Ar. 31. flbonnements-Bedingungtn: ■SonnctncnlS- Preis ttänutnetonb»; Pierteljährl. 3P0 Mk, monatL 1,10 Ml, wöchenllich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer b Pfg. Sonntags- nununer mit illustrierter SomrtagS« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Wonncmem: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Pielslifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn ZchO Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. cticheidi tag rich. Verlinev Dolke'blcrkk. Zentralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfcblands. DI; TnfertionS' Gebühr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Naiim 60 Psg.. für politische und gewerkschasllichc LereinS- und Persnminlungs-Anzcigen 30 Psg, „Aleine Xnrcigen", das scttgedruiktc Wort 20 Pfg.(zulässig 2 scttgedruckte Wortes, jedes weitere Wort l0 P(g. Elellcnaesuche und Schlassicllenan. zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über löBuch- staden zählen für zwei Worte. Nnscrnlc m die nächste Numincr niüffen bis tä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: «SoiiakcmoKrat BcrUo", Redaktion: 8 Tl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1S8Z. Sonnabend, den Ä1. Februar 1914. Expedition: 8 Tl. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Rr. 1984. Die Wahl in Jerichow. Sieg üer Konservativen. Zahnenflucht üer Liberalen. Burg, A>. Februar. fPrivattelegramm des „V 0 r w ä r t§'.) Bei der Stichwahl in Jericho« I und II erhielten der Konservative Schiele 16 764, Genosse Haupt 15 2Sg Stimmen. Schiele ist somit gewählte Die Liberalen haben versagt, dank ihrer Lässigkeit haben die Konservativen das Mandat von Jerichow erobert. Bei der Wahl am IV. Februar erhielten: Genosse Haupt 12 684 Stimmen, der konservative Rittergutspächter Schiele 12 089 und der fortschrittliche Fleischermeister Kobelt 8912 Stimmen. Bon den fast 7999 liberalen Wählern haben also — wenn man die eNvaigen Reserven nicht in Rechnung stellt � nur gegen 2599 ihre politische Pflicht erfüllt, während ihrer 4599 etwa dem Konservativen ihre Stimme gegeben und damit bewiesen haben, daß der Haß gegen die Arbeiterbewegung sie zu politischem Denken unfähig gemacht hat. Den Sieg der Konservativen zu verhindern, war für den Liberalismus noch viel wichtiger als für die Sozialdemokratie. Wir sind stark genug, um eine Wiederkehr der schwarz blauen Majorität nicht fürchten zu müssen. Aber für den Liberalismus bedeutete dies den Verlust einer Stellung, wie er sie seit langem im Deutschen Reichstag nicht mehr inne- gehabt hat. Die fortschrittliche Parteileitung ist von Mitschuld an dem Wahlausfall nicht gänzlid) freizusprechen. Zwar kann zugestanden werden, daß ihre Parole diesmal etwas entschie- dener lautete, als bei der Haupttvahl. Aber in solch kritischer Situation kommt man mit Halbheiten eben nicht aus. Die Parole„gegen die Konservativen" war eine solche Halbheit. Die Fortschrittspartei hätte, da es sich für sie um ihre Macht- stellung im Parlament handelte, ohne Rücksicht auf die Rot- scheu mancher ihrer Wähler offen und klar die Stimmabgabe für den Sozialdemokraten von ihren Anhängern fordern und für die Durchführung dieser Parole durch eigene Agitation sorgen müssen. Dem politischen Sinn der Magdeburger Liberalen aber stellt dieser Wahlausgang ein Armutszeugnis aus, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann. Dem deutschen Bürgertum fehlt jeder Wille zur Macht und aus Angst vor der anschwellenden Arbeiterbewegung flüchtet es hinter den Schutz, den ihnen die Junker versprechen. Demütig nimmt es— um mit den konservativen Agitatoren von Jerichow zu sprechen— die„Tritte vor den Baud>" hin, und in der stumpfen Gewohnheit, alle Demütigungen zu erdulden, ver- zichtet es auf jeden Kampf, dankt lieber freiwillig ab, als selbst die Waffen zu führen. Die Sozialdemokratie aber kann mit großer Befriedigung auf diesen Wahlkampf zurückblicken und den Genossen dort danken für die hingebende und musterhafte Aufklärungsarbeit, die sie geleistet haben. Sie haben nicht vergeblich gewirkt und der Tag ist nicht mehr fern, wo auch über diesen Wahlkreis das rote Banner wieder aufgepflanzt werden wird, um nimmer heruntergeholt zu werden. Und so bestätigt auch dieser Wahlgang wieder die alte Lehre, daß das deutsche Proletariat im Kampf gegen die Reaktion, im Kampf um die Demokratisierung Deutschlands einzig und allein nur vertrauen kann der eigenen Kraft. Aus dem Wahlkreise Jerichow wird uns vom Frei- tag geschrieben: Zwischen Haupt- und Stichwahl ist der Wahlkreis noch einmal— agrarisch ausgedrückt— vollkommen umgepflügt worden. Die Unsicherheit der Entscheidung ließ beide Par- teien ihre letzten Kräfte anspannen und besonders unsere Gc- nossen haben an Arbeit das physisch nur irgend mögliche noch geleistet, um die Wähler aufzurütteln. Sie mußten von vorn- herein mit einem sicheren Minus rechnen: Kurz vor der .Hauptwahl war die E l b s ch i f f a h r t wieder' eröffnet wor- den. wenigstens auf dem für diesen Kreis in Betracht kommenden Teile. Schon dadurch gingen eine Anzahl von Stimmen verloren, die bei andauerndem Frost uns aus den Kreisen der Schiffer und Bootsleute sicher gewesen wären. Roch aber war die Kanal schiffahrt nicht eröffnet, so daß für die Hauptwahl noch eine große Anzahl von Wählern in den rund 24 Schifserdörfern des Kreises anwesend waren, die am Stichwahltage fehlen mußten. Denn am 14. Februar wurde auch die Schisfahrt auf den Elbe-Havel-Kanälen offiziell eröffnet und� man weiß, daß es den abhängigen Bootsleuten nur sehr schwer fällt, den Kahn zu verlassen, nach- dem sie nach monatelanger Pause endlich wieder Verdienst- Möglichkeit haben. Trotzdem ist natürlich versucht worden. auch von ihnen zur Wahl wieder heranzuholen, wer irgend erreichbar war. Immerhin mußte man von vornherein mit dem Ver- lust von einigen hundert Schifferstimmen rechnen. Dieses Minus wieder einziiholen aus anderen Wählerschichten, war eine besonders schwere Arbeit. So ist von dem Tage nach der Haiiptwahl ab in allen irgend in Betracht kommenden Orten eine mühevolle Hausagitation bei den Wählern vorgenommen worden, die im ersten Wahlgang nicht zur Ab- stimmung erschienen waren. Aber auch die V e r s a m m- lungstätigkeit hat nicht geruht. In einer großen An- zahl von Orten haben Mitglieder der Reichstags- und Land- tagsfraktion oft unter freiem Himmel zu den Wählern gc- sprochen und ihnen die Wichtigkeit gerade dieser Stichwahl für die politische Gesamtlage in Deutschland klargemacht. Da- zu kamen noch viele Versammlungen, die mir einheimischen Rednern besetzt wurden, und eine Reibe von vertraulichen Bespreckiungen. Zwischen Haupt- und Stichtvahl war es auch noch möglich geworden, in einigen Orten Versammlungen zu veranstalten, in denen vorher trotz aller Mühe weder ein Versaninilungssaal noch ein Platz aufzutreiben war. So hatte unser Kandidat wenigstens einmal noch Gelegenheit, zu den Wählern dieser Orte zu sprechen. Eine ebenso umfassende als mühevolle Kleinagitation wurde aber in den Hauptorten des Kreises derart veranstaltet� daß sofort nach der Haiiptwahl täglich etwa 19 999 Exemplare unseres Magdeburger Parteiblattes, der„Volksstiinme", ver- teilt wurden, und zwar vorzugsweise an solche Wähler, von denen bekannt oder ihrer sozialen Stellung nach anzunehmen war, daß sie zu den fortschrittlichen Wählern gehörten. Bedenkt man, daß die„entschieden Liberalen" im ganzen Kreise so gut wie gar keine Presse haben— die kleine„Gen- thiner Zeitung" ist zwar freisinnig, aber auf ein sehr enges Gebiet beschränkt—, so mußte die systematische Bearbeitung dieser Wähler um so notwendiger erscheinen, als bekanntlich 1912 die fortschrittliche Zentralparole so gut wie gar nicht an sie herangekommen ist. In mehreren Flugblättern wurden außerdem sämtliche Wähler noch einnial zur äußersten Kraftanspannung aufgefordert. Während so unsere Genossen in der Kleinarbeit ein er- drückendes Maß von Agitation zu leisten hatten, arbeitete der konservative Apparat um so eifriger im Stillen. Zwar hielt auch die Partei des Herrn Schiele noch einige Versainm- lungen ab, zwar verbreitete sie auch noch ein allgemeines Flugblatt, das sie als Beilage zu den Lokalblättern zur Ver- breitung brachte, ihre hauptfächlichste Wahlarbeit wurde aber auf dein Lande niit Hilfe des bekannten Apparates und des junkerlichen Terrors in alle Stille betrieben. Gefällige Helfer fanden sie dabei an den Magdeburger und den kreisein- gesessenen A l t n a t i 0 n a I l i b e r a l e n, die so eifrig für den„nationalen" Kandidaten Propaganda machten, daß sich der frühere..Ausschuß der rechtsstehenden Parteien" plötzlich in einen„Ausschuß der nationalen Kandida- t u r" verwandelte! Mit welcher offenen Brutalität die„Rechtsstehenden" unsere Parteigenossen behandeln, ist bekannt. In diesem Wahlkampfe gingen sie an mehreren Orten so weit, daß sie unseren Wahlkontrolleuren und Stimmzettelverteilcrn jede Sitzgelegenheit verweigerten! In einem Orte „erlaubte" zwar der Wahlvorsteher, daß der betreffende Ge- nosse sich einen Stuhl ins Wahlzimmer hole, der Gastwirt verweigerte ihm jedoch die Herausgabe dieses wertvollen Instruments, da er„n a ch h e r d 0 ch d i e R a ck e n s ch l ä g e" davon haben werde. Der Genosse mußte den ganzen Tag von 19 Uhr vormittags bis nach 7 Uhr abends stehen. Die fortschrittliche Wahlparole, die eine in- direkte Aufforderung zur Unterstützung der Sozialdemokratie enthält, ist reichlich spät herausgekommen, indessen.haben unsere Genossen für ihre weiteste Verbreitung in umfang- reichem Maße gesorgt. In den größeren Orten ist sie sowohl als auch die abgeschwächte der fortschrittlichen Wahl- k r e i s l e i t u n g durch die„Volksstimme" allen fortschritt- lichen Wählern bekannt gemacht worden, außerdem aber wurde am Morgen des Stichwahltages noch auf jedem Dorfe ein besonderes Flugblatt mit der zentralen Parole den Wählern zugestellt. Keiner von ihnen kann sich also damit herausreden, daß er sie nicht gekannt hätte. Wie wenig politischer Weitblick aber selbst in den Kreisen der fortschrittlichen Führer zu verzeichnen ist, zeigte das Ver- halten des in Magdeburg erscheinenden..Mitteldeutschen Kuriers", eines hauptsächlich von Hirich-Dunckerschen Ar- beitern und liberalen Angestellten gehaltenen politischen Wochenblattes. Sein Redakteur ist gleichzeitig Sekretär des Gewerkvereins deutscher Bauhandwerker, sH.-D.) und fortschrittlicher Agitator�'Dieser gab unmittelbar nach der Hauptwahl in einer Wahlbetrachtung die Losung heraus: „Strikte Stimmenthaltung, keine Stimme für den Konser- vativen, aber auch keine für den Sozialdemo- kj a te n!" Das in einem liberalen Arbeiterblatte! Inzwischen hatte sich allerdings dieser Gewerkvereinsführer bejouneu und als Vorsitzender der Ortsgruppe des Reichs- Vereins der liberalen Arbeiter und Angestellten eine direkte Losung für den Sozialdemokraten veranlaßt. In seinem Blatte aber konnte er die erste Parole nicht mehr korrigieren, denn es erscheint erst— nach der Stichwahl! Die Entscheidung liegt— darüber besteht kein Zweifel— vollständig bei den Wählern der Fortschrittlichen Volkspartei. Die Konservatwen rechnen außer mit dem Zuwachs an nationalliberalcn Stimmen noch mit einem weiteren Z u- st r 0 m von Reserven, an denen es für sie sicher nicht mangelt. Sie versuchten auch die Fortschrittler mit„natio- nalen" Redensarten zu fangen und schienen zu vergessen, daß sie vorher den gleichen Fortschrittlern gegenüber den Götz von Berlichingen zitierten und ihnen Tritte vor den Bauch androhten. Von unserer Seite sind die Fortschrittler bc- sonders auf die Gefahr hingewiesen, in die durch ihr Ver- sagen die Stellung ihrer eigenen Partei im Reichstage geraten würde. Jni übrigen aber haben wir den Wahlkampf geführt mit dem Eifer, den wir der Sache und dein Ernst der politischen Lage schuldeten, und konnten des- halb dem Ergebnis der Stichwahl guten Mutes entgegen- sehen!—_ Verurteilung öer Genossin Luxemburg. Die Genossin Dr. Rosa Luxemburg ist gestern von der Frank» furter Strafkammer zu der ungeheuren Strafe von einem Jahre Gefängnis verurteil:. Und weshalb verurteilt? Wie unsere Leser aus dem an einer anderen Stelle unseres Blattes gegebenen telegraphischen Bericht ersehen, deshalb, weil die Genossin Luxem- bürg in prächtiger Weise das Volk zum Kampf gegen den Krieg und die Kriegshetzer aufgerufen, sowie über die Ursachen und über die Gefahr eines Krieges aufgeklärt hat. DaS unglaublich harte Urteil ist eilt juristisches Unikum und lediglich verständlich, wenn mau es als politisches Tendcnzurteil betrachtet, wenngleich der Vorsitzende meinte:„wir erledigen den Fall juristisch, nicht politisch". Aus der langen Rede der Genossin Luxemburg sind ein paar Sätze, die einem alldeutschen Antisemiten nicht gepaßt haben, herausgezogen. Aus dem Satz:„wenn wir die Biordwaffen erheben sollen, so wn wir das nicht", ist die Anklage konstruiert, Soldaten seien zum Ungehorsam für den Fall des Krieges aufgefordert. In der Versammlung befand sich eine einzige, vielleicht unter Militärgesetzcn stehende Person, nämlich der Polizeiwachtmeister. Und der erklärte: eine Aufforderung habe er überhaupt nicht gehört. Die nicht anwesenden Soldaten sollen. also aufgefordert sein. Und aufgefordert sein, einen Befehl nickst zu erfüllen, der überhaupt nicht erteilt ist! Und endlich durch eine„Aufforderung" ausgefordert sein, die, mag man noch so viel in die Worte der Genossin hineinlegen, was in ihnen nicht steht, höchstens eine Anreizung, nicht aber eine Aufforderung dar- stellen. Denn auch nach dem Plädoyer des Staatsanwalts soll nicht etwa eine Aufforderung, also das Hervorrufen des Eist- schlusses zur Begehung einer Tat, vorgelegen haben, sondern der Versuch der Erzeugung einer einem solchen Entschluß günstigen Gesinnung und Stimmung. Der 8 Hb bestraft nur Aufforderung. Der Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch will diese„Lücke" da- durch ausfüllen, daß er das Aufreizen dem Auffordern gleichstellt. Begründet wird diese Erweiterung in dem Entwurf damit,„daß gerade die geschicktesten und gefährlichsten Volksaufwieglcr die Form der Aufforderung vermeiden und dafür die der bisher straflosen Anreizung zu wählen verstehen." Die Frankfurter Staatsanwalt- schaft und das Frankfurter Gericht haben diese projektierte Neuerung vorweg genommen. Die Verurteilung war nur möglich durch die völlige politische VerständniSlosigkeit für die sozialdemokratischen Anschauungen. Dem Gericht will nicht in den Kopf, daß das Volk darüber zu entscheiden haben solle, ob Mordwaffen gegen die Brüder jcnsests der Grenzen zu erheben sind. Es ist ihm platterdings unverständlich, daß die energische Abwehr gegen die Kriegshetze, daß der Krieg gegen den Krieg etwas Erlaubtes und im Interesse der Kultur Notwendiges ist. Das Kolleg, das die Angeklagte dem Gericht gelesen hat, fiel auf steinigen Boden. Der Staatsanwalt sah in der Angeklagten die politische Gegnerin. Sein Plädoyer war das Plädoyer der Furcht vor der Agitation der Angeklagten. Verstieg er sich doch sogar zu einem Haftantrag gegen die zu ihren Worten stehende Angeklagte. Den Militarismus in dem Sinuc des blindesten Kadavergehorsams glaubt der Staatstinwalt durch die Angeklagte gefährdet. Ihm ist unverständlich, wie das Volk die durchaus gesetzliche Macht hat, einem Krieg entgegenzutreten. Ein Bravo der Angeklagten und zu Unrecht Verurtestten; die tapfer und unerschütterlich zu ihrer Ansicht stand und leider vergeblich sich bemühte, de» engen Hori- zont des Gerichts zu erweitern. Völliges Nichtverstehcii der Ursachen der weltgeschichtlichen Zusammenhänge machen allein das Fehlurteil erklärlich. Das Gericht hat formell die tapfere Streiterin verurteilt, in der Tat die bestehende Gesellschaftsordnung, der es zu dienen glaubte, die aber nach dem Urteil nicht einmal eine Propaganda für den Völkerfrieden vertragen kann. Die Verurteilung zeigt deutlicher als biclc Reden» wie notwendig die Agitation gegen die Kriegshetzer und wie notwendig die Erfüllung der Losung ist: Krieg dem Kriege! Sie zeigt aber auch die bestehende Rechtsunsicherheit. Mlitariftifther Totentanz. � Paris, 19. Februar.(Eig. Ber.) Die offiziellen und offiziösen Schönfärbereien und die dreisten Verdrehungen der Patriotenpresse werden der schreck- lichen Wahrheit nicht standhalten können, die überall durch die Stöße der papierenen Wandschirme hindurchbricht. Mit Angst und Zorn sieht das Volk die Proletarier, die. vergebens gegen das improvisierte Dreijahrgesetz protestiert und demon- chriert haben, und die Kleinbürger, die in der nationalistischen Paukenschlägerei den Kopf verloren hatten— die Folgen des von den Bonzen des Militarismus als rettende Tat aus- gegebenen Gesetzes. In ganz Frankreich wüten in den Kg- fernen die Seuchen. Schon zählen die Todesopfer nach Hun- derten. Scharlach, Masern, Diphtheritis, Typhus, Starr- krampf raffen die Jünglinge hin, die ihren Familien als Hoffnung und künftige Stütze galten. Die Spitäler sind überfüllt, die Mannschaftsstuben wimmeln von Kranken, für die im Lazarett kein Platz ist und die die Krankheitserreger um sich aussäen. Tie ungünstigen Witterungsverhältnisse dieses Winters sind jetzt, da die Tage mild geworden sind, keine Ausrede mehr. Die Gesundheitsverhältnisse im Heer werden nicht besser, sondern eher noch schlechter und immer klarer wird es, daß die unglaubliche Voraussichtslosigkeit der Heeres- Verwaltung Schuld daran trägt, die weder für die Unterbringung der um die Hälfte verstärkten Mannschaft, noch für ihre genügende Bekleidung, noch auch für die Pflege der Kranken das Nötige veranlaßt hat. In der Jnterpcllations- Verhandlung am letzten Freitag hat der als wissenschaftliche Autorität anerkannte Deputierte Lachaud als Ergebnis einer eigenen Untersuchung schreckliche Details bekanntgegeben: Von einem Effektivbestand von 717 990 Mann sind im Januar 194 999, d. h. 279 vom Tausend, krank in den Stuben: 44 999, d. h. 67 vom Tausend, auf der Krankenabteilung. 21 579, d. h. 29 vom Tausend, im Hospital gewesen. 289 Todesfälle, 89 voui. Tausend, wurden gezählt, 1489 dauernde Entlassungen wegen Kvankheit.— In der Kaserne des 11. Artillerie- regiments konnte Lachaud die Wände mit seinem Spazierstock durchstoßen, so verfault sind sie. Mit bitterer Ironie sagt er: In Versailles ist vielleicht die einzige gesunde Kaserne, weil dort die Lust überall durchziehen kann. In Baccarat hat man, Um die den Wänden der neuen Baracken entströmende Feuchtig- keit zu bekämpfen, Tag und Nacht geheizt. Die Oefen waren aber so schlecht angelegt, daß am ersten Morgen von der ein- gerückten Mannschaft 39 Mann eine Kohlenorydgasvergiftung auswiesen. Im Lager von Corrieux befinden sich die Küchen zwischen den Abtritten, zur größeren Verkehrsfreiheit der Fliegen.