Mr. 63. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit Muftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boit Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. is 192 Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 1hr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1983. Presse und Organisation sind die schärfsten Waffen im Befreiungskampfe der Arbeiterklasse. Jeder klassenbewußte Arbeiter kennt den Wert dieser Waffen. Auch unsere Gegner wissen, daß Presse und Organisation die wuchtigsten Waffen im Klassenkampfe find. Durch sogenannte wirtschaftsfriedliche Organisationen und eine " unpolitische" Presse suchen sie die indifferenten Arbeiter zu ködern, ſie ihren Klaffengenossen abtrünnig zu machen. Presse und Organisation Rüftet zur Roten Woche! Donnerstag, den 5. März 1914. derer Sprache als die Vertreter des Zollwuchers die Wünsche der arbeitenden Volksmassen verhöhnt. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Der nationalliberale Zollschußantrag, über den das preußische Abgeordnetenhaus am Mittwoch beriet, hat, wie Abg. Schifferer Gestern hat im preußischen Abgeordnetenhause, das in seinem Schlußwort ausdrücklich betonte, den Zweck, der Regieja ohne Rücksicht auf die rechtliche Kompetenz in. Wahrheit rung den Rücken zu stärken. Dieser Zweck ist erreicht worden, die die Handelspolitik des Reiches bestimmt, der Handels- großen Parteien" des Hauses haben sich, wenn auch die formelle minister v. Sydow auf einige Anzapfungen von national- Abstimmung noch ausgesetzt ist, für den durch ein freifonservatives liberaler und konservativer Seite wiederum völligen Gehor- Amendement noch verschärften Antrag ausgesprochen. Nur sind die sam gegenüber den Wünschen der zollwucherischen Mehrheit großen Parteien des Dreiklassenparlaments nicht auch die großen zugesagt. Der Staatssekretär Delbrück hatte Ende Ja- Parteien im Lande. Konservative, Freikonservative, Nationalnuar dieses Jahres im Reichstag mitgeteilt, daß die Regierung liberale und Zentrum bilden zwar im Abgeordnetenhause eine überdie Handelsverträge nicht füindigen wolle. Agrarier und wältigende Mehrheit, aber im Volk ist ihr Anbang geringer als der Großindustrielle haben inzwischen ihre Mißbilligung darüber der Fortschrittler und Sozialdemokraten, die den Antrag bekämpft ausgedrückt, daß dadurch ihre Wünsche auf Ausfüllung der haben. ,, zollpolitischen Lücken" wohl keine Berücksichtigung fänden. Im Grunde genommen sollte der Antrag nur die Grundlage und so hat denn gestern das gesamte Staatsmini- zu einer Agitation der Hochschutzöllner bilden. Wer aber geglaubt sterium durch Herrn v. Sydow diese Berücksichtigung hat, daß es nötig ist, der Regierung erst noch besonders den Rücken zu stärken, der wurde durch den Handelsminister eines anderen schleunigst zugesagt. Herr v. Sydow führte aus: Namens der Staatsregierung habe ich folgende belehrt. Herr Sydow verlas namens der Staatsregierung eine mit den Darlegungen des Herrn Stellvertreters des Reichs- Erklärung, in der klipp und klar das Bekenntnis zu der heutigen fanzlers im Reichstag vom 20. Januar in Einklang stehende und sie Wirtschaftspolitik zum Ausdrud fommt, zu jener Wirtschaftspolitik, in einigen Beziehungen ergänzende Erklärung abzugeben. Der die nach den Worten ihrer Anhänger nicht nur den Produzenten, auf der gleichmäßigen Berücksichtigung der gewerblichen und der sondern auch den Konsumenten so große Vorteile gebracht haben der klassenbewußten Arbeiterschaft weitmögliche Ver- landwirtschaftlichen Interessen aufgebaute 3oIltarif vom 25. De- soll, während sie in Wirklichkeit die Lebenshaltung des werftätigen breitung unter den bisher uns fernstehenden Arbeiter- zember 1902 hat sich nicht nur in seiner zolltechnischen Gestaltung Volkes ungeheuer verteuert hat. Diese Tatsache mit aller Deutlichkeit den Schlot- und Krautkreisen zu verschaffen, ist in der mit dem Frauentag bewährt, sondern auch den Anforderungen einer gefunden Wirtschaftspolitit, die produktiven Kräfte des Landes möglichst junkern vor Augen geführt zu haben, ist das Verdienst unseres Gebeginnenden Roten Woche Pflicht eines jeden Genossen. zu entwickeln, im wesentlichen entsprochen. Mit seiner nossen Reinert, der in groß angelegter Rede den Zollwucherern Hilfe ist ein hinreichender Schuß des Inland die Maske vom Gesicht riß, ihre selbstsüchtige Interessenpolitif marites erreicht, sotveit dieser gegenüber einem einem unter geißelte und mit aller Schärfe und Deutlichkeit den Zusammengünstigeren wirtschaftlichen Bedingungen arbeitenden Ausland er hang zwischen der Wucherpolitik und dem auf eine Entrechtung forderlich ist. Er hat sich auch als brauchbares Werkzeug für den und Knebelung der Arbeiterklasse hinzielenden Schrei nach einem Abschluß zahlreicher Handelsverträge erwiesen, die zur Erleichterung Zuchthausgefeh darlegte. Nicht ein Sartell der schaffenden Stände und Sicherung der Ausfuhr geführt haben. Daß dabei die Intereffen der ist es, wie Leinert unter lebhaftem Beifall seiner Freunde und inländischen Verbraucher, insbesondere der arbeitenden Klasse, unter großer Unruhe der Mehrheit hervorhob, ivas man anstrebt, nicht Schaben genommen haben, ist aus der allgemeinen sondern ein Startell der raffenden Hände, dem entschiedenen 2ohnsteigerung und der mit ihr berbundenen ebung der Widerstand zu leisten Pflicht aller Arbeiter sei. Lebenshaltung gerade der minderbemittelten Außer Leinert hatte nur noch Dr. Pachnide von den Boltsschichten zu erkennen. Für grundlegende Aenderungen Fortschrittlern den Antrag bekämpft. Aber so gut seine Argumente Die sieben Jahre, die seit Inkrafttreten der neuen oder die Ersetzung des Bolltarifes von 1902 durch einen auch waren, die Mehrheitsparteien wollen sie nicht gelten lassen; Handelsverträge verstrichen sind, waren lang genug, um alle neuen Tarif sind deshalb die Voraussetzungen nicht ge- höher als alle Vernunftgründe steht ihnen der Wille zur AusSchädigungen wirksam zu machen, die von der Sozialdemo- geben. Vom Standpunkt des zu vertretenden Gesamtinter- beutung des Volkes. Der alte Kurs. Russische Proteste. fratie als wahrscheinliche Folgen des Zolltarifs vorausgesagt effes fann weder von einem Abbau der gewerblichen Nach Erledigung des nationalliberalen Antrags begann die worden sind. Für jeden objektiven Beurteiler ist es un- oder landwirtschaftlichen Zölle die Rede sein, noch liegt Generaldebatte zum Handelsetat, die nach einer ebenso langen wie zweifelhaft, daß der Hochschuzzoll zwar den Agrariern und zurzeit ein Bedürfnis für eine allgemeine Verstärkung des inhaltslosen Rede des fonservativen Renommierhandwerkers Großkapitalisten reiche persönliche Profite gebracht hat, daß 3o Ilschutzes vor. Die Frage der unveränderten Auf- Hammer auf Donnerstag vertagt wurde. aber für alle anderen nur nachteilige Wirkungen zutage ge- rechterhaltung unseres Zolltarifes läßt sich nicht trennen von der treten sind. Die Entwickelung der Landwirtschaft hat sich nicht anderen Frage, ob die bestehenden Tarifverträge mit der gegenden Ansprüchen des Konsums anpassen können; der einseitigen wärtigen Vertragsperiode ablaufen werden oder ob sich eine Wer- Kiew, 3. März 1914. Der Kongreß der Erporteure hat Steigerung des Roggenanbaus steht die Vernachlässigung der ständigung über ihre Verlängerung wird erzielen lassen. Bei dem eine Resolution angenommen, in der es heißt, Rußland müsse Viehzucht gegenüber. Die Ernährung des deutschen Volkes Interesse, das das Geschäftsleben an der Fortdauer eingelebter Ver- fich von der für eine Großmacht erniedrigenden mit eigenen Produkten ist eine leere Phrafe geblieben; einige hältnisse hat, will die Regierung der Möglichkeit der Verlängerung wirtschaftlichen Abhängigkeit von Deutschland agrarische Produkte werden über den deutschen Bedarf hinaus der bestehenden Berträge nicht entgegentreten und ihrerseits nicht befreien. Unverzüglich sollen Maßregeln ergriffen werden, produziert und find trozdem erheblich teurer als im nicht darauf drängen, daß deren Ablauf im Wege der Kündigung herbei- um die Handelsbeziehungen zu anderen Staaten zu fördern. zollgeschützten Auslande, während andere durch die Zollmauer geführt werde. Wenn dagegen andere Vertragsstaaten glauben, sich Der Vorschlag des Staatssekretärs Delbrück, den bestehenferngehalten werden, ohne daß die Landwirtschaft sich be- nicht auf den gleichen Standpunkt stellen zu können, dann freilich den Handelsvertrag mit Rußland zu verlängern, sei nach der mühte, diese Produkte selbst in genügendem Maße zu schaffen. wird die Frage einer Zolltarifnovelle brennend, die unsere Rüft- Meinung des Kongresses für Rußland mehr als verDie Industrie zeigt zwar einen gewaltigen Aufschwung, der mittel für den Abschluß neuer Verträge verstärkt, neue Erscheinungen Iepend. Bei Abschluß des neuen Handelsvertrages müßten aber nicht infolge, sondern tros des Zollschutzes eingetreten auf dem wirtschaftlichen Gebiete berücksichtigt und zugleich einzelne schriftliche Kontrakte für die nach Deutschland gehenden russiist. Hat doch selbst der Syndikus des Zentralverbandes Mängel des Bolltarifs beseitigt. Um alsdann ein schnelles Vorgehen schen Arbeiter gefordert werden und den russischen Ardeutscher Industrieller anläßlich der amerikanischen Zolltarif- zu ermöglichen, find, worauf auch der Herr Stellvertreter des Reichs- beitern müßte in Deutschland der Arbeitersch i iz nach reform es ausgesprochen, daß hohe Zölle der Entwickelung der fanglere bereits hingewiesen hat, unter den beteiligten Reichs- und deutschen Gefeßen zugutekommen. Außerdem beschloß der Industrie schaden. Weshalb auch sollte sonst, um nur ein preußischen Ressorts Borarbeiten im Gange, die bereits so weit ge- Kongreß in der Frage des Arbeiterabgangs zu erforschen, Symptomt zu nennen, seit 1906 ein deutliches Abwandern zahl- fördert sind, daß Deutschland rechtzeitig einer veränderten Situation ob nicht innerhalb Rußland für die jetzt abwandernden Arreicher industrieller Unternehmungen nach dem Auslande statt- wird entgegensehen können.( Lebhafter Beifall rechts.) Die für beiter Arbeit unter Bedingungen zu finden sei, die denen in gefunden haben! Die für Deutschland so wichtige Fertig- diesen Fall beabsichtigten Maßnahmen vor der Zeit anzugeben, er- Deutschland nicht nachständen. fabrikatindustrie mit ihrer in aller Welt bekannten Qualitäts- scheint aus naheliegenden Gründen nicht angezeigt.( Lebhaftes arbeit flagt nicht minder über die Zölle auf Rohprodukte als Sehr richtig!) Unter allen Umständen wird die Regierung auch einer über die auf Lebensmittel, die ihre Lohnpolitik entscheidend veränderten Situation gegenüber an der bisher befolgten Zoll- und beeinflussen. Diese Kritik der Verfeinerungsindustrie ist ja Sandelspolitit festhalten( Lebhafter Beifall rechts und in der der Regierung und ihren Helfershelfern so unangenehm, Mitte) und sorgfältig darauf bedacht sein, daß durch etwa erforderlich In der Nacht vom 3. zum 4. März ist Kardinal Kopp ruhig daß sie noch heute nicht wagen, der Organisation jener In- werdende neue Maßnahmen der Zusammenschluß der schaffenden verschieden, ohne seit dem Abend des 1. März das Bewußtsein duftrie( dem Bund der Industriellen) Siz und Stimme in Stände in Gewerbe und Landwirtschaft, dem das Zolltarifgesetz von wiedererlangt zu haben. Schon vor zwei Tagen erwarteten die dem zollpolitischen Ausschuß zu geben. Und flagt nicht minder 1902 zu verdanken ist, nicht in Frage gestellt werde.( Lebhafter Aerzte stündlich seinen Tod, ( Lebhafter Aerzte stündlich seinen Tod, aber der Siebenm siebzigjährige der Mittelstand über die Verteuerung aller Eristenzmittel, Beifall.) bewies eine fast unverwüstliche Lebenszähigkeit. Endlich in voriger wenn es ihm auch an der wahren Einsicht in die Ursachen der eigenen Not fehlt und er Abhilfe auf falschen Wegen sucht? für eine„ a II gemeine" Verstärkung des Zollschutzes nicht Weihbischof Augustin, Propst Klein, die Konviktsvorsteher P. SneyBwar wird in dieser Erklärung gesagt, daß ein Bedürfnis nacht, um 1 Uhr 30 Minuten stellten die Aerzte den Eintritt des Todes fest. Am Sterbelager weilten die Nichte des Kardinals, Wer sich der Erkenntnis aller dieser Wirkungen verschließen vorliege. Aber das bedeutet nur die indirekte 3usage, terla und P. Nował, der Geheimsekretär Dr. Negwer und Sekretär wollte, fönnte aber endlich nicht übersehen, welche Schädigungen für Erhöhungen einzelner Zollpofitionen einzutreten. der Arbeiterklasse aus dem Zolltarif erwachsen sind. Um die Insbesondere fordern die Agrarier bekanntlich einen Zoll Dr. von Pohl junior. Bende des Jahrhunderts zeigte sich ein Aufschwung in der auf Milch, Sahne, Butter, Gemüse und Obst. Auch die weitere Leben voller Kämpfe und voller Erfolge schwindet mit dem FürstEin eigenartiger willenstarker Mensch und ein eigenartiges Lebenshaltung der Arbeiterschaft, aber durch die Wucherzölle Erklärung, daß die Regierung Vorarbeiten für die Erneue- Leben voller Kämpfe und voller Erfolge schwindet mit dem Fürſtist diesem Aufstieg ein Ende bereitet worden. In vielen Er- rung trifft und ihre Rüstmittel verstärkt, kann trob der vorhältnissen hervorgegangen, Sohn eines armen hannoverschen Webischof Kopp dahin. Aus den einfachsten Kleinstädtischen Verwerbszweigen ist sogar die Lebenshaltung der arbeitenden sichtigen Fassung nur den Sinn haben, daß die Regierung hältnissen hervorgegangen, Sohn eines armen hannoverschen Webers, stieg opp zu einer der höchsten kirchlichen Machtstellen Klasse auf ein tieferes Niveau als vor 1902 bis 1906 herab- dem Ausland gegenüber durch erhöhte Forderungen eine bers, stieg opp zu einer der höchsten kirchlichen Machtstellen gedrückt worden, was zahlreiche Untersuchungen über das Ver- günstigere Position einzunehmen gedenft. empor, die Rom zu vergeben hat. So feft die Organisation der hältnis von Lohneinkommen und Preissteigerung in dem römisch- katholischen Kirche auf einem starren, in fast zweitausendletzten Jahrzehnt beweisen. jähriger Ueberlieferung ausgebildetem Autoritätsprinzip aufgebaut und so aristokratisch ihr ganzes Regiment ist, herrscht doch insofunft und Geburt sieht, sondern auf Tüchtigkeit und Kirchentrene fern in der römischen Hierarchie ein„ demokratischer" Geist, als sie selbst bei der Vergebung ihrer höchsten Würden nicht auf HerDie Arbeiterschaft muß also auf jeden Fall für eine neue Zollkampagne gerüstet sein. Die Rote Woche und der Frauentag geben uns Gelegenheit, sofort mit Nachund Arbeiterinnen, die unter der herrschenden Teuerung schon druck auf die neuen Anschläge hinzuweisen und die Arbeiter genug feufzen, zum Kampf gegen die Gefahr einer weiteren Verteuerung notwendiger Eristenzmittel aufzurufen. Eine Regierung, die auch nur ein wenig versuchen würde, Proletariats zu berücksichtigen, müßte bei der bevorstehenden neben den Interessen der beſizenden Klassen auch die des Erneuerung der Handelsverträge diesen Tatsachen Rechnung tragen. In außerdeutschen Ländern bemühen sich wenigstens die Regierungen, durch fortlaufende umfassende statistische Erhebungen ein möglichst zutreffendes Bild von der Lebenshaltung der Bevölkerung zu gewinnen. Statt dessen fühlt fich in Preußen- Deutschland die Regierung so sehr als Werkzeug der herrschenden Sippen, daß fie in fast noch aufreizen- I noch folgendes Stimmungsbild: Die Zollwucherer an der Arbeit. Ueber die gestrige Sigung im Abgeordnetenhaus erhalten wir Kardinal Kopp. auf die Fähigkeit, im Kampf der streitbaren Kirche um die Obergewalt auf Erden seinen Mann zu stehen. Und diese sogen. demokratische Grundlage hat dem römischen Priestertum zu manchem fähigen Kopf verholfen. Vorbedingung für den nach solchen Würden Strebenden ist nur, daß er sich in den Nahmen der Kirche einfügt und sich völlig ihren Traditionen, ihren Anschauungen und ihrem Machtstreben anpastt. Und in dieser Beziehung hat es Kardinal Kopp nie an dem Nötigen fehlen lassen. Je höher der Weberssohn aus Duder- stadt auf der hierarchischen Leiter emporstieg, um so aristofratischer, um so würdebewußter, um so ergebener gegen Rom wurde er. Der ehemalige bescheidene kleine hannoversche Telegraphcnbeamte wurde zum stolzen Feudalaristokraten, der, als er 188S zum Herrenhausmitglied ernannt wurde, bald die feudalsten Mitglieder des preußischen Herrenhauses an Feudalität übertraf und auf seinen reichen, zur BreSlauer Diözese gehörenden Besitzungen wie ein Arandseigneur des Mittelalters lebte. Und ebenso stellte er sich seinem Klerus gegenüber, den er fast despotisch regierte. Ram- polla dürfte kaum stolzer gewesen sein, als er. In seinem Verhältnis zu Rom erwies sich Kardinal Kopp stets als der getreue Sohn des Papstes. Die Wünsch« Roms waren ihm Befehl, dem er blindlings folgte, wohl selbst dann, wenn er im einzelnen anderer Ansicht war, als die römische Kurie. Die Macht und das Ansehen des Papsttums ging ihm über alle», denn in diesem Papsttum verkörperte sich für ihn gewissermaßen die römische Kirche. Diese Auffassung zwang ihm auch seine Stel- lung im Streit der Meinungen um die christliche Äetverkschqfts« frage auf. Als strenger Anhänger der thomistischen L«hre und der in den Enzykliken Leos XIII. niedergelegten Gesellschafts- auffassung konnte er nicht ander?, als sich auf die Seite der sogen.„Integralen- zu stellen. Schützend hielt er über die Ber- liner Richtung seine Hand. Die Nachricht von seinem Tode mag deshalb von so manchem seiner Gegner kölnischer Richtmig mit Erleichterung aufgenommen sein; doch ist kaum auf eine Ab- flauung des inneren Streites im klerikalen Lager zu rechnen, denn die Ursach« des Streites liegt in der widerspruchsvollen Stellung de« Zentrums selbst, in seiner völligen Abhängigkeit vom Klerus und seinen Lebensbedingungen als politische Partei. Di« Ziele, die Kopp in diesem Richtungsstreit verfolgte, sind unS sehr wenig sympathisch, aber, daß«r, aufrecht auf dem Baden seiner Welt- und Rcligionsanschauung stch«nd, fest und unbeirrt durch den Tageslärm seinen Weg ging, eine starke und in sich gefestigte Persönlichkeit, nötigt uns trotz alledem Respekt ab. be- sonders w«nn man seine Haltung mit der Feigheit, der Rech- nungsträgeret und dem prinzipienlosen Lavieren der Kölner vergleicht. * Breslau, 4. März. Die„Schlesische Volkszeitung" mel- dct: Die Beisetzuiigsfeicrltchkeiten für den verstorbenen Kczr- dinal Fürstbischof von Kopp werden im Hohen Dom« statt« finde». Am Dienstag, den 1t). März, vormittags 1l) Uhr, wird Erzbischof Hartmann von Köln die Beisetzung vornehmen. Troppau, 4. M ä r z. Heute vormittag nahmen die Aerzte die Einbalsamierung der Leiche deö Kardinals Kopp vor. Nach« mittags wird die Leiche in der Minoritenkirche aufgebahrt werden. Freitag, 1t) Uhr vormittags, erfolgt die seierlichs Einsegnung, um 1 Uhr mittags werden die sterblichen Ueber« reste mittels Sonderzuges nach Breslau übergeführt, wo die Beisetzung erfolgt. Als Vertreter des Kaisers von Oesterreich tptrd Unterrichtsminister Ritter v. Hussavek hier eintreffen. politische Uebersicht. Kraetke in Nöten. Der Staatssekretär des RcichspostamtS, der ohnehin nicht gern im Reichstag ist, befand sich heute in einer besonders unbehaglichen«Ätugtion. Am ersten Tage der General- debatte hatte er beinahe nur Lob geerntet, gestern war er schon Von bürgerlichen Abgeordneten geärgert worden und heute schloß die Generaldebatte für ihn mit einer überaus schmerzlichen Abfuhr. Im übrigen hat Herr Kraetke tn dieser Debatte auch alle bisher von Ministexn aufgestellten Rekorde geschlagen, indem er sich zwei Ordnungsrufe holte. Einzelne Fragen der Postverwaltung und des Postbetriebs wurden von dem Zentrumsreducr Herrn D i e z- Konstanz, von dem Nationallibcralcn Ick l e r und dem Fortschrittler H u b r i ch zur Sprache gebracht. Aber schon dieser Redner führte dem empfindlichen.Herrn Ärastke zu Gemüt, daß er nach seinem eigenen Verhalten gor keine Ursach« habe, anderen Parteien vorzuwerfen, daß sie zu Unrecht erhobene Angriffe nicht zurücknähme,!. Ganz besonders deutlich zeigte sich die gute Begründung dieses Einwonds, als wiederum der Zabcrner Fall zur Erörterung gelangte, in dem der Staatssekretär seine Postbeamten ohne ein Wort der Verteidigung den absolut unmotivierten Angriffen des Obersten v. Reuter und der konservativen Hetz presse preisgegeben hat. Der Elsäfser Dr. Haegy brachte zuerst Material auf diesem Gebiete bei, nachdem in den vorhergegangenen Jahren bereits Ebcrt und Lubeil davon geredet hatten, und Genosse NoSke gab noch zu diesen Aufklärungen manche wertvolle Ergänzung. NoLle. der auch noch eine Reihe Berwaltungsfragen kritisch behandelte, zeigte dem Staatesekretär deS Reichspostamts mit aller Klar« heit, wie unglaublich unempfindlich er gegen die Angriffe deS Obersten v. Reuter gewesen war. Herr Kraetke hatte die un- glückliche Idee, darauf antworten zu wollen, und nach einigen Bemerkungen deSZentrumsabgeordnetenKuckhofferhob ersich, um wiederum die Behauptung aufzustellen, die Sozialdemokratie habe ungerechte Angriffe gegen Beamte zurückzunehmen sich geweigert. Ilnd er zitierte zum Beweis einen Fall aus dem Jahre 1904, bei dem Genosse H a a s e.beteiligt war. Das bekam Herrn Kraetke außerordentlich schlecht. Schon als der Volksparteiler Dr. Struve ihm das Unzulässige seines Verhaltens in dürren Worten auseinandersetzte, wurde er äußerst verlegen— soweit Herr Kraetke, der über eine gehörige Portion Selbstsicherheit verfügt, überhaupt verlegen werden kann! Aber selbst diese Zuversicht schwand, als Genosse Haase unter gespanntester Aufmerksamkeit des ganzen Hauses und der Regierungsvertreter dem Leiter des Reichspostamtes haarscharf und unwiderleglich bewies, daß seine Vorwürfe auf nichts be- ruhen oder höchstens auf einer absoluten Umkehrung der tat- sächlichen Vorkommnisse. Herr Kraetke. der kleiner und kleiner geworden war, suchte sich mit irgend einer Redensart zu rächen, aber er erreichte nur, daß Ihm an der Hand seiner eigenen Behauptungen der Nachweis geführt werden konnte, daß er aus einem Sack nicht einmal nachgeprüfter Zitate ge- schöpft hatte. Dieser dokumentarische Nachweis ließ vollends erkennen, wie ungeeignet Herr Kraetke zur Erhebung solcher Anklagen gegen irgend eine Partei ist. Mit dieser klaren und glatten Niederlage für den Postminister schloß die Generaldebatte. Zkrupp— Schneider— Skoda. Die internationale Versippung der Rüstungsindustrie macht weitere Fortschritte. Die österreichische Kanonenfirma Skodawerke wird mit russischem und französischem Kapital in Creuzot, dem Sitz der franzö« stschen Kanonenfirma Schneider, eine Stahlhütte er« richten. Die Firma Schneider wird dazu die technische Ein- richtung liefern. Da die gleiche Firma Schneider vor einiger Zeit auch Kapital und technische Erfahrungen zum Ausbau der russischen Rüstungsfabrik Putilow gestellt hat, bedeutet die Errichtung der neuen Skodawerke in Creuzot eine Annäherung der französischen, russischen und österreichi« schen Rüstungsindustrie. Nun hat im vergangenen Jahre sich aber auch der Deutsche Krupp an den Skodawerken be« teiligt, insbesondere Patente geliefert, so daß auch die deutsche Rüstungsfirma an der neuen Verbrüderung„nationaler" Mordwaffen-Lieferanten teilnehmen wird. Diele Vorgänge sind so wichtig, daß sich hoffentlich recht bald die Regierung und die Preise der Rüstungsindustrie weitere? Material darüber verschaffen und zur Aufklärung der Oeffentlichkeit unterbreiten werden. Die ttnglueksfalle auf dem Flugplatz Johannisthal. Auf eine Anfrage der Fortschrittler über die Ursachen der Un- fälle auf dem Flugplatz Johannisthal hat da« R e i ch s a m t des Innern eine umfangreiche Auskunst erteilt. Nach den Ermitte- lungen ist der Grund für den jüngst erfolgten Zusammenstoß zweier Flugmaschinen tn dem unachtsamen Start des Doppeldeckers zu erblicken. Hätte der Führer des Doppeldeckers nicht gegen die bestehenden Fahrtbestimmungen, welch« bestimmte Abstände von 100 bzw. 300 Metern zwischen den Flugzeugen vorschreiben, verstoßen, so wäre der Unfall vermieden coorden. Es ist jn der Oeffentlichkeit behauptet worden, daß der Unfall der Ueberlastung des Platzes durch zuviel gleichzeitig schulende Flugzeuge zuzuschreiben ist. Demgegenüber steht fest, daß sich zur Zeit des Zusammenstoßes zufällig nur wenig- Flugzeuge m der Lust befanden, nämlich zwei außer den beiden beteiligten. Es sind nunmehr als Flugleiter zwei Persönlichkeiten angestellt worden, deren Eigenschaften die Gewähr dafür bieten, daß die Flugordnung streng befolgt wird. Sie regeln von einer Zentralstelle aus den Luftverkehr mit Hilfe der Platz- meist» und sind somit in der Lage, einer Uebersüllung des Platzes durch Verringerung weiterer Starterlaubnis vorzubeugen. Um ihren Anordnungen die erforderliche Geltung zu verichaffeu. tverden sie mit ausreichenden Machtbefugnissen ausgestattet. Außerdem wird kein Mittel unversucht gelaffen, Vorkehrungen zu treffen, die, soweit Organtsation und Einrichtungen de« Flugplatzes überhaupt in Betracht kommen können, eine Wiederholung oerartiger Unfälle ausschließen. Konservative für Sozialdemokraten. Da«„Leipziger Tageblatt" vom 4. März schreibt zur Wahl in Borna-Pegau: AIS kürzlich die„Sächsische Umschau" andeutet«, 1912 hätten bei der Reichstagswahl verschiedene Konservative erklärt, sie würden, wenn der nationall'bersle Kandidat Nitzschke in die Stich- Wahl komme, lieber sozialdemokratisch wählen, begehrten die„Kreuz- Zeitung" und andere konservative Blätter heftig auf und verlangten Namen zu wissen. In der Nummer der„Sachs. Umschau" vom 1. Mär, lesen wir folgende Antwort auf diese Frage: „Ali diejenigen Agrarkonservativen im ReichStagswahlkreise Borna, die öffentlich erklärl haben, daß sie in der Stichwahl lieber den Sozial- demokralcn als den Nationalliberalsn wählen würden, benennen wir»achfolgende Herren: Grundbesitzer und Militärvereins- Vorsteher Gunther in Zöpen. Gutsbesitzer Weisp» in Priesnitz, Rittergutsbesitzer Bynapper in HauSdorf, Gutsbesitzer Zieger in Hobnbach. Gutsbesitzer Sproß in Hohnhach. Das sind chrer Fünf. Vielleicht kommen noch einige hinzu." Die Fortbildungsschule im Dienste der Kirche und der „nationalen" Phrasrnre. Zu den Bundesstaaten, die die Fortbildungsschulpflicht ein» führen, gesellt sich auch der Miniaturstaat Schaumburg�öippe. Dem Landtage dieses Fürstentums ist bereits ein« Vorlag« über die Durchführung der allgemeinen Fortbildungsschulpflicht zugegangen, und es ist nicht zweifelhaft, daß sie angenommen wird. Das wäre soweit gut und schön, wenn nicht die veranttvortlichen Urheber de« Gesetzentwurfs dabei ihre besonderen reaktionären Absichten zu vorwirklichen gedächten. Man sehe sich nur einmal folgende Sätze au« der Begründung der Vorlage an: „Die aus der Volksschule entlassene Jugend steht in einem Alter, in dem sie mehr denn je der erziehlichen Becinflusiung bedarf und doch in viele» Fällen fast jeder erzieherischen Ein- Wirkung entbehrt. Da soll nun die Fortbildunasschule durch ihre besonderen erziehlichen Maßnabmen und durch das ganze, von sittlichem Geiste getragene Schullcben dazu helfen, daß die zungen, innerlich noch unselbständigen Menschenkinder in Zucht und Ordnung gehalten, gegen schädlich« Einflüsse widerstandsfähig gemacht und in ihrem Charakter gefestigt werden, und zugleich soll ihnen durch entsprechende Belehrungen. sowie durch die Einrichtungen des Schullebcns das Verständnis und die Kraft zur Erfüllung derjenigen Pflichten vermittelt werden, die ihnen später als Staatsbürger obliegen werben, und über die sie sonst von anderer Seite tn einem nicht erwünschten Sinne belehrt werden." WaS aber könnte unter solchen Umständen, da die bösen So- zialdemokraten sich auch im schaumburg-lippischen Ländchen, al» Lehrer der Jugend aufspielen, wohl bessere Dienste leisten als die Religion?! Sie ist die wahre Wvndersalbe für daS große, große Zeitübel. Darum heißt es weiter in der Begründung: „Die Fraae, ob eine besondere religiöse Unterweisung in der Fortbildungsschule stattfinden soll, läßt sich aus verschiedenen Gründen gesetzlich nicht wohl regeln. Die ergehend« Aus- führungsverordnung wird aber die Bestimmung erhalten, daß da, wo ein Geistlicher oder ein Lehrer Zeit, Gelegenheit und Neigung hat, religiöse Unterweisung in der Fortbildungsschule zu erteilen, mit Zustimmung des Schulvorstandes über die 4- bzw. ö wöchent- lichen Unterrichtsstunden hinaus noch eine halbe Pflichtstunde für religiöse Unterweisung angesetzt werden kann." Die gesetzliche Festlegung des Religionsunterrichts stößt auf Schwierigkeiten, aber die patentierten Staatsstützen mögen beruhigt fein: auf dem bequemen Verordnungswege wird das alles schon gemacht werden! der /lufstanö in Epirns. Durazz», 4. März. Montag früh räumten die griechischen Truppen Santi Quaranta und fuhren nach Prevesa. Die orthodoxe Bevölkerung begleitete das Militär. Al» der letzte Soldat den Boden Albaniens verlassen hatte, wurde von den Führern der Menge die Autonomie der von den griechischen Truppen geräumten Gebiete unter dem Namen Nord- EpiruS proklamiert. Sodann bildeten die Führer eine provisorische Regierung. Als Wappen der autonomen Gebiete wurde ein großes weißes Kreuz in blauem Felde mit einem schwarzen Adler in der Mitte aufgestellt. Bei einem darauf abgehaltenen großen Umzüge wurden Hochrufe auf Griechenland und die Autonomie von Nord-EpiruS ausgebracht. Italienische Besorgnisse. Rom, 4. März. Die Vorgänge im Epirus, die in Paris mit ziemlichem Gleichmut betrachtet werden, erregen hier andauernd die größte Aufmerksamkeit. Auf der Konsulta ist man andauernd über die nahe Zukunft besorgt. Man fürchtet, daß die einzige Lösung der Frage sich nur durch eine gewaltsame Jnter- v e n t i o n wird erzielen lassen, und daß eS dabei zu neuen Differenzen zwischen den Anschauungen der Mächte der Triple-Cntente und des Dreibundes kommen wird. In Rom will man durch einen Druck auf Athen, womöglich durch eine F l o t t e n d e m o n st ra t i o n, die heimliche Unterstützung, der sich die eptrotische Bewegung in Griechenland erfreut, ausschalten, fürchtet jedoch, daß die Mächte des Dreiverbandes sich derartigen Maßnahmen widersetzen werden. Frankreich. Die Partei vom Boulevard Sebastopvl. Paris, 2. März.