Kr. 44. nbennemcnfS'Bedingungen: RbonnementS■ Preis präimmerando! Vierteljährl. S,Z0 MI, monatl. 1,10 Mk, wochenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer k Psg, Sonntags. Hümmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «lbonncmenl: J,t0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preislistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerrerch. Ungarn Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Tänemark, ' Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Wumötticti, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Crfditlat täglich, '3 Verlinev Dolk5»b!ntt. Tentralorgan der fozialdemokrati Tchen parte» Dcutfchlands. Sie Insertion;-Levilhr vcträgt für die sechsgespallene Kolonel- zclle oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- und PersnmmlungS-Anzcigen S0 Pfg. „Klein« Mmeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l0 Psg. Stellengesuche und Schlafstcllenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lS Buch- fiaben zählen für zwei Worte. Nnfcrnte nir die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „5»li>ieeli>»lirsl Rtrlla* Redaktion: 8 Cd. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Atorttzplatz, Nr. 1S8Z. Die Gewalttat in Südafrika. Allmählich lichtet sich die Lage in Südafrikn. Tie Zensur ist zwar noch fleißia bei der Arbeit, aber es laufen jetzt Briefe in England ein, die den Spitzeln der Unionsregierung ent gangen süid(denn man bat nicht nur die Depeschen unter schlagen, sondern auch die nach Europa gehenden Briefe ge öffnet), und diese Briefe bringen Licht in das Dunkel, das Botha und seine Kumpane über die jüngsten Ereignisse zu verbreiten versucht haben. Von Interesse ist namentlich ein Aufruf, den die Leiter der Arbeiterorganisationen am Rand am LI. Januar erließen, in dem es heißt: „Wir� haben alle— Gewerkschaftsbund, Arbeiterpartei und Einzelpersonen— versucht, seit der Proklamierung des Stand rechts und selbst vorher Äabeltelegramme nach dem Mutten tand zu schicken, in denen wir die wahre Sachlage vom Stande Punkt der Streikenden aus schilderten, aber man hat uns zu verstehen gegeben— und es ist in der Tat sicher— daß sie von den Behörden unterdrückt worden sind, obwohl man sie samt dem Gclde, das die Äostcn bestreiten sollte und das in einigen Fallen eine beträchtliche Summe ausmachte, angenommen hat. Unter diesen Umständen ist jetzt die europäische Post unsere einzige Zuflucht. Tie hier herrschende Lage ist unerträglich und hat unter der britischen Flagge und Verfassung nicht ihresgleichen. Tie(Äeschichte von einer shndikalistischen Revolution, die von der südafrikanischen Presse fleißig ausgestreut und zweifellos auch nach dem Mutterland telegraphiert worden ist, ist absoluter Unsinn fentirc rnbbisli) und hat auch nicht die geringste Grundlage; sie ist teilweise für den britischen Vcr- brauch bestimmt und teilweise soll sie die Sympathie der hiesigen Bourgeoisie erwecken. Man hat im Gegenteil die triftigsten Gründe zur Annahnic, daß die Krise von der Regierung mit Fleiß herbeigeführt und vorbereitet Ivorden ist, um ein für alle Mal durch einen Handschlag der Arbeiterbewegung den Garaus zu machen. Ta diese von Grund aus eine verfassungsmäßige und auf legalem Boden stehende Bewegung ist, tonnte das nur geschehen, indem man die Gesetze aufhob. Es ist ein mutwilliger Versuch(der Regierung), ihre politischen Gegner aus der Welt zu schaffen, indem sie die Führer entfernte und die Mitglieder terrorisierte, und zwar zur selben Zeit wollte man den kbertzogismus(die Burcnopposition) loswerden, indem mau zum Rassenhaß gegen den„gemeinsamen Feind" aufreizte." Man muß beim Lesen dieser Zeilen im Auge behalten, daß die organisierten Arbeiter Südafrikas vor dem Streik in zahlreickfen Versammlungen die Regierung bestürmten, ab- zudanken und Neilwahlen auszuschreiben, damit die Stimme des Volkes, die sich in der mächtig anschwellenden Arbeiter- bewegung und dem Protest eines Teile's der Buren gegen die großkapitalistische Politik Bothas und Snmts' so deutlich hören ließ, zur Geltung kommen könne. Noch deutlicher als in dem obigen Manifest klingt die Wahrheit aus einem Artikel, den die„Daily News" veröffent- licht. Ter Verfasser ist der Rechtsanwalt Lukas, ein Mitglied des Vorstandes der südafrikanischen Arbeiterpartei und Ar- beitcrvertreter im Johannesburger Stadtrat. Er schildert in einem Schreiben vorn 22. Januar die Situation unter dem Staudrecht und erklärt, daß auch nicht die geringste Ursache zur Anwendung von Gewalt seitens der Regierung bestehe. Zwar seien einige kleine Attentate verübt worden; man habe aber guten Grund zur Annahme, daß sie von den Feinden der Arbeiterschaft inszeniert worden seien. Bezeichnend ist die Angabe, daß ein Mann zu einer Geldstrafe von 2 Pfund ver- urteilt worden ist, weil er einen Polizisten höhnisch ansah! (Welch ein ideales Land wäre Südafrika nicht für den Leutnant v. Forstner!) Ter Schluß des Artikels lautet: „Hinter dieser ungeheuerlichen Verletzung unserer Freiheit scheint der Wunsch zu stecken, mit einem Schlage den häuslichen Streit mit Hertzog und die emporstrebende Macht der Arbeiter- Partei zu zermalmen. Das erste kann erreicht werden, indem man den Rassenhaß entfacht, und das zweite, indem man die Gewerkschaften erdrückt. Tie Kapitalisten verlassen sich auf die Solidarität der Buren hinter Botha und Smuts, um in der Aus- beutung dieses Landes fortfahren zu können. Wenn Hertzog nicht erfolgreich ist, so wird der Zusammenbruch dieser Soli- darität viele Jahre in Anspruch nehmen. Daher der Bund zwischen den Parteien der Grundbesitzer und der Bergwerks- besitzer. Jetzt gilt es, die Macht der freien Lohnarbeiterschaft zu brechen. Wir scheinen am Scheidewege zu stehen. Entweder marschiert die Arbeiterpartei schnell zum Siege oder Südafrika kehrt zur Sklavenarbeit zurück, bei der ein paar weiße Auf- seher die Schwarzen oder vielleicht die Chinesen überwachen. Der öffentlichen Meinung Großbritanniens gelang es, die Zurückschickung der Chinesen durchzusetzen. Wird sie ihre Rück- kehr durchsetzen können? Von England ans kann wenig getan werden. Tie einzige wirklich praktische.Hilfe, die man uns angedeihen lassen kann, ist die, gegen die Jndcmnitätsbill vom Vetorecht Gebrauch zu machen. Tie Jndcmnitätsbill muß durch- gepeitscht werden und wird zweifelsohne die Zustimmung der Nationalisten wie die der llnionisten im Parlament erhalten." Die südafrikanische Arbeiterpartei und die britische Ar-, beiterpartei gehen in dem Kampfe gegen die Jndemnitätsbill Hand in Hand vor. Die Art des Angriffes wurde am 8. Fe- druar im südafrikanischen Parlament von dem Führer der südafrikanischen Arbeiterpartei Creswell in einer leidenschaft- liehen Rede, in der er die Vorlage als ein Monument der Ver» logenbeit bezeichnete, dargetan. Er verlangte den Aufschub der Verhandlungen und die gründlichste gerichtliche Unter- fuchung der Handlungen, für die die Regierung die Stiaf- lofigkeit beantragt: dem unparteiischen Gerichtshofe soll der Oberrichter oder ein Richter des Berufungsgerichtes vorstehen? j damit aber das Kriegsrecht abgeschafft und das Parlament Sxpeditzion: 8M. 68, I�indenstzrasse 69» Fernsprecher: Amt Moriftplatz, Nr. 1984. gemäß den Ergebnissen der verlangten Untersuchung handeln kann, soll eine Vorlage eingereicht werden, nach der die gericht liche Verfolgung der Regierung außer in der Sache der deportierten Arbeiterführer einstweilen ausgesetzt werden soll. Das erste und wichtigste Amendement, das die Arbeiterpartei im britischen Parlament in der Adreßdebatte gestellt hat, be bandelt dieselbe Frage. Es verlangt von der Krone, daß der Generalgouverncur in Südafrika beauftragt wrde, seine Zu stinunung zur Jndeinnitätsvorlage vorzuenthalten, bis die Angelegenbeit gerichtlich geklärt ist. Eins haben die Proteste der englischen Arbeiter schon be- werkstelligt. Der Generalgouverneur Lord Gladstone tritt von seinem Posten zurück. Die englische Regierung erklärt zwar mit den üblichen diplomatischen Floskeln, daß die Ab- sägung Gladstone mit den Ereignissen in Sitf>afrika nicht das geringste zu tun habe, was Lord Gladstone jedoch Wohl nur als einen bitteren Scherz empfinden wird. Die Ministerkrise in Schweben. Stockholm, 12. Februar.(Eig. Ber.) Heute hatte der Reichstag Gelegenheit, den Verlauf der Ministerkrise aus dem Munde des Premierministers zu vernehmen. Gegenüber dem vom Hofe ausgesandten Bericht, der mit Unrecht„offiziell" betitelt wurde, bietet die Darstellung des Ministerpräsidenten einige wesentliche Abweichungen. Die publizierten Schriftstücke des Hofberichtes sind richtig, aber durch Weg- lassung der mündlichen Verhandlungen bekoimnen die Schriftstücke einen frisierten Inhalt. So z. B. teilte Herr S t a a f f mit, daß er am Tage vor dem Bauernzug mit dem König wegen der angemeldeten Bauerndeputation konferiert hat. Dabei hat Herr Staaff die GrunSzügp seiner beabsichtigten Antwort dein König mitgeteilt, dieser aber hielt es nicht für nötig, seinem ersten Ratgeber nun ebenso offen entgegen- zutreten. Vielmehr mußte der Premier erst den König fragen. tvelche Antwort er der Deputation zu geben gedenke. Worauf dieser nur antwortete, daß er die Lösung der Wehrfragcn in ihrem Zusammenhang vertreten will. Der Premier hatte daraufhin den König gebeten, davon abzusehen, da die Frage noch gar nicht entschieden fei, zum mindesten aber seiner Aeußerung die Form des Wunsches zu geben. Das blieb ohne Erfolg. Und als die Rede schließlich gehalten wurde, enthielt sie noch einen weiteren, ebenso schwerwiegenden Punkt, daß nämlich der König nur auf Grund der Auffassung der Sachverständigen„meiner Armee" die Frage gelöst baben wolle. Von besonderem Interesse war auch die Mitteilung, daß Herr Staaff seine Wcihnachtsrede in Karlskrona, die das Wehrprogramm der Regierung enthielt, in feinen Grund- zügen vorher dem König mitgeteilt hatte. Tie Vorstellung der Regierung beim König ist nicht frei von belustigenden Momenten. Die Regierung legt dem König ihre Bedenken gegen seine Rede klar und wünscht von ihm, daß er erstens feststellen soll, daß er sich noch keineswegs gebunden habe, bevor er mit seiner verfassungsmäßigen Re- gierung ordnungsgemäß konferiert habe und zweitens will sie wissen, ob der König nur eine Militäpvorlage zu genehmi- gen gedenke, die den Ansprüchen der Militärsachverständigcn genügt. Darauf weiß der König zunächst nichts Gescheidtes zu antlvorten, sondern erbittet sich einige Stunden Bedenk- zeit. Nachdem er dann die Meinung der Hofkamarilla ein- geholt hatte, koinmt die Antwort, daß er sich natürlich nicht gebunden habe, was der Verfassung widersprechen würde, daß er aber auf die zweite Frage keine Antwort geben könne, weil er die Regierungsvorlage noch nicht kenne! In einer zweiten Konferenz wurde dem König der Ent- wurs einer Erklärung überreicht, wie sie von der Regierung gewünscht wurde. Auch diesmal mußte der König sich erst Bedenkzeit erbitten, um zur Ablehung zu kommen. Ein privat ausgesprochener Wunsch des Premiers, in Zukunft solche Reden nur nach Verständiguilg mit dein Minister zu halten, wurde nicht nur abgelehnt, sondern in dem Kommunique der Hofkamarilla auf veröffentlicht, obgleich die schriftliche Ab- fassung des mündlich vorgetragenen Wunsches des Premiers vom Könige herrührt. Also auch illotial den Ministcrn gegen- über. Nachdem solchermaßen feststand, daß der König konstitu- tionelle Garantien nicht geben wollte, vielmehr an der Etablierung des persönlichen Regiments festhielt, reichte-die Regierung sofort ihr E n t l a s s u n g s g c s u ch ein. Die übertvicgende Mehrheil des Reichstags, nämlich init Aus» nähme der Konservativen sämtliche Redner der Part neu, drückten ihre lebhaste Syinpathie der Regierung aus. Mit arößter Entschiedenheit wiesen die Redner der Liberalen»nd Sozialdeinokraten die autokrati'chen Allüren ab. Ins- besondere fielen heftige Worte gegen die geheimen, unverant- wortlichen Ratgeber, die den König außerhalb der verfassungs- mäßigen Grundlage dirigieren und seine verfassungsgemäß verantwortlichen Ratgeber, die Minister, beiseite schieben. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Die Kabinettsbildung des Herrn De Geer ist bisher erfolglos gewesen. Die Mitglieder der liberalen Partei, die für die Verräterrolle in Aussicht genommen waren, haben sämtlich abgelehnt. Es bleiben dann nur noch zwei Möglich- leiten offen: ein Geschäftsministerium ohne politische Ten- denz oder ein konservatives Kampskabinett mit Reichstagsauflösung. Einstweilen will der König noch versuchen, die gewünschten liberalen Herausreißer persönlich zu bearbeiten._ Streikbrechersihlch. Lauter als je schreien die Vertreter der Unteruchmerinirr- essen nach Knebelung der Arbeiterbewegung iwd Schutz der Ar- beitswilligen. Ganz ohne Grund schreien sie. Nicht Schutz der Arbeitswilligen, sondern Schutz gegen die Arbeitswilligen tut not. Denn die dem Ausbeuterinteresse nützlichen Elemente erfreuen sich schon jetzt eines so weitgehenden Schutzes der Behörden, daß die gewerbsmäßigen Streikbrecher alle Veranlassung haben zu der Annahme, sie seien für das Profitintercssc der Unternehmer so wertvoll, daß sie sich die schwersten Ausschreitungen nicht nur straflos erlauben dürfen, sondern dabei auch noch den ganz be- sonderen Schutz der Polizei und des Staatsanwalts, ja sogar der Richter genießen.„Wir Arbeitswillige dürsien jemand totschlagen und es passiert uns nichts." Das ist das stolze Bewußtsein, was diese gewalttätigen Elemente provozierend bekunden. Und eine Reihe von Tatsachen geben dieser Auffasftmg recht. TaS Ans- treten der gewerbsmäßigen Streikbrecher ist nachgerade zu einer Gefahr für die allgemeine Rechtssicherheit, geworden. Hat doch der Landfriedensbruchprozeß gegen Trogisch und Krancrt. über den wir gestern berichteten, wieder bewiesen, wie ungeheuerliche Anklagen konstruiert werden, wenn streikende Arbeiter in dem Verdacht stehen, die„Ehre" von Streikbrechern verletzt zu haben. Betrachten wir einmal die Tatsachen, welche am Donnerstag vor dem Schwurgericht festgestellt wurden. Zwei gewerbsmäßige Streikbrecher, Ruppert und Meine! sind es, um derentwegen das ganze Verfahren vcr- anlaßt wurde. Sie arbeiten immer nur in solchen Betrieben, wo die Arbeiter streiken. Ruppert hat bereits ein Menschen» leben auf dem Gewissen. In Magdeburg, wo e r seine Streik- brechertätigkeit ausübte, hat er einen Streikenden erschossen und ist glänzend freigesprochen worden. Auch Meine! hat durch sein Vor- leben betviesen, daß er Gesetz und Moral nicht achtet, weshalb ihm jeder anständige Mensch aus dem Wege geht. Diese beiden Leute übten ihr Strcikbrcchergewcrbe seinerzeit in Lichtenberg aus. Dann hörten sie, daß im Norden Berlins ein Streik ausgebrockien war. Dort suchten sie nun ein neues Feld, auf dem sich ihre Tatenlust entfalten sollte. Sie steckten geladene Browning- Pistolen, die sie mit polizeilicher Erlaubnis tragen, in die Taschen und pflanzten sich vor der bestreikten Fabrik aus. Ein Streikender spricht mit einem ans der Fabrik kommen- den Arbeitswilligen. Ruppert und Meine! mischen sich in das Gespräch. Herausfordernd stehen sie da, die Hand in der Tasche. wo die Pistole, das Handwerkszeug der Streikbrecher, steckt. Durch Worte, welche im Gespräch fallen, fühlen sich die„Helden" bc- lcidigt. Ruppert bolt einen Schutzmann, um den vermeintlichen Beleidiger, den Tischler Kranert, festnehmen zu lassen. Wie das immer der Fall ist, so sammeln sich auch hier, in der belebten Brunnenstraße, einige hundert Menschen an, um den weitere» Verlauf der Angelegenheit zu beobachten. Kranert wird fest- genommen und nun bedroht Ruppert die Menge mit der scharfgeladenen Pistole. Dos geschieht fast unter den Augen eines Schutzmannes. Der aber schreitet nicht gegen den Revolverhelden ein, denn er hat ja wichtigeres zu tun. Er will den angeblichen Beleidiger Rupperts nach der Wache bringen. Aus der mit Recht entrüsteten< Menge stürzen sich einige Personen aus den Revolverhelden, werfen ihn nieder, um sich selbst vor der Gefahr, eine Kugel in den Leib zu bekommen. zu schützen. Die Waffe wird dem Menschen, nachdem er acht Schüsse abgegeben hat, entwunden. Wenn er dabei einen fühl- baren Denkzettel von derben Fäusten bekommen hat, so mag das formalrechtlich nicht zulässig gewesen sein. Begreiflich aber ist es und verdient hat es der gewalttätige Mensch. Nun fühlt sich der Schutzmann verpflichtet, dem Ruppert bcizuspringen. Er zieht den Säbel und schlägt einen von denen, die den Revolver» beiden unschädlich gemacht hatten, über den Kopf, daß er zu Boden sinkt. Ruppert, der die Menge mit der Browning- Pistole bedroht und durch sein Auftreten den Auflauf verursacht hat, kann unbehelligt seine? Weges gehen. Festgenommen wird dagegen der von dem Schutzmanns- säbcl verwundete Schlosser Trogisch sowie Krancrt, der angebliche Beleidiger des Ruppert. Das war schon ein starkes Stück von der Polizei. Aber noch viel n n g c h e u c rl i ch e r ist es, daß die Staatsanwaltschaft diesen Vorgang zum Anlaß nahm, um T r 0 g i s ch und Kranert des schweren Landfriedcnsbruchcs anzuklagen, cineS Verbrechen?, welches das Strafgesetz mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bc- droht.— Hätte sich aus diesem Vorgänge eine Anklage wegen irgendeiner Uebertretung, etwa Beteiligung an einem Auflauf oder dergleichen entwickelt, so hätte man das bei dem Eifer der Staatsanwaltschaft, alles zu verfolgen was sich mit einem Streik in Verbindung bringen läßt, noch verstehen können. Aber schwerer Landfriedensbruch, das ist selbst im Zeitalter des weitgehendsten Strcikbrecherschutzcs eine Ungeheuerlickrkeit, die noch dadurch vcr« schärft wird, daß beide Angeschuldigte sofort in Unter- suchungshaft genommen wurden. Sie saßen monatelang in Haft und sind erst durch Beschluß des Gerichts, das schon vor einigen Monaten in dieser Sache verhandelte, aber zur Vertagung kam, auf freien Fuß gesetzt worden. Das kunstvoll errichtete Gebäude der Anklage ist ja vor Gericht völlig zusammengebrochen, so sehr sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft auch bemühte, die Geschworenen von der böse» Absicht d.er AugeLasten zu überzeugen. EZ schien, als wollte der ÄtaatSanwall den ganzen Vorgang, der sich infolge des prob». latorischen Auftretens der beiden Streikbrecher spontan entwickelt hat, als eist plamnasiig angelegtes Komplott hinstellen. Datz der Schlosser Trogisch in einen: Schanllokal weilte, wo die streikenden Tischler verkehrten, war für den Staatsanwalt ein verdächtiges Moment und daß der Schlosser Trogisch gar in der bestreikte» Bautischlcrci um Arbeit anfragte, schien noch ver- dächtiger. Diese Anfrage sollte doch dem Schlosser nur Gelegen- heit geben, im Interesse der streitenden Tischler einen(biublick in de» Betrieb zu bekommen, meinte der Staatsanwalt. Aber diese Stütze der Anklage wurde durch den Unternehmer Raab« selbst zc stb rochen, der bekundete, daß er allerdings auch Schlosser be- schäftige, daß der Angeklagte, sowie dessen Bruder und Vater wiederholt als Schlosser bei ihm gearbeitet haben, daß die An- frage jäh Arbeit wohl ernst zu nehmen sei und der?lnfragendc einen CSitMid in den Betrieb gar nicht gewinnen hjtmtc. Also« mit der Sermutetei: Spionage z u g u n st c n eines Anschlages der Streikenden war es nichts. Aber mit dem Register:„Frivoler Streik" ließ sich vielleicht noch Stimmung machen., Alan hatte ja einen der Streikenden aus der Anklagebank. Der hatte gesagt, der Streik sei wegen unzurcichen- der Löhne antstaudeu. Ter Unternehmer Raabe sagte, 30— 50 M. wöchentlich Hätten'die Tischler bei ihm verdient.—„Sind das vielleicht Löhne, mit denen ein Arbeiter nicht auskommen kam:?" fragte mit triumpesterendem Lächeln der Staatsanwalt, der mm wohl den frivolen. Streik für erwiesen hielt.— Doch die Verteidigung tvar auf diesen Schachzug vorbereitet.— An den Zeugentisch trat Obermeister Äa Hardt, ein Mann, der weit und breit bekannt ist als einer der schärfsten und rücksichtslosesten Vertreter der Untornehmerinteressen und sagte: Allerdings hat Raabe zu niedrige Löhne gezahlt und konnte deshalb andere Ar- beitgeber, welche sich an den Tarif gebunden fühlten, unterbieten. Dieser Streek war so berechtigt, daß wir, der Arbeitgebers chutzv er band, die gelben Arbeiter unterstützten,« damit sie a in Streik teilnehmen konwten und ihaß wir die Polizei ersuchten, den Streikposten nichts in den Weg zu legen. Tqmit war nun der Staatsanwaltschaft auch die Operations- basis:„Frivoler Streik" entzogen. Blieben also nur noch die formal-juristische» A.'omeute der Anklage übrig und auch sie er- wiesen s�ch so vollkwiunan unhaltbar, daß die Geschlvorencn zu einem glitten Freispruch kamen. Jeder unbefangeuc Teilnehmer dieser Gerichtsverhandlung mußte sich /ragen: Zilie konnte es die Staatsanwaltschaft ivagen, mit diesem Material* eine so schwere Anklage zu begründen? Trogisch, der mit dcixi war, als man dem pistoleschwingenden Ruppert die Waffe evtwand, mag diesem vielleicht einige wohl- verdiente Faustschläge.versetzt haben. Unter dieser Annahme und bei unberechtigter Uebe tschrcitung einer Notwehr wäre eine Anklage wegen keichter Körpcwcrlctzung unter mildernden Umständen allenfalls- zu verstehen gewesen. Aber schwerer Landfriedensbruch, das ist im der Tat un-zeheuerlich! Völlig unverständkich bleibt es, daß gegen den zweiten An- geklagten, �kranert, überhaupt Anklage erhoben werden konnte. Dieser Angeklagte ist, nicht auS eigenem Willen, sondern geführt vcu dem Schutzmann, der ihn nach der Wache bringen wollte, in die Menschesmenge hineingekommen. Tie Anklagebehauptung, Äranert habe dem Schutzmann Widerstand geleistet als dieser zu- gunsten des Rebolverlistlden Ruppert mit dem Säbel dreinschlug, ist von dem betreffenden Schutzmann selbst widerlegt worden. Er sagte, er sei wohl in: Gedränge berührt worden, aber niemand habe ihm Widerstand geleistet, niemand habe ihn angegriffen. .Ftmiter wieder, nuxß man fragen: Wie ist eS möglich, daß unter diesen Umstände» überhaupt eine Anklage, und noch dazu eine so schwere, erhoben werden konnte? Schon im Vorverfahren, vorausgesetzt, daß es- sorgfältig geführt wurde, mutzte doch die Staatsanwaltschaft einsehen, daß kein unbefangener Richter auf Grund eine» so völlig unzureichenden AnklagematcrialS zu einer Verurteilung kommen konnte. Aber nein. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt ja auch vor Gericht, nachdem sich die völlige Haltlosigkeit der. Anklage ergeben hatte, noch alle wesent- lichen Punkte derselben aufrecht. Es ist schwer, eine andere Er- klärung dafür zu finden, als den Eifer, sich für die nun einmal als nützliche Elemente geltenden Streikbrecher in jedem Falle ins Zeug zu legen und ihre Gegner ins Gefängnis zu bringen. Sicher ist, daß sich die SbaatSanwaltschaft diese Niederlage hätte ersparen Unsere Herren unö wir! Manchmal, in Siiunden geistiger Ermüdung, wollte man bei Gott, man gehörte zur Regierungspartei! Man sei staatserhaltend und schweinezüchtend, säße im Schutze des Hochzolls auf einem un- pfändbaren Fideikommiß und bezieht seine intellektuellen An- regungen aus dem Wissensschatz des Herrn Oertel. Wie wohl- geborgen, wie angesehen, wie der ewigen Seligkeit gewiß könnte man dann auf die Ausbildung seines Gehirns verzichten und so sich zum untertänigsten Ratgeber der Krone empfehlen. Tann säße man auf den königlich preußischen Aufsichtsratsbänken im Äbgeordnetenhause. ein Auge streng auf die Regierung gerichtet und mit dem anderen ihr wohlwollend zublinzelnd, und würde manchmal, um Verdauungsschwierigkelten zu beseitigen, sich über den Ilmsturz aufregen. Dann bestiege man, während sich Hiller oder Borchard in einem letzten, aromatischen Aufstoßen meldet, die Rednertribüne und sagte auf eine Rede, zu der man gar nichts sagen kann: Das niedrige Niveau verbietet mir, darauf einzugehen. Ach, alles schöner Traum! Wir züchten nicht Schweine, sondern sollen von Schtvcinezüchtern gezüchtigt werden, wir regieren nicht bei Hiller, sondern müssen uns schmerzbeivegt abwenden, wenn die Nachwehen von dessen Diner unseren Vorgesetzten mit gutgesinnten Worten aufstoßen. Wir kriegen unser ganzes Leben lang von einem Fideikommiß nur den Kommiß zu sehen und müssen zugeben, daß wir davon schon genug haben. Wir müssen unser armes Hirn «nstrengen und leben davon, Gedanken zu produzieren, während unsere Gegner in rührender Prinzipientreue einen Gedanksnschutz- zoll um ihr Gehirn gelegt haben, der Einfuhr und Ausfuhr unmög- lich macht. Wir haben Ideen und unsere Feinde— Ideale, und Mar in Form einer Sparbüchse. Wir sind vaterlandslos und unsere Feinde so national gesinnt, daß ihnen die Früchte der heimischen Erde so teuer wir irgend möglich sind. Wir sehen angestrengten Auges in die Zukunft und unsere Feinde entdecken auf den ersten Blick in der Vergangenheit die rarsten Dinge, Leibeigenschaft und Absolutismus. Wir geben, so lange es sein muß, dem König, was des Königs ist, und unsere Feinde teilen sich mit ihm darein. Wir tragen für jedes temperamentvolle, kräftige Wort unsere Haut zu Markt, und unsere Feinde schneiden sich die Riemen daraus, mit denen sie die Zügel straffer anziehen wollen! Wir schaffen und sie verdauen, wir rütteln«m der gemächlichen Volksträgheit und sie bekämpfen mit patriotischen Wallungen eine feudale Darm- trägheit, wir sind Hirn und Hand und sie— Bauch und Darm! Da steht Herr von Oldenburg!