Mr. 66. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl 8,30 t, monatl. 1,10 2, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boit. bonnement: 1,10 Mart bro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Tür Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte 2ort 20 Big.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1983. Sonntag, den 8. März 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Ein neuer Polizeischlag gegen die Rote Woche. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß die Polizei. den Anschlag sowie den Aushang des nachstehenden Plakates verboten hat: Es geht aufs Ganze! Uebermütiger als je erhebt sich die Militärherrschaft! Das Koalitionsrecht will die Reaktion uns rauben! Gegen die Arbeitslosigkeit will sie nichts tun! Die Dreiklassenschmach hält sie aufrecht! Die Zollwucher- und Teuerungspolitik will sie verschärfen! Für Abwehr wirkt einzig und allein nur die Sozialdemokratie! Ehrenpflicht aller Arbeitenden und Freiheitsliebenden ist es deshalb, sich unverzüglich dem Sozialdemokratischen Wahlverein ihres Kreises anzuschließen und den GG ,, Vorwärts' zu abonnieren! Aufnahmeerklärungen und Abonnements- Bestellungen werden hier entgegengenommen! 11 Herr Dr. v. Jagow scheut keine Anstrengung. Jeden das längst veraltete plakatgesek endlich beseitigt werden breiten Massen gelangt, sorgt ja die Veröffentlichung im Tag ein neues Verbot! muß, seitdem es einen Jagom gibt, der es in dieser Weise Vorwärts". Und daß der Aufruf befolgt werde, dafür Wir müssen gestehen, der Herr Polizeipräsident erweckt anwendet. Dem Polizeipräsidenten wird es auch gelingen, werden in dieser Woche Tausende und Tausende emsiger unsere Bewunderung. Er ist in seinem Fache ein wahrer den Feuereifer unserer Genossen noch mehr anzuspornen, um Parteigenossen unermüdlich tätig sein. Die Blafate werden Meister. Ihn fümmern feine Nebenwirkungen, ihn erfüllt der Roten Woche einen glänzenden Erfolg zu ja nicht aushängen, da es keinen Sinn hätte, der Polizei die reine Freude an der Ausübung seines Berufes. Er ver- sichern. Den Beitritt zum Wahlverein und das Abonnement Gelegenheit zu Strafmandaten zu geben und unser gutes bietet um des Verbietens willen, ohne zu fragen, was für auf den Vorwärts" kann ja keine Polizei verbieten. Ein Geld in die staatlichen Kassen zu leiten. Der AktionsFolgen solche Verbote denn eigentlich haben können. Wir Helfer unserer Agitation, nicht ein Hinderer ist ja der Na- ausschuß ersucht deshalb auch ausdrücklich darum, die aber freuen uns der Folgen! Herrn v. Jagow wird es ge- poleon vom Tiergarten von jeher gewesen. Aushängung zu unterlassen. Um so eifriger aber lingen, selbst den bürgerlichen Parteien flarzumachen, daß Dafür, daß der Inhalt des Plakats zur Kenntnis der wird der Vorwärts" berbreitet werden. Der Zweck ber Plakate wird somit durch das Verbot nur noch ge- fördert. Im übrigen aber hat der Herr Polizeipräsident auch noch in anderen Weise für die Erheiterung Berlins gesorgt. Wir haben gestern mitgeteilt, daß unbegreiflicher- weise das Plakat für den Frauentag verboten wor- den ist. Auf die Beschwerde des Genossen E r n st an den Herrn Heraus mit dem Frauenwaiilrecht! Nur daß auf dem Plakat das Dallwitzsche„D a s" in I den Anschlagsäulen prangt, dann wissen die Leser, wem sie die betrübtem Schwarz, das„Frauenwahlrecht" aber in sieg- Korrektur zu verdanken haben. Und lachend können sie sich haftem Rot strahlt. Wenn also das abgeänderte Plakat auf sagen: Muß der Mann Sorgen haben! v. Dallwitz erhielt heute das Plakatierungsinstitut die Mitteilung, daß das Plakat angeschlagen werden dürfe, wenn die Tagesordnung nicht mehr lautet:„Herausmitde m" Frauenwahlrecht, sondern„Besprechung über" oder „Das" Frauenwahlrecht. Tie Abänderung des Plakates wollen wir unseren Leseri« nicht vorenthalten. Sie sieht so aus: Frauenwahlrecht! Mermais Kronprinzenbeleiöigung! Der Redakteur des„Vorwärts" Genosse Dr. Metier ist ani Sonnabend wegen Beleidigung des Krön- Prinzen Friedrich Wilhelm zu drei Monaten Ge- sänguts verurteilt worden. Das ist binnen wenigen Tagen der zweite Fall. Soeben erst die Verurteilung des Schrift- stellers Hans Leuß zu sechs Monaten und gleich darauf die Verurteilung des„Vorwärts"-Redakteurs zu drei Monaten. Damit ist aber das Unheil, das die kronprinzliche Abschieds- cpistel an sein Regiment angerichtet, noch nicht zu Ende, denn schon steht ein dritter Prozeß wegen Kronprtnzenbeleidigung bevor, der gleichfalls wegen Glossierung des Kronprinzenbriefes angestrengt worden ist. Sind schon Kronprinzenbeleidigungen an sich eine Rarität, so dürfte eine solche Häufung von Krön- prinzenbeleidigungsprozessen vollends zu deu größten politischen Seltenheiten und Seltsamkeiten gehören. Und es bedeutet gerade keine Schmeichelei, weder für unsere Gerichte noch für unsere politischen Zustände überhaupt, daß gerade das Preußen des zweiten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts eine solche Aera der Kronprinzenbeleidigungsprozesse erleben konnte. Man scheint sich denn auch dieser Prozesse einigermaßen zu genieren. Wenigstens vermögen wir nur auf eine solche Empfindung den Ausschluß der Oeffentlichkcit bei den Verhandlungen zurückzuführen. Der Aus- schluß der Ocffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen kann erfolgen wegen Gefährdung der Sittlichkeit und der öffentlichen Ordnung. Die Sittlichkeit spielt bei den Krön- prinzenbeleidigungsprozessen keine Rolle, und eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch die inkriminierten Artikel kann ebenso wenig in Frage kommen. Wohl aber könnte das Gericht Besorgnis hegen, daß bei der Erörterung der politischen Aktionen des Kronprinzen Dinge zur Sprache kommen, die den herrschenden Kreisen und Klassen peinlich und unbequem wären und dergestalt biä«öffentliche Ordnung" gefährdeten. Run freilich glauben wir, daß eine solche Definition des Begriffs der öffentlichen Ordnung allzusehr nach subalternem Polizeigeist schmeckte und einer modernen und u n a b- h ä n g i g e n Rechtspflege wenig anstände l Denn die Gerichtsverhandlungen soll ja Möglichkeit der Anteilnahme Rechtspflege geben— und Kontrolle mehr am Platze, Prozessen? Wenn es aber gegeben hat, so sind die Öeffentlichkeit der gerade dem Volke die und Kontrolle an der wo wäre eine solche als bei politischen je politische Prozesse Kronprinzenbeleidigungsprozesse als solche zu rubrizieren, und es gibt gar kein wirksameres Mittel, diese Prozesse von vorn- herein als Tendenz- und Klassenprozesse zu stigmatisieren, als wenn man für die Verhandlung die Öeffentlichkeit ausschließt. Ter Schriftsteller Hans Leuß wurde zu 6 Monaten Ge- sängnis verurteilt, weil er in einem politisch ernsten und sachlich scharfen Artikel dargelegt hatte, daß die politischen Kundgebungen des Kronprinzen das sicherste Mittel seien. die monarchische Idee zu diskreditieren und selbst unter den liberalen„Vernunftmonarchisten" dem Republikanismus An- Hänger zu werben. Aus dieser— wie gern zugegeben werden mag— nicht gerade von Begeisterung für den Monarchismus überströmenden Kritik(kein Mensch ist doch aber auch der- pflichtet, sich für den Monarchismus zu begeistern!) zog der Gerichtshof in verblüffenden logischen Saltos den Schluß, daß der Artikel die Absicht der„Mißachtung" und„Ehrverletzung", und zwar der„böswilligen Ehrverletzung" zweifellos erkennen lasse! Wehe also dem Journalisten, der eine Handlung eines gekrönten Hauptes oder eines Angehörigen seiner Familie je als etwas anderes qualifiziert denn als glorreichen Aus- fluß der Gottesgnadenerwähltheit. Nur dann steht ihm das Recht ehrlicher Kritik zu, wenn er eingeschworener Mon- archist istl Denn ist er Republikaner, so ist er von vornherein der„böswilligen Ehrverletzung" verdächtigl Un- glaublich! Der„Vorwärts"- Artikel, den am Sonnabend der rächende Arm der preußischen Justiz erreichte, war keine schtoerlötig-ernste Abhandlung über Monarchismus und Krön- prinzenpolitik. Es war eine harmlos leichtgeschürzte Satire ans das Kronprinzenschreiben an sein Regiment. Sie stammte von einem Feuilletonisten und machte nur von jenem Recht der Satire Gebrauch, das der Vater des Kronprinzen selbst in einem guten Augenblick humorvoll anerkannt hatte, als er den Karikaturen eines französischen Zeichners auf Wil- Helm II. für Teutschland den Freipaß erwirkte. Der öffentliche Ankläger, der am Sonnabend gegen die harmlose Satire des„Vorwärts" mit dem schwersten Geschütz staatsanwaltlicher Phraseologie zu Felde zog, besaß keine Spur jenes überlegenen Humors, den Wilhelm II. seinem französischen Karikaturisten gegenüber bewies und den wenigstens der alte Fritz der Legende dadurch betätigt haben soll, daß er einst selbst für die bequemere Lesbarkeit eines gegen ihn gerichteten Pasquills sorgte. Für den stirn- runzelnden Vertreter des Staatswohls existierte nicht das Recht der Satire. Wenigstens war ihm keine Ahnung der Erkenntnis aufgegangen, daß jeder Satire Fürrecht der Reiz zum Lachen ist und daß natürlich eine Sntire auf hen Krön- pmzenbrief, sofern sie nicht ihren Beruf total verfehlte, gleichfalls fröhliche Heiterkeit auslösen mußte. Ebensowenig schien dem Staatsanwalt die Ahnung aufzudämmern, daß solche Heiterkeit noch die denkbar harmloseste Form der öffentlichen Reaktion auf die Bekenntnisse des Kronprinzen- briefes darstellte? Der Staatsanwalt erblickte in seinem düsteren Jnquisitorenernst in der lustigen Verulkung nur die tückischste Verspottung, Verhöhnung und Lächerlichmachung des voraussichtlichen Thronfolgers, die gröblichste, hämischste und böslichste Ehrenverletzung. Und der Gerichtshof folgte befremdlicherweise dieser Auffassung und verurteilte den Genossen Meyer zu drei Monaten Gefängnis, obwohl er nicht eiimial der Verfasser des Artikels war, ja obendrein durchaus glaubhaft gemacht hatte, daß er die furchtbare „Parodie" wahrscheinlich nur sehr flüchtig gelesen haben konnte. Kein Zweifel: Unsere liebe Reaktion macht wieder ein- mal mit besonderem Eifer in Umsturzvernichtung, und unsere Gerichte sind wieder einmal besonders eifrig in der Ahndung politischer Staatsverbrechen. Wir tmben nichts dagegen, denn wir wissen nur zu genau, daß der Sozialdemokratie nichts mehr zum Vorteil ausschlägt, als eine solche fröhliche Sozialistenhatz. Was aber Monarchen- und Kronprinzenschutz im besonde- ren anlangt, so vermag es kein Staatsanwalt und kein Ge- richt durchzusetzen, daß gekrönte Häupter oder gar Krön- Prinzen als höhere Wesen respektiert werden, deren impul- sive Gefiihlsausbrllche gewissermaßen als unabwendbare Elementarereigniffe kritiklos hingenommen werden müßten. Das demokratische Selbstbewußtsein der Massen ist nncmfhalt- sam auf dem Marsche, und die Repräsentanten der Monarchie sind übel beraten, die eine Kritik der Demokratie noch ge- waltsam heraufbeschwören. Wenn sich aber vollends die Ge- richte ins Zeug legen, um die notgedrungene, im Interesse des öffentlichen Wohls gebotene Kritik an