(Eig. Bcr.) In einem Sälchen auf dem auch sonst nicht gut beleunmndelcn Boulevard Scbastopol hat gestern und «Ute die„Parli Ouvrier", d. h. die Gruppe der Absplitterer unter em Kommando Allcmanes und CambierS, einen„Kongreß" abgehallen, für den die Briandistiichen Blätter viel Rellam« machen. Ganz ernst nehhmen auch sie wohl die Gründung nicht, immerhin können sie mit Behagen die Beschimpfungen der geeiniaten Partes zitiere» aus denen der erste Teil der Verhandlungen bestand. Weiter Hai sich die neue„Partei" ein Statut, einen Vorstand und eine Prinzipien- erklärung gegeben. Daß unsere Genossen von der Gesellschaft einen ernstlichen Schaden zu befürchten haben, ist nicht zu erwarten. Cbarakteristiich für diese ist der Beschluß, im zweiten Wahlgang in keinem Fall für Kandidaten anderer Parteien, die g e e i n i g t e n Sozialisten mit eingeschlossen, einzutreten. Ein Redner hat unter Applaus erklärt, Gras de Muu— der klerikale Kriegshetzer— iei ihm lieber als Jaurss.— Die„Arbeiterpartei" will ihre Zulassung im Jnt-rnatiopalen Bureau fordern und sich nötigenfalls den Zutritt zum Internationalen Kongreß mit G e- walt verschaffen st). Die Firma„Französische Föderation der Internationale" hat sie sich schon jetzt zugelegt—«In Falschmeldung, die niemand täuschen wird. Nußlanü. Ein Proteststreik. Petersburg, 4. März. Auf den Putilow werken sind heute 13 000 Arbeiter in den Aus st and getreten, um dadurch gegen die Vorschrift zu protestieren, den heutigen Gedenktag der Befreiung der Bauern nicht zu feiern. Japan. Die oppositionelle Bewegung. Tokio, 4. März. Fünf Vertreter don Zeitungen haben eine EinHabe mit 62 Unterschriften mit den Anklagen gegen den Minister des Innern H a r a an den Kaiser gerichtet. Es ist bezeichnend für den S t i m m u n g S- u m s ch>v u n g in Tokio, daß es der Abordnung gestattet ward«, diese Eingabe persönlich dem Grosisiegel- bewahrer zu überreichen. Ilm daS Budgetrecht. Tokoi, 4. März. Das Oberhaus beschloß als Protest gegen die Mißbräuche in der Flotte den vom Nnterhause um 30 Millionen verringerten Kredit für den Bau von Schiffen um 67 Millionen zu kürzen. Daß Unterhaus widersetzt sich dieser Abänderung, weil dies für das Oberhaus als Präzedenzfall dienen könne, um an dem vom Unterhausc angenommenen Staatsbudget in Zukunft Abänderungen vor- zunehmen. Ein Konflikt zwischen beiden Häusern ist un- vermeidlich._ Mus der Partei. Genosse Wilhelm Opificius gestorben. Am 2. März ist in Frankfurt a. M. Genosse Wilhelm Opificius nach schwerem Leiden gestorben. Mit seinen Brüdern Reinhold und Louis, welch letzterer vor einigen Jahren gestorben ist, kam er früh zur Partei. Seine Haupttätigkeit entfaltete er in Bade». Jahrelang war er in Pforzheim, seinem früheren Wohn- ort, und in anderen Teilen Baden? für die Partei tätig. Er gehörte vor ca. 10 Jahren auch dem Badischen Landtag« als sozial- demokratischer Abgeordneter an. Seit einer Reihe von Jahre« hatte er seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M. Für die Partei war er in den letzten Jahren wegen Krankheit nicht mehr öffentlich tätig. Seine Freunde und Bekannte aus früheren Jahren werden ihm ein gutes Andenken bewahren. Propaganda für die„Rote Wache" macht auch die Pollzeiver- waltung in Mülhausen i. Elf. Sie hat die öffentlich« Verbreitung eines die„Rote Woche" einleitenden Flugblattes:„Auf zum Frauen- tag!" verboten. Vermutlich hat's den Herren eine Stelle de« Elugblattes angetan, die das nnlitärischc System beim richtigen amen nennt und seine Auswüchse ä k Zabmm gebührend kennzeichnet. Der militärisch« Staat, der so ängstlich gehütet werden muß, steht auf sehr unsicherm Boden. parlamentarisches. Schutz militärischer Geheimnisse. Di« Beratung über§« des RegierungScntwursS wurde in der ReichslagSkommission am Mittwoch fortgesetzt, von Regterungl» Vertretern wurde dargelegt, daß die Möglichkeit gegeben werden müsse, Personen zu bestrafen, die zwar noch nicht zu einer Spionage- Handlung gelangt sind, die aber falsch« Personalien angeben und verdächtig erscheinen. Von sozialdemokratischer Seite wird betont. daß durch diese Bestimmung die Bestrafung eines bloßen Verdachts eingeführt werden würde und Gefahren für recht harmlose Per- sonen entstehen. Der§ 8 wird schließlich in folgender gegenüber. dem Regierung» ntrage etwas vorsichtigeren Zentrumsfassung gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen:: „Wer vorsätzlich in einer Festung, einem Reichskriegshafen oder einer militärischen Anlage, auf einem Schiff der Kaiser- lichen Marine oder innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer gegen- über einer Behörde, einem Beamten oder einer Militärperson über seinen Namen, seinen Stand, seinen Beruf, sein Gewerbe, Seinen Wohnort oder seine Staatsangehörigkeit eine unrichtige knaabe macht oder die Angabe verweigert, wird, wenn nach den Umständen anzunehmen ist, daß der Aufenthalt an dem Orte oder die unrichtige Angabe oder die Verweigerung der Angabe mit verbrecherischen Zwecken der in den KZ 2, 4 bezeichneten Art zusammenhängt, mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark bestraft. Einer Festung, einem Reichskriegshafen oder einer militari- schen Anlage stehen gleich deren amtlich bekanntgemachte Siche- rungsberciche. sowie gewerbliche Anlagen, in welchen Gegenstände für die Bedürfnisse der inländischen Kriegsmacht hergestellt, auS- gebessert oder aufbelvahrt werden." Nach§ 9 des Neaierunasentwurfs soll derieniae, der fahr- lässig ein militärisches Geheimnis in die OeftenUWHkeit gelangen läßt oder ein militärisches Geheimnis, das ihm kraft seines Amtes, Berufes oder Gewerbes zugänglich war, an einen anderen gelangen läßt, mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 M. bestraft werden. Das ist diejenige Bestimmung deS Entwurfs, die von den Vertretern aller Parteien mit Recht als unannehmbar bekämpft worden ist. Allerdings ist durch die von der Kommission zu§ 1 beschlossenen Streichung des Begriffs„Nachrichten" aus der grundlegenden Bestimmung über das, was als militärisches Geheimnis gelten soll, die Anwendbar« seit W§ 0 WS zu einem gewissen Grade eingeschränkt worden. Von dieser veränderten Bedeutung des 8 9 war aber dem Kriegs- minister v. Falkenhahn, gls er zur Befürwortung dieses Petra- graphen das Wort nahm, merkwürdigerweise noch nichts bekannt gewesen. SS machte der KrtegSminister ganz abwegige Aeiitzc- rangen uhex die Kritik der Presse an militärischen Einrichtungen, Todann führte er einige Fälle an. in denen Zeitungen fahrlässiger» weise Mchrichten über militärische Beranstalrungen gebracht haben sollen, die für daß Ausland von Wert gewesen seien. Nach einigen Bemerkungen eines fortschrittlichen Redners wurde die Dehatte vertagt. Der Streit um die Diamqntenresie. Die Beratungen in der Budgetkommission des Reichstages begannen am Mittwoch mit der Erledigung des NachtragsetqtS zum Etat für iZüdtyestqfrika auf das Rechnungsjahr 1913. Dieser Nach- tragsetat ist nötig geworden infolge der ungewöhnlichen Steige� rung des Einnahmeetats um 13 Millionen Mark Steuern aus 5er Diamantenregie, wodurch der frühere Etat gesprengt worden ist. Die 13 Millionen sollen folgende Verwendung finden! Für den Umbau der Bahnstrecke Karibib— Windhuk und den Bau der Nord— <:üdbahn(5. Rate) 14,6 Millionen Mari, für den Erwerb der Anteilscheine der Diamantenregie und Bereitstellung des vollen Grundkapitals derselben 1 Million Mark, als Anteil am Grund- kapital der zu gründenden Gesellschaft 9,3 Millionen Mark. Die söllige Diamantendebatte wurde eingeleitet durch längere Aus» führungen des Staatssekretärs Dr. Solf über die zwischen Förderern, Banckvertretern, Aufsichtsrat und Regierung in der Diamantenregie geführten Kämpfe. Es handelt sich dabei besonders um die Frage der Kontingentierung und die Beziehungen zur De Beers Comp. Da sich die Unoihglichkeit eines Ausgleichs zwischen Regierung und Aussichtsxaj herausstellte, mußte die Regierung an ein« Reform des AufsichtsrateS nach ihrem Wunsche herangehen. Die zur Erreichung dieses Zweckes angestrebte Verstaatlichung der Diamantenregie erforderte hohe Mittel zum Ankauf von Anteilen, di« auS Dispositionsfonds genommen werden sollten, jetzt aber im Nachtragsetat verlangt werden. Inzwischen ist auf dem Wege deS Vergleichs eine Erledigung des Konflikts dahin erfolgt, daß bv Proz. der Anteil« den Förderern verbleiben, die Regierung aber im Aufslchtsrst über die Mehrheit verfügt. Trotz der beredten Nicht- fertigung stieß das Borgehen der Kolonialverwaltung w der Kom- Mission aus Wid«rsprvch. Abg, Waldstein lBp.) bezeichnete die von der Regierung beliebte Auslegung des§ 51 der Statuten als gegeji Treu und Glauben verstoßend. Genosse Hoch kritisierte die ganze Diamantenpolttik der Regierung, ihr Verhältnis zum Ant- . werpener Syndikat und zur De Beers Comp, und taxierte die Lösung des Konflikts in der Diamantenregie als einen sehr frag- würdigen Erfolg. Abg. Erz berger(Z.) erklärte, es begreiflich zu finden, daß die Förderer den Eindruck hatten: Macht geht vor Recht-(Die im weiteren Verlauf der Dehatte von der Regierung wie von Mitgliedern der Kommission gemachten Ausführungen trugen vertraulichen Charakter.) Lebhaften Widerspruch begegnete die von der Kolonialvertvaltung versuchte Finanzgebarung, die ver- einnahmten Ueberschüffe von IS Millionen sofort wieder mit Hilfe öeS Nachtragsetats auszugeben. Abg. Erzberger beantragte. 9 Millionen zur Abtragung des Reichsguschusses für Dübwestafrtka zu verwenden. Dagegen sträubte sich natürlich Dr. Solf und der �Staatssekretär Kühn trat ihm bei; auch Konservative, National- und Fortschrittler stellten sich auf seine Seite. Zu einer Abstimmung über den Antrag kam es nicht, Ungältiges ReichStagSmand-rt. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags erklärte am Mit- woch pgS Mandat des konservativen Abgeordneten H 0 e s ch für un- gültig. Abgeordneter Hoesch wurde 1919 im Wahlkreis Stendal- Osterbgr« m der Stichwahl mit 13 288 Stimmen gewählt, gegen 10 99S, die auf den nationalliberalen Scharfmacher Fuhrmann entfielen.(Jn der Houptwahl war daß Stimmenverhältnis folgen- des: Konservative 19 512. Nalionalliberale 8621, Sozialdemokratie 7434. Während deS Wahlkampfe» erschien ein konservattv«s Flug. blatt, das etwa 1109 Unterschriften trug; darunter befanden sich «in« Anzahl AmtSvorsteher, die ihrem Namen den A m t»» titel hinzugefügt hatten. Daß gilt nach ständiger PrgriS der Wohlprüsungskoimnission als amtliche Wahlbceinflussung. Di« in den fraglichen Amtsbezirken abgegebenen konservativen Stimmen mußten deshalb kassiert werden und damit verlor Abgeordneter Hoesch dt« Mehrheit, so daß das Mandat für ungültig erklärt werden mußte. Daß das Plenum des Reichstags diesem Beschluß zustimmen wird, ist als sicher anzunehmen.— Für die bevor. stehende Nachwahl werden, wie wir hören, die Nationalliberalen nicht wieder den Scharfmacher Fuhrniann ausstellen, sondern den Vorsitzenden des Deutschen Bauernbundes, Wachhorst de Wente. Soziales. Unsere Forderungen. Mit allem Nachdruck demonstriert die Sozialdemokratie durch die Veranstaltung der Roten Woche für ihre grundsätzlichen For- derungcn. Vor allem betont sie ihr Ziel: die Umwandlung der kapttaltsitschen in-ine sozialistische Gesellschaftsordnung, durch Auf- Hebung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Aus unseren grundsätzlichen Forderungen ergeben sich die prak- tischen, die wir auf politischem, sozialem und allgemein kulturellem Gebiet, sowie dem der Rechtsprechung erheben. Voll de» wichtigsten sozialen Forderungen heben wir hier die falgeuden heraus: Freies, geschütztes KoalitiinSrecht für alle Arbeiter und Ange- stellt«. Freies Bereinß- und«ersammlungsrccht für alle Arbeiter und Angestellte. Achtstundentag als MaximalarbeitSzeit. Verbot der Kinderarbeit. «erbot der Nachtarbeit für Jugendliche. «erbot besonders gesundheitsschädlicher gewerblicher Arbeit für Frauen. Regelung der Hoimarbeit, Festsetzung von Minimallöhnen. Verbesserung der Gewerbeaufsicht. Mitwirkung der Arbeiter in der Gewerbeaufsicht. Verschärfung der Strafbcstimmungrn betreffend Uebertretung von Arbeiterschutzbestimmungen. ArbeitSlosenfürsorge.— Beihilfen zu den von den Gewerkschaften gezahlten Arbeitslosenunterstützungen; Schaffung von passen- den Notstandsarbeiten und Beschäftigung Arbeitsloser zu den tariflich festgelegten Lohnsätzen. Vorbereitung zur Schaf- fung einer Reichsarbeitslosenversicherung. Verbot der KonkurrenzNausel. «erbot der Sonntagsarbeit, mit Ausnahme dringender Fälle. Einbeziehung aller Erwerbstätigen mit einem Einkommen von unter 5099 M. in die soziale Versicherung(Krankheit, Unfall, Invalidität). Oeffentliche Geftmdheitspflege.— Einführung kostenloser Kranken- pflege, Errichtung von Krankenhäusern, Badeanstalten, Ein- führung der Schulspeisung, des SchularztsystemS, kommunaler Säuglingsfürsorge usw. Erhöhung der Unfallrente nach Maßgabe des wirklich verdienten Lohnes.— Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit Rente in doller Höhe des früheren Verdienstes. Erhöhung des Krankengeldes und der Invalidenrenten nach dem- selben Grundsatz. Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug von Invalidenrente auf 69 Laljrg. W-hnungsrcf-rm.— Schaffung gesunder und billiger Wohnungen durch die Gemeinden. Einführung eines kostenlosen kommu- nalen Wohnungsnachweises. Verbot, da» MietsverhqltniS mit dem Arbeitsverhältnis zu verkuppeln(Werkswohnungen). Bestimmungen, die alle bei sogen. Werkspensionskassen erwor- denen Ansprüche auf alle Fälle, also auch nach dem Aus- scheiden aus dem Arbeitsverhältnis, sicherstellen. Strenges Verbot, durch sogen. Privatverträge Rechtswohltaten und Staatsbürgerrechte für de» Arbeiter und Angestellten unwirksam zu machen. Einheitliches Arbeitsrecht, einschließlich der Landarbeiter, Dienst- boten, sowie den in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeitern und Angestellten. Allgemeine Einführung gewerblicher Ge- richte(Gewerbe- und Kaufmannsgerichte) für alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigten und sür alle aus dem Arbeits- Verhältnis entspringenden Streitigkeiten. Selbstverwaltung in allen Zweigen der sozialen Versicherung und Rechtsprechung. Schaffung eines Reichsarbeitsamts, dessen sämtliche Träger in gleicher Zahl aus freigewählten Vertretern der Arbeiter und Unternehmer zusammengesetzt werden.— Landesgesetze und Polizeiverordnungen, die in das ArheitSrecht eingreifen, sind rechtsunwirksam. Aus den aufgeführten Forderungen ergeben sich naturgemäß noch sehr viele Spezialforderungen. Es erübrigt sich, sie hier einzeln aufzuzählen, � Die herausgestellten Forderungen, die im Rahmen der kapita- listischen Gesellschaftsordnung sogar leicht durchgeführt werden könnten, lassen deutlich erkennen, Ksi? weit wir auf sozialem Gebiete noch zurück sind. Die Forderungen vertritt die Sozialdemokratie mit allem Nach- druck. Wer sie darin unterstützen will, der schließe sich der Partei an und werde Leser der Arbeiterzeitungen. Ms Industrie und Handel. Kapitalserhöhung der Deutschen Bank. Um hie Bergisch-Märkisch« Bank in Elberfeld zu erwerben, erhöht die Deutsche Bank ihr Aktien- kapital um 59 Millionen auf 259 Millionen Mark. Die Deutsche Bank, die bisher mit einem Aktienkapital von 299 Mill. Mark neben der Dresdner Bank und der DiSkontogesellschaft stand, wird dadurch alle deutschen Attienunternehmungen durch die Höhe ihre» Kapitals übertreffen. Der Entschluß der Deutschen Bank be- deutet einen neuen Schritt auf dem Wege der Kapitalskonzentration. wie er sich besonders im Bankgewerbe manifestiert. Die Kapitals- summen, hie in dem einen Institut zusammenlaufen, sind ganz ge- waltige. Di» Deutsch« Bank mit allen ihren Tochterbanten umfaßt an Akuenkapital, Reserven und verwaltetem Kapital rund 4899 Millionen- Die neue Kapitalserhöhung ändert an dielen Zahlen wenig, da das neue Kapital zur Aufnahme der Bergisch-Märkischen Pank benutzt werden soll. Für je 9699 M. Aktien der Bank in Elberfeld werden je 6999 M. Aktien der Deutschen Bank»ingetauscht. Da die Deutsche Bank aber bereits etwa für 59 Millionen M. Aktien ihrer Tochterbank in Elberfeld besitzt, bleibt ein Teil der Kapitalserhöhung noch für andere Zwecke der Deutschen Bank frei. Nach dem Geschäftsbericht für 191« betrugen die Gesamt- Umsätze 129 Mtlliarden Marl gegen 132 Milliarden im Jahre 1912. D»r Reingewinn stieg von 34,35 aus 35,75 Millionen Mark.' Unter den Kursverlusten und der Einschränkung der Finanzgeschüsl« hgt auch diese Großbank gelilleu. während de« hohe» Zinssätze de« vergangenen Jahres die Einnahmen für Provision, Wechsel und Zinsen vermehrte. AuS dem Rein- gewinn werden wie im Borjahre 12'/, Prozent Dividende gezahlt. Die in dex Bilanz ausgewiesenen Reserven erhöhen sich auf 115 Millionen Marl; sie betragen also bereits mehr gls die Hälft« de» Aktienkapitals von 299 Millionen. Ilse A. G. Nach dem Geschäftsbericht der bekannte« Brikettfabrtk Ilse A.-G., die in den Kreisen Kala» und Hoyerswerda ihre Braun- kohlengruben und Brikettfabriken hat, beliefen sich die Erträgnisse der glsewerke in den letzten vier Jahren auf: Reingewinn Tantiemen Dividend« �Proz� 1910... 2 999 420 334 499 2199 000 24' 1911... 8 247 835 347 382 2 499 090 24 1912... 8256 235 348 159 2 499 999 24 1913.. 3 534 529 400 214 2 609 900 26 In 4 Jahren; 13 929 025 1 439 254 9 560 090 Die Ilse hgt seit 1919 einen Rohgewinn von rund 32 Millionen Mark erzielt. Davon hat sie über 12 Millionen Mark zu Ab» schreibungen verwendet und außer den oben angeführten 11 Millionen an Dividenden und Tantiemen noch weitere 2 890 909 M. für per- sönliche Ausgaben verbraucht. Außerdem besitzt sie einen Ausgleichs- reiervefond und einen großen Spartopf als außerordentliche Reserve. Was bedeuten solchen Reichtümern gegenüber die 149 090 M. Wehrsteuer, die die Ilse zu zahlen hat. Wäre der Staat selbst Eigentümer der niederlousitzer Kohlenfelder— wie es sein sollte—, dann könnte er ganz andere Summen dort für sich herausholen. Ludwig Löwe A.-G. zahlt bei erhöhten Abschreibungen eine Dividende von 13 Proz., wie im Borjahre. Reicher Divideudensegen, Die Jutespinnerei und Weberei Bremen ist bekannt als ein Betrieb, in dem bei außerordentlich niedrigen Löhnen eine intensive AnSnÜtzung der Arbeitskräfte betrieben wird. Es werden mit Vorliebe unorganisierte polnische und galtzische Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt. Da« für ist olljährlich der Segen für die Aktionäre um so größer. Für das verflossene Geschäftsjahr sollen 30 Proz. Dividende verteilt werden. Mus öer Frauenbewegung. Kinöerfchutz in üer belgischen Gesetzgebung. AuS Brüssel wird uns geschrieben: Sozialpolitik, wenn die Klerikalen sich gezwungenermaßen zu ihr verstehen, wird von ihnen, wie man hter zu sagen pflegt, nur „par petita paquots"— in möglichst kleinen Raten— in oie Gesetz- aebung eingeführt. Diese Praxis wird ihnen bei der eingeborenen Feindseligkeit ihrer Partei � gegen jeglichen gesetzlichen Schutz der Schwachen und dem dominierenden manchesterltchen Zug im belgiscken Liberalismus nicht allzu schwer gemacht. Nicht zuletzt zeigt sich diese Methode in dem mühseligen BorwärtStappen auf dem Gebiet deS «inberscbutze». Das unzulängliche Besetz von 1SS9 erfuhr im Jahre 1896 durch einen Erlaß eine Verbesserung, von dem nament- lich die in den Ziegeleien beschäftigten Kinder ern wenig profitierten. Bis zu diesem Abschnitt gab eS dort die mörderischste Ausbeutung. Kinder ßon 7 und 8 Jahren wurden bis zu 16 und 17 Stunden zur Arbeit angehalten. Dabei gab es Löhne von 73 Centimes pro Tag für eine erwachsene Person und im Winter verdiente eine mehr- köpfige Familie 1 Frank 25 Centimes vro Tog! Im Jahre löS4 gab eS dann einen Streik in den Ziegeleien von Boom bei Antwerpen und im Jahre 1896 den erwähnten Erlaß, demzufolge Kinder unter IL Jahre» nicht mehr verwendet werde» durste». Die Einführung deI obligatorischen Schulunterrichts bis zum 14. Lebensjahre erfordert naturgemäß die Ausdehnung de» Verbotes der Kinderarbeit bis zum volleichelen 14. Jahre. Di« Kammer hatte sich demnach wieder etwas mit dem Kinderschutz zu befassen. Das einfachste wäre natürlich, wie die Sozialisten es vorlangt hatten. gewesen, dem Schulgesetz eine entsprechende Formulierung zu geben, wie das sogar der erste Entwurf Schollaert seinerzeit getan hat, indem er dem Schulzwang das Verbot der gewerblichen Kinderarbeit unter 14 Jahren ansägte. Statt dessen führte man eine Bestimmung über die E u t h e b u n g von der Schulpflicht sür di« Zeit der Saison- arbeit in hex Landwirtschast ein und die Regierung behielt sich ihren Weg zu weiteren Abschwächungen des Schulzwanges offen. Bei der Beratung über dle Ausdehnung des Kinderschutzes bis zum 14. Lebensjahre zeigte sich denn auch, daß der A r b e i t S- minister die Arbeit des U n t e r r t ch t s m t n i st« r S nach Mög- lichkeit zu„sabotieren" trachtete und daß es bei einer Abschwächung des Schulzwanges nicht bleiben soll. Er schlug einen Zusatzantrag vor, wonach Kinder vom 13. bis zum 14. Lebensjahre und bis zur vollen Wirkung des neuen Schulgesetzes— in der„Uebergangs- zeit"— vom 12. bis zum 14. Jahre„nach den Erfordernissen der Industrie" eine bestimmte Anzahl Stunden gewerbliche Arbeit ver- richten dürfen. Das ist eine Hinausschiebung der KinderauS» beutung auf Kosten des Schulunterrichts bis zum Jahre 1921. Das ist aber für die Untemebmer der Ziegeleien und Glas- bläfereien. in denen vor allein, abgesehen von der Heimarbeit, Kinderausbeutung betrieben wird, nicht genügend und sie wünschten noch besondere Maßnahmen, damit ihnen auch unter dem obligato- rischen Unterricht die Ausnützung der kindlichen Arbeitskrast gesichert bleibt. Der Besitzer der Ziegeleien in Boom bei Antwerpen, der klerikale Deputierte Reeth, erklärte mit schamlosem Zynismus, daß daS Ziegelschiipfen für zwölfjährige Kinder ein« gute gymnastische Uebung seil Zudem wäre«S ihnen gesünder, im Freien zu arbeiten, als in den warmen Schulzimmern zu lernen!(Davon, daß man auch im Freien lernen kann, weiß der christliche Ausbeuter wahrscheinlich nichts I) Ein anderer Klerikaler, diesmal ein Vertreter der GlaSindustri« — die Herren sind ganz ungeniert ihre eigenen Anwälte—. erklärte wieder, die Lehrlinge müßten schon vom 12. Lebensjahr« an gebildet werden, sonst taugten sie nichts als spätere Arbeiter.--- Im übrigen führte auch der Arbeitsminister Ersordsrnisse der Industrie ins Treffen und scheut« sich nicht, die Kinderausbeutmrg mit humanen Gründen auszuputzen, genau wie der Ziegeleibesitzer, der meinte, e» sei besser, die Kinder tragen Ziegel, als daß sie die Schule schwänzen und auf der Straße herumlaufen oder selbst stehlen.— Man kann sich denken, was aus dem ohltgatorischen Unterricht werden wird, wenn Leute mit Ausfaffungen wie dieser Reeth— der Mann ist nämlich Bürgermeister— das Gesetz überwachen werden. Wieviel« von den 21 099 Kindern, die heut« in irgendeiner Form Arbeit ver- richten, werde» da vom Schulzwang profitieren? Bei einigem guten Willen könnte es natürlich unschwer gelingen, dem Schulgeletz schon heute, wie bis zum Jahre 1921 ypll« Wirkung zu sichern, aber den Klerikalen ist es sympathischer, die kleinen Hände der Kinder der Industrie zur Verfügung zu stellen. olS kür die Entwickelung der K i n d e r g« h i r n e und damit für die Ver- mehrung des geistigen Bestandes der Nalion zu sorgen. Das Gesetz wurde demnach in erster Lesung angenommen, ohn« daß indes dem Speziakausbeutungsbedürsiiis der Industriellen der Glasindustrie und des Ziegeleibefitzers von Boom— Ausnutzuiig der Kinderarbeit auch nach der UehergangSperiode— Rechnung getragen Word«» wäre._ Letzte Nachrichten. 300 Mark Belohnung sind auf die Ergreifung des Hausdieners Gustav Göricke auS- gesetzt, der, wie jetzt zweifelsfrei feststeht, der Mörder seiner Mutter, der Frau Netsch aus der Krefelder Straße, ist. Gestern nachmittag ist dieser noch um 2 Uhr, wie sich?tachsorschungen noch spät abends ergeben haben, bei seiner verheiratet«?» Schwester, einer Frau Mose» in der Holsteiner Straße 17, gewesen. Er aß dort ixikjlg zu Mittag und borgte sich 209 M. unter dem Vor- wände, daß er»ach Buckow fahren müsse, um sich dort zu erhol«», Die Schwester dachte nicht im entferntesten daran, daß ihr Bruder diy severe Bluttat begangen hatte. Erst um 5 Uhr nachmittag» hat er sich, als ob nichts vorgefallen sei, aus der Wohnung seiner Schwester entfernt. Weiter.fehlt jedoch noch jede Spur von ihm. Der Mörder ist 1.79 �Bieter groß, geht nach vornübergebeugt, hat ein bartloses Gesicht, eingefallene Wangen und tiefliegende Augen und macht den Eindruck eines Schwindsüchtigen und auch d«n fines Irren._ Leutnant v. Forstner wegen Soldatenmißhandlung tzerurteikt. «itsch, 4. März.(H. B.) Vor dem Kriegsgericht hatte sich hier in den letzten Tagen, wie erst jetzt bekannt wird, Leutnant v. Forstner wegen Soldatenmißhandlung zu perantworten. Unter anderem war ihm vorgeworfen worden, daß er eine große Anzahl schwerer Ver- gehen des Sergeanten Höflich gegen elsaß-lothringische Rekruten geduldet habe. Sergeant Höflich wurde zu 13 Tage» Mittelaprest- v. Forstner zu 14 Tagen Stubenarrest verurteilt. Die Soldaten, die über den Vorfall gesprochen hätten, erhielte» 5, 4 und 2 Woche» strengen Arrest. Der Waffenarbeiterstreik in Solingen. Solingen, 4. März.(B. H.) Die Waffenarbeiter aller Bes rufe nahmen gestern abend in einer Versammlung Stellung z» dem AussperrungSbeschluß der Waffenfabrikanten. Di« Ver« sammlung beschloß einstimmig, den Ausstand bei der Firma Eick- Horn nicht aufzuheben, sondern den Kampf fortzusetzen. Zu Vc» Handlungen sei man aber jederzeit dereit. Milde Strafen für Duellanten. Düsseldorf, 4. März.(B. H.) Da» hiesig- Kriegsgericht ver- urteilte wegen Herausforderung zum Zweikampfe mit tödlichen Waffen den Leutnant un hiesigen Ulanen-Regiment Nr. 5, G»af Beissel von Ghmnisch zu drei und den Leutnant der Re- serve im Dragoner-Regiment von Wedel(Ponnnersches Nr. 11) Eckardt zu vier Monaten Festungshaft, sowie wegen Kartelltragens den Rittmeister d. R. Ost mann vonderLeye zu einem und den Oberleutnant Ferdinand LerbS zu zwei Tagen Festungshaft. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Eine jungtschechische Spitzelaffäre. Prag, 4. März.(H. B.) Das Organ der Jungtfchechen hak heute den Obmann der tschcchisch-radikalen Partei, den Abgeordneten Sviha, beschuldigt, daß er im Dienste der Staatspolizei.stehe und von dieser ein Jahresgchalt von 9699 Kronen dafür bezogen habe, daß er die Staatspolizei über alle Vorgänge innerhalb der tschechischen Partei rechtzeitig informierte. Das Exekutivkomitee berief den schwer kompromittierten Abgeordneten aus Senftenberg in Böhmen, wo er Bezirksrichter ist, nach Prag und forderte ihn auf, sich dieser Anklage des Blattes gegenüber zu äußern. Sviha er- klärte, die Behauptung des jungtschechischen Organs, das sich in seinen Ausführungen auf die hinterlassenen Papiere des jung- tschechischen Abgeordneten Amhz stützte, als eine perfide Lüge und gab die Erklärung ab, daß er gegen diese nach seiner Behauptung vollkommen gegenstandslosen Beschuldigungen den Klageweg be- schreiten werde. Die Affäre erregt in ganz Böhmen und darüber hinaus ungeheures Aussehen. Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, finienftr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonnabend, der 7. März, nachss 12 Uhr: Ordentl. Mitglieder- Versammlung " Freier Bund" Einkaufs- u. Produktivgenossenschaft freier Gast- u. Schankwirte Berlins und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Berlin. Kassenbestand. Aftiva. • Deutsche Bank- Guthaben Brauerei- Guthabenkonto Brauercianteilfonto der Kino- Operateure Groß- Berlins bet in Wwe. Augustins Festsälen, Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommiffion. 2. Neuwahl der Gruppenleitung. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Mobiliarkonto Unkostenkonto Reingewinn 0 19 • . Bilanz 31. Dezember 1913. M. 72,33 Mitglieder- Guthabentonto Punahmeftellen für ,, Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Sahnisch, Aderstr. 174. W. 0. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. Petersburger Play 4. Gustav Vogel, Roppenstraße 82. N. Wengels, Gr. Frankfurter Str. 120. NO. 2. Zucht, Immanuelkirchstr. 12. J. Neul, Barnimitr. 42. N. A. Wolgast, Wattstraße 9. H. Fischer, Bastianstraße 6. Karl Mars, Greifenhagener Str. 22. J. Hönisch, Müllerstr. 34a. 6. Vogel, Lorgingstr. 37. A. Ties, Invalidenstr. 124. NW. Salomon Joseph, Wilhelmshavener Str. 48. SW. G. Schmidt, Gneisenaustr 72. Dachu, Hagelberger Str. 27. S. St. Fris, Prinzenstr. 31. H. Lehmann, Kottbuser Damm 8. SO. Paul Böhm, Laufizer Plaz 14/15.. Horich, Engelujer 15. 3136,53 Adlershof. Karl Schwarzlose, Bismardstr. 28. Paffiva 0 M. 1783,49 1052,01 85,75 215,28 24,10 Reservefondskonto 2740,10 Genossenschafterkonto 300, Reingewinn 3136,53 Gewinn- und Verluftkonto 95,- Vortrag aus 1912 70,70 3infentonto 215,28 380,98 • Kredit • 0 19 . 380,98 Baumschulenweg. H. Hornig, Marienthaler Str. 13, I. 182,08 Borsigwalde. Paul Kienast, Räuschstr. 10. 198,90 Charlottenburg. Gustav Scharnberg, Sesenbeimer Str. 1. Friedrichshagen. Ernst Werkmann, Köpenicker Str. 18. Grünau. Franz Klein, Friedrichstr. 10. Karlshorst. Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Johannisthal. May Gonschur, Parkstr. 6. Köpenick. Emil Wißler, Kiezerstr. 6, Laden. Lichtenberg. Ctto Seifel, Bartenbergitr. 1. Nieder- Schöneweide. Wilh. Unruh, Brückenstr. 10. Nowawes. Wilhelm Jappe, Lutherstr. 2. Ober- Schöneweide. Alfred Bader, Wilhelminenhofstr. 17, Laden. Pankow. Otto Rißmann, Mühlenstr. 30. Reinickendorf. P. Gursch, Provinzstr. 56, Laden. Mitgliederbewegung. Zahl der Mitglieder am 1. Januar In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das 1913 109, Sugang, Abgang 4, mithin Mitgliederzahl am 1. Januar 1914 Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. 105. Im Laufe des Geschäftsjahres haben sich die Mitgliederguthaben um 274 m. vermindert und die Haftsummen um 80 M. verringert. Die Gesamthaftsumme aller Mitglieder beträgt am Jahresschluß 2100 M. Berlin, den 26. Februar 1914. Ferd. Matthes. 114/3 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Laden- und Kontormöbelbranche. Heute Donnerstag, abends 8% Uhr, bei Hermel, Holzmarktstr. 21: Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstatt- Bertrauensleute. 8. Verbandsangelegenheiten. 84/7 Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert. Die Ortsverwaltung. Extra- Unterstützungskasse f. Buchbinder und verw. Gewerbe zu Berlin. General- Verfammlung am 8. März, vorm. 10 Uhr, im ,, Restaurant" Dresdener Str. 116. Tagesordnung: 1. Berlejung der Protokolle. 2. Bericht des Rendanten und Dechargeerteilung. 3. Wahl eines Vorstandsmitgliedes. 4. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 11446 Der Vorstand. J. A.: H. Rhauda, Borfizender, Luisenufer 17, I. ON Donnerstag, 5. März 1914. Anfang 3 Uhr. Neues Operntheater( Kroll). Vaterland. Anjang 6 Ubr. Cines Balajt am 300. Varietés Lichtspiele. Anjang 6%, Uhr. Cines Nollendorf- Theater.VarietéLichtspiele. Anfang 7 Uhr. Kgl. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Deutsches Opernhaus. Parsifal. Anjang 7, 11br. Kgl. Schauspielhaus. Peer Gynt. 1. Abend. Deutsches. Romeo und Julia. Röniggräter Richard III. Straße. Leffing. Peer Gynt. König Zirkus Busch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Aniang 8 lb. Joh. Greth. 103/14 ff. 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Theater an der Weidendammer Brücke. Reformtänzerin. Theater am Nollendorfplatz. Prinzeß Gretl. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Das Glück im Winkel. Schiller Charlottenburg. Die Maschinenbauer. Theater des Weftens. Polenblut. Montis Operetten. Jung- England. Berliner. Wie einst im Mai. Kleines. Settchen Gebert. Thalia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Der Regimentspapa. • Friedrich Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. Roje. Die Maschinenbauer von Berlin. Kafino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Som pagnie. Anfang 8 Ubr. Quisen. Unser Junge. Walhalla. Zangofieber. Folies Caprice. Café Pingsheim. Der Heiratsgraf. Meyersteins. Anjang 8, Uhr. Neues Volks- Th. Frau Warrens Gewerbe. Anfang 9 Ubr. Momiralspalast. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. zum grünen Kranze. Im Krug Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Prinzeß Gretl. Uhr 8 Residenz- Theater Der Regimentspapa. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonnt. Nm. 3/4 11.: Der liebe Augustin. Friedr.- Wilhelmst. Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Sonnt. nahm. 3 Uhr: Die Kino- Königin. Deutsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Donnerstag, 8 Uhr: Cafard. Freitag, 8 Uhr: Schirin und Gertraude. DOSE= THEATED Große Frankfurter Str. 132. Anfang 8 Uhr. Die Maschinenbauer von Berlin. Freitag: Berlin wie es weint und lacht. Sonnabend 4 Uhr: 1001 Nacht. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7/9. Donnerstag, den 5. März 1914: Gastspiel des Voigt- Theaters. D Cines Nollendorf Theater.Barieté Er und seine Schwefter. Lichtspiele. Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow 19 Jahre alt. Ohne Extra- Entree! 8 Uhr: 48/49. Dir. A. Fürst: Zum ersten Male: Hochspannung. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Piotrowski. Das materielle Substrat des Seelenlebens. Casino- Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr Ein neues Berliner Boltsstüd: Die olle Webern. Ur- Berl. Figurèn, Ur- Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner- Bühne. Sonnt. 4 Uhr: Mädchenehre. Vereinigte Berliner Luisen- Theater. 81 Uhr: Unser Junge. Boltsstück mit Gesang und Tanz. Concordia- Festsale 64 Andreasstrasse 64 Jeden Donnerstag u- Sonntag: Soiree der Hoffmann- Sänger Anfang 8 Uhr. Nach der Soiree: Frei- Tanz. Vorzugskart. haben Gültigkeit Volksbühnen.. Walhalla- Theater. Täglich 8 Uhr: Tangofieber. Gr. Posse m. Ges. u. Tanz in 3 Aften von E. Urban. Musik v. Hugo Hirsch. Brauerei Friedrichshain Mittwoch, den 11. März 1914, abends 8 Uhr: Extra- Konzert des Blüthner- Orchesters 60 Künstler. Dirigent: Eugen Sauerborn. Solisten Klaviervirtuosin Käte Heinemann und namhafte Gesangs- Solisten. : 99 66:: Berliner:: Konzerthaus Clou❝ Mauerstraße 82 Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel- Konzert! Dirigent: Berliner Konzerthaus- Orchester Franz v. Blon. Musikk. Kaiser- Alexander- Garde- Gren.- Regts. Dirig. Kgl. Musikdir. Brase. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Gr. Nachmittags- Konzert intritt. Neue Welt. Arnold Scholz. Hasenheide 108/114. Heute Donnerstag, den 5. März 1914: in den Bockbierfest bayerisch. Alpen. Heute: Große Schweine- Braterei! Ausschnitt 9 Uhr. Portion 90 Pf. Im neuen Saale: Großer Ball. Anfang 7 Uhr. 6 Kapellen. Entree 30 Pf. Steinplatz 10410. Zirkus Alb. Schumann. Heute Donnerstag, den 5. März abends 7, Uhr: Große Sport- Vorstellung. U. a.: Neu! The Arrigonis 1 Dame, 3 Herren Ein Potpourri in den Lüften Original Little Freds Akrobat. u. kunstreit. Hunde. Geschw. Biumenfeld, vier römische Grazien zu Pferde und die übrigen neuen März- Attraktionen. Um 9 Uhr: Das gr. Ausstattungsst. i. 7 Bildern ,, Tipp" 99 der Derby- Favorit 1914. Zirkus BarumSchau. Premiere in Berlin- Pankow An der Berliner, Ecke Binzstraße heute Donnerstag den 5. März abends 8 Uhr mit 22 Welt- Attraktionen. Metropol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Eigenes Geschäftshaus. Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere süßen Dienstmädel. Burleste von Mehfel Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäß. Preisen: Cavalleria schufticana Dr.Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. FrauenleidenEhrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Mäßige Preise. Sprechst. v. 8-8, Sonntags 9-11 Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 5. März, abends 7, Uhr: Große Galavorstellung. Mad. Garniers Sprung mit dem Fahrrad aus der Zirkus- Kuppel. Ferner: Bale Troupe, Kunstradfahr. Die Revells, groteste Redturner, sowie Auftr. aller gr. Attrattionen. Zum Schluß: " Pompeji". Drig. Ausstattungs- Pantomime. 6.5 Mado Minty Neues Programm! Idette Brémonval in ihrer Szene Paris. Sängerin ,, Die Spinne" The Piccolo Company Ludwig Paul Jülich Amann Mimiker in der Szene: ,, In d.Putzstunde" und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Rauchen gestattet! Apollo- Theater. 8 Uhr. Tel.: Lützow 2757. Zum 74. Male: 8 Uhr. Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartstein. Lachen ohne Pause! Rauchen gestattet! Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Er und der Andere. Sonntags 3 Uhr: Die Liebe wacht. Folies Caprice. Café Pingsheim Der Heiratsgraf 8½( Der ersteins Admiralspalast. Eis- Arena. Täglich: Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von 10 Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier- Abteilung. Für den Juhalt der Jnierate abernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Bosse m. Ges. in 4 Bild. v. Buchbinder. Sternwarte, Invalidenstr. 67-62. I Staffeneröffnung 7 Uhr, Anf. 8 Uhr. Beranin, Rebolt: Alfred Bielepp, Neukölln. Injeratenteil veranito.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsb Nr. 63. 31. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gewerkschaftliches. Internationale Organisation. Berlin und Umgegend. Der Streik bei der Firma Beermann. Eine öffentliche Versammlung, die sehr stark besucht war, beschäftigte sich am Dienstag mit dem Streik bei der Firma Beer= mann in Treptow. Donnerstag, 5. März 1914. vertreter richtete er den Wunsch, dafür zu wirken, daß den Schuhleuten mehr Zurückhaltung auferlegt wird. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: " Die heute in Treptow tagende Volksversammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den Zuständen, die bei der Firma Beermann herrschen und spricht den um ihr Recht streitenden Arbeitern ihre volle Sympathie aus. Ferner erwartet die Versammlung von den Gemeindevertretern, daß sie dafür Sorge tragen werden, daß den um ihr Recht kämpfenden Arbeitern durch die Behörde nichts in den Weg gelegt wird." Achtung, Metallarbeiter! Die Firma Richard Weise in Behrendt dom Deutschen Metallarbeiterverband rekapi tulierte die Vorgänge, die den Streit verursacht hätten. In erster Eine Darstellung über internationale Beziehungen, die Linie sei es das geradezu ungeheuerliche Entlohnungssystem, das Don Arbeiterangestellten- und Arbeiterorganisationen unter- die Arbeiter endlich mal nach langen Jahren zur hellen Empörung halten werden, gibt das Kaiserl. Statistische Amt im getrieben hat. Wie von uns bereits verschiedentlich mitgeteilt, 9. Sonderheft zum Reichsarbeitsblatt". Auf Vollständigkeit mußten neuantretende Arbeiter die von ihren Vorgängern aufkann die Arbeit feinen Anspruch erheben. Schon darum nicht, es nicht für möglich halten, daß es heute noch Unternehmer gibt, Drahtwaren), ist wegen Tarifftreitigkeiten für Drahtarbeiter gea genommenen Vorschüsse auf ihr Konto übernehmen. Man sollte Weißensee, Albertinenstr. 25( Drahtindustrie: Vogelkäfige und weil die Unternehmer viel zu sehr im geheimen arbeiten, und es die ihren Arbeitern eine derartige Zumutung zu stellen wagen. sperrt. nicht wie die Arbeiter öffentlich tagen und Berichte erstatten. Als die Empörung wuchs und als der Firma Vorhaltungen Daß die freien Gewerkschaften fast ausnahmslos internationale über ihr Vorgehen gemacht wurden, wollte sie den Arbeitern zuletzt Orfsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Achtung, Kupferschmiede! Die Unternehmernachweise ver Beziehungen unterhalten, ist bekannt. Auch die christlichen großmütig gestatten, den von früheren Arbeitern aufgenommenen Gewerkschaften haben schon den Weg zu internationalen Ver- Vorschuß, der allmählich auf 1600 M. angewachsen war, durch suchen, unorganisierte Kupferschmiede nach Breslau zn loden, ständigungen gefunden. Bei den Hirsch- Dunderschen sind dazu Ueberstunden abzuarbeiten. Alle Bemühungen der Arbeiter resp. damit diese in den Linke- Hofmannwerken als Streifbrecher fungiefaum mehr als Ansätze vorhanden. Bemerkenswert ist der deren Vertreter, die Firma zu veranlassen, den einzig richtigen ren. Wir ersuchen alle unsere Kollegen, den Zuzug von Breslau Unterschied in den Hauptmotiven, die für die Anbahnung Weg zu beschreiten und nach jedem Akkord eine glatte ftreng fern zu halten. Abrechnung zu geben, waren vergeblich. Die Firma kehrte Verband der Kupferschmiede Deutschlands. internationaler Beziehungen auf der Seite der Arbeiter und den Herrenstandpunkt heraus und weigerte sich strikte, die gesetz Filiale Berlin. andererseits bei den Unternehmern maßgebend waren. Die lichen Vorschriften einzuhalten, wonach nach Fertigstellung eines internationale Verbindung bei den Arbeiterorganisationen jeden Affords abgerechnet werden muß. Dies der wesentlichste Deutsches Reich. entsprang vorwiegend aus dem Bestreben, den auswandernden Hergang, der zum Streit führte. Behrendt erklärte ausdrücklich, Die letzte Ehrung Albert Toblers. Mitgliedern den Eintritt in die ausländische Bruderorgani- daß die Arbeiter den Kampf nicht mutwillig aufgenommen hätten, Ohne besonderen Prunk, aber dennoch außerordentlich einfation zu erleichtern und ihnen bereits erworbene Ansprüche besonders in einer Zeit, wo die Krise schwer auf der Arbeiterschaft auf Unterſtügungen zu sichern. Soweit die Frage der gemein- lastet. Daß die Verhältnisse bei Beermann nicht allzu rosig sind, drudsvoll gestaltete sich die Trauerfeier, die dem langjährigen Vorbeweist der Umstand, daß erst unlängst um einen Stundenlohn fizenden des des Zentralverbandes der Maler, Lackierer, An= samen Unterstützung bei Kämpfen in den Aufgabenkreis der von 40 bis 50 Pf. gefämpft werden mußte. Es ist erwiesen, daß streicher usw. Deutschlands am Dienstag, den 3. März, in HamInternationale überhaupt einbezogen worden ist, gilt als die Löhne bei Beermann um 20 bis 25 Proz. niedriger find als Alle größeren Filialen und sämtliche Grundsaß, dergleichen Fälle auf ein Mindestmaß zu beschrän- sonstwo. Redner erklärte, die Arbeiter seien jederzeit zu Ver- burg bereitet wurde. ken und möglichst keine andere Organisation für Leistungen in handlungen bereit, wenngleich sie nach wie vor zu ihren berech- Agitationskommissionen des Verbandes hatten ihre Vertreter entAnspruch zu nehmen. Die ständige und hauptsächlichste Arbeit tigten Forderungen ständen. Redner hob hervor, daß Arbeiter fandt. Eine ansehnliche Zahl Verbandskollegen aus allen Gauen der intenationalen Verbindungen liegen auf sozialem Gebiet. aller Richtungen im Streit stehen: Hirsch- Dundersche, Statholische, Deutschlands gab dem Trauerkondukt, der sich vom Barmbecker Krankenhause nach dem Ohlsdorfer Friedhof bewegte, das Geleit. Eine Reihe von Organisationen der Arbeiter unterhält inter- Christliche usw. Das charakterisiere den Kampf am besten. nationale Sekretariate mit der Aufgabe, laufend über die gehen der Treptower Polizei den Streifenden gegenüber, während fondere Beileidskundgebungen übermittelt. Die Generalkommission Scharfe Worte fand Redner für das überaus rigorose Vor- Fast alle Zentralverbände hatten Delegationen beordert oder besoziale Gesetzgebung, Arbeitsverhältnisse, Entwickelung der Or die Streitbrecher wie rohe Eier behandelt werden, obgleich auch der Gewerkschaften Deutschlands, die sozialdemokratische Partei ganisationen usw. zu berichten, um auf diese Weise Kenntnis unter diesen die sattsam bekannten Gestalten vorhanden sind. Wie über die Verhältnisse im Auslande zu vermitteln und sozial- die Polizei vorgeht, zeigte Behrendt an besonders drastischen Bei- für den 3. Hamburger Wahlkreis, der Distrikt und Bezirk der Partei usw. waren vertreten. Die Beileidskundgebungen in Form politisch anregend zu wirken. spielen. Die Angestelltenorganisationen pflegen bei ihren inter- Der Vertreter der Hirsch- Dunderschen Arbeiter, Joseph, von prächtigen Kranzspenden, Briefen und Telegrammen, die nicht nationalen Beziehungen vornehmlich das Gebiet des Rechts- erklärte, daß angesichts der Krise den Arbeitern klar gemacht nur aus dem Inlande, sondern auch von allen der internationalen schußes und der Stellenvermittelung. worden sei, was ihnen bevorstehe, wenn sie die Arbeit nieder- Berufsorganisation angeschlossenen Verbänden eingegangen waren, Vollständig auf Kampf gegen die Arlegten, daß sie aber andererseits für ihre berechtigten Forderungen zeigten so recht, welche Wertschäßung Tobler in allen Kreisen gebeiter eingestellt find dagegen die bekanntgewordenen inter- dann einzustehen hätten. Das Entlohnungssystem der Firma sei funden hatte. Nachdem eine Sängerabteilung aus Kollegentreifen beiter eingestellt sind dagegen die bekanntgewordenen inter- durchaus ungefeßlich und einzelne Arbeiter, die das Gewerbegericht in der Friedhofkapelle ein stimmungsvolles Lied mit Harmoniumnationalen Beziehungen der Unternehmer, die sich mit Ar- angerufen hätten, feien ohne tveiteres zu ihrem Recht gekommen. in der Friedhofkapelle ein stimmungsvolles Lied mit Harmoniumbeitsverhältnissen beschäftigen, Hervorgehoben wird, daß dabei Rebner illustrierte die Verhältnisse in dem Beermannschen Be- begleitung vorgetragen hatte, widmete Genosse M. Mark, Redie Großindustrie wenig in Betracht komme. Die arbeitet triebe äußerst wirksam und zeigte, daß angesichts solcher Zustände dakteur des„ Bereinsanzeigers", seinem Mitkollegen tiefempfundene mehr unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Abmachungen, die Arbeiter geradezu zum Kampf gezwungen worden sind. Abschiedsworte. Am Grabe hielt Genosse O. Streine, zweiter VorUebrigens behaupte er, daß die Firma gar kein Recht habe, die fizender des Verbandes, die eindrucksvolle Grabrede, in der das Vorschüsse von den nachfolgenden Kolonnen einzuziehen, da die Wirken und Walten des Vorsitzenden des Verbandes der Maler selben nach Meinung des Redners persönliche Vorschüsse gewesen während seiner 17jährigen Tätigkeit gewürdigt wurde. Auch der feien, die überhaupt nicht aufgerechnet werden dürften. Wo bleibe Obmann des Ausschusses, Genosse R. Leinert, widmete seinem übrigens der Staatsanwalt angesichts der veröffentlichten Bu Kollegen warme Abschiedsworte. Bei der Kranzniederlegung stände? Die heutige Versammlung habe den Zwed, zu zeigen, daß die Arbeiter den Fehdehandschuh aufgenommen haben, den gaben noch viele Delegierten in schmerzbewegten Worten ihrer die Firma ihnen hingeworfen hat. Verehrung Ausdruck. die das System der schwarzen Listen und Verrufserklärungen über die nationalen Grenzen hinaustragen, bestehen für: das Schiffahrtsgewerbe, das Baugewerbe, das Schneidergewerbe, das Malergewerbe, das Gärtnergewerbe, die Edelmetallindustrie. Von den anwesenden Gemeindevertretern nahm Genosse Hartmann das Wort und führte aus, daß die Streifenden nicht daran denten sollten, daß sie von den bürgerlichen Gemeindevertretern etwas zu erhoffen hätten. Die Zustände bei Beermann seien schon lange Jahre allbekannt. Auch dieser Redner bezeichnete das Zahlungssystem der Firma als geradezu tvidersinnig, unmoralisch und gesetzwidrig. Die Arbeiter hätten in viel größerer Anzahl den Weg der Klage betreten sollen. Buruf: Stommt noch!) Es wird nicht der letzte Kampf mit dieser Firma sein und letzten Endes werden die Arbeiter doch fiegen In Vorbereitung sind dergleichen Abmachungen für die Metallindustrie. Nichteinstellung Streifender und Ausgesperrter ist der fast ausschließliche Zweck der internationalen Beziehungen der Unternehmerverbände. Sie bestehen wahrscheinlich auch noch in anderen als den aufgeführten Gewerben. Wenn man dazu noch berücksichtigt, daß die sonstigen internationalen Beziehungen der Unternehmer, besonders die der Großindustrie, darauf gerichtet sind, die Konsumenten zu Aus den Reihen der Streifenden wurde das Vorgebrachte schröpfen, dann kann nicht bestritten werden, daß die Inter- noch reichlich ergänzt. War es doch zuletzt schon so weit genationale der Arbeiter kulturellen 3wed en fommen, daß Arbeiter, die die ganze Woche geschuftet hatten, gar dient, das sich national spreizende Unternehmertum dagegen nichts oder ein paar Pfennige ausgezahlt erhielten. vorwiegend zur Wahrnehmung egoistischer, gehässi- Auch Maß vom Holzarbeiterverband griff in die Debatte ein ger und fulturwidriger 3wede internatio.nal berbündet. Es ist erfreulich, daß diese Tatsachen nun durch eine amtliche Erhebung wenn nicht gründlich, so doch wenigstens in einem Ausschnitt beleuchtet werden. Das ist schon etwas wert. Kleines Feuilleton. müssen. und kennzeichnete die Zustände bei Beermann, die um so schärfer zu kritisieren seien, als die Firma fast nur Militärlieferungen erledige, somit ihren Profit aus den Taschen der Steuerzahler ziehe. In seinem Schlußwort faßte Behrendt nochmal den ganzen Sachverhalt zusammen und ermahnte einige Abgesandte Der Firma, nur wahrheitsgetreu zu berichten. An die GemeindeKonservatismus durchgemausert haben und im Gegensatz zu ihrer früheren Stellungnahme( bei Lebzeiten) zu solchen begeisterten Feinden von Home Rule wurden. Die Mutterliebe des Tieres. Selbst die heiligsten Gefühle Rüftungskapitalistische Logit. Der Schießtechniker General bleiben von dem Seziermesser der Wissenschaft nicht verschont. So leutnant Rohne hat untersucht, welche Arbeitsleistung das Geschoß erfahren wir jetzt, daß die Mutterliebe, die man bisher für den eines modernen 35,5-3entimeter- Geschüßes mit einer Pulverfüllung höchsten Trieb der Nächstenliebe hielt, in seiner Urform, in der Tiervon etwa 500 Pfund entwickelt: sie beträgt rund 28 000 Meter- welt, ursprünglich nichts weiter bedeutet, als der Wunsch des Muttertonnen, d. h. die Kraft, die das Pulver entwickelt, reicht aus, um tieres, Gelegenheit zur Entleerung ihrer Brustbrüse zu erhalten. 28 000 Tonnen einen Meter hoch zu heben! Zur gleichen Leistung Von dem Momente ab, wo die Jungen nicht mehr faugen, hört bei wären nicht weniger als 11 Millionen Pferdekräfte nötig! Da ein den Tieren auch die sogenannte Mutterliebe auf. Dies weist schon modernes Geschüßrohr rund 150 Schüsse aushält, wäre es möglich, darauf hin, daß die Mutterliebe der Tiere wohl nicht identisch ist mit der Kraft der Gesamtzahl seiner abgefeuerten Geschosse ein mit dem Gefühl des Menschen. Aber daß sich dieses nicht aus modernes Linienschiff von 20 000 Tonnen Gewicht etwa 210 Meter jenem Instinkte heraus entwickelt hat, ist damit noch nicht widerlegt. hoch in die Höhe zu heben! Ein kriegsstarkes Bataillon verfügt über insgesamt 80 000 Der Rächer von Leinach. Wehe dem Dichter, der es wagt, die Gewehrpatronen von je 3,2 Gramm Pulverfüllung als Tages- Komit der Wirklichkeit in Lachen und Spottlust so zu zeichnen, daß munition. Nach der Berechnung Rohnes reichen diese Patronen die Wirklichkeit sich ohne Irren erraten läßt! Und dreimal Wehe, gerade aus, um damit zwei Geschosse für ein 35,5-3entimeter- wenn er sie gar selbst bei Namen nennt! Nach einem JahrGeschütz zu laden! Verfügt ein Linienschiff über 10 solcher Kanonen, hundert noch wird es an ihm gerochen. Von solch einem Fall, der so entspricht die Gesamtmenge seiner Munition, wenn für jedes ben biedermeierlichen Dichter und Spottvogel Friedrich Rückert anGeschütz 100 Schüsse vorgesehen sind, der Taschenmunition von geht, wird den Münchener Neuesten Nachrichten" erzählt: 20 deutschen Armeekorps! Aus diesen Zahlen geht hervor, welch ein fürchterliches Mordwerkzeug ein modernes Linienschiff ist. Aber dennoch: ein einziger Treffer aus einem 35,5-8entimeter- Geschütz genügt vollständig, um es in die Luft zu sprengen oder zu verfenten. Das ist eben rüstungskapitalistische Logit: je größer die Geschosse und Geschüße, um so größer ihre Zerstörungswirkung, um so größer aber auch die Armierung und Verpanzerung der Kriegsschiffe und endlich um so größer die Rüstungsdividenden! Und diese sind letzten Endes das Biel aller Kriegsvorbereitung. Deshalb gilt ihre Bekämpfung auch als ein Kapitalverbrechen, das fürchterlich gerochen wird! Keir Hardie und die Geister. Unser englischer Genosse Keir Hardie erzählt in seinem Blatte" The Pioneer" eine interessante Geschichte über seinen Verkehr mit den Geistern von Abgeschiedenen. Ein Freund von ihm ist ein begeisterter Spiritist und lud ihn zu einer Sizung ein. Ein bekanntes Medium sollte ihm den Geist des schottischen Dichters Robert Burns zitieren. Der Geist Robert Burns fing nun damit an, ihm gute Ratschläge von Parnell, Bright, Bradlaugh und anderen verstorbenen englischen Politikern zu übermitteln. Alle diese Ratschläge gingen darauf hinaus, den Genossen Keir Hardie mit aller Entschiedenheit aufzufordern, gegen Home Rule zu stimmen. Keir Hardie fann sich nun nicht genug wundern, daß all diese hervorragenden Persönlichkeiten sich im Jenseits zum entschiedensten! Eine halbe Stunde hinter Oberlauringen in Unterfranken, wo Rüderts Vater lange Zeit hindurch Dorfamtmann" gewesen ist, liegt in einer Einbuchtung des Haßgebirges das idyllische" Dorf Veinach", eine überaus freundliche Siedelung, die sich heute einer gewiffen Wohlhabenheit erfreut, von der jedoch vor 100 Jahren nichts zu merten gewesen sein muß; denn Friedrich Rückert, des " Dorfamtmanns Sohn", hat" Dorf Leinach" in kindlich- heiterer Weise also verewigt: Im Dorf Leinach an der Leinach Hat es eine Dorfgemeinde, Der da sagen ihre Feinde Allerlei nach. Jm Dorf Leinach, Haus für Haus, Wenn ihr wollet zählen, Morgens früh aufs Betteln aus Geh'n dort alle Seelen; Nur der Schulze bleibt zu Haus, Weil ihm Schuhe fehlen. Ei, wenn ihm die Schuhe fehlen, Sollt' er sich die Schuhe stehlen. Freilich wohl, allein, ach! Schuhe gibt es nicht zu stehlen, Barfuß gehen alle Seelen In dem Dorfe Leinach. Zum letzten Male senkten sich die Banner vor dem Grabe und wehmütig verließen die Trauernden die Ruhestätte des im Leben so rastlos Kämpfenden. Ueber dem Grabe hinaus ruht die Feindschaft, das haben selbst seine politischen und wirtschaftlichen Gegner anerkannt und dem Verbandsvorsitzenden einen letzten Abschied gewidmet. Das Gelöbnis, das die Trauerredner den Versammelten abnahmen, im Sinne des Verstorbenen für die Interessen des Verbandes und zum Wohle der gesamten Arbeiterschaft zu wirken, wird von den Delegierten nun weiter verkündet werden; hoffen wir, daß es nicht ohne Wirkung bleibt. So wie die Arbeiterschaft die Verdienste ihrer Vorkämpfer anerkennt, so wird sie auch bei jedem neuen Verlust, den der unerbittliche Tod ihr bringt, versprechen, ihre ganze Kraft im Leben im Interesse der Volksbefreiung einzusehen. Ein Generalappell des Buchbinderverbandes. In der Woche vom 14. bis zum 22. März veranstaltet der Buchbinder- Verband im ganzen Reiche rund 200 AgitationsverSeit im Volksschulunterricht auch der Heimat ihr Recht wird, lernen nun sogar im weltverlorenen Dorf Leinach" die AbcSchüßen, was vor Zeiten ein Großer über ihr köstliches Nestchen zu dichten beliebte. Daß die Verwegenheit, die sich die Lehrer erlaubten, anfangs nicht ohne lauten Ingrimm hingenommen wurde, läßt sich denken. Später flaute der giftige Zorn jedoch zu stillem Wurmen ab. Und um 1890, als in Leinach bereits das erste eigene Pferd wieherte, konnte es der Lehrer schon wagen, gelegentlich eines Sonntagsausflugs nach Schweinfurt seine offenherzigen Beinacher zur Besichtigung des dortigen Rückert- Dentmals einzuladen, ohne derbe Prügel befürchten zu müssen. " Sie sißen zu dreien im Roß" und tun sich gütlich an einem feurigen Frankenwein. Plöglich beginnt derLehrer: Nun, das RückertDenkmal sollten sich die Herren heute denn doch einmal besehen! Was?" entgegnete sofort der eine." Den Kerl, der unser Dörfle so schlecht g'macht hat, mag ich nicht angud!" Spricht's und bestellt sich zum Hinunterspülen seines Mergers einen frischen Schoppen. Der andere zudt verächtlich mit den Schultern, folgt aber endlich dem Lehrer mit zum„ grünen Martt". Rundum be schaut er sich das Denkmal; das Auge streng auf die Sandalen des mit solch lumpigen Schuhen mich ewig daher zu sehen!" Standbildes gerichtet, meint er schließlich: Ich wollt' mich schäm' Notizen. " Das Gutachten der Akademie des Bauwesens über die Entwürfe zum Neubau des Botschaftspalais in 23ashington ist jetzt endlich im Zentralblatt der Bauverwaltung" veröffentlicht worden. Vor Wochen hieß es, das Gutachten werde nicht im Wortlaut veröffentlicht werden. Man greift wohl nicht fehl mit der Annahme, daß dabei eine ängstliche Rücksichtnahme auf die oberste Instanz des preußischen Kunstabsolutismus eine Rolle gespielt hat. Man wollte nicht vorgreifen, um das Uebel der Lage nicht noch mehr zu verschlimmern. Aber gerade solch vorsichtiges Selbstbescheiden und freiwilliges Unterordnen muß diese befürchtete Wirkung fördern. Der Kaiser hat nunmehr die Vorschläge der Akademie, die Architekten Dilfer, Ihne und Möhring zur Einreichung neuer Entwürfe aufzufordern, genehmigt, das Auswärtige Amt hat den 31. Mai dieses Jahres als Endtermin festgesetzt, und nun erhält auch die Deffentlichkeit die Erlaubnis, das Gutachten der Akademie des Bauwesens fennen zu lernen. Kunstabend. Der schlesische Dichter Hermann Stehr, der vor kurzem das fünfzigste Lebensjahr vollendete, lieft am tommenden Sonntag, nachmittags 12%, Uhr, im Bechsteinsaal Stücke aus seinen Romanen und Novellen. Die königliche Bibliothek wird wegen Umstellung größerer Bücherbestände vom 20. März bis vierzehn Tage nach Ostern gefchloffen. sammlungen, Nahezu überall dort, wo der Verband einige Verbindung mit den seinem Zuständigkeitsgebiet unterstehenden Berufsgenossen und-genoffinnen hat, werden Versammlungen stattfinden, in denen die Referenten über:„ Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation" sprechen werden. Eine lebhafte Agitation ist im Gange, um diese Versammlungen zu einer Heerschau über die dem Verbande bereits angeschlossene Arbeiterschaft zu gestalten, aber auch, um die große Zahl der noch abseits Stehenden für sie zu interessieren. Das lebte Jahr ist das erste seit langer Zeit gewesen, das ihm keine Zunahme an Mitgliedern brachte. Die überaus flaue Geschäftslage, die vornehmlich in der Kartonnagenbranche schon eine Reihe zusammenbrüche gewerkschaftlicher Unternehmungen brachte, ist die Ursache dieser nicht angenehmen Erscheinung. In den 200 Agitationsversammlungen des Buchbinderverbandes soll den Berufsangehörigen der Weg gezeigt werden, der zu einer Milderung der aus dieser Sachlage geborenen Notstände in den einzelnen Haushaltungen führt. Mehr als 33 000 Berufsgenossen und genoffinnen sind dem Buchbinderverbande heute angeschlossen. Fast die dreifache Anzahl könnte es aber sein. Durch die statistischen Erhebungen, die der Verband in November 1910 veranstaltet hat, wurden über 90 000 Berufsangehörige in 6802 Betrieben ermittelt. Wenn an dieser Zahl auch einige Abstriche gemacht werden müssen, weil verschiedene dieser Berufsgenossen für die Organisation nicht in Betracht kommen können, dann bleibt doch noch eine so