(Der Kronprinz nickt.) Olden- können, wenn sie die ganze Sache mit weniger Eifer aber mit einem gewissen Maß von Objektivität betrieben hätte. Nicht weitergehender Schutz der Arbeitswilligen, sondern Rechtsgarantien gegen die matzlose Uebertreibung deS Schutzes, den die Streikbrecher jetzt schon genießen, Schutz gegen die Arbeitswilligen und Schutz des KoalitionSrcchtS ist es, was not tut. die Not öer Agrarier. Es ist bezeichnend, daß bei den Beratungen der landwirt- schaftlichen Woche neben der Zollpolitik immer mehr die A r» b c i t c r f r a g e in den Vordergmui» rückt. ES ist nicht nur die Besorgnis' der Agrarier vor den Maßnahmen, die Ruß- land und Oesterreich gegen die Abwanderung ihrer Arbeiter ergreifen könnten. Die Ausländer, die wiederholt nach Deutschland konnnen, versuchen auch ohne festgefügte Organi- satiou höhere Löhne zu erzielen. Es gibt bereits Gebiete, wo die ausländischen Wanderarbeiter relativ mehr verdienen als die inländischen ansässigen Arbeiter. Aber nur als Lohn- d r ü ck e r haben die ausländischen Arbeiter für die Agrarier Wert. Dazu kommt nach, daß auch im bürgerlichen Lager die Opposstion gegen die slawische Besiedelung wächst. Die Ver- waltungsbehörden und das Bürgertum auf dem Lande sind natürlich von den Zuständen nicht erbaut, die durch eine Be- siedelung des Landes mit einer auf niedriger Kulturstufe stehenden Bevölkerung eines ausländischen Staates hervor- gerufen werden. Nun will man es, trotz des Fehlschlagens der bisherigen Versuche wieder einmal mit der Setzhaftmachung der deutschen Landarbeitersckiast probieren. Ein Jahrhundert nach Durch- führung der sogenannten Bauernbefreiung, die den Bauern den größten Teil ihres Eigentums geraubt und sie ins Pro- ktariat geschleudert hat, nachdem man durch fortgesetzte Miß- Handlung und Unterdrückung die Landarbeiter vom Lande vertrieben hat, denken die Agrarier wieder daran, die ar- beitende Landbevölkerung an die Scholle zu fesseln. Unabwendbar erscheint ihnen nun natürlich das einzig wirksame Mittel, nämlich die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse und die Einführung des freien Arbeiter- rechts. Sie wollen es vielmehr wieder nach altem Scharf- macherrezept inst Zuckerbrot und Peitsche versuchen. Im November 1912 tagte im Abgeordnetenhause die Re- gierung mit Vertretern landwirtschaftlicher Körperschaften und dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Das Er- gebnis war, daß die Landarbeiter für das ländliche Vereins- Wesen interessiert werden sollen. Anschluß an die Krieger- vereine, an die vaterländisck�n und christlichen Arbeitervereine (natürlich keine christlichen Gewerkschaften), ja selbst der An- schluß an den Bund der Landwirte wurde der Arbeiterschaft empfohlen. Auch zu den Landwirtschastskammern sollten Vertreter der Arbeiter hinzugezogen werden und diese auch an den ländlichen Genossenschaften beratend teilnehmen. Dr. A s m i s, der all diese Beschlüsse in einer Broschüre ver- öffentlicht hat, gibt dazu noch ganz interessante Erläute- rungen. Sein Hauptvorschlag geht dahin, den Landarbeitern in den genannten Vereinen wohl ein Mitberatungsrecht ein- zuräumen, aber dabei sehr vorsichtig vorzugehen. Vor allem müsse dafür gesorgt sein, daß die Arbeitgeber nicht überstimmt .werden. Einen großen Raum nahmen die Vorschläge ein zur Unterdrückung jeder selbständigen Regung der Landarbeiterschaft. Gewerkschaftsorganisationen, ganz gleich, ob freigewerkschaftlich oder christlich, dürften auf keinen Fall geduldet werden. Wo diese sich etwa bilden sollten, dort könnten— aber nur im Notfall— reine Arbeitervereine, natürlich auf gelber Grundlage, gegründet werden. Im Vor- stand deS Bundes der Landwirte wurde auch schon der Plan erwogen, die Lehrlingsausbildung in der Land- Wirtschaft einzuführen. Die Landarbeiterjugend soll in Lehr- anstalten auf Mustergütern eine kurze Lehrzeit durchmachen und ihnen bei dieser Gelegenheit die Liebe zur Scholle und die nötige Angst vor den sittlichen Gefahren der Großstadt bei- gebracht werden. Die jungen Leute würden dann unter ihres- gleichen erfolgreich die Landslucht bekämpfen. Natürlich ver- langen die Agrarier vom Staat einen erheblichen Zuschuß zur Förderung dieser staatserhaltenden Bestrebungen. bürg hebt an!(Der Kronprinz stimmt zu.) Oldenburg löst die soziale Frage!(Der Kronprinz rechnet nach und erklärt das Exempel für richtig.) Oldenburg ruft(der Kronprinz nickt, aber nicht ettoa ein), wer keine Wohnung habe(der Kronprinz denkt an seine zehn Schlösser), der dürfe nicht in die Stadt hinein(der Kronprinz entwirft ein Telegramm), sondern müsse(der Krön- Prinz faßt den Säbelgriff fester) auf dem Lande, unter der patriarchalischen Leitung, in GotteS- und Herrenfurcht glücklich werden(der Kronprinz fühlt, ob er daS Billett für die neueste Posse noch in der Tasche habe). Und überhaupt! Der Kronprinz erhebt sich, der Vizepräsident schleudert ein Hurra auS sich heraus, kam- mandogewohnte Kehlen schreien mit, die Begeisterung übertönt die Peitschenschläge und Wehschreie auf fernen Rittergütern, wo Sachsengänger mit patriarchalisch roten Striemen auf dem Buckel die deutsche Erde beackern. In der folgenden Nacht stellt sich heraus, daß einige der Herren, die dem Ei deS Kolumbus von Janutschau(nicht etwa der Name einer chinesischen Kuli-Ansiede- lung!) am lautesten zugejubelt haben, sich der Ansicht dieses Herrn nach durchaus zu Unrecht nach Berlin geschmuggelt haben, denn sie scheinen wirklich keine Wohnung zu haben, sondern bemühen sich bescheiden in fremden Betten. Wie tvar's wenn man denen den Zuzug nach Berlin unter- sagte, die keinen einzigen Gedanken nachweisen können? Aber nein, sonst war' es ja mit dem Sitz der Reichs- behörden vorbei und selbst Herr von Jagow müßte sich rasch einen telegraphieren lassen, um seinen Thron nicht zu verlieren. Die Leidtragenden wären die ehrenwerten Besitzer der Nachtlokale und vielleicht noch der Fraktionsdiener der Herren Konservativen, der ihnen dann nicht mehr die EtatSreden entwerfen könnte. Die Ab- neigung der Herren gegen Gehirntätigkeit erklärt sich ja zwanglos aus dem Sprichwort: Gedanken sind zollfrei! Man darf sie also nicht gerade �am schwächsten Teil fassen, indem man sie vor den Kopf stößt. Schließen wir sie nicht aus, denn das ist zu bedenken: wieviel Heiterleit würde das Leben verlieren, wenn es keine kon- servativen Reden mehr gäbe! Wenn Herr von Gräfe nicht mehr über die historische Sendung des Adels spräche oder Herr von Zedlitz über niedriges Redeniveau! Wir wollen sie alle er- halten sehen, wenn wir uns auch vorbehalten, sie in Schranken zu halten. Wir wollen auch künftighin Herrn Bassermann über die Stetigkeit der nationalliberalen Politik reden hören und selbst wenn wir einmal das Dreiklassenwahlrecht abgeschafft haben sollten, werden wir Herrn von Kardorff und seine Rede auf das gottgewollte und dann leider vom Teufel geholte Wahlrecht kon- servieren, wie man in Ostpreußen noch einige Elche aufbelvahrt und nur selten einen Abschuß gestattet. Aber diele kleinen Mittel sind den Agrariern natürlich Nebensache. Ihren wirklichen Wünschen hat Herr v. Ol den- bürg im Landwirtschaftsrat unter dem Beifall des Ärvn- Prinzen Ausdruck gegeben, als er von der Gesetzgebung die Eins chränkungderF reiz iigigkcit forderte. Und dieser Schrei nach neuen Ausnahinegesetzen wird erhoben, ob- wohl heute schon in den Gesindeordnungen und Kontrabtbruch- gesetzen ein furchtbares Ausnahmerecht gegen die Landarbeiter- /chaft statuiert ist. Aber diese Ausnahmegesetze tun es nicht allein. Genosse Hofer hatte schon recht, als er neulich im preußischen Landtage sagte: „In Rußland herrscht der Absolutismus, gemildert durch Meuchelmord, und bei uns in Ostelbien herrscht auf dem Lande der Junkerterrorismus, gemildert durch die Arbeiter no t." In der Tat, wäre das Agrariertum Vernunftgründen überhaupt zugänglich, es hätte schon längst eingesehen, daß alle Ausnahmegesetze nichts nützen und schließlich in die entgegen- gesetzte Wirkung umschlagen. Was nützt' es denn, wenn auf Antrag der Gutsbesitzer der Amtsvorsteher aus seinein For- mularschrank ein Strafmandat nach dem andern heraus- nimmt und innerhalb drei bis vier Wochen einem sogenannten kontraktbrüchigen Arbeiter etwa ein Dutzend Strafbefchlc zu- schickt. Selbst wenn der Arbeiter zwangsweise zu der ver- lassenen Arbeitsstätte zurückgebracht wird, aus der ihm oft der Arbeitgeber selbst hinausbugsiert hat, dann kann ihn doch der Arbeitgeber nicht an die Kette legen, damit er nicht wieder weggeht. Denn der Arbeiter nmß doch über seine Arbeits- kraft frei verfügen können. Durch derartige Gewattmaß- regeln wird die Landflucht nur gefördert. Darum braucht man dem Geschrei der Agrarier nach neuen Ausnahmegesetzen nicht zu viel Beachtungjieilegen. Wohl müssen wir diese Ge- ivaltmenschcn in ihre Schranken zurückweisen, aber auch für die Agrarier gilt, daß die wirtschaftlichen Tatsachen stärker sind als der Wille der Oldenburg und dessen Anhang. Die Sozialdemokratie hat keinen Anlaß und auch nicht die Absicht, die Landflucht zu fördern, wie ihr die Agrarier immer bös- willig unterschieben. Im Gegenteil, weil wir die Jnteresten des gesamten Volkes wahrnehmen, wollen wir dahin wirken, daß dem Lande die notwendigen Arbeitskräfte erhalten bleiben, damit bei einer vernünftigen Wirtschaftsweise aus dem deutschen Boden alles das herausgeholt werden kann, was zur Ernährung des Volkes notwendig ist. Deshalb treten wir ein für eine freiheitliche EntWickelung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse auf dem Lande. Dabei müssen natürlich die Interessen der Land arbeitcrklasse vor allen Dingen gewahrt werden, denn nur die Arbeiter sind es, die die Kulturgüter schaffen. Und deshalb werden sich unsere Forderungen schließlich doch durchsetzen. Politische Ueberslcht. Abstimmungen, Angcstelltcnvcrficherung und BoUsvcrsicheruug. Die Abstimmungen, mit denen am Freitag der Reichs» t a g seine«Sitzung begann, ergab die A n n a h m e der zu dem Haushaltsplan des Reichsversicherungsamtes gestellten An- träge.«Lte fordern Verbesserungen der Reichsversicherungs- ordnung und eine Denkschrift darüber, wie sich die Grundsätze für die Gewährung und die Durchführung des Heilverfahrens der Landesversicherungsanstalten bewährt haben. Vor dem Beginn der Beratung verkündete Abg. G i e s- b e r t S feierlichst, daß die Zentrumsfraktion die arbeiterfeind- lichen Ausführungen, die gestern Abg. Aster gegen die Eni- schadigung der Unfälle infolge Gefahren des täglichen Lebens gemacht hat, nicht billigt. Das ändert aber an der Tatsache nichts, daß Herr Aster gerade wegen seiner Ansichten ein ein- flußreiches Mitglied der Zentrumsparlei war und ist. Genosse Giebel brachte die Beschwerden vor, zu deiie« die Reichsversicherungsanstalt bei der Durchführung der An- gestelltenversicherung Anlaß gegeben hat. Herr Ministeml- direktor Ca s p e r versprach, das Reichsarnt des Inner,: werde sich bemühen, die Herren der Reickisversicherungsanstalt all» mählich auf den richtigen Weg zu führen. Hierauf enspann sich eine lange, aber durchaus nötige Auseinandersetzung über die„Volksfürsorge". Die Aussprache hat fraglos zur Klärung der Sache beigetragen. Die Genossin Hilde nbrand und Heine konnten unseren Gegnern vorhalten, welche segensreiche Anregung unsere Gewerkschaften und Koms umvereine gegeben haben als sie sich an die Begründung und die Durchführung der„Volks- fürsorge" machten. Wie aber werden von unseren Gegnern gerade diese Bestrebungen bekämpft! Hiervon gaben unsere Redner ein erbaulich Bild, das unseren: Vaterland wahrlich nicht zun: Ruhme gereicht. Selbstverständlich zeichnet sich auch hierbei Preußen aus: betrachtet es doch sein Landwirtschafts- minister als die Pflicht seines Amtes, den Generallandschafts- direktor Dr. Kapp, der der„Volksfürsorge" den Vorwurf einer ungesetzlichen Verwendung der Versicherungsgelder ganz un- gerechtfertigterweise gemacht hat. durch den Kompetenz» konflikt vor der ihm gebührenden Strafe zu schützen. Die bürgerlichen Redner verfolgten mit ihren Reden einen doppelten Zweck: möglichst Stimmung gegen die „Volksfürsorge" zu machen und den Streit der bürgerlichen Versicherungsgesellschaften untereinander möglichst zu dämpfen, damit sie ihre Kräfte zum Kampfe gegen die„Volksfürsorge veroingen. Dabei erfreuten sie sich selbstverständlich der freundschaftlichsten Unterstützung des Staatssekretärs Dr. Delbrück. Trotzdem kann die„Volksfllrsorge" mit dem Ergebnis der Aussprache zufrieden sein. Sie spotte» ihrer selbst. DaS Junkerparlament hat am Freitag fast einmütig die Ver- öffentlickmng des gegen den verantwortlichen Redakteur des Vorwärts wegen Beleidigung des hoben Hauses ergangenen UrteiS beschlossen. Für die Sozialdemokraten erklärte sich auch Liebknecht damit einverstanden, indem er ironisch den Herren für die freiwillige Mit- arbeit am Vorwärts dankte. Hierauf wurde die Generaldebatte zum Etat des Ministeriums des Innern beendet. Wenn man weiß, daß die Hauptredner die Herren Frbr. v. Z e d l i tz und Dr. R o e s i ck e vom Bund der Land- wirte waren, dann kennt man auch den Inhalt der Reden. Der Oberscharfmacher Zedlitz begrüßte den Sammelruf gegen die Sozial- demokratie, tobte gegen die FortichrUtler, die durch das Wahlbündnis von 1912 die letzte Schranke zwischen sich und der Sozialdemokratie niedergerissen und durch die Preisgabe der drei Niederbannmer Mandate den Verrat vollendet hätten, rief in dem ihn auszeichnenden Stalljungenton nach mehr Arbeiiswilligenlchutz und gab die neueste Entdeckung preis, daß die Wähler keine Aenderung des DreiklassenwahlsystemS wünschen. Auf einen ähnlichen Ton waren die Ausführungen Roesicke'S gestimmt, der außerdem noch eine Philippila gegen die„BolkSfflrsorge' zum Besten gab, dreist und gottesfürchtig behauptete, daß der Bund der Land- wirle-keinen Boykott übte und sich dagegen verwahrte, daß man den Bund mit den Äanservaliven identifiziere. Nach belanglosen Reden der Abgg. Dr. v. Campe(nail.) und Steputat(kons. Littauer) schnitt man den so heftig angegriffenen Fortschrittlern das Wort ab und wandte sich zu der Beratung eine-Z ZentrumSantragcS, der sich auf Maßnahmen gegen gemeingefährliche tÄeisteZlranke bezieht. Die Debatte hierüber, mit der der sozial- demokratische Antrag auf Regelung des JrrenrechtS verbunden ist, wurde aber bald abgebrochen und auf Sonnabend vertagt. Die Abstimmung über das Gehalt des Ministers und über die zahlreichen CtatSresolutionen wurde ausgesetzt. Ter„Streik der Stenographen" im preußischen Abgeordneteuhause. Die bürgerliche Presse, der jedes Mittel recht ist, der Sozialdemokratie eins anzuhängen, faselt von einem Streik der Stenographen im preußischen Abgeordnetenhause, der durch eine von dem Genossen Adolf Hoffmann verschuldete Ueberanstrengung pro- voziert worden sei. In dieser Verbindung wird der sozialdemo- kratischen Landtagsfraktion der Vorwurf gemacht, daß sie keine Rücksicht auf die Arbeitskraft und die Gesundheit der Stenographen nehme. Genosse Adolf Hoffmann hat, um dieser albernen Legende von vornherein vorzubeugen, mit dem Leiter des stenographischen Instituts des Abgeordnetenhauses gesprochen. Dieser hat ihm ver- sichert, daß von einer Erschöpfung seiner Stenographen gar nicht die Rede gewesen sei. Die Bemerkung des Präfidenten, daß die Bcr- Handlung wegen Ueberanstrengung der Stenographen abgebrochen tuerden müffc, habe auf einem Mißverständnis beruht. Tie Stenographen hätten mit keinem Wort behauptet, daß sie nicht mehr weiter schreiben tonnten oder wollten; er, der Leiter des stenographischen Bureaus, habe lediglich deshalb, weil die Steno- graphen in der Regel gegen 5 oder 6 Uhr zu Tisch gehen können, das Präsidium des Abgeordnetenhauses gebeten, die Kosten für daS Essen der Stenographen auf die Kasse des Landtages zu über- nehmen. Da er auf diese Bitte keine Antwort erhielt, habe er einem der Schriftführer bemerkbar machen wollen, daß er um Entscheidung bitte. Daraufhin sei der Präsident aufgestanden und habe die Sitzung wegen Ermüdung der Stenographen abgebrochen. — Nach dieser bestimmten Erklärung wird wohl der einfältige Schwatz vom Streik der Stenographen infolge einer sozialdemo- kratischen Rede verstummen. Kein Paktiere«, sondern Kampf! So überschreibt das Organ des Oberscharsmachers Octavio V. Zedlitz einen Triumpharlikel über die Provokationsrede des vor den Junkern zu Kreuze gekrochenen Herrn v. Belhmann Hollweg im Landwirlschaftsrat. Wird schon die Erklärung des obersten Reichs- beamten, daß die Regierung auch in Zukunst.in ihrer Fürsorge für die Landwirtschaft nicht nachlassen' wolle, als Zusage an die unverfrorenen neuen Zollwucherforderungen der Agrarier mit Freuden bcgrüßr, so losen die Belhmannichen Kriegserklärungen an die weitaus stärkste Partei Deutschlands vollends das Entzücken des Organs für Volksknebelung aus. Kein Pakneren, fondern Kampf, das sei doch endlich eine Parole, die besonders erfreulich gerade aus Kanzlermund klinge. In der Tat: der Reichskanzler als offener Bannerträger des volksfeindlichen Klüngels der Junker und Schlot- barone, das niuß die Pulie selbst eines Zedlitz höher schlagen lassen Zwar nörgelt daS Blatt des grauen Sünders noch ein wenig 'Uber die verflossenen Missetaten der Reichspolmk. die elsaß-lolhringische Bersassung� die Reichsverjicherungsordmmg usw.; allein daS Hoch" -«ssühl darüber, daß sich jetzt der Kanzler der Diktatur der Junker so prompt und reumütig unterworfen hat, entlockt ibm schließlich doch wabre Ditbyramben. DaS sei.der Geist Bismarcks, der sich gedrängt fühlt, in vorderster Reihe zu stehen und die Fahne voranzutragen': .Wenn dieser Geist in der Bethmannichen Regierung seinen Einzug hielte, und wenn die gestrigen Andeutungen des Kanzlers ein Pragramm bedeuteten, so bälte damit Herr v. Belhmann mit einem Schlage die inneren Schwierigkeiten gelöst, die ihm gestern noch so turmhoch dunklen.' Auch Herr O e r t e l erteilt Herrn v. Bethmann huldvollst die wohlwollende Zensur, daß er in seiner Rede.einige erfreuliche Bemerkungen' gemacht habe. Die Kampfansage gegen die Sozial- demolratie mit dem Hinweis darauf, daß die Agrarier dabei in der vordersten Reihe stehen würden, erklärt das Agrarierorgan zwar für.selbstverständlich',„aber', so fügt eS hinzu,.wir freuen uns aufrichtig darüber, daß der Herr Reichskanzler es mit solcher Entschiedenheit gerade bei dieser Gelegenheit ausgesprochen bat'. Daß der Kanzler den Kotau vor den Junkern so offenkundig vor aller Welt und mit so schonungsloser Eeldstpreisgabe vollzogen hat, wird ihm also von Herrn Oerlel gnädigst gutgeschrieben. Nur daß der Kanzler die gar zu blamabelen Tolpatschigkeiten des PreußenbundeS leise getadelt und nicht auch die Kampsansage gegen das Reichstagswahlrecht selbst gerichtet hat, wird ihm noch als Schwäche angerechnet. Immerhin: im ganzen ist Herr Oertel— mit Herrn V. Bethmann durcvaus zufrieden. Der Aermste kann jetzt ohne Schlaf« Pulver schlafe». Bis ihn innere Krisen, geboren aus der ungestümen Empörung der Massen, aus seiner agrarischen Hypnose aufschrecken werden, die nicht so leicht zu beschwichtigen sind, wie der Groll der Junker! Tie Stichwahl im Kreise Jerichow ist amtlich auf Freitag den 20. Februar, festgesetzt. Die nationalliberale Parteileitung hat, wie verlautet, den Kon- se.rvativen energische Wahlhilfc zugesagt. Sie will sich in besonderen Wahlaufrufen an ihre Anhänger wenden und zur Stimmenabgabe siir den konservativen Kandidaten auf- fordern. Tic Fortschrittliche Volkspartci weist dagegen noch liiimer nicht, wie sie sich entscheiden soll. Tie Rcichstagsnachwahl in Köln-Land. Am 17. Februar wird im Wahlkreis Köln-Land die Nach- wähl stattfinden, Köln-Land ist ein alter ZeittrumSwahltreis. der jedocki infolge seiner industriellen Entwicklung von der Sozial- demolrane bereits stark bedrängt wird. 1903 erhielten wir lS428, 1907; 17 810, 1012; 24 203 Stimmen. Bei dieser letzten Wahl fehlten nur noch 300 Stimmen, um eine Siicknvahl zwischen uns und dem Zentrum herbeizusühren. das 83385 Stimmen erhalten hatte. Auf den Liberalen waren 8500 Stimmen entfallen. Das Mandat des Abg. Kuckhoff, eines Oberlehrers aus Esten, wurde jedocki im November vorigen Jahres vom Reichstage für ungültig erklärt. Für die Nachwahl hat dos Zemrum diesen Herrn Kuckhoff wieder als Kandidaten aufgestellt: sicherlich keine geistige Größe. Er erzählt nach seinem Manuskript in jeder Versammlung dasselbe und muß immer von einem gewiegten Agitator begleitet sein. Schwer liegt den Klerikalen die Popularität im Mögen, die sich unser Kandidat, Genosse Sollmann, durch den Kölner Polizei- brozeß in weiten Kreisen erworben hat. Mit allen Mitteln bemühen sie sich, dessen Ergebnis zu verkleineren. Man habe, erzählen die Zeutnvnsredner,.den Prozeß nur heraufbeschworen, wn SgitationS- stoff zu erhalten und— in dieser Voraussicht den Angeklagten schon vorher zum Kandidaten aufgestellt� Dem unglückseligen Strasantragsteller, dem Kölner Polizeipräsidenten wird also gar noch nachträglich vorgeworfen, insgeheim für die Sozialdemokratie zu arbeiten. Am kommenden letzten Sonntag vor der Wahl veranstaltet daS Zentrum 45 Versammlungen. Von unserer Partei sind 31 (teilweise unter freiem Himmel) einberufen, in denen 14 Reichstagsabgeordnete sprechen. Der Bund der Landwirte und die Christlichsozialen gaben Parolen für das Zentrum aus. Die Demokraten wollen im ersten Wahlgange für Sollmann stinimen. Leider sind die Liberalen, die einen Eiienbahnschloster als Kandidaten ausstellten und auf die es bei der eventuellen Stichwohl ankommt, überaus agitaiionsfaul. Es schein! fast, als wäre gewissen liberalen Kreisen eine Stichwahl äußerst unangenehm. Der Entwurf eines Rcichstheatergcsetzcs ist nach einer Mitteilung des„Berliner Lokal-Aiizeigers' zwar in seiner Begründung fertiggestellt, doch dürfte er schwerlich der laufenden Tagung des RcichSlages vorgelegt werden, da er voraus- sichtlich zu sehr umfangreichen Verhandlungen führen dürste, zu denen die Zeit fehle. Der Entwurf soll die privalrechtlichen Ver- Hältnisse der Bühnenangehörigen mit Einschluß der Orchestermitglteder und deS technischen Personals gesetzlich regeln. (defterreich. Die Arbeitslosendelnonstrationen in Lemberg. Lemberg, 13. Februar. Da es gestern in Lemberg wieder zu stürmischen Demonstrationen der Arbeitslosen gekommen ist und man für heute, wo in Lemberg Marktag ist, noch größere Unruhen befürchtet, durchziehen heute seit dem frühen Morgen Militärpatrouillen die Stadt. DaS Militär hat den Befehl, keinerlei Ansammlungen zu dulden. Irankreich. Tic Epidemien in der Armee.- Paris, 13. Februar. Mehreren Blattern zufolge hat der G e- fundheitszustand der Truppen, namentlich in den Gar- nifonen an der Ostgrenze, eine Verschlimmerung erfahren. Im MUitärkrankenhausc in Nancy befanden sich gegenwärtig 500, in Toul 800 und in Lunevillc 125 Kranke. Wie die„France Biilitaire" meldet, hat daS KriegSminifterium verschiedene Maßnahmen zur Hebung des Gesundheitszustandes in der Armee beschlossen/ darunter bessere Heizung der Kasernen und wärmere Bekleidung für die Mannschaften. Ueberdies sollen zahlreiche Urlaube gewährt und die schwächlicheren Soldaten aus- gemustert werben. AuS Algier wird gemeldet, daß die auS den Antillen nach Algerien versetzten Rekruten, weil sie in Südfrankreich massenhaft erkrankten, auch das algerische Klima nicht vertragen. Äammerdebatte über die Soldateuerkrankungen. Paris, 13. Februar. Die Kammer verhandelte heute die Interpellation über die Gesundheitsverhältniffe in den Kasernen. Der radikale Abgeordnete L ach a u d berichtete in längerer Rede eingehend über den Gesundheitszustand der Truppen, insbesondere deS fünften Jahrganges. Lachaud bat als Mitglied der Gesundheitskommission der Kammer eine Reise durch die Garnisonen unter- nommen. Er machte die Mitteilung, daß im Monat Januar auf einen Gesamtstamm von 717 415 Mann 269 009 Erkrankungen entfielen. 280 Soldaten sind gestorben, 14 089 mußten definitiv oder vorzeitig entlassen werden. In 76 Garnisonen sind die Masern, in 60 der Scharlach ausgebrochen. In 67 Garnisonen traten 266 Fälle von Genickstarre auf, mit 20 Todesfällen. Als Lachaud fortfuhr, unterbrach ihn der Sozialist R o u a n e t durch Zwischenrufs, indem er dem früheren Kriegsminister E t i e n n e vorwarf, er fct für den gegenwärtigen Zustand der Dingo verantwortlich. Rouane und nach ihin Albert Thomas machten Etienne den Vorwurf, er habe den ZlbänderungSantrag zu den Militärgesetzen angenommen, durch den auf einmal 45 000 Mann mehr eingestellt worden seien. Er hätte erklären müssen, daß es unmöglich sei. sie alle unterzubringen. Die äußerste Linke beteiligte sich lebhaft an den Zwischenrufen gegen Etienne, so daß der Präsident energisch einschreiten mußte. Helgsen. Intolerant bis znm Schluß. AuS Brüssel wird uns geschrieben: Intolerant bis zum Schluß — das war die Losung der Regierung in der Schulgesetzdebatte. Auch bei den letzten Abstimmungen wurde nicht ein Amendement der Opposition berücksichtigt. Zwei Ablehnungen von Zusatzanträgen sind da von besonders charakteristischer Bedeutung. Bekanntlich favorisiert das neue Gesetz moralisch und materiell in jeder Weise die K l o st e r s ch u l e n, und die öffentlichen Schulen werden ortab einen noch schwierigeren Komps um ihre Existenz haben als bis- her. Die Unterdrückung der verbaßten kommunalen Schulen wird unter dem neuen Schulgesetz aber umso leichter sein, olS die Klerikalen eS verstanden haben, den Kommunen durch die materielle Frag« die Existenz ihrer Schulen zu erschweren. Was für die Zukunft zu erwarten ist, lassen folgend« Ziffern- gruppen erraten. Während die Schulbevölkerung der kommunalen Schulen in der Zeitspanne von 1900 bis 1911 um 7 Proz. zugenommen hat. Hai sich die der konfessionellen Schulen um 31 Prozent vermehrt I Aus dem Lande, speziell in Flandern und in der Provinz Limburg, haben die Klerikalen den kommunalen Mädchenunterricht fast voll« kommen unterdrückt. Von 206 Genieinden in Limburg haben 75 keine Kommunalschulc mehr. Wo dort Kommunalschulen be- stehen, find sie in der unglanbtichste» Weise überfüllt. Da gibt eS Schulen, wo ein Lehrer 130 Schüler zu.unterrichten' Hot. Oder die öffemlichen Schulen sind meilenweit auf einem Hügel gelegen. Lauter Zustände, die den konfeisionellen Swulen zugute kommen. Die Lpposilion wollte nun einigermaßen dem Ronkurrenzkamps der klerikalen Schulen gegen die öffentlichen enigegenwirken und die Aus- heblingöpraxiS der Gemeinden unterbinden. DaS Amendement wurde glatt abgelehnt. Der RegienrngSiext des betreffenden Artikel« sorgt ausschließlich dafür, daß.nach Bedarf' konfessionelle Schulen errichtet werden können. Zu dem Zweck wurde ja auch das Gesetz gemacht. Ebenso charakteristisch ist die andere Abstimmung. Die kleri- kalen Schulen in Belgien sind wahre Herde der Verleumdung und Beschimpfung. Sozialisten. Liberale, Freidenker werden den Kindern als Apachen hingestellt. Die klerikalen Lehrer erklären den Kindern hie Ziviltrauung als Konkubinage. In der Provinz Limburg überwachen die Lehrer der konfessionellen Schulen die Beerdigungen, um im Falle einer Zivil- beerdigung am nächsten Tag den Kindern die»Belehrung" zu geben, daß der Betreffende„wie ein Huud eingescharrt wurde". Die Pfarrer lassen Trakratchen an die Kinder verteilen. in welchen die Kommunalschulen als Giftstätten ohne Glaube, ohne Moral charakterrfiert werden. au« denen das Kind„mit vergifteter Seele" heimkehrt. Die Sozialisten und Liberalen brachten im Hinblick auf diese Zustände Amendements ein. denen zufolge den Lehrern in Zukunft untersagt sein sollte, die religiösen, politischen und philosophischen Ueberzeugungen der Eltern der ihnen anvertrauten Kinder anzugreifen und zu verleumden. Wie zu erivarten war, wurden auch die Amendement« abgelehnt. Es wird also auch unter dem neuen Schulgesetz frisch-fröhlich weiter verleumdet und alles beschimpft werden, was den llerikalcn Fanatikern nicht genehm ist. Japan. Neue Demoustratroucn. Tokio, 13. Februar. Eine etwa 1009 Personen zählende Menge veranstaltete um Mitternacht eine Kundgebung in dem unteren Teile der Stadt. Ein Polizeiaufgebot von 500 Mann zerstreute die Menge und nahm 200 Verhaftungen vor. Tie Bc- Hörden sind offenbar entschlossen, alle Etraßenkundgcbiingen streng zu unterdrücken. Letzte Nachrichten. Lerbrechcn oder Selbstword? In später Nachtstunde wurde gestern noch die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei nach dem Hause Raumerstraße 25 gerufen. Dort war der erst seit drei Wochen verheiratete 31 Jahre alte Schneider Isidor Rose von seiner heimkehrenden Ehefrau mit Schußwunden im Kopf und an einem Türpfosten hängend in der Wohnsrube aufgefunden worden. Eine Waffe war aber nicht zu entdecken. Aufschluß darüber, ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, wird erst die Obduktion ergeben. Explosion in einer Filmfabrik. In der Filmfabrik der Borord Conrpagny London-Berlin in der Stolpischen Straße 37 explodierte gestern in der neunten Abendstunde ein großer Kessel, in dem �ilmmasse gemischt wird. Die Feuerwehr war von nicht lveniger als fünf verschiedenen Stellen auS alarmiert. Wie sich zeigte, war Feuer weiter nicht ent- standen. Ein Arbeiter hatte leichte Verletzungen davongetragen. Eine Erbschaftssteuervorlagc in Bayern. München, 13. