Nr. 34. H bonnemcntS'Bedingungen: Bbonnctnenlä- Preis DränuDictonSo: Tierteljährl. 3,30 Mt,, Bionatl. 1,10 2Rf, wvchcnllich 28 Pfg. frei in- Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags» nummer mil Mustriertcr Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Big. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark bro Monat. Dostabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Siumänicn, Schmeden und die Schloeij. 31. Jahrg. Dk Mcrficns-- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltenc Kolonel» zcilc oder deren Raum 00 Pfg.. für holitifchc und gewerkschaftliche Bereins» und VersnuimlungS-Slnzeigen lX> Pfg. ..Utcine Anocigen", da- scttgedruiklc Wort 20 Psg. szuläfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Ptg. Stellengesuche und Schlafstcllcnai!. zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch» staben zählen für zwei Warte. Jtiserate für die nächste Nummer niüssen bis L- Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben Iverdcu. Die Exvedition ist bi- 7 Uhr abends geöffnet. ckicheiiil IZgllch. Vevlinev Volk5»blntt. Zcntmlorgan der fosialdemokratifcben Parte» Dewtfcblands. Telegramm-Adresse: „SezialiicrooKrat Rtrlin", Redaktion; 8AI. 68, Ltndcnetrasec 69. Fernsprecher: Amt Morinplaft» Nr. 1983. Dienstag, den Ä4. Februar 1914. Expedition: ELI. 68, Länden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplali, Nr. 1984. verrat oöer Verhängnis l Paris, 21. Februar.(Gig. Ber.) Hat Herr M a g i n 0 t. Unterstaatssekretär des Krieges, gestern das Ministennm D 0 u m e r g u e verraten? Ldcr verriet Toiimergne die radikale Partei? Lder verraten die Radikalen ihr Programm von Pau? Und wenn Verrat iiberall ist, ist niclit auch die Hand des Schicksals dabei? Herr Ptaginot hatte seinen guten Rnf bei der gemäßigten Presse herzustellen. Er war im Parlament einer der ersten Zutreiber des Briandismus gewesen, bis er zur allgemeinen Verblüffung in das Ministerium Doumergne eintrat. Darob große Entrüstung bei„Temps",„Debats" usw. Für diese Hüter des politischen Anstandes ist Briands Sprung ins sozialkonservative Lager ein ruhmreicher Fall von staats- männischer Entwickclung, die Preisgabe der Lcntnantschaft in Briands Truppe gegen ein?lmt im radikalen Ministerium eischien ihnen als eine das Jahrhundert beschämende Ver- räterci und Strcberei. Wollte also.Herr Maginot— vielleicht, weil die radikale Herrschaft immer mehr ins Wanken gekommen und eine neue Uebersiedelnug ratsam ist, vielleicht auch, weil seine Verhältnisse zu Briand und Barthou nie ge- löst waren und setzt der Augenblick gekommen schien, dieMaske abzuwerfen— das verzeihende Verständnis seiner Todlcr gewinnen? Wenn.Herr Maginot von Briand und Barthon selbst ins Ministerium ihrer Gegner delegiert worden wäre, er hätte ihnen nicht besser dienen können, als mit seiner gestrigen Rede. Es ist ihr stärkstes Argument, daß die Radikalen in der Regierung ganz genau ihre Politik über- nommen und ihre eigenen Forderungen und Versprechungen fallen gelassen haben— daß also der ganze gewaltige An- stürm, der mit der Programmerklärung von Pau begann und mit dem Sturz Barthous endete, gar keinen anderen Hsweck hatte, als ihre Leute ins Ministerium und den arnt- lichen Apparat der Wahlbceinflussung in ihre»Hände zn bringest» Und man muß sagen, daß zum vollendeten Nachweis dieses Vorwurfes nichts mehr fehlt. Daß die Anleihepoliiik Caillaüx' der Anleihepolitik Tnmont ähnlich sieht, wie ein größerer Bruder dem kleinere» j daß ans der angekündigten Sparpolittk ein paar Taschenspielerkniffe geworden sind', daß endlich die Regierung in der Steuersrage entweder einen Ausgleich anzunehmen bereit ist, der einen stufeuweiscn, d. h. ins Ungewisse befristeteten„Umbau" der direkten Steuern und den Verzicht ans das Einkommenbekenntnis vorsieht oder überhaupt die gesetzliche Erledigung vor den Wahlen preis- gibt, ist ebensowenig zu leugnen, wie der schon in der Re- gierungserklätung enthaltene Verzicht auf die Aushebung oder den Abbau des TreijaHrgesetzes. Für die Briaudistische Opposition aber, die natürlich ein ungeheures Interesse daran hat, das Ministerium noch bor den Wcchleu zu stürzen, gibt es kein besseres Mittel, als die Regierung im Parlament in eine Situation zu treiben, wo sie in offenen Widerspruch zum radikalen Programm und in einen Konflikt mit der äußersten Linken gerät. Das hat nun Herr Maginot gestern besorgt, als er, bc- auftragt, Aufklärungen über die sanitären Zustände in der Armee zu geben, unvermittelt zn einem Ausfall gegen den „ungerechtfertigten Alarm" überging, der das Gesetz herabzusetzen trachte, das das Parlament in freier Prüfung als unumgänglich für die Nationalverteidigung beschlossen habe und dessen Aufhebung ein anständigerweise nicht zu erwarten- des„uuwahrscheiulickfes Schauspiel" wäre. Der erste Ein- druck dieses verblüffeudeu Angriffes auf Anschauungen, die auch von einem bedeutenden Teil der bürgerlichen Linken ver- treten werden und im offiziellen Parteiprogramm des Radikalismus ihren Platz gefunden haben, mußte der Ver- dacht sein, die Sache sei mit Briand und Barthou abgekartet, um die Linke auseinanderzusprengen. S e m b a t setzte auch das Tüpfelchen auf das i, indem er die Frage stellte, ob Herr Maginot seine Erklärung vorher dem Ministerpräsidenten unterbreitet habe. Herr D 0 u m c r g u e antwortete nicht, aber er schüttelte Herrn Maginot, als er zur Regiernngsbank zurückkehrte. demonstrativ die Hand. Das bedeutet nun keineswegs eine Behebung der Sembatschen Frage. Es ist höchst unwahr- scheinlich, daß das Ministerium eine so demonstrative Er- kläruug— der Redner las ihren Text vom Manuskript ab— durch einen einfachen Unterstaatssckretär hätte abgeben wollen und zudem durch Herrn Maginot, dessen Intervention zwei- deutig scheinen m u ß t e. Aber jedenfalls hat sich Doumergne nachträglich mit ihr identifiziert. Mau kann ihm zugestehen, daß es ihm nicht möglich gewesen wäre. Maginot zu des- avouieren. Neben ihm saß der Kriegsminister N 0 u l e n s, der unlängst ebenfalls das Treijahrgcsetz für ein notwendiges patriotisches Werk erklärt hat. Allerdings außerhalb des Parlaments, wie denn die ganze radikale Politik immer mehr darauf hinausläuft, den Folgen des in der Partei herrschenden Mangels an Einigkeit und Entschlossenheit im Parlament durch fortwährendes Ausweichen zu entgehen. Tie Schwäche der Regierung ist schon in ihrer Konstitution begründet, eben darin, daß sie Leute wie Maginot aufnehmen mußte und konnte, aber ihr letzter Grund ist in der Natur der radikalen Partei selbst gegeben, die die Interessen der ländlichen und städtischen Massen vertreten möchte, aber, sobald sie die Staats- gewalt in die Hände bekommt, den Lebensgesetzen eines ge- � schichtlich zum Organ der kapitalistischen und imperialiststchen i Interessen gewordenen Gebildes unterliegt. D c r M iii i st c- r i a I i s in u s führt im e n t lv i ck e l t e n k a p i t a- listischen Staat auch s ch 0 n bei der Radikal- d e in 0 k r a t i e Zum S c l b st v e r r a t. Tie gestrige Sitzung hat die Lage deS Ministeriums höchst kritisch gestaltet. Tie bürgerliche Linke ist vollkoimnen des- orientiert. Ein Teil der radikalen Presse tadelt»Herrn Maginot. Manche Blätter möchten die Rede mitsamt dem folgenden Händedruck als eine unangenehme Episode zu den Akten legen lassen. Andere— Ivic der„Rappel"— verhehlen nicht ihr Einverständnis mit Maginots Meinung. Zeit gewinnen— ist jetzt so ziemlich der einzige»Gedanke, worin der Radikalismus einig ist. Ter Opposition aber ist es jetzt ge- Inngen. die Regierung zu stellen und es ist ungewiß, wie diese sich morgen verteidigen wird. Den Sozialisten kommt in dieser Lage eine entscheidende Rolle zn. Sie haben nicht die geringste Lust, den Jntriguen Briands zu dienen, aber ebensowenig kann ihnen zugemutet werden, sich zu verleugnest einer radikalen Partei zuliebe, die in die Wahlaktion keine andre Idee mitbringt als die, Mandate zu gewinnen. Ter „Kampf gegen die Reaktion" in allen Ehren. Sicher ist es besser, den Kamf gegen einen gefährlichen Gegner zu zweit zu bestehen als allein. Aber nur wenn der Zweite keine Leiche ist, an die man gekettet ist. »* *■ Poris, 2.3. Februar. Tic Interpellation über den Gesund- heitsziistand in der Armee wurde heute in der Kammer fortgesetzt. Nachdem verschiedene Redner der Rechten die Massenerkrankungen auf ungünstige Witterungsuinständc usw. zurückgeführt hatten, betrat Kriegsministcr N 0 u l e n s die Tribüne. Ter Kriegs irnnistcr wiederholte, daß die Heeresverwaltung nichts zu verbergen habe. Ter strenge Winter und die Epidemien hätten auch die Nachbar- länder heimgesucht. Aber die schwierige Lage in Frankreich habe ihre besonderen Ursachen, darnntcr die ungenügende A u s- wähl unter den au S gehabe 11 en M a n n sch-a f t c n. lBcjfall auf der äußersten Linken und bei einem Teil der Linken. Man bemerkt, daß auch Eaillaux und Biviani ihre Zustimmung zu erkennen! geben.)/ Bei, der Auswahl hätte man' strenger verfahren können, man hätte dann auch noch einen genügend starken Mann- schaftsbestand erhalten. Ter frühere Kriegsminister E t i e 11 11 e unterbricht den Redner und bemerkt, daß die Regierung den Aushebungsbehörden scbr genau abgefaßte Anweisungen für eine strenge Auswahl unter den Auszuhebenden gegeben habe.(Widerspruch auf der äußersten Linken.) .Kriegsminister N 0 u I e n s gab zu. daß die Aushebungs- bchörden die strengen Anordnungen der früheren Regierung nicht befolgt hätten. Man müsse ein praktisches System bilden, um die Effektivstärke auf den Stand zu beschränken, der notig sei, um die Gesundheit der Mannschaften zu erhalten.(Beifall.) Infolge der Abstimmungen der Kammer hätte die Armee i 111 1 e tz t e n?l u g e n- blick 235000 Mann einstellen müssen a n st a t t 1 0 3 0 0 0 Mann, die vorgesehen waren.(Bewegung.) Es hätten sich Schwierigkeiten ergeben bei der Unterkunfts- frage und bei der Frage der Versorgung dieser Leute mit Kleidung und Schuhwerk. Die Verwaltung habe die günstigsten Ergebnisse erzielt, wenn auch nicht vollkommene. Kürzlich seien noch Maßnahmen ergriffen worden zur Besserung der Verpflegung. Der Kriegsminister führte weiter aus. seine erste Sorge sei gewesen, die Soldaten überall, wo eine zu starke Belegung der Kasernen stattgefunden habe, auseinander zu legen und für reichliche Desinfektion zu sorgen. Ten ernstlich krank gewesenen Soldaten sei, soweit ihr Zustand beunruhigend gewesen sei, ein Er- holungsurlaub bewilligt worden, der im reglementsmäßigen Urlaub nicht eingerechnet werden solle. Diese Maßnahme habe der Jststärke der Armee keinen Eintrag getan, aber den Familien der Soldaten das Vertrauen zurückgegeben.(Beifall auf der äußersten Linken.) Die Tircktorcn des Sanitätsdienstes hätten das Recht, die Kasernen zu revidieren, ohne die Triipvenkommandeure vorher zu benach- richtigen.(Beifall bei der Linken und äußersten Linken.) Naulcns erklärte weiter, es würden außerdem zwei ärztliche Inspekteure geschaffen werden, ohne jedoch neue Beamte zu er- nennen. Er schloß mit den Worten: Die Mannschastcn müssen durch allmähliche nicht überstürzte Anstrengungen herangebildet werden. Ter frühere � Kriegsminister E ti e n n e unterbrach ihn und erklärte, er selbst habe bereits ein Rundschreiben in diesem Sinne erlassen.(Bewegung.) Noulens gab die Richtigkeit dessen zu, meinte alier, die Instruktion sei nicht immer befolgt worden und fuhr fort: Wir werden noch andere Maßregeln er- greifen. Wir wollen ein starkes Heer, dafür aber ist die erste Bedingung die Gesundheit der Mankschastcn.(Lebhafter Beifall auf der Linken und der äußersten Linken.) Aiigagncur brachte einen Antrag auf Bildung einer II n- tersuchungskom Mission ein, da die Kammer, wie er sagte, noch nicht genügend unterrichtet sei, trotz der loyalen und unparteiischen Erklärungen der Regierung. lBcifall.) Abgeordneter Abel Ferrh unterstützte diese Forderung nach einer Untersuchung, indem er im besonderen wünschte, daß die be- stehende Gefunidbeitskomniissio» dannt beaustragt würde. Ministerpräsident Douincrguc erklärte, daß er die Unter- suchung grundsätzlich annehme.(Lebhafter Beifall auf der Lin- ken und der äußersten Linken.) Die Regierung werde in dieser Aufgabe die Kommission unterstützen, welche geeignet sei, alle An- strengungen klarzulegen, die die Regierung gemacht habe, um das Land zu beruhigen.(Beifall auf zahlreichen Bänken.) Der Antrag Ferrhs wurde sodann mit 385 gegen 25 Stimmen angenommen. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. j Mentat auf öie SischofsresiKenz in vebrcczin. Der nationalistische Hader, der seit Jahren das gesamte öffentliche Leben Ungarns vergiftet, hat sich am Montag» vormittag in einem D h n a rn i t a t t e n t a t auf die bischöfliche Residenz in Debrcczin furchtbaren Ausdruck verschafft. In dem Palaste des griechisch-katholischen Bischofs Dr. Miklossy kam eine Höllenmaschine zur Explosion, durch die drei Personen getötet und sieben schwer verletzt wurden, lieber das Attentat erhalten wir folgende Meldungen: Tcbree.stn, 2.3. Februar. In der Kanzler des hiesigen griechisch- katholischen Bischofs Miklossy hat heute eine Dynamitexploston statt- gcfimdcn, durch welche drei Personen, darunter der bischöfliche Vikar Tr. Jaczlovics und der bischöfliche Sekretär Dr. S ch l c p« k 0 w s k y getötet worden sind? der Bischof selbst ist unverletzt geblieben. Die Tochter des Vikars wurde bei der Nachricht von dem Tode ihres Vaters wahnsinnig. Man vermutet, das: es sich um ei» Attentat gegen den Bischof gehandelt hat. Budapest, 23. Februar. Die Untersuchung hat ergeben, daß die D y n a in i tb 0 m b e von Czernowitz mit der Post an den Bischof Miklossy gesandt worden ist. Ein gestern eingetroffener Brief kündigte an, daß eine Sendung, enthaltend einen Kirchen» leuchtcr und einen für Kultuszwecke geeigneten Tcppich aus Leopardenfell sowie 100 Kronen für den Bischof ankommen werde. Der Brief war mit Anna K 0 p a c S unterschrieben. Die Sendung traf auch wirklich ein und wurde von dem bischöflichen Vikar geöffnet, der durch die Explosion sofort getötet wurde. Die Zabl der Toten beträgt drei, die der Verwundeten sieben. Die änfmigS aufgetauchte Vermutung, daß der Anschlag aus einer Mißstimmung der protestantischen Bevölkerung entsprungen sei, hat filb als völlig grundlos erwiesen. Tcbrcczi», 2.3. Februar Die Exphosion im bischöflichen Palast war von ungeheurer Wirkung. Ein großer Teil de-5 Ge» bäudes ist eingestürzt. Die Explosion wurde weithin gc» hört und hat auch an den benachbarten Gebäuden mancherlei Schaden angerichict. Der Bischof, der seit einiger Zeit kränklich ist, entgilig dem Attentat dadurch, daß er kurz vor der Explosion d a s H a u S verlassen hatte, um eine � Ausfahrt zu unternehmen. DaS gnechisch-katholische Bistum Debreezin ist vor einigen Monaten neu geschaffen worden. Da der Ritus im Gegen- sah zu den übrigen Bistümern die ungarische Sprache vorsah, stieß die Errichtung auf den lebhaftesten Widerstand der in der dortigen Gegend überaus zahlreichen rumänischen Bc- völkerung. Erhöht wurde der Haß gegen die neue Gründung des Gewaltmenschen Tisza noch dadurch, daß mehrere Kirchen- gemeinden, die früher zu rumänischen Bistümern gehörten, in das neue Bistum einbezogen ivurdcn. Die öeportierten /irbeiterführer. London, 23. Februar.(Privnttclegramm des«Vor» wä r t s"). Nach langem Harren kam heute mittag die Meldung, daß der Dampfer Umgeni, an dessen Bord sich die neun deportierten Arbeiterführer befinde», auf Jsle of Wight gesichtet wurde. Seit zwei Tagen werden alle Küstenpunkte, an denen das Schiff anlegen könnte, von den Be- nustragten der Arbeiterorgaiiisationen sowie von Tausenden Frei- williger bewacht. Die Besitzer des Dampfers beobachten, anscheinend im Einverständnis mit der Regierung, ticsste»? Schweigen über den Tag und Tri der Ankunft, uin jede Demonstration zu verhindern. Doch erwartet man die Umgeni um Mitternacht in Gravesend, wo- hin sich auch die Delegierten der drei Arbeiterorganifiitionen begeben haben. ES hat sich ein Empsangskomitee gebildet, in dem auch das internationale Gewerkschastsickretariat durch den Sekretär deS Ge- welkschaftsbundes, Appleton, vertreten ist. Am Tonnerstag soll zu Ehren der Deportierten im Unterhause ein Essen stattfinden. Diese Veranstaltung der Arbeiterpartei hat bereits bei den Reaktionären großen Unwillen erregt. Für Freitag- nachmittag ist eine Konferenz zwischen den Deportierten und den Vertretern der britischen Arbeiterschaft anberaumt worden und Freitagabend wird die nationale P r 0 t e st k u n d g e b u n g mit einer Massenversammlung im Londoner Opernhaus eingeleitet werden. Zum Sonntag haben die Vertreter aller gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterorganisationen Londons eine Massenversammlung nach dem H y d e p a r k einberufen. Die Resolution, die diescy Versammlung unterbreitet werden wird, heißt die Deportierten in England ivillkmnmeii, verurteilt das Bor» gehen der südafrikanischen Regierung, verlangt die Aufhebung des Verbann ungSedikts und fordert die Reichsregierung auf, gegen die Jndemnitätsbill gemäß Absatz 51 deS südafrikanischen Verfassungsgesetzes ihr Veto einzulegen, bis das Unrecht, das den südafrikanischen Arbeitern zugefügt worden ist, wieder gut gemacht ist. parlamentarische Schwierigkeiten. Wie nmn es erwarten durfte, hat der Ausfall der Wahl tum Jerichow den Konservativen den Kamm mächtig schwellen lassen, und unumwundener als zuvor fordern sie die Auf- lösung des Reichstages. Nur die Begründung dieses Verlangens macht ihnen noch einige Schwierigkeiten. Sie können sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß dieser Reichs- tag zum Teufel gejagt werden müsse, weil seine Zusammen- setzung der zurzeit im deutschen Volke herrscheirden Stimmung nicht niehr entsprechend sei, denn selbst wenn sie diese Be Häuptling zu beweisen vermöchten, so müßten sie sich doch daran erinnerir, daß sie sich gegen die Riidfsichtnahme auf die Aenderung der Volksnieinung init Händen und Füßen ge sträubt haben, als vom Jahre 1309 ab Sozialdemokraten und Liberale den Appell an die Wähler als unerläßlich be� zeichneten. Außerdem aber wäre ja die Anerkennung der Not' wendigkeib, den Reichstag mit den Ansichten der jeweiligen Mehrheit des Volkes in Einklang zu bringen, ein Zu geständnis an den Parlamentarismus und die Demokratie, nnö den Schein, als ob sie zu einem solchen bereit'wären, haben die Konservativen doch jetzt mehr als je zu meiden. So beeilt sich denn auch die„Deutsche Tages z e i t u n g", den Herrn v. Oldenburg gegen den Abgeordneten Erzberger in Schutz zu nehmen, der den Januschauer wegen seiner Anslösungswünsche einen ungewollten Bahnbrecher für das parlamentarische Regime genannt hat. Das agrarische Organ verteidigt seinen Freund folgendermaßen: „Für Herrn V. Oldenburg-Janaschau kommt ja ganz gewiß nicht die Frage in Betracht, ob der gegenwärtige Reichstag tat- sächlich noch die Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hat, sondern nur, ob Aussichten bestehen, durch baldige Neuwahlen einen Reichstag zu schaffen, der für eine gedeihliche Führung der Neichsgeschäfte eine bessere Grundlage und Bürgschaft bietet. Eine Auflösung bedeute nicht im entferntesten eine Förde- rung des parlamentarischen Regimes, denn wenn die Regierung bei begründeter Hoffnung, durch Neuwahlen einen Reichstag zu bekommen, der ihr weniger Schwierigkeiten mache, zu einem Appell an das Land schreite, so komme sie damit parla- mentarischen Anschauungen in keiner Weise entgegen. Sie doku- mentiert itir Gegenteil, daß eine monarchische Regierung sich nicht vom Parlament lenken lassen, sondern sich einen Reichstag schaffen will, der den Zwecken des Reiches und ihren eigenen Intentionen besser entspricht. Schöner kann die konservative Auffassung vom Konstitutionalismus gar nicht zum Ausdruck gebracht werden, als es hier geschieht. Das Parlament ist nichts anderes als ein Werkzeug in der Hand der Regierung, die das Instrument wegwirft, sobald es ihr nicht mehr handlich genug erscheint. Ter Absolutismus des Monarchen und der Bureaukratie braucht sich also nur diejenige parlamentarische Einschränkung gefallen zu lassen, die ihm unbedenklich erscheint, denn selbst- verständlich werden die Konservativen ihm auch dann nicht den Rat geben, sich zu fügen, wenn seine Neuwahl allen Er- Wartungen zum Trotz einen� Reichstag brächte, der der Regierung ebenfalls wieder„Schwierigkeiten" machte. Nur die eine Frage wäre noch zu beantworten, worin denn eigentlich die Schwierigkeiten bestehen, dic� der gegen- wältige Reichstag der Regierung bereitet hat. Seine Mehr- heit hat ihr eine gewaltige Militärvorlage bewilligt: sie stimnit ihrer Handelspolitik zu: sie hat gegen das Erschlaffen der sozialrefornrerifchen Energie nichts Wesentliches ein- zuwenden, und wenn die Mehrzahl der bürgerlichen Abgeordneten einmal dem Reichskanzler ein Mißtrauensvotum erteilt hat. so war sie ja schnell genug bei der Hand, den Beweis zu erbringen, daß ihr nichts ferner liege, als der Regierung Unanirehmlichkeiten zu bereiten. Also wo sind die«ckstvierig- keilen? � Es ist eben die alte Sache: die Agrarier meinen sich selbst, wenn sie Regierung sagen. Hinter ihrer Begeisterung für den nur mäßig verhüllten Absolutismus versteckt sich auch hier wieder die Angst um ihren Profit, denn Schwierigkeiten drohen von diesem Reichstag nicht sowohl der Regierung als denjenigen, die der über dem Großgrundbesitz hängenden russischen Gefahr mit einem Zollkrieg und einer E r- Neuerung der Schollenpflichtigkeit begegnen wollen. Daß ein Reichstag, der den agrarischen Wünschen ge- fügig wäre, der Regierung, die sich eben erst gegen die Kündigung der Handelsverträge ausgesprochen hat. weit größere Schwierigkeiten machen würde, als der gegenwärtige, liegt auf der Hand. Er stände also mit der konservativen Auffassung von der Bedeutung des Parlaments scheinbar noch weit mehr in Widerspruch. Scheinbar, denn in Wirk- lichkeit hat der Reichstag in dem Augenblick da? Recht und die Pflicht. Sckchzierigkeiten zu machen, wo die Regierung anders will als das Junkertum. das Schnüffekigesetz in ärztlicher Seleuchtung. Der im Reichstag eingebrachte Gesetzentwurf, der den Verkehr mit antikonzeptionellen Mitteln ver- hindern will, stößt auch in Aerztekreisen auf den allerschärfstcn Widerspruch. Die Mehrzahl der Acrztc befürchtet als Wirkung des geplanten Verbotes eine vermehrte Ausbreitung der Ge- schlechtskrankheiten, da die meisten antikonzeptionellen Mittel gleichzeitig einen Schutz gegen Ansteckung bieten. Einzelne Äerzte bezeichnen daher den Gesetzentwurf geradezu als ein Mittel zur Förderung der Geschlechtskrankheiten. Andere betonen, daß bei kranken Personen die Erschwerung in der Anwendung solcher Mittel die Ausbreitung dieser Krank- Heiken durch Vererbung fördern werde. Zum Beispiel t u b e r- k u l o s e n Personen müßte gerade die Geburtenverhindernng erleichtert werden, wenn man nicht die Verbreitung dieser Volksseuche wünsche. Selbst die Aerzte, die dem Gesetzentwurf prinzipiell zustimmen, wenden sich dagegen, daß nun alle anti- konzeptionellen Mittel verboten werden sollen; nur die schäd- lichcn dürften getroffen werden. Da8„Berliner Tageblatt" hat es unternommen, ukehrerc medizinische Autoritäten über den Gesetzentwurf zu� befragen. Die Mehrzahl der Befragten spricht sich gegen jegliche gesetz- lich-polizciliche Reglementierung aus. Einige sympathisieren zwar mit der Absicht des Entwurfes, halten ihn aber in der vorliegenden Form für zu weitgehend und eher für schädlich als für nützlich. Wir geben einige der Antworten nachstehend wieder: Professor Adolf Baginski, Direktor des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses, ist der Ueberzeugimg, daß der Geburtenrückgang niemals durch solche Gesetze ver hindert werden könne, es dürfte eher der Gcburtenzuwachs geschädigt werden. „Will die Regierung einen größeren Kinderreickitum, dann mag sie die Stenern herabsetzen oder die Hälfte der Kinder auf Staats- kosten erziehen lassen, und sie wird sehen, wie schnell sich die-Zahl der Kinder vermehren wird. Jene PräventivmiNel, die dem öffenl- lichen Verkehr entzogen werden, sind heule die besten Schutzmitlel gegen die Ansteckungsgefahr. So stellt sich die Vorlage als ei» Ausbund von llnvcrnunft dar." Der Dozent.für soziale Medizin, Professor Dr. A. Grot jahn, glaubt, daß das Gesetz keinen Sinn habe: „Die Prävenlivinaßregeln in ihrer Gesamlbeit können nicht bekämpft werden. Man denke nur an die Irrigatoren. Außerdem sind die Präventivmittel gar nicht schuld an dem Bevölke- rungsrückgang. Ein Teil davon ist unbedingt notwendig zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die Hauptsache find indirekte Maßnahmen, indem man den Eltern das Lebe» wirt- f ch a i t l i ch erleichtert. Polizeiliche Zwangsmaßregeln nützen gar nichts." Der Gynäkologe Dr. Paul Bröse hält die Annahme, daß die Vorlage den Geburtenrückgang verhindern werde, für einen großen Irrtum. „Den Verkauf von Präservativen zu verbieten oder zu er- schweren, halte ich für ein Unglück, denn sie sind ja das beste Schutzmittel gegen die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten. Daß die Aerzte dafür sorgen müssen, daß schwächliche Frauen oder solche, die mit Herzkrankheiten oder Schwindsucht behaftet sind, nicht entbinden, ist selbstverständlich. Als ein Schutz gegen den Geburtenrückgang kann also der Entwurf nicht betrachtet werden, er wird, durch Begünstigung der Jnsektionsmöglichleit, auf die Geburtenzahl m e h r schädlich als nützlich wirken." In ähnlicher Weise betonen die Gefahr, daß die Jnfektions- Möglichkeit noch größer würde, auch Professor Dr. K. Franz, Direktor der kgl. Universitäts-Frauenklinik der Charit«, G e h e i m r a t Professor D r. N e i s s e r, Professor Dürssen, Privatdozent Dr. Liep- m a n n. Scharf und Prägnant äußern sich zu dieser Frage ferner: Professor Dr. Blumenreich findet die Vorlage als Gynäkologe nicht zweckmäßig. „Ich kann sie daher nicht als rationell ansehen und muß sie eher als Mittel zur Förderung der Geschlechts» krankheiten bezeichnen." Professor Dr. Theodor Landau verlangt, daß die Präventivmittel tuberkulösen Frauen oder solchen, die zur Erhaltung der Faniilie mitarbeiten müssen, unbedingt zugänglich seien. Das schlimmste Nebel ist aber, daß durch das Verbot die Ver brcitung der Geschlechtskrankheiten gefördert ivird: „Dadurch, dag infolge deö Verbotes des Mittels selbstverständlich mehr Leute infiziert werden, würde da« Gegenteil der gesetzgeberischen Absicht erreicht werden, daß nämlich der Geburtenrnckgailg zunimmt. Die Flauen bleiben nach einer In- fellion dauernd steril imd so wäre das Gesetz die wirksamste Methode, die Fruchtbarkeit der Nation zu beschränken. Außerdem kennen die Frauen, die ärmsten und die reichsten, doch heute noch andere Mittel, um die Empfängnis zu verhindern, und man kann doch die Irrigatoren nicht verbieten. Es steht schließlich zu fürchten, daß die Frauen zu k ü n st l i ch e n Fehlgeburten ihre Zuflucht »ehmen und dadurch ihr Leben gefährden werden. Zur Hebung des Kindersegens gibt es andere, auf sozialem Gebiete liegende Mittel. Die Beschränkung der Präservaiivmittel hätte, um zu resümieren, eine Erhöhung der Geichlelblskrankheiten zur Folge, die wieder furchtbares Unglück über die Familie bringt, und dariinr muß ich für meine Person mich gegen den Enttvurf anSsprecben." Der Gynäkologe Professor Dr. H. von Lardeleben führte aus: „Gerade in der Großstadt ist cS wohl. bester, wenn eine Frau weniger Kinder hat und sie gut ernährt und erzieht, als eine größere Anzahl, die sittlilh und körperlich verkommt. Es ist doch vernünftiger, wenn eine Frau, die schon Kinder gehabt hat, ihre Kräfte zur Arbeit, zu einer günstigen Erziehung der Kinder erhält. Das ist für die Erhaltung des Volkes viel wichtiger, als wenn eine Unzahl körperlich und seelisch nicht leistungsfähiger Kinder in die Well geletzt ivird. Soweit das Gesetz eine ärztliche Kontrolle anstrebt, um schädliche Manipulationen zu verhindern, finde ich es zweckmäßig." Ter Grrichtsarzt Geheimer Mediziualrat Professor Dr. Fritz Strasimanu: „Meiner Ansicht nach kann der Entwurf nur das eine be- zwecken, dem Bundesrat die Möglichkeit zu geben,. Auswüchse zu unterdrücken, ohne einzelne unschädliche Mittel zu verbieten. Un- schädliche Mittel zu verbieten, wäre voin medizinischen Standpunkt aus zu verdammen, und deshalb halte ich auch die Annahme dieier Bestimmung für ausgeschlossen." Der Dermatologe Professor Kromayer erklärt, daß er ein Gegner von derartigen Verordnungen ist: „Ein solches Gesetz wäre eine gefährliche Einschränkung der persönlichen Willensbeslinimung der einzelnen Personen. Ueb-rdies weiß man nie, was die Polizei aus einem solchen Gesetz dann machen würde. Ich glaube, daß alle Aerzte sich gegen den Entwurf aussprechen müßten. politische Uebersicht. Der Geburtenrückgang vor dem Junkerparlamcnt. Im Mittelpunkt der Beratung des Kapitel«.Medizinalwesen", mit dem sich das Abgeordnerenhaus am Montag befaßte, stand die Frage des Geburtenrückganges. Daß die Mehrheit dieses Parlaments einer sachlichen Debatte unfähig ist, weiß man längst, aber daß sie selbst diese Frage von dem sachlichen Gebiet auf das unsachliche der Bekämpfung der Sozialdemokratie ablenkte, das hätten wir dock nicht erwartet. Nach den Ausführungen der Redner der Koniervanven und des Zentiums gilt e« als feststehend, daß der Geburtenrückgang absichtlich herbeigeführt und nur die böse Sozial- demokratie neben der zunehmenden Unsittlichkeit dafür verantwortlich zu machen ist.