Kr. 43. BbonncmentS'Bedingungen: «toraicmcutä. PrciZ pränumerando: vierteljährl. 330 Mk, monatl. 1,10 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei inZ Hauö. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntag!» nmnmer mit illustrierter Sonntags- LeUage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Zlöonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband iür Tnilfchland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat, Mistabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Kumänien. schweben und die Schweiz. 31. Jahrg. kplchelni laglich. Verlinev Die Insertion;-eediihr beträgt für die scchsgespaltcnc Kolonel. zeilc oder deren Raum 00 Psg„ sür politische und gewerkschaftliche Verein!- und Versninmlungs-Anzcigcil 80 Pfg, „Kleine Mniclgcn", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg Elellengcfuchc und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Wort- über 12 Buch- 'laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nuinmcr müssen bis , Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Soziaiäemoliut Rerli»". Zentralorgan der fozialdemokratifcben partei Deutfchlande. Redaktion: 8Dll. 68, Lindcnatrassc 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1983. Donnerstag, den 43. Februar 4944. Expedition: SM. 68» L-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplak- Nr. 1984. Zur Wahl in Jerichvw. Burg, 11. Februar. Vorläufiges amtliches Wahl- ergebuis: Bei der Rcichstagscrsatzwahl im Wahlkreise Magdeburg 3(Jerichow I und II) erhielt Ritterguts- Pächter Schiele- Schollene(Kons.) 12 089, Fleischer- meistcr Kobelt- Magdeburg(Fortschr. Vp.) 6999, Expedient Haupt- Magdeburg(Soz.) 12 667 Stim- men. Es hat Stichwahl zwischen Schiele und Haupt stattzufinden. Zum Wahlergebnis wird uns aus Burg geschrieben: Ter Wahlkampf um Jerichow hat mit einem überraschen- den Resultat geendet: Die Stimmcnzahl der Fortschrittlichen Volkspartei ist derart zusammengeschmolzen, wie auch die größten Skeptiker unter den Freisinnigen es kaum erwartet haben dürften. Während die Sozialdemokratie chre schon 1912 ungewöhnlich hoch geschnellte Wahlziffer noch u m weitere 673 steigern konnte und die Konservativen gar 2219 Wähler zurückgewonnen haben, hat der fortschrstt- lichc Kandidat fast 1196 Stimmen eingebüßt! Man geht, wenn man nach der Ursache dieses Rückgangs suchen will, wohl nicht fehl in der Annahme, daß die mu den Fortschrittlcrn„verbündeten" Nationalliberalen ihre B u n- d e s b r ü d e r schmählich im Stich gelassen haben. Zwar hat der in Burg vegetierende Ztationalliberale Verein angeblich auf Betreiben der Zcntralleitung in der letzten Woche einen schwächlichen Aufruf zugunsten des„übe- ralen" Kandidaten erlassen, aber gleickigeitig hat er dem konservativen Kandidaten so viele Elogen gesagt, daß dieser „Aufruf" lächerlich wirkte. Es kam hinzu, daß national- liberale Vertrauensleute ini Kreise sich offen gegen den Vyr- stand auflehnten und für den„ehrlichen Schutzzöllner" Schiele agitierten. Die früher nationalliberalen Stimmen — bei dem letzten selbständigen Vorgehen dieser Partei im Jahre 1994 wurden deren noch 3362 gezählt— sind jetzt fast vollständig auf den Konservativen übergegangen. Die offen» kundige: Verletzung und Verleugnung des fortschrittlichen Programms durch den fortschrittlichen Kandidaten hat ihm also nicht nur nichts genutzt, sondern ihm offenbar manche Sympathien im Bürgertum geraubt. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß ursprünglich die Persönlichkeit des fortschritt- lichen Kandidaten in den bürgerlichen Kreisen größeren An- klang fand und die Aussichten für ihn durchaus nicht ungünstig schienen. Dem konzentrierten Angriff von zwei Seiten her hat aber der Fleifchermeister Kobelt so wenig wie die libe- ralen Wahlstrategen standzuhalten gewußt. Der Fortschritt ist buchstäblich stecken geblieben. Der Stimnienzu wachs für die Sozialdemo- k r a t i c ist ein sehr erfreulicher, wenn man sich die wirtschaftliche Struktur des Kreises vergegenwärtigt. Er ist um so bedeutsamer, als er sich wieder auf deni reinen Land- gebiete bemerkbar macht. Während wir zum Beispiel in der Stadt Burg— die früher eine Hochburg der Hirsch- Tunckerschen Gewerkvereine war— unsere Stimmen nur um 38 steigern konnten, haben die Fortschrittler dort 128 ver- loren, die Konservativen aber um 223 zugenommen. In den kleinen Landstädten ist dagegen unsere Zunahme eine bessere, und ebenso ist auf den zahlreichen Dörfern ein Wachs- tum unserer Stimmenzahl innerhalb der letzten zwei Jähre zu verzeichnen. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß in Burg sowohl organisatorisch als in bezug auf die Aus- Übung des Wahlrechts unsere Genossen fast alle Reserven bereits erschöpft haben. Unseren 3919 Stimmen stehen in dieser 24 999 Einwohner zählenden Stadt nur 1197 fortschritt- liche und 736 konservative Stimmen gegenüber. Die Stichwahl wird einen erneuten und heißen Kanipf ergeben zwischen dem Vertreter der Junkerpartei und unserem Kandidaten, dem Genossen Haupt. Es wird sich zeigen müssen, ob die Fortschrittliche Volkspartei jene politische Halbheit, die sich ihr Kandidat bisher leistete, fortsetzen oder ob sie ihre politische Pflicht gegen die Reaktion tun will. Einer der junkerlichen Redner hat zwar den Liberalen in offener Versamnilung die bekannte Stelle aus Götz von Ber- lichingen zugerufen und ein anderer erst in den letzten Tagen einem fortschrittlickfen Abgeordneten, der als Wahlordner ge- kommen war, einen„Tritt in den Bauch" angedroht, um seine gute Erziehung zu zeigen: aber zieht man in Be° tracht. daß die fortschrittliche Wahlkreisleitung von Jerichow sich 1912 beharrlich geweigert hat, die Stichwahlparole ihrer Partcizentrale bckaiintzumachen, so muß man auch diesmal auf allerlei politische Kindereien gefaßt sein. Es sei denn, daß der Geschäftsführende Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei einen weiteren politischen Blick zeigte, als die lokalen Größen. Wie aber auch die Fortschrittler sich entscheiden mögen: die Sozialdemokratie wird mit frischen Kräften an die Arbeit gehen, um in der Stichwahl zu siegen. Es kommt in diesem Kampfe gegen Wucherzoll und Volksentrechtung auf jede Stimme an. Wir werden versuchen, möglichst alle, die bei der Hauptwahl nicht gewählt haben, zu gewinnen, und müssen den Fortschrittlern überlassen, ob sie sich diesem Kampfe an- schließen wollen. preßftimmen. Die konservativen Blätter jubeln entzückt über den Stimmen- Zuwachs, den sie erhalten haben. Sie konstatieren dabei ebenso wie die übrige Presse, daß dieser Zuwachs größtenteils dem Ab- schwenken der Nationalliberalen zu den Konservativen zuzuschreiben ist. Die„Deutsche Tagesztg." meint: „Als Hauptergebnis dieser Wahl ist deshalb festzustellen, daß bei ihr die V 0 l k s st i m m e mit außerordentlicher Deutlichkeit für diejenigen Parteien gesprochen hat. die mit unerschütterlicher Ueberzeugungstreue sür eine starke Monarchie und für das Reckt und die Ehre unserer Armee kämpfen. Die Versuche der nationalliberalen Partei, ihre ursprüngliche Haltung im Falle Zabern vor dem Lande zu retten, hat in diesem Wahlkampfe ein sichtbares Fiasko erlitten, und in gleicher Weise hat sich gezeigt, daß auch in Deutschland das Landvolk fest zum Monarchen steht und mit Stolz und Liebe an der Armee hängt. Die rechtsnationalliberale„MagdeburgerZeitung' gibt auch sür die Stichwahl bereits die Parole für die Konservativen aus: dagegen schreibt das„Berl. Tagebl." nach einer Kritik an der„minder entschiedenen Betonung der liberalen Forderungen": „Die Stellung des Liberalismus für die engere Wahl ergibt sich von selbst. Seit den allgemeinen Wahlen des JahreS 1912 hat sich in der politischen Situation höchstens insofern etwas verändert, als da? Verhalten der Reaktion �gegenüber dem Bürgertum noch herausfordernder geworden ist. Die konservative Partei hat � sich als die parlamentarische Vertretung eines exzessiven Militarismus erwiesen. Ihr jetzt auch nur durch Passivität ein Mandat zufallen zu lassen, wäre politischer Selbstmord für das Bürgertum, da jeder konservative Stimmenzuwachs im Reichstage die L i n k S m e h r h e i t, auf welcher der Einfluß des Liberalismus dort beruht, erschüttern kann. Darum gilt eS— so wenig der Liberalismus auch mit den Zielen der Sozialdemokratie zu tun hat— sich fiir das kleinere U e b e l zu entscheiden und für die Stichwahl alle freiheitlichen Kräfte zusammenzufassen, uin dem seitherigen Vertreter, den, Sozialisten Haupt, das Mandat zu erhalten. Der Zweck dieser Taktik ist nicht, der Sozialdemo- kratie zu helfen, sondern die Reaktion an der Wieder- gewin nung der lieber macht im Reichstage zu hindern. Das wird möglich sein, wenn man einer solchen Wahlparole auch einen agitatorischen Nachdruck gibt." Auch wir meinen, daß nur eine solche klare und nach- drückliche Stellungnahme die Fortschrittspartei vor dem Vor- wurf, dewahren könnte, einen Wahlkreis gerade zu einer Zeit der Reaktion auszuliefern, wo diese energischer als je zum Angriff rüstet. � �--•-• Pharisäer unö Heuchler. Die Reaktionäre aller' Schattierungen machen wieder einmal in sittlicher Entrüstung. Die Rede unseres Genossen Adolf Hoffmann hat es ihnen angetan. Nicht etwa daß sich ihre Entrüstung gegen den Inhalt der Hoffmannschen Ausführungen richtet, aber daß der böse Sozialdemokrat dem Hohen Haufe so viel kostbare Zeit ge- nommen hat, das mutz gerächt werden, und die Rache soll in einer Verschärfung der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses be- stehen, die von konservativer Seite bereits angekündigt ist. Wir sehen diesem neuen Attentat auf die Redefreiheit im Parlament mit großer Seelenruhe entgegen. Seit dem Einzug der ersten sechs Sozialdemokraten hat die Mehrheit des Junkerparlaments wiederholt die Geschäftsordnung verschlechtert, Gelegenheitsgesctze sind an der Tagesordnung gewesen. Und was hat man erreicht? Man hat sich vor aller Welt blamiert, ohne daß man mit der Sozialdemokratie fertig werden konnte. Wollen also die Junker und ihr Anhang weiter von Blamage zu Blamage schreiten, so werden wir sie daran nicht hindern. Das preußische Dreiklaffcn- Parlament genießt in den Kreisen der Gebildeten ebensowenig Ansehen, wie in denen des arbeitenden Volkes, sein Ansehen ist verloren gegangen nicht durch die Sozialdemokraten, sondern durch die Vertreter der Parteien, die Jahrzehnte hindurch ihr Mandat mißbraucht haben, um für ihrc Klasscnangehörigen Vorteile zu er- zielen und das Volk auszubeuten und zu knebeln. Solange sie ein so frevelhaftes Spiel treiben konnten, ohne daß ihnen von der Tribüne des Haufes herab energisch entgegengetreten wurde, fühlten sie sich wohl. Nun aber, wo schonungslos ihre Karten aufgedeckt, wo ihnen unzweideutig die Wahrheit gesagt und ihre Schandpolitik an den Pranger gestellt wird, fürchten sie plötzlich eine Schmälerung ihres Profits, und die Wut darüber bricht sich Bahn in Angriffen auf die sozialdemokratischen Mitglieder des Hauses. Nach Art des Diebes, der, um seinen Verfolgern zu entgehen, in den Ruf„Haltet den Dieb" mit einstimmt, suchen sie die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Nutzen wird ihnen das nicht. Während des ersten Teils der Mittwochsitzung, in der Hoff- mann seine am Dienstag abgebrochene Rede beendete, zeigte das Haus ein etwas sonderbares Antlitz. Die Tribünen waren über- füllt, aber unten im Sitzungssaal blieben die Bänke der Rechten und des Zentrums leer. Mau demonstrierte wieder einmal, man wollte auch nach außen zeigen, wie wenig man sich aus den Worten eines der wirllichcn Volksvertreter macht. Den Demon- straiiten hatte sich auch der Minister v. Dallwitz angeschlossen, an dessen Stelle der Unterstaatssckretär H 0 l tz durch einige in schnoddrigem Unterofiizierston vorgetragene Redensarten die ge- waltige Anklage unseres Genossen Hoffmann abtun zu können glaubte. Erst als das Glockenzeichen den Schluß der Hoffmann- scheu Rede ankündigte, füllte sich der Saal, nun erschien der Chor, um an seine Arbeit zu gehen und dem Regierungsvertreter zu- zujubeln. Aus der Mitte des Hause kamen außer H 0 f f m a n n, der sich am Schluß wegen seiner zwar scharfen, aber gerechten Kritik des Ministeriums einen Ordnungsruf zuzog, nur noch die Abgg. Graf v. der G r 0 e b e n(kons.), der Altnationalliberale Fuhrmann und der Zentrumsführer H e r 0 l d zu Worte. Was der konservative Redner zutage förderte, war nur ein schwacher Aufguß dessen, was feine Fraktionsfreundc bereit? in der Generaldebatte zum Etat gesagt hatten. Ein Loblied auf Jagow, Klagen über mangelnden Ärbeitswilligenschutz, Angriffe auf die bürgerliche Linke wegen ihrer Stellung zur Sozialdemokratie, eine Warnung vor einer Er- Weiterung der Rechte des Parlaments— da? sind Tinge, die cincni nun bald zum Halse hinauskommen und die wir wirklich schon origineller haben vortragen hören, als es Graf v. d. G r 0 e b c n zu Wege brachte. Daß Herr Fuhrmann seine Jungfernrede im Landtage zu einer Philippika gegen das Äoalittonsrccht mißbrauchen würde, nimmt nicht Wunder. Vorläufig allerdings will er es nur mit einem Verbot de? Streikpostenstchens versuchen, wie es seine Fraktionsgcnosscn bc- antragt haben. Mit diesen Ausführungen hätte er eigentlich seine Rede schließen können, aber da er einmal das Wort hatte, sprach er noch zwei Stunden über alle möglichen Fragen, die mit dem Etat des Ministeriums des Innern in gar keinem oder nur sehr losem Zusammenhange stehen. Gewiß, so lange wie Hoffmann hat er nicht gesprochen, aber Hoffmännn sprach von Anfang bis zu Ende zur Sache, während das, was Herr Fuhrmann vor- brachte, wirklich nichts mehr mit dem Thema zu tun hatte. Seine Rede war im wesentlichen ein Appell an die bürgerlichen Parteien zum Zusammenschluß gegen die Sozialdemokratie, ein Appell, wie er von anderer Seite schon wer weiß wie oft ertönt ist. Herr v. Dallwitz, der auf die schweren Vorwürfe des sozialdemokratischen Redners nichts zu erwidern wußte, beeilte sich, Herrn Fuhrmann gegenüber sofort die Versicherung abzugeben, daß er die in dem nationalliberalen Antrag geforderte Er» gänzung der Polizeiverordnungen zum Zwecke des Arbeitswilligen- schutzes bereits angeregt und einen entsprechenden Erlaß für die Rheinprovinz schon verfügt habe. Diese Bestimmungen sollen, wenn sie sich in der Praxis bewährt haben, auch auf andere Pro- vinzcn ausgedehnt werden. Mit Arbcitcrtrutz hat die Regierung es eilig, Arbeiterschutz und Wahrung und Erweiterung der Volks- rechte sind ihr Nebensache. Am Donnerstag wird die Beratung fortgesetzt. Zentrums-Manöver. Das Zentrum versteht sich nicht nur meisterhaft auf die Aufführung politischer Rührstücke, es zählt auch unter seinen Führern so nianchen tüchtigen Regisseur, der selbst die albernsten, abgeschmacktesten Possen wirksam zu inszenieren weiß. Das beweisen wieder aufs neue die am letzten Sonn- tag im Bochum abgehaltene Delegiertcnvcrsammlung der christlichen Gewerkschaften und die gleichzeitige Tagung des Reichsausschusses der Zentrumspartei in Berlin. Als Graf v. Oppersdorff vor 18 Tagen in seiner Wochenschrift„Klarheit und Wahrheit" den bekannten Brief des Kardinals Kopp zum Ab-# druck brachte, ergriff bange Angst die Herzen der Zeutrunisgrößen Kölner Richtung. Schweigend harrten sie, ob nicht Rom sich zu dem Streit Kopp-Schulte äußern und auf die Seite des Breslauer Fürstbischofs treten würde, um danach ihr Ver- halten einrichten zu können. Als dann aus Gründen der kirchlichen Autorität die römische Kurie vorläufig eine offene Einmischung in die bischöflichen Händel ablehnte, und der Kardinal Kopp sich bewogen fühlte, den von ihm ver- dächtigtcn Paderborner Bischof eine?lrt kirchlicher Ehren- erklärung auszustellen, löste sich schnell die ihre Herzen um- klammert haltende zitternde Furcht. Die Ehrenerklärung des Kardinals Kopp wurde in der kleineren bachcmitischen Zentrums- presse— das Hauptblatt des Bachemisnius, die„Köln. Volksztg.", hielt sich aus taktischen Gründen ziemlich im Hintergründe— als ein Zurückweichen Kopps in der Ge- werkschaftsfrage vor der richtigeren Auffassung der Kölner hin- gestellt und zugleich gegen die„Quertreiber" im katholischen Lager, die„Integralen", der Verleumdungskampf eröffnet. Man hatte tagelang in feiger Furcht gelebt und verlangte nun nach Rache für die ausgestandenen Qualen. Das Haupt- objekt- des Angriffs war naturgemäß der Reichsgraf v. Oppersdorff und seine„Klarheit und Wahrheit." Zwar hatte nicht er den geistlichen Sachwalter der Kölner, den Bischof Schulte von Paderborn, der falschen Interpretation der päpstlichen Enzyklika„Lingulari quadarn" deschuldigt, und ebenso wenig hatte er das Verhalten der christlichen Gewerkschaftsführer als Verstoß gegen diese Enzyklika denunziert— diese Beschuldigungen hatte Kardinal Kopp selbst ausgesprochen, und Graf Oppersdorf hatte nur einfach den ihm von diesem zur Veröffentlichung übergebencn Brief in seiner Wochenschrift abgedruckt ohnejeglichenKommentar. Aber den Kardinal direkt anzugreifen, dazu sind denn doch die sti�itbareu Generalstäbler des Zentrums zu feige. Solche Angriffe könnten in Rom gar leicht als Verletzungen der kirchlichen Autorität aufgefaßt werden und die römische Kurie schließlich doch noch zu irgend welchen Machtsprüchen bewegen. So richtete man mit jener Klugheit, die den Zöglingen der München-Gladbachcr Dressuranstalt geziemt, die Geschosse nicht gegen den Kardinal Kopp selbst, sondern gegen den Grafen v. Oppersdorff und die Führer der sogenannten Berliner Richtung. Um diesen Rachefeldzug wirksamer zu gestalten und den „Jnttegralen" eine nachhaltige Schlappe zu bereiten, zugleich aber Rom zu zeigen, daß die christlichen Gewerkschaften viel tiefer in der katholischen Bevölkerung Deutschlands Wurzel geschlagen hätten, als man im Vatikan annimmt, dazu soll sowohl die Kundgebung des Reichsausschusses der Zentrumspartei wie die Bochumer Demonstratton der chnst- lichen Gewerkschaften dienen. Und wenn man die im Vattka« zurzeit herrschenden Anschauungen über die kirchliche und politische Lage in Deutschland kennt, dann muß man zu-> gestehen, daß wenigstens der Aufruf des Reichsausschusses mit großem Geschick verfaßt ist. Einerseits fürchtet man im Vatikan die agitatorische Wir- kung der deutschen Sozialdemokratie auf die katholische Arbeiterbevölkerung und glaubt mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß, wenn der katholischen Jndustriearbeiterschaft Westdeutschlands die Vereinigung in gewerkschaftlichen Or- ganisationen unmöglich gemacht wird, die sozialdemokra- tische Propaganda in jenen Kreisen noch weit schnellere verfolge erzielen wird als bisher; andererseits möchte man in Rom in keinem Fall die deutsche Zentrumbpartei schwächen, devn nachdem Frankreich, Spanien, Oesterreich sich immermehr dem Politischen Einfluß des Vatikans entzogen haben, rechnet man dort um so mehr auf die Macht der deutschen Zentrums- partes und hofft durch diese wenigstens die deutsche Re- giernngspolitik im römisch-hierarchischen Interesse beeinflussen zu können. Nur aus diesen Gründen hat auch Rom den deutschen katholischen Arbeitern die Teilnahme an den kon- fessionell gemischten Gewerkschaften gestattet, während bekannt- lich den französischen, belgischen, österreichischen, italienischen Arbeitern die Teilnahme an solchen Vereinen streng verboten ist, wie denn auch die Gewerkschaftsenzyklika Pius X. aus- drücklich betont, daß es nur„mit Rücksicht auf die besondere Lage der katholischen Sache in Deutschland" geduldet werden könne, wenn katholische Arbeiter nicht remkatholischen Vereinigungen angehörten, und zwar hätte auch diese Duldung nur solange und insoweit Geltung, als sie nach Ansicht der Bischöfe„zweckmäßig oder zulässig" sei. Diesen römischen Befürchtungen und Hoffnungen paßt sich der vom Reichsausschuß des Zentrums erlassene„Aufruf an die Zentrumswähler" mit einem gewissen Raffinement an, indem er zunächst auf die ständig wachsende Macht der .. staats- und religionslosen Sozialdemo- k r a t i e" hinweist, und darauf hinterher erklärt, daß das Zentrum nur dann dieser Macht wirksam entgegenzutreten und den„großen Kampf" für die katholische Kirche z» führen vermöchte, wenn eS nicht durch Quertreibereien in seinen eigenen Reihen geschwächt werde. Heißt es doch in dem Aufruf mit einer' deutlichen Wendung gegen Rom: „Diese grundlosen Verdächtigungen der„Integralen" weisen wir mit Entrüstung zurück. Sie führen zur Verwirrung der Geister und erschweren dem Zentrum die Erfüllung seiner großen Aufgaben, insbesondere auch den Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit der katholischen Kirche und die Gleichberechtigung des katholischen Volksteils." Diesem erneuten Bekenntnis gegenüber, energisch den Kampf für die„Freiheit und Unabhängigkeit", das heißt, für die Machtinteressen der katholischen Kirche fiihren zu wollen, hat es nicht den geringsten Wert, wenn der Reichsausschuß auch in diesem Aufruf wieder betont, daß das Zentrum eine politische, nicht eine bloße konfessionelle Partei sei. Liberale Blätter, die die römische Kirchenlehre und Terminologie nicht kennen, folgern ans solchen Redensarten regelmäßig, daß die Zentrumspartei oder Zentrumsfraktion sich damit von Rom lossage und gewillt sei, unbekümmert nni die Lehren und Forderungen der römischen Kirche ihre eigenen Wege zu gehen. Nichts falscher als solche Jnter- ppetation. Wenn die liberalen Blätter nur einige Ministen folgerichtig nachzudenken vermöchten, müßten sie sich selbst sagen, daß doch nicht gut der Reichsausschuß des Zentrums zugleich in demselben Atemzuge Roni den Gehorsam