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses legte die Staatsregierung den Entwurf eines Gesetzes vor, nach dem zu der Erbschaftssteuer, die nach den Vor- schriften des ReichS-ErbschaftSsteuergesetzcs veranlagt wird, ein Zuschlag von 25 Proz. für die Staatskasse erhoben werden soll. Es wird dabei auf die gleiche Maßnahme in Baden hingewiesen. Die Vorlage, die mit einer Einnahme von etwa 1,7 Millionen Mark rechnet, wird begründet mit der erheblichen Steigerung de? StaatSaufwandes, der Abminderung des Anteils der Bundesstaaten an der Erbschaftssteuer von einem Viertel auf ein Fünftel und dem ganz empfindlichen Rückgang einzelner Staatsgefälle. Die Ministerkrise in Schweden. Stockholm. 13. Februar.(W. T. B.) Das„Svenska- Telegrammbyran" ist ermächtigt, folgendes mitzuteilen'. Gouverneur Freiherr de G e e r hat dem König erklärt, er habe, nachdem er die Lage geprüft, gefunden, daß die Vor- Voraussetzungen, die er für die Bildung eines neuen liberalen Ministeriums für notwendig erachtet habe, nicht vorhanden sind. Der König hat unmittelbar darauf den Gouverneur H a m m o r s k j o e l d zu sich rufen lassen und ihm angeboten. das Ministerium zu bilden. Hammarskjoeld hat, mit Rück- ficht auf die Lage, die durch die Weigerung der Linken des Reichstages, an der Bildung eines Ministeriums mitzuwirken. entstanden ist. dem König geraten, sich an die Rechte des Reichstages wegen der Bildung eines Ministerlums zu wenden. Der König hat jedoch den Gouverneur Hammerskjoeld ersucht, die Frage von neuem in Erwägung zu ziehen._ Die Verteidiguug- der südafrikanischen Regieruug. Kapstadt, 13. Februar.(W. T. B.) Premierminister B o t h a ergriff heute während der Debatte über die JndemnrtätSbill daö Wort und verteidigte die Haltung der Regierung wahrend der Aus- schreitungen im Juli und Januar. Er bezeichnet« den Ausbruch der Unruhen im Juli als einen Krieg gegen Frauen und Kinder und als einen mörderischen Angriff auf die Volks- f r c i h c i t. Johannesburg habe sich am 5. Juli in einem Zu- stände der Revolution befunden. Er habe viele KriegZtragödien gesehen, doch sei die Lage in Johannesburg an jenem Tage das schrecklichste gewesen, daS ihm jemals vor Augen gekommen sei. Wenn die Regierung nicht mit den Streilern ein Abkommen ge- troffen hätte, so würden die Folgen entsetzlich gewesen fein, da eine Biertelmillioi» Eingeborene sich erhoben hätten und überall Anarchie geherrscht hätte. Taufende von Menschenleben wären dann verloren gegangen und ein Schaden von Millionen entstanden. Botha erklärte sodann, er sei fest überzeugt, daß die Arberter- führer niemals eine Abstellung der von ihnen getadelten Mißstände» von denen viele gar nicht existierte«, gewünscht hätten. Sir seien lediglich geschworene Feinde der Gesellschaft. Botha rechtfertigte dann das Kriegsrecht mit der Begründung, daß es Blutvergießen verhindert und den gefährlichsten Angriff auf die Nation zunichte gemacht habe. Trauriger als durch diesen Botha ist wohl noch niemals eine Regierung verteidigt worden. Alles, was er sagte, trägt den Stempel der Lüge an der Stirn und ist zum Teil geradezu albern. Doch das schlechte Gewissen zwingt die südafrikanische Regierung dazu, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Und in» dem sie dem Bürgertum Angst einjagt mit der Revolution. schafft sie sich willige Trabanten, die ihr den Staatsstreich nicht verübeln._ Verständigung in der Bagdadbahusrage. London, 13. Februar.(W. T. B.) Das Reuterfche Bureau meldet, in der Frage der Bagdadbahn sind die Haupt- punktezwischenDeutschlandundEngland g e- regelt, ebenso die Frankreichs Interessen berührenden Hauptfragen. Es bleiben nur noch Einzelheiten zu regeln. Ei» Schiff im Kaiser-Wilhelm-Äanal gesunken. Kiel, 13. Februar. Im Kaiser-Wilhelm-Kanal stieß heute der Dampfer..Bachur" von der Nepiun-Gesellschaft in Bremen mit dem Dampfer„Hildegard" aus Burg(Dithmarschcn) zusauunen. „Hildegard" wurde stark beschädigt und sank später. Bei dem Unfall sind zwei Mann de» gesunkenen Dampfers ertrunken. Spittelmarkt Belle-Alliancestr. Gr. Frankfnrterstr. Bnumenstr. Verlangen Sie bei Einkäufen Rabattmarken 4 Quadrate zum Zusammen- | setzen von Decken oder Läufern, . Torgo- Iretchnet«5c!rPf. 1 m. Pranzen garniert 1 und Torgp zeichnet 39 PL 1 1 Wäscheleine Aloe 3 9 Pf. 1 Maschinen- topf Alumininm 39pf. i Polier- fach I Abwaschtuch f Scheuertuch Z SmZllsMv ca. 45X45 cm geeäumt 39 10 Pakete WemiSM 39 pf. 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Küchenkante jr�Tet 1 Mittendecke vorgezeichnet 1 Kissenbezug aus stark fädig. Stoff, neuo Zeichnungen 1 Topflappentasche _ läppen, vorgezeiolm. 1 Bttrstentasche 1 Paradehandtuch Jffit Lampen 1 KüchenlampeeTennTr 39 pf. 6 Glaszylinder mitGoidstempei 1 Blakerzünder...... 39 pl 1 Gasanzünder ©irkchoFtsoitlkel zusammen 1 Waschbrett......... 39 pr. 1 Fleischbrett\ 1 Klopfer f 1 Klosettbürste 1 Staubwedel 1 Rosshaar- handteger 39 1 Springform0� 1 Pnddingform....... 39 pf. 1 Durchschlag! zusammen 1 Sieb j 39 Pf. 1 Ausklopfer......... 39 pl 1 Fensterleder....... 39 pt 1 Glanzbürste 39 pf. Ä 1 Möbel- btt ste 1 Fnsshank"it.,�r'bten 39 1 Putz- oder Wichskasten 39 3 Ähorn-Frühstöcksbretter 39 1 Besteckkasten s-temg 39 IKamm- kästen poliert 1 Handtuchhalter.. 39 pr. 1 KaSSerOlle Alamminra.. 39 1 Fleischtopt Aluminium.. 39 1 Kinderteiler\ � 1 Kinderbecher S i pf 1 Briefkasten 39 Pf. 1 Königskuchenform 39 3 Teelöffel Ai�..... 39 pf. 2 Schock gr. Wäscheklammern 1 Balkoukasten �chMt 1 Kleiderleiste �.n 39 1 Leitnngsschoner dekor. 1 Pfeifermühle 33 1 Möbelpinsel mit QQ Kapsel ä 3 1 Kaffeebüchse] 1 Zuckerbüchse j 39 pf 1 Brot- oder Fleischmesser 39 1 Messerputzhank mit Lederbezug 1 Aufschnittgabel 1 Küchenkonsol grau od. gelb gestrichen 1 Kleiderbürste 1 Schrubber Xk"rt 1 Eierschrank 39 i Waschständer... 39 pr. Delftdekor, zucammen zusammen 1 Kohlenschaufel. 1 Feuerhaken 139 39 pr. 1 Marktnetz 39 12 Teelöffel 6 Essiöffel 6 Teelöffel Aluminium 3 Esslöffel Aluminium_ 1 Petroleumkanne 1 Paar Solinger Bestecke»q schwarz oder vernickelt........ 'Verkauf nidit an lOiederverkäafer steinsut 4 Kaffeebecher dekoriert 39 6 Dessertteller 39 pf. 1 Salz- oder Meblmeste mit Schrift BDessertteller 6 Näpfe 39_ 1 Vorratstonne Dde�or 39 pi. 1 Essig- od. Oeliiasche �39 pr. 3 Gewürztönnchenociftdekor I Satz Schüsseln TlufoT" 3 Milchtöpfe bunt 39 Pf. 6 Maschinen- G bunt. 39 ISuppenterrine�Ä'nr 1 Kartoffelschttssel 39 mit Deckel, oval, Fcstonlonn.,.. PL 39 pi. pl 1 Waschserviceschüsser 1 Seifenschale........ 1 Zahnbürstenschale..., Seifen 3 St. Oberschalseife 39 pr. 2 megei Sparkernseife Tm'g SPfd.Salmiak-Terpentin- Seifenpnlver........ 39 pl 1 Blechtlasche Amor Putzwasser 1 Dtz. hygienische Binden 3St.Lanolinseife.. 39pf. Zahnseife (Bersmann) 39 pl 1 Nagelpflege-Kästchen enthaltend 1 Zelluloid Nagel OQ�, Polierer u.1 Nagelpolieretlft 1 Flasche Bay-Rnm 39 pr. lFlascheBrillantine39 pl 1 Flasche Mundwasser 39 1 grosse Blasdose Zahnnulver39 Kurzwaren 12 Dtz.Dnickknöpfe 39 p,. 1 Stück Bettlitze 1-.� 2GarnitarenSenkeli 39 pr. 1 Paar Sockenhalter«1™ 2 Paar Kinder- Strumpfhalter 1 Paar Barnen- - Strumpfhalter 2 Paar Armblätter waschbar oder mit Gummiplatte 2 tiaarweller....... 2Pad( Haarnadeln JA 2 M Lockennadeln � 4 Kinder- | lassen Pomeiw.{ mllünt�rtaasen dekoriert 39pl Ii Bratenplatte 1 ovaL Poraellaa 39pl 3 Pakete Brillant- Qlnnzstärke 39p, 3 Stäcke Blomea- Fettseiie 39p 1 Paar vaiWiirWe arbig i schwarz, ledpr' deutsch- JADg«99 Paar Herrensocken? moderne Barben, mit besticktem Fnssblatt � Q tnalzlüuei I Paar für i»aman-irümpfe,! . Reine Wolle, schwarz oder leder-] farbig 1 liDteMclieD für Damen, weiss, j mit langen Aenneln j oder mit H.lkelpa 39pt I Album Lf.Reklamef marken 100 verschiedene Reklamemarken 39 pl 1 Sport- oder Tuntgärtel iQr Knaben 39p 6 Paar Schniisenkel lang. Mako 39 pl 6 Gläser- Untersetzer mit vernickelt. Rand] 39 1 Wandbild unter Glas es. 31X24 oa 39pt 1 Handtuch- kalter ca. 46 om 1s« 39p. IT Taschentuch! . Rein« Seide", tful .'amen oder Herren,! 1'arbig, m. HohluMunl 39pl gaj uö Broroito. Siedakt.: Alfred Viele»». Neukölln. Jnferatenleil verantlv.- T». Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwäns Luchdr. u. Verla�eanstall PaulSingeräCo..SerlinLW. Hierzu 4 Beilagen«.lltterhaltunasbl. Dr. 44. 31. Jahrgang. I. KkilP des Jormiitb" ßtrlmtt Gewerkschaftliches. ö erlitt und Umgegenö. Achtung, Buchdrucker! Noch ist der Streik in Oesterreich nicht beendet, noch haben die Einigungsverhandlungen nicht ihr Ende erreicht! Die österreichischen, namentlich die böhmischen Prinzipale suchen aber bereits Arbeitskräste, die nach Beendigung des Streiks eintreten sollen. Lasse sich dadurch kein Kollege fangen und weise seder alle Angebote zurück. Nach Beendigung des Streiks sind die Unternehmer verpflichtet, die Ausständigen wieder einzustellen. Die setzigen Angebote sind nur ein Köder, mit dem unsere schwer um Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ringenden österreichischen Kollegen um ihre Errungenschaften geprellt werden sollen. Oester- reich ist nach wie vor zu meiden. Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgietzer. Achtung, Friscurgchilfen! Tariflich geregelt sind die Betriebe von B ö t t g e r. Schliemannstr. 33, Schütze, Sprcngelstr. 16, «ud Melfcl, Ackerstr. 81. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Reich. ZlMM) Arbeiter ausgesperrt. Die von dem noch jugendlichen Tircktor E i ch b c r g der Linkc-Hofmann-Werke in Breslau angedrohte Aus- sperrung oller organisierten Arbeiter, die sich mit den bis zu 66 Proz. betragenden Lohnkürzungen nicht einverstanden erklärten und nicht den von dem SeKirfmacher Eichberg geforderten Austritt ans ihrer Berufsorganisation vollzogen, ist zur Tat- fache geworden. Mit den bereits ausständig gewesenen Arbeitern aus den einzelnen Abteilungen des Riesenbetriebes liegen seit An- fang der Woche rund 5666 Arbeiter aus der Straße, die etwa L6 666 Angehörige zu versorgen haben. Und das «alles, weil die Arbeiter nickt damit einverstanden waren, daß ihnen der Lohn, den sie seit 15 Jahren erhalten, gekürzt wird. Keine Lohnerhöhung, keine Verkürzung der Arbeitszeit, nichts, rein nichts, wurde von den Arbeitern gefordert, und trotzdem die Aussperrung, die aus das gesamte Geschäftsleben der Stadt Breslau geradezu unheilvoll wirken muß. Von der Aussperrung in Mit- leidcnschaft gezogen sind nicht nur die in den freien Verbänden Organisierten, sondern auch die Hirsch-Dunckcrschen Gewerkvereinler und die Christen. Ein großer Teil der katholischen F a ch a l> t c i l c r versagte ihren Führern, die verlangten, daß die Mit- gliedcr sich die Lohnabzüge und die übrigen schimpflichen Bedin- gungen gefallen lassen sollten, die Gefolgschaft. Der größte Teil der Fachabteiler erklärte sich mit den Ausgesperrten s o I i d a- r i s ch. Da die Leitung der Fachabteiler die Verweigerung von Unterstützungen in Aussicht stellte, traten viele Fachabteiler zu den anderen Verbänden über. Es ar- besten nur noch die Gelben und einige Hintzegardistcn, die im Betriebe wohnen und beköstigt werden. Wcs Geistes Kinder die Raus- rcißer sind, beweist die Tatsache, daß einer von diesen Streikbrechern zu einer Arbeit, für die die Ausgesperrten 45 Pf. bekommen, einen ganzen Tag gebrauchte. Wie bei allen Kämpfen zwischen Unternehmern und Arbeitern äst auch in Breslau die Polizei in großen Massen auf- «geboten. Gendarmen und Schutzleute bewachen die Fabriktore, und innerhalb sowie vor dem mächtigen Gcbäudekomplex und in dessen Umgebung patrouillieren zahlreiche r e v o l v c r u in- gürtete Polizisten zu Fuß und zu Pferde/ Früh, mittags und abends wird das Schutz mann saufgebot noch be- deutend verstärkt. Selbst in den der Fabrik entlegenen Arbeitervierteln stehen an den Straßenkreuzungen doppelte Schutzmannspostcn. Dabei ist noch nicht das gering st e vor- gekommen. Angesichts der geradezu m u st e r h a s t c n Ruhe, die die Ausgesperrten bewahren, wirkt das ungemein starke Polizei- aufgebot geradezu provozierend. Jeden Tag finden Per- sammlnngen der Ausgesperrten statt, in denen über die Situation berichtet wird. Am Mittwochnachmitiag fand eine von über 2 66 6 Krauen der Ausgesperrten besuchte Versammlung statt, die den Rednern, die das rigorose Vcrlxiltcn des Herrn Direktors Eichberg schilderten, stürmischen Beifall zollte und gelobte, ihre Männer in dem ihnen aufgezwungenen Kampf nach Kräften zu unterstützen. Bei den Geschäftsleuten der Nikolaivorstadt, Wo die meisten Opfer der brutalen Ilnternehmerwillkür wohnen, machen kleines Zeuilleton. Rcklamcfruilletonisten. Im.Kunstwart' wurde kürzlich auf eine journalistische Korruptionserscheinung hingewiesen, die einen besonders peinlichen Geruch verbreilele. Eine österreichische Firma bietet den Zeitungsberlegern sogenannte Reklamefeuilleions an, will iagen: Feuilletons, in die scheinbar absichtslos eine Reklame für irgend ein Jnduslricprodukt eingeflochten isl. Wenn beispielsweise eine Ka ssee trinkende Dame eingesiihrt wird, trinkt sie von wegen der Gesundheit und des geradezu hinreißenden Geschmacks Kathreiners Malzkaffee usw. Die Phantasie der Rcklameseuilletonisten weiß jeden beliebigen Gegenstand aui diese Weise zu verwenden. Warum ist diese Rellame nun so besonders widerwärtig? Weil nian das bestochene Lob in einem Feuilleton unterbringt, da« r a t s ä ch l i ch zum Text der Zeitung gehört und vom Leser selbstverständlich auch dafür genommen wird. Das Reklamclob er- schein: damit als die Ansichl eures unabhängigen Schriflsteliers und die Redattion unterstempelt diese Ansicht noch ausdrücklich, indem sie das Ding zum Abdruck bringt. Warum aber ist diese Lüge so häßlich, daß sie mit irgendeiner anderen redlichen Lüge gar nicht verglichen werden kann? Weil sie die freie gei st ige Arbeit deS Schrift- st e l l e r s, die immer einen gewissen Adel behalten sollte, v o n den gewinnsüchtigen Absichten eines Industrie» menschen abhängig macht. Immer wieder wird man an das Wort im Kommunistischen Manifest erinnert, nach dem die Bourgeoisie auch die ursprünglich ehrwürdigen Berufe mehr und mehr ihrer Ehrwürdigkeit entkleidet. Wie lange dauert es noch und die Schneider finanzieren die dramatische Kunst? Es brauchen sich in einem Stück ja nur zwei Salonmeiiichen über ihren Frack zu unterhalten und bei dieser Gelegenheit die zahlende Firma zu erwähnen. Was kann man als Journalist gegen dieses Unwesen tun? Zunächst kann man tun, tvaS der Journalist immer tun kann: n, a n kann es aktfdecken! Je tiefer die anständige Presse den Satz «inprägt: wenn in einem Roman oder in einer feuilletonistischen Erzählung plötzlich bekannte Jndustrieprodukte auftauchen, Handell «s sich in neun von zehn Fällen um eine Bestechung des L u r o r s— um so unrentabler wird das Geschäft für die un- anständige Presse. Und dann müßle man selbstverständlich mit äußerster Schonungslosigkeit jeden Schriftsteller hängen, der sich über solchen Dingen ertappen läßt. Merkwürdige Erfolge rtner Parodie. Hermann Wagner, der Derfasser der Parodie aus den Schuirdromau, die im letzten Mon- tagsblatt unsere Leser ergötzte, erhielt von dem Verlag für Volksromane(Christian Ssrcichcin in Elbflorcnz) folgende» Schreiben: sich die Folgen der Aussperrung schon ganz erheblich bemerk- b a r. Selbst bürgerliche Kreise sind schioer en t r ü st c t über das Vorgehen des Herrenmenschen Eichbcrg. So beschäftigte sich der bürgerliche Verein der Gast- und Schankwirte von Breslau in seiner letzten Mitgliederversammlung mit der Aussperrung. Ein Antrag aus der Mitte der Versammlung, eine Protestver- s a m m l u n g aller Gewerbetreibenden gegen das die Allgemeinheit schwer schädigende Vorgehen des Direktors Eickberg einzuberufen, fand e i n st i m m i g c Ä n n a h m c. Die Bäcker- und F l e i s ch e r i n u u ir g, der Verein der K a u f l c u t e und der B ii r g c r v c r c i n für die Nikolai-Vorstadt hat seine Be- tcitigung an der Protestversammlung schon zugesagt. Wie weit die Animosität gegen den Scharfmacher Eichberg gebt, dem es in der Hauptsache aus Zertrümmerung der gewerkschaftlichen Organisationen ankommt, beweist die Tatsache, daß selbst die sonst mit den Unternehmern durch dünn und dick Mhendc klerikale „Schlcsische V o I k s z c i t u n g" van diesem Herrn abrückt. iluch sonst erhalten die Ausgesperrten aus bürgerlichen Kreisen viele Sympathiekundgebungen. Tic Ausgesperrten, die täglich zur Kontrolle kommen und deren Zahl sich von Tag zu Tag mehrt, sind guten Mutes. Der Ausgang des KviirpfeS macht ihnen keine Sorge. Wissen sie doch, daß mit den im Betriebe gebliebenen Gelben und dem hergelaufenen Gesindel der Streikbrecher ein solcher Riesenbetrieb nicht aufrechterhalten werden kann. Außerdem mehren sich die Anzeichen für eine Lohnbewegung der Arbeitswilligen. Tatsächlich hat schon eine Kommission von ihnen wegen Lohnanfhesse- r u n g mit dem Tircktor Eichberg verhandelt, wurde aber rundweg abgewiesen. Den Schaden von dem rücksichtslosen Borgehen hat in erster Linie der Staat; denn die Lintc-Hosnrann-Werke haben Liefe- rungeii in Eisenbabnkokomotiven und Waggons für denselben. Wie die Streitbrcchcrarbeit von allerlei HergehoUeu, mit dem Betriebe nickt vertrauten Arbeitern ausfallen muß, kann sich jeder selbst ausmalen. Porzcllaiiarbcitcr, Borsicht! Die Firma Karl Müller. Porzellan- fabrik in S t ü tz e r b a ch, hat den Drehen: bedeutende Lohn- reduktionen angekündigt. Die bisherigen Verhandlungen der Dreher mit der Firma lassen den Schluß zu, daß cS zu ernsten Differenzen iominen wird, und ist deshalb der Zuzug streng fernzuhalten.— In V o h e n st r a u ß sind ebenfalls Lohndifferenzen ausgebrochen, und ist auch dahin der Zuzug zu meiden. Kuslanö. «Held Keiling in Oesterreich. Wie jetzt bekannt wird, hat der Mordgesellc Keiling schon vor einigen Tagen, bevor er den Genossen Solinger in Bodenbach erschoß, in Jägerndorf(Oberschlesien) einige Buchdrucker mit Erschießen be- droht. Die Polizei ließ ihn laufen. Den Waffenpaß hat Keiling von der P r a g e r Polizcidirektion— obgleich nach österreichischem Gesetz nur u n b e s ch o It en e Menschen einen Waffenpaß erhalten dürfen. In Bodenbach wie in Reichenberg protestierten Massen- versainmluungen gegen die behördliche Beihilfe zum Mord, die in der Nachlässigkeit gegenüber dem gefährlichen Verbrecher liegt. Richter„aus dem Volke". Vor den B r ü x e r Geschwornen sollte dieser Tage der Prozeß gegen unser im Brüxer Kreis gedrucktes Karlsbader Parteiblatt beginnen, durch dessen Brandmarkung der Streikbrechervcrmittelung des „Bundes der Deutschen in Böhmen' sich dieser bürgerliche Kampf- verein gegen Tschechen und deutsche Arbeiter beleidigt fühlte. Der Angeklagte lehnte jedoch sämtliche Geschworne ab, da sie alle Mitglieder des„Bundes der Deutschen in Böhmen' sind. Er hat weiter beim Obersten Gerichtshof in Wien die Dele- gierung eines außerhalb Deutich-Böhmcns liegenden Gerichts be- antragt, da in Deutsch-Böhmen sämtliche Geschworne Mitglieder des „Bundes der Deutschen in Böhmen" sein dürften. Und diese Leute urteilen als.Volksrichter" über die ihnen politisch gegnerische Presse!_,_ In der niederländischen Rhcinschleppschiffahrt drohte seit einiger Zeit wegen Lohnforderungen der Schiffsbesatzungen ein Streik aus- zubrechen. Der Konflikt ist nunmehr, nach einer gemeinsamen Lagung des Vorstandes der Vereinigung der niederländischen Rhein- schleppbootbesitzer und des Vorstandes des Bundes der Maschinisten, Heizer und des Deckpersonals, beigelegt. Es wurde ein neuer Arbeitsvertrag auf die Dauer eines Jahres vereinbart. Dagegen dauert der Streit zwischen Arbeitern und Unternehmern in der nicderländisch-belgischen Binnenschiffahrt noch an. „S. g. H.! Durch meinen Beruf bin ich leider gezwungen, auch minderwertige Blätter— sozusagen SchunMätter— zu lesen. Zu diesen gehört auch der„Vorwärts", der mir schon so manchen Kunden abspenstig gemacht hat. Ich sage Ihnen, ich habe eine Wut auf diese sogenannte Zeitung; das ist schon fast nicht zu beschreiben. Zu meinem größten Erstaunen fand ich nun das erstemal in meinem Leben etwas Vernünftiges in diesem Blatte. Und zwar in der letzten Montagsausgabc unter dem Titel:„Der Schund- roman." Hören Sic, das haben Sie aber fein gemacht! So echt, so wahr, so natürlich und schön empfunden! Ich war vor Eni- zücken ganz aus dem Häuschen. Aber, bester Herr Wagner! der „Vorwärts" ist doch wohl nicht das geeignete Organ für solche gute Arbeiten. Das glaube ich. daß diese außerordentlich gute Ab- Handlung für die Redcrktronsfritzcn am„Vorwärts" ein gefundenes Fressen war,„auf das sie sich mit der Gier hungriger Wölfe stürzten".(Zitat aus einem meiner Verlagswerke.) Verehrter Herr Wagner, tun«ie mir den einzigen Gefallen und geben Sie die Mitarbeit an diesem Spektakelblatt auf! Was können Ihnen diese Leute schließlich nützen? Reineweg gar nichts. Da taim ich Ihnen"geradezu glänzende Vorschläge machen, um endlich zum eigentlichen Zwecke dieses Schreiben zu kommen. Ich bestelle bei Ihnen: drei V i) I k s r o m a n e. Jeder muß 166 Hefte füllen ä 16 Pf.«Sie kennen wohl diese l'orzngliche Geist esnahrung, deren Beschaffung sich mein Verlag angelegen sein läßt?) Ich gewähre Ihnen 26 Proz. vom Ilm- sah. 1666 M. pro Roman gara-nticrc ich Ihnen,»vahrschein- lich wird die Summe aber bedeutend höher werden. In fünf Jahren sind Sie ein wohlhabender Mann! Greifen Sie zu, bester Herr Wagner! Geschäft ist Geschäft. In diesem Sinuc begrüße ich Sic als Ihr ergebener, zu- künftigen Verleger. Christian Streichein." (Wir fürchten, die Äniouuternchmcr werden nun demnächst auch unsere WochcnfilMvcrarrstaltcr zur Mitarbeit einladen.) Ein antisozialistischcS Tendenzstück von Bricux. Aus Paris wird uns geschrieben: Brieux war immer eine unkünstlerische Natur, aber er hat manche geiellschafllicbeir Uebel mit iheatralisch wirksamer Beredsamkeit bekämpft. Aber auch sie ist ihm bei seiner Komödie „Der Bourgeois aus dem Land", deren Generalprobe wir am Dienstag im Odeon, dem zweiten Nationaltheater, über uns ergeben lassen mußten, ausgegangen. Sicherlich ließe sich eine Tragikomödie des sozialen Idealisten lvie die jedes anderen Idealisten schreiben. Aber Brieux zeigt uns einen reichen Hansnarren, dessen aus Büchern über Volkswirtschaft, Agrikulturtechnik und Nabrungs- mitielphysiologie geschöpfte Volksbeglückungspläne au der Gemein- heit und Dummheil der Bauern zu schänden werden. WaS soll da- mit bewiesen werden? Daß der Idealismus eine Eselei und Ver- nunft nur beim Prositbürgcr ist? Plädiert Brieux sür Briaud? Und lvas hat da» spießerhafte Mißverständnis des Rousseau mit Zonililbelld, 14. Februar t9l4. mmmmmmmmm—mmmmmm—am—m Wahlen zur Grtskafte für das öuchöruckgewerbe zu öerlin. Arbeiter und Arbeiterinnen im Buchdruckgewerbe! Uebt Euer Wahlrecht für Liste l am Sonntag, den 15. Februar, so früh als möglich au?. Der Wahlalt beginnt um 9 Uhr vormittags und schließt pünktlich um 2 Uhr mittags. Nur derseuige, welcher um 2 Uhr im Wahllokal an- wesend ist, kann sein Wahlrecht ausüben. Jeder Wähler hat die Verpflichtung, wenn irgend möglich, schon im Laufe des Vormittags seine Stimme abzugeben, damit durch Nachtäisigkcit leine Stimme verloren geht. Die Gegner der freien Gewerkschaften überschwemme« unter der Firma„Nationaler Wahlausschuß" alle Betriebe im Buchdruckgewerde und suchen Stimmenfang zu treiben. Gebt diesen Dunkelmännern, die sich durch ihr Verhalte» im österreichischen Streik selbst gekennzeichnet haben, durch vollzähliges und frühzeitiges Erscheinen am Sonntag, den 15. Februar, die richtige Antwort. Gebt so früh wie möglich Eure Stimme ab für Liste l. parlamentarisches. Schutz vor Berrat militärischer Geheimnisse. Die Debatte über K 2 Abs. 3 des Entwurfes, der den Kautschuk- begriff der„bedeutenden Gefahr" neu einführen will und leben?