlsche, L o k al- A n z e i g e r", der allein unausge- schnilten am Hofe gelesen wird. Ich komme jetzt zu der Polizei in den Provinzen. Der Sumpf in Köln ist lediglich durch die„Rheinische Arbeiterzeitung" aufgedeckt worden. Vizepräsident Dr. Porsch: Ich erhalte soeben die Nachricht, daß die Stenographen nicht imstande sind, ihren Dien st weiter auszunehmen. Es bleibt daher nichts übrig, als jetzt die Sitzung abzubrechen.(Bravo I rechts.) Das HauS stimmt diesem Vorschlag des Präsidenten zu. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 7'/- Uhr._ parlamentarisches. Der Marine-Etat in der Budgetkommission. Am Dienstag nahm der Vertreter des Reichsmarineamts zu den vom Genossen Brandes am Sonnabend vorgetragenen Wünschen und Beschwerden, deren Berechtigung in vielen Punkten ancr- tonnt tverden mußte, Stellung. Staatssekretär v. Tirpitz sagte für das nächste Jahr eine Denkschrift über Zahl und Verwendung der Beamten auf den Werften zu. Weitere Klagen und Anfragen, die vom(Genossen Brandes und dem Abg. Hoff(Fr.) borge- bracht wurden, führten zu einer längeren Aussprache, an der sich besonders fortschrittliche und sozialdemokratische Vertreter be- teillgten und in deren Verlauf sich Genosse Lcdcbour scharf gegen die bei den Wcrftvcrwaltuiigen übliche Methode der polt- z e i l i ch c n?l n s k u n s t c r t e. i l u n g über Arbeiter wandte. Tie Regierung sagte eine loyale Handhabung in dein Sinne zu, daß den Arbeitern nach Möglichkeit die Auskünfte vor- gelegt werden sollen. Von sieben iicugefordcrten Bauräten Wurden sechs, von 39 Wertführerstcllcn 20 beloilligt. Ferner wurde die Zahl der neugcfordsrtcn 22 Bauführer, zwei SekKtariatsassistcntcn und 34 Sekretariatsaspiranten je zur Hälfte gestrichen. Die Instandhaltung der Flotte hat i» früheren Jahren 1,3 Proz. der Steigerung des Neubauwertes der Flotte betragen; im vorliegenden Etat ist eine Quote von 2 P r o z. cingesetz». Der Staatssekretär führte die Erhöhung auf umfangreichere nnd kostspieligere Reparaturen bei Turbinen, Ilnterseedooten ustv. zurück. An Rückvergütungen sind bei den Werften etwa 300 000 M. erzielt worden. Die Reparatur des Kreuzers„Blücher" hat 105 000 M. gekostet. Für Grundreparaturcn und bauliche Aendcrungcn von Torpedosahrzeugeil sind 2,8 Millionen Mark als einmalige Aus- gäbe neu gefordert. Als Mehrbedarf für Schießübungen ist eine runde Million in den Etat eingestellt. Von verschiedenen Seiten lvurde um Maßnahmen ersucht, die ein sinnloses Verbrauchen der Munition, Ivie es bei Infanterie und Artillerie allgemein vor- komme, zu verhindern. Der Staatssekretär versprach Erlvägung. Zur Erhöhung des Schifssübungsfonds werden 25 000 M. inehr nnd an Beihilfen für Kieler und Helgoländcr Fischer, die in ihrem Erwerb geschädigt Ivorden sind und für deren Interessen die Abgg. Hoff und Struvc(Fr.) lebhaft eintraten, 30 000 M. bewilligt. Beanstandetes Reichstagsmandat. Die Wahlprüfnngskoinmission des Reichstags hat die Wahl des?lbg. Glowatzki(Z.) im Wahlkreis Groß-Strehlitz- Kasel beanstandet. Die Polen hatten gegen die Wahl Protest erhoben nnd behaupten eine Slnzabl Verstöße, für die sie die Beweise angeboten haben. Sollten die Beweiserhebungen die Angaben des Protestes bestätigen, dann müßte das Mandat des Abg. Glowatzki für un- gültig erklärt tverden._ Die Streik- nnd Aussperrungsklausrl in der Snbmissioiis- kommission. In der Snbmissionskommission des Reichstages wurde am Dienstag die Streik- und Ausspcrrungsklausel in folgender Fassung angenommen: „Eine Arbeitsniederlegung in einem für die Erfüllung des übernommenen Vertrages unmittelbar oder mittelbar ersordcr- lichen Betriebe bedingt die Verlängerung aller Fristen und die Hinausschiebung aller Termine um die Dauer der Arbeitsniederlegung, wenn den Unternehmer nach- weislich kein Verschulden trifft. Das Gleiche gilt im Falle der Aussperrung der Arbeitnehmer für die Dauer der Aussperrung, wenn der Unter- nehmer durch Kollektivvertrag zu der Aussperrung verpflichtet lvar oder sie aus sonstigen Gründen nachweislich nicht vermeiden konnte." Bon den sozialdemokratischen Mitgliedern dtr Kommission wurde die völlige Beseitigung dieser reaktionären und arbeiter- feindlichen Bestimmungen beantragt. Den Behörden»verde zu- gemutet, daß sie bedingungslos und einseitig zugunsten der Unter- nehmer Partei ergreisen. Doch der Appell an Gerechtigkeit»nid Billigkeit verhallte wirkungslos. Er veranlaßte nicht einmal eine Entgegnung. Debattelos nahin die ganze Rechte einschließlich des Z e n t r u in s, der Nationalliberalen und des Fortschritt- l e r s B a r t s ch a t die Vorlage an. Nur die Fortschrittler Fegter und Haehnle stimmten mit den Sozialdemokraten gegen diese Bc» stimmung. Die erste Lesung des Entwurfs wurde beeihet. Der Kampf um die Sonntagsruhe. Das Zentrum hat der Kommission für die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe einen fertigen Gesetzentwurf zugchen lassen, der an die Stelle des Entwurfes der Regierung treten soll. In Orten niit über 50 000 Einwohnern sollen nach dem Entwurf des Zentrums Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Festtagen in offenen Verkaufsstellen nicht beschäftigt lverden. Doch kann die höhere Verwaltungsbehörde Ausnahmen zulassen; die Beschäftigung darf dann aber nicht länger als zlvei Stunden dauern und inllß um 10 Uhr vormittags beendet sein. Das Zentrum verlangt dann weiter: welche nach der jeweilig letzten Volks- Zählung mehr als dOOOO und weniger als 50 000 Einwohner haben, ist eins Beschäftigungsdauer bis zu drei Stunden, jedoch nicht über 2 Uhr nachmittags hinaus, in Gemeinden, die nach der jeweilig letzten Volkszählung weniger als 20 000 Ein- wohner haben, eine solche bis zu fünf Stunden, jedoch nicht über 4 Uhr nachmittags hinaus, zulässig. Für die offenen Verkaufsstellen in allen Gemeinden, in denen lediglich Back- und Konditorwaren oder lediglich Zliilch und Molkereierzeugnisse feilgehalten werden, ist eine Beschäftigung an toonn« und Festtagen bis zu sechs Stunden zulässig." Wenn diese Bestimmungen Gesetz werden sollten, dann bleibt von der Sonntagsruhe nicht mehr viel übrig. Den Behörden soll außerdem noch das Recht zugestanden werden, an zehn Sonn tagen im Jahre eine Beschäftigung bis zu acht Stunden zu gestatten! Bei der Festsetzung der Stunden, zu welchen Beschäftigung stattfinden darf, soll lediglich darauf ge- sehen werden, daß die Beschäftigten nicht verhindert find, den Gottesdienst zu besuchen! Die Sonntagsarbeit soll noch ver- längert werden dadurch, daß die nach Ablauf der Beschäftigungs daner noch im Laden befindlichen Kunden noch bis zur Dauer einer Viertelstunde bedient werden dürfen. Wenn die Läden geschlossen sind, darf kein Hausierhandel mehr stattfinden. Die Ausnahme bestimmuug frü jüdische Geschäftsleute will das Zentrug beibehalten wissen. Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe sollen keine Anwendung finden 1. auf Arbeiten, die in Notfällen oder im öffentlichen Interesse unverzüglich vorgenommen werden nrüssen, 2. für einen Sonntag auf Arbeiten zur Durchführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Inventur, 3. auf die Bewachung der Betriebsanlagen, auf Arbeiten zur Reinigung und Instandhaltung, durch welche der regel- mäßige Fortgang des eigenen oder eines fremden Betriebs bedingt ist, solvie aus Arbeiten, von denen die Wiederaus- nähme des vollen werftätigen Betriebs abhängig ist, sofern nicht diese Arbeiten an Werktagen vorgenommen werden können, 4. auf Arbeiten, die zur Verhütung des Verderbens von Roh- stoffen oder des Mißlingens von Arbeitserzeugnissen er- forderlich sind, sofern nicht diese Arbeiten an Werktagen vor- genommen werden können. Diesen Beschäftigten soll jeden dritten Sonntag eine Ruhezeit von 30 Stunden oder jeden zweiten Sonntag fteie Zeit von 0 Uhr früh bis 0 Uhr abends gewährt werden. Ausnahmen darf die Or t s p o l i z e ib e h ö r d e gestatten, wenn die Beschäftigten am Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes nicht ge- hindert werden und ihnen an«stelle des Sonntags eine viemad- zwanzigstündige Ruh�eit an einem Wochentage gewährt wird. Der Gottesdienst ist den schwarzen Demagogen die Hauptsache. Der Angestellte kann dort eine Predigt hören über die Heiligkeit des Sonntags, darf aber nach dem Willen des christlichen Zentrums vor und nach dem Gottesdienst nach Kräften ausgebeutet werden. Au diesem Gesetzentwurf zeigt sich wieder einmal der ganze reak- tionäre Charakter des Zentrums, das den Angestellten den freien Sonntag nicht gönnt. „Ein Schrei nach Gerechtigkeit". Für das Wiederaufnahmeverfahren in der Flandersbacher Mvrdaffäre. Uns wird von informierter Celle aus dem Rheinland ge- schrieben: Im preußischen Abgeordnetenhause hat sich am Donnerstag und am Sonnabend letzter Woche der Genosse Liebknecht in den Dienst einer Sache gestellt, die, fern aller politischen Partei- kämpfe, eine Sache der Menschlichkeit und Gerechtigkeit ist. Der Fall der BauerSwitwe Ha m m aus Flanders- bach bei Elberfeld, die 1908 wegen angeblicher Beihilfe zur Er- »wrdung ihres Mannes vom Schwurgericht zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, wird von Angehörigen aller politischen Parteien als ein zweiter Fall Ziethen beurteilt. Im Reichstage haben bereits am 12. Dezember letzten Jahres die Ab- geordneten Ditlmann(Soz.), Heckscher(Fortschr. Volksp.), List- Eßlingen und Dr. Pfeiffer(Zentr.) dem Staatssekretär des Reichs- Justizamtes in einem gemeinsamen Schreiben mitgeteilt, daß sie beabsichtigen, bei der Beratung des Justizetats den Fall zum Gegenstand ausführlicher Erörterung zu machen. Die Ver- urteilung der Frau ist seinerzeit erfolgt auf Grund ihrer Be- lastung durch den Berliner Kriminalkommissar b. Tresckow II, der aus allerlei familiären Klatschgeschichten einen Indizienbeweis gegen sie zusammengetragen hatte. Während die Polizeibehörden in Wülfnath und in Elberfeld auf Grund des objektiven Bc- fundes am Tatort einen Einbruchsdiebstahl und Körperverletzung mit tödlichem Ausgang angenommen hatten, konstruierte v. Tresckoiv 6en Fall als Meuchelmord, zu dem die Täter von der Frau ge- düngen sein sollten. Daraufhin verurteilte man sie, ohne daß man die leiseste Ahnung von der Person der Täter und von ihren Motiven gehabt hätte. Von Verwandten und Nachbarn der Frau ist nun inzwischen eine Fülle von Material dafür beigebracht worden, daß die Annahme der Wülfrather und der Elberselder Polizei- behörde als die richtige angesehen werden mutz, die Verurteilung der Frau also zu unrecht erfolgt ist. Gleichzeitig hat sich auch gegen die Glaubwürdigkeit des Herrn v. Tresckow ein nicht minder großes Material gehäuft/ so daß triftige Gründe für eine Wiederaufnahme des Verfahrens vorliegen und sich auch die in der Strafprozeßordnung begründete Forderung nach Aussetzung der Straf hast der Frau Hamm rechtfertigt. Der Genosse Liebknecht hat am Sonnabend im Abgeordnetenhause dieses Material eingehend besprochen, nachdem ihm zuerst durch die bekannte Handhabung der Geschäftsführung seitens des national- liberalen Vizepräsidenten Dr. Krause ein Eingehen auf den Fall verwehrt worden war. Wenn auch von den bürgerlichen Rednern Bedenken gegen die formale Seite der vom Genossen Liebknecht vorgeschlagenen parlamentarischen Erledigung dieses Falles erhoben wurden, so bekundeten doch alle Redner für