Kr. 55. Abonnements-Bedingungen: Abomiements» Prcjz pränumerando: Vierteljährl. Z,L0 Mk., monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Psg, frei ms Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Eonntags. Nummer mit illustrierler Sonntags- Beilage»Die Neue Well- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs. Preislifte. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn Scho Marl, für das übrige Ausland « Mar! pro Monat. Postabonnemcnls nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, famiämcu, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Crldicint täglich, Berliner Volkcsblntt. Zentralorgan der rozlaldemokratifcbcn Partei Deutschlands. Die Mertions-Gebüfir Beträgt für die sechsgespaltene Kolonek- zeile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und gcwerlichaftliche Pereins- und Persammlungs-Anzeigen 00 Pfg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Puch- siaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müfsen bis o Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozialdemoKrat Bcrilu", Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moriyplatz, Nr. 1383. MitNvoch, den Ä5. Februar 1914. Expedition: SRI. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Staatlicher Gebärzwang. Die Reaktion feiert zurzeit wahre Orgien. Auf der ganzen Linie, auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiete. Um Jahrzehnte, und wenn es ginge, um Jahrhunderte möchte sie die Menschheitsentwickelung nach rückwärts revidieren. Zur Stabilierung der Militärdiktatur als eines roolisr eis bronce, eines ehernen Felsen, kommen die perfiden Verstöße gegen das Koalitionsrecht, kommen die Bestrebungen zur Verpfaffling der Schule und der Fortbildungsschule, kommen die verschämten und unverschämten Lcx-Heinze-Gelüste, kommen Gesetzesattentate gegen die intimsten und persönlichsten Menschenrechte. Ist man doch am Werke, den Gebärzwang von Staats- wegen einzuführen. Versucht es doch eine abgründige Moralhcuchelei, das Volk mit einem Verbot aller Schutzmittel gegen die Empfängnis und gegen geschlechtliche Ansteckung zu beglücken. Wie herrlich weit haben wir es doch gebracht! Durch Gcsetzcsparagraphcn soll der Staat in eine„moralische Anstalt" und in eine riesige Zeugungsfabrik der- wandelt werden, auf daß die alte patriarchalische„Tugend" wieder zu Ehren kommt und es dem Kapitalismus nicht an Ausbcutnngsobjektcn, dem Militarismus nicht an Kanonen- futter gebricht. Als ob die sexuelle Moral sich verschlechtert und nicht verbessert hätte! Als ob im frommen patriar- chalischen Mittelalter nicht die Kirchenkonzilien einen riesigen Troß gefälliger Fräulein nach sich gezogen hätten, als ob damals die Prostitution nicht überall verbreitet gewesen wäre und der biedere Bürgersmann nicht die naivste Freude an den saftigsten Zoten empfunden hätte! Von den aus- schwcifendsten Lustorgien an weltlichen und geistlichen Fürsten- Höfen ganz zu schweigen, lind da wagen es die Wortführer der Reaktionsparteien, über das Sündenbabel der modernen Großstädte zu zetern und Bußpredigten über den Rückgang der Geburten anzustimmen, den sie auf nichts zurückführen. als auf die zunehmende Sittenlostgkeit und Genußsucht. Daß die Sozialdemokratie mit der Empfehlung des Gebärstrciks als eines Mittels zur sozialen Hebung der Volks- niassen nichts zutun hat. ist— mit Ausnahme der reaktionären Klopffechter, die im Parlament berufsmäßig über Dinge sprechen, von denen" sie keine blasse Ahnung haben— jeder- mann bekannt. Die Sozialdemokratie ist in der schärfsten Weise der törichten Einbildung entgegengetreten,.als ob der Militarismus durch Geburtenverminderung bekämpft werden könne, da dann höchstens, wie Frankreich eben erst bewiesen, zu längerer Dienstzeit zurückgegriffen wird. Und ebenso hat die Sozialdemokratie dargelegt, daß eine Verminderung des nationalen Proletariats nur den verstärkten Anreiz zur Ein- fuhr ausländischer Lohnsklavcn auslösen nmß, deren soziale Rückständigkeit und Rechtlosigkeit nur die Gewerkschaftskämpfe der einheimischen Arbeiterklasse zu erschweren vermag. Frei- lich: so unsinnig eine systematische Verminderung der Ge- burtenziffer wäre— noch viel aberwitziger und verwerflicher wäre der groteske und empörende Versuch eines Gebär- zwanges durch polizeiliche und gesetzliche Maßregeln, durch das Verbot hygienisch unschädlicher Mittel zur Verhütung der Konzeption und der geschlechtlichen Ansteckung. Ein solcher Eingriff in die allerpersönliwsten Angelegenheiten des Individuum? wäre ein Hohn auf die Kultur und zugleich auf alle soziale Gesundheitspflege. Man jamniert über den Geburtenrückgang. Ja warum halten die Herren von der besitzenden und herrschenden Kaste nicht erst einmal bei sich selbst Einkehr? Warum tun sie nicht selbst ihre Schuldigkeit bei der Vcvölkcrungsvcrmehrung! Eine all- gemeine Statistik über die Kinderzahl nach Einkommens- gruppen existiert nicht. Aber chie Tatsache, daß gerade die Besitzenden am allerwenigsten Ursache haben, sich über die Gebärunlust der Proletarierfrauen sittlich zu entrüsten, ist unbestreitbar. Und ein Ansatz zu solcher Statistik cxistert immerhin. Hat doch die Reichsregicrung bei der Armee ihrer Postbeamten eine interessante statistische Stich- probe vorgenommen. Und da hat sich ergeben, daß gerade die höheren Beamten dem Staate gegenüber am wenigsten ihre Schuldigkeit tun, daß die Kindcrzahl der mittleren Beamten schon größer, am allergrößten aber bei den am schlechtesten bezahlten Unterbeamten ist. Hier die im Jahre 19 1 3 veröffentlichten amtlichen Zahlen: Auf je einen verheirateten, verwitweten oder geschiedenen Beamten entfielen bei den höheren Postbeamten im Durch- schnitt nur 1,7 Kinder, bei den mittleren Beamten 1,9, bei den unteren Beamten dagegen 2,1 5iinder. Die Unprodukti- vität in bezug auf die Kinderzeugung tritt aber noch krasser hervor, wenn man berücksichtigt, daß von den höheren Bc- amtcn iin Durchschnitt nur 81.4 Proz. verheiratet waren, von den mittleren Beamten dagegen 86,1 Proz. und den unteren Beamten gar 95,1 Proz. Wenn also wirklich Sittenlosigkeit und Genußsucht die Geburtenabnahme verschulden, um wieviel sittenloser sind dann die höheren Beamten, als die unteren Beamten I Wobei auch noch zu buchen wäre, daß der Prozentsatz der Ehescheidungen bei den höheren Beamten viermal, bei den mittleren Beamten immer noch doppelt so groß ist wie bei den Unterbcamtcn. Wir Sozialdemokraten ziehen natürlich solch absurde Folgerungen nicht. Aber es ist schon am Platze, unseren reaktionären Moral- fexen einmal ihre eigenen Argumente gründlichst um die Ohren zu schlagen I Verblendung ohnegleichen ist es obendrein, sich einzu- bilden, daß durch das Verbot der Pessarien und Kondoms die Geburtenzahl künstlich erhöht werden könnte. Das haben ja die Herren vom Bau, die hervorragendsten Mediziner und Gynäkologen, von denen wir gestern eine Anzahl im Auszug zu Wort kommen ließen, schon zur Genüge dargetan. Aber diese berufensten Beurteiler der unsäglichen reaktionären Gelegenheitsgesetzmacherei haben zugleich betont, daß durch das Verbot von Präservativmitteln die Geschlechtskrankheiten ungeheuerlich anschwellen würden und dadurch die Volks- gesundheit und letzten Endes auch die Gebärfähigkeit einen un- endlich viel schwereren Schaden erleiden müßten. Wie verbreitet die Geschlechtskrankheiten trotz aller sexuellen Aufklärung zurzeit sind, hat ja die amtliche Enquete vom 30. April 1900 bewiesen. In ganz Preußen wurden damals auf je 10 000 Personen 28 Geschlechtskranke gezählt. In den Städten kamen auf die gleiche Zahl der Bevölkerung 58, in Berlin sogar 142 Geschlechtskranke. Sich deshalb über das„Sündenbabel" zu entrüsten, liegt freilich auch nicht der geringste Anlaß vor. Denn diese Erkrankungsziffcr bietet natürlich nicht den geringsten Maßstab für die Verbreitung des außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Auf dem platten Lande, wo die Prostitution, dieser sexuelle Anstcckungsherd, viel geringer vertreten ist, kommen selbstverständlich auch entsprechend weniger Fälle von Geschlcchtserkrankungen vor. Auf diesen Punkt hat denn auch eine von Professor B l a s ch k 0 und Dr. Fischer verfaßte, unlängst erschienene Broschüre nachdrücklichst hingewiesen, indem sie zum Beispiel zeigte, daß in Dänemark bei Trauungen auf dem Lande zwei Drittel aller Frauen bereits geschwängert waren. All- zuviel anders ist es in keinem Lande. Professor Blaschko faßte deshalb sein Urteil in die Worte zusammen: „Es ergibt sich also die Tatsache, daß die Häufigkeit des außerehelichen Geschlechtsverkehrs mit der Häufigkeit der Ge- schlechtserkrankungen an und iür sich nichts zu tun hat." Daß aber die Besitzenden auch sonst absolut keine Ur- fache haben, sich über die Unsittlichkeit des industriellen Pro- letariatS zu ereifern, beweist die Feststellung Blaschkos, oaß nach den Mitteilungen der Krankenkassen die Verhältnisziffer der Geschlechtserkrankungen bei den Arbeitern 9, bei den Kauf- leuten 16 und bei den Studenten 25 betrug! Und wenn man noch erwähnt, daß nach Meirowski auf Grund. von Feststellungen an der Universität Breslau von den geschlechtserkrankten Studenten nicht weniger als 45 Proz. sich ihre Krankheit bereits als Schüler zugezogen hatten, so dürften ja wohl den moralischen Heulmeiern die Entrüstungs- Phrasen im Halse stecken bleiben. Welches Unheil aber würde über Deutschland durch Ver- mehrung der„Lustscuche" hereinbrechen, wenn wirklich die Polizei das Recht erhielte, den Vertrieb von Schutzmitteln gegen die sexuelle Ansteckungsgefahr zu unterbinden! Man sieht, welche Gefahr die schwarz-blaue Reaktion, zu der sich auch hier wieder manche nationaUiberalen Elemente und auch Herr Naumann gesellt haben, durch ihr blindes Sittlichkeitswüten über die Nation heraufzubeschwören gewillt ist. Wäre die wirklich vorhandene Kultur- schicht der Bourgeoisie nicht von allen guten Geistern ver- lassen, so müßte sie wie ein Mann aufstehen, um gemeinsam mit dem Proletariat den ganzen mittelalterlichen Spuk unserer Rückwärtslcr der Lächerlichkeit und Ver- a ch t u n g preiszugeben! Sie Mnkunst öer Deportierten. London, 24. Februar.(Privattelegramm des„Vor- wä r l s Bis zum letzten Augenblick war der Bestimmungsort und die Ankunft der„Umgeni" ein tiefes Geheimnis. Die Regierung erklärte den Arbeiterverrretern, von den Absichten der Besitzer nichts zu wissen. Gegen Mitternacht begaben wir uns mit dem aus Henderson, Anderson. Appleton, Seddon, Bower- man und dem Sekretär der Arbeiterpartei Middleton be- stehenden Empfangskomitee nach Tilbury an der Themse- mündung, wo wir die ganze Nacht hindurch die Ankunft der Deportierten erwarteten. Erst kurz vor 8 Uhr morgens traf der Dampfer in Tilbury gegenüber Gravesend ein und ankerte in der Milte des Stromes. Wir fuhren im Motorboot zum Schiff und bald war die Verbindung mit den deportierten Arbeiterführern hergestellt. Henderson, der Vor- sitzende des gemeinschaftlichen Komitees der drei Zentralorganisationen, begrüßte vom Boot aus die neun Ankömmlinge in warmen Worten im Namen der britischen Arbeiterschaft. B a i n erwiderte den Gruß und dankte für den herzlichen Willkomm. Er erklärte dann im Namen seiner Kollegen, daß sie gewaltsam auf dasSchiff geschafft worden wären und beschlossen hätten, es nicht frei- willig zu verlassen, wenn man sie nicht nach Südafrika zurückschicke. Als dann die britischen Vertreter den Kapitän ersuchten, an Bord der„Umgeni" mit ihren südafrikanischen Kollegen konferieren zu dürfen, wurde dies abgeschlagen, da es gegen die Befehle der Eigentümer verstoße. Die Deportierten überreichten dem Empfangskomitee eine längere Denkschrift über ihre Verhaftung und Ausweisung, die der Presse übermittelt wurde. Um weitere Schritte zu beraten, entfernte sich darauf nach lebhafter Unterhaltung das Empfangskomitee unter begeisterten Klängen der„Roten Flagge", die von den Ausgewiesenen mit entblößtem Haupte mit- gesungen wurde. Nach stattgehabter Beratung versuchte das Empfangskomitee durch schriftlich geführte Verhandlungen die Afrikaner zu bewegen, ihren Beschluß, zu dem juristische Erwägungen Anlaß gegeben hatten, aufzugeben und ans Land zu kommen. Erfolg hatten diese Bemühungen aber erst, nachdem die Besitzer des Schiffes zwei der britischen Arbeiterverireter erlaubt hatten, an Bord zu kommen. Kurz vor 4 Uhr nachmittags fuhr das Empfangskomitee mit den Ausgewiesenen von Gravcsend nach London ab, wo in einem Hotel für ihre Unterkunst gesorgt ist. Wie plötzlich die brutale Ausweisung der neun Genossen er- folgt ist, beweist am besten das geringe Gepäck, das sie mit sich führten. Einer hatte seine ganzen Habseligkeiten in einer Zigarren! istc. Wir hatten eine interessante Unterhaltung mit P 0 u t s m a, dem ausgewiesenen Sekretär der südafrikani- schen Eisenbahner. Pouisma, der sich als Sozialdemokrat der heut- schen Schule bezeichnet, macht den Eindruck eines gebildeten und belesenen Mannes; er führt seine Ausweisung auf den Person- lichen Haß Smuts ihm gegenüber zurück. Genosse Pouisma kandidiert nämlich in Pretoria-West, das jetzt im Unionsparlament von Smuts vertreten wird. In dem Wahlkreis leben sehr viele Eisenbahner, und Poutsma, der äußerst beliebt ist, würde Smuts das Mandat bei der nächsten Wahl sicher abgenommen haben. Vor zwei Monaten wurde Smuts in einer Versammlung seiner eigenen Wähler niedergeschrien. Daher der Haß gegen den Führer der Eisenbahner, daher die Ausweisung, die sich Genosse Poutsma, der noch während der Unruhen des letzten Jahres in Johannesburg von der Bothaschen Regierung als der besonnene und mäßige Mann gepriesen wurde, sonst nicht erklären kann. Der Tag öer Genarrten. Paris, 23. Februar.(Eig. Ber.) � Ein großes politisches Drama war für den heutigen Faschingsmontag angesagt, aufgeführt aber wurde ein richtiges Fastnachtsspiel. Die B a r t h 0 u und B r i a n d hatten ge- hofft, heute ihren entscheidenden Schlag gegen das Ministe- riunt zu führen. Sie wollten die Mißstimmung, die die Demonstration der Regierung für das Dreijahrgesetz— genauer die Intervention des Untevstaatssekretärs M a g i n 0 t und der Händedruck Doumcrgucs— am letzten Freitag auf der äußersten Linken erregt hatte, zu einem Manöver aus- nützen. Es galt, die Regierung in die Enge zu treiben und zu Erklärungen zu provozieren, die entweder durch ihre militaristische Tonart die Sozialisten in die Opposition oder wenigstens zur Stimmenthaltung treiben oder durch ein den Militärreformern bezeigtes Entgegenkommen die Gelegen- heit zu einer großen, die schwankenden Elemente der radikalen Regierungsparteien anlockenden patriotischen Paukerei liefern sollten. Diesen Anschlag wollte die äußerste Linke durch einen Beschlußantrag parieren, der ihr, ohne die Regierung zu einer Desavouierung ihrer eigenen Haltung zu nötigen, doch eine Art Genugtuung für das Intermezzo von Freitag geben sollte. A ujj a g n e u r, I a u r d s und andere Angehörige der äußersten Linken beantragten die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission zur Er- forschung der sanitären Verhältnisse in der Armee. Ter Vor- schlag hat in der Briandistischen Presse ein wahres Wntgebrüll hervorgerufen. Der„Temps" z. B. heulte, daß der Antrag darauf ausgehe, Leute, wie den ehemaligen Kommuneminister V a i l l a n t, in die Lage zu versetzen, die Generale Frank- reichs zu demütigen. Trotz dieser lächerlichen, ihre Erkiinste- lung auf der Stirn tragenden Entrüstungskomödie wäre die Absicht der Briandisten, der Regierung ein Bein zu stellen, vielleicht geglückt. Tie Angagneursche Tagesordnung drückte recht deutlich das Mißtrauen gegen die vorige Regierung aus, die die Durchführung des Dreijahrgesetzes vorzusehen hatte. Wollte sich nun, wie bekannt worden war, die jetzige Re- gierung nicht gegen die Einsetzung der Kommission wenden, so galt es, die Diskussion auf die ganze Militärpolitik des. Ministeriums Barthou auszudehnen, d. h. die dreijährige Dienstzeit in den Mittelpunkt zu bringen. Die Opposition der Rechtsparteien hielt so ihren Gegenzug bereit. Barthon und Briand standen am Zündloch der Kanone. Und nun ist dieser Plan auf die scheinbar einfachste Weise vereitelt worden. Hinter dem Augagneurschen Antrag wurde nämlich in einer maskierten Stellung ein zweiter, gemäßigter Antrag aufgefahren. Der Deputierte Abel F e r r y forderte wohl eine parlamentarische Untersuchung, aber sie sollte nicht einer besonderen Kommission übertragen werden, sondern der S a n i t ä t s k 0 m m i s s i 0 u, die ohnehin schon die sani- tären Vorkehrungen inspiziert hat, aber nun ihre In- formation vervollständigen soll. Ein solcher Antrag aber verlor, wie auch sein Urheber erklärte, jede Spitze gegen be- stimmte politische Persönlichkeiten und konnte auch von den gemäßigten Parteien nicht gut abgewiesen werden. Denn die ganze Bevölkerung ist über die Epidemien in den Kasernen aufgeregt und würde es nicht verstehen, daß eine Parlaments- Mehrheit eine Regierung stürzte, um die Untersuchung durch die Volksvertreter zu hindern. Doumergue erklärte sich in der Tak nur dem Prinzip der Untersuchung einverstanden, in einer kurzen, vorsichtigen Rede, die nur in einer Anspielung auf„Manöver" der Rechtsparteien der Linken Gelegenheit zu demonstrativem Beifall gab. Nun blieb auch dem Sprecher der Opposition, M i l l e r a n d, nichts übrig, als sein Ein- Verständnis zu erklären, und da auch der Antrag Augagneur verschwand, war nur der Ferrysche da und eitel Wohlgefallen. Natürlich ist die Briandistische Truppe im Herzen wütend, daß sie so hineingelegt worden ist. Es bleibt ihr wohl noch die Hoffnung auf eine Krise wegen der Steuerreform und auf die berühmten„Orangenschalen", die das Ministerium auf den: so kurzen Weg bis zum Sessionsschluß noch zum Fall bringen könnten. Immerhin— eine der günstigsten Ge- legenheiten ist verloren. Ten Profit der heutigen Sitzung haben unstreitig die Radikalen allein. Sie haben den Riß zwischen sich und ihrer Regierung verkleistert und dürfen jetzt hoffen, die Wahlen „machen" zu können. Für die Sozialisten konnte bei dieser Manövrierstrategie nichts herauskommen. Sie haben wohl ihre eigene Resolution eingebracht, aber es tatsächlich den Radikalen ermöglicht, sich nach rechts zu konzentrieren. Indes haben die Todeszuckungen dieses Parlaments keine Bedeutung für sie. Ihre Aufgabe ist es jetzt, die Wahlaktion zu einer mächtigen Werbearbeit für die sozialistischen Ideen und für die sozialistische Organisation zu gestalten. die kleine Lex heinze. Ein Buchhändler schreibt uns: Enblich, nach jahrelanger Vorbereitung, ist ein Gesetzentwurf „Gegen den Schmutz in Wort und Bild" an den Reichstag gelangt, dessen Spitze sich gegen die„Schundliteratur" richten soll. Man konnte in der Tat neugierig sein, was unsere beamteten Größen auf diesem Gebiet leisten würden, und man kann in der Tat sagen, daß sie sich selbst übertroffen haben. Einen Vorzug hat diese Leistung jedoch: der Gesetzentwurf ist von sehr geringem Umfange. Zu dem bisherigen ersten Absatz des§ 43, der bestimmte:„Wer gewerbsmäßig Druckschriften oder andere Schriften oder Bildwerke auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten ausrufen, verkaufen, verteilen, anheften oder anschlagen will, bedarf dazu einer Erlaubnis der Ortspolizcibehörde und hat den über diese Erlaubnis aus- zustellenden, auf seinen Namen lautenden Legitimationsschein bei sich zu führen" ist jetzt der Entwurf eines§ 43» gekommen: „Schriften, Abbildungen oder Darstellungen dürfen in Schau- fenstern, in Auslagen innerhalb der Verkaufsräume oder an öffentlichen Orten nicht derart zur Schau gestellt werden, daß die Zurschaustellung geeignet ist, Aergernis wegen sittlicher Ge- sährdung der Jugend zu geben." II. Nach§ 140 ist dann noch Zj 140» als Strafbestimmung bei Zuwiderhandlung gedacht:„Mit .Haft oder Geldstrafe bis zu 800 M. wird bestraft, wer den Be- stinimungen des§ 43» zuwiderhandelt." Wahrlich ein herrlicher Entwurf! Ein Kautschukparagraph schlimmster Sorte soll unter der Marke„Jugendschutz" hier in die Gesetzgebung gebracht werden, der schlimmer als Zensur- Paragraphen es könnten, die Unsicherheit auf dem Gebiete des Schriftentums, der Karikatur, der Kunst überhaupt, proklamieren würde. Ein Paragraph, so wunderbar geschmeidig für Zimperlich- kcit. Muckerei, Spitzelei, politische Unduldsamkeit, daß allen Re- aktionärcn das Herz im Leibe lachen muß. Man denke:„daß die Zurschaustellung geeignet ist, AergerniS wegen sittlicher Gefährdung der Jugend zu geben". Schon die Juftizdebatten im Reichstage gaben einen Vor- gcschmack von den Orgien, die nach Annahme dieses Entwurfes preußisch-deutscher Polizeigeist feiern werde, von dem„Aergernis", das so manches„Fettauge des Gesetzes"„diensrstreng" aufblitzen machen werde. Es ist, wie gesagt, schon heute klar, daß schein- heiliges Halunkentum noch mehr Gelegenheit zur Betätigung fände, als es schon hat, daß der Spitzelgeist, das Denunziantentum und alle schändlichen Laster des Neides, der Heuchelei, der Schadenfreude weit mehr sittliche Verheerungen anrichten würden, als es heute solche„ärgerniserregende Zurschaustellung" möglich machen kann. Was nützt dagegen die schönste Begründung des Paragraphen, wo unsere„Hüter der Ordnung" sich so überaus häufig unfähig zeigen, den Geist der Gesetze, den Willen der Volksvertretung bei Annahme der Gesetze zu respektieren. Die Illustrationen zu diesem geben nicht nur die letzten Reichstagsverhandlungen. Gerade die Auffassung der Paragraphen der Gewerbeordnung, die sich mit dem Vertrieb von Drucksachen befassen, durch die Verwaltungsbehörden liefern Beweise genug. So bestimmt der ß 56. daß zum Feilbieten im Umherziehen Druckschriften oder Bildwerke ein ge- nehmigteS Verzeichnis der„zuständigen Verwaltungsbehörde" er- forderlich ist. Wie aber faßten diese„Zuständigen" vielfach den Paragraphen auf?