— Als das neiigebildete 11. Genieregiment mit seinen 1199 Mann in seiner Kaserne ankam, fand es weder Betten, noch Tische, noch Stühle— sondern nur die vier nackten Wände. Der Direktor der Intendanz von Epinal erklärte dem Oberst, das Regiment sei zu früh geboren und er habe nichts herzugeben. Und so mußte der Oberst Fichtenbretter den Mauern anschlagen und Feldbetten 69 Zentimeter von einander entfernt einrichten lassen. Die Soldaten nlüsssn über die Bretter wecstpringen. In vielen Orten fehlen die Speisesäle, fast überall Duschbäder, oft ist. die Waschgelcgenheit 'nngsniigend, so daß viele Soldaten sich überhaupt nicht reinigen, die Abtrifte sind schlecht eingerichtet. Und so wird ein trauriges Bild nach dem andern aufgerollt. In der heutigen„Hunianitä" wird— als erstes einer Reihe von Dokumenten � ein Bericht der Sanitätsdirektion .an den Generalstab veröffentlicht. Er ist vom 13. August 1913 datiert, also vor der Durchführung des Dreijahrgesetzes. Es wird darin festgestellt, daß die Sanitätsverhältnisse der fran- zösischen Armee nicht zufriedenstellend seien. Die Krankheits- Ziffer sei stärker als in der deutschen Armee und steige seit einigen Jahren an, die Sterblichkeit nehme wohl ab, sei aber noch immer etwa doppelt so hoch als in Deutschland. Es wäre natürlich verfehlt, aus diesen Tatsachen den Schluß zu ziehen, daß der deutsche Militarismus in seiner Fürsorge für die unter der Fahne stehende Volksjugend weiter gehe als der französische. Der französische soldat wird nicht schlechter, eher besser ernährt als der deutsche und wenn er genügend krank wird, um nicht, nach den internationalen Regeln der militärärztlichen Praxis, dem Verdacht der Simu- lation ausgesetzt zu bleiben, hat er die gleiche, mit Vorliebe in der Schablone bleibende Behandlung zu erwarten. Richtig mag es sein, daß in Teutschland bei der Unterbringung der .Mannschaften den Forderungen der modernen Hygiene besser Genüge geleistet wird als in Frankreich, wo der Militarismus nicht selten seine historischen Behausungen seit dem 17. und 18. Jahrhundert ohne viel Verbesserungen benützt. Aber mag man auch eine gewisse Differenz im organisatorischen Geschick zugeben, so wird in an die wichtigsten Ursachen der schlechten sanitären Verhältnisse in Frankreich doch anderswo suchen müssen. Da niag eine Rolle spielen, daß in Frankreich ein größerer Prozentsatz der Mannschaften aus ländlichen Bezirken stammt und sich den Bedingungen des Kasernenlebens schwerer assimilieren kann als der großstädtische Proletarier. Vor allem aber ist die Tatsache entscheidend, daß der französische Mili- tarismus, um das numerische Gle chgewicht init dem deutschen aufrechtzuerhalten, alle nur irgendwie Tauglichen, oder besser gesagt, auch die nicht mehr Tauglichen zum Militärdienst heranzieht. Wird man in Deutschland, wie sich dies jetzt auch varzubereiten scheint, ebenfalls in den Ansprüchen auf die Tauglichkeit herabgehen, wird man die gleichen Erfahrungen «it der Verschlechterung der sanitären Bedingungen machen, wenn auch nicht in dem Maß, wie in Frankreich, wo die jähe, gar nicht vorbereitete außerordentliche Verstärkung der Heeres- zisfer das Uebel seit dem Herbst verhängnisvoll steigern mußt«. Die französische Katastrophe— denn so kann man schon von einer Situation sprechen, die die Volksgesundheit aufs schverste bedroht zeigt, da die Hceresverhältnisse auf dem Weg über die Entlassungen, namentlich die der Tuberkulosen, auf die ganze Nation zurückwirken— ist eine Katastrophe �auch für das ganze militaristische System,- für die nationa- listisch-demagogische Politik, die das dritte Dienstjahr forderte, um der Nation erhöhte Wehrkraft zu geben, und deren Er- gebnis tatsächliche Erschwerung der Mobilisierung, Schwächung des Heeresckrganismus und Desorganisation des Dienstes ist. So zeigen sich furchtbar alle Warnuiuzen der sozialistischen Gegner des Gesetzes bestätigt. Die dreijährige Dienstzeit hat die französische Industrie und Landwirtschaft geschlvächt, sie schwächt auch die nationale Wehrkraft, weil die herrschende Klasse in blinder Nachahmung des ausländischen Prätorianer- tumS und aus Furcht vor der Demokratie in Waffen vom Uebergang zur Volkswehr, der durch die soziale Entwickelung Frankreichs gebotenen Organisation der Landesverteidigung, nichts Wissen will.__ politische Uebersicht. Kein Feicrjahr! Im vorigen Jahr hat der Staatssekretär des Reichs marineamts eine wenigstens theoretische Neigung zugunsten einer international vereinbarten Einschränkung der Flotten rüstungen bekundet. Aber dieser theoretischen Neigung ent sprach sein tatsächliches Verhalten keineswegs, und die De hatten des gestrigen und des heutigen Tages haben den Eiw druck noch verstärkt, daß namentlich der Vorschlag Churchills auf Einfügung eines Feierjahrs im Flottenbau nicht das ge- ringste Entgegenkommen findet. Sowohl die Regierung wie auch die bürgerlichen Parteien lehnen jede Verwirklichung internationaler Verständigung ab. Herr B a f s e r m a n n, der zuerst sprach, redete gerade- zu zugunsten der Steigerung der deutschen Seerüstungen, und selbst bei ihm konnte die starke Betonung, mit der er sich gegen jeden Versuch einer Äftrüstung wandte, auffallen. Er warnte in leicht durchsichtiger Absicht vor einer zu optimistischen Auf- fassung der Lage, die keinesfalls ernsthaft eine Entspannung merken lasse. Auch das deutsch-englische Bündnis werde noch lange ein schöner Traum bleiben. Die Argumente, die der nationalliberale Redner vortrug, wirken freilich wenig über- zeugend, wenngleich er sie mit jener selbstgefälligen Eitelkeit entwickelte, die sein hervorragendster Charakterzug ist. Eine so chauvinistische Rede vermochte selbst der Konservative Herr Nehbel nicht zu übertreffen, und dem Staatssekretär, der danach das Wort ergriff, merkte man das Vergnügen an, das ihm das Wohlverhalten der bürgerlichen Parteien bereitete. Seine Bemerkungen liefen darauf hinaus, daß innerhalb des Rahmens des Flottengesetzes möglichst bald alle für den Auslandsdienst vorgesehenen Einheiten geschaffen werden müssen. Die Einmütigkeit der bürgerlichen Parteien in der Ab- lehnung wirklich praktischer Friedenspolitik bewies vollends die Rede des fortschrittlichen Herrn Dr. Heckscher— in Ton und Inhalt ein zweiter Aufguß der Bassermanns. Einige liebenswürdige Worte fand ja Herr Dr. Heckscher zugunsten der englisch-deutschen Annäherung, aber was sollen all diese Versicherungen, wenn ihnen gleich die Erkläruna angefügt wird, daß ein Marinefcierjahr verhängnisvolle Folgen haben würde, und daß wir nicht allzu sentimental in unseren Be- Ziehungen zu England sein dürfen. Wenn solche Mahnungen nicht inhaltlose Redensarten sein sollen, so können sie nur den Sinn haben, den die Worte des nationalliberalen Redners viel klarer ausgedrückt haben. Nach dem Herrn W a r m u t h von der Reichspartei und Herzog von der Wirtschaftlichen Vereinigung kam Genosse Vogtherr zu Wort. Er behandelte zunächst eine Reihe Einzelfragen, wobei seine Darstellung eines unerhörten bru- talen Mißhandlungsfalles um so mehr Aufsehen erregte, als diese barbarische Tortur, die an einem Heizer vorgenommen worden war, in der Marinestrafvollstreckungsordnung tat- sächlich vorgesehen ist! Ten größten Teil seiner Ausfllhrun- gen widmete unser Redner der großen Frage, die von den bürgerlichen' Parteien In so verhängnisvoller Weise erörtert worden war. Er zeigte die Hmfälligkeit der Einwände der anderen Redner, zeigte insbesondere, wie unberechtigt das Gerede vom steigenden Chauvinismus in England und Frank- reich ist, und vertrat wiederum die sozialdemokratische Forde- rung der Verständigung unter den Nationen, gegenüber der Hetze des Flottenvereins und der interessierten Rüstungs- industrie. Auf diese Rede antwortete der StaatSsekre- t ä r in einigen Bemerkungen, ohne jedoch auf die großen und grundlegenden Probleme sich einzulassen.— Den von unse- rem Redner angeführten Mißhandlungsfall suchte er der- gebens in seiner Bedeutung abzuschwächen. Nach diesem Abschluß der Generaldebatte wurde die Spezialdcbatte begonnen. Beim Kapitel..Bekleidungsämter" freuten sich alle bürgerlichen Parteien über die..Mittelstands- Politik", die das Marineamt den Handwerkerorganisationen gegenüber betreibt. Für die Klagen der Arbeiter, die Genosse Alb recht zur Sprache brachte, zeigten sie kein Verständnis. Morgen: Weiterberatung, vorher Strafgesetznovelle. Abgeordnetenhaus. Dies Kind, kein Engel ist so rein! So könnte man von der Polizei sagen, wenn die Entgegnungen der RegierungSvertreter auf die sozialdemokratjsebe Kritik unanfechtbar wären, was bekanntlich nicht der Fall ist. Die sozialdemokratischen Abgeordneten sind ja die einzigen, die überhaupt noch Mißstände zur Sprache bringen, die bürgerliche Opposition ist entweder, wie da« Zentrum, mit fliegenden Fahne» in das Loger der Regierung übergelaufen, oder wie der Liberalismus� zu energielos, um die Rechte de« Bolke« zu pertreten. Höchsten» sind es noch die paar Pole», die ab und zu, aber auch nur dann, wenn sie selbst in Mitleidenschaft gezogen sind, sich aus die Seite der Opposition schlagen. So stimmten für den sozialdemokratischen Antrag betr. die Untersuchung von Mißständen bei der Polizei, dessen Notwendigkeit L e i n e r t in Ergänzung der Aus« führungen von H u e am Freitag nochmals überzeugend nachwies, außer den Antragstellern nur die Polen. Die Fortschrittler waren von der nichtssagenden und wie Leinert sofort feststellte, teilweise direkt falschen Entgegnung de« Ministerialdirektors Dr. Freund völlig befriedigt. Auch für die Bewilligung de« Geheimfonds der Polizei stimmten die Fortschrittler zusammen mit den übrigen bürgerlichen Parteien. Zwar halte Genosse Paul Hoffmann die Zahl der Fälle von polizeilichen Spiyeleien. die schon im Abgeordnetenhause vorgetragen ivaren, beirächilich vermehrt und da« Treiben dieser Ehrenmänner anschaulich geschildert, aber den Fortichritilern genügte die Erklärung de« Minister«, daß kein Staat die politisch« Polizei entbehren könne. Früher war eS anders, da opponierten Fort- schrittler und Zentrum gegen die Spitzelwirtschafl, heule muh die Sozialdemokratie diese Aufgabe erfüllen. Der Fond« wurde nach einer scharfen Eharakieristik der Spitzelwirtschaft durch Adolf H o s f m a n n, der sich dabei einen Ordnungsruf zuzog, ge- nehmigt. Unser Genosse hatte nämlich diejenigen, die die Spitzel- gelber bewilligen, auf eine Stufe mit den Spitzeln selbst gestellt. DaS Kapitel.Fürsorgeerziehung" gab unserem Genossen Hirsch Gelegenheit, die Erfolge dieser Maßnahmen zu kritisieren und an einigen Einzelfällen zu zeigen, wie mangelhaft das System ist und wie antisozial es gehandhabt wird. Besserung ist freilich von der Kritik nicht zu erwarten. Verteidigte doch der Regierungskommissar Prügelstrafe und Dunkelarrest, und die Mehrheit de« Junkerparlament« jubelte ihm zu. Am Sonnabend soll der Etat deö Ministerium« de« Innern zu End« berat«« werde». RückVerweisung der Landesverwaltung. Das Herrenhaus, dessen Besucher sich anläßlich der Vereidigung der neuen Mitglieder gestern, Freitag, an dem Anblick eines Generals niit allen preußisch-eigenartigen Ordensbändern, Ehrenzeichen und Helmfedern laben durften, hat die Landesverwaltungsnovelle entsprechend dem Antrag der Oberbürgermeister an die Kommission zu rü ckv er- wiesen. Aber man darf das natürlich nicht so auffassen, als ob das Herrenhaus irgendwelche fortschrittliche Reform wünsche. Man ist sich nur noch nicht klar, wie man die Ent- lastung des Oberverwaltungsgerichts durch Einschränkung des Verwaltungsstreiwerfahrens am besten deichseln soll. Und man wird schon den richtigen Weg finden, um Herrn v. Dall- Witz nicht zu verletzen und an der Junkertreue wankend werden zu lassen! Tann nahm man das Ausgrabungsgesetz an— ein ominöses Wort für eine Kammer von Ernannten und geborenen Gesetzgebern!—, wobei man sich von dem Kultusminister Trott zu Solz mehrfach in' sanftem Säuselton darüber beruhigen ließ, daß das. Eigentum nicht geniert werde. Ohne Debatte dehnte man das Moorschutzgefttz für Hannover auf Pommern und Schleswig-Holstein aus und vertagte sich dann auf acht Tage._ Kopp als Triumphator. Die Jahreskonferenz der Bezirkspräsides des Verbandes der katholischen Arbeitervereine Deutschlands, das heißt der Arbeitervereine der sogenannten Berliner Richtung, die vor einigen Tagen in Berlin stattgefunden hat, erkannte nicht nur die Autorität des Papstes und der Bischöfe in allen politi- schen und Ivirtschaftlichen Fragen an, sondern Pries auch die bekannte Enzyklika Leos XIII. über die Arbeiterfrage (Kerum novsnun) und die Gewerkschaftsenzyklika des jetzigen Papstes(LiuKuluri quadam) als„unzweideutige und klare Weisungen" der katholischen Kirche, denen nachzuleben die Pflicht eines jeden wahren Katholiken sei. Doch nicht diese scharfe Stellungnahme der Berliner gegen die christlichen Gewerkschaften bildete den Hauptgegenstand der Tagung. Das wichtigste war eine Enthüllung des Kaplans Graf v. Strachwitz über die Beurteilung der bekannten milden Enzyklika-Jnterpretation des Paderborncr Bischofs durch die römische Kurie. Nach der„Germania" erzählte der hochadelige Herr Kaplan: „Unser Kardinal und unser Papst wallen nur ein und da«- selbe. Aus Kreisen, die dem Herrn Kardinal sehr nahe stehen habe ich eriahren— und ich bin ausdrücklich z u der Erklärung an dieser Stelle ermächtigt,— daß die Mitteilungen der.Germania" über die Zurücknahme derbekannten Interpretation der GewerkschaftS-Enzhklika durch den Herrn Kardinal mit den vollen Talsachen übereinstimmen. Diese Zurück« nähme ist erfolgt im Einvernehmen mit dem Herrn Kardinal st aatssekretär in Rom. Ich stelle also fest: Diese Zurücknahme ist erfolgt in Ucbrrcinstiwmung mit dem Heilige» Bater. Der Heilige Bater wünscht die Ge- wertschafls-Eiizyklika ganz und unverfälscht und rein durchgeführt. Nun ist aus de» letzten Tagen Erfreuliches zu berichlen. Die Er- klärung der westdeutschen Bischöfe erkennt ausdrücklich an, daß der Heilige Batcr allein berechtigt ist. die Gewerkschafts- Enzyklika zu interpretieren und auszulegen. Die westdeutschen Bischöfe sagen damit das gleiche wie unser Kardinal. Also: die heute noch die Interpretation vom November 19l2., halten wollen, stehen allein auf weiter Flur. Die Stunde heischt die Erklärung unwandel« barer Dankbarkeit, Lieb« und Treue gegen nistern Herrn Kardinal. Wir hätten nur den einen Wunsch: er möchte einmal unter uns hier weilen, er möchte einmal sein treue« Priestervolk sehen, sein ihm kindlich ergebenes Arbeitervolk, das bereit ist, für ihn zu leben und zu sterben. 4-« * Aber nicht nur die Berliner Richtung feierte„ihren" Kardinal und erflehte ehrerbietigst seinen oberhirtlichen Segen, auch das Breslauer Domkapitel hat an den Kardinal Kopp eine ehrerbietige Vertrauenskundgebung gerichtet, in der es heißt: Mit tiefer Bedauernis sind wir Zeugen aller der Sorgen und gramvollen Aergernisse, welche die Kämpfe der Gegenwart für Eure hochwürdigsten Bischöfe, ganz besonders aiiw für Eure Eminenz im Gefolge haben. So bin ich denn von den Mitgliedern des Dom- kapitels ersucht und beauftragt worden, Eurer Eminenz die teil- »ahmsvolle Versicherung unserer unwandelbare» Treue und Ergebenheit zu Füßen zu legen. Wir fühlen uns durch Eure Eininenz in unentwegter Einig- keit verbunden mit dem ganzen Episkopate und mit dem Felsen Petri. Wir wissen uns aber auch ein» mit Eurer Eminenz in der entschiedenen Ablehnung aller jener gegen hochverdiente Katholiken und selbst gegen die Bischöfe gerichteten Verdächtigungen, die in letzter Zeil die Einigkeit unter dem katholischen Bolke in frivoler Weise gestört haben. Wir bitten den göttlichen Steuermann, daß er da» Schifflein der Kirche durch Sturm und Klippen wieder zu Friede» und Ruhe wie so oft schon zum Tröste der treuen Katholiken und ihrer gotlgeietzten Führer, der hochwürdigsten Bischöfe, gnädigst leiiken wolle. Möge der Hirt und Bischof der Seelen Eure Eminenz in allen Heim- suchungen mit himmlischem Trost aufrichten und stärken. Eurer EmineHz treu gehorsamster Dr. Koenig, Dompropst." An welche Adresse das Wort„Verdächtigungen" gerichtet ist, ist klar: an die Adresse der Blätter Kölner Richtung und an den Reich saus schnß der Zentrums- Partei. Im Vergleich zu Kopp spielt der Bischof Schulte von Paderborn jetzt eine gar traurige Rolle. Nachdem er sich jüngst durch seine Unterschrist unter die Erklär»! g der Kölner Bischofskonferenz selbst in kurioser Weise dementiert und seine frühere Interpretation der Gewerkschaftsenzyklika als durchaus minderwertig bezeichnet hat, sieht sich nun auch noch sein Leiborgan, das„Westfälische Volksblatt" in Pader- dorn, gezwungen, öffentlich zu erklären, daß ihn, seine neuesten wie früheren Ausführungen über die Gewerkschaftsfragen keineswegs vom Bischof Dr. Schulte zugetragen seien. Solche Selbstdementierung ist sehr bitter, vor allem für einen selbst- bewußten Vertreter der kirchlichen Autorität. Vom Schwarzburg-Rudotstädtischen Landtage. In zwei Sitzungen beichöstigie sich der Landtag mit dem Bericht de« LandtagSouSschusie» über die Prüfung der HmipilandeS- kasse-Rechnungen für die Finanzperiode lvOS/ll. Dabin kam es zu einem heftigen Zusammenstoß der sozialdemokratischen Fraktion mit der Regierung. Beim Titel, Landratsämter" kam die Nichtbestäligung von zwei Schultheißenstellvertretern, weil sie Sozialdemokralen sind und eines Schultheißen, weil er Dissident ist. zur Sprache. Die sozial- demokratischen Redner wandten sich energisch gegen die GefinnnngS- schnüffele! und verlangten gleiches Recht für alle. Die Regierung stellte sich auf den. jn Preußen- Deutschland üblichen reaktionären Standpunkt, trotzdem sie sich von einer sozialdemokratischen Landtagsmehrheil den letzten Etat bewilligen lassen mußte. Einige Sätze des Re« gierungsvertreterS sind wert, daß sie der breiten Oeffentlichkeit unterbreitet werden:„Wir haben gehandelt, wie wir handeln mußten I'—„Ein sozialdemokratischer Gemeindevorsteber kann nicht im staatSerhaltenden Sinne handeln.'—„Ein Dissident kann niemals mit dem Amt eines Schulzen betraut werden.'