die Sache selbst ihre Sympathie, und auch der Justizminister Dr. Beseler fand zum Schluß einige wärmere Töne dafür. Wir zweifeln nicht, daß er ebenso zu einem Befürworter des Wiederauf n ah mever- fahrens werden wird, sobald er das ganze Material in seiner Totalität kennen gelernt hat, wie es bisher noch jedem ergangen ist, der mit Mißtrauen und Skepsis an das Studium des Falles herangetreten ist. Die Zweifel an der Richtigkeit des Urteils sind so starke, daß jeder Tag, um den die Wiederaufnahme des Ver- fahrens hinausgezögert wird, dem Ansehen unserer Rechtspflege in weiten Volkskreisen schweren Schaden zufügen muß. In Flanders- bach, Wülfrath und Umgegend herrscht nur die eine Meinung, daß es sich um ein Fehlurteil handelt, das in einem Wieder- aufnahmeverfahren korrigiert werden muß. Das ist auch die Auf- fassung des Bürgermeisters, des Polizeikommissars, der Geistlichen und der Kirchenvorstände dort, wie von ihnen schon schriftlich be- kündet worden ist, ebenso der Mehrheit der Geschworenen, die seiner- zeit das Schuldig ausgesprochen haben. Auch die Leitung des Zuchthauses in Siegburg, wo die Frau interniert ist, der Anstalts- geistliche, der Anstaltsarzt und die Oberin der Frauenabteilung der Anstalt halten die Frau für unschuldig. Auf Veranlassung der Elberfelder Staatsanwaltschaft ist vor einiger Zeil über den Tatbestand von der Berliner Kriminalpolizei durch einen der er- fahrensten Kriminalisten, den Polizeirot Braun, ein aus- führliches Gutachten erstattet worden, das in durchschlagender Weise die Unhaltbarkeit des Urteils nachweist und seinerseits wiederum gestützt wird durch die Feststellungen des Nah- rungsmittelsuntersuchungsamts des Berliner Polizeipäsidiums. In Elberfeld und Umgegend wird jetzt der Versuch gemacht, die Presse gegen die Frau Harnui einzunehmen durch die Ausstreuung, die ganze Aktion für die Frau Hamm sei nur Mittel zu dem Zweck, den Fall des Rennfahrers Breuer, der vor Jahren wegen Ermoröung des Rentiers Mattonett zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglichem Zuchthause begnadigt worden ist, wieder aufzurollen, zu welchem Zwecke versucht werde, b. Tresckow, der auch die Hauptschuld an der Verurteilung Breuers trägt, zu diskreditieren und unglaub- würdig zu machen. Diese aus der Luft gegriffene Ver- d äch t i g u n g findet allerdings nicht die gewünschte Aufnahme. Sie ist auch schon deshalb falsch, weil es sich im Falle Hamm um ganz andere Personen handelt, die die Wiederaufnahme des Ver- fahrens betreiben als im Falle Breuer. Wenn in beiden Fällen v. Tresckow's Glaubwürdigkeit angezweifelt ivird, so beweist das durchaus noch nicht, daß ein Fall nur um des andern willen be- trieben wurde. Im Falle Breuer liegt die juristische Aktion in Händen eines liberalen, im Falle Hamm dagegen in den Händen eines dem Zentrum nahestehenden Anwalts und an Ort und Stelle in Flandersbach und Umgegend wird die Aktion für die Frau Hamm vornehmlich betrieben von Leuten, die dem Zentrum und dem Bunde der Landwirte näherstehen als etwa Liberalen und Sozialdemokraten. Das sei den erwähnten Ausstreuungen gegen- über ausdrücklich festgestellt. Wie schon eingangs betont und auch vom Genossen Liebknecht im Abgeordnetenhause hervorgehoben, schweigen in diesem Falle alle parteipoli- tischen Differenzen und es handelt sich bei dem Verlangen nach Wiederaufnahme des Verfahrens und der Aussetzung der Strafhaft der Frau Hamm im wahrsten Sinne des Wortes um einen„Schrei nach Gerechtigkeit!" Smfkaften öer Reüaktion. Die juristische Sprechstunde fällt heute, Mittwoch, de« 11. Februar, aus. A. S., Gubener Ttratze. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin, I. Klasse, Invalidenmaricn 10 Pf. pro Woche.— Karlshorst 45003. 1. Ja, beim Amtsoorsteher Ihres Wohnorts. 2. Erfahre» Sie dort. 3. Ja.— H. J/ 40. Beschwerde beim Versichcrungsamt, Am Köllnischen Park 3.— K. F. 10. I. Falls älter als 21 Jahre, 4S Ps.-Wochcnmarlen, im Alter darunter 32 Ps.-Wochenmarkcn. 2. Falls Abmeldung erfolgt ist, sind Sie für die sragliche Zeit von der Gcmeindceinkonlincnstencr bcsreit. — W. K. 9. Falls Ihre Schwester nachweisen kann, daß das Geld von Ihnen herrührt, sind Sic zur Rückzahlung nach vorausgegangener ein- monatigcr Kündigung verpflichtet.— Jy. F. 88. Sosern von dem Ehe- mann nichts zu erlangen ist, bat die Frau Anspruch aus die lausende Unterstützung in Höhe von etwa 25 M. monatlich.— H. 19. Ohne Angabe des schuldgründcs und des Zeitpunktes, zu dem der'Antrag aus Erlag des ZahlungsbeseKIs bei Gericht eingegangen ist, nicht zu beurteilen. Das Zweckmägigste ist, Sie kommen mit dem Zahlungsbcschl in die Sprechstunde.— Reinh. Starick, 88. Ihre Mutler bat keinen Anspruch aus Invalidenrente.— H. 91. 2X2. Ja. G. G. 109. Ja, für das Kalenderjahr.— M. 2. 20. ES kommt aus die Art der Straftat und auf die Zeitdauer, in der die Bestrafung erfolgt ist, an. 2. Der Ehemann noch Rechtskraft des Urteils, die Frau nach zehn Monaten, von der Rechtslrast ab gerechnet.— R. 8. 20.«soweit ersichtlich, nein.— R. R. 33. 1. Berlin, Regcnsburger Str. 30. 2. Ilm Ersten des Monats.— R. G. 100. Unseres Erachtens ist Ihre Frau ver- sicherungspflichtig.— W. 2. 73. l. u. 2. Nein. 3. Richten Sie ein Gesuch an die FortbildungSschuldcPutatwn.— E. A. 109. Sie müssen den Bescheid der Berussgenoiscnschaft zunächst abwarte». Erinnern Sic an Erledigung.— A. K. 4. Der Tischlermeister hasiet nicht.— A. 9. Ja. —<5. F. 8. 59. 1. Wenn es sich um eine ausgeklagte Forderung bandelt, wie es den Anschein hat, ist die Zwangsvollstreckung zulässig, also auch Lohnpsändung, sofern Ihr Mann mehr als 28,85 M. pro Woche ver- dient. 2. und 3. Nur dann, wenn die Forderung ausgeklagt ist. 4. Falls Gegenstände, die Ihnen gehören, gepfändet werden, haben Sie das Recht, zu intervenieren.— G. M. W. 10« Sie könneri Beschwerde bei der Regierung erheben.— Melli«, Kopenhageuer Ltratze. Ihre Schwägerin hat das Recht, sich im Llusland weiter zu versichern(20 Marlen innerhalb 2 Jahren, im selben Zeilraum mutz auch der Umtausch erfolgen). Tritt Invalidität ein, so hat sie auch Anspruch auf Jnvalidenrcntc. Wenn Ab- meidung nicht ersolgt, bleibt sie weiterhin steuerpflichtig.— O. Z. 1. Ja. 2. Falls darüber ein Versicherungsvertrag lautet, ja.— P. Z. 1905, 1. An das Amtsgericht, bei dem die Vormundschaft geführt wird. Einen solchen Antrag können Sie auch an das Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, stellen. Dieses Gericht gibt dann den Antrag weiter. 2. und 3. Das Vormundschastsgericht kann sowohl die mieheliche Wultcr, als auch den Stiefvater als Vormund bestellen. Einen rechtlichen Ilnspruch darauf haben diese Personen jedoch nicht.— Otto, Brandenburg. 1. und 2. Ja. „dreier kund" Einkaufs- und Produktivgenossenschaft freier Gast- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Berlin. Donnerstag, den 26. Februar 1914, nachmittags 5 Nhr beim Genossen Jnlius Werna«, Müllerstraße 142: Ordlevitl, General-Versammlung Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlnng. S. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht des Aussichtsrats. 4. ErgänzungSwahl des Vorstandes und AussichtSratS. 5. Beschlutzsassung über Bilanz und Gewimwerteilung. 102/16___ Der Vorftaud: Fenl. Watthas. lob. Greth. ist der schönste Ausflugsort? Immer noch PichelsWerder, %c.rS" beim Alte« Freund. unerreicht bei rauher oder anf- gespruneenerHant. Dose 10 uwl 20 Pf. in Apotheken und Drogerien. HeinesWerke 3 Sinkt 4 Matt- Buchhandlung vorwärts .............•"•n ntr iitttnititu/iuigfi/jiMtfiiiiiiiin m t u 1 1"n jJä.. ut uff Garbatv Ci�aretfen KREDIT- FEDER Zentrale Norden Filiale Osten Filiale Süden Filiale West, Cbaribf, Brunnenstrasse 1 1 Frankfurter Allee 89| Kotlbuser Damm 103 1 Sdiarrenstr. 5 Spezial-Haus für Ein- und Zwei- Zimmer-Wohnungen Qualität WM/M Elnzlminer-Woünuns nebst Küche, fo tcedieaenor Ausfülirune J Anzahlung H. 25 komplett nur 2 Bettstellen 2 Matratzen 2 Keilkissen 1 Kieiderspind 1 Facettespiegel 1 1 iscn, 2 Stühle 1 Küchenspind 1 Tisch. 1 Stuhl 1 Handtuchhalter 279 Mark Woohenrate 3 IM. ZoelziRtitieMDoltniiiß nebst farbiger Küche Anzahlung ! Metallbettstellen, engl. Form ; Auflegematratzea 1 Keilkissen 1 Kleiderschrank 1 Wäscheschrank 1 Splegetsehrank 1 Tisch, z Stühle • Küche- 1 Spind, 1 Tiech ' Rahmen, i Stühle 1 Handtuchhalter In modern. SU1 M. 45 komplett nur 435 Mark Wochenrale 3.51» M. Verantwortlicher Redakteur: fUfttfe Wieleptz, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruck erei u. VerlagSanftalt Paul Singer& Eo, Berlm SW. it 4i. 3i Mmn. 2. Keilllgt des„UllMlllts" Sttlilltl Nsldsllllltt. Ni»mch..i.ltd.A.igl4 Heute Wtttvoch. äen 11. sebruar: 3ahIabenA in LroK-Kerlin. Verhängnisvoller Zlugzeug- zusammenfloß in Johannisthal. Ein vcrhängilisvollcr Zusammenstoß zweier Flugzeuge in der Luft, bei welchem ein Flugschüler getötet, ein Fluglehrer und sein Schüler schwer verletzt wurden, hat sich gestern, Dienstag, morgens gegen 9 Uhr aus dem Flugplatz Johannisthal ereignet. In der Nähe des alten Startplatzes stieß der von dem Flugschüler Tegner gesteuerte Etrich-Eindecker mit einem Luft-Verkehrsdoppeldccker, in dem sich Gerhard Scdlmayr und Oberleutnant Leonardi vom K-i8. Infanterie-Regiment befanden, in 1ö Meter Höhe zusammen. Beide Apparate stürzten in die Tiefe. Degncr wurde aus der Stelle getötet, während die beiden anderen Flieger schwerverletzt unter den Trümmern der Maschinen hervorgezogen wurden. Wir erfahren darüber folgendes: Bei dem schönen, fast völlig windstillen Frühlingswetter, das gestern Morgen herrschte, gingen die Flieger schon zeitig an die Arbeit. Uni 7 Uhr kamen die ersten Maschinen heraus und bis gegen 9 Uhr herrschte ein lebhafter Betrieb. Nach 9 Uhr, als sich nur noch vier Apparate in der Luft befanden, ließ Alfred Friedrich, der Chefpilot der Sportfliegcr-Gesellschaft, seinen Schüler Kurt Degncr, einen jungen Ltjährigcn Kaufmann, den er als Flieger ausbildete, eine» Allcinflug machen. Obwohl Dcgner schon wieder- holt Allcinflüge gemacht hatte, wurden an der Etrich-Taubc zu beiden Seiten der Flügel rote Fähnchen befestigt, die für alle Flieger ein Vorsichtssignal bedeuten. Diese Flaggen zeigen nämlich an, daß in dem Apparat ein Schüler sitzt und daß Vorsicht geboten sei. Degner hatte einige Runden in einer Höhe von 15 Rietern zurückgelegt, wobei er durchaus korrekt rundete, und befand sich in der Nähe der Ballonhallen der Luft-Verkehrsgesellschaft. In diesem Augenblick startete der bekannte Flieger Gerhard Sedlmahr, der Unglücksgcfährte Kapitän Engelhardts bei dessen Todessturz, mit seinem Schüler Oberleutnant Leonardi, der in Johannisthal als Flieger ausgebildet wird, auf einem Luft-Bcrkehrsdoppcldecker mit lOOpfcrdigcm Mercedes-Motor. Der Eindecker war schon bedenk- lich näher gekommen und flog zudem so tief, daß der Start des Dopeldeckers unter allen Umständen hätte unterbleiben müssen. Sei es jedoch, daß Scdlmayr die Taube überhaupt nicht gesehen hat, oder sei es, daß er mit seiner allerdings sehr schnellen Ma- schine der langsameren Taube voraufzntömtgen hoffte,— er gab Vollgas, zog kräftig Höhenstcucr und startete nach ganz kurzem Anlauf. Tegner konnte in seiner Maschine den von unten her konimcndcn Doppeldecker nicht erkennen und flog ahnungslos weiter. Plötzlich stieß der Doppeldecker mit seinem oberen Trag- deck gegen das Fahrgestell der