„Stehendes" Gewerbe betreibende Buchhändler wurden viel- fach geztvungen, Verzeichnisse einzureichen, um ihre Artikel durch Agenten nach„Probenummern" vertreiben lassen zu dürfen. Auf dies«n Verzeichnissen feierte der Rotstift dann seine Orgien. Werke wie die Konversationslexika, Brehms Tierleben und ähn- liches mehr wurden gestrichen, ebenso wie die Erzeugnisse aus der Buchhandlung Vorwärts:„Pfaffenherrschaft" usw. Erst lang- wierige Klagen verhalfen damals den Betroffenen zu ihrem Recht gegenüber verwaltungstechnischer Willkür. Man kann also überzeugt sein, daß auch der so scheinheilig begründete Z 43» im„Ver- tvaltungswege" eine Gestalt bekommen werde, die gewiß nach dem Herzen aller Reaktionäre wäre. politische Uebersicht. Verkehrsfeinde. Am Dienstag begann da? Abgeordnetenhaus die zweite Be- ratung des B a u e t a t s. Die Parteien der Rechten, die schon früher mit so großem Erfolge daS Projekt des Mittellandkanals zu Falle gebracht baben, erklärten sich auch jetzt wieder gegen den Bau des Mittellandkanals, überhaupt gegen den Ausbau bestehender Wasserstraßen, solange die SchissahrtSabgaben nicht eingeführt sind. Eine endgültige Entscheidung über die Wasserstraßentarife ist übrigens, wie der Minister v. Breitenbach betonte, bisher nicht erfolgt. Trotzdem läßt sich heute schon übersehen, daß die Tarife eine solche Höhe annehmen werden, daß die Hauptaufgabe der Kanäle, die Förderung des Verkehrs, wie der fortschrittliche Ab- geordnete L i p p m a n n hervorhob, dadurch ernstlich gefährdet wird. Die Verkehrsfeinde haben auf der ganzen Linie gesiegt. Die Beratung wird am Donnerstag fortgesetzt. Der Mittwoch bleibt sitzungsfrei._ Hebet den Entwurf eines„(Srundteilnngsgesetzes" bringt die„Nordd. Allg, Ztg." einige Mitteilungen. DieS Gesetz, durch das die sogenannte innere Kolonisation gefördert werden soll, schlägt in seinem ersten Abschnitte zur Abwehr der schädlichen Grund st ückszerschlagung vor, daß Zerschlagungen, die von gewerbsmäßigen Grundstückshändlern oder Grundstücksvermittlern vorgenommen werden, der Genehmigung deS Re- gierungspräsidenten unterliegen. Außerdem wird unter gewissen Voraussetzungen dem Vertragsgegner eines gewerbsmäßigen Grundstückshändlers(GrundstückSvermiltlerS) daS Recht eingeräumt. von einem bereits abgeschlossenen Kaufvertrage zurückzutreten. Im zweiten Abschnitte schläft der Entwurf zur unmittelbaren Förderung der inneren Kolonisation verschiedene Maßnahmen vor, und zwar: 1. um die Beschaffung von Land für«nfiedlerstellen zu er- leichtern, ein gesetzliches Vorkaufsrecht für den Staat; 2. zu demselben Zweck in Erweiterung der Gesetzgebung über die UnschädlichkeitSzeugniffe Borschriften, um bei Abverkäufen von Grundstücksteilen die Regelung der Hypotheken- Verhältnisse zu erleichtern; 3. zur Förderung der Bildung von Rentengütern die Er- höhung des staatlichen Rentenbanklredit« von peuterts Memoiren. Dichtung und Unwahrheit. Joseph Peukert hat in den achtziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts in der österreichischen Arbeiterbewegung und in der an- archistischen Bewegung der Schweiz und Londons eine zu Zeiten vielgenannte, wenn auch nicht rühmliche Rolle gespielt. Ende der achtziger Jahre mußte er aus der Arbeiterbewegung verschwinden, weil er sich von dem auf ihm lastenden schmählichen Verdacht, seinen Freund N e v e in die Hände der preußischen Polizei ge- liefert zu haben, nicht genügend reinigen konnte; er blieb dann jahrzehntelang nahezu verschollen und ist— ein politisch Toter— am 3. März 1010 im Alter von 55 Jahren in Nordamerika ge- jrorbcn. Gustav Landauer hat jetzt im Verlag des Sozialistischen Bundes unter dem Titel:„Erinnerungen eines Proletariers aus der revolutionären Arbeiterbewegung" von Joseph Peukert, Peukerts Memoiren herausgegeben und sucht aus dem politisch Vergessenen einen Märtyrer zu machen, der unschuldig in oen politischen Tod gehetzt worden sei. Landauer ist so verlieht in seine eigene Rctterrolle, daß er die schreiendsten Widersprüche im Buche selber nicht sieht. Zwar verwahrt er sich im Vorworte dagegen, daß er sich mit Peukerts Standpunkt identifiziere oder seine Be- schuldigungen sich zu eigen mache, aber er glorifizert gleichwohl etwas pathetisch Peukert als„den geborenen Ehrenmann, der in seinem Leben keiner schmutzigen, lumpigen Handlung fähig ge- loesen ist". DaS macht dem guten Herzen Landauers alle Ehre, aber er muß den Leuten, die Peukert und sein Treiben kennen, schon gestatten, Herrn Peukert nicht nach den Worten seiner Ver- teidigungsschrift, sondern nach seinen Taten zu beurteilen. Der sentimentale Augcnaufschlag Peukerts und die pathetische Vorwort- Bürgschaft Landauers schaffen Tatsachen nicht aus der Welt. Das Buch ist ausgesprochencrmaßcn eine Verteidigungsschrift und anscheinend aus dem Gedächtnis geschrieben; die darin be- handelten Vorgänge sind nicht in chronologischer EntWickelung dar- gestellt, sondern schwimmen zeitlich und örtlich durcheinander; im ganzen Buche sind nur ein paar Jahreszahlen und Taten an- geführt, und selbst diese sind nicht immer richtig. Allem Anscheine nach ist keine einzige Angabc durch späteres Nachschlagen nach- geprüft worden. DaS Buch ist daher historisch ohne jede Zuver- lässigkeit und inhaltlich ohne jede Glaubtuürdigkeit, soweit die darin aufgestellten Behauptungen nicht durch andere Quellen bestätigt werden. Gewissenlos wie Peukert im Leben seine Behauptungen auf- zustellen pflegte, genau so gewissenlos hat er hier in seinen„Er- innerungen" seine Behauptungen und Urteile auS jener Zeit wiederholt. Heute, nach 30 Jähren, läßt sich vieles aus jenen Tagen wenn auch nicht billigen, so doch erklären auS der leiden- sckxlftlich erbitterten Kampfesftimmung jener Zeit, aus dem fanati- scheu Glauben an die Güte der eigenen Sache. Aber die trockene, heimtückische Wiederholung der nichtswürdigsten, schon damals widerlegten Verleumdungen, jetzt nach 28 Jahren hier in diesen: Bliche, läßt sich nur aus dem Basilio-Charakter des Peukert er- klären. Wenn Peukert aber mit der bekannte» Biedermeiermiene fosar die Hoffnung ausdrückt, daß„der Leser aus dieser ersten. gewissermaßen dokumentarisch belegten gründlichen Schtldcrung er- kennen werde, daß mich keine Haßgefühle dabei geleitet haben, sondern nur der Wunsch, die wirklichen Tatsachen jedermann zu- gänglich zu machen"— so ist das des Guten wirklich etwa? zuviel. Gewiß, Peukert war nie ein Draufgänger, loderndes Temperament ritz ihn weder zu Dummheiten, noch zu Kühnheiten hin; er war immer ein Stück nüchterner Schleicher, der sich geschickt in das Gewand des Biedermeiers hüllte und geradezu mit Virtuosität die Rolle der gekränkten Unschuld mimte. Aber wenn Most und namentlich Da v6 ihm so unrecht getan haben, wie er vorgibt, dann müßte Peukert bis zur letzten Stunde seines Lebens gegen diese beiden von berechtigtem, leidenschaftlichem Hasse erfüllt ge- Wesen sein, denn dann hätte Dave gegen Peukert wie e:n Schuft gehandelt I Und gegen den Mörder ieiner Ehre kann niemand „gerecht" sein, der Ehre hat! Peukert huldigte immer dem Grund- sah: Die Rache ist ein Gericht, daS man kalt genießen muß— und wie er das versteht, dafür legen die paar Stellen Zeugnis ab, in denen er seinen Ex-Genossen Karl S ch n e i d t Schildert. Es sind nur ein paar Charakterstriche, aber Schneidt ist für immer peukertisch gezeichnet I Und nun ein paar Tatsachen, um da» Urteil über das Buch zu rechtfertigen; auch sollen die Peukcrtschen Behauptungen nicht im- widersprochen durch die Welt gehen, um so weniger, als seit der Zeit, die Peukert in den„Erinnerungen" schildert, ein Menschen- alter verflossen ist, die damals lebenden Zeugen gestorben und die Dokumente nur noch wenigen zugänglich sind. * w ♦ Die feige deutsche Sozialdemokratie. Das Sozialistengesetz brach 1378 über die deutsche Sozial- demokratie mit der Wucht eines ElementarereignijseS herein. Die Arbeiterklasse, in ihren Organisationen durch die Tessendorfschen Auflösungen unsicher gemacht und zersprengt, war durch die den Gründerjahren folgende schwere WirtschaftSkrisiS auch politisch ge- schwächt. Aber— und das war der große, wenn auch nicht auf einzelne Personen lastende Fehler— die ganze Partei stand unter dem Irrtum, daß das Ausnahmegesetz nur„eine vorübergehende Erscheinung" sein werde; wenn man im Anfange sich äußerlich dem Gesetze fügen werde, so werde man bald innerlich mit ihm fertig werden, genau so wie mit den früheren Perioden, in denen ungeheuerliche Verfolgungen mit ebensolchen Strafen auf Grund des Aufreizungs-, Majestätsbeleidigungs- und GotteslästerungS- Paragraphen eingesetzt hatten. Kein Mensch— auch nicht unter den Gegnern— hatte daran gedacht, daß ohne äußeren Anlaß die Regierung von der Waffe deS„kleinen Belagerungszustandes" Gebrauchs machen werde. DaS Verbot der gesamten deutschen Ar- beiterpresse, mit der Auflösung aller politischen und gewerkschaft- lichen Organisationen Ins hinüber zu den Unterstützung?- und Krankenkasseneinrichtungen, die dadurch bedingte Vernichtung zahlreicher Existenzen, der Verlust großer Vermögen durch die Stillegung der Geschäfte, die Haftung für weitgehende Ver- Pflichtuligen, die Sorge um die Existenz zahlreicher in diesen Ge- schäften beschäftigter Arbeiter, nahm die geistige und physische Ar- beitökraft der sogenannten„Führer" ungeheuer in Anspruch. Und mitten in diese Sorgen und Pläne für Neuaufbau der vernichteten Existenzen kam der Schlag des Belagerungszustandes über Berlin mit den Ausweisungen! Da waren eö— man darf das heute offen sagen— nicht die Führer, die versagten, bisher•/< auf#/10 des Taxwerts, die Bereitstellung von 75 Millionen Mark zur Gewährung von Zwischenkredit sowie endlich gewisse Erleichterungen des Verfahrens. Wir werden nach der Bekanntgabe der Einzelheiten eingehender auf die Borlage zurückkommen.�_ Ruhland darf sich alles leisten! Vor drei Wochen flog der Pilot einer deutschen Flugzeug- fabrik aus Versehen über die russische Grenze, um bei Warschau zu landen. Seitdem sitzt der Mann wegen„Spionage- verdachtS" in N u m e r o S i ch e r. Er hat sich nicht einmal mit seiner Firma in Verbindung setzen dürfen. Angeblich soll ihm der Spionageprozeß gemacht werden, so daß der Termin seiner Befreiung in unabsehbare Ferne gerückt ist. Das sollte in Frankreich passiert sein! Wie würden dann unsere teutschen Hetzpatrioten losgewettert haben! Aber Väterchens Soldateska und Polizei darf sich alles gestatten. Sie darf deutsche Ballons und Flugzeuge, die sich über die Grenze verirren, mit blauen Bohnen regulieren, wie Roschtjetwanski seinerzeit die deutschen Fischerboote auf der Doggerbank im wahnsinnigen Schreck vor den Japanern mit Granaten beschossen hat. Sie darf harmlose verirrte deutsche Flugzeugführer unter dem lächerlichsten Argwohn Wochen-, ja monatelang einsperren l Das alles darf sich Rußland leisten, dieweilcn es ja der Hort der absolutistisch-feudalen Reaktion ist. Wir Deutschen fürchten eben nur Gott und die zarische Knute! Ah, steh da, Herr Neumaun! Auf unseren Nachweis ihrer infamen Fälschung(siehe die Notiz„Denunziant und Fälscher" im Hauptblatt der letzten DtenstagSnummer) antworten die„Berliner Neueft. Nachr." mit einem langen von dem bekannten AllerweltS-Journalisten „F. St. N."(Fritz Stephan Neumann) unterzeichneten Leitartikel, in dem dieses seltsame Menschenkind die Fälschung bestreitet und auf Grund allerlei kurioser Verwechslungen zu der weisen Fol- gerung kommt: „Die Kautskysche Hochverratstheorie basiert also unverblümt und unzweifelhaft auf der militärischen Gehorsamsverweigerung im Mobilmachungs- und Kriegsfalle." Auf solche kindlichen Albernheiten ernsthaft zu antworten, hat keinen Zweck. Wir haben, da wir die früheren Leistungen des Herrn Ncumann kenne», von vornherein gar nicht beabsichtigt und auch nicht darauf gerechnet, ihn durch logische Gründe irgendwie zu überzeugen. Lediglich um unseren Leser,: zu zeigen, zu welchen unsauberen Fälscherkunststückchen eine gewisse Presse greift, haben wir die betreffende Notiz geschrieben. Hat sie diesen Zweck er- füllt, so genügt uns das. Wir haben nicht den fragwürdigen Ehr- geiz, auch Herrn Neumann zur Erkenntnis der Unrichsigkeit feiner denunziatorifchen Folgerungen zu verhelfen, denn erstens sind wir der Ansicht, daß gegen gewisse Hirnveranlagungen selbst alle Götter Griechenlands vergebens ankämpfen, und zweitens lohnt es sich kaum, Personen von der Bedeutung eines Fritz Stephan Neu- mann zu überzeugen. Jesuiteumoral. Graf v. OpperSdorff druckt in der Nr. 8 seiner„Klarheit und Wabrheit" den Brief eines einflußreichen Jesuiten ab, um zu be« weisen, daß die Jesuiten„zu den Kölnern" nur auS lauter Opportunismus in der Hoffnung übergegangen seien, das Zentrum allein könne ihnen die Grenzen Deutschlands öffnen. Der charakteristisch« Brief de» Jesuitenpatrr«, der an einen französischen Ordensbruder gerichtet ist. hat folgenden Wortlaut: „Mein lieber Sbbö! Sie waren so gütig, uns ein Maß von Heco'.smuS zuzusprechen, daS wir nicht besitzen. Wir hätten da« Zentrum, den Volksverein, die zaudernden Bischöfe, München- Gladbach usw. usw. angreifen müssen.... Wir haben eS nicht ge- tan. Wir haben versucht, in wohlwollender Neutralität zu bleiben, ohne ein Prinzip zu verleugnen. Warum? Weil wir nach vierzig sondern die Massen hatten das Selbstvertrauen verloren. Für den Augenblick! Als aber dann die Verfolgungen der Polizei ein- setzten, da gewannen sie rasch wieder ihr Selbstvertrauen und trotzten der stärksten Regierung der Welt mit einer Tapferkeit, welche die Bewunderung der Arbeiter aller Länder erweckte. Dreißig Jahre nach diesen«chlägen schreibt nun Peukert: „Mit größter Auftnerksamkeit und Spannung verfolgten «o i r i n P a r i s die Borgänge in Deutschland.... W i r er- iwirteten, und zwar mit Bestimmtheit, von der so großartig (was großartig? großartig organisierten?) und zielbewußten sazialdemokratischen Partei einen energischen Widerstand.... Doch keine Spur einer offenen Empörung erfolgte. Die Führer, die so lange großmäulig mit der Macht ihrer Arbeiterbataillone geprahlt und gedroht, waren in feiger Angst kopflos um ihre eigene Sicherheit besorgt, brandmarkten jede rebellische Regung als Verrat, und so wurden einer angeblich revolutionären Partei die Höschen gespannt und sie ohne Widerstaud schimpflich d u r ch g e w i ch st." Gewiß; Maulaufreißer im Ausland vom Schlage Peukerts erwarteten von den anderen die Revolution. Die Führer in Deutschland„brandmarkten" nicht„jede rebellische Regung", schon deshalb nicht, weil die Massen keine solche Regung verrieten; die Führer in Deutschland hatten auch nicht„großmäulig geprahlt und gedroht"— mit Ausnahme von zweien; aber auch diese prahlten und drohten erst, als sie— die Ersten!— aus Deutschland ausgerissen waren und im sicheren England und Amcrila sahen! Und gerade diese beiden— Most und Hasselmann— waren damals für Peukert Götter und Helden! Peukert steht dieser Vorwurf um so weniger an. als er zwar fein ganzes Leben lang großmäulig mit der Revolution geprahlt und gedroht, aber nie auch nur einer Katze ein Haar gekrümmt hat. Es ist geradezu belustigend, in den Peubertschen„Erinnc- rungen" zu lesen, wie oft Peukert, der„Propagandist der Tat". in Versuchung war, revolutionäre Gewaltakte zu verüben: S. 36 erfaßte ihn(in Paris)„eine solche Wut, daß>ch eine Flasche ergriff, auf Liebknecht zustürzte und ihm sicher die Flasche auf dem Schädel zerschlagen hätte, wären nicht..." „S. 61„hätte ich mit Vergnügen einen oder zwei dieser Jesuiten(Bernstein, Vollmar, Motteler, KautLky, Obrist, Herter, Bnrkli, Schwartzingcr) durchgeprügelt, und ich war in einer Stimmung, es m, t der ganzen Bande aufzunehmen, hätte eS nur einer gewagt,— m ich anzurühren..." S. 117„hätte ich ihm(dem Wiener Polizeirat Breitcn- feld) am liebsten eine derbe Maulschelle auf seinen unverschäm- ten Mund gegeben, aber..." S. 122„n ahm ich mir vor, dem Kerkermeister mit dem schweren Steinkrug den Schädel einzuschlagen,... aber" S. 211„überlegte ich, ob die beste Antwort nicht sei, den Kerl(Dave) einfach niederzuschlaaen,... aber" S. 237„wäre(Martin, der Verfasser von„Der An- archiSinuS und seine Träger") faktisch nicht so glimpflich davon- gekommen, leider..." S. 268„hätte ich mir sicher damals in der Verzweifelung das� Leben genommen, wenn.. Selbst Herr Landauer wird zugeben, soviel gute Vorsätze sind für einen„Revolutionär", dem Landauer das Zeugnis ausstellt, „daß er einer der Seltenen war. die da» Zeug zum Führer haben" zu viel und— zu wenig! � � Richard F»sch«r. Jahren bei Exil«, nach dem Rum unserer Freunde in den katholischen Städten Deutschlands, wieder zurück ins Vaterland wollten. Wir wollten arbeiten zum Heile Deutschlands, und um das zu lönnen, müssen wir zurück. Wer aber könnte uns dir Grenze öffnen? Mit der Bitte, um ein wenig Mitgefühl für so viel enttäuschte Hoffnungen, bin ich. unter Versicherung meiner ergebensten Grütze. R. R..,., S. J.* Der Brief enthüllt nur in aller Oeffentlichkeit, was in den Kreisen, die mit der Geschichte des Zentrumsklerikalismus näher bekannt sind, längst kein Geheimnis mehr war— nämlich die Tatsache, daß ein grotzer Teil der deutschen Jesuiten, die früher ent- schiedene Anhänger der sogenannten Berliner Richtung waren, neuerdings mit den Bachemiten gehen, weil sie hoffen, datz diese durch ihre geschickte Taktik die Regierung zum völligen Fallen- lassen deS Jesuitengesetzes zwingen werden. Durchaus richtig schildert die„Rhein.-Westf. Ztg." diese Schwenkung der Jesuiten in folgender Weise: „Die Jesuiten standen bekanntlich bis vor einigen Jahren auf Seite der Berliner„Quertreiber". Ihr hervorragendster Sozialpolitiker, Pater Heinrich Pesch, vertrat deren Sache, und der Leiter des deutschen Jesuitenorgans, der„Stimmen aus Maria Laach", Pater Frick, sympathisierte derartig mit den „qucrtreiberischen" Bestrebungen, daß er sogar an dem Zustande- kommen der sogenannten Osterdienstags-Konferenz tätigen An- teil nahm. Dafür rächte sich das Zentrum, dah es sich für das Aufheben des Jesuitengesetzes nicht weiter interessierte. Da war es der als Gelehrte bochgeschätzte Präfekt der vatikanischen Bibliothek, der Jesuit Ehrle, welcher, wie wir bestimmt wissen, wohl im Auftrage des Jesuitengenerals Werna von der stillen Gelehrtenstube sich auf den schlüpfrigen Boden der Politik begab und bei einer Ferienreise im Jntere s fe seines Ordens mit den„Kölnern" wieder Fühlung zu ge- Winnen wußte. Die Folge davon war, dah Pater Frick von der Leitung der Laacher Stimmen ausgeschifft wurde, Heinrich Pesch wurde ein stiller Mann und der ehemalige Rektor der römischen Jesuiten-Dressuranstalt für deutsche Kleriker, des Kollegrums Germanicum, welcher inzwischen als Professor an die teologische Fakultät(Reservat der Jesuiten) zu Innsbruck übergesiedelt war, verteidigte dagegen fortan die sozialpolitischen Grundsätze der Köln-M.