—„Maßgebend ist, was wir vom Staate halten und wie wir die Aufgaben des Staate« auffassen.' Recht interessant waren auch die Ausführungen des Abg. Privat- lehrers Dr. Blume, der bei der letzten Reichstagswahl� als liberaler Kandidat auftrat. Er erklärte im Namen der bürgerlichen Ab- geordneten, daß sie in dieser Frage samt und' sonders auf s e,i t e n der Regierung ständen. Bom Beamtenstand sei die Sozial- demokratie ein für allemal grundsätzlich auszuschließen. Einige bürgerliche Abgeordnete wandten sich dann gegen die Zentralisation der Krankenkassen. Kommerzienrat Herold- Ncubaus verlangte die Errichtung einer Arbeiterkammer, in der aber die Linke nicht vertreten sein dürste. Die Finanzen haben sich verhältnismäßig gut entwickelt. Die gesamte Staatsschuld hat sich um S9 500 M. verringert und beträgt jetzt 4003 450 M. 85 Pf._ Tas neue lippische Volksschulgesetz. Detmold, 20. Februar. sPrivattelegramm des„Vorwärts'.) Der lippische Landtag nahm heute das neue Bolksschul- gesetz endgültig an. Die wesentlichsten Neuerungen dieses Gesetzes sind: eine Fachaufsicht an Stelle der bisherigen kirchlichen Orts- schulinspekrionen, die Höchstschülerzahl, die bisher für einen Lehrer 120 betrug, wird auf 100 bezw. 90 Schüler herabgesetzt, geringe Einschränkung des körperlichen ZüchtigungSrechtS, ferner die Be- seitigung der kirchlichen Volksschulleitung, die Zulassung weiblicher Lehrkräfte und die Einführung der achtjährigen Schulpflicht. Die Ferien für die Volksschulen sind mit den Ferien der höheren Schulen gleichgestellt. Im ganzen ist demnach das neue Gesetz nur ein schwächliches Zugeständnis an die bürgerliche Schulreform; die von unsezen Ge- noffen gestellten weitergehenden Antrage wurden sämtlich abgelehnt. ijentrumsbauern und christliche Nächstenliebe. Der„Westfälische Bauer' ist das Organ der im Westfälischen Bauernverein organisierten Zentrumsbauern Westfalens. Der Zentrumsabgeordnete Herold hat eine führende Rolle in diesem Bauernverein. Das VereinSorgan, der genannte„Westfälische Bauer" erteilt auch RechtsauSkunsl und so stellt in der Nummer vom 15. Februar 1914 ein Mitglied folgende interessante Frage: „Ich habe ein Dienstmädchen, welches ein Kind hat. Das Dienstmädchen möchte ich gern im Dienst behalten. Die Gemeinde befürchtet aber, daß das Mädchen den UnterstützungS- Wohnsitz erwirbt. Um dies z» verhüten, möchte ich das Mädchen jedes Jahr einig« Zeit sortschicken. Wie ist die Rechtslage-?" Das Mädchen hat ein Kind, wohl als Folge der so gepriesenen sittlichen Verhältnisse aus dem Lande. Das Mädchen ist gut und tüchtig, wohl ein richtiges Arbeitspferd, sonst würde der fragestelleiide Bauer cS sicher nicht gern behalten. Aber die Gemeinde' Die Ge- meinde fürchtet, das Mädchen könnte den UntersllltzungSwohirsitz er- werben und der Fragesteller hat. wie man sieht, Verständnis für die Besorgnisse der wahrscheinlich von Zentrumsbauern beHerrichten Ge- meinde und will durch»inen Trick � nämlich dadurch, daß er das Mädchen jedes Jahr einige Zeit wegschickt— verhüten, daß das Mädchen wohnsitzberechtigt wird und dann eventuell der Gemeinde zur Last sollen lviiiUe... Der„Westsälische BmW--gibl dem Fragesteller swahr'cheinlich durch einen Rechtsanwalt) die Auskunft, daß auf Grund der§8 10, 21 des Gesetzes vom 7. Juni 1908 das Mädchen den UnterstützungS« Wohnsitz ertv'rbt, wenn cS ein Jahr ununterbiochen im Ortsarmen- verband seinen gewöhnlichen Aufenhalt gehabt hat. DaS uneheliche Kind teile den Unterstützungswohnsitz der Mutter. Im Falle der Erkrankung müffe der Dienstherr für die Kosten auskommen; falls er nickt hafte, müsse der Ortsarmenverband eintreten. Es wird dann weiter aus fj 18 deS Gesetzes angeführt:„Als Unterbrechung des Aufenthalls wird eine freiwillige Eiilsernung nicht angesthe», wenn aus den Umständen, unter welchen sie eriolgt, di« Absicht er- bellt, den Aiifenthall beizubehalten.' Daraus ergebe sich, daß der Fragesteller dadurch, daß er.das Mädchen jede« Jahr kurze Zeit fortichicki, um so den Erwerb des Unterstützungswohnsitzes zu ver- hüten, sein Ziel wohl nicht erreiche. Die kalte, geschäftsmäßige Art, wie hier ein dem Zentrum nahe- stehendes, für Zentrumsbauern geschriebenes Organ über die Ge- schicke eine« armen unglücklichen Mädchens entscheidet, zeugt von ebenso großer christlicher Nächstenliebe, wie sie dem Fragesteller und den Gemeindegewaltigen inneivobnen muß. Aas mag nun aus dem Mädchen werden? Vermutlich wird nun die Gemeinde auf gänzliche Entlassung dringen, um zu ver- hindern, daß das Mädchen»nterftützung-Zwohnsivberechtigt wird. Dann wird es mit seinem Kinde auf die Straße gesetzt, in die Welt hinauSg-jagt. Und wenn das Mädchen in seiner Not eine Ver- zweiflungStat beginge, dann würden die christlichen Blätter die ersten sein, die sich heuchlerisch entrüsten. „Moderne" Spionage. Die schweizerische Bundesanwaltichasl hat jetzt bereits die zweite Partie Spione ausgewiesen, nachdem sestgestellt wurde, daß diese nicht« für die eidgenössische.Landesverteidigung' Belangreiches er- miltclt halten. Die Genfer Spionage-Zentiale— man munkelt, daß sie mit einem bedeutenden Kapital„arbeitet' lieferte militärische Geheimnisse von jeder Großmacht an jede Groß- macht. Durch Untersuchung ist festgestellt worden, daß dieses Unter- nehmen gleichzeitig für und gegen Frankreich, für und gegen Deutschland, für und gegen Rußland und sür und gegen Oesterreich spionierte unter geschickler �Senutzung von in Rot geratenen Lands- leuieir, die sich in der Schweiz aufhielten. Sobald einmal.die innere Organisation diese« Spionagetvarenhauses offen zutage tritt. wird es eine vorzügliche Waffe für die Sozialdemokraten aller Länder sein, die die Abschaffung der geheimen Spionagefonds in den Parlamenten fordern. Dieses vielseitige Institut führt nämlich cke kaoto daS ganze Spionagesystem ad absurdum. Der schweizerische Generalslab, der bekanntlich leinen Rappe» für Spionage aus- gibt, hat jetzt durch Beschlagnahme der Papiere dieser pielseitigen Firma die„militärischen Gebeimnisie' der vier uns umgebenden Groß- staaten und die Genfer Firma, die den Großbetrieb im Spionage- bandwerk einsührte, hat so gleichzeitig die absolute Sinnlosigkeit der Spionage entbüllt. Wie militärischer Aufruhr entsteht. Wehe dem Soldaten, der sich ein Vergehen hat zuschulden .kommen lassen, das vom Kriegsgericht als militärischer Ausruhr gewertet wird, er wird a»ß Jahre von der Außenwelt abgesperrt. Und doch, wie leicht ist ein solcher militärischer Aufruhr fertig. Geht man dem sogenannten„militärischen Aufruhr" auf den Grund, findet man oft. daß er lediglich durch ungeschickte, unvor- schriftsmätzige Behandlung der Soldaten provoziert wurde. Dafür ein Beispiel: Am 19. November 1913 in der Nacht ge- riet die ganze 2. Kompagnie der ersten Matrosenartillerieabteilung, die Besatzung des Küstenforts Stosch bei Kiel in Aufruhr. Das kam so: Der Bizefeuerwerker der Reserve v. Thomsen, ein Sohn des Admirqls v. Thomsen, war Offizier vom Frontdienst. TkS er abends den Rundgang durch die Mannschaftsstuben machte, fand er zwei Spinden offen stehen. Dieses Verbrechen mußte be- straft werden. Er befahl, daß die ganze Kompagnie um 19, 12 und 2 Uhr nachts antreten sollte. Darüber gerieten, die Matrosen, alles alte Leute, in. große Aufregung. Sie fingen an zu singen, rückten mit den Schemeln und schlugen Takt zu dem Gesang durch Schlagen auf den Tischen. Als um 9 Uhr die Schlafenszeit ge- kommen war, legten sie sich in die Hängematten. Kurz vor 10 Uhr wurden sie von einem Maaten geweckt, weil sie antreten sollten. Jetzt ging der Aufruhr von neuem los. Viele der Matrosen standen überhaupt nicht auf und mußten von dem Maaten einzeln aus den Hätigemuttem geholt>v erden. Dann fingen wieder alle an zu singen, und mit den Schemeln zu rücken, sogar die Alarmglocke wurde von ihnen geläutet. Der Mzefeuerwerker v. Thomsen be- fahl darauf, daß die Leute auf dem Hofe antreten sollten.� Als er „Stillgestanden" kommandiert hatte, fingen alle an zu husten, und als. er kommandierte„Wegtreten!", begannen sie zu johlen. Der Oberleutnant, der schon im Bette lag, hörte den Lärm, kam her- unter und schaffte Ruhe. Dies erreichte er dadurch, daß er die Matrosen in den Stuben antreten ließ, ihnen eine Standpauke bielt, sie aufforderte, sofort zur Ordnung zurückzukehren und den Befehl v. Thomsens, daß die Leute nochmals um 12 und 2 Uhr antreten sollten, kurzweg aufhob. Vier Matrosen aber mußten den Aufruhr der Kompagnie schwer büßen. Sie wurden der Anstiftung beschuldigt und unter ver Anklage des militärischen Aufruhrs vor das Kriegsgericht gestellt. Das Kriegsgericht der 1. Marineinspektion verurteilte den Matrosen K i p p k e zu 3 Jahren 4 Monaten, den Matrosen Weber zu 2 Jahren 9 Monaten, die Matrosen Langenbeck und 2 i ck e f e t t zu je 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis. Am letzten Sonnabend hatte sich nun das Obeririegsgericht als Berufungsinstanz nochmals mit der Angelegenheit zu beschäftigen. In dieser Verhandlung trat die Tatsache, daß die Matrosen durch den Vizefeuerwerker v. Thomsen geradezu zum Aufruhr provoziert waren, noch schärfer als in der ersten Verhandlung zutage. Der Führer der Kompagnie und Kommandant des Forts Stosch er� klärte nämlich als Zeuge, daß der Vizefeuerwerker v. Thomsen mit seinen Anordnungen bisher wenig Glück gehabt und daß er auch wenig Erfahrung habe. Der Bizefeuerwerker sei auch gar nicht berechtigt gewesen, die Leute antreten zu lassen. Er habe da- mit seine Befugnisse überschritten. Finde er Un- regclmähigkeiten, so habe er sie zu melden. Ihm müßten auch die Dicnstbestimmungen, in denen dies geregelt sei, bekannt sein. Die vier Matrosen fanden denn auch im Oberkriegsaericht mil- dere Richter als im Gericht der ersten Instanz. DaS Gericht ver- neinte den militärischen Aufruhr und setzte die Strafen bedeutend herab, und zwar für alle auf ein Jahr Gefängnis. Das Oberkriegsgericht hätte mit der Herabsetzung der Strafen noch weiter gehen können. Nach Z 98 des Militärstrafgesetzes kann die Strafe auf die Hälfte ermäßigt werden, wenn der Täter durch vorschriftswidrige Behandlung der Vorgesetzten zur Tat gereizt worden ist. Ein solcher Fall lag hier zweifelsohne vor. Für die Beurteilung der Frage, wie militärischer Aufruhr entsteht, ist der Prozeß jedoch von entschiedener Bedeutung. Er beweist von neuem die Notwendigkeit der Reform de? Militarstraf- gefetzes._ Die rusilfchen Eroberer in perflen. Mit welch grimmige? Konsequenz Rußlawd die einmal aufs Ziel genommenen Opfer seiner Reichsvergrößerungs- gier untgarnt und allmählich abwürgt, davon weiß das ganze russische Asien zu erzählen. Nicht minder jetzt Persien. In Nordpersien, dem gewaltigen Gebiet, das den Russen durch das Abkommen mit England von 1907 als Einflußsphäre zu- gewiesen ist, werden immer neue Mittel zur„friedlichen Durchdringung", d. h. zur allmählichen Einverleibung in die russischen Grenzen angewandt. Russische Straßen, die direkt zu allen-wichtigen ru-isi'chen Eisenbahn- und Schiffsstationen führen; das Verbot des europäischen Warenverkehrs über die transkaukasisch«,, und transkaspischen Eisenbahnen und seine Verbannung auf den teuren Karawanenweg durch Kleinasien: die Einrichtung russischer Bankanstalten: die Leitung des persischen Finanzwesens durch einen belgischen Russenknecht: die Erzwingung von Eisenbahn- und Handelskonzessionen: die Stationierung vieler tausend russischer Soldaten— alle diese Mittel haben Rußland eine wahre Herrschaftsstellung in Persien und ein gewisses Handelsmonopol im Norden ver- schafft. Selbst dem nicht sehr umfangreichen europäischen Konkurrenzhandel durch Postpakete hat man jüngst den ein- zigen Weg über die russischen Eisenbahnen verboten. Das Zolldepartement hat jedoch auf Protest der betroffenen Post- vertragsmächte das Verbot„bis auf weiteres" aufheben müssen. Vor etwa Jahresfrist hat nun die russische Regie- rung die persische gezwungen, russischen Untertanen den u n- beschränkten Landerwerb zu gestatten. Bis dahin durften nur die fremden Kaufleute die für ihren Handels- betrieb notwendigen Anlagen zu Eigentum erwerben. Da- durch soll es möglich gemacht werden, eine Wolke von rufst- scheu Staatsangehörigen über Nordpersten hinzustäuben und dadurch d<>r russischen Militärmacht einen Freibrief für mili- tärische Operationen zu geben. Jetzt ist di« V e r P f l a n- z u n g russischer Bauern in vollem Gange. Die rela- tive Ueberproduktion an landwirtschaftlicher Bevölkerung in Rußland wird als Mittel für die Eroberungsgelllste der Re- gierung verwendet. Aus einem Berichte des Generals Law- r o f f. des Kommissars an der persischen Grenze, geht hervor, daß feit einigen Monaten eine von der Regierung gefördert« außerordentliche Auswanderung russischer Landleute aus Zentralasien und dem europäischen Rußland nach Nordpersien stattfindet, die ständig wächst. Die persischen Landjunker, die Khans, die fast ganz Persien im Besitz haben, benutzen die gegen ibr Vaterland gerichtete Politik Rußlands,' ihren Patriotismus in Rubel umzumünzen und ihre Ländereien zur Ansiedelung russischer Bauern zu verkaufen.— General Lawroff empfiehlt der Regierung, diese Auswanderung zu organisieren und auf jede Weise zu fördern. Die Regierung von Nussisch-Zentralasien unterstützt schon jetzt die Ueber- siedelung mit erheblichen Mitteln. Man redmet damit, daß im Laufe diees Jahres 10V 000 russische Bauern im wertvollsten Teile NordpersienS angesiedelt sein werden. Was das bedeutet, wird klar, wenn man bedenkt, daß das ganze zur russischen Einflußsphäre gehörige Nordpersten kaum sechs Millionen Einwohner � wovon höchstens vier Millionen Boliernbevölkerung— zählt. 100 000 russische Bauern mit ihren Familien sind aber mehr als 50 0 000 Köpfe. Dazu die große Fruchtbarkeit der russischen Bevölkerung, während die persische stagniert. Besonders nach Aserbeidschan, der fruchtbarsten und reichsten Provinz Persiens. werden die Bauern gelenkt. Bald werden sie dort das herrschende Ele- ment sein. � Damit wird die Herrschaft Rußlands sür alle Zeit ge- sestigt. Aber auch für den russischen Handel ist diese Baucrnverpflanzung von höchster Wichtigkeit. Die von der Regierung unterstützten Bauern werden natürlich die russi- schen Waren bevorzugen, deren Ausfuhr nach Persien mit reichen, dem armen russischen Volke abgepreßten Staats- Mitteln gefördert wird. Portugal. Amnestie. Lissabon, 20. Februar. In der D e p ut i e r t e n ka m m e r brachte gestern Ministerpräsident Bernardino Machado einen Amnestiegesetzentwurf ein, der sich auf alle Personen be- zieht, die sich wegen politischer Vergehen in Haft besinden oder des Landes verwiesen sind, mit Ausnahme der Führer, die verbannt werden sollen. Auch diejenigen Personen, die Dynamit verwendet oder ein Attentat ausgeführt haben, sind von der Amnestie ansge- schlössen. Deserteure sollen amnestiert, Offiziere und Unteroffiziere aber aus dem Heere ausgeschlossen werden. Die Kammer nahm die Dringlichkeit des Gesetzentwurfes an und in der unmittelbar folgenden Diskussion erklärten sich die demokratischen Redner für den Gesetzentwurf, während die Rodner der Rechten eine umfassen- dere Amnestie wünschten. M a ch a d o erklärte, er werde die Kabl- ncttsfrage nicht stellen. Englanü. London» 20. Februar. sPrivattelegramm des„Bor« wärt s".) Mit großem Interesse sah man der Neuwähl in dem Londoner Wahlkreis Bethnal Green entgegen. Die Wahl mußte erfolgen, weil der bisherige parlamentarische Sekretär des Schatzamtes, also der Adjutant Lloyd Georges, der frühere So- zialist M a st e r m a n, ins Kabinett auftückt. Besondere Bedeutung erhielt der Wahlkampf dadurch, daß Masterman, der sich jetzt der Neuwahl unterziehen muß, zugleich Präsident der V e r s i ch e- rungskommission sNeichsversicherungsamt) ist. Sowohl der konservative Kandidat, als auch der als unabhängiger Sozialist kandidierende John S c u r r, konzentrierten ihre Angriffe auf das Versicherungsgefetz, während der irischen Frage wenig Beachtung geschenkt wurde. In wenig Wahlkreisen dürfte das Sozialversiche- rungsgesetz so unpopulär sein, wie in Bethnal Green. Es ist überwiegend von der ärmsten Schicht von Arbeitern, Heimarbeitern, Gelegenheitsarbeitern, Straßenhändlern, kleinen Krämern usw. be- wohnt, die die Lasten der Versicherung schwer empfinden, aber ihre Vorteile am wenigsten genießen. Der Wahlkampf bereitete der Regierung beträchtliche Sorge. Schon bei der letzten Wahl hatte S c u r r, der früher ein hervorragendes Mitglied der B. S. P. war und jetzt dem„Daily Herald" nahesteht, kandidiert, und obschon er nur 184 Stimmen auf sich vereinigte, rettete Masterman nur mit der größten Mühe sein Mandat.' Die jetzige Kandidatur Scurrs führte nun in der Tat die Niederlage Mastermans herbei, der in gewissen sozialistischen oder halbsozialistischen Kreisen auch persön- lich besonders verhaßt ist. Der Konservative Mathew Wilson wurde mit 2823 Stimmen gewählt, während Masterman 2804 und S c u r r 318 Stimmen erhielt. Rußlanö. Aus der Chronik der Gerichtsbarbarei. Dieser Tage verurteilte der Appellhof in Riga 4 Personen zu 1 Jahr Gefängnis und 6 zum Verlust aller Rechte und zur Zwangsansiedlung in Sibirien, weil die Ange- klagten angeblich dem„Roten Kreuz" zur Unterstützung politischer Gefangener und Verbannter angehört hatten! Süüaftika. Das Urteil des Volkes über die Blutregierung. London» 20. Februar.(Privattelegramm deS „Vorwärts Aus Südafrika wird folgendes gemeldet: Der Bürgermeister der Stadt Pietermaritzburg, namens Taylor, weigerte sich, während des Streiks einen Sicherheitsausschnß einzusetzen und Speziaskonstabler auszuhebeu, da er diese Maß- nflhmen für unbegründet hielt. Er wurde aber nachher durch die Regierung gezwungen, diese Anordnungen durchzüfühttK Der Vertreter dieses Bezirks im Parlament, der Vor- sitzende des Provinzialrats von Natal, Oberst Macfarlane. legte darauf sein Mandat nieder, damit die öffentliche Meinung über die Politik der Regierung befragt werden könne. Bei der heute stattgefundencn Nachwahl blieb der Oberst aber in der Minderheit, der Bürgermeister Taylor wurde gewählt. Der bemerkenswerte Wahlsieg der Arbeiterpartei zeugt von der Stimmung des Volkes über die Maßnahmen der Re- gierung Bothas. Japan. Die Bestcchungsaffäre. Tokio, 20. Februar. Wie das Reutersche Bureau meldet» wird der Befund der Untersuchungskommission in der Be- st e ch u n g s a n g e l e g e n h e i t' in der Marine in wenigen Tagen dem Landtag bekanntgegeben werden. Inzwischen sollen die Haussuchungen ausgedehnt werden auf die Wohnungen der hohen Beamten in den Soestaüonen Boko- süka und Kure sowre im Depot Tokuyama. wo man bei der Brikettfabrik anscheinend Entdeckungen erwartet. Letzte Nachrichten. Deutsche Pflanzer auf Samoa ermordet. Wolffs Telegraphen-Bureau verbreitet nachstehende Meldung: Die Pflanzer TreviranuS und Schmidt sind nach einem am Freitag eingetroffenen Telegramm dos Gouverneurs von Samoa am 9. Februar von vier entlaufenen Fita-Fita(Ange- hörigen der Polizeitruppe) auf der Lefeapflanzung(etwa 15 Kilo- rneter von Apia) ermordet worden. Bei der sofort einge- leiteten Verfolgung hat anscheinend ein schwerer Kampf mit den Verfolgten stattgefunden, denn drei der Täter sind am 11. Februar bei Malie erschossen worden, nur der vierte konnte nach er. folgter Verwundung gefangengenommen iverden. Der Polizei- meister Motzkus erhielt bei dem Angriff auf die Mörder einen Schuß in den Oberschenkel; der PflcrnzungSaufseher Hellige von der Samoa-Kautschuk»Kompagnie wurde hierbei getötet. Wie der Gouverneur berichtet, erinnert der Vorfall an die einige Jahre zurückliegenden Ausschreitungen des Samoaners Sitivi, der sid; gleichfalls in den Busch flüchtete und von dort au? mehrfach sinnlose Angriffe auf ihm gänzlich unbekannte Personen unternahm, wobei er den Pflanzer Hirsch erschoß. Nach Meldung des Gouverneurs wird die Tat von alle» Sanioanern mißbilligt, ohne deren durchaus loyale und tatkräftige Unterstützung bei Ausführung der Verfolgung die schnelle Sühne des Verbrechens unmöglich gewesen wäre. ES handelt sich nach Ansicht des Gouverneurs hiernach nicht etwa«m eine Auflehnung samoanischer Eingeborener gegen die Weißen, sondern um einen höchst bedauerlichen Vorfall, der, wie im Fall« des vorerwähnten Sitivi, offenbar auf das auch in der Südsee beobachtete Amoklaufen zurückzuführen fein dürste. Die Explosion in den englischen Nobelwcrkcn. Glasgow, 20. Februar. Von den Verletzten ist inzwischen noch einer gestorben, so daß die Zahl der Tote» jetzt acht, die der Bcr- letzten vier ist. In dem Mischraum, in dem die Explosion erfolgt«, befanden sich 8000 Pfund Gelatine. Es"versäume Niemand von dieser äusserst günstigen Einkaufsgelegenheit ausgiebigsten Gebrauch zu machen! Beachten Sie unsere Schaufenster Beile-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Lebensmittel Wurstwaren Rof- od. Zwiebelwurst..... Pfand 55 n Landleberwurst............. Pfand 95 pl ff, Leberwurst................ 