Kr. 68. Hbennemcnts-Bedingung«: IfflontietnenlS- PrciZ pränumerlmdo: Bierteljöhrl. SM Mk, monatl. MV K(., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hauö. Sinzeine Nummer k Pfg> Eonmags. nilmmer mit illustrierter Eonntags- Beilag«.Die Reue Weif 10 Pfa. Post. Abonnement: 1.10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung 5. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Lllv Marl, für daS übrige Ausland 4 Marl pro SDlonat Postabonnemenls nehmen lliu Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, WumtmifN, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. klscheiitt lZ glich. � f-, Verltnev Volksblstt. Die Tnfert]on$'6ebOI)r beträgt für die sechsgest>altene Kolonel- zeste oder deren Raum 00 Pfg,. für politische und gewerlschastlichc Bereins- und Lersammlungs-Sinzeigen 30 Pig. ..Meine Zinieigen", das fettgednulle Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Et-llengeiuche und Schlafflellemm. zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch. staben zählen für zwei Worte. Jnieraie fiit die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adreffet „SMiZliltlDVilm Bfrliu", '' Zcntralorgan der fozlaldcmokratifchcri Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68» Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Sonnabend, den 7. März 1914. ■ÜH Expedition: 8M. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Genossinnen und Genoffen! Me organisatorischen Vorbereitungen für den Frauen- tag und die Rote Woche sind getroffen. In der Parteipresse sind die wichtigen Aufgaben, die in der Woche vom 8. bis 15. März erfüllt werden sollen, mit Nachdruck erörtert worden: tzer mit üem Wahlrecht für üie Zrauen! Nehr Leser für öie parteipresse! Mehr Mitglieüer für die Grganisationen! Ein letzter Hinweis auf den Ernst der Zeit muß ge- nügen, alle Parteigenossen zu eifrigster Werbearbeit anzu- spornen. Keiner darf dieser wichtigen Parteiarbeit fern- bleiben! Besondere Aufmerksamkeit ist der Hausagitation zu schenken, die während der ganzen Woche betrieben werden muß. Genossinnen und Genossen! Seiü pflichtbewußt! Berlin, den 6. März 1914. Mit Parteigruß Der Parteivorstand. Much ein Stück Sammlungspolitik. An Organisationen, die sich die Förderung des deutschen Außenhandels zum Zweck gesetzt haben, fehlt es nicht. Wir haben da, um von anderen zu schweigen, die Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen, von der man allerdings nicht genau weiß, ob sie noch existiert, ferner den Handels- vcrtragsvcrein und den Hansabund, und wir haben außerdein eine ganze Reihe von doppelstaatlichen Verbänden, wie den deutsch-russischen, den deutsch-österreichischcn, den deutsch-fran- zösischen, den deutsch-argentinischen Verein und andere mehr, die gerade in diesen Tagen eine Art Kartell untereinander abgeschlossen haben. Welchen Einfluß diese Perbände auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen ausüben, läßt sich im einzelnen schwer' feststellen. Glaubt man ihren Jahres- berichten usw., so ist er selbstverständlich enorm. Aber der Umstand, daß der mit so viel Hoffnungen gegründete Handels- Vertragsverein doch eigentlich nur noch ein recht kümmerliches Dasein fristet, und daß der Hansabund den Versuch machen muß. sich durch Scharfmachereien gegen die koalierten Arbeiter die Gunst der Industriellen zu erhalten, läßt starke Zweifel wenigstens soweit die zentralen Verbände in Betracht kommen, als berechtigt erscheinen, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob die Organisationsfreudigkeit das deutsche Unternehmertum gegenüber den Plänen ehrgeiziger Kom- mcrzienräte und strebsamer Syndici recht kritiklos mache. Dabei ist schon wieder eine Gründung im Werden, und wenn das Schiff nicht noch bei der Einfahrt in den Hafen scheitert, wird es binnen kurzem eine„Deutsche Gesell- schaft für Welthandel" geben. Allerdings soll sie nicht wie die erwähnten Vereinigungen aus dem Nichts heraus geschaffen werden, sondern sich auf dem Zcntralverband deutscher Industrieller und dem Bund derJn- d u st r i e l l e n aufbauen, die eine Art von Zweckverband ein- gehen und se eins ihrer Vorstandsmitglieder und einen ihrer Geschäftsführer zur Leitung des Unternehmens delegieren. Auch dieser Versuch, Bund und Zentralverband zu geniein- famer Förderung des Handels zusammenzuführen, ist nicht ganz neu. Schon im Jahre 1906 schlössen die beiden eine „Interessengemeinschaft der zentralen industriellen Verbände" ab. der zwei Jahre später auch.der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie beitrat. Aus dem Schöße dieser Interessengemeinschaft wurde zunächst die„Ständige Ausstellungskoinmission für die deutsche Industrie" geboren. und man war auch drauf und dran, im Jahre 1908 eine „Autzenhandelsstelle zur Förderung des deutschen Exports" zu gründen. Aber gerade darüber kam es zu einem großen Krach. der zur Folge hatte, daß die Interessengemeinschaft aus dem Leim ging und daß der Bund der Industriellen den Zentral- verband sehr scharf attackierte, wobei der vom Geschäftsführer des Verband» sächsischer Industrieller zum leitenden Geist des Bundes der Industriellen avancierte nationalliberale Abge- ordnete Dr. S t r e s e m a n n der Rufer im Streite war. Die Gegensätze, die seinerzeit zur Loslösung eines großen Teils der verarbeitendeo Industrie vom Zentralverband ge- führt hatten, traten aufs neue sehr scharf in die Erscheinung, und es schien ganz unmöglich, daß man die Vertretung der kartellierten und daher. Hochschutzzöllnerischen Schwerindustrie mit dem Verbände der auf den Warenexport angewiesenen Fertigindustrie gemeinsam vor den Wagen des deutschen Außenhandels spannen könnte. Das soll nun jetzt plötzlich wieder möglich geworden sein, und zwei Personen schreibt man das Verdienst zu, die der- schiedenen Köpfe unter einen Hut gebracht zu haben: Herrn B a l l i n von der Hamburg-Amerika-Linie und eben dem Herrn Dr. Streseniann. Der Zentralverband habe sich dem Deutsch-amerikanischen Verein, den Ballin in seiner Be- geisterung für die Beteiligung Deutschlands an der Weltaus- stellung von San Franziska gründete, nicht anschließen wollen, sei aber bereit gewesen, bei einer umfassenden Handelsorgani- sation mitzutun, und der Direktor der Hamburg-Amerika- Linie habe dann in Gemeinschaft mit Herrn Stresemann den Bund der Industriellen zu bewegen vermocht, die Streit- axt zu begraben und sich an der großen„nationalen" Sache zu beteiligen. Gewisse Stimmen, die neuerdings aus dem Lager des Bundes lautgeworden sind, lassen es zweifelhaft erscheinen, ob die Tätigkeit der geschäftigen Mittelspersonen tatsächlich im vollen Umfange erfolgreich gewesen ist, und die vorläufige Verschiebung des Gründungstermins, und der Umstand, daß Stresemann letzthin auf der Ausschußsitzung des Handels- Vertragsvereins erschien, um für die bisher belviesene wohl- wollende Neutralität zu danken, geben allerlei Vermutungen Raum. Es wäre ja auch in hohem Maße sonderbar, wenn die ungleichen Brüder sich so leicht vereinigen ließen. Sie haben zwar beide Welthandelsinteressen, aber diese sind doch von sehr verschiedener Art. Die schwere Industrie drängt nach dem industriellen Kapitalexport. Sie will Ge- biete erobern, in denen die kapitalistische Wirtschaft erst mit Hilfe der von ihr gelieferten Produkte erweckt werden soll. Sie ist die eigentliche Trägerin des Imperialismus, der seine Hand auf Territorien legt, in denen mit deutschem Geld und deutschem Material rentable und unrentable Bergwerke, nütz- liche und überflüssige Eisenbahnlinien und so weiter angelegt werden. Daneben sucht sie natürlich auch Absatz in den Staaten alter kapitalistischer Kultur. Aber um hier konkurrieren zu können, muß sie billig liefern, und um das profitabler zu gestalten, beutet sie den deutschen Absatzmarkt durch hohe Zölle aus. In den neuen Ländern aber so gut wie in den alten läßt sie, um sich die Vorhand zu sichern, neben der Güte ihrer Ware und häufig wohl auch statt ihrer andere Argumente auf die Abnehmer wirken, von der diploniatisch-militärischen Drohung angefangen bis zur Handsalbung für alle die, die auf die Vergebung der Lieferungen einen Einfluß haben. Die Organisierung des Welthandels im Sinne der schweren In- dustrie bedeutet also auf der einen Seite die Verstärkung der inilitärischen und der zollpolitischen Rüstungen und auf der anderen die Bereitstellung von Mitteln, deren Ueberzeugungs- kraft ausreicht, um die Mitbewerber aus dem Felde zu schlagen. Die Veredelungsindustrie hat ganz andere Ziele. Ihr Markt find die kapitalistisch entwickelten Länder, wo sie nur durch die Güte und Billigkeit ihrer Ware zu wirken vermag. Sie bedarf billiger Rohprodukte und eines möglichst wenig be- hinderten Zutritts zu den ausländischen Staaten. Sie hat deshalb ein Jnterffe am Schutzzoll höchstens insofern, als er ihr Produkte der fremden Fertigindustrie vom Leibe hält. Die Art, wie die Schwerindustrie den Welthandel organisieren will, hat mit ihren Exportinteressen also nichts zu tun, ja sie steht mit ihnen direkt im Widerspruch, und ein gemein- samer Verband würde nur darauf hinauslaufen, daß der Bund der Industriellen von dem kapitalstärkeren und einflußreicheren Bruder vollständig an die Wand gedrückt würde. Die wirtschaftspolitische und ökonomische Vorherrschaft der bodenständigen Industrie, die mit dem„befestigten" Agrarier- tum Hand in Hand geht, wäre noch mehr gesichert, als es heute schon der Fall ist. Unter diesen Umständen erscheint allerdings der national- liberale Syndikus, der vor ein paar Jahren den Zentral- verband Deutscher Industrieller befehdete und jetzt, nachdem er in dem von dem Landral Rötger und seinen Freunden verlqssenen Hansabunde eine führende Rolle gespielt hat. zur Uebernahme eines angenehm dotierten Postens in der Gesell- schaft für Welthandel bereit ist, in einem sonderbaren Lichte. Aber schließlich sind uns die Personalien Nebensache,, und bei allem Respekt, den wir vor der geschäftlichen Gewandtheit des Herrn Stresemann haben, können wir, wenn die neue Organisation wirklich zustandekommt, in ihm dock nur den— wenn auch sehr geschickten— Handlanger jener Bestrebungen erblicken, die daraus hinausgehen, die Bourgeoisie möglichst alle ihre wirtschaftlichen Gegensätze vergessen zu machen und sie im Zeichen des Kampfes gegen die Arbeiterbewegung zu vereinigen. 0 k�rauetitazx. Sonntag, den 8. März 1914, nachmittags 2 Uhr: Antiitihallen, tamandantenstr. 58-50 Kappoldts Brauerei, ftasenheide 32-38 Qraumann, Kaunynstr. 27 Sfid-Ost, V/atdemarstr. 75 Konzert- und Testsäle, Xoppenstr. 29 In folgenden Lokalen: Schweizergarten, Am Königstor Srauerei Konigstadt, Sehönhanser Allee 10 Serliner Sockbrauerei, Chansseestr. 04 Trankes Testsäle, Sadstr. 19 fharus-Säle, Klöllerstr. 142 Ktoabiter Qesellschaftshaus, Wielefstr. 24 Tagesordnung: Heraus mit dem frauemuahlreeht! Alle Frauen sind eingeladen! Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. Der Anschlag des hier abgedruckten Plakats ist vom Berliner Polizeipräsidenten verboten worden! Herr v. Jagow hat offenbar wieder einmal beweisen wollen, daß er ckootor juris ist. Denn zweifellos gehört ein besonderer juristischer Scharfsinn dazu, um das Verbot der Plakatierung zu begreifen. Der§ 30 des Preßgesetzes bestimmt, daß in bezug auf das Anheften von Plakaten das Recht der Landesgesetzgebung bis auf wefteres in Kraft bleibt. Danach kommt der§ 9 des früheren preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 in Frage, der ausdrücklich„Anschlagzettel und Plakate" zuläßt, die keine« auderen Inhalt haben,»als Ankündigungen über ge- setzlich nicht verbotene Versammlungen". Da nicht der geringste Zweifel darüber obwalten kann, daß es sich in dem obigen Plakat um nichts handelt, als um die An- kündigung einer gesetzlich nicht verbotenen Versammlung, wird sich ob des Verbots der Plakatierung sowohl des Fach- manns wie des Laien höchstes Erstaunen bemächtigen! Ja selbst wenn man sich einmal auf den Standpunkt stellen wollte, daß auch zum öffentlichen Anschlage derjenigen Plakate, deren Anschlag nach§ 9 gestattet ist, doch noch die polizeiliche Erlaubnis notwendig sei, so bliebe das Verbot des Dr. jur. v. Jagow nicht minder rätselhast! Denn woran könnte um alles in der Welt selbst der �rcmib und Kampfgenosse deS JanuschauerS don Amts wegen Anstoß genommen haben? An der Tagesordnung-: Heraus mit dem Frauenwahlrecht? Daß einem Traugott v. Jagow ue Irauenwahl nicht sympathisch ist, glauben wir gern und us den verschicdenstcil Gründen. Aber was geht der pcrsinv 'che Geschmack selbst eines Berliner Polizeipräsidenten das Äesetz und dessen Handhabung an! Gn polizeiliches Verbot muß doch motiviert werden können. Das Verbot des Plakatierens der Versammlungen am Frauen tage ist aber schlechthin nicht zu begründen. Denn die durch das Plakat angekündigten Versammlungen sind gesetzlich nicht zu verbieten. Ihre Ankündigung durch den Anschlag von Plakaten kann also auch nicht verhindert werden! Das Plakat enthält ja nichts als die nackte Ankündigung der Versammlungen, zu der selbstverständlich auch die Tages ordnung gehört. Aber selbst wenn wir einen Augenblick von der Gesetz l i ch k e i t der Jagoivschcn Verfügung ganz absehen wollten wie stünde es um sie allein schon vom Standpunkte des politischen Geschmacks, der gesunden Einsicht? Die Forderung des FraucnwahlrechtS ist nicht nur selbst in Preußen nichts KonfiSzierlicheS und Verbotenes, sondern in zahlreichen Kulturstaaten sogar bereits etwas Realisiertes! In Reu-Sceland, Australien und manchen Staaten von Nord- Amerika besitzen die Frauen bereits das politische Frauen- Wahlrecht, und in noch zahlreicheren Staaten, auch der alte« Welt, ist ihnen wenigstens das kommunale Wahlrecht ein- geräumt. Selbst das preußische Dreiklassenparlament hat sich in den letzten Jahren wiederholt mit Wahlrechtspetitionen bürgerlicher Frauen befassen müssen. Und da wagt es der Berliner Polizeipräsident, einfach den Anschlag eines Plakats zu der- bieten, das als Tagesordnung die Forderung des Frauen« Wahlrechts enthält! Wir müssen schon gestehen, daß uns etwas Märchenhafteres selbst seit dem Regiment des Herrn v. Jagow nicht begegnet ist! Es versteht sich von selbst, daß sich der Veranlasser der Plakate, Genosse Eugen Ernst, sofort beschwerdeführend an den Minister des Innern gewendet hat. politische Ueberstcht. Ta* Postschcckgesey. Herr K r a c t k e wurde heute endlich aus seiner Not befreit. Tie SpezialdiSkussiou des Postetats nahm nur nock? kurze Zeit in Anspruch, so daß dos Postschcckgesetz in zweiter Lesung und der Etat der Reichsdruckcrci erledigt werden konnten. Die Beratung des P o st s ch e ck g e s e tz e s bot das interessante Schauspiel, daß allein die jozialdemokrotliche Fraktion an den Kommissionsbeschlüssen gerode im wichtigsten Punkt festhielt, während alle anderen Parteien dem Rcichspostamt blindlings folgen, ihre eigenen Beschlüsse im Stich ließen und einen genieinsamen Antrag einbrachten, wie er.Herrn Kräetke genehm war. Genosse Vogthetr wieS mit besonderem Nachdruck darauf hin und zeigte in aller Klarheit, daß es sich hier um die entscheidende Frage handelt, den Postscheckperkehr möglichst großen Kreisen des Volkes zu eröffnen, während er beute eine viel zu geringe Ausdehnung hat. Bei der Abstimmung siegte das Kompromiß. Der Etat der Reichsdruckerci sieht Ausgaben für bauliche Erweiterungen vor, die dem zentrümlichen Mittelständler I r l und dem großinduslnellen Nationalliberalen Dr. B ö t t g e r die Furcht einjagen, der Privatindustrie könnte Konkurrenz gemacht werden. Richard ssj i s ch c r bewies an der Hand der jetzt in der Reichsdruckerei l�rrsckiendeu sanitären Zustände die Notwendigkeit der geforderten Neubauten, worin ihm der Fortschrittler Kiel ausdrücklich zustimmte. Mit großer Energie trat Richard Fischer für die Besserung der Lage der Arbeiter ein, die in der Druckerei beschäftigt sind, namentlich für die Anerkennung der Tarifverträge. Bei den kleinen Anfragen, die die Sitzung eingeleitet hatten, bestritt Herr I o n q u i ä r e S die Schädlichkeit des Salvarsans. Bezeichnend für die soziale Böswilligkeit der Reichs- regieruug>var die Beantwortung einer anderen Anfrage. Die Genossen Q u a r ck und Schumann hatten sich noch der reichsgesetzlichen Regelung der Arbeitsverbältnisse der Straßenbahner erkundigt. Die Regierungsantwort bestätigte, daß man den Arbeiterschutz für dre-Wüllst deutschen Trambahnen nach wie vor den einzelstaatlichen Regierungen über- läßt, die im wesentlichen— nichts tun. Ten Bescheid darauf, ob dieser Zustand endlich zugunsten eines wirksamen Schutzes durch Rcichsgesetz beseitigt werden soll, und darauf zielte in der.Hauptsache die Anfrage, blieb die Regierung aber patzig schuldig. Morgen beginnt die Beratung des Kolonialetats. Terrorismus! Da? so beliebte Thema de» Terrorismus nahm in der am Freitag im Abgeordnetenhause beendeten Generaldebatie zum Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung einen breiten Raum ein. Angesichts des fortwährenden Geschreies über den angeblichen sozialdemokratischen TerroriSmuS, der meist nur in der Phantasie der Arbeiterfeinde besieht, hielt Genosse L e i n e r t es für nötig, den Gegnern des werktätigen Volkes einmal ihr Sündenregister vor Augen zu führen, lind er lieferte gründliche Arbeit. Was er unter aktenmäßigen Nachweisen an Fällen von TerroriSmuS der Innungen, der Arbeitgeberverbände und der bürgerlichen Parteien vortrug, war so durchschlagend, daß schon die einfachen Gebote der Klugheit den herrschenden Klassen gebieten müßten, nun endlich einmal mit ihrem törichten Gerede einzuhalten. Wissen sie doch ganz genau, daß das, was Leinert in seiner Anklagerede an Material zusammengetragen hat, unanfechtbar ist und daß eS ihm ein leichtes wäre, sein Material zu verdoppeln und zu verdreifachen. Wie unangenehm den MehrheilSparteien die Situation war, das gaben sie durch fortgesetzte Rufe„Zur Sache' zu verstehen. Rufe, denen der Präsident schließlich nachgab, iiidem er unseren Genossen hinderte, sich weiter über das Thema zu verbreiten. Auch waö Leinert vorher über den Kurs unserer Sozialpolitik gesprochen halte, verdient die größte Beachtung, und ebenso ist seine geschickte Ver- teidigung der„Volksfürsorge" gegen die gegen sie erhobenen Vorwürfe wert, in allen Kreisen deS Volkes bekannt zu werden. Hatte der Sozialdemokrat den Herren von rechts und vom Zentrum eine unangenehme Stunde vereitet, so entschädigte sie der neugcwählte'konservative JnnungSmeister C o n r a d t aus Areslau reichlich für die ausgestandene Qual. Neues konnte Herr Eonradt in seiner Jungfernrede zwar nicht zutage fördern, welterschülternd war das, inaS er über den Hausierhandel, die Wanderfagcr, die Konsumvereine und die Warenhäuser sagte, auch nicht. Aber das hohe Haus ist ja nicht verwöhnt, und so spendeten denn die Mehr- heitSparteien dem Vertreter wirtschaftlich und politisch reaktionärer Anschauungen fortgesetzten Beifall, der sich besonders sicigertc, als er das höhe Lied vom TerroriSmuS der Arbeiter anstimmte, ein Arbeitswilligenschutzgesetz verlangte und nachdem er die Sozial- demokratie io! geredet hatte, sich mit den Fortschrittlcrn herumbalgte. Der Terrorismus der Innungen fand einen Verteidiger in einem RcgierungSkommissar, der sich freilich nur in allgemeinen Redewendungen erging und auf die zahlreichen, von Leinert angeführten Einzelfälle die Antwort schuldig blieb. Tie weitere Tebatte verlor sich in Einzelheiten. Ter Großindustrielle C o h a u s vom Zentrum trat, vielleicht, um den Zen- trumsarbeitern klar zu machen, wie wenig sie von dieser Parter zu erwarten haben, für das Kartell der schafsenden Stände ein. Herr Tr. B c u in e r snatl.) wetterte gegen das bißchen Arbeiter- schütz, der für die Eisenhüttenarbciter besteht, Abg. v. W o y n a (ft.) verbreitete sich über Warenhäuser und Abg. Ehlers«Vp.- suchte— allerdings vergeblich— der Mehrheit die Folgen der Schutzzollpolitik vor Augen zu führen. Tann kam der unauS» bleibliche Schlußantrag, der es u. a. dem Genossen H u e unmöglich machte, Herrn Beumer zu antworten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Tie Abstimmung ergab die Annahme des Antrags v. Krause (naU.) betr. Fortführung der bisherigen Wirtschaftspolitik. Ta- gegen stimmten nur Fortschrittlcr und Sozialdemokraten. Auch der Antrag Hammer jk.) gegen die Monopole der Elektrizitäts- gesellschasten wurde angenommen. Als aber dann über einen äbn- lichen Antrag der Fortschrittler abgestimmt werden sollte, da stellte sich die Beschlußunfäbigkeit des Hauses heraus. Tic Sitzung mußte daher abgebrochen werden. Am Sonnabend soll der HandelSetat weiter beraten werden. Eisenbahnforderungen im sächsischen Landtage. Die Zweite Kammer bewilligte in ihrer gestrigen Nachmittags- sitzung die im außerordentliche» StaatshauShaltSetat für 1914/1» angeforderten 6 973 009 M. zur Vermehrung der Lokomotiven, Tender und Triebwagen sowie 20 726 000 M. zur Vermehrung der Personen-, Gepäck- und Gülerwogcn und erteilte nachträglich ihre Zustimmung zu der bereilS erfolgten Anichafsting von vier schmalspurigen Lokomotiven. 40 schmalspurigen Personenwagen und 200 schmalspurigen Güterwagen sowie von 1082 vollspurigen Güter- wagen. Tie Partei für Freiheit und Recht gegen die Versammlungsfreiheit. Die Genossin Luxemburg will in den nächsten Tagen in Baden einige Versammlungen abhalten. Der„Freiburger Bote", ein waschechtes Zentrumsblatt, fordert nun die Regierung auf, die Ver« sammlungen der Genossin Luxemburg zu verbieten: ..Einer Rcdncrin, welche gegen den Staat aufreizt, gibt man die Erlaubnis, in einer Versammlung zu sprechen, während man einem Jesuitenpater, welcher religiöse Boclräge halten will, diese Erlaubnis versagt. Gleiches Recht für alle So lange die Jesuiten nicht zugelflsien werden, sollte auch eine sozialdemokratische Agitatoriii in Versammlungen nicht sprechen dürfen." Diese zeNtrmnSchristliche Hetze macht sich besonders' gut an- gesichts der Tatsache, daß die Sozialdemokraten die energischsten Gegner deS Jesuitengesetzes sind, auf Grund dessen seinerzeit die Vorträge deö JesuitenpaterS Cohauß verboten wurden. Freilich. dem Zentrum liegt ja gar nichts an der Aufhebung des Jesuiten- gesetzeS. es würde ihm damit ja ein sehr bequemes AgüaüonZmittcl genommen._ Reichstggsersatzwahlcn. Die SieichStagSeriaywahl im Wahlkreise'S ch w e tz(Marien- Werder ch findet am 21. April statt. Deutscher Koinpromißkandidat ist wieder Land.rat v. Ha lern, der dem Polen gegenübersteht. Andere Parteien kommen hier nicht ernstlich in Betracht. In der Zclitrumtdomäne BraunSberg-HeilZberA (Königsberg 6) wird die Ersatzwahl am 24. April vorgenommen. Au peukerts Memoiren. In den Aufsätzen Richard Fischers zu den Leben?- crinnerungen Josef Peukerts werde ich so oft persönlich apostrophiert, daß ich bitte, einige Warte sagen zu dürfen, lieber Tinge, die ich nicht selbst miterlebt habe, werde ich an dieser vatclle mich nicht äußern; die meisten Behauptungen Fischers waren mir als Behauptungen bekannt; ich muß sie auch fernerhin als Oucllenmatcrial betrachten, das kritischer Untersuchung dringend bedarf; jede einzelne Behauptung, zumal im Fall Aeve, wird auf ihre Herkunft und dann auf ihre Uebereinstimmuiqz mit den Tatsachen hin geprüft werden müssen.„Der„Sozial- demokrat" schrieb"—„Trautner ist nicht der Gewährsmann— ..die Eiserne MaSke sagt"— mit solchen Wendungen stelle i ch keine historischen Tatsachen fest. Vor allem erkläre ich, waS den Fall Ncve angeht, daß ich an Briefe N e v c S und i h r�e n Wortlaut nur glaube, wenn ich sie im Original oder in Photographie sc h c. Die.Handschrift Neves ist mir sehr vertraut auö NevcS Briefen an Peukcrt. Ich glaube, auch Richard Fischer, den ja Peukerts Memoiren schon in mancher Hinsicht stutzig hinsichtlich seiner bisherigen Meinungen gemacht babe,!. wird über seine Gewährsmänner— die er nicht nennt— anders als bisher denken, wenn ich ihm sage, daß er nachweiS« l i ch mit einem gefälschten Brief Neves an Pcukert argumen- iiert. Stach Fischers Behauptung soll Neue an Peukcrt geschrieben haben: „Hast Du dem R(cuß) etwas gesagt? Euer Besuch hat üble. Folgen gehabt. Am Morgen nach Eurer Ab- reise lourde i ch morgens ganz früh von der Polizei im Bett überfallen, welche angeblich kam, um einen anderen, dessen Porträt sie zeigten, bei mir zu suchen. Sie fand diesen(mir ganz Unbekannten) natürlich nickt, wollte diesen überhaupt nicht finden und kennen lernen; man suchte vergeblich Paul, fand Peter, den man tatsächlich tv o l I t e." Dieser Brief existiert nickt; daß aber die Fälschung existiert, zeigt mir entscheidend, wie recht Peukcrt mit seiner Kam- bination über die Entstehung der Broschüre des Polizeiagenten Trautner und de« vorbergehcnden Artikels de»„Sozialdemokrat" vom 13. Mai 1887 zu haben scheint. Fischer würde sich ein Ver- dienst um die Aufklärung der dunklen Sache erwerben, wenn er eruieren wollte, auf wen dieser gefälschte, wie wir gleich sehen werden, raffiniert gefälschte Brief zurückgeht. Diese Fälschung kann nur sa entstanden sein, daß Peukcrt in einer Gruppensitzung einen tatsächtichcn Brief Neves an ihn zur Kenntnis brachte und daß jemand aus dem Gedächtnis das Falsifikat herstellte. Bor mir liegt der Originalbrief Steves an Peukcrt in Neves sehr charakteristischer Handschrift; ich bin gern bereit. Herrn Richard Fischer oder einem anderen Kenner der Handschrift dieses Dokument zu zeigen. Der Brief lautet an der entscheiden- den Stelle: .... Von Lüttich wurde am Donnerstag telegraphiert, am Morgen um 7 Uhr dieses Tages(also nicht am Tage nach dem Besuch von Peukcrt und Reuh!) kamen 5 Polizisten t n mein Logis iwohlgemerkt, in Abwesenheit NeveS; die Polizisten sanden ihn nicht dort; Rede hielt sich nicht„in seinem Logis" aus!), suchten nach einem Teutschen, das angegebene Signalement stimmte freilich nicht, doch wie das immer ist. fragt man nach Peter und findet Paul; hier war da» freilich nicht der Fall, immerhin ist die Geschichte mviteriös. Nun gieb mir über folgendes Aufschluß, bist Du mit Rouß in B- bei bekannten Genossen gewesen, hast Du ihn dort allein gelassen, und kennt er Bertrand? Entweder ist dieses i bezieht sich auf Bertrands Depesche) eine sehr plumpe Polizeimache oder Bertrand ist ein clediger Denunziant..." Ich wiederhole: an der Fälschung, deren sich Richard Fischer kritiklos bedient, ist das ganz Falsche nicht annähernd so interessant. wie die Züge, die an das Original erinnern. Genau so wie bei der angeblichen Beobachtung in Brüssel. G(n setzt den Fall, diese Behauptung wäre so erfunden, wie der Brief ohne Frage erfunden ist,— wer hat die Züge zu dem Bilde geliefert, die mitten in der Unwahrheit wahr sind? Richard Fischer scheint, wenn er ansangen will, kritisch zu werden, zur Aufklärung beitragen zu können; möge er es tun! Ich bin mit Josef Pcukert nicht verheiratet und bin auch nicht gneigt, mich schützend vor sein Buch und dessen einzelne Behauptungen zu stellen. Ich erwarte noch mehr Berichtigungen und Berichtigungs. und Rechtfertigungsversuche; sind sie olle bei- summen, so werde ich, wie ich es versprochen Hobe, meinerseits Stellung nehmen und prüfen. Nur zweierlei sei mir heute noch zu sogen gestattet; eines geht Pcukert an, das andere mich.— Pcukert hat in seinem Buch gründlich und ausführlich gesagt, wie er zur sogenannten„Propa- ganda der Tat" steht; hat denn Richard Fischer den Abschnitt über die Londoner Konferenz und alles, was folgt, nicht gelesen? Es ist ja nicht wahr, daß Peukcrt die Propaganda der Tat ablehnt; nur die„Taten" Stellmachers, Kammexers usw. verwarf er. wie Fischer selbst zugibt, von Anfang an, weil er sie für keine propagandistischen Taten hielt. Was aber die Versammlung in Wintcrthur angeht, so mutz Richard Fischer schon gestatten, daß ich vorläufig sage: da steht eben Behauptung gegen Bebauplung. Ich leugne nicht im entferntesten, daß Peukcrt— bis zuletzt— gehässig sein und in der Gehässigkeit Ungerechtigkeiten begehen konnte; aber Richard Fischer wird gewiß von m i r nicht verlangen. daß ich einen Gehässigen für lernen Ehrenmann halten darf; er selbst käme schlecht dabei weg, wenn ich dieser Forderung nackikäme. Die zweite Berichtigung, die mich angeht. Ich stand, als der „-Sozialist" den GedächtniSartikel aus den verstorbenen Steve per- öffentlichte. zum„Sozialist" nicht in engster, sondern vielmehr in gar keiner Beziehung. Der Artikel erschien am 2. Januar; ganz kurz vor Weihnachten war ich verhaftet worden und blieb bis zu meiner Freisprechung sechs Wochen in Untersuchungsbast. Angeklagt war ich wegen des Verdachts, der„spintus rcctor" des„Sozialist" zu sein, der damals sehr häufig beschlagnahmt wurde; Herr Fischer, der meine„engste Beziehung" zum damaligen„Sozialist" behauptet, wird mir wenigstens zugeben, daß ick in der Gefangenschast keine solche Beziehung hatte, llcbrigens hat derselbe Mann, der damals den Gedenkartikcl schrieb, inzwischen auf Grund eingehender In- formationen. die er in London erhielt, das Unrecht, das er Pcukert angetan hätte, längst eingesehen. Gustav Landauer. Auf die Landauersche Zuschrift bemerke ich folgendes: Gegen meine Ausführungen über die Winterthurer Versamm- lung und waS damit in Zusammenhang steht, schreibt Herr Landauer:„Da steht Behauptung gegen Behauptung." Dagegen verwahre ich mich. An einer ganzen Reihe von Tatsachen weise ich die Gewissenlosigkeit und Verlogenheit der Peukertschen Darstellung nach: und ich bin in der Lage, an Dutzend weiterer Stellen das gleiche zu tun. Solange also Herr Landauer meine Darstellung nicht als unwahr oder falsch widerlegen kann, ist es— höflich ausgedrückt— eine Unverfrorenheit, mit einer solche» Verlegcnheitsphrose mich mit seinem Schützling Peukert auf gleiche Stufe stellen zu wollen. Ich neide Herrn Landauer das Proteltorat über diesen seinen„Ehrenmann" nicht, für meine Person betrachte ich es aber als eine Beschimpfung, mit Peukcrt gleich- gestellt zu werden. Wenn Herr Landauer weiter bestreitet, daß er zu der Zeit, als der Steve-Artikel im„Sozialist" erschien,„in engster Beziehung zum „Sozialist" stand"— so ist das ein Spiel mit Worten. Für die Nummer, in der jener Artikel erschien und vielleicht sür eine Anzabl folgender mag das zutressen; bis Weihnachten 1896, also bis zum Erscheinen jenes Artikels, stand Landauer nicht bloß nicht„in keiner Beziehung", sondern tatsächlich„in engster Beziehung zum „Sozialist"". Dafür gibtS lebendige Zeugen— obgleich die Tatsache im Grunde höchst gleichgültig ist.") Skun der„gefälschte" Brief Steves. Ich gebe Landauer zu, daß der Wortlaut nicht stimmt. Auch ich erkläre mir die Ungenauigkeit so: Peukert la» den Brief in einer Gruppensitzung der„Autonomie" vor, als der Brief dann von Daubenipeck in der UntersuchuugS« lommiision eingefordert wurde, verweigerte Peukert die Aus- händigung: nun lvurde der Brief aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Ich würde die Landaueriche Auffassung von der ganz besonderen StichtSwürdigleit der RekonstruktionSsorm vielleicht verstehen könne». wenn der Inhalt dieses Briefes nicht in zwei anderen Briefen Steves, deren Echtheit außer allem Zweifel steht, b e- stätigt worden wäre. Ter Brief vom 14. Januar hat der Kom- Mission im Original Vorgelege» und seine Echtheit ist niemal» bestritten worden; er hat gedanklich denselben Inhalt und Neve weist darin mit seinem Verdacht direkt aufReuß und Peukert hin. der ja nach seinen„Erinnerungen" mit Steve noch noch der Abreise von Reuß eine stundenlange Mondschemproineuade gemacht haben will. lind der Brief vom 26. Januar ist von Andreas Scheu in einem Briefe vom 23. Juli 1887 der Siedaktion des„Sozialdemokrat" aus- drücklich als echt bestätigt worden. Der Brief, aus dem Landauer zitiert, ist xu, geblich„eine Woche" nach dem UrioS- Besuch geichrieben.(S. 243.) Im Anhang hat Landauer noch einen Brief Neves wiedergegeben, der jedenfalls nach den, 13. Januar geschrieben ist und gleichfalls diese polizeiliche Ueberwachung seines Logis meldet. Ob diese Ueberwachung am Tage noch dem Besuche Peukert-Reuß oder einige Tage nach diesem Besuche stattgefunden hat, ist sür mich nicht von so einschneidender Bedeutung.»in so weniger als ja die Bertrandiche Warnung erst die Folge de» Besuches Peukert» und Reuß bei Steve war. Und besser als Landauer es versteht, empfand Peukert diesen Zusammenhang. Denn er leugnet in seinen „Erinnerungen" einfach, daß am Bahnhof Polizisten anwesend waren, während Reve diese Anwesenheit und die Beobachtung in seinem Briese vom 26. Januar ausdrücklich hervorhebt. Peukert schreibt S. 242: „Am Bahnhof angekommen saß Reuß an einem Tisch i» großen Wartesaal. I m ganzen Raum war sonst nie» ") Nur«ine Tatsache auS den vielen hierfür vorliegenden. In Str. 49 vom 6. Dezember 1896 steht auf S. 1 folgendes: Chefredalteur des„Sozialist": Gustav Landauer. Mitglieder der Redaktion: Wilhelm Spohr. Albert W e i d n e r. Da» dürste genüge». Wie in Bayern die katholischen Geistlichen von Amts- wegen zur Agitation gegen die Sozialdemokratie ge- zwungen werden. Im bayerischen Landtag führte Genosse Nimmerfall vor kurzem darüber Beschwerde, daß der katholische Pfarrer Taubenberger in dem nahe bei München liegenden Stäbchen Dachau im RcligionZ-- Unterricht Politik getrieben und gegen die Sozialdemokratie agitiert habe. Der bayerische Minister des Innern zog es vor, zu schweigen. Nun aber brachte jüngst dos führende bayerische Zentrumsblatt, der»Bayerische Kurier", eine reizende Auf- llärung. Es schrieb: „Der Fall ist von allgemeinem Interesse. Denn Pfarrer Taubenberger hat nur getan, wozu er durch sein Amt als christ« licher Religionslehrer verpflichtet war. Hat er seine Be- fugnisse überschritten, so trifft dieser Vorwurf auch das Gros seiner Amts genossen, dann trifft er auch die obere kirchliche Behörde, welche»dieses Tun" zuläßt und billigt. ... Der Religionsunterricht wird dort(nämlich in Dachau) erteilt an der Hand deS mit dem bischöflichen Imprimatur »ersehenen Lehrbuches von Johann Schwab:„Ausge- führte Katechesen für den Religionsunterricht der Fortbildungs- schule und der Christenlehre". In diesem Buche sind nun in der Tat verschiedentliche Fragen berührt, die das politische G e- biet berühren. Und das ist auch ganz nalürlich. Wenn man z. B. das 4. Gebot bespricht, wie kann man das tun, ohne dabei den jungen Christen auch die Achtung und den Gehorsam gegen- über der staatlichen und kirchlichen Gewalt einzuschärfen? Der Verfasser des Lehrbuches bezeichnet es ausdrücklich als Recht und Pflicht des Religionslehrers an dieser Stelle zu sprechen von Wahlrecht und Wahlpflicht, von Geschichte und Grundsätzen der politischen Parteien. In einer christlichen Sittenlehre können ferner auch Fragen nicht unberührt bleiben wie die: Ist ein S t r e i I c r l a u b t? Unter welchen Bedingungen darf man sich daran beteiligen?... In besonderen Kapiteln des Buches wird auch vom sozialistischen Zu- kunftsftaat und anderen sozialistischen Schlagworten ge- sprachen. Es wird dargelegt, daß sich die Lage des Volkes auch auf friedlichem Wege verbessern läßtohneblutigeRevolution. Begreif- licherweise(!) muß da auch von den Arbeiterorganisationen geredet werden. Die freien Gewerkschaften, so heißt es da. hätten früher wirklich Gutes und Anerkennenswertes geleistet, aber was man heute in ihren Versammlungen höre, was ihre Zeitungen Tag für Tag fülle, sei ein wütender Kamps gegen alles, lvas Religion und Sitte heißt. Für einen gutgesinnten achtbaren jungen Mann kämen lediglich die christlichen Gewerk- schaften in Betracht." Soweit der„Bayerische Kurier", der in solchen Dingen genau Bescheid weiß. Mit einer geradezu verblüffenden Offenheit, die zur Genüge beweist, wie sicher die Schwarzen sich in Boyern fühlen, gesteht er ein, daß der niedere bayerische Klerus von seinen geist« lichen Oberen zum politischen Agitatorentum und zu Zutreiber« dicnsten für das Zentrum direkt gezwungen wird. Seine Äußerungen machen auch das Schweigen erklärlich, da? der bayerische Minister des Innern der Kritik des Genossen Nimmerfall entgegensetzte. Er wußte nur zu gut, daß hier der Wille der höchsten Vorgesetzten der bayerischen Minister, nämlich der Bischöfe, in Betracht kommt, und da hat ein bayerischer Minister nichts mehr zu sagen. Vertreter des Rechts am Reichsgericht. Vor einiger Zeit hatte der Jüstizrat Jacobson- Berlin !in einem Artikel der„Vossischen Zeitung" behauvtet, die iechtsanwälte am Reichsgericht'seien nichr geneigt, gegen die cechteanjicht des 2enaz* aufzutreten. Tiejer Vorwurf war on den Klmvalten am Reichsgericht mit Entrüstung zurück- gewiesen worden. Dem �ustizrat Jacobsohn sind nun eine Anzahl Briete zuzestellt worden. ouS denen die Richtigkeit feiner Behauptung sehr einwandfrei hervorgeht. Einer dieser m a n d; nur ganz entfernt am Büfett stand ein junger Mann, der sich mit dem Wirt unterhielt." Rede aber schrieb in dem von Andreas Scheu ausdrücklich als echt beglaubigten Brief: »... Das Rendezvous fand auf der Station statt, wo vier Polizisten anwesend w a r e n, die uns beobachteten, und ich insolgcdcsscu, nachdem ich ibm sReuß) meinen Standpunkt klar ge- macht haue, schleunigst meiner Wege ging." Der Widerspruch der. an Peukerl gerichteten angeblichen Briefe Reves mit denen an Trunk und Davs gerichteten siel schon damals Peukert auf; er will an Neve geschrieben und(S. 245) »von ihm Auskunft verlangt haben, wie er dazu komme, solche zweideutigen Briefe zu schreiben, von denen er doch wiffen müsse, wie dieselben von einem Kerl wie Davs ausgcnutzl würden. Darauf erhielt ich von Neve einen langen Brief, worin er sich mit der Aufregung entschuidigte. er habe nicht gedacht, daß Dave den Brief lesen würde, der ja überhaupt keine Verdächtigung gegen mich enthalte, er habe Trunk ungefähr dasselbe geschrieben wie mir und es sei ihm peinlich, daß sein Name wieder in den ekelhaften Streit hineingezogen worden sei. v a m i t w a r d i e Sache für uns beide erledigt, nachdem ich ge- antwortet, daß von unserer Seite sein Name in dem Streit nicht berührt werden solle." Diesen Brief, der doch in der damaligen Situation für Peukert ungeheuer wichtig war. hat Peukert nie veröffentlicht. niemand hat ihn gesehen und zum Unglück für Peukert soll er ihm nachher auch noch gestohlen worden sein! Es existiert aber noch ein weiterer Brief von Neve. der auch Herrn Landauer nicht unbekannt sein dürfte, denn er ist in Nr. 2 des„Sozialist" vom 9. Januar 1597 mitgeteilt worden. Er ist in Berlin am 2l. Februar 1887, also am Tage der Verhaftung Neveö, angelangt und lautet— nach dem„Sozialist"—„ungefähr folgendermaßen": „Jetzt werde ich nicht nur von Stadt zu Stadt gehetzt, son- der» von Haus zu HauS. Und wären die deutschen Spitzel nicht so furchtbar dumm, so würdet Ihr wohl diese Zeilen nicht mehr erhalten. Peukert hat den unverzeihlichen Leichtsinn besessen, meinen streng geheim gehaltenen Schlupfwinkel an Reuß zu verraten. Reutz hat zu Peukert gesagt, er müsse mich sprechen, um sich bei mir von den Verdächtigungen ZY reinigen. Er wolle meine Wohnung nicht wissen, damit er nicht neuen Verdacht auf sick, lade. Daher sollte mich Peukert holen. Ich ging auf Paukerts Aufforderung, es müsse mich Jemand(I) sprechen, mit demselben. Als ich aber sah, daß es Reuß war, der mich sprechen wollte, schalt ich Peukert seiner unerhörten Dummheit wegen aus und ging meiner Wege. Bon dem Tage an werde ich von drei deutschen..... auf Schritt und Tritt verfolgt." Ju einen Streit mit Peukert-Landauer mich einzulassen über den wahren Begriff der»Propaganda der Tat", wäre wirklich Zeitvergeudung. Will Herr Landauer meine Darstellung der Winter- thurer Vorgänge nicht glauben, so läßt er eS eben bleiben, aber dann kann er von mir keine Antwort erwarten. Aber vielleicht bringt ihn daS Wort deS im MerfiaSinger-Prozeß verurteilten Engel zum Nachdenken: Hohe(der RedakiionSkollcge PeukertS an der »Zukunft", der mit dem Reste des bei Merstallinger erbeuteten Bargeldes nach New Fort entflohen ist) „Hotze hat mir das Wort gegeben, daß das Geld für die beilige Sache verwendet wird, zu eigennützigen Zwecken würde ich es ja nicht getan haben."