Ar. 43. flbonnemcntS'Bedingungcn: ■bonncnwnlä■ Preis ttimumctonboj «ierteljährl. 3,30 Mk, mono«. 1,10 Mk, Wöchentlich 28 Ptfl. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. nuinmer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. «öonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zcitungs. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 240 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl Uro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxeinburg, Portugal, Runiänicn. Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. Crtftelnt täglich. �* Vevltner Volksblcltk. Die TnfertionS'Geböljr beträgt für die scchsgespalteue Kolonel- zcile oder deren Raum 00 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Bercins- und Bersammlungs�Anzeigen 30 Plg, „Klein« An-eigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig Lsettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg Stellengesuche und Schlafstcllcnan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über>.? Buch. staben zählen für zwei Wocie. Anserale für die nächste Nummer müffcn bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdcinoltrat Rcrlio", Zentralorgan der roziatdcmokratifcbcn Parte» Deutfcblands. Rcdahtton; 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Freitag, den 13. Februar 19I4> Sxpcditiom SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplati, Ztr. 1981. Preußen in der Scharfmacherei voran! In der Debatte über die Katastrophe in der Grube Achen- bach kam Genosse H u e bei seiner Kritik des Instituts der Sicherheitsmänner auch auf ein recht interessantes Detail zu sprechen. Er sagte: „In anderen Ländern versteht man es doch mehr, die Arbeiter« bedürfiiisie �u berücksichtigen. Gerade jetzt ist in H 0 l l a n d die Frage der Bergwerkskontrolleure frisch angeschnitten worden, und da hat denn auf eine Eingabe des Niederländischen Bergarbeiter- Verbandes die Regierung erklärt, dah sie keine SicherheitSmänner nach preußischem Muster einführen würde, sondern daß Gruben« kontrolleure eingeführt werden sollten, und zwar gewähl: von Ar« beilerausschüssen, aber besoldet vom Staat. Das ist doch schon ein wesentlicher Fortschritt. Mir i st auch zufällig zu Ohren gekommen, daß die holländische Regie- rung sich über die Praxis der Sicherheits- männer in Preußen Material verschafft hat. Ich habe dann auch Einblick in dies Material gehabt.(Zuruf im Zentrum: Ich kenne eS auch!) Sie kennen es auch? Vielleicht können Sie, verehrter Herr 5kollege, mir auch sagen, wer dieses Material der Regierung in Holland geliefert hat.(Zuruf im Zentrum: Ich weiß, woher es stammt, aber nicht, wer es der Regierung überliefert hat I) E s w ä r e doch sehr interessant, von unserer Regierung zu hören, ob sie etwa dies Material der hol- ländischen Regierung geliefert hat. Denn dies Material ist beinahe von Anfang bis zu Ende eine Diskreditierung der S i ch e r h e it s m ä n n e r, ist— in Berlin hat man ein derberes Wort dafür— eine solche Herabwürdigung der Tätigkeit der Sicherheits- männer, wie man sie nur von einem ganz ausgeprägten Vertreter des Scharfmachertums erwarten kann! (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten,)' Wie uns der Genosse H u e mitteilt, war das der hol- ländischen Regierung zur Verfügung gestellte Material in einem dicken Aktenband zusammengeheftet. Es bestand aus handschriftlichen Mitteilungen über angeblich politischen Mist- brauch der Sicherheitsmänner, über die Tätigkeit der ge- wählten Leute, Auszügen aus den Fahrbüchern, in denen die Sichcrhcitsmänner den Befund einzutragen haben, dazu Randbemerkungen von Betriebsleitern und Bcrginspcktorcn. Das Material war derart, daß es im großen und ganzen ein recht schlechtes Licht auf die fachmännische Tüchtigkeit und teilweise auch auf die moralische Qualität der Beurteilten werfen mußte. Zum Teil erschienen die Beurteilten als alberne Menschen, die sich über die einfachsten technischen Vorgänge nicht klar waren. Wenn es nicht der bewußte Zweck dieser Materialsammlung war, die Sicherhcitsmänncr zu diskreditieren, so konnte doch dieser Effekt nach der Art der Aufmachung kaum ausbleiben. Die Ueberscndung dieses Materials muß spätestens im Früh- jähr 1912 erfolgt sein. Unser Gewährsmann lernte es im Sonimer 1912 kennen. Da das Institut der Sicherheits- männer erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 in Wirk- samkeit getreten ist, durste wenigstens ein Freund des Sichcrheitsmännergesetzes nach so kurzer Zeit des Jnkraft- tretcns des Gesetzes über seine Erfolge noch nicht abschließend urteilen. Dieser Vorbehalt war aber aus der bekannt ge- wordenen Materialsammlung nicht zu entnehmen. Und doch hat die Regierung noch 1972 gegenüber der Kritik unseres Genossen L e i n e r t im Landtag erklärt, über die Wirkung des Gesetzes ließe sich noch kein abschließendes Urteil abgeben! Etwa um dieselbe Zeit erhielt aber die holländische Regierung schon die bewußte Material- f a nl m l u n g! Auf die Anfrage des Genossen H u e blieb der Herr Obcrberghauptmann v. Velsen die Antwort schuldig. Er be st ritt aber durchaus nicht, daß die Lieferung des Materials durch die preußische Regierung! erfolgt ist. Man kann demnach annehmen, daß die holländische von der preußischen Regierung oder durch deren Vermittelung Jnsormationen erhalten, die das von seinen Freunden als! eine große soziale Reform gepriesene Sichcrheitsmännc.rgesetz � als eine gesetzgeberische Fehlgeburt charakterisieren. Das wäre � zu begrüßen, wenn die Informationen nicht auchschlechlweg Stim-' inung gegen die Beteiligung der Arbeiter an der Werkskontrolle gemacht hätten. Wenn man die Arbeiter als unfähige Kon- trolleure, um nicht zu sagen Trottel, hinstellt, wie das in dem der holländischen Regierung zur Verfügung gestellten Material geschehen ist, was wird da für ein Eindruck erw-'ckt? In den interessierten Kreisen bei uns zu Lande sträubt mau sich also nicht nur gegen eine zeitgemäße Reform des Sicherheitsmännergesetzes, sondern man informiert darüber hinaus sogar eine ausländische Regierung derart einseitig, daß auch sie einer praktischen Reform der Grubenkontrolle abgeneigt wird. Inzwischen ist ja in Holland durch die Parlamentswahlcn eine Verschiebung der Macht- Verhältnisse eingetreten. Das neue Ministerium hat, über- zeugt durch das von unseren Genossen beigebrachte Gegen- Material eine den Forderungen der Arbeiter entgegen- kommende Kontrollreform zugestanden. Die aus Preußen bezogenen Informationen sind wohl„zu den Akten' gelegt worden. Es wäre Sache der Parteien, die dem Sicher- heitsmännergesetz zugestimmt haben, die Regierung über ihre Beziehungen zu der ominösen Material- sammlung zu interpellieren. Da die gegenseitigen In- formationen der Regierungen auf diplomatischem Wege durch die beiderseitigen Gesandtschaften zu erfolgen pflegen, ist es auch unseren Genossen im Reichstage möglich, die Vertretung des Auswärtigen Amtes zu fragen, ob sie sich hat bereit finden lassen, jenes tendenziöse Material zu übermitteln, ohne den zum Teil schwer beschuldigten Arbeitern Gelegenheit zu geben, sich über die sie herabsetzenden Behauptungen zu äußern. Vielleicht kommt auf diese Weise heraus, wer es unternahm, deutsche Arbeiter bei einer ausländischen Regierung anzuschwärzen._> Der ßörige der Agrarier! Es war sehr naheliegend, und wir haben es auch vorausgesagt, daß der von Gnaden der Junker noch einmal prolongierte Reichs- kanzler nunmehr alles aufbieten werde, um die arg erschütterte Huld der kleinen aber mächtigen Partei zurückzugewinnen. Auch diesem Kanzler sind ja liberale Neigungen nachgesagt worden. Wir haben in dieser unbehilflichen und pedantischen Persönlichkeit niemals auch nur das kleinste Fünkchcn eines verschleiersten Libe- ralismus zu entdecken vermocht; aber die Liberalen mögen ja vielleicht besser wissen, was für sie liberal ist. Seit dieser liberale Kanzler jedoch in Ungnade bei den Junkern gefallen ist, seit ihm im Herren- und Abgeordnetenhaus derbe Rüffel erteilt wurden, überschlägt er sich förmlich in ultrareaktionären Kundgebungen. Als am Mittwochabend der Deutsche Landwirtschaftsrat im Hotel Adlon sein Festessen abhielt und der Vorsitzende des Land- Wirtschaftsrates, Graf Schwerin-Löwitz, zwischen Fisch und Braten mit echtagrarischem Bombast die agrarische Kaisertreue gelobt hatte und zum Schluß alle Potentaten sämtlicher deutschen Vater- länder hochleben ließ, da nahm der Kanzler der schlaflosen Nächte schleunigst die Gelegeicht.!." wahr, um in Anknüpfung an die Scharfmacherphrascn des Grafen Schwerin-Löwitz bußfertig und junkerhörig sein agrarisch-reaktionäres Glaubensbekenntnis her- zubeten..''' Ueber die landwirtschaftlichen Interessen hinaus habe dcr Vor- sitzende die Anwesenden auf das weitere politische Feld geführt und in der Tat seien ernste Zeiten. Aber so schwierig die inneren Zustände seien, in einem, in dem Hauptpunkt, seien doch alle einig: „Das ist der durch große Wahlerfolge gesteigerte Hochmut einer Partei, deren Bestrebungen daraus hinausgehen, die Fundamente des Reiches und unserer Monarchie zu unterhöhlen. Da gibt es kein Praktieren, sondern nur Kampf." Und gegen den Schluß seiner Rede hin betonte der Reichskanzler, daß„im Zusarumenschlutz aller besonnenen und vom Staatsbewußtsein getragenen Elemente man auch stark genug sein werde, um die Kräfte niederzuhalten, die in der gärenden EntWickelung unserer Zeit das Gefüge unseres staatlichen Baues nicht festigen und bessern, sondern lockern und niederreißen wollen." Schöner hätte auch Herr v. Heydebrand selber das junkerliche Sprüchlein gegen den Umsturz nicht hersagen können. Herr v. Bethmann hat in seiner Amtstätigkeit die Junkerphraseologie so hübsch beherrschen gelernt, daß man ihn, falls einmal seine Drahtzieher einen geeigneteren Mann an seine Stelle schieben, als junkerlichen Wahlagitator oder als Rcichsverbands-Wandcrredncr benutzen könnte. Da er aber die eine Rede so gut auswendig ge- lernt hat, ist es möglich, daß man ihm noch eine Zeitlang seines Amtes walten läßt. Für Ausländer, die in konstitutionellen Staaten mit demo- kratischen Formen leben, wird es immerdar ein Rätsel bleiben, wie der leitende Staatsmann des Reiches sich unterfangen kann, gestützt auf ein Häuflein großmäuliger Junker, hinter dem aber im Ernstfälle, bei wirklich freiem Wahlrecht und unbeeinflußter Abstimmung, nur ein winziger Prozentsatz des Volkes stände, eine Partei so gröblich zu insultieren, zu der sich trotz aller Aechtung und Verfolgung durch alle staatlichen Organe und aller Organi- sationen des Unternehmertums ein reichliches Dritte! des ganzen Volkes bekennt. Aber wir in Preußen-Deutschland wundern uns über die Junkerhörigkeit der Minister keinen Augenblick. Sie sind eben Fleisch vom Fleisch der Scharfmacher, und nicht wenige von ihnen erhalten fette Aufsichtsratsposten und finden Stellungen in den kapitalistischen Konsortien, sobald sie den Ministerrock abgelegt haben. Deshalb proklamieren sie gleich den wildesten Schreiern auf der Rechten immer wieder den Kampf gegen die Sozial- demokratie. Den Kampf führt man nun schon seit mancben Jahrzehnten. Der Erfolg ist das rapide Umsichgreifen der Sozialdemokratie. Mit den anderen Reichsfeinden, den Polen, Dänen und Elsässern besteht die gute Hälfte des Volkes überhaupt aus Gegnern des Reiches und des Staates. Je länger man es so treibt, desto un- abwendbarer wird der Umsturz, der Zusammenbruch des terro- ristischen Regiments unserer Scharfmacher. Kein Oberst Reuter und kein Leutnant Forstner wird dann Staat und Monarchie retten können._ Die schwedische Regierungskrise. Stockholm, 11. Februar.(Eig. Bcr.) Die Versa ssungs- und Regierungskrise beherrscht hier das ganze gesellschaftliche wie politische Leben, und die Phantasie aller klatschsüchtigen Elemente findet in den waghalsigsten Kombinationen Ausdruck. Von bevor- stehender Revolution bis zum vollendeten Attentat auf den ! König ist die ganze Skala des SpießbürgerklatschcS abgeleiert worden. Für die Stimmung am Hofe ist typisch, daß die Schloßwache verstärkt, das Militär" in den Kasernen zurück- gehalten und kein Urlaub gewährt wird. Das schlechte Gewissen erzeugt Furcht vor dem Volke. In Wirklichkeit sind es nur die„Königstreuen", die Skandale machen. Am Dienstag, nachdem der Rücktritt des Kabinetts bekannt war, hat dieser„bessere" Pöbel sich überall geradezu skandalös benommen. Er bevölkerte die Restaurants und schrie sich in ersterbender Loyalität vor dem persönlichen Regiment heiser. Die Königshymne wurde von skandalierenden Tagedieben immer wieder angestimmt und die Musikkapellen in den Restaurants gezwungen, die musikalisch grauenhafte Melodie aufs neue zu spielen. Dabei blieb es aber nicht, sondern dieser Lackstiefelpöbel belästigte auch diejenigen Gäste, die sich am Gesänge der Hymne nicht beteiligten oder währenddessen nicht aufstehen wollten. Der Bruder des dänischen Dichters Johannes V. Jensen z. B. wilrde im fashionabelsten Restaurant Stockholms überfallen, mit Zitronen- scheiden und Punsch begossen, weil er mit zwei Begleitern nicht während des Gejohles aufgestanden war. Ein Mit- arbeiter des Stockholmer„Socialdemokraten" wurde auf offener Straße insultiert. Diese Ausschreitungen des Hurrapöbels sind aber keines- Wegs für die Stimmung im Volke irgendwie typisch. Zahl- reiche politische Versammlungen im Lande protestieren gegen die Etablierung des persönlichen Regiments und sprechen der Regierung den Dank ans für ihre feste Haltung. Unzählige Sympathiebelveise gehen täglich aus allen Teilen des Landes bei der Regierung cim und ivenn heute die konservativen Studenten dem König ihre Huldigungen bringen, so wird das die freisinnigen Studenten veranlassen, morgen dem abgehenden Premierminister ihre Synipathien zu bezeugen. Die Presse nimmt je nach der Parteisiellung für und wider den König Stellung. Der„Socialdemokraten" widmet dem Ministerium Staaff eine lange Abhandlung, die zu folgendem Ergebnis konimt:„Herr Staaff und seine Kollegen weigerten sich, mit nichtssagenden Verzögerungsphrasen sich zu begnügen, oder niit Redewendungen, die sogar nhue, von gleicher unverantwortlicher und gewissenloser Seite inspirierte Orationen erwarten ließen. Als der König nicht ein klares und ehrliches Versprechen abgeben wollte, mit der Regierung zu regieren, die nicht durch seine Privatwünschc, sondern durch Wahl des schwedischen Volkes ans Ruder gekommen war, da war das Abschiedsgesuch die einzige richtige Antlvort. Daß diese Antwort jetzt kam und nicht ein lähmendes Kom- promiß— für diese feste Haltung in der Stunde der Prüfung ist die ganze Demokratie Schwedens der zurücktretenden Regierung dankbar. Diese Tat beseitigt manche bittere Erinnerungen. Wenn Karl Staaff jetzt seine zweite Periode als schwedischer Staatsminister beendet, kann er hocherhobenen Hauptes gehen, getragen wie nie zuvor von der einigen, ehrlich gemeinten Dankbarkeit der gesamten Linken für gute Wache, als es schließlich darauf ankam." Aehnlich sprechen sich andere Parteiblätter aus. Die liberalen Blätter sind nicht so einig. Die rechtsliberalcn vom Schlage des„Aftonbladet", dessen Liberalismus ungefähr vom Schlage der„Hamburger Nachrichten" ist, stehen mit beiden Füßen im Lager der Rüstungshetzer und sind unangenehm berührt von der Aufrollung der verfassungsrechtlichen Streit- frage in diesem Augenblick. Das sind aber nur einige Aus- nahmen, in: großen und ganzen tritt die liberale Presse scharf für das Ministerium ein und cS stößt daher auf Schwierig- keiten, ein rechtsliberales--- scheinlibe cales Streikbruchministeriu in zu bilden mit der Aufgabe, die Liberalen zu spalten. Herr de Geer, der sonst ein sehr sympathischer Mann ist, scheint auch schon Bedenken zu bekommen. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß die am Dienstag auch in Deutschland verbreitete„offizielle" Darstellung der Ministerkrisc n i ch t offiziell ist, sondern von der Hof- kaniarilla ohne Wissen des Ministeriums tendenziös zugestutzt in die Oeffentlichkeit lanciert worden ist. Das Ministerium wird im Reichstage eine lückenlose Darstellung der Vorgänge geben, aus der die absolutistischen Neigungen des Königs klar hervorgehen. Ein öeutsth-englifthes öünönisl Außerordentlich bemerkenswerte Ausführungen über die aus- wärtige Politik im allgemeinen und die dcutsch-rnglischcn Bc- ziehungen im besonderen, finden sich in dein letzten Wochcnrückblick der„Kreuz-Zeitung" auf die internationale L«ge. Professor Theodor S ch i e m a n n, der regelmäßige Verfasser dieser Rund- schauen, spricht von den aus Afrika bezüglichen Verhandlungen zwischen Deutschland und England. Er will auf die Detailfragen, für deren Beurteilung er sich nicht kompetent erklärt, nicht näher eingehen, glaubt aber, feststellen zu sollen, daß sich wie in Afrika so in aller Welt die deutschen und die englischen Interessen zum Vorteil beider Teile und der allgemeinen Kultur ausgleichen lassen. „Was dem entgegensteht", so fährt er fort,„sind törichte, durch keine inneren materiellen oder ideellen Interessen. bedingte Gegensätze, die recht betrachtet, nur in der Borstellung derjenigen bestehen, die durch die Gunst oder Ungunst der Zeit berufen worden sind, der Politik die Rich- tung zu geben, die von der Nation, an deren konstitutionelle Spitze sie gestellt worden sind, oertreten werden sollen." Schiemann fü5tt dann weiter aus. daß dabei jeder Teil dem anderen die Schuld zuweise, und daß hier wie dort die Ver- antwortung auf den Strom der öffentlichen Meinung ab- geschoben werde, wahrend es in Wirklichkeit nichts gebe, was bereiter wäre, von heute auf morgen seine Ueberzeugung zu wechseln als diese öffentliche Meinung, die nur erwarte, daß man den Mut habe ihr zu sagen, wohin sie gehen solle. Dann fährt der Kreuz- zeitungsmann fort: »Meine Meinung und feste Ueberzeugung möchte ich nur dahin zusammenfassen, daß es keine Zeit gegeben hat, in der, mehr als heute, durch einen erlösenden Entschluß alle Schwierigkeiten der europäischen wie der Weltpolitik in die Bahnen ruhiger und gedeihlicher Sntwickelung gelenkt werden konnten. Dieser Entschluß aber wurde lauten: englisch- deutsche Allianz. Sie würde die Rüstungsrivalität, die deutsch-französischen Schärfen, die russische Aggressivpolitik, das Schicksal des Islam und seine Leitung in Kulturbahnen nebst allen Problemen, die daran hängen, in wahrhaft idealer Weise lösen. Aber dazu bedarf es eines starken Willens, der sich über persönliche Eitelkeits- und Empfindlichkeits- fragen hinwegzusetzen vermag und eines klaren Kopfes, der die Dinge nüchtern beurteilt, und sich nicht durch einmal begangene Irrungen den Ausgang auf den richtigen Weg ver- mauern läßt. Es mag utopisch erscheinen, sich mit dem Ge- danken zu tragen, daß diese Möglichkeit eintreten könnte. Darum soll sie aber nicht unausgesprochen bleiben." Professor Schiemann ist nicht irgendein Beliebiger. Man weiß, daß er zu sehr maßgebenden Kreisen enge und gute Beziehungen unterhält, und daß er über die jeweiligen Neigungen Wilhelms II. auf dem Gebiete der auswärtigen Politik unterrichtet zu sein pflegt. Auch die etwas komplizierte Formulierung seiner ersten Sätze läßt darauf schließen, daß er mehr beabsichtigt, als den Lesern der„Krcuzzeitung" seine private Meinung über das deutsch- englische Verhältnis und seine EntwickelungSmöglichkeiten vorzu- tragen. Vielleicht laufen von seinen Bemerkungen Fäden zu den in der letzten Zeit mehrfach aufgetauchten Gerüchtcw, von einer Krisis im deutschen Auswärtigen Amt. Aber wie dem auch sei: das wichtigste ist, daß in der„Kreuz- zcitung" von einer Seite, die das führende konservative Organ ohne Zweifel selbst doch für in hohem Maße sachverständig hält, diejenigen Argumente, mit denen die bürgerlichen Parteien und an ihrer Spitze die Konservativen, ihre wahnwitzige Rüstungs- Politik zu verteidigen suchen, in der grausamsten Weise zerpflückt werden. Wenn es wahr ist, daß es nur an dem guten Willen und den Fähigkeiten der zur Leitung der Auswärtigen Politik Berufenen liegt, ob wir zu einer dauernden internationalen Be- ruhigung gelangen können, so ist es eben ein Verbrechen, die Nationen mit immer neuen Rüstungsausgaben zu belasten und ihre Beziehungen immer wieder dadurch zu vergiften, daß man, um die Bewilligungsfreudigkeit zu heben, die Märchen von den unüberbrückbaren Gegensätzen erzählt. Allerdings teilen wir Sozialdemokraten ja nicht die Auffassung des Professors Schiemann von der leichten Beeinflußbarkeit der öffentlichen Meinung durch eine mutige und entschlossene Re- gwrungsstelle. Schließlich wird die öffentliche Meinung nicht nur von den Krcisblättern und von den in der Wilhelmstraße gespeisten Organen gebildet. Wir wissen, daß gerade auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ein guter Teil der öffentlichen Meinung von imperialistisch gerichteten Kapftalistenkrciscn beherrscht wird, und daß es, um diesen Strömungen Widerstand zu leisten, eines Maßes von Energie und Rücksichtslosigkeit bedarf, das gerade bei den in ihrer politischen Existenz von den Stimmungen eines einzelnen abhängigen deutschen Staatsmännern nicht unbedingt erwartet werden kann. Aber die Anficht, daß der Friede und die Verständigung zu haben ist, wenn man nur will, bleibt deshalb nicht minder richtig. Esagibt eine gewaltige öffentliche Meinung, die nicht hin und her schwankt, sondern fest auf dem Boden der Erhaltung des Welt- jriedens steht; die vor allen Dingen von der Möglichkeit zu einem dauernden Einvernehmen mit England zu gelangen, durchaus überzeugt ist, und die die Anficht, daß cS keine unüberwindlichen Interessengegensätze zwischen den beiden Völkern gebe, schon zu einer Zeit vertrat, als auch Herr Schiemann noch nicht das Gegen- teil zu behaupten wagte. Diese öffentliche Meinung ist die der breiten Massen der Arbeiterschaft, die an ihre Zu- siimmung zu eine deutsch-englischcn Allianz nur die eine Be- dingung knüpfen würde, daß dieses Abkommen weder die Basis sür gemeinsame imperialistische Abenteuer würde, noch daß es seine Spitze gegen einen anderen europäischen Staat insonderheit gegen Frankreich, richtete. Für eine Einigung mit den Westmächten, für eine wahrhafte Friedens- und Kulturpolitik steht der Regierung die Unterstützung der Sozialdemokratie jederzeit zur Verfügung, aber da man sie nicht nur brüsk zurückweist, sondern gerade jetzt wieder jede Gelegenheit benutzt, den gemeinsamen Vernichtungskrieg gegen die Partei des Weltfriedens zu predigen, so hat man kein Recht, sich darüber zu etlagen, daß sich den vielleicht gut gemeinten Bestrebungen ein- , einer mehr oder weniger einflußreicher Regierungskreise einen Weg zur Befestigung der europäischen Unruhe und zur Erleichte- rung der Rüstungslasten zu finden, unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellen, und die Schiemannschen Gedanken bleiben utopisch, nicht weil, wie er meint, der Mairn fehlt, der Energie genug bc- säße das Z i e l zu wollen, sondern weil man es ablehnt, sich der zweckdienlichen Mittel zu bedienen. KokowzewsVI»IiIen, Neukölln, Bode- strasze liö, die herzlichsten Glück- wünsche zu seinem heutigen Geburt� tage. öiia Die Genossen des Bezirks 17b. Todes-Anzeigen SozialdemokrätisetierWablvereiD f.d. iBerLReiebsfagsvatilkreis. Landsberger Viertel, Bezirk 406 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Handtuch- sahrer 211/9 Adolf Gerhardt Matternstr. 9, gestorben ist. Ghrc seinem Andenke«! Die Beerdigung smdct heute Freitag, den 10. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des' Auferstehunas- Kirchhofes in Wcistensce aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Sozialdemokratischer Wahlverein f. lOerl. Reichstags-Wahlkreis. Bezirk 816a. Am Dienstag, den 10. Februar, verstarb unser Genosse 225/1 Paul MetKe Soldiner Str. 3. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Sophien- Kirchhoses, Freicnwalder Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht V'oi-eitnnek. Deutscher Metallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Metall- arbester Paul Metke Soldiner Str. 3, am 10. d. Mts. an Lungenlciden gestorben ist. Die Beerdigung sindet ain Sonnabend, den 14. Februar, nach« mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Sophicn-Kirchhofes in der Freienwalder Straße aus statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Graveur Guala? Seidel Treptow, Kiesholzslr. 11, am 10. d, Mts. an Herzleiden. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Febr., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Treptower Gemeinde- Friedhofes in Baumschulenweg aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Bohrer August Ballnath Rein ick endorser Str. 7, am 10. d. Mts. an Zuckerkrankheit. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 14. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Krema- torium in der Gcrichtstraße statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 112/16 Die Ortsverwaltung Verb. d. Schneider, Schneiderinnen iL Wäschearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herren» Maßschneider, Kollege Hermann Krebs am 11. Februar im 61. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am 14. Februar, nachmittags 3 Uhr, vom Krankenhaus Moabit aus nach dem neuen Johanncs-Kirch- hos, Plößensee, statt. 162/14 Tie Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein f.d. 1. Der!. Reichstagswahlkreis. Kdpenicker Viertel. Bez. 176. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Karl DQringsbofen EisenbaHnstr. 