Taube. Beide Apparate bäumten sich jäh auf und stürzten zu Boden, wobei der Doppeldecker senkrecht durchsackte, während die Taube sich scharf vornüber neigte und sich mit dem Motor in die Erde einbohrte. Von allen Seiten wurde Hilfe geleistet. Der diensthabende Arzt, Dr. Kort, eilte im Auto- mobil in wenigen Augenblicken herbei, konnte jedoch Hei Degner nur noch den Tod feststellen. Er hatte einen Gcnickbruch und Bruch des rechten Oberarmes erlitten. Sedlmahr war mit einem kam- plizierten Unterschcnkelbruch davongekommen und war auch bei Besinnung, ivährcnd Oberleutnant Leonardi bei dem schweren Sturz einen Bruch des Nasenbeines und Gehirnerschütterung davongetragen hatte. Die beiden Verletzten wurden in das Britz« Krankenhaus rcsp. in das Garnisonlazarett zu Tcinpelhof gebracht. Ihr Zustand ist zwar ernst, doch dürften beide am Leben bleiben. Tic Schuldfrage bei diesem unglückseligen Zusammenstoß, dem sechsten, den der Flugplatz Johannisthal zu verzeichnen hat, mutz endlich einmal geklärt werden. An dieser Stelle, an der der junge Flugschüler seinen Tod fand, sind nunmehr zum vierten Male Flugmaschinen in der Luft zusammengestoßen, und fast stets waren es Maschinen der Luft-Verkehrsgesellschaft, die mit anderen Appa- raten zusammenprallten. Das ist kein unglücklicher Zufall, wie man wohl annehmen könnte, sondern die Unfallscrie ist einzig und allein einem Uebclstande zuzuschreiben, dessen schleunige Ab- stcllung die Pflicht der Flugplatz-Gesellschaft oder sogar des Deutschen Luftfahrer-Verbandcs ist. Bekanntlich sind in Johannis- tbal die Anlaufbahnen des alten und des neuen Startplatzes so an- gelegt, daß die anrollenden Flugzeuge die Flugbahn in der um- gekehrten Richtung des Uhrzeigers umkreisen. Durch diese Matz- nähme soll vermiedeil werden, daß Maschinen beim Start oder der Landung gegeneinander fahren. Während alle anderen Firmen sich dieser Platzordnung fügen, hat die L.V.G. allein ihre Anlaufbahn in entgegengesetzter Richtung angelegt. So kommt es, daß die im Schutze der Hallen startenden L.V.G. Doppcl- und Eindecker den zum Beispiel von der Obcrsprce herkommenden Fliegern, die eine Ueberlandreisc gemacht hatten und nun landen wollen, direkt in die Flanke fahren. Wegen dieser falschen Startanlage hat es schon seit langem zwischen den Fliegern und auch den Firmen des Flugplatzes Streit irnd Zank gegeben, ohne daß die L.V.G. sich veranlaßt gesehen hätte, diese Einrichtung, die nun schon mehr als ein Menschenleben gefordert hat. abzuändern.— An dieser Stelle, die void den Fliegern stets als„Bammcleckc" bezeichnet lourdc, haben sich schob folgende Unfälle abgespielt, die sämtlich durch Zusainmenstöße hervorgerufen wurden: Hauptmann Juck« (tödlich verunglückt mit WccSlcr), Hauptmann Friede! mit Hölscher (tödlich verunglückt,, Linnekogel mit Leutnant Freund, Sedlmatzr mit Degner(tödlich verunglückt). Zur Kaufmannsgerichtswahl in Serlin. Die Harmonievereine lassen in der bürgerlichen Presse an- gcsichtS des Wahlkampfes um das Berliner Kaufmannsgericht die Friedensscdalmei ertönen. Sie erklären, den„Bruderkampf" nicht länger mitmachen zu wollen und das für den Wahlkamps auf- gewendete Geld im Interesse der Handlungsgehilfen bester der- wenden zu wollen. Der Wahlkampf ist nach ihrer An- ficht um � deswillen überflüssig, weil die Handlunqs- gehilfenverbände fast gleichlautende Forderungen haben, so daß zu einer gegenseitigen Bekämpfung gar keine Veranlassung vorliege. Man weiß nicht, ist es Naivität oder Heuchelei, die in diesem Satze zum Ausdruck kommt k Gewiß stellen auch die Harmonievereine manche Forderung auf. die sich im Sinne der Forderungen der gewerkschaftlichen Organisation der HandlungS- gehilfen bewegt, aber wie steht es mit derVertretung der Forderungen? Da bietet doch gerade die neueste Zeit ein Beispiel, waS von den.Forderungen" der Harmonievereinler zu halten ist. Bei der Konkurrenzklausel haben sie die eigene .Forderung" nach dem völligen.-Verbot der Klausel fallen gelassen ehe der Kampf darum begann. Hier haben die Harmonie- vereine die Handlungsgehilfen schmählich verraten und ihre eigene.Forderung" verleugnet. Wenn diese Art von Leuten in größerer Zahl in das Berliner Kaufmannsgericht einziehen sollte, dann können sich die Handlungsgehilfen Verlins gefaßt machen, daß ihre Interessen im KaufmannSgericht genau so mit Füßen getreten werden, wie das bei der Konkurrenzklausel geschehen ist. Es kommt nicht darauf an, auf dem Papier etwas zu fordern, das man im Ernstfall nicht zu vertreten wagt, sondern es muß die ganze Kraft aufgeboten töcrden, um der als notwendig erachteten Forderung zum Durchbruch zu verhelfen. Darum werden sich die Handlungs- gehilfen von den Lockrufen der Friedensapostel nicht betören lassen und nach wie vor den Kampf vorziehen, der eine reinliche Scheidung im Lager der Handlungsgehilfen herbeiführen muß zum Nutzen der Handlungsgehilfen. Im Kaufmannsgericht ist lein Platz für die Betäti- gung der Harmonicduseler. Recht suchen die Handlungsgehilfen vor dem Kaufmannsgericht, und durch den Gutachterausschuß wünschen sie unter energischer Wahrnehmung ihrer Interessen die Beeinflussung der Gesetzgebung zugunsten des Ausbaues der sozialen Schutzgesetze. Darum wählen die Handlungsgehilfen Berlins am Sonntag, den 15. Februar die Liste 2 des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der in Berlin be- schäftigt ist und das 25. Lebensjahr bis zum Wahltage erreicht hat. sofern er nicht mehr als 5000 M. pro Jahr verdient. Maß- gebend für die Ausübung des Wahlrechts ist die Befchästigungsstelle. Wahllegitimationsformulare sind zu haben im Zentralwahlbureau der Liste 2, Münzstr. 20 vorn II, und in den Ausgabestellen des »Vorwärts"._ Parteiangelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt(III. Abteilung). Zahl- abend heute Mittwoch, den 11. Februar, abends Uhr, bei H. Rathmann, Wilhelmstr. 118. Zahlnacht heute 12 Uhr bei Witwe Auguslin, Oeanienstr. 10S. Zahlm argen Donnerstag, den 12. Februar, früh 5 Uhr: Vortrag des Stadtverordneten Genossen Max Groger. Neukölln. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. In folgenden Abteilungen finden gemein- schaftlichc Zahlabendc statt: 5. Abt.: Vortrag des Genossen Goldbcrg bei Thinius, Ritterstr. 1211; 3. und 6. Abteilung: Vortrag des Genossen WissellBei Witwe Augustin, Oranienstr. 103: 2. und 8. Ab- 'tcilung: Vortrag des Genossen Haberland, M. d. R., im GeWerk- schaftShausc(große Saal). Vierter Kreis. Heute finden in nachsiehenden Abteilungen gc- meinschaftlichc Zahlabende statt: 3. Ab», im Lokal„Südost", Waldemarstr. 75. Bortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Ö. Büchner über:„Die Presse im Dienste der Reaktion".. 14. Abt. im„Englischen Garten", Alerandcrstr. 27o. Vortrag des ReichStagsabgeordneten Genossen G. Davidsohn über:„Zaberner Luft".., 15. Abt. im Lvkal Boclsr. Webcrstr. 17. Borkrag des Genossen Georg Schmidt über:„Die Reaktion in Deutschland". 10. Abt. in den„Konkordiasälen"(kleiner Saal). Vortrag des Genossen Bergemann über:„Das Koalitionsrecht". 25. Abt. iin Lokal Fürstcnberg, Frankfurter Allee 106. Vor- trag des Genossen H. Barenthin über:„Die besitzende Klasse und das Proletariat". 26. Abt. in den„Eomeniussälen", Memeler Straße 67. Vor- trag des ReichStagsabgeordneten Genossen Pinkau. 36. Abt. im„Elysium", Landsberger Allee 40. Bortrag über: „Volkssürsorge". Wilmersdorf. Freitag, den 13. Februar, abends 8V« Uhr, findet im„Viktoriagarlcn"(großer Saat), Wilhelinsaue 114, eine Volks- Versammlung statt. Reichslagsabgeordnetcr PH. Scheide- m a n n spricht über das Thcina:„Zur p o l i t i s ch e n L a g e". Männer und Frauen jeder Parteirichtung sind willkommen I »arlshorst. Heute Mittwoch, abends 8>/.j Uhr, bei Sabrowski, TrcSlowallee 06; Gemeinsamer Zahlabend. 1. Vortrag des Genossen Pinseler: Der Gemeindeetat. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten. Maricildorf. Heute Mittwoch, abends 8l/2 Uhr, gemeinsamer Zahlabend aller Bczirle bei Preuß, Kurfürstenstraße 14. TageS» Ordnung: 1. Die bevorstehende Gemeindewahl. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung.— Ter Fraucnleseabcnd findet am 17. Februar bei Benscheck, Ehausseestraße 27, statt. Schmargendorf. Heute Mittwoch, abends 8'/2 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Restaurant„Waldkater", Warnemünder Str. 14/15. Bohnsdorf. Heute Mittwoch, den 11. Februar, abends S1/» Uhr, Mitgliederversammlung in Villa Kahl. Tagesordnung: 1. Bericht von der Krcisgeneralversammlung. 2. Stellungnahme zur Gemeinde« vertrcterwahl. 3. Verschiedenes. Wannscc. Sonnabend, den 14. d. MtS., abends 8 Uhr. im Restaurant„Fürstenhof"(O. Ackermann): Versammlung dcS Wahl- Vereins. Zcutheii-Micrsdors. Die Mitgliederversannnlung des Wahl- Vereins fällt heute aus, sie findet Freitag, den 20. Februar, slalt. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Gemeindevcrtretcrwahlen und Kandidatenanfstellung. Eichwaldc. Heute abend 8 Uhr: Wahlvereinsversamm- l u n g in Wittes„Waldschlößchen". Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Bericht von der' Kreis-Generalversammlung. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Röutgcntal, Zepernick, Buch. Donnerstag, den 12. Februar, abends S1/., Uhr: Zahlabend in den Lokalen von Lange, Siemens- straße 10,'und Adomeit, Kaiser-Friedrich-, Ecke Schönower Straße. Für Buch stillt in dieser Woche der Zahlaben!- aus. Derselbe findet am Sonnabend, den 21. Februar, abends 8'/- Uhr, im Lokal von Bodung(Restaurant zur Tanne) statt. Serliner Nachrichten. die Wjeüerkehr öes Zopfes. Heute ist Hofball. Nicht der erste und nicht der letzte in dieser Saison. Wo das höfische Vergnügen anfängt, hört die sagenhaste preußische Sparsamkeit auf. Mit dem Begriff der Repräsentation, für den der deutsche Michel zu jeder Zeit Millionen übrig haben soll, wird auch die Tradition zugedeckt. Tanscnde lüsterner, ewig vergnügungshungriger Augen sind auf dieses Ballereignis gerichtet. Tausende von Höflingen und solchen, die sich in diese immer noch dankbare Rolle mit dein nötigen Kaulschukrückgrat hineinfinden, zittern bei dem Gedanken, von den die goldgcriindcrtcn Einladungskarten abgebenden Hoffourieren übergangen zu werden. Das Purzeln in Ungnade ist gleichbedeutend mit dem gesellschaftlichen Harakiri. Wer zu den Ungebetenen gehört, hat nur noch das Recht, sich für längere Zeit, bis die Sonne wieder scheint, unsichtbar zu machen. Wenn die Freundschaft mit der gesetzverachtenden Soldateska und mit der ff. Firma Raubritter Nachfolger u.Co. so dicke ist, können als quantite negligeable ruhig auch ein paar Zivilschlote zu den höfischen Prunksälen Zutritt«halten. Es sind eigentlich nur Zaun- gästc, die nicht mang die Gesellschaft gehören, aber man muß doch wenigstens so tu», als ob auch vor dem Thronscsscl alle Preußen gleich sind. Ein gottvoller Anblick wird es heute abend seil», wenn das dreimal vermaledeite Bürgerpack, das sonst in dein endlich vom Hofparkctt verbannten schwarzen Schniepcl antanztc und damit schon längst den intimen Charakter des Festes entehrte, auf hohen Befehl in Kniehosen und Wadenstrümpfen mit Schnallenschuhen auf der Bildfläche erscheint. Wie mag sich da in so manchem liberalen Kopfe, der neben den roten Adler die Hoffähigkeit als höchstes Ziel seiner Sehnsucht betrachtet, die Welt malen! Die Verleihung der