verweigern und er- klären könne, die größte Aufgabe der Zentrumspartei sei der Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit(das heißt Un- abhängigkeit von allen staatlichen GewaÜen) der katholischen Kirche. Tatsächlich besagt die Verleugnung des konfessionellen Charakters der Zentrumspartei weder, daß die Abgeordneten dieser Partei die katholische Lehre nicht als verbindlich für iich und ihre Politik anerkennen, noch daß sie sich der kirch- lichen Autorität entziehen wollen, sondern nur, daß sie sich nicht lediglich auf die Vertretung der kirchlichen Interessen beschränken, sondern auch an der Lösung anderer politischen , Fragen, die nichts mit der kirchlichen Autorität zu tun haben, initwirken wollen. Wer das noch immer nicht begriffen hat, sehe sich die Er- läutcrung an, die die„Ge r m a n i a" dem Satz des Aufrufes über den nichtkonfessionellen Charakter der Zentrumspartei gibt. Sie hebt hervor, daß, da die Zentrumsabgeordneten katholisch seien, sie sich selbstverständlich auch nach den Grund- sähen ihrer Kirche zu richten hätten, und fährt dann fort: „Was will man denn mehr, als daß jeder katholische Ab- geordnete in denjenigen Fragen, welche das religiöse Gebiet berühren, sich nach den Grundsätzen seines katholi- schen Glaubensbekenntnisses, wozu selbstverständlich auch das Gebiet der kirchlichen Autorität ge- hört, zu richten verpflichtet ist? Die Zeiten sind zu ernst, die Angriffe gegen die katholische Kirche und gegen die christliche Staatsordnung sind zu vielgestaltig und gelvaltig, als daß man ' sich den Luxus von Streitigkeiten um theoretische Dinge gestatten könnte, wobei die Hauptsache gar zu leicht aus den Augen ge- lassen wird. Grundsätze müssen freilich unverrückbar aufrecht- erhalten werden, politische sowohl wie kirchliche ' Grundsätze, und es darf nicht dahin kommen, daß eine dem Wechsel unterworfene Tatktik zur autoritären Alach t eines Grundsatzes gelangt und in das Fahrwasser des liberalen Opportunismus überleitet." Das ist richtig; die„Germania" verschweigt nur, daß nach katholischer Lehre zu dem sogenannten„religiösen tssebiet" nicht mir die rein religiösen und rein kirchlichen Fragen gehören, sondern auch alle ethischen Fragen, die die orivate wie die öffentliche Lebensführung und Lebensbetäti- gung(auch das politische Verhalten) betreffen, und daß ferner darüber, welche Fragen ihrer Autorität unterstehen, ausschließ- lich die katholische Kirche allein zu entscheiden hat. Weniger Bedeutung als der„Aufruf an die Zentrums- Wähler" lsat die in Bochum von den Delegierten der chrjjt- lichen Gewerkschaften angenommene Resolution: eine Häufung leerer Ausfälle gegen die Quertreiber. Von Belang ist nur per an die Avresse der Integralen gerichtete Vorwurf:„Für zutage liegende soziale Schäden, für die Verteidigung unentbehrlicher Rechte der Arbeiter fehlt ihnen jedes Gefühl; wäh- rend sie an der Organisationspolitik der übrigen Stände un- bekümmert vorübergehen, konstruieren s i e ein Aus- nahm erecht gegen die Arbeiter und ihre Or- ganisationen." Und zwar verdient auch dieser Satz nur infofern Beachtung, als er zeigt, mit welchen deniagogi- scheu Mitteln die Häupter der christlichen Gewerkschaften operieren. Wären sie ehrlich, sie müßten eingestehen, daß diese ungleich« Bewertung �der katholischen Arbeiterschaft und der sogenannten höheren Stände nicht von den Quertreibern & I» Oppersdorfs ausgeht, sondern zu den ältesten Lehren der katholischen Kirche gehört, und demnach die genannten Quer- treiber, wenn sie ein„Ausnahmerecht" gegen die� Arbeiter und ihre Organisationen konstruieren, nur den Spuren des größten Kirchenlehrers Roms, des Thonias von A quin o, und einer ganzen Reihe V o n P ä p st e n f o l g e ii. Es ist eine Lüge, wenn dem katholischen Arbeiter von Geistlichen oder Gewerkschaftsführern vorgeredet wird, er hätte nach der Lehre seiner Kirche das gleiche staatliche oder kirchliche Recht wie die Angehörigen der„übrigen stände". Wie schon Thomas von Aquino den Lohnarbeiter, der durch körperliche Arbeit seinen Unterhalt erwirbt, zu den„schmutzigen Leuten" rechnete und ihm das Recht der Anteilnahnie am politischen Regiment absprach, so betrachtet auch heute noch hie katholische Kirche den Lohnarbeiter als minderwertig und verweigert ihm das Recht, sich zum Schutz und zur Förderung seiner Lebens- interessen mit andersgläubigen Arbeitsgenosseu zu verbinden, wie denn auch schon vorhin erwähnt wurde, daß für die katho- tischen Arbeiter Belgiens, Hollands, Frankreichs, Italiens, Oesterreichs das strenge kirchliche Verbot einer Teilnahme an gemischten Gewerkschaften und Arbeitervereinen besteht. Erst dieser Tage hat der Papst wieder den österreichischen„Katho- lischen Volksbund" deshalb belobt, weil er„das System der interkonfessionellen Vereine" bekämpst. Leider ist gerade in den Kreisen der katholischen Arbeiter die Kenntnis der päpstlichen Enzykliken am wenigsten der- breitet. Kennten sie die Enzyklika„Gtatk» de cornrnuni re" vom 18.Januar 1901 über die christliche Demokratie oder die bekannte Enzyklika über die Arbeitersrage„Kerum nevarum" vom 15. Mai 1891, sie würden gar bald herausfinden, wie niedrig die römische Kirchenlehre sie einschätzt und wie sie ihnen tatsächlich jenes Vereinigungsrecht vorenthält, das sie den Wohlhabenden gewährt. Besteht doch nach dieser Lehre zwischen der besitzenden und der von ihrer Hände Arbeit lebenden Klasse durchaus kein eigentlicher Gegensatz, sondern schönste Harmonie. Deshalb ist auch jede Arbeitseinstellung, die diese Harmonie dadurch zu schädigen vermöchte, daß sie Handel und Gewerbe stört, öffentliche Wirren herbeiführt, die Familienbande lockert usw., ein sittliches Vergehen, das der Staat berechtigt ist, jederzeit mit Gewalt zu unterdrücken. Der Arbeiter hat vielmehr die Pflicht, sich still in die ihm auf- erlegte gottgewollte Abhängigkeit zu fügen, und deshalb werden auch im Rundschreiben über die Arbeiterfrage die Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe angewiesen, den„ar- bettenden Ständen" folgende Pflichten einzuschärfen: „Vollständig und treu die Arbeitsleistungen zu verrichten, zu welcher sie sich frei und mit gerechtem Vertrage verbunden haben; den Arbeitsherren weder an der Habe noch cm der Person Schaden zuzufügen; in der Wahrung ihrer Rechte sich der Ge- Walttätigkeit zu enthalten und in keinem Falle Auflehnung zu stiften; nicht Verbindung zu unterhalten mit schlechten Menschen, die ihnen trügerische Hoffnungen vorspiegeln und nur bittere Ent- täuschung und Ruin zurücklassen." Natürlich wird den katholischen Arbeitern das Recht nicht ganz verwehrt, sich zu vereinigen; denn dieses Recht ist nach ?er Lehre des Thomas von Aquino ein Naturrecht; aber Ar- beitervereine dürfen keine Kampfvereine sein, sondern lediglich Vergnügungs-, Hilfs-, Unterstützungs- und Betvereine. � In jedem Fall aber ist die Religion und die stille Ergebenheit in die gottgewollte Ordnung die Hauptsache. „Knecht soll Knecht bleiben!" hat vor einigen Jahren der Bischof Dr. Heule von Regensburg geäußert. Er hat damit die Stellung des Arbeiters in der Gesellschaft noch katholischer Lehre durchaus richtig bezeichnet. Die Verfassungskrise in Schweden. Das zweite liberale Ministerium Staaff ist am Dienstag zurückgetreten, nachdem es rund zwei Jahre amtiert hat. Dieses Schmsal der zweiten liberalen Regierung zeigt, wie wenig Anlaß vorliegt, sich mit den„freiheitlichen" Zuständen Schwedens zu brüsten. Denn beide Male ist Herr Staaff das Opfer seines d e- mokrati schen Wollens einerseits und der reaktionären Machtkonzentration auf der anderen Seite. Als er 190? von feinem ersten Versuch, eine liberale Entwickelungsperiode herbei- zuführen, ablassen mußte, fiel er als Verfechter des all- gemeinen Wahlrechts. Seine Vorlage fand nicht die Mehr- heit im Reichstage; er wollte die Erste Kammer auflösen, aber der König(damals noch Oskar II.) widersprach, und Staaff ging. Diesesmal fällt cralsderWahrerderVolksrechte gegen das persönliche Regiment, das von einer militaristischen Hofkamarilla dirigiert wird, und er fällt auch als Verfechter der politischen Reinlichkeit gegenüber der unsauberen Zumutung, entgegen dem ausdrücklichen den Wählern gegebenen Versprechen neue Lasten zu beschließen. Die Demokratie ist in Schweden eben noch weit von der Erreichung ihres Zieles entfernt. Schweden ist freilich nicht Deutschland; aber der Unterschied ist weniger ein grundsätz- licher als ein persönlicher. Im Deutschen Reich klappen die Minister wie Taschenmesser vor dem Naserümpfen des persönlichen Regiments zusammen, in Schweden finden sich aber noch Männer — sogar unter den Liberalen—, die den Mut haben, politische Grundsätze zu besitzen und danach zu handeln. Das Ministerium Staaff ist gefallen, weil es nicht Handlanger des persönlichen Regiments werden, sondern die mit dem Vertrauen des Parlaments ausgerüstete Regierung des Landes bleiben wollte. Die Regierung lehnte es ab, unter dem Einfluß der Rüstungshetze ihre demokratischen Grundsätze in die Rumpelkammer zu werfen. Sie hat die Frage der Landesverteidigung zum erstenmal einer gründlichen. Prüfung unterworfen, die sich nicht bloß auf die Forderungen des höheren Militärs bezieht, sondern auch auf die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes. Und auf Grund dieser Prüfung war sie zu der Auffassung gekom- men, daß eine bessere Ausrüstung der vorhandenen Streitkräfte, vor allem die'Schaffung einer ausreichenden Zahl von Unterofft- zieren und Instrukteuren, in erster Linie nötig wären. Die Mittel für die einmaligen Ausgaben sollten durch eine Wehrabgabe herbei- geschafft werden. Es liegt auf der Hand, daß diese beiden Probleme die wichtigsten in militärischer Beziehung sind. Denn nicht darauf kann es ankommen, die Zahl der ausgebildeten Wehrfähigen und die Zahl der Ausbildungsmonate ins Userlose zu erhöhen, sondern die Verwendbarkeit der ausgebildeten Kräfte für den Ernst- fall sicherzustellen. Herr Staaff hat hier den richtigen Griff gehabt, indem er für die Heranbildung einer genügenden Zahl von Unterführern und für die richtige Bewaffnung usw. der vorhandenen Kräfte sorgen wollte. Das konnte er nach seiner Auflassung diesem Reichstag vorlegen; aber darüber hinaus eine solche Neubelastung des ganzen Volkes, wie die Erhöhung der Dienstzeit der Infanterie auf 101� oder gar 12 Monate in sich schließt, das stand in vollem Widerspruch zu der im Jahre 1911 ausgegebenen Wahlparole, durch die erst eine liberal-sozialdemokratischc Mehrheit im Reichs- tag geschaffen wurde. Daher mutzte diese Frage den Wählern zur Prüfung vorgelegt werden. Unsere Parteigenossen vertraten zwar wiederholt die Auffassung, daß die ganze Militärfrage den Wählern zu unterbreiten sei; aber diese Differenz rn der Auffassung spielt bei der nun eingetretenen Sachlage keine Rolle. Der König wiederum erkennt die Pflichten gegenüber den Wäh» lern überhaupt nicht an; er dekretiert im Anschluß an die Staatsstreichler um Herrn Sven Hedin, daß die ganze Militärfrage sogleich gelöst werden muß, und zwar nicht etwa so, wie die Unter- suchungskommission und die Regierung eventuell die Lösung vor- schlugen, sondern nach den Vorschlägen'„der Sachkundigen meines Heeres"! Die Regierung erkennt dieses einseitige Sachverständnis nicht an, sie will auch die politisch und wirtschaftlich Sachverstän- digcn hören. Die politischen Sachverständigen nun hielten auf politische Reinlichkeit und sagten: Wir dürfen nicht das Gegenteil von dem tun, was wir unseren Mandatgebern versprochen haben. Die wirffchaftliche Sachkenntnis aber sagte, daß die Opfer an Zeit und Geld bei einer Erhöhung der Uebangszeit der Infanterie so enorm sein werden, daß man erst das Volk befragen muß, ob es solche Opfer tragen will. So erwies sich die Theorie des Königs als fauler Zauber, der nur den Zweck hatte, einseitig die militärischen Jnterssen auf Kosten der Volksinteressen voran zu stellen. Die Bernadottes sind alle nicht mit staatsmännischem Geschick ausgerüstet gewesen, wenn man von dem Großvater der regieren- den Nummer absieht. Der jetzige Träger der Krone aber hat schon als � Kronprinz seine Anlagen gezeigt. In den damals heftigen Differenzen mit dem demokratischen Norwegen griff er wiederholt ein, seine Neigungen zum persönlichen Regiment offenbarend. Er hat sein redliches Teil dazu beigetragen, daß die norwegische Krone seiner Dynastie entrissen wurde. Er gibt sich doch hoffentlich keiner Täuschung darüber hin, daß die schwedische Krone nicht fester auf seinem Haupte sitzt, als die norwegische auf dem seiner Vorfahren. Eine republikanische Agitation wurde bisher kaum in Schweden betrieben, obgleich die Zahl der Republikaner nicht gering ist. Jetzt, wo Königsmacht gegen Volksmacht steht, dürfte die republikanische Bewegung ganz andere Voraussetzungen im Volke finden. Gegen das zurückgetretene Ministerium und seine in manchen Fragen nicht einwandfreie Politik wäre vom sozialdemokratischen Standpunkt manches zu sagen. Dazu ist aber die Situation nicht angepaßt. Herr Staaff hat manches wieder gut gemacht dadurch, daß er die Volksrechte gegen das persönliche Regiment so energisch vertrat. Er ist gegangen, weil er nicht zum Verräter der Volks- rechte werden wollte. Die bisher genannten Männer bedeuten keine Lösung der Schwierigkeiten. Sie sollen, das ist augenscheinlich Absicht der Hof. kamarilla, die bisherige Mehrheit des Herrn Staaff zersplittern, illdem die Stechtsliberalen an den Karren der Konservativen ge- spannt werden sollen. Ob das j e tz t gelingen wird, ist indes fraglich. Denn jetzt sitzt Staaff wieder in der Fraktionsleitung. politische Uebersicht. Schutz des Weinbaues, Patentrecht, Arbeiter« Versicherung. Im Reichstage kam es am Mittwoch bei dem Haus- haltsplan der Biologischen An st alt für Land- und Forstwirtschaft zu einer längeren Aussprache über die Schädlinge der Kulturpflanzen, insbesondere des Weinbaues. Demgemäß wurden zwei Anträge, von Bau- mann(Z.) und Paaschs(natl.), angenommen, die im nächsten Etat einen angemessenen Betrag zur Erforschung und Be- kämpfung dieser Gefahren fordern. Der Haushaltsplan des Patentamtes gab dem Ge- nassen Giebel die Gelegenheit, für die Forderungen ein- zutreten, die in dem beabsichtigten Patentgesetz den An- gestellten einen möglichst großen Nutzen aus ihren Er- findungen sichern sollen. Ferner verlangte unser Redner eine Aenderung des Patentanwaltgesetzes. Ihm antwortete der Regierungsvertreter Direktor v. Jonquieres, daß der Entwurf eines neuen Patentgesetzes wahrscheinlich im nächsten Winter dein Reichstage zugehen wird. Hierauf begann die Beratung des Haushaltsplanes für das Reichsversicherungsamt. Genosse Bauer rechnete gründlich mit dem Staatssekretär Dr. Delbrück ab, der vor einigen Tagen das große Werk der Reichsversicherungs- ordnung gepriesen hatte. Er schilderte eingehend, wie sich die Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes verschlechtert hat. Scharf rügte er, daß die Landesbehörden die Durch- führung der neuen Krankenversicherung so ungenügend und unzweckmäßig vorbereitet hat. Ganz besonders zeigte sich dies bei der Krankenversicherung der Hausgewerbetreibenden, bei der Bildung der Krankenkassen, bei den Krankenkassenwahlen. Die Verwaltungsbehörden haben sich ganz und gar nicht be- währt. Genosse Bauer führte fast unglaubliche Beispiele an für die kleinliche Art, mtt der so mancher Landrat gegen die Arbeiter vorgegangen ist. Auch viele Angestellte der Kassen sind von den Behörden rücksichtslos auf die Straße geworfen worden— im Widerspruch zu den Versprechungen des Staats- sekretärs bei dem Erlaß des Gesetzes und zu den Anweisungen des Ministers. Das Selbswerwaltungsrecht, dies ergibt sich aus den ausführlichen Darlegungen des Redners, ist den Ar- beitern entrissen und hat unhaltbare Zustände hervorgerufen. Der Gegensatz zwischen den Arbeitern und Unternehmern ist dadurch sehr verschärft. Morgen geht die Verhandlung weiter. Die neue Aenderung deS Militärstrafgesetzes. Der Gesetzentwurf, der gestern dem Reichstage vorgelegt wurde, wirkte überraschend, weil kein Mensch mehr glaubte, der Reichskanzler habe noch andere Militärsorgen, als die Verteidigung der„Kommandogewalt des Kaisers". Wenn jetzt die Milderung der Mindeststrafen in den 66, 10 usw. des Militärstrafgesetzbuches vorgeschlagen wird, so muß nach- drücklich daran erinnett werden, daß die geplante Reform zweifellos zurückzufiihren ist auf sozialdemokratische Anregungen. Am 23. Mai 1913— während der Beratung der Militärvorlage— beantragten die Sozialdemokraten in der Budgetkommission(Antrag Nr. 205), „den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, baldtunlichst einen Gesetz- entwurf vorzulegen, durch den das Militärstrafgesetz im Sinne moderner RechtSanschauungen reformiert und namentlich eine Herabsetzung des Strafmaßes, insbesondere Ein- führung von Strafmilderungsgründen, vorgesehe« werde." Die bürgerlichen Parteien erklärten ihre Zustimmung— mit Ausnahme der Konservativen. Für diese bekämpfte Graf Westarp den Anttag. Auch die Regierung verhielt sich ablehnend. Erst wenn das Zivilstrafgesetzbuch geändert sei. könne an eine Aenderung des Militärstrafgesetzbuches ge- dacht werden. Der Wirkl. Geheime Kriegsrat Müller gab schließlich die Erklärung ab, ein B e d ü r f- ri iZV vor der großen' Strafrechtsreform durch ein Not- gesetz einzugreifen, sei nicht an jü er rennen. — Der sozialdemokratische Antrag wurde trotz dieses Widerspruchs angenommen. Bekannt ist, wie dann durch das entschlossene Eingreifen der sozialdemokratischen Fraktion nach dem Erfurter Schreckensurteil eine Milde- rung der Strafen für die schwersten Verbrechen gegen die Disziplin(Aufwiegelung und Aufruhr) erzwungen wurde. Der neueste Entwurf, der auch für einige kleinere Delikte die Mindeststrafen herabsetzt, scheint nur die selbst- verständlichen Folgerungen aus jenem Gesetz vom Ä. August 1913 zu ziehen. Aber vielleicht waren noch andere Beweggründe vorhanden. Die Vorlage bringt nämlich nicht bloß Verbesserungen, sondern auch Verschärfungen des geltenden Rechts. Nach§ 106 des Militärstrafgesetzbuchs ist neben der Gefängnisstrafe, die nicht unter 5 Jahren betragen darf,„auf Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes zu erkennen". Nachdem§ 110a aber, der durch das Gesetz vom 8. August 1913 geschaffen wurde, ist bei einem.�minder schweren Fall" zulässig, die Strafe bis auf sechs Monate Gefängnis zu ermäßigen. Tie Ehren st rase(Versetzung in die zweite Klasse) ist ausgeschlossen. Bei den ZZ 107 und 119 mußte bisher neben der erkannten Zuchthausstrafe auf Entfernung aus dem Heere erkannt werden. Auch hier fällt diese Ehrenstrafe durch§ 110a weg. Die Novelle will jetzt ermöglichen, daß„in den Fällen der§Z 106, 107 und 110 die Versetzung in die zweite Klasse des Soldaten st andes zulässig sein soll." Neben einigen Verbesserungen bringt also der Entwurf wesentliche Verschlechtern ngen des-Gesetzes vom 8. August 1913, und die Reichstagsverhandlungen werden bald zeigen, ob es nicht der Militärverwaltung gerade auf diesen Rückschritt ankommt. Der„Berliner SJokal-Auzeiger", der seit einigen Tagen unter der Leitung des RegierungSratS a. D. v. Krilger erscheint, steht nicht nur unter dem Einfluß der Regierung, auch die Grotzindustriellen haben sich matzgebenden Einfluß gesichert. Dem Konsortium, das das ganze Unternehmen von August Scherl kaufte, gehören z. B. an die Grotzmdustrielle» Haniel, vom. Rath und Brüning von den Höchster Farbwerken, serner Böuinger von den Elberfelder Farbwerten._ Ans zum Kampf gegen die Quertreiber. Der am letzten Sonntag vom Reichsausschuß des Zen- trums veröffentlichte„Aufruf an die Zentrumswähler" und die in Bochum von den Delegierten der christlichen GeWerk- schaften gefaßte Resolution gegen die„Quertreiber" genügen dein Kampfeifer der Kölner Richtung nicht. Die Bachemiten planen weitere Maßnahmen gegen die sogenannten„Inte- gralen" des klerikalen Lagers. Am nächsten Sonntag soll in Essen eine große Demonstrationsversammlung des Zentrums stattfinden, in der mehrere westdeutsche Zentrumsgrößen, darunter auch Herr Wacker aus Baden, mit den Quertreibern der Koppschcn Richtung Abrechnung halten wollen. Um die Sache möglichst pompös zu gestalten, soll diese Tagung aus verschiedenen Teilen Deutschlands durch Delegierte beschickt werden. In der Ankündigung heißt es: ..Wie einst an der Schwelle des neuen Deutschen Reiches, un. mittelbar vor dem Riesenkampf mit Frankreich, aber gleichseitig am Vorabende des gräßlichen kirchenpolitischen Konfliktes mit seinen tieffchmerzlichen Verheerungen, von Essen aus der Ruf zur politischen Samlung ergangen ist, so soll auch Essen jetzt wieder der Schauplatz der ersten gewaltigen Kundgebung dafür sein, daß das Zentrum, das vom Feinde niemals besiegt wurde. von falschen Freunden nicht in die Irre geführt und verraten werden soll." Offiziell geht es also gegen die„Quertreiber", tatsächlich aber hat die T.agung noch einen anderen Zweck. Man weiß auch im KölnerLager recht wohl, daß Rom eine Art Ergänzung zu der Enzyklika Liuxulnri guackaiu beabsichtigt, und möchte diesem gegen die christlichen Gewerkschaften geplanten neuen Schlag gerne dadurch vorbeugen, daß man durch lautes Ge- schrei und Gekreische die römische Kurie in den Glauben ver- setzt, ein solcher Schritt würde in der deutschen katholischen Bevölkerung auf schärfsten Protest stoßen._ Dieser Meinung scheint auch die„integrale" Kölner Korrespondenz zu fein. Sie schreibt in ihrer letzten Nummer: „Nach der jüngsten Erklärung des Herrn Kardinal Kopp, die von dem Briefe an den Grafen Oppersdorfs nichts Wesentliches zurücknimmt, haben die„Kölner" wieder Mut bekommen. Sie wollen jetzt einen Entscheidungskampf und in dieser ihrer Kampfesstimmung lassen sie sich auch durch die jüngste päpstliche DeSavouierung ihres Werkes in Oesterreich nicht stören. Ueberall hören wir den Ruf:„Wir lassen uns die Quertreibereien der Integralen nicht mehr gefallen!"