- Zwar gab sich Genosse Hirsch die größte Mühe, das wichtige Kuliurproblem mit erforderlicher Gründlichkeit und dem nötigen Ernst zu behandeln, aber was vermag der Verlrelereiner Minderheit ans- zuiichlen gegen eine kompakte Mehrheit, die mit vorgefaßter Meinung und mit der Absicht debattiert, den Gegner nicht verstehen zu wollen! Mochte Genosse Hirsch noch so schlüssig den Zukam- menhang zwischen Geburtenrückgang und Verteuerung der Lebens- hallung nachweisen, die Mehrheit behauptet das Gegenteil. Mochte er noch so überzeugend dartun, daß die Propaganda des Gebärstreiks nichts sozialistisches, sondern im Gegenteil etwas durch und durch unsozialisusches sei, die Mehrheit dekretiert einfach, daß die Sozial- demokratie die Schuld an dem Geburteniückgang hat, und dabei bleibt eS. Damit aber die Sozialdemokraten nicht in die Lage kommen, ihre Gegner zu widerlegen, greift man zu dem Mittel, das noch nie seine Wirkung versagt hat, man schneidet ihnen ein- fach das Wort ab. Auch sonst stand die Debatte über das Gesundheitswesen auf einem bedauerlich tiefen Niveau. Wirtschaftliche Momente existieren für das preußische Dreiklassenparlament nicht. Arm in Arm mit dem Vertreter der Regierung bestreitet Herr Dr. M u g d a n den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Krankheit, ins- besondere zloischen sozialer Lage und Schwindsucht. Einmütig be- haupten Regierung und Menschheit, daß es dem preußischen Bolle so gut geht, daß es Not und Elend nicht kennt. Unter diesen Umständen ist es freilich kein Wunder, wenn alles beim alten bleibt. Ein Parlament, das es für notwendiger hält, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, als der Volkskrankheiten Herr zu werden, spricht damit über sich selbst das Urteil. In der Spezialdebatte brachte Genosse H a e n i s ch den Fall M i r u S aus Dortmund zur Sprache; es handelt sich darum, daß die Tochter des Mirus. weil sie nicht geimpft war, von der hohen Schule auf die Volksschule verwiesen worden ist. Auch dies Vor» gehen wurde von dem Vertreter der Regierung gut geheißen. Die Kinder der Volksschule dürfen also gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt werden, wenn nur die der höheren Schulen geschützt sind! Dienstag: Etat der Bauverwaltung. Denunziant und Mlscher. Einige von den Scharfmachern ausgehaltene Blätter, darunter die„Berliner Neuesten Nachrichten" und die„Deutsche Zeitung" nehme» das Frankfurter Urteil gegen die Genossin Luxem- bürg zum Anlaß, nicht nur den Frankfurter Richtern lauten Bei» fall zu spenden, sondern zugleich an die preußischen Justizbehörden die dringende Aufforderung zu richten, auf dem eingeschlagenen Wege energisch weiterzuschreiten. Vor allem müßten die Theo- retiker des Sozialismus unschädlich gemacht werden. Besonders müsse„der Hauptherd des Uebels, die demoralisierende Lehre des Theoretikers und großen Marx-Jnterpreten Kautsky", getroffen werden. Wie die Luxemburg, die Bebel, Noske usw. die Arbeiter aufgeklärt, das habe zum guten Teil seinen geistigen Ursprung in den Kautskvschen Schriften,„wo der Hochverrat in Reinkultur gezüchtet wird, und die trotzdem jedwedem grünen Burschen zu- gängig sind". Wörtlich fährt der Denunziant dann fort: „Kautsky schreibt z. B. in seiner Schrift:„Die sozialdcmo- kratische Revolution(Berlin 1903) auf Seite 52 eine proletarische Erhebung bei der Mobilmachung zum Zwecke der Erpressung poli- tischer Konzessionen direkt vor. Dort heißt es: „Kampf gegen die herrschende Klasse im Falle eines Krieges. ?,st der Krieg ausgebrochen, dann soll das Proletariat von der errschenden Klasse einen Anteil an der Macht verlangen, den sie ohne den Krieg nicht erlangt hätte. Ist die herrschende Klasse zu einem solchen Opfer nicht fähig oder ist es dazu schon zu spät, dann führt der Krieg nur zu leicht zu einer Niederlage nach außen, die dann den Zusammenbruch ini Innern nach sich zieht." Und Seite 53: „Wir müssen mit der Möglichkeit eine» Krieges in abseh- barer Zeit rechnen, damit aber auch mit der Möglichkeit politischer Erschütterungen, die entweder in proletarischen � Erhebungen enden oder doch mindestens den Weg zu solchen eröffnen." Eine infame Fälschung! Zunächst gibt es keine Schrift von Kautsk», die den Titel trägt:„Die sozialdemokratische R c v o l u t i o n". Gemeint ist wahrscheinlich die Schrift Kautsky? „Die soziale Revolution", die in erster Auflage in zwei Heften er» schienen ist:„Soziale Reform und soziale Revolution" und„Am Tage nach der sozialen Revolution". In dieser Schrift untersucht Kautsky auch die Bedingungen, unter denen die unterdrückte Klaffe zur politischen Macht gelangt. Diese Untersuchungen hat der De- nunziant offenbar im Auge; aber er hat, um zu seinem Ziele zu gelangen, einige Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und den folgenden Satz:„Ist der Krieg ausgebrochen, dann soll das Pro« letariat von der herrschenden Klasse einen Anteil an der Macht v e r la n g e n, den sie ohne den Krieg. nicht erlangt hätte", direkt hinzu gefälscht. Die Ausführungen Kautskys lauten wörtlich: „Es gibt Situationen, wo es unbedingt erforderlich ist, daß eine herrschende Klasse durch eine andere abgelöst wird, die elftere aber dennoch die letztere in steter Unterdrückung zu erhalten weiß. Dauert dieser Zustand zu lange, dann verkommt und zerfällt die ganze Gesellschaft. Sehr oft vollzieht aber in solcher .Situation ein Krieg die Aufgabe, der die aufstrebende Klasse nicht gelvachsen ist. Er vollzieht dies auf zweierlei Wegen: Ein Krieg kann nicht geführt werden, ohne die Anspannung aller Volkskräfte. Besteht ein tiefer Zwiespalt in derNation, dann zwingt der Krieg die herrschende Klasse, der auf- strebenden Konzessionen zu machen, sie an dem Ge- mein Wesen z u interessieren und ihr so e i n e M a ch t zu verleihen, die sie ohne den Krieg nicht erlangt hätte. Ist die herrschende Klasse jju einem solchen Opfer nicht fähig oder ist es dazu schon zu spät, dann führt der Krieg nur zu leicht zu einer Niederlage nach außen, die dann den Zusammen» bruch im Innern nach sich zieht. Er stürzt ein Regime, das in der Armee seine vornehmste Stütze sieht, indem er diese zerbricht. So hat sich der Krieg nicht selten als ein zwar brutales und verheerendes, aber doch wirksames Mittel des Fortschrittes unter Umslärrdeii erwiesen, wo die anderen Mittel versagten. Die deutsche Bourgeoisie z. B. war durch die Verlegung des ökonomischen Schwerpunktes Europas an die Küstenländer des Atlantischen Ozeans und durch den Dreißigjährigen Krieg und seine Folgen zu geschwächt, um durch eigene Kraft den Feudal- absoluttLmus stürzen zu können. Sie wurde ihn los durch die Nnpoleonischen Kriege und dann durch die Kriege der Bismarck- scheu Aera. Das Vermächtnis von 1848 wurde überhaupt durch die Kriege der konterrevolutionären Mächte durchgeführt, wie schon öfter dargetan wurde. So hat auch jüngst der russisch- japanische Krieg mächtig dazu beigetragen, Rußland auf die Bahn der Revolution zu bringen. Westeuropa ist vor einem Kriege keineswegs sicher. Im Gegenteil.... Die einzige FriedcnSbürgschaft liegt heute in der Angst vor dem revolutionären Proletariat. Es bleibt abzuwarten, wie lange diese den sich häufenden Konfliktsursachen gegenüber stand- halten wird. � Es gibt eine Reihe von Mächten, die völlig von einer skrupellose», brutalen Clique von Junkern oder Männern der hohen Finanz beherrscht werden. Von diesen Mächten und ihren Gegensätzen droht heute dem Weltsrieden die größte Ge- fahr. Wir müssen mit der P Möglichkeit eines Krieges in abich- barer Zeit rechnen, damit aber auch mit der Möglichkeit politisch t Erschütterungen, die entweder direkt in proletarischen Erhebun» gen enden oder doch mindestens den Weg zu solchen eröffnen." So Kautsky. Wenn der Staatsanwalt Lust hat, der Denun» ziation zu folgen, so mag er versuchen, aus diesen Ausführungen etwas Strafbares herauszuholen I Er wird sich, mögen auch die Rechtsverhältnisse in Preußen noch so miserabel sein, eine schöne Blamage holen. Tie Welsen und das Haus Cumberland. In einer am Sonntag in G ö t t i n g e n abgehaltenen, von etwa 6V, Uhr. CincsNollcndorf-Thcater.Var'let�» Lichtspiele. Auiang 7 Uhr., Deutsches Lpcriihnus. Die Meistersinger uoii Nürnberg. Nniang 7si» Ubr. Zkgl. Lheriihaus. Der Barbier von Zevilla. «gl. Schauipielhaus. Peer Gynt. 1. Abend. Deutsches. Romeo und Julia. Keiituft. Peer Gvni. Zirkus Puich. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Deutsches Künstler- Theater. Cafard. 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Dienstag, 24. Februar 19(4. Gewerksthastliches. Die Macht der /trbeitgeberverbänüe. In dem dieser Tage erschienenen 8. Sonderheft zum Reichsarbeitsblatt„Die Verbände der Arbeitgeber, Angestellten und Arbeiter im Jahre 191:2" hat das Kaiserliche Statistische Amt auch ein übersichtliches Bild von der Organisation der Arbeitgeber gegeben. Dem anfangs allmächtigen Aufniarsch ist ja in den letzten Jahren eine rapide Zunahme der Unternehmerberbände sowohl an Zahl als auch an Stärke gefolgt. Seit dem Jahre 1909 befaßt sich die' Reichsstatistik mit der Darstellung der Arbeitgeberverbände. Die Entivickelung seit diesem Zeitpunkte veranschaulicht nachstehende Ilebersicht: Davon Jahr Verbände Reichs- �J�er Orts- msgesamt verbände verbände verbände Anfang tg13 8431 III 511 2809 1912 3085 103 461 2521 1911 2928 93 474 2361 1910 2613 84 474 2055 1909 2592 73 402 2117 lieber die Zahlen der Mitglieder und die der von ihnen beschäftigten Arbeiter haben nicht alle Verbände Angaben ge- macht. Allein die für unsere Betrachtung wichtigen Zahlen von den reinen Arbeitgebcrverbänden, die sich mit der Wahr- nehmung der besonderen Interessen der Unternehmer gegen- über den Arbeitern befassen, liegen fast vollständig vor. Die deutschen Arbeitgcberverbände sind auf zweifacher Grundlage errichtet. Einmal, indem die Arbeitgeber eines und desselben Gewerbes sich zu beruflichen Verbänden zusammengeschlossen haben und zweitens in der Weise, daß Nch für einzelne Orte, Bezirke usw. sogenannte gemischte Arbeitgeberverbände gebildet haben, die die Gewerbszweige territorial umfassen. Von den größten Arbeitgeberverbänden innerhalb der Berufsgruppen seien genannt der Gesamtvcrband deutscher Metallindustrieller in Berlin mit WKö Mitgliedern und 484 014 beschäftigten Arbeitern, der Arbcitgeberverband der deutschen Textilindustrie mit 1918 Mitgliedern und -617 500 Arbeitern, der Arbcitgeberschutzverband für das deutsche Holzgewerbe mit 4538 Mitgliedern und W839 Arbeitern, der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe mit 19 328 Mitgliedern und 300 000 Arbeitern. In den meisten Bernfsgruppen ist eine wachsende Konzentration der Unternehnierorganisationen zu großen In- dustrieverbänden zu konstatieren. Einen Beweis bildet der im Juli 1912 gegründete Reichsbund baugewerblicher Arbeitgeber- verbände, der 53 264 Mitglieder mit 579 000 Arbeitern um- faßt. In ihm sind vereinigt: der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe, Arbeitgebervcrband im Malergewerbe, Arbeit- geberschutzverband für das Holzgewerbe, Verband deutscher Älempnerinnungen und andere Verbände mehr. Sämtliche beruflichen Verbände zählten Anfang 1913 129 462 Mitglieder mit 3 512 331 beschäftigten Arbeitern. Dazu kommen noch die gemischten Verbände, unter denen an erster Stelle steht die„Vereinigung der deutschen Arbeitgeber- verbände, Berlin," die am 5. April 1913 durch den erfolgten Zusammenschluß des Vereins und der Hanptstellc Deutscher Arbeitgeberverbände geschaffen wurde. Die gemischten Ver- bände zählten Anfang 1913: 15 745 Mitglieder mit 1 129030 beschäftigten Arbeitern. Rechnet man diese gemischten Verbände zu den festgestellten beruflichen Verbänden, so ergeben sich Anfang 1913: 145 207 organisierte Unter nehm er, die 4 641 361 Arbeiter beschäftigen. lieber das Wachstum der Arbeitgeberbewegung in den letzten fünf Jahren orientiert folgende Aufstellung: Jahr Zahl der Mitglieder der Arbeiter Anfang 1313.. 145 207 4 641 361 „ 1912.. 132 485 4 378 275 „ 1911.. 127 424 4 027 449 „ 1910.. 115095 8 854 680 „ 1909., 159 405 3 647 147 Hinsichtlich der Streikversichcruug und Streik- c n t s ch ä d i g n n g ist zu konstatieren, daß die dafür ge- gründeten eigenen Gesellschaften von Jahr zil Jahr an Zahl und Gcschäftsumfang zunehmen. Dem reichsstatistischen Amt sind 20 Streikversichcrungsgesellschaften bekannt geworden. Die beiden größten sind der„Schutzverband gegen Streik- schäden" und die„Gesellschaft deutscher Arbeitgeberverbände zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen". Dem„Schutz- verbände" waren 1912: 8 Haupt- und 43 Unterverbände mit zusammen 2592(1911: 2472) Mitgliedern und 401 000(1911 386 000) Arbeitern angeschlossen. Der„Gesellschaft des Ver- eins deutscher Arbeitgcberverbände zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen" gehörten an 1912: 10 Ent- schädigungsgesellschaften, 2 Reichs- und 2 Landes- verbände mit 86!»(1911:8496) Mitgliedern und rund 361 000 (1911:316 000) Arbeitern. Die Verschmelzung der beiden Ar- beitgeberverbandszentralen zur„Vereinigung der deutschen Arbeitgcberverbände" hat auch beide Streikversicherungsgesell- schaffen zum Zusammenschlüsse geführt. Am 12. Dezember 1913 wurde vom genannten Verbände eine Zentrale für Streikver- sicherung ins Leben gerufen, der Verbände mit einer �ange meldeten Lohnsumme von 703,9 Millionen Mark und 672000 Arbeitern beitraten. Faßt man sämtliche 20 Streikent- schädigungsgesellschaften zusammen, so ergibt sich für 1912 die Gesamtzahl von 32 082 angeschlossenen Mitgliedern mit rund 1 394 900 Arbeitern. Außer den 20 besonders errichteten Streikentschädigungsgesellschaften gibt es noch bine ganze Reihe Arbeitgeberverbändc, die eigene Einrichtungen zur Vorsorge von Streikschäden getroffen haben. Insgesamt gab es 1912: 61 973 M i t g l i e d e r von Arbeitgebcrverbänden mit 28.3 4 69 Ar beitcrn, auf welche sich die Vorsorge gegen Schäden aus Arbeitsein st ellungen bczlv. Aussperrungen erstreckte. 1911 waren es 49 781 Mitglieder mit 2 637 637 Arbeitern und 1910 erst 47 328 Mit glieder mit 2 315 159 Arbeitern. Im Jahre 1912 gab es 261 eigene Arbeitgeber- arbeits nachweise, die rund 1 308 000 Arbeiter ver mittclten. Durch hohe Vermittelungsziffern treten besonders hervor der Arbeitsnachweis des Zechenverbandes mit 228 297 Besetzungen und der der Metallindustrie niit 334 011. Von letzteren Vermittelungen entfallen allein auf den Arbeits Nachweis des Verbandes Berliner Metall industrieller 84 138. Die Arbeitgebernachweisc im Verkehrsgewerbc vermittelten 448878 Stellen. Die Zahlen über die Organisation und die Macht entfaltung der Arbeitgeberverbände bilden eine ernste und eindringliche Mahnung an die Arbeiter, der geschlossenen Macht der Unternehmer die geschlossene Macht der Arbeiter in vollster Einigkeit entgegen- z u st c l l c n.__ Serlin und Umgegend. Tic Holzarbeiter und die Baukrise. Am Sonntag fand eine Versammlung aller in der Baubranche beschäftigten Holzarbeiter statt. Leopold wies als Referent auf dieBehauplung der Berliner Unternehmer hin, wonach der hohe Berliner Lohntarif bewirke, daß die Arbeiten meist hinausgingen aufs Land, wo billigere Tarife beständen. Diese Ansicht habe auch schon in den Kreisen der Arbeiter Eingang gefunden und Mißmut er- zeugt. Diese Behauptung stimme jedoch nicht. Der hohe Bautischlertarif in Berlin könne die schlimmen Zustände nicht verursacht haben, da dieselben sich auch draußen zeigten. Schließlich wäre auch nicht ein Stück mehr hergestellt worden, ivenn die Tarife niedriger wären. Es werde auch behauptet, der Hausbau rentiere sich nicht mehr und nian schiebe auch das den hohen Arbeitslöhnen zu. Der Hausbau sei allerdings teuerer geworden, aber in der Hauptsache sind daran andere Ursachen schuld, denn auch ganz alte Häuser seien teuerer geworden. Schuld sei u. a. in erster Linie: der Grund- und Bodenwucher insbesondere der Terrainspekulanten, ferner der öftere Besitzwechsel, teuere Baugelder, Hhpothekcn usw. Man könne aber nunmehr annehmen, daß sich die schlechte Baulage bessere. Der Zinsfuß sei niedriger geworden und es sei zu hoffen, daß daS bisher zurückgehaltene Geld wieder mehr dein Baumarkt zufließe. Sichere Anzeichen jedoch, daß es besser werde, lägen nicht vor und in diesem Jahre sei an eine wesentliche Besserung der Bau- läge nicht zu denken. Immerhin könne man annehmen, daß dü. Krise ihren Höhepunkt erreicht oder überschritten habe. Das Wechsel- volle Auf und Ab der Baubranchc in den letzten Jahrzehnten zeigte Redner an einem reichhaltigen Zahlenmaterial. Das Unternehmer- tum habe zum Teil, besonders in der Baubrauche, energische Maß- nahmen ergriffen, um die Lage des Gewerbes in Berlin zu bessern und die Jnleresseuten des Baugewerbes bemühen sich, die Hemm- nisse auf diesem Gebiete zu beseitigen. Redner gab auch eine Ilebersicht von dem Wohnungsmarkt und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Bau von neuen Wohnhäusern einen Aufschwung erleben werde. Wenn dann noch alle Wohnmrgeii, die den unumgänglichen Ansprüchen nicht genügen, ausgemerzt werden, so sei auch damit eine Belebung des Baumarktes zu erhoffen. Was könne sonst noch getan werden? Notstandsarbeiten seien mit vielen llmständlichkeiteu verbunden und kämen für die jetzige Krise nicht iu Betracht, zumal die Arbeiten der Holzarbeiter dabei erst rm späteren Stadium begännen. Dabei komme eS vor, daß die Arbeiten noch außerhalb hergestellt würden, wie es beim Bau des Berliner Osthafeus gewesen sei; allerdings waren es keine Tischler- arbeiten. Das müsse festgenagelt werden. Des weitere» werde die Berliner Verwaltung der Organisation an die Generalversammlung herantreten, damit die Arbeitslosenunterstützung um eine Woche ver- längert wird, wenngleich dieS auch nur ein Notbehelf sei. WaS eine Verbesserung des Arbcitsmarktes betreffe, so sei es nicht immer möglich, die von außerhalb Hinzuziehenden fernzuhalten; man könne hier nur dadurch einwirken, daß man die Berufskollegen draußen aufkläre über die wirklichen Zustände in Berlin. Auch Maßnahmen taktischer Art seien in Aussicht zu nehmen. Petitionen an die Kommunalbehörden sind einzureichen, daß alle Arbeiten Groß-Berlins am Orte, und zwar von hier ansässigen Arbeitern angefertigt werden müssen. Ferner, daß die Unternehmer orlslarif- liche Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuhalten haben. Die Aus- führungen des Referenten gipfelten in folgenden Vorschlägen, die allerdings provisorischen Charakter haben und noch einer besonderen Prüfung unterzogen werden: Die am 22. Februar 19l4 tagende gemeinsame Branchenver« sammlung der Bautischler, Einsetzer, Bodenleger, Jalousieinachcr und Treppengeländerarbeiler beauftragt die Branchenleitung, eine Eingabe an alle Gemeinden Groß-Berlins einzureichen und fol- gende Anträge zu stellen: 1. Alle kommunalen Arbeiten und Lieferungen, die von Tisch« lcreien, Parkett-, Treppengeländer- oder Jalousiefabriken auszu- führen sind, sind nur solchen Firmen zu übertragen, die in einer der Gemeinden Groß-Berlins ihren Betrieb haben. 2. Betriebe im Ortsbezirk sollen nach Möglichkeit bevorzugt werden. 3. Firmen der Holzindustrie, die einen Austrag ausführen wollen, müssen sich verpflichten: -st diese Arbeiten in eigener Werkstatt auszuführen, b) zur Herstellung oder Montierung nicht extra Arbeiter von auswärts heranzuziehen, c) die zwischen den Arbeiterverbänden und Arbeitgeber- organisationen abgeschlossenen Tarifverträge einzuhalten. 4. Bei Submissionen soll die Liste der beteiligten Firmen von der Tarisinstanz der Arbeitgeberverbände des HolzgewerbeS und der Arbeilerverbändc begutachtet werden. In der Diskussion wurden die Angaben des Referenten unter- strichen und besonders kamen Beispiele zutage, in denen Arbeiten auS Groß-Berlin nach außerhalb gegeben wurden. Auch wurde verlangt, daß bei Vergebung der Stellen nur der paritätische Nachweis in Betracht kommt. Auch sollten die Kollegen Kleines Feuilleton. Die Schwiudelannouce. Jedesmal, wenn ich die Annonccnplantagen der großen bür- gerlichen Blätter.überfliege, bekomme ich einen Kater. Einen gottsjämmerlichen Kater. lind jedesmal frage ich mich wieder: ffnd die deutschen«chulen, Volksschule wie höheren Schulen, wirk- lich so über alle Begriffe schlecht, noch schlechter, als ich ohnehin annahm, oder ist die menschliche Dummheit in der Tat so fabelhaft h entwickelt, so unausrottbar verankert, daß nichts sie belehren, nichts sie auf ein erträgliches Maß herabsetzen kann? Auf dem Wege der Annonce werden Heilmittel für sämtliche Gebrechen der Welt, körperliche wie geistige, wirtschaftliche und ideelle, angeboten— zum Preise von 20 Pf. bis 5 M.l Nicht mehr! Und diese Reklamen werden hundertfach im Jahre wiederholt. Die Leute müssen also doch immer wieder Dumme finden. Es ist unbegreiflich. Was müssen das für Hirne sein, die darauf hineinfallen, daß„gegen Einsendung von 30 Pf. in Marken" schwere Krankheiten..radikal beseitigt" werden sollen. Gibt es • denn Menschen, die 3 M. opfern, um sich von einem Meyer m Paris „ihr Schicksal offenbaren zu lassen"? Gibt es das? Und die „Busenmittel", die Mittel gegen„vorzeitige Abnahme der besten Kraft", diese„Anleitungen, um unwiderstehlich im persönlichen Verkehr zu sein"(für 1,30 M. netto!). Am unverschämtesten find die Anpreisungen wirtschaftlicher Aufbesserung.„Nebenverdienst 500 M.l",„Wollen Sie reich wer- den?",„Das Geheimnis des Erfolges". Alles„ohne Vorkenntnisse, ohne Kapital, ohne Arbeit". Ich habe heute eine besonders schöne Sache gefunden. Halb- seitig annonciert! Herr Poehlmann in München versichert, daß jedem„die Welt offen stehe" durch Benutzung seiner„Geistes- schulung". Dieser Poehlmann in München hat das Geheimnis der „richtigen Methode" entdeckt, durch das„Männer wie Fugger, Napoleon, Rothschild. Krupp, Herkomer. Edison, Rockefeller, Carnegie" sich«den Erfolg verschafften". Poehlmann in München will der Welt ihr Glück nicht vorenthalten. Er will sämtlichen Berufen, vom„Apotheker" bis zum„Zollbeamten" den„Erfolg garantieren". Es tut mir leid, daß ich über diese Dinge nicht mehr lachen kann, weil ich im Geiste die hunderte armer Teufel sehe, die ihre Groschen dieser grotesken Spekulation auf die Dummheit in den Rachen werfen. Sollte es wirklich ganz unmöglich fein, auch den einfältigsten Gemütern diese Leitsätze ins Hirn zu hämmern: 1. Jede in allgemeinen Wendungen„Erfolg",„Heilung" oder „Verdienst" versprechende Annonce ist Schwindel. 2. Alle„Heilmittel" und„Schönheitsmittel", die nicht allgc- mein in Apotheken und Drogerien zu kaufen sind, sondern von einer „Spezialadressc" bezogen werden sollen, sind Schwindel. Sie haben durchweg— das ist gerichtlich nachgewiesen— nur den Wert von wenigen Pfennigen. 3. Jede Annonce„mystischer" Art(„Charakterbildung", „Willcnsstärkung",„Weissagung") ist Schwindel. Einen gesetzlichen Schutz gegen diesen idiotischen Betrug gibt es noch immer nicht. Blätter aber, die an diesen Annoncen ver- dienen, machen sich mitschuldig an der Beschwindelung der Acrmstcn im Geist, die nicht selten auch die Aermsten an des Lebens Not- dürft sind._ Ein Nationaldichter, den man nicht feiern darf. Aus Kiew wird uns geschrieben: Die etwa dreißig Millionen zählende kleinrussische Bevölkerung betrachtet den Dichter Schewtschenko, dessen hundertjähriger Todestag jetzt gefeiert wird, als ihren größten Meister. Noch vor wenigen Jahren waren indes seine Dichtungen im russischen Reiche verboten, bis schließlich die neueste Befreiungsbewegung Rußlands auch diese herrlichen Erzeugnisse ans Tageslicht brachte. Seitdem aber die Reaktion absolute Herrschaft er- langt hat, läßt die russische Regielung keine Gelegenheit vorüber- gehen, ohne die Anhänger des kleinrussischen Volkstums zu schikanieren. Als die kleinrussische Bevölkerung sich neuerdings anschickte, den Todestag Schewtschenkos diesmal besonders feierlich zu begehen. begab sich sofort eine Deputation echtrussischer Leute aus Kiew nach Petersburg und richtete an den Minister des Innern das Gesuch, den Kleinrussen die Aufstellung von Denkmälern zu Ehren Schewtschenkos in den Städten Kiew, Jekaterinoslaw und Poltawa zu verbieten. Der Minister des Innern nahm dies Ersuchen mit großer Sympathie entgegen und ließ unverzüglich die Kiewer Stadt- Verwaltung telegraphisch benachrichtigen, daß er weder die Errichtung eines Schewtscheuko-Denkmals noch irgendwelche Jubiläumsfeier- lichkeiten oder Messen zu Ehren des großen Dichters dulden werde. Bemerkt sei, daß der Minister des Innern damit eigenmächtig eine allerhöchste Verordnung aufhebt, laut der den Kiewern die Ge- nehniiguug zur Errichtung eines Schewlschenko-Denkmals gewährt war. Was darf jedoch nicht die Reaktion in Rußland, die schon selbst Sammlungen von Zarenreden inhibiert hat! Geschlechtertrennung in Kinematographeutheatern. In fast allen amerikanischen Städten wird jetzt energisch verlangt, daß in den Kinematographentheatern die Männer von den Frauen gelrennt werden sollen, da das Nebeneinandersitzeu der beiden Geschlechter zu großen llnzuträglichkeiten führe. Vor einiger Zeit wurde festgestellt, daß in Kinematographentheatern verivegene Mädchenräuber die neben ihnen sitzenden jungen Mädchen mir seinen Nadeln, die sie vorher in narkotische Substanzen geraucht hatten, stachen, sich um die Damen, wenn diese die Besinnung verloren hatten, unter dem Vor- geben, daß sie mit ihnen verwandt seien, eifrig bemühten, sie dann auS dem Hause führten und spurlos mit ihnen verschwanden. Diese modernste Abart des Handels mit weißen Sklavinnen hat die amerikanischen Familien in die größte Auftegung versetzt. Andererseits beklagten sich junge Mädchen und Frauen, daß sie in dem verdunkelten Theater voir unbekannten Männern, die neben ihnen saßen, in unzüchtiger Weise berührt und geküßt worden seien. Aus diesem Grunde haben sich bereits viele Familienväter veranlaßt gesehen, ihren Töchtern den Besuch der Kinematographen- theater ganz zu untersagen. Das alles hat die Stadt Pittsburg bewogen, in den Kinematographentheatern die strenge Trennung der Geschlechter durchzuführen; die Behörden haben den Kinobesitzern anbefohlen, binnen einer Woche ihre Theater so einzurichten, daß der Zuschauerraum in drei Abteilungen geteilt werden kann: eine für die Männer, eine für die Frauen und eine dritte für die Männer, die in Begleitung zu ihnen gehörender Damen erscheinen. Notize«. — D i e Meistersinger-Festwiese, die in der Ruf« führung im Deutschen Opernhause in, dritten Akt der Meistersinger durch ihre ungeheueren Dimensionen imponierte, zeigte zum ersten Male die ganze mächtige Größe der Charlottenburger Oper. Die Himmelkuppel war bis zur Hinterwand zurückgefahren und schloß mit dem Prospekt auf dem Nürnberger Burgberg die Szene ab, die groß genug ist, um nicht weniger als 450 Personen Raum zu geben. — Haeckels Selbstbiographie. Haeckel arbeitet se»t fünf Jahren an einer Geschichte seines Lebens. Es wird die Briese einer großen Zahl der berühmtesten Gelehrten der letzten Jahrzehnte enthalten. Da der zu verarbeitende Stoff ungemein reichhaltig ist, so wird das Werk erst nach einigen Jahren erscheinen können. — Kants Grab. So wenig wie Schiller scheint Kant Ruhe im Grabe beschieden zu sein. Gegen die Ueberführung seiner Gebeine auS der baufälligen Grabstätte in den Dom erhebt jetzt die Kant-Gesellschaft Einspruch. Sie wünscht, daß was von ihm sterb- lich ist, in dem bisherigen Grab verbleibe(das dann würdig umzugestalten wäre) oder in einen neuen nionumentalen Bau über- führt würde. Daß Kant nicht in eine landeskirchliche Anstalt komme, damit kann mau einverstanden sein. — Eine Südpolexpedition Pearh S. Kapitän Psarh, der Entdecker des Nordpols, betreibt eifrig die Vorbereitungen zur weiteren Erforschung der Südpolargegenden. Peary äußerte sich einem Journalisten gegenüber, däß noch fast das ganze unter englischem Einfluß stehende Gebiet in der Gegend des Wedels« Landes unerforscht sei und daß eine Expedition überraschende Resultate ergeben würde. — Die nach st e vollständige Sonnenfinsternis wird am 21. August dieses Jahres statlsinden. Die Totalitätszone, also der Gürtel, innerhalb dessen die Finsternis von der Erdobec- fläche aus als vollständig gesehen werden kann, ist jetzt genau be- rechnet worden. Sie hat eine Breite von etwa 150 Kilometer und nimmt ihren Verlauf von den Arktischen Inseln Nordamerikas, dann durch Grönland, Norwegen und Schweden, Rußland bis zur Krim, Kleinasien und Persien, um in der nordindischen Ebene zu enden. Der beste Platz zur Beobachtung wird in Rußland zu wählen sein, und zwar in der Gegend östlich von Wilna, wo die Dauer der vollständigen Verfinsterung die verhältnismäßig lange Frist vo« 2 Minuten 14 Sekunden haü auf die Ärt der AuZfübrunft und deZ Materials achten und somit der Schundarbeit entgegenwirken. Die Vorschläge fanden einstimmige Annahme, desgleichen nach- stehender Antrag: „Der Verbandstag soll Vorstand und Gauvorstände beauf- tragen, das; sie der Besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in kleinen Orlen und rückständigen Jndustriebezirken ihr besonderes Augenmerk widmen, sowie Lohnbewegungen solcher Zahlstellen vor allen anderen bevorzugen."