Nr. 62. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband jür Deutschland und Desterreich Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. B Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 fg., für politische und gewertschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. bilans sió mu Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1983. Arbeitswilligenschuh. Mittwoch, den 4. März 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 1984. en einzelnen ausgegeben und viele Unbeteiligte sind ununter- Schichten des Bürgertums, die am Kampfe zwischen Unterrichtet genug, ihn dafür zu halten. In Wirklichkeit aber ist nehmertum und Arbeiterschaft nicht unmittelbar beteiligt sind, er ein Kampf um die Auslieferung einer empfehlen wir, den Vortrag des deutschen Gelehrten zu bewehrlos zu machenden Arbeiterschaft unter achten, der nach seiner Herkunft und nach seinen Ansichten der In entseglicher Weise häufen sich die Fälle, in denen die schrankenlose Herrschaft des Kapitals. bürgerlichen Intelligenz weit näher steht als uns. ErscheinunStreitbrecheragenten, die zu Mördern geworden, von den Wir leben im Zeitalter der Organisation. Und keine Orgen wie das Urteil über den Mörder Keiling oder Brandenbürgerlichen Gerichten freigesprochen werden, und das Bürger- ganisation kann Zwangsmittel entbehren. Weber erinnert burg, wie die Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung zu tum nimmt dieses Zeugnis, daß der Rechtssinn der bürger- an das vortreffliche Buch über den„ Organisationszwang", in allen Klaffenurteilen gegen streikende Arbeiter oder zum Mißlichen Welt so völlig abhanden gekommen ist, gleichgültig hin. dem Herr Kestner, heute ein höherer Beamter im Reichs- brauch des Erpressungsparagraphen gegen Vertrauensmänner Ja noch mehr! Es macht sich durch das Geschrei nach immer amt des Innern, den Nachweis geführt hat, welcher Zwangs der Gewerkschaften, solche Erscheinungen sind nur möglich, weil mehr Arbeitswilligenschuh mit verantwortlich für die mittel fich die Kartelle und Unternehmerverbände im Kampfe die öffentliche Meinung unter der Suggestion der UnterEaten der Mörder und Rowdies wie für die milden Richter gegen die nichtorganisierten Unternehmer bedienen. Da gibt nehmerverbände steht; weil sie sich die albernsten Märchen über sprüche, die zu immer neuen Untaten aufreizen müssen. es die Materialsperre, die diese Außenstehenden von der Roh- den Terrorismus" der Arbeiter aufbinden läßt; weil sie sich Daß die Unternehmer sich mit ihren Mietlingen, den stofffeite her aushungert, da steht die Kreditentziehung zur aufschwagen läßt, daß für den Schuß der Freiheit des einReilings und Brandenburgs, solidarisch fühlen, das ist ja Verfügung, bei der man ihnen mit Hilfe der verbündeten zelnen notwendig sei, was in Wahrheit der Knechtung schließlich nicht so wunderbar. Wie kommt es aber, daß auch Banken das goldene Blut des Kapitals aus den Adern faugt, aller dienen soll. Wir aber wissen: nicht durch den Schutz jene bürgerlichen Schichten, die an der Niederknüppelung der da ist die Absabsperre, die ihnen die Lufträume ihres Atmens des einzelnen gegen die Organisation, sondern nur durch die Arbeiterbewegung nicht so unmittelbar interessiert sind, gleich in der Verwertungssphäre nimmt. Und hat man so den Organisation gegen die erstarkenden Herrfalls in den arbeitswilligen Verrätern Märtyrer und Helden Außenstehenden in die Organisation gezogen, so stehen schaftsgelüfte des Kapitals gewinnt die Arbeitersehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Vortrag, den der Konventionalstrafen, Wechselhinterlegungen und ähnliche klasse die Freiheit. Und deshalb: Hinein in die OrHeidelberger Universitätsprofessor Alfred Weber kürzlich ge- Dinge zur Verfügung, durch die Abtrünnigkeit empfindlich ganisation! halten hat und der jetzt als Broschüre unter dem Titel gestraft werden kann." Viel schlimmer sind die Arbeiter Arbeitswilligenschuh" bei Reinhardt in München gestellt. Ihnen fehlen wirtschaftliche Machtmittel gegen die erschienen ist. Unorganisierten. Ihre einzige gefeßliche Waffe ist der Appell an das Solidaritätsgefühl. Ist es also schon in den wirtschaftlichen Verhältnissen begründet, daß den Organisationstendenzen der Arbeiter weit stärkere Hindernisse entgegentreten, als denen der Unternehmer, so wird diese Ungleichheit durch die Gesetzgebung und die Rechtsprechung noch vergrößert Der Organisationszwang der Unternehmer wird als rechtsberbindlich anerkannt. Den Koalitionen der Arbeiter verweigert das Gesetz jede Rechtskraft. Die Gerichte behandeln den Arbeitswilligen" milder als den Streifenden. Der Terror der Unternehmer bleibt straflos; der Terror der Arbeiter wird als Erpressung bestraft. " Weber meint freilich viel zu optimistisch das deutsche Bürgertum erkenne das Recht der Arbeiter auf Organisation an. Aber ebenso heilig dünkt ihnen die persönliche Freiheit des einzelnen, jeiner Ueberzeugung gemäß zu handeln: also, wenn es ihm beliebt, jeder Organisation fernzubleiben, sich den Beschlüssen der Organisation nicht zu unterwerfen, an ihren Aktionen, zum Beispiel an einem Ausstand, nicht teilzunehmen. Diese Freiheit hält das Bürgertum für bedroht. In Bluttaten, wie denen Brandenburgs oder Keilings, glaubt es ,,, den Notschrei Terrorisierter, von ihren Mitarbeitern Vergewaltigter" zu vernehmen. Der„ Schutz der Arbeitswilligen", Das ist den bürgerlichen Ideologen der Schutz der persönlichen Freiheit für Leute, die zum Streit gezwungen werden, während sie verdienen wollen, die in die Organisation hinein gepreßt werden, während sie selbständig bleiben wollen". Die Forderung der Unternehmer scheine auch den Unbeteiligten begründet, weil sie an das Freiheitsempfinden der Allgemeinheit" appelliert. Aber wenn die bürgerlichen Ideologen den Kampf um den Schutz der Arbeitswilligen" für einen Kampf um die Freiheit des einzelnen halten, unterliegen sie auch nach Webers Ansicht einer groben Täuschung. Wenn die unbeteiligte Deffentlichkeit diese Tatsachen erfennt, wird fie, so hofft Weber, nicht mehr den Unternehmerberbänden in die Falle gehen, sich den Kampf um schrankenlose Herrschaft des Kapitals nicht mehr als einen Kampf um die persönliche Freiheit aufschwagen lassen. Die öffentliche Meinung muß endlich erkennen, welche Rolle die Unorganisierten im Klassenkampf spielen. Es gilt, der öffentlichen Meinung klarzumachen," sagt der Heidelberger Gelehrte,„ daß der alte Standpunkt, als ob der nichtorganisierte Arbeiter ein gleichwertiges und gleich anzuDie Wirklichkeit, in der die Forderung nach dem Schuße erkennendes Element neben den Organider Arbeitswilligen" steht, ist, so sagt Weber,„ nicht der sierten sei, berkehrt ist. Schon immer ist in WahrKampf zwischen organisierten und nichtorganisierten Ar- heit dieser Mensch nicht das wertvolle Subjekt beitern, sondern der Kampf zwischen Kapital und der Phantasie gewesen. Schon immer ist er derjenige gewesen, Arbeit". In diesem Kampfe haben sich im letzten Jahr- der keine Aufopferungsfähigkeit gehabt hat, zehnt die Machtverhältnisse zum Nachteil der Arbeit ver- der von der Aufopferung, von dem Kampf der anderen proschoben. Stand in den Neunziger Jahren der organisierten fitiert hat, ohne auch nur die regelmäßigen Lasten und BeiArbeiterschaft noch ein unorganisiertes Unternehmertum gegen- träge zu übernehmen, die die anderen leisten; der indolente, über, so ist heute die Organisation des Unternehmertums der indifferente Egoist, der kein Korporationsbewußtsein und Arbeiterorganisation überlegen. Das Unternehmertum sucht keinen Mut befitt. Heute aber ist er noch etwas Schlimjezt die Organisation der Arbeiter zu schwächen, womöglich zu meres. Heute ist er derjenige, der durch einen sorgfältig zertrümmern. Zu diesem Zwecke sucht es durch die ich war ausgebildeten Apparat des Unternehmertums gekauft zen Listen die ihm unbequemen Arbeiter von den Be- wird, der durch diesen Apparat hierhin und dorthin dirigiert trieben fernzuhalten; durch die Monopolisierung des Arbeits- wird, der sich dazu benüßen läßt, die Selbstbehauptungsinternachweises in den Händen der Unternehmerverbände gefügiges effen feiner Klasse systematisch zu zerstören. Heute muß die Arbeitermaterial den Unternehmern bereitzuhalten; schließlich Deffentlichkeit endlich zu einem neuen Standpunkt kommen, dieses Material der Arbeitswilligen" in Scheinorganisationen der es als eine Selbstverständlichkeit ansieht, daß zusammenzufassen, die vom Unternehmer fubventiert und be- sich die Arbeiskraft jeder Arbeitssphäre irgendeiner Orzahlt werden und die also eine wirkliche Herrschafts- ganisation anschließt. Ist das nicht geschehen, so dependance des Kapitals innerhalb der Sphäre ist der Mensch heute in die großen Organisationsgebilde, von der Arbeiter repräsentieren". Diese Scheinorganisationen denen unser Leben aufgebaut ist, nicht eingegliedert. Er ist find die gelben Gewerkschaften. Und Sie wissen," dann einfach nicht in der notwendigen Weise in unser heutiges fügt Weber hinzu, wie zur Verhüllung des eigentlichen Vor- Dasein eingestellt." ganges eine eigene patriotische Ideologie geschaffen worden ist als prunkvoller Mantel um die mageren Knochen dieses fapitalistischen Kaufgeschäftes." " Raub der Selbstverwaltung in den Krankenkassen. „ Kommunalisierung der Krankenkassen" war schon seit Jahren ein Programmpunkt der preußischen Regierung. Diesem Ziele ist fie durch die ihr in der Reichsversicherungsordnung gebotenen Handhaben mit zäher Energie nachgegangen. Und die Regierung wird es erreichen, wenn die Arbeiter ihr nicht mit aller Straft entgegentreten. Den letzten entscheidenden Schritt hat die preußische Regierung jekt mit einem foeben veröffentlichten, vom 18. Februar datierten Erlaß an die Oberversicherungsämter unternommen. Wir zitieren nur folgende Stellen aus dem Erlaß: Auf Grund des§ 359 Abs. 4,§ 413 Abs. 2 R.V.O. übertragen wir den auf Lebenszeit oder mit Anrecht auf Ruhegehalt angestellten Beamten der Oris-, Land- und Innungsfrankenkassen sowie der Kassenverbände die Rechte und Pflichten gemeindlicher Beamten." ,, 2. Neben dem Vorstande der Kasse oder des Kassenverbandes ist dem Landrat.. bei Kassen, die der Aufsicht eines gemeindlichen Versicherungsamtes unterstehen, dem Bürgermeister... ein Dienstaufsichtsrecht über die Beamten einzuräumen." " Die Kassenbeamten sind auf die allgemeinen Dienstpflichten der Be a mt en hinzuweisen; es ist zu be stimmen, daß sie den Staatsdienereid binnen 4 Wochen nach dem Tage, an dem die Rechte und Pflichten gemeindlicher Beamten auf sie übergegangen sind, vor der unter 2 be zeichneten Behörde abzulegen haben." „ Es ist durch Aufnahme ausreichender Bestimmungen in das Regulativ Vorsorge zu treffen, daß die Vorbildung der Kassenbeamten nicht hinter der Vorbildung derjenigen gemeindlichen Beamten zurück steht, denen sie in Rechten und Pflichten gleichgestellt werden." " Die Oberversicherungsämter haben von der ihnen im§ 359 Abs. 2 N.V.O. verliehenen Befugnis, die Anstellung der geschäftsTeitenden Beamten auf Lebenszeit oder mit Anrecht auf Ruhegehalt anzuordnen, grundsäßlich bei allen Orts-, Land- und Innungskrankenkassen sowie Kassenberbänden Gebrauch zu machen, die mit Einschluß der freiwilligen Mitglieder mehr als zehntausend Versicherte umfassen.... Die Anordnungsbefugnis bezieht sich nur auf die Geschäftsleiter der Krankenkassen. Angestellte, die in der Kassenverwaltung eine leitende Stelle einnehmen( Bureau-, Registratur- und Stanzleivorsteher, Kassenführer, Leiter selbständiger Melde- und Zahlstellen u. a. m.), sind in der Regel als Geschäftsleiter im Sinne des§ 359 R.B.D. an= zusehen." " Zur Anstellung eines Kassenbeamten auf Lebenszeit oder mit Anrecht auf Ruhegehalt ist nach $ 359 Abs. 1 R.V.O. die Genehmigung des Oberver= ficherungsamtes in jedem einzelnen Falle cr= forderlich." Aus dieser Erkenntnis nun zieht Weber folgende Schlüsse: Den sachlichen Druck, der darauf abzielt, die Nichtorganifierten zu veranlassen, in die Organisation einzutreten; einen Aber diese Mittel kapitalistischer Selbsthilfe genügen dem fachlichen Zwang, der zum Beispiel darin besteht, daß man organisierten Unternehmertum nicht. Es verlangt die Hilfe ihnen und den Unternehmern erklärt, man wolle nur mit Cr- Damit sind die Kassenvorstände beiseite geschoben. Die Beder Gesetzgebung. 3war wagen die Unternehmerver- ganisierten zusammenarbeiten", einen solchen Druck müsse die hörden üben das Disziplinarrecht aus und ge= bände nicht, die förmliche Aufhebung des Koalitionsrechtes Gesetzgebung und die Rechtsprechung als berechtigt annehmigen, wer angestellt werden soll oder nicht. Damit auch der Arbeiter zu verlangen. Aber sie wollen die tatsächliche erkennen, da sie ja auch den Organisationszwang der Unter- diejenigen, die im Sinne des Gesetzes nicht Beamte", sondern Ausübung des Koalitionsrechtes unmöglich machen. Zu diesem nehmerverbände nicht verhindern will und nicht verhindern" Angestellte" der Kasse sind, nicht gegen den Willen der Behörden Zwecke verlangen sie, daß die Aufstellung von Streif- fann. Wenn die Arbeiter dagegen einen Arbeitsgenossen durch angestellt werden, war schon vorher in einer Musterdienstordnung post en verboten werde, damit die Gewerkschaften nicht fon- Beleidigung in Wort oder Tat zum Beitritt zur Organisation von der Regierung bestimmt worden: trollieren können, ob die Genossen an dem Solidaritätsbeschluß oder zur Befolgung ihrer Beschlüsse zwingen wollen, dann festhalten, und damit sie nicht an das Solidaritätsgefühl der fallen ihre Handlungen allerdings unter die allgemeinen BeUnorganisierten appellieren können. Zu demselben Zwecke Stimmungen des Strafgesezes. Aber auch dann dürfe der Orverlangen sie, daß alle Vertrauensmänner der Gewerkschaften ganisationswillige nicht strenger bestraft werden als der Orstets von dem Fallbeil verschärfter Strafbestimmungen, vor ganisationsbrecher, der Terror der Arbeiter nicht strenger als allem des Erpressungsparagraphen, bedroht werden, damit die der Terror der Unternehmer. Und so schließt denn Weber tatsächliche Ausübung des Koalitionsrechtes möglichst erschwert seinen Vortrag: nicht Arbeitswilligenschutz" brauchen wir; werde. So soll die Arbeiterschaft wehrlos dem erstarkten Gesetzgebung und Rechtsprechung haben eine andere Aufgabe, Unternehmertum ausgeliefert werden. So wollen die Unter- die allerelementarste, die für einen Staat besteht: gleiche genehmerberbände, wie Weber sagt, einen wirtschaft- ießliche Lage und Gerechtigkeit zu schaffen nicht mehr, aber lichen Rulistaat aufrichten, in dem der auch nicht weniger". Personen, welche sich um die Anstellung im Kassendienst bewerben, haben den Nachweis der fachlichen Befähigung zu er= bringen. Zum Nachweis ihrer fachlichen Befähinyng haben sich die anzustellenden Personen einer Prüfung durch den Prüfungsausschuß zu unterwerfen... Der Prüfungsausschuß besteht aus drei Mitgliedern einschließlich des Vorsisenden. Den Vorsitzenden bestellt das Versicherungsamt nach Anhörung des Kassenvorstandes.... Der Prüfungsausschuß entscheidet nach Stimmenmehrheit. Der Vorsitzende ist berechtigt, Beschlüsse des Prüfungsausschusses mit aufschiebender Wirkung zu beanstanden. Ueber die Beanstandung entscheidet der Vorsitzende des Versicherungsamtes endgültig." 3 wang gilt und nicht die Freiheit; einen Wir haben den Vortrag des Heidelberger Gelehrten nicht Dadurch ist dafür gesorgt, daß ohne den Willen des Wirtschaftsstaat autoritärer Art, der, wenn er erst einmal zur Belehrung der Unternehmer so ausführlich wiedergegeben. Versicherungsamtes( Landrat oder Bürgerficher konstituiert ist, auch unsere allgemeinen politischen und Daß die Kapitalisten ihr Klasseninteresse verfechten, daß ihnen meister) niemand in die Kassenverwaltung hingeistigen Verhältnisse mit seinen Zwangstendenzen durchsetzen darum jedes Mittel zur Schwächung der proletarischen Or- einkommt. Dem Vorstande ist auch hier die Verwaltung aus müßte". Der Kampf gegen den Terrorismus" der Arbeiter, ganisation recht ist, finden wir begreiflich; wir wünschten nur, der Hand genommen. der Kampf um den Schutz der Arbeitswilligen" wird von den daß alle Arbeiter ihren Klassenkampf so tatkräftig und so Es ist ja flar: wer die Beamten hat, hat die Verwaltung der Unternehmerverbänden für einen Kampf um die Freiheit des einig zu führen verstünden wie die Unternehmer! Aber den Kasse in Händen. Vorstand und Ausschuß der Kasse haben nur bic Gelder zu tcJriHigen, die die Beamten nach den Anordnungen der Behörden verwalten. Mit einigen Federstrichen hat also die Re- gierung auf dem Verwaltungswege der Selbst- Verwaltung den letzten Rest gegeben. Keine freie Initiative, leine Selbstbestimmung der Versicherten mehr, nur der Wille der preußischen Regierung und ihrer Beamten ist maßgebend. Ein wichtiges Recht, das die Arbeiter ein Vierteljahrhundert lang besahen, wird ihnen so stillschweigend genommen, als wenn es ein wertloser Lappen wäre. Als wir seinerzeit darlegten, durch die Reichsversicherungs ordnung ist den Arbeitern das Recht der Selbstverwaltung ge nommen, gab es Leute, die da annahmen, wir sähen zu schwarz, übertrieben usw. Der Erlaß hat uns vollauf Recht gegeben. Der Kampf um Sie englische Freiheit. London. 28. Februar.(Eig. Ber.) Jeder, der das englische Volk kennt und die mächtige Arbeiterversammlung besuchte, mit der. gestern abend im Lon doner Operichause der Feldzug gegen das Attentat der süd afrikanischen Regierung gegen die elementarsten Freiheiten des Volkes eingeleitet wurde, mußte zur Erkenntnis kommen, daß wir am Vorabend großer Ereignisse stehen. Es lag etwas Wildes, Herausforderndes in den: vieltausendstimmigen Schrei„Aye!"(Ja!), der die einstimmige Annahme der Re solution kennzeichnete. Ein solches„Aye" haben wir noch nie in den Hunderten englischer Massenversammlungen, die wir besucht haben, gehört. Es war ein Schrei, der von der Einig feit der sonst so zersplitterten und zerklüfteten britischen An beiterbewegung zeugte und die Herrscfenden warnte, daß die Arbeiterklasse wenigstens die südafrikanische Schmach nicht ruhig hinnehmen wird. Auf zur Verteidigung der Magna Charta, des großen Freibriefs, des Fundaments der englischen Freiheit! Das war der Grundton der begeisterten Stirn- mung, der in der rein Poletarischen Versammlung herrschte. Jedem Engländer ist in der Schule eingepaukt worden, wie der König Jahn auf Runymede am 15. Juni 1215 der großen Freibrief unterzeichnen mußte. Und jeder Schuljunge kennt die Stelle aus der Magna Charta auswendig, wo es heißt: „Kein Freier darf genommen oder gefangengesetzt oder enteignet oder verbannt oder in irgendeiner Weise zerstört wer- den. auch werden Wir nicht gegen ihn vorgehen oder nach ihm ausschicken außer nach dem gesetzlichen Rechtsspruch seiner Gleickjen oder nach dem Gesetz des Landes." Und nun ist das Unfaßbare, das Unglaubliche geschehen. In Südafrika, einem Teile des Ruches, dessen Boden mit dem Blute von dreißigtausend britischen Soldaten gedüngt ist, die dort, wie es zur Zeit des Burenkrieges hieß, die Buren- Oligarchie stürzen und den dort beschäftigten britischen Arbeitern die Freiheit bringen sollten, hat die Regierung neun Arbeiterführer bei Nacht und Nebel gepackt und sie ohne Verhör und Anklage aus dem Lande verbannt. Ohne Verhör hat man unsere neun Freunde eingesperrt, deportiert und verurteilt: das lassen wir uns von keiner Negierung gefallen, rief der Vorsitzende Genosse Henderson aus. der mehr als irgend ein anderer den ruhigen, schwer zu bewegenden briti- scheu Gewerkschafter repräsentiert. Wir sind hier, um einen Kampf einzuleiten zur Wahrung der Rechte und Freiheiten, die mit dem Blute unserer Vorfahren besiegelt sind. Der Vor- sitzende verlas ein Begrüßungsschreiben der belgischen Ge- werkschaften und einen Brief des erkrankten Sekretärs des Ge- werkschaftsbundes Appleton. in dem dieser im Namen seiner Organisation und der 9 Millionen dem internationalen -Sekretariat angeschlossenen organisierten Arbeitern gegen die an den südafrikanischen Genossen verübte Vergewaltigung protestierte.