Ar. 56« Bbonncmenfs-Bedlngimg«; BSonncmcnlä- PreiZ prämlmermda: »ierteljährl. 3.M MI, monatl. 1,10 MI, wöcheilllich 28 Pfg. frei ins Hans. Einzelne Nummer S Pfg, Eomitags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue SBcll* 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl vro Monat, Emgetragen in die Posl-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2Ä> Marl, für das übrige Ausland 4 Marl vro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien, Dänemarl Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rutaöniea Schweden und die Schi»«, 31. Jahrg. Die Tnfcpflons-GebOljr betrügt für die sechsgespaltene Kolanel- zeile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins» und Versammlungs-Anzeige» 30 Pfg. „KUinc Hnirigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. t zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan» zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch» [toben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwn ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. vtäetat lZgllch, Verlinev Volkesbl�kk. Telegramm- Adresse: �oÄZlttiwoüttl Berlirt Zcntralorgan der rozialdcmohratifchcn parte» Deutfchlands. Redahtion: 8Äl. 68, Ltndcnstraeac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 198?. Donnerstag, den Ä6. Februar 1314. 6xpedttion: SCQ. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Nr. 1981. Oer Zoll Stoecker. ES hat un Dezember vorigen Jahres weit über die Sozialdemokratie hinaus Aufsehen eregt, als bekannt wurde, daß dem Genossen Walter Stoecker in Köln wegen seiner agitatorischen Betätigung für die Sozialdemokratie die Berechtigung zum einjährig-sreiwilligen Dienst entzogen worden ist. Die Angelegenheit hat auch zu einer Anfrage im Deutschen Reichstage geführt, die von den Genossen Heinrich Schulz und H 0 f r i ch t e r an den Kriegsminister gerichtet wurde. Der Vertreter des Ministers hat damals eine hin- haltende Antwort gegeben, jetzt aber ist die Ungesetzlichkeit durch ein Dokument gekrönt worden, das die Unterschrift von stoei preußisch-n Ministern trägt. Das Schriftstück lautet: Kriegsministerium Rr. 86/14. e A 9 beä ß. SR Nr. V. 4ÜS des M. d. I. Berit« 18. 66, de» 18 Kebruar 1914 Leipziger Straß« 6. Wir find nicht m der Lage, die Entscheidung der Ersatz. behörde dritter Instanz in Koblenz, durch die Ihnen die Be- rechtigung zum einjährig. freiwilligen Dienst entzogen worden ist, abzuändern, weil die Art Ihrer agitatorischen Betätigung im staatsfeindlichen Sinne nach dem Ergebnis der angestellten Ermittelungen, die nach§ 16 des Wehrgesetzes für den einjährig-freiwilligen Dienst nötige moralische Quali-[ fikation Ihnen zuzusprechen nicht gestattet. Ihre an das Kriegsministerium gerichtet» Beschwerde vom( 25. Septeniber 1913 und dessen Vorbehalt vom 13. Dezember 1913> Nr. 767/11, 13. A 9 II. Aug. finden hierdurch ihre Erledigung.> Die Minister des Innern: des Krieges: Dallwitz.* Aalkenhapn berr» Walter Stoecker- Köln-Deutz. Zur Vorgeschickte sei demertt. daß Stoecker sich mehrere Jahre m der freien Jugendbewegung an führender Stelle be- tätigte und dann etwa ein Jahr als Berichterstatter in der Redaktion der„Rheinischen Zeitung" tätig war. Im ver- gangcnen Sommer erhielt er die Mitteilung, daß ihm von der unteren Ersatzbehörde(Aushebungsbezirk Köln) die B e- rechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst entzogen, Morden sei..und er sich also im ordentlichen AushebungSverfahren zu stellen habe. Da keinerlei Gründe für diese Maßregel angegeben waren. wandte sich Stoecker an die Ersatzkommission mit der Bitte um nähere Auskunft. Nach acht Wochen bekam er durch den Polizeikommissar seines Bezirks die mündliche Nachricht, daß ihm der Berechtigungsschein entzogen worden sei wegen seiner Betätigung in der Sozialdemokratie. Zugleich wurde aus den 8 93 der Wehrordnung in Verbindung mit einer Verfügung der zuständigen Ministerialinstanzen vom 31. Mai 1895 hin- gewiesen, aus denen sich die Entziehung begründen lasse. Der § 93 der Wehrordnung gibt der Ersatzbehörde das Recht, jemand den Berechtigungsschein zu entziehen, wenn er be- straft ist. ferner aber auch bei Nichtbestrafung, wenn der Betreffende beim Eintritt in den Dienst nicht mehr über die nötige moralische Quali- f i k a t i 0 n verfügt. Tie Kölner Ersatzkommission weigerte sich, Stoecker die angeführte Order von 1895 zugängig zu machen, da es sich um eine geheime dienstliche Verfügung handele. Ein unterer Be- amter der Kommission sagte ihm dabei, daß jene Verfügung den Begriff der moralischen Qualifikation in bezug auf die agitatorische Tätigkeit in der Sozialdemokratie näher er- läutere. Jetzt liegt also die Entscheidung der höchsten Instanzen vor. An dieser ist neu, daß Stoecker die moralische Qualifikation zum einjährig-freiwilligen Dienst nicht mehr durch seine sozialdemokratische Betätigung schlechthin ver- loren hat. sondern durch die„A r t seiner agitatorischen Be- tätigung im staatsfeindlichen Sinne". Dadurch wird die im- erhörte Herausforderung, die sich zwei Junkerminister der Sozialdemokratie gegenüber erlauben, nicht besser und nicht gesetzlicher, denn die A r t der Stoeckcrschen Agitation hat sich niemals in' ungesetzlichen Bahnen bewegt. Genosse StoeckeMst wegen seiner Agitation nie mit einer Strafe belegt worden, hat überhaupt in seinem ganzen bisherigen Leben noch nicht einnial die gering st e Polizei strafe erlitten. Man geht wohl nicht fehl, wenn mit der Art der agitatorischen Betätigung d i e Arbeit für die freie Jugendbewegung ge- meint ist. Der Schluß ist schon deshalb zulässig, weil ja auch der F a l l D ü w e l l sich durch die Betätigung Düwells in der freien Jugendbewegung entwickelt hat. Im Falle Düwell konnte die Regierung aber noch einen kümmerlichen Schein des Rechts für sich in Anspruch nehmen, weil der junge Düwell eine kleine Geldstrafe erhalten hat. Bei dem völlig unbestraften und unbescholtenen Genossen Stoecker steht aber die nackte brutale Ungesetzlich- keit vor aus! Vergleiche liegen nahe. Bonner Borussen und sonstige feidal, Studenten, die ihre Jugend m alkobosischen und sexuellen Orgien zubringen, verlieren nicht nur nicht die' Qualifikation zum einjährig-freiwilligen Dienst, sondern bleiben würdig, als Offiziere den dreimal heiligen Rock des Königs zu tragen und zu den höchsten Stellen im Staate auf- zurücken. Ein junger abstinenter Sozialdemokrat, der seine Jugendjahre mit der Agitation gegen den Alkohol, gegen die Schundliteratur und andere Jugendfeinde zubringt, der die jungen Arbeiter zu Wanderungen hinausführt oder sich auf dem Sportplatz mit ihnen himmelt, soll wegen der Art dieser Betätigung moralisch minderwertig geworden sein. Es gehört die ganze Unverfrorenheit der preußischen Junkerregierung dazu, eine solche Ungeheuerlichkeit zu stützen und zu decken. Das preußische Volk wird, soweit es überhaupt noch zu einem rechtlichen Denken fähig ist. diesen Herrschaften selbst die moralische und sonstige Qualifikation absprechen, derartige Verfügungen zu erlassen! Der Fall Stoecker wird ja ohne Zweifel die Parlamente noch ernstlich beschäftigen. Es wird sich zeigen, ob das Zentrum und die Liberalen auch diese junkerliche Anmaßung verteidigen werden. In der nationalliberalen„Kölnischen Zeiwng" ist allerdings neulich schon ein genialer Ausweg für die Zukunft gefunden worden. Das Blatt schlug vor, man solle die Fassung der betreffenden Bestimmung im Wehrgesetz dahin ändern, daß in der Person des Betreffenden die Hinderungsgründe für den einjährig-freiwilligen Dienst lägen. Dann brauche man nicht mehr das Verletzende der Ab- erkennung der nötigen moralischen Qualifikation. Stoecker wird sich nun an diesem Donnerstag bei der allgemeinen Musterung dem Vaterlande zu stellen haben. Wir sind gespannt darauf, ob der moralisch minderwertige junge Mann dach noch ehrenhaft genug sein wird, dem Könige den Eid der Treue zu leisten und gegebenenfalls sein Blut für ein Vaterland zu verspritzen, dessen Regierung ihn mit solchen Beleidigungen regaliert hat. Ein öerliner Polizeiagent. Gege» den Streikbrecher- und Polizei- agenten Keiling begann gestern vor dem Sckstvur- gericht in Leitmeritz die Verhandlung wegen Ermordung des Maschinenmeisters Solinger. Einen ausführlichen Bericht unsere Leser an einer anderen Stelle des Blattes. Dieser Vertrauensmann der Arbeitgeber und, wie die Verhandlung abermals ergab, der Berliner Polizei, ist— abgesehen von anderen Verurteilungen— von den Gerichten in Berlin, Hamburg. Hannover und Stade wegen der gröblichsten Vergehen und Verbrechen zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteift, so wegen Kuppelei, wegen Hehlerei, 5mal wegen Betruges, 4mal wegen D i e b st a h l s. Als Nebenstrafen hat er insgesamt vier- zehn Jahre Ehrverlust erhalten und ist unter Polizeiaufsicht gestellt. Die Strafen hat dieser brave Mann fteilich nicht alle absitzen brauchen: er ist, wie er erklärte, wiederhast begnadigt, denn er ist eine brauchbare Stütze der herrschenden Klaffen, ein feiner Vertrauensmann der Polizei wie des Arbeitgeberschutzverbandes. Er wohnte in Berlin im Hause eines Polizeireviers und stand ständig im Dienste der Polizei, die ihm, wie er erklärte,„bei jedem Streik die Aufgabe zuweist, die Unruhestifter zu ermitteln". Seine letzte Strafe hat er im Jahre 1912 als Polizei- a g e n t wegen Nötigung erhalten, verübt durch Knebelung eines Unschuldigen, Vergeblich suchte neulich im Ab- geordnetenhause der P 0 l i z e i m i n i st e r v. Dallwitz diesen Ehrenmann von den Rockschößen der Polizei abzuschütteln. Er, der unter Polizeiaufsicht Gestellte, steht bei der Polizei in Akkordarbeit, nicht minder beim Arbeitgeberver- band. Auf Fragen des Vertreters der Nebenklügerin, des Advokaten Knöpflmacher, erklärte Keiling: er stehe in einem festen Vertrag mit dem Arbeitgeber- schutzverband in Bexlin. Nach diesem Ver- trage erhält er für die Ver Mittelung jedes Arbeitswilligen 20 Mark. Nehmen die Arbeits- willigen die Arbeit nicht auf, so erhalte er nichts und müsse die Auslagen aus seiner Tasche selbst bezahlen. Die Furcht, seine Provision zu verlieren, meinte treffend Dr. Knöpft- macher, erklärt die Aufregung, daß ein Arbeitswilliger ihm abspenstig gemacht werden könnte. Ter Angeklagte suchte erst Notwehr geltend zu machen, ließ diesen Einwand aber fallen, als er sah, daß es mit dieser Lüge nichts sei, weil die Obduktion ergeben hatte, daß aus eine Entfernung von mindestens 60 Zentimeter geschossen war. Er meinte dann, die Waffe sei ohne sein Zutun los- gegangen. Nach den übereinstimmenden Aussagen der Zeu- gen. auch des Arbeitswilligen Hinz, den Keiling gedungen hatte, sowi� des Polizeiwachtmeisters, war der Vorgang so: Schon auf dem Wege von Bodenbach nach Tetschen erklärte Keiling, er werde jeden niederschießen, wer sich ihm nähere. In Tetschen traten Buchdrucker höflich an Hinz heran mit der Bitte, die Arbeit nicht aufzunehmen, da gestreikt werde. Keiling zog darauf seinen Revolver, drohte zu schießen und schoß darauf den Maschinenmeister Sollinger tot. Die Verhandlung wird wohl heute beendet werden. Es kann kaum zweifelhaft sem,_ daß der Mörder verurteilt wer- den wird, da Leitmeritz nicht in Deutschland liegt. Leider können nicht auch die Personen als Helfershelfer des Mordbuben aus die Anklagebank in Leitmeritz kommen, die das gemeingefähr- liche Gewerbe dieses Agenten der Polizei und des Arbeitgeber- Verbandes durch Geld und in anderer Weise unterstützten. Diese Mordbubensorte Keiling ist es, zu deren„Schutz" die Konservativen die Erdrosselung des Koalitionsrechts der Arbeiter verlangen. Ein netter Schutzheiligerl Noch nettere Schutzpatrone! die weiße Salbe auf Zeche Minister Achenbach. Die Darstellung von den Verhältnissen auf der Zeche Achenbach, die der Handelsminister bei der Besprechung der Interpellation im preußischen Landtage gab, war geeignet, den Anschein zu erwecken, als ob auf dieser Zeche allgemein alles in bester Ordnung gewesen wäre. Besonders der Hinweis, daß der lönigliche Einfahrer bei seiner Jnspeltion am 3. Januar.alle» in Ordnung' geftlnden, und daß der Sicherheilsmann seit Juli vorigen Jahres nichts zu monieren gefunden, namentlich keine Schlagwetter festgestellt habe, muh in der Laienwelt zu der Auffasiung führen, als ob im allgemeinen tatsächlich in ficherheitspolizeilicher Hinsicht kaum etwas versäumt worden sei. Diese Annahme wird in der neuesten Nummer der.Berg» albeiler-Zeitung' als irrig nachgewiesen, und zwar in viel bündigerer Weise, als es bereits gelegentlich der parlamentari- scheu Besprechung und in der Presse geschehen konnte. Die Ver« öfsentlicbungen der.Bergarbeiler-Zeitung' sind eine solch wichtige Ergänzung zur Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse im Bergbau und zur Kritik des gegenwärtigen Sicherheilsmännersystems, daß sie die Beachtung der breiteren Oeffcntlichkeit verdienen. Die»Berg» arbeiter-Zeitung' veröffentlicht zunächst einige Eintragungen eines SicherheitSmannes ins sogenannte Fahrtenbuch. Dort heißt eS unterm 14. September l919: Flöz 17, iüdl. Ouerichlag. 36 Meter Lutten zurück.— Flöz 16. 1. westl. Bremsberg, Teilsohle. Bergerolle. 7 Meter Lutten zurück. — Flöz l7. kcilsohle, östl. Ueberhau, 8 Meter Lutten und 80 Meier Berie'elungsleilung zurück. � Flöz 16, sämtliche lleber« hauen bis zur 2. Sohl« ennprechen nicht den bergpolizeilicheu Vorschriften.— Flöz 17, 8. Sohle, östl. Pfeiler, oben in der Firste Schlagwetter. Je nun, das ist schon lange her und ist geWitz auch behoben worden, könnte der Laie einwenden. Aber hören wir nur, was die Folge der pflichtgemäßen Eintragung war. Wir meinen für den Sicherheitsmann. Darüber heißt es in der.B.-Z.' .Die Arbeit aber wurde am andern Tage gestundet und der Sicherheitsmann in einen Stoßbaubetrieb veriegt, wo das Gedinge so niedrig gesetzt wurde, daß sich sein Bruder, der mit ihm zwanzig Jahre zusammen gearbeitet hatte, sofort weg» meldete.' Es wird weiter berichtet, daß der Sicherheitsmann Stange hielt, sich aber wegen des miserablen Gedinges, das man ihm gesetzt, beschwerte. Zwar nicht ohne Erfolg, jedoch habe der Betriebsführer es fich nicht versagen können, bei dieser Gelegenheit zu sagen:»Es ärgert mich bloß, daß Sie für andere den Kopf ins Loch halten; wenn Sie Nutzen davon hätten, ließe ich mir daS«noch gefallen.' Schlagwetter stellte dieser Sicherheitsmann auch bei der Be» fahrung am 23. September 1916 fest, wie aus dem Fahrbuch zu ersehen ist. Und zwar in Flöz 17, 3. Sohle, östlicher Pfeiler u»b in Flöz 16, östliche Abteilung; an beiden Stellen in der Firste.— Am 8. Oktober 1910 wurde dem Sicherheitsmann das Befahren eines Bremsberges vom Steiger wie vom Betriebssührer unter» sagt. Es bedurfte erst einer Beschwerde beim Oberbergamt. Bei der alsdann erfolgten Befahrung hat der Steiger dem Sicherheits- mann Vorhaltungen gemacht, wie er so dumm sein könne, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Bei dieser Gelegenheit, so berichtet die.B.-Z.' weiter, sträubte der Steiger sich auch, einen bestimmten Betriebspunkt mit zu befahren. Als der Sicherheitsmann darauf bestand, hieß es:»S'e suche n wohl was gegen mich?'— Und siehe, in dem fraglichen Ouerschlag stellte der Sicherheitsmann etwa 26 Meter Schlagwetter in der Firste fest. Desgleichen in einem anderen Ouerschlag I— Die fblgende Szene, die in der .B.-Z.' geschildert wird, ist so charakteristisch, auch für die Beantwortung der Frage, weshalb viele festgestellten Unregelmäßig- leiten nicbt ins Fahrtenbuch eingetragen werden, daß wir die Stelle wörtlich zitieren möchten: „Der Steiger fiel bald auf den Rücken, warf Stock und Lampe weg und rief: Woher wiffen Sie denn alles, ich stehe vor einem Räliel; wenn ich wüßte, daß Sie heimlich kontrolliert hätten. würde ich Sie beim Betriebssührer melden und Sie bekämen unwiderruflich die Abkehr!— Der Sicherheitsmann sagte daraus ruhig, daß er sich nicht ins Bockshorn jagen lasse, sondern nur seine Pflicht tue. Darauf würbe der Steiger wieder klein und sagte: Legen Sie doch diese Sachen an die Seite, Sie stehen sich viel besser; der Betriebssührer und alle sind Ihnen gut gesonnen. Und dann denken Sie auch an meinen Beruf; lvir Steiger können auch nicht, wie wir wollen.— Der Sicherheitsmann erwiderte: Ich will nicht zum doppellen Lumpen werden, ich will auch meinen Kameraden frei ins Auge schauen können. Der Steiger aber ließ nicht nach und bat: Dann tragen Sie doch wenigstens die Schlagwetter nicht ein. Ich will sofort Ordnung schaffen lassen.— Nach langem Hin- und Herreden ließ der Sicherheitsmann sich erweichen und nahm von der Eintragung der Schlagwetter Abstand..." 4 Noch eine Reihe späterer Feststellungen von erheblichen Schlag- wetteraniammlungen und daraus resultierender Unannehmlichkeiten für den Sicherheitsmann werden in der.B.-Z.' geschildert. Der Märzstnik 1912 gab Willkomm«» Gelegenheü, d» gewiss«»« haften SIcherhettSmanner z» entlassen. Nirgends im Geviet bekamen sie Arbeit; sie mußten ins elsäs fische Kalirevier auswandern. So werden die Sicherheitsmänner zu weißer Salbe zerrieben I Um öas Koalitionsrecht. Ei« Arbeitgeber bestraft. Der seltene Fall, daß ein Arbeitgeber wegen Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbeordnung bestraft wird, ist aus Tilsit zu registrieren, freilich ist die Strafart und die Strafhöhe außerordentlich milde ausgefallen. In Tilsit schloß sich im vorigen Jahre während der Aussperrung der Maler, der Malermeister A u g u st a t dem Arbeitgeber- verbände nicht an. Das rief unter seinen Kollegen Entrüstung hervor. Als ihn der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes, Maler« m e i st e r Weber, während des Kampfes gegen die Gesellen auf der Straße traf, erhielt er von dem Herrn Vorsitzenden einen S t o«ß mit dem Ellenbogen, daß er taumelte, die Hilfe der Aerzte in Anspruch nehmen mußte und längere Zeit arbeit S- unfähig war. Obwohl hier ein klarer Verstoß gegen Z 153 der Gewerbeordnung vorliegt, wurde Herr Weber, der Vorsitzende der Arbcitergeberorganisation, vom Schöffengericht nur zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Dieses erstaunlich gelinde Urteil wurde auch von der Strafkammer bestätigt. Wieviele Monate Gefängnis hätte wohl ein Arbeiter er- halten, der in dieser Weise„terrorisierte". Auch wenn er einen Arbeitswilligen nur wörtlich beleidigt hätte, wäre die Strafe der Art und der Höhe nach anders ausgefallen. Weshalb? Weil das Koalitionsrecht der Arbeiter für diese unentbehrlich ist oder weil der gemißhandelte Arbeitgeber die berechtigten Forderungen der Arbeiter anerkannt hatte? Aber, nein— das wäre ja klare Klassenjustiz I Warum also? Weil der Angeklagte ein Arbeit g e b e r war? politische Ueberflcht. Reichseisenbahnamt. Aus dem Reichstag, 25. Februar: Der Etat des Reichseisenbahnamts ist beileibe nicht zu verwechseln mit dem Etat der Reichseisenbahnen. Das mußte der nationalliberale Prinz Schoo naich-Carolath heute zu seinem Schaden erfahren, der wacker seine Ansichten über die Reichseisenbahnen auszupacken begann und, vom Präsidenten auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht, betrübt das Feld räumte. Desto sattel- fester und beschlagener zeigte sich Genosse H a s e n z a h l, der sich an der Hand konkreter Beispiele über die Betriebssicherheit der unterschiedlichen deutschen Bahnen ausließ und eine Reihe von Unfällen, abgesehen vom Versagen des Signalsicherheitsdienstes, auf die allzu ausgedehnte Arbeitszeit der Beamten zurückführte— so taten im letzten Jahre 34 Prozent des Lokomotivpersonals der hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft mehr als die zehn Stunden Dienst hintereinander, die die Dienstordnung als Höchstzeit vor- schreibt. Auch fertigte Genosse Hasenzahl den National- liberalen S ch w a b a ch gründlich ab, der bei der Beratung des Reichsamts des Innern die Fürsorge der Sozialdemo- kratie für die Eisenbahner geleugnet hatte. Herr Schwabach wußte auf diese Abfertigung nichts Positives zu erwidern und zitierte im übrigen den verstorbenen Genossen Singer, um oie von niemand bestrittene Notwendigkeit des Reichs- eisenbahnamtes zu beweisen. Der konservative v. B o e h n cklagte beweglich, daß das Rindvieh bei der Eisenbahn- besörderung mancherlei Unzuträglichkeiten zu bestehen habe. und der Volksparteiler Haas wandte sich, was auch Genosse Hasenzahl schon getan, gegen das Uebergewicht Preußens auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens. Was der Präsident des Reichseisenbahnamts W a ck e r z a p p auf die verschiedenen Klagen, Beschwerden und Anregungen zu sagen hatte, läßt sich im stenographischen Bericht des Vorjahres nachlesen. Der Zentrümler Speck machte zuletzt in Partikularismus, indem er sich gegen die Reichseisenbahngemeinschaft wandte. Zu Beginn der Sitzung erstattete Genosse Hoch Bericht über eine Anzahl Petitionen, darunter die der 500 OOO-Marl!