_ Deutsches Neich. Gelb sein, das ist ein Geschäft! Au unserem Artikel„Eine neue Blüte am gelben Giftbaum" in unserer Sonntagsnummer sind die Mitteilungen in Nummer 20 des in Hamburg erscheinenden gelben„Hafencirbeiter" eine treffliche Illustration. Die gelben Herrschaften schimpfen aufeinander, weil einer dem anderen die Kundschaft fortniinmt. Im„Verband nationaler HandwerkSgehilfen und Arbeiter" hat nach dem gelben „Hafenarbeiter" im Auftrage der Staatsanwaltschaft ein beeidigter Bücherrevisor die Bücher geprüft. Er soll nichts Strafwürdiges'ge- fanden haben. Trotzdem soll aber nicht alles stimmen. Gegen den Bücherrevisor wird in diesem Zusammenhang eine schwere Ver- dächtigung ausgesprochen. Neber den Bettel für die Bescherung der Arbeitslosen zu Weihnachten wird mitgeteilt: „Es gingen 60 Säcke zu 10 Pfd. von einer Firma in Wilhelmsburg ein. Bei der Verteilung erhielten: Der Nachweis- Verwalter Herr W. 8 Sack, dessen Bruder, NichtMitglied, 3 Sack, Herr G o I d t(der Vorsitzende) 2 Sack, Herr Benitz ider zweite Vorsitzende) 3 Sack, die Scheuerfrau 2 Sack, 1(ein) Arbeits- loser 2 Sack, zusammen 2ö Sack. Der Nest von 35 Säckchen muß unbedingt faul geworden sein, denn sie waren verschwunden, ein Nachweis über den Verbleib fehlt. Die Morlangsche und auch die englische CakeSfabrik wollten in liebevoller Absicht den natio- nalen Arbeitslosen ebenfalls eine Weihnachtsgabe zukommen lassen, zu welchem Zweck sie den Obermachern in der Lindenstratze zu- sammen 50 Pfund Cakes behufS Verteilung überwiesen. Der schon genannte Beamte W. erhielt zirka 5 Pfund, während Goldt und Benitz nebst Familie, da gerade Geldmangel bei ihnen war, zwei Tage nur von Eakes lebten, vielleicht solche sogar verkauften, denn auch diese Gaben waren verschwunden, als sie zur Verteilung kommen sollten. Dasselbe Schicksal ist über den Eingang einer Kiste Zucker zu berichten." In dem Artikel wird dann weiter auseinandergesetzt, wie den Arbeitgebern mit Tclephongesprächen und geschwollenen Redensarten vom Kampf gegen die Sozialdemokratie da? Geld abgelockt wird. Wenn solche Konkurrenten sich schimpfen, erfahren die ehrlichen Leute die Wahrheit. Den Hamburger Scharfmachern ist eS zu gönnen, daß sie sich(auch jetzt noch) von der Gesellschaft rupfen lassen._ Tie Anerkennungsschreiben des Streikbrecher- lieferante». Bei dem Bemühen, neue Kundschaft für Streitbrecherlieferungen zu erwetbcn, legen die Herren Streikbrechervermittler Ancrkennungs- schreiben der Unternehmer vor, worin ihnen die Vorzüglichkeit der von ihnen gelieferten Waren attestiert wird. Welchen Wert diese Airerkennungsschreiben in Wirklichkeit haben, sei hier an einem konkreten Fall dargetan. Eine Firma Lindenberg paradiert mit einem Anerkennungsschreibeir der Hessischen Aktien- brauerei Kassel. Dieses Zeugnis, das am 20. Juni 1913 aus- gestellt ist, lautet nämlich: „Aus Veranlassung eines Streiks unseres gesamten Personals bekommen wir durch die Firma Lindenberg u. Mayer in Wandsbek 49 Leute, mit denen wir den Betrieb 3 Tage lang, vom 15. bis 2l. Juni, bis zur Beilegung der Differenzen aufrecht erhielten. Wir waren mit der Führrmg und Arbeit der Leute sowie mit der Astssrcht und den Dispositionen der Kontrolle aufs beste zufrieden und sprechen der Firma gern unsere vollste Anerkennung für die glatte Abwickelung der Angelegenheit aus. Hessische Aktienbrauerei Kassel." Dagegeir höre man, was der Direktor und der Braumeister des Betriebes nach Beendigung des Streiks über die Arbeitswilligen und ihre Leistungen zu sagen hatten. Der Braumeister Rose schilderte die Hintzebrüder wie folgt: „Um>/z£) Uhr morgen? kann ich nicht mehr garantieren, daß fie noch nüchtern find." Und der Direktor Doornkaat hatte folgendes festzustellen: „Wo diese Leute gehaust haben, kann man es keinem anderen Arbeiter zumuten hinzugehen, ohne daß vorher gereinigt wird." Dazu ist noch zu sagen, daß die Hintzebrüder die Schränke er- brachen und die Kleidungsstücke der Streikenden hatten mitgehen heiße», wovon die Betriebsleitung auch Kenntnis erhielt. Und trotzdem dieses„Anerkennungsschreiben?" Es scheint, als ob es von der Schadenfreude diktiert ist, damit andere Betriebe auch darauf hineinfallen sollen. frisUmö. Neuerlicher Streik der Brüsseler Chauffeure. Man meldet uns aus Brüssel: Die Chauffeure der Brüsseler Mietautogesellschaft sind neuerdings in den Streik getrete». Die Gesellschaft hat sich in letzter Zeil nicht mehr an die anläßlich des JanuarausstandeS gemachten Zugeständnisse gehalten und wiederholt ungerechtfertigte Abzüge gemacht und auch unmotivierte Entlassungen vorgenommen. Die Entlassenen wurden überreichlich ersetzt und den Neuan- gestellten zudem verboten, dem Syndikat der Chauffeure beizutreten. Aus alledem war ersichtlich, daß die Gesellschaft sich ein neues, „sicheres" Personal rekrutieren wollte, um allmählich wieder den alten Zuständen Eingang zu verschaffen und alle im letzten Streik errungenen Zugeständnisse rückgängig zu machen.- Die Chauffeure sind der Gesellschaft zuvorgekommen und haben ihr gestern ihre Forderungen unterbreitet. Da diese unter anderen Anerkennung des Syndikats, achttägige Kündigungsfrist, Bezahlung für Zeilversäumnis, Einberufung eines Schiedsgerichts— abgelehnt wurden, hat die Versammlung der Chauffeure den Aus- stand beschlossen. Eine neuerliche Versammlung, die Sonnabend- abend iin Volkshause stattfand, beschloß, im Streik zu verharren und alle Maßnahmen für die Weitersübrung zu treffen. Der eben begonnene Karneval mit den großen Opernbällen, dem demnächst stattfindenden Hofball schafft für die Streikenden keine ungünstige Konjunktur. Morgen wird sich wohl der Gemeinderot mit der Sach- läge beschäftigen, da die betreffende Gesellschaft mit der Stadt im VertragSverhältniZ steht._ Ms öer Frauenbewegung. Eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen im Regierungsbezirk Potsdam tagte am Sonntag in den„Ger- maniasälcn" in Berlin. Außer der Frage:„Wie gewinnen wir die Frauen für die politische Organisation und wie schulen wir sie zu tätigen Klassenkämpferinnen?" wurden auch die agitatorischen Matz- nahmen für den Frauentag und die„Rote Wo ch e" erörtert. Aus letzterem Anlaß nahmen an der Konferenz auch männliche Vertreter der Kreisorganisationen und der einzelnen Ortsvereine teil. Anwesend waren 100 Genossinnen und Genossen. Eingeleitet wnrde die Konferenz mit einer Sympathieerklärung für die Ge- nossin Rosa Luxemburg. In einem instruktiven Referat gab dann Gen. Wels- Berlin ein Biid von der Organisation der „Roten Woche" und eine Anzahl Ratschläge und Winke für den er- folgreicken Ausgang dieser Parteiaktion. Er forderte auf, überall zu begeisterter Mitarbeit anzuspornen und legte besonderes Gewicht darauf, daß hei dieser großzügigen Agitation O u a l i t ä t S- arbeit geleistet werde, was um so dringender erscheine, als die Gegner mit dem Plane umgehe», der„Roten Woche" eine schwarz- weitz-rote Woche entgegenzusetzen. Das Referat über die Frauenagitation hielt die Genossin Luise Ziey vom Parteivorstand. Ihre Ausführungen waren ausschließlich der praktischen Agitationsarbeit gewidmet. Kurz aus die soziale Notwendigkeit der Betätigung der Frau am politischen Leben ver- weisend, erläuterte die Nednerin unter Anführung erlebter Bei- spiele die zweckmäßigsten Agitationsmethoden, die Mittel und Wege zur politischen Schulung der organisierten Frauen und das Er- fordernis der Mitarbeit der geschulten Frauen bei allgemeinen und bei Wahlagitationen der Partei. Im besonderen sprach Genossin Zietz über den Frauentag am 3. März, der eine anfeuernde Einleitung der„Roten Woche" werden müsse. In der D i s- k u s s i o n, an der sich vornehmlich Frauen beteiligten, wurden Er- fahrungen ausgetauscht, neue Anregungen und dem Bewußtsein all- gemein Ausdruck gegeben, daß die Konferenz für den Erfolg des Frauentags und der Roten Woche von großer Nützlichkeit ge- wesen sei. Soziales. Das Arbeitsrecht. Im Vergleich mit der Regelung rein vermögensrechtlicher Be- Ziehungen bietet das Arbeitsrecht in Deutschlano das Bild einer tollen, fast unübersehbaren Buntscheckigkeit. Zerrissen die Grund- läge, regellos daS System, lückenhaft der Aufbau, von empörender Ungerechtigkeit und Rückständigkeit in seiner Durchführung, ist das Arbeitsrecht ein Muster der UnVollkommenheit und Unkultur. Reichsrecht und Landrecht wirbeln da oft durcheinander, kreuzen und widersprechen sich; die den Arbeitern feindlichste Auslegung findet Anwendung. Die Reichsgewerbeordnung und das Bürgerliche Ge- setzbuch werden in ihren Bestimmungen, die auf das Arbeitsver- hältnis angewendet werden können, für Bergarbeiter, Staats- arbeiter und das Gesinde durch Landesgesetze fast völlig wieder aufgehoben. Das gleiche gilt für die Angestellten in diesen Berufs- gruppen. Ausführungsbestimmungen der Regierungen und Polizei- Verordnungen greifen in die Gesetze ein und korrigieren sich oft gegen den Willen des Gesetzgebers und im antisozialen Geiste. Der Staat, der Hüter der Gesetze, pfeift als Arbeitgeber auf das Bürger- liche Gesetzbuch und die Reichs-Gewerbeordnung. Die wichtigsten Beziehungen zwischen sich und den von ihm Beschäftigten diktiert er durch Verordnungen. Der Staat ersetzt Rechte durch Befehle zum Gehorsam. Wem's nicht patzt, kann gehen I Einfache Sache. Der Privatunternehmer eifert der absolutistischen Praxis des Staats nach. Durch Dienstverträge macht er Rechtswohltaten und politische Staatsbürgerrechte für Arbeiter und Angestellte unwirksam. Wem's nicht paßt, der bleibe draußen I So pfeift's der private Ausbeuter dem Vater Staate nach. Für wichtige Vorgänge und Verhältnisse, wie z. B. für den Akkordvertrag, fehlt überhaupt noch die rechtliche Regelung. Zerrissen, schwankend, unzulänglich wie die Rechts. grundlage ist auch die Gerichtsbarkeit. Ein Arbeiter oder Ange- stellter kann in Ausübung seines Berufes bald der Gewerbeord- nung und dem Bürgerlichen Gesetzbuch oder diesem und dem Handelsgesetzbuch und dem Handluiigsgehilfenrccht unterstehen, bald Landesgesetzen unterworfen sein und zur Abwechselung auch mal jeder Rechtsgrundlage entbehren. Ein Schlosser, heute in einer Maschinenfabrik beschäftigt, genießt die Recbtsgrundsätze der Ge- werbcordnung, morgen in gleicher Eigenschaft in einem landwirt- schaftlichen Betrieb tätig, gilt die Gewerbeordnung für ihn nicht, er muß eventuell auf dem ordentlichen Rechtsweg Differenzen aus dem Arbeitsverhältnis ausklagen, med wenn er übermorgen in einer Militärwerkstätte Beschäftigung findet, dann hat formell zwar das Bürgerliche Gesetzbuch Gültigkeit für ihn, aber der Staat entzog ihm den Rechtsboden durch Verordnungen. Disziplin anstatt Rechtsverhältnis! � Von dem hier nur in einigen«trichen umrissenen Elend des Arbeitsrechts ausgehend, forderte Dr. Hugo Sinzheimer auf dem Verbandstag der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte ein einheitliches Arbeitsrecht. In anderer Form und Beleuchtung hat er seine Vor- schlüge nun in einer soeben im Verlage von Franz Bahlen, Berlin, erschienenen Schrift") niedergelegt. In ihren Grundzügcn decken sie sich mit den Forderungen der Sozialdemokratie, in den Motiven allerdings nicht. DaZ berührt natürlich unsere sachliche Stellung zu der Frage nicht. Ueber Einzelheiten sich auseinanderzusetzen, hat keinen Zweck, dazu reichen die meiste» Vorschläge auch nicht aus. Sinzheimer denkt sich die Sache so: Ans der Grundlage eines Reichsgesetzes wird ein einheitliches Arbeitsrecht geschaffen, das die Grund- und Minimalforderungen für jeden Arbeiter und Auge- stellten sicherstellt. Es soll dafür gesorgt werden,„daß das Arbeits- recht in allen seinen Teilen mindestens dasjenige Kulturniveau einhält, welches unserer heutigen Kultur- und Moralanschauung entspricht." Außer Bestimmungen über Arbeitszeit, Kündigung, Entlassung soll e» solche enthalte», die jeden Eingriff in die Frei- heitssphäre des arbeitenden Menschen ausschließen.„Die Freiheit vor dem Arbeitsvertrag bedeutet die Freiheit eines jeden arbeitenden Menschen, sich außerhalb des Arbeitsvertrags in allen Beziehungen selbst bestimmen zu dürfen." Das bedeutet auch die Sicherstellung des Koalitionsrechts. Das Arbeitsrecht ist zwingend und umfaßt alle Arbeiter und Angestellte, also auch die in Staatsbetrieben bc- schäftigten, ferner die Landarbeiter und da» Gesinde. Landesgesetze verlieren ihre Gültigkeit. Von der gemeinsamen Grundlage soll sich ein besonderes Arbeiter- und ein Angestelltenrecht abzweigen. Als lokale Träger des Arbeitsrechts sind Ärbeitskammern gedacht, die in einem Reichsarbeitsamt gipfeln. Diese Einrichtung soll als „paritätische Rechtsverwaltung" die Aufgabe im Arbeitsrecht über- nehmen, die heute oft schlecht und nicht recht durch BundcSratsver- ordnungen, Regierungsanweisungcn und Vorschriften der Polizei- behörden gelöst wird. Im Tarifvertrag findet Sinzheimer das Instrument, in dem durch Verknüpfung der Grundrechte mit den besonderen Bestimmungen, die sich den in Frage kommenden Bc- dürfnissen der einzelnen Berufe und anderen bestimmenden Um- ständen anpassen, die Regelung der Arbeitsverhältnisse für den prak- tischen Gebrauch erfolgt. Gestalter des Tarifvertrags müßten vor- wiegend die Berufsvereine sein. Sie sind Vertreter der vertrag- schließenden Kontrahenten. Der Verfasser will auch die Arbeiter- ausschüsse als Faktoren bei der Gestaltung des Tarifvertrags be- rücksichtigt wissen. Scharf stellt er die Notwendigkeit des Rechts- schütze» für die Arbeiter und Angestellten heraus und die Unerläß- lichkeit ihrer Mitwirkung dabei.„Wenn wir an die Konkurrenz- klauseln, die offenen und geheimen, an die schwarzen Listen, die Aechtung organisierter Arbeiter denken, müssen wir von neuem die Freiheit des Arbeitsvertrags, die Sicherstellung des Rechts, überall und jederzeit arbeiten zu können, fordern— nicht als eine politische Forderung dem Staate, sondern als soziale Forderung den Herr- schaftlichcn, gesellschaftlichen Gewalten im Staate gegenüber. Die Freiheit im Arbeitsvertrag wird, wenn wir von dem nötigen Schutz des Lebens, der Gesundheit und Sittlichkeit absehen, gewahrt durch die Zulassung lebendiger Mitwirkung des Arbeitenden an der Ge- staltung der Lohn-, Arbeits- und Anstellungsbcdingnngcn. Die rechtliche Form für solche Mitwirkung bietet sich in den Arbeiter- ausschüssen und in der Anerkennung der Berufsvereine dar." Die selbstverständliche Voraussetzung wäre natürlich ein wirklich freies, auf alle Arbeiter und Angestellte ausgedehntes, vor jedem erfolg- reichen Angriff geschütztes Koalitionsrecht. Dieser sozialdemokra- tischen Forderung haben bisher noch alle bürgerlichen Parteien mehr oder minder Widerstand geleistet. Die Schrift Sinzheimers leistet dem sozialen Gedanken einen sehr großen Dienst, wenn sie diesen Widerstand überwindet. Auch mit seiner übrigen Forderung wird •) Ueber den Grundgedanken und die Möglichkeit eines ein- heitlichen Arbeitsrechts für Teutschland. Von Dr. Hugo«in;- heimer. Schriften des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kauf- mannsgerichte. Heft 1. Berlin 1914. Verlag Franz Bahlen, Berlm. 48 S., Preis 1 M. er wenig Gegenliebe finden. Man könnte fic nun als Prüfsteiw bei den christlichen Gewerkschaften benutzen. Sie wollen doch angcb- lich die soziale Frage nach bürgerlichen Rezepten lösen. Wie stellen sie sich zu den Vorschlägen Sinzheimers? Und vor allem: wird man in dieser Frage das Zentrum zu einer Wahrnehinung wichtiger Arbeiterintereffen zwingen—'oder sich dauernd mit dem Gezänk über die Gewerkschaftsenzyklika abhalten lassen? In Konsequenz der Forderung des einheitlichen Arbeitsrechts verlangt Sinzheimer auch für Landarbeiter, Gesinde, Staats» arbeiter sowie alle Angestelltengruppcn„Arbeitsgerichte" nach der Art der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte;.. nicht nur, um eine offenbar dringende Forderung der Gerechtigkeit zu erfüllen, die unter den gleichen Voraussetzungen einem Teil von Arbeitern und Angestellten das nicht versagen darf, was sie unter denselben Vor- aussctzungen anderen Gruppen dieser Schichten gegeben hat, sondern wir wollen es auch deswegen, weil wir durch eine allgemeine Ein» richtung solcher Vertrauensgerichte die Gesetzgebung von über- flüssiger Kasuistik und Aengstlichkeit befreien können, die sich gerade da einzustellen pflegen, wo das Mißtrauen Grenzen für einen mög- lichcn Mißbrauch zu ziehen sucht". Tie Zweckdicnlichkeit der Ge» Werbegerichte ist sti längst allgemein anerkannt. Die Schrift Sinzheimers dürfte zur Popularifierung der Forderung einer gründlichen Reform des Arbeitsrechtes sicherlich viel beitragen._ Der Kampf um die Revision des schweizerischen Fabrikgesetzes. Der Ständerat ist im Begriffe, die paar Verbesserungen, die in hartem Kampfe unsere Genossen im Nationalrat an der Vorlage für die Revision des Fabrikgesetzes erreichten, wieder zu beseitigen. Seine Kommission hat nämlich folgende Verschlechterungen bc- schlössen: Herabsetzung des Alters der Mädchen für den Eintritt in die Fabrik von 15 aus 14 Jahre; Verkürzung der Schutzzeit für Wöchnerinnen von 8 auf 6 Wochen; Streichung des Verbots, von „Wohlsahrtseinrichtungen" in den Fabriken während der Arbeits- zeit an die Arbeiter alkoholische Getränke verkaufen zu lassen; Zu- lassung von jugendlichen Arbeitern im Alter von 16 bis 18 Jahren zur Nachtarbeit; Anmeldung der Fabrikinspektoren vor Beginn der Betriebsrevision im Fabrtkbureau und endlich Verlängerung des Uebergangsstadiums für die Abschaffung der 19>-stündigcn täglichen Arbeitszeit von 7 auf 10 Jahre. Es steht zu befürchten, daß das Plenum des Städerats diesen Verschlechterungsbeschlüssen seiner Kommission zustimmt. Das ständerätliche Greisenasyl, das fiir die Schweiz das fünfte Rad am Wagen und schon längst reis zur Abschaffung ist, würde damit be- weffen, daß es zwar nicht mehr die Kraft besitzt, eine gute positive Tat zu vollbringen, aber immer noch dazu fähig ist, einen be- scheidenen Fortschritt zu vereiteln und den kapitalistischen Scharf- machern, die am liebsten die ganze fortschrittliche Revision deS Fabrikgesetzes vereiteln möchten, einen vollen Triumpf zu bereiten. Ein gut Teil Schuld an dem Aufstieg der reaktionären Richtung in der Schweiz trägt der Stillstand und Rückschritt der Sozialrcform in Deutschland._ Gerichtszeitung. DaS gerichtliche Nachspiel zum Diebstahl der Steiger- vcrbanoslistc. Der von der Essener politischen Polizei dem Zechen- verbände erwiesene Liebesdienst, bestehend in der mittels Dieb- stahls erlangten und an den Geschäftssührer des Zechen- Verbandes ausgelieferten Mitgliederliste des Steigerverbandes hat auch ein Nachspiel vor den Zivilgerichtcn. Wie s. Z. berichtet, hat der Steigerverband einen großen Mitglieder- Verlust erlitten, als der Zechenverband auf Grund der ihm von der Essener Polizei ausgehändigten Mitgliederliste auf der ganzen Linie vorging, indem von den Zechenverwaltungen bei Strafe der Entlassung der sofortige Ausritt aus dem Stcigerverbande verlangt wurde. Den Anspruch auf Ersatz des dadurch entstandenen Schadens hat der Vorstand des Steigcrverbandes durch Zession dem Redakteur S ch o r e ck übertragen, und dieser klagte den Betrag durch eine gegen den Staatsfiskus und-den Zcchenverband gerichtete Klage beim Landgericht Essen ein. Dieses wies die Klage unter Ablehnung aller Beweisanträge ab, weil dem Vorstande die Aktivlegitimation mangele. Der Mangel wurde seitens der Beklagten durch die Behauptung konstruiert, daß die Vertrauensmänner, die nach dem Statut den Vorstand zu wählen hatten, nicht von der Generalversammlung gewählt seien. In Wirklichkeit haben die Vertrauensmänner ihr Mandat von den Mitgliedern der einzelnen Schachtanlagcn. Das Oberlandcsgericht Hamm hat nun auf erhobene Berufung dem Antrage des Klägers entsprechend einen um- fangreichen Bewcisbcschluß gefaßt. Es wird der Geschäftsführer des Zechenverbandes, Bergassessor Kratz, darüber vernommen werden, ob er den Polizeiassessor Hans ch beauftragt habe, ihm dieListe des Steigerverbandes zu verschaffen; der Assessor Hansch darüber, ob er mit den ihm unterstellten Kriminalschutzleutcn beraten hat, daß zur Erlangung der Namen der Mitglieder des Steigerverbandes durch Bestechung von Postbeamten und Angestellten der Druckerei, in der das Verbandsorgan hergestellt lvurde, ermittelt werden sollten. Ferner soll Bciveis über die Beziehungen der Polizei zu dem Einbruch des Spitzels Wilhelm Beyer, der die Liste gestohlen hat, erfolgen- Weiter darüber, ob der Zechenverband zur Er-$ reichung der Liste fortlaufend Subventionen an die Essener Polizeidcrektion gezahlt hat, u. a. m. Da die in Frage kommenden Tatsachen im wesentlichen schon in jenem Strafprozeß gegen das Bochumer„Volks- b l a t t" wegen Beleidigung der Postbeamten erwiesen sind und der Einwand der mangelnden Aktivlegitimation hinfällig ist, so dürste die Sache in ihrem Fortgang sich sehr interessant gestalten.___ Ist die Wirtschafterin Galle ermordet? Das geheimnisvolle Verschwinden der Wirtschafterin Gertrud Galle gibt noch immer zu umfangreichen Ermittlungen Anlaß. Diese werden von der Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. O. ge- führt, da die Behörde als Ort der Tat, an welchem die G. er- mordet sein soll, den Wald in der Nähe der Ortschaft Trebus bei Fürstcnwalde annimmt. Als des Mordes an der Galle dringend verdächtig, erscheint nach wie vor der ani 26. April 1867 in Gentschow geborene Mon- teur und Händler Hermann Friedrich Henk, der kürzlich von der 2. Strafkammer des Landgerichts II wegen zählreicher Betrüge- reien und Fälschungen zu 16 Jahrer. Zuchthaus verurteilt worden war. Henk hatte gegen dieses Urteil Revision eingelegt, die jetzt das Reichsgericht in Leipzig bcjchäftigt. Die UniersuchungZbehörde nimmt an, dem Henk sei eine der- arnge Tat Wohl zuzutrauen. Er ist wegen zahlreicher gemeingc- fährlicher Verbrechen borbestraft, darunter mit 1 Jahr 7 Monaten, 1 Jahr 3 Monaten und im Jahre 1904 mit 8 Jahren Zuchthaus. Als er im Jahre 1912 aus dem Zuchthause entlassen worden war, verschaffte er sich seinen Lebensunterhalt durch eine Reihe von Heiratsschwindeleien. Ende Juli vorigen Jahres lernte er durch die Heiratsvermittlerin Marie Lange die Wirtschafterin Gertrud Galle kennen, der er erzählte, er sei als Werkmeister bei der Firma Siemens& HalSke angeft-llt und besitze in Anklam-Eichc— einem, wie sich ergab, garnicht existierenden Ort— ein Hans. Am nächsten Tage unternahmen beide einen Ausflug nach Fürsten« waldc, da Henk der G. sein Grundstück in Anklam-Eiche, welches angeblich an der Chaussee Fürstenwalde-TrebuS liegen sollte, zeigen htoffie. 5on diesem AuSslug ist die Galle nicht mefir zurückgekehrt und alle Nachforschungen sind bisher erfolglos geblieben. Sehr ausfällig ist es, daß Henke sich im Besitz des Sparkassenbuches der <$. befand und sofort am Tage nach dem Verschwinden der G. mit Hilfe gefälschter Briefe und Telegramme versucht hatte, von der Sparkasse in Krassen das Guchaben der G. ausgezahlt zu erhalten. Hierdurch wurde der Schwager der G., der Feldwebel Schmidt in Krassen, aufmerksam, der dann die Verhaftung des Henk durch die Berliner Kriminalpolizei veranlahte. Das gegen H. eingeleitete Verfahren wegen Mordes hat inso- sern mit der Dabendorfer Mordaffäre eine gewisse Aehnlichkeit, da es auch in jenem Falle lange Zeit nicht möglich gewesen war, die Leiche des Opfers aufzufinden. Um die Leiche der Galle auszu- finden, war von Fischern der Trebuser See abgefischt worden, 'ferner sind von Forstatbeiiern und Soldaten im Auftrage der Be- Hörde große Teile des Waldes bei Trebus umgegraben worden, jedoch ebenfalls ohne Erfolg. Henk, der sich zurzeit noch in dem Moabiter Untersuchungsgefäng- nis befindet, hatte schon in dem Termin vor der Strafkammer bc- hauptet, dag die Galle noch am Leben sei und sich nur aus ver- schiÄdenen Gründen in Rußland verborgen halte. Er behauptet, daß die G. mit einem Filzschühreisenden Karl Darge nach Rüg- land gefahren sei, nähere Auskunst könne der Schwager des D-, ein gewisser Baltuweit, der in Riga ein Zigarrengeschäft betreibe, geben. Die Strafkammer ha.te diesen Antrag als nur zur Verschlep- pung geignet seinerzeit abgelehnt. Da auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach dieser Richtung bis jetzt ohne Erfolg ge- blieben sind, so hat der Rechtsanwalt Dr. Harry Pincus als Verteidiger des Henk auf eigene Faust in Riga Ermittlungen anstellen lassen; ebenso soll versucht werden, durch einen Aufruf in den ge- lefenstcn russischen Zeitungen Spuren von dem Verbleib der Ger- trud Galle zu entdecken. Dem Vernehmen nach, sollen sich bereits Zeugen gefunden haben, welche die Galle auch nach dem Tage ihres Berschwindcns in Berlin gesehen haben wollen. Andererseits ha- bc» aber die von dein Untersuchungsrichter, Landrichter Kittel in Frankfurt a. O., geführten Ermittelungen keinerlei Tatsachen er- geben, aus denen der Schluß gezogen werden könnte, daß die Galle ein Interesse daran habe, ihren Aufenthaltsort zu verheimlichen. Nach Eintritt der wärmeren Witterung soll nochmals der Ver- such gemacht werden, mit erwa 40 Polizeihunden die ganze Um- gebung von Fürstenwalde abzusuchen, in der Hoffnung, daß von den Hunden eine in dem vom Regen aufgelockerten Erdreich ver- grabene Leiche leichter aufgefunden werden würde. Zur Freisprechung des Grafen von Mielczynski. Der gegen den früheren Abgeordneten Grafen Mielczynski er- folgte Freispruch ist auf Grund einer unter Ausschluß der Oeffent- lichteit geführten Verhandlung erfolgt. Die Gründe für die Frei- fprcchung dürften nach den uns aus zuverlässiger Quelle gewor- denen Mitteilungen begreiflich sein. Danach hat ein Sachverstän- digcr die Zurechnungsfähigkeit des Grafen zur Zeit der Tat bejaht, Miei andere sie in Zweifel gezogen. Eine Reihe von Momenten spricht dafür, daß die Geschworenen diesen mit Recht bei der Be- nrteilung der Tat gefolgt sind. Die uns mitgeteilten Einzelheiten haben ein öffentliches Interesse nicht. Versammlungen. Die Industriearbeiter(Sektion V des Deutschen Transport- arbeitervcrbandcs) hielten am Sonntag ihre Jahresversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung kennzeichnete der Sektions- leiter F r o m k e unter Zustimmung der Versammlung das unge- hcuerliche Gerichtsurteil gegen die Genossin Luxemburg. Hierauf erstattete Fr om k e den Jahresbericht der Sektion, aus dem wir folgendes anführen: Trotz Krise und großer Arbeitslosig- keit war es der Sektion möglich, etwas für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kollegen zu erreichen, wenn auch nicht in dem Umfange wie im Jahre 1912. Es wurden 24 Lohn- bewegungen mit 1257 Beteiligten(darunter 1168 Mitglieder) ge- führt. Diese Bewegungen waren alle von Erfolg begleitet und brachten Lohnerhöhungen von Ws bis 4 Pf. pro Stunde, in einem Falle 1,05 M. wöchentlich. In drei Betrieben hatten die Lohiibcwc- gungen keinen Erfolg. Der Erfolg der 24 Lohnbewegungen ist befriedigend, aber ihre Zahl ist nur gering, was sich aus der schlechten, für Lohnbewegungen nicht aussichtsvollen Konjunktur erklärt.