- langes Zuchthaus androht, wurde am Freitag in der Kommission sortgesetzt. Mit derselben Strafe sollen Beamte und Militärpersoneii belegt werden löniren, auch wenn. die Gefahr nicht eine„bedeutende" ist. In der folgenden Abstimmung wurde der erste Satz der Regierungsvorlage, der lautet:„Hat der Verrat eine bedeutende Gefahr sür die Sicherheit des Reiches zur Folge und konnte der Täler dies voraussehen, so kann auf lebens- langes Zuchthaus erkannt werden' gegen die konservativen und nationalliberalen Stimmen abgelehnt. Der zweite Satz wird gegen die sozialdemokratischen Stimmen in folgender, vom Zentrum beantragten Fassung angenommen:„War das Geheimnis oder die Nachricht dem Täter in seiner Eigenschaft als deutscher Beamter oder deutsche Militärpcrson zugänglich, so kann, wenn der Verrat einen schweren Schaden für die Sicherheit des Reiches zur Folge gehabt hat und der Täter dies vorausgesehen hat, auf lebenslängliches Zuchthaus erkannt werden." Der§ 3, der denjenigen bestraft, der ohne den Vorsatz, die Sicherheit zu ge- sährden, militärische Geheimnisse vorsätzlich an einen anderen ge- langen läßt, wurde mit dein von sozialdemokratischer Seite gestellten Zusatz„und rechtswidrig' angenommen, so daß die Fassung nunmehr lautet:„vorsätzlich und rechtswidrig'. Gcwerbeorduuugskommissiou des Reichstages. Am Freitag wurde über die Rohbernsteinfrage verhandelt. Die Regierung verlangt ein Verbot des Bernsteinhandels ün Umherziehen. Dieser Handel ist kaum der Rede wert, trotzdem der» laugt die Regierung eine Verbotsbestimmung. Die Sozialdemo- kraten und ein Freisinniger bekämpften diese GelegenheitsgesctzeS- macherei. Nach langer Debatte wurde der Negierungsantrag mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Hierauf wurde über die Anträge der Konservativen und des Zentrums verhandelt, Uhren im Wandergewerbebetricbe auSzn- ichließen, während jetzt nur Taschenuhren dem Verbot unterliegen. Die Sozialdemokraten wandten sich gegen dieses Verbot, ebenfalls die Freisinnigen. Die Konservativen und das Zentrum traten für ihre Anträge ein; die Erhaltung des Mittelstandes erfordere diesen Schutz. Die Regierungsvertreter bekämpsten die reaktionäen Vor» schlüge ebenfalls.— Die Verhandlung wurde dann vertagt. Der Kampf um das Reichsarchiv. Der grötzte Teil der Sitzung der Budgetkommission am Freitag wurde, nachdem die zum Marincetat vorliegenden Petitionen er- ledigt waren, ausgefüllr durch eine umfangreiche ReichSarchivdebattc. I Das Reichsarchiv soll einen Flügel des von Preußen zu erbauenden I Staatsarchivs einnehmen und unter gemeinschaftliche Verwalrung dem Sozialismus zu tun? Wir sind zwar dermalen wieder für juste rnilieu, soziale Friedfertigkeit und ungenierte Bereicherung— aber leben schließlich doch nicht mehr unter König Louis Philipp.— Der unerträglichen Langweiligkeit und Albernheit des Stückes hielt nicht einmal dys neugeborene Woblwohlen des Snobs für kapitalistische Ethik stand. Den stärksten Applaus bekam Herr P o i n c a r« beim Eiutrilt in seine Loge. Der Rest des bourgeoiscn Spektakels versagte. Man tvird die Stimmung für die Wahlen von einem anderen als Herrn Brieux präparieren lassen müssen. Die transatlantische Flugmaschine. AnZ New Dork wird be- richtet: Der Flieger Glenn C u r t i ß, der als Kandidat sür den 266 666-Mark-PreiS für den ersten Flug von Europa nach Amerika austritt und zu diesem Zweck an der Konstruktion eines großen Wasserflugzeuges arbeitet, traf am Dienstag in New Dork ein und äußerte in einem Gespräch mit Sachverständigen seine feste(?) Ileberzeugung von dem baldigen Gelingen des transatlantischen Fluges.„Das neue Wasserflugzeug wird größer seiu als alle bis- her gebauten Flugzeuge und soll den Flug von St. Johns auf Neu« sundland zur irischen Küste ohne Zwischenlandung mir einer Stundengeschwindiglcit von 116 Kilometern zurücklegen, c-ric wird gelingenden Petrolenmvorrat mitführen können und stündlich crwa 66—75 Liter Brennstoff verbrauchen. Der Apparat wird voraus- sichtlich zum Juni fertig und nach Probeflügen im August von St. Johnö starten, wahrscheinlich frühmorgens, so daß das Flugzeug zum Nachtflug leichter sein und zur Landung besser befähigt wird.' Notizen. — Im Deutschen Opern hau sc findet in der nächste» Woche die er st e Aufführung der. Meistersinger' statt und zwar am Sonnabend; diese Vorstellung beginnt bereits um 7 llbr, ebenso wie die Parsifalvorstelluugen. von denen die nächste am Sonntag, den 22. Februar, in Szene geht. — B ü h n e u ch r o n i I. Als Nachfolger Nuscha Butzes ist Franziska E l l in e n r e i ch vom Deutschen Schauspielhause in Hamburg an das Berliner Kgl. Schauspielhaus engagiert worden. Sic wird sich im März den Berlinern vorstellen. — Bertillon gestorben. Der Anthropologe Alphonse Bertillon, dessen System, rückfällige Verbrecher durch Körper- Messungen wiederzuerkeiiiieu, polizeilicheu Weltruf erlangte, ist 66 Jahre alt in Paris gestorben. Er war seit dreißig Jahren Chef des ErkennungSamteS der Pariser Polizei. Erst das Fingerabdrucksystem hat seiner Methode ernstlich Konkurrenz machen können. — Fernzündung mittels F u n k e n t e k e g r a p h i e ist Marconi jetzt auf eine Entfernung von 16 Kilometern gelungen. Sobald der Srrom in Tärigkeit rrat, flammte die Lampe auf und brannte dann, so lange die elektrische Kraft wirkte. Marconi hoffr, daß dieses Experiment der Vorläufer der Anwendung radio- telegraphischer Kraft sür Bcleuchtungs- und Hcizungszwccke sei» werde. mit dies«» gestellt werde«. Da Lei Beratung de? TtalS bom Reichsamt des Innern die Eigentumsfrage zwischen Preußen und dem Reiche nicht genügend geklärt wurde, konnte die Kommission zu keinem Beschlüsse kommen, weshalb die Angelegenheit zur nochmaligen Vorberatung zurückverwiesen wurde. Inzwischen ist eine Denkschrift der Regierung erschienen, aus der zu ersehe« ish daß dem Reiche zwar ein Besitzanteil zu- gestanden worden ist, jedoch nicht bezüglickj deS von ihm zu be- nutzenden Flügels, sondern in Form einer Quote am Gesaintbesitz. Diese Lösung genügte der Kommission nicht, die Angelegenheit wurde, um sie im Sinne der Kommission durchzuführen, nochmals an die Regierung zurückverwiesen. Hierauf wurden die zum Etat des ReichSamt» des Innern vorliegenden Petitionen erledigt. /tos öer Partei. Die rote Woche. Bom 8. bis kö. März wird nach den Beschlüssen der Partei instanz« durch das ganze Reich eine intensive Agitation für unsere Organisationen und unsere Parteipresse stattfinden: Die rote Woche! Wohl hat die deutsche Arbeiterbewegung einen Aufstieg zu verzeichnen gehabt, wie er beispiellos in der ganzen Welt da sieht; ein Wachstum, so rasch und so gewaltig, wie eZ von keiner Partei sc erlebt wurde; jede neue Wahl brachte neuen gewaltigen Stimmenzuwachs, brachte Erfolge, die selbst hochgespannteste Er- Wartungen übertrafen. Aber die EntWickelung der Organisationen und die Verbreitung der Parteipresse hat nicht immer gleichen Schritt mit diesem Wachstum gechalten. In der letzten Zeit war besonders unter dem Eindruck der Krise eine Stagnation, hier und da selbst ein direkter Rückgang, in der Zahl der Organisierten und der Leser der Partei- presse eingetreten. Diese Stockung muß überwunden werden. Die deutsche Arbeiterklasse steht in schweren Kämpfen. Da ist das Koalitionsrecht: Unternehmertum und Regierung sind bemüht, das unzulängliche KoalitionSrecht noch mehr zu verschlechtern. Unter dem Deckmantel deS Schutzes der Arbeitswilligen möchte man die organisierte Arbeiterschaft wirtschaftlich wehrlos machen, möchte die Ausübung des KvalitionSrechtS unter Gefängnis- und Zucht- hauSstrafe stellen, möchte die Polizei zur obligatorischen Schutz- garde deS Unternehmertums und der Streikbrecherkolonnen machen. Da? gilt eS zu verhindern? Mehr noch! Die Arbeiter brauchen ein wirklich freies KoalitionSrecht, sollen sie im Kampf um ihre wirtschaftlichen Interessen nicht dem übermächtigen Unter- nehmerwm erliegen. Und dann die Zuspitzung der Verhältnisse auf rein politischem Gebiete. Am Zollwucher wird nichts geändert, wenigstens nichts zugunsten der breiten Massen deS Volkes, eher kommt der„lücken- lose Zolltarif", der neue Belastungen der Arbeiter und neue Ge- Winne dem Junkertum verheißt. Der Militarismus triumphiert über die Verfassungsrechte der Bürger, und neue Militärver- Mehrungen werden die niilitärische Ueberhcbung bis zum Wahn- witz steigern. Noch sind die Milliarden zur Deckung der letzten Heeresvermehrung nicht aufgebracht, und schon wagen sich die RüstungStreiber mit neuen Forderungen ans Tageslicht, die neue unermeßliche Belastung deS Volkes in Aussicht stellen. Die Kehr- feit« aber ist: Fortdauer der politischen Rechtlosigkeit deS Volles. Hohnlachend weist man' jede Forderung auf Ausbau der Ver- fassungsrechte ab, geht vielmehr mit ftrupellofem Zynismus daran, solche Rechte, wo sie noch bestehen, zu vernichten. Et« Eturmmarsch gegen die Volksinteressen von allen Seiten. Gegen die Sozialdemokratie aber ein Kesseltreiben der gesamten Reaktion! Der Reichskanzler selbst ruft dazu auf! Wir nehmen den Kampf auf. Aber wir brauchen dazu starke und geschlossene Kaders, und darum soll die rote Woche Tausende und Abertausende unserer Organisation zuführen, unserer Parteipresse Tausende und Abertausende neuer Leser bringen. Unverzüglich müssen unsere Gc nassen allerorts an die Organisation der Arbeit für die rote Woche gehen. Ueberall ist den Volksmassen klar zu machen, was auf dem Spiele steht, und daß gegen die Macht der anstürmenden Reaktion nur eine mächtige Organisation der Sozialdemokratie Schutz bietet. Auf zur Arbeit für die rote Woche! Auf zum Kampf gegen die Feinde des Volkes. Fugenöbewegung. Arbeitcr-Jugend. Die soeben erschienene Nr. 4 des sechsten Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Die Jugend in den Parlamenten.— Der ge- rechte Richter im Zillertal. Von F. Farwig.(Schluß.)—- Ein Streik von Kindern- Vm: Gustav Eckstein.— Elektrisch betriebene Wagen und Züge. Von Hans Bourquin.(Mit Abbildungen.)~ Die Zölle.— Aus der Jugendbewegung. Die Gegner an der Arbeit usw.— Beilage: Solidarität. Ein Zukunftsbild von Fritz Sepp.— Ernst Haeckel. Zu seinem achtzigsten Geburtstage. Von Gg. Engelbert Graf.— Gesichtstäuschungen. Von O. Thor- wald.(Mit Abbildungen.)— Es kommt eine stunde... Gedicht von Fritz Droop.— Eine Haeckel-Feier. Von L. L.— Emil Roscnow. Von Roland.— Bücher für die Jugend.—«Das Hinauslehnen des Oberkörpers ist.. Von Fritz Müller. Genossenschaftliches. Kousumgenosscnschaftliches aus der Schweiz. Die von uns bereits erwähnte Interessengemeinschaft des �ckuveizemschcn Konsumvervluides mit der Metzgcrei-Großfirma Bell A.-G., die in der Presse zu einer umfangreichen und heftigen Polemik führte, ist von der am«onntag in Basel abgehaltenen nußerardentlickeu Delegi e rt c iw ersamm I ung des Verbandes mit allen gegen 4 Stimmen bei Anwesenheit von 403 Delegierten auS 487 Sektionen genehmigt worden. Der Beschluß wurde in Form einer Resolution gefaßt, in der ausgeführt wird, daß sie die gegen dieses Uebcreinkommen aus den verschiedensten Interessen- g nippen gerichteten Angriffe nicht als begündet erachtet, isie vertritt die Auffassung, daß bei richtiger Handhabung weder eine materielle, noch eine ideelle Schädigung des Genossenscha ftsives enS zu gewärtigen sei, sondern daß den organisierten Konsumenten daraus wesentliche materielle Vorteile erwachsen können. Aus diesen Gründen erklärt sich die Delegiertenversammlung mit dem Abkommen einverstanden, mißbilligt Die gegen den Verband und die Verbandsbehärden gerichteten Angriffe und spricht der Ver- bandsleitnng ihr volles Vertrauen aus. Ferner steht der Verband in einem Kampf mit den syndi- zierten Schokoladenfabriken, die, statt dem Konsmnverband die von ihm gewünschten Erleichterungen zu bewilligen, schlechtere Lieferungsbedingungen diktieren. Der Verband bezieht nun Schokolade und Kakao van den ringfreien Fabriken, womit sich die Delegiertcnversammlung ebenfalls einverstanden erklärte. Soziales. nahmen, hak hereits Erfolg gehabt. Die preußische Regrerang kann nämlich auch schnell arbeiten, wenn sie will. Die„Nordd. Allg. Ztg." vom Freitagabend veröffentlicht einen Erlaß des Handelsministers v. Sydotv, der bereits am 4. d. M. au samt- lichc Oberversicherungsämter ergangen ist und in dem für die Eni- schcidung über Anträge auf Befreiung von Dienstboten von der Versicherungspflicht(§§ 435, 418 der Reichsversicherungsordnung) folgende Instruktion gegeben wird: «Die Bewilligung des Antrags setzt voraus, daß der Dienst- böte bei Erkrankung Rechtsanspruch an den Dienftberechtigtcn auf Gewährung einer den Leistungen der zuständigen Kranken- lasse gleichwertigen Unterstützung hat. Daß ein Rechtsanspruch begründet ist, mutz auf Erfordern von dem Antragsteller nach- gewiesen werden. Es wird aber in der Regel genügen, wenn der Dienstbote in irgendeiner Form ausdrücklich oder still- schweigend die Einräumung des Rechtsanspruchs anerkennt, z. B. indem er ohne Hinzufügung eines Vorbehalts bestätigt, von der Erklärung des Antragstellers über die Gewährung des Rechtsanspruchs Kenntnis erhalten zu haben. Eines Nachweises, welche einzelnen Leistungen der Antragsteller übernommen hat, bedarf es im allgemeinen nicht: es er- scheint vielmehr ausreichend, daß er sich zu einer den Leistungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertigen Unterstützung ver- pflichtet hat. Denn soweit der Arbeitgeber eintretendenfalls nicht ein« gleichwertige Unterstützung gibt, hat nach 8 422 der Reichs- Versicherungsordnung die Kasse die satzungsmäßigen Leistungen zu gewähren und kann alsdann von dem Dienftberechtigtcn die Erstattung des von ihr Geleisteten beanspruchen. Die Voraussetzungen des§ 418 Abs. 2 Nr. 1 der Reichs- versicharungsordnung stnd auch gegeben, wenn der Antragsteller zur Deckung oder Abschwächung des von ihm zu übernehmenden Risikos bei einer Versicherungsgesellschaft, einem Dienstboten- abonnementsverein oder einer ähnlichen Einrichtung Rückversichc- rung genommen hat, sofern er den Versicherungsbeitrag aus eigenen Mitteln deckt." Weiter wind angeordnet, daß den an die Leistungsfähigkeit des Dienstbcrechtigten zu stellenden Anforderungen nicht die höchsten Ansprüche zugrunde zu legen stirb. Eine von dem Antragsteller nachgewiesene Rückversicherung muß bei der Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden. Einem Antragsteller, der seine Leistungsfähigkeit nicht darzulegen vermag, kann die Siel- lung einer Sicherheit anheimgegeben werden, bei deren Bemessung aber nicht über den Betrag hinausgegangen werden darf, der zur Sicherftellung der Krankenkasse unbedingt erforderlich ist. Der Zweck des Vorstoßes der Reaktionäre ist also erreicht: Es ist der Weg geebnet zu einer Absplitterung in der neuen Kranken- Versicherung; die Reichsversicherungsordnung hat durch den Erlaß des preußischen Handclsministers einen argen Schlag erlitten. Ter Vorstoß gegen die Ortskrankenkasseo, de» am 26. Januar die Konservativen de» preußischen Abge- ordnetenhauses zugunsten der Dienstbotenverstcherung unter- Gegen Verschlechterung der Sonntagsruhe. In Frankfurt a. M. nahm eine von fortschrittlicher Seite ein- berufene Versammlung in einer scharfen Resolution Stellung gegen die Haltung der fortschrittlichen Reichtagsfraktion und gegen den von fortschrittlicher Seite gestellten Kvmmissionsantrag in Sachen der Sonntagsruhe._. FreireligiSse Gemeinde. Sonntag, IZ. Februar, vormittags 9 Uhr, Bappel-Allee 15/17; ReuiSlln,«Jbealpaffaije"; Tegel, Bahnhosttr. 15, und Ober Schöneweide. 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Gitiänner» ftranc 94a____ Spr�cwnl dcr- und Tiroler Kostüme verleiht üiiarggras, Teltow, Linden- ftvaßc 29._____ 2129.« Japan. Birteuwerder. größtes Restaurant, originell und schön, muß jeder sehn. Sonntag, den tö. Fe- bruai. Bockbiersest.__ 8905 Handwäscherei A. Antonius. Köpenick, Gartcnstraße 18. Rasen- bleiche, wäscht chlorsrei. Leibwäsche, Lalcn, vier Handtücher, vier Taschen- tücher 0,10. Abholung Montags. Schlachicfcst heute und morgen bei Hoftvann, Bcrkenbrück bei Fürsten- walde. t74 Wohnungen. Soldiuerstraftc 16, zwei Äp- zimmer-Wohnungcn, Balkon, Erkür. Ztlbehör._____ 8356* GretsSwalderstrafte 206, zttftv zlmmrige Wohnungen, Bad, Balkon, Zubehör._______ 8366* TÜirklich billige und schöne Wohnungen Neukölln, Heidelberger- straße 31._ 2140K Zimmer. Zimmerchcn. möbliert, Moritz- ftraßc 4 III. 64s. sohlukstelken. Möblierte Schlafstelle, separat, Flurzimmer, Herrn, auch'/tachtarbeitcr, Grünerweg 76, vorn I rechts. 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Februar, vormittags 10 Uhr; Mitgliederversammlung bei Thomas Schmidt. TageS« ordnung: 1. Bortrag des Genossen Swintkowski. 2. Bezirksange- legenheilen und Verschiedenes. Die Genossen von Alt-LandSberg treffen sich Uhr bei Funke, Klosterstr. 5. Adlcrshof. Die Leser der Wahlvereinsbibliothek werden dringend gebeten, am Montag, den 16. Februar, die enlltedenen Bücher zurück- zuliefern, da die Bibliothek aus kurze Zeit geschlossen werden soll. Das gleiche gilt für die Kinderbibliothek: die Eltern müssen dafür sorgen, dafi ihre Kinder die Bücher punktlich zurückliefern. Schönwald-Schöncrlinde. Sonntag, nachmittags 4 Uhr, gemein- samer Zahlabend ber Schulz, Schonwalde. Bortrag des Genoffen Scholz:„Ist Religion Privatsache?" Die Kollegen vom Landarbeilerverband nehmen an der Zu- sammenkunft teil. Wandlitz-Basdorf. Sonntag nachmittag 4 Uhr, gemeinsamer Zahlabend bei Sebastian, Basdorf. Stellungnahme zu den Ge- meindevertreterwahlen. öerliner Nachrichten. Das Murmelspiel. Ein Vorfrühlingsspiel der Kinder. Jedesmal, wenn der Frühling seine ersten Boten ins Land sendet, beginnt die Kindcrwelt mit ihren Saisonspielen im Freien. Das erste dieser Spiele ist das Murmelspiel, das in- folge der eigentlich programmwidrig sonnigen und warmen Tage, die uns schon die erste Februarhälfte beschecrt hat, so- fort auf der aauzen Linie eingesetzt hat. Auf freien Plätzen, in stillen Straßen, überall dort, wo der weiche Erdboden die Anlage einer„Murinelkute" oder eines„Topplochs"— so heißen die Fachausdrücke in Berlin— gestattet, sieht man jetzt die von mehr oder minder sicherer Hand in Bewegung ge- setzten Murmelkugeln rollen. Man hat schon längst der merkwürdigen Tatsache seine Aufmerksamkeit zugewandt, daß gewisse Kinderspiele an bestimmte Zeiten des Jahres geknüpft sind. Diese Beobachtung hat schon ein Zeitgenosse ÄoetheS, der elsässische Dichter Arnold, der Verfasser des von Goethe überaus günstig und wohlwollend besprochenen Lust- spiele»„Der Pfingstmontag", gemacht. Obwohl auch im eigent- lichen Frühling sowie im Sommer und im Herbst alle Vor- bedingungen für das Murmelspiel gegeben sind, erreicht dieses mit einer Regelmäßigkeit, die ihresgleichen sucht, gewöhn- lich bald nach dem kalendermäßigen Anbruch des Frühlings ihr Ende. In der Murmelzeit muß jedes Berliner Kind ein Murmelsückchen haben, das eine stattliche Anzahl der farbigen Tonkugeln enthält und dessen Anhalt das Kind im Spiel zn vermehren trachtet. Die Murmel werden auch Murmel oder Mermel sowie Marks, Mirks, Murks und bunte Hunde genannt. Daneben hat' die Sprache der Berliner Kinder eine große Zahl von Fachausdrücken, die nur aus dieses Spiel Bezug haben, wie Nutte, Bamsche, Bucker, Duddel, klietschen, kliepschen, teckeln usw. Hat ein Murmel- spielcr alles verloren, so ist er baal, bamm, klamm oder hat alles- v e r b u ck t, vom Gewinner aber sagt man, er habe gesackt. Es ist auch dem gewiegtesten Sprachforscher unmöglich, den Ursprung der meisten dieser Fachausdrücke festzustellen: das Interessanteste aber dabei ist, daß einige dieser Bezeichnungen, ivic„Nutte",„klamm,, und„sacken" auch in die Sprache der Erwachsenen Eingang gefunden haben. Auch beini Skatspiel sowie bei anderen Kartenspielen ge- braucht man in Berlin den Ausdruck„sacken", der. wie wir hier deutlich erkennen können, auf das Säckchen der Murmel spielenden Kinder bezug hat. Es gibt sogar envachsene Ber- lincr, die das Interesse sür das Murmelspiel bis in ihr hohes Alter bekunden. Ein Berliner Verein führt den Namen „Murmelbrndcr" und dieser Verein ist ein Kegelklub. Diese Murmelbriider beschränken sich keineswegs auf die eigentliche Murmelsaison, sondern sie„murmeln" den ganzen Winter hin- durch und sie spielen mit recht großen Murmeln, den Kegel- kugeln._ Der Brasscnzug. Eine eigenartige Tätigkeil kann man jeyi auf den Eisflächen der märkischen Seen beobachten: den Braffenzug. Er bildet immer ein interessanles Schauipicl und lockt viele Neugierige berbei. Die Wirte veranstalten an bieten Tagen Konzerte und einige geichäfislüchtige Leute hallen warme' Würste feit. Auch Photographen und sogar Kinoopcrateure sind ni»t selten dabei. Er gestaltet sich so zu einem kleinen Volksfest: der Winterfiichzug der Fischerinnungen. An einer Stelle des SeeS wird ein großes Loch in das Eis ge- hauen. In dieses läßt man das einige hundert Meter lange Netz, die„große Wade" genannt. Rechts und links seitwärts werden in bestimmten Absländen kleine Löcher gehauen, die zum Ausbreiten des Netzes dienen. Unter diesen Löchern hin ichiebl man eine Stange mit einer Leine, die wiederum mit dem Netz verbunden ist. Aui diese Weise wird dasselbe ausgetollt und bängi nun senkrecht im Wasser, vom Eis bt« zum Grund eine fast undurchdringliche Wand bildend. Von den Enden des Netzes aus werden nun wieder kleine Löcher eingehauen und die Leinen mit Hilfe der Stange weiter- befördert. Ist das weit genug geschehen, dann wird angezogen und da» Netz so ein Stück geschleppt, meist nach dem User hin, wo es dann durch ein großes Loch von etwa zwölf kräftigen Männern ein- gezogen wird. Nicht allzu groß ist gewöhnlich der Ertrag. Wenn bei einem Zug nur S bis 3 Zentner Fische gefangen werden, ist diese mühe« volle Arbeit nicht bezahlt. Die zunehmende Verunreinigung unserer Gewässer durch Industrieanlagen läßt die Fischerei immer mehr zurückgehen, soviel auch Versuche zur Förderung der Binnenfischerei angestellt werden. Die Fische werden an Ort und Stelle verkauft.— Unzählige kleine Löcher bilden nun eine Gefahr, wenn auch keine Lebensgefahr, für den Schlittschuhläufer. Immerhin kann es vorkommen, daß trotz der Kleinheit der Löcher ein Kiud ein unfreiwilliges Bad nehmen muß._ Schule und Kinderarbeit. Zur Einschränkung der Kinderarbeit kann auch die Schule manches tun. Sie kann durch Umfrage darauf achten, ob die Kinder zu Recht oder zu Unrecht beschäftigt werden. Die Schulverwaltung hat auch die Rekloren und Lehrer angewiesen, im Sinne der Einhaltung der Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes zu wirken; nur müßte diese Tätigkeit eine ständige und intensive sein. Und wenn auch den Lehrern manches verborgen bleiben dürfte, so ist doch zuzugeben, daß bei einer fortgesetzten Bewachung der Kinderbeschäftigung manches Gute auf diesem Gebiete geleistet werden kann. So wenig verkannt werden soll, daß viele Kinder infolge der schlechten sozialen Ver- hältniffe der Eltern zur gewerblichen Beschäftigung heran- gezogen werden, so richtig ist andererseits, daß auch die Entwickelung der Kinder und ihre eigene Zukunft nicht außer acht gelaffen werden darf. Die heutigen Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes, die ohnehin einen weiten Spielraum lassen, werden vielfach nicht beachtet. Wir haben in letzter Zeit wiederholt recht kraffe Fälle von Kinder- beschäftigung veröffentlichen müssen. Das hat die Berliner Schuldeputation veranlaßt, sich erneut mit der Frage der gewerblichen Beschäftigung der Gemeindeschulkinder zu befassen. Es wurde betont, daß nach den in den Gemeindeschulen ge- machten Erfahrungen das Äinderschutzgesetz vielfach umgangen werde. Die Schuldeputation beschloß, die Rektoren wieder- holt anzuweisen, sich sorgfältig um die gewerbliche Beschäftigung der Kinder zu kümmern. Die Rektoren sollen, sobald ihnen bekannt wird, daß ein Kind in eine solche Tätigkeit eingetreten ist, dem in Betracht kommenden Gewerbetreibenden ein von der Schuldeputation unterzeichnetes Schreiben übersenden, in dem auf die wesentlichen Bestimmungen deSKinderschutzgesetzes hingewiesen wird. Ferner sollen alle gewerblich b e s ch ä f- tigten Kinder von dem Schularzte daraufhin unter- sucht werden, ob sie für die betreffende Beschäftigung körperlich geeignet sind; ist das nicht der Fall, so soll bei dem Polizeipräsidenten die Entziehung der Arbeitskarte beantragt werden. Zugleich beschloß die Schuldepntation, den Magistrat zu bitten, bei dem Minister de» Innern vorstellig zu werden, e» möchten die gesetzlichen Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes dahin geändert werden, daß vor Bewilligung der Arbeitskarte die Schule uitd der Schularzt gehört werden. Diese Beschlüffe der Schuldeputation sind zu begrüßen, und es ist nur zu hoffen, daß dieselben von den Rektoren und Lehrern ständig beachtet iverden. Gerade die Schule hat«in großes Jnter- esie daran, daß die Kinder auch in der Lage sind, dem Schulunter- richt folgen zu können. Das wird aber durch Ueberanstrengung dieser Kinder der Schule sehr erschwert. Erst dieser Tage klagte uns ein Rektor einer Schule im Norden der Stadt über die starke gewerbliche Beschäftigung der seine Schule besuchenden Mädchen, die überanstrengt und übermüdet zur Schule kämen und dem Unterricht nicht in der gewünschten Weise folgen können. Hoffentlich finden auch unsere Genossinnen, die in den Kinder- schutzlommissionen tätig sind, bei den Schulleitern da? nötige Verständnis, wenn sie genötigt sind, sich einmal an die Schule wenden zu müssen._ Die Feuerwehr im Lustgarten. Gestern war der Lustgarten für das Publikum gesperrt, um dem Kaiser die Berliner Feuerwehr in ihrer Tätigkeit vorzuführen. ES waren 40 Fahrzeuge mit den erforderlichen Leitern und Rettungs- geräten im Lustgarten zusammengezogen; die übrigen Löschzüge waren auf die verschiedenen Depots verteilt. Der Branddirektor erklärte die Einrichtungen der Fahrzeuge und der einzelnen Geräte. An denen wurden die verschiedenen Uebungen vorgenommen, um die Schlagfertigieit der Wehr zu demonstrieren. Zum Schluß wurden an Offiziere und Mannschaften Orden verteilt. Arbcitersportfest für Grost-Berlin. Der Reichsausichutz für Olympische Spiele hat dem Antrag des KartellvcrbandeS Groß-Berlin für Sport- und Körperpflege zu- gestimmt und das„Deutsche Stadion" zu einem Arbeitcr-Sportfcst an einem Sonntag im Juni dieses Jahres überlassen. Der Reichs- auSschuß bemerkt in dem Antwortschreiben noch, daß er grundsätzlich die Verquickung. politischer und konsessioneller Fragen mit sportlichen Angelegenheilen in jeder Form ablehne. Man wird erst die Bedingungen kennen lernen müffen, unter denen die Hergabe des Stadions an die Albeiteriportvereine erfolgt, bevor man ein endgültiges Urteil über den Entichluß des Reichs- ausschuffes sich bilden kann, ob diese Bedingungen die Benutzung deS Stadions überhaupt ermöglichen. Arbeitslose auf den Rieselfelder«. Die Deputation für die KanalisationSwerke und Güter Berlins beschäftigte sich in«hrer letzten Sitzung am v. d. MtS. auch mit dem Plan der Beschäftigung Arbeitsloser auf den Rieselgütern. ES wurde beschlossen, 200 Mann auf den Gütern Osdorf und Sputendorf mit Aplikrungsarbeilen. Holzfällen und«roden zu beschäftigen. Ber- heiratete Berliner Arbeiter tollen in erster Linie berücksiaitigr werden. 