- Spende der Richard-Wagner-Stistung. die abgelehnt wurde, und eine andere, die dartut, daß durch die Fälschung von Bohrresultaten beim Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals durch einen Beamten einem Unternehmer ein Schaden von drei Millionen Mark entstanden ist! Morgen: Weitcrberatung. Wie wäre es. Herr Kaempf? In HkldeSheim wurde dieser Tage in einer Versammlung deS Bundes der Landwirte das Paradepferd O e r t e l vorgeritten. In seiner Rede wimmelte es von sattsam bekannten Späßchen und Mätzchen, auch die Sammlungsschalmei ertönte zwischendrein, und gegen die Sozialdemokratie wurde— wie könnt' es anders seinl— mit schwerem Geschütz losgebollert. Besonderes Interesse hat dabei nur folgende Stelle der Oerie lschen Rede: „Es gibt einige Sozialdemokraten, die bereiten ihre Angriffe gegen den Kaiser so hämisch vor, so niederträchtig und ekelhaft, daß der R e i ch s t a g s p r ä s i d e n t keine formelle Möglichkeit zum Einschreiten findet. Ich verdenke es ihm dennoch, daß er nicht einschreitet. Er sollte es darauf an- kommen lassen. Wenn ihn der Reichstag nicht unterstützt, sv würde das zur Klärung beitragen.(Sehr richtig!>* Echt Oertell Echt konservativ I Wie hier dem Reichstags- Präsidenten nahegelegt wird, ohne rechtlichen Grund gegen die Sozialdemokraten mit Ordnungsrufen zu wüten, also seine Amts- gewalt gröblich zu mißbrauchen, so schreien unsere Junker auch herzhast danach, daß die Richter wider Recht und Gesetz,„im Interesse der Staatsnotwendigkeiten" Sozialdemokraten auf gut Glück verurteilen, und so jubeln sie einem Oberst zu, der wider Recht und Gesetz mißliebige Bürger in den Pandurenkeller sperrt. Ueberall trampeln sie alles geschriebene und ungeschriebene Recht brutal zu Boden. Das Tragische aber ist, daß diese Aufforderung zum Rechtsbruch an einen Präsidenten gerichtet wird, der wahrhaftig an reaktionärer Parteilichkeit nichts mehr zu wünschen übrig läßt und der längst mit seinen verfrühten, verspäteten und un- berechtigten Ordnungsrufen den gefährlichen Fluch der Lächerlichkeit auf sein Haupt herabgerufen hat. Aber Dank vom Hause O ld en- bürg? Herr Kaempf wird wehmütigen Blicks den Bericht über Oert eis Rede beiseitelegen: Ich habe schon so viel für Dich getan, daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt I Sinkende Reichseinnahmen. Die schlechte Konjunktur macht sich auch bei den Reichseinnahmen bemerkbar, man rechnet mit einem Ausfall von etwa 20 Millionen Mark gegenüber dem Etatsansatz. Bei der Spannung des Etats ist eine solche Mindereinnahme von er- heblicher Bedeutung. Die Ausgaben sind gemacht, und es muß nun für Deckung gesorgt werden. Die Schuld an diesem Resultat trägt hauptsächlich die Mehrheit des Reichstages, die zur Deckung der laufenden Ausgaben aus Anlaß der letzten Heeresvorlage einfach einzelne Etatstitel erhöht hat und damit Einnahmen schuf, die von vornherein nur auf dem Papier standen. So hat man die Einnahmen aus den Zöllen einfach um 18 Millionen Mark höher angesetzt; tatsächlich haben aber die Getreidezölle allein— infolge der ungünstigen Ernte— eine Mindereinnahme von 40 Millionen Mark gebracht. Auch der Stempel auf Wertpapiere lieferte statt der angesetzten 11 Millionen nur 5 Millionen Mark. Mehreinnahmen brachten die Zuckersteuer mit 16. die Zigarettensteuer mit 5, die Brau- steuer mit 6, die Salzsteuer mit 3 Millionen Mark. Trotzdem bleibt ein Defizit von 20 Millionen Mark, das sich noch vergrößert, falls, wie zu erwarten ist, bei den Ausgaben erhebliche Ueberschreitungen vorgekommen sind. Ei« ultramontanes Märchen. Die„Nordd. Allg. Ztg." bringt an der Spitze ihrer letzten Nummer folgende Notiz: „Unter Bezugnahme auf Verhandlungen, die im Laufe der letzten Wochen von der Reichsfinanzverwaltung mit Vertretern aller größeren Parteien des Reichstags über die Umgestaltung ver in den Kommissionsbeschlüssen vorgesehenen Organisation für die zu errichtende VertriebSgesellickiafl mit Leuchtöl stattgefunden haben, glaubt eine parlamentarische Zuschrift an die„Köln. Volks- zeitung" vom 21. d.M. den Abschluß eines Kompromisses zwischen der Regierung und der sozialdemokratischen Partei mitteilen zu können, durch welches sich die Regierung für ein Entgegenkommen gegen sozialdemokratische Wünsche hinsichtlich einer obligatorischen Organisation der Petroleumarbeiter und Angestellten das Ein- Verständnis dieser Partei mit einer Verteuerung des Leuchtöls zu- gunsten der Reichskasse verschaffe. Diese Mitteilung wie die daran geknüpfte Betrachtung entbehrt jeder tatsächlichen Unterlage." Wir verstehen nicht recht, warum die„Nordd. Allgemeine Zeitung" das schöne Märchen der„Köln. Volksztg." formell und offiziell dementiert; denn kein vernünftiger Mensch dürfte das alberne Geschwätz des Kölner Blattes ernst genommen haben. peukerts Memoiren. Ii. Peukerts Tugend»nd die Korruption beim Züricher Unterstütznngsfonds. In Zürich saß zur Zeit des Sozialistengesetzes auch die Ver- ".'altung des Unterstützungsfonds für die im Ausland befindlichen .l!pfer des Sozialistengesetzes. Als die Gegensätze zur Mostschen Freiheit" immer schärfer in Erscheinung traten, hatte Most schon d80 in der„Freiheit" erst die Parole ausgegeben, nach Zürich eine Gelder mehr zu senden; später aber ging er noch so weit, er Sammlung von Unterstützungsgeldern überhaupt zu wider- 'prechen, weil das der revolutionären Gesinnung zuwiderlaufe .md der Revolutionierung der Köpfe hinderlich sei. Ende 1880 war Peukert aus Paris ausgewiesen worden. Er am nach Basel, erfocht dort natürlich sofort riesige Erfolge über :e„Züricher", dann ging er nach Zürich, um„Einblick in daS Gebaren der dortigen Führer zu gewinnen und über die mannig- ach gemachten Beschuldigungen über mißbräuchliche Verwendung ..es Untcrstützungsfonds sich ein eigenes Urteil zu bilden." Echt acukertisch schreibt er: „M a n behauptete, daß sehr bedürftige, gemaßregelte Genossen abgewiesen werden, weil sie mit der revolutionären 'Richtung sympathisierten, während andere— Günstlinge der Führer— überreichlich bedacht würden." Man behauptete! Also muß Herr Peukert, der Wahrheit?- Fanatiker, dem Drachan Korruption auf den Leib rücken. Er geht mach dem Bureau des„Sozialdemokrat" in Hottingen, woselbst ch nur Herrn Obrist von der„Arbeiterstimmc" antreffe." Herr Obrist ist zwar niemals im Bureau des„Sozialdemokrat" .ätig gewesen, sondern— Herr Peukert war in der Expedition >cr„Ärbeiterstimme" in der Casinostratze gewesen; das Bureau ocs„Sozialdemokrat" befand sich am oberen Wolfbach. Aber Herr Peukert muß im Bureau des„Sozialdemokrat" gewesen inn, sonst hätte ja die Notiz ihren Zweck verfehlt. Herr Obrist, der natürlich mit dem Unterstützungsfonds nichts zu tun hat, be- stellt Herrn Peukert auf nachmittags 3 Uhr. Denn wer nicht als Genosse bekannt ist, kommt nicht nach dem oberen Wolfbach. Und iwn phantasiert Peukert: „Punkt 8 Uhr fand ich die ganze illustre Gesellschaft des sozialdemokratischen Hauptquartiers anwesend: Vollmar, Motteier, Bernstein, Herter, Obrist, Bürkli, Kautsky, Schlvartzin- ger und drei bis vier andere, deren Namen mir unbekannt waren." Daran knüpft Peukert eine dramatische Szene, eine Art Ver- hör in Frage- und Antwortform, das er„wortgetreue Wieder- gäbe" nennt und innerhalb dessen Verlauf er— das unschuldige Lämmlein— von dem ach! so brutalen und ach! so hochmütigen Genossen Bernstein fürchterlich mißhandelt worden sei, weil dieser ihm— und mit allem Recht— ins Gesicht gesagt habe, daß er nichts zu beanspruchen habe. Es ist möglich, daß Peukert in Hottingen Unterstützung bean- sprucht hat; wahrscheinlich ist es, daß er abgewiesen worden ist, weil es ein Stück Unverschämtheit war, von den„Zürichern", die er bekämpfte und verleumdete, Unterstützung zu beanspruchen, nachdem die„Freiheit" aufgefordert hatte, keine Gelder mehr nach Zürich zu senden, und weil in der Tat von den Mostianern auch schon seit langem kein Pfennig mehr geschickt wurde. Alles andere ist frech erlogen. Niemals haben„Herter, Obrist, Bürkli, Kautsky, Schwartzinger und drei bis vier andere" mit der Verwaltung des Unterftützungsfonds etwas zu tun gehabt. niemals hat man sie zu derartigen Sitzungen herangezogen— und nun gar Peukerts wegen, im Jahre 18801 Damals war Peukert wirklich noch nicht s o„gefürchtet", wie er— sich später einbildete. « An einer anderen Stelle seines Buches(S. 66) schwelgt Peukert in der Erinnerung eines großen Sieges, den er in einer Versammlung in Basel erfochten hatte.„Von den»Zürichern" waren Vollmar, Bernstein, Bürkli, Seubert, Herter, Gutsmann als Redner da, welchen ich von unserer Seite allein gegenüber- stand." Das war ein Falftaffiieg. Denn diese Versamm- lung in Basel hat niemals stattgesunden. Einmal war solche Verschwendung von Redekräften auch damals nicht üb- lich, dann war Herter überhaupt kein Redner. Bürkli trat niema.s in solchen öffentlichen Versammlungen als Redner auf, mischte sich grundsätzlich in diesen Kamps nicht ein, und Bernstein ist niemals in Basel dem Peukert entgegengetreten, weder allein noch in solch „illustrer Gesellschaft". «* * Eine nichtswürdigere Verleumdung Peukerts. „Als Reinsdorf in Gemeinschaft mit Genossen Werner (1880) nach Berlin ging, um dort eine geheime Druckerei ein- zurichten, stand im Züricher„Sozialdemokrat", Reinsdorf sei in Berlin,„um im Auftrage der Polizei ein Tvnamitattentat aus- zuführen. Die Genossen sollen sich in acht nehmen". TaS ge- nügte natürlich der Polizei, Reinsdorf zu verhaften, den ganzen Plan zu vereiteln, ihn monatelang wegen Dynamiterei in Unter- sucbungshaft zu halten und auf den„Schub" zu bringen." So schreibt Landauers„Ehrenmann" Peukert auf Seite 202. Mau beachte: Peukert ziriert unter AnsührungSpeicheu, so daß jeder Schirm«nn» S Rüchzug. SXtcn erinnert sich, daß vor 14 Tagen Professor Schirm ann m der.Kreuzzeitung" für die d e u t s ch- e n g l i s ch e Allianz eintrat, durch die alle Schwierigkeiten der europäischen wie der Weltpolitik in die Bahnen ruhiger und gedeihlicher Entwickclung gelenkt werden könnten. Um dieses Bündnis zu erreichen, bedürfe es nichts als eines starken Willens, der sich über persönliche Eitel- keits- und Empfindlichkeitsfragen hinwegsetzen könne. Diese Ausführungen des Kreuzgeitungs-Rundschauers erregten bei seinen eigenen politischen Freunden peinliches Aussehen, nicht nur um des Zieles willen, das hier aufgestellt wurde, sondern vor allem wegen der unumwundenen Feststellung, daß die Fortdauer der europäischen Unruhe nur an dem Fehlen des guten Willens bei den Regierungen liege. Auf ernsthafte Vorstellungen, die in dieser Beziehung dem Pro- fessor Schiemann gemacht worden find, darf wohl der Kommentar zurückgeführt werden, den er in seiner neuesten Rundschau seinen Betrachtungen folgen läßt. Heute versichert er, seine Worte hätten sich nur an die englische Adresse gerichtet. Die europäische Rüstungsrivalität bestehe, solange als England nicht deutlich zu verstehen gebe, daß Ruhland und Frankreich bei einem Krieg mit Deutschland auf seine Unterstützung nicht zu rechnen hätten. „An die Herren Asquith, Churchill, Grey war mein Appell gerichtet. Ich glaube allerdings, daß das allen englischen In- teressen ins Gesicht schlagende russisch-englische Abkommen von 1907 zu einer Prestigefrage seines Urhebers geworden ist, ganz wie ich glaube, daß die Vermehrung der englischen Flotte ins Ungemessene und Unbegrenzte eine Frage des empfindlichen Ehrgeizes des ersten Lords der Admiralität geworden ist. Das eine wie das andere müßte bei klarer und nüchterner Beurtei- lung der Verhältnisse von den Irrwegen abführen, die eingeschla- gen worden sind." Nun werden die konservativen Rüswngspatrioten wohl wieder beruhigt sein, aber die Ruhe ist auf Kosten des öffentlichen Ruf? des Herrn Schiemann hergestellt, der vor vierzehn Tagen nicht mit einem Wort zu verstehen gegeben hat, daß seine tadelnde Ermah- nung sich nur an die englischen und nicht auch an die deutschen Staatsmänner richte, sondern ausdrücklich davon sprach, daß ein Teil dem andern die Schuld gebe. Die gefüllte Kompottschüffel. Das ehemalige Scherlblatt ist bekanntlich unter amtlicher Mit» Wirkung durch die Dynastie Krupp saniert worden. Kein Wunder, daß es jetzt nach seiner Umwandlung in ein halb der Regierung, halb der Kanonensirma dienstbar gemachtes Organ der Volks- Verblödung womöglich noch törichtere Artikel bringt, als früher. Wessen es fähig ist, beweist ein Artikel über den Geburtenrückgang, in dem es heißt: „Die Lage der arbeitenden Klasse hat sich gegen frühere Zeiten unendlich gebessert, die Löhne haben sich ver- vielfacht, für Zeiten von Krankheit, Unfall, Invalidität ist durch Verficberuug gesorgt worden; von der Wiege bis zum Grabe sorgt der Staat für das Wohl der Angehörigen dieser B e v ö l k e r u n g s s ch i ch t e n auf Kosten aller anderen. Wie steht es dagegen mit den zahllosen Beamten, Offizieren, den kleineren Unternehmern jeder Art? Ihre Einnahmen find weitaus nickt in dem Verhältnis ge- stiegen wie die Arbeiterlöhne. Welcher Offizier, welcher mittlere Beamte, der über kein eigenes Vermögen verfügt, ist heute über- Haupt noch in der Lage, eine Familie zu gründen? Heiraten kann nur noch aus diesen Kreisen, wer selbst reich ist oder eine reiche Frau findet." Dem Schlaraffendasein de? Proletariat« wird also hier da« Jammerlos von Offizieren und mittleren Beamten(gemeint find dabei, wie fich aus dem ferneren Inhalt des Artikels ergibt. Richter, Lehrer höherer Lehranstalten uiw.) entgegengestellt. Diese Aermsten erreichen ja auch nur ein Höchstgehalt von 7200 Mk. und einen Wohnungsgeldzuschuß von 1200 Mk., so daß sie ja nur 4—5 mal so viel zu verzehren haben, wie der best gestellte, großstädtische Ar» beiter oder zehn mal soviel, wie viele Millionen Arbeiter» samilien! Daß es selbst m Berlin unzählige Arbeiter gibt, die aus bitterster Not auf Familienzuwachs verzichten müssen, beweisen uns zahlreiche Zuschriften. So schreibt uns ein Schuhmacher, daß er sich für 22—25 Mk. Lohn die Woche plagen muß und es durch Heimarbeit am Feierabend auf 27—28 Mk. die Woche bringt. Seine Ausgaben aber belaufen sich trotz aller Sparsamkeit auf 31 M. die Woche, obwohl er nur selten ins Wirtshaus kommt, überhaupt äußerst solide ist und nur ein Kind befitzt. So muß denn die Frau, trotzdem sie schwächlich ist, mitverdienen helfen. Aber auch so reicht der Verdienst der beiden Ehegatten nur gerade zur dürftigsten Lebenshaltung, so daß„wir nicht mehr Kinder haben Leser glauben muß, es handle sich um ein wörtliches Zitat au« dem„Sozialdemokrat". Die ganze Behauptung istvon A bis Z erlogen; das Zitat ist von Peukert frei erfunden I Aber nein, es ist etwas Wahres daran. In Nr. 47 des„Sozialdemokrat" vom 21. November 1880 stand eine Korrespondenz aus London, welche sich mit dem Spitzel N e u m a n n, dem Intimus von Most, beschäftigte. Weiter wird von dem Schwindel berichtet, den Most, Reinsdorf und Fleuron-Petersen mit der Visitenkarte des Nihilisten Hartmann getrieben, indem sie Nachrichten über den russischen Flüchtling in englische Zeitungen lancierten und dafür 30 Pfund Sterling ernteten.„Dies Geld sollte als Reisegeld für Reinsdorf und Fleuron dienen, um in Deutschland ein Attentat in Szene zu setzen, das, nach dem Ausspruche des Herrn Most, der deutschen Sozialdemokratie den Gar- aus machen sollte." Und unmittelbar darauf folgte die Bemerkung, daß die Herren augenscheinlich nicht die Courage, ja wahrscheinlich nicht einmal die ernstliche Absicht besahen; man habe sich anscheinend mit Drohbriefen an gewisse Persönlichkeiten begnügt, worauf teilweise die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes über Friedrichsruh, Hamburg, Altona, sowie die Untersuchung des Bismarckschen Eisenbahnwagens nach Dhnamitpatronen zurückzu- führen sind.„Solche Streiche führen Buben oder Narren aus oder auch— Agents provocateurs." Die späteren Bekenntnisse des damaligen Korrespondenten der „Freiheit" und gleichzeitigen Spitzels Wichmann aus Altona an Auer gaben dann die Erklärung. Selbstverständlich wußte der„Sozialdemokrat" nichts davon, daß Reinsdorf in Deutschland sei oder gar. daß er verhastet sei. Aber in Nr, 47 der„Freiheit" vom 20. November, die wohl vier Tage vor Fertigstellung der Nr. 47 des„Sozialdemokraten" er- schien, berichtet Most, daß Reinsdorf unter dem Namen Gfeller in Berlin sich aufhielt, verhaftet und mit Hilfe der Freiburger Polizei als Reinsdorf festgestellt wurde, und bereits in Nr. 48 berichtet er, daß Reinsdorf schon seit 10 Wochen sich im Gesang- n i S b e s i n d e. Dieser Tatbestand ist gegenüber den Verleumdungen der „Freiheit" und der„Autonomie" wiederholt vom„Sozialdemokrat" festgestellt worden, mit dem ausdrücklichen Himveis, daß die Ber- öffentlichung erst erfolgt sei, nachdem der Wierteingeweihte» Neumann, als Spitzel entlarvt worden—» also für die Polizei überhaupt nichts mehr zu enthüllen war. Dreißig Jahre später wiederholt der„Ehrenmann" Peukert diese Verleumdung und lügt dazu:„das genügte der Polizei. Reinsdorf zu verhaften", obgleich er wußte, daß Reinsdorf zehn Wochen vor der Veröffentlichung dieses Spitzelattentat-Berichts im , Sozia idemaffat" verhaftet und daß Reinsdorf niemals wegen fBnneir*, arte eS w der Zuschrift heiftt, ,s» lieb auch meine Frmr' Kinder hat'. Und, so fügt der Brieffckiretber hinzu,.ich bin über- zeugt, daß es vielen anderen nicht besser geht'. Und da wehklagt das Organ des KanonenmultimMonärs, daß ein armer Teufel von Offizier oder Richter nur dann zur ehelichen Fortpflanzung schreiten könne, wenn es ihm gelingt, einen Goldfisch zu angeln I_ Tas Instrument der Agrarier. Die Agrarier wollen nichts vom Parlamentarismus wissen. Di« Regierung hat über den Parteien zu stehen und sich den Teufel um den Willen der Mehrheit des Volkes und des Reichstages zu kümmern. Wenn die Volksvertretung nicht so will wie sie, wenn oas Parlament der Regierung keine„Grundlage für eine gedeihliche Führung der Reichsgeschäfte' bietet, und ihr„Schwierigkeiten macht', dann löst man auf und jagt die Erwählten des Volkes zum Teufel. Noch am Sonntag konnten wir diese staatsrechtliche Auffassung von der„Deutschen Tageszeitung' vertreten sehen. Am Montag aber tagte eine Sobranje des Bundes dex Landwirte in Hildesheim, in der nach dem einleitenden„Gebet' des Herrn Oertel, Die» derich Hahn das Wort ergriff, um über die Schwäche Beth- manns zu schelten, der die Dinge gehen lasse und darauf verzichte, die.Freunde der vaterländischen Arbeit' zum Kampf für die höchsten Interessen zu sammeln. Hahn sprach dann von den neuen Handelsverträgen und kam zu dem Ergebnis: „Die Regierung führt nicht, sie lästt sich von der Mehrheit führen, und so werden wir. wenn wir nur einig sind, dazu kam- men müssen. Herrn von Bethmann Hollweg, falls wir noch die Ehre haben, ihn einige Jahre zu behalten, durch eine nationalwirt schastliche Mehrheit zu zwingen, einer besseren Führung zu folgen.' Gegen die„nationalwirtschaftliche Mehrheit', die, wie der Bundesführer darlegte, die wichtige Aufgabe hat, den Reichskanzler für einen Zollkrieg gegen Ruhland scharf zu machen, steht der Regierung natürlich kein Appell an das Volk zu. Wie immer! Die Enthüllungen über die ruthenischen Umtriebe der Ostmarken- vereinler, die. wie von polnischer Seite im Abgeordnetenhause dar« gelegt wurde, sogar der Regierung kein Geheimnis fem konnten, haben berechligtes Aufsehen erregt. Die Machenschaften der Tie de« mann und B ovenschen waren so ungeheuerlicher Natur, dah die Regierung alle Ursache gehabt hätte, die staatsgefährlichen Um- triebe in der schärfsten Form zu verurteilen und vom Ostmarken- verein ostentativ abzurücken. Statt dessen begnügte sie sich mit einigen fadenscheinigen Ausreden und überließ es dem Abgeordneten v. Kardorff, den blamierten Ostmarkenverein dadurch herauszupauken, dah er sich über den Beamten des Ostmarkenvereins, einen unter« geordneten, schlecht bezahlten Registrator, moralisch entrüstete, durch