— Die Mikgliedcrzahl der Sektion ist von Anfang bis Schluß des Jahres von 7023 auf 7612 gestiegen. Die Zunahme beträgt 290 Mitglieder oder 8,02 Proz. Da im Laufe des Jahres 2181 Neu- aufnahmen gemacht wurden, so stich also nur 22 Proz. der Neu- aufgenommenen dem Verbände verblieben. Etwa 16 000 in den be- treffenden Industrien beschäftigte Arbeiter kommen für die Sektion der Industriearbeiter in Frage, es sind also noch etwa 60 Proz. für die Organisation zu gewinnen, was mit aller Kraft angestrebt werden muß. Die geschäftliche und agitatorische Tätig- keit der Sektion wird dadurch gekennzeichnet, daß sie während des Jahres 1062 Sitzungen und Versammlungen abhielt. Die Sektion hat 446 Vertrauensmänner, für deren Ausbildung der Verband seit Jahren besondere Kurse abhält. Im vergangenen Jahre haben III Vertrauensmänner an den Kursen teilgenommen.— Die Rechtsauskunftsstelle in der Wohnung des Sektionsleitcrs wurde in 473 Fällen in Anspruch genommen.— Der vorliegende Kassenbericht für das zweite Halbjahr 1913 zeigt einschließlich des alten Bestandes eine Einnahme von 3131,34 M., eine Ausgabe von 1880,62 M. und einen Bestand von 1250,69 M. Die Versammlung wählte die bisherige Sektionsleitung sowie die Revisoren einstimmig und ohne daß andere Kandidaten vorgc- schlagen wurden, wieder. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum bevorstehenden Vcrbandstage und stimmte einem Antrage aus Mitglicderkreisen zu, welcher eine Statutenänderung in dem Sinne verlangt, daß für einen Streikbeschluß nicht%, sondern% der im Betriebe Bcschäf- tigten erforderlich sein sollen.— Schließlich wurde noch eine Vor- schlagsliste für die Delegiertenwahl aufgestellt. Die Seifcnarbcitrr Berlins, die zum Fabrikarbeiterverband gehören, hatten sich am Sonntag bei Merkowski in der Andreas- straße versammell, um zunächst einen Vortrag über„Der Kampf um das Koalitionsrecht" entgegen zu nehmen. Die Ausführungen des Referenten W. R e i m a u n wurden von den Versammelten beifällig aufgenommen.— Den Jahresbericht erstattete der Braiichenleiter Karl Poch. Derselbe führte einleitend aus, daß die Seifenarbeiter Berlins in doppelter Weise den Kampf ums Koalitionsrecht zu führen haben. Die Seifenfabrikanten scheuen vor keinem Mittel, um die Seifenarbeiter von der Organisation fernzuhalten. An erster Stelle steht dabei die Firma Rud. Herr- mann. Zossener Straße. Jeder Arbeiter, von dem man weiß, daß er dem Verband angehört, wird von dem frommen Firmenleiter sofort entlassen. Der Inhaber der Schröderschen Parfümerie- und Seifenfabrik in der Hollmannstraße hat es sogar fertiggebracht, den dort beschäftigten Arbeitern einen Revers vorzulegen, tvorin dieselben sich verpflichten mußten, keine Versammlungen zu be- suckcn, die vom Fabrikarbeiterverband einberufen werden, und auch keiner Organisation anzugehören. Wenn man erfährt, wie„hoch" die Löhne beider Firmen sind, kann man es sich erklären, weshalb die Organisation der Arbeiter gefürchtet wird. Bei der Firma Rud. Herrmann beträgt der Einstcllungslohn 19,50 M. Zulage wird nach Gunst gegeben. Ueber 24 M. wöchentlich werden selten gezahlt. Es ist aber schon wiederHoll vorgekommen, daß man den alteren Arbeitern, die 25 Jahre und länger im Betrieb beschäftigt waren, den Lohn erheblich gekürzt hat. Erfreulicherweise sieht ein Teil der Arbeiterschaft dieser Betriede nunmehr ein. daß nur durch den Anschluß an den Fabrikarbeiterverband höhere Lohne erzielt werden können. Hygienische und sanitäre Einrichtungen sind in vielen Seifenfabriken unbekannte Dinge. Die Schutzvorrichtungen find meist ungenügende. Die„besonderen Schutzvorschris» ten für Seife n'fabriken" schreiben vor, daß der Fußboden stets saubergehalten werden soll, um ein Ausgleiten zu verhüten. Wer aber bei feuchter Witterung eine Siederei für Hausseifen betritt, könnte glauben, sich auf einer Eisbahn zu befinden.— In der Seifenfabrik Erbe in Lichtenberg werden die durch das Sieden der Seife entstehenden Dünste dadurch abgeleitet, daß aus einer Seite die Türen, auf der entgegengesetzten die Fenster ge- öffnet werden. Die dort beschäftigten Arbeiter sind tagtäglich äußerst schädlichen Zugwinden ausgesetzt. Ventilationen sind in vielen Seifenfabriken unbekannte Dinge. Des weiteren befinden sich in den meisten Seifenfabriken keine Garderoben- und Wasch- Vorrichtungen. Die Kleidungsstücke müssen am Arbeitsplatz oder in irgendeinem Winkel aufgehängt werden. In den Betrieben, wo die Arbeiterschaft gut organisiert ist. sind diese Mißstände zum größten Teil beseitigt. Es war im vergangenen Jahre auch mög- lich, für einen Teil der Seifenarbeiter Berlins durch Lohnbewe- gungen höhere Löhne zu erzielen sowie Mißstände zu beseitigen. Poch schloß seinen Bericht mit den Worten:„Wir werden nicht rasten noch ruhen, bis es gelungen ist, für uns Seifenarbeiter aus- kömmliche Löhne sowie ein menschenwürdiges Dasein errungen zu haben." Die Neuwahlen hatten folgendes Ergebnis: Karl Poch, Branchenleiter; Fr. Rogge, Stellvertreter; P. Reinhardt, Schriftführer.__ Mus aller Welt. Unwetter in Frankreich und Spanien. Das bereits gestern aus Frankreich gemeldete Unwetter dauert ununterbrochen fort; in verschiedenen Gegenden haben Wasserhosen und Hagelstblag schweren Schaden angerichtet. Im Departement V e n d e e hat das Meer die Küsten schwer be- schädigt: auch daS Mittelländische Meer hat Verheerungen angerichtet. In der Gegend von Toul haben ebenfalls Verwüstungen stattgefunden; in einem Torfe sind die Kirche und achtzig Häuser beschädigt worden. Aehnliche Nachrichten über Verwüstungen durch Sturm und Regen kommen ans Spanien. Besonders Mittel-, Nord- und West spanien sind schwer betroffen. Telegraphen- und Telephonvcrbinl düngen sind fast überall gestört, auch Schiffsunfälle werden befürchtet. In Bilbao sind eine Anzahl Menschen während des Schlafes durch Einsturz von Decken verwundet worden. Auch der Eisenbahnverkehr hat Störungen erlitten. Der deutsche Dampfer„ W i l d e n f e l s", auf einer Fahrt nach Kalkutta begriffen, ist im Meerbusen von B i s c a y a von dem Sturme überrascht worden. Der Vertreter von Lloyds am Kap Lizard meldet, daß von dem deutschen Dampfer„Trautenfels" ein drahtloses Telegrainm eingegangen ist, demzufolge der deutsche Dampfer. WildenielS" Notsignale aussendet. Eine weitere Depesche meldet, daß der Dampfer. Wildenfels" jetzt keine Hilfe mehr braucht. Die überlebende Mannschaft ist gerettet._ Schweres Fliegerunglück iu England. Ein Telegramm aus London meldet, daß am Montag morgen in der Nähe von C h i ch e st e r ein Militär- doppeldecker, ans dem sich ein Zivilflicger mit einem Passagier befand, abgestürzt ist. Bei dem Sturze, der auf Bruch eines Flügels zurückzuführen ist, wurde der Flieger schwer verletzt, der Passagier getötet. Kleine Notizen. Licbesdrama in Ludwigshafcn. In einem Parke in Ludwigs- Hafen wurde am Montag vormittag ein Liebespaar erschossen aufgefunden. Es handelt sich um den 20jährigen Ewald R ü ck e r t und das 19 Jahre alte Dienstmädchen Margarete Türk. Anscheinend hat der junge Mann zuerst seine Geliebte und dann sich selbst erschossen. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. Aus Reims wird gemeldet: Die Lokomotive und drei Wagen eines Lokalzuges stürzten bei Blangy in einen Teich. Der Lokomotivführer wurde lebensgefährlich, zehn Reisende wurden schwer verletzt. lieber Pord gespült. Die Mannschaft des in Havrc eingetroffenen Dreimasters„T a n a" berichtet, daß der Kapitän und ein Matrose des Schisfes während der Ueberfahrt am 11. Februar von einer Sturzwelle erfaßt wurden und ertrunken seien. Lebendig verbrannt. In Versailles ist am Sonntag abend eine im 65. Lebensjahr stehende Witwe am lebendigen Leibe ver- brannt. Im Begriff, ihren Ofen anzuzünden, warf sie das bren nende Streichholz auf ihr Kleid, das sofort in Flammen aufging. Ehe Hilfe zur Stelle war, hatte die Unglückliche so schwere Brandwunden erlitten, daß sie kurz darauf starb. Eingegangene Druckschriften. „In Freien Stunden". Nr. S— 9. Eine Wochenschrist. Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Paul Singer, G. m. b. H.> Berlin SW. 68. Jede Woche erscheint 1 Heft zum Preise von 10 Ps. „Kommunale Praxis". Wochenschrist für Kommunalpolitik und K emeindciozialiSmuS. Nr. 5—9. Verlag Buchhandlung Vorwärts Paul Singer, G. m. b. H., Berlin SW 68. Jede Woche erscheint 1 Heft. Abonnements 3 M. pro Quartal. Sriefkaften üer Reüaktion. SU j»Nsttsq- svreivftuudc ftadri Ltudeirftr-ge ss, natu««er s«»»e« — 5 0« r ft u l—, wochcnxigU«»»» 4V« vis 7V« Uhr adrndS, Kou»-»cndi>, »o« SV« dl» s Uhr abends statt. Jeder für dra Brtestaftr»»eftimmUn«»frage «st ein Buchftade und rtne Zahl als Mrrkzrtihc» brtzxsstge». Briefliche«ntworl wird nicht erteilt. Ansingen, denen leine«ba»»tme»tSq»ttt»»g detgefLgt ist. «erd-n nicht beantwortet. Eilige Frage» trage mau in der Sbrechftnndc vor. K. R. IVO. Ja.— W. S. TOO.JgFovdern Sie die Renovierun durch eingeschriebenen Brief unter Setzung emer Frist und drohen Sie an, daß Sie für den Fall, daß die Frist erfolglos verstreicht, die Arbeiten selber machen lassen und die Kosten ersetzt verlangen werden. Bon der Miete dürfen Sie den Betrag jedoch nicht kürzen. ES bliebe dann nur eine Klage aus Erstattung der Kosten übrig.— H. B. 10. 1. u. 2. Ja.— O. 2. 51. Im erstercn Falle 2,50 M.. inr anderen Falle 2 M. pro Kalenderjahr. — 2. 3. 1. Bis zum l. April abend«. 2. Renovierungsarbeiten ja. 3. und 4. Ja.— Naugarder 2tr. 0. Nein.— E. 1. Klage gegen die Schwester erscheint nicht durchführbar. Eine strafbare Handlung in dem Falle der Fortschastung der Sachen halten wir für vorliegend.— G.«. 1183. 1. Nein. 2. 28,85 M. müssen belassen werden. Davon kann Ihr Anteil an den Versicherungsbeiträgen gekürzt werden.— M. L. Ihre Anfragen lassen sich nur nach Einsichlnahme in die Karte beurteilen. Schicken Sie diese mit einer erneuten Aufrage ein oder kommen Sie in die Sprechstunde. R. I. 23. 1. Einen Ehev erlrag können Sie beim Notar oder Amtsgericht ichlicgen, die Kosten richten sich nach dem Objekt. 2. und 3. Das ist zweckmäßig, falls Sie noch im übungspflichtiaen Alter stehen.— 91. Z. Ja. — M. R. II. Durch die Zentratlommission der Krankenkassen Berlin, Alcxanderslr. 39/40, körnten sie daS erfahren.— Sl. 30. Fragen Sie bei Ihrer Ortskrankcnkasse direkt an.— H. M. 84. Wenden Sie sich an den Verband der Gastwirlsgehilien Berlin, Große Hamburger Str. 18/19. Marktpretse von Berkt» am 21. Februar 1014, nach Ermittelungen des tgl. Volizcivräsidiums. Mais(mijeö), gute Sorte 16,90—17,20, Donau 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sötte 14,60—14,90. Richtstroh 4,80. Heu 6,60-8,00. Markthallenpreis». 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00— 50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linien 40,00— 80,00. Kartosseln(Kleinbdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60— 2,40. Rindfleisch, Bauchsteisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40— 2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,60—6,00. 1 Kilogramm Karpse» ILO— 2.60. Aale 1,60—3,20. Zander ILO— ZLO. Hechte 1.40—2,80. Barsch« OLG— 2L0. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50-24,00. SozialtiemokratischerWatilverein |l. i 4. Beii Reichstagswahlkpeis. Petersburger Viertel. Bez. 349. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Zigarren- arbcitcr Fau5 6i*aiaB Licblgstr. 30, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Tic Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhoscs in Fricdrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2ll/11 I>er Yopstand. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein teurer Gaue, der ehe- malige Schrislgießer und Gastwirt lZeorg lsveAenImgsll im Alter von 46 Jahren nach langem, schwere»! Leiden(nnst entschlafen ist. VIA Die trauernde Witwe Hedwig Loewenhagen. Die Beerdigung sindet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, aus dem Fttedhos» in der Fried enstraße in Mariendors statt. iZlüiallieMi'alizelier�aliivei'eiii tiir Marienilor!. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Zangjähriger Genosse, der Gastwirt(jrühere Schrift- gicßcr) ltog Loewenhageii am Sonnabend gestorben ist. Ehre seinein 9lnde»kcn! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr, aus dem Matten- doffer Kirchhos, Friedeilstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 201/12 Ter Vorstand. Die Oienossimien und Genossen treffe» sich 4'/, Uhr au der Kanal- brücke. MM der freien Gast- untl Sciiankwirte Deutscfilands. Zahlstelle Schöneberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß nach langem Leiden dcrKollcge Veorg lsDeweudsp» im 46. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung sindet Miltivoch, nachmittags 5 Uhr. aus dem Ge- meindesriedhos in Mariendors statt. Tresspunkt der Kollegen Kanal- brücke Tempelhof, 4'/» Uhr. Um rege Belelllgung ersucht 73/6 Tic Ortsvcrwaltung. Meiler- Radfahrer- Bund „Solidarität", Ortsgruppe Tempelhof-Mariendorf. Unseren Sportsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Sportsgenosse Leorg Loewenhagen verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, aus dem Friedhofe in der Frieden- straße m Martendorf statt. Um rege Beteiligung wird ge- beten. Arbeitergesangverein Rlariendor! (M. d. A.-S.-B.). Den Sangesbrüdern zur Nach- richt, daß unser Mitglied Georg Loewenhagen verstorben ist. Die Beerdigung findet Mitt- woch,»achmiitags 5 Uhr. aus dem Frieddose in der Fttedenstraße tn Mariendors statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 58/7 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachttcht, daß meine liebe Frau, Misere treusorgende Mutter Luise Lreimutk am 23. d. Mts. verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt an Hern»»»» Frciiunth nebst Kindern. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 26. Februar, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle des ThomaS-KirchhoseS, Neukölln, aus statt. 2!ä!i!eMrMher WatilvEreln I i. d.6.Berl.REiElistaps-Walilkreis.| Bezirk 793 a. Am Donnerstag, d. 19. Februar. verstarb unser Genosse, der Zimmerer Jahnke Adolsstraße 13. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitlwoch, den 25. Februar, nach- mittags 3'/» Uhr, von der Leichen« Halle des Äazareth-Kirchhoses, in Reinickendorf- West, Kögelslraßc, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/8 Idei- Vorstan-l. DButsehiands. Zahlstella Berlin und Umgegend. Bezirk 12. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Jahnke infolge eines Beruisunjalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. M., nach- mittags S'ln Uhr, von der Leichen- balle deS neuen Nazareth- Kirch- Hofes in Reinickendorf> West, Kögelstraß», aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/4_ Oer Vorstand. Sonntag, den 22. d. M., entschlief nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau und gute Mutter �uxuste Lisdier geb. l.ehiuann im 35. Lebensjahre. Die« zeigt tieibetrübt an C!iintav Fischer, Lichtenberg, Simon-Dach-Str. 35. Die Beerdigung findet am Mllt- woch. den 25. d. M., nachmittags 4>/, Uhr. von der Leichenhalle de« Geuicindesiiedhofcs, Lückstraßc. aus statt. 74Ä SomldEnioMeliErMvErEin Kaiilsdori. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genossin, Frau am Sonnabend, den 21. d. Mts., gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. Februar, nach- miltags 1 Uhr, von der Leichen- Halle in der Köpcnicker Straße aus statt. 240/7 Rege Beteiligung erwartet Der Boritand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bc! der Beerdigung meines lieben Mannes und guien Vater« sagen wir allen Teilnchniettr, üiS- besondere dem Personal der Firma Weyen, unseren innigsten Dan!. Srenk ,,c6ft Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben VaterS ködert Hagedorn sagen ivir allen Verwandten und Bekannten, dem Heizer- und Maschs- nistenverein, dem Slrbciterwrnnerciir, den Kollegen der Firma Kahlbaum und dem Adlershoser Bnllspielklub unfern besten Dank. 7A Für die Hinterbliebenen Max Hagedorn. Oskar WoIIburg Trauer> Magazin Berlin N., Brunnenstraüe 56. Große Answahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Klmitkn- und KrauMdertt von ködert«lexer,' Jnh.: F.«olletz Marianncnftr. 3. Tel. Mpl.346 e Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., HuspcnsoFlcn, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt* Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. _ macht 10 Jahre älter! 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Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Mittwoch, den 25. Februar 1914, abends 6 Uhr: 1= Versammlung sämtlicher in der chirurgischen Branche beschästigten Kollegen und Kolleginnen im Rosenthaler Hof» Rosenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollecn Max Schütte über: dapan nnd seine Cnltnr. 2. Verbands- und Vranchcnangclcgcnheitcn. 3. Verschiedenes. Mittwoch, den 25. Februar 1914, abends Uhr: fflitgliecker- Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und ver- wandten Berufsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Frift Carl überZ IMe gegnerischen Gewerkschaften. 2. Verbands- nnd Branchcnangelcgcnheilcn. »-»����»»»- Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet 113/7 Die Ortsverwaltnng. Allgemeine Ortskrankenkaffe für Nowawes und Umgegend. des Es und und den Neue Stiefel wie die alten, wird stets blank erhalten. Fabrik; Urban e Lemm. Charlottenbure. In"Dosen zu IQ. 20 und Ski Pf. aberall erhältlich. Gemäg§ 23 der Dahlordnung ladeu wir hiermit die Vertreter Ausschusses zur Vornahme der Dahl der Vorstandsmitglieder ein. sind zu wählen seitens der Arbeitgeber 3 Vorstandsmitglieder 6 Ersatzmänner, seitens der Arbeitnehmer 6 Vorstandsmitglieder 12 Ersatzmänner. Die Wahl sindct statt sür die Arbeitgeber am Montag, SV. Marz, abends von 8 bis 8'/. Uhr, im Restaurant»Port Arthur', sür die Arbeitnehmer am Montag, de» 23. März, abends von S'/j bis O'/j Uhr, im Restaurant von Max Singer, Priester- strafte 31. Die Wahl ist geheim. Gewählt. wird nach den Grundsätzen der Ver- hälttiiswahl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Die Wahlzeit dauert 4 Jahre. Die Vertreter im AuSschuft werden hiermit aufgesordert. Wahlvorschläge gesondert sür die Arbeitgeber und Kassenmilglicdcr auszustellen und dem unterzeichncleii Vorstände spätestens bis 7. März einzureichen. Später eingehende Wahloorschläge sind ungültig. Die Wahworichläge müssen von je 3 Ausschuftmitgliedcni der betreffenden Gruppe unterzeichnet teil!: von diese» ist dem Vorstande ein Wahlvorschlagsvertreter sowie ein Stellvertreter desselben zu bezeichne». Die einzelnen Bewerber find unter fortlausendcr Nummer auszuführen, welche die Reihe ihrer Benennung ausdrückt und nach Familien- und Vornamen, Berus und Wohnort zu bezeichneu. Bei Kasscnmilgliedcrn ist auch der Arbeitgeber, bei dem sie bcschästigt sind, anzugeben. Ferner ist mit den Wahlvorschlägen sür Kassenmitglieder von jedem Bewerber eine Erklärung darüber vorzulegen, daft er zur Annahme der Wahl bereit ist. Bei den Wahlvorschlägen sür Arbeitgeber ist eine solche Erklärung nur ersordcrlich, soweit cur vorgeschlagener Bewerber nach K 17 der Rcichsverfichcrungsordnung zur Ablehnung der Wahl besugt ist. Die Stimmabgabe ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Die Wahl- vorschlage werden von dem unterzeichneten Vorstarrd noch der Rcihenjolge ibres Eingangs mit Ordnungsnunrmcrn verschen. Di- zugelassenen Wahloorschläge kömicir von den Ausschuftmitglicdcrn im Kasscnbureau während der Dienststundeu eingesehen werden. Bekanntmachung. Wir bitten unsere verehrlichen Arbeitgeber und Kossenmitglieder, Kenntnis zu nehmen, daft das Kassenlokal vom Montag, den 2. März, nur noch an den Wochentage» vormittags von 8 bis I Uhr ge. öffnet ist. In den Nachmiltagsstnnden muft das Lokal sür den öffentlichen Verkehr geschlossen bleiben. 269/7 Nowawes, den 23. Februar 1914. Her Vorstand. gez.«erste». Vorsitzender. Möbel-Angebot. Solide Möbelfirma liefert Üipezial-Ein- nnd Zw eizimmer- Einrichtnngen sowie Einzelmöbel gegen»lästige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringe» monatlichen Raten- zahlungen. Anfragen: Postkarte 899. Postamt 27.' lieine Kassierer._ GröBte Knlanz._ Spezialarzt I>r. med. WockenfoB, Friedrichstr. 125(Oranienb. 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Rechte und Pflichten in den Kranlenlassen, 2. Der VerbandStag in Dresden, 3, Mitteilungen an die Delegierten zur Generalversammlung, 4, Verschiedenes. Oestiiehe Vororte: abends 6'/, Uhr in der �tiebed-Vrauerei. Frankfurter Allee 53. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum VerbandStag. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Aussprache über den Arbeitsnachweis. Biordosten: abends 61/, Uhr bei Boekcr. Wcbersir. 17. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Ritter über; .Das Lohnbcfchlagnahmcgesetz.' 2. Verbandsangelcgcnhcitcn. Vörden: abends 6 Uhr bei Büttner, Schwedter Strafte 23. Ladeiietnrtchtuiig8- und Kontormöbd-ßranchc abends 8 Uhr im Lnisrnftädtischen Kasino. Oranienstraftc 130. Tagesordnung: t. DaS neue Krankenkaflengesctz. Referent: Kollege Oahlke. 2. Verbands- und Branche»angelegen heilen. In dieser Versammlung werden die Delegiertenkarten zur Generalversammlung ausgegeben. Drechfler-, Hlabafter- und branebe Crcppengeländer- abends 8 Uhr im«ouigstabt-Kasino. Tagesordnung: 1. Was leistet die gesetzliche Krankenversicherung. Referent: Kollege Kitzing. 2. Beratung der'Anträge zur Generalversammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4?;»hrr,rwrr,i»rhr». abends 6'/, Ubr im Dresdener Garten. rvaDmcntnscncr Dresdener«tr. 45. Tagesordnung: Verbands- und Branchenangelegenheiten. (-inTetrev abends 8 Uhr bei Boeker, Webeistr. 17. Tagesordnung: Ansstelluiig der Delegierten zum VerbandStag. Verbands- nngclegenhcitcn. Regelung unserer späteren Versammlungen. Branchenangelegenheiten. 83/16 �alouftearbciter abend« 8'/, Uhr bei Boeker. Weberstr 17. Tagesordnung: Die gegenwärttgen ArbestS- verhäUnisfe in der Holzindustrie. d»oI»*iMt't--,whiMtvt- abends 6 Uhr im GcwerkschaftShaus. Saal 3. frlerlmurrarveirer D„grsordnung: l. Bortrag. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Kamm- und Raarrd�muckarbeiter"��8��®""? Tagesordnung: 1. Bericht von der Konserenz. 2. Jahresbericht der Kommission. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. abends S'l, Uhr bei Hcrmcl, Holzmarttstr. 21. Tagesordnung: Bortrag des Kollegen Rieh. Lecpold über:.Die Stellung des Gewertschastlers im politischen Leben.' 2. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. Bürtten- u. Pinselmacher Donnerstag, den 26. Februar: Tischler. Osten I: abends 6 Uhr bei Bringmann, AndreaSstr. 26. Tages» ordnung: l. Vortrag des Kollegen Oahike über Krankenversicherung. 2. Verbandsangelegeiiheiten. Osten 11: abends 6 Uhr in den»Eomenius-Feftsälen», Memeler Strafte 67. Ghariottenhnrg: abends 8 Ubr im Bolkshau», Rosinenftr. S. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum VerbandStag. 2. Verbands» angelegenheiten. abends S'l, Uhr im Rosenthaler Hof, Rosenthaler meumauir-i- Strafte 11/12. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse» Xari Jahn. 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Bchirmmacher und 8cbirmnäbermmn abends 7 Uhr bei Rnorig, An der Stralauer Brücke 3. Die Set» sammlung wird pünktlich eröffnet. Die Ortsverwaltnng. 