-Gladbacher." Man sieht: auch für die Herren Jesuiten ist die religiöse Ueberzeugung im wesentlichen Geschäftssache. Sehen die Jünger Loyolas, dah die„Integralen" die Oberhand behalten, wechseln sie einfach wieder ihre Meinung.. Ergebnis der Reichstagsstichwahl im Kreise Jerichow. Burg(Magdeburg), 24. Februar. Endgültiges amtliches Wahlergebnis: Bei der ReichstagSstichwahl im Wahlkreise Magde« bürg 3 am 20. Februar d. I. wurden von 36 236 Wahlberechtigten im Ganzen 31 936 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Rittergutspächter Schiele- Sckiollene(K.) 16 669 Stimmen, aus Expedient Haupt-Magdeburg(Soz). 15 267 Stimmen. Der„freiwillige Proporz" spielt zurzeit in der bürgerlichen Presse Elsah-Lothringens, wo in diesem Jahre die sechsjährige Wahlperiode der Gemeinderäte ab- läuft und die allgemeinen Erneuerungswahlen stattfinden, eine grohc Rolle. Dabei wird mit dem Begriff der gröbste Unfug ge- trieben: man möchte einen„freiwilligen Proporz" in der Weise, dah sich die bürgerlichen Parteien in die Mandate teilen, und dah die Sozialdemokratie, soweit man ihr überhaupt eine Vertretung zugesteht, mit ein paar Mandaten abgefunden wird, die nicht ein- mal ihrem Stimmenerfolg vor sechs Jahren entsprechen würden. Verhandlungen, die dieses Ziel erkennen lassen, wurden von bürgerlicher Seite in den drei größten Städten des Landes bereits gepflogen. Tie sozialdemokratischen Parteiorganisationen in Strahburg und Mülhausen haben diesen sogenannten freiwilligen Proporz für den ersten Wahlgang natürlich als Unsinn von sich gewiesen. Eine Verteilung der Mandate entsprechend der tat- sächlichen Parteistärke könnte nur erfolgen auf Grund der Stimmenergebnisse des ersten Wahlganges, um für den zweiten den Minderheiten die proportionelle Vertretung jju sichern. Ob es dazu kommen wird, hängt von der Bereitwilligkeit der bürger- lichen Parteien ob, die aber anscheinend auf diesen realen Boden gar nicht treten wollen._ Tie weimarische Regierung im Hinterhalt. Die Hauptarbeit der diesjährigen Tagung des Weimarifchen Landtages sollte nach den vorjährigen Erklärungen der Regierung die Beratung der neuen Gemeindeordnung sein. Seit drei Wochen beschäftigt sich bereits der Landtag mit wenig bedeutenden Angelegen« heilen. Unser Genosse Baudert forderte daher bei einer sich ihm bielenden Gelegenheit die Regierung auf, ihr« Entwürfe zur neuen Landgemeinde« und Städteordnung dem Landtage baldigst vor- zulegen, damit dieser nicht unnütz seine Zeit vertrödele. Die Regierung erklärte, da», was der Abgeordnete Baudert vor- getragen habe, sei den Akten entnommen, die nur auf unlautere Weise in unberufene Hände gekommen sein könnten und die deshalb im Landtage nicht verwendet werden dürften. Allerdings seien die Vorarbeiten zur Gemeindeordnung im Gange; doch sei eS durch äußere Einflüsse bis jetzt noch nicht möglich gewesen, den Ent- wurf dem Landlage vorzulegen. Wann dies geschehen könne, lasse sich auch mit Gewißheit noch nicht sagen. Abg. Baudert erklärte, er mache von solchem Material, das ibm unaufgefordert zugehe, den ihm geeignet erscheinenden Gebrauch, und er fühle sich dazu be« sonders verpflichtet, wenn e» sich um eine tiefeinschneidende Frage auf politischem Gebiete handele, wie eS die Regierung mit der Um- gestalrung der Gemeindeordnung plane. Gelbfieber in Togo. Durch eine Sondernummer des Kameruner Amtsblattes wird der Hafen von Lome(Togo) wegen Gelbfieber für verseucht erklärt. Auch an der englischen Goldküst« und in Nigerion sind Fälle von Gelbfieber festgestellt. Eine Einschleppung des Gelbfiebers nack Kamerun würde für die Kolonie von schwerwiegender Bedeutung sein, da gerade in Kamerun die das Gelbfieber verbreitenden Stegomhicn sehr zahlreich sind. Der Streikbrccheragcnt vor den Geschworenen. Heute beginnt vor den Geschworenen in Leilmeritz(Böhmen) der auf zwei Tage angesetzte Prozeh gegen oen vielfach schwer vorbestraften Berliner Strcikbrecheragenten und Polizeispitzel Keiling, der vor einigen Wochen in Tetschen a. E. den Tarifvertraucnsmann der dortigen Buchdrucker, Genossen Solinger, erschossen hat. Die Anklage lautet auf Mord. Keiling wird verteidigt von dem Leitmcritzer Rechtsanwalt Glätzner. Die Hinterbliebenen des Genossen Solinger haben sich dem Strafverfahren angeschlossen, und es wird daher neben dem Staatsanwalt der Rechtsanwalt Dr. Knöpflmacher die Anklage vertreten._ Die Haussklaverei in Teutsch-Ostafrika. Der Gouverneur von Deutsch-Ostasrika hat dem Reichstag eine Denkschrift über die Haussklaverei zugehen lassen. Im vorigen Jahre hat der Reichstag beschlossen, die Sklavesei in Deutsch- Ostafrika nur noch bis zum 1. Januar 1926 zu dulden. Ter Zweck der Denkschrift besteht nun in der Hauptsache darin, nachzuweisen, datz die Haussklaverei bis zu diesem Termin nicht beseitigt werden km«, wenn nicht die Gefahr groher Ausstände heraufbeschworen werden soll. Nach der Denkschrift wäre das Los der Haussklaven in Deutsch-Ostafrika ein beinahe beneidenswerte?. So wird bestritten, datz Mißhandlungen irgendwelcher Art vor- kommen, weil in diesem Fall« die Behörde den Sklaven sofort für frei erklären würde. Die Arbeitsleistung der Haussklaven soll eine ganz minimale sein, und der Gouverneur behauptet weiter, dah dem Neger die persönliche Unfteihcit keineswegs lästig sei. Trotzdem müsse man der Forderung der Humanität, die Sklaverei zu be« seitigen, Rechnung tragen. Die Zahl der Sklaven in Deulsch-Ostafrika schätzt der Gouverneur auf 185 OVO. und er behauptet im Anschluß hieran, dah schon bei der großen Zahl der Sklaven eine Beseitigung dieses Verhältnisses bis zum 1. Januar 1926 absolut unmöglich sei. Dagegen könne man versichern, datz die ganze Institution bis zum Jahre 1936 aufgehört habe zu existieren, denn alle noch dem 31. Dezember 1965 Geborenen dürfen in keinem Hörigkeits- Verhältnis mehr stehen. Bei der sofortigen Aufhebung der Sklaverei würde dem Gouvernement die Pflicht erwachsen, diese Freigelassenen unterzubringen oder für sie zu sorgen; dazu wären Summen notwendig, die in die Millionen gehen. Durch die Auf- Hebung der Haussklaverei würde eine große Reihe von wohlhabenden Existenzen wirtschaftlich vernichtet und der deutschen Verwaltung auf- sässig werden. Um das zu verhüten und um zu verhindern, datz neue Aufstände ausbrechen, schlägt der Gouverneur vor, die Beseiti- gung des Hörigkeitsverhältnisses an einen bestimmten Termin über- Haupt nicht zu knüpfen.__ Steuerhinterziehungen der groste» Patrioten. Der Landrat in Homburg v. d. H. läßt mitteilen, die erste Durchsicht der Wehrsteuererklärungen habe ergeben, dah in diesem Jahre annähernd sechs Millionen Mark Kapital- vermögen im Obertaunuskreis mehr deklariert wurden. Wenn im Durchschnitt in jedem preußischen KreiS nur diese Summe zu wenig deklariert worden wäre, beliefe sich das der Steuer entzogene Vermögen in Preußen schon auf rund 3000 Millionen Mari. In einzelnen Kreisen und besonders in den großen Städten kommen aber noch ganz andere Summen heraus; 20 Milliarden wird das mindeste sein, was der Generalpardon an bisher unversteuertem Vermögen zutage fördert._ /2 Uhr: ZW" Versammlung: � aller in den Eisengießereien beschäftigt. Putzer und Schleifer in den Borussia-Sälen, Ackerstr. 6/7. , Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. ——— Mitgliedsbuch legitimiert. Bibliothek Osten. Vom 1. März d. I. ab findet die Ausgabe der Bücher bei Rietz, Warschauer Str.«, nur Dienstags und Freitags, abends von 7—9 Uhr statr. 162/17 Hie Ortsverwal tnng. Heute Mittwoch, den 25. Februar, abends 81/, llhr, im Saal 1 des GewerkschaftshaufeS: Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag über �Proletarische Emanzipationsbestrebungen in alter und neuer Zeit-. Reserent Kollege Franz Bichler-München. 2. Diskussion. 3. Lohndifferenzen. 4. Verschiedenes. Ilm pünktliches Erscheinen ersucht 99/2 Der Filialvorftand. Fkreuertdäruux. Die Unwahrheit, die ich über die Hebamme fMU UM WlM. Ailbelm-Stolze-Straße 34, ausge- sprachen habe, nehme ich mit Be- dauern zurück. 34832 Frau Siebert. Deutsch-Kroner Straße 4. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄpiTu 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. Haben Sie blott9 jeh fertige davon Anzug od. Paletot nach MaSS, schick, daner h. Zutaten von 25 Merk an. Moritz Laband� Nene Promenade 8, iL(Stadtb, Ben.) Ii V nnerreicht bei rauher oder a u f- g/csprunjjener Hant. Boss 10 und 20 Pf. in Apotheken und Drogerlen. 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Die Delegierten müsse» anwesend tein. Donnerstag, den 26. Februar: CifcbUr. Süden: abends B'/s Uhr im Märkische« Hof, Admiralstraße 18s. Tagesordnung: 1.«lellnnguabme zum Berbandstag und Aus- slellung der Kandidaten. 2. Berbandsangelegenheiten. Osten III: abends 6'/, Uhr in den»Prachtsälen des Ostens«, Frank- surler Allee 151. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Verbands» tag. 2. Berbandsangelegenheiten. l�orbtmcker. Wends S'/j Uhr bei Max Krause, Marianneirplatz 8. Tagesordnung: l. Stellungnahme zum Gau- und Verbandstag. 2. Branchen- angelegenhesten. 1>Iöbel- u. StuMpoUerer fowic JVIagazinarbeiter. (Gleich nach Feierabend.) Osten: in den„Furftenberger Fettsälen«, Franksurter Allee 106. Südosten: im Märkischen Hof. Admiralstr. 18s. Tagesordnung: Vortrag über„Rechte und Pflichten der Kranken» kassenmitglieder unter der neuen Reichsversicherungsordnung". Xorden: im Gwinemünder GesellschaftShauS. Swinemünder Str. 42 83/17 Die Ortsverwaltung. ist der. schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, beim Alten Freund. an der neuen Heerstratte »» BEBEL- BÜSTE Der Bildhauer JULIUS OBST-Berlin hat eine Büste von AUGUST BEBEL geschaffen, deren Qeneralvertrieb die Buchhandlung Vorwärts Berlin übernommen hat. Die Büste ist in vier Größen vorrätig: Größe 1, 80 cm hoch.... Preis 20 Mark Größe 2, 60 cm hoch.... Preis 15 Mark Größe 3, 40 cm hoch.... Preis S Mark Größe 4. 20 cm hoch.... Preis 2.50 Mark Größe 1 eignet sich zur Dekoration von großen Sälen— Größe 2 ist für kleinere Säle, Vereinszimmer, Partei- und Gewerkschaftsbureaus bestimmt Die Größen 3 und 4 sind besonders als Schmuck für Arbeiterwohnungen gedacht Die Abgüsse der vom Bildhauer Julius Obst modellierten Büste tragen ein Schild: Buchhandlung Vorwärts Berlin, worauf wir zu achten bitten. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. Umntto, Redakt.: Alfred Wielep», Neukölln. JnseratentetI verantw. Td.Gtocke.Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer&, Go., SBctünSW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltuagsbl. Dr. 55. 31. Jahrgang. 1. ßciliat des Jotroitts" ßttlinet Mivolh. 25. Februar 1914. Gewerksthastliches. Die Wohlfahrtskette. Daß die sogenannten WohlfahrtSbestrebungen der Unter- nchiner den Arbeitern sehr verhängnißvoll werden können. müssen die Arbeiter der Firma Schwartzkopff in Wildau wieder einmal am eigenen Leibe erfahren. Die Firma hat in Wildau einige Häuser erbaut, die für Arbeiterwohnungen eingerichtet sind. Das geschah sicher nicht etwa aus selbst- losem Interesse zur Förderung der Arbeiterwohlfahrt, sondern, weil in der Gegend des Werkes nicht genügend Arbeiter- Wohnungen vorhanden sind, und deshalb die von der Firma Schwartzkopff benötigten Arbeiter sich nicht gern herbeiließen, bei der Firma Schwartzkopff in Wildau in Arbeit zu treten. Doch die Uneigennützigkeit der Firma ist damit noch nicht zu Ende. Die Firma Schwartzkopff hat in den Miets- Verträgen eine Bestimmung, wonach sie das Recht hat, den Mieter der Werkswohnung, wenn er als Arbeiter den Betrieb verläßt, in kürzester Zeit aus der Wohnung zu entfernen. Bon dieser Bestimmung macht die Firma gegenwärtig Gebrauch, weil eine Anzahl der bei der Firma beschäftigten Arbeiter streiken. Es handelt sich um einen Streik zur Abwehr einer Reihe von Mißständen, die nachgerade unerträglich geworden sind. Die Bemühungen der Firma, vollwertigen Ersatz der Streikenden zu bekommen, waren bis jetzt vergeblich. Darum die Aufforderung an die Streikenden, soweit diese im Besitz von Werkswohnungen sind. diese Werkswohnungen schnellsten« zu räumen. Da die Arbeiter dieser Aufforderung nicht ohne weiteres nach- gekonimen sind, hat die Firma die Exmissionsklage eingereicht. Sie glaubt, ihre angebliche Arbciterwohl- fahrt, deren sie sich sonst so gern rühmt, zur Wahrnehmung ihrer Interessen mißbrauchen zu dürfen. Daß die Firma ihre Position bis zum äußersten ausnützt, zeigt auch folgender Vorgang: Einer der Streikenden räumte die Woh- nung und stellt seine Sachen bei einem nichtstrcikcndcn Kollegen, der ebenfalls eine Werkswohnung inne hat, unter. Das hat die Firma veranlaßt, diesen Arbeiter, der nichts als einen Akt der Menschenfreundlichkeit ausübte, ebenfalls auf- zufordcrn, schnellstens die Werkswohnung zu räumen. Höher gehts wohl kaum. Der Genieindevorsteher der zuständigen Gemeinde be° mühte sich, die Anordnung der Firma rückgängig zu machen, jedoch ohne Erfolg. Dort, wo es gilt, die Interessen ihres Profits wahrzunehmen, kennt die Firma Schwarzkopff so wenig wie andere Unternehmer irgend welche Rücksicht. Es lehrt das Ganze wiederum deutlich, wie richtig es ist, wenn die Arbeiter immer und immer wieder gewarnt werden, aus die Lockungen der Unternehmer nicht hineinzufallen, wenn diese die Arbeiter mit ihrer Wohlfahrtsplage der verschiedensten Art belästigen. Serlia und UmgegenS. Achtoug, Kraftdroschkcnführcr! Der Betrieb Elektromobil G. in. b.H., Halens«. Joachim-Friedrich-Stratze 37, ist für organisierte Chauffeure und Wagenwäscher wegen ausgekrochener Differenzen gesperrt. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groh-Berlin. sdaS Wäsche-Berleihgefchnft Alfred Bock, Reinickendorf, Früh- lingstraxe 4, eriucht uns um die Mitteilung, daß dieses Geschäft mit der Firma A. Bock Nachf., Jnh. Zorn, nicht identisch ist. Deutsches Reich. . Ter Verband der Gastwirtsgehilfen im Jahre ISIS. Auch der Verband der Gastwirtsgehilfen hat unter der Krise zu leiden gehabt, auch er hat einen kleinen Rückgang der Mitglieder- zahl zu verzeichnen. Während Ende 1912 der Mitgliederbestand 16 293 betrug, war die Zahl 1913 auf 16 925 gesunken. Grund zur Besorgnis ist darum aber bei diesem Verbände ebensowenig, wie bei den übrigen freien Gewerkschaften vorhanden. Der Rückgang wird bald wieder ausgeglichen sein. Zahl und Umfang der Lohnbe- wegungen sind im Jahr 1913 auch geringer gewesen als im Vor- jähre. Fusgesamt waren an Lohnbewegungen mit und ohne Arbeitseinstellung 133 in 28 verschiedenen Orten bzw. Lohngebieten zu verzeichnen. In den von den Bewegungen berührten Betrieben (197) waren insgesamt 3778 Personen beschäftigt. Von der Gesamt- zahl der Bewegungen führten nur 29 mit 591 Beschäftigten be- ziehungsweise 261 Beteiligten zu einer Arbeitseinstellung. Es wurde erreicht eine Verkürzung der Arbeitszeit für 391 Personen und 2894 Stunden pro Woche. Die Lohnerhöhung beträgt für 1384 Personen 3876 M. pro Woche. Für die Angestellten im Gast- wirtSgewerbe sind aber auch.sonstige Verbesserungen der Arbeits- bedingungen" von grotzcr Wichtigkeit. Es handelt sich da um Be- seitigung von ganz erheblichen Mitzständen, wie Ausschaltung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung und Anerkennung des paritätischen oder des VerbandsnachweiseS, Ersatz der Naturalbezüge durch Barlohn. Abschaffung der Abgaben an den Unternehmer usw. Solche Berbesierungen wurden in 196 Fällen für 1755 Personen erreicht. Ucber die bestehenden Tarifverträge lieh sich zum ersten Male eine lückenlose Darstellung geben: Am Anfang des Berichts- jahreS bestanden im ganzen 295 Tarifverträge für 1391 Betriebe mit 5691 beschäftigten Personen, von denen 4995 dem Verbände der Gastwirtsgehilfen angehörten. Im Laufe des JahreS erledigten sich durch Ablauf oder aus sonstigen Gründen 68 Verträge für 092 beschäftigte und sämtlich dem Verbände angehörige Personen in 198 Be- trieben, so daß von dem alten Bestand in das neue Jahr 137 Ver- träge für 1193 Betriebe mit 4739 Beschäftigten und 4993 Verbands- angehörigen übernommen wurden. Im Jahre 1913 sind in Kraft getreten: 134 Verträge für 431 Betriebe mit 2386 Beschäftigten und 1939 Verbandsmitgliedern. Der größte Teil der insgesamt abgeschlossenen Tarifverträge wurde durch friedliche Lohnbewegungen er- zielt: in Ziffern nicht weniger als 129 Verträge für 467 Betriebe mit 2277 Personen und 1333 Organisierten, so daß für die durch Streit oder Aussperrung erzielten Tarifabschlüsse nur 14 Einzel- Verträge für 199 Personen übrig bleiben. Von den inr Jahre 1913 abgeschlossenen Verträgen erledigten sich bereits vor Schluß de« Be- richtSjahres LI Eiuzellarise, so daß sich der Gesamtbestand der ans den Vorjahren in das Jahr 19l4 hcrübergenomm-nen Tarifverträge auf 259 für 1653 Betriebe beläuft. In diesen Geschäften arbeiten 6876 Personen zu tarifllich geregelten Bedingungen, von denen 5844 im Verband der Gastwirtsgehilfen organisiert sind. Hierzu kommen noch einige Tarifverträge, die in Zürich, wo der Verband eine Ver- waltungsstelle hat, abgeschlossen worden sind. ES sind dies sechs Verträge in sechs Betrieben mit 194 Personen, wovon 75 dem Ver- band angehören._ Der Schneidcrstreit in Gotha bei der Firma R o s e n b l a t t ist nach vierzehnlägiger Dauer beendigt worden. Die Streikenden nahmen am Montag die Arbeit wieder auf, bis auf zwei, die ander- wärt? Arbeit angenommen hatten. ES wird auf Grund einer ge- änderten Arbeitsmethode gearbeitet und der früher verdiente Wochen- lohn den Arbeitern auf mindestens sechs Wochen garantiert.— Wegen angeblicher schwerer Geschäftsschädigung strengte die Firma Klage gegen das.Gothaer VoliLblatt" an. das die Liste derjenigen Konfektionsgeschäfte veröffentlichte, die die Warm der bestreikten Firma führten._ Ter christliche Keramikcrvcrbaud als Unternehmerstütze. Im Sommer 1913 reichten die im Zentralverband der Stein- arbeiler(Sitz Leipzig) organisierte» Arbeiter der Firma Hart- m e i) c r in Geberschweier(Elsaß) eine Tarifvorlage ein. Die Firma ließ sich auf einen Tarifabschluß unter keinen Umständen ein. Es kam zum Streik, der für die Arbeiter verloren ging. Die Streik- führer wurden nicht wieder eingestellt, sie mußten sich außerhalb um Arbeit umsehen. Nun setzten die Schwarzen mit der Agitation ein, und wenn man ihren Angaben Glauben schenken darf, schlössen sie mit Harftneyer einen Tarif ab. Der christliche Sekretär Richard Schwarz beschafft nun der Firma Hartmeyer Arbeiter. Er erläßt Zirkulare, tu denen eS heißt: .Die Firma Hartmeyer hat vor längerer Zeit die sozialdemo- kcatisch organisierten Arbeiter entlassen und beschäftigt zurzeit nur christlich organisierte Arbeiter. Die Steinarbeiter verdienen im Winter 6— 7 und im Sonimer 19— 12 M. pro Tag. Unser Ver- band übernimmt also die Garantie, daß die von uns empfohlenen Arbeiter auch den vereinbarten Lohn erhalten." Es ist interessant, daß der christliche Agent selber zugibt, daß die Firina die frciorganisierten Arbeiter entlassen hat; doch darüber machen sich diese sonderbaren Arbeitervertrcter keine Gewissensbisse. Die Einheimischen werden entlassen, weil sie sich dein Unternehmer nicht ohne weiteres fügen, und mit Hilfe der christlichen Führer werden unter unwahren Versprechungen der bedrängten Firma Leute beschafft. Ruslanö. Ter Bergarbeiterstreik in Frankreich. Ende Januar beschloß der„neue" französische Bergarbeitcrber- band, zum 1. März den Generalstreik zu erklären, wenn das Alters- versichcrungsgesetz und einige andere Forderungen bis dahin nicht in einem ihnen genehmen Sinne erledigt seien. Vor allen Dingen fordern sie eine Altersrente von täglich 2 Franks nach 25 Dienst- jähren und zwar soll die Rente vom 59. Lebensjahre ab, statt, wie eS das Gesetz vorsieht, vom 55. Lebensjahre an, gezahlt werden; ferner Einbeziehung der Schieferbrucharbeitcr unter das Gesetz, Minimallohn usw. Am 29. Februar behandelte der Senat das Gesetz erneut, kam aber auch diesmal diesen Forderungen der Berg- arbeiler nicht nach. Darauf beschloß das Organisation?