100 Mann tollen in der Hein-rsdorier und weitere 100 Mann in der Baracke in MarggrafSdoff einquartiert werden. In jeder Baracke soll ein Aufseher und vier HäuSIinge da» Effen bereuen. Für LogiS und Verpflegung zahlt jeder Arbeiter pro Tag 1 M. Die gute Absicht und die Beschleunigung, mit der die Deputation hier gearbeitet hat, ist anzuerkennen. Die Entlohnung aber, die den Arbeitern geboten wird, läßt sehr viel zu wünschen übrig. Wie wir hören, soll pro Mann und Tag 2,50 M. gezahlt werden, also pro Woche 15 M. Davon gehen 7 M. für Kost und Logis, dann die Beiträge für die Kranken- und Invalidenversicherung, Fahrgeld u. a. ab, so daß sür den Unterhalt der Familie im besten Falle 7 M. verbleiben. Daß dieser Betrag auch nicht annähernd ausreicht, dürfte einleuchten. Es wurde gesagt, es solle der ortsübliche Tagelohn gezahlt werden, dieser sei aber für die dortige Gegend nicht höher. DaS stimmt nun nicht ganz. Nach der Veröffentlichung deS VersicherungSamteS der Stadt Berlin im„Gemeindeblatt" vom 18. Januar d. I. beträgt der ortsübliche Tagelohn für über 21 Johre alte Arbeiter rn Osdorf und Großbeeren 3 M. Das wäre nun schon das mindeste, was gezahlt werden müßte. Für Berlin beträgt der Ortslohn aber 4 Mark. Da man hier Berliner Arbeiter beschästigen und ihnen helfen will, sollte man einen Lohn zahlen, der ihnen auch ermöglichte, sich und ihre Familie zu ernähren und allen Verpflichtungen einigermaßen gerecht zu werden. Ein Tagelohn von 2,50 M. ist dazu nicht ausreichend. Auch die Aussicht, durch Akkordarbeit mehr verdienen zu können, ist wenig verlockend, da für geübte und kräftige Arbeiter auch nur ein Lohn von 3—4 M. erreicht werden kann. Die Alkordpreise sind natürlich der Lohnhöhe angepaßt und die Arbeitslosen werden zum größten Teil in der ersten Zeit diesen Lohn nicht erreichen, da sie der hier verlangten Arbeit entweder entwöhnt oder fremd gegenüber- stehen, sich also erst einarbeiten müssen. Deshalb ist es nötig, den Tagelohn zu erhöhen. Ein Jnseratenschwindler brandschatzt seit einiger Zeit die Zimmervermieter. Er sucht die Leute, die durch Aushängezettel möblierte Zimmer anbieten, auf, stellt sich ihnen als Beauftragter einer Wohnungszeitung vor uud erbietet sich, ihnen für 1,50 M. ein zehnmaliges Inserat zu besorgen. Bei diesem billigen Preise, der die Vermieter eigentlich stutzen machen sollte, nehmen sie das Angebot in der Regel an, und sind damit ihr Geld los. Der Schwindler hat mit der Wohnungszeitung nichts zu tun, sondern es nur darauf abgesehen, sich die eigene Tasche zu füllen. Der Mann nennt sich Max Arndt, ist ungefähr 35 Jahre alt, 1,65 Meter groß und schlank und hat dunkelblondes Haar, einen ebensolchen starken Schnurrbart und ein blasses Gesicht. Er spricht die Berliner Mundart und geht stets gut gekleidet. Im Krankenhause erhängt hat sich der 62 Jahre alte Tischler Karl Krohn aus der Königsbcrger Straße 17. Krohn, der seit acht Jahren Witwer war und mit seiner Tochter zusammen wohnte, litt seit zwei Jahren an den Augen. Das Uebel verschlimmerte sich so, daß er jetzt ein Krankenhaus aufsuchen mußte. Hier stellten die Aerzte auf beiden Augen den grauen Star fest und wollten zur Operation schreiten. Aus Furcht vor diesem ärztlichen Eingriff beschloß der Kranke seinem Leben ein Ende zu machen. Es gelang ihm, sich an einem Bettpfosten zu erhängen, ohne daß jemand es merkte, und als man ihn dann auffand, war er schon tot. Zn dem Unfall de« Kaiserlichen Automobil» in Wannsee wird unS mitgeteilt, daß der Chauffeur deS GeschästSautomobilS sein vorschriftsmäßiges Signal gegeben habe» während von dem Führer des Kaiserlichen Automobils ein Signal nicht zn hören gewesen sei; auch habe nicht das Geschäftsauto das Kaiserliche Auto angc- fahren, sondern umgekehrt das in einem scharfen Tempo faihrende Kaiserliche Auto den Geschäftswagen. Außerdem sei die Stelle, an der das Unglück passiert sei, recht gefährlich und verdefferungs- bedürftig. Der Schwindler mit dem billigen„Wein", vor dem wir schon warnten, treibt nach wie vor sein Unwesen. Dieser Tage ließ sich wieder ein Kutscher einige Flaschen solchen WeineS, der sich als Wasser erwies, aufhängen. Arveiter-Bildungsschule. An den Sonntagen deS 15. und 22. Februar, sowie 1. März findet vormittags 10'/, Uhr eine Führung im Kaiser-Friedrich-Museum statt. Genossiu Dr. Liebknecht leitet die Führungen. Wir ersuchen unsere Mitglieder, sich morgens 10 Uhr am Haupteingang zum Museum einzufinden und sich der veranstaltenden Kommission gegenüber durch Mitgliedsbuch auSzu- weisen. Im Berliner Aquarium sind zwei seltene und hochintereffante Schildkröten eingelroffen, die im Gegensatz zu den anderen Ber- wandten keinen harten, mit einer Hornschicht überzogenen, sondern eincu weiche», häutigen Panzer besitzen; sie werden deshalb auch Weich schildkrötcn genannt. Ferner sind sie durch mächtige Krallen ausgezeichnet, die Nase ist zu einer Röhre verlängert und da» ganze Tier sieht merkwürdig flachgedrückt, man möchte sagen breitgelaufen, au«. Diese Külperform im Verein mit den starken Beinen bffähigt diese Wasserbewohner vorzüglich dazu, sich in den Schlamm und Sand einzugraben, aus dem sie dann nur den Kopf Herauestrecken, um auf vorbeischwimmende Fisch« zu lauern. In ihrer Heimat China ist ihr Fleisch sehr geschätzt; sie kommen daher vielfach auf den Markt, allerdings unter besonderen Vorsicht»- maßtegeln gegen die Bisse der wütenden Tiere. Feuer in einer Militärcffcktcnfadrik. Während die große Feuer- wehrparade vor dem Kaiser noch im Gange war, brach gestern nach- mittag in der Michaelkirchstraße 29 ein größere» Feuer aus. Der Brandherd lag in der Lackiererei der Fabrik für HeereSauS- rüstungen von Becker u. Co. im ersten Stock de» Fabrikgebäude». Die Flammen hatten Regale. Helmköpfe und andere Militäreffekten ersaßt, doch gelang es der Wehr unter Benutzung von zwei Schlauch- lcitungen die Gefahr in kurzer Zeit zu beseitigen. Jugendveranstaltuuge». Lichtcnbcrg-Friedrichsfelde. Sonntag, den 15. Februar: Tage»- Partie nach �aiilüdorj— �önow—Seebcrg— AIt-LandSberg— Fredersdorf. Fahrgeld 50 Pf. Treffpunkte:«'lruppe I, 7 Uhr, Scharnweber-, Ecke Gürtel- straße. Gruppe II und III.'/jS Uhr. Bahnhof Lichtenbyta-FriedrichSfelde. Gruppe IV, ffpä Uhr, Alt-Boxhage», Ecke Neue Bahnhofftrage. Abfahrt deS Zuges von Rummelsburg-Oft 8.18. Liederbücher nicht vergeffen. Gleichzeitig machen wir auf den am Sonntag, den 22. Februar, statt- findenden Unterhaltungsabend der Gruppe IV im Cafs Belle« ue, Haupt- Pratze, cmfnicrlfam. Die Ellern sind besonders eingeladen. ErSfftmmg de» Saales 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Eintritt frei l Wilmersdorf. I» unserem Jugendheim(Mannheimer Stratz« 51), das täglich von 6—10 Uhr geöffnet ist, findet an jedem Mittwoch ein Liederabend, an jedem Donnerstag ein L e s e a b e n d statt.— Am Sonntag, den Ib. Februar, abends 7 Uhr, Vortrag de» Kollegen Hahut „lieber Heizung und Lüstuug-. Wetterprognose für Sonnabend, de» 14« Febroar 1914» Ziemlich mild bei mäßigen südwestlichen Winden uud veränderlich« Bewölkung ohne erhebllche Niederschläge. Lerltuer Betterbur»»» Saufen Sie von Kavalieren wenigr getragene sovüe im Versatz gewesene Jackett- u Bock- anetise, Paletots, Oster, Serie I: fO-18 M, Serie II: SO-SO II., größtenteils auf Seide. Ferner Gelegenheitskäufe in nener StaBgarderobe enorm billig- Riesenposten Kleider, KoHtOme, PlÜHcliinliiitel, auf Seide, früher 150, jetzt««-35 M. Größe Fristen Peln- atolae in Sknnks, Härder, Diera. Füchsen, früher bis«00, jetzt 20-75 M. Große Auswahl in Herren-Gcbpelzen, Gelegenheitskäufe in Damen-, Heise- und Wasen-. Pelzen. Extra-Angebot in Lombard gewesener Teppiche, Gardinen. Portieren, Betten, Wäsche, Brillanten, Uhren und Goldwaren zu enorm billigen Preisen.— Vorwärtsleaer erhalten lO extra. Theater und Vergnügungen Sonnabend, 14. Februar 1014. Anfang 3'/, Uhr. deutsche» Aitnhler-Tbeater. PeterchenS Mondfahrt. Schiller> Charlottenbnrg. Zopf und Schwert. Anfang 4 Uhr. Urania. Mit dem.Imperator" nach New Aort. Theater am Nallendorfplatz. Dt««chiffbrüchigen. «ttifett. Rumpelsttlzche». Rose. Aschenbrödel. Anfang S Uhr. Tariete- ilhelm (5ineS Palast am Zoo. Lichtspiele. Anfang 61-, Mr. C tueSSiollendorf-Tbeater.Varicts- Lichtspiele. Anfang 7 Uhr. Deutsches Opernhaus. Parfisal. Anlayg 7'/, Uhr. .Agl.vvernkaus. FigaroZ «gt. Schauspielbaus. Tell. Deutsches. Ein SommernachtS. tranm. Lesfiug. Liliom Montis Operetten. i>unga.»a. Die Tangoprinzessin. Residenz. Höhest— der Franz. Friedrich. Wtlbelmftödtisches. Fräulein Trallala. Rai-, Othello. «aftno. Di« olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshalle». SUUmei Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kompagnie. Neues BolkStbeatcr. Der Graf von Charolais. Anfang 8>/, llbr. Luileu. Das erste Shejahr. Walhalla. Tangofieber. Folie» Caprice. Case PrinaSheim. Der HeiraiSgras. MeyersteinS, Aniang S Udr. tidmiralspaloft. Die lustigePuppe. Berliner Eispalast. Eissport. CinesNollendorf-Thrater.Varieiö- Lichtipiele. Gternwarte, Jnvaltdenstr. b7— 62 Schlller-TheaierO.S«: Sonnabend, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Geaehäft ist Geschäft. Sonnlag. abends 8 Uhr: Die beiden L-eonoren. Montag, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt- Schiiler-Theaier Sonnabend, nachmtltaaS 3'/, Uhr: Xopf nnd Schwert. Sonnabend, abends v Uhr: Weh' den», der lügt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: chndccns Uofer. Sonntag, abends 8 Uhn Bosenmontag. Montaa, abends 8 Ubr; Weh' dem, der lügt. Theater des Westens. » mr: Polenbluts Conntagnachm. o1/, Uhr: GraHn Fifi. S Uhr, zum SO. Male: Die Kronbraut. Komödienhaus. s Uhr. Kmmennnßk. L UHr. öerliiiei' 7dester. Abends« Uhr: Wie einst im Mai. 8 Uhr Uhr. Hoheit— der Franz! Musikalische Krotesle in 3 Akten von SCrtur Landsberger und Willi Wolfs. Musit von Robert Winterberg. Morgen u, f. Tage: Hoheit- der Franz! Sonntag, 15. gebr., 3 Uhr: Gretchen, Theater am Boilentlorlplalz S. s uhr: Prinzeß Gretl. 4 Uhr; Dia Schi ffbrDohlgen. Ssutsches Künstlsrtbeater Sozietät. Nürnberger StraSc 70/71, am Zoo. Kasse: Nauendorf 1383. Sonnab. 3'/.: Peterchens Mondfahrt. . 8 Uhr: Das Phantom. Tonniag, 3 Uhr: Hose Bernd. Sonntag, 8 Ubr: Der Bogen _ des Odyssens. Frieilr.-WiltieiBistäilt. Theater. Direktion: H. Bryk. Fräulein Trallala. Sfln le'Ä"' Gilberl. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. S Uhr. Morgen Sonntag, nachm. 3 Uhr.: ���ICajy�cnstrelictK�� OSE=THEATE 1 Grone.frankfurter®tt 132. Nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Abends U Uhr: Othello. Sonntag, 3 Ubr: Nlaria Stuart. 8 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Die Uasohinenhauer von Berlin. Vereinigte Berliner Volksbühnen. □ □□ □ÖD □□□ Dalsen Theater. 4 Uhr: Bnmpelstllzchen. 8'L Uhr: Das erste Ehejahr. B'u Uhr: Das erste Ehejahr. Tangoneber. Grone Posie m Ichausp. in S Akt. o. Ernst Ritterseldt.| Ges. u. Tanz in 3 Akt. o. Erich Urban Walhalla-Theater» Täglich 8'/, Uhr: Tangofleber. Krone Posse m Srauerei Triedrichshaiti Mittwoch nnd Donnerstag! Cllte- Boekblerf est. Dienstag, den 21. Febrnar, Fastnacht: W ALPENBALL-MG verbunden mit P reis Tango W ett Tanzen. 4 Kapellen. Kein KostOmzwang. Kolossaler Betrieb. Karten im Vorverkauf Herren 75 PI, Damen 50 Pf. bei A. Wertheim. IVante Grashe, Arrangeur der AlpenbäUe bei Kroll. Jr»Clan« - MauerstreBe 82.— 1 :: Berliner:: Konzerthaus ZimmerstraBe 90/91. Oroße» Doppel-Konzert! Musikkorps des Künlgin-Ellsabeth-Regts. Dirlg. Oberm. Brinkmann und Tegernseer nnd Zlllerthaler Baalkanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PI Aniang 8 Uhr. Morgen; GPs TPiplG'GConZGPts Anfang»/jt Uhr. Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/U4. TägUch Bockbierfest In den bayrischen Alpen Madame Sissi mit ihrem Oberlandler Blasorchester. Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag u. Sonntag; GpoBop Ball. Anfang 7 Uhr. Entree 80 Pf. ___ 80 bayrische Madl. 6 Kapellen. Die wilden Feuerfresser in ihren fanatischen Bartern. Ulster Huppo, der Ausbrecherkönig. Unf esselbar! Lebend l Ohne Extra-Entree. Oramen-�alast Ecke Oranienstraße u. Oranienplatz. Gr. Sehenswürdigkeit! Die Konzerte werden geleitet von dem Kapellmeister Alexander t. Xortllovins. MV Direktion: Oskar Barton."MB ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerderz Ve"rHreaUett bttM Alte« ftttttth. Tbeater a. d. Weidendammerbrücke 8 Uhr: Wer zuledt lacht... LEA N IA Tnls!4».tr- i Uhr: MH d.„Imperaior" nach New York. 8 Uhr: Winter In der Sehweiz. Hörsaal 8 Uhr; Prof. D. B. Donath: Sichtbare nnd nnslcbtbare Strahlen (Versuche am eigenen Auge). Heute Sonnabend, d. 14. Februar, abends 71/: Uhr: High-Lilfe-Eveuing. ü. a.: Original Elttie Freds Akrobat, u kunstreit. Hunde. Kn- Ka- Dl Baldmephisto. liCach-Laqnlna-Trio Drahtseilakt und die übrig, neuen Attrakt. MV Um SV« Uhr:~Wm Das gr. Ausstattungast. i. 7Blldern „Tipp" der Derby-Favorit 191«. Sonntagnachmittag: Ungekürzte Aufführung d. Ausstattungsstücks „Tipp". Nachm. bat jeder Erwachsene 1 Kind frei! MW und Madge Lessing Fred Wrighi The Perezofla Jongleurszene ,Un souper chez Maxim" Grock ii. Lole Komisches Musik-Duo und die von Publikum und Presse glänzend beurteilten Febrnar- Attraktionen! MorgenSonntag:— iaeliinitlags-lavl Yorstenmig! ii Kleine Preise I mmmmmm - Banchen gestat *eatatteV Apollo-Theater. 8 Uhr. Tel.; LDtzow 2757. S Uhr. §mn 52. Maie: Der Stola d. 3. Kompagnie Hapistoin. F" Lachen ohne Pause,-tz Banehen gestattet! liiölWol-IiieglSs. Abend» präzise 7 Uhr 55: vis Reise um die Erde in 40 Tagen, Ein Bllizmädel. Größtes Concerl'Cafe Berlin S. Ordiiii'iisir 53/5t(Werihfimhaus) o Dneklion Richard Koranl l&roJfImmci freute? Zirkus Busch. Heute Sonnabend, d. 14. Februar, abends?>/, Ubr: BroBo Bala- Sport- Vorstellung. U. a. Ed. Wulff S Fliegende Hunde(ohne Konkurrenz). Die Vesserns w ihrem akrob. Sketch„Artistenkinder". ZumSchlusi: , Pompeji". Boranzeige l Sonniagnachm. 3'/,: Groffe«Inder> Borstelluug. Nachm. 1 Kind mit. 10 Jahren frei Wiederaufführung d. bei Kinder. Burlesken.General Bum Bum" und.An der rnisischen Grenze'. Folies Caprice. .,( Cafe Prlngshelm X1/, Der Heiratsgraf ' 4( Beyerstetns Voigt- Theater Badstraste 58. Sonntag, den 15. Februar: Nachm. 3 Uhr: Eosu. die Tochter des Pflanzers.— Abends 7 Uhr: lo letzter 8tiMe Bollsstück mit Gesang in 4 Akten. Kasseneröffn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. VoHlStvester Neukölln. Herin aniistiaste«0. Sonntag, abends 8 Uhr: O, diese W�eiher k Gesangsposse in 3 Akten von Mann- städt und Weller. Montag, abends 3>I. Ubr: Uknschnidig remrteiit! Schauspiel in 4 Akten von H. Haas. Kasino-Theater Lothringer Strane 37. Täglich 8 Uhr. Ein neues Berliner Bolksitück: Die olle Webern. Br-Bort. Figuren, Ur-Borl. Humort Einziges Theater In diesem Benre! Im Stile der alten Wallner-BUhne. Sonntag 4 Uhr: Mntterilcbe. Trianon-Theater, s->T Täglich abends 8 Ubr: Anatoles Hochzeit. ODEON Vergnngnngs- Palast MF* der IOOOO"Mi Potsdamer Str. 72 SSiowSTr" Im Hafen von New Yopk. 2 Kapellen $ Attraktionen Reitbahn. Anfang T'/jUhr, Sonntag4Uhr Eintritt 30 Pt Admiralspalast. Eis- Arena. Bar TägUch:-MB Vis lustige?uppe. Großes Baltetl auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von lO*/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- n. Bier■ Abteilung. Reiehstiallen-Tbeater Stettiner Sänger Zimmer Ho. u Urkomische Burleoke. Aniang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu crmäst. Preisen: EMebzeitiD der Miillerstr. Sur oen'jnuau oei In crare Uvernimm, die Redattiou dem Publikum gegenüber keinerlei Berasemorrung Getken! 1» ' m 'Luanttvortlichei Redakteur: Alft-d Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil vercmtw.: Th-GlockchBediv. D�uck u.�Iag:VorwSrtS?uchdruckcrei u. LZerlagSanstaU Paul Singer& Co, Berlm SW.' Hr. 14. 31. MkMy. 3. Lrilmr des Jonnärts" Kerlim UslkÄÄ. ZiMnabtitd.l4.Ftwml9l4. Reichstag. SIS. Sitzung, Freitag, den l3. Februar 1914, nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats Dr. Delbrück. Kurze Anfragen. 2�33- Bafsermann und Frhr. v. Richthofen snatl.) fragen, ob der kaiserlichen Regierung mit Rücksicht auf die durch die andauernden Unruhen in Mexiko schwer geschädigten deutschen Interessen seitens der amerikanischen Regierung Mitteilung über die Aushebung des Waffenausfuhrverbots nach Mexiko gemacht ist. Abg. Dr. Bluuck(Vp.) fragt, was der Reichskanzler angesichts der Aufhebung des Waffen- er nf uhrverbots in Mexiko von Amerika zum Schutz der deutichen Interessen in Mexiko zu tun gedenkt. Unterstaatssekretär Zimmermauu: Die Regierung der Bereinigten Staaten hat die Aufhebung des Waffenausfuhrverbots amtlich mitgeteilt, Sie meint, die Wieder- Herstellung ruhiger Berhältnisse in Mexiko sei nur zu erboffen, wenn es beiden Parteien überlassen bleibt, ihren Zwist unter sich aus- zufechte». Der Schutz der Deutschen in Mexiko durch die kaiserliche Regierung wird nach wie vor Gegenstand ernster Sorge sein. Unsere dorthin entsandten Scküffe sollen das Leben der Deutschen wenigstens an der Küste schützen und im Notiall den ans dem Innern Mexikos flüchtenden Deutschen sichere Zuflucht ge- währen. Abg. Schulz-Ersurt(Soz.) fragt an, ob das pädagogische Zentralin st itut, das nach der Mitteilung des preußischen Ministerialdirektors in einer Ver- sammlung des Berliner Philologenvereins errichtet werden soll, eine Zentralstelle für Preußen oder ein pädagogisches Zentral- in st itut für das Deutsche Reich sein soll. Ministerialdirektor Lewald: Das von der preußischen UnterrichtSverwaltung in Berlin ge gründete Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht bezweckt, allet auf diesem Gebiete vorhandene in- und ausländische Material zu sammeln, dieses Material durch Ausstellungen, Museen u. dcrgl. weiten Kreisen zugänglich zu machen und die Veranstaltung von Kursen zu fördern. Ist daS Institut auch als ein preußisches anzusehen, so wird cS doch in seiner Wirksamkeit durch die Kompetenz- frage nicht gebunden sein. Die Abg. Colshorn und Freiherr v. Schcle iWelfe): klagen darüber, daß im Betriebe der Eltern mitarbeitende und bei den Eltern wohnende Kinder in Landkrankenkassen zu versichern sind und daß man von wohlhabenden Hofbesitzern den Nachweis eines Barkapitals von mindestens 3000 M. für jedes be- treffende Kind fordert. Sie fragen den Reichskanzler, ob er eine solche Interpretation des Gesetzes für richtig hält. Ministerialdirektor Caspar: Es kann nicht als allgemeine Regel gelten, daß der Nachweis eines bestimmten Vermögens verlangt werden darf; daS ist nur in besonderen Fällen zulässig. Hieraus wird die zweite Beratung des Etats ües Reichsamts des Innern fortgesetzt bei der Abstimmung über daS Kapitel„Reichsver- ficherungsamt". Das Kapitel wird bewilligt, die Denkschrift über die Rücklagen bei den Berufsgenossenschaften wird einer Kommission überwiesen, die Resolution des Zentrums. welche die Rücklagen der Berufsgenossenschasten für den genossen- schaftlichen Personalkredit nutzbar zu machen wünscht, wird ein- st i m m i g angenommen, die Resolution der Wirtschaftlichen Vereinignng, die eine Erhöhung der nach dem Arbeitslohn berechneten Renten wünscht, falls der Ortslohn sich erhöht, wird angenommen, desgleichen die Resolution Behrens sWirtsch. Vgg.s, die den Begriff.Facharbeiter" in der Reilbsversicherungs- ordnung zu �definieren wünscht, und schließlich die Resolution A l b r e ch t(Soz.f. die eine Denkschrift darüber verlangt, wie die Grundsätze für die Gewährung und Durchführung des Heilverfahrens sich bewährt haben. ES iolgt das Kapitel „Kanalamt". Abg. Lcgien(Soz.): Am 13. Dezember des vorigen Jahres habe ich den Staats- sckretär auf die große Arbeitslosigkeit hingewiesen und gebeten, dafür zu sorgen, daß vom Kanalamt mehr Deutsche statt der vielen ausländischen Arbeiter eingestellt werden. Ferner sollteil bei Vergebungen nicht die besonders billigen Firmen berücksichtigt werden, sondern die, die ihren Arbeitern anständige Löhne zahlen. Die Arbeitsverhältnisse der Kanalarbeiter sind außerordentlich schlechte, die Schleusen- a r b e i t e r haben zwölf Stunden Arbeitszeit und bei Schichtwechsel 24, so daß sie 72 und 34 Stunden in der Woche tätig sein müssen. Die Heizer und Matrosen im Schleppdienst haben 14- bis 14'/.,stündige Arbeitszeit. Die Schleusenarbeiter haben im ganzen Jahr nicht j: inen einzigen freien Sonntag. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.! Im Oktober 1912 sind die Löhne zwar erhöht worden, die Monatslöhne um 5 M., die Stundenlöhne um 2 bis 3 Pf., die Lohnaufbesserungen der Be- amten betrugen 200 M. und 400 M. Sie bewegten sich also von 18 bis 20 Proz., die der Arbeiter nur ö bis g'/z Proz. Diese Erhöhung kommt ihnen aber auch noch nicht einmal zugute, denn bei der neueingerichleten Pensionskasse müssen sie Beiträge von 2,15 bis 5.10 M. zahlen, so daß die Lohnerhöhung gar nichts anderes bedeutet als die D e ck u n g der Kosten der P e n s i o n s ka s s e.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Monatslöhne betragen in den drei verschiedenen Lohnklassen 95 bis 115. 100 bis 120, 105 bis 125 M. Die Höchst- löhne von 115 M., 120 M. und 125 M. werden erst nach 15jähriger Tätigkeit gezahlt. Bei solchen Löhnen zwingt man die Arbeiter zu irgend welchen, Nebenverdienst.— Aber die Arbeiter er- klären, daß in Brunsbüttel und Holtenau irgendwelcher Nebenverdienst auch sür ihre Frauen gar nicht zu finden i st. Auch sind die Lebensmittel dort noch teurer wie selbst in Kiel. Die den Arbeitern versprochene Bezahlung der lieber- stunden ist ihnen bei der Auszahlung des MonatSlohncs nicht gewährt worden. Bei einem privaten Arbeitgeber würde man in solchem Falle von einem Bemogeln der Arbeiter sprechen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Reich bat beim Kanal ziemlich erhebliche Ueberschüsse erzielt, im Jahre 1912 über 800 000 M. und in, letzten Jahre noch 400 000 M. mehr.(Zuruf eines Regierungsvertreters: Und die Zinsen?) Wie rechnen Sie denn die Zinsen bei den Ausgaben für das Militär? (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Kanal ist in erster Linie für militärische Zwecke gebaut worden. Aber durch den Kauffahrleiverkehr wird die Arbeiterschaft so stark ausgebeutet und so viel mehr in Anspruch genommen, daß man mit gutem Recht sagen kann, wenn dadurch ein so großer Ueberschuß er- zielt wird, muß er verwendet werden, um die Arbeitsbedingungen günstiger zu gestalten. Von einer Verzinsung des Anlagekapitals rst bei der Begründung des Baues des Kanals gar nicht die Rede gewesen. Die geradezu unsozialen Arbeitsverhältnisse der Kanalarbeiter müssen endlich beseitigt werden, es muß ihnen eine menschliche Arbeitszeit und eine den örtlichen Verhälwissen ent- sprechende Lohnerhöhung gewährt werden.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Hoff(Vp.):. Erfreulicherweise ist der Verkehr andauernd gestiegen und die Kanalverwaltung hat dadurch die Möglichkeit, die Arbeiter am Kanal besser zu bezahlen.— Auf die kleinen Schiffer, die den Kaiser-Wilhelmkanal benutzen, wird nicht gebührend Rück- ficht genommen, sie werden gezwungen, übennäßig lange liegen zu bleiben.— Die Gewerbetreibenden in Kiel haben sehr zu klagen über die Art der Vergebung von Lieferungen seitens deS Ranalamtes; gerade zur Zeit einer Krise wird die Nichtbcrück- sichtigung der am Orte vorhandenen Gewerbetreibenden doppelt schwer empfunden.— Was Herr Legten über die Lage der Kanalarbeiter vorgetragen hat, kann ich aus eigener Erfahrung nur unterschreiben und habe den, nichts hinzuzufügen.— Die im Oktober vorgenommene Erhöhung der Monatslöhne um 5 Mark be- deutet keine Verbesserung der Lage; abgesehen von der von Herrn Legten erwähnten Pensionskasse sind auch die Beiträge für die Kranken- und Invalidenversicherung gestiegen, so daß für die Lebens- Haltung der Leute nicht ein Plus, sondern ein Minu» ent- st a n d e n ist.(Hört! hört! links.) Derartiges dürfte bei einer Lohnerhöhung nicht vorkommen.(Sehr richtig! links.) Ministerialdirektor v. Jonqniöres: lieber die Beschäftigung der ausländischen Arbeiter am Kanal ist ein eingehender Bericht erstattet worden; die Zahl der ausländischen Arbeiter ist in erfreulicher Weise zurückgegangen, sie ist von 35 aus 25 Proz. gesunken.— Den Wunsch des Abg. L e g i e n, den Unternehmern die Löhne der Arbeiter vorzuschreiben, können wir nicht erfüllen, soweit können wir nicht gehen; übrigenssind wir der Meinung, daß die Löhne auskömmlich sind.— Daß zu der Pcnsionskasie der Arbeiter diese auch Beiträge zahlen müssen, ist ganz selbstverständlich. Von einer Verfügung wegen Nichtbezahlung von Ueberstunden ist mir nichts bekannt; sollte eine solche Verfügung ergangen sein, so wird sich herausstellen, daß von einem Bemogeln der Arbeiter durch die Kanalverwaltung sicher nicht die Rede sein kann.— Herrn Hoff be- merke ich, daß ein Ansammeln von Schiffen und infolgedessen ein längeres Warten sich nicht immer vermeiden läßt. Abg. Legieu(Soz.): Daß die Zahl der ausländischen Arbeiter am Kanal mtt Ein- stellung der Trockendockarbeiten erheblich zurückgegangen ist, ist selbst- verständlich. Aber mit den Baggerarbeiten sind vorzugsweise holländische Firmen betraut, die vorwiegend ausländische Arbeiter beschäftigen, weil diese billiger und unter Tarif arbeiten. Bei der Vergebung betrug das Höchstgebot 2,8 Millionen, daS Mindestgebot 1,2 Millionen Mark, also eine Million 600 000 M. weniger. Die Firmen. die solche Gebote abgeben. beschäftigen vorzugsweise ausländische Arbeiter zu billigeren nnd nicht tarifmäßigen Löhnen. Da können wir mit Fug vom Kanalamt verlangen, daß es den Unternehmern tarifliche oder ortsübliche Löhne vorschreibt.