- charakikristifchen Briefe eines Reichsgerichtsanwalts, datier? � vom 10. Oktober 1913, hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr Justizrat! In Sachen p. p. ersehe ich aus Ihrem gefl. Schreiben vom 7. d. M., daß die Partei sich zur Zurücknahme der Revision nicht entschließen will.(Dann folgen Erwiderungen auf die Rechts- aussührungen, und es gebt weiter:) Ich kann deshalb nur noch- mals raten, das Rechtsmittel zurückzunehmen, sollte ich die Ermächtigung wider Erwarten nicht erhalten, so erkläre ich schon jetzt, daß ich mich zur Vertretung der Revision, nachdem ich weiß, wie der zuständige Senat über die Sache denkt, nicht entschließen kann. Ich müßte, wenn ich die Revision vertreten wollte, ge- wärtigen, daß mir dies seitens des Senats direkt übel genommen, und daß mir der Präsident in der Sitzung hierüber eine ent- sprechende Bemerkung machen würde. Sie werden wohl selbst nicht wünschen, daß ich mich dem aussetze, und ich glaube auch nicht, daß nach Sachlage eine anderer Reichsgerichtsanwalt zur Vertretung sich bcreitfinden lassen wird. p. p. Mit kollegialer Hochachtung." Mit Welchem Recht sich unter solchen Umständen die Herren noch Rechts a n w ä l t e nennen, ist nicht recht einzu- sehen, und das Vertrauen in die Rechtsprechung des Reichs- gerichts können solche Zustände allerdings auch nicht fördern. Erschwerung des russischen Arbeiterzuzuges? Der russische Ministerrat hat die Einbringung einer Gesetzes- vorläge über den Abgang russischer Feldarbeiter ins Ausland, soweit diese auf dem Seeweg erfolgt, beschlossen. Der zweite Teil der ursprünglichen Gcsetzesvorlage betreffend die Ar- beiter, welche auf dem Landwege, beispielsweise nach Deutsch- land oder Dänemark abgehen, soll von einer Sonderkommission des AckerbauministeriumZ einer Vorprüfung unterworfen werden. Der Ministerrar sprach dabei den Wunsch aus, es möge in beiden Fällen dafür gesorgt werden, daß durch den Abgang russischer Arbeiter während der Feldarbeiten die Interessen der russischen Landwirtschaft nicht leiden. Für die Ostelbier würde eine Erschwerung des Wanderarbeiter- zuzugs eine recht große Verlegenheit bedeuten. Der russischen Re- gierung ist es natürlich weniger um das Wohl der Arbeiter und auch nicht so sehr um den Arbeiterbedarf der russischen Landwirtschaft zu tun, als darum, bei den künftigen Handelsvertrags- Verhandlungen eine Waffe in der Hand zu haben. 5700 M. Tnrchschnittsvermögen. Ter Generalpardon bei der Erhebung des Wehrbeitrages hat überall zu einer wesentlichen Steigerung der bei der Steuererklärung angegebenen Vermögen geführt. Wenn die Schätzungen über das Volksvermögen gewöhnlich teilweise auf der Einkommens- und Vermögenssteuerstatistik süßen, ergibt sich stbon hieraus, daß sie wahrscheinlich zu niedrig waren. In diesen Tagen hat nun A. Stein mann-Bucher, ohne Benutzung der Steuerstatistik, eine neue Schätzung deS deutschen BoltsvermögenS veröffentlicht, deren Resultate wesentlich höher ausfallen, als bei früheren Schätzungen. Während Schmoller vor zehn Jahren das Volksvermögen auf etwa 209 Milliarden angab, schätzt es Steinmann- Bucher auf 376 bis 397 Milliarden. Unter Berücksichtigung eines jährlichen Gesamteinkommens des deutschen Volkes von 46 Milliarden gibt Steinmann- Bucher das durckschnittliche Vermögen de? Deutschen auf 5739 M. an. Selbst wenn diese Schätzung die wirklichen Verhältnisse übertreffen sollte, zeigt sie doch, welch kolossalen Vermögen heute in Deutsch- land vorhanden find— natürlich nicht so verteilt, daß auf jeden Einzelnen 5739 M. entfallen, sondern aufgespeichert in den Händen ganz weniger Großkapitalisten. Der Proletarier, d. h. die Mehrzahl des Volkes, hat an dem gewaltigen Vermögen keinen Anteil. Da» reiche Deutschland— so nennt Steinmann-Bucher seine Schrift— wird nicht durch da? Volk, sondern durch eine kleine Zahl von Nutz- uießern der kapitalistischen Wirtschaftsweise repräsentiert. Mich haben in den 89er Jahren, als ich noch jung war, die Rodomontaden von der»Propaganda der Tat" nicht verwirren können darüber, daß es auf dieser Bahn keine Grenzlinie gibt zwischen sogenannten Revolutionären und wirklichen Lumpen(und Stellmacher war ein Schulbeispiel für die Mischung beider Elemente) und die Phrasen Peukerts in seinem Buche oder die Redensarten Landauers in feiner Zuschrift vermögen eS heute auch nicht. Herr Landauer darf versichert sein, ich habe das ganze Buch, also auch das Kapitel über den Londoner Kongreß gelesen, und ich habe daS Buch nicht etwa mit der Absicht gelesen. Material gegen Peukert herauszufinden, dafür dürften meine Artikel zeugen. Aber als ich Seite auf Seite der gewissenlosen Verlogenheit PeukertS begegnete, da hielt ich es für m«ine Pflicht als Partei- genösse, den jüngeren Parteigenossen, denen jene Ereignisse fremd find, an Hand einiger Beispiele den verlogenen Charakter des Peukertschen Machwerkes") klarzulegen— auf die Gefahr hin, das seniimentole Mißfallen so ethisch empfindender Edel-Anarchisten wie Landauer zu erregen. Nachträglich noch eine aktenmätzige Feststellung der Peukert- scheu Verlogenheit. Wie ich schon in dem Kapitel„Propaganda der Tat" dargelegt habe, schreibt Peukert Seite 163: „Nachdem die Wiener Polizei durch R. Fischer in Zürich erfahren hatte, daß der gefangene Attentäter Her- mann Stellmacher von Zürich sei...." In der„Wiener Kriminal-Bibliothek", 1. Heft,„Prozeß gegen den Anarchisten Hermann Stellmacher"(Wien— Berlin— Leipzig 1884, Verlag von Hugo Engel) finde ich Seite 39 folgendes: „Nachdem die Königliche Polizei-Direktion in Dresden mit Note vom 1. Februar 1884 mitgeteilt hatte, daß nach einer derselben übersandten Photographie des Mörders des Polizeiagenten Bloch eine Anzahl von in Dresden domizilierenden Personen in demselben einen gewissen Her- mann Stellmacher erkennen, welcher vom 25. Jänner 1875 bis Ende Jänner 1876 als Kapitulant-Unteroffizier bei dem kgl. sächsischen 2. Grenadierregiment Nr. 191, Kaiser Wilhelm, ge- dient, nach seiner Entlassung vom Militär bis Mitte November 1876 als Wagenschieber ans dem Zentralbahnhof in Dresden gearbeitet und dann nach der Schweiz sich gewendet hatte und nachdem insbesondere eine mitgesendete, von einem Bekannten des Stellmacher erlangte Photographie desselben als Unteroffizier des erwähnten Regiments jeden Zweifel über die Richtigkeit der Agnoszierung ausschloß, nahm auch der bisher namen- las gebliebene inhaftierte Mörder Blochs bei seiner nächsten gerichtlichen Vernehmung vom 4. Februar 1884 keinen weiteren Anstand, zuzugeben, daß er wirklich Hermann Stell- macher heiße, am 23. Mai 1853 zu Grottiau in Preußisch- Schlesien geboren, konfessionslos, verheiratet, Schuhmacher sei und zuletzt in Zürich(Vorstadt Fkuntcrn, Bcrgstr. 12) gewohnt habe." Die Versammlung in Winterthur fand am 5. Ftbruar statt. an diesem Tage erhielt ich das Wiener„Extrablatt" mit dem Bilde Stellmachers, am 1. Februar aber meldete schon die Dresdener Polizei den Namen und am 4. Februar bekannte Stellmacher selber seinen Namen. Ein Menschenalter später aber verkündet der„Ehrenmann" Peuteri: Nachdem die Wiener Polizei durch E. Fischer in Zürich erfahren hatte, daß der gefangene Attentäter Hermann Stellmacher von Zürich sei.... Richard Fischer. Eine Kronprinzenreise ans Kosten der Gtenerzabler. Der Kronprinz hat die Absicht, in der nächsten Zeit eine Reise nach den deutschen Kolonien in Afrika zu unternehmen, um dort der Jagd nachzugehen und bei dieser Gelegenheit auch Land und Leun sich zu betrachten. Die nationalliberale Reichstagsfraktion will nun im Reichstag den Antrag einbringen, aus Reichsmilteln 209 999 M. für diese Reise zu bewilligen. Der Reichstag wird hoffentlich dein nationalliberalen Antrag die Zustimmung versagen, denn es liegt nicht der mindeste Grund vor, die Kosten einer Reise deS Kronprinzen aus den Mitteln der Steuerzahler zu bestreiten. Der Krön- prinz wird für diese Reise ein KrieaSschiff benutzen, so daß er einen Teil der Reise ohnehin aus Reichskosten macht und eS ist bezeichnend für die Liebedienerei der Nationalliberalen, daß sie dem Kronprinzen sogar auch den anderen Teil der Reisekosten abnehmen und ihn den Steuerzahlern aufbiirden wollen. Oesterreich. Ein Spionageprozeh!. � AuS Wien wird uns geschrieben: Die Spionage gehört anscheinend zu den sittlichen Merkmalen dieser Zeit, in der Kapitalismus und Militarismus die herrschenden Mächte sind; also sind auch Spionageprozesse nicht selten.' Dem- nach hätte auch die Verurteilung der zwei Brüder I a n d r i c. von denen der eine noch aktiver Offizier war, der andere es ge» Wesen ist, bevor er wegen einer Schufterei in einer privaten Sache aus dem Offizierskorps ausgestoßen wurde, kein besonderes Auf- sehen erregt, wenn die begleitenden Umstände nicht so auffällig wären. Der Verrat der zwei Brüder, die beide aus einer alten OffizicrSfamilie stammen, fällt nämlich zeitlich mit den Verrate- reien des Redl zusammen; ursprünglich war sogar die Rede davon, daß alle diese Spione gemeinsam operiert hätten. Was alles die militärischen Spione— wieder ein Beweis, wie der berühmte„Rock des Kaisers" die innere Sittlichkeit verbürgt— an Rußland verraten haben, ist natürlich nicht bekannt geworden; nach den Summen, die sie als Schandlohn empfangen haben, sicher- lich nicht wenig. Und es stand damals die Gefahr eines Krieges mit Rußland gleichsam vor den Toren! Und die Prozesse gegen die Jandric sind nur die ersten Glieder einer ganzen Kette von Spionageprozessen! Man denke es durch, was diese Schuftereien Deutschland und Oesterreich, wenn der Krieg wirklich ausgebrochen wäre, an Blutopfern hätten kosten können! Bon der Pest der Spionage ist kein Staatswesen frei, aber ihren eigentlichen Sitz hat sie doch in Rußland. Man hat diesmal in Wien auch die sonst üblichen Verhüllungen aufgegeben, und statt, wie c§ sonst geschieht, von einer„fremden Macht" zu reden, weist die Anklage direkt auf Rußland und ans den russischen Militär- attache in Wien, den Obersten Zankiewitsch, hin, der die Jandric geworben hat und als Auftraggeber der„Bestellungen" und Uebernehmer deS„Materials" fungierte. Die Anklageschrist berichtet, daß der Verdacht gegen die Spione dadurch entstand, daß am 3. März 1911, vormittags 10 Uhr, der Militärattache den einen Jandric in seiner Wohnung besuchte, und sie teilt weiter ein form- liches Verzeichnis all dieser Besuche und Zusammenkünste zwischen dem russischen Bevollmächtigten und dem Spion mit. Da eS nun natürlich nicht so ist, daß die Polizei alle gewesenen Offiziere be- wachen läßt, so geht aus dem Bericht klar hervor, d a ß m a n i n Wien die russischen„M ilitärattacheS" polizeilich beobachten läßt, und auch gar kein Hehl daraus macht, daß man eS tut: die russischen Herrschaften fassen ihre„militärische" Sendung eben nur noch als Anknüpfungspunkt und Gelegenheit für Spiönage auf! Es muß auch jeder am Schluß Wien Knall und Fall verlassen. Diese Lumpereien fügen sich freilich vortrefflich in das Bild ein, das Rußland im Innern bietet. Wo die Be- spitzelung der eigenen Bürger die. StaatSmaxime ist; wo nicht bloß daS freie Wort, sondern gleichsam auch das freie Denken unter Bewachung steht, und wo man den eigenen Bürgern gegenüber jehe Schändlichkeit für erlaubt hält: da gibt eS auch keine moralischen Hemmungen im Verkehr mit fremden Staaten! So erntet daS offizielle Europa mit der Bespitzelung durch die russischen Spione nur, was es mit der Duldung der zarischen Greuel und mit der Sympathie für den blutbefleckten russischen Despotismus gesät hat. Brasilien. Unruhen. Rio de Janeiro, 6. März. Die politische L a(j e int Staate Rio deJaneiro droht einen revolutionäre ll Charakter anzunehmen: eine Versammlung im Militär- külb hat Anlaß zu regierungsfeindlichen Ku n d- gedungen geboten, bei welchen sich einige ehemalcge Offiziere kompromittiert haben. Dies ist der Anlaß für die Erklärung des Belagerungszustandes bis Ende März und die Verhaftung einiger besonders hervor- getretener Agitatoren: durch beide Maßregeln sollen die konservativ gerichteten Bevölkerungsschichten beruhigt und und soll ernsteren Zwischenfällen vorgebeugt werden. Jedoch erklärt die Regierung, sie werde mit größter Mäßigung handeln und nur die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unentbehrlichen Maßregeln treffen. Armee und Marine sind durchaus zuverlässig. Letzte Nachrichten. Die Scheu vor dem Licht der Oefsentlichkeit. Rom, 6. März.(W. T. B.) Kammer. Im Verlause her Beratung über den Gesetzentwurf betreffend die A u s g a b e n s ü r Lydien wurde auf Vorschlag. Giolittis in namentlicher Abstiw- mung mit 239 gegen 41 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen die Tagesordnung De FeliceS und anderer Sozialisten abgelehnt. In dieser wurde die Regierung aufgefordert, einen Gesetzentwurf betreffend die Ernennung einer Untersuchungskommission für die Ausgaben des Proviantdienstes und anderer Dienstzweige einzubringen._ Telephonverbindung Berlin— Frankfurt a. M.— Mailand. Frankfurt a, M.(W. T. B.) Heute mittag fand das erste telephonische Gespräch zwischen Frankfurt und Mailand statt; die Verständigung war sehr deutlich. Nach gelungenen Versuchen soll die telephonische Verbindung über Frankfurt bis Berlin verlängert werden. Gefängnis statt Brot und Obdach. New Jork, 6. März.(W. T. B.) Joseph Albers, der sich ynier der Arbeitermenge befand, die das Rechtauf Speisung und Unterbringung in den Kirchen beanspruchte und jüngst in eine katholische Kirche während des Gottesdienstes eindrang und großen Lärm verübte, ist zu 3 9 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Dies ist das erste Urteil, daS in dieser Angelegenheit ge- fällt worden ist. Noch an 299 Personen sehen ihrer?il>urteilung entgegen. Sonnabend, den 7. März nachmittags 5 Uhr eröffnen wir unsere neuen Räume Chaussee-Straße 113 beim Stettiner Bahnhof Gute Ware- Billige Preise Reelle Geschäftsprinzipien haben uns diesen Erfolg ermöglicht und werden auch in den neuen Räumlichheiten uns neue Freunde zuführen! Sonntags geschlossen! Konig-Strafe 33 am Bahnhof Alezanderplatz Chaussee-Strafe 113 beim Stettiner Bahnhof Unser Geschäft Bönigstrasse SS bleibt SonnebtU den 7. Märe cr� den ganzen Tag onanterbrochen geöffnet AedäkLuWred Wielepp, NeMW�Jns erateuteil' vermdw�- TS.GWcke,Berü». Druck u. Verlag: LorwärrZSuchdr. u. Verlag ösistQU& Co.,B<�7ur SW. HierLt'S SeÜagea Nr. 65. 31. Jalirglmy. 1, Irilflüt des Jurniiirls" Knlim Zonnabtnii. 7. Marz 1!M� Gewerkschaftliches. Die Maske herunter! Der verstorbene ehemalige Redakteur des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" Ludwig Rexhäuser hat durch einen Freund in Leipzig eine Schrift herausgegeben unter dem Titel:„Dokumente eines Sterbenden.— Ein letztes Wort an meine Kollegen." Wer in diesem„letzten Wort" Enthüllungen tatsächlicher Natur erwartet, kommt nicht auf seine Kosten. Es sind Urteile über Personen und Zustände im Buchdrucker-Verbande, die ganz in dem Stile ge- halten sind, den man an Rexhäuser immer kannte. Der Vorstand des Verbandes der Buchdrucker und seine ehe- maligen Redaktionskollegen wenden sich im„Korrespondent" in notgedrungener Abwehr gegen den Verstorbenen, dessen Charakter dabei in einer recht schlimmen Beleuchtung erscheint. R e x h ä u s e r, der sich immer— und auch jetzt noch in seiner üblen Hinterlassenschaft— als ein MöTtyrer seiner Ueberzeugung aufspielte, hat danach eigentlich eine solche nie besessen. Noch zur Zeit seiner Tätigkeit am „Korrespondent" meldete er sich als Geschäftsführer an einem ultramontanen Blatte, zu einer Zeit also, als er gegen den sich„christlich" gebärdenden Gutenbergbund zu Felde zogl Sein Austritt aus der Redaktion erfolgte, nachdem e r drei- mal seine Stellung gekündigt hatte, und der Vorstand aus Selbstachtung ihn nicht mehr zum Bleiben nötigen konnte. Er wurde dann Redakteur eines demokratischen, später eines nationalliberalen Blattes. Dann trat er, der ehemalige Herausgeber abstinenter Schriften, in eine Zeitung zur Be- kämpfung der Antialkoholbcwegung ein. Darauf gab er zur Abwechselung ein recht merkwürdiges„Sozialistisches Wochenblatt" heraus. Einen Posten als Bezirksleiter dys Buchdruckerverbandes in Frankfurt am Main, um den er sich beworben und den er auch erhalten hatte, trat er erst gar nicht an. Schließlich fand er Unterkunft in der Druckerei eines Freund-s, mit dessen Frau er den bekannten Selbst- «nordversuch unternahm, der zu seinem Ende führte. Es soll verschwiegen werden, daß der vielseitige Mann zum Schlüsse auf dem Sterbebette im Beisein eines katholischen Geistlichen seinen„Frieden mit Gott" machte.—„Lustig gelebt und selig gestorben....." Wir haben uns gehütet, nach Rexhäusers Ausscheiden aus dem„Korrespondent" seine abenteuerliche Laufbahn auch nur zu eripähnen, in die ihn nicht die Not etwa hineinriß. Finanziell war R. überall später besser gestellt als im Ver- bände. Wir haben auch nur rein sacklich über sein schlimmes Ende berichtet. Jetzt, wo der Vorstand des Buchdrucker- Verbandes selbst ihm die Maske herunterreißen muß, können wir in Ruhe sagen, was wir von Rexhäuser hielten, ohne in den Verdacht zu geraten, daß unsere Worte nicht ihm gelten, sondern dem Verbände. R e x h ä u s e r ist von Freund und Feind maßlos über- schätzt worden. Er war kein„einsamer Riese", als den er sich gern gab. Er hatte ein starkes formales Talent, ermangelte aber jeder inneren Größe. Nur seine Stellung gab ihm sein Relief. Das wußte er. Wann und wo wir auch einmal gc- nötigt waren, ihm auf die schmutzigen Finger zu klopfen, nie machte er den Versuch einer eigenen Abivehr der Hiebe. Er schimpfte und denunzierte uns, wir hätten den Verband angegriffen. Dieses Versteckspiel zeigt, wie klein er in Wirk- lichkeit war. Wie wenig Verbandsinteressc er tatsächlich besaß, zeigt seine jetzige Broschüre, in der er den Verband als innerlich schwach, haltlos und zerfahren hinstellt angesichts der Kämpfe, die diesem, wie er wissen mußte, jetzt bevor- stehen! Rexhäuser scheute sich nicht, wie die Redaktion des „Korrespondent" mitteilt, in einer Vorstandssitzung am 24. Ok- tober ILOS für den Austritt des Buchdruckerverbandes aus der Generalkommisston(I) einzutreten. Ein solches Experiment hätte die Zertrümmerung des Verbandes zur Folge gehabt. Wir können uns nach dem, was jetzt der Vorstand des Verbandes an die Oeffentlichkeit bringt, wohl vorstellen, wie schwer es diesem bei seiner Kenntnis der Rexhäuserschen Charakterveranlagung oft gefallen sein mag. diesem Kameraden die Treue zu wahren und nach außen hin Solidarität zu be- künden. Und nun dieser Dank. Wer sich unserer Aus- einandersetzungen mit Rexhäuser erinnert, möchte vielleicht meinen, daß uns bei Offenbarung dieses Konflikts eine gewisse Schadenfreude erfüllte. Wir fühlen uns frei davon. Wir haben keinen Gefallen an Zersetzungstendenzen in der deutschen Arbeiterbewegung. Wir wünschen ihr einen zum Siege führenden Fortgang in allen ihren Gliedern. Uns erfüllt nur der eine Wunsch, daß der deutschen Gewerkschaftsbewegung kein zweiter Rexhäuser erstehen möge! Serlin und Umgegend. Der Streik der Dreher und Revolverdreher bei der Firma Karl Haise u. Wrede, Christianiastr. 116a, ist beendet. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Melallarbeiter-VerbandeS. In der Norddeutschen Gummi- und Gutaperchawarensabrik vorm. Fonrobert u. Retmann, Abteilung Formerei, ist es zu Differenzen gekommen, die zur Arbeitseinstellung führten. Da eS sich nur um qualifizierte Arbeitskräste handelt, sind alle Arbeitsangebote dieser Firma abzulehnen. Zuzug ist fernzuhalten. Achtung, Kraftdroschkcnführer! Die Differenzen im Elektro- mobil-Droschkenbetrieb G. m. b. H., Halensee, Joachim-Friedrick- Straße, sind durch Verhandlungen mit der Sektionsleitung bei- gelegt. Deutscher Transportarbeiterverband, Bez. Gr.-Berlin, Sektion IV. Achtung, Friseurgehilfen! Wegen Tarisbruch für Verbands- Mitglieder sind gesperrt: Frömmer, Ackcrstr. 68, I a ck s ch a, Nostizstr. 58 und Zipprig, Kochhannstraße 16. Tariflich ge- regelte Verhälwiffe sind bei Langer, Pankow, Maximilianstr. 11/12. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Reich. Der Verband der Frifcurgchilfen hatte im Jahre 1813 einen nominellen Verlust von 41 Mitgliedern. Er zählte am Jahresschlüsse 2491 Mitglieder gegen 2532 am Schlusie des Vorjahres. Auch die Zahl der eingetretenen Mitglieder ist gegen das Vorjahr um 455 zurückgegangen. Bringt schon der Vergleich zwischen der ver- minderten Äufnahmeziffer und der geringeren Mitgliederzahl eine größere Stabilität zum Ausdruck, so noch mehr die Zunahme von 5666 Beitragsleistlingen im Jahre 1913 gegen das Vorjahr, ob- gleich 495 beilragssteie Marken in Fällen von Erwerbslosigkeit mehr geklebt worden sind.— Außer der Erneuerung und teilweisen Ver- besserung der erledigten Tarifverträge waren erfolgreiche Lohn- bewegungen nicht zu verzeichnen, da die Mehrzahl der Gehilfen den Bestrebungen der Organisaiion ziemlich gleichgültig gegenübersteht. Die Meisterorganisationen, insbesondere die Zwangsinnungen, suchen die Ausbreitung der Organisation mit allen Mitteln zu verhindern. In Stuttgart und München hatten die Innungen den Staatsanwalt in Bewegung gesetzt wegen angeblichen Vergehens der Organisation gegen Z 153 der Gewerbeordnung; doch mußten die angeklagten Funktionäre des Verbandes freigesprochen werden. Die Zwangs- innung in Schöneberg hatte diejenigen Mitglieder mit OrdnungS- strafen bedacht, die mit der Organisation im TarisverhälwiS stehen, weil deren Adreffen im„Vorwärts" bekannt gegeben wurden. Ob- gleich der Regierungspräsident diese Geldstrafen aushob, machte die Britzer Zwangsinnung den gleichen Versuch, ihre Zwangsmitglieder zu bestrasen, deren Adressen die Gehilsenorganisation in der Liste der taristreuen Betriebe veröffentlichte. Bon den Ausgaben des Verbandes sind zu nennen 6569 M, Erwerbslosenunterstützung, 539 M. Reiseunterstützung, 694 M. Rechlsschutz, 2998 M. für Agitation. DaS Vermögen deS Verbandes stieg von 21 944 auf 23 979 M._ Die Gelben im östlichen Westfalen. Die Betvegung der Gelben im östlichen Westfalen konnte bisher nock) wenig Fuß fassen. Nur ein knappes Hundert wird in Biete- feld in den Maschinenfabriken Goericke u. Co und Droop u..Rein czählt. Alles Aufpäppeln durch die Besitzer dieser beiden Werte ilft den Gelben nicht auf die Beine. Voriges Jahr wurde nun in Minden der Versuch gemacht, durch die Anstellung eines„nationalen" Sekretärs Gelbe zu züchten. Doch auch hier war der Liebe Mühe umsonst. So verlegte denn der gelbe Sekretär Anfang dieses Jahres sein Domizil nach Bünde, der Zentrale der Tabakindustrie Westfalens. Unter der Flagge„Ratio- nales Arbeiter-isekretariat Bünde i. W." glaubten die Hinter- mäuner der Gelben hier besser Dumme fangen zu können. Die Ar- beiter des zuerst von ihnen beglückten Bünder Elsenwerks schüttelten den gelben Verkündcr nationaler Fragen gründlich ab. Die Tabak- arbciterschaft aber hat durch die Einführung der„nationalen" Tabakwertstcuer soviel Elend, hervorgerufen durch Arbeitslosigkeit, Aussetzen der Arbeit und Entlassungen erdulden muffen, daß der größte Teil von den ihnen als„national" bezeichneten Einrich- tungen schon bei ihrer Erwähnung genug hatten. Also auch die Tabakarbeiter ließen sich nicht fangen. Daß es sich bei dem gelben Sekretariat um ein von Fabrikanten ausgehaltencs und auf die Zersplitterung der Arbeiterbewegung gerichtetes Unternehmen handelte, sollten die Arbeiter bald er- fahren. In bürgerlichen Blättern wurden unorganisierte Zigarren- sortierer gesucht. Die Inserate gingen von dem Sekretär der Gelben aus. Herr Franke, so heißt der Herr, suchte die Sortierer für eine Firma Zetsche in Phrmont. Eine Kritik der Arbeitsverhält- nisse dieser Firma im„Tabakarbeiter" hatte den Erfolg gehabt, daß die Firma die Mißstände abänderte und ihre alten Arbeiter wieder einstellte. Die Firma hat entrüstet erklärt, daß sie Herrn Franke nicht den Auftrag gegeben habe, ihr unorganisierte Sortierer zu beschaffen; sie habe nichts dagegen, wenn ihre Arbeiter or- ganisiert seien. Wie ist nun Herr Franke dazu gekommen, solche Arbeitergesuche aufzugeben? Der Geschäftsführer des Westfälischen Zigarrenfabrikanten- Verbandes, Herr Hindenbcrg-Minden, Syndikus der Mindener Handelskammer, ist der Auftraggeber des Herrn Frankel Zur Zer- splitterung der Arbeiterbewegung ist den Unternehmern eben jedes Mittel recht._ Tie Aussperrung in der Solinger Waffenbranche. Bis Fieitag sind 516 Waffenarbeiter von der Aussperrung be- troffen; allerdings sind sie nock nicht alle im Ausstand, da die Kündigungsfrist bei verschiedenen Betrieben eingehalten werden muß. Von den Unternehmern ist eine schwarze Liste herausgegeben worden, in der sämtliche Arbeiter aufgeführt werden, die bei den fünf aussperrenden Firmen beschäftigt waren. Die Situation ist für die Streikenden sehr günstig; es muß aber dafür gesorgt werden, daß Zuzug von Waffenarbeitern, überhaupt von Arbeitern aller Art sern- gehalten wird. In erster Linie kommen Gürtler in Betracht. /ins der Partei. Totenliste der Partei. In der Nacht zum Freitag starb im Aller von über 79 Jahren in Bautzen der Genosse Stirius, der seit den 69er Jahren der sozialdemokratischen Bewegung angehört. Als Lassalleaner trat er in Hamburg der Organisation bei, kam dann nach Bautzen, wo er sich als Posamentier selbständig machte und arbeitete nun un- ablässig bis zu seinem Tode für die Sozialdemokratie. Als Ge- werbetreibender halte er häufig schwer wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie zu leiden, aber daS hielt ihn nicht ab, einer der unerschrockensten und tapfersten Kämpfer für die Arbeiterklaffe zu bleiben. Seit der Gründung der Ziltauer.Volkszeitung" war Stirius Borsitzender der Preßkommission der drei ostsächsischen Kreise. Die Genossen werden ihm dauerndes Andenken bewahren. Martyrium der lettischen Arbeiterpresse. Mit welch ungeheuren Schwierigkeiten die Arbeiterpreffe in Rußland zu kämpfen hat, davon kann sich der deutsche Arbeiter, der die Verhältniffe nicht kennt, gar keine Vorstellung machen. Es ist nicht nur die Rückständigkeit der breiten Volksinassen, auf die die Arbeiterpresse hauptsächlich angewiesen ist, nicht die große Zahl der Analphabeten, der Indifferenten,— es ist vor allem das brutale Vorgehen der Justiz- und Verwaltungsbehörden, die kein Gesetz achten, die alle Mittel anwenden, welche ihnen zur Unterdrückung der Arbeiterpreffe nützlich erscheinen. Die Reaktion arbeitet mit Hochdruck, Schlag aus Schlag trifft die Arbeiterpresse, aber immer wieder ersteht sie von neuem und stärker wie zuvor! Die Opfer der Arbeiter erweisen sich stärker als die Macht der Reaktion. Zur Charakterisierung der Verhältniffe, unter welchen die lettische Arbeiterpresse ihr Dasein führt, seien hier einige Zahlen angeführt: Das in Riga erscheinende Wochenblatt„Dsihwes B a l ß" wurde im vergangenen Jahr zwölfmal im ganzen mit 3999 Rubeln oder 23 Monaten Gefängnis bestraft. DaS ebenfalls in Riga dreimal monatlich erscheinende Gewerischaftsblatt„A r o d. n e e k s" wurde siebenmal im ganzen mit 2999 Rubeln oder 15 Mo- naten Gefängnis bestraft. Gleichzeitig werden auch die Zeitungen konfisziert und die verantwortlichen Redakteure verhaftet. waS immer eine empfindliche Störung zur Folge hat, da die Zeitung nicht eher erscheinen darf, bis ein neuer Redakteur bestätigt ist, und das wird sehr oft in die Länge gezogen. Da die Strafen infolge Geldmangels in der Regel abgesessen werden, so kommt eS nicht selten vor, daß zwei oder drei Redakteure gleichzeitig im Gefängnis sitzen. Alle diese Strafen vermochten aber nicht, die Arbeiter klein- zukriegen; im Gegenteil, sie mühten sich, eine Tageszeitung lnS Leben zu rufen, und nach mühevoller Arbeit konnte das Wochen- blatt„Dsihwes Balß" vom I. Januar 1914 ab als Tageszeitung erscheinen. Große Opfer hatten die Arbeiter gebracht, aber noch größere standen bevor, denn es lvar vorauszusehen, daß die Ver- folgungen nicht nachlassen, sondern zunehmen würden, und daS kleines Feuilleton. O diese Sorgen des Fürsten von Albanien. Die bürgerlichen Blätter haben einen Bund fürs Leben mit ihm geschlossen. An jedem Tag, den Gottvater gibt, nehmen sie Partei für ihn; sie sind wie die Hunde hinter ihm her, und er hält sie auf dem laufenden. Er ist ihr jüngstes Schmerzenskind, liegt doch seine Zukunft in der Zeiten dunkelin Schoß. Noch hat er sein zukünftiges Reich mit keinem Fuß betreten, aber in der bürgerlichen Presse hat er ihn schon für alle Zeiten gefaßt. Aus dem Spaltenparadies dieser Buhlerin ist er nicht mehr zu vertreiben, so sündhaft auch das Wenteuer ist, in das er sich stürzt. Noch ist nichts größer als die Frage, ob er Kultur in das wüste Land verpflanzen wird, aber schon wachsen einem die kleinen Geschichten, die man allerwärts von ihm erzählt, zum Hals hinaus. In der„Vossischen" plaudert einer von dem schönen Hund, den der Fürst von Albanien besitzt. Es ist ein hübsches Exemplar von Polizeihund, der in den letzten Jahren in Teutschland so in Mode gekommenen Tiere. Ter Fürst hat viel Freude an dem Hund. Er hegt ihn mit aller Liebe, und neben den politischen Sorgen bedrückt ihn auch diese. Wird der Hund die Uebersiedlung gut überstehen? Wird er sich akklimatisieren? Wird man auf eine gesunde Weiter- entWickelung zählen können? So liegt dem Fürsten von Albanien noch mehr am Herzen als das Wohl der Miriditcn. Er hängt an seinem Polizeihund und wittert falsche Gefahr für ihn. Tic Uebersiedlung wird er schon überstehen, und akklimatisieren würde er sich auch; aber auf die Miridilen ist nicht zu zählen. Diesen ist ein fetter Hund am Spieß auch lieber als Waggonladungen abgenagter Kullurknochcn, die in fernster Zukunft rollen. Wie groß sind dir Bakterien? Daß die als Bakterien be- zeichneten allgegenwärligen Kleinlebeweien mikroskopisch klein sind, weiß ein jeder. Wie groß aber sind sie nun eigemlich? Hierüber macht Erich Hesie im Rahmen eines größeren Aufsatzes über Bäk- terien, den das jüngste Heft der„Jnternaiionalen Monatsschrift für Wlffeiischast, Kunst und Technik" veröffeinlichen wird, zahlenmäßige Milicilungcn. Der verbreitetste Erreger von Jnseklionskrankheiten, der Staphylokokkus, hat z. B. einen Durchmesser von 9,8 Mii. Diei'e Einheil Mü idas griechische m wird so ausgesprochen) ist gleich dem tausendsten Teile eines Millimeters. Von der außerordem- licken Winzigkeit des Eitererreger« gibt die Angabe eine gut- An- schauung. daß in einem einzigen Raumzemimeter eine Milliarde dieser Organismen Platz haben. Andere Kolken haben einen Durch- meffer von 2 Mü, und der Erreger des Milzbrandes, der aller- dings zu den größeren Bazillen gehört, hat eine Länge von 3 bis 6 Mü und einen Durchmesser von 1 bis 12 Mü. Es gibt aber Lebewesen, die noch viel kleiner sind, als der oben angesührte Staphylokokkus. Diese Geschöpfe, die wahrscheinlich auch den Ballerien zugezählt ioerden müssen, sind zum Teil noch un- bekannt, und man kennt sie nur aus ihren Wirkungen; es sind die noch unenldeckten Erreger von Pocken-, Maul- und Klauenseuche, gelbem Fieber und anderen Krankheiten. Die Krankheit hat man dadurch übertragen können, daß man von erkrankten Tieren oder Menschen stammendes Material durch engporiqe sPorzellan« oder Kieselgur-) Filier filtrierte und aui gesunde Tiere übertrug. Der Erreger muß also diese Filier, die für fast alle bekannten Bakterien undurchlässig sind, durchdringe» können und er muß im Fillrat enthalten sein, obwohl dieses sich für sämtliche mikroskopischen und kulturellen Arien des Nachweises als keimfrei erweist. Tie Wölfe. Die München er Kamm er spiele kokettierten wieder einmal mit der französischen Revolution, indem sie Romain Rollands Revolutionsdroma:„Die Wölfe", in Schwabinger-Deulsch übei tragen von Wilhelm Herzog, uraufsührlen. An papierenen Freihciislirade» entzündete sich der Beifall des eigenartigen Publi« kums dieses rührigen Thealers— ein Gemisch von Bohsme und Amüsier-Snobs— heftig aber vorübergehend. Herr Rolland aber besitzt einen noch viel komplizierteren Charakter wie sein erstes deutsches Publikum. Er begeistert sich an anderen akademischen Monologen ä la Lamertine; seine Schweineicklächter und„Wölfe" sdie Kommandaiiten der Konvenlslrüppen) in Mainz 1793 sprechen bald künstlich gebaute Sätze, die in einer Antrulsrede der Französischen Akadmie blühen könnten, bald holen sie die naturalistische Mistgabel der Saiisculolten heraus und werfen brüllend und Klassen« baß speiend die Wände um. Marseillaise; Guillotine; Monsieur Verrat: sbiite deutsch zu lesen) Schweinemctzger, Aristokratcnfresser, Konimandaiit gegen die Preußische Hilssarniee und BriesfSlicher in einer Perio»; Adelige, die von den Wolfen gefressen werden; ein edler Fanatiker der Gerechtigkeit, der den fälschlich verklagten Feudalen retten will, aber der Tücke des Verrats unterliegt und selbst die Guillotine besteigen wird, das sind die Motive und Requisiten dieses verspäteten Revolutionsdramas. Des Dichters Sympathien stehen natürlich mehr ans Seite der pathetischen Girondisten, als auf der der blutigen„Wölfe". m. Ter kämpfende Wiedehopf. Eine dramatische Szene aus dem Leben der Vogelwelt wird im neuesten Heft der„Ornithologischen Monatsschrift" anschaulich geschildert: Schon ein paar Stunden sitzen eben ausgeflogene Wiedehopfe, die von den Eltern geführt werden, teils auf der Heide, teils im angrenzenden Waldmantel und rufen sich ihr„Ziep" zu. Auf einmal stößt ein Spcrbermänn» che» liernieder. Kleinvögcl und einige Wiedehopfe verbergen sich am Boden. Etwa 39 Stare erheben sich, scharen sich zusammen und umkreisen in jagendem Fluge den Feind. Da verläßt ein alter Wiedehopf den schützenden Waldrand und fliegt auf das Kampffeld. Der Räuber, seiner ansichtig gctrwrden, stürzt sich sofort auf den bunten Vogel. Dieser rettet sich durch eine geschickte Flugwendung, sucht und findet Anschluß in der Starcnschar. Im tollen Wirbel umsausen jetzt Stare und Wiedehopf den Sperber. Fünf- bis sechs- mal löst sich der Wiedehopf vom schützenden Ganzen, stürzt sich auf den Sperber und taucht dann sofort wieber bei den Staren unter. Endlich scheinen alle der wilden Jagd, bei der sie sich ganz bedeutend in die Höhe geschraubt haben, überdrüssig zu sein. Die anfängliche Ailfregung hat einem ruhigen Fluge Platz gemacht. Der Sperber schießt in. elegantein Gleitflugs in eine entferntere Scho» niing, die Stare steuern einer alten Schwarzpappel zu, und der Wiedehopf kehrt zu den uiwersehrtcn Seinen zurück. Notizen. — Theaterchronik. Im Neuköllner Theater findet am Montag. den 9. März, eine außerordentliche Vollsvor- stellung statt. Zur Aufführung gelangt das Schauspiel:„Die Schiff» brüchigen" von Eugen Bricux. Billetts(Sperrsitz 55 Pf., Parkett 49 Pf.> sind zu haben in der Buchhandlung Vorwärts, Neckarstr. 2. — Der W e l t k a m p f gegen Pflanzenkrankheiten. Die in Rom tagende Internationale Konferenz für die Bekämpfung der Pflanzenkrankbeiten hat ihre Arbeiten mit der Unterzeichnung einer Akte geschlossen, welche eine internationale Konvention enthält. Die vertragschließende» Staaten verpsiichten sich, besonders einen wirksamen Ueberwachungsdienst zu organisieren. Das Internationale Institut für Ackerbau ist zur amtlichen Zentralstelle für alle in Be- trachl konimenden Fragen bestimmt. — Der radium reiche S ch w a r z w a l d. Durch einen Vortrag im Berliner Verein zur Förderung des Gewerbefleißes er. führt man, daß ein Geologe berechnet hat, der Schtvarzlvald berge etwa 69 Millionen Tonnen Uranmctall, die etwa 29 999 Kilo Radiummctall enthalten. — Der kolainessende Affe. In einer Sitzung der Klinischen Gesellschakt zu Paris zeigte ein bekannter Arzt einen Affen, der durch Nachahmung zum Kokainessen gekommen war. Dieses Tier durchsuchte die Taschen und Schubläden seiner Herrin nach Kokain, welches er gierig verschlang. Die Folgen der Kokain« Vergiftung waren dieselben wie beim Menschen. !raf ein: fast jede zweite Nummer der neuen Tageszeitung wurde konfisziert und mit Strafen belegt, bis sie schließlich bei der l3. Nummer ganz verboten wurde. Der Verantwortliche erhielt für die 13 Nunimern im ganzen 10 Monat Gefängnis auf dem Ver- waltungswege zudiktiert; außerdem wird er sich noch vor Gericht zu verantworten haben. An Stelle der verbotenen wurde eine neue Tageszeitung—„D f i h w e s A t b a l ß"— ausgegeben, die nicht iveniger verfolgt wird. Es erscheinen augenblicklich in Riga drei lettische Arbeiterblätter:„Dsihwes Atbaltz", das Gewerkschaftsorgan „Arodneeks" und das Konsumgenossenschaftsblatt„Patehretajs". In kurzer Zeit wird auch eine theoretische Monatsschrift erscheinen, die man bisher schmerzlich vermißte. So schreitet auch hier, trotz aller Gewalttaten der zarischen Regierung, die Arbeiterpresse un- erschrocken vorwärts. polizeiliches, Gerichtliches usw. Das durchleuchtende Rot. Die Strafkamnier in B o ch u m hatte unlängst zwei Genossen aus Stockum freigesprochen, weil die rote Schleife des von ihnen anläßlich einer Beerdigung getragenen Kranzes mit einem schwarzen Schleier umhüllt war. Auf die Berufung des Staatsanwalts hob das Oberlandesgericht Hamm das Urteil auf und wies die Sache an die Strafkammer zurück. Es sei zu prüfen, ob die Schleife durch den schwarzen Schleier durchgeleuchtet habe. Die Strafkammer trat in die Prüfung der Frage ein. Ein Gerichtsdiener mußte den Kranz in einer Ecke des Saales hochhalten,— dabei stellte sich heraus, daß das Rot durchleuchtete. Die Straflammer kam nunmehr zur Verurteilung zu 1ö M. Geldstrafe und hält damit die Polizeistrafe aufrecht._ Illgenöbewegung. Früchte„nationaler" Jugenderziehung. Die Jugendabteilung eines katholischen JünglingsvereinS der Pfarrei Buer in Westfalen hatte an einem der letzten Sonntage unter Führung des hochwürdigen Kaplans einen Ausflug unter- nommen. Auf dem Heimwege sangen sie das schöne Lied: Hinaus in die Ferne Mit Butterbrol und Speck, Das mag ich so gerne, Das nimmt mir keiner weg. Und wer das tut, Den hau ich vor die Schnut, Den hau ich vor die Nase Bis daß sie blut'. Als ein Gewerkschaftsbeamter einigen von den Jungen sein Mißfallen über das Lied zum Ausdruck brachte, riefen sie im Chor: Hau ihm doch vor die Fresse I Der hat uns doch nichts zu sagen! In der Fortbildungsschule in Osterfeld, wo die katholische Geistlichkeit es fertiggebracht hat. daß allwöchentlich zwei ReligionS- stunden erteilt werden, gab der katholische Kaplan den Schülern folgende Ermahnung: »Wenn ihr mal größer seid und fitzt im Wirtshause und ein ein roter Sozi sitzt dort zu räsonieren, dann haut den Kerl in die Fresse." In Gladbeck erhielt ein Schulknabe von seinem Lehrer folgenden Spruch ins Album geschrieben: Wer Gott vertraut, fest um sich haut, Wird nimmermehr zuschanden. Lasset eure Herzen zu Gott Und eure Fäuste auf den Feind schlagen. Zur Erinnerung Lehrer W. D. So sieht die Kulturarbeit der nationalen und konfessionellen Jugendpflege au»._ Jus Industrie und Handel. Höhere Dividende bei steigender Arbeitslosigkeit. Während die Arbeiter infolge des Konjunkturrückganges unter Feierschichten und Arbeitslosigkeit leiden, fallen den Kapitalisten die fetten Dividenden des vorgehenden Jahres der Hochkonjunktur zu. So zahlt dt« Gelsenkirchener Bergwerksaktien- gefellschaft für 1S13 an Dividende 11 Proz. gegen 10 Proz. im Vorjahre. Der Rohgewinn ist von 58 auf 6ö,6 Millionen Mark gestiegen. Trotz der Dividendenerhöhung können noch IV, Millionen Mark mehr als 1012 zu Abschreibungen sinSgesamt 23,3 Millionen) verwandt werden. Für den Beamten« und ArbeiterunterstützungS- fondS hat die Gesellschaft ganze— 450 000 Mark übrig l Japan in Südafrika. Die Einfuhr japanischer Waren nach Britisch-Südafrika ist heute noch verhältnismäßig germg. Ihr Gesamtwert beträgt erst wenig über 2 Millionen Mark und fällt daher noch kaum ins Gewicht. Immerhin zeigen die Einfuhrziffern der letzten 6 Jahre eine be- merkenswerte Steigerung. Sie stiegen von 38 000 Pfd. Sterl. im Jahre 1907 auf 109 900 Pfd. Sterl. im Jahre 1012. Diese Zahlen, so gering sie an sich auch sein mögen, zeigen doch ein erstaunlich rasches Anwachsen. Von allen anderen Ländern hat nur Belgien seine Ausfuhr nach Britisch- Südafrika in gleich schnellem Schritte gesteigert. In der Einfuhr- statistik der südafrikanischen Union nimmt Japan heule erst die 14. Stelle ein, es wird aber wohl eine ganze Reihe seiner Konkurrenten, denen eS heute schon bedenklich nahe gerückt ist, bald überholen. Japan hat— ähnlich wie Deutschland— keine eigentlichen Hauptartikel, die es in großen Mengen auf den südafrikanischen Markt wirft. Seine Ausfuhr umfaßt eine große Zahl der ver- schiedensten Waren aus allen Gebieten des Wirtschaftslebens. In einigen Artikeln wie Korbwaren, Glasperlen und Bürsten, in denen Japan besonders zu liefern vermag, scheint seine Ausfuhr sehr entwicklungsfähig zu sein. Hierzu gehören vermutlich auch leichtere Baumwollenwaren. Namentlich in Rhodesien scheinen japanische Er- zeugniffe dieser Branche rasch vorzudringen; japanische Exporteure verkaufen Stoffe für Eingeborene zu einem Preis, zu dem die euro- päische Industrie nicht mehr konkurrenzfähig ist. Ein Ausfuhrhandel von Britisch- Südafrika nach Japan besteht noch kaum. In der Statistik des letzten Jahres erscheint er mit nur 65 Pfd. Sterl. Wie groß allerdings die über Europa nach Japan gehende Ausfuhrmenge ist, läßt sich schwer beurteilen. Immerhin hofft man in neuester Zeit Straußenfedern und Wolle nach Japan absetzen zu können. Eine direkte Schiffsverbindung besteht zurzeit noch nicht. Waren müffen in Kalkutta oder Hongkong umgeladen werden, was großen Zeitverlust und Beschädigung veranlaßt. Auch stehen die südafrika- nischen Banken in keiner direkten Verbindung mit Japan. Weiterer Rückgang der Eisenproduktion. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sank die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg im Monat Februar 1914 auf insgesamt 1 445 510 Tonnen gegen 1566 500 Tonnen im vorigen Monat und gegen 1493 830 Tonnen im gleichen Monat des vorigen Jahres. Auf den Arbeitstag kamen im Berichtsmonat 51 625 Tonnen gegen 50 532 Tonnen im vorigen Monat und gegen 53 353 Tonnen im gleichen Monat des vorigen Jahres. Die Erzeugung in den Monaten bis Februar 1913 stellte sich auf 3012016 Tonnen gegen 3 105 222 Tonnen im gleichen Zeitabschnitt des vorigen Jahres. Kein« Kanalgebühre«. Me ein Telegramm auS Washington meldet, hat sich die Handelskommisfion des Repräsentantenhauses mit 17 gegen 4 Stimmen für den Gesetzentwurf zur Aufhebung der Befreiung der amerikanischrn Küstenschiffe von den Panama- kanalgebühren ausgesprochen. Die Vorstellungen fremder Staaten, insbesondere Englands, gegen die Bevorzugung der amerikanischen Schiffahrt in der Be- Nutzung des Panamakanals müssen wohl sehr ernst gewesen sein, denn in gemeinsamer Sitzung des Kongresses richtele Präsident W i ls o n persönlich eine Botschaft an den Kongreß, in der er ihn aufforderte, die Ehre der Vereinigten Staaten durch Auf- Hebung der Klausel der Panamakanalbill, welche die amerikanische Küstenschiffahrt von den Kanalgebühren befreit, aufrecht zu erhalten. Er erklärte, die Besieiung der amerikanischen Schiffe von den Ab- gaben sei eine mißverstandene Wirtschaftspolitik und widerspreche dem englisch-amerikanischen Vertrage von 1901, dem Hay-Pauncefote- Vertrage. Obwohl dies seine bisher kürzeste Botschaft sei, so sei keine Mitteilung von schwereren und weitreichenderen Folgen für die Interessen des Landes. Der Präsident appellierte an die Gerechtigkeit und Weisheit des Kongresses und fügte hinzu: Wir sind eine zu große, mächtige und uns selbst zu sehr achtende Nation, als daß wir mit einer zu gezwungenen und erklügelten Lesart unsere Versprechungen interpretieren könnten. Gerade weil wir genug Macht haben, uns' zu gestalten, sie auszulegen, wie wir wollen. Nachdem der Präsident um die Aufhebung der Klausel auch zur Unterstützung der auswärtigen Politik der Regierung gebeten hatte, schloß er: Ich weiß nicht, wie ich mit anderen Fragen von noch heiklerer Natur und uns näher angehenden Folgen verfahren soll, wenn Sie mir dies nicht gerne gewähren. Soziales. Der feine Ton bei Aschinger. Die Umgangsformen bei Aschinger langjährigen Angestellten gegenüber bildete die Grundlage einer Klage, über die gestern Termin vor dem Gewerbegericht anberaumt war. In der Klage wird behauptet, daß der Kontrolleur Wegener drei Angestellte mit ganz unqualifizierbaren Redensarten, wie „alte dreckige Weiber, verfluchte faule Mistviecher, Treckschweine und alte Kamele" belegt hat, als sie sich weigerten, eine Arbeit zu verrichten, die ihnen nicht oblag. Die Klägerinnen haben erst kürz- lich auf Veranlassung der Geschäftsleitung für treue, langjährige Dienste Ancrkennungsdiplome und Urkunden der Theodor Müller- Stiftung erhalten. Der beim Personalchef Hüttl nachgesuchte Schutz wurde ihnen mit höhnischen Worten verweigert. Deshalb legten sie die Arbeit nieder und forderten für vierzehn Tage Lohnent- schädigung. Sie waren jedoch so unvorsichtig, eine Ausgleichs- quittung zu unterschreiben und gingen deshalb leider auf den Vergleichsvorschlag ein, 20 M. für jede Klägerin anzunehmen. Wiederholt haben wir dargelegt, daß eine Ausgleichsquittung nach zutreffender Ansicht nach Z 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes ohne rechtlichen Effekt ist._ Die Mildtätigkeit des BaronS. Kürzlich deckten wir und die„KönigSberger Volkszeitung" das entsetzliche Elend einer achtköpfigen Londarbeitcrfamilie auf, die in dem ostpreutzischen Kirchdorf Schaaken auf dem Vorwerk Ger- mehnen des Ritterguts Sudnicken wohnt, das einem Baron v. Haufen-Anbicr gehört. DaS Einkommen der Familie, die in einem einfenstrigen Raum haust und unter der sich noch eine schwer lungenkranke Frau befindet, war folgendes: Die 63jährige Mutter erhält nichts. Die 27jährige lungen- kranke Frau erhält nicht«. Ihre Schwester verdient pro Woche 2,40 M., eine Metze Mehl. Vom Verdienst gehen noch pro Woche 15 Pf. für Invalidenversicherung ab. Ihre drei Kinder erhalten nicht?. Und auch die zwei Kinder der Lungenkranken bekommen nichts. Das älteste der Kinder ist acht Jahre alt. Während diese Familie dem Verhungern nah« war, befand sich der Besitzer de? Gutes in Mrran in Tirol auf dem Schloß Laders. Man hat ihm dorthin unser Königsberger Parteiorgan geschickt, das sich der Familie angenommen hatte. Der Herr Baron hat unserem Parteiblatt in Königsberg ein längeres Schreiben ge- sandt, in dem er sein Verhalten dieser Fannlie gegenüber zu rechtfertigen versucht. Er glaubt noch recht mildtätig gewesen zu sein. So schreibt er unter anderem: „Frau Klein(das ist die lungenkranke Frau) hält sich zwar auf meinem Vorwerk Germehnen auf, ist aber mit ihren beiden Kindern nicht bei mir, sondern in Correynen bei Powunden ortS- behörig, erhält auch von dort seit 1. Oktober 1913 eine Unterstützung von 6 M. monatlich für ihre Kinder. Diese Summe hat sie selbst bei der Gutsverwaltung Germehnen zur vorschußweisen Zahlung beantragt. Der Frau mehr anzubieten— auf Kosten des Armenverbandes Correynen, war nicht angängig— da sie selbst nicht mehr forderte. Germehnen legte auf eigene Rechnung noch einen Liter Vollmilch zu. Als die Frau nun— nachdem sie in Allenstein(Lungenheil» stätte) und Schaaken vergeblich behandelt wurde— dauernd bett- lägrig wurde, hat die Gutsverwaltung Germehnen bei Correynen beantragt, die Unterstützung von 6 auf 12 M. monatlich zu erhöhen und zahlt diese Summe vom 1. Februar d. I. vorschußweise an die Klein aus. Was die anderen Angehörigen dieser Familie, die sich bisher jährlich um zwei uneheliche Kinder vermehrt— und die bei mir ortsbehörig sind— anbetrifft, so habe ich im Jahre 1911 auf dringendstes herzzerreißendes Bitten der Großmutter lediglich auS Mitleid und Gutmütigkeit die ganze Gesellschaft aus Königsberg herausgeholt, obwohl sie ihren UnterstützungSwohnsitz in Germehnen feit langen Jahren verloren hatte. Ich erklärte mich damals bereit, jeder in Arbeit gehenden Per- fon 40, im Sommer 59 Pf. zu geben und außerdem täglich 2 Liter Vollmilch, 1 Metz Roggen, freie Kartoffeln, frei Holz und freie Wohnung zu gewähren, was mit Freuden angenommen wurde. Dieses Deputat und Lohn gilt auch heute noch... Dieses Schreiben des BaronS beweist, wie gering der Sinn für soziale Fürsorge in den Köpfen der„Edelsten und Besten unserer Nation" ausgeprägt ist. Der Herr Baron muß im wesentlichen unsere Angaben bestätigen, und dennoch glaubt er vollauf seine Pflicht erfüllt zu haben, ja, darüber hinaus noch besonders mild- tätig gewesen zu sein. Unrichtig ist, daß die Frau nicht mehr ver- langt hätte. Sie hat sogar die Hilfe des Landrats in Anspruch ge- nommen, aber sie ließ sich überreden, auf eine Unterstützung für sich zu verzichten, wenn man ihren Kindern eine Unterstützung ge- währe. Daß man diese nachträglich auf 12 M erhöht hat, scheint auf die sozialdemokratische Kritik zurückzuführen sein. Natürlich ist auch diese Unterstützung noch lange nicht ausreichend. Denn die „Unterstützung" der„ganzen Gesellschaft aus Königsberg" besteht darin, daß die arbeitsfähigen Mitglieder für ihre schwere Arbeit 40 bzw. 50 Pf. Lohn nebst etwas Deputat erhalten. Es kann aber nur die Schwester der Frau Klein arbeiten, da sich ihre Kinder im Alter von 3, 7 und 8 Jahren befinden. Diese Familie muß also tatsächlich von dem geringen Verdienst der Arbeiterin leben und daher hungern, so daß die Armenpflege auf diesem Gute eine völlig unzureichende ist. Gerichtszeitung. Wie ein Landarbeitcrmord in Ostpreußen„gesühnt" wird. Am 10. November 1918 wurde im Kreise Jnsterburg der Landarbeiter Schittrigkeit von dem Gutsbesitzer Willamowski erschossen. Der Erschossene war verheiratet und Vater von sechs Kindern. Der Hergang spielte sich folgendermaßen ab: Anr 10. November war eine Anzahl Jnstleute bei Willa- mowski im Pferdestall beschäftigt. Sie verursachten dabei einigen Lärm. Der Gutsbesitzer wollte„Ruhe stiften". Dabei sollen ihn die Arbeiter bedroht haben. Der Agrarier holte das geladene Gewehr, das anscheinend auf den oft- preußischen Gutshöfen zu den unentbehrlichsten Requisiten gehört, ging damit den Arbeitern zu Leibe, die sich darüber noch mehr erregten, und nun ging er 80 Schritte zurück, brachte sich also in Sicherheit und schoß auf den Justmann Schittrigkeit, der auf der Stelle tot zusammenbrach. Der Gutsbesitzer i st nicht vor Gericht gezogen worden. Dafür hatten sich jetzt die Mitarbeiter des Erschossenen, eine Anzahl Jnstleute, vor dem Jnsterburger Schöffengericht wegen Bedrohung zu verantworten. Und sie wurden auch verurteilt. Der Jnstmann A. erhielt drei Monate Gefängnis, sein Sohn acht Wochen Hast; der Jnstmann Sch. wurde zu sechs Wochen Haft verurteilt. Ostpreußen! Der Gutsbesitzer, der einen Arbeiter aus, man kann wohl sagen, sicherer Deckung, erschießt, geht frei aus, die Kollegen des Erschossenen, die empört ob der an ihrem Mitarbeiter begangenen Tat aufbrausen, wandern auf Monate ins Gefängnis!_ Ans eines Mannes Mädchenjahren. In das Gebiet der sexuellen Abnormitäten führte eine Ver- Handlung hinein, welche gestern unter Vorsitz des Amtsrichters Grolmann das Schöffengericht Berlin-Schöneberg beschäftigte. Wegen groben Unfugs war der 19jährige aus sehr guter Familie stam- mende Kaufmann Hans Lehmann angeklagt. Eines Abends beobachtete ein Kriminalschutzmann eine an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stehende sehr elegant gekleidete Dame, die sich offensichtlich alle Mühe gab, Anschluß zu finden. Er sistierte schließlich die Betreffende und war sehr erstaunt, als die „Dame" auf der Polizeiwache zu weinen anfing und sich schließlich als der jetzig« Angeklagte HanS L. entpuppte. Die Polizei sah das Tragen von Frauenkleidern als einen groben Unfug an und erließ gegen L. ein Strafmandat, welches auf die Höchststrafe von 6 Wochen Haft lautete. Gegen dieses erhob L. unter Beistand des Rechtsanwalts Dr. Abraham Widerspruch. Letzterer hatte von Dr. Magnus Hirschfeld ein Gutachten eingefordert, in welchem sich der Sachverständige dahin äußerte, daß hier ein Fall seelischen Zwitter- tums vorliege. Der Angeklagte, der in Männerkleidung' schon sehr häufig für ein verkleidete? Mädchen gehalten worden sei, handele in einem unwiderstehlichen Zwange, so daß die Voraussetzungen des Z 61 gegeben seien. Der Amtsanwalt beantragte auf Grund dieses Gutachtens die Freisprechung. Das Gericht nahm an. daß aus dem Grunde kein grober Unfug vorliege, weil der Kriminal- beamte selbst der feste»: Ueberzeugung gewesen sei, er habe eine Frauensperson fistiert. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Diebstahl im Konkurrenzkampf. Vor einigen Wochen wurde der Bäckermeister Walter Krüger» Grcifenhagenrr Str. 33, vom Schöffengericht wegen Diebstahl? zu einem Tage Gefängnis verurteilt. Die Straftat bestand darin, daß Krüger, als er seinen eigenen Kunden die Frühstücksbeutel zutrug, einem Kunden feines Konkurrenten den gefüllten Früh- stücksbeutel, der an der Tür hing, wegnahm. Krüger hat gegen daS Urteil Berufung eingelegt. Infolgedessen wurde die Sache am Donnerstag vor der Straftaminer verhandelt. Wie vor dem Schöffengericht, so machte er auch in der BerufungS- instanz geltend, er habe sich die Schrippen nicht aneignen, fon- dern sie nur betrachten wollen, um festzustellen, wie groß die Schrip- Pen der Konkurrenz feien. Er habe den Beutel nicht wegnehmen, sondern nur ihn öffnen und die Ware betrachten wollen. Ehe er aber dazu kam, sei der Eigentümer der Schrippen, Stellmacher He»»del, auf ihn zugestürzt. Er wisse gar nicht, ob er dann den Beutel in der Hand behalten und sich damit entfernt habe. Er nröchte nicht wegen dieser vielleicht törichten Handlung als Dieb bestraft werden. Der Zeuge Hendel schilderte den Hergang so: Nachdem ihm schon dreimal der Beutel mit Frühstück gestohlen war, traf er Vorkehrungen zur Entdeckung des Täters. Wenn der Bäcker- böte durch Klingeln angezeigt hatte, daß er den Frühstücksbeutel an den Türknopf gehängt hatte, sprang Hendel aus dem Bett, öffnete vorsichtig und geräuschlos die zu diesem Zweck gut ge- schmierte Tür, befestigte in aller Eile das eine Ende eines auf einer Garnrolle aufgewickelten Fadens an dem Beutel, leitete den Faden durch die Türspalte und stellte die Rolle so auf, daß sie bei Berührung deS Beutels durch hörbares Herunterfallen da? Signal gab:«Der Dieb greift zu". Nachdem so die TiebeS- falle aufgestellt war, wartete Hendel hinter der Tür der kam- Menden Ereignisse.— Das Zeichen ertonte. Hendel riß die Tür auf und sah, daß ein Mann mit dem Echrippcnbeutel in der Hand, die verräterische Garnrolle hinter sich herziehet, die Treppe eiligst hinunterlief. An der Hoftür holte Hendel den Fliehenden ein und erkannte ihn als den in demselben Hause wohnenden Bäckermeister Krüger, der soeben einem Flurnachbar HendelS daS Frühstück zugetragen und auf dem Rückwege die Schrippen der Konkurrenz von Hendels Tür fortgenommen hatte. DaS Gericht glaubte dem Angeklagten nicht, daß er die Back- Ware des Konkurrenten nur habe besehen wollen, denn das hätte er gefahrlos und auch grürcdlicher besorgen können, wenn er von dem Konkurrenten Ware durch Kauf erworben hätte. Das Ge- richt nahm an, Krüger habe durch Wegnahme deS Irühstücks- beutelS erreichen wollen, daß Hendel das Frühstück bei seinem bisherigen Lieferanten abbestelle und eS von-Krüger nehme. Vom rechtlichen Gesichtspunkt könne diese Handlung nicht anders, denn als Diebstahl angesehen werden. Die Berufung wurde deshalb verworfen. Silvester.„lllk". Ein in der Silvesternacht verübter schlechter„Ulk", durch den mehrere Personen in Lebensgefahr geraten waren, beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amts- gerichtsratS Prost. Wegen fahrlässiger Körperverledung, groben Unfugs und Schietzens in der Nähe bewohnter Gebäude war der 20jährige Buch- binder Karl Schmidt angeklagt. In der letzten Silvesternacht er- litt die von dem in der Hussitenstratze wohnhaften Straßenbahn- schaffner Wagner in seiner Wohnung veranstaltete Silvesterfeier eine jähe Unterbrechung. Die Frau des W. saß gerade mit ihrem 4jährigen Töchterchen auf dem Schoß am Fenster uitd betrachtete den brennenden Weihnachtsbaum, als plötzlich das Kind furchtbar auf- schrie. Frau W. wußte erst gar nicht,>vaS die Ursache war. bis sie zu ihrem Entsetzen sah, daß das Kind blutete. Eine nähere Untersuchung ergab, daß das Kind von einer Kugel, die vorher beide Fensterscheiben durchschlagen hatte, in den Arm getroffen worden war. Eine ähnliche Ueberraschung erlebte wenige Sekunden später der in demselben Hause wohnhafte Arbeiter Jenker, in dessen Wohnung plötzlich die Scheiben in tausend Stücken sprangen. Als er sich von seinem Schrecken erholt hatte, sah er vor sich eine kleine Pistolenkugel liegen, die. wie sich ergab, an seiner Joppe abgeprallt war.— AIS der leichtsinnige Schütze wurde der in dem gegenüberliegenden Hause wohnhafte Angeklagte er- mittelt, der im Uebermut mehrere Schüsse aus einer Tesching- pistole abgegeben hatte, als auf der Straße das„Prosit Neujahr- Rufen begann. Vom Verteidiger wurde darauf hingewiesen, daß der Vater des Angeklagten den Geschädigten gegenüber sich zun» vollen Ersatz des Schadens verpflichtet habe.— Lediglich mit Rücksicht hierauf habe das Gericht, wie der Vorfitzende mitteilte, von der Verhängung einer mehrmonatigen Gefäicgnisstrafe Abstand genommen, die eigentlich für ein derartig leichtfertiges Umgehen am Platz« gewesen wäre. DaS Urteil lautete auf 299 M. Geldstrafe. Dresdner Bank Der ütoscMuß der Dresdner Bank für das Jahr ISIS erffikt nack reichlichen Abschreibungen und Rückstellungen einen Bruttogewinn von M. 43,447,400.45(gegen M. 41,297,977.75 in 1912). Nach Abzug der Handlungsunkosten und Steuern sowie nach Abschreibung von M, 543,942.65 auf Mobilien- Konto und diverse Grundstücke verbleibt ein Reingewinn von M. 26,278,752.60(gegen M. 25,115,828.65 in 1912), welcher die Verteilung einer Dividende von wiederum 8% Prozent gestattet. Die erzielten Gewinne betragen 1913 gegen 1912 auf Sorten- und Kupons-Konto.• M. 367,688.90 M. 345,429.60 � Zinsen- und Wechsel-Konto.... 25,973,297.85 24.066.432.40 n Provisions-Konto........ 14,585,127.30„ 14,238,375�5 a» Effekten- und Konsortial-Konto—— M Dauernde Beteiligungen 1,930,549.55„ 2,090,869.75 Der Gesamtumsatz auf einer Seite des Hauptbuches stelte sich auf M. 92,379,534,705.65(gegen M. 97,053,497,278.— in 1912), die Zahl der bei der Bank geführten Konten auf 200,196 gegen 179.567 in 1912. Die Zahl unserer Angestellten belief sich am Jahresschluß auf 4636 gegen 4546 in» Jahre 1912. Abgesehen vom Effektengeschäft, welches Im abgelaufenen Jahre unter dem Druck der politiseneu und wirtschaftlichen Verhältnisse geringere Umsätze aufwies, hat sich das Geschäft bei allen unseren Niederlassungen wiederum wesentlich ausgedehnt, wie aus dem Zuwachs an neuen Konten ersichtlich ist. denen ein großer Zugang an Effektendepots entspricht. Wir haben auch im Berichtsjahre mehrere neue Wechselstuben eröffnet und die Errichtung von Niederlassungen In Görlitz und Altenburg vorbereitet, die ihre Tätigkeit Im neuen Jahre aufgenommen haben. Dagegen haben wir unsere Niederlassung in Eschwege aufgegeben. Die höheren Zinssätze des Jahres mit einem durchschnittlichen Reichsbanksatz von 5.887 Prozent gegen 4.943 Pro- «ent im Jahre 1912 und einem durchschnittlichen Privatsatz von 5.08 Prozent gegen 4.229 Prozent im Vorjahre ermöglichten uns eine besonders nutzbringende Verwendung unserer verfügbaren Gelder, so daß der von uns ausgewiesene Gewinn auf Zinsen- und Wechsel- Konto die Ziffer des Vorjahres um nahezu 2 Millionen Mark übersteigt. Aus der Abwicklung zahlreicher alter und neuer Beteiligungs- geschäfte, über die welter unten Mitteilung gemacht wird, haben wir auch im abgelaufenen Jahre ansehnliche Gewinne erzielt, die wir vorweg zu den eingangs erwähnten Abschreibungen verwandt haben. Wir verdanken daher das ausgewiesene Geschäftsergebnis in erster Linie unserem laufenden Konto-Korrent-Geschäft, In dessen sorgfältiger Pflege wir die besondere Stärke unseres Betriebes suchen. Die unerwartete Lähmung, von der die lebhafte Wirtschaftskonjunktur des Jahres 1912 durch den Balkankrieg betroffen wurde, hätte nur bei baldiger friedlicher Lösung der entstandenen Konflikte einer Neubelebung aller Geschäfte weichen können. Diese Lösung ließ Indessen länger auf sich warten, als die Widerstandskraft des Wirtschaftslebens zu ertragen vermochte. Bis in den Herbst des Berichtsjahres hinein hielten die an immer neuen Wendungen reichen Bülkanereignisse, die damit zusammenhängenden Spannungen zwischen einzelnen Großmächten und die überall einsetzenden erhöhten militärischen Rüstungen die Geschäftswelt In Ungewißheit und Sorge. Diese Verhältnisse legten den» Konsum stärkere Zurückhaltung auf, bewirkten eine längere Einengung des Geldmarktes und eine fast völlige Stagnation des Börsenverkehrs und unterbanden jegliche Unternehmungslust. So erhielt das Berichtsjahr den Charakter eines langsamen Konjunkturabstiegs bei hohen Geldsätzen. Der Umstand, daß dieser Abstieg nicht die Folge vorangegangener wirtschaftlicher Ueberspannung war. hielt ihn frei von den mancherlei krisenhaften Begleiterscheinungen früherer Konjunkturwenden. Vielmehr hat insbesondere unsere Großindustrie durch «ine gewaltige Steigerung ihrer Leistungen der Ungunst der Ereignisse mit Erfolg entgegenzuwirken versucht. So weist das Jahr 1913 die SrÖßte in Deutschland je erreichte Erzeugung an Roheisen mit 19.81 Mil- I_ onen Tonnen und Steinkohle mit 191.5 Millionen Tonnen auf. Ebenso stellen die Ausweise des Außenhandels mit 20% Milliarden Mark und des Eisenbahnverkehrs mit 3% Milliarden Mark Höchstziffern dar. Auch die Landwirtschaft hatte eine Ernte zu verzeichnen, die bei fast allen wesentlichen Früchten Rokordm engen ergab. Mit Ausnahme der Kohle, die während des ganzen Jahres ihren Preis halten konnte, lief dieser allgemeinen Steigerung der Mengen «in stetiges Sinken des Preisniveaus parallel. Wenn es dem gesteigerten Absatz auch nicht durchweg gelungen ist, die Preisausfällo und die durch den hohen Zinssatz bewirkte Steigerung der Produktionskosten wettzumachen, so hat doch dadurch die Stellung des deutschen Wirt- Bchaftslehens Im internationalen Wettbewerb eine Verstärkung erfahren und sind größere Arbeitseinschränkungen mit ihren nachteiligen Folgen für die handarbeitenden Klassen vermieden worden. Dank der seit Jahren weit verbreiteten Uebung. In Zeiten des Auf- •chwungg durch reichliche innere Rückstellungen die Produktions- gmndlagen zu kräftigen, ist die Industrie vor stärkeren Rückschlägen bewahrt geblieben, und es darf erwartet werden, daß die gegenwärtige Situation ohne größere Nachtelle überwunden wird. Diese Erwartung würde noch befestigt werden, wenn es im neuen Jahre gelänge, eine Reihe von Szmdizierungs Verhandlungen zum guten Ende zu bringen, deren vorläufige Ergebnislosigkeit, insbesondere bei Stabeisen und Rohren, die Marktlage im Berichtsjahre noch verschärfte. Das ebensosehr aus politischen wie aus wirtsohaftHchcn Gründen erwachsene Bestreben nach eine/ wesentlichen Stärkung ihres Status vcranlaßte die Reichsbank, während der ersten 10 Monate des Jahres an dem Diskontsatz von 6 Prozent festzuhalten. In der Tat gelang es Ihr, ihren Goldvorrat gegen den Höchststand des Vorjahres um mehr als eine Vierte! Milliarde zu erhöhen, so daß der Betrag von fünf Viertel Milliarden Gold überschritten wurde. Dieser Zuwachs konnte teils durch eine vermehrte Inkurssetziuig kleiner Noten dem Verkehr entnommen werden, teils dem reichlichen Goldiraport, der um 816 Millionen Mark die Goldausfuhr überstieg. Da mit Ausnahme der üblichen russischen Guthaben irgend nennenswerte ausländische Gelder während des ganzen Jahres in Deutschland nicht placiert waren, vielmehr die deutschen Guthaben Im Auslande zeitwellig erheblichen Umfang erreicht haben dürften, so hat das Berichtsjahr einen neuen Beweis dafür geliefert, wie fest die deutsche Volkswirtschaft auf eigenen Füßen zu stehen vermag. Gegen Jahresende ergab sich sogar das bemerkenswerte Bild, daß der deutsche Geldmarkt eine relativ leichtere Verfassung zeigte als die anderen großen Kapitalmärkte. Die politische Beruhigung, das Infolge der rückläufigen Konjunktur geringere Geldbedürfnis von Handel und Industrie und die aus der Exportsteigerung sich ergebenden höheren Forderungen unseres Handels an das Ausland, gaben der Reichsbank die Möglichkeit, in den lehrten Monaten des Jahres Ihren Diskont zweimal um je ein halbes Prozent herabzusetzen, während die Bank von England Ihren Satz auf 5 Prozent erhöhen und die Bank von Frankreich an dem seit Jahresfrist bestehenden für französische Verhältnisse ungewöhnlich hohen Satz von 4 Prpzent auch weiter festhalten mußte Der außerordentliche Rückgang der Erträgnisse des Börsenumaatz- «tempels kennzeichnet die Lage des Effektenmarktes im Berichtsjahre. Die Jahreckurve der Renten- und Dividendenwerte weist fast durchweg nach unten. Selbst unsere ersten helmischen Anleihen konnten nur mit Mühe placiert werden und ausländische Staaten mußten, um einen Erfolg zu sichern, au bochvorziaslichen kurzfristigen Sehatzseheln- Anleihen schreiten. Der Pfandbriefabsatz geriet zeitweilig völlig ins Stocken, was eine weitere Verlängerung der nun schon seit mehreren Jahren dauernden schwierigen Verhältnisse auf dem Baumarkt zur Folge hatte. Im neuen Jahre hat das Effek- ton-AnlagegesChäft infolge der billigeren Geldsätze zunächst wieder einen Aufschwung genommen. Es dürfte jedoch einige Zeit dauern, bis die Kapitalbildung die durch die kriegerischen Ereignisse und Ihre wirtschaftlichen Folgen empfangenen Verluste ausgeglichen haben und wieder einen so starken Aufschwung nehmen wird, wie er vor Beginn des Balkankrieges zu beobachten war. Nachdem die Gesetzgebung mit dem Wehrbeitrag ganz neue Bahnen der Vermögensbesteuerung eingeschlagen hat, wird auch abzuwarten sein, wie diese Maßnahire, auch wenn sie ausdrücklich als einmalig und nicht wiederkehrend bezeichnet wurde, auf die Vermögensbildung, die vor allem und In erster Linie einer stetigen und maßvollen Steuerpolitik bedarf, zurückwirken wird. Dazu kommt, daß gerade Handel and Gewerbe in fortdauernd steigendem Umfang mit neuen sozialen Lasten belegt werden. Für das Bankgewerbe war es deshalb zu begrüßen, daß Im Berichtsjahre nach langen Verhandlungen eine Reihe von Vereinbarungen zustande kam zu dem Zweck, das Entgelt für die bankgeschäftlichen Leistungen mit den ständig wachsenden Unkosten in besseren Einklang zu bringen. Im neuen Jahre hat die Entspannung auf dem Geldmärkte weitere Fortschritte gemacht. Der Anlagebedarf war in den ersten Monaten des neuen Jahres sehr groß und die diesjährigen zahlreichen Emissionen konnten sämtlich mit Erfolg abgewickelt werden. Es Ist anzunehmen. daß der Geldmarkt vorerst noch weifer flüssig bleibt, zumal damit zu rechnen Ist, daß das durch die Emissionen, namentlich der öffentlichen Körperschaften, hereinkommende Geld alsbald wieder In den Verkehr zurückfließt, da der Anlelbccrlös vielfach für die Regulierung bereits vorher vorhandener Verpflichtungen Verwendung findet. Insbesondere ist auch der Pfandbriefabsatz der Hypotheken- danken im neuen Jahr ein zehr lebhafter gewesen. Aus dieser Marktlage darf man Hoffnung schöpfen für eine nicht zu ferne Wiederbelebung des Baumarktes, von der dann auch die Industrie wieder Nutzen ziehen würde. Da auf eine weitere Belebung des Emission«- und Anlagegeschäftes bei längerer Dauer der GeldflUssigkelt zu rechnen ist, so möchten wir im Interesse nicht nur des KapitallslcnpnMlkums, welches stets mit einem Teil seiner Ersparnisse AnInge in höher ver- ■inslichcn ausländischen Werten, wenn nicht au inländischen, dann an ausländischen Börsen, suchen wird, sowie ferner im Interesse unserer Politischen und wirtschaftlichen Entwickelung wünsr-hen, daß der Einführimg guter ausländischer Werte keine Schwierigkelten In den JJ'cg gelegt werden. Ein Land, welches in so großem Umfange wie Deutschland den Warenexport nach allen Ländern der Welt betreiben «aß, darf sich, ohne wirtschaftliche Einbuße befürchten zu müssen ■nd ohne seine weltpolitische Stellung zu gefährden, den Bedürfnissen ••Icher Länder nicht venchließen, die zur Entwicklung ihrer wlrt- für 1913. ncJinfUIclien Grundlaccn»ol den enropiieeben Geldmarkt anrewtoaem »Ind._ Nackstehena die OMIchen ErlÄuternngen flker die eisielnen Po»l- tionen der BUam: Kassa-, Kupons-, Sorten-Konto Gnfliaben bei Noten- und Abrechnungsbanken. .., M. 5e,759,8«.l» ,..„ n,m.008, 587.05 M. 51,522,762,430.65 Ausgang..........„ 21,154,484,838.35 Ee ergab sich demnach für den am 31. Dezember 1913 verbliebenen Bestand ein Saldo von................ M. 88,278,092.30 laut Bilanz: Kassa, Kupons und Sorten......... M 47.023,966.25 Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken... a ft 21,621,809.95„_ 66,645,778.20 Bestand am 51. Dezember 1912. Eingang...... mithin Gewinn aus Kupons- und Sorten-Konto M. 367,683.90 25,978, 297.85 975,806,048.20 Wechsel- und Zinsen-Konto. Das Konto ergab einscbließUch de. Kar»- gewinnea auf DeTlaen einen Gewinn von.... M. Im Portefeuille verblieben am 31. Dezember 191S Stück 83,150 Wechsel Im Betrage von..... M. und zwar M. 320,328,244.80 in Wechseln auf deutsebe Plfttze „ 85,568,803.40 in fremden Vafntea «rasT'M. 375,805,048.20 Eiickten- und Report-Konto und dauernde BeteiBöunäcn. Bestand am 31. Dezember 1313........M-*12,420,354.15 Eingang.•••••• n 6,791,358,272.85 IL 7,003,778,527.— Ausgang.».».«»..» 6,844,973,796.80 Es ergab«Ich demnach für den am 31. Dezember 1913 verbliebenen Bestand ein Saldo von..•• M- 156,804,781.70 laut Bilanz im Werte von.,«»»»„ 160,735,281.25 so daß ein Mehr verbleibt von........ M. 1,930,549.55 das das Erträgnie au« unsern dauernden Beteiligungen an fremden Banken darstellt. Eigene Effekten waren am 81. Dezember 1913 vorhanden: a) Anleihen und verzinsliche Schatzanweisungen de» Reichs und der Bundesstaaten..... IL 20,821,006.05 b) sonstige bei der Rcicbsbank und andern Zcn- tralnotenbankcn beleihbare Wertpapiere.... S.805.747.20 c) sonstige börsengängige Wertpapiere....... 16,451,508.— d) sonstige Wertpapiere••••••»••»„_ 2,716,835.80 M. 42,594,596.05 Unter den vorstehenden Effekten he-finden«Ich toegeaamt ca. M. 80,500,000 festverzinsliche Werte. Die Effekten sind, soweit börsengängig, va üehcrhahmepwJeen bzw. zum Tageskurs vom 31. Dezember 1913, wenn dieser niedriger war, aufgenommen worden. Dauernde Beteiligungen bei fremden Banken........... M. 36.883.674.45 Ueber die uns nahestehenden beiden Auslandsbanken können wir wie folgt berichten:_„ � �.._. Die Deutsch-Südamerikanische Bank A. O. hatte während des ganzen Jahres mit ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen in ihrem überseeischen Arbeitsgebiet zu reebnen. Die weitgehend« Zurückhaltung, welche sich die europäischen Geldmärkte auferlegen mußten, hat besonders nachteilig auf solche Länder zurückgewirkt, die zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung der europäischen Kapitalzufuhr nicht ent- raten können. Unternehmungslust und Kaufkraft ließen in den südamerikanischen Staaten, insbesondere in Argentinien und Brasilien, nach und die Zahlungen verlangsamten sich erheblich. Von den mancherlei Zahlungsstockungen una Verlosten, die den deutschen Handel mit Südamerika im Berichtsjahre betroffen haben, ist auch die Dotitech- Südamerikaniscbe Bank nicht ganz verschont geblieben. Dazu kam, daß die während des ganzen Jahres infolge des Bürgerkrieges in Mexiko herrschenden Unruhen auch das dortige Geschäft einschränkten. Dennoch ist die Bank auch füj- das Geschäftsjahr 1913 nach reichlichen Rückstellungen in der Lage, eine Dividende von 5 Prozent wie im Vorjahre zu verteilen. Wir können anerkennend feststellen, daß die Leitung der Bank In Mexiko es verstanden hat, trotz der erwähnten ßchwierigkeiten von größeren Verlusten freivubleiben und d»s Geschäftsjahr mit Nutzen abzuschließen. Die Deutsche Orientbank vermochte auch im abgelaufenen Jahre sich von nennenswerten Verlusten freizuhalten. Das Vertrauen der wirtschaftlichen Kreise und des Privatpublikums in Ihrem Arbeitsgebiet ist Ihr In steigendem Maße zugewendet worden. Auch war sie in der Lage, einige Geschäfte mit der türkischen Regierung erfolgreich abzuwickeln. Obwohl der Abschluß In seinen Einzelheiten noch nicht feststeht, läßt sich doch beute schon übersehen, daß die Bank bei starken Rücklagen die gleiche Dividende von 5 Prozent wie im Vorjahre zu verteilen in der Lage sein wird. Auf dem Konto der dauernden Beteiligungen bei fremden Banken sind, entsprechend der bisherigen Uebung. die pro 1912 vereinnahmten Dividenden verrechnet, während die Dividenden pro 1913 der Verrechnung im nächsten Jahre vorbehalten bleiben. Report-Konto: Ultimo Dezember 1913 oder früher hereingenommene vnd an späteren Terminen abzuliefernde Effekten M, 81,307,010.15 mitbin M. 33,360,428.80 weniger als im Vorjahr«, KoDSortialbcttrfU�nngs-Koiiiob Wir haben bei folgenden Geschäften als Kontrahenten mitgewirkt: 4proz. Deutsche Reichs-Anleihe, T. Ausgabe, unkündbar bis 1925, 4proz. Deutsebe Reichs- Anleihe. II. Auagabe, unkündbar bis 1935, 4proz. Preußische konsolidierte Staats-Anlelbe, L Ausgabe, unkündbar bis 1925. 4proz. Preußische konsolidierte Staats-Anlelbe, II. Ausgabe, unkündbar bis 1936. 4prox. Preußischo Schatzanweisungon, 4proz. Bayerisches Efsenbahn-Anlehen, 4pro2. Bayerisches Allgemeines Anlehen, 4proz. Hamburgisohe Staatsanleihe, I. Sorte, 4proz. Hamburgische Staatsanleihe, II. Serie, 4proz. Württembergische Staatsanleihe, 5proz. Chinesische Reorganisations-Staatsanleihe In Gold, 6proz. Mexicanische Tresor-Bonds in Gold, 4proz. Westfälische Provinzlal-Anleihe, VI. Ausgabe, 4proz. Anleihe der Stadt Breslau von 1909, 4proz. Anleihe der Stadt Cassel von 1908, V. Abteilung, 4proz. Anleihe der Stadt Chemnitz von 1908, 4proz. Anleihe der Stadt Cöln von 1912, II. Abtefluag, 4proz. Anleihe der Stadt Crefeld, 4proz. Anleihe der Stadt Dresden von 1908, 4proz. Anleihe der Stadt Essen(Ruhr). 4proz. Anleihe der Stadt Klei von 1907. Serie 31— W, 4proz. Anleihe der Stadt Leipzig von 1908, 4proz. Anleihe der Stadt Liegnitz. 4proz. Anleihe der Stadt Northeim, 4pro2. Anleihe der Stadt Plauen i. V. von 191«. 4pro«. Anle hc der Stadt Stettin von 1912, Buchstabe 8, 4proz. Anleihe der Stadt Zwickau!. Sa.. i/i pro«. Anleihe des Gemeindeverbands für das Elektrizitätswerk Leipzig-Land, 4proz. Pfandbriefe des Brandenburgischen Pfandbriefamts für Hausgrundstücke. Berlin, Reihe II bis V, 4proz. Anleihe der Emscher- Genossenschaft, Essen a. Ruhr, I. Ausgabe. 4proz. Anleihe der Emscher- Genossenschaft, Essen a. Ruhr, II. Ausgabe. 4prox. Grundrentenbriefe der Grundrenten- und Hypotheken- Anstalt der Stadt Dresden, Reihe III, 4proz. Pfandbriefe der Grundrenten- und Hypotheken- Anstalt der Stadt Dresden. Reihe X, 4proz. Obligationen der Hannoverschen Landeskredit- Anstalt. 4proz. Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse zu Cassel, Serie Jö. 4proz. Schuldverschreibungen der Naasaulzchon Landesbank, Wiesbaden, Buchstabe Z, 4proz. Schuldverschreibungen der Staatlichen Kreditanstalt des Herzogtums Oldenburg von 1912, 5proz./4% proz, Obligationen der Allgemeinen ElektrlzitäU- Gesellschaft, 5proz. ä 103 Prozent rüokzablbaro hypothekarische Obligationen der Bremen-Besigheimer Oelfa'aiiken, proz. ä 103 Prozent rückzahlbare hypoÄ karlsche Obligationen der Buderus'acben Eisenwerke. Wetzlar. Sproz. hypothekarische Obligationen der Danzlger Actien-Bier- brauerel, Sproz. ä 102 Prozent rückzahlbare hypothekarische Obligationen der Deutsche Kabelwerke Aktiengesellschaft, Berlin- Lichtenberg, 5proz- ä 103 Prozent rückzahlbare Offffgatfecmi Ä*_ Uebereeiscben Elektricitäts-Gesellschaft, Serie VH, öprox. Obligationen der Elekirizitäts-Actien-Gescllschalt vena. W. Lahmcyer& Co., Frankfurt a. M., 4% pro», ä 102 Prozent rückzahlbare Obligationen der fteweflschafl für Gasindustrie. Augsburg, 4Mrproz. ä 103 Prozent rückzahlbare ObUgattonea der Groden Berliner Straßenbahn� Spro*. Obligationen der Main- Kraftwerke, AkvengeaeMpba«. Höchst a. M., � � 5 proz. Obligationen der•Märkisches EJcktrlcltätewerrk gesellschaft, Berlin, Sproz. hypothekarische Obligationen der MascWncnban Humboldt, Köln-Kalk, 5proz. hypothekarische Obligationen der Rbenania V«reinigt« Emaillicrwerkc Aktien-Gesellschaft, Düsseldorf, 4Kproa. ä 103 Prozent rückzahlbare Obligationen der Stuttgartet Straßenbahnen, 5 proz. Obligationen der Sociötd Anonyme Tnunway« et EJectricttd en Kassie, Brüssel, 4pToa. ä 103 Prozent rückzahlbare bypothekarlscbe ObttgaOene* der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft, 4�proK. ä 102 Prozent rückzahlbare Obligationen der Zwiefcswe Elektrizitätswerk- und Straßcnbahn-Aktlengcscllscbaft, Nooe Aktien der Breslaucr Spritfabrik Actien-Gesellsohaft(El� führung), Nene Aktien der Chemischen Fabrik Acöoo-Gesetochaft won* Moritz Milch& Co., Pozen, Nene Aktien der Deutschen Erd61-Aktlenge»«!!»ehaft, Neue Aktien der Dittersdorfer Filz- und Kratzentnchtabrfk, nfc tersdorf bei Chemnitz, Neue Aktien der Dürkoppwerke Aktiengesellschaft. Bielefeld, Neue Aktien des Duxer Kohlenvereins. Großzössen(EinfflhnmiS, Neue Aktien der Elektricitäts-Aktiengcsellschaft vorm. HermaMt Pöge, Chemnitz, Neue Aktien der Gardinenfabrik Piaton, Aktien gcsellschafl, Neue Aktien der Gesellschaft für elektrische Unternehmung«®, Nene Aktien der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Gesellschaft,_ Nene Aktien der Leipziger PI anofortefabrfk Gebr. Aktiengesellschaft, Nene Verzugs- Aktien der Nähfadenfabrlk vormals JuDna 1 Augsburg, Nene Aktien der Nürnberger Metall- und Lackierwaarenfabrfk vorm. Gebrüder Bing Aktiengesellschaft, Nene Aktien der Orcnsleln& Koppel— Arthur Keppel dktle®» gesellschaft,_. Aktien der J. E, Reinockor Akflengoeellsehaft, Chemstti(Einführung), Neue Aktien der Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft, Essen a. Ruhr, Neue Aktien der Bächsischen Gußstahlfabrik, Döhlen bei Dcesde®, Neue Aktien der Schantung-Eisenbahn-GcscUschait, Nene Aktion der Schlesischen Elektricitäte- und Gns-Aeflen-Qn* Seilschaft, Breslau, Neue Aktien der SocIt�l6 Financlfere de Trantports ei dTCntm- prises Industrielle«, Brüssel, Neue Aktien der Bociit� Anonyme Trnmways et Electrictti e® Russic, Brüssel, Neue Vorzugs-Aktien der Westnngarfscben Lokalbahn Aktie®- gesellschaft, Budapest. Außerdem waren wir bei einer großen Anzahl seitens unserer Freunde Im In- und Auslande entrierter Finanzgeschäfte unterhetefllgt. Von den vorstehend erwähnten Geschäften ist der größte Teil im laufenden Jahre abgewickelt Von Geschäften ans früheren Jahr«» neu®«® wir als abgewickelt die Beteiligungen von: äj�proz. Obligationen der Aktien-Geseliscbaft für Fedentabft* Industrie vorm. A. Hirsch& Co., Cassel, 4% pro». Obligationen des Elektricitätswerk Südwest Aktie®- gesellschaft, 4� proz. Obligationen der Gesellschaft für Teerverwertung m.bJL, öproz. Obligationen der Gewerkschaft Alexandershall, Berka, ikpro*. Obligationen der Grafen Henckel von Donnersmarefe- Beutben. Carlshof. Aktien der Compagnie G6n6raJe des Tramway« de Buenos Ayres« Aktien der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft, Aktien der Russischen Gesellschaft Gsseiise'haft". Emission 1912. „Allgemeine Elektriettät»- Uneer Konsortialbctciligungs-Konto zeigt folgende Zusammensetzung: 1. Dreiundzwanzig Beteiligungen an festverzinslichen Werten................. M. 12,«74*Ji 2. Vierzehn Beteiligungen an Eisenbahn- und Straßen- hahn-Unternehmungen-Aktien.........