- komitce den Streik schon jetzt zu erklären. Etiva 49 999 Bergarbeiter sollen schon die Arbeit eingestellt haben. Doch dürfte eS fraglich sein, ob der Streik ein allgemeiner werden wird, weil die stärkste und am besten organisierte Berg- arbeitcrgruppe, der.alte Verband", der im nördlichen Revier vor- herrscht,' sich ausdrücklich gegen diesen Streit erklärt hat. Anderer« seits wird der Streik vom Gcwcrkschaftsbund, besonders von den ihm kartellierten Organisationen des Transportgewerbes, lebhast unterstützt. Der alte' Verband, an dessen Spitze der sozialistische Deputierte BaSly steht, hat sich wiederholt für die von der Kannner angenommene Vorlage festgelegt. Auch der letzte sozialistische Parteitag sollte sich aus dieiem Anlaß mit Anklagen gegen Basly befassen, lehnte die« jedoch ab, unter Hinweis darauf, daß eS sich um eine nur die Gcwerkschasien betreffende Angelegenheit handele. — Der häßliche Bruderzwist wird zweifellos auch auf den gegen- wärtigen Kampf den schlimmsten Einfluß ausübe», nachdem er schon eine lange Zeil hindurch in Preßfehden und Versammlungen sich äußerte.._ Geht nicht als Streikbrecher nach Rußland! In der Farbenfabrik Kassel in Riga wird gestreikt. Die Ver» waltnng hat beschlossen, Streikbrecher in Deutschland, besonders in Frankfurt a. M.. zu werben. Die lettischen Arbeiter appellieren an das Solidaritätsgefühl ihrer deutschen Brüder und ersuchen Arbeits- angebote der bestreikten Firma zurückzuweisen. Die /lrbeitslosigkkit. Scharfmacherhetzc gegen die Arbeitslosenversicherung. Die Treibereien der reaktionären und scharfmacherischen Ele« mente gegen die ReichSarbeitSloscnvcrsicherung nehmen geradezu ge- meingefährliche Formen an. Statnrgcmäß entsprechen die gegncri- Kleines Feuilleton. Der schwarze Bahr. Zu der Notiz in der Sonntagsnummer über Bahrs neueste Häutung wird uns geschrieben: Diese Häutung hat Bahr selber bei einem anderen einmal aufs bitterste verhöhnt, in einem Essay über Bourget, der unter dem Titel.Der Finger Gottes" in dem«Buch der Jugend" 1998 bei Heller erschienen ist. Es heißt da: .... ganze» Klaffen scheint es nicht anders als dein einzelnen zu gehen. Auch ihnen geschieht eS, wenn im grauen Herbst die Gicht kommt, daß sie die Engel singen hören und den Finger Gottes sehen; plötzlich erschreckt, bedroht, verscheucht, werfen sie sich weg und verlieren alle Vernunft ihrer Geschichte. Sie sind mit Kraft und Geist vorgedrungen, und weil es eine neue K-ast, ein neuer Geist war, den sie einzusetzen haften, fällt ihnen die Welt zu und sie richten sich ein, sie dehnen sich aus, sie setzen sich durch; ihre Kraft, ihr Geist prägt alles Leben der Menschen um. Plötzlich aber, von Nachdrängenden erschreckt, in der Nacht wankend, der Zukunft ungewiß, scheuen sie zurück und, statt eben jetzt die ganze Kraft zu sammeln, den ganzen Geist zu halten, alles aufzuwerfen, was sie sind, vergesse», verraten, ver- leugnen sie sich, ihre Kraft, die sie befreite, entweicht, ihr Geist, der sie behauptete, verlischt, aller Mut, die Hoffnungen, der Stolz ver- messencr Entwürfe, alter Haß sogar, die Scham sind eniflogen, der eben noch so freie Geist setzt sich mit dem Pfaffen zum Whist. Eine Formel, nach der man die ganze Geschichte seit der Revolution schreiben könnte. Der Titel wäre:«Daö Bürgertum und der Finger Gottes... Bourget war acht Jahre alt, als Darwins Buch erschien. Er hat den ganzen Haeckcl erlebt. Und Tristan und den Ring, Und Nietzsche. Und Ibsen. Und Garibaldi und das neue Italien. Und Antttila mit Walt Whitman. Und Marx und die Rüstungen des Proletariats, das Schnauben einer neuen Menschheit in der Ferne. Von diesen ungeheuren Mächten ist sein Leben umgeben. Ueberall schreit die Zukunft. Ueberall knallt die Freude der Freiheit. Ueber- all schwill! die Menschwerdung des Menschen. Er aber, der sich einen guten Europäer glaubt, vermag e». ermüdeten Damen, welche sich entfliehen möchten, indem sie die Grimasse» der Vergangenheiten schneiden. Geschichten zu erzählen, in welchen der liebe Gott persön« lich um daö Los der Menschen bemüht, der Ketzer bestraft, der Froinme belohnt, unsere Zeit verleugnet und alles, was wir sind, verkannt wird." Jetzt hat Bourget über Bahr und den Finger GotteS das Wort. Kulturschmarotzer. OedipuSstiefel,«den Schuh der eleganten Welt" gibt es schon seit Jahren. Sie sind das ledernste Ueber- bleibsel aus Reinhardts Ho-bglanzperiode. Die Tbeaterkunst rannte offene Türen ein und der Kaufmann fand den Schlüssel zum Erfolg. Er setzte Geld und Hoffnung auf einen Namen, der die Popularität Jean Gilberts genoß und alle Modeaffen trunken machte. Es gibt einen Glühstrumpf, der.Zeitgeist" heiß: und sicherlich mehr Licht um sich verbreitet als die Montagsbeilage des«Tage- blattS". Der Fabrik, die den.Zeitgeist" erzeugt, dient ein Bild de« Klingerschen Beethoven als Schutzmarke. Nun ja. Die Schöpfungen des großen TonsetzerS find glühende Offenbarungen einer Seele, die nach Licht ringt, und so hat auch hier wieder der Kaufmann den praktischen Zweck eines Kunstwerks erkannt. Nach Tell, dem Harten «»d Unbeugsamen, heißt eine Schokolade, die leicht löslich ist. Nächstens wird man lesen(wenn die Tell-Schokolade den Arbeitern mundgerecht werden soll): Sie schmilzt auf der Zunge, wie einstalle Rot in der VölkerfrühlingSsonne schmelzen wird. Aber an dem Tag, der die Well durch Liebe erlösen wird, werden die Posaunen der Reklame rufen: Trinkt ReichardtS Gral-Kakao. Die neue KimigSrefidenz.„Am Fuße eines Vorgebirges, an deffen Hängen die Ruinen alter Mauern einporlleUern, liegen am Meer«in paar Häuser, vom Hafen auS sieht man ihrer kaum 29: das ist Durazzo, Albaniens neue Hauptstadt, kaum mehr alS ein großes Dorf." So schildert ein gegenwärtig in Albanien weilender Mitarbeiter des.GanloiS" seinen ersten Eindruck der künftigen Residenz des Prinzen Wied. Eine einzige Straße, auf die kleine Läden münden. ein Platz, der aber schon außerhalb der Stadt liegt, ein paar verstreute Häuser, die in die Landschaft hinausstreben, daö ist alles. 6999 Menschen lebten hier früher, heut«, da die Flücktlinge vor den Serben dazu gekommen sind, mögen eS ihrer 8099 sein. Kein eigentlicher Hasen, kein Hasen- kai, Sandbänke und die halbversunkenen Ueberreste einer alten Mole und in der Nähe verankert ein paar Segelschiffe, die nach Ablauf des Winters wieder ihre Fahrten aufnehmen. Der Dampfer auö Trieft ist gerade beschäftigt. Möbel zu landen, die für das Schloß des Fürsten bestimmt sind; hochgewachsene, buntgekleidete Albanier schleppen die Kisten zum Lande empor. Unternehmen wir einen Spaziergang zum.Schlosse". Ucber dem Strande, dicht neben dem Zollboot, liegen zwei Häuser, die die Stadt gleichsam inaskieren. Das größere, vor dem ein bis zu dem Meer hinabreichender Garten liegt, ist der alte Konak, an dem die Arbeiter am Werke sind. Man kommt nur langsam vorwärts, die albanischen Arbeiter sind gar indolent und träge. Was man aber auch vollbringen mag: daö Aussehen diese? HauseS wird man schwer verändern. Ein mittleres Hotel. Die Fassade wendet ihre zwei Stockwerke von neun kleinen Fenstern dem Meere zu. Drei Fenster in der ersten Etage und eins in der zweiten münden auf bescheidene Eisenbalkone. Darüber ein kleiner Aufbau mit drei Fenstern und Balkon." Je länger man durch Drazzo wandelt, desto häufiger fragt man sich, wo in dieser Stadt die Gesandten, die Beamten usw. unter« kommen sollen. Denn größere Häuser sind eine Seltenheit. Die Hausbesitzer aber lachen, und schon haben sie die MietSpreisc ver- doppelt und vervierfacht, ja sie zögern nicht, für ein Häuschen von vier oder fünf Zimmern 5999—6999 Fr. � Miete zu fordern. Die Spekulation ist eifrig am Werke, so eifrig, daß die Kontroll- kommission ihr mit Sondersteuern bereits Zügel anlegen muß. Die Kontrollkommission hat mangels Unterkunft darauf verzichtet, in Durazzo zu bleiben; die Deiegierten denken daran, in Pirana zu wohnen. Tie 49 Kilometer bis Durazzo wären im Automobil ja keine Schwierigkeit, wenn nur die Straße gut wäre." Die Jagd mit dem„Morphiumgewehr". Kugeln, die nicht töten, sondern nur betäuben, wollen die Teilnehmer eines amerikanischen Jagdzuges verwenden, der die Panamaausstellung mit seltenen lebenden Tieren versehen soll. Diese.Morpbiumkugeln", wie der Erfinder sie nennt, stammen von einem New Dorker'Büchsenmacher. Das Wild, dem man damit zu Leibe gehen will, sind die gewaltigen Alaökabären. Die Jäger, die diese seltsame Waffe zum erstenmal anwenden werden, sind bereits vor kurzem nach der Insel Kadiak an der Ostküste von Alaska aufgebrochen, wo sie die riesigen Bären zu erbeuten hoffen. Nach der Ansicht deö Erfinders genügt die geringste Verletzung, um den stärksten Bären. dem ein ge- wöhnftcheS Geschoß nicht viel anhaben kann, niederzuwerfen; er soll zwar noch wenige Sekunden nach dem Empfang der Kugel sich verteidigen können, dann aber beginnt das Narkotikum(ein neues Morphiumpräparal) zu wirken, der Bar fällt sofort in Narkose, und wenn er wieder zu sich kommt, ist er gefesselt und sitzt im Käfig. Den Jägern ist zu wünschen, daß die Morphiumgeschosse wirklich so wirken, wie der Erfinder annimmt, denn mit einem«laskabärcn ist noch weniger zu spaßen, als mit dem gefllrchtetcn grauen Bären des FelsengebirgeS.(Die Sache klingt so abenteuerlich, wie die öfters erfolgte Meldung von den Schlafmitrailleuscn und Stinkbomben, die ganze Heere in Schlaf oder Flucht versetzen sollten.) Humor und Datire« I e r i ch o w! Nun'rau-Z, wer noch im Träumerbcttc! Der Kamps wird klar! ES tun u»S not Auf der politischen Palelte Nur reine Farben: schwarz, blau, rot. ES pfeift der Wind am dürren Zaune. WaS sich noch heut' nennt.liberal", Ruft nicht die mächtigste Posaune Zu Kampf und Sieg und Schicksalswahl. Hofft Ihr noch jetzt, im ros'gen Schimmer, Ein.liberales" Vaterland? Da liegen Eure Mehrheitsftüminer! Nun frcßt den Blauen ans der Hand. Die Zeit zu mächein und zu dämpfen Sie ist vorbei, sie ist vorbei' Ihr seid zu satt und feig, zu kämpfen— Co quetsche man Euch denn entzwei I Es wird kein Freier Euch bedauern, Euch Schwätzer, die des Selbstmords froh. Und so begrabt Euch unter Mauer», Den Mauern dieses Jerichow l _ K ii a x. Notizen. — Repertoireänderungen. Im Schiller-Theater 0. wird am Freitag statt.Herodes und Mariamne" daS Drama „Andreas Hofcr" von Walter Lutz gegeben.— Im Deutschen Opernhause ist für Sonnabend statt.Martha"„Die Jüdin" angesetzt. — Das Blüthner-Orchester wählte als Nachfolger für den ausscheidenden Hofkapellmeister v. Strauß den Musikdircftor Paul Scheinpflug aus Königsberg i. Pr. als ersten ständigen Dirigenten. — Die neue Universität in Frankfurt soll im Oktober eröffnet werden. — RettigsaftgegenGallensteine. Alte volkstümliche Heilmittel scheinen bisweilen das zu halten, WaS man sich von ihnen verspricht. Denn sie tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder in der wisienschaftlichen Medizin auf. So geht es auch dem Safte aus schwarzem Reitig, der schon lange gegen Gallensteine angewandt wurde. Neuerdings benutzten ihn mehrere Aerzte, wie aus dem Berichte von Dr. Hermann Engels in der„Medizinischen Klinik" hervorgeht, mit gutem Erfolge. Durch den dauernden Genuß des Rettigsafts sollen die Patienten ständig beschwcrdefrei bleiben. s-hen Argumente dem Charakter und der Gesinnung ihrer Urheber. In der»Deutschen Wirtschaftszeitung" gibt der bekannte Elbinger Großindustrielle H. Ziese in einem Artikel eine aufreizende Zusammenfassung jener arbeiterfeindlichen Bestrebungen. Von vornherein betrachtet Ziese die Verwirklichung der Reichs- arbeitSlosenversicherung als den Untergang der deutschen Volks- Wirtschaft.»Wie ein Damokless ch'w e r t schwebt über der deutschen Volkswirtschaft das Wort Arbeitslosenversicherung." Und dann schüttet Ziese die gefüllte Schale seines scharfmacherischen Zorns über das verruchte Wort:»Arbeitslosenversicherung! Uu- erhörtes Wort, geprägt vom Geschrei einzelner; denn wie die Technik, so hat auch die Amatcur-Sozialpolitik ihre Erfinderköpfc. Nun hallt es wieder, nachgebetet von einer urteilsloscn Menge. Was soll auf das Betreiben der� Sozialdemokraten und weltfremden Katheder- und Salonsozialisten, sentimentaler und nach äußeren Ehrungen schielender Köpfe versichert werden? Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, daß als eine ssolge des Arbeitslosen- vcrsichetungsgesetzes auch arbeitsscheues Gesindel, faule Vagabunden, Leute, die sich zum Arbeiten für zu gut halten, Dirnen, Zuhälter in ganz unberechtigter und � unter Umständen völlig unkontrollierbarer Weise sich die Vorteile einer Arbeitslosenversicherung zunutze machen könnten." Indcßen ist diese brutale Verhöhnung der Arbeitslosen noch nicht das Schlimmste. Ziese versteigt sich zu der Behauptung, daß die Sozialdemokratie die Arbeitslosigkeit verschulde, um daraus .Kapital für ihre Bewegung zu schlagen. Tie sozialdemokratische Presse treibe die Arbeitslosen der Provinz nach den großstädtischen Arbeitsnachweisen, damit die gewünschten Elendsbilder entstehen. »Die Großstädte werden geradezu zu Zentren der Arbeitslosigkeit, zu Brutstätten der Sozialdemokratie, zu den Plätzen, an denen sich die Kapitalverbrechen abspielen. Die Arbeitslosenversicherung ist nur der Deckmantel zur Verwirklichung kommunistischer und sozialistischer Ideen." Mit sicherem Instinkt wittert der rasende Scharfmacher, daß durch die kommende Reichsarbeitslosenversiche- rung schließlich die Widerstandsfähigkeit der Arbeiter gegenüber ihren Ausbeutern wachse.»Die Organisationen und ihre Mitglieder sollen durch die Arbeitslosenunterstützung mit noch stärkeren Waffen in ihrem Kampfe gegen das Unternehmertum versehen werden." Ein Scharfmacher, der solchermaßen den ursächlichen sozialen Zweck der Arbeitslosenversicherung verkennt, schreckt natürlich auch nicht davor zurück, die tausendmal widerlegten Behauptungen des Reichsverbandes über die Arbeiterführer mit innigem Behagen vorzutragen. Obgleich das reaktionäre Märchen von der Millionen- Hinterlassenschast des Genossen Bebel längst ausdrücklich richtig- gestellt ist, bleiben die Arbeiterfeinde bei ihren Verdächtigungen. Das Machwerk des Ziese gipfelt in einer Aufforderung an die Staatsrcgierung, nicht nur die geforderte Arbeitslosenversicherung mit allen Mitteln zu verhindern, sondern auch die jetzigen Rechte und Zrciheiten der Arbeiter möglichst einzuschränken.„Die Quint- cssenz aller Staatssorge muß e» sein, ein festgefügtes, gegen innere und äußere Feinde widerstandsfähiges Staatsgcbäude zu schaffen, und es ist die vornehmste Pflicht des Staates, die Sozialdemo- kratie nach Kräften zu bekämpfen und in erster Linie hierin die Industriellen, die Handel- und Gewerbetreibenden sowie die Land- Wirtschaft zu unterstützen; jedoch nicht durch verkehrte, sich einst bitter rächende Maßnahmen die Sozialdemokratie noch zu hätscheln und nach Kräften zu fördern." Die Freizügigkeit der Arbeiter will Ziese eingeschränkt wissen durch Verteuerung der Eisenbahnfahrten vierter Klasse:„Schon die billigen Eisenbahntarifc vierter Klasse be- einflusscn in ungünstiger Weise die Heimatliebe der Arbeiter; denn Leute, die in ihrer Heimat in gutem Lohn und Brot stehen, werden durch die billigen Eiscnbahnfahrten veranlaßt, ihre sicheren Brotstellcn zu verlassen, nach Belieben im Lande umherzufahren, bis sie den Umstürzlern, die au ihnen die letzten Groschen noch herauspressen, in die.Hände fallen und im Elend verkümmern.... Im Hinblick auf alle diese Erschwerungen und Lasten wirkt eine ReiebSarbeitslosenversichcrung nach jeder Richtung hin nicht anders als demoralisierend. Die ganze Einrichtung würde nur die Bc- strebungen der Umstürzler fördern." Tie Verständnislosigkeit und unrichtige Tarstellung der Tat- fachen dieses Scharfmachers kann wohl nicht übertroffen werden. Dabei hat er nur offen ausgesprochen, wie die Kapitalistcnklassc fast in ihrer Gesamtheit denkt und fühlt. Die Arbeiterschaft kann ihm indessen für diese Offenherzigkeit nur dankbar sein. Sie wird sein Pamphlet als?lgitationsmaterial für die rote Woche unter den Unorganisierten zu benutzen wissen. Arbeitslosensürsorge. Im hessischen Landtage hatten unsere Genossen den Antrag gestellt, in das Budget für 1914 den Betrag von 50 000 M. einzustellen und an solche Gemeinden Zuschüsse zu leisten, die Arbeitslosenunterstützung gewähren. Die Regierung verhielt sich ablehnend und verwies auf das Reich. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer ersuchte nun die Regierung, im Bundesrat auf Einstellung von Geldern für Arbcitslosenfürsorge hinzuwirken. Tie Regierung will eine Denkschrift über die Arbeitslosigkeit in Hessen ausarbeiten. In Fürth i. B. hatte der Stadtmagistrat beschlossen, noch einmal 10 000 M., wie dies schon vor Weihnachten geschehen, zu bewilligen und an Arbeitslose verteilen zu lassen. Das Gemeinde- kollegium lehnte nun aber diesen Beschluß ab, dafür richtete es an den Magistrat das Ersuchen, einen Aufruf um freiwillige Spenden zur Linderung der Arbeitslosennot zu erlassen. Also auch hier die B e t t e l s u p p e n p o l i t i k, die noch Mode zu werden scheint, um die öffentlichen Körperschaften von der Ver- pflichtnng, den Opfern unserer herrlichen Wirtschaftsordnung ein Recht anf das Leben zu gewähren, zu entbinden. Gerichtszeitung. Ter Fall v. Versen. Die Erbstrcitigkeitcn zwischen den Erben des verstorbenen Generals». Versen haben im Laufe dcS vergangenen Jahres infolge der gewaltsamen Jnternierung des Oberleutnants a. D. Max v. Versen, der die Auslassung des Familiengutes Burglaff auf Grund einer letztwilligen Verfügung seiner verstorbenen Mutter im Prozeßwege beansprucht hatte, berechtigtes Aufsehen erregt.— Im 27. Juni v. I. wurden die Brüder Max und William v. Versen während eines Spazierganges van mehreren Kriminalbeamte» ver- haftet und mittels Droschke nach dem Polizeirevier gebracht. Max v. Versen würde von dort nach der Irrenanstalt Wittenau trans- portiert, sein Bruder William wurde wieder freigelassen. Noch am Tage der Jnternierung erhob Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried für Max v. Versen vor dem Berliner Bezirksausschuß die Klage auf Aufhebung der die Jnternierung anordnenden polizeilichen Ver- fügang. Vor Anberaumung des Verhandlungstermins gelang es jedoch, nachdem sich die Oeffentlichkeit der Sache angenommen hatte, und nachdem das Landgericht auf Grund einer sofortigen Be- �chwerdc die von den Mitcrbcn beantragte vorläufige Vvrmnud- schast ausgehoben hatte, d?e Befreiung deS gewaltsam internierten Max v. Versen nach 42tägiger Jnternierungsdauer herbeizuführen. Hierdurch war die Klage gegen den Polizeipräsidenten v. Jagow in der Hauptsache erledigt. Der Rechtsstreit wurde jedoch wegen der Kosten fortgesetzt, um hierdurch eine gerichtliche Nachprüfung der Jnternierung zu ermöglichen. In dem kürzlich stattgefundenen Termin beantragte der Vertreter des Klägers, dem beklagten Polizeipräsidenten die Kosten des Rechtsstreits aufzuerlegen, da die Jnternierung zu Unrecht erfolgt sei. Die Verwaltungsbehörde habe selbstverständlich die Verantwortung für eine polizeiliche Ver- fügung zu tragen und dürfe sich nicht auf ärztliche Acußerungcn, deren tatsächliche und rechtliche Grundlage unzutreffend seien, stützen. Der durch einen Rcgierungsrat vertretene Polizeipräsident beantragte dagegen, die Kosten dem Kläger aufzuerlegen, da er auf Grund der Aeußerungen von Psychiatern zur Anordnung der Jnternierung berechtigt gewesen sei. Das Gericht verkündete nach kurzer Beratung das Urteil dahin, daß die Kosten dem Polizei- Präsidenten aufzuerlegen seien. Diese Entscheidung ergibt, daß die Jnternierung zu Unrecht erfolgt war und widerlegt abermals die oft mit mehr Lebhaftigkeit als Kenntnis der Dinge aufgestellte Behauptung, daß es unbc- rechtigte Jnternierungen nicht gebe. Wie lange hätte die Polizei zu sitzen, wenn sie für die zu Unrecht Inhaftierten die Irren- anstalt beziehen müßte? Der betrogene Zahnarzt. Als einen recht rafftnierten Betrug bezeichnete gestern der Vor- sitzende der K. Strafkammer des Landgerichts I, Landgerichtsrat Dr. Mewes, die Handlungsweise des Kaufmanns Moriti Ruß. Der Angeklagte war eines Tages in der Sprechstunde des Zahnarztes Dr. Rosenstrauch erschienen und hatte angegeben, daß er auf Empfehlung seines Aerztes, der mit Dr. R. bekannt war, zu ihm komme. Da er sehr sicher auftrat und sofort seinen Namen und seine Wohnung angab, ließ sich Dr. R. verleiten, ohne den üblichen Honorarvorschutz zu verlangen, die zahnärztliche Be- Handlung einzuleiten, die sich ziemlich kostspielig gestaltete, da u. a. eine sogenannte goldene Brücke hergestellt werden mutzte. Nachdem die Behandlung beendet war, ließ sich der Patient nicht mehr sehen. Die Honorarrechnung, die Dr. R. nach der von dem Angeklagten angegebenen Adresse sandte, kam als„unbestellbar" zurück. Erst jetzt erfuhr Dr. R., daß der angegebene Name„Rietz" und die Adresse falsch war.