den die Skandaloso der Ostmarkenvereinler ans Tageslicht gekommen waren. Nachdem von polnischer Seite die jammervolle Heuchelei dieser täppischen Taktik gebührend ge« brandmarkt worden war, hätte man eigentlich annehmen sollen, dah die Behörden ihre Aufmerksamkeit nunmehr wenigstens dem gemein- gefährlichen Treiben des Oslmarkenvereins zuwenden würden, statt den abschreckenden Spuren des Herrn von Kardorff zu folgen. Aber davon hört man nichts, wohl aber behelligt man die polnischen Blätter mit Haussuchungen, um zu ermjtteln, auf.welchen Westen die Enthüllungen an die Oeffentl'chkeit gelangt sind. Melder doch das Wolffiche Bureau: Posen, 25. Februar. Gemäß einem Beschluß« des köniy- lichen Amtsgerichts auf Grund Ersuchens der Staatsanwalt- schaff hat die hiesige Kriminalpolizei heute morgen zwischen 7 und 8 Uhr in den Redaktionen des.Dziennik Pos- nansii' und des„Kurjer Posnanski' sowie in den Wohnungen der Verleger, der Redakteure und des technischen Personals dieser beiden Zeitungen, insgesamt an etwa 50 Stelle», Haussuchungen vorgenommen in Sachen der bekannten Enthüllungen betreffend das Verhältnis des O st markenvereins zu den galizischen Ruihenen. Ucber das Ergebnis der Haussuchungen ist noch nichts bekannt. Vermutlich wird das Ergebnis gleich Null sein, was auch der Staatsanwalt hätte voraussehen können. Aber so wird es bei uns gemacht. Nicht die Entlarvten kriegt man bei uns am Kragen, sondern diejenigen, die sich das Verdienst der Entlarvung erworben haben I dieser Affäre in Untersuchung genommen worden war, und ob- gleich Peukert wissen muhte, daß die Verhaftung Reinsdorfs»n Teutschland auf den Spitzel Neumann zurückzuführen war, der jä zu der Zeit noch der Vertrauensmann Mösts war und blieb, trotzdem ihn Freunde und seine eigene Frau vor Neumann ge- warnt hatten. Als Reinsdorf aus dem Gefängnis entlassen wurde, tonnte er sich ruhig in Leipzig aufhalten und ungehindert« Deutsch- land durchreisen. » Im Anschluß daran noch eine Verleumdung des Landauer« schen.Ehrenmannes' gegen Liebknecht. Reinsdorf ward später— am 7. Februar 1885— wegen des Riederwald-„Attentatcs' hingerichtet, das in unseren Reihen als Polizeimache aufgefaßt worden war. Seite 202 schreibt nun Peukert: .Den Vogel dieser Gemeinheit aber schoß Liebknecht ab, als er am Vorabend vor der Hinrichtung Reinsdorfs in einer seiner Reden von der Reichstagötribüne herab erklärte: Er habe.die untrüglichsten Beweise, Reinsdorf sei eine Kreatur und im Solde der Reaktion'. Man beachte auch hier_ wieder: Peukert zitiert unter An- führungsstrichen, erweckt also den Anschein, daß ein wörtliches Zitat aus einer Rede Liebknechts vorliege. Liebknecht hat am Vorabend der Hinrichtung überhaupt im Reichs- tage nicht gesprochen. Die ganze Behauptung PeukertS-st wiederum von Sl bis Z erlogen. Aber— und das unterschlägt Peukert— Liebknecht hat in Nr. 1 des.Sozialdemokraten" vom 1. Januar 1835 in einem Artikel über den.Dynamitprozeß ReinS- dorf und Genopen' wörtlich geschrieben: „Zunächst sei eine Art Ehrenpflicht erfüllt, iirdem ich feststelle, daß der Prozeß die gegen Reinsdorf erhobene ■Beschuldigung, daß er Agent der Polizei sei, nicht alö wahr tomesen hat. Im Gegenteil � sie haben— meiner Uebcrzeugung nach— ihn nach dieser Richtung hin ge- reinigt." Peukert schreibt un Anschluß an diese Verleumdung gegen Liebknecht: „Möge man alle nur denkbaren Erklärungsgründe für solche Handlungsweise in Betracht ziehen, persönlichen und Parteihaß, Aufregung, Leidenschaftlichkeit, Einseitigkeit oder selbst Rache- gefühl, kurz alleS. was den Menschen zum Unrechttun verleitet, aber für solche perfide, systematisch betriebene Niedertracht wird man vergebens nach einer Entschuldigung oder. Rechtfertigung suchen.' Dieses Urteil PeukertS— über Peukert soll stehen- bleiben. Glaubt nicht auch Herr Landauer, daß sein.Ehrenmann' sich damit selbst am besten charakterisiert hat? Richard ALschex, Rrtstfl t» lvmrd der Audnstrtellm. Der Plan zur Gründung einer Deutschen Gesellschast für Welt- Handel hat sich, wie wir schon an anderer Stelle ausführten, als ein Versuch entpuppt, den B u n d der I n d u st r i e l l e n vor den Wagen des Zentralverbandes Deutscher In- dustrieller zu spannen. Bisher gingen beide Organisationen in zollpolitischen Fragen auseinander, weil der Bund die Fertig« sabrikatindustri«, der Zentralverband die Schwerindustrie lRohstoff« industrie) verlritt. Die.Frankfurter Zeitung' schreibt diese Wendung den Treibereien des Syndikus des Bundes Dr. S tresemann zu: .Bei der Errichtung der Welthandelsgesellschaft sollten Zentralverband und Bund der Industriellen zusammengehen. Nach außen betonte man dabei narürlich stark die Gleichberechtigung und die Unabhängigkeil der beiden Verbände. Aber sakrisch be» deutele es die Unterwerfung des Bundes unter den Zentralverband: in dem Augenblick, in dem der leitende Kopf des Bundes sDr. Stresemann)' das hohe Einkommen eines Vor- standsmitgliedes der Wellhandelsgesellschast, zu einem erheblichen Teil aus den Mitteln des Zentralverbandes und seiner Mitglieder, annahm, hörte der Bund auf, dem Zentralverband ein ernsthafter Gegner zu sein. Das mußte Herr Dr. Stresemann wissen? er hat trotzdem unter Benutzung seiner Stellung im Bunde seine persönlichen Ziele, die ihn immer mehr in die Nähe des Zentral- Verbandes führten, weiter verfolgt. Man erinnert sich jetzt der von Dr. Stresemann in Szene ge- setzten Attion des Jndustrierates des Hansabundes zum Schutze der A r b e i s w r l l i g e n, die den Hansabund in peinlicher Weise präjudizierte, die aber dem Zentralverband zweifellos sehr wohl gefiel. Man erinnert sich vieler anderer Dinge, vor allem aber auch des seltsamen Verhaltens der Bundeslertunq in den Tagen, als der Zentralverband in Leipzig für das.Kartell der schaffenden Arbeit' mit dem Bunde der Landwirte öffentlich Freundschaftsbezeigungen tauschte. Damals wäre eine große Abwehraktion des Bundes der Industriellen, ein energischer Werbevorstoß gegen den Zentralverband die selb verständ- liche Forderung gewesen-, stall dessen erfolgte nichts als eine lahme Erklärung, die sich nicht einmal scheute, er- neut den Wunsch nach einem Zusammengehen der beiden Verbände auszusprechen. Es ist klar: in der Leitung des Bundes der Industriellen hat sich in den letzten Jahren, und speziell seit Herr Dr. Stresemann in den letzten Wahlen sein Reichstagsmandat eingebüßt hatte, in allen wichttgen Fragen eine Schwenkung nach rechts vollzogen: wirtschastspolitisch, sozial- politisch, und in der Führung der Organisattonsarbeit, hat man sich dem Zentralverbande genähert, sich ihm mehr oder minder deutlich dirett angeboten. Was sich jetzt bei der Vorbereitung der Welthandels- Gesellschaft abgespielt hat, da? ist nur das Glied einer Kette, die schon seit langem und innner fester um den Bund der Jndusttiellen gelegt worden ist.' Die Annäherung beider Verbände mag gewiß zu einem guten Teil das persönliche Werk des Dr. Stresemann sein. Die weiteren Klagen der.Frkf. Ztg.' darüber, daß der Bund an dem Mangel einer straffen Organisation verfällt, zeigen eher, daß die Annäberung in der Entwicklüngslinie des heutigen imperialistisch orientierten UuternehnrertumS liegt._ Eutlaffuttg der Witwe Hamm. Die Interpellationen in der Sache der wegen angeblichen Gattenmordes zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilten Witwe Hamm im Abgeordnetenhause und im Reichstag haben ihren Zweck erreicht und das beantragte Wiederaufnahme- verfahren in rascheren Fluß gebracht. Ist doch die Witwe Hamm am Mitttvoch aus dem Zuchthause in Siegburg ent- lassen und die Wiederaufnahme des Versahrens von der ersten Strafkammer des Elberfelder Landgerichts angeordnet worden. Offenbar hat die Nachprüfung der in den Parlamenten, namentlich von sozialdemokratischer Seite vorgebrachten Tat- fachen das Ergebnis gehabt, auch in den Richtern die ernstesten Bedenken gegen die Richtigkett des Urteils zu er- wecken.— Die Verurteilte hat bereits sechs Jahre ihrer Strafe verbüßt._ Frankreich. Die Altersversicherung der Bergleute. Paris, 25. Februar. Die Kammer verhandelte heute über de» vom Senat an die Kammer zurückgelangten Gesetzentwurf betreffend die AI ters Versicherung für Bergarbeiter. I a u r e S erklärte, daß man dem Entwurf zustimmen müsse, wenn er auch unvollkommen sei, denn er sichere sofort eine Pension, die zwischen 600 und 700 Francs betrage. Die streikenden Berg- l e u t e möchten noch in Erwägung ziehen, daß sie von heute an ein Pensionsminimum von 600 Francs erhielten und bald die Ge- nugtuung haben würden, eine Pension von 720 Francs zu erreichen. Hierauf wurde die Generaldebatte geschlossen. Der Mi- nister der öffentlichen Arbeiten sagte zu> daß er den Senat bitten werde, das Gesetz auf die Arbeiter in den Schieferbrüchen und in den Erzgruben auszudehnen. Die Kammer lehnte im weiteren Verlaufe der Sitzung einen von dem Minister bekämpften AbänderungSantrag ab, der die Altersrente auf 730 Francs im Minimum festfetzen wollte. Das Altersversicherungsgesetz angenommeu. Paris, 25. Februar. Die Kammer hat das Gesetz über eine selbständige Pensions lasse für die Bergarbeiter einstimmig ange- nommen. Cnglanü. Der Kampf um Homerule. London, 24. Februar. Unterhaus. Gegenüber der von den Unionisten eingebrachten Resolution, welche die uwvevweilte Vorlegung der Abänderungsvorschläge der Regierung zu der Ho» m e r u l e b i l l forderte, wiederholte ZffS q u i t h seine Darlegung der Gründe, welche die Regierung veranlaßt hätten, die Initiative zu ergreifen und Vorschläge zu machen, erklärte jedoch, die Re- gierung sei nicht mit einer belagerten Garnison zu vergleichen, die in eine unhaltbare Stellung gedrängt, ohne Hilfsmittel und mit erschöpfter Munition kämpfe.(Ironisches Bei- fall bei der Opposition.) Weder vom politischen Gesichtsvnnkt noch im Hinblick auf die Wahlen habe die Regierung Anlaß, um Was- fenstillstand zu bitten oder gar hie weiße Flagge zu hissen; sie wolle eine große Sache nicht in der elften Stunde verraten.(Beifall bei der Regierungspartei.) Asquith versicherte, die Vorschläge der Regierung würden bei der zweiten Lesung zur Homerulebill bekanntgegeben werden, und zwar noch vor Ostern. Norwegen. Die Budgetdebatte. DaS norwegische Parlament hat vergangene Woche die General- debatle zum Etat erledigt. wobei eS zu Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und dem Vorsitzenden der Budgetkommission kam. Dieser tadelre die Regierung wegen der Steigerung der Aus- gaben, eine an sich weniger bedeutende Sache, weil man weiß, daß der gleiche Abgeordneie zu denen gehört, die bei Rüstungsvorlagen außerordentlich bewilligungösreudig ist. All«» eise besondere So- teatntg«rlftev Me Debatte durch da««ntMedene Eingreifen unserer Parteigenossen, die die Regierung daran erinnerten, daß sie gewisse Verpflichtungen bezüglich der Zollgesetzgebung ein- gegangen ist, von deren Erfüllung man nichts mehr hört. Im weiteren wiesen unsere Genossen auf die Notwendigkeit hin, das ganze Budget auf eine Grundlage zu stellen. Durch Aufhebung der indirekten Steuern und Zölle und Ausbau dcS direkten Steuersystems würde das Budget viel leichter zu finanzieren sein- Dazu käme als ertragreichste Einnahmequelle die staatliche Aus« nützung der Wasserkräfte des Landes, deren Werte unermeßlich find und deren Jahreserträge in viele Millionen gehen würden. Anstatt aber hier einzugreifen, liefert die Regierung die Wasserkräfte dem Privatkapital aus, wodurch große Verluste für den Staat ent- stehen. Eine weitere Forderung unserer Genossen, die entsprechende An- träge bereits eingebracht haben, will die Verstaatlichung der Lebens- und Volksversicherung durchgeführt sehen. Die norwegischen Gesellschaften erzielen einen Jahresgewinn von 8 bis 10 Millionen Kronen bei einer Prämieneinnahme von gegen 80 Millionen Kronen. Hier könne der Staat eine neue Einnahme« quelle schaffen.— Die Regierungsvertreter zeigte» weuig Lust, diese« Forderunge» nachzukommen. Rußlanö. Das Lockspitzelregime. Die ffu vvrigeA Herbst eingebrachte sozialdemokratische Inte« pellatto» über die Agentin der Geheimpolizei Katharina Schor. nikowa, die im Auftrage der.Ochrana' den infamen Hochverratspro zetz gegen die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten Duma„vorbereitet' hat, ist nach heftigem Kampfe in der Duma- kommission angenommen worden. Den Anlaß für diese In- terpellation bot bekanntlich die im vorigen Sommer erfolgte Frei- sprechung der Spionin, deren Lockspitzeltätigkeit von dem höchsten russischen Gerichtshof, dem Senat, als nicht strafbar qualifiziert wurde. Die in diesem Prozeß amtlich bestätigte Teilnahme einer bezahlten Agentin an den Vorbereitungen zur„Hochverrats« Affäre', der 37 Genoffen aus der sozialdemokratischen Frakttou zum Opfer gefallen sind, AWang die Dumakommisfion, deren Mehr- heit sich stets schützend vor alle Scheußlichkeiten der Regierung auf- stellt, die sozialdemokratische Interpellation anzunehmen. Allerdings suchte die Kommission den Eindruck dieser Abstimmung abzuschwächen, indem sie den zweiten Teil der Interpellation verwarf« der auf den Zusammenhang Mischen der Lockspitzeltätigkeit der Geheimpolizei und der Verurteilung der sozialdemokratischen Ab- geordneten hinweist. Aber dieser Trick, der daS Wiederaufnahmeverfahren im Prozeß unserer unschuldig verurteilten Genosse« verhindern soll, wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht abhalten, den Kampf um die Rehabilitierung und Befreiung ihrer gefangenen Abgeordneten fortzuführen. In das aus Lug und Trug ge- sponnene Anklagematenal der Lockspitzelregierung sind m den letz- ten Jahren schon genugsam Breschen geschlagen worden. Die letzte Abstimmung der Dumakommisfion ist ein neuer Erfolg, der unsere Genossen in der Duma und im Lande anfeuern wird, den Kampf gegen die Justizmörder mit verdoppelter Kraft weiter zu ßüh,«». Rumänien. Die Wählen. Bukarest, 25. Februar. Die Wahlen zur Deputierte» kammer sind gestern abend beendet worden. Gewählt st»td> 169 Liberale, 10 konservativ« Demokraten, 9 Konservativ«, 2 Nationalisten uud ein Unabhängiger. Letzte Nachrichten. Ei« Gewaltakt der Berliner Polizei. Gestern abend um 9 Uhr erschien eine Anzahl Krrmdm!- beamte und Politische auf der vom Verein Studie- render aus Rußland einberufenen und ordnungs- gemäß angemeldeten Versammlung im„Thiergartenhof", in der der bekannte russische Schriftsteller A. Lunatscharsky aus Paris einen Vortrag über:„Die Krisisdergcgen- wärtigen Kunst und Emil Verhaeren" halten sollte. Vom Vortragstisch weg wurde der Referent aus der Versammlung fortgeholt und unter starker Bedeckung nach dem Polizeipräsidium geschafft, wo er als verhaftet er- klärt wurde. Noch am Montag, den 23. d. M., hatte er in dem gleichen Lokal. einen stark besuchten Vortrag über„Die russische Literatur und Maxim Gorki" gehalten, ohne daß dadurch der preußische Staat ins Wanken gekommen war. Der gestrige Vortrag jedoch wurde ohne jede gesetzliche Handhabe in schroffer Weise verhindert, angeblich weil der Polizei Zweifel über die Legitimation des Vortragenden aufgestiegen waren. Es half nichts, daß der Referent einen französischen Paß und seine amtlich beglaubigte Journalisten- karte vorwies. Der Vortrag sollte eben aus irgendwelchen Gründen verhindert werden, und so war denn jeder Vorwand gut genug, um die Vergewaltigung perfekt zu machen. Amtliche Rechtfertigung des Kreisdirektors Mahl. Braunschwcig, 25. Februar. Dem Kreisdirektor Mahl voa Zaber» ist, wie der„Braunschweigischen Landeszeitung' telegra- phiert wird, am 24. Februar von dem reichsländischen Ministerium bekannt gegeben worden, daß das auf seinen Antrag am 28. De- zember eingeleitete Disziplinarverfahren wegen deS behaupteten VersagenS der Zivilbehörden im Falle Forstner gegen ihn keinerlei Beweise für eine fahrlässige oder wissentliche Unterlassung von Amtshandlungen ergeben habe. Bor der Auflösung des schwedischen Reichstags. Stockholm, 25. Februar.(W. T. B.) Am Schluß der heutige« Sitzung der Zweiten Kammer erklärte der Ministerpräsident in Beantwortung einer Interpellation des Sozialisten Palmstierna, daß die Auflösung des Reichstages bald nach Ablauf dieser Woche zu erwarten sei. Die politische Verfolgungsjustiz in Rußland. Rabom(Russisch-Polen), 25. Februar.(W. T. B.) Der Appel. lationsgerichtshof hat von 11 wegen der Mitgliedschaft bei der sozialdemokratischen polnisch-littauischcn-Organisation Angeklagten einen zu sechsjähriger, einen zu vierjähriger Zwangsarbeit, siebe» znr Zwandsansicdelung verurteilt und zwei freigesprochen. Bier Kinder verbrannt. St. Galleu, 25. Februar. Beim Brande eines Wohnhauses im Dorf Eruetwil käme» vier Schulkinder ums Leb«, Jeiwngs AusgallesteUe« und Juseraten-Aunal/me. �eotl-ui»: Albert Hahnisch, Rckerstr. 174, am Koppcnplatz. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. L. Wahlkreis: W.: Gust. Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: L. und SV.: Gustav Schmidt, Gncisenauftr. 7L. Geöffnet von g— 2 und von 4—7 Uhr. 8. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: O ften: Robert Sengelä, Gr. Frantsurteritr. 120. Geöffnet von S— 2 und von 4— 7 Uhr.— Richard H a cke 1 b u I ch, Petersburgerplatz 4(Laden). Geöffnet von 3—2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis, S fi d o ft e n: Paul Böhm, Lausttzerpiatz l4/1S. Geöffnet von 9- 2 und von 4— 7 Uhr. 6. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuellirchftr. 12(Hos). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 0. Wahlkreis(ffloablt): Solomon I o se v h. Wilhelmshaven« Straße 43. Geöffnet von 3— 2 und von 4—7 Uhr. W etlding; I. Hönisch. Müllerstr. 34» Ecke Utrecht« Str.. Lade» Geöffnet von 3— 2 und von 4— 7 Uhr. Bosenthaler und Oranienbnrger Vorstadt: A. Wolgast, Wattstrage 3. Geöffnet von 3—2 und von 4—7 Uhr. tzxesaadbraaaea: F i> ch er, Bastianstr. 6, Laden. Geöffliet von 3— 2 und von 4— 7 Uhr. Mehtfnhanser Vorstadt: Karl MarS, Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 3—2 und von 4— 7 Uhr. 4dleishok: Karl Schwarzlose, BiSmarckstr. 23. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Alt-Glienicke: Wilhelm Dürre, üöpentcker Str. 6. Raamschnlenwee: H. Hornig, Marienthaler Str. Ii, I. B ernan. Köntgental, Zepernick. Schünow, Schon brück und Bach: Heinrich Brase, Mühlenitr. ö. Laden. Bohnsdori, k'alkenbergx und Falkenhorst: Paul G e n s ch, Bohnsdorf, GenoffenschastShaus.Paradies'. Dbarlottenbnrx: Gustav Echarnderg, Sesenheim« Sir. 1. Oe« öffnet von 3— 2 und von 4— 7 Uhr. Elchwalde, ütchniOckwlta: Oskar Mahle, Studenrauchstr. S«. Erkner, Zlen-Zittan: EmilJwang, Scharnweberstr. 10. Fredersdorl-Petershajren, Eggersdorf: S. H ö s e t b a r t h, PcterShagen. Eriedena», Stegllt», Südende, Gr«,S- Eiehterfelde, Eankwits: H. B e r n I e e, Alsenstr. S in Steglitz. Geöffnet von 11— 1'|, und von 4'/,— 7 Uhr. Friedrichshagcn, Eichten an, Rahnsdorf, Sehönelche, Kl.-Schönebeck: Ernst Werlmauu, Fried richshagen, Köpe« uicker Straße 18. Grünan: Fnm, RIets, Friedrich str. W. Johannisthal. Rndow: Max G on s ch»r, Parkstr.«. Karlshorst: Richard Kiiter. Rödelstr. 3. N. KOnigs-Wnstcrhansen, Wildau, Xiederlehnre: Friedrich B a u m a u n. BaHnHosstr. 8. Köpenick: Emi! Wißt er, ZUetzerstr. S, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Liichtenberg, Eriedrichsfelde. Hohenschönhausen: Otto S e i tel, Wartenbergstraße 1(Laden). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4'/,— 7 Uhr. Rahlsdorf, Kanlsdorf, Biesdorf: P. Heßberg, KauIS« dors, F«dinandflraße 17. Raricndorf: August Leip, Ehausseestr. 236. Hos. Rarienfelde: Emil Sei nett, Berliner Str. 114 II. Xeuenhagen, Hoppegarten: Gustav L e y, Wolterstraße. Aenkölln: M. Heinrich. Neckar str. 2, im Laden. Geöffnet von 3— 1 und von 4—7 Uhr; Neukölln. Britz: Rohr, Siegsriedstraße 28/29 Geöffnet von 7— 1 und von 4— 7 Uhr. Kleder-Schöneweide: Wilhelm Unruh, Brücken str. 10, II. X owawes: Wilhelm I a p P e, Lulherstr. 2 Ober-SchOneweide; Aisred Lader, Wtlhelminenhosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, X lederncbOnhausen, Nordend, Era.-Buch- hols, Blankenburg: R i g m» u u, Mühlen str. 30. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsrah und Schönholx P. G u r f ch, Provinzslr. 56, Laden. Geöffnet o. 11— 1'/, u. 4'/,— 7 Uhr. Rnninieisbnrg, ICoxhagen, Stralaa: A. R o| c n t c a n j, All- Boxhagen 56 Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Sehenkendori d. Königs-Wuslerhausen: Chr. H a n t s ch I e, vors str. 10 Schöneberg: WUHelm Bau ml er, Marlin Lulherstr. 