große Zahl Indifferenter übrig, daß man es wohl verstehen kann, wenn der Buchbinderverband alle Anstrengungen macht, in das Heer dieser Unorganisierten einzudringen. Deshalb ergeht auch an die gesamte Arbeiterschaft das Ersuchen, alle ihre Bekannten, die in Betrieben arbeiten, welche dem Organisationsgebiet des Buchbinderverbandes zugehören, auf dessen Agitationsversammlungen aufmerksam zu machen und zum Besuche dieser aufzumuntern. Vornehmlich richtet sich dies Ersuchen an die organisierten Arbeiter, ihre Frauen und Töchter zu veranlassen, dem Rufe des Buchbinderverbandes zu folgen. Städtische Arbeiterausschuswahl in Zittau. In Zittau fanden zum ersten Mal die Wahlen zu einem von der Stadtverwaltung eingesetzten Arbeiterausschuß statt. Dabei siegte die Liste der Kandidaten des Staats- und Gemeindearbeiterverbandes trob einer von den Gegnern und Unorganisierten aufgestellten Liste. Der rühmlichst bekannte Oberbürgermeister Dr. Külz in Zittau wird daran wenig Gefallen finden. Gegen den Staatlichen Gebärzwang. Gegen die Absicht, im vermeintlichen Interesse der Volksvermehrung den Vertrieb der empfängnisverhütenden Mittel zu verbieten, protestierte eine vom Groß- Berliner Zentralvorstand einberufene Volksversammlung, die am Dienstag unter ungeheurem Andrang in Obiglos Festsaal in der Stoppenstraße bagte. Drei Referenten behandelten das Thema nach verschiedenen Gesichtspunkten, aber darin übereinstimmend, daß ein Gesez, wie es der Initiativantrag der bürgerlichen Parteien fordert, unbedingt zu verwerfen ist. Als die der Welt schaffen will, indem man empfängnisverhütende Mittel bekannte einen falschen Bart und eine blaue Brille trug, um sich berbietet und gewissermaßen jedem einen Polizisten zur Seite untenntlich zu machen. Nach Angabe des W. war dieser Mann ftellen will, der über die Durchführung derartiger Vorschriften zu der jezige Bribattläger. Obgleich sich der Sanitätsrat von der wachen hat. Wenn wir das von der bürgerlichen Mehrheit ver- Beklagten völlig zurüdgezogen hatte und nur noch hin und wieder langte Gesek bekommen, so würde der polizeilichen Schnüffelei und einen postlagernden Brief abholte, war der„ Detektiv Neumann" mit alledem vertraut. Schließlich drohte der angebliche Detektiv dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet werden. Polizei auch noch mit einer Anzeige wegen Verbrechens gegen den§ 218 büttel vor! Strafrichter vor! So rufen alle Rückwärtser und der des Strafgesetzbuches. Ruf kommt von denen, die auf dem Gebiet der Sozialpolitik die Im Dezember 1911 erschien der Kläger in dent Bureau des Ursachen geschaffen oder doch verstärkt haben, auf welche die Furcht Rechtsanwalts Kremer und drohte diesem, daß seine Frau der eines großen Teils der Bevölkerung vor einem reichen Kinder- Frau Sanitätsrat die ganze Liebesaffäre ihres Gatten mitteilen fegen zurdzuführen ist. Gerade wir sind berechtigt, gegen den würde, wenn auf Rückzahlung des Darlehns bestanden werde. Wie staatlichen Geburtenzwang zu protestieren, denn wir haben stets auf der Straße gestellt, ihn Lump, Betrüger, Erpresser, meinder Rat als Zeuge bekundete, habe er den Kläger mehrere Male betont, daß es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die die eidiger Sterl, Buhalter" genannt und ihn mit dem Spazierſtod eigenste persönliche Sache jedes einzelnen ist und in die niemand, verprügelt, ohne daß es Seefeldt für nötig gehalten habe, ihn am allerwenigsten der Gesetzbüttel und der Polizeibüttel, hinein wegen Beleidigung zu verklagen. Seefeldt habe ihn f. 3t. vor den zureden hat. Scharf und treffend polemisierte die Rednerin gegen Schiedsmann geladen, dann aber nicht Klage erhoben. den Standpunkt, den Naumann im Berl. Tagebl." vertreten hat. Beklagte schließlich selbst zu der Ueberzeugung gelangte, daß SeeDann führte sie aus, daß die verwüstenden Wirkungen der kapi- feldt mit dem Detektiv Neumann" identisch war, schrieb sie ihn talistischen Produktion mit ihren in sozialer und gesundheitlicher einen von Beleidigungen stroßenden Brief, der jetzt den Gegenstand der Klage bildet. Von Rechtsanwalt Dr. Alsberg wurde Hinsicht verderblichen Folgen die eigentlichen Ursachen des Ge- Widerklage erhoben, da S. die Beklagte auf offener Straße verburtenrüdganges find. Der Kapitalismus hat das Familienleben folgt und beschimpft hatte. Der Vorsitzende hob hervor, daß es gelockert, die Elternfreudigkeit, die Freude der Frau am Kinde er- wahrscheinlich sei, daß das Gericht die Atten der Staatsanwalttötet. Da soll nun der Büttel helfen. Doch das ist ein verfehltes schaft überweisen werde, da nach dem bisherigen Ergebnis sich der mittel. Helfen können nur durchgreifende soziale Reformen. Die Kläger unzweifelhaft der Erpressung schuldig gemacht habe. Der Rednerin begründet dieselben im einzelnen und schließt: Wir Sanitätsrat erklärte, daß er seine bisherige Scheu vor der Deffentwissen, daß mit der Durchführung dieser Reformen, so wertvoll lichkeit überwunden habe und jetzt selbst Anzeige wegen Erpressung fie auch sind, noch nicht allen Frauen die Möglichkeit gegeben erstatten werde. Das Gericht kam nach längerer, mitunter an hochdramatischen ift, Mutterglück zu genießen. Das wird in vollem Maße erst in und aufregenden Szenen reichen Verhandlung zu einer Verder sozialistischen Gesellschaft möglich sein. Aber unsere Reformen urteilung der Beklagten zu 20 M. Geldstrafe. Dagegen wurde können viel helfen. Wenn Naumann und seine Freunde nach dem Seefeldt auf die Widerklage hin zu 100 m. Geldstrafe verurteilt, Polizeibüttel rufen, so sagen wir: Her mit durchgreifenden sozialen so daß ihm dieser Gang zum Kadi sehr schlecht bekommen ist. Reformen; wir werden uns aus eigener Kraft helfen.( Lebhafter Beifall.) Als einziger Diskussionsredner sprach Dr. Alfred Bern= stein, der sich mit den Ausführungen der Referenten einberstanden erklärte. Eine Protestresolution wurde einstimmig angenommen und die Versammlung vom Vorsitzenden Eugen Ernst mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Die Resolution lautet: Die am 3. März in Obiglos Festsälen" Versammelten er heben den schäfften Protest gegen:" den Entwurf eines Gesetzes betreffend den Verkehr mit Mitteln zur Verhinderung von Ge35 000 m. unterschlagen. Um eine raffinierte Fälschung einer Quittung über 35 000 M. Handelt es sich bei einer Anklage, die gestern in einer ganzen Tagesfizung die 11. Straffammer des Landgerichts I unter Vorsiz des Landgerichtsrats Esche beschäftigte. Unter der Anklage der Fälschung einer Quittung über 35 000 M. und der rechtswidrigen Aneignung dieser Summe zum Schaden der Kommerz- und Diskontobant steht der Bankbeamte Otto Thiele, ein in fehr ge= ordneten Verhältnissen lebender, verheirateter Mann, der sich Strafbares in seinem Leben noch nie hat zuschulden kommen lassen. Er war zehn Jahre lang in der Depofitentaffe F. F. der Sommerz- und Diskontobant in der Chausseestraße zuerst als Hilfskassierer, dann als Hauptkassierer tätig, ist infolge der in der Sie sehen in dem geforderten Gefeß einen unerträglichen vorliegenden Straffache gegen ihn ausgesprochenen Berdächtigung Eingriff in die persönliche Freiheit des einzelnen, der sich zudem freiwillig aus der Bant ausgeschieden und bekleidet seitdem eine in der Praxis zu einer scharfen Klaffenmaßregel gegen die Be- Vertrauensstelle bei einer anderen Großbant. fitlosen gestalten würde. Die geforderten Gesetzbestimmungen Der Angeklagte bestreitet entschieden, mit der Straftat irgend werden keineswegs den Geburtenrüdgang hemmen, wohl aber wie in Beziehung zu stehen und hat umfangreichen Entlastungsschwere gesundheitliche und moralische Gefahren für die Bevölke- beweis angetreten. Die Verhandlung wird voraussichtlich mehrere rung mit sich bringen. Tage dauern. Ueber den Ausfall werden wir berichten. burten". Die Versammelten halten eine Ginschränkung des Geburten rüdganges nur für möglich durch weitgehende soziale Reformen, die geeignet sind, den materiellen und geistigen Aufstieg der Arbeiterklasse zu erleichtern. Dazu gehören: 1) Ein gründlicher Ausbau des Arbeiterinnenschußes, insbesondere eine Verkürzung der Arbeitszeit für Jugendliche und Frauen; Schutz vor dem Ginfluß gewerblicher Gifte auf den Organismus der Arbeitenden, Schutz vor schädlichen Arbeitsmethoden und Arbeitsarten. 2) Weitgehende Grweiterung des gesetzlichen Schutzes und der Fürsorge für Mütter und Säuglinge. 3) Staatliche und kommunale Einrichtungen, die der arbeitenden Frau die Mutter- und Hausfrauenpflichten erleichtern: Schulspeisung, Errichtung von kommunalen Kindergärten, Kinderhorten usw. 4) Verbilligung der Lebensmittel durch Abbau der Zölle und indirekten Steuern und Beschaffung von Lebensmitteln durch die Kommunen. 5) Wirksame Wohnungsreform. 6) Sicherung eines freien Koalitionsrechts als Mittel zur Erringung höherer Löhne und befferer Arbeitsbedingungen. 7) Ein demokratisches Wahlrecht für alle volljährigen Staatsbürger beider Geschlechter zu allen gefeßgebenden und öffent lichen Verwaltungstörperschaften als Mittel zu ihrer wirksamen Interessevertretung. Die ruhende Nymphe. Der Inhaber der Boltsbühnen- Buchhandlung stand im Geptember b. J. wegen Feilhaltens unzüchtiger Abbildungen vor Ge richt, treil er eine Reproduktion von Feuerbachs Ruhender Nymphe" im Schaufenster ausgestellt hatte. Die Verhandlung ist damals vertagt worden, weil die Staatsanwaltschaft Sachverständige dafür laden wollte, daß das Material und die Ausführung der im Jugendverlag erschienenen Reproduktion derart sei, daß beim Betrachten nicht ein künstlerisches Empfinden ausgelöst, sondern lediglich die Ueberzeugung erivedt werde, es solle unter dem Decmantel der Kunst durch den nackten Frauenkörper die Sinnlichkeit des Betrachters erregt werden. Für die am 7. d. M. wiederu: n anberaumte Hauptverhandlung hat die Staatsanwaltschaft den Polizeirat Prof. Brunner, ferner Dr. Stord von der Zeitschrift " Der Thürmer" und den Rektor Engel als Leiter des Städtischen Schulmuseums geladen; außerdem den Direktor der Rotophot A.-G. zur Beurteilung der Frage, ob die Reproduktion eine fünftlerische ist. Auf Veranlassung der Verteidigung sind als Sachverständige die Herren Karl Scheffler, Dr. Deri und Rektor Presel geladen. Turnen eine Anreizung zu Gewalttätigkeiten? Der erste Referent, Reichstagsabgeordneter Breh, führte aus: Wir stehen auf dem Standpunkt, daß es jebermanns eigene Sache ist, ob und wie er in seiner Familie die Geburten regeln will. Daran werden weder Versammlungsbeschlüsse noch Gesetze etwas ändern. Würde das Gesetz, was der Jnitiativanirag verlangt, dann reicht die polizeiliche Reglementierung und leberwachung bis in die Schlafftube. Hinter dem Antrage steht die bürgerliche Mehrheit des Reichstages; er wird also wohl angenommen werden. Wir protestieren gegen ein derartiges Geseß, weil es einen schmachvollen Eingriff in die persönliche Freiheit darstellt und weil es als ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklaffe wirken muß. Die Frauen der Besitzenden werden auch nach Erlaß des Gesetzes in der Lage sein, sich die Mittel zu beschaffen, die es ihnen ermöglichen, nicht mehr Kinder zu bekommen als sie haben wollen. Aber die Arbeiterfrauen, denen diese Wege verschlossen sind, werden sich in den Schlingen des Gesetzes fangen. Das Gesez wird nicht die Wirkung haben, daß sich die Geburten vermehren und die Bevölkerung, so zahlreich wird wie der Sand am Meer, aber es wird einen ungeheuren Uebelstand zeitigen: Die Ausbreitung der Ge schlechtskrankheiten, denn gegen die Ansteckungsgefahr schützen ja auch die Mittel, welche die Empfängnis verhüten. Die Befür Eine Privatklagefache beschäftigte gestern mehrere Stunden worter eines solchen Gesetzes reichen bis weit in die bürgerliche lang bas Schöffengericht Berlin- Mitte unter Vorsitz des AmtsLinke hinein. Dadurch wird die Situation gekennzeichnet. Da gerichtsrats Wollner. Als Kläger trat der Kaufmann Artur Seefeldt gegen die Verkäuferin Martha Voelfner auf. das Gesetz wohl nicht verhindert werden kann, so wird uns SozialBei dem Kläger, der mehrere Konfitürengeschäfte betreibt, demokraten die Aufgabe zufallen, wenigstens die schlimmsten Be- war vor längerer Zeit die jetzige Beklagte als Verkäuferin an stimmungen desselben zu beseitigen. Allzu große Aussicht auf Er- gestellt. Wie diese behauptet, habe er sie, trobem er verheiratet folg haben wir allerdings nicht. Bei der Bekämpfung dieses Ge- ist, fortgesetzt mit Liebesanträgen verfolgt und sie auch eines setzes stehen die Männer der Wissenschaft fast ohne Ausnahme auf Tages mit Wein und Sett betrunken gemacht. Er habe ihr dann unserer Seite. Sollte das Gesetz zustande kommen, dann tragen versprochen, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und sie zu die Urheber desselben die Veranwortung für die schweren Folgen, heiraten. Auf diese Weise habe er es verstanden, sie völlig unter welche ein derartiges Gesetz verursacht. Um dem Geburtenrüd ziehungen zu einem sehr wohlhabenden Sanitätsrat stehe und avischen Polen und Preußen angespielt sei. Das ging dem Reichsgang Ginhalt zu tun, sind andere Mittel nötig: Soziale Reformen, die wir verlangen, die aber die bürgerlichen Parteien immer abgelehnt haben.( Lebhafter Beifall.) Gerichtszeitung. Ein Erpreffer als Kläger. Vom polnischen Kriegsschauplas ist abermals ein juristisches Turnfunststückchen zu melden. Der Redakteur Joseph Walkowiak hatte sich vor dem Landgericht Pofen am 25. September wegen Anreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten zu verantworten. Und das deshalb, weil er in seinem polnischen Blatt„ Die Dämmerung" der akademischen polnischen Jugend vorgehalten hatte, daß sie zu wenig Sport und Leibesübung treibe, ste solle sich an den turnerischen Bestrebungen der preußischen Jugend ein Beispiel nehmen. Sonst könnte es, wenn es einmal nötig werde, auf polnischer Seite an einem kräftigen Arm fehlen. Gesundheit, Kraft und Munterfeit einer Nation seien die Hauptbedingungen. Die Staatsanwaltschaft nahm an, da den Inhalt des Artikels die Hoffnung auf Wiedererrichtung des Polenreichs durchglühe und in dem Artikel zum Ausdruck gelange, daß dies Ziel vielleicht nur mit Waffengewalt zu erreichen sei, so würden hier verschiedene Klaffen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten angereizt. Das Gericht gelangte aber zu einer Freisprechung. Die Staatsanwaltfchaft legte Revisten ein. Der Reichsanwalt verlangte, ihr stattzugeben, da in dem Artikel auf die Möglichkeit eines Klassentampfes gericht denn doch zu weit. Es verwarf am Dienstag die Revision.. Der„ böse Blid". Aus dem Frankenwalde, 3. März. Wie sehr Hegenwahn und eine Verhandlung vor dem Schöffengericht zu Kronach. In Bossek wurde die Familie des Musikers Scherbel seit Jahren vom ganzen Dorfe gemieden, weil sie den bösen Blic" haben sollte und Mensch und Tier ein Leid anhegen könne. Die Familie Scherbel hatte unter diesem Gerede entseßlich zu leiden. Einmal bekam der Landwirt Ellmer einen Streit mit Scherbel und sagte ihm dabei in den träftigsten Ausdrücken, was man sich in der ganzen Gegend über ihn und seine Angehörigen erzähle. Das Gericht verurteilte Elmer mit Rücksicht auf den großen moralischen und finanziellen Schaden, den die Familie Scherbel durch solch Gerede erleide, wegen Beleidigung zu 100 M. Geldstrafe. Wafferstands- Nachrichten feinen Einfluß zu bringen, habe auch erfahren, daß sie in Behabe ihm auch eine Reihe Liebesbriefe, die dieser an sie geschrieben habe, gezeigt. Wie der vor Gericht als Zeuge vernommene ältere Herr unter seinem Gide erklärte, habe er von Stadtverordneter Dr. Silberstein war der zweite Refe- diesem Augenblid an feine ruhige Minute mehr gehabt. Offenbar rent. Er beleuchtete die Frage hauptsächlich vom Standpunkt des von Eifersucht und gleichzeitig Habfucht getrieben, habe ihm der Aberglaube in den Frankenvalddörfern noch verbreitet sind, zeigte Arztes. Er sagte unter anderem: Neben den wirtschaftlichen und läger in einer fürchterlichen und fast schon grausam zu nennensozialen Ursachen wirken auch die Geschlechtskrankheiten auf den den Weise zugefeßt. Eines Tages habe während seiner Abwesenheit in seiner Wohnung ein Mann. telephonisch angerufen, der sich Rüdgang der Geburten hin. Verbietet man die Mittel, welche als„ Detektiv Neumann" ausgegeben habe, der aber nach seiner nicht nur die Empfängnis verhüten, sondern auch vor Ansteckung festen Ueberzeugung der Kläger Seefeldt gewesen sei. Dieser habe schützen, so trägt man zur Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten seiner Gattin mitgeteilt, daß er sich mit der Beklagten in der und damit zur Verminderung der Geburten bei. Ein solches Betsdamer Straße getroffen habe. Als er, Zeuge, nach Hause lam, Gesetz hat aber noch andere Schattenseiten. Wenn es einem habe ihm seine Frau eine fürchterliche Szene bereitet. Von nun großen Teil der Bevölkerung unmöglich gemacht wird, empfäng- ab habe der Detektiv Neumann" fast täglich bei feiner Frau an nisverhütende Mittel zu bekommen, dann werden die Eheschlie- getlingelt, so daß er aus der Aufregung gar nicht mehr herausBungen eingeschränkt werden, die Prostitution aber wird sich noch gekommen sei. Da er zu dieser Beit von den Beziehungen des S. zu Fräulein V. noch nichts wußte, habe er sich sogar mehrfach an weiter ausbreiten. Auch die kriminellen Abor: e werden sich ver- ihn gewandt und ihn gebeten, der V. Urlaub zu geben, um mit ihr mehren. Die arbeitende Bevölkerung hat keine Veranlassung, eine Reise zu unternehmen. Am Abend habe dann seine Frau der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgetetli bom Berliner Wetterbureau Kinder in unbeschränkter Zahl zu produzieren, damit sie auf dem schon wieder gewußt, daß er verreisen wollte. Ihm sei schließlich Schlachtfelde der Arbeit und des Arieges niedergemäht werden ganz unheimlich zumute gevorden, da seine Frau über dic tönnen. Es sind faule Rebensarten, wenn behauptet wird, die intimiten Angelegenheiten, über Ausgaben und Geschenke, ja jogar Geburteneinschränkung habe uns einen Rückgang der Bevölkerung über den Inhalt seiner Briefe genau informiert gewesen sei. Der gebracht. Es steht fest, daß es noch 150 Jahre so wie bisher weiter" Detektiv Neumann" habe förmlich wie ein Gespenst in feinem Memei, Tuft weiler- Bauſe herumgesputt. Schließlich lam er dahinter, daß die V. zu gehen kann, ehe ein Stillstand der Bevölkerungszahl eintritt. Wer Seefeldt in Beziehungen getreten war und diesem alles erzählte. die Vermehrung der Bevölkerung will, der muß Maßnahmen zur Bu derselben Zeit trat auch S. mit Darlehnsgesuchen an ihn Bekämpfung der Kindersterblichkeit und der Tuberkulose ver- heran. Dr. B. ließ sich auch bestimmen, durch Rechtsanwalt Tangen. Wir fönnen uns dem Standpunkt des Profeffors Baginsti tremer 1250 M, als Darlehn an den Privatkläger zahlen zu lassen, anschließen: Bill die Regierung einen größeren Kinderreichtum, der kurz vorher den Offenbarungseid geleistet hatte. Nach dann soll sie die Steuern herabsehen oder einen Teil der Kinder Zahlung des Geldes hatte Dr. B., wie er betundete, sechs Wochen auf Staatsfoften erziehen laffen." Die Gesetvorlage stellt sich Ruhe. Sturz vor Weihnachten 1910 melbete fich plötzlich der Detektiv Neumann" wieder am Telephon und bot der Frau dar als eine Ausgeburt der Unvernunft.( Rebhafter Beifall.) Rätin drei kompromittierende Briefe ihres Gatten für 200 M. zum Staufe an. Einige Tage später erschien bei dem Rechtsanwalt Willner, dem Anwalt der Frau, ein Mann und bot zwei dieser Briefe zum Kaufe an. Der Anwalt erkannte sofort, daß der Un Inseratenteil verantw.: Tb. Glode. Berlin. Drud u. Berlag. Vorwärts Luise Biez, die als dritte Referentin sprach, bezeichnete es als eine Ungeheuerlichkeit, daß man eine Erscheinung, die in unseren wirtschaftlichen und sozialen Berhältnissen wurzelt, aus Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für der Bafferstand Stroijen Frantiurt am feit am feit 187 Bregel, Insterbure Weichiel, Thorn Oder. Ratibor 3. 3. 2. 3. cm cm³) 311-3 -9 Bafferſtand Saale, Grochlis 3. 3. 2. 3. cm 183 cm³) -8 Havel. Spandau) 90 8293) Rathenons) 91 232 -23 251 +9 Spree, Spremberg) Beestow 98 128 229 + 14efer, Münden 252 204+2 Minden 328 -10 146-1 Rhein, Marimilians au 380 2 35+1 149 Raub 239 -13 . -17 Köln 292 -19 46-17 Nedar, Heilbronn 115 -5 337 +9 272+7 Main, Hanau 236 -8 Mosel, Trier 144-3 Fall. Unterpegel. 1) Leichtes Landsberg a'r the. Schrimm Nee. Bordamm Ibe, Zeitmeriz Dresden Barbn Magdeburg " 1)+ bedeutet Buchs, istreiben. Budbruderet u. Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SWL Nr. 63. 31. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 5. März 1914. Arbeiterinnen, sorgt für eine würdige Demonftration am Frauentag! Mord oder Selbstmord. Die Tragödie, die sich am 15. Oktober v. J. zwischen einem jungen Mädchen und einem Unteroffizier im Grünauer Forst abgespielt hat, bildete den Gegenstand einer Verhandlung gegen den Unteroffizier Ernst Aust von der 6. Kampagnie des KöniginAugusta- Garde- Grenadier- Regiments, die am Mittwoch begann. Aust ist angeklagt, seine Geliebte, die 19jährige Herta Johne Teit, die Stieftochter des Porzellanmalers Haag, durch einen Revolverschuß getötet zu haben. " der Kundschaft gedroht worden sei. Aber auch diesen Schlag ver- 40-50 Diphtheriefälle, sondern erst nur 8" festgestellt worden sind. stand der Verband der Laubenkolonisten, dem sich der neu- Die Gefahr einer Weiterverbreitung der Diphtherie droht der Schule gegründete Pflanzerverein sofort angeschlossen hatte, spielend ab- übrigens hauptsächlich von den Bazillenträgern", die zwar zuwehren, indem die Fuhrverte einer Speditionsfirma bestellt felber nicht erfranken, aber die Ansteckung auf andere Kinder überwurden und außerdem auch die Brauerei Gabriel u. Richter jeden tragen. Diese Bazillenträger" rechtzeitig zu ermitteln und schleu Sonntag Gespanne gratis zur Verfügung stellte. nigst vom Schulbesuch auszuschließen, sind die Schulärzte un Und nun ist das Werk vollbracht, die Vereinsmitglieder sind ausgesetzt bemüht. Leider hat aber das allein nicht immer Als im Januar heruntergezogen, und wer jetzt einen Spaziergang durch die genügt, Diphtherieepidemien zu unterdrüden. Kolonie Nordring" unternimmt, ist erstaunt über die vielen freien die Schulen in der Putbuser Straße wegen Diphtherie geFlächen, denn mehr als 70 Kolonisten dürften den Staub von den schlossen worden waren, fragten wir, ob nicht diese MaßFüßen geschüttelt haben. Aber schon hat sich eine Anzahl weiterer regel angesichts der bereits seit mehreren Wochen beobachteten Der Angeklagte bestreitet, seine Geliebte erschossen zu haben. Pächter gemeldet, die zu ihrem eigenen Bedauern nicht in der Häufung von Erkrankungen und Sterbefällen schon früher hätte notDiese hätte sich vielmehr selbst den Tod gegeben. Sie habe sich Lage waren, sofort die Konsequenzen zu ziehen, die aber noch in wendig erscheinen können. Damals antwortete der Magistrat, bei längere Zeit mit Selbstmordgedanken getragen und bereits mehrfach diesem Jahre dem Beispiel ihrer Kollegen folgen und es der Frau der Bekämpfung der Diphtherieepidemien sei die Schließung Selbstmordversuche gemacht. Aus einem Rohrpostbrief der Johne- Lina Keucher überlassen werden, die Pacht für ihre Kolonie allein ganzer Schulen nicht die Hauptsache. Wir wiesen dann darauf Teit an den Unteroffizier, der unmittelbar vor der Tragödie ge- aufzubringen. Die ausgezogenen Pächter freuen sich, das Joch hin, daß auch in der Mädchen- Gemeindeschule an der Straßmann schrieben wurde, geht auch hervor, daß sich das Mädchen mit Todes- der energischen" Generalpächterin abgeschüttelt zu haben. Sie straße in legter Zeit eine bedrohliche Häufung von Diphtheries gedanken getragen und ihren Geliebten aufgefordert hat, gemein- werden als freie Menschen auf freiem Boden frei reden, schalten erkrankungen beobachtet worden sein solle. Ein paar Wochen später fam mit ihr in den Tod zu gehen. Sie bat Aust auch, zu diesem und walten, von keinem Wucherer bedrückt, von niemandem be- wurde auch diese Schule geschlossen. Aus der ganz besonderen Zwecke einen Revolver zu kaufen. fohlen, sondern von gegenseitiger Achtung und gegenseitigem Vera Vorsicht", mit der die Schule an der Kastanien- Allee schon nach Andererseits legt der Umstand, daß die Johneleit ihren Tod trauen beseelt, die neugegründete Vereinskolenie zu einer wirk- nur 8" Diphtherieerkrankungen geschlossen worden ist, kann man durch einen Schuß in die linke Schläfe gefunden hat, obwohl lichen Erholungsstätte für sich und ihre Angehörigen zu gestalten vielleicht folgern, daß an maßgebender Stelle jetzt doch wieder die sie rechtshändig ist, und das ganze Verhalten des angeklagten wissen. schleunige Schließung ganzer Schulen für das Beste gehalten wird. Unteroffiziers fowie seine vielfach widerspruchsvolle Darstellung Jm Etatsausschuß der Stadtverordnetenversammlung am des Vorganges den Verdacht nahe, daß Aust seine Geliebte erschossen Montag brachten unsere Genossen die Stellung der Grundeigen- Der Sommerfahrplan der Eisenbahndirektion Berlin. Der habe. Vielleicht in der Absicht, sich später selbst zu töten, wozu tumsdeputation zu den Vereinen der Laubenkolonisten zur Sommerfahrplan der Eisenbahndirektion Berlin vom 1. Mai ihm dann wahrscheinlich der Mut gefehlt hat. Die beiden sach- Sprache. Unsere Genossen betonten, daß die Stadt bei den Ver- bringt in seinem ersten Entwurf keine durchgreifenden Neueverständigen Gerichtsärzte erklären es für höchst unwahrscheinlich, pachtungen von Laubenland sich mehr von sozialen als von fis- rungen. Doch sind einzelne Wünsche von Vororten berück Doch sind einzelne Wünsche von Vororten berückdaß ein rechtshändiger Mensch sich durch einen Schuß in die linke falischen Gesichtspunkten leiten lassen möge; man solle den Gesichtigt. So wird vor allem der Vorortverkehr vom Potsdamer Schläfe tötet. Auch scheine der Schuß in einiger Entfernung von noffenschaften der Laubenkolonisten mehr Entgegenkommen bei sichtigt. So wird vor allem der Vorortverkehr vom Potsdamer Bahnhof nach Zossen bis Wünsdorf ausgedehnt. Im ganzen der Schläfe abgefeuert worden zu sein. Ebenso sei die Darstellung Verpachtungen zeigen als das bisher zu konstatieren sei. Vom Laufen vier Bossener Züge bis Wünsdorf durch, ab Potsdamer des Angeklagten, daß seine Geliebte nach dem Schuß noch 400 Meter Magistratsvertreter und dem zuständigen Dezernenten wurden zu Ringbahnhof 5.15 vorm., 1.38, 4.28 und 10.28 nachm., ab weit in den Wald gelaufen sei und sich dort versteckt habe, gänzlich nächst verschiedene Behauptungen zurückgewiesen, die gegen die Wünsdorf 6.36 vormt., 3.19, 5.47 und 11.40 nachm. Die unwahrscheinlich, da die Verlegung eine tödliche gewesen war. Grundeigentumsdeputation erhoben worden waren. Ausgesprochen Strecke nach Lichterfelde- Ost erhält den langgewünschten letzten Immerhin erklärte der eine Sachverständige die Möglichkeit wurde aber, daß auch die Vereine von Laubenkolonisten bei Ver- Bug vom Potsdamer Ringbahnhof 1.45, der bisher nur im pachtungen berücksichtigt worden seien und in Zukunft berücksichtigt Winter verkehrte. Auf der Strecke Görlitzer Bahnhof- Königswerden sollen. Man werde außerdem sich noch näher mit der Wusterhausen geht vom Görlizer Bahnhof 12.40 jetzt auch Angelegenheit beschäftigen. An Entgegenkommen wolle man es werktags ein letzter Zug, der im Winterfahrplan nur Sonnaber nicht fehlen lassen. tags verkehrte. Eine starke Vermehrung tritt natürlich wieder im Fahrplan für die Sonn- und Feiertage int Sommer ein. Zum Teil greift die Vermehrung schon am 1. April Platz. Arbeiten für den Westhafen. eines Selbstmordes nicht für gänzlich ausgeschlossen. Der Angeklagte selbst macht einen recht unsympathischen Einbrud. Er erklärt, daß er das Mädchen nicht habe heiraten, im Gegenteil gerne los sein wollen. Mit dem Selbstmord ist es ihm nach seinem eigenem Geständnis nicht ernst gewesen, obwohl er tatsächlich den Revolver kaufte und mit zu dem Stelldichein in den Grünauer Forst brachte, von dem die tödliche Wunde des Mädchens ftammt. Auch hat der Angeklagte den Stiefeltern des Mädchens erst zwei Tage nach den Vorfall Mitteilung von dem angeblichen Selbstmordverfuch gemacht. Dem Stiefvater gegenüber behauptete er, die Verletzte sei nach ihrer Verwundung in das Dickicht gelaufen, so daß er sie nicht habe finden können. Bei dieser Mitteilung soll er ruhig seine Zigarre geraucht haben. Das Opfer der Tragödie wird von den Eltern als leicht erregbar und etwas überspannt geschildert. Es habe viele Liebesromane gelesen und gerne die Kinos besucht. Ihr Brief an Aust zeugt denn auch von einer gewissen Ueberspanntheit. 