„Keine Stimme einem Negierung s- kandidate n," heißt es in dem Schreiben,„bis sich die Regierung ihrer Verantwortlichkeit bewußt wird und auf Ge- rechtigkeit besteht; keine Ehre den Gerichtshöfen, bis diese ihrer Ehre Achtung verschafft haben, indem sie gegen die Un- gesetzlichkeiten Bothas und Smuts protestieren: keine Unter- brechung in den Bemühungen, bis das Parlament daS über- lieferte Recht jedes britischen Untertans auf ein öffentliches und ehrliches Verhör feierlich proklamiert und gesichert hat." Der ehrenvollste Posten, den die englische Arbeiterschaft zu vergeben hat, ist das Präsidium des Gewerkschaftskongresses. Der jetzige Inhaber. Genosse S e d d o n, war erkoren, die Resolution zu begründen, deren Wortlaut wir bereits tele- graphisch gemeldet haben. Die Redner, die sich zu der Resolution äußerten, vertraten alle Teile des englischen Sozialismus und alle gewerkschaft- lichen Organisationen. Der Empfang der Südafrikaner, der darauf folgte, war ein Schauspiel, das niemand leicht vergessen wird. Die De- portierten hatten drei ihrer Freunde zu Rednern bestimmt, nämlich die Genossen P o u t s m a(Sekretär der Eisenbahner), „Papa" B a i n(Sekretär des Gewerkschastsbundes) und Water st on(Sekretär der Arbeiterpartei). Sie wurden mit einem unbeschreiblichen Jubel empfangen. Wir wollen hier die Rede Poutsmas in kurzen Um- rissen wiedergeben: Ich bin ein naturalisierter britischer Untertan. Vor 26 Jahren wurde ich Sozialdemokrat und bin seitdem nie etwas anderes gewesen. Vor 13 Jahren ging ich als Kriegskorrcspondent nach Südafrika. Dann pflegte ich in Pretoria die verwundeten Soldaten der Buren und Briten. Nachdem ich mit dem früheren Präsidenten Stehn Europa besucht hatte, kehrte ich nach Süd- afrika zurück und errichtete dort ein Waiscnheim, eine Gewerbe- schule und eine Musterfarm. Zwei Jahre lang wachte ich über 80 der ärmsten Kinder. Als mein Geld alle war. verkaufte ich mein Institut an die Regierung und verdiente dann mein Leben als Redakteur einer Zeitung, die ich verließ, als sie ihre Richtung änderte. Darauf gab mir der südafrikanische Unterrichts- minister eine Anstellung als Sprachlehrer und als später die Eisenbahner einen Beamten suchten, bewarb ich mich um den Posten, den ich aus Dankbarkeit für die Denste, die ich den Arbeitern bei den Wahlen in Bloemfontein geleistet, erhielt. Als Sekretär der Eisenbahner gelang es mir, die Mitgliedschaft der Organisation in neun Monaten von 3000 auf 16 000 zu bringen. Ich gründete auch ein Fachblatt der Eisenbahner, das bald florierte. Anfangs lobte mich die Regierung. Es hieß, es sei doch gut, daß sich die Eisenbahner einen so vernünftigen und gebildeten Sekretär zugelegt hätten. Die Lobsprüche wurden immer karger, und das überzeugte mich, daß ich auf dem rechten Wege war. Die Reibung mit der Betriebsführung der Eisen- bahnen erreichte im Juni 1013 ihren Höhevunkt. Als in dem Streik der Bergarbeiter 400 Personen niedergeschossen worden waren und nicht nur die Arbeiter, sondern das ganze Publikum aufgeregt war, riet ich den Eisenbahnern in einer Versammlung in Pretoria, als feierlichen Protest gegen die unverantwortliche Erschießung friedlicher Bürger einen Tag von der Arbeit fern» zubleiben. Am Begräbnistage der Lpfcr wurde nicht eine Lokomotive angerührt. Händeringend kamen die Be- Hörden zu mir. um mich zu bitten, doch wenigstens die Hauptzüge fahren zu lassen. Ich sagte zuerst, wie man uns so oft ge sagt hatte: Die Sache wird in Erwägung gezogen werden Schließlich willigte ich ein, daß der europäische Postzug abfahre, damit die Bürger ihren Verwandten in Europa von den schreck- lichen Ereignissen berichten könnten. Aber damit der Zug sicher durch das Streikgebiet komme, bestimmte ich, daß von der Lokomotive die rote Fahne wehen müsse. So fuhr denn der Zug ab. Und das war mein erstes Verbrechen. Deshalb Hatzte mich die südafrikanische Regierung. Ich bin st alz darauf. Nach dem Streik setzte die Regierung die Betriebs- einschränkung trotz der Einsetzung einer Kommission, die sich mit den Beschwerden der Eisenbahner befassen sollte, fort. Unter den Eisenbahnern herrschte die größte Bestürzung. Zu Weih- nachten nahm man links und rechts Arbeiter- entlassungen vor. Leute, die jahrelang auf den Eisen- bahnen tätig waren, Familienväter mit 6 und 7 Kindern wurden erbarmungslos nach 24 stundiger Kündigung auf den über- füllten Arbeitsmarkt geworfen. Unser Exekutivausschutz beschloß, alle legalen Mittel anzuwenden, um diese unerträglichen Zu- stände abzuschaffen. Wir wandten uns in der Abwesenheit der Minister an den Gencralgouverneur G l a d st o n e, der uns an den Minister Smuts verwies, von dem wir keinerlei Genug- tuung erhalten konnten. Schließlich wurden wir von dem Eisenbahnminister als Privatpersonen empfangen und in einer beleidigenden Weife behandelt. Unsere Leute fielen buch- stäblich auf die Knie vor ihm und baten ihn, die Entlassungen einzustellen: alle Eisenbahner würden gern eine Stunde Arbeits- zeit täglich opfern, ivenn sie ihre Kameraden nur davor schützen könnten, daß sie brotlos gemacht würden. Alles war umsonst. Beim Hinausgehen ließ einer der unsrigen die Bemerkung fallen: „Das bedeutet ein Unglück," worauf der Minister lachend er- widerte:„Meinen Sie einen Streik? O, wir sind auf einen Streik vorbereitet." Am 8. Januar dieses Jahres brach der Streik aus; am 0. wurde ich ergriffen und inS Ge- fängnis geworfen. Meine Frau und meine Kinder wußten nicht, was auS mir geworden war. Im Gefängnis mußten wir auf dem nackten Boden schlafen und man gab uns morgens eine ekelerregende Suppe zu essen. In einer Nacht wurden wir im Gefängnis ergriffen und mit Bajonetten ge- pflichten öer Roten Woche: Die Rote Woche ist gewidmet der intenflvsten Agitation unter den uns fernstehenden organtfationsfähigen ftrdeitermasten. die Rote Woche macht es jedem Genosten zur Pflicht, wenigstens einen Indifferenten für Sie Organisation zu gewinnen. die Rote Woche muß benutzt werden zu unermüdlicher Werbearbeit, die Leserzahl des„Vorwärts" gewaltig zu steigern. Werbt neue Klaffenkämpfer! [ zwungen, den Eisenbahnzug und das Schiff zu besteigen. Für den höchst prächtigen Empfang in London und für alles. waS man für uns getan hat, danken wir den Bürgern Londons. W i r müssen nach Südafrika zurückkehren. Was mich anlangt, so werde ich zurückkehren und wenn der Himmel einstürzt. Wie der Genosse Poutsma, so verteidigte sich auch der greise Genosse B a i n gegen die gegen ihn geschleuderten schmutzigen Angriffe, die der Minister Smuts für Argumente hält. Genosse Bain verneinte auch, daß er ein Syndikalist sei: in ganz Südafrika gebe es keine 59 Syndikalisten. Die An- gäbe Smuts, daß es sich in Südafrika, um eine syndikalistische Verschwörung gehandelt habe, entbehre auch den Schein der Berechtigung. Eine Stelle aus seiner Rede lautete: Ich bin kein Syndikalist. Der Sozialismus genügt mir vollauf. Ich bin der Ansicht, daß die EntWickelung der modernen Gesellschaft nach dieser Richtung geht, und wenn B o t h a sagt, es könne nicht gestattet werden, daß der Sozialismus in Südafrika Wurzel fasse und daß er ausgerottet werden müsse, so macht er damit die törichtste Bemerkung, die ein Minister machen kann. Wenn Sie erfahren, daß er eine solche Aeußerung getan hat, so werden Sie besser verstehen, als ich es Ihnen mit anderen Worten erläutern kann, mit welcher Art Politiker wir eS in Süd- afrika zu tun haben. Der Sozialismus kann nicht durch eine Burenautokratie hinweggefegt werden. Er wird leben, wenn die Namen und Taten der Botha und Smuts tot und vergessen sind. Als letzter Redner kam der Genosse Macdonald zu Wort, der leider gegen die lauten Unterbrechungen der Suffragetten und ihrer Helfershelfer anzukämpfen hatte. Er erklärte im Namen der Arbeiterpartei: Heute abend ist die Bewegung absolut und unerschütterlich einig. Was uns anlangt, so wird uns keine Meinungsdifferenz davon abhalten, die neun Männer, die ohne Verhör, nur auf den Beschluß einer Exekutive, verurteilt und deportiert worden sind, willkommen zu heißen. Wenn wir erlauben, daß diese Dipge stattfinden, dann ist es mit den Freiheiten dieses Landes absolut und vollständig dahin und sie werden nie wieder gewonnen werden. Soweit die Arbeiterpartei in Frage kommt, so wird sie für die Freiheit im Reiche eintreten, ob nun diese Freiheit von einer selbstregierenden Kolonie oder von einer Regierung zu Hause bedroht wird Es ist sonderbar, wie gelassen das englische Bürgertum den südafrikanischen Gewaltstreich hinnimmt. Hier wie anderswo ist zurzeit die Arbeiterklasse die einzige Verfechterin der bürgerlichen Freiheiten. Bothas Antwort. London, 3. März.(Privattelegramm des„Vor- wärtS'.) Die Ausschüsse der Arbeiterzentralen andten vor einigen Tagen folgendes Telegramm an den Minister- Präsidenten Botha:„Die drei nationalen Ausschüsse der GeWerk» chaften und der Arbeiterpartei beschlossen heute einstimmig in einer Sitzung, die Unionsregierung an die Haltung der organisierten Arbeiterschaft zu mahnen, als Südafrika vom Kriege heimgesucht war und sie zu ersuchen, den Absatz 4 der Jndemnitätsbill zurückzuziehen, da er alle Traditionen der britischen Freiheit und Ge- rechtigkeit verletzt und das gute Einvernehmen im Reiche dauernd schädigt." Von Botha ist darauf folgendes Antwortielegramm an den Genossen Macdonald eingelaufen:„Das Telegramm, das Sie im Namen der Gewerkschaften und der Arbeiterpartei abgesandt haben, hat aus die Regierung großen Eindruck gemacht. Die Regierung ist jedoch überzeugt, daß die Zurückziehung des Absatzes 4 der Jndemnitätsbill nicht im öffentlichen Interesse der organisierten Arbeiterschaft in Südafrika sein wird." Hieraus ist am besten zu ersehen, daß Botha nicht mit Un- recht den Ruf genießt, ein einfältiger Bauer zu sein. Ende der Woche werden die Frauen einiger der deportierten Arbeiterführer in Southampton ankommen. Die organisierten Frauen Englands haben beschlossen, ihnen einen demonstrative» Empfang zu bereiten. Die Krönung der Gewalttat. Kapstadt, 3. März. Der Abschnitt der Indemnität s- bill, der die Deportation und Verbannung der neun Arbeiterführer bestätigt, wurde vom Par- lament mit 72 gegen 15 Stimmen angenommen. politische Ueberflcht. Einzelwünsche und Einzelfragen. Aus dem Reichstag, 3. März. Die Sache selbst bringt es bei der Beratung des Postetats mit sich, daß sehr auf Einzelwünsche und Einzelftagen eingegangen werden muß, und so verliert sich die Debatte leicht ins Breite und ist selten von einem atemberaubenden Interesse. Auch heute wurden von den Rednern der Parteien solche Einzelwünsche in reicher Fülle vorgetragen und solche Einzelfragen in großer Menge de- handelt. Der Volksparteiler Kiel trat unter anderm für das Petitionsrecht der Beamten und für Beamten- Ausschüsse ein, der Reichsparteiler M e r t i n ritt in der Frage der weiblichen Angestellten und der postlagernden Sendungen seinen reaktionären Klepper vor und der Antisemiterich Werner- Gießen mühte sich mit Erfolg um den kleinen Be- fähigungsnachweis, daß er nicht nur der unsympathischste, sondern auch der geistig bedürfnisloseste und langweiligste aller 397 Reichsboten ist. Die Polen ließen durch Abgeordneten B r a n d y s, wie jedes Jähr, über die schikanöse Behandlung pol- nischer Adressen und ähnliche Ausschreitungen des Nationalitäten- Hasses Beschwerde führen. Dann rückte Genosse Z u b e i l mit einer-solchen Fülle von nachgewiesenen Mißständen im Post» betriebe Herrn Kraetke auf den Leib, daß dem Staats- sekrctär gar unbehaglich zu Mute ward. Als dieser Post- junker dem sozialdemokratischen Redner eine patzige Ant- wort erteilte, holte er sich sogar von Herrn Dr. K a e m p f eine— bei einem Regierungsvertreter und diesem Präsidenten so seltene!— Rüge. Vor Eintritt in die Tagesordnung waren zwei kleine Anfragen der Genossen Keil und Brey beantwortet worden. Morgen: Weiterberatung des Postetats. Scharfmacherei und Wucherpolitik. DaS Abgeordnetenhaus überwies am Dienstag nach kurzer Debatte, in der neue Gesichtspunkte nicht mehr geltend gemacht wurden, den Entwurf eines Kommunalabgabengesetze» an eine besondere Kommission von 23 Mitgliedern und nahm hier» auf in zweiter Lesung den Entwurf eines AusgrabungS» gesetze« in der vom Herrenhause beschlossenen Fassung an. Zu lebhaften Auseinandersetzungen kam eS anläßlich der Beratung des auch bereits vom Herrenhause genehmigten GesetzeirtwurfS betr. die Dien st vergehen der Beamten der Orts-, Land- und JnnungSkrankenkassen. Während der Eni« wurf, der die Vorschriften deS Gesetzes betr. die Dienstvergehen der nichtrichterltchen Beamten auf bestimmte Kategorien von Krankenkassen- beamten übertragen will, bei den Rednern der bürgerlichen Parteien im großen ganzen auf Sympathie stieß, übte namens der Sozial» demokraten Genosse Braun scharfe Kritik an der Art und Weise, wie die preußische Regierung teils auf dem Verwaltungswege, teils durch Erlaß von AuSführungsbeftimmungcn den ausgesprochenen Willen der gesetzgebenden Körperschaften des Reichs mit Füßen zu treten sich bemüht. Die von großer Sachkenntnis zeugende Rede unseres Genossen war für die sogenannten Arbeiterführer de« Zentrum» daS Signal zu allerhand Angriffen auf die Sozialdemokratie im allgemeinen und die„sozialdemokratische Mißwirtschaft' in den Krankenkaffenverwaltungen im besonderen. Hatte sich der Handels- minister Dr. S h d o w in seiner Entgegnung auf die Ausführungen Brauns einer gewissen Sachlichkeit befleißigt, so erging sich Herr r o n o w s k i. angefeuert durch Zurufe seine? Freundes Im- b u s ch in allerband unqualifizierten Angriffen, deren Widerlegung durch die Allgemeinheit und durch die fehlende Angabe von Details naturgemäß erspart wurde. Trotzdem war eS Braun möglich, wenigstens die allertör ichtesten Angriffe auf ihr richtiges Maß zurück» zuführen. Der Entwurf wurde schließlich der Handelskommission überwiesen. In vorgerückter Stunde begann das HauS noch die Beratung des Etats der Handels» und Gewerbeverwaltung, und zwar wurde die Besprechung deS nationalliberalen Antrages vorweg genommen, der an die Regierung das Ersuchen richtet, im Bundesrat dahin zu wirken, daß rechtzeitig Matznahmen gekosten werden, die bei der in Aussicht stehenden Reuregelung der handelSpolitischenVerhältnisse einen wirksamen Schutz der deutschen wirrschaftlichen Jntcreflen gewährleisten. Be- urteilt man den Antrag nach seinem Wortlaut, so wird man nichts Gefährliches daran finden, denn daß die deutschen wirtschaftlichen Interessen gewahrt werden müssen, ist selbstverständlich. Aber die von Herrn B e u m e r(natl.) gegebene Begründung zeigt, wie der Hase läuft. Man will die Wucherzölle verewigen, womöglich noch verschärfen und keinerlei Rücksicht auf die Konsumenten nehmen. Am Mittwoch wird die Debatte fortgesetzt. Rüftungstreiberei. Gestern haben wir die Aeußerung MaedonaldS, deS Führers der englischen Arbeiterpartei, wiedergegeben, der im Unterhause erklärte, daß die deutschen RüstungS- irmen im Begriff stünden, eine neue Panik zu erregen. Schnell ist die Prophezeihung eingetroffen. Der Petersburger Korrespondent der„Kölnischen Zeitung"— und ähnliches läßt sich die„Germania" melden— macht allerlei vage An- deutungen, über den Fortgang der russischen Rüstungen. Heute ei zwar Rußland noch nicht kriegsbereit, aber mit fieber- >astem Eifer werde an der Ergänzung der Artillerie und des :krtegsmatertals gearbeitet und 1917— der Mann weiß es genau— werde Rußland bereit sein und alles deute darauf hin, daß diese Bereitschaft sich vor allem gegen Westen, also gegen Deutschland richtet. Unseren großen Rüstungsintereffenten ist vor kurzem be» kanntlich ein glänzendes Geschäft entgangen. Krupp war bereit, sich an dem Ausbau der Putilow-Werte, der großen russischen Rüstungsfirma, zu beteiligen und seine Erfahrungen und Patente in den Dienst des„Feindes" zu stellen. Die französische Regierung sorgte dafür, daß dieses patriotische Vorhaben vereitelt und Schneider-Creuzot die Sache Krupp wegschnappen konnte. Was liegt näher, als für den Ent- gang des ausländischen Geschäfts sich im Inlands schadlos zu halten? Dazu käme ein bißchen Panik recht gelegen. Und das dürste wohl der Hauptzweck der Uebung gewesen sein._ Zaberu-Vertuschungen. Wie von dem offifiösen Depeschenbureau au? Straßburg mitgeteilt wird, hat das Generalkommando seinen Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur der.Straßburger Neuen Zeitung" und des.Elsässer" zurückgezogen, der wegen Be- leidigung des Leutnants Forstner gestellt worden war. Anlaß zum Strafantrag hatte die von beiden Blättern verbreitete Nachricht ge- geben, daß Leutnant v. Forstner die stanzöfische Fahne in einer Ansprache an die Rekruten in der bekannten Weise beschimpft habe. Wie das offiziöse Depeschenbureau mitteilt, steht das General- kommando nach wie vor auf dem Standpunkt, daß Forstner sich dieser kindischen und gemeinen Beleidigung, die ja auch von der Regierung im Reichslande ohne weiteres aufs schärfste verurteilt wurde, sofern sie gefallen sei, nicht schuldig gemacht habe. Denn wenn auch in der früheren Kriegsgerichtsverhandlung eine Reihe von Rekruten zuungunsten des Forstner ausgesagt hätten, so sei doch auch eine Anzahl von Zeugen vorhanden, deren Aussagen zugunsten Forstners in Betracht komme. Immerhin nehme das Generalkommando an, daß die beiden Blätter im guten Glauben gehandelt hätten. Auch diese neueste Zurücknahme deS Strafantrages beweist, wie geflissentlich man bestrebt ist, jeder Neuaufrollung der schmählichen Zabernafsäre aus dem Wege zu gehen. Die Opfer des Pari- durenkellers hat man mit 30 M. abgefunden, dem lahmen Schuster hat man 150 M. für die Zurücknahme seines Strafantragcs an- geboten, und nun zieht man vorsichtigerweise auch den Strafantrag gegen die beiden Blätter zurück, um den Leutnant Forstner nicht noch mehr bloßzustellen und die anmutige Vorgeschichte der Zaberner Militärdiktatur nicht noch in ein helleres historisches Licht zu rücken! Beiläufig: Was ist denn eigentlich aus der Verführungs- geschichte des Leutnants Forstner geworden? Das Verfahren wegen Verführung einer Minderjährigen sollte doch angeblich nur so lange verschoben werden, bis Forstner das Mündigkeitsalter erreicht hatte. Angeblich sollte es sich nur um einige Wochen handeln, aber seitdem ist es von der Geschichte vollständig still geworden. Sollte auch hier inzwischen eine entsprechende Entschädigungssumme gezahlt worden sein, um das Verfahren gegen den Helden von Zabern, dem mit einem Ehrensäbel beschenkten Sieger von Dettweiler, aus der Welt zu schaffen? Um baldige Antwort wird gebeten! Ei« Zentrumsblatt als Verteidiger der Steuermogler. Es ist bezeichnend, daß ausgerechnet die Zentrumspresse die größten Besorgnisse hegt, den reichen Steuermoglern möge aus dem gewährten Generalpardon nachträglich ein Fallstrick gedreht werden. Am unverschämtesten geberdet sich die ultramontane .T r e m o n i a" in Dortmund, wo von amtlicher Stelle aus sehr nachdrücklich der Verdacht ausgesprochen worden ist, daß auch jetzt noch betrogen würde, obwohl dort infolge deS Generalpardons 1 Million Mark mehr aus den Zuschlägen zur Einkommensteuer zu erwarten ist. Die„Tremonia" befürchtet, daß solches Ergebnis deS Generalpardons auch für die Zukunft zu.Schröpfköpfen" uno .Daumenschrauben" für die Reichen werden könnte. JnSbefon- der« ist sie in heller Aufregung über den Artikel eine? Bürger- meisterS in der.Täglichen Rundschau", der dort, um auch in Zu- kunft den Drückebergern beikommen zu können, folgendes System entwickelt hatte: Ein Steuerpflichtiger hatte vor so und so viel, sagen wir sieben Jahren, als er seine Berufstätigkeit oder sein Geschäft anfing, ein ererbtes oder erheiratetes Vermögen von 30000 M. Jetzt gibt er ein Vermögen von 100 000 M. an. Woher stammt das Mehr von 70 000 M.? Bis zum Nachwei? einer anderen Quelle ist anzunehmen, daß er von seinem Einkommen 70 000, also jährlich 10 000 M. zurückgelegt hat. Nun hatte der Mann aber nur 8000 M. Einkommen angegeben und versteuert. 