36b gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 14. Februar, nach- mittags'/.4 Uhr. von der Halle des Emmaus-Kirchhoses in Neukölln. Hermannstraße, aus statt. D«l- Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, welche uns bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes, unseres gnleu BaterS 95A Wilhelm 8chwar?er j» teil wurden, sprechen wir hiermit UN Namen aller trauernden Hinter- bliebenen unser'» innigsten Danl aus. Wwe. PaullneSchwarzernebst Kindern. Verein der Stereotypeure und Gaivanopiasliker Berlins und Umgegend. Den Kollegen die traurige Mit- teilung, daß am 11. Februar unser alteS Mitglied K�r'R Krüger nach langem schwerem Leiden im Alter von 68 Jahren ver- storben ist. Ehre seinem Audenke» k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. d. Mts., nach- mittags 41/j Uhr, von der Leichen- halle des Heilig-Kreuz-KirchhoseS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Rauarheiterverhand. Zwcigverein Berlin. Am 11. Februar starb unser Mitglied, der Maurer Perdiuaud Petendorf (Bezirk Osten II). Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Friedhofes in AhrenSselde auS statt. Uin rege Beteiligung ersucht 140/18 ver Vorstand. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Mitteilung, daß unsere liebe, gute Tochter �rns im Alter von 16 Jahre» ver- schieden ist 882b In tieser Trauer Familie Dorner. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Ge- mcinde-Frtedhoses in Bohnsdors aus statt. Danksagung. Für die Vielsachen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner geliebtenFrau Martha Harms sage ich allen Verwandten, Bekannten und Kolleginnen sowie dem Verbände der Buchdruckerei-Hilssarbeiter meinen innigsten Dank. Fmil Harms. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Anna Knospe geb wo» sage ich allen, die ihr die letzte Ehre erwiesen haben, im Neimen der Hinterbliebenen herzlichen Dank. 129A Karl Knospe. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgange meiner Gattin, sage ich allen Freunden und Bekannten, den Kollegen der Firma Dallmann u. Gröndors sowie den Genossen und Genossinnen des 6. Berliner Reichstagswahlkreises meinen herzlichsten Dank. 125A Der trauernde Gatte Max Hernnann. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und für die Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes Adolf Kummer sage ich allen Freunden und Bekann- len, insbesondere dem Gesangverein, Wahlverein, Rauchklub, Staats- und Gemcindearbeilerverband und den Gasanstaltsarbeikerit meinen herz- lichsten Dank. 122A Witwe Harle Kummer. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters. Bruders, Schwagers und Onkels, des Heizers Emil Ehrhardt sowie die vielen Kranzsvendcn sagen wir allen Beteiligten unseren herz- lichsten Dank. 884b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner innigst geliebten Frau, Mutter und Groß- rnutter 8821 Auguste Stege geb. Lilndncr sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren innigsten Dank. Karl Stege, Anna Friedrich geb. Stege, Else Friedrich, Enkelin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen wir allen Freunden und Be- lannten unseren herzlichsten Dank. Willielm Oestreich und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Prids Kamjunke r,„0dtif sagen wir allen Teilnehmern hicimil unseren ausrichtigen Dank. 107A Max Kamjunke. Familie Ludwig. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Bruders 8Slb Auxust?iontecK lagen allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen und der Direktion der Kammerichschen Werke, der Lungenheilstätte Belitz B. III, dem Deutschen Mctallarbeilerverband sowie der Wagenbaucr-Hilsskassc, Be- zirk Borsigwalde, unseren herzlichsten Dank. Witwe Luise Bionteck nebst Kindern und Bruder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kianzspendcn bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Vaters. Bruders, Schwagers und Onkels, des Meisters 88A Otto Friedrich sagen wir allenVerwandten, Freunden und Belantcn, ver Dircktwn sowie den Meistern und 2lrbeitern der Deutschen Kabelwerke unseren herz- lichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Bäekerei-GeDOsseDselialt Berlin Eingetragene Genossenschast mit be- schränkter Hastpflicht. Am Sonntag, den 22. Februar, nachmittags 2 Uhr, findet im Lokal von Nikolajcwiez, Urbanftraße 65, unsere diesjährige Oräsntlicke General-Versammlung statt. 103/2 Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht und Berich! des Aufsichtsrats. 2. Diskulsion. 3. Neu- wähl jür die ausscheidenden Vor- stands- und blujfichtsratsmitglicder. 4. Geschäftliches. Der Borstand. Richard Linder._ Ludwig Ertl. Stoffe für eleg. Maßanzüge J Paletots: MK. K--8 Damen-Kostüm Stoffe: MK. 3-6 Original engl. Stoffe: MK. S-12 Loden f. Kostüme u. Pelerinen: MK. 2-6 Twcltlager: Koch&. Seeland Src Gertrauden srr.so-ei vlx a-vix der PerrSKircHe. Mfebkin »in- 6as lob nb mir gehaltvoll, bcjiömmlicö Spezialarzt Dr. med. Wockentnß, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs Störung. Mäßige Preise.* Sprechst. v. 8— 8, Sonntags 9— 11. Mitglieder der Örfs-Krankenkasse für das Bnehdmekgewerbe zu 8erlin!! Die Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschüsse der Kasse für die Zeit bis 31. Dezember 1317 finden aui Sonntag, den 15. Februar 1914, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr in den nachselgenden Lokalen statt: NW: Schüler(Brauerei Patzenhofcr), Turm- straße 25/26 N: Ballschmieders Festsäle, Badstr. 16 NO: Brauerei Äönigstadt, Schöuh. Allee 16 0: Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152 80: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 S und SW s Bockbrauerei, Fidicinstr. 2 W: Saal der Schloftbrauerei Schönebcrg, Hauptstr. 122/124 Neukölln und BriOk: Bartschs Festsäle, Neukölln, Hermannstr. 49. Wahlberechtigt sind alle über 21 Jahre alten weiblichen und männlichen Mitglieder der Kasse. DaS Wahl« recht ist in Person auszuüben. Die unterzeichneten Gewerkschaften haben gemeinsam Liste I ausgestellt. Als Wahllegitimation gelten die Dahlausweise, die mit dem Vor- und Zuname» de» Wählers ver- sehen, vom Arbeilgeber zu unterschreiben Lczw. zu unterstempeln find, das QusttungSbuch der OrtSk: ankenkafie oder eine vom Arbestgeber ausgestellte Bescheinigung, daß der Betreffende am Tage der Wahl noch in Be- schäftigung steht. Die Wahl ist eine geheime und findet nach dem System der Proportioualwahl statt. Jede Stimme ist daher von Wichtigkeit! Arbester und Arbeiterinnen im Buchdruckgewcrbe I Ucbt am Sonntag, den 15. Februar, Euer Wahlrecht sür LlSke I so zeitig wie möglich aus, da das Wahllokal pünktlich um 2 Uhr geschloffen werden mutz und nur diejenigen noch ihre Stimme abgeben können, welche im Wahllokal anwesend sind. Bringe jeder das Ouittungsbuch semer Organisafion mit, damst er durch den Stempel beweisen kann, daß er seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat. Verein der Berliner Buchdrucker und SchriftgieHer. Verein der Buch- und Steindruck-Hilfsarbeiter und-Hilfs- arbeiterinneu. Deutscher Buchbinderverband(Zahlstelle Berlin). Eine intkltffnntc Milteilnng für junge Mütter. Unsere kleine Tochter ist mit Zi e w t 1 e« Kindermehl grostgezogen worden und nahm eS lieber als die Brust; der Erfolg der Ernährung ist jedenfalls augenfällig, linier Kind ist siebe» Monate alt, hat et« Gewicht von 1« Pfund und besonders einen starken Muskel- und Knochenbau. Bom fünfte» Monat ab haben wir zu �se»tle-ZIehl Milch beigegeben. Irgendwelche Beschwerde» hat das Kind noch nicht gehabt. Ich schreibe Ihne» das vor allen Dingen deshalb, weil es viele Arbeiter gibt, die behaupten, VestleN Hehl für ihre Kinder nicht kaufen zu können, weil es zu kostspielig sei. Di« Aufsassuiig ist grundfalsch. Wen» auch in den erste» Monaten für Arbeiter die Ausgabe etwas hoch sein mag, so hat man aber die Gewiftheit, kerugesundc Kinder zu besitzen und grostc Ausgaben für Arzt und Apotheke bleibe» einem erspart. Mein ältestes Kind ist jetzt vier Jahr alt. ebenfalls mit Vestle ernährt, war noch niemals krank. Ich kann daher jedem Arbeiter, der seine Kinder wirklich lieb hat, Alestle» Kindermehl empfehlen. Kudjdrucker Max Latt und Frau, Bad Salzbrnnn i. Schlesien, Feldstr. 8. 15. 1. 14. Probedose gratis. franko»ud ohne Berbindlichkcit erhältlich durch Xestles Klndcrmchl G. m. b. H., Berlin W. 57, BUIonstr. 56. Abt. C 16. Achtung'! 16—700 Anstge somk getragene Zommerpalktots u.Wtr Bonatcigarderobe in fetniten Werlstötten Berlins gearbeitet, teils aus Seide für � jede Figur paffend, verkaust zu J staunend billigen Preisen Nathan Wand lLi» Skalitzer Str. IL». Hochbahnstation KottbusrrTor. Bitte im eigenen Interesse aut Hausnummer zu achten. Abt. II: STeue Garderobe. Verwaltung Itcrlin. atentanwalt�PrinvrifzJp Berlin N W�I.ThurmstraßeS1». Knabenanzüge lPaletots,PhjackZ,ei»zelncHoseiiI am preiswerteste» direkt in der Fabrik Bertha Pröstel 1 50 Andreasftr. 50, I. Etage. Kein Laden. Modell- und fsbkiktiichlek. Montag, den 16. Februar, abends 8 Uhr: Krancheu-Uersammlung � im Roscnthaler Hof, Rosenthalcrstr. tt/IÄ. Tagesordnung: 1. Bortrag des Stadtverordnelen Genossen Ritter über: Das Recht der Lobnbeschlagnahmr. 2. Stellungnahme zur Branchenkonserrnz. 3. Verbands- und Branchcnangelegcnhciten. cischbranche. Sonntag, den 15. Februar, vormittags 10 Uhr: N k r tr« u t ii s in ü» ii kr- V trsaiii mlunz bei Reckling, Boxhagener Chaussee S. Jede Werkstatt muff einen BertrauenSmann entsenden. 83/5 Die Ortsversvaltung. Sehmipfer! achtet auf die gesetzlich geschützte Packung, um Goldfarb echt zu erhalten! �UTUÜmtstofo,* L.GMfard. WussStatflJtfk DJUV.Z.10 6.12. «erantw. Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil ver™. Health snuff robacco fabac ä priser de santd. bbaka do zazywania dla zdrowm. Tabacco da naso alla salute. _■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■! Tb. Glocke, Berlin Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr u BerlagSan stall Verwalfungsstelie Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185._ Sonntag, den 15. Februar 1014, vormittags 16 Uhr: Kranchen-Uersammlung aller Wickelei- und Jsolationsarbeiter und Arbeiterinnen im Boigt-Thcater, Badstrafte 58. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl der Branchenkommisfion. 3. Ver- schiedencs.. £hnc Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 112/15_ Die Ortwverwaltnng. Möbel Ängelioi. Solide Möbelfirma liesert Speilal-Ein- und Zwelzlmmer- Elnrlchtungen sowie Elnzelmiibel gegen mäffige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Raten- zahlungrn. Anfragen: Postiarte 80«. Postamt 27. Keine Kassierer. GrOBte Kulane.__ ITiirzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unger.- Gegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung sre> Ohne Zwcisei die bequemste».wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Mi». ort. Das Hühnerauge selbst in 3 Dage».(Enthält Salicylsäure u. indischen Hanjextrait.) � f|. Unger M WÜrzburg. 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Die englische Arbeiterpartei hat sofort bei Eröffnung des Parlaments beantragt, die Vorgänge in Südafrika durch eine parlamentarische Kommission untersuchen zu lassen. Auf Anregung der französischen Gewerkschaften hat Genosse Legten als Präsident des Internationalen Gewerkschafts- bundes an die Gewerkschaftszentralen aller Länder das Er- suchen gerichtet, sich an einer internationalen Protest- kundgebung gegen das Vorgehen der südafrikanischen Regierung zu beteiligen.__ Serlin und Umgegend. Aus dem Fleischergcwerbe. Der Wirt Otto Nikolai, Hacke- peter, Warschauer Str. 32, weigert sich, den Tarif der Organisation anzuerkennen. Der Kommission erklärte Herr Nikolai, datz er sich nur an eine Seile halte und da? sei die Fleischerinnung. Die Fleischerinnung Berlin vermittelt wissentlich keine organisierten Fleischergesellen. Jeder Geselle, der von da in Arbeit vermittelt wird, muß einen Revers unterschreiben, daß er der Organisation nicht angehört, und diesen Terrorismus unterstützt Herr Nikolai, indem er seine Gesellen von der Innung bezieht. Die Organisation hat über den Betrieb der Fir m a N i k o l a i d i e S p er r e verhängt. Di e T arifk o m m iss i o n der organisierten Fleischergesellen. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Schach u. Co., Münzstraße 4, dauert fort. Eine Verhandlung mit dem Unter- nehmerverband brachte keine Zugeständnisse, sondern einen Abzug auf Spangenschuh. Da wir feststellen konnten, daß der Arbeitsnachweis der G e- werkvereinler(H.-D.), Greifswalder Straße 222, Arbeitswillige an die Firma vermittelt, ersuchen wir die gesamte Kollegen- schaft, für Fernhaltung des Zuzuges von der Firma sowie von dem genannten Arbeitsnachweise Sorge tragen zu wollen. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin. Deutsches Kelch. Statt Arbeiterschutz patriotische Reklame. Gegen die Budgetkommisfion des Reichstages demonstriert die Eontinental- Caoutchouc- und Guttapercha« Tompagnie in Hannover. Sie wendet sich in einem offenen Briese an den Vorsitzenden des Deutschen ReichsauSschusseS für die olympischen Spiele 1V1S, den ehemaligen Staatsminister v. Pod- bielski. Die Gesellschaft bedauert, daß die Budgetkommission die von der Regierung geforderten 200 000 M. nicht bewilligt hat und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es für weite Kreise nur einer Anregung bedarf, um die nötigen Geldmittel auf dem Wege der Subskription zusammenzubringen, sie stelle sich an die Spitze einer solchen Aktion und zeichne 20 000 M. Wenn die Gesellschaft es für notwendig erachtet, ihr Reklame- bedürfnis durch eine solche Zeichnung zu befriedigen, so soll es uns wenig kümmern. Es ist aber notwendig, darauf hinzuweisen, wozu die„(kontinental* kein Geld übrig hat. In ihrem Betriebe wird viel Blei verarbeitet. Zu den gefährlichsten gewerblichen Giften ge- hört zweifellos das Blei. Die genannte Firma beschäftigt zirka 400 Arbeiter in ihrer Mischabteilung, von denen der größte Teil stets mehr oder weniger mit Blei in Berührung kommt. Bon Juli bis Dezember 1918 sind allein der Organisation aus dem Be- triebe 18 Fälle von Bleivergiftungen bekannt geworden. Zwei Eingaben mit Abänderungsvorschlägen für die Fabrikations- art, die wenig oder gar keine Kosten verursachen würden. smd an die Direktion eingereicht worden i Abhilfe wurde aber nicht geschaffen, Noch nicht einmal Milch als Bor- beugungsmittel gegen die Bleierkrankung wird verabreicht; nur 30 Mann in der Rohstoffausgabe bekommen sie. Mangelhafte Wasch- einrichlungen, kurze Pausen, auch teilweise übermäßig lange Arbeits- zeiten erhöhen die den Arbeitern, stetig drohende Gefahr der Blei- Vergiftung. Die von der Direktion„großherzig* gespendeten 20000 M. zur„würdigen* Durchführung der olympischen Spiele könnten also viel bessere und zweckentsprechendere Verwendung finden. Allerdings würde dann die Firma kaum öffentlich genannt werden, was aber jetzt in„würdiger* Weise geschehen ist. Tie Sonntagsruhe in den Blumengeschäften. Der Allgemeine deutsche Gärtnerverein hat für die Angestellten und Hilfsarbeiter in Blumengeschäften eine Eingabe an den Reichs- tag gerichtet, in der gebeten wird, bei Beratung des Gesetzentwurfs über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe die Bestimmungen so zu fassen, daß für diese eine bessere Ausgestaltung der Sonntagsruhe eintrete. Im besonderen solle den Blumengeschäften an gewöhn- lichen Sonntagen keine ausnahmsweise längere Verkaufszeit zu- gestanden werden als anderen Gewerben, und es soll nur eine ungeteilte Verkaufszeit erlaubt lverden, die auf die Zeit vor Beginn des Hauptgottesdienstes gelegt wird. In der Begründung wird darauf verwiesen, daß die Blumengeschäfts- angestellten außer der freigegebenen Verkaufszeit in Wirklich- keit fwon ein bis zwei Stunden vor Beginn dieser, dann während der Kirchzeit und schließlich auch noch eine halbe bis zwei Stunden nach Schluß der Verkaufszeil beschäftigt werden. Trotzalledem er- halten sie weder an einem zweiten oder dritten Sonntage noch an einem Wochentage die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit. Und die Blumcngeschäfts'inhaber führen auch nicht das durch Gesetz vor- geschriebene Verzeichnis, in dem die Personen zu nennen sind und die Arbeiten und Arbeitfttunden, mir denen und während welchen sie über die erlaubte Verkaufszeit hinaus beschäftigt wurden. Bei einer fünfftündigen Verkaufszeit kam so in der Regel eine acht« bis neunstündige Beichäftigungszeit für die Angestellten heraus. Der Unternehmcrvcrband gibt in einer Eingabe an den Reichs- tag ganz unumwunden zu, daß die Angestellten gesetzwidrig während der Zeit des HauptgotteSdiensteS beschäftigt werden; er entschuldigt das bloß damit, daß das leider nicht zu umgehen sei, und er fordert darum, daß den Unternehmen! das künftighin auch gesetzlich erlaubt werden soll. � Das SonutagSruhegesetz ist also für das Arbeits- personal in Blumengeschäften bisher so gut wie nicht vorhanden ge- wesen. Und warum nicht? Weil diese Angestellten sich bisher von jeder gewerkschaftlichen Organisation ferngehalten haben. Die Gär.ner, die sich schon lange darum bemühen, haben bisher lediglich in Berlin einige Erfolge zu verzeichnen. Wo Kontrollen stattfanden, haben das die Gärtner oder die Handlungsgehilfen veranlaßt. Ver- halten sich die Blumengeichäftsangestellten auch künftighin der Ge- werkschaft gegenüber teilnahmlos, dann kann ihnen selbst daS beste Gesetz nicht allzu viel helfen. ftusland. Die Beerdigung des Opfers. Unter ungeheurer Beteiligung der ganzen Bevölkerung von Tetschen und Bodenbach wurde am Mittwochnachmittag das Opker des Unternehmer-Söldlings Keiling zu Grabe getragen. Niemand konnte sich der Anteilnahme entziehen. Mit umflorten Fahnen und unzähligen Kranzspenden mit durchweg roten Schleifen bewegt« sich der unabsehbare Leichenkondukt durch ganz Tetschen und Bovenbach nach dem Friedhofe in Rosawitz. Den zweistündigen Weg säumten Tau- sende undAbertausende. Die streikendenBuch drucker waren aus dem ganzen Bezirke bis nach Prag herbeigeeilt, um dem Verstorbene» ihre Sympathie zu bezeugen. Er war konfessionslos, deshalb fehlte jeder kirchliche Pomp. Ein freireligiöser Prediger aus Wien hielt von der Terrasse der Volkshalle herab die Trauerrede. Am Grabe sprachen Vertreter des Verbandes der Buchdrucker und der einzelnen Bezirke, die der Gewerkschaften und der Partei. Auch der Ver- band der Deutschen Buchdrucker war vertreten. Sie alle schilderten den Ermordeten als ein Varbild, einen lauteren Charakter und ruhigen und besonnenen Meeschen, lieber den Tausenden, die das Grab umsäumten und entblößten Hauptes die Reden anhörten, lag tiefste Ergriffenheit. Vielen rollten die Tränen über die Wangen, als den Hinterbliebenen des Toten un- beschränfte Hilfe zugesichert wurde. Am Abend fand im Hotel„Stadt Prag", dem Tatort, eine Ver- sammlung statt, zu der Hunderte keinen Zutritt finden konnten. Sie bevölkerten bis zum Schluß den Marktplatz in Tetschen. Die Redner, ein Vertreter des Verbandsvorstandes der Buchdrucker und der Sekretär der Partei, Czermak, kenuzeichneten unter der tiefsten Erregung der Versammelten den ruchlosen Mörder, das skrupellose Unternehmertum und die Behörden, die sich der Tat mitschuldig gemacht. Nicht Haß und Verachtung solle aus dem Grabe steigen, sondern das Blutopfer solle der Arbeiterbewegung einen neuen Aufschwung geben, dann sei es nicht umsonst gebracht. Das erbärmliche Verhalten der bürgerlichen Presse, die fast ohne Ausnahme die schmachvolle Tat zu entschuldigen sucht und aus 4hr ein Verbot des Streikpostenstehens herleiten will wurde gebührend beleuchtet. Eine im Sinne der Reden gehaltene Resolution wurde einstimmig angenommen. Die ganze Stadt stand bis zum späten Abend unter dem Eindrucke der gewaltigen Demonstration. Die Verhandlung gegen den Mörder soll am 18. Februar in Leitmeritz stattfinden.__ Bon deu schweizerischen Eisenbahnen. Di« Angestellten der Bundesbahnen verlangen schon seit langer Zeit ein« Nachtdienstcntschädigung und Ausdehnung der Lieferung von Dienstkleidern. Rachtdienstentschädigung erhalten seit jeher die Postangestellten usw. und auch das Personal der Gotthardbahn, und zwar dieses je 1 Fr. pro Nacht. Die Eisenbahner verlangten für die Zeit von abendS d1ii Uhr bis morgens 4 Uhr eine Extraentschädigung von 40 Cts. pro Stunde, der Verwaltungsrat hat ihnen für die Zeit von 11 Uhr nachts bis 4 Uhr morgens einen Lohnzuschlag von nur 20 Cts. gewährt. Für die Ausdehnung der Diensrkleider— Lieferung sollen 400000 bis 500000 Fr. zu den bisherigen Ausgaben von 1 563 000 Fr. mehr ausgegeben ivorden. Die Eisenbahner sind mit dieser ungenügenden Erledigung ihrer Forderungen sehr unzufrieden. Im Londoner Bauarbciterstreik hat das parlamentarische Komitee des Gewerkschaftskongresses beiden Parteien seine Vermilteiung angeboten, die voraussichtlich angenommen werden dürfte. /ins der Partei. Die geplante Abonncntenvcrfichcrung der„Münchener Post". Der Parteivorstand schreibt uns: Wie unser Münchener Parteiblatt mitteilt, sollen auf Bcschkttß' der dortigen Parteiinstanzen vom 1. April d. I. ab die Abonnenten der„Münchener Post" gegen Todesfall und Ganzinvalidität versichert werden. Bisher hat die sozialdemokratische Partei in ihrer Presse und durch ihre Fraktion«!! im Reichstag und den Einzel- ftaatcn sich entschieden gegen eine Verquickung der Presse mit der Abonnentenvcrsicherung gewandt. Als der Parteivorstand von dem Plane des Münchener Verlags erfuhr, hat er sich sofort mit den! - Kleines Ieuilleton. Die Marseillaise in Berlin W. Man liest im„Confectionair", dem Blatt der ltteraturfreundlichen HauSvoigtei, daß auf dem Revolulionsball der„Aktion" die Stimmung ihren Höhepunkt er- reicdte, als„Richard", der berühmte Zeitungskellner aus dem Cafö des Westens, unter großer Eskorte auf den Richtblock geschleppt und schmerzlos und ohne Zeit« und Bluiverlust enthauptet wurde. Qa ira I Und manch einer, der tief in seiner Schuld steht, empfand eS schmerzlich, da§ teure Haupt nicht fallen zu sehen. Die blutige Ironie schrak vor der letzten Geschmacklosigkeit nicht zurück, die Verhöhnung der Geschichte überstieg das Maß der Frivolität. Aber allem setzte der Kehraus die Krone auf. Unter den Klängen der Marseillaise zog man schließlich zu früher Morgoei- stunde in sein angestammtes Cafö. Die Kellner halfen dem Sans- culotten aus dem Gehpelz und machten Bücklinge vor den gemüt« lichen Jakobinern. „Alle sans da. Die Culotten auch. Und der Herr von Robespierre. Was befehlen der Herr Diktator? Ein Fruchteis? Natürlich, g'wiß. IS keine Kleinigkeit net, so a Revolution. Jb..en schwitzt ja Blut und Wasser. Ah. der Herr Marat. Guten Freiheits- morgen. Hat wohl große Opfer gekostet, der Kampf um die Menschenrechte? Blutiges G'schäst so eine Revolution. Aber lustig. Den Richard haben's ja a mit dem Henkerbeil gekitzelt. Und den Herrn Edel a. Eine Limonade? Max, eine Limonade für den Herrn Marat." Und noch immer trällert einer von den Herrschaften die Marseillaise, die nach S ch i k e l e eine allgemeine menschlich- An- gelegenheit ist. zu deren Vertretung wir in Deutschland Beruf und Auftrag haben. Im Osten ersolgr der Aufbruch ini Ballsaat mit Linkes„Jetzt gehn wir noch ins Cafs, eh' der Morgen graut", aber im Westen ist man stilvoller. Dort ist man revolutionär— man pfeift die Marseillaise. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie— die Herren Revolutionsparodisten. Deutscher Borfrühling. Er genießt im allgemeinen keinen guten Ruf. unser deutscher Vorfrühling. Die Jahre, in denen man von einem Vorfrühling sprechen kann, sind zu zählen, und wenn wirklich einmal, wie in diesem Jahre, eine Ausnahuie von der Regel eintritt, daß unser Vorfrühling nichts anderes ist als eine Zeit trostlosen Regenwetters oder hartnäckigen Nachwinters, so verlohnt es sich schon, das als ein seltenes Ereignis zu re- gistrieren. Es sind ja nun nicht eigentlich allein die hohen Temperaturen, die uns gegenwärtig das Recht geben, von einem Vorfrühling zu sprechen. Einzelne sehr milde Wintertage kommen allwinterlich mehrfach vor; sie sind aber, von der Temperatur abgesehen, ge- wohnlich durch anhaltenden Regen oder Sturm so unfreundlich, daß man sich an ihrer Statt lieber strengen und klaren Frost wünscht. Das Bemerkenswerte au dem diesjährigen Vorfrühling ist nicht nur sein ganz außerordentlich frühzeitiger Beginn, sondern auch seine ununterbrochene Dauer und das Hervortreten von Wit- terungserscheinungen, die dieser Jahreszeit sonst gar nicht eigen sind. Diesmal erfteut sich in erster Linie Norddeutschland tags- über einer Milde, die man noch Ende März als- gute Gabe des Himmels entgegennehmen würde. Und daß der April sich in unseren Breiten gar nichts daraus macht, sich als vollkoinmener Wintermonat zu gebärden, das haben wir ja während der drei letzten Jahre zur Genüge erfahren. Begonnen hat diesmal der Vorfrühling in Novddeutschland sogar schon am Januarschlussc; war doch ani 31. Januar das Quecksilber zu München bereits auf 13, zu Magdeburg auf 12, zu Berlin auf 10 Grad Wärme empor» geklettert. Im ganzen Westen und Norden des Landes dauerte die frühlingshaft« Wärme dann fast ununterbrochen fort. 10 bis 12 Grad Wärme hatten während der ersten Februartvoche zahl- reiche Orte, und am vergangenen Montag wurde sogar in zahl- reichen Gegenden des Landes eine Wärme von 14 Grad, zu Erfurt sogar 15 Grad erreicht. Dabei scheint seit 14 Tagen von früh bis spät die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Es ist eine günstige Luftdruckkonstellation, die uns das schöne Wetter beschert, und zwar liegt die eigentliche Ursache der früh- zeitigen Wärme darin, daß sich das Maximum dauernd im Südosten des Erdteils behauptet, während von Nordwesten nach Nordosten un- unterbrochen tiefe Depressionen wandern. Diese atlantischen Wirbel führen aus niederen Breiten des Ozeans warme Südwestwinde mit, die jedoch durch die Lage des Maximums meist etloas nach Süden abgelenkt werden und daher mit kontinentalem Charakter zu uns gelangen. Infolgedessen sind diese Winde trocken, und die Bewölkung bleibt aus. So findet man denn augenblicklich nirgendwo in Europa günstigere klimatische Verhältnisse als in Deutschland. Der Sitz deS musikalischen Talentes. Der Phrenologe sSchädel- forscher) Gall bat zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seiner Schädellebre am Swädel bestimm!? Bezirke angeben zu können geglaubt, deren mehr oder weniger starke Ausbildung einer mehr oder weniger aus- geprägten geistigen Anlage, einer Charaktereigenschaft oder piychischen Fähigkeit entsprechen sollte. Eine oberflachtiche Psychologie hat ihn dazu verführt, statt nacb psychischen Elementen nach zusammen- gesetzten Gebilden, wie Haß. Liebe. Eifersucht u. dergl., zu suchen. Seine Behauptungen sind daher stark in Mißkredit geraten, bis die moderne Hirnphysiologie sich dieses Problem« in ihren Forschungen zur Lotalisalion der psychischen Vorgänge in der Hirn- rinde mit einer wesentlich genaueren Fragestellung be- mächtigte. Im Verlaufe der Forschungen wurden dann zahl- reiche Punkte in der Hirnrinde gefunden, die gewissermaßen ein „Zemrum" für eine bestimmte psychische Täligkeit bildeten. Das zuerst gefundene Zentrum und zugleich das wichligst? ist das motorische Sprachzentrum in der zweiten linken Stirnwindung, von Broca entdeck:. Eng mit diesem zusammenhängend liegt im Schläfenlappen, und zwar, wie der verstorbene Psychiater Wernicke nachgewiesen hat, im hinteren Abschnitt der oberen Schläsenwindung das Hörzentrum. Man muß nun aus biologischen Ueberlegungen erwarten, daß mit einer besonders vorzüglichen Leistung � eines Organe«, dessen stärkere materielle Bildung einhergeht, daß also ein Individuum mit besonders ausgebildeter Tonempfindung auch den entsprechenden Hirnteil ausgebildeter als andere normale Menschen befitzt. Diese Vermutung ist' immer wieder durch die Untersuchung des Gehirns von Männern erhärtet worden, die als Talente galten. So fand man in dem Gehirn des vor wenigen Jahren verstorbenen Gesangspädagogen Stockhausen über das Gewöhnliche hinaus ent- wickelte Schläfenwinduugen. Dieselben Zeichen trägt daS von Dr. Auerbach untersuchte Gehirn deS Müncheuer Kapellmeisters Felix Mottl. Auch hier dehnen sich die Schläsenwindungen weit in die Nachbarschaft aus und nehmen ein viel größeres Volumen als bei Normalen ein. Auch sonst zeigte die Oberfläche des GehirnS durch Wölbung und Furchung eine weitgehende Eiitivickelung. Notizen. — Musikchronik. Freitagabend 8 Uhr findet in der Philharmonie der letzte Klavierabend von Eugen d'Albert statt. — Die Künstterrepublik ohne Großherzog. Herr Paul Cassirer hat es nun doch abgelehnt, der neuen Künstler- organisalion der„Freien Sezession" beizutreten, weil er seine Kräfte seinem eigenen Unternehmen(wovon früher die Sezession ein Teil zu sein schien) widmen und jüngere Leute selbständig ihre Ideen ausdrücken lassen will. Man kann diesen Entschluß, aus welchen Motiven er immer erfolgt sein mag. nur billigen. Der neue Verein zählt 40 gründende Mitglieder, die den Vorstand und dir Jury stellen. Gewöhnliche Mitglieder können mit der Zeit zu GründungS- Mitgliedern aufrücken. Max Liebermann wurde zum Ehrenmitglied« gewählt. — Die Hoff mann scheu Opern hauSe ntlvürfe wurden von der Budgetkommiision des Abgeordnetenhauses beraten, ohne daß bisher Abstimmungen vorgenommen wurden. Der Minister lehnte es ab, den Entwurf der Bauakademie zur Prüfung zu unterbreiten. Auch die Vereinigung Berliner Architekten be» schäfligte sich mit dem Enlwurf und beschloß, ein Gutachten, in dem sie ihre Kritik niederlegen will, der Budgetkommission zu über- reichen. — Drahtlose Höflichkeiten. Der Zeitungsleser hört soviel von den Fortschritten der drahtlosen Telegraphie, daß er sich ein viel zu günstiges Bild von der Praxis macht. So erfährt inan jetzt, daß in der Nacht auf Donnerstag zum ersten Male zwischen deuischen und amerikanischen Zeitungen ein direkter Austausch von Funkensprüchen stattfand und zwar zwischen Nauen und Sayville bei New Kork über eine Strecke von 6400 Kilometern. Kapiialistische Organe tauschten bei der Gelegenheit jene bekannten Höflichkeiten aus, die auf der gleichen Stufe steheu wie die diplomatischen. — Eine John-Brinck in an Ii- Stiftung will anläßlich des 100. Geburr-iageS des plattdeutschen Dichters der allgemeine plattdeutsch- Verband errichten. Die Stiftung soll plattdeutscher Sprache und plattdeutschem Schrifttum zugute kommen. — Professoren obne Amts tra cht. Es gibt doch noch Männer in Deutschland. Die Professoren der Straßburger Uni- versitäl haben mit großer Mehrheit den vom Senat gestellten An- trag auf Einführung einer Amtstracht abgelehnt. Wenn sie sich da- durch nur nicht in den Geruch umstürzlerischer Gesinnung bringen werden. — Die große Brücke. Der Plan einer Riesenbrücke über den Hudson, die New Bork mit New Jersey verbindet, ist nunmehr in allen Einzelheiten festgestellt. Diese größte Brücke der Welr wird etwa 165 Millionen Mark kosten. Türine, fast so hoch wie der Eisselturm, werden nötig sein, um die Spannweite eines einzigen Bogens zu tragen. Acht Eisenbahnlinien sollen über die Brücke sühren, zwei Untergrund-, zwei Hochbahnen und vier Niveaubahnen. ivährend auf der Fahrstraße zehn Fahrzeuge nebeneinander fahren können. Die Höhe der Brücke wird auch dem grödten Ozeandampfer die Durchfahrt gestatten. SctiA l in Verbindung gesetzt und alleZ getan, um die Einführung der A bonneiitenversichcrung zu uerhinder». Ter Parteiausschutz bat fi» h in seiner Drzcmbersitzung mit allen gegen 3 Stimmen gegen.die Einführung der Abonncntcnvcrsicherung ausgesprochen und de,> Münchener Genossen dringend empfohlen, von der Ein- führung der Abonnentenversicherung abzusehen. Wenn die Mün- chener arteiinstanzen trotzdem die Einführung der Abonnenten- versichern ng beschlossen, so haben sie sich damit in Widerspruch ge- fetzt zu d« r überwiegenden Mehrheit der Gesamtpartei. Tas Feuilleton der„Neuen Zeit". Die soe den erschienene Nr. 20 der„Neuen Zeit" enthält fol- gende zwei Erklärungen: „In Nr. 18 der„Neuen Zeit" richtet die Redaktion Beschuldi- gungcn gegen mich, auf die ich zunächst nicht antworten wollte, in der Annahme, datz die Redaktion inzwischen die Entscheidung der zwntrollkommi,'sion vollständig mitteilen und meine kurze Er- tlärnng in der Nummer des„Vorwärts" vom 31. vorigen Monats wiedergeben we. edc. Da beides in Nr. 19 der„Neuen Zeit" nicht geschehen ist, so� ersuche ich, iu Nr. 29 folgende Erwiderung auf- zunehnien: Gegen den A'cschlutz des Parteivorstandes vom 29. November vorigen Fahres, dvs Feuilleton der„Neuen Zeit" aufzuheben, rich- lete ich den Antrag an die Kontrollkomniission, diesen Beschlutz für sachlich uiigerechfjertiZh zu erklären. Die angerufene Instanz cnt- schied am 23. Jairucrr dieses Jahres wörtlich wie folgt:„Die Kon- trollkommifsion hält die Aufhebung der Fcuilletonbeilage der „Neuen Zeit" durch daa Pacteivorstand für sachlich ungerechtfertigt. Die KontrollkommiifioVc ging bei dieser Entscheidung von der Ueber- zcugung aus, datz lüu Gründe noch heute fortbestehen, welche 1907 ,ur verausgabe der Acuilletonbeilage in ihrer bisherigen Gestalt and unter ihrer bishc'.r igen Leitung führten. Ter Konflikt zwischen den Genossen Mehrt, gp und Äautskq kann nicht als stichhaltig für den Bcschluh des Pa A eivorstandes angesehen werden." Wie mir der Parteivorstand am.28. Januar dieses Jahres mitteilte, bleibt es gleichwohl bei seinem �leschlutz. In dieser demnach noch bei den geordneten Parteiinstanzen -nhängigen Sache hat et die Redaktion der„Neuen Zeit" für ange- !. testen erachtet, entgegezt allem�Parteibrauch eine teils entstellte, > ils unwahre Darstellung des Sachverhalts in Nr. 18 der„Neuen Zeit" zu veröffentlichen. Eine aktenmätzig gründliche Widerlegung . eser Fabel wird erfolgt, t; sie heute zu geben, bin ich— selbst wenn ich von dem guten Parteibrauch abweichen wollte, was keines- ivegs meine Absicht ist— durch ein entscheidendes Parteiinteresse verhindert. Sie würde unier den obwaltenden Umständen— da der Partcivorstand sich über den Beschlutz der Kontrollkommission hinweggesetzt hat und der Parteitag erst in reichlich sieben Monaten asammcntritt— eine Pretzpolemik ohne praktisches Ziel, aber mit . er praktischen' Wirkung hervorrufen, den Gegnern der Partei ein .-»eidcnvergnügen zu bereiten. Dafür kann und will ich die Ver- . ntwortung nicht übernehmen; ich habe mir selbst versagen zu sollen geglaubt, wozu ich anfangs geneigt war, den Parteiredaktioncn, die ■.um grotzcn Teil ihr Befremden über den Beschluß des Parteivor- andes ausgesprochen und mich mehrfach um Aufklärung ersucht haben, die nötigen Auffchlüsse zu geben. . Ich darf anntchmen, datz die Leser der„Neuen Zeit" die Gründe meines vorläufigen Schweigens nicht verkennen werden. .-ie kennen die Verhältnisse genug, um sich zu sagen, datz die Kon- irollkommission ihre Entscheidung nicht ohne die triftigsten Gründe -fällt hat, und sie werden auch mich, wie ich hoffe, aus meiner r.iehr als zwanzigjährigen umfassenden Tätigkeit für die„Neue Zeit" genügend kennen, um nicht die angeblichen Tatsachen, die mir • e Redaktion der„Neuen Zeit" nachsagt, für bare Münze zu nehmen, ehe ich antworten kann. Dem Ersuchen des Parteivorstandes, trotz der Aufhebung des Feuilletons meine Tätigkeit für die„Neue Zeit" fortzusetzen, komme ich aus formalen Gründen yorläusig nach, mit dem Vor- . ehalt, in der zweiten Scptemberhälfte des Jahres mich endgültig Su entscheiden. Berlin-Steglitz, 6. Februar 1914.- _________ F. Mehring." * ♦ « Die Redaktion der„Neuen Zeit" bemerkt hierzu: „Unsere aufklarende Darstellung in Nr. 18 der„Neuen Zeit" erhielt Mehring fniher als ihren Abdruck im.„Vorwärts". Wenn er trotzdem seine Erwiderung nicht uns, sondern diesem einsandte, schloffen wir daraus, er ziehe die Erörterung der Angelegenheit im Vorwärts" vor. Dementsprechend haben auch wir unsere Ent- :gnung nicht in der„Neuen Zeit", sondern im„Vorwärts"(1. Fe- cuar) veröffentlicht, und zwar, um zu einer Pretzpolemik keinen nlatz zu geben, knapp und rein sachlich.(Der Wortlaut der Ent- egnung ist den Lesern des„Vorwärts" bekannt.) Diese Auffassung unserer Pflicht, die Genossen über den Fall mszuklären, ist, soviel wir sehen, von der gesainten Parteipresse ebilligt worden, wie sie sich auch sonst zu dem Konflikt stellen .aochte. Mehring ignoriert sie vollständig. Von der Erklärung der Kontrollkommission haben wir alles mitgeteilt, was zur Kenntnis der Sachlage notwendig war. Datz urch unsere Weglaffungen an dem Sinn der Erklärung etwas ge- ci udcrt wurde, wagt selbst Mehring nicht zu behaupten. Er entrüstet sich über„teils entstellte, teils unwahre" Beschul- ' igungcn. die wir gegen ihn erhoben haben sollen. In Wirklichkeit eben wir niemand beschuldigt, sondern nur die Tatsache mit- '. teilt, datz Mehring seit drei Jahren sich weigert, die Redaktions- iumc der„Neuen Zeit" zu betreten, und seit bald„zwei Jahren lle persönlichen Beziehungen zu ihren Redakteuren abgebrochen ■tt". Ueber die Ursachen dieser Vorgänge haben wir kein Wort leäutzeri, und doch könnten nur aus ihnen Beschuldigungen gegen lie eine oder die andere Seite abgeleitet werden. Die beiden c rwähnten Tatsachen selbst wurden schon der Kontrollkommission mitgeteilt, und Mehring hat sie dort nicht bestritten. Db und welche Vorwürfe wir Mehring machen können, ist ein üapitel für sich. In unseren Feststellungen haben wir peinlich alles •rmieden, was wie eine Beschuldigung aussehen könnte. Nicht wir erheben Beschuldigungen vor der Oeffenllichkeit, ''iidern Mehring. Es sind Bescbuldiguugen der verletzendsten Art, -e er vorbringt, und dabei erhebt er sie in unfatzbarer Weise, denn r bebauptet wohl, wir hätten„in Nr. 18 der„Neuen Zeit" eine .eils entstellte, teils unwahre Darstellung des Sachverhalts" ge- .-eben, verrät aber mit keinem Worte, wo diese„Entstellungen" ud„Unwahrheiten" stecken. Er kündigt jetzt an. er werde unsere in Nr. 18 gegebene Dar- lellung„aktenmätzig widerlegen", jedoch im Interesse des Parteiriedens nicht sofort. Wir halten unsere Darstellung in allen Punkten aufrecht. Ms Elbstverständlich aber betrachten wir es, daß das angekündigte Aktenstück den Beteiligten zeitig genug mitgeteilt wird, um diese u stand zu setzen, auch ihrerseits das einschlägige Material den Genossen zu unterbreiten, die als Vertreter der Partei zu cnt- .Heiden haben, und ihnen damit ein objektives Urteil zu crmög- .ichen."_ Gemeinderatswahlen. In der hannoverschen Gemeinde Brinkum(Kreis Syke) wurden bei der Gemeindeausschutzwahl drei Sozialdemokraten ge- uhlü Zwei Mandate wurden behauptet, eins neu gewonnen. Techs Sozialdemokraten sitzen jetzt im Gemeinderate. Staötverorönetenversammlung. 5. Sitzung vom Donnerstag, den 12. Februar 1911,/ nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Richelet eröffnet die Sitzung nach 5)4 Uhr.— Die Zuhörertribüne ist überfüllt. Die zu Stadträten gewählten Herren Reim arm, bisher. Mit- glicd der Versammlung, und Kommerzrenrat Artur Francke haben die Wahl angenommen. 1912 wurde die Frage hier ausführlich beraten und ruht seitdem Die sozialdemokratische Fraktion hat am 29. Januar folgenden Antrag A r o n s eingebracht: „Den Magistrat zu ersuchen, das Kuratorium der städtischen Heimstätten aufzulösen und die Ver- waltung der Heimstätten der Deputation für die städtischen Krankpnanstalten zu unter st cllen. Die Deputation wird eventuell durch zwei Magistratsmitglieder, vier Stadtverordnete und vier Bürgerdeputierte vermehrt." Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Wir halten die Zusammenschweitzung der verschiedenen städtischen Einrichtungen für die Krankenpflege im Interesse einer energischen Stotzkraft des städtischen Sanitäts- Wesens für notwendig. Wir müssen allmählich zu einem städtischen Gesundheitsamt kommen, und wir sehen es als eine der wichtigsten Aufgaben des Stadtmedizinalrats an, in dieser Richtung Reformen anzubahnen. Mit unserem Antrage bitten wir Sic, einen ersten winzigen Schritt auf diesem Wege zu tun. Der Magistrat hat bis- her die Vereinigung beider Verwaltungen abgelehnt und sich auf die Eigenschaft der Heimstätten als Wohlfahrtseinrichtung berufen. im ischoße einer gemischten Deputation. ll m 6 Uhr wird die Sitzung unterbrochen und in ge- meinschaftlicher Sitzung der beiden städtischen Körperschaften unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth die Ersatzwahl in die Zwcckverbandsversammlung für den ausge- schiedenen Vertreter Stadtrat Marggraff und den Ersatzmann, bis- herigen Stadtverordneten Liebknecht, vollzogen. Gewählt werden durch Zuruf Stadtrat B e r n d t und Stadtv. Fischer(Soz.) Taraus wird die unterbrochene Beratung fortgesetzt. Oberbürgermeister Mermuth: Ich halte daran fest, datz die Heim- stätten allgemeine Wahlfahrtseinrichtungen sind. Im Jahre 1912 er- hielten sie aus städtischen Krankenhäusern lS,ö Proz. Zuzug, von den Armenärzten 19,5 Proz., von Kaffen-, Fürsorge- und Privatärzten 65 Proz. Schon diese Ziffern ergeben, wieweit ihr Jnteressenkreis über den der Krankenpflege hinausgreift. Eine engere Verbindung braucht nicht notwendig die Auflösung deS Heimstättenkuratoriums zur Folge zu haben. An der Debatte beteiligen sich u. a. in zustinimendcm Sinne die Stadtvv. Prof. Landau und G a I l a n d(A. L.). Gegen den Antrag spricht Stadtv. Sachs(A. L.). Der Antrag wird nach dem Schlußwort des Stadtv. Dr. Weh! in einen Ausschutz von 15 Mitgliedern verwiesen. Die Vorlage betr. den B e r k a u f einiger der Stadt gehörigen Parzellen in Treptow an die Landgemeinde Berlin-Treptow wird dein Ausschutzantrage gemäß einstimmig angenommen. Nach drei Sitzungen ist der für die Beratung des Antrages Arons,„den Magistrat zu ersuchen, ohne Verzug 500 000 M. zur Unterstützung der Arbeitslosen zur Verfügung zu stellen", nieder- gesetzte Ausschutz zur Ablehnung dieses Antrages gelangt; da- für soll aber der Magistrat ermächtigt werden, 300 000 M. zur Gewährung von unverzinsli ch Schlei. Bhs. nach Spandau. 11. Männer-Abt.: Erkner, Löcknitz, Grünheid», Alt-Buchhorst, RüdcrS- dorfer Kalkberge, Kl-Schövebeck. Schöneiche, Frtedrichshagen. Treff: 7 Uhr Schles. Bhf. 3. Frauen-Abt.: Grünau, SiahnSdorf, Frtedrichshagen. Treff: 7 Uhr Schles. Bhs., Madai- Ecke Koppenstraße. Wanderer. Arbeiter. Wanderverein.Berlin1'. Sonntag, den 15. Februar, Wanderfahrt nach Btrkenwerder, Summt, Schönwalde, Schönow, Zepernick. Abfahrt 7- Uhr. Wegläng« zirka 20 Kilometer. Gäste willkommen. Sonntag, den 22. Februar, Swdtensahrt nach Müncheberg. Besic. der alten Wehrbauten, Besuch des Ortsmuscums. Nachmittags kurze derung Krause. litzer Str.___________..... Deutscher Ardeiter-Wanderbund»Die Raturfreundr1'. Am Sonntag, den 15. Februar, werden solgende Touren unternommen: Ortsgruppe Berlin. 1. Städtesahrt nach Prcnzlau. Absahrt Stettin» ternbhs. 6.59 Uhr vorm. nach Gcehausen.— 2. Berkenbrück. Dehmiee. wbrowberge, Scharmützelsee, Fürstenwolde. Abs. Bhs. Friedrichstraße 0.57 Uhr vorm.— 3. Groß-Köris, Teupitzer See, Zesch, Wünsdors. Abfahrt Görlitzer Bhf. 0.55 Uhr vorm.— 4. Hermsdors, Stolpe. Abfahrt Stettin» Vorortbhs. 1.20 Uhr nachm. Ortsgruppe Neukölln: Fürstenwaldc, Scharmützelsee, Storckow. Absahrt Bhs. Neukölln 0.38 Uhr. Schles. Bhs. 7.15 Uhr. Ortsgruppe Steglitz: Werder, Bltesendorf, Beelitz(Heilstätte), Abfahrt ~" 7.43 Uhr vorm., Potsdamer Vorortbhs 7.53 Uhr vorm. Bhf. Steglitz 7. (Potsdam umsteigen). Gäste stets willkommen. Arbeiter-Touristcuverein»Die Naturfreunde". Ortsgruppe verlin. Sonntag, den 15. Februar: Heiligensee, Schwanckrug. Falkenhagen,— Die nach Gr.-Behmtz usw.(Havelländisches Luch) angesetzte Tour findet am 22. Februar statt, Freitag, den 13. Februar, abends 8'/, Uhr, im Berlin» Klubhaus: Zusam menkunst der Geologischen Abteilung.— Dienstag, den 17. Februar, im gleichen Lokal, abends 8>/, Uhr, Kartenlesen. Zu allen Vttanftalwngen Gäste willkommeu. Fuhball. Am kommenden ite IH in Friedrich». defportplatz; Boruifia— Neuhella« fn Wittenau. Rödern- Alle-- Fichte XII— R.«. 8. in Pankow. Ksifingenslraße: B. s. B,— Liberia« M Frtedrtchthagen; V. f. B.-Plötz, Germania— Lftmg-Stralau w Weißensee, Rennbahnstr. 40, Spielbeginn 3 Uhr. Schwimmer. Arbeiter- Schwimmvcrein»Berlin".(Mitglied des Arbeiter. Schwimmerbundez.) Am Sonntag, den l5. Februar, nachmittags 3 Uhr, hall die I. Ableitung obigen Vereins ihr diesjähriges Hallenschwiinmsest in der städtischen Badeanstalt an d» Schillingsbrücke ab. Arbeitcr-Schwimmerbund. Kreis I. Das KreiSwafferdallsptel, welche? am Montag, den 9. d. MtS. ein der Ladeanstalt Oderberger Straße ilalisand, und wo Weißensee gegen Berlin II spielt«, endete mit einem Sieg für Weißens«: 0— 0. « Svortkartcl für Ober- und Riedcr-Tchöneweid«. Sonntag, den 15. d. Mt», Fußtour nach Groß-Beeren. 20 Kilometer. Anmarsch früh 7.15 Schloßpark Wilhelmwenhos, über Johannisthal nach Rudow.(Früh- stück.) Von dort über Gr.-Zieten, Lichtenrode, Kl.-Beeren nach Gr.-Beeren. Wanderlustige Partei« und Sportgenossen find hierzu steundlich eingeladen. Rücksahrt eoent. p» Bahn. * Arbeiter-Gamariterbuud. Kreis Braudenburg. Lehrabend haben in dieser Woche(Beginn 8'/, Uhr): B e r I i n. 0. Abt. Montag, 10. Februar, bei Haoeriand, Neue Friedrich. straße 35. Mariendors. Mittwoch, 18. Februar, bei Hemng, Tcmpelhol, Mantcufieistr. 45. Wilhelmsruh. Rontag, 16. Februar, Rewlckendors, Residenz str. 6, bei Hirsch. Spandau. Mittwoch, 18. Februar. PichelSdorser Str. 5, bei Danne- berg. Ober-Echöneweide. Am Montag, de» 10. Februar, bei Schulz, Siemensstraße 12. Frtedrichshagen. Am Donnerstag, den 18. Februar, Friedrich- straße 00. 2. Hos. N o ffiji tv e S. Am Dienstag. 17. Februar, in der Fortbildungsschule. Am Sonntag, den 15. Februar, vormittags 10 Uhr: Kreistag in Mariendors, Chausseestr. 27, bei Burow. Mus aller Welt. Heldentod eines Schiffskapitäns. In wahrhaft heldenmütiger Weise ist der Kapitän B r a r r y des amerikanischen Küstendampfers„ G e m" in den Tod gegangen, um die Rettung seiner Schiffsmannschaft zu erzielen. Wie aus New-Orleans gemeldet wird, brach am Dienstag an Bord des Dampfers Feuer aus, das trotz der verzweifelten Anstrengungen der Mannschaft immer weiter um sich griff und die Klarmachung der Rettungsboote unmöglich machte. Der 65jährige Kapitän Brarry hielt auf die Küste zu und blieb trotz des iinmer stärker werdenden Rauches und Feuers am Steuer- rüder. Als der Dampfer aufgelaufen war, lag der Kapitän bereits im Sterben. Die Mannschaft war jedoch gerettet._ Verhaftung eines Doppelmörders. In Prag wurde am Mittwoch wegen verschiedener Hoteldieb- stähle ein gewisser Leopold S o ch o r verhaftet. Nachforschungen ergaben, daß der Verhaftete ein lange gesuchter Prostituierten- mörder ist. Er hatte am 39. Juni v. I. eine Prostituierte Marie Schmiedt in Wien und am 19. Januar die Kellnerin Muhr in Jasesstadt erwürgt und dann beraubt. Der Mörder ist geständig. Gr hatte sich monatelang in Wien, Ham- bürg und Prag in der Uniform eines österreichischen Zugführers herumgetrieben, die den Verdacht von ihm ablenkte. Hektor im Tabaksladen., Aus Brüssel wird uns geschrieben: Hektor, um eS gleich zu sagen, ist ein Tiger der Menagerie Hagenbeck, der am Dienstag in einem Brüsseler Vorort aus einem Käfig, gleich seinen berühmten Leipziger Kollegen, eine Flucht in die Oeffentlichkeit unternahm. Er ging ge- mütlich über den Platz, auf dem eben Markt abgebalten wurde und jagte, obgleich er sich mehr neugierig und verwundert als schrecklich zeigte, alle Marktweiber und Hausfrauen in wilde Flucht. Als er so ungerechtfertigt seine Verfolger, Polizisten und zwei Dresseure. hinter sich fühlte, ging er in setner Herzensangst in den erstbesten Laden. Dieser war em Tabakgeschäft und die brave vlämische Be- sitzerin, die noch nie«inen derartigen Kunden empfangen, verzog sich zu Tode erschrocken in die hinteren Räume, nicht ohne vor- sichtigerweise den Schlüssel umzudrehen... Hektor hatte sich's kaum unter dem Pult bequem gemacht, als auch schon, wie einst der schreckliche Achilleus hinter dem homerischen Hektor. der Verfolger-Dresseur in den Laden stürzte, den Revolver in der Hand. Aber dieser unverzeihlich sanftere Heklor ersparte seinen Feinden eine Hetzjagd wie jene antike, die dreimal längs der troischen Mauer an- Hub.... Er ließ sich ohne Widerstreben in den mittlerweile herbei- gebrachten Transportkäfig sperren und beendete ohne jeden theatra- lischen Effekt seine Flucht.___ Kleine Notizen. Verhaftete Wilderer. Am Donnerstag sind die beiden Arbeit» Max Morgenstern und Hermann Hanisch aus Eckartsberga, die an der Erschießung des Reviersärsters Ludwig beteiligt waren, fest« genommen. Morgenstern hat eingestanden, den tödlichen Schuß auf Ludwig abgegeben zu haben. Selbstmord eines Ehepaares. In Würzburg wurden die Eheleute Diel in ihrer Wohnung als Leichen aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß beide durch Einatmen von Leucht- gas Selbstmord begangen hatten. Der Grund zu der traurigen Tat dürfte darin zu suchen sein, daß der Mann vor einigen Tagen seine Entlassung als städtischer Magazinarbeiter er- halten hatte. Der Tod auf dem Eise. Die Frau de? Brauereiarbeiters U h r i g aus Speyer ist mit ihren beiden Kindern, einem Mädchen von neun und einem Knaben von elf Jahren, aus dem Rückwege vom Holzholen im Eis eingebrochen. Die beiden Kinder ertranken. Die Mutter konnte gerettet werden. Erfolg eines türkischen FliegnS. Dem Militärflieger Fethi, der einen Flug Konstantinopel— Kairo unternommen hat, ist eS gelungen, die Höhen des Taurus�ebirgeS zu überfliegen. welche die französischen Flieger nicht überqueren konnten. Er landete am Mittwoch abend ül Tarsus. Eingegangene druckschristen. Die Persönlichkeit. Monatsschrift sür Leben«, und ge »che Forschung. H»ausgegebin von Ed. Schneider. Preis vi M. Verlag von Hon« Lüstenöd», Frankfurt a. M Ernst Ha ortet im Bilde. 2.40 M. D. Reimer, Berlin V. 35. 2,80 Ijährlich Nr. �3. 31 Jahrgang. 2. des Jewärtü" ßtrlintr MsM Freitag. 13. Februar 1914. Kandlnngsgehilfen! Wählt am 13. Feäraar, 10 l.»s 3 Uhr: � liste Z Parteiangelegenheiten. Zweiter Kreis. Heute Freitacz, abends SVa Uhr, im Blücher- Vereinshaus, Blücherstratze 61: Mitglieder-Versainmlung der Jugend- lichen von 18— 21 Jahren. Vortrag der Genossion M.Wurm über: »Die politische Reife". Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Steglitz-Friedena». Freitag, den 13. Februar, abends 8>/z Uhr, im Lokal Schellhase, Steglitz, Ahornstr. Iba.: Zweiter Vortrag des Kursus.Braiidenburgisch-preutzische Geschickte vom Westfälischen Frieden bis 1866". Vortragender Ernst Reuter. Karten zum Preise von 40 Pf. für den ganzen 5kursus sind bei den Bezirks- führern zu haben. Zugleich sei darauf hingewiesen, daß am Sonntag, den 22. Februar, abends 7 Uhr, Herr Kunstmaler und Schriftsteller Rud. Böhm einen Vortrag.Im Lande der Mitternachts- sonne" Meise durch Skandinavien bis zum Nordkap) halten wird. Wir bitten die Genossen, sich für den Sonntag srei zu halten. Nach dem Vortrag: Geselliges Beisammensein. Rüdersdorf und Umgegend. Gruppe Rüdersdorf: Sonn- abend, den 14. Februar, Zahlabend bei Schaale, Kurfürstenstraße.— GruppeTasdorf: Zahlabend beiLangc, Kaiserstraße. In beiden Zahl- abenden Tagesordnung: Stellungnahme zur Gemeindevertreterwahl und Verschiedenes. Zahlabend für Kalkberge am 21. Februar. öerliner Nachrichten. Der Wert üer Dibliothek im /lrbeiterheim. Mit dem allgemeinen kulturellen Aufstieg der Arbeiter- Nasse geht Hand in Hand das Bedürfnis, die von der Volks- schule gelassenen Wissenslücken auszufüllen. An Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen, fehlt es dem modernen Wissens- durstigen Proletarier nicht, sofern er Zeit dazu hat und er sich ernstlich weiter bilden will. Aber alle Bildungsmöglichkeiten genügen nicht, unr den Wissendurst des intelligenten klaffen- bewußten Proletariats zu stillen. Der Wunsch des Arbeiters, zum Ausbau seiner Bildung auch geeignetes Büchermaterial zu besitzen, wird um so stärker, je mehr sich sein Bildungs- grab hebt. Gute Bücher, aber auch kleinere Ab- Handlungen über attuelle Zeitfragcn des wirtschaftlichen und politischen Lebens in Broschürcnform sind von großem Wert im Haushalt eines intelligenten Arbeiters. An der Hand solcher Abhandlungen ist- es dem Arbeiter ein leichtes, seine Klassengenossen bei wiederkehrenden llnterdrückungs- gelüsten der Ärbeiterfeindc, die Praktiken des geeinten Scharf- machertums vor Augen zu führen und die Sünden der noch schlimmeren, verkappten Arbeiterfeinde ins rechte Licht zu rücken. Gerade jetzt zur Zeit der erneuten Hetze der Junker und des Großkapitalismus gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter ist eine Sammlung einschlägiger Literatur aus früherer Zeit von unschätzbarem Wert. Einige, in Broschüren- form zu geringem Preise erschienene Abhandlungen zu diesem Thema seien hieran anschließend, mit Angabe des Erscheinungs- jahres und des Preises erwähnt: 1. Zweierlei Reckt. Bericht der Verhandlungen des Reichs- tageS über die Handhabung des Vereins- und Koalitionsrechts 1896. 