63, im Laden Geöffnet von 3— 2 und von 4— 7 Uhr. Spandau, Xonnendamiu, Staaken. Seegefeld und Ealkenhagen: Koppen, Lreiteslr. 64 Geöffnet von 8 Uhi morgens bis 8 Uhr abends. Vegel, Borsigwalde, Wittenau, Watdmannslust, Bern sdorf, Bol en- Nenendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf 44 est: Paul ikiena il. Borpgwalde. Räuichslrage 10. Geöffuel von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm L o u o lv, XtUoiu, Berlin« Str. 16. Tempelhof: Jod. K r» h n. Borusfiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz. ttiesholzstrage 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. W eiliensee, Heinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanftr. 106, pari Geöffnet von II— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. W iimersdorf, Baiensee, Schmargendorf: Paul Schubert. Wilhelmsaue 27. Zeuthen, Riersdorf: Ernst Hüttl� Zeuthen, Miersdorfer Str. 14 Sämlliche Partelliteratur sowie alle wiffenfchaftlicheu Werte werden geliefert Sonntags find die Ausgabestellen geschloffen. LI�iciLI� psmilleli- �ädmascdmea Llncj die vollkommensten! Neue Spezial-Apparate für den Hausgebrauch. SINGER CO. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Str, 92. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Ein II tgä�oufdgroerWidasj wljberfTaHeffen ruerfvollen Schuf z vcp f arrh talclen'Vbrräflg in allen Apo fhehen und. 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Dheatcr an der Weidcndammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Nollendorfplatz. Prinzeß Greil. Lnstipieldaus. Die spanische Fliege. Schiller<1. Die beiden Leonoren. Schiller Charlottenburg. Maschinenbauer. Theater des Westens. Polenblut. Montis Operetten. Jung-England. Berliner. Wie einst im Mai. «leines. Iettchcn Gebert. Triauo». AuatoleS Hochzeit. Tualia. Die Tangoprinzefsin. Restdenz. Hoheit— der Franz. Friedrich- Wilhelmftädtisches. Fräulein Trallala. Roie. Die Maschinenbauer. von Berlin. Kasino. Die olle Webern. Herrnseld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäien. Apollo. Hartstein, der Stolz der 3. Kompagnie. Aniang 8'/, Ubr. Luisen. Das erste Ehcjahr. Walhalla. Tangofieber. Aniang 8'/, Ubr. Neues Bolksthcater. Einakter- abend. Aniang 9 Ubr. Admiralspalaft. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. Gssport. C i n esNollendors-TH eater.Barietö- Lichtjpiele. Sternwatte. Invaliden str. b7— 62 Sdiiller-Illeater 0. (W alinor-Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Die beiden Lieonorea. Freitag, abends 8 Uhr: Andreas Hofer. Sonnabend, abends � Ubr: Das Klüek im Winkel. Schiller-Theater Charlotten barg. Donnerslag. abends 8 Ubr: Die Rasehinenbauer. Freilag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Eonnabend. nachmittags 3'/, Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Rasehinenbauer. . Uhr: König Richard III. Komödienhaus. »Uhr.„ßaMMtMM" 8 Uhr. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater a.d.Weidendammerbrücke 8 Uhr: Wer zuletzt lacht... Tkeater des Westens. s uhr- Polenblut. Eonnt. Nm. 3»/, U.: Der liebe Augustie. Friedr.-Wilhelmst Theater. Tränlein frallala. Ansang 8 Uhr. Sonntag 8 Uhr; Die Klno-KSnlgls Deutsches JJfinstlertheater Sozietät. Nürnberger StraSe 70/71, am Zoo. Kasse; Nollendorf 1383. Donnerstag. 8 Uhr: Cafard. Sonnabend, 3'), Ubr: Peterchens Rondfabrt. Sonnabend, 8 Uhr: Cafard, Theater am lolleudorrplatz 1 s uhr- Prinzeß Gretl. 8 Uhr N Uhr. Hoheit— der Fron;! Mufikatijche Grote»!« in 3 Allen von Artur LandSbcrg« und Willi Wolff. Mufil von Robert Winterberg. Morgen u. f. Tage: Hoheit- der Franzi OSE=THEATE 1 Große Frankiuner Str 132. Die Maichinenbauer von Berlin. Posse in 3 Akten(6 Bildern) von Weihrauch. Musik von A. Lang. Anfang 8 Uhr. Freitag: nie Kasobinenbauer von Berlin. Reielishallen-Theater Stettincr Sänger Zinuner No. 13. Urkomische Burleske. atafang 8 Uhr. Nächste« Sonntag nachm. 3 Uhr zu crmäß. Preisen: „Bosco". i. Die wilden Feuerfresser in ihren fanatischen Rartern. Rister Rappo, der Ausbrecherförag. ! EJV Gebend! Oboe Extra-Entres. I Deutseher Hulzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. ■■ Sonnabend, den 28. Februar, im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide 108— 114: Kostümfest Ein Volksfest in den bayerischen Alpen Bauern— Bergkraxler— Sennerinnen— Dorljugend und Berliner Perienbummler Die geehrten Festteilnehmer werden gebeten, im Kostüm oder Sommertoilette zu erscheinen 83/18 Zwei Orchester! Humoristische Aufführungen! Elntrlttskartoa s SO Pf. sind in allen ZahlsteUea, im Zigarrengeechift ron Baumann, beim Gastwirt Greiwe, Rungeetraße 30, and im Bureau au haben URANIA TaubenstraSe 48/49. 8 Uhr: Winter in der Schweiz. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Piotrowski: Erscbeinuugen des 8eelenlebens. Arbeitslose Hltglleder haben mit ihren Frauen freien Zutritt, (Verbandebuch and Arbeitelosenkarte logitimiert.) Da* Komitee. Srauerei friedrichsham Sonntag, den 1. Rürs 1914 Anfang 5 Uhr: JnbilHamsfeier des beb Festwirte Schorch Ehrngruber. Das gr. bayr. Bockliierfest 4 Kapellen— Jubiiäumsgeschenke etc. etc. Ausschneiden! Vorzeiger dieses Inserats hat nur 30 Pf. statt 50 Pf. Entree au zahlen._ Berliner:: Konzerthaus „Clou" MaueretraBe 82— ZimmerstraBe 90/91. Großes Doppel-Konzert! Musikk. Kaiser-Alexander-Garde-Gron.-Regts. Dirig Kgl. Musikdir. Brise und Tegernseer und Ziilerthaler Rnslkanten, Dirig. Hans Starp. Anfang 8 Uhr Eintritt 5© Pf. Anfang 8 Uhr Morgen: Gr. Konzerl d. Männergesangv.„Glocke" Oeer. 1873).— Dirig. Hugo Creutzburg. Neue Welt. Arnold 8cholz. Hasenheldc 108/114. Heute Donnerstag, den««. Pebruar: � Pf Elitetag!"WU Große Schweine-Braterei! Portion 90 Pf. Anfang 7 Uhr. 30 bayrische Radi. 6 Kapellen. Anschnitt 9 Uhr. Entree 30 Pf. Jeden Dienstag, Rlttwoch, Donnerstag und Sonntag: Kroßer Ball. Stadt-Cafe Str. 51-� Neukölln Berliner St'. Sl-SS Gastspiel Nur kurze Zeit! Rinaldo Ariodante Nur kurze Zeit! der musikalische Wunderknabe der jüngste Dirigent der Welt geboren am 7. Februar 1906 in Wien. Vereinigte Berliner KniHen-Theater. Täglich 8'/, Uhr: Das erwte Ehejahr. Schaust), i» 6 m. d. Ernst Ritters eldt_____ Btxanao. matLi»Utt» BWR»«entöllN. Ssttstadtttded SA. Ve riat Track».«erlag:«otwättsSuchdr. k. Berlatzkmstati Paul Singet* SW. Hicipi I Bei lue« k OntertzoJtBMm Mos Uli. Schooiann. Heute Donnerstag, d. 26. Februar, abends 7'/, Uhr; Hr. 8port- Vorstellung. Neu! O. a.: Neu! The Ursns 1 Dame, 1 Herr in ihrem phllnom, Kraft-Akt. Original Uttle Ereds Akrobat, u. kunstreit. Hunde. 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Uedems sehen will, muß sich �beeilen, da dieselben nur noch einige Tage auftreten. Hi«zu das gr. Gala-Programm. Zum Schluß: Orig. AuSstattungS-Paniomime d«S ZirfuS Busch m 5 glänz. Akten. Irianoa-Iheaier. Täglich abends 8 Ubr: 4natoies Hochzeit. CasinosTheater LoihringerJira!e37. Täglich 8 Uhr Ein neues Berliner Bolksslück: Die olle Webern. Ur-Borl. Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genrel Im Stile der alten Wallner-Bühne. Sonnt. 4 Uhr: Rädchcnchro. Berliner Prater-Thealer Kastanienallee 7— 9. DonnerSlag. den 26. Februar: Gastspiel des Voigt- Theaters. komeo und �ulia. Trauersp. in 3 Alt. v. W. Shakeipeare. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Ubr. Admiralspalast. Eis-Arena. Täglich: Die lustige?uppe. Grobes Ballett auf dem Eiso. Bm 6 Uhr und von 10*/, L br ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier- Abteilung. Berliner uortett R—— Berti umor-fl W Wntiky rI OderkergcrStrR Volksbühnen; 44'alhalla-Tlieater. 8'/, Uhr; Taugofieber. Gr. Posse tn. Ges. u. Tanz in 3 Akte, von E. Urban. Musik v. Hugo Hirs�. Ar. 58. 5L ZahrMH. 1. Keilye i>ks JotroWü" Klllim Jotolilttl AmmsKs. 26. Fkbmr MI. Gewerksthastliches. Kür öie Mappe des Reichsverbanöes. Zu dem fönst so stillen Harzstädtchen Benneckenstein ist dierzehn Tage lang große Aufregung gewesen. Der Holz- arbeiterverband hatte eine Zahlstelle gegründet, der nahezu alle Holzarbeiter beigetreten waren. Den Unternehmern paßte das nicht. Hatten sie doch auch alle Ursache dazu. Die �öhne der Tischler, Maschinenarbeiter und Hilfsarbeiter schwanken zwischen 20 und 32 Pf. Stundenlohn und zwar für erwachsene Arbeiter, die zum Teil 10—15 Jahre in den Be- trieben beschäftigt find. Der AnfangSIohn- beträgt in der Regel 20 Pf. die Stunde. Verläßt ein Arbeiter den Betrieb und hat er mittlerweile eine Zulage erhalten und fängt dann später wieder an, so bekommt er eben wieder 20 Pf. Stundenlohn. Die Unternehmer in Benneckenstein, die so sehr gerne über den Terrorismus der Arbeiter schimpfen, taten sich nun zusammen und erließen unter Führung des Herrn L o h o f f, Hauptmann der Reserve, folgenden Anschlag: .Unterzeichnete Arbeitgeber haben beschlofien: Jeder Arbeit- nehmer, der dem Holzarbeiter-Verband angehört, bezw. seinen Austritt auS demselben nicht bis Sonnabendnachmittag daraus erklärt hat, ist am Sonnabendabend um 6 Uhr entlassen/ f Kolgen 17 Unterschristen). Hand in Hand damit ging eine Hetze der Unternehmer. Die Frauen wurde« aufgesucht und zu bestimmen gesucht, ihre Männer von der Organisation fernzuhalten, jdrüppeln wurde gedroht, daß versucht würde, ihnen die Rente zu kürzen und die übrigen Unternehmer würden die Entlassenen nicht be- schäftigen. Dem Vertreter der Organisation wurde gedroht, ihn aus dem Ort zu werfen usw. Die Bürgerschaft stand vielfach aus feiten der Arbeiter; auch der Bürgermeister hatte erklärt, daß die Löhne zu niedrig seien.— Leider standen die Arbeiter nicht fest. Diesen ausgebeuteten, von der Not zer- mürbten Arbeitern fehlte die Widerstandskraft. Aber den Reichsverbändlern empfehlen wir diesen Fall zur Weiter- Verbreitung; in den Harzstädten treiben sie ja besonders ihr Wesen._ Heistin und Umgegend. Z«r Lohnbeweg»«g der Berliner Branereiarbeiter. Der Berem der Brauereien Berlins und Umgegend hatte am 14 Februar d. I. an eine Anzahl Berliner Zeitungen per Rohrpost eine Abschrist deS Schreibens gesandt, in welchem er seinen ab- lehnenden Standpunkt gegenüber der eingereichten Tarifvorlage begründet. Den Arbeiterorganisationen ging die Ablehnung erst am 15. Februar auf dem gewöhnlichen Postwege zu. Zu dieser Ablehnung nahmen die Berliner Brauereiarbeiter am Dienstag in einer außerordentlich gut besuchten Vertrauen»- männerversammlung Stellung. Der Bezirksleiter Träg er vom Brauerei- und Mühlenarb eiterverband verurteilte zunächst, daß der Verein der Brauereien sich erst au die Prefie gewendet und dann erst den Organisationen Mitteilung von seinem ablehnende» Standpunkte gemacht habe. Man habe diesen recht sonderbare» und bisher nicht üblichen Weg offenbar gewählt, um Stimmung gegen die Brauereiarbeiter � zu machen. Der Referent geht dann auf die Gründe ein, die der Verein der Brauereien für seine Haltung angibt, und führt eine ganze Anzahl Berufe sowohl als auch Orte au, in denen höhere Löhne gezahlt werden als in den Berliner Brauereien. Aehnlich so liege es mit den allgemeinen Forderungen, wie Arbeitzeitverkürznng und Urlaub. Ts stehe fest, daß in einer großen Anzahl von Brauereien, z. B. dem gesamte» Hambarger Lohngebiet, die S�stündige Arbeitszeit bestehe; ebenso, daß in der Provinz ei» viel höherer Urkstnb gewährt werde, als dies in Berlin der Fall fei. In Hunderten von Tarifen werden nach einem Jahre Beschäftigung(teilweise sogar ohne zeitliche Begrenzung) 3 Tage Urlaub gewährt; auch werde der Höchsturlaub in kürzerer Zeit erreicht. Der Berliner Urlaub sei also durchaus verbesserungsbedürftig; man habe jedoch nicht die Absicht, Ab- machungen anderer Orte heranzuziehen, sondern die örtlichen Be- dürfnisse seien ausschlaggebend gewesen. Die Forderungen des Fahrpersonals seien berechtigt, wie überhaupt die Lohnforderungen sämtlicher Gruppen lediglich den veränderten wirtschaftlichen Ver- hälwissen angepaßt seien und begründet werden können. Befremdend wirke vor allem aber die schroff ablehnende Form in der Antwort des Vereins der Brauereien. Man wolle aber noch nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern versuchen, mit dem Verein zu.verhandeln und durch Begründung der Forderungen ein anderes Resultat zu erzielen. Der Referent empfahl dann die einstimmige Annahme nachstehender Resolution: „Die in der Neuen Philharmonie versammelten Vertrauens- leute aller Organisationen der in den Brauereien Berlins und der Umgegend beschäftigten Arbeitnehmer nehmen Kenntnis von der Ablehnung des von den Organisationen an den Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend eingereichten Tarif» Vertragsentwurfes. Die Versammelten find der Meinung, daß entgegen der An- ficht deS Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend während der Dauer de» jetzt geltenden Tarifvertrages wesentliche Ver- schiebungen der wirtschaftlichen Lage zuungunsten der Arbeit- nehmer stattgefunden haben, welche eine dementsprechende Lohn- erhöhung notwendig machen. Die Versammelten erwarten, daß der Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend bei einer nochmaligen Prüfung des Entwurfes unter dem Gesichtspunkt der geltenden Teuerung und den damit verbundenen erhöhten Ausgaben für Lebensmittel und dergleichen, sowie für Invaliden- und Krankenversicherung, zu einer anderen Ansicht gelangen wird. Weiter sprechen die Versammelten die bestimmte Erwartung «rnS, daß der verein der Brauereien den Vertretern der Arbeit- nehmer Gelegenheit geben wird, in mündlicher Verhandlung die Gründe, welche die in den Brauereien beschäftigten Arbeitnehmer zur Aufstellung des eingereichten Vertragsentwurfs veranlaßt haben, klarzulegen." In der recht regen Diskussion, in der auch einige OrganisatiouS- Vertreter das Wort nahmen, wurde besonders der Weg verurteilt, den der Verein der Brauereien bei der Beantwortung der einge- reichte« Forderungen beschritten hat. Man war aber mit wenigen Ausnahmen allseitig der Meinung des Referenten, nicht i« der- selben Art und Weise zu antworten, sondern noch einmal zu der- suchen, auf friedliche Weise zu einer Verständigung und ver- Handlung zu gelangen. Ein Antrag, die Resolution wesentlich zu verschärfen, wurde abgelehnt und dann dieselbe gegen eine Stimme angenommen. Dem Verein der Brauereien ist so Gelegenheit gegeben» seine so oft betonte Friedensliebe in die Tat umzusetze» und zu verhandeln. Die Brauereiarbeiter Berlins erwarten dies; andernfalls wollen fie nicht säumen, entsprechende Maßnahmen vorzubereite». veutfches Reich. Die Tarifverträge im Bäcker-«nd 57onditorgewerk»e. Die gewerkschaftliche Organisation der Bäcker und Konditoren kann in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte in der tarif- lichen Siegelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen aufweisen. Trotz des zähen Widerstandes der Unternehmervereinigungen, die prinzi- piell Tarifabschlüsse mit der Gewerkschaft ausschalten wollen, war eS möglich, ein Fünftel aller in den Bäckereien und Konditoreien beschäftigte» Personen in ein tarifliches Vertragsverhältnis ein- zubeziehen. Auch in der Schokoladen-, Zuckerwaren., Keksindustrie bestehen gute Ansätze zum weiteren Ausbau der Tarifverträge. 1910 bestanden im Reich 134 Tarife, die sich auf 5125 Betriebe mit 13478 beschäftigten Personen erstreckten; am Schlüsse des Vor- jähre? wurden 271 Tarife für 7814 Betriebe mit 20 645 Beschäftigten gezählt. Die Zahl der Verträge hat sich in diesen vier Jahren mehr als verdoppelt, wie auch die tariftreuen Betriebe und die den Verträgen unterstellten Personen bedeutend gestiegen sind. Die in den Bäckereibetriebeu Beschäftigten stehen mit 243 Verträgen in 7757 Betrieben mit 17 991 Personen an erster Stelle. Schwache Ansätze de» Tarifgedanten» sehen wir in den Konditoreien. Hier erstreckt sich ein Vertrag auf 18 Betriebe mit 30 Personen. Di« Leb-, Honig- und Pfefferkuchenindustrie weist drei Tarife auf in 12 Betrieben für 586 Beschäftigte; in der Schokoladen- und Zucker- waremndustrie bestehen 16 Tarife in 18 Betrieben mit 1767 Be- schäftigten und die Waffel-, Keks-, Zwieback- und Oblatenindustrie nimmt mit 8 Verträgen in 9 Betrieben für 271 Beschäftigte Anteil. Der Ginfluß der Organisation auf die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen läßt sich am besten aus dem Inhalt der Verträge ermessen. Bei den Bäckern und Konditoren war es möglich, in 189 Tarifen für 16548 Personen den Kost- und Logiszwang im Hause des Untcrnehnt'ers ab- zil schaffen und die Bargeldentlohnung einzu- führen. Der durchschnittliche wöchentliche Mindestlohn beträgt bei dieser Gruppe 25,66 M. In 40 Verträgen konnte nur die Beköstigung unter Beibehaltung der Wohnung im Hanse des Unternehmers beseitigt werden. Hier beträgt das durchschnittliche Wochen lohnminimum 18,06 M. und es kommen in Betracht 1217 Personen. Kost und Logis beim Meister ist in 14 Tarifen noch bei- behalten für 162 Beschäftigte bei einem durchschnittlichen Mindest- lohn von 10 M. pro Woche, In der Schokoladen-»nd Ziickcrwarcn« industrie beträgt der durchschnittliche wöchentliche Mindestlohn 23,47 Mark bei den Arbeitern und 10,95 M. bei den Arbeiterinnen. Auch in der Verkürzung der Arbeitszeit sind durch die Tarif- abschlüsse schöne Erfolge aufzuweisen. In 85 Betrieben mit 2215 Beschäftigten ist die tägliche achtstündige Arbeitszeit durchgeführt; das sind zum weitaus größten Teil Genossenschaftsbetriebe. Die neunstündige tägliche Arbeitszeit ist in 2268 Betrieben mit 6883 Beschäftigten festgesetzt, und täglich bis zu zehn Stunden arbeiten in 539 Betrieben 3804 Personen. Für die Fortschritte, die die Forderung der sechstägigcn Arbeitswoche in den Bäckereien macht, zeigt weiter die Tatsache, daß in 2842 Bäckereien für 10 846 Be- schäftigte tariflich die siebentägige Arbeitswoche beseitigt ist. In 237 Verträgen ist für 19 137 die Bezahlung der Ueberstundcn und in 164 Tarifen für 8849 Personen die Gewährung von jährlichen Ferien vereinbart. Für die Unternehmer im Bäckergewerbe bedeutet dieses Er- gebnis ein Fiasko ihrer tariffeindlichen Politik. Die Einsichtigen unter ihnen lassen sich heut« schon nicht mehr durch die„wohl- gemeinten Ratschläge" der Scharfmacher beeinflussen, sondern helfen mit an dem Ausbau des Tarifwerkes. Am Jahresschluß be- standen bereits 94 allgemeine Tarifverträge, die mit Unter- nehmervereinigungen abgeschlossen wurden und 16 631 beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinneu umfassen. Besser könnte nicht der Beweis für das Vordringen des Tarifgedankens erbracht werden, als durch diese Aufftellung, mit der bewiesen wird, daß sich auch die Bäcker und Konditoren auf dem besten Wege zur Er- ringung deS Mitbestimmungsrechtes bei Festsetzung des gewerb- lichen Arbeitsvertrages befinden. Die Ausfchufiwahlen a«f de« Reichswerfte«. Nunmehr liegen von allen vier Reichswerften die Ergebnisse der Arbeiterausschutzwahlen, die nach dem System der Verhältnis- Wahl stattfanden, vor. ES wurden abgegeben für die Listen der freien Gewerkschaften in Danzcg 1519 Stimmen gleich 8 Ver- treter in dem 12 Mann starken Ausschuß, in FriedrichZort 1103 Stimmen gleich 8 Vertreter in dem 10 Personen starken ArbeiterauSschutz, in Kiel 4548 Stimmen gleich 14 Vertreter in dem 18 Personen starken Ausschuß, in Wilhelmshaven 4404 Stimmen gleich 17 Vertreter in dem 22 Mann starken Ausschuß. In Kiel und FriedrichSort gingen Gelb«, Christliche»nd Hirsch- Dunckersche zusammen. Sie erzielten in Kiel 1498 Stimmen und 4 Vertreter, in Friedrichsort 203 Stimmen und 2 Vertreter. In Danzig und Wilhelmshaven gingen die Christlichen selbständig vor; fie erzielten 208 und 173 Stimmen und je einen Vertreter. Die Hirsch-Dunckerschen verbanden sich mit den— Gelben und halfen .nationale" Wahlen machen. Sie erhielten in Danzig 637 und in Wilhelmshaven 932 Stimmen, das sind 3 und 4 Vertreter. Für die Gelben haben überall die Monatslöhner und gehobenen unteren Angestellten gestimmt; daher der nationale.Erfolg". Die Vertreter der Hirsch-Dunckerschen hinken auf fremden Krücken in die Aus- schüsse. Damit ist ihr moralischer Bankrott auf den Reichswersten besiegelt._ Die Aussperrung in der Holzschuhfadrik Chr. Lötz Söhne in Kaiserslautern ist zur Tatsache geworden. Die VerHand- lungen zwischen der Firma, den Vertretern deS FäbrikantenvereinS und dem Zentralverband der Schuhmacher sind ergebnislos verlausen. Die Firma beabsichtigt, die