Ur. 59. HbonnementS'Bedingungen: HSomtemcntS- Preis pränumerarido! Vierteljährl. Z.Z0 Mk, monatl. 1.10 Mk, wöchentlich 2ö Psg. frei in? HauS. Einzelne Klimmet 5 Pfg, Eonntags- nuinrner mit illuftrierier Sonnlags. Beilage»Die Neue Well' 10 Psg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonncmems nehmen an: Belgien, DSnemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. erscheint täglich, 31. Jahrg. m Oerlinev Volllsblnkk. Die TnfcrtionS'Gcbüljr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonet- zeile oder deren Raum 00 Psg.. für polittsche und gewerlschaftliche Vereins. und Versnmmlungs-Anzeigen M Psg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässtg 2 fettgedruckte Worte), icdes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über löBuch. staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeoitio» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SosUilieoioiirat Benin". Zentralorgan der foztaldemokrati fchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68» Lxndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 1. März 1914. Expedition: SM. 68»£.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1981. Werben unö Sammeln! Äls die sozialdemokratische Parteileitung die Veran- staltung einer Roten Woche beschloß, konnte sie noch nicht wissen, wie sehr sie damit einem politischen Bedürfnis Rechnung trug. Nach ausländischem Muster sollte diese Rote Woche ein agitatorischer Kulminationspunkt sein, eine Zeit gesteigerter Kräfteanspannung, eine Woche besonders emsigen und rastlosen Werbens für die proletarischen Organisationen und die sozialdemokratische Presse. Zu solch nützlicher und notwendiger Arbeit gibt es jederzeit zehn- und hundertfältigen Anlaß. Aber nun hat es das der Sozialdemokratie ja be- sonders gewogene Schicksal gewollt, daß die Rote Woche gerade in eine Zeit politischer Hochspannung fällt, in eine politische Lage, die zum rücksichtslosesten Kampfe herausfordert. Kein noch so gerissenes Arrangement hatte eine so klare und ernste Frontstellung schaffen können, wie der brutale Uebermut unserer Reaktion sie uns be- schert hat. Zum Werben und Sammeln soll die Rote Woche dienen. Unsere Organisationen sollen gestärkt, unserer Presse sollen neue Abonnenten zugeführt werden. Wer vom arbeitenden Volke noch immer nicht begriffen hat, daß er sich gewerkschaft- lich und politisch zu organisieren hat, wenn es ihm ernst damit ist, sein armselig Los zu verbessern und politische Gleichberechtigung zu erkämpfen, dem soll es von seinen ein- sichtigeren Klassen- und Kampfgenossen eindringlichst zum Bewußtsein gebracht werden. Nicht minder klar soll es ihm gemacht werden, daß man die Presse nicht mit Unrecht.die fünfte Großmacht genannt hat und daß es durchaus in der Hand der Arbeiterklasse liegt, diese Großmacht für sich zu gewinnen. Mit einem Wort: die Rote Woche soll dem Proletariat zu eigenstem Nutz und Frommen, das Wort des Abb� Sieyss' ins Gedächtnis rufen: Was ist der dritte Stand? Nichts? Und was könnte er sein? A I k e s I Denn was zur Zeit der französischen Revolution für den dritten Stand, das Bürgertum, galt, gilt heute noch unendlich viel mehr für den vierten Stand, das Proletariat. Daß aber der„vierte Stand" zurzeit nichts ist, von den herrschenden Klassen als nichts ge- achtet wipd, davon haben ja die politischen Ereignisse der letzten Zeit so überreichlich Zeugnis abgelegt. Die Partei des Proletariates, das den weitaus größten Teil des Volkes bildet, ist im Reichstag durch 110 Abgeordnete vertreten. Aber ist darum auch der Einfluß der Sozial- dcmokratie gewachsen?. Ganz im Gegenteil! Dadurch, daß die bürgerlichen Parteien sich um so schamloser der Reaktion in die Arme geworfen haben, ist die Sozialdemokratie parlamentarisch isoliert und ohnmächtig. Das zeigte sich beim Krupp-Skandal, wo Zentrum und Nationalliberale unter feiger Preisgabe ihres ehemaligen Standpunktes ins Lager der Krupp-Hehler übergingen. Das zeigte sich nicht minder deutlich bei der Zabern-Kommission, wo alle bürgerlichen Parteien vor der Säbcldiktatur des Militarismus und vor dem Absolutismus kläglich kapitulierten, mochten sie auch noch wenige Wochen zuvor noch so ruhmredig und phrasenselig den Männcrstolz vor Königsthronen proklamiert haben. Die Krupp-Affäre und der Skandal von Zabern aber waren geradezu der Probierstein für die Gesinnungsechtheit der bürgerlichen Parteien. Niemals ist die kapitalistische Kor- ruption, die sich systematisch staatliche Organe dienstbar macht, schonungsloser entlarvt worden, als durch die Aufdeckung des Kruppschen Spionagesystems. Hätte sich unsere Bourgeoisie noch eine Spur von Rechtlichskeitssinn bewahrt, so hätte sie hier mit eisernem Besen ausfegen müssen. Statt dessen hat man selbst die„feilen Gesellen" von Zeugoffizicrcn wieder in Gnaden in die Offizierschargen aufgenommen und über die stinkendste Korruption den Mantel der Vertuschung gebreitet. Und wie hier die kapitalistische Korruption, siegte in Elsaß- Lothringen der Militärabsolutismus, die soldateske Willkür, die sich auf verschimmelte Kabinettsorders beruft. Der Ver- such, diese das Licht der Oeffentlichkeit scheuende Kabinetts- order der Kontrolle der Gesctzgebungskörper zu unterwerfen, scheiterte an dem Widerstand der Regierung und der Reichstags- Mehrheit, die sich höhnisch über alle Volksrechtc und Volks- forderungen hinwegsetzten!/ Das kriegshetzerische Rüstungskapital und die unseren Junkern und Schlotbaronen dienstbare Militärdiktatur haben also den unbestrittensten Sieg über das Volk davongetragen. Und wie hier die brutalste Reaktion den Sieg davontrug, so auch in allen anderen Fragen. Haben wir nicht erst vor wenigen Tagen im Preußischen Geldsackparlament erlebt, wie die Regierung sich den Scharf- machern gegenüber in Beteuerung ihrer unbedingten Gefügig- keit überbot? I Von den Junkern bis zu den National- liberalen forderte man die Unterdrückung der Gewerkschaften und Gewerkschaftsaktionen. Vom Ministertisch aber versicherte man eifrigst, daß man bereits durch einen neuen Ministerial- erlaß alles das zu erreichen bemüht gewesen sei, was man im Reichstag durch ein Verbot des Streikpostenstchens vergebens erstrebt habe. Also Erdrosselung des Streikrechts auf dem Verwaltungswege I So steht die Reaktion geschlossen im Kampfe gegen die politischen und sozialen Rechte der Arbeiterklasse. Und selbst die schwankenden Gestalten des sogenannten„Links"-Liberalis- mus zieht es bei allen ernsten Entscheidungen zur Reaktion hinüber. Hat sich nicht Herr Naumann zur Unterschrift für den Gesetzentwurf für den staatlichen Gebärzwang bereit finden lassen? Und hat der Freisinn nicht gar kläglich er- klärt, daß er gar nicht daran denke, die Rechte des„obersten Kriegsherrn" irgendwie anzutasten? Was soll man von einer bürgerlichen Linken sagen, die nicht einmal den Mut hat, für eine wirklich konstitutionelle Regierungsform einzutreten I Aber nicht genug damit, daß die bürgerliche Linke vor dem reaktionären Draufgängertum jämmerlich die Segel ge- strichen hat: die Reaktion gelüstet es längst nach neuen frechen Attacken gegen die Arbeiterklasse. Seit Monaten munkelt man von einer Ncichstagsauflösung, um der Zollwucher- und Scharfmachermehrheit im Reichstag vollends eine unumstrittene Mehrheit zu sichern und die sozialdemokratische Fraktion zu dezimieren. Da ist in der Tat der Hieb die beste Form der Deckung. Der Hieb, der allgemeine Vorstoß gegen all die reaktionären Provokationen und Unverschämtheiten! Und wodurch könnte dem tobenden Scharfmacherklüngel der schmerzhafteste Hieb versetzt werden? Durch die Stärkung der Organisationen der klassenbewußten Arbeiterschaft, durch die Verbreitung der sozialdemokratischen Presse l Beruht doch auf den Organisationen die' Macht des kämpfenden Proletariats. Hat doch der Klassenstaat merken müssen, daß seine Organisation, seine Einflüsse durch Be- Hörden, Militarismus und Geistlichkeit ins Wanken geraten sind durch die Organisationen der Arbeiterklasse, durch Ge- werkschaften, politische Vereine und die sozialdemokratische Presse. Wie man die proletarischen Organisationen fürchtet, beweist am besten der Notschrei des Generals Locbcll, der als Gegengewicht gegen die rote Woche eine besondere Werbearbeit für die gelben Organisationen empfiehlt. Und das Proletariat darf dessen sicher sein» daß es in der Tat das Unternehmertum weder an Kosten noch an Anstrengungen fehlen lassen wird, um den freien proletarischen Organisationen die durch Unter- nehmergeld großgepäppelten gelben Organisaftonen entgegen- zustellen. Welche Anstrengungen überhaupt die besitzende Klasse macht, um der proletarischen Klassenbewegung Herr zu werden, beweist schon die Summe von S'/a Millionen Mark, die im preußischen Etat allein für die Unterstützung der bürgerlichen, der reakftonären Jugendbewegung ausgeworfen ist! Wo der Klassenstaat nicht nur alle regulären Mittel auf- wendet, um die Sozialdemokratie niederzuringen, sondern wo noch durch Millionenausgaben ganz ungewöhnliche An- strengungen gemacht werden, um die proletarische Klassen- bewegung durch eine gemeinsame Aktion von Staat und Unternehmertum zu überwinden, da sollte es eines besonderen Appells an die Werbetäftgkeit der Arbeiter nicht mehr be- dürfen! Jeder intelligente Arbeiter, jede verständige Arbeiterin wissen. daß die verzehnfachten Kraftanstrcngungen der Gegner auch die vervielfältig st e Energie des Proletariats bedingen. Mit der Redensart, daß man schon seine Schuldigkeit tue, wenn es zur Wahl gehe, ist es in den gegenwärtigen Zeiten des erbittertsten Kampfes weniger denn je getan. Heute hat jeder seinen ganzen Mann zu stehen— nicht nur durch seinen Stimmzettel, seine Gesinnung, sondern auch durch seine Tat, sein agitatorisches Wirken! Um das Koalitionsrecht. Stettiner Streikjustiz. Stettin, 28. Februar.(Privattelegramm des „V 0 r w ä r t s".) Ter Frauendorfer Streikkraivall, der sich aus dem Mord an dem Arbeiter Kühl durch den Arbeitswilligen Brandenburg entwickelt hatte, führte zu eineni zweiten Land- friedensbruchprozeß, diesmal vor dem Stettiner Land- gericht. Zehn Angeklagte standen vor dessen Schranken und 62 Zeugen wurden vernommen. Trotzdem stützte sich das Ur- teil nur auf die Aussagen zweier Arbeitswilliger, von denen einer seine schwerwiegenden Angaben bisher verschwiegen hatte, trotzdem er schon zweintal eidlich vernommen ivar, und außerdem auf Gendarmenberichte, deren Richtigkeit von den betreffenden Zeugen und Angeklagten bcstiitten wurde. Der Staatsanwalt hielt alle Angeklagte für schuldig und beantragte insgesamt 4 Jahre 11 Monate Gefängnis, davon 6 Monate gegen den Angeklagten Jahnke, der er- Wiesenermaßen fortwährend die Menge beruhigte und bei dieser Arbeit einen schweren Säbelhieb erhalten hatte. Die Angeklagten waren, bis auf einen, sämtlich unbescholten.. Es wurden verurteilt: Ter Angeklagte Schumann zu E Monaten Ge- f ä n g n i s, weil er mit dem Revolver geschossen haben sollte, die Angeklagten Kugel, Landor, Zank und Bürgel zu je 5 Monaten Gefängnis, der Angeklagte Kandel zu 4 Monaten und Frau Prechel zu 3 Monaten Gefängnis. Die Angeklagten G a d k e. ein Schwager des erstochenen Kühl, Jahnke und Prechel wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung wurde anerkannt, daß der Streikleiter Jahnke und der Ge- Werkschaftsbeamte Thieme in anerkennenswerter Weise be- strebt waren, die erregten Gemüter zu beruhigen. Während der Totschläger Brandenburg frei ausging, sind vot� den über diese Bluttat empörten Menschen nun schon 12 zu insgesamt 5»�. Jahren Gefängnis verurteilt worden. Des Schutzmanns Majestät. Im Kürschnerbetrieb von Ruh in der Büschingstrahe wurde gestreikt. Am 15. September sah die Frau des bestreikten Unter- nehmers den Genossen Redakteur Regge auf dem Büsching- platz,«ie erklärte darauf zum Schutzmann Wolf, jener Mann habe was im Schilde, er scheine sich an der Sache zu beteiligen. Darauf herrschte der Schutzmann den ruhig mit seinem Begleiter auf der fast leeren Straße gehenden Regge an:„Sie wissen was hier vorgeht, entfernen Sie sich hier, Sie bürsen hier nicht stehen." Regge erwiderte:„Wir stehen ja gar nicht." Nach einigem Hin und Her würde Regge zur Wache geführt. Er erhielt dann einen Strafbefehl über eine Woche Haft wegen Uebertretung der Strahenpolizciverordnung. Das Schöffengericht änderte die Strafe in 3 0 M. um. Der Amtsanwalt legte Berufung ein, weil seiner Begründung nicht stattgegeben war, in Fällen vor- liegender Art habe nur Haftstrafe einen Zweck, eine Geldstrafe würde vom Verbände, dessen Angestellter Regge sei, gezahlt werden. Auch Regge legte Berufung ein, weil er nicht anerkennen konnte, daß das Streikpostenstehen bestraft werden könne. In der Verhandlung, die am Donnerstag vor der Straf- k a m m e r stattfand, erklärte der Schutzmann, sie hätten vom Revier die Anweisung gehabt, jeden wegzuweisen, der zu den Streikenden zu gehören schien. Als der Verteidiger, Rechts- anwalt Dr. Hcrzfeld, diesen Grund der Fortweisung fest- legen wollte, veranlahte der Vorsitzende durch Suggestivfragen, daß der Schutzmann die Frage, ob er s e l b st die Wegweisung zur Sicherheit für erforderlich hielt, bejahte. Die Strafkammer ver- warf beide Berufungen, da der Beamte beschworen hatte, er habe auf Grund eigenen Ermessens die Fortweisung vorge- nommen. Das Gericht habe nicht das Recht nachzu- prüfen, ob diese Fortweisung zweckmäßig gewesen sei und ob der Verkehr oder die Sicherheit in der Tat hätte gestört werden können. Also wieder einmal: des Schutzmanns Majestät steht höher als das Recht des Richters, die Sachlage zu prüfen oder, wie der Vor- sitzende sich ausdrückte: Streikpostenstehen ist in dem Augenblick nicht mehr erlaubt, wo ein Polizeibeamter es nicht will. Ein prächtiger Rechtsstaat, wo der Arbeiter bestraft wird, weil er von seinem zweifellosen Rechte des Streikpostcnstehens Gebrauch macht. ver Aufschwung in Rußlanö. Von G. Plechanoff. Die Reakfton, die in den letzten Jahren in Rußland ge- wütet hat, stützte sich nicht nur auf die Bajonette der Soldaten und auf die Knuten der Kosaken. Sie wurzelte vielntchr in der Stimmung eines ungeheueren Teiles der Bevölkerung. Wäre es anders gewesen, hätten nur die Knuten und die Bajonette das Rückgrat der Reaktion gebildet, so hätte sie sich nicht auf die Philosophie, die Literatur und die Kunst ausgedehnt. Man kann die Menschen nicht durch Drohungen zwingen, ihre ästhetischen, literarischen, oder philo- sophischen Anschauungen zu ändern; in den letzten Jahren jedoch war die russische Intelligenz mit der systematischen„Um- Wertung" aller geistigen„Werte" beschäftigt und das Ergebnis dieser„Umwertung" war eine unaufhaltsame Rückwärts- bewegung auf allen Gebieten der Ideologie. Daraus geht hervor, daß nicht nur die„herrschenden Kreise", sondern auch jene gesellschaftlichen Klassen und Schichten sich der Reakfton ergaben, deren Sftmmung in der ideologischen Arbeit der Mehrzahl unserer Intelligenz zum Ausdruck kommt. Schon Damm rüstet zur roten Woche! Goethe hat gesagt, daß alle Reaktionsepochen sndjektivistisch sind. Das zeigte sich auch in der letzten Zeit, wo wir einen Triumph des Subjektivismus erlebt haben, der u. a. dahin geführt hat, daß die Kunst sich immer entschiedener von der Wirklichkeit abwandte. Die reaktionäre Stimmung ganzer gesellschaftlicher Klassen und Schichten, die diese Rückwärtsbcwegung auf dem Gebiete der Ideologien bewirkte, war der Regierung im höchsten Grade günstig, die mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln reaktionäre Ziele auf sozialpolitischem Gebiete verfolgte. Jetzt aber wird diese reaktionäre Stimmung, aus der die Regierung Kapital schlug, von der schnell wachsenden Unzufriedenheit der Gesellschaft verdrängt. Sogar die Oktobristen beginnen in der Sprache der Opposition zu reden. Wir stehen an der Schwelle eines neuen Politi- schen Aufschwunges, und dieser Aufschwung ivird ebenso un- aufhaltsam sein, wie noch vor kurzem die Rückwärtsbewegung unserer„Gesellschaft". Dafür bürgt die einfache Tatsache, daß die heutige politische Ordnung in Rußland das stärkste Hemmnis für die Entwicklung der Produktivkräfte des Landes bildet. Die Regierung der„Schwarzen Hunderte" kann— und auch das nur zur Not— lediglich den Interessen des Adels dienen. Aber in wirtschaftlicher Beziehung bildet der Adel eine nieder- gehende Klasse. Der adlige Grundbesitz in Rußland schmilzt mit jedem Jahre immer mehr zusammen. Die reaktionäre Wut, von der der russische Adel ergriffen ist. ist selbst nichts anderes als die Frucht der unter den Junkern um sich greifenden Erkenntnis ihres wirtschaftlichen Niederganges. Aber die reaktionäre Wut ist sogar vom Stand- Punkt der Reaktion ein schlechter Ratgeber. Indem die Ne- gierung, den Forderungen des niedergehenden Adels nach- gebend, der aufsteigenden Bourgeoisie den Weg versperrt, weckt sie in den Kreisen des Bürgertums die Unzufriedenheit. Um die Bourgeoisie zu befriedigen, müßte die Regierung die von den Jntereffen des Adels diktierte Politik preisgegeben und eine Reihe gemäßigt-liberaler Konzessionen machen. Aber zu einer solchen Politik ist die Regierung vollkommen unfähig. Ihr Schicksal ist mit dem des niedergehenden Adels untrenn- bar verknüpft. Deshalb ist sie wie der Adel selbst zum Unter- gang verurteilt. Allerdings wird nicht die Bourgeoisie dieser Regierung den Todesstoß versetzen. Unsere Bourgeois werden nie über eine mehr oder weniger— oder richtiger eine weniger als mehr— konsequente Opposition hinausgehen. Einen ent- schicdenen Kampf mit der Regierung können nur die arbeitenden Massen aufnehmen. als deren Führer das klassenbewußte Proletariat auftreten wird. Aber der Zwei- kämpf der arbeitenden Massen mit der reaktionären Rc- gierung wird indirekt unterstützt werden durch die oppositionelle Stimmung der Bourgeoisie. Ich sage indirekt, weil im gegebenen Falle nicht so sehr die Stimmung der eigent- lichen Unternehmer, dieses Kerns der Kapitalistenklasse, als die jener„Gesellschaft' von Bedeutung ist, die zwischen der Unternehmerklasse und der Arbeiterklasse stehend und keinen unmittelbaren Anteil an dem Produktionsprozeß nehmend, dennoch einen großen Einfluß auf den Gang des gesellschaftlichen Lebens ausübt. Diese„Gesellschaft" ist jetzt fast ganz dem Einfluß der Bourgeoisie verfallen. Der Widerspruch zwischen der heutigen politischen Ordnung »np den Anforderungen des sich entwickelnden Kapitalismus wird von ihnen sogar besser erkannt und vor allem heftiger empfunden, als von den Unternehmern selbst. Dies ist vielleicht sonderbar, es entspricht aber den Tatsachen. Und diese auf den ersten Blick sonderbar anmutende Tatsache er- klärt sich daraus, daß die Herren Unternehmer als„Praktiker" nichts außer den praktischen Tagesforderungen sehen und die politischen Zukunftssorgen gleichmütig den Ideologen ihrer Klasse überlassen, die sich aus der„Gesellschaft" rekrutieren. Die denkende Schicht der Gesellschaft eilt denn auch in ihrer oppositionellen Haltung der Regierung gegenüber notwendiger- weise den Hauptführern der Unternehmerschicht voraus. Aus diesem Grunde entstehen nicht selten Unstimmigkeiten zwischen den„intelligenten" Ideologen der russischen Bourgeoisie und den Vertretern der Industrie und der Finanz. Aber der weitere Gang der Entwicklung wird allmählich diese Unstimmigkeiten beseitigen, die die bürgerliche Intelligenz übrigens nicht im geringsten hindern, ihre bürgerliche Natur beizubehalten. Diese bürgerliche Intelligenz beginnt nun wieder politisch unzufrieden zu werden. Und ihre steigende Unzufriedenheit wird für den Kampf der reaktionären Re- gierung gegen die revolutionäre Bewegung der Massen ein Hemmnis bilden. Ich bemerkte bereits, daß nur die arbeitenden Klassen, geführt von dem klassenbewußten Proletariat, in einen ent- schiedenen Kampf gegen die Regierung eintreten können. Einen ungeheuren Teil dieser Massen bildet die Bauernschaft. Sie hat an der Bewegung von 1905 und 1906 Anteil ge- nommen, aber in politischer Hinsicht war ihre Beteiligung fast unbewußt. Mit geringen Ausnahmen haben die Bauern die politischen Anschauungen beibehalten, die noch mährend der den Slawophilen so teuren moskowitischen Periode der russischen Geschichte entstanden sind. Daraus erklärt sich der sogenannte Mißerfolg unserer Revolution. Die darauf einsetzende Reaktion, die für die Bauern äußerst qualvoll ist, hat wenigstens das Gute, die alten politischen Vorurteile der Bauernschaft auf das heftigste zu erschüttern und ihr die Fähigkeit zu verleihen, mit größerer Einsicht als früher an der Freiheitsbewegung teil- zunehmen. So nimmt die Situation in Rußland allmählich wieder eine günstige Wendung für die Revolutionäre an. Es handelt sich jetzt nur darum, ob sie verstehen werden, diese Wendung auszunutzen._ politische Uebersicht. Verkehrsfragen. Das Problem der Kanalisier ung der Mosel und Saar, das bereits dieser Tage im preußischen Ab- geordnctenhause zur Erörterung gelangt ist, wurde gestern im Reichstag bei der Beratung des Etats der Neichseiscn- bahnen gleichfalls besprochen. Auch diesmal zeigte sich, daß die preußische Regierung fast allein noch teils aus fiskalischen. teils aus kurzsichtigen partikularistischen Erwägungen sich einem großen Verkehrsunternehmen widersetzt, das die wich- tigen Industriegebiete Lothringens, Luxemburg und der Saar mit dem Wasserweg des Rheins in direkte Verbindung bringen würde. Aus dem Hause erwuchs Herrn v. V r e i t e n- b a ch eine Unterstützung nur in einer Rede des Herrn Oertel, der zwar wenig Beweise ablegte von seiner Be- berrschung des Themas, aber instinktiv als echter Preuße Sympathie empfand für die verkehrsfeindliche Politik der preußischen Regierung und insbesondere des Ministers, der dem Verkehr vorsteht. Die Notwendigkeit, die Mosel- und Saarkanalisierung endlich durchzuführen, wurde zuerst vom Genossen Dr. W e i l l unter Anführung überzeugender Zahlen und Dokumente be- wiesen. Unser Redner wies auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung einer solchen Maßnahme hin, und er zeigte in unwiderleglicher Beweisführung, daß alle Einwände, die von der deutschen Regierung vorgeschützt werden, entweder nie richtig waren oder durch die EntWickelung längst überholt sind. Mit besonderem Nachdruck konnte er den Beweis durch- führen, daß die Angst vor einer vollständigen Abwanderung der niederrheinischen Industrie nach Lothringen und Luxem- bürg ein phantastisches Wahngebilde ist. Untör der lebhaften Zustimmung eines großen Teiles des Hauses vertrat er den Grundsatz, daß Eisenbahnen und Wasserstraßen in gemein- samer Arbeit dem höheren Verkehrsinteresse dienstbar sein müßten._ peukerts Memoiren. (Schluß.; Der Verrat an Neve. Am 21. Februar 1887 war Neve, der Expedient der„Freiheit". durch ein schuftiges Manöver der belgischen Polizei in die Hände der deutschen Polizei geliefert worden. Neve arbeitete zu jener Zeit unter falschem Namen in Lüttich als Tischler und besorgte von dort aus den Schmuggel der„Freiheit", der„Autonomie", der anarchistischen Flugblätter sowie sonstigen revolutionären„Stoffes" nach Deutschland und Oesterreich. Bon allen, die.ihn gekannt haben, wird Neve als einer der selbstlosesten und opfcrmütigsten Anhänger der anarchistischen Bewegung geschildert, der von der Gründung der„Freiheit" an in hingebendster Weise der Sache diente, die seiner Ueberzeugung entsprach, bis die Zuchthaus- Pforten sich hinter ihm schloffen. Im Dezember 1896 starb er, an Körper und Geist gebrochen, im Zuchthaus zu Halle. Der damalige Aufenthaltsort Neves, sein Name, seine Arbeitsstelle, seine Wohnung sollten geheim bleiben; sie waren auch nur ein paar Personen bekannt, darunter Peukert und Dave, der 1886 im ersten Hochverratsprozeß zu Leipzig als Londoner Emissär der„Freiheit" zu ii'A Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. In seiner Nummer 26 vom 13. Mai 1887 brachte der„Sozial- demokrat" einen Leitartikel:„W ie John Neve der preu- ßischen Polizei in die Hände geliefert wurde." Unter genauer Angabe von Einzelheiten wurde darin dargelegt, wie. am 1. Januar 1887 Peukert in Begleitung eines gewissen Theodor Reuß nach Brüssel und von dort nach Lüttich ge- fahren sei, um diesen Reuß zu Neve zu führen.(Der angebliche Impresario Theodor Reuß, aus Augsburg gebürtig, jetzt in Berlin wohnhaft, galt schon damals in bestimmten Kreisen der Londoner Anarchisten als höchst verdächtig, und Peukert selber hatte im Sommer vorher in einer Broschüre:„Trau, schau, wem? Daves Tätigkeit in der Arbeiterbewegung" von Reuß' geschrieben, daß er„in Mißkredit und Verdacht der Spionage gekommen" sei, eine Meinung,„welche wir zum Teil noch haben," jedenfalls„geht daraus zur Genüge hervor, daß uns derselbe nichts weniger als vertrauenswürdig erschien.") In Brüssel waren an diesem 1. Januar 1887 auch Polizei- direktor Krüger(der oberste Berliner Spitzelchef, in dessen Hände alle Spionagefäden zusammenliefen), Polizei. tommissar v. Mauderode und Polizeiwachtmeister Dornerer aus Berlin anwesend, ebenso der Polizeikom- inissar Möhlig aus Aachen. Letztere drei Beamte waren am Bahnhof, als Peukert und Reuß aus London ankamen. Beide fuhren nach dem Hotel de Bienne; am Abend(oder am Morgen?) empfing Reuß die Herren Krüger und Maude- rode in diesem Hotel de Vienne. Nachdem Peukert am nächsten Morgen seineu Begleiter Reuß mehrere Stunden allein gelassen hatte, fuhr er mit Reuß nach Lüttich, im gleichen Zuge befanden sich Mauderode, Möhlig und Dornerer! Peukert ging dann allein zu Neve und kehrte mit Neve an den Bahnhof zurück; doch lehnte dieser eine Besprechung mit Reuß ab, weil er mit diesem charakter- lofen Burschen nichts zu tun haben wolle. Dies der Inhalt des Artikels im.Sozialdemokrat". Zwei Monate später war Neve, wie gesagt, der preußischen Polizei durch die belgische in die Hände geliefert worden. Vom 8. bis 16. Oktober 1887 stand er vor dem Reichsgericht und wurde wegen Hochverrat, Majestätsbeleidigung, Gotteslästerung— als Verbreiter der„Autonomie",„Freiheit" usw wurde er für deren Inhalt verantwortlich gemacht— zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; der Staatsanwalt hatte nur 16 Jahre beantragt. Das Gericht unter dem Vorsitze des bekannten Drenkmann ging um die Hälfte darüber hinaus. Der Artikel schlug natürlich wie eine Bombe ein. Mit keinem Worte hatte der„Sozialdemokrat" gegen Peukert die Beschuldigung erhoben, daß er ein Spitzel sei— er hatte nur den nackten Tat- bestand mitgeteilk. Und Peukert selber konnte von den Tat- fachen in der Hauptsache nichts abstreiten; der eine oder andere nebensächliche Begleitumstand konnte etwas anders sein, als der „Sozialdemokrat"� geschildert hatte— die Tatsachen selber waren nicht zu bestreiten. Peukert schäumte natürlich; er fühlte sehr wohl, wie die Tat- fachen geeignet waren, ihn zu erdrücken; mit Ausnahme der engsten persönlichen Freunde verließen ihn seine eigenen Genossen, andere wie Dave und Most beschuldigten ihn ganz offen des Ver- rats. Seine Versuche, die Quellen des„Sozialdemokrat" zu verdächtigen: der Gewährsmann sei der Polizei- spitze! Trautne r*), Bernstein habe Trautner für sein Material 1666 M. geboten usw.— schlugen völlig fehl gegenüber der Wucht der Tatsache, daß er mit dem von ihm selber als höchst vertrauensunwürdig und spitzelberdächtig bezeichneten Theodor Reuß zu Neve gegangen sei, dessen Aufenthaltsort der Polizei unter allen Umständen unbekannt bleiben sollte. Und als Briefe von Neve den Inhalt des ,.SoziaIdemokrat"-Artikels bestätigten und weiter bestätigten, daß Neve selber schrieb, daß am Bahnhof Polizisten zugegen gewesen seien, da halfen alle Peukertschen Enschuldigungs- und Erklärungsgründe nichts mehr. Am 14. Januar 1887 schrieb Neve an Dave: „Der lange Josef(Peukert) kam nicht allein, sondern der elendige R(euß) war bei ihm. Wie ich mit dem Kerl verfahren bin, kannst Du Dir denken; ich sagte ihm wörtlich folgendes: Für mich bist Du ein charakterloser Mensch und ein Lügner, und wenn Du gekommen bist, um im Trüben zu fischen, tust Du besser, so schnell wie möglich Dein Retourbillet zu lösen... (Folgt eine Schilderung der Warnung, die Genosse Bertrand aus Brüssel an Neve hatte gelangen lassen, er soll nicht nach Deutschland reisen.) „Ich reiste natürlich nicht und kehrte unbeanstandet hierher zurück. Wie ich am Montag morgen zur Arbeit ginq, war mein Logis mit Polizei besetzt, jetzt weiß ich, daß die schon die ganze Nacht dort Posten gestanden und bis jetzt noch dort sind. In dem Augenblick, wo ich dies schreibe, fehlt mir noch jeder Anhaltspunkt, nur weiß ich, daß auch in Brüssel die Nordstation überwacht ist. Du kannst Dir denken, daß mir allerlei Gedanken durch den Kopf schwirren, und werde mein Möglichstes tun, um mir Auskunft zu verschaffen; suche Du doch ja zu erfahren, ob Peukert und Reuß am Dienstag wieder in London waren, d. h. letzten Dienstag bor acht Tagen(4. Januar)...." ») Uebrigens war Trautner gar nicht der Gewährsmann des „Sozialdemokrat" und Bernstew kam nie in die Verlegenheit, Trautnex 1666 M. auch nur anzubieten. Auch Herr Bassermann trat energisch für die Per» wirklichung der Kanalisierung ein und schloß seine Rede mit der Zuversicht, daß der Widerstand der Regierung fruchtlos sein werde. Herr v. B r e i t e n b a ch, der diesen Widerstand noch einmal zu begründen suchte, fand sofort einen Gegner in dem neuen elsaß-Iothringischen Bundesratsbevollmächtigten Herrn Dr. N o bi s, der die dem Projekt günstige Stellung seiner Regierung stark betonte, und an das preußische Ver- ftändnis, ja sogar an den preußischen Edelmut appellierte. Die Herren C o ß m a n n vom Zentrum und Dr. Schatz von den Elsaß-Lothringern unterstützten gleichfalls die Idee des Kanalisierungspro)ektes, während Herr Dr. Oertel, wie schon erwähnt, sich hilfreich dem Minister zur Seite stellte und dem elsaß-lothringischen Regicrungsvertreter einige wahrhast konservative Belehrungen erteilte. Auf diesen übermütigen Versuch, den Vertreter der elsaß-lothringischen Regierung ein- zuschüchtern, antwortete Genosse Ledebour mit einigen recht treffenden Bemerkungen. Zu Beginn der Sitzung war noch die Generaldebatte über den Etat zu Ende geführt worden. Genosse Dr. W e i l l hatte gegenüber der devoten Unterwürfigkeit des nationalliberalen Herrn Jckler das Verdienst der Sozialdemokratie unterstrichen, durch ihre energische Kritik eine Verbesserung der Arbeiterlage herbeigeführt zu haben. Am Montag wird die Besoldungsvorlage und der P o st e t a t verhandelt werden. Abgeordnetenhaus. Im Abgeordnetenhause nahm die zweite Beratung des Etats der Bauverwaltung am Sonnabend noch geraume Zeit in Anspruch. Herr Diederich Hahn war wieder einmal im Hause anwesend, und wnn er anwesend ist, fühlt er regelmäßig das Bedürfnis, sich durch Reden bemerkbar zu machen. Diesmal ist der innere Grund dafür, daß er das Wort ergriff, erklärlich. Sein Durchfall bei der letzten Reicks- togswahl schmerzt ihn und deshalb hält er es für erforderlich, sckon jetzt in die Agitation für die nächsten Wahlen einzutreten. So be- gründete er denn unter dem Hinweis auf den erfreulichen Aufschwung der Geestemünder Hochseefischerei und der Notwendigkeit, mit Ham- bürg in Konkurrenz treten zu können einen Antrag betr. die Fischerei- pachthallen in Geestemünde. Seine Klagen über die Notlage der Geestemünder Bevölkerung tat Genosse Adolf Hoffmann geschickt damit ab, daß er dem Bundesdirektor nachdrücklichst vor Augen hielt, wie den armen Leuten an der See mit Einzelmaßnahmen nicht gedient ist, solange ihnen die agrarische Wucherpolitil ihre Lebenshaltung so sehr verteuert. Vorher war Ge nosse Liebknecht warm für die Binnenschiffer eingetreten, deren schlechte Lage er, gestützt auf ein reichhaltiges Material, dem Hause und der Regierung vor Augen führte. Daß der Vertreter der Regierung die Liebknechtschen Behauptungen für unrichtig er- klärte, beweist nichts. Das ist nun einmal ständige Gepflogenheit der preußischen Regierung, aber wie die Erfahrung lehrt, ist sie nur allzu oft mangelhaft oder garnicht unterrichtet. Nach Erledigung des Etats überwies das Haus die Vorlage betr. Einziehung staatlicher Schiffahrtsabgaben durch Ge» meinden und Private an die Kommission, die zur Vorberatung des Kommunalabgabengesetzes gebildet werden soll. Weiter beriet man in erster Lesung das im vorigen Jahre gescheiterte Ausgrabungs- gesetz, an dessen Unzulänglichkeit Liebknecht scharfe Kritik übte. Den Rest der Sitzung bildete die zweite Lesung des Etats der Münzverwaltung. Am Montag beginnt die Beratung des Entwurfs eines Kom- munalabgabengcsetzes. Die Regierungskrise in Hessen. Die Erste Kammer hat die Lehrerbesoldungsfrage beraten und einen der Volksvertretung entgegenkommenden Standpunkt ein- genommen. Sie beschloß, mit dem Höchstgehalt von 8466 M. auf 8666 M. zu gehen.