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In der gestrigen Sitzung der Verbandsversammlung bildete die Waldvorlage den Hauptgegenstand. Der Vorsitzende Oberbürgermeister W e rm u t h- Berlin er- öffnete die Sitzung mit einem Nachruf auf de» verstorbenen Ober- Präsidenten v o n C o n r a d. Er widinete ihm Worte des„Dankes für alles, was er dem größeren Berlin und den einzelnen Ge- meinden erwiesen hat und gewesen ist"'. Den neuen Oberpräsidenren v. d. S ch u l e n b u r g begrüßte er nrit dein Wunsch, daß er mit- wirken möge,„im deutschen Bürgertum die guten und tüchtigen Kräfte auszulösen und die Grundlagen zu stärken, auf denen dieses Bürgertum sich in freier Selbstbestimmung entfalten kann". Ober- Präsident v. d. Schulenburg dankte mit der Versicherung, daß er dazu beitragen wolle,„das junge Gebilde des Zweckverbandes Groß-Berlin aus dem Boden der S c l b st v e r w a l t u n g zu lebens- träfliger Entwrckelung zu bringen". Aus dcr Waldvorlage wurde bereits in Nr. 37 des„Vorwärts" das Ergebnis der vom Ver- bandsausschuß durch eine Uiiterkommlifion mit den Kommissaren der Regierung geführten Verhandlungen ausführlich mitgeteilt. Die Re- gierung erktärt sich zur Hergabe von höchstens 49 999 Morgen bc- reit, während sie früher rund 45 999 Morgen losschlagen wollte. Fest- gebalteu wird daran, daß grundsätzlich die hergegebenen Waldungen dauernd Freifläweii bleiben sollen. Den früheren Anspruch auf ein Wiederkaufsrecht will die Regierung aufgeben, doch bedingt sie für eintretende Bedarfsfälle sich Enteignung zu dem jetzigen Preise aus. Den„Wert" hatte sie damals in der uiärchcnhasten Höhe von 173 Millionen Mark herauSgerechnet, jetzt aber will sie für die nicht viel kleinere Gesamtfläche sich mit 59 Millionen zufrieden geben, pro Ouadratmeter mit 59 Pf. Der Kaufpreis soll sogleich voll be- zahlt werden. Der VerbandSausschuß hält den Preis für annehm- bar, falls die Regierung auch auf das ZugesländSnis des für künftige Enteignungen ausbedungenen Rückerwcrbspreises von 59 Pf. pro Quadratmeter verzichtet. Er will sich nur auf einen Austausch der von der Regierung etwa gebrauchten Flächen gegen Ersatzflächen ein- la ien, die gleichivertig sein müssen. Er wünscht, die 59 Millionen in Teilzahlungen zu entrichten, wobei die Reste nicht verzinst werden sollen. Nach einer Anzahlung von 5 Millionen wären zwölf Jahres- raten zii je 33/4 Millionen abzuzahlen. In der Debatte begrüßte Stadtbaurat Bender- Spandau die Preisherabsetzung und rühmte das„Entgegenkoinmen der Regierung". Ueber die Kosten könnten die großen Gemeinden leichter hinwegkommen als die Ilei ne». Den Nutzen werde hauptsächlich die Bevölkerung der großen Gemeinden haben. Manches sei in der Vorlage»och unklar. Ein Sonderausschuß solle sie prüfen. istadlverordneter Cassel- Berlin hat im VerbandSausschuß für die Vorlage gestünmt. Gewiß sei es Pflicht des Fiskus, die Wälder um Berlin zu erhalten, aber im Interesse der Bevotkcrung müsse jetzt dieses Opfer gebracht werden. Der Preis von 59 Millionen er- scheine noch recht hoch, darum wolle der Sonderausschuß versuchen, nocd eine Ermäßigung zu erreichen. Die Aufwendlingen für Herstellung und Erhaltung der Forsten, die man doch nicht in ihrem jetzigen elenden Zustande lassen könne, würden sehr bedeutend sein. Für die sozialdemokratischen Mitglieder der Berbandsversamm- lung erklärte Stadtverordneter H e i m a n n- Berlin, die Vorlage sei nicht erst einem Ausschuß zu überweisen, sondern ohne weiteres abzulehnen. Wir beharren, führte er aus, bei d�r Haltung, die wir gegenüber dem Fiskus bisher eingenommen haben. Geben will der FiSkuS nur einen kleinen Teil seiner Waldungen um Verlin und jetzt sogar noch weniger als die früher angebotenen Flächen. Die an den Verband abzustoßenden Flächin und die für den Fiskus zurückzubehaltenden sind mit großem Geschick so ausgewählt, daß der Fiskus den Vorteil davon bar. Der Verband soll die völlig vernachlässigten Wälder erst durch Millioiicnaufwendungen in Stand setzen, und dann will der Fiskus die bevorzugten Ränder dieser Wälder zur Anlegung von Kolonien verwenden und als wertvoll gewordenes Bauland losschlagen. Der Staat hat die Pflicht, die Wälder zu schützen, denn sein Interesse ist rS, die Staatsangehörigen gesund zu erhallen. In Groß-Berlin ist es die Regierung, die für die so beklagenswerten Wohnungszustände verantivortlich gemacht werden muß. Hier haben wir ja eine„könig- liche" Baupolizei! Die Regierung hat 1837 allen Vororten durch ihre Bauordnung das System des M a s s e n m i e t S h a u s e s aufgezwungen. Hierdurch hat sie eine wüste Terrain- s p c k u l a: r o n ermöglicht und großgezogen. An dem Empor- schnellen dcr Bodeirpreise ist der Fislus hervorragend beteiligt gewesen. Nun müßte es doch wirklich genug sein! Für Berlin einen Wald- und Wiesengürlcl zu schaffen, wünschen auch wir sehr lebhaft. Muß gekauft werden, so soll wenigstens der Fiskus mehr Entgegen- kommen zeigen. Der Fiskus„errötet nicht", aber was wir jetzt erleben, ist ein starkes Stück. Mit größtem Vergnügen hätte er jene 178 Millionen genommen, wenn wir sie gegeben hätten. Aber auch die jetzige Forderung von 59 Millionen geht viel zu weit. Wir sollen die Wälder ja nicht zu freiem Eigenrum erhalten. Wir er- werben eigentlich nur die Pflicht, sie instand zu setzen. Berlin hat seine Riesclgüter zu Preisen zwischen 2Vz und 3C2- Pf. pro G.iadrat» meter erworben. Selbst die Herrschaft Lanke, die es zu freiem Eigen- tum erwarb, ist billiger als die fiskalischen Wälder. Die deutschen F ü r st e n haben ihre gut gepflegten Forsten bei der Ein- schätzung zum Wehrbeitrag mit 25 Pfennig pro Quadrat- meier bewertet, wir aber sollen für verwahrloste Waldungen 59 Pf. pro Ouadratnieter zahlen. Der Grunewald ist obenein be- lastet mit dem Recht der Charlottenburger Wasserwerke, ihn auSzu- pumpen. Für seinen schlechten Zustand will man die Bevölkerung veranlwortlich machen, nicht die Wasserwerke. Eine Kabinettsorder von 1997 sichert übrigens zu. daß ohnedies der größte Teil deS Gruneivalds von der Bebauung a u S geschlossen bleiben soll. Wie kann man da noch auf den Gedanken kommen, Bezahlung dafür anbieten zu wollen! Wir Sozialdemokraten bc- finden uns hier in einer merkwürdigen Situation. W i r mftiien eine Kabinettsorder hochhalten gegenüber Kreisen. denen sonst, Ivos vom König herrübri. über alleö gilt. Kommt kein Kauf zustande, so kann der FisluS feilte Wälder ja doch nicht losschlagen. Wo sollten denn die Bewohner für all die.Billenlolonien" herkommen?(Zuruf: Haberland l) Das versteht Herr Haberland besier. Er selber hat uns hier einmal vorgerechnet, daß eine Beiiedelung des Grunewaldes Jahrhunderte erfordern würde. Wir können eS abwarten. Bleiben Sie f e st und hart und lehnen Sie die Ucberwcisung der Vorlage an einen Aus- schuß ab! Dem Ankauf der Wälder, wie thn die Vorlage will, stimmte ein Vertreter für Niederbarnim, K i e n a st- Oranienburg, mit Bc- geisteruug zu. Stadtverordneter Körte- Berlin erwartet von einer Ausschuß- beraiung günstigere Bedingungen. Andernfalls solle der Verband »sich nicht bange machen lassen" und warten. Auch Stadtverordneter Lieb mann- Charlottenburg hält für nötig, daß der Preis ermäßigt wird. Stadtrat P r e u ß- Berlin meinte, eigentlich müßte die Re- gierung selber vom Standpunkt der KommunalaufiichtS- b e h ö r d e gegen das hier den Gemeinden des Verbandsgebietes zugemutete„Geschäft" schwere Bedenken haben. In die Heiterkeit, mit der dieser Scherz aufgenommen ivurde, stimmte auch der Ober- Präsident ein. Preuß wies auf die Schwierigkeiten hin, die bei der Verteilung der Kosten dieses„Kaufes" sich ergeben würden. Er riet, der Vorlage nicht zuzustimmen, bevor die Art der Verteilung auf die Verbandsmitglieder geregelt sei. Die Angriffe, die unser Genosse H e i m a n n gegen die Terrain- spekulation gerichtet hatte, riefen Herrn Haberland aus den Plan. Den Eindruck seines Abwehrversuchs glaubte er zu steigern durch den„W'tz", im„Z u k u n f t s st a a t" werde Adolf Hoffniaiin Land« wirlschaftsminister sein.„Und Sie mache ich dann zum Stallmeister", antwortete Genosse H o f f m a n n. Im letzien Teil der Debatte sprach noch Stadtv. Rosenow- Berlin. Auch ihm gilt die Vorlage so, wie sie ist, als unannehm- bar. Aenderungen erwartet er vom Ausschuß. Der Antrag auf Ueberweisung an einen Ausschuß wird gegen die Stimmen der Sozialdcmokraien angenommen. Nachträglich meldete sich Oberpräsidcnt v.�d. Schulen bürg zum Wort, um sich gegen eine Aeußerung deS Stadtrats Preuß über den Gegensatz zwischen fiskalischen und kommunalen Jiiterejsen zu verwahren. In der Waldfrage, bei der es sich darum handle, die Bevölkerung Groß-Berlius ausreichend mit Lickit und Luft zu ver- sorgen, müsse das kommunäle Interesse im Vorder- grund stehen. Er könne aber auch das fiskalische Interesse nicht io weit preisgeben, die fiskalischen Wälder widerspruchslos � als verwahrlost bezeichnen zu lassen. Die Forderungen des Fiskus seien nicht übertrieben hoch, aber für nochmalige Verbandlungen werde sich eine Grundlage finden lassen. An den Ausschußverhandlungen will dcr Oberpräsident, wenn seine Anwesenheit gewünscht wird, teil- nehmen. Es folgte die Berichterstattung über Prüfung der Jahresrechnung für das E t a t s j a h r 191 2. Auf Antrag des HauShaltausschusses wurde Entlastung erteilt. Vorgelegt wurde dann der H a u s h a l t p I a n für 1914, der in Einnahme und Ausgabe mit 396 153 Mark abschließt. Die Ver- sammlung überwies den Entwurf zur Vorberatung dem Haushalt- ausschuß._ Parteiangelegenheiten. Resultat der Urlvahl im sechsten Wahlkreise. Das Ergebnis der am Sonntag, den 22. Februar, stattgefundenen Stichwahl ist folgendes: Abgegeben sind 3996 Stimmen. Davon haben er- halten: Paul Binting 19 81. Otto Müller 19 6 4, ungültig sind 31 Stimmen. Gewählt ist demnach Paul Binting. * Am Sonntag, den 1. März, nachmittags 3 Uhr. findet eine Theatervorstellung ini Lessingtheater statt. Zur Auf- führung gelangt:„Professor Bernhards". Eintrittskarten a 1.10 M. sind im Wahlvereinsbureau. Gerichtstraßc 71, zu haben._ Vierter Wahlkreis. Morgen Mittwoch, abends L'/, Uhr, findet in unser ein Kreise ein E x t r a- Z a h l a b e n d statt. Hierzu wird daS Erscheinen aller Miiglieder-«rwartet.— Arn Sonntag, den 1. März, unternimmt die Jugendseklion des Stadtteils Südost eine Wanderung durch den Blumenthal. Abfahrt(.39 Schlesischer Bahnhof (Wriezener Bahnsteig). Fohrpreis 1,49 M. Die jugendlichen Ar- beiler und Arbeiterinnen im Alter von 18— 21 Jahren sind hierzu eingeladen. Neukölln. Heute abend SV- Uhr findet bei Bartsch, Hermann- strohe 49, eine Mitgliederversammlung sür das 4. Viertel(Be- zirke 19—24) statt. Genosse Rudolf Wissell spricht über die Reichs- Versicherungsordnung. Der Vortrag ist aus zwei Abende berechnet. Treptow- Baumschulenweg. Heute Dienstag, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung für die Bezirke westlich der Kies- holzstratze. Die Genossen treffen sich vollzählig in den Bezirks- lokalen. Die Genossen dcr übrigen Bezirke werden ebenfalls er- sucht, sich an dcr Flugdlattverbreitung rege zu beteilge». Röntgcnthal-Zrpernick-Buch. Mittwoch, den 25. Februar, abends S'/z Uhr, im Lokal von August Lange. Slemensstratze, oußerordent- liche Mitgliederversammlung.— Dcr Frauen-Leseabend fällt deshalb am Mittwoch aus und findet am 4. März statt. Nicdcrschönhauscn und West. Heute abend 8V» Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokal von Liedemit an der Kirche. Vortrag des Stadtverordneten Genossen D u p o n t- Berlin:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde." Ausstellung der Kandidaten für die Gemeindewahl. Karlshorst. Die heutige Mitgliederversammlung fällt aus. Hermsdorf bei Berlin. Mittwoch, den 25. Februar, abends 8l/z Uhr, im Restaurant„Bellevue": Oeffentliche Wähler- v e r s a m m l u n g. Tagesordnung: 1.„Die Sozialdemokratie in der Gemeinde." Referent Genosse KarlWermuth. 2. Diskussion. 3. Aufstellung des Kandidaten. öerliner Nachrichten. Politik und Sport. Die ablehnend« Hältung, welche die sozialdemokratische Fraktion im Reichstage dem Reichszuschuß für die Olympischen Spiele gegenüber eingenommen hat, ist Veranlassung zu einer Debatte in dcr Tagespreise geworden, in dcr bürgerliche Sport- schriftstellcr den Beweis versuche», daß es die Arbeiterschaft ge- wesen sei, welche das politische Moment in Sport und Turnerei hineingetragen habe. Im Sportteil der„B. Z." sagt ein Herr Martin B e r n e r: „Im Turnsaal, auf der Aschenbahn, auf dem grünen Rasen, im Ruderboot hat die Politik nichts zu tun." Und ein paar Zeilen vorher behauptet er: „Daß die Sozialdemokraten trotzdem besondere Sport- organisationen gründeten— der Abgeordnete Heine würde hier statt„Sozialdemokraten" freilich ,.?lrbeitcr von Selbstachtung" sagen und damit den Kern nicht treffen— bewiese den stark politischen Einschlag der„Arbeiter"-Sportbewegung." Wie liegen nun die Dinge in Wirklichkeit? Im Turnsaal freilich, auf dein grünen Rasen und im Ruder- brot luiid nur der Sport betrieben. Aber hat Herr Bcrner nie dem Stiftungsfest eines Turn- oder anderen bürgerlichen Sportvereins, hat er nie einer seiner geselligen Veranstaltungen, hat er nie einer Klubhaus- oder Bootsweihe beigewohnt? Sind diese Veranstaltungen nicht Orgien des Byzantinismus? Der„Dcppchcn- G ö tz" ist doch wahrlich nickt der einzige Turnvater, der zu un- zähligen Malen die Sozialdemokratie vernichtet hat! Und wenn cS auch richtig ist, daß man es in den meisten Turnvereinen und bürgerlichen Sportklubs vermeidet, die trennenden Momente zwischen den verschiedenen bürgerlichen politischen Richtungen anzuschneiden, so hat man doch eine deutliche Klasscnscheidung der Arbeiterschaft gegenüber, namentlich gesellschaftlich, durchgeführt. Aber man hat auch— gerade in den Turnvereinen— die politische Ueberzeugung der sozialdemokratisch denkenden'Arbeiter ver- gewaltigt. Man sehe nur die Liederbücher dieser Turnvereine darauf an. Und man denke an die Fackelzüge und Sedanfeiern dcr nationalen Turner, an denen man die Arbeiter als Staffage teilzunehmen zwingt. Auf dem grünen Rasen gar ist der?ir- beiter gerade gut genug, die Exkrenrcuie dcr Tiere zu entfernen. So ein Herrenreiter, dessen Wert für die Existenz dcr Gesellschaft vielleicht gleich Null ist, dünkt sich um eine Welt erhaben über Arbeiter, die ihn an Intelligenz und Leistungsfähigkeit ums hundertfache übertreffen. Vom Rudersport wurde in einer ver- rückten Auslegung dcr Amatsurbestimmungen die Arbeiterschaft direkt bewußt ausgeschlossen. Es wäre zu begreifen, wenn man — um gleiche Vorbedingungen für alle Bewerber zu schaffen— von den Wettfahrten diejenigen ausschlösse, welche etwa ihr Brot als Berufs schisfer erwerben, obgleich auch deren Betätigung sich vom sportlichen Ruderbetrieb himmelweit unterscheidet. Aber man erklärt jeden von vornherein für unwürdig, ins Rennboot zu steigen, der sein Brot durch seiner Hände Arbeit er. wirbt! Und in Kenntnis dieser Sachlage brachte es vor einer Reihe von Jahren eine wassersportliche Zeitschrift dennoch fertig, bei einer sonst nicht unfreundlichen Erwähnung des Arbeiter- Ruderklubs„Vouwärts" ebenfalls zu bedauern, daß durch solche Gründungen die— Politik in den Sport hineingetragen werde! Daher ist dcr Wässersport insbesondere vielen angeblich Sport- treibenden ein Vorwand zur Betätigung ihres Byzantinismus. Die Person des gegnrwärtigen Kaisers wird ganz ohne jede Bc- rcchtigung als die eines sportlichen Heros in den Vordergrund geschoben. Dabei weiß jeder, daß die Bedeutung dcr Grünauer Regatta beispielsweise mit dem Erscheinen oder Nicht- erscheinen des Kaisers weder gewinnt noch verliert. Und in Kiel haben schon vor 39 Jahren— längst ehe dcr deutsche Kaiser diesem Gebiete seinen Eifer zuwandte— die damaligen berühmten Berliner Jachten„Wannsee",„Vicllicbchcn",„Ostsee" und „Brünhildc" ihre Kämpfe mit den Hamburger„Klabautermann", „Störtebecker",„Ouickstcp" usw. geführt, einfach deswegen, weil vorherige Versuche auf dem Stettiner Haff und vor Swine- münde die Vorzüge des Kieler Reviers erwiesen hatten, der Binnen- und Scekursc nach Belieben gestattet und von Ost- und Nordsee gleich bequem zu erreichen ist. Nein. Man hat auf die Denkweise der Arbeiterschaft in den bürgerlichen Sport- und Turnvereinen nie jene Rücksicht genom- men, die man umgekehrt unbedingt verlangt hätte! Man hat die Arbeiterschaft mißachtet und hinausgedrängt. Sebr gegen den Willen dcr leitenden sozialdemokratischen Kreise haben die Arbeiter ihre eigenen Sport- und Turnvereine gegründet. Als die Sozialdemokratie kleiner war, befürchtete man mit einem gewissen Recht, daß der Sportcifcr jüngere Arbeiter von der Betätigung in Partei und Getverkschaften abhalten könnte. Heute sind beide so stark getuorden, daß sie keinen Abbruch mehr zu fürchten haben. Aber auch die Arbeitersportvercine sind groß ge- worden. Einer Organisation wie beispielsweise dem Deutschen Arbeiterradfahrerbund„Solidarität" hat die Bourgeoisie dcr ganzen Welt nichts an die Seite zu stellen. Die' Arbeiter beginnen jetzt den bürgerlichen Sportklubs zu fehlen. Man weiß dort, daß im Sport Ouantität auch Oualitär bedeutet, weil sie eine größere Auswahl gewährleistet. Sind doch schon gute Ruderer aus dem Arbeitssaal auf den Drehsessel im Kontor avanciert! Aber die Arbeiterschaft ist zu stolz geworden, die ihr zugemutete Rolle als Staffage im bürgerlichen Sport wieder zu übernehmen. Sie gibt die mit vieler Energie zustande gebrachten eigenen Organisationen nicht aus. Will man die Arbeitersport» vereine als gleichberechtigt nicht anerkennen, dann gut. Wenn nicht: Ihrer kommenden Ueberlegenheit wird man sich beugen müssen! Brunnenunglück in der Schultheih-Brauerei. I Ein Arbeiter tot. Ein schweres Brunnenunglück hat sich gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr auf dem Grundstück der Schulthciß-Brauerei in der Schönhauser Allee 36/39, Ecke Franseckistraße, zugetragen. Seit mehreren Monaten sind dort Arbeiter eines Brunnenbauers aus Schöneberg damit beschäftigt, auf dem Betriebshof einen etwa 89 Meter tiefen Brunnen zu bohren. Der Brunnen ist wegen der ungewöhnlichen Tiefe in mehrere Podeste eingeteilt und es führt eine eiserne Leiter direkt hinunter. Zur Erleichterung der Arbeiten ist der Brunnenschacht mit einer elektrischen Beleuchtung versehen. Gestern nachmittag begab sich der Arbeiter Schulz in den Brunnenschacht hinab, ohne ein brennendes Licht mitzunehmen, das sonst stets mitgeführt wird, um das Vorhandensein von giftigen Gasen festzustellen. Als Schulz nach einiger Zeit nicht wieder zum Vorschein kam, rief der Vorarbeiter in den Schacht hinab. Er erhielt aber keine Antwort, weshalb er selbst die eiserne Leiter hinunterstieg. In einer Tiefe von etwa fünfzehn Metern sah er zu seinem Schrecken den vermißten Arbeiter auf dem Podest liegen. Der Borarbeiter stieg wieder in die Höhe und alarmierte die Unfallstation dcr Brauerei. Von dieser eilte ein Bademeister, dcr die Leitung der Unfallstation inne hat, sofort zu Hilfe und suchte, angetan mit einem Schutzhelm, den Verunglückten zu retten. Seine Bemühungen waren aber vergeblich und so alarmierte man schleunigst die Feuerwehr, die inil einem Löschzug schnell zur Stelle war. Brandinspektor Mcndc ließ einen Feuerwehrmann mit dem Königschcn Rauchhelm ausrüsten und mit Hilfe einer Dampfspritze frische Luft in den nrit giftigen Gasen angefüllten Brunnenschacht pumpen. Ter Feuerwehrmann, dem mit einem Blasebalg gleichfalls frische Luft zu- geführt wurde, drang bis zu dem Verunglückten vor und seilte ihn an. Als er wieder an der Oberfläche erschien, wurde der verunglückte Arbeiter an dem Seil in die Höhe gezogen. Inzwischen hatten Samariter der Feuerwehr schon einen Sauerstoffapparat bereit ge« stellt und es wurden sofort Wiederbelebungsversuche vorgenoinmen. Es war aber keine Rettung mehr möglich, da bei dem Verunglückten schon der Tod eingetreten war. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und ani Abend dem SchauhauS zugeführt. Schulz stand im 29. Lebensjahr.__ Achtung! Stellung suchende! Jurmer wieder sind Stellungsuchende eine ergiebige Quelle eines fast mühelosen Geloinnes sür jene Leute, die sich auf derartige Geschäfte verstehen. Kann man den Stllungslosen auch keine Arbeit verschaffen, so kann man ihnen mindestens bei der Suche nach Arbeit„helfen", aber selbstverständlich nur gegen Zahlimg reichlicher Gebühren. Zu solcher„Hilfe" erbietet sich ein„Sp c z ia lb u r ea u für Stelle ngcsuchsangelcgenheitc n", das im Hause Kreuzbergftr. 3 von einem Herrn Wittpahl jetzt in Ver- bindung mit einem Herrn Schwenzfeger betrieben wird. Dem Herrn Wittpahl«ichteu wir schon vor etwa einem Jahre eine Betrachtung widmen, weil er damals die Dreistigkeit hatte, sich den Stellungsucheirden als Inhaber eines„sozialdemokratischen Stellennachweises" zu empfehlen. Später änderte er die äußere Aufmachung seines Geschäfts, aber das Verfahren, nach dem er es treibt, scheint dasselbe geblieben zu sein. Wer durch Zeitungs- annonce eine Stellung sucht, kann, wenn er darin seine Adresse angibt, es sehr bald � erleben, daß er durch eine Antwort erfreut wird. Er soll aber nicht glauben, daß ihm sofort ein Stellen- ongebot eines Arbeitgebers ins Haus geflogen kommt. Nein, so rär sind die Arbeitskräfte nicht, daß die Arbeitgeber auf eine solche Annonce hin sich in Massessn beeilen würden, ihre Offerten einzu- reichen. Das Wittpahlsche„Spezialbureau für Stellengesuchs- angelegenheiten" ist es, das immer noch auf Stellengesuche mit seinen Offerten antwortet. Einer, der das durchgemacht hat, teilt uns seine Erfahrungen mit. Als er in einer Zeitung annonciert hatte, daß er Stellung suche, meldete sich bei ihm Wittpahls Bureau durch folgenden Brief: „Sollten Sie auf Ihre Annonce kein direktes Stcllcnan- gebot erhalten haben und es Ihnen daran liegen, schnell ohne Stellenvermittler, wo Sie Ihr Geld für die Vakanzenliste nur fortwerfen würden, gewünschte Stellung zu erhalten, so wollen Sic sofort nach Erhalt dieses Schreibens unter Mitbringung Ihrer Zeugnisse in unserer Expedition, Kreuzbergstraße 3, Seitenflügel 3 Treppen, in der Zeit von 13 bis 12 und 1 bis 6 Uhr an Wochentagen vorsprechen, und werde ich Ihnen durch Anfertigung der zur schnellen Erhältung gewünschter Stelle er- forderlichen Papiere imd Aufgabe der Adressen, wo Sie sich wegen Ihrer Stellung hinwenden können, zur Erlangung der- selben behilflich sein. Die Kosten sind so gering, daß selbst der ärmste Stellensuchende die paar Groschen entbehren kann. Tausende von StellcnsuchendeN haben durch unser Geschäft gut bezahlte Stellung erhalten und können Sie sich davon in unserer Expedition überzeugen. Sollten Sie keine Zeugnisse haben, so werden Ihnen die zur Bewerbung erforderlichen Papiere auf Wunsch ordnungsmäßig angefertigt. In Ihrem eigenen Jnter- esse wollen Sie alle indirekten Stellenangebote außer acht lassen, da dieselben meistens nur Schwindel sind, und sich von unserem . reellen Angebot überzeugen." Das Schreiben trug noch den aufmunternden Vermerk:„Keine Arbeitsnot in Berlin". Ach, das wußte der Stellungsuchende besser! Aber er beschloß, es mal mit Wittpahl zu probieren. Das erste war, daß er für das Muster eines Bewerbungsschreibens und für bOmalige Vervielfältigung eines„Lebenslaufes" von wenigen Zeilen, der als Ersatz für Zeugnisse gelten sollte, 3,2 0 M. zu zahlen hatte. Die Kosten stellten sich also sehr viel hoher als ein„paar Groschen", die nach Wittpahls Annahme„selbst der ärmste Stcllensuchende entbehren kann". Daß sogleich 50 Ver- vielfältigungen abgenommen und diese so hoch bezahlt werden mußten, war bitter. Zu dieser Leistung fügte der hilfsbereite Herr Wittpahl noch hinzu, daß er fünf Stellenadressen kostenfrei nannte und„den besten Erfolg wünschend" sich„hochachtungsvoll" empfahl. Die Adressen bezog er von dem erwähnten Schivenz- feger, den er als„konzessionierten Stellenverleger" bezeichnete. Ein„Stellenverleger" ist selbstverständlich kein Stellenvermittler, sondern ein Mann, der von Stellenangeboten die Adressen sam- melt und vertreibt. Der Stellungsuchende war mit den ihm übersandten Adressen rasch fertig, ohne daß seine Bewerbungen einen Erfolg gehabt hätten. Als er das dem Wittpahischen Bureau meldete, kam eine Antwort, die„sehr bedauerte" und weitere Adressen gegen Zahlung von noch 30 Pf. versprach. Auch darauf ging der Stellungsuchende ein und er wurde dann mit reichlichem Adressennacksschub versorgt, so daß er Gelegenheit fand, seine Bewerbungen fortzusetzen und noch ein hübsches Stück Geld für. Briefpapier und Porto, los. zu werden.. Er. versichert uns, -daß er ziemlich ein Viertelhündert Bewerbungen abgesandt, dann aber den Kram beiseite geworfen habe. Unser Stellungsuchender bittet uns, seine Erfahrungen bekanntzugeben zum Nutzen anderer Arbeitslosen, die gleich ihm durch Zeitungsannonce eine Stellung zu finden versuchen. Daß Wittpahls Bureau nicht Stellen vermittelt, sondern durch Anfertigung von Bewerbungsschreiben und Zeugnis- abschriften verdienen will, kann man aus der Offerte bei ge- nügender Aufmerksamkeit herauslesen. Wir weisen hierauf alle Stellungsuchenden hin, die von. Wittpahl mit einer Offerte be- glückt werden und sie etwa doch anders auffassen, z. B. tpegen des Hinweises auf„Tausende von Stellensuchenden", die durch ihn „gutbezahlte Stellung erhalten" haben sollen. Verwirrend kann auch wirken, daß der Briefbogenkopf die Angabe„Adressen— Stellen— Verlag" enthält und andere von dem Bureau ver- sandte Schriftstücke mit Angaben wie„Stellen— Verlag— Nachweis" geschmückt sind. Auf einem Schriftstück bezeichnen Witt- stahl und Schwenzfeger sich nebenbei als„Lieferanten des Bundes der Landwirte". Was mögen sie ihm„liefern"? Zur Entwitkclung Berlins. Die Aushöhlung von Berlin oder die Ciihbildung schreitet un- unterbrochen fort. Die alten Häuser in der Luisenstadt, in der Lindenstraße, Friedrichstadt verschwinden und an deren Stelle treten Geschäftshäuser— Erbbegräbnisse, wie der Berliner sagt.— Auf der einen Seite wird durch diese Umwandlung die Abwanderung nach den Vororten gefördert, auf der anderen Seite verringern sich die Lasten für Schulen und Arme. In der Linden- und den an- grenzenden Straßen werden zum 1. April d. IS. wieder eine ganze Reihe von alten Häusern abgerissen. In der dortigen Gegend sind zum t. April b. Js. Hunderte von Wohnungen gekündigt worden und nicht wieder vermietet._ Brandstiftung durch Einbrecher. Sonntagabend wurde die Feuer- wehr nach der Grerfswalder Str. 206 gerufen, wo im vierten Stock des Ouergebäudes die Wobnung der Familie Paul brannte. Wie sich bald zeigte, war das Feuer vorsätzlich angelegt worden. In dem Schlafzimmer hatte man die Matratzen aus den Betten gehoben, fie schräg gestellt, über und über mit Petroleum begossen und dann angezündet Die Petroleumkanne stand noch neben den Betten. Auch einige Möbelstücke waren in Brand gesteckt worden. Es gelang der Feuerwehr in kurzer Zeit, die-Flammen zu ersticken und von der Wohn- stube fernzuhalten. Die nähere Besichtigung der Wohnung ergab, daß hier Einbrecher gehaust hatten. Sämtliche Schränke waren ausgeräumt und verschiedene Schubkästen durchwühlt. Der Wandspiegel war herunter- gerissen und lag zwischen den Möbelslücken. Nach Angaben der Familie Paul ist den Dieben ein größerer Posten Wäsche in� die Hände gefallen. Das Ehepaar halte nachmittags bei dem schönen Wetter einen Spaziergang unternommen und die Wohnung unbeauf- sichtigt gelassen. Als die Leute abends zurückkehrten und die Korridor- türe öffneten, war die ganze Wohnung schon mit dichtem Rauch an- gefüllt Von den Einbrechern und'Brandstiftern fehlt noch jede Spur.__ M äff euerkrankung en beim Garde-Train-Bataillon. Nach dem Genuß von Fischen sind Sonntagnachmittag 21 Mann vom Garde- Train- Bataillon in Tempelhof unter Vergiftungs- erscheinungen erkrankt. Es stellte sich bei allen Unwohlsein und Er« brechen. ein. Die Erkrankten wurden einstweilen vom Dienst dispensiert, bis die ärztliche Untersuchung abgeschlossen war. Im Laufe des gestrigen Nachmittags waren aber schon alle wieder soweit hergestellt, daß sie ihren Dienst wieder ausnehmen konnten. ? Die Leitung der Allgemeinen Ortskrankenkasse. Der Verfasser der in der Nummer vom 10. Februar veröffent- lichten Notiz ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen:„Die Leitung der Allgemeinen Ortskrankenkasse glaubt in einer Zuschrift an den„Vortvärts" den Inhalt der Beschwerde in Ztr. 49 über die Un zuträglichkeiten bei der Krankcnabfertigung als unrichtig ener- gisch zurückweisen zu müssen. Obwohl nach ihrer Angabe vom Vorsteher der Zahlstelle 5 aufs entschiedenste bestritten wird, daß die Abfertigung einzelner Kranken zwei Stunden und länger in Anspruch nimmt, wird andererseits zugegeben, daß große Ansamm- lungen in der Zeit von 10 bis 12 Uhr vorkommen, und dies dem Umstand zugeschrieben, daß der größte Teil der Patienten statt der Nachmittags- die Morgensprechstunde des Arztes benutzt und dann gleich zur Kasse geht. Daß dies vorkommt und ein Uebelstand ist soll unbestritten bleiben, wenngleich bezweifelt werden mutz, daß die Mehrzahl der Kranken so verfährt. Es scheint aber der Kassenleitung noch ein anderer Umstand entgangen zu sein. Ein ganz erheblicher Teil der Kranken hat seine Unterstützungs- angelegenheiten auf den Bureaus der Berufsorganisationen zu regeln und kann daher meist nur in der kritischen Zeit auf der Kasse erscheinen. Kein vernünftiger Mensch kann und wird be- anspruchen, bei größerem Andrang in ein paar Minuten abgefertigt zu sein. Verlangt kann aber werden, daß mit dem naturgemäßen Andrang gerechnet und die Wartezeit für die Kranken durch ge- eignete Organisation des Abfertigungsdienstes nicht über Gebühr ausgedehnt wird. Wenn dann angeführt wird, daß bei der gegen- wältigen Betriebsorganisation gegen früher etwa ein Drittel weniger Abfertigungen auf den einzelnen Beamten entfallen, so ist nicht recht ersichtlich, was damit gesagt sein oder bewiesen werden soll. Da die Beamten doch unbestritten ihre volle Pflicht tun, so muß der Unterschied zwischen der Abfertigung eines Kranken von früher und jetzt doch andere Gründe haben. Im übrigen war die Bemerkung über die gesundheitliche Schädigung der Beamten für jeden, der lesen konnte oder wollte, allgemeiner Natur und aus keinen bestimmten Fall gemünzt. Daß Ohnmachts- anfalle vorgekommen, wird ja nicht bestritten. Nur handelt es sich nicht— wie die Kassenleitung es darzustellen beliebt— um all- täglich vorkommende, sondern durch übermäßig langen Aufenthalt im Gedränge und in heißer und verdorbener Luft bedingte Fälle. Schließlich ist der Kassenleitung noch anzuempfehlen, nicht lediglich die in Frage kommenden Zahlstellenvorsteher über die Unzuträglich- ketten zu befragen, sondern vor allem auch das abzufertigende Publikum selber. Sie wird dann auch erfahren, daß nicht" nur zwei Stunden, sondern unter Umständen auch noch erheblich länger gewartet werden lnuß. Sie wird ferner die Ueberzeugung ge- Winnen müssen, daß es hier nicht mit energischer Zurückweisung von„Unrichtigkeiten" getan ist. sondern mit Abstellung des krili- sicrten Mißstandes." Wie uns noch von anderer Seite mitgeteilt wird, sind auch die abfertigenden Beamten mit unnötigen Schreibereien sehr überlastet. Bei jedem einzelnen Kranken sind mehrere verschiedenartige Scheine auszufüllen, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Dazu kommt. daß auf jeden mit der Abfertigung betrauten Beamten nicht nur 250 Parteien, wie die„Berliner VolkSzeitung" seinerzeit schrieb. sondern mindestens 350 bis 400 Parteien kommen. Dabei sind die freiwilligen Mitglieder noch gar nicht berücksichtigt. Würde manche überflüssige Schreibarbeit und das so oft überflüssige Telcphonier-.