Arbeiter durch die Aussperrung zum Ab- schlutz eine» Tarifvertrages zu zwingen, der für die Arbeiter un- annehmbare Pofitiouen enthält. Die Arbeiter sind aber zum Tarif- abschluß nur bereit, w«m ihre« Wünsche« Rechnung getragen wird. Zuzug ist fernzuhalten. MtalonS. Lohnkämpfe in der Schweiz. Die große Uhrenarbeiteraussperrung in Greuchen Hanert fort, ebenso der Tischlerstreik in Genf und die Schuhmacheraussperrung fn Bern. Der Sattlerstreik in Bern ist mit teilweisem Erfolg be- kleines Zeuilleton. Dt« Kultur««schiert. Man liest im �Lolal-Anz einer", daß der Mao den SiegeSzng auf dem Balkan angetreten hat. Wo noch vor Monaten die Kanonen sinnlos gebrüllt haben, nimmt jetzt die stumme Kunst alles im Sturm, wo noch vor kurzem um jeden fußbreit Boden verzweiflungSvoll gekämpft wurde, erobert jetzt der Kino meterweise Land und Leute. Ohne Schwertsteeich, aber mit blutrünstigen Dramen dringt er vor, er verpflanzt den öden Kitsch in die malerischen, aber— unwirtlichen Gegenden. Ja sogar im Lande• der Miriditen hat er schon seinen Einzug gehalten..DaS rauhe Land Albanien beginnt nun von der Kultur beleckt zu werden." Das Land mit Flinunerdreck überschwemmen, heißt: eS wird von der Kultur beleckt. In Skulari. mitte» in der Stadt, hat der Kino sein«.Wunder- zelte" aufgeschlagen, und von nah und fern kommen fie in Scharen herbeigeströmt, um das lebende Bild zu bestaunen. Sie haben sich eingebildet, die Kultur werde neues Lebe» ins Land bringen, aber nun ist bloß das lebende Bild, das sie ihnen schenkt. Aber sie sind auch dafür dantbar. Und als erste Nummer wird bei jeder Vor- stellung das Bild deZ Prinzen Wied gezeigt. Alle Anwesenden er- heben sich feierlich von den Plätzen und sind erfüllt von patriotischen Freckdengefühlen. Noch erheben fie sich vor dem Bilde des Prinzen, aber es wird der Tag kommen, wo sie sich gegen ihn selber erheben werden. Und das Pathö-Journal wird das kurbeln lassen, erfüllt von dem Wunsch: je länger, je lieber. Kehrt der Winter wieder? Nachdem seit Ende Januar in fast ganz Mitteleuropa, besonder» aber in Norddeutschland ganz außer- ordentlich milde» und vorfrühlingShast schöne« Wetter geherrscht hat, sieht es momentan so aus, als ob der Winter zum Schlüsse noch einmal seine Visitenkarte abgeben wollte. Während noch am letzten Sonnlag in Ivetten Teile» des Landes vollkommenes Frühlings- weller geherrscht hatte, machte sich jetzl, vom Nordosten aus- gebend, ein Tempecaturrückgang bemerkbar, der angesichts der Luftdruckverteilung zu einem vollkommenen WitterungSumschlag führen kann. So hatte Memel Dienstag früh 7, Danzig einen Grad Kälte. In Bromberg stand das Quecksilber morgens auf dem Gestierpuntt. Diese Abkühlung ist die Folge einer starken Druckzunahme über Nordrußland, wo sich seit einigen Tagen ein kräftiges Hockidruckgebiet ausgebildet hat, das zunächst nur unschein- bar war, inzwischen aber an Höhe und Ausbreitung erheblich zuge- nommen bot. In seinein Kern überschritt das Maximum am Weißen Meere 770 Meter Höhe, und sein Bereiib erstreckt sich westwärts schon über ganz Skandinavien, im Südwesten bis nach Ostdeutsch- land. Das zu Beginn der Woche noch außerordentlich tiefe Minimum nordwestlich von Schottland hat sich bedeutend verflacht; im mittleren Norddeutschland befand sich zwar noch«n engbegrenztes Teiltief, es dürste sich aber alsbald ausfüllen oder in südlicher Richtung entfernen, so daß dann da» nordrussische Hochdruckgebiet vollkommen die Herrschast über die Wetterlage an sich reißen würde. In diesem Falle muß mit weiterer Abnahme der Temperaturen und dem alsbaldigen Wiedereintritt von Frostwetter gerechnet werden. und es kann für den Fall der Aufheiterung bei dem jetzt herrschenden Ostwind sehr rasch wieder völlig winterliche Kälte Platz greifen. Theater. Deutsches Künstlertheater: Cafard, ew Drama an» der Fremdenlegion von Erwin Rosen. Nack der Aufführung ging ich heim und holte aus der Ecke meines Schreib- tischfacheS die arg ramponierten Hefte und Büchlein, die sich in fünf Jahren auf den Fahrten durch Halfasteppen und Saharasand, durch wnkinesische Dschungeln und Urwälder bis zum Laoshochland Hinterindiens in Tornister und Sattcltasche angesammelt haben. Tagebuchaufzeichnungen, dienstliche Notizen und Kompagnieliften erinnern mich an fünf wilde, an innerer und äußerer Unruhe übervolle Legionsjahre. Mannschaftsverzeichnisse von fünf verschiedenen Kompagnien lassen die vielen hundert Menschen wieder lebendig werden, mit denen ich das Legionslos getragen. Und all da» stellt sich neben die Bühnenbilder von Dienstagabend und zwingt uns zu dem Urteil: was Erwin Rosen da vorführt, ist nicht die Legion, ist nur ein Zerrbild der Legion. Das Legionsleben ist überhaupt kein Stoff für das Drama. Die tragischen Momente im Schicksal des Legionärs liegen vor dem Gange zum dureau de recrutement. Und für die wenigen, die RordafrikaS Steppen und Sandwüsten, Tonkings und Mada- gaSkarS Fieberlöchern entgehen, beginnen die tragischen Konflikte erst wieder, wenn sie der deutsche Kommiß in seine, ach so liebe- vollen Arme nimmt, oder wenn sie im sogenannten Kulturleben den harten Daseinskampf wieder aufnehmen wollen. Die Legion selbst ist eine Anhäufung abgeschlossener Schicksale, das Nachspiel zu großen und kleinen Tragödien von wurzellos Gewordenen aus allen Schichten der Gesellschaft. Das Legionsproblem kann künst- lerisch erschöpfend nur episch behandelt werden. Voll erfaßt wird es nur aus gesellschaftskritischem Wege. Erwin Rosen hat ein vielgerühmtes und, vom literattschen oder richtiger seuilletonistischen Gesichtswinkel aus betrachtet, lesbares Buch über die Fremdenlegion geschrieben. Es enthält neben einer Anzahl gutgesehener Typen, die auch in seinem Drama wieder- kehren, einen Wust von Kasernenklatsch, der in der Legion unter der Glut der Tropensonne noch üppiger gedeiht als irgendwo anders. In seinem Drama aber hat er einzelne Seiten des Legionslcben in grellen Farben zu Bühnenbildern zusammen- gepinselt. Die Schlußszene des vierten Aktes vor allem ist der knalligste Kinoreißer. Der catard, diese nordafrikanische Art des Tropenkollers, ge- boren aus Heimweh, Lcbensckel, fieberndem Freiheitsdrang und wahnwitzigen Zwangsvorstellungen, ist eine allgemeine koloniale Krankheit, die in der Fremdenlegion nur eine besondere psychische Eigenart hat und sich als Fluchtfieber äußert. Dem über Bord gegangenen deutschen Offizier, dem verkrachten Juristen, dem schwäbischen Bäckergesellen und dem Berliner Walzbruder, ihnen allen wird das Desertieren zur fixen Idee. Aber der Versuch, dem eisernen Zwange und, unbewußt, auch all dem Quälenden im eigenen Innern zu entfliehen, führt nur zu oft in noch härtere Fesseln. Der ehemalige Offizier, der jüdische Jurist welchen, weil sie ihre Flucht mit dem Browning erzwingen wollten, stand- rechtlich erschossen. Oest U legion, sagt Rosen. W sriagcm: Das ganze theatralische Drum und Dran ist ärgster, uiUvahrer Kitsch. Und als Körnlein Wahrheit bleibt der Kolonialmilitarismus mit feinen brutalen Mitteln und brutalen Werkzeugem Else Lehmann und Emanuel Reicher haben in ihrem reichen Bühnenleben wohl selten solche taffächlich und künstlerisch unwahre Gestalten verkörpern müssen wie diese verliebte Kanti- niere und den edelgesinnten algerischen Juden. Ein Glück für Herrn Rosen, daß er solche Künstler fand, die auch den Figuren eine» Schauerromans noch menschlich ergreifende Farben geben könne». Otto Werth er gab den Kapitän Dnpont als den Typ des rauhen, zynischen LandsknechtShauptmanns, der in der Legion wohl vorkomiiu, aber nicht für-alle Legionsoffizicre gültig ist. Daß die Darsteller der Legionärsrollen ihrer Aufgabe gerecht wurden, braucht bei einem Ensemble wie dem des Kunstlertheaters kann: besonders betont zu werden. Schön waren die Bühnenbilder, nur haben sie mit dem wirklichen Saida, der„Löwenstadt" des alten Rebellen Abdel Kader, so gut wie gar nichts gemein. Im Kampfe gegen die Fremdenlegion spielt nationalistische Ueberhebung eine große Rolle. Die patriotische Schundliteratur ist um eine Flut von LegionSgeschiditen vermehrt worden. Jetzt tritt auch das Theater in diesen edlen Wettstreit. Gegen die Quellen, aus denen daS deutsche Element in die Legion strömt, stellt mau sich blind. Welche Werbetätigkeit wird in den deutschen Kasernen mit allen Drillschikanen»errichtet? Wieviel Elsaß-Lothrinaer fliehen vor der borusfischen Polizeifaust und der Pickelhaube in die Legion? Verstopft die deutschen Quellen der Legion und helft mit im Kampfe, den wir diesseits und Jaures und die Seinen jenseits gegen den Militarismus führen, das ist wirksamer gegen die Legion als Schundliteratur und Schauerdramu. e. d. Schiller-Theater Charlottenburg: Die Ma- schin enbauer. 1859 schrieb der belieble Komiker Weib rauch diese Posse. Sie stellt, wenn man von Angelys bedeutend früherem Luftspiel„DaSjfest der Handwerker" absteht, wohl das erste deutsche Arbeiter st ück dar. Berlin zählte damals an 500 000 Einwohner und die Arbeiterschaft hatte noch erheblich stärker zugenommen als die bürgerliche Bevölkerung. Gerade im Norden Berlins waren die Maschinenfabriken mächtig gewachsen. Bei Borsig draußen wurden anläßlich der Vollendung der tausendsten Lokomotive große Feste gefeiert und die Maschinenbauer galten allenthalbe» als Helden des TageS. Aus diesen Stimmungen heraus entstand die Weihrauchschc Posse, zu der A. Lang die Musik schrieb, lieber die Kleinbürger- lichleit der Auffassung wie der Ideale braucht mau sich nicht (rnb'cf imb sm8 ntim Derlimr Streikbrecher, die der derüchkigte Keiling geliefert hatte, mit der üblichen Beschleunigung ent- lassen worden. Vorher war von Meisterseite in die Welt hinaus- gelogen worden, daß die Berliner Streikbrecher„tüchtige Spezia- listen" seien, mit denen Jahresverträge abgeschlossen würden, so daß die Streikenden ihre Plätze nicht mehr einnehmen könnten.— In Genf, ist der erste Tarifvertrag für den Spezereihandel abge- schlössen worden, und zwar zwischen der„Societö Suiss« d'alimen tation" und dem Lebens- und Genußmittelarbeiterverband. Der Vertrag bcftimint die elfstiindige tägliche Arbeitszeit einschließlich der Pausen, Lohnzuschlag von'25 Proz. für lleberstundeu, monat lichcs Lohiimhiiinuiii von 145 Fr. für das Vcrkausspersonal(10 bis 15 Fr. mehr als bisher), alljährlich bezahlte 14tägige Ferien. Die Laufburschen im Alter von 16 Jahren erhalten einen Monatslohn von 56 Fr., die von 17 Jahren von 70 Fr. und jedes folgende Jahr ,:m je 20 Fr. mehr. Der Vertrag bedeutet eine erhebliche Vcr bcjscrung der bisherigen Verhältnisse. Mus See Partei. Ausschluß Brupbachers. Zürich, 23, Februar.(Eig. Ber.) Die Geschäftsleitung der schweizarischen sozialdemokratischen Partei hat den bekannten Züricher Arzt Dr. B rupbacher wegen seiner anarchistschen Richtung aus der Partei ausgeschlossen. Bekanntlich hatte vor zwei Monaten der Sozialdemokratische Verein„Eintracht" in Zürich, dessen Mitglied Brupbacher ist, dessen Ausschluß mit 196 gegen 42 Stimmen abgelehnt. Die Parteileitung hat jetzt als Rekurs- in stanz den Ausschluß beschlossen. Der Fall ist durch- aus peinlich. Brupbacher genießt in den Kreisen der Arbeiterschaft viele Sympathien� Die von ihm selbst gebotene Lösung der Frage, daß er sich als Sozialist und Anarchist zugleich bekannte, konnte nicht befriedigen, da nicht bloß in grundsätzlicher, sondern auch in taktischer Beziehung zwischen Anarchismus und Sozialismus der stärkste Widerspruch besteht. Die Zweiseelentheorie Brupbachers würde wohl immer zum Siege des Anarchisten über den Sozialisten geführt haben. Es wäre daher von ihm das Richtigste gewesen, wenn er freiwillig die Sozialdemokratie verlassen hätte. Ein außerordentlicher Parteitag der schweizerischen Sozial- bcmvkratie soll am 15. und 16. August in Bern stattfinden zur Behandlung folgender Geschäfte: Nationalrats-Proporz, Revision des Fabrikgesetzes, Internationaler Sozialistenkongretz in Wien, Nationalratswahlen Ende Oktober 1914 und»Verschiedenes". Iugenöbewegung. „Arbeitcr-Jugrnd". Die soeben erschienene Nr. 5 des sechsten Jahrgangs hat u. a. folgenden Inhalt: Das Ausnahmegesetz wider die Arbeiterjugend. — Zölle(Schluß).— Die Schnitzeljagd. Von O. Pucklitsch.— Menschwerdung. Von Gg. Engelbert Graf.(Mit Abbildungen.) — Nieder mit dem Politikparagravhen!— Aus der Jugend- bewegung. Des Lehrlings Leidenschronik. Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Solidarität. Ein Zukunftsbild von Fritz Sepp. — Wenn ich wieder zur Welt käme... Von Fritz Müller.— Emil Rosenows„Kater Lampe". Von Roland.— Deutschlands Welthafcn an der Weser. Von Gustav Krüger.(Mit Abbildungen.) — Phibzsopbie.(II. Metaphysik.) Von Karl Schröder.— Wissenswertes von der Sprache.— Der Tod eines Beamten. Von Anton Tschechow.— Idylle. Gedicht von Karl Ettlinger. Gerichtszeitung. Ein Menschenschirfsal. Der Hausdiener Max H e i d e m a n n wurde gestern der 7. Strafkammer des Landgerichts I unter der Anklage des wieder« holte» Betruges im strafschärfenden Rückfalle vorgeführt. Der Vater des Angeklagten war ein in guten Verhältnissen lebender Gutsbesitzer, seine Mutter lebt noch als Rentiere. Der Angeklagte hat seine Aus- bildung in einer landwirtschaftlichen Schule erhalten und sollte Landwirt werden, ist aber entgleist und hat sich schließlich als Kutscher durchs Leben geschlagen. Im Juni 1893 verübte er einen Revolveranschlag gegen seine Ehefrau, die er erheblich verwundete. In selbstmörderischer Abficht brachte er sich auch selbst ein« Schuß- wunde bei, die ihn aber nicht tötete. Das Schwurgericht hat ihn seinerzeit wegen v e r s u ch ten Mordes zu zehn Jahren Zuchthaus zu wundern. Ganz Berlin war spießerhaft— also auch die Arbeiter. Schnapstrinkertypen wie der olle ehrliche Schlosser Knobbe bildeten keineswegs Ausnahmen, und wir wissen ja. wie ingrimmig-satirisch Adolf Glaßbrenner bereits im Vormärz gegen die Versofsenheit zu Felde zog. So wenig nun der Dichter- konnker eine Art politischer Ader verrät, einen Hauch von dem Geiste der damaligen Arbeiterschaft läßt er doch in seiner Posse verspüren. Alles mutet anheimelnd«. gemütlich" an— auch die Musik. Das ist tatsächlich jenes singende Alt-Berlin. Dahinein schwingen natürlich auch die Melodien verschiedener Opern jener Tage: die.Hugenotten", „Martha" usw. Und wenn die älteren Possendichter solche ernst- haften Musikunterlagen mit ihren Couplets verknüpften, so ergab diese Mischung allemal einen echten Humor. Die Auffrischung der„Maschinenbauer" hat den Vorzug, daß es den Bearbeitern glückte, dem Geschlecht von heute jenes Stückchei« Vergangenheit vollkommen verständlich und anziehend zu machen. Alles hat den Reiz der Treue: das Stadt- und LandschaftSbild wie die Kleidermode. Die Verbindung mit der Gegenwart vermitteln mannigfaltige parodistische Liedertexte und satirisch- komische Couplets. Eins darunter, worin die„Vielseitigkeit" des Kronprinzen geschildert wird, löste mit dem Huppensignal auS dem Orchester- räum: Tati-tata l als Refrain unbändiges Gelächter auS. Kostbar war eS. Max P a t e g g als Knobbe zu sehen, namentlich, wenn er (mit Anna H ä n s e l e r) Liebesszenen vorführte. Auch die übrigen Mitwirkenden taten ihr Bestes. Es gab während der ganzen Dar« stellung Heiterkeitssalven ohne Ende. et Notizen. — Der Erfolg der Kritik. Von der Kritik war an der Aufführung der Meistersinger im Deutschen Opernhause die Inszenierung deS 2. Akies getadelt worden. Die Direktion hat dem blechnung getragen und Sachsens Haus vorgerückt und in die Szene hineingebaut. — HoffmannS OpernhauSentwurf in amtlicher Beleuchtung. Der von der Vereinigung Berliner Architetten scharf kritisierte Entwurf Ludwig Hoffmanns wird im amtlichen .Zentralblatt der Bauverwaltung" verteidigt und im einzelnen gerechtfertigt. Vor allem wird der Vorwurf der Feuerunsicherheit zurückgewiesen. Daneben wird betont, daß der Entwurf ja nur ein Vorentwurf usid noch kein entgülliger sei und daß verjchledene Fragen noch an andern Theatergebäuden studiert werden. — Vorträge. Hauptmann Koch aus Kopenhagen, der die bisher nördlichste Durchquerung des grönländischen Inlandeises im Verein mit Dr. Wegener aus Marburg ausführte, wird am Freitag, abends 8 Uhr, in der Urania einen Vortrag über die Haupt- crgebniffe dieser Durchquerung halten.(Mit Lichtbildern.) — Deutsche Arbeiter sängerfahrt nach Paris. Der Arbeitergesangverein.Freiheit", Düsseldorf(Adresse: Restaurant Kordes, Kölner Str. 34) veranstaltet zu Ostern eine Fahrt nach Paris mit viertägigem Aufenthalt. Zu dieser Tour, an der sich auch andere Genossen beteiligen können, werden noch 35 Teilnehmer zugelassen. Preis ab Düsseldorf in III.«lasse 75 M. verurteilt. Während er fein« Strafe verbüßte, wurde er wegen verschiedener Eigentumsvergehen angeklagt und nochmals zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Es hat somit dreizehn Jahre Zuchthaus hintereinander abgesessen. MS er endlich wieder in Freiheit kam, war er für die Welt unbrauchbar. und es kann kaum Wuuder nehmen, daß er in der Folge noch wieder- holt Freiheilsstrafen erlitt. Die jetzigen Straftaten hat er selbst zur Anzeige gebracht. Er erschien eines Tages auf der Polizei und beschuldigte sich, durch falsche Vorspiegelungen semer.Braut" und einem Missionar kleinere Summen auS der Tasche gelockt zu haben. Der Angeklagte machte gestern vor Gericht einen wirren Eindruck. Er behauptete, daß er schon einmal in der Irrenanstalt gesessen habe und dorthin zurückwolle, denn seine Nerven seien ganz zerrüttet und er sei vollständig verrückt. Das Gericht hielt es nach dem persönlichen Eindruck, den der Angeklagte machte, für geboten, den zuständigen Gerichtsarzt mit der Beobachtung des Geisteszustandes des An-« geklagten zu betrauen._ Grausame Mißhandlungen eines 3>/zjährigen Kindes lagen einer Anklage zugrunde, welche gestern die 6. Strafkammer deS Landgerichts 1 beichäftigtc. Wegen Körperverletzung mittels grausamer Behandlung war die Frau Helene Marie Wölm geb. Stiller, zuletzt in der Winsstraße wohnhaft, angeklagt. Die Angeklagte hat ihr voreheliches Kind m grausamster Weise mißhandelt. Erst auf eine Anzeige des Vereins zum Schutze der Kinder vor Ausbeutung und Mißhandlung wurde durch Gerichtsbeschluß das Kind anderweitig in Pflege untergebracht. In der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht beantragte der Amtsanwalt ein Jahr Gefängnis. Das Gericht kam zu der verhältnismäßig milden Strafe von zwei Monaten Ge- f ä n g n i s. Gegen dieses milde Urteil legte die Angeklagte auch noch Berufung ein. Diese wurde von der Strafkammer mit der Begründung verworfen, daß es höchst bedauerlich sei, daß nicht auch der AmtSanwalt Berufung eingelegt habe, da das Gericht dann in der Lage sein würde, die jeder Menschlichkeit hohnsprechenden RoheitSverbrechen der Angeklagten mit einer Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahre zu sühnen. Die sieden törichte» Jungfrauen. Wie beispiellos naiv und leichtfertig manche Mädchen find, wenn es sich darum handelt, noch einen Mann zu bekommen, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, welche gestern die 7. Straskammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen Betruges, schwerer Urkunden- fälschung, einfachen und schweren Diebstahls war der Dekorotions- maler Artur H e n n i g angeklagt. Der Angeklagte hat es verstanden, fast ein ganzes Jahr lang auf Kosten mehrerer heiratswütiger Mädchen, die längst„aus dem Schneider" waren, herrlich und in Freuden zn leben. Seine Tätigkeit bestand darin, daß er auf die von den heiratS- lustigen Mädchen, meist Köchinnen, Wirtschafterinnen usw. er- lassenen Heiratsannoncen an die Betreffenden Briefe schrieb. die sämtlich mit den Worten begannen:„Wertes Fräulein! Auf die von Ihnen erlassene Heiratsannonce biete ich mich Ihnen als zukünftigen Mann an" usw. Er gab dann an, er ei Malermeister, Mitglied mehrerer Baugesellschaften, besitze ein größeres Vermögen, habe herzensguten Charakter usw.