(Die Zweite Kammer verlangt 3866 M.) Die übrigen Punkte des Vermittlungsvorschlages stellte die Erste Kammer zurück, bis die Zweite Kammer zu der ersteren Frage sich geäußert Am 26. Januar 1887 schrieb Neve wieder an Dave: ...... auch hatte ich keine Zeit, weil das Rendezvous auf der Station stattfand, wo vier Polizisten anwesend waren, die uns beobachteten, und ich infolge- dessen, nachdem ich ihm(Reuß) meinen Standpunkt klar ge- macht hatte, schleunigst meiner Wege ging." Aber auch ein Brief Neves an Peukert selber, der wenige Tage nach dem verhängnisvollen Besuche Peukert-Reuh' irt London eintraf, spricht deutlich, wenn man sich den Zweck vor Augen führt, den die Polizei mit diesem Besuche beabsichtigte: Für sie hau- delte es sich darum, Neve ihren Spürhunden vorführen zu lassen; zu erfahren, wie sieht er aus, wo wohnt er, wo arbeitet er? Hatte sie das erfahren, so konnte sie das Freiwild so umstellen, daß es keine Möglichkeit des Entweichens mehr gab. Und mit dem Gelde der preußischen Polizei konnten Lütticher Polizeibeamte zur Unterstützung herangezogen werden— und schließlich wurde unter dem Vorgeben, es handle sich um einen unterstandslosen Ausländer, Neve tatsächlich von der belgischen Polizei per Schub an die Grenze gebracht, wo ihn eben Herr Möhlig, dem er am Lütticher Bahnhof vorgeführt worden war, schmunzelnd in Empfang nahm. Dieser Brief Neves an Peukert lautet: „Hast Du dem R(euß) etwas gesagt? Euer Besuch hat üble Folgen gehabt. Am Morgen nach Eurer Abreise wurde ich morgens ganz früh von der Polizei im Bette über- fallen, welche angeblich kam, um einen anderen, dessen Porträt sie zeigten, bei mir zu suchen. Sie fand diesen(mir ganz Unbekannten) natürlich nicht, wollte diesen überhaupt nicht finden und kennenlernen; man suchte vergeblich Paul, fand Peter, den man tatsächlich wollte." Und— das ist sehr bezeichnend— diesen Brief las Peukert in einer Versammlung des Klubs Autonomie zwar vor, als aber später ein Mitglied einer eingesetzten Untersuchungskommission den Brief zweimal zur Vorlage an die Kommission einforderte, verweigerte Peukert die Aushändigung: es hätte keinen Zweck, die Kommission wolle erst durch Fragen Material gegen ihn erlangem Als Neve schon im Zuchthaus saß, schrieb er am 16. Oktober 1887 in einem Briefe: „Ferner habe ich noch eine Pflicht zu erfüllen. Als Madame Arch(Dave) mich in Lüttich besuchte, sagte sie mir, daß man der K ü n st l e r t r u p p e, die für wohltätige Zwecke so viel geleistet hat, eine öffentliche, dankbare Anerkennung veranstalten wolle. Ist dies noch nicht geschehen, so tut dasselbe auch in meinem Namen, da speziell der Dirigent, den ich, wie Du weißt, persönlich kenne, es zehnfach verdient hat." Und in einem zweiten Briefe aus dem Zuchthaus zu Hall« schrieb Neve im Januar 1888: „Daß nun aus dem Solo ein Trio geworden ist. hat mich viel mehr gefreut wie überrascht, möchte doch diese liebliche Symphonie mit Dotationen für die freundlichen Darsteller an alle Orten eine Wiederholung finden, wo die Gemüter in Verwirrung geraten, damit die Lust zum Schaffen neues Leben erhält." Der Berliner„Sozialist", dem damals Herr Landauer sehr nahe oder besser, mit dem Herr Landauer damals in engster Be- ziehung stand, schrieb zu diesen Briefen in der Nr. 1 vom 2. Januar m dem Gedächtnisartikel auf den verstorbenen Neve: I Richtungen will sich allem Anschein noch lange keine höhere synthetische Formel herausbilden. Die Herren haben Geduld und offenbar Zeil. Das Land muff ruhig sein, erklärte seinerzeit Herr v. Broqueville, wenn die Negierung sich mit dem Wahlrechtsproblem befassen soll. Aber wie es scheint, ist die Ruhe noch weniger ein förderliches Moment als die Unruhe. Das Wahlrcchtskomitee der Gesamtpartei hat sich deshalb kürzlich versammelt, um sich seinerseits mit den Arbeiten der offiziellen WahlrechtSkommission zu beschäftigen. Bänder» Velde, bekanntlich Mitglied dieser Kommission, berichtete über den Stand der Arbeiten, die bisher noch tief in der theoretischen Dis» kussion stäken. Es gäbe dort drei Richtungen: eine für die Interessenvertretung, die zweite für den Status quo und die dritte für irgendeine Formel des gleichen politischen Rechtes.— Die Majorität scheint immerhin für die Abschaffung des PluralshstemS zu sein. Die sozialistischen Mitglieder haben die Kommission allen- falls wissen lasten, dah sie nicht-willens sind, in der Körperschaft zu verbleiben, wenn sie ihre Aufgaben auf die lange Bank schieben sollte. Mit Rücksicht auf diesen Stand der Dinge, sagt Bandervelde, muh die Partei ihre Wahlrechtspropaganda noch verstärken und den Kampf solchermahen organisieren, daff die Wahlen von llülö nicht mehr auf Grund des PluralsystemS stattfinden können. Ueber die Organisation der P e t i t i o n für das gleiche Wahl» recht berichtete der Parteisekretär Bandersmissen unter anderem, daff sich 380 Komitees mit den Arbeiten der Petitionsbewegung be- schäftigen. Er schätzt die Zahl der bisher gesammelten Unterschriften auf zirka KXIOOO und hält eS nicht für ausgeschlossen, daff die Ziffer 1 000 000 erreicht. Auch die Frauen beteiligen sich an den Unterschriften. In einem Ort. in MouScron, kommen von den 5020 gesammelten Unterschriften 1775 auf Frauen. Spanien. Gegen den Krieg. Madrid, 28. Februar. Die Mitglieder der republi- kanischen sozialistischen Vereinigung haben be- schlössen, in den CortcS Obstruktion zu machen, solange der Krieg in Marokko dauere. Rußland. Die Gcfängnisgreuel. Petersburg, 28. Februar. In Saratow fand ein Gerichtsprozeh gegen 47 zur Zwangsarbeit verurteilte Sträflinge statt, weil sie im Gefängnis einen Fluchtversuch unternommen hatten. Die Sträflinge sagten aus, daß sie den Fluchtversuch unternehmen wollten, tim entweder zu entkommen oder unterwegs erschossen zu werden, damit sie den entsetzlichen Zuständen im Gefängnis entgingen. Man hat die Zellen mit Gefangenen über- füllt, so daff für sie die Luft kaum atembar ist. Von der spärlichen Nahrung ist niemand satt gelvorden. Neunzig Prozent der Ge» fangenen sind an der Schwindsucht gestorben. Das Gericht sprach sämtlichen Angeklagte frei. China. Der„weifte Wolf-. London, 28. Februar. Die.Times' melden aus Peking vom 27. Februar: Nach amtlichen Telegrammen sind die»Weißen Wölfe' an der Grenze von Honan und Anhui gründlich ge- schlagen worden. Die Banden, deren Stellungen durch Flug- zeuge festgestellt worden waren, wurden angegriffen und auseinander- gesprengt. In zwei Gefechten sollen 4000 Mann getötet worden sein? die Zahl ist vielleicht stark übertrieben, jedenfalls waren aber 40000 Mann Negierungstruppen an der Unternehmung beteiligt. Südafrika. Neue Ausnahmegesetze. Kapstadt, 27. Februar. Die Bill zur Erhaltung deS/ Landfriedens, eine Novelle zu dem Gesetze über auf- rührerische Bersammlungen und deren Auflösung und zugleich eine Novelle zum Strafgesetzbuch, ist im Unterhause ein« gebracht worden. Die Borlage gibt der Regierung weitgehende Machtbefugniste zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit. Die Polizei wird ermächtigt, jeden, der des Hochverrats oder der Aufreizung dazu verdächtig ist, ohne Haftbefehl zu ver- haften. Die Vorlage enthält Maffnahmen über den Schutz von Arbeitern gegen Einschüchterungen und Bestimmungen über die Bestrafung von Personen im öffentlichen Dienste für Bertragsbruch. durch den die öffentliche Sicherheit gefährdet wird. Sie ermächtigt die Regierung, austührerische Zusammenrottungen zu verbieten, und gibt ihr das Recht, Personen, die wegen Aufruhrs oder Aufreizung dazu verurteilt worden sind, auszuweisen, wenn sie keine g e- boreneu Südafrikaner sind. hat. Die Zweite Kammer aber wies diese Teilerledigung zurück und verlangt von der Ersten Kammer Stellungnahme zum Ge- samtvernrittelungSvorschlag und einen schriftlichen Bericht hierüber. Da die Bolksverttetung materiell auf ihren Beschlüsten beharrt, so hat die Regierung nur noch eine kurze Frist zur Ueberlegung, ob sie die gesamte Besoldungsvorlage scheitern lasten will, um damit selbst in die Versenkung zu verschwinden. In der Ersten Kammer fielen am Freitag von den erlauchten Herren auch bittere Worte gegen die Lehrer. Besonders der katho- lische Lehrerverein wurde scharf getadelt, weil er den Vertreter des Mainzer Bischofs in der Ersten Kammer, Domkapitular Dr. Bendix, aus dem Verein ausgeschlossen hat. * Wie aus Darmstadt gemeldet wird, kam die Erste Kammer in der gestrigen Vormitlagssitzung zu einem Vergleichsvorschlag betreffend Höchstgehalt der Volksschullehrer. Die Zweite Kammer hat dazu noch keine Stellung genommen. Abends hielt die Erste Kammer eine weitere Sitzung ab, in der sie eine Resolution annahm des Inhalts, daff sie ein Entgegen- kommen nicht aus sachlichen Gründen beweise, vielmehr lediglich in der Hoffnung auf eine Verständigung in der Lehrerbesoldungsfrage. Die Erste Kammer behält sich also für den Fall eines Scheiterns der Besoldungsvorlage bezüglich der Besoldung und Bezüge der Beamten und Lehrer für die Zeit vom 1. April 1914 ab ihre Stellungnahme vor._ Junkerpolitik und Landflucht. Die Junker sind die treuesten Stützen der Nation; würden sie nicht da sein, der Staat wäre längst zusammengebrochen. So wird seit Jahren in konservativen Versammlungen und Zeitungen er- zählt, und die Agrarier sind sehr stolz auf ihre Mission als„Retter des Baterlandes". Jetzt weist kein Geringerer als der komman- dierende General des ersten Armeekorps nach, daff die Agra- rier durch ihre Politik das„Vaterland" in die schwer st e Gefahr gebracht haben. Es handelt sich um die Bekämpfung der Landflucht. Im wesentlichen ist sie auf die überaus niedrige Bezahlung, unmenschlich lange Arbeitszeit, schlechten Wohnungen und besonders auf die ungünstige rechtliche Stellung der Landarbeiter zurückzuführen. Der kommandierende General des ersten Armeekorps hat nun eine Verfügung zur Bekämpfung der Leutenot erlösten, in der es heißt: „Die von Jahr zu Jahr stärker werdende Abwände- rung der ländlichen Bevölkerung Ostpreußens nach den Großstädten und Industriegebieten des Westens schädigt nicht nur das wirtschaftliche Leben der Provinz auf das empfindlichste, sondern erschwert auch die Mobilmachung des Armeekorps und wird so zu einer nationalen Gefahr, der entgegenzuarbeiten eine Pflicht der militärischen Vorgesetzten aller Grade ist...." Der kommandierende General bestimmt deshalb, daß der oft- preußische Arbeitsnachweisverband mit allen zulässigen Mitteln zu unterstützen ist, und er erwartet, die Kommandeurs werden darüber wachen, daß den Anforderungen des Verbandes mit allen Mitteln, soweit es nur tunlich ist, nachgekommen wird. Nicht nur die Junker, sondern die militärischen Kom- mandostellen in Ostpreußen selb st haben dazu beige- tragen, daß die Abwanderung vom Osten immer größer gewor- den ist; denn zur Erntezeit ist den Argrariern Jahr für Jahr Mi- litär in großer Zahl zur Erledigung der Erntearbeiten zur Ver- sügung gestellt worden, sodaß sich die Agrarier keine großen Sor- gen um die Beschaffung von Arbeitskrästen zu machen hätten. Sie brauchten auch auf die Arbeiter keine Rücksicht zu nehmen» da sie ja Soldaten älS Landarbeiter erhielten. Sollen die Landarbeiterverhältnisse einigermaßen gesunden, so ist erste Forderung, daß daS Militär nicht zu den Erntearbeiten kommandiert werden darf. Der Einbruch ins Ovamboland. Die Kolonialverwaltung hat dem Reichstag einen Nachtrags- und einen Ergänzungsetat zugehen lasten. In der Haupt- „Mit den scheinbar harmlosen Andeutungen beziehentlich jener„Künstlertruppe" hat Neve wichtige Aufklärungen über den Judasdienst gegeben, welchen P e u k e r t und Reuff der Polizei leisteten. Dirigent ist Reuff, der ehemals Schau- spieler war und Konzerte gegeben hatte; mit„Dotation" und „öffentliche Anerkennung" empfiehlt er die öffentliche Züchtigung der beiden Halunken." Peukert, den Landauer heute zum Ehrenmann stempeln möchte, wurde in jenem Artikel des„Sozialist" charakterisiert als„immer noch bemüht, der Welt die ekle Komödie vorzu- spielen, er sei kein Verräter, sondern nur ein harmloser Dumm- köpf". * Wenn Peukert selber kein Spitzel war— einige seiner Freunde und er selber haben es bis zum letzten Augenblick bestrttten und sein«„Erinnerungen" sind zum Zweck der Widerlegung dieses fürchterlichen Verdachtes geschrieben und von Landauer zu dem Zwecke veröffentlicht worden— warum hat Peukert dann diesen ihm selbst seinerzeit höchst verdächttgen Theodor Reuff gerade zu Rede gefuhrt! Die Beantwortung dieser Frage durch Peukert ist nach Herrn Peukert höchst einfach: Er wollte Reuff Gelegenheit geben, sich von dem gegen ihn(Reuff) ausgesprochenen Verdacht, ein Spitzel zu sein, zu reinigen, und ztoar konnte er dies am besten durch Konfrontation mit Neve! Wollte man hier den genaueren Sachverhalt geben, so müßte man eine eingehende Schilderung des ganzen Treibens der Lon- doner Anarchisten geben, unter denen die Spitzel aus- und ein- gingen. Dazu der Flüchtlingsklatsch. Zu alledem fehlt hier der Raum. Reuff war früher der Freund und Vertraute Daves. Peukert und Davä— London war zu klein für die Beiden!— verkrachten sich, bekriegten sich und verdächtigten sich gegenseitig mit allen Mitteln kleinlichster Intrigen. Und als Dave mit Rcuß ausein- anderkam. ihn als Spitzel hinstellte, ging Reuff selbstverständlich sofort in das Peukertsche Lager und dort verteidigte er sich also: Ich soll ein Spitzel sein. Dave hat mich doch selber seinerzeit zu Reve geschickt, als er noch in Verviers war! Ich habe doch mit Neye selber Schriften geschmuggelt! Ich habe doch 30 Ein- ladungen zu einer geheimen Anarchistenkonferenz in Frankfurt an verschiedenen Orten zur Post gegeben! Keinem der Adressaten ist auch nur ein Haar gekrümmt worden! Wenn ich ein Spitzel wäre, dann hätte ich damals Neve»ich die anderen verraten können?" Ugd der in allen Wassern gewaschene Peukert hat nie davon gehört, daß es Spitzel gebe, die nicht alles melden, daff die Polizei auch nicht immer sofort zugreife. Daff Spitzel, die auf dauernde Stellung rechnen, natürlich d i e Dinge nicht melden, deren Verrat sie selber sofort bloßstellen müßte, zumal, wenn sie als„Genossen" nur mit einem anderen Ge- nossen, der zudem noch Neve heißt,„ein Ding drehen"! Peukert, der naive, gutherzige, vertrauensselige, unerfahrene Peukert,„einer der Seltenen, die das Zeug zu einem Führer hatten," fällt auf den plumpsten aller Spitzelschwindel mit sehenden Augen hinein, er führt selber seinen Freund dem Mörder als Opfer zu! Und er denkt sich dabei gar nichts, daß der sogar ihm verdächttge Spitzel Reuff die Reisekosten bezahlt! fache handelt eS sich um Eisenbahnbauten. In Südwestafrika soll mit einem Auswand von 13 Millionen Mark eine Eisenbahn nach dem flmbolgnd gebaut werden. Dieser Bau wird wie folgt begründet: „Die Dringlichkeit des Bahnbaues liegt größtenteils in der Arbeiterfrage. Abgesehen von dem kleinen Gebiete des Ambo- landeö beträgt die farbige Bevölkerung des Schutzgebietes auf einer Fläche von dem anderthalbfachen Umiange des Deulschcn Reichs kaum 100 000 Köpfe. Aus dieser kleinen Zahl stammen die Arbeits- kräfte, auf die der Weiße bei der Bewirtschaftung des Landes an- gewiesen ist. Daß ein so geringer Arbeiterbestand auf die raich steigende wirtschaftliche Entwicklung hemmend wirkt, liegt aus der Hand. Man hat daher, namentlich für Bahnbauten und für die Diamantfelder, Eingeborene aus anderen Kolonien, besonders aus Britisch-Südafrika, herangezogen, doch verteuern die für die Hin- und Herreise der Leute entstehenden Kosten bei dem meist nur kurzfristigen Arbeitsverträgen, die Löhne so be- deutend(die jetzt im Diamantgebiete beschäftigten Kapjungcn er- halten dreimal so viel Lohn wie die Ovambo) und die Gewähr für regelmäßigen Arbeiterzuzug ist so gering, daß das Wirtschaft- liche Erwerbsleben empfindlich darunter leidet. Ein weiterer Nach- teil ist, daff die Löhne größtenteils ins Ausland wandern, statt im Schutzgebiete zu verbleiben." Der ausgesprochene Zweck ist also der, b i l l i g e Arbeitskräfte zu beschaffen, weil die Arbeiter aus den britischen Gebieten zu teuer sind und wohl auch anständiger behandelt werden müssen. Das beste Kapital, da? in Südwestafrita vorhanden war, waren die arbeits- fähigen Menschen, die man in dem glorreichen Feldzug gegen die Herero bis auf einen verhältnismäßig kleinen Rest aus- gerottet hat. Und nun fehlt es derart an Arbeitskräften, daff eiftra eine Bahn gebaut werden muff, um sie heranzuholen. Da- neben hat die Bahn auch noch einen hervorragend militärischen Zweck. Die Ovambostämme sitzen zum Teil auf portugiesischem Gebiet. Die beabsichtigte Mafien- oder auch Zwangsanwerbung von Arbeitern birgt die Gefahr von Verwicklungen in sich. Daher soll die Bahn auch einen möglichst schnellen Truppentransport in dem Gebiet ermöglichen._ Ein Schlag gegen die Konsumvereine Württembergs. Eine Erdrosselungssteuer gegen die Konsumvereine Württembergs ist beabsichtigt. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer stimmte mit 8 gegen 7 Stimmen einem Antrag zu, wonach auch der statuten- gemäß festgelegte Rabatt gleich den Dividenden zur Steuer herangezogen werden soll. Dabei sind die württembergischen Konsumvereine zurzeit schon steuerlich hart angelegt. Die zehn größten Konsumvereine erzielten im Jahre 1912 bei einem Umsatz von rund 18 Millionen Mark einen Reingewinn von 543 664 M.: die steuerliche Belastung stellte sich auf 301 272 M., das sind 55.4 Proz. des Reingewinns. Der Stuttgarter Konsumverein, der größte des Landes, halte bei einem Umsatz von 9 Millionen Mark und 292 471 M. Reingewinn nicht weniger wie 169 509 M. Steuern zu zahlen. Wird diese Steuerlast noch erhöht, so ist die fernere Existenz der Konsumvereine sehr in Frage gestellt. Gesterreich. Eine christlichsoziale Wahlreform. In Niederösterreich ändern jetzt die Christlichsozialen das Gemeindewahlrecht, indem sie den Zensus für die Privile'gientvahlkörper erhöhen und den Proporz in denjenigen Gemeinden einführen, wo sie dadurch eine nicht- klerikale Mehrheit beseitigen können! Oelgien. Der Wahlkampf. Man schreibt uns aus Brüssel: Seit dem Generalstreik sind nun gut zehn Monate dersirichen Die Fruchl de« Kampfes war bekanntlich jene sogenannte Konnnission der XXXI, die Gelehrte und Parlamentarier umfafft und zu dem Zweck ernannt wurde. daS Wahlrechtsproblem zu studieren und die Resultate und Vorschläge dem Parlament zu unterbreiten. Der- artige Kommissionen„studieren" bekanntlich sehr gründlich und um- ständlich und die belgische macht davon leine Ausnahme. Vorläufig läßt man die Gelehrten, denen zuerst daS Wort gegeben wurde, zanken und streiten, aber aus den widersprechenden Ideen, Theorien, Man wird zugeben, dazu gehört ein starker Glaube, fast so stark wie der Glaube, der Berge versetzen kann! Und dann noch einS: In den ganzen Peukertschen„Er- innerungen" ist nicht ein Wort davon enthalten, daff wenige Monate später dieser Theodor Reuff vom„Sozialdemokrat" neben Oberwinder, Sachs, Heinrich, Haupt, Schröder Trautner, Nonne usw. als bezahlter Agent der Polizei entlarvt worden ist— mit monatlich 450 M. bezahlt— also kein Gelegenheitsspitzel. Warum verschweigt„Ehrenmann" Peukert diese Tatsache, die niemals bestritten wurde? Wer ohne Kenntnis dieser Tatsache das Buch„Erinnerungen" aus der Hand legt, muff der Ueber- zeugung sein, daß nicht bloß Peukert, sondern auch dem Spitzel Reuff bitteres Unrecht geschehen seil Diese Tatsache wurde nie bestritten, weil sie nicht bestritten werden konnte. Heute, wo die Genossen wt sind, welche die Ver- bindungen mit der„Eisernen Maske" gepflogen haben, kann der Schleier wenigstens so weit gelüftet werden, dah man sagt: Was die „Eiserne Maske" mitgeteilt hat, steht dokumentarisch fest. Sie be- richtete nicht vom Hörensagen, sondern sie saß an der Quelle, sie erlebte die Dinge, die sie der Partei mitteilte! Warum verschweigt also Peukert diese Tatsache? Wenn er damals in seinem blinden Hasse gegen Dave wirklich einen Augen- blick an Reuff' Ehrlichkeit geglaubt hätte— aber er durfte nach allem, was er von Reuff wußte, nicht an diese Ehrlichkeit glauben und auf keinen Fall durfte er Reve zum Prüfstein dieses leicht- fertigen Glaubens machen—, so wäre er ein Opfer seiner Leicht- fertigkeit geworden. Aber wie konnte Peukert, wenn er ein Opfer seiner Leichtgläubigkeit geworden wäre, jetzt einfach den Stiel um. drehen und gegen Dave dieselbe Beschuldigung erheben, gegen die er sich so verzweifelt wehrte? Und Peukert bringt nicht die Spür eines Beweises für diese ungeheuerliche Beschuldigung, er macht nicht einmal den Versuch dazu! Heute, nach 30 Jahren, wo alle die Dinge ruhig, leidenschafts- los beurteilt werden sollen, können auch wir sagen: ein zw in- gender Bewe'is, daß Peukert im Dienste der Polizei gestanden hat, ist nicht erbracht worden, ebensowenig ein Beweis, daß Peükert mit Absicht oder Bewußtsein den armen Neve ans Messer geliefert hat. Aber Dave behauptet heute noch, er habe die Beweise dafür in Händen, daß Peukert im Dienste der Polizei gestanden habe. Sei dem nun, wie ihm wolle: Peukert trifft die schwere Schuld: in leichtferttgster Weise hat er den Spitzel Reuß zu Neve geführt— ohne diese Leichtfertigkeit wäre Neve damals der Polizei nicht zum Opfer gefallen. Von dieser Schuld kann ihn niemand freisprechen! Und von dieser Schuld konnte er sich auch in seinen„Erinnerungen" nicht reinwaschen! Peukert hat diese Schuld schwer büßen müssen; beladen mit dem Verdachte, der Verräter seine? Freundes gewesen zu sein, mußte er aus der Arbeiterbewegung verschwinden; ein Vergessener, ein Verachteter muffte er unter diesem Verdacht sterben! Aber wenn Peukert auch nicht im Dienst der Polizei stand, ist sein Schuldkonto an der Arbeiterbewegung so groß, daß ihm gegenüber das verlogene Wort nicht gelten darf: De mortui» uil nisi bene! Man darf auch von den Toten nichts Gutes reden, wenn sie nicht gut waren! Richard Fi scher. Letzte Kachrichten. Streik in der Solinger Waffeniudustrie. Solingen, 28. Februar.(W. T. B.) Die gestrige Versamm- lung der Waffenarbeiter des JndustriearbeiterverbandeS, an der auch interessierte Mitglieder des Metallarbeitcrverbandes teilnahmen, hat beschlossen, über die Waffenfabrik C. Eickhorn die S p e r r e zu verhängen, weil die Fabrik Waffenteile von aus- wärts bezieht. Der Arbeitgeberverband der Solinger Waffen- industrie hat den Arbeitern eine Frist bis Dienstagmorgen 10 Uhr gestellt, bis zu der sie auf den Streik verzichten sollen, widrigen- falls sämtliche Arbeiter der Solinger Waffenindustrie, insgesamt gegen 1000, ausgesperrt werden sollen. Italienische Rüstungskorruptiou. Rom, 28. Februar.(H. B.) Es verlautet hier, daß ein neuer Lieferungsskandal bei den Lieferungen nach der Cyrenaika bekannt- geworden ist. Ein Teil der Lieferanten soll dem Marine- Ministerium minderwertige Waren geliefert und außerdem auch noch unverhältnismäßig hohe Preise dafür abgefordert haben. Auch ein ehemaliger Major des italienischen Heeres soll in den Skandal verwickelt sein. Die Wahlen zur türkischen Kammer. Konstantinopel, 28. Februar.(W. T B.) Heute fanden hier die Kammerwahlen statt. Die Liste der elf Komiteekandi- baten vereinigte beinahe sämtliche Stimmen der 463 Wähler auf sich, die unabhängigen Kandidaten erhielten nur 6 bis 8 Stimmen. Bis jetzt sind 53 Abgeordnete gewählt, sämtlich Anhänger deS Komitees. Der gewesene Minister D s ch a v i d wurde in den Dardanellen und der Unterrichtsministcr Schükri Beh in Kastamuni gewählt. Man erwartet, daff bis Mitte März die Mehrzahl der Abgeordneten gewählt sein wird. Die Eröfftmag des Parlaments wird für Anfang April erwartet. R onnabend Som den 2.Marz eröffnen wir die bedeutend vergrößerten Verkaufsräume unseres Geschäftes Chausseestraße 113 Gleichzeitig damit eröffnen wir die Frühjahrs- Saison 1914 mit einem gigantischen Aufgebot moderner Konfektion zu unseren nun schon bekannt niedrigen Preisen, und unsere gewaltigen Schaufenster werden an diesem Tage mit ihren neuen Dekorationen eine interessante Sehenswürdigkeit bilden. Wir rechnen auf Ihren Besuch! C& A BRENNINKMEYERG.M.B.H. Sonntags geschlossen! Was jetzt verlangt wird! Hochelégant Im Sitz u. Schnitt. In Blau u. farbig mit dem mod. 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Tie Deputiertenkammer hat gestern die vom Senat zurückgelangte Vorlage über die Alterspensionen der Berg- arbeiter angenommen. Das Gesetz stellt unstreitig einen sehr ansehnlichen Fort- schritt in der französischen Arbeiterschutzgesetzgebung dar. Sicherlich hat es noch bedeutende Mängel— das hohe, von den wenigsten Bergarbeitern erreichte Bezugsalter von 5a Jahren, die Ausschließung der Erz- und Schieferbrucharbeiter, das Fehlen eines bestimmten Rentensatzes. Indes hat der Arbeitsminister M 5 t i n, ein„unabhängiger Sozialist", der aus seiner, in den Reihen der sozialistischen Partei ver- brachten Jugend wenigstens das Verständnis und den Eiser für Sozialpolitik in seinen staatsniännischen Aufstieg hinüber- gerettet hat, in bezug auf die künftige Gleichstellung der Aus- geschlossenen im Namen der Regierung eine feierliche Zusage gemacht. Und was die Höhe der Rente anlangt, so hat der Minister erklärt, daß im Fall, daß die Rente die vorgesehene Höhe von 736 Frank für die Bergleute und 365 Frank für die Witwen nicht erreichen könnte, die Regierung die notwendige Aufwendung beantragen würde. Die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes sind: Binnen 6 Monaten ist eine autonome Altersversiche- rungs lasse für die Bergleute zu errichten, die als juristische Person anerkannt wird. Die in Frankreich in Berg- werken arbeitenden Ausländer sind dem Gesetz unterstellt, ge- nießen jedoch die Zuschüsse des Staates wie die der Kasse nur im Falle eines Gegenseitigkeitsvertrages. Die Verwaltung der Kasse wird einem Vorstand übergeben, der aus je sechs Vrtretern der Arbeiter, der Unternehmer und des Staates besteht. Die Kasse schuldet die dem bisherigen Gesetz von 1894 entsprechenden Renten, gemäß den von ihr von seiten der be> stehenden Kassen erhaltenen Beiträgen. Sie bezieht weiter, zum Zweck einer für die Renten bestimmten Kapitalsbildung, Beiträge in der Höhe von 4 Proz. des Lohnes, die zu gleichen Teilen von den Unternehmern und den Arbeitern zu tragen sind. Der Bezug der vollen Pensionen beginnt mit 55 Jahren, nach 36 Jahren Arbeit in französischen Berg- werken. Im Falle vollständiger Invalidität ist eine frühere Liquidation der Rente gestattet. Der Staat gibt jedem 55jährigen Bergmann französischer Natinoalität nach L6 Jahren Arbeit(d. h. nicht nur Arbeit in Bergwerken) einen jährlichen Zuschuß von 166 Frank. Für die Bergleute, ihre Witwen und Kinder sind weiter die Ueber- gangsbestimmungen des allgemeinen Altersversicherungs- gesetzes gültig. Die Versicherungskasse verfügt über einen Spezialfonds, der folgendermaßen gespeist wird: 1. durch vom Verwaltungsrat der Kasse zu bemessende Arbeiter- und Unternehmerbeiträge iin Höchstbetrage von je 1 Proz. des Lohnes: 2. durch einen all- jährlich im Finanzgesetz zu bestimmenden Beitrag, der nicht unter 2 Millionen Frank betragen darf: 3. durch Spenden und Vermächtnisse. Dieser Spezialfonds dient, außer für die Verwaltungsausgaben, zur Erhöhung der Pensionen bis 736 Frank jährlich, im Ver- hältnis zur Lohnhöhe, die auf Grund der sechs besten Jahre berechnet wird. Weiter zur Erhöhung der Witwen- Pensionen bis 365 Frank, für Zuwendungen an vor der Anwendung des Gesetzes von der Arbeit zurückgetretene, nicht pensionsberechtigte Berg- l e u t e, die 36 Arbeitsjahre, davon 15 in Bergwerken, zählen, und für deren Witwen: endlich für Zuwendungen an Berg- niannswaisen. Unternehmer, die durch einen Kollektiv- vertrag ihren Arbeitern und deren Witwen die volle n Zuschüsse und Zuwendungen wie der Spezialfonds bis zu 736 Frank bzw. 375 Frank jährlich sichern, sind mit ihren Arbeitern von der Beitragspflicht für den Spezialfonds enthoben, sofern ihre Leistungen nicht geringer sind als das eine Prozent, von dem sie befreit sind.(Dies ist der viel- umstrittene Artikel 11 des Gesetzes.) Schon in dieser Zusammenfassung ist die außerordent- liche Kompliziertheit des Gesetzes sichtbar. Sie wird noch durch das Weiterbestehen der Unternehmer- und Liquidations- lassen sowie der auf Grund des Gesetzes von 1894 bestehenden nationalen Altersversicherungskasse vergrößert. Diese Un- Übersichtlichkeit hat sicher zur Erregung beigetragen, die den Streik in Mittel- und Südfrankreich hervorgerufen hat. Tatsächlich läßt sich nicht einmal die Höhe der derzeit mög- lichen Pensionen annähernd abschätzen. Der Berichterstatter der Kammer spricht von 666 Frank, der des Senats hält die vorhandenen Mittel für genügend, um 726 Frank zu bezahlen. Ganz ungefähr läßt nachfolgende Berechnung die Wirkung des Gesetzes vermuten. Die 166 Frank-Zuschüsse des Staates, die 2 Millionen Frank, die der Staat dem Spezialfonds zu- wendet, und die 6 Millionen Frank, die sich aus dem von Arbeitern und Unternehmern bezahlten 1 Proz. des Lohnes zusammensetzen, ergeben jährlich etwa 8 666 666 Frank. Es gibt derzeit etwa 15 666 pensionierte Arbeiter, die bisher un- gefähr 8st� Millionen Frank jährlich bezogen. Die ver- fügbare Summe ist also verdoppelt. Der Durchschnitt der Pensionen betrug bisher etwas über 466 Frank. Da aber eine unbekannte Zahl von Witwen, Waisen und alten Arbeitern Zuwendungen aus dem Spezialfonds erhaltest wird, ist es durchaus unsicher, ob 736 Frank für die 55jährigen Bergleute übrig bleiben. Indes der erreichte Fortschritt ist bedeutend und mit Ge- nugtuung dürfen die Sozialisten ihres Anteils am vollendeten Gesetzeswerk gedenken. Es ist namentlich Genosse Albert Thomas, der einen großen Teil der schwierigen Detail- arbeit geliefert und die zögernden Bürgerlichen vorwärts- getrieben hat. In der Schlußberatung hat I a n r e s in entscheidender Weise eingegriffen und namentlich die Tema- gogie des klerikalen Monarchisten Ramel zurückgewiesen, der, um bei seinen Bcrgarbeiterwählern Wahlgunst zu er- langen, einen in der Erfüllung der Arbeiterforderungen weitergehenden Text vorschlug, dessen Annahme aber die Zurückleitung des Gesetzes an den Senat und zweifellos seine Nichterledigung in dieser Gesetzesperiode zur Folge gehabt hätte. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die Meinungs- Verschiedenheiten über den Artikel 11 in der Debatte zu un- erfreulichen Reibungen besonders zwischen Genossen Thomas und dem Bergarbeiterdeputierten G o n i a u x führten. Tat- fächlich sind die Schwierigkeiten, die sich aus diesem Artikel für die Gemeinsamkeit der Bergarbeiterschaft ergeben, nicht so groß, als daß nicht ein guter Wille auf beiden Seiten bald darüber hinwegkommen könnte. Erlangen die aus dem Spezialfonds bedachten Bergleute Renten in derselben Höhe wie die durch Kollektivvertrag mit den Unternehmern auch in der Beitragspsticht günstiger gestellten Bergleute des Pas de Calais und Nord, wird sich wohl auch für den Anschluß der letzteren an die autonome Kasse, der zweifellos von großer moralischer Bedeutung für die Bergarbciterschaft wäre, un- schwer ein Weg finden lassen. Allerdings— am guten Willen fehlt es heute noch auf beiden Seiten. Das zeigt auch der heutige Artikel der „Bataille Syndicaliste" über die gestrige Sitzung. Es ist wahr— die Sozialisten haben gestern für das Gesetz gestimmt, gegen das sich der jetzige Streik richtet. Die „Bataille" erkühnt sich zu sagen, sie Hütten das„aus elenden Wahlrücksichten" getan und damit ihre Anmaßung, die Verteidiger des Proletariats zu sein, selbst zu nichte gemacht. Tatsächlich war das Verhalten der Sozialisten in der Kammer gerade das Gegenteil von politischer Profitmacherei. Sie hätten sich sogar, da die Annahme des Gesetzes gesichert war— sie ist einstimmig erfolgt— den Luxus leisten können, bei der Abstimmung dagegen zu sein oder sich zu enthalten. Sie haben es aber vorgezogen, für den Anteil, den sie am Zustandekommen der Reform haben, ohne Furcht vorder, von Unklarheit und künstlich erzeugter Verwirrung nicht freien Streikerregung die Verantwortung zu übernehmen. Der Ausstand ist sicher nicht ohne Wirkung geblieben. Er hat den bürgerlichen Parlamentariern die Lust benommen, das Zustandekommen des Gesetzes weiter zu verzögern und ihm ist wohl auch die feierliche Zu- sage der Regierung zugunsten der Erz- und Schieferbrucharbeiter zu danken. Diese Wirkung ist nicht ohne Bedeutung— aber sie ist auch die einzige Wirkung, die der Streik unter den ge- gebenen Verhältnissen haben konnte. Ihn weiter fortsetzen, heißt nicht nur der Arbeiterschaft nutzlose Opfer zumuten, sondern auch den prachtvollen, eininütigen� Kanipfgeist der streikenden Arbeiter für die Zukunft aufs Spiel setzen. Tie „Bataille Syndicaliste" sagt freilich, ein Streiktelegramm sei mehr wert als die ganze Rede Jaurss, denn das sei„Aktion". Hier wäre also wieder die„revolutionäre Gymnastik" in ihrer ganzen Frivolität. Die„Aktion", die nicht nach Sinn, Mög-� lichkeiten und Folgen fragt. Serlin und Umgegend. Achtung, Marmorarbeitcr! Die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern werden am 4. Alärz fortgesetzt. Bis zur Beendigung der Verhandlungen wird unsererseits an den bestehenden Verhält- nisten nichts geändert. Sollten von einzelnen Unternehmern irgend welche Aenderungen an dem bisherigen Verhältnis vorgenommen oder beabsichtigt werden, so ist hiervon sofort Meldung im Verbands« bureau zu erstatten. Zentralverband der Steinarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Die Differenzen in den Betrieben der Freien Vereinigung der Wäschcverlcihgeschäfte sind durch Verhandlungen beigelegt. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Grotz-Berlin. Achtung, Friseurgchilfcn! Tariflich geregelt sind die Betriebe bei Körner, Engelufer 17, B r a a tz, Neukölln, Stuttgarter Str. g, P ä tz o l d, Ober-Schöneweide, Deulstr. 22. Für Verbandsmitglieder gesperrt sind: Kahras, Lichtenberg, Fricdrichstr. 78, Kausch, Neukölln, Lessingstr. 27. Die Kontrollkarte ist braun. Verband der Friseurgehilfen. Aus dem Flcischergcwerbe. Die Fleischereizentrale Paul Lötzsch, Ecke Reichenbcrger und Forst er Straße, ist wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrags für organisierte Fleischergcsellen gesperrt. Die Tarifkommissiym Deutsches Reich. Jllbert Toblcr gestorben. Der Vorsitzende des Malerverbandes Genosse Albert Tobler ist am Freitag im Krankenhause in Hamburg gestorben. Für die Partei schon unter dem Sozialistengesetz tätig, hat er Zeit seines Lebens beiden großen Armeen der Arbeiterbewegung treulich ge- dient. Doch lag sein Tätigkeitsfeld in den letzten Jahren mehr Kleines Feuilleton. To? unzurechnungsfähige Alter. Jener Graf und Abgeord- nete, der Frau und Neffen erschoß, ist freigesprochen worden. Nie- manden hat es gewundert. In gewissen Kreisen ist es nachgerade unmöglich geworden, daß jemand für gewisse Taten bestraft würde. Eher könnte das Reichstag&vahlrecht in Preußen eingeführt werden, als daß Eulenburg zu seinem Rechte käme. Eher dürfte ein Hohen- zoller zu den Trappistcn gehen, als daß die Reuter und Forstner für ihre Taten verantwortlich gemacht würden. Und nun vollends die saubere und gleichsam appetitliche Art, wie jener Graf„seine" Ehre rächtet Sind da nicht tausend Gründe, die einen Freifpruch nahelegten, weil der Mann nicht im Vollbesitze seiner Kräfte war? Erwachsene haben ja so viele Sinne, Neigungen, Leidenschaften. Sie sind Säufer, Erotomanen, Jähzornige, Leute mit Ehrgefühl, kurz, Leute mit Milderungsgründen und Ünzrirechnungsfähigteiten. Bei Kindern fehlt das. Was haben Kinder wohl für Leiden- schaften? Keine. Also können sie unbeirrt ihre Verstandeskräfte walten lassen. Können urteilen, unterscheiden, Was gut und böse ist. Wehe ihnen, wenn sie Unheil anrichten I Unkenntnis des Ge- setzes schützt(Kinder) nicht vor Strafe. Erwachsenen schadet, wenn oie Dinge günstig liegen, auch Kenntnis des Gesetzes nicht, gegen das sie verstoßen. Sie müssen nur unzurechnungsfähig gewesen sein oder im guten Glauben gehandelt haben. In Ebbing ist am 23. Februar von der Strafkammer ein drei- zehnjähriger Schüler zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wegen Totschlags mit Ueberlegung. Mit Ueberlegung. Wieso mit Ucberlegung? Er hatte das siebenjährige Mädchen züchtigen wollen. Mit einer Eisenstange. Dies war die Ueberlegung. Wegen Dieb- stahls war er(mit 13 Jahren) bereits vorbestraft. Es versteht sich, daß Paul Tezlaff, 13 Jahre alt, nicht aus guter Familie stammt. Das Gefängnis ist nur für Arbeiter da, dachte man bisher. Aber nein: auch für Arbeiterkinder. Welches ist nun eigentlich das unzurechnungsfähige Alter? Die Frage ist naturgesetzlich nicht zu beantworten. Nur strafgesetzlich. Bei den Besitzenden kann jedes Alter unzurechnungsfähig sein. Beim Proleten keines. Doch eines: das Säuglingsalter. Eine altpreußische Sittenpolizistin. Man denke nicht, daß die Sittenpolizistin allein eine Einrichtung fortgeschrittener Länder unserer Zeit sei. Sogar vor Traugott von Jagow gab es schon intelligente Polizeieinrichtungem In einem Buch gesammelter Berliner geschriebener Zeitungen aus der Zeit Friedrich Wil- Helms I. findet sich folgende Notiz:„Es ist hier ein gewisses Weib, so die dicke Schneiderin genannt wird, diese ist dazu be- stellt, daß sie alles leichtfertige Gesindel aufsuchen und in gute Gewahrsam muß bringen lassen, wie ihr dann zu ihrer Securite (Sicherheit) nicht allein eine Wacht zugegeben wird, sondern sie verkleidet sich auch öfters in Manneshabit und hat sie schon inner- halb 8 Tage an die 100 Huren ins hiesige Spinnhaus geliefert. Dieses Weib ist vordem selbsten unter einer Diebesbande gewesen, und hat sie wegen vielfältig verübten Diebstahls justifizierct werden sollen, da sie aber en cas(im Falle) sie Pardon erhalten sollte, versprochen die Stadt von allem diebischen Volke, weil sie es nun von anderen genau zu distinguieren wüßte, zu reinigen, weshalb man ihr nicht allein Pardon erteilet, sondern sie hat auch ihr Versprechen bisher wohl gehalten, gestalt man bey weitem nicht so viel von Dieberehcn gehöret, als wohl vor dem, ehe sie dieses Metier getrieben. Sie ist aber in ihren Amtsgeschäften durch bey- gebrachtes Gift eines plötzlichen Todes gestorben." Das neue Urheberrecht der bildenden Künstler. Die Vor- kämpfer eines Urheberrechtes der bildenden Künstler in Frankreich haben einen bedeutungsvollen Erfolg zu verzeichnen: der den Parlamenten vorliegende Gesetzentwurf ist von der Kammer- kommission der schönen Künste, der der Entwurf zur Kommissions- beratung überwiesen war, außerordentlich günstig beurteilt und zur Annahme im Plenum empfohlen worden. Das Gesetz gibt den Malern, Bildhauern und Zeichnern nach dem Vorbild der Schrift- steller und Musiker das Recht auf Tantiemen und bestimmt, daß fortan bei allen Verkäufen pder Versteigerungen von Kunstwerken au den Künstler oder— bis 50 Jahre nach dessen Tode— an die Erben Tantiemen in Form einer Steuer entrichtet werden müssen. Tie Kommission schlägt für den Verkauf von Kunstgegcnständen bis zum Betrage von 2000 Fr. 1 Proz. Tantieme vor; der Satz steigt mit dem Preise an und erreicht bei einem Erlös von 50 000 Frank für ein einzelnes Werk 4 Proz. Tantieme für den Schöpfer oder dessen Erben. Welche Bedeutung diese Bestimmung trotz der verhältnismäßig geringfügigen Prozentsätze für die Künstler hat, mögen ein paar Beispiele zeigen. Wenn das Gesetz bereits im Jahre 1912 in Kraft gewesen wäre, hätte allein Während dieses Jahres der greise Degas durch den Verkauf von Werken�seiner Hand rund 382 000 Fr. eingenommen, den Erben Millcts�wärcn 17 000 Fr. zugeflossen, den Erben Corots 71 000 und die Erben Manets hätten immerhin rund 20 000 Fr. eingenommen. In Wirk- lichkeit hat natürlich die gewaltige Wertsteigerung der Kunstwerke den Schöpfern oder deren Erben nicht einen Centime eingebracht: der Gewinn verblieb ohne die geringste Kürzung dem Kunsthandel und den Sammlern. Der korrekte Bcnmte. In Paris wird folgende Geschichte erzählt: Auf dem Bahnhof St. Lazare kommt ein Schnellzug an. Beim Durchgehen eines II. Klasse-Coupss entdeckt ein Beamter die Leiche eines Mannes, der während der Fahrt gestorben ist. Man forscht nach der Identität, öffnet das Portemonnaie und entdeckt darin ein Fahrbillett— III. Klasse. Und der Tote ist II. Klasse ge« fahren! Der Beamte steht erschüttert vor einem fürchterlichen Dilemma: denn einerseits will er ein Protokoll aufnehmen, anderer- seits aber ist der Straffällige totl Da kommt ihm ein wahrhaft genialer Gedanke: er entnimmt dem Portemonnaie des Toten den Betrag für eine Zuschlagskarte II. Klasse, legt den Schein in das Portemonnaie, klappt es zu und geht mit dem befriedigten Gewissen eines Beamten, der selbst dem Tod gegenüber stramme Pflicht geübt, in seine Kanzlei, wo er beruhigt seinen sauberen Bericht abfertigt. Ein richtiger Beamter läßt sich eben auch von einem Toten nicht betrügen! Humor und Satire. Die Zabern-Kommission-f. (Ein Nachruf.) Gönnt ihr kein lärmendes Begräbnis. Ganz im stillen Sei sie verscharrt, als war' sie hinter'm Busch verreckt. Schon daß sie nur gelebt, stieß an.— Um Gotteswillen Seid nicht so laut— Dem„Volksmann" graut I Drum sei mit Aktenstaub sie ruhmlos zugedeckt. Sie gab unS nur die eine Lehre: Lernt ertragen, Was.gottgesetzte Obrigkeit" euch bürdet auf, Rutscht winselnd auf dem Bauch vor jedem roten Kragen In Staub und Dreck — S'ist euer Zweck I— Und stammelt nicht von„B ü r g e r st o I z'— ich pfeif' darauf! Nun ist sie tot. Und in den Armen liegen wieder Sich„Heilige und Ritter". Segnend nah'n den zwei'» Die„Bassermannen" sich und flöten sanft und bieder: Jbr hohen Herrn, Wir möchten gern In eurem Bunde wiederum die Dritten sein! Du aber, deutsches Volk, wardst abermals betrogen! Wie lang' nvch willst du solche„Selbstentmannung" seh n? Ist jede Scham, ist jede Kraft zum Zorn verflogen, Daß du dich duckst Und alles schluckst? Dann laß dein hilflos' Jammern—:dir ist recht gescheb'n! _' G. E. Notizen. — Theaterchronik.„Die Tr e n k w a I d e r", Karl Schönherrs neue Komödie gelangt am Theater in der Königgrätzer Straße am Sonnabend, den 7. März, zum ersten Male zur Aus- führung. — Parsifal-Vorstellungen finden im Deutschen Opern Hause am 1., ö., 8., 12., IS., 20., 22., 24., 28., 29. und 31. März statt. Die Porstellungen vom 1., S. und 8. März sind ausverkauft. Der Vorverkauf für die übrigen 8 März- Vorstellungen beginnt am Donnerstag, den S. März. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde, Georgenstr. 34/30, spricht Dienstag Prof. W. Stahlberg über die Sturmfluten an der deutschen Ostseeküste. — K u n st a b e n d. Käthe H y a n gibt am 0. März, abends 8 Uhr, im Kunstsalon Keller u. Reiner, Potsdamer Str. 118b, einen intimen Plauder- und Liederabend. — D i e totale Sonnenfinsternis, die am 21. August stattfindet, wird der preußische Staat durch Prof. Miethe ans der Insel Alsten beobachten lassen.(Die dauernde Sonnenfinsternis, die der preußische Staat veranstaltet, läßt er leider nicht beobachten). — Haeckel lehnt den Adel ab. Ernst Haeckel hat zu seinem 80. Geburtstag auch einen Piepvogel erhalten, mit dem der erbliche Adel verbunden ist— wenn der Dekorierte einen ent- sprechenden Antrag stellt. Haeckel hat es aber abgelehnt, den Antrag zu stellen. — Für 400000 Mark Radium für einen Kranken. Der Tod eines Mannes wird gemeldet, zu dessen Heilung die größte bisher für einen einzigen Menschen verwendete Menge Radium aus- geboten würde. Das amerikanische Kongreßmitglied Robert G. Bremner litt an Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium, und so versuchte man als letztes Hilfsmittel, ihm durch Radium zu helfen. Für 100 000 Dollar, also für mehr als 400 000 Mark, wurde von der heilkräftigen Substanz gekauft, aber auch dieser große Aufwand war vergeblich. auf gewerkschaftlichem Gebiet. Seit 23 Jahren gehörte er der gc- werkschaftlichen Organisation an; seit 1897 bekleidete er das Amt des Zentralvorsitzenden im Malervcrbande. Er Mar einer von den stillen, ruhigen Kämpfern, der in der großen Oeffentlichkeit über den Bereich seiner Berufsorganisation weniger bekannt wurde. In früheren Jahren, unter materiell eingeschränkten Verhältnissen der Organisation, war seine Tätigkeit besonders körperlich auf- reibend. Jede Lohnbewegung sollte der Vorsitzende selbst leiten und bei jeder Verhandlung zugegen sein. Und als dann aus kleineren Vertragsverhältnissen heraus die großen Tarifbcwegungen und Verträge und die schwerwiegenden Verhandlungen mit den Unter- nehmern erwuchsen, galt es erst recht die ganze persönliche Kraft einzusetzen, um im Interesse der Berufsgenossen zu wirken. Diese aufreibend« Tätigkeit, in der Tobler ganz aufging, hat auch seine Kraft frühzeitig gebrochen. Ein schweres Nerven- und Magenleiden zwang ihn im letzten Jahre, zeitweilig seine Arbeit einzustellen. Noch suchte er durch eine Kur Erholung. Aber bei den letzten Tarif- Verhandlungen wurde es schon allen bewußt, daß er ein körperlich gebrochener Mann war. Doch von großer Pflichterfüllung beseelt, kam er bis in die letzten Tage noch zur Arbeit in das Verbands- bureau. Dort, am Pult sitzend, übersiel ihn am Donnerstag ein heftiges Unwohlsein. Nach dem Krankenhause überführt, verstarb er dort S7 Jahre alt, schon am nächsten Tage. In der Arbeiterbewegung war Tobler allgemein sehr geachtet und beliebt. Die Gewerkschaftsbewegung, besonders der Maler- verband, verliert an ihm einen tüchtigen Führer, treuen Kameraden und wackeren Mitstreiter. Ehre seinem Andenken I Feinde des Koalitionsrechtes. Im Januar 1913 reichte der Verband der Brauerei- und Mühlen- arbeiter beider Firma H. E. König(Steinhäger Urquell) Forderungen ein. Die Firma antwortete nicht, gab auch dem Gewerkschaftskartell in Bielefeld auf zweimaliges Schreiben keine Antwort. Als nun in der Presse auf dies Verhalten der Firma aufmerksam gemacht wurde, warf die Firma zwei organisierte Arbeiter aus die Straße. Als die Arbeiterschaft zu diesem Akt energisch Stellung nahm, lenkte die Firma ein. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, die den Ar- beitern des Betriebes eine Lohnerhöhung von 19 Proz. brachte. Auch wurde die Wiedereinstellung der Gemaßregelten bei Neubedarf von Arbeitskräften schriftlich anerkannt. Rechtsanwalt Schmidt-Biele- feld, Syndikus der Norddeutschen Brauereivereinigung, der die Verhand- lungen leitete, betonte noch, daß der Absatz über die Wiederein- stellung loyal gehandhabt werden würde. Am 1. April 1913 wurden die beiden Arbeiter gemaßregelt. Am 3. Mai wurde die Verein- barung getroffen, aber bis heute sind die beiden Arbeiter noch brot- los, obgleich am 1. Oktober mehrere Arbeiter eingestellt wurden. Als die Verbandsleitung sah, daß der Vertreter der Firma, Rechts- anwalt Schmidt, in bezug auf die Einhaltung der Vereinbarung machtlos war, schickte dieselbe einen der beiden Arbeiter selbst nach der Firma. Er sollte einmal anfragen, ob die beiden Arbeiter nicht bald wieder anfangen könnten. Herr König fragte darauf den Arbeiter, warum er nicht schon eher gekommen wäre und fuhr fort:»Lassen Sie die Verbandsgeschichten unterwegs, dann kann alles wieder sein wie früher. Wenn die Schreibereien von Supper (Berbandsvertreter) und Rechtsanwalt Schmidt(Vertreter der Firma) aufhören, können Sie anfangen..... Der Verband ist dochjn den anderen Brennereien nicht, warum gerade bei mir. Haben Sie Unterstützung erhalten? Nun, dann haben Sie ja Ihr Geld wieder. Sagen Sie es auch den anderen Leuten, sie sollen die Verbandsgeschichten unterwegs lassen.� Als der Arbeiter später wieder anfragte, wann er anfangen könne, ant- wartete Herr König:„Wenn Sie einen Revers unter- schreiben, daß Sie aus dem Verbände austreten und nicht wieder beitreten, so lange Sie bei uns beschäftigt sind, können Sie sofort wieder anfangen." Also, wenn die Arbeiter sich politisch und gewerkschaftlich kastriert hätten, indem sie obigen Revers unterzeichneten, konnten sie gleich anfangen: vorher aber wurde der Organisation gegenüber stets er- klärt, es sind noch keine Arbeitskräfte notwendig. Es liegt hier ein eklatanter Bruck der getroffenen Vereinbarung vor, der Firma gilt ihr gegebenes Wort nichts. Ein solches Verhalten verstößt gegen die guten Sitten noch mehr, die Firma wollie die augenblickliche Not der in Frage kommenden Arbeiter ausnützen. Das schlimmste aber ist, daß fie den Arbeitern ihr Koalitionsrecht rauben will. Die Firma fragt offenbar nichts danach, was die Konsumenten über ihr feindseliges Verhallen den Arbeitern gegenüber denken. So lehnte sie auch die Vermittelung des Vorstandes des Bielefelder Wirtevereins ab. Nachdem so jede Möglichkeit einer Verständigung geschwunden war, befaßte sich auch das Bielefelder Gewerkschafts- kartell mit dieser Angelegenheit. Es lvurde beschlossen, die um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Brennereiarbeiter zu unterstützen und der Arbeiterschaft strengste Beachtung der bestehenden Beschlüsse (Schnapsboykolt) zu enipfehlen. Parteigenossen, Gewerlschaftskollegenl Solche Gewaltmaßregeln müssen energisch zurügewiesen werden. Die Leipziger Kraftdroschkenführer sind in den Ausstand getreten, da ihre Forderungen auf Verbesserung der Lohn- und Arbeitsver- hältnisie, insbesondere eine Erhöhung deS Prozentzuschlages von den Arbeitgebern nicht erfüllt worden sind. Im Hinblick auf den beginnenden Meßverkehr dürste sich der Ausstand besonders fühlbar machen. )?uslanS. Ein neuer Eisenbahnerstreik in Portugal. Erst vor einigen Monaten hat die portugisische Regierung einen allgemeinen Ausstand der Eisenbahner durch Massenverhaftungen und Repressalien unterdrückt. Die Verhafteten sind inzwischen meist wieder in Freiheit gesetzt worden. Sonst aber setzt die Re- gierung ihre Besserungsversuche an den Eisenbahnern fort. Ihre neuen Verordnungen sind von dem Sinne beseelt, den Eisenbahnern ihr Koalitions- und Streikrecht ganz zu nehmen. Dazu wurden jetzt wieder 49 Eisenbahner gemaßregelt. Und dieser letzte Willkür- akt der Regierung hat die Eisenbahner wieder zum Streik getrieben, zumal die versprochenen Lohnerhöhungen nur jenen Arbeitern be- willigt wurden, die am letzten Streik nicht teilnahmen. Inzwischen verbreitet die ofsiziöse Presse alarmierende Nachrichten über Sabotageakte und Dynamitattentate der Eisenbahner gegen Züge, Tunnels und Bahnhöfe, doch sind solche Nachrichten nur sehr vor- sichtig aufzunehmen. Der Eisenbahnverkehr in Portugal, besonders mit dem Auslande, ist völlig lahmgelegt. Die telegraphischen Ver- bindungen mit Portugal sind vollkommen unterbrochen; doch liegen von aus Lissabon kommenden Reisenden Nachrichten vor. Aus ihnen geht hervor, daß die portugiesische Regierung von der Bewegung durchaus überrascht worden ist. Eine Anzahl von Streikenden wurde verhastet, jedoch sind die Leiter der Bewegung noch in Freiheit. Truppen besetzten alle strategischen Punkte von Lissabon, und in den äußeren Stadtvierteln hört man deutlich cilewehrfeuer. Die Kavalleristen gingen mehrmals mit blanker Waffe gegen die Volksmenge vor, die pollkommen auf feiten der Streikenden steht. Der öffentliche Ordnungsdienst ist vollständig gelähmt worden._ wirtschaftlicher Wochenbericht. Konzentration und Monopolbildung im Schiffahrtsge- werbe. Die Interessengemeinschaft zwischen Lloyd und Hapag. Die Interessengemeinschaft, die vor kurzem zwischen dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika« Linie abgeschloffen worden ist, und die Vorgänge, die sich vor und nach diesem Friedensschluß in der internationalen Schiffahrt abspielten, haben die weitere Oeffentlichkeit auf die außerordentlich starken Tendenzen zur Kapitals- und Betriebskonzentration und zu monopolistischen Bildungen im Schiffahrtsgewerbe ausmerk- sam gemacht. Tie neue Interessengemeinschaft zwischen dem Bremer Lloyd und der Hamburger Hapag ist in der Tat nicht der Beginn gemeinsamen Vorgehens der beiden größten deutschen SchiffahrtS- Unternehmungen, sondern vielmehr der Schritt zur letzten Etappe der Verschmelzung. Und die Differenzen, die Ende vergangenen Jahres zwischen beiden Gesellschaften ausbrachen und am Anfange dieses Jahres zu einem offenest Ratenkampf führten, waren nur da« notwendige Vorspiel zu der vollkommenen Einigung. Schon seit langem bestehen Beziehungen zwischen der Hamburger und Bremer Großschiffahrtsgesellschaft. Die neue Jnlcresscngemeinschaft dehnt diese Beziehungen in engerer Form als flüher auch auf das wichtigste Arbeitsgebiet der beiden Unter- nebmungen, auf den Verkehr nach Nordamerika, aus— und darin besteht die Bedeutung des Abkommens. Die Vorbedingungen für monopolistischen Zusammenschluß sind in der modern-kapitalistischen Wirtschaft da am größten, wo die Anlage und der Betrieb der Unternehmungen große Kapitals- anlagen erfordert. Neben dem Bankgewerbe herrschen daher in der Schwerindustrie, wo gewaltige Kapitalssummen für den Felder- besitz und die technischen Anlagen angelegt werden müssen, die Groß- betriebe und der Znsammenschluß zu monopolistischer Ausbeutung vor. Daneben tritt das Verkehrsgewerbe, wo ebenfalls die Grund- lagen für den Betrieb(Gleisanlagen, Lokomotiven und Wagen für die Eisenbahnen; Fahrzeuge für die Seeschiffahrt) Rieiensumnien verschlingen. In Deutschland kann es nur deshalb keinen Eisenbahn- trust geben, weil dieses Verkehrsmittel überwiegend in den Händen der Bundesstaaten ruht. Aber im Schiffahrlsgewerbe läßt sich die Entwickelung zum Großbetrieb und zur Trustbildung ver- folgen, seitdem Deutschland sich an dem Weltverkehr in stark wachsendem Maße beteiligt. Aus der großen Zahl von selbständigen Schiffahrtsuniernehmungen haben sich Lloyd und Hapag zu den beherrschenden Gesellschaften herausgearbeitet und heute kontrollieren sie das gesamte deutsche SeeschiffabrtSgewerbe. Als begünstigender Faktor, ohne den kaum irgendwo«ine Monopol« bildung eingetreten ist, muß auch hier die Gunst des Staates ge« nannl werden. In Amerika ist diese Gunst meist durch Bestechungen und Korruptionen aller Art erreicht worden. In Deutschland, wo übrigens die Beamtenhicrarchie aus kapitalistischem Instinkt heraus, ohne solche rohen Mittel mit der Förderung privater Riesenbetriebe nicht kargt(Krupp), halsen der Schwerindustrie die hohen Einfuhrzölle, dem Schiffahrlsgewerbe staatliche Subventionen und Konzessionen zur Erstickung der Kon- kurrenz. Der Bremer Lloyd und einige ihm nahestehende Schiff- fahrtsfirmen erfreuen sich noch heute staatlicher Ilnterstützungsgelder zum Betrieb von Reichspostdampferlinien, obgleich Herr Ballrn, der Generaldirektor der Hapag, solche Subventionen für die Entwicklung der Schiffahrt als überflüssig und schädlich bezeichnet Hai. Lloyd und Hapag genießen dazu die viel wertvollere Unterstützung, daß der Staat ihnen allein das einträgliche Aus- Wanderergeschäft zugeschanzt hat. Noch vor zwölf Jahren bemühten sich die SchiffahrtSnnternehmungen des F ü r st e n- konzernS, deffen Hauptfinanzier ein persönlicher Freund deS Kaisers ist, um die Konzession für den Auswandererverkchr via Emden. Aber selbst Fürst von Fürstenberg in Donaueschingen vermochte nicht das Monopol der beiden großen Gesellschaften zu brechen. Gewiß sprechen auch sanitäre und soziale Gründe für eine staatliche Beaufsichtigung des Luswandererverkehrs, aber der österreichische Aus Wandererskandal und der Prozeß in MySlowitz beweisen zur Genüge, waS es mit den Wirkungen des Monopols in sozialer Hinsicht auf sich hat. Deutlich und unbestreitbar ist nur der finanzielle Erfolg für die begünstigten Gesellschaften. Es entbehrt in diesem Zusammen- hang nicht des Interesses, daß die neueste Einigung zwischen Hapag und Lloyd zuni Teil gerade unter dem Druck der österreichischen Regierung bei der Regelung des Auswandererverkehrs erfolgt ist. Der Zusammenschluß in der Schiffahrt geschieht in den beiden Formen, die auch in anderen Gewerben üblich sind: als Jnteresien- gemeinschaft und als Konvention(Kartell. Syndikat, Trust). Während die Konventionen(meist unter der englischen Bezeichnung„?oo1"---- Ring) vornehmlich Vereinbarungen auf internationaler Grundlage treffen, ist die Interessengemeinschaft die Form der Regelung inner- halb des Schiffahrtsgewerbes einer Nation. Ost kamen Interessen- gemeinschaften zustande, um national geschlossen einen größeren Poolanteil bei der internationalen Regelung zu erzielen. Eine der ältesten Betriebsgemeinschaften in der deutschen See- schiffahrt ist die zwischen Hapag und Kosmos(1991). Die Hapag überließ der Kosmos Dampfer(für den Verkehr nach Südamerika) und erhält dafür einen entsprechenden Anteil am Betriesgewinn der Kosmos. Eine etwas andere Form stellt die im gleichen Jahre (1991) getroffene Abmachung zwischen der Hapag und der H a m- bürg- Südamerikanischen Dainpfschiffahrts-Ge- s e l l s ch a f t dar, wonach beide Gesellschaften sich in den Dienst nach Brasilien in bestimmten Prozentsätzen teilten. Später richteten beide Reedereien gemeinschaftliche Linien zwi'chen Brasilien und Nordamerika und zwischen Buenos Ayres und Paragnach her. Der Konjunkturrückgang von 1997 und der damalige Ratenkamps der Hapag mit ausländischen Linien führte zu Interessengemeinschaften mit der Deutsch-Ostasrikalinie und der Hamburg-Bremer. A f r i k a I i n i e für den afrikanischen Verkehr. Im Jahre 1919 folgte� das Abkommen zwischen Hapag und Hansa(Bremen) für den indischen und oslasiatiichen Dienst. Heute sind mit Ausnahme einer Gesellschaft(der Deulsch-Australischen Dainpfschiffahrlsgesell- schaft) alle Hamburger SchisfahrtSgesellschaften durch Abkommen mit einander verknüpft. Da auch der Lloyd(Bremen) an einzelnen Filialunternehmen der Hapag beteiligt ist, bestehen auch Beziehungen zwischen den beiden größten deutschen Schiffahrtsgejellschasten. So ist der Lloyd an der Hansa und an der Hamburg-Bremer Afrika- l i n i e interessiert. Ferner sind beide Geselljchajten an der Austra- Americana(Trieft) und an der Holland- Amerika-Linie beteiligt. Beide dieser Beteiligungen waren ursprünglich Kampfmaßnahmen. Der Erwerb � von Aktien der Hamburg-Amerika-Linie geschah, um der Konkurrenz des amerika- nischen Morgan-SchiffahrtstrusteS zu begegnen, und die Beteiligung der Austra-Americana richtete sich gegen die englische Hunard-Linie, die mit Hilfe von SubventionSgeldern des englischen Staates sich in Fiume(Oesterleich) zur Eroberung des ungarische» Auswanderungs- geichäfts festsetzte. Daneben kontrolliert der Lloyd nodj mehrere kleinere Bremer Schiffahrtsunternehmungen. Wie aus der kurzen, nicht vollständigen Uebersicht hervorgeht, bezog sich die gemeinsame Arbeit der beiden Gesellschaften bisher nur auf das südamerikanische und ostasialische Geschärt. Gerade für den wichtigsten Verkehr, den, nach Nordamerika, bestanden derartige Beziehungen nicht. Das Bindeglied war hierfür nur die Beteiligung am Nordatlantischen SchiffahrtS- Pool. Ursprünglich waren am Pool, der 1883 auf Betreiben der Hapag ins Lebens trat, nur europäische Gesellschaften beteiligt. In dem Kampfe mit englischen Firmen und später mit dem Morganschen Schiffahrtstrust, dem auch englische Firmen angehörten, kam es z« neuen Verträgen, in denen sich alle großen Linien zu dem großen Pol zusammentaten. Auch die Canadische Eisenbahn« gesellschast, die bekanntlich Schiffahrtslinien von Canada nach Europa und uingekehrt betreibt, trat dem Pol bei. Hapag und Lloyd be- saßen im„kleinen" Pol zusammen eine bestimmte Quote, von der auf die Hapag 43 Proz., ans den Lloyd 37 Proz. entfallen. Diese Verteilung mußte für die Hapag um so unan- genehmer werden, je rascher sie sich im Verhältnis zum Lloyd entwickelte. Der Schiffsraum für den nordatlantischen Paffagier- verkehr wuchs nämlich von 1891 bis 1313 bei der Hapag von 122 999 auf 923 199 Tonnen, bei dem Lloyd von 171 999 auf nur 679 399 Tonnen. Der anfänglich größere Lloyd ist also von der Hapag überflügelt worden. Im Jahre 1919 war der Verkehr bei den Ge« sellschaften noch ungefähr gleich groß, seitdem folgte die Ausdehnung bei der Hapag noch rascher. Die Hapag forderte daher für die 1913 in Aussicht stehende Erneuerung der Poolverträge eine (um 6 Proz.) höhere Onote, und da der Lloyd sich sträubte, kündigte die Hapag die Verträge, der Pool wurde auf- gelöst und die Ratenkämpfe setzten ein. Eine gewisie Lockerung deS Pools war bereits im Jahre 1912 dadurch eingetreten, daß die Canadische Eisenbabngesellschaft aus dem Pool austrat, um eine Auswandererlinie Triest-Kanada begründen zu können. Tie sinkende Konjunltur mit dem zu erwartenden Rückgang der Frachtenbeförderung und der bereits eingetretenen Abnahme des Zwischcndeckverkehrs und der Ratcnkampf zwischen den beteiligten Linien haben nun ziemlich rasch zu einer Einigung der beiden deuischen Gesellschaften und der Erneuerung der Pool- Verträge geführt. Da die ausländischen Gesellschaften den deutschen geschlossen gegenüberstehen, mußte die Einigung der beiden deutschen unter sich der aller Poolmitglieder vorangehen Auch im neuen Pool werden die beiden Linien wiederum eine gemeinsame Quote besitzen. Für die Hapag wurde die Einigung um so notwendiger, als der Lloyd allein mit europäischen Linien einen Teil der Verträge verlängerte und außerdem früher zu einer Einigung mit der österreichischen Regierung gelangte. Der be- kannte AuS Wandererskandal'hat