0611 Laubenkolonisten und pächtertum. Parteiangelegenheiten. Bierter Wahlkreis. Heute abend 8 1hr finden für die Mit der Vergebung der ersten Arbeiten für den von der Stadt jungen Mitglieder des Wahlvereins im Alter von 18 bis 21 Jahren zwei Versammlungen statt. Für Stadtteil Süd- Ost: zu erbauenden Westhafen beschäftigte sich die gestrige Sigung der Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147, Bortrag städtischen Tiefbaudeputation. Zunächst handelt es sich um die Ver des Genoffen R. Seibel über, Bildungsarbeit". Für den gebung von Erdarbeiten verbunden mit Grundwassersenkungen. Es Stadtteil Dsten: Bei Siegel, Gr. Frankfurter Str. 30, Vorlagen 28 Gebote vor. Der Zuschlag wurde der Firma Habermann trag des Genossen E. Eichhorn über" Entstehung und u. Kochert mit 1,7 Millionen Mark erteilt. Von unseren Genossen Entwidelung der Sozialdemokratie". General- verbreitung Briz. Bezirk Stralau. Freitagabend 7% Uhr:' Flugblattverbreitung bon den bekannten Stellen aus. wurde bei dieser Gelegenheit auf die Entlohnung der Arbeiter hine gewiesen. Nach den neuen Bietungsbedingungen ist der Unternehmer vertraglich verpflichtet, die Arbeiter, tarifmäßig zu entlohnen, allein für Erdarbeiten bestehen keine tariflichen Bestimmungen, abgesehen von einigen besonderen Kategorien. Aus diesem Grunde wurde angeregt, dem Unternehmer aufzugeben, den örtlichen Verhältnissen angemessene Löhne zu zahlen. Der Vorsitzende der Deputation, Stadtbaurat Krause, erklärte sich bereit, in diesem Sinne auf die Unternehmer einzu wirken. Bedingung ist nach dem Magistratsbeschluß ferner die Be schäftigung von Arbeitern aus Berlin. Im Falle Arbeiten an Sub. unternehmer übertragen werden, muß vorher die Zustimmung der Verwaltung eingeholt werden. Natürlich muß auch der Subunternehmer die gleichen Bedingungen erfüllen. Neukölln. Wegen Behinderung des Genoffen H. Schulz muß für die Teilnehmer des Kursus„ Redeübungen" die heutige Stunde ausfallen; dieselbe findet am Donnerstag, den 12. März, statt. Tempelhof. Freitag, von den bekannten Stellen aus, FlugblattLichterfelde. Am Freitagabend: Allgemeine Flugblattverbreitung zu dem am Sonntag um 12 Uhr bei Wahrendorf stattfindenden Frauentag. Seit Jahren führen die Laubenkolonisten einen heftigen Heute Donnerstag, den 5. März, 7 Uhr: Wichtige Kampf gegen die Generalpächter, die für die Laubenpächter ein Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. wahres Martyrium bilden. Ausbeutungssucht gepaart mit SelbstHalensee. Heute Donnerstagabend bei Piche, Seesener Str. 54 herrlichkeit und Willfür sind die Kennzeichen des Generalpächter- Flugblattverbreitung. tums. Wer das Bier nicht vom Generalpächter bezieht, wer sich bei dem Allgewaltigen migliebig macht, furz, wer sich nicht alles ruhig gefallen läßt, wird unbarmherzig von seinem Laubenland Aus einer Berliner Volkskaffee- und Speisehalle. Weißensee. Heute Freitagabend von 7 Uhr ab: Flugblatt Wenn die bürgerliche Presse über die„ Volkskaffee- und Speise geworfen, wodurch dem Laubenbesizer großer Schaden zugefügt verbreitung zum Frauentag von allen Gruppenlofalen aus. Nieder- Schöneweide. Donnerstag, abends 81 Uhr, im Wirts- anstalt" etwas zu sagen hat, dann wird man gewöhnlich und wird. Wir haben seit Jahren gegen die Ausbeutung der Lauben= folonisten Sturm gelaufen und die Praktiken bestimmter General- hause" Zoreley" Berliner Straße 101: Deffentliche Einwohner- Komplimente lesen. Und es ist wahr! Ein oberflächlicher Beobachter pächter an den Pranger gestellt. Besonders heftig war der Kampf bersammlung. Tagesordnung: 1." Sozialdemokratische Gemeinde kann der Deffentlichkeit auch nichts anderes mitteilen. Es ist auspolitik." Referent Genosse Ernst Obst- Schöneberg. 2. Bericht der Laubenkofonisten gegen die Generalpächterin des Bökowschen unserer Gemeindevertreter. Referent Genosse Paul Bengsch. man fein gekleidet durch das Speiselokal sauft und sich dem Herrn Referent Genosse Paul Bengsch. geschlossen, ein vollständiges Bild des Betriebes zu erhalten, wenn Geländes, Frau Lina Keucher, der sich im Oktober vergangenen 8. Diskussion. Jahres abspielte. Die Bächter beklagten sich über große Härten, Schmargendorf. Zu der am Dienstag, den 10. März, statt- Inspektor vorstellen läßt. Kann man dann viel mehr erzählen, als Ungerechtigkeiten und Uebervorteilung, ohne daß es ihnen möglich findenden Gemeindevertreterwahl gibt der Vorstand bekannt: Da man unter seiner Führung gesehen und aus seinen Erklärungen Nein! Man muß unauffällig hingehen und gewesen wäre, von dem Kommerzienrat Bötzow Abhilfe zugesagt uns am Orte Hausbefizer nicht zur Verfügung stehen, ist strengste gehört hat? Zeitlang als Stammgast" das zu erhalten. Die erregten Kolonisten gründeten den Pflanzer- Wahlenthaltung zu üben. Im Restaurant Schüßenhaus, Hundekehle- mindestens Treiben beobachten, dann wird man Gelegenheit berein„ Nordring", prompt erhielten die Mitglieder des Borstandes straße 20, findet am Sonnabend, den 7. März, ein Wintervergnügen und die Kündigung zugesandt. Alle unternommenen Schritte der statt. Anfang 9 Uhr. Zum Frauentage wollen sich die Genofsinnen haben, Dinge zu sehen, die nicht alltäglich, aber empörend sind. Erst dieser Tage so schreibt uns ein Leser hatte ich Gelegenheit, Kolonisten, eine Einigung zu erzielen, scheiterten, weil Frau den Versammlungen in Stegliz oder Wilmersdorf anschließen. Keucher jede Verhandlung in der schroffsten Weise ablehnte. Die Teltow. Sonntag, den 8. März, vormittags 10 Uhr, beginnt einen solchen empörenden Fall mitzuerleben. Die Speisehalle in Mitglieder des neugegründeten Vereins beschlossen, gemeinsam im Lokal von Bonow der Kursus über:" Die wissenschaftlichen der Alexandrinenstraße war an jenem Abend fast bis auf den letzten mit den gemaßregelten Vorstandsmitgliedern diese General- teilnehmen will und sich noch nicht in die Liste eingetragen hat, muß die Zahl der Gäste groß. Unter diesen befinden sich auch solche, mit den gemaßregelten Vorstandsmitgliedern diese General- Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung." Wer an demselben Stuhl besetzt. Immer wenn es draußen fait ist oder regnet, ist auch pächterin zu verlassen und eine neue Kolonie ohne Generalpünktlich zur festgesetzten Zeit erscheinen. die sonst keine Unterkunft haben oder denen die Mittel fehlen, pächter au gründen. Ein passendes Gelände war bald gefunden Reinickendorf- Oft. Die Verbreitung der Flugs und 81 Pächter, zu denen noch 30 bis 40 hinzugekommen waren, blätter findet der öffentlichen Versammlung wegen bereits um sich anderswo Unterhaltung zu suchen. Sie bleiben dann ge wöhnlich bis zum Schluß des Lokals, also bis 9 Uhr verpflichteten sich unterschriftlich, ihre Parzellen der General 28 Uhr von den bekannten Stellen aus statt. pächterin zur Verfügung zu stellen. fizzen. Eine große Tafel verkündet unter anderem, daß der Aufenthalt nicht über eine halbe Stunde gestattet wird, wonach sich wohl kaum jemand richtet. Jeder fißt hier, so lange ihm wohl ist, oder bis er hinausgeworfen wird. Wenn er es aber so weit kommen läßt, dann fliegt er mit einer solchen Gewalt auf den Straßendamm, daß ihm Hören und Sehen vergeht, und er gerät in die Gefahr, vorübergehende Passanten umzureißen oder unter die Räder eines vorbei" Berliner Nachrichten. Schulenschluß wegen Diphtherie. eine er ant Leben Hatte man auf jener Seite der Zuversicht gelebt, durch die Kündigung des Vorstandes unter den Bächtern Furcht und Schrecken verbreiten zu können, so sah man sich angesichts dieses Ergebnisses fürchterlich enttäuscht. Der Verein der Generalpächter- mit Herrn Lange an der Spike( es ist dies derselbe Die 171. Mädchen Gemeindeschule, Kastanienallee 85, Herr Lange, der s. 3t. von den städtischen Wasserwerken belehrt ist vor einigen Tagen bis auf weiteres geschlossen worden. Als wurde, daß er für das an seine Pächter weitergegebene Leitungs- Grund wurde angegeben, daß unter den Kindern dieser Schule eine fahrenden Autos zu geraten. An jenem Abend sah ich, bei einer wie waffer sich nicht zuviel bezahlen lassen dürfe) trat nun in Aftion. Säufung der Erkrankungen an Diphtherie eingetreten sei. Einige Lasse Kaffee sigend, wie ein unliebſamer Gaſt auf dieſe Der Besizer des von dem Pflanzerverein in Aussicht ge- Beitungen( nicht auch der„ Vorwärts") brachten die Mitteilung, es eise hinausbefördert wurde. Bon einem knochigen Haus. wurde fnecht mit einer Hand mit Kragen, nommenen Geländes, auf das bereits eine Anzahlung von 600 M. Handle sich um 40-50 Diphtheriefälle. Hierzu äußert sich jetzt das geleistet worden war, erklärte in letzter Stunde, er könne dem Nachrichtenamt des Magistrats folgendermaßen: der anderen am Sigpunkt seines widerstandsschwachen Gestells von Verein das Land nicht verpachten, weil es angeblich ein sozialDiefe Mitteilung trifft insofern nicht zu, als bis zum Tage feinem Plaz gegen die Glastür zum Ausgang gestoßen, wobei sich demokratischer Verein sei. Wer ihm diese wissentlich falsche Bedes Schlusses in der ganzen Schule nur acht Diphtherieerkrankungen dieselbe nach außen öffnete. Mit einem fräftigen Fußstoß war er hauptung zugetragen hat, kann nach dem bereits Gesagten wohl festgestellt worden sind. Hiervon entfallen vier Fälle auf eine einzige dann auf der Straße. Nach einer kurzen Weile kam er jedoch in faum zweifelhaft sein. Hinzu kommt noch, daß nach der Aussage Klasse. Von dem zuständigen Schularzt in Berbindung mit dem Begleitung eines Schuhmanns wieder. Während der Beamte an eines Mannes, der es wissen muß, die Generalpächter sämtliches städtischen Untersuchungsamt alsbald eingeleitete Ermittelungen er- die Feststeuung der Tatsachen ging, sammelten sich auch schon Neufreie Land, das für den Pflanzerverein im Nordosten der Stadt gaben, daß in dieser Klasse außerdem noch zehn gesunde Bazillen- gierige auf der Straße. Vier Haustnechte mit dem aufgeregten träger vorhanden waren und acht Kinder aus unbekannter Ursache Rausschmeißer an der Spize stürmten jest gegen die Neugierigen. in Betracht kommen konnte, aufgepachtet haben, um die Pächter fehlten. Unter diesen Umständen war es, schon in Rücksicht auf Ihnen folgte der Herr Inspektor. Als einer der Gaffer sich eine zu zwingen, auf Kolonie Nordring" zu bleiben und sich auf den Unterricht, angezeigt, die Klasse zu schließen. In der übrigen Bemerkung zu machen erlaubte, schwang der mutige Hausdiener Gnade und Ungnade ihrer Generalpächterin zu übergeben. Damit Schule find nur vier weitere Diphtheriefälle bekannt geworden. war es aber noch nicht genug! Die Brauerei Engelhardt kam den Wenn trotzdem der Schluß auf die ganze Schule ausgedehnt worden sogar einen Stuhl in die Höhe, um ihn gegen die Gaffer zu Solonisten soweit entgegen, daß sie Gespanne zur Verfügung ist, so geschah dies lediglich aus Gründen ganz besonderer Vorsicht, schleudern. Ob die allgemeinen Pfuirufe ihn daran gehindert haben, stellte, welche den Umzug nach der neuen, vom Verbande der und zwar wesentlich deshalb, weil in einer Reihe von Klassen feine Absicht auszuführen, oder die zugeschlagene Tür, läßt sich nicht sagen. Auf jeden Fall läßt sich aber feststellen, daß die Hausknechte Laubenkolonisten gepachteten Kolonie belverkstelligen sollten; doch zahlreiche Kinder fehlten." schon am zweiten Sonntag lieferte die Brauerei keine Gespanne Wir halten die ganz besondere Vorsicht" für sehr löblich. Sie sehr oft ein ähnlich rohes Benehmen offenbaren. In den einzelnen mehr, weil, wie ein Gerücht zu melden weiß, ihr mit Entziehung war nötig, auch wenn unter den Kindern dieser Schule nicht schon Fällen das Gericht anzurufen, hat gar keinen Zwed. Schon einmal !jat ein HinauZgelvorfener Beim Gericht Rechtfertigung verlangt, er mußte aber seine Klage zurückziehen, weil ihm die Gesellschaft mit einer Gegenklage wegen Hausfriedensbruchs drohte! Aus diesem Grunde muß endlich öffentlich gegen die Praktiken in der Volksspeisehalle Einspruch erhoben und die Direktion veran- laßt werden, Remedur eintreten zu lassen. Oder billigt sie die hier gekennzeichnete Behandlung armer Menschen? Zur Explofionskatastrophe in Rummelsburg. Das letzte Opfer des ExplosionSunglücks in der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation in RummelSburg, der nachträglich seinen Ver- letzungen erlegene Schlossermeister Bottke, wurde gestern auf dem KarlShorster Friedhofe unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe ge bettet. Die zahlreichen Arbeiter der Anilinfabrik, die an der Beerdi gung teilgenommen hatten, versammelten sich nach der Beisetzung im Restaurant„Bellevue", um die Katastrophe zu besprechen. Der sozialdemokratische ReichStagSabgeordnete Genosse Bry schilderte den modernen Fabrikbetrieb und seine Gefahren. Er verlangte be sondere Vorsichtsmaßregeln und eine schärfere Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden. Er betonte, daß die in Betracht kommenden Ar beiter schon häufig bei der Betriebsverwaltung der Anilinfabrik vorstellig geworden seien und daraus aufmerksam gemacht hätten, daß die Einrichtungen nicht mehr vollkommen wären. Die Arbeiter haben auch wiederholt auf Miß stände hingewiesen und deren Beseitigung verlangt. Wenn sich auch heute nicht mit Bestimmtheit sagen lasse, wen die Schuld treffe, um so weniger, als auch der leitende Ingenieur unter den Toten sei, so lasse sich doch für jeden Fall behaupten, daß bei Berücksichtigung aller in Betracht kommender Vorschriften das Un glück nicht nötig gewesen wäre. Aus den Kreisen der Arbeiter wurden die verschiedensten Mitteilungen gemacht. So wurde be- hauptet, daß gar nicht der neue, auszuprobierende Kessel explodiert fei, sondern ein anderer, und daß die Kessel nicht selten übermäßig in Anspruch genommen worden seien. Sie seien zum Teil überheizt worden. Andere Redner führten an, daß die Füllung eines Kessels, zu der sonst stets drei Stunden Zeit ge braucht wurden, einmal in einer Stunde vorgenommen worden sei. In seinem Schlußwort wies der Referent auf die W i ch t i g k e i t einer strammen Organisation der Arbeiter hin. die notwendig sei, um eine größere Kontrolle der Arbeiterausschüsse in bezug auf die Sicherheitsmaßregeln für die Arbeiter zu erwirken und eine bessere Vertretung der Wünsche der Angestellten bezüglich der Schutzvorrichtungen zu ermöglichen. Doppelselbstmord eines Ehepaares. Am Dienstagabend hat der in der Berliner Geschäftswelt sehr bekannte frühere Inhaber der Nutzholzhandlung Louis Treitel, Herr Karl Treitel zusammen mit seiner Gattin in seiner Wohnung in der Wormser Str. 4 Selbstmord durch Erschießen verübt. Wir erfahren darüber folgendes: Karl Treitel, der im 53. Lebensjahre stand, war der Inhaber der von feinem Vater begründeten Nutzholzhandluug und Dampf- sägewerk Louis Treitel in der Koppenstraße 64. Das Geschäft, das früher zu den ersten Firmen der Branche gehörte, war in den letzten Jahren sehr zurückgegangen, da der Leiter, Karl Treitel, an einem schweren Leiden erkrankt war. Dazu kam, daß Treitel sich durch einige Grundstücksspekulationen und namentlich durch Holzankäufe in Rußland festgelegt hatte und nicht mehr Betriebskapital besaß, um das Werk, das flott ging, erhalten zu können. Er schied deshalb aus der Firma aus, die sein Bruder, Orto Treitel, übernahm. Karl Treitel war zwar nach wie vor mit einem gewissen Prozentsatz an dem Reinertrag de» Geschäfts beteiligt, tam jedoch in letzter Zeit nur noch selten in. daS Geschäft. Seine mißliche finanzielle Lage und eine starke Nervenüberreizung, die sich durch sein Leiden herangebildet hatte, gaben schließlich zu dem Doppelselbstmord Veranlassung. Treitel hatte m der Wormser Straße 4 eine größere Wohnung inne, die er allein mit seiner Gattin und zwei Dienstmädchen bewohnte. Dienstag nachmittag erteilte Frau T. den beiden Mädchen für den ganzen Nachmittag Urlaub und fügte hinzu, daß sie selbst mit ihrem Manne ausgehen werde und deshalb am gestrigen Morgen nicht geweckt zu werden wünsche. Die beiden Mädchen verließen gegen 6 Uhr das Haus und bald darauf begab sich Treitel zu dem Portier de« Hauses, um sich nach der Adresse des zuständigen Polizeirevier» zu erkundigen. Dann schrieben die Gatten an den Bruder deS T. sowie an ihre ver- heiratete, in Berlin lebende Tochter Abschiedsbriefe und Treitel richtete außerdem an das Polizeirevier einen Brief, in welchem er seinen und seiner Gattin Selbstmord ankündigte. Als dieses Schreiben gestern morgen auf dem Revier ein- traf, begaben sich sofort zwei Beamte in die Wohnung der Lebensmüden. Die Dienstmädchen öffneten und waren aufs äußerste überrascht, als ihnen die Mitteilung von dem Tode ihrer Herrschaft gemacht wurde. In dem Schlafzimmer des Ehepaares fand man Treitel und feine Gattin, auf den Betten liegend, tot auf. Treitel hat erst feine Gattin durch einen Schuß in die rechte Schläfe und dann sich selbst durch einen solchen in die Herzgegend getötet. Ein hinzugerusener Arzt stellte fest, daß die Verletzungen sofort tödlich gewirkt haben müssen und daß der Tod schon Dienstagabend ein- getreten fein müsse._ Ei« Mord im Rordwestcn der Stadt. Ein schweres Verbrechen ist gestern in Moabit entdeckt worden. In dem Hause Krefelder Straße 20 wohnte seit November vorigen JahreS im zweiten Stock des OuergebäudeS die am 20. Januar 1856 in Berlin geborene Witwe Maria M e t s ch. Hausbewohnern war eS aufgefallen, daß diese sich lange nicht mehr hatte sehen lassen. AlS sie sich daraufhin gestern abend gegen 0 Uhr in ihrer Behausung nach ihr umsahen, fanden sie die Frau tot auf. Sie lag auf dem Fußboden und hatte einen Strick um den Hals, mit dem sie anscheinend erwürgt worden ist. Auf ein Verbrechen läßt besonders der Umstand schließen, daß die Leiche mit einem Teppich zugedeckt war. Sofort wurde nach Auffindung der Leiche die Mord- kommisston benachrichtigt, die auch bald am Tatort eintraf. Mit der Frau, deren Mann Kaufmann war, wohnte deren 35 Jahre alter Sohn zusammen. Dieser war stark schwindsüchtig und die Mutter wollte ihn deshalb immer nach dem Krankenhause bringen lassen. Davon wollte der Sohn jedoch nichts wissen. Die Frau klagte auch wiederholt Nachbarn gegenüber, daß ihr Sohn sie mit dem Beil bedroht habe und ihr oft nachstelle. Weil nun der Sohn schon seit Montag nicht mehr gesehen worden ist, muß vorläufig angenommen werden, daß er mit dem Verbrechen in Verbindung steht._ Jagow und die Schutzleute. Ein«euer Fall von SchutzmannSmaßregelung wird wieder ge- meldet. Nachdem bereits die Letter der Bewegung in der Berliner Schutzmannschaft zur Gründung einer Schutzmannsvereinigung— die Schutzleute Höhnow, Fuhrmann, Pohlmann, Schräder und AlbinuS— entweder nach auswärts oder in die Fußschutzmann- schast resp. zur uniformierten Polizei strafversetzt worden sind, hat mau jetzt auch den Schatzmeister der verbotenen Bereinigung gefaßt. Der berittene Schutzmann Eckert, ein älterer Beamter und schon fett Jahren zur Berittenen Abteilung gehörig, hatte durch das Ver trauen seiner Kollegen und Kameraden das Ehrenamt eines Schatzmeisters erhalten und auch bereits namhafte Beitrüge für die Vereinigung eingezogen. Durch die Recherchen des Polizeipräsidiums auf Ermittelung der für die Vereinigung aktiv tätigen Beamten wurde Eckert als Schatzmeister ermittelt und zur Fußtruppe versetzt, um nunmehr zum Straßen- und Patrouille« dienst verwandt zu werden. Die Zahl der Matzregelungen beträgt gegenwärtig also bereits iechs. Bei dieser Gelegenheit wird mitgeteilt, daß unter den Frauen der Berliner Schutzleute eine Bewegung im Gange ist. die dahin zielt, eine Vereinigung der SchutzmannS'rauen ins Leben zu rufe« Auf diese Weise hofft man, in indirekter Weise durch die Frauen das zu erreichen, was der Polizeipräsident jetzt den Männern verbietet Die Begründung einer UnterstützungSkasse für die Hinterbliebenen der Berliner Schutzleute. Der Plan ist jedoch noch nicht spruchreif, da erst die Schwierigkeit zu überwinden ist, auf welche Weise A« gehörige der unverheirateten Schutzleute sich der geplanten Ver einigung anschließen können._ Die Arbeiten für die Tunnelstrecke der Nord- Südbahn von der Elsasser Straße bis zur Behrenstraße, die schwierigste der ganzen Strecke, weil der Spreetunnel in Frage kommt, werden dieser Tage ausgeschrieben werden. Gestern wurden in der Tiefbaudeputation die Dichtungsarbeiten, die einen Teil der Tunnelarbeiten bilden, an die Firma Bien vergeben. Es handelt sich in diesem Falle um ein Objekt von etwa 400 000 M. Beim Ball der Kupferschmiede in Kellers Festsälen, Koppenstt. 2S, ist eine silberne RemoMoiruhr gefunden worden und ein« Handtasche mit 2 Portemonnaies, 1 Photographie, 1 Spiegel, 1 Armband, 4 Taschemücher und Schlüssel verloren gegangen, abzuholen resp. abzuliefern bei W. Kühne, Gartenstr. 101. Kleine Nachrichten. Auf einen Kindesmord läßt ein Fund schließen, den gestern Passanten der Brunnenstraße machte« Sie fanden dort vor dem Grundstück Nr, 26 ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Kindes enthielt. Die Polizei beschlagnahmte die kleine Leiche und ließ sie nach dem Schauhause bringen.— Aus der Straße vom Tode ereilt wurde gestern nachmittag ein Mann von etwa 40 Jahren, dessen Persönlichkeit noch nicht bestimmt fest teht. Der Unbekannte wurde iu der Müncheberger Straße vor dem Hause 23 von einem Blutsturz befallen und von einem Schutz- mann nach der Hilfswache in der Koppenstraße gebracht. Hier war er jedoch schon bei der Einlieferung verswiedeii. Wie es scheint handelt eS sich um einen Dreborgelspieler Martin Gratz.— Der stellungslose Kaufmann Paul Dickelt au« der Kommandanten trotze 55 versuchte gestern morgen einen Einbruch in den Friseur jaden des Hauses Kommandantenstr. 60. Passanten, die dies be- merkten, riefen Schutzleute herbei, und als Dickelt sah. daß er ver- haftet werden sollte, erhängte er sich im, Friseurladen.— Gestern morgen gegen 4 Uhr stießen auf dem Königsplatz, Ecke Sommer- traße, zwei Droschkenautos zusammen. Das eine wurde vollständig zertrümmert. Der Insasse des AutoS, der Gastwirt Karl Tetsch aus der Kreuzbergstr. 16, erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Bein bruch. Er wurde in die Charit« eingeliefert. Der Chauffeur hat leichte Verletzungen erlitten.— Der Musketier Witt von der dritten Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 42 wurde gestern vormittag in Berlin-Lichterfelde in der Grunewaldstraße von einer elektrischen Straßenbahn überfahren. Witt wurde schwer verletzt in daS Garnisonlazarett H in Tempelhof eingeliefert. Vorortnachrichten. Neukölln. Stadtverordncten-Ersatzwahlen. Am Freitag, den 6. März, in der Zeit von 1t Uhr vor- mittags bis 3 Uhr abends finden die Ersatzwahlen in zwei Bezirken der zweiten Abteilung statt. Nochmals sei daraus aufmerksam gemacht, daß die Gegner mit Hochdruck arbetten, um die Mandate zu gewinnen. Es ist Pflicht aller steiheitlich gesinnten Bürger, nicht nur ihr Wahlrecht auSzu- üben und ihre Stimme für den sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben, sondern auch nach Kräften mitzuhelfen, die Lauen und Wankelmütigen an den Wohltisch ,n bringen. Die amtlichen Wahllokale sind jedem Wähler durch Einladung bekannt gegeben. Nachstehend folgen die Lokale, von denen auS die Wahlarbeit ihre Erledigung finden und wo jede Auskunft erteilt wird. Für den Bezirk, Abstimmungsbezirk a bei Bernert, Kaiser-Fnedrich- Straße 202/203, Tel. 1943; für den 2. Bezirk, Abstimmungsbezirk b bei Pflanz, Kaiser-Friedrich-Straße 95. Tel 1759: für den 3. Bezirk. Absttmmungsbezirk a bei Schenk, Rosenstraße 24. Tel. 9406; für den 3. Bezirk, Absttmmungsbezirk b bei Kraft, Kirchhofstraße 13. Tel. 313. Marieudorf-Tempelhof. Nochmals Herr Wegner. Herr Hermann Wegner, Verleger und Redatteur der.Mariendorfer Zeitung", hat anscheinend an der einen erlittenen Niederlage noch nicht gemrg. Es kränkt ihn. daß wir unseren Lesern davon Mitteilung gemacht haben, daß Herr Wegner bezw. sein Vertreter Herr Rechtsanwalt Dr. Ballien nach einem vom Vorsitzenden des Neuköllner Schöffengerichts angeregten, an unserem Widerstand aber gescheiterten Vergleich die Klage bedingungslos zurückgezogen hat. Wenn Herr Wegner in seinem Blatte behauptet, daß nach den Angaben des Herrn Ballien auch wir unsere Wiederklage zurückgezogen haben und die Kosten daher von beiden Parteien zu tragen seien, so ist das eben nicht zutreffend. Unsere Wiederklage, über deren , ulassung im übrigen das Gericht noch keinen Beschluß gefaßt hatte, ivar eo ipso in dem Moment hinfällig, als die Klage von unierm Gegner zurückgenommen wurde. Infolgedessen haben wir auch keine Gerichtskosten zu tragen. Ferner betonen wir auch heute wieder von neuem, daß unsererseits absolut keine Ver- pflichtungen gegenüber Herrn Wegner eingegangen worden sind. Wir lehnten jegliche Erklärung ab. nnd trotzdem nahm Herr Dr. Ballien die Klage zurück. Dies ist der wahre Talbestand. Einer neuen Klage, die Herr Wegner gegen uns eingereicht haben will, sehen wir mit derselben Ruhe entgegen wie der ersten. Tempelhof. Aus der Gemrindevertretersitzung. Zu Schöffen wurden die bürgerlichen Gemeindeverordneien Müller und Trenner auf die Dauer von sechs Jahren gewählt. Die Kassenpiüfungsverhandlung ur Februar 1914 ergab einen Bestand von 2 190 061.42 M. ein- chließlich der zinsbar angelegten Beiräge. Der Antrag des Gemeinde- >orstandeS auf Einführung der Generalvormundschaft wurde ein- timmig angenommen. Begründend hierzu betonte der Bürger- meister, daß er beabsichtige, die Generalvormundschaft einem Ge- meindebeamten zu übertrogen, da dieser bener als die Laien- Vormünder in der Lage sei, die Jntelessen der Kinder wahrzunehmen. ES sei beabsichttgt, diejenigen unehelichen Kinder unter General- Vormundschaft z» stellen, die entweder in Tempelhof oder aber in Berlin in einer Entbindungsanstalt geboren werden und deren Mütter ich sofort in Tempelhof niederlassen. Der nächste Punkt.Ein- teilung deS GemeindegebietcS in Fabrik- und Wohnviertel" rief eine längere Debatte unter den Bürgerlichen hervor. Hier handelte eS sich nämlich um die Interessen der Hausbesitzer. Der Gemeinde- vorstand beantragte, auf Grund des BernnstaltungSgeseyeS ein Orts- tatut zu erlassen, durch das erreicht werden soll, daß nur für be- ttmmte Teile TempelhofS Fabrikanlagen zugelassen werden, die Belästigungen durch Rauch, Ruß, üble Gerüche oder un- gewöhnliches Geräusch herbeiführen. Für Fabriken soll da? Gebiet um den Teltowkanal und südlich an der Ring« bahn bestimmt werden, alles übrige soll Wohngeländc fein. Die Herren Dr. Schmidt und Dr. Richter wollten auch den Teil an der Ringbahn, auf dem jetzt die Kaserne steht, von der Bebauung mit störenden Fabrikanlagen ausgeschlossen wissen. Nachdem Genosse Schmidt dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß man Kleinbetriebe von diesem Verbot ausnehmen möge und Syndikus Seyffert mit Bezug hierauf auf die Baupolizeiverordnung verwiesen hatte, einigte man sich dahin, den Antrag deS Gemeindevorstandes mit dem Zusatzantrag Dr. Schmidt- Dr. Richter unter der Bedingung anmnehmen, daß, wenn der Erlaß der Polizeiverordnung gefährdet sein sollte, man den Zm'atzantrag zurückzieht. Der Antrag, mit der Vereinigten Deutschen Kiosk- und Berliner Trmkhallen-Gesellichast einen Vertrag über Ausstellung von drei Zeitungskiosken zu schließen, wurde angenommen. Hiernach komme?« Zeitungskioske zur Aufstellung in der Berliner Straße an der Ring- bahn, Berliner- Ecke Dorfstraße und Kaiserin-Augusta- Ecke Berliner Straße. Genosse Frantz wünscht, daß keine Zensur über die zum Berkauf gelangenden Zeitungen geübr wird; er verweist hierbei auf das Verbot für den Verkauf verschiedener Zeitungen auf den Bahnhöfe« Der Bürgermeister erklärte, in dem Vertrage sei von einem solchen Verbot nichts enthalten. Der letzte Punkt der Tagesordnung»Bericht der Kommission und Beschlußfassung über Befreiung von Beamten und Lehrern von der Krankenversicherungspflicht" wurde durch Annahme des folgenden Antrage» erledig?:.Den im Dienste der Gemeinde Berlin- Tempelhof angestellten Beamten sowie den an den höheren Lehranstalten und an den Volks- schulen der Gemeinde endgültig oder einstweilen angestellten Lehrern und Lehrerinnen, soweit sie nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung der Krankenversicherungspflicht unterliegen, werden für den Fall ihrer Erkrankung auf die Dauer der Regelleistungen der zuständigen Krankenkasse für jeden ärztlich bescheinigten Krankheilstag, für den ihnen nicht ein Anspruch auf Fortzahlung de» Gehalts zusteht, Bezüge im eineinhalbfachen Betrage des Krankengeldes zugesichert. Der Beschluß hat rück- wirkende Kraft vom 1. Januar 1914 ab. Der Gemeindevorsteher wird ermächtigt, im Einzelfalle vertretungsweise beschäftigten Lehr« Personen den gleichen Anspruch zu gewährleisten." Schöneberg. Die städtische Schuldeputatio» hat beschlossen, vom 1. April d. I. ab bis zum 1. April 1915 versuchsweise den täglichen Schul- beginn an den Gemeindcschulen nin 8 U h r beginnen zu lassen. Damit ist dem Wunsch vieler Eltern Rechnung getragen. Zu wünschen wäre, daß eingehende Schularztberichte über den Gesundheitszustand, die Klasiensrequenz sowie über das heutige Schulsystem zusammen- gestellt und veröffentltcht würden. Daraus könnte man ersehen, in- irneweit der ganze Aufbau des Gemeindeschulwesens den heutigen Anforderungen noch entspricht. Einen Parsifal-Abend veranstaltet am Sonntag, den 8. März, nachmittags 5 Uhr, in der Aula der Hohenzollernschule. Belziger Straße 48, die Deputation für VoiksunterhaltungSahende. Unter Mitwirkung des Herrn Dr. Leopold H i r s ch b e r g, Dozent der Musikwissenschaft, wird Richard Wagners.Parsifal" auf Klavier und durch Gesang erläutert werden. EinttittSpreis 30 Pf. Eintritts- karten find in der Spedition. Manin-Luther-Straße 69, und im Konsumladen, Apostel-Paulus-Straße 40, zu haben. Treptow-Baumschulenweg. Die am Montag vorgenommene Gemeindeverordnetenwahl der beiden oberen Abteilungen bat keine Veränderungen gebracht, ob- wohl diesmal die lebhafte Gegenagitation des Berliner OrtSteileS dem Vorsitzenden des Baumschulenweger Grundbesitzervereins einen ernsthaften Gegenkandidaten in der Person des Architekten Röhl er» tehen ließ, der es aus 110 Stimmen brachte. Der bisherige Ge- meindeverordnete Neumann siegte aber mit 199 Stimmen, der Geometer Klapp vereinigte 306 Stimmen auf sich. Vier Stimmen waren zersplittert. Von den 622 Wählern der zweiten Klosse haben 310, dabei rund 100 Forensen in einer Hand, ihr Wahlrecht ausgeübt. In der ersten Klasse herrschte absolute Ein- mütigkeit. Von 20 Berechtigten kamen 15 zur Wahl und verlängerten die Vollmachten der beiden bisherigen Vertreter Oberingenieur Weigert von der Anilinfabrik und Kaufmann Schurichl auf weitere cchs Jahre. An der Abstimmung beteiligten sich somit in der ersten Klasse 75 Proz. der Wahlberechtigten, in der zweiten 50 Proz., in der dritten,»in Berliner Ortsteil westlich der K>esbolzstraße, 43 Proz. und in Baumschulenweg 51 Proz. DaS Verhältnis der zweite» Klasse ist allerdings nur durch tne vielen Papierstimmen empor- geschranbt, während im Berliner Teil der dritten Klasse die Größe deS Wahlbezirks ungünstig wirtte. Die Wahlen zum Gewrrbegericht, die für den 18. und 22. März angesetzt waren, haben sich erübrigt, da von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern nur je eine Liste eingereicht und diese sonnt gewählt ist. Dasselbe trifft aus die Arbeirgebervertreter zum Kaufmanns- ,ericht zu, während sich bei den Arbeitnehmern allein fünf ver- chiedene Listen bewerbe« Steglitz. Eingebrochen wurde zwischen 7 und 10 Ubr abends in die Wohnung unseres Genossen Alfermann, Holsteinische Str. 17. AIS A. mit seiner Familie gegen 10 Uhr nach Hause kam, mußte er die un- angenehme Entdeckung machen, daß Diebe die Abwesenheit der Familie zu einem Besuch benutzt hatten. Gestohlen sind 140 M. bareS Geld. Ein großer Posten Wäsche und andere Sachen, in einer Chaiielonauedecke verpackt, lag aus dem Korridor, woraus man schließen kann, daß die Diebe gestört wurden und deshalb diese Beute im Stich ließen. Remickeudor». Eine Kundgebung für die Eingemeindung nach Berlin, ver« anstaltet von den politischen, kommunalen und wirtschaftlichen Bereinen Reinickendorfs, findet am Freitag, den S.März, abend» 8Vi Uhr, in den Hubertussälen, Provinzstraße 76—79 statt. Die Bezirksleitung des sozialdemokratischen WahlvereinS empfiehlt den Genossen und Genossinnen diese Versammlung möglichst zahl« reich zu besuchen. Zehlendofff(Wannseebahn). Die Gemeindevertretcrwahlen für die 3. Abteilung finden, wie jetzt erst bekanntgemacht wird, für den Nordbezirk am D i e n s t a g, den 10. März, nachmittags von 4 bis 9 Uhr, im„Kaiserhof", Potsdamer Str. 50, für die Wähler der dritten Abteilung statt. Diese Abteilung wählt 2 Vertreter. Für den Südbezirk werden die Wahlen am Mittwoch, den 11. März, nachmittags von 4 bis 8 Uhr, im.Fürstenhof", Hauptftr. 