•,864,407.45 3. Zehn Beteiligungen an Bankaktien........ 2,756,068.00 4, Zwei Beteiligungen an Verslcherungs-Gcsellschaflcn„ 402.718.76 6. Zwanzig Beteiligungen an Terrains und Terraln-Qe- sellscbaften................ 8T848,iOX.OO 6. Elf Beteiligungen an Qherseelschen Unternehmungen M 2,752,575.40 7. Neun Beteilig»ngen an elektrischen und Kabel- Unternehmung«n.............. 8,755,028.45 8. Zwölf Beteiligungen an Bergwerks- und Hütten- Unternehmungen.............. 4,530, 87A50 9. Vierzig Beteiligungen an anderweitigen Untorneh- mungen•••••••«•••••< Konto-Korrent- and Einlagen-Konto, Bei einem Umsatz Im Debet von...... U.:9,OOl.rre.*at.TC betrug derselbe Im Kredit........... 79. HB. 035. 800.*0 so daS am Sl. Dez 191* eine Schuld verblieb von M. 117,7551431.?0 und zwar laut Bilanz: M. 61,»80. 834. Oft verfügbar» Onthaben bei ersten Banken and Banklea. „»7,761.067.90 Lombards gegen börsengängige Wertpapiere, n U6,(»1,710.65 Vorsohflsse auf Waren und Warenverschiffangna, hiervon M. 68, 16», 6*7.54 gedeckt durch Waren, Freetz oder Lageracbelne, „ 8,545,118.45 gedeckt durch andere SlelMr. Kelten. „ 6*4,686,045 75 Debftonm und»war: U. 38, TIS, 895.— In Dresden, „*<6,952.375.15„ Berlin, „»41.199,775.60 bei den Flllalem voriedlt anf 29,868 Konten hiervon M.*96 184,969.60 gedeckt durch börssngängt®» Wertpapiere „ 156,069,6*0.06 gedeckt durch andere Siehe». heiten. Kreditoren: a) Koitro-Vcrpfllchtungcn......... V. 686,006.05 b) seitens der Kundscbalt bei Dritten benutzte Kredite............... 790,116.68 e) Onthaben deutscher Banken und Banklinnen„ 7*. 050,541. 46 d) Einlagen anf provislonsfreier Eechnung..„ 405. 264.09». 70 and zwar in 107,59* Konten innerhalb 7 Tagen füllig M.*10,968,615.85 „ 16,024 Konten da* rüber hioana bis z» 3 Monaten fällig. 136 ,StS,*l 4.90 M 15,9*9 Konten nach 3 Mon. tällig„ 67.907408�5 e) sonstige Kreditoren....... und zwar innerhalb 7 Tagen fällig. iL t98,18S.3»*.85 darüber hinaus bis zu 3 Uo- naten fällig........ 158.964,190.70 nach» Monate fällig....„**,457,150.*» Kreditoren c und e verteilt auf 29,583 Konten. Die Zahl der laufenden Rechnungen(Debitoren und KredRono« beträgt 200.196 gegen 179,567 in 1912. Es wurden gewonnen an Provision abzüglich gezahlter Provtslonen. H. 14,566,11700 Akzept- and Scheck-Konto. Ava 31. Dezember 1912 befanden»ich Tratten nnd Schecks auf— Im Umlauf iL*67.787�20.70 ferner wurden ausgeschrieben auf Dresden...... M. 79.097,668.96 - Berlin........ 1,049,519,471.50 „ unsere Filialen...„ 446,866.087.10 ,. 8,575.483.2*7.55 M.»,843,270,564.» - M. 4 79, 604, 860 Es wurden eingelSet in Dresden...... Jf. 77,834,527.60 >, Berlin........ 1,060.680.967.20 bei unseren Filialen.... 2,417, 433. 531. 15 9,555,955,025.» daß am 31. Dezemb. 1013 in Zirkulation verblieben auf Dresden....... u, 212, 107.25 Berlin........ 48,077.812.10 n unsere Filialen..,„*27,095.578.95 M.*67,816.528.0# {Fortoetaung aal der nächsten Seit*) InmoUOea- und Mobflien-Konto« S. Bankctblnd«. 'An! diesem Koni« erscheinen die Bankgreblade in Dresden....... M. 1,600,000.— M Berlin..••••„ 11,283,222.75 M Frnnkfasl flk. M...... 2,000,000.— w Hamburg........ 3,100,000.— M Bremen.......... 1,500.000.— „ Nürnberg........ 1,150,000.— „ Fürth.......... 202,947.50 tf Hannorer......... 750,000.— M Bückeburg........ 120,000.— „ Detmold.......... 100,000.— „ Mannheim.......„ 500,000.— H Plauen u V......... 100,000.— „ Chcranits.......„ 500.000.— H Emden........ 40,000.— M Freiburg L Br....... 600,000.— „ Zwickau........ 50,000.— M München......... 1,800,000.— „ Leer........... 104,350.10 M Cassel.......... 400,000.—- H Zittau.......... 100,000.— „ Augsburg......... 200,000.— M Breslau.......... 499,293.50 „ Gleiwit».......... 55,000.— „ Liegnita......... 100,000.— Bunalau...... 40,000.— H Stuttgart.......... 300,000.— „ Heilbronn......... 200.000.— „ Beutben O-S......... 200,000.— M Lübeck.......... 210,000.— w Frankfurt a. 0........ 183,913.20 M Göttingen......... 133.542.25 n Dresden-Blasewitz.... 170,000.— M Harburg a. E...... 400,881.25 M. 27,692,655.55 1. Neubau-Konto. Neubau, res?, bauliche Veränderungen in Dresden, Flauen i. V., Zwickau. Zittau. Breslau, Güttingen und etetUn.................. � 2,398,590.35 8. Diverse Immobilien. Kaiser-Wilhelm-Straßo... M. 192,095.45 Diverse Grundstücke•••. ,, 1,867,939.25 M._ 2,060,034.70 M. 32,651,280.60 . Unser gesamter ImmobfUenbesltr ist zurzeit mit Jf. 1,439,900.— Hypotheken belastet, nachdem wir im Berichtsjahre Hypotheken im Betrage von M. 1,304,000.— getilgt haben. Die Abzahlung der verbleibenden Hypothckenschulden ist nach den bestehenden Verträgen a. Z, nicht tunlich. L M o b i 1 1 e n- K o n t«. Vi« Neuanschaffungen im Betrage von..... HC. 875�06.10 k» der Hauptsache durch Eröffnung neuer Wechselstuben veranlaßt, sind, wie in den Vorjahren, abgeschrieben worden. Das Grundstück Behrenstraße 35. das wir bisher von der Berliner Hypothekenbank gemietet hatten, haben wir auf Grund des von der Vorbesitzerin der in uns aufgegangenen Deutschen Genossenschafts- Bank eingeräumten Vorkaufsrechtes am 1. April 1913 zum Preise von M. 2,500,000.— erworben. Außerdem haben wir die bisher von uns auf Neubau-Konto geführten Grundstücke: Französische Straße 37-39 und Markgrafenstraße 43-44 auf Konto..Bankgebäude" übertragen. Durch diese Beträge sowie durch die Fertigstellung des Gebäudes Bebrenstraße 36, das wir von den Engelerschcn Erben in Erbpacht genommen, und unserer Neu- resp. Umbauten in Frankfurt a. M, Lübeck und Harburg a. E. hat sich das Konto erhöht, dagegen durch den Verkauf unseres Geschäftshauses in Eschwege und des alten Bankgebäudes der Breslauer Wechslerbank, Breslau, Bing 28— Schweiduitzer Straße 1. verringert. Handlnngs-Unkosten-Konto. Handlungs-Cnkosten........... M. 14,894,224.05 Steuern................ 2,230,57105 Pensions-F onds-Konto. Das Guthaben des im Jahre 1879 begründeten Pensions-Fonds betrug am 31. Dezember 1912........ M. 4,200,000.— hierzu kamen Zinsen im Jahre 1913......_r,_ 188.080.85 M. 4,388,060.85 hiervon ah gewährte Pensionen... M. 215,350.35 und Wertverminderung der Pensions- fonds-Effektcu......... 124,685.75„ durch die von uns beantragte Zuweisung von. wird er die Höhe von........ erreichen. M. M. 340,036.10 4,048.044.75 351.955.25 IL 4,400,000.— Nachdem wir mit unseren sämtlichen Beamten dem Beamtenver- sicherungsycrein des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes(a. G.) beigetreten sind und dadurch Aufwendungen in Höhe von ca. Mark 450,000.— gehabt haben, halten wir mit Rücksicht auf das verringerte Risiko eine Dotation von M. 200,000.— für ausreichend. Kfinig-Priedrldi-Aagnst-Stinung. Die!m April 1906 begründete Stiftung wies am 31. Dezember 1912 einen Bestand von.. auf, hierzu traten in 1913 an Zinsen...... M. 203,589.01 3,950.— K. 107,539.83 8,985v— ab gewährte Unterstützungen In 1918. H. 680.— «nd Wertverminderung der Stiftungs- Effekten..........„ 8.305.-__ mithin verbleibt ein Bestand von....... M. 103,554.63 Georg Arnstaedt-Stiftung. Der am 31. Dezember 1913 verbliebene Bestand beträgt................ M. 149.341.« Reserve-Fonds-Konto. Der ordentliche Reservefonds heläuft sich auf M 61,000,000.— der Reservefonds B auf............ 10,000,000.— Es betragen demnach die Gesamtreserven M. 61,000,000.— gleich 20.5 Prozent unseres Aktienkapitals. Als Ueberschuß der Aktiva über die Passiva ergibt sich ein Reingewinn von....... In UeberefnstimmuDg mit dem Aufsichtsrate beantragen wir, denselben wie folgt zu verwenden: Abschreibung auf Bankgebäude M. 600,000.— Zuweisung zum Pensionsfonds.„ 351,955.25 Rückstellung für die Talonsteuer„ 200,000.— Rückstellung für die Wehrsteuer 892,100.— 4 Proz, Dividende a. M. 200,000,000.. C.OOO.OOO.— 36,278,752,60 Tantiöme an den Aufsichtsrat Vertragsmäßige Tantieme an die Direktoren, stellvertretenden Direktoren und Direktoren der Filialen, sowie an die Lokalkomitees— insgesamt 110 Herren....... Gratifikation an die Beamten 4J4prozentige Superdividende auf M. 200,000,000..... Vortrag.......... M. 1,196,857.— 8,381,147.— 2,500,000.— 9,000.000— 206,693.35 10,044.0)5.25 16,234,697.33 16,334,607.34 Dreadon, im März 1914. Die Direktion. £. Ontmann. Sathao. JadelL Herbart U. Gulmann. Central-Haus Jägersir. 13 1. Conc. Leihhaus Von Kavalieren wenig getragene sowie in Versatz gewesene Jackettanziige, Rockanziige, Paletots u. Ulster, 12, 15. IS, 20, 25 bis 36 M., Prima. Ferner tielegenheltskliiile in neuer Ilaßgarderobe enorm billig. Riefenposten Kostüme und Hamen Hüntel, auf Seide, enorm billig. Extraangebot in Lombard gewesener Brillanten, Uhren und Goldwaren za enorm billigen Preisen. „Vorwürtz-'-Lezer erhalten lO Proz. extra. Thealer und Vergnügungen Eonnabend, 7. März 1011. «nfang 3',, Ubr. Deutsches Künstler-Theater. PeterchcnS MondsahrL Lessiug. Der Erbsörster. Thalia. Heiterer Sinder- Nach. mittag. Ansang 4 Uhr. Nrania. Mit dem Imperator' nach New?)orf. Theater am Nallendorsplatz. Die Schiffbrüchigen. Luisen. Frau Holle. Rose. 1001 Nacht. Anfang 6 Uhr. Variete- Eine» Palast am Zoo. Lichtspiele. Nniang 6'/, Ubr. EineSNollendorf-Theater.VarietS- Lichtspiele. Anlang 7',, Ubr. Sgl. Opernhaus. Carmen «gl. SthanipielhauS. Peer Thnt. l. Abend. Deutsches. Hamlet. «öniggrätzer Srrahe. Die Trent- walder. ZirtuS Busch. Galaooriiellung. Zirtns Schumann. Galavorstellung. Ansang 1" Ubr. Metropol. Die Reise mn die ZSell m 40 Tagen. Antang 8 Ubr. Urania. Dir. ssurst: Hochspannung. Hörsaal: Pros. Dr. L. Donath: Korpuskularstrahlen. Deutsches Opernhaus. FigaroS Hochzeit. Kanimerlpiele. Der Snob. Lelii»«. Pygmalion. Deutsches Künstler- Theater. Cafard. Neues Operntheater(«roll). Vaterland. Triauou. Er und der Andere. ÄomödlenhauS. Kammermufik. Theater an der Weidendammer Brücke. Wer zuletzt lacht. Theater am Rolleudorsplap. Prinzeg Grell. Lufttpielbaus. Die Ipanische Mcge. Schiller v. Das Glück im Winlcl. Schiller(Lharloteeudurg. Ma- jchinenbauer. Tbcaier des Weste«». Polenblut. MontiS Operetten. Jung-England. Berliner. Wie einst im Mai. «ictncs. Jeiichcn Gebert. Tbaiia. Die Tangoprinzeifin. Residenz. Der Regimentspapa. Friedrich- Wilhelmftädtische«. Fräulein Trallala. Note. Maschinenbauer von Berlin. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshall?«. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Kam- pagnie.' Ansang 8'/, Ubr. Luisen. Unser Junge. Walhalla. Tangofieber. Folies«apriee. Cafe Pingsheim. Der HeiralSgras. MeyersleinS. CineSNollendorf-Thcater.Variets- Lichtspiele. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Sehiller-Theater O.Ä«' Sonnabend, abends 8 Ubr: Das Glück Im W inkel. Sonntag, nachmittags 3 Ubr: Geschüft Ist Geschüft. Sonntag, abends 8 Uhr: llasemanns Töchter. Montag, abends 8 Ubr: Das Glück Im Winkel. Schiller-Theater Ch#brüro Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Uaschinenbauer. Sonntag, mittags 12 Uhr: Kainmermnsik. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andreas Hofer. Sonntag, abends 8 Ubr: Die Slaschinenbaaer. Theater Id der KöDipätzerStraBe Tl, Uhr. Zum 1. Male: Die Trenkwalder. Komödienhaus. 8 Uhr: „Kammermusik". Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Tbeater a.d. Weidendammerbrücke Gastspiel Adore Villany. Theater des Westens. 8 uhr- Polenblut. Sonnt. Nin. 3'/, U,: Der iiobo Augustin, Der 10SE=THEATE Friedr.-Wilhelmst. Theater. Ansang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Morg. nchm. 3 Uhr: Bio Kino-Konigin, Der englische Riese Teddy Bobs Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow 19 Jahre alt. Ohne Extra-Entree! Trianon-Theater. Täglich abends 8 Ubr: Er und der Andere. Sonntags 3 Uhr: Die Liebe wacht. URANIA Ta48/4n9.tr* 4 Ubr: Mit d.„Imperator«' nach New York. 8 Uhr: Direktor A. Fürst: Hochspannung« Hörsaal Sühr; Prof. Dr.B. Donath: Korpuzknlarztrah len. Metropol-Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Morgen nachm. 3 Uhr: Ein Blitzmädel. CasinosTheater Lothringer Strafe 37. Täglich 8 Uhr Ein neues Berliner Volksstück: Tie olle Webern. Ilr-Borl. Figuren, Ur-Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! im Stile der alten Wallner-Bilhne. Sonnt. 4 Uhr: Tlüdchcnehre. Vereinigte Berliner Volksbühnen. I, ni so n-Theater. 4 Uhr: Frau Holle. 8'/, Uhr: Unser Junge. Vollsstück mit Gesang und Tanz. Wnlhalla-Theater. Täglich 8'/, Uhr: Tangofieber. Gr. Posse m. Gcs. u. Tanz in 3 Alten von E. Urban. Musik v. Hugo Hirsch. Heute Sonnabend, den 7. Marz, abends 71/, Uhr: Hlgh-Ufe-Evening. U. a.: The Arrlgonlz, 1 Dame, 3 Herren Ein Potpourri in den LBftea Original L-lttle Fredz Akrobat, u kunstreit. Hunde. Dir. Alb.(Schümann und die übrigen neuen März-Attraktionen. Um 9'/, Uhr: d. gro#e Ausstattungsstück l.7Bild _„Tipp'*._ Sonntag, den 8. Mars: Gr. Vorztellnngen n. abds. 71/, Uhr. In beiden Vorstellungen; Tipp. Nachm. hat jeder Erwachsene 1 Kind frei! Idette Bretnonval Paris. Sängerin Mado Minty in ihrer Szene „Die Spinne" 8 Uhr Der RkgiiiikntspiW. Leulsches Jtünstlertheater tsozietüt. Nürnberger StraBe 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Sonnabeud, 3'/, Uhr: Peterchen» Ilondfahrt. Sonnabenb, 8 Uhr: Cafard. Sonntag, 3 Uhr: Hchirln und Gertraude. Sonntag, 8 Uhr: Cafard. Brauerei?riedrichshaiti Mittwoch, den U. Mürz 1914, abendz 8 Uhr: ExtrasKonzert des Blüthner- Orchesters «O Künztler. Dirigent: Engen Sauerborn. Solisten: Klaviervirtuosin Küte Hclnemann und namhafte Gesangs Solisten. „Glon" :: Berliner:: Konzerthaus MauerstraBe 82— Zimmerstraße 90/91. Theater am Nollendoriplatz 5. s uhr. Prinzeß Grell. 4 Uhr(fl. Preise): Die Schiffbrüchigen. IGrotze itzrautiurter Str. 132. Nachm. 4 Uhr: Tausend und eine Nacht. —' Abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer von Berlin. Sonutagnachm. 3 Uhr: Laria Stuart. Abends 8 Uor: Die Maschinenbauer van Berlin. Admirslspalast. Elz- Arena. SSV Täglich;-MG J)ie lustige?uppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von 16*/, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- n. Bier- Abteilung. Großes Doppel-Konzert! Berliner Konzerttiaus-Orchester Musikc. des 4. Garde-Regiments z. F. Aniang 8 Uhr Eintritt 50 Großes Doppel- Konzert. Dirigent; Franz v. Blon. Dirigent: Oberm. Schräder Pt Anfang 8 Uhi. Morgen: Anfang 41/, Ubr. Arnold 8cholz. Neue Weil» Hazenhelde 108/114. Plccoio Compagnie Amann! Paul Jülich Mimiker I u. seine Rekruten und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Morgen Sonntag: nachmittags- Verteilung! Kleine Preise! — Ranchen geztattet!— Apollo-Theater. Tel.; LBtzow 2757. 8 Uhr. Zum 76. Male: 8 Uhr. Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Harnstein. Lachen ohne Pause! Haneben geztattet! Folies Caprice. 8V.{ Cafe Pingzheim Der Heiratsgrat Moyerztelns Tügllch:-TK Bockbierfest Anfang 7 Uhr. in den bayerisch. Alpen. 6 Kapellen. Entree 30 PI. 30 bayerische Madl.___ Ansang 8'/, Ubr. Rene» Polt«. Theater. Kaiserjäger. Ansang 9 Ubr. AdmtralSpalast. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. Im Krug zum grünen Kranze.------„_______—-----—-______________—________ �«erantwortlicher Redakteur: Llstetz Wielepp, Neukölln, gür de» Lnieratenlelt veranuo.: Tb. Glocke, klerlm. Druck u. Perlag. ülorwarl« Buchdrucker-: u. LerlagSanilalt Paul Singer u. Berlrn deden Dienstag, Zlittn-oeh, Donnerstag, Sonntag: IM- inVitiU r Ball.-My Voranzeige! Dienstag, den lO. Jfürz 1914: jjßf 3. großes Tango= Turnier I Prämiiert wird das eleganteste Tango-Tänzor-Paar. Reichsliailen-Ttieaier Stettiner Sänger Unsere sütten Dlenstmüdcl. BnrleSke von Meyiel Ansang 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäg. Preisen: Caxallerla zchnftlcana lirlnüs Busch. Heute Sonnabend, den 7. März, abends 7>/, Uhr: daspnzeniütisctiiedsprogFainiTi vor dem Schills! am 3l. März 1914. U.a.: Mad. Garniers Sprung mit dem Fahrrad aus der flöhe der Zirkuskuppel.— Die BaleTroupe, Kunstradfahrer usw. usw. Zum Schlug: „Pompeji". Drig. Ausrtattungs.Pantornline. Sonutagnachm. 31/, U 1 5Nnd stet. Nachm. da» gesamte grotze März� Programm sowie eine Anzahl der beliebten Kinderburlesfen. Berlin-Pankow Berliner Str., Ecke Blnzstr. Haltestelle d'er elektrischen Straßenbahn. —\iir kurze Zelt— Zirkus BARUNI- Schau. Heute Sonnahenl IMärz: A brillante A H Vorstellungen•J /, nachmittags 4 Uhr, /. U abends 8'/, Uhr. 1» In der Nachmittags-Vorstellung ein nngekürz- 1 tes Abend- Progr. zu klein. Preis. f.Erwachsene u. Kinder unter 12 Jahr. Sonntag, den 8. März: 0 Elite- Ii Vorstellungen Nachmittags 4 Uhr. Voigt- Theater Badftraste 38. Sonnlag, den 8. März 1914: Nachm. 3 Uhr: Romeo und Julia» Abends 7 Uhr: Er und seine 5d|weker. Pllsse m. Ges. in 4 BUd. v. Buchbinder. Kasseneröffn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. Volkstlieater Neukölln. Hermanustraste 20. Sonntag, abends 8 Uhr: Im wilden Weste». AusstattungSkomödie in 4 Alten von Rotste und Lutz. Montag. Sllt Übt:• Die keusche Susanne. Operette in 3 Akten v.®. Ofontowsth. — Berliner——- itzur den Junaii»er In ernte übernimiiit die Redaktion dem vudtitum gegenüber teinertei V' � nn rm»irrun i 9t 65. 31 ZahrMg. 2. KeilM des Jintirts" Jitdinft JnlWUlt Sellnabtnd. 7. Mikr; l9l4. Parteiangelegenhelten. Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen uns zu allen Veranstaltungen zur ver- DgUNg! Im lV. Kreise das Lokal.Restaurant Bllrgerhallen'(Inhaber Bruno Schneider), Landsberger Str. 108. In Wernsdorf(T.-B.) das Lokal.Wernsdorfer Seebrück«�, Schmöckwitzer Werder(Jnh. Otto Hempsch). I« Müggelheim das Lokal.Krampen-Mühl«�, an der großen Krampens: raße(Jnh. Paul Klein). In Erkner fki.-Z.) das Lokal.Viktoriabad' am DSmmeritzfee Llnh. Fr. Findler). In Stralau das Lokal.Viktoriagarten' lJnh. Gteinicke). In Oranienburg fki.-k.) das Lokal.WaldhauS Sandhaufen" (Saal), Schützenstr. 34/, Uhr, treffen fich sämtliche Genossen m ihren Bezirkslolalen zur Teilnahme an den AgttalionSardeiten der Roten Woche.__ öerliner Nachrichten. Christliche Sarmherzigkeit. »Habt acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebet vor den Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werdet.... Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut!" So heißt es in der Bergpredigt(Matthäi 6, 1 und 3). Die stets nur aus den äußeren Schein bedachten Kinder dieser Welt, die da- Gute nicht um des Guten, sondern nur um ihrer eigenen Person willen tun, werden gemahnt, ihre Barmherzig- keit in einer„Gott wohlgefälligen Weise" zu üben. Unsere„Stützen von Thron und Altar" haben hierüber eine ganz andere Auffassung. Das geht aus einem mehrere Spalten langen Bericht hervor, den Alfred Holzbock, der be> kannte Berliner Chronist höfischer Festlichkeiten, in der letzten Zhimmer der Montagszeitung des„Berliner Lokalanzeigers" Veröffentlicht hat. Mit pedantischer Genauigkeit sowohl wie mit echt kindlicher Naivität und Freude an all dem vergäng- lichen Flitter und Glanz, der bei solchen Gelegenheiten in illustren Kreisen aufgeboten zu werden pflegt, schildert er da eine Wohltätigkeitsvorstellung„unserer" Hofgesellschaft, die > sich am Sonntag, den 1. März, auf der Bühne und im Zu- schau erraum des königlichen Schauspielhauses„in glänzender i Weise vereint" hatte. „Soireetoiletten nach der jüngsten Mode, in hellen Far- ben, leuchtende Diademe, kostbare Perlenkolliers, mit Edel- gestein gezierte Reiher, auch die Herren im Festgewand, ver- einzelte militärische Uniformen, eine abgetönte Konversation, nickst jenes Premiercnstimmengewirr, Vornehmheit und Reich- tum überall. Eine Galavorstellung in Zivil!" Selbswerständ- lich hatte dieses eigenartige„Gesellschaftsbild", das sowohl „unsere" Staatsmänner wie die Vertreter der fremden Staa- ten in bürgerlichem Frack boten,„einen reizvollen höfischen Rahmen". Wie genügsam und bescheiden die Augehörigen„unserer" Hofgesellschaft sein können, wenn es sich darum handell, mit dem Platze vorlieb zu nehmen, der einem durch die„Rangliste" angewiesen wird und solchen Persönlickckeiten den Vortritt zu lassen, deren Namen und Rang der Gothaer verzeichnet, er- siebt man daraus, daß die Damen und Herren unserer Bot- schaften und Gesandtschaften sich mi dem Parkett„begnügten" und sogar der Reichskanzler Herr von Bethmann Hollweg und seine Gemahlin damit zufrieden waren, daß ihnen ihre Loge „im rückwärtigen Teil des ersten Ranges" angewiesen worden war. Seine„glänzendste Illustration" erhielt das„Höfische", alt„unser" Generalintendant Graf von Hülsen-Haeseler„mit taq Kammerherrnstab aufklopfte, alles sich erhob und die Kaiserin, die Protektorin dieser eigenarttgen Vorstellung, durch Verbeugen huldigend begrüßte". Daß die Kaiserin bei dieser Gelegenheit„eine lila Seidenrobe mit Spitzenbehang" angelegt hatte und ihr Haupt durch ein„wundervolles Brillantdia- dem" geschmückt wurde: diese Tatsache mag manchem, dessen In- dolenz ein höheres Interesse für solche Aeußerlichkeiten nicht aufkommen läßt, unwichtig erscheinen: es ist aber nicht zu leugnen, daß dadurch die weihevolle Stimmung des aus- erlesenen Publikums nicht unwesentlich beeinflußt wurde. Aber leider nur„allzu kurz konnte das sich mit höchstem gesellschaftlichen Prunk entfaltende Schauspiel im Zuschauer- räum bewundert werden". Die Festouverture ertönt; und nachdem sie verklungen, mahnt ein vom Generalintendan- ten verfaßter Prolog„mit von wahrhafter Menschenliebe durch- wehten Worten" daran,„wie das Nahen des milden Früh- lings, das Erwachen der Natur auch in den Menschen die Liebe zur leidenden Menschheit erweckt". Es ist uns zwar neu, zu hören, daß die christliche Nächstenliebe an die Jahreszeit gebunden ist und sich als ein Frühlingstrieb äußert: daran ist aber wohl kaum zu zweifeln, daß der Herr Generalinten- dant in den Kreisen der Hosgesellschaft genügende Erfahrungen gesammelt hat, und daher mögen seine Worte mindestens für diese Geltung haben. Es gelangten„zwei harmlos liebenswürdige Lustspiele" zur Aufführung durch„nur aristokratische Schauspieler und Schauspielerinnen", und da nirgendwo soviel Komödie gespielt wird als in der näheren Umgebung des ThronS, so war zu erwarten, daß dieses Ensemble„wirklich ein ausgeglichenes Zusammenspiel" bot.„das in seiner Sicherheit und seinem Tempo nicht den Eindruck aufkommen ließ, daß sich hier Dilettanten zum lustigen Spiel vereinigt hätten". In der danach eingettetenen großen Pause herrschen die „Wohltätigkeitsfeen" im Foyer, in dem man sich„zu den Büfetten drängt, um für Gold, hin und wieder auch für Silber... ein Glas Sekt, ein GlaS Limonade oder eine Tasse Tee kredenzt zu erhalten. Und gar manche kostbare Toilette wurde hier in dem Gedränge von Wohltätigen, die aus den Händen von Prinzessinnen und Gräfinnen Speise und Trank empfangen wollten, geopfert". Nach Ist Uhr begann der„Clou" der Aufführungen: eine Pantomime in drei Bildern, die aus einzelnen Teilen der Märchenoper„Dornröschen" von Engelbert Humperdinck zu- sammengesetzt war.„Da waren die Gäste am Hose des Märchenkönigs echte Prinzessinnen und Prinzen, Fürsten und Komtessen und Baronessen. Nicht weniger als dreizehn Prinzen und Prinzessinnen von heute zogen zum Märchenkönigshof in reichen, malerischen Gewändern, und über ein halbes Hundert von Fürsten und Grafen, von Komtessen und Baronessen schritt in Pracht und Prunk gleich Gestalten auS einem modernen Märchen". Wir haben es herrlich weit gebracht! Man sieht, welche erhebenden Resultate fast zwei Jahrtausende christlicher Wirk- samkeit gezeitigt hoben, zumal in den Kreisen derer, die sich gewöhnlich selbst als die berufenen Hüter der christlichen Re- ligion betrachten. ES ist schwer zu sagen, für welchen von beiden Teilen es beschämender ist. für die„Wohltätigen" oder die durch diese Art christlicher Barmherzigkeit„Beglückten", wenn erst solch ein großer Aufwand an allen möglichen Mitteln vertan werden muß, um jenen,„die im Glücke wandeln", einige Goldstücke oder Silbsrlinge aus der Tasche zu locken für die armen Notleidenden, die Opfer des heuttgen kapp talistischcn Ausbeutungssystems. Lebte Cbrishis heute auf Erden, so möchte er wohl wenig Freude an dem Tun und Treiben seiner Getreuen haben und würde vielleicht gar ver suchen, ihnen von neuem die Worte ins Gedächtnis zu rufen, die Mattbäi 6, 2 verzeichnet sind:„Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht lasten vor dir vosaunen. wie die.Heuchler tun in den Schulen und auf den Gasten, auf daß sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin."_ Bei ben Lungenkranken des Friedrichshatn« Krankenhauses. Aus Krankenhäuiern der Sladt Berlin babe» wir einige Male zu melden gehabt, baß kranke Kinder zur Nachtzeit infolge Unzulänglich keit der Bcauifichttgung unbemerkl aus den Betten gestiegen und ins Freie hinausgelaufen waren. Unsere Schilderung eines deraitigen Vorkommnisses uu« dem FriedttchShain-Krankenhaus hatte damals die erfreuliche Wirkung, daß zum Zweck einer Vermehrung der Nacht wachen ein paar Pflegeschwestern mehr eingestellt wurden. Daß aber in dieser Hinsicht noch lange nichl jedem Mangel abgeholfen ist. zeigen uns Beschwerden, die jetzt wieder auS dem Friedrichshain- Krankenhaus an uns gelangen. Diesmal handelt e» fich um einen Pavillon, in dem lungen- kranke Männer liegen. Unter ihnen ist so mancher, der sich im letzten Stadium seiner Krankbett befindet und nichts mehr zu hoffen hat. Die Jnsaffen de« Pavillons wissen das selber am besten: sie müssen eS ja mit ansehen, wie einer nach dem andern die Augen tür immer schließt. Manchmal spielt dieser letzte Akt sich so ab. daß die Leidensgefährten, denen die Rolle der Zuschauer auf- genötigt wird, in große Erregung geraten. Zur Nachtzeit klettert «in Kranker auS dem Bett, streift mit zitternden Händen die Holen über die Beine und wankt durch den Saal nach dem Klosett Wo ist der Wörter, der ihm beispringen und ihn stützen könnt«? voi der Tür de« Klosetts bricht hilslo« der Kranke zu- sammen! Andere Kranke steigen auS ihren Betten, um den Hin- gesunkenen aufzuheben und ihn in sein Bett zurückzuschleppen. Wo bleibt nur der Wärter, der ihnen helfen soll! Wahrscheinlich weilt er wieder mal im unteren Stockwerk, da« er ja mit zu versorgen Hot. Man ruft nach ihm, man versucht, die Klingel in Bewegung zu setzen, aber sie scheint zu versagen. Endlich kommt er mit der Pflegeschwester herbeigeeilt und gre,st zu. Behutsam wird der Kranke auf seinem Lager gebettet— auf seinem Sterbe- lager I Eine halbe Stunde später hat er ausgelitten. In einer der nächsten Nächte wiederholt sich dieses Trauerspiel. Wieder ver- läßt ein Kranker sein Bett, weil er das Klosett aufsuchen will. Wieder ist kein Wärter da. als der Kranke im bloßen Hemd noch vor seinem Bett zusammenbricht. Andere Patienten rufen aufgeregt nach dem Wärter, einer steigt au« dem Bett, läuft bi« zur Treppe und schlägt Lärm. Jetzt kommt der Wärter, kommt auch die Schwester, und der Krank« wird in sein Bett gelegt. Ein paar Stunden noch liegt er— dann hat auch ihn der Tod erlöst. Uns haben andere Kranke, die diese Szenen mitansehen mußten, sie mit dem Ausdruck starker Entrüstung geschildert. Sie fragen, o b den» nicht ständig ein Wärter in ihrem Saal zugegen sein kann. Ja, wenn nur nicht in den Krankenhäusern der Stadt so sehr mit dem Personal gespart würde I Zwei Stockwerke eines Pavillons sollei zur Nachtzeit von einer Pflegeschwester und einem Wärter versorg werden. Wenn beide in dem einen Stockwerk gemeinsam einen. Kranken beizustehen haben, ist der Saal des anderen Stockwerks von jeder Hilfe entblößt. Und diese Personalknauserei hält man für zu- lässig gegenüber Schwerkranken I Sollen wir uns da über Borfälle, wie die hier geschilderten, wundern? ES tut not, daß diesen Zu- ständen ein Ende gemacht wird. Der Tparkafsendirektor. Der Magistrat hat die Schaffung der Stelle etneS Sparkassendirektors beschlossen, die schon bald durch einen Spar- kassenfachmann besetzt werden soll. Slufstachelung znr Begehrlkchkett. Niedrige Löhne sind das Ideal unserer Agrarier. Deshalb hol« sie schon ausländische Arbeiter ins Land— diese Prozentpatrioten— um billiger« Arbeitskräfte als die heimischen zu erhalten. Sie ärgern sich auch, wenn sie hören, daß irgendwer sich über niedrige Löhne enttüstet. Von diesem GesichlSpuntt aus ist eine Zuschrift dikttert, die in der.Deutschen Tageszeitung' Aufnahme gefunden hat. Di«' selbe lautet: .AlS ich gestern mit mehreren anderen Fahrgäfl« ans d« Hin« teren Plattform eines Straßenbahnwagens stand, sprang während der Fahrt einer jener fixen Jungen auf, welche für eine Gesellschas' Zeitungen in den Wagen fellbieten. Nach vollbrachter Arbeit bliek der Junge noch einige Minuten auf der Plattform stehen, und diese Gelegenheit benutzte ein neben mir stehender Fahrgast, an- scheinend ein.Genosse", den Zeitungsverkäufer wie tölgt aus- zuftagen: ,WaS kriegste denn die Woche?' Antwort»„Acht Mark.'— Ach Herrjeh, bloß acht Mark.'—.Ja. außerdem noch Prozente.'—.Na, was macht denn det die ganze Woche?'— „Dreizehn Mark.'—.Un wie lange haste denn Dienst?'—.Von früh 6 bis abends 7."—.Na, ich danke, den ganzen Tag s» vor eenen Wagen uff'n andern springen— wer bezahlt denn die Kltt dage?'—.Die krieg' ich ooch jeliefert."—.Na.'s ist doch immer hin'n elendes Lohn.'... Der Junge blieb in seiner Verlegen heit die Antwort schuldig. Ich wußte nicht, ob der.Genosse' rechi hatte, d. h. ob 13 Mark per Woche für einen 14— 1b jährige'. Menschen zu wenig, die Arbeit zu viel ist; mich ärgert« ober die Art und Weise dicieS Vorgehens, und so klopfte ich, im Begriffe abzusteigen, dem Jungen auf die Schulter und sagte:.Ja. siehst du. es wäre besser, wenn du den ganzen Tag ipazieren gingest und dir abends deinen Lohn von dem Herrn dort abholtest.' Der Schaffner lächle verständnisvoll, und die Fahrgäste machten lange Gesichter: vielleicht hat mir der.Genosse' hinterher noch eine Standpauke gehalten— in absentia... Da« ist so die echte sozialdemokratische Jugenderziehung, überall fich«imnisch« und Unzuftiedenheit erwecken, ohne etwas Besseres bieten zu können. Und da« ist kein einzeln dastehender Fall. Man kann getrost sogen— und ich spreche aus Erfahrung— wenn ein Arveiter, ein Dienstbote plötzlich Unzuftiedenheit und Unlust zeigt, so ist das in der Regel auf die Einwirkung solcher sozialdemokratischer Nörgler zurückzuführen.' Soweit die Zuschrift. Ob der Inhalt derselben den Tatsachen entspricht, ist sehr ftaglich. Und woher der Schreiber der Zuschrift seine Weisheit hat, daß der Fragesteller ein Sozialdemokrat ist, ist sicher sein Geheimnis. Wenn aber wirklich da« Gespräch so, wie be- richtet, stallgeiunden hat, so ist doch dagegen kaum etwas ein- zuwenden, daß die Arbeitszeit und der hierfür gezahlte Lohn auch nicht im geringsten un Einklang stehen. Deswegen von.Sozialdemo- kratischer Jugenderziehung' zu saieln, wie das der Schiciber der Notiz in der Ueberschrifl tut oder von.sozialdemokratischen Nörglern" zu phantasieren, kann nur jemand, der wünscht, daß die Arbeiter für ein Butterbrot arbeiten sollen. Das Urteil gegen den Garde-Unteroffizier. Im Prozeß grgen den Unteroffizier Aust vom Königin-Augusta- Gardegrenadierregiment, der angeklagt war, seine Geliebt« im Grünauer Forst erschossen zu haben, wurde vorgestern in der sieben- ten Abendstunde das Urteil durch den Verhandlungsleiter, Kriegs, gerichtSrat Dr. Bernhold, verkündet. ES lautete: Ter Angeklagte wird wegen Tötung auf ausdrückliche« und ernstliches Verlangen und wegen unerlaubter Entfernung zu drei Jahren sechs Monaten und einem Tag Ge» s ä n g n i s verurteilt. Ferner hat das Gericht auf Degradation erkannt. In der Urteilsbegründung hob der Verhandlungsleiter hervor, daß das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme seinen Indizien- beweis für lückenlos und den Angeklagten für schuldig erachtet habe, seine Geliebte getötet zu haben. Daß beide, der Angeklagte und das Mädchen, den Entschluß gefaßt hatten, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, davon ist da« Gericht überzeugt. DaS ganze Verhalten des Angeklagten zeugt von Schuldbeivußtseru. In die Enge getrieben wegen seiner Unwahrheiten, hat er immer wieder ander« Schilderungen des Dramas gegeben. DaS Gericht ist der Ueberzeugung, daß jene Stelle, an der die Leiche gelegen hat und gesunden wurde, nicht der Tatort ist. Wo der Tatort ist, läßt fich nicht feststellen. Jedenfalls hat der Angeklagte die Leiche nach dem Fundort geschleppt. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist eS unwahrscheinlich, ja undenkbar, daß sich daS Mädchen mit dem schwer abzudrückenden Revolver sell-st erschossen hat. DaS Gericht ist nach alledem zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Angeklagte der Täter ist. Die durch daS rätselhafte Verschwinden der Wirtschafterin tSertrud(Salle veranlaßte Untersuchung ist jetzt in ein neues Stadium getreten. Der unter der Beschuldigung de« Raubmordes an der Galle in Haft de- findliche Monteur Hermann Henk ist vor einigen Tagen von dem UnteriucvungSrichler in Frankfurt a. O.. der zu diesem Zwecke extra nach Berlin gekommen war, vernommen worden. Henk ist dem Ver« nehmen nach dabei mit neuen.Enlhüllungen' hervorgetreten. Der angebliche Filzschuhreisende D ar g e soll nach Angabe de« H. der schon mir Zuchthaus vordestrafle russisch« Taschendieb und inter» nationale Mädchenbändlcr Rückeisen sein, mit dem er, Henk, in dem Zuckthause Sonnenburg bekannt geworden sein will, als er dort eine neunjährige Zuchthausstrafe verbüßte. Rückeisen alias Darge soll die Gertrud Galle, die er als ein besonders heiratSlnstiges und leicht zu beeinflussende« Mädchen schildert, unter Vorspiegelung de« HeiratSver- spreche»? in ein öffentliches Hau» in Rußland verschleppt haben. Di« von dem Verteidiger des H. nach dieser Richtung hin angestellten Re- cherchen solle bereits auf eine bestimmten Spur gesühtt haben.— Die von dem Polizei- bezw. RegirnmgsprSsidenten auf die Auf- findung der Leiche ausgesetzte Belohnung von 2000 M. hat übrigens eine eigenartige Wirkung. Jeden Sonntag wandern Hunderte von Personen nach dem vermuteten Tatort, der durch daS Geheimnis des unausklärbar scheinenden Kapitalverbrechens berühmt ge- wordenen Chaussee zwischen Fürstenwalde und TrebuS, um dort die Leiche zu suche». Im Lause der Vor- Untersuchung haben fich übrige»» erhebliche Zweifel an Skc ZurechnugZfähigkeit des Angeklagten ergeden. Henk, der im ganzen über 20 Jahre seines Lebens im Zuchthause verbracht hgt, leidet im Untersuchungsgefängnis an Wahnvorstellungen und darauf folgenden Tobsuchtsanfällen. Der Bater des H. loar, ebenso wie er selbst, Gewohnheitstrinker. Die Mutter hat an Wutkrämpfen aus hysterischer Basis gelitten. Es ist deshalb vom Verteidiger des Angeklagten der Antrag gestellt worden. Henk in deni Untersuchungsgefängnis auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lasse»._ Gegen Erpresser. In einem Strafverfahren gegen Erpresser hat das Kammer- gcricht eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Ein Student der Medizin war mit zwei Männern bekannt geworden, die ihm nachher fortgesetzt Geld akAuprcssen versuchten. Um diesen Belästi- gungen ein Ende zu machen, wandte sich der junge Mann an die Kriminalpolizei. Diese erkannte in den Beiden Männer wieder, die gewissen Kreisen angehören und die beide bereits wegen Er- Pressung vorbestraft sind. Die Polizei nahm die Burschen fest und führte sie dem Untersuchungsrichter vor. Nach Art dieser Leute vcrstichte nun einer der Verhafteten den Spieß umzudrehen und beschuldigte den Studenten, daß er sich nach§ 175 strafbar gemacht .habe. Daraufhin erhob auch die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Studenten. Die Strafkammer jedoch lebnte das Verfahren ab mit der Begründung, daß lediglich das Zeugnis eines vorbestraf- tcn Erpressers nicht geniige, um eine so schwere Anklage gegen einen bisher unbescholtenen Menschen zu rechtfertigen. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Kammergericht ein. Dieses aber lehnte die Beschwerde ab und stellte sich ganz auf den Stand- winkt der zuständigen Strafkammer und ihrer Begründung. Die beiden Erpresser sehen also ihrer wohlverdienten Strafe entgegen, ohne daß e§ ihnen gelungen ist, zur Befriedigung ihres Rache- gefühls ihr Opfer mit hineinzuziehen. hat das dem sich um eine Lehrstelle bewerbenden Jungen mit gegeben, wie wenn es ein Empfehlungsbrief wäre. Wir erfahren, daß der Diebstahl des Jungen in der Entwendung einer Mundharmonika bestanden hat. Das Schöffengericht Königs- Wusterhausen, das darüber abzuurteilen hatte, erkannte aus einen Verweis. Die Beschuldigung, daß der Junge dabei auch Geld ent wendet habe, soll als nicht erwiesen angesehen worden sein. Aber selbst wenn er nicht nur jenes Spielzeug, sondern auch Geld sich angeeigne: hätte, so muß dem Rektor das Recht, solche Vorkommnisse an nicht beamtete Personen zu melden, bestritten werden. Der Junge hatte sich die Verfehlung nicht in der Schule, sondern außer halb der Schule zu schulden kommen lassen. Um den Lehrern einen Beitrag zur Beurteilung der„psychischen Eigentümlichkeiten" des Jungen zu liefern, ist der wegen Diebstahl ihm zudiktierte Ber weis in seine Zeugnisliste eingetragen worden. Wenn ein Rektor von dieser Liste einen Gebrauch machen zu dürfen meint, wie Herr Böhme es gemeint hat, dann bedeuten solche und ähnliche Ein- tragungen eine schwere Gefahr ßür die Kinder. In deni vorliegenden Fall hat die Bekanntgabe der Zeugnisliste nicht die Wirkung gehabt, den Jungen zu schädigen. Die Schwartz' kopfs-Maschinenbau-Aktiengesellschast hat sich nicht abhalten lassen die vorläufige Zusage einer Probeeinstellung zu geben. Hierdurch wird aber an der Beurteilung der Handlungsweise des Rektors Böhme nicht das geringste geändert. Auf der Suche nach dem Arauenmörder. Des doppelten Frauenmordes am Teufelssee sind auch bei der Berliner Kriminalpolizei schon eine ganze Reibe von Männern verdächtigt worden. Mehrere wurden auch auf Grund der Anzeigen vorläufig festgeltommen. Aber in allen Fällen hatte sich das Publi- kum geirrt. Die Verdächtigten konnten ohne Ausnahme ihre lln- schuld nachtvcisen. In einigen Fällen stimmte auch die Personen- beschreibung mit der des mutmaßlichen Mörders auch nicht entfernt überein. Um zi: verhüten, daß auch weiter noch ganz un- schuldige Leute unnötig in die unangenehmste Lage kommen, sei noch einmal die Beschreibung veröffentlicht, die die beiden Schüler aus Nowawes von dem Manne geben, der sie im Walde mit einem .Knüppel verjagte und der wahrscheinlich die beiden Morde verübt hat. Dieser Mann ist etwa 1,70 bis 1.7S Meter groß und ungefähr 25 IM. 35 Jahre alt, hat einen englisch gestutzten Schnurrbart und trug einen braunen Tellerhut, einen eitvas helleren braunen Ulster, eine schwarze Hose und schwarze Stiefel. Besondere Beachtung verdient sein Gesicht. ES ist so stacf pickelig, daß es schon auf größere Entfernung hierdurch auffällt. Ob der in Königswuster- hausen verhaftete Mann, angeblich ein Maurer Paul Kage aus Roßdorf, der Mörder ist, bedarf noch weiterer Untersuchung.