nämlich Oesterreich dazu bewogen, den Gesellschaften schärfer aus die Finger zu pasien. Die Gesellschaften müssen sich einer weitgehenden Kontrolle unterzieben, und ihre sämtlichen Anwerbungen gehen über eine gemeinsame Buchungszentrale. Dem österreichischen Schiffahrtsgewerbe, das den Skandal aus nationalen Profitinteressen ja selbst inszeniert hat, ist es dann weiter gelungen, die beiden Ge- sellschaften aus Oesterreich zu vertreiben: Hapag wie Lloyd mußten ihre Beteiligung an der Austra-Americana an eine österreichische Bankgruppe abgeben. Da beide Gesellschaften von der Regierung völlig gleich behandelt werden, lag es nahe, diese Gleichberechtigung auf ihr gesamtes Geschäft auszudehnen. So ist der neuen Interessen- gemeinschaft vorgearbeitet worden, nach der beide Gesellschaften mit völlig gleichen Anteilen im gesamten Amerikageschäst vorgehen werden. Im Frachten-, Kajüten- und Zwischendecksverkehr herrscht von nun an völlige Gleichberechtigung. Der Ouotenteilung soll die Gewinnbeteiligung entlprechen; Hapag und Lloyd Parti- zipicren an den Gewinnen. Diese Äbniachungen müsien weiter zur Folge haben, daß auch ein einheitliches Bauprogramm aufgestellt werden wird. Zu einer völligen Verschmelzung fehlt nur noch die Aufgabe der verschiedenen Namen und der schein- baren Trennung der Organisation; denn die Leitung wird künstig- hin eine gemeinsame sein müssen. Der Zentralisation Ist also recht weit vorgearbeitet. Wohl bezieht sich die neue Gemeinschaft nur auf den Amerikavcrkehr, ober gerade dieser ist der wichtigste für beide Großreedereien. Durch diese Entwicklung ist die Monopolbildnng im deuischen Schiffahrtsgewerbe um ein großes Stück weiter geführt worden. Aehnlich wie in der ElektrizitätSindustrie, wo die All« gemeine Elelrrizitätsgesellschaft und der Siemens-Schuckert-Konzern die tatsächliche Herrschaft besitzen, üben künftig auch in der See- schiffahrt zwei große Gruppen die Kontrolle über das ganze Gewerbe aus. Die Konzentration bedarf nur der Betriebsverschmelzung. um das Trustgebilde auch nach außen deutlich zu mawen. Die Talsache, daß die Interessengemeinschaft„nur" aus 13 Jahre obge« sebloffen worden ist, ändert daran nicht?. Denn gerade in der See» schifsabrt mit den kostspieligen und langdauernden Bauten bedeutet ein löjähriges Zusammengehen eine Aus- und Angleichung auf weit längere Zeiten hinaus. Ms Znöuftrie und tzanöel. Anilin-Aktien. Das schreckliche Unglück in der Rnmmelsburger Fabrik der Aktien« gesellschast für Anilinfabrikation regt wieder zu Betrachtungen über das Risiko der Arbeit und des Kapitals an. ES war cm eigen« artiger Zufall, daß fast um die gleiche Zeit, wo die verbeerende Erplosion sich ereignete, sich an der Berliner Börse eine auffallende Hausse in den Aktien der Anilinfabrik vorbereitete. Die alsbald einlaufende Hiobspost verdarb allerdings sofort der Börsenspekulation die Laune und setzte der Aufwärtsbewegung der Kurse ein Ziel. In KapitalSkreisen wird man sich einem rein menschlichen Mitleid mit den Opfern der Katastrophe hoffentlich ivohl nicht verschließen können, man wird aber bald wieder ans Geschäft denken und die jähe Unter- breckung der Hausse in„Treptower Anilin' auf« lebhafteste be« dauern. Den Aktionären ist ein Kursgewinn von einigen Prozenten entgangen. Und die Arbeiter? AuS ihren Reihen hat der Tod zwölf Kameraden gerissen, dreißig Schwerverletzte und eine große JJahl Leichtverwundeter bedecken außerdem das Schlachtfeld der Arbeit. ES ist angesichts dieses Un- glucks ein schwacher Trost, daß derartige große Katastrophen in der chemischen Industrie während der letzten Jahre noch verhältnismäßig feiten vorkamen, obwohl doch in dieser Branche täglich und stündlich ungeheure Mengen explosiver Stoffe verarbeitet werden. Viel Verlust- bringender als einzelne größere Exulosioiien ist jedoch die fast nn- übersehbare Reihe von Betriebsunfällen, von denen die breitere Oeffentlichkeit gewöhnlich gar nichts erfährt. Und doch ver- Unglücken hierbei im Laufe der Jahre Hunderte und Tausende von Arbeitern. Der Kapitalist riskiert einen meist sehr minimalen Teil seine« Vermögens, der Arbeiter setzt täglich von neuem sein Leben und seine Gesundheit aufs Spiel. Wer zählt die vielen Schäden, die gislige Gase und Dämpfe den Atmungsorganen usw. der Arbeiter der chemischen Industrie ständig zufügen! Hierüber verlautet über- Haupt nichts. Die Aktien der Treptower Anilinfabrik gehören zu den so« genannten„schweren" Börsenpapieren, ihr Kurs pendelt gegenwärtig zwischen 339 und 549 Prozent. In diesen Ziffern drückt steh ungefähr die Wertsteigerung der einmal zum Nennwert aus; gegebenen Aktien aus. Die Dividende ist seit nahezu zwei Jahrzenten niemals unter 13 Prozent heruntergegangen, sie bewegt sich jetzt auf der Höhe von 23 Prozent, mehrere R e s e r v e f o n d S in einer Geiamlhöhe von zirka 8 Millionen Mark bürgen dast»r, daß auch bei einer vorübergehenden Verschlechterung_ der Geschäftslage oder bei politischen Verlusten die Aktionäre ruhrg schlafen und gut essen können. Das Risiko der Kapitaltsten ist h,er wirklich auf ein Minimum herabgedrückt, zumal die Zugehongkelt zum sogenannten.Anilinkonzern' dem Unternehmen guten Absatz und hohe Preise ans lange Zeit hinaus sichert. Der Anum- konzcrn ist im Jahre 1995 auf die Dauer von 59 Jahren begründet worden. Er ist vorläufig eine der wenigen truslartigen Gebilde in Deutschland. Kann der Arbeiter der Anilinfabrik auch so sorglos in die Zukunft blicken wie der Aktionär! Keineswegs! Der Arbeiter riskiert in diesen Betrieben alles. Und die Rtstkoprämie? Diese besteht bekanntlich gerade in den meisten chemischen Fabriken in einer ganz jammervollen Löhnung. Diese Betriebs arbeiten fast durchweg mit ungelernten Arbeitern, bei denen die Organisations- und Lohnverhältnisse meist noch sehr im argen liegen. Hoch- und Untergrundbahn. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin verzeichnet für 1913 einen Bruttoüberschutz von 7 197 626 Mark gegen 6 381 658 M. im Vorjahre und einen Reingewinn von 3 633 676(3 531 366) Mark, woraus eine Dividende von wieder- »in 6 P r o z. Zur Verteilung vorgeschlagen wird. Die Betriebs- einnahmen haben sich um 1 223 696 M. und die Betriebsausgaben um 716 766 M. erhöht im Zusammenhang mit den im Juli und Oktober eröffneten Erweiterungslinicn. Zur Deckung des Geld- bedarfs für die Erweiterungslinien und zur Abtragung der Bank- schuld wird die Erhöhung des Grundkapitals um 26 Millionen Mark fünfprozentiger mit 116 Proz. rückzahlbarer Vorzugsaktien vorgeschlagen. Die Kapitalserhöhung erfolgt in der Weise, daß die zurzeit mit 25 Proz. eingezahlten 16 Millionen Mark Stammaktien, die sich im Besitze der Elektrischen Licht- und Kraftanlagen A.-G. befinden, voll gezahlt und in 16 Millionen Mark fünfprozentige Vorzugsaktien ausgegeben und schließlich für die Elektrische Licht- und Kraftanlagen A.-G. als Ersatz wiederum 16 Millionen Mark mit 25 Proz. eingezahlte Stammaktien ge- schaffen werden. Die Kapitalserhöhung führt ein unter Führung der Deutschen Bank stehendes Konsortium durch. Tie Große Berliner Straßenbahn verteilt eine Dividende von 8 Proz. gegen 8'A Proz. im Vorjahre. Tie Phönix A.-G. erzielte in der ersten Hälfte des Geschäfts- jahres 1313/14(Abschluß am 31. Dezember 1813) einen Betriebs- geloinn von 18,8 Millionen Mark gegen 22,6 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Jahres 1312/13. Das Mindererträgnis . des ersten Halbjahres im Vergleich mit dem vergangenen Geschäfts- jähr ist zurückzuführen auf geringere Ueverschüsse bei. den Hütten, während die Kohlenzechen noch einen Mehrgewinn gebracht haben. Tie Zechen tvaren andauernd gut beschäftigt. Die Herabsetzung der Preise für Koks und Kohlen wirkt hier erst von Beginn des Kalenderjahres bzw. vom 1. April ab. Die Hüttenwerke waren in den ersten Monaten des vergangenen Jahres noch voll beschäftigt, erst in den letzten Monaten trat in einzelnen Fabrikaten, besonders in Trägern, ein Nachlassen der Beschäftigung ein, und es mußten vereinzelt Feierschichten eingelegt werden. Zugleich machten sich die seit Ansang des vergangenen Kalenderjahres gesunkenen Preise der Fabrikate in den Monatsergebnissen bemerkbar. Am stärksten waren die Preise für Stabciscn und Blech« gefallen. Für diese Erzeugnisse trat am Jahresschluß eine kleine Besserung der Preise ein, die sich bis heute erhalten, eine weitere Steigerung aber nicht erfahren hat. Die Aussichten auf eine Belebung des Geschäfts im Frühjahr haben durch die inzwischen eingetretene erhebliche Herabsetzung des Bankdiskonts eine Stärkung erfahren. Es besteht deshalb bei der Leitung des Unternehmens die Hoffnung auf eine lebhaftere Bau- tätigkeit und somit auf ein Anwachsen des Bedarfs an Trägern und sonstigem Baueisen. Im ganzen ist die Stimmung aus dem Eiscnmarkt aber noch gedrückt, und die Preise für viele Er- zcugnisse, besonders für Stabeisen und Bleche, Draht und Röhren, sind wenig lohnend. Von Einfluß auf die Gcsamtmarktlage, nicht nur für den Röhrenmarkt selbst, war auch daS Scheitern der Verhandlungen über ein Röhrensyndikat, das vorübergehend bereits gesichert erschien. fitis öer Partei. Ein Märtyrer de? Sozialismus in Japan. Manschreibt uns aus Brüssel: Katayama, der bekannte japanische Sozialist veröffentlicht im„Peuple* die Leidensgeschichte eine« jungen japanischen Sozialisten, den eine unablässige politische Verfolgung schließlich zum Selbstmord trieb. Jefnzo D am a m o t o— die« der Name de« jungen So- zialisten— widmete sich schon als Student dem Studium und der Propaganda des Sozialismus. Er schrieb und sprach geläufig Französisch und Englisch und besaß genaue Kenntnisse der ökonomischen Werke von Marx.' Er gab als Student eine kleine Revue für den Sozialismus heraus, die aber bald unterdrückt wurde. Während des russisch-japanischen Kriege? schloß er sich gleichgesinnten Kämpfern an, um eine antimilitaristische Propaganda zu entfallen. Seit dieser Zeit, die mit der Hinrichtung der Märtyrer Kotoku, Sakai u. a. zusammenfällt, datiert seine Verfolgung durch die japanische Geheimpolizei, die ihm überall, selbst bis in den Hörsaal, nachschlich. Als er, um nicht länger einer alten Verwandten, die ihni das Studium ermöglichte, zur Last zu fallen, nach einem Beruf trachtete, machte ihm die Polizei die Ausführung aller Pläne zu Nichte. Sie heftet« sich an seine Fersen, wo immer er auftauchte und schuf um seine Person eine derartige Atmosphäre von Miß- trauen, daß ihn niemand beschäftigen wollte, so sehr er für die ver- schiedentlichsten Stellungen besähigt war. Uamamoto hätte unter anderem eine Stelle an einer methödistischen Schule bekommen sollen. Die Geheimpolizei verhinderte seine Ernennung, indem sie glattweg erklärte, daß das Institut unaufhörlich von Detektiven umgeben werden würde, um Dcrmamoto auszuspionieren... Und so lehnte ihn eine Lehranstalt nach der anderen ab, da keine mit der Polizei zu tun haben wollte. Schließlich fühlte er sich am Ende seiner Kraft und machte— ein kaum Vierundzwanzigjähriger!— seinem Leben ein Ende. Sozialistische Freunde geleiteten seinen Leichnam zur Verbrennung. Katayama berichtet, daß alle Sozialisten in Japan, wenn auch nicht bis zu diesem extremen Ende, von der japanischen Regierung verfolgt werden; in Korea und Formosa hat dieses Borgehen zu einer förmlichen Revolte geführt. polizeiliches, Gerichtliches ofw. Auch eine Beleidigung. Für konservative Leute soll es b el e i d i g e n d sein, wenn von ihnen öffentlich behauptet wird, sie seien gewillt gewesen, mit den Sozialdemokraten bei Wahlen gemeinsame Sache zu machen. Aus diesem etwas sonderbaren Standpunkt stellte sich die vierte Breslauer Strafkammer in einer Berufungisache des VerantworUichen der.Breslauer Volkswacht", Genossen Förster, und verurteilte diesen zu je dreimal 3 6 M. Geldstrafe. Die„Volkswacht" hatte aus Anlaß der im Früh- jähr vorigen Jahres in Grotz-Mochbern bei Breslau statt. gefundenen Gemeindevertreterwahl ganz nebensächlich darauf hin- gewiesen, daß einige von den Grundbesitzern, ohne aber Namen zu nennen, versucht hätten, mit unseren Genossen bei der Eemeindevertrctcrwahl gemeinsame Sache zu machen, später jedoch, als unsere Genossen bestimmt« Garantien verlangten, davon Abstand � genommen haben. Diese ganz allgemein gehaltene Notiz bestritten drei Gutsbesitzer, Scholz, H e m p e l und Ge i s l e r, in einer Berichtigung an die„Volks- wacht", während diese durch Rückfrage bei ihren Gewährsmännern tatsächlich feststellen konnte, daß ein Maurer namen» K i t t l a u S, der viel mit den drei genannten Gutsbesitzern z u tun hatte, überall erzählt hatte, von den Bauern beauftragt zu fein, mit den Sozialdemokraten Fühlung wegen eines Kompromisses bei den Gemeindevertreterwahlen zu suchen. Auf Grund dieser Ermittelungen hielt die„Volkswacht" ihre Angaben wegen der von den Konservativen nachgesuchten Wahlhilse aufrecht. Das führte zu einer Privatbeleidigungsllage gegen den Benossen Förster, weil die konservativen Herren es als beleidtg««tz empfanden, mit de» Sozialdemokraten z» pak- tircn. Vor dem Schöffengericht stellte sich dann die sehr auffällige Tatsache heraus, daß der Zeuge K i t t l a u s sich an nichts mehr erinnern konnte. Erst als ihm durch andere Zeugen das Gewissen etwas geschärft wurde, gab er zu, das alles erzählt zu haben, daß er sich aber die ganze Geschichte von An- fangbis Ende ausden Fingern gesogen habe. Das Schöffengericht erkannte»ur wegen formaler Beleidigung auf 36 M. Geldstrafe, und sprach Förster von den anderen angeblichen Beleidigungen, die in der von den konservativen Gutsbesitzern bei den Sozialdemokraten erbetenen Wahlhilfe liegen sollte, frei. Von den Kosten sollten drei Viertel die Kläger tragen. Hiergegen legten die Kläger als auch der Verurteilte Berufung ein, die am Freitag vor der 4. Strafkammer zur Verhandlung kam. Nach eingehender Beweisaufnahme, die das gleiche Bild, wie die erste Verhandlung ergab, kamen die gelehrten Nichter zu dem Ergebnis, daß es für die Kläger als Mitglieder der konservativen Partei als ehrenrührig zu betrachten sei, wenn ihnen zum Vorwurf gemacht wird, sie hätten mit der Sozialdemokratie ein Wahlbündnis beabsich- tigt. Ein solcher Vorwurf sei geeignet, sie in der Achtung ihrer Parteimitglieder herabzusetzen. Das Gericht erkannte deshalb auf insgesamt 96 M. Geldstrafe. Vielleicht erkundigen sich die Richter der vierten Breslauer Strafkammer einmal bei den verschiedensten Führern der Konser- vativen, ob sie es für ehrenrührig gehalten haben, als sie von den Sozialdemokraten Wahlhilse gegen klingende Münze erbeten haben, aber nicht erhielten. Gerichtszeitung. Zum Prozeß Keiling. Genosse Glasschleifer Wilhelm Keiling, Neukölln, Leinestraße 55, bittet uns um Feststellung, daß er mit dem Polizei- und Streik- brecheragenten Keiting nicht verwandt ist. Wir kommen diesem Wunsch nach und geben, um Verwechselungen vorzubeugen, nach- stehend nochmals die Personalien des Arbeiters auf Akkord für Polizei und Arbeitgeber an: Paul Keiling, der am 8. Februar zu Tetschen den Maschinen- meister Solinger erschossen hat, ist am 18. Juni 1868 in Reppen geboren und wohnte hier in Berlin. Hochstraße 23, in demselben Hause, in dem sich das Polizeirevier 82 befindet. Schwindel. Die„Erste Berliner Krawatten-Akademie" des unseren Lesern saitsam bekannten Herrn Adolf Stcinberg, die schon wiederholt die Ocffentlichleit beschäftigt hat, stand im Mittelpunkt einer gestern vor der 5. Straffammer des Landgerichts II verhandelten Anklage wegen Beleidigung. Der Kaufmann Adolf Steinberg und dessen Ehefrau klagten gegen die Frau Meta Waldbaum. geb. Behrend. Die Angeklagte hat Widerklage erhoben. Die Privaffläger unterhalten eine Lehranstalt, in welcher das Krawattennähcn gelehrt wird, dasselbe ist bei dem Ehemann der Angeklagten der Fall. Letztere erteilt in dem Geschäft ihres Ehemann den Unterricht. Zwischen beiden Parteien herrscht ein scharfer Wettbewerb, der dazu führte, daß bei Anfragen von Per- sonen, die das Krawattennähen erlernen wollten, die eine Partei sich über das Geschäftsgebaren der anderen höchst abfällig äußerte. Der Angeklagten wurde nun vorgeworfen, daß sie zu einigen Per- sonen gesagt habe: Steinbergs verständen nichts von der Arbeit, das Lehrgeld bei ihnen sei weggeworfen, Arbeit bekomme man nach der Lehrzeit doch nicht, das sei„Schwindel", die Privat- kläger seien auch schon wegen dieser geschäftlichen Schwindeleien vorbestraft. Andererseits bat Frau Steinherg sich über die Frau Waldbaum sich dahin geäußert: Diese Person habe bei ihr nur ein paar Tage gelernt und sei das halbe Lehrgeld schuldig ge- blieben. Vor dem Schöffengericht hatte.hie Angeklagte den WahrheitS- beweis für ihre Behauptungen über die„Erste Berliner Krawatten- Akademie" angetreten und daS Gericht hat auf Grund der AuS- sagen von 12 Zeuginnen für erwiesen erachtet, daß die von der Angeklagten behaupteten Tatsachen der Wahrheit entsprechen, mit Ausnahme der behaupteten Bestrafung. Insbesondere hat daS Schöffengericht auch alß erwiesen angesehen, daß die Bezeichnung „Schwindel" gerechtfertigt ist. Das Gericht ist, wie es in dem Er- kenntniS heißt, hierbei von der Erwägung ausgegangen, daß, wenn auch vielleicht die Tatbestandsmerkmals des strafbaren Betruges nicht vorliegen, die Privatkläger sich doch einer vorsätzlichen Täuschung bedient haben, um Lernende anzulocken.„Es kann nicht verkannt werden, daß Geschäftspraktiken wie die der Privat- kläger allgemein mit Recht als Schwindel gekennzeichnet werden." Dagegen hat das Gericht in der unzutreffenden Äußerung, die Privatkläger seien schon wiederholt wegen dieser Schwindeleien be- straft worden,«ine Beleidigung erblickt, für die eS 16 M. Geldstrafe für ausreichend hielt. Dieselbe Strafe traf die Privat- klägerin und Widerbeklagte Frau Stcinberg. Hiergegen war von den Privatklägern Berufung eingelegt worden. Der Vorfitzende verlas eine Auskunft des Polizeipräst- deuten, wonach dieser Steinberg die Erlaubnis zum Betrieb ent- zogen, daß er öffentlich vor dem Unternehmen gewarnt und daß Steinberg daS Geschäft dann auf seine Frau übertragen habe.— Die Strafkammer verwarf die gegen das schöffengerichtliche Urteil eingelegt« Berufung.__ Die verliebte Frau Amtsrichter und der Gärtnerbursche. Daß Liebe blind macht, bewies wieder einmal ein Fall, der schon in dem recht nüchternen Rahmen einer Gerichtsverhandlung recht erheiternde Wirkungen auf da? Auditorium ausübte. Vor der 3. Straffammer d«S Landgericht« I hatte sich der Gärtnergehilse Willi Groß zu verantworten, der schon öfter Be- kanntschaft mit dem Strafrichter gemacht hatte.— Vor einiger Zeit machte der Angeklagte durch eine Heiratsannonce die Be- kanntschaft der verwitweten Frau Amtsrichter H., die„des Alleinseins müde" Anschluß zwecks späterer Heirat suchte. Diese Dame verstand es, durch Anwendung von Kosmetika und schicken Toiletten ihren äußeren Menschen in einen harmonischen Einklang mit ihrer noch von jugendlichem Feuer durchglühten Seele zu bringen, so daß sie in Verbindung mit einer kaum zu bändigenden Lebens- lust und ihrer heimatlich bayerischen, ziemlich weitgehenden Offen- Herzigkeit so ganz den ThP einer„luftigen Witwe comme il üut" darstellte. Es mußte wohl eine Art„Liebe auf- den ersten Blick" gewesen sein? Denn sonst hätte die lustige AmtSrichterwitwe wohl gleich bemerkt, daß der Angeklagte unmöglich der„Kriminal- assessor von Groß" sein konnte, für den er sich ausgab. Ihr im- panierte offenbar das Krastvoll-Urwüchsige an dem„Herrn Assessor", während ihm das etwa 166 666 M. beiragerobe Vermögen der Frau Amtsrichter imponierte. Es folgten dann Tage seligen Liebes- glückS, die auch dadurch keine besondere Einbuße erlitten, daß der„Herr Assessor", der sich inzwischen zu einein Zylinderhut und Monokel emporgeschwungen hatte, öfter in Geldverlegenheiten war. Einmal muhte er seinem Freund,„dem Landgerichtsrat Schwerdt- feger", mit 1266 M. aushelfen, ein andermal dem„Assessor Neu- mann" mit 2606 M.. dann war ihm selbst der Koffer mit seinen Kleidungsstücken und wertvollen Schmucksachen und 2666 M. Bar- geld verbrannt, kurzum, in ihrer Liebe sah und hörte die Frau Amtsrichter nichts, sondern zahlte und siebte. Eine« Tages er- klärte der Angeklagte, daß er nach Leipzig fahren müsse, um dort sein„Dekret als LandgerichtSrat" beim Reichsgericht in Empfang zu nehmen. Das Pärchen fuhr nach dort und hier kamen der verliebten Frau zum ersten Male Bedenken; denn der Herr Assessor kam total betrunken und nach Kümmel duftend von seinem angeblichen Gange zum Reichsgericht zurück und gebrauchte Aus- drücke, die nichts weniger als salonfähig waren. Sie fuhr nach einer heftigen Szene im Hotel sofort nach Berlin und stellte hier Erkundigungen an. Sie erfuhr bei der Wirtin de» Angeklagten. daß der Jfitt«ffeffar" et» stefftmySloser GSrtnergchiffe tpar. daß er schon mit einer anderen Frau angebandelt hatte und schließlich auch, was sie in ihrer Eitelkeit am meisten empörte, daß er mit Bezug auf ihre Person geäußert hatte, wenn sie komme, so solle die Wirtin„die olle Kuh" nicht reinlassen. Sie lief wutentbranin zum Kadi und der Angeklagte wurde verhaftet. Mit Rücksicht auf seine Vorstrafen und die Tatsach«, daß er zirka 8666 M., allerdings auf sehr leichte Weise erbeutet hatte, erkannte das Gericht auf VA Jahr Gcsängnis. Ms aller Welt. die gefundenen Millionen. Man schreibt uns aus Brüssel: Der Spektakel, der nach dem Tode Leopolds um seine Millionen anhub, geht zu Ende: der Staat kriegt seine Millionen, die Töchter kriegen die ihren und— man erinnert sich, daß es Prozesse gab— in den Armen liegen sich beide. Der eben der Kammer zugegangene Entwurf des Justiz- Ministers, der den Vergleich zwischen dem Staat und den drei Töchtern Leopolds in der Erbschaftsangelegenheit regelt, enthält eine schwindelnde Kolonne von siebenstelligen Ziffern. Di« Gläubiger der Prinzessin Louise werden in keine ge- linde Aufregung geraten..... Alles in allem erben Leopolds Töchter 37 Millionen, von denen sie seinerzeit bereits 21 Millionen herausbekommen haben.— Bekanntlich zeigte sich bei der lieber- nähme des Congo durch Belgien, daß eine nicht unbeträcht- liche Anzahl von Millionen— Leopold hat sich prinzi- piell nicht mit Zahlen unter sechs Nullen abgegeben— sozusagen verschwunden waren, wenigstens für den Staat, für den das Annexionsgeschäft damit nicht gerade rentabel geworden war. Die Bagatelle, um die der Staat durch die Ränke und Finessen Leopolds geprellt werden sollte, betrug nach der Schätzung JansonS und Bertrands 36 Millionen Frank. Der Minister Renkin habe damals keinen leichten Stand gegenüber der Opposition, die ihn im besten Fall als einen von Leopold Düpierten behandelte. Diese Millionen wurden von Leopold in der berühmten Niederfüllbachstiftung und den diversen„Sociötvs", die sämtlich aus Strohmännern gebildet wurden, zu dem Zweck vergraben, sie dem Staat und den Kindern abwendig zu macben. Die„Irrtümer" wurden aufgeklärt, die Millionen sind„aufgefunden" worden. Die Prinzessin L o u ise und die Gräfin Lo n y ah prozessierten und forderten den ganzen Anteil, verloren aber den Prozeß, der nun- mehr mit dem in dem Entwurf niedergelegten Vergleich endet. Dem Staat verblieben nach Abzug von 6 Millionen für d:e Mederfüllbach- stiflung und einem weiteren Abzug von etwa 2 Millionen un- gefähr 52 Millionen. Es sind wirklich„gefundene" Millionen. Fünf Arbeiter überfahren. Ein schweres Betriebsunglück, dem fünf Menschenleben zum Opfer fielen, hat sich am Sonnabend vornnttag in der Nähe des Bahnhofs Magdeburg-Neustadt zugetragen. Dort war eine Abteilung von 25 Arbeitern des Steinsetzmeisters Schmidt unter Aufsicht des Rottenführers H e r b st aus Neustadt mit einer Kabellegung beschäftigt, als ein Eilzug aus Berlin heranbrauste. Der Führer Herbst ver- gast wohl die Arbeiter auf das Herannahen des Zuges auf- merksam zu machen, sodaß sie nicht zur Seite traten. Der Zug fuhr mitvollerKraftindieArbeitergruppe hinein; Herbst und vier andere Arbeiter wurden auf der Stelle getötet. Die übrigen konnten sich in Sicherheit bringen, nur einige haben u n b e- deutende Verletzungen erlitten. 5*. ♦ ♦ Ein ähnliches Unglück hat sich am Sonnabend in Mau- b r u g e im nördlichen Frankreich zugetragen. Dort wurden drei Eisenbahnarbeiter infolge herrschenden Nebels von einem Güterzug überfahren und getötet. Ein Opfer der Wiffenfchaft. Einem unglücklichen Versehen ist in Kalkutta der australische Gelehrte Dr. Fox, Erfinder eines Antitoxins gegen Schlangenbisse, zum Opfer gefallen. Fox, der sich schon öfter von Giftschlangen hatte beißen lassen, um den Erfolg seines Mittels zu demonstrieren, ließ sich bei einer praktischen Vorführung seines Antitoxin« am Sonnabendvornnttag im Zoologischen Garten in Kalkutta von einer Giftschlange an fünf Stellen ins Handgelenk beißen. Bier Bißstellen behandelte Fox mit seinem Gegengift, übersah aber die fünfte. Am späten Nachmittag zeigten sich die Vergiftnngserscheinungen; als man die fünfte Biß- stelle entdeckte, war es zu spät; Fox starb, da daS Antitoxin nur wirkt, wenn es unmittelbar nach dem Biß angewandt wirkt. Millionenraub. Aus einem Postwagen, der in Paris den Geldverkehr mit Bankinstituten vermittelt, wurden am Sonnabend morgen Werte in Höhe von über eine Million Frank geraubt. Der Diebstahl wurde im Zentrum von Paris von einer vollkommen organisierten Bande ausgeführt, die ihren An- schlag von langer Hand vorbereitet hatte. Der Post« beamte, der die Wertsendungen für die Banken austrägt, hatte bereits mehrere Briefe verteilt, als er bei seiner Ankunft in der Rue Chauchat bemerkte, daß ein an Wechselagenten aus- zuhändigender kleiner Sack, der Werte von über einer Million ent- hielt, aus dem Postautomobil verschwunden war. Die Uebel- täler müssen den Augenblick benutzt haben, in dem der Wagen- führer, der nach der Vorschrift den Wagen in Abwesenheit des aus- tragenden Postboten zu überwachen hat, einen anderen Sack bis zu dem Fenster einer Bank getragen hatte. Kleine Notizen. Der tägliche Grubcnunfall. In der vierten Abteilung des HermannschachteS bei Waldenburg waren die Häuer Kühn und W e i d a u e r mit dem Abteufen eines neuen Schachtes beschäftigt. In der vergangenen Nacht stürzten beide etwa 26 Meter tief m den Schacht. Kühn war sofort tot, während Weidauer auf dem Transport nach dem Krankenhause verstarb. Absturz zweier türkischer Flieger. Der Flieger Fethi war mit dem Leutnant Sadik Freitag früh bei Damaskus aufgestiegen, um nach Jerusalem zu fliegen. Da bis Mittag keine Nachricht von ihnen eintraf, wurden Nachforschungen angestellt, wobei man den zertrümmerten Flugapparat zwischen Samaria und Zulia im Distrikt Tiberias auffand. Fethi und Sadik waren tot. Ein Priester als Sittlichkeitsverbrecher. Der katholische Pfarrer B e l a c ch i ist von dem Gericht von F e r r a r a wegen Sittlich- keitSverbrechens zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten ver- urteilt worden. Der Geistliche hatte die strafbare Tat an einem öffentlichen Ort vorgenommen, weshalb der Prozeß nicht durch Privatklage, sondern von Amts wegen erledigt wurde. Oriefkasten üer Reüaktlon. K- Auch w diesem Iah« wird die Summ» ftr die Spende vMgt»echr«; sie steht derrtt» i» ftet Sc A.Wertheim G. m. b. H. Leipziger Str. Königstr. Verbelen Rosenthaler Str. Moritzplatz Schriftliche Bestellungen an die Versand- Abteilung W 66 In dieser Woche Großer billiger Verkauf: Frühjahrs- Kleiderstoffe Einfarbige Seidenstoffe Meter Reinseid. Merveill.u.Paillette dwarz, 1 M. Messaline in vielen Farben...... Mir. 1.35 Paillette grosser Farbenauswahl, 50 cm 1,80 In breit. Mtr. Honnan gefärb. Bastseide, gute Qual. Mtr. 2 M. 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Die Tat wurde im Anschluß an Sittlichkeitsverbrechen begangen. Bis zur Stunde fehlt von den Mördern jede Spür. Die Stelle, an der die beiden ermordeten Frauen aufgefunden wurden, bsfindet sich ganz in der Nähe des Ortes, wo im März 1900 der Giftmörder Jänicke die Näherin Bergner aus Berlin mittels eines sogenannten„Zaubertrankes" vergiftete. Zu dem Doppelmord erläßt der Erste Staatsanwalt nach- folgende Bekanntmachung: 1000 Mar? Belohnung. Am Vormittag des 28. Februar sind am Teufelssee bei Potsdam im Jagen 120 der Potsdamer Forst die Leichen zweier Frauen, Witt und Schwark, aus Nowawes gefunden worden. Ihre Schädel waren eingeschlagen. Ein blutiger, im Walde auf- genommener Knüppel lag in der Nähe. Wahrscheinlich handelt es sich um Lustmord. Als Täter kommen mehrere noch un- bekannte Personen in Frage. Die Tat muß am Freitag, den 27. Februar, zwischen 4 und 0 Uhr nachmittags verübt sein. Um diese Zeit sind einige Radfahrer in der Nähe des Tatortes gesehen worden. Für die Untersuchung ist von größter Wichtig- keit, daß alle diejenigen Personen sich melden, die am Freitage den 27. Februar, nachmittags, in der Nähe des Teufelssees ge- Wesen sind und dort irgendwelche zweckdienliche Wahrnehmungen gemacht, insbesonders die Radfahrer oder sonstwie verdächtige Personen gesehen haben. Auskünfte werden von der Staats- anwaltschaft in Potsdam sowie von allen Stellen der Berliner, Potsdamer und Nowaweser Polizei entgegengenommen. Der Herr Regierungspräsident in Potsdam hat für diejenigen Per- sonen, die zur Ueberführung des oder der Täter soviel beitragen, daß die gerichtliche Verurteilung derselbe« erfolgt, eine Be° lohnung van tausend Mark ausgesetzt. Potsdam, den 28, Februar 1914. _ Der Erste Staatsanwalt, Parteiangelegenheiten. Achtung. Arbeiterjugend! Der für heute Sonntag, abends 0 Uhr, in Kellers„Neuer Phil- Harmonie", Köpenicker Straße, angesetzte Elternabend muß Umstände halber ausfallen; er findet dafür am IS. März, abends 0 Uhr, im „Elysium", Landsberger Allee 40 statt. Vierter Wahlkreis. Heute, abends ö'/., Uhr, findet im Elysium, Landsberger Allee 40, eine öffentliche Versamm- lung statt. 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil über:„Feinde ringsum!" 2. Diskussion. Nach der Versamm- lung gemütliches Beisammensein mit Tanz. Jugendscktion des 5. Kreises. Abteilung für 18— 21jährige Mit- glieder. An, Mittwoch, den 4. März, abends VjO Uhr, Versammlung bei Powileit, Jostystr. 7. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Reichstagsabgeordneten Davidsohu: Das Erfurter Programm. 2. Diskussion. Der SbteilungSvorstand. Lichtenberg. Morgen Montag, den 2. März, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee. Genossin Dr. Rosa Luxemburg spricht über das Thema:„Die Justiz im Dienste der Politik". Trcptow-Banmschulcnweg. Am Dienstag, den 3. März, abends 8'/z Uhr. im Lokal„Für Rennbahn" in Treptow: Zweiter Vortrags- abend über„Die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Ar- beiterbewegung." Friedenau. Die Genossen nehmen heute mittag an der Vcr- sammlung in Steglitz teil. Tempclhof-Maricndorf. Der Bildungsausschuß veranstaltet am Montag, den 10. März, abends O'/z Uhr, im großen Saale des Tempelhofer Tivoli eine Theatervorstellung. Zur Aufführung ge- lang,:„Die Schiffbrüchigen" von Eugen Brieux(unter Leitung von Herrn Franz Cornelius). Eintrittskarten a SO Pf.