gemeinschädlichen Monarchen- oder Kronprinzen- Kundgebungen zu unterbinden, so vermögen sie das Ansehen der Monarchie nicht nur nicht zu reiten, sondern fügeg nur dem ohnehin gefährdeten Ansehen der Justiz den nuberechen- barsten Schaden zu! Sozialöenwkrotie unö Kolomal- politik. Generaldebatte über den Kolonialetat im RcichZtag. Herr Dr. Solf sitzt an seinem Platze. Um ihn herum ein paar uni, formierte und nicht uniformierte Herren. In der Budget-Kom- Mission berät man zurzeit noch die Spezialetats der einzelnen Kolonien, und was dabei ans Tageslicht gekommen, ist nicht gerade rühmlich für die Kolonialverwaltung. Nicht etwa, daß Herr Solf und seine Räte gleichgültig blieben den Negerschindereien, den Jwangsarbeitsverhältnissen gegenüber, den blutigen Mißhand- lungen, dem massenhaften Dahinsterben ganzer Negerstämme? Im Gegenteil! Er hat es säst in jeder Sitzung beteuert und in vielen Erlassen bewiesen, daß er glle diese Zustände genau so mißbilligt, wie jeder andere Kulturmensch, und daß er tut, was in seinen Kräften steht, um sie zu unterdrücken. Aber ist daS viel? Grundziel feiner Verwaltung ist und muß bleiben: die lapita- listische Ausbeutung der geraubten Gebiete. Dem muß sich alles andere unterordnen: Kultur und Christentum, Hebung der Ein- geborenen, Sanitätspflege und was sonst noch im Katalog all der Kolonialphrasen stehen mag. Ein abstoßendes Bild all der Scheußlichkeiten, die heute noch in den deutschen Kolonien passieren, entrollte in seiner wohldurch- gearbeiteten Rede der Vertreter der Sozialdemokratie, Genosse Di tt mann, und mit voller Schärfe bracht« er den ablehnenden Standpunkt der Partei dieser kapitalistischen Kolonialpolitik gegen- über zum Ausdruck. Freilich— das konnte auch Dittmann zu- geben— besser ist es geworden. Heute schickt man nicht mehr wie früher das menschliche Fallobst in die Kolonien, jene der- kommenen Burschen, die hier wegen allzugroßer Soldatenschinde- reien oder anderer Verbrechen sich nicht mehr halten konnten und die man deshalb nach Afrika abschob: Leist, Wehlau, Schröder, Arenberg usw. usw. Damals waren die deatschen Schutzgebiete in der Tat Verbrechcrkolonien, nur mit dem Unterschiede, daß die Verbrecher nicht hingeschickt wurden, um bestraft zu werden, son- dern umgekehrt, um ungestraft neue Verbrechen begeben zu können. Ihnen gab man die Eingeborenen als Freiwild, und sie wüteten in jenen entlegenen Distrikten wie die Raubtiere. Das ist jetzt, wie gesagt, besser geworden. Man ist jetzt in der Auswahl der auszusendenden Beamten und Offiziere vorsichtiger. Man duldet nicht mehr, daß sie die Eingeborenen abschießen, wie die Kaninchen, mbn ist im Gegenteil dazu übergegangen, als ersten Grundsatz der Kolonialverwaltung di« Forderung auszustellen: •Schutz der Eingeborenen! Woher dieser Umschwung? Haben die Herren sich plötzlich auf ihre Kulturmissiou oder gar aus ihr Christentum besonnen? Oder war vielleicht der Eindruck der sozialdemokratischen Kritik auf die wetterharten Menschenschinder von einst und damals so stark geworden? Wir wollen diesen Einfluß unserer jahrzehntelangen Tätigkeit gewiß nicht unter- schätzen, wir wollen ihn aber auch nicht überschätzen, ffnd deshalb sagen wir: was Kultur, Christentum und sozialdemokratische Kritik nicht vermocht haben: das kapitalistische Profitbedürfnis hat es'vermocht. Die Humanität warf bessere Profite ab, als die Barbarei, deshalb tvurde man— mit Erlaubnis zu sagen— „human" I Man erkannte, daß der Hauptwert der Kolonien in der eingeborenen Bevölkerung beruht; denn ohn« sie gibt es keine Arbeitskräfte« und ohne Arbeitskräfte keine Ausbeutung und Be- reicherung. Mso her mit der Humanität? Freilich, als man sich nun umsah und an die Stelle der bisherigen Ausrottungspolitik eine pflegssme Behandlung der schätzbaren Eingeborenen treten lassen wollte, erkannte man mit Entsetzen, daß fast nichts mehr zu Pflegen war. Und wie verfluchte man das Andenken au den Ausrottungsstratcgen Trotha, der im Hererokriege� Südwestafrita um die Hälfte seiner Eingeborenen gebracht hatte.' sNatürlich flucht nian nur im geheimen; denn in der Öeffentlichkeit ist General V. Trotha als ein höchst verdienstvoller Patriot anzusehen.) Und in den anderen Kolonien ein fast ähnlich schlimmes Bild: ein schier unablässiges Dahinsterben der Naturvölker. Hatte man früher diesem Prozeß gegenübergestanden mit der forschen Devise: „Immer feste druff!", so betet man jetzt mit Mhnherr van Ksek im„Sklavenschiff" bei Heinrich Heine: Erhalte sie, Herr, um Christi willen, Der für uns alle gestorbenl Denn bleiben mir nicht dreihundert Stück, So ist mein Geschäft verdorben! Ohne Frage: ein Fortschritt! Ein ähnlicher— Voenn man Kleines mit Großem vergleichen darf—, wie seinerzeit der Ueber- gang der Menschheit von der Menschenfresserei und simplem Tot- schlagen der Gefangenen zur Sklaverei; womit bekanntlich über- Haupt erst die Grundlage für ein weiteres kulturelles Auffteigen der Menschheit gelegt wurde. Ohne Sklaverei keine Philosophie, sagt Aristoteles, und für seine Zeit hatte er recht. So auch hier: ohne Lebensschutz der Eingeborenen keine höhere Kultur dieser Eingeborenen. Und viel wichtiger als alle schwülstigen Phrase» über Menschenfreundlichkeit und christliche Nächstenliebe ist die Tatsache, daß jetzt das Kolonialkapital selber ein materielles Interesse an der Erhaltung der Eingeborenen hat. Es braucht sie, genau so, wie es in Europa die deutschen Arbeiker braucht. Und genau so, wie eZ trotzdem die