„Wir haben es gründlich satt!" „Jetzt mutz mit den Quertreibern gründlich aufgeräumt werden!" „Es mutz ganze Arbeit gemacht werden!"„Alles helfe! die Führer vor die Front!" usw. So hieß es in Bochum, so heißt es in den Sitzungen des Kölner Kriegsrates, in der.Kölnischen Volkszeitung" und im ganzen Kölner Blätterwalde. Die Aermsten! Was wollen sie denn machen? Etwa auf die Streitfragen sachlich eingehen? Sie werden sich fein hüten! Wollen sie wieder mit persönlichen Mätzchen und Beleidigungen kommen? Damit verbittern sie nur den Streit und zwingen uns zu Repressalien. W i r vermuten bei dem ganzen Ge- bahre» eine andere Absicht. Die Herren Kölner können sich wohl denken, daß nach Essen, nach den: Gewerkschaftsprozctz und nach den bekannten jüngsten Ereignissen eine erneute Kundgebung Roms wahrscheinlich ist. Nun wollen sie offenbar dem Vatikan ihre Kraft und ihre Entrüstung zeigen und ihn bange machen. Gegen die Integralen zieht man vom Leder, aber der römischen Kurie gilt der Hieb." Wie Dr. v. Heydebrand Reichstagsabgeordneter wurde. Die Wahlprüsungskommission des Reichstags prüfte in ihrer Sitzung vom Mittwoch die Wahl der Abg. Dr. v. Heydebrand, der im Wahlkreise Militsch-Trebnitz mit einer Mehrheit von 1632 Stimmen gewählt worden ist. In dem von den Nationalliberalen eingelegten Protest wird gesagt, daß von konservativer Seite mit Mitteln gearbeitet worden ist, wie es nur selten in einem Wahl- kämpf geschehen sei. Alle bekannten unlauteren Mittel kamen in Anwendung: Saalabtreibung, Boykott, Stimmenlauf, Sprengung von Versammlungen und amtliche Wohlbeeinflussung. Den Gast- Wirten wurde in ungezählten Fällen Geld dafür geboten, wenn sie ihre Säle anderen Parteien nicht zur Verfügung stellten oder wenigstens die Uebertragung des HauSrechtes während der Dauer der Versammlung versagten, damit die unter Führung eines GutS- Ritzers organisierten Sprengkolonnen in Tätigkeit treten konnten. Diese Sprenglolonnen. die zumeist aus unfreiwilligen Teilnehmern bestanden, wurden von den Grotzgrundbesitzern auf Wagen meilenweit herbeigeholt. Die Folgen dieses Treibens waren tumultuöfe Versammlungen, Auflösungen, Attentate aus die liberalen Redner und auf den nationalliberalen Kandidaten durch Stcinwürfe usw. Den Gastwirten wurde überdies auch die Polizeistunde angedroht, wenn sie den Sozialdemokraten ihren Saal zur Verfügung stellen wollten. In einer Reihe von Orten wurden bei den Wählern die gegnerischen Stimmzettel abgeholt und dafür solche von Heydebrand ausgeteilt: Gemeindevorsteher schickten die Gemeindedioner mit Flugblättern von Haus zu Haus. Die Gutsarbeiter wurden ge- schlössen zum Wahllokal geführt und dort bis zur Stimmabgabe überwacht, damit sie andere als Hcydebrandscho Stimmzettel nicht in die Hände bekamen. In einem Falle wird auch behauptet, daß der Wahlvorsteher die Wahlkuvcrts öffnete, die gegnerischen Stimm- zettel herausnahm und durch Hehdebrandsche Stimmzettel ersetzte. Obwohl Herrn v. Heydebrand infolge dieser Vorkommnisse eine größere Zahl Stimmen abgezogen wurden, verblieb ihm jedoch eine solche Mehrheit, so daß die Kommission beschloß, von der Beweis- erhebung abzusehen und die Wähl für gültig zu erklären. Der Gnadenfonds. In der Mittwochsitzung des elsatz-lothringischen Landtags kam beim Etat der Finanzverwaltung auch die Debatte auf den Gnaden- fondS. Genosse Fuchs betonte, wenn der Kaiser Geschenke machen oder sich populär.machen wolle, solle er in die eigene Tasche greifen. Er halte es für eine unangebrachte Handlungsweise, daß man die Groschen der elsatz-lothringischen Bevölkerung zu diesem Zwecke ausgebe. Wenn vor zwei Jahren von der Regierung zugesagt wurde,' daß der Landtag eine Kontrolle über die ausgcgebenen Gelder haben falle» so fei dos nicht eingetreten, denn es werde dem Hause nur eine oberflächliche Uebersicht über die Verausgabung der Gelder gegeben. Der ganze Gnadenfonds entspräche nicht dem Empfinden des elsatz-lothringischen Volkes. Es wäre auch schon längst aus dem Budget gestrichen, wenn die Zentrumsfraktion nicht jedesmal umfalle.— Genosse Martin beantragte nament- liche Abstimmung über den Gnadenfonds.■ Ein interessantes Intermezzo spielte sich hierbei ab. als der Finanzmimster Köhler den Führer der Liberalen, den Abgeordneten Wolff, zu sich heran- rief und auf ihn einredet«. Worauf Abgeordneter Wolfs erklärte, der Staatssekretär Gras v. Roedern solle doch eine Erklärung ab- geben; die Situation sei kritisch. In der namentlichen Abstimmung wurde der Gnadenfonds mit 27 gegen 23 Stimmen angenommen. Während der ganzen Ver- Handlung schaute der neue Staatssekretär nervös um sich. Auf fallend ist, daß namentlich von den Nationalliberalen die Abge- ordneten Kübler und Gilliot für den Gnadenfonds stimmten. Der Abgeordnete Kübler ist jener Nationalist, der vor einem halben Jahre von dem Lehrer Hildwein in Kolmar mit der Hundepeitsche gezüchtigt wurde. - Dann wurde über den Bewilligungsfonds für Beamte, der eine Höhe von 85 000 M. hat, beraten. Hierbei beantragte der Zentrumsführer, den Fonds um 25 Proz. zu streichen und eine Neuregelung in der Weise herbeizuführen, daß mehr Geld für die Witwen und Waisen ausgegeben werde. Hauptsächlich rügte er, daß der Fonds nicht zu dem Zwecke verwendet werde, zu dem er eigentlich bestimmt sei, sondern daß mit ihm sehr viel Mißbrauch getrieben werde. Diese 25 Proz. wären sicherlich gestrichen worden, wenn nicht von den Liberalen ein Vermittelungsvorschlag ein- gebracht worden wäre, die ganze Angelegenheit noch einmal der Budgetkommission zu überweisen. Englanü. Der Gouverueur pon Südafrika geht. London, 11. Februar. Im Unterhause erklärte Kolonial- staatSsekretär Harcourt. daß VrScount Gladstone von seinem Posten als Generalgouverneur von Südafrika am Ende der Session des südafrikanischen Parlaments, also etwa im Monat Juni, zurücktreten werde. Der Rücktritt sei nur auf perfön- liche Gründe zurückzuführen. Gladstone habe Anfang vorigen Jahres sein Entlaffungsgesuch eingereicht, jedoch auf dringendes Ersuchen der Reichsregierung sich bereit erklärt, feinen Rücktritt aufzuschieben, der keine Beziehung zu den jüngsten Er- eignissen in Südafrika habe. Trotz der Versicherungen kann man annehmen, daß der Rück- tritt gerade in dem jetzigen Augenblick bekanntgegeben wird, um die Empörung der englischen Arbeiter über die Deportation der südafrikanischen Streikführer zu beschwichtigen. Aenderungen im Kabinett. London, 11. Februar. Die Ernennung von John Burns zum Handels mini st er, von Master- mann zum Kanzler des Herzogtums Lancaster, von Hob- house zum Postminister und von Herbert Samuel zum Präsidenten des Kontrollamts für die Lokalverwaltung wird amtlich bekanntgegeben. Handelsminister Buxton ist zum Generalgou- v e r n e u r von Südafrika ernannt worden. Mexiko. Jndianerausstand. London, II: Februar. Daily Chronicle meldet aus New Jork: In Mexiko verschlimmert sich die Lage infolge der Erhebung der Indianer, die alle Leitungen zu zerstören drohen, welche die Hauptstadt mit Kraft und Licht versorgen. Durch die Er- Hebung werden besonders englische und andere ausländische Jnter- essen bedroht. Japan. Abflauen der Bewegung? Tokio, 11. Februar. Heute ist keine Spur von der gestri- gen Erregung mehr übrig, obgleich die Opposition ihre Aus- merksamkeit nun der Steuerfrage zuwendet und ihre Agitation durch das ganze Land tragen will, glaubt man doch, daß ihr das Rückgrat gebrochen sei und daß die Re> gierung die Krisis überstehen werde. Bei den gestrigen Unruhen wurden sechs Personen verwundet und 159 verhaftet. Der Abgeordnete K u r a b a r a, der vor dem Parlament eine Rede hielt, wurde von Polizeibeamten mißhandelt. Mus üer Partei» Zur die Einigung der bulgarischen Sozialiften Das Internationale Sozialistische Bureau hat an die Sozialisten Bulgariens folgende Adresse ge- richtet: Seit vielen Jahren mutz die Internationale schmerzlich bewegt einem Bruderkriege der bulgarischen Sozialisten zusehen. Trotz der Resolution des Amsterdamer Kongresses über die sozialistische Einig- keit, die von unseren französischen Genossen zurrst in die Tat um- gesetzt wurde und deren Befolgung von neuem durch die EinigungS- aktion der sozialistischen Parteien Großbritanniens bevorsteht, haben es die bulgarischen Parteien noch nickt für zweckmäßig erachtet, die nötigen Schritte zu emer gegenseitigen Verständigung zu tun. llnd während sie den Frieden unter den Völlern predigen� zerfleischen sie sich selbst untereinander und geben der' Welt das Schau« spiel ebenso finnloser wie ganz unbegründeter Streitigkeiten. Besonders bei den letzlen Wahlen wurden alle Leidenschaften entfesselt. Beschuldigungen wurden an den Haaren herbeigezogen, die gegenseitigen Angriffe verdoppelten sich. Jetzt, nach Auflösung des Parlaments sieben wir vor einer Fehde, die doch eine aus- schließlich gegen die Bourgeoisie geführte sein sollte. Werte Genossen I In Eurem Lande fehlt es auf allen Gebieten an Gesetzen zu Gunsten der Arbeiterklasfe. Ihr lebt unter einem Regierungs'ystem, das eine Karikatur aus Freiheit und Demokratie darstellt. Ein neuer Krieg kann obendrein die Balkanländer be- drohen, und Ihr iönnt weder zu zahlreich noch zu stark sein, um den militaristischen Kamps abzudämmen. Genossen beider Parteien! Wir haben das Recht, im Namen der gesamien geeinten Internationale zu sprechen, wenn wir Euch bilten, den Spartungen ein Ende zu machen, die Euren Einfluß mindern uud den Gegner mit Freude erfüllen. I« allen unseren Parteien gibt es verschiedene Spielarten theoretischer Meinungen, und wir wären nicht Sozialisten, wenn wir nicht als freiprüfende Männer versuchten, die Wahrheit aufzuspüren und unsere Taktik festzulegen unter Berücksichtigung der wechselnden Ereignisse und der sich wandelnden Zeltumstände. Wir bilten Euch daher, auf uns zu hören und die Verständigung unter allen bulgarischen Sozialisten anzubahnen........ Wenn die Einigung in diesem Augenblick noch schwierig ist, so führt wenigstens eine Verständigung für die Wahlen herbei. Stellt einander keine sozialistischen Kandidaten gegenüber. Ihr seid dazu ausersehen, zu wichtigen und vielleicht ausschlag- gebenden Faktoren in den nächsten Kämpfen zu werden. Ihr habt daher kein Recht, unnützerweise Euere Kräfte und Euere. Macht zu vermindern, denn der Sieg der Demokratie im Osten bedeutet eine gewaltige Stärkung der Demokratie im Westen Europas, be- deutet den sicheren Triumph der modernen Ideen in der ganzen Welt. Für das Internationale Sozialistische Bureau! Der geschäfisführende Ausschuß: E. Vandervelde. E. Anseele. L. Bertranb. C. HuySmans, Sekretär. Landrius Leichenbegängnis. Paris, 9. Februar.(Eig/Äer.) Unter massenhafter Beteiligung der Parteigenossen wurde heute Emile Landrin zu Grabe getragen. Auch viele Angehörige anderer Parteien gaben ihm das Geleite. Der Pariser Gemeinderat und der Generalrat des Seine-Departe- ments hatten Kränze geschickt. Neben dem Leichenwagen schritten Genosse Vaillant, der Vizepräsident des Gemeinderats, Le Corbeiller, der Generalsekretär der Seine-Präfektur, der Generalsekretär der Polizeipräfektur und Genosse Berthaut, Ge- meinderat des 20. Arrondissements. Im Gefolge sah man die Dienstchefs der kommunalen und departementalen Behörden, Delc- gationen der Beamtenschaft usw. Aus dem Friedhof von Bagnolet, wo Ländern beerdigt wurde, sprachen der Präsident des Gemeinde» rats Chassaigne-Goyon, der Präsident des Generalrats Q u e n t in, Vaillant, der alte Freund des Toten, I a u r« s und D u b r e u i l h. Die Leichenfeier war ein eindrucksvolles Zeug- nis der Liebe der Parteigenossen und der Hochschätzung, die der Tote auch bei den Gegnern erworben hatte. Unfallentschädigung für die Abonnenten der„Münchener Post". Wie unser Münchener Parteiblatt mitteilt, sollen nach Beschluß der dortigen Parteiinstanzen vom 1. April d. I. an seine Abonnenten gegen Todesfall und Ganzinvalidität mit 1000 M. versichert werden. Die Partei hat bis jetzt mit aller Entschiedenheit die Abon- nentenversicherung der bürgerlichen Zeitungen bekämpft. Um so bedauerlicher ist es, daß ein Parteiblatt jetzt den gleichen Weg be- schreitet. Wenn angeblich Konkurrenzrücksichten dazu veranlaßt haben, so müssen einem sozialdemokratischen Parteiblatte andere Agitations- und Werbemittel zur Verfügung stehen als die Geschäftspraktiken der kapitalistischen Presse. Das„Hamburger Echo" hat ganz recht, wenn es schreibt: „Seit die„Bolksfürsorge" ins Leben getreten ist, fehlt es doch nicht mehr an einer guten, billigen und reellen Perficherung. Jedenfalls halten wir es für ein bedenkliches Zeichen, wenn die sozialdemokratische Presse kein anderes Zugmittel mehr zur Ver- fügung hat, als die von unserer Partei bisher scharf bekämpfte Abonnentenversicherung." Auch die„Leipziger Volks zeitung" schreibt: „Dieser Schritt der Münchener Parteiinstanzen ist eine bewußte Brüskierung der Gesamtpartei. Denn der Parteiausschutz, der vor kurzem tagte,' hat mit überwältigender Mehrheit, mit 43 gegen 2 Stimmen, die Münchener Genossen aufgefordert, die Abonnenten- Versicherung fallen zu lassen, als sie ihm den Plan unterbreiteten. Diese Stellung war gegeben. Die Sozialdemokratie hat das üble Mittel der Abonnentenversicherung stets und überall mit Ent- schiedenheit bekämpft, die sozialdemokratische ReichstagSftattwn hat vor Jahren schon das gesetzliche Verbot beantragt! Die Münchener Parteiinstanzen fallen der Partei also in ihrem Kampfe gegen die Abonnentenversicherung direkt in den Rücken.... An die Vertretung der Gesamtpartei, an den Parteivorstand tritt jetzt die Aufgabe heran, den Skandal von München nach Mög- lichkert noch rückgängig zu machen. Ist das nicht möglich, so hat der Parteftag zu sprechen."_ Letzte Nachrichten. Stadtverordnetenwahlsieg in Görlitz. Görlitz, 11. Februar.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) In Görlitz waren die Stadtverordnetenwahlen vom November v. I., die mit dem Siege der Sozialdemokratie geendet chatten, auf Einspruch von nationalliberalen Stadtverordneten von der Mehrheit für ungültig erklärt worden. Heute, Mittwoch. fanden die Neuwahlen statt, die nach einem heißen Kampfe der Sozialdemokratie wieder den Sieg brachten. Auf die Liste der Sozialdemokratie fielen 4150 Stimmen, auf die des bürgerlichen Mischmasches 3995, sodaß die Sozialdemokraten mit einer Mehrheit von 150 Stimme» gewählt wurden. Gewählt sind sonach neun Sozialdemokraten. D i e gesamte dritte Abteilung, insgesamt 20 Vertreter, ist im Befitze der Sozialdemokratie. Rücktritt Kokowtzows. Petersburg, 11. Februar.(W. T. B.) Ministerpräsident Kokowtzow ist zurückgetreten. Wahrschemlickjer Nachfolger ist der frühere Ministerpräsident Goremykin. Das Finanzportefeuille, das Kokowtzow bisher innehatte, wird wahrscheinlich Bark erhalten. Der Streit um Homcrule. London, 11. Februar.(Unterhaus.) Bei vollbesetztem Hause wurde heute die Debatte über Homerule fortgesetzt. Simon sprach für die Regierung. C a r s o n erklärte, datz einiges gewonnen sei, da die Regierung den Ernst der Lage einsehe. Wenn der Versuch gemacht werde, Ulster zu zwingen, unter die Kontrolle eines Dubliner Parlaments zu kommen, so würde er ohne Rück- ficht auf persönliche Konsequenzen mit dem Volk von Ulster bis ans Ende gehen in seiner Politik de? Wider» st andes. Redmond erklärte, die Verantwortlichkeit für die Uebernahnie der Initiative in bezug aus die Unterbreitung von Vorschlägen müsse der Opposition überlassen werden.(Beifall bei den Nationalisten.) Bulke ist mit der neuen Situation völlig einverstanden, und er werde nichts dazu tun, die Lage schwieriger zu gestalten; er werde keiner Anregung die Türe schließen; die Ausschließung Ulsters sei aber untunlich. Kaufmannsgerichts-Wäbler! Handlungsgehilfen! Handlungsgehilfinnen! Freitag, den 13. Februar 1914, abends 8 Vz Uhr: Zwei öffentliche Versammlungen in den„Musiker-Tälen", Kaiser-Wilhelm-Straße 31, und m den„Arminyallen", Kommandantcnstraße 58/59. LS sprechen: Schriftsteller vi». Nva. Neichstag§-?Illg. Vr. D«!. vavick und Kollegin Nexio» k'rleNIL.naoi» über das Thema: TSSZ„Vor der Entscheidung". Jtollegitwen».Hille?-»! ÄÄÄÄÄ» SS Mstc gestalten. Deshalb erwarte« wir Massenbesuch! 7S/S Zentralverband der Handlungsgehilfen. Bureau: C SS. Münzstr. sv II. Sechster Wahlkreis. MM" Sonntag, den 13. Februar,'HM findet die Wahl eines dritten Angestellten «Uttnsr. Schwedter Str. 23/24. Oobrohlatv. Swinemiindcr Str. II. Orttndel, Wörther Str. 15. Rochtaanoi, Schlicmannstr. 39. Kantak, SSichertstr. 3. DtnchsUngcr, Schivelbeinerftr. 25. (iliesche, Kopeuhagener Str. 74. Hotkmmanii, Swinemünder Str. 47. Neavkvl, Stralsunder Str. 17. Vkainae, Hussitenstr. 35. Rain«, Schlegelstr. 9. in folgenden Lokalen statt: Hakcabacl». Perleberger Str. 58. Paersch, Oldenburger Str. 10. Richter, Wielefftr. 24. Petermann, Havelbcrgcr Str. 15. Fnnke, Driftstr. 63. Schade,«ösliuer Str. 9. Bahr, Badstr. 44. Pose, Kösliucr Str. 15. Glawe, Liebenwaldcr Str. 4. Boye. Müllerftr. 38. Tanschel, Kameruner Str. 53. Gewählt wird in der Zeit von 10—1 Uhr. Mitgliedsbnch legitimiert. Mitglieder, die Iftaxer als drei Monate mit ihren Beiträgen im Rückstände sind, können nicht wühlen. 224/20* Sozialdemokratischer Wahlverein nirden 2. Verl. Reichstags vahikreis. Morgen Freitag, de« 13. Februar, abends 8V2 Uhr, im Blücher-Vereinshans, Blücherstraße 61: IftltgUcdcr-Vcrfaintnlutig der Jiigeiidlillic» tton 18-21 Juhreii. Tagesordnung: 1. Bortrag der Genossin M. Wurm über: „Die politische Reife". 205/8 2. Diskussion._ Der Borstand. Arbeiter-Bildungsschule. Sonntag, de» 15. Februar, abends 7 Uhr, tu Königftadt-Kasino. Holzmarktstr. 72: Vortrag des Genossen Gustav Franke:„Werden und Vergehen im Weltall"(Mit Lichtbildern.) Eintritt 20 Pf. fk,4»f Garderobe frei. _ Nachdem: Gemütliches Beisammensein und Tanz. n Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. _ Telephon: Amt Norden 1387, 1233, 3714, 185. Donnerstag, den IS. Februar 1S11, abends 7 Uhr: Versammlung �==1 sämtlicher bei Berliner Firmen beschäftigten Bauklempner im Lokal„Konkordia-Festsäle", Andreasstr.«4. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Da es sich um eine wichtige Angelegenheit handelt, mutz jeder bei einer Berliner Firma beschäftigte Kollege zur Stelle sein. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet, da der Saal um 8Vz Uhr anderweitig vergeben ist.— Handzettel konnten zu dieser Versammlung nicht mehr verschickt werden. 1(2/12 Die Ortsverwaltnng. Letzte Woche! 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Manon Lescaut. Leiiiiig. Simson. Deutsches Künstler- Theater. Das Phantom. Kammerspiele. Der Snob. Komödienhaus. Kammermusik. Theater an der Weidendammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollendorfplaft. Prinzetz Greil. Luftipielbaus. Die spanische Fliege. MontiS Operetten. Die verbotene Stadt. Schiller D. Meyers. Schiller Eharlottenbnrg. Herodes und Mariamnc. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie cinjt im Mai. Kleines. Jettchen Gebert. Triano«. Anatolcs Hochzeit. Tbaiia. Die Tangoprinzesstn. Residenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelmftadtisches. gräulem Trallala. Rose. Berlin, wie es wemt und lacht. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Reichshalle«. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnle. Anfang 8'/, Uhr. Luisen. Das erste Ehejahr. Walhalla. Tangofieber. Folies Capriee. Caje Pringsheim. Der HeiratSgras. Meyersleins. Aniang 8'/, Uhr. Neues Bolkstbeater. Der Gras von(iharolais. Admiralöntlaü. Die lustige Puppe. Amüng 3 llbr. Berliner Eispalast. Eissport. EineSNollendorf-Theater.Varietö. Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenftr. 57— 62 □ □□ Thealer und Vergnügungen| DDP UTD Theatern, d. Weidendammerbrücke 8 Uhr: Wer zuleftt lacht... liater tun Hoileniiortplatz 8. s uhr: Prinzeß Gretl. Schiller-Theater 0. (W allner-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Meyers. Freitag, abends 8 Uhr: Die beiden I.eonoren. Sonnabend, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt. Sehilier-Theater Ch brü?r Donnerstag, abends 8 Uhr: Herodes und Marlamne. Freitag, abends 8 Ub>; Herodes und Marlamne. Sonnabend, nachmittags 31/, Uhr: Zopf and dichweft. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dem, der IttKt. Tbeater in der KöDiggrützer Straße 71/3 Uhr: König Richard Ul. Komödienhaus. 8 Uhr. 8 Uhr. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. 8 Residenz-Theater 8 Uhr Uhr. Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Akten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Winterberg. Morgen u. s. Tage: Hobelt- der Franz! Sonntag, 15. Febr., 3 Uhr: Gretchen. Dentsehes Jlünstlertheater Sozietät. NQrnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Noliendorf 1383. Abends 8 Uhr: Das Phantom. Freitag, 8 Uhr; Der Bogen des Odyssens.__ Theater des Westens. 8 Uhr; Polenblut. Sanntagnachm. 31/, Uhr: Gräfin FHi. Friedr.-Wiltieliiistäilt. Theater. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. ®on aÄf' GHbert. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag, 15. Febr, nachm. 3 Uhr: _ Zaplonstreieh. Reichshallen-Theater Stettiner Sänner Zimmer Mo. 1 Urkomische Burleske. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermaß. Preisen: Eine itoelizeit Iii der Miillerstr. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Winter in der Schweiz. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: Pte Sonnen 30SE=THEATE| Große Frankfurter Str. 132. 1 Berlin wie es weint ii.laebtj Anfang 8 Uhr: ireitag: Kinder der Groftftadt. öonnabend 4 Uhr: Aschenbrödel. 8 Uhr: Othello. Vereinigte Berliner Volksbühnen. I/nlsen-Theater.| Walhalla-Theater. S1/, Uhr; Abends 8-/, Uhr: Das erste Ehejahr. I Tangofleber. Große Posse m. Schaust), in 5 Akt. v. Ernst Ritterseldt. I Ges. u. Tanz in 3 Akt. v. Erich Urban. Zrsuerei 7rieckriekskam Isxlicti sukei Sonosdeticts: Das stimmiingsvollste Bayr. Bockbier-Fest. Mittwochs u. Donnerstags: Elite-Tag. Jk»ciou» — MauorstraBe 82.— Z :: Berliner:: Konzerthaus Mauerstraße 82.— Zimmorstraße 90/91. Oroßes Doppel-Konzert! Musikk. Kaiser- Alexander-Garde-Gren.-Regts. Dirig. Kgl. Musikdir. Brase und Tegernseer nnd Zillerthaler Musikanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. An allen Wochentagen Anfang 8 Uhr. An allen gp Bseiimittags-�llvzert beiE�tr Oranien-�alast Ecke Oranienstraße u. Oranienplatz. Eröffnung heute Donnerstag 8 Uhr abends. Große Sehenswürdigkeit! Die Konzerte werden geleitet von dem Kapellmeister Alexander v. (Mg- Direktion: Oskar Barton."MH Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108;114. Heute Donnerstag, den 12. Februar: Elite-Tag I Große Sehweine- Braterei Portion 90 Pf., Anschnitt 9 Uhr. Budi Winklers einzig dastehende Baycrnkapelle Im neuen Saale: Oroßer Ball. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Heute Donnerstag, den 12. Februar, abends?>/, Uhr: Große Elite-Vorstellung U. a.: Dir. Alb. 8chamana mit seinen unerreichbaren Orig.-Schul- u, Freiheitsdress. Ku- Ka- Di Goldmephisto. Original Elttie Freds Akrobat, u knnstreifc. Hunde. Ecach-Eaqaina-Trlo Drahtsoüakt. BW Um 91/, Uhr:"WS Das neue gr. Ausstatt. i. 7 Bildern «Tipp" der Derby-Favorit 1914. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 12. Febr., abends 7>/, Uhr: Grofter Novitäten'Abend. U. a: Ed. WnlMs B Terrier als lullgyniDasliker. Ferner Die Eessems in ihrem akrobatiichcn Sketch „Artisten klader". sowie Austreten aller gr. Attrakt. Zum Schluß: „Fompeji". Orig. Ausilatwugs-Pantomime des Zirkus Busch in 5 gtänz. Llkten. IBellouel-Theelel. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Boise um die Erde in 40 Tagen. Neues Programm! Madge Lessing und Fred Wrighf Grock u. Lole Komisches Musik-Duo The Perezofks Jongleurszene „Un souper ohez Maxim" und die von Publikum und Presse glänsend benrteilten Febrnar- Attraktionen! — Rauchen gestattet!— Apollo-Theater. 8 Uhr. Tel.: LOtzow 2757. 3 Uhr. Zum 50. Male: Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Haristein. AM- Lache» ohne Pause.-Ma Hänchen gestattet! fConurdia-Fes'iä'e 64 Andrcasstrar. se 64 i Jeden Donnerstag u Sonntag: Üoiree der Hoffmann-Sänger A' fang 8 I hi. ■Vach der Soiree: Frei-Tanz. ' Vonugskart. Kaven Gültigkeit ßeFliner Praler-Tliealer Kastanien-AUcc 7/9. Donnerstag, den 12. Februar: Gastspiel deS Boigt- Theaters. In letzter Stunde oder Schickfalswellen. Voilsst.»i. Ges. i. 4 Att. v. Niedt u. Ely. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. S'j, Uyr. Trianon-Theater. Täglich abends 8 Ubr: Analole« Hochzeit. Felles Capriee. ,/ Caf6 Pringsheim ö1/. I Der Heiratsgrat 4( Mcycrstein« Admiralspalast. Eis-Arena. Die wilden Feuerfresser in ihren fanatischen Martern. Mister Rappo, der AusbrecherEhnig. Enf esselbar! gM" Lebend!"Wyz Ohne Exlra-Entree. __ Tägüch:_ Sie lustige?uppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von KP/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. liier- Abteilnng. Casinos Theater Lothringer Slrane 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Bolisstück: Die olle Webein. Dr-Berl. Figuren, Ur-Berl, Humor! Einziges Thealer in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner-Bühne. Sonntag 4 Uhr� Mutterliebe� fharlottenburger Festsäle, � Charlottenbg.,Kais.-Friedrichst.24. ��Sül'en"-"""' Großer Laß. 2 Kaoellen. Ansang 8 Uhr. 21/4 Eintritt und Tanz frei. "Für oeu Innait»er Zu crarr »vcruimnll»ie Redattion ütm Publikum gegenüber keinerlei Peranrn-nrru» g. lverantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Veriagsanstall Paul Singer öt Co., Berlin LVV. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltuugDbl. Nr. 42. 31. Jahrgang. 1, gtilijt des JotiDiirts" Kerlim Dannersiag. 12. Februar 1914. Gewerkschaftliches. Klassenkampf und Einheitsorganifation. Entschiedene, und zwar entschieden bewußte Klassen- känlpfcr und erbitterte Feinde der Organisationszersplitterei sind die— Unternehmer. Am meisten gilt das von den rück- sichtslosen Scharfmachern. Sic sind brutal, konsequent brutal aus itlassenbetvußtsein. Einen schönen, aber auch sehr lehr- reichen und darum vor allem beherzigenswerten Beweis dafür liefert die„Vereinigung der Arbcitgebervcrbände" durch eine Kundgebung gegen die kürzlich gegrüirdcte �trcikversiche- rungsgesellsckiast unter der Firma„Deutscher Jndustricschutz- verband", Sitz Dresden. Die Zentralverbändlcr fürchten ossenbar, daß durch die erwähnte Vereinigung die Neigung zu Verhandlungen mit den Arbeitern gestiitzt werden könnte. Tarin sieht man eine Gefährdung des Herm-im-Hause-Staiid- Punktes, eine Versündigung wider die Heiligkeit des itidu- striellcn Absolutismus. Deshalb redet die„Vereinigung" den Unternehmern in einer Mitteilung sehr eindringlich ins Gc- wissen und versucht, ihr Klassenbewußtsein zu stärken, ihrem Klassendünkel zir kitzeln. In der demerkenswerten Kund- gcbung wird betont, daß mit der„Vereinigung", also mit der Zusammenfassung aller Unternehmer, ihr„solidarisches" Zusammengehen z u ni Schutze des Gesamt- i n t c r e s s c s" gestärkt worden sei. Der Jndustrieschutzver- band beschwöre jedoch die Gefahr herauf,„die Aufmerk- sainkeit des Arbeitgebers von dem großen sozialen Zweck der A r b e i t g eb e r o r g a n i s a- t i o n" abzulenken. Das Aufleben der Souderorganisation fei geeignet, von dein Wege des geschlossenen Zusammen- Wirkens abzulenken, in den. Kreisen der Unternehmer„V e r- wirrung und Zersplitterung auzurichtc n". Dieser Appell an das Klassenbewußtsein der Unternehmer, dieser Werberuf für die Einheitsorganisation ist eine wahre Herzstärkung in dieser Zeit der Hetze gegen die geschlossene Arbeiterorganisation und für Zersplitterung innerhalb der Arbeiterschaft. Was besonders zu beachten ist: dieselben Leute, die für sich das„solidarische Zusammengehen" als oberste Tugend herausstellen, die programmatisch das Einzelinteresse dem„s o z i a l e n Z w c ck d c r... O r g a n i- f a t i o�i" untergeordnet wissen wollen, sie predigen dem Ar- beitcr Strcikbruch als verdienstliche Tat, den Verrat von Ar- bcitsgenosscn als staatsretterisches Tun, die Befriedigung des krassesten persönlichen Egoismus als lobenswerte Pflichterfüllung. Warum das noble, warum das widerspruchsvolle Verhalten? Ganz einfach darum, weil Streikbrccherei und dergleichen Taten, die das Unternehmertum mit verlogenem Lob und schmählichen Trinkgeldern lohnt, dem Klasseninteresse der Ausbeuter dient. Dieses Klassenintercsse zu fördern, ver- schinäht das Unternehmertum kein Mittel. Es schmäht über Klassenkampf und führt ihn selbst in der schärfsten Weise, es gaukelt den Arbeitern etwas vor von Harmonie der Int«- essen und die eigenen Berufs- resp. Klassengenossen warnt man vor Harmonieduselei, reizt sie auf zu rücksichtsloser Nieder- zwingung der Arbeiter. Dieselben Leute, die gelbe Arbeiter- vereine gründen und durch Subventionen fördern, die jede Zersplitterung der Arbeiterschaft als Segen preisen, die bald als religiöse, bald als konfessionelle, dann wieder als nationale Hetzer auftreten, um ein„solidarisches Zusainmeiigclteit" der Arbeiter zu verhindern, erstreben für sich selbst die festgefügte Einheitsorganisation. Mit dem Auseinanderhetzen der Arbeiter, wobei bedenk- liche und zweifellos schofele Mittel unbedenklich angewandt werden, ist das geschlossen vorgehende, durch keine gesetzliche Schranke behinderte Unternehmertum nicht zufrieden, das möchte auch nock> das kümmerliche Koalitionsrecht der Arbeiter weiter verschlechterm Und auch das wieder lediglich aus dem Bestreben, das eigene„solidarische Zusammen- gehe n" und den„großen sozialen Zweck der Ar- beitgeberorganisatio n" zu fördern. Aus Klassenbewußtsein fördern die Unternehmer die Einheitsorganisation für sich, im bewußten Kampf gegen die Arbeiterschaft betreiben sie die Zersplitterung der Arbeiter- schaft und die Vernichtung ihres Koalitionsrechts. Das Klassenbewußtsein und ihr Klasseninteresse muß daher auch alle Arbeiter zu einem Heer gegen die feindlichen klassenkämpferischeu Pläne des Ausbentertums zusammenschweißen. Dem organisierten Vorstoß der Unternehmer gegenüber müssen alle Meinungsverschiedenheiten zurück- treten. Zur Verteidigung ihres Koalitionsrechts gehören die Arbeiter unbedingt zusammen. Der„s o z i a I e Zweck" der Arbeiterbewegung erheischt dringend ein unbedingtes solidari- sches Zusammengehen aller Arbeiter, aller Proletarier, aller Ausgebeuteten!_ öerlin und Umgegenö. Achtung, Mctallarbcitcr! Der Streik bei der Firma Gebr. Beermann, Vor dem Schlesischcn Tor, dauert uiwcräudcrt fort. Wir ersuchen die Arbeiter aller Berufe, Arbeitsaugebotc der Firma Gebr. Becrmann streng zurückzuweisen. Deutscher Metallarbeitervcrband.(Verwaltungsstelle Berlin.) Ein Tarifvertrag im Berliner Fleischcrgewerbe ist nach einem Waschzettel, den die Redaktion der„Allgemeinen Fleischerzeitung" versendet, zustande gekommen. Die Berliner Fleischeriunung bat diesen Tarif danach unter Zustimmung des Gesellenausschusses für die Tauer von Z Jahren geschaffen. Nur schade, daß dieser Gesellen- ausschuß nur etwa 150 Gelbe hinter sich hat. Für die Gesamtheit der übrigen Berliner Fleischer hat der Vertragsabschluß keine Bedeutung. Es handelt sich bei diesem„Tarifvertrag" um nichts anderes, als den Versuch einer Abwehr der Zcntralverbandsforde- rungen. Das sieht man auch an den einzelnen Positionen. So läßt der Jnnungstarif eine llstündige tägliche Arbeitszeit und Ueberstunden(aber nur unter Zustimmung der— Meister!) zu. Die Gesellen verlangen eine ILstündige Arbeitszeit. Das ist gewiß auch bescheiden genug. Lohn ivollen die Meister pro Woche 12 M. mit Kost und Logis geben an Gesellen, welche mindestens c i n Jahr in Berlin gearbeitet haben! Das Originellste ist das Schiedsgericht, das der Jnnungstarif vorsieht. Tasselbe soll näm- lich bestehen aus zwei Mitgliedern des Jnnungsvorstandes und zwei Altgesellen. Eine Berufung gegen die Entscheidungen dieser einseitig zusammengesetzten Kommission soll es nicht geben.— In Neukölln hat mau vor Jahren auf ähnliche Weise dem Vor- dringen des Zentralverbandes einen Damm entgegenzusetzen ver- sucht. Von dem dortigen Jnnungstarif spricht man einfach nicht mehr. So wird es auch in Berlin gehen. Wollen die Jnnungs- ineister einen Tarif, so müssen sie sich schon nach einem Tarif- kontrahentcn umsehen. Als solcher kommt nur der Zentralverband in Betracht. Die gelben und innungstreuen Gesellen haben für das Schlächtergewerbe in Berlin keine Bedeutung. Deutsches Reich. Besondere Arbeitslosenunterstützungen im Sattler- und Portefeuillerverbande. Durch die außerordentlich umfangreiche und langanhaltcnde Arbeitslosigkeit im Sattler- und Portefeuillesgewerbe fühlte sich Vorstand und Ausschuß des Sattler- und Portefeuillerverbandes zu einer außerordentlichen Hilfsaktion veranlaßt, um so den in Not geratenen Kollegen über die statutarischen Bestimmungen hinaus Unterstützung zu gewähren. Es kann allen ausgesteuerten Mitgliedern, die zurzeit arbeitslos sind oder bis zuin 3l. März d. I. arbeitslos und ausgesteuert werden, eine besondere Arbeitslosen- Unterstützung bis zu 14 Tagen in der Höhe der Klasse gezahlt wer- den, für die das Mitglied bezugsberechtigt ist. Tix bezogene Extra- Unterstützung kommt bei einem späteren Unterstützungssall nicht in Anrechnung. Dasselbe ist bei solchen ausgesteuerten Mitgliedern der Fall, die sich in der Zeit vom 16. Februar bis 31. März d. I. auf die Reise begeben. Es steht zu erwarten, daß auch die Lokal- lassen für den gleichen Zeitrauni zu dieser Extraunterstützung einen Zuschuß gewähren. In Berlin sind bei 4666 Mitgliedern gegenwärtig über 560 arbeitslos, von denen zirka 300 im Genuß dieser Unterstützung kommen. Im Offenbacher Gebiet liegen die Verhältnisse ähnlich so. Tie Arbeitslosigkeit würde noch größer sein, wenn nicht in den Tarifverträgen Vorsorge getroffen wäre, daß erst die tägliche Ar beitszeit auf 7 Stunden verkürzt werden muß, ehe Arbcitcrcnt- lassungcn vorgenommen werden dürfen. In vielen Betrieben wur- den Vereinbarungen getroffen, wonach täglich nur 4 Stunden ge- arbeitet wird, um Entlassungen zu vermeiden. Bei dieser Gelegen- heit zeigt sich die gewerkschaftliche Solidarität der organisierten Berufskollegen. Viele von ihnen verdienen zurzeit weniger, als die Arbeitslosenunterstützung ausmacht, aber sie begnügen sich da- mit, um die Verbandskasse nicht allzu sehr zu belasten und um das Heer der Arbeitslosen nicht noch mehr zu vergrößern. Ter Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe sendet uns unter völlig deplacierter Berufung auf den si 11 des Preß- gcsetzes eine recht erregte Zuschrift wegen unserer Veröffentlichun- gen über die Genehmigung von Tarifverträgen im Baugewerbe. Unsere Mitteilungen werden als„unwahr" nnd-„verleumderisch" gekennzeichnet und die offiziellen Mitteilungen in der Fachpresse in einen Gegensatz zu ihnen gebracht. Der Arbeitgeberbund sucht den ihm und den Bezirksverbänden gemachten Vorwurf der Ver- zögerung und Behinderung der Vertragsgcnehmigung mit einigen allgemeinen Bemerkungen zurückzuweisen, indem er die aufgestellten Behauptungen einfach als unrichtig bezeichnet. Ginge es nach ihm, dann wären längst alle Verträge unter Dach und Fach, weil er nur„einige Bedenken" gegen die Fassung„einzelner Vertrags- bestimmungen" hatte, die als beseitigt zu betrachten sind. Zu diesen Bedenken des Arbeitgeberbundes gehörte, wie wir erklärend mitteilen wollen, auch die Auffassung über die xbcliebigc Ausscheidung der Bauhilfsarbeiter aus dem neuen Vertrage, wo sie bisher nicht mit im Vertrage aufgenommen waren. Es gehörte dazu die Auffassung, daß einzelne Orte aus dem Vertragsvcrhält- nis ausscheiden könnten, obgleich beide Vertragsparteien an den Orten Mitglieder haben, lind— man beachte die Konsequenz in der Auffassung des Arbeitgeberbundes— sie wurde ebenso hart- näckig verteidigt wie die andere Forderung, daß die-Arbeiter- urganisationen selbst in den Orten an das Vertragsmuster ge- Kunden sind, in denen der Deutsche Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe nachweislich keine Mitglieder hat. Die Sache ist durch das Haupttarifamt entschieden. In ihren ersten beiden Teilen war sie übrigens schon durch das Zentralschiedsgericht in der vorigen Ver- tragsperiode entschieden. Aber erledigt ist sie deshalb nicht. Wir haben darauf hingewiesen, daß zu denjenigen, die auf Seite der Unternehmer der glatten Erledigung der Tarifverträge den größten Widerstand entgegensetzen, u. a. auch der Pommersche Provinzial- arbeitgeberverbaud gehört, der sich weigert, in den Orten Misdroy, Zinnowitz, Fiddichow, Greifenhagen, Tempelburg, Belgard, Regen- Walde, Camin, Schivelbein und Stargard i. P. Verträge abzu- schließen. In einem Schreiben vom W. Januar lehnt er es g r» ii d s ii tz l i ch ab, irgendwelche Tarifabschlüsse vorzunehmen. Der Arbeitgeberbund sucht in seiner„Bc- richtigung" es zwar so darzustellen, als wenn die Verhinderung dieser Abschlüsse aufsirgeudeine Weigerung der Arbeiter zurück- zuführen fei, die etwas nicht anerkennen wollten. Aber wie aus dem Schreiben des Pommerfchen Verbandes hervorgeht, berichtet er hier etwas Unwahres. Bei solcher Unzuverlässigkeit in seinen Angaben ist auch kaum anzunehmen, daß er bisher etwas getan hat, um seinen Bezirksverband auf den rechten Weg zum Vertrags- abschluß zu bringen. Das Verschwinden der 22 Verträge in Thüringen sucht der Arbeitgeberverbaud ebenfalls mit ein paar Worten abzutun. „Wenn die Bauarbeiterverbände sich nicht länger sträuben wollten usw., so werden die meisten Verträge sehr schnell ihre Erledigung finden." Wenn- der Arbeitgeberbund an i>er Hand des Protokolls der Sitzung des Tarifamts in Erftirt vom 6. September 1013 feststellen wollte, für. welche Verträge denn eine Weigerung der Arbeiter überhaupt in Frage kommt. Wir haben derichtet, daß diese 22 Verträge von den örtlichen Parteien �unterzeichnet sind; und trotzdem sind sie den Zentralvorständen zur endgültigen Genehmi- gung nicht vorgelegt worden, obwohl zur Zeit der örtlichen Unter- Zeichnung keine Entscheidung des Haupttarifamts vorgelegen hat, die eine Acnderuug verlangt hätte. Wer hat dem Bezirksverband oder dem Vorstand des Gesamtverbandes das Recht gegeben, solcke Verträge einfach zurückzuhalten? Solange der Vorstand des Ar- beitgeberbundes sich um diese Antwort herumdrückt, ist es wohl nicht zuviel behauptet, wenn wir sagen, daß sich der größte Wider- stand— unberechtigte Widerstand— auf Unternehmcrscite bc- merkbar macht. Zu den Vorgängen in Mecklenburg weiß der Arbeitgeberbund nichts zu berichtigen. Sie sind also als völlig lvahr unterstellt anzusehen. Und da der Arbeitgeberbund auch nicht ein Wort des Tadels für solche Handlungen übrig hat, so dürfen wir getrost wiederholen, was wir am Schlüsse unserer ersten Notiz sagten: ein netter Vertragskontrahent! 40: 50. Mit 10 Mark fing es an, mit 50 Mark hört eS auf. Die Zaberner Geschichte nämlich. Denn im November anno ckomini 1913 verhieß der Leutnant Freiherr v. F o r st n e r, noch ohne Ähnung, daß er damit in die Reihe tcutscher Nationalhelden aufrücken werde, jedem Musketier, der einen„Warfes" zur Strecke brächte, 10 Mark Belohuung, und der Sergeant Höflich— luons a nou lue endo! fügte dieser öffentlichen Auslobung eine Prämie von 3 Mark hinzu. — Dann kam alles das, was man kennt: die Enthüllung von F o r st n e r s Beltgehennnissen, die lackenden Kinder, der wütende Oberst, die säbelrasselnden Leutnants, der Trommelwirbel auf dem Schloßplatz, und hast du nicht gesehn, saßen drei Dutzend Zaberner Bürger im Pandurenleller traulich beisammen. Dann rollte die Lawine mit Donnergepolter weiter und begrub die elsaß-lothringische Regierung und es kam alles das, was man auch kennt. Aber den Inhaftierten vom 28. November, die sich füglich zu einem Pandurenkellcrinsassenverciu zusammentun könnten, wandelte weder der Freispruch des Herrn v. Reuter noch seine Behängung mit einem Orden, noch seine ehrenvolle Beförde- rung zum Kommandeur der 12. Grenadiere das gärende Drachengift in den Adern in die Milch der frommen DenkungSart um. Sondern sie gingen hin und klagten, klagten gegen den Militärfiskus auf Entichädigung für die Nacht, in der sie die(allerdings etwas primi- tive) Innendekoration des Pandurenkellcrs hatten gründlich studieren können, denn der eine hatte sich einen Schnupfen geholt und der andere Zahnschmerzen und auf den dritten hatte die Gattin, die sorgende, in der Meinung, er habe die Nacht am Kneiplisch zu- gebracht, hei der Heimkehr einen konzentrischen Angriff mit dem Besen gemacht. Zivilrichter, die immerhii�vor den Herren v. Jag ow und v. Oldenburg nicht ganz so stramm die Harfen zusammen- schlagen wie mancher andere, sollten also die Vorgänge vom 28. November noch einmal nachprüfen. Aber der MilitörfiskuS will es dahin nicht kommen lassen und bietet jedem der Insassen des PandurenkellerS aus freien Stücken eine Entschädigung von 50 Mark an! Wir kennen also jetzt die feststehende Taxe: ein Soldat, der einen„Warfes" über den Haufen sticht, erhält 10 M. Prämie, ein „Warfes" aber, der von Soldaten in den Pandurenkcllcr gesperrt wird, bekommt 50 M. Entschädigung. Von 10 zu 50 M.— das ist, werden Spötter sagen, die einzige wirkliche Steigerung, die der Fall Zabetn gezeigt hat. Aber was Spötter und Spott I Wenn 50 M. bar auf den Tisch des Hauses gezahlt werden, ist die Sache zu heilig, als daß man in der kapitalistischen Ordnung darüber leicht« d erzig spotten dürfte. 