10 Pf. 2. Die Arbeiterschutzheucheleien der bürgerlichen Parteien im Reichstage. Verhandlungen vom 22. und 23. April 1396. 15 Pf. 3. Die Herrenhausjunker und die Arbeiter. Reden, gehalten von v. Puttkamer und v. Stumm zur Beschlußfassung über die geschäftliche Behandlung des Gesetzentwurfs zur Ergänzung und Abänderung von Bestimmungen über Versammlungen und Vereine am 24. Juni 1897. 10 Pf. � 4. Klassenpolitik und Sozialreform. Zwei Etatsreden von A. Bebel. 11. und 15. Dezember 1897. 10 Pf. S. Graf Posadowsky und die Koalitionsfteiheit vor dem Reichstag. 1898. 20 Pf. 6. Das Dresdener Zuchthausurteil vor dem Reichstag. 1899. 25 Pf. 7. Zentralverband der Scharfmacher und die Sozialpolitik Deutichlands. Von M. Schippel. 1899. 25 Pf. 8. Die Knebelung der Arbeiterklasse durch das preußische Junkerparlament. Von P. Hirsch. 1899. 20 Pf. 9. Gewerkschaften und Koalitionsrechr der Arbeiter. Von M. Schippel. 1899. 25 Pf. 10. Die Kirche im Dienste des Unternehmertums. Von R. Calwer. 1899. 25 Pf. 11. Die Zuchthausvorlage vor dem Reichstage. 1899. 25 Pf. 12. Crimmitschau unterm Belagerungszustand. 1903. 10 Pf. 13. Klassenjustiz im Ruhrgebiet. 1905. 20 Pf. 14. Ausnadmegesetz gegen die Bergarbeiter.(Verrat des Zentrums.) 1905. 20 Pt. 15. Der Schwindel der klerikalen Arbeiterpolitik. Von A. Erd- mann. 1907. 35 Pf. 16. Klasienjustiz. Von E. Kilttner. 1913. 1 M. u. a. m. Sämtlich erschienen im Vorwärtsverlag. Berlin. Der Inhalt dieser Broschüren enthält ein durchschlagendes und vernichtendes Material gegen die Gelüste der Koalitions- rcchtsrüubcr für jeden denkenden Arbeiter. Sie sind geradezu eine Fundgrube des Nachweises der Notwendigkeit der Koalitionsfteiheit. In einer Sammelmappe vereinigt, bilden sie aktuelles Nachschlagematcrial. Auch auf dem Gebiete der geschichtlichen, ökonomischen, naturwissenschaftlichen und schönen Literatur kann sich heute der Arbeiter für wenig Geld eine kleine Bibliothek zusammen- stellen, die ihm eine stete Quelle des Wissens sein kann. Ein Stück Arbeitslosenfürsorgc in Berlin! Die Berliner Stadtverordnetenversamm- l u n g hat gestern über den bekannten Antrag der so- z i a 10 e m o k r a t i s ch e n Fraktion, der die Hergabe von 500 000 M. für d i e Arbeitslosen forderte, nach den Vorschlägen des Ausschusses beschlossen. Ter Antrag wurde abgelehnt, weil die Befürchtung rege geworden war, daß die zu gewährenden Beihilfen als Ärmenunter- stützung angesehen und dementsprechend behandelt werden müßten. Annahme fand dafür der Vorschlag, den Magistrat zu ermächtigen, daß er 300 000 Mark zur Gewährung u n- verzinslicher Darlehen verwenden möge. Gegen diesen Ausweg hatte nur die Gruppe Mommsen allerlei Be- denken, die als ihr Wortführer der Stadtverordnete Stadt- rat a. D. Düring vortrug. Er erkannte den N o t st a n d an,„bedauerte" aber, dem vorgeschlagenen Mittel zur Linderung nicht zustimmen zu können und verwies schließlich aus die— Armenpflege. Die übrigen Gruppen des Frei- sinns bekundeten diesmal etwas mehr soziales Empsinden, als man es sonst von ihnen gewöhnt ist, und ihre Redner Stadtverordneter Cassel und Stadtverordneter R o s e n o w wiesen jene„Bedenken" als unbegründet zurück. Für die sozialdemokratische Fraktion erklärte Genosse D u p o n t, daß auch sie dem vom Ausschuß empfohlenen Beschluß, der immer- hin e i n S ch r i t t v o r w ä r t s sei, beitreten wolle. In ihm liege vor allem die Anerkennung, daß esPflichtderGe- m e i n d e ist, anders als nur durch die Armenpflege zur Linderung der Arbeitslosen not mit Bar- Mitteln einzugreifen. Bestehen bleibe aber nach wie vor der Wunsch, daß eine Arbcitslosenversiche- r u n g geschaffen wird, und zwar eine kommunale, solange das Reich sie nicht schaffen will. An die Acußerung über jene Pflicht der Gemeinde knüpfte Stadtverordneter M o m m s e n du Versuch, graulich zu machen vor einer Annäherung an die Forderungen der Sozialdemokratie. Die kindliche Furcht vor dem„Zukunftsstaat" klang durch, wenn auch das Wort nicht erwähnt wurde. Stadtverordneter Cassel und Stadtver- ordneter R o s c n o w bemühten sich, Mommsens Besorgnis zu zerstreuen, daß der Berliner Stadtfreisinn durch dieses Stück Arbeitslosenfürsorge in gar zu bedenkliche Nähe zu den Sozialdemokraten gerate. Nein, das braucht wirklich keiner zu fürchten. Nicht minder belustigend als die Sorge Mommsens wirkte Cassels Eifer, sie zu bannen. Im letzten Teil der Debatte ergriff noch Genosse H i n tz e das Wort, um die Armenpflege, auf die Herr Düring verwiesen hatte, als eine unzulängliche Hilfe zu kennzeichnen. Die Abstimmung ergab A n n a h m e des Beschlusses, den Magistrat zur Dar- l e h n s g e w ä h r u n g in Höhe von 300 000 M. zu crmächti- gen. Nur die Gruppe Mommsen stimmte dagegen. Der gleichfalls vom Ausschuß vorgeschlagene Beschluß, der die Ver- Wendung der Ricselgütcr zur Beschaffung von Arbeits- gelegenheit empfiehlt und auch eine Kolonisation von Oed- l a n d der Stadt anregt, wurde nahezu einstinimig a n g e- nommen. Als Nächstes wäre nun zu wünschen, daß be- züglich der Darlehnsgewährung der Magistrat baldigst dem Beschluß der Stadtverordneten beitritt und die gemischte De- putation unverzüglich an die Ausführung gehen kann. Jnseraten-Kinder. Es gibt der unglücklichen Wesen genug, die von Geburt an weder Vater noch Mutter kennen. So traurig es ist, wenn ein armes Weib, das selbst nicht hat, wo es bleiben oder wie es sich notdürftig ernähren soll, die Frucht des Leibes ab- stoßen und fremden Händen überantworten muß— man begreift es. Bodenlos gemein ist es aber, wenn viel Töchter der „vornehmen" Stände nach London oder gen Süden über die Alpen verreisen(in München sagt man:„Die is nach Rom gangen."), um allda bei irgendeiner„Engelmacherin" nieder- zukommen und quietschvergnügt solo wiederzukehren. In Mosse-Scherl-Ullsteins Jnseratenplantagen begegnet nian beinah täglich solcherlei auf Pflege- oder Adoptionskinder abzielenden„Herzenswünschen". Solang dieser Kinderhandel — denn ein„Handel" bleibt es in jedem Falle— noch direkt zwischen beiden Parteien erledigt wird, braucht sich niemand sittlich zu entrüsten. Anders, sehr viel anders mutet aber der Zwischenhandel an. Er kommt nicht nur vereinzelt vor, sondern er floriert geradezu in Menge. Hebammen, Inhaber von exklusiven„Fremdenpensionen", Auskunfteien und Privatpersonen betreiben das Geschäft sowohl der Kinderübernahme als der Kinderweitergabe an Pflege- oder auch Adoptiveltern. Bei dieseni Vermittelungshandel fällt jenen Kategorien natürlich die ganze, nicht selten, wie man sich denken kann, beträchtliche Abfindungssumme in die Hände. Sie befinden sich in der glücklichen Lage, ruhig ab ivarten zu können, bis sich jemand meldet, der arm und dumm genug ist, die Erziehung des Kindes um einen lächerlich wiu zigen Barbetrag übernehmen zu wollen. Die gefährlichste Sorte menschlicher Wohltäter sind aber jene Subjekte, die aus allen denen, hie fremde Kinder in Er ziehung zu nehmen geneigt wären, Kapital schlagen! Sie er- lassen von Zeit zu Zeit irgendwo vom Ausland her unter Hinzufügung einer vollen Deckadresse in großen Zeitungen hochtönende Anzeigen:„Kind vornehmster diskreter Geburt— hohe Abfindungssumme usw." Den sich Meldenden wird dann meist geschrieben, daß es sich um den außerehelichen Sprößling des„Mitgliedes eines ehemals regierenden Hauses" handle. Ungenanntes„Mitglied" stehe„als Oberleutnant in einem Gardekaixillerie-Regiment". Selbstverständlich! Und„die Mutter, eine bekannte Berliner Schauspielerin"(!!), gehöre ihrer Familie nach ebenfalls der high-life an. Abfindung 100 000 M. und jährlicher Erziehungsbeitrag von 0000 M. sollen eine standesgemäße, von modernsten Grundsätzen geleitete Erziehung des Kleinen gewährleisten, dessen spätere Adoption Grundbedingung ist" usw. Gleich nach diesem Märchen kommt aber die Hauptsackie. Man müsse sich unter„erschöpfender Darlegung aller Verhält nisse" sowie der„ganzen Lebensauffassung" und mit Angabe von Referenzen an ein bezeichnetes Auskunfts- b u r e a u wenden. Wer das nun tut, wird lackiert. Er zahlt einen„Vorschuß", der im Hinblick auf den großen fin gierten Gegenstand nicht unter 20—50 M. beträgt— und „Roß und Reiter sah man niemals wieder"... Meist sind es weggejagte Offiziere oder sonstwelche Hock stapler, die solche �chwindelanzeigen im Einvernehmen mit Auskunfteien loslassen— und in den Raub teilen sich beide. Wer nicht Lehrgeld zahlen will, lasse die Finger davon, wie jeder auch sonst gut tut, den sogenannten Bureaus aus dem Wege zu gehen, die sich mit der Vermittelung von Pflege- stellen befassen. In fast allen Fällen ist es diesen Leuten nur um die Gebühren zu tun.___ Das Fernsprechnetz der Berliner Bororte. Das Fernsprechnetz der Berliner Vororte, soweit sie zum Ober» Postdirektionsbezirk Berlin gehören, umfaßt jetzt 78 794 Haupt- und Nebenanschlüsse, während auf die Berliner Aemter selbst 154 793 An« schlüsse kommen. Die meisten Anschlüsse von den Aemtern der Vor- orte hat Wilmersdorf mit 22 810. An zweiter Stelle kommt Ehar« lottenburg 2 mit 17 669, dann Charlottenburg 1 mit 10 881 An- schlüssen. Die beiden Charlottenburger Aemter zusammen würden natürlich vor Wilmersdorf aufgeiührt werden müssen. Es folgen der Zahl ihrer Anschlüsse nach: Neukölln mit 5442, Steglitz mit 4275. Lichterfelde mit 3231, Tempelhos 2623, Lichtenberg 2475, Pankow 2212, Ober-Schöneweide 1929, Weißensee 1533, Reinickendorf 1419, Tegel 1345, Adlershof 408, Hoppegarten 179 Anschlüssen. Da« kleinste Amt ist nach wie vor das ländliche Groß- Beeren mit 73 Anschlüssen. Hauptanschlüsse zählt Wilmersdorf für sich allein 14 077, dann Charlottenburg 2 insgesamt 9636. Charlottenburg 1 zusammen 6121. Es folgen Neukölln mit 2682, Steglitz mit 2504, Lichterfelde mit 2070 usw. Postalische Nebenanschlüsse hat Wilmersdorf 8055, Charlottenburg 1 deren 7269, Charlottenburg 2 deren 3564, Neu- kölln 2592, Steglitz 1651 usw. Private Nebenanschlüsse gibt eS da- gegen am meisten beim Amt Charlottenburg 1 mit 1196, dann in Charlottenburg 2 mit 964 und hierauf erst in Wilmersdorf 673, Tempelhof 213, Neukölln 188, Lichtenberg 155, Ober-Schöneweide 134 usw.____ Minister Dallwitz und die Stadt Berlin. Der Magistrat erläßt folgende Erklärung:„Nachdem im Ab« geordnetenhause die Erhöhung der Kreisumsatzsteuer aus Anlaß des Ankaufs von Lanke durch die Stadt Berlin neuerdings zur Er- örterung gelangt ist, wird es erforderlich sein, die amtlichen Daten des Vorganges kurz zusammenzustellen. Der Kaufvertrag zwischen der Stadt Berlin und dem Grafen v. Redern ist am 18. Juni 1913 abgeschlossen. Kurz vorher, nämlich am 10. Juni 1913, und in Kenntnis von dem bevorstehenden Abschlüsse, hat die Leitung des Kreises Niederbarnim einen Beschluß des Kreistages erwirkt, nach welchem die bisherige Kreisumsatzsteuer von Vz Proz. auf 1 Proz. erhöht wird, sofern der Erwerbsprcis des veräußerten G r u n d st ü ck s fünf Millionen Mark oder mehr beträgt. An: 17. Juni genehmigte der Bezirksausschuß zu Potsdam die Steuererhöhung. Am 29."Juni stimmte ihr der Oberpräsident„im Einverständnis mit den Herren Ressortministern" zu und am 30. Juni wurde sie mit alsbaldiger Wirksamkeit ver- öffentlicht. Die Stadien der Einbringung und Beratung der Lankeschen Vorlage in der Stadtverordnetenversammlung stehen mit diesem Tatbestände in keinem wie immer gearteten Zusammenhang. Die Beratung der Berliner Stadtverordneten ist durch die Ferien unterbrochen worden und hat im übrigen mit tunlicher Beschleuni« gung stattgefunden. Es ist im übrigen nicht ersichtlich, wie ver Stadt Berlin ein Vorwurf daraus gemacht werden sollte, daß�ie eine so wichtige Vorlage wie den Ankauf von Lanke einige Wochen in ernste Erwägungen zieht. Hier aber handelt es sich lediglich darum, ob es als st euer» rechtlich und steuerpolitisch zulässig angesehen wird, eine Steuererhöhung einzuführen, um damit einen bestimmten einzelnen Eigentums- Wechsel zu treffen, dessen unmittelbares Bevor- stehen bereits bekannt ist. Diese Frage ergreift das ganze Gebiet des Steuerwesens, sie geht Stadt und Land durchaus gleich- mäßig an und ist nach Bekanntwerden des Niederbarnimer Vor« ganges zuerst von den Grundstücksinteressenten und von rechts- gerichteten Politikern in schärfster Weise gestellt worden. Sie wird, da sie im Abgeordnetenhause bisher keine Antwort gefunden hat» der weiteren Verfolgung nicht entraten können. Zum Unfall des kaiserlichen Automobils. Wir haben gestern kurz berichtet, daß in Wannsee ein dem Wagen des Kaisers folgendes Automobil mit einem Geschäfts- automobil zusammenstieß, wobei der Chauffeur schwer verletzt wurde, wogegen die im Auto sitzenden Herren Graf v. d. Goltz und Kapitänleutnant v. Palcske unverletzt blieben. Das Befinden des Chauffeurs hat sich gebessert. Bemerkenswert ist die Nachricht. nach welcher der Kaiser die zuständigen Behörden veranlaßt haben soll, eine besondere Verfügung gegen das zu schnelle Fahren der Automobile zu erlassen. Wenn daS wahr ist, dann käme bei dieser ernsten An- gelegenheit der Humor zu seinem Recht. Noch am Tage vorher wurde im Abgeordnetenhause geklagt, daß die Mitglieder des königlichen Hauses in einem Tempo fahren, das für die Vorübergehenden gefahrdrohend ist. In Potsdam gehört die Automobilraserei königlicher Mitglieder zu den alltäglichen Vorkommnissen und mehr wie einmal hat sich der Chauffeur des Prinzen Leopold vor den Schranken des Gerichts wegen zu schnellen Fahrens verantworten müffen, obwohl nur in den allerseltcnsteii Fällen eine Anzeige gewagt wird, lind das Automobil des Kaisers fährt doch auch nicht gerade im langsamen Tempo. Aus dem Fenster der 2. Etage gestürzt ist gestern nachmittag gegen 5 Uhr im Hause Koloniestraße 137 das vierjährige«söhnchen Walter des Jupeschen Ehepaares. Während die Mutter auf einige Augenblicke abwesend war um Einkäufe zu besorgen, kletterte der Knabe auf das Fenster und fiel auf den Hof hinab. Auf das Geschrei feines zweijährigen Brüderchens eilte» Hausbelvohuer herbei und brachten das schwcrletztc Kind zu einem Arzt und von dort nach der Unfallstation in der Badstraße. Ei» Sittlichkeitsverbrechen ist am gestrigen DoniierStagmorgen in Schöneberg verübt worden. Als sich zwischen>/z8 und 8 Uhr die 13jährige Verkäuferin Margarete L. auf dem Wege zu ihrer Ar- beitsstätte befand, wurde sie von einem etwa 25jährigen. gutgeklcideten Manne verfolgt. Solange der Weg durch belebte Straßen führte, hielt sich der Fremde vorsichtig in ziemlich weiter Entfernung von dem jungen Mädchen. Auf dem einsamen Tempelhofer Wege holte der Mann die L. ein und belästigte sie in der unflätigsten Weise. Als das Mädchen zu entfliehen versuchte, warf sich der Fremde auf die Wehrlose, würgte sie und warf sie zur Erde. Obwohl sich die Verkäuferin verzweifelt wehrte, konnte sie doch nicht verhindern, daß sich der Unhold in der rohesten Weise an ihr verging. Die gellenden Hilferufe der Bedauernswerten wurden schließlich von einigen Arbeitern, die ebenfalls auf dem Wege zur Arbeitsstätte in größerer Entfernung den Tempelhofer Weg passierten, gehört. Bei der Annäherung dee Arbeiter ergriff der Wüstling die Flucht. Nach einer ausregenden Jagd konnte der Attentäter ein« geholt und festgehalten werden. Der Unhold ist ein 24 jähriger Mechaniker Paul Gürtler aus der Rheinstratze in Friedenau. Die Ueberfalkene wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht. Ein Merkblatt über die Schädlichkeit des Alkoholgenusses bat die Schuldeputation erneut herausgegeben. Die Eltern werden gewarnt. den Kindern alkoholartige Getränke zu verabfolgen. Die Unglücksfälle der lebten Zeit, bei denen Unternehmer und Streckenarbeiter von Eisenbahnzügen überfahren wurden, haben die Staatsbahnverwaltung veranlaßt, die Bahnmeister, Rottenführer usw. an die genaueste Beachtung der Unfallverbütungsvorschriften zu er- tnnern, nach welche» unter anderem die Unternehmer sich schon bei Vergebung der Arbeiten schriftlich verpflichten müssen, ihre Arbeiter. auch die nicht deutschsprechenden, mit den fraglichen Vorschriften vertraut zu macheu. Bei allen auf dem Bahnkörper auszuführenden Arbeiten sollen an jeder Seite der Arbeitsstelle ein oder mehrere Arbeiter als Sicherheitspoften zweckentsprechend aufgestellt werden. Die Bahnmeister haben sich davon zu überzeugen, daß die Schacht- meister, Vorarbeiter usw. die gegebenen Bestimmungen befolgen. Den Arbeitern sind die Hornsignale genau zu erklären, es ist ihnen auch anzugeben, nach welcher Seite der Gleise sie herauszutreten haben. Vor Beginn der Arbeit soll eine Probe stattfinden, um festzustellen, ob die Leute die Erläuterungen richtig verstanden haben. Der Mämierchor„Moabit"(M. d. D. A.-S.-B.) Shormeister Otto Sander, veranstaltet am Sonnabend, den 14. Februar, im Stadttheater, Alt-Moabit 47—49, abends 9 Uhr, einen heiteren Liederabend. Eintritt 60 Pf. Tanz frei. Mitwirkender Herr M. Gabbe(Cello). Parteigenossen und SangeSfreunde machen wir darauf aufmerksam. Dachstuhlbrand auf dem Wedding. Von drei verschiedenen Seiten aus wurde die Feuerwehr in der Nacht zum Donnerstag nach der Böttgerstraße 14, Ecke Bastianstraße, gerufen. Als die Lvschzüge dort eintrafen, brannte ein Teil des DachstuhleS lichterloh. Es wurde sofort eine mechanische Leiter errichtet, über die hinweg mit einer Schlauchleitung Wasser gegeben wurde. Eine zweite Leitung wurde über die Treppen geführt. Nach halbstündiger Löschtätigkeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Der Dachstuhl des Eck- Hauses ist teilweise zerstört. Die Ausräumungsarbeiten nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts ermittelt. Kleine Nachrichten. Auf dem Bahnhof erhängt hat sich gestern nach- mittag der ö4 Jahre alte Reisende Hugo Lehnerdt, der seit zwei Mo- naten in der Danziger Straße ein möbliertes Zimmer bewohnte. Deni Mann starb vor ungesähr einem Jahre die Frau. Er war seitdem sebr niedergeschlagen und äußerte wiederholt, daß das Leben für ihn allein keinen Zweck mehr habe. Gestern vormittag entfernte er sich zur gewohnten Zeit. Nachmittags fand man ihn auf dem Abort des Ningbahnhofs Swönhauser Allee erhängt auf. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.— Mit Gaö vergiftet hat sich die Buchhalterin Anna P. aus der Zostener Straße. Eine» empfindlichen Verlust hat eine arme Frau zu beklagen; dieselbe verlor am vorigen Sonnabend, abends V�ll Uhr, auf dem Vorderperron eines Wagens der Linie 36 sSchönholz) infolge Schleuderns des Wagens ihr ganzes Wochengeld, ein Portemonnaie mit einem Zehnmarkschein und Silbergeld. Der Finder des Geldes wird gebeten, seine Adresse an F. Dudschus, Reinickendorf-Ost, Pankower Allee 33, Keller, gelangen zu lassen. Vorortnachrichten. Wilmersdorf-.palensee. Geburtenrückgang als soziales Problem. Diese? Thema be« handelte in einer vom Wahlverein veranstalteten übersülllen öfient- kichen Versammlung im Viktoriagarten Professor Dr. B l a s ch k o. Der Referent betonte, daß die Entstehung des Geburtenrückganges länger zurückliege als man allgemein annehme. Während im Anfang des 19. Jahrhunderts in guten Wirtschaftsjahren die Geburtenzahl in die Höhe gegangen und in schlechten gefallen sei, sei in den 70er Jahren ein vollkommener Umschwung eingetreten. Trotz- dem der Wohlstand der Bevölkerung sich gehoben habe, sei ein zuerst langsamer Rückgang der Geburten zu verzeichnen, der mit der steigenden politischen Aufklärung der Arbeiterklasse gleichen Schritt gehalten habe. Von den Großstädten sei diese Er- scheinung auf die Mittel- und Kleinstädte übergegangen und heute sei bereits auf dem Lande ein Zurückgehen der Geburten zu be- merken. Die Geburtenbeschränkung werde sich bemerkbar machen, ganz gleich, ob die Partei eine solche empfehle oder nicht. Schon mfolge unserer ungünstigen WirlschaftSverhältnisie fei die einzelne Familie an der Geburtenbeschränkung interessiert. Wenn der Staat eine Steigerung der Bevölkerung wünschte, so müßte von ihm die weitgehendste MutterschaftSunterstützung eingeführt werden. Zum Ausbau derselben sei erforderlich, daß der Frau durch Ein- sührung deS Frauenftimmrechts die Möglichkeit der Mitarbeit in den gesetzgebenden Körperschaften gegeben werde. In der Diskussion sprach zunächst Genosse Dr. Bernstein, der u. a. die Behauptung des Referenten bestritt, daß die Geschlechtskrankheiten einen großen Einfluß auf den Geburtenrückgang ausüben; ebensowenig treffe dieS bei der Tuberkulose zu. Beide Krankheiten seien auch in früheren Jahren sehr verbreitet gewesen. Es habe vielmehr der bewußte Wille der Massen die Geburtenbeschränkung hervor- gerufen. Die Genossin Bohm-Schuch bezeichnete es als ein Gebot der Menschlichkeit, tuberkulöse Frauen von der Frucht zu befreien. Aber Not und Elend würden nicht bloß durch die Be- schränkung der Geburten belämpft, sondern hauptsächlich durck die politische und gewerkschaftliche Organisation. Immer nachdrücklicher müsse die Forderung auf Errichtung von Entbindungsanstalten, von Kinderheimen und der Verbesserung der Volksschule erhoben werden. Auch sei für die Besserstellung der unehelichen Mütter und Kinder Sorge zu tragen. Genosse Exner verwies darauf, daß die Geburtenbeschränkung bei den Besitzenden als etwas Selbstverständliches angesehen werde, nur der ärmeren Bevölkerung wolle man das Recht der freien Eni- schließung über die Zahl der Nachkommen streitig machen. Am Schluß der Versammlung verwies Genosse Fabian auf die heute im Viktoriagarten stattfindende öffentliche Versammlung, in welcher Genosse Scheidemann zur politischen Lage sprechen wird. Die Freie Turnerschaft Wilmersdorf veranstaltet am Sonnabend, den 14. d. M., im Wilmersdorser Stadtpark, Kaiserallee S4/Sö, ihr diesjähriges Winterfest. Die Arbeiterschaft Wilmersdorfs wird ge- beten, diese Veranstaltung zu unterstützen. Steuköll«. An die alte Naturalwirtschaft erinnert folgendes Inserat, dos im Beiblatt des„Berliner Tageblatts", dem sogenannten„General- Anzeiger" enthalten ist: Französin gesucht für zweimal die Woche gegen Miltagstisch usw., Fahrtvergütung, für erste Familie. Vorzustellen 12— 2' bei Baurat Best, Neukölln, Boddinstraße 3. Die„erste Familie", die jenes sonderbare Inserat erläßt, um eine Franzöfin zu suchen, ist nach dem Adreßbuch die des Neuköllner Stadtbaurats. Daß der Französin sür zweimal die Woche„Mittags- tisch usw., Fahrtvergütung" in Aussicht gestellt wird, mutet dem Uneingeweihten doch etwas sonderbar an. Allgemein ist man heute daran gewöhnt, daß derjenigen Person, deren Dienste benötigt werden, in einem solchen Gesuch die Höhe des Honorars in barem Gelde angegeben wird. Im vorliegenden Falle scheint die Hauptentschädigung der Mittagstisch zu sein, denn in dem„usw." dürfte selbst eine Franzöfin eine etwa in Ansficht gestellte Geldentschädigung nicht suchen. ES wäre sicher interesiant, einmal zu erfahren, wieviele Französinnen sich auf dieses Inserat bei dem Herrn Baurat vor- gestellt haben. Für Sonntag, den 15. Februar, find folgende Veranstaltungen der Spielkommission angesetzt: Bei eintretendem Frost gemeinschast- sicher Besuch der Eisbahn im Karlsqarten. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr im Garten. Eintritt frei. Nachzügler haben Entree zu be- zahlen. Falls nicht Frost eintritt, findet ein Besuch des Museums für Völkerkunde statt. Treffpunkt 12 Uhr am Hermannplatz. Fahr- geld 10 Pf. Mittwoch, den 18. Februar: Märchenvorlesung bei Bartsch, Hermannstr. 49. Anfang ö Uhr. Eintritt frei. Nur schulpflichtige Kinder haben Zutritt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Kommission. Schöneberg. Er« Theaterabend, veranstaltet vom Verein für Kunst und Wiffenichaft. findet am heutigen Freitagabend in der Schloßbrauerei statt. Zur Aufführung gelangt„Des Pastors Rieke". Eintrittskarten sind noch bei den Bezirlssührern zu haben. Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Endlich hat der bisherige Ge- meindevcrtreter Wagner, dessen Gemeinderccht infolge Konkurses ruhte und der auch nachher den Sitzungen der Gemeindevertretung fernblieb, sein Amt niedergelegt. Nahezu ein Jahr muhten die unglücklichen Wähler des Herrn Wagner sich mit dessen teils er- zwungenen, teils freiwilligen Untätigkeit abfinden, während die übrige Wählerschaft des zweiten Bezirks diesem vom kominunalen Standpunkt aus bedauerlichen Zustand machtlos gegenüberstand. Wie uns versichert wird, soll Wagner bald nach Eröffnung des Konkurses dem früheren Gemeindevorsteher Schulz die Absicht kundgegeben haben, sein Amt niederzulegen. Dieser habe ihm jedoch empfohlen, davon abzusehen, weil sonst bei einer Nachwahl in dem genannten, von Arbeitern stark durchsetztem Bezirk die Gefahr be- stehe, daß ein Sozialdemokrat gewählt werde. Dem Entwurf zu einer Polizeiverordnung für das öffentliche Fuhrwesen ist auf An- trag der Ausschüsse für Verkehrs- und Wegesachen eine Bestimmung angehängt worden über pünktliche Ausführung der Vorbestellungen auf Droschken, deren Nichtbeachtung unter entsprechende Strafe gestellt werden soll. Gemeindeverordneter Siebenbürger be- grüßte diesen„Fortschritt", die an und für sich schon mit einer Unzahl polizeilicher Vorschriften und Strafandrohungen bedachten D-roschkenführer noch mit einer weiteren zu beglücken, mit be- sonderer Genugtuung und forderte„schärfere Bestimmungen" mit der Begründung, daß er schlechte Erfahrungen mit Autodroschken- führern gemacht hätte. Die Polizeiverordnung inklusive der Zu- satzbestimmung wurde angenommen. Eine längere Debatte ent- spann sich über die Vorlage betr. den Zuschuß von 800 M. an den „Verein junger, schulentlassener Mädchen". Dieser Verein ist ge- gründet worden von Lehrerinnen der hiesigen Gemeindeschulen in- folge des bekannten Ministerialerlasses, durch den die Jugendpflege auch der weiblichen Jugend den Gemeinden zur Pflicht gemacht wird. Er hat es sich zunächst zur Aufgabe gemacht, die schulent- laffeneu Mädchen in der Hauswirtschaft, besonders im Kochen, zu unterrichten. Zu diesem Zwecke sollte die Gemeindevertretung einen Zuschuß von 800 M. leisten. Man konnte den Herren Gemeinde- verordneten die Freude, an dieser von ihnen gepriesenen sozialen Einrichtung tatkräftig mithelfen zu dürfen, förmlich an den Ge- sichtern ablesen, wenn nur nicht diese elenden Gemeindesinanzen wären. So gab eS denn doch noch„große Bedenken"; eine Aus- schußsitzung wurde noch am Schluß der öffentlichen Sitzung arran- giert und hier gelang eS, die Begeisterung für die soziale Küche wenigstens so weit zu steigern, daß eine Majorität für Bewilligung dieser Summe zustande kam. Es wäre Pflicht der Gemeindcver- tretung gewesen, den bereits früher gefaßten Beschluß auf Ein- richtung von Schulküchen endlich durchzuführen; aber es ist leider immer noch so wie vor einigen Jahren, als gelegentlich der Etats- berahmg Schöffe Lengner ganz offen erklarte: für soziale und Verkehrszwecke haben wir kein Geld übrig. Die finanzielle Unter- stützung privater Körperschaften, auf die jeder Einfluß und jede Kontrolle der Gemeinde fehlt, ist urn so weniger gutzuheißen, wenn es sich um Einrichtungen sozialer Natur handelt, für die in erster Linie die Gemeinde selb st einzutreten hat. Zum Schluß fand die erste Lesung des Gemeindeetats statt, dem der stellvertretende Gemeindevorsteher, Schöffe Lange, das übliche Geleitwort mit auf den Weg gab. Er wies zunächst auf die allgemeine wirtschaftliche Lage hin, die auch auf die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden ihren üblen Einfluß ausübe. Die Erhöhung der Gemeindeeinkommenfteuer von 110 auf 125 Proz. und der Steuer für unbebaute Grundstücke von 4 auf 6 pro Mille sei unter den gegebenen Umständen absolut notwendig. Der Refe- rent kam auch auf den sogenannten Generalpardon bei der Wehr- steuer zu sprechen, ist aber nickt der Meinung, daß sich für die Gemeinde Lichterfelde besondere Mehrerträgnisse aus der zu er- hoffenden gewissenhafteren Steuereinschätzung ergeben werden. Daß die Besitzenden in Lichterfelde gewissenhafter im Steuerzahlen sein werden und den Staat weniger betrügen wie anderwärts— daran darf wohl ein Zweifel nicht erlaubt sein. Gemeindevertreter Meyer sprach zunächst sein Bedauern aus, daß der Enttvurf zum Gemeindeetat der Oeffentlichkeit früher vorgelegen habe als der Gemeindevertretung. Bedauerlich ist freilich auch, daß ein Ge- meindevertreter nicht weiß, daß der Etat auf Grund gesetzlicher Bestimmungen öffentlich ausliegen muß und daß diese Auslegung auch öffentlich bekannt gemacht werden muß. Herr Meyer betonte auch die Notwendigkeit der Erhöhung der Personalsteuern auf 125 Proz., die man schon längst hätte vornehmen müssen. Dagegen sei die Erhöhung der Grundsteuer für unbebaute Grundstücke von 4 auf 6 pro Mille geradezu unbegreiflich. Gerade� der Grundbesitz bedürfe einer besonderen Schonung, und man hätte im Not- falle die Personalsteuer noch über 126 Proz. hinaus erhöhen sollen! Der Schutzpatron der Terrainspekulanten„Ivamte" dann davor, auf diesem Wege der Besteuerung des Grundbesitzes weiter- zugehen und gab der Etatskommission den dringenden Rat, von einer solchen„Belastung" des Grundbesitzes Abstand zu nehmen. Er selber könne leider an den Verhandlungen der Kommission nicht teilnehmen, da er verreise. Vielleicht gedenkt Herr Meyer von der Riviera aus der Etatskommission seine Direktiven zu gehen. Leider war der Widerspruch gegen die Meherschen Ausführungen nur recht vereinzelt. Das begreift sich. Die Gemeiicdevertretung in Lichter- selbe besteht aus 24 Mitgliedern, und von diesen sind 22 Grund- besitzer! Daß unter diesen Umständen ihr Weizen blüht, wird niemand wundernehmen. Jedenfalls haben die Mieter, die Hand- loerker und Arbeiter ein dringendes Interesse daran, diesen un- heilvollen Einfluß emer übermächtigen Grundbesitzer-Herrschaft mit allen Mitteln zu bekämpfen. Bei der kommenden Gemeindewahl wird jedenfalls die Frage eine besondere Stolle spielen, ob die ortsansässigen besitzlosen Gemeindebürger deswegen mit einem besonders hohen Steuerzuschlag bestraft werden sollen, damit eine Hand voll einheimischer und auswärtiger Bodenspekulanten, die an der Gemeinde selbst absolut kein Interesse haben, sich den Beutel mit Dukaten spicken können. Lichtenberg. Der Gesangverein Männerchor Boxhagen-Rumwelsburg ver- anstaltet am Sonnabend, den 14. Februar, im Cafö Bellevue sein Winterfest. Alle auf den 7. Februar lautenden Billetts haben Gültigkeit. Weihensee. Ein schwerer Straßenunfall hat sich am Mittwochnachmittag gegen f-2 Uhr vor dem Hause Langhansstr. 143 ereignet. Dort wollte der dreijährige Willi Koebisch, der mit anderen Kindern auf der Straße spielte, kurz vor einem aus Berlin kommenden Straßen- bahnzug der Linie 63 über den Fahrdamm laufen. Obwohl der Führer des Zuges mit allen Kräften bremste, vermochte er das schwere Gefährt auf eine so kurze Entfernung nicht mehr reibt. zeitig zum Hallen zu bringen. Der Junge wurde umgestoßen und geriet unter den Schutzrahmen. Mittels Winden wurde der Wagen angehoben und der Verunglückte aus seiner entsetzlichen Lage befteit. Der Knabe, der eine klaffende Kopfwunde, einen Bruch des linken Oberarmes und innere Verletzungen erlitten hatte, erhielt durch einen in der Nähe wohnenden Arzt Notverbände und wurde dann in sehr bedenklichem Zustande nach dem Auguste- Viktoria-Krankenhaus gebracht. Pankow. Mit der Frage der Stadtwerdung beschäftigte sich wieder ein- mal die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung. Bereits vor drei Jahren ist auf Beschlutz der Gemeindevertretung eine Eingabe an den Landtag abgegangen, die Stadtwerdung unter bestimmten Voraussetzungen in Erwägung zu ziehen. Im März 1912 überwies die Gemeindekommission diese Schrift der Regierung als Material. In einer Ergänzung der Eingabe wurde mitgeteilt, daß ein Aus- scheiden aus dem Kreise nicht beabsichtigt werde. Die Antwort des Ministers verwies lediglich auf die Kreisordnung, in der ja die Möglichkeit der Stadtwerdung vorgesehen ist, allerdings erst nach Auseinandersetzung mit dem Kreise. Die Gesetzgebung wegen etwa sechs Gemeinden in Bewegung zu setzen, sei nicht beabsichtigt. Nach der Kreisordnung können Städte mit 25 000 Einwohnern aus dem Kreise ausscheiden. Sie hasten für die Kosten der Chaussee- bauten, die unmittelbar mit der Stadt in Verbindung stehen. Die Landgemeinden sind wesentlich schlechter gestellt. Sie können nur Stadtrecht verlangen durch königliche Verordnung nach Anhören des Kreis- und Provinziallandtages. Bei Lichtenberg und Rum- melsburg wurde die Bedingung gestellt, zu sämtlichen Chaussee- baulasten des Kreises beizutragen. Nach diesen Grundsätzen dürfte etwa für Pankow eine Entschädigung von 1% Million Mark in Betracht kommen. Die jetzige Verhandlung ist durch eine Eingabe des Grund- besitzer- und Bürgervereins hervorgerufen. Nach Ansicht des Bürgermeisters Kühr dürfte die Situation augenblicklich nicht bc- sonders günstig sein, da erst 1912 Rummelsburg und vorher Lichten- berg aus dem Kreise ausgeschieden sind; indessen wäre vielleicht ein Ausscheiden bis 1910 anzuraten. An Kreissteuern hatte Pankow zu zahlen 1911: 165 000 M.> 1912: 208 000 M., 1913: 237 000 M. Der Kreis habe dagegen als Zuschüsse zum Krankenhaus, Straßenbauten und anderen Zwecken zurückgezaht 1911: 146 000 M., 1012: 172 700 M.. 1913: 213 000 M. Jetzt würden 25 Proz. Kreissteuern gezahlt, darin seien 14 Proz. Provinzialsteuern enthalten, die aber auch später bei Stadtwerdung gezahlt werden müßten. Ferner würden die Polizeikosten beim Stadtwerden erheblich höhere werden, da die Polizei dann königlich würde und die Gemeinde dann nichts mehr zu sagen hätte. In der Diskussion wurde allseitig einer Stadtwerdung zuge- stimmt. Unser Redner kam besonders auf die Eingemeindung Reinickendorfs in Berlin zu sprechen; auch er würde viel lieber für Pankow eine solche sehen, da Groß-Berlin nun einmal Wirt- schaftlich zusammengehöre und der ganze Jammer der Schul- und Armenlasten und anderer Fragen damit leichter gelöst werden könnte. Einstimmig wurde beschlossen, einen entsprechenden Antrag an den Minister zu stellen. Spandau. Das hiesige Gewerbcgrricht wird sich in näckister Zeit mit einigen von Arbeitern gegen die Firma Siemens u. Halske angestrengten Klagen wegen zu Unrecbt abgezogener Beiträge für den gelben Verein zu beswästigen haben. Ueber einen derartigen Fall sollte das Gericht schon am Dienstag verhandeln, die Klage wurde ober bis zur nächsten Sitzung vertagt. Das Urieil in dieser Sache wird insbesondere deshalb mit Interesse erwartet, weil jetzt auch einige Gelbe dem Gewerbegericht angehören. Der vom Gewerkschaitskartell eingelegte Protest gegen die Gewerbegerichtswahlen in den Speise- sälen der Siemens-Werke auf dem Nomiendamm ist aus formalen Gründen abgelehnt worden und die neuen Beisitzer haben die Be- stätigung ihrer Wahl zugestellt erhalten.» Rosenthal. Morgen Sonnabend begeht der hiesige Arbeitcr-Gesangverein „Freier Männerchor Wilhelmsruh"(M. d. D. A.-S.-B.j im Lokale von Milbrodt fem Wintervergnügen. Da genannter Berein sich bei Parteiveranstaltungen zur Verfügung stellt, wird auf rege Beteiligung der Arbeiterschaft gerechnet. Alt-Glienicke. Eine Konsumeutenversammlung veranstaltet die hiesige AgitationS- kommiifion am Sonntag, den 15. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von Bohn, Grünauer Str. 55. Stadtverordneter August Hell- mann-Reukölln wird einen Vortrag über:„Der Kampf um die wirtschaftliche Freiheit" hallen. Die organisierte Arbeiterschaft wird ersucht, dieser Versammlung beizuwohnen. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Eingegangene Druckschriften. Von der„Reuen Zeit« ist soeben das 20. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des HesteS heben wir hervor: Mazcdo- niicher Salat.— Reichslandsschicksale— Reichsschicksale. Bon Jean Martin sMülhaus-n i. E.).— Zum Geburtenrückgang. Von N. M.— Resorm de? Diälengesetzes. Von Georg Ledebour.— Die politische Lage in Frankreich und der Kongreß von Amiens. Von Ch. Rappoporl(Paris).— Probleme der britischen Arbeiterpartei. Von I. Sachse l London).— Der Schulstreit in Palästina. Bon Ed. Bernstein.— Ein untergehendes Kleingewerbe. Zu den Produktionserhebungen im MüHlengewerbe. Von Hermann Käppler.— Wcdekind und sein Simson. Von Konrad Schmidt.— Literarische Rund- schau: Bafit Hall Chamberlain, Allerlei Japanisches. Von E. Eckstein.— Erwiderung. Die„Neue Zeit- erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu heziehcn; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 25 Pf. Rtarttprette von Berlin am II. Februar l»l4, nach ErmitteMngen bes kgl. Polizeivräiidiums. Mais Innred), gute Sorte 16,90—17,20, Donau 16,00—16,30. Mais(runder), gute Sorte 14,80—15,20. Richtslroh 0,00. Heu 6,60—8,00. Marktdallenpreise. 100 Kilogr. Erbse», gewe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebobnen. weiße 35,00-60.00. Linien 40,00—80,00. Karwfseln sKlemhdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1.60-2,40. Rindfleisch. Bauchfleisch 1,30-1.80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1.40—2,40, Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 4,80—7,20, i Kilogramm Karpsen 1,20—2.60. Aale 1,60—3,20. Zander 1,20—3,20. Hechte 1.60-2,80. Barsche 0.80—2,20. Schleie 1,60—3.20. Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebie 3,50—24,00. Wtttcrungsüversichl vom 12. Februar 1914. Ii1. s l«l x L ös«c Iß ö 5 s ö" 8|i©f c AZi r» Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien t>S! 7b1iSO 757|SO 7623 leiSNli 766)3®© 768:380 . jetter 3halb bd. 3:halb bd. !Dunst 2 heiler IjRebel I? M« — 0 7 — 1 5 —5 —8 «iononen SB;» ?£* ä iEa£2 il| 1- m* Ii tat)arnnbnl754|3 etersburg 764- still ' rr..-7 4 r» CTr> Ä Q Jt�s Scilly Aberdeen Paris 749 WSW 7413© 759,3®© 21 Nebel bedeckt 5) wolkig Iwostenl � 3! bedeckt| 9 — 1 2 8 3 Wetterprognose für Freitag, den IZ. Februar 1914. Vielfach wolkig, am Tage mild bei lebhasten südwestlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge.„. Berltuer Wetterbureau. Ms öer Frauenbewegung. wahrt Eure Interessen! Unter dem Eindruck der 4>/« Millionen sozialdemokratischer Wählerstimmen im Jahre 1912 haben Regierung und bürger- liche Parteien es nicht gewagt, der Arbeiterschaft neue Volks- feindliche Gesetze aufzuerlegen. Selbst bei der Einbringung der Wehrvorlage mutzten die herrschenden Klassen wenigstens die Konzession machen, im wesentlichen selbst die Kosten dieser wahnsinnigen Wstungsvermehrung auf sich zu nehmen. Aber was sie durch offenes Vorgehen nicht wagen, das suchen sie auf Umwegen zu erreichen. Militär- und Zivilbehörden benutzen ihre ganze Macht zur Knebelung der Arbeiterklasse. Kann man ein neues Ausnahme- und Zuchthausgesetz zur Beseitigung des wahrlich nicht aus- gedehnten Koalitionsrechtes nicht erlangen, so sucht man durch schnellere und schärfere Anwendung der geltenden Strafbestimmungen und Polizeiverbote die praktische Aus- Übung dieses Rechts unmöglich zu machen. Kann man nicht durch Gesetz das Faustrecht des Militärs über das Zivilpack proklamieren, so dient die Aufstöberung verstaubter. mit der Verfassung in Widerspruch stehender absolutistischer Ver- ordnungen dem gleichen Zweck. Den Forderungen nach ver- mehrtem Arbeiterschutz setzt die herrschende Klasse den Willen zum„Stillstand in der Sozialpolitik" entgegen. Das Ver- langen nach ernsthafter und energischer Durchführung bestehender Schutzgesetze findet Widerstand in der passiven Resistenz der Auf- sichtsorgane. Man braucht dabei nur an das Kapitel Kinder- schütz auf dem Lande und in der Stadt zu erinnern. Die politische Gleichberechtigung versagt man den Frauen; aber angebliche Vergehen bei der Teilnahme an den freiheitlichen Bestrebungen der Arbeiterklasse straft man ebenso mit Ge- fängnis wie bei den Männern. Mütter trennt man von ihren Kindern, denn sie müssen die Wirkungen der Zollwuchcrpolitik durch eigene Lohnarbeit abzuschwächen suchen: aber der Säugling mutz mit hinein ins Gefängnis, weil seine Mutter den Verrätern der Arbeiterklasse ein Pfui! zurief. Dem versteckten Vorstotz aller scharfmacherischen Be- strebungen kann die Arbeiterklasse nur wirksam begegnen, indem sie ihre eigenen Reihen festigt. Die Zahl unserer Anhänger mutz grötzer werden. Unsere Presse mutz in noch weitere Kreise dringen. Die Arbeiterfrauen müssen sich noch zahl- reicher als bisher der proletarischen Bewegung anschließen. Die rote Woche und der Frauentag, die Anfang März von unserer Partei in ganz Deutschland veranstaltet werden, sollen dieser Agitation einen besonderen Impuls ver- leihen. Kein Arbeiter und keine Arbeiterin darf dieser Arbeit fernbleiben, denn es handelt sich dabei um die Förderung der wichtigsten Interessen der Arbeiterschaft selbst. Das Zrauenwahlrecht in europäisihen Staaten. Ms fünf australische und vier amerikanische Staaten das Zrauenwahlrecht eingeführt hatten, wurden— fast könnte man sagen unerwartet— im Norden zwei Länder für die politische (Gleichberechtigung der Frauen gewonnen. Finnland ging voran. In den Versassungsiämpfen des Volkes wurde zugleich mich das Frauenwahlrecht mit durchgesetzt. Das Grotzsücstentum Finnland ist in Personalunion mit Rußland verbunden. Selb- ständige Regierung und Verwaltung waren dem Lande durch den Zaren zugesichert worden. Das hinderte jedoch die russische Re- gierung nicht, mit allen Kräften die Russifizierung Finnlands zu betreiben, und diese Politik erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 18L9, als die Konstitution schlankweg aufgehoben wurde. Gegen die erdrückende Uebermacht des russischen Reiches suchte sich das finnländische Volk durch passive Resistenz zu wehren, bis im Jahre lüOS die russische Revolution auch nach Finnland übergriff. Das Volk erhob sich und es setzte seine Rechte durch. Unter dem Druck der inneren und äußeren Schwierigkeiten mußte Rußland schließlich die Wiederherstellung der konstitutionellen Rechte be- willigen, und im Jahre 1906 wurde eine allgemeine Wahlrechts- reform, die auch das Frauenwahlrecht aufnahm, durchgeführt. Im wirtschaftlichen Leben hatten sich die Finnländerinnen bereits seit langem eine geachtete Stellung errungen. Schon 1870 wurden die Frauen zum Universitätsstudium zugelassen, seit 1883 ist die ge- meinsame Erziehung der Geschlechter an den öffentlichen und den meisten privaten Schulen durchgeführt. Im Post- und Telegraphen- dienst beziehen Männer und Frauen die gleichen Gehälter. In Norwegen wurde zunächst das allgemeine Wahlrecht für die Männer im Jahre 189ö durchgesetzt. 1901 erhielten die weiblichen Steuerzahler das kommunale Wahlrecht. Die Volks- bewegung, die die Trennung von Schweden herbeiführte, das bis 1906 mit Norwegen in Personalunion verbunden war, riß auch die Frauen mit sich und brachte sie in enge Berührung mit den politischen Fragen. Ms den Frauen die Teilnahme an der Volks- abstinnnung, die die Trennung beschloß, verweigerte wurde, ver- anstalteten sie eine eigene Abstimmung und stellten den 100 000 Männern 300 000 Frauen gegenüber, die sich ebenfalls für die Zrennung von Schweden aussprachen. Zweifellos hat diese Tat- fache dazu beigetragen, um die Stimmung des Bürgertums dem politischen Frauenwahlrecht gegenüber freundlicher zu gestalten. Bei den Wahlen von 1906 erhielten Liberale und Sozialdemokraten die Mehrheit im Parlament. 1907 wurde ein beschränktes Frauen- Wahlrecht eingeführt, obgleich natürlich die sozialdemokratischen Ab- geordneten für das allgemeine Wahlrecht plädiert hatten. Bald darauf erweiterte das Storthing das beschränkte Kommunalwahl- recht, und 1913 erhielten die Frauen das volle parlamentarische Wahlrecht, so daß sie jetzt den Männern ganz gleichgestellt sind. Bisher ist aber nur einmal auf kurze Zeit eine Frau, die Lehrerin Anna Rogstad, Storthingsmitglied gewesen. Dänemark gab den Frauen 1908, ohne daß größere Kämpfe oder eine laute Propaganda� voraufgegangen wäre, das kommunale Wahlrecht, und zwar allen Steuerzahlerinnen mit 800 Kronen Ein- kommen in Kopenhagen und etwas geringeren Einkommen in den ländlichen Distrikten. Eine demokratisch-sozialdemokratische Mehr- heit saß im Foliething. Sie war bereit, den Frauen das politische Wahlrecht zu gewähren, zugleich mit einer Erweiterung des Wahl- rechts überhaupt. Eine radikale Verfassungsreform wurde ein- gebracht: alle Männer und Frauen über 21 Jahre sollten das Wahlrecht haben und gleichzeitig sollte das Oberhaus reformiert weroen. Das radikale Ministerium konnte jedoch die Verfassungs- änderung nicht durchführen. Eine liberale Regierung gelangte ans Ruder, die die Versassungsreform wieder aufnahm. Sie wurde vom Folkething mit großer Mehrheit angenommen, von Landsthing jedoch abgelehnt. Bei den Neuwahlen 1913 erhielten Sozialdemo- kraten und Radikale wieder die Oberhand. Die radikale Regie- rung ist nun entschlossen, die Versassungsreform mit allen Kräften durchzuführen. Die Gleichberchtigung der Frauen in Dänemark ist also nur noch eine Frage der Zeit.— I s l a n d hat sie inzwischen gesetzlich anerkannt. In S ch w e d e n ist die politische Situation ähnlich, wenngleich dort die radikale Richtung nicht so stark vertreten ist wie in Däne- mark. Dort wurde im Jahre 1908 eine Wahlreform durchgeführt, m der jedoch die Gleichberechtigung der Frauen nicht enthalten war. „Vorwärts" Nr. 13.— Freitag, den 13. Februar 1911. Bei den Wahlen von 1911, bei denen die Frauen eine gewaltige Agitationsarbeit übernommen hatten, gewannen Liberale und So- zialdemokraten die Mehrheit in der Zweiten Kammer. Im Ja- nuar 1912 brachte die liberale Regierung einen Frauenwahlrechts- gesetzentwurf ein, der von der Zweiten Kammer angenommen, von der Ersten Kammer aber abgelehnt wurde. Nun versucht man auf dem Umweg über die Kommunalvertretungen im Oberhaus eine den Frauen günstigere Zusammensetzung herbeizuführen. Die französischen Frauen haben Aussicht, in absehbarer Zeit das kommunale Wahlrecht zu erhalten. Augenblicklich ver- suchen sie, die Eintragung in die Wählerlisten durchzusetzen. Wo sie auf Widerstand stießen, ließen sie durch einen Gerichtsvollzieher ein Protokoll aufnehmen, und sie wollen ihre Sache— falls die Friedensrichter zu ihren Ungunsten entscheiden— vor den Kassa- tionshof bringen. Einige Kantone der Schweiz haben das kommunale Frauen- Wahlrecht bereits durchgeführt. In den übrigen Ländern, mit Ausnahme von England und einigen österreichischen Gebieten, existiert noch kein Frauenwahlrecht. Die proletarierin unö der Alkohol. Aus Aerztekreisen kommt in letzter Zeit immer wieder die Klage, daß der tückische Menschheitsfeind Alkohol immer mehr Einfluß auch in Frauenkreisen fände. Besonders in England und Amerika ist der Genuß von Alkohol in den verschiedensten Formen bei der vornehmen Damenwelt Modesache geworden. Man ge- nießt Eau de Cologne aus Zucker und andere alkoholartige Toilettenwasser. In England pflegen Modistinnen, Schneiderinnen, Wäscherinnen, zu deren Kundschaft die Damen der großen Welt zählen, sich Schankerlaubnis zu verschaffen, damit die Kundinnen ungestört nach ihrer Neigung Champagner, Wein, Branntwein, Likör oder Bier zu sich nehmen können, was dann als„Garnitur" auf die Rechnung kommt. Aber auch in anderen Ländern erobert sich der Alkohol in Verkleidungen die Frauenwelt: so besonders durch das Alkohol k o n f e k t, das immer mehr in Aufnahme kommt. Vom regelmäßigen Alkoholgenuß in dieser oder jener Form bis zur Alkoholkrankheit ist für viele ein kurzer Weg. Besonders un- befriedigte Frauen werden leicht eine Beute der berauschenden Wir- kung des Giftes. So stellte Frank durch eine Statistik in der Schweiz fest, daß unter den trunksüchtigen Frauen die Unver- heirateten, Witwen und Geschiedenen, bedeutend öfter anzutreffen sind als Verheiratete, während es bei den trunksüchtigen Männern umgekehrt ist. Die meisten Alkoholistinnen sind Frauen ohne Be- ruf, dann kommen Handelsfrauen, Dienstboten und endlich Ar- beiterinnen. Bei dieser Statistik sind die Arbeiterfrauen, die keinen eigenen Verdienst haben, als Frauen ohne Beruf eingerechnet. Wir haben also keine klare Scheidung in Proletarierin und bilr- gerliche Frau. Die klassenbewußte Proletarierin aber sollte in Gesinnung und Tun so weit von diesen Kranken entfernt sein, daß sie nicht Ge- fahr läuft, eines Tages in solcher Statistik aufzutauchen. Aus wirtschaftlich-politischen Gründen hat die sozialdemokratische Partei den Branntweinboykott erlassen,— aus wirtschaftlich- politischen Gründen wird die zielbewußte Proletarierin aus dem Schnapsboykott einen Alkoholboykott machen. Sie weiß, daß Selbst- Hilfe der Weg zur Erreichung unseres Endziels ist, des Ziels, das freie und starke Menschen, keine Knechte will. Die Kinder, die diesem Ziele näher kommen sollen als wir. sollen stark an Leib und Seele in den Kampf ziehen, und die Sorge der Genossin muh eS sein, sie so kraftvoll wie möglich zur Welt zu bringen. Nicht nur die Mutter selbst wird das Gift meiden, sie wird auch den Vater ihres Kindes so wählen, daß sie es vor ihrem Kinde. bor ihren Klassengenossen verantworten kann. Den Kindern Al- kohol zu geben, hat Genossin Zetkin ein grausames Verbrechen genannt. Das jugendlichste Wesen ober ist die Keimzelle des Mannes, deren Verderben durch Alkoholgenuß Professor Forel ein- wandftci nachgewiesen hat. Kinder aber, die im Alkoholrausch gezeugt sind, haben weniger Widerstandskrast, werden leicht Epileptiker, Trinker, Verbrecher, Idioten. Der Leiter einer Privatirrenanstalt war von der Keimverderbnis nicht über- zeugt, da viele seiner Patienten Kinder nüchterner Eltern waren. Zwecks Feststellung dieser Tatsache machte er eine Um- frage, und— siehe da— die große Mehrzahl der unglücklichen Kranken war nach einer Feier gezeugt, so daß die Eltern sich zur Zeit der Konzeptwn zwar nicht im Rausch, wohl aber im„an- geheiterten" Zustande befanden. In diesem„angeheiterten" Zu- stände Pflegen sich viele Männer auch eine Geschlechtskrank- heit zu holen, unter der Frau und Kinder oft schwerer leiden als der Mann. Auch die Prostituierten haben häufig im alkoholi- fierten Zustande den ersten Schritt zum Abgrund getan. Ein paar Gläschen Bier, ein wenig süßer Wein— und der Mädchenwille ist besiegt. Der Abscheu vor dem Alkohol kann bei Kindern nicht groß genug sein. Während sich die schädliche Wirkung des täglichen Alkoholgenusses bei Kindern an den minderwertigen Schulleistungen nachweisen läßt, ist die moralische Wirkung des seltenen Genusses schwerer ziffernmäßig festzuhatten. Aber wird nicht das Mädchen, das den Alkohol als Delikatesse kennen lernt, als Krönung von schönen Tagen, mit großer Freude sich in jenen Zustand ver- setzen lassen, der es leicht zum willenlosen Werkzeug macht? Im Kind muß durch das Beispiel der Eltern der Willen zur Ent- haltsamkeit gestärkt werden. Ihren Kindern ein solches Elternhaus zu schaffen, ist Auf- gäbe der kämpfenden Proletarierin. Sie hat ihren Kindern viel zu geben, ein hohes Ziel ihrem Streben zu setzen: Befteiung aus geistiger und wirtschaftlicher Knechtung. Deshalb wird sie von ihnen die falschen Freuden des Alkoholgenusscs fernhalten. Im April 1912 wurde auf der Konferenz der sozialdemokratischen Frauen Württembergs ein Beschluß gefaßt, der es den Prole- tarierrnnen ans Herz legt, ihren Kindern keinen Tropfen Alkohol zu geben, und selbst das Vorbild vollständiger Enthaltsamkeit zu üben. Wie sehr muß aber die Abstinenz der proletarischen Haus- f r a u am Herzen liegen! Von dem kargen Lohn des Mannes dürfte nichts für die schädlichen Genußmittel, Alkohol und Tabak, sondern nur für die wahren Nahrungsmittel ausgegeben werden. So ist das viel zu wenig geschätzte Obst, das durststillend und gesund ist, im Arbeiterhaushalt selten zu treffen. Die Frau kann durch geschickt« Haushaltführung dazu beftragen, die Enthaltsam- keit ihrer Angehörigen zu fördern. Denn, wenn es eine ver- ächtliche Schwäche ist, sich zu betrinken, so ist es, besonders für den Arbeiter, bei dem heutigen Anreiz sozialer und geselliger Art, oft genug eine Kraftprobe, stets enthaltsam zu bleiben. So achte die wollende Frau in der Küche darauf, daß keinerlei scharfe Gr- würze Verwendung finden. Auch vermeide sie Alkohol in Speisen zu verwenden. Er verliert seine schädliche Wirkung erst nach stündigem Kochen bei offenem Kochtopf. Nach dem„Aufwallen", das bei Herrichtung von Bier- oder Weinsuppen angewandt wird, hat er nichts von seiner Schädlichkeit eingebüßt. Auch Mostrich und Essig sind besonders für Kinderspeisung nicht zu verwenden. Eine Nahrung, die sich in der Hauptsache aus Ge- nrüsen, Obst, Mehl- und Milchspeisen zusammensetzt, ist die ge- eignete für den abstinenten Menschen. Die bewußte Proletarierin wird in ihrem Kreise mit zur Aufklärung wirken. Als Persönlichkeit, Hausfrau und Mutter stelle sie sich in den Kampf. Fort mit dem Junkerfusel, fort auch mit dem„Medizinalwein", dem„Ammenbier", dem„Likörkonfekt", und wie all die schönen Namen heißen mögen, mit denen das Alkohol- kapital auf die gutgläubige Dummheit der Frau spekuliert. Ammenbier besonders ist eine geradezu frivole Bezeichnung, denn niemand muß sich mehr vor Alkohol hüten, als die hoffende und stillende Mutter. Wir kämpfenden Frauen sind uns dessen bewußt, und der Satz jener Württemberger Resolution ist uns gewärtig: „Die körperliche, geistige und sittliche Gesundheit der Jugend gehört zu den wichtigsten Faktoren, die den Sieg des Proletariats für die Zukunft verbürgen." G. M. Wir geben die Ausführungen der Genossin G. M. wieder, ohne die Absicht zu haben, eine Diskussion über Abstinenz oder Tcrnperenz zu eröffnen.