— Wegen des Muttermordes in Moabit wurde gestern der Kauf- mann und Hausdiener Gustav Goedickc von der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Ardeiterbildungsschule. Morgen Sonntag, den 8 März, abends 7 Uhr, im Schulgebäude Grenadierstraße 37. Vortrag des Genossen G o l d m a n n über soziale Probleme in der russischen Literatur. Mitglieder gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches Eintritt ftei. Gäste 20 Pf. Mit schweren Schußverletzimgen wurde am Donnerstag der Mtenhefter Moritz Keßner aus Berlin im Grunewald aufgefunden. Er wurde nach dun Paul-Gerhardt-Stift gebracht, wo er aber bereits am Abend verstarb. Einen tidlichen AuSg-ang hat ein Straßenunfall genommen, der sich am vergangenen Montag in der Fehrbelliner Straße er- eignete. Hier spielte das 4�4 Jahre alte Töchterchen Irene des Hutmachers Hunger mit anderen Kindern vor der Haustür. Als von der Kastanienallee eine Kraftdroschke gefahren kam, während die Kleine gerade über den Damm laufen wollte, ließ ein älteres Mädchen, das sie an der Hand führte, sie vor Schreck los und sprang zurück. Die Vierjährige konnte das nicht mehr und geriet unter die Räder und wurde, so schwer verletzt, daß sie gestern im Krau kenhau sc Am Friedrichshain starb. Vorortnachrichten. Durch die Schule gebranömarkt! Darf die Schule einem Kind im Entlassungszeugnis auch Verfehlungen ankreiden, die in keinem Zusammenhang mit dem Schulbetrieb stehen? Darf sie durch Hinweise auf solche Ver- sehlungen ein Kind iy Gefahr bringen, in seinem-1 o r t- kommen geschädigt zu werden? Diese Fragen drangen sich uns auf angesichts eines Zeugnisses, das Herr Rektor Böhme, der Leiter der Gemeindeschule in Wildau, einem vor der Schulent- lassung stehenden vierzehnjährigen Jungen gegeben hat. Der Junge war von seinem in den Maffei-Schwartzkopst- Werken beschäftigten Vater bei der Schwartzkopff-Maschinenbau- Aktiengesellschaft für eine Lehrstelle angemeldet worden, in die er nach der Schulentlassung zu Ostern eintreten zu können hoffte. Da er ein Schulzeugnis vorlegen sollte, so schrieb ihm Rektor Böhme ein vorläufiges Zeugnis für das zu Ostern endende Halbjahr. Die Urteile waren nicht die schlechtesten; sie bezeichneten Betragen als „zuletzt gut", Aufmerksamkeit als„ziemlich befriedigend", Fleiß als ..ziemlich befriedigend", Schulbesuch als„regelmäßig" und me Leistungen in den einzelnen Schulfächern einmal als„wenig be- friedigend", achtmal als„ziemlich befriedigend", viermal als �be- friedigend", zweimal(in Turnen und Singen) als„gut". Das Zeugnis enthielt aber noch die Bemerkung:„Verweise auf die Stamm- und Zeugnisliste." Diese Liste ist eine Zusammenstellung aller Zensuren, die der Schüler während der ganzen Dauer des Besuches der hiesigen Gemcindeschule erhalten hat. Sie hat die Bedeutung eines von der Schule geführten Aktenstückes, das einen raschen Ueberblick über die gesamte EntWickelung des�betreffenden Schülers gewährt. Wir sehen nicht ein, was die Stamm- und Zeugniskiste irgendeine zu der Schule nicht in Beziehung stehende Person angeht. Rektor Böhme verwies nicht nur auf dieses Aktenstück, sondern übersandte es auch der Schwartzkopff-Maschinen- bau-Aktiengesellschaft zur Einsichtnahme. Er steckte es zusammen mit jenem vorläufigen Zeugnis in ein Kuvert, das er dann ver- schlössen dem Jungen einhändigte, damit er beides bei Schwartz- kopff ablieferte. Welche besonderen Dinge standen denn nun in dem Aktenstück? Ein Schwartzkopffscher Bureauangestellter glaubte, es nach Einsichtnahme dem Vater des Jungen übergeben zu sollen. Er tat das, weil er meinte, daß diese Zeugnisliste ebenso wie das vorläufige Zeugnis für das laufende Halbjahr dem Schüler zu- komme. Als der Vater sich die Zeugnisliste ansah, las er hier in der Rubrik„Psychische Eigentümlichkeiten" folgende Bemerkungen: . Neigt zur Lüge und zum Stehlen. Wurde April 1S13 wegen Diebstahl mit einer Verwarnung bestraft." Der Vater ist empört darüber, daß Rektor Böhme es für nötig und überhaupt zulässig gehalten hat, das die Schwartzkopff- Waschinsnbau-Akfiengescllschaft pissen zu lassen. Der Herr Rektor Neukölln. Bei der gestern stattgcfundencn Ttadtverordnetenersavwahl ist es uns nicht gelungen, die beiden Bezirke zu erobern. Während es die Gegner im 2. Bezirk auf 735 Stimmen brachten, erhielten wir nur 665 Stimmen. Im 3. Bezirk erhielsten die Gegner 597 Stimmen, während auf die Sozialdemokratie nur 554 Stimmen entfielen. Nichts gelernt. Einen für die Grundsätze der Herren Demokraten recht charakteristischen Beschluß veröffentlichte im Namen des Vor- standes des Demokratischen Vereins Herr M. Roß in der Nummer der..Neuköllnischen Zeitung", die am Vorabend der Stadtver- ordnetenwahl erschien. Die so späte Veröffentlichung des Be schlusses ist uiu so unfairer, als es der Sozialdemokratie unmöglich war, noch rechtzeitig darauf zu antworten. In jener Erklärung teilt Herr Roß mit. daß der demokratische Vorstand beschlossen habe, offiziell zu der Wahl nicht Stellung zu nehmen. Zur Be- gründung dieses Beschlusses wird betont,„daß demokratische St im me n für eine bürgerliche Sammlung abgegeben werden, die auch die reaktionärsten Elemente mitunischließt, ist ohne weiteres ausgeschlossen". Man will also die Bürgerlichen deshalb nicht unterstützen, weil die reaktionärsten Elemente sich darunter be- finden. Alsdann holt die Erklärung mit einem schlecht gezielten Hieb gegen die Sozialdemokratie aus: „Eine Unterstützung der Neuköllner Sozialdemokratie aber ist für jeden nicht kommunistischen Demokraten so lange unmöglich, wie die Neuköllner Sozialdemokraten selbst diese Unterstützung für wertlos erklären, solange die Neuköllner Sozialdemokratie durch ihre rückständige und selbstsüchtige Taktik weiterbin�das Zustande« kourmeil einer ehrlich demokratischen Mebrheit im Stadtparlament verhindert. Der Tenwkratische Verein kann um so leichter von einer Stellungnahme zu diesen Wahlen absehen, als durch sie, wie immer sie ausfallen, die bestehende Mehrheit in der Stadt- verordnetenvcrsammlung nicht beseitigt wird." Darauf sei bemerkt, daß seinerzeit die Sozialdemokratie den Demokraten mitgeteilt hat, daß die Unterstützung an Bedingungen geknüpft wäre, welche sie nicht habe erfüllen können. Wurde doch von uns verlangt, daß die angebotenen Wahlabmachungen bereits Bezug haben sollten auf die im Herbst stattfindenden Wahlen. So weit konnten unsere Genossen nicht gehen. Wenn die Neuköllner Demokraten einmal ganz objektiv ihre letzte Ver- gangenheit durchgehen, so werden sie doch nicht behaupten können, daß sie als Zuverlässige anzusehen sind. Und daß unsere Ge- nassen mit solch unsicheren Kantonisten nicht gleich wieder so weitgehende Wahlverpflichtungen eingehen, müssen sie bei einiger Ueberlegung begreifen. Hätten die Demokraten einmal eine konsequente Wahlparole herausgegeben, die ihren eigenen Grund- sätzen— nicht etwa den unseligen— entspricht, so hätte sich immer noch ein Weg finden lassen, um ihnen entsprechend ihrer Stärke einen bestimmten Einfluß aus die kommunalen An- gelegenheiten zu sichern. Der unserer Partei gemachte Vorwurf. daß sie rückständig und selbstsüchtig sei, vermag auch nicht den geringsten Eindruck zu machen. Unsere Genossen haben jedenfalls früher schon bewiesen, daß sie bereit sind, mit Parteien zu- sammenzugehen, sobald es gilt, die ärgsten Reaktionäre zu be- kämpfen. Voraussetzung dabei muß natürlich sein, daß die Bundesbrüder nicht fahnenflüchtig werden, wie das bei den Herren „Demokraten" bereit» früher der Fall war. Die Schulzahnklinik, die auf Betreiben der sozialdemokratischen Fraktion beschlossen wurde, wird voraussichtlich am 1. Mai erössnet werden. Sie findet Unterkunft im ersten Stockwerk deS Gebäudes der Pumpstation am Mldenbruchplatz. Einrichtung und Betrieb der Klinik sind dem Berliner Lokallomitce für Zahnpflege in den Schulen übertragen und zwar werden ein Oberarzt, zwei Ssfiftenzärzte und eine Schwester von dem Komitee gestellt. Zu den Kosten der Ein- richtung zahlt die Stadt einmalig 8690 M. und einen laufenden jährlichen Beitrag von 10 000 M. Im Komitee selbst ist die Stadt Neukölln durch drei Sitze im engeren Ausschuß vertreten. Das Komitee übernimmt die Zahnpflege der Neuköllner Gemeinde-, Hilfs- und Mittelschulen. Die Behandlung der Mundkrankheiten und das Ziehen der schlechten Zähne ist kostenlos. Für das Füllen der Zähne(Plombieren) kann ein Betrag von.50 Pf. für jede Füllung verlangt werden. Die Eltern tun gut, von der Einrichtung des Abonnements Gebrauch zu machen, das eine Mark für ein Kind und ein Jahr beträgt. Bei mehr als drei Kindern in einer Familie beträgt das Abonnement drei Mark für sämtliche Kinder. Für eine örtliche Betäubung können 50 Pf. extra verlangt werden. Für bedürftige Kinder ist die Behandlung völlig kostenfrei. Die Bedürftigkeit wird nachgewiesen durch Vorlegung einer Bescheinigung deS Rektors. Döc Arbeiterschaft Neuköllns ist zu entpsehlen, ihre zahnlranken Kinder der Klinik zuzuführen. Erschreckend groß ist die Zahl der Kinder init kranken Zähnen. Sind doch in Neukölln bei 10 445 untersuchten Kindern der 6. und 7. Klasse 9472 zahnkranke festgestellt worden, von denen 436 längere Zeit in Behandlung bleiben mußten. Mit der Einrichtung dieser Klinik in großen, hellen Räumen ist mit dem alten System der Schulzahnpflege vollständig gebrochen. Durch eine genügende Inanspruchnahme dieser Klinik kann der Ein- richwng einer zweiten im oberen OrtSteil nur vorgearbeitet werden Lichtenberg. Di« Wahlen der HaitdluugSgehilsendeifttzer zum KaustnannSgericht finden am Sonntag, den 8. März, nachmittags von 12 bis 4� Uhr statt. Gewählt wird im„Schwarzen Adler", Gebrüder Arnhold. Frankfurter Chaussee 5. Wahlberechtigt ist jeder männliche Handlungsgehilfe, der mindestens 25 Jahre alt und in Lichtenberg beschäftigt ist, sosern er sich in die Wählerliste hat eintragen lassen. Die Liste des Zentralverbandes der Handlungs- gehilfen ist die L i st e III. Handlungsgehilfen, die es ernst mit der Vertretung ihrer Jntrrrssen nehmen, geben bei der Wahl am Sonntag ihre Stimme der Liste EH. Niemand versäume zur Wahl zu gehen. Am Wahltage erteilt Auskunft daS Wahlbureau der Liste III im Restaurant Richard Höhnel, Frankfurter Chaussee 153, Schöneberg. In einer außerordentliche» Sitzung der GewerkschastSkommifflon erstattete der Ausschuß Bericht über das abgelaufene Jahr. Die Arbeiten der Kommission wurde« in 13 Sitzungen erledigt. An 2 Sitzungen nahmen die Gewerbegerichtsbeisitzer teil. Die Orgaui- sation der Konsumenten schreite am Ort vorwärts, was die Steige- rung des Umsatzes in allen drei Verkaufsstellen beweist. Aus den Zahlen des Arbeitsamte» ergibt sich, daß von den aus- geworfenen Mitteln der kommunalen Arbeitslosenunterstützung die sreiorganisierten Gewerkschaften 16 062,63 M. erhalten haben. Als Obmann wurde Hausse, als Kassierer Henkel und als Schrift- führer Neumann gewählt. Als Rebisoren fungieren Krukow und Brünner. In den Bildungsausschuß wurden Böselt, Neumann, Wardin, Petri, Kühne und Hausse delegiert: in den Jugendausschuß Gelofen, Petri, WilmeS; in den Kreisausschuß Petri und Gelofen; in den BezirkS-Jligendausschuß Gelofen. Alle Zuschriften sind an den Obmann Oskar Hausse, Schöne- berg, W. 30, Rollendorfftr. 25, zu richten. Tegel-Wittenau-Borfigwalde. Die Beteiligung an den Gewerbegcrichtswahlen am Mittwoch, den 4. d. M. in den Orten Tegel und Wittenau-Borsigwalde war diesmal sehr rege. In Tegel wurde unser Kandidat mit 1020 Stimmen, in Wittenau mit 468 Stimmen gewählt. Bei der Wahl der Arbeit- geber hatten sich 4 Wähler in die Liste eintragen lassen, wovon 2 ihr Wahlrecht ausübten. Da jeder 1 Stimme erhielt, wurde durchs Los der Spediteur Paul Kienast, Borsigwalde, gewählt. Nowawe». Der Herr Oderpfarrer als Hausbesitzer. Der Oberpfarrer Dessin nennt in der Großbeerenstraße ein Haus sein eigen. Hier wohnt u. a. aucb eine Witwe I., die außer ihren Wohnräumen einen größeren Garten gemietet hat. Nach dem MietsquittnngSbuch wohnt die Frau seit zirka fünf Jahren bei dem Herrn Oberpfarrer und hat bisher ihre Miete immer pünktlich im voraus gezahlt. Um so mehr war sie natürlich erstaum, al« sie am 2. d. Mts. von dem Herrn Oberpfarrer einen Brief erhielt, der mit den Geboten Gottes, die Witwen und Waisen zu beschirmen und zu beschützen, in recht krassem Widerspruch steht und auch mit dem neunten Gebot„Du sollst nicht begehren deine» Nächsten HauS" schlecht zu vereinbaren ist. Der Brief lautet: NowaweS, den 2. März 1914. Sehr geehrte Frau Jentsch l Sie haben am gestrigen Tage, den 1. März, die fällige Miele nicht gezahlt. Nach dem Mietsvertrag ß 2 habe ich infolgedessen das Recht, von Ihnen die sofortige Räumung der Wohnung zu verlangen. Sie hasten itz diesem Falle für den Aussall der Miele vis zum Ablauf der Vertragsdauer. Ich will von diesen Rechten keinen Gebrauch machen, wenn Sie bereit sind, von dem Garten, den ich Ihnen bisher zur Benutzung überlassen habe, die Hälfte abzugeben nach meiner Bestimmung. Wenn Sie nicht geneigt sind, die Hälfte des bisher überlassenen Gartens zu anderweitiger Verwendung abzugeben, verlange ich die sofortige Räumung der Wohnung und mache Sie für den Ausfall der Miete bis zum 1. Okiober d. I. haftbar. Ihrer Antwort sehe ich mngehend, spätestens bis Mittwoch, den 4. d. Mts., entgegen. Hochachtungsvoll Dessin." Die Witwe hat hierauf dem Herrn Oberpfarrer geantwortet. daß zu ihrem Bedauern der 1. März auf einen Sonntag gefallen i'ei und daß sie sich deshalb in ihrer christlichen Andacht nicht habe itören lassen wollen. Erkner. In der letzten Gemrindevcrtretcrsitzung wurde über den Einspruch unserer Genossen gegen die Richtigkeit der Wählerliste verhandelt. Gemeindevorsteher Möhricke erklärte, daß das Oberverwaltungs- gericht bis jetzt eine Mindestgrenze für die Größe eines unbebautxH Grundstückes, welches den Besitzer stimmberechtigt mache, nicht fest- gelegt hätte. Im Einspruch wird jedoch klar und deutlich die Ent- cheidung des Oberverwaltungsgerichts, das die Mindestgröße auf 15 Morgen festsetzt, und die am 9. August 1911 und 8. Oktober 1913 erfolgte Bestätigung des Urteils durch den Kreisausschuß Nieder- barnim angeführt. Herr Möhricke erklärte, daß nach seiner Ueberzeugung die Wählerliste richtig wäre, worauf der Ein- pruch abgelehnt wurde. Leider hat die Sozialdemokratie keinen Vertreter im Gemeindeparlament. sonst hätte Herrn Möhricke 'owie den bürgerlichen Herren mal Aufklärung über ihre .Papiersoldaten" gegeben werden können. Ein zweiter Antrag unserer Genossen, die kommende Gemeindevertreterwahl an' einem csonntage stattfinden zu lassen, wurde nach regem Für und Wider gegen zwei«timmen angenommen. Aufgabe der klassen- bewußten Arbeiterschaft Erkners ist es nun, alles daran zu setzen. den Kandidaten der Sozialdemokratie zunr Siege zu verhelfen. Der Termin wird noch bekannt gegeben. DeS weiteren wurde noch ein Antrag deS Schöffen Spindler, die Sitzungen der Gemeindevertretung abends startsinden zu lassen, angenommen und der Beginn derselben auf 6 Uhr festgelegt. Es ist dadurch der Einwohnerschaft Erkners zum Teil Gelegenheit ge- boten, den Sitzungen beizuwohnen. Nieder- Schönhlurseu. Sonntag, den 8. März, von 11 bis 5 Uhr, und am Montag, den 9. März, von 12 bis 6 Uhr, findet die Wahl der dritten Klasse zur Gemeindevertretung statt. Wahllokal ist die Turnhalle in der Blankenburger Str. 70/71. Für unsere Partei kandidiert der Genosse Paul Duns'ch. Es gilt diesmal den Gegnern das letzte Mandat in der dritten Klasse abzunehmen. Fast schien eS so, als ob die dritte Klasse der Arbeiterschaft diesmal kampslos über- lassen werden sollte. Da wird gerade noch zur rechten Zeit vom neuen Hausbesitzerverein mitgeteilt, daß Herr Oberposrsekretär Kraft Kandidat der bürgerlichen Parteien in der dritten Klasse sei. Bier Vereine werden gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft zu Felde ziehen und zwar die beiden Hausbesitzervereine, der Be- amtenverein und die vor kurzer Zeit gegründete Fortschrittliche Volkspartei. Mit Hilfe der etwas über 200 Forensenstimmen denkt man das Mandat den bürgerlichen Parteien zu erhalten. Be- anders interessant wird der Wahlkamps in der zweiten Klasse, da eine Einigung bezüglich der Kandidaten unter den bürgerlichen Vereinen nicht zustande gekommen ist. Der Beamtenverein und die Volkspartei verlangten in dieser Klasse einen Kandidaten, dem aber die Hausbesitzervereine nicht zustimmten: darauf beschlossen die beiden erstgenannten Vereine, ihre Kandidatur trotzdem aus- recht zu erhalten. Die Situation ist nun so, daß sich drei Parteien gegenüberstehen, indem von unserer Partei für die zweite Klasse die Genossen Fried r. Breit mann und Albert Müller aufgestellt sind. Die Wahl der zweiten Klasse findet am Dienstag, den 19. März, von 1 bis 6 Uhr, im Restaurant Thiele, Bismarck- traße 44, statt. Will die Arbeiterschaft ihre berechtigten Jnter- essen in der Gemeinde wahrnehmen, dann muß sie alle Kraft daran- etzen, ihren Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Ganz besonders ist es Pflicht der Parteigenossen, nach Kräften mitzuhelfen, die Lauen und Wankelmütigen an den Wahlfisch zu bringen. Neu-Zitta«(Kreis Beeskow). Bei der Gemeindewahl in der dritten Abteilung erhielt Genosse Voigt 36, der Gegner 66 Stimmen. Die Kolonisten mit dem Kriegerverein hatten alles auf die Beine gebracht, um unseren Kandidaten zu Falle zu bringen. Auw Arbeiter, die auf den Friedrichshagener Wasserwerken beschästiat und gewerkschaftlich organisiert find, sollen für den Gegner gestimmt haben. Kaulsdorf. Di« Gemeindevertreterwahl für die 3. Abteilung findet am Sonntag, den 15. d. M., von 12 bis 5 Uhr nachmittags in der Turn« hall« der Gemeindeschule statt. Es ist diesmal ein Lngesesseser z» wählen: hierzu ist vom sozialdemokratischen Wahlverein wiederum der Steindrucker Wilhelm Beyer als Kandidat aufgestellt, der vor zwei Jahren nur mit wenigen Stimmen in der Stichwahl unterlag. Die Gegner machen auch diesmal verzweifelte Anstrengungen, um den Einzug des dritten Sozialdemokraten in das Gemeindeparlament zu verhindern. Diesmal sucht man auf den Geldbeutel namentlich der kleinen Parzellenbesitzer zu reisen, indem ihnen das Märchen auf- getischt wird, die Sozialdemokraten wären schuld an der Erhöhung der Grundwertsteuer. Die Herren scheinen vergessen zu haben, datz fie es waren, die in einer Protestvcrsammlung die erhöhten Sätze für die Grundwertsteuer aufstellten und nichts von der vom Wahl- verein propagierten Erhöhung der Gemeindecinkommensteuer, die alle Schichten ihren Kräften entsprechend gleichmäßig belastet hätte, wissen wollten. Es heißt also für jeden vorwärtsdenkenden Bürger und speziell für unsere Genossen, kräftig Aufklärungsarbeit zu leisten, die Indifferenten unter den Wählern aufzurütteln und am Tage der Wahl die Säumigen an ihre Pflicht zu erinnern. Zu diesem Zwecke findet morgen Sonntag, den 8.. früh TVollhr, vom Lokale des Herrn Bobey eine Flugblattverbreitung statt. Gleichzeitig sei auf die am Donnerstag, den 12. März, in Hamanns GcsellschaftShauS (Inhaber KoSlowSli) stattfindende Wählerversammlung aufmerksam gemacht. Versammlungen. Versammlung der Krankenkasscnangestelltcn. Mit der Selbstverwaltung der Orts-, Jnnungs- und Land- krankenkaffen wollen die Regierungen, allen voran die preußische Regierung, gleichzeitig die Stellen der Äasscnangestellten ver- schlucken. Der Erlaß des preußischen Ministeriums vom 18. Fe- bruar 1914, der schon in der Parteipresse beleuchtet ist, läßt keine Unilaxheit mehr bestehen, wessen sich die Kassenangestellten zu gewärtigen haben. Ter Verband der Bureauangestellten hatte deshalb am 4. März die Berliner Kassenangestellten aufgerufen, um zu den Fragen Stellung zu nehmen. Wie groß die Erregung ist, zeigte der ungewöhnlich starke Besuch; mehr als 699 Ange- stellte nahmen an der Versammlung teil, in der der Verbands- Vorsitzende Karl Giebel über das Thema referierte:„Wie stellen wir uns zur ruhegehaltsberechtigten Anstellung?" An Hand des in Preußen schon fabrizierten Disziplinargesetzes gegen die Kasten- angestellten und des erwähnten preußischen Erlasses untersuchte der Redner die Wirkungen und Folgen für die Augestellten. Er kam zu dem Schluß, daß aus der Bcamteneigcnschaft sich ernste Gefahren für die außerdienstliche Unabhängigkeit, die Existenz und sogar für den freien Wettbewerb der Angestellten sich ergäben; das müsse in erster Linie abgewehrt werden. Zu erreichen ist das durch den Verzicht auf ruhcgehalisberechtigte Anstellung. Auf dem Wege der Selbsthilfe sei die Versorgung für den Alters- und In- validuätsfall anzustreben. Tie Sorge um die Gegenwart zwinge zum Verzicht.— In der Debatte über den mit lebhafter Zu- stimmung aufgenommenen Vortrag sprachen mit einer Ausnahme alle Redner im Sinne des Referenten. Die nachstehende Resolution wurde gegen eine Stimme angenommen: „Die am 4. März 1914 tagende Versammlung der Kasten- angestellten Berlins und der Vororte lehnt die ruhegehalts- berechtigte Anstellung in den Krankenkassen ab. Jeder Versuch, die Kassenangestellten unter die Disziplinargewalt der Behörden zu bringen, muß im eigenen Interesse der Kollegen und auch der Selbstverwaltung der Krankenkassen von den Angestellten sowie von den Kassenvorständen bei der Beratung der Dienst- ordnung zurückgewiesen werden. Die Versammelten verpflichten sich, in gemeinschaftlicher Weise mit dem Verband der Bureau- angestellten bei den Verhandlungen mit den Kasscnvorständen für eine Dienstordnung einzutreten, welche die Rechte der An- gestellten in genügender Weise berücksichtigt." Fretreligiülc Gemeinde. Sonntag, 8. März, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17; Neukölln,.Jdealpassage"; Tegel, Bahnhosttr. 15. und Obcr-Schönewcide. Klarastr. L: Freireligiöse Vorlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße ß: Vortrag von Herrn Dr. M. Brie: „Ztuguft Strindbcrgs Leben und Werk'.— Damen und Herren als Gäste willkommen._ Spiel und Sport. Berliner Arbeiter-Schachklub. Eine neue Abteilung wurde in der Böttgerstr. 22 bei Schumann ge- gründet. Spielabcnd Freitags 8»/, Uhr. In allen nachstehenden Abteilungen erhält jedermann unentgeltlichen Unterricht im Schachspiel Ansang 8'/, Uhr. Norden lV. Mittwochs bei Mahnkopf. Greisenhagener Str. 34. Norden lll. Donnerstags bei Lindner, Müllerftr. 7. Osten I. Donnerstags bei Hoffwann. Königsbcrger Str. 28. Osten II. Donnerstags bei Rohde, Große Frankfurter Str. 52. Süden. Donnerstags bei Roedrr, Annenstr. 2. Charlottenburg. Donnerstags bei Neumann, Lcibnizstr. 3. Nordwest. Freitags bei Gebel, Putlitzstr. 10. Norden I. Freitags bei Nebel, Maxstr. 13b. Norden ll. Freitags bei Mickwweit, Voltastr. 39. Norden V. Freitags bei Schumann. Böttgerstr. 22. Westen l. Freitags bei Päßler, Karlsbad 17. Westen LI. Mittwochs bei Kroll, Bülowftr. 55. Neukölln I. Freitags bei Brandt, Pflügerstr. 19. SBeukölln II. Freitags bei Weihe, Emser«tr. 160. Neukölln III. Freitags bei Kaiser, WUdenbruchstr. 86. Boxhagen. Freitags bei Möz, Sonntagstr. 32. Tcmpelhos. Freitags bei Hennig, Friedrich-Wilhelmstr. 122. OberSchöneweide. Sonntagvormiltag 91/. Uhr bei Imberg. Wilhelminenhosstraße._ Hriefkasten üer Redaktion. Tie ImitfHfdie S»rcqft»ndc findet tiindenftrafte LS, vorn vier Trc»»ev — Snyrftnhl—, wocheniügltch von 4� bis 7Mi Uhr adendS, SounadendS, von 4>z> vis 6 Uhr adcnds statt. Jeder fstr den»rtetlaften dcftiinmten Anfragt ist ew Bnchstade nnd eine Zahl als Mcrtzetchen detzufügeir. Srtefltchc Antwort wir» nt»t erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsqnittung deigefiigt«st. »erden nicht beanitvortct. Eilige Fragen trage man in der Svrrchftnnde vor. P. 91. 101. Anarchist.— R. M.«7S. Paar, zwei zusammengehörige Objekte. Unter.paar' versteht man soviel als unter.einige'.— M. K. 25. Da? erichcn Sie aus dem Statut.— B. H. 27. 1. Im Bureau am Mühlendamm zu erfahren. 2. Soweit uns das Statut bekannt, nach einem Jahr.— Friedet Ainatic. Politur besteht aus Schellack und Spiritus. Die Ausoolicrung ist aber dem Nichtsachmann nicht zu raten. Lack allein ist ebenfalls nicht zu empiehlcn.— M. S. 100. 1. Hängt von den Bestimmungen des Kontrakls oder sonstigen Vereinbarungen ab. 2. Invalid enstr. 57/89.— E. K. Sie müssen einen Arzt zu Rate ziehen. — P. Tch. 36. Nein.— F. M. 100. Die Schadenersatzklage halten wir nicht für durchführbar.— A. S. Cb. Ja.— R. 100. 1. und 3. Unseres Erachtens ja, jedoch gegenüber dem Hauseigentümer. (f-, 31. 109. Nein.—«. Z. 36. Nein. Sie können deswegen reklamieren.— W. Z. 41. 1. Ja, Ihre Frau kann beim Amtsgericht einen EinilellungSbelchluß beantragen. 2. Ja. 3. Antrag beim Amts» geruht aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung.— G. 2. 99. Die Steuer kann noch nachgefordert werden. Stellen Sie den Antrag auf Gewährung von Rakenzahkungen bei der Skeverbepukaik«. Mr Zdkt der Arbeitslosigkeit beantragen Sie bei dem Vorsitzenden der VcranlagimgS- kommilsion den Steuererlaß.— P. H. 25. DaS ist nicht zulässig, sie können aber Ihre Forderung abtreten zum Zwecke der SinUagimg.— <6. Nk. 100. Die unentbehrlichen Möbel könnten gepfändet werden. Der Mieter kann jedoch der Pfändung widersprechen.— A. F. 33. Dem Hauswirt gegenüber haben sie leine Verpflichtung, so daß der Verwalter Ihren Auszug nicht hindern kann.— A. A. 1. 1. Der Versuch kann gemacht werden, hat aber wenig Aussicht aus Erfolg, da Ihr Sohn B a w- tijchlcr ist. 2. Einmal im Jahr. Ein Rechtsanspruch daraus besteht jedoch nicht.— B. G. 4. Eine Lobnbcschlagnahmc ist nicht zulässig, da wahr- scheinlich die Frau einen Verdienst unter 28,85 M. wöchemlich hat. Es bleibt nur übrig, daß Sie versuchen. Geld in Güte zubekommen.— M. R. 87. Aus Verlangen ja.— Alfred«0. Ein Anspruch aus Altersrente besteht nicht. —<5. W. 10. Unseres Erachtcns war Ihr Partner im Recht, eine Spielregel ist uns nicht bekannt.— M. U. 1. Die gewünschten Adressen finden Sic im Berliner Adreßbuch. Teil II.— B. 250. Ist uns nicht bekannt. — H. L. 43. Reichen Sie eine Beschwerde bei dem aussichtSsührenden Richter des Amtsgerichts Cbarlottenburg ein.— I. P. 15 295. Nein. Ihre Frau ist aber zum Unterhalt des betreffenden KindeS allein verpflichtet. — A. VPfnrd-Paket 60 85 70 Rokoo garantiert rein, Ff und 68» Ä.DandorfiC Splttelmarkt Beile-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Verkauf uWit«t WlederverkSafer, Sieht am Splttelmarkt .-."!••t.,-'. t■' 1'A ilw*"-'\-e-eJsii- A' t'1'■■-i >■ W««'' M l.eben5mittel m» mttn bexeteh- rteten Artikel etud von der Zatendmg Wurst waren CenrelaNod.SalamiwurstFmn« 1.20 Schinkenwurst............. nud 1,40 Teewurst....................«*»4 1.10 Landbraiwurst............. mn. 1,20 ffleberwurst................ n«.d 1.05 Landleberwurst—------ � 85 p.. Mettwurst 1.00 Schinkenspeck............. m«d 1.05 Nusschinken-------------- nud 1.35 Speck ptmSo 7Sn■ms* prmao 85 Konserven Schnittbohnen.............. i-v». 23? Kohlrabi in SetMibes mit ßrta Vi Dow 28 � Spinat........—...........■».Dw.SSpt GemQse- Melange------- v,ix» 43� Gemüse Schoten..........."hdow 38pi Karotten«—«dnitt-n.......>>, do» 25 pt. Stangenspargel........... Do« 1.10 Gemüsespargel. Bruchsparse!»t ...... V, Dosf 78 p.. Bruchspargel** �...v, d� 1.00 Pflaumen mit sm..........- �».«42?-. Stachelbeeren.....—\ v°« Ö8pt. Preissetbeeren--------- s. Do« 75 p,, Kirschen mit stein........... ttDa« 70?t Mirabellen................... v. d.« 75 r Ae Obst und Gemüse ■BBaSOOC�BOCOCBB Frisches Fleisch Schmorfleisch Hammelkeule mit Knooltos Butter nnd Käse Molkereibutter— �pnud-p*« 53> Schweizer aflse—»»« 85, 95 Tiisiter Käse______ mn« 58, 78 l mburger KAse............ iw. 2B-- Camembert............... s»� 13? Harzet Käse............ s sn.k 1s? Faust- od. Spitzkäse 3 stuok 20? Bne-Käse Pfand t�,5pi. Bratenschmalz............. pi°°d 58pt Kalbskamm Kalbsbag................. Sc weinekfimm m). Schüft t«. Pfund 90 pt Pfund 80 pt Sappenfleisch........ Pökelkamm............. Hammeldännnng.... Schwemeschulterhiatt Z»™ Gonlasch Gehacktes Apfelsinen v,«-- 20, 30, 40»- Blutapfelsinen„0.�28, 38?«. Mandarinen-?«-*- 18, 28?t Zitronen............»*•«> 25, 35«. Essäpfel...................«and 15pt Musäpfel...................«and 18«. Blumenkohl—......&»* 15, 20«- Rot- oder Wirsingkohl �ptaa. 7� Welsskohl___«a» 4m Mohrrüben------ 3«and 10«. *aQiinef—.1.85,2.45 Frische Eier 83, 93 pc MatxM Kolonialwaren Erbsen..................«a�15, 18 p«. Erbsen.............. rf»d 24?>. Bohnen................«a.d 17, 23? Reis--------«a>d 15. 20, 25?' Unsen_______««.- 18, 23 28?L Kartoffelmehl——.... ptond 14?«- Heizen-Gries-- �«-4 18, 22 p.. Makaroni g-orM—..........«and 32 Haferflocken—............«and 22 Pflaumen g«roeka«......._�.Pt»ud 28? Backobst..............«�38, 48« Haushalt-Schokolade.....«»<. 58? Räucherwaren Makreien-BflokHngo....3 mm. 20?t Sprotten.......-........—«a»- 45«. Flundern.................... t** 38 pu LaCbS f-rtaabar»......... V. Wand 30« Oel-Sardinen 38, 4L, 65« Sprot en in Tomaten...... �33« Brat- od. Bismarkhering« o«* 43«. Sardinen od. Anchovis 25«. Salz-Heringe-----—> Mt-kAp«. Peek& Cioppenburs Spezlalhau« für modema Herren- und Knabenbekloldung Oertraudtenstr. 2S-36-37* Berlin C* RoBstr. 1-1a-2 Elnsegnungs-Ansiige Kit- Nr. 4331 4332 4334 4336 4338 4340 4345 4346 4348 4349 4351 4352 4355 4358 4359 4361 4362 4342 4343 4344 Fertig am Lager Geripptes, schwarzes Kammgarn....... Geripptes, schwarzes Kammgarn....... Schwarzer, derber Cheviot, solide Qualität... Schwarzer, eleganter Tuchkammgam-Anzug... Melton-Cheviot, äußerst haltbare Ware.... Peiner, schwarzer Melton-Cheviot, vorzügl. Qualität Dunkelblauer, solider Cheviot........ Blauer, solider Kammgarn-Cheviot...... Blauer, reinwollener Kammgarn-Cheviot.... Eleganter, reinwollener Melton-Cheviot<... Reinwollener Cheviot, solide Qualität..... Reinwollener Cheviot, solide Qualität..... Melton-Cheviot, reine Wolle, äußerst haltbar.. 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Er läßt also schließlich, wenn er sieht, es ist trotz allär aufgewandten Mühe nichts zu machen, die Sache laufen. Viel- leicht stumpft er gar nach Jahren so ab, daß er in der Nach- Prüfung nur noch eine bloße Zeremonie sieht; verlangen doch die Pflanzer dringend nach Arbeitskräften und der Beamte. der allzu genau, allzu uinsrändlich ist, hat es gründlich mit ihnen verdorben. Er?nuß sich sehr vorsehen, daß er nicht purzelt; die Herren Pflanzer haben nicht nur in Daresfalam, fondern auch i?? Berlin einflußreiche Freunde. Da die Anwerber pro Kopf 12 bis 18 Rupien erhalten, machen sie ein brillantes Geschäft. Jin Jahre 1912 waren in Deutsch-Ostafrika, soweit Pflanzungs-, Farin- und Industrie- betriebe in Betracht kommen(also Bergbau und häusliche Ar- beiten nicht mitgerechnet), nach amtlichem Ausweis 91892 farbige Arbeiter beschäftigt. Da farbige Arbeiter nach dem Gesetz nicht länger als sieben Monate hintereinander beschäf- tigt werden dürfen, darf man ungefähr 120 000 Anwerbungen annehmen: es sind also ungefähr 1800000Ru. pien. d. h. 2,4 Millionen Mark an An wer- bungsgeldcr gezahlt worden. Man ficht die An- Werbung, im gewissen Sinne darf von verstecktem Sklaven- Handel sprechen, lohnt sich. Nach längeren oder kürzeren Tagesmärschen, auf denen oft bereits einige der Angeworbenen sterben oder entfliehen, kommt schließlich der Trupp am Bestimmungsorte an. Die Arbeit ist meist nicht allzuschwcr, und der Arbeitstag darf nicht iiber 10 Stunden ausgedehnt werden. Deutsche Land- arbeiter arbeiten durchweg viel schwerer; aber der Bantu- ??eger ist solche intensive Arbeitsleistui?g auch nicht gewohnt. Er kann sie nicht leisten. Dazu kon??nt der KlimawÄH gegen den der Neger viel empfindlicher ist als der Weiße?li?d ferner die ungewohnte derbere Nahrung. Zwei, dreiMonate nach der Anwerbung sind nicht selten schon 30 bis 40 Proz. der Arbeiter gestorben. Sucht ein Angeworbener zu entfliehen und wird erwischt, so wird er entweder jämmerlich geprügelt(der Pflanzer und seine Beauf- tragten haben ein körperliches Züchtigungsrecht, wenn auch den? Gesetz nach nur ein„beschränktes"), oder der Pflanzer resp. Pflanzungsverwaltcr stellt den Antrag auf Bestrafung wegen Kontraktbruchs und dai?n kann der Flüchtling zu körperlicher Züchtigung und Ketten strafe bis zu drei Monaten verurteilt werden. Manche größeren Pflanzer liaben auf ihren Plantagen kür ihre farbigen Arbeiter kleine Läden eingerichtet. Dein Gesetz nach dürfen sie nur die Selbstkostenpreise berechnen, und die Distriktskommissare haben die Pflicht, die Preise nachzu- prüfen. Aber wie sollen sie diese Zrüfung vornehmen? Oert- liche Notierungen der Kleinhgndelspreise gibt es natürlich nicht. Ter Distriktskommissar kann sich Nur ungefähr nach den Preisen in den vielleicht 20, 30 Meilen ei?tfcr?ften nächsten größeren Ansiedelungen richten; ober auch hier f???det er oft, da eine einzige Finna den Markt beherrscht, Monopolpreise. Ferner kann der Pflanzer felbswerständlich seine verschiede-. nen Spesen, Anfuhrkosten usw. berechnen. Wie hoch stellen sich diese in abgelegenen(hegenden? Eine Nor??? gibt es nicht,??nd so beschräirkt sich uicist??otgedrungen der Distriktskommissar darauf, die Sache gehen zu lassen, wenn nur die Preise nicht allzu hoch hinausgeschraubt werden. Man wird vielleicht sagen:„Dann muß dieses versteckte Trucksystein eben einfach verboten Ivcrden." Sehr schön; aber ostafrika>?ische Verhältnisse dürfen nicht nach deutschen be??r- teilt werden. In???a??chcn Fällen käme durch ein solches Vcr. bot der Neger vo??? Regen in die Traufe; denn die Folge wäre, daß ihm fast jede Gelegenheit genommen wurdr, sich während der Tauer seiner Fronzeit kleine Genüsse zu verschaffen, vor allein, sich selbst Nahrungs?nittel zu seiner Verpflegung einzukaufen u??d sie so zuzubereiten, wie sie sein Magen gewohnt ist und zu verda??ci? verinag. Tie Distriklsko???missare liaben in Ostafrika zugleich auch die gesamte?? landwirtschaftlichen und industriellen Betriebe zu überwachen, und allen? Anscheine nach sind unter ihnen tüchtige Bea???tc. Doch.in der ganzen Kolonie, die fast zwei.- ???al so groß ist als Deutschland, gab es bisher n?ir fnnf(seit einem Jahre sechs) solcher Kommissare,?lnd von diesen war überdies einer bisher ständig an der Neubaustelle der Mittel» landbähn, einer in M?ihcsa und einer in Mombo für die Ar- beitSvcrhälti?isse an der Nordbahn stationiert. Tort hatten sie, wenn sie einigermaßen ihre Pflicht wn wollten, genügend Arbeit. Es blieben also bislang für die ganze übrige Kolonie nur zwei Kominissare. Was das in Anbetracht der Gebiets- ausdehnung. der schlvierigen Verkchrsverhältnissc, der Ver- strcutbeit der Betriebe bedeutet, braucht nicht erst dargelegt zu werden. Ucbcrdics, wenn schon in manchen Gegenden Deutschlands der Fabrikinfpektor auf vielfache Widerstände und Hemmun- gen stößt, so ist daS doch noch gar nichts gegen die Widerstät?de, ?nit denen nieist ein einsichtsvoller Distriktskommissar in Deutsch-Ostafrika zu kämpfen hat, denn jeder Pflanzer bc- trachtet ei??e Revision seines Betriebes als einen schnöden Ein- griff??? seine heiligste?? Herrenrechte. Nach dein Regierungsberichte über die Tätigkeit dieser Disftiktsko???missare ist das allerdings nicht so schlimm. So heißt es itn letzten Jahresbericht(1912/13): „Die uliifangrciche Arbeit der Distriktskommissare erweist sich nuninehr als für beide Teile, Arbeitgeber?lnd Arbeiter, nutz- bringend; selbst diejenigen Pflanzer, die früher in dieser Be amtentatcgorie ihre Feinde sahen, haben die Unterstützungen, die ihnen bei Kontraktbruch, Aufsässigkeit oder Faulheit ihrer Arbeiter zuteil lvcrden, schätzen gelernt. Andererseits ist es durch die Distriktskommissare gelungen, die schtocren Uebelstände, die früher in bezug auf Behandlung, Verpflegung und Unter bringung der Farbigen vielfach bcsta??dcn, wenigsten? im gröbsten zu beseitigen." Also„wenigstens? m gröbsten" sind die Hebel stände beseitigt! Dann aber heißt es, daß sich bei den Revisw >?cn„ s a st überall A n st ä>? d e" ergeben hätten(ob gleich die Pflanzer lange vorher von den Revisiol??ach einrichten). Besonders sipd Lohnprcllereicn allgeincin üblich: „Der Hä??ptkämpf wurde gegen daS Wegstreichen abgeleisteter Arbcits?gge, Als Strafe, sowic gegen das sehr beliebte Anschreiben 'nur halber aber gär nur Vicrteltage wegen angeblicher Nicht- erfüllung des verlangten Arbeitspensum« trotz zehnstündiger Ar- bcitSzeit. geführt. Ein Pflanzer hatte dieses System so weit ge- trieben, daß er nur Scchsteltage anschrieb. Auf einer anderen Plantage hatte man eS fertig gebracht, jahrelang mit de« Ar- beitcrn nicht über Soll und Haben abzurechnen(jahrelang! nach dem Gesetz darf der Arbeiter auf den Plantagen nur 7 Monate zurückgehalten werden! H.£.), natürlich lediglich in dem Be- streben, mit dc?n Geld der Leute weiter zu wirtschaften und sie vom Wegzuge abzuhalten. Sehr oft mußte auch die Her- gäbe allzu hoher Vorschüsse bemängelt werden." Das genügt wohl— und dieser Bericht ist obendrein noch schön retuschiert. Dock? nehinen wir an, der einbeimische Arbeiter wäre in einen Mnsterbetrieb gelangt und wanderte nach sieben Monaten in sein Dorf zurück— eine große Seltenheit. Der nicht mit den ostafrikanischen Arbeiterverhältnissen Vertraute wird vielleicht annehinen, daß der Arbeiter nun den Rest seines schwer erarbeiteten Lohnes sorgsam mit nach Hause bringt. Nicht daran zu denken. Der Bantuneger bleibt in gewisser Hinsicht ein großes Kind, das an glitzerndem Tand die größte Frcride hat. Er kauft sich im Kramladen des Pfla??zers oder der nächsten Ansiedelung allerlei ganz wertlosen Schund und n?n?lnt diesen mit in sein Dorf. Doch eines bringtju gewöhnlich mit: die Syphilis, die er sich von den Suahcliweibern geholt hat. Große Distrifte Deutsch- Ostafrikas, die früher die„Kaswende" gar nicht gekannt haben, sind jetzt völlig verseucht, und die Seuche greift trotz aller Bekämpfung i»?mer weiter um sich. Auch eine der neuerei? Kulturerriingenschaften I Vielfach aber koiumt der Angeworbene gar nicht in sein Dorf zurück: er bleibt in den größeren Ansiedelungen hängen, geht an die Küste, arbeitet vielleicht dort eine Zeitlang und wird schließlick) zum Vagabui?den. Tic Folge ist, daß iir vielen Anwcrbungsdistriktcn die Bevölkerui?g rapide zurückgeht— ii? n?anchei? geradezu wegstirbt; und zwar nicht etwa schwächliche Stämme, sondern die besten, kräftigsten; denn dort werden die meisten Ar- beiter herausgeholt. So sagt einer der besten Kenner des nördlichen Teils Deutfch-Oftafrikas, der katholische Missionar Van der Bürgt, in einem Artikel über die„Entvölkernngs- frage" im 12. Heft, Jah?Pang 1913, der„Kolonialen Rundschau": „Man spricht und lieft in Deutsch-Ostafrika oft von den Wanjamwesi-Negern. Man rüh?nt ihre ArbcitSfreudigkeit und Tüchtigkeit und glaubt, dieser kräftigen Rasse eine große Zu- kunft prophezeie?? zu?