— Nach etwa zwei Jahren traf Dr. R. eines Tages den angeblichen Rieß auf der Rennbahn wieder. Er sprach ihn an und war nicht wenig überrascht, als dieser höchst empört tat und erklärte, ihn überhaupt nicht zu kennen. Nunmehr ver- anlaßte Dr. R. die Sistierung des Angeklagten und erstattete gleich- zeitig Strafanzeige wegen Betruges. Das Schöffengericht verurteilte Ruß nur zu 200 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil legte R. auch noch Berufung ein. Diese wurde von der Strafkammer kostenpflichtig mit der Begründung zurück- gewiesen, daß es bedauerlich sei, daß nicht auch der Amtsanwalt Berufung eingelegt habe, da dann das Gericht in die Lage ge- kommen wäre, einen derartig raffinierten Betrug mit einer empfindlichen Gefängnisstrafe angemessen zu sühnen. Ist eine Hetzschrist ein Lernmittel? „Wir find Deutschlands Jugend"— so nennt sich eine zwei- mal im Monat erscheinende von Hemprich mit andern heraus- gegebene Zeitschrift. Sie macht in der sattsam bekannten Weise in„Ertüchtigung" der Jugend, indem sie unter anderm gegen die Sozialdemokratie scharfmacht und sie herabsetzt. Mit Genehmi- gung des Regierungspräsidenten zu Merseburg war diese Zeit- schrift zu einem Lernmittel für die Gewerbliche Fortbildungs- schule in Schkeuditz bestimmt worden. Und zwar an Stelle eines Buchs. Sie sollte dem Untcrrichtsgcgenstand.Bürgerkunde" dienen. Vier junge Leute, die pflichtmäßig die Fortbildungsschule in Schkeuditz besuchten, Müller, Läuter, Härtung und Zehrt, wei- gertrn sich, die Zeitschrist, die ihnen als zum Unterricht nötiges Lernmittel bezeichnet worden war, zu beschaffen und in den Un- tcrricht mitzubringen. Weiter weigerten sie sich, die von der Schul- leitung beschafften Exemplare anzunehmen. Sie erhielten darauf Strafverfügungen und dos Schöffen- gericht in Schkeuditz v-rnrteilte sie ebenfalls zu einer Geldstrafe, weil sie das Ortsstatut über die Fortbildungsschule in Schkeuditz in Verbindung mit Z 120 und§ 130 Ziffer 4 der Gewerbcord- nung übertreten bättcn. Das Landgericht in Halle o. S. sprach dann jedoch die An- geklagten frei. Es führte unter anderm aus: Die Vorschrift des ß 6 Ziffer 2 des Ortsstatuts, daß die Fort- bildungsschüler die ihnen als nötig bezeichneten Lernmittel bc- schaffen und zum Unterricht mitbringen müßten, sei allerdings rechtsgültig als eine ortsstatuiarische Vorschrift gemäß§ 120 Ab- atz 3 der Gewerbeordnung, und eine Bestrafung wegen Zuwider- Handelns gegen diese Vorschrift auf Grund des§ 130 Ziffer 4 der Gewerbeordnung sei an sich sehr wohl möglich. Eine Bestrafung könnte aber nur eintreten, wenn eS sich bei der Zeitschrift wirklich um ein Lernniittel bandelte. Tie Strafkammer verneinte das. Sie sei den eingehenden Ausführungen des unparteiischen Sach- verständigen Barth gefolgt, eines Leipziger Univcrsitätsprofessors, der Mitglied mehrerer Lebrerprüfungs-Kommissionen sei und den Lehrauftrag für Pädapogie habe. Danach sei regelmäßige Vor- aussetzung eines Lernmittels, daß der Lehrer von seinem Inhalte Kenntnis erhalte, bevor es in die Hand des Schülers gelange. Er müsse also in der Lage sein, seinen Inhalt vorher zu prüfen. Diese Voraussetzung liege bei einer periodisch erscheinenden Zeit- schrift nicht vor.?lusnahmSweis« könnte man rein sachliche Zeit- schriften, zum Beispiel eine mathematische oder Naturwissenschaft- lichc Zeitschrift, als Lcrnmitul ansehen. Denn bei solchen Fach- Zeitschriften könne der Lehrer mit einiger Gewißheit auf den In- halt der'pätcrn Nummer schließen.— Anders sei es bei Zeit- 'chriften, die einen moralischen Einfluß ausüben wollen, und be- onders bei solchen, weiche das politische Gebiet streifen. Da könne nie der Lehrer die künftige Haltung mit genügender Bestimmtheit vermuten. Er könne z. B. überhaupt nicht wissen, ob die nächste Nummer überhaupt etwas Pädagogisches enthalte. Tic Zeitschrift „Wir sind Deutschlands Jugend" solle nur einen vorwiegend er- ziehlichen charakterbildenden Einfluß ausüben. Sie enthalte auch Aufsätze politischen Inhalts. Sie sei daher nicht als Lern- mittel anzusehen. Somit könne eine Verurteilung der Angeklagten wegen Uebertretung der fraglichen Vorschrift des Ortsstatuts nicht cintveten. Die Staatsanwaltschaft legte Rrvisian ein. Rechtsanwalt Wolfgang Heine als Vertreter der Angeklagten trat dem Rechtsmittel der Staatsanwalschaft entgegen. Der Vor- dcrrichter habe ohne Rechtsirrium, fußend auf dem Gutachten eines Pädagogen, festgestellt, daß die fragliche Zeitschrift kein Lernmittel sei. Der erste Strafsenat des AammergerichtS, unter dem Borsitz des Senatspräsidentcn Lindenberg, hob am Montag die Bor- entscheidnng auf und verwies die Sache zu nachmaliger Verhand- lung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Allerdings stelle sich der Senat nicht auf den Standpunkt der Staatsanwaltschaft, daß es genüge, daß etwas als Lernmittel »eingeführt" werde. Es müsse auch ein solches sein. Ob es dies sei, habe das Gericht zu prüfen. Es sei dies keine bloße Tatftagc, sondern eine„Rechtsfrage".— Ein Lernmittel sei ein Gegen- stand, woran etwas gelernt werden solle.— Durch das Gutachten eines Sachverständigen könne nicht bindend scstgestellt werdcn, daß etwas ein Lernmittel sei. Das Gericht habe dies nach eigenem Ermessen zu prüfen,— Nach Annahme des Senats sei eS nicht unbedingt notwendig, daß der Lehrer vorher den Inhalt deS Lernmittels kenne. Das sei auch bei den eingeführten Schulbüchern oft nicht der Fall, zum Beispiel bei der Herausgabe neuer Auf- lagen von Büchern, die erweitert oder umgearbeitet seien. Des- gleichen bei periodischen Zeitschriften, die dem Unterricht in Spra- chen dienten. Ebenso wären ja auch in Schülerbibliotheken Zeit- schriften, deren neue Nummern der Lehrer nicht kenne. Das Landgericht sei also fehlgegangen.— Die Sache müsse deshalb an das Landgericht zurückverwiesen werden, damit dieses bei einer nochmaligen Nachprüfung, ob die hier in Betracht kommende Zeit- schrift ein Lernmittel sei, davon absehe, daß der Lehrer den In- halt der einzelnen Nummern nicht vorher kenne. Es sei vom Landgericht zu prüfen, ob nicht andere Gründe gegen die An- nähme des Lernmittclcharakters der Zeitschrift sprächen, bczic- hungsweise, ob sie ein Lernmittel sei. Ist„Lernmittel" ein Rechtsbegrisf, so hätte das Kammer- gericht aussprechen sollen, daß eine beleidigende Hetzschrift kein Lernmittel sei und daß deshalb die Freisprechung sich rechtfertige. /tos aller Welt. Em neuer Sittenskanüal. Der Oberlehrer Dr. Ulrich Priele vom staatlichen Marien« stiftsgymnasium zu S t e t t i n ist seit Donnerstag voriger Woche flüchtig, weil er sich schwere sittliche Verfehlungen an den ihm anvertrauten Schülern zu schulden kommen ließ. Nur durch einen Zufall sind die Schmutzereien dieses famosen Jugenderziehers ans Licht gekommen. Während ein anderer Lehrer in der Klasse des Knabenschänders Unterricht erteilte, bemerkte er, daß ein Schüler einem anderen einen Zettel zusteckte und ließ sich diesen aushändigen. Der Zettel enthielt die schriftliche Mitteilung der Dinge, die kurz zuvor Dr. Priele mit dem Schüler getrieben halte. Die Angelegenheit wurde dem Direktor der Schule vor- getragen, der den Schmutzian sofort vom Amt suspendierte, worauf Dr. Priele flüchtete. Er bat sich nach Gernrode am Harz ab- gemeldet, ist dort aber nickit eingetroffen. Entsprechend der allgemeinen Schulpolitik des preußischen Staates wirken an diesem Gymnasium natürlich nur Lehrer mit waschechtem„nationalen" Empfinden und vorschriftsmäßigem Christentum. Aber, wie Figura zeigt, schützt beides nicht vor den An- sechtungen des Teufels._ Grubenunglück im Ruhrrevier. Aus derZecheViktoria bei Kupferdreh ereignete sich Dienstagmorgen bei Beginn der Schicht ein schwerer Un- glücksfall. Durch verbotswidrige Benutzung eines Förder- Haspels zum Einfahren in einen blinden Schacht wurden acht Bergleute, die sich auf dem Fördergestell befanden, schwer verletzt. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß der Arbeiter, der die Maschine bediente, diese nicht in der Gewalt hatte. Sieben der Verletzten wurden dem Krankenhause Bergmannsheil zugeführt. Einer von ihnen erlag bereits seinen Verletzungen. Ein anderer, der weniger schwer verletzt ist, konnte sich in seine Wohnung begeben.__ Untergang eines dänischen Dampfers. Bei der Deutschen DainpfschiffohrtSgesellschaft Hansa in Bremen ist vom Kapitän dcS Dampfers»Wildenfel«" folgendes drahtlose Telegramm eingetroffen:' D am p fe r»E klip» i i c a" aus Kopenhagen im Sturm auf 47 Grad Nord und 6 Grad West gesunken. Gerettet ein Passagier, zweiter Maschinist, ein Meßroom-Boy, fünf Matrosen, drei Heizer, Kapität tot. Unter- schrift Probst.— Die bisherigen Meldungen über den deutschen Dampfer„Wildenfels", daß er auf der Reise nach Kalkutta im Meerbusen von ViScaya von einem Sturm überrascht sei und sich in Seenot befände, beruhen danach auf einem Irrtum; eS scheint [ich vielmehr um den dänischen Dampfer„Ekliptica" zu handeln. dem der Dampfer.Wildenfels" zu Hilfe eilte. Eine ganze Ffamilie vergiftet. Von einem tragischen Geschick ist die Familie des Milchhändler» Lüdders in Hamburg betroffen worden. Als Dienstag morgen Kunden erschienen, fanden sie den Milchladen geschlossen. Man schöpfte Verdacht und ließ die Tür öffnen. In der Wohnung wurde die aus sechs Personen bestehende Familie besinnungS. loS aufgefunden. Eine Tochter war bereits tot. Mann und Frau sowie die zweite Tochter wurden in besinnungslosem Zu- stände ins Krankenhaus gebracht. Der Zustand der anderen Kinder ist weniger bedenklich. Wahrscheinlich liegt Vergiftung durch verdorbene Speisen vor. Eine tpphuskranke Stadt. Eine schwere Typhusepidemie richtet unter der Bevölkerung von T o r r e R« e v a in der spanischen Provinz Granada große Ver- heerungen an. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ind erkrankt und auf drei Erkrankungen kommen zwei Todesfälle. Der Kirchhof kann die Zahl der Ver- Itorbenen nicht mehr aufnehmen und die Leichen der erst vor kurzer Zeit verstorbenen Einwohner müssen wieder ausgegraben werden, um den Opfer» des Typhus Platz zu machen. Zahlreiche Häuser sind durch die Seuche gänzlich entvölkert worden. Schlechtes Trinkwasser soll die Ursache der furchtbaren Epidemie sein. Kleine Notizen. Selbstmord eines Fahnenjnnkers. In der Nacht zum Dienstog bat sich der Fahnenjunker Hamacher vom Jnfanterie-Regiment Nr. 19 zu Görlitz von einem von Lauban kommenden Personenzug überfahren lassen. Hamacher war sofort tot. Der Grund zur Tat ist unbekannt. Der Herr Bankbirettor. Der erste Direktor der Breslauer Jnnungsbank Hugo Boockmann ist Montag abend wegen dringenden Verdachts, sich deS B e t r u g e s, der U n t e r s ch l a g u n g und der Urkundenfälschung schuldig gemacht zu haben, ver- haftet worden. Gräßlicher Selbstmord. Nach einem voraufgegangenen Ehezwist begoß die Frau des Bergmanns Mader aus Hamborn ihre Kleider mit Petroleum und zündete s i e a n. Eh« der Ehe« mann auf das Hilfegeichrei seiner Frau herbeieilre, hatte die Frau derariig schwere Brandwunden erlinen, daß sie kurze Zeit darauf starb. Pockenerkrankungen in Würzburg. Vor etwa 14 Tagen ist in W ü r z b u r g ein aus Spanien zugereister Arbeiter an P o ck e n erkrankt und wurde in die Isolierbaracke des JuliuS-SpiralS aufgenommen. Am Monlag ist nun bei zwei weiteren Per- fönen und zwar bei einem Dienstmädchen und einem Mann Pockenerkrankung festgestellt worden. Auch im JuliuS-Spital liegt eine Wärterin an der Krankheit danieder. Umfassende Vor- stchlsmaßregeln sind gelroffcn. Schiffsunlgück an der Westküste Frankreichs. Aus Arcachon wird gemeldet, daß dort in der Nacht zum Dienstag die Schaluppe „Maria Magdalena" von einer anderen Schaluppe überrannt worden ist. Dabei sind vier Mann von der Besatzung der»Maria Magdalena" ertrunken. Erscheint S mal wöchentlich. Besugssguellen-Verzeichnis. Untenstehende Geschäfte empfehlen sich b. Einkauf. lüMen ü. insfrniois fMigeniBin-Derictiieflenes Grunow's Kaffee-Vcrsd. Dresduersl.TO P UiCPh Lindenstr. 105 U« niuull Speck- nndSrhinkegialzerei. Getränke Franz Abraham Hank. Mcssina-u.Römertrank-Kell. C.25 Bartalitr. 8a. Fernsp. Kgst.13708 �rügteP|Bepig�� Keiner, Otto, GerichistraBe 86. Partiewareng., Tegel, Braiiowit.49 ?. ZHIat, Waldemarstr. 64 a. LUto-FanrlGhuie (Centr. Auto Tecbnikam Nordel Prinzen-Allee 42,43 ChaoffearsclialiJ Tages- und Abend-Kursus Eiilrm jedrrnit. l'totptt'.« gratis. päcHer- n. Conflitoreien l andbr.-Bäck. Kröcher, Saalestr.35a C. Kunze, Liebigstr. 1. Karl Hierle Max EQhl, Triftstr. 9 Felix Kynast, DSnenstr. 5. Bäckerei Könsclier Kastanien-Allee 57 gadejnjM Arkona-Bad, Anklamer-Slr. 34. laillt-MoaliillOiKlanVKf... F-D Undabergerstr. 107 Oollnowstr. 41. lential-Bai Au-.?�?r'.?r.«. Bad Frankfurt. Or.Frkft.Btr.136. I.ieferant gämtl. 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Ehe- mals nur im Osten, Norden und Süden, jetzt im Zentrum der Stadt, ja sogar im Westen. Als sich der Handel entwickelte, bildeten sich Plätze, be- sonders in der Nähe der Burgen, wo die Kaufleute die Waren gegenseitig austauschen konnten. Dieser Austausch vollzog sich immer an bestinimten Tagen oder Wochen im Jahre und es entstanden die Märkte und Messen. Nach dem Geschäft wollte man auch etwas Zerstreuung haben. Allerhand Spaßmacher und Künstler schlugen nun dort ihre Zelte auf und der Rummelplatz war fertig. So ist es heute noch. Die Jahrmärkte und Messen bestehen, wenn auch in anderer Form, bis aus den heutigen Tag. Die fahrenden Künstler sind auch noch dabei. Nebenher verstanden es auch die Schützengcsellschaften, sich die Beliebtheit dieser fahrenden Leute nützlich zu macheu, indem sie ihnen auf den Schützenplätzen Unterkunft gewährten und die Schützenfeste so zu wahren Volksfesten gestalteten. In der Provinz führen die Jahrmartts- und Vogelschicß- rummel ein besseres Dasein als in der Großstadt. Im Jahre ein- oder zweimal zur Stelle, bieten sie eine angenehme Ab- wechselung in dem Einerlei der Kleinstadt. Man spart dort schon lange vorher, um sich dann nach Herzenslust zu amü- sieren. Die naive Soldatenspielerei der Schützen belächelt man. Den ganzen Klimbim beachtet man nicht, sondern man geht mit Kind und Kegel auf die Vogelwiese und freut sich des bunten Lebens und Treibens. Man läßt die Kinder Karussell fahren, an der Schießbude zeigt man seiner Ehe- Hälfte, daß man auch noch treffen kann— oder nicht, und zum Schluß geht man in die Würstelbude. Aus Stadt und Land strömt jung und alt zusammen. Be- sonders die Landbewohner lassen die Festtage nicht so vorüber gehen. Sie stellen das Hauptkontingent derer, die in die Buden strömen, wo exotische Menschen, exzentrische Kunst und Experimente aus der vierten Dimension gezeigt werden. Das ist was für die Kleinstädter und Landleute; so>vas bekommen sie nicht alle Tage zu sehen. Ein bißchen„srech" geht es halt auch zu. das heißt: man ist eben ausgelassen und weniger steif als sonst. Der ständige Rummel in der Großstadt entbehrt dieser kleinstädtischen Urwüchsigkeit. Die glänzenden amerikanischen Vergnügungsparks sind ein ganz modernes Gewächs, und in den noch existierenden Rummels alten Stils grinsen einem der Hunger und die Not an. Die vielen Buden gehören meist einem Besitzer. Die Angestellten werden mit Bettelpfennigen abgespeist. Die Besucher bilden hier meist junge Leute. Der Erwachsene kennt den Schwindel. Er weiß, daß hinter den hochtönenden Reden des Impresario nichts steckt, daß der Neger auf dem Podium kein Menschenfresser, sondern ein ganz gewöhnlicher Europäer ist— ehemals Portier in einem Kino. Den jungen Mann locken die blutrünstigen Bilder, die gruse- lichen Töne und schauerlichen Anpreisungen. Es ist auch ein Stück Schund, was allgemein geboten wird auf diesem Gebiete._ Wohltätigkeit. Vor etwa einer Woche stand im»Berliner Lokal-Anzeiger' eine Annonce: Helferin für Kinderhort gesucht. Nachmittags 3—7 Uhr. Gehalt 36 Mark monatlich.'Meldungen 16—11 Uhr vormittags im Vereinshause, Schapcrstr. 34, 1 Treppe. Von einer jungen Frau, die sich dort meldete, da sie wegen längerer Arbeitslosigkeit ihres Mannes gern selbst etwas verdienen möchte, erhalten wir folgende Darstellung: »Ich fuhr mit der Straßenbahn bis zur Schaperstraße. Als ich das Haus betrat, sah ich. daß bereits die ganze Treppe bis zur ersten Etage hinauf voller Frauen und Mädchen stand. Diese schienen in ziemlicher Aufregung zu sein. »Unerhört, was hier verlangt wird, hohe Schulbildung, Examen usw. alles für 2 5 P f e n n i g e in der Stunde! So scholl es mir entgegen. Als ich das hörte, wollte ich schon wieder umkehren; ich entschloß mich aber doch zu bleiben und wurde auch bald durch ein junges Mädchen ins Bureau eingelassen. Drinnen empfing mich eine ältere Dome, die sich mir als die Vertreterin eines Privat-Wohltätigkeits-Vereins vorstellte, der in Berlin etwa 36 Kinderhorte unterhalte. Dann fragte sie mich: »Haben Sie eine höhere Schule besucht?" Ich bejahte dies. »Na, das ist ja sehr schön. Haben Sie auch für die zum Unterricht und zur Anleitung der Kinder in Betracht kommenden Fächer, wie Handarbeiten und dergleichen ein Examen ab- gelegt? Vielleicht in einem Fröbelschen Institut oder sonstwo?" Ich antwortete, daß dies nicht der Fall sei, und ich damit natürlich auch gar nicht gerechnet habe, daß so etwas verlangt werde, da ich mich sonst gar nicht erst gemeldet hätte. Im übrigen aber setzte ich noch hinzu, daß ich trotzdem in allen Handarbeiten sehr geübt wäre und darauf auch schon in der Schule eine Prämie erhalten habe.„Wenn die Sache so liegt," erwiderte mir die Wohl- täligkeitsdamc,»dann kann ja leider eine Anstellung nicht erfolgen, jedoch biete ich Ihnen an. bei uns als Hoipitantin einzutreten. Sie hätten nur drei Monate unentgeltlich Dienst zu tun, und später könnte ja noch einmal über die weitere Beschäftigung gesprochen werden. Sie könnten dann gleich in den nächsten Tagen mit Ihrer Tätigkeit in einem Kinderhort nn Norden Berlins beginnen." Ich bedeutete der Dame, daß ich leider nicht so gestellt sei, von ihrem Anerbieten Gebrauch zu machen, da meine Verhältnisse es be- dingten, daß ich wenigstens etwas zum Lebensunterhalt verdienen müsse, und damit war unsere Unterredung zu Ende.— Wäre eS. Mittrooch. 25. Februar 1914. aber nicht wenigstens ein Gebot des Anstandes, daß die Bedingungen zur Anstellung oder Beschäftigung gleich in der Annonce mitgeteilt worden wären? Ich habe, abgesehen von der versäumten Zeit, 26 Pf. Fahrgeld ausgeben müssen, die rechnen jetzt bei uns sehr, und das wird, wie ich glaube, bei allen den anderen Frauen und Mädchen, die sich gleich mir um die Stellung als»Helferin" bemüht haben, auch der Fall sein."— Daß auf jede mögliche Weise versucht wird,.Helferinnen" für wenig oder gar keinen Lohn zu erhalten, geht daraus hervor, daß vor etwa 14 Tagen eine ähnliche Annonce in derselben Zeitung stand: Helferin für Wohltätigkeitsverein. Nachmittags 3—7 Uhr. Gehalt 36 Mark monatlich.... Offerten wurden unter einer Chiffre nach einem Postamt des Westens erbeten. Die Damen, die sich in der vornehmen Gesellschaft durch ihre Veranstaltungen ein Ansehen auf Kosten anderer armer Leute verschaffen wollen, mögen auch ihre Arbeiten selbst verrichten, wenn sie nicht geneigt sind, für ein ehrlich erworbenes— wohl gar examiniertes— Können auch einen dementsprechenden ehrlichen Lohn zu zahlen._ Mrsorge für Lu», genkranke. Ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des Zentralkomitees der Auskunfts- und Fürsorgestellen für Lungenkranke, Alkohol- und Krebskranke in Berlin gibt der soeben erschienene Jahresbericht des Geh. Rat Pütter, Direktor der kgl. Charits für 1913. Besonderen Wert legt dieser auf die Wohnungspflege. Die Tuberkulose, unstreitig eine der Weitverbreitesten und gefährlichsten Krankheiten, ist eine Wohnungskrankheit, mit anderen Worten, die Uebertragung der Tuberkulose findet fast ausschließlich in den Wohnungen, Familien oder Arbeitsstätten statt. Schon die Neinsten Kinder sind ihr aus- gesetzt. War doch die Gefährdung der Säuglinge durch die Tuber- kulosen in den Wohnungen der Ausgangspunkt dieser sozialen Tuberkulosebekämpfung durch Pütter in Halle a. S. Die ungeheure Säuglingssterblichkeit str Deutschland beruht zum großen Teil auf der geringe» Wohnungspflege und der dadurch beförderten Uebertragung von Krankheiten. Die Wohnungspflege ist ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit, der Tuberkulose und des Alkoholisinus. In der Fürsorge des Zentralkomitees befanden sich 1913 aus lungen- kranken Familien 27 184 Personen und zwar 12177 Kinder, 9 569 Frauen usw.. die in 13 666 Wohnungen lebten. Diese Zahlen sprechen mehr als Worte es vermögen. Alkoholiker wurden 1913 rund 15 666 behandelt. Anfang dieses Jahres waren noch 1363 in der Fürsorge des Verbandes. Die Fllrsorgestellen des Verbandes wurden außerdem von 285 Krebskranken besucht.— Die Einnahmen des Zentralverbandes betrugen 1913: 156 346 M., darunter b6666M. von der Stadt Berlin. Die Ausgaben beliefen sich auf rund 131 666 M., darunter 13 666 M. für Hautpflege, Desinfektion usw. von Wohnungen und 57 666 M. für Zwecke der Kranken, 26 656 M. für Honorar der Aerzte, 41 156 M. für Besoldung der Fürsorge- schwestern usw. Die Fürsorgestellcn des Verbandes befinden sich in der Charite, Schumannstr. 21, Waterloo- Ufer 7, Palisadenstr. 25 und ZionSkirchstraße 9, und stehen allen Lungen-, Alkohol- und Krebskranken offen. So nützlich die Tätigkeit des Zentralkomitees ist. so muß doch darauf hingewiesen werden, daß vorbeugende Maßnahmen die besten sind zur Bekämpfung der Tuberkulose. Hierher gehöien ab�c in erster Linie diq Bestrebungen der organisierten Arbeiterschast auf Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter, bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit und der Kampf der Sozialdemokratie gegen lra Lebensmittelverteurer._ Aus der Praxis der Berliner Armenverwaltung. Wir waren schon öfter gezwungen, die Rücksichtslosigkeit der Berliner Armenverwaltung bei der Geltendmachung von Ersatz-. ansprüchen gegenüber von ersatzpflichtigen Verwandten zu rügen, eine Rücksichtslosigkeit, die sich nicht einmal durch die bestehenden gesetzlicken Bestimmungen rechtfertigen läßt. Ein für das Vorgehen der Armenverwaltung typischer Fall mag hier kurz geschildert werden: Ein mehr als 86jährigcr Mann erhält eine Armcnuntcrslützung von 15 M. monatlich. Durch kleine Hilse- leistungen beim Zigarrenmachen verdient er etwa 5 M. monatlich. Wohnen tut der alte Mann bei seinem 52 Jahre alten verheirateten Sohn, der ihm nickit nur freie Wohnung gibt, sondern auch das zum Lebensunterhalt fehlende beisteuert. Dieser Sohn hat ein Ein- kommen von 175 M. monatlich, wovon er an VcrsilberungSbeiträgen monatlich 15 M., an Arztkosien für seine an einer chronischen Krankheit leidende Frau monatlich 13 M. vorweg zahlen muß. Zieht man alsdann»och Miete und Steuern ab. so verbleiben zum Unterhalt der Familie rund 166 M. für den Monat. Nun hat der Sohn sich noch bereit erklärt, an die Armenverwaltung monatlich 7,56 M. abzuzahlen, er hat mit der Abzahlung auch bereits be- gönnen. Trotzalledcm verlangt die Armenverwaltung von ihm Be- zahlung des gesamten Betrages, der bisher an den Vater als Armenunterstützung geleistet ist, in Höhe von etwa 566 M. Da der Sohn das Geld natürlich nicht bezahlen konnte, ist gegen ihn Klage erhoben worden. Diese Klage wird ja abgewiesen werden müssen. Ist es aber einer Stadt wie Berlin würdig, in derartiger Weise die Bürger zu chikanieren und den Stadtsäckel mit unnötigen Prozeß- kosten zu belasten? Daß die Klage nicht durchdringen kann, ergibt sich aus 8 1663 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Dort heißt eS:»Unterhaltspflichtig — also auch erstattungspflichtig— ist nicht, wer bei Berücksichti- gung seiner sonstigen Verpflichtungen außerstande ist, ohne Ge« sährdung seines standesmäßigen Unterhalts den Unterhalt zu ge- währen." Man sollte endlich in Berlin davon abgehen, gesetzwidrige Forderungen zu erheben.— Dem ganzen Vorgehen wird noch da- durck die Krone aufgesetzt, daß die Armenverwaltung in solchen Fällen formularmäßige Schreiben verschick!, in denen den Adressaten mit Unterbringung in daS Arbeitshaus gedroht wird. Uns schweben da Gerichtsentscheidungen vor. die gegen Arbeiter aus dem Er- pressungs- und Nötigungsparagraphen ergangen sind. Die An- Wendung dieser Bestimmungen halten wir ja für ausgeschlossen, ebenso wie wir sie in den Fällen gegenüber im Lohnkampf stehenden Arbeitern für ungerechtfertigt gehalten haben. Mindestens liegt aber in der Androhung eine grobe Beleidigung rechtschaffener Bürger. Will die Verwaltung nicht endlich mit diesem Verfahren brechen?_ Wer will die Milch verteuern? Gegen unsere Betrachtungen über den neuen Milchkrieg sin Nr. 51) wendet sich die Interessengemeinschaft märkischer Milch- Produzenten in einer uns übersandten Zuschrift. Sie möchte uns überzeugen, daß wir in unserer Darstellung der Gründe und Ab- sichten dieses Streites von falschen Voraussetzungen ausgegangen seien. ES sei nicht wahr, daß die Landwirte die Milch verteuern wollen, vielmehr hätten sie sich seit vier Jahren den BerteuerungZ- Plänen der organisierten Milchhändler und der sie führenden Firma Bolle energisch widersetzt. Wir geben der Interessengemeinschaft ohne weiteres zu, daß auch Milchpächter und Milchhändler einen möglichst hohen Profit heraus-- zudrücken suchen. Auch sie sind zur Preissteigerung bereit, wenn sie ihnen vorteilhaft und durchführbar scheint. Die Interessen- gemeinschaft hätte nicht nötig gehabt, uns in ihrer Zuschrift zu er- zählen, welche diesbezüglichen Pläne die Händler in den letzten Jahren gehabt haben. In dem gegenwärtigen Milchkrieg aber sind wieder mal die Produzenten diejenigen, die zum Zweck der V e r- hütung einer Schmälerung ihres eigenen Profits den Streit begonnen haben. Der an die Milchproduzenten der Mark Brandenburg gerichtete Aufruf der Interessengemeinschaft, den wir in in jenem Artikel erwähnten, sagte es ja mit dürren Worten, daß auf dem Berliner Milchmarkt dem angeblich drohenden allgemeinen Preis- stürz vorgebeugt werden soll. Die Interessengemeinschaft riet den Landwirten zur Einschränkung der Milchproduktion, indem sie warnend darauf hinwies,„daß. wenn der Ueberschwemmung des Berliner Marktes mit Milch nicht Einhalt geboten wird, wir bei der nächsten Pachtperiode einen sehr viel niedrigeren Milch- preis in Berlin haben werden". Zeigt das nicht deutlich genug, worauf dieser neueste Milchkrieg wieder hinaus will? Aber vielleicht wird die Interessengemeinschaft uns belehren, daß die Milchproduzenten nicht eine Verteuerung herbeiführen wollen, sondern nur die ihnen drohende Verbilligung abwehren möchten. Ach so! Diese Unterscheidung wird nur auf die Konsumenten wenig Eindruck machen. Wer wird glauben wollen, daß die Milchproduzenten, wenn sie die Verbilligung abgewehrt haben, nicht auch den weiteren Schritt zu einer Verteuerung tun werden? Hat erst die Interessengemeinschaft durch das jetzt von ihr probierte Mittel der Preisunterbietung die Pächter und Händler auf die Knie gezwungen, dann ist die Bahn frei für alle Verteuerungs- gelüste der Produzenten.___ Die neue Berliner Stadtbibliothek. In der gestrigen Sitzung des Kuratoriums der Stadt bibliothe! unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Rcicke, zu der auch Geh. Baurat Hoffmann zugezogen war, legte dieser die von ihm ausgearbeiteten Pläne des Neubaues der Stadt- bibliothek vor. Gegenüber iuzwischen aufgetauchten Projekten über eine anderweitige Verwendung des Bauplatzes beschloß das Kuratorium einstimmig, daß an dem Bau des Bibliotheks- gebäudes auf diesem Grundstücke unter allen Umständen fest- gehalten werden soll. Im übrigen wurde eine Subkommission damit betraut, in Gemeinschaft mit dem Baurat Hoffmann für die Anordnung des Baues in seinen inneren Teilen Vor- schlage zu machen._ Darlehen an Arbeitslose. Zu unserer Notiz vom Sonnabend können wir nach Informationen aus dem Bureau der Armendirektion noch mitteilen, daß die Gesuche um Darlehen schriftlich an die Armendirektion. Prüfungsstell« für Darlehen, Mühlendamm 1, zu richten sind. Die Gesuche können ganz kurz sein, vielleicht in der Form: Unterzeichneter ersucht um ein Darlehen in Höhe von... M.. setzt Namen, Beruf. Wohnung, Geburtstag,-Jahr und-Ort darunter. Die Bescheinigung der Organisation über die Dauer der Arbeitslosigkeit usw. kann beigelegt werden.— Die Armendireklion ist nach Angaben von dort bemüht, die Gesuche, die nach Sichtung und Prüfung in der Prüsungsstelle den Armenkommissionsvorstehern zur Begutachtung zugesandt werden, so schnell wie möglich zu erledigen. Gewölbeeinstttrz im Neubau des Pergamon- Museums. Auf dem Neubau des Pergamon-MuseumS an der Kleinen Museumstraße hat sich gestern vormittag kurz nach S Uhr ein schwerer Unfall ereignet. Aus bisher nicht ermittelter Ursache stürzte dort plötzlich ein Deckengewölbe, das sich etwa in der Höhe eines Stock- werks befand, mit großem Getöse ein. Ein Arbeiter namens S ch i b o l s k y wurde von den Steinmassen verschüttet und schwer verletzt. Er erlitt einen Oberschenkelbruch, schwere innere Ber- letzungen und erhebliche Kontusionen an den Armen. Ein zweiter Arbeiter, der sich in der Nähe von Schibolsky auf- gehalten hatte, kam mit leichten Hautabschürfungen davon und konnte auf der Arbeitsstelle bleiben. Schibolsky wurde mit einem Krankenwagen in die Charitä gebracht; sein Befinden ist ernst. Der Unfall hatte auch eine Alarmierung der F e u e r w e h r zur Folge. Es rückte der vierte Löschzug an. doch konnte sich die Wehr auf die Aufräumungsarbeiten beschränken, da der schwerverletzte Arbeiter bereits von seinen Kollegen aus seiner gefährlichen Lage befreit worden war. Da? eingestürzte Deckengewölbe hatte einen Umfang von 24 Quadratmetern. Zur Feststellung der Ursache d-S Einsturzes traf noch in den Vormittagsstunden eine Kommission ein. Drei mutmaßliche Kindcsmorde beschäftigen die Kriminalpolizei Unter Dachsparren versteckt aufgefunden wurde von Bewohnern des HauieS Brunnenstraße 40 die Leiche eines Kindes, die schon stark in Verlvesung übergegangen war. Die Polizei ermittelte die Mutter bald in einem 20 Jahre alten Dienstmädchen Helene B. und ver- haftete es unter dem dringenden Verdacht des Kindesmordes.— Ein Radfahrer stieß in der Montagnacht gegen 12 Uhr in der Teltower- straße vor dem Hause Nr. 22 aus dem Fahrdamm gegen einen braunen, verschnürien Pappkarton. Als er ihn öffnete, fand er darin zu seiner Ueberraschung die Leiche eines neugeborenen Knaben.— Sodann fanden noch abends gegen 10 Uhr Bewohner des HauseS Scheringstraße 11 in einer Ecke des HausflureS ein Paket, das eben- falls die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. In den beiden letzten Fällen gelang es der Polizei noch nicht, die Mütter sestzu- stellen. Alle drei Leichen wurden beschlagnahmt und zur Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht. Die Ausschußwahl der Ortskrankcnkasse der Tischler und Piano- fortearbeiter Berlins, die am Montag, den 23. Februar, nachmittags von 3—9 Uhr im Gcwerkschaftsbaus. Engelufer 13, unter sehr starker Beteiligung(über 50 Proz.) stattfand, hatte folgendes Ergebnis: Vier Listen standen zur Wahl. Der Deutsche Holzarbeiterverband. Liste I, erhielt 4313 Stimmen. Liste II. Hirsch-Duncker. erhielt 99 Stimmen. Lokalisten- Fachverein der Klavierarbeiter, Liste HI, erhielt 333 Stimmen. Christlich-katholiicher Verband, Liste IV, vereinigte 59 Stimmen auf sich. Es erhalten Liste I 30, Liste Hl 4 Ausschußmitglieder, die übrigen Listen fallen aus. Deutscher Ardeiter- Sängerbund(Gau Berlin und Umgegend). Der Ausschuß beschäftigte sich in seiner Sitzung am 22. d. MtS. mit der Wahl von vier Delegierten zur Generalvertammlung des Bundes in Leipzig. Als Revisoren fungieren die Sangesbrüder Schmidt, Rätebufch und Wutzky. Ein Antrag des Verein«„Solidarität", den gedruckten Jahresbericht an alle aktiven Mitglieder zu liefern, wird abgelehnt. Der Vorsitzende machte Mitteilung von einem Schreiben des Bildungsausschusses, in welchem um die Mitwirkung einiger größerer Chöre bei einem Konzert ersucht wird, bei dem auch die 'freigewordenen Chöre von Robert Schumann zum Vortrag kommen sollen. Ferner gab er bekannt, daß sich aus den maßgebenden, künstlerische Ziele verfolgenden Organisationen und dem Bildungsausschuß eine Kommission gebildet hat zur umfassenden Regelung aller in Betracht kommenden Verhältnisse und beantragt die Beteiligung des Gauvorstandes an derselben. Dem wird nach eingehender Debatte zugestimmt; die Vereine find verpflichtet, dem Vorstande bis zum W. d. Vi. sine Aufstellung ihrer geplanten veranstaltnngen einzusenden. Vorortnachrichten. /In üie westlichen Vororte! Am Sonntag, den 1. März, mittags 12 Uhr, findet im „Albrechtshof" in Steglitz, Albrechtstr. 1». eine vom Steglitzer Wahl- verein einberufene Volksversammlung mit dem Thema„Militarism uS, Krieg und Wir" statt. Referenten sind Genossin Dr. Rosa Luxem- bürg und Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Die Arbeiter und Ar- beiterinnen der westlichen Vororte werden ersucht, die Versammlung zu einer kraftvollen Demonstration gegenüber dem unerhörten Tendenzurteil der Frankfurter Strafkammer zu machen. Es gilt dem Kampfe für den Völkerfrieden gegen Militarismus und Kriegs- Hetzerei. Dem Volke allein muß das Recht zustehen, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Kein Arbeiter und keine Arbeiterin fehle deshalb, um seine Stimme für dieses wichtige Vollsrccht zu erheben. Charlottenburg. Nachbewilligungen im Armcnctat in Höhe von 100 800 M. beantragt der Magistrat bei der Stadtverordnetenversammlung. Die Nachbewilligungen sind erforderlich geworden, weil, wie es in der Begründung der Vorlage heißt, einmal die Lebensmittelteuerung, die sich gerade bei der minderbemittelten Bevölkerung ganz üe- sonders fühlbar macht, nicht zurückgegangen ist, zweitens weil der Mangel an kleinen Wohnungen eine weitere Preissteigerung zur notwendigen Folge gehabt hat und drittens wegen der großen Arbeitslosigkeit, die nicht nur im Baugewerbe, sondern in fast allen für Charlottenburg in Betracht kommenden Industriezweigen herrscht und die zurzeit noch andauert. Infolge dieser Umstände sind die Anforderungen an die Arntenverwaltung erheblich gesteigert, und so erklärt es sich, daß bei zahlreichen Etatsnummern ein Mehrverbrauch eingetreten ist. Der Gesamtmehrbedars wird voraussichtlich 103400 M. betragen. Hierzu kommt noch ein bereits bewilligter Betrag von 40 000 M. Andererseits sind bei einigen Positionen Minderausgaben von zusammen 70 000 M. zu ver- zeichnen. Nachbewilligungen im Armenetat sind seit Jahren auf der Tagesordnung, weil der Etat der Armenverwaltung regel- mäßig zu gering dotiert wird. Um so unbegreiflicher ist es. daß der EtatSauSsihuh von der für 1914 vorgesehenen Summe nicht weniger als 100 000 M. gestrichen hat. Man hofft diese 100 000 M. dadurch ersparen zu können, daß man auf die Armenkommissions- Vorsteher dahin einwirkt, daß die zu gewährenden Barunterstützun- gen nicht über das Maß dessen hinausgehen, was zur Hebung einer dringenden Notlage erforderlich ist. Als ob die Armenkommissions- Vorsteher nicht heute schon nur das Allernotwendigste gewährten! Die Höhe der Ausgaben der Armenverwalwng hängt von den wirtschaftlichen Verhältnissen ab. und auf diese haben die Armen- kommissionsvorsteher keinen Einfluß. Bessern sich die Wirtschaft- lichen Verhältnisse nicht, dann wird die Streichung der 100 000 M. auf dem Papier stehen bleiben, in nicht zu ferner Zeit wird der Magistrat gezwungen sein, mit neuen Forderungen in beträchtlicher Höhe an die Stadtverordneten heranzutreten. Anstatt eine der- artige Sparsamkeit am falschen Orte zu treiben, sollten die städti- 'chen Körperschaften sich bemühen, soweit es in ihren Kräften steht, zur Beseitigung der Ursachen der Inanspruchnahme der Armenver- waltung beizutragen. Eine richtige Wohnungspolitik, die Ein- sihrung einer Arbeitslosenunterstützung, Maßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung«erden weit mehr zur Entlastung des Armenetats beitragen als eine Einwirkung auf die Armen- kommissionsvorsteher in dem Sinne, daß sie die Unterstützungen noch geringer bemessen. Neukölln. Einen heitern Atend veranstaltet am kommenden Sonntag der JngendauSschuß in„Bottichs Festsälen". Mitwirkende sind: Musik: Jugendorchester„Carmen", Rezitation: Waller Troeger, Gesang: Jugendheimchor. Außerdem gelangt zur Aufführung: Sommertag in der Försterei. FranzenShof". Szene»us dem Wanderleben mit volkstümlichen Tänzen und Chorgesängen zur Laute. Beginn 5V, Uhr. BillettS zum Preise von 20 Pf. für Erwachsene und 10 Pf. für Jugendliche sind in den Jugendheimen und im Vorderrestaurant von Bartsch zu haben. Die Arbeiterschaft wird um zahlreichen Zuspruch gebeten. Volkstümliche Konzerte. Der nächst« der von der Stadt Reu- kölln veranstalteten Kammermufikabende, ausgeführt von der Berliner Trio-Veremigung. findet am Donnerstag, den 2«. Februar. abends 8>/, Uhr, in der Aula der Realschule, Boddrnstr 34— 41, statt. Eintrittskarten: Saal numeriert 30 Pf., Balkon numeriert 30 Pf. sind zu baben in den VorwärtS-Expeditionen Ncckarstr. 2 und Siegfriedstr. 