(D. Red.) Frauen im Kampf gegen den Alkohol. Im russischen Reichsrat wurde bei der Beratung des Gesetzentwurses betreffend Regelung des Verkaufes von g e i st i g c n Getränken(mit 77 gegen 43 Stim- men) ein Artikel angenommen, der Müttern und großjährigen weiblichen Familienoberhäuptern Stimmrecht in den Versamm- lungen von Landgemeinden verleiht, in denen über das Verbot des Verkaufes geistiger Getränke bestimmt wird. Rußland folgt damit mehreren nordischen Staaten, in denen den Gemeinden das Recht der Selbstbestimmung bei der Zulassung von Schankstättcii zusteht. Große Bedeutung wird aber der Paragraph— falls er überhaupt Gesetz wird— nicht haben, da die Einnahmen des russischen Staates zu einem Viertel aus dem Branntweinmonopol gedeckt werden. Der Staat selbst hat also ein Interesse an der Steigerung des Alkoholverbrauchs. Die Säuglingssterblichkeit ist im Jahre 1912 erfreulicherweise gesunken, sie betrug 14,7 Prozent gegen 19,2 Prozent im Jahre 1911. Nun war im Jahre 1911 die Säuglingssterblichkeit außergewöhnlich groß, weil der heiße Sommer die Gefahr sür Säuglinge wesentlich er- höhte. Aber selbst gegen das Jahr 1910(mit einer Sterblichkeit von 16,2 Proz.) bedeutet der Prozentsatz von 14,7 im Jahre 1912 eine» unleugbaren Fortschritt. Dennoch steht Deutschland mit seiner Säuglingssterblichkeit noch weit hinter den meisten europäischen Staaten zurück. Nur Rußland, Oesterreich-Ungarn und einige Balkanftaaten weisen noch höhere Ziffern auf. In den skandinavischen Staaten dagegen sinkt die Säuglings- sterblichkeit bis auf 7 und 6 Prozent I Recht traurig sieht es weiter aus, wenn man die Sterblichkeit in den verschiedenen Landesteilen untersucht. Sämtliche o st elbischen preußischen Provinzen bleiben nach der Höhe der Sterblichkeit weit über dem Durchschnitt. Am ichlimmsten steht eS damit in Westpreußen; hier sterben von 100 Lebendgeborenen 19,1 Säuglinge. Dann folgen Oschreutzen und Schlesien(je 17,3 Proz.), Pommern(17,0), Posen(16,8), B r a n- denburg(16.1). Provinz Sackisen(IS, 7). Alle übrigen preußische» Provinzen haben eine unter 13 Proz. stehende Säuglingssterblichkeit. Auch Berlin(mit 14,2 Proz.) bleibt unter dem Reichsdurchschnitt. Von den außerpreußischen Staaten ist die Sterblichkeit groß in Bayern(17,7), Reutz j. L.(17,2), Sachsen-Altenburg(17,1), Mecklenburg-Strelitz (16,8) und Mecklenburg-Schwerin(16,3). Die höchsten Ziffern also wistzerum in Gebieten mit vorwiegend agrarischer und Haus« industrieller Bevölkerung. Bayern rechts des Rheins hat(mit 18, ö Proz.) hinter Westpreußen(19,1) die höchsten Ziffern im ganzen Reich. Sie nähern sich denen Rußlands und auch in dieser Be- ziehung kann man sagen, in We st Preußen herrsche« russische Zustände._ Zrauenstlmmrecht. Spaltung im Suffragettenlagcr. Fräulein Silvia Pankhurst scheidet au» der von ihrer Mutler uud ihrer Schwester JEHnstaDel geleiteten „Wornen's Social and Politioal Union"(der Suffragetten-OrganM sation) aus; sie führt eine von ihr gegründete Zweigorganisation des alten Verbandes als neue Organisation weiter. Wahrscheinlich liegen dieser Trennung nur private Differenzen zugrunde. Ursprüng- lich hatte man geglaubt, die Differenzen seien dadurch entstanden, daß Frau Pankhurst friedlichere Wege einschlagen möchte, während Fräulein Silvia an der alten kriegerischen Taktik festhalte» wolle. Eine eigenartige Demonstration für das Frauenstimmrccht hat die französische Liga der Frauenrechte, wie uns aus Paris gc- schrieben wird, anläßlich des Abschlusses der Wählerliste veranstaltet. Sie entsendete nämlich auf alle Mairien(Bezirksämter) Frauen- delegationen, die die Eintragung in die Liste forderten. In drei von den zwanzig Bezirken wurde sie tatsächlich bewilligt, in zwei davon mit ausdrücklicher Zustimmung der Maires. In den anderen Bezirken wurden die Frauen, zumeist mit großer Höflichkeit, ab- gewiesen. Die Eintragung in die Liste bedeutet noch nicht, daß die Frauen wirklich das Wahlrecht bekommen. Es wäre in der Tat widersinnig, das Stimmrecht der Frauen vermittels Eritschei- dung niederer Verwaltungsbehörden bezirksweise einzuführen. Die eingetragenen Frauen werden zweifellos voO der Rcvisionskom- Mission gestrichen werden. Aber die Kundgebung hat wenigstens gezeigt, daß sich auch in den bürgerlichen Kreisen ein merklicher Umschwung zugunsten der politischen Gleichstellung der Frau voll- zogen hat. Die Frauenrechtlerinnen werden übrigens bis an den Kassationshof gehen. Das Gesetz spricht nämlich da? Wahlrecht allen Franzosen zu, die das gesetzliche Alter erreicht haben. Anderer- seits heißt es:„Alle Franzosen sind vor dem Gesetz gleich." Da nun in diesem Satz zweifellos auch die Französinnen mit einbezogen sind, wollen die Frauenrechtlerinnen geltend machen, daß auch die erste Bestimmung keine auf das Geschlecht bezügliche Ein- schränkung enthält, so daß das Frauenwahlrecht durch eine neue Gesetzesinterpretation Eingang finde. Es ist indes nicht anzu- nehmen, daß die Frauen ihr Recht, ohne Organisation und Kampf, nur durch eme juristische Finesse durchsetzen werden. Eine Kundgebung für Katharina Breschkowsky. Man schreibt uns aus Brüssel: Am letzten Freitag ver- anstalteten die hiesigen Vertreter der russisch-revolutionären Gruppe im Volkshaus des Brüsseler Vorortes Saint Gilles ein Meeting zu Ehren des 70. Geburtstages einer der verehrungswürdigstcn Gestalten des russischen Befreiungskampfes: Katharina Brcsch- kowskys, der„Großmutter der russischen Revolution", die, noch- dem sie 22 Jahre in Sibirien geschmachtet, nach wenigen Jahren der Freiheit und des erneuten Kampfes für die Sache des russischen Volkes, 1907— als ein Opfer des Schurken Azew— aufs neue, diesmal auf LebepSzeit deportiert wurde. Den Vorsitz in der Versammlung führte Genosse W a u t c r s, Vorstandsmitglied der belgischen Arbeiterpartei. Ansprachen hielten die Vertreter der verschiedenen russischen Fraktionen, ferner Ge- nossin Sargue, der radikale Deputierte L o r a n d sür die Liga der Menschenrechte und Camille Huysmans sür das Internationale Bureau. Begrühungstelegramme von Vaillant. Vandervelde, Mac- donald, vom Deutschen Arbeiterverein in Brüssel, Hyndman u. a. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die der Ver- ehrung für die im Gefängnis schmachtende Kämpferin Ausdruck gibt und gegen die schmachvolle Behandlung der russischen Gefan- genen und die zaristische Reaktion protestiert. Frauen-Wahlrechts-Zeitung. Zum diesjährigen Frauentag gibt der Verlag der„Gleichheit" wioderum eine reich illustrierte Frauen-Wahlrechts-Zeitung heraus. Den Organisationen ist bereits mitgeteilt, daß sie zum Preise von 4 Pf. pro Exemplar bei Massenbczügen abgegeben wird. Wo bislang die Bestellungen nicht erfolgten, sind sie schleunigst zu vollziehen beim Verlag von I. H. W. D i c tz, Stuttgart. fl lV\r,»JLUnl*— billig Li. WMtmm JCebettssnittel Geflügel Suppenhühner stet. 1.60 d-- 2.80 Brathühner,-stuek 1.60t>is2.80 Poulets 2.30" 2.70j gefroren 1.20 Haselhühner..... stact 75 Pf. Schneehühner..... stuck 1.10 Puten...... Pfund 70, 75, 85 Pf- Käse Tilsifer TOllfelt...... Pfund 70 Pf. Limburger....... Pfand 40 Pf. Camembert..... 2 stuek 35 vi. Romatour........ stuck 28 Pf- Schweizer Käse■.. Pf-nd 85 p'- Wurstwaren Zervelaf u. Salami Pfund 1.20 Rollschinken ca. s-s Pfund, Pfd. 1.40 Schinkenspeck MO Jfus eigener Wurstfabrik: Rotwurst...... Pfund 55 75 Pf. Jagdwurst........ Pfund 1.10 Landleberwurst.. Pfund 90 Pf. Pastetenleberwurst Pfund 1.15 Teewurst......... Pfund 1.20 Buffer Koch- n.Backbutt. Pfd. 1.10» 1.18 Tischbutter Pfd. I.28'f--Pfd-P 64Pf. TafelbutterPfd 1.32 v-pfd-p 66 Pf- Räucherwaren Kieler Sdileibüdd. 2stuck 10 pt. Sprottbücklinge.. Pfund 45 pt. Goldfische........ stuck 10 Pf. Nordsee-Schollen Pfund 50 vi. Lachsstör......... Pfund 65 Pf. Sardellen..... Pfund 65, 85 Pf. Matjesheringe st. 10, 15, 20 Pf. Sprotten �38 pf. Winterkartoffeln Zentner t»95 Zusendung 40 Pf per Zentner Sack 25 Pfennig Pfand Fische Kabeljau �nehKopf.inÄn 20 pf. Seelachs......... Pfund 18 Pf. Schollen..... Pfund 15 u. 38 Pf. Frische Stinte..... Pfund 20 Pf. Zander.......... Pfund 63 Pf- LadlS in ganzen Fischen. Pfund 35 Pf. Lebende Plötzen Pfd 35, 60 Pf. Grüne Heringe.. Mandel 28 Pf. Seemuscheln.. 100 stuck 30 pt. Leb. Karpfen p» 70, 90 Pf. 1.00 Lebende Schleie... Pfund 1.15 Lebende Hechte... Pfund 1.00 Obst und Gemüse Apfelsinen Dutzend 18, 28, 35 Pf Blut-Orangen Dutzend 28, 38 Pf Mandarinen... Pfund 20, 25 Pf. Ananas....... Pfund 55, 65 Pf. Zitronen... Dutzend 25 U. 35 Pf. Graue Reinetten 2 Pfund 35 pr. Kalif. Aepfel.. Pfund 30, 40 Pf. Kochäpfel..... Pfund 15, 13 Pf. Weißkohl....... pfun-i 3 pt. Rotkohl.......... Pfund 5 Pf. Mohrrüben..... 3 Pfund 10 Pt. Maltakartoffeln Pfund 10 Pf. Mark. Rübchen. 3 Pfund 25 Pf. Rote Rüben..... 3 Pfund 10 Pf. Ig Ig □□□ □OD □□□ Theater und Vergnügungen nun gW gi Freitag, 13. Februar 1914. Anfang 6 Utir. Eines Palast am Zoo. Variets» Lichtspiele. Ansang 6'/, Mr. EinesNollendorf-Xhrater.Variets« Lichtspiclc. Anfang 7 Uhr. Kgl. QvernhauS. Tristan und Fsolde. Deutsches LpernhauS. Parsisal. Ansang VI, Ubr. Kgl. Zchauspielbaus. Kalberg. Deutsches. König Heinrich IV. Lciiiiig. Peer Gvnl Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Ansang 7" Ubr. VZetropok. Die Reise uni die Welt iit 40 Tagen. Antang 8 Ubr. Urania. Winter in der Schweiz. Deutsches Künstler- Theater. Der Bogen des OdyffeuS. lltammeripiele. Bürger Schippe!. KöniggriiNer Strajie. Die fünf ven, frankfurter. KomödienhauS. Kammermusik. Theater an der Weidcndammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollendorfplatz. Prinzeß Grell. Lustipiclbaus. Die spanische Fliege. Montis Qpcretten. Geschloffen. Schiller O. Die beiden Leonopen. Schiller Eharlottrnbnrg. Herodes und Mariamne. Theater des Westens. Polenblut. Berliner. Wie einst im Mai. Kleines. Jetichcn Gebert. Trianon. Analoles Hochzeit. Tlialia. Die Tangoprinzesfin. Reuden». Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelmstüdtisches. Fräulein Trallala. Rose. Kinder der Großstadt. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Was sagen Sie zu Lcibusch? Rcichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kom- pagnic. Äntang 8'/, Ubr. Lüne». Das erste Ehcjahr. Walhalla. Tangosiebcr. Folies Eapricc. Cass Pringsheim. Der HeiralSgras. Meyerstcins. Slniang 8'/, Uhr. Renes Bollstheater. Einakter- Abend. Ansang 9 Ubr. Sldmiralspalast. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. Eissport. EinesNollendorf-Theater.Bariets- Lichtspiele. »» Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—�2 Lediüei'-Iliesler v. Freitag, abends 8 Uhr: beiden I.e»noren. Sonnabend, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Oenchiktt lat Cdenehtltt. Sonntag, abends 8 Uhr: nie beiden L/eonoren. Sehiller-Thealer Chahu?BtteB- Freitag, abends 8 Uhr: Heröde« nnd Hariamne. Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr: Kopf und Schwert. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andrea« Hofer. «vnntag, abends 8 Uhr: Ko«eiiinontag._ Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonntagnachm. 3'/, Uhr: Leülin fiti Abends 8 Ubr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus. 8 uhr. Kninluernlußk.«uhr. öerliaei' Itieater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. 8 Uhr Residenz-Theater u?.. Hoheit— der Franz! Musikalische Groteske in 3 Alten von Artur Landsberger und Willi Wolff. Musik von Robert Wintcrberg. Morgen u. s.Tage: stobgit. äor Franr! Sonntag. IS. Febr., 3 Uhr: Gretchen. veutsedks Mstlertliester lSozletlit. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Abends 8 Uhr: der Bogen des ßdgsseus. S omiab. 3>/,: peteredens blondlshrt. 8 Uhr: Hanfhantom. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 15. Februar, abend« 6 Uhr, in„Pachora« Festsälen" (früher„Englischer Garten"), Alexanderstr. 27c: Geselliger Abend. 1 Vortrag des Herrn Omm«4 VsOttl»«! sein Ucben und Wirken. | JI. H. Baege: Ol llwl(#l>»-« 3. fltilagt des Jotnärts" ßftliwt plfoHatt. Reichstag. 212. SiHullg, Donnerstag, den 12. Februar 1Ä14. nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung des Etats ües Reichsamts öes Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Reichsverficherungsamt in Verbindung mit der Denkschrift über die Rücklage» in den Berufsgenossenschaften. Präsident Kaempf: Der Abgeordnete Bauer hat gestern die Reichsversicherungs« ordnung einen Hohn auf die kaiserlichen Erlasse vom Februar ISSv genannt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Das verstötzt gegen die Ordnung des Hauses sNamt? bei den Sozialdemokraten), da es eine Beleidigung darstellt gegen den Reichstag und den Bundesrat, die die Reichs- Versicherung; ordnüng beschlossen haben. Ich rufe daher den Ab- geordneten Bauer zur Ordnung.(Grotze Hefterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. Irl(Z.): Wenn den Versicherten die Ausübung des Wahlrechts zu den i trank enkassen erschwert wird, so bedauern auch wir das, zumal gerade die sozialdemokratischen Wähler davon m e i st nicht den Schaden haben werden. In der Denkschrift über die Rücklagen bei den Berufsgenossenschaften befinden sich eine ganze Reihe von Zahlen, die der Aufklärung noch bedürfen. Die Bcrufsgenossenschafteu wehren sich dagegen, datz viele Millionen in den Rucklagen zu niedrigem Zinsfusj festgelegt werden auf Grund irriger Berechnungen.— Redner befürwortet weiter eine Resolution, wonach die Rücklagen der BerufSgenossenschasten für den genossenschaftlichen Personalkredit, namentlich für den gewerb- lichen Mittelstand bereit gestellt werden sollen. Die Berufs- genossenschaften sollten auch mit dem Roten Kreuz zusammen- arbeiten im Interesse der ersten Hilfe bei Unglücksfällen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Schulenburg(natl.): Meine Freunde stiinmen dieser letzten Anregung des Vorredners zu und wünschen auch eine Förderung des genossenschaftlichen Personalkredits durch die Berufsgenossenichafren.— So schlecht wie Herr Bauer es gestern darstellte, ist die Reichsvcrficherungsordnung nicht. Kleine Mängel hat sie gewiß, dafür kann man nach einigen Jahren Remedur eintreten lassen. Abg. Doormanu(Vp.): Mit der Bestimmung der ReichsverficherungSordnung, daß die gesetzlichen Bestimmungen über die Rücklagen bei den Berussgenossen- i'chasten noch einmal durch den Reichstag erörtert und beschlossen werden sollen, ist keine gesetzgeberische Großtat geschehen; denn der Reichstag kann ja nicht allein eine Bestimmung der Reichs- verficherungsordnung ändern, ohne Zustimmung des Bundesrats. Der Kern des Streitpunktes ist: durch die Bestimmungen der Reichs- Versicherungsordnung über das Umlageverfahren bei den Berufs- genosfenschasten hat die Regierung die Ueberzeugung gewonnen, daß die Rücklagen stärker sein müssen. Für eine materielle Aenderung des VersahrenS bei den Rücklagen liegt eine Veranlassung nicht vor; lassen sich die Bestimmungen formell besser gestalten, so ist ein Bedenken dagegen nicht zu erheben. Darüber werden wir uns am besten in der Kommission unterhalten. Regierungsrat Auri« verbreitet sich über dos Verfahren der Mathematiker des Reichsamts des Innern, das nach den Unterlagen, die semerzeit vorhanden waren, durchaus berechtigt war. Abg. Siebeubürger(k.): Uebermäßige Rücklagen halten wir nicht für gut. An der Reichs- Versicherungsordnung hat der Abgeordnete Bauer gestern kein gutes Haar gelassen. Wir stehen voll und ganz auf dem Boden dieses Gesetzes, wenn wir manches darin auch anders wünschten. Was wir beantragt hatten, war gut— hören wir doch jetzt aus ganz Deutschland das Geschrei nach Landkrankenkassen. Eine glatte Einführung hat das Gesetz allerdings nicht gefunden. Es ist in den AusnihrungSbestimmungen auch verschiedentlich anders ausgelegt worden, als es der Gesetzgeber gemeint hat. Speziell werden An- tragsteller, die Besreiungsanträge von der Dienstbotenversicherung stellen, von manchen Kassen geradezu schikaniert; einige Kassen ver- langen Kaution, was wir direkt für ungesetzlich halten. Der preußische HandclSministcr Dr. S h d o w hat allerdings die Forde- rung von Kautionen für zulässig erklärt. Ich bitte daher den Staatssekretär, uns seine Meinung zu sagen.— Erfreulich ist, daß bei den Wahlen in den Vorständen die Sozialdemokraten nicht überall die Mehrheit gewonnen haben. Die AufsichtS- behördcn müssen ein scharfes Auge darauf haben, und A g i- tatoren, die etwa gewählt werden, die Bestätigung versagen.— Nach den neuen großen Lasten, die dem Handwerk durch die soziale Versicherung ausgebürdet worden sind, sollten die Negierungen die Preise für ihre Lieferungen erhöhen.— Nach der Dienstbotenversicherung hat kein Dienftbote verlangt. Die Absicht des Gesetzes war nun jedensalls. daß die Dienstboten alle in Landkrankenkassen versichert würden. Es ist bedauerlich, daß manche Oberverwaltungsämter es zugelaiien haben, daß von der Errichtung von Landkrankenkassen abgesehen wurde. Da ist erfreulich der Vor- gang in Spandau, wo das Oberversicherungsamt die Errichtung einer Landkrankenkasse gegen den Willen der Gemeinde erzwungen hat.(Ironisches Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) In den Ortskrankenkassen Groß-Berlins sind die Beiträge lveit höher als z. B. in der Landkrankenkasse Wilmersdorf. Den Staatssekretär bitte ich dahin zu wirken, daß auch sonst neben den Ortslrankenkassen Landkrankenkassen errichtet werden. In Baden sind Landkrankenkassen überhaupt nicht zugelassen worden. Das ist ein großer Fehler. Und nach all dem Traurigen eine große Freude: Auw das„Berl. Tageblatt" hat neulich geschrieben: Die einzige Lösung der Frage der Versicherung der Dienstboten ist die Errichtung von Landkrankenkassen.(Hört! hörtl rechts). Der Resolution des Zentrums über die Verwendung der Rücklagen stimmen wir zu.(Bravo! rechts.) Slaatsfekretär Dr. Delbrück: ES ist behauptet worden, daß die Bestimmung der R.-V.-O. falsch durchgeführt werden. Ich kann daS im einzelnen nicht nachprüfen. Auch find die Kompetenzen der logenannten Reichsleilung, des Herrn Reichskanzlers«Heiterkeit bei den Sozialdemokralen) in dieser Hin- ficht sehr eng beschränkt. Aber ich werde die Beschwerden prüfen und es wird sich dann herausstellen, ob Dtfferenzen bestehen zwischen meiner Alzssassung des Gesetzes und der des preußischen Handels- minister; Dr. Sydow. Daß der preußische Handelsminister nicht gesetzividrig vorgegangen ist, nehme ich ohne weiteres an. Warten Sie ab, dann wird auch dies Gesetz sich einleben und die Beschwerden werden durch die Einwirkung der Zentralinstanz sich bald auf ein Minimum vermindert i. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Daß die Behörden mit dem Gesetz noch nicht genügend vertraut stnd. kann mau zugeben. Aber sie lasten es auch vielfach a m O»ten Willen fehlen, wenn z. B. sehr sachverständige Ar- beitervertreter ihnen gute Ratschläge bei der Vorbereitung der Wahlen geben. DaS wurde lühl abgelehnt und prompt folgte dann ein falsches Vorgehen der betreffenden Behörde. Daß die Reichs- verficherungsordnung mancherlei Mängel aufweist, darum braucht kein Streit zu herrschen. Einen Mangel beantragen wir abzustellen. Es muß in der Satzung der Kassen festgelegt werden, wer als Facharbeiter anzusehen ist.— Den Landkrankenkassen stehe ich mit den größten Bedenken gegenüber, denn sie werden über kurz oder lang die teuersten Kassen werden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Die guten Risiken werden ihnen durch Befreiungsanträge entzogen und die Saisonarbeiter sind die schlechtesten Risiken, da sie am meisten krank werden.— Vielfach werden auch Söhne und Töchter von Bauern von Kranken- kassenverwaltungen als versicherungspflichtig erklärt. Die Bauern werden ja bald selbst einsehen, daß sie am besten tun, wenn sie sich selbst versichern, aber man sollte zunächst unnötige Härten vermeiden. Um die Dienstboten usw zur Selbstverantwortung zu erziehen, sollte man nicht einfach die Beiträge für sie zahlen, sondern die Löhne entsprechend erhöhen und die Angestellten die Beiträge dann selbst zahlen lasten.— Die Unfälle des täglichen Lebens sind nach dem ausdrücklichen Willen des Reichstags als Betriebsunfälle anzusehen. Die rechtsprechenden Instanzen sollten angehalten werden, diesen Willen des Reichstags zu respektieren. Bei der Rentenkürzung bei der Unfallversicherung und der Rentenentziehung bei der Invalidenversicherung sollte milder vorgegangen werden. Wir beantragen, daß entsprechend der Bester- stellung der Altpensionäre auch diese Renten der Invaliden- Versicherung erhöht werden. Abg. Feldman»(Soz.): Der Abg. Siebenbürger hat Beschwerde darüber geführt, daß Krankenkassen Kaution von einzelnen Arbeitgebern bei der Befreiung verlangt hätten. Er selbst hat aber anderer- seits gesagt, man kann an einem Tage Millionär am anderen Tage Bettler sein. Das rechtfertigt das Bor- gehen der betreffenden Krankenkasten. Ferner machte Abg. Sieben- bürger die Behörden scharf gegen Agitatoren in den Kranken- kosten. Natürlich meinte er nur sozialdemokratische Agitatoren. Es gibt aber eine ganze Reihe konservativer Agitatoren in den Krankenkassen und denen werden nicht die geringsten Schwierigkeiten in den Weg gelegt.— Was das Kapitel der Rentenkürzungen anlangt, so ist aus S t r i e g a u ein besonders krasser Fall zu be- richten. Ein Steinarbeiter bekam für den Verlust beider Augen ?ö Proz. Rente. Später sollte er sich an das Blindsem„gewöhnt" haben und man sagte ihm: ei» Blinder ist immer»och besser daran als ein an Armen und Beinen Gelähmter, der sich nicht bewegen kann.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Berufsgenossen« schaft beantragte die Rente auf 50 Proz. zu ermäßigen. schließlich wurden ihm 55 Proz. zugesprochen. Seitdem 1903 Aerztekontrolleure zur Prüfung der Invalidenrenten angestellt find, nimmt die Zahl der Renten immer mehr ab und die Fälle der Entziehung mehren sich. Das trifft insbesondere auch für Schlesien zu. Dabei hat die Schlesische BersicherungSanstalt 138 Millionen Mark Vermögen a n g e f a mm elt und hat 1912 zwölf Millionen Mark Ueberfchuß gemacht. (Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS beweist am besten, daß man ganz gut die A l t e r s r e n t e schon mit öS Jahren ge- währen und die Hinterbliebenenrente erhöhen kann. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Einem Arbeiter in Scklesten wurde von dem Arzt erklärt, er wäre unterernährt, sonst könnte er ganz gut noch arbeiten. Als der Arbeiter meinte, ja, wovon soll ich mich besser ernähren, wurde ihm entgegen- gehalten, er ernähre sich absichtlich schlecht, nur um die Rente zu erhalten.(Hörtl hörtl bei den Sozmldcmokraten.) So springt man mit den obgerackerten Arbeitern in Schlesien um. Selbst eine Frau, die noch ganze 80 Mark im Jahre ver- dienen kann, wird als nicht invalide im Sinne des Ge- setzes angesehen. Solche Entscheidungen find geradezu Himmel- schreiend und sollten in Zukunft nicht mehr vorkommen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Caspar: Auf die Frage des Abg. Siebenbürger bemerke ich, daß eine all« gemeine Forderung nach Kautionsstellung bei Befteiungsantrügen von der Dienstbotcnversicherung im Gesetz keine Grundlage findet, dagegen kann im speziellen Fall, wenn Zweifel an der Leistungsfähig« keit des Antragstellers bestehen, sehr wohl eine Kaution gefordert werden. Di« Forderung des Herrn Behrens nach Erhöhung der Renten entsprechend den gestiegenen Arbeits- löhnen scheint mir zu weit gehend.