ö??nen. Wenn man auch zugibt, daß die Küstenneger faul, verseucht oder verbummelt?lnd kinderarm sind, so sagt man doch:„Aber wir haben unsere Wanjamwcfi, u m die jede fre?n de- Kolonie uns beneiden kann,«in itnerschöpfliches Menschenreservoir für unsere Unternehmungen an der Küste... eine Million Menschen mindestens!" So war eS vor etwa 20 Jahren, jetzt aber ist es eine schreck- lichc Tatsache, daß die Bevölkerung der Wanjainwesi-Ländern enorm zurückgeht und einfach in Bälde verschwinden wird, wenn eS so weitergeht und die Matzregeln zu ihrem Schutz nur auf dem Papier stehen, anstatt ausgeführt zu werden. Die Sache ist sehr ernst, denn was will Deutschland in Ostafrika anfangen ohne die Neger? Der frühere Staatssekretär Ternburg sagte durcha??S mit Recht, daß die Reg«? Dentfch�JstafrftaS größt« Reichivm wären. Wir Missionare können diesem Worte nur beipflichte??. Und so mutz die Parole denn lauten:„Schutz den Neger- raffe n",?vie es die verschiedenen Kolonialregierungen, be- sonders auch Belgien, in der letzten Zeit versuchen." Und Pater Van der Bürgt führt im einzelnen den Nach- weis, daß z. B. 1893 in dein ziirn großen Unjainwesigebiet ge hörenden S>llta??at Uschirombo noch 12 000 Neger lebten, 1913 nicht mehr 5000. In der klci??en Landschaft Ussambirv zählte?i?an 1910 noch 8030 Bewohner, 1913 n?ir noch 712*. Vor allem sterben die Männer weg; dann ober auch bleibt der Nachwuchs aus. Die ebci? gei?an??te Bcvölkcr?li?g Ussanibiros bestand z. 33. 1912 aus 2161 Männern, 3111 Weibern und nur 2524 Kindern. In? weiteren Unikreis der Mission Friedbcrg stellte 1909 Von der Bürgt fest, daß 804 verheiratete Frauen??ur 702 Kinder hatten(414 d a v o>? hatten gar keine Kinder). Daran ist, wie zugegeben ivcrden muß, nicht allein die Plairtagenarbeit und die Syphilis schtild, sondern auch die Sitte des Frauei?kaufs ui?d der Kinderche sowie der Bra?ich der Fr?>chtabtreibu?ig; aber diese Sitten bestanden auch früher schon, und trotzde??? vermehrten sich die Wanjai?iwesi; seit jedoch die Arbeiteranwerbungen für die Pla??tagen und den Bahnbau zugenommen haben und die Syphilis ihren siegreichen Einz?!� gehalten hat, geht es rapide abwärts! Die Lösung der„Arbeiterfrage" wird denn auch?n Deutsch-Ostafrika in??ner schwieriger; aber die Pflanzer wissen Rat. Sie fordern, die Regie??lng solle die Arbeitcranwerbung selbst in die Hand??ehn?en, das heißt, auf Wunsch der Pflanzer die gewünschte Arbeiterzahl stellen; ferner muß nach ihrer Ansicht die Arbcitskontraktdauer a??f die vier- oder fünffache Zeit verlängert?li?d schließlich der bezirkseingesessene Arbeiter einfach zur Arbeit gezwungen werden. Tatsächlich hat an? 27. September 1913 die Organssat?m? der Pflanzer, der„Wirtschaftliche Landesverband von Deuts?'/ Ostafrika". c i?? st i m?n? g folgende Resolution angenom?i?e?': „Der wirtschaftliche Landesverband von Deutich-Ostaftika bält eine staatlich organisierte Arbeiteranwer- bung und die Verteilung der Arbeiter durch die Regier?lng grundsätzlich für erstrebenswert. Ohne Ausübung eines Arbeitszwanges wird allein durch entsprechende Anwei- snngen an die Lokalbehärden im Inneren des Landes die Anwcr- bung wesentlich erleichtert und ergiebiger gestaltet werde?? können. Äils sozialen und hygienischen Gründen ist den an geworbenen Arbeitern das Mitbringen ihrer Frauen a?l» den? Inneren zu gestatten, da anderenfalls die Bevölkerungszunahme unterbunden und die Verbreitung ansteckender Krankheiten nach der Rückkehr gefördert wird. Eine Verlängerung der gesetzlich zulässigen Vertragszeit bei der An- Werbung auf drei Jahre wird für lvimschcnswert er- achtet, da bei der jetzigen kurzen KontraktSzeit der Arbeiter nach erfolgter Anlernllng in die Heimat zurückkehrt, eine wirklich rationelle Verwendung seiner Arbeitskraft aber erst vom zweiten Jahre ab möglich ist. Auch die Heranziehung der bezirks- eingesessenen Eingeborenen zur Arbeit und die Scßhastmackiling der vagabundierenden früheren Arbeiter durch eine schärfer: Pcrsonalkontrolle ist durchzuführen. Gleichzeitig sind die Eirri- bestimmungcü für Europäer bei Verstößen gegen die Arbeite /- gcsetzgcbung zu verschärjcn." Man sieht, welche K u l t u r f r e u d e n die Wanjaruanda zu erwarten haben, wenn durch die Ruandabahn ihr Land zum Hauptrekrutierungsgebiet für die Anwerber gcinacht wird.._. II- C- Reichstag. 226. Sitzung. Freitag, den 6. März 1614, nachmittags 1 Uhr. Hm Tische de» Bundesrats: K r a e t k e. Kurz« Anfragen. «hg. Lövtqur(Sls.) fragt, ob der Bau einer Eisenbahn von Vic über Bourdonnaye nach Saarburg bald in Angriff ge- nolnme» wird... Ein Vertreter des RrichseistnbahnamtS erklart, der Bau l??üsse einstweilen noch z u r ü ck g e st e l l t werden, wegen der erhcbkl?chen Kosten u??d anderer dringenderer Ausgaben. Die Abgg. Becker-Hesien(wildlib.), Dr. Gerlach(Z.), Dr. Sch»•• (Sotlj.), Dr. Str?lve(Vp.) fragen an, ob der Reichskanzler bereit und in der Läge ist, darüber Auskunft zu geben: 1. ob die Zeitungs- Nachrichten über Hunderte von Todesfällen ui?d schwere Schädlgungeir durch die Behandlung mit Salvarsa?? ans Wahrheit be- ruhen; 2. ob das Salvarsan sich im freien Verkehr befindet; 5. ob die im Salvarsan enthalte??- Arsei?mcl?ae die für Arsen festgelegte Mari?naldosiS um das Mehrfache übersteigt; 4 ob die Todesfälte und Gesundheitsschädigungen auf da? iln Salvarsan enthalte??« Arsen zurückzuführen sind. Ministerialdirektor Jone.iLrcs: Für Todesfälle oder schwere Gcsm/oheitsschädig?mgen bei der Anwendung von Salvarsan besteht mich dem Reichsrccht kerne An zeig ep sticht, so daß es an a?nltichen Mitteilungen darüber fehlt. So bedauerlich solche Fälle sind, so ist doch zu bedenke??, daß das Salvarsan bereit« bei einer sehr großen Anzahl von Kranken o h?? e Schädigung a?? a e>v c n d e t ivorde?? ist, lind daß ver- einzelte Unglücksfälle auch be? anderen Heilmitteln nicht ausbleiben. Die Acrzte, die das Salvarsan bisher angewerldet und sich Über ihre Erfahru??gen ausgesprochen haben, sii?d in weit überwiegender Mehr- zahl der Ansicht, daß eS, richtig angeivendet, eine sehr wertvolle Bereicherung deS H ei l?ni ttel s ch a tz e S ist. ES ist des- halb bisher kein Anlaß gegeben, eirrschneidende Maßnahmen gege??- über dem Salvarsan zu ergreifen und seine Anwendung den«erzten und Kranken zu erschweren. Mg. Buimumi(Z.) fragt, wa« der ReichSkarizler zu tun gedenkt, um der Umgehung de» WeingesctzeS vorzubeugen, die darin liegt, daß m?« dem Auslände Weine eingeführt werden, die einen naiv unserem Wein- gesetz nur für Dessertweine zulässigen Zusatz von Alkohol Haben, und daß au? Samos Weine eingehen, dre der Grundlage de» Wein- gesetzeS überhaupt nicht entsprechen. Ministerialdirektor JonqutereS: Dem Reichskanzler ist nicht bekannt, daß auf diesem Gebiete bei den ausländischen Weinen sich ein Mißstand von besonderem Umfange ergeben hat. Au« S a in o« gehen freilich Dessertweine «in, die unter Zusetzung erheblicher Alkoholinengen hergestellt sind Ueber ihre Beurteilung ist demnächst eine letztinstanzliche Entscheidung zu erwarten; diese Entscheidung deS Reichsgerichts wird abzu- warten sein. Abg. Dr. Qnarck(Soz.): Ist dem Reichskanzler bekannt, daß ei??e den Wünsche?? des R-ichstaaeS widersprechende?n?d einseitige Regelung derHrbeitS- »,rhSlt»iss« der«IraHeubayner, bei der lediglich die ttiiiernehmer, r.idöt aker die Angsste?ten zur Vorberatung zugezogen wurden, vor kurzem mit Gültigkeit vom 1. April 1314 für P r s u h e n allein vorgenommen worden ist. Was gedenkt der Neichskauzler zu lun, um eine der einheitlicben Entwickelung der Straßenbahnen im Reich entsprechende einheilliche Regelung der Dienstvorschriften für Straßenbahner herbeizuführen, und die Zw ziehung der Angestellten und ihrer Verbände neben derjenigen der Unternehmer für die Vorberatung solcher Vorschriften zu sichern. Ministerialdirektor Dr. Caspar: Wie für die Eisenbahnunternehmungen finden auch auf die Straßenbahnbetriebe als Kleinbahnen die Bestimmungen der Ge Werbeordnung keine Anwendung. Die Regelung der Arbeits Verhältnisse der bei ihnen beschäftigten Personen ist. daher Sache der Landesregierung. Der Reichsleitung steht deshalb eine Einwirkung auf diele'Angelegenheit zurzeit nicht zu. Hierauf wird in der zweiten öerotung öes poftetats fortgefahren beim Titel„Sächliche und vermischte Ausgaben', Abg. Erzberger(Z.) bittet, mehr Automaten aufzustellen. Die fortdauernden Ausgaben werden bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben bemerkt Abg. Zubeil(Soz.): Weit über hundert Grundbesitzer aus Wcißensee petitionieren gegen den geplanten GrundslüitSerwerb zum Bau eines neuen Disnstgebäudes: das gegenwärtige Dienstgebäude liegt in der Mitte von Weißensee in viel günstigerer Lage als das neu geplante; auch ist eS. falls es wirklich zu klein werden sollte, durch Zubauten noch erheblicher Erweiterung fähig. Das jetzige Grundstück ist erst 1900 unter Aufsicht des Postbaurats auf das solideste errichtet worden. Jcv bitte Sie, das Geld nicht so zum Fenster hinauszuwerfen, sondern auf die Wünsche der Petenten Rücksicht zu nehmen. Dazu kommt, daß der jetzige Besitzer des Postgrundstücks in einer sehr schwierigen Situation ist. Er muß erst große Summen hineinstecken, ehe das Grundstück wieder für Privatzwecke benutzbar ist. Direktor Ascheubor» bittet dringend, die Forderung zu bewilligen. Die Kommission hat sich überzeugt, daß die dagegen geltend gemachten Gründe nicht stich Hallig sind. Abg. Zubeil(Soz.): Ich begreife nicht, wie die Postbehörde ein Gebäude errichten kann, dos absolut nicht erweiterungsfähig ist. Ich bedauere, daß die Budgetkommission meine Angaben nicht an Ort und Stelle geprüft hat, dann würde sie sich überzeugt haben, daß keine Rede davon sein kann, daß das neue Grundstück je in der Zentrale von Weißensee liegen kann. Die Bittschrift, die ich vertrete, ist von dem größten Etablissement in Weißensee unterschrieben. Abg. Beck(natl.) (Berichterstatter der Kommission) betont, daß da? neue Grundstück von dem alten nur 800 Meter entfernt ist. Der Titel wird bewilligt. Für ein Dienstgebäudc in Schwelm werden 140 000 M. verlangt. Abg. König(Soz.) regt an, ob das Gebäude, das erst 1307 nach den Wünschen der Post umgebaut sei, nicht noch vorläufig genüge. Eventl. entstehe die Frage, ob der Besitzer nicht zu entschädigen sei.. Nach kurzer Erwiderung eines Regierungsvertreters wird der Titel bewilligt, ebenso der Rest der Ausgaben. ES folgen die Einnahmen aus Porto- und Telegraphen- gebühren. Abg. Göhre(Soz.): Die Erhebung von Strafporto im Nachbarortverkehr von Berlin bringt große Unzuträglich leiten mit sich. Hier ist vielfach eine enge Gemeinschaft zwischen Pen einzelnen Orten vorhanden auch ohne direkten baulichen Zusammenhäng, den die Post für das Ortsverkehrsporto noch immer verlangt. Es gibt sehr viele Menschen in Groß-Berlin, die in der Stadt arbeiten und in einem Pororr wohnen. In Zehlendorf haben, wie ich durch Umfrage festgestellt habe, verschiedene Leute täglich 1—2 M. Strafporto zu zahlen, sehr viele etwa SO P. Nach einer Schätzung nimmt die Post allein in Zehlendorf 24303 Mark an Strafporto im Jahre ein. In Dutzenden anderer Vororte liegen die Dinge ganz ähnlich und dasselbe trifft natürlich für andere Großstädte zu. Im ganzen dürfte die Post aus Grund dieser völlig veralteten Be- stimmung mehrere Millionen jährlich einnehmen. Die Erregung der Be- lerligien ist sehr groß und natürlich haben auch die Briefträger dax unter zu leiden.(Sehr richtig!) Die jetzige Bestimnrung führt zu der Ungeheuerlichkeit, daß z. B. innerhalb des Ortes Zehlendorf in das Fernporto mit einem OrtSteil besteht, der in enger baulicher Verbindung mit Groß-Lichterfelde steht. Der Nachbar- ortsverkehr sollte ausgedehnt werden auf alle Orte, die in Wirt- schaftlichem und sozialem Zusammenhang stehen, also auf jeden Fall auf die Großstädte mit ihren Vororten,(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Einnahmeu werden bewilligt. Damit ist der P o st e t a t erledigt. Es folgt die zweite Beratung ües Postscheckgesetzes. § 01 bestimmt in der Kommissionsfassung:„Zum Postscheck- verkehr werden die natürlichen und juristischen Personen, die Handelsgesellschafte», Vereinigungen und Anstalten,� auch soweit sie nicht juri st iscke Personen sind, sowie die öffentlichen Behörden durch Eröffnung eines Kontos bei einem Postscheckamt zugelassen.' Die Regierungsvorlage hatte es dem Reichskanzler überlasten wollen, zu bestimmen, inwieweit nicht rechtsfähige Vereine zum Postscheckverkehr zugelassen sind. Abg. Bogtherr(Soz.): Die Kommissionsberatung über dies Gesetz ist bereits im No- dember 1912 zu Ende gewesen. Die Grüäde der langen Verzöge- rung der Pleuarberatung des Gesetzes liegen jedenfalls darin, daß das Reichspostamt die KommissionSbeschlüffe nicht für eine ge« eignete Gründl äge hielt. Leider haLen sich inzwischen die bürgerlichen Parteien auf einen Antrag vereinigt, der gerade die Beschlüsse der Budgetkommission beseitigen soll, die den Scheck- verkehr verbilligten und so zu 1 einer Ausdehnung bei- getragen hätten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da ,st es schon besser, das Gesetz schießen zu lassen und eS bei dem bisherigen Verordnungswege zu belasten. Von dem Bestehen des Postscheckwesens ist heute in den weitesten' Kreisen noch gar nichts bekannt. Hätten wir statt einer verknöcherten Bureaukratie in der Postverwaltung kluge Geschäftsleute, so hätte der Postscheckverkehr schon eine viel größere Ausbreitung finden müssen. Aber man benutzt den Postscheckverkehr hauptsächlich als neue OuellevonUeberfchüffen. Bisher beträgt der Umsatz im Post- scheckverkehr 30 Milliarden, die Ueberschüste werden mit 680 000 M. herausgerechnet, doch sind dabei die Selbstkosten viel zu hoch in Ansatz gebrach:. Auch der Hinweis, daß durch den Postscheckverkehr der Postanweisungsverkehr sinkt, ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig, nur für die erste Zeit war das zutreffend. Der Bundesrat hat im Interesse der kleineren und mittleren Gewerbetreibenden die Herab- setzung der Stammeinloge von 100 auf 50 M. empfohlen und die Kommission ist dem Antrage beigetreten. Wir beantragen die Herabsetzung der Stammernlage auf 25 M. Auch für die Verbillignng der Zahlkarten, für die die Kommission einen Einheitssatz von ö Pf. beschlosten hat, treten wir im Jntereste der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und Kaufleute ein: im Gegensatz zu dem Antrag der bürgerlichen Parteien, die den ö-Ps.-Satz nur bei Einzahlungen biS zu 25 M. zulassen wollen, verlangen wir, daß, wenn die Kommissionsanträge nicht angenommen werden. ' wenigsten? bei Einzahlungen bis zu 100 M. die Gebühr auf 5 Pf. belasten wird. Für unsere Vorschläge haben sich auch die großen kaufmännischen Organisationen erklärt. Als Grunde löge für den Entwurf haben die Gutachten einer Sachverständigen Kommission gedient, deren Mitglieder der Staatssekretär lediglich aus Kreisen genommen hat. deren Jnteresten durch die Berbilligung des Großverkehrs und durch die Verteuerung des Kleinverkehrs ge wahrt werden.— Die Reichspostverwaltung muß dafür sorgen, daß die Kenntnis vom Wesen des PostscheckverkehrS in die weitesten Kreise dringt. Gegenwärtig find die Bekanntmachungen in den Postämtern in einer so kleinen Schrift angeheftet, daß niemand sie lesen kann, eS sind im Grunde Verheimlichungen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zu den Mehrheit? Parteien, die die Verschlechterung beantragt haben, gehören auch die Kreise, die die Telephongebühren und die Eisenbahn- fahrkarten verteuern. Hier zeigt sich keine Förderung des Ver kehrs, sondern eine starre bureaukratische PluSmocherei. Wir werden für die Beschlüsse der Kommission stimmen: sollten sie abgelehnt werden, so stimmen wir gegen daS ganze Gesetz, wenn eS so verschandelt wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Nacken(Z.): Der'Vorredner stellt sich auf den Standpunkt: Alles oder nichts Meine Freunde sind Realpolitiker. Auw wir hätten am liebsten die KommissionSbeschlüsie durchgesetzt. DaS ist aber nicht erreichbar und deshalb nehmen wir das Erreichbare, weil auch so noch, mit den Verbesserungsanträgen der bürgerlichen Parteien, das Gesetz manches Gule enthält. Um die Vorteile des Gesetze? zu sichern, stimmen wir dem Kompromitzantrage zu. Zwischen den Grenzen 1 bis 25 M. liegen über 40 Prozent aller Einzahlungen und für diese haben wir die Festsetzung der Gebühr auf 5 Pf. erreicht. Ein Vorteil ist die Heruntersetzung der Stammeinlagen von 100 auf 50 M. Daß die Briefe der Kontoinhaber an die'Postscheck« ämter nur der OrtsverkehrSgebühr unterliegen, ist ebenfalls ein Bor- teil. Ebenso ist es ein Vorteil, daß es dabei bleibt, daß der Emp- fäNger, nicht der Einzahlende die Gebühr zahlt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: So ist eS auch jetzt.) Jawohl, die Vorlage aber wollte den Frankaturzwang.— Sehr zu begrüßen ist, daß die Post- scheckämter der Abrechnungsstelle der Reichsbank beigetreten find; der Bargeldverkehr wird dadurch erheblich eingeschränkt.— Daß die Grenze für die Einzahlungsgebühr von 6 Pf. auf 25 M. festgesetzt ist, betrachte ich nur als einen Uebergang; ich erwarte mit Be- siimmtheit, daß die Reichspostverwaltung bald dazu übergehen wird, die Grenze auf 50 M. heraufzusetzen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Roland-Lücke(natl.): In dem Postscheckgesetz, wie es nach dem Antrag der bürger- lichen Parteien zustande kommt, liegen doch recht erhebliche Vorteile für die beteiligten Kreise. Zunächst die Herabsetzung der Stammeinlagen von 100 auf 50 M. Das Gesetz wird dazu beitragen, daß der Grundsatz allgemein wird, daß man nur kaust, inas man sofort bezahlen kann, oder sofort bezahlt, was man kauft. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Notwendig wird sein, daß auS den Ueberschüssen des Postscheckamts ein Reservefonds durch das Reichsschatzamt zebildet wird. Auch sollte ein Beirat als Beschwerdestelle sowie zur weiteren Ausgestaltung des Postscheckamts gebildet werden. Ferner wäre zu erwägen, den Postscheckverkehr auch auf die Kolonien auszudehnen. Die Anlegung der Postscheckgelder muß zum Nutzen unserer breiten Interessentenkreise erfolgen; die angelegten Gelder müssen aber stets icher und schnell mobilisierbar sein. Im Interesse deS Zustande- kommens des Postscheckgesetzes werden wir für die Kompromiß- antrage stimmen. Abg. Frommer(k.) stricht sich für den Kompromißantrag aus und wünscht ein Postscheck- amt für Königsberg in Ostpreußen. Abg. Schweickhardt(Vst.): Wir bedauern, daß die KommissionSbeschlüsie die Zustimmung der Reichspostverwaltung nicht gefunden haben, aber da im Augen- blick nicht mehr zu erreichen ist, stimmen wir dem Kompromiß- antrag zu. Herr Vogtherr hat imS vorgeworfen, wir seien umgefallen, aber auch die Sozialdemokraten sind um- gefallen wie ihr Antrag beweist.(Abg. Vogtherr: Eventual- antrag'.J Wir stimmen dem Kompromißantrag in der Erwartung zu, daß die Gebühren bald herabgesetzt werden, sobald sich zeigt, daß der Ausfall der Postverwaltung nicht so groß wird, wie der Staatssekretär jetzt glaubt. Die angelegten Gelder sollten nicht nur landwirtschaftlichen Gewerkschaften sondern auch gewerblichen Per- bänden gewährt werden. Steuerbehörden usw. müssen angehalten werden, ein Postscheckkonto anzulegen. Abg. Behrens(Wirisch. Vg.): Wir begrüßen das Gesetz als Fortschritt, stimmen aber für die Herabsetzung der Stammeinlagen auf 25 M. Daß daran daS Gesetz scheitern würde, glaube ich nicht. Staatssekretär Kraetke: Die Entwickelung des Posstcheckverkehrs ist eine durchaus gesunde. Von vornherein ist bei der Einführung deS PostscheckverkehrS in Aussicht genommen, daß der Reichskanzler mir Zustimmung deS Bundesrats die Gebühren herabsetzen kann, ohne die Gesetzgebung in Bewegung zu setzen. Aus Einnahmen für da« Reich war es also nicht abgesehen. Mit der Herabsetzung der Stammeinlagen auf 50 Mark kommen wir den nieisten Wünschen entgegen.— Die Frankierung der Einzahlungen hatten wir vorgeschlagen im Interesse der kleinen Leute, bei denen Rechnungen in geringem Betrage eingehen. Gewiß gehen die Zahlungen schneller ein, wenn der Frankierungszwang nicht besteht. Es muß sich erst zeigen, welcher Vorteil von den kleinen Leuten höher bewertet witd. Jeden- falls hoffe ich. daß das Gesetz zur weiteren Entwicklung des Post- Scheckverkehrs beitragen wird. Abg. Bogtherr(Soz.): 1 Die Entwicklung des PostscheckverkehrS, die ouck, ich anerkannt habe, ist zurückzuführen auf den jetzt geltenden billigen Tarif und die Abwesenheit des Franiierungszwangs.— Dem Abg. Schweickhardt bemerke ich, daß unier Antrag zu§ 5 keinen Umfall bedeutet, wir beantragen ja die Heraufsetzung der Grenze für die Einzahlungsgebühr von 5 Pf. bis zu 100 M. nur im Falle der Ablehnung des Kommissionsantrages, also nur als Eventual- antrag.(Zuruf bei der Volksparlei: Also Eventualumfall! Heiter- keit.) Einen Eventualumfall gibt eS nicht. Unsere Partei ist nicht so geübt im Umfallen wie andere Leute, wir können auch nicht eventuell umfallen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte schließt. Unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge werden die einzelnen Paragraphen mit dem Kompromiß- antrag der bürgerlichen Parteien, im übrigen nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. ES folgt die zweite Beratung ües Etats üer Reichs- üruckerei. Die fortdauernden Ausgaben werden debatteloS genehmigt. Bei den„Einmaligen Ausgaben' erhebt Abg. Irl(Z.): Bedenken gegen die bauliche Erweiterung der Reichsdruckerei. Dadurch würde die Reichsdruckerei zur Uebernahme von Arbeiten für Private veranlaßt, eine Konkurrenz, die nicht zu billigen fei. Auch für Behörden sollte die Reichsdruckcrei nur in solchem Umfange Arbeiten übernehmen, wie für die Ausnutzung der vorhandenen Maschinen nötig ist. Abg. Dr. Böttger(natl.) Wünscht ebenfalls,' daß die Behörden nicht ausschließlich bei der ReichSdruckerei unter Uebergehung der Privatbetriebe arbeiten lassen sollen... Abg. v. Winterfeldt-Menkin(kons.) schließt sich diesen Anschauungen an und hebt das vorbildlia.� Arbeiten der ReichSdruckerei hervor, wodurch wesentlich zum Auf- schwung des deutschen Buchgewerbes beigetragen worden ist. Staatssekretär Kraetke: Von den Aufträgen bei der Reichsdruckerei entfallen auf Private im Jahre 1907 nur 2,2 Prozent, sin Jahre 1912 nur 1,8 Prozent. Die Bedenken der Herren sind also unbegründet. Abg. Fischer-Berlin(Soz.): Der Erweiterung der Reichsdruckerei stimmen wir vor allem deswegen zu, damit sanitäre Einrichtungen für die Räume, in denen die Arbeiter sich aushalten, geschaffen werden. Die Zustände sind derartig, daß der Gewerbeinspektor. wenn er inspiziert bätle, schon längst weitgehende Anforderungen hätte stellen müssen. Die Vorredner sprechen gegen die Konkurrenz der Reichsdruckerei mit den Privatbetrieben. Sie ver- kennen, daß die Reichsdruckerei aus den Bedürfnissen des Reiches hervorgegangen ist und an Umfang durch diese Bedürfnisse ständig gewachsen ist. Wenn sie der Privatindustrie Konkurrenz macht, so bedauern wir das nicht. Die Privatindustrie zahlt ihre Steuern ja nur aus den Ueberschüssen, da halten, wir es im Interesse aller Steuerzahler für richtiger, daß das Reich die gesamten Ueberschüsse nimmt.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Uebrigens sind vor noch gar nicht langer Zeit hier Anträge angenommen worden, wonach die Behörden der Reichs- druckerei mehr als bisher die eigenen Arbeiten übertragen sollten. Gras Westarp und Herr Erzberger haben sich dafür aus- gesprochen und jetzt hört inan plötzlich von allen Seiten des Hauses das Gegenteil. Herr Irl führt das Interesse des Mittelstandes an; aber hier kommen natürlich nur Großbetriebe in Frage.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß Herr Böttger sich den Ausführungen des Herrn Irl anschließt, ist begreiflich; er vertritt ja die Kreise der Rüstungsindustrie, und diese hegen die Befürchtung, daß über kurz oder lang das Reich die Rüstungsindustrie ausschalten und eigene Betriebe einrichten wird. Aber den Interessen der Privatindustrie müssen die der Allgemeinheit der Steuerzahler vor- angestellt werden.— In der Reichsdruckerei sollte endlich mit dem alten Zopf gebrochen werden, daß der Tarifvertrag nicht an- erkann? wird. Jeder Unternehmer nimmt ihn als selbstverständlich an, und nur das Reich lehnt ihn ab. Allerdings will die Reichsdruckerei sich nicht der materiellen Erfüllung der Forderungen des Tarifs entziehen, sondern die Ablehnung erfolgt aus dem scharfmacherischen Standpunkt, der sich überhaupt in der Wer- waltung durch Herrn Kraetke geltend macht: er will der H e r r s e i n. Das zeigt sich auch in der Beschäftigung sogenannter „vertrauenswürdiger Personen'. Vertrauenswürdigkeit und söge- nannte patriotische Gesinnung sind keineswegs identisch, und ich verwahre mich dagegen, daß sozialdemokratische Gesinnung als Kennzeichen des Gegenteils der Vertrauenswürdigkeit gilr. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) An nationaler Ge« sinnung lasten wir uns von keiner Partei übertreffen.(Zurufe im Zentrum.) Wie lange ist es denn her, daß Sie(zum Zentrum) als Reichsfeinde bezeichnet wurden, und sich ähnliche Dinge haben sagen lassen müssen. Sie waren damals so wenig Reichsfeinde wie jetzt, nur so regierungsfreundlich waren Sie nicht. Nationalismus und Internationalismus sind keineswegs Gegensätze, sondern ergänzen sich. Freilich ist nationale Gesinnung nicht gleich- bedeutend mit Unterwerfung unter die jeweilige Regierung. Auf Ihrer Seite(nach rechts) ist national nur der, der auf dem Boden des Preußenbundes steht.— Die Nicktanerkennung der Tarifverträge seitens der Reichsdruckerei ist nicht nur eine Miß« achtung der Arbeiterorganisationen, sondern auch eine Miß ach- tung des Reichstages.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo- kraten.) Es zeigt sich darin ein ganz kleinlicher und engherziger Standpunkt; von einer weitsichtigen Verwaltung wäre die Erfüllung dieser Forderung sofort zu erreichen.-(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Kiel(Vp.): Wir stimmen dem Antrag der ReichSregieriing auf Erweiterung deS Grundstücks der Reichsdruckerei zu und sind auch damit einver- standen, daß sie nicht nach Dahlem verlegt wird, sondern an der jetzigen Stelle bleibt. Im übrigen wünschen wir nicht, daß die Reichsdruckerei der Privanndustrie Konkurrenz macht, sie hat für die Bedürfnisse des Reiches zu sorgen. Damit schließt die Debatte. Der Etat wird bewilligt. Hierauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Kolonialetat.) Schluß 6 Uhr. �_ Mgeorönetenhaus. 43. Sitzung. Freitag, den 6. März 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. S h d o w. Der tzanöelsetat. Abg. Leiuert(Soz.): Auf die hier angeschnittenen Fragen der Reichsgesetzgebung gehe ich nicht ein, zwischen uns und unserer Reichstagsfraklion besteht volle Ueberein stimmung. was bei den bürgerlichen Parwien nicht unbedingt zutrifft. Dem Antrag Hämmer gegen die Ueber- macht der Elektrizilätswerke stimmen wir zu, aber glauben Sie nicht, die kapitalistische Entwickelung zurückschrauben zu können. Viel können da die Kommunen und Kreise run— freilick dürfen sie nicht, wie in Wunstorf, die Ueberlandzentralen ausschließlich verpflichten, Bergmannmotore zu kaufen. Das ist übrigens der Kreis, wo der frei- konservative Abg. v. W o y n a Landrat ist.(Hört! hört! links.)— Ter nationalliberale Abg. Dr. Schröder verlangt vergebens Stillstand der Sozialpolitik: die Macht der Tatsachen ist stärker als Ihr reaktionärer Wille. Die Arbeitslofenverfickerung kommt, zahl- reiche Städte und süddeutsche Regierungeu sind vorangegangen. Tie freien Gewerkschaften haben 23 Millionen für Arbeitslosen- Unterstützung ausgegeben.(Zuruf rechts: Für Streiks!) Das ist Ihr sozialpolitisches Wissen! Der Erlaß des Ministers, Sonderkrankenkaffen für Dienstboten zu errichten, verstößt gegen die Reichsversicherungsordnung. Es ist bezeichnend, daß die vom schwarzblauen Block gemackte Reichs- Versicherungsordnung selbst dem„liberalen' Handelsminisier noch zu gut ist! Die durckaus unzureickende Gewerbeinspektion ist noch verichlechtert worden durch einen Ministerialerlaß, der befiehl?, kost- spieligere Arbeiterschutzmaßnahmen nicht anzuordnen. Die Konser« valiven billigen diese Milde, von der sie beider unmenschlichen Hand- habung der Gesindeordnung nichts wissen wollen! Wann werden endlich A e r z t e der Gewerbeinspeklion beigegeben? Unter den Flugzeuganstreichern in Johannistal hat fick eine eigen- artige, gelbiuchlähnliche Krankheit gezeigt, die nur bei den Trag- flächenanstreickern auftritt. Die Unieriuchung der Streichmasie durch daS ftädtiscke Untersuchungsamt Berlin hat ergeben, daß ihre Dämpfe giftig sind, so daß ein Schutz gegen Einatmung erforderlcch sei. Die Direklion hat das aber nicht veranlaß?. Herr Hammer klagte gestern über die Schwierrgkert der Durchführung des Gesetzes gegen den unlauteren Wenbewerb. Sehr wahr I Das haben wir gesehen, als die segensreiche, gegen die Tantiemenmißwirtschaft der privaten Versicherung errichtete.Volksfürsorge' von der Deutsche?? Volksveri?cherung A.-G. verleumdet wurde, daß sie im. Dienst der Soziald..wlratie stehe?ind ihre Gelder in ihren Dienst stelle. All' diese Behauplungen sind bewußte Lügen, deren sich auch der Generallandschaftsdirektor schuldig gemacht 5at, trotzdem hat der LandwirtschaftKminister für ihn den Konflikt erdobcn. Präsident Graf Schwerin: Wegen des Vorwurfs der Lüge gegen einen Staatsbeamten rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. Leiuert: Ob Kapp Staatsbeamter ist, muß erst der Konfliktsprozeß be- weisen. Die Klage der„Vdlksfürsorge" gegen diese zum Zweck des unlauteren Wettbewerbs verbreiteten wissentlichen Unwahr- h e i t e n'und Verdächtigungen ist zunächst ohne Gründe ab- gewiesen. Die..Vollssürsorge", die mit der Sozialdemokratie nichts zu tun hat, sondern von den Gewerkschaften und Genossenschaften gegründet ist, hat aber den verdienten großen Erfolg, denn die pri- vaten Profilgesellschaften, die den Versicherten keine Selbstverwaltung gewähren, können gar nicht mit ihr konkurrieren. Sie hat bereits 100 völl Policen ausgegeben. Die privaten Gesellschaften aber gehen nur daraus aus, möglichst hohe Dividenden und Tantiemen für den Vorstand und Aufsichtsrat aus den Taschen des Volkes herauszuziehen. Die Regierung nimmt für dieses Bestreben und gegen die„Volksfürsorge"«tellung I(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Sonderbar ist die Behauptung des Ministers, daß die Arbeit- geberverbände immer friedlicher werden. Dabei gehörte er in seiner früheren Stellung in der Industrie diesen Verbänden an und kennt sie! Die Innungen schließen sich immer mehr den Unter- nehmerverbänden an; obgleich ste doch die Interessen� aller Jnnungsangehörigen zu vertreten hätten, ordnen sie unter Straf- ankündigung Aussperrungen an. In Breslau wurde zwar eins solche Drohung behördlich aufgehoben— aber nur, weil sie nicht die nötige Zahl Unterschriften trug! Strafantrag wegen K 153 der Reichsgewerbeordnung wurde von Staatsanwaltschaft und Ober- landeSgericht zurückgewiesen, weil die Drohung rechtsirrtümlich und in gurem Glauben erfolgt sei. Jetzt aber, nach diesem Urteil, wird man den guten Glauben nicht mehr zubilligen können. In M g g p e b u r g hat die Bäckerinnung bis zu 1000 Mark Strafe für Anerkennung der Arbeiterforderungen in bezug auf den Arbeitsnachweis angedroht. Der Minister hat das hier gebilligt, und nun glauben die Innungen, sich das überall und gegenüber allen Arbeiterforderungen erlauben zu können. Entgegen dem klaren Wortlaut des Gesetzes beschließen nament- lich Fleischerinnungen, daß Mitglieder des Fleischergehilfen- Zentralverbandes nicht beschäftigt werden dürfen. WaS sagt denn der Minister zu diesen direkten Gesetzwidrigkeiten? Er hat bei der Maler- innung in Hannover einmal eine noch milder gefaßte Be- schränkung deS Äoalitionsrechts mißbilligt. Da muß er es hier doch erst recht tun und den Fleischergehilfen ihr Koalitionsrecht sichern!(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.)— Der Redner bringt zahlreiche Fälle von Jnnungsterrorismus gegen Tarifabschlüsse vor. Der Minister hat das für un- zulässig erklärt, was wir anerkennen, aber er ging nicht weit genug, denn er wies die Innungen nicht unbedingt darauf hin, daß sie nur ihre gesetzlichen Ausgaben zu erfüllen haben. In Hannover hat der Erlaß übrigen? das Gegenteil erreicht von dem. was er sollte. Die Bäckerinnung untersagte den Meistern bei Strafe, Verträge mit dem Verbände der Bäcker und Konditoren abzuschließen. Obgleich der Minister es untersogt hat. nur den JnnungSnachweis zuzulassen, hat die Innung die Bäcker ehrenwörtlich verpflichtet, den Arbeitsnachweis- forderungen der Gehilfen zu widerstehen. In terroristischester Weise zwang die Innung die Meister, gegen eine' Veröffentlichung der Meister, die bewilligt hatten, im.Volkswillen" zu klagen— auf Jnnungskosten! In der Entscheidung werden die Sozialdemokraten als minderwertige und mit allen Mitteln zu bekämpfende Menschen(Hört! hört! bei den Suzialdemokraten) hingestellt. Was dieses Urteil über unsere Persönlichkeit sagt, ist uns gleichgültig, darüber bestimmen wir selbst, aber dadurch, daß es gegen uns den Terrvrismus geradezu empfiehlt, erweist es sich als wahres Dokument der Klasscujustiz. .(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich frage, ob die Innung solche Prozesse und ihre Kosten den JnnungSmitgliedern aufzwingen dürfen?! An all diesen widerwärtigen Erscheinungen ist der Erlaß schuld, der die Innungen berechtigt, Unrernehmerverbänden anzugehören und auch die widerstrebenden Mitglieder durch Einrichtung der Zwangsinnung und durch Terror hineinzuzwingen. Im Reichstag haben die Nationalliberalen zwar gegen den konservativen ArbeitswilligenaNtrag gestimmt, aber hier sind sie gerade dafür, um der ReichstagSfraklion den Weg im Interesse der Großindustrie zu zeigen. Nahezu fünf Millionen Arbeiter unterstehen heute den Unter« nehmerverbänden und werden, wenn eS der Borstand befiehlt, auS- gesperrt. Ihre Organisation ist viel stärker als die der Arbeiter, und da fordern Sie Einschränkung des Koulitionsrechts der Arbeiter! Mit dem elendesten Terrorismus arbeiten die Unternehmer- verbände gegen die Arbeiterorganisation, aber auch gegen außenstehende Unternehmer. Hat der Verband der Baugeschäfle Berlins nicht mit dem Zementsyndikat eine kolossale Produkiionseinschränkung Thyssens an Zement erzwungen, werden nicht die außenstehenden Unternehmer mit Materialsperre oder Preisaufschlägen bearbeitet? Weil das Zemcntsyndikat darauf nicht eingehen wollte, schreit jetzt der Verband der Baugeschäfte--- über Terrorismus des Zementsyndikats. Nun ist allerdings der seltene Fall eingetreten, daß in Tilsit ein Unternehmer verurteilt wurde, weil er einen der Organisation nicht beigetretenen Unternehmer so mißhandelt hatte, daß er den Arzt konsultieren mußte. Urteil: Zehn Mark Geldstrafe. Wenn das ein Arbeiter getan hätte, wären zehn Monate für solchen .Terror" Ihnen nur als gerecht erschienen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach den Wahlen von 1S13 ergingen in den Kreisen, wo Kon- servative durchgefallen waren, zahlreiche terroristische Boykott- aufforderungen gegen alle die Geschäftsleute, die nicht konservativ gewählt haben. Bei der Aufzählung solcher Terrorismus- akte wird der Redner vom Präsidenten gemahnt, zur Sache zu sprechen. Er fährt fort: So lange Sie am öffentlichen und Dreiklassen- Wahlrecht festhalten, das alle kleine Existenzen terrorisiert und terrorisieren soll, ist all Ihr Geschrei über MittelstandSnot Sand in die Augen. Wir wünschen, daß mit diesem Wahlrecht auch der Terrorismus verschwinde.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- traten.) Ein fortschrittlicher Antrag fordert Maßnahmen gegen die Bestrebungen zur Bildung eines Privatmonopols auf dem Ge- biete der Erzeugung und Lieferung von elektrischer Kraft, ferner Förderung der elektrischen Kleinindustrie und der Installateure in ihrem Erwerbe und Lieferung elektrischer Kraft an Handwerks- und Kleinbetriebe zu Bedingungen, die ihnen die Konkurrenz mit den Großbetrieben ermöglichen. Ein RegierungSkommisiar: Der Minister hat in seinem von dem Abg. Lein er t be- sprochenen Erlaß den Innungen gestattet. Arbeitgeberverbänden an- zugehören, und er hat diesen Erlaß im vorigen Jahre dahin ergänzt, daß die Innungen nicht Zwangsmaßnahmen gegen ihre Mitglieder ergreifen sollen, um sie zu Handlungen zu verpflichten, die mit den Jnnungspflichten in Wider, pruch stehen. Wenn eine Innung be- schließt, ihre Mitglieder sollen nur den JnnungSnachweis benutzen, dann ist das die Pflicht jedes Mitgliedes.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister hält eS für einen Verstoß gegen den Gemeingeist, wenn JnnungSmitglieder besondere Vereinbarungen mit Arbeiter- organijationen veröffentlichen. Daher hält der Minister ein Vor- gehen gegen eine solche Veröffentlichung für statthast.(Beifall rechts.» Auf die vom Abg. Leinert angeführten Einzelfälle kann der Minister nicht eingehen; er verweist die Betroffenen ans den Instanzenweg. Mg. Conrad(?.): Die Wanderlager stellen eine lästige Bedrückung des hei- mischen Gewerbes dar. Die Nahrungsmittelkontrolle muß mehr im Sinne und Jnteresie des Gewerbes durchgeführt werden. Nicht scharf genug kann der heimliche Waren Handel durch Be- a m t e bekänwft werden. Wir erkennen die dahingehenden Maß- nahmen der Regierung dankbar an. Das Vertrauen der Bevölke- rung zn den Beamten wird durch diesen heimlichen Warenhandel erschüttert, und die Sozialdemokratie findet hier einen ihr lvill- kommenen Angriffspunkt für ihre Hetze gegen die Beamtenschaft. Wir fordern deshalb ein glattes Verbot des heimlichen Warenhandels der Beamten.— Sehr oft machen die städtischen Betriebe dem Handwerk in unzulässiger Weise Konkurrenz. Der Abg. Leinerl wies darauf hin, daß die.Volksfürsorgc" nicht von der Sozialdemokratie, sondern von den Gelverkschaften und Konsumgenossenschaften gegründet worden ist. Ich behaupte aber, daß die Konsumgenossenschaften sozialdemo- kratisch sind und werde das zu beweisen suchen.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Indem der Staat die Konsumgenossenschaften subventioniert, subventioniert er die Sozial- demokrane.(Sehr richtig! rechts.) Dabei stellen die Konsum- genossenschaften, deren Geschäfte einen immer größeren Umfang an- nehmen, eine sehr schwere Schädigung des �Mittelstandes und des kleinen Geiverbes dar. Das Ziel ist klar: Sie(nach links) wollen demokratisieren und zum Schluß revolutionieren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokralen.) Im Kartell' der schaffenden Stände haben sich alle industriellen und gewerblichen Kreise der Bevölkerung zusammengefunden.(Lachen links.) Wir be- kämpfen die Arbeitslosenversicherung mit aller Entschiedenheit. Leider hat es an dieser Entschiedenheit der Staats- sekrctär Dr. Delbrück fehlen lassen, als er im Reichstag die Arbeits- losenversicherung als vorläufig noch nicht spruchreif erklärte. Die Sozialdemokratie kaim ja die Arbeitslosen- Versicherung in derselben Weise vornehmen, wie sie die„Volks- sürsorge" eingerichtet hat, als eine private Versicherung.— Der Redner verliest im weiteren den berüchtigten Paragraphen des Züricher Strafgesetzbuches, durch den das Streikpostenstehen der- boten wird. Das ist in der freien Schweiz! Welch ein Geschrei würde die»Sozialdemokratie bei uns erheben, wenn wir ein derartiges Verbot in unser Strafgesetzbuch einführten. Zahl» reiche Beispiele kann ich anführen für den unerhörten Terrorismus der Sozialdemokratie.