(Abendkasse 60 Pf.) sind außer an den üblichen Stellen in den örtlichen Verkaufsläden der Konsumgenossenschaft zu haben. Britz- Buckow. Dienstag, den 3. März, abends 8'/. Uhr, im Lokal„Buschkrug", Rudowcr Straße öl: Außerordentliche General- Versammlung mit wichtiger Tagesordnung. Lankwitz. Die Teilnehmer an der heutigen Versammlung im Albrechtshof in Steglitz treffen sich'/zllUhr bei Prochoczka, Viktoriastraße 41. Alt-Glicnicke. Mittwoch, den 4. März, abends 8 Uhr, im Lokal von Botin, Grünauer Str. SS: Außerordentliche Mitgliederversamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag über„Feuerbestattung mir Er- klärung am Modell". Referent: Genosse Zahnarzt Freund-Neukölln. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Parteiangelegen- heiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Serliner Nachrichten. Ein Hesuch beim 400000. /lbonnenten üer Morgenpoft�. Nachdem mir durch einen glücklichen Zufall die Adresse dieser„Persönlichkeit" bekannt geworden war, lag nichts näher, als den Weg nach dem Norden, allwo sie wohnt, unverzüglich anzutreten. Sie heißt Spulke, ist eine Reinemachefrau und wohnt in einem Ouergebäude vier Etagen hoch. Ich mutzte dreimal klopfen, die Klingel funktionierte nicht, um gehört zu werden. Durch den Türspalt frug eine Frauenstimme mißtrauisch:„Wat woll'n Sie?" „Entschuldigen Sie, sagte ich. Sind Sie Frau Spulke?" „Ja, aber ich brauche nichts." Schon wollte sie die Türe wieder schließen, aber ich der- hinderte es, indem ich ihr einen Blumenstrauß unter die Nase hielt. „Ich bin kein Hausierer. Ich will Sie nur interviewen. Sie sind doch der 400 000. Abonnent der„Berliner Morgenpost". „So. Das wußte ich garnicht. Riechen schön die Blumen. Treten Sie näher, junger Mann. Es ist kalt hier draußen." Ich hüpfte nur so über die Schwelle. »In die Stube kann ich Sie nicht führen," sagte die etwa stinfzigjährige Frau,„sie ist noch nicht in Ordnung. Meine beeden Schlafburschen haben keene Arbeit und schlafen jetzt immer lange. Aber in der Küche ist es schön warm." Ich nahm Platz, räusperte mich und begann:„Sie der- ehrte Frau Schulkc, sind der 400000. Abonnent der„Berliner Morgenpost". Ihnen ist der Markstein in der Entwicklung der bürgerlichen Presse zu verdanken. Sie sind ein Wahr- zeichen moderner Kultur." „Sagen Sie det?" „3tein. Das sagt der Professor Sombart. Ihr Abonnement auf die„Morgenpost" zeugt von dem starken Interesse des deutschen Bürgers für die Welt und Staats- gemeinschaft, in der er lebt. Ihr„Morgenpost"-Abonnement ist ein Kulturdokument, an dem man nicht achtlos vorübergehen darf. Sie haben das ja alles selber gelesen." „Nee. Wo war det zu lesen?" „In der Festnummer der„Morgenpost" am Sonntag; gleich auf der ersten Seite." „So'n Ouatsch lese ick nicht. Am Sonntag, da war doch auf der ersten Seite jedruckt, daß sie den Grafen freigesprochen Haben, den polnischen, der seine Frau erschossen hat. Ville war ja nicht dran an ihr. Niemals? Aber—" „Sagen Sie mir doch", fiel ich ihr ins Wort,„was Sie zur Aufnahme eines„Morgenpost"- Abonnements be- wogen hat?" „Wat? Früher habe ick die„Volks-Zeitung" jelesen. Die is aber immer man so dünne. In der„Morgenpost", da steht ville mehr drin." „Sie sagt aber auch alles, was gesagt werden muß, um dem Niedergang deS öffentlichen Geistes, der bis in die Inner- lichkeiten der Familie hinein seinen kalten Hauch bläst, zu begegnen." „Ick habe keene Familie nich. Ick bin eene alleinstehende Frau und habe nischt übriges. „Hat Ihnen die„Morgcnpost" keine Ehrengabe über- reicht? Hat sie Sie nicht zum Ehrenabonnenten ernannt? Sind Sie nicht für die„Illustrierte" gezeichnet worden? Hat Sie das„Paths-Journal" noch nicht kurbeln lassen?" „Wie kleinlich ist dieser„Hort der Vielen". Wie arm an glänzenden Ideen der„Schatz der Armen". Doch man darf nicht vergessen, daß die Pioniere des fünften Hunderttausend über Sie schon hinweggeschritten sind. Die kulturelle EntWickelung steht nicht still. Und so lange sich der Abonnentenkreis der Morgenpost erweitert, wird es nicht Abend werden in Deutsckland. In dieser Gewißheit dürfen Sie bis an ihr seliges Ende darben. Adieu." Ich verabschiedete mich schnell. Im Treppenhaus rief mir die Alte nach:„Grüßen Sie Mudicken von mir. Det ist mein Freund." Reichsverbändlerische Sudclschriften für Schulkinder. Von verschiedenen Seiten sind uns Exemplare des„Deutschen Volkskalenders" zugestellt worden, mit dem Bemerken, daß diese in Papier« und Schulbuchbandlungen an Schulkinder beim Einkauf von Büchern als Zugabe verteilt werden. Wie wir weiterhin er- fahren, soll sich hinter dem Feigenblatt„Deutsche Verlagsvereinigung G. m. b. tz." der bekannte Hillger-Verlag verbergen. Da Erwachsene natürlich für das grobschlächtige Schundwerk keine 10 Pfennig ausgeben wollen, eS selbst als Geschenk verschmähen, hat der Verlag die ganze Auflage auf dem Halse beHallen und zu einem Spottpreis an die Buchhandlung Mugdan verkauft. Diese läßt nun ihre Reisenden auf die kleinen Papier- und Schulbuch« Handlungen los, deren Inhaber sich durch den billigen Preis vielfach verleiten lassen, kleinere oder größere Posten abzunehmen. Und die geben das Schmutzprodukt ordinärster Art Schulkindern in die Hände. Dagegen müssen wir uns ganz energisch wenden. Die kleinen Händler würden jedenfalls sehr in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie schleunigst von einer weiteren Ausgabe absehen und an Mugdan den Rest retournieren, denn es haben uns schon viele Eltern erklärt, daß sie ihren Kindern untersagt haben, bei Geschäftsleuten zu kaufen, wo die Schrift verteilt wird. Auch die Lehrerscbaft müßte sich aus pädagogischen Gründen gegen diesen Unfug wenden._ Steuererlast. Längere Arbeitslosigkeit begründet nach 8 03 des Einkommen- steuergesetzes einen Anspruch auf Erlaß der Steuerzahlung vom Be- ginn des Monats ab, der demjenigen Monat folgt, in dem die Arbeitslosigkeit(auch Krankheit) begonnen hat. Das Einkommen muß unr mehr als den fünften Teil des Jahreseinkommens vermindert sein, die Arbeitslosigkeit muß in das laufende Steuerjahr, wenn auch mit Unterbrechungen, fallen. Die Auffassung, daß die Arbeitslosigkeit ununterbrochen zehn Wochen andauern muß, ist falsch; es genügt, wenn dargetan werden kann, daß durch die Erwerbslosigkeit überhaupt im Steucrjahr ein Fünftel heS Jahresarbeitsverdienstes verloren ist. Bei Saison- arbeitern— auch bei Bauarbeitern— wird allerdings ein längerer Zeitraum anzunehmen sein, dies insbesondere dann, wenn in dem der Veranlagung vorangegangenen Kalenderjahr nicht ununterbrochen gearbeitet worden ist und das Einkommen dieses Kalenderjahrs der Veranlagung zugrunde gelegen hat. Der Antrag auf Steuererlaß ist vor Ablauf von drei Monaten nach dem Schluß desjenigen SleuerjahreS, in dem die Einkommens- Minderung eingetreten ist, zu stellen und zwar bei dem Vorsitzenden der Einkommensteuerveranlagungskommission. Gegen einen ablehnenden Bescheid ist die Beschwerde an die Regierung zulässig, über die der Finanzminister entscheidet. Die Beschwerde ist binnen längstens vier Wochen, von der Zu- stellung des Bescheides ab gerechnet, einzureichen. Gesuche um Stundungen von Steuern sind an die Steuer- dcputation des Magistrats zu richten. Billige Theaterbilletts für Lessing-Theater. Zu der heute nachmittag 3 Uhr im Lessing-Theater statt- findenden Aufführung: Professor Bernhardt von Artur Schnitzler sind noch Billetts an folgenden Stellen zu haben: Gustav Schmidt, Gncisenaustr. 72. Zigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 15. Restaurateur Dieseler, Brunnenstr. 145. Restaurateur Nitschmann, Gerichtstr. 74. Restaurateur Paersch, Oldenburger Str. 10. Die Wirtschaft in der Stadtsynode. Zu diesem Kapitel liefert uns ein Leser folgenden Beittag: „Im Jahre 1903 trat ich aus der evangelischen Landeskirche aus. Im August 1912 heiratete ich und wurde sogleich zur Hälfte der Kirchensteuer für meine Frau herangezogen. Noch in demselben Jahre trat auch meine Frau aus der Landeskirche aus, so daß ich mit dem 1. Januar d. I. wieder gänzlich kirchensteuerfrei wurde. IM Herbst v. I. erhielt ich von der Berliner Stadtshnode eine Auf- forderung, für den Zeitraum vom 1. September 1912 bis 31. März 1913 Kirchensteuer zu zahlen(ich hatte vom 1. Januar bis 1. August 1913 in Berlin als Witwer gewohnt). Auf meine Reklamation er- hielt ich nach einigen Monaten folgenden Bescheid: „Sie worden hierdurch benachrichtigt, daß wir ihre Veran- lagung zur Kirchensteuer für 1912 aufgehoben haben. Ihrer evan- gelischen Ehefrau wird demnächst ein Veranlagungsschreiben zur Kirchensteuer für die Zeit vom 1. April bis 31. August 1912 zu gehen." Es verging eine geraume Zeit, und ich glaubte schon, die Kirchen« behvrde würde sich eines Besseren besonnen haben; da erhielt ich dieser Tage tatsächlich die angekündigte Zahlungsaufforderung. Die Kirche verlangt also von mir bezw. meiner Frau Kirchensteuer für einen Zeitraum, als wir noch gar nicht verheiratet waren, und zwar nach dem Steuersatze, den ich zahle(44 M.); ferner wohnte meine jetzige Frau zu der angegebenen Zeit gar nicht in Berlin und schließ- lich hatte sie auch kein steuerpflichtiges Einkommen. Außerdem bin ich auch noch zweimal wieder zur Kirchensteuer veranlagt worden. Gibt es denn gar kein Mittel, sich vor diesen fortwährenden Belästigungen zu schützen? Ich habe natürlich sofort wieder re- klamiert." Leider muß der zu Unrecht Veranlagte immer wieder rekla- mieren. Die Belästigten sind schutzlos. Der Polizeipräsident und die Grostmarkthalle. Zu einer öffentlichen Versammlung, in der gegen den Bau der Obst- und Gemüse-Markthalle an der Beusselstraße Protest erhoben werden soll, ist von den Einberufern dem Polizeipräsidenten eine Einladung zugegangen mit der Bitte, zu der Versammlung einen Vertreter zu engenden. Darauf hat der Polizeipräsident folgende Antwort erteilt: „Verlegung der Großmarkthalle ist dringendes Bedürfnis. Dem Brande in der Panoramastraße am 23. d. M. wären mutmaßlich zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen, wenn er zur Markt- zeit erfolgte, also die Straßen in bekannter Weise versperrt waren. Daher halte ich für erwünscht, daß die Verlegungsverhandlungen unverweilten Fortgang nehmen. Auch habe ich gegen die beabsichtigte Protestversammlung grundsätzliche Bedenken. Denn es ist aus- schließlich Sache der gesetzlich berufenen Instanzen— vorliegend in erster Linie des Magistrats und der Stadtverordnetenversamm- lung— die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Deren Aufgabe durch Protestversammlungen zu erschweren, halte ich nicht für richtig. Sonach bedauere ich, dem Wunsche, einen Vertreter zu ent- senden, nicht entsprechen zu können." Abschrift vorstehenden Schreibens hat der Polizeipräsident dem Magistrat zur Kenntnisnahme übersandt..— Bekanntlich ist inzwischen auch das Enteignungsrecht hinsichtlich des einzigen nicht freihändig erworbenen Geländes verliehen worden. Und es ist selbstverständlich, daß alle Einsprüche gegen die Ausführung des Projektes keinerlei Einfluß auf die wohlerwogenen Entschließungen der Gemeindebehörden ausüben können. Feuer in der Vobwärts-Buchdruckerei. Feuer in der Vorwärts-Buchdruckerei alarmierte gestern Sonn- abend früh 8 Uhr die Hauptwache der Berliner Feuerwehr nach der Linden- Ecke der Jerusalemer Straße. Es brannte der Maschinen« saal, in dem mehrere Rotationsmaschinen, elekttische Motoren und dergl. untergebracht sind. In diesem, zu ebener Erde liegenden Raum, in dem auch der„Vorwärts" gedruckt wird, wüteten bei An« kunft der Feuerwehr die Flammen, die an Oel und künstlichem Ter- pentin und Papier Nahrung gefunden hatten. Die Stichflammen schlugen bis zum vierten Stock enchor. Der Brandmeister ließ gleich mit zwei Schlauchleitungen wirksam eingreifen und es gelang den Brand auf den Rotationssaal im Erdgeschoß zu beschränken. Bei der Ablöschung erlitt Brandmeister Bauer durch Stichflammen schmerzhafte Brandwunden im Genick und der Oberfeuer- wehrmann Gabler an der rechten Backe. Die Entstehung des Brandes wird auf einen jungen Mann zurückgeführt, der sich mit dem künstlichen Terpentin zu schaffen machte und mit einem Streich- holz dem ausgelaufenen Rest einer Kanne zu nahe kam. Dieser Rest und der Inhalt der Kanne standen sofort in Flammen. Nach Ablöschung des Brandes ging es sofort an die Aufräumungsarbeiten. Die großen Rotationsmaschinen, die den„Vorwärts" drucken mußten mit aller Beschleunigung in Stand gesetzt werden, um den Druck der Sonntagsnummer zu ermöglichen. Bei allem Eifer dürfte das gelingen, wenn auch die heutige Nummer etwas später in den Besitz der Abonnenten kommen dürfte. Bemerkt sei, daß nach Bekanntwerden des Brandes mehrere größere Druckereien, darunter zuerst die Lindendruckerei, sich sofort erboten, im Bedarfsfalle ihre Maschinen zum Druck des»Vorwärts" zur Verfügung zu stellen. Jagow und die Schutzleute. Der Konflikt zwischen Polizeipräsidium und Schutzmann- schuft hat ein neues Opfer gefordert; von demselben Schicksal, das den früheren Telegraphisten Schräder vom 38. Revier ge- troffen, lvurde auch der Tclegraphist Pohlmann ereilt. Dieser war von seinen Kameraden als Vertrauensmann erwählt, um in der Frage betreffend Gründung eines Schutzmannsvcreins zwecks Einrichtung einer Hinterbliebenen-Zuschußkasse die bc- sonderen Wünsche der Schutzleute bei den Vorgesetzten zu vcr- treten. Wie sein Kollege Schräder, ist jetzt auch Pohlmann seines Amtes als Telegraphist enthoben und in den Revier- und Straßendienst zurückversetzt worden. Der Vereinsgründungs- gedanke hat somit bisher fünf Opfer gefordert.— Am Freitagabend ist der nach Zabrze strafversetzte Schutzmann Fuhrmann abgereist. Trotz aller Verbote waren nahezu 1000 Schutzleute am Bahnhof, umihremKollegen Lebewohl zu sagen. Der Andrang lvar so stark, daß die beiden Uniformierten und das Bahnpersonal die größte Mühe hatten, die Ordnung auf dem Bahnsteig nur einigermaßen aufrecht zu erhalten. Es wurden mehrere Reden gehalten, in denen auf die Tätigkeit Fuhrmanns als Organi- sator des Verbandes hingewiesen und der Wunsch ausgedrückt wurde, daß er bald einen Nachfolger erhalten möge, der seine Ziele mit der gleichen Energie verfolgen werde wie Fuhr- mann. Als der Zug in die Halle einfuhr und Fuhrmann, dem mehrere Kränze überreicht worden waren, den Wagen bestieg, sangen die Versammelten das Lied vom„guten Kameraden"; Fuhrmann brachte dann ein mit Begeisterung aufgenoinmenes Hoch auf den Kaiser aus, worauf die An- wesenden entblößten Hauptes das„Heil dir im Siegerkranz" anstimmten. Als der Zug sich schließlich in Bewegung setzte, brach die Menge in brausende Hochrufe aus. Mordversuch auf offener Straffe. Eine blutige Ehctragödie hat sich gestern gegen Wend im Nordosten der Stadt abgespielt. An der Ecke der Danziger- und Dunckerstrasie unternahm der 34 Jahre alte Tischler Ferdinand Mertens, Plantagenstr. 41 wohnhaft, einen Mordversuch an seiner Ehefrau, indem er einen Revolverschutz auf sie abfeuerte. Frau M. hatte ihren Mann von seiner Arbeitsstelle abgeholt und unterwegs gerieten die beiden- in einen Streit. M. wurde dabei so erregt, datz er, als die beiden an der Kreuzung der Danziger- und Dunckerstratze angelangt waren, plötzlich einen scharfgeladenen Revolver hervorholte und auf seine Frau einen Schutz abgab. Die Kugel drang der Bedrohten in den rechten Arm. M. richtete die Waffe nun gegen sich selbst, doch wurde ihm der Revolver, ehe er abdrücken konnte, von hinzuspringenden Passanten entrissen. Der Attentäter wurde darauf einem hinzu- kommenden Polizeibeamten übergeben und wegen Gattenmordver- fuchs ins Polizeipräsidium eingeliefert. Die Ursache des Konfliktes, der zu dem Drama führen sollte, ist, wie wir hören, in Eifersuchts- angelegenheiten zu suchen. Frau M. erhielt auf der Hilfswache Notverbände. Der Berliner Lehrerverein verhandelte in seiner FreitagSver- sammlung das Verbandsthema des Deutschen Lehrervereins„Die nationale Einheitsschule". Das Referat hatte Rektor O. Schmidt. Nach längerer Debatte wurden folgende Leitsätze angenommen: 1. Wir fordern die nationale Einheitsschule, weil sie das Recht der Persönlichkeit zur Geltung bringt, die Klassen- und Bildungsgegensätzc ausgleichen hilft und durch Auslösung von jetzt zurückgehaltenen Kräften volkswirtschaftliche Vorteile schafft. 2. Die Gliederung der Einheitsschule mutz den Forderungen der Kulturarbeit des Volkes und der Verschiedenheit der Schüler entsprechen. Insbesondere sind zu fordern: a) unentgeltlicher Besuch aller Schulgattungen? b) eine gemeinsame Grundstufe bis zum 12. Lebensjahr; c) eine Differenzierung in Schulgattungen,, die in gleicher Weise den allgemein-praktischcn, gewerblichen, kaufmännischen und den Interessen der gelehrten Bildung entspricht. 3. Das Wesen der Schule ist allein nach nationalen Rück- sichten zu bestimmen. Der Lehrerstand mutz wissenschaftlich ein- heitlich sein. 4. Als schwere Mängel deS gegenwärtigen Schulwesens müssen vom Gesichtspunkt der nationalen Einheitsschule aus be- zeichnet werden? a) die Einrichtung der Vorschule; b) die Absonderung der Mittelschule von der Volksschule; c) die starke Betonung des Konfessionalitätsprinzips; 6) die getrennte Verwaltung der höheren Lehranstalten und der Volksschule; e) das Fehlen von Einrichtungen, die den llebergang von der Volksschule auf die höheren Schulen erleichtern. Ein Reinfall. Bei der Wahl zum Ausschutz der Schuhmacher- Jnnungskrankenkasse(Zwangsinnung, ging es am Montag, den A Februar, sehr lebhaft her. Der Obermeister Bierbach bemühte sich in eigener Person und betätigte sich als Stimmzettelverteiler und Schlepper der Friedrichstädter Hofschuhmachermeister. Es waren im ganzen 4 Listen aufgestellt. Liste I und Liste II der Arbeitgeber, sowie der Kassenmitglieder. Es erschienen von den Ar- beitgebern 243 zur Wahl mit einer Stimmenzahl von 334. Davon erhielt die Liste I der �nnungsgetreuen— infolge des mehrfachen Stimmrechts— 296 Stimmen. Die Liste II der Freien Vereinigung selbständiger Schuhmachermeister 98 Stimmen. Die Herren mit mehrfachem Stimmrecht sind auf den Ruf des Ober- meisters Mann für Viann angetreten, haben es aber trotzdem nicht vermocht, das Eindringen der Freien Vereinigung selbstän- Schnhmachermeistcr in den Vorstand zu verhindern. Die Liste I des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands erhielt Stimmen, die Liste II der meistertreuen Gesellen, darunter auch etliche Kleinmcister als Kassenmitglieder, haben es auf ganze 56 Stimmen gebracht. Zum Lobe des Herrn Obermeisters muh hervorgehoben wer- den, datz sich derselbe vor und während der Wahl die grötzte Mühe gegeben hat, die zentralorganisierten Mitglieder hinauswählen zu lassen. Aberl O Wehl Nur 2 Vertreter von 39 Ausschutzmitglie- dcrn. Gartenstadtsiedlung einer Arbeiterbaugenoffenschaft. In Bohnsdorf, 20 Minuten von Grünau entfernt, mit der Stadtbahn und vom Görlitzcr Bahnhof bequem zu erreichen, besitzt die Arbeiterbaugenossenschast.Paradies" zu Berlin. Kottbuftr Ufer 44, ein zirka 190 Morgen grosses Gelände, auf dem sie bereits eine Reihe Etagenhäuser mit insgesamt 85 Wohnungen von 1, 2 und 3 Stuben zu einem Mietspreis von monatlich 21 bis 40 Mk. her- gestellt hat. Sämtliche Wohnungen haben Badegelegenheit, zum überwiegenden Teil eigene komplette Badeeinrichtung. Ein Gärtchen tu der Nähe des Hauses ist selbstverständlich. Das rege Interesse, welches auch die Arbeiterbevölkerung für eine gesunde Wohnungspolitik bekundet, haben die Genossenschaft ver- anlasst, versuchsweise eine» ihrer Baublöcke mit Einfamilienreihen- Häusern zu besetzen. Im Sommer vergangenen Jahres wurden 54 solcher Wohnungen, auf sechs Gruppen verteilt, sowie zwölf Woh- nungen in zwei Etagenhäusern untergebracht, in Angriff genommen, die jetzt ihrer Vollendung entgegensehen, und vom 15. März ab be- zogen werde«._ Die Zentralkommisfion der Krankenkassen Berlins und der Vor- orte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vorträge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt zu diesen Vorträgen ist unentgeltlich. Am Donnerstag, den 5. März, sprechen in den folgenden Schulaulen über:„Verdauung beim Gesunden und Kranken" Herr Dr. W. Kramm, Rigaer Strasse 81/32, Herr Dr. Moses, Waldenser- strasse 20/21, Herr Dr. G. Sandberg, Eberswalder Str. 10, Herr Dr. Ratkowski, Skalitzer Str. 55/56. lieber»Frauenkrankheiten und ihre Verhütung" sprechen am Freitag, den 6. März, Herr Dr. G. Siefart, Titsiter Str 4/5, Herr Dr. A. Simon, Panistr. 17, Herr Dr. Baur, Pasteurstr. 5, Herr Dr. Zadel, Bergmannstr. 28/29.(Nur für Frauen.) In Britz, Gemeindeschule, Bürgerstrasse, spricht Montag, den 2. März, Herr Dr. Kühne über„Ursache und Verhütung von Frauenkrankheiten".,lüassällcn". In Schöneberg, Gemeindeschule, Feurigstr. 61/62, spricht DienS- tag, den 3. März, über„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung' Herr Prof. Dr. Pinkuss.(Nur für Frauen.) In Steglitz, Gemeindescbule, Plantagenstr. 8/9, spricht Mittwoch, den 4. März, Herr Santtätsrat Dr. Miltenzweig über»Welchen Schutz bietet unsere Zeit den Geisteskranken?" In Tegel, Gemeindeschule, Treskowstrasse, spricht Dienstag, den 3. März, Herr Dr. M. Halle über»Erkrankungen der oberen' Luft- Wege". In Tempelbof, Gemeindeschule, Friedrich-Wilhelm-Str. 11/13: Uebcr„Die Tuberkulose und ihre Verhütung" spricht am Dienstag, den 3. März, Herr Dr. Meyer. In Weissensee, Langhansstr. 120, spricht am Freitag, den 6. März Herr Dr. Schwenck über„Beschwerden von feiten des Harnapparats'. Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich abends 8 Uhr. Vorortnachrichten. Wahlen mit Hindernissen. Die Ausschutzwahlen zur Allgemeinen Ortskrankenkasse Adlers- Hof und Umgegend zeigten diesmal eine stärkere Beteiligung als in den früheren Jahren. Lange hat es gedauert, bis die zuständigen Stellen sich entschließen konnten, die Wahlen anzuberaumen, werden doch schon seit Monaten die Geschäfte der Kasse nur durch einen Rendanten erledigt und nicht durch einen Vorstand und Ausschutz, wie es die Satzungen der Reichsversicherungsordnung vorschreiben. Besonders waren es die Frauen, die sich sehr rege an der Wahl beteiligten. Leider konnten im Bezirk I in Treptow Hunderte von Wählern ihr Wahlrecht nicht ausüben, weil das Wahllokal sich als zu klein erwies und nur noch diejenigen.ihren Stimm- zettel abgeben durften, die um 7 Uhr im Wahlzimmer eingepfercht waren. Nicht besser war eS im Bezirk II Nieder-Schöne- weide, wo ebenfalls nur ein kleines Zimmer als Wahllokal diente. In langen Zügen mutzten bei diesem naßkalten Wetter die Wähler stundenlang auf der Stratze ausharren, bis sie wählen konnten. Eine langsame Abfertigung machte sich in allen Wahllokalen bemerkbar. Es ehrt die Arbeiter, datz sie sast in den meisten Betrieben das Opfer brachten, einige Stunden Lohn zu verlieren, um früher zur Wahl gehen zu können, sonst wäre noch mehreren Mitgliedern ihr Wahlrecht illusorisch gemacht worden. An ostelbischeWahlen gemahnte das Bild im Bezirk III in Rudow. Hier führte ein Herr Daubitz das Ruder, obwohl er nur als Beisitzer dem Wahlvorstande angehörte. Es mag ja hier in den Vormittagsstunden ganz gemütlich gewesen sein, als die Ge- treuen dieses Herrn und dieV ländliche Bevölkerung mit dem richtigen Stimmzettel in der Hand im Wahllokale waren. Anders wurde es, als diejenigen kamen, mit denen man nicht gerechnet hatte, denen anscheinend das Wählen verekelt werden sollte dadurch, daß als Wahlort Rudow bestimmt wurde. Zu Hunderten strömten Frauen und Männer die Chaussee von Grünau und Adlers- Hof entlang; dazwischen fuhren von der Unterkommission der Gc- werkschaften gestellte Kremser, um den alleren Leuten die Aus- Übung ihres Wahlrechtes zu ermöglichen. Als die Harrenden durch stürmische Zurufe ihren Unwillen kundgaben und schneller abgefertigt sein wollten, bekamen es die Herren wohl mit der Angst zu tun; sie erbaten sich deshalb Polizei- lichen Schutz. Hierauf konnte unter deren Obhut, aber auch nicht besser wie zuvor, die Wahl weiter vor sich gehen. Die letzten Wähler mögen wohl erst um Ii U h r n a ch t s vachhause gekommen sein. Mit wie wenig Wählern man gerechnet hatte, zeigte der Wahl- tisch, auf welchem außer einer Stimmzettelkiste noch einigt Suppen- schusseln und Wassereimer als„Urnen" standen; allerdings war sehr oft die Gefahr vorhanden, datz der Wahltisch mitsamt dem Wahlvorstande von der unwilligen Menge umgekippt«mrrde. Auch bei den Arbeitgeberwahlen, die im Restaurant„Loreley" stattfanden, war eine sehr starke Beteiligung zu verzeichnen; hier gewährten wenigstens die Raumverhältnisse genügend Platz. Man kann sagen, datz die Vorarbeiten und die Wahlen zur Krankenkasse mit einer Begeisterung geführt wurden, wie man sie sonst nur für die Rcichstagslvahl antrifft. Hoffentlich fällt da» Resultat, das jetzt vom Bersicherungsamt festgestellt wird, so aus, daß die Delegierten der freien Gewerkschaften die Mehrheit im Ausschutz haben. Neukölln. Die Absendung einer Petition an den Landtag wegen der Einführung eines gesetzlichen Ausoleichs der Volksschullasten in wirtschaftlich zusammenhängenden Gebieten der Monarchie, biloete den Gegenstand der Beratung in der letzten Stadtverordneten- Versammlung. Justizrat Abraham(Altbürgerl.) begrüßte die in der Petition aufgestellte Forderung; sie sei so gerecht, daß sie nicht oft und laut genug erhoben werden kann, bis sich die maß- gebende Stelle entschließt, der Forderung Gehör zu schenken. Stadw. Silber st ein(Soz.) erklarte namens seiner Frak- tion, der Petition ebenfalls die Zustimmung zu geben, da sie in vorsichtiger Form abgefaßt sei und keine Angriffe auf eine Nach- bargemeinde enthalte. Der Ausgleich könne natürlich nur auf der Basis frciester Entwickelung der Gemeinden zustande kommen. Am besten könne dies durch Eingemeindungen großen Stils er- folgen. Jedenfalls könne der Zweckvcrband als Organisation für den Ausgleich der Volksschullasten nicht in Frage� kommen. Dieser sei ein Gebilde, was nicht leben oder sterben könne. Auf diesen Landtag dürften wir auch keine allzu grossen Erwartungen setzen. Stadtv. R o s e n o w(konununalfortschr.) ersuchte namens seiner Fraktion ebenfalls um die Zustimmung zu der vorliegenden Petition. Die Stadtverordnetenversammlung erklärt mit der Ab- ung der Eingabe ihr Einverständnis. Für den geplanten Rathausbrunnen will die Landes- kunstkommission die Kosten übernehmen, wenn die Stadtgemeinde ein Drittel der Gesamtkosten übernimmt. Dieses wurde beschlossen. Ferner wurde noch ohne Debatte beschlossen, datz die Stadt- gemeinde Neukölln der R a d i u m g e s e l l s ch a f t Grotz-Berlin als Mitglied beitritt. Zu diesem Zweck wurden die entstehenden Kosten von 3000 M. bewilligt. Zur Teilnahme an den Schularztkonferenzen wurden 6 Mit- glieder der Stadtverordnetenversammlung gewählt; von der sozial- demokratischen Fraktion gehören derselben die Genossen Dr. S i l b e r st e i n und Dr. F ü r st an. Die Wahlen zum Kaufmannsgericht inden heute von 12 bis 3 Uhr in den Schulgebäuden Erk- stratze 27/28 und Boddinstr. 52/56 statt. Jeder freie Arbeit- geber mutz seine Stimme abgeben für Liste A 2 beginnend mit Otto Schnitze. Für die wahlberechtigten Handlungsgehilfen kommt nur die Liste BZ des Z e n t ra l v e r ba n d c s der Hand- lungsgehilfen in Frage. Auskünfte in allen Wahlange- legenheiten erteilt oas Zentralwahlbureau im Restaurant Buch- Heister, Boddinstr. 4. Kein Wähler darf der Wahlurne fernbleiben, da es auf jede Stimme ankommt. Handlungsgehilfen, darum auf, wählt die freigewerkschaflliche Lifte B 3. Strassenbahnunfall. Gestern abend gegen 8� Uhr wollte ei» Herr Stefan Benkowsktz aus der Steinmetzstratze 26 an der Ecke der Berg- und Steinmetzstratze den in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen verlassen. Er kam jedoch zu Fall und blieb bewußtlos neben den Schienen liegen. Auf der Unfallstation wurde ein schwerer Schädelbruch festgestellt. Nach Anlegung von Not- verbänden brachte man den Verunglückten nach dem Kranken- hause in Buckow. Trevtow-Baumschulenweg. Heute Sonntag finden die Gemeindewahlen der 3. Abteilung statt. Die Wahlzeit ist von früh 8 Uhr bis 12 UKr mittags festgesetzt. Wer innerhalb dieser Zeit nicht zur Wahl geht, verliert sein Wahlrecht. Das Wahllokal für den 3. Bezirk(Ortsteil Baum- schulenweg) ist die Turnhalle, Kiefholzstratze 274. Hier sollen in 4 Stunden 1010 Wähler ihr Wahlrecht ausüben. Das Wahllokal für den 4. Bezirk sOrtsteil Treptow) ist die Turnhalle, Bouchöstr. 75. Hier kommen 2344 Wähler in Bettacht. Es scheint daher geboten, recht frühzeitig zur Wahl zu gehen. Die Genossen wollen sich daher recht zahlreich au der Wahl- arbeit beteiligen. Das Wahlbureau der Partei ist für den OrtSteil Treptow im Lokal von Scholze, Graetzstratze 49, und für de» OrtS« teil Baumschulenweg im Lokal von Boche, Baumschulensttatze 67. Friedenau. lieber Militarismus und Arbeiterklasse sprach in der gut besuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins Genosse Dr. Thalheime r. Redner schloß seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede: Auf das f rankfurterUrteil gegen die Genossin Luxemburg, daS derKrittk und dem ampf gegen den Mlitarismus überhaupt gelte, gibt es nur eine Antwort: J'e tz t e r st r e ch t! In der lebhaften Diskusfion gaben eine Reihe von Rednern der die Versammlung beseelenden Kampf- lust und dem Verlangen nach energischen und umfassenden Angriffs- aktionen Ausdruck. Der Antrag deS Vorstands, die 6 Zahlabende versuchsweise für die nächsten 3 Monate zu 2 zusammenzulegen, wurde angenommen. Genosse Bloch wies im Anschluß an die Diskussion daraus hin, datz das Grundübel, an dem die Zahlabende ttanken, die bestehende Organisationsform sei, die der Selbsttätigkeit der Mit- glieder viel zu enge Schranken ziehe. Ein Antrag, der den Berliner Zentralvorstand und den Parteivorsiand aufforderte, Massendemonstrationen gegen das Frankfurter Urteil zu veranstalten, wurde angenommen. Eine besondere Versammlung soll sich später mit der Reorganisation von Gross« Berlin beschäftigen. Steglitz. Bauernfängerei bei be» Gemeinbewahleu. Unsere gester» geäußerte Ansicht, datz die Wähler der dritten Klaffe von der Herr- sehenden Hausbesitzerpartei nur als Stimmvieh betrachtet werde», wird bestätigt durch ein Flugblatt, das»och kurz vor Toresschluß von einem angeblichen„Wahlausschutz der vereinigten bürgerlichen Parteien" verschickt wurde. Dieses Flugblatt ist von der ersten Zeile bis zur Unterschrift ein so faustdicker Schwindel und eine so dreiste Spekulation auf die Urteils- losigkeit der Wähler der dritten Klasse, daß alle diejenigen, die darauf hineinfallen, die Bezeichnung.Stimmvieh" vollauf recht- fertigen. Die„vereteigien bürgerlichen Parteien' sind nämlich in Wirklichkeit nur der Hausbesitzerverein m» seinem An- hängsel„Kommunalveoein", und die Kandidaten sind oeShalb auch lediglich von ihm ernannt vesp. bestätigt. Der empfohlene Obettelegraphenassistent Hoyer ist sogar VorstandS».