Arbeitskräfte des deutschen Prolc- tariats mißbraucht und verwüstet— rund 10 000 Todesopfer fallen� bekanntlich jährlich in der deutschen Industrie—, genau so und noch schlimmer verwüstet das Kolonialkapital die Arbeitskräfte der Eingeborenen, trotzdem es weiß, daß es ohne sie nicht leben kann. Hier hat die deutsche Sozialdemokratie einzugreifen. Sie ist der geborene Mundwalt der Eingeborenen, und in dem soeben ge- kennzeichneten echt kapstalistischrn Widerspruch zwischen der Aus- beutung der Eingeborenen und der Verhütung ihrer Ausrottung hat die Sozialdemokratie alles zu tun, um die Tendenzen zu- gunsten der Eingeborenen zu verstärken. Die Kraft ihrer Stellung liegt derade darin, daß sie anknüpfen kann an höchst materielle Bedürfnisse des Kapitals selber, wie wir ja auch bei den Arbeiter- schutzgesetzen in Deutschland anknüpfen an höchst materielle Be» dürfnisse der kapitalistischen Gesellschaft selber, nämlich daran, durch die Jntesität der Ausbeutung nicht die Ausbeutung selber zu gefährden, oder anders ausgedrückt, nicht das Huhn zu schlach- ten, da? die goldenen Eier legt. Lediglich aus diesem materiellen Bedürfnis einer rationellen Ausbeutung heraus ist das Kolonial- kapital gezwungen, gewisse Arbesten zu vollführen, die es am liebsten unterließ« und di« es selber unter die„Unkosten" rechnet, ohne die es aber häufig nicht geht. Es muß Seuchen bekämpfen, Flüsse regulieren, Bahnen bauen, Stauweiher anlegen usw., alle? Dinge, die es nicht um der„Kultur", sondern um der Ausbeutung willen tut. Die Sozialdemokratie stimmt solchen Arbeiten zu, wenn sie glaubt, daß sie auch den Eingeborenen zugute kommen, und wenn sie imstande ist, die schlimmen Einwirkungen, die schließlich mit jebem Eindringen in solche Gebiete für die Ein» geborenen verknüpft find, abzuwehren oder cinzüfchränken. Au» diesem Grund« Haiti: me sozialdemokratische Fraktion beschlossen, auf Grund von sieben genau formulierten Forderungen zum Schutz der Eingeborenen der Ruauda-Vahnvorlage zuzustimmen. Da diese Bedingungen glatt abgelehnt wurden, lehnt natürlich die Fraktion auch die Bahnvorlage ab.— Nach dem Vertreter der Sozialdemokratie sprachen die bürger» lichen Parteien. Erzberger, Keinath, Gothein, Mumm. Herr Solf verzichtete auf jedes Wort. Am Montag wird er wohl daS Wort ergreifen. politische Uebersicht. A-ort mit dem Arbciterschny! Fort mit dem Arbeiterschutz! Wie ein roter Faden zog sich dieser Ruf durch die Verhandlungen über das Kapitel Gewerbeinspektion, mit dem sich das preußische Abgeordnetenhaus am Sonnabend beschäftigte. Die Scharfmacher des Zentralverbandc» deutscher Industrieller, unterstützt von»den konservativen Arbeiter- feinden, die die Tage vorher nicht dringend genug einen stärkeren Schutz der Arbeitswilligen fordern konnten, klagten um die Wette über die Belastung der Industrie durch die hohen Arbeiterlöhne und vor allem durch die Ausgaben, die ihnen bei der Durchführung der sozialpolitischen Gesetze erwachsen. Die Gewerbeiuspektion ist in Preußen gewiß nicht allzu weit ausgebaut, im Gegenteil, sie steckt erst in den Anfängen, und ihr Ausbau läßt noch viel zu wünschen übrig. Aber selbst das bißchen Schutz, das den Arbeitern dadurch zuteil wird, geht den Gegnern praktischer Sozialpolitik zu weit. Deutlicher kann die Arbeiterfeindlichkeit der konservativ» nationalliberalen Sippschaft kaum illustriert werden, als durch die Tatsache, daß der Handelsminister Shdow sich vor dem Lande verteidigen mußte, weil er es gewagt hat, den Gewerbeaussichtö- beamten polizeiliche Befugnisse zu übertragen. Ueberspannung der sozialpolitischen Forderungen, Auswüchse der Sozialpolilik, Be» lästigung der Arbeitgeber! Mit diesen und ähnlichen Schlag- Wörtern zog man zu Felde nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die Regierung und gegen das Zentrum, dessen Redner Abg. G i e s b e r t s die Anstellung von Arbeitern als Gcwerbeinspektoren und die Einräumung eines VorschlagsrechtS für gesetzgeberische Maßnahmen an die Gewerbeinspektoren an- regte. Einen noch weiter gehenden Antrag hatten bekanntlich un« sere Genossen vor fünf Jahren eingebracht, aber die Kommission, der er übermiesen wurde, hat ihn abgelehnt. Genau dieselben Gründe wie damals hörte man auch heute dagegen. Die„Argn- mcnte" sind die gleichen, nur die Personen, die sie sich zu eigen machen, wechseln. Und auch für Nachwuchs ist gesorgt. Wenn einmal Herr Dr. Beumer vom politischen Schauplatz abiritt, so kann er das in dem beruhigenden Gefühl, in dem neu gcwähl- ten Herrn Dr. C r e m e r einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben, der ihm an sozialpolitischer Einsichtslosigkeit und an Wahr- nehmung der einseitigen Unternehmerinteressen in nichts nach- steht. Eine wohlverdiente Abfuhr ließ Genosse H u e dem hoff- nungsvollen Jüngling widerfahren. Auf Grund eigener Ersah« rungen konnte unser Vertreter ein Bild von der traurigen Lage der Arbeiter in der Schwereisenindustrie entrollen, das wesentlich von dem Phantasiegemälde des nationalliberalcn Scharfmacher? abweicht und die Notwendigkeit eines weitergehenden Arbeiter- schutzes sowie einer Verkürzung der Arbeitszeit beweist.. Dst Aufforderung HueS an die Regierung, sich nicht unterkriegen zu lassen von den Sachwaltern des Kapitals ist durchaus berechtigt, sie gilt nicht nur, soweit es sich um die Schwereiscnindustrie hau- delt, sondern auch für die Gewerbeiuspektion im allgemeinen, die unser Genosse zum Gegenstand sorgsamer Kritik macht«. Ginen