1.19 Mettwurst 1.00 Teewurst.................. 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Montag, den 23, Februar 1914, abends 7 Uhr, VerfammUmg sämtlicher in der Schraubenbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in Graumanns Festsälen, Naunynstrastc 27. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Disfussion. 3. Bcrbandsangelegen- heiten. 4. Verschiedenes. ===== Mitgliedsbuch legitimiert.- Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen zählreich zu erscheinen. 113/4 Die Ortsverwaltung. Vei-woltHiig Berlin. Sonntag, den 22. Februar, vormittags 10 Uhr, bei Boeker» Weberstraße 17: Gemeinsame Versammlung der Caiitischler,€inidzcr, Treppengeländer. arbeiter, Kodenieger u. zaloniiearbeiter. Tagesordnung: 1. Bautätigkeit und Geschäftslage in de» Baubranchen der Hotziuduftric. Resercnt Kollege Niobsrd Leopold. 2. Diskussion. Vergoider. Dienstag, den 24. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 13, Saal 1: Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Rudolf Köster über: Das Werden und Vergehen der Welten und die Astronomie. 2. Bericht der Kommission. 3. Verschiedenes. 83/13 ]>ie Ort« Verwaltung. Charlottenburg:! Sonntag, den 22. Februar, mittags 1 Uhr, im„Bolkshause", Rosineustr. 3: Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: i. Marum geschieht nichts für die Arbeitslnseu? koforanfon> Reichstagsabg. Onstav Bnner- Berlin und nelciclllcll, Stadlv. Wilh. Kichter- Charlottcnburg. 2. Disfussion. AWk" Wir ersuchen vor allem die Arbeitslosen, in dieser Versammlung vollzählig vertreten zu sein; aber auch alle übrigen Partei- und Gewerk- schaffsgenossen haben die Pflicht, zu erscheinen!-"WHg Sozialdemokratischer Wahlverein. Gewerkschaftskommission. J. A.: J. B a d c. I. A.: O. S t o r ch. iils-Hrolie! 4— 500 getragene Anzüge für Herren: Smoking, Frack- und Gehrock- Anzüge(auch zu vcr- leihen), Frühjahrspaletots sowie v. Kavalieren gelragenc, fast neue Sachen(a.Seide), j. jed. 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Auf unser Wablausschreibcn vom 17. Januar 1914 sind von selten der Arbeitgeber sowohl wie der Ver- sicherten nur je ein Wablvorschlag der Vertreter und der Ersatzleute zum Ausschuß eingereicht und diese vom Vorstand gemäß§ 8 der Wahlordnung als gültig anerkannt worden. Gemäß§ 9 a. a. O. gelten die darin verzeichneten Personen alZ gewühlt und zwar mit der Maßgabe, daß die in der Lifte der Arbeitgeber von 1— 30 bezeichneten Personen als Vertreter, von 31— 90 bezeichneten als Ersatzmänner, die in der Litte der Versicherten von 1—60 bezeichneten als Vertreter, von 61— 180 als Ersatzmänner zum Ausschuß zu gelten haben. Die Wahlvorschläge liegen zur Ein- sicht der Beteiligten im Kaffenlokal während der Geschästsstunden aus und tönnen Einsprüche gegen die Ziichtiglcit derselben bis zum 23. März 1914 beim Vorstand oder dem Versichorungsamt angebracht werden. Die sür Sonnabend, den 7. März und Montag, den 9. März angesetzten Wahlen finden nicht statt. Berlin, den 21. Februar 1914. K. Gottesmann. Ar. Kcese. Vorsitzender. Schrislsützrer. Die in der Generalversammlung am 27. Januar 1914 beschlossene Krankenordnung hal am 3. Fe- bruar 1914 die Genehmigung des Versicherungsamtes erhallen und tonnen Druckexemplare im Bureau der Kasse in Empjang genommen werden. 269/3 «. Gottesmann, Vorsitzender. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12. kaufen Sie von Kavalieren wenig getragene sowie im Vers atz gewesene Jackett- u. Rock- anzüge, Paletot», Ulster, Serie I: 10—18 M, Serie II: ÄO— SO M.. größtenteils auf Seide. Ferner Gelegenheitskäufe in neuer MaBgarderobe enorm billig. Riesenposten Kleider, KoKtilme. PHischniiintel, auf Seide, früher 150, jetzt 20— Sa M, Große Posten Pels- stolas in 8knnks, Härder, Nern. Füchsen, Früher bis 200, jetzt ISO— 75 M. Große Auswahl in Herren-Gebpelnen, Gelegenheitskäufe in Damen-, Reise- und Wagen-. Pelzen. 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Ganze Spalten des„Vorwärts" könnte man füllen mit der Aufzählung von Terrorismustaten der Unternehmer. Wir begnügen uns damit, einige Neuerscheinungen auf diesem Gebiete herauszustellen. Die in letzter Zeit emporwuchernde gelbe Beivegung ist zu mindestens 90 Prozent das Produkt des von den Unter- nehmern ausgehenden Organisationszwangcs. Wer nicht wenigstens äußerlich das gelbe Glaubensbekenntnis ablegt, bekonimt keine Arbeit oder er wird entlassen. Kürzlich verteidigte Kommerzienrat Bamberg im„Berliner Tageblatt" die von den Verbänden im Textilgewerbe er- griffencn terroristischen Maßnahmen— Sperren—, um die Außenseiter zu zwingen, den Organisationen beizutreten. Bamberg vertrat dabei den Grundsatz, daß jeder, der sich nicht fügen wolle, wirtschaftlich ruiniert werden müsse. Man gründete dann eine Zentralstelle, mit der Aufgabe, die Zwangsorganisation sämtlicher Interessenten rücksichtslos durchzuführen. Ueberdies terrorisieren die Konventionen der Fabrikanten die Großabnehmer, und die Konventionen der Großabnehmer diktieren den Kleinabnehmern ihre Bedingungen. Wer es wagt, von einem Nichtkonventionsmitglied zu kaufen, oder an ein Nichtkonventionsmitglied zu liefern, der wird wirtschaftlich guillotiniert. Als charakteristisch für die Gewaltpolitik der Konventionen sei nur noch darauf hingewiesen, daß sie ihren Abnehmern die Kieferbedingungen diktieren und zwecks Schlichtung von Streitigkeiten Schiedsgerichte aus den eigenen Reihen einsetzen. Die Konvention der Kohlenhändler betreibt ebenfalls den Koalitionszwang mit Preisdiktatur. Den Händlerp werden die Verkaufspreise für große und kleine Lieferungen ganz genau vorgeschrieben. Wer einem armen Teufel einmal zu etwas niedrigeren Preisen verkauft und dabei von der Konventionspolizei erwischt wird, den verurteilt das Kon- ventionsgericht zu Geldstrafen in Höhe bis zu 1000 M., und im Wiederholungsfalle zum Ausschluß von jedem Kohlenbezuge. In der letzten Zeit sind viele dergleichen Urteile gefällt worden. Bemerkenswert ist in diesem Falle die von den ordentlichen Gerichten akzeptierte eigene Gerichtsbarkeit der Konvention. Sie diktiert den wirtschaftlichen Ruin der sich ihrer Willkür nicht fügenden Kohlenhändler gewissermaßen im Namen des Königs. Die neuesten Vorstöße auf dein Wege der Zwangsorgani- fation und Gewaltpolitik der berüchtigten Spirituszentrale sind folgende: die Schnapshersteller sollen gezwungen werden, ihrem Fabrikat einen gewissen Gehalt von Alkohol zu geben. Die Spirituszentrale will auf diesem Wege ihren Absatz steigern. Selbstverständlich diktiert sie auch die Preise. Sogar die Ver- kausspreise der Händler werden von der Zentrale vorgeschrieben und sie hat befohlen, im einzelnen Falle nicht weniger als kleines Feuilleton. Das Recht auf persönliche Freiheit. Die Fürsten des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts schrieben dem gemeinen Bürger nebst Gemahlin genau vor, wieviel Meter Seide oder Samt er oder sie am Leibe tragen durften, und noch im achtzehnten Jahrhundert fuchtelte Friedrich Wilhelm I. im Privatleben des„Untertanen" herum und setzte fest, wem es erlaubt sei, auf der Stratze zu rauchen und wem nicht. Der staatserhaltende Bürger von heute glaubt über diese Dinge mitleidig lächeln zu dürfen und präsentiert dagegen stolz seine„ver- sassungsmätzigen Rechte" auf individuelle Freiheit. Uns scheint dieses Lächeln nur noch sehr mit Einschränkung berechtigt, denn die moderne staatliche Autoritär greift immer handfeiter und unbekümmerter in die persönliche Meinung und Lebensführung hinein und die gott- ähnlich leitende und dekretierende Tätigkeit der zahlreichen Behörden der„öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Verkehrs" wird sich binnen kurzem nur noch unerheblich von den grotesken Gewalt- habereien des Feldwebel-Absolutismus unterscheiden. In dieser Zeit, da die Reaktion allenthaloen cmporschieht wie geiles Unkraut, kann kein Wort zu scharf, keine Auflehnung fanatisch genug sein gegen die Einmischung des Staates in die intimste per- sonliche Freiheit des Individuums. Zwei Stichworte haben die Dunkelmänner und die Rückwärts- schieber aufgegriffen:„Geburtenrückgang" und„Schund in Wort und Bild". Und unter diesem Deckmantel soll die Polizei° in die Schlaf» stuben schnüffeln und soll der Staatsanwalt und der Mucker uns vorschreiben, ivas„Kunst" sei und was nickt. Wenn dies gesckieht, so fangen unsere Zustände an, unerträglich zu werden. Die Erwägungen über ein Gesetz gegen die anti- konzeptionellen Mittel sind so widerwärtig, so unhygienisch, so kindisch und gesundheitsschädlich, datz ein Parlament, das dieses Geietz schaffen würde, für geistig minderwertig erklärt werden müßte. Dieses Gesetz würde ein Attentat gegen die Gesundheit unserer Frauen und Mädchen und als gemeingefährlich zu bezeichnen sein. Immerhin würde hier als letztes Ergebnis nur eine große Lächerlichkeit übrig bleiben, denn dieses Gesetz könnte und würde auf jede nur denkbareveil im ganzen Reiche inzwischen bekannt geworden ist. was fsir Hungerlöhne die Linke-Hofiitann- Werke selb st Rausreisiern bezahlen. Aus diesem Grunde sind die Aus- gesperrten guter Hoffnung. Freitagabend fand eine Protest- versantmlung von bürgerlicher Seite in einem der gröjzten Säle von Breslau statt. Aus der gelben Sudelküche. Ein gelber Verleumder erhielt von dem Schöffengericht Suhl (Kreis Schleusingen) einen kleinen Denkzettel. Am 31. August v. I. war in Suhl Krankenkassenwahl, wobei starker Andrang sowohl der freien Gewerkschaftsmitglieder wie auch der Gelben herrschte. Bei dieser Gelegenheit hat der Metallschleifer Hoffmann, der aus dem Mctallarbeiterverband zu den G Alben hinübergewechselt ist, den damals noch in Suhl in Stellung befindlichen Verbandsbcamten Genossen Tro nicke vom Metallarbeiterverband schwer be- l e i d i g t, indem er laut zu den Umstehenden sagte, die Arbeiterführer seien Spitzbuben und Gauner, Tro- nicke habe seinerzeit 13l) M. Umzugsunterstützung von Dresden nach Suhl zu Unrecht bezogen, bei seinen derzeitigen Quartals-' abrechnungen seien Unregelmäßigkeiten zu konstatieren gewesen und ähnliche ehrenkränkende Beschuldigungen mehr. Genosse Tronicke erhob gegen Hoffmann Privatklage wegen Beleidi- gung. Vor Gericht wurde einwandfrei festgestellt, daß alle Vor- würfe glatt aus den gelben Fingern gesogen waren. Das Gericht erkannte ausdrücklich an, daß Tronicke sowohl seine Umzugs- Unterstützung völlig zu Recht bezogen hat, wie- auch, daß die Quartalsabrechnung genau gestimmt hat. Der gelbe Verleumder Hoffmann, der schon wegen Beleidigung vorbestraft ist, kam immerhin noch gelinde davon, er wurde zu 40 M. Geldstrafe verurteilt. Leitergerüstbauer! Im vorigen Jahre wurde mit den Unter- nehmern im Leitergerüstbaugewerbe zu Köln nach vorauf- gegangenem 14tägigem Streik ein Tarifvertrag abgeschlossen. Aus dem Umstände, daß die in diesem schweren, gefährlichen Beruf tätigen Leute zum weitaus größten Teil als Saisonarbeiter in Betracht kommen und daher mit großer Arbeitslsosigkeit zu rechnen haben, konnte man sich mit der Fortdauer der jetzt bestehenden, teils noch sehr im argen liegenden Lohnverhältnisse nicht mehr ein- verständen erklären.— Am Ende des vorigen Monats wurden die alten Verträge gekündigt und am Itfc d. M. der neue Entwurf den Unternehmern zugesandt. Nun hat es den Anschein, als wenn auch in diesem Jahre die Unternehmer sich nicht mit der Absicht trügen, die Lohnbewegung auf friedlicher Basis regeln zu wollen, da einer dieser Herren bereits mit dem Import von.Arbeitskräften' aus feinem Heimatsort begonnen hat. Alle rechtlich denkenden Arbeiter sind hier- mit dringend ersucht, sich nicht verleiten zu lassen, den in Köln um berechtigte, minimale Forderungen kämpfenden Gerü st dauern in den Rücken zu fallen. Zuzug ist streng fer n zuhalte nl Deutscher Trqnsportarbeiterverband, Ortsverwaltung Köln. ?tuslanö. Polizisten dürfen sich nicht organisiere«! Man schreibt uns aus Brüssel: Der Brüsseler Bürgermeister Max, der gern mit seinem Libe« raliSmuS paradiert, zeigt„seinen' Angestellten gegenüber wenig liberale Gesinnung. Bei Festlichkeiten gibt es große Worte für das Personal, aber wochentags behandelt man es wie Sklaven. Ein kürzlich veröffentlichter Ukas deS Bürgermeisters verbietet den städtischen Polizisten glattweg ihren Anschluß an das Syndikat der Unterbeamten im Polizeidienst. Zwei Polizisten, deren Zugehörigkeit zum Syndikat ausgeschnüffelt wurde, sind für 14 Tage ihres Dien st es enthoben worden. Gleichzeitig beraubt man sie ihres Urlaubs für das Jahr 1314. Das Verbot des Bürgermeisters datiert übrigens nicht von heute. Bon unseren Genossen wurde seiner Zeit im Gemeinderat die Sache zur Sprache gebracht, aber das Versprechen des Bürger- meisterS, seine Angestellten an die Ausübung ihres KoalitionsrechleS nicht zu hindern, hat nicht vorgehalten, wie das Schriftstück vom 4. Februar beweist. Die Art. wie der Bürgermeister die Mitglied- schaft der Polizisten herausbekommt, ist so vornehm, wie sein gänzeS Vorgehen. Die Kanzlei des Bürgermeisters schickte nämlich an die Frauen der Polizisten Briefe, in denen ihnen empfohlen wird, die Beträge für die Gewerkschaft nicht auszufolgen und in welchen sie auf die Konsequenzen aufmerksam gemacht werden, die ihren Männern aus der Mitgliedschaft zu ihrer Gewerkschaft er- wachsen. Trotz aller Verwarnungen und der Spitzelei durch Privat- Polizisten entwickelt sich das Syndikat der Unlerbeamten im Polizei- dienst. ES zählt gegenwärtig VOV Mitglieder für Brüssel und die Vororte. Uebrigens sind die Polizisten, wie aus einem Aufruf ihrer Oganisation hervorgeht, entschlossen, auf ihrem Koalitionsrecht zu beharren. Die Angelegenheit wird wohl demnächst im Gemeinderat zur Sprache kommen._ die /Arbeitslosigkeit. Arbeitsloseufürsorge. � Der Stadtrat in Dresden beschloß, weitere 10rH KriegervereinS) ein unmittelbares Interesse an der Angelegenheit gehabt habe. Der Angeklagte hätte das Verhalten des Vorstände? nicht als unredlich bezeichnen dürfen. ES sei nicht erweislich wahr, daß der VorstanddieWitwenundWaisenbestohlenhätte. Der Beschluß der Generalversammlung sei wohl mit den Grund- sähen sozialer Fürsorge nicht vereinbar, aber er richte sich nach dem Statut und. eine ernstliche Schädigung der Witwen und Waisen liege nicht vor. Die Strafen reichen auch nickt entfernt an- die Urteile gegen sozialdemokratische Redakteure wegen viel geringerer Ver- gehen heran. Der Pfarrer ist sehr milde behandelt worden; auch ist ihm der 8 1S3 zur Seite gestellt worden, obivohl er sich eine» Personenkreises angenommen hat, zu dem er nicht die geringsten Beziehungen hat. Und da» Gericht bat völlig übersehen, daß der Sozialdemokratische Verein keine soziale Fürsorge be- treibt, sondern lediglich ein politischer Verein ist, und daß diesem politischen Verein die Sterbekasse angeschlossen ist, über deren Einrichtungen allein die Mitglieder zu entscheiden haben._ Zur russischen Eiuigungsaktion. Bekanntlich wurde iu der letzten Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus, am 12. Dezember 1313 in London, dem russischen sozialdemokratischen.Organisatwnskomitce' neben dem „Zentralkomitee" der Leninschen Fraktion eine Stimme im Bu- rean zuertcilt. DaS Organisationskomitee hat nunmehr zu seinem Vertreter im Bureau den Genossen Paul Axelrod ernannt. Genosse Axelrod ist einer der Gründer der russischen Sa- zialdemokratie und steht schon ca. 38 Jahre im aktiven Dienste der russischen Freiheitsbewegung. �ugenöbewegung. z 17. Gegen Genossen Max Peters ist Anklage erhoben worden wegen öffentlicher Aufforderung zum Ungehorsam gegenüber dem berüchtigten§ 17 des Vereinsgesetzes.(Vergehen gegen 8 110 des Strafgesetzbuchs.) Peters, der des gleichen Delikts wegen Pfingsten 1311 in Halle auf zwei volle Tage eingesperrt worden, aber schließlich von zwei gerichtlichen Instanzen freigesprochen werden mußte, soll diesmal das Perbrechen in einer öffentlichen Jugendversammlung in B r e s- lau am 22. November begangen haben. Sogleich nach Eröffnung der Versammlung ersuchte der Polizei- beamte die Jugendlichen unter 18 Jahren, das Lokal zu verlassen, da die Zusammenkunft nach Ansicht der Behörde politisch sei. Pe- ters als Referent erklärte, dazu habe die Behörde überhaupt kein Recht. Auch das störende Eingreifen des Beamten sei gesetzlich ungerechtfertigt. Die Versammlung sei ausdrücklich als unpoli- tische Jugendversammlung einberufen worden, und er übernehme für einen unpolitischen Verlaus die Verantwortung. Die Erklärung hatte die Wirkung, daß nicht ein einziger der in großer Zahl an- Ivesendcn Jugendlichen den Saal verlieh. Da sich auch der Beamte beruhigte, konnte die Versammlung ohne Störung verlaufen. Trotzdem erhielt Peters die Mitteilung, daß der Staatsanwalt Anzeige gegen ihn erstattet habe und das Hauptverfahren eröffnet worden fei. Die Verhandlung findet am 11. März vor der 3. Straf- kammer des Landgerichts in Breslau statt. »«Wer will unter die Soldaten?" Wegen der unter diesem Titel erschienenen Schrift von Pete» Winnen wird nun doch noch das Gericht i n Bew egung gesetzt. Von der Elberfelder Staatsanwaltschaft war seinerzeit Ivegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen ein Verfahren eingeleitet worden. Die Straftat sollte in folgenden Sätzen der Broschüre enthalten sein: Mit der allgemeinen Wehrpflicht sei es eitel Schwindel, sie bestehe nur für die Besitzlosen. Der Soldat sei dazu bestimmt, gegen das wehrlose Volk, gegen Eltern und Geschwister die Waffen zu führen. Der Soldat habe während der Militärzeit keinen eigenen Willen; er müsse sich mitunter auch dem Mutwillen seiner Vorgesetzten unterordnen, er sei eine Maschine, eine Nummer. Der Soldat dürfe sein Ehrgefühl nicht geltend machen; beim Beschwerderecht seien ihm Schlingen ge- legt usw. Das Elberfelder Landgericht stellte da» Verfahren ein, weil e8 in diesen inkriminierten Stellen nichts Strafbares erblicken konnte.