— Auf diese Aneinanderreihung der verschiedensten Vorzüge eines zukünftigen Ehemannes fielen auch mehrere Mädchen hinein, denen er unter allen möglichen falschen Vorspiegelungen die durch jahrelange Arbeit gemachten Ersparnisse abnahm, darunter Beträge bis zu 1500 M. Er scheute sich auch nicht, einer seiner sieben Bekanntschaften ein Sparkaffenbuch zu entwenden, bei einer anderen den Reisekorb aufzubrechen und Goldsachen zu stehlen. Vor Gericht stellte der Angeklagte jede betrügerische Absicht in Abrede. StaatSanwaltschaftSrat Dr. FuchS beantragte mit Rück- ficht darauf, daß es sich um einen gemeingefährlichen, gewerbsmäßigen Heiratsschwindler handle, eine Gefängnis st rafe von zwei« einhalb Jahren, auf die das Gericht auch erkannte. Ein netter Privatdetektiv. Zu dem jetzt aktuellen Thema der Gefährlichkeit mancher Pri« vatdeteltivs gehört eine Beleidigungsklage, die gestern die Straftammer beschäftigte. Angeklagt war der Privatdetektiv Johann Modrack. Dieser war von dem Postschaffner Weymund beauftragt worden, des letzteren Ehefrau zu beobachten, um Material für eine zwischen den Eheleuten schwebende Scheidungsklage zu erbringen. Der Angeklagte hat sich dann in der leider nicht seltenen Weise bemüht, solches Ehescheidungsmaterial selbst zu konstruieren. Er begab sich eines Tages zu der von ihrem Manne getrennt lebenden Frau W., tat so, als ob er von der Trennung gar nichts wußte und gab vor, Herrn W. sprechen zu wollen. Als die Frau ihm er« klärte, daß sie nicht mit ihrem Manne zusammen wohne, tat der Angeklagte, der sich als„K a s e r n e n i n s p e k t o r L a m p r e ch t von der Kaserne in der Rathenower Straße" vorstellte, sehr er- staunt, bat, näher treten zu dürfen und erzählte dann der Frau allerlei Schlechtes über ihren Ehemann mit dem Refrain, daß sie mit einem solchen Mann doch nicht u»ehr zusammenleben könne und doch jeden Augenblick einen anderen Mann bekommen würde. Er stellte dann in Aussicht, ihr ein Zimmer, welches sie vermieten wollte, abzumieten. Am nächsten Tage kam er wieder, sah sich das Zimmer nochmals an, umgarnte die Frau mit Schmeicheleien und schließlich trat er mit dem Vorschlag hervor: Sie solle sich ihm anvertrauen und mit ihm nach England oder Amerika fahren, wo sie sich ja verheiraten könnten. Nun durchschaute Frau W. den Cujon, der vergessen hatte, daß er sich Lamprecht genannt hatte und sich diesmal Schmidt nannte und ließ ihn festnehmen. Das Schöffengericht hatte in diesem Verfahren des An- geklagten eine Beleidigung für Frau W. erblickt, da der An- geklagte sie für fähig erachtet habe, die ehelich« Treue zu brechen. Dazu komme, daß der Angeklagte selbst verheiratet 'ei und er genau wissen mutzte, daß von einer Ehe- chließung zwischen ihm und Frau W. nicht die Rede ein konnte. Das Schöffengericht hat das Treiben deS Angeklagten, das darauf hmauslief, aus schnödem Eigen. nutz eme unbescholtene Ehefrau zum Ehebruch zu verführen, alö überaus verwerflich und„die Tätigkeit solcher Privatdetektivs als.nahezu gemeingefährlich" bezeichnet. Der Angeklagte, der übrigens auch schon eine zweijährige Zuchthausstrafe hinter sich hat, wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, legte aber hiergegen Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung trat sein Verteidiger mit der Erklärung hervor, daß der Ange» klagte schon im Jrrenhause gesessen unv berechtigte Zweifel an seiner geistigen Gesundheit nicht von der Hand zu weisen seien. DaS Gericht beschloß, den GerichtSarzt mit den nötigen Fest- stellungen zu beauftragen. Mus aller Welt. Länölich— jiUlichl Aus Göttingen wird uns geschrieben: Zwei junge Frauen aus der Gegend von Bodenfelde a. d. Weser gingen dieser Tage nach der Kreisstadt USlar, um auf der Forstkasse Holzkausgeld zu bezahlen. Mitten im Walde gesellte sich ein schneidiger Herr zu ihnen, der mit ihnen scherzte und schäkerte. Man fand Gefallen an einander und wurde schließlich so intim, daß der Herr den jungen Frauen einen Hundertmarkschein versprach, wenn sie ihm beide.gefällig" sein würden. Allerdings müsse er bitten, ihm dann etwas Kleingeld zurückzugeben, da er sonst kein Geld bei sich habe und«och»och seinem Wohnorte Kassel zurück müsse. Di« beiden jungen graue« sahen daS ein, waren ihm beide.gefällig", erhielten darauf von ihm den Hundertmarkschein und die eme gab ihm 10 M. die andere 12 M. zurück. Hocherfreut über die Gutmütigkeit des gelegentlichen Liebhabers trollte« sich nun beide uach Uslar, um# das Holzlaufgeld zu bezahlen. Wie groß war aber ihre Ent« täuschung, als ihnen der Forstkassenrendant erklärte, der Hundert- marksckein sei falsch, sei eine Blüte. Sie hätten vor Scham in den Erdboden versinken mögen, aber was half es, sie mußten, um, noch größeren Unannehmlichkeiten zu entgehen, unter Tränen die Herkunft des falschen Scheines preisgeben. Zu Hause gab es dann erst noch recht unangenehme Szenen und Auseinandersetzungen da auch den Männern das galante Abenteuer gebeichtet werden mußte. Ob freilich die betrogenen Ehemänner der Generalbeichte ihrer völlig zerknirschten Frauen auch den Generalpardon folgen ließen, steht noch dahin._ Ei« seltsamer lleberfall. Ueber einen recht eigenartigen lleberfall auf einen Generalmajor bringt das Wölfische Telegraphenbureau folgende Meldungen: Reitze, 25. Februar. Als der Kommandeur der 24. In- fanteriebrigade Generalmajor Boeß gestern früh seine Burschen, die nicht zur rechten Zeit aufgestanden waren, wecken wollte, wurde er von ihnen ü b e r f a l le n und leicht verletzt. Lebensgefahr besteht nicht. Die Täter entflohen. Neiße, 25. Februar. Die beiden Burschen des Ge- neralmajors Boeß sind auf der Eisenbahnstrccke Neiße-Oppeln zwischen den Stationen Neiße und Wischke tot auf- gefunden worden. Vermutlich haben sie sich a b s i ch t° lich vom Zuge überfahren lassen. Wer mag die beiden Burschen zu dem Ueberfall bewogen haben, der für sie die furchtbarsten Strafen im Gefolge haben mußte?_ Panik in einem Kiuotheater. Ein ganz ungefährlicher Filmbrond führte am Dienstag- abend in einem Kinotheater in Salerno zu einer schweren Kata- slrophe. Als die zahlreichen Besucher deS Theaters während der kinematographischen Vorstellung Rauch aufsteigen sahen, bemächtigte sich ihrer eine Panik. Alle drängten dem Ausgange zu und der- stophten die Türen. Eine Anzahl Personen wurden von den Nach- drängenden zu Boden geworfen und mit Füßen ge« treten. Später gelang es, mehrere dieser Unglücklichen, die schwere Erstickungserscheinungen zeigten, wieder in« Leben zurückzurufen. Fünf Personen, unter ihnen zwei Soldaten, wur« den getötet. Als Todesursache wurde Herzschlag festgestellt. Zahlreiche Personen erlitten während der Panik Verletzungen, fünf liegen schwerkrank danieder._ Das Unwetter ia Spanien. Wie aus Madrid gemeldet wird, dauern die Stürme in ganz Spanien an. In V a l e n c i a riß der Sturm das Dach eines Waschhauses ab; zwei Frauen wurden ge- tötet, sieben verletzt. In einem Kloster wurde der Glockenturm umgestürzt; eine Frau wurde getötet. In Pnertollano warf der Sturm beim Bau einer Eisenbahnbrücke beschäftigte Arbeiter zur Erde; ein Ar- beiter wurde getötet, einer verletzt. Grauenhafte Lynchjustiz. In entsetzlicher Weise hat sich wieder einmal in den Vereinigten Staaten Richter Lynch betätigt. Ein des Mordes an dem Stell- Vertreter des ScherifS angeklagter Neger wurde in L e l a n d im Staate Mississippi von der sanatifierten Bevölkerung gefangen ge- nommen, gebunden und an ein Gefäß mitOel ge st eilt, das angezündet wurde. Die Flammen brannten die Stricke, mit denen der Neger gefesselt war, durch, woraus der Unglückliche zu flüchten suchie. En» wurde jedoch wiedergeschossen und sein Leichnam wieder auS Feuer gelegt, wo er voll« kommen verbrannte._ Kleine Notizen. Das Grubenunglück im Ruhrrevier. Bon den am Dienstag auf Zeche Bikloria bei Kupferdreh verunglückten achl Bergleuten sind bisher zwei gestorben. Die Verletzungen der übrigen fünf im Krankenhaus BergmannShcil befindlichen Bergleute sind ernster, als zunächst vermute: wurde. Es handelt sich um schwere V e r- letzungen des St Nckgrats und der inneren Organe. Blutige FaschingSseier. Ja dem Dorfe Mannswörch bei Wien kamen am Diensiag anläßlich der FalchingSfeier langjährige Feind- seligkeiten zwischen der Dorsjugend zum blutigen Austrag. Dabei wurde ein Bursche durch Messerstiche getötet und vier schwer, zahlreiche Burschen leicht verletzt. Ein betrügerischer Briefträger. In Krakau wurde der Geld« briefträger B a r a n s k i verhaftet, der seit langer Zeit auS Amerika kommende Briesichasten erbrochen und ihres Inhalts be« raubt hatte. Die Höhe der auf diefe� Art entwendeten Beträge ist bedeutend, da sich in vielen Briefen Sendungen von mehr al» tausend Kronen befanden. Ein verhängnisvoller Sprengschuß. Bei dem Bahnbau Olpe— Meinerzhagen wurden durch euren vorzeitig losgegangenen Spreng» schuß zwei Arbeiter getötet und ein dritter verletzt. Die Getöteten wurden durch die Gewalt der Explosion 60 Meter weit geschleudert und furchtbar zugerichtet. Bis jetzt hat der Bahnbau, der vor einem halben Jahr in Angriff genommen wrrtde, sechs Arbeitern daS Leben gekostet._ Veranstaltungen. Berel« für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mautag. den 2. März, abends S1/, Uhr, In Kellers Neuer Pbllbarmom«. KSveiticker Straße 96/97. Vortrag: Die Seele der Frau(uach der moderurn Psycho- logie). Resrrent Herr Dr. Ernst Meyer. Zrauen-Leseabenöe. Alt-Glienicke. Hente Donnerstag, den 26. d. M.. im Jugendheim, Grünauer Straß« 7. Genossin Rhnect, Trrptow-Bamnschulenweg, spricht über„Unser Frauentag"._ eÄttrernngSübersich» vom Ai. Februar lv14. «laNiniea .6 o t! "Sc iE£ I6~ 81=• Ben« Swinemde. Hamburg Berlin Franst. a.M München Wien OSO 755© 758 RO 75110 752D Ibedeckt 4 Regen 4Schnee l! bedeckt 4,Ncbc1 st Nebel äi t? -1 1 -0 2 -0 1 Ctattoncn Haparandaft 65| SO Petersburg 770l®tin Scilla i758StNO Aberdee» flöS/W Pari» �53-N bedeckt Nebel halbbd. 2 wolkig 8| wollenl «•» Ii -14 8 0 L Wetterprognose für Donnerstag, den SV. Februar ISM. Zettwetse ausllarend, aber vorwiegend trübe mit geringeren Nieder- schlügen und jrijcheu ojlüa�a Winden; Temperatur in der Nähe des Ecsricrpmitt-S.„. Ms öer Frauenbewegung. was geht uns Zrauen öie Politik an? Die Frau gehört ins Haus, so sagen die Philister, so die Rück- wärtser aller Art. Aber die Frage ist: Kann die Frau im Hause bleiben, rann sie sich ijwn.schönen S&ftttf der Mutter, der Er- ziehung der Kinder" widmen? Die übcrgrotze Mehrzahl der Prolctaricrfrauen kann es nicht. Ständig nimmt die Frauen- arbeit zu. Gibt es doch heute schon eine große Reihe von Industrie- zweigen, in denen die Beschäftigung von Frauen überwiegt. Mit der wirtschaftlichen Selbständigkeit mutz aber auch die politische kommen. Der erwerbenden Frau kann es nicht gleichgültig sein, welche Politik die Regierung betreibt. Ob die Gesetzgebung für ausreichenden Schutz der weiblichen Arbeitskraft sorgt, ob genügend für Witwen- und Waisen- fürsorge aufgewendet, ob Krankenhäuser, Entbindungsanstalten vorhanden. Schwangeren- und Wöchnerinnenschutz geregelt find. All dies sind die ureigensten Angelegenheiten der Frau. Und das berührt natürlich nicht weniger auch die Frau, die in der glücklichen Lage ist,„nur" den Pflichten der Mutter und Hausfrau obliegen zu dürfen. Hat nicht gerade sie die größten Sorgen, wenn das Brot und Fleisch, wenn alle notwendigsten Lebensmittel abermals verteuert werden? Berteuert nicht durch Mißernte, Unfälle oder dergleichen, sondern k ü n st l i ch in die Höhe geschraubt durch eine falsche, volksfeindliche Politik. Die Familicnmutter muß sich klar machen, daß sie infolge der Zoll- und Steuerpolitik beim Einkauf aller Lebensmittel dem Staate eine Steuer zu zahlen hat. Rund IVO M. pro Jahr fordert der Militarismus für Soldaten, Kanonen und Schiffe von einer fünf- köpfigen Arbeiterfamilie. Davon fließt jedoch infolge unserer famosen Zollgesetzgebung der Löwenanteil in die Taschen der Junker. So ist jede Schnitte Brot, die die Mutter ihren Kii�ern schneidet, jeder Tropfen Milch, der dem Säugling gereicht wird, versteuert durch Zölle und Abgaben. Und nichts anderes ist es mit der äußeren Politik. Bei dem Ausbruch eines Krieges— ist es da nicht die Frau, die am meisten unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden hat? Wenn die Mutter den Sohn, die Frau den Ernährer im Felde verloren hat, dann bleibt ihr. das Los, auf den Trümmern des Familie»- glucks den Rest ihres Lebens zu vertrauern. Nein, die Frau muß aufhören, nur O b j e k t der Gesetzgebung zu sein, sie muß selbsttätig eingreifen in das öffentliche Leben, in die politische Bewegung. ES ist das eine notwendige Folge der wirtschaftlichen EntWickelung. Daß die Frauenbewegung nicht künstlich hervorgerufen ist durch»politisierende Weiber" und„sozialdemokratische Hetzer", daS sehen nachgerade selbst ernste und ehrliche bürgerliche Politiker ein. So schreibt der „Türmer"(Herausgeber Freiherr v. Grotthuß), eine konservative, soeben erschienenen Märznummer in einem Artikel über die„U i- fache der Frauenbewegung*: „Allmählich ringt sich die Erkennwis durch, daß die Frauen- bewegung oder Frauenfrage nicht das Werk einer Handvoll sexuell anormaler oder asexueller Weiber ist oder gar nur durch diese repräsentiert wird. Wer heute, nachdem uns Australien, Kanada, die Vereinigten Staaten zum Teil, und vor allem England über den weiten Umfang der Frauenbewegung aufgeß klärt haben, sich immer noch hinter die abgegriffenen Phrasen der Inferiorität oder Superiorität der Frau flüchtet, oder wer in einer Schädel und Becken messenden, Hirn wiegenden Pseudo- Wissenschaft der Frage der Frauenbewegung Lösung sucht, beweist damit nichts anderes, als seine Unfähigkeit, das Problem zu er- fassen, und weiter eine zähe Denkfaulheit. In Deutschland macht die Frauenbewegung in letzter Zeit größere Fortschritte, so daß sich ihre Gegner nun veranlaßt sehen, ihr mit kollektiver Kraft gegenüberzutreten. Doch muß man feststellen, daß trotz dieser Umstände die Einsicht in das Warum und Wie der Frauen- bewegung oft gleich Null ist wie an deren erstem Tag." Nachdem beb Verfasser die ökonomische Entwickelung unter- sucht hat, die zu der unaufhaltsamen Bewegung führt, kommt er zu dem Schluß, daß die Frauenbewegung sich auf die M a s s e der Arbeiterinnen stützen muß: „Denn nur die großen Massen der Arbeiterinnen und Weib lichen Angestellten der Großstädte Englands vermögen der Frauenbewegung Schwergewicht zu verleihen. Jede Frauenbe' wegung stützt sich entweder auf diese Massen, wodurch sie allein eine ernst zu nehmende Bewegung darstellt, oder sie tut dieS nicht und bleibt damit eine Salon- oder Studierzimmerfrage, der nur Kuriositätswert zu eigen ist. Die Frauenbewegung Englands ist also eine ökonomisch bedingte Erscheinung, die künf- tige Frauenbewegung Deutschlands muß dies ebenfalls sein." Und das beherzigt, Ihr Arbeiterfrauen, zu Eurem Frauen- tag und in der roten Wochcl »Vorwärts* Nr. 56.— Donnerstag, den 26. Februar 1914. fährlich, dagegen befürwortete er Arbeiterpachtstellen, in denen der Arbeiter vom Großgrundbesitzer dauernd abhängig bleibt.— Er warnte geradezu vor der Ausdehnung der Sozialpolitik und der geistigen Hebung der Landarbeitcrschaft, weil beides nur zur der- mehrten Abwanderung vom Lande führen würde. Bon den Forderungen der Korreferentin Gertrud Dhhrenfurth konnte man nur die nach obligatorischer Fortbildungsschule für Mädchen und nach Ausgestaltung des Mutterschutzes durch die Krankenkassen unterstützen. In weiteren Erörterungen über gesund- heitliche Fragen auf dem Lande wurde von einem Herrn v. Schmeling die Tatsache bestätigt, daß sich der Gesundheitszustand der Landarbeiter verschlechtert habe. Die Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen auf dem Lande bebandelte Dr. Rosa Kempf, ohne doch das für die Arbeiterin Notwendigste scharf herauszuarbeiten. Die Hebung des StandesbewutztseinS empfahl dann Elisabeth Boehm in einem Vortrag über die Bedeutung des Vereinslebens für die Kleinbäuerin und Landarbeiterin. Der frei- gewerkschaftliche Landarbeii«verband existierte natürlich für die Rednerin nicht, obgleich er doch allein das so notwendige Klassen- bewußtsein und Solidarstätsgesühl mit der gesamten Arbeiterschaft pflegt. Neben der Erörterung der Lage der ländlichen Arbeiterin traten die übrigen Referate über die Frauenarbeit in den Wasch» und Plättanstalten, in der Metallindustrie und in der Konseklionindustrie zurück. Auch sie änderten nichts an dem Charakter der Tagung, der darauf hinauslief, nur soweit den Wünschen der Arbeiterinnenschaft Rechnung zu tragen, als sich mit der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsweise und den Ansprüchen der agrarischen und industriellen Unternehmer auf möglichst brauchbare Ausbeutungsobjekte ver- einigen läßt.'_ die englischen Kämpfe um öas§rauen- Wahlrecht. Zweifellos haben sich in G r o ß b r i t a n n i e n die heftigsten Kämpfe um das Frauenwahlrecht abgespielt. Di« Frauen haben dort etwa nicht von Vorhevein die Offensive ergriffen; vom Jahre lSSt an, wo zum erstenmal eine öffentliche Versammlung durch Lord CarliSle dem Oberhaus eine Petition überreichen ließ, bis zum Jahre ISvS wurde in durchaus ruhiger Weise gearbeitet. Eine lebhafte Agitation hatte Scharen von Frauen in die Stimmrechts- organisationen geführt. Alle nur erdenklichen Propagadamittel wurden benutzt. Einzelne Petitionen trugen Tausende von Unter- schristen. Bei den Wahlen wurden die Kandidaten bearbeitet, viele von ihnen gaben schriftliche Versprechungen, um sie nachher, ohne irgendwelchen Skrupel zu empfinden,- zu brechen. Ebft 1903 nahm die Agitation schärferen Charakter an, und zwar— daS verdient H______ �_______ m___ HWW_____,, noch einmal festgestellt zu werden— nahm die unter dem Namen aber dem Zirkus-Konservatismus abgeneigte Monatsschrift in der s-Suffragettentaktik bekannte Kampfesweise ihren Ausgang von einer höchst ungerechten Verurteilung zweier Frauen, einer Ar- beiterin und eines Mädchens aus angesehener Bürgerfamilie, zu Gefängnisstrafen, weil sie eine Proteftversammlung gegen die Rede eines Ministers unter freiem Himmel abgehalten hatten. Von diesem Moment an ist von den SufftagetteS mit kurzen Unter- brechungen ein scharfer Kampf gegen die englische Regierung geführt worden, und die Methoden haben von Jahr zu Jahr an Heftigkeit zugenommen. Die englische Regierung kann die Ver- antwortung für die von den Suffragettes im Lande verursachten Unruhen rncht ganz von sich abwälzen. Ihre schwankende Haltung, die zahllosen Fehler, die sie begangen hat, die aufreizenden Reden einzelner Minister, die verschiedenen nicht erfüllten Versprechungen und endlich die Schaffung von zweierlei Recht bei der Beurteilung von Vergehen, je nachdem sie von Männern oder von Suffragettes begangen wurden, haben die Bewegung schr gestärkt und ihr immer neue Nahrung zugeführt. Es ist nicht möglich, hier alle Daten der englischen Frauen- wahlrechtSgeschichte aufzuführen und eS hat auch verhältnismäßig Ivenig Zweck. Es genügt die Feststellung, daß verschiedentlich große Majoritäten im Untcrhause für ein beschränktes Frauenwahlrecht vorhanden waren, und daß es ausschließlich an der Regierung lag, wenn trotzdem die Verlagen zu Fall kamen. Entweder gab sie keine Zeit zur weiteren Verhandlung öder sie bestimmte ein« Reihe von Abgeordneten, von der Abstimmung fernzubleiben oder sie wandte andere Mitel an, um die Gesetzwerdung des Frauenwahl- rechts zu verhindern. Solange die liberale Regierung mit Herrn Asquith an der Spitze am Ruder ist, müssen die Frauen den Gedanken an das Wahlrecht fahren lassen und es scheint, als ob sich die englischen Frauenftimmrechtlerinnen endlich ebenfalls davon überzeugt hätten. Der größte der Verbände, der bisher jeden Kandidaten unterstützte, der für das Frauenwahlrecht eintrat, hat nun seine Taktik voll- kommen geändert. Er trit' jetzt in allererster Linie für die A r- beiterpartei ein und begründet diese Schwenkung in seiner Haltung damit, daß diese die einzige Partei ist, die sich in der Frage des Frauenwahlrechts als zuverlässig erwiesen hat. Stellen in einem Wahlkreis, wie zum Beispiel vor kurzem bei der Nach- wähl in Nordwest-Durham, Arbeiterpartei, Liberale und Konser- vative Kandidaten auf, so leistet der Frauenstimmrechtsverband Wahlhilfe für die Arbeiterparteiler, auch wenn, wie in diesem Falle, alle drei Kandidaten sich als entschiedene Freunde des Frauenwahlrechts bezeichnen Man kann den englischen Frauen nur wünschen, daß sie mit dieser Taktik Erfolg haben d. h. daß sie durch ihre Arbeit eine große Zahl von Abgeordneten der Arbeiterpartei in das englische Unterhaus bringen. Erst dann, wenn die Labour Party in an- gemessener Stärke vertreten ist, werden sie damit erreichen können, die politische Gleichberechtigung zu erhalten, wie denn überhaupt die Erlangung