2, vorgenomme« Hier ist nur ein Vertreter zu wählen. Zu diesem Bezirk gehören folgende Straßen: Die Berliner, Anna-, Klara-, Paul-, Seehof-, Bogen-, Garten-, Charlottenburger, Grunewald-, Kirch-, Kaiser-, Burggrafen-, Anhaltiner Straße und sämtliche Straßen, welche südlich der Wannseebahn liegen, ein- chließlich des Ortsteils Schönow. Der Nordbczirk umfaßt die OrtSteile: Schlachtensee, Zehlen- dorf-West, Zehlendorf-Grunewald und alle Straßen des Ortsteils Zehlendorf-Mitte, die nicht als zum Südbezirk gehörend aufge- ührt sind. Die Wahlbezirke sind in diesem Jahre ganz eigenarttg ad- gegrenzt, dem Südbezirk hat man ein Villenviertel angehängt. Auf- ullig ist eS besonders, daß alle von der Hauptstraße� rechts und links abgehenden Nebenstraßen, bis auf die Scharsestraße, zum Südbezirk gehören, die Hauptstrahe selbst aber zum Nordbezirk ge- hört. Schon bei der Landtagswahl war es gelungen, durch die eigenartige Einteilung der Urwahlbezirke daS Dreiklassenwahlrecht noch mehr zu verschlechtern. Bei den Gemeindewahlen wird ver- sucht, auf jeden Fall die Arbeiterschaft vom Gemeindeparlament bon fernzuhalten. Die Beamtenvereinigung beansprucht, wie ein mittags; für Maurer und Dfensetzer in Alaffe 6 Mittwoch, in Järztlichem Gutachten geurteilt wurde, was richtig set. Gegen den führendes Mitglied erklärt hat, für sich allein die Vertretersitze der Klasse 7 Freitag von 6-8 Uhr nachmittags; für Schneider, Schuh- lehten Beschluß des Schiedsgerichts ist nun Beschwerde beim britten Klasse, bzw. habe sie es in der Hand, die Size zu ver- macher, Sattler in Klasse 8 Montag von 2-4 Uhr nachmittags; Polizeipräsidenten als Aufsichtsinstanz erhoben, und es wird er= teilen, und wenn die bürgerlichen Parteien den Wahlkampf gegen für schmückende Gewerbe in Klasse 9 Dienstag von 5-8 Uhr nach wartet, daß hier eingegriffen wird. Es würde sonst überhaupt der die Beamtenvereinigung unterlassen, ist man bereit, ihnen ein mittags. Die Turnstunden für Fabrikarbeiter usw. finden Mittwochs Willkür Tür und Tor geöffnet sein. Im übrigen sei es aber nicht Mandat zu überlassen. Will die Arbeiterschaft Behlendorfs ihre von 6-8 Uhr nachmittags statt. Die Fabritarbeiter werden den hübsch und könnte wohl von einer Wohlfahrtskasse" dabei nicht berechtigten Interessen in der Gemeinde wahrnehmen, dann muß Berufen zugeteilt, deren Arbeit mit der ihrigen die größte Ver- mehr gesprochen werden, wenn Leute, die 23 bis 25 Jahre m Die Schulpflicht besteht auch fie alle Kraft daran sehen, ihren Kandidaten zum Siege zu ver- wandtschaft hat. für die Dienst stehen, dem Elend preisgegeben werden. Es sei deshalb die Arbeitslosigkeit. Die Zeit der frühere Unterrichtszeit höchste Zeit, hier einzugreifen und nicht eher zu ruhen, bis diese helfen. 8-10 Uhr abends hatte bei vielen Eltern be Härten beseitigt sind. Kaulsdorf. rechtigte Empörung hervorgerufen, da ihre Söhne oftmals In der Diskussion wurden die schlagenden Beweise des Refe= erst nach 11 Uhr zu Hause anlangten und den Nachhauseweg zu renten noch ergänzt und folgende Resolution einstimmig an= allerlei tollen und unerlaubten Scherzen benuzten. Wenn sich hier- genommen: durch Eltern veranlaßt sahen, ihre Kinder von solch spätem Unterricht fernzuhalten, so war dies zwar gefeßlich nicht statthaft, aber man fonnte es verstehen, wenn sich die Väter gegen die Folgen der nächtlichen Unruhen wie auch gegen drohende Gefahren ihre Söhne zu schützen suchten. Es mußte somit auch die für jeden einzelnen Fall verhängte Strafe von 10 M. als eine nngerechte Härte empfunden werden. dos Die Gemeindevertretung setzte die von den Anliegern zu er hebende Gebühr für die Straßenreinigung der Fahrdämme auf 3 Pf. pro Quadratmeter, wie im Vorjahr, fest. Der Zulegung des Brückengrabens in der Front der Bredereckstraße wurde zugestimmt. Dagegen fand der Vorschlag der Be- und Entwässerungstommission, den offenen Graben in der Frankfurter Straße gleichfalls zuzulegen und Abflußröhren einzubetten, teine Annahme. Es wurde darauf hingewiesen, daß die hierfür entstehenden Kosten von etwa 5000 M. unzwedmäßig angewandt seien, da bei der in wenigen Jahren erfolgenden Kanalisation die ganze Arbeit wiederholt und die Gemeinde mithin doppelte Kosten tragen müßte. Von unseren Ge- Situngstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. nossen wurden die angeführten Gründe als geltend anerkannt, gleichBuckow. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, im Gemeindebureau, zeitig aber auf die gesundheitlichen Gefahren hingewiesen, die dieser Dorfstr. 29. Schenkendorf bei Königs- Wusterhausen. Heute Donnerstag, abends Graben bildet. Deshalb beantragten unsere Genossen, periodisch eine Desinfektion des Grabens vorzunehmen, am besten im Anschluß 7 Uhr, bei Robert Bätsch. Etatsberatung. Spandau. Heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, im Sibungs an die jeweilige Räumung. Die in voriger Sizung ausgesetzte Wahl eines Waisenrates für den Bezirk Dorf und Süd wurde dies- fnal des neuen Rathauses. Teltow. Heute Donnerstag, den 5. März, nachmittags 5 1hr, im mal erledigt; einstimmig wurde Herr Lehrer Fischer gewählt.Weiterhin wurde der Vertretung ein Entwurf vorgelegt, der die An- Nathanie. stellungsbedingungen für die im Wege des Privatdienstvertrages an- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Diefe Sigungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be genommenen Personen in der Gemeinde regelt. Ober- Schöneweide. Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde. Ueber dieses Thema sprach in einer gutbesuchten Wählerversammlung Versammlungen. " „ Die in den Musiker- Sälen", Kaiser- Wilhelm- Straße, tagende Versammlung der Mitglieder der Ruhegehaltskasse der Großen Berliner Straßenbahn erheben Proteft gegen die vom Vorstand und Schiedsgericht der Ruhegehaltstasse getroffenen Maßnahmen in bezug von Abweisungen des berechtigten Ruhegehalts für Bedienstete, die 20 Jahre und länger im Dienst der Gesellschaft standen. Die Versammlung ist der Ansicht, daß nicht die Mündigungsoder Entlassungsgründe ausschlaggebend sein können, sondern daß in erster Linie die Beschaffenheit des körperlichen und geistigen Zustandes der Antragsteller Berücksichtigung finden muß. Die Versammelten sind ferner der Ansicht, daß die hier zutage geförderten Härten ohne weiteres beseitigt werden, wenn die bei der Beratung der Sabungen gemachten Versprechen vom Vorstand eingelöst und den gesetzlichen Bestimmungen des Pensionskassengesetzes mehr Beachtung geschenkt wird. Die Versammelten erwarten deshalb bestimmt, daß das Königliche Polizeipräsidium als Aufsichtsinstanz den Vorstand und das Schiedsgericht der Masse auffordert, den von diesen in letter Beit eingenommenen Standpunkt zu ändern. Sollte dieses wider Erwarten nicht geschehen und sollten Vorstand und Schiedsgericht nach wie vor auf diesem Standpunkte beharren, so verpflichten sich die Versammelten, zur geeigneten Beit erneut zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen und nicht eher zu ruhen, bis diese Härten beseitigt sind. Weiter bringen die Versammelten zum Ausdruck, daß es Pflicht der gesamten Mitglieder sei, sich ihrer Organisation, dem Deutschen Transportarbeiterverband anzuschließen, um dadurch diesen Wünschen mehr Nachdruck verleihen gu tönnen," Jugendveranstaltungen. Neukölln, Heim I, Jdealpassage. Heute Donnerstag: Bortrag üles " Geschichte des 19. Jahrhunderts". Verband der Friseurgehilfen Deutschlands( 8weigverein Berlin und Bororte). Heute Donnerstag, abends 9 Uhr: Bersammlung im Rotal Eine Straßenbahnerversammlung vom Betrieb der Großen Genosse Brühl. Der Redner kennzeichnete zunächst den Charakter Berliner", die am Dienstagabend in den„ Mufifer- Sälen" tagte, des Dreiklassenwahlrechts, das in der hiesigen Gemeinde in der beschäftigte sich mit der Verschlechterung in der Ruheunerhörtesten Weise zum Ausdruck komme. Ständen doch 2 Wählern gehaltstasse und den Folgen derfelben für die der ersten Klasse 200 Wähler der zweiten Klasse und 5400 Wähler Angestellten. Das Referat hatte Ortmann vom Deutschen der dritten Klasse gegenüber. Troß dieses Ünrechts sei es Pflicht Transportarbeiterverband übernommen. Einleitend wurde erwähnt, der Wähler, vollzählig zur Wahl zu erscheinen. daß die Nuhegehaltskasse so recht das Schmerzensfind der BeAls Kandidaten für die dritte Abteilung stellte die Versamm- diensteten sei und daß auch die lebten Satzungsänedrungen nicht Tung für den ersten Bezirk den Genossen Schwarzburger und für den zweiten Bezirk die Genossen Biedermann und Win- dazu beigetragen haben, die Angestellten hiervon zu befreien. Die felmann auf. Dem ausscheidenden Genossen Grunow, der letzten Vorkommnisse in bezug von Abweisungen des berechtigten Ruhegehalts für Angestellte, die länger als 20 Jahre im Dienst den Ort verläßt, wurden vom Genossen Ramsbrock für seine der Gesellschaft waren, bringen den erneuten Beweis dafür, daß mehr als zehnjährige Tätigkeit als Gemeindevertreter Worte des keine Verbesserung, sondern Verschlechterung eingetreten ist. Als Dantes gewidmet. Mit der Aufforderung, die Wahl am 8. März als Auftakt für die Note Woche zu betrachten und besondere Härte wurde die Beseitigung des ärztlichen Schieds- Rosenthaler Str. 11/12. gerichts bezeichnet. An der Hand von Beweisen wurde festgestellt, die dritte Abteilung wieder mit Sozialdemokraten zu besehen, fand baß das jetzt bestehende Laienschiedsgericht wiederholt trotz ärztlicher die imposante Versammlung ihr Ende. Gutachten, welche Dienstunfähigkeit bescheinigten, und tro 23- bis Adlershof. 24jähriger Dienstzeit die gestellten Anträge abgelehnt habe. Das Die zweite Lesung des Etats fand in einer außerordentlichen Eigentümliche sei jedoch, daß dieser Standpunkt nicht immer einSigung der Gemeindevertretung statt. Der Voranschlag schließt für genommen sei, sondern erst in lester Zeit. Die Veranlassung dazu das Rechnungsjahr 1914 in Einnahme und Ausgabe mit 916 542 m. habe höchstwahrscheinlich ein Schreiben des Vorsitzenden der Kasse an das Schiedsgericht gegeben, welches im vorlegten Absah besagt: ab. Jm Ordinarium fiud 61755 M. mehr vorgesehen, nämlich" Es soll und muß daran festgehalten werden, daß Entlaffung im Swinemde. 752 796 012 M., der Etat der höheren Schule balanziert mit 61 785 M. Disziplinarwege keinen Anspruch auf Ruhegehalt bedingt." Da Ber oder 5815 M. mehr als im Vorjahr. An Einnahmen sollen einnun der Vorsitzende der Kaffe zugleich Vorgesetter des gesamten Frantf. a. tommen: Einkommensteuer 160 500 M.( mehr als im Vorjahr Schiedsgerichts ist, so ist es wohl begreiflich, daß ohne Gegenbeweis München 18 450 M.); Grundsteuer 215 960 M., Gewerbesteuer 37 950 M. 18 450 M.); Grundsteuer 215 960 M., Gewerbesteuer 37 950 m. Die Gesamtschulden der Gemeinde betragen 2 149 209 M., fie ber- der ärztlichen Gutachten lediglich nach Auslegung der Satzungen Bien Die Gesamtschulden der Gemeinde betragen 2 149 209 M., fie ber beschloffen wurde. Wundern müsse man sich allerdings darüber, langen für Zinsen und Tilgung mehr als 112 000 m. Der Schöffe baß in mindestens 10 Fällen Bedienstete, die ebenfalls nicht aus Müller monierte, daß die Summe von 25 000 M., welche Stationen Berlin Witterungsübersicht vom 4. März 1914. Barometer land mm Winddichtung Indflärte 751 S 754 Better 3 bedeckt 3bebedt 3wolfig 5.6.= 4°. Xemp. n. 3 Stationen Barometer fland mm Bind sichtung Bindstärke Haparanda 749 3 Petersburg 756 2 Scilly 3 Aberdeen 6 Dunft 5oltig -2 Paris 3molten! 1 761 Better Kemp. n. T. Bo 2 Rebel 1 Schnee- 3 6 bedeckt 3 759 S 750W 3 bedeckt 763 761S2 3 Regen 761 28 Wetterprognofe für Donnerstag, den 5. März 1914. Gin wenig wärmer, zeitweise auftlarend, vorwiegend trübe mit wieder. die Gemeinde von den B. E. 28. erhalten hat, im Rechnungs- Gesundheitsrücksichten, sondern wegen dienstlicher Berfehlungen ent- bolten Regenfäden und lebhaften westlichen Winden. jahr 1918 als Einnahme verbucht und eine größere Summe lassen wurden, Ruhegehalt beziehen, weil in diesen Fällen nach davon anch schon wieder verausgabt worden sei. Genosse 8abel wollte die 25 000 Mart auch lieber als Notfonds sehen, betonte aber, daß dann eine Steuererhöhung unbedingt eintreten müßte; hiervon wollte die große Mehrheit aber nichts wissen. Den Antrag des Genossen Müller, die Steuer bei einem Einkommen bis zu 900 m. nicht zu erheben, lehnte die Mehrheit ab; nur unsere Genossen stimmten dafür. Bei dieser Gelegenheit nagelte Genosse Babel die zweifelhafte Haltung des einen Schöffen fest, der im vorigen Jahre für unseren Antrag war, diesmal aber dagegen stimmte. Vom bürgerlichen Jugendpflegeausschluß war die Gemeinde um eine laufende Beihilfe ersucht worden. Bereitwilligst sette der Gemeindeborstand 300 M. ein. Unsere Genossen verlangten bereits bei der ersten Lesung des Etats, daß diese Summe nicht einseitig der bürgerlichen Bewegung zufließen, sondern zu gleichen Zeilen allen am Ort befindlichen Jugendbewegungen zugeteilt werden soll. In der Kommission war dann die gesamte Summe gestrichen worden. Bei der zweiten Lesung wurde von bürgerlicher Seite beantragt, die Summe wieder einzustellen. Wieder war es der Schöffe, der, wie er selber sagte, erst gegen die Einstellung der 300 m. war, jetzt aber dafür stimmen werde, da er sich überzeugt habe, daß die bürgerliche Jugendbewegung feine politische sei. Unsere Genossen verlangten unter allen Umständen gleiche Berücksichtigung aller Vereinigungen. Geffentliche politische Versammlungen. Große Proteftversammlung gegen das unerhörte Urteil der Frankfurter Straffammer am Auf Vorschlag von bürgerlicher Seite wurde die Summe zur Ber Donnerstag, den 5. März, abends 8% Uhr, fügung gestellt. Die Vertreter der dritten Abteilung werden ein wachjames Auge haben, ob und wie hier die 800 M. Berwendung im finden. Bemerkenswert ist, daß es hier ebenfalls wieder die freisinnigen Vertreter waren, die 150 M. für die Ausstellung amtlicher Wahllegitimationen zur tommenden Gemeindewahl sparen wollten und damit einen dahingehenden Antrag unserer Genossen ablehnten. Wie der Bürgermeister mitteilte, finden am Sonntag, den 22. die Wahlen der dritten Abteilung, am Montag, den 23. die der zweiten und am Dienstag, den 24., die der ersten Abteilung statt. Alle Gemeindewähler werden dann zum Ausdrud bringen, wie fie über die in der Gemeinde Adlershof geübte„ Sparsamkeit" denken. Hermsdorf bei Berlin. Deutschen Hof", Luckauer Straße 15. Tagesordnung: Militarismus, Krieg Einen glänzenden Abschluß fand die in unserem Ort stattgefundene Gemeindevertreterwahl. Kurz vor Beginn der Wahl füllte sich der Saal von unseren Wählern. Galt es doch, zwei unserer Genossen als Beisiger in den Wahlvorstand zu wählen. Trotz des besonderen Hinweises der Bürgerlichen in ihrer Zeitung und in ihren Flugblättern, sich rechtzeitig einzufinden, um bei der Wahl der Beisitzer des Wahlvorstandes zugegen zu sein, vermochten sie nicht annähernd die nötige Anzahl aufzubringen, um unsere Vorschläge niederstimmen zu können. Auch die Absicht, das letzte Mandat der dritten Klasse noch zu retten, mißlang; mit 281 gegen 199/ 5* 134 bürgerliche Stimmen wurde unser Genosse Neunzig gewählt. Damit zieht der vierte Sozialdemokrat in unser Parlament. Eine fleine Ueberraschung gab es noch nach Schluß der Wahlhandlung. Als der Wahlvorsteher das Resultat der Wahl bekanntgab, ertönte im Saale das Kampflied Empor zum Licht", borgetragen vom Mitgliedern des Arbeitergesangvereins Nordische Klänge". Der martige Gesangsvortrag wirfte auf alle unfere Wähler begeisternd und anfeuernd zu neuen Kämpfen und neuen Siegen. Sogar einige Bürgerliche zollten den Sängern Beifall. Oranienburg. " pun Referenten: Arbeiterklasse. Genossin Dr. Rosa Luxemburg und Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Der Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstraße 2. Donnerstag, den 5. März 1914, abends 8 Uhr, in den ,, Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59( gr. Saal): Spezialarzt f. Haut, Harus, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. Lonz. Laborat. Große Proteftversammlung. Dr. Homeyer Referent Herr C. Giebel, M. d. R. Hausangestellte, Dienstboten! Man will ſchiedentlich gegen den späten Abendunterricht nach 8 Uhr abends Landkrankenkassen gründen für alle DienstDer Stundenplan für die gewerbliche Fortbildungsschule für das Sommerhalbjahr 1914 ist nunmehr, nachdem unsere Genossen ver protestiert hatten, wie folgt festgelegt worden: Für die Metall boten von Groß- Berlin. arbeiter in Oberstufe Dienstag, Mittelstufe Mittwoch, Unterstufe Donnerstag von 6-10 Uhr vormittags; für Holzarbeiter Dienstag von 4-8 Uhr nachmittags; für Bauhandwerker Montag und Donnerstag von 6-8 Uhr nachmittags; für Nahrungsmittelgewerbe Deshalb erscheint in Massen! Keine Köchin, Stüße, Haus- und Kindermädchen, Mädchen Montag von 2-6 Uhr nachmittags; für gemischte Berufe in Slaffe A für alles, Diener, Aufwärterinnen und alle Reinmachefrauen, Dienstag von 2-6 Uhr nachmittags, laffe B Montag von 4-8 Uhr feine darf fehlen!- Die Genossen und Genoffinnen werden nachmittags. Der Zeichenunterricht findet statt für Metallarbeiter in Klaffe 1 8 gebeten, ihnen bekannte Hausangestellte auf diese VersammDienstag, Klaffe 2 Mittwoch, Klaffe Donnerstag von 10-12 Uhr bormittags; für Solzarbeiter in lung aufmerksam zu machen. Klaffe 4 Montag, in Klasse 5 Donnerstag von 6-8 Uhr nach 48/ 3* Die Einberuferin: Lina Busch, Rhinower Straße 1. Blut untersuchung., Fäden t. Harn ufw. Friedrichstr. 81, gegenüber Panoptikum Spt. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Reuters Werte 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Borwärts Ohne jede Anzahlung!! Keine Kaffierer, fleine Raten! 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Kapitalistische Blätter haben nicht der- fehlt, dieses Ereignis in langen Artikeln zu seiern, in denen der Bau dieser ungefähr 12SV Kilometer oder 166 deutsche Meilen langen Bahnstrecke(etwa dreimal so lang als die Bahnstrecke von Berlin über Leipzig und Hof nach Lichtenfels) als große„Kulturtat" und als Beginn einer neuen kolonialen Wirtschaftsära gepriesen wurde. Die Regierung hat dieses Ereignis gar nicht abgewartet. Bevor noch der letzte Teil der Strecke von Malagarassi nach Kigoma fertig- gestellt war, hat sie von dem jetzigen Gouverneur Deutsch- Östafrikas, Dr. H. Schnee, das Projekt einer Anschlußbahn ausarbeiten lassen, die von der ungefähr 1266 Meter hoch- gelegenen Hauptstation Tabora aus in allmählicher Steigung durch das westliche Unjamwesi-Gebiet(bewohnt von der Völkerschaft der Wjanjamwesi) führt, einige kleinere Fluß- läufe und zwei Paßhöhen von 1413 und 1366 Meter über- schreitet und am sogenannten Kageraknie ausmündet, d. h. dort, wo der die Landschaft Ruanda in südöstlicher Richtung durchziehende Kagerasluß, nachdem er den Ruwuwufluß auf- genommen hat, umbiegt und sich nach Norden wendet. Die Gesamtkosten dieser 481 Kilometer langen Bahn, deren Bau- zeit drei bis vier Jahre erfordern würde, werden in einer der Etatsvorlage für das ostafrikanische Schutzgebiet pro 1914 bei- gegebenen Denkschrift auf rund 36 Millionen Mark veran- schlagt. Die Zinsen dieser Summe, die zunächst durch eine Anleihe aufgebracht werden soll, sowie die Betriebsausgaben sollen gedeckt werden durch die Erträge der neuen Bahn und die zu erwartende allgemeine Einnahmesteigerung der oft- afrikanischen Kolonie, vornehmlich aus den Mehrerträgen der Kopf- und Hüttensteuer. Bisher bezahlten nämlich die Be- wohncr der großen Landschaften Ruanda und Urundi, deren Ostgrenze die neue Bahnlinie streift, keine Steuer: nach der Beendigung soll ihnen aber zunächst eine Kopfsteuer im Be- trage von 8 Rupien(1 Rupie— 1,33 M.) auferlegt und ferner soll die heutige Kopfsteuer im angrenzenden nördlichen Ta- bora- und im südlichen Muansa-Bezirk sowie im Karagwe- gebiet von 3 auf 5, wenn es geht, sogar auf 6 Rupien erhöht werden. Wodurch sich nach vorsichtiger Berechnung ganz be- quem ein Steuermehrertrag von jährlich 2 966 666 M. heraus- holen läßt, während zur Verzinsung und Tilgung des Bau- kapitals der neuen Bahn nur rund 2 366 666 M. erforderlich sind, so daß noch ein schöner jährlicher Ueberschuß von 666 666 Mark bleibt— zur Deckung desMehrbedarfsfürVer. waltungsausgaben. In der Denkschrift(Seite 92) heißt es über diese Steuer» Pläne i „Nach neueren vorsichtigen Schätzungen und Zahlenangaben des Residenten in Kigali beträgt in Ruanda die Zahl der er- wachsenen männlichen Bewohner 500 000. Bei Einführung einer Kopfsteuer von 3 Rupien könnte daher mit einer Einnahme von 1 500 000 Rupien— 2 000 000 M. gerechnet werden. Der Sicher- heit halber sollen hier aber nur Steuererträge von 1 500 000 M. in Rechnung gestellt werden. In Urundi liegen die Verhältnisse ähnlich. Auch hier wird bei einer Volkszahl von 1 800 000 Ein- geborenen(gegen etwa 2 000 000 in Ruanda) mit einer beträcht- lichen Steuereinnahme gerechnet werden können, die mit 1 000 000 Mark nicht zu hoch geschätzt erscheint. Außerdem haben auch die nördlich der Tanganjikabahn liegenden Gebiete des Tabora-Be- zirkes, die angrenzenden südlichen Teile des Bezirkes Muansa und die südlichen Landschaften der Residentur Bukoba durch die geplante Bahn so große wirtschaftliche Vorteile, daß sie mit höheren Steuerleistungen zur Verzinsung der Bahn beitragen können. Die Leiter der genannten Bezirke haben sich dahin aus- gesprochen, daß in denjenigen Teilen ihrer Bezirke, in denen durch die Bahn Absatzmöglichkeiten geschaffen sind oder noch ge- schaffen werden, eine Erhöhung des Steuersatzes von 3 auf 8 öder nötigenfalls auf 6 Rupien der Leistungsfähigkeit der Ein- geborenen angemessen und ohne Schwierigkeiten durchführbar sei. Die Gebiete, um die es sich handelt, lieferten bisher die höchsten Erträge zu den Gesamteinnahmen an Kopfsteuer im Schutzgebiete. Im Jahre 1912 sind in den drei genannten Be- zirken bei einem Kopfsteuersatze von 3 Rupien schon über 1 200 000 Rupien— 1600 000 M. eingegangen. Jede Rupie, um welche der Steuersatz erhöht wird, bringt also eine Mchreinnahme von 400 000 M. jährlich. Kann infolge des Bähnbaues eine Kopf- steucrcrhöhung nicht auf 4 Rupien, wie in der Denkschrift des Jahres 1911 vorgesehen war, sondern auf 8 Rupien in den drei Bezirken durchgeführt werden, so ergibt sich insgesamt eine Mehr- ' einnähme an Steuern in Ruanda, Urundi und den von der Bahn berührten Bezirken von 2 900 000 M." Begründet wird der Bahnbau, wie immer, mit der Not- wendigkeit einer weiteren Erschließung Deutsch-Ostafrikas für die Kultur und den Handel. Zwar zum Plantagenbau wie auch zum Ackerfarmbetrieb sind die meisten Teile der Land- schaften Ruanda und Urundi wenig geeignet. Beide sind Berghochländer, Weidcgebiete, für die Rinder?, Ziegen- und Schafzucht trefflich geeignet. Zwar werden in den günstiger gelegenen Teilen überall auch Hirse. Mtama oder Masaka, eine Art Sorghum(das sogenannte Negerkorn), Bataten(Süß- kartofseln), Bohnen und Erbsen angebaut, in einigen wär- meren Flußtälern neuerdings auch Mais und vereinzelt etwas Weizen, daneben Bananen(die der ärmeren Bevölkerung viel- fach zur Bereitung von Pombe, eines süßlich-bierartigen Ge- tränks dienen), Tabak und hin und wieder auch Zuckerrohr. Im ganzen sind die Erträge an Acker- und Gartenprodukten aber im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ziemlich gering und werden von den Eingeborenen notwendig selbst gebraucht. Auf Einrichtung großer Plantagenwirtschaften oder eine größere Ausfuhr wertvoller Landprodukte ist deshalb nicht zu rechnen: eine Tatsache, die die Schneesche Denkschrift trotz ihres reich- lichen Optimismus selbst mit den Worten zugesteht:„Viehzucht und Ackerbau werden auch in Zukunft die wirtschaftlichen Grundlagen für die Wirtschaft und den Handel Ruandas und Urundis bleiben: f ü r G r o ß p l a n t a g e n und Groß- farmen bieten die dichtbesiedelten Gebiete keinen P l a tz." „Nur in einzelnen Teilen Nord-Urundis, gegen den Akanjaru und Njawarongo zu, stehen noch Gebiete von geringer Aus- dehnung für die Besiedelung offen, das nicht bewohnte Land ist aber meistens Buschsteppe. Ob es nach seiner Bodenbeschaffen- heit und seinen Wasserverhältnissen für eine Europäerbesiedelung in Frage kommt, ist u n s i ch e r. In dem übrigen Ruanda- und Urundigebicte könnten vielleicht an einzelnen Stellen kleinere Parzellen Land für Euro- päer herausgeschnitten werden." Um so güustigxre Bedingungen bieten beide Bergländer, die fast so groß sind wie Sachsen, Württemberg und Baden zusammen, der Viehzucht— vornehmlich der Rinder-, Ziegen- und Schafzucht: denn Waldbestände treten nur ganz spärlich auf(Ruanda ist fast waldlos), wohl aber sind die meist 1366 bis 1866 Meter hochgelegenen, in einzelnen Teilen Ruandas (namentlich am Ostrand des 1436 Meter hohen Kivusees) sich bis zu 2866 Metern hinziehenden Weideflächen durchweg mit dichtem Graswuchs bedeckt, da die Hochebene vielfach von Seen, Bächen oder von den Bergabhängen herabrinnendcn Flüssen und Flüßchen durchzogen ist(der obengenannte Kivusee ist ungefähr viermal so groß wie der ganze Bodensee). Daher hat sich denn auch hier in dem Zwischenseengebiet nicht nur eine bedeutende einheimische Viehzucht entwickelt, sondern es hat auch eine erstaunliche Menschenhäufung stattgefunden. Ruanda und Urundi haben eine dichtere Bevölkerung als Ost- Preußen: sie sind der Schätzung nach(genaue Zählungen gibt es nicht) von fast 3i� Millionen Eingeborenen bewohnt. Und der gesamte Viehbestand wird von der Schnceschen Denkschrift auf ungefähr 2 Millionen Rinder und ebensoviel Kleinvieh (Ziegen und Schafe) geschätzt: eine Schätzung, die freilich zu den bisherigen Annahmen im starken Kontrast steht, wie denn beispielsweise die erste vor einem Monat erschienene vom Reichskolonialamt herausgegebene Denkschrift über die deut- scheu Schutzgebiete die Zahl der Rinder in Urundi nur auf 23666 6. Stück schätzt, nicht wie die Denkschrift über den Ruanda-Bahnbau auf 1 666 666. Diese reichen Viehbestände der Eingeborenen gilt es nach der Denkschrift deni deutschen Kapital durch eine Bahn nutzbar zu machen. Viehverwertungsgescllschaften bietet Ruanda- Urundi ein dankbares Feld für ihre Tätigkeit. Und nicht minder winken dem Handel durch die Ausfuhr von Häuten, Fellen, Hörnern und Hufen hohe Profite: denn noch stehen die Preise für diese Artikel recht niedrig. Aber es muß schnell gebaut werden: denn schon beginnt sich ein höchst einträglicher Häute- und Fellhandel nach der englischen Ugandakolonie zu entwickeln. Trägerkolonnen schleppen aus dem Innern Nord- Ruandis die Felle und Häute nach dem deutschen Hafenplatz Bukoba am Westufer des Viktoriasees, von dort gehen sie per Schiff nach Port Florence am Nordostufer des Sees und wer- den dann auf der englischen Ugandabahu nach Mombassa transportiert. Im Jahre 1912 sind von Bukoba aus nach der deutschen Zollstatistik bereits für 1% Millionen Mark Häute aller Art nach Uganda ausgeführt worden. Und was das Schlimmste ist, dieser Handel geht heute fast ausschließlich durch die Hände von Arabern, Indern, Engländern. Der deutsche Händler sieht zu. A l s o h e r mit einer Bahn, düe diies e n Handel übier Taibora nach Dar- es sa lam lenkt! Vom kapitalistischen Standpunkt aus betrachtet, ist diese Argumentation, wenn auch vielleicht etwas rosig angepudert, durchaus vernünftig. Es ist daher ganz begreiflich, daß unsere Herren Imperialisten sämtlich für die friedliche Erschließung des ostafrikanischen Zwischenseengebietes durch eine Bahn schwärmen, nur über die Trasse der Bahn sind sie sich noch nicht einig. Aber seltsamerweise scheint, nach einzelnen Aeuße- rungen der Parteipresse zu schließen, diese schöne Argumen- tation selbst bei einem Teil der Mitglieder unserer Reichstags- fraktion eingeschlagen und in ihnen die Neigung gereift zu haben, unter gewissen Bedingungen für die im Etatsvorschlag eingeforderte erste Rate der Bahnbaukosten zu stimmen. So wird in einem Artikel„Wandlungen in der Kolonialpolitik" der„Chemnitzer Volksstimme" erzählt, daß in der deutschen Kolonialpolitik mehr und mehr humanitäre Grundsätze Geltung erlangt hätten, die„Ku lt u r au f g a b e n im ziemlich raschen Tempo" wüchsen, und für die ein- zelnen Kolonien der Reihe nach Kulturprogramme„vor- gesehen" worden wären. Dann heißt es in bezug auf die geplante neue Ruanda- Bahn: „In Ostafrika ist vor wenigen Tagen an der Mittellandbahn, die von Darcssalam bis zum Tanganjikasee führt, das Gleis bis an den See herangerückt worden, und in ganz kurzer Zeit wird die Strecke Wegs in drei Tagen vom Zuge durchquert werden, auf der bisher in 43— 60 Tagesmärschen viele Tausende von Negern ihre Lasten schleppten und in großer Zahl zugrunde gingen. Eine neue Bahnlinie, die von Tabora nach dem Kageraknie führen soll, soll mit einem Kostenaufwande von 80 Millionen Mark die ertragreichen Gebiete von Uganda und Urundi mit un- gefähr 4�4 Millionen Einwohnern dem modernen Handel und Verkehr erschließen. 