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) DaS ist kein Ein- mengen in irgendwelche Arbeitskämpfe.— Mogelei habe ich der Kanalverwalwng bei der Nichtauszahlung der Ueberstunden nicht vorgeworfen, sondern gesagt, bei einem Privatunternehmer würde man ein solches Verhalten Mogelei nennen.(Heilerkeit) Ich bitte den Staatssekretär, die Sache zu prüfen. Abg. Hoff(Vp.) hält seine Behauptung über die rücksichtslose Behandlung der kleinen Schiffer auftecht. Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel Auffichtsamt für Privat» erfichermig. Zunächst erklärt außerhalb des Rahmens der Tagesordnung Abg. Gicsberts(Z.): Daß Abg. A st o r seine gestrige Ausführung, daß man bei Ent- schädigung von Unfällen infolge von Gefahren des täglichen Lebens eine erhöhte Gefahr verlangen müsse, lediglich für seine Person und als Vorsitzender einer Berufsgenossen- s ch a f t gemacht habe. Abg. Giebel(Soz.): Abg. Bauer hat- seine Ausführungen zu dieser Materie in Uebereinstimmung und im Auftrage unserer Fraktion gemacht. Die Rechtsprechung der Angestelltenversicherung ist zum Teil noch recht engherzig, besonders bei der Auslegung des Begriffs Angestellter". Man läßt sich zu sehr leiten von den jeweiligen äußeren Merkmalen der Arbeitstätigkeit in dem betreffenden Fall, während man mehr die Gesamttätigkeit des Angestellten und seine soziale Stellung berücksichtigen sollte. So erklärt man zum Beispiel Maschinenschreibcrinnen nur dann für versicherungspflichtig auf Grund der Angestelltenversicherung, wenn auch die Ausübung der Stenographie von ihnen aus der betreffenden Arbeits- stelle gefordert wird, nicht aber, wenn ihnen direkt in die Maschine diktiert wird. Eine solche lluterscheidung ist schon deshalb sehr bedenklich, weil es in vielen Fällen nicht an der Person der An- gestellten liegt, wenn sie ihre stenographische Fertigkeit in der be- treffenden Stellung nicht verwerten können, sonder» an der Eigenart des Betriebes oder der persönlichen Neigung des Prinzipals.— Be- dauerlich ist ferner, daß durch Erlaß des preußischen Handelsministers der Nachweis der Erwerbsunfähigkeit hier ganz anders geregelt ist als bei der Invalidenversicherung.— In der kurzen Praxis der An- stall haben sich schon auffällig viel Schattenseiten des Gesetzes ergeben. Sie sind zurückzuführen vor allem auf die starre Zentralisation der Anstalt. Ein Fünftel aller versicherungspflichtigen Augestellten ist heute noch nicht versichert. Man hat sich im Direktorium damit beruhigt. daß es bei Einführung der Invalidenversicherung ähnlich gewesen sei. Aber das ist. ein dürftiger Trvst. Bei deit�W a h l c n ist doch sicher der letzte Angestellte auf das Be- stehen dieser Versicherung hingewiesen worden. ES fehlt eben der Reichsversicherungsanstalt an den nötigen örtlichen Organen. Von welch kleinlichem Geiste daS Direktorium sich heute leiten läßt, beweist die Tatsacke, daß man den Ersatzmännern der Vertrauensleute die unentgeltliche Lieferung des amtlichen Organs der Anstalt verweigert hat.— Etwas sympathischer ist die Tätigkeit des Direktoriums aus dem Gebiete des Heilverfahrens. Ein Mißgriff ist dabei nur, daß man es für nötig hält, für die An- gestcllicn sogenannte M i t t e l st a n d s s a n a t o r i e n zur Verfügung zu stellen. Diese Politik der Absonderung der Angestellten von den Heilanstalten der Invalidenversicherung sollte unterbleiben. Ferner ist zu bemängeln, daß den Angestellten, die Heilanstalten auf- suchen wollen, weitgehende Verpflichtungen in bezug auf ihre Ausstattung auferlegt werden. Die übergroße Mehrzahl der Versicherungspflichtigen find doch Personen mit recht dürftigem Einkommen, reichlich zwei Drittel haben weniger als 2000 M. Einkommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Ucbelstand ist ferner, daß den Angestellten der dritte Teil der Kosten des Heilverfahrens auferlegt wird. Das Direktorium meint, es soll damit verhindert werden, daß aussichtslose Anträge gestellt werden. Aber solche Anträge werden doch nur gestellt nach Beratung mit dem behandelnden Arzt. Interessant wäre, zu erfahren, wieviel Anträge auf Heilverfahren im ersten Verwaltungsjahre gestellt worden sind, zumal das Unternehmertum bereits gegen dies Heilverfahren zu opponieren anfängt. Der Zentralverbaud der Industrielle« hat seine Mitglieder aufgefordert, von allen Fällen, in denen»ach ihrer Ansicht mit dem' Heilversahren Mißbrauch getrieben wird, der Leitung des Verbandes Mitteilung zu machen. (Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch verlangt der Ber- band, daß den Unternehmern Mitteilung von der Abficht, ein Heil- verfahren eintreten zu laffen, gemacht wird. Die Folge würde wahrscheinlich sein, daß den betreffenden Angestellten rechtzeitig genug gekündigt wird, damit der Prinzipal für die Dauer des Heilverfahrens nicht das Gehalt zu zahlen braucht. Zu kritisieren ist ferner, daß sich daS Direktorium den bescheidensten Wünschen des Verwaltungsrats gegenüber auf die Hinter« füße setzt. Der Verwaltungsrat ist darauf hingewiesen worden, daß ihm eine Aufficht über die Geschäftsführung nicht zusteht. Die Zu- sammenarbeit zwischen Direktorium und Verwaltungsrat bedingt aber zweifellos, daß dieser über die ganze Entivickelung innerhalb der ReichsversicherungSansialt orientiert wird. Wir haben ja von vorn- herein gesagt, daß der VerwaltungSrat mit seinen jetzigen Befug- nissen nichts als ei» Feigenblatt der bureaukratischeu Herrschast in der Anstalt ist. Die jetzigen Vertreter im VerwaltungSrat scheinen ja alles in schönster Ordnung zu finde». Der Ver- waltungSrat sollte auch die Frage der Kapitalanlage prüfen. Die Versicherungsanstalt nimmt jährlich ungefähr 150 Millionen Mark Beiträge ein. Die spielen sür das allgemeine Volks- wirtschaftliche Leben der Nation eine beträchtliche Rolle und sollten so angelegt werden, daß in erster Linie daS soziale Interesse der Angestellten berücksichtigt wird. I» einem Sitzungsprotokoll heißt es, daß die Frage der Beleihung einer Bergwerksgesellschaft aulgetaucht ist. Ich möchte an- fragen, wie diese Stellungnahme ausgefallen ist. Mit dem Gesetz wäre eine solche Beleihung nicht in Einklang zu bringe». Wir ver- langen Berücksichtigung der Baugenossenschaften bei der Hergabe dieser Gelder im Jntereffe der Schaffung von Wohnungen für die Privatangestelllen. Für nicht richtig kann ich es halten, daß die Versicherungsanstalten sich bei der Her- gäbe von Geldern eine Abschlußprovision von zwei Pro zent zahlen lassen.— Die Einrichtung der Verwaltung scheint ziemlich bureaukratisch und umständlich zu sein. Die vielen unberechtigten Mahnungen von Arbeitgebern beweisen, daß die Buchungen nicht sorgfältig genug gemacht werden. Dadurch, daß die BeitragSlcistung der Angestellten auf ihren Karten durch Abstempelung verbucht wird, kommen Irrtümer durch Vergreife» mit dem Stempel leicht vor. Da die Angestellten für Nichtabführung der Beiträge durch die Arbeitgeber verantwortlich gemacht werden, das Risiko dafür zu tragen haben, ist das Direktorium verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die Angestellte» imstande sind, stets festzustellen, ob ihr Konto in Ordnung ist. Den An- gestellten ivird dringend zu empfehlen sein, bei Aufbewahrung ihrer Karte große Vorsicht walten zu laffen.— Sehr bureaukratisch erscheint mir auch die Dienstordnung für die An- gestellten der Anstalt selbst, lieber die Frage, ob man den zirka 1200 Angestellten einen Ausschuß als Vertretung zugestehen solle. glaubte man erst noch große Lorberatungen pflegen zu müssen, trotzdem doch in anderen Betrieben des Reichs solche Personalausschüsse bestehen. Nach dem Gesetz muffen ei« Drittel der Angestellten Militäranwärter sein. In der Tat soll diese Zahl reichlich überschritten sein, unb gerade die höheren Stellen sollen mit Militäranwärtern be- setzt sein.� Das wäre aufs schärfste zu mißbilligen.«.Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Die Gehälter sind sehr reformbedürftig. DaS Anfangsgehalt der Aisistenten beträgt 2160 M., was für Ber- liner Verhältnisse, namentlich, wenn es sich um Familienväter handelt, sicher nicht ausreichend ist. Andererseits erhalten Bureauvorsteher 9000 M. Den Beamten wird eine außerordentliche Ueberarbeit zugemutet. Das kann doch nicht der normale Zustand bei einer solchen Anstalt sein. Ein Teil der Angestellten soll, um die laufenden Geschäfte zu erledigen, sogar Arbeit mit nach Hause ge- nommen haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dem Direktorium scheint von all diesen unhaltbaren Zuständen nichts bekannt zu sein. Ferner wird über das Verhalten der höheren Beamten geklagt, die die untergeordneten Beamten schikanös behandeln sollen, insbesondere wird über den stell- vertretenden Zentralbureauvorsteher in fast allen Kreisen der Angestellten lebhafte Klage geführt. Der lieber« süllung der Bureauräume, in denen die Beamten wie eingepökelte Heringe sitzen, soll nun abgeholfen werden. ES heißt, man will einen Verwaltungspalast bauen, der 6 Millionen kosten soll. Mit der berühmten preußischen Einfachheit ist daS kaum in Einklang zu bringen. Jedenfalls sollte man dabei den Wünschen der Angestellten nach Möglichkeit nachkomme», um ihre Arbeits- freudigkeit zu erhöhen. Das wird sicher auch für die Arbeiten der Anstalt von günstiger Wirkung sein.(Bravo! bei den Sozial« demokraten.) Ministerialdirektor Caspar: Die Verwaltung der Anstalt war don vornherein auf breite Selbstverwaltung gestellt, die der Reichstag noch erhöht hat. Daher kann der Reichskanzler nur in beschränktem Matze eingreifen. So ist die Anlegung von Kapitalien Sache der Anstalt. Die Be- leihung von Gruben wäre aber nach dem Gesetz unzulässig. Die betreffende Erörterung wird also jedenfalls negativ ausgefallen sein. Die Ausführungen des Vorredners über die Verwaltungsfragen gehörten eigentlich in den Verwaltungsrat. Der Staatssekretär ist auch nur in der Lage, sie an diesen weiterzugeben.— Jeder Angestellte bekommt jährlich einen Kontoauszug, denn er muß wissen, ob sein Konto stimmt. Auch muß darüber jederzeit Auskunft gegeben werden. Der Verwaltungsrat ist auck nack dem Gesetz kein AussichtSrat. llebrigenS sitzen ja auch im Direktorium Vertreter der Arbeitnehmer. Daß tüchtige Leute nur deshalb nicht angestellt werden, weil sie Militäranwärter sind, wäre eine unberechtigte Forderung. Ueberarbeit ist in der ersten Zeit der Einrichtung eines so großen Amtes nicht zu vermeiden. Bei dein Heilverfahren liegt cS sicher im Interesse der Angestellten selbst, daß man sie nicht in ein beliebiges Sa- natorium schickt, wo sie mit Leuten zusammenkommen, deren Lebensgewohnheiten ganz andere sind. Im ersten Jahre sind 10 964 Anträge auf Heilverfahren eingegangen, 65 Proz. davon ge- nehmigt. In bezug auf die Ueberfüllung der Burcauräume ist das Direktorium fortgesetzt bemüht, das Notwendige zu veranlaffen. Abg. Wallenborn(Z.) begründet eine Resolution, die verlangt, die öffentlich-rechtlichen' Ver« sicherungSunternehmungcn, deren Geschäftsbetrieb sich über mehrere Bundesstaaten oder Provinzen eines Staates erstreckt, der Aufficht des AufsichtSamtS für Privatversichenrngen zu unterstellen, und eine zweite Resolution, die verlangt, daß die öffentlich-rechtlichen Ver- sichcruugSunternehnmngen, die der Aufsicht des Aufsichtsamts nicht untersteyen, bei ihrer Propaganda die vom Aufsichtsamt aufgestellten Grundsätze für die privaten Versicherungsunternehmungen beachten, und die weiter fordert, daß den Behörden, Beamten und Lehrern imtersagt wird, ihren amtlichen Einfluß zugunsten irgend einer Lebensversicherungsform geltend zu machen. Abg. v. Winterfeldt-Menkin(kons.): Es ist natürlich, daß die privaten VersickerungSunternehmungen den viel jüngeren öffentlich-rechtlichen das Leben schwer zu machen suchen. Trotzdem kommen diese gut vorwärts— ein Beweis, daß das Versicherungswesen in Deutschland noch außerordentlich ausbau- fähig ist.(«ehr richtig!) DaS Gebiet für die Lebensversicherung ist in Deutschland noch so groß, daß beide Formen, die private und die öffentlich-rechtliche nebeneinander bestehen können. In seinen weiteren Ausführungen tritt der Redner lebhaft sür die össentlich« rechtlich« BsrfichenulgliivImiehmiiRAin«fa. Abg. Dr. Doormann sVp.): Wir find nicht löeHner der öffentlich> rechtlichen Verfichsrungen, aber fordern müssen wir, daß sie in denselben Grenzen arbeiten, die den privaten Versicherungen auferlegt sind. Abg. Dr. Junck(natl.): Wir müssen verlangen, daß bei den, Kampf der öffentlich-recht lichen und der privaten Versicherungen die Waffen gleich sind, und daß nicht zuungunsten der privaten und zugunsten der öffentlich- rechtlichen Versicherungen die Aotorität der Behörden eingesetzt wird. (Lebhaste Zustimmung bei den Nationalliberalen und der Voll-Zpartei.) Wenn beide BersicherungSarten zusammengingen, könnten sie der sozialdemokratischen„ V o l k s f ii r s o r g c � einen starken Damm entgegensetze». Möge der Reichskanzler dafür sorgen, daß dieser verderbliche Bruderkampf bald aufhört. Slaatssekretär Dr. Delbrück: Die privaten Versicherungen unterstehen der Aufsicht deS kaiser liche» AufsichtSomtS, die öffentlich-rechtlichen der Aufsicht des preußischen Ministers d«S Innern. Daraus folgt aber nicht, daß an den beiden Stellen diese Unternehmungen verschieden angesehen werden. Der preußische Minister des Inner» und ich sind in e n g st e r Fühlung vorgegangen. Wir halten die Volksvcrsicherung für überaus segensreich, und wir sind überzeugt, daß in manchen Gegenden die öffentlich-rechtliche Gesellschaft, in anderen eine Ge- sellschaft wie die VolkSverficherung zweckdienlicher ist. Den Kampf beider beklagen wir, speziell ich war um eine Einigung bemüht. Sie ist mir nicht gelungen, und wir werden den Rauch des gegenwärtigen Kampfes etwas abziehen lassen, ehe von neuem erwogen werden kann ob eine Vereinigung erreicht werden kann. Daß der Kampf sich in angemessenen Formen, d. h. nach den vom Aufsichtsamt auf- Sestellten Grundsätzen vollzieht, dafür haben der preußische Unister des Innern und ich die erforderlichen Anweisungen erlassen. Was die Herren wünschen, wird also in nicht allzu langer Zeit er- reicht sein. Nun verlangt man weiter, die öffentlich-rechtlichen VerficherunaS- Unternehmungen der Aufsicht deS AufsichtSamteS zu unterstellen, wenn sie ihren Geschäftsbetrieb über mehrere Provinzen oder über Preußen hinaus erstrecken. Das g e ht nicht, wir können nicht eine behördliche Organisation, die der Aufsicht der preußischen Zentralbehörde untersteh� auch noch der Aussicht einer Reichsbehörde unterstellen. DaS ist auch gar nicht erforderlich. Abg. Rupp-Marburg(Wirtsch. Vg.) tritt für die beiden Resolutionen ein und klagt über Mißbrauch amtlicher Autorität zugunsten öffentlich-rechtlicher VersicherungS- Unternehmungen. Abg. Hildendraud(Soz.): Wie bei der Kranken- und Invalidenversicherung hat auch bei der Volttversicheruna die Reichsregierung ihre sozialpolitische Auf- gäbe vernachlässigt und den Arbeitern die ersten Schritte zu tun überlassen. Private Gesellschaften, zum Beispiel die„Viktoria* hat ihrem eisten Direktor 120 000 M. Gehalt bezahlt, das durch Tantiemen auf 700000 Mark gestiegen ist.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten� Die Versicherten müssen die Summen aufbringen, namentlich durch das ursprünglich unbeschränkte Recht der Gesellichast. Versicherungen sofort als erledigt zu erklären, wenn die Prämie nicht weiter gezahlt wird. Obwohl dieses Recht im Jahre 1910 beschränkt wurde, find 1912 noch über 330 000 Versicherungen, rmrd SO Proz., verfallen.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Dieser Ausnutzung des ar« bettenden Volkes hat die Reichsregierung jahrzehntelang tatenlos zugesehen. Der Präsident de? AufsichtSamtS hat zwar darauf aufmerksam gemacht, daß die VolkSverficherung der Ber- sicherten wegen da sein müsse, er wurde aber von der Reichsregierung allein gelaffen. Die Gewerkschaflen und Genossen- schaften nahmen daher die Sache in die Hand, und Pflicht der Reichs- instanzen wäre es gewesen, ihnen fördernd zur Seite zu treten. (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Statt dessen hat man alles versucht, um, wie der Staatssekretär selber sagte, alle anderen Versicherungsunternehmungen zu einigen gegen die von sozial- demokratischer Seite ins Leben gerufene„VolkSfürforge*. DaS ist der unparteiische Chef des Auffichtsamts für Privat- vcrflcheruugen. Er hat sich ebenso wie der Reichskanzler als wirk- licher Geburtshelfer aller Aktionen gegen die organisierten Arbeiter erwiesen. Wenn diese Herren keinen Erfolg hatten, so ist das nur dem Verständnis der deutschen Arbeiter zu danken.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als die.Volksfürsorge* als Notwehraktion gegen die Ausbeutung feiten« der Privatgesellschaften inS Leben gerufen wurde, empfanden diese die Konkurrenz sehr unangenehm und versuchten die Gründung unmöglich zu machen. Die Nichtgenehmigung wäre nur durch Rechtsbeugung möglich gewesen, und einflußreiche Leute versuchten das ReichSamt zu dieser Rechtsbeugung zu ver- anlasten.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Wir danken dem Aufsichtsamt, daß eS sich nicht dazu hergegeben hat, obwohl es bei der Beugung deS Rechts wahrscheinlich gedeckt worden wäre. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach der Genehmigung inachte man weiter mobil gegen die„Volksfürsorge* und alle Gegner detonten, eS müßte dadurch das Vertrauen der Bevölkerung zu der organisierten Arbeiterschaft steigen. Uns ist das Gebiet der Volks- Versicherung so wichtig, und das zu erfassende Gebiet ist so groß, daß gar nicht genug dafür getan werden kann. Um so er- staunter sind wir. daß alle anderen Gesellschaften, die sich mit der VolkSverficherung beschästigen, weit weniger der Volksversicherung dienen, als vor allem der „Volksfürsorge* schaden wollen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die neugegründcten Gesellschaften fanden aber dann einen neuen Gegner in Herrn Kapp, der die öffemlich-recht- lichen Anstalten begründen wollte, ebenfalls nicht der Volks- Versicherung wegen, sondern zu agrarischen Zwecken, um den Gutsbesitzern billiges Geld zu schaffen. Eine Zeitlang gingen die Privatgesellschaften und die christliche VolkSverficherung ja mit. Herrn Kapp aber ist eben doch in erster Linie darum zu tun, Geld für die Erfüllung seiner agrarischen Wünsche zu bekommen.(Widerspruch rechts.) DaS geht ja beut- lich bervor aus dem Programm der ostpreußischen Landschaft, der Ur- gründung deS Herrn Kapp. Nun gehen die hier gestellten Anträge darauf aus, die-öffent- lich-rechtlichen Anstalten den, Aufsichtsamt zu unterstellen. Wenn ein so wichtiges Gebiet unter die ReichSanfsicht gestellt werden soll, ist die Stellung der Reicksminister dazu sehr merkwürdig. Sie wen- den sich dagegen, weil diese Anstalten den preußischen Behörden unterständen. Bei der Begründung des Aufsichtsamts mag das zutreffend gewesen sein; damals besianien die öffentlich-rechtlichen Versicherungen noch gar nicht, jetzt dagegen haben sie sich bereits koaliert, und erstrecken ihr Geschäftsbereich über das ganze Reich, da ist eS eine Ungerechtigkeit, diese Konkurrenzgesellschaften unter ein anderes Recht zu stellen.(Lebhaftes Sehr richtig!). Der Widerstand dieser Anstalten gegen die Aufficht des Reiches wäre ganz unverständlich, wenn sie nicht meinten, die preußische Auf- ficht würde ihre„preußische Eigenart" schützen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die liegt eben der Hase im Pfeffer. In der Diskussion wurde gesagt, die Privatgesellschaften verlangen lediglich gleiches Recht und gleiche Waffen. Etwas an- dereS verlangen auch wir nicht. Wir werden daher für die b e i d c n Anträge stimmen. Mit wie unlauteren Waffen gekämpft wird, dasür ein Beispiel. Herr Kapp hat in seinem Jahresbericht den Leitern der„Volks- fürsorgc" den schimpflichen und beleidigenden Borwurf gemacht, sie wollten die Gelder der Versicherten der sozialdemokratische» Partei zuführe». (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein Mann von einer politischen und gesellschaftlichen Stellung hätte doch mindestens den Versuch machen müssen, den Beweis zu erbringen für diese verleumderische Behauptung Statt deffe» hat er. vor Gericht gezogen, den Einwand erhoben, er habe fei« Aeußerung als mittelbarer Staatsbeamter gemacht, und könne daher nickt vor Gericht dafür gezogen werden. Das KönigSvergcr Landgericht hat denn auch mitgeteilt� es fei der Konflikt er- hoben worden. Herr Kapp kann also im Jahresbericht andere Leute verleumden, und der preußische Landwirt sckafts- minister ist ihm dabei behilflich.(Vizepräsident D o v e: Es handelt sich bei der Erhebung des Konflikts lediglich um einen formalen Einwand.) Ein sachlicher Konkurrenzkampf gegen die„Volksfürsorge" ist den anderen Gesellschaften nicht möglich, daher bezeichnen sie sie als„sozialdemokratisch". Finanziell hat die sozialdemokratische Partei an der Gründung der„Volksfürsorge" nichtmitgewirkt. Sie ist gegründet von den Gewerkschaften und Genossen- schaften, um die Arbeiterschichten vor den Mißständen der pri- vaten Versicherung zu bewahren. Diese Reformbestrebungen haben auch Verständnis bei den Arbeitern gefunden. Der Reichskanzler hätte die Pflicht, sozialpolitische Erscheinungen wie die..Volksfür- sorge" unparteiisch zu beurteilen, die darauf ausgehen, die Arbeiter vor der schlimmsten Not z u bewahren. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schwarz(Z.): Ich will nicht bestreiten, daß auch ideale Gründe bei der Grün- dung der„Volksfürsorge* mitgewirkt haben; aber von flihrender Seite ist jedenfalls hervorgehoben worden, daß die Kapitalien der „Volksfürsorge" zur Stärkung der Gewerkschaften dienen sollen. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.)— Redner wünscht weiter, daß dre Unterlagen für neu zu gründende Krankenkassen besser geprüft werden, damit nicht Schwindclkassen zugelassen werden. Abg. Gotting(natl.): Ms alter Kommunalbeamter bitte ich Sie. die Resolutionen abzulehnen. Die öffentlich-rechtlichen Versicherungsgesell- schaften treiben kein Gewerbe, sondern sind gemeinnützige Gesell- schaften und können daher dem AuffichtSamt nicht unterstellt wer- den. Gegen Uebergriffe dieser Gesellschaften kann auf dem ordent- lichen Instanzenwege Remedur geschaffen werden. An der Fessc- lung der öffentlich-rechtlichen Gesellschaften würde die„Volksfürsorge* natürlich große Freude haben. Daß weit« Kreise der Arbeiterschaft sich jetzt dem Sparen zuwenden, ist sehr erfreulich. Abg. v. Winter seldt-Mentin(k.): betont, daß die VolkSverficherung der öffentlich-rechtlichen Lerfiche- rungSgesellschaften sich gut dewahrt habe. Abg. Heine(Soz.): Daß wir unsere Freude an dem Streit der beiden Bersiche- rungSarten haben, kann ich nicht leugnen. Wenn zwei— sich streiten, erfahren die ehrlichen Leute die Wahrheit.(Heiterkeit.) Daß fic sich wieder vertragen werden, daran zweifle ich auch nicht. Die preußische Regierung hat den Konflikt erhoben, um einen Prozeß wegen unlauteren Wettbewerbs zu hindern; der Anwalt hatte schon vorher Unzuläsjigkeit deS Rechtswege» gegen eine öffentlich-rechtliche Anstalt eingewendet. Der Staatssekretär gibt aber die Zulässigkeit des Rechtsweges zu, wenn er die Er- Hebung des Konflikts rechtfertigt. Der Vorwurf, daß ein Kon- kurrent die ihm anvertrauten Gelder stiehlt, ist natürlich unlauterster Wettbewerb. Ist denn die Herausgabe eines beleidigenden Be- richtS noch dienstliche Tätigkeit, die die Erhebung des Konflikts er- möglicht? Irrig ist. daß die Erhebung des Konflikts ein reiner Formalakt ist. Denn es wird damit auch gleich behauptet, daß das Vorgehen Kapps berechtigt war.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Gegen die„VolkSfürsorge" scheint der Regierung offenbar jedes Mittel erlaubt.— Eine Doktorfrage ersten Ranges wäre, ob Preußen auch in Bayern den Konflikt erheben könnte. Wer das bejaht, hätte Anrecht zum Prinzenerzieher.(Heiterkeit.) — Die Behauptung, daß alle» politisch wäre, was Gewerkschaften und Genossenschaften tun, ist ja sehr alt. Aber für die Gründung der Brandenburgischen Provinzialversiche- rungs-Gesellschaft hat man genau die Gründe angeführt, die zur Errichtung der..Volksfürsorge* geführt haben. Gerade wir Ar- beiteranwälte haben das Elend kennen gelernt, daS durch die pri- vate Volksversicherung über die Arbeiter gebracht wurde. Die Be- hauptuna von den politischen Zwecken der.Volksfürsorge* ist ein aufgelegter Schwindel.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Präsident Kaemps: Falls Abg. Heine damit Mitglieder dieses Hauses gemeint hat, rufe ich ihn zur Ordnung. Abg. Heine(fortfahrend): Sonst sagt man uns immer: reform icri auf dem Boden der heutigen Gesellschaft, legt Eure revolu- tionären Allüren ab. Gibt eS etwas, was mehr auf dem Boden dieser Gesellschaft steht als die Organisation der„Volksfürsorge"! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen von nie- mand einen Groschen zu diesem Werk der Arbeiter selbst. Wäre die „Volksfürsorge" nicht legal, patzte sie sich dem Staat nicht an, so wäre sie doch nicht genehmigt worden. Ja, wie sollen wir eS denn eigentlich machen?(Heiterkeit.) Ich weiß schon, wir sollen nnS das Fell über die Ohren ziehen lassen und nichts dazu sagen!(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Nicht der min- beste Beweis ist für eine politische Tätigkeit der„Volksfürsorge* erbracht— eS ist das alte Salbadern, daß, weil die Gewerkschaften für politisch erklärt seien, was nur durch Rechtsdrehung mag- lich ist, und weil die Genossenschaften mit so bedenklichen Personen wie mit dem Abg. Peus in Verbindung stehen, auch die„Volks- fürsorge" politisch fei. DaS ist ein völlig falscher Schluß, wenn es nicht eine Lüge ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ist denn alles, was die ZentrumSleutc tun. z. B. die Bekämpfung des Alkoholismus, die auch wir und die Liberalen üben— die Konservativen ja nicht!(Große Heiterkeit!)