-itglied des Hausbesitzcrvereins. Und diese maskierren Kandidaten versprechen in dem Flugblatt, einzutreten für die baldig« Stadttoerdung, für Verbesserung der Bollsschule, für die Bekämpfung deS Wahlrechts« raubeS, für die Fortentwickelung der sozialen Fürsorge. Und doch war und ist es die Hausbesitzerpartei, die die Stadtwerdung mit allen Mitteln verzögert, die buch Errichtung von Mittelschulen die Verbesserung der Vollsschule verhindert, die den WahlrechtSraub begangen hat und sich mit Händen und Füssen gegen die wieder- holten Versuche, das Wahlunrecht des anderthalbfache» Steuer- betrages zu beseitigen, gewehrt hat. Es ist die HauSde- fitzerpartei, die auch alle Anttäge der Sozialdemokratie auf deni Gebiete der Sozialdemokratie auf dem Gebiete der Sozial- Politik niederstimmte. Die organisierte Arbeiterschaft weiß das alles, aber die große Masse der rund 14 000 Wähler der dritten Klasse ist nicht unterrichtet, und auf die Stimmen dieser Leute wird spekuliert. Parteigenosse», hier müßt Ihr alle eingreifen! Sagt Euren Bekannten, Euren Arbeitskollegen, an die wir durch die Presse und Versammlungen nicht heran- kommen, die Wahrheit über alle diese Dinge, sie werden sich dann nicht einfangen lassen. ES wird morgen. Montag, und über- morgen, Dienstag, von 8 bis 12 und von 2 bis 8 Uhr ge- wählt. Wem es irgend möglich ist, wähle schon am Man- tag. An beiden Tagen aber stellt Euch so früh wie möglich, jedoch spätestens um 6 Uhr abends, dem Wahlkomitee im Restau- rant Clement, Düppelstt. l, zur Schlepparbeit zur Ver- fügung. Wer es ermöglichen kann, sei am Montag einige Minuten vor 8 Uhr früh in seinem Wahllokal(Albrechtshof oder Schloßpark) zur Burcauwahl. Parteigenossen! Noch nie waren unsere Aussichten so gute, wie diesmal. Seid Ihr auf dem Posten, dann werden die drei Sitze der Mehrheit enttissen. Lichterfelve. Die Gemeindeverttetuug war zu einer außerordentliche» Sitzung einberufen, um nach kurz von den Gemeindewahlen über die Einsprüche gegen die Wählerliste zu entscheiden und im Eil» tempo deü Zwei-Millionen-Etat in Zweiter Lesung zu„beraten". Gegen die Richtigkeit der Wählerliste lagen l5 Einsprüche vor, die fast ausschließlich sich dagegen richteten, datz die betreffenden Gemeindeangehörigen angeblich wegen Unselbständigkeit nicht aus» genommen wurden. Von diesen Einsprüchen wurden elf als berechtigt anerkannt und die nachträgliche Ausnahme beschlossen, die übrigen wurden abgewiesen. Unter diesen befanden sich auch solche, die nicht in Schlafstelle wohnen, sondern mit ihren Eltern einen gemeinschaft- lichen Haushalt führen; ihnen wäre zu empfehlen das Verwal- tungsstreitverfahren wegen Verweigerung des Gemeinderechts gegen den Gemeindevorstand durchzuführen. Infolge der Bestim- mungen der Reichsversicherungsordnung hat die Gemeindevertre» tung einem Ortsstatut zugestimmt, das allen Beamten, Lehrern. An- gestellten der Gemeinde die auf Grund des genannten Gesetze? ihnen zustehenden Ansprüche gewährleistet; Gemeindeverordneter Lehmann war sich seiner Verantwortung gegenüber der Gemeinde voll bewußt und glaubte, auf die Gefahr der Simulation in diesen Kreisen besonders hinweisen zu müssen, wofür sie ihm hoffentlich recht dankbar find. An dem Gemeindeetat wurden wesentliche Aenderungen ge- genüber der ersten Lesung nicht vorgenommen, bis auf die Ge- meindeeinkommensteu.r, die aus verschiedenen Gründen, aber hauptsächlich aus Furcht vor der Konkurrenz der Nachbargemein- den, nicht auf 125 wie ursprünglich geplant, sondern„nur" auf 120 Proz. festgesetzt wurde Das Gehalt des neuen Gemeinde- Vorstehers Brohm beträgt 12 000 M. pro Jahr. Bei der Straßen- reinigung wurden an den Ausgaben für Löhne� 5000 M. gestrichen, weil die Kommission annahm, daß die Kosten recht hoch seien und durch Anwendung von StratzenreinigungSmaschinen eine Verminderung herbeigeführt werden könne. Gemeindeverordneter Geldermanu forderte eine straffere Organisation, Gememd» Statkommission noch Mitglieder der Armenfommission angeben; Restaurant Horning am Brunow plak ein. Die Verkündung Kanalisationsetat betragen die Ausgaben 104 900 m. Einnahmen( Zuschuß aus aus der Armenfürsorge speziell können sie nicht entstanden sein, denn die ist in Lichterfelde genau so ungenügend und minderwertig wie anderwärts. Beim Schuletat regte Gemeindeverordneter Schirmer an, den Turnvereinen bezüglich der Benutzung der Turnhallen in den Schulen entgegenzukommen und die bis jetzt recht hohe Entschädigung zu ermäßigen. Auch Gemeindeverordneter Gersbach empfahl die Turnvereine dem Wohltvollen des Gemeindevorstandes, der versprach, die Angelegenheit im Sinne der Vorredner zu erledigen. Auch wir schließen uns diesen warmen Worten an und empfehlen unsererseits dem Arbeiterturnverein, sich wegen Ueberlassung der Schulturnhallen an den Gemeindevorstand zu wenden, da bei dem Uebermaß von Wohlwollen sicherlich auch für ihn etwas abfällt. Infolge der Festsetzung der Gemeindeeinkommensteuer auf 120 Proz., statt 125 Proz., ergibt sich ein Defigit von 46 366 M., das aus dem Steuerausgleichsfonds gedeckt werden muß. Derselbe betrug 240 219 M. und mußte decken an Defizit 1912: 16 000 m., 1913: 162 000 M. und jetzt 1914: 46 366 M. der Wahlrefultate findet Montag und Dienstag abends im Restaurant Rentner, Berliner Straße, statt. Für die Wahlen in der zweiten Klasse am Donnerstag und Freitag wurde als Kandidat Genosse Rentner aufgestellt. Auch hier gilt es für unsere Genossen dieser Klasse, zahlreich am Wahltisch zu erscheinen. Reinickendorf- Weft. Die Aus der Stadtverordnetenfißung. Der Kämmereilassenetat für berordneter Direttor Ger3bach eine ausgiebigere Kontrolle der Schuldigkeit zu tun. Die Versammlung nominierte einstimmig Vertreter alle von uns gestellten Anträge ab; es wurde lediglich Gemeindearbeiter, von denen er behauptet, daß sie herumstehen zu Kandidaten für die Wahl der Eingesessenen am Montag, zum Zwecke der Schulzahnpflege die Summe von 300 auf 500 M. und sich was erzählen". Wahrscheinlich gehören diese Gemeinde- den 2. März, die Genossen Ernst Rentner und Joseph erhöht. Der Etat für die gewerbliche Fortbildungsschule weist an arbeiter zu denjenigen, die moralisch mitschuldig sind an dem grauen Massa, als Nichtangesessenen zur Wahl am Dienstag, den Ausgaben 8100 M. auf, denen Einnahmen von 520 M. gegenüber= Finanzelend der Gemeinde. Es ist bezeichnend, daß solche Aeuße- 3. März, den Genossen Alexander Meyer. Die Wähler ſtehen. Die Schülerzahl beträgt 106. Die Einnahmen für das Realgymnasium belaufen sich auf 16 500 m, während rungen in der örtlichen Presse regelmäßig unterdrückt werden. Auch an der Armenverwaltung soll gespart werden. des ersten Wahlbezirks haben sämtlich an beiden Tagen die Ausgaben 58 000 M. betragen. Im nächsten Jahre kommt noch Nach Angabe der Statskommission kommen auf den Kopf der Be- ihr Wahlrecht auszuüben, und zwar von mittags 12 Uhr bis abends für die Amortisation eine Summe von 10 000, M. hinzu, ebenso völkerung in Lichterfelde 2,25 M., also fast ebensoviel wie Neu- 7 Uhr, beide Male im Wahllokal von Hamused, Haupt- für die Einrichtung von zwei neuen Klassen ein Betrag von 3000 kölln, deffen Bevölkerung im Gegensatz zu Lichterfelde wenig straße 6. Wer von den Genossen bei der Wahl behilflich sein Mart. Der Etat für die höhere Mädchenschule weist in Einnahme wohlhabend ist. Woher diese erhöhten Kosten im Etat der Ar- will, und zahlreiche Beteiligung auch hierbei ist nötig, da auch 15 000 M. auf, denen eine Ausgabe von 32 800 M. bei 120 gegenübersteht. Bei dent menbertvaltung kommen, fonnten merkwürdigerweise weder die unsere Gegner auf dem Posten sind, der finde sich rechtzeitig im einer Schülerinnenzahl von dem Haushaltsetat) betragen 21 700 M. Zu decken bleiben somit 83 200 M. Bisher wurde eine Kanalisationsgebühr von 4½ Proz. erhoben. Würde dieser Satz beibehalten, so würde ein Fehlbetrag von 29 000 M. entstehen, der auf die gesamten Steuern übernommen werden müßte. War schon in der Kommissionsberatung ein großer Streit darüber entstanden, wer diese Kosten zu tragen habe( Mieter oder Haus befizer), so sollte dieser im Plenum erst recht entbrennen. Beschlossen wurde, die Kanalisationsgebühr auf 6% Proz. zu erhöhen. Ueber die Tätigkeit der Fraktion im Gemeindeparlament be- Die Beratung des Hauptetats mußte der vorgerüdten Zeit wegen eine in nächster Woche abzuhaltende außerordentliche richteten in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins die in Hätten unsere Genossen nicht eine GrGenossen Bahr und Lange. In der Diskussion wurde die Arbeit Sigung verlegt werden. unferer Genossen im wesentlichen gutgeheißen. Für die im März höhung der Kanalisationsgebühren herbeigeführt, so müßten stattfindenden Wahlen zur Gemeindevertretung find im Ortsteil die Gemeindesteuerzuschläge unweigerlich auf über 200 Pro3. festWesten in der dritten Klasse zwei Angesessene zu wählen. Einstimmig gesetzt werden. wurden die Genossen Franz Lange und Heinrich Schulz Trebbin( Kreis Teltow). nominiert. Eine Wahlbeteiligung in der zweiten Klasse wurde abgelehnt, da das famose Dreiklassenwahlsystem selbst einen Achtungs- 1914 bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 127 700 m. Die erfolg nicht gewährleistet. Der Vorsigende wies sodann noch auf die Vorarbeiten zur Summe hat sich gegenüber dem Vorjahre wesentlich durch die ErRoten Woche" hin und erfuchte, tatkräftig zu agitieren, um mit richtung der Mittelschule erhöht. Es muß daher der Zuschlag zur Enkommensteuer von 160 anf 170 Proz. erhöht werden. Die GrundGenugtuung auf unseren Erfolg blicken zu können. wertsteuer soll von 2 M. auf 2,30 M. pro Tausend erhöht werden. Nieder- Schönhausen, Nordend. Auf Antrag des Genossen Richter wurde die Weiterberatung des ,, Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde", über Etats vertagt und derselbe einer Kommission zur Vorberatung überdieſes Thema referierte in einer öffentlichen Versammlung bei wiesen. Der Wasserwerksetat bilanziert mit 14400 M. Die GrundLiedemit Stadtverordneter Genosse Dupont. Der Redner ent- gebühr des Wasserzinses wurde von 1 Proz. auf ½½ Proz. des Gerollte in großen Zügen ein Bild der Tätigkeit unserer Genossen bäudenußungswertes herabgesetzt, was einen Ausfall von 1100 M. in der Kommune. Hierauf erstattete Genosse Siege den Tätigkeits- verursacht. Die letzte Holzauktion brachte einen Erlös von 2492,10 Dr. Lage der Gemeinde eine sehr bedrängte sei. Es habe aller Anbericht der Gemeindevertreter. Er erwähnte, daß die finanzielle Neu- Zittau( Kreis Beeskow). strengungen unserer Genossen bedurft, um den Bürgerlichen die bescheidensten Forderungen auf dem Gebiete der Sozialpolitik und ber Arbeitslosenfürsorge abzuringen. In der Diskussion suchte der Gemeindevertreter Herr Hermann Kuhlmann die Tätigkeit der Bürgerlichen herauszustreichen. Dabei machte er unseren Vertretern zum Vorwurf, daß sie für die Erhöhung des Steuerzuschlages auf 130 Prozent gestimmt hätten. Mit ihm rechnete Genoffe Giebel in gründlicher Weise ab. Er betonte, daß, wenn die bürgerlichen Vertreter sparen zu müssen glauben, fie das tun sollten, wenn es sich darum handle, Mittel für patriotische Festivitäten zu bewilligen, für den Ausbau und die kulturelle Entwidelung des Gemeindelebens aber dürften die erforderlichen Mittel nicht gestrichen werden. Genosse Hellrich widerlegte die Behauptung des Herrn Kuhlmann, daß die Sozialdemokraten die Erhöhung des Steuerzuschlages gewollt hätten. Bereits seit einigen Jahren, noch ehe die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung gewesen sei, habe der Steuerzuschlag 125 Prozent betragen. Er und seine Genossen hätten allerdings für die Erhöhung gestimmt, weil die Finanzmijere dies erforderte und sie damit erreichen wollten, daß sozialpolitische Forderungen desto eher bewilligt werden können. Für 1915 müßten demnach besondere Steuern für den Steuerausgleichsfonds erhoben werden, damit er den gesteitence" gerten Ansprüchen wenigstens noch für einige Zeit genügen fann! Stralan. Aus der Gemeindevertretung. Als Armen- und Schularzt wurde, Dr. Sonntag bestellt. Das Honorar für seine Tätigkeit als Armenarzt wurde von 200 auf 250 M. und das als Schularzt von 250 auf 350 M. erhöht. Die Schulzahnpflege wurde wiederum dem Zahnarzt Kaspari unter der alten Bedingung übergeben. Einem Antrag des Verlegers des Stralauer Anzeigers, um Erhöhung der Entschädigung für die Aufnahme amtlicher Bekanntmachungen, wurde gegen die Einwände unseres Vertreters stattgegeben. In der geheimen Sizung wurde beschlossen, die mit der Stadtgemeinde Berlin- Lichtenberg schwebenden Steuerstreitfachen der Grenzgrundſtüde am Rummelsburger See, welche ſeit fünf Jahren bestehen, auf dem Wege des Vergleichs zu beseitigen. Für die Gemeinde kommen 1321 M. Steuern in Frage. Köpenid. " Als Kandidaten für die 3. Klasse wurde Paul Dumsch, für die 2. Klasse Friedrich Breitmann und Albert Müller aufHohen- Schönhausen. Die Gemeindewahl findet am Montag, den 2. Mara, abends 7 Uhr, im„ Goldenen Anker", statt. Die Arbeiterſchaft wird ersucht, Wähler aus Neu- Zittau auf die Wichtigkeit dieser Wahl aufmertiam zu machen. Den Auftakt zur Gemeindewahl gab eine öffentliche Versamm lung, in welcher Genosse Reichardt über die Selbstverwaltung referierte. Hierauf wurde vom Genossen Schütz über die Tätigkeit in der Vertretung Bericht erstattet. Als Kandidaten wurden normiert: Richard Voigt für die britte Abteilung und Gustav Hemmerling für die zweite Abteilung. im Rathaus. Situngstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Borsigwalde- Wittenau. Dienstag, den 3. März, nachmittags 5 Uhr, Eichwalde. Montag, den 2. März, abends 6 Uhr, im Rathause, Grünauer Straße. Tempelhof. Montag, den 2. März, nachmittags 5%, Uhr, im Ge meindefizungszimmer, Dorfstr. 42. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ift berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. S Frauen- Leseabende. Friedenau. Montag, den 2. März, bei Klabe, Handjerhitr. 60/61. Bortrag der Genoffin Dunder. Jugendveranstaltungen. Tempelhof- Mariendorfer Jugendlichen. Neukölln. Heute abend 5, Uhr findet in Bartschs Festsälen ein Heiterer Abend statt. Mitwirkende: Musik: Jugendorchester" Carmen", Gesang: Jugendheimchor, Rezitation: Walter Tröger. Außerdem gelangt zur Aufführung: Sommertag in der Försterei Franzenshof".. Szene aus dem Wanderleben mit vollstümlichen Tänzen und Chorgefängen zur Laute. Billetts für Erwachsene 20 Pf., für Jugendliche 10 Pf. find im Vorder restaurant von Bartsch zu haben. Die Heime bleiben gefchloffen. Reinickendorf- West. Heute Sonntag: Spielpartie nach Saatwinkel. In der letzten Stadtverordnetenfißung wurde an Stelle des Herrn Auguſt Selchow, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, der Fabrikbesizer Paul Brämer zum Stadtrat gewählt. Der Verlegung der Wassermesserprüfungsstation, welche sich jetzt im Gemeindehause am alten Markt befindet, nach der früheren katholischen Gemeindeschule in der Luisenstraße, wurde zugestimmt. Zu einer Vorlage des Magistrats betreffs Errichtung einer Badeanstalt in der Kolonie Wendenschloß am Langen See erklärten unsere Genoffen ihre Zustimmung; sie beantragten zugleich, die Badeanstalt auch in eigener Regie zu verwalten. Bürgermeister Prümers ersuchte, von einer Beschlußfassung über den letzten Antrag vorläufig abzusehen, da der Magistrat über die Frage der Verpachtung oder der Verwaltung in eigener Regie noch nicht Beschluß gefaßt habe, daher der Antrag unserer Genossen noch berücksichtigt werden könne. Die Versammlung beschloß demgemäß. Die Frage des Bertaufs bon 5000 Quadrate gestellt. meter Land an der Mahlsdorfer Straße an den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund zur Errichtung einer Fürsorgeanstalt für Friedrichshagen. Dienstag, den 3. März, 8%, Uhr, im Jugendheim, Mädchen wurde bertagt, um erst noch über den Charakter der An Der Termin für die Gemeindewahlen ist nunmehr auf Sonn Friedrichstr. 60, 2. Hof, parterre links. Lantwik. Montag im Lokal von Schulz, Kurfürstenstr. 37. Vortrag: ſtalt nähere Erkundigungen einzuziehen. Beschlossen wurde ferner, tag, den 8. März, bon mittags 12 Uhr bis nachmittags 5 Uhr fest-„ Die Frau und die Gemeindepolitit". Referentin Genoffin M. Böhm. die Dampffähre, welche den Verkehr zwischen Friedrichshagen und gesetzt. Das Wahllokal ist die Turnhalle im neuen Schulhause, Wilmersdorf. Montag 8, Uhr bei Schilling, Lauenburger Str. 20. dem Müggelschloß vermittelt, nicht mehr von der Gemeinde Fried Roedernstraße. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Vortrag der Genossin Ryned über Unfer Frauentag". Diskussion. Ausrichshagen verwalten zu lassen, sondern vom 1. April dieses Jahres Genossen Karl Drews und der bisherige Vertreter Marsprache über den Lejeabend, Neuwahlen, Verschiedenes. ab selbst zu übernehmen. Weiter wurde beschlossen, das Restau- Siebenwirt. Parteigenossen! Agitiert nach Kräften, damit rant Ulenhorst", das durch Versteigerung in den Besitz einer unsere Kandidaten mit noch höherer Stimmenzahl gewählt werden Bant übergegangen ist, für 25 000 M. auf Kosten der Stadt zu als im Jahre 1912. Von gegnerischer Seite sind vier Kandidaten rüdzuerwerben, dasselbe renovieren zu lassen und dann von der aufgestellt, von einer öffentlichen Agitation für dieselben ist aber Alt: Glienicke. Dienstag, den 3. März: Vortrag über Bauernfrieg Stadt direkt weiter zu verpachten. Der Magistrat hofft auf diese nichts zu merken. Nur ein Herr, der für eine ganz besondere Art und Reformation". Vortragender Erwin Neumann- Adlershof. Von den Weise mindestens eine Pachtsumme zu erzielen, die der Verzinsung freiheitlichen Sozialismus strebt, zieht mit Berleumdungen gegen die Arbeiter- Eltern wird erwartet, daß sie ihre Kinder im Alter von 14-18 des aufgewendeten Kapitals entspricht. Bisher gehörte nur der Sozialdemokratie zu Felde. Auf eine Aufforderung unserer Ge- Jahren dem Jugendheim zuführen. Lankwitz. Heute Sonntag, nachmittags 14 Uhr: Besuch des Grund und Boden der Stadt, während die Baulichkeiten von dem nossen, zu einer öffentlichen Aussprache zu erscheinen, kniff der Tempelhof- Mariendorfer Jugendheims, Tempelhof, Kaiser- Wilhelm- Str. 76. Pächter errichtet resp. mit übernommen werden mußten. Nun- Tapfere. Treffpunkt: Stirche( Viktoriaftiaße). Dienstag, den 3. März: Mädchenmehr wurde der Bericht der Kommission zur Errichtung einer geDonnerstag, abend bei Frau Modrak, Charlottenstr. 47. Anfang 8 Uhr. meindlichen Arbeitslosenversicherung entgegengenommen. Aus dem Wittenau- Borsigwalde. den 5. März, abends 8 Uhr: Lese- und Distutierabend bei Heizmann, selben ist zu entnehmen, daß die Mehrheit der Kommission nicht Sonntag, den 8. März: Auf wiederholte Anfragen sei mitgeteilt, daß das am 7. März Marienstr. 7. Vortrag des Herrn Richter. für eine Arbeitslosenversicherung ist, da dies Sache des Staates stattfindende Stiftungsfest des Jugendbundes eine Veran Unterhaltungsabend bei Schulz, Kurfürstenstr. 37. Anfang 5 Uhr. Rezis fei. Die Errichtung eines gemeinsamen Arbeitsnachweises für die staltung der bürgerlichen Jugendbewegung ist tationen, Lieder, Gitarre und Mandolinenvorträge, ausgeführt von Gemeinden Groß- Berlins sei indessen wünschenswert. Gleich-( Jungdentschland- Bund). Das Vergnügen vom Verein Jugendheim zeitig mit dieser Angelegenheit wurde ein Antrag unserer Ge- findet erst am 14. März statt. Erwachsene zahlen 25 Pf. Entree. nossen verhandelt, der verlangt, daß 5000 m. bereitgestellt werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Zutritt. umi an Arbeitslose zinslose Darlehen in Höhe bis zu 40 M. zu bergeben. Unter lebhafter Zustimmung der bürgerlichen Ver- Oranienburg. treter ersuchte Stadtverordneter Jacobi( Fr. Vp.) diesen Antrag abzulehnen, da die Stadt schon durch Bereitstellung von 15 000 W. städtische Krankenhaus soll nach einem Magistratsantrage neu festge Aus der Stadtverordnetenfizung. Der Pflegekostensatz für das für Notstandsarbeiten mehr getan hätte, als andere Gemeinden jetzt werden. Die benachbarten Gemeinden wie auch die hiesigen Abmarsch 1 Uhr mittags vom Heim aus. Liederbücher nicht vergessen! Groß- BerlinBon unseren Genossen wurde diesem Herrn Krankenkassen zahlten bisher nach einem früheren Beschluß für das Heim ist geöffnet: Dienstags, Mittwochs, Donnerstags, Freitags und gründlich heimgeleuchtet und nachgewieſen, daß die Stadt bisher die Behandlung und Verpflegung eines Kranten pro Tag 2,50 M. Sonnabends von 6-9 Conntags von 4-9%, Ubu. Seben Freitag: In Bukunft sollen mit Rüdsicht auf die gebeten, alle Schulentlassenes Arbeit beschafft hätte und zivar zu dem horrenden Verdienst von verhältnisse die Krankenkassen den Satz von 3 M. entrichten. Den auf das Heim aufmerksam zu machen. 2,20 M, pro Tag. Wenn hierbei von Vorteilen gesprochen werde, benachbarten Gemeinden dagegen soll die mit dem Kreise bei Geso sei derselbe auf seiten der Stadt, die auf diese Weise billige währung des zinsfreien Darlehns für den Krankenhausbau verArbeitskräfte bekommen habe. Statt dessen sei es aber Pflicht einbarte Vergünstigung von 25 Pf. pro Tag gewährt werden. Die der Gemeinden, für die Opfer der heutigen Gesellschaftsordnung Vorlage wurde der Krankenhausdeputation überwiesen. Koalitionsrecht und Arbeitgeber. Referat von D. Schweizer zu sorgen. Wie vorauszusehen, wurde der Antrag der Kommission Den Bericht der Etatskommission zur angenommen und der Antrag unserer Genossen abgelehnt. In der städtischen Etats für 1914 gab Stadtverordneter Genehmigung Industriebeamten- Verlag, G. m. b. H., Berlin NW 52. 20 Bf. Universal- Bibliothek. 5646, 47, Die Frau Profefforin. Dorf geheimer Sizung wurde noch beschlossen, das Bökenmiersche Haus5648, Das Jmpfgesetz für das Deutsche Neumann. Als einer unserer grundstück in der Böttcherstraße neben dem Rathaus für die Stadt größten Sozialistenfresser geschichte von B. Auerbach. Reich vom 8. April 1874. Herausgegeben von Dr. P. Michaelis. konnte feinen Gefühlen feinen Einhalt tun, und anzukaufen, um für spätere Erweiterungen des Rathauses Platz glaubte durch Phrasen unsere Genossen dafür zu strafen, 5650, Berggenoffen. Bon H. v. Schullern. 5649, Melchior Katánghy. Erzählung von Koloman Mikszáth. Einzelnummer 20 Pf. daß sie es unternommen haben, eine Reihe von Anträgen By. Reclam, Leipzig. au stellen, die wohl im Interesse der Allgemeinheit liegen, aber feinesfalls den Beifall unserer Herren„ Hausagrier" finden können. Für sein vorlautes Vorgehen mußte er denn auch recht derbe Ed. Schneider. Viertelj. 2,80 W. H. Lüstenöder, Frankfurt a. M. Worte des Genossen Papke anhören. Der Stat der GemeindeHilfe in Zahlungsverlegenheiten. Von Dr. E. Karlemeyer. schule weist eine Einnahme von 15 600 M. auf. Die Ausgaben 4,50 M.E. Abigt, Wiesbaden. belaufen sich auf 144 600 m. An Gehältern werden für ins- Geburtenrückgang und Geschlechtskrankheiten. Von Prof. Dr. J. A. Barth, Leipzig. gesamt 38 Lehrkräfte 83 700 M. gefordert. Demzufolge ist von A. Blaschko. 80 Pf. Das Frauenbuch, Bd. III: Stellung und Aufgaben der Frau im der Stadt ein Zuschuß von 129 000 M. erforderlich. Es waren im Herausgegeben von Eugenie v. Soden. lezten Jahre 1816 Schulkinder vorhanden, die Schullasten betragen Recht und in der Gesellschaft. Stuttgart, Franckhsche Verlagshandlung. für jedes Kind 71,10 M. Unsere Genossen beantragten einen Geb. 4,50 M. Durchs Ziel. Roman von H. Tovote. 4 M. F. Fontane u. Co., besseren Ausbau der Schulzahnpflege, Gewährung von freien Lehr- Berlin- Grunewald. mitteln an unbemittelte Kinder, Verabfolgung von warmem FrühEcho aus der Katorga. Sammlung von Briefen aus den russischen stück und Mittag. Sodann ging Genosse Papfe auf die hohe Gefängnissen. Gesammelt von St. Wicher. 50 Cts. Demokratie und Morgen, Montag, den 2. und Dienstag, den 3. März, finden Klassenfrequenz ein und forderte hier baldige Abhilfe. Am ehesten Militarismus. Von M. Gerber. 50 Cts. Erlebnisse einer Servier. die Gemeindewahlen statt. werde diese durch eine zweimalige Ein- und Ausschulung und ent- tochter. Bilder aus der Hotelindustrie von Annelise Rüegg. 139 S. Hierzu nahm eine öffentliche Versammlung Stellung, in der sprechende Anstellung von weiteren Lehrkräften erreicht. Be- Grütliver ein, Zürich. Genosse Karl eid die Gegensätze in der Gemeinde und die sonders arg seien die Zustände aber in der 7. und 8. Klasse, da hier Marktpreise von Berlin am 27. Februar 1914, nach Ermittelungen unseren Genossen in derselben erwachsenden Aufgaben beleuchtete. die Schülerzahl 70 resp. 71 beträgt. Stelle man aber die Gemeinde- des tgl. Polizeipräsidiums. Mais( mired), gute Sorte 16,90-17,20, Donau Besonders verwies er auch auf die in den Landgemeinden hervor- schule mit der höheren Schule in Parallele, so zeige sich, daß für 00,00-00,00. Mais runder), gute Sorte 14,60-14,90. Richtstroh 0,00 ragend herrschenden Terraingesellschaften, die mit ihren Spetula- jedes Kind der Gemeindeschule 71 M., für das des Realgymnasiums bis 0,00. Seu 6,80-8,00. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Grbjen, gelbe, zum Kochen tionsinteressen die Gemeinden und deren Verwaltungen start beein- aber 346 M. aus dem Stadtsäckel gezahlt würde. Eine Anfrage Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Rinien 40,00-80,00. des Genossen Papte, ob es richtig sei, daß von unbemittelten 34,00-50,00. flussen. Aus diesem Interessenkampf ergebe sich auch in den Ge- Eltern, deren Kinder bereits freie Lehrmittel erhalten haben, die Startoffeln( kleinhdl.) 4,00-7,00. 1 Stilogramm Rindfleisch, von der Steule meindeparlamenten ein Stück Klassenkampf, den wir durch sozial- hierfür entstandenen Kosten zurücverlangt worden find, beant- 1.00-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. demokratische Gemeindevertreter zu führen haben. Und solche zu wortete der Bürgermeister damit, daß ihm solche Fälle nicht be- 60 Stud Gier 4,20-6,00. 1 Stilogramm Starbjen 1,20-2,40. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,40-3,00. wählen sei Pflicht aller Wahlberechtigten, die Genosse Leid in fannt seien. Obwohl Stadtverordneter Lehrer Manthee unserem 1,60-3,20. Bander 1,40-3,20. echte 1.40-2,80. Bardhe 1,00-2,20. einem träftigen Appell aufforderte, am Montag und Dienstag ihre Genossen in vielem beipflichten mußte, lehnten die bürgerlichen Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stud Strebje 3,50-21.00. zu gewinnen. Adlershof. Bei den Erfahwahlen zum Gewerbegericht war es uns möglich, einen weiteren Arbeitgeberbeifißer durchzubekommen. Wir sind also jetzt vertreten durch sechs Beisitzer für die Arbeitnehmer und zwei für die Arbeitgeber.. Die Wahlbeteiligung war eine sehr geringe. Wenn man die Bedeutung der Gewerbegerichte in Betracht zieht, muß man sich wundern, daß noch ein erheblicher Teil Gewerbetreibender diesen Wahlen so wenig Beachtung schenkt. Daß dies für die Zukunft anders wird, muß unsere Aufgabe sein. Tegel. Auf zur Gemeindewah!! er Eingegangene Druckschriften. Die Wunder der Natur. Lieferung 44-49. Erscheint in 65 Liefe rungen a 60 Pf. Bong u. Co., Berlin W 57. Die Persönlichkeit. Heft 2. Monatsschrift, herausgegeben von Stalbfleisch 1,40-2,40. Nale Alle in der Leipziger Straße ausgegebenen Gutscheine, LeihbibliothekAbonnements, Markier- und Prozentkarten usw. usw. werden nach der im Anfang März erfolgenden Schließung unseres Hauses am Dönhoffplatz im Passage- Kaufhaus, Friedrichstr, 110-112, erledigt Damenkostüme aus Stoffen englischer Art, moderne Fassons 16.50 24.00 marineblaue Kammgarn- oder Cheviotstoffe, fesche, aparte Fassons 22.50 36.00 Kostümröcke Stoffe engl. Art, verschied. Fassons 2.90 3.90 Jupons Trikot mit seidenem Ansatz 3.90 4.50 reine Seide in verschiedenen Farben 8.50 12.50 Hervorragend preiswert: Schlafdecken graue Wolle mit gestreifter od. Jacquardkante..... regulär 6.75 5.90 kamelhaarartig mit gestreifter Kante, schwere Qualität, 4.85, regulär 5.30 regulär..,. 6.00 7.00 Enorm billige Kleiderstoffe Blusenstoffe Halbwolle gestreift...... Meter Kostümstoffe gemustert, ca. 130 cm breit.. Meter Stickereistoffe ca. 115 cm breit Meter 55 PL 75 PL 85 PL Krepon reine Wolle, ca. 105 cm breit.. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 3. Seiitze des Lgmilrts" Kerlim KllislllÄ. Reichstag. 224. Sitzung. Sonnabend, den 23. Februar 1914, mittags 12 Uhr. Am Tische des Bundesrats: v. Breitenbach. Nach debatteloser Erledigung der Rechnung über den Haushalt des Schutzgebietes Kiautschau für 1998 wird die zweite Beratung des Etats der Verwaltung der Reichseisenbahnen fortgesetzt. Abg. Dr. Weill(Soz.): Die positive Arbeit der Sozialdemokratie zeigt sich immer wieder deutlich an den Verbesierungen, die die Lage der Arbeiter erfährt. Dafür ist der Etat der Reichseisenbahnen ein deutliches Beispiel, und trotz aller Einwendungen von Herrn I ck I e r nimmt die Sozialdemokratie für sich das Verdienst in Anspruch, durch ihre ständige Kritik die Verbesserungen der Lebenslage und der Arbeits- Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter herbeigeführt zu haben. lLebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Diese Verbesierungen sind sicherlich ungenügend, aber was geschehen ist, verdanken die Arbeiter dem energischen Vor- gehen meiner Partei, nicht aber der dienstfertigen Unterwürfigkeit, die Herrn Jckler und seine Freunde auszeichnet.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.)— Die Betriebssicherheit im deutschen Eisen- bahuwesen macht, wie wir gern anerkennen, dank den Bemühungen der Verwaltung große Fortschritte. Immerhin haben sich in der letzten Zeit Unfälle ereignet, die die Frage nahe legen, ob nicht noch viel zu tun übrig bleibt. So bedarf namentlich die schwere Katastrophe dringend der Aufklärung, der am 2. Januar ein Militärzug mit Weihnachtsurlaubern�im Bahnhof W o i p p i bei Metz zum Opfer gefallen ist. 7 Soldaten ver- unglückten tödlich, 7 andere wurden schwer verletzt. Es fragt sich, ob in den Einrichtungen des Bahnhofs alles Nötige geschehen ist, und ob in der Anstellung ortskundiger Lokomotivführer die Ver- waltung sorgfältig genug vorgeht. Der Fall ist so schwer, daß wir vom Herrn Eisenbahnminister hier wohl Aufklärung erwarten dürfen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Breitenbach: Ich will mir bei Erörterung dieses furchtbaren Ung lücks große Reserve auferlegen, da die Untersuchung in vollem Gange ist. Nicht richtig ist, daß der betreffende Führer ortsunkundig war; er hat selbst die Unkundigkeit für sich beansprucht, hat auch gleichartige Züge schon gefahren.— Erfreulich war mir, daß der Abg. Weill anerkannt hat, daß die Betriehssicherheit der deutschen Eisenbahnen an erster Stelle steht. Sie ist in der Tat die größte von allen Eisen- bahnen der Welt. Das kann uns eine gewisse Beruhigung geben, wenn so schwere Unglücksfälle über uns hereinbrechen.