400 Kilometer soll diese Eisenbahn lang sein. Zwischen 400 und 800 Kilometer schiffbarer Wasserstraßen werden durch sie erschlossen werden. Neue große Eni- Wickelungsmöglichkeiten im Herzen Afrikas werden sich dort innerhalb weniger Jahre auf- t u n. Allerdings sind mit diesen Bahnbauien unstreitig auch nicht geringe Gefahren für Leben und Eigentum der bei den riesigen Bauten beschäftigten Arbeiter verknüpft, und wenn nicht mit aller- äußerster Sorgsamkeit und Vorsicht verfahren wird, kann in den großen Sultanaten zwischen dem Viktoriasee und Tanganjikasee ein Kolonialkrieg entbrennen, der ungeheuerliche Opfer an Geld und Menschen erfordern würde. Zu verkennen ist aber nicht, daß raschere kulturelle EntWickelung, die Unterdrückung von Barbarei, die Verhütung von Greueln und der Vernichtung von Menschenleben sowohl durch brutale Weiße als auch durch ver- heerende Seuchen nur zu erreichen ist, wenn moderne Verkehrswege, seien es Automobilstraßen, wie sie in Süd- kamcrun geplant sind, seien es Eisenbahnen, die riefen- große Ländcreien erschließen und eine ordnungs- mäßige Verwaltung ermöglichen." Das Pathos des Verfassers ist gut— seine Angaben aber sind nicht immer richtig. So verwechselt er z. B. U g a n d a, das englischer Besitz ist, mit Ruanda, gibt als Bevölke- rungsziffcr 41/2 Millionen an. während selbst nach, höchster Schätzung die beiden Landschaften nur von 3i� Millionen Menschen bewohnt werden, schätzt die Bahnstrecke auf nur 466 Kilometer, statt 481 Kilometer usw.— Aber das sind Nebensachen, da es sich hier nur um die Kennzeichnung einer gewissen Stimmung handelt, um die Auffassung, die projek- tiefte Bahn von Tabora bis zum Kagera-Knie sei eine Kultur- tat, durch die die kulturelle EntWickelung in Ostafrika geför- dert, die Barbarei unterdrückt, Greuel verhütet und die Ver- nichtung von Menschenleben gehemmt und gehindert werde. Diese Ansicht zwingt dazu, Nutzen, Zweck und voraus- sichtliche Folge des geplanten Bahnbaues etwas näher zu untersuchen. Und da die innerkolonialen Verhältnisse Deutsch- Östafrikas ziemlich kompliziert sind, kann leider die Unter- suchung nicht ganz kurz sein. Der zweite Artikel soll zunächst die Frage behandeln:„Welchen Zwecken dient der Bahnbau?"_ Reichstsz. 227. Sitzung. Mittwoch, den 4. März 191t, nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Kraetke, v. Falkenhayn. Zunächst wird gemäß den Anträgen der Geschäftsordnungs« lommission die Genehmigung zur Einleitung von Privatklage- verfahren gegen die Abgg. V r u h n(Ant.) und Bock(Soz.) nicht erteilt. Es folgt die Zweikampfiiitcrpcllation des Zentrums. Kriegsminister v. Falkenhayu erklärt, daß die Interpellation im Lause der n ä ch st e n W 0 ch e be» antwortet werden wird. Hierauf werden die zurückgestellten Abstimmungen auS dem Marineetat und dem Etat der Verwaltung der Reichs- eise 11 bahnen erledigt. Die O f f i z i e r s p e i s e a n st a I t in Kiel wird dem Antrage der Budgetkommission gemäß gegen die Stimmen der Rechten und der Nationalliberalen abgelehnt. In bezug auf die Strecke Straßburg-Basel wird nach dem Antrag der Budgetlommission der viergleisige Ausbau beschlossen. Hierauf wird die zweite Heratung öes poftetats fortgesetzt. Abg. Diez(Z.): Im Verkehr mit der Schweiz sollte das Zc�npsennig-Porto endlich eingeführt werden. Die postlagernden Sendungen müssen verboten werden. Sie bezwecken im allgemeinen die Anknüpfung oder Fortsetzung unlauterer Beziehungen. Zu welckem Resultat haben' die Verhandlungen darüber bisher geführt Zum mindesten müssen solche Sendungen die volle Adresss des Absenders enthalten. Das Petitionsrecht muß den Beamten in vollem Umfange gewahrt bleiben. Allerdings wäre es gut, wenn die Petitionen erst den Instanzenweg gehen, ehe sie an den Reichstag gelangen. Loraussetzung ist dabei natürlich, daß die Verwaltung die Petitionen nicht jahrelang unbeantwortet liegen läßt. Staatssekretär Kraetke: In der Sache der postlagernden Sendungen schweben noch Er- Mittelungen. Abg. Jckler(natl.): Im Interesse der Arbeiter habe ich fast die gleichen Be» sch werden und Wünsche vorzutragen wie im letzten und vorletzten Jahre.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die.Wünsche sind auch dem Staatssekretär nicht unbekannt, sondern ihm alle von den Arbeiterausschüssen unterbreitet worden. Die Strecken- baukolonnen verlangen Unterkunftsräume, einen einheitlichen Lohn und bei auswärtiger Beschäftigung eine Zulage, wie das bei allen anderen Verwaltungen üblich ist. Die Handwerker verlangen auch einheitliche Löhne und Bezahlung eines Teils des Lohnes während militärischer Uebungen, was auch bei anderen staatlichen Verwal- tungen längst durchgeführt ist. Die Nichtanrcchnung der Arbeiter- dienstjahre der Trlegraphenarbeiter auf das Besoldungsdienstalter bedeutet für diese eine große Härte; sie stehen dadurch stets um drei Jahre hinter Postboten, die zur gleichen Zeit eingetreten sind, zurück. Ein Telegraphenarbeiter, der vor zehn Jahren einen Zusammenstoß verursacht hatte, wurde deshalb nicht Beamter. Ich bitte, diese Lei- sügung zurückzunehmen. Die Schmiede wünschen wie die andere» Handwerker Zulassung zur Veamtenlaufbahn. Die Befugnisse der Arbeitcrausschüsse sollten erweitert werden. Arbeiterausschutz- Mitglieder, die sich besonders für ihre Kollegen ins Zeug legen, werden vielfach„aus dienstlichen Gründen" versetzt. Ferner wird ein Reichsarbeiteraus schütz gewünscht. Direkte Vor- gesetzte sollten an den Ausschußsitzungen nicht teilnehmen.— In den Betriebslrankenkassen der Post fehlt die Familicnhilse. Abg. Hubrich(Vp.): Das deutsche PostWesen steht noch immer an der Spitze gegen- über allen anderen Ländern.— Herr O c r t e l beschwerte sich über die achtmalige Briefbestellung in Berlin. Früher hatten wir die zehnmalige Bestellung. Ich glaube, wir brauchen wirklich nicht aus diesem Hause heraus die Verwaltung zu rückschrittlichen Maßnahmen aufzufordern; das besorgt sie schon selbst. (Sehr wahr I links.)— Notwendig ist eine Erhöhung der Tagegelder für nichtangestellte Post- und Telegraphen- Assistenten.— Die Wünsche der Postagenten sollten ebenfalls in Er- wägung gezogen werden: ihre Wünsche nach Dienstaufwands- cntschädigung werden meine Freunde warm unterstützen.— Den Landbriesträgern, die sich Pferde halten müssen, sollten höhere Bei- träge zu den Futterkosten bewilligt werden.— Die Fahrt- und Ucberladegebühren deL im Bahnpostdienst beschäftigten Personals bedürfen dringend einer Regelung: seit 1878 sind diese Gebühren unverändert geblieben(Hört! hört! b. d. Vpt).— In bezug auf Arbeitszeit und Erholungsurlaub haben sich die Ver- hältnisse gegen früher erheblich gebessert. Aber im einzelnen ist doch noch viel zu wünschen. Der Redner führte noch eine Reihe von Klagen einzelner Gruppen von Beamten und Unterbeamten an, und befürwortete dann eine Resolution, die den Reichskanzler dahin zu wirken ersucht, daß das von den unteren Beamten geforderte Leistungsmaß an wöchentlichen Dienststunden angemessen herab- gesetzt' und ihr Erholungsurlaub erweitert wird. Beim 28jührigen Regierungsjubiläum des Kaisers wurden Angehörigen der Armee und Marine erlittene Disziplinarstrafen im Gnaden- Wege erlassen. EL hätte doch nahegelegen, einen ähnlichen Gnaden- erlaß auch für die Z i v i l b e a m t e n anzuregen.— Gegen die Beamtenorganisationen anzukämpfen, noch dazu mit kleinlichen Mitteln, hat gar keinen Zweck: der Organisationsgedanke ist bereits viel zu tief in die Beamtenschaft bis in die Kreise der höheren Beamten eingedrungen, das sollte auch der Staatssekretär einsehen. Da den höhere» Postbeamten die offene Vereinsgründung vom Staatssekretär untersagt wurde, haben sie sich im geheimen organisiert, das beweisen die 2300 Unterschriften unter der Petition der höheren Beamten um Verbesserung ihrer Lage. Der D r g a n i s a t i 0 n s g e d a n k e ist im Marsch, und auch der Staatssekretär wird ihn nicht aufhalten können.(Bravo! bei der Volksparlei.) Abg. Dr. Haegy(Elf.): Bei der Zaberner Angelegenheit ist schon in der Kommission der Eindruck erweckt worden, daß der Staatssekretär sich nicht schützend vor seine Beamten gestellt, sondern zuge« geben hat, daß Verfehlungen vorgekommen sind. Tatsächlich sind in Zaber» in jener Zeit über 100 090 Postsachen an den Oberst v. Reuter aufgegeben worden, die mit außerordentlicher Pünkt- lichkeit bestellt worden sind. Wie kommt man denn dazu, wenn einige beleidigende Sendungen darunter waren, den Postbeamten aus der Bestellung einen Vorwurf zu machen? Es ist ja nun eine Unter- suchung angestellt worden, und ich frage den Staatssekretär, wie es mit der Untersuchung steht, sind wirklich Sendungen mit so beleidigender Aufschrift bestellt worden, daß die Beleidigung sofort erkennbar war. und wie viel Sendungen sind an jenem Tage überhaupt eingelaufen und bestellt Ivorden Der Gesamteindruck ist jedenfalls, daß der Staatssekretär seine Beamten nicht gedeckt, sondern gegen beschimpfende Beleidigungen preisgegeben hat.(Sehr rickitig 1 bei den Elsässern und bei den Sozialdemokraten.) Ein Postassistent wurde aus dem Elsaß nach OstfrieSland versetzt lediglich weil er von einem anderen Posi aksistenten angezeigt wurde, er habe ein preußenfeindliches Lied in einer lustigen Gesellschaft gesungen. Dabei kann er durch einwand freie Zeugen nachweisen, daß er das Lied nicht gesungen hat. Dem Mann, der die falsche Anzeige erstattet hat, wird nachgesagt, er habe sich damit als Reserveoffizier empfehlen wollen. Ich empfehle dem Staatssekretär, die Akten dieses Falles genau zu prüfen i dem Assistenten ist offenbar schweres Unrecht geschehen. Den Wünschen der anderen Redner in bezug auf Besserung der Beamten� Verhältnisse kann ich mich anschließen. Eine andere Regelung der postlagernden Sendungen wünschen auch wir. Zum Schluß bitte ich, dem Bundesstaat Elsaß-Lothringcn ein besonderes Post scheckamt zu gewähren. Staatssekretär Äraetke: Ueber die Zabcrner Angelegenheit habe ich lediglich gesagt, daß Lersehlungen vorgekommen sind und untersucht werden.— Den anderen von dem Vorredner angeführten Fall kenne ich nicht. Abg. NoSke(Soz.): Nach dem gestrigen Vorstoß des Staatssekretärs gegen den Abg. Z u b e i l muß man fast annehmen, der Staatssekretär empfinde jede Rede, die nicht in eine Lobeshhmne endet, als per s ö n l i ch e Beleidigung. Aber es liegt zu scharfer Kritik reichlich Anlaß vor. Post, Telephon und Telegraph müssen auf der Höhe stehen, die der Entwicklung unseres gewcrb lichen Lebens entsprechen. Die Post soll nicht möglichst hohe Ueberschüffe erzielen, sondern den Verkehr, Handel und Industrie fördern. Bei'Einführung von Neuerungen läßt die Post- Verwaltung die wünschenswerte Beweglichkeil vermissen, ich verweise nur auf die ganz nngenügende Verwendung von Automaten. Sein geringes Verständnis für die Bedürfnisie des Handels und der In- dustrie hat der Staatssekretär durch seine Ausführungen über die Fernsprechgebührenordnung bewiesen; es schmerzt ihn immer noch, daß die von ihm geplante Verteuerung vom Reichstag nicht angenommen worden ist. Der Reichstag hat alle Veranlassung, solchen Plänen energisch entgegenzutreten. lSehr richtig! links.)— Man sagt, daß manche Leute glauben, auch mit der Postverwalung auf Hintertreppen Geschäfte machen zu können. Hoffentlich erklärt der Staatssekretär, daß solche Hoffnungen bei der Postverwaltung nicht auf Erfüllung rechnen können.— Geklagt wurde hier über Mißbrauch mit postlagernden Briefen. Die Erschwerung deS Verkehrs mit postlagernden Sendungen würde wesentlich den Verkehr zu ernsten und geschäftlichen Zwecken treffen, der gelegentliche Mißbrauch würde andere Wege finden.(Sehr richtig! links.)— Die Herren rechts haben sich lediglich der auf dem Lande sitzenden Postagenten angenommen. Auch wir wünschen angemessene Bezahlung für geleistete Arbeit. Aber man darf doch nicht über- sehen, daß die meisten Postagenten dieses Amt nur im Nebenberuf ausüben.— Die von den Herren rechts vorgebrachten Argumente gegen die Frauenarbeit bei der Post, die alle Jahre hier wiederholt werden, sind dadurch nicht über zeugender geworden. Dieser Kampf der Rechten gegen die Beschäftigung von Postgehilfinnen bedenket übrigens eine schwere Schädigung des Mittel st andes. Töchter von Arbeitern oder gar Sozialdemokraten werden bei der Post ja nicht beschäftigt, sondern Töchter des Mittelstandes.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir verlangen für diese Gehilfinnen angemessene Bezahlung und keine Uebcranstrengung.— Der Resolution H u b r i ch, für die unteren Beamten das Leistnngsmaß an wöchentlichen Dienst« stunden herabzusetzen und den Erholungsurlaub zu erweitern, stimmen meine Freunde zu. Das Verfahren, auf Grund einseitiger Angaben von Beamten hier Beschwerden vorzubringen, hat natürlich sein Mißliches. Aber wollten sich die Beamten vertrauensvoll selbst an die Behörde wenden, so könnte das für sie leicht u n li e b s a m e F o l g e n haben. Schutz vor Maßregelungen wäre nur gegeben, wenn Bcamtenausschüsse eingesetzt würden. Dann brauchten wir solchen Kleinkra mhicr nicht anzubringen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wendet sich der Staats- sckretär aber gegen diese Bcamtenausschüsse und sollte er das nächste Mal wieder belieben, in der Art wie gestern auf unsere Beschwerden zu antworten, so kann er sicher sein, daß das Echo aus dem Hause das nächste Mal noch viel intensiver sein wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn er gestern auf die Fülle von Beschwerden nicht ein Wort des Entgegenkommens geäußert hat, so offenbar, weil es sich dabei nur um Beschwerden armer Leute handelte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Den Vorwurf E b e r t s, daß er seine Beamten in Zabern gegen schwere Beschuldigungen nicht mit einem Wort in Schutz genommen hat, hat der Staatssekretär nicht widerlegen können. Er hat die Beamten glatt fallen lassen und hat auch vollständig desavouiert, was seinerzeit in der offiziösen Mitteilung der Post'an die Preffe stand, wo die Beamten durch die Hast des Betriebes in jenen Tagen ent- schuldigt wurden. Uebrigens sind ja auch sonst gegen Postbeamte in Zabern und Straßbnrg schwere Beschuldigungen anläßlich der Telegramme des Kronprinzen und deS Herrn v. Pelet-Narbonne erhoben worden, ohne daß der Staatssekretär ein Wort gefunden hätte, um seine Beamten in Schutz zu nehmen. Selbst gegen den schweren Vorwurf des Landes Verrats, den Theobald Z i e g l e r in Straßburg gegen die clsässischen Beamten erhoben hat, hat der Staatssekretär kein Wort der Abwehr gefunden. Da war cS selbstverständlich, daß dies nrerkwürdige Verhalten hier scharf kritisiert wurde. Wenn auch wir da» getan haben, so sind wir dabei uneigennütziger gewesen als alle anderen Parteien, denn wir sind uns klar, daß die Postbeamten es nicht wagen können, sich als Sozial- demokraten zu bezeichnen. Der Staatssekretär hat nun so getan. als wenn wir ganz allgemein sonst hier Vorwürfe gegen Beamte erheben. Er kann dabei nur einen Fall meinen, den er uns bei jeder paffenden und unpassenden Gelegenheit vorwirft. Dabei hat der Abg. Sachse in dem betreffenden Falle sofort seine Vorwürfe zurückgenommen, als sie sich in dem gerichtlichen Versahren, das bis dahin schwebte, als unberechtigt erwiesen hatten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Sachse, der henle leider nicht anwesend sein kann, hat mich gebeten, der Erwartung Aus- druck zu geben, daß der Staatssekretär nun endlich'aufhört, mit dieser ganz haltlosen Beschuldigung uns gegenüber zu kommen.(Lebhaste Zustimmung bei den>Lozialdemokraten.) Im übrigen wird sich der Staatssekretär damit abfinden müssen, daß wir auch in Zukunft dafür eintreten werden, daß die Post- beamten geschützt werden, sowohl gegen Ueberstrenguug wie gegen ungenügende Bezahlung als auch gegen sonstiges Unrecht, das ihnen zugefügt wird. Und diese unsere Haltung wird sicher thre Wirkung nicht verfehlen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kuckhoff(Z.): An die Abmachung, daß über die Beamtergehälter nicht geredet werden sollte, haben sich nicht alle Redner gehalten. Dadurch kommen die Parteien, deren Redner das Abkommen eingehalten haben, in eine schiefe Lage. Ich möchte deshalb ausdrücklich betonen, daß wir mit den vorgebrachten Wünschen der Beamten natürlich auch ein- verstanden find. Die Betriebskrankenkassen der Post bedürfen dringend einen erhöhten Zuschuß. Von einer Selbstverwaltung ist bei ihnen keine Rede. Sie werden von höheren Beamten anstatt von Mitgliedern verwaltet. Die Beitragserhöhung ist jetzt über den Kopf der Mitglieder hinlveg beschlossen worden.— In Versammlungen der Postbeamten hinzugehen, ist unsere Pflicht, um uns über die Verhältnisse zu orientieren. Man soll nicht so ängstlich sein gegenüber den Organisationen. Es sind doch keine Äampforganisationen, sondern Verbände« die gerade Hilfstruppen der Verwaltung sein wollen. Beamtcnausichüsse würden dem ganzen Betriebe zum großen Borteil gereichen, lieberall herrscht heute die Selbstverwaltung, ich habe selbst als Oberlehrer meinen Schülern Selbstverwaltung gegeben Dadurch ist das Vertrauen der Schüler zum Lehrer nicht vermindert, sondern verstärkt worden. Da ist auch nicht mehr die Zeit, die Beamtenschaft zu bevormunden.(Bravo I im Zentrum.) Staatssekretär Kractkc: Herrn N o s k e erwidere ich, daß es sich nicht nur um den Fall Sachse handelt. Am 19. Januar 1991 brachte der Abg. H a a s e zur Sprache, daß an eine russische Studentin gerichtete Briefe auf der Post geöffnet worden seien. Ihm wurde damals erwidert, er möge das beim Postetat vorbringen. Am 22. Februar 1994 führte ich dann aus, ich hätte bis jetzt gewartet, daß derartige Fälle vorgebracht würden, das sei nicht geschehen. Die Ermittelungen hätten im übrigen ergeben, daß zu der erhobene« Beschuldigung der Verletzung de» Briefgeheimnisses kein Anlaß vorliege.— Dann bat 1908 Abg. Singer behauptet, daß die an sozialdemokratische Abgeordnete gerichteten Briefe geöffnet würden, und hat eine Verfügung empfohlen, durch die den Beamten eingeschärft würde, daß das Briefgeheimnis unverletzlich sei. Das habe ich damals entschieden abgelehnt, weil das eine Beschuldigung der Beamten sein würde. Und selbst im Falle Sachse inuß ich Herrn Noske entgegentreten. Herr Abg. Sachse hat erst seinen Vorwurf zurückgenominen, als ich ihm vorgeworfen hatte, daß er es nicht getan habe.(Abg. Noske: Früher konnte er es gar nicht!) Also mein Vorwurf war gerechtfertigt.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Oertel(k.): Wer unbefangen urteilt, wird die Berechtigung der letzten Aus- führungen des Staatssekretärs anerkennen müssen. Auf Zabern gehe ich nicht mehr ein. Ich bleibe dabei, daß der Staatssekretär seine Pflicht verletzt hätte, wenn er anders gehandelt hätte.(Sehr richtig! rechts). In einem Punkte bin ich mit dem Staats- sekretär auch nicht zufrieden.(Ironisches Hört! hört! links). Er bat den Postagenten gegenüber ein warme» Wohlwollen betont. Hoffentlich erreicht dies Wohlwollen im nächsten Jahre einen solchen ärmegrad, daß es auch Taten erzeugt, vor allem die Er- höhung der Durchschnittsbezüge der Postagentcn. Wie Herr 5iuck- hoff, so betone auch ich, daß wir eine ganze Reihe Wünsche im Interesse vor allem der höheren und mittleren Beamten, auch der Landbriefträger auf dem Herzen haben, sie aber dem Abkommen gemäß nicht geäußert haben, wie andere Herren, denen ihre uneigen- nützige Liebe für die Beamten keine Ruhe ließ.(Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Struve(Vp.): Mit der Liebe der Konservativen für die Beamten stimmt schlecht überein, daß sie als einzige Partei gegen die BeamtenauSschüsse ind.(Sehr richtig l links.) Redner äußert weiter eine Reihe Wünsche einzelner Beamienkategorien. Beamten, die in den Ge- meinderat usw. gewählt wurden, ist wiederholt die Ausübung dieses Ehrenamts unmöglich gemacht worden. Nach der Erklärung des SlaatSsekretärs zweifle ich nicht daran, daß in diesen Fällen Remedur eintreten wird.— Ueber die Haltung des SlaatSsekretärs in der Zaberner Angelegenheit sind wir in der Budget- kommission geradezu erschrocken gewesen; in keiner anderen Verwaltung ist es bis jetzt denkbar gewesen, daß die Beamten in solcher Weise von dem Chef der Verwaltung preisgegeben worden ind(Sehr richtig! links), zumal absolut nichts den Beamten zur Hast gelegt werden kann, als schlimmstenfalls sehr entschuldbare Versehen. Trotzdem sind von der rechten Seite und ihrer Presse, der„Krcuz-Zeitung", die schwersten Beschuldigungen bis zu der des Hochverrats gegen die Postbeamten in Zabern erhoben worden. Ich bitte den Staatssekretär um Auskunft, warum diese ungeheuer- liche Beschuldigung nicht k l a r g e st e l l t worden ist, und was für Versehen denn eigentlich in Zabern vorgekommen sind. Staatssekretär Kraetke: Ich habe lediglich auf Anfrage in der Kommission bestätigt, daß tatsächlich eine große Anzahl Sendungen schwer beleidigenden In- Halts an den Oberst v. Reuter ausgehändigt worden find.(Zu- ruf links: Und die Beschuldigung der»Kreuz-Zeitung"?)— Herr Struve hat mir in bezug auf die Fernsprechgebührenordnung Vorwürfe gemacht, die ich als Insinuation zurückweisen muß. Vizepräsident Dave: Den Ausdruck.Insinuation", von einem Abgeordneten ge braucht, würde ich durch Ordnungsruf rügen.(Lebhaftes Bravo! links.) Abg. Haase(Soz.): Der Staatssekretär hat den gegen den Abg. Sachse erhobenen Vorwurf trotz der wiederbolten Richtigstellung nicht zurückgenommen. achse hat in gutem Glauben und loyal gehandelt, und sich nur in dem einen Punkte geirrt, daß nicht ein Beamter der Post rechtswidrig gehandelt hat, sondern ein Polizeibeamter. Seine irrtümliche Behauptung hat er hier bei der ersten Gelegen heit richtig gestellt. DaS hätte der Staatssekretär schon längst anerkennen müssen. Er hat allen Anlaß, sich an die eigene Brust zu schlagen. Wenn ein Abgeordneter aus einer Fülle von Erscheinungen einen Schluß zieht, klagen die Herren schnell über Verallgemeinerung, der Staats ekretär aber hat ganz allgemeine Vorwürfe gegen die ozialdemokratischen Abgeordneten erhoben, und in einer Verlegenheit um Beweise auf einen Vorgang von vor zehn Jahren zurückgegriffen. Die Tatsachen aber hat er unrichtig dargestellt. Ich sprach damals nicht zum Postetar, sondern zum Etat des Auswärtigen Amtes, und brachte zur Sprache, daß die russische Regierung ein Spitzclnest schlimmster Art eingerichtet hatte, und daß die Spitzel die Dreistigkeit und Gewissenlosigkeit be- äßen, sich an P o st b e a m t e heranzumachen, um sie zu Pflicht- Widrigkeiten zu verleiten. Die Nichtigkeit dieser Tatsachen hat der preußische Minister des Innern damals im preußischen Ab- geordnetenhause zugestanden.(Hört! hört! b. d, Sozdem.) Die Post beamten besaßen soviel Rückgrat, den Anerbietungen der Spitzel zu widerstehen, und nur ein einziger war einen Augenblick schwach ge- worden. Ich halte diese menschliche Schwäche für begreiflich, und habe den Beamten nicht bloßgestellt. Als der Staatssekretär schon damals mit großer Entrüstung die Sache so darstellte, als ob ich die Postbeamten angegriffen hält«, erwiderte ich ihm, daß ick das keineswegs getan, daß ich auch nicht verlange, daß der betreffende Postbeamte, der den Verlockungen eines Schurken unterlegen ist. zur Rechenschaft gezogen werde, sondern ich ver- lange, daß den Spitzeln, die die Beamten von ihrer Pflicht abwendig zu machen suchten, da» Handwerk gelegt werde. Wenn der Staatssekretär nach 19 Jahren noch nicht das Verständnis für die Motive gewonnen hat, aus denen heraus ich damals gesprochen habe, und wenn er noch nicht den Unterschied begriffen hat, der darin besteht, ob man russische Spione im Interesse der Reinlichkeit angreift, oder Postbeamte, so beweist er nur. daß manche Menschen einer EntWickelung nicht fähig sind.,(Vizepräsident Dove: In bezug auf den Staatösekreiilr ist dieser Ausdruck nichl zulässig.) Gegen den allgemeinen Vorwurf, den der Oberst Reuter gegen die Postbeamten erhoben hat, gegen die Vor- würfe der konservativen Presse, der„Kreuz-Zeilung", ist der Staatssekretär nicht empfindlich, da hat er eine durchaus e st e Haut. Wir verstehen eS ja vollständig und wissen den Zweck der Uebung zu würdigen, wenn der Staatssekretär, um Herrn v. R e u t e r, die.Kreuzzeitung" und ähnliche Organe zu 'chützen, eine Attacke gegen die Sozialdemokratie reitet. Aber auch die bürgerlichen Parteien in diesem Hause werden zu- gestehen müssen, daß er Lorbeeren dabei nicht geernlet hat.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Es bleibt bestehen, daß der Abg. Haase damals gesagt hat, daß ein an ein« russische Studenttn gerichteter Brief auf der Post geöffnet worden ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das ist ja wahr!) Und ich habe es für wünschenswert und notwendig ge- halten, daß der Abg. Haase diesen Vorwurf widerrufen hätte. Abg. Dr. Struve(Vp.) fragt den Staatssekretär nochmals, weshalb gegen die„Kreuz- zeitung" nicht vorgegangen worden ist, die den Vor- wurf des Hochverrats gegen Postbeamte erhoben hat. Staatssekretär Kraetke: Es sind nur allgemeine Bemerkungen durch die Zeiftinge» gegangen, direkte Beleidigungen nickt.(Lebhafter Wider- sprach links.) Wie der einzelne Beamte bestraft wird, wird im Wege der Verwaltung geregelt, Auskunft darüber zu geben, halten Sie wohl selbst nicht für angebracht, ich würde einem solchen Wunsche jedenfalls nicht entsprechen. Damit schließt die Debatte. Abg. Haase(Soz.) spersönlichs: Der Staatssekretär hat behauptet, ich hätte am 22. Februar 1994 einem Postbeamten den Vorwurf der Pflichtverletzung gemacht. Ali diesem Tage habe ich überhaupt nicht gesprochen.(Hört l hört! bei den Sozialdemokr.) Und der Herr, der so vorgeht, vindiziert sich die Legitimation, anderen in diesem Hause Vorlesungen über Inkorrekt- heil zu halten. Ich habe am 19. Januar gesprochen, und nur Tat- fachen vorgebracht. Der in Betracht kommende Beamte hat seine momen- tane Schwäche selbst tief bedauert, es wäre unverantwortlich von einem Abgeordneten, wenn er unter solchen Umständen einen Beamten hier ans Messer liefern würde.(Sehr wahr!) Deshalb habe ich aus Mitgefühl den Namen verschwiegen und habe außerdem noch erklärt, daß' ich nicht der Postverwaltung einen Vorwurf mache. sondern den Spitzel». Loyaler kann man nicht handeln.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus den Ausführungen des Staatssekretärs geht jedenfalls hervor, wieweit das Maß feiner Gewissenhaftigkeit und Belehrbarkeit geht.(Präsident Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.) Staatssekretär Kraetke: Im Verlesen der Daten habe ich mich allerdings geirrt. Es war am 22. Februar, als ich meine Verwunderung darüber aus- sprach, daß der Abg. Haase seinen Vorwurf nicht zurücknahm.(Zu- ruf bei den Sozialdemokraten: Es war doch wahr!) Damit ist die Debatte wieder eröffnet. Abg. Haase(Soz.): Zwischen der Anschauungsweise des Herrn Staatssekretär? und der meinigen wie wohl des ganzen Hauses besteht eine unüber- brnckbare Kluft. Es ist allerdings Pflicht, etwas zurück- zunehmen, was man im Irrtum hier behauptet hat. Was ich aber vorgetragen habe, entsprach der Wahrheit. Ich habe doch erklart, weshalb ich den betreffenden Beamten— wie ich jetzt hinzu- füge, auf seinen eigenen Wunsch— damals nicht genannt habe. Vielleicht versteht das der Herr Staatssekretär schließlich auch.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte schließt aufs neue. Die Resolution Hu brich(Vp.) auf Herabsetzung des LeisiungS» maße» der Unterbeamtcn an wöchentlichen Dienststunden und auf Erweiterung ihres Erholungsurlaubs wird angenommen. Die Weiterberatung wird vertagt auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 7'/. Uhr._ /lbgeorönetenhaus« 41. Sitzung. Mittwoch, den 4. März 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Trott zu Solz, Shdow. Das AusgrabungSgesetz wird zunächst in dritter Lesung endgültig angenommen. Ebenso wird der Gesetzentwurf betreffend die AuS- dehnung des M o o r f ch u tz g e s e tz e S aus die Provinzen Pommern und DchleSwig-Holstein angenommen. der tzanöelsetat. Zur Beratung steht ein nationalliberaler Antrag, der rechtzeitige Maßnahmen fordert, die bei der in Aussicht stehenden Neuregelung der handelspolitischen Verhältnisse einen wirksamen Schutz der deutschen wirtschaftlichen Interessen gewährleisten. Abg. Hoesch(l): Zu dem nationalliberalen Antrag sprechen wir die Hoffnung aus, daß an der bisherigen, segensreichen Zollichutzpolitik fesigehallen werde.