— Gegen die Einstellung des Verfahrens erhob nun die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Oberlandesgericht in Dü s s e l- darf, und dieses hat der Beschwerde stattgegeben und das Vcr- fahren von neuem cröfftiet. Es steht also ein interessanter Pro- zetz in Aussicht, bei dem freilich weder der Staatsanwalt, noch der von ihm vertretene Militarismus Lorbeeren ernten wird. Soziales. Jnnuugs-Terror. Die Bäckerinnung Ziegenhals hat ihren Mitgliedern durch Androhung von 300 M. G e l d st r a f e für jeden Fall die Lieferung von Backwaren an den Arbeiter- Konsumverein verboten. Daß ein solcher Beschluß gegen Recht und gute Sitten verstößt, scheint die Jnuungsterroristen nicht zu kümmern. Wird die Staatsanwaltschaft sie hierüber durch eine Anklage wegen versuchter Erpressung belehren? ReichSverstcherungsordnung und Ersatzkassen. Unsere Schilderung der Schwierigkeiten, deren die Mitglieder der Zentvalkranken- und Sterbekasse der Zimmerer, Ersatzkasse Hamburg, ausgesetzt sind, haben die Allgemeine Ortskrankcnkasse zu Steglitz, die in dem Artikel genannt war, zu nachfolgenden Be- merkungcn veranlaßt: »Sn der Uebergangszeit infolge des Inkrafttretens' des zweiten Buches der Reichsversicherungsordnung haben sich mancherlei Schwierigkeiten ergeben, von denen auch Ersatzkassen- Mitglieder betroffen worden find. Als die Befreiungsanträge um den 1. Januar 19l4 herum eingingen, wußte man noch nicht, welche von den Ersatzkassen zugelassen werden. Unter den ein- gegangene« Befreiungsanträgen war eine ganze Anzahl, welche den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprachen oder nicht voll- stärwige Angaben enthielten, so daß die Kasse erst recherchieren mußte, um ihre Zuständigkeit festzustellen. Hierzu kam noch, daß. gerade im Baugetoerbe nach Neujahr mit der Arbeit ausgesetzt wurde und infolgedessen Anträge vorlagen, zu welchen noch die Anmeldung der Arbeitgeber fehlten. DieL alles bedingte, daß dje Erledigung der Befreiungsanträge zurückgestellt"werden mußte. � Arbeitgebern wie Arbeitnehmern, die wegen der An- träge bei der Kasse anfragten, haben wir im allgemeinen Sinne den unter solchen Verhältnissen selbstverständlichen Bescheid ge- gegben, es bliebe nichts anderes übrig, als die Beiträge ein- zuziehen und sie später wieder zurückzuzahlen, wenn die Bestätigung der Befreiung erfolgt sei. Dies ist dem Vorsitzenden der Ersatzkasse bei seiner Anwesenheit im Kassenlckkal hier am 31. Januar 1314 auseinandergesetzt und von ihm auch an- erkannt worden. Nicht nur wir konnten die Sachlage klar über- sehen, es ging auch dem Vorsitzenden der Ersatzkasse so, denn er bestätigte, daß ihm selber noch nicht bekannt wäre, ob seine Kasse zugelassen sei. Die Zulassung der Zimmerer-Ersatzkasse ist in N» innrer 4 des»Deutschen Ncichsanzeigers" vom st. Januar 1314 veröffentlicht worden. Es mag Unannehmlichkeiten gegeben haben, daS ist ohne weiteres zuzugeben und wird auch von uns bedauert; es hat aber auch manchen Versicherten Vorteile gebracht. So kam es bei uns in mehreren Fällen vor, daß Ersatzkassenmitglicder in der kritischen Zeit sich krank gemeldet haben trotz ihrer ein- gereichten Befreiungsanträge. Sie haben sich auf die Abzüge berufen, wodurch sie nach ihrer Angabe in dem Glauben verseht worden seien, ordnungsgemäße Mitglieder der Ortskrankciitcssc zu sein. Wir haben die Unterstützung glatt bewilligt und die Krankengelder gezahlt, weil wir uns sagten, den Kranken müsse die unsichere Sachlage zugute gehalten werden. Auch dies ist dem Borfitzenden der Ersatziasse bei der Besprechung mitgeteklt towÄen und er äußerte sich im zustimmenden Sinne zu einer solchen Erledigung/ Daß die Uebergangszeit Schwierigkeiten schafft, trifft zwetfel- los zu. Wir können aber daraus keinen Anlaß nehmen, Mißstände zu verschweigen, die sich für die Arbeiter ergeben. Die Arbeiter sind daran unschuldig, daß die Regierung die Vorbereitung für das Gesetz, dessen Inkrafttreten seit drei Jahren vorbereitet werden konnte, in so durchaus mangelhafter und longsamer Weise ge- troffen hat. Die Pflichten der Arbeiter sind nicht hinausgeschoben; sie müssen darauf dringen, daß auch ihnen gegenüber ihre Rechte pünktlich erfüllt werden, gleichviel wen die Schuld an der Vor- enthaltung der Rechte trifft. /ins Inöustrie und Kandel. Abschluß des Schaaffhonsenschcn Bankvereins A.-S. Als erste von den Großbanken legt Schaaffhausen seinen Jahresabschluß für 1313 vor. AuS früheren Mitteilungen ist bereite bekannt, daß die Ergebnisse des verflossenen Jahres für die Banken sehr ungünstig waren und daß die Bank daher ihre Dividende von 5 auf 3 Proz. herabsetzen müsse. Aus dem Gewinn- und Verlustkonto ergibt sich, daß die Gewinne von 17,303 auf 17,347 Millionen Mark gesunken sind. Die einzelnen Posten weisen dabei gegenüber dem Vorjahre sehr geringfügige Veränderungen auf mft Ausnahme der Gewinne aus Effekten(Wertpapierens. Dieser Posten stellte sich im Jahre 1312 auf 1,035 Million Mark, während er im Jahre 1313 keine Erträge brachte. Vielmehr erscheint unter den Ausgaben ein Betrag von 1,337 Millionen als Verluste auf Effekten. Einschließlich dieser Verluste stellen sich die Ausgaben auf 8.080 Millionen gegen 8,700 Millionen Mark im Jahre 1312. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß im Jahre ISkL unter Unkosten auch Rückstellungen und Abschreibungen' in Höhe von 3.090 Millionen erscheinen. Der 3! e i n g e w i n n erhöhte sich nach der von der Bank aufgestellten Verlust- und GewinnauSgteiclnmg von 3,143 aus 9,207 Millionen Mark. 4kB Millionen werden davon als Dividende ausgeschüttet und fast 4 Millionen zu Abschreibungen und Rückstellungen benutzt. In der Bilanzaufftellung wird zunächst bemerkt, daß ein Spezial-Reservesonds von 3,3 Millionen zur Auflösung gebracht und zu Abschreibungen auf Wertpapiere, Hypotheken und Jmmo- bitten verwandt worden ist.(Die Reserven erscheinen in der Bilanz nur noch mit 24,3 gegen 34,2 Millionen Mark.) Auch daraus srgibt sich, daß die Verluste durch Kursverluste und auf dem Bau- und Terrainmarkt entstanden find. Die Erneuerungsvcrhandlungeu im Kohlenspndikat vorläufig abgebrochen. Die Zechenbesitzerversammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensynditats beschäftigte sich am Freitag mit dem neuen Syndikatsvcrtrage. Bei den Erörterungen führten die allen Gegensätze zwischen den reinen Kohlenzechen und den ge- mischten Werken(Hütten- und Zechenbetriev) zu einem Abbruch der Verhandlungen. Die reinen Zechen stellten einen Antrag, daß die Hütten zechen Kohlen für die Herstellung von Koks nur zukaufen dürften, soweit es sich um Koks für den Vervrauch im eigenen Betriebe handele. Dieser Antrag wurde auch in namentlicher Abstimmung angenommen. Die Hüttenzechen sehen darin aber eine Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Ihre Vertreter er- klärten nach kurzer Beratung, daß diese Vestinimung deS neuen Vertrages für sie um annehmbar sei und daß sie infolgedessen an de« Verhandlungen nicht weiter teilnehmen könnten. Der Vorsitzende Geheimra't Dr. Kirdorf(der Generaldirektor der Hüttenzeche Gelsenkirchen) legte darauf den Vorsitz nieder und entfernte sich. Sein Stellvertreter Geheimrat Müser führte danach einen Beschluß herbei, daß sich der Erneuerungsausschuß erneut mit der erwähnten Angelegenheit befassen soll, und schloß die Per- sammlung. Der Rücktritt Kirdorfs von der Leitung der Verhandlungen soll offenbar nur einen Schreckschuß für die reinen Zechen bedeuten. Von einer Auflösung oder Nichterneuerung des Syndikats kann gar keine Rede sein. Die Verhandlungen werden ja auch fortgesetzt werden. Man benutzt nur den„Abbruch" der Verhandlungen, um die reinen Zechen zur Nachgiebigkeit zu zwingen und damit den Hüttenzechcn die bevorzugte Stellung im Syndikat zu erhalten. In der bürgerlichen Presse ruft man bereits nach dem Fiskus, der das ganze Gewicht der staatlichen Autorität in die Wagschale werfen solle, um die Syndikatserneuerung durchzusetzen. Es wird dadurch immer klarer, daß man den Fiskus im Syndikat nicht braucht, um die Interessen der Konsumenten zu wahren, sondern um möglichst bald ein Syndikat nach dem Herzen der Groß- industriellen, der Leiter und Besitzer von Hüttenzechea, znjtande zu bringen._ Weiterer Rückgang des Kohlenabsatzcs. Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat berichtet über die Geschäftsergebnisse im Januar: Das Absatzergebnis des Berichts- �monats ist im allgemeinen ungünstiger als das im Vormonat. Die Ursachen sind teils auf die weitere Abschwächung des Kohlen- markte«, teils auf die Störungen zurückzuführen, die der Hafen- und Schiffsverkehr auf den Rhein nnd dem Dortmund-Emskanal durch das anhaltende Frostwetter erlitten hat. Zwar hat der Frost zu einer Belebung des Absatzes für den Hausbrandbedarf Anlaß gegeben, der Mehrabsatz in diesen Produkten hat sich jedoch, da der stärkere Bedarf meistens aus den vorhandenen Beständen der Händler gedeckt werden konnte, in, näßigen Grenzen gehalten und ist erheblich hinter den starken Ausfällen zurückgeblieben. Die von den Zechen zur Verfügung gestellten Mengen konnten in vollem Umfange nicht abgesetzt werden. Die Bestände auf den Zechen sind daher erheblich geewachsen. Auch ist die Einlegung von Feier- schichten notwendig gewesen., �» Der rechnungsmäßige Absatz ist im Berichtsmonat, obgleich dieser einen Arbeitstag mehr hatte, gegen den Vormonat in der Gesamtmenge um 23 100 Tonnen zurückgeblieben. Gegen den Monat Januar 1313 ergibt sich in der Gesamtmenge ein Ausfall von IL Millionen Tonnen. Der Koksabsatz hat sich günstiger als im Vormonat gestaltet. Der erzielte Mehrabsatz beträgt beim Gesamtabsatz in der Monatsmenge 2? 800 Tonnen. Die Zunahme entfällt ausschließlick auf den Syndikatsabsatz und hauptsächlich auf die Hausbrandzwecken dienenden Sorten, deren Abruf infolge des Frostes lebhafter war. Das Förderungsergebnis weist gegen den Vormonat eine Stei- gerung auf, die insgesamt 300 010 Tonnen, im arbeitstäglichen Durchschnitt 1227 Tonnen gleich 0,37 Proz. beträgt._ Die Förderungsanteile für März sollen die gleichen wie im Februar bleiben; sie betragen für Kohlen 80 Proz., für KokS 55 Proz. und für Briketts 80 Proz. der Beteiligungsziffer. Hapag und Llopd völlig einig. In einer Depesche auS London melden die beiden General- direktoren der Hapag und des Lloyd, Ballin und Heineken: Die zwischen Lloyd und Hapag gepflogenen Verhandlungen haben eine vollkommene Uebereinstimmung in bezug auf die zukünftige Ge- paltung des nordamerikanrschcn Geschäfts ergeben. Gerichtszsitnng. Graf Mielztzosk» vor dem Schwurgericht. Ans Meferttz wird uns telegraphiert: Im Prozeß gegen de» früheren RsichStagSabgeordnetcn Grafen B�olzynSki, der heute vor dem Schwurgericht begann, wurde auf Antrag des Ersten Staats- antvalts Böllsahr und im Einverständnis mit den Verteidigern Jarecki und DrwcuSki-Posen die Oeffentlichkeit für die Dauer des ganzen Prozesses und im vollen Umfange ausgeschlossen. Auch die zahlreich erschienenen Presseberichterstatter und die nicht ausgelosten Geschworenen mußten den Saal verlassen. Der Angeklagte, der gebeugt aussieht. und mit matter Stimme antwortet, wird durch den ErLffnuugS- bcschluß beschuldigt, in der Nacht zum 20. Dezember 1913 seine Frau und deren Neffen durch zwei selbständige Handlungen vor- sätzlich getötet' zu hoben, nachdem er von den Getöteten ohne eigene Schuld schwer gereizt und aus der Stelle zu der Tat hingerissen worden ist. Das Urteil wird voraussichtlich morgen gefällt werden. Kommuualstreit in Hermsdorf. Die stark zugespitzten kommunalen Berhältnisse in HemLdorf bei Berlin haben eine Beleidigungsklage des Amtsvorstehers Chcemu gegen den Direktor der„HermSdorfer Boden-A.-G.", Regierungsbaumeister Wehl, gezeitigt, die gestern die 5. Strafkammer de? Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichts-Direktors Seclert längete Zeit beschäftigte. Die Grundlage der-öffentlichen Klage bildete eine Beschwerde, die der Angeklagte im Interesse der von ihm vertretenen Gesellschaft über den Amtsvorsroher infolge mehrfacher sachlicher Konflikte an den Landrat gerichtet hat. ES wurden darin recht schwere Vorwürfe gegen den Amts- und Gemeinde- Vorsteher erhoben. Die Dinge, um die eS sich handelte, ergeben sich aus dem Vergleich, der nach langen Vorverhandlungen in fol- gendcr Form zustande kam:„Im Interesse des kommunalen Frie- dens in der Gemeinde Hcrmsdorf wird, nachdem die Streitsache vor Gericht an der Hand der vorliegenden Akten besprochen wor- den, folgender Vergleich geschlossen: 1. Der Klüger erklärt: Ich habe mich überzeug, daß von feiten des Angeklagten. Direktors Wehl, niemals der Einwand gemacht worden ist, der Eingemein- dunasvertrag sei wegen Fehlens deS Gemeindesiegels ungültig. Ich versichere, daß ich be, Beschlichfassung über den Ausbau der Brandt- straße der Gemeiudevertretersitzung vom 10. Dezember 1312 den- selben Vertragsentwurf vorgelegt habe, der vorher der Hermö- dorfer Bodcn-A.-G. zugesandt worden war. Was die Bismarck- straße anlangt, so habe ich meiner Erinnerung nach allerdings, als ich den Beschluß der Gemeindevertretung der Bodengesellschoft mit- teilte, zu den von der Gemeindevertretung gebilligten Bedingungen meinerseits— wozu ich mich für berechtigt hielt— noch einen Zusatz gemacht, habe aber absichtlich in meinem Schreiben es nicht so dargestellt, als ob es sich bei diesen Bedingungen, um einen Beschluß der Gemeindevertretung handelte. Bezüglich der sozial- demokratischen Mitglieder der Gemeindevertretung habe ich mich nach meiner Ueberzeugung dem Major Mume gegenüber vielleicht dahin geäußert, daß ich mit denselben bei Erledigung der kommu- nalen Angelegenheiten recht gut auskomme, dagegen habe ich Aeuße- rungcn m dem vom Angeklagten bisher behaupteten Sinne nicht getan.— 2. Hierauf erklärt der Angeklagte: Ich halte hiernach meinen Vorwurf gegen den Kläger, daß er mir wissentlich falsche Vorwürfe gemacht und damit wissentlich die Unwahrheit gesagt habe, ferner, daß er Gemeindebeschliissc gefälscht und dienstlich falsch berichtet habe, nicht mehr ausrecht, desgleichen meine Borwürfe bezüglich seiner Aeußerungen über seine Stellung zu den sozial- demokratischen Gemeindevertretern. Bezüglich des VertragSent- wurfS über die Brandtstraße habe ich einen Vorwurf niemals er- heben wollen." Der Kläger nahm hierauf den Strafantrag gegen Direktor Wehl und dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Müller, anderseits nimmt der Angeklagte einen Strafantrag gegen den von St.-A. Dr. Donner vertretenen Amtsvorsteher Eheemu zurück. Sericnlottericfchwindel. Gestern kam in Kassel der Veranstalter der Sericnlottcric, vor deren Beteiligung wir wiederholt gewarnt hatten, weil die Sache Schwindel sei, zur Aburteilung. Wegen Betruges in 953 Fällen verurteilte die Strafkammer des Kasseler Landgerichts den Kaufmann Harry Hörle ans Wands- beck zu drei Jahren Gefängnis, 3030 M. Geldstrafe oder weiteren 300 Tagen Gefängnis nnd vier Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hatte gemeinschaftlich mit seinem Stiefsohn Martin Hoppe aus Hamburg von Kopenhagen und Amsterdam aus durch betrügerische Vorspiegelungen und marktschreierische Reklame unzählige Leute in allen Teilen Deutschlands zur Beteiligung an Serienlosgefell- schaften gewonnen. Diesen Spielern wurden die schlechtesten Se- rienlose aus ganz Europa zugesandt, so daß auf rund 330 M. Spiel- einlagen im besten Falle eine Mark Gewinn entfiel. Dem An- geklagten erwuchs aus diesem Schwindel eine Jahreseinnahme von. 100 000 bis 120 000 M. Sein Stiefsohn Hoppe ist am 17. Oktober vorigen Jahres wegen Beihilfe zu diesem Betrüge, zu neun Mo--»! naten Gefängnis verurteilt worden. Der betrogene Ncchtsanwatt. Das eigenartige Knnststückchen, sich von einem Rechtsanwalt „auf Pump" verteidigen zu lassen, freigesprochen zu werden und dann das Honorar nicht zu zahlen, hat der Auktionator Jean Joseph fertiggebracht, gegen den gestern die 7. Strafkammer des Land« gerichts I eine Anklage wegen Betruges zu verhandeln hatte. Der Angeklagte hatte sich vor einiger Zeit vor dem Land- gericht III unier der Anklage der Buchmacherei und des Hausftie- densbruchs zu verantworten. Kurz vor Beginn der Verhandlung kamen ihm wohl doch Bedenken, ohne Rcchtsbcistand vor Gericht zu erscheinen. Er begab sich deshalb in das' Anwaltszimmer in dem Moabiter Kriminalgericht und bat hier einen Rechtsanwalt, der ihm zufällig in die Hände lief, seine Verteidigung zu übe». nehmen. Auf seine Angaben hin. er sei der in der ganzen Be» liner Geschäftswelt bekannte Auktionator Joseph und besitze ein großes Vermögen, ließ sich der Anwalt darauf ein, die Verteidigung des Angeklagten zu übernehmen, nachdem dieser noch ausdrücklich versichert hatte, er sei nur rein zufällig ohne Geld von Hause weggegangen und werde das vereinbarte Honorar sofort per Post einsenden. Diese Verteidigung„auf Pump" ftihrte dazu, daß I. freigesprochen wurde. Er zeigte jedoch keine Spur von Dankbar» keit gegen seinen kreditgewährenden und erfolgreichen Verteidiger, denn auf wiederholte Mahnungen, das Honorar zu zahlen, reagierte er überhaupt nicht. Da der Rechtsanwalt inzwischen erfahren hatte, daß sein undankbarer Klient so gut wie vermögenslos war, er sich auch zu Unrecht als der„in der Geschäftswelt bekannte Auk- tionar Joseph" ausgegeben hatte, erstattete er gegen I. Strafanzeige. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis und 100 M. Geldstrafe. Versammlungen. Die Zahlstelle Berlin des ZentralverbanbeS der Zimmerer hielt am Mittwoch ihre Generalversammlung ab. Den Geschäfts- bericht erstattete Witt. Entsprechend der schlechten Baukonjunktur war auch die Lage der Zimmerer in der letzten Zeit eine äußerst ungünstige, was auch auf den Mitgliederbestand eingewirkt hat. ES ist ein Verlust von 320 Mitgliedern zu verzeichnen, da die Zahl der abgereisten Mitglieder grüßer ist als der Zugereisten. Alle» dingS ist der Rückgang nur ein relativer, prozentual ist der Mit- gliederbestand gestiegen. Wenn das, wie Witt erklarte, auch nicht befriedigend ist, so sei immerhin erfreulich, daß der Verband trotz der schlechten Zeit sich so gut stalten konnte. Die Flucktüatio» hat nachgelassen, im ganzen um 22 Proz. Die Jastrcsc-brechuung umfaßt die Zeit vom 23. Dezember 1312 bis 2. Januar 1314 und zeigt folgendes Bild: Die Einnahme der Zentralkasse betrug 124 737,11 M., die Ausgäbe 70 951,45 iHL, in bar an di» Zentralkasse gesandt 20 785,60 M., Zentralkassen- gelder am Orte behalten 27 000 M.- Summa 124 737,11 M. Für Unterstützungsztvecke 70314,00 M. Di« Lokalkasse hatte einet, Einuahmc von 50 053,17 M. und eine Ausgabe von 53 780,30 M. Mehrausgabe 9783,19 M., Kassenbestand am Schlüsse des Jahres 1312 38 314,20 M., Kassenbestand am Schlüsse des Jahres 1313 29181,01 M. Die Versammlung trat sodann in die Beratung über eingegangene Anträge ein, die die BeitragserhShung betreffen. Der Zentralbeitrag erhöht sich am 1. März d. I. von 85 Pf. auf 90 Pf. Für Berlin besteht zurzeit der Beitrag von 1,25 M. Es Hemdelte sich nun darum, diesen Satz auf 1,30 M. zu erhöhen, damit der Lokalbeitrag auf 40 Pf. stehen bleibt. Es folgte nun eine eingehende Debatte. Im yemzen hatten sich 25 Bezirke für eine Stärkung der Üokalkasse ausgesprochen. Die Versammlung beschloß, die Lokalkasse durch Beitragserhöhung zu stärken bei Belastung des Zuschusses zur ZentralarbeitAoseu- Unterstützung. Durch weiteren Beschluß der Versammlung bleibt der Loialbeitrag auf 40 Pf. bestehen, somit gilt von nun ab für Berlin der Einheitssatz von 1,30 M. Es wurde noch die Neuwahl der Schiedskommission und Ge- werkschaftSkommission vorgenommen. Ferner wurde noch mit- geteilt, daß ein Mitglied aus Köpenick ein Strafmandat erhielt, iveil es im Auftrag des Verbandes Gelder zur WeihnachtSuntc» ftützung gesammelt hatte. Zentralverband der Schnhinachn. Der am Mittwoch abgehakt teneu Generalversammlung der Zahlstelle Berlin lag der Jahres» bericht für 1913 vor, aus dem folgendes anzuführen ist: Der ae- schaftliche Niedergang machte sich auch in der Schuhindustrie, be- sonders in der Haus- und Filzschuhbranche, bemerkbar. Die schlechte Konjunktur wirkte insofern auf die Organisation ein, daß die Mitglicderzahl ein wenig zurückging. Obgleich die Zahlstelle Eharlottenburg mit 75 Mitgliedern übertrat, ist der Mitglieder- bestand der Zahlstelle Berlin von 2877 am Anfang deS Jahres auf 2803 am Jahresschluß zurückgegangen. Es sind 2081 männliche und 182 weibliche Mitglieder. Die Ausgaben für Arbeftslosen. Unterstützung sind gegen das Vorjahr gestiegen. Ungewöhnlich stark war die Arbeitslosigkeit im ersten Quartal. Ihre durchschnitt- liche Dinier betrug 11,8 Tage. An Arbeitslosenunterstützung wurden 13 103 M., an Krankenunterstützung 15 893 M. gezahlt. Die Streikunterstützung erforderte 3640 M., in den sonstigen Unter- stützungsztvcigen wurden 2331 M. ausgegeben.— Die Gesamt- einnähme betrug 122 453 M., die Ausgabe 73 550 M.— DaS größte Interesse nahm die Lohnbewegung in der mechanischen Schuhindustrie in Anspruch, die im Februar begaun und im März durch Vereinbarung mit dem Fabrikantenverband beendet wurde. Der Erfolg der Bewegung war eine geringe Lohnerhöhung. (295,76 M. wöchentlich ftir 232 Arbeiter.) Die Bewegung erstreckte sich auf 33 Betriebe mit 1105 Beschäftigten. Außerdem fanden in 15 Betrieben Lohnbeuwsungen statt, an denen 023 Personen be- teiligt waren. Von diesen'Bewegungen hatten 9 Erfolg. 1 teil- lveisen Erfolg, 5 Verliesen erfolglos. Ferner fanden 5 Betriebs-� streiks mit 108 Beteiligten statt. 3 Streiks hatten Erfolg, 2 ve» liefen erfolglos._, Nach Entgegennahme des Berichts vollzog die Versammlung die Neuwahl der Ortsverlvaltung, welche folgendes Ergebnis hatte: Erster Bevollmächtigter Hamann, Stellvertreter Vollmer- haus, zweiter Bevollmächtigter(Kcrsfierer) Bendig, Stell- Vertreter Dalli, Revisoren: Weißenborn, Krause� Freudenberg. Gastcr, Justi. Eine rege Aussprache verursachte der Streik bei der Firma Schach. Scharf gekennzeichnet wurde die im„Vorwärts" bereits beleuchtete StreiWrechervermittelung durch den Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein. Trotz dieses Verhaltens ist der Streik mit Erfolg beendet worden. Briefkasten üe? Redaktion. M. H« L7. Ja, falls Ihnen bewiesen werden kann, daß Sie de» Schaden verursacht haben, andernfalls nein.— E. S. 13. Ja, falls Ste «tet verstchenm«»l>fIichNse StschSfttgung havar.— Spanda» v. l. 1.«< IL Ja.— St. M. Sä. Erscheint aussichtslos.— Beelitz Z. 1. Nur dann, wenn die Satzungen der Kasse cS vorsehen. 2. Nein, alsdann bis zur vollen Höhe dcS Krankengeldes.— E. W. 50. 1. u. 2. DaS ist nicht zu er- reichen. 3. Mit Zustimmung der Polizei ja.— C. G. 1914. Ja.— H. P. F. 1. Ja, wenn es sich um entbehrliche Sachen handelt. 2. Sind es unentbehrliche Sachen, klagen bei dem Ämtsgericht, in dessen Bezirk die Frau wohnt. 3. Einen bestimmten Anwalt empfehlen wir nicht.— I.(g. 21. Ja, falls Sie zahlungssähig sind. Von Ihrer Löhnung kann nichts gekürzt werden.— F. it. 100. Ihre Auffassung ist zutreffend. Sie können vom Wirt verlangen, dajj er für Abhilfe sorgt.— Grunewald 44.>. Ja. 2. Die Bctricbskrankcnkafse ist alsdann zahlungspflichtig.— W. H. 86. 1. Die Eltern. 2. Bei der Ortspolizeibchörde. 3. Ja. 4. Die Wcitervcrsichcrung ist zweckmäßig. Eine solche erfolgt in der Weise, daß mindestens 2» Bei» tragsmarkcn einer beliebigen Lohnklasse innerhalb zweier Jahre geklebt werden müssen; desgleichen muß der Umtausch der Karle innerhalb desselben Zeitraums erfolgen.— C. L. 100. 1. Nein. 2. Bis zum t. April sind Sic zur Ausführung der Arbeiten verpflichtet. — Erika. Geschmack und Zlnsprüche sind so verschieden, daß Ihre ffrage nicht so allgemein zu beantworten ist.— Nr. A. R. 101. War vor kurzer Zeit im Kleinhandel noch nicht erhältlich. Fragen Sie bei der Konsum- genosseufchast nach, dort wird es sicherlich, falls schon erschienen, zu haben sein.— R. E. 27. Verlag H. Schmechcl, Berlin, Bcllc-Alliance-Str. 8l. — Freunde 14. Davon ist uns nichts bekannt.— St. 100. Wir lönnen nicht erraten, in welcher Branche Sie Heimarbeit suchen.— M. P. 45. Ohne Kenntnis des Inhalts Ihrer Briefe, auf die sich der Vater bezieht, nicht zu beantworten.— Kiefholzstr. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und teilen Sie noch mit, welche Tätigkeit Sie ausüben.— Pech 4075. l. Nein, da der Psandvertrag nicht güllig ist. 2. Ja.— G. K. 27 Nein.— R. G. 100. Falls die Krankheit bis zuni Tode angedauert hat, noch innerhalb Jahresfrist, also in der Zeit bis Juli lSI4.— S. 31. 1. Ihre Frau kann Zwangsvollstreckung veranlassen. 2. Falls bic_ Vollstreckung fruchtlos ist, Ladung zum Offenbarungseid. Dabei ist der Schuldner auch verpflichtet, seine Arbeitsstelle und die Höhe seines Verdienstes anzugeben. S. Dem Schuldner müßten etwa 120 M. monatlich delaffen werden.— «.«. 14. Cht Testament ist zweckmäßig.— H. B. 500.«n notariell» GesellschastSvertrag würde ausreichen.—®. B. 10. Der Kellner und außerdem unseres Erachtens auch der Wirt.— P. W. 999. Nein. — M. L. 30. 1. Ja. 2. Nein.— Karlshorst 71. Ihre Frau ist ab 1. Januar versicherungspflichtig. Die Firma muß die Anmeldung besorgen. — I. F. 19. Wenn bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet wird, hat diese die Berechtigung, die erforderlichen Auskünfte einzuziehen.— R. 3. Bei verkündeten Terminen ersolgt eine besondere Dorladung nicht.. Es ist offenbar Bersäumuisurteil ergangen. Sie können gegen dieses innerhalb einer Woche von der Zustellung abgerechnet. Einspruch einlegen. — A. 8. 187. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— R. D. 22. 1. und 2. Unseres Erachtcns nein. 3. Die erste Klasse mit einem Monatsbeitrag von 1,20 M. — W. S. 17. Sie haben Anspruch aus Befreiung von der Steuer für die Zeit vom 1. November bis einschließlich Februar, sallS Sie nicht Saison- arbeiter sind.— S. Ü. 31. 1. Uns nicht bekannt. 2. Kostenlos.— F. G. 10. Ja, zunächst an denjenigen, der das Begräbnis besorgt hat in Höbe der Begräbniskosten. Bleibt ein Ueberschuß, so sind in solchen Fällen nacheinander der Vater, die Mutler, die Geschwister bezugsberechtigt, wenn sie mit dem Verstorbenen zur Zeit des Todes in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Fehlen solche Berechtigte, so verbleibt der Ueberschuß der Kasse.— B. E. E. 1. 1. Nein. 2 Spätere Benachrichtigung genügt.— P. 8. 29. 1. Ja. 2. Das wäre möglich, wenn die Firma den Beweis liesern kann. — 8. 79. 1. Sie müssen die polizeiliche Erlaubnis baben. 2. Bei der Polizeibehörde kostenlos.— Gr., Köpenick. 1. Die Mutter hat ebenfalls einen Erbanspruch. 2. Die Kinder des verstorbenen Bruders treten an dessen Stelle, sind also milcrbbercchtigt. 3. Die Hälfte, die andere Hälfte verbleibt dem überlebenden Ehegatten. 4. Die Havshaltungsgegenstände verbleiben dem Mann, das Uebrige zur Hälfte, falls jetziges Erbrecht in Frage kommt, was aus Ihrem Schreiben nicht ersichtlich ist. 5. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts.— G. B. 42. Nein.— W. C. 38. Unverständlich.— M. A. 83. Nein. Das Gesetz bestimmt, daß sür den Fall, daß die Dcrsallzeit. später als drei Monate nach dem Ausstellungstage eintritt, auf die Zeit bis zum Verfalltage sür die nächsten neun Monate und weiterhin für je fernere sechs Monate oder den an- gefangenen Teil dieses Zeitraumes eine weitere Abgabe in Höhe des Mvnmgnojcn zzeajTtinvuivrwziiuQt* 511 timiujiai ifL•— moctf, kölln. Nein, falls nicht im Statut etwas EegcuteMgeS gejagt ist. Militärfrei. X- oder O-Beine. Die Bedeutung der anderen Be- mcrkungen können wir nicht feststellen.— W�M. 60. Sie sind im Recht. — I- F. 19. Es kann Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Un- bekannt erstattet werden. Diese leitet die erforderlichen Ermittelungen dann ein. Wir bezweifeln aber, ob die Feststellung jetzt noch möglich sein wird.— 31. H. 100. 1. Nein. 2., 3. u. 4. Durch besondere Sendung erhalten Sic den sraglichen Artikel. Wenn Ihnen Zwcijel auskommen, müssen Sie sich an einen Arzt wenden.— M. S. 22. 1 Die Ablehnung könnte nur erfolgen, wenn Ihre Frau eine versicherungspslichlige Beschäj» tigung bat, andernfalls nicht. 2. VersichcrungSamt, Am Köllmschen Bark 3. — B. 2. Dafür sind die Hausordnungen der Gcsängnisse maßgebend. — BS. I. lOO. 1. Transp ortarb citerv erb an d, Berlin, Engcluser Nr. 15. 2. Ja. 3. Aus dem Slatut der Ortskrankcnkasse ersichtlich, das Sie auf Ansuchen erhalten.— St. 40. Ist uns nicht bekannt.— F. B. 1000. Kommt aus die Branche an, welche der Schlosser beherrscht.—.Morgens« usw. klein, der„Morgen" ufw. groß.— M- K. 369. 1. Rechnungsitelle I der„Dolkssürsorge", Berlin, Engeluser 15. 2. Verband der Bureau» angestellten, Berlin, Wilhelmstc. 20.— K. 95. Sie müssen einen Fach- mann fragen.— B. B. 101. und Kr. 19. Ersuchen Sic um Auskunjt bei der Deputation für die städtischen Fach- und Fortbiloungsschulen. Bureau: Berlin, SPaudauer Str. 10. III.— Strauff 46. Im städli» schen Krankenhause Moabit, Turmstraße 21. Alles Nähere daselbst.— I. K. 999. Bei einem Drogisten erhalten Sie die gewünschte Auskunft. — C. P. 100. Geschäftsstelle des Bundes sür Jrrenrecht und Irren- fürsorge, Berlin-Treptow, Desreggerstr. 19(Paul Elmer).— K. 999. 1. Zentralverband der Handlungsgehilfen Berlin, Münzstr. 20. 2. Arbeiter- Samaritcrbund. 1. Vorsitzender der Berliner Kolonne: Paul Krause, Neukölln, Okerstr. 46. 3. Arbeiter-Stcnographenvereiu Stolzc-Schrev. 1. Bors. O. Schlayer, Berlw-Tempelhof, Kaiierin-Augustaltr. 70. 4. Dasür wüßten wir keinen Weg anzugeben.— E. P. 325. 1. Auf einen Freitag. 2. Auf den 9. Juni.— H. B. 36. Zweckdienliche Auskunft erhalten Sie durch die Deutsche Gesellschaft sür Mutter- und Kindesrecht, Charlottenburg,'Dahlmann- ftraße 25. Loeden ist erschienen und in der Buchhandlung Vorwärts zu haben; August Bebel, Aus meinem Leben. Dritter Band. □ □□□□□□ Preis broschürt 1.80 M., gebunden 2.25 M, □□□□□□□ Dem Genossen"w Aiberl Freude| v I « r S nebst seiner A Braut � � die beste» Glückwünsche zu W V ihrer Btermahluug.® Ä Die Funktionäre der 19. Abt. A 'S, 4. Kreis, � Berta Äliireeiit Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Lager- Halter kriedrich Voelker am Donnerstag, den 19. Februar 1914 gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Trauerfeier findet am Sonntag, den 22. d. M., vor- mittags 9 Uhr, im Trauerhause Spandau, Jagowstr. 27 statt. Um rege Beteiligung ersucht 283/11 Der Blorftand. Warn! der Fahrikarheiter Deutschlands. Zahlstelle GroB-Berlin. Bezirk Spandau. Am Donnerstag, den 19. Febr., verstarb unser langjähriges Mit- glied Friedried Yoelker. Ehre seinem Andenken! Die Trauerseier findet am Sonn- tag, den 22. Februar, vormittags 9 Uhr, im Trauerhause, Spandau, Jagowstr. 27, statt, von da aus 9'/, Uhr die Uebcrsührung nach dem Krematorium, Berlin, Ge- richtstraßc. 56/6 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Dentsehef Banarbeiterverband. Den Kollegen zur Mitteilung, daß am 19. Februar der Kollege CwSthSrt Stukkateur einem Schlaganfall erlegen ist. Die Beerdigung ersolgt am Montag, den 23. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Nazareth-Kirchhoscs in Ret- nickendorj-West, Kögelftraße. 141/1 Der Vorittand. Verband d. Braoerei- nMühlen- OrtSverwaltung Berlin Den Mitgliedern diene zur Nach- richt, daß der Kollege Brauer Georx Masteit (Deutsche Brauerei) gestorben ist. Ehre seinem Andeukr»: Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. Februar, nachmittags 31/. Uhr/ aus dem Oi'ftiedhos in Ahrcnsseldc statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 42/9 Die OrtSverwaltnng. Aller»?!u-tsiAsnosssn, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber, guter Mann, der Lagerhalter Friedrich Voelker nach langem, schwerem Krankenlager heute früh um 8 Uhr im Alter von 40 Jahren gestorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an die trauernde Witwe Wilhelniine Voelker. Spandau, den 20. Februar 1914 Die Trauerfeier Endet am Sonntag vormittag 9 Uhr im Trauerhause, Spandau, Jagowstraße 27, die Ueberführung nach dem Krematorium Berlin, Gerichtstraße 37— 38, um 91/a Uhr statt. Die Einäscherung erfolgt daselbst am Montag mittag 12 Uhr. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Hoffmann geb. I,ith mann nach vicrmonatigem Krankenlager zur ewigen Ruhe eingegangen ist Die Beerdigung findet Montag nachmittags 3 Uhr von der Halle des Bartholomäus-KirchhoscS in Weißensce, Falkcnberger Straße, aus statt. 9Stb Um stilles BcUeid bitten W. Hoffmann und Kinder, Gcorgenkirchstr. 53. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Uebcn Mannes sage ich allen meinen besten Dank. 68A Vve. Hasenfeld«t sKni« Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und Mutter kuise Matthias an Herzschlag plötzlich verstorben ist Die Beerdigung findet am Sonntagnaozmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Bornstädter Kirchhofes, Lornstädtcr Straße, Bahnhof Halensee, aus statt. fteinhoil! Matthias lt9A_ und Sohn._ Danksagung. Für die überaus zahlreichen Bc- weise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau lüsns Riedel sage ich allen Beteiligten meinen innigsten Dank. 977b Emil Riedel, Berlin-Lichtenberg, Wilhelmstraße 14. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS Albert Heise sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, den Kollegen der Firma Pinkus, den Herren Meistern, ins- besondere dem Herrn Ches Lands- berger, den Kollegen der Firma Deutsche MaschinenvertriebSgesell« fchast, dem Metallarbeiterverband sowie den«enoffen deS Bezirk» 764 unseren besten Dank. prall Elise Heise 115A nebst Kindern. Für di» wohltuenden Beweise herz« licher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten VaterS Rax Btractsev sage allen lieben Bekannten, Freunden und Kollegen unseren herzlichsten Dank Im Namen der Hinterbliebenen Frau Anna Straaser _ geb. Mater. 982b epatitoetttkö« Redakteur: Älfreh Wietepp, Neukölln. Sur de» S» Co. fertig und nach Mass 1 Garant»Tadellos. Sitz, feinste Verarbeitung! I Teilzahlung gestattet J.Kurzberg Mass- Schneiderei Gegründet 1898 ■ Rosenthaler Str. 36, I. 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Muhle, Manteuffelstr. 87 Max Math, Falkensteinstr. 87 Carl Neuendorff, Sickingerstr. 76 Wilhelm Niklau, Malplaquetst. 6. Gustav Nielsen, Lindoweretr. 9 P. Nitsdike, Cadinerstr. 4. Paul Otto, Dansigerstr. 31 Robert Pötschke,Sprengel8tr.4/tz. J.U.Popp. Amoadefltr.104, Beisickenl-Oit ML feinste Qualitätsbiere. Enders Brauerei 2; S; Malzbier, Chas«»ugU0/41 T.K. 10655 Qrotcrjan nalzM VW s» WW 80. tKluck. Residenzsl.166, BeiiiekeiL Kleiner. Schulatr. 102 F. Rialeben, Samariterstr. 11. R. Riemer, Pannlorstr. 4- Wllly Rodde, Zellestr. U Hubert Röaner, Triftstr. 4 Alfred Rost, Reichenbergerat. 186 F.Sandmann, Trept»v,Orätzatr.26. Wilhelm 8 auter, Oaäaäardcntr. II. W.Sdinaf, F.4liicl;nd.-Oit,rroriaatSI Emil Sdialler, Schroineratr. 62. P. Schinauer, Asklamerstr. IL P.Schlrmer, R«iclckti4.-0.,PravliiaL5l Carl Schleid), O., Wflhliachat. 8 Wilh. Sdiml dt, Lieben wilderat.10 Paul Schmoll, Amsterdamers tr.9. O.Schneider, NW.,8öB»erUgattlt. Willy Schneider, KelsickUeatr. 13. Gustav Schöfisch, Dolzigeratr. 31 Paul Sdifin, Kopenhagenaratr. 74. EberhardSchfinwtese.Uderttaati.a Panl Schröder, Ueimaradarferatr. 17 E, Schön, Kniproderstr. 8 W. Srhönwleae, Romintenent. 64 Carl Schulz, Neukölln, llaeetr.36 Panl Schulz, Hufelandstr. 1 Paul Schunert, Stoiplacheatr. 86, Adolf Schulz, Florastr. 78 Pank. Paul SchOrer, TUsiteratr. 18. Ralnh.SdiarwBnz,KuUBlt>-iUa»M Karl Schwarz, Thaerstr. 81 P. Schwarzbeck, Wiclefstr. 88. Bruno Schwarz, Andreaaplatz 8. Schwendke, Herrn. Rykestr. 28 E. Seelknder, Lenanstr. 7. Emst Seifert, Reuteralr. 76 Robert Seil, Malnzeratr. 16 Reinhold Sperling, Jahnatr. 18. ESplenatöBer.CharTottb.KaatetSS Otto Stieler, Wurscbaucratr. 69. P. Syguach, Schönh. Allee 160 Oeerg Tank, Chrlatbnrgeretr.»# Carl Tknlgee, Wildenowatz. 17 Carl Tennert, Schlesiacheatr. 19. E.Teasmer.Retldeaiit.l35,lalBlckai Em» Thomas, VoigUtr. 17 R. TltteLNUla., SaTchoweretr.a Johann Troffer, Alleeatr. 46 Taia>Kustr.52 r.3 Albert Krcmarcdc, AdaibertsL 16. A. Kosubecu, Sparrstr. 4 Josef Krell, Wcserstr. 170 Alb. Krtrtky, Cadincratr. 16. Bhttner, A., Danrigeratr. 06, Pt etlteCern, Betten H oltz.Braunsbergoratr.ifteMvi- W. Liebreich, Jablonakistr. 4. Humen und Kranze O. Di Drescher erlue, Maxstr. 13c. »rjr._________ Blumen-Ftachsr-ZBIIner SoeattO □dsbergerstr. 116 Jul. Großer, Pankow, Florastr. 94 34. Klinkow, Triftstr. 69 Menzel, Neukölln, Bergatr.UOflll i.!li«!IU, Scb»nivebcrit.3,R»lricl«j.W A.Schneider, Biehvg.Biinicb 8194. Tomeazewakl, W«ilaBi..LfchtMbgit.I2. R.Wegner.l'inkow.Wollankatr.lU W. Wilke Friedenatr. 98 piarbrauerfll.. Bierfianfllq. lf/ JÄog& yotaa Akt.