Lakaienuniform an den Liberalismus ist entschieden ein neuer Anlaß, noch mehr als bisher in Knechtseligkeit zu er- sterbe»». Vielleicht ist die auf das Bürgertum ausgedehnte Höflingstracht nur ein Vorläufer der Wiederkehr friderizianischer Zeiten, für die ja seit Jahren bei Hofe ein so wunderliches Faible besteht. Wo alles mit Macht vorwärts drängt und verstaubte Sitten in den Orkus schlendern will,' geht der Hof in Preußen konsequent rückwärts. Ist das noch freier Bürgergeist, der sich vor- schreiben läßt, wie und>vo jeder Hosenknopf zi» sitzen hat,»venu die Prunkgemächer sich öffnen solle»»?.Aber nicht einer von diesen modernei» hoffähigen Bürgern, dir die Nackcnstcifhcit längst über Bord getvorscn haben, wird verzichten ans eine Ehre, die nur zu haben ist für die Opferung der Selbstachtung. Wann wird auch »och die Alloiigcpcrrückc befohlen? Wann kehrt der Zopf wieder? Schon prügelt der preußische Soldat, genau lvic vor hiuidertfünfzig Jahren, den geduldigen Bürger windelweich zun» Spott und Ge- lächter der übrigen Welt, und so lvird sich an» demnächst befohlenen Hofzops das enuoürdigtc Bürgertum selbst aufhängen, wenn eS nicht endlich den Mut zeigt, alle preußischen Zöpfe kurz und klein zu zerschneiden. Bercichcrungcn des Märkischen Museums. Im Märkischen Muse'mn haben in den letzten Monaten einzelne Abteilungen eine sehr zu begrüßende Bereicherung erfahren. Dies gilt namentlich von Raun» 35 des Museums. Glückliche Etwerbuligen haben bewirkt, daß eine stattliche Sain»»lui»g von Potsdamer, Rheinsberger und Plauer Fayencen hier ausgestellt»verde»» konnte. Unter de» Potsdamer Stücken befinden sich mehrere, die init Marken versehen sind, wodurch ihre Herkunft nnzweifelhast bestimmt ist. Das ist Ivichtig, weil jahrzehntelang diesen märkischen Erzeugnissen holländischer Ursprung zugeschrieben lourde und sie für Delftcr Fabrikate galten— was übrigens für ihre hervorragende Qualität spricht. Wirklich sind die Kenner jetzt der Ansicht, daß aus der' Dom Großen Kurfürsten begriindeten Fabrik die besten deutschen Fayencen des 18. Jahrhunderts hervorgegangen sind. Hinter ihnen stehen"� der zlveiten Hälfte des Jahrhunderts angehörigen Rheinsberger Stücke nur»venig zurück. Neben dieser Fayencesaminlung kommt nun auch die»närkische Keramik des Mittelalters und der Neuzeit, besonders aber die Berliner des 19. Jahrhunderts besser zur Geltung: Fabrikate der Kunsttöpfereien von F e i I n e r und March, die das Strebe»» des dan»aligcn Kunstgeiverbes nach Abwechselung der hergebrachten Forinen gut charaltensieren. Eine treffliche Folie zu all diesen Stücken bilden die jetzt in demselben Raun» u>»tergebrachten Gefäße und Geräte aus der Berlmer Porzella,»-Manufakt>»r von Wegely solvie aus der König- lichen. Diese Vasen, Service, Tasse»», Schüsseln und Teller gewähren eine anschauliche Vorstellung von der hervorragenden Leistungsfähigkeit der beiden Fabriken. Ein anderer Schrank des Raumes bietet eine reiche Uebersicht über die Tätigkeit der brandenburgischen Glashütten, unter denen Potsdam und Z e ch l i n ain besten vertreten sind, während bezeichnende Stücke der älteren Hütten vvn'M a r ien w a I d e und G r i n» n i tz das Museum erst noch zu gewinnen bedacht sein muß- Durch diese neuen Erwerbungen in Verbindung n»it einer neuen Anordnung vorhandener Stücke hat jetzt die»närkische Kerainik und Glaskunst im Museum die ihr zukommende Geltung erlangt. Von den anderen Abteilungen ist die Sammlung der Gemälde um drei treffliche Stücke bereichert worden. DaS eine, von einem nicht genannten Künstler herrührende, in sauberer Technik ausge- führt, gehört etwa den» Jahre 1830 an und stellt eine Partie an der unteren Spree, nicht weit von der heutigen Marschallbrück«, dar. Es zeigt einen stattlichen Garten, in dem Teile eines Wohnhauses sichtbar sind. Iin Hintergrunde erblickt man die Quadriga des Brandenburger Tores. Dieser Garten gehörte damals— die Dorotheenstraße von der Neuen Wilhebnstraße bis zur jetzigen Königgrätzer Straße existierte»»och nicht— zu einen» Grundstücke auf der Nordseite de» Pariser Platze«, deren Häuser mit ihren Gärten ursprünglich bis zur Spree reichten. Die beiden«»»deren Gemälde sind Porträts von der Hand Franz Krügers. Handwerker gegen Zwangsinnnngen.. Am Montag tagte in d«„Neuen Welt" eine stark besuchte Vcrsainmlimg von Handwerksmeistern. Ter Bund freier Vcr- einigungci» selbständiger Handwerker und Gewerbetreibender hatte sie einberufen. Die Versainmlung nahm Stellung gegen das Zwangsini,»»»gswesen. Der Referent, Uhrinach« Ritter, führte aus, daß die Zwangsinnungen nicht imstande sind, die Ivirklichen Interessen der selbständigen Handwerker zu vertreten. Die Zwangs- rnnungen. die unter der Herrschaft der Obcrincistcr einen für den größten Teil der selbständigen Handwerker unerträglichen Zwang ausübe»», sind eine veraltete, längst überlebte Einrichtung. Nicht Zwang, sondern Freiheit braucht der Handwerkerstand. Die heutige gesetzliche Handwerkerorganisation bringt nur einem keinen Teil, den Obermeistern und ihrem Anhang, Nutzen. Die meisten Hand- werker würden froh sein, wenn sie sich von den Zwangsinn imgcn befreien könnten. Aver die Stimme dieser Handwerker wird an den maßgebenden Stellen nicht gehört. Die Regierung stützt sich in allen das Handwcrk betreffenden Angelegenheiten auf die An- ficht der Handioerkskerarmm», die doch mte eine Bertre- fung der Obermeister, aber nicht eine Vertretung dcZ Handwerks sind. Tie Petitionen, welche die freien Vereinigungen selbständiger Handwerker einsenden, finden keine Beachtung. Die Gegner der Zwangsinnungen, die immer zahlreicher werden, verlangen, dast auch ihre Ansicht gehört und ihren Wünschen Rechnung getragen wird. Die zahlreichen Diskussionsredner pflichteten dem Referenten in allen wesentlichen Punkten bei. Es wurde betont, daß man grundsätzlich die Aufhebung des Systems der Zwangsinnungen fordert, solange es aber noch besteht, soll durch gesetzliche Matz- nahmen dafür gesorgt werden, datz die Rechte der großen Masse der Handwerker zur Geltung kommen.— Eine Resolution, die ein- stimmig angenommen wurde, stellt in dieser Hinsicht folgende Forderungen auf: Gegen die Verhängung von Strafen durch den Jnnungs- vorstand soll das Verwaltungsstrcitverfahrcn zulässig sein. Solange noch Neugründungen von Zwangsinnungen stattfinden können, soll den beteiligten Handwerkern ein unverkürztes Wahlrecht, das Recht zur Aufstellung amtlicher Wahllisten und Abhaltung obli- gatorischcr Wahlversammlungen zugestanden werden. Die Bc- stimmungcn der Gewerbeordnung, welche die Auflösung von Zwangsinnungen künstlich erschweren, sollen beseitigt werden. Pro- testiert wird gegen die von den Nationalliberalcn beantragte Auf- Hebung des§ IllOg der Gewerbeordnung, welcher den Innungen verbietet, Preise festzusetzen, welche für alle Mitglieder bindend sind. Tie Verlängerung der Nord-Güd-Bahn nach Neukölln. Die städtische Verkchrsdcputation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung abermals mit dem Projekt der Verlängerung der Nord-Süd�Bahn nach Neukölln. Die Vorschläge, tvelchc neuerdings von der Stadtgcmcinde Neukölln für den Abschluß eines Vertrages gemacht Morden sind, wurden eingehend er- wogen. Die Deputation kam aber zur Ablehnung der hier gestellten Forderungen. ES handelt sich im wesentlichen um dieselben Forderungen wie früher. Diese sind von so lveit� tragender Bedeutung, daß die Stadt Berlin, ohne ihre eigenen Jlitercssen zu schädigen, darauf nicht eingehen kann. Terrorisierende Atonncntcnsammlcr für die„Bolks-Zcitung". Wie unverschämt manche Abonnentcnsammlcr vorgehen, beweist folgende charakteristische Zuschrift: „Ein Herr betritt die Zigarrcnhandlung Feldstr. S und stellt sich als Reisender der„Berliner Bolks-Zeiiung" vor. Er fragt ob die„Berliner Bolks-Zeitung" gelesen wird. Die Inhaberin verneint die Frage. Reisender:„Dann müssen Sie abonnieren und als Beweis, datz Sie die„Bolks-Zeitung" halten, bekommen Sie ein Schild, das an die Tür angebracht wird. Die Geschäfts- inhaberin erklärt, datz sie bisher anch ohne das Blatt gut ausgekommen fei. Der Reisende greift nach einer Zeitung, die auf dem Laden- tisch liegt, blättert sie auseinander und sagt:„Ha, ha! Hatte ich mir doch schon gedacht; Sie lesen den„Vorwärts"! Der„Vorwärts" allein genügt nicht, nebenher müssen Sie auch die.„Berliner VolkS-Zeitung" halten. ES werden eine Reihe - Kunden kommen, die den„Vorwäris" nicht sehen wollen und ein anderes Blatt wünschen". Die Inhaberin erwidert, datz sie solchen Drang bei ihren Kunden nach der„Volts-Zeitung" noch nicht wahrgenommen habe; denn die Künden, die einmal lesen wollen, hätten auch den„Vorwärts" gern genommen. Reisender erbost:„Na, von den Genossen allein können Sic nicht leben, bei Ihnen lausen auch Leule aus anderen BevölkerungS- schichten, die nicht Genosse sind. Sie lehnen also ein Abonnieren ab. Nun gut, in nächster Nähe betreibt mein Bruder eine Gast- Wirtschaft, dem werde ich von Ihrem Verhalten Kenntnis geben und wir werden gemeinsam dafür sorgen, datz die bürgerliche Kundschaft Ihr Geschäft nicht mehr betritt". Sprach's und verlietz, ohne die Antwort der Inhaberin abzu- Warten, schleunigst das Geschäft. Der Tabak, der hier im Zigarrengeschäft Feldstr. g von dem Herrn Reisenden angeboten wurde, ist sehr stark. Wenn die Lbonnenten-Neisenden der„Berliner VolkS-Zeitung" mit solchen Drohungen auch anderweitig auftreten, werden sie sicher„gute" Ge- schäfte machen. Ob dies aber zum Vorteil ihrer Austraggeberin gereicht, ist eine andere Frage. So wenig gegen das Bestreben, Abonnenten zu gewinnen, ein- zuwenden ist, ganz gleich, um welche Zeitung eS sich handelt, so grenzt doch diese Art des SammelnS an Erpressung. Ein Ausschnitt aus dem Tchulleben. Eine Reihe von Gemeindeschulen veranstalte» in diesen Tagen Schulfeiern, zu denen auch die Eltern der Kinder Zutritt haben; es ist sogar erwünscht, wenn die Väter oder die Mütter den Feiern beiwohnen. Es ist nicht das eigentliche Schulleben, das wir an den Nachmittagen in den Schulaulen sehen, sondern nur ein Ausschnitt von dem, was die Schule erreicht. Man kann über die Bedeutung dieser Feiern sehr streiten, insbesondere darüber, ob die vielen Mühen und die Anstrengungen der Kinder und der Lehrer vor dem öffent- lichen Auftreten— wenn man so sagen darf— gerechtfertigt ist; in den Fällen aber, in denen eine besondere Einpaukerei Iveniger in Frage kommt, kann man oft eine gewisse Freude empfinden. So ging es uns am Montag bei der Schul- seier, die in der Schule der Pank- und Wicsenstratze stattfand. Wir sehen da kleine Kerlchen, die erst im Oktober in die Schule gekommen waren und hörten eine prächtige Plauderei an, die eine Lehrerin mit den Kindern durch ein Frage- und Antwortspiel führte. Die ABC-Schützen entwickelten infolge einer geschickten, dem Ver- ständnis der Kinder angepatzten Fragestellung eine Lebhaftigkeit, die vorteilhaft abstach von der so vielfach beliebten Art sehr vieler Lehrerinnen, den Kindern durch Strafen Furcht vor der Schule bei- zubringen. Diese letztere Lehrmethode hat in einer ganzen Reihe von Fällen dazu geiührt, den Kindern den Schulbesuch direkt zu verleiden und es sind uns im letzten Jahre verschiedene Fälle be- kannt geworden, in welchen bei Kindern der Veitstanz als Folge dieser Furcht zum Ausbruch gekommen ist