50 Vi. find 50 M., und wenn der Leutnant Schab noch aus eigenem 3 M. für den Jüngling zulegt, den er verhaftete und dem bei dieser Gelegenheit ein Backenzahn aus dem Munde fiel, so ist die unangenehme Geschichte ganz und gar im Lot. Den echipreußischen Leuten tvird freilich diese schiedlich-friedliche Lösung nicht sonderlich behagen. In einer Zeit der Arbeits- losigkcit wäre, zumal in einem so strengen Winter wie heuer, mancher arme Teufel froh, wenn er in einem fiskalischen Gebäude nächtigen dürfte. Die Zaverner Bürger aber haben eine ganze un- gestörte Nacht in dem Pandurenleller verbracht, dessen Temperatur nachweislich so rivierahaft milde ist, daß selbst kälteempfindliche Tiere wie Ratten und Mäuse in diesem Raun? zu überwintern pflegen. Und zudem sind die unfreiwilligen Trockenwohner des berühmten Kellers morgens in aller Frühe, als noch kein Hahn nach ihnen krähte, mit Kaffee Und Kommißbrot—„Kaiserkuchen" nannte es einer der servierenden Musketiere— gelabt worden. Und statt daß diese Zaberner„Panduren" für diese schier arabische Gastfreimdschaft zahlen müssen, sollen sie selbst noch bezahlt werden! Das ist das alte Preußen nicht mehr, das durch Trommel-und Krückstock groß geworden ist. Die demokratische Sintflut kommt! Rette sich, wer kann! Auf der anderen Seite murren schon einige Narren, mit Gold lasse sich die Verletzung der bürgerlichen Ehre und der bürgerlichen Freiheil nicht gutmachon und nach dcni Freispruch der an der Inhaftierung schuldigen Offiziere sei dieses Angebot eigentlich der ärgste Schimpf. Dummes Zeug! Wird etwa bürgerliche Ehre auf der Börse gehandelt? Steht etwa bürger- liche Freiheit aus dem Kurszettel? Na also! Aber 50 Mark sind 50 Mark! Der Junker v. Oldenburg hatte unrecht, als er meinte, lieber sitze ein Patriot eine Nacht unschuldig im Panduren- keller, als daß er eine Schädigung der inilitärischen Autorität zu- lasse. Aber eS stimmt, daß ein Patriot mit vergnügten Sinnen im Pandurenleller sitzt, sobald ihm dafür 50 Mark auf die flache Hand gezahlt werden. Auch ein wenig Schnupfen nimmt er in Kauf und einige Zahnschmerzen, und die Besenstöße der sorgenden Gattin am anderen Morgen lveiß ein halbwegs gewandter Fechter mit dem Spazierstock leidlich zu parieren. Die Militärwillkür hatte schon mit den beiden Straßburger Urteilen gesiegt, aber wenn sie noch nach dem Portemonnaie greift, wird sie geradezu unwiderstehlich und macht sogar moralische Eroberungen. Hätte man gleich am 29. No- vember die Pandurenkellermaimschaft antreten lassen i„Lumpen! Die Mützen ab vor einem königlich preußischen Oberst I" und hätte dann jedem durch den Regimentszahlmeister 50. ach was! 20 M. aufzählen laffen. kein liberaler Musikante hätte auf seiner Orgel die Walze weinerlicher Entrüstung drehen brauchen, sondern dankbar hätte das Bürgertum diese Rückvergütung eines Teils der Milliardcnspende anerkannt. Bürgerliche Ehre? ein leerer Schall! Bürgerliche Freiheit? ein blauer Rauch! Aber 5V Mark sind 50 Mark, und wenn gar ein blauer Lappen ausgeworfen wird, setzt sicki das ganze deutsche Bürgertum freiwillig eine Nacht in den Pandurenleller und singt noch: Deutschland, Deutschland über alles! dazu. Karl Ludwig. kleines Feuilleton. Patriotismus. In der Heimat die starken Wurzeln seiner Kraft zu fühlen, in ihr und süx sie zu tvirken, das ist es nicht, was heute den„Patrioten" ausmacht.„Patriot" sein heißt: mit einer unfähigen. von selbstsüchtigen Cliquen beherrschten Regierung durch Dick und Dünn gehen: heißt: statt dem Verdienst Achtung zu zollen, gleich- gültigen, durch Zwang aufrecht erhaltenen Machtfaktoren eine bhzan- tinische Afterliebe zu erweisen i heißt: bei Festen und Banketten hohle Reden mit Hurra! begrüßen; heißt„Spalier bilden"(eS gibt wohl nichts Entwürdigenderes für den Menschen, als die Fassette zu sein, in der andere sich bespiegeln. Die römischen ZSsaren kauften sich ihr Pöbelstakett, kein antiker Mensch hätte sich zu solch' demütigender Rolle hergegeben.) Patriot heißt: Das Maul halten, wo physische und geistige Leiden schreien möchten! Patriot fein, heißt: um Himmelswillen nicht verraten, daß man im Sinne der Mächtigen keiner ist. „Patriotismus" ist zu einer Verdauungsgebärde der Satten ge» worden. Nur wer sich seine Vaterlandsliebe im Drang des Lebens täglich neu erkämpfen, neu befestigen muß, besitzt sie wirklich. Wem sie die Krippe ist, aus der erzfich nährt, hat kein Recht, sich ihrer zu rühmen. Im Niedergange ist das Volk, deffen Glieder„Patrioten" sind, nur, weil sie anders nicht„Carriöre" machen.� Aus dem Bewußtsein und dem Glauben, daß die Geschicke der Nation so gelenkt werden, daß alle Freude an der Entwickelung der Staates haben können, erwächst die wahre Vaterlandsliebe. Und dazu braucht's vorderhand nichts Ehrlicheres, nichts Mutigeres und nichts Notwendigeres als nicht„Patriot" zu fein. Mein Stockwerk— mein Haus. AuS Paris wird der„Köln. Zeitung" geschrieben:„Im Champs-dc-Mars-Viertel wächst ein Neubau seiner Fertigstellung entgegen, der einige Besonderheit für sich in Anspruch nehmen kann. Nicht im Aeußern! es ist ein Bau wie viele andere, in Sandstein, mit Ballonen und undurchdachtem Skulpturenschmuck. Das Besondere an ihm ist, daß er, obwohl Etagenhaus, nicht Miethaus sein wird. In der Tat- wird hier zum ersten Male in Paris ein Prinzip durchgeführt werden, das, wie man sagt, in der Provinz, in den Bezirken von Lyon und Grenoble, schon mit Erfolg verwirklicht ist: die einzelnen Stockwerke werden nicht ver- mietet, sondern— verkaust. Der Grundgedanke, aus dem diese Idee geboren wurde, oder doch geboren sein könnte, ist volkswirtschaftlich nicht uninteressant, und seine Folgerungen könnten von sozialer Bedeutung sein. Einmal durch die Festigung der Familien mittel«„Grund- besitzeS".(Das Wort paßt hier nicht ganz und ist bester durch Wohnbesitz zu ersetzen.) Ferner durch Einschränkung der Miet- spekulation, deren Unzuträglichkeiten in dieser Zeit der Rietzin»» Wieder einmal Erfurter Ttreikjustiz. !?ci dem Streik der Chauffeure des TaxameterfuhrgeschäftS von August König in Erfurt war der Telephonist Hoffmann eben» fall? mit entlassen worden, weil er das Verbrechen beging, sich mit d�n Streikenden zu unterhalte», �jm Verlaus des Ausstandes suchten nun H. und einige andere Ausständige den Arbeitswilligen Rudolf Weidncr zu veranlassen, mit in eine Versammlung zu kommen. Wcidner verhielt sich nicht ablehnend, gebrauchte aber Ausflüchte. Nachträglich erst fiel dem Arbeitswilligen ein, er sei beleidigt worden und nun erstattete er Anzeige gegen einige Streikende, auch gegen H. wegen Beleidigung und Nötigung, obwohl dieser noch bei der Unterredung gesagt hatte:„Laßt ihn g e h c n: c r in u ß w i s s e n, w a s c r z u t u n h a t!" Der Arbeits- willige Weidner selbst ist inzwischen wieder auf Veranlassung der Polizei entlassen worden, weil er vorbestraft ist. Der Staatsanwalt beantragte für die„Beleidigung", sür die der Arbeitswillige der einzige Belastungszeuge war, zwei Monate Gefängnis. Das Gericht, unter Vorsitz des durch seine starken Streikurtcile bekannten Landgerichts- dircktor Dr. S i e b e r t, erkannte auf drei Monate Gesang- n i s, mit der Begründung, das Wort„Streikbrecher" sei eine sch w e r e Beleidigung eines Arbeiters, weil es sagen solle, daß ein Arbeitswilliger aus der Achtung jedes anständigen Menschen ausscheide. Das sei eine Auflehnung gegen die Staatsautorität. Ob unsere Juristen glauben, daß ein„Arbeitswilliger" in der Achtung der anständigen Menschen steigt, wenn man ihn nicht Streikbrecher nennen darf, ohne auf. Monate ins Gefängnis zu fliegen? Keine Aussperrung�iu der Schuhindustrie zu Speyer. Die von der Firma B. Roos in Speyer angedrohte Aussperrung konnte noch in letzter Stunde verhindert werden. Nach einer Unterhandlung mit der Firma und den Vertretern der in Betracht kommenden Or- ganisationen hat die Firma die schriftliche Erklärung abgegeben, daß sämtliche von ihr erfolgten Kündigungen als zurückgezogen gelten, wenn am. Montag die Arbeit fortgeietzt wird. Eine Ver- snmmlung der beteiligten Arbeiter entschied in diesem Sinne, so daß damit der Ausbruch eines schweren Kampfes verhütet wurde. Lohnrebuktioneii und Arbciterentlassungen hat die Firma Chr. Lob Söhne, tzolzschuhwarenfalwik in Kaiserslautern ihren Arbeitern angekündigt. Bei dieser Firma läuft am 13. Februar dieses Jahres der Tarifvertrag ab. Sie verlangte von den Ar- bcitern die Einreichung ihrer Forderungen zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages. Diesem Wunsch kam die Arbeiterschaft nach. Die Antkrmrt der Firma war die Aushängung eines Lohntarifes, der eine Lohnreduktion von 5 bis 1» Proz. gegenüber den zurzeit gültigen Akkordlöhnen bedeutet, und schon am 15. Februar in Kraft treten soll. Die Arbeiter reichten darauf ihre Kündigung ein. Die Firma beabsichtigt, einen Schlag gegen die Organisation zu führen. Sic bat bereits in den übrigen Abteilungen sämtlichen organisierten Arbeitern gekündigt. Die Wahlen zur Grtskrantentasse für öas Suchöruckgewerbe zu Serlin. Die Wahlen finden am Sonntag, den 13. Februar, von bor- mittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr statt. Wahlberechtigt istjedeS männliche und weibliche Mitglied der Kasse, welches das 21. Lebensjahr volleudet hat. Die Wahlausweise können im Kassenlokal, Alexandrinenstraße 44, von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr in Empfang genommen werden und find mit dem Vor- und Kunanien des Wählers zu versehen und vom Arbeitgeber zu unterichreiben bezw. zu unterstempeln. Als Wahlausweis genügt auch eine vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, daß derselbe am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht. Die freien Gewerkschaften.Verein der Berliner Buch- drucker und Schriftgießer",.Verein der Buch- und Steindruck-Hilfsarbeiter und Hilfsarbeite- rinnen" und„Deutscher Büchbinder-Verband(Zahl- st e l l e Berlin)" haben gemeinschaftlich Liste l aufgestellt. Die Jersplitterer in der Arbeiferbelvegung. die sogenannten Christlichen im Gutenbcrgbunde, liaben unter dem Namen„Nationaler Wahlausschuß" eine eigene Liste aufgestellt. Der„Gulenbcrgbund". der in Berlin kaum soviel Mitglieder hat als Ausschußmitglieder mit ersten und zweiten Stellvertretern zu wählen sind, verkündet bombastisch, daß er „das Monopol der„freien" Gewerkschaften beseitigen und einer nationalen Vertretung auch in unserer OrtSkasse die Wege ebnen will." Arbeiter und Arbeiterinnen im Buchdruckgewerbe! Stimmt am Sonntag, den 13. Februar, geschlossen für Liste l. Zeigt durch eure geschlossene Abstimmung, lvie ihre jene Elemente einschätzt, welche durch ihr Verhallen bei dem jetzigen Kampfe unserer österreichischen ArbcilSbrüder wiederum bewiesen haben, was die Arbeiterichaft von ihnen zu erwarten bat. Da die Wahl am Sonntag, den 13. Februar, pünktlich um 9 Uhr beginnt und pünktlich um 2 Uhr geschlossen wird, so daß nur die- jeiiigcil ihr Wahlrecht noch ausüben können, welche um 2 Uhr im Wahllokal anwesend sind, werden die Wähler ersucht, sich möglichst zeitig zur Wahl einzufinden. Zum ersten Mal unter der neuen ReichsversicherungSordnung werden die Wahlen zum Ausschuß der Kasse nach dem System der Proportionalwahl vollzogen. Jede Stimme ist notwendig! Gebe jeder am Sonnlag, den 13. Februar seine Stimme der ' Liste I. Soziales. Eine Liebesheirat vor dem Kaufmannsgericht. Der Konflikt zwischen Vater und Sohn um einer Liebesheirat willen fand vor der 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts seinen Abschluß. Es klagte dort der Handlungsgehilfe Collin gegen seinen Vater, den Königlichen Hosbuchbinder W. Colli», auf Ge- haltszahlniig bis zum 1. April d. I. C. jun. war seit Jahren im väterlichen Geschäft tätig, bis es durch folgende Geschehnisse zum Bruch kam. Der Sohn hatte sich mit einem achtbaren, aber armen jungen Mädchen verlobt. C. scn. verlangte aber von dem Sohne, daß er eine reiche Heirat eingehe. AIS er von der Verlobung er- ftlhr, geriet er in große Wut und beschimpfte sowohl den Sohn wie dessen Braut. Zum vollen Bruch zwischen Vater und Sohn kam es, nachdem Mitte November vorigen Jahres die Heirat des Sohne? vollzogene Tatsache wurde. Drei Wochen später erhielt der junge Ehemann vom Vater die Kündigung. Das Angebot des Vaters, noch bis zum 1. April das Dienstverhältnis fortzusetzen, lehnte der Kläger ab, weil er sich durch den Ausdruck„Blödsinn", den der Vater in einem Briefe an ihn gebraucht hatte, beleidigt fühlte. Wie der Kläger in der Verhandlung ausführte, sei er als 28jähriaer Mensch wohl Manns genug, sich selber bor seinem Gc- wissen über seine Handlungsweise Rechenschaft zu geben, und bc- dürfe nicht der Bevormundung des Vaters, besonders nicht, wenn sie in dieser Form geschehe. Er stehe nach wie vor auf dem Stand» Punkt, daß in der Frage der Ehe die persönliche Zuneigung, nicht der Geldpunkt ausschlaggebend sein müsse, und er babe darum seine Braut geheiratet, obgleich sie ein armes Mädchen gewesen sei. Deswegen lasse er seine Frau und sich noch lange nicht beleidigen. Das habe aber sein Vater getan. Seine Frau habe er ausgc- schimpft, und zu ihm selber habe er gesagt:„ES ist eine Schuftig- keit und Gemeinheit von Dir, daß Du dies Mädchen heiratest." Wegen dieser Aeußerungen habe er, Kläger, auch schon die Bc- leidigungsklage anhängig gemacht.— Der Beklagte ließ dem Kläger durch einen Vertreter das Gehalr für einen Monat in Höhe von 149 M. bieten, wenn er die Klage beim Kaufmannsgericht und auch die Beleidigungsklage zurücknähme. Das Gericht schien sich auf den eigenartigen Standpunkt zu stellen, daß der Ausdruck „Blödsinn"(mir dies lam sür das Dienstverhältnis als Beleidigung in Frage) dem Kläger noch keinen Grund zur Arbeitseinstellung gab. Denn es riet dem junge» Manu nach der Beratung drin- >end, die gebotenen 149 M. anzunehmen. Da letzterer mit seiner 'ungen Frau zurzeit gänzlich mittellos dasteht, so akzeptierte er chweren Herzen» den im Verhältnis zu seiner Gesamtfordernng ehr mageren Vergleich. Er mußte sich auch für die 149 M. verpflichten, die Beleidigungsklage gegen den Vater zurückzunehmen. läge geschlossen worden, daß die Ansprüche der Hapag für den Frachtverkehr bewilligt werden, wofür der Lloyd Zugeständnisse im Auswandcrerverkchr erhält. Beide Gesellschaften haben daneben wohl die Absicht, ihre gegenseitigen Zugeständnisse durch Mehr- sordcrungen gegenüber den ausländischen Mitgliedern der nord- atlantischen Schiffahrtskonvention(dem„Pool") auszugleichen. Ein offiziöser Bericht meldet über die getroffene Vereinbarung: Zwischen der Hapag und dem Norddeutschen Lloyd ist eine Interessengemeinschaft in der iiordatlantischcn Schiff- fahrt in ähnlicher Form wie von der„KoSmos"-Liiiic und der Hamburg-Süd geschlossen worden. Jede Gesellschaft wird ihren Dienst getrennt weiterführen. Bestimmte Grundsätze, die in den Details noch näher zu bestimmen sind, werden die gemeinschaftlichen Interessen regeln. Hinsichtlich der Ouotcnfrage werden die beiden Gesellschaften als eine geschlossene Einheit auf- treten, insbesondere auch bei den Poolvcrhandlungen mit dem Auslande. Damit sind die Streitigkeiten zwischen den deutschen Gesellschaften beendet und eine Form der Verständigung herbei- geführt worden, welche die führenden deutschen Linien vor allen Dingen gegenüber dem Auslande stärkt. Die Jnteressengemein- schaft wird sich sowohl auf den Passagicrverkehr, wobei der größeren Auswandererbeförderung des Lloyd Rechnung getragen wird, als auch auf den Frachtverkehr erstrecken, wobei die größere Leistung der Hapag eine entsprechende Berücksichtigung erfahren wird. /tos Industrie und Kandel. Friede im Schisfahrtdstreit. Kaum einen Monat hist die offene Fehde zwischen der Ha m- burg-Ämcrika-Linic(Hapag) und dem Nord- deutschen Lloyd gedauert. Die Herabsetzung der SchiffahrtS- raten am 1. Februar, wie sie von beiden Gesellschaften und der auS- ländischcn Konturrenz vorgenommen wurde, hat beide Parteien zu einem Friedensschluß bewogen. Der Friede ist auf der Grund- Schutzgebictsanleihe. Ebenso wie die preußische Anleihe(von GXI Millionen) hat auch die neue Schutzgcbietsan leihe bei der ösfentlichen Zeichnung einen Erfolg gehabt. Die 45 Millionen, die zu 4 Proz. verzinst werden, wurden allein durch Zeichnungen mit Sperrver- pflichtung überzeichnet. Das Interesse für Rentenpapiere ist be- kanntlich infolge des Konjunkturrückganges und des niedrigen allgemeinen Zinssatzes zurzeit groß. Benzin-Monopol. Die Nachricht, daß die Regierung auch das Benzin in das Pctroleummonopol cinzubeziehen die Absicht habe, ist zwar dementiert worden. Aber gewisse Vorgänge aus� dem deutschen Benzinmarkt sprechen doch dafür, daß eine solche Erweiterung dcS Monopols von den deutschen Jiitcrcficntcn geplant oder gewünscht wird. Bis zum 31. Trzcmbcr 1913 bestand für alle Gesell- schaften, die Benzin nach Deutschland importieren, ein Abkommen. Neben der Steana Noinaiia, die von der Deutschen Bank finanziert ist, gehörte diesem Abkommen auch die Asiatic Petroleum Co. an. Nun baben sich alle der Steana Romana nahestehenden Benzin- gesellschaften getrennt und bilden eine besondere Gruppe. Die Trennung von der Asiatic Petroleum Co. bedeutet die Trennung von dem iiiedcrländisch-englischcn Pctroleumkouzern, denn die Asiatie ist eine Vcrkaufsgcsellschaft der Kgl. Niederländischen Pe- troleumaescllschaft. iTcr Generaldirektor der Asiatic ist zugleich Generaldirektor der Kgl. Gesellschaft.) Im vergangenen Jahr hat sich die Petrolcumgruppe der Deutschen Bank von dem amcrita- Nischen Petroleumtrust losgemacht; in diesem Jahre trennt sie sich von den niederländisch-cnglischen Interessenten. Das ist zugleich ein Beweis dafür, daß die Deutsche Bank sich kraft des geplanten Monopols stark genug fühlt, den Konkurrenzkampf allein aus- zunehmen._ Gesellschaft sür deutsch-amerikanischen Handel. Zur Pflege und Förderung der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen sowie zum Schutze der kommerziellen Interessen ist unter den StaatSgesetzen New Aorks eine Chamber of German-American Commerce gegründet worden, v. Helmolt vom Norddeutschen Lloyd, Hermann Sielcken, Jsaac Seligman und Simon Ber- heimer von der Firma Gebrüder Masse in Berlin sowie andere Großkaufleute und Bankiers gehören dem Tirektorenrat an. Es wird auch ein Zusammenarbeiten mit der amerikanischen Handels- kainmer in Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Welthandel erstrebt. Gerichtszeitung. Ter„berüchtigte" Zeuge Äciling. Eine Gerichtsverliandlung, welche gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte stattfand, bot Ge- legenheit, die Zuverlässigkeit des Arbettswilligenagenten Keiling als Zeugen kennen zu lernen. Der Arbeiter steigerungen recht deutlich sind. Damit würden andere Vorteile eng zusammenhänge», die nicht zu iinterschäven sind. Aber— das Aber kommt immer nach— einmal würde eine EntWickelung in dieser Richtung anderen, vielleicht erfreulicheren Bestrebungen, die eine Zentralisierung des öffentlichen Lebens, verbunden mir einer De- zentralisierung des Familienlebens, im Auge baben, die, wie die Gartenstadtgesellschaften, die WohmingSgenoffcnschasien und andere, im Sinne der Bodenreform arbeiten, entgegenwirken, indem sie an Stelle deS„Grundbesitzes" das Kompromiß.Wohnbesitz" letzt. Zweitens würde» wahrscheinlich solche Stockwerk-Besitzer öffenlliche und private VerwaltungSschwierigleiten hervorrufen, die vielleicht nicht so einfach zu beseitigen sind und eine Jnteressengemeinschatt verlangen, die kaum eine Eigenschaft des modernen Menslben, vor allein nicht des Großstädters, ist. Drittens aber ist dieser Groß- städter— und welcher mehr als der Pariser? ein so eingefleischter Nomade, daß er schwer für den Gedanken zu gewinnen sein wird, sich kapitalistisch in einem Stockwerk festzulegen. Und, auf diese Weise, was würde es geben, wenn nun der Etageabesitzer wieder zum Vermieter wird und plötzlich, o Hydra, statt eines miet- zinssleigernden Eigentümers zehn am Werl wären? Ter Warcnhaiisfitnger. AuS Chemnitz wird eine amüsante kleine Geschichte berichtet: Eines der größten Watenhauser von Chemnitz veranstaltete— dem Zuge der Zeit folgend— ein großes Konzert, zu dem unter anderem als Mitwirkender auch der bekannte Wagnersänaer Dr. v. Vary gewonnen worden war. Am 4. Februar sollte daS Konzert stattfinden. Im lebten Augenblick aber sagte der berühmte Sänger ab. Der Grund di?er Absage aber soll ein Tele- gramm gewesen sein, das eine Anzahl Chemnitzer Musilsreunde gemeinsam an den beliebten Künstler richtete und das den lakonischen Wortlaut hatte:„Bis jetzt waren Sie ein großer Wagnerlänger, jetzt werden Sie ein großer Warenhaussänger!" Diese telegrophiiche .Kundgebung der Chemnitzer Musikfreunde soll den Künstler ver- schnupst haben, und so folgte eine Absage wegen Heiserkeit. Für ihn sprang dann ein Mitglied der Dresdener Hofoper m die Bleiche. Tie sieben Weltwunder.„Eine Berliner Zeitung"— wie der fchwerindustriellc.„Lokalanzeiger" gern von der schweigsamen Konkurrenz genannt wird, hat wieder einmal ein Preisausschreiben an die Abonnenten gebracht.„Die sieben Weltwunder". Nun,— sie haben das landläufige Zeug aufgezählt, drahtlose Telegraphie, den Kintopp, den..Imperator' und dergleichen. Ich will auch mitmachen. Die Liste der Gewinner ist abgeschlossen, passieren kann also nichts Mehr... ich will auch Weltwunder vorführen. Meine sieben Weltwunder sind: Erstens: das pAmßische Wahlrecht. Zweitens: der höfliche preußische Unterbeamte. Drittens: der Berliner Kommunalkreisinn.(Vielleicht kein Weltwunder? So was gibt's nicht noch einmal!) Viertens: die Nummer der„Woche", in der nicht ein Bild vom Kaiser drin ist. Fünftens: das Opernhaus, daS niemaud zu bauen wagt. ScchstenS: das Publikum bei Fürstcnempfängen. Siebentes Weltwunder: daß Forftner noch nicht General ist. Mit einem Wort: Preußen. Da kommt mau aus dem Wun- dcrn überhaupt nicht heraus. Alles ist ein Weltwunder: vom Schutz- mann an der Ecke bis zum Geheimen Oberkonsistorialrat. Und es gibt nur ein Ding in diesem Lande, das ist für uns kein Welt- wunder mehr.