— Der Herr Abg. Bauer hat eine Reihe schwieriger Grenzfälle aus der Rechtsprechung des ReichSversicherungSainIS erörtert. Zum Beispiel die Frage der Eni- schädigungSpflicht bei Unfällen auf Grund der Gefahren des täglichen Leben». Auf all diesen Gebieten hat das Reichsversicherungsamt seine Rechtsprechung an Hand seiner Erfahrungen entwickelt und jetzt noch sind die Dinge in Fluß. Die von Herrn Bauer vermißte M u si e r s a tz u n g für Hausgewerbetreibende wird in nächster Zeit fertiggestellt. Der letzte Redner hat eine Reihe von Fällen angeführt, die ich natürlich nicht nachprüfe» kann. Doch halte ich es für ganz aus- geschlossen, daß beim Verwst beider Augen nur bü Prozent Rente gewährt worden find; da muß noch irgendein sonstiger Grund vorliegen. Daß jemand, der Anspruch auf eine Invalidenrente hat, sie nicht bekommt, ist nach dem Gesetz ausgeschlossen; natürlich kann es vorkomnten, daß unberechtigte Aniprüche erhoben werden. Abg. Astor(Z.): Die Feststellung der Dienstordnung für ihre Angestellten ist Sache der BerufSgenossenschasten. DaS ReicbsversicherungSamt hat allerdings ein gewisses Aufsichtsrecht über die Berufsgenossenschaften. Im all- gemeinen sind die Verhältnisse der Angestellten der BerufSgcnossen- schaflen recht günstige und die Anwürfe des Abg. Giebel gegen die Berussgenosseuschaften sind verfehlt.(Vizepräsident Dave rügt den Ausdruck„Anwürfe" in bezug auf einen Abgeordneten, man dürfe nur von„Vorwürfen" sprechen.) Die Angestellten der Berufs- genossenschaften haben in gewissem Sinne eine öffentlich- rechtliche beamtenähnliche Stellung; daraus ergeben sich auch gewisse Pflichten. Auch die Behauptungen des Abgeordneten Giebel über das Anhören der Angestellten sind haltlos und un- zutreffend.— Die Klag- des Abg. Bauer über schwankende Rechlsprechung des Reichsversicherungsamts beweist nur die Objektivität dieser Rechtsprechung; denn es gibt leine allgemeinen Grundsätze, jeder Unfall muß besonders betrachtet werden. Bcc der Anerkennung der Unfälle des läglichen Lebens als Betriebs- Unfälle geht das Reichsversicherungsamt eher zu weit, als zu wenig weil. Jedenfalls ist leine Rechtsprechung von echtem sozialen Geist getragen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Fegter(Vp.): Die ReichsverficherungSordnung ist vielfach recht mangelhaft durchgeführt worden bei ihrer Einführung und daraus erklärt sich ein großer Teil der Erbitterung und Klagen über die Reichs- Versicherungsordnung. Die preußische Regierung hat zum mindesteu nicht rechtzeitig für die Einführung der Landki ankenversicherung Vorsorge getroffen. Zu berechtigten Klagen geben auch die zahl- reichen Fälle von Rentenentziehung und-Herabsetzung Anlaß, die mit recht seltsamen„Gewöhnungen" an die Folgen der Unfälle begründet werden.— Herrn Siebenbürgers Ausführungen bewegten sich in starten Widersprüchen. Einesteils rühmte er die Reichsversicherungs- ordnung als gesetzgeberische Großtat, dann jammerte er wieder über viele ihrer Bestimmungen. Jubel stimmte er an über die San dkranken»' kassen; aber Herr Behrens hat ganz recht, gerade in den landwirtschaftlichen Kreisen wird man die Landlrankenkassen bald zu allen T e u f e l n wünschen, denn die Beiträge werden die höchsten sein und die Leistungen die niedrigsten. Die leistungsfähigen Betriebe werden ja nicht in sie hineingehen. Die beschränkenden Bestimmungen über die Wöchnuinnenunter- stützung werden die Herren rechts bald müssen fallen raffen, wen» sie die'Landflucht nicht noch größer werden lassen wollen.(Sehr wahr! bei der Volkspartei.) Viele Klagen über die Reichs- Versicherungsordnung rühren von der mangelhaften Einführung her. Der Staatssekretär möge auf die Einzelstaaten einivirlen, daß das Gesetz in echtem sozialen Geiste ausgeführt wird. Abg. Graf Westarp(Kons.): Der Abg. Bauer hat bestritten, daß auch den Angestellten der Kranlenkassen, die nur mit Anrecht auf Ruhegehalt angestellt find, Beamtenqualität übertragen werden darf. Das ist aber doch richtig und ich bitte von dieser Befugnis weitgehendsten G e- brauch zu machen. Damit werden diese Beamten dem B e- amtenrechr unterstellt und fallen dann auch unter das Disziplinarrecht des Staates und der Gemeinde. Sie dürfen dann auch außerhalb ihres Dienstes die sozialdemo« kratis che Partei nicht unterstützen.(Bravo! rechts.) Abg. Hoch(Soz.): Wir verlangen in einer Resolution eine Denkschrift, in der un- parteiisch dargelegt wird, wie die Grundsätze für die Gewährung und Durchführung deS Heilverfahrens noch der Reichsversicherungs- ordnung sich bewährt haben. Wenn die Denkschrift vorliegt, werden wir uns näher darüber unterhalten. Die Unparteilichkeit der Recht- sprechung des ReichSversicherungSamtes hat auch mein Parteigenosse Bauer nicht angezweifelt. Er behauptet nur, daß die Herren unter dem Ansturn, der Unternehmer sich in ihren Anschauungen ge- wandelt haben. Daß das richtig ist, beweist die Rechtiprechung über die Unfälle des täglichen Lebens, denn nach dem Gesetz solle» alle Unfälle bei der Arbeit entschädigt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Reichsversicherungsordnung hat die konservative Partei mitgearbeitet, um, wie es Graf W e st a r p ja eben mit dankens- werter Offenheit gezeigt hat, die Arbeiterversicherung unter die Polizeifaust zu bringe«. Der konservative Agitator ist in der Krankenkaffe für Sie der rechte Mann, der sozialdemokratische Agitator aber niuß hinaus.— Herr Siebenbürger betonte die Fürsorge der Konser- vativcn für den Mittelstand. Gerade wir häben die Beiträge der ReichsverficherungSordnung für den Mittelstand leichter gestalten wollen, und gerade die Konservativen baben diese Anträge zu Falle gebracht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Streit über die Landkranlenkassen scheint mir sehr über- flüssig, denn die Herren haben ja ihren Willen durchgesetzt. Vom Parteistandpunkt aus werden wir allerdings allein den Erfolg da- von haben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Graf Westarp verweist auf die Unzufriedenheit der Liberalen mit der Dienstbotenversilberung. Diejenigen, die am meisten schreien, weil sie für die Dienstboten zahlen sollen, sind gerade sehr reiche Leute, die gar kein Recht haben, sich zu beklagen.(Sehr tvahr I bei den Sozialdemokraten.) Daß die Krankenkassen bei Befreiungsanträgen Kautionen verlangen, ist ganz berechtigt, denn jede leichtfertige Befreiung eines Arbeitgebers kann zu einer steten Schädigung der Krankenkasse führen; sie selbst muß ja, wenn der Arbeitgeber nicht zahlen kann, für ihn eintreten. Die ganze Bestimmung, gegen die wir uns genügend gewehrt haben, ist vollkommen bersehlt. Ueber die von Bauer angeführten Tatsachen hat der Staats« sekretär Untersuchung versprochen. Sie sind ja durch die Presse ge» gangen und der Staatssekretär hätte nicht warten sollen, bis wir hier Lärm darüber schlugen. Hoffentlich ist er im n ä ch st e n I a h r e soweit, etwas von den Vorgängen zu wiffen und uns Aufklärung zu geben.— Die Bestimmungen über den Handverkauf in den Apotheken sollen mit Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse ge- troffen werden. In P r e u ß e n geschieht das durchaus nicht. Das ist kennzeichnend dafür, wie die preußischen Verwaltungsbehörden sich über Gesetzesbestimmungen hinwegsetzen, wenn sie nicht in das konservative Rezept hineinpassen.— Graf W e st a r p behauptet, daß die mit Anrecht auf Ruhegehalt Angestellten der Krankenkasse B e- amtenqualität bekommen dürfen. Bei der Beratung des§ 3ög der Reichsversicherungsordnung wurde uns ausdrücklich vom Re- gierungsvertreler in der Kommission versichert, daß das Anrecht auf Ruhegehalt entweder mit der Anstellung auf Lebenszeit oder mit der unwiderruflichen Anstellung verbunden sein muß. daß ein An- gestellter, der jeden Tag auf die Straße fliegen kann, auch wenn er Anrecht auf Ruhegehall hat, nicht Beanitenqualität be« kommen darf. Wenn jetzt das Gegenteil in das Gesetz hinein- gelegt werden soll, so hört jedes Vertrauen auf Erklärungen von Regierungsvertretern auf.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Also die Kritik Bauers war voll gerechtfertigt. Die Bestimmungen des Gesetzes werden rücksichtslos ausgenutzt, wenn sie gegen die Sozialdemokratie ausgenutzt werden kann. Die Mängel der Ausführung hängen damit zusammen, daß man das Selbst- verwallungsrecht der Kasten so beschränkt hat und der Bureaukratio die Macht gegeben hat, die mit ihrer H i mm e l- D o n n e r Wetter- Politik ivirlschaftet. So haben Sie durch das Gesetz den schärssten Klassenkampf in die Krankenkassen hineingetragen, also das Gesetz wirkt direkt verhetzend.(Präsident Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.) Also über die Wirkung der Gesetze darf man jetzt amd nicht mehr sprechen. Wozu sind>vir denn eigentlich hier!(Lebhafte Zu- ftimmung bei den Sozialdemokraten.) Präsident Kaempf: Ich verbitte mir jede Kritik meiner Geschäfts- f ü h r u n g und rufe Sie zun, z iv e i t e n Mal zur Ordnung. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hoch(fortfahrend): In den wenigen Wochen feit dem Inkrafttreten der Reichs- Versicherungsordnung ist so viel Erbitterung und Unzufriedenheit entstanden wie seit Jahren nicht vorbanden gewesen ist. Der Absolutismus der Burraukratie soll jetzt auch in der sozialen Versicherung herrschen. Aver es wird Ihnen nicht gelingen, Ihr Ziel zu erreichen. Die Arbeiter lassen heule nicht mehr so mit sich umspringen, wie Sie da« jähr- hundertelang getan haben. Je mehr Sie die Rechte der Arbeiter zu unterdrücken suchen, desto mehr wird unsere Partei an- wachsen und das ist der einzige Weg zur Besserung.(Lebhafter Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Koßmauu(Z.): Der Resolution der Kozialdemokraten. die eine Denkschrift darüber verlangt, wie sich die Grundsätze für die Gewährung und die Durchführung des Heilverfahrens der ReichsverficherungSordnung bewährt haben, ft i m m e n wir zu.— Zur Bekämpfung der Uniallgefahr im Bergbau ist est, Ausbau des Systems der SicherheitSmänner erforderlich. Die SicherheitSmänner müssen vorallem gegen jede Maßregelung geschützt werden. Auf einer staatlichen Grube im Saarrevier hat man einfach eine Steigerabteilung eine Zeitlang eingehen lassen, um einen unbequeineii Sickerheitsmanil losz,:- werden.— Gutachten von Privatärzten in Unfallsachen werden von den rechtsprechenden Instanzen zu wenig beachtet. Andererseils werden den Versicherten von der Nordöstlichen Bauberussgenossen- schast öfter ausführliche Begründungen zu Gutachten des Bertrauens- arzteS,«mf die sich die BerufSgen offenfchaft vor den höheren Instanzen Bmiff, vorenthalten, sie erhalten nur ein gan� kurze?, allgemein ge- haltcnes Gutachten und werden so in dein Glauben gehalten, das wäre das einzig vorhandene Gutachten. Das ist direkt Vor- s p i e g e l u n g f a I s ch e r T a t s a ch e n.— Ferner muß dagegen protestiert werden, daß politische Dinge in oie Rentenakten geschrieben werden. Das fehlt gerade noch, daß politische Maßregelungen bei Jnvalidenrentnern vorkommen! Gegen die Miß- bräiube mit den« Moment der Gewöhnung an die Ilnfallfolgen muß ich mich auch entschieden wenden. Solche Urteile zeugen von wenig Sachkenntnis und vermehren nur die Unzufriedenheit. Eine Erhöhung der Unfallrenten, die aus früheren Jahren stammen, ist dringend notwendig. Abg. Pfeiffer(Z.): Die Pflichtversicherung der Hausgewerbetreibenden bat bei dem vielnamigen Charakter dieser Bestimmungen der Reichsversicherungs ordnung" in den beteiligten Kreisen die größte Erbitterung erzeugt. Dazu kommt, daß man die Grundlöhne vielfach zu hoch angenommen hat. Geheimrat Caspar weist darauf hin, daß die Definition der Hausgewerbetreibenden in die Reichsversicherungsordnung wörtlich aus frühereu Gesetzen Lbernoinmeil worden ist. Die Debatte schließt. Die Abstimmung soll in der nächsten Sitzung erfolgen. Persönlich protestiert ?lbg. Pcus(Soz.): Der konservative Herr Abg. Sieben b ü r g e r ist, wie schon vor ihm mehrere Redner, auf eine Aeußerung von mir zurückgekommen, die ich am 25. November getan habe Er hat dabei meine Aeußerung in ihrem Sinne gröblich entstellt. Ich will annehmen, in Unkenntnis dessen, was ich gesagt habe. Er meinte:„Wir wollen nicht verschweigen, daß kürzlich der Herr Ab geordnete Peus noch ausdrücklick ausgesprochen hat, daß sie sdie isozialdemokraten) eine große Freude daran hätten, wenn die Mittelstandsexistenzen verschwinden. Ich kann Ihnen(zu den Sozial demokraten) das gar nicht verdenken, meine Herren! das ist ja Ihr ganzes Bestreben. Wenn Sie den Mittelstand ruiniert haben, dann haben Sie die Macht." Damit hat Abg. Siebenbürger mir und meiner Partei eine Gefühlsroheit unterstellt, deren ich um so weniger fähig bin, als ich als der Sohn eines Mannes, der als Tistblermsister in solcher kleinen Existenz einen langen und schweren Lebenskampf gc führt hat, aus eigener Erfahrung nur zu gut weiß, welch' ein sorgenvolles, nie ganz frohes Leben die von mir gemeinten, nicht mehr konkurrenzfähigen kleinen Existenzen durchmachen müssen. Meine Aeußerung hat, im Gegensatz zu der Auslegung des Herrn Abg. Siebenbürger, wie sich aus dem von mir nicht in einem Wort geänderten Stenogramm ergibt, einen ganz anderen, diesen kleinen Existenzen im Gegenteil im höchsten Grade wohl wollenden Sinn gehabt. Ich habe damals gesagt:„Ich kann Ihnen versichern, es ist wirt- schaftlick und sozial durchaus kein Unglück, wenn armselige, durch und durch abhängige, elende ivirtschaftliche Existenzen des sogenannten kleine» Mittelstandes verschwinden. Das sind gar keine glücklichen Existenzen. Es kann nicht davon gesprochen werden, daß sich das Glück des Menschen vor allein darin verwirkliche, daß man ein solcher kleiner Mittelstandsmann sei. Dann müßten ja die meisten Leute von heute unglücklich sein. Die ganze kapitalistische Entwickelung führt dahin, daß wir große Organisationen bekommen. In diese großen Orga nisationen muß sich der einzelne einfügen und dadurch soziale Tugenden lernen. Und er kann stolz sein, wenn er sie zu üben imstande ist." Aus diesen meinen Worten gebt hervor, ich habe im Gegensatz zu der Darlegung des Abg. Siebenbürger dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß, wenn die kleinen Existenzen, die der wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber nicht mehr standhalten können, die Form ihrer wirtschaftlichen E x i st e n z wechseln müssen, sie nicht in eine schlechtere, sondern eine bessere Existenz, eine sogenannte freiere, auch materiell besser gestellte Situation kommen. Ich habe meiner Freude darüber Aus druck gegeben, daß es den kleinen Existenzen durch diesen Wechsel ihrer Existenzform nicht schleibter gehe, sondern umgekehrt gerade besser geht, daß sie etwa in der Form von Beamten stellnngen oder in der Existenz von Angestellten und gut bezahlten Arbeitern weniger Sorge haben und eine sichere, auch materiell besser gestellte Existenz finden werden. Ich nehme an, daß Herr Abg. Siebenbürger sich in seiner Aeußerung über mich nicht auf das Stenogramm meiner Rede ge stützt hat. Wer aber in Zukunft so sprechen sollte, wie heute der Abg. Siebenbürger, muß, nachdem ich den Sinn meiner Aeußerung klargestellt habe, es sich gefallen lassen, als verlogener Dema- g 0 g c gebrandmarkt zu werden. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr pünktlich. Schluß 7 Uhr._ /lbgeorönetenhaus. 25. Sitzung. Donnerstag, den mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. 12. Februar 1914. Der Ctat ües Innern. Zu den nationallibcralen Anträgen betreffend den Arbeits» willigenschutz und die Verleihung des passiven K o in in u n a l w a h l r e ch t s an Gemeinde- und Kirchenbeamte soivie an Lehrer ist ein Antrag der Sozialdemokrat en hinzu- gekomnien, der eine Denkschrift über die bisherige Anwendung des Arbeiterlegitiniationszwanges unter Abdruck der bei den Behörden dabei zugrunde gelegten und erlassenen Bestimmungen und ferner Maßnahmen fordert, um zu verhindern, daß ausländische gewerb- liche Arbeiter, die seit Jahre» in Deutschland ansässig sind, grundlos ausgewiesen oder unter Ausnutzung des Legitimationszwanges durch Androhung der Ausweisung zur lieber» nähme landwirtschaftlicher Arbeit genötigt werden, woraus die ständige Gefahr internationaler Verwickelungen erwächst. Außerdem liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, der die Regierung ersucht, einen Gesetzentwurf zur Regelung des Jrrenrechts vorzulegen. Abg. Caffel(Vp.): Auch wir bedauern, daß der Abg. H o f f m a n n die Redefreiheit so lange ausgenutzt hat. Aber die neue Geschäftsordnung des Hames vom vorigen Sonnabend hat ihn dazu veranlaßt. Dieser vereinzelte Mißbrauch der Redefreiheit kann uns nicht veranlassen, für eine Aenderung der Geschäftsordnung in konservativem Sinne, d. h. für eine Beschränknng der Redefreiheit einzutreten. Der Redner geht im folgenden auf die Tendenz der Regierung ein, Landgemeinden, welche den Wunsch haben, Städte zu werden, daran zu hindern. Der Mi- nister hat scharfe Angriffe gegen die Verwaltung von Berlin ge- richtet, anläßlich des Falles Niederbarnim- Lanke. Dort wurde die Ilmsatzsteuer erhöht, weil Berlin die Herrschaft Lanke kaufen wollte. Dies Versahren halten wir für unzulässig. Trotz der Be- mühungen de- Abg. Fuhrmann, uns den nationalliberalrn An« trag betreffend den Arbeitswilligenschutz mundgerecht zu machen, bleiben wir bei unserer ablehnenden Haltung und berufen uns dabei auf die Stellungnahme des Staatssekretärs Dr Delbrück im Reichstage gegen einen Arbeitswilligenschutz. Die bestehenden Gesetze sind ausreichend. Wenn der Abg. Fuhrmann die be» stehenden Polizeiverordnungen für ausreichend erklärte, um das Streikpostenstehen zu verhindern, so sieht das wie ein Anreiz aus, die Vorschriften zum Schutze der öffenr- lichen Sicherheit zur Einschränkung der Koalitionsfreiheit zu mißbrauchen und erweckt den Eindruck, als ob die öffentliche Sicherheit schon bedroht sei, wenn ein Streik ausbricht. Der Schutz der persönlichen Freiheit darf unter leinen Umständen zu einer Einschränkung des Äoalitionsrechts sühren. Der Abg. V. K a r d o r f f hat selber mitgeteilt, daß die Streiks im Ruhrrevier zweitausend Fälle gerichtlicher Be st r a f u n g nach sich gezogen haben. DaS ist doch der deutlichste Beweis dafür, daß die Polizeibeamten hier ihre Pflicht erfüllt haben. Wozu also noch Verschärfungen? Von einer Hinneigung unserer Partei zur Sozialdemokratie kann keine Rede sein. Die An träge der Sozialdemokraten betreffend den Legitimation s zwang nehmen wir nicht an. Im folgenden berichtet der Redner einen Fall, in dem ein Sachverständiger abgelehnt wurde, weil er Jude war, und richtet an den Minister die Aus sorderung, keine AuSnahmebehandluna der jüdischen Staats bürger zuzulassen. Der Abg. V. K a r d o r f f bat von einer zügellosen Demokratie gesprochen und damit seiner Verärgerung über die Ver Minderung des Einflusses der Konservativen im Reichstag Ausdruck gegeben. Eine Aenderung des Wahlrechts in Preußen muß kommen, denn das Verlangen des Volkes wird sich nicht zurück� halten lassen.(Beifall links.) Minister des Innern v. Dallwitz erwidert dem Abg. Cassel, daß in dem von ihm erwähnten Fall die Konfession nicht der Grund zur Ablehnung des Sachverständigen gewesen ist. Ich habe keine Angriffe gegen die städtischen Behörden von Berlin erhoben, sondern lediglich die Angriffe der städtischen Behörden gegen die königlichen Slaatsaufsichtsbehörden ab g e lo e h r t. Im weiteren sucht der Minister darzulegen, daß der Kauf der Herrschaft Lanke nicht den Anlaß zur Erhöhung der Ilmsatz steuer gegeben hat. Neu eingegangen ist ein f o r t s ch r i t t l i ch e r Antrag, der die Regierung um Einbringung eines Gesetzentwurfes ersucht, durch den die Bestimmungen des' Reichsgesetzes betreffend die Einwirkung von A r m e n u n t e r st ü tz u n g auf öffentliche Rechte auf die preußischen Landesgesetze sinngemäß übertragen werden. Abg. Korfanty(Pole): Den Versuch, das KoalitionS recht der Arbeiter zu beschränken, lehnen wir ab. Das Reichsvereinsgesetz wird trotz der Versprechungen der Reichsregierung den Polen gegenüber in schikanöser Weise gehandhabl. Einem berüchtigten Mädchen Händler ist der Aufenthalt in M h s l o w i tz gestattet worden, obwohl die Polizei wußte, daß er wegen seines schmutzigen Gewerbes aus Oesterreich ausgewiesen war. In Folgendem bespricht der Redner die Anwerbung ruthenischer Arbeiter durch den Ostmarkenverein zur Bekämpfung des Polentums. Man hat uns Enthüllungen über eine Polenverschwörung angedroht. Wo sind sie? Die Hakalisten üben in der Tat eine Nebenregierung ans, v. T i e d e m a n n hat an Bülow geschrieben, er möchte dem Kaiser eine bestimmte Sache nicht vortragen, er werde schon sowieso unterschreiben! Mit dem korrupten Ostmarkenverein sollte sich die Regierung nicht identifizieren. Die Drohung mit neuer Anwendung des Enteignungsgesetzes schreckt uns nicht, wir werden nach wie vor jeden Polen, der Land an die Ansiedelungskommiision ver- kauft, als moralischen Lumpen behandeln.(Beifall bei den Polen.) Unterstaatssekretär Holtz: Der Vorredner hat Beamte angegriffen, aber seine Angriffe nicht bewiesen. Um das Vorgehen der Polen bei der Aneignung der Ostmarkenbriefe zu entschuldigen, hat Abg. Korsantp wieder einmal den Polizeiagenten Kurczewski beschuldigt, einen Brief kästen geleert und den Inhalt nach Kenntnisnahme wieder hinein- gelegt zu haben. Weder das Gericht, noch das Disziplinarverfahren hat diese Beschuldigung erwiesen, trotzdem erhebt Abg. Korfanty immer wieder seine Beschuldigung. Abg. Ströbel(Soz.): Sie wisien ganz genau, daß die lange Rede HoffmannS nur ein Akt derZkotwehr gegen die Wortabs chneiderei war, von der Sie selbst wissen, daß sie der Geschäftsordnung wider sprach. Wir lassen uns eben nicht vergewaltigen und wenn Sie uns bei der Einzelberatung nicht reden lassen wollen, dann können wir eben auch bei der Generaldebatte das Nötige sagen. Die Drohung mit einer Verschlechterung der Geschäftsordnung läßt uns kalt. Wenn Sie sich von neueni ins Unrecht setzen und noch mehr Achtung im Lande verlieren wollen, gut, tun Sie'S! Wir aber werden immer noch in der Lage sein, das zu sagen, was unsere Pflicht vor dem Lande ist. Hofsmann hat streng zur Sache ge� prochen, daran, daß die Fülle seiner Beschwerden so unerschöpf- l i ch ist, sind die Herrschenden schuld. Dagegen hat Abg. Fuhrmann zwei Stunden über Dinge gesprochen, die mit dem Etat nichts zu tun haben, und oftmals ist über die Maßregelung von einem oder zwei Beamten, die dem Zentrum oder den National- liberalen angehörten, stundenlang gesprochen worden. Wollten wir so ausgiebig über alle unsere Beschwerden sprechen, dann würde für Sie überhaupt kein Platz in der Session übrigbleiben I Auf die Anklagen Hoff manns haben weder die Parteien, noch die Regierung geantwortet, weil sie es nicht können. Auch über das, loas der Vor- redner vorgetragen hat, hätte das Parlament entrüstet auf- ch r e i e n müssen. Das Volk aber weiß, wie die Dinge liegen, und wie es immer mehr aufgepeitscht wird, das beweisen die Wahlen I Schlimmer noch als die Totschweigetaktik ist das Heraus- greisen einiger weniger Einzelheiten, um dadurch das gesamte Tat- lachenmaterial als unzuverlässig erscheinen zu lassen.(Abg. Ad. H o f f m a n n: Kulissenschieberei!) Das ist ein System mangelnder Aufrichtigkeit, das die Regierung in virtuoser Weise handhabt. Der Unterstaats- 'ekretär berief sich auf das Urteil der Berliner Volkszeitung über die Rede HoffmannS. Wenn sich die Regierung stets an die Urteile dieses Blattes über S i e halten wollte, würde sie recht schlecht wegkommen. Und wenn wirklich Hoffmann eine Entgleisung passiert ist— die Minister könnten sich gratulieren, wenn ihnen in sechsstündiger Rede nur zwei Entgleisungen passierten.(Heiterkeit.) Was soll überhaupt die Entrüstung? Hat doch der Abg. v. Kardorff schon erklärt, daß das Parlament kein M ä d ch e n p e n i i o n a t ist. Die satirische Literatur von Aristophanes bis Ludwig Thoma kennen Sie ja nicht, aber das stenographische Protokoll des Reichstages ver- zeichnet eine Postdebatte, in der ein Redner unter großer Heiterkeit davon spricht, daß die Postgehilfinnen wegen ihrer weiblichen Struktur für den Dienst nicht so geeignet sind wie die Männer, daß der Staatssekretär es aber doch besser wissen werde, weil er, wenn auch unverheiratet, so doch die Unterlagen haben werde.... Dieser„Witz" ist verstanden worden, denn das Protokoll verzeichnet wiederholt Heilerkeit und es ist ein zynischer "j, den sich da der Konservative Dr. O e r t e l geleistet hat. (Hört! hört! und Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Unterstaatssekretär hat das ungeheuerliche Spitzelsystem, zu dem die Polizei auch Mörder, Kuppler und Mädchenhändler ver- wendet, gerechtfertigt mit den staatSverrälerifchen Umtrieben der Sozialdemokratie. Wir verfolgen unsere Bestrebungen in aller Oeffentlichkeit. von solchen Umtrieben ist gar keine Rede. Sie aber hallen Ihre Spitzel, die durch ihren moralischen Krank- heitsstoff die übrigen Polizeiorgane anstecken.(Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Der Vertreter des Polizeiministers hat sogar die Ver- Wendung 16 jähriger Jugendlicher zur Polizei- pitzel»i gebilligt! Ebenso hat er die skandalöse und lächer» liche I e n s u r verteidigt. die selbst Stücke Gerhart Haupimanns in brutalster Weise mißhandelt. Wenn man jetzt den künstlerischen Charakter der Konzerte der Berliner„Freien Voltsbühne" anerkennt. warum hat sich Herr v. I a g o w nicht schon vorher mit der Akademie in Verbindung gesetzt, wenn er selbst nichts davon ver- t e h t? Wenn ober die Regierung sich auf die„geeigneten Lokale" ur solche Aufführungen zurückzieht, so muß man freilich befürchten, daß, obgleich die Veranstalter natürlich_ schon selbst nur geeignete � Lokals wählen, die Polizei schließlich einmal Versammlungssäle der Arbeiterschaft als u n g e i g n e t erklären wird. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was überhaupt auf Regierungserklärungen zu geben ist, haben wir letzthin wieder er- fahren. Der Minister hat erklärt, daß gegen das vackschisch�ystem m der Kölner Polizei die Aufsichtsbehörden rechtzeitig vorgegangen seien. Tatsache ist, daß der Minister selbst dicke Beschwerden unerledigt gelassen hat. (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Wir glauben wahrlich nicht, wie Herr Holtz behauptete, durch„oratorische Äculenschläge" diese Regierung zu beseitigen, die doch selbst trotz der unglaublichsten Blamagen bei ihrem System bleibt. Zu diesem Kapitel gehören auch die Versuche, das Vereins» recht einzuschränken. ES ist selbst ein Abgeordneter gewesen, der eine solche Einschränkung für notwendig erklärte, da der unein- geschränkte Gebrauch des Bereinsrechtcs die Agitation der Sozial- demvkratie fördere. Das ist Ihr Bekenntnis zur nackten Gewalt und da wollen Sie dem Volke im Lande weißmachen, daß Sie uns mit geistigen Waffen bekämpfen. Solche Waffen besitzen Sie gar nicht zum Kampf gegen unsere Weltanschauung. Mit Ihren reaktionären Phrasen haben Sie nur die Wirkung erreicht, daß die Sozialdemokratie bereits auf dem platten Lande Wurzel gefaßt hat. Von hinten herum suchen Sie das Recht herauszueskamotieren, aber Sie können sicher sein, daß Ivir die Praxis der Landräte aufmerksam verfolgen und, wo sich ein Rechts« verstoß zeigt, mit allem Nachdruck dagegen Einspruch erheben werden. Der Minister hat bestritten, daß der bekannte Brief deS D r. j u r. v. I a g o w ein Eingreifen in ein schwebendes Versahren ist und der Graf v. d. Groeben hat sich dem angeschlossen. Jedenfalls aber bandelt es sich doch um eine behördliche Beeinflussung, zumal der Herr v. Jagow L i e b k i n d bei Hofe ist und sich eines großen Einflusses erstellt. Auch die Telegramme von Pelet-Narbonne an v. Jagow und den Jan uschauer zeugen von innigen Be- Ziehungen. Was wäre etwa einem P o l i z e i k o m in i s s a r passiert, der sich gegen das Rechtsgutachten v. JagowS gewendet hätte? I Die Moabiler Krawalle haben dem Herrn v. Jagow die höchsten Lobsprüche eingetragen. Die Fortschrittler sind gewiß eine Vorstucht der Sozialdenio» kratie, aber nicht weil sie radikal, sondern weil Sie zu reaktionär sind.� Gegenüber der Mahnung an den Freisinn, nicht allzusehr mit den Sozialdemokraten zusammenzugehen, meine ich, eS wäre ungeheuerlich, wenn jetzt noch angesichts solcher Attentate auf die Volksrechte, wie wir sie täglich erleben, ernsthafte liberale Menschen für die Konservativen eintreten. Mit den ernst» haften Liberalen meine ich selbstverständlich nicht die National- liberalen, die sind ja schon vorher zur Reaktion übergegangen. Erfreulich wäre es, wenn die Fortschrittlcr sich mehr und mehr auf die demokratische Grundlage besinnen wollten und durch ihre ganze Politik bewiesen, daß wirklich ein Gegensatz zwischen den Volksfeind- lichen und den demokratischen Elementen besteht. Wir Sozial- demokraten machen kein Hehl daraus, daß wir die Bolksrcchte erweiter» wollen. Der Freisinn sollte uns dabei helfen. Die Konservativen und Freikonservativen pochen immer mehr auf ihren Monarchismus und ihre Königstreue.„Es kommt kein Wahlrecht", er- klärte Herr v. K a r d o r f f. In der Thronrede des Königs von Preußen stand das Gegenteil. Aber wollte selbst der Reichskanzler sich mit Energie dafür einsetzen, daß diese Wahlreform endlich zustande komme, so donnert die germanische Reckengestalt des Abg. v. Kardorff:„Es kommt nicht!" Die monarchische Ge« sinnung soll ja auch darin bestehen können, daß man etwas unter» nimmt, was dem Willen des Königs nicht entspricht. Das haben wir ja oft erlebt. Die Königstreue der Konservativen ist oft gekennzeichnet durch das Sprüchlein: Unser König absolut, wenn er unser» Willen tut. Das ist wieder einmal zu Ehren gekonimen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es wird immer unter- schieden zwischen Ordnungspartei und Umsturzpartei. In gewissem Sinne sind alle Parteien einnial Umsturzparteien gewesen. Deshalb muß dem alten Köblerglauben ein Ende be- reitet werden, als ob die Nationen sich in Ordnungs- und Umsturz» Parteien einteilen und die Arbeiterparteien als staatsfeindlich zu bekänipfen feien. Selbst M o m m s e n hat es 1862 mit erfreulicher Deutlichkeit ausgesprochen, daß das Ziel des Liberalismus die Ilm- Wandlung des Staatsoberhauptes in den e r st e n Beamten ein müsse. Mommsens Autorität werden Sie doch einigermaßen anerkennen! Wenn heute eine Revolution kommt, dann konimt sie von oben, nicht von unten. DaS Junkertum, das wir bekämpfen, ist auch von liberalen Blättern scharf angegriffen worden. Ter Abg. Fuhrmann hat van einer Kluft zwischen Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien gesprochen. Er hat dabei auf gewisse Vorgänge angespielt, die in einem„Affenkomödie" betitelten Aussatz des„Vorwärts" gekennzeichnet waren. Wer ein natio- nalliberales Blatt selbst, die„Kölnische Zeitung", kann ich hier gegen die Auffassung des Abg. Fuhrmann ins Feld führen. Sein inbrünstiger Sammelruf, den er an die bürgerlichen Parteien rich- tete, und sein nationallibcraler Antrag betreffend eine Verstärkung des Arbeitswilligenschutzes bezweckt lediglich die Erdrosselung der Gewerkschaften. Die freie« Gewerkschaften sind Ihnen ein Dorn im Auge In diesem Zusammenhang ist auch Ihre bewegliche Klage über die Arbeitswilligcnnot zu verstehen. Wie man bei unserer Streik- justiz und bei der zärtlichen Behandlung der Streikbrecher und Hintzegardisten noch von einer Arbeitswilligennot sprechen kann, ist ganz unbegreiflich. Der Abg. Cassel hat sich bereits gegen den nationallibcralen Antrag gewendet. Das Gegenmatcrial, das wir zu dieser Frage gesammelt haben, ist noch viel reichhaltiger, als >as des Herrn Fuhrmann. Aber Sic brauchen ja überhaupt keine Tatsachen: für Sie genügt der Appell an die Profit- interesscn des Kapita' s, und die Mehrhcitsparteien dieses Hauses und das Ministerium erfüllen alle Ihre Wünsche. Zuweilen haben Sie(zu den Nationalliberalen) bei Ihrer Materialsammlung ich auch mal an eine falsche Adresse gewendet, und z. B. hat Ihnen eine Gruppe des Verbandes der industriellen Angestellten die Ant- wort zuteil werden lassen, daß alle Bestrebungen zur Einschränkung des Koalitionsrechts energisch bekämpft werden müßten, da dieses Recht allein der wirksamste Hebel zur Hebung der Wirtschaft- lichen Lage der Arbeiter und Angestellten sei. Auch die ch r i st- lichen Gewerkschaften wollen nichts davon wissen. Ein Redner des Zentrums— bisher ist es noch nicht genügend ge- chehen— wird Ihnen noch sagen, daß seine Partei Ihren Antrag entschieden ablehnt. Wer will denn überhaupt noch etwas von Ihnen(zu den Ätationalliberalen) wissen. Da müssen Sie schon einen Verband von Bergwerksdirektoren gründen. Die Rede des Abg. Fuhrmann war eine Scharf- macherrede von reinstem Wasser. An die christlichen Gc- werkschaften hat er die Drohung gerichtet: Hütet Euch! Was werden die christlichen Organisationen dazu sagen, wenn sie� erfahren, daß ein Vertreter des Unternehmertums ihnen Vorschriften über ihr Verhalten machen will. Sie fordMni einen Schutz der persönlichen Freiheit und geben das als ein uberalcs Prinzip aus. Schützen Sie erst einmal die persönliche Frei-- heit den Unternehmern gegenüber. Heute im Zeitalter der Syndikate und Kartelle werden dem Unternehmern selbst Vor- schriften über seinen Betrieb gemacht. Nicht von den Gewer!- chasten, sondern von den Unternehmern wird der Terrorismus getrieben und vor allem hat der Mittelstand darunter zu leiden. Gerade die staatserhallenden Parteien, die angeblich für den Mittelstand eintreten, sind es, die ihn terrorisieren. So werden Gastwirle und Saalbesitzer mit dem Boykott bedroht, wenn sie ihre Lokale an sozialdemokratische oder gewerlschaftliche Organisationen abgeben. Die nationalliberale Partei selbst, die sich ctzr mit den Konservativen zu verständigen sucht, um die Geioerk- chafteu zu erdrosseln, wurde von den konservativen Großgrundbesitzern in schärffter Weise terrorisiert, indem z. B. der Bund de r Landwirte die nationalliberalen Bauern, die dem Bauernbund an- geschlossen sind, boykottierte. Und ist cS etwa kein Terra- rtemuS, wnm man Angestellte zwingt, die TrlaukniS ihres Arbeitgebers einzuholen, wenn sie sich verheiraten wollen? Die Wahlprnfnngskominission des Reichstags hat die terroristischen Manöver der Konservativen den National- liberalen gegenüber in dem Wahlkreise des Abgeordneten Dr. v. H e h d e b r a n d soeben enthüllt. Es ist lediglich ein Vor- wand, wenn Sie sagen, daß sie nur die Auswüchse und Aus- schreilungen bei Streiks von feiten der Arbeiterorganisationen be- kämpfen wollen. Was Sie unter Arbeiterorganisationen verstehen, das zeigen uns die gelben Organisationen. Die evangelisch- nationalen Verbände geben das Koalitionsrecht preis und lassen sich dazu gebrauchen, dein Unternehmertum jede Arbeiterbewegung sofort anzuzeigen. Der Redner bringt einige Beispiele dafür vor. Es ist doch eine Brutalität sondergleichen, wenn man jetzt den Arbeitern das Koalitionsrecht rauben will, auZ- gerechnet zu einer Zeit, wo sich der Gegensatz zwischen den Klassen, zwischen arm und' reich, beständig verschärft. Zu diesem Zwecke haben jetzt die Nationalliberalen mit den Agrariern einen Bund geschlossen und diesen versprochen, ihnen ihre agrarischen Zollschutzforderungen zu bewilligen, wenn sie andererseits ihnen dazu die Hand bieten, die Arbeiterbewegung zu unterdrücken und zu knebeln. Dem halten wir entgegen, wie sich vor kurzem auf einem christlichen Arbciterkongreß einer der Führer der christlichen Gewerkschasten Stegerwald, ausgesprochen hat. Er erklärte eine Erleichlernng der Handelsverträge als notwendig, um die Verteuerung der NabrnngSinittel durch die Erhöhung der Zölle zu vermindern, und ein Redakteur der„Westdeutschen Arbeiter-Ztg." warnte vor einer ll e b e r s ch ä tz n ii g der wirtschaftlichen Hebung der Arbeiterschaft. Jminer mehr verschärft sich der Kontrast zwischen der Armut derjenigen, die alle Werte schaffen und dem Reichtum der- jenigen, die sich diese Werte aneignen. Die Steuerlasten und besonders die Einschätzung infolge des Wehrbeitrags, die ja die Hinterziehung großer Vermögen an den Tag gebracht hat, beweist die kolossale Vermehrung des Reichtums. Ganz anders als gestern Herr Fuhrinann sprach vor einiger Zeit der Abg. B a s s c r m a n n, der mit sozialdemokratischer Hilfe gewählt wurde. slkebhafteS Hört' hört! rechts.) Während der Abg. Fuhrmann ein Bündnis mit der s ch lo ä r z c st e ir R e a k t i o n befürwortete, und für die uferloseste Scharfmacherei ein- trat, sprach Herr Bassermann für eine freiheit- liche Gesetzgebung und für volkstümliche Einrichtungen Diese Worte richteten sich nicht nur gegen die klerikale Reaktion, sondern auch gegen die agrarische. Der Abg. Fuhrmann niachte dem Zentrum den Vorwurf deS Radikblisinus— das ist der beste Witz, der je in diesem Hause gemacht wurde. Dieser Fuhrmann wird die Karre noch in den Dreck fahren. Das Junkertum sehnt sich die Zeiten der Sklaverei und der Hörigkeit herbei und sucht alle Rechte der Landarbeiter zu beseitigen. Bor allem möchte es das Grundrecht der Freizügigkeit außer Kraft setzen. Auch mit dem Legitimationszwang sucht man die Arbeiter zu knechten. Da hat man einen Arbeiter, der IS Jahre in Preußen lebte, niemals mit den Behörden in Konflikt geraten war, sich keine Strafe zugezogen und von seinen Arbeitgebern die besten Zeugnisse erhalten hatte, hinausgeworfen.('Lachen rechts.) Da lachen Sie noch, meine Herren! Das sind die Faustschläge, die Sic dem Gcrcchtigkeitsempfindcn des Volkes versetzen. lZuruf Ad. Hoffmanns: Herzensbildung!) Der Mann kam zu mir und brach weinend zusammen, als er mir sein Unglück erzählte. Er klägtc. daß er nun niit seiner Familie dem Elend preisgegeben sei, da er zu oj t wäre, um noch Stellung finden zu rönnen. Zu dieser Sorte von Bundesgenossen(zu den ??i*tioiialliberaleli) gratulieren wir Ihne». Wenn«ie gegen die Rechte der Arbeiterschaft weiter in dieser Weife Sturm laufen, so wird der Unwille der Arbeitcrmassen lawinenartig anschwellen und die Sozialdemokratie wird Sie hinwegfegen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt sich das Haus. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. v. Äardorff(fk.): Ich habe nicht gesagt, daß das Wahlrecht nicht kommt, sondern daß eins im üsinne der Sozialdemokraten nicht kommt. Abg. Korfanty(Pole) weist die Antwort des Uiiterstaatssekretärs Hvltz zurück und er. härtet seine Behauptung, daß die höheren Polizeibeamtcn in Ober- schlesien einen in Rußland deportiert gewesenen und aus Galizien ausgewiesenen Mädchenhttndler beschäftigt haben und daß auch nach einer Entscheidung des ersten Staatsamualts in Posen der Polizeibcamtc Krurzewstj in Posen einen Brieftasten geleert habe. Abg. Cassel(Vp.) stellt fest, daß der Minister an seiner Beschwerde über die Ab- lehnung eines jüdischen Sachverständigen wegen seiner Konfession vorbeigeredet hat, wie auch aus einer Entscheidung der Anwalts- lammer Hamm hervorgeht. Tie Sache ist schon so, wie ich sagte. Freitag 11 Ulr: Wciterberatung. Schluß: Uhr. bekden Leute war es, was den Auflauf und die zur Anflqge stehenden Vorgänge verursacht hat. Nach Darstellung der Angeklagten hat sich der Hergang so abgespielt: Krernert, der zu den Streikenden gehörte, kam hinzu, als ein anderer mit einem der aus der Fabrik kommenden Arbeitswilligen sprach. In dies Gespräch mischten sich Mcincl und Ruppcrt und nahmen Partei für den Arbeitswilligen. Infolgedessen hatte sich eine kleinere Menschenmenge angesammelt, aus deren Mitte Schimpfwortc wie Streikbrecher, Hallunke usw. fielen. Krane rt sagte zu Meinel und Ruppcrt: sie sollten sich nicht in das Gespräch mischen; die Sache ginge sie nichts an. Jetzt holte Ruppcrt eine» Schutzmann, um Kranert verhaften zu lassen. Krancrt suchte sich dem zu entziehen, indem er in ein Haus ging. Meinel, Ruppcrt und der Schutzmann Pautz gingen in das Haus und Kranert wurde festgenommen. Als sie aus dem Hause heraus- traten, sahen sie sich einer Ansammlung von mehreren hundert Personen gegenüber. und Ruppcrt zog einen Revolver parlamentarisihes. Rückständigkcit bei der Marineverwaltung. Am Donnerstag beschäfligte der Marineetat noch immer die Budgetkommission. Zur Schaffung eines bleibenden Fahrwassers von einer dem Tiefgang der großen Schiffe entsprechenden Wasser- tiefe sollen Korreklionsarbeiten in der Außenjade vorgenoinmen werden. Die erste Rate von 1300000 M. bei 6 Millionen Mark Gesanilkosten wurde bewilligt. Lebhafte Beschwerden der Hclgoländer Grundbesitzer über rigorose Behandlung durch die Marineverwaltnng, die bei Grundcrwerb angeblich keinerlei Rücksicht auf die materielle Lage und das Nechtsempstnden der Bewohner nimmt, wurden vom Abg. Hoff(Vp.) vorgelragen. Die Marineverwaltung bestritt jede Jllohalilät und sagte Nachprüfung der Beschwerden zu. Von den zahlreichen Titeln, die Mehrsorderungen stellen, wurde nur einer, der 10 000 M. für Bauentwurfsarbeiten zu einer Offiziers- speiseanstalt in Kiel verlangt, abgelehnt. Auf Veranlassung der Budgetkommission ist in den kaufmännisch verwalteten Betrieben der Reichswerften der Versuch gemacht worden, die kameralistisch-bureaukratische Buchrührung durch die kaufmännische zu ersetzen. Nach Auffassung der Regierung sind die Versuche jedoch nicht geglückt. In einer der Korn- Mission zugegangenen Denkschrift sind die Gründe und Nachweise hierfür dargelegt. Von den Stednern der verschiedenen Parteien wurde diese unglaubllche Rückständigkeit in der Buchführung scharf krilisiert. öerufsmäßige Streikbrecher. Gewerbsmäßige Streikbrecher stailden im Mittelpunkt einer Verhandlung, die sich gestern vvr dem Schwurgericht des Land- gerichts I abspielte. Auf der Anklagebank saßen der Schlosser Trogisch und der Tischler Krancrt. Ihnen wird zur Last gelegt, s6>weren Land- friedensbruch begangen zu haben bei einein Auflauf, der aus Anlaß eines Streiks am 1. April 1913 in der Brunnenstraßc stattfand. In der Tischlerei von Raade, Usedomstr. 31, hatten die Arbeiter Ende März ll. I. die Arbeit niedergelegt, weil Raabe dem Ersuchen der Arbeiter, die im Tarif festgesetzten Löhne zu zahlen, nicht nach- kommen wollte. Etwas über 100 Arbeiter streikten, während etwa 20 Arbeitswillige im Betriebe tätig waren.� Am 1. April, zur Feier- abendstunde, tauchten die berufsmäßigen Streikbrecher Meinel und Rnpprrt vor dem Raabeschen Betriebe auf. Das Auftreten dieser bedrohte damit die Umstehenden. Da rief die Menge:„Haut den Hund, der hat einen Revolver, der schießt zu."— In diesem Augenblick kam der Angeklagte Trogisch, wie er angibt, erst hinzu. Er sah, daß der Revolverheld Ruppcrt von anderen niedergeworfen wurde, und zwar von hinten, und daß dann niehrere aus. Rupperts Rücken knieten. Trogisch bückte sich, um Ruppcrt den Revolver z» entreißen. In diesem Augenblick er- hielt Trogisch von dem Schutzmann Pautz zwei Säbelhiebe über den Kopf. Der erste Hieb brachte ihm eine Wunde bei, der zweite glitt an der Hutkrempe ab und kann möglicheriveise den Hinterkopf des mit dem Gesicht nach unten liegenden Ruppcrt getroffen haben. Die Anklage behauptet dagegen, Krancrt habe sich an den Schimpfereien ans die Arbeitswilligen beteiligt. Deshalb habe ihn Ruppcrt festnehmen lassen wollen. Trogisch habe den Ruppert zu Boden geworfen und ihm dann zwei Messerstiche in den Hinterkopf versetzt. Deshalb habe Schutzmann Pautz. um Ruppert vor weiteren Angriffen zu schützen, mit dem Säbel auf Trogisch eingeschlagen. In diesem Augenblick habe Krancrt den Schutzmann von hinten zurückgccisscn. Die Beweisaufnahme drehte sich zunächst um die Ursachen des Streiks. Tischlermeister Raabe gab als Zeuge an: er habe nicht zu niedrige Löhne gezahlt. Das gehe daraus hervor, daß die bei ihm beschäs- tigtcn Bautischler 30 bis 50 Mark in der Woche' verdienten. Obermeister Rahardt sagte ans: er habe aus Akkordzetteln fest- gestellt, daß Raabe, der dein Arbcitgeberschutzvcrband nicht angehört, geringere Akkordlöhne zahlte, als iin Tarif vorgeschrieben sind. Deshalb war der Streik auch vom Standpunkt der organisierten Arbeitgeber berechtigt. Diese Ansicht hat auch die„Fachzcitung der Tischlermeister" vertreten. Dadurch, daß Raabe zu geringe Akkord- löhne zahlte, verdienten die betreffenden Gesellen wöchentlich ctlba 6 Mark weniger als in tariftrcucn Betriebe». Ein Angestellter des Arbeitgcberschutzvcrbandes ersuchte die Polizei, ocn Streikposten bei Raabe keine Schwierigkeiten zu machen, weil der Streik berechtigt sei. Auch die gelben Arbeiter haben bei Raade mitgcstreitt und vom Arbcitgebcrschutzverband Streikunterstützung erhalten. Zum Gegenstand der Anklage selbst wurde als erster Zeuge der 25jährige Tischler Anton Mcincl vernommen. Er gab zunächst an, daß er nur in solchen Betrieben arbeitet, wo gestreikt wird. Als Grund dafür gab er an, die organisierten Arbeiter wollten mit ihm nicht zusammenarbeiten, weil er sich schon früher als Streikbrecher betätigt hat. Zur frag- lichcn Zeit arbeitete er als Streikbrecher in der Tischlerei von Brcbmer in Lichtenberg zusammen mit seinem Kameraden Ruppcrt. Ani Abend des 1. April gingen beide nach der Tischlerei von Raabe. Dort war ein Freund von ihnen, der Tischler Scheu, als Arbeits- williger tätig, durch dessen Vermittclung Ruppcrt und Meine! ebenfalls bei Raabe anzukommen suchen wollten. Während die beiden auf der Straße ihren Freund Scheu erwarteten, sei Kranert — so sagt Meinel— an sie herangetreten, habe gesagt, was sie hier zu suchen hätten. Dann seien sie beschimpft worden. Ruppert habe einen Schutzmann geholt, um Krancrt festnehmen zu lassen. Auf Veranlassung der Berteidigcr Dr. Heinemann und Dr. Kurt Roscnfeld wurde auch das Vorleben MeinclS beleuchtet. Festgestellt wurde, daß Meinel, während er als Arbeits- williger in Zeulenroda tätig war, gemeinsam mit anderen Arbeits- willigen mit dritten Personen aus der Straße Streit angefangen und einen derselben mit einem Stemmeisen in die Schulter ge- stochcil hat. In einem anderen Falle ist Meinel wegen Revolver- schießerei in eine geringe Strafe genommen worden. Unbestritten ist, daß Meinel ein Verhältnis mit einem unter Sittenkontrolle stehenden Mädchen hatte, das wegen Diebstahls eine längere Gefängnisstrafe absaß.— Nach der Aussage eines Zeugen Arodes hat Meine! zu diesem gesagt, er habe das gestohlene Geld erhalten. Das Mädchen habe aus dem Gefängnis dem Meinel geschrieben, sie wolle einen anderen Lebenswandel beginnen und sich nach Be- endigung ihrer Strafe durch Arbeit ernäbreu. Meine! aber habe seiner Geliebten geantwortet, wenn er das Verhältnis mit ihr fortseven solle, dann dürfe sie nicht arbeiten, sondern müsse strichen gehen.— M.ünel behauptet, diese Aeutzerung nur aus Scherz ge- braucht zu haben. Daß er das gestohlene Geld bekommen habe, bestreitet er. Der Zeuge Brodes blieb dabei, daß Meinel ihm das so erzählt habe. Allerdings trinke Meinel manchmal viel und dann sei er nicht richtig im Kopf. Daß Meinel auch bei anderen Gelegenheiten ohne jede Ver- anlassung mit dem Schießeisen gedroht hat. dafür konnte der Zeuge v. Zilewsky ein Beispiel anführen. Dieser Zeuge hatte als Kranken- kontrolleur den mit Meinel zusammcnwohncnden Ruppert zu be- suchen. Als der Zeuge, noch ehe ihm die Wohnungstür geöffnet wurde, angegeben hatte, wer er sei und weshalb er komme, trat ihm Ruppert, nachdem die Tür geöffnet war, mit erhobenem Revolver entgegen. Schon bei einem früheren Besuch sah der Zeuge auf dem Tisch Vcs Ruppcrt nnd Meines zwei Revolver liegen. Die beiden erklärten den Besitz der Waffen, indem sie sagten, als Arbeitswillige mühten sie auf alles vorbereitet sein, der Revolver gehöre bei ihnen zum Handwerkszeug. Der folgende Zeuge, der 26jährige Tischler Joseph Ruppcrt, hat in Magdeburg, wo er als Arbeitswilliger seine verwerflichen Dienste verrichtete, einen Streikenden erschossen. Er ist deswegen angeklagt gewesen, aber vom Schwurgericht freigesprochen worden, auch hat er wegen der nach Ansicht des Gerichts unschuldig erlittenen Untersuchungshaft eine Entschädigung aus der Staatskasse er- halten.— Seine Angaben über den vorliegenden Anklagefall decken sich mit denen seines Freundes Meinet. Ucber den wesentlichsten Bestandteil der Anklage, nämlich den Borgang nach dem Erscheinen des SchuhmannS, wo die den Angeklagten zur Last gelegten schweren Straftaten sich ereignet haben sollen, wurde vom Schutzmann Pautz und anderen Zeugen folgende Darstellung gegeben: Pautz, Meinel und Ruppcrt gingen in den Hausflur, in den sich Kranert zurückgezogen hatte, als Ruppert nach dem Schutzmann gegangen war. Schutzmann Pautz nahm Kranert fest. Zuerst verließen Meinet und Ruppcrt das Haus, kurz darauf folgte der Schutzmann mit Kranert. Ans der Straße hatte sich eine größere Menschenmenge angesammelt. Um sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, zog lliuppert den Revolver und rief den Leuten zu:„Wenn mir jemand zu nahe kommt, so schieße ich."— Ruppert will gleich beim Heraustreten ans dem Hause von der Menge beschimpft nnd bedroht worden sein und deshalb zum Revollver gegriffen haben. Nach der Angabe anderer Zeugen hat die Menge erst dann ihre Entrüstung berundet, als sie von Ruppcrt mit dem Revolver bedroht wurde. Erst infolge» dessen schimpfte man:„Haut den Hund, der schießt ja." Dann stürzten sich 6 bis 7 Personen aus der Menge aus Ruppcrt, der acht Schüsse abgab. Ruppcrt wurde zu Boden geworfen und die Waffe wurde ihm cutwundrn, während mehrere Menschen auf ihm knieten. Unter diesen befand sich auch der Angeklagte Trogisch.— Nach Angabe des Schutzmanns Pautz schlug Trogisch auf Ruppert ein. Der Schutzmann sagt, er habe Tragisch aufgefordert, von Ruppcrt abzulassen. Weil Trogisch dieser Aufforderung nicht folgte, habe er, der Schutzmann, den An- geklagten Trogisch mit dem Säbel einmal über den Kopf geschlagen. Trogisch sei infolgedessen gleich hingefallen, dann nach der Ret- tungswache gebracht und verbunden worden. Während er noch hier weilte, erschien auch der Schutzmann Pautz und soll er— wie Trogisch angibt'— gesagt haben, es würde ihm leid tun, wenn er einen Unschuldigen geschlagen hätte.— Schutzmann Pautz bestreitet aller- dings, das gesagt zu haben. Weiter umrde noch festgestellt, daß dem Ruppcrt, als ihn die Menschen niedergeworfen hatte», außer dem lllevolver auch ein dolchartigcs Messer abgenommen wurde. Ein Zeuge gab an, daß Ruppcrt schon bei dem ersten Gespräch mit Kranert eine herausfordernde Haltung angenommen und mit der Hand in der Tasche, Ivo er anscheinend eine Waffe hatte, dastand. Hinsichtlich des Vorlebens des Arbeitswilligen Meinel wurde noch festgestellt, daß er sich aus Soest, wo er auch Arbeitswilligen- dienste leistete, wegen erheblicher Schulden heimlich entfernte und seinem Gläubiger dann durch Postkarte mitteilte, daß er an Be- zahlung der Schulde» nicht denke. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staats- anwalt, beide Angeklagte im Sinne der Anklage schuldig zu spreche». Tic beiden Verteidiger, Rcchtsanlvälte Dr. Heinemann und Dr. Kurt Rosenfcld, kennzeichneten den Zeugen Meinel als völlig»n- glaubwürdig. Dieser Mann, der sich unter Hiiiterlassuup von Schulden' heimlich entfernte, der sich durch sein Verhältiiis mit einer Prostituierten als Zuhälter betätigte, der jeinaiiden liüt ciiicm Stemmeisen so erheblich verwundete, daß der Verletzte drei Wochen arbeitsunfähig war, sei völlig unglaubwürdig. Auch die Aussagen der übrigen Zeugen hätten keinen Beweis für die Schuld der An- geklagten ergeben. Deshalb beantragten die Verteidiger die völlig« Freisprechung der Angeklagten. Die den Geschworenen vorgelegten Sckiuldfragcn lauteten hin- sichtlich der beiden Angeklagten auf Beleidigung von Mcincl und Üiuppert, Teilnahme an einer öffentlichen Zusammenrottung als Rädelsführer und durch Gewalttätigkeit gegen Personen(schiverer Landfriedensbruch). Außerdem ist hinsichtlich des Angeklagten Trogisch die Frage nach gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung und hinsichtlich dös Angeklagten Krancrt die Frage nach Widerstand gegen die Staatsgewalt gestellt. Nach fast cinstündiger Beratung verneinten die Geschworene» sämtliche Schuldfragcn. Tarauf sprach das Gericht die Angeklagten frei. Allgemeine Kranke», und Strrbckassc der Metallarbeiter. tB. a. K.) zu Hamburg. Filiale B a u msch u l e nw eg. Sonn- abenh, den 14. Februar, abends S1/« Uhr, sür den OrtStcil Treptow, Ver» sammwug und Zahlabcnd im Lokal von Jul. Schmidt, Kiefholzstr. LA Dn. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12. 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