— politisch, weil diese Leute gelegentlich auch auf anderem Gebiete politisch tätig sind?! Was aber Sozialdemokraten anstreben, das mutz politisch sein! Die Tätigkeit der„VolkSfürsorge* ist genau statutarisch festgelegt und voni Aufsichtsamt genehmigt. Daß sie dadurch politisch wird, daß Politiker an ihr beteiligt sind, kann man nur behaupten, wenn man parteiisch oder verlogen ist.(Präsident Saempf wird unruhig und erhebt sich nach einigen Minuten unter großer Heiter- keit der Sozialdemokraten.) Wenn andere Gesellschaften den aus- gesprochenen Zweck verfolgen, die„VolkSfürsorge" zu dMimpien, so werden sie dadurch politisch. Wenn übrigens dm Oefsentlich- rechtlichen sich dem Lufsichtsamt nicht unterstellen, so offenbar aus dem Grunde, um ungestört Politik treiben zu können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Hoffnung meines Parteigenossen Hildenbrand, daß die Reichsregierung sich schließlich doch den verschiedenen Versicherungsgesellschaften gegenüber unparteiisch stellen werde, vermag ich nicht zu teilen.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Präsident Kaemps: Herr Abg. Heine. Sie haben zweimal von Lüge gesprochen, indem Sic in sehr geschickter Weise umgingen, direkt Personen zu nennen. Ich konnte Sie daher nicht zur Ordnung rufen, muß aber erklären, daß diese Art von Redewendungen, die doch im Hause befindliche Personen verletzen muß, als unparlamen- ta rifch bezeichnet werden muß.(Bravo! rechts.) Abg. Siebenbürger(k.) stellt erneut die Behauptung auf, daß Abg. P e u S den Untergang von Mittelstandsexistenzen als wünschenswert hingestellt habe. Das steht im Stenogramm. Alles spätere„Klarstellen* ändert daran nichts. Herauslügen kann ich mich nachher immer. (Präsident Kaemps: Haben Sie damit den Abg. Peus gemeint?) Ich habe gesagt: ich.(Große Heiterkeit; Zuruf bei den Sozial, demokraten: DaS können Sie sagen! Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Die Weiterberatung wird vertagt auf Sonnabend 10 Uhr. Schluß 7% Uhr. Abgeordnetenhaus. 26. Sitzung. Freitag, den 13. Februar 1914, vormittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. Das Urteil gegen den„Vorwärts". Die Geschäftsordnungskon, Mission beantragt, von der Publi« k a t i o n s b e f u g n i s deS Urteils gegen den.Vorwärts*» Redakteur Wachs wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses wegen des Artikels„Eine reaktionäre Affenkomödie* Gebrauch zu machen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): An dieses Urteil und seine Vorgeschichte kann nicht oft ge- nug erinnert werden. Sogar die„Köln. Ztg.* hat damals von einer Komödie gesprochen. Sie müssen es publizieren, daß& i e kein Geldsacks- und kein Junkerparlament sind!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir begrüßen Ihren Entschluß, daß Sie jetzt auch� freiwillig am„Vorwärts" mitarbeiten. Bielleicht können wir sie dafür auch irgendwo honorieren, toir wollen keine unbezahlte Mitarbeit von Ihnen. Darum danken lvir Ihnen für Ihren Entschluß und begrüßen ihn fteudig!(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag wird angenommen.(Zurnse der Sozialdemokraten: E i n st i m m i g!) Der Etat des Innern. Abg. Frhr. v. Zedlitz(ff.) begrüßt den Sammelruf des Abg. Fuhrmann gegen die Sozial- demokratie. Aber volles Vertrauen dazu können wir erst haben, wenn die ganze Politik der Nationalliberalen damit überein- stimmt, und das war nicht stets der Fall.(Aha l bei den Sozial- demokraten.) Das auffallendste war mir die Preisgabe der Mandate in Niederbarnim an die Sozialdemokratie durch die Volkspartei. Auch sonst hat die Fortschrittspartei den Einfluß der Sozialdemokratie gefördert. Sie trägt dazu bei. die W e r b e- kraft der Sozialdemokratie im Lande zu mehren. Seit- dem durch das letzte Wahlabkommen 1912 die letzte Schranke zwischen der Fortschrittspartei und der Sozialdemokratie gefallen ist— eine Schranke, die Eugen Richter noch aufrecht erhielt—, seitdem sind die Stimmen der Forffckriltler gefallen und diejenigen der«vozialdemo« kraten gewachsen. Die Fortschrittliche Votkspartei ist die Vor- frucht der Sozialdemokratie. Der Antrag betreffend den Arbeitswilligen schütz ist einer der wichtigsten Schritte der bürgerlichen Parteien im Kampfe mit der Sozialdemokratie. Der Abgeordnete Strö'bel hat gestern von einem unglücklichen Arbeiter gesprochen, der nach einem neunzehnjährigen Auf- enthalt in Preußen ausgewiesen und mit seiner Familie der Rot preisgegeben wurde. Unser Antrag soll die zahl- reichen unglücklichen Arbeiter schützen, die durch den TerroriSmuS der«Sozialdemokratie �in ihrer Existenz bedroht werden. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Selbst wenn der Ost markenverein im Uebereiser hier und da zu weit ge» gangen ist(Aba! bei den Sozialdemokraten), so ist das aus Liebe zum Deutschtum geschehen.(Lachen bei den Sozialdemokralen und den Polen.) Er hat eS mit einem Gegner zu tun, dem jedes Mittel recht ist.(Zuruf Ad. Hoffmanns.) Sle, meine Herren Sozialdemo- kraten, haben kein Recht, darüber zu urteilen, da Sie mit den gleichen Mitteln arbeiten.(Lebhafte Unruhe bei den Sozialdemokraten. Zu» ruf von den Freiloniervativen. Zuruf Ad. Hoffmanns. Die Frei» konservativen rufen: Ruhe l Präsident Dr. Porsch zu den Soz.: Ich muß Sie bitten, die störenden Zurufe zu unterlassen. Abg. Ad. Hoffmann: Ich bin provoziert worden!) Bei den Wählern besteht nicht der brennende Wunsch nach einer Aenderung des Wahlrechts. Die Gefahr einer Demokratisierung unseres Staate s ist nicht abzuleugnen. Erinnert man sich nicht, daß die demokratische Linke den RetchStag noch vor wenigen Wochen zu einem Miß- billigungsantrag mit sich fortriß, der an den Grundlagen unseres Heerwesens rüttelte. Ebenso mißbilligen wir den U e b e r» griff VeS Reichs in das Gebiet der direkten Steuern. Unj diesen Gefahren zu trotzen brauchen toir ein starkes Preußen. (Lebhafter Beifall rechts— Widerspruch links.) Abg. Dr. RSfickc(k.): Die Einführung einer nationalen Volksversiche» rung ist eine dringliche Frage mrd zwar angesichts der sozial» demokratischen.Volksfürsorge'. Wir treten für einen versteckten A r b e i t S w i l l i g e n s ch u tz ein, da wir die Freiheit der Arbeit gesichert sehen wollen.(Lebhafter Beifall rechts.) Die ausführenden Polizeiorgane sollen nicht nur eingreifen können, sondern sie sollen wissen, daß sie eingreifen«üsse». Jeder einzelne Arbeiter soll von dem Terrorismus der Sozialdemokratie unabhängig werden. Als Direktor des Bundes der Landwirte bekämpfe ich die Behauptung, daß der Bund der Landwirte seine Gegner, insbesondere den Mittelstand terroristisch durch den Boykott bekämpfe.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Rationalliberalen haben früher die Bedürfnisse der deutschen Landwirtschaft nicht genügend verstanden; aber sie haben gelernt. Die Nationalliberalen haben die politische Vertretung der Industrie nicht gepachtet; auch wir wollen die Interessen der Industrie fördern. Dazu ist Ordnung und Disziplin notwendig, und gerade das bringen wir' Ihnen(zu den Nationalliberalenl. Landwirtschaft und Industrie müssen Hand in Hand miteinander arbeiten. Aber die Industrie darf dabei nicht die Grenze, die sie an dem Recht der Landwirtschaft findet, überschreiten. Es ist falsch, den Bund der Landwirte mit der k o n s e r v a t i v e n Partei zu identifizieren. (Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Herr Fuhrmann! Sie sind ja selbst das lebende Beispiel dasür, daß der Bund der Land- wirte nicht an eine Partei gebunden ist; denn Sie sind m i t seiner Hilfe in dieses HanS gewählt. Der Preußenbund ist aus Veranlassung der B e r h e tz n n g, die sich gegen die Grund» lagen unseres Staates richtete, in» Leben getreten.— Wir waren stets der Anficht, daß eine so große Partei wie das Zentrum von der Gestaltung unserer Politik nicht ausgeschlossen werden könne. Die N a ti o n a llib e ralen haben zur' Stärkung der Sozial- demokratie im Reichstage beigetragen. Im Wahlkreise Kaisers- l a u t e r n sind sie geschloffen für die Sozialdemokratie eingetreten. Im Hinblick auf den Kanipf mit der Sozialdemokratie ist es die Pflicht der Nationalliberalen, sich mit de» Kon- servativen zu gemeinsamer Arbeit zu ver- ständigen.(Zuruf Ad. H o f f m a n n S: Da verstanden wir uns gleich!) Wir werden unsere Wege gehen mit dem Rufe: Mit o t t!(Lebhafter Beifall rechlS.) Abg. Dr. v. Campe(natl.): Freiherr v. Zedlitz hat es begrüßt, daß wir die Sozial» demokratie energisch bekämpfen wollen, aber er hat gegen unseren ehrlichen Willen sein Mißtrauen ausgesprochen. Dies Mißtrauen ist der eigentliche Grund, warum wir nicht weiter kommen in diesem Kampf. Das hat die Rede deS Abg. Dr. R ö si ck e gezeigt. Sein Anariff gegen die Nationalliberalen ist vollkommen verfehlt. Die Rede deS Abgeordneten Fuhrmann ist vom Abgeordneten Ströbel als ein starker Ruck nach rechts gekennzeichnet worden. Sie war vielmehr ein großer Schritt vorwärts. Wir sehen die Verquickung des Bundes der Landwirte mit der konservativen Partei als eine höchst bedauerliche Er- scheinung an. Wo der Bund der Landwirte austritt, überall be- kämpft er dienationalliberaleParlei. Er stellt dieJnteresien einer Wirt- schaftlichen Organisation höher als die nationalen Interessen. Auch der Bund der Landwirte hat sich ebenso wie die Nationalliberalen mit der Sozialdemokratie zu Wahlkäinpfeu verbündet. Wir wissen uns frei von jeder demokrati« schen Tendenz.(Aha I bei den Sozialdemokraten.) Mit unsenn Liberalismus vertreten wir das Gegenteil von dem, was die Demo» kratie will. UebrigenS kann auch gelegentlich ein Sozial» demokrat etwas Richtiges sagen, dem wir zustimmen können. Ein blinde« Huhu findet auch einmal ein Korn. In gewisse« Kreisen der Konservativen scheint der Wunsch zu herrscheu, daß wir nach links gedrängt und zwischen den beiden Mühlsteinen der Rechten nnd Linken zermahlen werden. M. H., wir lassen uns nicht nach links drängen. Wirsind frei von jeder Neigung. mit der Sozialdemokratie zu paktieren. Ich war nirgends stolzer in meinem Leben, als damals, da sich die Sozialdemokratie im Wahlkampfe gegen mich für den Bund der Landwirte erklärte. Die Sozialdemokratie muß ja iminer dorthin schlagen, wo sie die w e n i g st e n nationalen Instinkte vermutet. Der Redner führt einige Beispiele an, aus denen die Unterstützung der Sozialdemokratie durch den Bund der Landwirte im Wahlkampf hervorgehen soll. Der Preutzenbund hat recht bedauerliche Er- scheinungen gezeitigt. Möge er recht bald wieder von der Bildfläche verschwinden I Dem Radikalismus von links ist nicht zu helfen. Mit demjenigen, der szu den Sozialdemokraten) nach der Straste hinausschreit, ist nicht zu rechnen.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Ein sozialdemokratischer Antrag fordert Aufhebung der§Z 9, 10 und 41 des alten preußischen Preßgesetzes. Abg. Steputat(f.) wendet sich als Litauer gegen die Polen, die die litauische Minder- beit unterdrückten und daher kein Recht hätten, über Mißbrauch der Macht gegen sie zu klagen. Der Redner erzählt mehrere Fälle von solchen Verfolgungen, sogar in den Kirchen. Das Verhalten der Polen hier in Preußen und draußen in Litauen ist mit Recht und Moral unvereinbar. Wir aber haben einen Bundesgenossen im Ost markenverein, der lange nicht solche Mittel anwendet Ivie die polnische demokratische Nationalpartei. Die Litauer haben mit den Polen nichts zu tun und wünschen Beseitigung der Polen- gefahr in Preußen. Wir bitten, die Polen nicht wesentlich besser zu behandeln, loie sie uns. Wir bleiben königStreu biS auf die Knochen.(Beifall rechts.) Abg. Jmbusch(Z.): Die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft richtet sich nicht gegen die Sozialgesetzgebung, sondern gegen ihre Durchführung. An dm Bersicherungsämtern dürfen keine weltfremden Bureaukraten wirken. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Dr. Pachmcke(Vp.): Der Abg. Frhr. v. Z e d l i tz hat uns auf da? heftigste angegriffen. jetzt macht seine Partei den Schluß der Debatte mit. Ueber Loyalität find wir also verschiedener Auffassung I Unseren Antrag über Armenunterstützung und öffentliche Rechte halten Sie wohl für so gut, daß Sie ihn annehmen werden, auch ohne daß wir ihn begründen.(Sehr gut l links.) Abg. Dr. Liepmau«(natl.) hätte gern noch initgeteilt, daß seine Partei die Litauer vom Sprachenparagraphen des Reichsvereinsgesetzes ausnehmen wolle. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich hätte gern einige Worte zur Begründung unseres Antrages auf Aufhebung des Plakatgesetzes gesagt, der ja in etwas modifizierter Form bereits einmal angenommen wurde; ebenso zu unserem Antrage über den ArbeilerlegitimationSzwang. Unseren Jrrenrechtsantrag werden wir ja wohl in der Spezial- debatte noch mit behandeln können. Der Abg. Frhr. v. Zedlitz, der hier als Verteidiger der bewaffneten Offiziers- feigheit gegen das wehrlose Volk aufgetreten ist(Lärm rechts.— Präsident Graf v. Schwerin- Läwitz: Erstens gehört das nicht zur Geschäftsordnung_unb zweitens ist das so wenig angemessen, daß ich Sie dafür zur Ordnung rufe.— Bravo! rechts.), hat die Sozialdemokraten als feige und würdelos bezeichnet. Ich bedauere, ihm darauf infolge des Schlusses der Debatte nicht antworten zu können. Ueber die erfreuliche Aufklärung, die er uns über seinen Bildungsgang gegeben hat, indem er davon sprach, daß er unter blökenden Hammeln ausgewachsen ist(Präsident: Das gehört nicht zur Geschäftsordnung), bedauere ich mich jetzt nicht mehr auslassen zu können. Ich danke ihm aber dafür, daß er die Redefreiheit in diesem Hause in bezug auf kräftige Schimpfworte erweitert hat, denn er ist vom Präsidenten nicht gerügt worden.(Präsident: Auch das gehört nicht mehr zur Geschäftsordnung.) Abg. v. Trampczynskr(Pole): Die Behauptungen des Abg. Dr. S teputat, dieses Fremden- legionärS des Ostmarkenvereins haben alle sehr kurze Beine. Abg. Adolf Hoffmanu(Soz.— persönlich): Als ich während der Rede des Freiherrn v. Zedlitz einen Zwischenrus machte, sagte er wörtlich:»Mich stören diese Zwischen- rufe nicht; ich bin das Blöken von Jugendzeit her ge- w ö h n t!" Ich darf wohl annehmen, daß diese Aeußerung die erste Wirkung der von dem Abg. v. Kardorff so dringend ge- wünschten Herzensbildung war.(Sehr gut l links.) Abg. Viereck(Vp.): Das Urteil über diese Aeußerung überlaste ich dem Hause! Gegenüber dem Abg. Dr. P a ch n i ck e bemerke ich, daß man doch eine solche Debatte nicht so lange weitergehen lasten kann, bis auf alle Angriffe geantwortet ist. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Wer wenn man S ch l u ß machen will, bann hat man sich eine gewisse Reserve aufzuerlegen!(Sehr wahr! links.) Abg. Schmedding(Z.) begründet einen Antrag, der die Uebernahme der F ü r f o r g e für die gemeingefährlichen Geisteskranken durch den Staat fordert, soweit sie nicht den Landarmenverbänden obliegt. Die jetzigen Zustände sind unhaltbar und müssen beseitigt werden. Minister v. Dallwitz: Für die Steuerzahler ist es unwesentlich, ob der Staat oder die Provinzen mit der Unterbringung der gemeingefährlichen Irren belastet werden. Der Minister spricht sich gegen den Antrag Schmedding aus. Die Beratung des Antrags Braun auf Regelung de» Irren- hauSweienS wird mit der des Antrags Schmedding verbunden. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß Uhr. Wast erstandS-Nachrichteu der LandeZanstaU für Gewässerlunde. mitgeteilt vom Berliner Detterburcau Wasserstand Memet, TMt P r e g e l, Jnsterdurg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Krassen Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstimb Saale, Krochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') . BeeSlow Weser, Münden , Minden R h e t n, Maximilians au , Kaub . Köln Neckar, Heildron» Main, Hanau Mosel, Trier am 12.2. om 95 92») 92 96 120 168 248 328 156 182 75 235') 110 seit 11. 2. cm1) +1 —3 —7 +1 0 +H 0 +1 +8 —4 —18 +1 l)+ bedeutet ') Treibeis. Wuchs,— Fall.—*) Nnierpegel.—•) Eisstand.— Wlu na Slcfert CJUrintoffer Zlnfel Verlobte. Berlin, den IL Februar 1914. Todes-Anzeigen| SoziaidemokratiscberWatilferein LdlBerl. Reiebstags-WaMkrels. Bezirk 784a. Am Mittwoch, den t t. Februar, verstarb unser Genosse, der Schlaffer Otto Walter Malplaquetstr. 14/16. Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, den 16. Februar, nach. mittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/2- lvei* Vorstand. DeatseberHetallarbeiter-Verbaod Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbeiter kruao I�otkeuler Plantagcnsir. 39, am 9. d. MtS. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Februar, nach- mittags 2'l, Uhr. van der Leichen- halle des PhilippuS-Apostel-Kuch- hoseS, Müllcrstraße, Ecke Sccstratze, aus statt. Ferner starb unser Mtglied, der Schlosser Otto>Vs!ter Malplaquetstr. 14—16. Die Einäscherung findet am Montag, den 16. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de? Städtischen Ärema- toriumS in der Gerichtstraße aus statt.__ Ferner starb unser Mitglied, der Former Konrsd Benecke Rüdersdorser Str. 65, am 10. d. MtS. an LungeneMzün- düng. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Februar, nach- mtttagi 3'l, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde auS statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet U2/17 Die Ortsverwaltung. Dentseber Baoarbeiterverbaod. Zweigverein Berlin. 81m 12. Februar starb unser Mitglied, der Maurer tteinried Paikus (Bezirk Norden I). Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Februar, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 140/19 Der Vorstand. ßeotseber Bolzarbeitemrbsnd. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Krolm KönlgSberger Str. 17 im Aller von 62 Jahren ge- swrbea ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Marius- KirchhoscZ In WilhelmSberg aus statt. 83/6 Die Qrtsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und für die Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben ManneS Adolf Kammer sage ich allen Freunden und Betann- tcn, insbesondere dem Gesangverein, Wahlveretn, Rauchllub, SiaalS- und Gemeindearbeiterverband und den GaSanstaltsarbeitein meinen herz- lichsten Dank. 122A Witwe Tin He Kammer. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung deS Formers 12581 Richard Rohloff sagen allen Beteiligten herzlichen Dank Die Hinterbliebenen. venisebei' srMpMzMeMerbM Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kraft- wagensührer Artur Vorst ün Alter von 29 Jahre» der- starben ist.. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des FriedhoseS zu Lichten- berg, Lückstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/10 Die Bezirksverwaltung. DanUsagonff. Für die ehrcnhasle Teilnabme bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Freunden und Be- kannten, sowie den Parteigenossen des vierten Berliner WahitreiseS, den Kollegen der Union und des Deutschen Holzarbeiterverdandcs meinen innig- slen Dank. 13241 Wwe. Emma Heise nebst Kindern. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen BeteUigten, insbesondere den Kollegen der Firma Hehr sowie dem Transportarbeiterverband meinen herzlichsten Tank. L94b Klara Maratzkl nebst Kindern. unerreicht bei rauher oder a n f- gesprungener Haut. Ooee 10 und go Pf. in Apotheken »ml Drogerien. Gewerkseliaftshaus Sonntag abend von 6 Uhr an ü Musikalische Unterhaltung ü i____'' Wirtshaus Schloß Woltersdorf. Drei sstpoße SUlc. Veranden. Hallen. GroBe Kaktee ktichc. Terrasaenartlc am Wasser nnd Chaussee gelegen. Spielplätze im Walde. Amt Erbner 140. Ferner empfehle HHUoIlpark Wllhelmlnenhot. Obcr- ISchUncweide 31(12. Ebenso meine Dampfer und Motorboote a. d. MlcbaelhrBcke gegenüber der Stadtbahn. Moritz- platz IS 7 IS. Friedrich Sacwcrt. Erklärung. Aus das Inserat des Tanzlehrer-BerbandeS»Solidarität-(1892 in Nr. 42 des.Borwärts- vom Donnerstag, den 12. Februar er.) habe ich zu erllären, daß sortgesetzte Differenzen die Ursache waren, welche ein längeres Zusammenarbeiieu mit den in meinem Betriebe beschäftigten Mitgliedern obigen Verbandes unmöglich machten. 893b Den Wünschen des Verbandes(wie eS im Inserat heißt), daß bei VereinSsestlichtcite»! seitens der Vereine nur ihre Mitglieder berücksichtigt werden, habe ich bisher noch nichts in den Weg gelegt und werde es auch in Zukunji nicht tun. Joseph Franke, Badstr. 19. Möbel-Angebot. Solide Möbelfirma liefert Spezlal-Eln- nnd JBwelzlmmer- Elnrlchtnngen sowie Einzelmöbel gegen mäßige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatliche« Raten- Zahlungen. Anfragen: Postlarte 806. Postamt 27. Keine Kassierer. CrBBte Kulanz._ Speziatarzt Dr. med. WockentuB, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) (Qr Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hala-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuehung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- Störung. MäBige Preise. 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Liste 3(Ernst Fuhrmann) 3758 St. Es sind hiernach gewählt: von Liste 1— 6 Vertreter und 12 Stellvertreter(von Bachstein bis Stephan bezw. von Holz aus der Heide bis Koch): von Liste 2— 2 Vertreter und 4 Stellvertreter(Matschukat und Uhlig bezw. von Rohoe bis Hansen): von Liste B— 52 Vertreter und 104 Stellvertreter(von Bliß bis Riß- mann bezw. von Sandbcrg bis Schumann). Bei der am 9. Februar er. ab- gehaltenen Wahl der Arbeitgeber- Vertreter wurden von 1413 Wählern 1641 gültige Stimmen abgegeben.' Hiervon entfielen aus Litte 1(Bcrthcim) 1526 Stimmen:' Liste 2(Bäumler) 115 Stimmen. ES wurden gewählt: von Liste 1— 28 Vertreter und 56 Stellvertreter(von Bertheim bis Götzke bezw. von Schlegel bis Borck): von Liste 2— 2 Vertreter und 4 Stelle erst eter(Obst und Bäumler bezw. von Meißner bis Dubbers). Namen» des Vorstandes mache ich das Ergebnis der Wahlen mit dem Hinzufügen bekannt, daß die Gültigkeit der Wahl binnen zwei Wochen nach der Bekanntmachung angesochleu werden kann. Slnsechwngen sind bei dem Vorstande oder dem Versichc- rungsamt anzubringen. Berlln-Scbineberg, 13. Febr. 1914. Der Vorsitzende. F. Krukow. 268/17 Herren-Noden fertig und nach Mass Garantie: Tadelloser Sitz feinste Verarbeitung. Teilzahlung gestattet. J. Kurzberg � MasB-Sehnelderei Bosenthaler Strasse 36 Frankfurter Allee 104 Reinickendorfer Str. 4. 5 Muster 1 Mark. Steine 3X5, 100 St. 1,20, Docht 5 Mir. 20 Pf * F. eirnna, Berlin BT. 37. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut* und Harnleiden. Prinzensir. 41, ÄÄ 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12. eBruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrlgateure, Spritzen etc., fitazpenttorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege «japfiehlt* Fabrikant Pollmanne jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt Lieferant für Snskeskaee. Facbgeo. Bedietuus. Kitglieder der 6rts-Krankenkasse für das Suchdruckgetverbe zu Serlinü Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschüsse der Kasse jür die Zeit bis 31. Dezember 1017 finden am Sonntag, den 13. Februar 1914, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr in den nachfolgenden Lokalen statt: kW- Schüler(Brauerei Patzenhofer), Turm strafte 25/26 N: Baiischmieders Festsäle, Badstr, 16 NO: Brauerei Königstadt, Schöuh. Allee 16 0- Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152 80: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 8 und 8W- Bockbrauerei, Fidicinstr. 2 W s Saal der Schloftbrauerei Schönebcrg, Hauptstr. 122/12-1 Neukölln und Brta: Bartschs Festsälc, Neukölln, Hermannstr. 49. Wahlberechtigt sind alle über 2t Jahre alten weiblichen und männlichen Mitglieder der Kasse, Das Wahl- recht ist in Person auszuüben. ivi« unterzeichneten Gewerkschaften haben gemeinsam Liste I oufgc steK. Als Wahllcgitimation gelten die Wahlausweise, die mit dem Vor- und Zunamen des Wählers der, sehen, vom Arbeitgeber zu unterschreiben bczw. zu unterstempeln sind, daS Ouittungsbuch der Ortskrankentassc oder eme vom Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung, daß der Betreffende am Tage der Wahl noch m Be< schäsligung steht. Die Wahl ist eine geheime und findet nach dem System der Proportionalwahl statt. Jede Stimme ist daher von Wichtigkeit! 27/7 Ilrbeiter und Arbeiterinnen im Buchdruckgewerbe I Uebt am Sonntag, den 13. Februar, Euer Wahlrecht für LiSte I f» zeitig wie möglich aus, da das Wahllokal pünktlich um 2 Uhr geschlossen werden muß und nur diejenigen noch ihre Stimme abgeben können, welche im Wahllokal anwesend sind. Bringe jeder das Ouittungsbuch seiner Organisation mit, damit er dnrch den Stempel beweisen kann, »aß er seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat. Berem der Berliner Bnchdrncker und Schriftgietzer. Verein der Buch- nnd Steindruck-Hilfsarbeiter und-Hilfs- arbeiterinnen. � Deutscher Buchbinderverband �Zahlstelle Berlin). Steinarbeit er! Dienstag, den 17. Februar, abends 8 Ahr, im„Englischen Hof", Alexandcrftr. 27 e: Mittwoch, den 18. Februar, abends 8 tthr, in den„Zlrminhallen", Kommandantenstraste 58159:. Mitglieder-Versammlung der Sektion I Sandstein- und der Sektion II Mllrmirarbcker Grabsteinbranche Tagesordnung! 171/1» Die Auwort der DteruelMer auf uuCere Farderuilgen. Stellungnahme zu derselben. Die Kollegen sind verpflichtet, die für sie in Betracht kommende Ver- sammlung unbedingt zu besuchen. Noch nicht abgeholte Mitgliedsbücher sind in Empfang zu nehmen. Pünktliches Erscheinen erwartet IHe OrtsverwaUnng. Ortskrankenkaffe für das Maurergeuierdk;u Kerlin. V. 54, 2ophienstras>e 6. Aus Grund des Z 93 der Satzung wird den Mitgliedern hierdurch bekanntgegeben, daß"die durch die Generalversammlung der Kasse am 29. April 1913 beschlossene Krankenord»ung unterm 3. Februar 1911 die Genehmigung des Versicherungsamtes der Stadt Berlin erhalten hat. Druckexemplare können vom 18. Februar an von den Beteiligten im Kassel, lokal gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte in Empfang genommen werden. Berlins den 11. Februar 1911. 337b Der Vorstand der Ortskraukenkassc für das Manrcrgcwerbe zu Berlin. " A. Oaehne, Vorsitzender. G. Lehmpfuhl, Schrisisührer. atentanwait PriliwitzHi Berlin HWSUhurmstraßeS1. Kathremers Malzkaffee ist keine gebrannte Gerste; er wird aus wirklichem Malz in den größten Malzkaffee- Fabriken der Welt hergestellt. Die Pakete werden ante- matisch gefüllt und verschlossm. Kathremers Malzkaffee kommt also mit den Händm überhaupt nicht in Berüh- rung. Er wird am meisten gekaust und ist daher sttts frisch. Kranken- u. Ättbekaffe der Kauarkeiter in Serlm.