aus Anlaß der furchtbaren Erplosion in Rummelsburg gestellten Antrag, der für solche Fälle die Unternehmer schadenersatzpflichtig machen will, lehnte das Haus gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab. Nach Erledigung einiger Positionen von untergeordneter Bedeutung wurde die Beratung des Etats auf Montag vertagt. Das agrarisch- industrielle Zollsteigerungs- Kartell. Die industriellen Hochschu3zöllner helfen ihren agrarischen Bundesgenossen aus freien Stücken mit dem Geschrei nach neuen Zöllen auf wichtige Nahrungsmittel. So druckt die Deutsche Tageszeitung" in Nr. 117 triumphierend aus der„ Deutschen Boltswirtschaftlichen Korrespondenz", die dem Zentralverband deutscher Industrieller sehr nahe steht, folgende Ausführungen über einen Zoll auf Rahm ab: " Daß man im Jahre 1902 auf ausländischen Rahm feinen Zoll gelegt hat, erweist sich immer mehr als eine recht bedenkliche Lüde in unserem heutigen Zolltarif. Seitdem durch technische und Verkehrsverbesserungen der Bezug von Nahm aus dem Auslande möglich gemacht und fortwährend erleichtert worden ist, hat die Einfuhr dieses Produkts, das innerhalb der deutschen Grenze zur Butterbereitung benutzt wird, gewaltig zugenommen. Gleichzeitig mit der Zunahme der Rahmeinfuhr geht aber neuerdings die Einfuhr von Butter zurück. Der Grund fann nur darin liegen, daß Butter 20 M. Eingangszoll für 100 Kilogramm zu zahlen hat, während der Rohstoff Rahm golfrei eingeht. Seit 1911 ist die Buttereinfuhr um 18 840 Doppelzentner im Werte von 6,1 Mill. Mart zurüdgegangen, die Rahmeinfuhr aber um 126 129 Doppelzentner im Werte von 8,5 mill. M. geftiegen. Diese Entwicklung Rückgang der zollpflichtigen Buttereinfuhr und Zunahme der zolfreien Rahmeinfuhr wird sich zweifellos in Zukunft zum großen Nachteil der Reichskasse fortseßen, wenn nicht bei dem dem nächſtigen Ablauf der Zoll- und Handelsverträge die Lücke in unjerem Zolltarif beseitigt wird." Zölle auf Lebensmittel, die von der einheimischen Landwirt schaft produziert werden, haben die Eigenschaft, daß sie der Reichskasse nur einen geringen Bruchteil von dem einbringen, was die in ländischen Produzenten infolge der Verteuerung einfaden. Wird der geringe Bruchteil von Butter oder Rahm, der vom Ausland fommt, verteuert, so steigen die Preise für die ganze inländische Produktion. Das Interesse der Reichskasse wird scheinheilig vorDie Petenten erklären: Für ein Zuchthausgeseh. Ilberaten Partei tann nur von Bortell, nicht von Schaden für Die Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer hat an die Sache der Demokratie sein. Für den Ausgang der den Reichstag eine Petition gerichtet, in der eine Resolution ent- Wahlen kann das nicht von Bedeutung werden, weil der halten ist, die von der genannten Vereinigung über die Notwendig- Einfluß dieser Leute über den Stockholmer Kreis hinaus feit eines wirksamen Schutzes der Arbeitswilligen gefaßt wurde. minimal ist. Die liberalen Wähler sitzen draußen in den Landkreisen, sie bestehen im wesentlichen aus den Mittel" Dieser Schuß ist zu erreichen auf dem Wege einer besseren schichten des platten Landes und der kleineren und mittleren Instruktion der Behörden über die schon nach heutigem Recht Städte. Das Element der Alkoholgegner spielt dabei eine beerlaubten Maßnahmen zum Schuße der Arbeitswilligen sowie deutende Rolle und diese Propagandisten des Alkoholverbots einer besseren Ausbildung der mit der Abwehr von Streit- find gerade der liberalen Richtung Staaff ergeben, die ein ausschreitungen betrauten Polizeimannschaften, vor allem aber weitgehendes restriktives Programm in der Alkoholfrage hat. auch auf dem Wege einer Aenderung der Gesetzgebung. Durch fie ist ein erweiterter Schuß der Persönlichkeit gegen Bedrohungen wahlen, die in einem großen Teile des Landes in diesem Bon Bedeutung sind übrigens auch die se ommunalanzustreben, ein beschleunigtes Verfahren zur Aburteilung von Streitausschreitungen einzuführen und insbesondere eine Hand- Monat stattfinden, weil diese für die Zusammensetzung habe zu gewähren, Belästigungen durch Streikposten von vorn- der Ersten Kammer entscheiden. Nun wird ja zwar herein unmöglich zu machen." diese Kammer nicht aufgelöst, aber ihre teilweise ErUnterzeichnet ist das interessante Schriftstück von dem be- neuerung findet in bestimmten Zwischenperioden statt kannten Herrenhäusler Grafen Mirbach. Gleichzeitig wird die und jebes Mandat, bas die Demokratie hier den Regierung dringend gebeten, sich auf die Einführung einer staat- Stonservativen abknöpfen kann, ist für die Abstimmungen lichen Arbeitslosenversicherung unter keinen Umständen ein- im Reichstage natürlich von großer Bedeutung. Unsere zulassen. Partei führt diesen Wahlkampf um die kommunalen Mandate der Landsthings, etwa den preußischen Kreistagen gleich, mit Der Nachfolger des Grafen Mielczynski. großer Energie und es ist zu erwarten, daß auch der Erfolg Ersatzwahl für den Grafen Mielczynski stattfindet, haben die Polen Wahlkampf aufzubringen, hat die Partei Sammlungen einIm Wahlkreise Samter- Birnbaum, in dem am 17. März die nicht ausbleiben wird. Üm Munition für den gesamten den Prälaten Klos- Posen als Kandidaten aufgestellt. Kandidat anderer bürgerlicher Parteien ist der Agrarier bon a zaben Wahlfonds abzuführen. Der geleitet und die Parole herausgegeben, einen Tagelohn an Stablig. Reichstagsauflösung und Neuwahlen. Stockholm, 6. März.