des Frauenwahlrechts von dem Einfluß abhängt, den die Arbeiterschaft ans die Politik der Staaten ausübt. Iorüerung öer �lrbeiterinneninterejsen. Ende vergangen« Woche tagte in Berlin die dritte Deutsch« Konferenz zur Förderung der Arbeiterinneninteressen, veranstaltet von einer Reihe bürgerlicher sozialpolitischer Vereinigungen und Frauenorganisationen. Schon aus der Zusammensetzung der Veranstalter kann man auf den Geist schließen, der diese Tagung beherrschte. Neben den Htrsch-Dunckerschen Gewerkvereinen, dem Gewerkverein der Heimarbeiterinnen waren auch die Vereine edange- lischer Arbeiterinnen und der katholische Frauenbund, die Zentral» kelle für BolkSwohlfahrt und der Bund deutsch« Krauen» d«eine vertreten. Unter den Referenten und Diskussionsrednern fand sich üb«haupt keine Arbeiterin. Auf ein« solchen Tagung können dah« nimmermehr die Forderungen d« Arbeiterinnenschaft zum Ausdruck gelangen, selbst wenn die Veranstalterinnen von der besten Absicht geleitet würden, die Interessen der Arbeiterinnen zu fördern. Die bloße Beschäftigung mit Fragen, denen man seinen ganzen Lebensverhältnissen nach fernsteht und an die man von außen herantritt, kann nicht die Sicherheit des Verständnisses und des Urteils verleihen, die durch das tägliche Erleben gewonnen wird. Völlig reaktionäre und den Interessen der Arbkiterinnen«»tgegen- gesetzte Anschauungen mischten sich dah« auf der Tagung mit solchen, denen man mehr oder minder zustimmen tonnte. Aber diese wenigen Forderungen, deren Erfüllung den Arbeiterinnen helfen könnte, verschwanden unter dem Wust schädlicher und überflüssiger Wünsche. Den Hauptteil der Debatten bildete die Erörterung der Lebensverhältnisse der ländlichen Arbeiterinnen. aber nicht vom Standpunkt der Arbeiterinnen aus, fondern unter dem Gesichtswinkel: wie kann die für die Agrari« so un» angenehme Landflucht beseitigt werden? Die Ausfüh- rungen de» ersten Referenten Professor Dr. AnHagen waren derart, daß selbst ein bürgerliches Blatt dagegen protestiert, -daß der Redner sich in konservativen Allgemeinplä'tzen erschöpfte." Der Redner forderte ein Verbot gewerblicher Kinderarbeit auf dem Lande: an der landwirtschaftlichen Kinderarbeit hat er nichts auszusetzen. Die Ansiedelung frei« Bauer» schien ihm zn ge» ßrauenftimmrecht. Fortschritte in Nordamerika. Der Sieg der Demokraten in den Vereinigten Staaten bietet den Freunden des Frauenstimmrechts keine besseren Aussichten auf Erfüllung ihrer Forderungen. Ein Antrag, einen Sonderausschuß zum Studium der Frage einzusetzen, wurde vom Kongreß rundweg abgelehnt. In einzelnen Bundes- staaten dagegen erringt das Frauenstimmrecht weitere Erfolge. Illinois hat kürzlich den Frauen das Stimmrecht für die »leisten lokalen und StaatSämter gegeben. In New Jersey und New V o r k wird die Wahlrechtsfragc zur Volksabstimmung gestellt. Wann kann die deutsche Frau wählen? An den Krankenkassen- und VersicherungSwahlen können die Frauen in Deutschland als Gleichberechtigte teilnehmen. Außerdem habep die Firmeninhaberinnen das aktive Wahlrecht zur Handelskammer, das sie aber nicht Person» lich ausüben dürfen. Sie müssen sich durch ihren Prokuristen ver» treten lassen. Nur im Großherzogtum Hessen haben sie aktives und passives Wahlrecht zur Handelskammer und dort üben sie es auch persönlich aus. In den sechs östlichen Provinzen Preußens besitzen die Grund- besitzerinnen in den Landgemeinden das kommunale Wahlrecht, auch hier dürfen sie nickt selbst ihre Stimme abgeben, sondern müssen einen männlichen Wahlberechtigten mit ihrer Vertretung beauftragen. Ebenso ist es in den anderen Provinzen, mit Ausnahme von Hannover und der Rheinprovinz. In Sachsen-Weimar-Eisenach, dem Herzogtum Koburg und den Fürstentümern Schwarzburg- Rudolstadts rmd Schwarzburg- Sondershausen haben die Frauen, die das Bürger- recht erwarben, das kommunale Wahlrecht; in den bayerischen Städten die Hausbesitzerinnen. Ueberall müssen sich die wähl- berechtigten Frauen durch einen männlichen Wähler vertreten lassen. Das bedeutet ein« gewaltige Emxchrnnkung ihre» Rechts, denck sie haben keine Möglichkeit zu kontrollieren, ob die Stimmabgabe in ihrem Sinne erfolgt. Hier und da wird heute bereits von Arbeitgebern der Versuch gemacht, die Arbeiterinnen zu bewegen, das Bürgerrecht zn erwerben; die dazu benötigte Summe wird ihnen sogar vorgestreckt rurd in kleinen Raten vom Lohn wieder cinbehalten. DaS geschieht in der Voraussetzung, daß die Arbeite- rinnen ihre Arbeitgeber mit der Vertretung bei der Wahlhandlung beauftragen, und gerade weil mit der indirekten Stimmabgabe in dieser Weise Mißbrauch getrieben wird, sollte darauf hinge- arbeitet werden, daß die Frauen das Reckst zur persönlichen Aus- Übung des Wahlrechts erhalten, auch wenn im Augenblick ein de- mokratisches Wahlrecht für sie nicht erreicht werden kann. Das wäre natürlich nur ein ganz minimaler Fortschritt, aber man bekäme gleichzeitig neue Beweise dafür, daß die Ausübung des Wahlrechts die weiblichen Tugenden in keiner Weise beeinträchtigt. Die weitestgehenden Recht! stehen den Frauen in den Land- gemeinden der Provinz Hannover zn, dort find sie zwar auch vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen, aber in bezug auf das aktive Wahlrecht wird kein Unterschied zwischen ihnen und den Männern gemacht. Im Königreich Sachsen dürfen nur die unverhei- rateten Grundbefitzerinnen das Wahlrecht persönlich ausüben. In Elsaß-Lothringen, Mecklenburg und der Rheinprovinz schließlich haben auch die grundbesitzenden Frauen kein Wahlrecht zur Ge- meindevertretung. Sozialdemokratischer Frauentag in der Schweiz. An nicht weniger als 32 Orten werden am 8. März sozialdemokratische Frauenversammlungen in der Schweiz stattfinden, in denen je ein Genosse und eine Genossin referieren werden. Eine geradezu freudige Ueberraschung bedeutet die stattliche Liste von 32 Ge- nossinnen als Referentinnen, die mehr als manches andere beweist, daß die sozialdemokratische Frauenbewegung auch in der Schweiz starke Fortschritte macht._ Frauenarbeit. 18 689 weibliche Lehrlinge zählt eine Statistik deS Verbandes für handwerksmäßige und fachgewerbliche Ausbildung der Frau auf Grund einer Umftage bei den Handwerks- und Gewerbe- kammern. So groß die Zahl erscheint, so entspricht sie sicher nicht annähernd den tatsächlichen Verhältnissen. Denn die Ausdehnung der Handwerksgesetzgebung auf die Frauen, die vorschreibt, daß nur Meisterinnen Lehrlinge ausbilden dürfen, und daß die weiblichen Lehrlinge und Gesellen denselben Bildungsgang nachweisen müssen, wie ihre männlichen Kollegen, ist noch viel zu neu, als daß die Kammern vollständig auf dem Laufenden sein könnten. Außerdem unterliegen auch nur gewisse Berufe diesen Bestimmungen. Es sind vor allem die Schneiderinnen, deren Zahl denn auch am größten nach der Statistik ist. Unter den 18 689 Lehrlingen, die in die Lehrlingsrollen eingetragen waren, wurden 14 264 Schneiderlehr- linge gezählt, und zwar davon in Preußen 7293, in dem übrigen Deutschland 6971. Hinter ihnen steht die Zahl der Putzmacher. lehrlinge mit 3636 im ganzen Deutschen Reich weit zurück, und ihnen folgen im großen Abstand mit nur 141 die Friseurinuen. Ihre geringe Anzahl sowie die der Weißnäherlehrlinge— es sind 107— läßt darauf schließen, daß diese Berufe nur in wenigen Bezirken als Handwerk betrachtet werden. Eine Reihe von Kammern ist dazu übergegangen, Frauen in die Gesellenprüfungsausschüsse und die MeifterprüfungSkommifsiost zu wählen. In den ersteren hat z. B- Schwerin 162 Frauen, in den letztgenannten 62. In Oldenburg hat man eigene Ausschüsse und Kommissionen für Schneiderinnen und Putzmacherinnen nur aus Frauen gebildet. In einigen Bezirken steht jedoch die Regelung dieser Frage, die für das weibliche Handwerk von großer Bedeutung ist, noch ganz aus. Jedenfalls ist zu erwarten, daß die Zahl der Meisterinnen, die heute 2123 beträgt, in den folgenden Jahren rasch zunimmt._ ßrauemvahlrechtszeitung. Für den Frauentag hat die Redaktion der Gleichheit(Klar» Zetkins wieder eine illustrierte Agitationszeitung Frauen- Wahlrecht herausgeben. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Der Tag wird kommen, Gedicht von Ludw. Pfau.— Blick auf! Gedicht von Otto Krille.— Ostara. Von Klara Müller-Jahnke.— Verheißung.— Frauentag und Internationale. Von Adelheid Popp.— Thomas More, der Pfadfinder der Gleichheit und Freiheit. Von Berta Selinger.— Robert Owen. Von Mathilde Wurm.— Charles Fourier. Von Luise Zietz.— Was die Frauen Marx und Engels verdanken.— Müssen die Proletarierinnen im Parlament Vertreterinnen haben? Von Hilja Pärssinen.— Vom Kampf für das Frauenwahlrecht in Holland. Von M. Wibaut und Helen Ankersmit.— Unser Jahr in Großbritannien. Von Dr. Marion Philipps, London. An künstlerischen Bildern enthält die Zeitung:„Amazone" von Tuaillon.„Der schwere Gang" von Fr. v. Uhde.„Die Wasser- schöpferinnen" von Millet.„Madonna mit dem Kind" von Murillo. Der Preis der Zeitung ist 16 Pfennig. Zu beziehen durch die Buchhandlungen und Kolporteure. Die Organisationen erhalten die Zeitung zu den für die„Gleichheit" üblichen Bedingungen. Be- stellungen richte man a« die Expeditisn der„Gleichheit", Stutt� gort, Furtbachstraße 12._ Volksfürsorge. ,/Zch komme für die neue Bolksverficherung!" So führen sich zahlreiche gerissene Agenten der verschiedenen gegen die„Volks- fürsorge" neu gegründeten Volksversicherungsgesellschaften in die Familien der kleinen Leute ein, um bei diesen, die gerade auf die .Volksfürsorge" warten, den Eindruck zu erwecken, als ob sie es mit einer Vertrauensperson der.Volksfürsorge" zu wn hätten. Hier heißt es aufmerksam prüfen! Man frage stets nach dem vollen Namen der Versicherungsgesellschaft! Wer sich unter falscher Flagge einführt, verdient kein Vertrauen, der verdient, von der Tür gewiesen zu werden! Also, Arbeiter und Frauen, habt acht! Cure Versicherung ist die„V o l k s f ü r s o r g e", gewerkschaftlich-genossenschaftlichö Ver- sich«ungSaktiengesellschaft in Hamburg! Tagungen. Die Hauptstelle für Mutter- und SäuglingSfvrlnrge in Groß- Berlin. Potsdamer Str. 134»(Vorsitzender: Stadtmedizinalr«» Dr. Weber), veranstaltet in den Monaten März und April dieses Jahres eine Reihe wissenschaftlicher, zum Teil mit Anstalts- besichtigungen verbundener Vorträge, die ein Bild geben sollen von dem gegenwärtigen Zustande der Fürsorgern aßnahmeu, wie sie ins besondere in Groß-Berlin bestehen. Die Vorträge find in erster Linie für die in der praktischen Arbeit stehenden Vereinsleiter, Vorstandsmitglieder. Anstalts- und Bureauleiter, sowie für berufsmäßige und freiwillige Helfer und Helferinnen, Schwestern usw. bestimmt. Die Hauptstelle lädt die vorgenannten Persönlichkeiten und sonstige Interessenten z»m un- entgeltlichen Besuch der Vorträge und Besichtigungen ein und bittet, sich wegen der Programme und Eintrittskarten an die Ge- schäftsstelle, Potsdamer Sir. 134a, schriftlich oder tclephonisch (Kurfürst 6130) zn wende«. Orts- Krankenkasse der Schlosser rniij verwandten Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung betreffend Wahlen des Ausschusses. Aus den Reihen der Arbeitgeber r»vic der Versicherten ist nur je et» gültiger Wahloorschlag, und zwar durch den Schlosscrrneistcr Herrn Zlldert Polzin für die Arbeitgeber und durch Herrn Gustav Lubatsch für die Versicherten eingereicht lvordcn. Da diese Vorschläge nach den Vor- schritten deS K 7 die genügende An» zalil von Unterschristen eiithatten, so finden gemäß§ 9 der Wahlordnung die zum& und S. März 1914 an- beraumten Wahlen 969/9 der Arbeitgeber und der Bcr- sicherten nicht statt. Die Bewerber der Wahlvorschiäge gelten somit als gewählt. Die Liste der Arbeitgeber beginnt mit dem Namen„Polzin" und endet mit dem Namen„Maillefert". Die Liste der Versicherten beginnt mit dem Namen„Lubatsch" und endet mit dem Namen„Seifert". Einspruch gegen die Wahl muß spätestens bis zum L. März d. I. er- hoben werden. Berlin, den SS. Februar 1914. vor'Vorstanck. Gust. Lnbatsch, Vorsitzender. Rob. Krüger, Schristsührer. Bekanntmachung. Gemäß Z 90 der Satzung machen wir hierdurch bekannt, daß die von der General> Versainnllunz vom L9. Dezember 1913 beschlossene Krankenordnuug am 6. Februar 1914 von dem Versicherungsamle der �tadt Berlin genehmigt worden ist. Druckexemplare sind in unserem Kassenlolal in Empfang zu nehmen. Berlin, den 2S. Februar 1914. Der Borstand der Ortskrankenkasse der Gürtler zn Berlin. E. Liesack, Borfitzender. Direkt sn Private liefere ich meine vorzüglich eingesührt«, bewährte Pflanzenbutter u. Margarine, Für Vermittler bietet sich hierdurch Gelegenheit zu einer laufenden und guten Einnahmequelle. Offerten werde» umgehend erbeten unter N. D. 71 690 an die Annoncen- Expedition Bon aiter». Stantz, Düffeldorf. Hautleiden Jetzt bin ich in der Lage. Ihne» meinen herzlichen Dank für Ihre wundervoll heilende Medizw, die mich vollständig von dem schauder- haften Hantleideu befreit hat, voll und ganz zu zollen. Gustav Sichting, Mücheln(Bez. Halle). 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Es ist der Bericht dee Aeltesten dieses Bundes in Jerusalem an den Aeltesten in Alexandrien. Ein christlicher Priester.ersuchte bei der Entdeckung das Dokument zu vernichten, da sich die ganzen mystischen Wundergeschichten auk einmal ganz natürlich erklären Die Vernichtung; gelang ihm aber nicht. Dieser historische Bericht ist ins Deutsohe übersetzt worden, mit einem Vorwort über Pontius Pilatus, neu bearbeitet von Ferd. Schmidt Kein Denkender wird das Werk unbefriedigt aus der Hand legen Preis 1.50 M., schön gebunden 2.20 M. Nachnahme 30 Pf. mehr. Bücherkatalog gratis durch Albrecht Donath, Verlag, Leipzig. 508 o fffene Füsse Kram pfadergeschwüre, wenn auch veralt n hartn&cln, schmerzhafte Wunden, unerträgL Jucken heilt ohne Nachteil die mild wirkende ,,011nda-SalbeM besonders für empfindsame Leiden Sofort kühlend und lindernd, da frei von jeder Schärfe. Zahlreiche Erfolge!— H 1.— u. 2.50. Otto Reichel, Berlin 43, EisenbahntL 4 Spezialarzt I. Haut-, Harn-, ktzraueuleiden, nerv. 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Es gibt ein Bild von dem Leben in den Hofrats-, Minister- und Universitätskreisen Wiens, leuchtet hinein in die Kleinlichkeiten des nach außen so respektabel erscheinenden Lebens der Honoratioren. Die Karten kommen in folgenden Stellen zum Verkauf: Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 15. „Vorwärts"-Spedition, Petersburger Platz 4. Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145. Bureau des 6. Wahlkreises. Gerichtstr. 71, von ö bis 1 und 5 bis 7 Uhr. Restauration Paersch, Oldenburger Str. 10. Preis des Platzes 1,10 M. inkl. Zettel und Garderobe. Der Bezirks-Bildullgsansschutz Groß-Berliu. Trept,».vtm«schulemoeg. Heute Donnerstag, abends 8'/, Uhr, finden zwei öffentliaie Kommunalwählerversammlungen statt, und zwar im Lokal zur Rennbahn, Elsenstr. IIS, und im Gesellschafts« hauS, Baumschulenstr. 78. Tagesordnung: Die bevorstehenden Ge- mein deWahlen. Morgen Freitag, abend« 7 Uhr: Kuvertverbreitung von de« veziriSlokal au«. Tegel. Am Donnerstag, den 26. Februar, abends 7 Uhr, sowie am Sonntag, den 1. März, vormittags 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus wichtig« Flugblattverbreitung. Am Freitag, den 27. Februar, abends 8'/, Uhr, öffentliche Kommunalwählerversammlung in TrappS Festsälen, Bahnhofftr. 1. Referent: Stadtverordneter Karl Leid. Mariendorf. Heute Donnerstag, 3h, Uhr, Flugblattverbreiwng von den BezirlSlokalen au». Freitag, den 27. Februar, findet bei Haak, Thausseestr. 48, eine öffentlich« Wählerversammlung statt. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Gemeindewahl. Referent: Ge« nosse Pätzel. 2. Diskussion. S. Aufstellung der Kandidaten. Reinickeudorf-West. Der BildungSausschutz veranstaltet einen Vortragszyklus mit dem Thema.Beschichte de» Sozialismus'. Der KommumSmlt« im Altertum und im Mittelalter. Plato. Thomas More it. a. Bom urchristlichen Kommunismus bi« Thomas Münzer. Die Vorträge finden statt am Donnerstag, den 26. Februar, 12. März und 26. März bei E. Schröder,.Eichbornsäle', Eichhorn- stratze 60. Donnerstag, den 5. März und 19. März bei Hallmann, Scharnweberstr. St. Beginn der Vorträge 8>/z Uhr. Die Partei» genofien werden ersucht, möglichst vollzählig an diesen Vorträgen teilzunehmen._ öerliner Nachrichten. berliner Straßenbilüer. (Am Aiexauderplatz und iu der Dirckseustrafc) In majestätischer Gelassenheit schaut das eherne Riesen- » weib e r o l i n a' von ihrem hohen Postament herab auf das einem riesigen Ameisenhausen vergleichbare Gewimmel des Großstadt lebenS. Sie schaut herab auf die vorüber- flutenden Menschenmasien, die ihrer Arbeit und ihrem Er- werbe, zum Teil aber auch ihrem Vergnügen nachjagen und auf die unzähligen Fuhrwerke aller Art: elektrische Straßen- bahnen, Autodroschken und Autobusse, Geschäfts-, Last- und Marktwagen, die den weiten Platz und die in ihn ein- mündenden Straßen mit ihrer Betriebsamkeit erfüllen. Die Hupenrufe der Auto» und die Glockenzeichen der Straßen- bahnen, das Peitschengeknall der Kutscher und das Geschrei aller nwglichen Ausrufer, Zeitungshändler und Blumen- Verkäuferinnen dringt ohne Unterlaß in wirrem Durch- einander auf unser Gehör ein. zeitweise übertönt durch schrille Pseifensignale der den Fuhrwerksverkehr regulierenden Schutzleute oder das weithinschallende Geräusch der über den eisernen Straßenviadukt ein« und ausfahrenden Stadt- bahnzllge. Vom Turm de« Rathauses hört man dumpf dröhnend die Schläge der Turmuhr, in welche sich gleichzeitig das harmonische Geläute vom hohen, schlanken Turm der Georgenkirche mischt. Das Zifferblatt der Nathausuhr zeigt 10 Uhr an. Riesenhafte Geschäfts- und Warenhäuser, bi» unter das Dach mit den Erzeugnissen der Kunstfertigkeit und des Gewerbefleißes angefüllt, mit glänzenden Auslagen, deren geschmackvolle und präckstige Dekorationen von einem zahlreichen, allerdings weniger kauflustigen als neugierigen Publikum bewundert werden, dazu die gewaltige, düstere Halle des Bahnhofes„A l e x a n d e r p l a tz'l und einige trotz der noch frühen Tageszeit recht lebhaft frequentiekte Restaurants geben dem Platz sein besonderes Gepräge. Auf jeden Fall bietet sich hier, nicht nur dem Fremden, der Berlin zum ersten Male sieht, sondern auch dem Ein- heimischen, der das auf diese Gegend konzentrierte Geschäfts- und Verkehrsleben aufmerksam betrachtet, ein imposantes Bild großstädtischen Lebens und Treibens, aber auch groß- städtischen Wirkens und Schaffens. Aber der A l e x a n d e r p l a tz ist wenig geeignet, um sich dort stillen und mehr oder minder tiefsinnigen Betrach- tungen hinzugeben. Sehen wir uns daher einnial diese am Viadukl der Stadtbahn sich entlang ziehende, stille Straße ein wenig näher an. Die D i r ck s e n st r a ß el Wenn irgendwo, dann kann man hier von dieser Straße, besonders in ihrer Beziehung zum Alexanderplatz, sagen, daß die Gegensätze dicht beinander wohnen. Rechts, rn einer langen Reil)? von Stadtbahnbogen, ein großes, von zechfrohen Besuchern angefülltes Bier- und Wein- restaurant:„Zum Prälaten!" Nicht schlecht gewählt, der Name! Die hohen, frommen Herrn Kirchenhirten wußten ja einen guten Tropfen und einen dementsprechenden „Happen-Pappen" zu allen Zeiten aufs beste zu würdigen. Drüben auf der anderen Seite der Straße noch ein vor- nehmeres, aber intimeres Weinlokal. Weiterhin zieht das im! echt preußischen„Geheimratsstil" erbaute Polizeipräsidium unsere Blicke auf sich. Das Hauptportal des unsäglich lang- weiligen Ziegelstenibaues ist flankiert von zwei runden Eck- türmen, deren Turmdächer eine auffallende Aehnlichkeit mit den Pickelhauben der öor dem Gebäude umberstehenden Schutzmänner Hab«. l Trotz der im Vergleich zum Alexanderplatz auffallenden Stille ist die Straße doch ziemlich belebt von Fußgängern, die sich aus der Menschenmenge des Alexanderplatzes in diese Straße hinein absondern. Wer was für Gestalten erblicken wir hier! Einzeln, auch zu zweien und dreien kommen sie an— Männer, zum Teil ärmlich, aber sauber, zum Teil auch zerlumpt und schmutzig gekleidet: Arbeitslose, darunter nicht wenige Obdachlose, die sich nach der Wärmehalle in einem der Stadtbahnbogen begeben. Fast alle mit gesenktem Kopfe, still und scheu an der Mauer des Stadtbahnviaduktes entlang schleichend. Auf der anderen Straßenseite Frauen und Mädchen: die meisten auffallend geputzt, mit wallenden bunten Federn oder ungeheuren„Pleureusen" auf den Hüten. In ihrer Kleidung sind auffallende Farben vorherrschend: viele von ihnen tragen rote, blaue oder grüne Mäntel. Manche gehen tief verschleiert: andere ohne Hut, mit bloßem Kopf, dessen sorgfältige, aber auffallende Frisur seltsam absticht gegen den schäbigen„Ulster" oder gar gegen das ärmliche, fadenscheinige Umschlagetuch, das ihre Blöße bedeckt. Nur wenige haben es unterlassen, ihre Gesichter zu schminken und zu pudern, und noch weniger können es vermeiden, nach aller Gewohnheit kecke, herausfordernde Blicke rechts und links zu versenden. So trippeln sie— die Mehrzahl von ihnen aus hohen, spitzen Wsätzen— dahin, dem Polizeipräsidium zu, in dessen weitgeöffnetem, düsterem Portal sie eine nach der anderen ver- schwinden:—zur„Sitte"!