(Zuschuhkafse.) Sountag, den 15. Februar 1914, vorm. 16 Uhr, bei Wilke, Zcbastianstr. ZI: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung, Lorstands- und Ausschußbericht. % Beschlußfassung über Aushebung eventuell Zusammenlegung bcr Kassicrerslellen. 38/1* 3. Beschlußfassung über die Besoldung der Mitglieder nach§ 19 der Satzung. 4. Ergänzungswahl: a) des Vorstandes nach§ 19 der Satzung; b) Wahl des Aussichtsrats nach§ 17 der Satzung. Die Versanimlung wird pünktlich eröffnet. WlH Mitgliedsbuch legitimiert.== Der Torstand. P<42 rvn-bk anluflzug oufaai KelUKopf, sorCrfzen 5ie sicii daher« vor Muffen Hetsen �yhrräfiqln allen Apofhe« Ken und. Droqerien'Preis der OriqtnaL�dxLchlel'hll- ldobel-£eehner I Geschäft; Brunnenstraße 7 am Rosenthaler Platx, 1. Eingang im Laden, 2. Eingang Hos parterre. II. Geschält: Mfillerstraße 174 £cko Fennstraße. L Etage. Stube nnd Küche Anzahlung 1 C_ Mark in. Wochenrate y_ Mark L. Ferner: Wohnzimmer 1 Schlafzimmer I in großer Aus-| Speisesimmer 1 wähl. Herrenzimmer I Küchen i. allen Farben u. Mustern. Einzelne Nöbel von 5 /Mark Anzahlung an. NM*' Liefere auch nach auswärts. IMS Extra-Abteilung für Herren- und Damen-Garderobe. Sonntaj-s von 18—2 Uhr geölinet. ReutersWerke Heines Werke - Z Bände 4 Mark> Buchhandlung Vorwärts - 3 Bände 4 Mark- Buchhandlung Vorwärts 4. Vreußlsch-Süddentsch- (330. Königl. Prentz.) Klassenlotterie L. Klaffe 1. ZiehungStag IS. Februar 1911 Vormittag Stuf jede gezogene Nummer find jwel gleich pode lSewinu« gefallen, und zwar je einer auf sie Los« gleicher Nnmmer in den beiden Slbieiliinge» I u. II. Nur die Wewinn« über SS M. sind in Klammem beigesügt. (Ohne Eewähe A. St.-A. f. Z.) sNachdrnck verboten) 29 MB 84 356 406 702 10 43 1074 119 338(300) 54 416 (200) 683 962 2083 383 477 698 687 912 3077 124 46 493 694 536 87 4091 180 201 380 626 792 819 42 6383 825 31 36 4 3 8024 333 485 601 978 7 334 708 18 8085 103 30 220 86 311 39 413 47 634 930 9219 99 348 430 604 716 850 997 10393 444 634 616 800 990 11058 96 233 316 406 654 626 12402 646 616 97 820 30(200) 18203 74 393 520 72725 1 4051 178 270 94(400) 373(300) 400 850 92 1 6137 265 310(4001 453 672 747 893 902 1B181 389 609 682 710 23 1 7075165 420 949 182«7 378 470 600 369(200) 963 66 1 9111 361 480 510 791940 20163 263 493 615 619 965 69 21033 65 100<200? 37 (200) 237 335 447 612 20 539 2 2178 447 676 666 911(200) 12 2 3027 148 67 387 433 676 703 2 4217 370 787 2 5135 462 640 842 2 8090 282 464 607 16 994 2 7161 99 276 383 540 66 823 43 903 66 2 8063(200) 204 26 64 485 666 649 712(2001 875 2 9305 674 76 ...*0Ca2 170 84 7l4 827 31073(200) 1G9 24 299 360 453(200) 676 6(0 688 962 3 2078 231 457 75 631(200) 873 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Prettstisch Süddentsche (SZ0. Konigl. Preuß.) Klajsenlolterle 2. Klaffe 1. Ziehungslag 13. Februar 1S14 Nachmittag Sluf jede gezogene Nummer sind zwei gleich bobe tSewinne gefalle»,»ud zwar je einer aiif die Lose gleicher Rummer tu de» beide» Slbleilungeu I». II. Nur die(Lewinne über SS M. sind in klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 129 48(200) 329 464 601 704 60 936 1069 175(300) 232 40 77 663 667 2009 44 172 432 864 84(200) 924 42 3060 163 233 681 89 939 4232 626 762 8063 128 267(200) 733 634 962 6241 366 688 613 66 770 841 7276 398 8217 64 382(300) 686 744 862 9021 115 267 330 601» 36 635 964 16029 63 160 396 467 637 78 761<300)814 79908 73 11462 62? 736 78 88 1 2238 396 438 67(400) 934 1 3100 266 481 771 868 965 1 4072 357 458 785 804(300) 904 16 42 1 6238 710940 16316 37 563 60 748 842 987 1 7358 602 756 840 987 1 8049 198 202(1000) 399 632 605 81 82 19180 378 434 673 754 894 973 20376 553 91 21272 409 626 49 756 628 2 2065 321 87 733 80 82 83 864 941 23050 184 213 48 391 670 71 955 24406 20 736 2 5206 605 55 816 2 6272 346 660 653 893 983 2 7128 323 43 493 2 8115 462 609 680(200) 932 2 9075 83(200) 110 67 265 425 615 839 948 95 36303 654 953 31068 100 286 754 86 3 2021 187(300) 216 318 448 687 607 26 34 37 743 3 3419 24 521 93 722 3 4153 69(200) 535 803 3 5 062 207 28 59 533 75 641 71 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VepgMvgrtMer Redakteur: Alfred Wielepp, Neuköllns Für' pen�Lnseratenleil verantw.: TH.Glocke.Berlin. Druck u-VerlägMorwärtSBuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paül Singer& Co, Berlm SW. Nr. 44. 31. Jahrg. SMs-ScilM ilrs Lmirls" str MMU 14. 5twl« 1914. Mus Industrie und Handel. Erweiterung der Deutschen Bank? An der Börse zirkulieren Gerüchte, dag die Deutsche Bank die Bergilch-Märkisebe Bank/, Ubr am alten Botaniirben Garten, Potsdamer Straßeb Jahren Gefängnis. Butterfälschung. In die Geschäftspraktiken eines Butterfälschers leuchtete eine Verhandlung hinein, welche die 134. Abteilung des Amtsgerichts Berlin-Mitte beschäftigte. Wegen wissentlichen Nahrungsmittel- Vergehens war der Butterengroshändler Gustav Tusinsky angeklagt. Der schon einmal wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz vorbestrafte Angeklagte betreibt seit längerer Zeit alS sogenannter Zwischenhändler ein Butterengrosgeschäft, indem er Butter in größeren Quantitäten bezieht und sie dann in kleineren Posten an die Tetailgeschäfte abgibt. Vom März v. I. ab wurden bei seinen Abnehmern wiederholt Buttcrproben entnommen, die bis zu einem Drittel mit Margarine versetzt waren, wie der Gerichts- chemiker Dr. Brause feststellte. Um dem Angeklagten von vornherein den Einwand, er habe die Butter schon verfälscht erhalten, abzu- schneiden, wurden auch die an ihn gelieferten Butterfässer auf ihren Inhalt untersucht. Nachdem festgestellt worden war. daß diese Butter unverfälscht war, wurde in seinen Geschäftsräumen eine Durchsuchung vorgenommen, bei welcher eine Mischmaschine vor- gesunden wurde, wie sie von den Butterfälschern stets benutzt wird. — Durch diese Manipulationen des Angeklagten waren den Ab» nchmern, zumeist kleine Kolonialwarenhändler, Vorkostgeschäste usw. arge Unannehmlichkeiten entstanden, da sie natürlich zuerst in de» Verdacht gerieten, die Butter selbst gefälscht zu haben.— Ter Staatsauwalt beantragte gegen den Angeklagten, der jede Schuld besttitt, 300 M. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte ihn zu 200 M. Oleldstrafe und legte ihm die recht erheblichen Kosten des Verfahren» auf. unter denen sich allein für die zahlreichen chemischen Unter» suchungen ein Posten von 250 M. befindet. Bestraste Aufforderung von Soldaten zum Ungehorsam. Wegen Vergehens gegen§ 122 St. G.B. hat das Landgericht Kiel am 24. September v. I. den Kaufmann Hermann Ziegclcr zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Den Unteroffizieren und Ge- meinen der Kaiserlichen Marine war durch Tagesbefehl der Marine- station vom 30. November v. I. verboten worden, bei dem Ange- klagten, der Inhaber eines Militäreffektengeschäftes ist, zu kaufen, da er entgegen einer früheren Bestimmung den Soldaten Waren auf Kredit geliefert hatte. Der erwähnte Tagesbefehl, das an die Soldaten ergangene Verbot, ist dem Angeklagten auch bekannt ge- Wesen. Trotzdem versandte er an verschiedene Marinesoldaten Briese, in denen er sein Geschäft für den Bedarfsfall empfahl und um den Besuch bat. Da ihm bekannt war, daß den Soldaten ver- boten war, sein Geschäft zu betreten, so lag in diesem Schreiben eine Aufforderung zum Ungehorsam. Daß er sich der Rechtswidrig- keit seines Tuns bewußt war, hat das Gericht aus dem Umstände geschlossen, daß der Angeklagte die Soldaten, denen er seine Ofsertenbriefe geschrieben hatte, gebeten hat, Diskretion zu be- wahren und den Brief sofort zu vernichten. Gegen da» Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, mit der Begründung, jener Befehl, das erlassene Verbot zum Betreten seines Geschäfts, sei rechtsungültig und unwirksam gewesen: denn eine Verwaltung habe nicht das Recht, durch derartige Erlasse einen Geschäftsmann zu schädigen oder gar zu ruinieren. DaS Reichsgericht verwarf indessen am Tonnerstag die Revision als unbegründet. Mus aller Welt. Die genarrten Regensburger. Unter gewöhnlichen Sterblichen besteht der ehrwürdige Brauch, Geschenke nicht zu veräußern, wenn nicht gerade die äußerste Rot es gebietet. Von einer zwingenden Notlage kann jedoch im bayerischen Königshauie kaum die Rede sein, nachdem erst in allerjüngster Zeit eine beträchtliche Gebaltsaufbesierung erfolgt ist. Troydem kommt aus Regensburg die Kunde, daß das dortige K ö n i g S i ch l o ß mit seinem prächtigen Park an das Kloster der Clarisiinnen, die dort eine Filiale errichten wollen, verkauft worden sei. Aber diesen Königssitz hatte Ludwig I. von Bayern geschenkt bekommen! Di« gute und getreue Stadt Regensburg hatte damals den Ehrgeiz, wenigstens vorübergehend Residenz zu sein, und dem König, um ihn der Wohnungssorge zu entheben, das wertvolle städtische Grundstück schenlungsweise übergeben. Nun ist es in fremden Besitz über- gegangen, ohne daß die königslreuen Regensburger eine Ahnung und wenigstens die Gelegenheit hatten, es selbst zurückzukaufen. Sie find lehr betrübt, hatten sie doch jetzt gerade gehofft, daß der neue König zuweilen in Regensburg residieren u�ilde, um von dem Ge« schenk einen zweckentsprechenden Gebrauch zu machen Di« arme« Enttäuschten! Erst hatten sie keinen richtigen König, und nun haben sie auch kein Königsschloß mehr.... Ein opferwilliger Seelenhirte. In der in Bonn erscheinenden tlerilalen„Deutschen Reichs» zeitung" befand sich vor einigen Tagen dieses Inserat: Kath. Geistlicher ist bereit, gegen Erstattung der Unkosten(auch teilweise) für andere Perionen die Reise nach LourdeS mit dem Pilgerzug im Ma, d. I. zu unternehmen. Gest. Anfragen unter ü. 690 an die Ge'chäftSstelle baldigst erbeten. Also eine Heilung aus Fernwirkung I Ob dieser Wohltäter der Menschbeil wirtlich Dumme gesunden hat, die ihm die Reiielosten bezahlen, wisien wir nicht. Aber auch so macht sich das tlerilale «ulturbildchen schon sehr schön._ Korruption beim Eisenbahnbau in Kanada. Die„TimeS" melden aus Ottawa vom 16. d. Mls.: Die von der Regierung zur Untersuchung deS Baues der tranS- lontinentalen Grand-Trunl-Eisenbabn eingesetzte Kommission er» klärt in ihrem Bericht, der dem Unterhause vorgelegt worden ist. daß nicht weniger als hundert sechzig Millionen Mark bei diesem Bau zwecklos ausgegeben worden sind. Die Kommiision ichäyt die Kosten der Bahn aus rund neunhunderivierzig Millionen an Äopilal und Zinsen. Der Bericht tadelt, daß die Komratie, die vergeben wurden, zu groß waren, und daß die ganz« Arbeit nur elf Firmen übertragen wurde. Diese Firmen profitierten 35,2 Millionen Mark für einen Teil der Arbeiten, die sie weiter ver» gaben. Der Bau der Strecke in Neu-Brounichweig iei überhaupt nicht zu rechtfertigen und sei nur in Angriff genommen� worden, um der Regierung Wähler zu gewinnen' Kleine Notizen. Schwere Vettlebsunsällc. Beim Rangieren wurde in KottbuS am Doniierslag der Rangierer Reichel: überfahren und aus der Stelle getötet. Einige Stunden später fiel der Hilssschaffner K o s s i ck beim Besteigen einer Bremse herab und kam unter die Räder. Auch er wurde getötet. Beide Verunglückre waren ver« h e i r a r e l. Kosiick hinrerläßt auch Kinder. Opfer der Kälte. In New Dort her, scht seit einiger Zeit .indauernd strenge Kälte. Am Donnerstag find m der Stadt acht Menicken erfroren. Untergang eines Dampfers. Bus Kingston auf Jamaica wird gemeldet, daß der engliiche Dampfer, M i o w n" zwei Meilen von der Küste entfernt auf der Höhe von Shereham g e- i un ten sei. Der Kapilä» wurde gerettet. Acht Personen sind ertrunken. Gräßlicher Unfall. In den Walzwerken der Kruppschen Friedrich-Alfred-Hütte in Rheinhausen geriet Freitag morgen der mit Reparaturen beschäftigte Schlosser Oskar H« i d t m a n n in eine Spindel und wurde mehrere Male her»»g«- schleudert. AIS man die Maschin« stillegte, fand man den Verunglückten tot vor. Kopf, Arme und Beine waren vollständig vom Rumpf getrennt worden. Drei Mädchen überfahren und getötet. Freitag nachmittag wurden in Trohes(Frankreich) drei Mädchen von 11 bis 12 Jahren aus dem Wege zur Schule beim Ueberschrerten der Gleise von einer Rangiermaschine erfaßt und überfahren. Alle drei wurden getötet. Neue Erdstöße in Nordamerika. Die Erdbewegung ,m Osten Nordamerikas ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Sowohl in Kanada wie in den Nordoststaaten der Union machten sich gestern nacht heftige Erdstöße bemerkbar. Musttll, Zaumlnuge«, Zehenswürdigkeiteu. (Zutritt ist un entgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.— Als Feier- tage gelte» Weihnachten, Ostern. Pfingsten, Neujahr, Karsreitag, Himmels- sahrtstag, Bugtag.) Altes und Neues Museum.(Lustgarten.) Geöffnet: an Wochen- tagen(aufier Montag) 10— l, im Ottober bis März nui.bis 3 Uhr; an Sonntagen(auch an den zweiten Wcihnachts-, Ostern-, Pfinasiiciertagen) 12— 6, im Ottober und März nur bis ö, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: an Montagen und Feier- tagen(auger den zweiten Feiertagen). Architektur-Museum.(Cbarwtienburg, Berliner Straffe 171/172, Technische Hochschule,) Geöffnet: Äiontag und Frettag 10—3, Dienstag und Donnerstag 12—3, Mittwoch 10—12. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt.(Charlottenburg, Fraunhofer- straffe 11/12.) Geöffnet: an Sonn, und Feiertagen 1—5, an Wochentagen (autzer Montag) 10—1. am Dienstag und Donnerstag auch abends 6—9. Geschlossen: an den ersten Weihnachts-, Oster-, Pfingslselertagen. Berg- und Hüttenmuicum.(Jnvalidenslr. 44.) An Wochentagen (auffer Sonnabend) 12— 2, an Sonntagen 12—6, im Ottober und März nur bis 5, im November und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Botanischer Garten.(Dahlem, Königin-Luise-Straffe 6/8.) Geöffnet nur vom 1. April bis 15. Oktober: unentgeltlich Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 2—7; außerdem an Wochenlagen vormittags gegen Eintrittsgeld, wofür der gedruckte.Führer" gegeben wird. Botanisches Museum.(Dahlem, Königin-Luise-Straffe 6/8.) Mitt- wach 10— 5, im Oktober bis März nur bis 4. Baumuseum. Siehe Verkchrsmuseum. Eisenbahumuseum, fiebe Verkehrsmuscum. Hhgienemiiseum. Hesfischestr. 4._ Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September l— 6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1— 4, Dezember und Januar 1—3. Kaiser Friedrich- Museum.(Monbijoustraffe.) Geöffnet: an den Wochentagen(auffer Montag) 10— 6, an Sonntagen i auch an den zweiten Weihnachts-, Öfter- und Pfingsiseiertagen) 12—6; an Wochen, und Sonn- tagen(auch zweiten Feiertagen) im Oktober und März nur bis 5, im No- vember und Februar bis 4, im Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: au Montagen und Feiertagen(auffer den zweiten Feiertagen). Zutritt unentgeltlich, nur am Dienstag und Mittwoch gegen 50 Ps. Kunstgewerbe-Museum.(Prinz-Albrecht-Straffe 7.) Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landtagsgebände. Wochentags 9—12, außerhalb der Tagung. Landwirtschaftsmuseum.(Jnoalidcnstr. 42.) Geöffnet: an Wochentagen(auffer Mittwoch) 10—3, an jedem dritten Sonntag im Monat 1l— 3. Geschlossen; am Mittwoch und an Sonn- und Feiertagen(mit Ausnahme deS dritten Sonntags im Monai). Märkisches Museum. lWallstr. 50/54.) Geöffnet: an Wochentagen (auffer Sonnabend) und an Sonntagen(auch den zweiten Weihnachts-, Osler-, Pfingstseieria.:en) 10— 3, an den Vortagen vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten und am Silvester nur bis 1. Geschloffen: am Sonnabend und an Feiertagen(außer den zweiten Weihnachts-, Oster-, Pfingsiseiertagen). Meercskundemuseum.(Georgenstr. 34— 36.) Am Montag, Mttwoch, Sonnabend im Sommer 11— 4, im Winter 10—3; am Sonntag im Sommer und im Winter 12— 4. Museum für deutsche Volkstrachten und Volkskunde. Kloster. straffe 36. Besuchszeil wie beim Alten und Neuen Museum. Natioual-Galeric.(Museumsinscl). Geöffnet: am Montag, DienS- tag, Mittwoch, Freitag, Sonnabend 10— 6, am Donnerstag 1— 6, am Sonntag (auch an den zweiten Weihnachts-, Oster-, Pfingstseiertagen)>2— 6; an Wochen- und Sonntagen lauch den zweiten Feierlagen) im Oktober und Mörz nur bis 5, im November und Februar bis 4, rm Dezember und Januar bis 3. Geschlossen: an Feiertagen(auffer den Zwesten Weihnachts-, Oster-, Pfingstseiertagen). Zutritt uneMgelttich, nur am Donnerstag 1 M., am Freitag und Sonnabend 50 Ps. Naturkundcmuieum.(Jnvalidensttaffe 43.) Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend 10— 4, im Oktober bis März nur bis 3. An Sonn- tagen und zweiten Feiertagen wie beim Alien Museum. Postmuscum.(LeipzigcwStraffe 16/18.) Montag. DicnStag, Donnerstag, Freitag 10—2, Sonntag und an den zweiten Feiertagen 12—2. Rauch-Museum. kW ecke von Christian Rauch. Kloiterstraffe 76.) An Wochentagen 10—4, im Okiober bis März nur bis 3. Raihaus.(Königstraffe.) Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3. Reichstagsgebäude. kKönigsplatz.) An Wochentagen vormittags S Uhr. wenn Plenarsitzungen stattfinden; vormittags S, 9>/„ 12, 2'/, Uhr, wenn keine stattfinden; an Sonntagen und zweiten Feiirtagen 1 und IV, Uhr; an anderen Feiertagen geschloffen. Eintrittsgeld 25 Ps. Stadthaus.(Jüdenstrage.) Wochentags 10— 3, Sonntags 11—2. Zutritt zum Stadthaus täglich unentgelttilh, zum Turm gegen 20 Ps.(nur am Montag und Donnerstag unenlueltlich). Sternwarte. Enckeplatz 3s. Mittwoch und Sonnabend, m Sommer 9— 11, vormittags, im Winter 10—11 vormittags. Sicrnivartc im Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags, im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends. Für Be- sichtizung der Sternwarte und des Astronomischen Museums 50 Ps. sür Beobachtung mit dem großen Fernrohr 1 M. Sternwarte der.Urania".(Jnvalidenstraffe 67/62.) Täglich T1/, bis 11 Uhr abends. 50 Ps. Urania. Sammlungen und wissenschaslliches Theater.(Taubenstr. 48.s Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Emtrsttsgeld 50 Ps.(sür Wendvor- stcllungen von 1 M. an). Verkehrs- und Baumuseum.(Jnvalidenftr. 51.) Dienstag, Mitt- woch, Donnerstag, Freitag 10—4, Sonnabend 2—7, Sonntag 11—4. An Feierlagen geichiossen, an zweiten Feiertagen geöffnet wie Sonntag, an daraus folgenden Tagen geschlossen. Bölkerknudc-Aiuieum.(Königgrätzer Straffe 120.) BesuchSzest wie beim Allen Museum. Zeughaus.(An der Schloffbrücke.) Geöffnet: an Sonntagen und zweiten Feiertagen 12—3, an Wochentagen(außer Sonnabend) im Sommer 10—3, im Wiiiiei 10—2. Geschloffen: Sonnabend und an Feiertagen (auffer zweiten Feiertagen). Zoologischer Garten. Eintrittsgeld an Wochentagen 1 Mark, an Sonn- und Festtagen 50 Pf.; Kinder die Hälfte. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Pf. Eingegangene Druckschristen. Nordlandbücher: Eine Geigerin. KünsUerroman in 2 Bänden von Else Lindberg-Dovlette.— Der Rechtsanwalt. Roman von I. F. Vmsncs.— Die Brautfahrt. Roman von I. B. Bull.— Gedichte von«igbjorn Lbstjelder.— Jeder Band IM.— Morawe und Scheffelt, Berlin. Die bibliichen und weltlichen Komödien des hochwürdigen Herrn Sebastian Sailer. Herausgegeben von Dr. Owlglaff. 3,50 M., geb. 5 W.— A. Langen, München. Znr KrebSsroge. Von E. Schweninger. 1 M.— Der Bogen des OdysseuS. Von Gerhart Hauptmann. 3 M.> geb. 4M.— S. Fischer, Verlag, Berlin, Bülowstr, 90. Medizinisches Hauslexikon von Dr. K. Döbereiner. 3 M.— E. Abigt, Wiesbaden. Zur Entwickeluug der Arbeiterbewegung in Rustland bis zur rffen Rcvolnttoii von 1905. Von Dr. S. Rabinowitz. 3,60 M.— Springer, Berlin\V. 9. Der Durmhah». Staockmanns Halbmonatsschrift. Einzclhest 50 Ps. Verlag von C. Staackmann, Leipzig. Gustaf af Gcijcrstam, Frauenmacht. Roman. Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane. 5. Reihe, 10. Band. Pappband 1 M., in Leinen 1,25 M. S Fischer, Verlag, Berlin. Eine Schickialsstunde deö preustische» Staates. Betrachtungen zur Neuordnung der preußischen Verwaltung. Von Borussicus, Preis 4 M., geb. 5 M, Berlin 81V. ll, Verlag der.Grenzboten". Deutscher Mctallarbeiter-Vcrband. Verwaltungsstelle Braun- schweig. Geschäftsberichte über das Jahr 1913. Verlag von O. Hammer- schmidi. Braunschweig. Hauswirt und Mieter. Das Miettecht allgemcinversiändlich dar- gestellt von Dr. M. May. Rechtsfragen des täglichen Lebens. Heft 2. 1 M. Verlag von Ernst Heinrich Moritz. Sluttgari. Boraussechunge« und Veranlassungen für Bismarcks Eintritt in die Weltpolitik. Von Dr. Maximstian von Hagen. Preis 1,80 M, Berlin 81V. 11, Verlag der.Grcnzboien". Die Flucht des Prinzen von Preustc». Nachmaligen Kaisers Wilhelm I. Nach den Auszeichnungen des MojorS O. im Stabe des Prinzen von Preußen, Preis drosch. 2 M. Verlag von Grciner u. Pfeiffer, Sluttgari. Vereins- und Versammlungsrecht. Anleitung zum praktischen Gebrauch, mit Beispielen und Musterformularen, Zweite, neu bearbeitete Auflage. Von Hermann Beims. Preis 40 Pf. Verlag W. Pfannkuch u. Co., Magdeburg. Deutsches Petroleum Monopol und Wcltpetrolcummarkt. In letzter Stunde noch ein Wort zum deutschen Lcuchlölprojelt. Von A. Ger- manicus. 53 Seilen. Potitil Verlagsanstalt und Buchdruckerei G. m. b. H., Berlin W. 57. Säemann-Schriften. Für Erziehung und Unterricht. Heft 8. Wie unsere Schulkinder die Außenwelt erfassen. Eine psychologische Studie von I. Keller. Preis 1,60 M.— Wesen und Wert des Naturwissenschaft- lichcn Unterrichts. Von G. Kerschensleiner. Preis geh. 3 SR., Leinwand geb. 3,60 SR.— Jugendpslegearbeit. Ihre praktischen Ansänge und geistigen Werte. Bon H. Bohnsledt. Preis kart. 2 M.— Versuche mit levenden Pstanzen. Von Octtli. Für 12— 14jährigc Schüler aller Schul- gaitungen. Preis IM.— Die Leibesübungen. Anatomie— Physto. logie— Hygiene—.Erste Hilfe". Von Job. Müller. Preis geh. 5 M., Leinwand geb. 5,60 M. Verlag von B. G. Teubner, Lewzig. Der Dropenpflanzer. Zeitschrift sür tropische Landwirtschaft. Heft 1 n. 2. Oigan des Kolonialwirtschaftlichen Komitees. Von O. Warburg und f. Wohltmann. Preis jährlich 12 M., Ausland 15 M. Verlag.Der ropenpflanzer", Berlin NW. H. KalkoffS graphische Darstellungen der Parteien in den Par- lameuten des Deutsche» Reiches. Sir. 2. Das preußische Abgeord- nctenhaus. 2 M. Reichsveriag, Berlin LW. 29. Unternehmergewinn und Arbeitslohn im Lichte der uenesten Forschungen. Von F. Ruff. 3 M. A. H. L. Degener, Leipzig. Enzyklika„StnKalari Qnadaxn-' und die wirischasilichen Or- ganisationcn da- Katholiken, bc/onderS der latholischcn Arbeiter. Von Dr. A. Retzbach. 50 Ps. Buchhandlung des Verbandes südd. lath. Arbeiter- vereine, SRirnchen. Kino und Schule. Von Pros. Dr. A. Seltmann.(Ltchtbühnen-Btbl Hest 6.) 1 M. Bollsveretnsverlag M.-Gladbach. Die Belastuugsprooe.— Gräfin Hochmut. Zwei Erzähwngen von Ada v. Hersdorss.(Kürschners Büchersch. 934.) 20 Ps. H. Hillger. Berlin W. 9. Napoleon im Spiegel der Dichtung. Bon O. Hellmann. 2 M. geb. 3 M. Selbstverlag Glogau und Leipzig. Das ländliche Arbeiterwohuhaus. Baureise Entwürfe heraus- gegeben von Architekt B. D. A. Raymund Brachmann. 12 M., geb. 15 M. Westdeutsche VerlagSgcsellschast, Wiesbaden. Bericht über die Dätigkeit der Berwaltungsstelle Hamburg des Deutscheu Holzarbeiter-Berbaudes ISIS. 200 G. W. Momberg. Hamburg. Marktpreise von Berlin am IS. Februar lS14. nach Ermittelungen bes tgl. Vottzelpräfidtums. MaiS(mixed), gute Sorte 16,90— 17,20, Donau 16,00— 16,30. Mais z runder), gute Sorte 14,80—15,20. Richlstroh 0,00. Heu 0,00-0,00. Marllhailenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00— 60,00. Linien 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kiemhdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rmdsieijch, von der Keule 1,60—2,40, Rmdfieiich, Bauchfteilch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kaibficiich 1,40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butler 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4.80— 7 SO, 1 Kilogramm Karvieri ISO— 2,60. Aale 1,60— 3S0. Zander 1,20—3,20. Hechle 1,60—2,80. Barsche 0,80—2,20. Schiere 1,60— 3S0. Bleie 0.80— 1.60. 60 stück Krebie 3.50—24.00. Zritnngs Ausgaliestellen mtfc Inleraten-Ammhme. Zentrum: Awert H a b n i s ch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von II— IV, und von 41/2— 7 Uhr. 8. Wahlkreis: W.: Gust. Schmidt. Krrchbachstr. 14, Hochparterre. Geöffnet, von 11— IV2 und von 41/,— 7 Uhr. S. Wahlkreis: 3. und SW.: Gustav Schmidt, Gneisenaustr, 72, Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr, 8. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr, 31, Hos rechts Part. Geöffnet von 11— l'/z und von 4,/j— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: O Ii e n: Robert W eng eis. Gr. Franksurterstr. 120. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr.— Richard H a ck e I h u s ch, Vetersburgervlatz 4(Laden). Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. T.Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerpiatz 14/15. Geöffnet von 9- 2 und von 4—7 Uhr. S.Wahlkreis: Leo Zucht. Jmmanuelttrchstr. 12(Hos). Geöffnet von 11— l'/z und von 4V2— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(Uloabit): Solomon I 0 s e v h, Wilhelmshaven er Sttaßc 46. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. W edding: I. Hönisch. Müllerstr. 34a Ecke Uttcchter Str., Laden Geöffnet von 9— 2'und von 4— 7 Uhr. 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Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, Itermsdorl, Hohen• Neuendorf, Blrkenwerdor, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Paul Stiencft, Borsigwalde, Räuichilrage 10. Geöffnet von 11— l1/, u. von 4V,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm B 0 n 0 w, Teilow. Berliner Str. 16. Tempelhof: Jotz. Krohn, Borussia str. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kieihoizsirage 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bi» 8 Uhr abends. W elüensee, Reinersdorf: K. F u h r m an», Sedanstr. 106, Patt Geöffnet von U— IV, und von 4»/,— 7 Uhr. W ilmersdort, lluleasec, Schmargendorf: Paul Schubert. Wilheluisaue 27. Zeuthen, Siersdorf: Ernst H Ü t t 1 g, Zeuthen, MierZborser Str. 14 Sämtliche Partelliteramr sowie alle wiffenschasttichen Werte werde« geliefert Sonntag« sind die Ausgabestelle» geschloffen. 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