(Wie es auf Fremde wirkt, weiß ich nicht.) Einen gibt es, über den wundert man sich nicht. Man nimmt ihn, gut- mütig lächelnd hin, man weiß schon immer, was nun wieder kommt, man ist keineswegs erstaunt. Einer gehört nicht zu den Weltwundern: der Berliner Polizeipräsident. Musik. Botst ümliches Konzert der Typographia. Aus dem Programm standen nickt eigentlich neue Lieder, die seit dem Totenionntagskonzert hinzugekommen wären. Gleichwohl war e« interessant, dank der Fülle der Gaben, wie der gesanglichen Leistungen. Was der Verein wirklich kann, zeigte er wieder im Vortrag von Schumann» riesig schwerem„Ritornell" und in KaunS prachtvoller Ballade„Die Ablösung". Kein Wunder, daß dies Stück wiederholt werden mutzte. Im einzelnen wäre bielleicht in„Robin Adair" die Stelle„Dort an dem Klippenhang" etwas rai'cher im Akzent zu nehmen und die LiebeSbeieuerung in der Schlußstrophe noch inniger, hingebungsvoller zu gestalten. Hier und da, beispielsweise in Bergcrs„Ueberioll" ließ die Ausiprache an Klarheit vermissen. Indes sollen solche Äinnerkungen nicht den großen Gesamt- eindruck schmälern, den man davontrug. Soiistisch wirkten mit: Alfred Wittenberg, der in PaganiniS„Caprice" alle darin aufgehäuften Hexenkmiststücke eines Schwierigkeiten nicht kennenden Geigenvirituoien vollbrachte und in Padermartinis„Andante" süße Weichheit des Tones mit edlem Vortrag zu verbinden wußte, und Paula Weinbau m. Der strahlende Glanz ihres pastosen Organs, eine wundervoll innige Kantilene lainen wohl in LöweS„Marienkirche" am schönsten zur Geltung. Unsagbar fein nuanciert, dabei plastisch-lebendig»ras sie das Kindliche in Dolega-KamienSkiS Liedern. Chormeistsr Alexander W e i n b a u m erwies sich neuerdings als gediegener Musiker am Flügel. elc. Notizen. — Die Freie Sezession heißt eine neue Künstlerorgani- iation. in der sich die aus der alten Sezession Ausgeschiedenen zu- sammengelan haben. Es gehören u. a. Liebermann, Slevogt, Gaul, Tiübner dazu. Man spricht von 89 Mitgliedern und proklamiert eine republikanische Grundlage: aus den Gründern soll durch das Los jeweilig der Präsident bestellt werden. lAlso eine Republik mit zwei Sorten von Mitgliedern: berechtigten und unberechtigten— und an der Spitze der Kunsthändler Cassirer als Großherzog.) �- Die Berliner Akademie der Künste bat vier neue Mitglieder gewählt: darunter auch Max Slevogt, den früheren Sezessionisten, und den Münchener Stadtbanrat Gräslel, dem die Stadt seine« WirkcnS geschmackvolle und tüchtige Bauten verdankt. — Wenn Slevogt der unabhängige Künstler wäre, den sich manche unter einem führenden SezesflonSmitgliede vorstellen, würde er die Wahl nicht annehmen: denn die akademische Scheinherrlichkeit rottet man nicht auS, indem man sie mitgenietzt. — Der Operettenschund. In der Erfurter Stadt- verordnetenversammluug bat der Oberbürgermeister Schmidt bei einer Debatte über den Spielplan der Th ater bemerkt: Um den heutigen Geschmack sieht e» sehr bedauerlich auS, bei„Puppchen" und anderm elenden Zeug, da sind die Leute da, da wird hineingelaufen. Der Direktor wäre selber froh, wenn er klaisische Stücke geben könnte; die alten Klassiker kosten ihn keine Tantiemen, während das andere Zeug sehr hohe kostet. Die neuen Operelten sind schlechtes, jammervolles Zeug, aber es werden leider keine besseren Sachen auf diesem Gebiete geichrieben, und das Publikum will das elende Zeug sehen. Wir wüßten ein Publikum, da? lieber in die Klassiker ginge: die Arbeiter. — Der Nachfolger Licht tvarks ist Professor Pauli geworden. Der verdienstvolle Leiter der Bremer Kunsthalle wird alio in Zukunft die Hamburger Kunsthalle verwalten und tn größerem Maßstäbe daS fortsetzen, was er in Bremen— vielfach gehemmt durch den lokalen Geist— begonnen. Pauli hat in Bremen eine sehenswerte moderne Galerie geschaffen, worin natür« llch auch die hervorragenden Franzosen nach Gebühr vertreten sind. Daneben hat er aber auch die heimische Kunst, speziell die WorpS- weder Schule gepflegt. Daß er nicht nur ein kluger Sammler, sondern mich ein unabhängiger Charakter ist, hat er im Streite um die Florabiiste bewiesen, in dem er den Bodeschen Machinationen kräftig entgegentrat. — Die Zensur im Elsaß. DaS in Colmar verbotene eli'ässische Dialektstück ist nichl direkt verboten worden. Der Bezirks- amtmauN, heißt et jetzt, bat nur nahegelegt usw. Und da lag e» natürlich nahe, daß das Theater sich das Stück selbst verbot. — Die deutschnationalen Handlungsgehilfen baben im Kampfe mit dem Zentralverbande der Handlungsgehilfen sämtliche Munition verschossen. In ihrer Not greifen sie zu einer Glosse unseres kleinen Feuilletons, in der kürzlich gewisse Mode- Narreteien der„Killtur"welt und beiläufig auch gewisse Jünglinge aus der Handelswelt, die die großen Herreil spielen möchten, mit- genommen werden. Die verehrlichen Gegner glauben ganz Dumme zu dem Glauben belehret zu können, die Sozialdemokratie wäre handlungSgehilfenseindlich. weil hier ein lächerlicher Typus verspottet wurde, der unter PrinzipalSsöhnchen usw. vorkommt, aber immerhin selten ist. Die Deutschnationalen beleidigen aber wirklich die ge- samten Handlungsgehilfen, wenn sie ihnen zumuten, sich mit Mode- äffen und SchiebergentS solidarisch zu fühlen. — Der Luxus in alten Gemälden, der von den amerikanischen Millionären sportsmäßig betrieben wird, hat wieder einmal zu einem Rekord geführt. Die sog. Cowpersche Madonna von Raffael ist für 2 300 990 M. an den Deutsch-Ameritaner Wiedener verkauft worden. Der Mann hatte eS eigentlich gar nicht nötig: denn der letzte Rekord— zwei Millionen für RembrandtS Mühle— lvar auch von ihm erstritten worden. Weitere Kultur- bcdeutung hat natürlich dieser und ähnliche Ankäufe nicht, sie zeugen nur von einem gewissen Reifezustande der kapitalistischen Wirtschaft: von der wahnsinnigen Vergeudung de» leidgeborenen Mehrwert» für reine Luxuszwecke. Max Steinborn war angeklagt, gelegentlich des Streiks bei der Firma Jsola sich gegen 153 der Gewerbeordnung vergangen sowie den Agenten Keiling beleidigt und mit der Begehung des Totschlages bedroht zn haben. Der Angeklagte, ein unbescholtener Mann, stellte entschieden in Abrede, sich irgendwie strafbar ge- macht zu haben. Keiling, welcher schon in einem früheren Termin nicht erschienen war, weil er damals Arbeitswillige nach Bern zn bringen hatte, ist bekanntlich inzwischen wegen Totschlags eines Streikenden in Tetschen verhaftet worden. Er konnte daher als Zeuge nicht vernommen werden. Die anderen Zeugen, und zwar selbst die Arbeitswilligen, konnten den Angeklagten in keiner Weise b e l a st e n. Sie bekundeten im Gegenteil, daß der Angeklagte sich stets anständig benommen habe, und daß auch sie es gehört und gesehen hätten, wenn der Angeklagte den Keiling bedroht oder beleidigt hätte. Unter diesen Umständen verzichtete selbst der A in t s- a n w a l t auf die Vernehmung des Zeugen Keiling und be- antragte die Freisprechung des Angeklagten. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. KurtRosenfeld, schloß sich dem an und hob insbesondere hervor, daß mit Rück- sicht auf die 1 7 V o r st r a f e n erheblichster Art, die aus dein bei den Akten befindlichen Strafregisterauszug des Keiling ersichtlich sind, diesem Zeugen auch dann nicht geglaubt werden könne, wenil er selbst unter Eid den Angeklagten belasten würde. Bei den jahrelangen Freiheitsstrafen, welche Keiling wegen der gemeinsten Händlungen erlitten habe, sei nicht an- zunehmen, daß er sich streng air die Wahrheit halten würde. Das Gericht schloß sich diesen Ausführungen an und sprach � e n Angeklagten ni i t der Begründung frei: Seine Nicht s ch n l d sei festgestellt und die angeb- lichen Straftaten des Angeklagten beständen wohl mehr in der Idee des b e r ü ch t i g t e n Zeugen Keiling als in der Wirk- lichkeit. Der Totschlag im„Bugusta-Bad". Die Bluttat, der am 4. September 1913 die Inhaberin des „Augusta-Bades" in der Köpenicker Straße, Frau Gertrud Reinsch» geborene Pachura, zum Opfer gefallen ist, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der Bademeister Rudolf Atter vorgeführt, um sich auf die Anklage des Totschlags zu ver- antworten. Auf Antrag des Staatsanwalts beschließt der Gerichts- Hof, während der ganze» Tauer der Verhandlung die Oefferttlich- kcit auszuschließen» aber einige» nicht mitwirkenden Geschioorencn, einem anwesenden türkischen Amtsrichter und einem Gerichts- bcrichtcrstattcr zu gestatten, der Verhandlung beizuwohnen. Ter Angeklagte, ein LSjähriger Viann, erhielt im Jahre 1905 eine Stelle als Bademeister im„Wilhelmsbad" in der Schühen- straßc, wo er fünf Jahre lang tätig gewesen ist. Vom Jahre 1919 ad war er Bademeister im„Augufta-Bad", gleichzeitig mit ihm nahm seine Frau als Badcmcistcrin Stellung in derselben Bade- anstalt an. Besitzer der Anstalt war damals Herr Reinsch. Im Januar v. I. starb plötzlich Herr Reinsch an einer Blinddarment- zündung. Zwischen dem Angeklagten und der Frau Reinsch hatten sich schon seit dem Jahre 1919 zunächst freundschaftliche Beziehungen entwickelt, die nach und nach einen sehr intimen Charakter an- nahmen, so daß die Frau dem Angeklagten den Kosenamen„mein Fridolin" beilegte. Der Angeklagte faßte allmählich eine große Neigung zu Frau R. und äußerte sich dritten Personen gegenüber dahin, daß cr diese Frau liebe, wie er noch nie eine Frau geliebt habe. AuS dieser Liebe erwuchs aber auch eine gewaltige Eifer- sucht des Angeklagten und Scham vor seiner Frau, die nichts von den intimen Beziehungen ihres Mannes zur Frau R. loußte. Am 4. September kam es zu einer Eifersuchtsszene. Frau R. erklärte, sie wolle mit einem anderen als dem Angeklagten das Kino besuchen. Der Angeklagte zog einen Revolver hervor, trat dicht an Frau R. heran und gab einen Schuß gegen ihre Schläfe ab. Die Frau war sofort tot. Aus einer Reihe von Umständen war zu folgern, daß der Angeklagte schon seit Monaten sehr erregt war und sich mit Selbstmordgedanken trug. Die Geschworenen verneinten die Frage nach Totschlag und bejahten nur die Schuldfragc nach Körpcrverlchung mit tödlichem Ausgange unter Zubilligung mildernder Umstände. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 5 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Der Angeklagte erklärte, die Strafe sofort antreten zu wollen. Schmiergelder. Ein umfangreicher Beftechungsprozeß, bei dem es sich in einigen Fällen auch um Bestechung von Angestellten Kaiserlicher Werften und verschiedener Eisenbahndirektioncn handelt und über den kürzlich ausführlich in der Budgetkommission des Reichstags verhandelt worden ist, begann am Mittwoch vor der Strafkammer des Magdeburger Landgerichts. Die Anklage richtet sich gegen die Inhaber der Lackfabrik Thurm u. Beschte» die Fabrikbesitzer Walter und Friy Bcschkc, gegen Fräulein Helene Altmann, eine Schwägerin von Fritz Beschke, die früher Prokuristin und Gcheimsekretärin in der Firma war, und gegen den Kaufmann Wilhelm Ladeckc, einen Einkäufer der Firma«chäffer u. Buddenberg in Magdeburg- Buckau. Die Anklagen gegen die Brüder Beschke und Fräulein Altmann lauten aus unlauteren Wettbewerb, ivährend der An- geklagte Ladecke zu den vielen Personen gehört, die als Einkäufer von der Firma Thurm u. Beschke Schmiergelder erhalte» habeen sollen. Die Angeklagten geben bei ihrer Vernehmung zu, daß sie in vielen Fällen an Werkmeister und anderen Angestellten ihrer Kunden Provisionen bis zu 899 M. und mehr gezahlt haben. Das seien jedoch keine Bestechungen, sondern Vergüttgungen, wie sie allgemein gang und gäbe seien. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Mus aller Welt. Vom Vater Hab ich öie Natur... In bürgerlichen Blättern ist über den Stammbaum des diel- genannten Oberst v. Reuter zu lesen: „Allerdings stammt v. Reuter von väterlicher Seite her aus einer preußischen Soldatensamilie. Sein Großvater war General, sein Bater starb 1879 den Heldentod bei Spichern an der Spitze dcS 12. Grenadter-Regiments, das nun der Sohn sührt. Von Mütter- sicher Seite aber ist v. Reuter ein K o b u r g e r. Er ist mit den meisten gekrönten Häuptern Europas blutsverwandt: V e t t e r d e S deutschen Kaisers, des Zaren, des Königs von England, des Königs von Bulgarien usw. Wie daS kam? Herzog Ernst II. von Koburg führte vor zirka 00 Jahren am Koburger Hofe eine junge Dame ein, die zuerst Helene S ch e i n p f l u g hieß und später in ein Fräulein v. Stern- heim umgewandelt wurde. Der Herzog gab es offen zu, daß die Dame seine illegitime Tochter war. Er hatte nämlich während seiner Erbprinzenzeit in Dresden einen eigenen Haushalt geführt und an dessen Spitze ein Fräulein Scheinpflug gestellt, zu der der 29jZhrige junge Mann alsbald in heißer Liebe entbrannte. Das Pfand dieser Liebe war eben jenes Fräulein Scheinpflug, das nach der Thronbesteigung des Herzogs zu einem„Fräulein v. Stern- heim" avancierte und später an den Adjutanten v. Reuter verheiratet wurde, lind dieser Ehe entsproß Oberst v. Reuter. Auch für die Mutter Scheinpflug sorgte Ernst II. nach Kräfte». indem er sie gut verheiratete. Als au? ihrer Ehe eine Tochter her- vorging,»ahm sie der Herzog als Vorleserin in seine Ilm- gcbung auf und vermählte sie später einein bürgerlichen Beamten, der es bis zum Oberhof mar schall brachte." Die altpreußische Schneidigkeit gegen das„Zivilistenpack" scheint demnach eine vom Vater überkommene Eigenschaft zu sein, denn der Koburger war ein umgänglicher Herr auch noch in der Zeit, in der er beim Umgang mit den Töchtern des Landes sich auf die Freundschaft beschränkte. Wieder ein �nmiliendrama. In geradezu erschreckendem Maße häufen sich in der letzten Zeit die bsiltigen Familientragödien. Nachdem wir erst in der Mittlvochnummcr aus Saarlouis einen von einem Ehegatten verübten dreifachen Mord und Selbstmord melden mußten, kommt jetzt schon wieder aus Ll l t o ,l a die Nachricht über ein ganz ähnliches Verbrechen. Dort hat in der Nacht zum Mittwoch der im Unfrieden mit seiner Frau lebende frilhere Feuerwehrmann Klonschtnski seine drei Kinder. Mädchen im Alter von vier, sechs und sieben Jahren, mit einem Beil erschlagen und sich s e l b st das Leben genommen. Seine Frau hatte sich aus Furcht vor Mißhandlungen aus dem Fenster gestürzt und schwere Verletzungen erlitten. Erdbeben in Nordamerika. AuS verschiedenen Städten zwischen New Uork und Montreal wird gemeldet, daß Dienstag nachmittag gegen l'/z Uhr ein leichtes Erdbeben bemerkt worden ist. Schaden ist nicht entstanden. Nach einer Meldung aus O l t a w a sind im ganzen oft- lichen Kanada um dieselbe Zeit schwere Erdstöße verspürt morde». Bedeutende Fluglcisiungen. Der Flieger P a r in e l i n hat am Mittivoch den geplanten Flug Über den Moni Blanc, der höchsten Spitze der Alpen glllckttch durchgeführt. Der argentinische Flieger N e iv b e r y hat auf Morane-Eindccker mit 627ö Meter Höhe einen neue» Weltrekord auf- gestellt. Kleine Notizen. m Folgenschwere Explosion. Am Dienstag geriet auf der Reichs- straße in MocllerSdorf nahe Baden bei Wien ein Auto- mobil in Brand. Der Benzinbchälter explodierte. V» e r z i g P e r s o n e n, die daS Automobil umstände», wurden verletzt, fünfzehn v o n i h n e n schwer. Iii den Flaninie» umgekommen. Beim Brande deS Armen- Hauses im Kirchspiel Htlomantst in Finnland sind fünf Personen umgekommen, eine ist spurlos ver» i ch w u n d e ii, viele andere haben Brandwunden erlitten. Per rO' Angebot Karotten geschnitten................. 21 Pf. Schoten u. Karotten III........ 32 ct. GemQse- Schoten............... 30« Junge Scholen II................48« Wurstwaren Donnerstag bis Sonnabend soweit Vorrat --m-mr.. 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In der Zeit vonl 26. Februar bis zum 17. März bietet sich durch die zufällige Anwesenheit eines besonders geeigneten Vortragenden Gelegenheit, einige von den vom Zentral- bildungsausschufi vorbereiteten Lichtbildervorträgen in Grofi-Bcrlin halten zu lassen. Es handelt sich um folgende Vorträge: 1. Aus der Wunderwelt des Mikroskops. 2. Die Abstammung des Menschen. o. Die Schwindsucht, eine Krankheit der Proletarier. 4. Das Schlachtfeld der Arbeit. 5. Von den Krankheiten der Proletarierinnen. (Frauenvortrag) 6.- Vom Bau und der Tätigkeit des menschlichen Körpers. 7. Das Hühnchen im Ei. Organisationen, die in der genannten Zeit ihren Mit- gliedern einen dieser Vorträge, die wir sehr, empfehlen, bieten wollen, mögen sich möglichst bald an uns wenden. Der Bezirks-Bildungsausschuß Grotz-Berlin, Lindenstraße 2, Hof 1 Tr. Eine neue Lokalliste soll Mitte Februar erscheinen. Aus dieiem Grunde werden die Lokalkommiisionsmitglieder in den einzelnen Orten gebeten, eventuelle Aenderungen sofort an die Obleute respektive Vorsitzenden der einzelnen Kreise zu senden. ES ist dringend erwünscht, daß in einzelnen Orten diese Aufforderung beachtet wird, damit Nachträge und Berichtigungen vermieden werden. »* * In Schildow N.-B. steht uns das Lokal Kalharinensee(Inhaber Herm. Pöllker) zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Mühlenbeck N.-B. veranstaltet der Verein Brüderlicher Sängerbund ani Sonntag, den 12. Februar, in Grolhes Lokal sein Winterfest. Dieses Lokal wird der Arbeiterschaft zu Versammlungen verweigert. Wir ersuchen deshalb, das Lokal streng zu meiden. Die Lokalkoni Mission. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Am Dienstag, den 17. d. M., abends 8'/, Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokale des Herrn Anders. Babnhosstratze. Aus der Tagesordnung steht unter anderem die wichtige Frage der Genieindepolitik in Mahlödorf. die durch das eigenartige Austreten des Hausbesitzervereins und der mit ihm verbündeten Grundbcsitzervereine ein ganz besonderes Gepräge erhallen hat. Des weiteren erfolgt die Aufsiellung der Kandidaten für die bevorstehenden Gcmeindewahlen. Unsere Partei ist in der zweiten und drillen Abteilung stark engagiert. Da diese Bersamm- luiig die Einleitung deS allem Anschein nach recht heitzen Wahlkampfes bildet, so ist ein vollzähliger Besuch erforderlich. Am Sonnabend, den 14. d. Mls., hält der Wahlverein in demselben Lokal sein Wintcrvergnügen ab. Zeuthen- Miersdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins fällt heute aus, sie findet Freitag, den 20. Februar, statt. Tagesordnung: Unsere Gemeindevertreterwahlen, Aufstellung deS Kandidaten, Verschiedenes. öerliner Nachrichten. Das abgesperrte Waffer. Eine Rechtfertigung der Wasserwerke. Aus dem Rathause wird berichtet: „Die Absperrung des Wasserzuslusses zum Hause Rheins- berger Straße 41 durch die städtischen Wasserwerke hat ver- schiedcntlich in der Presse Anlaß zu Erörterungen gegeben. Die Wasserwerke sind erst zu dieser Maßregel geschritten, nachdem der Hausbesitzer mit der Zahlung der Wasserkosten für zwei Viertel- jähre im Rückstände war und nachdem alle Mittel, von ihm Zah- lung zu erlangen, erschöpft oder aussichtslos waren. Es kann von den Wasserwerken schon im Interesse der steueiZahlendcn Bürger nicht verlangt werden, daß sie einem Hausbesitzer unentgeltlich Wasser liefern. Auch darf nicht außer acht gelassen werden, daß letzterer die doch in der Miete einbegriffenen Kosten für die Wasser- Versorgung bereits im voraus von seinen Mietern erhält, wäh- rend die Wasserwerke ihre Rechnungen erst nach Ablauf des Lic- ferungsvierteljahres einziehen. Die Wasserwerke können auch nicht die Schulden der Grund- stückseigentümer einfach den Steuerzahlern auferlegen, sondern müssen vielmehr den an der wirtschaftlichen Erhaltung des Grund- stücks interessierten Personen(z. B: den Hhpothckengläubigcrn usw.) überlassen die Kostenrückstände im eigenen Interesse zu übernehmen und damit die Gefahr der Absperrung zu beseitigen. Androhungen der Wassercntzicbung ergchen fast täglich und führen in den bei weitem meisten Fällen vor der Ausführung dieser Maßregel zur Befriedigung der Forderungen der Wasscrlverkc." Diese Rechtfertigung der Wasserwcrksverwaltung steht auf recht schwachen Füßen. So richtig es ist, daß die Wasserwerke bemüht sein müssen, die Wasserrechnungcn vom Hausbesitzer beglichen zu erhalten, so wenig ist die Maßnahme der gänzlichen Waffcrcnt- zichung gerechtfertigt. Denn von dieser Entziehung werden die Berliner Bürger betroffen direkt und indirekt. � Einmal kommen die in dem von der Wasscrsperrc betroffenen Haufe wohnenden Berliner Bürger in die größte Not. Die Fäkalien erfahren keine Ableitung und es entstehen dadurch große gesundheitliche Gefahren nicht nur allein für die Hausbewohner, sondern für die Einwohner Berlins überhaupt. Aus sanitären Gründen darf deshalb die Wasserspcrrc niemals verhängt werden, so wenig die Kanalisations- werke die Weiterbeförderung der Fäkalien verweigern dürfen, wenn etwa die Kanalisationsgebühr nicht entrichtet werden sollte. Der Schaden, der durch eine Epidemie in Berlin angerichtet werden kann, ist hundert- und tausendmal größer als der eventuelle Ver- lust einiger unbezahlter Rechnungen. Eine Begründung für das Vorgehen der Wasserwerke gibt es nicht. Soweit uns bekannt, sollte nach früheren Erklärungen von Magistratsvcrtretern die Maßnahme der Wassersperre überhaupt nicht mehr angewendet werden. Mit der Wasserwerksverwaltung dürfte an anderer Stelle noch ein sehr ernstes Wort geredet werden. Inzwischen ist die Sperre aufgehoben worden, nachdem ein Hypothekcngläubigcr Wasscrgcld und Kaution erlegt hatte. Todessturz eines Hausbesitzers vom Dach. Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall hat der Rentier Banz, Oranienburger Str. 82, seinen Tod gefunden. B., der HquSbesitzer war und im 66. Lebensjahre stand, hatte wegen einer Hypotheken- angelegenheit auf dem Grundstück, Kreuzbergstr. 