8000 M. hat er aber jährlich für seine Hauswirtschaft verbraucht. Wenn er noch obendrein 10 000 M. jährlich sparen konnte, so hat er 18 000 M. Jahreseinkommen gehabt. Wegen der Steuer, die er hinterzogen hat, können wir ihm nichts tun; aber die Zukunft gehört uns. Wir veranlagen ihn auf Grund obiger retrospektiver Rechnung zu 18 000 M. Einkommen. Wenn ihm das nicht be- hagt, so kann er die Rechtsmittel ergreifen und den Nachweis liefern, aus welcher anderen Quelle er die 70 000 M. Vermögen geschöpft hat und wie es mit den einzelnen Einnahmequellen steht. Dazu bemerkt in zorniger Erregung(Nr. 52) die„Tremonia" als klerikale Sachwalterin der Steuermogler: .Wenn dieses Verfahren bei der VeranlagungSbebörde in Aufnahme kommt, so führt der Generalpardon nicht zum Frieden, sondern zu Schikanen und Aergernissen. Man kann doch nicht ohne weitere? annehmen, daß der Unterschied zwischen der früheren und jetzigen VermögenSschätzung aus Ersparnissen herrühre. Erstens ist eS zweifelhast, ob nicht schon bei der früheren Schätzung, dl« jetzt grundlegend sein soll, ein höheres Vermögen vorhanden war. Zweitens kann der Zuwachs aus Schenkungen, ans Lotterie�ewinnen. aus gelegentlichen Speku- lationen, aus allen möglichen Glückszufällen hervorgegangen sein. Wollte man den Jahresdurchschnitt des Vermögens- zuwochseS einfach dem Einkommen zurechnen, so würde der Betroffene das als Strafe kür seine Offenberzigkeit finden. Für manchen wäre das eine Art Tortur. Denn nicht jeder ist in der Loge, über die Herkunst seines Vermögens ohne Scheu und Schaden der Behörde eingehende Nachweifung zu geben, und mancher bezahlt lieber zähneknirschend eine zu hohe Ein- kommensteuer, ehe er im Streitverfahren keine ganzen Bücher oder seine Berufsgeheimnisse vor fremde Augen und Nasen bringt. Der Hinweis auf die.Rechtsmittel" macht das Ver- fahren nicht human. Wenn man jemanden„versuchsweise" zu hoch einschätzt, so ist das ein objektiver Erpressungsvcrsuch." Wir meinen: ehrliche Geschäftsleute brauchen sich nie- mals zu scheuen, die Karten blank zu legen, d. h. ihre Bücher offen vorzulegen. Rur den unsauberen Elementen kann es eine Tortur sein. Bücher offenzulegen. So schamlos jedoch auch da? Gebahren der.Tremonia" ist. es entspricht durchans dem Cha- rakter de» Zentrums, das immer bereit ist. die Arbeiter rücksichtS» lo» auszuräubern, für die reichen Ausbeuter schonungsvollste Rück- fichtnahm- verlangt._ Die Hitter der Korruption. Nach dem jetzt vorliegenden stenographischen Bericht hat der Abgeordnete für Köln im preußischen Landtag, Herr Frank, am 20. Februar über die Zustände in der Kölner Polizei gesagt: .Meine Herren, der Polizeiberuf ist ein ernster Beruf. und es gehören nur ernste Leute in diesen Beruf hinein; Leute, die darauf ausgehen, Frühstücke zu najssauern(Heiterkeit) und Seklgelade abzuhallen, gehören nicht in hie Polizei hinein. Nun müssen Sie bedenken, die Leute, die das> gemacht haben— eS waren ja glücklicherweise nur einzelne— haben da? eine ganze Reihe von Jahren getrieben.(Sehr richtig I im Zentrum.) In Köln hat es lange Jahre jeder ge- wüßt, daß das dieLeute waren, die immer darauf aus waren, die Wirte zu schröpfen, beu ihnen gut zu frühstücken und noch besser zu trinken.(Hört! bÄSt! im Zentrum.) Da ist eS s ch w e r v e r st ä n d l i ck. um mich mit meinem Kollegen Linz auszudrücken, daß man die Zügel so Ia»ige hat am Boden schleifen lassen." In Köln bat es also.lange Jahre jeder g a w u ß t", mit- hin doch auch wohl der Herr ZenirumSabgeordnete Fratik, daß höhere Polizeibeamte sich schmieren lassen. Trotzdem hat lehne bürgerliche Partei das geringste gegen die Korruption getan. Qfzne ein Wort der Kritik hat das Zentrum, die Mehrheitspartei im Kölner Rat- hause, alljährlich 1050 000 M., letzthin sogar noch 25 000 M. mehr, für diese königliche Polizei zu Köln bewilligt, für«ine Polizei, von der„jeder" wußte, daß ein beachtlicher Teil ih«r Beamten käuflich ist. Noch mehr: Freunde des Herrn Zentrumsabgeordm ten Frank haben dem am meisten kompromittierten Polizeiinspektor Kautz noch vor drei Jahren einen hohen päpstlichen Orden verschafft, obwohl die.frommen" Herrschaften mit jedem Kenner Kölner Ver- Hältnisse damals schon wissen mußten, daß die ganze„Religion" der rechten Hand des Kölner Polizeipräsidenten lautete: Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang. Der bleibt ein Narr sein Leben lang. Von Abgeordneten, die trotz ihrer Kenntnis der Dinge nicht gegen die Korruption eingeschritten sind, war allerdings nicht zu erwarten. daß sie jüngst dem von Hue begründeten Antrage zu- stimmten, die Polizeiverhältnisse in ganz Preußen zu untersuchen Die Belämpsung der Korruption bleibt eben der Sozialdemokratie überlassen._ Ein„Bollwerk" gegen den preußischen Partikularismus. Die Zweite Kammer deS b a d i sch en Landtag? genehmigte am Dienstag gegen die Stimmen der Fortschrittler und Sozial- demokraten die Kosten für die Wiederherstellung der Münchener Gesandlschaft. Die Nationalliberalen hatten wieder einmal eine Schwenkung vorgenommen. Abg. Rebmann begründete diese mit dem Thronwechsel. Hierdurch sei München wieder ein Brennpunkt politischer und wirtschaftlicher Fragen geworden. Ferner müsse die Finanzhoheit der Einzelstaaten, die stark bedroht sei, gewahrt werden. In derselben Lage wie Baden befänden sich auch die anderen Bundesstaaten. Ein Zusammenschluß der Bundesstaaten sei notwendig. Dafür brauche man auch die Gesandtschast. Endlich müsse dem preußischen Partikularismus, den er als schwere? Hindernis für die Entwickelung des Deutschen Reiches ansehe, der badische Partikularismus entgegengestellt werden.— StaatSminister Freiherr v. Dusch suchte mehr den Nützlichkeits- als den NoiwendigkeitS- standpunkt bei dieser Frage hervorzukehren. Auf die Frage der parttlularistischen Bestrebungen wollte er nicht näher eingehen. Nicht recht zu machen ist eS den preußischen Behörden. Am 30. Januar fand in Düffel- darf eine große Arbeitslosendemonstration statt. Der Vorsitzende der Düsseldorfer Parleiorganisation, Genosse Berren und der Vorfitzende deS Gewerkschastskartells, Genosse Agnes, wurden des- halb wegen Veranstaltung eines nicht erlaubten öffentlichen Um- zuges der Arbeitslosen angeklagt. Die gerichtliche Verhandlung fand am Montag statt. Beide Angeklagte wurden zu je 50 M. Geldstrase verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt eS. daß der Nachweis dafür, daß die Angeklagten den Umzug veranstaltet hätten, nicht er- brach: sei. von der Beschuldigung der Veranstaltung wären sie freizusprechen, dagegen sei erwiesen, daß Berten und AgneS sich bemühten, kür Ruhe und Ordnung zu sorgen. Sie seien also zwar nicht Veranstalter, aber Leiter deS DemonstrationS« zuges gewesen und als solche zu bestrafen. Der preußischen Justiz und Polizei ist nichts recht zu machen. Hätten die beiden Genossen nicht für Ruhe und Ordnung gesorgt, dann wären Bestrafungen wegen Ruhestörung erfolgt. Da sie die sehr staatserhaltende Tätigkeit ausgeübt haben sollen, die große Menschennmffe in Ordnung zu halten und zu verhindern, daß die Ruhe gestört wird, werden sie auch bestrast. Auch die Gendarmen von Zabern muffen ins Exil. In Znbern ist am Dienstag die Nachricht eingetroffen, daß sämtliche in Zabern stationierten Gendarmen versetzt werden sollen, um durch Gendarmen aus verschiedenen Teilen der Reichslande ersetzt zu werden. Selbstverständlich steht die Maßregel im Zusammenhang mit den bekannten Zaberner Vorgängen._ Bolks-„Erzieher". Die„Süddeutsche konservative Korrespondenz" beschäftigt sich mit der Frage, ob die Stadt Zabern bald wieder Militär erhalten, oder ob dauernd darauf verzichtet werden soll, wieder Soldaten nach Zabern zu legen. Sie kommt zu dem Resultat, daß es aus p ä d a g o g i s ch e n Gründen geraten sei, Zabern seine Garnison dauernd zu entziehen. Es seien Entscheidungen in dieser Richtung vorauszusehen, wenn nicht im letzten Augen- blick strategische Gründe die Erlialtung der Zaberner Garnison gebieterisch verlangten. Wenn die Zaberner Bevölkerung nicht willens sei. mit den Ncunundneunzigern in Frieden jju leben, müsse ihr der volle Ernst der Situation in unzweideutiger Weise demonstriert werden. Wir zweifeln nicht, daß in der Zaberner Bevölkerung auch pädagogische Talente schlummern, und daß, wenn man sie mit der Entziehung der Garnison strafen will, der Vorschlag kommt, dann auch nichts mehr für den Militarismus zu be- zahlen. Mit diesen pädagogischen Mitteln wäre der Reaktion ungleich besser beizukomnien, als mit dem zeitweiligen Auf- lehnen gegen blutdürstige Wackes-Feinde im Offiziersrock. Der �lufftanö in Epirns. Athen, 3. März. AuS«rgyrocastro wird gemeldet: Trotz aller miliiärilchen Maßnahmen alückie es 8000 Aufständischen, außerhalb der Stadt zusammenzukommen. Zographos ver« kündete die Autonomie vonEpiruS und führte aus, Griechen- land sei gezwungen. EviruS höheren Interessen zu opkern, aber iür das epirotische Volk sei«S unmöglich sich einem Barbaren- voll zu Unterwerken. Er sagte weiter, daß die versprochenen Garantien nicht gebaden werden könnten und daß die Epiroten heute den Traum verwhklichlen. den sie schon seit fünf Jahr- bunderien gehegt hätten. Sie seien enisctilosscn. für die Freiheit zu sterben. Zographos proklamierte sodann Gleichheit vor dem Gesetz und drohte strenge Strafen für jeden Störer der Ordnung an. Später begaben sich die Teilnehmer zu der Veranstaltung vor den Regierungspalast, wo der Metropolit BelaS eine Ansprache hielt. An den Kundgebungen beteiligten sich auch griechische Sol- baten. Ungarn. Ei« politischer Riesenprozeß. MarmaroS Sziget, 3. März. Heute mittag ist das Urteil im Ruthenenprozeß gefällt worden. 32 Angeklagte wurden wegen Aufreizung gegen die Religion und den Staat zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Höchststrafe erhielt der Hauptangeklagle Kabalynl mit 4 Jahren 6 Moniten Staatsgefängnis und 100 Kronen Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden zu Strafen von 6 Monaten bis zu 3 Jahren Staategefängnis ver« urteilt, jeder außerdem zu einer Geldstrafe. 23 Angeklagte wurden freigesprochen. Allen Verurteilten wird die Untersuchungshast an« gerechnet. Frankreich. Festsetzung der Wahle«. Paris, 3. März. Der Ministerrat hat die Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften end- gültig auf den 26. April anberaumt. Englanü. Hochgestellte Gesetzesverachter. Loudo«, 3. März. Die Zeitungen veröffentlichen einen Auf- ruf des Lord Roberts, GroßadmiralSSeymour. des Lord Milner, des Schrift st ellerS Kipling und anderer Unionisten. Sie fordern darin auf, eine Erklärung zu unterzeichnen, daß, sobald die Homerulebill Gesetz wird, man sich für berechtigt halte, alles zu tun, um dieses Gesetz nicht wirksam werden zu lassen und namentlich zu verhindern, daß die Armee dazu verwendet werde, die Bevölkerung von Ulster ihrer Rechte als Bürger der Vereinigten Königreiche zu berauben. Schweben. Auflösung deS Reichstags. Stockholm, 3. März. In beiden Kammern des Reichstags wurde heute ein königliches Dekret verlesen, durch das die Auflösung deS Reichstags auf Donnerstag, den 5. März, nachmittags 3 Uhr, fest« gesetzt wird.____ Ms öer Partei. Die Bildungöarbeft iu der delzischeu Partei. Man schreibt uns nuS Brüssel: Am Sonntag versammelten sich die Sekretäre der„Ecoles Socialistes"— der von_5ei Bildungszentrale eingerichteten sozialistischen Schulen— um über Methoden und Ausbau der proletarischen BildungSarbeit zu beraten. Hierbei sei erwähnt, daß diesen Winter 62 Schulen funkttonierten, die rinen Schülerbestand von 1899 Arbeitern aufwiesen. Es handelte sich in der Hauptsache um eine Beratung der Lehr- Methode, um diese insbesondere auch für jene wirksam zu gestalten, die keinerlei Vorbereitung für die Kurse milbrmgen. Ungesäbr 50 Delegierte nahmen an der Beratung teil. Den Vorsitz führte der Sekretär der Bildungszentrale, Genosse D e N a n. Gemeinhin wurden die günstigen Resultate der Kurse hervorgehoben. De jttan findet, daß an dem bisherigen Lehrstoff festgehaUen werden müßte, vaß mau ihn aber etwas einschränken soll. Vandervelde unterstützt die Ausführungen eines Delegierten, der bei Einführung von Elementarkursen eigens für die Arbeiterschüler befürwortete und Broschüren zur Verbreitung vorschlägt. Alle diese Vorschläge werden dem Vorstand der BildungSzenirale zugewiesen.— Weiter werden Anregungen gegeben über IlnicrrichtSform, über die Heranziehung von Schülern und auf welche Weise der Unterricht duvch Lektüre zu unterstützen ist. Genossin Bandervelde, die Sekretärin des Kunstrefiorts der Bildungszentrale, macht verschiedene Vorschläge zur Hebung der proletarischen Kunstbildung, die man den Kursen anschließen könnte. Genosse Vandervelde ver» weist in einem Schlußwort auf die Fruchtbarkeit der Diskussion und ihren Nutzen für die künftige Weiterbildung der BildungSarbeit der Partei._ Em Fest der Brüsseler Arbeiter. Man meldet uns aus Brüssel: Die Brüsseler Genossen feierten am Sonntag den dreißigjährigen Bestand ihres Wahl- Vereins. Am Vormittag gab es einen festlichen Empfang der Delegierten im Weißen Saale des VolkshauieS und am Abend im großen Festsaal eine künstlerische Feier. Der Deputierte Bertrand, der Aelvesten einer von der Arbeiterpartei, skizzierte ein Bild der Bewegung von ihren kleinsten Anfängen bis heute: von dem Kongreß der zwei bis drei Dutzend Delegierten bis zum letzten, der eine Volksversammlung von 1500 Vertretern der belgischen Arbeiterschaft darstellte. Bei der Vorfeier am Sonnabend, der die Mitglieder deS Wahlverems und die Veteranen und Führer der Brüsseler sozial- demokratischen Partei vereinte, hielten die Deputierten B a n d e r- veld«, Bertrand, Huhsmans und De Schutter (Antwerpen) Ansprachen._ Letzte Nachrichten. Der englische Flottenetat. London, 3. März.(W. T. B.) Das Unterhaus hat den Flottenergänzungsetat angenommen. Englands Eingreifen in die mexikanische Krif«. London, 3. März.(H. 50.) Im Parlament hat heute der Staatssekretär des Auswärtigen, Sir Edward Grey, eine Er- klärung über die Stellung Englands im Benton- Falle abgegeben.„Falls die Bereinigten Staaten," so erklärte der Leiter der auswärtigen Politik Englands,»nicht wünschen, Schritte gegen Mexiko zu nternehmen, um wegen der Ermordung Bentons England Genugtuung zu schaffen, so müsse England selbst sich bemühen, sich die gewünschte Satisfaktion zu erzwingen." Wie Sir Edward Grey jedoch hinzufügte, würde England sich nicht etwa auf ein phantastisches Kriegsabcnteuer einlassen und gwße Truppen» Massen in Mexiko landen. Das Befinde» des Kardinals Kopp Troppa«, 3. März.(W. T. B.) Der über daS Befinden des Kardinals von Kopp um TM Uhr abends ausgegebene KrankheitS- bericht besagt: Die vollständige Bewußtlosigkeit hat den ganzen Tag über angehalten. Kräftezustand und Herztättg- keit lassen weiter nach. Aussperrung der Waffenarbeiter in Solingen. Solingen, 3. März.(H. B.) Der Waffenfabrikantenverein hat heute nachmittag die Aussperrung der sämtlichen Waffenarbeiter in allen dem Fabrikantenverbande ange- schlossenen Fabriken beschlossen. Der Aussperrungsbeschluß, von dem etwa 900 Arbeiter betroffen werden, wird damit be- gründet, daß eine hiesige Firma, um derentwillen der Streik ent- standen ist, die Teilarbeiten in Waffen, die sie von auswärts be- zogen hat, nicht unter dem Tarifpreise bezahlte und daß der Streik über diese Firma verhängt wurde, bevor dem Arbeitgeberverbande Gelegenheit gegeben war, zu der Sache Stellung zu nehme» Put Cont sid Geffentliche politische Versammlungen. arblitoistod sid Grohe Protestversammlung Warten Sie gegen das unerhörte Urteil der Frankfurter Straffammer sidasid ind am Donnerstag, den 5. März, abends 8 Uhr, mit der Besorgung Ihrer Frühjahrsgarderobe bis zur Eröffnung unserer bedeutend erweiterten Räume im„ Deutschen Hof", Luckauer Straße 15. Chausseestrasse 113 Tagesordnung: Militarismus, Krieg und Arbeiterklasse. adotro 199/ 5* Referenten: Genossin Dr. Rosa Luxemburg und Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Jan Todes- Anzeigen Allen Parteigenossen zur Nach richt, daß unser Genosse, der frühere Abteilungsführer 880 Hermann Seidler Weberstr. 40a, berstorben ist. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 5. März, nach mittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Bezirksführer des 269. Bezirks 15. Abteilung, 4. Kreis. Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Frankfurter Viertel, Bezirk 269. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genosse, der Gastwirt Hermann Seidler am Beberstr. 40a, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. März, nach mittags 42 Uhr, von der Leichens halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 211/18 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands, Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Hermann Seidler Weberstr. 40a, Bezirk 3 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. März, nachmittags 4, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 73/10 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 530. Am Sonntag, den 1. März, verstarb unser Genosse Hermann Guder Kastanien- Allee 23. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. März, nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenballe des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/13 Der Vorstand, Verband der Brauerei- u. Mühlenarbeiter u. verw. Berufsgenossen Zahlstelle Berlin Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß der Stollege Flaschentellerarbeiter Hermann Guder ( Schultheißbrauerei, Abt. I) geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 4. März 1914, nachmittags 4, Uhr auf dem städtischen Friedhof in Friedrichsfelde statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 42/12 Die Ortsverivaltung. Der Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstraße 2. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer August Lindenau- Sprengeld am 1. März gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel- Kirch hofes, Müllerstr. 44/45, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Former Willi Klose ( Bohenstr. 43) am 1. d. M. an Lungenentzündung. Die Beerdigung findet am Mitwoch, den 4. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Gnaden- Kirchhofes in der Barfusstraße aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 114/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiterverband. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 28. Februar der Kollege Karl Kemmerich im 61. Lebensjahre am Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet vom Trauerhause, Mahlsdorf, Hönomer Straße 168 aus, am Mittwoch, den 4. März, nachm. 4%, Uhr statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 141/7 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavier arbeiter Fritz Schneider im Alter von 44 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. Mts., nachmittags 4%, Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofs, Hermannstraße, aus statt. 84/6 Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Adlershof. Am 28. v. M. berstarb die Frau des Kollegen Hermanowski im Alter von 44 Jahren. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. März, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle in Zeuthen aus statt. Um rege Beteiligung bittet 73/9 Der Vorstand. Am Sonntag, den 1. März, nachmittags 5 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leiden meine innigftgeliebte Frau und gute Tochter Klara Liehr geb. Klunter im 53. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Berlin, den 4. März 1914 Franz Liehr, Mathilde Klunter, Landsberg a. W. Kondolenzbesuche dankend ver1135b beten. Die Beerdigung findet Donners. tag, den 5. März, nachm. 5 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde( Gudrun ftraße) aus statt. Für die zahlreichen Beweise herz licher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Freunden und Befannten sowie dem 7. Bezirk des Wahlvereins unseren herzlichsten Dant. 112 Die trauernde Witwe Frau M. Mollnau nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Schiegervaters und Großvaters Gustav Schönberg sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie dem Parzellenbesigerverein Fallenhorst unseren herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Neukölln, Jonasstr. 35- Knesebed Verband d.Gemeinde- u. Staatsarh. ftraße 103. Filiale Groß- Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Friedrich Sziedat welcher im Betriebe des städtischen Gaswertes V in Schmargendorf beschäftigt war, an den Folgen cines erlittenen Betriebsunfalls verstorben ist. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 33/13 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus reichen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 11385 Karl Lindner fage hiermit allen daran Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Witwe Else Lindner. Berantw, Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil berantw. Danksagung. Zurückgekehrt vom Grabe meines unvergeßlichen lieben Sohnes Bruno, unseres lieben Bruders, sagen wir allen, die ihm das letzte Geleit gegeben haben, unseren besten Dank. Insbesondere Herrn Beege für seine am Grabe gesprochenen Worte, ferner bem Deutschen Metallarbeiterverband, Bahlstelle Berlin, seinem werten Chef, feinen Kollegen und seinen lieben Freunden. 129A we. M. Ende nebst Stindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der Werkstatt Plautz u. Co. meinen 132 herzlichsten Dant. Otto Hasse. ons beim Stettiner Bahnhof am 7. März Es wird sich lohnen! C& A BRENNINKMEYER GMBH & notlode isted suic Garbáty Cigaretten pidusation Qualitat Danksagung. Bantingum. …. ….. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Für die vielen Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichen Dank. Witwe Naue nebst Kindern. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienftr. 83-85. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unjeres guten Vaters, sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie dem Berbaud der Brauerei- und Mühlenarbeiter unseren herzlichsten Dant. 119 Elife Drewillo nebst Kindern. Mohrenstr.37 Kolonnaden. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Donnerstag, den 5. März, abends 8% Uhr: Branchen- Versammlung der Elektromonteure u. Helfer Groß- Berlins in den Musiker- Sälen, Kaijer- Wilhelm- Str. 31( gr. Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Donnerstag, den 5. März, abends 8½ Uhr: Versammlung Gr. Frankfurterstr.15 d. Autogenschweißer TrauerMagazin Kleider, Hüte etc. Außerste Preise farbige Konfektion in größtem Maßstabe zu billigsten -PreisenWestmann Frankfurter Herren- Moden Gediegene Mass- Anfertigung guter Sitz garantiert Vornehmer Anzug oder Paletot zu 3 Einheitspreisen 35.- 42.- 48.am Alexanderplatz Eingang Prenzlauer Str. 32 im Lokal von Anörig, An der Stralauer Brücke 3 ( am Bahnhof Jannowißbrüde). Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Adolf Wuschick. 2. Diskussion. 3. Branchen angelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet Die Ortsverwaltung. 113/20 Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher etc. Bureau: Melchiorftr. 28, part. Arbeitsnacht.: Rüderstr. 9 Fernſpr.: Amt Morigpl. 4787. Filiale Berlin. pr.: Ami Norden 6708 Donnerstag, den 5. März, abends 8%, Uhr! Sektions- Versammlung der Lackierer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Wilh. Düwell über:" Der Wert und die Notwendigkeit der Organisationen". 2. Distusfion. 3. Verbands. angelegenheiten. Wir erwarten, daß die Mitglieder vollzählig erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 163/3 Die Sektionsleitung. :: Die reellsten und solidesten:: MÖBEL Reichenberger liefert anerkannt Möbelfabrik Schulz, Straße. von seit 36 Jahren die mit langjähriger Garantie zu äußerst billigen Kassenpreisen und gegen Zinsvergütung auch auf Teilzahlung. Größte Auswahl in moderner Ausführung in allen Preislagen von 240 bis 10 000 M. am Lager. Zb. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 62. 31. Jahrgang. 1. Knlißt des Jotniätb" Kerlim llolteHatt. Mittwolh, L Mar; 1914. Gewerksihastliches. Konkurrenz für Keiling& Ko. Der christliche Arbeitersekretär Schwarz in Weiden (Oberpfalz) versendet gegenwärtig an Arbeiter ein Schreiben, das weiter nichts als eine Verleitung zum Streikbruch ist. In Kolmar i. E. stehen die Steinarbeiter im Kampf, und nun müssen die christlichen Führer die nötigen Streikbrecher liefern, um die kämpfenden Arbeiter unterzukriegen. Das interessante Schreiben lautet: Weiden, 19. Februar 1914. Sehr geehrter Kollegel Es haben eine größere Anzahl von Kollegen, Pflasterstein- Feinmacher und-Ritzer zugesagt, Stellung bei Firma Hartmeyer in Kolmar lElsaß) zu nehmen. Mehrere Kollegen haben noch Bedenken. Sie befürchten, es könnte dort Streik sein. Die meisten Kollegen haben zugesagt, nach Fastnacht zu fahren. Um nun Klarheit zu schaffen, erkläre ich nochmals folgendes: 1. Unser Verband hat um dieser Firma einen Tarifvertrag abgeschlossen seit 4. Januar 1914 auf 4 Jahre. Die Arbeiter verdienen im Winter 7—3 M. pro Tag bei 8 Stunden, im Sommer 19—12 M. bei 19 Stunden Arbeitszeit. Die Firma beschäftigt nur christlich gesinnte und christlich organisierte Arbeiter. Die Kollegen erhalten also den garantierten Schutz rinseres Verbandes, falls die Firma ihren Verpflichtungen nicht nachkäme. Wenn wir der Firma nicht genügend Leute stellen können, damit sie ihre gewaltigen Aufträge ausführen kann, so ist sie gezwungen, Ausländer zu nehmen. Ich bitte also die Kollegen, mir die Namen derjenigen Kollegen mitzuteilen, welche bestimmt am Freitag, den 27., oder Sonn- abend, den 28. Februar, in Nürnberg zur Abreise eintreffen wollen. Je nach Ihrer Antwort setze ich die Stunde der gemein- samen Abreise fest. Ich werde selbst in Nürnberg sein und die Angelegenheit auch bezügl. Fahrgeld regeln. Also lassen Sie sich nicht irre machen, falls man Sie von irgendeiner Seite abwendig machen wollte. Mit kollegialem Gruß! Nich. Schwarz, Bezirksleiter.' Die berufsmäßigen Streikbrechcrlieferanten iverden bald uberflüssig sein; die christlichen Gewerkschaftsführer können das auch. Serlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Karl Hasse und Wrede. Werkzcugmaschinenfabrik, Christianiastr. Ilka, stehen die Dreher und Revolverdreher feit Montag, den 2. März, im Streik. Der Betrieb ist für Dreher und Revolverdreher gesperrt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Die Berliner Stukkateure klagen über Tarifverstöße. Eine Stukkaleurversammlung verurteilte scharf die Nichteinhaltung der tariflich festgesetzten Arbeitszeit durch einen Teil der Berbandsmil- glieder. ES wurde erklärt, daß die Betreffenden sich der Schädlich- teil und Verwerflichkeit ihrer Handlungsweise bewußt sein sollten, eS würden Mittel und Weg« gefunden werden, diesen Tarifzerstörern Disziplin und Solidarität beizubringen. Die Versammlung nahm zuletzt einen Antrag an, der dem Hauptvorstand zur Zustimmung »ibermittelt werden soll und der zum Ausdruck bringt, daß den Kollegen, die sich den groben Verstoß haben zu schulden kommen lassen, drei Jahre von der Mitgliedschaft gestrichen werden sollen. Achtung, Töpfer! Das Ergebnis der Vorstandswahl am Sonntag, deu l. März, ist folgendes: Abgegebene Stimmen 389. Gewählt ist als 1. Vorsitzender: Franz Segaws(387), 2. Vor- sitzender, zugleich 2. Kassierer: Max Kemnitz(321), 1. Kassierer: Eduard Rapputau(386). 1. Schriftführer: Hugo David<369), 2. Schriftführer: Ernst Müller(349), Beisitzer: Karl Liepe <242). Otto K r o n f e l d<191). Berthold G r i e s ch e<197). Fritz S ch e f f l e r<154), Revisor: Willi Donner<162), ArbeitSnach- weisführende: Hugo David<219), Ernst Müller<291), Her- mann Böhme<171), Karl Frohbcrg<139), LohnkommissionS- Mitglieder: Otto K r o n f e l d(139), Karl Schütze(189). Der Vorstand. Achtung, GastwirtSgehilfen! Die Differenzen mit dem Nestau- rateur Behrend, Weißenburger Straße 29, sind durch tarifliche Ver- einbarungen geregelt. Die Sperre ist hiermit ausgehoben. Verband der Gostwirtsgehilfen, Ortsverwaltung I. Deutsches Reich. Ein Musterbetrieb. Weit ab vom allgemeinen Leben und Treiben der industriellen Täsigkeit liegt an der Bahnstrecke Hannover-Köln, wenige Stationen hinter Bielefeld, in beschaulicher Ruhe das Städtchen Rheda i. W., welches ungefähr 3—6999 Einwohner zählt. Air industriellen Be- trieben sind nur einige Zigarrenfabriken, eine Schnapsbrennerei und die.Sinrons-Werke', Fabrik für Baubeschläge, vorhanden. Gerade dieser Betrieb, der bei normalem Geschäftsgang ungefähr 299 bis 399 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, ist einer derjenigen, vor denen die Arbeiter öffentlich gewarnt werden müssen. Es sind wohl nicht mehr viel Betriebe in der Metallindustrie vorhanden, in denen noch über 69 Stunden pro Woche gearbeitet wird. In den„Simons- Werken" dagegen beträgt noch heute die wöchentliche Arbeitszeit 61Vz Stunden. Rigorose Bestimmungen der Arbeitsordnung lasten es auch fraglich erscheinen, ob die Betriebs- leitung schon einmal etwas von der so oft gerühmten Sozialpolitik des Deutschen Reiches gehört hat. Wenn am 19. und 29. jeden Monats die Löhnung stattfindet, dann ballt wohl mancher Arbeiter und vielleicht auch manches Mädchen zähneknirschend die Faust über die Bezahlung, die mitunter so gering ist, daß mancher Arbeiter kaum weiß, wie er seine Familie erhalten soll. Einheimische Arbeiter bekommt die Firma deswegen nicht mehr. Sie wendet sich an alle möglichen Arbeitsnachweise und diese modernen Seelenverkäufer fragen nicht danach, wie die Behandlung und die Bezahlung der einem solchem Betriebe übermittelten Arbeitskräfte sich für die Zukunft gestaltet. In den letzten Jahren sind Arbeiter aus allen Gegenden des deutschen Vaterlandes zusammengesucht worden, selbst aus Ungarn sind ganze Familien nach diesem„Eldorado" gezogen, tveil sie glaubten, hier den Himmel auf Erden zu haben. Unter allen möglichen Versprechungen iverden die Leute herangeholt. Vor uns liegen einige Engagementsbriefe, die von der Firma in der Zeit vom 6.-22. Oktober 1912 an einen Arbeiter geschrieben sind. In dem Schreiben vom 22. Oktober heißt es:„Wir erhielten Ihr Schreiben vom 21. er. und sind bereit, Sie auf Grund der Ihnen gemachten schriftlichen Bedingungen einzustellen, nochmals vorausgesetzt, daß Sie alle gesund find und daß Ihre sämtlichen arbeits- fähigen Kinder, also ein«oh» und drei Töchter sofort mitkommen und gleichfalls Arbeit bei uns nehmen usw." Die Firma macht also nicht nur den Mann, sondern auch gleichzeitig die geiamten Familien- Mitglieder zu Hörigen des Betriebes. In einem anderen Schreiben werden dem Arbeiter Verdienste in Aussicht gestellt in Höhe von 3,39 bis 4 M., für jüngere Arbeiter, 18 bis 29 Jahre alt, 2,39 bis 3,39, für eine Frau 1,73—2,59 M. und jugendliche Knaben und Mädchen würden 1,23—1,73 M. pro Tag im Akkord verdienen. Zu den üb- lichen Akkordsätzen werden im Anfang Zuschläge gezahlt, daß die vor- stehend aufgeführten Verdienste erzielt werden sollen. Ob�sie aber erreicht werden können, ist eine andere Frage. Die Lohndüten des betreffenden Arbeiters zeigen nach Abzug von Vorschuß, Wohnungs- nriete für das in der Arbeiterkolonie gelegene Haus und Ver- sicherungsbeiträge folgende Zahlen: 16.-39. 11. 12 1.-13. 12. 12 16.-31. 12. 12 1.-13. 1. 13 16.-31. ».—13. 16.-28. 1.-13. 16.-81. 1. 13 2. 13 2. 13 3. 13 3. 13 1.-13. 4. 13 Insgesamt M. . 37,16 . 34,33 . 39,93 . 32.61 . 43,36 . 43,97 . 32,82 . 49.72 . 28,89 . 28,89 Abzüge M. 32,66 21,13 21,59 21,31 31,31 31,27 21,02 31,22 21,99 11,29 Ausgezahlt M. 4,59 13,23 29,45 15,89 14,05 12,79 11,80 9,60 7,80 17,60 Diese Ziffern sprechen für sich selbst. Das sind aber nicht etwa vereinzelte Fälle, in denen so niedrige Verdienste erzielt werden. ES ist sogar vorgekommen, daß nach Ablauf der Lohnpcriode nicht soviel ausgezahlt wurde, daß die Arbeiter das Allernotdürsligste kaufen konnten. Einige Parteigenossen sind dann diesen Leuten beigesprungen und haben ihnen einen Gutschein für den Konsumverein ausgeschrieben, damit sie für ihre Familie wenigstens Brot kaufen konnten. Nun hat die Firma auch ein sogenanntes„Mädchenheim' er- richtet, in dem die von auswärts herangezogenen Arbeiterinnen wohnen sollen. Einigen Mädchen, die vollständig mittellos wegen längerer Arbeitslosigkeit von Berlin nach Rheda gekommen sind, und die bis 11 Uhr Urlaub halten— wie in der Kaserne— sind� von dem Hausverwalter die unflätigsten Schimpfworte an den Kopf_ geworfen worden. Sie wurden auch nicht in das„Heim' hineingelassen sondern haben sich bei der Polizeibehörde obdachlos gemeldet. Am anderen Morgen nach ihrer Entlassung aus dem Polizeiobdack mußten sie sofort im„Heim" ihre Sachen packen und erhielten im Fabrikbetriebe ihre Entlassung. Trotz ungefähr vierzehntägiger Arbeit bekamen sie nicht einen Pfennig Geld heraus. Der Ver- trauensmann des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes gab ihnen dann Fahrgeld und ein paar Pfennige Zehrgeld, damit sie nach Bielefeld fahren konnten. Die Firma sollte nur anständige Löhne zahlen, die Arbeiter an- ständig behandeln, und aus ihrem Betriebe alles fernhalten, was dazu beitragen kann, die Verhältnisse zum Gegenstand der öffent- lichen Kritik zu machen, dann wird sie heimische Arbeiter genug bc- konimen, und braucht nicht Arbeitskräfte aus Posen, Westpreußcii, Magdeburg, Leipzig, Berlin und anderen Orten, sowie auS dem Auslande heranzuholen. Die Arbeiter und die Arbeiterinnen werden davor gewarnt, in diesem Betriebe in Beschäftigung zu treten. Alle Anfragen sind an das Verbandsbureau des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Bielefeld, Marktstraße 8, I., zu richten I Achtung, Schuhmacher k In Köln-NippeS reichten in der Schuhfabrik P o h l i g u. K o die Arbeiter und Arbeiterinnen die Kündigung ein, weil die Firma die ortsüblichen Bedingungen in der Lohn- und Fourniturenfrage nicht anerkennen wollte. Arbeits- angebote dieser Firma sind zurückzuweisen. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. parlamentarisches. Die Abänderung des Militärstrafgesetzes. Mit ganz unverhoffter Schnelligkeit wurde am Dienstag die Vorlage der Regierung, betreffend Aenderung des Militärstrafgesetz bucheS, von der Kommission in erster Lesung erledigt. Der 8 66 bedroht die unerlaubte Abwesenheit von der Truppe. loenn sie im Frieden länger als sieben, im Kriege länger als drei Tage dauert, mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu 2 Jahren. Die mindeste Gefängnisstrafe beträgt 43, Tage. Der Entwurf sieht dann vor, daß in minder schweren Fällen, ivenn die Tat nicht im Felde begangen, die Strafe bis aus 14 Tage mittleren oder strengen Arrest ermäßigt werden kann. Ein Antrag auf Streichung de-' strengen Arrestes wurde abgelehnt und dann der Entwurf in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Der§ 79 des Militärstrafgesetzbuches bedroht die Fahnen- flucht mit Gefängnis von sechs Monaten bis zu zwei Jahren; im ersten Rückfall von einem Jahre bis zu fünf Jahren, im wieder- holten Rückfall mit Zuchthaus von fünf bis zu zehn Jahre». Hier fügt nun die Vorlage einen zweiten Satz ein, der bestimmt, das; in minder schweren Fällen, wenn kein Rückfall vorliegt, die Ge- fängnisstrafe bis auf drei Monate ermäßigt werden kann.