— Die neue Lohnordnung ist in vollem Einverständnis der Verwaltung mit den beteiligten, natürlich erstklassigen Arbeitern zustande gekommen, ich hoffe daher, daß sie in der Gesamtarbeiterschaft größte Ve- friedigung hervorrufen wird. Abg. Dr. Schatz(Elf.) wünscht einige neue Zugverbindungen im Elsaß. Abg. Jckler(natl.): Das Koalitionsrecht nehmen auch wir in Anspruch, auf das Streikrecht verzichten wir, darin unterscheiden wir uns von den Sozialdemokraten. Sie sagen, die Arbeiter werden nicht sweiken, wenn sie ausreichende Löhne haben. Aber es gibt auch andere Anlässe zum streiken. Daran, daß die Eisenbahnen nicht still liegen, hat das ganze Volk das größte Interesse. Damit schließt die Debatte. Im Außerordentlichen Etat beantragt� die Budget- kommission den viergleisigen Ausbau auf der Strecke Straß- burg-Basel und Einstellung von SO 009 M. für Vorarbeiten zur Er- schließung des Rieds und der Hardt. Abg. Dr. Haegy(Elf.) befürwortet einen Antrag, an Stelle des viergleisigeu Ausbaues der Strecke Straßburg-Basel 399 999 M. zum Bau der Ried-Hardtbahn einzusetzen. Die Abstimmung wird mit Rücksicht auf die schwache Besetzung des Hauses ausgesetzt. Es folgen die Einnahmen. Abg. Dr. Weill(Soz.): Von der Lösung der Frage der Mosel- und Saar- Kanalisierung hängt die wirtschaftliche EntWickelung Elsaß- Lothringens ab. Nicht»ur die Großindustrie, auch der Mittel- stand und die Arbeiterschaft sind an der endlichen Verwirklichung des Kanalprojekies interessiert. Auch besteht die Befürchtung in der Bevölkerung, daß die Lebensmittelversorgung in ernsten Zeiten ohne die Kanalisierung außerordentlich schwierig ist. Der Eisenbahn- minister bestreitet, aus kleinlichem fiskalischen Interesse sich der Mosel— Saar-Kanalisierung zu widersetzen, sondern führt das Wirt- schaftliche Interesse des Niederrheins, der rheinisch-westfälischen In- dusirie an. Diese Industrie wiedersetzt sich aber gar nicht mehr der Mosel— Saar-Kanaltsicrung. Aber der Minister fürchtet, die ganze niederrheinische Industrie würde nach Lothringen abwandern und sich an der Mosel und Saar niederlassen, und zwar nicht allmählich, sondern sehr schnell. Diese Furcht ist hinfällig, das Mosel-Saar-Gebiet ist gar nicht mehr weiter aufnahmefähig für die Schwerindustrie, denn der ErzVorrat Lothringens ist ver- geben. Aber auch abgesehen davon ist es ausgeschlossen, daß eine Industrie, die mit ihrer Heimat so eng verwachsen ist, wie die rheinisch-wesffälische, ihre Heimat ohne weiteres verlassen wird, der Niederrhein ist auch gar nickt Gegner der Mosel— Saar-Kanalisierung. Mitglied des Verbandes für diese Kanalisierung sind die Handels- kanrmern von Bochum und Düsseldorf und die Zecke Hibernia(HörtI börtl links), an der der preußische Fiskus stark beteiligt ist. Die sogenannte kleine Mosel- Kanalifierung, die der elsässische Landtag be- reits beschlossen hat. ist keineswegs als Pressionsmittel auf Preußen gedacht, um die große Kanalisierung zu erlangen, sondern auch dies kleinere Projekt ist schon von eminenter Wirtschaft- licher Bedeutung, speziell für Straßburg. Große Aussicht auf Ver- wirklickung hat das französische Kanalprojekt der Mosel, durch das Luxemburg an das französische Industriegebiet angeschlossen werden würde. Sehr schwer würde der Niederrhein durch die Voll- endung dieses Projekts getroffen werden; denn die französifcken Industriegebiete, die heute ausschließlich Ruhrkohle beziehen und Eisenerze nach dem Niederrhein liefern, würden dann belgische und englische Kohle beziehen können und mit England und Belgien in den Austauschverkehr treten, den sie heute mit dem Niederrhein haben. Da? sind Gefahren, die dem Niederrhein wirklich drohen, nicht die eingebildeten, die der Minister aus der Mosel« Saar-Kanalisierung befürchtet. Die Konkurrenz zwischen Wasser« straßen und Eisenbahnen ist nicht neu; aber man sollle doch ein- fehen, daß diese Konkurrenz nicht übertrieben werden darf, fondern daß beide � Anstalten_ dem allgemeinen höheren Verkehrs- intercsie dienen müssen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bassermann(natl.) Die Ablehnung der Mosel-Saar-Kanalisierung hat nicht nur be- dauerliche wirtschaftliche, sondern auch nationale Folgen. In aaderm Gebieten treibt Preußen eine großzügige Kanalpolitik. Für die Lebensmittelversorgung in den Gebieten der Mosel und Saar im Kriegsfalle können die größten Notstände entstehen, wenn nur der Eisenbahnweg zur Verfügung steht. Die Erregung über die ab- lehnende Politik der Regierung ist in den beteiligten Gebieten sehr groß.(Sehr richtig I bei den Natl.) Die Bewegung ist so stark ge- worden, daß der Widerstand des Diinisters sicher mit derZeit frucht- los sein wird.(Bravo l bei den Nationalliberalen.) Minister v. Breitenbach: Ich habe erst kürzlich im Abgeordnetenhause ausführlich zu dieser Frage gesprochen und kann nur sagen, daß ich neues nicht mitzuteilen habe. Aus überwiegend wirtschaftlichen Rücksichten kann die Kanali- sierung der Mosel und Saar zurzeit nicht in Aussicht ge- n o m m e n werden. Die Abwanderung vom Ruhrgebiet würde zu groß sein. Die Handelskammern vertreten in diesem Falle mehr die Interessen des Handels als der Industrie. Was die angeführten militärischen Gründe anlangt, so werden sie vom Generalstabschef nicht geteilt. Er legt, wie ich im Friedens- interesse, größeren Wert auf den Ausbau der Eisenbahnstrecken dieses Gebietes. Außerdem hat die Verwaltung bereits große Eisenbahnfrachtermäßigungen gewährt, die 89 Proz. der Waren betreffen, die auf den kanalisierten Flüssen transportiert werden. Sie beziehen sich auf annähernd 13 Millionen Tonnen Güter.- Was hier- durch geleistet wird ist außerordentlich viel, nnd trägt den nationalen Bedürfnissen auch Rechnung.(Sehr richtig! rechts.)— Daß große Projekte in Frankreich schweben, ist richtig, aber eine Aussicht, daß sie zur Ausführung kommen, besteht zurzeit nicht. Das Groß- Herzogtum Luxemburg bat den größten Vorteil von den Fracht- ermäßigungen, ohne eine Mark Ausgaben dadurch zu haben. Elsaß- Lothringischer Bundesratsbevollmächtigter Dr. Nobis: Es besteht in dieser Frage bekanntlich ein Gegensatz zwischen der preußischen Regierung und der Kaiserlichen Regierung in Elsaß- Lothringen. Jede Regierung unseres Landes muß für die Kanalisierung der Mosel eintreten, weil die natürlichen Verhältnisse des Landes das verlangen. Aber ich erkenne an, daß die Gründe Preußens schwerwiegend sind.(Sehr richtig! rechts.) Wenn das Projekt zu- stände kommen sollte, müßte Preußen große Opfer bringen. Trotz- dem hoffen wir, daß das Projekt schließlich noch zustande komnrt, und zwar deshalb, weil wir wissen, daß Preußen ein Staat ist, der gewohnt ist, nach dem Grundsatz noMssss oblige (Adel legt Pflichten auf) zu handeln.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten, Lachen rechts). Es ist eine eigentümliche Situation. Hier liegt einmal der Fall vor, wo ganz Elsaß zum engeren Anschluß nach Deutschland drängt und un- glücklicherweise kann in die dargebotene Hand nicht eingeschlagen werden. Helfen Sie mit, Elsaß wirtschaftlich zu heben, das ist der sicherste, vielleicht sogar der einzige Weg, dies schöne und reiche und mit so kostbarem Gut erkaufte Land dauernd mit Deutschland zu ver- schmelzen.(Bravo I) Abg. Coßmann(Z.) tritt aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen für die Mosel« und Saarkanalisierung ein. Abg. Dr. Oertcl(k.): Der elsässische Bundesratsbevollmächtigte appellierte an das noblosso odligs, das Preußen zeigen sollte. Das ist selbstver- st ä n d I i ch, und so etwas sagt man nicht. Ich bcdaure auch, daß er von der dargebotenen Hand gesprochen hat. Es handelt sich hier lediglich um die sachliche Abwägung verschiedener wirtschaftlicher Interessen in ihrer Bedeutung für die Gesamtheit Deutschlands, und da sind die vom Minister angeführten Gründe für mich über- zeugend; auch der elsässische Bundesratshevollmächtigte sollte diese Erwägungen beachten.(Bravo! rechtS.) Abg. Schatz(Elf.) betont nochmals, daß die Befürchtungen für das rheinisch-westfälische Industriegebiet unbegründet seien. Abg. Ledebour(Soz.) Herr Oertel spielte sich hier als xrascsxwr germaniae(Führer Deutschlands) auf. Dieselbe Szene erlebten wir vor einigen Tagen in der B u d g e t I o m m i s s i o n. wo er versuchte, in derselben Weise wie heute dem Verireter Elsaß-Lothringeus im Bundesrat, dem Staatssekretär Dr. Solf, den Zylinderhut aufzubügeln (Heiterkeit). Herr Oertcl, der Vertreter eines preußischen Wahlkreises, stellt den preußischen Partikularismus über die weiße Weste seiner nationalen Gesinnung, früher, als er noch sächsischer Partikularist war, war sie wohl grün.(Heiterkeit). Herrn Oertels Belehrung war darauf be- rechnet, den Herren höheren und allerhöchsten Orteseine schwarze Note zu geben. Hoffentlich bleibt diese Belehrung auf das künftige Wohl- verhalten des Herrn ohne Einfluß. Der Vertreter der preußischen Negierung hat sich die größte Mühe gegeben, uns davon zu über- zeugen, daß die preußische Regierung sich auf die Mosel- und Saar- kanalisierung wegen der angeblichen Schädigung der Industrie am Niedcrrhein nicht einlassen könne. Aber der frühere Widerstand der Ver- treter dieser Industrie ist in hohem Maße geschwunden. Der einzige ernsthaste Widerstand gegen diese notwendige Verkehrseinrichtung ist der preußische Partikularismus der preußischen Regierung. Wenn es sich um fremde Weltteile handelt, führen die Vertreter dieser selben Regierung Argumente für die Hebung des Verkehrs zu Wasser und zu Lande ins Feld, hier aber, wo ein wichtiges Erzgebiet für das ganze Reich nutzbar gemacht werden kann, tritt dieser engherzige Partikularismus zu Tage.(Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Man braucht nur die Frage zu stellen, wie sich die preußische Regierung stellen würde, wenn das Minettegebiet nicht in Elsaß-Lothringen, sondern innerhalb einer preußischen Provinz läge. Dann würden solche Bedenken sicher nicht geltend gemacht werden. ES gibt ja überhaupt keine neue Ver- kehrseinrichtung, durch die nicht irgendwie andere Interessen ge- schädigt würden. Wenn solche Gesichtspunkte maßgebend sein sollten, dürfte man überhaupt keine neue Verlehrseinrichtung in Deutschland schaffen. Wir erblicken in diesem ganzen Bestreben nur einen Aus- wuchs des ganz engherzigen preußischen Partikularismus, für den der Gedanke des iroblesss oblige vollkommen unangebracht ist.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte schließt. Die Einnahmen werden bewilligt. Die Petitionen verschiedener Arbeiterverbände, die Vor- schlüge zur Besserung der Lage und Hebung der Eisenbahnarbeiter enthalten, beantragt die Kommission, der Regierung als Material zu überweisen. Abg. Fuchs(Soz.) begründet einen Antrag, diese Petitionen dem Reichskanzler teilweise zur Berücksichtigung, teilweise zur Erwägung zu überweisen. Die Abstimmung wird ausgesetzt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag 2 Uhr.(Petitionen, Besoldungsvorlage, Nechnungssachen, Etat der Reichspost mit dem Postscheckgesetz). Schluß 4'/« Uhr._ Mgeorönetenhaus. 38. Sitzung. Sonnabend, d e n 28. F e b r u a» 1914, Am Ministertisch: Unterstaatssekretär Coels van der Brügghen. Der Bauetat. Abg. Dr. Liebknecht( •tattonen Havaranda Petersburg 71 Ecilly Aberdeen Paris 762-!'>!© 75S!WN« 7651$®B 759 S 768, NNO BSetterprognole für Sonntag, den 1. März 1014. 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Mehr und mehr im Schwinden begriffen find die Borurteile vergangener Tage, die nur dem durch Beziehungen und Stand Bevorzugten die Wege zum Einfluß und Reichtum erfchloffen. Wer etwas fann, findet seinen plak, wer etwas weiß, macht feinen Weg. Alles Ginnen und Trachten des modernen Menschen muß daher darauf bedacht sein, sein Wiffen so vielseitig wie möglich su geftalten. Mis Wissen ist Macht! das erfolgreichste Selbst- Unterrichtswerk der Gegenwart ( über 100000 Exemplare verfauft!) Selbstunterricht sich alles bas angueignen, was an vielseitigem Wiſſen und umfaffender Bildung nötig if. Kurze Inhaltsübersicht des Wertes: Allgemeine Grammatit Deutsche Sprache Franzöf. Sprache, Engl. Sprache, Efparanto Handelsforrespondenz: Deutsche, franz., engl. Die einfache Buchführung Die doppelte Buchführung Wechselkunde Geschäftsbetrieb Raufmännisches Rechnen Warenkunde und Rech. nologie Stenographie Ralligrapple: Rundfdrift, Ladfchrift Arithmetit einfcl. M gebra Geometrie: Planimetrie, Stereometrie, Trigo nometrie Die Grundlagen d. Phyfir Die Grundlagen der Chemie Photographie Industrie, Zenit und Verkehr Mineralogie Geologie Himmelefunbe Witterungefunbe Botanik Zoologie Der Aufbau des menfch. lichen Organismus Der Bau des menso lichen Körpers Allgemeine und spezielle Lebenslehre Gefundheitslehre Bolkswirtschaftslehre und Gesellschaftswissenschaft Geographie und Bölker funde Geschichte von der ältesten Beit bis zur Gegenwart Allgemeine Literatur gefchichte Geschichte der Musi Allgem. Kunstgeschichte Einführung in die Götter. und Gagengeschichte Germanische Götter und Gagengeschichte Ausführliches Inhalts fostenlos fato verzeichnis auf Wunsch umb franto. ALLGEMEINEN die Bibliothek des allgemeinen und praktischen Biffens" eingeführt. Sie gibt die Möglichkeit, burd DES BIBLIOTHEK BIBLIOTHEK BIBLIOTHEK BIBLIOTHEK BIBLIOTHEK BIBLIOTHEK ALLGEMEINEN ALLGEMEINEN ALLGEMEINEN ALLGEMEINEN ALLGEMEINEN PRAKTISCHEN PRAKTISCHEN UND PRAKTISCHEN PRAKTISCHEN PRAKTISCHEN PRAKTISCHEN WISSENS WISSENS WISSENS WISSENS WISSENS WISSENS UND SHIFCHES VERZ BORG Co BUSCLES VER EUTSVERLE MISFERIA ESVERL Bebeutend verkleinerte Abbildung der 6 Bände. Jeber Band ift 26 cm bod, 20 cm breit und ca. 5,5 cm fat CHOTIES Unverlangte Urteile von Räufern des Berkes: Mittels Josef St. in Frankfurt a. M. ber Bibliothek des allgemeinen und praffischen Wissens habe ich das Einj. Freiw. Gramen glänzend bestanden. 3. S. G. in Coblenz. Das Werk ist von hervorragender Bedeutung für jeben Menschen. Der Inhalt ist leicht und übersichtlich flar dargestellt, so daß Jebermann spielend lernen tann. B. R. in Raffel. Gelangte foeben in ben Besitz Ihrer Abrechnung, und fann ich Ihnen heute zu meiner Freude mitteilen, daß ich bant dieser Werte: Bibliothet des allgemeinen und prattischen Wissens und der 2 Wörterbücher am 25. März b. 3. mein „ Einjähriges Examen" vor der Realschule in fchwege bestanden habe. Wie Sie wiffen, hatte ich fchon meine 2jährige Dienstzeit hinter mir, jeboch im ble Königliche Gärtnerlehranstalt besuchen zu fönnen, be nötigte ich den Schein. $. St., Kaufmann in G..... Man fann fagen, wer bies Wert ernstlich stublert, daß fich bemfelben bie Wege nach oben in beffere Gesellschaftstreife von felbft öffnen. Ich felbft 3. R., Elettrotechnifer in B. habe aus diesem Werfe so vieles für das praktische Leben gewonnen, daß ich nun auf eine sichere angesehene Lebensstellung rechnen fann. Nicht jedem ist es vergönnt, fich umfassende Renntnisse durch den Besuch höherer Schulen angueignen. Mitten im praktischen Leben gilt es oft, das einst Berfäumte nachzuholen. Bahl. reichen Weiterfirebenden wieder läßt die anffrengende Tätigkeit des Berufes nicht die Möglichkeit, das einst Gelernte weiter zu pflegen. In ganz besonders praktischer Weise wird für all diese den weitestgehenden Ansprüchen Rechnung getragen, wobei das Hauptgewicht darauf gelegt ist, die einzelnen Ma terien so deutlich und klar darzuffellen, daß jedermann ohne Lehrer durch Selbstunterricht sich affes aneignen fann, was an Wissen zu einer umfassenden Bildung nötig ist. So findet denn der Kaufmann, Beamte, Studierende, Lehrer, aber auch der Gewerbetreibende, der Handwerker usw. mit nur elementarer Bolts. schulbildung in der Bibliothet", was ihm fehlt: der eine, was er Berbrennen eines Holzstabes in flüffiger Luft. Aus dem Abschnitt: Die Grundlagen ber Chemie." noch nicht besitzt: neue umfassende Kenntnisse, der andere, was er einft besaß: vielseitiges Wissensmaterial und zweifellos auch vieles Neue, ihm bisher Unbekannte. Für jeden wird die Bibliothek* eine Fundgrube des Wissens von praktischem Werte sein, ein Nachschlagebuch, welches ftets Antwort gibt, und in efner Bielseitigkeit, daß diefes Wert eine ganze Bibliothek ersetzt, find doch neben den Disziplinen für das praktische Leben auch solche von allgemeiner, idealer Bedeutung in großer 3ahl vereinigt. Sämtliche 6 Bände des Werkes werden sofort fomplett vollständig franko ohne Anzahlung gegen monatliche Teilzahlungen von nur 3 Mart geliefert. Ein Band auf Wunsch franko gur Mulchi Karl Block/ Buchhandlung Breslau I, Bohrauerfir. 5. Spezialvertrieb der„ Bibliothek des allgemeinen u. praktischen Wissens". Der Preis des Werkes wird durch die Teilzahlungen nicht erhöht. Ausschneiden und in offenem Ruvert mit 3- Pfennig- Marte einzufenben an Karl Block, I, Bestellfchein. Buchhandlung, Breslau Bohrauerstraße 5. 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Die betreffende Gehilfin hatte die Aushändigung des Scheins mit der Motivierung verweigert, daß drastischen Beispiel gezeigt. Heute mag an einem nicht minder man ihr auf der Kasse gesagt hätte. sie dürfe den Schein nicht aus trassen Falle bewiesen werden, wie man in Dstelbien mit den Händen geben. Auch meinte fie, sie könne sich dieses Scheines alten Landproletariern umspringt. als des einzigen Ausweises, den sie der Kasse gegenüber habe, nicht entledigen. Das Kaufmannsgericht würdigte diese Einwände und hielt darum mit Recht die der Klägerin zuteil gewordene Entlassung nicht für berechtigt. Es fehle der Vorsaß der Klägerin, der Firma gegenüber sich widerspenstig zu zeigen, fie befürchtete vielmehr, bei Herausgabe des Scheines Nachteile bei der Kasse zu haben. Auf hundert offene Stellen tamen im Januar 1914 Auf dem Gute Loyden bei Bartenstein( Kreis Friednach offiziellen Berechnungen 236 männliche Arbeitsuchende. Tand), das einem Herrn Regenborn gehört, war seit Welche Fülle von Not vnd Elend bergen diese nüchternen 21 Jahren der jetzt fast 70 jährige Arbeiter Horn mit seiner Zahlen in sich. Wie entmutigend wirkt die Tatsache, daß auf 64 jährigen Ehefrau und seiner Tochter beschäftigt. Der alte je hundert Arbeitsangebote sich mehr als doppelt so viel Horn, ein Invalide, der den 70 er Krieg mitgemacht hat, Arbeitskräfte melden, von denen jedesmal 136 zurückgewiesen fonnte mit seinen Jahren natürlich nicht mehr so arbeiten, wie werden müssen. Entmutigend? Ja, denn es schmerzt, von es ,, im Interesse der Landwirtschaft" wünschenswert all dem Elend zu wissen, zu sehen, wie Familien unverschuldet gewesen wäre. Für seine Arbeit erhielt er pro Tag in Not geraten, wie selbst Kinder hungern und darben und 40 Pfennige, an Deputat 18 Zentner Roggen, drei frieren müssen, auch wenn man nicht selbst Not leidet. Zentner Gerste, drei Zentner Erbsen pro Jahr und KartoffelAber dies niederdrückende Gefühl darf nicht auf uns laften. land. Da Horn, wie schon erwähnt, Invalide ist, bezog er Allen, die heute Not leiden, müssen wir zeigen, daß schon 15,35 M. Invalidenrente und eine kleine Militärpension jezt den Wirtschaftskrisen wenigstens ihr Schrecken genommen alles in allem zirka 23 M. Horns erwachsene Tochter werden kann, wenn nur alle, die von ihrer Hände Arbeit leben, erhielt für ihre Arbeit im Sommer 40, im Winter 30 Pf. ihr Teil dazu beitragen, andere Machtverhältnisse im Staat Tagelohn und drei Mezzen Roggen. und in der Gemeinde zu schaffen. Aber wie soll das möglich sein. Die Gewerkschaften, selbst wenn sie noch viel stärker sind als heute, werden doch nicht überall helfen können, wo die Arbeitslosigkeit und mit ihr die Not eingezogen ist. Gewiß nicht, sie lindern viel Unglück und Elend, aber ihrer Hilfstätigkeit sind gewisse Grenzen gesetzt, über die sie nicht hinausgehen können. So hätten diese drei Menschen griffen hängnis. nach ländlichen Beganz gut leben können. Doch bald nahte das VerAm 1. Mai 1913 verlangte der Brotherr" des Kriegsund Arbeitsveteranen seinen Anteil" an der Invalidenrente in Höhe von 10 M. Dafür versprach er ihm volles Deputat solange die Tochter auf dem Gute arbeite. Ginge die Tochter weg, dann sollten auch die Alten fort. So kam es denn auch. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. bon Portici. Sonntag: Die Stumme mittmod: Cavalleria rusticana. Montag: Salome.( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Figaros Hochzeit. Mittwoch: Donnerstag: Die Meistersinger von Sonnabend: Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Der Rosenkavalier. Carmen. Sonntag: Mignon. Hänsel und Gretel. Montag: Sinfonic Stonzert.( Unf. 7½½ Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Wohltätigkeits- Vorstellung.( Anf. Uhr.). Montag: Peer Gynt. 1. Abend. Dienstag: Peer Gynt. 2. Abend. Mittwoch: Der Familientag. Donnerstag: Peer Gynt. 1. Abend. Frei tag: Peer Gynt. 2. Abend. Sonnabend: Peer Gynt. 1. Abend. Sonntag: Peer Gynt. 2. Abend.( Anf. 72 Uhr.) Montag: Geschlossen. Neues Opern- Theater( Kroll). Von Montag bis Freitag: Bater land.( Anjang 8 Uhr.) Sonnabend: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag: Romeo und Julia. Montag: König Heinrich IV. 2. Teil. Dienstag: Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch: König Lear. Donnerstag: Romeo und Julia. Freitag: Biel Lärm um Nichts. Sonnabend: Hamlet. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Ein Sommernachtstraum.( Anjang 72 Uhr.) Kammerspiele. Sonntag, Montag und Dienstag: Der Snob. Mittwoch: Wetterleuchten. Donnerstag: Der Snob. Freitag: Bom Teufel geholt.( Anf. 7 Uhr.) Sonnabend: Der Snob. Sonntag: Bom Teufel geholt. Montag: Wetterleuchten.( Anfang 8 Uhr.) Lessing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhardi. Donnerstag: Beer Gynt.( Anf. 7, Uhr.) Wir denken an etwas anderes. Die Gemeinden und der Staat haben die Pflicht, sich der Arbeitslosen anzunehmen. In einzelnen Städten hat man auch eingesehen, daß Notstandsarbeiten allein nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit zu Horn lehnte natürlich das freundliche Anerbieten" ab, bekämpfen, sie haben auf das Drängen der Sozialdemokratie da er der Auffassung war, daß seine Invalidenrente ihm hin beschlossen, eine Arbeitslosenversicherung einzuführen. Aber gehöre. Vom 1. Mai ab erhielt Horn nun teinen Bar- Sonntag: Bygmalion. Montag: Beer Gynt.( Anf. 7, Uhr.) Dienstag es sind nur wenige Städte, die sich dazu aufgerafft haben. Iohn mehr. Man schickte ihn von einer Arbeit zur andern; und Mittwoch: Pygmalion. Ein Reichsgesetz, das die Arbeitslosenversicherung überall er sollte hüten, Mist fahren, in der Schirrkammer arbeiten, Freitag: Simson. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Der Erbförster. Abends: obligatorisch macht, haben wir nicht erhalten, denn die Re- dann wies man ihm wieder andere Beschäftigung zu. Schließ- Bygmalion. Sonntag: Peer Gynt.( Anf. 7% Uhr.) Montag: Simson. ( Anfang 8 Uhr.) lich schickte man den 70 jährigen Invaliden zum Wasserfahren. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Große Rosinen. gierung hat es abgelehnt, eine entsprechende Vorlage einzu- Da kam der Hofmann und sagte ihm, das besorge er selbst, Mittwochnachmittag 3 Uhr: Die Braut von Messina. Allabendlich: 28ie bringen. Gemeinden und Staat könnten aber gezwungen werden, ihre Pflicht zu tun, wenn nur der Wille in den Horn folle zu Hause bleiben. Horn flagte nun auf Aus- einst im Mai.( Anfang 8 Uhr.) Massen lebendig ist, ihre Macht zu gebrauchen. Bedenkt das zahlung seines Lohnes; man„ wies ihm nach", daß er sich Arbeiter und Arbeiterinnen, in eurer Hand liegt es, von der Arbeit gedrückt" habe und wies ihn ab. ein Staatswesen zu schaffen, das auch eure Am 4. Juni verließ, da mun der Verdienst des Vaters Interessen wahrnimmt, das nicht nur auf die Reichen wegfiel, die Tochter das Gut, da sie, wie sie erklärte, feine und Mächtigen hört. Ihr Mütter, die ihr euch quält, um euren Luft habe, bei schwerer Arbeit noch zu hungern. Kindern wenigstens die Not nicht so fühlbar zu machen, die ihr 1. Juni ab erhielt Horn überhaupt nichts Lasten über Lasten auf eure Schultern ladet, um die Familie mehr. Er arbeitete noch bis zum 11. Juni und stellte dann vor dem Sinken in das größte Elend zu bewahren, denkt den Dienst ein. daran, daß ihr nur zu wollen braucht, ernstlich zu wollen, und schaffte sie nach dem nahen Schreibershöfchen, wo man Am 24. Juni lud man Horns Sachen auf ein Fuhrwerk um einen großen Teil der Not für die Zukunft abzuwenden. Die Alten bei einem Bauer einquartierte. Da indessen Herr Wir begegnen ungläubigem Lächeln und was schlimmer ift stumpfer Ergebung in das Unabänderliche. Rafft euch Negenborn für die Leute keine Miete zahlte, wurden sie am auf, es ist doch so, wie wir sagen! Wir spiegeln nicht freund- 26. Januar liche Bilder vor, damit ihr für einen Augenblick euer Leid trot Eis und Schnee auf die Straße gesetzt! bergeßt. Nein, an eurer Not sollt ihr lernen, was ihr tun Nun irrten die beiden alten Menschen wohnungsuchend müßt, um euch und euern Kindern ein besseres Geschick umher. Sie wandten sich in ihrer Not an die Polizeibehörde zu bereiten. in Bartenstein. Aber sie wurden von der Polizei abgewiesen. Vom Gerade ihr Frauen könnt so viel dazu tun. Wiebiele Arbeiter gibt es, die noch nicht zu uns gehören, die bei Jezt faulten die Sachen des Kriegsveteranen an der den Wahlen zu Haus bleiben oder gar einen Kandidaten der Landstraße. Schnee, Gis, Regen taten das Ihre, um die bürgerlichen Parteien wählen. Erzieht diese Arbeiter! Sagt thnen, was sie aufs Spiel setzen, wenn sie nicht mit dafür wenigen Habseligkeiten zu zerstören; die Kleider in den Säcken thnen, was sie aufs Spiel sehen, wenn sie nicht mit dafür sorgen, daß die Sozialdemokratie die Macht erhält. Erinnert bermodern, und manches ist abhanden gekommen. Das war sie an die Zeiten, die ihr jetzt durchmacht und daran, daß die am 26. Januar und noch heute liegen die Sachen draußen. bürgerlichen Parteien nicht einen Finger gerührt haben, um Bis heute haben die Behörden nicht für nötig befunden, die Not zu lindern. Zeigt ihnen, wie die durch Wirtschaftspolitik einzugreifen. Erwähnt mag der Charakteristik wegen noch werden, daß der besitzenden Klassen Fleisch, Brot, Butter, Milch, Hülsenfrüchte, kurz alle die wichtigsten Lebensmittel verteuert man den Leuten für Ermission und Fuhre werden. Sagt ihnen, wie gesund ihr leben könntet, wenn ihr nicht infolge der horrenden Bodenpreise in dumpfen, schlechten hat. Und von ihren 120 Ruten Kartoffeln ließ man sie nur Wohnungen eng zusammengedrängt wohnen müßtet. Er- 85 Ruten ausgraben, trotzdem es ihre eigene Saat war! Unser Leben währet 70 Jahre innert sie daran, daß eure Kinder unbeaufsichtigt auf der dann endet es im Straße oder in der Wohnung bleiben müssen, weil ihr in den Chausseegraben. Ein freches Juntertum aber zetert über Fabriken mitarbeiten müßt, und daß den Kleinen durch die Landflucht und sozialdemokratische Verhegung. Sind solche Not die ganze Kindheit verbittert und verdorben wird. barbarischen Zustände nicht die schlimmste Verhekung"? Ihr Frauen, macht euch zum Anwalt eurer Kinder, und wir wollen sehen, ob ein Arbeiter noch wagt, andere Parteien zu unterstützen und dadurch jede Möglichkeit aus der Hand zu geben, seine und eure Lage zu verbessern. Ihr seid dazu berufen, die Männer anzuspornen und in euren Kindern den Willen zu erwecken, einmal euer Werk weiter zuführen. das letzte Schweinchen gepfändet Ländliche Jdyllen " stehen die westelbischen Agrarier ihren ostelbischen Kollegen kaum In der außerordentlich bescheidenen Wertung der Arbeitskraft nach. Am schlimmsten steht es in den Kreisen, wo die ländlichen Arbeiter dem Organisationsgedanken fremd gegenüberstehen und wo sie bei abgelegenen Arbeitsstätten auch an der Industriearbeiterschaft gar keinen Rückhalt haben. Meist wird das, was hier die Gutsherren den Arbeitern zu bieten wagen, nicht bekannt. Theater in der Königgräger Straße. Sonntag: König Richard III. ( Anjang 7%, Uhr.) Montag: Hinter Mauern. Dienstag: Die Stronbraut. Mittwoch: Brand. Donnerstag: König Richard III.( Anfang 7%, Uhr.) Freitag: Die fünf Frankfurter. Sonnabend: Die Trenkwalder.( Anfang 7 Ubr.) Sonntag: Die Trenkwalder. Montag: Hinter Mauern.( Anfang 8 Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schirin Montag: Der Bogen des Odysseus. und Gertraude. Abends: Casard. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Peterchens Mondfahrt. Dienstag: Cafard. Abends: Cafard. Donnerstag: Cafard. Freitag: Schirin und Gertraude. Sonnabendnachm. 3 Uhr: Peterchens Mondfahrt. Abends: Das Phantom. Sonntag: Cajard. Montag: Der Bogen des Odysseus.( Anf. 8 Uhr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich: Stammermusi.( nebend Theater an Weidendammbrücke. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wer zuletzt lacht. Allabendlich: Ber zuletzt lacht.( Anfang 8 Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Figaros Hochzeit. Abends: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Anf. 7 Uhr.) Dienstag: Martha. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Parsifal.( Anf. 7 Úhr.) Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Anf. 7 Uhr.) Sonnabend: Figaros Hochzeit. Sonntag: Parsifal.( Anf. 7 Uhr.) Montag: Martha.( Anfang 8 Uhr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3, Uhr: Hofgunst. Allabendlich: Die spanische Fliege.( Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3% Uhr: Der liebe Allabendlich: Die Tangoprinzessin.( Anfang 8 Uhr.) Residenz Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gretchen. Abends und Montag und Dienstag: Hoheit der Franz. Ab Mittwoch: Der Regimentspapa.( Anf. 8 Ühr.) Trianon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Er und der Andere.( Anf. 8 Uhr.) Augustin. Allabendlich: Bolenblut.( Anfang 8 r.) Thalia Theater. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die heitere Residenz. Allabendlich: Jettchen Gebert.( Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater O. Sonntagnammittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: Herodes und Mariamne. Dienstag: Das Glück im Winkel. Mittwoch: Andreas Hofer. Donnerstag: Das Glück im Winkel. Freitag: Weh' dem, der lügt. Sonnabend: Die beiden Leonoren. Sonntag: Hasemanns Töchter. Montag: Das Glück im Wintel.( Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hofer. Abends: Die Maschinenbauer. Montag: Die beiden Leonoren. Dienstag: Die Maschinenbauer. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends: Das Glück im Winkel. Donnerstag: Die Maschinenbauer. Freitag: Das Glück im Wintel. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Maschinenbauer.( Anf. 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Stino- stönigin. Allabendlich: Fräulein Trallala.( Anfang 8 Uhr.) Neues Volkstheater.( Neue Freie Voltsbühne.) Sonntagnachmittag Drei Courteline- Ginakter. 3 Uhr: Michael Kramer. Abends: Frau Warrens Gewerbe. Montag: Dienstag: Der Kaiserjäger. Mittwoch und Donnerstag: Frau Warrens Gewerbe. Freitag: Drei Courteline- Einafter. Sonnabend: Der Kaiserjäger. Sonntag und Montag: Drei Courteline Ginatter.( Anfang 8% Uhr.) Walhalla- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Allabendlich: Tangofieber.( Anfang 8 Uhr.) Montis Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fleder Nose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lenore. Abends und Montag und Dienstag: Die Maschinenbauer von Berlin. Mittwoch: Dorf und Stadt. Donnerstag: Die Maschinenbauer von Berlin. Freitag Berlin, wie es weint und lacht. Sonnabend bis Montag: Die Maschinens bauer von Berlin.( Anfang 8 Uhr.) Aber ihr sollt auch daran arbeiten, daß ihr selbst an der Gesetzgebung teilnehmen könnt. Nicht nur auf dem Umweg über eure Männer, Brüder und. Söhne sollt ihr an Zwölf bis vierzehnstündige Dreschmaschinenarbeit ist zurzeit dem Aufstieg eurer Klasse arbeiten. Ihr sollt das an der" Tagesordnung", und was dafür vergütet wird, zeigt eine Wahlrecht fordern und durch euer Beispiel die Un- Reihe charakteristischer Zuschriften von Bandarbeitern an ein bür- maus. Aüabendlich: Jung- England.