2S, gestern in der zwölften Mittagsstunde Ausmessungen vorgenommen. Er begab sich auch auf das Dach hinauf, auf dem gerade der Klempner beschäftigt war und nahm auch hier Messungen vor. Als er dicht an der Dachrinne entlang schritt, verlor er plötzlich daS Gleichgewicht und stürzte rücklings in die Tiefe. Der Unglückliche blieb mit zer- schmetterten Gliedern auf dem Hofe liegen. Auf dem Transport nach dem HedwigS-Krankenhaufe erlag B. den schweren Verletzungen, die er bei dem unseligen Sturz erlitten hatte. Ein Kind von einer Automobildroschke totgefahren. Am Stralauer Platz fand ein Kind Dienstagabend den Tod unter den Rädern einer Automobildroschke. Dort wurde der sieben Jahre alte Sohn Gerhard des Hausdieners Buchelt von einer Automobildroschke überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb. Die Leiche wurde polizeilich be- schlagnahmt. Der Knabe hatte mit anderen Kindern vor dem elterlichen Wohnhaus Am Stralauer Platz 16 gespielt und aus Scherz einen Augenblick seine Pudelmütze über die Augen gezogen. Als dann die Automobildroschke nahte, sprangen die anderen Kinder zur Seite, während der Knabe in den Wagen hineingeriet, da er nicht sehen konnte. Eine dunkle Liebcsaffäre im Tiergarten beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. Vor dem Hause Beethovenstraße 3 wurde gestern morgen gegen 4'/z Uhr eine elegant gekleidete Dame von einem Schutzmann mit einer Stichwunde am Kopf bewußtlos aufgefunden. Der Schutzmann brachte sie in die Charit«, wo sie nach kurzer Zeit die Besinnung wiedererlangte. Die Stichverletzung ist leichter Natur, so daß die Dame nach Anlegung eines Verbandes wieder ent- lassen werden konnte. Die Verletzte gab an, die 26 Jahre alte Gräfin v. Stawslowska aus Ratibor zu sein. Sie sei vorüber- gehend in Berlin und wohne in einem Hotel in der Friedrichstadt. Die Slichverletzung habe ihr Geliebter ihr zugefügt, mit dem sie einen Spaziergang durch den Tiergarten unternommen habe. Sie sei mit ihm in Differenzen geraten, da sie sich von ihm lo§- sagen wolllc, um sich mit einem anderen Herrn zu verloben. Aus Eifersucht habe sie ihr Geliebter dann mi: einem Messer gestochen. Die Personalien des Tälers will die angebliche Gräfin nicht an- geben. Die Dame weilt seil Ansang Januar in Berlin. Sie wohnte einige Tage in einem Hotel in der Friedrichstraße und verschwand dann plötzlich, ohne die Rechnung zu bezahlen. Mit Hilfe der Polizei wurde sie in einem Holet am Potsdamer Platz ausfindig gemacht, wo sie dann die Zahlung leistete. Eine einträgliche„Garderobenpachtung". Bittere Klagen waren uns von Personen vorgetragen worden, die mit„A t h u r G rö b i n g u. Co., Z e n t r a l b u r e a u für Verpacht unge n", bisher Luisenufer 21, jetzt Friedrichstr. 218, Garderoben- oder Toilettenpachtungen abgeschlossen hatten. Unter Hinweis auf unsere Mitteilungen(„Vorwärts", Nr. 29) über Er- fahrungen, die bei solchen durch Arthur Gröbing u. Co. besorgten Pachtungen gemacht worden sind, meldet man uns jetzt einen neuen Fall. Er erregt Aufsehen durch die Höhe des von der Pächtcrin drangegebenen Geldbetrages. Auf eine Gröbingsche„Morgenpost"-Annonrc, die für 400 bis 800 M. Gardcrobenpachtung anbot, meldete sich Mitte November eine Frau, und durch Gröbings Bureau kam daM sofort die Pachtung derGarderobeeinesKinosundTanzsaales gegen ein Pachtgeld von 800 M. für vier Wochen zustande. Als die Pächterin noch an demselben Tage sich in dem Lokal zur Uebcrnahmc der Garderobe einfand, stiegen ihr schon die ersten Bc- denken aus. Arthur Gröbing u. Co. hatte ihr nur„eine halbe Garderobe" verpachtet, die andere Hälfte kam einem Pächter zu, der gleichfalls durch Gröbings Bureau für dasselbe Lokal eine Gardcrobenpachtung zu 400 M. auf nur 14 Tage abgeschlossen hatte. Hiernach wären aus der ganzen Garderobe schon zur Deckung des Pachtgeldes in 14 Tagen mindestens 800 M. und in vier Wochen 1600 M. aufzubringen gewesen. Das unangenehmste dabei war, daß Pächter und Pächtcrin den Besuchern des Kinos für die Ausbewahrung der Kleider nicht einmal eine feste Gebühr abverlangen durften. Für die Kinobesucher mußte ein Plakat aus- hängen, daß„Garderobe frei" sei, und bei Entgegennahme der Kleider konnte ihnen höchstens durch die Mahnung„N a ch Belieben" ein Trinkgeld abgenötigt werden. Nur für die Bc- sucher des Tanzes, der nach Schluß des Kinos in dem Saal ver- anstaltct wurde, war eine Garderobengebühr vorgeschrieben. Als man in dem Tanzlokal erfuhr, was Gröbings Bureau dem Pächter und der Pächterin abgenommen hatte, wurde ihnen gesagt, soviel könnten sie nicht verdienen.„Einträglich" war also auch hier wieder die Pachtung nur ftir Arthur Gröbing u. Co. sowie für den Unternehmer, der natürlich von Arthur Gröbing u. Co. gleich- falls Pachtgeld fodcrtc. Jene Frau hatte, weil ihr vor Abschluß der Pachtung eine Einnahme von 900 M. pro Monat in Aussicht gestellt wurde, von den ihr abverlangten 800 M. zunächst durch sofortige Zahlung 700 M. entrichtet, und sie zahlte im Laufe der folgenden 14 Tage auf Mahnung auch die 100 M. nach. Sie sah bald, daß die Einnahmen, die ja auf zwei Personen sich ver- teilten, noch lange nicht das Pachtgeld decken würden. Ehe sie den letzten Rest zahlte, ließ sie sich nochmal die Versicherung geben, und zwar diesmal schriftlich, daß sie in den vier Wochen 900 M. einnehmen würde. Daß davon keine Rede sein konnte, war bc- rcits aus der geringen Höhe ihrer bisherigen Einnahmen zu er- sehen. Längst bereute sie, über Hals über Kopf die Pachtung abgeschlossen zu habe». Sic hatte die„sofort zu übernehmende" Garderobe nicht einmal vorher besichtigen können. Es kam aber ncich schlimmer. Zum 1. Dezember crkläric ihr der Saalinhaber, daß Gröbings Bureau für Dezember noch die Pacht an ihn zu zahlen habe. Die pächterin könne nicht mehr' zur Bewirtschaftung der Garderobe zugelassen werden. Um die Wiedererlangung des vorausbezahlten Pachtgeldes entspann sich nun zwischen Gröbings Bureau und der in ihren Hoffnungen getäuschten Pächtcrin ein Kampf, der für die Pächtcrin bisher ohne nennenswerten Erfolg geblieben ist. Post- karten, Briefe, Telegramme wurden gewechselt, auch an Telephon- gesprächen und persönlichen Besuchen fehlte es nicht, und Gröbings Bureau machte immer w.ieder Versprechungen, aber schließlich war nicht mehr als die Rückzahlung von ganzen 100 M. zu erreichen. Nach Abzug dieser 100 M. und der Einnahmen aus der Garderobe fehlten an den erwarteten 900 M. noch über 600 M., und von den hingegebenen 800 M.>r>arcn über 200 M. verloren, wenn Gröbings Bureau nichts weiter zahlte. Als die Pächtcrin einen verzweifelten Brief schrieb und darin Selbstmordabsichten äußerte, kam eine grobe Antwort. Der mit„Gröbing" Unterzeichnete schrieb: „Außerdem verbitte ich mir derartige Briefe; von meiner Schwelle ist noch niemand ohne Geld gegangen, wenn ich etwas bezahlen muß." Und zum Schluß drohte er:„Aber keine derartigen Briese mehr, sonst k ä U n. i ch sehr u.n g c m ü t 4- sich w c rd«tr*„ D«s hatte noch gefehlt I Wieder tröstete er dann die Pacht er durch Versprechungen, daß sie zu ihrem Geld kommen werde. Weil sie ein Geschäft eröffnen wollte, aber ihr das wegen Geldmangel nicht sogleich möglich>r>ar, versprach er pro Tag 2 M. Schadenersatz. Um Mitte Januar schickte er noch ein paar kleine Beträge, doch sie war des Wartens müde. Jetzt wurde, sie„ungemütlich". Sie entschloß sich, ihre von Arthur Gröbing u. Co. schriftlich anerkannte Forderung von rund 600 M. an einen Geschäftsmann abzutreten, der die Eintreibung versuchen will. Um den Weltrekord. Die Rekordjägerei steht zurzeit in voller Blüte. Das schöne, klare Februarwetter, die milden Temperaturen haben die Fliegerei, die während der Winterinonate eingeschlafen war, zu neuem Leben erweckt. Gestern vormittag hat nun der Albateosflieger Robert Thelen den von dem Franzosen Garaix aufgestellten Höhenweltrekord mit vier Passagieren an sich gebracht. Garaix stieg am 6. Februar mit vier Fluggästen auf einem Schmitt-- Doppeldecker auf 2720 Meter, während es Thelen gelang, auf 2850 Meter zu kommen. Der Flieger Bruno Langer, der gestern früh 7.44 Uhr in Johannis- thal aufgestiegen war, um sich um den Dauerweltrekord ohne Passagier zu bewerben, hat um 11.22 Uhr den Flugplatz verlassen und die Richtung nach Königsberg eingeschlagen. Langer führt 662 Liter Benzin und 62 Liter Oel sowie die nötigen Nahrungsmittel mit sich. Um den kürzlich von dem Flieger Jngold vollführten 12'/» stündigen Ueberlandflug zu überbieten, muß Langer mindestens bis Mitternacht in der Luft bleiben. Schlieffung einer Gemeindeschule. Von heute ab wird die 234. Gemeindeschule in der Straßmann- straße 6 im Einverständnis mit den, Kreisarzt, dem Schularzt und dem städtischen Untersuchungsamt auf 14 Tage wegen Diphtherie geschlossen. Die notwendigen sanitären Maßnahmen sind getroffen worden.____ Anträge auf Zurückstellung bczw. Befreiung von der Aushebung in Berücksichtigung bürgerlicher Verhältnisse bezüglich aller Militär- Pflichtigen, auch der Einjährigfreiwilligen, sind, wie der„Reichs- anzeiger" bekannt gibt, vor dem am 23. Februar d. I. be- ginnenden Musterungsgeschäft, spätestens aber im Musterungstermine anzubringen. Nach der Musterung angebrachte Reklamationen haben eine Berücksichtigung nur dann zu erwarten, wenn die Veranlassung zu denselben erst nach der Musterung entstanden ist. Ei» groffer Dachstuhlbrand kam gestern nachmittag kurz nach 2 Uhr in der Müllerstr. 166» zum Ausbruch. Die Feuerwehr wurde von mehrercn-Seiten aus alar- miert und rückte mit einem größeren Löschaufgebot an. Der Dach- stuhl des Vorderhauses stand schon in erheblichem Umfang in Flammen, so daß sofort mit drei Rohren Wasser gegeben werden mußte. Der Löschangriff erfolgte über zwei mechanische Leitern und von den Treppen aus. Wegen starker Verqualmung mußte auch ein Sauer- stofftchutzhelm in Benutzung genommen werden. Die vollständige Ablöschung mit den Aufräumungsarbeiten zog sich bis zum Abend hin. Die Ursache des Brandes ist nicht ermittelt.* Straßensperrung. Das Polizeipräsidium teilt mit: Aus Anlaß der Vorführung der Feuerwehr vor dem Kaiser werden am 13. d. M. etwa von 10 Uhr vormittags ab, der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser-Wilhelm- und Schloßbrllcke, sowie der Platz am Zeug- Hause für den Wagen- und Fußgängerverkehr gesperrt. Nach Bedarf werden für den Wagenverkehr die Burgstraße, zwischen Friedrich- und Kurfürstenbrücke, die St. Wolfgangstraße, die Heiligegeiststraße, ferner die Kaiser-Wilhelm-Straße, zwischen Spandauer Straße und Kaiser-Wilhelmbrücke, gesperrt. Die«eue Baugewerkschule. Das neue Gebäude der städtischen Baugewerkschule m der Kursürstenstr. 141 zu Berlin wird in Kürze fertiggestellt und zum April bezogen werden. Die Baugewerkschule wurde in den siebziger Jahren von dem Berliner Handwerkerverein ins Leben gerufen, im Herbst 1863 von der Stadt und dem Staat übernommen und steht seit- dem, jetzt also seit 3V Jahren, unter ihrer gemeinsamen Verwaltung, geleitet von Direktor v. Stralendorfs. Der Lehrplan der Anstalt ist durch die von dem Minister für Handel und Gewerbe erlassenen Vorschriften für alle preußischen Baugewerkschulen bestimmt. Die Schüler genießen nach Ablegung der staatlich vorgeschriebenen Schlußprüfung dieselben Rechte wie die der königlichen Anstallen. Von Anfa� April d. I. ab wird auch eine Tietbauabteilung ein- gerichtet werden. So bietet die Schule jungen Leuten, welche die Mittel haben, Gelegenheit, sich in allen Fächern des Hoch- und Ties baues zu tüchtigen Fachleuten und mittleren Staats- und städtischen Beamten heranzubilden. Durch die Vermehrung der Klassenräume im Neubau ist die Schulleitung in der Loge, alle Gesuche um Auf- nähme zu berücksichtigen._ Drei Personen durch Leuchtgas vergiftet. Im Hause Ferdinandstr. 1ö zu Kaulsdorf hatte der Tafekdecker Niggisch, ein Witwer, mit seinen zwölf- und siebzehnjährigen Töchtern eine Wohnung inne. Als gestern abend Hausbewohner veranlaßt durch starken Gasgeruch, der aus der Wohnung kam, in diese eindrangen, fanden sie Niggisch sowie seine beiden Töchter leblos auf. Der hinzugezogene Arzt konnte nur den schon seit Stunden erfolgten Tod feststellen. Ob hier ein Unglücksfall oder eine Familientragödie vorliegt, konnte noch nicht bestimmt festgestellt werden. Die Leichen wurden bis zum Eintreffen der Unter- suchungskommission vorläufig in der Wohnung belassen. Ei» schwerer Strahenunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen Uhr vor dein Hause Tauentzienstraße 18. Dort versuchte das löjährige Fräulein Berta Konrad kurz vor einem in der Richtung nach Lichtenberg fahrenden Straßenbahnwagen der Linse 64 das Gleis zu überschreiten, wurde umgerissen und zwischen den Steinrand und Truckgestell des Wagens geklemmt. Die Vcr- unglückte, die eine schwere Lungenquetschung und einen Bruch des rechten Fußknöchels erlitten hatte, erhielt aus der nächsten Unfall- station Notverbände und wurde dann nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Im Zirkus verhaftet wurde gestern abend, kurz vor Beginn der Vorstellung, ein internationaler Taschendieb, der sich in ver- dächtiger Weise an den Kleiderablagen herumdrückte. Als eine aus mehreren Herren bestehende Gesellschaft den Zirkus betrat und ihre Garderobe aufgeben wollte, mischte sich der Verdächtige unter sie und versuchte einem Herrn das Portemonnaie aus der Hosentasche zu entwenden. Ein anwesender Kriminalbeamter packte den Dieb und brachte ihn zur Wache. Auf dem Wege dorthin riß sich der Verhaftete los, wurde aber nach einer längeren Verfolgung gestellt und wieder festgenommen. Er entpuppte sich als ein früherer Tischler Abraham Mathies aus Warschau, der den Taschen- dicbstahl gewerbsmäßig betrieb. Ein Automobilnnfall ereignete sich gestern nachmittag gegen Zi/z Uhr in Wannsee an der Ecke der König- und Seestraße. Aus einer Seitenstraße wollte dort das Automobil einer Berliner Samen- Handlung einbiegen. In diesem Augenblick passierte auch ein kaiser- liches Automobil die Stelle und stieß mit dem Lastauto zusammen. Der Chauffeur und dessen Begleiter wurden schwer verletzt, während die beiden Insassen mit einem Nervenchok davonkamen. Arbeiter-Abstinentcnbund, Aktionsausschuß Groß-Berli». Morgen Freitag, abends Ö'/j Uhr. findet im Berliner Gewerkschaftshaus. Engelufer 15, ein öffentlicher Vortrag statt. ES spricht Genosse Wilhelm Düwell über:„Die besondere Bedeutung der Alkoholsroge fstr die Arbeiterschaft, Folgerungen im allgemeinen, Abstinenz und Prohibition." Eintritt 10 Pf. Getränke gelangen nicht zum Aus- schank. Meldungen werden schriftlich oder mündlich bei den Genossen'Karl Gräs, Donaustr. 129, und Karl Bergmann, Allerstr. 46, angenommen. Die Beteiligung an dieser Jugendweihe ist vollständig kostenlos. Selbstverständlich ist auch ein bestimmter Kleidungszwang nicht vor- gesehen. Jedes Kind soll in der Kleidung erscheinen, deren Be- schaffung den Eltern möglich war. Da die bisherigen Feiern sich einer regen Beteiligung und allgemeinen Anerkennung er- freuten, erhoffen dre Veranstalter auch diesmal eine möglichst große Zahl von Meldungen. Die Arbcitgeberwahl zum hiesigen Gewerbegericht hatte folgendes Resultat: Es wurden abgegeben für die Kandidaten der freien Arbeitgeber 259 Slimmen und für die Kandidaten der Innungen usw. 490 Slimmen. Tie Kandidaten der Innung sind somit gewählt. Bei der vorigen Wahl waren abgegeben für die freien Arbeilgeber 852 und für die Innung 619 Stimmen. Schöneberg. Großfeuer. Die gesamte Schoneberger Feuerwehr hatte gestern nachmittag mehrere Stunden in der Belziger Straße 46/47, neben der städtischen Hohenzollernschule, zu tun, wo der Dachstuhl des Vorderhauses zu einem großen Teil in Flammen stand. Brand- direktor Flöter ließ unverzüglich mit fünf Schlauchleitungen ein- greifen und das Feuer von allen Seiten unter Wasser nehmen. Trotzdem dauerte es geraume Zeit, ehe der Brand unterdrückt werden konnte. Die Löschmannschaften hatten unter einer starken Rauch- entWickelung'ehr zu leiden. Ueber die Ursache des Feuers konnte nichts mehr festgestellt werden. Lichtenberg. Unrechtmäßige Erhebung von Kirchensteuern. Eine große Anzahl von Einwohnern, die bereits bis Ende 1912 ihren Kitchenaustritt vollzogen haben, sollen nach der Aufforderung der Steuerverwaltung von Lichtenberg auch noch für die Zeit vom 1. Januar bis zum 81. März 1914 Kirchensteuer zahlen. Nach dem Kirchenaustrittsgesetz von 1873 sind aber diese Personen in keinerlei Weise dazu ver- pflickitet. denn nach§ 3 erlischt die Kirchensteuerpflicht mit dem Schluß des auf den Kirchenaustritt folgenden Kalenderjahres. — Das gleiche Vorgehen der Gemeinde Berlin-Zehlendorf für das Jahr 1913 endete damit, daß Zehlendorf em viertel Jahr Kirchen- steuern zurückerstatten mußte. Die gestrigen Wahlen zum Gewervegericht(Arbeitgeberbeifitzer zeitigten folgendes Ergebnis: Abgegebene Stimmen Vorortnachrichten. Neukölln. Das geeimgte Bürgertum. Was seit Wochen erwartet wurde, ist jetzt eingetreten. Alt» bürgerliche und Kommunalfortschrittliche haben sich zusammen- geschlossen zu einer Arbeitsgeineinschaft, um bei den am 6. März stattfindenden Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abteilung die bis jetzt innegehabten zwei Mandate gegen den Ansturm der Sozialdemokratie zu behaupten. Das abgeschlossene Kompromiß läuft darauf hinaus, daß die Altbllrgerlichen einen Kandidaten in der Person des Bundesvorsitzenden der Neuköllner Grundbesitzervereine, den Bureauvorsteher Herrn Kurtzrock, und die Kommunalfortschrittlichen den anderen Kandidaten in der Person des Justizrats Jacobsohn stellen. Die Parteien verpflichten sich zu gegenseitiger Wahlhilfe. Damit ist die endgültige Einigung des Bürgertums perfekt. Es hat sehr schwierige und langwierige Verhandlungen gekostet, bis eS dazu kain. Bestand doch noch von früher her unter den Bürger- lichen eine alte Vereinbarung, wonach bei etwa vorkommenden Wahlen jeder Fraktion ihr Besitzstand garantiert wurde. Nach dieser alten Vereinbarung hätten dann die beiden neuzubesetzenden Mandate den Altbürgerlichen zufallen müssen, da sowohl der verstorbene Gröpler wie der verzogene Koye dieser Frattion angehört haben. Aber die Kommunalfortschrittlichen wollten nicht den Altbürgerlichen bedingungslos Wahlhilfe leisten, und so mußten die Allbürgerlichen Haare lassen und den andern ein Mandat abtreten. Da sich also diesmal Sozialdemokratie und das geschlossene Bürgertum gegenüberstehen, so wird es nicht erst zu Stichwahlen kommen, sondern die Entscheidung wird bereits in der Hauptwahl fallen. Die Sozialdemokratie hat als Kandidaten den Eigentümer P e t r i, Knesebecksttaße, und den Dentist B e r w a l d, Berliner Straße, aufgestellt. Beide Bezirke sind für die Sozialdemokratie aussichtsvoll, da uns bei den letzten Wahlen nur einige Stimmen gefehlt haben. Inzwischen hat sich jedoch die Wählerliste bedeutend zu unseren Gunsten verschoben, so daß es bei aller Anstrengung ge- lingen muß, diese Mandate für die Sozialdemokratie zu erobern. Ein bedauernswerter Unfall ereignete sich gestern abend im Hause Donaustr. 129. Dort stürzte eine bei ihrem Bruder auf Besuch weilende Frau Fischer mit ihrem 16 Monate alten Kinde eine steile Kellerteeppc hinab. Während das Kind unverletzt blieb, trug Frau F. eine klaffende Kopstvunde und einen Armbruch davon. Der Unfall steht um so ernster aus, als die Verunglückte wieder der Geburt eines Kindes entgegensieht. Eine Schuleutlossungsfeier findet auch in diesem Jahre für die- jenigen schulentloffenen Kinder, welche an einer kirchlichen Einsegnung oder der Jugendweihe der Freireligiösen Gemeinde nicht teilnehmen. in den Jugendheimen statt. Als Zeitpunkt für diese Fugendweihe ist Sonntag, den 29. März, vormittags 10 Uhr, festgesetzt. An- DaS Arbeiterjugendheim befindet sich nicht, wie es in der Nottz vom Dienstag hieß, Dorfstraße, sondern D o s s e st r. 22. Petershagen bei Fredersdorf. Die Gemeindevertreter beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung zunächst damit, es zu ermöglichen, daß die Zusahrtstraße zum Fried- Hofe befestigt werden kann. Mit dem in Betracht kommenden An- lieger soll wegen Abtretung bzw. Tausch des erforderlichen Straßen- laitdes noch einmal in Verhandlung getreten werden.— Durch Beschluß wurde festgelegt, daß die Mahngebühren für rückständige Steuern dem Steuererheber zufließen sollen. Der Uebernahme einer größeren Anzahl von Stratzenparzellen auf die Gonreinde, wurde ebenfalls zugestimmt. Ein Antrag des Landrats, für die Gemeinde eilten besonderen Vollziehungsbeamten anzustellen, wurde gegen eine Stimme abgelehnt. Ausgeführt wurde hierzu, daß der beim Amt Frederstiors angestellte Bollziehungsbeamte, der auch für unsere Gemeinde die Sachen mit zu erledigen hat, wohl seine Pflicht erfülle, daß aber die erledigte» Sachen länger als nötig im Amtsbureau liegen. Es wurde der wiederholte Wunsch ausgedrückt, daß an jener Stelle im Allgemeininteresse etwas flotter gearbeitet werde.— Die hiesige Kirchengemeinde kann sich immer noch nicht daran gewöhnen, Sachen, die sie glaubt für sich haben zu müssen, selbst zu bezahlen. In einer Nachttagsrechnung für die errichtete Leichenhalle, wird auch ein Kreuz mit in Rechnung gestellt, ohne daß die Gemeinde bei Vergebung der Arbeit um die Anschaffung eines solchen beftagt worden ist. Die Kivche nimmt eben, wo sie es kriegen kann. Die Forderung wurde mit 6 gegen 5 Stimmen bewilligt.