und Kinder zeitlebens ruiniert worden sind. Auch andere Klassen leisteten ihren Beitrag durch Gesang und Deklamationen. Borgeführt wurden auch Lichtbilder durch einen von der Schule selber beschafften Apparat. Turnübungen beschlossen den Abend, wobei der anwesende Schulinspektor den Kindern dankte und die Eltern mahnte, die Scheu vor der Schule fallen zu lassen und gelegentlich mit dem Lehrer, niit dem Rektor und wenn es sein mutz, auch mit ihm Rücksprache zu halten. Eine ganz gute Mab- nung, wenn sie nur auch von manchen Lehrern, die sonst unnahbar sind, beherzigt würde._ Ueber die Gültigkeit der Lustbarkeitssteuerordnung verhandelte gestern der Bezirksausschuß. Als Kläger traten die Direktoren des Wintergarten G. m. b. H. und des Zirkus Busch auf. Nach längeren Begründungen durch die Kläger und Antworten des beklagten Magistrats beschloß der Bc- zirksausschuß, die Entscheidung schriftlich zustellen zu wollen. Diese dürfte jedenfalls erst Mitte oder Ende März erfolgen. TodcSsprung eines ZweiundurunzigjShngrn. In einem Anfall von BerfolgungSwahnfinn sprang Montag abend der 92 Jahre alte Hospitalit Theodor Voigt, der im Siechenhaus in der Fröbelstratze wohnte, aus einem Fenster des ersten Stocks auf den Hof hinab. Er blieb mit schweren Verletzungen liegen und starb an den Folgen eines Genickbruches. Hausarbeit in der Tabakindustric. Auf Grund der Bestimmungen über Heimarbeit in der Tabak- Industrie vom 17. November 1913(Reichsgesetzblatt Nr. 65 S. 751) sind die Personen, welche da? Verfügnngsrechl über Räume haben, die als Werkstätte zur Herstellung von Zigarren oder zum Abrippen von Tabak oder zum Sortieren von Zigarren in der Hausarbeit schon dienen oder demnächst dienen sollen, verpflichtet, über schon bestehende und über demnächst beabsichtigte Hausarbeit der genannten Art sowie über die Beschäftigung von Kindern und jungen Leuten(bis 16 Jahre) schriftliche Anzeige an das zu- ständige Polizeirevier zu erstatten. Gegebenenfalls sind An- träge auf Gewährung von Ausnahmen rechtzeitig bei Abteilung IX beim Polizei-Bezirksamt Berlin-Mitte oder bei der örtlich zu- ständigen Gewcrbeinspektion zu stellen, damit beim Inkrafttreten obiger Bestimmungen, d. h. am 1. Juli 1914, die erforderlichen Aus- nahmen bewilligt und die vorgeschriebenen Ausweise für die zu- gelassenen Werkstätten ausgestellt sind. Gewerbetreibende, die Haus- arbeit der bezeichneten Art ausgeben, dürfen solche nur für die- jenigen Werkstätten ausgeben, für die der erwähnte Ausweis vor- gelegt werden kann. Sie find verpflichtet, sich in angemessenen Zwischenräulnen, mindestens halbjährlich persönlich oder durch Be- auftragte davon zn überzeugen, datz Einrichtung und Betrieb der Werkstätten den Anforderungen der HZ 3— 5 der Bestimmungen entsprechen. Eine öffentliche Disputation über die Kirchcnaustrittsbewcgung fand am Montag abend in Habels Brauerei in der Bcrgmannstratze zwischen dem Pfarrer Franke und dem Schriftsteller Hans Leutz statt. Einen praktischen Zweck haben diese Auseinandersetzungen kauni. Feuer in der Oranienburger Strafte. Gestern morgen gegen 7'/� Uhr wurde die Feuerwehr nach der Oranienburger Str. 60/63 gerufen, Ivo im ersten Stock des Ouer- gebäudes in einem Lagerraum der Firnia Schwarzburg u. Scheuer- mann Feuer ausgebrochen war. Der Brand mutz schon die ganze Nacht geschwelt haben; als der 13. Lösch zug eintraf, drangen dicke Rauchschwaden aus dem ersten Stock hervor. Der Löschangriff mutzte von antzcn über Steckleitern erfolgen, da das Treppenhaus in einen grotzen Lichthof mündet. Bei einem Vorgehen über die Treppen bestand also die Gefahr, datz sich beim Einschlagen der Tür zu dem brennenden Raum der Qualm sofort in den Lichthof und in das Treppenhaus gezogen hätte. Die Ranchentwickelung war nämlich so stark, datz auch ein neben der Firma Schwarzburg u. Schcuennann liegender Lombardspeicher total verqualmt war. Wie sich zeigte, war das Feuer durch Selbstentzündung von Pretzkohlen neben einem grotzen Kachelofen entstanden und hatte den Fußboden, sowie Regale mit Kartons und Wollwaren erfatzt. Der Fntzboden war in einer Aus- dehnung von einem Quadratmeter vollkommen nach dem Erdgeschotz durchgebrannt und der Kachelofen drohte jeden Augenblick einzu- stürzen. Nachdem daS Feuer gelöscht war. wurde der Ofen von den Feuerwehrleuten abgetragen. Nach cinslündiger Tätigkeit konnte die Wehr den Brandplatz wieder verlassen. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, die am Sonnabend, den 31. Januar, früh TVz Uhr, gesehen haben, wie ein junger Mann in der Greisswalder Strotze zwischen Heinersdorfer und Emanuclkirch- stratze von einem Autoomnibus überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Nltschke, Elbinger Str. 71 abzugeben. Kleine Nachrichten. Ein langjähriges unheilbares Leiden Haiden 71 Jahre alten Veteranen Friedrich Stern aus der Lüderitzer Stratze 55 an der Schwelle des Grabes zum Selbstmord getrieben. Er erhängte sich.— Nervenkrankheit hat den 58 Jahre alten Arbeiter Josef Dietrich aus der Wilhelmshavener Stratze 18 zum Selbstmord veranlatzt.— Das Opfer eines Strntzenunfalles ist nachträglich der 54 Jahre alte Tischler Friedrich Reschkc aus der Sonnenburger Stratze 12 geworden. Reschkc, der als Witwer bei seinen er- ivachienen Kindern wohnte, wurde im November v. Js. von einem Stratzenbahnwagen umgestotzen und so schwer innerlich verletzt, datz er nach dem Krankenhaus gebracht werden mutzte. Dort lag er un- gefähr vier Wochen. Als Nachwirkung deö Unfalls stellte sich«in schweres Nervenleiden ein, das den Verunglückten arbeitsunfähig machte. Nachdem er in diesem Zustande schon wiederholt Selbstmord- gedanken cseäutzert hatte, führte er sie gestern aus, indem er sich am Betlpfosten»hängte. Tie juristische Sprechstunde fällt heute, Mittwoch, den lt. Februar, aus. Vorortnachrichten. Nieder« Schönhausen. Humoristische Borträge aus den Akten der Armenverwaltung? In den„Nieder-Schönhauser Nachrichten" wendet sich ein Herr Emil Frantzen in einem Eingesandt in scharfer Form gegen den Dezernenten des hiesigen Armenwesen?, Herrn Schöffen Thormann, der auf einem am 17. Januar d. I. von Mitgliedern der hiesigen Armcnkommission, ihren Damen sowie einigen geladenen Gästen be- suchten gemütlichen Beisammensein den Festabend dadurch zu ver- schönen versucht habe, datz er eine Zusammenstellung teils h u m o- ristisch wirkender, teils delikater Stellen aus den Akten der Armenverwaltung zum besten gegeben habe. Inwieweit diese Mitteilungen des Herrn Frantzen zutreffend sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Entsprächen die Behauptungen jedoch den Tatsachen, dann wäre eS die Pflicht der Gemeindever- waltung, den Dezernenten de« Armenwesens in aller Form zurccht- zuweisen. Es wäre geradezu unerhört, wenn ein Dezernent der Armenverwaltung Personalakten benutzen nnd die Notloge der Armen an einer seucht-fröhlichen Tafelrunde in der angedeuteten Weise be- spötteln würde. Hoffentlich nimmt die nächste Gemeindevertreter- fitzung Veranlasiung, über diese Angelegenheit einmal nähere In- formationen einzuholen. Neukölln. Am Montag, den 16. Februar, veranstaltet der BildungsauSschutz im motzen Saal der Neuen Welt eine Operettenvorstellung. Zur Aufsuhrung gelangt die Operette„Das Farmermädchen" von Georg Okonkowsky. Musik von Georg Jarno. Billetts a 76 Pf. sind bei den Funktionären und an folgenden Stellen zu haben: Speditionen Ncckarstr. 3 und Siegfriedstr. 28; Sekretariat. Neckarür. 3; Nestau- rant M. Krvmke, Herniannstr. 49; Restaurant Th. Gemmecker, Kaiser-Flicdrich-Str. 232/33; Restaurant Max Richte-. Prinz Hand- jery-Str. 3 und in Britz beim Genossen Suckert, Pintsch-Allee 49. Die Genossen werden gebeten, sür regen Vertrieb der Billetts Sorge zu tragen. Lichtenberg. Zu den heute Mittwoch, nachmittags von 12—5 Uhr, statt- findenden Wahlen der Arbeitgeberbeisitzcr des Lichtenberger Gewerbe» gerichts wendet sich der WahlauSschutz der bürgerlichen Parteien in einem Flugblatt an die Arbeilgeber Lichtenbergs, in welchem der- selbe vor der Wahl sozialdemokratischer Kandidaten warnt. Die Verfasser des Flugblattes wissen zwar nichts anzuführen, datz das Recht bei sozialdemokratischen Beisitzern keine Stätte findet, sie faseln lediglich in Scharfmachermanier vom TerroriSmuS der Sozialdemokratie. Bei denjenigen Arbeitgebern, die die Pflichten eines GewerbegenchtSbesitzerZ ernstlich zu würdigen wiffen, dürfte das Flugblatt wenig Eindruck machen. Sie werden daher auch den von der Sozialdemokratie präsentierten Kandidaten ihre Stimme geben. Weiftensee. Stürmische Szenen spielten sich bei der Wahl des Gläubiger- ausschusses der Weitzenseer Bank ab, die in neunstündiger VerHand- lnng vor dem hiesigen Amtsgericht am Sonnabend zu Ende geführt wurde. Gegenüber standen sich autzer den grotzen Gläubigern die Genossenschafter und die Sparer. Jede Partei wollte möglichst zahl- reich in dem Gläubigerausschutz vertreten sein. Der erste Ansturm begann, als die Gemeinde als eine der Hauptgläubigerin Anspruch auf zwei Sitze erhob. Di« Angaben des Bevollmächtigten der Gemeinde wurden einfach bestritten, und zwar in der Hauptsache von Leuten, die weder Sparer noch Genossen, sondern nur Besitzer von Vollmachten sind. Das Endresultat war, datz die Ge- meinde nur einen Vertreter erhielt. Auch die Sparer kamen zu kurz, denn anstatt drei erhielten diese nur zwei Vertreter. Der Vertreter der Gemeinde gab bekannt, datz die Sicherheiten keineswegs fo seien, wie man anzunehmen pflege. Für nicht weniger als 1 800 000 M. Hypotheken seien bisher keine Zinsen gezahlt worden. Bei Zwangs« Versteigerungen seien Werte im Betrage von 280 000 M. einfach aus« gefallen, weil es Hypotheken zu zweiter und weiterer Stellen gewesen seien. Der vom Gericht eingesetzte Konkursverwalter wurde bestätigt. Er gab bekannt, datz sich der Status der Bank wie folgt stellt: Passiven 5 077 440 M., Aktiven 311187 M., mithin Unterbilanz 4 766 253 M. Die Kosten des Konkursverfahrens und weitere Masse- kosten werden insgesamt 36 000 M. ausmachen, so daß rund 275 000 M. zur Verfügung stehen. Die Konkursdividende beträgt demgemätz 5,04 Proz. Die Genossenschaftsbank wurde im Jahre 1878 als Genossenschaftsbank mit unbeschränkter Haftung gegründet. Im Jahre 1909 wurde die beschränkte Haftung eingeführt. Ende 1912 betrug die Mitgliederzahl 375 mit 1064 Anteilen zu je 500 M. bei einer Haftsumme von 1000 M. Im Mai 1913 er- folgte der Ansturm auf die Bank; die Gemeinde leistete sofort eine Hilfe von 800000 M., vordem hatte sie bereits 640 000 M. hingegeben, wofür sie Wertpapiere im Betrage von 831 000 M. als Sicherheit empfing. Am 11. Juli wurde die Anteilsuinme auf 2500 M. und die Haftsumme auf 5000 M. erhöht und darauf gab die Gemeinde weitere 200 000 M. Für die Gesamtsumme von 1640 000 M. hatte die Gemeinde Sicherheiten im Betrage von 1 900 000 M. hinter sich. Wie die Sicherheiten zum Teil bestellt sind, zeigen die schon angeführten Ausfälle. Der Konkursverwalter gab weiter bekannt, datz am 17. Juli schon 70 Pfau« düngen erfolgt seien. Im Jahre 1912 betrug der Ilmsatz rund 90 Millionen Mark, während als Reingewinn 71 000 M. ausgewiesen wurden. Die Ursachen des Zusammenbruches dürften zu suchen sein in dem von der Bank betriebenen umfangreichen Hypothekengeschäft, in der ungünstigen Lage auf dem Baumarkte und vor allem in der zu hohen Kreditgewährung; allein fünf Firmen wurde ein Kredit von 1 700 000 M. eingeräumt. Im Jahre 1908 hatte der Verbandsrevisor das Girokonto mit 500000 M. als zu hoch bezeichnet. Der alte Vorstand und AufsichtSrat hat eS hier an der erforderlichen Sorgfalt fehlen lassen, eS sind deshalb Regretzanspriiche an den alten Aufsichtsrat und den Vorstand zu stellen, nicht auSgeschloffen hiervon sollen auch die neuen Herren sein. Als am 23. Mai vorigen JahreS der Sturm begann, prangten grotze Plakate an den Geschäftslokalen und grotzc Inserate in den Ortsblättern verkündeten, datz alles in bester Ordnung sei und die falschen Gerüchte nur von einer gewissen Seite ausgingen. Die Gemeindevertreter wurden von ihren eigenen, im Aufsichtsrate sitzenden Kollegen überS Ohr gehauen, so datz sie in ihrer Mehrzahl sich zu so ungeheueren Opfern herbeilietzen. Die kleinen Leute haben von dieser Summe nichts oder doch nur wenig erhalten; sie wurden vertröstet, während die grotzen und bemittelten Leute aufs Ganze gingen, was auch die 70 Pfändungen beweisen. Eharlottenburg. In der nächsten Zeit soll eine Versammlung oller über 18 Jahre alten jugendlichen Partei« und Gewerkschafts- genossen stattfinden. Die Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre werden gebeten, die Jugendlichen auf die Veranstaltung hinzuweisen, sowie die Adressen solcher an den Genoffen Schiller, Charlottenburg, Fritschestr. 