� Die Fortschrittler wollten eine Mindeststrafe von 43 Tagen, während das Zentrum zwei Monate vorschlug. Der Zentrumsantrag wurde zurückgezogen, der Antrag der Fortschrittler mit 19 gegen 19 Stimmen abgelehnt und dann die Vorlage in der Regierungs- fassung angenommen. Der 8 78 des MilitärstrafgesctzbucheS droht dem Strafe an, der einen anderen zur Fahnenflucht vorsätzlich vett- leitet oder die Fahnenflucht befördert. Das Gefetz droht Srrafe an von 6 Monaten bis zu 2 Jahren, im Felde Gefängnis von 3 bis zu 19 Jahren. Der Entwurf fügt, nun hinzu, daß in minder schweren Fällen, wenn die Tat nicht im Felde begangen ist, die Strafe bis auf drei Monate Geiängnis ermäpigt werden kann. Auch hier hatte das Zentrum eine Mindeststrafe von zwei Monaten Ge- sängnis beantragt, während die.Fortschrittler auch hier 43 Tage als Mindeststrafc setzen wollten. Der fortschrittliche Antrag wurde wiederum mit 10 gegen 19 Stimmen abgelehnt, der Zentrumsantrag kleines Zeuilleton. Kasperletheater. Herren und Damen der Berliner Hofgesell- schaft haben sich zusammengetan und zu einem edlen Zweck Theater gespielt. Sie wollten irgend ein Stift mit dem Ertrag unter- stützen, und das ist schließlich ihre Sache. Jntereffant ist nur, wie der deutsche Bürger, der liberale Mann, reagiert. In der konservativen Presse gings recht ruhig und anständig zu. Man nahm Notiz von einem gesellschaftlichen Ereignis, be- lobte galant die darstellenden Damen, zählte auch wohl ein wenig auf, wer alles dagewesen sei— was einige Leser angeben mochte — aber damit wars aus. Und nun halte man gegen diese einwandfreien Reportagen daö schmockhnfte Benehmen eines Packs, das vorn auf der ersten Seite sich nicht genug damit tun kann, den Bürgersmann, und an hohen Feiertagen auch den Arbeiter, gegen Junker und Adel in Schutz zu nehmen. Allen voran die„Vossische Zeitung", der man den neuen Besitzer kräftig anmerkt. Wie werden da für einen Sud spaltenlange Untersuchungen über dichterische und künstlerische Qualitäten aufgebracht, wie weist da ein Kritiker, der sich genierte. mit dem vollen Namen zu zeichnen, Geduld, Liebe, Eifer für dilettantische Vergnügungen vor, mit welchem Spürsinn, den er für ernsthafte Dichtungen nie auf Lager hätte, untersucht er jedes Fäserchen der Aufführung gleichmütiger Seichtigkeiten! Das würde verblüffen, wenn man dahinter nicht den Bürger witterte, der so einen Abend viel ernster nimmt als die ganze Hofgesellschaft zu- sammen. Die Herren an der„Vossischen Zeitung" oder vom„Tageblatt" wußten sich nicht zu lassen. Sie überboten einander: der eine druckte den papiernen Prolog des Intendanten ab, der auch das Reimen nicht versteht, der andere hatte sich eine adlige Dame cnga- giert, und die mußte nun den gierig aufhorchenden Spießern er- zählen, wie es so bei feinen Leuten zugeht. Und man muß sagen, daß dieser kleine Bericht das Widerwärtigste ist, das seit langem, also seit Pictschs Tode, zu lesen war.„Schon während der Ein- alter entstand zwischen den Mitwirkenden und den Insassen der ersten Parkettreihen eine Art Kontakt."„Kosenamen wie„Titi" Taxis— die geborene Metternich sah als Sultanin in dem echten, ihr vom Generalkonsul Baron Oppenhechn zur Verfügung geftell- ten Marokkanerkostüm wahrhaft pompös aus—„Mausi" Wedel flogen hin und wieder..." Wenn man bedenkt, daß dafür nicht inseriert worden ist, immerhin eine respektable Leistung, die wir sonst nur bei rcklamchaft aufgeputzten Bällen gewohnt sind. DaS Fesselnde daran ist, daß die Dame, div das schrieb, für die .Post" einen durchaus sauberen Bericht geschrieben Hai. Für Ullstein genügte der nicht. Sic kannte ihre Pappenheimer, die so gern vor einer Komtesse salutieren. Nein, wie ungezwungen! Hundertmal hat man diesem vertrottelten Unternehmertum seine Zeitung um die Ohren gehauen, selbst bürgerliche Organe. wie die„Frankfurter Zeitung", machten sich über diese Sucht lustig, den Herrschaften� vertraulich die Stiefel zu lecken und den Geschmack der Wichse rühmend zu preisen... es hilft nichts. Und doch verlohnt es sich, immer und immer wieder einer solchen Schicht ihre Verlogenheit vorzuhalten: vorn wird Männerstolz ver- zapft und weiter hinten imponiert man mit Perlen fabelhafter Größe, mit Brillanten und dem gestickten Hofkklcid der Prinzessin Lirum-Stirum,„die diesmal nur ihr goldblondes Haar als Schmuck gewählt hatte." Es ist eine Schmierigkeit, die zu Herzen geht, weil sie von Herzen kommt. Die Geographie der Gerüche. Vor einiger Zeit erwähnte Rudyard Kipling in einem Vortrag die Tatsache, daß bei dem Zustandekommen von Erinnerungsbildern an fremde Städte und Länder Geruchsassoziationen eine wesentliche Nolle spielen. Die Pall Mall Gazette hat nun Sir Ernest Shackleton, den bekannten Forschungsreisendcn, darüber befragt, ob auch er ähnliche Ersah- rungen gemacht habe. Shackletons Antwort ist recht interessant; er erklärt, daß in der Tat gewisse Städte und Länder einen spezi- fischen nur ihnen eigenen Geruch aufweisen, ja, er behauptet, daß ein Blinder allein durch seinen Geruchssinn in vielen Fällen er- kennen könne, in welcher Stadt, in welchem Land und in welchem Weltteil er weile. In der Malakka-Straße beispielsweise fällt jedem aufmerksamen Beobachter ein sehr charakteristischer warmer Obstgeruch auf, iu Ceylon registriert der Geruchsinn ein Vorwalten des Betelpfeffers, überall im inneren China fällt ein seltsamer Moderduft, ein richtiger Rumpelkammcrgeruch, auf. Natürlich er- klären sich diese Gerüche sehr prosaisch durch mangelnde Desinfek Hon und unzureichende öffentliche Hygiene. So ist es kein Wun der, daß in Afrika der Geruch einer feuchten, faulenden und wel- kenden Vegetation vorherrscht, in Aden registriert man einen un- angenehmen Duft von überhitztem Leder, in Arabien den Geruch ranziger Butter, während man in Rumänien und in Ungarn auf weite Landstriche hin niemals einen Stallgeruch aus der Nase verliert. In Japan drängt sich einem ein unverkennbarer Geruch von Drogen und Spezereien auf. In der Geographie der Ge- rüche bleibt die Insel Mauritius das ideale Land; denn überall empfängt den Reisenden hier ein deutlich wahrnehmbarer Rosen- duft. Fruchtgeruch herrscht in San Francisko, in Oregon und in Südkalifornien vor. wäbrend in gewissen Gegenden Englands die Atmosvhäre mit harzbaltigem Tannenduft durchiättigt erscheint. Petersburg steht für die Gernchsnerven im xeichen verbrannten Holzes. Berlin aber, so erklärt Shackleton, ist so gut wie ge ruchfrei. Die falsche Nase der Gioconda. Eine letzte Neuigkeit, die die Pariser„Revue" über die Gioconda zu berichten weiß, muß uns all die Mühe, die man sich mit den Meisterwerken der großen Kunst- ler gibt, in etwas zweifelhaftem Lichte erscheinen lassen. Die Nase der Mona Lisa, deren Risse die Kunstverständigen zählten, ist restauriert! Der berühmte Landschaftsmaler Daubignv hat dies einem seiner Freunde eingestanden. Als er in seiner Jugend bei einem Gemälderestaurator arbeitete, wurde ihm während eines ganzen Monats Lionardos Meisterwerk anvertraut. Er mutzte die Nasenspitze wieder herstellen. Lionardo da Vinci, ausgebessert von Daubigny, das mag noch gehen. Aber die Restauratoren haben nicht immer Künstler seines Ranges in ihren Werkstätten sitzen. Notizen. — TeSla-Vcrsuche in der Urania. Bei dem populär- technischen Vorttag„Hochspannung", den Artur Fürst zum ersten Male am Donnerstag, den 3. März, im Wissenschaftlichen Theater der Urania, Taubenstraße. beranstallet, werden im Anschluß an die Experimente mit der neuen Hochspannungsanlage sür 139 909 Voll auch Phänomene mit außerordentlich rasch schwingenden elektrischen Wechselströmenlenz-Strönien� gezeigt werden. Unter anderem wird eine drahtlose Beleuchtung des Zuschauer- raums vorgeführt. Ferner iverden Entladungen einer sehr großen Strahlspule' gezeigt, die ähnlich jener Anlage gebaut ist, die Nicola TeSla bei semen berühmten Versuchen in seinem Laboratorium in den Colorado-Bergen benutzte. — O st e r k o n g r e s s e. Um die Osterzeit tagen drei na»,- hafte wissenschaftliche Versammlungen: der 13. Kongreß der Deutschen orlhopädischen Gesellschaft, der 43. Kongreß der Deutschen chirur- gischen Gesellschaft und der JubiläumSkongreß der Deutschen Röntgeugesellschaft. — Zwölf Fe st tage hintereinander! Diesen Rekord im Feslefeiern wollen sich die Genossenschaft deutscher Bühnen- angehöriger im Verein mit dem Wirtschaftlichen Verband bildender Künstler demnächst in de» Ausstellungshallen am Zoologischen Garten leisten.„Ein Farbenrausch soll das ganze Fest werden", verkündei das Programm. Die Berliner Zahlungsfähige» sollen in Legioneii herangeködert werden an die Altäre der Lust, die dem Gott lieber schuß zu Ehren Tag und Nacht rauchen sollen. Der Ueberschuß soll den Zioeckeu der beiden Organisationen dienen. — Ein Borgia-Drama. Joseph Rüderer hat eine Renaissancekoniödie geschrieben, in deren Mittelpunkt die mehrfach in Dramen nachgestaltete Tochter deS Papstes Alexander VI. Lucrezia Borgia steht. — Ein neues Mittel gegen Tuberkulose machte im Franksurter ärztlichen Verein Geheimrat Prof. Dr. Spieß bekannt: eine Goldzpankaliverbindung, die zwei Jahre lang geprüft wurde und erfolgreich gewirkt haben soll. — K u ii st ch r o n i k. Der Maler Artur B e n d r a t, der zur Dresdener Künstlergruppe der„Elbier" gehörte, ist im Jrrcnhause ge- starben. Zahlreiche Slädtcbilder, besonders aus seiner Vaterstadt Danzig, haben seinen Namen gut bekannt gemacht. — Ein Demokraten-Denkmal. Dem im porigen Jahre verstorbenen Demokraten I a n s o n wird in Brüssel ein Denkmal errichtet werden. Die Organisierung einer Subskription zu diesem Zweck wird von der parlamentarischen Linke», Sozialisten und Liberale», i» die Hand genommen. — Flugzeug« als M i n e n j ä g e r. Die Marineberwaltung der Vereinigten Staaten legte am Hafcneingang von Pensacola in Florida an neun verschiedenen Stellen Minen aus. Dann flieg ein Flugzeug auf und begann über dem Hafen zu kreisen. Der Flieger. der weder die Zahl noch die Lage der Minen kannte, vermochte in kurzer Zeit aus einer Höhe von 399 Metern nicht nur alle neun Minen genau zu lokalisieren, sondern sah dcullich sogar die Ketten, an denen die Minen verankert waren. Zll rückgezogen und die Vorlage in der Regierungsfassung an- genommen. Der K So des MiliiärstrafgesetzbucheS betrifft den Ungehorsam vor versammelter Mannschaft und droht dcrsür, wenn die Handlung im Felde begangen ist, Gefängnis oder FestungShast nicht unter einem Jahre an. Der Entwurf will in minder schweren Fällen die Strafe bis auf 14 Tage strengen Arrest ermäßigt haben. Diese Bestimmung wurde ohne Debatte angenommen. Auch der Strafbestimmung des§ 96, die Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren androht, wurde hinzugefügt, daß in ininder schweren Fällen auf Freiheitsstrafe nicht unter 3 Monaten erkannt werden kann.— Eine geringe Aenderung erfuhr auch der § 97, dem folgender Absatz angehängt wurde: .Hat die Tätlichkeit eine schwere Körperverletzung oder den Tod des Borgesetzten verursacht, so ist statt auf Gefängnis oder Festungshaft aus Zuchthaus von gleicher Dauer zu erkennen; in mi»der schweren Fällen tritt Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe nicht unter einem Jahre ein." Schließlich sollte nach der Regierungsvorloge noch dem§ 110» hinzugefügt werden, daß bei bestimmten schweren Vergehen neben der erkannten Gefängnisstrafe die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenslandes zulässig ist. Abg. Stadthagen beantragte namens der Sozialdemokraten, hinzuzufügen: in minder schweren Fällen ist die Versetzung in die zweite Klaffe des Soldaten- standes unzulässig".— Bei der Abstimmung wurde dieser Antrag abgelehnt, dann aber auch die Regierungsvorlage, so daß diese Lücke in der zweiten Lesung ausgefüllt werden muß. Damit war die erste Lesung des Gesetzes erledigt und man kam zu der Beratung der Anträge, die über den Rahmen der Borlage hinaus gestellt worden sind. Die Debatte über die Anträge wird in der nächsten Sitzung zu Ende geführt werden können. Die Vahnbauteu in Ostafrika. Am Dienstag kam in der B u d g e t k o m in i s s i o n des Reichstags das xroße Eisenbahnprojekt in Ostafrika zur Beratung. Der Etat verlangt 31,4 Millionen Mark als Darlehn an die Ost- afrikanische Eisenbahngesellschaft zur Fortführung der Eisenbahn Daressalam— Moroaoro bis an den Tanganjilasee(7. Rate), zur Ergänzung und Umbauten der Stammstrecke Daressalam— Morogoro, zur Schaffung eines Reservefonds und zum Bau einer Eisenbahn von Tabora nach Ruanda(1. Rate). Die letztere Linie soll neu in Angriff genommen werden, um für die Hauptlinic eine Zufahrtsbahn zu schaffen, die die dichtbevölkerten und fruchtbaren Gebiete von Rinrnda und Urundi erschließt. Ta die Sozialdemo- kratie von oer Einführung der Waren- und Geldwirtschaft in die genannten Gebiete, die eine der ersten Folgen des Kahnbaus sein würde, die Auflösung der alten Wirtschaftsverhältnisse und eine Verschiebung in der Wirtschaftsstruktur, damit das Ausbrechen schwerer Konflikte und Unruhen befürchtet, verlangte Genosse Ledebour von der Regierung Aufschluß über die Besitz- und WirtschaftSverhälinisse bei Den Watussi(Herrenklasse) und Wahutu (Arbeiterklasse). Nach den Ausführungen des Regierungs- Vertreters find die Häuptlinge nominelle Besitzer von Grund und Boden, den sie an Eingeborene vergeben. Diese wohnen, ineist in kleinen Familien, in einzelnen Gehöften und fühlen sich als Inhaber. Die Abgabe von Land zu Bahnbauten erfolgt auf Grund von Verträgen und gegen Entschädigung; es wird kein an- gebautes Land, sondern nur Weideland angekauft. �Der Staats- Organismus in den genannten Gebieten legt von höherer Kultur Zeugnis ab, als sie sonst in Afrika angetroffen wird. Die deutfchz Verwaltung werde hierauf Rücksicht nehmen. Die bisherige mili- tärische Besetzung sei im Hinblick auf die durch die Bahn zu schaffende rasche Beförderung der Truppen ausreichend. Abg. Naumann(Vp.) wünschte zu wissen, ob sich dix Gebiete als Produktions- uno Ausfuhrland so bewähren würden, daß die Rentabilität der Bahn dauernd gesichert sei, und ob die bestehenden Lebensverhältnisse der Steuererhebung nicht hinderlich seien. Der Staatssekretär stellte in Aussicht, durch Kaffee- anbau die Produktivkraft der Eingeborenen zu heben, auch würde oer Bahnbau selbst die wirtschaftliche Entwickelung erheblich fördern. Die Steuererhebung werde die Lebensverhältnisse nicht beeinträchtigen. Mit der Hoffnung auf Plantagenbau dürfe nicht gerechnet werden, da das Eingeborenenmaterial hierzu nicht ge- eignet sei.— Genosse Henke befürchtete, daß mit dem Auf- kommen der Geldwirtschaft die Bedrückung der Wahutu durch die Watussi sich verschlimmern werde, und bezweifelte den Vorteil einer gesteigerten ProduktenäuSfuhr für die deutsche Wirtschaft, da die Kolonien ja als Zollausland gelten.— Abg. Paaschs inatl.) redete dem Plantagenbau das Wort, wogegen sich Genosse Ledebour entschieden wandte; die Einrichtung von Musterwirt- fchaften und Versuchslulturen durch Weiße, um die Eingeborenen- Wirtschaft zu heben, werde man begrüßen können.— Abg. Schwarze(Z.) trat für den Weiterbau der Linie Moschi— Arufta bis Muanfa und von dort bis zum Kangera-Knie ein, ein Projekt, das die Regierung als undurchführbar ablehnte.— Ge- nosse D i t t m a n n fragte an, woher mau die Arbeiter zum Bahn- bau zu nehmen gedenke. Bei dem Bau der Mittellandbahn feien Taufende von Eingeborenen jahrelang von ihren Angehörigen ferngehalten worden, was zu schweren Störungen und Unzuträg- lichkeiten geführt habe. Trotz all den gegebenen Versicherungen werde die Folge des Bahnbaues sein, daß die Eingeborenen von Ruanda und Urundi in ein bis zwei Jahrzehnten ebenso der- clendet und versklavt sein würden, wie die Bewohner der bereits unterjochten Gebiete. Die Geldwirtfchaft werde einer krassen Ausbeutung Tür und Tor öffnen und der durch die Naturalwirt- schaft bedingten milden Abhängigkeit und Hörigkeit ein Ende machen.— Der Staatssekretär Dr. Solf kam in seiner Antwort über allgemeine Versicherungen und wohlfeile Rede- Wendungen nicht hinaus. DaS Zentrum brachte eine Resolution ein, in der es die Erwartung ausdrückt, daß beim Bau der Eisen- bahn keinerlei staatlicher Arbeitszwang ausgeübt wird, daß für die beim Bahnbau beschäftigten Arbeiter genügende Arbeiterschutz- bejtimmungen erlassen und innegehalten werden, daß eine Be- siedelung von Ruanda und Urundi durch Weiße ausgeschlossen und die Residenturverwalwng dieser Gebiete vorerst beibehalten bleibt. — Genosse Ledebour erklärte, daß die sozialdemokratischen Mitglieder der Kommission dieser Resolution sympathisch gegen- überständen, nach den Erfahrungen aber, die sie am Freitag mit ihrem weitergehenden Antrage gemacht, dem projektierten Bahn- bau unmöglich ihre Zustimmung geben könnten. In der Abstimmung wurde die Babn gegen die Stimmen der Sozialdemokrat en bewilligt und die Zentrums- Resolution angenommen. Ohne wesentliche Debatte wurde hierauf der Rest des Etats von Ostafrika erledigt._ Der Kampf um die Sonntagsruhe. In der Sonntagsruhekommission des Reichstages wurde am Dienstag die Abstimmung über die Arbeitszeit in den Städten mft unter ToOOO Einwohnern vorgenommen. Abgelehnt mit den IS Stimmen der bürgerlichen Parteien vom Freisinn bis zu den Konservative», gegen 11 Stimmen der Sozialdemokraten, des Grafen Posadowsky, der Christlichsozialen und de» Abg. Mar- guard bei einer nationalliberalen Stimmenthaltung wurde der sozialdemokratische Antrag, jene Arbeitszeit auf 2 zusammenhängende Stunden bis spätestens 1 Uhr festzusetzen. Angenommen mit wesentlich derselben bürgerlichen Mehrheil wurde dagegen der Kompromißvorschlag unter Zentrumsführung, 3 Stunde» Arbeits- zeit für die Städte mit unter 75 000 Einwohnern als Regel mit der Maßgabe zuzulassen, daß in Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern diese Beschäftigungsdauer ununterbrochen sein muh, d. h., daß sie in den kleinen Gemeinden sogar auf Bor- und Nach- mittags verstreut werden kann. Eine bestimmte Schlußstunde wurde nicht beliebt. Ferner beschloß dieselbe Mehrheit nach?tb- lehnung eines sozialdemokratischen Milderungsantrages, der höhe- reu Verwaltungsbehörde für„besondere Verhältnisse" die Befug- nis zu aeben, jene reguläre Sonntagsarbeit von drei Stunden für Gemeinden von weniger als 10 000 Einwohnern um zwei Stunden, jür die von 10900 bis 75 000 Einwohnern um eine Stunde zu verlängern. Daun ging man zur Regelung der Ausnahmen für das sogenannte Bedürfnisgewerbe über. Hier will die bürger- liche Kompromißmehrheit noch einmal weitere Arbeitszeiten ge- statten. Für Back- und Konditorwarcn sollen nicht weniger als 6 Stunden, für Milch und Mollereierzeugniffe drei Stunden extra in allen Gemeinden freigegeben werden. Eine Mittagsschluß- stunde ist hier wiederum nicht vorgesehen. In den Gemeinden von 75 000 Einwohnern ab aber soll die höhere Verwaltungsbehörde für alle möglichen sogenannten Bedürfnisgewerbe bis zu zwei Stunden extra freigeben können, hier allerdings nur bis 1 Uhr mittags. Die Sozialdemokraten erklärten, daß für die Gemeinden von unter 75 000 Eimwohnern durch die verhängnisvollen Mehrheitsbeschlüsse auch das Bedürfnisgewerbe schon mehr als ausreichend berücksichtigt sei. Sie beantragten� deshalb nur für die Orte mit völliger Sonn- tagsruhe drei freie stunden mit Schlußstunde 10 Uhr Vormittags für sieben namentlich aufgeführte und im Gesetz festzulegende wirkliche Bedürfnisgewerbc(Milch, Bäcker- und Konditorwaren, frisches Gemüse, Fleisch und Wurst, frische Blumen, Zeitungen, Eis und Mineralwasser). Die Entscheidung darüber fällt nächsten Donnerstag._ Soziales. Wie langsam eine Aufsichtsbehörde in Krankensache« arbeitet. Der Schlosser Wilh. K. in Eisenspolterei(Kreis Obcr-Barnim) war am 17. September des vorigen Jahres erkrankt. Am 1. De- zember wurde ihm die weitere Leistung durch die in Frage kommende Betricbskasse entzogen. Angeblich war er vom Arzt als gesund erklärt. K. ging nun zu einem Arzt Dr. Schneider, der-n der Kasse bisher bei Nachuntersuchungen in Betracht gekommen war. Dieser hielt ihn für operationsbcdürftig und legte seine An- ficht in einem Schreiben nieder. K. ging zur Kasse und berief sich auf die Auffassung des Dr. Schneider. Ihm wurde aber gesagt,— wir folgen immer der Tarstellung des K.