— Bezüglich des Anschlusses an das Gas- werk Nieder-Barnim-Ost, wurde nach einem kurzen erläuternden Vortrag beschlossen, den Beschlutz selbst noch bis zur nächsten Sitzung auszusetzen; jedenfalls kann aber schon jetzt als feststehend angenommen werden, daß sich die Gemeinde mit 16 666 M. als Gesellschafterin beteiligen wird. Unsere Gemeinde wird dann die so lang ersehnte Beleuchtung erhalten. Schmargendorf. Immer feste drauf, lautete das Thema, über welches Genosse Z u b e i l vor einer gutbesuchten Versammlung referiette. Der Redner kennzeichnete mit scharfen Worten die Rechtlosigkeit der Massen, die andererieils die größten Opfer an Gut und Blut zu bringen baben. Die Veranlagungen zur Wehrstener hätten gezeigt, welch enorme Summen die Besitzenden dem Staat bisher vorenthalten haben. Der Patriotismus dieser Klasse bestehe nur. so lange es nicht an ihren Geldbeutel gehe. Bei der Zaberner Angelegenheit sei die krasse Tatsache zu verzeichnen, daß bei uns der Säbel regiere. Aus alledem habe die Arbeiterklasse die Lehre zu ziehen, nicht eher zu ruhen, bis eine Verfassung errungen sei, die dem Volk ermögliche, selbst zu regieren. Redner schloß unter großem Beifall mit den Worten„Immer feste drauf". Der Versammlungsleiter ersuchte die Anwesenden, die arbeiterfeindlicheit Blätter aus dem Hause zu weiten und den„Vorwärts" zu abonnieren, ebenso Mit« glieder der Partei zu werden. Oranienburg. Eine andere Einteilung der Schulkinder aus die beiden hiesigen Gemeindeschulen wird zu Beginn des neuen Schuljahres vorge- nommen. Während bisher die 1. Gemeindeschule ausschließlich Knaben, die 2. Gemeindeschule dagegen nur Mädchen aus der gan- zen Stadt aufnahm, soll diesem bisher empfundenen Uebelstande nunmehr ein Ende bereitet werden. Jetzt verlängert sich der Schulweg der Kinder aus dem weiten Westen oder dem Osten zum mindestens um die Enfternung von dem einen Schulhause zum anderen. Doch war diesem Mißstand nicht zu begegnen, so lange das Realgymnasium seine Räume in der 2. Gemeindeschule, inne hatte. Da das Realgymnasium zu Ostern sein neues Gebäude beziehen wird, sollen die bisher von ihm besetzten Räumlichkeiten von der 2. Gemeindeschulc in Benutzung genommen werden. Von diesem Zeitpunkte ab sollen die 1. und 2. Gemeindeschule nicht nur Mädchen, sondern auch Knaben zugewiesen werden, und es wird jede Schule ihren eigenen Schulbezirk erhalten. Die Grenze der beiden Schulbezirke sollte ursprünglich die Havel bilden, da das alte Schulhaus der 1. Gemeindeschule mehr Kinder aufnehmen kann als das neue, so soll nach dem Beschluß der Schuldeputatton, der Straßenzug Lehnitzstraße und Mühlensttatze die Grenze bil- den, und zwar in der Weise, daß diese beiden Straßen noch zum Schulbezirk der 1. Gemeindeschule am Luisenplatz gehören. So- mit werden diese Schule alle Kinder besuchen, die in der Lehnitz- und Mühlenstraße und westlich(Altstadtl von diesem Straßenzug wohnen. Auch die Kinder katholischen Bekenntnisses werden hier eingeschult. Ter 2. Gemeindeschule dagegen sollen alle Kinder, Knaben und Mädchen, zugewiesen werden, die östlich des gcnann- ten Straßenzuges(Neustadt) wohnen, ebenso die Kinder aus Lehnitz. Ausgeschlossen hiervon sind noch die Kinder aus drei Klassen der Mtttelstufe(einer 4. Knabenklasse, einer 4. Mädchen- und einer 3.. Mädchenklosse), welche die 2. Gemeindeschule bc- suchen müssen. Aber es sollen diesen Klassen Kinder zugewiesen werden, die der Havel möglichst nahe wohnen, so daß auch hier eine Verkürzung des Schulweges geschaffen wird. Mühlenbeck. In einer öffentlichen Versammlung referierte Genosse Knüpfer über das Thema:„Freies Koalitionsrecht und Hetze der Scharfmacher". Der Redner zeigte an der Hand zahlreicher Bei- spiele, wie traurig es jeweilig um das Koalttiönsrecht der Arbeiter bestellt sei. In der Diskussion ersuchte Genosse Lesfing für die Erringung weiterer Volisrcchte tätig zu sein. Genosse Junker richtete an die Versammelten die Aufforderung, bei der bevorstehenden Ge- meindewahl für den sozialdemokratischen Kandidaten, Genossen Paul Bruckmann, einzutteten. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Brnchmühle. Heute Donnerstag, abends 5 Uhr, im Gemeinde- bureau. Adlershof. Heute Donnerstag, abends 6'/, Uhr, im Sitzungssaale des Gemeindeamts, Bismarcks». 1. Bernau. Freitag, den 13. d. M., abends 6 Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses. Spandau. Heute Donnerstag, nachmittags i'l, Uhr, im Sitzungssaal des neuen Rathauses. Diese Sitzungen sind öfseittllch. Jeder Eemcindcangetzörige ist be> rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 16. Februar, abends S'/j Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie. Köpc- nickcr Str. Sü/g?: Zweiter Vortrag: Jugendfürsorge. Reserent Herr Rudolf Wissell. Sonntag, den 22. Februar: Führung durch das Museum für Volks» trachten, Klosterftr. 36. Treffpuntt am Eingang 12 Uhr mittags. Eingegangene drucksthristen. Bergleichende Untersuchungen über den Schutz der Arbeiter und Angeslellten der Grossherzogl. Badischen Staatseisenbahncn nnd der Schweizerischen Bundesbahnen. Von Dr. A. Kaujmaiin. 6,80 M.— Die Lohnthcoric» von Ad. Smith. Ricardo. I. St. Mill und Marx. Von Dr. F. Gras v. Degenseid- Schonburg. 3 M. Die Bewegung der Weizenpreise und ibrc Ursachen. Bon L. Perlmann. 2 M.— Die Entwicklung der Landwirtschaft in den Bereinigten Staaten von Nordamerrka und ihr Einflus; aus die Preisbildung land- wirtschastlicher Erzeugnisse von Dr. M. Augustin. 4 M.— Löhne und Lebenskoste» in Westeuropa im 19. Jahrhundert. Von Dr. B. v. Tyszka. 8 M.— Britisch-Kaffraria und seine deutschen Sied- lungen. Von I. Spanuth. 2,59 M. Duncker u. Humblot, München und Leipzig. Im Lenz verwelkt und anderes. Von A. v. Hedenstjeuut.(Kürschners Bücheisch. 935.) 20 Pj. H. Hillger, Berlin W. 9. Das sozialdemokratische Programm. Eine gemeinverständliche Erläuterung seiner Grundsätze von R. Danneierg. 60 Pf., fort. IM.— J. Brand u. Co., Wien VT Geld und Irrenhaus. Von P. Elmcr. 2 M. Rosenthal u. To., Berliff, Alt-MoabU 105._____ Briefkasten öer Redaktion. Tie tortslUac evrrwftuude findet Ltudenftraße KS, vor» vier Trevpe» — Kohrftn»»—, wochentäglich von btS Udr adends, SonnidendS, von ttz bis 6 Udr abends statt. Jeder für den vrtcftaSea drstimmren Anfrage ist ein Buchftadc nnd eine Zahl als Merkzeichen bciznfügea. Briefliche Alltwart wird nicht erreilr. Anfragen, denen keine AdannemeniSgntrrnng detgrlügt ist. 'erd'» nicht deaniwartet. Eilige Frage» trage man in der«vrechftnnde vor. Prolet. Für uns unbrauchbar.—/, Millionen Mari für Flugzeuge gefordert. Die Etatisierung der Posten bei Marine und Heer soll künftig nach gleichen Grundsätzen erfolgen._ Schntz vor Verrat militärischer Geheimnisse. Die ReichstagSkommission für den Gesetzentwurf über den Schutz militärischer Geheimnisse behandelte am Mittwoch den§ 2 der Vorlage, der in mehrfacher Hinsicht Verschärfungen des jetzigen Gesetzes fordert. Von sozialdemokratischer Seite ivurde zu Absatz 1 betont, daß die weitgehende Anwendung deS dolus eventualis(bedingter Vorsatz) immer mehr ausgedehnt werden würde, wenn es zur Be- strasung genügen solle, daß semand„vorsätzlich" die Sicherheit de? Reiches gefährdet; cS müsse-- abgesehen von der Bestrafung wegen Fahrlässigkeit— an der bisherigen Fassung,„wissentliche Gefährdung", festgehalten werden, lvenn nicht auch Hann- lose Fälle unter die schweren Strafen des Paragraphen fallen sollen.— Ein Regierungsveitreter erklärte, daß die neue Faffung nur der bisherigen Praxis des Reichsgerichts entsprechen soll. Gegen die sozialdemokralischen Stimmen wird die Fassung der Regierungsvorlage angenommen mit Hinzufügung eines vom Zentrum beantragten Absatzes, der auch den vorsätzlichen Verrat von„Nachrichten" an eine ausländische Regierung mit Strafe be- droht. Die weitere Debatte betrifft das Strafmaß. Die im jetzigen /Gesetz bestehende Zulassung von Festungshaft bei mildernde,» Umstanden wird gemäß der Regierungsvorlage mit Stimmen- Mehrheit abgelehnt. Andererseits wird die NegierungS- Vorlage insofern etwaS gemildert, als bei mildernden Umständen statt Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren Gesängiiisstrafe bis zu fünf Jahren beschlossen wird, tz 2 Absatz 2 der Vorlage- will das jetzige Gesetz durch Androhung von lebenslanger Zuchthaus- sisafe verschärfen, falls eine„bedeutende Gefahr" für die Sicherheit des Reiches vorliegt und falls der Täter dieses voraussehen konnte; die gleiche Strafe soll Beamte und Militärpersonen treffen, auch wenn nicht eine„bedeutende" Gefahr vorliegt. Gegen die Ein- führung des neuen Kautschukbegriffs„bedeutende Gefahr" wurden von verschiedenen KommissionSmitgliedern starke Bedenken geäußert. Ein fortschrittlicher Redner vertrat weitgehend die Regierungswiinsche. Die Abstimmung über diese Frage steht noch auS. Die Vekämpfung des Geburtenrückganges. Nach längerer Debatte über den bekannten Gesetzentwurf des Zentrums, in der die Sozialdemokraten noch einmal ihren ab- lehnenden Standpunkt darlegten, kam es am Mittwoch in der Ge- werbeordnungSkommission zur Abstimmung. Der tz 1 deS Zentrums wurde abgelehnt; außer den Sozialdemokraten stimmten auch Fortichriltler und Rationalliberale dagegen. Annahme fand der offenbar von der Regierung herrührende nationalliberale Antrag, der besagt:„Der Bundesrat kann den Verkehr mit Gegenständen, die zur Beseitigung der Schwangerschaft bestimmt sind, beschränken oder untersagen." Angenommen wurde weiter die Bestimmung, daß die vom Bundesrat getroffenen Anordnungen dem Reichstag zur Kenntnis zu bringen find. Weiter wurden aus dem Zentrumsantrag die tztz 2 und 3 angenommen, die die Strafbestimmungen enthalten. Die sozialdemo- lratischen Milderungsanträge wurden abgelehnt. Die Kommission kcschlvk noch, dein Entwürfe der Ncgicrung anzufügen, dag im Wandcrgewerbebetriebe nicht vertrieben werden dürfen:„Gegen- stände, die zur Verhütung der Empfängnis oder zur Beseitigung der Schwangerschaft bestnnint sind.' Tic Reichstagskommission für die Wiederaufnahme im Tisziplinarvcrsahrrn strich am Mittwoch den§ 117 c de-Z Entwurfes, welcher ein Wieder- ausnahincverfahren abhängig macht von dein gesamten Verhalten, Tun und Lassen dc-Z Beamten nach der Dienstentlassung. Die Kom- Mission war trotz deS Widerspruchs der Regierung der Auffassung, daß das Verhalten eines disziplinierten Beamten leinen Maßstab für die Gewährung eines Rechtes abgeben darf, durch das eben ein an den Beamten begangenes Unrecht gutgemacht werden soll. is lt7l handelt von der Entschädigung der im Wiederausnahme- verfahren Freigesprochenen. Nach der Regierungsvorlage soll dem freigesprochenen Beamten der Bezug eines in den einstweiligen Ruhe- stand versetzten Beamten für die ganze Zeit der ungerechtfertigten Entfernung voni Amte bezahlt werden, lvic auf eine hierzu gestellte Frage von Regierungsseite noch ausdrücklich bestätigt wird, unbekümmert, ob und welche Beziige der Beamte ivährend der Disziplinierung von anderer Tätigkeit bezogen hat. Die Beratung über diese Bestimmung wurde noch nicht zu Ende geführt. Jugenöbewegung. Polizciwillkiir gegen Arbeiterjugend. Am vergangenen Sonntag hatte der Iugcndausschuß van M ülh e i m a. R h. in Gunimersbach eine öffentliche unpolitische Zugendvcrsammlung einberufen,«chon vor Beginn der Versamm- lang erschienen zwei Polizisten und forderten alle jungen Leute unter 18 Jahren auf, den Raum zu verlassen. Nach Gründen gc- fragt, wußten sie nichts anderes zu sagen, als die Maßnahme sei angeordnet. Man jagt also die Jugend aus als unpolitisch ange- kündigten Versammlungen hinaus, noch che ein Wort gesprochen ist, und mithin»och, ehe festgestellt werden kann, ob über Politik geredet wird. Selbstverständlich wird gegen das polizeiliche Vor- gehen Beschwerde erhoben werden. Versammlungen. Jahresversammlung der Mrtalldnicker. Die einzelnen Tagesordnungspunkte riefen eine umfangreiche Debatte hervor, so daß zu ihrer Erledigung zwei Abende erforderlich waren. Zunächst erstattete Watschipky den Jahresbericht. Aus diesem war zu entnehmen, daß die Branchcnlcitung der Konjunktur eist- sprechend, ihr Hauptaugenmerk auf die Abwehr von«Verschlechte- rnngcn gerichtet hat. Diese Taktik habe sich auch als zweckmäßig bewährt, ja, es konnten hin und wieder sogar einige Verbesserungen durchgesetzt werden. Das binfichtlich der Arbeitslosigkeit in der Branche entworfene Bild entspricht durchaus dem allgemeinen. In der Diskussion wurde verlangt, dem Ileberstundenunwesen schärfer entgegenzutreten. Auch über die künstlerische Ausgestaltung der Braiichenvcranstaltnngc» traten Meinungsverschiedenheiten zutage. Die Mehrheit vertrat aber die Ansicht, daß das Niveau durchaus nicht zu hoch gewäblt sei. Dann wandte sich die Debatte einigen internen Angelegenheiten zu. Die Wahl der Branchcnkommission ergab die einstimmige Wiederwahl W a t s ch i p I p s zum Branchen- leitcr, während in der Zusammensetzung der Kommission einige Aenderungc» eingetreten sind. Gewählt wurden G c r i ck e, Gunther, K a ß l c r, L a n k e, Lampe, Stolle, Rusch, R a m s b o ck, Willi Lehman n. IngendveranstalMnge». Neukölln. Heim I. Jdcalpalsagc. Heute Donnerstag: 3. Vortrag über: Geschichte des 19. Jahrhunderts. Pankow-Ntcdcr-Zchöiibausen. Sonntag, dcu t.i Febniar, Besichtigung des Krematoriums in Treptow. Treffpunkt pünktlich'/,9 Uhr vormittags Pankow, Berliner Ecke Kaiser-Fricdrich-Straße. Fahrgelo 49 Ps. Marktpreise von Berlin am IV.Jtcbruar lill-l, nach Ermittelungen bes Igt. Polizeipräsidiums. Mais(nujeö), gute Sorte 16,90— 17,90, Donau 1G,00--16,.30. Mais krundcr), gute Sorte 14,80— 15,20. Richtstroh 4,80. dis 5,00. Heu 6,00—8,00. M a r i t h a l I e n v r c i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Svcisebobnen, weiße 35,00— 60,00. Linsen 40,00— 80,00. Karwsseln(Klcinbdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40, Rindfleisch, Bauchfieisch 1,30— 1,80. Schweinefleisch 1,40— 2.00. Kalbfleisch 1.40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,80— 7,20. 1 Kilogramm Karoten 1,20— 2,00. Aale 1.60— 3,20. Zander 1,20-3,20. Hechte 1,60—2,80. Barsche 0,80—2,20. Schleie 1,60— 3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50-24,00. ZLitteruugSüberslÄ» vom II. Jicbruar 1911. r tattonen l|e H£ o-2 SS »=< 13 8f .Havaranda"g, Still PetersburgslObW Scilly 75 t WA W lllbcrdcen 742;SSO Paris 76ÄSSO I 1 Cettcx ! Nebel t bedeckt 4 wolkig 5> Regen l! heiter ** Ii *k —8 1 9 7 3 ZLctterprognose für Tonncrstag. den IL. Februar 1914. Zunächst noch vorwiegend heiter und stocken: am Tage mild bei mäßigen siidtichcn Winden; nachher langsam zunehmende Beivölkung. Berliner Wette rburcau.. Waflerstands-Nackirichtcn der LaudcSauflalt für Gewäsiertunde, mitgetetlt vom Berliner Wclterburcaa st+ bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unlerpegel.— st heute früh 635 om; M e m e l st r o m von der Sivoniteilung zwischen Ruß und GUge bei �chanzenkrug bis oberhalb Ragnit noch mit Eis versetzt.— st Eisfrei.— st Eisstand.— st Treibeis.— st Uscrcis. Eine hochinteressante Weltreise siir nur 15 Ps. die Woche. Was regt den Geist von neuem an. bringt Frohsinn und Schaffens- freudc wieder--? Reiselust und Reisen! Wir wollen erfahren, wie die Welt in Wirklichkeit mit all dem Reichtum ihrer Natmschöiibeltcu aussieht, und wie die Menschen daraus leben. Wer Zeit und Geld hat, der reist. Aber wie viele könne» dieses überhaupt und sollen sie es sich vcr- tagen? Nein!— TtcteTinhcf jeder mit uns getrost die Weltreise an und lerne die Macht der Natur, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Menscheiirassen obnc Reiscbeschwerdcn, teure Ausrüstungen und Reise- geldcr kennen. Er kann alles im gemütlichen Heim für nur 15 Pf. pro Woche durch unsere illusstierte Zeitschrift„Durch alle Welt' genießen. Ilm der Reise besser folgen zu können, erhalten alle Abonnenten außerdem in Lieferungen cjncn großen llnivevsal-Handatlas gratis. Derselbe enthält über 320 Boll- und Nebenkarten. 42/2 Sobald Sie den Bestellschein auSgesüllt und eingesandt haben, wird die Reise angcstctcn. Bestellschein. Tu-. An die Expedition von„Durch alle SSclt", Bcrlin-Schvnebcrg. Am Park lt. Ich abonniere hiermit„Durch alte Welt« a 15 Ps. pro Hcst wöchentlich durch Bolen frei ins Haus. Name:.......................................... Ort. Straße: j Todes-Anzeigen| Deutscher Transportarbeiter-Verband. B�zirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bretter- stägcr WüKelm Maratzky am 6. d, MtS. im Alter von 35 Jahren verstorben ist, Ghre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 12. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Friedhofes in AhrcnS- fcldc aus statt. Um rege Bot ciligung ersucht 62/9 Die Bezirksverwaltung. Deotseber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Farmer Paul Ledl-öter Jahnstr. 19, am 7. d. MtS. frei- willig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigimg sindct am Sonnabend, de» 14. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fricd- hoseS in Friedrichsjetde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/13 Die Örtsverwaltung. Turnverein„Fichte" Berlin. 3. Männer-Abteilung. Am Freitag, den 6. Februar, verstarb unser Turngcnosse Paul Sekrüter. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 14. d. M.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zcnwal-Friedhoses in Friedrichsjetde a.lS statt. Rege Beteiligung erivartet 873b Der Borstand. Verband d.Genieinde-u. Staatsarb. Filiale«roB-Bcrlin. Xachraf. Unseren Mitgliedern zur Aach- richt, daß der pensionierte Kollege Uidvtzix Bülow welcher srüber im Berliner Wasser- werk, Tegel, beschäftigt war, im Alter von 79 Jähren verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung hat am Mstt- lvoch, den lt.. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhausc, Wittenau, Triftstr. 10, aus stattgesundcn. 33/7_ Die Örtsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Willi Liefke am 10. Februar nach schwerem Leiden saust entschlafen ist. Im Namen der liesbetrübten Hinterblicbcncil 106A Ferd. Liefke und Frau. Naunynstr. 70. Die Beerdigung findet nur Freitag, nachmittags 3st, Uhr, von der Halle des Thomas-Kirch- hoscs, Neukölln, Hcrmannstraße, aus statt. Am Montag, den 9. Februar, verstarb plötzlich unser lieber Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Tischler Pritz Reschke im 54. Lebensjahre. 8796 Die Beerdigung sindet am Freitag, den 13. Februar, nach- mittags.1l/4 Uhr, von der Kapelle des Philippus-Apostel-FriedhoscS, Mllllerflraßc, Ecke Secslraßc, aus statt. Im Namen der Hinterbliebenen Gertrud und Willi Reschke. Danksagung Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner ücbcn Frau Ick» Uwillat geb. .lesehien jage allen meinen Freunden, Perwandten, Bekannten und Kollegen herzlichsten Dank. Hermann Dwillat u. Kinder. ' Verantwortlicher Redalteur: Am Dienstag, den 10. d. 3)1., vormittags 4 Uhr, verstarb nach langeni, schwercirr Leiden plötzlich meine liebe Frau, gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter und Großmutter venia Blittnen geb. Holz im 44. Lebensjahre. 111A Dies zeigen tiesbetrübt au und bitten um stille Teilnahme t-earx BUttaee und Sohn. Die Beerdigung findet am Freitag, dcu 13, Februar, nach- mittags 4'/. Uhr, von der Halle des neneii Jakobi- Kirchhofes, Neulölln, Hcrmannftraßc, aus statt. 'Allen Freunden und Vcr- wandten die traurige Nachricht, daß unser cinziggeliebtcr Sohn im Alter von 1t Monaten nach schwerem Leide» sanst ciitichlasen ist. Um stille Teilnahme bitten Die tiefbetrubtrn Eltern Albert t« r i s<• Ii«>\ und Fra». Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 12. d.M.. nach- mittags VI, Uhr, vom Trauerhausc Fehniarnstr. 20 aus dem städtischen Friedhosc. Müllcrstraßc, Ecke Scesträße, statt. 115A Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bccräigung meines lieben Mamics und Lnlcls, des Gürtlers Rodsni Plaih sage ich allen Verwandten und Bc- kannten, insbesondere den Kollegen der Firma Speck, dem Wahlvercin des vierten Kreises, dem Metall- arbcitervcrband und Herrn Wicloch sür die trostreichen Worte herzlichen Dank. 107A Witwe Helene Plath. Danksagung.' Für die Vielsachen Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten verstorbenen Mannes FerdinaRd Drose sowie sür die vielen Kranzspenden sage ich meinen innigsten Tank. Herzlichen Dank unserem lieben Wirt. der mir in schwerer Zeit mit Rat zur Seite stand, der Dirctlion, den Bc- amlcn und allen Kollegen der Ber- liuer Bockbrauerei, Abteilung II (Verband der Brauerei- und Mühlen- arbcitcri, sowie allen Freunden und Bekaimlcn. Uwe. Ksroline Drose, Graunslr. 34. 102A Allgem. Ortskrimkenkaffe für den Stadtkreis tharlottenburg. Am 18. Februar 1914, abends 8 Udr. findet in dem kiciiicn Saale des Bolksfiauses hiericlbit. Rönnen- straßc 3, eine AuSschusiiiNuiig statt mit der Tagcsordnu ng: Beschlusifassuug über die Dienst- ordnung. wozu die Ausschußmitglieder eiuge- laden werden. Denselben geht außer- dem eine schristlichc Einladung zu. welche als Legiliniation beim Eintritt in den Saal varzuzeigen ist. Charlot teiiburg, lO. Februar 1914. Der Kasseuvorstand. gez. Ahrens. 268/15 gee>äa«le!«te Her Kakao ist wegen seiner die Gesundheit fördernden Kigeuschaf- ten, seines Wohlgeschmacks und hohen Nährwertes Nährsalz-Banancn-Kakao Besonders für Blutarme, 5e" nesende. Nervöse. Kinder und stillende Mütter. Nicht stopfend. Paket—'/, Pfund 1 /Mark, 5 Pakete 4,75 Mark. Paket— 1I, Pfund 0,50 M. Alleiniger Fabrikant: D. Mader, Prinzenstr. 86. Zu haben in den Filialen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. � An�n�tabad Köpcnicker Ztr. 496b- Lieferant aller Kranfenlassen. Danksagung. Statt Karten. Für die mir in so reichem Maße bewiesene herzliche Teilnahme hei der Einäscherung meiner lieben Frau spreche ich allen Per- wandten. Freunden und Bekannten sowie den Kollegen und deren Ehefrauen, insbesondere Herrn Waldeck Manaffe sür die auf- richtenden Worte, und Herrn Direktor Zoeppcritz der Weißbier- brauerei der Gastwirte des Nordens meinen ticsempsundenen Dank aus. WslEfeffnsi' Albrecht. Gardinen besonders kaufen Sie in unserem Inventur-Ausverkauf! Große Posten Gardinen alier Art Rcstbeständc— I bis 4 Fenster Tüllgardicnen Tüll-Stores— Tüll-Künstler-Gardinen Allovenet-Fensterdekorationen Etamin- Garnituren— Halb-Stores —— Bettdecken— Scheiben-Gardinen—— Vertrieb von Erzeugnissen sächs. Gardinen- Fabriken Johann Pcllot Co« Konunandit-Gcsellschaft. Verkaufsstellen nur C, Rasenthaler Straße 2, am Rosenthaler Tor S, Oranien-Straße 37, naho Oranien-Platz Kottbuser Damm 65,(Neukölln) naho Henuannpl. X, Schönhauser Allee 83, i O, Gr. 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