— Einige der durch das Fegefeuer einer eingehenden„hoch- notpeinlichen Leibesvisitation' geläuterten und für den Himmel der kapitalistischen„freien Liebe' wieder auf einige Tage sanktionierten„Huldinnen' verlassen, munter schwätzend, das unheimliche rote Gebäude. Einer derselben wird von einem jungen Burschen, der, die Hände in den Taschen, vor der Wärmehalle steht und neugierig diesem eigen- artigen Aufzuge der„Demimonde" zuschaut, eine Frage zu- gerufen, die sich jedenfalls ans die Geschäftsergebnisse der ver- gangenen Woche bezieht. Die Antwort erfolgt mit großer Zungenfertigkeit und kreischendem Gelächter, daß es weithin zu hören ist:„Aba, Willem, det weeste doch, wenn de Rittajutsbesitza in'n Zirkus Buschen sind, denn ha m wa doch imma ue fette Wochel'_ �aschingschnee. Eine neue winterliche Ueberraschung gab eS gestern morgen. Straßen, Plätze und Hausdächer waren mit einer Schneedecke überzogen. In der Nacht zu Mittwoch hatte, nachdem Dienstagabend unfreundliches, kaltes Regenwetter geherrscht, ein Schneefall eingesetzt, der bald Winterland- schaften hervorzauberte. Lange sollte die Herrlichkeit in Berlln jedoch nicht dauern. Der weiße Schnee schmolz gar zu bald und mußte dem üblichen Matsch weichen. Leider sollten infolge der entstehenden Glätte mehrere Unfälle herbeigeführt werden, daß Passanten ausglitten, zu Fall kamen und sich Verstauchungen und Quetschungen zuzogen. Unfälle schwererer Natur find glücklicherweise nicht vorgekommen. Die Etatberatuug de, Stadtverorduetenversammlung er- folgt in der heutigen Sitzung. Nachdem in voriger Woche der Kämmerer seine Etatrede gehallen hat, werden heute die Redner der einzelnen Fraktionen das Wort nehmen. Außer dem Etat stehen auch noch eine Anzahl anderer wichttger Vorlagen auf der Tagesordnung. Reue Automobilverbindung Wedding— Zentrum— Görlitze, Bahnhos. Eine Automobilverbindung zwischen dem Norden, dem Zentrum und dem Südosten von Berlin richtet die Allgemeine Omnibns-Aktiengesellschaft am Sonnabend, den 28. Februar, ein. Sie verbindet den Wedding mll dem Nettelbeckplatz, dem Rosentaler Tor, dem Alexanderplatz, dein Moritzplatz, dem Oranienplatz und dem Görlitzer Bahnhof. Die neue Verbindung kommt dadurch zustande, daß die Auto- mobillinie 24 Görlitzer Bahnhof— Brunnenstraße nach dem Wedding verlängert wird. Sie wird weitergefühtt durch die Brunnen-, Volta-, Hussiten-, Wesen-, Hoch- und Gericht- sttaße, über den Nettelbeckplatz, die Reinickendorfer, Scherer-, Mar-, Uttechter. Malplaquet- und Seestraße bis zur Ecke der Müllerstraße._ Theatervereiue und Lustbarkeitssteuer. Bor einigen Wochen ergingen an die Theatervereine von der Tieuerdeputation des Magistrats Aufforderungen, Material zu liefern, um diese zur Lustbarkeitssteucr heranziehen zu können. Infolgedessen traten die drei Korporationen: Verband der Privat- Theatervereine Deutschlands E.V., Deutscher Arbeiter-Theater- bund und die Vereinigung der Theatervereine Groh-Berlin E. V. zusammen, sandten eine ausführlich begründete Denkschrift an die Steuerdeputation, Magistrat und die Fraktionen der Stadtver- ordneten und beriefen am Montag, den 23. Februar nach den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 31, eine öffentliche Protest- Versammlung ein, welche von weit über 800 Personen besucht und ein großer Teil der Besucher wegen Ueberfüllung umkehren mußten. Der von den Korporationen bestellte Referent Freier gab eine übersichtliche Darstellung der Sachlage und führte u. a. aus, daß für die Theatervereine keine gesetzliche Verpflichtung besteht, der Steuer- deputation Material zur event. Erhebung der Steuer zu geben. Die Steuerbehörde zieht ein ergangenes Oberlandesgerichtsurteil an, welches für die Vereine den Begriff der Oeffentlichkeit konstruiert. wenn zu den Vergnügungen derselben auch Freunde und Bekannte Zutritt haben und ein Verkauf von Eintrittskarten stattfindet. Diese Auffassung der Steuerdeputation, daß hierin ein Begriff der Oeffentlichkeit vorliegt, erscheint aber mit Rücksicht auf die bis- herige Rechtsprechung der bei den höchsten Instanzen, des Ober- Verwaltungsgerichts und des Kammergerichts, rechtsirrig. Das Oberverwaltungsgericht hat z. B. in einer Entscheidung, die aller- dings bereits vom 24. September 1888 datiert, ausgeführt, daß die Einführung und das Mitbringen von Gästen gestattet ist und daß unter Gästen solche Personen verstanden werden, die in irgend- welchen persönlichen Beziehungen zu den sie einführenden Vereins- Mitgliedern stehen. Denselben Standpunkt nimmt auch ein Ministerialerlaß des preußischen Ministers des Innern ein. Bezüglich der Frage der Erhebung des Eintrittsgeldes läßt sich das Oberverwaltungsgericht in einer Entscheidung vom 13. No- vember 1903 aus, in der gesagt ist, daß eine Polizeiverordnung, welche die von einem Verein oder einer Gesellschaft getroffene Ver- anstaltung als eine öffentliche erklärt, wenn vor oder in den i Räumen bzw. an den Eingängen oder in der Nähe derselben I Eintrittsgeld erhoben wirb, rechtsungültig fit. Di« Erhebung de«, Eintrittsgeldes bildet an sich kein Tatbestandsmerkmal der Oeffent» lichkeit einer derartigen Veranstaltung. In demselben Sinne hat auch das Kammergericht vom 22. April 1901 entschieden. Die Theatervereine sind in allen Fällen auf den durch die angezogenen Entscheidungen bestimmten Personenkrcis begrenzt. Daß die Steuerbehörde auf Grund des Oberverwaltungsgerichtsurteils die Veranstaltungen der Vereine als öffentlich betrachtet, ist auch in- sofern ein rechtsirriger Standpunkt, als dieselben nur in dem ge- setzlich vorgeschriebenen Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft stattsinden. Würde den Vereinen eine Oeffentlichkeit nachgewiesen werden können, so würde die Existenz derselben in Frage gestellt und die Steuerbehörde erhielte von den Vereinen auch keine Steuern. Bei Aufhören der Vereine würden aber noch Tausende von Gewerbetreibenden, welche im ständigen geschäftlichen Verkehr mit den Theatervereinen stehen, weniger steuerkräftig werden, weil sie durch die Vernichtung der Vereine eine nicht unerhebliche Ein- büße in ihren Einnahmen erleiden würden. Nach den Verhandlungen bei Einführung der Steuer wurde sowohl m der Kommisston wie im Plenum der Stadtverordneten- Versammlung darauf hingewiesen, daß die Vergnügungen des kleinen Mannes nicht getroffen werden sollen, sondern lediglich die Kinos, Varietes und die öffentlichen Rauchtheater, die Vereine aber, als die Vergnügungsstätten der minder bemittelten Bevölkerung davon ausgenommen bleiben. Demnach widerspricht das Vorgehen der Steuerdeputation den seinerzeit von den Magisttatsvertrctern ge- gebenen Zusicherungen, die zweifellos auch für einen erheblichen Teil der Stadtverordneten bei der Abstimmung ausschlaggebend gewesen find. Die Busführungen des Referenten fanden großen Beifall und äußerten sich sämtliche Diskussionsredner in demselben Sinne, daß man die Angelegenheit bis zu den höchsten Instanzen durchkämpfen müßte. Die folgende daraus eingebrachte Resolution fand einstimmige Annahme: „Die von den Korporationen: Verband der Privat-Theater- vereine Deutschlands E. V., Deutscher Arbeiter-Theaterbund und der Vereinigung der Theatervereme Grotz-Berlin E. V. eingeladenen, heute in den Musikersälen versammelten Vertreter von Hunderten von Berliner Theatervereinen protestieren ganz ent- schieden gegen das Vorgehen der Berliner Steuerbehörde. Ae Forderung, daß die Theatervereine Lustbarkeitssteuer zahlen sollen, widerspricht dem Willen der Stadtverordneten- Mehrheit, die mit dieser Steuer die Bildung?, und Unterhalwngs- vereine der Reichshauptftadt nicht treffen wollten. Wie schon in der Eingabe der Korporationen an die Steuer- deputation hervorgehoben ist, kann unter keinen Umständen zu- gegeben werden, daß die Theatervereine öffentliche Aus- führungen veranstalten, und daß daher ein« Steucrpflicht vorliegt. Die Theatervereine Berlins werden aufgefordert, jede weitere Maßnahme der Steuerdeputation der von den Verbänden ge- bildeten Kommission(zu Händen des Herrn Karl Rettschlag, Berlin NO. öS, Greifswalder Straße 216) mitzuteilen. Die Verbände find gewillt, diese Maßnahmen mtt alle» Mitteln bis zu de» höchsten Instanzen zu bekämpfen.' -\ Vom Dache gestürzt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag im Hause Neuenburger Straß« 10. Dort war ein Schornsteinfeger auf dem Dache bei der Arbeit, als er plötzlich infolge der Glätte cch- stürzte und mit schweren inneren sowie äußerlichen Verletzungen auf dem Hof« liegen blieb. Er wurde mittels Automobils der Feuer« wehr nach dem UrbankrankenhauS gefahren. Grostfeuer tu der Panoramastrast«. Ein überaus gefährlicher Brand kam gestern nachmittag gegen 1 Uhr in der Panoramastraße 2 am Bahnhof Alexander Platz zum Ausbruch. DaS Feuer hatte seinen Herd im ersten Stock des Quer- gebäudeS in den Lagerräumen der Wollwarenfabrik von Louis Fürstenthal(Inhaber Adolf Rosenwald). Als der erste Löschzug eintraf, hatten die Flammen schon da» gesamte Lager der Firma erfaßt und in wenigen Augenblicken war der enge Hof des Grundstücks in undurchdringlichen Oualm gehüllt. Unter den zahlreichen Mietern de« großen Eckhauses entstand große Auftegung, da der erstickende Rauch bald auch in die Wohnungen eindrang. Der leitende Brandoffizier zog daher durch die Nachmeldung.Mittelfeuer' noch weitere Löschzüge zur Unter« stüyung heran. An den Fenstern nach der Straße zeigten sich mehrere gefährdete Personen, die um Hilf« riefen. Es drohte eine Panik auszubrechen. In der Panoramastraße wurden sofort zwei mechanische Leitern errichtet, über die hinweg Feuerwehrmänner in die Wohnungen einstiegen, um die geängstigten Leute zu be« ruhigen und von übereilten Schntten zurückzuhalten. Bon den Sappeuren wurden zwöli Personen, Erwachsene und Kinder, über die Haupttreppe in Sicherheit gebracht. Verletzungen hat niemand er- litten. Gleichzeitig traten mehrere Dampf- und Motorspritzen in Tätigkeit, die sechs Schlauchleitungen speisten. Der Löschangriff er- folgte von den Treppen des Vorderhauses und von Hakenleit ern aus, die im Hos in die Fenster eingehakt wurden. Während ge- waltige Wassermengen in die brennenden Lagerräume des ersten Stockes geschleudert wurden, schlugen andere Mannschaften fast in allen Etagen die Flurfenster ein, um für den Abzug des Qualms zu sorgen. Der enge Hof war durch die Rauchwolken derart verfinstert, daß die Feuerwehr Magnesiumfackeln an« zünden mußte. Das Feuer durchschlug auch die Decke des zweiten Stocks im Ouergebäude und richtete dort erheblichen Schaden an. Auch die Treppen des rechten Seilenflügels wurden vom Feuer er- griffen und zwischen dem ersten und zweiten Stock ist das Treppengeländer vollständig verbrannt. Die Hitze ist so stark, daß das Mauerwerk in großem Umfange abbröckelte. Die Brandstelle war von einer großen Menschenmenge umlagert, die von einem Schutz- mannsaufgebot in Ordnung gehalten wurde. Ueber die Ursache des Feuers ist nichts ermittelt._ Jagow und die Schuhleute. Die Vereinigung Berliner Schutzmänner hat nach dem V9röot durch den Polizeipräsidenten v. Jagow zwar zu besteh«.-, aufgehört, doch haben die Begründer und deren Freunde kein Mittel unver» sucht gelassen, um doch noch zum Ziele zu gelangen. Sie folgen dem Beispiel der Berliner Feuerwehrmänner, die schließlich nach langem Ringen die Genehmigung zur Organisation erhalten haben. Der Syndikus der Feuerwehrmänner hat es auch übernommen, die Rechte der verbotenen Schutzmannsvereinigung wahrzunehmen. Er bat zunächst wegen des Jagowschen Verbots eine Beschwerde an den Minister des Innern gerichtet. Diese Beschwerde ist jetzt ohne jede nähere Begründung zurückgewiesen worden. In den nächsten Tagen wollen die Vertrauensmänner mii ihrem Rechisbeistand die weiteren Schrille beraten, um die Be- gründung der Vereinigung, von der sie trotz der Maßregelungen nicht abzugehen gedenken, durchzusetzen. Al« �Kriminalbeamter der Mordkommission" hat ein Gauner einer harmlose« Kran in der Oderberg« Straß« mm nicht gon, Ort f6t Mv ä tbfl gesagt:„Mir soll nur einer von den Buchdruckern herauskommen, dem besorge ich es." Der Zeuge suchte den Kciling zu beruhigen, aber Keiling habe nicht bleiben wollen, sondern sei umgezogen. Der Zeuge hatte den Eindruck, datz Kciling in aufgeregter und leidenschaftlicher Stim- mung war.— Angekl.: Ich hatte den Eindruck, daß der Wirt mit den Streikenden unter einer Decke steckte.— Zeuge: Selbstverständlich hätte ich für die Sicherheit meiner Gäste absolute Gewähr geleistet. Ich habe mir lange überlegt, ob ich die Drohungen KeilingS mit dem Revolver der Polizei melden sollte. Aber ich habe es für klüger gehalten, überhaupt nichts davon zu sagen, weil, wenn das herausgekommen wäre, die Buchdrucker nur noch aus- geregter geworden wären— Bors.: War Hinz auch aufgeregt? — Zeuge: Nein, von Hinz habe ich so gut wie nichts gemerkt, er war nur ein Mitläufer. Zeugin Julie Bchnisch ist Köchin im Hotel.Stadt Prag". Als sie den Lärm in der Gaststube hörte, wollte sie die Küchcntür ab- schließen, damit die Streikenden nicht zu ihr in die Küche kämen, Als sie das tun wollte, sei Keiling mit gezogenem Revolver auf sie zugekommen, so daß sie in die äußerste Ecke der Küche flüchtete. Unmittelbar darauf hätten die dem Keiling verfolgenden Buch- drUcker die Küche betreten.— Bors.: Hat Keiling gezielt, als er schoß?— Zeugin: Ob er gerade auf Solinger gezielt hat, weiß ich nicht. Aber er hat den Revolver gerade auf die Buchdrucker gc- richtet.— Bors,: Keiling entschuldigt sich damit, es habe ibn jemand von hinten gepackt, seinen Arm nach unten gedrückt und er habe über die Köpfe hinwegsckneßen wollen.— Zeugin: Das ist absolut unmöglich.— Bors.: Können Sie mit absoluter Gewihheit aus, schließen, datz Keiling in der Küche mißhandelt oder bedroht worden 'st?— Zeugin: Das ist ganz ausgeschlossen, das hätte ich sehen müssen.— Bors.: Keiling, was sagen Sie zu dieser Aussage? Haben Sie in Notwehr gehandelt?— Angekl.: Nein, in Notwehr habe ich nicht geschossen. Ich habe überhaupt nicht geschossen, es hat jemand mich am Arm gepackt und da ist die Waffe von selbst losgegangen. — Bors.: Sie haben unmittelbar vorher angekündigt, Sie würden schießen.— Angekl.: Nein, das habe ich nicht getan. Ich habe nur gesagt, ich würde von der Waffe Gebrauch machen, wenn man mich nicht losließe.— Bors.: Das scheint doch aber darauf hinzudeuten, daß Sie den Schutz mit Willen abgefeuert haben. Die weitere Verhandlung wird auf Donnerstag vertagt. Auch da? Urteil ist am Donnerstag zu erwarten. Todes-Anzeigen Ld. 2. ßeFlieictislags- Wahlkreis, Bezirk 138. Am 24. Februar verstarb unser Mitglied fenünsiili Wichrnann Böckhstr. 87. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Februar, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Jakobi- Kirchhofe», Hermannstr., aus statt, Um rege Beteiligung bittet S0S/l2 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Yerhanl Beiirkiverwalhing GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Holz» induslriearbeitcr perä. WidiniÄlm 23. d. MtS. im Alter am von 56 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Becrdiaung findet am Freitag, den 27. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi- Kirch- Hosts au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 62/14 Bio BezirktrerwaltunB. jsselbe, Berliner Str. 121. Am 23. d. M., morgens 6'/, Uhr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein innlgstgelicbtcr Mann, der Polterermeister Ifcu'l Crrüneberg im Jllttr von 40 Fabren. 29/5 Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der trauernden Hintcrbllebenen Witwe Frau Johanna Grllncberg geb. Gesch. Die Trauerfeier findet am Donnerstag nachm. 1'/, Uhr im RuunnelS- burger Krankenhanse, Schlicht-Allcr, statt und die Beerdigung ersolgt um 2'/, Uhr aus dem Friedhose zu FrstdrichSfelde-KarlShorst, an der Treskow-Allee. �iailieiMnlischerWahtveretn Adiershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse � Karl Haue am 21. Februar, nach langem schweren Leiden verstorben Ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Februar, nach- mittags 8 Uhr, von der Halle des hiefigen Friedhose« au» statt. Rege Beteiligung erwartet MMl�����De�Vor�nd� Sozialdemokratiscber Wahlverein LK-BerLReiehstais-Wahlkreis. Bezirk 504. Am Sonntag, den 22. Februar, verstarb unser Genosse Emil Kolms Wollin er Straße 50. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Februar, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes m Friedrichs» selde ans statt. Um rege Beleiligung ersucht I»«i- VorMtund. Sozialdemokratischer Wahherein Bewirk tilehtenbeiv. Nachruf. De» Genossen zur Nachricht, daß«ms« Mitglied, der Nestau- rateur Johann Spenida »erstorben ist. Ehre seinem Andenken! 14/3 Bis Bezirksleitung. Danksagung. Fitr die zahlreichen Beweise herz. sicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Ileben VaterS Bus« Becker sage Ich allen Freunden und Be- kannten, sowie dem'Verband der Böttcher und Weinklls« und den .Kollegen der Firma Thonak meinen herzlichsten Dank. 1060b Paul Beek—-, Schöneberg. ifcefcsftear: Deutscher MetallarheiHeH Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Metall- arbeitcr Karl Naue Adlershof, Handjerh-Str. 10 am 21. d. Mts. an Krebsletden im Knie gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeinde- Friedhofes in AdlcrShos au» statt. Rege Beteiligung erwartet 113/10 Die OrtsyerwaHung. Deutscher Bauarheiterverband. Zwcigveretn Berlin. Am 24. Februar starb uns« Mitglied, der Maurer Karl Wiese (Bezirk Osten I). Ehre seinem Andenke«! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, de» 28. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle de» St. Gcorgcn-FriedhoseS, Landsberger Allee, au» statt. Ul/L. Der Vorstand. Deutseher flolzarheiler-Verband. Zahlstelle«erlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gu8tav Fischer Grünthalerstr. 13 Im Alter von 49 Jahren ge- storbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freilag, den 27. Febniar, nach- nüttag» 81/, Uhr, von der fmlle de» allen®l. Paul»- Kirchhofes in der Ereslraße au» statt. 33/19 Die OrUverwattung. Roch längerem Leiden verstarb am 24. Februar unser Ahes, der Pionosadrikant Herr 107A Julius>\Wmnelc. Wir werden fein Andenken stets in Ehren hallen. vis Arbeiter der Pianofabrik von H, Matz& Co. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Thomas-Kirchhoses in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß plötzlich am Dienstag mein teurer Mann, Vater und Schwiegervater, der Buchbinder Huko Almer Berlin, Wassertorftr. 18, im 33. Lebcnsjabre verstorben ist. Dies zeigen hiermit an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Stmeon-Kirchhose», Kadcnbovfer Weg, au« statt. 1062b Vsrlisnck der JAaier, Saekierer, Anstreicher Bureau: Mclchiorstraßr 38, Part. F«nsprecher Amt Mpl. Nr. 4787. Tllisle Ssvliu. um Arbcitsnachiveis: Rückerstraße 9. Fernsprecher: Amt Norden 6708 Freitag, den 27. Februar, abeuds 8'/- Uhr, im Geuierbschastshause, Eugelufer 15: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Dir innere Gestaltung der Filiale Berlin. 2. Diskussion. 3. Abstimmung über bat Vertretersyftem. 3V Wegen der wichtigen Tagesordnung muß ei» jeder Kollege erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Wir machen die jtollegen darauf aufmerksam, daß der Lohn am 1. März um 1 spf. steigt, also 7» Pf. beträgt. SM" Die Arbeitszeit ist vom 1« März täglich« Stunde»."WA �i11*__ Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnfeiden. Prinzenstr. 41, ÄT«. 10— 2, 6— 7. Bonntaae 10—12. Legehühner fleißige Eierleg.. Farbe