—, das gehe Dr. Schneider nichts an, Dr. R. habe ihn für arbeitsfähig erklärt. K. ging darauf zu dem Dr. R. Dieser sagte ihm nach Lesen des Briefes des Dr. Sch.: Daß Sie noch krank sind, weih ich. Um mich aber mit dem Herrn S., dem Betriebsdirektor, nicht zu erzürnen, habe ich Sie auf seinen Wunsch gesund geschrieben. K. erhob nun am 5. Dezember Beschwerde bei der Auffichts- behörde. Ausgangs Dezember bekam er auf Anfrage den ersten Bescheid der Aufsichtsbehörde. Er ging dahin, die Ermittelungen seien noch nicht abgeschlossen. Am 16. Januar fragte K. erneut an, am 12. Februar bekam er vom Landratsamt für Ober-Barnim den Bescheid:«Die Ermittelungen sind noch nicht abgeschlossen, Bc- scheid wird Ihnen seinerzeit erteilt werden." Dabei ist cS bis heut geblieben. Daß eine solche Verzögerung einer Bescheiderteilung nicht im Interesse des Kranken liegen kann, sollte sich auch die AufstchtS- behörde sagen. Sind wirklich die Ermittelungen in diesem Falle so schwer anzustellen, daß sie sich in nahezu drei Monaten noch nicht abschließen lassen? Wenn eine Operation in Frage kommt, so handelt es sich doch nach einer bereits bestehenden fast dreimonatigen Krankheit nicht um einen ganz geringfügigen Fall. Was sagt die Aufsichtsbehörde der Aufsichtsbehörde zu der langsamen Erledigung eines eiligen Falls? Immer Portemonnaieinteresieu. Wenn die herrschenden Kreise sich für etwa? begeistern, dann bängt das mit unfehlbarer Sicherheit irgendwie mit den großen Portemonnaies zusammen. DaS gilt auch von dem Eifer, die so- genannte militärische Erziehung zu fordern und der Jugendpflege sich zu widmen. Die Verhandlungen deS Vereins für ländliche Wohliabrt- und Heimalpflcge in der vergangenen Woche lieferten dafür einen netten Beweis. General von Loebell sprach dort über „Rekruienvorbereirung auf dem Lande". Unier anderem forderte er Einschränkung der Freizügigkeit, Ueberwachung der Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren und Einführung einer Lehrzeit für Landarbeiter. DaS könnte den Agrariern so passen. Verhinderung der Landflucht, ohne daß die Arbeitsbedingungen verbessert zu werden brauchen, daS ist ein agrarisches Ideal. Die hier vorgeschlagene ländliche Lehrzeil als— Rekrutenvorbereitung stellt sogar noch eine Ersparung an Löhnen in Aussicht. Den.Lehrlingen" auf dem Acker und im Viehstall würde man natürlich leinen Lohn mehr geben. Vielleicht müßten die armen Eltern noch Lehrgeld zuzahlen. Abwandern könnten die jungen Leute ja nicht mehr, wenn die erwähnten Forderungen ver- wirklicht würden.— Selbstverständlich fanden und finden die Loebellschen Vorschläge begeisterte Zustimmung bei allen Agrariern. Ms Znöustm und tzanöel. 225 Millionen Mark Aktienkapital. Ehe noch die Deutsche Bank ihre Einzelpläne zur Durchführung der Kapitalerhöhung von 200 aus 250 Millionen veröffentlicht hat. verbreitet die Diskonto-Gesellschaft die Mitteilung, daß auch sie ihr Kapital von 200 auf 250 Millionen Mark heraufsetzen wolle. Die Diskonto-Gesellschaft ist also die erste deutsche Großbank und zugleich die erste deutsche Aktiengesellschaft überhaupt, die ein Aktienkapital von mehr als 200 Millionen Mark befitzen wird. Vielleicht ist in der Kapitalserhöhung der Diskonto- Gesellschaft nur eine Maßnahme zu sehen, die als Konkurrenzmanöver gegenüber der Deutschen Bank gedockt ist, um nicht in dem öffentlichen Ansehen hinter der Deutschen Bank zurück- stehen zu müssen. Die Leitung der Diskonto-Gesellschaft gibt zur Begründung nur an, daß ein Teil deS neuen Kapitals zum Erwerb von 10 Millionen neuauszugebenden Anteilen der Deutschen Bank in Hamburg verwandt werden soll. Neben der Verslärkung ihres Einflusses bei der Norddeutschen Bank(die zurzeit 51,2 Millionen Mark Aktienkapital besitzt) wird ein weiterer Teil des neuen Kapital« wohl für die Erweiterung deS GeschäftsumlangeS in Holland benutzt werden. Denn wie die Verwaltung der Diskonto-Gesellschaft weiter mitteilt, wird sie in Antwerpen eine Filiale errichten. Nach dem Jahresabschluß der Tiskontogesellschaft ist der Bruttogewinn gegen 1Sl2 von 3S,S auf 41,5 Millionen Mark gestiegen. Mehrerträge brachten die Einnahmen aus Zinsen. Wechseln, Provision und die Beteiligung an anderen Banken. Die Einnahmen sanken dagegen aus dem Besitz von Wertpapieren. Die Gewinnrechnung zeigt also das typische Bild der übrigen Großbank- abschlllsse: Mehreinnahmen durch die hohen Gcldsätze des Jahres 1912, Mindererträge durch Kursverluste, Rückgang des Börsengeschäfts und Einschränkung der NeuauSgabe von Wertpapieren. Aus dem Reingewinn, der nur eine ganz geringe Er- höhung auf 25,73 Millionen zeigt, werden wie im Vorjahr 10 Proz- oder 20 Millionen Mark als Dividende ausgeschüttet. 32 Prozent Dividende zahlen wie im Vorjahre die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken. Die Verwaltung gibt den Reingewinn an mit 6,78 Millionen gegen 5,77 Millionen im Jahre 1912. Die Steigerung ist angesichts des gesteigerten Bedarfs an Kriegsmaterialien im vergangenen Jahre so gering, daß man annehmen muß, die Verwaltung hat die Gewinne des Unternehmen? in der Gewinnberechnung und Bilanzaufstellung ver- steckt,»im nicht der Oeffentlichkeit Anlaß zur Kritik zu geben. Berseldständizung der österreichischen SchiffahrtSiudustrir. Nach- dem die Austria- Americana(Trieft) wie der gesamte österreichische AuSwandererverkehr zum größten Teile von dem deutschen Einfluß befreit worden ist, geht auch die ungarische Regierung daran, eine selbständige ungarische Schiffahrtslinie Fiume— New Jork zu errichten. Die Cunardgesellschaft hat die Verpflichtung�übernommen. aus Wunsch der Regierung eine selbständige Schiffahrlslini« Fiume— New Jork einzurichten. Gerichtszeitung. Zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Presse. Am Montag fällte das Reichsgericht ein Urteil, in dem es grundsätzlich in weitgehendstem Maße die zivilrechtliche Haftung der Presse wegen unrichtiger Behauptungen aus- spricht. Der Kläger S. war bis zum Herbst 1906 Besitzer eines Hotels in Ruhla. Ein von ihm entlassener Hausdiener Th. hat in dem Kachorga»„Der Hoteldiener" in der Nummer vom 1. Juni 1906 einen Artikel veröffentlicht, in dem gesagt war, daß die Zustände im Hotel des Klägers jeder Beschreibung spotteten; Russen, Schwaben und Ratten liefen in der Küche über Geschirr und Gläser. S. habe auch mit seinen Angestellten schwere Differenzen gehabt. Am Schlüsse findet sich der Satz:„Für die Wahrheit der geschilderten Zustände stehe ich mit vollem Namen ein. Fr. Th., Hausdiener." Der Artikel ist von verschiedenen Tageszeitungen übernommen worden, so u. a. vom„Gcneral-Anzeiger für Mühl- hausen", von der„Mühkhäuser Zeitung" und vom„Langensalzaer Kreisblatt". Gegen die Verleger und Redakteure dieser drei Zei- tungen hat der Kläger S. eine Klage auf Schadenersatz erhoben, indem er geltend macht, durch diese unwahren Zeitungsartikel sei sein Hotel in schlechten Ruf gekommen, seine Einnahmen seien zurückgegangen, und er habe es schließlich billig verkaufen müssen; dadurch sei ihm ein Schaden von insgesamt 23 000 M. entstanden, wovon er zunächst 15 000 M. einklagte. Ter Urheber der Mit- teilung, der Hausdiener Th., ist auf die Beleidigungsklage des Klägers bestraft worden. Eine Notiz über die behaupteten Miß- stände im Hotel des Klägers ist auch in anderen größeren Zei- tungen, u. a. in der„Frankfurter Zeitung", in der„Erfurter Tribüne" und in der„Post reisender Kaufleute" erschienen. Vom Landgericht Erfurt wurden die Beklagten als Gesamt- schuldner verurteilt, dem Kläger 12 000 M. zu zahlen. Das Ober- landesgericht Naumburg dagegen hat die Klage abgewiesen, indem es zwar die Behauptungen des Artikels nach der Beweisaufnahme als objektiv unwahr bezeichnet, auch ein verschulden der Beklagien bei der Aufnahme der Notiz annimmt und die Wahrnehmung bc- rcchtigter Interessen verneint. ES hielt aber den Nachweis des dem Kläger entstandenen Schadens in ursächlichem Zusammen- hange mit dem Erscheinen des Artikels in den Zeitungen der Be- klagten nicht für erbracht. Das Reichsgericht hat das Urteil des Oberlandesgerichts be- stötigt und die Revision des Klägers zurückgewiesen. Zur Bc» grsindung führte der höchste Gerichtshof kurz aus: ES ist kaum zu verkennen, daß dem Kläger durch daS Erscheinen der fraglichen Artikel ein Schaden entstanden ist. Die Beklagten haben auch durchaus fahrlässig gehandelt. Wo» das angebliche Interesse an- langt, das sie mit der Verbreitung der Behauptung wahrgenommen haben wollen, so hat daS Publikum nur ein Interesse an wahren Nachrichten und nccht an solchen unwahren Angaben, wie sie hie: der entlassene Hausdiener gemacht hat. Daß es angängig gewesen wäre, sich vor dem Erscheinen des Artikels zu erkundigen, kann gar nicht zweifelhaft fem. Aber die Revision scheitert an der tal- sächlichen Feststellung des Oberlandesgerichts, daß der Kläger einen Schaden nicht nachgewiesen hat, daß insbesondere der Verkauf des Hotels und die Festsetzung deS Kaufpreises mit dem Artikel nichts zu tun hat.(VI. 354/13.)_ Zwei Preßprozesse. 1. Der verantwortliche Redakteur der„Deutsch-sozialen Blätter" Bücher hatte sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Beleidigung des Chefredakteurs des„Berliner Tage- blatts" Theodor Wolff zu verantworten. Die«Deutsch-sozialen Blätter", deren verantwortlicher Reoakteur der Angeklagte ist, hatten das„Berliner Tageblatt" als„berufsmäßigen Ehr» abschneider" bezeichnet, ihm„Ruppigkeit und Schnoddrigkeit" vor- geworfen und dergleichen Dinge mehr. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 266 M. Geldstrafe. 2. In der„Welt am Montag" und im„Kleinen Journal" waren sensationell zugestutzte Artikel über die Jnternicrung der JBrüder v. Versen enthalten, die gegen den Staatsanwalt den hin- fälligen Vorwurf erhoben, er habe aus persönlichen, nicht auS fach- lichen Gründen die Jnternicrung veranlaßt. Gestern standen deshalb der Rebakteur Scholz und der Schriftsteller Leuß von der „Welt am Montag", der Redakteur Wagner vom„Kleinen Journal" unter der Anklage der Beleidigung vor der 4. Straf- kainmer des Landgerichts I. Nach stattgehabter Beweisaufnahme gaben die Angeklagten die Erklärung ab: „Ich habe mich überzeugt, daß der gu. Artikel auf Grund unvollständiger und daher unrichtiger Information erschienen ist. Ich habe durch die geführte Hauptverhandlung die Ueverzeugung gewonnen, daß die Bearbeitung der v. Versenschen Entmündi- gungSsache durch die Staatsamvaltschaft III Berlin nach rein sachlichen Erwägungen und sachlich einwandfrei erfolgt ist. Ich stehe daher nicht an, zu erklären, daß ich mich bei Abfassung des Artikels geirrt habe und daß ich die gegen die Staatsanwalt» schaft erhobenen Vorwürfe ausdrücklich zurücknehme." Die Staatsanwaltschaft nahm darauf den Strafantr«; zurück. DaS Verfahren wurde hierauf eingestM. Magistratsschreiber vor dem Schwurgericht. Ein recht plump angelegter Betru�sversuch gegen die Dresdner Bank lag einer Anklage zugrunde, dce gestern das Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Karsten beschäftigte. Wegen Fälschung öffentlicher Urkunden und versuchten Betrüge» waren die ehemaligen Magistratsschreiber Ernst Wegen« und Herbert Haack aus Köpenick angellagt, die von den. Rechtsanwälten Sochaczewer und Strelitz verteidigt wurden. Der Angeklagte Haack war drei Jahre lang bei dem Magistrat in Köpenick als Schreiber angestellt gewesen. Er verlor diese Stellung, da er sich verschiedene Unregelmäßigkeiten zuschulden kommen ließ. Von dieser Tätigkeit her kannte er die Unterschriften der Bürgermeister Dr. LangerhanS und PrümerS sowie des Stadt- ratS Kinzcr und wußte auch, daß die Stadt Köpenick mit ver Dresdner Bank in Verbindung stand. Offenbar von der Ansicht ausgehend, daß es. wie„berühmte" Beispiele zeigen, nicht schwer sein müsse, die Stadt Köpenick in den Mittelpunkt eines Schwindels zu stellen, faßte er anfangs Dezember den Plan, sich auf eine verhältnismäßig leichte Weise Geld zu verschaffen. Er kaufte sich für 10 Pf. Wechselformulare und fälschte eines davon mit dem Namen des Bürgermeisterz Dr. Langcrhans und der beiden anderen Namen. Gleichzeitig fälschte er ein Beglaubigungsschreiben für den Mitangeklagten Wcgener, der die Rolle des Kassenbotcn übernehmen sollte. Sodann ging er während der Mittagspause des städtischen BurcaupersonalS nach dem Rathaus, wo er in dem Zimmer des Einwohnermeldeam ts einen dort freiherumlicgenden Stempel nahm und die beiden gefälschten Urkunden damit stempelte. Als Wcgener den auf 20 900 M. lautenden Wechsel und das Beglaubigung«- schreiben an der Kasse der Dresdner Bank in der Behrcnstraße vor- legte, schöpfte der betreffende Kassenbeamte Verdacht, und zlvcir nur deshalb, weil es sich um eine für eine städtische Behörde auffallend kleine Summe handelte. Nach telephonischer Erkundigung in Äöpe- nick wurde der angebliche Kassenbote festgehalten und der Polizei übergeben. Vor Gericht baten die Verteidiger die Geschworenen, den noch recht jugendlichen Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen, da eS sich offenbar mehr um einen Tummejungenstreich handele, der von vornherein keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt habe. Die Geschworenen kamen dieser Bitte auch nach, so daß die Angeklagten vor dem Jnchthause bewahrt blieben. Das Urteil lautete deshalb gegen Wegeuer nur auf 5 Monate und gegen Haack ans 6 Monate Gefängnis, unter Anrechnung von je 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. mol A das Hausmittel. 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Barieté Schiller- Theater CharlottenLichtspiele. Anfang 6%, Ubr. CinesNollendorf- Theater.VarietéLichtspiele. Anfang 7, Ubr. Kgl. Opernhaus. Cavalleria rusticana. Bajazzi. Rgl. Schauspielhaus. Familientag. Deutsches. König Lear. Königgräßer Straße. Brand. Zirkus Busch., Galavorstellung. burg. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Zopf und Schwert. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Freitag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Metropol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Casino- Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 11hr Ein neues Berliner Boltsstüd: Die olle Webern. Ur- Berl. Figuren, Ur- Berl. Humor! Der Theater in der Königgrätzer Straße Einziges Theater in diesem Genre! Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 755 Uhr. 72 Uhr: Brand. Komödienhaus. Metropol. Die Reise um die Welt 8 uhr. ,, Kammermusik". 8 uhr. in 40 Tagen. Aniang 8 1br. Beania. Der Krönungsschmud der Kaiserin Gijela. Berliner Theater. Abends 8 1hr: Hörsaal: Dr. W. Berndt: Ab- Wie einst im Mai. stammung des Menschen. Leffing. Pygmalion. Kammerspiele. Betterleuchten. Deutsches Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Deutsches Künstler. Theater. Cafard. Friedr.- Wilhelmst. Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Sonnt. nahm. 3 Uhr: Die Kino- Königin. Neues Operntheater( Krom. Deutsches Künstlertheater Baterland. Trianon. Er und der Andere. Komödienhaus. Kammermusik. Theater an der Weidendammer Brücke. Wer zulegt lacht. Theater am Nollendorfplatz. Prinzeß Gretl. Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Mittwoch, 31, Uhr: Peterchens Mondfahrt. Mittwoch, 8 Uhr: Cafard. Donnerstag, Uhr: Cafard. Das Theater des Westens. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Andreas Hojer. Schiller Charlottenburg. Glüd im Winkel. Theater des Westens. Polenblut. Montis Operetten. Jung- England. Berliner. Wie einst im Mai. Kleines. Jettchen Gebert. Thalia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Der Regimentspapa. Friedrich Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. Roie. Dorf und Stadt. Kafino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8, Ubr. Luisen. Unser Junge. Walhalla. Tangofieber. Folies Caprice. Café Pingsheim. 8 Uhr: Polenblut. Sonnt. Nm. 34, 11.: Der liebe Augustin. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Prinzeß Gretl. COSE- THEATED Große Frankfurter Str. 132. Dorf und Stadt. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Die Maschinenbauer von Berlin. Der Heiratsgraf. Meyersteins. Voigt- Theater Anjang 8%, Uhr. Neues Volts- Th. Frau Warrens Gewerbe. Badstraße 38. Mitwoch, den 4. März 1914: Er und seine Schwefter. Buffe m. Gef. in 4 Bild. v. Buchbinder. Stafseneröffnung 7 Uhr, Anfg. 8, Uhr. Freitag, 13. März: Benefiz f. F. Rühle: Philippine Welser. Stile der alten Wallner- Bühne. Sonnt. 4 Uhr: Mädchenehre. Folies Caprice. Café Pingsheim 84 Der Heiratsgraf Meyersteins 48/49. 8 Uhr: Geh. 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Das schwierigste Arbeitsfeld für die Ermittlung und den Fahndungsdienst bot die Langerwisch- Bergholzer Gegend, in der sich auch die Spur verliert, auf die man große Hoffnungen jezte. Außerdem führen Fingerzeige und Meldungen aus dem Publikum nach Caputh und nach Trebbin. Mittwoch, 4. März 1914. Gesicht aufgegriffen und vorläufig festgenommen. Er gibt an, daß kommt und eine Erbauungsstunde abhält. Aus dem Friedrichser kürzlich in Werneüchen angehalten, bei seiner Festnahme Wider- hain- Krankenhaus schicken mehrere Patienten uns einen stand geleistet und hierbei die Krahwunden erhalten habe. Diese Brief, in dem sie ihr Erstaunen über diese Verfrommungsbestrebungen Angaben sollen noch nachgeprüft werden. ausdrücken. Letzten Sonntag mußten sie in den Vormittagsstunden eine predigt ähnliche Ansprache über sich ergehen lassen, die ein im Saal sich aufpflanzender Herr, vermutlich ein StadtBesuchszeit, erschien dann derselbe Herr nochmals auf der Neue Theatervorstellungen. miffionar, vortrug. Am Nachmittag, wieder außerhalb der Man Der Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin Bildfläche, diesmal in Begleitung von 15-20 Herren und hat noch eine Anzahl Pläge für verschiedene Tage im März Damen, die ein paar firchliche Lieder sangett. in mehreren Theatern belegt. Er bringt auch diese Karten, hätte glauben können, nicht in einem Krankenhaus, sondern in einem trotzdem es sich um Abendvorstellungen handelt, zum Bethaus zu sein. Als die frommen Brüder und Schwestern das Preise von 1,10 M. einschließlich der Garderobengebühr Feld räumten, ließen sie Trattätchen für die Patienten zurüd. und des Zettels zum Verkauf. Alles das geschah selbstverständlich mit Erlaubnis der Direktion des Sonst Krankenhauses und der Krankenhausverwaltung der Stadt. wäre es diesen Aposteln ja gar nicht möglich, außerhalb der Besuchsstunde in die Anstalt hineinzugelangen, ungehindert von Pavillon zu Pavillon zu ziehen und vor den Augen und Ohren des Personals ihr Verfrommungswerk zu treiben. Die erste aufgenommene Spur hatte der Polizeihund Treff aufgespürt, der an der Mordwaffe Witterung bekommen hatte. Er lief durch den schluchtartigen Hohlweg nördlich vom Tatort, rund um den großen Ravensberg und am Jagenstein 26/25 26/40 hörte die teils als Fuß-, teils als Radspur erkennbare Fährte auf. Ihr Endpunkt liegt nicht weit ab von einem Wege, auf den man zum Fahrweg von Bergholz nach Langerwisch gelangt. Auf an: dem Bergholz- Langerwischer Weg hat später die nächtliche Begegnung stattgefunden, der man Wert beilegen muß. Die amtliche Ausschreibung einer Belohnung von 1000 M. hat ihre Engelufer 15, Zigarrengeschäft. Wirkungen in einer Flut von Zuschriften und Anzeigen gezeitigt. Umfangreiche Feststellungen veranlaßte eine Bekundung des KutWir fündigen zunächst folgende Vorstellungen im Neuen Volkstheater, Köpenicker Straße 68, 1. Dienstag, den 10. März, abends 81, Uhr. Verkaufsstelle für die Karten: P. Horsch, 2. Sonnabend, den 14. März, abends 8 Uhr. Verkaufsstellen: Zigarrengeschäft von Baumann, Vorläufig find's nur die Evangelischen, die ein solches Recht beanspruchen. Aber vielleicht machen es ihnen die Katholifen und am Ende auch noch die Juden nach; denn es liegen ja nicht nur Evangelische in den Krankenhäusern der Stadt Berlin. Wie wärs, wenn schließlich auch noch für die konfessionlofen fie mit einer Ansprache unterhielte? Wir glauben, daß auch der Stadt Berlin wird ja wohl, gleiches Recht für alle“ gelten. Dder nicht? r nicht? of shore schers der Potsdamer Abdeckerei. Der Kutscher passierte am Freitag Rungestr. 