( Eig. Ber.) Im ganzen Lande herrscht die Kampfesstimmung fort und unsere Genossen gehen mit großen Hoffnungen der Entscheidung entgegen. Italien. Die Kammer für die libyschen Ausgaben. Rom, 7. März. Die Kammer hat den Gesezentwurf Die Auflösung der Zweiten Kammer des Reichstages ist nunmehr erfolgt und die Neuwahlen werden im April stattfinden. Die Grundzüge der Regierungsvorlage zur Neuregelung der Landesverteidigung sind gleichzeitig mitgeteilt über die Ausgaben für Libyen mit 237 gegen 47 Stimmen worden, so daß dann der Wahlkampf auch die positiven Vor- angenommen. schläge betreffen wird, die von der Regierung in dieser Frage der neuen Kammer gemacht werden sollen. Die Vorlage will die Heeresreform nach den Wünschen der England. Wahlrechtsreform. London, 5. März.( Gig. Ber.) geschoben, die Profite, die die Agrarier erhalten aber find gemeint. sachverständigen" Militärs lösen. Neben dem, was Staaff Die letzte Wahlrechtsreformbill, die die englische Regierung Eine Verteuerung der Butter über den heutigen Stand ist unerträg- schon in Anlehnung an die Kommissionsverhandlungen von lich und direkt verbrecherisch. Gilt doch jetzt wirklich gute Butter bis diesem Reichstage fordern wollte, kommt nun auch die im letzten Jahre einbrachte, endete bekanntlich mit einem Fiasto. in die weitesten Kreise des sogenannten Mittelstandes und des Be- Uebungszeit der Infanterie zur Entschei- Der Speaker erklärte, daß die Annahme eines Amendements, das amtentums hinein als ein unerschwinglicher Lugus Wie die Teue- dung. Und zwar wird die Uebungszeit auf ein Jahr ben Frauen das Wahlrecht geben sollte, die Vorlage zu einer rung die Butterpreise hinaufgetrieben hat, beweisen folgende Zahlen. erhöht, nämlich 250 Tage Rekrutenschule, beginnend Ende neuen Vorlage stempeln werde und deshalb unstatthaft sei. Die Es kosteten 100 Kilogramm im Großhandel im Durchschnitt der Jahre Oftober, so daß Anfang Juli die Rekrutenausbildung beendet Regierung ließ darauf die ganze Wahlreform fallen, da es nicht 115M in Berlin or in München sein würde; nach zweimonatlichem Urlaub erfolgt die Einziehung zu einer ersten Uebung von 30 Tagen, in den folgenden Jahren sind noch zwei solche Uebungen a 30 Tage und später noch eine von 15 Tagen vorgesehen, zu fammen also 355 Tage. Damit wäre das vorläufige Ziel der militaristischen Hezer erreicht. Die einjährige Uebungszeit bedeutet für Schweden die Verwirklichung des stehen den Heeres. Das Ministerium zeigt mit dieser Vorlage, daß es das Ministerium des Königs ist und sein will, und daß es kritiklos übernommen hat, was die Militärverwaltung ihm in die Hand drückte. 1894/98... bagegen: 1909 1910 1911 0 192,80 Mt. 202,70 Mt. 241,60 244,60 255,00 и " 244,20 251,80 261,20 " " " Die Kreise der Industrie stimmen also, besorgt um die Erhaltung ihrer Kartellschutzzölle, ganz unverhüllt in das Geschrei der Agrarier ein. rtellfjupite Landtagserfahwahl im Wahlkreise Steinburg. Arbeitslosenversicherung. Sturm im Stuttgarter Rathaus. Zu dem außergewöhnlichen Schritt, die weitere Mitarbeit rundweg zu verweigern und den Sizungssaal zu verlassen, hat sich die weg zu verweigern und den Sizungssaal zu verlassen, hat sich die ſozialdemokratische Rathausfraktion Stuttgarts am Donnerstag abend gezwungen gesehen. Es war der letzte und schärfste Protest, abend gezwungen gesehen. Es war der letzte und schärfste Protest, den die sozialdemokratische Frattion gegen die standalöse Vergewal. tigung des Lebensinteresses der arbeitenden Bevölkerung durch die Terrainspekulanten und Wohnungswucherer erheben konnte. Nunmehr hat die Masse der arbeitenden Bevölkerung das Wort. gerecht und ehrlich sein würde, wie Herr Asquith erklärte, wenn die Regierung nunmehr die Vorlage weiter beraten ließe. Nichtsdestoweniger brachte die Regierung furz darauf eine Vorlage zur Abschaffung der Pluralwähler ein, die unter dem Schuße des Parlamentegeseves im nächsten Jahre ihre endgültige Annahme finden wird. Die Liberalen retteten aus dem Debacle gerade den Punkt, auf den es ihnen bei der ganzen Wahlrechtsreform ankommt. Herr Asquith verpflichtete sich auch damals, in diesem Jahre einer nichtoffiziellen Wahlrechtsreformbill genügend Zeit einzuräumen, wenn diese Vorlage so abgefaßt würde, daß sie die verschiedenen Vorschläge, die zu der Frage des Frauenstimmrechts gemacht worden sind, nicht ausschließe. Jetzt hat die Arbeiterpartei eine wirklich demokratische wda Griechenland. Blockade eines südalbanischen Hafens. Letzte Nachrichten. Bei der gestrigen Ersatzwahl zum preußischen Abgeordneten- Eine ebenso große Herausforderung des Volkes bedeutet hause im Wahlkreise Steinburg wurde an Stelle des in das Herren- die Marinevorlage des Ministeriums. Demnach sollen haus berufenen bisherigen Abgeordneten Dr. Engelbrecht der Hof- 8 größere Artillerie- Panzerschiffe( Dreadnougths en minia- ahlrechtsreformbill eingebracht, die am 20. März in zweiter befizer Meifort( Freikoni.) aus Bilster mit sämtlichen abgegebenen tur), 4 Divisionen Torpedojäger( die Division zu 4 Schiffen) Lesung beraten werden wird. Die Vorlage will allen erwachsenen 175 Stimmen gewählt. Die Wahlmänner der fortschrittlichen Wolfs- und 2 Divisionen Unterseeboote gebaut werden. Während also Personen beiderlei Geschlechts vom 21. Lebensjahre an das Wahlpartei und der Sozialdemokratie enthielten sich der Abstimmung. der Soziald in der Landesverteidigungskommission auf die beiden letteren recht geben, die an einem ber einzuführenden vier jährlichen Re Marinewaffen das größere Gewicht gelegt wurde, geht das giftrierungstagen