-Erauer.Potadam Kig.Nieäerl. Berlin SW, Tempclhofer Ufer. 15 Bra-deabarg». H.,Wilh«Iai(iorferi:.nO Spez. Fotad. Stangenbier August Holtz SÄ'; r. hagen 22 VeelfufeataHaii 22 c Hubertus, Butterhdig. Stranssberg. Herrn. Kunert, Cnlmatr. 29 A.LiepoldfAntonBtr.lgMilchhdlg. ilittriairi J 48 eigtni Detailgtiebäftt I Wim. PleS, Bglürgreßinllg. 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Spezielle Vorkenntnisse nicht erforderlich, doch ist es erwünscht, daß sich Bewerber bereits mit Nationalökonomie besaßt hat. Stenographic erwünscht, event. auch Schreibmaschine. Offerten üi. 84, Postlagcrkarte 61. Znbngebisse, Zahn bis 1,60(Abholung), Platinabfälle 5,70,"l angekommen, seinen ganzen Besitz versetzen mußte, um wieder nach Berlin zurückzukommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und die Tante dieses jungen ManneS wurde dann von Weichmann vollkommen unbe- rechiigterweife als Mädchenhändlerin bei der Polizei denunziert. Noch einmal wiederhole ich, wenn Sie es ernst mit den Uebergriffen der Polizei meinen, so müffen Sie unseren Antrag annehmen. Eine parlamentarische Kommission sollte das Verhältnis der Polizei zu den politischen Parteien einerseits und den Verbrechern andererseits prüfen. Nur, weil wir hier in Preußen das elende Wahlrecht haben, können sich derartige Zustände erhalten. Sie (nach rechts) decken durch Ihre Abstimmnng diese Verbrechen.(Großer Lärm»nd Pfui-Rufe rechts. Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Ordnung. Graf v. Schwerin- Läwitz ruft Abg. Frank(Z.) den Redner zur bespricht die Kölner Polizeiverhältnisse. Die Regierung hat un« glaublich lange die Zügel am Boden schleifen lasten. Die Dirnen treiben ihr Gewerbe mit größter Offenheit, aber die vor zwei Jahren erlassene Polizeiverordnung wird nicht befolgt.(Beifall im Zentrum.) Ministerialdirektor Frennd: Ein besonders sachverständiger Polizeimajor ist mit eingehender Untersuchung der Kölner Verbalinisse und Erstattung eines Gut« achtens betraut. Hinsichtlich des Myslowitzer Falles wird das Ministerium eine genaue Untersuchung vornehmen. Der Regierungs- Präsident von Oppeln hat die amtliche Vernehmung aller Beteiligten angeordnet und Maßnahmen in Erwägung gezogen hinsichtlich einer Aufsicht über den Auswandererverkehr in Oberschlesien.(Beifall rechts.) Abg. Korfauty(Pole): Der Regierungspräsident bat nicht seine volle Schuldigkeit getan. Einer der im Prozeß bloßgestellten Beamten hat dem Kaiser falsche Berichte über die polnische Gefahr erstattet. Solche ge- meinen Verbrecher...(Präsident Graf S ch w e r. i n«Läwitz ruft den Redner zur Ordnung.) Ein Polizeibeamter in Myslowitz wurde entlassen, weil er den Mädchenhandel bekämpfte. Der Minister soll auf Bitten Bollin« diese Entlassung angeordnet haben.(Hört! hörtl) Bis zum heurigen Tage ist diese meine diesbezügliche Erklärung bei der ersten Rede vom Minister- tisch aus unwidersprochen geblieben. Emen Belastungszeugen hat Weichmann, der Vertreter der Hapag, durch gedungene russische Ver- brecher bei der preußischen Polizei anschwärzen lassen. Ministerialdirektor Freuud: Die Angaben des Abg. K o r f a n t y, der Generaldirektor der Hapag habe auf daS Ministerium de« Innern zur Entlassung eines unangenehmen Polizeibeamten eingewirkt, ist falsch. Ballin hat niemals mit dem Minister deS Innern in dieser Angelegenheit in Verbindung gestanden. Wir werden daS Erforderliche tun, wenn eS nötig tut.(Beifall rechts.) Abg. Flesch(Vp.): Die gestrige Rede des Abg. Heins zeigt, auf welches Niveau die Redefreiheit der Abgeordneten herabsinken kann. Die Angriffe gegen die jüdischen Mitbürger weisen wir zurück. WaS den Essener Fall betrifft, so ist daS Bedenkliche daran, daß der betreffende Polizei- affeffor. der im Dienste de« Zechenverbandes tätig war. nur mit 99 Mark bestraft und nicht entlassen wurde. Nur wenn die Funktionen der Polizei den Städten übertragen werden, werden sich derartige Fälle nicht mehr wiederholen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Der sozialdemokratische Antrag betreffend die Miß- stände bei den Polizeiverwalwngen wird abgelehnt. E« folgt das Kapitel DistriktSkommissar«. Abg. Leinert(Soz.): Der DistriktSlommissar in N a k e I hatte die Mitglied erNsten und Satzungen eines. neugegriindelen sozialdemolrasischen Vereins in Brückenkopf erhalten. Nach dem Vereinsgesetz hatte er dann eine kostenfreie Entscheidung zu treffen; er verlangte statt dessen SMark Stempelsteuer für die Errichtung des Vereins nach Tarif- stelle 25 s des SIempelsteuergesetzeS. Nach dieser Bestimmung sind nur Erwerbsgesellschaften steuerpflichtig. Die Beschwerde half nichts, obwohl die Forderung des Kommissars unberechtigt war. Wir bitten den Minister, daß er den untergeordneten Beamten An- Weisung gibt, damit solche unberechtigten Besteuerungen nicht mehr vorkommen. Minister v. Dallwitz: Ich bin allein nicht zuständig, der Redner muß mit seiner Be- schwerde sich an den Finanzminister wenden. Im übrigen verweise ich ihn auf den Beschwerdeweg. Abg. Kindler(Vp.) begründet einen Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei auf Ver- st a a t l i ch u n g der Bureau« der Distriktskommissare, der nach un- wesentlicher Debatte der Budgetkomtnission überwiesen wird. Beim Kapitel Landgendarmerie treten mehrere Sbge- ordnete der bürgerlichen Parteien für bessere Dienstwohnungen für die Gendarmen ein. Beim Kapitel Geheimfonds nimmt das Wort Abg. Paul Hoffmann(Soz.): Wir bekämpfen die Einrichtungen, die aus den Mitteln des Ge- Heimfonds bestritten werde», aufs schärffte. Kein anständiger Mensch will mit dem lichtscheuen Gesindel, das daran« gespeist wird, etwas zu tun haben, nur die Polizei. Der Redner führt dann eine ganze Reihe königlich preußischer Kriminal- b e a m t e r auf, die den sozialdemokratischen Organisationen beitraten und da? Vertrauen der Parteifunktionäre zu gewinnen suchten. Einer von diesen beteiligte sich sogar so rege an den Veranstaltungen der Partei, daß er seine Geliebte vernachlässigte und von dieser � einen Abschiedsbrief erhielt. Diese Polizei- beamten legten eine besondere Wißbegierde für alles Mög« liche an den Tag. Sie suchten in den Besitz verbotener sozialistischer Literatur zu gelangen, reizten die Leute zu Demon- stralionen und Gewalttaten auf und schlichen sich sogar in ver- b r e ch e r i s ch e r Absicht in die Jugendorganisationen ein. Sie überhäuften die Mitglieder mit Vorwürfen, daß sie viel zu schlapp vorgingen und suchten ielvst Parteifunktionäre durch Geld zum Verrat von Geheimnissen anzustiften. Derartige � Schurkereien müffen die Steuerzahler mit ihrem Gelde unterstützen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Als einer dieser Polizeispitzel entlarvt werden sollte und seine Photographie in der Ver- sammlung herumgezeigt wurde, sagte er selbst, indem er sich vor- stellte:»Das ist auch so eine Sumpfpflanze aus dem Mistbeet am Alcxanderplatz". Wir trauen dem Lumpen zu, daß er sich und seine Kollegen richtig einzuschätzen versteht. Der Abg. Seyda hat früher nach- gewiesen, daß Polizeispitzel auf Anordnung der Behörden zu ver- brecherischen Handlungen aufteizten. Noch heute ist vom Minister keine Antwort darauf gegeben worden. Ebensowenig hat der Minister eine Antwort auf die Anfrage meines Freundes Adolf Hoffmann betreffend der Polizeispitzeltätigleit des Verbrechers Keiling gegeben. Jetzt wiederhole ich die Frage an den Minister, ob die Polizei.Agoiits provooateurs beschäftigt oder nicht. Daß diese Individuen auch in den Gewerkschaften ihr unsauberes Gewerbe treiben, ist selbstverständlich. Ich bin so unbescheiden, vom Minister eine Denkschrift über diese ganze Frage zu verlangen.(Abg. Adolf Hoffmann: Wird sich schön hüten!> Früher hat sich da« HauS zu dieser Frage ganz anders gestellt. Vor allem ist das Zentrum energisch gegen derartige Mißstände aufgetreten, aber jetzt, nachdem es Regierungspartei geworden ist, hat e« seine Opposition aufgegeben. Wir aber lehnen die Verwendung von Steuergeldern zu solchen un« moralischen Zwecken ab.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Dallwitz: Der Vorredner hat mir sein Material nicht rechtzeitig mitgeteilt, ich kann daher nicht darauf eingehen; wie unzuverlässig es aber ist, ergibt sich aus seiner Behauptung über Paul Keiling. Die Polizei hatte mit diesem Keilmg niemals etwas zu tun. Keiling ist Arbeitswilligenagent, er kam mit einem Transport Arbeitswilliger »ach Oesterreich, wurde dort von Streikenden angefallen, hat sich mit dem Revolver zur Wehr gesetzt und hierbei einen der Angreifer erschoffen. Er ist deshalb verhaftet. Weitere« ist der Polizei nicht bekannt. Unrichtig ist, daß ich dem Abgeordneten Dr. Pachnicke aus seine Be- Merklingen über Bespitzelung von Gasthäusern nichts erwidert hätte. Ich habe damals den Erlaß verlesen, worin die Polizeipräsidenten ersucht werden, die Polizeibeamien darauf hinzuwen'en, daß es un- zulässig ist, selbst oder durch Dritte zur Begehung strafbarer Hand- lungen zu verleiten. So wenig wie irgend ein anderer Großstaat aber können wir auf eine politische Geheimpolizei verzichten, solange von Einzelpersonen oder organisierten Personenmehrheiten im In- und Ausland verbrecherische Anschläge und Unternehmungen gegen uns ausgehen(Sehr richtig I rechts) und solange von einzelnen oder Perionenmehrheiten staatsfeindliche Bestrebungen unterstützt werden. Deshalb bitte ich, den Titel zu bewilligen.(Bei- fall rechts.) Abg. Adolf Hoffmann(Soz.): Der Minister hat das Material nicht? Schon vor Jahren hat Abg. H i rf ch das Material hier vorgetragen, und das Buch von Eugen Ernst, worin die Spitzel- und Lumpenwirtschaft bei der Polizei nachgewiesen wird, habe ich voriges Jahr auf den Tisch des Hauses niedergelegt. Der Minister spricht.von ver- brecherischen Taten; die sind von Ihrem Spitzelgesindel angestiftet, das haben wir bewiesen. Die Spitzel werden be- zahlt, dafür müffen sie etwas leisten, und da sie nichts finden, er- finden sie eben etwas. Darauf fallen Sie herein, verfolgen an- ständige Leute, weilen Ausländer aus, die sich höchst anständig be» nehmen usw. Man hat mir vorgeworfen, daß ich zu lange ge- sprachen hätte, aber nach dieser Mimsterrede scheint es. als ob ich noch nicht lange genug gesprochen hätte. Sollen wir denn noch mehr Material vorbringen? Der Minister hat recht, daß das Prachtexemplar Paul KeUing Streikbrecher liefert. Aber des Ministers Akten und Informationen find unrichtig, wenn er behaupte«, daß Keiling nicht im Dienste der Polizei gestanden hätte. Keiling ist wegen Betrug. Diebstahl. Kuppelei vorbestraft und jetzt als Mörder in Oesterreich ver» hastet. HättedieBerlinerSiaaiSanwaltschaft und Polizei ihre Sckrnldig- feit getan, dann hätte Keiling den Mord nick» begehen können. Es schwebte ein Strafverfahren gegen ihn, das aber eingestellt wurde, weil der Mann unauffindbar sei. Er wohnte aber Hochstraße 23, im Hause des Polizeireviers Nr. 42, wo er als Streilbrecherlieferant aus- und einging. In seiner Wohnung hielten sich angeblich zu seinem Schutz dauernd Kriminal» b e a m t e auf— und den Mann konnte die Stoalsanwaltschost nicht finden, um ein Strafverfahren gegen ihn durchzuführen. Erst mußte in Böhmen der Mord palsieren, dann hat ihn die österreichilche Polizei gefaßt. Hier konnte ihn die Polizei nicht finden weil er ihr zu nahe stand! Und Keiling soll kein Polizeispitzel geweien sein?'Er ist 1912 wegen Nötigung und Freiheitsberaubung mit einem Monat Gefängnis bestraft, weil er als Polizeiagcnt einen Unschuldigen verhaftet und gefesselt hat. In den Gerichtsakten ist festgestellt, daß der Mann nach e i d- lichen Aussagen Polizeiagent war und nun bestreitet daS der Minister I(Zurufe: Unerhört I bei den Sozialdemokraten.) Keiling hat sich damit gerühmt, er hat sogar gesagt, er habe wiederh»It Leute niedergeschossen, ihm passiere nicht«.«»...................... Pr-, 6.sc, jetzt 4*° Herren-Hosen'«• s«rschitdenen Momlern RofuL Frei» 7.50, Jetzt 540 Herren-Hosen iounmj«rM«t.............. Rejut Pt*» 8.so, jetzt ß50 Herren- Hosen>»?»u,im>......... r.�ui.».«, jetzt 7�® Herren-Hosen-u, cuuw-y puwnd.......... R»».i. Pre« tojo, jetzt 8°® Herren-Hosen Kammjam und Cheviot Rcjol. Preis 12.30, jetzt 9e0 Herren-Hosen r-»» K-mmg-m, fein jntrrif»...... R«xul. Pr.U 15.50, jetzt 1200 Herren-Hosen>» 8 Tainehmcn SWen R-xul. 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Deshalb habe sie nicht nötig gehabt, die Soldaten zum Ungehorfam aufzufordern, wenn schon der Befehl zum Waffengebrauch gegeben sei. Die Sozial- demokratie wolle es möglichst so weit gar nicht kommen lassen. Die Behauptung des Staatsanivalts, daß das einzigste wirksame Mittel, um den Krieg zu verhindern, sei, die Soldaten zum Ungehorsam aufzufordern, zeige die andere Seite der Auffassung, wonach die Staatsgewalt und der Militarismus unerschütterlich seien, solange der Soldat Kadavergehorsam übt. Weiter wendete sich die?lli- geklagte gegen den Antrag deS Staatsanwalts auf sofortige Ber- Haftung. Urteil. Die Angeklagte wird wegen zweier Vergehen gegen§ l 19 des Strafgesetzbuches zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre Her- urteilt. Ter Haftantrag wird abgelehnt. Aus der Begründung beben wir hervor: Die inkriminierten Aeußerungen stehen fest. Ten Worten der Angeklagten, daß die Waffen der Soldaten auch einmal gegen die Herrschenden gerichtet werden können, kann eine Aufforderung zum Mord nicht entnommen werden. Strafbar sei aber, daß die?l»geslagte gesagt habe: wenn wir die Mordwaffen erbeben sollen, so tun wir das nicht. Der Aussührnng der Angeklagten, daß sie sich nicht an die Soldaten gewendet habe, sondern an das ganze Volk, kann das Gericht nicht beipflichten; gemeint 1 Eine ausführlichere Wiedergabe der Rede der Genossin Luxemburg werden wir auf Grund der stenographischen Anfnabme morgen bringen. können nur die Soldaten sein, die im Felde vor dem Feinde stehen. Die Gehorsamspflicht der Soldaten sei durch besonders strenge Gesetze geschützt. Nicht festgestellt konnte werden, daß sich die Angeklagte gegen KZ III nnd 112 vergangen hat. Sie hat nicht zum Ungehorsam ausgereizt, sondern dazu aufgefordert, und zwar in erkennbarer Weise; die Worte der Angeklagten konnten nicbt anders verstanden werden. Bei Ausmaß der Strafe habe das Gericht die Bedeutung des Gesetzes, gegen welches zum Ungehorsam aufgefordert worden ist, berücksichtigt. Das mindeste, was die Auf- forderung zur Folge gehabt haben konnte, wäre, daß ein Soldat vor dem Feinde gegen den Befehl zu schießen, gehandelt hätte. Eine derartige Weigerung würde für die Soldaren die schwersten Folgen liaben. Es hätte nahe gelegen, an die Höchststrafe von zwei Jahren heranzugehen. Wenn das Gericht dies nicht getan hat, so des- wegen, weil die Angeklagte seit einer Reihe von Jahren sich nicht strafbar gemacht hat. Das Gericht bat weiter in Berückfichrigung gezogen, daß es sich um eine Frau handelt, deren Gesundheit durch eine längere Strafe schwer erschüttert wird. Das Gericht hat zwei selbständige Handlungen angenommen nnd für jeden der Fälle auf neun Monate Gefängnis erkannt, die auf 1 Fahr zusammen- gezogen sind.__ Vorortnachrichten. Nenkölln. Nebersahren und lebensgefährlich verletzt wurden gestern«ach« mittag an der Kreuzung der Hermaimstratze und des Mariendorfer Weges die beiden fünf und acht Jahre alten Söhne des Kutschers Fencke, Schöneweider Straße 17. Die beiden Kinder hatten sich an ein Lastfuhrwerk angehangen. Als sie an der erwähnten Kreuzung absprangen, kamen sie zu Fall. In diesem Augenblick kam gerade ein Automobil aus Treptow hinterdreingefahren. Der Chauffeur vermochte bei dem kurzen Abstand den Wagen nicht mehr zum Halten zu bringen, so daß die beiden Brüder überfahren und so schwer verletzt wurden, daß sie in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus Buckow gebracht werden mutzten. Tharlottenburg. In der Mitgliederversammlung des WahlvminS refercierte Reichstagsabgeordneter Genosse Krätzig über:„Säbelherrschaft oder Volksrcgierung in Deutschland". Er ließ in reichlich ändert- halb Stunden die politischen Ereignisse der letzten Wochen und Monate Revue passieren und zeigte, welch ungeheurer Weg noch zurückzulegen ist, wenn wir zu einer wirklichen Volksregierung kommen wollen. Er schilderte, wie ans allen Gebieten, auf Wirt- schaftlichem, aus politischem, in der Rechtsprechung, in der Volks- erziehung nicht das Interesse der Polksmehrheit, sondern der Herr- schenken Junker und scharfmacherischen Großkapitalisten ausschlaggebend ist. Wie ist aus diesen Zuständen herauszukommen? Wie können wir unsere Ideale, die der Referent in kurzen Zügen schilderte, verwirklichen? Der parlamentarische Weg allein genügt nicht. Der Reichstag ist trotz der hundcrtundzchn Sozialdemokraten ohnmächtig. Wir müssen auch außerhalb des Parlaments mit allen Mitteln kämpfen, um die Macht des Parlaments zu stärken und eine direktere Mitwirkung des Volkes an der Gesetzgebung durch die Einführung von Volksabstimmungen zu erreichen. Dazu sei aber stetige aktive Teilnahme der Massen am politischen Leben er» forderlich. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine rege Diskussion. Genosse D ü w c l l warf die Frage auf, wie es komme, daß trotz der ungeheuerlichsten Provo» kationen, die Regierung und Junker dem Volke zu bieten wagen» von Massenaktionen nichts zu hören sei. Eine Ursache ist sicher die, daß die Massen viel zu viel ihr Heil vom Parlament erwarten. Es freue ihn daher um so mehr, daß der Referent mit großer Schärfe auf die Ohnmacht des Reichstags hingewiesen und betont habe, daß die außerparlamentarische Affrksainkeit von der Partei nicht vergessen werden dürfe. Da fehle es aber. Wir beschränken uns in den letzten Jahren auf Demoustrationsversaininlungen und immer wieder Demonstrationsversammlungen, Darüber hinaus gäbe es Massenaktionen nicht mehr. Das liege sicher mit begründet in den Verhältnissen in unserer Parteiorganisation. Sie ist allzu sehr aus einer politischen Partei zu einer großen Ber» waltungsm aschine geworden. Sie empfängt ihre Impulse nicht mehr aus der Masse der Parteigenossen heraus, sondern von einer mit stark bnrcaukratischen Tendenzen durchsetzten Leitung. Das läge gewiß nicht an den einzelnen Personen, sondern an der Entwickelung der Verhältnisse. Hier müsse der Hebel einsetzen. An Stelle der allzu sehr in den Vordergrund getretenen Verwaliungs- arbeit muß wieder politisches Leben einziehen in die Organisationen. Damit würde auch die gegenwärtig zu beobachtende Müdigkeit der Massen Überwunden. Nach kurzen Schlußworten des Referenten gab Genosse Z i p p c l den Bericht von der Kreisgencralversamm- lung. Er ging dabei ausführlicher auf die Diskussion über die Verteilung der Wcihnachtsunterstützuiig an die Arbeitslosen ein. Er verwahrte sich nochmals entschieden gegen die Unterstellung des Genossen Fischer, die geübte' Kritik sei nicht von den Arbeits- losen selbst, sondern von den kleinen Geschäftsleuten inspiriert worden. In bezug auf das Referat des Genossen Schmidt über die Agitation ans dem Lande stellte er sich ans den Standpunkt, daß die bisher betriebene Art der'Agitation im wesentlichen die richtige sei und daß die Kritik des Genossen Schmdt daran durch- aus unbegründet war. In der Diskussion über den Bericht, an der sich die Genossen Ohlhof, Habicht, Schulz, Düwell und Richter beteiligten, wurde die Berichterstattung über die KreiSgeneralvcr- sammlung im„Vorwärts" als unzutreffend moniert. Genosse Düwell betonte nochmals die Notwendigkeit grundsätzlicher Agita- tionsarbcit ans dem Lande, mit der ja aucki zum Beispiel in Niederbarnim große Erfolge erzielt seien. Nachdem der Vor- sitzende noch auf die am Sonntag stattfindende Demonstrations- Versammlung zugunsten der Arebitslosenvcrsichernng und ans die am Dienstag stattfindende Versammlung der 18- bis 21-Jährigen hingewiesen hatte, wurde die gutbesuchte Versammlung geschlossen. Am Dienstag, den 24. Februar, abends RVs Uhr, findet im Volkshause, Rosinenstraße 3, eine Versammlung der Über 18 Jahre alten Partei- und Gewerkschaftsmitglieder statt. Ter Schriftsteller Genosse Simon Katzen stein referiert über das Thema:„Die Ausgaben der Jugend im politischen Kampfe." Es geht damit ein lang gehegter Wunsch der älteren Jugend nach einer Zusammen- kunft in Erfüllung. Wir erwarten deshalb, daß unsere jungen Freunde recht zahlreich zur Versammlung erscheinen. Treptow-Baumschulcntvcg. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunäckist den Bericht von der Kreisgcneralversammlung entgegen. In der Dis- lussion wurde bemängelt, daß der Kreisvorstand den Antrag des Ortes betr. Drittelung der Einnahmen nicht auf die Tagesordnung gesetzi habe, wozu er laut Beschluß der Jahresgcneralversammlung verpflichtet gewesen wäre. Durch Verzug einiger Geuosseu machte sich eine Ergänzungswahl zum Jugend- und Bildungsausschuß not- wendig. In ersteren wurden die Genossen Eimler, Sichert. Mündt und Hack, in letzteren Freigang gewählt. Zur bevorstehenden Ge- meindevertreterwahl wurde beschlossen, dem Vorstmid die Vor- bercitungen zur Wahl zu übertragen. Genosse Cohen vom Deutschen Metallarbeiterverbaud schilderte alSdami die Schikanen, welchen die streikenden Metallarbeiter bei der Firma Beermann ausgesetzt seien. Dieselben würden durch die Polizei von Treptow und Berlin bewacht. Mit einer auffälligen Schneidigkeit gingen die Treptower Polizisten bor. was wohl auf den großen Einfluß des Herrn Becrmann als Bürger von Treptow zurückzuführen sei, nach dessen Namen man ja auch eine Straße be- nannt habe. Er empfehle den Gemeindevertretern, sich persönlich von dem ungesetzlichen Vorgehen der Polizei zu überzeugen und eine diesbezügliche Beschwerde an die zuständige Stelle gelangen zu lasten. Alsdann wurde behauptet, daß der Herr Pfarrer Jaehn- Treptow bei seinen Wohlfahrlsveranstattungen schulpflichtige Kinder des Nachts beschäftigte. Diese Borgänge seien bekannt geworden, weil eine Anzahl Kinder den Schulunterricht nicht hätte besuchen können. Das betrübende an der Sache sei, daß auch Arbeitereltern ihre Kinder dem Herrn Jaehn zur Verfügung stellen. Pflicht der Parteigenossen sei es, ihre Kinder von bürgerlichen Veranstaltungen fernzuhalten und dafür dem Jugendheim zuzuführen. Mit einem Hinweis auf den am 24. Februar im Lokal Rennbahn beginnenden Kursus des Bildungsausschusses und die im März stattfindenden Gewerbegerichtswahleu fand die Versammlung ihr Ende. Tempelhof. AuS der Gemeinbcvertretcrsitzung. Das Kapitel Armenver- waltung schließt mit einer Einnahme von 24 200 M. und einer Ausgabe von 87 300 3)1., so daßvein Zuschuß von 30100 M. nötig ist. Gegen das Vorjahr werden für dieses Kapitel 23 785 M. mehr aufgewendet. Beim Kapitel Grundstücksverwaltung regte Genosse Frantz an, ein der Gemeinde gehöriges Gelände als Laubenland zu verpachten. Der Bürgermeister erwiderte, daß von dort Sand entnommen wird, woraus die Gemeinde eine Einnahme von 8300 Mark habe. Der Antrag Frantz wurde abgelehnt. Beim Kapitel Straßenunterhaltung schilderte Genosse Schmidt den Zustand der Merderstraße und ersuchte, das Pflaster in dieser Straße recht bald zu erneuern. Der Bürgermeister sagte zu, beim Ausbau von Straßen die Werderstraße zu berücksichtigen. Nachdem Genosse Müller für die Aufstellung von mehr Ruhebänken in den Anlagen uiw Genosse Schmidt für die Anschaffung von Rettungskähnen eingetreten waren, wurde dieses Kapitel bewilligt. Beim Kapitel Straßenreinigung kam es zu einer längeren Debatte. Genosse Schmidt brachte die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der bei der Stratzenreinigung beschäftigten Arbeiter zur Sprache. Er verlangte eine neunstündige Arbeitszeit bei Fortzahlung des bisherigen ÄrbeitsverdiWstes, ferner die volle Bezahlung der Feiertage und eine gelegenere Ansehung des Lohnzahlungstermins. Jetzt werde der Lohn Freitagmittag ausgezahlt, wodurch den Arbeitern ein Teil ihrer Mittagszeit verloren gehe. Außerdem beantragte Schmidt, den Arbeitern, die 3 Jahre tätig sind, den Sommcrurlaub von 3 auf 5 Tage zu erhöhen. Wenn er, Schmidt, die Wünsche der Arbeiter hier vortrage, so halte er das für sein gutes Recht; ebenso halte er es aber auch für das Recht der Arbeiter, ihm ihre Wünsche mitzuteilen. Das scheine aber nicht die Ansicht des Straßenmeisters Weiß zu sein. Denn im vorigen Jahre habe dieser Herr, nachdem er, Schmidt, die Forderungen der Arbeiter in der Gemeindevertretung vorgetragen hatte, die Arbeiter antreten lassen und nachgeforscht, wer ihm die Mitteilungen über die Lohn- und Ärbeitsverhältnisse gemacht habe. Er ersuche den Bürger- meister, daß er dem Straßenmeister solche Uebergriffe untersage. Der Bürgermeister erwiderte hierauf, daß Weiß nicht nachgeforscht habe, sondern er wollte entgegen der Behauptung Schmidts, den Arbeitern würde keine Gelegenheit gegeben, dem Bürgermeister ihre Wünsche vorzutragen, feststellen, daß diese Behauptung nicht den Tatsachen entspricht. Bon der Einführung der neunstündigen Arbeitszeit könne nur die Rede sein, wenn für die gekürzte Arbeits- zeit der Lohn in Fortfall komme. Den in den Außenbezirken Arbeitenden wolle er insofern entgegenkommen, als er die Mittags- pause um einige Zeit verlängere. An eine Neuregelling des Sommerurlaubs sei jetzt nicht zu denken, da der Urliub erst im vorigen Jahre eingeführt sei. Hierauf erwiderte Schmidt, die Arbeiter hätten wie im vorigen Jahre so auch in diesem dem Bürgermeister ihre Wünsche schriftlich mitgeteilt. Der Bürger- meister habe es aber nicht für nötig gehalten, den Gemeindevertretern davon Mitteilung zu machen, sondern habe jedenfalls die Wünsche der Arbeiter in den Papierkorb wandern lassen. Das sei kein Zeichen von Arbeiterfreundlichkeit und sozialem Ver- ständnis. Herr Jung, seines Zeichens Rechnungsrat, kehrte den Herrenstandpunkt hervor. Er meinte, die Straßenarbeiter arbeiten sich nicht tot; wenn diese es wirklich so schlecht hätten, wie es Schmidt darstelle, dann würden sich nicht so viele Arbeiter um diese Arbeit bewerben.„Aber," so rief der Herr aus,„wem es nicht paßt, der kann ja dahin gehen, wo es besser ist". Genosse Müller empfahl dem Herrn, wenn die Arbeiter so rosig dastände», doch selbst Straßenarbeiter zu werden. Bei der Gehaltserhöhung des Syndikus habe man nicht davon gesprochen, daß die Gemeinde diese 600 M. jährlich nicht tragen könne. Tie Anträge unserer Genossen wurden sämtlich abgelehnt. Beim Kapitel VIII brachte Genosse Schmidt zur Sprache, daß die auf der Eisbahn beschäftigten Gemeindearbeiter für ihre Ueberarbeit keine Bezahlung erhalten hätten, sondern nur auf die Trinkgelder angewiesen waren. Er beantragte, den dort tätig gewesenen Arbeitern je 20 M. nach- zubewilligen. Nach längerer Debatte wurde ein Antrag des Syndikus angenommen, dem Bürgermeister anheimzugeben, die angebrachte Beschwerde nachzuprüfen und dem Plenum Bericht zu erstatten. Das Kapitel Fricdhofsverwaltung gab unserem Genossen Schmidt Veranlassung, zu fordern, daß auch Laien gestattet wird, in der Leichenhalle des Gemcindcfriedhofs Reden zu halten, ohne daß die Rede erst vorher dem Bürgermeister eingereicht wird. Der Bürgermeister berief sich auf das Lrtsstatut. Genosse Müller be- antragte Gebühreinreiheit für Beerdigungen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Beim Kapitel Feuerlöschwesen unterzog Genosse Schmidt die Einrichtungen unserer Feuerwehr einer scharfen Kritik und stellte diese in Vergleich mit der Britzer Feuerwehr. Tempelhof könne sich daran ein Beispiel nehmen. Zur Förderung der Jugendpflege werden im Kapitel„Gemeinnützige und wohl- tätige Einrichtungen" 1500 M. gefordert. Genosse Frantz forderte, daß man auch den Arbeiterturnvercin an diesem Betrag Parti- zipieren lasse, da dieser sich im Sommer derjenigen Kinder an- nehme, die während ihrer Ferien nicht verreisen könnten. Herr Jung erwiderte, sozialdemokratischen Vereinen könne man von diesem Gelde nichts geben, es sei vielmehr ausschließlich für die nationale Jugendpflege bestimmt. Genosse Schmidt betonte, daß zu den Steuern nicht nur sogenannte„Nationale" beitragen, sondern auch Andersgesinnte. Die Jugendpflege im Jungdeutschland- bund, dem ja die 1500 M. zufließen sollen, sei in Wirklichkeit keine Jugendpflege, wenn man bedenke, daß kleine Knirpse mit Schießprügeln ausgestattet werden und damit schon verschiedent- lich Malheur angerichtet haben. Die Etatsposition wurde be- willigt. Vorher regte Genosse Schmidt noch an, ob es nicht an- gängig sei, die hiesigen Aerzte zu veranlassen, einen Nachtdienst einzurichten. Jetzt sei es oftmals schwer, bei schweren Er- krankungen in der Nacht einen Arzt zu bekommen. Dr. Richter sagte zu, seine Kollegen zu veranlassen, zu der Frage Stellung zu nehmen. Auf Anfrage des Genossen Schmidt, wie es mit dem von der Gemeinde einzurichtenden Arbeitsnachweis stände, erwidert Syndikus Seyfert, der Gemeindevorstand beschäftige sich seit einiger Zeit mit der Frage. Beim Kapitel Kanalisation be- antragte Genosse Schmidt, die Rohrverlegungsarbeiten in eigene Regie zu übernehmen. Der Antrag wurde abgelehnt. Genosse Müller gab anheim, zu erwägen, ob es nicht angängig sei, eine 2. Hypothekenanstalt auf der Basis einzurichten, daß auch die Mieter durch billigere Mieten einen Vorteil davon haben. Die Anträge Müllers auf Absetzung der Lustbarkeits- und der Bier« steuer werden abgelehnt. Der 2. Punkt der Tagesordnung:«Mit- teilung von den Verhandlungen mit den Theodor Frankeschen Erben" wurde auf Antrag des Bürgermeisters geheim verhandelt. Die gutbefuchte Mitgliederversammlung des Wahlvereins be- schäftigte sich mit den bevorstehenden Gemeindewahlen. Der Referent Genosse Ewald verwies auf die bereits mitgeteilte Tat- fache, daß uns diesmal sämtliche in Tempechof bestehenden Vereine und Vereinchen geschlossen gegenüberstehen, in der Hoffnung, die jetzt im Besitz der Sozialdemokratie befindlichen Mandate zurück- zuerobern. Wenn jeder seine Schuldigkeit tut, müßte die Sozial- demokratie siegreich aus dem Wahlkampf hervorgehen.— In der Diskussion ergänzte Genosse K i e h m noch die Ausführungen des Referenten. Hierauf wurden als Nichtangesessene die Genossen Max Schmidt und Oskar Ewald aufgestellt.— Unter Parteiangelegenheiten erstattet Genosse I r r g a n g den Bericht von der Kreisgeneralversammlung, an welchen sich eine Diskussion nicht anschloß.— Zum Wochenabonnement des„Vorwärts" lag vom zweiten Bezirk ein Antrag vor, das Äbonnement auf 25 Pf. fest- zusetzen. Genosse C a s p a r y betont hierzu, daß beim 30-Pf.- Abonnement der„Vorwärts" sich noch teurer stellen würde als beim jetzigen Monatsahonnement. Wir dürsten nicht teurer sein, als bürgerliche Blätter. Genosse Ewald bat von einer Abstimmung Abstand zu nehmen, da die Reorganisationskommission sich noch mit dieser Frage beschäftige. Nach Abschluß dieser Beratungen sollen den Genossen Unterlagen zugehen und dann zu dem Antrag erneut Stellung genommen werden. Die Versammlung beschloß demgemäß.— Vom Bildungsausschuß wurde auf die am 10. März im Tivoli stattfindende Theaterauffübrung„Die Schiffbrüchigen" hingewiesen. Billets hierzu kosten 50 Pf., an der Kasse 00 Pf. Genosse Flieg wünschte rege Beteiligung an der Jugendsektion, während Genossin Schmacht denselben Wunsch für den Fraucnlese- abend aussprach. Genosse Bothe macht noch auf die am 28. März in Laars GesellschaftshauS in Mariendorf stattfindende Schul- entlassungsfeier aufmerksam. Schöneberj». Ein Heiterer Abend stndet am Sonntag, den 22. Februar, nach- mittags 5 Uhr, in der Aula der Hohenzollcrnschule, Belziger Str. 48, statt. Mitwirkende sind: Frau Schmid-Kayser, Schauspielerin; Herr Kurt Sommer, Kammersänger; Herr Karl Platen, Mitglied des Berliner Theaters; Herr Hans Schmid-Kayser, Konzertsänger. Billetts zum Preis von 30 Pf. sind bei W. Bäumler, Martin-Luther- Straße 09 und im Laden der Konsumgenossenschaft, Apostel-Paulus- Straße 40, zu haben. Diese von der Stadt veranstalteten Unterhaltungsabende ge- Winnen in den Kreisen der Arbeiterschaft immer mehr Anhänger, es dürfte daher an der Zeit sein, daß die Veranstalter für größere Räumlichkeiten Sorge tragen. Des öfteren mußten Unterhaltungs- abende wiederholt werden, weil eine große Anzahl Besucher nicht Einlaß finden konnte. Die Unkosten sind dadurch doppelt hohe. Dieser Uebelstand kann dadurch vermieden werden, wenn sofort nach Schluß der Sommersaison auf dem städtischen Gelände des Brauereigartens, das für die Bebauung vorgesehen ist, der von den städtischen Körperschaften bereits projektierte Bau eines Konzert- saales mit ausreichender Theaterbühne vorgenommen wird. Da- durch ist auch die Möglichkeit gegeben, klassische Aufführungen für billiges Geld den Arbeitern zugänglich zu machen. Die Mittel für den Bau sind von der Brauereidirektion zum größten Teil bereits bewilligt. Auch der Garten bleibt größtenteils erhalten. Mariendorf. Mit dem Erlaß einer neuen Polizciverordnung übeh die Reini- gung der Bürgersteige hatte sich die letzte Gemeindevertretersitzung zu beschäftigen. Der Gemeindevorsteher teilte mit, daß die An- lieger für die Reinigung der Bürgersteige sowie Beseitigung des Kehrichts verpflichtet seien. Bei dieser Angelegenheit kritisierten einige bürgerliche Vertreter aus dem Südender Ortsteil die Rück- sichtslosigkeit der dortigen Hundebesitzer; sie forderten gegen die Verunreinigung der Bürgersteige durch Hunde polizeiliche Abhilfe. Der Gemeindevorsteher versprach, wenn gütliche Hinweise an die Hundehalter keinen Erfolg hätten, Remeour zu schaffen.— Für die Einrichtung der Aula des Gymnasiums als Sitzungszimmer der neuen Gemeindevertretung wurden 030 M. gefordert. Da die vorgelegten Zeichnungen für die Plätze der neuen Gemeinde- Vertretung nicht die Zustimmung fanden, wurden insgesamt für Umbau und Neueinrichtung 1500 M. bewilligt. Bei der Fest- stellung des Kostenanschlages für den Bau der 4. Gemeindeschule sind von der Baukommission 459 500 M. in Voranschlag gebracht. Die Einheitssätze der einzelnen Positwnen stützen sich auf frühere Schulbauten. Der Gemeindevorsteher betonte hierzu, um den >schulbau zu fördern und für alle Fälle gerüstet zu sein, müsse diese Summe aus 475 000 M. erhöht werden. Diesem Vorschlage wurde nach kurzer Debatte zugestimmt. Da für den genannten Zweck bereits 170 000 M. durch Anleihe gedeckt sind, soll mit dem Bau baldigst begonnen werden. Die Regelung der Besoldung?- Verhältnisse der Beamten und Arbeiter wurde vertagt; sie soll von der neuen Gemeindevertretung vorgenommen werden.— Die anderen Punkte wurden nichtöffentlich verhandelt. Spandau. Einen herben Verlust hat unsere Bewegung durch den Tod des Genossen Friedrich V o elker erlitten. Als 18 jähriger schloß er sich der Bewegung an und war stets in der Partei und in der GeWerk- schaft tätig, auch war er ein eistiger Förderer der Konsumbewegung, in der er seit Jahren als Lagerhalter tätig war. Im letzten Jahre wurde unser Freund mit dem Posten des ersten Borsitzenden des hiesigen Wahlvereins betraut, den er treu ausführte, bis er krank wurde. Jetzt hat ihn der Tod am Tage vor seinem 40. Geburtstage aus unserer Mitte gerissen. In Voelker haben wir einen unserer Besten verloren. Die Trauerfeier findet am Sonntag, den 22. Fe- bruar, früh 9 Uhr, im Trauerhause in Spandau, Jagowstraße 27, statt. Die Ueberführung nach dem Krematorium in Berlin, Gericht- straße 37/38. erfolgt um 9'/2 Uhr. Die Einäscherung findet daselbst am Montagmittag 12 Uhr statt. Jugendveranstaltuuge». Neukölln. Morgen Sonntag, den 22. Februar: Besichtigung des Märkischen Museums. Treffpunkt um'1,9 Uhr am Hermaunplatz(Apotheke) und um 10 Uhr vor dem Märkischen Museum, Am Köllnischcn Park. Lichtcnberg-Fricdrichsfeldc, Morgen Sonntag, den 22. Februar, veranstaltet die Gruppe IV im Tase Bcllevue, Hauplstr. 2. einen Unterhaltungsabend mit anschließendem Tanz, Eröffnung 4 Uhr. Ansang 5 Ubr. Eintritt frei. Die Eltern find besonders hierzu eingeladen, NB. Das Jugendheim bleibt an diesem Tage geschloffen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 22. Februar, vormittags 3 Uhr, Vapvel-Allee 15/17; Neutölln,„Jdcalpaffage*; itgei, Bahnhofstr. 15, und Ober Schöncweidc, Klarastr, 2: Freireligiöse Borlesung.— Pormittags II Uhr, Kleine Franksurter Straße 6: Vortrag von Herrn M, H, Baegeß „Die geistige Entwickewng beim Kinde'.— Damen und Herren als Gäste willkommen. Allgrmrtne Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. (V. a. G.) zu Hamburg. Filiale Friedrichshagcn. Sonn- abend, den Sl, Februar, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Timus, Wilhelm- straße 53: Mitgliederversammlung und Beitragszahlung. Marktpretie von Berlin am IS. Februar 1914, nach Ermittelungen bes tgl. Polizeipräsidiums, Mais(mixed), gute Sorte 16,30— 17,20, Donau 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,60—14,30. Richtstroh 0,00. tzeu 0,00—0,00. Martthallenpreise. 100 Kllogr, Erbsen, gelbe, zum Kocheu 34,00— 50,00. Sveisebobnen, weiße 35,00—60,00. Linien 40,00—80,00. Kartoffeln(Klemhdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1.40— 2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2.40—3,00. 60 Stück Eier 4.70— 6,60. 1 Kilogramm Kardien 1,20— 2,60. Aale 1,60—3,20. Zander 1,20-3,20. Hechte 1.60—2,80. Barsche 0,80—2,20. Schleie 1,60—3.20. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück Krebie 3.50—2�.00. Pa. Roß-Fleisch und-Wurst Gehacktes Pfund 40 Pfg., Schmorfleisch 45 Pfg. Schöneberg, Prinz-Georg-Str. 3. 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