30; Bureau des vierten Wahlkreises, Stralauer Patienten ein Redner von Krantenjaal zu Krankenſaal ginge und zwischen 7 und 8 Uhr den vorbezeichneten Weg mit seinem Gespann. Blak 10/11( von 9-1 und 5-7 Uhr);„ Vorwärts"-Spedition, die Verteilung entsprechender Flugblätter vielen Batienten sehr willIm Dunkeln sah er an einem Wegweiser das Licht aufflackernder Streichhölzer. Als er diesem Bunft bei den Bergholzer Fichten näher Petersburger Platz 4; Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145; fommen wäre. Man sollte einmal bei der Strankenhausverwaltung gekommen war, wurde er von zwei Männern angerufen:„ alt Satzewski, Zigarrengeschäft, Feldstr. 9; H. Schröder, Zigarren anfragen, wie sie über diese Vorschläge denkt. In den Anstalten mal! Wo geht's hier lang nach Trebbin?" Als sie die geschäft, Hagelbergerstr. 53/54. gewünschte Auskunft erhalten hatten, sagte der eine von Beiden: 3. Sonntag, den 15. März, abends 8 Uhr. Na man los! Mach doch, Karlchen, um 5 Uhr geht Verkaufsstellen: Bureau des 6. Wahlkreises, Geder Zug von Trebbin!" Dem Kutscher fiel es auf, daß richtstr. 71( von 9-1 und 5-7 Uhr). Restauration Paersch, während dieser Unterhaltung der eine der beiden Männer sein Oldenburger Str. 10. Gesicht hinter dem aufgeschlagenen Joppenkragen zu verbergen 4. Freitag, den 20. März, abends 8 Uhr. trachtete, um anscheinend Verlegungen oder Merkmale im Gesicht zu verdecken. Einer Frau in Bergholz begegneten ebenfalls zwei Männer. Ihrer Angabe nach rühmte sich der eine feiner Kräfte als Herkules. Er fiel ihr durch eine Tätowierung am Arm auf. Der ältere soll größer und blond gewesen sein. Einer trug einen blauen Anzug, der andere einen Ueberzieher. Beide hatten Schlappmüßen auf. Auffallenderweise wurden zwei ebenso beschriebene Männer um 23 Uhr nachmittags auf der Potsdam- Saarmunder Chaussee von zwei Kindern gesehen. Diese Männer gaben einem Landwirt Auskunft über den Weg nach Trebbin. Vor diesen Männern müssen um ungefähr dieselbe Zeit die beiden Frauen mit ihren Wagen gefahren sein. Verkaufsstellen: Paul Horsch, Zigarrengeschäft, Engelufer 15. Baumann, Zigarrengeschäft, Rungestraße 30. Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145. Zatzewski, Zigarrengeschäft, Feldstr. 9. Zur Aufführung gelangt an diesen Tagen: Frau Warrens Gewerbe. Schauspiel in 4 Atten von Bernard Shaw. Sodann folgende Vorstellung im Deutschen Künstler- Theater, Nürnberger Straße, Sonntag, den 29. März, nachmittags 3 Uhr: Das Prinzip von Hermann Bahr. Verkaufsstellen: Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 15;„ Vorwärts"- Spedition, Petersburger Platz 4; Bureau des" sechsten Wahlreises, Gerichtstr. 71( von 9-1 und 5-7 Uhr); Bigarrengeschäft Schröder, Hagelber Str. 53/54. Wir empfehlen den Arbeitern und Arbeiterinnen den Besuch der angekündigten Vorstellungen. Der Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Parteiangelegenheiten. Ein gräflicher Wohltäter. Graf Wilhelm Heinrich Redern hat an seinem 26. Geburtstage eine halbe Million Mark zur Errichtung einer Pensions- und Unterstützungstasie für Beamte und Arbeiter und zum Bau und Betriebe eines Alters- und Krankenheims für Arbeiter gestiftet. Anlaß zu der Stiftung bot der Verkauf der zum Redernschen Fideitommiß gehörigen Herrschaft Lanke an die Stadt Berlin. Graf Redern, der kurze Zeit bei den Gardes- du- Corps stand, pflegt dem " Deutschen Sport" zufolge den größten Teil des Jahres im Ausland, zumeist in Paris, zuzubringen. Die Stadt Berlin hat die Herrschaft Lanke für den Preis von 20 Millionen Mark erworben. Da kann man leicht den Wohltäter ſpielen. Vorsicht beim Austritt aus Kirche und Tempel! Die im letzten Jahre zum Entsetzen der Frommen angeschwollene Austrittsbewegung macht es den Geistlichen, Kirchen- und Tempelratsmitgliedern und sonstigen Dienstbeslissenen schwer, alle die Ausreißer zu besuchen. Da macht man es sich bequemer und bestellt die Untreuen zu sich hin. Vor uns liegt ein Schreiben( gedruckt) mit folgendem Inhalt: Sehr geehrte( Namen Handschriftlich). Betreffs Ihrer Austrittserklärung aus der ev. Landeskirche bitte ich, einer mündlichen Aussprache wegen,( Tag), den( Datum), zwischen( Beit), um Ihren werten Besuch. Mit Hochachtung ( Name) ( Wohnung). Es ist weit genug gekommen mit einer Kirche, welche schon die Firma versteckt. D, über Euch Kleingläubigen! Gefundene Kindesleichen. Auf dem Gelände des Jagens 87 entdeckten Spaziergänger in einem dichten Gestrüpp ein Patet. Als sie es öffneten, fanden sie zu ihrem Entsetzen die Leiche eines neugeborenen Knaben darin bor. Sie verständigten von dem schaurigen Fund die Polizei.- In einem Abteil 3. Klasse eines Grunewaldzuges entdeckten Bahnbeamte bei einer Revision der Wagen im Paketnetz die Leiche eines etwa bierzehn Tage alten Kindes weiblichen Geschlechts. Da auch in diesem Falle der Verdacht naheliegt, daß ein Verbrechen in Frage steht, so wird der Leichnam auf Anordnung der Polizei gerichtlich obduziert werden. Eine andere Beobachtung bezieht sich auf einen Mann, der wenige Tage vor dem Doppelmord in der Nähe des fleinen Ravenberges sich aufhielt und einer Holzsammlerin seine Hilfe anbot. Auffällig soll dieser Mann dadurch sein, daß er beim Sprechen die Stirne in Falten zu ziehen pflegt, dadurch gerät der Hut in wippende Bewegung. Eine andere Frau behauptet, von einem Mann mit triefenden Augen überfallen worden zu sein. Es müßte fich also um einen Heidengänger handeln, der auf die Gelegenheit lauett, Holzfrauen nachzustellen. Angaben, die die eingehende Recherchen veranlaßten, machten Frauen über einen Bahnbeamten, der zwei Männer in der Nuthegegend gesehen haben will. Sehr wertvoll ist eine gestern vormittag bekannt gewordene Mitteilung zweier Knaben, die behaupten, am Freitag gegen Aus diesem Schreiben, das nur mit einem Namen unter Weg. 4 Uhr am Teufelssee gewesen zu sein. Von ihren Wahrnehmungen laffung der Amtsbezeichnung unterschrieben ist, fann niemand er wird viel für die weiteren Fahndungen abhängen. Allem Anschein Neukölln. Heute abend ist bei Bartsch, Hermannstraße 49, die sehen, um was es sich bei der Einladung handelt. Man scheint nach wurde einem der Täter bei dem wütenden Kampfe mit seinem Versammlung der Jugendsektion. Genosse Richard Seidel spricht den Glauben erweden zu wollen, es hänge dies Opfer durch Krawunden das Brandmal des Mordes ins Geficht über das Thema: Der Mensch der jüngeren Steinzeit". Alle Schreiben mit der Austrittsbewegung oder den bereinigten Komitees geschrieben. Damit decken sich folgende Zeugenangaben: Dertlich jungen Arbeiter und Arbeiterinnen werden dringend gebeten, zu zusammen. Fallen die Leute darauf hinein, so hofft man, dies sehr gut vereinbart mit dem Zusammentreffen des Kutschers der dieser Versammlung zu erscheinen. felben bearbeiten zu können. Potsdamer Abdeckerei mit zwei Männern auf dem Wege Bergholz- Wilmersdorf. Am Freitag, den 6. März, abends 81/2 Uhr: Rangerwisch ist eine Begegnung, die am Sonnabend früh ein Schau- Deffentliche Versammlung im„ Vittoria- Garten"( großer Saal), steller in Wildenburg, das dahinter liegt, hatte. Auf ihn famen Wilhelmsaue 114. Genosse Dr. Rudolf Breitscheid spricht zwei Leute zu, der eine größer und robust, der andere kleiner, über das Thema:" Boltsfeindliche Politik in Wilmersdorf und die die ihn nach dem Weg nach Luckenwalde fragten. Im Laufe des Sozialdemokratie". Zu der freien Aussprache sind der Magistrat und Gesprächs erzählten sie ihm, sie hätten in Trebbin genächtigt und die Stadtverordneten schriftlich eingeladen. Männer und Frauen seien Roßschlächter und Schlächtermeister. Einer von ihnen trug jeder Parteirichtung sind willkommen! einen schwarzgrauen Umhang. Bereits am Donnerstag wurde Friedenau. Am Freitagabend von 7 Uhr an findet von den nun in Potsdam ein Mann mit einem Umhang, der außerdem Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Die für heute( Mittwoch) angesagte öffentliche Versammlung noch durch seinen, einem Jägerhut ähnelnden Hut auffiel, an tann umständehalber erst in der nächsten Woche abgehalten werden. mehreren Stellen der Stadt gesehen. Zuletzt an der Kaiser- Wil- Näheres wird noch bekanntgegeben. Der Vorstand. helmsbrücke. Dieser Fremde hatte einen Stock unter dem Arm, Lichterfelde. Infolge der bevorstehenden Gemeindewahlen findet an seinem Umhang hing eine Kapuze und er trug gestreifte Hose. am Freitag, den 6. März, abends 8 Uhr, für den ganzen Ort ein Auch der Schausteller hatte unabhängig von dem Potsdamer Zeugen gemeinsamer Zahlabend bei Wahrendorf, Bätestraße statt. Da die angegeben, daß der eine der Männer einen Jägerhut aufhalte. Wahlen zahlreiche Hilfskräfte in Anspruch nehmen, müssen die GeNachweislich nächtigte der in Potsdam beobachtete Fremdling am nossinnen und Genossen aller Bezirke anwesend sein. Aus dem zweiten Stockwerk herabgestürzt. Donnerstag in der Herberge in der Junkerstraße. Am Sonntag Potsdam. Heute Mittwoch, abends, bei Hausmann, WahlDie Verzweiflungstat eines jungen Mädchens rief gestern vorfrüh näherte sich bei Wilhelmshorst einem Jungen ein aus dem vereinsversammlung. Tagesordnung u. a.: Vorstand swahl. Walde kommender Mann, der an ihn die Frage richtete:„ Ist hier Ober- Schöneweide. Freitag, den 7. März, abends von 7 Uhr mittag in der Gneisenaustraße Aufsehen hervor. Das zwanzigjährige: schon etwas von dem Mord bekannt?" Auch der Junge beschrieb ab: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Es ist Dienstmädchen Martha F., das bei dem Oberingenieur B., Gneisenauden Menschen so wie der Schauspieler einen der beiden. Ferner notwendig, daß sich die Genossinnen und Genossen pünktlich und straße 66, in Stellung ist, stürzte sich aus dem zweiten Stockwerk soll denselben Mann ein Mädchen, in der Nähe des Teufelssees zahlreich einfinden, da es gilt, zum Frauentag und zur Gemeinde- auf den gepflasterten Hof und zog sich schwere innere Verlegungen, Die Bezirksleitung. zu. Mittels Krantenwagens wurde die Lebensmüde nach dem Krankenam Freitag gesehen haben. Gestern begab sich der Nowaweser Kommissar Julian mit den beiden Knaben nach der Mordstelle. zahlabend bei Mille. Bruchmühle. Heute( Mittwoch) abend pünktlich 8 Uhr, Extra- hause am Urban gebracht. Die Jungen versichern, am Freitag nachmittag am Teufelsfee Eisenbahnstation Seddinsee. Eine für die Berliner Ausflügler einen verdächtigen Menschen beobachtet zu haben, der einen erfreuliche Nachricht kommt aus der Eisenbahndirektion Berlin. Schon Knüppel in der Hand hatte. Eine Holzfällersfrau aus Bergholz sah feit langem wurde es recht unangenehm empfunden, daß zum schönen am Freitag gegen 4 Uhr also vor der Tat zwei Männer in der Seddinsee, der im Sommer das Ziel vieler tausender Naturfreunde ist, teine ausreichende Bahnverbindung war. Der Seddinsee war Schenke von Heere. Der eine war groß, stramm und trug eine bisher nur von Michendorf aus, der dritten Station hinter Wannsee, Sportmüße, der andere war kleiner, jünger und hatte einen Soll in öffentlichen Krankenhäusern auch für die zu erreichen. Jetzt hat die Eisenbahnverwaltung 16 Minuten vom lässigen Gang. Der Größere schlug an der Wegkreuzung die Rich Befriedigung religiöser Bedürfnisse der Kranten gesorgt See entfernt eine neue Haltestelle errichten lassen, wodurch der Betung nach dem Teufelssee ein, der Jüngere holte Schnaps und werden? An sich wäre dagegen nichts einzuwenden. Wer in such des landschaftlich schönen Gewässers sehr erleichtert wird. kam dann nach. Zweifellos haben die Mörder die Frauen beraubt. gesunden Tagen in die Kirche zu geben liebt, wird wahrscheinlich Einem Wüstling fiel das 4 Jahre alte Töchterchen eines Arbeiter Frau Witt wurde das Portemonnaie mit 2 M. entwendet, Frau in der Krankheit ebenso sehr und vielleicht noch mehr nach dem ehepaares aus der Manteuffelstraße in die Hände. Die Mutter hatte Schwart hatte ein Fünfmarkstück bei sich, das ebenfalls fehlt, mit Pastor verlangen. Will er einen Pastor oder sonst einen Diener der Kleinen erlaubt, auf dem Hofe zu spielen. Sie lief aber von dem sie den Bäcker bezahlen wollte. Wichtig sind die der Kirche an seinem Bett sehen und im privaten Gespräch mit dort auf die Straße hinaus und hier rief ein Mann sie zu sich, verWahrnehmungen zwei Knaben. Sie erzählten Folgendes:" Sie ihm sich erbauen, so möge weder ihm noch dem Diener der sprach ihr Bonbons, lockte sie in ein Nebenhaus und vergewaltigte befanden sich am Freitag zwischen 4 und 25 Uhr etwa 300 Stirche jemand das verwehren. Dagegen halten wir es für sie dort auf der Bodentreppe. Das Kind spricht von einem Mann Meter vom Tatort entfernt auf einem Querwege, der rechts ungehörig, ohne weiteres in den Sälen öffentlicher Kranken- Es ist dies wahrscheinlich derselbe Mann, der vor einigen Tagen mit schwarzem Bart, schwarzem Leberzieher und schwarzem Hut. abbiegt. Sie wollten eben mit dem gesammelten Holz den Heim- häuser regelrechte Gottesdienste zu veranstalten. Wer sich von der ein kleines Mädchen in der Weserstraße zu Neukölln mißbrauchte. weg nach Nowawes antreten, als ihnen aus den Kuscheln ein Mann Kirche losgelöst und freigemacht hat, wird es ablehnen, sich eine alle Eltern werden gut tun, ihren Kindern die größte Zurückhaltung entgegentrat, der ihnen den Weg verlegte und zurief:" Schert euch Predigt aufnötigen zu laffen. Wenn ihm das gar in Krankheits- gegenüber fremden Leuten dringend einzuschärfen. weg, macht, daß ihr anders lang kommt!" Dabei schwang der Mann tagen widerfährt, muß er es doppelt störend empfinden. Selbstmord eines Professors. In der Wohnung seines Schwagers, drohend einen Knüppel und sie rissen nach dem Caputher Heuweg In unseren öffentlichen Krankenhäusern scheint man anderer des Syndikus Braumüller in der Pariser Str. 14 zu Wilmersdorf zu aus. Sie beschrieben diesen Mann folgendermaßen: Er war Meinung zu sein und bei ungläubigen Kranken feine Abneigung tötete fich gestern abend der Professor Bodiel aus Pyrit durch 25 bis 30 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß, er trug bräun- gegen falbungsvolle Ansprachen und fromme Lieder vorauszusehen einen Dolchstich in das Herz. Professor B. hatte sich wegen einer lichen Ulster mit Querriegel und 1 Knopf, bräunlichen Hut, tief Daß in solchen Anstalten die Ungläubigen sehr stark vertreten schweren Erkrankung nach Berlin in ärztliche Behandlung begeben ins Gesicht gezogen, schwarze Hosen, englisch geschnittenen Schnur- und sicherlich weitaus in der Mehrheit sind, könnten auch und schon wiederholt Selbstmordabfichten geäußert. Die Leiche bart. Der Mann war dunkelblond, fiel durch zahlreiche Pickel im die Krankenhaus direktoren wissen. Aber selbst in den Kranken- wurde polizeilich beschlagnahmt. Gesicht auf und schien den besseren Ständen anzugehören. häusern der Stadt Berlin find Patienten nicht sicher davor, Im Apollo- Theater gelangte am Montagabend das neue März Gestern vormittag wurde in Moabit ein Mann mit zertraktem daß am Sonntag ein Pastor oder ein Missionar in den Saal programm zur Aufführung. Daß der Hauptschlager: Hartstein, wahl einzuladen. Berliner Nachrichten. Krankenhaus oder Bethaus? »Der Stolz der 3. Kompagnie', sich auch im neuen Monat im- geschwächt erhalten würde, hatte wohl niemand bezweifelt. Obwohl dieser urkomische Rheinländer bereits zum 71. Male die Bretter des .Apollo" zierte, war des Lachens kein Ende. Auch der prolongierte Otto Röhr, Humorist am Flügel, löste durch seine vortreffliche Mimik wie durch seine originelle Art des Vortrags an diesem Premieren- tage die gleichen Wirkungen auf die Lachmuskeln der Zuhörer aus wie vordem. Außer diesen beiden.Zugnummern" ist das Pro- gramm um einige vortreffliche Piecen bereichert. Da« Paar Leö Jaurice führt vornehme Tänze auf, die durch die Eleganz der Be- wegungen bei dem Publikum großes Interesse hervorriefen. In den Akrobaten Heroldes sahen wir eine Truppe, die auf ihrem Gebiet Vortreffliches leistet, und die komischen Radfahrer Browings BrotherS sind Künstler von Klaffe. Nicht unerwähnt feien die erstaunlichen Vorführungen der dreisierten Kakadus BelloniS. Auch sonst bot das Programm noch eine Reihe des Jntereffanten. Verloren. Am Sonntag, den 1. März, ist auf dem Wege nach dem Turnplatz des Turnvereins.Fichte" in Treptow ein goldenes Medaillon mit Kette verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, seine Adresse anzugeben rchp. abzugeben bei E. Rennert, Jahnstr. 13. Kleine Nachrichten. In seiner Werkstatt vergiftet hat sich der K2 Jahre alte Tischlermeister Hugo Dreher aus der Schlestichen Straße. — Im Tiergarten erschossen hat sich Montag abend ein unbekannter Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht bestimmt feststeht, der aber nach Papieren, die man bei ihm fand, wahrscheinlich ein 26 Jahre alter aus Bromberg gebürtiger Kaufmann Paul Bartsch ist. Wahr- scheinlich hat Mittellosigkeit den jungen Mann in den Tod getrieben. denn er besaß nur noch ettvas mehr als eine Mark.— In der Aschinger-Bierquellc am Oranienburger Tor vergiftete sich gestern nachmittag die 30 Jahre alte Kassiererin Martha Lentes aus der Schwartzkopfstr. 