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Zustimmung rechts.) Wir brauchen dringend ein Arbeitswilligenschutzgesetz und der gesamte gewerbliche Mittelstand wird der Regierung dafür Dank wissen.»Lebhafter Beifall rechts.) Unter dem Terrorismus der- sozialdemokratischen Gewerkschaften haben die Unternehmer und gleichzeitig die Arbeitswilligen schwer zu leiden. Dagegen muß die Regierung mit aller Entschiedenheit vorgehen und sie wird im Volke dabei einen starken Rückhalt haben. Abg. Cohaus(Z.): Unser Wirtschaftsleben befindet sich auf einer absteigenden Linie. Wir brauchen eine großzügige Verkehrs- und Tarifpolitrk. Abg. Dr. Beumer(natl.): Es fehlt uns an einem leistungsfähigen ausländischen Nach- richtendiensl, so daß wir den Verleumdungen der Jingopresse des Auslandes ausgesetzt find. Um dem abzuhelfen, müssen wir den Fonds des SZachrichlendististes im ReichSetat erhöhen. Wenn der Abg. Leinert meinte, daß nur ein Sozialdemokrat das Elend der Atmen bekämpfen könnte, so erwidern wir ihm, daß das Christentum zehnmal mehr in dieser Hinsicht getan habe.(Stürmische Zustimmung rechts.) Auf die Aeußerung des Abg. Lernert hin, ich hätte dreimal so viel Gahalt wie ein Staats» elretär, wurde mir ein Prospekt über das Jahrbuch der Millionäre zugestellt.(Große Heiterkeit.) Wollte man den sozial- demokratischen Blättern glauben, so könnte man meinen, daß die Arbeiter der Großeisenindustrie lauter schwache Kerle wären. Die Sozialdemokratie sollte sich hütm, mit solchen Bemerkungen in meinenr Wahlkreis hausieren zu gehen, sonst könnten sie Schaden an einem Körperteil n e h m e n, der züM Sitzen bestimmt ist.(Heiterkeit.) Diese Arbeiter haben Freude an ihrer Arbeit und sind stolz darauf.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Wir müssen eine Statistik haben, um die falschen Behauptungen von den Millionenstunden Ueberarbeit verschwinden zu lassen. Die Forderung der Gewerkschaft nach dem Achtstundentag rst in der Großindustrie schlechtweg undurchführbar. Arbeit nnd Sparsamkeit sind die Grundlagen unseres Staates.-(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. v. Woyua(fk.): Würden wir uns mit ollen Angriffen der Sozialdemokraten be- schäftigen, so würden sie eine Bedeutung gewinnen, die sie nicht verdienen. Das neue Wassergesetz muß die Verunreinigung unserer Flüsse durch industrielle Anlagen beseitigen. Die Warenhaus- steuer sollte man nach dem Quadratinhalt des Verkaufsraumes be- rechnen. Wir bitten um Förderung der Winterschulen für die länd- lichen Handwerker. Abg. Ehlers(Vp.) spricht über die Wirtschaftslage, bemerkt, daß man sehr froh sein könne, wenn die Krise bis zum Ende des JahreS überwunden fei. Daß die Depression nicht durch Ueberprodultion noch verschlechtert wurde, ist nur dem gewaltigen Export zu verdanken, der 1913 um eine Milliarde Mark gestiegen ist und der durch höhere Zölle uns erschwert.würde, da sich die anderen Völker dann unserem Export verschließen würden. Die Beliebtheit und hohe Wertung des deutschen Exports im Ausland sichert uns auch alle Konzessionen. Im übrigen begründet der Redner den fortschrittlichen Antrag, der sich gegen Privatmonopole wendet und Schutz der Installateure und der klemen Elektrizitätsindustrie in ihrem Erwerb fordert. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Leinert(Soz.) erklärt persönlich, daß seine Partei nun,, wo außer dem Antrag Hammer der volksparteiliche Antrag vorliegt, in erster Linie für diesen stimmen werde.(Rufe rechts: Natürlich!— Heiterkeit links.) Es folgen persönliche Bemerkungen über den Streit zwischen den Abgeordneten Conrad und Menke. Die Abstimmung über den volksparteilichen Antrag wird durch Hammelsprung vorgenommen und ergibt die Beschlußunfähig- keit des HauseS, was mit Heiterkeit aufgenommen wird. Morgen Sonnabend 11 Uhr: Einzelberatung des Handelsetats. Schluß gegen 5 Uhr._ pariamentaristhes. Tie„Lösung" der Duellfrage. Im April 1913 behandelte die Budgetkommission des Reichstags anläßlich der Fälle Kammler und Graf Königsmarck und der Er- llärung des Kriegsministers die Duellsrage. Die Budgelkommission beantragte,„zur Lösung der Duellfrage eine besondere Kommission einzusetzen und ihr die in der Kommission für den ReichshauShaltSetat betreffs dieser Frage gestellten Anträge als Material zu überweisen". Gemäß diesem Antrage beschloß am 19. April das Plenum, die in der Budgetkommission gestellten An- träge„zur Lösung der Duellftage" einer Kommission von 14 Mit- gliedern zu überweisen. Die sozialdemokratischen Mitglieder der Duellkommissicm faßten ihre Aufgabe iin Sinne des ReichStägßbeschlusses auf, die Duellfrage einer wirklichen Lösung entgegenzuführen. Sie stellten An- träge, die das Duell im Sinne der für Körperverletzung und Tot- schlag geltenden Bestimmungen des Strafgesetzbuches treffeu sollten. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien beschränkten sich auf Anträge, die nur die besonders schweren und das Volksempfinden aufregenden Fälle zu treffen geeignete waren. Wenn der Heraus- fordernde oder Annehmende das Duell„freventlich ver- schuldet" hatte, sollte anstelle der Festungshaft Gefängnisstrafe treten und konnte auf Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. In diesem Sinne war besonders der Nationallibcrale van Calker tätig. Das Zentrum ging anfangs etwas weiter. Zuerst war eS bei freventlichem Verschulden für die obligatorische Gefängnis- strafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, dann verlangte es das Obligatorium nur, wenn das freventliche Verschulden eine ehrlose Handlungsweise darstellte und schließlich gab es auch das noch preis und fand sich mit den Nationalliberalen zu dem Antrag zusammen, daß bei freventlichem Verschulden an Stelle der Festungs- hast Gefängnisstrafe tritt und auf Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte erkannt werden kann. Die Konservativen und ebenso die Freisinnigen enthielten sich der Stellung von Anträgen: Herr van Calker bewährte sich so sehr als Mann der Mitte, daß Konservative und Freisinnige— es war„zum Heulen"!— sich getrost seiner Führung anvertrauen konnten. Die sozialdemokratischen Anträge wurden abgelehnt und schließlich fand am Freitag der Antrag Gröber-van Calker ein- stimmige Annahme. Die Sozialdemokraten verhehlten ihre Meinung nicht, daß das Ergebnis, mit dem die Duellkommission vor das Plenum tritt, den Duellunfug in seinem Wesen und seinem Umfang recht wenig zu treffen vermag. Der erzielte Fortschritt ist bis zum Verschwinden geringfügig, immerhin ist es möglich,' durch eine gesetzliche Bestimmung im Sinne desvonderDuellkommission einstimmig angenommenen Antrag einige besonders schwere Fälle des Duell- unfugeS schwerer als bisher zu treffen. Wenn es eine Frage„lösen" heißt, daß man einem Mißstande, den es zu beseitigen gilt, ein Schönheitspflästerchen aufklebt, dann ist durch die Arbeit der Duell- koinmisfiou die Duellfrage„gelöst". Wer aber von der Lösung einer Frage etwas mehr erwartet, für den steht der Duellunfug in seiner alten Widersinnigkeit und Schändlichkeit unversehrt da. Die bürgerlichen Kommissionsmitglieder haben wiederholt auf die bevorstehende Revision des Strafgesetzbuchs hingewiesen, wo die allgemeine und gründliche Regelung der Duellfrage zu erledigen sei. Aber was man von den Beschlüssen der Strafrechts« kommission über die strafrechtliche Behandlung des Zweikampfes weiß, läßt erkennen, daß man in den maßgebenden Kreisen noch lange nicht daran denkt, dem Duellunsug ernstlich zu Leibe zu rücken und mit diesem Stück ausgesprochener Klassenjustiz aufzuräumen. Gute Vorarbeit dazu kann geleistet werden, wenn der Reichstag sich demnächst mit dem Antrag der Duellkommission beschäftigt und aus den Reihen der Sozialdemokratie der Stimme der Menschlichkeit und Gerechtigkeit Geltung auch in dieser Frage verschafft wird. * Die Duellkommission des Reichstages hat ihren ohnehin schon schwächlichen Beschluß vom Donnerstag in ihrer Sitzung am Freitag noch erheblich verwässert. Während zunächst beschlossen war, den im ersten Absatz einstimmig, im zweiten Absatz mit 8 gegen 5 Stimmen angenommenen Antrag Gröber nur noch zu redigieren, kamen am Freitag die Abgg. Gröber und van Calker mit einem neuen Antrag, der sich im wesentlichen auf den ersten Absatz des an- genommenen Antrages Gröber beschränkt und folgenden Wort- laut hat: „Hat der Herausfordernde oder der Annehmende die Heraus- forderung oder hat in den Fällen der§§ 205— 208 der Täter den Zweikampf freventlich verschuldet, so tritt an Stelle der Festungs- hast Gefängnisstrafe von gleicher Dauer. Neben der Gefängnis- strafe kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden." Dieser Antrag gibt die obligatorische Aberkennung der bürger- lichen Ehrenrechte, wenn das„frevelhafte. Verschulden eine ehrlose tandlungsweise darstellt, preis. Die Vertreter der bürgeriichen arteten erklärten ihr Einverständnis mit dem Anirag Gröber- van Calker, der der einstimmigen Annahme und daher der Zu- stimmung der Regierung gewiß sei. Ter Redner der Sozialdemo- kratie bedauerte diesen Rückschritt und beantragte die Hinzufügung der Absätze 2 und 3 des am Donnersrag abgelehnten sozialdemo» kratischen Antrages zu dem nationalliberal-zentrümlichen Antrag. Das wurde abgelehnt und der Antrag Gröber-van Calker iu der oben mitgeteilten Fassung angenommen. Der Presieknebel im Spionagegesetz. Die Kommission des Reichstags für den Gesetzentwurf über den Verrat militärischer Gehermnisie setzte am Freitag die Be- ratung über den K 9 fort, der seit der Veröffentlichung des Eni» Wurfes den heftigsten Widerspruch gefunden hat.§ 9 will denjenigen, der„fahrlässig ein militärisches Geheimnis, das ihm kraft seines Amtes, seines Berufes oder Gewerbes oder eines von amt- licher Seite erteilten Auftrages zugänglich war, an einen anderen gelangen läßt und dadurch die Sicherheit des Reiches gefährdet'. mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 M. bestrafen. Tie Debatte in der Kom- mffsion befaßte sich zunächst hauptsächlich mit den ersten Sätzen des§ 9, der eine schwere Gefährdung für die Presse bedeutet, insbesondere auch für„patriotische Blätter", die vielfach Nachrichten über Fortschritte der militärischen Technik veröffentlichen. Tie Debatte wurde schließlich vertagt. Die Ablehnung des 8 9, Satz 1, ist sicher. Vom Zentrum liegt dazu folgender Antrag vor:„Wer fahrlässig ein militärisches Ge- heimnis, das ihm kraft seines Amtes oder eines von amtlicher Seite erteilten Auftrags zugänglich war, an einen anderen gelangen läßt und dadurch die Sicherheit des Reiches gefährdet, wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 M. bestraft." Einschränkung des Hausierhandels. Die G ew e rb e ko m m i s s i o n des Reichstags befaßte sich am Freitag mit einem konservativen Antrag, der den Vertrieb von Kunstbutter im Wandergelverbe zu verbieten verlangte. Die Tendenz des Antrags läuft darauf hinaus, dem Handel mit Margarine Schwierigkeiten zu bereiten. Dieser Antrag wurde von Sozialdemokraten, Polen und den liberalen Abgeordneten Wein- hausen und Hopp lebhaft bekämpft. Mit 13 gegen 12 Stimmen wurde schließlich beschlossen) den Verkauf von Margarine durch den Handel im Umherziehen zu verbieten. Dagegen wurde mit 16 gegen 10 Stimmen ein gleiches Verbot für den Handel mit Kunstsveisefett abgelehnt. Mit diesen Abänderungen wurde dann Artikel I der Regierungsvorlage angenommen. Momentbilder aus Südwcstafrika. Die Weiterberatung des Etats für Südwestafrika in der Bu dgetkom m iffion des Reichstags brachte am Freitag eine Reihe kleiner, aber intereffanter und für die Kolonialwirtschaft charak- teristischer Debatten. Während der Staatssekretär erklärt hatte, daß ein- geborene Gefangene nur zu öffentlichen Arbeiten herangezogen werden, wurde ihm von sozialdemokratischer Seite nachgewiesen. daß man sie den Farmern zu Pflanzungsarbciten zur Ber- fügung stellt. Zur Unterstützung deutscher Schulen find 220 000 M. verlangt: an Weiße, ob bedürftig oder nicht, werden pro Kind rund 500 M. Erziehungsveihilfc gewährt. Die Regierung rechtfertigte die Unterstützung mit der Einführung des Schulzwanges und der Einrichtung von Mädchenpensionaten in der Kolonie. � Bon Mitgliedern der Kommission wurde diese Schulpolitik lebhast getadelt. der Ausbau der Regierungsschulen und eine reichere Unterstützung der Missionsschulen gewünscht loch ose Denkschrift üb« die Schul', hfEljärtnifTc in 6en.ftoImtiCTi geforbeiZ. In diesem Ginne wurden einige Beschlüsse gesaht. Bei den Titeln Rechtspflege und LandeSrat verwies Genosse N u s k««uf die hohe Sterblichkeit in den Gefängnissen und forderte humaneren Strafvollzug für die Eingeborenen. Genosse Hoch brachte Wünsche zur Sprache, die sich auf die AuS- Übung des Wahlrechts beziehen und beklagte die ausfällig schlechte Information des Staatssekretärs in zahlreichen wichtigen fragen. Äbg. Erzbergcr trat für die Erweiterung der Befugnisse des Landesvats ein. Die Kosten für die neu zu schaffenden Wrper. schaften, Eisenbahn- und Landwirtschaftsctat, wurden um 11 MO Mark gekürzt. Ein Nieter von seinem Hauswirt ersthoflen. �Me Bluttat, die sich am 17. August v. in Charlottenburg abspielte und ein Menschenleben forderte, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Hesse. Der 62 Jahre alte Hauseigentümer Alexander Hielscher au? Charlottenburg steht unter der Anklage der Körperverletzung mit Todcserfolg. Der Angeklagte war am 17. August mit einem seiner Mieter, dem iO Jahre alten Bauarbeiter Michael Kodza, der ohne Begleichung seiner Mietsschuld seine Möbel wegbringen wollte, in Konflikt geraten und hat mit einem Revolver auf ihn geschossen mit dem traurigen Erfolge, daß Koza, der verheiratet und Vater von acht Kindern war, an den erlittenen Verletzungen gestorben ist. Der Angeklagte, ein mittelgroßer Mann mit weißem Vollbart und weißem Haupthaar, ist, wie er auf Befragen des Vorsitzenden angibt, Landwirt gewesen und hat lange Jahre Güter im Posenschen verwaltet und bei dieser Gelegenheit die polnische Bevölkerung gründlich kennen gelernt.. Er ist unverheiratet. Seinem Haushalt steht«ine Wirtschafterin vor. Jetzt ist der Angeklagte Rentier und lebt von den Einkünften zweier Häuser, deren eines in Charlotten- durg am Horstweg. 25, das andere in Friedenau liegt. Das Haus in Charlottenburg ist von 23 kleinen Mietern bewohnt; der Angeklagte berechnet seine Gesamteinkünfte aus dem ihm zustebenden Teil der Nutznießung aus beiden Häusern aus etwa 2300 M. Nach seiner Angabe ist er nach dem jetzt zur Anklage stehenden unglücklichen Vorfall seines Lebens nicht mehr sicher gewesen, dir Mieter hätte« ihn boykottiert, das im Hause belegene Restaurant sei von Gästen gemieden worden usw. Kodza wohnte im Seitenflügel des Hauses und soll nach den Behauptungen des Angeklagten ihm und den Hausbewohnern viel Aerger bereitet haben. Er schildert den Kodza als einen arbeitsscheuen Mann, der sehr selten nüchtern gewesen sei, seine Frau wohl dreimal in der Woche durchgeprügelt und auch seine Kinder oft verprügelt habe. Seine Frau habe sich mehr sach bei der Hausverwalterm, als welche die Wirtschafterin des Angeklagten fungierte, über ihren Mann beschwert und auch manch- mal auf dem Boden genächtigt. Kodza, der mit Miete im Rückstände war, beabsichtigte am 17. August, einem Sonntag, zu„rücken". Der Angeklagte bekundet, daß ihm gemeldet wurde, der Kodza sei wieder angetrunken und habe eine aus ö Personen bestehende Zieh-Mann- schaft bestellt, um seine Möbel heraus zu schaffen. Auf die Warnung ciiier Mieterin sei er, der Angeklagte, in seine Wohnung gegangen und habe feinen sechsläufigen Revolver zu sich gesteckt. An der Hintertreppe sei ihm Kodza begegnet und habe eine Matratze weg- tragen wollen. Er habe ihm das Wegtragen verboten, Kodza habe sich aber nicht daran gekehrt, sondern ihn ins Gesicht geschlagen und an'Bart und Nase gepackt, so daß er Kratzwunden davontrug. Er habe erst Luft bekommen, als die Verwalterin ihm�zu Hilfe kam und den Kodza zurückdrängte. Er habe schon in diesem Moment in dir Tasche gegriffen und dem Kodza den Revolvev zur Abwehr vorhalten wollen, er habe ihn aber nicht schnell genug aus der Tasche bekommen. Kodza sei dann auf die Straße gegangen, er batte wohl gehört, daß zur Polizei geschickt worden sei und machte schimpfende Redensarten, bis er wieder in seine Wohnung ging. Dor». soll Kodza, wie der Angeklagt? gehört habe, fn polnischer Sprache zu seiner Frau gesagt haben!„Du bleibst hier; ich werde ihm so viel geben, daß er genüg hat." Als Kodza nach etwa 4 Minuten die Treppe wieder herunter kam, habe er ihm den Vor- ichlag gemacht, die Sache in Güte zu regeln. Kodza habe aber mit fürchterlichen Schimpfworten, wie„Strolch",„Halunke" usw. ge- antwortet. Mit den Worten:„Ich habe heute einen getrunken, ich habe Courage!" habe Kodza ihm dann einen heftigen Fußtritt in den Unterleib gegeben, dann versucht, ihm weitere Fußtritte zu der- setzen und schließlich ihm mit aller Gewalt mit dem Stiefelabsatz einen Tritt gegen das Schienbein versetzt, so daß er vor Schmerzen sich krümmte. DieS habe Kodza benutzt, um ihm an den Hals zu springe« und den Kehlkopf zusammen zu drücken. Er habe mehrfach dem Kodza warnend und verzweifelnd zugerufen:„Rühren Sie mich nicht an! Lassen Sie mich los!" Der Kodza habe aber nicht von ihm gelassen und ihn so gedrückt, daß er schwarze und rote Flecke vor den Augen bekam. In dieser Situation habe er einen Schreckschuß nach der Decke abgegeben, als Kodza trotzdem weiter seinen Hals zudrückte, habe er zunächst noch einen zweiten blinde« Schuß abgegeben und endlich, da er sich bewußt war, daß, wenn er überwältigt würde, sein Leben verloren gewesen wäre, zum dritte« Male— nun aber auf Kodza— geschossen, der darauf zur C'V stürzte«nd sofort tot war. Erst nach dem dritten Schutz sei Frau Kodza mit ihren Kindern schreiend und weinend auf den Hof gestürzt gekommen. So schildert der Angeklagte den Vorgang. Die Zeugenaussagen gehen in der Frage, ob der Angeklagte in Notwehr gehandelt habe, weit auseinander. Sehr belastend für den Angeklagten war die Aussage der Mieterin Frau Fischer. Sie ist auf den ersten Schuß, den sie gehört, herbeigestürzt, hat gesehen, daß der zweite Schuß, den der Angeklagte abfeuerte, nach oben in die Decke ging und daß zu ihrem Entsetzen dann Kodza durch einen dritten Schuß zu Boden gestreckt worden sei. Diese Zp'igin behauptete steif und fest und ohne durch Zwischenfragen sich an ihrer Ueberzeugung abbringen zu lassen, daß ein Kampf zwischen den beiden Männern nickst stattgefunden habe, daß von beiden Seite» kein Wort gesagt worden sei«nd der Angeklagte nach dem tödlichen Schuß ohne Zeichen eines Handgemenges kerzrn- gerade und ohne Zeichen der Erregung weggegangen sei. Ein Ringen habe nicht stattgefunden. Der Angeklagte habe an der Nase etwa? geblutet und auf ein« Frage der Wirtschafterin nach dem Hergange gesagt:„WaS sollte ich denn machen, ich mutzt« mich doch wehren." Acrztliche Gutachten bezeug««, daß der Angeklagte Spuren von Mißhandlungen aufzuweisen hatte. Haute wird die Verhandlung fortgesetzt. Mus aller Welt. Das Lawinenunglück i» Tirol. von den im Ortlergebiet durch eine niedergehende Lawine ver- schütteten Soldaten sind bisher 10 Leichen, darunter die der beiden L. istziere Löschner und Gärtner ausgegraben worden. Zahlreiche Militär- Mannschaften befinden sich an der Unglücksstätte, doch ist die Hoff- nung auf Bergung noch Lebender sehr gering. ES ist wahrscheinlich, daß die Lawine, die eine Breite von 300 Meter hat, durch abge- brachen« Schneebretter losgelöst wurde. Zweifellos hat das Unglück nur deshalb, einen so katastrophalen Umfang annehmen können, weil sich die Skifahrer entgeg« der vorschrkst sehr eng beffammen hiekken, statt in größeren Abstände» zu fahre«. « Sin ähnliches, weniger tragisch ausgegangenes Unglück hat sich dieser Tage in den it alirnische« Alpen ereignet. Im Ge- birg« de» Cadore in der Provinz Belluno wurden dieser Tage 20 Alpenjäger von einer Lawine verschüttet. Ihrer 10 wurden lebendig geborgen, von einem Sizilianer mit Namen Munafo fehlte aber jede Spur. Da man aber nicht die Leiche fand, nahm das Kommando an, daß der Mann fahnenflüchtig geworden sei. Der Haupt- mann der Kompagnie beruhigte sich aber nicht bei dieser Annahme, sondern ließ an der Unglücksstätte Nachgrabungen anstellen. Als er seinen Alpenstock in die Schneemasien stieß, fühlte er plötzlich, daß jemand diesen von unten anpackte. Man fand richtig unter einer 2 Meter starken Lage Schnee den Sizilianer, der sich im Schnee eine Höhle gegraben und sich zusammengekauert hatte, um möglichst wenig Wärme zu verlieren. Der arme Teufel, der seit 40 Stunden in dieser Lage war, klagte zunächst über Hunger und wurde mit Wein gelabt. Er gab an, in der Nacht sehr gut geschlafen zu haben. Der Mann ist während de» Erh- bebenS von Messina von seinem Hause begraben worden und un- versehrt davongekommen. In Libyen wurde er zweimal verwundet und wieder völlig ausgeheilt. Auch dieses letzte gefährliche Aben- teuer scheint ohne dauernden Nachteil für seine Gesundheit ab« zulaufen._ Erlegung des Bauernschrecks. Wie aus Graz gemeldet wird, wurde in Waldenburg auf der Koralp der feit längerer Zeit verfolgte vauernschreck, ein Wolf, von dem gräflich Henckel von DonnerSmarckschen Jäger Paul Steinhauer angeschossen und von dem Fabrikdirektor Max Diamand durch einen Fangschuß getötet. Der Kadaver wurde gestern nach Wolfsberg in Kärnten gebracht.— Hoffentlich ist'S diesmal der richtig« Schreck!_ Kleine Notizeu. Ein Grubenunglück ereignete sich auf der Zeche 1— 6 der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser". Durch die Explosion eines zu früh losgegangenen Sprengschusses wurde ein Bergarbeiter ge- tötet, einer schwer und mehrere leicht verletzt. Brandunglück in einem Pulverwert. In der Rottweiler Filiale der vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken geriet Freitag früh Pulver in Brand. Von den beiden im Wert beschäftigten Arbeitern konnte sich der eine inS Freie retten, während der ander? ums Leben kam. Explofio« in einer Dhaamttfadrik. I« Preßbnrg erfolgte in einer Dvnamitfabrik bei der Ausprobierung neuartiger Spreng. kapseln eine Explosion. Dabei fand der Ingenieur Friderici den Tod. Der Betriebsleiter Aberth und der Sprcngtechnikcr Efernoak wurden tödlich verletzt. BHtternugSSberficht vom 0. März 1911. w-i Swmemde. Hamburg Berlin Franst. a.M München Wien II 74SSSW 741 MS« 743® 749'®« 752®« 749« Bettet 2 bedeckt 4 Regen übedeckt Äbedcckt VRegen 4Regen »« d* »II II8? arimda747 Petersburgs Scilly 754 Aberdeen 733 PattS O O «®D Ä »I 1754!$« 2 Schnee—2 3 baw bd„ 5' bedeckt 4i wollen! 3' bedeckt 10 s 10' Wetterprognose für Sonnabend, den 7. März 1911. Ziemlich kühl, veränderlich, vorwiegend tttlbe mit wiederHollen Rege», fällen und starke» westliche» Winden. Berliner W e t t e r b u r r- u. NeiäesckloS Hobenbinde zum Schönster Ausflugsort fllr Eigene MotorbooWerbind. mit Erkner Besitzer Alb. I-elimann. Larfroltan» Ör. Schweineschlaoht. MMlclldy i pr. 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Mus üer Geschichte öer proletarischen Frauenbewegung. Unscheinbarer und weniger aussichtsvoll konnte kaum etwas in der Welt sein, als die Anfänge der beute so mächtig auf- strebenden proletarischen Frauenbewegung. Ihre Wiege stand nicht, wie vielfach angenommen wird, in der Reichshauptstadt, sondern im Zentrum des sächsischen Weberelends, in den unteren Teilen des Erzgebirges, deren Hauptort Crimmitschau ist. Dort hatte die stürmisch über den alten handwerksmäßigen Betrieb hinweg- schreitende wirtschaftliche EntWickelung in den sechziger Jahren rasch ein Fabrikproletariat geschaffen, dessen Männer, Weiber und .tVinder in unmenschlicher Fron, immer hart an der Grenze des Ükrhungerns, dem Tcxtilindustriekapital ungeheure Reichtümer er- arbeiteten. Hier war der Boden, in dem die Ideen der alten Marxschen Internationale Wurzel fassen konnten. Von den Ar- bciterorganisationen, die eZ sich angelegen sein ließen, auch unter den Frauen das Evangelium des Sozialismus zu verbreiten, war hie bedeutendste wohl die Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Hand- und Fabrikarbeiter in Crimmitschau. Ihre großen Ver- dienste um die zielklare Schulung der ersten Sendbotinnen des Sozialismus hat Klara Zetkin im Neuen Weltkalender von 1906 eingehend gewürdigt. Die Proletarierin, die in der Hölle des Kapitalismus als die wirtschaftlich Schwächere und stärker Belastete noch größere Pein litt als der Arbeiter, bedurfte— das erkannte man in dieser tapferen Organisation schon sehr früh— ganz besonders deS Schutzes und Rückhalts, den der Zusammenschluß mit ihren Klaffen- genossen bot. Aber auch die Organisation konnte die Frau als Mitkämpferin nicht entbehren; sie war ihr ein willkommener Macht- zuwachs. Tüchtige Rednerinnen gingen aus dieser kleinen Kern- truppe sozialistischer Frauen hervor, deren Eifer, Ausdauer und Pflichttreue von den damals mit ihnen zusammenwirkenden Ge- nassen nicht genug gelobt werden konnten. Unsere Vorkämpfer Motteler und Bebel haben— auch nach dem Zusammenbruch des Gewerkvereins— den ersten Regungen der erwachenden Frauen- bcwegung in Sachsen jede erdenkliche Förderung zuteil werden lassen. In seinen Lebenserinnerungen berichtet Bebel, daß er unter seinen Zuhörern stets eine nicht unerhebliche Zahl von Frauen hatte, die nachher eifrige Agitatorinnen für den SozialiS- mus wurden. In Berlin wurde im Jahre 1869 der erste Versuch gemacht, proletarisch« Frauen zum Zusammenschluß zu veranlassen. Der .Verein zur Fortbildung und geistigen Anregung der Proletarier- frauen� verfiel aber schon 1871 der polizeilichen Auflösung.wegen Beschäftigung mit Politik". Neue Vereinsgründungen traf das- selbe Schicksal. Die Frauen besaßen ja keine politischen Rechte, und das alte Vereins, und Versammlungsrecht, später auch das Sozialistengesetz, daben der Polizei und den Gerichten Handhaben genug zur Unterdrückung aller Organisationen, mochten sie sich nun Bildungövereine oder gewerbliche Frauenvereine nennen. Jahre- lang war schließlich die.Ofsenbacher Zentral-Kranken- und Be- gräbniskasse" die einzige Verbindung der proletarischen Frauen miteinander. Ihre Gründerin, die Genossin Guillaume-Schack, gab auch das erste sozialdemokratische Frauenblatt heraus,»Die Staats- burgerin", das aber nach kurzer Zeit dem �Sozialistengesetz zum Opfer fiel. Bald entstanden überall im Reiche, wo die wirtschaftliche Eni- Wickelung durch Einbeziehung der Frau in den Produktionsprozeß den Boden vorbereitet hatte, Frauenvereine, die allen Rücken und Tücken des Sozialistengesetzes zum Trotze das Klassenbewußtsein der Arbeiterinnen weckten und pflegten. Mit bewunderungs- würdiger Umsicht verstanden die Genossinnen es schließlich, jede Lücke zwischen den Fußangeln und Sclbstschüssen des alten einzel- staatlichen Vereinsgesetzes zu erspähen, um ein wenig Raum für ihre politische Betätigung zu gewinnen. Ansang 1891 erschien in Hamburg die sozialdemokratische Wochenschrift.Die Arbeiterin". ein Jahr darauf stellte sie ihr Erscheinen ein und die in Stuttgart herausgegebene.Gleichheit" übernahm unter Klara Zetkins Redaktion die theoretische Unterweisung und praktische Anregung der noch immer an Zahl sehr schwachen Schar von klassenbewußten Kampferinncii. Nicht das kleinste Verdienst der„Gleichheit" bc- steht darin, daß sie von Anbeginn an niemals müde wurde, die Vorurteile zu zerstreuen, die innerhalb der männlichen Partei- geiiosienschaft vielfach noch gegen die politische Betätigung der grauen bestanden, und ihnen die Gewinnung der Frauen zu ge- meinsamer politischer Arbeit zur Pflicht zu machen. Wollten jene die xzepeln des Klassenstaatcs sprengen, so durste die unaufgeklärte ixrau nicht als hemmendes Bleigewickt an ihren Rockschößen hän- gen oder den Klassengenossen in den Rücken fallen. Diese Mahnung, sowie die ausopfernde, mit zäher Ausdauer geleistete Kleinarbeit der Frauen, bewirkte bei den Genossen denn auch allmählich einen vollen Umschwung von anfänglicher Duldung und wachsendem Wohlwollen zu allgemeiner warmer Anerkennung und kraftvoller Forderung der proletarischen Frauenbewegung. Nach dem Falle des Sozialistengesetzes im Jahre 1S90 war die sozialdemokratische Partei eifrig bestrebt, aus ihren Kongressen den grundsatzlichen Charakter, die Ziele wie die Taktik der langsam erstarkenden Arbeiterinnenbewegung zu erörtern und festzulegen und ihr innerhalb der Parteiorganisation Raum zur Betätigung zu verschafsen. Im Erfurter Programm von 1891 wurde die volle Gleichberechtigung der Frau zum ersten und bisher einzigen Male ,n einer politischen Partei ausdrücklich proklamiert, und diesem Programmpunkt gemäß ist die Vertretung der Sozialdemokratie in den gesetzgebenden Körperschaften für die Rechte der Frauen stets auf das wirksamste eingetreten». In öffentlichen Versammlungen wurden weibliche Vertrauenspersonen gewählt, die die Agitations- und Organisationsarbeit unter den Frauen zu betreiben hatten. Seit dem Parteitag zu Mainz 1990 fanden alle zwei Jahre Frauen. konkerenzen statt, deren Anregungen zu planmäßiger und einheit- licher Gestaltung der parteipolitischen Arbeit reiche Früchte trugen. Ein Frauenbureau mutzte schließlich als Zentralstelle gegründet und eine besoldete Beamtin zur Leitung der immer mehr wachsen- den Aufilärungs- und Organisationsarbeit gewählt werden. Der Arbeiterinnenschutz, die Wirtschaftskrise, der Brot- und Zollwucher boten Anknüpfungspunkte für die Gewinnung und Schulung der Proletaricrinnen. Auch die nichterwerbstätige Proletaricrin galt cS im Geiste des Sozialismus aufzuklären, sie als Bürgerin, Hans- srau und Mutter zu packen, nicht zuletzt damit der Nachwuchs, auf dem unsere Zukunfishosfirung beruht, nicht durch verkehrte Er. ziehung der Sozialdemokratie verloren gehe. So wuchs die Frauen- bewegung mit ihren größeren Zwecken. Auf den nationalen und internationalen Parteitagen der Sozialdemokratie nahm die Zahl der Delegiertinnen ständig zu. Es wurden auch mit den Ge- nossinnen anderer Länder Verbindungen angeknüpft, die aus der internationalen Frauenkonferenz in Stuttgart 1907 zur Festlegung einer einheitlichen Marschroute in Sachen des Frauenwahlrecht» führten. Auf Antrag der Genossinnen sprach sich der internationale Sozialistenkongreß damals einmütig für das allgemeine Wahl- recht aller Großjährigen aus und verpflichtete die Genossen aller Länder zum energischen Kampfe für das Frauenwahlrecht. Als 1908 dos neue ReichSdereinSgesetz den Frauen in ganz vnitjchland du ttmaMjaat Organisation mit dm Männer» tf Zum Frauentag. möglichte, wurden trotzdem aus praktischen Rücksichten einige Ein- richtungen beibehalten, die. wie die Frauenleseabende, die Frauen- konserenzen u. a., sich bei der Schulung von Agitatorinnen bewährt I hatten. Weiblicke Vertrauenspersonen konnten jetzt Vorstandsmit- 1 gliedcr in den Parteiorganisationen werden. In den Vorstand der i Gesamtpartei wurde eine Genossin als Parteisckretärin auf- genommen. Inzwischen hatte die wirtschaftliche Entwickelnng. die zu einer riesenhaften Ausdehnung der Franenerwerbsarbcit führte, sinnenfällig gezeigt, daß diese längst nicht mehr ein Durchgangsstadium zur Ehe war, sondern mit steigender Häufigkeit Lebensberus wurde wie beim Manne. Damit wuchs die Bedeutung der Organisation für die Proletarierinnen und ihr Interesse an der Erreichung des vollen Bürgerrechts. Die auf der internationalen Fräuenionferenz in Kopenhagen 1910 geschaffene Einrichtung de? Frauentags, der in jedem Jahre einmal die sozialistischen Frauen aller Länder zu gemeinsamer Demonstration für das Fraucnwahlrccht vereinigt, bat bei den deutschen Proletaricrinnen begeisterte Aufnahme ge- funden. Immer mehr geht in den letzten Jahren die Frauenbeloegung in den Aktionen der Gesamtpartei ans. Wahlkämpfe wie große politische Kundgebungen sehen Männer und Frauen Schulter an Schulter. Da gibt es keine Eigenbrödelei,_ da ist ein Wille, ein Weg und e i n Ziel. Die einst ein schwächliches blutarmes Ge- schöpf gewesen, die proletarische Frauenbewegung steht heute als ein bühendes, kraftstrotzendes Weib da. In den fünf Fahren von 1908 bis 1913 ist die Zahl der weiblichen Parteimitglieder von 40 421 auf 130 371 gestiegen..Die Gleichheit", die lange Jahre hindurch einen schweren Stand hatte, mustert heute an die 120 000 Abonnentinnen. Ein stolzes Ergebnis, wenn man weiß, welche große Hemmnisse sich der Einreihung der Proletarierinnen in den Klassenkampf entgegenstellten bis auf den heutigen Tag! Tapfer hat die proletarische Frauenbewegung während ihres Aufstiegs stets den Sirenengesängen der bürgerlichen Frauen- bewegung von der einen großen Schwesternschaft widerstanden, auch dann, als einige Berührungspunkte mit dem linken Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung vorhanden waren, der klein an Zahl und von den recktsstehenden Frauenrechtlerinnen ständig an die Wand gedrückt, sich durch den Zuzug proletarischer Frauenkolonnen gern verstärkt hätte. Vor solcher Bundesgenossensckxift bewahrte die Proletaricrinnen ihre Einsicht in die unüberbrückbaren Klassen- gegensätze zwischen bürgerlichen und proletarischen Frauen. Von den ersten Pionierinnen der proletarischen Frauenbewe- gung deckt wohl die meisten längst der kühle Rasen, aber die Saat, die sie unter befreiungssehnsüchtigen Wünschen ausgestreut, ist unter dem Schutze des roten Banners herrlich aufgegangen. Auch hier können wir mit Hutten ausrufen: Die Geister sind erwacht, und es ist eine Lust zu leben!- Jugenü und Frauentag. Eine große Zahl von Müttern wird sich am Sonntag auf den Weg machen nach dem Festsaale, in welchem die Versammlung für die Eroberung des Frauenwahlrechts stattfindet. Fleißiger mach als sonst werden sie ihre Hände regen, um rechtzeitig mit aller Arbeit fertig zu werden. Aus manchem Kinder- und Mädchenmund wird die halb ungeduldige, halb neugierige Frage an die Mutter gerichtet werden: „Was ist denn heute, daß du so eilst, dich so fein machst, sag doch, Mutter!" Gar manche Mutter wird darauf antworten:„Frauen- tag ist heute; aber das versteht ihr noch nicht. Das ist nichts für euch, da kann ich euch nicht mitnehmen." Mütter, nie werdet ihr eine schönere Gelegenheit haben, euern fragenden größeren Kindern zu erklären, welche Bedeutung der Frauentag hat! Sagt euern Töchtern, daß dies der Tag ist, an dem die Proletarierinnen der ganzen Kulturwelt ihre politische Mündig- kcitserklärung fordern. Und den Mädchen und Jünglingen, die euch durchaus begleiten wollen und noch nicht 18 Jahre alt sind, denen sagt:.Obwohl ihr von frühster Jugend an habt mitarbeiten müssen, ja vielfach um erbärmlichen Lohn enern Morgenschlas opfern mutztet, um mit Frühstück oder Zeitung treppauf treppab zn rennen, habt ihr doch keine sorgenfreie Kindheit gekannt. Eure Eltern saht ihr sich plagen von früh bis spät. Eure Schulzeit war noch eure beste Zeit; sie gab euch Ferien und manche frohe Spiel- stunde mit Kameradinnen und Freundinnen. Seit ihr die Schule verlassen, müßt ihr euch euer Brot zu verdienen suchen und soviel wie möglich zur Erhaltung der Familie beitragen. Jchr iverdet von dem Staate, in dem ihr lebt, für klug genug gehalten, an den gefährlichsten Maschinen zu arbeiten, für stark genug, den ganzen Tag stehend eure Arbeit zu verrichten, für reif genug, euch der Strafbarkeit der geringsten gesetzlichen Ucbcrtretung voll bewußt zu sein, und mit dem 16. Jähre für alt genug, in jedem Betriebe dem ertvachscnen Arbeiter gleichgestellt zu werden. Aber dieser selbe Staat hält euch nicht für klug, reif und alt genug, in diesem Alter an einer öffentlichen politischen Persammlung teilzunehmen. Er verbietet euch, MädÄen und Jünglingen, bis zum vollendeten 18. Lebensjahre euch politisch zn betätigen, genau so wie dieser selbe Staat bis zum Jahre 1908 euern Müttern verboten hatte, Mitglieder eines Wahlvcreins zu werden oder eine politische Per- sammlung zu besuchen." Auf das„Warum" eurer Kinder müßt ihr Mütter ihnen er- klären, daß die heutige Gesellschaft in zwei Hälften zerfällt: in die Herrschenden und in die Beherrschten. Die Herrschenden lmben nur das eine Interesse, sich so lange wie möglich in der Herrschaft z» erhalten. Um das zu können, wollen sie sich auS der Arbeiterjugend eine neue Leibgarde schaffen, die jederzeit bereit sein soll, die Rechte der Ausbeuter zu verteidigen gegen die der Ausgebeuteten. Diese Ausgebeuteten aber, das seid ihr selbst, ihr Proletarier- eltern, ihr Prolctariermütter! Wollt ihr vcrhindern, daß eure Kinder zu Feinden der Klasse erzogen werden, der sie entstammen, dann klärt sie aus! Seid euch bewußt, daß hierbei die Kinder jedes einzelnen in Frage kommen, daß die Gesamtheit des proletarischen Nachwuchses systematisch dem Einfluß seiner Eltern zu entziehen versucht wird. 80 000 Gemeindeschüler haben in de» drei letzten Jahren die Berliner Gemeindeschulen verlassen, fast lauter Arbeiterkinder. Wird erst die Pflichtfortbildungsschulc für Mädchen in Berlin voll ausgebaut sein, so ist mit rund 30 000 Mädchen ün Alter von 14 bis 18 Jahren zn rechnen. Dabei sind alle die Haustöchter und Haus- angestellte», die zum Besuch der Fortbildungsschule nicht verpflichtet sind, nicht mit eingerechnet. Wollt ihr Mütter ruhig zusehen, wie euch eure Töchter durch patriotische oder fromme Schulklubs und Vereine entfremdet werden? Habt ihr's nicht am eigenen Leibe tausendmal bitter genug erfahren müssen, wie da nirgends ist.ein Ohr. zu hören eure Klage, ein Herz, sich deS Bedrängten zu erbarmen"? Wollt ihr eure Kinder auf demselben Dornenweg, den ihr geschritten seid, auch wieder die Füße wund reißen lassen, oder wollt ihr eure Kinder beizeiten auf den Weg führen, den ihr erst nach so vielen ermüdenden Irrwegen als den erkanntet, der allein zur Befreiung führt aus all der Mühsal, die euch Müttern ff» Zeitalter de» KapitaliSmu» auferlegt worden ist. Eure Töchter werde» euch mit Interesse zuhören, wenn ihr von eurem harten LoS erzählt, sie, die mit der ganzen Hoffnungsfreud eg- keit ihrer Jugend glauben, daß ihnen ein besseres Los beschieden\]t Erzählt ihnen von den tausend Wunden, die der Kapitalismus einem jeden von euch geschlagen hat, von dem heldenmütigen Er- tragen all derer, die um ihrer Uebcrzeugung willen Heimat und Familie versassen mußten, erzählt ihnen, daß heute im Deutschen Reiche fast 4 Millionen verheiratete Frauen und über eine halbe Million Kinder unter 14 Jahren Tag für Tag schwer ar- betten müssen, und daß die gesamte Arbeiterklasse ganz andere Opfer bringt, als je ein Fürst gebracht, so viel man ihnen auch in der Schule, in Jugendklubs und Fortdildungsschulvereinen von deren Heldentaten erzählen mag. In wenigen Jahren wird es sich zeigen, ob der Samen, den ihr heute in eurer Töchter Herz gestreut, aufgegangen ist. Wenn il?r nicht vergessen werdet, den Boden gut zn pflegen, so werden die Früchte nicht ausbleiben, und mit dem vollendeten 18. Lebensjahre werden eure Töchter euch freiwillig zur politischen Versammlung begleiten, als eure Freundinnen, eure Mitstrciterinnen. Sorgen wir in der„Roten Woche" fleißig dafür, dah, wenn unsere. vierzehnjährige. Jugend von heute das 18. Lebens- jähr erreicht haben wird, die Entrechtung der Jugend und die politische Rechtlosigkeit der Frau der Vergangenheit angehören und die Bahn frei ist für die politische Betätigung der Jugend und der Fraul die proletarische Frauenbewegung in Italien. Trotz der Vorstöße, die Partei und Gewerkschaften in Italien in den letzten zehn Jahren gemacht haben, kann man noch nicht von einer irgendwie beachtenswerten proletarischen Frauenbewe- gung auf der Halbinsel sprechen. Wohl haben auch die italienischen Arbeiterinnen unvergängliche Seiten in dem Buche des prolc- tarischen Befreiungskampfes