vier Wochen in dem Wahlkreise gewohnt haben. Ministerium der Militärkamarilla dazu über, die F- Boot- Jeber Wahlkreis soll einen dauernd angestellten Wahlregistrator flotte" wieder aufleben zu lassen, deren Bau aus Staats- haben, der auch als Wahlvorsteher ohne besondere Besoldung funDie bremische Bürgerschaft verhandelte kürzlich über einen mitteln Herr Staaff vor 2½ Jahren inhibierte. So wird also gieren soll. Jeder Wähler soll nur einmal wählen dürfen und umfangreichen Bericht des Senats zu der Frage der Arbeitslosene fürsorge. Der Senat lehnte rundweg ab, irgend etwas zu tun, ob- iede Sandbewegung des Königlichen Ministeriums zu einem das besondere Wahlrecht für Universitäten soll abgeschafft werden. wohl auch in Bremen Tausende von Arbeitslosen vorhanden sind. Schlag ins Gesicht gegen die bisherige Parlamentsmehrheit Die Wahlen sollen an einem Sonnabend, der als öffentlicher FeierDie sozialdemokratische Fraktion verlangte nachbrücklich Einführung und die Demokratie, formell gemildert nur durch die Auflösung tag proflamiert werden muß, von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr der Arbeitslosenversicherung und beantragte Einsetzung einer Stom- der Kammer, wodurch die Wähler ihre Auffassung befunden abends und in London und den Großstädten bis 10 Uhr abends stattfinden. Wo mehr als zwei Kandidaten aufgestellt werden, soll mission zur weiteren Verfolgung der Angelegenheit. Dieser Antrag können. wurde auch von den Fortschrittlern unterſtügt, aber die liberale Um die Wähler etwas milder zu stimmen, hat der König ieder Wähler eine gewöhnliche und eine alternative Stimme haben. Mehrheit der bremischen Bürgerschaft lehnte ihn ab. gleichzeitig die Erklärung abgegeben, daß jeder Wunsch oder Die gewöhnliche Stimme würde er dem Kandidaten seiner Wahl jedes Bestreben nach einer persönlichen Königsmacht ihm fremd geben und die alternative dem Kandidaten, für den er in der war, ist und bleiben wird". Und er erklärt weiter, daß es sein Stichwahl eintreten würde. Bei der Zählung der Stimmen würden fester Entschluß ist, niemals von dem Gebote der Verfassung dann, wenn es sich um drei Kandidaten handelte, die gewöhnlichen tiben ert. Sie ist einer Stegierung gegeben worden, die fallen und die für diesen Kandidaten abgegebenen alternativen abzuweichen. Allein, diese Erklärung hat keinen posi- Stimmen des Kandidaten, der am schlechtesten abgeschnitten, wegWert. nicht das Vertrauen des Parlaments besak, sondern als Voll- Stimmen würden die Wahl entscheiden. Strecker des Willens des Königs, also der persönlichen Einen Wert hätte diese Erklärung nur gehabt, wenn sie vor önigsmacht ans Ruder gerufen worden ist. einigen Wochen dem Ministerium Staaff gegeben Athen, 7. März. Die griechische Regierung hat die Blockade Dem Konflitt liegen folgende Borgänge zugrunde. Die neue worden wäre. Aber heute hat sie keinen Sinn mehr. Ihr über den Hafen von Santi Quaranta verhängt, und zwar Bauordnung Württembergs hat manche Verbesserung im Bauwesen steht vielmehr jene andere Erklärung vor dem Bauernzug ent- vom 7. März mittags 12 Uhr an, in der Voraussetzung, daß die gebracht, die strupellose Ausnüßung des Grund und Bodens durch gegen, wonach der König von den Forderungen der Militärver- Großmächte keine Ginwendung erheben. Bautiger gewisse Schranken gefekt. Die Umsetzung dieser Bestim- waltung„ niemals abweichen" will. Erst wenn die Wähler mungen in die Praris liegt in den größeren Gemeinden den Ge- gesprochen haben werden, wird der König Gelegenheit finden, die eine oder andere seiner sich wie Feuer und Wasser untermeindeverwaltungen ob. Sie sind verpflichtet, Ortsbausatzungen zu erlassen, die den Bestimmungen des Gesetzes entsprechen. Das scheidenden Erklärungen in die Tat umzusetzen. Gesetz tann unmöglich die sehr verschiedenartigen Berhältnisse der dürfen, ist daraus ersichtlich, daß die Regierungserklärung fich Was die Militärkamarilla glaubt dem Volke zumuten zu Straßburg, 7. März.( W. T. B.) Durch die Blätter geht die einzelnen Gemeinden besonders aufführen. Bei der Durchführung über die Kosten der Heeresreform ausschweigt. von einem Telegraphenbureau verbreitete Meldung von der Berdes Gesetzes ist der Staat in weitgehendem Maße auf den guten Dem Bolfe wird nur aufgetragen, konservative Rüstungsheber urteilung des Leutnants von Forstner und des Sergeanten Höflich Anschließend daran berichtet das Bureau:„ Die Soldaten, die über angewiesen. Vor sehr großem Einfluß auf die Durchführung der zu wählen, die das Programm der Militärkamarilla verwirt- wegen Soldatenmißhandlung durch ein Kriegsgericht in Bitsch. Gesezesbestimmungen im ganzen Land wird die Gestaltung der lichen; die Kostenrechnung wird erst nachher präsentiert. Aber den Vorfall gesprochen hatten, hätten fünf, vier und zwei Wochen Stuttgarter Ortsbausatzung sein. Nach langen mühevollen Be- die schwedischen Wähler werden kaum geneigt sein, sich selbst strengen Arrest erhalten." Bon zuständiger militärischer Seite wird mitgeteilt, daß eine Bestrafung von Soldaten, die über den ratungen in der Kommission, nach harten Kämpfen und Vergleichs- ihre Mekger zu wählen. Im Wahlkampf spielte bis jetzt die Verfassungs- Vorfall gesprochen haben sollen, nicht stattgefunden hat. Diese verhandlungen ist dann der Entwurf einer Ortsbaufabung zustande frage die dominierende Rolle. Die fonservativen Behauptung beruhe vielmehr auf freier Erfindung. gekommen, der das Allermindeste dessen darstellt, was dem Willen Agitatoren und ihre Presse bemühen sich freilich, die Platform des Gesetzes gemäß verlangt werden muß. Den Vertretern des Ein Mißerfolg der epirotischen Bewegung. zu verschieben. Allein es will ihnen nicht gelingen, weil alle Haus- und Grundbesitzes auf dem Stuttgacter Rathaus ging auch einsichtigen Elemente sich darüber flar sind, daß Staaff schon Bezirk von Kolonia ist heute der albanesischen Gendarmerie überAthen, 7. März.