24/25, einzusenden. Lchöneberg. Tie Ausschuftwahlcn der Arbeitnehmer zur Allgemeinen OrtS- krirnkenkafie haben mit einem glänzenden Siege der Liste III(freie Ge werkschaften) geendet. Das Resultat ist folgendes: Für Liste 1(Zentrum) wurden 457 Stimmen, für Liste II(Hirsche) 157 Stimmen, für Liste III(freie Gewerkschaften) 3758 Stimmen, insgesamt 4372 Stimmne abgegeben. Davon er- hielt die Liste I sechs, die Liste II zwei und die Liste III 52 Aus- schutzmitglieder. Wannsee. Tie Gcmcindevertrctersitzung beschlotz, den Gemeindesteuer- Zuschlag, wie im Vorjahre, auf 92 Proz. zu belassen. Der Vor- anschlag selbst schließt in Einnahme nnd Ausgabe um 15 000 M. höher ab als im Vorjahre. Ein Drittel der gesamten Ausgaben der Gemeinde entfallen auf die Krcisstcuer. 2000 M. wurden für die Freiwillige Feueewehr in den Etat vorgemerkt. Kritisiert wurde bei Beratung des Voranschlages auch das Nachtwachwesen im Orte und die Unsicherheit im oberen Ortsteil. In letzter Zeit seien wieder sehr viele Einbrüche in Villen verübt worden. Bei der grotzen Ausdehnung des Ortes mühten daher mehr Wächter an- gestellt werden; hierüber soll später noch beraten werden. Alsdann wurde die fernere Beibehaltung der Vorschule und der Sexta be- schloffen. Der Verein für Jugendpflege hat die weitere Bewilligung von 300 M. sür die neu eingerichtete Mädchenabtsilung beantragt. Kürzlich hatte man erst 300M. für die Knabenabteilung bewilligt, trotzdem betont wurde, datz diese Abteilung sehr zurückgegangen sei»nd ihr nur noch Schulkinder angehören. Merkwürdigerweise waren es gerade die Vertreter der 3. Klasse, die für die Bewilligung der 300 M. plädierten, was denn auch beschlossen wurde. Es wird die höchste Zeit sein, datz auch in dieses Parlament einmal ein anderer Geist einzieht. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Das Trage» der Leichen zum Friedhof soll laut Beschlutz der letzten Geineindcvcrtretcrsitzung zufolge fortan aufhören. In der Debatte über die Keiften frstsctzung für Bestattungen verlangte Gc- noste Schulz die kostenfreie Benutzung des kürzlich angeschafften Leichenwagens bei Beerdigungen. Die Majorität der Vertretung wollte indessen hiervon nichts wissen. Beschlossen wurde, datz der Gemeindeborstand bis zur nächsten Sitzung ein Ortsstatut über das Bestatwngswesen ausarbeiten solle. Bis zur definitiven Beschlutz- fassung sind für Benutzung des Leichensuhrwerkes 5 M., autzerdem ür das Auswerfen einer Grube bei Erwachsenen 5 M. und bei Kindern 3 M. zu zahlen. Hierauf verlas der Vorsteher ei» Schreiben der Regierung, worin mitgeteilt wird, datz bei der vor- zunehmenden Spreeregulierung auch Neu-Zittau eine Schleuse er- hält. Vom Bildungsausschutz lag ein Antrag vor, worin die Ver- tretung ersucht wird, ihm zu den veranstalteten Vorträgen 25 M. zu bewilligen. Unsere Genossen befürworteten die Annahme des Antrages, auch Herr Gruschke trat dafür«in, vor der Abstimmung hierüber verlietz er jedoch den Sitzungssaal. Der Antrag wurde abgelehnt. Dem Kriegervercin hat die Vertretung zu seiner Feier vor einigen Monaten sofort 60 M. aus Allgemeinmitteln bewilligt. Hierauf interpellierte Genosse Schulz den Gemeindevorstesser über die zeitliche Ansehung der Gemehidovcrtrctermassl. Obwohl ein großer Teil der Wähler Arbeiter seien, die in Neu-Zittau selbst nicht beschäftigt wären, habe man auf sie bisher bei der Fest- sctzung der Wahlzeit keinerlei Rücksicht genommen. Das habe zur Folge, daß, wenn diese Arbeiterwähler ihr Wahlrecht ausüben wollen, sie einen halben Tag Arbeitsverdienst einbüßen müßten. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Diesen Ausführungen konnten sich die übrigen Vertreter n,cht entziehen. Die Wahl soll daher in der letzten Woche des Februar abends gegen 6'A Uhr stattfinden. Spandau. Der Hauptetat für das neue Etatsjahr schließt nach dem Eni- Wurf in Einnahme und Ausgabe mit 13 880 14g M.(gegen 14 lZ73 14V M. im Vorjahr) ab. Eine Erhöhung der bisherigen Ein- kommcnsteuerzuschläge von 1SV Proz. hat sich bei der ungünstigen Finanzlage nur dadurch vermeiden lassen, daß ein Zuschuß aus dem Stcuerausgleichfonds in Höhe von 98 730 M. in den Etat ein- gestellt worden ist. Ter Ertrag der Einkommensteuer ist mit 1 338 300 M. berechnet worden, 118900 M. inehr wie im Vorjahre. Die Grund- und Gebäudcsteuer soll 988 230 M. bringen. Der Ertrag aus der Gewerbesteuer, die wieder mit 240 Proz. veran- schlagt ist, ist auf 436 000 M. festgesetzt worden, 42 000 M. mehr wie im Vorjahre. Einen großen Ausfall bringt die Umsatzsteuer, die mit 100 000 M. gegen 175 000 M. im Vorjahre zurückgeblieben ist. Der Zuschuß des Reiches zu den Gemeindesteuern für die «Staats Werkstätten beträgt 250 000 M., 30 000 M. mehr wie im Vorjahre. Eine arge Enttäuschung ist dem Stadtsäckel dadurch be- schieden worden, daß die erwarteten Millionencmnahmcn aus dem Waldverkauf an Hemel in nebelhafte Ferne gerückt sind. Ein genau so unsicheres Projekt ist der geplante Bau des Stadttheaters, das für die Stadt dadurch noch ungünstiger auslaufen wird, weil dieselbe an die Theaterbaugesellschaft für die Entbindung vom Per- trag eine Entschädigung von 50 000 M. zahlen soll. Endlich dürste auch in nächster Stadtvcrordnetensitzung die Kinderwagensteucr be- seitigt werden, die einen lächerlich geringen Betrag erbringt und Spandau schon so oft lächerlich gemacht hat. Für die Linderung der großen Arbeitslosigkeit ist kein Betrag in den Etat eingestellt worden. Im Gegenteil, die städtische Polizei bringt immer noch eine große Anzahl von Arbeitern durch Führung von schwarzen Listen aus Lohn und Brot und liefert dadurch eine Anzahl von Familien dem größten Elend aus. Arbeiter, die vor Inkrafttreten des neuen Vereinsgesetzes dem sozialdemokratischen Wahlverein beitraten und polizeilich gemeldet werden mußten, aber schon seit einer Reihe von Jahren aus dem Wahlverein ausgetreten waren, werden auf Grund der alten polizeilichen Mitgliederliste von den Staatswerkstätten entlassen. Wenn Arbeiter sich weigern, für 33 Pf. die Stunde Schnee zu schippen, wird in der Stadtverordnetenver- sammlung ein großes Entrüstungsgeschrci erhoben; daß aber ehr- liche Arbeiter auf Grund von falschen schwarzen Listen brotlos ge- machten werden, wird stillschweigend geduldet und ganz in der Ordnung gefunden. Sitzungstage der Stadt- und(öemeiudevertretungen. Mariendors. Donnerstag, den 12. Februar, nachmittags 6 Uhr, im Rathause, Kaiserstraße. »empclhof. Donnerstag, den 12. d. MtS., nachmittags 5lL Uhr. im Gemeindesitzungszimmer, Dorsslr. 42. Diese Sitzungen sind sssenilich. Jeder Gcmeindeangetzörige t» be- rechtigi, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gerichtszeitung. Die unzüchtigen Postkarten. Das Reichsgericht hat gestern das Urteil deS Land- SerichtS? Berlin betreffend die Einziehung und inbrauchbarmachung von 43 Ansichtspost- karten aufgehoben und die Sache an das L a n d- g e r i ch t II verwiesen. In der Begründung heißt es, ein Bild deshalb für unzüchtig zu erklären, weil eS einen nackten Körper darstelle, sei nicht zulässig. Das Urteil sei nicht halt- bar, da es die Postkarten mit Unrecht in Bausch und Bogen für unzüchtig erklärte. Das Landgericht selbst habe anerkannt, daß die Reproduktionen den Originalen durchaus gleichlvertig seien. Deshalb habe auf Aufhebung deS Urteils erkannt werden müssen.__ Der Amtsanwalt im gelben Talar. Am preußischen Justizwesen erlebt man immer seltsamere Dinge. Am Montag wurde in einer Verhandlung vor der Bc- rnfungsstrafkammer in Erfurt festgcstelll, daß der Bürgermeister des preußischen Städtchens Sömmerda, der zugleich auch das Amt eines Amtsanwalts am Amtsgericht in Sömmerda versieht, Ehren- Mitglied eines gelben Werkvereins ist. Drei organisierte Metallarbeiter waren eines Tages mit dem 18 Jahre alten Gründer des gelben Werkvcrcins, dem Arbeiter Maukcwiy, zusammengeraten, wobei M. einige unbadeutende Püffe davontrug. Die Sache kam zur Anzeige und die drei Arbeiter wurden zu 4 und 5 Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Berufung ein, weil es ihnen zu hart erschien, aber auch der bürgermeisterliche Amtsanwalt und Ehrenmitglied bei diesem gelben Verein, dem der«lilger Maukcwitz angehörte, focht das Urteil an, weil es ihm zu inilde schien. So kam die Sache vor die Erfurter Berufungskammer. , In der Berufungsschrift, wie auch in der schriftlichen Urteils- begründung des Schöffengerichts wurde eS so dargestellt, als handle es sich um die Absicht der Angeklagten, die als„Sozialdemokraten" bezeichnet wurden, die„patriotischen Arbeiter" einzuschüchtern, da- mit sie nicht dem„vaterländischen Verein" beitreten sollen. Selbst- verständlich ivaren die Differenzen nur um gewerkschaftliche An- gelegenheiten mit dem 18jährigcn gelben BrerinSgründer entstanden. Der Staatsanwalt in Erfurt meinte ebenfalls, daß politische Feindschaft der Anlaß des Zusammenstoßes gewesen sei und er beantragte Erhöhung der Strafen auf je 2 Monate. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Deswatiues, stellte zunächst das eigen- tümliche Verhältnis fest, daß der Bürgermeister und Amtsanwalt zugleich auch Ehrenmitglied deS gelben Vereins sei, ja gerade dieser Umstand, so sage der Amtsanwalt selbst, lasse die Be- griiudung seiner Berufung erklärlich erscheinen. Dann bezeichnete der Verteidiger es als eine bedauerliche Unkenntnis, wenn im Gerichtssaal Gewerkschaft und sozialdemokratische Partei in einen Topf geworfen werde und wandte sich energisch dagegen, daß, wie er aus der amisanwaltlichcn Berufungsbcgründung annehmen müsse, Angeklagte nach ihrer politischen Parteizugehörigkeit be- urteilt würden. Die Angeklagten seien Mitglieder des Metall- arbeitervkrbandes, der sich die Hebung der sozialen Lage seiner Mitglieder zur Aufgabe mache. Nichts weiter.