geschrieben: man denke an die Land- arbeiterinnen von Molinella, die in monatelangen Ausständen den Grundbesitzern Trotz geboten haben und sich weder durch den Hun- ger noch durch den Polizeiterror beugen.ließen, man denke an die zahlreichen Streiks der Reisarbeiterinnen, die dieser Kate- gorie ein besonderes Schutzgesetz errungen haben. Trotzdem fehlt es an einer einheitlichen, das ganze Land umfassenden Bewegung; ja, es fehlt sogar an einem Organisationsgebilde, das die zer- streuten Ansätze, einer proletarischen Frauenbewegung in Ver- bindung erhält, und zu gemeinsamer Ntion schult und erzieht. Nicht, daß es der proletarischen Frauenbewegung in Italien an tapferen und aufopfernden Führerinnen gefehlt hätte. Seit Jahrzehnten hat die Genossin Anna Kulischorf kein Mittel unversucht gelassen, um die Arbeiterinnen um die Fahne unserer Partei zu scharen. Argcntina Altobelli, die verdiente «ekretärin des Zentralverbandes der Landarbeiter, organisiert und arbeitet unermüdlich und vertritt auch als Mitglied des Aus- ichusses des Reichsarbeitsamtes die Interessen der proletarischen Frau. Angelica Balabanoff, Linda Malnati» Maria G o i a und viele, viele andere wirken in der Presse, in den Versammlungen, in der politischen iind wirtschaftlichen Organisation, für die sozialistische Aufklärung des Proletariats. Wenn trotzdem die Zahl der zu uns stehenden Proletarierinnen noch ge- ring ist, so müssen wir dafür nicht die Personen, sondern die Ver- Hältnisse verantwortlich machen, und zwar weniger die Rückständig- keit der industriellen Entwicklung als die historischen Verhältnisse, die Last des Ueberkommenen und der Vorurteile, die das Prolc» tariat noch immer mit sich schleppt. Ueber die Zahl der in der Landwirtschast und Industrie be- schäftigten Frauen fehlen neuere Angaben, da die Ergebnisse der Volkszählung von 1911 über diese Frage noch nicht bekannt sind. Die Volkszählung vom Jahre 1901 ergab 3,2 Millionen landwirt- schaftlicher und 1,371,000 industrieller Arbeiterinnen, Wobm 300 000 hausindustrielle Spinnerinnen und Weberinnen mit einbegriffen sind. Die erste Stelle nimmt die Textilindustrc ein, die außer den Heimarbeiterinnen 346 000 Frauen beschäftigte. Seitdem haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert und die Inanspruchnahme der weiblichen Arbeitskraft durch die Großindustric hat gewaltige Fortschritte gemacht. Wenn trotzdem bei einem Organisierten- bestand von etwa 320 000 Mitglieder die italienische Gewerkschafts- zentrale, die Konföderation der Arbeit, nur etwa 6 Proz. weiblicher Mitglieder zählt, so darf man nicht in der industriellen Rückständig- keit die alleinige Erklärung, suchen. Wie ginge es sonst zu, daß die katholischen Gewerkschaften, die sich doch an dieselbe Arbeiter- masse wenden, bei einem Gesamtbestand von 67 500 Organisierten, 30 280 Arbeiterinnen in ihren llieihen haben? Die Rückständigkeit, die die italienische Proletarierin noch zu- rückhält, im Klassenkampf den Platz einzunehmen, den ihre nord- und mitteleuropäischen Schwestern wacker ausfülle», liegt nicht unmittelbar in den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Diese treiben auch in Italien die Frau in die Fabrik, weisen die Familie auf ihren Erwerb an, machen sie zur Mitarbeiterin und zur.. Konkurrentin des Mannes. Die Rückständigkeit liegt noch in der Psychologie und zwar nicht zuletzt in der de? männlichen Proletariers. Dieser selbst hält das Vorurteil gegen die sich um Politik kümmernde, Versammlungen besuchende und Zeitungen lesende Frau aufrecht. Gar oft ist er ein organisierter Arbeiter oder auch ein Parteigenosse: aber im eignen Hause will er von den neuen Ideen nichts wissen, und die eigne Frau sieht er lieber in der Kirche als im Versammlungssaal. Mit dem„die Frau gehört ins Haus" mag er zehnmal in seinem Denken fertig sein: in seinem Gefühl lebt es fort. So findet man in Italien, auch in den hochindustriellen Zentren der Lombardei und LigurienS, in der Arbeiterfamilie noch immer die patriarchalische Zurückgezogenheit des Mädchens und der Frau als Ideal, um dessen Erhaltung man sich der unaufhaltsamen wirtschaftlichen Entwicklung entgegen- stemmt. Wie man an den Universitäten erleben kann, daß die Studentinnen von Vater oder Mutter abgeholt werden, weil sie nicht allein auf der Straße gehen sollen, so kann man diesen nn- sinnigen Kompromiß von Altem und Neuem auch an den Toren der Fabriken sehe». Tic Tradition der Familie schlag! die Frau seelisch noch in ihren Bann, auch wenn die Wirtschaft sie längst .n den rauhen Kamps ums Dasein hinausstößt. Von den Fesseln des Ucberliescrtcn sehen wir die Frau sich frei machen wo sie aus der angestammten hemmenden Umgebung herausgerissen wird. So sind die Reisarbeiterinnen, die alljährlich in der Zahl von 40 bis 50 000 die Jätung der Reisfelder vor- nehmen, ein gut organisierbares Material,«nd haben die de- stehenden Schutzgesetze zum großen Teil den eignen Kämpfen zu danken. Auch die schnellen Verschiebungen in den Massen der städtischen Arbeiterschaft, die den Einzelnen der Umgebung ent- reißen, in der er ausgewachsen ist, tragen zur Zersetzung der Vor» urteile bei. Aber zum Ausroden dessen. waS seit vielen Generationen in den Köpfen lebt, gehört viel Zeit. Einstweilen bilden die Frauen, besonders in Norditalien, noch die Leibgarde des Pfaffentums, da» sie gerade jetzt wieder aufbietet, um gegen das Gesetz über den Vortritt der Ziviltrauung und gegen ein mögliches Gesetz über die Ehescheidung-» Sturm zu laufe». Die Proletarierin, die gerade in diesen Reifen wachsender Neuerung so schwer an der Last ihrer Klaffe, schleppt, muß in ihrem Weggesellen, nn Manne, einen Helfer für ihre Befreiung finden. Bis jetzt ist gerade der'talieni- schen Proletarierin diese Hilfe nur in ganz unzulänglichem Maße zuteil geworden. Gerade der männliche Arbeiter hat daher kein Necht. ihr die Schuld für ihr Zurückstehen zuzuschreiben, und er darf sich nicht wundern, wenn der Schaden, der aus dem Mangel an Klaffcirbewußtsein unter den Zrauen erwächst, auch auf den männlichen Arbeiter zurückfällt. Der gesetzliche Schutz, den die italienische Arbeiterin genießt, ist gering. Von 12 Jahren an läßt man sie zur industriellen Arbeit zu. Bis zum 15. Jahr beträgt der Maximalarbeitstag 11, bis zum 21. iL Stunden. Das Verbot der Nachtarbeit kommt ihr nur dank der Berner Konvention zugute. Keine Kranken- und keine Altersversicherung; ein kümmerliches Gesetz gewährt 40 Lire für jede Entbindung. So steht die Arbeiterin fast unbeschützt in ihrem schweren Kampf: ohne Gesetzeshilfe, die man der Schwäche gewährt, ohne Selbsthilfe, auf die die Stärke pocht. Dieser Zustand fängt an, auch von dem männlichen Proletariat als unerträglich empfunden zu werden. Und wenn erst der Mann aufhört, den zahllosen materiellen Fesseln der Frau die seiner Vorurteile hinzu- zufügen, kann man darauf vertrauen, daß auch die italienische Arbeiterin ihre Stellung im Klassenkampfe einnehmen und auS- füllen wird. Schon im letzten Wahlkampfe hoben wir hier und da die Frauen für unsere Kandidaten eintreten sehen trotz der Drohungen von Kanzel und Beichtstuhl. Schule und Industrie be- freien die neue Generation, und das Bedürfnis des Mannes, die Frau als Kampfgefährtin zur Seite zu haben, wird mit dem alten Ideal der nur im Dämmerschein des Hauses lebenden Frau auf- räumen. Und wenn erst in Italien der proletarische Mann in seinem Weibe die Mitkämpferin sucht, wird er sie auch finden, wie er sie in den anderen Ländern gefunden hat. Oda Lerda-Olberg sRom). Deutschs Bekleidungsgesellschaft m. b. H. Vertrieb von Herren- und Knaben-Garderoben zum Selbstkostenpreis+ 10 0/o Nutzen. Turmstr. 80 Gr. Frankfurter Str. 4 (Ecke Fruchtstraße) Chausseestr. 27 (Nahe Invalidenstraße) Neukölln, Bergstr. 7/8 (Ecke Prinz-Handjery-Straße) Durch unsere Verkaufsart„Selbstkostenpreis"-f- 10% macht das kaufende Publikum große Ersparnisse. Durch unsere Verkaufsart„Selbstkostenpreis"-j" 10% wird das kaufende Publikum vor Uebervorteilung geschützt. Durch unsere Verkaufsart„Selbstkostenpreis"-j- 10% erhält das kaufende Publikum gute Ware zu billigen Preisen. 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März, findet in den Armin. hallen, Kommandantenstraße S8/5g, eine lombimerte Versammlung statt. Tagesordnung: Gaukonferenz und Verdandstag. 171/5* Die Ortsverwaltang. Bekanntmachung betreffend die Wahlen zum Borstande der Orts- krankenkaffe der Gürtler zu Berlin. Gemäß§ 24 der Wahlordnung laden wir hiermit die Vertreter de» Ausschusses zur Vornahme der Wahl der Vorstandsmitglieder ein. Ei find zu wählen von feiten der Arbeitgeber 4 Borstandsmitglieder und 8 Ersatzmänner, von feiten der Arbeitnehmer 8 Vorstandsmitglieder und 16 Ersatzmänner. Die Wahl erfolgt am Montag, den S. April 1914, im Restaurant.Arminhallen-. Kommandanteustraste 58,39 und zwar für die Arbeitnehmer von 0—7 Uhr nachmittags» für die Arbeitgeber von'/, 8— 8 Uhr nachmirrags. Die Dahl ist geheim. Gewählt wird nach den Grundsätzen der Ver- hältniswahl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung. Di« Wahlzeit dauert 4 Jahre. Die Vertreter im Ausschutz werden hiermit aufgefordert, Wahlvorschläge gesondert für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer auszustellen und dem unterzeichneten Borstande spätestens bis zum SS. März 1914 einzureichen. Später eingehende Wahlvorschläge sind ungültig. Für die Wahlvorschläge gelten die§§ 7 und 8 der Wahlordnung entsprechend, jedoch genügt für die Wahlvorschläge der Wahlberechtigten die üntcrschrist von 8 Wahlberechtigten. Dle Wahlvorschläge werden von dem Vorstand nach der Reihenfolge ihres Eingangs mit OrdnmigSmimmern versehen und iönnen, soweit sie zugelassen sind, von den Ausschus tn. Kaffenlokat während der Dienftstunden von 8—1 Uhr eingese ., hen werden. Die Stimmabzabe ist an diese Vahworschläge gebunden. Sind aus gültigen Wahlvorschlägen im ganzen nur soviel wählbare Be- werber benannt, wie Vorstadsmitglieder zu wählen find, so gellen fie gemätz §§ 10 und 26 der Wahlordnung als gewählt. 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Die Rückwirkung emI)flD»> M. 23 745 406,93 beantragen wir, der Reserve B.......,. M, 2 500 000.— Ihr Abschlnsa-GratlflkaUonen an die Angestellten, 9000000,-» 550e 000,— au Überweisen. .Von dem dbrlgblelhenden Botrage von...... II. 18 MS 406,93 abzüglich M. 4 266 912,91 Vortrag auf neue Rech- nnng erhalten(nach S 93d der Satzungen) der Auf- ■lebtzrat and die Lokalausschüsse 1% Gewinnanteil mit m 978 494,61 Wir sedtlagen vor, von den restüehen...... H. 17 166 111�1 * Sapetdlvldende auf M. 200 000 000.— Bit...................» 19 OVO 600,— an vorteilen and den üeberschuss von..... M. 4 166 911,11 auf neue Beehnung vorzutragen. Aus diesem Vortrag wird der auf das neue Jahr entfallende Teil des Wehrbeitrags zu zahlen sein. Es würde demnach erhalten: jede Aktie von nom. M. 600—: M. 78.— k w»..« w 1-00—-» 130.-}=«H* Dividende. m«•»»«» 1600.—; w 200. J Wenn die Generalversammlung unsere Anträge genehmigt, so wllrdez� sich unsere bilanzmässigen Reserven erhöben auf: 1. Gesetzliche Reserve A•.••••••««• H. M38S 051.30 2. Reserve B..•■••«••••••••• 9* tl 595 816.42 S. Kontokorreot-Rceerva............. 7 016 652.28 jra»ammen M. 115 000 000,— 57�% dem Aktienkapitals von M. 200 000 000.—, Barl Ib. Im MAn 1914. Der Vorstand der Deutschen Bank. A. v, Gwlnnar. E. Heinemann. Dr. K. Helllorich. Paul M. Herrmann. C. KlSnne. P. Kankiewita. C. Michalowsky. O. Scfalitler, 0. Schröter. 0. Waascrmaun, Unserem Partcigcncjjen Rugo pock «chst leinet liehen©rnut Hnna Lampredht bie herzlichsten Giückwüniche zu ihrer hcuüqcn Bermähiung. Ibia Die Genosten und Genesstnnen deö 4. Kreises. Bez. 34» l. KVhlifc•�*'B r> Dem Gen osten Richard Ü si liowltn nebst seiner Li out< � Beda Bork die besten Glück-? Z wünsche zu ihrer Vermählung. � Tie Gen. d.«»1». Bz. S. Kr. -EtzEE««» Unserem Parteigenossen stf )Vlkre6 Oroer nebst örsot w die herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung. M« 36009960». G 6003.10060 4. S. Wahlkr. Bez. 780. Todes-Anzeigen SoziaitietnokrstiseheF Wahlverein Li 4. ßerl. Reichstagswahlkreis. Peiertburger Viertel. Bezirk 360. Den Mlglledern zur Nachricht, dab unser Genosse, der Arbeiter keorg Tbeuerkorn, Schreinerstr. 31, gestorben ist. Ehre seinem Nndenken: Die Beerdigung findet heute, nachmittags 3'j, Uhr. von der Salle des AndreaS-KirchhoseS in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht A1/L0 Oer Voratand. Deutseher Hetallarbeiter-Yerband 1 Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Schlosser Berko Wapniar am 5. März an Lungenleiden ge- storbe« ist. Die Beerdigung findet am Sanntag. den 8. März, vor mittag»'/«9 Ubr, von der«eichen Halle des jüdischen Kirchhofes in Weifiensee, Lothrmgenstrahe(neue Halle), au» statt. Ferner starb der Schlosser uns« Mitglied I Zentraiverbanil der Maschinisten d. Heizer sowie BeruIsp.Deotschl. Geschäftsstelle Groß-Berlin. Bezirk Köpenick. Am Dienstag, den 3. März, verstarb unser Mitglied, Kollege koong Deiß. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 7, März, nach- mittag« 3 Uhr, im Krematorium In Baumschulenweg statt. 153/7 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Geschaftsstellenverwaltung Verband der Lithographen, SteindrQekerQ.verwandten Hernie (Photographen.) Am Mittwoch, den i. März, starb unser treues Mitglied Hennsim Greßmann im Alter von 21 Jahren an hre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am sonniag, den 8. d, Mts., nach- mittag« 2 Uhr, auf dem neuen Pauls-Kirchhos in Plötzensee, See« stratze, statl, Rege Beteiligung erwartet Die Verwaltung der Filiale 11886 Berlin VI._ Alfred Ebel Schenkendors bei Königs-Wuster- hausen am 5. d. M. an Lungen- leiden. Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 8. März, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Dorsslrafie 6. aus nach dem Ge- meindejriedhof statt. Ehre ihre« Andenken! Rege Beteiligung erwartet 114/14 Die Drtsverwaitung. Verband der Pabrikarteiler Deutschlands. Zahlstelle OroB-Bcrlln. Am Donnerstag, den 5. März, verstarb unser Mitglied Wilhelm Wttke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Friedhoses in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Drtsverwaitung. Zentralverband der Asphaiteore. Ortsverwaltung Berlin. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß uAser Kollege Albert Baburschke am 3. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. März, nach. mittags 4'/, Uhr, aus dem Ariedens- Kirchhose in Niederschonhausen- Nordend statt. Zahlreiche Belelligung erwartet 283/3 Die Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den b. März, verschied nach schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, mein guter Vater, Sohn, Bruder und Schwager, der Chauffeur Max. Barz Sprengelstraße 3. Dies zeigt tiesbetrübt an Frau Emilie Barz. Die Beerdigung findet statt am Montag, den 3. Mär), nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Elisabelh- Gemeinde, Prinzen- Allee, au». 1162b xedsn wir jedem Filialen: Berlin Friedridistrasse 108 Ecke Johanmsstrssse Friedrichstrasse 138 vis-k-vis Komische Oper (Fahrstuhl) Königstrasse 20-21 (Fahrstuhl) neben Gumpert Rosenthaler Strasse 72 a Rosenthal« Platz Reinickendorfer Str. 4 am Weddingplatz bis Sonntag, d. 29. März inkl. eine Schwarzmalerei, der sich in dieser Zeit eine Aufnahme bestellt Schöneberg Hauptstrasse 19 (Fahrstuhl) Neukölln 12 Visits Q'a°!-A"s"lir� 1,80 12 Kabinetts 4.30 12 ViS itS für Kinder. 2.50 an an an Bergstrasse 151-152 in der Passage(Fahrstuhl) Günstige Gelegenheit für Konfirmanden! Man achte genau auf die Grösse und Ausführung unserer Gratis-Bilder Oöffnet von 9—7 Uhr Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Am 4. SHärj starb unser Mit- glied, der Maurer Karl Schenk (Bezirt Tegel). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS Ge« meinde-Frtedhose« w Tegel aus statt. 14l/S Der Borstand. Am Dienstag, den 3. März. abends 11 Uhr, verschied nach langem, schwerem Leiden im KS. LebettSjahre meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Groß- mutter Anna Schulz. Die« zeigt tiesbetrübt an HVilhelm Scholz! nebst Kindern. _ Die Einäscherung findet heute Sonnabendnachmiitag 5 Uhr im Krematorium zu Baumschutenweg statt. l07A Danksagung. Für die vielen Beweise herz. lichster Teilnahme bei der Beerdi- gung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unseres guten Vaters, des Bergolders Hermann Richter sagen wir allen Freunden und Bekannten, besonders den Herren Chess und den Kollegen der Firma Petzold u. Klein, dem IS. Bezirt des Wahlvereins, dem Deutschen Holzarbeiierverband und dem Ge- sangverein.Hoffnung" unseren herz- liehen Dank. 11241 Anna Richter nebst Kindern. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Nowawes n. Umg. Die Wahlen der Borstandsmltglteder finden nicht am 23. März, sondern erst am 30. März in den bekannt gemachten Lokalen statt. Die Wahl- vorschlage find bis zum 14. März einzureichen. 269/1? Her VorKtond. __ gez. Kerftcn, Vorsitzender. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden beim tinscheiden unsere» lieben Sohnes, rüder« und Schwagers, des Trans- Portarbeiter« Witbelm Kuhlmann sagen wir allen Beteiligten unseren aufrichtigsten Dank. 102A Die Hinterbliebene«. 6—700 Anzöge sowie Setrsgcne Zommerpatetots n.Wer IHonatogarderobo in feinften Werkstätten Berlins gearbeitet, teils aus Seide sür jede Figur Passend, verkaust zu staunend billigen Preisen Nathan Wand ILi» Sfnlibct Str. Iii». Hochbahnstati»nKottbus»rTor. Bitte im eigenen Interesse auf Hausnummer zu achten. Abt. II: Nene Garderobe. teppdecken größte Auswahl, billigst auch Ausarbeiten alter Steppdecken. Bernhard Strohmandel. Fabrik Berlin. Wallstr. TL.' Wliel-Lol»« t.Deschäit! Gr. Frankfurter Str. 58 2. 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MSrz, stattfindende» Wahlen zur Gc- «eindevertretuiig werden, wie der Verlauf der Wahlbewegung zeigt, z« einem schweren Kampf zwischen den gesamten bürgerlichen Rich- tungen einerseits und der Sozialdemokratie andererseits führen. Mit dem Wachstum der sozialdemokratischen Stimmen ist die Parter dem Zeitpunkte, einen der ihrigen ins Gemeindeparlament zu schicken, immer näher gerückt und bei den letzten Wahlen stand der Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten aus des Messers Schneide. DaS war für die bürgerlichen Parteien der Anlaß, gemeinsam»nd unter einer Organisation die Sozialdemokratie zu bekämpfen und den sogenannten Kommunalverband zu gründen, dessen Aufgabe es sein sollte, möglichst geräuschlos und. unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit zu den Gemeindewahlen Stellung zu nehmen und die ihm genehmen Kandidaten aufzustellen. Dieser bürgerliche Kommunalverband ist in der Hauptsache das Werk der Grundbesitzerpartei, die bekanntlich das Rat- hauS uneingeschränkt beherrscht; tatsächlich find von 8 0 Mitgliedern der Gemeindevertretung 27 Grundbesitzerl Da unter diesen Umständen die herrschende Gesellschaft sich die größte Mühe gibt, das.Erworbene' zu erhalten, und nebenbei noch mehr heraus« zuschlagen, versteht fich von selbst. Es ist bezeichnend, daß dieser bürgerliche Kommunalverband zum größten Teil aus Wählern der ersten und zweiten Klasse besteht, daß diese beiden Wählerklassen ihre Kandidatur selbst aufstellen, während der Kommunalverband die Kandidaten sür die dritte Klasse aussucht, auf ihre.Gesinnungen' und ihre .Brauchbarkeit'.prüft' und sie den Wählern a u f z u- zwingen sucht. Dadurch soll erreicht werden, die Arbeiter- klasse sür alle Zukunft von einer Vertretung im Gemeindeparlament auszuschließen. Inzwischen haben sich Wähler aus den Kreisen der Beamten und Angestellten gegen diese Diltatur des Kommunalverbandes empört, ebenfalls Kandidaten aufgestellt und zwar— Grundbesitzer und abhängige Beamte, obwohl von der Sorte mehr als genug fich auf dem Rathaus befinden. Dabei geben fte vor, die Interessen der Mieter zu vertreten, während sie in demselben Atemzuge hoch und heilig beteuern, fich nicht gegen die heiligen Jnterefien des Grundbesitzes wenden zu wollen. Auch von den sogenannten.öffentlichen' Versammlungen dieser Wählergruppen waren die Sozialdemokraten ausgeschloffen worden. Die Kaybalgereien dieser Cliquen unter sich, hindert sich nicht min- bestens einig zu sein im Haß gegen die Sozialdemokratie; alle haben die Erklärung abgegeben, bei einer Nachwahl gegen sie zusammen- zustehen. Der angeblicd.parteilose' Lichterselder Lolal-Anzeiger,«in eifriger Abnehmer von Reichsverbands-Artikeln, brachte am 2. März einen Leitartikel mit der Uederschrift: Seid einig! im Hinblick auf die bevorstehenden Gemeindewahlen. In diesem Arlitel wird sogar der lieb« Gott gegen die Lichter- selber Sozialdemokratie mobil gemacht. llnd all das weil die Arbeiterschaft, die-inen erheblichen Teil zu den Gemeindelastcn beiträgt, das Recht fllt fich beansprucht auf dem Rathaus vertreten zu sein. Wir geben daher der Erwartung Ausdruck, daß die Arbeiter- schast diesmal alle« daran setzen wird, schon bei Hauptwahl den Sieg zu erringen, um den feindlichen Brüdern die für d« Stichwahl gelobte Eimgieit zu ersparen. Mariendorf. An? der Gemeindevertretung. Vor Eintritt m die Tages- Ordnung gab der Amtsvorsteher bekannt, daß der Gemeinde- verordnete$ahn(©Übende) sein Mandat niedergelegt hat.— Bei der Kenntnisnahme der Bestimmungen über die Gewährung schul- geldfreien Unterrichts an den höheren Lehranstalten wurde von Bürgerlichen beantragt, ganze Freistellen zu gewähren, sobald in einer Familie mindestens 3 Kinder die hiesigen höheren Schulen besuchen. Unsere Genossen wandten sich gegen diesen Antrag, weil für die höheren Schüler schon jetzt bedeutend höhere Summen wie für Volksschüler aufgewendet werden. Der von unseren Ge- nassen hierzu gestellte Antrag, daß religiöse und politische Anschau- ungen der Eltern keinen Grund für die Zurückweisung begabter Bolksschüler von den höheren Lehranstalten sein dürften, fand keine Annahme. Ebenso wurde der von den Bürgerlichen gestellte An- trag abgelehnt.— Zur Unterstützung arbeitsloser Einwohner waren auf Antrag unserer Genossen 2000 M. bewilligt und die ganze Materie einer Kommission zur Vorberatung überwiesen. Die Kommisston empfiehlt der Vertretung nunmehr folgenden Beschlutz zur Annahme:.An arbeitslose Einwohner, die mindestens 1 Jahr am Orte wohnen und 4 Wochen ununterbrochen arbeitslos sind, sind zinsfteie Darlehen bis 40 M. zu gewähren. Die Darlehen werden nicht als Armenunterstützung angesehen." Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.— Die Vergebung der Haus- anschlutzarbeiten für daS laufende RechnungSiahr werden einer hiesigen Firma übertragen. Der übrige Teil wurde nichtöffentlich verhandelt. Ans zur Gemeiudewahl! Morgen Sonntag, den 8. März, finden am Ort die Gemeindewahlen tür die 8. Abteilung statt. Gewählt wird in zwei Bezirken und zwar: Für den 1. Bezirk(südlich des Kanals) in der Turnhalle der 1. Gemeindeschule, Chauffeestr. 137. Kandidat Genosse Franz G u t s ch m i d t. Für den 2. Bezirk(nördlich deS Kanal?) in der Turnhalle der S. Gemeindeschule, Eingang Werderstr. 24. Kandidat Genosse Alfred Schröder. Wahlzeit von 11 Uhr vormittags bis v Uhr nachmittags. Wahlberechtig', ist jeder, der das 24. Lebensjahr vollendet, zur- zeit der Ausstellung der Wählerliste ein Jahr am Orte ansässig war und in die Wählerliste eingetragen ist, auch wenn er am Tage der Wahl nicht mehr am Orte wohnt. In der 1. Abteilung sind 13 Wähler, in der 2. Abteiung 297 und in der 3. Abteilung 2484 Wähler; daS heißt jeder Wähler der 2. Ab- teilung hat über 8 mal, und jeder der 1. Abteilung 138 mal so viel Recht wie ein Wähler der 8. Abteilung. Dieser skandalöse Zustand sollt« jeden einzelnen veranlassen, morgen, gleich bei Eröffnung der Wahl an Ort und Stelle zu sein und durch Abgabe seiner Sttmme sür die obengenannten Kandidaten Protest einzulegen gegen ein System, daS solche Ungeheuerlichkeiten ermöglicht. Tröste fich niemand damit, daß er meint, die Gegner arbeiten ja gar nicht und der Sieg ist doch unser; o sie arbeiten im stillen desto intenfiver. Aber diese SiegeSgewißheit und der Ansturm der Gegner mit 150 Papier- stimmen kostete uns vor sechs Jahren zwei Mandate der 3. Ab- teilung.— Arbeiter, Wähler der 3. Abteilung nützet wenigstens Euer kümmerliches Wahlrecht. Jeder bringe als Legitimation die amtliche Wahlkarte oder wer eine solche nicht erhalten, die Steuerquittung mit. Auf zur Wahl! Köpenick. Die ArdeitSlosenftagr und deren Behandlung im Stadtparlament lautete die Tagesordnung einer gut besuchrcu öffenlticheu Bersainm- lung. Der Referent, Genosse Galle, legte in seinem Vortrage dar, daß stets nur die Vertreter der Arbeiterschaft in Reich, Staat und Kommune ernsthaft bestrebt gewesen seien, die Not der Arbeitslosen p» ltudern. Dem ablehnenden Verhalten der bürgerlichen Vertreter in allen Parlamenten sei eS zuzuschreiben, daß etwas Durchgreifendes auf diesem Gebiete bisher mcht geschaffen wurde. Einzelne bürger- liche Vertreter der Stadt Köpenick hätten es sogar al§ Sünde be- zeichnet, wenn man noch mehr für die Arbeitslosen tun würde. Dabei habe man bisher die horrende Summe von 15 000 M. bewilligt, um Notstandsarbeiten auszuführen. Zu erwähnen sei, daß diese Summe bei weitem nicht aufgebraucht wurde, da einesteils Frost den Arbeiten ein Ende machte, andernteils die Arbeiten abge- brachen wurden. Der niedrige Lohn von 2,20 M. pro Tag trägt auch dazu bei, manchen Arbeitern diese Arbeit zu verleiden. Alle bürgerlichen Vertreter hätten des weiteren gegen den Antrag unserer Genossen gestimmt, 6000 M. zu zinslosen Darlehen an Arbeitslose zu bewilligen. In der Versammlung vmrrden diese und ander« Borgänge auch von Diskussionsrednern gebührend gekennzeichnet. Nach- stehende Resolutton gelangte zur einstimmigen Annahme: .Die am 3. Marz im Stadttheater Versammelten nehmen Kenntnis von den von der Stadt ergriffenen Maßnahmen zur Linderung der Not der Arbeitslosen. Sie bedauern lebhaft, daß in dieser' Richtung nicht mehr getan wurde. Die Versammelten find der Ansicht, daß bei gutem Willen eS der Stadtverordnetenversammlung möglich gewesen wäre, de» unverschuldet Notleiden- den zu helfen. Die Versammelten protestieren ferner gegen Ausführungen einzelner bürgerlicher Vertreter bei den letzten Verhandlungen, die jede Kenntnis der wirklichen Verhältnisse vollständig vermissen lassen) In Erkennung der ganzen Sachlage geloben die Anwesenden, mehr noch als bisher für den Ausbau der politischen und gswerk- schaftlichen Organisationen einzutreten, denn nur durch diese wird eS möglich sein, den Kampf für volle polittsche und Wirt- schaftliche Freiheit zum siegreichen Ende zu fiihren." Lichtenrade. Die am Donnerstag stattgefundene Gemeindevertreterwahl der dritten Abteilung hatte folgendes Resultat: Der Kandidat des OrtSvereins erhielt 172, unser Kandidat, Genosse Emil Groß, 108 und der Kandidat der Bürgerlichen Vereinigung 82 Stimmen. Somit findet eine Stichwahl statt zwischen dem Kandidaten der Sozialdemokratie und dem Ortsvereiuler; dieselbe ist auf Sonntag, den Ib. März, nachmittags 1— S Uhr, im Wirtshaus Lichtenrade, am Bahnhof, festgesetzt. Lanktvitt. Die Etatsberatung am Donnerstag benutzte der Gemetnievor steber zu einer reichlich zweistündigen Wahlrede. Er glaubte wohl den bürgerlichen Vereinen durch diese Rede den Kampf gegen die verhaßte Sozialdemokratie bei den bevorstehenden Wahlen zu erleichtern. Es ist selbstverständlich, daß der Gemeindevorsteher alles aufs rosigste schilderte. Besonders meinte er sich gegen den Vorwurf der Schuldcnwirtschast wehren zu sollen. Alle seine Reden können aber die Tatsache nicht au« der Welt schaffen, daß die Ge- meinde Lankwitz in den 6 Jahren der Tättgkcit des jetzigen Ge- meindevorstehers 7 Millionen Mark neuer Schulden gemacht hat, so daß jetzt die stattliche Summe von 10 Millionen Mark Schulden erreicht ist, waS bei etwa 11 000 Einwohnern sicherlich als.groß- zügig" angesprochen werden kann. Mit besonderer Energie wehrte sich der Gemeindevorsteher gegen die Behauptungen, die Gemeinde- Vertreter seien abhängig von ihm, und eS sollte wohl ein besonders geistreicher Witz sein, als er die Frage stellte, ob wohl der sozial- demokratische Gemeindeverireter, Genosse R a d e ck e, von ihm ab- hängig ist. Nein, Herr Gemeindevorsteher, der Genosse Nadecke ist nicht abhängig von Ihnen, und daS ist eS ja gerade, was ihm die Möglichkeit gibt, eine segensreiche Krittk an Ihren Maßnahmen zu üben und Ihnen oft so unbequem zu werden, so daß Sie keinen sehnlicheren Wunsch kennen, als diesen Gemeindeverordneten bei den bevorstehenden Wahlen aus dem Rathause entfernt zu sehen. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft von Lankwitz darf es nicht zugeben, daß die letzte Opposition aus dem Rathause verschwindet und daß dann nur noch die.Fraktion der Köpfenicker", wie der Lonkwitzer Volksmund die bürgerlichen Gemeindeverord- neten nennt, die Sessel des Sitzungssaales drücken. Den Arbeitern sei auch besonder? eingeprägt, daß der Gemeindevorsteher auf- zählte, welche Stände und Berufe er im Rathause vertreten zu sehen wünscht, und er nannte sie alle: die G r o ß i n d u st r i e l l e n, Gelehrten, Kaufleute, Großgrundbesitzer, Hand- werker, Beamten. Nur einen Stand wünschte er nicht ver- treten: nämlich die A r b e i t e r s ch a f t. ES ist ein anerkennendes Dokument für die Töttgkeit des Vertreters der Arbeiterschaft, daß der Gemeindevorsteher diese nicht mehr vertreten sehen will. In einer etwa einstündigen Rede zerpflückte Genosse R a d e ck e die Rede des Gemeindevorstehers aufs gründlichste. Schonungslos kritisierte er die Tatsache, daß der Herr Gemeinbevorsteher sich persönlich an der Auswahl der bürgerlichen Kandidaten beteiligt, und daß das Amtsblatt gegen bürgerliche Kandidaten, von denen anzunehmen ist, daß sie nicht nur dauernd mit dem Kopf nicken, aufs schärffte losziehen muß. Während sonst die Wahlen stets in den ersten Tagen des März stattfanden, stno sie diesmal noch gar nicht ausgeschrieben, nur weil der Gemeindevorsteher immer noch eine Einigung der bürgerlichen Vereine erhofft. Sichtlich unbequem war dem Gemeindevorsteher die Anfrage, wo er das Recht herleitet, neben seiner Stellung als Gemeinbevorsteher, die mit 12 000 M. bezahlt wird, sich als Vorsitzenden des AuffichtZratS einer Grund« stücksgesellschast 2000 M. Gehalt zahlen zu lassen, während den übrigen Gemeindebeamten jede Nebenbeschäftigung verboten ist. Sehr energisch wandte sich der Redner gegen den Bodenwucher, den die Gemeinde treibt. Ein Grundstück, das die Gemeinde vor wenigen Jahren für bb M. pro blute gekaust hat, wurde jetzt für 600 M. pro Rute verkauft. Dann braucht man sich nicht zu wundern, daß die Mieten unerschwinglich sind. Hand in Hand mit diesem Boden- Wucher wird von der Gemeindeverwaltung der Kampf gegen die Kleinwohnungen geführt. Radecke konnte Fälle vorbringen, wo Bauherren die Zeichnung zurückgesandt wurde, mit dem Vermerk, eS müssen größere Wohnungen gebaut werden. Zweizimmer-Woh- nngen werden einfach nicht mehr genehmigt. Eine sonderbare Art der Arbeitsvergebung existiert in Lankwitz. Wer von der Gemeinde einen größeren Auftrag erhalten will, muß entweder von der GrundstückSgesellschaft— die die Ehre hat, den Gemeindevorsteher zum besoldeten BuffichtsratSvorsitzenden zu haben— ein Grundstück kaufen oder mindestens eine große Wohnung mieten. Da die Unternehmer diese Uebung schon kennen, ist es klar, daß die Zinsen für solche Grundstückspreise bei den Preisen mit einkalkuliert sind. Auch das sozialpolitische Sündenregister ließ Genosse Radecke Revue passieren. Der Herr Gemeindevorsteher begeistert sich sehr für ge- meinsamen Einkauf von Kohlen und Koks für Hausbesitzer, hat aber nichts übrig für den gemeinsamen Bezug von Kartoffeln und anderen Lebensmitteln für arme Leute. Bei der Arbeitslosen- fürsorge hat Lankwitz gleichfalls völlig versagt. Nicht einen Pfennig hat man bewilligt, ließ aber trotzdem das amtliche Wurstpapier schreiben, daß in Lankwitz niemand betteln brauche, da in auZ- reichendem Maße für die Armen gesorgt sei. So hat man für die Armen neben der Rücksichtslosigkeit noch den Spott übrig. Auch Einrichtungen wie Schulzahnpflege, Schülerspeisungen sind in Lank- Witz unbekannt. Aber für die Ausübung des Rudersports der Schüler des Realgymnasiums ist Geld vorhanden. Wenn eS sich ferner darum handelt, den Aermsten der Armen, deren Einkommen noch nicht 900 M. erreicht, die Steuern zu erlassen, dann hat die stolze Gartenstadt Lankwitz kein Geld. Zur Generaldebatte sprach außer dem Genossen Radecke nur noch Herr Krohn, der um Entschuldigung bat, daß er früher einmal Opposition gegen die Majestät des Gemeindevorstehers getrieben hat und im übrigen Besserung gelobt«, Der Gemeindevorsteher hatte auf die Anklagen des Genossen Rad ecke nichts zu erwidern, wohl weil es nichts zu erwidern gab. In der Spezialdebatte hatte auch nur unser Vertreter Anträge zu stellen; die bürgerlichen Herren hatten sich scheinbar den Etat noch gar nicht einmal angesehen. Ein Antrag, die Gemeinde möge den Kleinwohnungsbau fördern, wurde abgelehnt. Dagegen stimmte auch der Vertreter der dritten Klasse, Hildebrand, der Vor- sitzender des KriegervereinS ist, trotzdem die meisten de? Krieger- Vereinsmitglieder Proletarier sind. Ter Herr Direktor des agrari- schen Kalisyndikats, Förth mann, meinte, die Arbeiter sollten nur die östlichen und nördlichen Vororte beglücken, die westlichen und südwestlichen Orte seien für wohlhabendes Publikum bestimmt. Die Angst, die die Bürgerlichen vor den Gemeindewählen haben, zeigt deutlich daß dieses Mal als einziger der Antrag deS Genossen Radecke angenommen wurde, die Zcnstten unter 900 M. Einkommen von den Steuern zu befteien, während derselbe Antrag noch im vorigen Jahre glatt unter den Tisch fiel.. Die Aermsten der Armen, die nun keine Stenern mehr zu zahlen haben, werden wissen, daß sie diese Erleichterung nur dem unermüdlichen Drängen deS sozialdemokratischen Vertreters verdanken.\ Zu bemerken ist von der Sitzung sonst noch, daß di« Gemeinde» steuern weiter IIb Proz. betragen. Die KanalisationSgebühren sind um ein% Proz. reduziert, dagegen find die Gebühren für die Straßdnreinigung von bb auf 60 Pf. pro laufenden Meter erhöht worden. Die letzte Gemeindevertretersitzung hat so recht gezeigt, wie dringend notwendig es ist, daß die minderbemittelte BevAke- rung von Lankwitz mit aller Kraft dafür sorgt, daß der Wunsch des Gemeindevorstehers und seiner Knappen, ein sozialistenreines Gemeindeparlament zu schaffen, nicht erfüllt wird, sonder» daß die Genossen Lange und R a d e ck e mit großer Mehrheit inS Rathaus gewählt werden. Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung am DonnerSiay wurde wieder um 4 Uhr eröffnet, trotzdem die Stadtverordneten vor etwa 3 Monaten beschlossen hatten, mit, den Sitzungen erst um 6 Uhr zu beginnen. Die Tribünen waren zum Teil mit Hausbesitzern überfiillt, stand doch die Beratung über den Kleinhausbau auf der Tagesordnung. Zu Beginn der Sitzung verlas der Vorsteher ein Schreiben der Arbeiter-Samariterkolonne, die mit Rücksicht auf ihre gemeinnützige Tätigkeit um eine städtische Beihilfe von 300 M. ersucht. Das Gesuch wurde zur Vorberatung dem ersten Ausschuß überwiesen. Hierauf wurde in die Beratung über den Vertrags- entwurf zur Uebernahme der Garantie für die erste Hypothek der Aktiengesellschaft für Kleinhausbau eingetreten. Es sollen �twa 250 Kleinhäuser an der Hamburger Straße errichtet werden und die Stadt soll die selbstschuldnerische Bürgschaft für 750 000 M., die von der Landesversicherung hergegeben werden, übernehmen. Hierzu lag eine Beschwerde des Grundbesitzervereins vor, daß die Beschaffung von zweilen Hypotheken, die ein.Antrag deS Vereins bezweckt, noch nicht erledigt sei. Ferner wandte sich daS Schreiben gegen die Bevorzugung der Aktiengesellschaft für KleinhanSbau. Der Berichterstatter Stadtv. Bender bat um Annahme derselben, da genügend Bewerber für die Wohnungen vorhanden seien. Spandau müsse verhindern, daß eine Anzahl Steuerzahler nach Staaken ziehen, da dort auch eine Kleinhaussiedelung geplant sei. Oberbürgermeister Koeltze betonte, daß Spandau vor einer Wohnungsnot stehe. Die Stadt habe großen Grundbesitz»nd durch die Ansiedelung werde auch der Wert deS Grund und Bodens wachsen. Stadtv. Rupke wandte sich gegen die Garantieübernahme durch die Stadt, Iveil dadurch die Unternehmer 300 000 M. ver» dienen würden. Die Stadt solle lieber von ihrem großen Land- reichtum Bauland hergeben. Dann klagte Redner noch über die Not, die Sorgen und den Dalles der Hausbesitzer. Stadtbaurat Gebensleben widerlegte die Ausführungen deS Vorredners. Nach seiner Berechnung betrage der Verdienst der Unternehmer etwa 20 000 M., waS bei dem großen Risiko nicht zu boch sei. Gen. Pieck wunderte sich, daß die Vorlage auf solchen Wioerstand stoße. Als sich die Stadtverordneten vor drei Monaten mtt der Angelegenheit beschäftigt hätten, sei große Begeisterung dafür vorhanden aeioesen. Er habe damals den Antrag gestellt, die Stadt solle den B«m von Kleinwohnungen in eigene Regie übernehmen, aber er habe wenig Zustimmung gefunden. Nach endloser Debatte, die sich 33* Stunden hinzog, wurde die Magistratsvorlage mit 81 gegen 14 Stimmer; abgelehnt. Mit großer Mehrheit wurde hierauf der Antrag Grätschet angenommen, wonach die Stadt selbst den Bau von kleinen Wohnungen aus eigenem Grund und Boden in die Hand nehme» solle. Für den Bau des Oberlyzeums wurde die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 910 000 M. beschlossen, die mit 8)* bis 4% Proz. zu verzinsen und mit 1� Proz. zu tilgen ist. Zur Er, richtung einer Erfrischungshalle an der Endhaltestelle der Straßen- bahn am Johannesstift wurden 11 800 M. auS dem nächstjährigen Etat bewilligt. Zum Schluß nahmen die Stadtverordneten noch Kenntnis von einem Schriftwechsel mit dem Magistrat betr. Er- richtung einer Badeanstalt in der Wilhelmstadt. In den nächste» Wochen soll ein Plan der Badedeputation vorgelegt werde« und i» etwa 5 bis 6 Wochen soll die Vorlage der Stadtverorbnetenve», sammlung zugehen. Dabendorf bei Zossen. Heute Sonnabend finden in unserem Ort die Gemeindewahlen statt. Die dritte Klasse wählt von 5—7 Uhr. die zweite von 7'/, bis 8 Uhr, die erste von 8'/«— S'/s Uhr. Kandidaten find: in der dritten Klasse Hermann S t o l p, in der zweiten Klasse Gustav D a n n o w s k i und in der ersten Klasse R e i ch st e i n. Die Genossen Groß-Berlins werden ersucht. Dabendorfer Wähler a»s ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Jngendveranstalwttge». Eharlottrnburg. Für die arbeitende Jugend finden w diefer Woche solzende Veranstaltungen statt: Sonntag, den 8. März: Vormittag« veiuch des Naturkunde-Museums. Abmarsch 11 Uhr vom Jugendheim. Abend»: Unterhaltungsabcnd im Jugendheim.— Montag: DistuifionSabcnd.— Freitag: Madchenabcnd.— Sonntag, den 15. März: Ausflug nach Ftnken- lrug Abmarsch srüb 3 Uhr pünktlich vom Luisenplatz.— Anmeldungen sür die dreitägige Pfingftpartie nach Ruppiner Schweiz, Rhewsberg-Mecklenbnrg werden im Jugendheim, Rosincnstr. S, Seilenflügel, entgegengenomme». (Kostenpreis 5 M.)_ Eingegangene Druckschristen. Was fordern die Sozialdemokraten von der Gemeinde Wien? Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand n. Co., Wien VI, Gumpendorfer Straste 18. Pitts 10 Pf. Das reiche Deutschland. Ein Wehrbeitrag do« A. Steimmmw- Bucher. 1.40 M.— L. Stmion. Berlin W 57. 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