28/29 und an der Abendkasse. Es ist dieS der letzte Kammermusikabend unter den für dieses Winterhalbjahr getroffenen Veranstaltungen. Steglitz. Die geheime Wahl scheint die HauSbefitzerpariei bei den diesmaligen Gemeindewahlen anwenden zu wollen— geheim insofern, als sie die Namen ihrer Kandidaten verheimlicht. Trotzdem uns nur noch vier Tage von der Wahl rrennen, ist die auf dem Rathauie herrschende Partei mit ihren Kandidaten noch nicht an die Oeffenilichkeit getreten. Nachdem sich der früher so rührige „Miclerverem" in seinem Kampf qegen die Sozialdemokratie mausetot„gesiegt" hat. bleibt als einziger Gegner die Hausbesitzer- partei übrig, und aus ihrem Zaudern konnte man beinahe schließen. daß auch ihr schon das Herz bedeutend tiefer gerutscht ist. Die Kandidatenfrage soll denn auch für die Herren recht schwierig sein, weil niemand den Mut zum Durchfall hat. Die ausscheidenden „Mietervertretcr" würden zwar gern für die Hausbesitzer(ihre „erbittertsten Gegner" hreß es vor sechs Jahren) kan- vidieren, aber— nicht in der dritten Klasse. In der zweiten Klasse sich einfach„ernennen" zu lassen. ist auf alle Fälle sicherer. So haben denn bis jetzt im ersten Wahlbezirk unsere Kandidaten Krug und L e i m b a ch noch keine Gegner, mit denen sie sich messen könnten- Im zweiten Wahl- bezirk, in dem wir mangels eines geeigneten Hausbesitzers keinen Kandidaten ausstellen konnten, hat die demokratische Bereinigung Herrn Oberst Gädke aufgestellt. Da die Sozialdemokratie das größte Interesse daran hat, die alles beherrschende tausbesitzerpartei möglichst zu schwächen, hat der ozialdemokratische Wahlverein beschlossen, im zweiten Bezirk für den Demokraten Gädke zu stimmen. Bon der gewohnten Disziplin unserer Parteigenossen erwarten wir, daß sie diesem Beschluß einmütig nachkommen. Die paar Tage bis zur Wahl müssen unsere Genossen noch kräftig zur Agitation ausnutzen, hauptsächlich aber für starken Besuch der am Freitagabend im. AlbrechtShof" stattfindenden Wählerversammlung sorgen. Tut jeder seine Pflicht, dann müssen bei den Wahlen am M o n- tag. den 2.. und Dienstag, den 3. März, unsere Kandi- baten mit noch größerer Stimmenmehrheit als vor zwei Jahren gewählt werden und auch das Mandat des zweiten Bezirks muß der Mehrheit entrissen werden. Marienfelde. Bo» einem traurigen Geschick ist der Vorsitzende unseres Wahl» Vereins, Genosse Karl Seiler, betroffen worden. Längere ArbeilS- losigkeit zwang ihn, fern von der Heimat, in Bremen, seine Be- schästigung zu suchen. Am Montag mußte er von seinen Angehörigen telegraphisch zurückgerufen werden, weil eine Lungenentzündung ihm plötzlich seine Frau im blühenden Alter von 28 Jahren hinweg- gerafft hatte. Bier unmündige Kinder trauern mit ihm um die so früh verlorene Gattin und Mutter. Die Beerdigung findet voraus- .fichtlich am Donnerstag statt; uähereS wird durch Inserat bekannt gegebe« werde«. Rüdersdorf. I» einer von etwa 200 Personen besuchten Kommunalwähler- Versammlung sprach Genosse Brühl über die bevorstehenden Gemeinde- wählen. Der Referent kennzeichnete in seinem Vortrage die segens- reiche Arbeit der sozialdemokratischen Vertreter. Leider sei es im hiesigen Orte mit seiner zahlreichen Bergarbeiterschaft noch nicht möglich gewesen, sozialdemokratische Vertreter zu wählen. Das liege daran, daß die öffentliche Stimmabgabe die Wäblerschaft in ihrem Handeln stark beeinträchtige. ES sei indessen Pflicht der Arbeiter- schast, durch geschlossenes Vorgehen am Tage der Wahl den sozial- demokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Nur diesen sei es möglich, die Interessen der Allgemeinheit wahrzunehmen. Mahlsdorf. Wegen Ablaufs ihrer Wahlperiode sowie durch Auslosung scheiden am 31. März d. I. drei event. vier Gemeindcvertreter in der dritten Abteilung aus. Es sind dies der Genosse Grunow, Winkelmann, Schwarzburger und wahrscheinlich der Genosse Muth. Für die dritte Abteilung finden die Wahlen am Sonntag, den 8. März, von ll�/z Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittags statt. Die dritte Abteilung ist in zwei Bezirke eingeteilt. Gebildet wird der erste Bezirk auS allen westlich der Schillerpromenade und Triniusslraße gelegenen Straßen, also der Walt-, Tabbert-, Nalepa-, Siemens-, Deul«, Helmholtz-, Westend-, Edison-, Antoniuskirch-, Fust-, Waldstraße bis zur Triniusslraße, Parsevalstraße, Zeppelin- und Rathausstraße bis zur Triniusstraße, Goethe- und Bismarckstraße bis zur Schillerpromenade. Nobelshof, Königin- Elisabeth- Hospital sowie die westliche Seite der Schillerpromenade und der TriniuS- straße. Der zweite Bezirk umfaßt alle östlich der Schillerpromenade und Triniusstraße gelegenen Straßen, also der östlichen Seile dieser beiden Grenzstraßen: der Groß-, Frischen-, Klara-, Mathilden-, Ralhenau-, Luisen-, Laufener, Zeppelinstraße von der Triniusstraße bis Frischenstraße. Goethestraße von der Schillerpromenade bis Luisenstraße, ebenso die Bismarckstraße, die Rathausstraße von Schillerpromenade bis zur Friswenstraße, Waldstraße von Triniusstraße bis zur Ortsgrenze, Kepler-, Slaby-, Koltmeier-, HallenSIebe»«, die ganze Wilhelminenhosstratze sowie den Ortsteil Ostend. Jeder Wähler übt das Wahlrecht in dem Bezirk aus, in dem er am 1. Dezember 1913 gewohnt hat. Für diese Wahlen gelten auch die im Januar d. I. zugestellten Wählerberechtigungskarlen. Dieselben sind unbedingt aufzuheben und am Tage der Wahl als Legitimation mitzubringen. Der erste Bezirk wählt in der Turnhalle in der Watlstraße. Ter zweite Bezirk in der Turbolle der Friichenstraße. Bezirk 1 wählt vorläufig einen Nichtangesessenen. Bezirk 2 wählt zwei Gemeindevertreter, davon muß einer ein Haus- besitzet sein. Die Woblen für die erste und zweite Abteilung finden am Man- tag, den 9. März 1914 in der Turhalle in der Frischenstraße statt. Leider ist es der Arbeiterschaft noch nicht möglich, wenigstens in die zweite Klasse eindringen zu können. Durch die am Ort ansässige Großindustrie findet eine recht krasse Klasseneinteilung statt, und zwar gehören der ersten Abteilung zwei Wähler, der zweiten un- gefähr 300 Wähler, der dritten Abteilung dagegen 3300 Wähler an. Hohen-Schönhause». Uebcr die bevorstehenden Gcmcindewahlen referierte in einer gut besuchten Wählerversammlung im Lokal von Reyer Genosse Wer- m y t h. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag unterzog der Vorsitzende, Genosse Obermeher, die örtlichen Ver- Hältnisse einer besonderen Kritik. Pflicht der Wähler sei es, alles daran zu setzen, um den sozialdemokratischen Kandidaten der dritten Abteilung Karl DrewS und Max Siebenwirth zum Siege zu verhelfen. Wildau-Hoherlehme. Aus der Gemeindevertretung. Der Voranschlag für das Rech« nungSjahr 1914 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 438 000 M. gegen 180 000 M. im Lorjahre. Die einzelnen Titel setzen sich u. a. zusammen: Einnahme: Aus gewerblichen Unternehmen 30 800(27 200) M., davon GaSverkauf 80 200(20 300) M., Badeanstalt 000(700) M., Gemeindesteuern:'») direkte: 131 800(120 973) M., und zwar Ein» kommensleuer der Zensiten 20 000 M., Einkommensteuer der Forenseil 37 300 M.. Grundwertsteuer 41 000 M., Gewerbesteuer 27 133 M., Betriebssteuer 173 M.. b) indirekte Steuern: Lustbarkeits-, Umsatz-, Hundesteuer 1273(730) M.. Schulverwaltung 9833(8790) M.. Volks- schule 4983(4020) M., Fortbildungsschule 4830(4170) M.. Armen- Verwaltung 220 M. Einmalige außerordentliche Einnahmen 233000 Mark, Entschädigung des Kreises für Uebernahme der Chaussee Zeuthen-Königswusterhausen 30 300 M.. Darlchn für Straßenbauten 204 500 M., Bestand aus dem Borjahre 7000(8000) M. Ausgaben: Gemeindeverwaltung 16 175(18 502,50) M., Kosten der Amts- und StandeSamtsverwaltung 8 133(8 300) M., Unterhaltung, Reinigung und Beleuchtung der Straßen und Plätze 8 230(4 870) M., Feuerlöschwesen 980(830) M., Schulverwoltung a) Volksschule 50 971,18(35 013,28) M.. b) Fortbildungsschule 7 663 (6 335) M.. Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden 10 213,06 (10 216,82) M., Armenverwaltung 3 690(2 890) M. Für Gemeindebetriebe 31 001,33<26 447.44) M.. darunter Gas- ankauf von Königs-Wusterhauien 28 331 M.. einmalige außerordent- liche Ausgaben für Straßenbauten 235 000 M. JnSgemein und zur Abrundung 10 868,30(9 937,50) M. An Steuern werden erbobcn wie im Vorjahre Zuschlag zur Ein» kommensteuer 100 Proz., Grundwertsteuer 2»/, Promille, Gewerbe» steuer I.. II. Klasse 235 Proz., III., IV. Klasse 200 Proz., Betriebs- steuer 100 Proz. Zu den Straßeiibaukosten werden die Anlieger auf Beschluß der Sitzung vom 17. d. M. mit 82 Proz. herangezogen. Soweit es sich um bebaute Grundstücke handelt oder auf unbebauten Grundstücken Gebäude errichtet werden. Hermsdorf bei Berlin. Sonntag, den 1. März, von vormrttagS 11 bis nachmittags 3 Uhr, findet die Wahl der dritten Klasse zur Gemeindevertretung statt. Für unsere Partei kandidiert Genosse Karl Neunzig. Da augenblicklich die Bürgerlichen in zwei Lager getrennt sind, stehen uns zwei Kandidaten gegenüber. Es gilt diesmal den Gegnern ein Mandat abzunehmen, um dann mit vier Vertretern die dritte Klasse ganz zu besitzen. Berücksichtigt man die Zusammensetzung der Be- völkerung, so wird es der äußersten Anstrengung bedürfen, das Mandat zu erobern. Schon vor zwei Jahren balte unser damaliger Kandidat nur einen geringen Vorsprung; hinzukommt, daß der Be- völkerungSzuwachs sich noch weiter zu unseren Ungunsten verschoben hat. Unter den Bürgerlichen ist zurzeit ein heftiger Streit über den Ausbau der höheren Schule entbrannt. Die Forderungen hierfür geben unter Berücksichtigung unserer Verhältnisse ins Maßlose. Der Zuschuß für die höhere Schule, der gegenwärtig 36 000 M. betrögt. steht in keinem Verhältnis zur Steuerkrafl. Der Er- trag der Einkommensteuer im laufenden Jahre weist nur 78 000 M. auf. Eine Verwirklichung dieser Pläne muß daher an der schlechten Finanzlage der Gemeinde scheitern. DaS Einkommen-, Umsatz- und Grundsteuersoll wird in diesem Jahre nach'Mitteilungen des Gemeindevorsteher» eine Mindereinnahme von rund 4) 000 M. auizuweisen haben. Der Jnteressensireit der „HermSdorser Boden-Akiiengesellschaft" gegen die Gemeinde hat zu einer Beleidigungsklage geführt. Auf Ersuchen deS Landrats strengte der AmtS- und Gemeindevorsteher Cheemu gegen den RegierunaS- baumcister Wehl, Direktor der„HermSdorser Boden-Btnengesellschaft", eine Beleidigungsklage an, die aber mit einem Vergleich endete. Mt welchen Mitteln und mit welcher Heftigkeit der Kampf von dieser Erwerbsgesellschast gegen den Gemeindevorsteher geführt wird, er- kennt man aus den schweren Vorwürfen. Da wird betont, der Ge« meindevorsteher habe in der Gemeindevertretung wissentlich die Unwahrheit gesagt, er habe Beschlüsse der Gemeindevertretung gefälscht, dienstlich falsch Bericht erstattet, er habe vor zwei Jahren zur Gemeindevertreterwahl da- für Sorge getragen, daß sozialdemokratische Beisitzer i« den Wahlvorstand gewählt wurden um noäfiät die für die Sozialdemokraten unbequemen Vollmachten zurückweisen zu können usw. Sämtliche Behauptungen mußte der Angeklagte zurücknehmen, da sie nachweislich unrichtig waren. Damit sind aber die Differenzen mit der"HermSdorfer Boden-Aktiengeiell- schaft" noch lange nicht beigelegt. Durch die Nichtigkeit des Ein- gemeindungsvertrageS bestehen jetzt dieselben Nechisverhällnisse mit der Gesellschaft wie mit anderen Einwohnern oder Gesellschaften in der Gemeinde. Damit ist aber die„Hermsdorfer Boden-Aktiengesell- schafl* nicht zufrieden, sie wünscht einen neuen Vertrag, in dem ganz besondere Vorteile für sie festgelegt werden sollen. Wenn nur zum Teil diesen Wünschen stattgegeben würde, so würde die Gemeinde in absehbarer Zeit vor dem sicheren Bankrott stehen. So will die Gesellschaft z. B. die zu verlegende» GaS- und Wasserröhren in den neuen Straßen überhaupt nicht bezahlen, von den Anliegerbeiträgen für die Kanalisationsröhren sollen teils besondere Preisermäßigungen vorgenommen werden, teils will sie die Zahlung nur für die Adjazenteu eines Neubaues leisten und andere Dinge mehr. Es ist wohl erklärlich, daß auf dieser Grundlage mit der Gesellschaft ein neuer Vertrag nicht abgeschlossen werden kann. Nach alledem sollte man eS nicht für möglich hallen, daß es auch in der Gemeinde noch Leute gibt— selbst Gemeindeverordnete sind darunter—, die ein solch gemeinschädliches Treiben noch unterstützen. Reinickendorf. Die Gemeindevertretung beschloß einstimmig in ihrer letzten Sitzung, erneut den Antrag auf Eingemeindung nach Berlin mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verfolgen. Durch diesen Beschluß soll dokumentiert werden, daß sich die Gemeindevertretung auch durch die Gegnerschaft des Oberpräsidenten von der Verfolgung ihres Zieles nicht abbringen lassen werde.— Die Rechenschaftsberichte des Kaufmanns- und Gewerbegerichts und des Kanalisationsverbandes passierten ohne Diskussion, ebenso die Vorlage betreffend Beschlußfassung über die gegen die Richtigkeit der Gemeindewählerlifte erhobenen Einsprüche. Der Antrag auf die nach§ 169 der Neichsversicherungsordnung zulässige Be- freiung der zu versichernden Beamten. Lehrer und Lehrerinnen wurde vom Genossen G u r s ch bekämpft. Leider gelang es nicht, den Antrag zu Fall zu bringen. Bei der Zuteilung der von der Gemeinde zu reinigenden Straßen zu den Reinigungs klaffen beantragten unsere Genoffen, die Gebühren um 50 Proz. zu erhöhen, also für die 1. Klasse auf 9, für die 2. Klaffe auf 6 und für die 3. Klaffe auf 3 Pf. pro Quadratmeter Straßenland und pro Jahr. Diese Erhöhung der Gebühren ist sehr geringfügig, z. B. in einer Straße 1. Klasse(tägliche Reinigung) und bei einer Grund- stückS-Straßenfront von 20 Metern und einer Dammbreite von 12 Metern beträgt die Erhöhung nur 3.66 M. pro Jahr. Der Ge� mcinde aber würden neue Mittel in Höbe von über 16 009 M. zu fließen. Trotzdem aber wurde der Antrag unserer Genossen afr gelehnt. In die Verkehrskommission wurde an Stelle des ver- zogenen Bürgerdcputierlen L e r ck e der Eigentümer Maleika gewählt. Das Kuratorium des Realgymnasiums beantragte das Sckulgeld für die auswärtigen Schüler von 140 auf 150 M. zu erhöhen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genoffen angenommen. Die von der vorigen Sitzung einer adbocgebildeienKommisssion überwiesene neue Baupolizeigebührenordnung wurde ohne wesentliche Aenderung angenommen. Bei der nochmaligen Beschlußfassung über die Errichtung bezw. Zusammenlegung von Klassen an katholischen Gemeindeschulen vertrat Genoffe Schönberg nochmals unseren, die Errichtung der vierten und fünften Klasse nur im östlichen Orts- teil ablehnenden Standpunkt. Es wurde schließlich gemäß dem An- trage der Schuldeputation beschlossen, den katholischen Scbülern im westlichen Ortsteil fteizustellen, entweder die katholische Gemeinde- schule im Osten oder die evangelischen Schulen im Westen zu be« fucken. Sollte die Zahl der Kinder zwölf überschreiten, so soll den Kindern katholifcher Religionsunterricht erteilt werden. An Elatsüberschreitungen wurden genehmigt für Ztvecke der Desinfektion 1250 M. und für Drucksachen 1000 M. Da« Statut betreffend die Errichtung einer Gemerndeanstalt für zweite Hypotheken wurde aber- mals— zum dritten Male— abgeändert. Wenn eS in seiner jetzigen Fassung die Zustimmung der Regierung findet, braucht die Anstalt nicht mehr errichtet zu werden. Die Bedingungen für Ge- Währung einer zweiten Hypothek sind vielfach so harte, daß ein reger Gebrauch von der Einrichtung kaum gemacht werden dürfte. Sie wird dann noch mehr al« vorauszusehen war, eine Hilfsaktion für einige wenige, ohnehin schon bevorzugte Grundbesitzer darstellen. Die beantragte Verlängerung eines Vertrages mit den deutsch- fizilianischen Asphallwerken wurde der Finanzkommission und das Ortsstatut betreffend Heranziehung der Grundbesitzer zu den Kosten der Neupflasterung von Straßen der Wegebaukommission überwiefen. Die Vorlage auf Abänderung des Vertrages betreffend Errichtung deö VerbandskrankenhauseS wurde vertagt, da von einer Verbands- gemeinde ein weiterer Abänderungswunsch in Aussicht gestellt wurde. Heinersdorf bei Weihensee. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die am Sonntag stattgcfundene Voltsversammlung. Da das Lokal sich als zu klein erwies, so wurde die Versammlung nach Eröffnung in den Garten verlegt. In einer einstündigen Rede ließ fodann der Landtags- abgeordnete Genoffe Otto Braun vor etwa 300 Personen die politischen Ereigniffe der letzten Wochen Revue passieren. Von den Worten des Herrn v. Heydebrand ausgehend:.Machen Sie doch Ihre Revolution' kam der Redner auf die preußische Junkerherrschast, den Wehrbeilrag und die Zaberner Vorgänge zu sprechen, um zum Schluß die Anwesenden zu unermüdlicher Mitarbeit für ein freies Wahlrecht und ein fteieS Preußen aufzufordern. Genosse Heidemann wies hierauf in kurzen Ausführungen auf die in nächster Zeit stattfindenden Gemeindeverireterwahlen hin, bei denen eS möglich fein muß, trotz öffentlicher Stimmenabgabe Sozialdemokraten in das bisher sozialistenreine Gemeindeparlament zu wählen. Die Unter« laffunqssünden der bisherigen Gemeindevertretung noch besonders zu besprechen, soll Ausgabe einer später einzuberufenden Ver- sammlung sein. Mehrere Versammlungsteilnehmer wurden für den Wahlverein gewonnen. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich u.a. mit dem Bau einer Entwässerungsanlage in der Nedlitzer Straße, die 120 000 M. Kosten verursacht, wovon vom MilitärfiSkuS 30000 M. gezahlt werden sollen. Der Bau dieser Anlage soll mit Rücksicht auf die KasernementS des 2. und 4. Garde-Feldartillerie-RegimentS, die gegenwärtig umfangreiche bauliche Veränderungen erfahren und der Entwässerung noch nicht angeschloffen waren, schon jetzt vor- genommen werden. Bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, daß die Wafferlieferung für das 1. Garde-Ulanenregiment und die Garde- Mafchinengewehr-Ableilung, deren Gebäude auf osthavelländischem Gebiet liegen, gekündigt worden sei. Anfangs hatte man geglaubt. die Kündigung wieder rückgängig machen zu können. ES ist jedoch zu keiner Einigung gekommen und selbst eine Audienz bei dem Kriegsminister wegen dieser Sache ist resultat- los verlaufen. Vom Kriegsminister war zum Ausdruck gebracht worden, daß die Stadt bisher wenig glimpflich mit der Militärver- waltung verfahren fei, und daß sie ihr bisher immer 30 Pf. pro Kubikmeter Waffer abgenommen Hab«, während der Kreis nur die Hälfte dafür verlange.1. Wenn der Gläubiger seine Forderung auSflagt, kann er die Geschäfts- einrichlung, eventuell auch die WirttchastSsachen, soweit sie entbehrlich sind, pfänden lassen. Eine Bestrafung kann nicht ersolgen. Ob Sie ein Recht zur Bertragsansechtung haben. läßt Ihr schreiben nicht erkennen.— E. R. 88. Ein« Meldepflicht besteht nicht. Für die Beranlagung komnlt in der Regel das Einkommen des vorausgegangenen Kalenderjahres in Frage.— W. 74. Nein.— M. W. Lindenstrafte. Nein — W. A. 100. 1. Die Firma ist anmeldepflichtig und zwar bei der Kasse, bei der die übrigen Arbeitnehmer des Betriebes ver- sichert find. 2. Die Firma. 3. Ergibt sich aus dem Kassenstatut. 4. Ihre Frau ist auch Invalidenversicherungspslichttg. Der Arbeit- geber muß die Marken verwenden. ö. Die Höhe der zu ver« wendenden Marken ist cberisallS aus dem Kassenstatut zu ersehen. — F. B. 77. Verjährung ist nicht eingetreten, die Firma kann ivcgen des RestcS klagen.— R. 9V. Nein, Sie können aber die öffentliche Ver- steigerung veranlassen.— B. L. 70. 1. Nein, es kann geklagt werden, falls nicht noch andere Tatsachen in Frage kommen. L. Ja.— P. D. 400. Gütertrennung besteht schon traft Gesetzes. Wollen Sie die VcrwalwngS- gemeinschast ausschließen, so müssen Sie mit Ihrer Frau zum Notar oder zum Amtsgericht gehen. AlS Legitimationspapicre find Militärpaß, HciratS- Urkunde mitzunehmen. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Objekts. — 30 H. K. i. Ja. 2. Nein. 3. An die Mutter ja, sofern diese lcistungs- sähig ist.— S. B. 100». Ihre Darstellung ist nicht recht verständlich. Wir raten Ihnen, mit dem Kasscnstatut zum Arbeitersekrctariat, Engel- uscr 14/15(Sprechstunden von 11— ILV, Uhr und von 6—?>/, Uhr) zu gehen.— F. H. 13. Falls renovierbedürstig— was Sie im Prozeß be- weisen müßten— können Sie die Arbeit ausführen lassen. Kürzung an der Miete ist jedoch nicht zulässig. Sie müssen den Betrag, sals Erstattung in Güte nicht zu erreichen, besonders einklagen.— F. 1000. 1. In der Regel Geburlsurkunde, außerdem Militärpapicre deS Mannes. Ist die Braut minderjährig, beglaubigte Einwilligung des gesetzlichen Vertreters. L. Etwa 3 Wochen vor dem Tage der Eheschließung. 3. Im Gewerksch.istS- hauS, Engeluser 14/15, sind zurzeit Möbel ausgestellt. 4. Durch unsere Buchhandlung zu bezichen.— F. M.. Charlottenburg. 1. u. 2. Nein. — H. 300. Beim Metallarbeiterverband, Sektion der Schmiede, zu er- fragen.— W. M. 49. 1 preußischer Morgen 180 Ouadratrutcn, 1 Rute— 14,185 Ouodratmctcr.— Nr. 1001. Nein, wenigstens unseres Wissens nicht.— O. G. 87. 1. Verein Bürger-Retlungs-Jnstitut, Gr. Präsidcnten- straße 7(4—6). 2. Friedrich-WUHelms-Anstalt für Arbeitsame und v. Bieder- (ee-stistu»g, beide im Berliner Rathaus(3—5).— E. St. 77. Versuchen Sie es mal beim Kunstgewerbemuseum. Berlin, Prinz-Albrecht- Str. 8.— — W. f. 77. Der Deutsche Metallarbciter-Verband Berlin, Linien- straße 82/85, kann sie am besten beraten.— E. Höft. Fragen Sie nur direkt an.— T. E. 413. Lasten Sie sich in einer der großen Annonce»- Expeditionen, wie Haasenstein u. Vogler, den Zeitungskatalog vorlegen, in welchem die Adresten verzeichnet sind.— Werkstatt Ideal. Stelle Dich vor mich.— R. 387. Aguman-Werk«, Fr. Thörl u. Co., Harburg a. d. E. — A. L. 4300. New.— A. Z. 1. Nein. 2. Es empsiehlt sich ein neuer Antrag an das Vormundschaftsgericht.— W.». 98. 1. u. 2. Die Besteller hasten ebenfalls. 3. Di« Schuld muß vor den anderen Schulden befriedigt werden.— F. B. 8. 1. Ja. 2. Zu gleichen Teilen, mit Aus- nähme der Vollschwester, die da» Doppelte des Anteils der Halb schwestern erhält.— Chr. 557. Sie haben Anspruch aus Rückzahlung deS Geldes und Herausgabe des Sparkastenbuchs; außerdem können Sie die Sachen im Besitz behalten. Schwere Beleidigungen und Verleumdungen können als SchcidungSgrund angelchen werden. Zur Gewährung des Unterhalts sind Sie weiterhin verpflichtet.— O. E. 4. Ja.— C. Tch. 33. Falls das Geld nicht zum Unterhalt benötigt wird, ist es sür das Kind bis zur Großjährigkeit sicher zu stellen.— H.®. 33. 1. Unseres Erachten» nein. 2. u, 3.§ 616 Bürgerlichen Gesetzbuchs.— 99. Luise. 1. Das Testament wäre nicht sormgültig. 2. u. 3. Nein, sofern die Frau bereits länger als sechs Monate vor der Trennung Kenntnis gehabt hat. 4. Falls deswegen die Ehe geschieden wird und der unschuldige Teil innerhalb drei Monaten von der Rechtskraft des EcheidungSurteilS an gerechnet, Strafantrag stellt, ein Tag bis sechs Monate.— K. M. 43. Wir halten den Täter sür schadenersatzpflichtig. Falls aus Aufforderung hin Zahlung nicht erfolgt. kann Klage beim Amtsgericht erhoben werden.— St. M. 31. Wenn Sie Ihre Behauptungen beweisen können, so können Sie den GesellichaftS- vertrag josort ausheben und Auszahlung de» Eingebrachten verlangen, Maritpretie von Berlin am 33. Februar 4944. nach Ermittelungen deS tgl. Polizeipräsidiums. Mai»(mixed), gute Sorte 16,90—17,20, Denan 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,60—14,90. Richtstroh 0,00. Heu 0.00-0,00. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zinn Kochen 34,00— 60,00. Svetsrbobnen, weiße 35,00—60,00. Linsen 40,00— 80,00. Kartoffeln(Klcinbdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2.40. RindfleOch, Bauchfleisch 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2,00. Kalbfleisch 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50—2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 4,60—6,00. 1 Kilogramm Karpfen 1,20— 2,60. Aale 1,60— 8,20. Zander 1,20—3,20. Hechte 1,40-2,80. Barsche 0,80—3,30. Schi«« 1,60— 3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stück Krebse 3,60—24,00. WasterftaudS-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewästertunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetterbureau Wasterftand M e m e t, Tilsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel. Thorn Oder, Rattbor , Krassen , Frantturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Bardo Magdeburg Wasterstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau«), , Ziotbenow') Spree. Spremberg«) , veeskow S« I e r, Münde« , Minden Rhein, MaximflianSau . Kaub Köln Neckar, Hetlbronn Mai», Hanau Mosel, Trier am 23. 2. oin 258 94 78 110 125 32« 388 430 344 475 173 338 397 seit> enr') —5 +2 0 +r +4 +14 +40 —24 +9 +33 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) llnterpegel.— � GrundetStreib e». —*) eisfrei. Slrebsame Eheleute Yersammlungs- Lokal der Partei und Gewerkschaften zu pachten odeltnnter günstigen Bedingung, käuflich zu übernehmen. Verfügbares Kapital 4000.— Mark. Off. unt- P. Ä. an die Exped. d.„Vorw." Berlin erbeten. WIMM WVMMWVW Garbai Möbel-Angebot. Solide Möbelfirma liefert Speslwl-Pli»- nn her von den Arbeitern allein verwalteten gewerkschaftlichen als auch den von Unternehmern und Arbeitern gemeinsam verwalteten paritätischen Arbeitsnachweisen wird einseitige Jnteressenver- tretung oder die Verfolgung von Nebenzwecken nachgesagt, während die Maßregelungsbureaus der Unternehmer auch nicht mit einem Wort der Kritik bedacht werden. Wir wissen also, welcher Art die angesagte„Reform" sein wird. Das Statistische Amt verspricht sich von der Einführung einer Genehmigungspflicht für alle paritätischen, also nicht ge- meindlichen oder staatlichen Arbeitsnachweise eine Besserung der jetzigen Uebelstände. Das iväre natürlich eine bequeme Art, der Arbeitsvermittlung der Gewerkschaften, sowie den so übel an gekreideten paritätischen Nachweisen das Lebenslicht auszublasen. Oder sollte uns etwa der Glaube zugemutet werden, daß von einer solchen Maßregel auch die Unternehmernnchweise betroffen werden könnten! Daran glaubt ja selbst der Staatssekretär nicht; auch weiß er ganz genau, daß sich die Unternehmer eine„Genehmigungs Pflicht" einfach nicht gefallen ließen. Darum hat er den Eifer des Statistischen Amts sofort etwas gedämpft mit der lakonischen Be merkung, daß cS Wohl mit einer Gcnchmigungspflicht für die paritätischen Arbeitsnachweise nichts sein dürfte. Aber die vor- geschlagene Meldepflicht findet der Staatssekretär akzeptabel und auch die Vorschläge zur besseren Organisation dcS Arbeitsmarktcs erscheinen ihm„zum Teil ebenfalls zweckmäßig." So kann also die Kulissenarbeit ihren Fortgang nehmen. Wenn überhaupt etwas dabei herauskommt, ist es sicher e i n weiterer Knebelungsversuch für die Arbeiter, eine Erschwerung deren Interessenvertretung auf dem fiir sie so hochwichtigen Gebiete der Arbeitsvermittlung. Doch die Gewerk- schaften werden auf der Wacht sein. So leicht, wie eS sich manche Leute denken, ist es heutzutage denn doch nicht mehr, mit den Ar beitern nach Scharfmacherbelieben umzuspringen. �US Industrie und Handel. Gegen das Einfnhrscheinsystem. DaS Einfuhrscheinsystem. daS die Getreideausfuhr begünstigt und e» den Getreideproduzcnten ermöglicht, die Gctreidezölle in voller Höhe auf die Preise zu schlagen, schädigt nicht nur die Kon sumentrn. Auch die deutsche Mühlenindustrie klagt über die Wir- kungen diese« Systems; denn durch die Einsuhrscheiue kann das Getreide billiger ins Ausland geliefert werden, dort wird es ver- mahlen und kommt zum Teil in Mehlform wieder nach Deutschland zurück. Die» Einfuhrscheinsystem begünstigt also die ausländische Mühlenindustrie auf Kosten der einheimischen. Besonder« in den Grenzgebieten leiden die Mühlenunternehmungen unter diesen Zu- ständen. So berichtet eine der größten ostpreußischen Gesellschaften, die Königsberger Walzmühle: Das Jahr 1913 war wiederum für die ostpreußisch« Roggen Müllerei wenig günstig. Der andauernde Export des Roggens über die trockene, russische Grenze hält den hiesigen Marktpreis über dem Niveau des Verkaufs Preises nach dem Westen und reduziert da? dem hiesigen Markt zur Verfügung stehende Material von Jahr zu Jahr mehr. Trotz der(nach Statistik des Deutschen LandwirtschaftsratS) im Jahre 1913 erzielten Rekordernte in Roggen beliefen sich die Zu- fuhren an den Königsberger Markt vom 1. August bis 31. De- zember nur auf 35 339 Tonnen Roggen gegen 81 268 Tonnest Roggen im gleichen Zeitraum 19 t2, 105 839 Tonnen Roggen im gleichen Zeitraum 1911. Dieser Rückgang ist eine treffliche Illustration der Wirkung unseres Einfuhr scheinfh st ems. ES ist zu hoffen, daß die Einführung deS geplanten Roggenzollss in Rußland, wo ein Mehlzoll schon besteht, das Aufhören des RoggenexportS über die trockene Grenze herbeiführt. Die sich iminer mehr geltend machende Entblößung des hiesigen Roggen Marktes hat auch weitere Kreise des hiesigen Getreidehandels von der Schädlichkeit des Eiufuhrfcheinsystems überzeugt, die früher Anhänger von ihm waren. Man beginnt einzusehen, daß nicht nur der russische Roggen ausbleibt, sondern auch ein erheblicher Teil der ostpreußlscheu Ernte dem KönigSberger Markt entzogen wird. Der Hinweis auf die früheren Anhänger des Systems trifft zugleich die Königsberger Handelskammer, die in ihrer Befürwortung des EinsuhrscheinsystemS unter den übrigen Handelskammern fast. allein steht._ Die Handelsdeziehmigc« zwischen Nord-»ud Südamerika. Durch den Bau des P anamakanals beabsichtigen die Vereinigten Staaten neben anderem die Hebung ihres Außenhandels mit Mittel- und Südamerika. Zurzeit ist nämlich der Anteil der Vereinigten Staaten an der AuS- und Einfuhr Mittel- und Süd- amerikaS geringer, als man für gewöhnlich annimmt. Europäische Länder sind mit weit größeren Ziffern am südamerikanischen Außenhandel beteiligt als die Vereinigten Staaten. In- desien hat sich in den letzten Jahren der Ausfuhrhandel der Union ausgesprochen amerilantschen Ländern zugewandt. Das — ibt sich daraus, daß die Ausfuhr nach Lateinisch- Amerika fda« ist Zentralamerika mit Ausnahme d« dortigen«nropäischen Besitzungen, Mexiko, Kuba. Haiti und die Dominikanische Republik) von 1993 bis 1913 um 183 Proz. zugenommen hat gegen eine Ausfuhrsteigerung von nur 6t Proz. nach anderen Teilen der Welt. Diese außerordentliche Zunahme ist indessen mehr das Ergebnis vergrößerter Aufnahmefähigkeit der lateinisch- amerikanischen Länder, als das de-Z SteigenS des Anteils der Vereinigten Staaten an ihrer Einfuhr. Der prozentuale Anteil der Union ist nämlich seit IS Jahren auf 23 stehen geblieben; er hat also mit dem Wachstum der Einfuhr dieses Landes gerade Schritt gehalten. Von dem Wert der lateinisch-amerikanischen Gesamteinfuhr, die nicht aus den Vereinigten Staaten stammt, entfällt ein sehr großer Teil aus europäische Länder, unter denen Großbritannien an erster, Deutschland an zweiter und Frankreich an dritter Stelle steht. Gliedert man nun den Anteil der Union nach einzelnen Staaten Südamerikas, so ergibt sich folgendes: Die Vereinigten'Staaten bc- herrschten schon vor zwei bis drei Jahren die Einsuhr nach Haiti und Honduras durch Lieferung von mehr als drei Vierteln vom Gesamtwert, desgleichen die Einfuhr nach Panama, Kuba. Mexiko, Rica- ragua und nach der Dominikanischen Republik durch Lieferung von 51—59 Prozent des Gesamtimports. Ferner entfielen vom Import auf Herlünfte der- Ver. Staaten von Amerika: 41 und 46 Proz. in Guatemala und in Costa Rica: 28— 36 Proz. in Ecuador, Colum- bien, Venezuela und Salvador. Bezeichnenderweise sind diese 13 lateinisch-amerikanischen Republiken, mit Ausnahme des der Union benachbarten Mexiko, fast sämtlich kleine und finanziell mehr oder weniger schwache Glieder der Panamerikanischen Union. Indessen bezogen auch Brasilien, Chile, Uruguay, Argentinien, Bolivien und Peru schon ISll: 11— 19 Proz. der Gesamteinfuhr aus den Vereinigten Staaten, und da die Ausfuhr der Union nach Lateinisch-Amerika 1913 gegenüber 1911 um rund 79 Millionen Dollar gestiegen ist, hat sich das Bild unzweifelhaft inzwischen weiterhin zugunsten der Vereinigten Staaten verschoben. Während die zur Panamerikanischen Union gehörenden 29 lateinisch-amerikanischen Republiken insgesamt für 265 Millionen Dollar— 23 Prozent des Wertes ihrer Gesamteinfuhr aus den Vereinigten Staaten bezogen, nahm ihnen die Union für 452 Millionen Dollar— 35 Prozent des Wertes ihrer Gesamtausfuhr ab. Der Gesamtwert des Handels der Vereinigten Staaten mit den bezeichneten 29 lateinisch-amerika- nischen Republiken stellte sich für 1913 wie folgt: Einfuhr 441, Aus- fuhr 323 Millionen Dollar, d. h. die Vereinigten Staaten haben im letzten Rechnungsjahre von den 29 anderen Mitgliedern der Pan- amerikanischen Union für 113 Millionen Dollar mehr einge- führt als dorthin ausgeführt. Dabei ist indessen zu berücksichtigen, daß diese Einfuhr der Bereinigten Staaten zum sehr großen Teil ans Rohstoffen und Nahrungsmitteln(wie Kaffee, Gummi, Zucker usw.) besteht, während bei der Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Lateinisch-Amerika Fabrikate sehr stark überwiegen. Soziales. Ein verspätetes Nachspiel zum letzte» Bergarbeiterstreik. Vor der zweiten Dortmunder Strafkammer hatte sich vor acht Tagen der Bergmann Anton Schlappert aus Boving- Hausen wegen Streikvergehens zu verantworten. Die strafbare Handlung sollte der Angeklagte am 26. März 1912, während dcS letzten großen Bergarbeiterstreiks, begangen haben. Nach der Anklage wurde Schlappert zur Last gelegt, mehreren Arbeitswilligen zugerufen zu haben:„Guten Morgen, meine Herren, wir sehen uns wieder,, aber auf dem Buckel!" Gegen den Angeklagten war schon im Jahre 1912 Termin anberaumt. Nach- dem Streik war Schlappert jedoch mit seiner Familie nach Holland gezogen, wo er lohnendere Beschäftigung gefunden hatte. Da er zu dem angesetzten Termin nicht erschien, wurde gegen ihn ein S t e ck b r i e f erlassen. Ende des vergangenen Jahres kehrte der Angeklagte nach Deutschland zurück und fand auch auf Zeche„Graf Schwerin" bei Castrop wieder feste Stellung. Am 20. Dezember des vergangenen Jahres wurde der An- geklagte dann auf Grund des damals gegen ihn erlassenen Steckbriefes in Haft genommen. Eine gegen die Ver- Haftung erhobene Beschwerde wurde als unbegründet ab- gewiesen. In der Verhandlung bestritt der Angeklagte entschieden, sich strafbar gemacht zu haben. Er behauptete lediglich „Guten Morgen, meine Herren!" gesagt zu haben. Drei Zeugen bestätigten diese Angaben, wohingegen ein vierter Zeuge auch den Satz gehört haben wollte:„Wir sehen uns wieder, aber auf dem Buckel." Dem Staatsanwalt genügte die Bekundung deS einen Zeugen, um gegen den Angeklagten die Verurteilung aus Z 186 des Strafgesetzbuchs und§ 153 der Gewerbeordnung zu beantragen. Der Antrag deS Vertreters der Anklage lautete auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat und zwei Wochen. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte die Freisprechung des An- geklagten sowie die Gewährung einer Entschädi- g un g für unschuldig erlittene Untersuchung s- hast. ES fei geradezu unverständlich, wie man einen unbescholtenen, verheirateten Arbeiter, der in fester Stellung sei, wegen einer solchen Lappalie fast volle zwei Mo- n a t e in U n t e r s n ch u n g y h a f t halten könne. Auch vor der Verhandlung hätte es unbedingt klar sein muffen, daß, selbst wenn der Angeklagte sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht habe, ihn nimmermehr eine Strafe treffen könne, die in irgendeinem Vergleich zu der erlittenen Unter- suchungshaft stehe. Der Angeklagte habe mehr als 8� Wochen in Untersuchungshaft gesessen und seine Familie habe in der Zeit geradezu hungern müssen. Die Strafkammer verurteilte Schlappert wegen Beleidigung zu dreißig Mark Geld st rase. In der Urteilsbegründüng wurde ausgeführt, daß das Gericht die Beleidigung als geringfügig angesehen habe. Von einer Drohung oder Nötigung im Sinne deS§ 158 der Gewerbeordnung könne keine Rede sein. Der gegenwärtige Prozeß dürfte der letzte Skekkprozeß aus dem Bergarbeiterstreik des Jahres 1912 sein. Er billig eine würdige Krönung der Streikjustiz im Ruhrrevier. 8V2 Wochen Untersuchungshaft— Urteil 80 M. Geldstrafe l Dem Minister zur Kenntnis. Auf Zeche„Teutoburgia" in Herne geriet ein achtzehnjähriger Schlepper zwischen Förderkovb und Schachtznnmerung und wurde getötet. Auf der Grube„Moni Cenis" kam ein Steiger unter nachstürzende Kohlenmassen und erstickte. Das sind zwei Vorfälle, die sich tagtäglich ereignen Und bei der größten Vorsicht als Zufallsunglück mit den Gefahren des Berg. mannsberufs hingenommen werden müssen. In beiden Fällen sind aber die Umstände der Unfälle äußerst kennzeichnend. Der ver- unglücktc Schlepper war erst vor vier Wochen von der Provinz Posen eingewandert und wurde mit der gefahrvollen Beschäftigung eines Abnehmers an einem Aufbruchschacht beschäftigt wo« allein, ohne jede Siufficht arbettgfc. Wie lam 5er SkciHer 5afu;' er Kniffe 5och, Sog Hc Gefahr so außerordentlich groß war??!un, der Bctricbsführer ivar am Tage vorher angefahren und hatte den Steiger angeschiiauzt: Tie und Ihr ganzes Revier schläft w»hl?I Wenn Sie morgen nicht mehr Kohlen liefern» jage ich Sic aus dem Loch raus! .. Tas wäre geschehen l Schon einmal ivar dem Steiger das Revier abgenommen; das zweite Mal war die Kündigung— der Verlust der Existenz— zu erwarten. Er ging deshalb eher in den Tod, als daß er als Familienvater seine Arbeit verlor.— Tas sind die Ursachen so vieler Unfälle im Bergbau. Ter verunglückte Steiger tnar in einen Rollkastcn gestiegen. Tas ist ein trichtcrariigcs Aufhauen, indem die Kohlen oben hinein- gestürzt und unten ausgeladen werden. Es kommt nun vor, daß sich die Kohlen festsetzen. Um sie nun loszulösen, werden sie mit einem langen Holz von oben losgestoßen, oder es werden von unten Sprengpatronen eingelegt und zur Entzündung gebracht. Welche Gefahren das mit stch bringt, läßt sich ahnen. Es genügt oft schon das leiseste Berühren und die Kohlenmassen begraben den Tollkühnen unter sich. So war es auch hier. Der Steiger hatte bereits einzelne Arbeiter aufgefordert, aber diese lehnten das Ansinnen ab. Da stieg er selbst hinein und wollte die Patronen anbringen; aber kauni hatte er die Kohlenmasie berührt, als sie nachstürzte und den Steiger unter sich begrub. Aber wie sagte doch der Minister im Landtage bei der Jntcr- pcllation des Unglücks auf„Minister Achenbach"? Meinte er nicht, es würde kein fremder Arbeiter sofort ohne Aussicht an gefahr- vollen Betriebspunkten beschäftigt, und erklärte er nicht, die Un- fälle ständen mit der Antreibern in keinem Zusammenhang? AuS de« Jimungsschiedsgericht. Ein Hausdiener klagte gestern gegen den Hotelier S a e g e r, früher Lehrervereinshaus, auf Zahlung von 183,50 M. Der Kläger hotte von den im Hotel wohnenden Gästen die Logisgelder zu kassieren, mußte aber täglich den vollen Betrag abliefern. Ein Ingenieur H. blieb längere Zeit im Rückstand. Auf Betreiben di?? Klägers nahm dieser Gast Rück'prache mit dem Besitzer. Da auf diese nichts weiter erfolgte, der Beklagte insbesondere seinem An- gestellten nicht sagte, er dürfe dem säumigen Zahler nicht länger kreditieren, nahm er an. letzterer dürfe auch ohne Zahlung vorläufig noch wohnen bleiben. Täglich führte er den entsprechenden Betrag aus seiner Tasche ab, bis dann der Gast eines Tages verschwand� ohne seine Schuld in obiger Höhe zu begleichen. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß der Kläger dem Gast Kredit gewährt habe, weil er täglich den schuldigen Betrag an die Hotelkasse abführte. Er müßte demnach gegen den Gast klagbar vorgehen. Aus diesem Grunde erfolgte Klageabweisung. Daß der Kläger LogiZgelder, die nicht an ihn abgeführt waren, aus eigener Tasche zahlte, ist eine verwunderliche Tatsache, die die Klageabweisung erklärlich macht. Versammlungen. Der Verband der Frisrurgehilfen lZweigverein Berlin und Vor- orte), hielt dieser Tage seine Jahresversammlung ab. Der gedruckt vorliegende Jahresbericht wurde durch durch B u m b l a t t und L i e r e erläutert. Die an und für sich ungünstigen Berufsverhältnisse sind durch die herrschende Wirtschaftskrise noch verschärft worden. Infolge- dessen ist auch die EntWickelung des Zweigvercins nicht zufrieden- stellend. Die Zahl der Vollzahler ist von 62, ö auf 87 Proz. gestiegen. Die im Berichtsjahre eingeleitete Bezirkseinteilung muß noch aus- gebaut werden. Die Vermittelungstäligkeit stieg von 11 713 auf 11 802 Fälle. Allein 11 615 der vermittelten Stellen waren Aushilfsstellen. Arbeitslos waren am Anfang des Jahres 127 Mitglieder, im Laufe des Jahres traten dazu 664, mithin wurden insgesamt 691 arbeits- lose Mitglieder gezählt. Im Vorjahre waren es 896. Die durch- schnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit betrug 6 Monate. Die Erwcrbsloseiiunterstützung betrug 2373,30 M. Die Tariflommisfion hatte 22 Beschwerden und 21 Verstöße gegen de» Tarifbertrag zu erledigen. 192 abgeschlosiene Verträge find durch Aufgabe des Ge- schäfts oder Verzug nach anderen Orten erledigt, so' daß zurzeit 800 Tarifabkommen bestehen. Die Zwangsinnung Tempekhof nahm ihre in Baumschulenweg wohnenden Mitglieder Wege» der Veröffent« lichung in der Bewilligungsliste in Strafe. Dagegen ist Einspruch erhoben worden. Das Ergebnis steht noch aus. Lohndifferenzen kamen 32 vor. die in 39 Fällen durch Verhandlung beigelegt werden konnten. Wegen Maßregelung kam es bei der Firma Arndt, Berg- mannstraße 112, zu einem mehrwöchigen aber resultatlosen Streik. Mit sieben Vereinen ist ein Kartell gebildet worden, in dem durch Abhaltung regelmäßiger Sitzungen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Berufsangehörigen beraten und vertreten werden sollen. Auch die Erreichung des Ächtuhr-Ladenfchlusfes gehört zu den Aufgaben dcS Kartells. Die eingerichtete Fachschule erfreut sich eines regen Besuches. Die Einnahme der Lokalkoffe betrug einschließlich des Kassenbestandes am Anfang des Jahres 8919,94 M., die Ausgabe 3691,46 M., so daß ein Kasienbestand von 4699,48 M. verbleibt. Die Einnahme der Hauptkasse betrug 9231,86 M., welche sämtlich abgeführt werden konnten. Der Mitgliederbestand betrug am Anfang des Jahres 636, neu aufgenommen wurden 214, zugereist sind 78, insgesamt sind das 878. Abgemeldet haben sich 66, ausgetreten sind 7, ausgeschlossen 299. Mithin verblieben am Jahresschluß 697 Mitglieder. In den Vorstand wurden Bosch, Kuchmann, Malus chke, Schulze, Schmidt und PeterS gewählt. LSttternngsübersich» vom S4. Februar 1914. ytrtfWiftffl öwinemde. damburg Berlin » Ü ß- = 2 »= ä= i| 74SSO 747« 747© Franks. a.M{ 747|®D München 748 SSO Wien �747jSO Oetttt 1 4NcbeI 2 Regen Lbcdcckt I Dunst 1 wolkig 2!NebeI WK di *11 i* M» »tatUmeo *g S &=■ zaparanda 763 BeteräBurg 768 D SV Scilly Aberdecn Paris 743!NW 7441® 744,3© S Stört ** i Nebel Dunst halbbd. heiter 1> bedeckt -19 -12 6 6 4 Wetterprognose für Mittwoch, den 25. Februar 1914. Etwas kühler, vorwiegend neblig oder wolkig bei ziemlich[tischen lichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. öst» Schwärze und blnue Anziige Cheviot Kammgarn-Cheviot, Tuch- Ke r gam, CorKscrcw, Melfon-Cheviot Ja nach Qual fat M. 11.- 15.- 17.- 20.- 30.- 3©.- 40.- 45.- Prüfung$~ Anzüge modernste Stoffe, große Farben- u. Musterauswahl M. lO.- 14.- 16.- 21.- 20.- 31.- 35.- 36.- 40.- ...KSefcrmmi xrelawert iininiiiiiiDiniiiiiiiüu Oberhemden, Kragen, Sen/Keurs Manschetten, Handschuhe, Hüte, Kravaöen, Hosenträger u. s. v. 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