( Anf. 8 Uhr.) gerliches Blatt Detmolds. Es handelt sich um ländliche Bezirke in schlüssigen anfeuern. der Nähe dieser Stadt. Wir geben aus diesen Kulturdokumenten Die Sozialdemokratie verlangt die Beu. a. wieder: freiung der Frau von unwürdigen Fesseln, sie will Vahlhausen. Der ortsübliche Tagelohn beträgt bei uns für ihr das politische Wahlrecht geben, denn sie weiß, daß die einen Tag bei der Dreschmaschine eine ganze Reichsmart und Essen, Frauen reif sind, ihre Interessen selbst zu vertreten. Hört und im Sommer bei der Ernte( gewöhnlich bis abends 8 Uhr) jetzt nicht darauf, was die anderen sagen: daß sie für euch sorgen 80 Bf., früher 60 Pf. wollen, daß ihr euch nicht um die Politik zu kümmern braucht. Jstrup. Leider müssen auch wir in Istrup gestehen, daß bei Ihr seht, wie nötig eure Hilfe ist. Zeigt, daß ihr bereit seid, uns die Löhne sehr knapp bemessen sind, denn kaum 18 Pf. pro Stunde, die in Rauch und Staub verdient werden müssen. euer Teil Verantwortung zu tragen. Großenmarpe. Der Landwirt Kuhlmann bezahlt pro Tag Am 8. März finden im ganzen Deutschen Reich Ver- 2 M. als erster und einziger im Dorfe; die übrigen beglücken ihre sammlungen statt, in denen die Frauen ihr Wahlrecht fordern. Arbeiter mit höchstens 1,50 M. Von einem Verwalter sind für Diese Versammlungen bilden den Auftakt zu einer großen gute 2½ Tage ganze 3 M. bezahlt worden. Aktion der sozialdemokratischen Partei: der roten Woche. In Brüntrup. Bei der Dreschmaschine zahlen unsere Landwirte der roten Woche soll ein Appell an die ganze arbeitende Be- 20 Pf. die Stunde ohne Kost. Was verdienen aber unsere Frauenstein, der Stolz der dritten Kompagnie.( Anf. 8 Uhr.) völkerung gehen, die Reihen der Sozialdemokratie zu ver- im Sommer bei Erntearbeit? Es iſt tieftraurig, nicht mehr feststellen zu können als ganze 60 Pf. von mittags 1 Uhr bis abends stärken. Kommt in diese Versammlungen. Be- 7 Uhr oder noch später, und wenn bei der schweren Arbeit und weist, daß die große Mehrzahl der Arbeiterinnen das Hike Appetit und Durst einkehrt, so können unsere Frauen sich politische Wahlrecht verlangt, und dokumentiert durch euren damit trösten, daß sie alle eine Kanne Kaffee und ein Stückchen Beitritt zur sozialdemokratischen Partei, daß ihr erkannt habt, Brot von Hause mitgebracht haben. Das ist der Sommerverdienst. daß nur durch euch selbst, nur durch euern festen Willen, der Nun für Winterarbeit ein Beispiel. Vor nicht langer Zeit wurden Partei der arbeitenden Klassen zur Macht zu verhelfen, gesunde von einem hiesigen Landwirt einige Frauen von morgens 6 Uhr Zustände in Deutschland herbeigeführt werden können. bis nachts 10 Uhr beschäftigt. Hierfür erhielten sie sage und schreibe 25 Pf., ausgerechnet pro Stunde 64 Pf. bei Nachtarbeit. Das sind so einige Blüten aus diesem Sprechsaalkranze länd= licher Beschaulichkeit. Man sollte es nicht für möglich halten, daß es Arbeiter gäbe, die sich so etwas bieten ließen. Aber ihre Sache steht eben sehr schlimm in diesen organisationsfremden Bezirken, in denen die Arbeiter oder doch sehr viele von ihnen weiter nichts kennen als das ererbte patriarchalische" Arbeitsverhältnis, das nur ein von allen guten Geistern verlassener Umstürzler antasten kann. Soziales. Unser Leben währet 70 Jahre und wenn es hochkommt, so sind es 80 Jahre, und wenn es töstlich war, so ist es Mühe und Arbeit gewesen so heißt Theater am Nollendorfplatz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Drpheus in der Unterwelt. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Die Schiffbrüchigen. Allabendlich: Prinzeß Gretl.( Anfang 8 Uhr.) Quisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das erste Ehejahr. Abends und Montag: Unser Junge. Dienstag: Bajazzo. Mr. Balzer. Mittwoch bis Sonnabend: Unser Junge. Sonntag: Deines Bruders Weib. Montag: Unser Junge.( Anfang 8 Uhr.) Kasino- Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mädchenehre. abendlich: Die olle Webern.( Anfang 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Café Pingsheim. Der Heiratsgraf. Meyersteins.( Anfang 8%, Uhr.) Apollo. Sonntagnachm. 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hart Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Blikmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.( Anfang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3%, Uhr und allabendlich: Spe zialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Reichshallen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Stettiner Sänger.( Anfang 8 Uhr. Sonntags 7%, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 32 Uhr und allabendlich 7, Uhr: Galaborstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3%, Uhr und allabendlich 7, Uhr: Galavorstellung. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Die von oben und unten. ( Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. Gisballett: Die lustige Puppe.( Anjang 81, Uhr.) Berliner Eispalast. Im Krug zum grünen Stranze.( Anf. 9 Uhr.) Cines Palajt am 300. Varieté- Lichtspiele. Täglich: 6 Uhr. Cines Nollendorf- Theater. Varieté- Lichtspiele. Täglich: 6%, und 9 Uhr. Urania- Theater. Sonntag und Montag: Winter in der Schweiz. Dienstag: Ueber moderne Atomistit. Mittwoch: Krönungsschmud der Saiferin Gisela. Donnerstag bis Sonntag: Hochspannung.( Unf. 8 Uhr.) Montag: Unbestimmt. Geffentliche politische Versammlungen. Dienstag, den 3. März, abends S½ Uhr, in den Konzertund Festsälen( Inhaber Obiglo), Koppenstr. 29: Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlín. Achtung! Bureau: Engelufer 14/15 II. Achtung! Gr. Volks- Versammlung. Delegierte ur örtlichen Generalverſammlung der BezirksTagesordnung: Gegen den itaatlichen Gebärzwang. Referenten: Reichstagsabgeordneter August Brey, Genossin Luise Zich, Stadtberordneter Dr. R. Silberstein. Genossen! Genofsinnen! Auf zum Protest! Der Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. 199/ 4* Vierter Wahlkreis Sonntag, den 1. März, abends 6½ Uhr, im„ Elysium", Landsberger Allee 40: Geffentliche politische Versammlung Tagesordnung: 1." Feinde ringsum". 211/ 16* Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Verwaltung Groß- Berlin. Am Mittwoch, den 4. März 1914, abends 8%, Uhr, im ,, Deutschen Hof", Luckauer Str. 15: Ordentliche General- Versammlung pro 4. Quartal 1913. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäfts-, Kassen-, Arbeitsnachweis- und Bibliotheksbericht pro 1913. 3. Neuwahl der Bezirksverwaltung und der Revisionskommission. 4. Neuwahl der Beschwerdekommiffion für den Arbeitsnachweis. 5. Erledigung eingegangener Anträge und Geschäftliches. NB. Legitimationsfarte und Mitgliedsbuch find mitzubringen und zweds Kontrolle resp. Abstempelung am Eingang zum Verfammlungslokal borzulegen. Ohne Karte und Mitgliedsbuch kein Zutritt. 62/18 Wer über 8 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstande ist, hat ebenfalls feinen Zutritt. Die Bezirksverwaltung. J. A.: A. Werner. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. An alle Mitglieder des Zweigvereins! Werte Kollegen! Heute Sonntag, den 1. März 1914, Gemütliches Beisammensein und Tanz. finden die Wahlen des Zweigvereins- Vorstandes, der Revisoren, Bahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer: Paul Litauer, Gemarchstraße 11. Donnerstag, den 5. März 1914, abends 8 Uhr, in den] " Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59( gr. Saal): Große Protellversammlung Referent Herr C. Giebel, M. d. R. Hausangestellte, Dienstboten! Man will Landkrankenkassen gründen für alle Dienstboten von Groß- Berlin. Deshalb erscheint in Massen! Reine Köchin, Stüße, Haus- und Kindermädchen, Mädchen für alles, Diener, Aufwärterinnen und alle Reinmachefrauen, feine darf fehlen! Die Genossen und Genossinnen werden gebeten, ihnen bekannte Hausangestellte auf diese VersammIung aufmerksam zu machen. الأمين 48/ 3* Die Einberuferin: Lina Busch, Rhinower Straße 1. Verein für Frauen u. Mädchen der Arbeiterklasse Montag, 2. März, abends 8, Uhr, in Kellers Neuen Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97: 52/6 Vortrag: Die Seele der Frau ( nach der modernen Psychologie). Referent: Herr Dr. Ernst Meyer. Gäste, Herren und Damen willkommen. Der Vorstand. Achtung! Achtung! Volksversammlung für Treptow! Dienstag, den 3. März 1914, abends 8 Uhr, im Lokal Neues Gesellschaftshaus", Snhaber G. Perehner, Treptower Chauffee 14. Zagesordnung: 113/14 Der Streik bei der Firma C. Beermann 2. Diskussion. Referent: M. Behrend. Die Herren Gemeindevertreter werden höflichst eingeladen. Der Einberufer: W. Lemm, Treptow. Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 4. März, abends 8 Uhr, bei Wilke, Sebaftianstraße 39: Fortfehung der Generalversammlung Da noch wichtige Beschlüsse zu fassen sind, ist das Erscheinen aller Mitglieber bringend notwendig. Der Vorstand. 176/6] 00 Gute Uhren u.besonders preiswert sínd SOVEREIGN weltberühmte Schweizer Marke For Private u Wiederverkauf beste Bezugsquelle e. Kulante Bedingungen Uhrenfabrik Sovereign Niederlage MÜNCHEN Kaufingerstr. 25. Katalog No. 57 franko or Sifonu bafünt sind Sie, wenn Sie sich vor Gründung Spezialisten Dr. Jr. Lorenz. Berlin 29 od. bei Streitigkeiten in gmby an den Gitschiner Str. 106 wend. Tel.: Mpl. 9516. der Beschwerde- und Schiedskommission statt. Außerdem wählen die Mitglieder der Sektion der Puzzer in denselben Lokalen ihren Sektions- Vorstand. am jedem Kollegen Gelegenheit zur Ausübung seines Wahlrechts zu geben, ist diese Wahl eine Fristwahl und findet von 10 bis 1 Uhr in den Bezirkslotalen statt. Die Kollegen, die ihr Wahlrecht ausüben, erhalten in ihrem Mitgliedsbuch, auf der Jahresseite 1914, links oben vor der Märzrubrik den Stempel, der als Beweis dient, 141/4 daß der Kollege gewählt hat. Tätowierung entfernt Dr. Schünemann Spezialarzt für Hautkrankheiten Berlin S., Oranienstraße 139. teppdecken größte Auswahl, billigst; auch Aufarbeiten alter Bernhard Strohmandel. Fabrik Berlin, Wallstr. 72. Sozialdemokratischer Aerzteverein. Sigung im Botel Atlas", Berlin, Friedrichstraße Nr. 105. 1. Arbeiterfekretär Rudolf Wissell: Einiges aus der Praxis der ärztlichen Gutachten in der Arbeiterversicherung". 2. Dr. med. Silberstein:" Der augenblickliche Stand der kassenärztlichen Angelegenheiten in Berlin". 3. Bereinsangelegenheiten. J. A.: Dr. Simmel- Baumschulenweg. am Mittwoch, den 4. März 1914, abends 9%, Uhr, Tagesordnung: 10616 Der Zweigvereins- Vorstand. Verband der Sattler und Portefeuiller. Ortsverwaltung Berlin. Branchen- Versammlungen Mittwoch, den 4. März, abends 8, Uhr, im Geschirr- Branche: Vereinshaus Südost", Melchiorfir. 15. Treibriemen- Brauche: in Schulz' Prachtfälen, Münzstraße 17, Gingang Königsgraben. Sonnabend, den 7. März, abends 81%, Uhr, bei Graumann, Naunynstraße 27. abends 81, Uhr, Portefeuiller- und Reiseartikelbrandje: Mittwoch, den 4. März, Militär- Branche: Brachtsälen Alt- Berlin, Blumenstr. 10. Mittwoch, den 4. März, abends 6 1hr, in den Linoleumleger u. Teppichnäher: Witto, ben& Mära, bei Weihnacht, Grünstr. 21. Mittwoch, 4. abends 8 Uhr, Wagen- u. Autobranche: Mittwoch, den 4. März, abends 8%, Uhr, 156/8 im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Bahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten Die Branchenleitungen. Innungs- Krankenkasse Deutscher Holzarbeiter- Verband der Schuhmacher- Zunung Verwaltung Berlin. Montag, den 2. März, abends 8 Uhr: ( Zwangs- Innung) in Berlin. Bekanntmachung. Bei der am 23. Februar 1914 stattgefundenen Wahl von 15 Bertretern Außerordentliche General- Verfammlung unb 30 atmännern für die Arbeitgeber zum Ausschuß wurden im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: Stellungnahme zum Verbandstag. Aufstellung der Delegiertenkandidaten zum Verbandstag und Gewerkschaftskongres. Mitgliedsbuch des Verbandes legitimiert. Grundierer. Montag, den 2. März, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3: Verfammlung aller in Grundieranstalten u. Belegereien beschäftigten Perfonen. Zagesordnung: 394 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf Lifte I 296 Stimmen, auf Lifte 11 98 Stimmen. Es find demnach von Lifte I 11 Bertreter( bon P. Bierbach bis W. Bierberg) und 22 Ersatzmänner( von P. Lenz bis C. Voigt), von Liste II 4 Bertreter( von J. Ege bis E. Eckert) und 8 Ersatmänner( von J. Schmarbeck bis C. Riek) gewählt. Für die Versicherten 30 Vertreter und 60 Ersatmänner wurden 676 Stimmen abgegeben. Siervon entfielen auf Liste I 620 Stimmen, auf Lifte II 56 Stimmen. Es sind demnach von Lifte I 28 Vertreter( bon A. Beier bis E. Webde) und 56 Ersaymänner( von W. Werner bis Fr. Scheibach), von Lifte II 2 Bertreter( H. Beyer und Fr. Busch) und 4 Erfahmänner( von F. Fichtenhaus bis O. Nicolaus) gewählt. Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahl find bis zum 22. März 1914 beim Rassenvorstand oder dem Versicherungsamt einzureichen. Berlin, den 1. März 1914. Der Vorstand. Jakob Ege, Borsigender. Bur weiteren R. Schenk, Schriftführer. Bekanntmachung betreffend die Wahlen des Vorstandes. Dieselben finden statt am Donnerstag, den 23. April 1914, wählten Vertreter im Ausschuß hiermit eingeladen werden. 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. abends 8%, Uhr, im Innungshause, Fischerstr. 25, zu der die ges 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Bezirk Ober- Schöneweide. Dienstag, den 3. März, abends 8½ Uhr, bei Warnecke, Wilhelminenhofftr. 18: Kranken- Unterstützungsbund der Schneider witglieder- Versammlung Filiale Berlin. Mittwoch, den 4. März, abends 3/9 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59( großer Saal): Zagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbandsangelegenheiten. Mittwoch, den 4. März: Mitglieder- Versammlung Vertrauensmänner- Versammlungen Tagesordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1913. 2. Wahl eines Revisors. 8. Mitteilungen der Drtsverwaltung. 4. Berschiedene Stassenangelegenheiten. Im Hinblid auf die am 1. Januar 1914 eingetretenen Veränderungen Im Strantenfaffenwesen ersucht um zahlreichen Besuch 162/17 Die Ortsverwaltung. 84/2 der Bezirke und Branchen. Die Versammlungslolale werden am Dienstag bekanntgegeben. Die Ortsverwaltung. Die gewählten Bertreter erhalten außerdem noch eine schriftliche Einladung. Es sind zu wählen: 3 Borstandsmitglieder und 6 Ersatmänner aus der Gruppe der Arbeitgeber. 6 Borstandsmitglieder und 12 Ersatmänner aus der Gruppe der Versicherten, und zwar auf die Dauer von vier Jahren( bis zum 31. Dezember 1917). Die Wahlen find geheim; gewählt wird nach den Grundsägen der Berhältniswahl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Die Vertreter im Ausschuß werden hiermit aufgefordert, schriftliche Wahlvorschläge, gesondert für Arbeitgeber und Versicherte, aufzustellen und Diese dem Borstande Friedrichsgracht 17 bis spätestens den 22. März 1914 einzureichen. Später eingehende Wahlvorschläge sind ungültig. Die Wahlvorschläge müssen von je 3 Ausschußmitgliedern der betreffenden Gruppe unterzeichnet sein. Die Stimmabgabe ist an diese Wahlvorschläge gebunden. Im übrigen gelten die Bestimmungen des§ 7 der Wahlordnung entsprechend. Sind auf gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur so viel wählbare Bewerber benannt, wie Borstandsmitglieder zu wählen find, so gelten fie 269/12 als gewählt. Berlin, den 1. März 1914. Der Vorstand. Jakob Ege, Borsigender. R. Seat, Schriftführer KЯ Todes- Anzeigen KΣ Verband der Maler, Lackierereic Filiale Berlin. Den Mitgliedern der Filiale Berlin zur Nachricht, daß unser altverdienter langjähriger Vorsitzender des Verbandes Albert Tobler am 27. Februar in Hamburg verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. März, mittags 12 Uhr in Hamburg statt. In treuer Pflichterfüllung, im Dienste für die Arbeiterbewegung, hat ihn der Tod plötzlich ereilt. Für seine aufopfernde Tätigkeit, für das Interesse, welches er stets den Kollegen entgegenbrachte, werden ihm die Mitglieder der Filiale Berlin ein ehrendes Andenken bewahren. 136/12 Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 164. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genosse, der Hut arbeiter Max Danneberg Waldemarstr. 3, geftorben ist. Ehre seinem Andenken' Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 211/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verb and der Hut- und Filzwarenarbeitern. Arbeiterinnen Deutschl. Ortsverwaltung Berlin. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Max Danneberg ( Betrieb J. Bambus n. Co.) im Alter von 52 Jahren ver storben ist. 76/5 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 3, Uhr, von der Halle des Hentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Am 25. Februar verschied nach furzem, fchwerem Leiden mein lieber, guter Mann Max Danneberg im 52. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an Bide. Anna Danneberg. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nach mittags 3, Uhr, von der Hale des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 107 Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 745. Am Freitag, den 27. Februar, verstarb unser Genosse, der Sattlermeister Adolf Milleville ( Schönwalder Str. 16). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 2. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Philippus Apostel- Kirch hofes, Müllerstr. 44/45, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/12 Der Vorstand. Am 26. Februar 1914 berftarb nach längerem schweren Leiden im Strantenhaus Friedrichshain ber Lagerhalter 129 Theodor Grützmacher Berlin, Pappalallee 83. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 2. März, nachmittags 3, Uhr, in Nordend auf dem Gethsemane Stirchhof statt. Im Auftrage: E. Durau, Brenzlauer Allee 175. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbaner. Filiale Neukölln II. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Sebastian Wiedauer am 22. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 257/9 Die Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. ( Versicherungsv. auf Gegenseitigt.) Berlin III. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Wilhelm Höhne am 26. Februar im Alter von 59 Jahren an Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nachmittags 31, Uhr, von der Leichenhalle des St. Golgatha Stirchhofs, Barfuß straße, aus statt. 257/8 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Am 27. Februar, morgens 2 Uhr, verschied nach schwerem Leiden meine liebe Frau, meine herzensgute Mutter und Tochter Minna Dummer im 85. Lebensjahre. 107a Dies zeigen tiefbetrübt an Richard Dummer nebst Sohn und Schwiegermutter Glogauer Str. 25. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März nachmittags 21%, Uhr, von der Leichenballe des Zentralfriedhofes in Friebrichsfelde aus statt. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Dummer, Minna geb. Kelm Glogauerstr. 25, Bezirk 4 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nach mittags 2, Uhr, von der Halle des städtischen Friedhojes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/8 Die Ortsverwaltung. Verhand der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen geb. Altmann, Martha Schrader Cuvryftr. 25, Bezirk 4 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/7 Die Ortsverwaltung. Verband d. Brauerei- u. Mühlenarbeiter u. verw. Berufsgenossen. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nach richt, daß unser Kollege, der Mitfahrer Otto Zander ( Schultheiß- Brauerei Abt. II) berftorben ift. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuföllner Gemeinde- Friedhofes in Tempelhof, Mariendorfer Weg, aus statt. Stege Beteiligung erwartet 42/10 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Karl Lindner Scharnweberstr. 46 ein Dpfer der Explosion in der Anilinfabrik wurde. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. 14/5 Deutscher Metallarheiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Karl Lindner Lichtenberg, Scharnweberstr. 46 am 26. März an den Folgen eines Unfalles gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiterverh and. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Am Donnerstag, den 26. Februar, find unsere Mitglieder Rudolf Prill Fritz Aust Karl Lindner anläßlich der Katastrophe in der Anilinfabrik Lichtenberg Rummelsburg gestorben. P Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung von Brill und Aust findet am heutigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Friedhofs, Südstraße, aus statt. Sarl Lindner wird am Montag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Zentralfried hofs in Friedrichsfelde aus be erbigt Rege Beteiligung erwarten Die Ortsverwaltu ngen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. V. a. G. Hamburg. Filiale Lichtenberg II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 26. Februar bei der Er plosion in der Anilinfabrit unsere Kollegen den Tod fanden: Karl Lindner Scharnweberstr. 46. am Die Beerdigung findet Montag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rudolf Prill Mozartstr. 2. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. März, nachmittags 31 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde Friedhofs, Lüdstraße, aus statt. Ernst Kühn Stants. 19. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 1. März, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde Friedhofs, Lückstraße, aus statt. d Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 11015 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler August Michling Straßmannstr. 21 im Alter von 41 Jahren ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Auferstehungsfirchhofes in Weißen fee aus statt. 84/3 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die Beweise liebevoller Teilnahme bei der Beerdigung unseres Bruders und Schwagers 132 Paul Graul sagen wir allen Freunden und Befannten, sowie den Genossinnen und Genossen des 4. Streifes unseren herzlichsten Dant. Willi Graul und Frau. Verband d. Gemeinde- u.Staatsarh. Filiale Groß- Berlin. Unsern Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Heinrich Reinke ( Außenbetrieb der Berliner Wasserwerke) im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bestattung findet morgen Montag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, von der Reichenhalle des Kirchhofes der Segensgemeinde in Weißensee, Gustav Adolf Straße, aus statt. 33/12 16 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Verwandten die traurige Nachricht, daß mein inniggeliebter Mann, unser guter Bruder Karl Benk am 27. Februar nach langem schweren Leiden sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinters bliebenen Witwe Margarete Bent, Allerstr. 44. am Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 2, Uhr, bom Neuköllner Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutier fagen wir allen Freunden und Bekannten fowie dem Deutschen Transportarbeiterverband, dem Wahlverein und den Botenfrauen des Vorwärts" unseren innigsten Dant. Hermann Freimuth 107A nebst Kindern. 1. Kassenbestand 2. Warenbestand ineriel Aktiva. . • 3. Utensilienbestand: derselbe betrug am 1. Januar 1913 Zugang abzüglich Abschreibungen 4. Kautionen 5. Bankguthaben Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Rudolf Röstel am Donnerstag, den 26. Febr., im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt am Sonntag, den 1. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Gemeinde- Friedhofes in Marzahn aus statt. Der Vorstand. Verband der Brauerei- u. Mühlenarbeiter u. verw. Berufsgenossen Zahlstelle Berlin Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß der Nollege August Drewello ( Brauerei Engelhardt, Charlottenburg) gestorben ist. am Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. März 1914, nach mittags 2 Uhr auf dem LutsenKirchhof in Westend statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung Kranzspenden Blumenarrangements sowie sämtliche Unserem Parteigenoffen[ 122 Karl Woit nebst Gemahlin die herzlich sten Glückwünsche zur Silberhochzeit. Die Genossen u. Genossinnen des 6. Kreises, 14. Abt. Bez. 693 999666666ee Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unferes guten Vaters fage ich hiermit allen Bekannten und Berwandten, dem Wahlverein des 2. Kreises, dem Transportarbeiterverband und den Mietern des Hauses meinen innigsten Dant. Wwe. A. Wiechmann nebst Kindern. 107 Feuerbestattung mit allem Zubehör n. Gebühren 105 Mark. Institut„, Flamme" Manteuffelstrasse 111. Broschüre gratis. Fernspf.: Moritzpl. 5582. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs. liefert schnell und billig Paul störung. Mäßige Preise. Gross, Lindenstr. 69, Tel. Mpl. 7203 Sprechst. v. 8-8, Sonntags 9-11 Bilanz sam per 31. Dezember 1918 Passiya. . M. 3 257,95 1. Darlehen M. 4910,94 . 99 5 143,10 2. Genossenschaftsanteile. 3. Reserve fonds. 3 600,00 " 200,00 99 4. Dispositionsfonds 800,01 99 • 99 M. 915,84 124,00 M. 1 039,84 M. 9510,95 Gewinn- und Verlustkonto 9 751,59 397.85 642,49 " 91 30,00 200,00 " 99 989,00 M. 10 262,54 6. Genossenschaftsanteil- Debitoren. 1. Utensilienkonto.. 2. Zinsenkonto 3. Generalunkostenkonto Gewinn. M. 10 262,54 Gewinn- und Verlust- Konto. M. 397,35 1. Warenkonto: Bruttogewinn.. M. 11 507,08 Ueberweisung an den 2 Revervefonds. Dispositionsfonds • • Dividende · M. 300,00 4 • 199,99 " 251,60 " 318,29 2. Skontokonto 99 10 192,40 171 751,59 M. 11 659,63 Das Geschäftsguthaben betrug am 1. Januar 1913 Dasselbe erhöhte sich bis 81. Dezember 1913 um und beträgt nun insgesamt • Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1913 Ausgetreten mithin beträgt die Mitgliederzahl Die Haftsumme betrug am 1. Januar 1913. abzüglich Abgang. • • Produktiv- und Verkaufs- Genossenschaft Berliner Bandagisten " 152,55 M. 11 659,6is M. 2 543,00 173,00 99 M. 2 716,00 20 2 18 M. 4 000,00 400,00 " M. 3 600,00 Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Für den Vorstand: Bruno Fleischer. J. Meistner. Berlin SO 16, Köpenicker Str. 98b. 3 Genossenschaft Berl. Banadagisten. SO 16, Köpenicker Str. 98b ( zwischen Neander- und Neue Jakobstraße) Gegr. am 1. Juli 1907 von organisierten Bandagisten- Gehilfen. 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Gilt es doch in den Reihen dieser Gesellen Sonntag, 1. März 1914. Die Organisationsleitung wird zieds Kontrolle ihrer Mitgeben, die in das Mitgliedsbuch einzufleben ist. Der Kampf um die Bäcker- bis weit in die Reihen der Unorganifierten hinein als die ſchmäß- glieder allen zur Wahl erſchienenen Mitgliedern eine Kontrollmarke Innungskasse. lichste Beleidigung, als Mitglied der Gelben oder Anhänger derselben zu gelten, und erst der letzte Verrat dieser Gelben durch ihre Petition gegen den wöchentlichen Ruhetag hat tiefe Erbitterung in den weitesten Gesellentreisen hervorgerufen. Wenn die Mitglieder des Bäckerverbandes sowohl als auch die Genossinnen, soweit sie Mitglieder der Bäder- Innungskasse sind, Am Donnerstag, den 5. März, nachmittags avischen 3 und ihre Schuldigkeit tun, dürfte der gelbe Sturm auf den Ausschuß 6 Uhr, finden im Konkordia- Innungshaus, Andreasstr. 64, die Aber bei den sonstigen Mitgliedern der Innungskrankenkasse, der Krankenkasse leicht abzuschlagen sein. Wahlen des Ausschusses der Krankenkasse der Bäder- 3wangsinnung bei den Verkäuferinnen, dem sonstigen Dienstperso Der Zentralverband der Bäder und Konditoren. zu Berlin statt. Bei dieser Wahl stehen sich die Liste 1, des Zentral- nal und nicht zum wenigsten bei den Frühstücsausträgerinnen Franz Schneider. berbandes der Bäder und Konditoren, und Liste 2, Lifte der gelben hoffen sie durch die Hilfe der Bäckermeister auf die lebhafteste Bäcker, gegenüber und dürfte der Wahlkampf ein äußerst erbitterter Unterstüßung! 3u befürchten ist allerdings, daß diese Kreise aus Wafferstands- Nachrichten werden. Unkenntnis die gelbe Lifte wählen und von den Meistern zur Wahl der Zandesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau geschleppt werden. Seit vielen Jahren sind die Gelben von Wahl zu Wahl immer mehr zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken, bis sie mit einem Male bei der Gesellenausschußwahl 1912 wieder ein wenig in die Höhe schnellten. Seit jener Zeit sind sie jedoch krampfhaft bemüht, der Deffentlichkeit eine Bedeutung vorzugauteln, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen und nie besessen haben. In diesem verzweifelten Bestreben werden sie auf das eifrigste von der Bäderinnung unterstüßt, weil fie bisher noch immer der treueste Landsturm der Innung selbst waren. Auch bei der jetzigen Ausschußwahl am 5. März werden sowohl die Gelben selbst als auch ihre Schutzpatrone, die Bäckerinnung und die Bädermeister, im einzelnen alles aufbieten, um für die gelbe Liste aufzubringen, was aufzubringen möglich ist. Aus den Reihen der Bädergesellen selbst dürfte ihnen wohl tein nennenswerter Bustrom kommen! Dafür sind die Gelben Bekanntmachung der Wahlen für die Jnnungsfrankenkasse der vereinigten Lackiererinnnng nach§§ 327 und 341 der Reichsversicherungsordnung. Am 28. Oktober 1913 wurden als Vers treter der Arbeitgeber in den Ausschuß gewählt: Herr E. Nehring, Feilnerstr. 3; Herr W. Hebel, Hannoversche Str. 5; Herr B. Zutewsky, Streuzbergstr. 9; Herr E. Lipfe, Markgrafenstr. 84. Als Vertreter der Arbeitnehmer in den Ausschuß wurden gewählt: Herr H. Albrecht, Neukölln, Pannierstraße 9a: Herr A. Werner, Friedenstraße 55; Herr J. Siedmann, Chodowiecfiftraße 7; Herr W. Radloff, Bernauer Str. 96a; Herr E. Lilienthal, Neukölln, Stuttgarter Str. 57; Herr H. Mühlbacher, Thomafiusstr. 12; Herr W. Leichert, Königsberger Str. 25; Herr P. Scholz, Müllerstr. 65. Am 15. Januar 1914 wurden als Bertreter der Arbeitgeber in den Vorstand gewählt: Herr Dtto Koch, Reinickendorfer Straße 81, als erster Vorsitzender: Herr E. Hildebrandt, Gerichtstr. 81, als Arbeitgeberbeisiger. Als Vertreter der Arbeitnehmer in den Borstand murden gewählt: Herr S. Meyer, Beteranenstr. 7, als ftellvertretender Vorsitzender Herr H. Baffed, Neukölln, Steinmetstr. 107, erster Schriftführer; Herr Franz Sänger, Neutölln, Wildenbruchstr. 16, stellvertretender Schriftführer; Herr Rt. Sorber, Transvaalstr. 17, Arbeits nehmerbeifiter; als Kaffenführer W. Sänger, Besselstr. 20. 269/10 Berlin, den 27. Februar 1914. Im Auftrage des Vorstandes: W. Sänger. Vornehme HerrenKleidung fertig und nach Mass Garant: Tadellos, Sitz, feinste Verarbeitung! Teilzahlung gestattet. J.Kurzberg.co. Mass- Schneiderei Gegründet 1898 Rosenthaler Str. 36 I. Etage Frankfurter Allee 104 Ecke Friedenstrasse Reinickendorfer St.4 Weddingplatz.. MöbelAusstellung Ein- und Zweizimmer- Einrichtungen i. schlichter gediegener Geschmacksrichtung unter Berücksichtigung der Bestrebungen der Kommission für vorbildl. Arbeiterwohnungen in Hoffner's Möbel- Engroshaus Berlin N. 201, Veteranenstr. 11, 12, 13. - Besichtigung frei. Abgabe der kompl. Einrichtungen sowie einzelner Stücke zu ganz mäßigen Preisen. Haarausfall Fernspr.: Bentr. 1896. Deshalb soll an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die Liste des Zentralverbandes der Bäder und Konditoren die Nr. 1 hat und deshalb von allen Freunden der Arbeiterbewegung nur die Liste 1 zu wählen ist. Die Frühstücksausträgerinnen sind sehr oft selbst organisiert, häufiger aber noch sind es Frauen von tüchtigen Parteimitgliedern! Diese werden besonders ersucht, zur Wahl zu kommen und für zu stimmen. Liste 1 Ebenso aber wird es allen Mitgliedern des Zentralverbandes der Bäcker und Konditoren, soweit sie Mitglieder der Innungstasse und wahlberechtigt sind, zur dringenden Pflicht gemacht, unter allen Umständen zur Wahl zu erscheinen und Riste 1 zu wählen. fowle Schuppen und Spalten der Haare wird unbedingt bes seitigt durch tägliches Waschen mit der ehten SteckenpferdTeerschwefel- Seife Don Bergmann& Co., Radebeul. Bestes Mittel zur Stärkung und Kräftigung des Haarwuchses. Stück 50 f. Ueberall zu haben. Egr.- A.: Gardinenhaus. Gardinen. 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