-n nach der Zentrale den Beamten abgeriomemn werden, dann könnte die Abfertigung des Publikums auch bei dem vorhandenen Be- amtenapparat schneller vonstatten gehen. Unaufgeklärter Leichenfund. Die Leiche eines löjährigcn Mädchens wurde gestern nach- mittag von Schiffern aus dem Osthafen am Markgrafendamm ge- landet. Wie bald festgestellt werden konnte, handelt es sich um die 16 Jahre alte Tochter des Kaufmannes Michel aus der Weißen- burger Straße. Das Mädchen wurde bei ihrer Tante in Nieder- schöneweide erzogen. Seit dem 13. Dezember vergangenen Jahres wurde sie vermißt. An diesem Tage war sie von einem Ausgange nicht wieder heimgekehrt und alle Nachforschungen nach ihr waren ohne Erfolg geblieben, bis man sie jetzt landete. Ob die Ertrunkene freiwillig ins Wasser gegangen ist, oder ob ein Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, bedarf noch der Aufklärung. Familientragödie in der Wolliner Strasse« Als gestern früh Bewohner des Hauses Wolliner Straße 50 den Treppenflur betraten, bemerkten sie. daß aus der Wohnung des Büglers Kolb starker Gasgeruch herausströmte. Da ihnen auf wiederholtes Klopsen nicht geöffnet wurde, erbrachen sie die Tür und fanden K. mit seiner Frau und Tochter in dem gaSgefülllen Schlaf« zimmer bewußtlos in den Bellen liegen. Dem sofort' herbeigerufenen Arzt gelang es, die beiden letzteren ins Leben zurückzurufen, K. selbst war jedoch schon tot. Ein Automobil im Werte von 12(XX) Mark ist aus einer Garage in der Naffauifchen Straße 3v gestohlen worden. Der Diebstahl ist saon vor einigen Tagen geschehen, aber erst jetzt entdeckt worden. Es handelt sich um einen Benz-Krastwagen, der die Fabrik- »ummer 12 104 trägt und im Innern graue Klubseffelpostterung aufweist. Die polizeilichen Nachforschungen haben Anhaltspunkte dafür ergeben, daß der Dieb an Stelle der Erkennungsnummer l A 2467 die Bezeichnung H/O 64 gesetzt hat; der Buchstabe 0 ist in roter Farbe gezeichnet. Der Täter scheint im Besitze eines gefätschlen Zu- lasiungsscheines des Polizeipräsidiums zu sein, der aus den Namen eines angeblichen ungariichen Grasen Ortschiek lautet. Seinem Kinde in den Tod gefolgt ist der 37 Jahre alte Tischler Wilhelm R ö h r i ck e aus der Willdenomstraße 5. Röhricke verlor vor einigen Wochen sein einziges Kind, nachdem es lange Zeit krank daniedergelegen hatte. Der Verlust seines Kindes, eines zehnjährigen Mädchens, ging dem Mann so nahe, daß er tiefsinnig wurde und wiederholt äußerte, sich das Leben nehmen zu wollen. Gestern nachmittag führte er, als seine Frau ausgegangen war, seinen Vorsatz auch aus. Bei der Rückkehr der Frau gegen abend fand diese ihn tot in der Küche auf. Er hatte, ebenso wie die Frau Deichsel aus der Schulzendorfer Straße, den Schlauch des Gas- kochers in den Mund genommen und sich mit GaS vergiftet. Unter die Räder einer Autodroschke geriet gestern mittag in der Mariannenstraße der achtjährige Knabe Otto Puff vom Heinrichs- platz 10. Der Knabe war beim Spiel beschäftigt; er wurde schwer verletzt vom Platz getragen.— An der Ecke der Linden- und Koch- straße lief der 13 Jahre alte Willi Bluhrig beim Rollstbuhlaufen gegen eine Droschke und wurde ebenfalls überfahren. Man schaffte den Knaben, der anscheinend schwere innere Verletzungen davongc- tragen hatte, nach dem Urban-ftrankenhauS. Schwerer Unfall auf dem Flugplatz. Auf dem Flugfelde in Johannisthal verunglückte gestern nach- mittag der Monteur Wolfersdorf von den Jeanninwerken sehr schiver. Er wurde, als er den Propeller einer Jeannintaube andrehen wollte, von diesem erfaßt. W. erlitt Schädelverletzungen, Ouetschungen und auch innere Verletzungen, so daß er ins Kreis- krankenhaus gebracht werden mußte. vorottnachrichten. Charlottenburg. Tie LustbarkeitSsteuer steht auf der Tagesordnung der außer- ordentlichen Stadtverordnetenversammlung vom Tonnerstag in zweiter Lesung zur Beratung; sie soll dann endgültig verabschiedet werden. Der Etatsausschuß hat an der Magistratsvorlage eine Reihe von Abschwächungen vorgenommen, durch die aber die Be- denken der grundsätzlichen Gegner dieser AüZnahmebesteuerung nicht beseitigt sind. So sollen u. a. musikalische Vorträge in Eafe- restaurants, Gastwirtschaften, Schankwirtschaften und öffentlichen Vergnügungslokalen nicht allgemein der Steuer unterworfen sein, sondern nur dann, wenn diese Vorträge sich über die Zeit bis nach 11 Uhr abends hinaus ausdehnen oder erst nach dieser Zeit be» ginnen. Bei polizeilich anerkannten Jugendvorstellungen, die bis 6 Uhr nachmittags beendet sind, wird für Eintrittspreise bis ein- schließlich 10 Pf. eine Kartensteuer nicht berechnet. Die Pauschal- stcuer für öffentliche oder VereinZlustbarkeitcn und dergleichen hat der Ausschuß wesentlich herabgesetzt. Während sie nach der Magi- stratsvorlage je nach der Grundfläche der für die Veranstaltung bestimmten Räume bei einer Grundfläche bis zu 500 Quadratmeter zwischen 3 und 15 M. schwankte, soll sie nach den Anträgen des Ausschusses zwischen 2 und 6 M. betragen. Bei mehr als 500 Quadratmeter soll nach dem Antrag des Ausschusses für jede weiteren 100 Quadratmeter 1 M.(nach der Magistratsvorlage 3 M.) hinzukommen. Die Pauschalsteuer für Vergnügungs-�und Rummelplätze hat der Ausschutz um die Hälfte ermäßigt. Trotz dieser und einer Reihe anderer Verbesserungen ist die Vorlage nach wie vor dazu angetan, eine große Reihe von Gewerbe- treibenden auf das schwerste zu schädigen. Die Interessenten haben deshalb allen Anlaß, sich noch in letzter Stunde zu rühren, um diese so verderbliche Steuer, wenn irgend möglich, zu Falle zu bringen. Im Etatsausschuß ist die Annahme mit 9 gegen 6 Stimmen erfolgt._ Warum geschieht nichts für die Arbeitsloscu? Mit diesem Thema beschäftigte sich am Sonnlag mittag eine im Volkshause abgehaltene, gutbesuchte öffentliche Versammlung Der erste Referent, Reichstagsabgeordneter Genosse Gustav Bauer, ging zunächst auf die Ursachen der Arbeitslosigkeit ein. Sie fei eine untrennbar mit der heutigen Wirtschaftsweise ver- knüpfte Erscheinung. Selbst das gedankenlose Bürgertum'müsse einsehen, daß es unrichtig sei, wenn behauptet werde: Wer da ar- betten wolle, der findet Arbeit. Da die organisierte Gesellschaft, der Staat, die Notwendigkeit der Fürsorge für die Opfer der Ar- beitslosigkeit noch nicht anerkannt hat, hätten die Arbeiter versucht sich selbst zu helfen. Sie hätten die Gewerkschaften ausgebaut und was heute von dlesen auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürlorge geleistet wird, sei von hervorragender Bedeuiung. Es sei aber eine Ungerechtigkeit, wenn man den schwächsten, den am schwersten be- lasteten Volksgenossen auch noch die Fürsorge für die Opfer der gegenwärtig herrschenden Wirtschaftsordnung überläßt. Für diese aufzukommen, sei eine Aufgabe, die der Staat im ureigensten In- teresse selbst übernehmen müßte. Der Redner wies dann den Um- fang der Arbeitslosigkeit nach und zeigt« deren verheerende Volks- wirtschaftliche Wirkungen. Wie wenig es aber trotzdem unmöglich sei, durch eine staatliche Fürsorge diesen Schäden zu begegnen, zeigte er an einem Beispiel. Schätzungsweise waren im Dezember 1913 in Deutschland etwa eine Million Arbeiter beschäftigungslos. Wenn das Deutsche Reich ftir diese Million Arbeiter eine Unter» stützung.etwa nach dem Genter System in der Form eines �Zu- schusses an die gewerkschaftlichen Arbeitslosenklassen zahlen würde, dann hätte es im Verhältnis zu den gegenwärtig von diesen auf- gewendeten Beträgen etwa 20 bis 25 Millionen Mark zu zahlen. Was bedeutet diese Summe für das Reich? Das wäre etwa die Hälfte der Ausgabe, die der Bau eines Panzerschiffes erfordert. Im Gegensatz zu anderen Staaten führe in Deutschland das Unter- nehmertum, unterstützt von den Agrariern, einen erbitterten Kampf gegen derartige Einrichtungen. Und die Reichsrcgierung macht sich, wie die neuesten Rcichstagsverhandlungen bewiesen haben, zum Anwalt der Unternehmer. Mit einer Brutalität, die nicht zu übertreffen sei, gingen die Unternehmer gegen die Arbeiter vor. Wenn wir ihren Widerstand überwinden wollen, dann müsse der politische und gewerkschaftliche Kampf mit verdoppelter Energie fortgeführt werden. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenom- menen Vortrag nahm Genosse Richter als zweiter Referent das Wort, um zu zeigen, was in Charlottenburg bisher von der Stadt- Verwaltung zur Linderung der Not der Arbeitslosen geschehen ist. Nachdem nach jahrelangen Kämpfen endlich eine Vorlage für eine städtische Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System mit besonders liebevoller Berücksichtigung der unorganisierten Arbeiter zustande gekommen und vom Magistrat den«Stadtverordneten vor- gelegt worden war, setzte in der Stadtverordnetenversammlung ein erbitterter Kampf um diese Vorlage ein. Und das liberale Bürger- tum brachte die Vorlage zu Fall. Mit welchen Argumenten ge- arbeitet wurde, zeigte der Referent an verschiedenen Beispielen. Selbst der Magistrat mußte diesen Liberalen entgegentreten. Ein wunderbares Bild! Der Magistrat und die Sozialdemokratie gegen die Bürgerlichen! Charlottenburg zeige aber auch, wie die Haltung der Liberalen zu der Arbeitslosenfürsorge im Reichstag zu bewer- ten ist. Dort stellen sie sich ihr etwas freundlicher gegenüber aus Rückficht auf die Wählermassen im Lande. Wenn es aber drauf und dran geht, dann versagt das Bürgertum elendiglich. Diese Haltung des liberalen Bürgertums zu kennzeichnen und den Ar- beitSkameraden vor Augen zu führen, solle kein einziger der An- wesenden unterlassen. Auch die Ausführungen dieses Redners fan- den lebhaften Beifall. In der anschließenden Diskussion brachten die Genossen Erike(Steinsetzer) und Storch und Hammel(Holz- arbeiter) noch Beschwerden gegen die Stadtverwaltung bei der Ver- gebung städtischer Arbeiten vor. Nachstehende Resolution fand ein- stimmige Annahme: Die am Sonntag, den 22. Februar, im Bolkshause in Char- lottenburg tagende öffentliche Versammlung nimmt mit Eni- rüstung davon Kenntnis, daß die bürgerliche Gesellschaft nach wie vor nicht gewillt ist, eine durchgreifende Arbeitslosenfürsorge einzuführen. Sie protestiert entschieden gegen die ablehnende Haltung der Reichsregierung gegen die Arbeitslosenfürsorge. Die empörende Tatsache, daß auch die liberale Stadtver» ordnetenfraktion in Charlottenburg die Maßnahmen des Ma- gistrats zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit systematisch hinter- trieben hat, ist kennzeichnend für den arbeiterfeindlichen Cha- rakter dieser bürgerlichen Parteien. Die Anwesenden verpflichten sich mit aller Entschiedenheit den Kampf gegen die herrschenden Klassen fortzuführen und nichl zu ruhen, bis auch die Arbeitslosenversicherung ihnen abgerungen ist. Zu diesem Kampf ist eS das erste Erfordernis, daß sich die Arbeiter politisch und gewerkschaftlich organisieren. Die Versammelten geloben, soweit sie diesen Organisationen noch nicht ange- hören, sich diesen anzuschließen und unermüdlich für sie zu agi- tieren. Neukölln. Mit einem Fehlbetrag von 270700 M. schließt der neue Stadt- hauSbaltSvorschlag ab. Noch vor kurzer Zeit ließ der Neuköllner Magistrat durch die Lokalpresse verkünden, daß Neukölln, im Gegen- sah zu Schöneberg. Charlottenburg und Wilmersdorf mit 100 Proz Zuschlag auskommen werde. Die Finanzlage sei durchaus günstig. Daß bei den Vorberatungen des Etats in den Verwaliungs- deputationen an allen Ecken gespart und gestrichen wurde, daß alle sozialen Aufgaben leiden und vernachlässigt werden, nur um die ominösen 100 Proz. nicht zu überschreiten, verschwieg- man schamhaft. Alle Rechenkünste haben aber nichts genützt. Das Defizit ist da. Und diesem unangenehmen Faktum sieben Kämmerer und Magistrat ratlos gegenüber. Anstatt selbst Vorschläge für eine Aufbesierung der Finanzen zu machen und wie in Schöneberg und Charlottendurg eine Erhöhung des Zuichlages zu beantragen, überläßt es der Magistrat der Stadtverordnetenver» sammlung, aus dieser unangenehmen Sttuation einen Ausweg z« suchen. Wohl deutet der Magistrat zur Deckung des Fehlbetrages auf die Erhöhung auf 110 Proz. hin.. Gleichzeitig weist er aber auch apf den Ausgleichsfonds hjn, der mit seinen 419 000 M. als geeignet erscheint die 100 Proz. zu retten. Da eine derartige Finanzpolitik aber verzweifelte Aehnlichkeit mit der eines Bankrotteurs hat. scheint dem Magistrat dieser Ausweg doch ctlvas bedenklich, und er gibt sich der Hoffnung hin, daff im Etatsausschuß durch Ersparniffe das Defizit beseitigt werden kann. Es soll also wieder erneut geschachert werden. Und die Pofilioncn, die diesem Handel zum Opfer fallen, sie werden in erster Linie diejenigen sozialer Natur sein. Der Finanzpolitik des Magistrats steht die Auffassung der bürgerlichen Mehrheit,„nach uns die Sünd- flut", würdig zur Seite. Postamts-Diebe treiben seit einiger Zeit in Reukölln ihr Un- Wesen. Es sind nach den bisherigen Beobachtungen ohne Zweifel zwei junge Burschen, aber es wollte bisher noch nicht gelingen, ihrer habhaft zu werden. Stets werden Frauen bestohle», die ihre Hand- lasche achtlos beiseite legen, während sie an einem Pult schreiben. So erging es erst vorgestern wieder einer Frau auS der Lichtenrader Straße auf dem Postamt 2 in der Leykestraße. Ihr wurde die Tasche gestohlen, die sie neben sich auf den Fußboden gestellt hatte. In demselben Augenblick, in dem sie merkte, daß die Tasche fehlte, sah sie zwer junge Burschen eiligst ans dem Amt hinauslaufen. Sie lief mit einigen anderen Leuten hinter ihnen her, es gelang aber nicht mehr, die beiden einzuholen. Die Tasche enthielt u. a. 10 M. bares Geld. Wilmersdorf. . Im Dienste des allgemeinen Wohles' AIS in den Wintermonaten der letzten Jahre die Notlage der Bevölkerung durch die Lebcnsmutelteuerung einen Höhepunkt er- reichf hatte, verwies die selbst�untätige Regierung die Gemeinden auf ihre Pflicht,.den ltamps gegen den Zwischenhandel auszunehmen. In zahlreichen Kommunen suchte man die Schaden der agrarischen Wirtschaftspolitik teilweise zu lindern, indem man Nahrungsmittel wie Kartoffel, Reis, Milch, Fleisch zum Selbstkostenpreise an die notleidende Bevölkerung abgab. Selbst Wilmersdorf, das bei seiner feindlichen Haltung gegenüber der Sozialpolitik zunächst alle von der Sozialdemokratie vorgeschlagenen Maßnahmen ablehnte, sah sich iin letzten Jahre doch gezwungen, durch Errichtung städtischer Fleisch- und Fischhallen zur Linderung der Not beizutragen. Nicht zuletzt veranlagten dieses tatkräftige Eingreifen die Schlächter meister, die sich weigerten, den Verkauf des billigen ausländischen Fleisches zu übernehmen. Die Fleischballe, die sich durch gute und billige Ware auszeichnet und sich schon heute reichlich selbst erhalten soll, bewirkte sehr bald, daß die Händler ihre Preise zum Nutzen der Konsumenten herabsetzen mußten, ldein Wunder, daß die Schlächtermeister von Anfang an ihre Opposition anmeldeten. Jetzt gehen sie zum offenen Angriff über, indem sie zunächst den Minister für Handel und Gewerbe um Schutz gegen die„unlautere Kon- iurrenz" anflehen. Sie stellen auch wahrheitswidrigc Behauptungen auf wie die, daß der Fleischverkauf kaum von der arbeitenden Be völkcrung in Anspruch genommen wird. Tatsächlich erfreut sich die Fleischhalle bei der Arbeiterschaft großer Beliebt- h e i k, wenn auch die gemeinnützige Einrichtung erfreulicherweise neben den proletarischen Schichten im engeren Sinne auch den hier sehr zahlreich vertretenen Beamten und Angestellten mit kargem Lohn, zugute kommt. Das Geschrei der Interessenten wird bereits in der nächsten Stadtvcrordnetensitzung am 4. März und später bei zahlreichen Stadtverordneten ein lebhaftes Echo finden, denn die Fleischer und Händler besitzen schon infolge deS erbärmlichen Klassenwahlrechtes einen starken Einfluß im Stadtparlament. Für die Arbeiterschaft und alle wahrhaft fortschrittlichen Kreise gilt es aus dem Posten zu sein, um den entwickelungsfeindlichen Absichten der Rückschrittlcr entgegenzutreten. In diesen Tagen liegt in Re- staurationen, Geschäften, bei allen Bezirksführern eine Petition aus, die die Wilmersdorfcr Stadtverwaltung ersucht, die Fleisch- und Fischhalle im Interesse der Allgemeinheit weiter bestehen zu lassen. Alle Mitbürger und Mit- bürgerinncn werden aufgefordert, ihre Namen einzuschreiben. Außerdem wird das arbeitende Volk seine Stimme außerhalb deS Stadtparlamentes erheben, da die Sozialdemokratie als die stärkste Partei von Wilmersdorf durch Hinausschicbung der Ersatzwahlen gefliffentlich von der Stadtverordnetenversamm- lung ferngehalten werden soll. Die kommunalpolitischen Vorgänge Iverden in einer öffentlichen Versammlung am Freitag, den ö. März, im„Viktoriagarten' behandelt, für die Genosse Dr. Rud. Breitscheid das einleitende Referat übernommen hat. Maricndorf. Die Wahlen für die verstärkte Gemeindevertretung sind wie folgt festgesetzt: Die 3. Wählerklasse wählt am Sonntag, den 1. März, von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags, in der Turnhalle des Gymnasiums, Kaiserstr. 17—20; zu wählen sind 3 Angesessene und 2 Nichtangesessene. Die 2. Klasse wählt am Montag, den 2. März, von 12 Uhr mittags bis ö Uhr nachmittags, im Restaurant Stechert, Tempel« hofer Str. 70; zu wählen sind 3 Angesessene und 3 Nichtangeseflene. Die erste Klasse wählt Dienstag, den 3. März, bei Stechert, Tempelhofer Str. 70, von 4—6 Uhr nachmittags. Da uns vom Tage der Wahl nur noch wenige Tage trennen, muffen unsere Genossen rührig auf dem Posten sein und dem sozial« demokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Zu diesem Zweck findet neben der festgelegten Agitation am Tonnerstag. abends 6 Uhr, von den Bezirkslokalen aus Flugblattverbreitung statt. Keiner darf fehlen. In einer gut besuchten öffentlichen GemeindewShlerversammlung erstattete Genoffe Reichardt Bericht über die Tätigkeit der sozial- demokratischen Vetreter in der Gemeindevertretung. Die in sozialen Dingen rückständige bürgerlich- Mehrheit sucht diesmal durch Auf- ftellung zweier Renommierarbeiter die Wähler der HI. Klaffe zu ködern. Der Referent sowohl wie auch der Vorsitzende der Ver- sammlung ersucht die Anwesenden, den Bürgerlichen am Tage der Wahl durch eine imposante Stimmenzahl auf die sozialdemokratischen Kandidaten die Antwort zu geben. Trevtoni-Baumschulenweg. Tie Gemcindevertretcrwahl für die dritte Klasse findet am Sonntag, den 1. März von 8—12 Uhr vormittags statt. Es wählen nur die Bezirke westlich der Kiefholzftraße und zwar der Berliner Ortsteil in der Turnhalle der Schule Bouchestraße und Baum- schulenweg in der Schul« Kiesholzstraße. Die erste und zweite WSHIertlasse sind für Montag, den 2. März nach dem Rathause zur Wahl geladen. Die llflabhängigkeit der Gemeindeverord- n e t e n der zweiten Klasse ist hier über allem Zweifel er- h<Ä>en. So wurde wenigstens in der letzten Sitzung der. Gemeinde- Vertretung feierlich versichert. Und doch hat es damit ein gar eigen- artiges Bewandtnis. Bei den Wahlen im Mäpz 1912 haben von rund S00 cingetragcii-'ii Wählern der Zweiten Klasse 137 ihr Stimmrecht ausgeübt oder— ausüben lassen. Von diesen Stnn- men ruhten aber allein rund 140 in der Hand des Gemeinde- schössen Nutzholzhändlers Schmidt, der damit die Herren Gadegast, Hartrath und Lauche zu Gemeindevcrordncten ernannte. Diesmal gibt es bei 622 Wälern nur etwa 200 Forensen, von denen nach der eigenen Aussage des Herrn Schmidt ihm„nur die Hälfte' f die Wahlvollmacht erteilt hat. Er wird also am Wahltage wieder mit so einem hundert Stimmen antreten und ernennen, wen die Mehrheit des Gemeindevorstandes gnädigst in der Gemcindever- tretung dulden will. An diesem„Wahlsystem" ist nämlich nicht nur der Schöffe Schmidt interessiert, wie man-bisher annehmen konnte, nein, auch die drei übrigen unbesoldete» Mitglieder deS Gemeindevorstandes bemühen sich eifrigst Forensenstimmen her- anzuhaken. Sie haben sich gemeinsam in einem Rundschreiben an die auswärts wohnenden Stimmberechtigten gewandt und um die Erteilung der Vollmacht an ihrem Kollegen Schmidt gebeten. Man denke, von den 6 Mitgliedern des Gemeindevorstandes treten 4 mit einem Wunsche an diese Besitzer von Häusern oder Bauland heran, die doch in vielen Dingen an dem Wohlwollen desselben Gemeindevorstandes interessiert sind. Muß sich nicht bei diesen Forensen die Auffassung bilden, daß die Vollmachtserteilung auch dem Gemeindevorstand erwünscht ist? Daran ändert auch die Tat- fache nichts, daß die Herren ohne ihren Almtstitel unterzeichnen. Drei Schöffen allein unter einem Schriftstück stehend und für den vierte» bittend, werden eben für jeden Unbefangenen immer auf den Gemeindevorstand überleiten. Aber nicht genug damit, der oben nicht gut angeschriebene Grundbesitzerverein des Berliner und mittleren Ortsteiles hat den Borwurf erhoben und er ist unwider- sprachen geblieben, daß auch der evste Baumeister der Gemeinde Forensenstimmen sammeln gehe, so daß sich bei der Wahl das lieb- liche Bild ergeben kann, daß die Mehrheit des Gemeindevorstandes im Verein mit einem höheren Gemeindebeamten allein die Ver- treter der zweiten Klasse bestimmt, die dann natürlich„unab- bängig" genug sind, ihre Amtstätigkeit zu kontrollieren. Für das Unwürdige eines solchen Zustandes scheint den Betet- ligten völlig das Verständnis abzugehen. Als in der Gemeindevertretung Genosse Kißner nach der Wahrheit dieser unmöglich er- scheinenden Behauptungen fragte, wurde ihm nicht die erwartete entschiedene Verneinung. Die Herren erklärten vielmehr, dieser liebliche Brauch sei„allgemein ü blich" und sie würden es das nächste Mal wieder so riiachen, sie hätten ja nicht als„Schöf- scn", sondern als„Bürger" diese Stimmen gesammelt. Ein Ge- meindevertreter der ersten Klasse fand dieses Tun sogar noch löblich, weil dadurch doch den armen Forensen das Stimmrecht nicht verloren gehe. Die andern, denen cs durch solche Manöver illusorisch gemacht wird, stören ja nicht. Damit aber auch der Humor zu seinem Rechte kommt, fühlte sich der Vorsitzende Neumann des Baumschulenweger Grundbesitzervcreins, der sein Mandat ebew falls dieser vorzüglichen„Wahlmethode" verdankt, ver anlaßt, zu erklären, daß man sich in seinem Verein darüber nicht beschwert habe. Verständnisinnige Heiterkeit der ganzen Vertretung quittierte diese epochemachende Mitteilung. Schösse Schmidt selber aber bestritt, daß er die Wah- len„mache". Er habe immer im Einverständnis mit dem Kam- munalverein des Herrn Klapp und dem alten Grundbesitzcrverein gehandelt und diesem vor zwei � Jahren sogar ein Mitglied des neuen Vereins präsentiert und sie hätten„nichts dagegen" gehabt. Die zweite Klasse fühle sich auch nicht abhängig, bewahre, sie mucken sogar einmal gegen den Gcmeindevorstand auf. Tos stimmt immer dann, wenn dieser einmal den Arbeitern eine Kleinigkeit entgegenkommen will oder ihre persönlichen Interessen gefährdet erscheinen. Wenn aber Anträge der Linken kommen, dann ist die geschlossene Front da, der Schweigsamen, die da nicderslimmen. Man mackt wohl auch einmal blinden Lärm, wie in der Rieselfeld- angelegenheit, im übrigen aber geths bei vielen nur bis zur Faust in der Tasche. Wenn sich trotzdem in Treptow die Verhältnisse nicht ungünstiger entwickelt haben und der Ort in vielen Fragen einen Vergleich mit andern Vorortgemeinden durchaus aushält, so darf man das viel eher auf den Wertblick des Gemeindevorstandes, als solchen und das Drängen der dritten Klasse zurückführen als auf den Unabhängigkeitssinn der zweiten. Das Unwürdige dieser Wahl aber und deren Folgen werden dadurch nicht aus der Welt ge� schafft. Nun richtet sich freilich der Protest des neuen Grunde besitzervercins, der jetzt in sittlicher Entrüstung über jene Wähl- mache aufgeht, keineswegs etwa gegen dos Unrecht der Dreiklassen- wähl, gegen das HauSbch'itzerprivileg und gegen den Forensenunfug an sich, sondern nur gegen den einen Auswuchs, solange er seine Mitglieder benachteiligt. Diese würden wahrscheinlich kein Haar anders handeln, wenn das Machtverhältnis sich zu ihren Gunsten verschöbe. Für die Rechte des Volkes in der Gemeindeverwaltung einzutreten, bleibt auch hier einzig und allein unserer Partei vor- behalten, die dazu in ihren Wählcrversammlungen am Donnerstag Stellung nehmen wird. Karlshorst. Bon seinem Wage» überfahren und getötet wurde gestern mittag in der Wallensteinstraße der 40jährige Kutscher Karl Hoppe. Die Räder drückten ihm den Brustkasten ein, so daß der Verunglückte wenige Mnuten später starb. Itieder-Schöneweide. In der letzten Gcmeindevertretersitzung wurde der Antrag unserer Genossen, die diesjährige Gcmeindcvertreterwahl auf einen Sonntag anzusetzen, gegen die Stimmen der Antragsteller ab- gelehnt: der Gemeindevorsteher will jedoch die Wahlzeit der dritten Abteilung aus nachmittags 1 Uhr bis abends 7 Uhr festsetzen. Es scheiden aus in der ersten Abteilung Herr Druhm, in der zweiten Abteilung Herr Klix und in der dritten Abteilung unser Genosse Ladendors und Herr Evikiiw; letzterer durch Los. Leider hat der Herr Gemeindevorsteher den Tag der Wahl noch nicht bestimmt. Von der Regierung ist die Genehmigung für den neuen Schulbau eingelaufen; mit demselben soll im Monat März begonnen werden. In die Schulbaukommission wurden die Herren Schulze, Knappe, Fricke. Poseck und Petri gewählt; von unseren Genossen wurde niemand berücksichtigt. Auf die fortgesetzten Anregungen unserer Genossen zwecks Verbilligung des Leucht- und ftochgases bzw. Schaffung eines Einheitspreises schlägt die Gaskommission vor. das Leuchtgas vom 1. April d. I. ab von 17 auf 16 Pf. pro Kubikmeter herabzusetzen; der Preis des jwchgascs bleibt wie bisher auf 12 Pf. bestehen. Zu dem Antrag der Lehrer auf Erhöhung ihrer Orts- und Amtszulag« sowie günstigere Verteilung derselben wurde beschlossen, sich dem Vorgehen Ober-Schöncweides anzu- schließen. Dem Erlaß einer Ortssatzung, betreffend die Befreiung der Beamten und Lehrer von der Krankenversicherungspflicht, wurde zugestimmt. Das Gesuch des hiesigen Turnvereins(„Deutscher") auf Mitbenutzung des Spielplatzes wurde abgelehnt mit der Bc- gründüng, daß der Spielplatz für jedermann da sei und von einer Extravaganz Abstand genommen werden müsse. Der Antrag auf Errichtung von Arbeitsnachweisen wurde einer.Kommission, be- stehend aus den Herren Eick, Dr. Lange, Fricke und Genossen Bengsch überwiesen. Die Schulaufsichtsbehörde fragte noch einmal an, ob der seinerzeit gefaßte Beschluß der Gemeindevertretung fernerhin bestehen soll, wonach die Gemeindeturnhalle in keine Schnkturnhalle umgewandelt würde; die Anfrage wurde dahin beantwortet, daß die Gemeindevertretung an der Genehmigung der Schillaufsichtsbehörde im Jahre 1908 auf Erbauung einer Ge- meindeturnhalle, die auch der Schule ganz zur Verftigung stcht, keine Aenderung vornehmen will. Der Haushaltungsvoranschlag für 1914 balanciert in Einnähme und Ausgabe mit 562 140,30 M., das ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 29987.80 M. Die Zu- schlüge betragen für Einkommensteuer 100 Proz., für die erste und zweite Klasse der Gewerbesteuer 200 Proz., für die dritte und vierte Klasse 150 Proz. An Gemcindegrundsteuer wird für die bebauten Grundstücke 2,5 v. T., für die unbebauten 5 v. T. er- hoben. Die der Gemeinde gehörigen Kapitalien, Legate und Stis- ttingen nach dem Stande vom 1. Januar 1914 betragen 977 050,98 Mark. Die Gesamtschulden nach dem Stande vom 1. April 1914 2 567 889 M. Der Etat der Ortskanalisation weist 52 257,21 M., der der Gemeindegasanstalt 196 800 M. auf. MahlSdorf an der Ostbahn. Die Gemeindevertreterfitzung beschäftigte sich zunächst mit der Feststellung der Jahresrechnung für 1V12. Die Rechnungsprüfungs- 1 kommission monierte verschiedene recht erhebliche Etatsübcrschrci- jungen, namentlich bei den.