— Das Gericht verwarf beide Berufungen. Jmpfgegner vor dem Reichsgericht. Ter Frankfurter Pockenpro, cß, der s. Zt. erhebliches Aufsehen erregt hatte, beschäftigte am Montag das Reichsgericht, ohne daß dieses zu einer Entscheidung gekommen wäre. Wie man sich er- innern wird, hat das Landgericht Frankfurt a. M. am 21. Juni vorigen Jahres nach zweitägiger Verhandlung die Aerzte Dr. R. Spohr und Dr. Bachem wegen Uebertretung des Reichs- seuchengesetzes in je zwei Fällen zu je 300 M. Geldstrafe verurteilt, aber von der gleichzeitig erhobenen Anklage der fahrlässigen Tötung «»d Körperverletzung freigesprochen. Beide Angeklagte stehen auf dem Standpunkt der Natursseilmetssode; Dr. Spohr ist nicht geimpft,' da er in seiner Jugend die Blattern überstanden hat. Im Früh- jähr 1912 sind in Frankfurt im ganzen 13 Personen an den Blattern erkrankt; eine Frau H. aus Riga soll die Krankheit ein- geschleppt haben. Dr. Spohr, der sie in Behandlung nahm, er- krankte selbst, ebenso seine Cousine, Frau Dr. med. Strünckmann aus Gera, die ihn p'legte und seine vierjährige Tochter Vera. Auch eine auf der anderen Seite der Straße wohnende Gemüse- Händlerin, Frau F., erkrankte an den Pocken. Diese kam ins Krankenhaus und ist dort am 18. Juli an den Pocken gestorben. Dr. Spohr will zunächst die Krankheit nicht erkannt und angenom- men haben, es handele sich um die ungefährlichen Wasserpocken; deshalb will er die nach dem Seuchengesetz bei ansteckenden Krank- heilen erforderliche Anzeige unterlassen haben. Er hat seinen Freund Dr. Bachem hinzugezogen und sich selbst in seiner Wohnung isoliert. Daß es sich um die echten Pocken handelte, hat der Kreis- arzt Dr. F. erst später erfahren resp. feststellen können. Der lieber- tretung des Seuchengesetzes sind beide Angeklagten für schuldig befunden worden, weil sie die Krankheit trotz des Verdachtes, daß es sich um echte Pocken handele, nicht angezeigt haben. Der fahr- lässigen Tötung und Körperverletzung wurden sie nicht für schuldig erklärt, weil ein Nachweis, daß die Erkrankung Anderer an den Pocken durch sie verschuldet ist, nicht voll erbracht worden sei. Gegen den freisprechenden Teil des Urteils hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Der Rcichsanwalt erachtete die Revision fiir begründet, der Verteidiger der Angeklagten vertrat die Ansicht, daß der Mangel eines subiektiven Verschuldens bedenkenfrei angenom- mcn sei. Das Reichsgericht vertagte die Berkündung der Eist- scheidung auf den 26. Februar. Die gestohlene»» Haare. An einen kleinen Schwank i la Herrnfeld erinnerte das Milieu, in welchem sich der Sachverhalt einer Anklage bewegte, die gestern das Schöffengericht Bcrlin-Mitte unter Vorsitz des Amts- gerichtsrats Jockisch beschäftigte. Wegen Diebstahls war der Kauf- mann Salomon Tischbein aus Tornow in Galizien angeklagt.— Der Angeklagte kam vor einiger Zeit aus seiner galizischen Heimal nach Berlin, da ihm erzählt worden war, er finde hier viel leichter und auch besser bezahlte Stellungen. In Berlin angekommen be- suchte er erst seine ganze Verioandtschaft in der Hoffnung, bei diesen vorläufig ein Unterkommen zu finden. Da die Familie Tischbein jedoch dankend ablehnte, versuchte er es bei einer Seitenlinie der Tischbeins, der Familie P»»dcrbciltcl in der Prenzlauer Straße. Hier betrieb der Cousin des Angeklagten, der Haarhändler Puder- beutest ein lohnendes Geschäft. Es kaufte durch Agenten in Ga- lizien von den jüdischen Mädchen, die vor der Hochzeit standen und sich nach einer dort bestehenden Sitte, um das.Hochzeitshäubchen tragen zu können, ihren Haarschmuck abschneide»» ließen, die Haare aus, um sie dann hier nach erfolgter Reinigung und Färbung an die Friseure zu verkaufen. Diese fertigen dann die im Volksmund als„Wilhelm" bezeichneten falschen Zöpfe usw. daraus. Ende vorigen Jahres mußte nun wohl in Galizien das Hochzeits- und damit auch das Haargesckäft des Herrn Puderbeutel besonders gut floriert haben, denn bei Puderbcutcl liefen fast täglich große Posten des als besonders schön gerühmten blauschwarzen Haares galizi- scher Schönen ein. Daher kam es auch� daß Puderbeutel gar nicht merkte, daß ihm in der Person des Herrn Tischbein aus Tornow ein recht unangenehmer„stiller Teilhaber" erwachsen war. Dieser machte sich die günstige Konjunktur in Haaren zunutze, indem er seinem Cousin nach und nach für 3000 M. Haare entwendete und damit selbst eine»» sckwunghafteu.Handel bei den Friseuren trieb. Als Pudevbeutel schließlich erfuhr, daß sein Konkurrent, von dem ihm mitgeteilt worden war, daß er viel billiger verkaufe, sein Cousin Tischbein war, lies er wutentbrannt zur Polize» und erstattete Anzeige. Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt gegen den geständi- gen Angeklagten 2 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte nur auf 14 Tage Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt angesehen wurden. Der Angeklagte wurde mit der freund- lichen Mahnung des Vorsitzenden:„Nun dampfen Sie aber schleu- nigsr ab!" aus freien Fuß gesetzt. Der geschädigte Zeuge verließ mit den Worten;„Wie krieg ich nu meine Haare wieder?" den Saal.______ Mus aller Welt. Veteranensthickfal. Der»Franks. Ztg." wird folgendes Erlebnis au» Frankfurt mitgeteilt: An einem Spätnachmittag wanderte ich durch die Straßen der nördlichen Vorstadt. Es war bitter kalt. Die eisernen Gitter, die die schmalen Vorgärten säumen, waren mit zarten Reifflocken über» zogen. Vor mir humpelte, in sich zusammengesunken, ein alter Mann. Unter seinem Hut schauten weiße Haare hervor. Sie waren fast so weiß wie der Reif an den Stäben.— Plötzlich bückt sich der Alte zum Boden nieder, griff etwas mit den Händen und bog dann um die Ecke. Durch das Gartengitler hindurch sah ich, daß der Mann eine Kruste Brot aufgelesen hatte. Er»st Tierfreund, dachte ich, er wird das Brot dem nächsten Gaul zu fressen geben. ES gibt ja solch' gute Menschen, die nichts umkommen lassen können.— Aber auf einmal gewahrte»ch, wie der Alte den Reif von der Kruste abwischte und sie dann zum Munde führte!— Ich blieb wie festgebannt am Fleck stehen:»Heiliger Gott! Er ißt das hart- gefrorene Stück Brot selber! Wie hungrig, wie arm mutz er sein I"-- Dann näherte ich mich dem Alten. Ich mußte»nit ihm sprechen.— Ein paar alle, traurige Augen schauten fest in die meinen. Ob ich ihm etwas Geld anbieten dürfe, fragte ich.»Ich sehe doch, Sie haben Hunger, alter Mann." Er schien überrascht und fand nicht gleich eine Antwort. Dann blickte er mir gerade WS Gesicht und sprach zu mir mit zitternder Stimme: „Ich bin jetzt sünfundsiebzig... Ich war Soldat und Hab' Kriege mitgemacht... Ich Hab' alles gelitte»... Aber gebettelt Hab' ich noch nie, in meinem Leben nicht... Auch Almosen Hab' ich noch nie genommen... Oder denken Sie. ich könnt' nicht fechten geh'n, wenn ich wollte?.... Aber ich tn'S nicht, und ich will'S nichtl.... Nein, ich will nicht I.... Diese Sätze klangen scharf, abgehackt, wie eine Anklage, wie ein plötzliches Erinnern an irgendein Unrecht, das dem Alten zugefügt wurde. Dann wandte er sich zum Gehen, kehrte aber gleich noch ein- mal um, als ob er etwas vergessen hätte, und sagte, indem er die Hand erhob: »Charakter, junger Mann, Charakter! Wissen Sie. was das »st? Manchmal Glück, aber meistens Not und Hunger! Meistens!" Dawu ging er._ Dreifacher Mord und Selbstmord. Ein furchrbares Familiendrama hat sich am Montag in SaarlouiS abgespielt. Dort wohnte bei ihrer Mutter die von ihrem Manne getrennt lebende Frau des in Saarbrücken wohnhaften Schreibers Weise. Zerrüttete Familienverhält- nisse hatten die Eheleute auseinandergebracht. Am Montag suchte Weise ferne Frau auf und erschoß sie, sein drei- jähriges Kind, seine Schwiegermutter und nahm sich dann selbst das Leben. Das Hochwasser im Memeldelta. In den letzten Tagen ist es in» Meineldelta zu großen Ucber- schlveminuugen gekommen. Pionierkommandos arbeiten fortgesetzt darari, Bewohner und Vieh aus den durch das Wasser abgeschnittenen Ortschaften in Sicherheit zu bringen. Zur Unterbringung»nid Versorgung der Geflüchteten mit Lebensmitteln und sonstigem Bedarf ist eine Hilfsaktion im Gange. Die augenblickliche Not ist groß, der Schaden an Gebäuden»md der Verlust an Vieh und G»lt unübersehbar. Er wird sich voraussichtlich auf viele Hundert- taufende belaufen. Bis jetzt sind durch Pioniere etwa 300 Menschen aus Lebensgefahr gerettet und etwa 160 Stück Vieh geborgen worden. Zur Zeit sind Pioniere damit beschäftigt, 13 0 0 Menschen, die durch Neu eis von» Lande abgc- schnitten sind. Lebensmittel zuzuführen. Ein neuer Anschlag im Cumbre-Tunnel. Ter Cumbre-Tunnel bei Juarez(Mexiko), der am vcrgange« neu Mittwoch früh von einer Räuberbande angezündet worden »rar, wodurch ein hineinfahrender Zug ebenfalls in Brand geriet und viele Menschenleben umkamen, ist zum Schauplatz eines neuen Verbrechens geworden. Dieselbe, unter dem Befehl des Räuber- hauptinanns Castillo stehende Räuberbaude ritz die Schienen im Tunnel auf, so daß ein Personenzug, der glück- licherweise nur spärlich besetzt war, entgleiste und Feuer fing. 13 Personen kamen uin, eine große Anzahl wurde vcr- letzt. Unter den Toten befindet sich eine Mutter ,n i t fünf Kindern. Die Banditen sahen das furchtbare Schauspiel mit an. Präsident Wilson hat eine Untersuchung cm Ort und Stelle angeordnet._ Ehrenwerte Kapitalisten. Die englische Zeitung»Daily Chronicle" meldet aus New Dork vom 9. d. Mls., von der Interstate Commerce Commission seien auf- sehenerrege>»de Enthüllungen über Diebstähle im großen beider Nciv Dork, Newhaven andHartford-Bahn gemacht worden. Ein früherer Vorsitzender der Kommission erklärte, daß eine Summ e von 28 Millionen Mark verschwunden sei. Senalor Hitchcock erklärte, die Mänirer, die die Gesellschaft ruiniert und die Altionäre bestohlen hätten, hätten sich zu gleicher Zeit als g c m r i n» nützige Puritaner der Finanz aufgespielt. Kleine Notizen. Hauseinsturz mit schrecklichen Folgen. In der spanischen Stadt Alcvado stürzte ein im Bau begriffenes Haus ein und begrub eine große Anzahl Arberter unter sich. Als man sie befreite, ivaren zlvei bereits tot, fünf weitere starben nach kurzer Zeit und zwei befinden sich in Lebensgefahr. Bon Windmühlenflügcln erfaßt. In Horst(Kreis Neustadt) gerieten drei Kinder beim Spielen zwischen die Flügeln einer im Gange befindlichen Windmühle. Mit schweren Verletzun- gen»vurden die Kinder in ein Krankenhaus gebracht, wo eins bald darauf verstarb. Ein Einbruch in daS Parteisckrctariat Bochum wurde in einer der letzten Nächte verübt. Die Diebe schienen es auf den Dieb- stahl von Dokumenten abgesehen zu haben, fanden aber nichts. Der Geldschrank blieb unversehrt. Der„Bauernschrrck", ein wildes Tier, das längere Zeit die Be- völkerung in der Gegeicd der Koralp(Steiermark) in Aufregung hielt, soll nach einsr Meldung aus Graz jetzt von einem Jäger erlegt sein. ES soll sich um einen Puma(Silberlöwen) handeln. AdlcrShof. Donnerstag, den 12. Februar, abends 61/, Uhr, im SitzungSsaale des(SemeindeauitS, Bismarckstr. 1. Jngcnvvcranstaltungea. Jugendheim. Freilag, den des Bo» tragS�ytlns über: Pankow- Rtrdcr-Schönhausen. 13. Februar, abends 8 Uhr: Erster Abend „Dculschc Geschichte-. Vortragender: Herr Ncdaltenr Georg Schmidt. Jugendlichen»vollen sin regen Besuch der Vortragsabende agitieren. Die Eingegangene Druckschriften. Flngschriften des Drutsch-Engltschrn NrrftSndtgnngSkomiteeS. — I. A. Hobson. Tie Furcht vor Teutschland. Preis SO Pf.