(Sehr richtig I recht» und bei den Nationallib.) Die neuen Handelsverträge müssen rechtzeitig vorbereitet werden. Die bcrzerftischende Art, in der gestem der Abg. B e u m e r den nanonal- liberalen Antrag begründete, hat unfern vollen Beifall. Rußland und Oesterreich sind bestrebt, ihre Position uns gegenüber zu stärken. Dem müssen wir wohlgerüstet entgegentreten können. Seit der Ein« führung des Schutzzolles ist unsere Produktion erheblich ge« stiegen; die industrielle Ein- und Ausfuhr hat sich vermehrt. Ferner können wir einen Rückgang der Auswanderung als Beweis deS wachsenden Wohlstandes konstatieren. Nicht die Landwirtschaft, sondern die I n d u st r i e hat eine ellenlange Liste von Wünschen ausgestellt. Wir sind bereit, zusammen mit der Industrie die Frage der HandelSverrräge zu lösen. Die Bemerkungen, die neulich der Abg. Fuhrmann gegen uns richtete und von denen die gestrigen Ausführungen des Abg. Beniner erfreulich abstachen, werden unS nicht hindern, stets das Wohl des Ganzen im Auge zu behalten. Unsere Handelspolitik ist noch wenig fortgeschritten und zu stark be- grenzt. Mit manchen Staaten haben wir noch gar keine Handel»- Verträge und dieser Mangel hat der landwirtschaftlichen Entwicklung geschadet. Die Einfuhr der Futtermittelgerste mutz eingeschränkt werden. Die Abwanderung des Geldes ins Ausland, die zum Teil im Interesse der Industrie er- folgte, darf nicht die Börsenspekulation begünstigen.— Die Zusammensetzung des jetzigen Reichstages laßt uns in eine sehr düstere Zukunft blicken,(Sehr wahr! rechls.) Mit einer so schwierigen Vorlage, wie diejenige, betreffend die HandclSvcrlräge ist, dürfte die Regierung nicht vor den gegen- wärtigc» Reichstag trete», wo die Majorität oft nur auf einem oder zwei Augen steht. Durch die Verstärkung der Sozial- d e m o k r a t i e ist die Situation der Regierung viel bedenklicher geworden, als sie cS zur Zeit der Aufstellung des Zolltarifs war. Auch die V o l k S p a r t e i wünscht den Abbau der Zölle. Da ist eine Sammlung aller Freunde der bewährten Schutzzollpolitik not- wendig.(Lebhafter Beifall rechts.) HandelSminister Dr. Sydow: Die Bedeutung der Frage greift weit über mein Ressort hin- aus.(Der Minister gibt darauf die Erklärung ab, die wir an leitender Stelle wiedergeben.) So weit diese Erklärung. Nack dem Gesagter habe ich der Annahme des Antrages Dr. v. Krause) und Gen. keine Einwendungen entgegenzusetzen.(Lebhafter Beifall. Abg. Herold(Z.) begründet einen vom Zentrum gemeinsam mit den Freikoniervaiiven eingebrachten Antrag, der den nationalliberalen Antrag dahin er- gänzt. daß der Swutz der deutschen wirtschaftlichen Interessen„au i Grund der bisherigen Wirtschaftspolitik" gewähr- leistet werden soll. Unser Zusatz bringt das Leitmotiv des national- liberalen Antrages deutlicher zum Ausdruck. Abg. Frhr. V.Zedlitz(fk.): Die Annahme des nationalliberalen Antrages und unseres Zu- satzeS Ivird eine wirksame Kundgebung für Inland und Ausland im Sinne unserer bewährten Wirtschaftspolitik seln. Wir hoffen, daß auch der jetzige Reichstag eine schutzzöllnerijche Mehrheit besitzt, die die Angriffe der Freihändler abzuschlagen sähig ist. Unsere Schutz- Zollpolitik ist die Voraussetzung für den Wohlstand unserer Nation anb den SKutz der schaffenden Arbeit. Wir begrüßen die CrNärung der Regierung und erwarten die Annahme des nationalliberalen und unseres Antrages durch eine imposante Mehrheit.(Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Pachuicke(Vp.): Zweifellos wird dieser Wunsch des Freiherrn v. Zedlitz erfüllt werden. Die Konservativen möchten am liebsten den Reichstag auflösen! aber es fehlt ihnen jetzt eine zugkräftige Wahlparole. Früher war die Mehrheit der Nationalliberalen gegen die Hoch- schutzzollpolitik. Die Kehrseite der Schutzzollpolitik ist die Herrschaft der Kartelle und Trusts. Von dem Zolltarif von 1902 kann es nur einen Abstieg geben. Gleichwohl fordert man jetzt noch Zölle auf die wichtigsten Lebens- mittel. Je mehr die Zölle in die Höhe geschraubt werden, desto schwerer werden sich Handelsverträge abschließen lassen. Sie(nach rechts) schädigen durch Ihre Handelspolitik die wirtschaftliche Stellung Deutschlands zum Ausland.(Beifall links.) Abg. Leiuert(Soz.): Nach der gestrigen Rede des Abg. Dr. B e u m e r können wir nicht für den nationalliberalen Antrag stimmen. Der Zusatzantrag des Zentrums und der Freikonservativen macht uns das noch un- möglicher; denn durch diesen Zusatz ist die scheinbare Harmlosigkeit des naiionallrberalen Antrags vollkommen aufgehoben worden. Die ganze Aktion läuft darauf hinaus, die Regierung z u g u n st e n d e r Industrie und des Großgrundbesitzes scharf zu machen. Die Erklärungen desMinisters wurden heute mit Beifall auf- genommen. Aber die Anklage, die der Abg. B e u m e r gestern gegen den Staatsminister Dr. Delbrück ausgesprochen hat. wäre nicht nötig gewesen. Der Zweck dieser Anklage bestand in der Forderung nach zollpolitischen Maßnahmen durch die Regierung. Man hat gesagt, daß die Fortführung der Zollpolitik im Interesse der Arbeiterklasse läge. Der Abg. Frhr. v. Zedlitz hat in diesem Zusammenhang auf die Lohnsteigerungen der letzten Jahrzehnte hingewiesen. Aber beachten Sie doch den himmelweiten Unterschied zwischen der Lage der Arbeiter und der Lage derjenigen, denen der Zoll- schütz unmittelbar zugute kommt. Sie(nach rechts) stellen es ja so dar, als ob es sich bei Ihrer Zollschutzpolitik um einen Akt der Un- eigennützigkeit handele. Das ist natürlich nicht der Fall. Der Ab« geordnete Dr. B e u m e r hat die Zollpolitik ausschließlich vom Standpunkt ves Produzenten aus betrachtet und in diesem Zusammenhang den Professor� Brentano angegriffen. Das ist falsch. Die Bestrebungen der Schwerindustrie gehen dahin, einen Kohlenzoll einzuführen und den E i s e n z o I l zu erhöhen. Im Unterschied dazu erstrebt die Industrie der Fertigfabrikale Zölle auf die Fertigfabrikate und eine Verbilligung der Rohstoffe. Damit stimmen wir überein. Der ganze Zolltarif ist nichts als eine Frage des Verdienstes der Interessenten. � Der Großbetrieb hat sich unter der Herrschaft des Zollschutzes in einer Weise entwickelt, die der nationalen Wohlfahrt g e f ä h r- l i ch wird. Der Zollschutz ist der Anstoß zu der Kartellierungs- bewegung in der Großindustrie geworden. Die Bildung von Riesen- betrieben ist eine Folge unserer Handelsverträge. Die B e r a n- lagungen zum Wehrbeitrag werden es uns zeigen, wie die Zahl der Millionäre in Deutschland ange- wachsen ist. Die Verkaufssyndikate und Kartelle haben zahlreiche kleine und mittlere Produzenten ruiniert und die Groß« danken zum Herrn der ganzen Volkswirtschaft gemacht, da sie nur die Betriebe, die ihnen passen, florieren, die anderen brachliegen lassen. 1S8 Großbanken, darunter 8 in Berlin, beherrschen daS Wirtschaftsleben eines 85- Millionen-Volks durch ihre taufende Aufsichtsratsstellen. Ihr Umsatz steigt kolossal, ebenso ihre Gewinne, sie machen die Großbetriebe allmächtig gegen die Arbeiter; wie gegen die Konkurrenz, die fie durch Kreditentziehung in die Kartelle hinemzwingen. Herr Dr. Delbrück würde als Sekretär eines Kartells das dreifache Einkommen haben— da hat Herr B e u m e r schon recht, wenn er ihn einen schlechten Geschäftsmann nennt, weil er Staatssekretär mit nur 36 000 M. bleibt! Diese herrschende Wirt- schaftSpolitik begünstigt freilich die Flucht auS dem Staatsdienst, die man so oft beobachten kann. Vergebens versucht man da? Handwerk durch Kreditbanken selbständig zu machen, eS hat die Selbständigkeit längst ver- loren. Der„Bund der Landwirte" ist selbst ein mächtiger Großindustrieller und wird über kurz oder lang mit der Groß- industrie viel enger zusammenwirken. Das„5kartell der schaffenden Stände" ist der Notschrei des Mittelstandes an das ihn ruinierende Großkapital, doch mit ihm. statt gegen ihn vorzugehen. Ihnen(nach rechts und zu den Nationalliberalen) ist es recht, daß sich die Kleinen vor den Wagen des„lückenlosen Zolltarifs' spannen und Ihnen zu noch größeren Profiten aus der Hochschutzzollpolitik ver- helfen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Noch vor einigen Jahren hat die Industrie, z. B. in der„Berg- werkS-Zeitung' die schärfsten Anklagen gegen agrarische Rücksichts- losigkeit erhoben, die die Löhne entwertet und die Arbeit den Menschen verhaßt macht, weil sie den Familien der Arbeiter und Angestellten kein auskömmliches Dasein verschafft. Und der christliche Gewerkschaftsführer und Zenttumsmann S t e g e r w a l d hat auf dem christlichnationalen Arbeiterkongreß«ine Milderung der Wirt- schaftSpolitik gefordert. Davon hat aber Abg. Herold nichts gesagt. Die christlichen Arbeiter kommen eben für ihre Partei mit ihren Interessen gar nicht in Betracht I(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) 1902 hat Dr. Arendt zum Kamps gegen Kapital und Proletariat gerufen. Heute ist die Kraft, die gegen das Kapital gebraucht werden sollte, auch der gegen das Proletariat hinzugefügt! Selbst Dr. Hahn mußte einmal zugeben, daß durch das Ansich- ziehen der zollgeschützten Produktton durch die Großbettiebe die Proletarisierung steigt. Neue höhere Agrarzölle würden die Grund- preise noch mehr steigern und der„ProduttionSschutz" käme nur den Güterverkäufern zunutze._ Heute hat ja auch der Minister daS Kartell der schaffenden Stände empfohlen— hinter dem nichts anderes steht als der organisierte Raubzug auf die Taschen der Arbeiter und Angestellten, der durch den Zolltarif von 1902 so herrlich eingeleitet wurde. Alles wird auf die Konsumenten abgewälzt: die Zölle, die indirekten Steuern und selbst der Wehrbeitrag. Wundern muß man sich nur noch, daß noch so viele Arbeiter die Raubpolitik gegen sie selbst unterstützen, die sie zu elendem Leben in traurigen Wohnungen und zum ständigen Risiko der Arbeitslosigkeit verurteilt. Die Regierung hat selbst eine Besoldungserhöhung für ihre Unterbeamten mit der Zoll- teuerung der Lehenshaltung begründet— und da soll sich die der Arbeiter gehoben haben?! An der s ch w e r e n K r i s e seit 1909 trägt die kapitalistische Wirtschaftsordnung die Schuld, aber verschärft wird sie durch den Zollwucher, denn die Arbeiter können die Teuerung nicht durch Lohnsteigerung ausgleichen und um sie noch zu knebeln, wenn sie sich nicht gutwillig ausbeuten lassen, hat sich das Kartell der schaffenden Stände gebildet. Man behauptet, daß die Nahrungsmittel infolge der Lohn- erhöhungen gestiegen seien.(Sehr wahrl rechts.) Das Umge« kehrte ist aber der Fall: die Teuerung zwingt die Arbeiter höhere Löhne zu erkämpfen. Nun wird überall zum Kampf gegen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit gerufen und Ausnahmegesetze und noch höhere Zölle sollen die Krönung sein. Im Hansabund hat der Prof. Duisberg gefordert, daß der„Kotau vor den Massen" aufhören müsse I(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Und hier sehen wir, wie Herr B eum er im Verein mit Dr. Hahn eine Wirtschaftspolitiknoch verschärfen will, die die Massen aufs schwerste schädigt und unendlich viele ehemals Selbständige proletarisiert hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten und der Volkspartei.) Die enttetzliche Höhe der Arbeits- und Obdachlosigkeit ist dieser Politik zu danken— auch der christliche Redatteur Ivos von der„Westdeutschen Arbeiterzeitung" hat das auf dem Berliner Arbeiterkongreß anerkannt und in Gegensatz zu dem LuxuS der Herrschenden gebracht. Von den furchtbaren Leiden des Arbeiter- daseins, von seinen Gefahren, vom Elend der Verunglückten, woran die Schutzzollpolttik nicht das mindeste gebessert hat, sieht Herr Beumer nichts— aber dieser„Anwalt der Arbeiter", der die Schutzzollpolitik den Arbeitern als einen Segen einreden will, tritt hier stets für Aus- nahmegesetze gegen die Arbeiter im Profitinteresse der Groß- industrie ein. Warum reden Sie nicht von den ungeheuren Gönnern der Kapitalisten, von den Rie sendivldenden der Banken und Aktiengesellschaften? Tun Sie es doch I Aber dann wird das Volk freilich erkennen, daß die„nationale" Wirt- schaftSpolitik nur den durch die Zölle hervorgezauberten Millionären neue Millionen in die Taschen füllen will. Reden Sie doch davon, daß die Gesellschaft„Phönix" ihren Verwaltungsräten außer dem Gehalt noch 62 000 M. Tantieme zahlte I Nach Beumer und dem Minister leben die Arbeiter rem im Schlaraffenland. Ueber neun Zehntel der erwachsenen erwerbSl tättaen Bevölkerung haben unter 900 M. Jahreseinkommen— daS versteuerte Vermögen ist aber feit 1907 von 88 auf 104 Milliarden gestiegen und darunter sind die Henckel-Donnersmarck, Hohen- lohe, Schaaffgotsch, Tiele-Winkler mit Vermögen von Dutzenden Millionen und Jahreseinkommen von Millionen und Millionen. Ungeheuerlich steigt der Reichtum der Reichen. Unerhört ist es, da den Arbeitern einen erdichteten Wohlstand vorzurechnen. Der Fleischverbrauch geht in Deutschland zurück. Auf der Zirkusversammlung des Bundes der Landwirte sagte ein Redner, daß der 8 M.-Mitgliedsbeittag den Landwirten bei jedem Sack Getteide 4 M. Mehrertrag eingebracht hätte. DaS ist Ihre selbstlose Politik. Den Arbeitern aber wollen Sie nach dem Minister deS Innern gelbe Vereine in den Rücken fallen lassen, damit sich die, die andere für sich arbeiten lassen, noch mehr be- reichern können. Herr P a ch n i ck e ftagte, welchen Bismarck Dr. Beumer feiere. Es ist der Bismarck deS Soziali st engesetze S, der Arbeiterknebelung.(Sehr wahrl bei den Sozialdem.) Diese Debatten aber werden den Massen zeigen, daß selbst die von Herrn H o e s ch so beklagten 110 Sozialdemokraten im Reichs- tag noch nicht genug sind, daß dieser Raubpolitik der raffenden Stände der Bund der schaffenden Hände entgegen- gesetzt werden mutz.(Lebh. Beifall der Soz.) Abg. Dr. Schifferer(natl.): Wir sind mit dem Antrag v. Zedlitz einverstanden, ebenso mit der Regierungserklärung zufrieden, dw das Ausland vor handelspolitischen Angriffen warnt. Die Angriffe des Abg. Hoesch lehne ich ab, denn der Augenblick ist zu groß. Ein Antrag auf Schluß der Debatte über den nattonaUiberalen Antrag wird angenommen. Es folgt die allgemeine Be sprechung. Hierzu liegt ein konservativer Antrag vor, der gesetzliche Maßnahmen fordert zum Schutz der elektrischen Kleinindustrie und der Installateure und der Stromverbraucher gegenüber der Geschäfts- gebarung der Elektrizitätsgesellschaften. Abg. Hammer(k.) begründet diesen Anttag und entwickelt ausführlich die konservativen Handwerkerforderungen und bekämpft den Monopolcharakter der Elcttrizitälskonzerne. Minister v. Sydow sagt tunlichste Berücksichtigung der konservattven Forderungen zu und kündigt eine Warcnhaussteuervorlage an.(Beifall rechts.) Weiter erklärt der Minister, daß Erwägungen schweben, um durch einen staatlichen Eingriff die Uebermacht der Elektrizitätswerke zu beschränken. DaS Haus vertagt sich auf Donnerstag 11 Uhr. Fortsetzung der Beratung des Handelsetats. Schluß 6 Uhr. /tos aller Welt. Explofionskatastrophen. Mehrere folgeuschtoere Explosionen haben in Hamburg, Z a g o r z a und in der französischen Ortschaft P a n l i l l e s eine ganze Anzahl Menschenleben vernichtet. In Hamburg ereignete sich in einem Lagerschuppen der Firma S>chwalbe beim Verladen von Patronen eine Explosion, durch die 680 000 Metallvatronen in dieLuft gingen. Ter Schuppen wurde vollständig zer- trümmert; zwei Arbeiter wurden gejt öltet und drei schwer verletzt. Eine Person wird vermißt: es wird vermutet, daß sie durch die Gewalt der Explosion in die Elbe geschleudert wurde und ertrunken ist. Durch die Explosion ist in der Umgebung der Unglücksstätte erheb- licherSachschaden angerichtet ioorden. Unaufgeklärt ist noch eine Explosion, die sich in der Wohnung des Arbeiters Biganski in Zagorza zutrug. Biganski war mit einem Kollegen Zellinski in seiner Wohnung, als plötzlich eine heftige Detonation erfolgte. Als die Wohnung geöffnet wurde, bot sich den Eintretenden ein grauenhafter Anblick dar. Beide Arbeiter lagen voll- ständig zerrissen am Boden. Was eigentlich borge- fallen war, konnte noch nicht ermittelt werden. In der Woh- nung wurde eine abgebrannteZündschnur gefunden. Bei der Explosion eines Apparates zur Herstellung von Nitroglycerin in der Dynamitfabrik in Paulillcs im französischen Pyrenäengebiet sind inehrere Personen ge- tötet worden. Pier verstümmelte Leichname sind aufgefunden worden. Man befürchtet, daß viele. Per, s o neu der letz t sind._ Unschuldig im Zuchthause. Der Kaufmann Georg E h r h a r d t, ein wegen Erpressung mit sechs Jahren Zuchthaus vorbestrafter Mann, wurde im vorigen Jahr von der Frankfurter Strafkammer wegen verschiedener Dieb- stähle in Frankfurt a. M. zu zwei Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Ehrhardt un schul- d i g verurteilt worden war, da man den richtigen Täter gefaßt hat. Daraufhin hat die Staatsanwalt Frankfurt a. M. telegraphisch die Entlassung Ehrhardts aus dem Zuchthause verfügt, indem sie gleichzeitig dem Sträfling mitteilte, daß sie einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zu seinen Gunsten gestellt habe. Rettultg aus Seenot. Der Dampfer„Stadt Norden" ist in der letzten Nacht bei Norderney mit einer großen Ladung Mehl g e.s u n k e n. Die ge- samte Mannschaft wurde unter sehr schwierigen Umständen durch das Norderncher Rettungsboot nach Norderney gebracht, wo alle Personen völlig erschöpft und zum Teil erkrankt daniederliegen. Der Dampfer selbst und seine gesamte Ladung sind verloren. Die Mannschaft eines zweiten gestrandeten Schiffes, des Fisch» fahrzeuges„Therese", wurde durch das Rettungsboot der Station Cuxhaven gerettet._ Kleine Notizen. Vo» einem Hunde totgebissen. Von einem tragischen Miß- geschick wurde die Familie des Fleischermeisters Hochstetter in Dortmund betroffen. Das 114 Jahre alte Töchterchen wurde, als es mit dem Hofhund spielte, von diesem in den Kopf ge» bissen und starb kurze Zeit danach an den erhaltenen Ver- letzungen. Der Hund wurde getötet und der Kadaver zur Unter» suchung eingeliefert. Der Schöffe als Sittlichkeitsverbrecher. Ein peinlicher Vorfall ereignete sich bei einer Verhandlung beim Schöffengericht in OscherSleben. Der als Schöffe fungierende Privatmann Schmidt aus dem Dorfe Hadmerleben wurde während der Sitzung auf Ersuchen der Königlichen Staatsanwaltschaft wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit verhaftet und in das Shmtsgerichts» gefängnis übergeführt. Ein Racheakt. In der Petersburger Schrappnellrohren- fabrik wurde der Chef der Werkstätten, Gardchauptmann Stahl, hinterrücks von einem Meister überfallen und durrb zwei Schläge mit einer Eisenstange auf den Kopf getötet. Der Mörder flüchtete und warf sich in eine elektrische Maschine, von der er zermalmt wurde. Es handelt sich um einen persönlichen Racheakt. Eine Sintflut. Ein Sturm von ungewöhnlicher Hcstigckeit hat die Insel Altutaki im Cook-Archipel verwüstet. Eine riesige Meereswoge überschwemmte die Insel Mauki. so daß die ganze Ansiedelung zerstört wurde. Die Bewohner sind in verzweifelter Lage.__ Marktpreise von»erliu am 3. März litis, nach Ermittelungen deS kgl. Polizewräfidium». Mais(unxed), gute Sorte 16,90— 17L0, Tvnau 00,00—00,00. MaiS irundcr), gute Sötte 1t, 70— 15,00. Rtchtstroh 0,00 bis 0,00. Heu 0,00-0,00.'' Martth alienpreise. 100 ittlogr. Erbsen, gelte, zum Kochen 84,00— 50,00. Svcisebobnen. weiße 85,00—60,00. Ltnten 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleitchdl) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Kei/c 1,60—2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,80—1,80. Schweinefleisch 1,40— oo. Kalbfleiich 1,40—2,40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2,40— Ij'oO. 60 Stück Eier 4,00—6,00. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1.00—2 20. Schleie 1,00—3,20. Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebse 3.50—21.%' H. Esders& Dyckhoff Berlin C Certraudensirasse 8—9 Petri-Kirche Herren-, Knaben- und Damen-Kleidung Zur Konfirmation Ansage, AnsUse, Anzüge — 1 ein- nnd zweireihig, ans marengo Cheviots f- o.II-rhg aus schwarz, u blauen Cheviots u Tuchkaramgamen Smokingform, aus schwarzen Tuohkamm- m.2200 2400 2700 3000bis4800 1 m. I250!400 1700 2050 24°° 27°° ws 52°° I �°°°- m. 3B°0 42°° 45°° 52®° Prüf UüSS■ AüZflfB hochmod 1,3550115 inensl- zemusterten Stoff en M. 125° I600 19°° 21°° 24°° bis 45°° Hute m 2.25 bis 3.50 Wäsche!o gr. Auswahl Krawatten 65 Pf. di5 m. 1J50 Handschuhe m. 1.95 u, höher. 1 Briefkasten der Redaktion. Die Juristische Sprechstunde findet 2 inbenkraße 69, vorn vier Treppen & ahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, von 4½ bis 6 Uhr abends statt, Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage i ein Buchstabe nnd eine Zahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt tt, verben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. G. G. 64. Unseres Erachtens ja.-O. K. 1. Unter Aufsicht und Leitung bes Reiches. Das Gründungskapital stammt aus Privatmitteln. 2. Ja. Genoffe 113. Unseres Erachtens sind Sie zur Bezahlung der Mahngebühr nicht verpflichtet, sofern Sie die Steuer sofort bezahlen. Sie können fich bei de: Steuerdeputation: Seschweren. G. F. 37. 1. Jn 5 Jahren. Der Antrag auf Strafverfolgung muß jedoch vor Ablauf von 3 Monaten gestellt sein. 2. Ohne Angabe des Schuldgrundes nicht zu beantworten. 3. Es gibt eine Anzahl von Berufsgenossenschaften, je nach der Art des -Berufes, in denen der Arbeitnehmer tätig ist. 2. 30. Unseres Erachtens| Arbeitgeber in der Nähe das Gewerbe fortsett. 23. F. 15. 1. Bis 4. fönnen Sie den ganzen Betrag jezt verlangen. R. Sd. 3./3. 14. Ein Es tann Herausgabe bezw. Entschädigung verlangt werden. Eine Klage solcher Anspruch besteht, wenn Söhne zusammen sechs Jahre gedient haben muß bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Dienstgeber wohnt, erhoben Samter 100. Beschweren Sie werden. 5. und 6. Bis Sonnabendabend. Frühstück. Ein gesetzlicher und zurzeit ein Sohn beim Militär ist. m. R. 83. 1. Ja. 2. Ja, falls die Ehe Anspruch darauf besteht nicht. Es ist Sache der Vereinbarung mit dem sich bei dem Landratsamt. Auskunft 36. Die Frau fann weiter wohnen bleiben. nach dem 31./12. 1899 geschlossen ist, jedoch in sogenannter Verwaltungs. Unternehmer. M. Lange 36. Die Mietsstempelsteuer beträgt 2 M. pro Kalendergemeinschaft. 3. In der Regel 14 Tage. 4. Ohne nähere Sachdarstellung Treptow 79. Ja, sofern der Betrag durch jahr. Sie sind zur Zahlung nur dann verpflichtet, wenn dies im Mietsnicht zu beantworten. F. R. 14. 1. Nein. 2. Ein Sechszehntel. Mehrausgaben, die durch die Abwesenheit bedingt sind, nicht aufgebraucht vertrag vorgesehen ist. wird. Warnung. Fordern Sie unter Setzung einer Frist Heraus- 3. Nein, falls die Form gewahrt ist. 5. D. 64. 2 M. für das KalenderG. A. gabe des Schuldtitels. Bleibt die Aufforderung erfolglos, so reichen Sie jahr, falls im Mietsvertrag Ihre Zahlungspflicht vorgesehen ist. bei dem Amtsgericht, bei dem der Prozeß früher geschwebt hat, selage ein. 6. Meldung beim Polizeipräsidium. Ausbildung erfolgt in der Charité. Ella 14. Fur dann, wenn der Schneiderin P. 87. Nein, wen: die Klägerin nicht selber vermögend war. Karlshorst 301. 1. Ja. 2. Für vier Tage. Die Höhe des Betrages kann ein Verschulden nachzuweisen ist. Ihr Brief läßt ein Berschulden Th. B. 478. Eine Klage gegen die Frau nur an Hand des Kassenstatuts berechnet werden. 3. u. 4. Nein. 5. Ja. nicht erkennen. 5. K. 24. Dazu sind Sie berechtigt, selbst dann, wenn Ihr jetziger auf Herausgabe der Pfandscheine ist unseres Erachtens durchführbar. Stosten etwa 300 M. Wichtig! R 您 0000 Am nächsten Sonnabend, den 7. März, eröffnen wir unsere ganz bedeutend erweiterten Verkaufsräume Chausseestrasse 113 Wir haben zu dieser Gelegenheit ganz besondere Anstrengungen gemacht, um Ihnen etwas in jeder Beziehung Ungewöhnliches zu bieten. In erster Linie wird Sie die geradezu überwältigende Auswahl überraschen, in der die modernen Fassons, die neuen und allerneuesten, zu Ihrer Verfügung stehen. Die bedeutenderweiterten Verkaufsräume u. entsprechend vergrössertes Personal werden Ihnen das Kaufen bei uns noch um vieles bequemer und angenehmer machen. Aber geblieben sind unsere Preise billig billig billig! Richtige Konfektion zu richtigen Preisen! Das moderne BlusenKostüm aus guter blauer Twillware mit sehr geschmackvollem seidenen Schottenkragen, auf Seide 28.25 Einfarbiges Kostüm In prachtvollen Farben aus gutem Stoff, mit moderner Tunique, aparter Rückengarnierung, auf Seide 29.75 Eleg. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Krause Kleine Andreasstraße 11, im Alter von 27 Jahren ge= storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. März, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/8 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sage ich allen Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Firma Geil u. Co. meinen herzlichsten Dant Insbesondere Herrn Dr. Schütte für seine troftreichen nebst 11486 Sozialdemokratischer Wahlverein Köpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Ernst Bartz am 3. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. März, nachmittags 31, Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs aus statt." Um rege Beteiligung ersucht 201/17 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Königs- Wusterhausen und Umg. Am 28. Februar verstarb unsere langjährige Genossin Wilhelmine Dietze geb. Meister Kgs. Wusterhausen, Amtsgarten 2. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, den 6. März, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstr. 37/38, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Nachruf. Ferner verstarb am 15. Februar in dem Männer- Siechenheim der Samariter- Anstalt Fürstenwalde ( Spree) unser alter Parteiveteran, der Reisende Karl Klein Bezirk Wildau im Alter von fast 74 Jahren an Altersschwäche. Derselbe wurde ebenfalls während des Sozialistengejekes von der Ausweisung be troffen und hat bis zuletzt treu zu unserer Fahne gehalten. Ehre seinem Andenken! 201/16 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, caß der Genosse Bruno Wittlinger Friedrich- Karl- Straße 12 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/6 Die Bezirksleitung. Deutscher Transportarbeiter- Verhand. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sollege, der Rollfutscher Wilhelm Kulemann verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. März, nachmittags 2, Uhr, von der Reichenhalle des Elisabeth Kirchhofes, Prinzenallee, aus statt. 1 62/19 Die Bezirksverwaltung. Am 2. März verstarb unser Sollege Fritz Schneider im Alter von 49 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Kollegen der Pianofabrik von Matz u. Co. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 5. März, nachmittags 4, Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes, Her mannstraße, aus statt. 1072 Am Sonnabend, 28. Februar, verschied nach schweren Leiden unjere liebe Mutter Wilhelmine Dietze geb. Meister. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Einäscherung findet am Freitag, den 6. März, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstr. 37/38, statt. 1140b Am Montag, den 2. März, entschlief nach schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Susanne Schneider Pannierstr. 17. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 6. März, um 2, Ühr der Leichenhalle des Neutöllner Gemeinde- Friedhofes, Ma112A riendorfer Weg, aus statt. von Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und für die zahlreipen Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebenMannes, unseres guien Baters, des Restaurateurs Rudolf Schwanz sagen wir allen Verwandten, Freun den und Bekannten sowie dem sozialdemokratischen Verein für den fünften Wahlkreis unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elise Schwanz geb. Meyer 11456 und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen wir hiermit allen Freunden, Befannten und Verwandten, dem Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands( Bablstelle Berlin), dem Sparverein„ Fröhliche Weihnacht" sowie den Sängern meinen herzlichsten Dank. 107A Richard Dummer nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meines Deutscher Metallarbeiter- Verband lieben Mannes sagen wir allen Be teiligten unseren herzlichsten Dank. Witwe Sziedat Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser August Lindenau Sprengelstraße 2, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. 114/2 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres Sohnes, des Schleifers August Sonnenberg 115A nebst Kindern. Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Prg. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Sattlers meisters Adolf Milleville sagen wir hiermit allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie dem Wahlverein des 6. Kreises( Bez. 745) unsern innigsten Dank. 115A Bite Ida Milleville nebst Kindern. Asthma wird in heilbarca, wenn auch veralteten Fällen behoben durch meine glänzend bewährten Asthmatropfen, Flasche 2.50 M. Bei starken An fällen sofortige Hilfe durcb Indische Asthma kräuter, Kart. 2.00 M. Garant. unschädlich! VorNachahm.jed. Art sei gewarnt! Otto Reichel, Berl.43, Eisenbahnst.4 Radfahrerfarten Wanderfarten hält ftets vorrätig Buchhandlung Borwärts Lindenstr. 69( Laden) Möbel- Angebot. Solide Möbelfirma liefert Spezial- Ein- und Zweizimmer. Einrichtungen sowie Einzelmöbel gegen mäßige Binsver. sagen wir allen Freunden und Besgütung bei kleiner Anzahlung und geringen monatlichen Raten tannten sowie dem Lotterieklub unsern zahlungen. 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