�Vermessungsarbeiten. Sic verlangt, daß der Gemeindevorstcher künftig solche Fälle der Gemeindcver- tretüüg zur vorherigen Beschlufesassung unterbreitet. Dem wurde einmütig zugestimmt. Der 2. Punkt betraf den Erlaß einer neuen Hundesteuerordnung. Diese wurde mit den Abänderungsantragen der Kommission angenommen. Herr Siewert wollte bei dieser Ge- legenheit wieder ein Vorrecht für größere Grundbesitzer durchsetzen, indem er Steuerfreiheit für eine unbegrenzte Zahl von Wachhunden für größere Grundstücke verlangte. Das hätte zur Folge gehabt, daß die Minderbemittelten ihre Hunde besteuern müßten, die Wohl- habenden aber volle Steuerfreiheit genießen würden. Das An- sinnen wurde mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Der� 3. Punkl betraf Einsprüche gegen die Richtigkeit der©emeindewählerliste». Während die Ausstellung der Wählerlisten früher als sehr gut bc- zeichnet werden konnte, lagen diesmal eine ganze Anzahl von Ein- sprüchen vor, die größtenteils berücksichtigt werden mußten. Teils handelte es sich um die Aufnahme in die Listen überhaupt; teils um Versetzung in eine höhere Wählerabteilung. Genosse A. Schmidt bemängelt die Ausstellung der Listen im allgemeinen. Es seien zweifellos viele Personen nur mit den von ihnen gezahlten, anstatt mit den veranlagten Steuersätzen eingestellt worden,>oas eine be- deutende Verschiebung zu Ungunsten der 3. Abteilung bedeute. Tie Versicherung des Herrn Schöffen Ncack, daß auch anderwärts Irr- tümer vorkämen, war demgegenüber nur ein schwacher Trost. Eine längere Debatte entspann sich über die Erwerbung von 216 Ouadrat- metcr Gemeindeland a 2,50 M. zwischen den Herren Schulz und Beith. Schließlich wurde der Vorlage zugestimmt. Tie ausgestellte Gebührenordnung für das Nbdeckereiwesen hat nicht die Genchmi- gung des Kreisausschusses gefunden, der dabei auf das Privileg der Köpenicker Abdeckerei hinweist. Von der Ncuausarbeitung einer Gebührenordnung soll abgesehen werden. Der Kreisausschuß bat dem Gemeindevorsteher aus seinen Antrag eine nicht pensimiSsähigc Gehaltszulage von 200 M. gemäß§ 18; 3, des Kommunalbcamien- gesetzcs bewilligt. Begründet.wird diese Erhöhimg u. a. damit, daß der Gemeindevarsteher vor Eingemeindung des Gutes in seiner Eigensefiaft als Vorsteher des Schulverbandes eine Entschädigung von 200 M. bekommen habe, die nach der Eingemeindung fortgc- fallen sei. Es sei aber nicht angängig, einniqi vorhandene Bezüge zu kürzen. Die Vertretung nahm das Schreiben zur Kenntnis. Tegel. Tegel im Zeichen der Wahlen. Unsere Gemeinde hat in der kommenden Woche vom Montag, den 2. März ab, an sechs hinrereinandcr folgenden Tagen Wahlen vor- zunehmen. Tie regelmäßigen E r g ü n z u n g s w a h l c n zur Gemeindevertretung, und zwar zunächst in der dritten Abteilung, beginnen Montag, den 2. März, von mittags 12 Uhr bis abends 7 Uhr, mit der Wahl von z w.c i Vertretern aus die Dauer von 6 Jahren; beide müssen Angesessene sein. Am Dienstag, den 3. März,.folgt die Wähl eines Ver- treters der dritten Abteilung auf nur 4 Jahre, ebenfalls von 12 bis 7 Uhr; dieser Vertreter kann Ä i ch ta n.ge s e sse n e r sein. Beide Wahlen finden im Restaurant Hamnseck, Hauptstr. 6, statt; cs ist besonders'zu beachten, daß hierbei nur der e r st e Wahlbezirk zu wählen hat. Er umfaßt folgende Straßen; August-Miiller- Straße, Bahnhof, Bahnhofstraße, Bahnhofplatz, Berliner Straße, Buddcstraßc, Charlottenburger Straße, Hauptstraße, Hermsdorser Straße, Schloßstraßc, Schöneberger Straße, Schulstraße, Seidel- straße, Spandaucr Straße, Trcskowstraßc, Userstraße, ferner den neuen Ortsteil an der Humboldt-Oberrealschule jenseits der Staatsbahn mit der Kolonie„Freie Scholle". Der zweite Wahlbezirk bleibt von der diesmaligen Wahl unberübrt; es erwächst unseren Genossen dort die Pflicht, dem ersten Bezirk durch eine tatkräftige Unterstützung zum Siege zu verHelsen. Alle drei Mandate müssen der Sozialdemokratie erobert iverden. Am Donnerstag, den 5. März, nachmittags von 3 bis 7 Uhr, findet die Wahl zweier Vertreter der zweiten A b t e i l u n g auf 6 Jahre und am Freitag, den 6. März, von 3 bis 7 Uhr, die Wahl eines Vertreters auf 2 Jahre statt; alle drei müssen An- gesessene sein. Wahllokal:„Tustulum", Hauptjtr. 17s, am Tegeler See. Am Sonnabend, den 7. März, 11 bis llth Uhr vormittags, Wahl eines Vertreters(Angesessener) auf 6 Jahre. Wabllokal; Kommissionszimmer des GemeiiideverlvaltungSgebäudes. Beitstr. 3. Um beim Wahlgeschäft eine glatte Erledigung zu erzielen, ist die amtliche Legitimation Skarie oder ein ähnlicher, die Persönlichkeit des Wählers bezeugender Ausweis dem Wahl- leiter vorzuzeigen.. � Die Gewerbegcrichts Wahlen finden zwischen diesen Gemeindevertretenvahlen statt, und zwar am Mittwoch, den 4. März, in der Zeit von mittags 12 Uhr bis abends 3 Uhr. Wahllokale: Tegel: Restaurant Hamuscck, Hauptstr. 6; Wittenau: Gesellschaftshaus, Hauptstr.>5; HermSdorf: Restaurant Seebad(Jnh. Paul Schultz), See- straße 14. Zu wählen sind für Tegel ein Arbeitnehmer, für Wittenau ein Arbeitgeber und ein Arbeitnehmer, für H e r m s- d o r f ein Arbeitgeber. Wahlberechtigt ist hier nur derjenige, dessen Ausnahme in die Gewerbegerichtsbeisitzer-Wählerlisten bis ein- schließlich 7. Februar d. I. beantragt und nicht versagt ivorden war. Diese Wahl geschieht durch geschriebene oder gedruckte Stimm- zettel, die zu ihrer Gültigkeit nicht mehr Namen enthalten dürfen, als Beisitzer zu wählen sind. Hausgewerbetreibende toählen und sind wählbar als Arbeitgeber, sofern sie selbst mindestens einen Arbeiter regelmäßig das ganze Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigen, anderenfalls als Arbeitnehmer. Auch bei dieser GctverbegerichtSwahl haben unsere Genoffcn die Pflicht, ihr Wahlrecht auszuüben und den von den freien Or- ganisationen ausgestellten Beisitzern das Gewerbegericht erobern zu helfen._• i Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Alt-Glienickc. Mittwoch 6'/, Uhr im Bohnschcn Lokal, Grünauer Straße 55. Gichwaldc. Mittwoch, abends 5'l: Uhr, im Rathausc, Grünauer Straße. Etatbcralunq. Neukölln. Donnerstag, den 26. Februar, nachmittag» 5 Uhr, im Rathaule, Berliner Sir. 63. Nieder- Schönhauscn. Heute Dienstag, nachmittags 6 Uhr, im Rathause. Tlcse Sitzungen sind Ssscnllich. Jeder GcmcindeangehSrige iß bc< rcchtigl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Sriefkaften öer Cxpeöiti'on. Patienten i» Beelitz, Bach und andere» Htilstiittcn. Diejenigen unserer Monnentcn, Me noch während des ganzen»Schiten MonaiS tn der Heililätto bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ucdcrweisung von Frei- eicmvlarcn sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern dcZ neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. BSasserstandS-Nnetzrichten der Landesanstalt für Eewäsjeriunde, mitgeteilt vom Berliner ZSetterburcao Wasserstand Memet, Tilsit P r e g c l, Jn sterburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor . Zkrossen grankiurt Warthe, iochrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandaus . Ratdenow'j Spree, Spremberg») , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSa» , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Hanau Mosel, Trier >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnterpegel. Eine hochinteressante Weltreise sür nur 15 Pf» die Woche. Was rcgt den Geist von neuem am bringt Frohsinn und Schaffens- frcude wieder-- V Reiselust und Reisen I Wir wollen erfahren� wie die Welt in Wirklichkeit mit all dem Reichtum ihrer Nntmschönheiten aussieht, und wie die Menschen daraus leben. Wer Zeit und Geld hat, der reist. Aber wie viele können dieses überhaupt und sollen sie es sich ver- sagen? Nein!— Trete daher jeder mit uns getrost die Weltreise an und lerne die Macht der Natur, die Sitten und Gebräuche der verschiedenen Menschenrassen ohne Reiscbcschwcrden, teure Ausrüstungen und Reise- Er kann alles im gemütlichen Heim für nur 15 Ps. vro itschrist„Durch alle Welt" genießen. Um der Reise Keffer folgen zu können, erhalten alle Abonnenten außerdem in Lieferungen einen großen geldcr kennen. Woche durch unsere illustrierte Zeitschrist Uttiversal-Handatlas gratis. Derselbe enthält über 320 Boll- und Nebenkarten. 42/2 Sobald Sie den Bestellschein ausgefüllt und eingesandt haben, wird die Reise angetreten. Bestellschein. Vv An die Expedition von„Durch alle Welt", Berlin-Schöneberg, Am Park 11. Ich abonniere hiermit„Durch alle Welt" a 15 Ps. pro Hcst wöchentlich durch Boten frei ins Haus. Name........................................... Ort, Straße...................................... Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). 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In Sivbiltachk des Arbeitsmangels wird davor gewarnt, nach Warschau zu reisen, ohne vorherige Verständigung mit dem Fachverbande der Arbeiter der Bildhauer und Stulkateur- Anstallen. �Vsrsu-iiau. Jlledriana- StroBe 8. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für tien Inseratenteil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul TUcht. zuverl. Arbeiter, der mod. Pelzimitationen aus Mohair-Plüschc selbstg. herstellen lann aus dauernd. Stellung geg. bob. Lohn nach auswärts gcs. DiS- kretion zuges. 25/16 Gest. schr. Off. U.+7. L 3159 an Rudolf Masse, Köln, erb._ Aclitungl Holzarbeiter. Wegen Streik oder Sohn diffrrenzen sind gespcrrt: Holzbearbeituiigsfabrik«lltliei' & Prokop, SchSncbcrg.Scljtgtr Straße 61. Das Berliner Arbcttswtlltgeu. vermitteliingsbureau d. gelben .Handwerterschunverbanbes». Zuzug ist streng lernzuhallen. vie ortsvervaltuag llerlio ckes Veatschev flolrsrdeiterrerbggcks» Singer& Lo„ Berlin SW. Nr. 54. 31. Jahrgang. 3. Mge des Jonärts" Strlinet IsllisMstl Dienstag. 24. Februar 1914. �bgeorönetenhaus. S4. Sitzung. Montag, den 23. Februar 1914, mittags 12 Uhr. Lm Ministertisch: Ministerialdirektor Kirchner. das MeüiZinalwefen. Abg. v. Pappeuheim(k.) rühmt die Krankenhäuser: sie entsprechen allen Anforderungen. Es müssen aber noch mehr als bisher kleine Krankenhäuser errichtet werden. Diese kleinen Krankenhäuser brauchen nicht mit den sämt- lichen teuren Apparaten ausgerüstet sein. Unsere guten Verkehrs- Verbindungen ermöglichen es, große Operationen in den großen Krankenhäusern vorzunehmen. Unser Krankenpflegepersonal verdient die höchste Bewunderung. Alle Schichten unseres Volkes nehmen teil an dieser Liebestäligkeit. Abg. Frhr. v. Steiuäcker(Z.): Der steigende Geburtenrückgang muß uns sehr bedenklich stimmen, namemlich im Hinblick auf unsere Wehrkraft. Nicht sexuelle Enthalrfamkeit, sondern steigende Unsitllichkeit ist der eigentliche Grund, auch wirtschaftliche Ursachen können ihn nicht erkären, da wir gerade ihn besonders in den be fitzenden Klapen konstatieren können. Der Schrei nach dem Kinde ist verklungen. Ich kann auch dem Abg. S l r ö b e l nicht beistimmen, der früher einmal ausführte, daß die Beschränkung der Kinder�ahl ein Beweis für ein fortgeschrittenes soziales Verauiwortungsgefühl sei. Gerade das Verantwortung»- gcsühl dein Vaterlau de gegenüber ist im Schwinden begriffen. Herr Minister, unterstützen Sie uns im Kampf gegen die empfängnis- verhütenden Mittel! Vor allem inüssen wir hier die Sozial- d e m o l r a r i e bekämpfen, die die künstliche Beschränkung des Kindersegens und die autikonzeplionellen Mittel auf alle Weise propagiert. Man untergräbt die Religiosität der Frauen, um sie für die Gedanken der Geburlenverhülung zu gewinnen. Frauen, die in öffentlichen Versammlungen dafür Propaganda machen, sind schliinmer als wilde Tiere!(Bravo! im Zentrum.) Minister v. Dallwitz: Was auf pölizeilichem Wege geschehen kann, soll geschehen. Wir suchen die Anpreisung der antikonzeptionellen Mittel und ihren Ver- trieb zu verhindern. Gegenwärtig befaßt sich auch der Reichstag mit Maßnahmen, um den Vertrieb und die Reklame dieser Mittel durch den Handel von Haus zu Haus auf gesetzlichem Wege einzuschränken. Diese Maßregel ist deshalb von Bedeutung, weil der Vertrieb der aniikouzeplionelleu Nüttel namentlich durch diese An des Handels besorgt wird. Eine Reichstagskommission verlangt ein Gesetz, das die antikonzeplionellen Mittel, insoweit nicht der Schutz der Ge- sundheit entgegensteht, verbietet. Außerdem wird in einigen Wochen eine eingehende Denkschrift über diese Frage übergeben werden. Abg. Dr. Grund snatl.): Im Handelsverkehr mit Erzeugnissen der NahrungSmittelchemie fehlt es an gesetzlichen Normen. Meistens wird aus Unkenntnis gegen daS Nahrungsmittelgesetz verstoßen und dem Mittelstand wird durch eine rigorose Handhabung des Gesetzes das Leben sauer ge- macht. Die Beamten der Nahrungsmittelämter müssen besser bezahlt und die Aemtcr selbst verstaatlicht werden. Geheimrat Dr. Abel: Hinsichtlich der Normen im Handel mit Erzeugnissen der NahrungSmittelchemie schweben Erwägungen. Abg. Dr. v. Woyua(fk.): Da durch die Reichsversicherungsordnung der Kreis der Ver- ficherten erweitert ist, ist die Errichtung neuer kleiner Krankenhäuser dringend notwendig. Wir begrüßen die Auflösung des Reichsver- bandcs der Aerztc: die Aerzte stehen viel zu hoch, als daß sie nach Art einer Gewerkschaft eine Kainpfstellung einnehmen könnten. Für die Volksgcsuudheir ist viel geschehen. Gegen die epidemischen Krank heilen, z. B. gegen die spinale Kinderlähmung, muß noch mehr getan werden. Dem Geburtenrückgang können vor allem die H e b a m ni e n entgegenwirken, die ein praktisches Interesse an der Vermehrung der Geburten haben. Medizinaldirektor Dr. Kirchner: Ueber die spinale Kinderlähmung werden gegenwärtig ein- gehende Untersuchungen angestellt. ES handelt sich um eine Infektionskrankheit, deren Erreger so klein ist, daß wir ihn mit unseren heutigen Mikroskopen nicht erkennen können. Es wird alles geschehe», um diese entsetzliche Krankheit zu bekämpfen. Der Geburtenrückgang ist eine Bolkskrankheit, der mit polizeiliche» Maßnahmen nicht beizukommc» ist. Aerzte, Lehrer und Geistliche müssen die Frauen auf die Gefahren der künstlichen Beschränkung der Geburten aufmerksam machen. Die katholische Geistlichkeit ist warnend uorgegaugen, hoffentlich folgt die p r o t e st a n t i s ch e bald. Die Zahl der Unter- brechungen der Schwangerschaft ist größer als je zuvor. Die Hebammen und die im Dienste deS Vereins der Säuglingssterblichkeit befindlichen Personen können durch ge- eignete Ausklärung segensreich wirken. Die übertragbaren Geschlechtskrankheiten nehmen bei uns einen geradezu erschrecklichen Umfang an und richten die fürchterlichsten Verheerungen an. Die Zahl der Einkinderehen, deren Ursache ausschließlich die Gonorrhoe ist, ist enorm. Der allgemeine sittliche Zustand des Volkes muß gehoben werden.(Lebhafter Beifall rechts.) Die in bedenklichstem Umfang auftretende Verhinderung der S ch iv o n g e r s ch a st ist eine schwere Gefahr für das Volk und namentlich für die Frauen. Daraus iollls» alle hinweisen, die eS mit dem Volk gut meinen, ebenso auf die Gefahren der Geschlechts- Irankheiten. Auch eine Zentralisierung der Säuglingsschutzbestrebungen wäre zu wünschen,(Beifall.) Abg. Hirsch(Soz.): Nach den Reden der Abgg. v. W o y n a und Freiherrn von Steinaecker müßte man glauben, daß die Sozialdemokratie zu allen anderen Beichuldigungen auch noch am Geburtenrückgang schuldig sei. Die Behauptung v. Steinaeckers, daß mein Freund S t r ö b e l hier den Geburtenrückgang gepredigt habe, ist ganz falsch, beim das slenographiiche Protokoll beweist, daß die be- treffenden Sätze nicht Siröbels eigene Meinung, fondern feine Dar- stellung die Meinung anderer gewesen ist. Slröbel selbst bar aber ausdrücklich erklärt, daß die Sozialdemokrane in der Be- schränkung der Kinderzahl keine Hebung des Proletariats erblicke, daß sie sehr wohl wisse, daß in dem kinderarmen Frankreich die Lage des arbeitenden Volkes nicht besser ist, und daß wir unserer eigenei, Nation die größtmöglichste Machrfülle wünschen, deren Vor- bedingung eine möglichst große V o l k s z a h l ist.(Hört I hörl! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Bericht der Budget- kommission weiter sagr. daß bei allen bürgerlichen Parteien die lleberzeugung durchgedrungen sei, daß es sich hier um ein großes Problem handele, io soll das vielleicht heißen, daß dieses von der Sozialdemokrnlie schon längst e r k a u n r ist!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Jedenfalls aber iollie man in die Erörterung einer solchen, das ganze Polt ohne Unterschied inleressierenden Frage nicht politische Ilnrerschiede hineintragen. Wie kann man nur die Bedeutung der wirtschaftlichen Lage für die Frage des Geburten- rückgangeS verkennen I Handelle es sich dabei wirklich nur um sittliche Momente— was hätte es dann für einen Zweck, daß Sie kinderreicheu Beamten Beihilfen bewilligen; Sie wollen doch damit ihre Lage bessern. Auch der Hirtenbrief der Bischöfe erkennt an, daß Not und Wohnungselend ani Geburtenrückgang schuld sind. Nach der Statistik des Berliner Statistischen Amts hat hier der Geburten- rückgang zur Zeit des Beginns unserer Schutzzollpolitik eingesetzt und war am größten im Jahre 1911, im Jahre der größten Teuerung. Für ganz Deutschland beweist die Statistik eine ganz rapide Zunahme des Geburtenrückgangs, namentlich für die Jahre von 1992 bis 191l, wo die stärkste Lebensmittelteuerung herrschte. Eine weitere Ursache ist die Frauenarbeit, zu der die Frauen dort genöligt sind, wo das Einkommen des Mannes zur Erhaltung der Familie nicht ausreicht. Sorgen Sie alio mit uns dafür, daß die Frauen nicht zur Erlverbsarbeit gezwungen werden, Uebrigens scheint auch die G e b ä r f ä h i g I e i t der Frauen abgenommen zu haben. Wenn Sie der Erscheinung des Geburtenrückganges Herr werden wollen, müssen sie ihre Ursachen beseitigen, aber nicht nur über Un- sittlichkeit schreien.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Es ist hier behauptet worden, daß die Sozialdemokratie eine Agitation sür die Geburtenbeschränkung geduldet und gefördert habe. Tatsache ist aber, daß in dem Augene blick, wo diese Agitation einen größeren Umfang annahm, d i- Parteileitung in Berlin Versammlungen gegen diese Agitation einberufen hat. Wir wissen sehr wohl, wie falsch die Behauptung ist, daß der Gcbärstreik eine revolutionäre Waffe sei, denn wenn der Staat weniger Soldaten bekommt, wird er die Anforderungen an die Militärtauglichkeit herab- setzen und wenn die Kapitalisten keine Arbeiter erhalten, werden sie Kulis einführen. Künstliche Einsckiränkung der Geburten- zahl kann aber in Fällen besonderen Elends gewiß m e n s ch- lich erklärlich sein. Aufklärung der Massen tut hier not, ebenso wie Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten; diesem Kampf aber würde durch das von Ihnen verlangte Verb o t der antikonzeptionellen Mittel in widersinnigster Weise gehindert werden.(Sehr wahr! links.) Die Säuglingssterblichkeit hat im Vorjahr wieder zugenommen und sie ist auf dem Lande größer als in den Städten und besonders groß im O st e n. (Hört! hört!- links.) Was gegen die Säuglingssterblilbkeit geschehen ist, ist zumeist von den Gemeinden getan worden. Wir brauchen aber Schwangerschaftsversicherung und mehr W ö ch n e- rinnenhilfe, darauf muß der Staat die Gemeinden hinweisen und ihnen, wenn es nötig ist, beistehen. Der Staat muß aber auch energischer als bisher den Kamps gegen die ans sozialen Ursachen entstehenden und sich verbreitenden Bolkskrankheiten führen. Dazu gehört eine größere Ausbildung der Aerzte in sozialer Medizin. Wenn Dr. M u g d a n, der dock gewiß in sozialer Medizin nicht ungebildet ist, bestreitet, daß die Schwindsucht eine Proletarier- krankheit sei und uns beschuldigt, die» nur zu behaupten, um die Stimme des Volkes aufzupeitschen, so widerlegt doch die Statistik den Abg. Dr. Mugdan auf das Bündigste. Die Proletarier werden auch prozentual in stärkerem Matze von der Schwindsucht ergriffen als die Angehörigen der bürgerlichen Schichten.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie also ein gesundes, kräftiges, sich vermehrendes Volk haben wollen, dann erschweren Sie vor allem nicht denen, die um die Besserstellung der breiten Vollsmassen kämpfen, ihren Kampf. Nur wenn Sie das tun, dienen Sie der Gesamtheit und leisten dem Vaterland den Dienst, den zu leisten jeder wahre Patriot verpflichtet ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Mugdan(Vp.) wünscht Vermehrung der hauptamtlichen Kreisarztstellen und der Fürsorgestellen gegen VolkSkranlheiten. Der Geburtenrückgang ist nicht auf wirtschaftliche Verhältnisse zurück- zuführen, denn dort, wo die Frauen noch die schwersten körperlichen Arbeiten leisten müssen, besteht kein Geburtenrückgang. Der Ge- burtenrückgang ist durch Rationalisierung des Geschlechtslebens zu erklären. Die Tuberkulose ist keine Proletarier- krankheit und die bürgerlichen Kreise haben viel für ihre Be- kämpfung getan.(Beifall bei der Volkspartei,) Ministerialdirektor Dr. Kirchner: Ich freue mich über eine Aeußerung de» Abg. Hirsch, daß die Sozialdemokratie den Geburtenrückgang bedaure: es wird sehr nütz- lich sein, diese Aeußerung im Volke zu verbreiten. Bisher hat man es nämlich anders gelesen. Aus die schlechte wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft läßt sich der Geburteuückgang nicht zurückführen: denn es ist bewiesen, daß sich die Lage der Arbeiter gehoben hat. Die Zahl der voll besoldeten Kreisärzte wird vermehrt werden. Die Tuberkulose ist keine Proletarierkrankhert(Beifall rechts), sondern eine Krankheit der Familie. Man hat der Medizinal- Verwaltung hinsichtlich ihrer Stellung in dem Kampfe zwischen Krankenkassen und Aerzten Vorwürfe gemacht ohne Grund. Die lieber- wachung der Krankenkassen ist Sache de» Ministers für Handel und Gewerbe. iBeifall rechts.) Abg. v. d. Osten(k.): Wir begrüßen es, daß zwischen Krankenkassen und Aerzten end- lich Frieden geschlossen wurde. Wir fordern eine bessere Krüppel- fürsorge. Die Nahrungsmittelkontrolle soll nicht schematisch gehand- habt werden. Da» Zusammengehen aller bürgerlicher Parteien zur Bekämpfung des Geburtenrückganges ist erfreulich. Heute haben sich zwar die Sozialdemokraten hier diesem Vorgehen ange- schlössen, aber außerhalb dieses Hauses machen sie es ganz anders, indem sie durch Lichtbildervorträge und durch Bro- schüren mit Illustrationen, ivie sie der Verlag„Vor- w ä r t s" und der bekannte Züricher Arzt(Dr. Brubpacher) herausgegeben haben, für den reichlichen Gebrauch der empfängnis- verhütenden Mittel Propaganda machen. Der Abg. Adolf Hoff- mann hat im Februar vorigen Jahres den Ernst bei der BeHand« lung dieser Frage vermissen lassen, indem er ganz persönliche Momente dabei zur Sprache brachte und die Zahl seiner Kinder hervorhob. Ihre(zu den Sozialdemokraten) heutigen Aeußerungen haben also nur sehr geringen Wert. Die Regierung sollte vor allen Dingen gegen die unheilvolle Organisation der gewissenlosen Fabrikanten der antikonzeptionellen Mitiel vorgehen und alle Parteien sollten in dieser Frage das Wohl des ganzen Volkes über die Sonderinteressen stellen.(Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Reibenstein(Z.) wünscht Maßnahmen zur Bekämpfung der Malaria in Ober- schlesien. Ministerialdirektor Dr. 5lirchner: Wir haben bereits Maßnahmen getroffen Abg. Dr. Loh mann(natl.) Der Geburtenrückgang zeigt eine fortschreitende EntWickelung. Die ausschlaggebende Ursache ist die Genutzsucht in allen Kreisen der Bevölkerung. Die Arbeiterschaft hat sich dabei als ein sehr ge- lehriger Schüler der schlechten Sitten der oberen Zehn- t a u s e n d erwiesen. Es ist vollkomiiien falsch, wenn man den Schutzzoll als die Ursache einer angeblichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage uad de>' Geburtenrückganges ansieht. Das ist io ein Steckenpferd des Abg. Hirsch(Widerspruch b. d. Soz.). Die protestantische Kirche ist leider nicht so energisch gegen den Ge- brauch der antikonzepttonelli-n Mittel vorgegangen, wie die katho- tische und wir erwarten, daß es noch geschehen wird. Die Ver- Hinderung der Empfängnis trägt zum Geburtenrückgang mehr bei, als der künstlich herbeigeführte Abort. Jetzt halten sich schon Aerzte für berechtigt, aus sozialen Gründen den Abort herbei« zuführen.?Nit dem dankenswerten Borgehen der Reichsgesetz- gebuiig gegen die Anp:eisuiig antikonzeptioneller Mittel werden wir nicht sehr viel erreichen. Es geht mit uns abwärts. (Beifall bei den Nationalliberalen). Ministerialdirektor Dr. Kirchner: Es gehört oft eine große Charakterfestigkeit der Aerzte dazu, das Verlangen der Frauen aus allen Ständen nach einer künst- lichen Unterbrechung der Schwangerschaft, ohne daß für sie eine Gefahr für Gesundheit und Leben vorliegt, energisch abzuweisen. Das ärztliche Ehrengericht wird unnachsichtlich gegen nachgiebige Aerztc vorgehen. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß ein bekannter Fraucnarzl die Unterbrechung der Schwanger- schaft bei schwindsüchtigen Frauen für gerechtfertigt erklärt hat. Ein Antrag aus Schluß der allgemeinen Besprechung wird angenommen. Abg. Adolf Hoffmann(persönlich): Ich mutz mich gegen die Aeußerung des Abg. v. d. Osten wenden. In einer Auseinandersetzung mit dem Abgeordneten Ströbel hat er auf einen angeblichen Unterschied zwischen unserer Theorie und unserer Praxis in Sachen des Geburtenrückganges hingewiesen und ist dabei uns gegenüber zuerst persönlich geworden. Außerdem hat er gegen eine Broschüre polemisiert, von der er zugeben mußte, daß er sie gar nicht gelesen habe. Auch die Aeußerung des Abgeordneten Lohmann, daß ich den Geburten- rückgang auf die Not und das Elend der arbeitenden Bevölkerung allein zurückgeführt habe, ist unzutreffend, da ich ja ausdrücklich erklärt babc, daß die„bessere" Gesellschaft lange vor der Arbeiter- schaft Gebrauch von den empfängnisverhütenden Mitteln gemacht habe. Abg. Hirsch(Soz.) Der Schluß der Debatte macht es mir leider unmöglich, sie gegen mich gerichteten Angriffe zurückzuweisen. Wenn der Ab- geordnete v. d. O st e n die Sozialdemokratie ausschließen wollte von dem gemeinsamen Kamps gegen den Geburtenrückgang, so hat er damit bewiesen, daß ibm der Kampf gegen die Sozialdeinokratie wichtiger ist als gegen den Geburtenrückgang.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stanke(Z.): wünscht eine Vergrößerung des hygienischen Instituts iu Beuthen und ein neues Nahrungsmittelinstitut in Ratibor. Ministerialdircktor Dr. Kirchner: Es dürfen nicht zu viel Nahrungsmittelämter geschaffen werden. Abg. Harnisch(Soz.): DaS Kind Hedwig des Gymnasiallehrers Prof. Dr. M i x u s- Dortmund war vom Arzt von der Impfung befreit worden, weil es krank war und die Impfung nicht vertragen könne. Trotzdem sollte das Kind zwangsweise geimpft werden. Es wurde von der höheren Lehranstalt verwiesen, weil eS eine gesundheitliche Gefahr sei; man legte Herrn Mixus nahe, sein Kind in die Volksschule zu schicken, dort würde es keine gesundheit- liche Gefahr seinl(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In einem offenen Brief fragt der Vater, ob denn die Volksschulkinder gut genug seien, gesundheitlich gefährdet zu seinl Ich frage, ob der Fall so liegt— dann ist er ein wahrer Skandal! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Entweder das Kind ist ungefährlich, dann kann es auch in der höheren Schule bleiben, oder es ist gefährlich, dann darf man es auch nicht in die Volksschule stecken. 89 Aerzte haben erklärt, daß ein ungeimpftes Kind gar keine Gefahr für seine Mitschüler darstelle. Ich ersuche um Aufklärung über diesen Fall.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Persönlich, nicht als Fraktionsredner, frage ich, wie sich die Regie- rung zur Einsetzung einer paritätischen Kommission zur Prnfting der Jmpffragc und zur Einführung der Gewissensklausel stellt. Ministerialdirektor Kirchner: Die Beantwortung dieser Fragen gehört vor den Reichstag.— Herr Prof. M i r u s ist überzeugter Jmpfgegner, der seine Kinder aus Grund von Attesten der überzeugtesten Jmpfgegner Preußens nicht impfen ließ. In solchen zweifelhaften Fällen muß nach dem Gesetz Untersuchung durch den Jmpfarzt eintreren. In dieser Sache hat der K u l t u s m i n i st e r enlschieden, sie gehört also nicht zum Medizinalwesen. Natürlich ist ein ungeimpftes ge- sundes Kind nicht gefährlich. aber eS würde einer Pocken- einschleppung �gegenüber weniger widerstandsfähig sein. Von höheren Schulen können solche Kinder zurückgewiesen werden, von der Volksschule nicht. da sie dorthin auf Grund des gesetzlichen �schulzlvaiigs kommen. sZurufe der Sozialdemo- kralen: Besteht die Gefahr nicht auch für die Volksschüler?!) Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Etat des Ministeriums des Innern und ohne Debatte die Z i v i l l i st e und das Zivilkabinett erledigt. Dienstag 11 Uhr: Bauetat. Schluß 53/4 Uhr._ parlamentarisches. Handlungsgehilfen und Äonkurrcnzklausel. Die Reichstagskommission zur Vorberahrng des Gesetzentwurfs über die Neuregelung der Konnirrenzklausel hat die 2. Lesung der Vorlage beendet. Nach den Kommissionsbeschlüsscn erhalten die wichtigsten Paragraphen des Handelsgesetzbuches folgenden Wort- laut: Z 74. Eine Vereinbarung zwischen dem Prinzipal und dem Handlungsgehilfen, die den Gehilfen sür die Zeit nach Seen- digung des Dienstverhältnisses in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt iWettbewevbverbot), bedarf der Schriftform und der Aushändigung einer vom Prinzipal unterzeichneten, die verein- harten Bestimmungen enthaltenden Urkunde an den Gehilfen. Das Wctbewerbverbot ist nur verbindlich, wenn sich der Prin- zipal verpflichtet, für die Dauer des Verbots eine Entschädigung zu zahlen, die für jedes Jahr des Verbots mindestens die Hälfte der von dem Handlungsgehilfen zuletzt bezogenen Vertrags- mäßigen Leistungen erreicht. § 74 a. Das Wettbwercbsverbot ist insoweit verbindlich, als es nicht zum Schutze emes berechtigten geschäftlichen In- teresses des Prinzipals dient. Es ist ferner unverbindlich, soweit es unter Berücksichtigung der gewährten Entschädigung nach Ort, Zeit oder Gegenstand eine unbillige Erschwerung des Fortkam- mens des Gehilfen enthält. Das Verbot kann nicht auf einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren von der Beendigung deS Dienstverhältnisses an evstreckt werden. Das Verbot ist nichtig, wenn die dem Gehilfen zustehenden jährlichen vertragsmäßigen Leistungen den Betrag von achtzehn- hundert Mark nicht übersteigen. Das Gleiche gilt, wenn der Ge- Hilfe zurzeit des Abichlusses minderjährig ist oder wenn sich der Prinzipat die Erfüllung aus Ehrenwort oder unter ähnlichen Vcrsicherungeit versprechen läßt. Nichtig ist auch'die Verein- barung durch die ein Dritter an Stelle des Gehilfen die Ver- pflichtnng übernimmt, daß sich der Gehilse nach der Beendigung des Dietrstverhältnisscs in seiner gewerblichen Tätigkeit bcschräw- len werde. -Ferner schlägt die Kommission dem Plenum zwei Resolutionen bor, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen: a) einen Gesetzentwurf vorzulegen, der für Angestellte und Arbeiter die II n- pfändbarkcitides Arbeitslol, ncs erweitert; b) dem Reichstage sobald als möglich eine Gesetzesvorlage zu unterbreiten, durch welche das Gebiet des W e t t b c w e rb s v e r b o t s für diejenigen Angestellten und Arbeiter geregelt wivd, auf welche daS Vorliegende Gesetz keine Anwendung findet. Die Justiz im dienst öer Politik. „Wir erledigen den Fall juristisch, nicht politisch", sagte der Vorsitzende im Prozeß gegen die Genossin Luxemburg. Tatsächlich) sind im Gegensatz hierzu für die Anklage lediglich politische Gründe maßgebend gewesen. Einen prächtigen Be- weis liefert die Anklagerede des Staatsanwalts, deren Inhalt wir bereits auf Grund eines Telegramms wiedergaben. Die Rede ist aber so bezeichnend für die bange Furcht und Ratlosigkeit der bürgerlichen Gesellschaft vor der wie für die Verständnislosigkeit für die sozialdemokratische Ideenwelt und wirkt so agitatorisch, daß wir die Rede aus- führlicher nachstehend wiedergeben. Staatsanwalt Dr. Hoffmann führte auS: In beiden Reden hat die Angeklagte in einer maßlosen Weise die Massen aufgehetzt und die Leidenschaften aufgepeitscht. Sie hat zum Massenstreik aufgefordert. Sie weiß genau, welche namen- losen Folgen ein konsequent und strikte durchgeführter Massenstreik haben würde. Sie weiß, daß das die Revolution und den Bürger- krieg mit seinen namenlosen Folgen von Blut und Jammer bc- deuten würde. Trotzdem hat sich die Angeklagte nicht gescheut. diesen Gedanken den Massen zu empfehlen. Sie hat weiter auf militärischem Gebiete in den Versammlungen gesagt, es müßte so sein, daß jeder Mann die Waffe mit nach Hause bekäme, selbst wenn es dann einmal passieren sollte, daß die Waffe eine Richtung nähme, die den Herrschenden nicht paßt. Sie sagte, jeder Mann müßte die Richtung selber bestimmen. Damit hat die Angeklagte den Offiziersmord, den Vorgcseptenmord, überhaupt den Mord a» ihren bürgerlichen Gegnern empfohlen, namentlich, nachdem sie vor- her erklärt hatte, daß es in der holländischen Kolonialarmee üblich sei, daß die mißhandelnden Offizere von den Soldaten totgeschlagen würden. Die Angeklagte hat weiter gesagt, ein Weltkrieg werde und müsse kommen, man wolle sich aber den Weltkrieg nicht un- gestraft gefallen lassen. Eine dahingehende Frage wurde von der Versammlung laut und entschieden mit Nein beantwortet. Papierne Proteste und papierne Revolutionen hat die Angeklagte nicht gc- meint. Sie hat gemeint, daß auf eine Kriegserklärung, die der Parteivorstand nicht approbiert hat, das Volk sich nicht gefallen lassen brauche. Vor allem der Ausdruck„nicht ungestraft" kann nichts anderes bedeuten als mit Gewalt auf einen nicht vom Partei- vorstand genehmigten Krieg zu reagieren. Schließlich hat die Ange- klagte gesagt:„Wenn uns zugemutet wird, auf unsere französischen Brüder die Mordwaffe zu erheben, dann antworten wir mit einem entschiedenen Nein." Das war der Höhepunkt ihrer Rede. Ihre ganze Rede war derart angelegt, daß sie sich bis zu diesem Höhe- Punkt langsam fortentwickelte. Der Erfolg blieb auch nicht aus. Tosender, starker, andauernder Beifall folgte den Worten, so daß die Angeklagte ihre Red unterbrechen mutzte, derart elementar hat diese Bemerkung gewirkt. Mit diesen Aeutzerungen hat sich die Angeklagte schuldig gemacht der Vergehen gegen die ß§ 110 und III des Strafgesetzbuches. Die Frage ist nun, ob die Aufforderung der Angeklagten sofort verwirklicht werden konnte und ob es über- Haupt jemals zu den strafbaren Handlungen kommen konnte, zu denen die Angeklagte aufgehetzt hat. Das spielt aber bei der«chuld- frage gar keine Rolle. Notwendig aber ist ein Kontakt zwischen der Aufforderung und den Aufgeforderten. Dieser Kontakt war vor- handen. Unter den Tausenden von Versammlungsbesuchern be- fanden sich sicher auch junge Leute, die als Reservisten oder Land- Wehrmänner der Armee angehören. Die Angeklagte sagt nun, daß dies nicht der Sinn und Zweck ihrer Aufforderung gewesen wäre. Ich bin gespannt, welchen Sinn und Zweck uns die Angeklagte aus- cinandersctzcn wird. Ich kann nur sagen: Nachdem die Angeklagte in dieser maßlosen, verhetzenden Weise gesprochen hatte, können ihre Worte gar keine andere Bedeutung gehabt haben als die: Wenn Euch befohlen wird zu schießen, dann erklärt, daß Ihr nicht schießt und daß Ihr nicht schießen werdet. Hier ist ein Zweifel gar nicht möglich. Diese Worte bedeuten die Aufforderung zu denr außerordentlich schweren Verbrechen der Meuterei vor dem Feind, das mit dem Tode bestraft wird. Diese Aufforderung hat die Angeklagte in die Menge hineingeschleudert. Ter tosende Bei- fall, der sich sofort anschloß, beweist absolut sicher, daß die Menge diese Aufforderung verstanden hat. Bei der antimilitaristischen Propaganda ist es die Hauptsache, die Arbeiter an den Gedanken zu gewöhnen: Ihr dürft nicht schießen, wenn der Partcivorstand es nicht erlaubt. Selbstverständlich wird die Angeklagte auch daran gedacht haben, daß auch die französischen Arbeiter nicht schießen würden. Aber die Angeklagte bleibt strafbar, auch wenn der französische Partei- Vorstand eine gleiche Mahnung an die französischen Arbeiter richten würde, wie die Angeklagte sie an die deutschen Arbeiter gerichtet hat. Die Angeklagte kann auch nicht sagen, daß sie an die Möglich- kcit eines Krieges nicht gedacht hat. Im Gegenteil, sie hat gesagt: „Der Weltkrieg sei unvermeidlich und müsse kommen." Es liegt aber auch bei der Angeklagten ein Vergehen gegen den tz 112 des St.G.B. vor, denn ein großer Teil der Anwesenden bestand aus. Reservisten und Laudwehrmännern, an die die Aufforderung erging, den Befehlen ihrer Vorgesetzten nicht Folge zu leisten. Nun zum Strafmast. Milde Gesichtspunkte sind nur wenig zu erkennen. Es mag der Angeklagten zugute gehalten werden, daß sie keine Deutsche ist. Sie ist zioar durch Heirat formell eine Deutsche geworden, aber sie hat niemals Teutschland als ihr Vater- land anerkannt. Es mag der Angeklagten auch zugegeben werden, daß sie nicht aus einer unanstänoigen Gesinnung gesprochen hat. Was sie als ihr Endziel für erstrebenswert hält, davon ist sie über- zeugt, alles andere aber spricht zu ihren Ungunsten. Tic Ange- klagte ist wiederholt vorbestraft. Immerhin liegen die Strafen weit zurück, die letzte über acht Jahre. Es ist erstaunlich, dast die Angeklagte seitdem zwar eine große Zahl der schlimmsten Briind- reden gehalten, es aber verstanden hat, sich nicht strafbar zu machen. Das ist ein Beweis für ihre außerordentliche Intelligenz, für ihre Ueberlegtheit im Handeln. Die Angeklagte überlegt sich genau, was sie sagt. Ihre ganze Persönlichkeit ist nicht geeignet, eine milde Auffassung hervorzurufen. Sie gehört der extremsten Gruppe des radikalsten Flügels der Sozialdemokratie an. Sie ist bekannt durch ihre außerordentlich scharfen Reden. Sie trägt den Beinamen„die rote Rosa" nicht mit Unrecht. Die Frankfurter Reden zeigen, was sie in ihrem Kopfe denkt, was sie in ihrer Brust fühlt. Sie spielt mit dem Massenstreik, sie animiert zum Mord, sie fordert zur Meuterei auf. Das läßt erkennen, von welcher Tot- fcindschaft die Angeklagte gegen die bestehende Staatsordnung er- füllt ist. Wenn irgend eine unbekannte Agitatorin die Rede ge- halten hätte, so würde sie mit einer geringen Strafe davon kommen. Aber die Angeklagte wird sich gefallen lassen müssen, daß die Strafe ihrer Bedeutung, ihrer Vergangenheit und ihrer außerordentlich starken staatsfeindlichen Gesinnung entspricht. Das Hauptwort bei der Strafe spricht nicht die Gefährlichleit der Person, sondern die Gefährlichkeit der Tat. Die Tat ist eine ganz außerordentlich gc- fährlichc. Damals waren gerade die Balkanivirren zu Ende. Es lag Explosivstoff in der Luft. Das wußte die Angeklagte. Um so verwerflicher war es, daß sie die Meuterei predigte, wenn es zunr Kriege käme. Man lasse nur ein bis zwei Dutzend derart ver- hetztrr entschlossener Leute in einer Kompagnie sein, so würde eS Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neuköllns Fürben diesen Leuten ein Leichte? werden, ein bi? zwei Dutzend andere Leute auf ihre Seite zu bekommen. Das würde vollkommen ge- nügn, um Plötzlich eine Meuterei hervorzubringen. Kommt infolge einer Meuterei das Gefecht zum Stehen, dann müssen die aller- schlimmsten Folgen kommen. Die Entscheidungsschlacht kann durch eine derartige plötzliche Meuterei verloren gehen. Man denke auch an den niederschmetternden Eindruck, den eine solche Meuterei im eigenen Heere und beim Feinde hervorrufen müßte. Ein einziger Fall einer solchen Meuterei vor dem Feinde kann außerordentlich schwerwiegende Folgen haben, kann unter Umständen sogar lata- strophal wirken. Das alles hat die Angeklagte gewußt. Das sind keine Hirngespinste und keine Phantasieprodukte, die zu scharfmacherischen Zwecken vorgetragen werden. Es sind lebendige Wirklichkeiten, die jeden Tag eintreten können. Die Tatsache, daß derartige Möglich- leiten vorliegen, stempeln die Tat der Angeklagten zu einer ganz außerordentlich gefährlichen. Was die Angeklagte getan hat, ist ein Attentat auf den Lebensnerv unseres Staates. Wenn irgendein armer Häscher aus Not im Rückfall einen Ein- bruch begeht, dann mutz er mindestens ein Jahr Gefängnis be- kommen. Wenn irgendein Mensch aus anständigen Motiven, um einen Verwandten zu decken, einen Meineid leistet, so muß er ein Jahr Zuchthaus kriegen. Wenn ein junges armes Ding aus Ver- zwciflung sich vielleicht eine stecknadelgrotze Frucht abtreibt, so muß es mindestens 6 Monate Gefängnis bekommen, und wie federleicht wiegt die Schuld dieser Personen gegenüber dem, was die Ange- geklagte getan hat. Tort aus Sorge und Not begangene Ver- zweiffungstaten unglücklicher Menschen, die das staatliche Interesse recht wenig berühren und hier ein aus feindlichem Haß geborener vorbedachter Angriff auf unsere Volkskraft. Ich beantrage für die Versammlung in Frankfurt acht Monate, für die in Fechenheim sechs Monate Gefängnis und beide Strafen auf ein Jahr Gefängnis zusammenzuziehen. Sollte das Gericht aus eine derartige Strafe erkennen, dann ist die Angeklagte fluchtvcrdächtig und ich beantrage ihre Verhaftung. Die Angeklagte hält nichts in Deutschland. Sie ist eine internationale Persönlichkeit, die sich überall wohlfühlt. Wohin sie kommen wird, wird sie von ihren Parteifreunden mit offenen Armen aufgenommen. Sie läßt sich mit der Märtyrer- kröne schmücken und eine Auslieferung ist unmöglich, weil es sich um ein politisches Delikt handelt. Die Angeklagte könnte ruhig in Brüssel oder in Zürich sitzen und sich über die preußische Justiz amüsieren. Wenn die Angeklagte frühere Strafen abgesessen hat, so liegt das einmal daran, daß die Strafen geringer waren und dann daran, daß die Angeklagte damals jünger war. Die Ange- klagte würde geradezu unbegreiflich handeln, wenn sie nicht sofort nach Vcrhängnng der Strafe aus Teutschland verschwinden würde. Die vorzügliche Abfuhr des Staatsanwalts durch die Genossin Luxemburg stand bereits in unserer.Sonntags- mmmier._ Ms öem öerichte der baöischen Zabrikinspektion. Der soeben erschienene Bericht der badischen Fabrikinspektion enthält fast nur Tatsachenmaterial, ohne dasselbe so eingehend und scharf kritisch zu würdigen, wie das bei verschiedenen früheren Be- richten, auch unter der Leitung des jetzigen Direktors des Gewerbe- aufsichtsamtes, Dr. Bittmann, zu verzeichnen war. Ein Vergleich mit früheren Berichten zeigt, daß die industrielle Entwickelung in Baden noch stetig ansteigt. Die Zahl der Betriebe mit mindestens 10 Arbeitern und der diesen gleichgestellten Anlagen betrug 1907: 13S3, 1912: 16 604 und 1913: 17 172. Die Zahl der vorgenom- menen Revisionen betrug 10 367, hierauf entfallen auf Haus- industrielle Betriebe und aus Bauten 2296 Betriebe. Demnach wurden 56,3 Proz. gegen 57 Proz. im Jahre 1912 Betriebe revi- diert. In den revidierten Betrieben befanden sich 212 616 Arbeiter, entsprechend 73 Proz. der Gesamtarbciterzahl. Mithin find nicht besucht worden 7504 Betriebe mit 78 679 Arbeitern. Die Zahl der Beamten ist zur Zahl der zu revidierenden Be- triebe in Baden zu klein, was wiederholt schon vor 10 Jahren von unseren Genossen im Landtag einer scharfen Kritik unterzogen worden ist. Der damalige Minister Dr. Schenkel hat, da er die Tatsache selber schlechterdings nicht bestreiten konnte, die oberfaule Ausrede gemacht,„in Baden sei die Revision der Betriebe nicht so notwendig, wie vielleicht in anderen Bundesstaaten, denn die badi- scheu Unternehmer hielten von selber auf die Durchführung der bestehenden gesetzlichen Norschriften". Recht beschämend ist es, daß Baden in dieser Beziehung weit hinter Preußen zurücksteht. Auf einen Revisionsbeamten entfallen in Preußen 11233 und in Baden 17 696 Arbeiter. Etwas schlechter noch als in Baden ist das Per- hältniS der Zahl der Aufsichisbeamten zur Zahl der beschäftigten Arbeiter nur noch in Elsatz-Lothringen, woselbst 18 989 Arbeiter einem Beamten unterstehen. Nimt man aber die Zahl der Betriebe zur Grundlage der Berechnung, so wird die Differenz namentlich zwischen Preußen und Baden sogar noch größer. Aus einen Be- amten entfallen nämlich Betriebe: Baden 1040, Hessen 661, Württemberg 838, Sachsen 629, Preußen 669, Elsatz-Lothringen 1038 und Bayern 1123. Wie notwendig die Revisionen aber auch in Baden sind, lehrt die Tatsache, daß von den 10 367 revidierten Betrieben 2184, das' sind 21 Proz., behördlicherseits Auflagen gc- macht werden mußten. Die Zahl der Auflagen selber betrug 4459 gegen 4239 im Vorjahre; hiervon entfielen allein 1370 zum Zwecke der Unfallverhütung. Nach der Nrbeiterzahl gerechnet ist die Grup- pierung der der Gewerbeinspektion zur Kontrolle unterstehenden badischen Industrie folgende: Industrie der Maschinen. Apparate usw. 47 230— 16,1 Proz.; Zigarrenindustrie 42 065— 14,3 Proz.; Metallverarbeitung 38 803— 13,3 Proz.; Textilindustrie 36 668 — 12,5 Proz.; Baugewerbe 21516— 5,3 Proz.; Nahrungs- und Genutzmittel sausgenommen Mühlen) 20 455— 7,1 Proz.; Holzindustrie 18 680— 6,4 Proz. usw. Die hohe Zahl der in der Zigarrenindustric beschäftigten Personen ist in keinem anderen Bundesstaat verhältnismäßig auch nur annähernd so hoch. Es haben nämlich der billigen Arbeitslöhne wegen zahlreiche nord- deutsche Zigarrenfabriken ihre Fabriken nach Baden verlegt, oder Zweigniederlassungen gegründet.— Bei Besprechung der allgemeinen wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse wird die„Tabak- arbeitcrgenossenschaft" lobend erwähnt. Es heißt in dem Fabrik- inspektionsbericht:„Eine in jeder Hinsicht vorbildliche Zigarren- fabrik hat die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine, G. m. b. H. in Hockenhcim fertiggestellt. Ter große auch in seinem Aeutzeren gefällige Fabrikbau umschließt in mehreren Stockwerken die Bureaus, weite helle Arbeitsräuinc, Speisesäle und Garde- roben, sotoie eine Badeanstalt, die mit elf Brause- und sieben Wannenbädern zur jederzeitigen, einschließlich Wäsche und Seife vössig freien Benutzung steht. Eine zentrale Ventilations- und Heizungsanlagc mit Luftfiltration, Luft-Befenchtungs-, Erwär- mungs- und AbkühlungSvorrichtung sorgt für ständige Lusterneue- rung in den Arbeitssälen. Zurzeit werden schon über 500 Arbeiter beschäftigt." Tic Hausarbeit, an welcher die Tabakindustrie mit 3126 Werkstätten an erster Stelle beteiligt ist, hat in Baden eine große Bedeutung. Der Bericht konstatiert eine Zunahme der haus- industriell beschäftigten Personen. Es sind jetzt 11 382 hausgewerb- licb tätige Familien gemeldet. Die große Mehrzahl der in der Tabak- inbustrie beschäftigten Personen sind Frauen. Von 600 besuchten HauSarbeitern standen im Alter von bis zu 14 Jahren 107, davon 65 Mädchen und 42 Knaben, von icher 60 Jahren 116, darunter 89 Frauen; zwischen 70 und 80 Jahre alt waren 39 und über 80 Jahre alt 9 Personen. In besonderen Arbeitsräumen arbeiteten 60, in der Küche 109, in der Wohnstube 325, im Schlafraum 94, 14 in einem Raum, der zugleich als Küche und Schlafraum diente, die übrigen auf Vorplätzen usw. Ueber die Wohnungs- und sonstigen Verhältnisse wird im Be- richt bittere Klage geführt:„Eine Frau ripptc im Bett liegend Tabak aus. Sie war magen- und nervenleidend und pflegte ihre Arbeit im Bett zu verrichten. Gin Hausarbeiter sortierte den Kehricht aus der Fabrik im Ziegcnstall. Eine Tabakhausarbeiterin feuchtete den Tabak im Ziegeustall an und lagerte ihn auch daselbst. Eine andere Arbeiterin bcnutzic sogar den Abort als Arbeitsraum. In allen Fällen wurde die Errichtung geeigneter Arbeitsräume verlangt. Die Auflagen sind durchgeführt. Die Reinlichkeit ließ in den besichtigten Betrieben vielfach zu wünschen übrig. Der Tabak lagerte oft aus einem Boden, dessen Sauberkeit höchst zweifelhaft war. Die Einführung des freien Samstag nach mittags hat nach dem Bericht weitere Fortschritte gemacht.„Die freien Samstagnachmittage", so heißt es,„werden überall vernünftig und nutzbringend verwendet."„Von deni Vorbebalt, daß zur alten Ar» beitszeit zurückgekehrt werde, falls sich Anstände ergeben, machte, soweit bekannt wurde, kein Arbeitgeber Gebrauch. Daß unver- heiratete junge Leute ihre freie Zeit oft vertrödeln, kann nicht ins Gewicht fallen, den Vorteilen gegenüber, die der Gesamtheit zugute kommen." Nachdem im Bericht noch weiter die Vorteile des Ar- beitsschlusses am Samstagmittag in familiärer Hinsicht geschildert worden, wird die Arbeitsrühe am Samstagnachmittag als ein b e- deutsames Glied in der Kette sozialhygieni scher E i n r i ch t u n g en bezeichnet. Unsere Gewerkschaften werden mn neuen Tarifabschlüssen sicherlich nicht unterlassen, auf dieses Urteil aus sachkundigem Munde hinzuweisen. Ueber das Kantinenwesen, das die Unternehmer mit zu den „Wohlfahrtseinrichtungen" zu rechnen pflege», wird im Bericht manches scharfe Urteil gefällt. Es werden mehrere Beispiele an- geführt, wo der Kantinenbctricb zur Bereicherung von Werkmeistern oder sonstigen dem Unternehmer nahestehenden Personen dienen müsse. In einigen Fällen ist dagegen eingeschritten worden. Als Mittel, diesen Uebelständen zu begegnen, empfiehlt der Bericht, der Arbeiterschaft in jedem Falle einen geordneten Einfluß zu sichern. Zusammenfassend kann man über den badischen Fabrik- inspektionsbericht sagen: Die Klagen sind im allgemeinen die alten; sie kehren jedes Jahr wieder. Das Unternehmertum sieht sich durch den Arbeiter- schütz jeder Art in der Ausbeutung der Arbeiter beschränkt und sucht daher diese Schranken zu durchbrechen oder zu umgehen. Und hier ist kein Unterschied zwischen Nord und Süd. Gegenüber der Jagd nach Mehrwert hat humanitäres Empfinden zu schweigen! Ms Industrie und Handel. Jahresabschluß der Nationalbank. Die ungünstige Entwickelung des Bankgeschäfts im Jahre 1913 veranlaßt auch die Nationalbank für Deutschland ihre Dividende herabzusetzen, statt 7 wird sie nur 6 Proz. verteilen. Gegen 1912 ist der Bruttogewinn von 13,2 auf 11,7 Millionen, der Reingewinn von 3,8 aus 7,4 Millionen Mark gesunken. Der Rück- gang beruht hauptsächlich darauf, daß statt eines Gewinns auf Effekten in Höhe von 1,04 Millionen Mark, diesmal ein Verlust von 0,68 Millionen Mark in die Gewinnrechnung eingestellt werden mußte. Die Kursherabsctzungen, der Rückgang der Börsenspekulation »nd die Lähmung der Gründungstätigkcit infolge des Konjunktur» rückganges und der teuren Gcldsätze sind auch bei dieser Bank die Ursachen des Gewinnrückganges. Deutsche Weltwirtschaftliche Gesellschaft. Als ein bemerkenswertes Zeichen für die Stärke der im- p e r i a l i st i s ch e n Strömungen in Deutschland ist es zu be- achten, daß zu gleicher Zeit Awei Gesellschaften gegründec werden, die der Ausdehnung des deutschen Außenhandels dienen sollen. In der„Deutschen Gesellschaft für Welthandel" tuen sich die beiden großen Jndustrievcrbände(Bund der Industriellen und Zentralver» band Deutscher Industrieller) zusammen. In der gestern in Berlin gegründeten neuen„Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft" finden sich Männer der Wissenschaft und Praxis zusammen, um an der„Weckung des weltwirtschaftlichen Verständnisses urd der Welt- politischen Reife des deutschen Volkes" zu arbeiten. Welcher Art die Ausklärungsarbeit der neuen Gesellschaft sein wird, geht aus der Begrüßungsrede hervor, die der Vertreter des Marincamts und Staatssekretär v. Tirpitz hielt. Er begrüßte die Gründung der Gesellschaft, da die Idee der Weltwirtschaft heute für Deutschland kein Luxus mehr, sondern eine Lebensnotwendigkeit geworden sei, nicht nur im eigentlich wirtschaftlichen Sinn, sondern auch im Sinn der ganzen politischen und kulturellen Existenz Deutschlands. Von der immer weiteren Verbreitung weltwirtschaftlicher Gedanken klänge die Zukunft auch der deutschen F l o t t c n b e st r e b u n g ab. Es gelte von der Weltpolitil, was Bismarck einst von der Kolonialpolitik gesagt hat, daß sie nur möglich sei, wenn sie getrageii werde von einer starken uatioilak- gesinnten Volksmehrheit. Die Gründung wurde sodann einstiuunig beschlossen. Ein vorgelegter Satzungscntwurf, in dem es als die Aufgabe der neuen Gesellschaft bezeichnet wird, die Vorgänge und Zusammenhänge des Welthandels, des Weltverkehrs und der sonstigen weltwirtschaftlichen Beziehungen zu erforschen und daS Verständnis dafür zu verbreiten, wurde angenommen. Politische Ziele sollen angeblich ausgeschlossen sein. Die nordatlantische Dampferkonvcntion wurde am Montag in London auf fünf Jahre erneuert, vorbehaltlich der Regelung verschiedener Fragen, die in den nächsten Tagen besprochen werden sollen. Sollten diese Fragen nicht geregelt werden können, so gilt die Konvention für das laufende Jahr als erneuert. Die Er- Neuerung des Verbandes ist eine Folge der Einigung zwischen Hamburg-Amerika-Linie und Lloyd, die eine auf 75 Jahre geltende Interessengemeinschaft abgeschlossen haben. Dem Verband gehören alle kontinentalen Linien an. EL steht zu erwarten, daß nun auch die Verträge mit den englischen Schiffahrtsgesellschaften erneuert werden, so daß der große nordatlantische«chifsahrtspool, der Ende Januar infolge der Differenzen zwischen Lloyd und Hapog ausgelöst wurde, in kurzer Zeit wieder den gesamten Verkehr zwischen Europa und Nordamerika kontrollieren wird. Schon bei der Auflösung rechnete man fest iwit dem Zustandekommen neuer Verträge und ließ daher die statistischen Zentralbureaus des Pools weiter in Funktion. ßrauen-Lefeabenüe. Britz-Buckow. Mittwoch 8',, Uhr bei Becker. Britz. Chausicestraße S7. Vortrag der Genoisin Siedet über„Bebel und die Frauen". Ober-Schöncweide. Mittwoch 8'/, Uhr bei Rabe. Vortrag der Ge» nofsin Grummach. Tcinpclbof, Mittwoch 8'/, Uhr bei Becker. Berliner Stratze 86/87. Vortrag der Genossin Ryneck-Baumschulenweg. üvaidnionnslust. Mittwoch 8 Uhr im„Schweizerhaus", Dianastratzc. Vortrag der Genossin Dcmmning über„Frauentag und Fraucnwahlrcchl". «vitterungSüberflü,, vom LZ. Februar 1914. :5 El ~s! 4! 5 S Itl Sloftoneo igo, Ss 'ig: Bf »=• Swinemde. Hamburg Berlin ! Welle, 743 SO 741 SO ....... 741 SO Franst. a.M 743 SW München 744 NW Wien ,744SSO wlstg Äbcdeckt Z.bedcckt 3Rcgcn 3 Regen J.wolkig >»« Eirf Ü2> Stallonen C S is 6 ös Ii- äs sl Bf| 6 5 5 5 3 —5 Havarand a�64i SO Petersburg 764 ONO Scilly 736 W Abcrdecn 72>SSO Parts s741 S Welle» l '>• wollenl 1 heiter 3 wolkig Ss bedeckt 2 bedeckt —14 8 ö 4 Wetterprognose für Dienstag, de» S4. Februar 1914. Etwas kühler, veränderlich, vorherrschend wolkig mit leichten Regensikllen und ziemlich lebhaften südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Inseratenteil vcrerntw.: Th. Block«, Berlin. Druck u. Verlag: VortvärtßBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co» Berlin SW.