— Ernst Sicper, Tie wirtschaftliche Rivalität zwischen Teutschland und England. Ein Vortrag. Preis 50 Pf. Verlag von R. Oldenbonrg, München und Berlin. Wohlfahrt»nd Wirtschaft. 1. Jahrg. Lest 2. Monatsschrlst. Herausgegeben von B. JaroSIaw. Viertels. 3 M. E. DIedcrichS, Jena. Marktpreise von Bertin am g. Februar 1014. nach Erinitlrlungen des tgl. Polizeipräsidiums. Mais(mixcd), gute Sorte IL, 90— 17,20, Donau »6,00— 1S.30. Mais(runder), gute Sötte 14,80—15,20. Richtstroh 0,00. Heu 0,00—0,00. Martthallrnpretse. 100 Jkflogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00-60,00. Sveisebobncn. weihe 35.00-60,00. Linsen 40,00—80,00. Karlosseln(Kleinhdk.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule »,60-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30—1.80, Schweinefleisch 1,40—2,00, Kalbfleisch 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40—3,00, 60 Stück Eier 4,80�-7,20. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,00. Aale 1,60—3,20. Zander 1.20—3,20. Hechte 1,60—2,80. Barsche 0,80—2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs« 3,50—24,00, Wttterungsnberflcht vom 10. Februar 1014. «tattone» Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien s* Sf 765 SO 764]®C 766.® 767 SO 769>sSW 77l|3S Wetter 3 heiter 2 wolkig 2 heiter UDunst llwolkenl liebet w« CÜ 1? WS> 1 3 1 1 —6 —5 «tattonen 15 Bf Havaranda756!sW Petersburg 750;® Scilla ilberdecn Pari« 754 S 753, SSO 763, SSO ä Wetterprognose für Mittwoch, den 11. Februar 1014. Trocken und vorwiegend heiler, nachls leichter Frost, am Tage wieder mild bei mäßigen südlichen Winden. Berliner W e tt e rb ur e a»». Wasserstands- Nachrichten der Landesanstall sür Gcwüssertunde, mitgeteilt vom verlwer Wetlerburea« Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratlbor , Krassen , Frantwtt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau*) . Rathenow*) Spree, Spremberg') , BceSlow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximilian« au , Kaub Köln Neckar, Hellbronn Main. Hanau Mosel, Trier am 9. 2. cm 119') 95°) 100 00 122 154 230 330 149 144 80 277*1 142 seit 8. 2. CIN1) — 15 — 0 +2 —3 0 +10 —8 0 _ o —4 + 10 +7 +53 *)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— 637 cm bei sortdauerndem EiSitand.— ') Bormiltag» Eisgang.—*) EiSsrei. *) Unterpegel.—*) heute srüh «) Treibet».—') Erstand.— Form 400 Form 401 Form 402 Einsegnungs- Anzüge" Bl" und Marengo 403 403 40 i 402 403 403 4C3 434 403 402 404 402 402 404 400 400 402 400 401 402 400 401 Blauer Clicviot................. Blauer Cheviot, gute Qualität........ Schwarz Ripskainmgam............ Sehr haltbarer blauer Cheviot........ Schwarz Kammgarn, Qualität 1....... Blauer Melfon.................. Schwarz und blau Kammgarn-Cheviot.. Marcngo Cheviot................ Schwarz und blau Kammgarn-Cheviot I. Marengo Mclton Cheviot........... Blau und schwarzer Melton-Chcviot.... Marcngo- Cheviot mit Seiden-Spiegel... Schw.'luchkammgarn Spiegel, b. Kante Blauer Melton-Chcviot, Qualität I..... Prima schwarz Tuchkammgarn....... Blauer Melton-Chcviot,!a Qualität.... Marengo Cheviot I a, mit Seiden-Spiegel Schwerz Drape................ Brustweiten: Meine in eigenen BetriebswerkstStten Hergestellte Jünglings- u. Knabcnkleidung ist preiswert und unübertroffen in Sitz sowie solider Verarbeitung Berlin L Köllnifcher Aischmarkt 4-5-S Roßstraße 34- Aischerstraße 1 Geschäftshaus ersten Ranges für Herren�» Jünglings- u. Knabenkleidung Form 40Z Form 411 Form 404 Farbige Jünglings-Anzüge Sehui-Anzüge in den neuesten Musterungen und haltbaren, praktischen Stoffen in Jeder Größe und Preislage am Lager. Theater und Vergnügungen □□ 00 □ D Mittwoch, 11. Februar 1914. Antaliq Ubr. ScfRwfl. Der ErbsSrster. Teutsches«ünftlcr-Tbcatcr. PclcrchcnS Mondiahrt. Ansang 4 Ubr. Urania. Mit dem„Fmperator" nach New Zort. Zlnsona 6 Ubr. am Zoo. Variete- Lines Palast Lichtspiclc. Slniang L'/, Ubr. CinesNoUrndorf-�heater.Bariels- � Lichtspiele. Ansang 7 Ubr. Deutsches. König Heinrich IV. Ansang T','. Ubr. «gl.»chauivieldaus. Hans Lange. Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Ansang 7" Ubr. Metropol. Die Reise um die Welt in 49 Tagen. Aniana 8 Ubr. Urania. Pros. Dr. Brückner: KliMaschwanktMgcn und Völler- � ivanderrmg. Hörsaal: Dr. Bcrndt: Ab- � suunmung des Menschen. Kgl. Lpernbaus. Elektra. Deutsches Lpcrnhnns. Mandra- gola. NoniggräNer Straste. Die Krön- braut. Leiiiug. Pvgmalion. Deutsches Künstler- Tbeater. Der Vogen des Odqsicus. «ammerspiele. Grdgcisl. Komödienstaus. Kammermusik. T beater an der Weidendammcr Brülkc. Wer zulekt lacht. Theater am Nollcndorfplatz. Prinzeß Greils Lustspielliaus. Dw spainsche fliege. Niontis Lprrctten. Tic verbotene Stadt. Schiller«. Moral. Schiller Gharlotrcnburg. Die beiden Leonore». Theater des Westens. Polenblut. Bertiner. Wie einst im Mm. Kleines. Feltchen Geberl. Trianon. Analolcs Hochzeit. Thalia. Tie Tangoprinzessin. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelmstüdtisches. Fräulein Trallala. Roie. Im weisjcit Röbl Kasino. Die olle Webern. Hcrrnseld., Was sagen Sie zu Lcibusch? Rcichohallen. SIettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. ZIpollo. Der Stolz der I. Kom- ' pagnie. Ansang S'l, Ubr. Luise». Das erste Ehejahr. Walhalla. Tangosicbcr. Folies Lavrice. Caje Pringsheim. Ter HeiratSgras. Meyersteins. Aniang 8'f, Ubr. NeueS BolkSthearer. Einakter. abend. BdmtralSPalast. Die lustige Puppe. Aniang S Udr. Berliner Eispalast. Eissport. LinesNollcndorf-Thcater.Panetö- Lichtspiele. � .» Sternwarte, knvalidenftr. �7�-62 Zeliilivs-Ilieslek ll. tWailuvr-Dstoateri. Mittwoch, abends 8 tlhr: Storni. Toimerslng, abends 8 Uhr: Meyers. Freitag, abends 8 Uhr: Die beiden I.ennoren. Sclier-Iiieater Charlotlenburp Aiitlwoch, abends 8 Uhr: ire. Uhr: I>ic beiden lieonorcn. Donnerstag, abends 8 Uhr: Herodes und Mariainnc. Freitag, abends 8 Ubr: Merodes and Marinauie. TiieaiEriö der Kiiggräizer Straße Stbends 8 Uhr: Die Kronbraut. Komödienhaus. s uhr. Kammrmnßd. 8 1%. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theatera. d. Weidenda mmerbrücfce 8 Uhr: Wer zuleüt lacht... & Residenz-Theater u«. Hoheit— der Fran;! Musikalische KrgtcStc in 8 Akten von Artar Landsberger und Willi Wolfs. Musik von Roberl Wintcrberg. Morgen u.s.Tagc: tiobeit- äsr krsnr! Sonntag, tü. Febr.," Uhr: Gretchcn. Mzte Künstlertheater SoEietiit. Nürnberger StraSe 70 71, am Zoo. Kasse; Nauendorf 1383. Mittwoch, 31/»: Peterchens Mondfahrt. Abends 8 Ubr: Der Sogen des Gdgsseus. Donnerst. 8 Uhr: Mas i�kaatom. Theater des Westens. 8 ubr: PoBenblut. Soillitagiiachm. 3'/. tlhr: Gräfin Fifi. Frieiir.-Wilßelinsläiil. Theater. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. 25un SeÄ!"' Gilbert. Kaffeneröfsn. 7 Uhr. Aus. 8 Uhr. Sonntag, 15. Febr. nachm. 3 Uhr: _ Zapfo»streir>. Germania-Praelitsäle N., Chausseestr. 110. K. Richter. Jeden Mittwoch: Faul Mantheys lustige Sänger. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Aachdcni Frcttan/.. — VorzugSkaricii geilen.— Jeden Donnerstag: Großes Militär-Streich-Konzert Anschl. Familicnkranzchcn. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: ll!e Reise m die Erde in 40 Tagen. Casino- Theater Lothringer Strahe 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Volksstück: Die olle Webern. Ur-Serl Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner-Bühne. Sonntag i Ubr: TlnfterHebe. Vereinigte Berliner Volksbühnen. I.uisen-Thcatcr. I Walhalla-Thcatcr. 8li, Uhr: Abends 81/. Ubr: Das erste Khejahr. I Tangofleber. Wroge Posse m Schausp. in 5 Akt. v. Ernst Ritterseldt. s Ges. u. Tanz in 3 Alt, v. Erich Urban. Srsuwer iFriedriehshaiti Täglich außer Sonnabends: Uns stiniiniingsvollstc Bayr. Bockbier- Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. URANIA TaÄtp- 1 Uhr; Mit d.„Imperator" nach New York. S Uhr; Prof. Dr. Brückner: Kliaiascbsvankangen und �'öikcrsvanderunp;. Hörsaal S Uhr: Dr. W. Berndt: Abstammung des Dlensehen. Jb„Won« ■w Int bi Maufirstraße 82.— Z :: Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82.— ZimmerstraSe 90,91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikkorps d. Garde-Füsilier-Regiments Dirig. Oberm. Hippel und Tegcrnseer und Zillcrthalcr Tluslkanten. Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr.«Seiimi!lSg8-il0NieFl Oranien-Talasf Ecke Oranienstraße u. Oranienplatz. Eröffnung morgen, den12.d.Mls. - 8 I hr abends.——— Große Sehenswürdigkeit! Die Konzerte werden geleitet von den) Kapellmeister Alexander v. ■ÜB Direktion: Oskar Barton."VE Neue Welt. Arnold 8eboIx. Hasenheide 108/114. Heute Mittwoch, den 11. Februar, abends 7'/, Uhr: Große Sport-Vorstellung .1: Original l.itfle Freds Akrobat, u. kiuiütreit. Hunde. Leacli-La Quina-Trio 2 Damen, 1 Herr, in ihrer neuesten Sensation. i romiselie Grazien zu Pferde Biß Pia. Kosita. Adele and Helene und die übrig, neuen Ättrakt Uin O1/. Uhr;~>2ns#8 Das neue gr. Ausstatt, i. 7 Bildern „Tipp« der Derby-Favorit 1914. Neues Programm! Madge Lessing und Fred Wrighf Crock u. Lole Komi seh es 3Iusik-Duo und die von Publikum und Presse glänasend hearteilten Februar- Attraktionen! — Rauchen gestattet!— The Perezoffs Jongleurszene „Un souper chez Maxim' Heute Mittwoch, den 11. Februar: Tliltetag! Herrenprämiierung. Prämiiert wird: Oer längste Sclmurrbart 3 bare Heldpreise SO,—, SJO,—, lO,— Jlark. Anmeldungen bis id Uhr abends an der Kasse. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Voranzeige! Borgen, Donnerstag: Große Schweine-Braterei! Apollo-Theater. 8 Uhr. Tel.: Lützow 2757. 8 Uhr. Zum lü. Male: Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartsiein. Lache» ohne Pauie. Baueben gestattet! Feuerfresser in ihren fanatischen Harte rn. Mister Ranpo. der Aiisbreohcrkünig. Fnlessclbar! gjy Febend! Ohne Extra-Entres. Tbeater am Nollendorfplatz i s Uhr: Prinzeß Gretl. iOSE=THEÄTE Grohe Arankiuner etr. 132. Nachm. 3 Uhr. fltinc Preise! Wilhelm Teil. Abends 8 Uhr: Im weiUeu KöliT. Donnerstag: Berlin wie es weint u. lacht Freitag: Kinder der Wroststadt. 1 Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 11. Februar, abends?>/, Uhr: «öroste Gala-Borstcllung. U a.: Bd. WuitTs Pliexenäe lluade im Zirkus Buseh, welche sich allabendlich als Trapez- lünsller produzieren. Ferner Die. Fessems in ihrem akrobatischen Sketch „Artisteakiader". sowie Austreten aller gr. Attrakt. Z u Iii Schlug: „Fompest". Orig. VluSstattmigs-Pantomime des Zirkus Busch iii 5 glänz. Asten. V«ig t- Theater Badstraste 58. Mittwoch, den 11. Februar: Zum Benefiz sür d. Reg. Faul IJding In letzter Sstundc oder Schicksalswellen. Poiksst. IN. Ges. i. 4 All. v. Nicdt U. Elp. Aassencröfsn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Ubr. Trisnon-Tiieater. Täglich abendS 8 Ubr: Anatoles Hochzeit. Folies Caprice. ,< t'nfe Pringsheim S1/,' Der Heiratsgral 4 1 Meyersteins Admiralspalast. Eis- Arena. TägUch:-»8 Die lustige?uppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 0 Uhr und von 10'/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier- Abteilung. ReiehshaHen-Tflealer Stettiner Sänger Ziimner Ho. 18. Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu crinäg. Preisen: EioelicetizeitHi der Milllerstr. Ve-anl�oZsTcher�Rcdcfte ur T Nsrcd Äiclepp, Neukölln. Für dcn� Lnicratcnleil verantw.: Th.Gleckc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Go, Söerltn 5W.