19. Die Leiche wurde beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Das Motiv der Tat scheint in der langen Stellungslosigkeit der Kassiererin zu liegen. Vorortnachrichten. »Die Justiz im Dienste öer Politik." lieber dieses Thema sprach am Montagabend Genossin Rosa Luxemburg und S. Stadthagen in der Arbeiterstadt Lichtenderg. Schon kurz nach 7 Uhr zeigte das Straßenbild ein gänzlich verändertes Aussehen. Scharen auf Scharen strömten zum Versammlungslokal, dem in der Frankfurter Chaussee belegenen „Schwarzen Adler". Bald war der große Saal, aus dem sämtliche Tische entfernt waren, überfüllt, bald sämtliche Nebenräume zum Brechen voll, und immer noch heischten neue Mafien Einlaß. Schon eine Stunde vor Beginn der Versammlung sperrte die Polizei die Versammlungsräume. Die Referenten, Genossin Luxemburg und Genosse S t a d t h a g e n, die sich nur mühsam einen Weg durch die dichtgedrängte Menge bahnten, wurden mit begeisterten Ovationen empfangen. Die glänzende Rede der Genossin Luxemburg über »Die Justiz im Dienste der Politik" wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Als Rednerin die ReichstagSrede Bebels zitierte. die sie auch in Frankfurt zur Sprache gebracht und die vom Staats- anwalt wiederholt angeführt wurde, jenen PaffuS von dem hollän- dischen Kolomalsoldaten, der in der Notwehr den Unteroffizier nieder- schlug— brauste minutenlanger Beifall durch den Saal..Mit uns das Volk, mit uns der Sieg I" so schloß Genossm Luxemburg. Auch der zweite Referent, Genosse S t a d t h a g e n. der daS Frankfurter Urteil von der juristischen Seite beleuchtete, erntete leb- Hasteste Zustimmung. Mit beißendem SarkasmuS zerpflückte er das Plaidoher des Staatsanwalts und das Frankfurter Urteil. Als er die täppische Furcht des Staatsanwalts, der sogar von der„roten" Rosa sprach, ironifiert«, löste sich stürmische Heilerkeit aus. Wenn er auch die Agitation der Genossin Luxemburg sehr hoch einschätze, so müsse er doch konstatieren, daß noch andere ihr über seien, nämlich: Staatsanwalt und Richter in Frankfurt. Diese aufpeitschende Agi- tation sei sehr hoch einzuschätzen; in der Roten Woche müsse sie uns ausgezeichnete Dienste tun. Darum: Dank dem Staatsanwalt I Frisch auf zum Kampf! Trotzdem das Lichtenberger Lokalblättchen die bürgerlichen Gegner eifrig zum Besuch der Versammlung anfeuerte, um die Meinung der„roten" Rosa zu hören, meldeten sich Gegner nicht zum Wort. Die eingebrachte Resolution, die der gestern veröffent- lichten Steglitzer gleicht, wurde einstimmig angenommen. Der Vor» fitzende, Genosse I a f f k e, ermahnte zum Schluß in eindringlichen Worten, in der Roten Woche die Ausführungen der Referenten in die Tat umzusetzen. Mit brausenden Hochrufen auf die Sozial- demokratie, auf Rosa Luxemburg und Sladthagen wurde die Ver- sammlung geschlossen. « Nach der Versammlung gaben Hunderte Genossinnen und Ge- nosien der Rednerin das Geleit. Eine starke Schutzmannskette wollte den Gang über die Proskauer Straße hinaus nicht gestatten. Sie schien aber allmählich einzusehen, daß die Straße dem Verkehr zu dienen habe und man niemand wehren darf, nach Hause zu gehen. Ein Polizeileutnant ftagte die dann in der Mitte der Franksurter Allee Weiterziehenden ganz verwundert, wohin denn die vielen Per- sonen gehen. An der Petersburger Straße trennten sich die Genossen mit Hochrufen auf die Referenten. Neukölln. Stadtverordneten-Ersatzwahlen. Am Freitag, den 6. März, in der Zeit von 11 bis 9 Uhr, finden im 2. und 3. Bezirk für die zweite Abteilung Ersatzwahlen statt. Die Gegner arbeiten mit allen Mitteln, um die Mandate zu ge- Winnen. In einem Flugblatt wird von maßlosen Forderungen, kraffem Terrorismus, Nichtachtung der ehrlichen Ueberzeugung Andersdenkender, Herrschaft der Masse und wirtschaftlichem und moralischem Niedergang gefaselt. Die Freiheit des Bürgertums soll ein Ende haben, wenn die Sozialdemokratie die Mandate er- ringt. Bei solchen Stilübungen muß doch wirklich jedem„Orb- nungSmann" eine Gänsehaut überlaufen. DaS ist also die Kampfesweise von angeblich liberalem ja sogar fortschrittlichen Leuten, damit glauben die Leute noch Eindruck zu machen. In Wirklichkeit sind diese öden Schlagwörter dem Reichsverband und der M.GlaoNacher Sudelküche entnommen. DaS Flugblatt wird zur höheren Weihe von den diversen Grundbesitzervereinen, fort- schrittlichen Bezirksvereinen, dem Bund der Festbesoldeten, dem Verein des BundcL deutscher Militäranwärter, der Schulpolitischen Vereinigung und dem Verein stäotischer Beamten gezeichnet. Wahrlich eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, die schon allein durch ihre Titel beweist, daß sie„Allgemeinintereffen" ver- treten wird. Die Agitation scheinen in der Hauptsache die städtischen Beamten zu betreiben, da wird die.Angströhre" herausgesucht. man stellt sich als Magistratssekretär vor, erzählt hübsch, daß ein jeder sieben Wähler zu bearbeiten hat, frägt, um welche Zeit daS Automobil zur Abholung kommen soll und noch anderes. Wenn diese Tätigkeit eine so ganz freiwillige ist, müßten die be- treffenden mit Blindheit geschlagen sein. Keine Partei ist so rück- haltlos für die Verbesserung ihrer Lage eingetreten wie die Sozial- Demokratie. Aus alledem ist zu ersehen, daß unsere Parteigenossen und alle freiheitlich denkenden Bürger Neuköllns alles aufbieten müssen, um den Sieg an die Fahne der Sozialdemokratie zu bringen. Ein jeder muß diese schofle Kampfesweise als einen Faustschlag ins Gesicht empfinden und seine ganze Kraft in den Dienst der Gerechtigkeit stellen. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind im 2. Bezirk Dentist Hans Berwald, im 3. Bezirk Eigentümer Paul P e t r i. Auf an die Wahlarbeit! Schöneberg. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde in nichtöffentlicher Sitzung der Personaletat beraten und dio»om Magistrat vorgeschlagenen Erhöhungen größtenteils abgelehnt. In- folge des Vertrages mit Wilmersdorf über Benutzung von 159 Betten im städtischen Krcmkenhause ist die Einrichtung eines Pa- villons erforderlich. Die hierzu erforderlichen Kosten von 59 999 Mark wurden bewilligt. Der Beschaffung eines Automobillösch- zuges für die Hauptfeuerwache wurde einmütig zugestimmt. Hier- auf gelangten die Einzeletats zur Beratung. Beim Friedhofsetat beantragte Genosse Hoffmann, die Leichenträger anzustellen; ein Risiko erwachse der Stadt nicht, da die Betreffenden auch ander- weitig beschäftigt werden könnten. Stadtrat Schüler wendete sich gegen den Antrag. Nachdem noch Genosse Hofftnann für den An- trag gesprochen, lehnte die Versammlung den Antrag ab. Beim Gärtnereietat bedauerte Genosse Peterson, daß die Gärtnereiver- waltung einen Teil städtischer Arbeiten an einen Unternehmer ver- gebe, der geringere Löhne zahle als die Stadt. Stabtrat Härder erklärte, daß es üblich sei, die Arbeiten in der Weise zu vergeben. Genosse Bernstein rügte ein derartiges Verfahren, das gerade von keinem sozialen Verständnis zeuge. Hierauf berichtete Genosse Küter über den Etat der Volksbadeanstalt. Genosse Mohs wies auf Uebelstände in der Badeanstalt hin und fragte an, wann eine Er- Weiterung bzw. Neuerrichtung eines Hallenschwimmbades in An- griff genommen werde. Der Magistrat schwieg sich hierüber aus. Bei der Tiefbauverwaltung rügte Genosse Bäumler, daß bei den Lagerplatzarbeitern, obwohl einige bis zehn Jahre beschäftigt, eine Anrechnung der Dienstjahre nicht erfolge, es würden immer noch die Mindestlöhne von 26 M. wöchentlich gezahlt. Er be- antrage daher, diese Jahre anzurechnen. Ferner teilte der Referent mit, daß die Fahrkarten zum Preise von 4,19 M. erneut bewilligt sind. Stadtrat Roemer betonte, daß die Angelegenheit der Lager- platzarbeiter der Deputation für Arbeitsfragen unterbreitet werde, die demnächst zusammentrete. Den Beschwerden über schlechte Straßenpflasterungen könne jetzt nicht beigetreten werden. Der Antrag des Genossen Bäumler, den Lagereiarbeitern die Dienst- jähre anzurechnen, wurde abgelehnt, nur die Sozialdemokraten stimmten dafür. Beim Armenetat wurde beschlossen, daS Gehalt per Küchen-, HauS- und Dienstmädchen auf jährlich 399 M.� zu erhöhen. Genosse Peterson teilte noch mit, daß über Uebelstände in der Armenverwaltung Klage geführt würde, besonders gebe das Verhalten der Armenvorsteher oazu Anlaß; dieselben erhielten zwar für Hergabe eines Zimmers 399 M., doch würden die Leute meist in der Küche abgefertigt. Der Betrag für Seelsorge im Altersheim sei zu streichen, dagegen sollte man den alten Leuten den täglichen Zuschuß etwas erhöhen. Salinger(Lib. Frakt.) meinte, in der Küche seien keine Armen abzufertigen, aber soweit dürfe es nicht gehen, daß der Armenverwaltung nach außen hin ein Vor- Wurf gemacht werde. Stadtrat Waßmannsdorf meinte, die vor- gebrachten Beschwerden seien nicht so tragisch zu nehmen, auch wenn flrmenvorfteher die Armen in der Küche abfertigen. Aus gewisse Leute, die um Almosen einkommen, müsse eine energische Hand ehalten werden. Der Antrag, den armen Leuten pro Monat M. statt 1,59 M. zu gewähren, wurde nach zweimaliger Ab- timmung durch die Liberalen abgelehnt. Beim Feuerlöschetat wurde mitgeteilt, daß bei den Feuerwehrleuten das Besoldungsdienstalter herabgesetzt worden sei und daS Endgehalt statt in 24 Jahren, nunmehr in 21 Dienstfahren erreicht»erde. Di« Petition der Ober- euerwehrkeute um eine besondere Erhöhung, sowie die der nicht- aktiven Feuerwehrleute, die als Heizer und Boten tätig find, wurde von der Mehrheit der Liberalen abgelehnt. Beim Steuerstat wurde mitgeteilt, daß der Betrag für die Provinzabgabe sich um 59 999 M. ermäßigt habe. Ferner wurde der Magistrat ersucht, festzustellen, wie hoch sich die Erträgnisse der Wertzuwachssteuer nach der Schöneberger Wertzuwachssteuer- ordnung belaufen. Genosse Bernstein bedauerte, daß die Stadt nur sehr wenig Mittel befitzt, um die Besitzer de? Geländes in der Martin-Luther-Straße zu zwingen, ihre Grundstücke, die mit einem Zaun umgeben find und als Verunzierung der Stadt dienen, zu veräußern oder besser zu gestalten. Die Militäränwärter sollen eine besondere Gehaltserhöhung erhalten. Genosse Küter betonte, nach der Erklärung des Kämmerers werde die Erhöhung nur für einen Teil gewährt, das könnten die sozialdemokratischen Vertreter nicht mitmachen. Die Mehrheit nahm daraufhin den Stückwerkantrag an. Ferner wurde beschlossen, die für die Herstellung des Kaiser- Wilhelm-Jubiläums-SpielplatzeS notwendigen Vorarbeiten so recht- zeitig in Angrifl zu nehmen, daß der Spielplatz im Jahre 1916 seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die Interessenten des Handels und der Gewerbetreibenden er- suchten, die Erhöhung des FortbildungSschulgeldes abzulehnen. Munck(Freie Fraktion) erklärte, seine Fraktion sei zu der Neber- zeugung gekommen, daß die Erhebung von Schulgeld abzulehnen sei. Genosse Küter sprach sich für Schulgeldfreiheit aus. Die kleinen Handwerker und Kaufleute würden damit bedeutend belastet, darum sollte man die Regierung veranlassen, ihren bisher gezahlten Betrag zu erhöhen statt zurückzuziehen. Mit 23 gegen 18 Stimmen wurde die Erhebung von Schulgeld beschlossen. Die liberale Fraktion stimmte einstimmig für Erhöhung. Engel(Lib. Frakt.) wünschte die kleinen Handwerker zu entlasten und die größeren Betriebe stärker heranzuziehen. Hierauf folgte geheime Sitzung. Steglitz. Tie Gcmcinbevertreterwahlen. DaS bereit? gestern gemeldete Teilresultat wurde durch die Wahlen am Dienstag bestätigt. ES wurden gewählt im 1. Bezirk die Genossen Krug und L e i m ba ch mit 1213 Stimmen, während auf die Hausbesitzerpartei nur 1153 Stimmen entfielen. Im 2. Bezirk wurde der Demokrat Oberst a. D. Gädke mit 1499 Stimmen gewählt, während es sein Gegen- kandtdat nur auf 1165 Stimmen brachte. Tegel. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl fielen auf den Genossen Alexander Meyer 599 Stimmen, während der bürgerliche Gegen» kandidat nur 349 Stimmen erhielt. Genosse Meyer ist somit gewählt. Bei der am Montag stattgehabten Wahl entfielen auf unseren Genossen Ma ffa nickt 539, sondern 551 Stimmen. Samt- liche zu wählenden Mandate der 3. Abteilung fielen somit in unseren Besitz. Pankow. De« Ratskeller statteten Einbrecher in der Nackt zum Dienstag einen uneiwünichten Besuch ad. Sie waren Vom Hof aus durch die Köche in den Ratskeller eingedrungen und erbeuteten hier für un- gefähr 1999 M. Sitberplatten und Tafeltücher. Johannisthal. Die Gemeindevertreterwahl der 3. Klasse endete mit dem Siege unseres bisherigen Vertreters Genossen Albert G o b i n. Trotzdem ein Angesessener zur Wahl stand, hatten unsere Gegner, jedenfalls in Ermangelung anderer geeigneter Durchfalls- kandidaten, zwei Nichtangcsessene aufgestellt. Von 1962 Wahl- berechtigten erhielten Herr Gabriel vom Beamtenwohnungsverein 26 und Ott Kandidat des Bürgervereins Herr Otto Kerger 29 Stimmen, während für den Genoffen GoMn 376 Stimmen ab- gegeben tvurdcn. Zieht man in Betracht, daß die Wahl am Sonn, tag stattfand, so muß die Wahlbeteiligung als äußerst gering be- zeichnet werden. Aus dem Resultat der abgegebenen Stimmen er- gibt sich die Vermutung, daß die zahlreich am Ort vertretene Bahnarbeiter- und Beamtenschaft durch Fernbleiben von der Wahl gegen die öffentliche Stimmenabgabe protestierte.— Konnte in der 3. Klasse von einem eigentlichen Wahlkampf nicht die Rede sein, so gestaltete sich die Wahl der 2. Abteilung, in der unsere Genossen das Zünglein an der Wage bildeten, zu einer äußerst spannenden. Galt es doch, einen Reaktionär der gemeingefähr- lichsten Sorte, den fast allmächtigen Beherrscher Johannisthals, Baron Trützschler von Falkenstein, zu Fall zu bringen. Trotzoem der Herr Baron gewissermaßen in Johannisthal nur eine Schlaf. stelle besitzt, indem er sein Grundstück vermietet hat, und nur den Schein als Einwohner wahrt, war es ihm, der die Interessen der v. Trützschlerschen Erben in der Gemeindevertretung zu wahren hat, lange Jahre möglich, auf die Mehrheit der Gemeindevertreter seinen unheilvollen Einfluß auszuüben. Nebenbei dürfte er den Rekord in der Beschimpfung unserer Partei geschlagen haben. Sein wohlverdientes Schicksal hat ihn ereilt. Bei einer guten Wahl- beteiligung, es wurden den 93 eingeschriebenen Wählern 67 Stimmen abgegeben, erhielten Herr Kaufmann Ernst, Kandidat des Bürgervereins, 36 Stimmen, Herr v. Trützschler 27. Vier Stimmen entfielen auf Herrn Gastwirt Mendt. Herr Ernst ist somit gewählt. Im Wahlgang der 1. Abteilung(zwei eingeschriebene Wähler) ernannten sich die Herren Dr. med. Dietrich und Dir. Kalinke vom Flugplatz gegenseitig zu Gemeindevertrctern. Einen fröhlichen uno humoristischen Abschluß fand die Wahl der 2. Abteilung dadurch, daß eS sich zwei unserer Genossen nicht nehmen ließen, dem anwesenden Herrn v. Trützschler ein Abschieds- ftändchen zu bringen. Unmittelbar nach Verkündung des Wahlresultats durch den Herrn Gemeindevorsteher ertönte mit Trom- petenschall und Klavierbegleitung die lustige Weise:„Muß i denn, mutz i denn zum Stäbtie hinaus". Und danach das schwermütige: ..Behüt dich Gott, es war so schön gewesen". Soviel Anteilnahme hatte der Herr Baron nicht erwartet, ganz geknickt saß er da— eine geborstene Säule. Mahlsdorf an der Ostbahn. Bei der Gemeindevertreterwahl siegte im Nordbezirk Genosse Giese mit 121 Stimmen. Auf die Gegner entfielen 85 und 9 Stimmen. Im Südbezirk trug Genosse Oertel mit 9? Stimmen den Sieg davon. Auf die Gegner entfielen 76 und 14 Stimmen. ,7riedrichshageu. AuS der Gemeindevertretung. Gegen die Richtigkeit der Wähler- liste waren drei Einsprüche erfolgt, von denen zwei als bereckligt anerkannt wurden. In der vorletzten Sitzung wurde gegen unsere Stimmen beschlossen, die Straßenremigung einem Privatunternehmer zu übertragen, nachdem sie jahrelang in eigener Regie verwaltet wurde. Da sich aus die Ausschreibung hin nur ein Unternehmer gemeldet hatte, der 19 999 M. für die Straßenreinigung forderte, wurde auf Antrag des Gemeindevorstandes das Angebot einsiimmiz abgelehnt. Aus der Mitte der Bersammlung wurde nunmehr der Antrag gestellt, eine neue Ausschreibung auf drei Jahre vorzunehmen, da die geringe Beteiligung wohl auf die. kurze Frist znrückzuführen sei, weil sich kein Unternehmer auf ein Jahr für einen derartigen Vertrag findet. Unsere Genossen wandten sich auch diesmal ganz entschieden gegen die Ausschreibung und verlangten, daß die Gemeinde unbedingt die Stratzenreinigung in eigener Regie beholten müsse. Nach längerer Debatte wurde gegen unsere Stimmen beschlossen, die Slraßenreinigung auf drei Jahre auszuschreiben. Die Ausschreibung soll am 1. Oktober stattfinden, damit am 1. April 1915 der neue Vertrag in Kraft treten kann. Hohen- Schönhausen. Der Gemeindcwahlkampf wird von den Bürgerlichen in aller Heimlichkeit geführt. Der Grundbesitzerverein Hohen-Schönhausen versendet an alle weiblichen und auswärts wohnenden Hauseigen- tümer ein Rundschreiben, dem ein Formular beigefügt ist, worin einem Gerichtssekretär A. Hahn die Vollmacht zur Stimmen- abgäbe übertragen werden soll. Zur Erreichung dieses Zweckes wird in dem Rundschreiben kräftig mit dem roten Lappen ge- schwenkt. Da die Herren offenbar befürchten, daß di« Forensen die Vollmachten mehrmals ausstellen könnten, ist in dem Formular ein Passus enthalten, nach dem alle vorher gegebenen Vollmachten für ungültig erklärt werden. Zum heutigen Mittwoch hat der Grundbesitzerverein im Lokal von R. Schulze eine Versammlung einberufen, zu der vorsichtigevweise nur di« bürgerlichen Wähler der dritten Klasse eingeladen werden. Unsere Genossen sino selbst- verständlich nicht müßig. Sind sie doch hier wieder diejenigen, die den Wahlkcnnpf in aller Oeffcntlichkeit führen. Heute, am Mitt- woch, kommen die Parteigenossen bei Genossen F. Reyher, Berliner Straße 93, zusammen zur Erledigung von Wahlarbeiten. Am Donnerstag, abends 7 Uhr, ergehen die Wahlaufforderungen an die einzelnen Wähler. Gleichzeitig findet eine allgemeine Flug- blattverbreitung statt zu einer am Freitag, den 6. März, abends 8 Uhr im Lokal des Herrn Max Kuß, Berliner Str. 94, an- beraumten Versammlung. In derselben wird Genosse Paul Brühl, Stadtverordneter in Lichtenberg, über �Sozialdemokratische Kom- munalpolitik" referieren. Ahrensfelde-Marzahn. Was will die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung? Ueber dieie» Thema referierte in einer gutbesuchten Kommunal« Wählerversammlung Stadtverordneter Genosse P. B r ü h l- Lichten- berg, Redner schilderte in großen Zügen die in den einzelnen Ge- meinden herrschenden Mißstände, Besonders betonte er die Rück- ständigkeit im Schulwesen, sowie der Armen- und Waisenpflege. In der Diskusflou brachten die Genoflen Ruppert und Lehmann ihr Bedauem darüber zum Ausdruck, daß der Amtsvorsteher von Marzahn den Antrag, die Wahl auf einen gesetzlichen Ruhetag zu verlegen, abgelehnt habe. Dasselbe treffe auch auf Ahrensfelde zu; auf den hier gestellten Antrag Hab« der Amtsvorsteher geantwortet. daß die Mehrheit der Wähler kein großes Gewicht auf die Anberaumung der Wahl auf einen Sonntag lege. Die Wablzeit ist nunmehr wie folgt angesetzt: IH. Klosse abends 6-7, II Klaffe 7->/J8, L Klasse V28-8 Uhr. Als Kandidaten wurden für Ahrensfelde in der III. Klasse die Genossen Gastwirt Julius Schneider und August U l f e r t, für Marzahn wurde in der m. Klosse der Genosse Hermann N i t s ch k« sen, einstimmig aufgestellt, Der Vorfitzende ersuchte die Versammelten, tatkräftig mit- zuarbeiten, um am Tage der Wahl über Erfolge der Sozialdemo- kratie berichten zu können. Alt-