( Meldung der Agence d'Athenes.) Der ganze dieses Kompromiß noch zu weit. Hinter dem Rücken der sozial- das och st maß dessen in der Landesverteidigung aufbieten demokratischen Fraktion schlossen die bürgerlichen Barteien ein Ab- wollte, das dem Volke an Zeit und Geld zugemutet werden kann. geben worden. Die griechischen Truppen sind nach Beskowit ab= kommen, in der Plenarberatung auch die schwächlichen Verbesse gezogen. Der Metropolit Velas, ein Mitglied der autonomen rungen aus der Ortsbausatzung zu entfernen und das Profitinteresse Interessant ist auch zu beobachten, wie die Rüstungsheber den Regierung von Epirus, hatte sich nach Kolonia begeben wollen, der Terrainspekulanten und Wohnungswucherer zum obersten Arbeitern die Gefahren einer russischen Invasion plausibel um dort die Autonomie zu proklamieren, wurde aber Grundsah ihrer Baupolitik zu machen. Die Kritik der sozialdemo- zu machen suchen, um auf diese Weise auch die Arbeiter vor von den griechischen Behörden daran gehindert und festgehalten. tratifchen Vertreter, ihr Widerstand gegen die skrupellose Aus- den Starren des Militarismus zu spannen. Danach ist wucherung der Mieter sollte durch vorher vereinbarte Schlußanträge Schweden das wahre Arbeitereldorado an Freiheit und wirtunwirksam gemacht werden. In ein paar Sigungen führte die schaftlicher Eristenz der Arbeiterklasse gegenüber Rußland, wo fozialdemokratische Fraktion einen bitteren Kampf gegen die kom- nicht nur die politische Freiheit unterbunden ist, sondern wo patte Mehrheit der Grund- und Wohnungswucherer. Am Donners- die Arbeiter in Baracken wohnen und von Startoffeln und tagabend kam es zum entgültigen Bruch. Wiederum machte die Mehl leben müssen! Als ob das Arbeiterelend in Schweden Mehrheit unsere Fraktion durch Schlußanträge mundtot, verhinderte nur der Erinnerung an entschwundene Zeiten gehörte. fie sogar die Begründung der von der Sozialdemokratie gestellten In der liberalen Partei ist eine Reinigung vor sich Anttige. Daraufhin verließen sämtliche sozialdemokratischen Ge- gegangen, indem der rechtsliberale Kreis um das Stockholmier Jefaterinoslaw, 8. März.( W. Z. B.) In der Orlowomeindebertreter geschlossen den Sigungssaal. Sie lehnen jede Ver- Blatt Aftonbladet" eine neue Organisation grube in Jelenowski in Distrikt Slawianoserbst öffnete ein antwortung für die Gestaltung des Ortsgesetzes ab. Die Arbeiter zur Propaganda neuer Rüstungen gegründet Arbeiter seine Sicherheitslampe, um sich eine 3igarette an organisationen werden nunmehr den Kampf weiterführen. hat. Diese städtischen Intellektuellen haben auch bisher das zuzünden. Im gleichen Augenblick erfolgte eine Explosion, Wienschenmögliche an Arbeiterfeindlichkeit und Gegnerschaft wodurch 24 Arbeiter getötet wurden. Zwei Arbeiter wurden gegen die Demokratie aufgeboten und ihr Ausscheiden aus der gerettet, einer wird vermißt. Ein Dementi. Neue Unruhen auf Haiti. Washington, 7. März.( W. T. B.) Auf Haiti haben neue revolutionäre Unruhen stattgefunden. Das Schlachtschiff South Carolina" ist von Guantanamo nach Port- au- prince be ordert worden. Schreckliche Explosionskatastrophe in Rußland. Modernste Frühjahrs- Blusen aus neuesten reinwollenen Stoffen, einfarbig od.gemustert A.Jandorf& C 3.95, 4.75, 5.85 Spite markt Belle- Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Verkauf nicht an Wiederverkäufer. Reklame Angebot Crepeline Hilda 2.90 ,, Reine Wolle", in 2.90 90 Mod. Rena 2.90 Mod. Zackengeflecht in vielen Farben, mit schicker Garnierung 90 Erika 2.90 Kleiderstoffe den neuesten Farben, 1.25 ca. 75 cm..... 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Damit wird Für die arbeitenden Frauen aber zeigt sich die erschreckende| Voltaire: Jch betrachte die Menschen wie eine Herde Hirsche auch äußerlich aufs neue bekundet, daß die proletarischen Aussicht auf Vermehrung ihrer Arbeitslasten, ihrer Unfreiheit im Wildpark eines großen Herrn, die keine andere Aufgabe Frauen unter den Fahnen der Sozialdemokratie um volles und ihrer Entbehrungen, die sich für sie und die Ihrigen zum haben als den Park zu pöblieren." Im Parlament besigen Bürgerrecht ringen. Hunger, zum nackten Elend steigern, sofern die schändlichen die Frauen keine Tribüne, von der aus sie diese dreiste SchamWie könnte es auch anders sein! Uns ist das Wahlrecht Anschläge gelingen. Und die Frauen können sich im Parlament losigkeit ihrer Widersacher gebührend brandmarken und die mehr als eine Waffe zur Vertretung von Fraueninteressen; gegen diese Anschläge nicht wehren, weil ihnen das Wahl- dringend notwendigen Reformen zum Schutze für ihre Mutterwir benötigen es dringend und immer dringender als ein recht fehlt! schaft ertrozen könnten, denn: sie besitzen kein Wahlrecht! unentbehrliches Rüstzeug im Kampfe unserer Klasse um mateIst denn der Anspruch der Frauen auf volles Bürgerrecht riellen und geistigen Aufstieg; im Kampfe gegen eine Welt schlecht oder ungenügend begründet? bräuender Feinde. Nein wahrlich nicht! Fast scheint es, als hätten unsere Feinde, von den linksliberalen Rückwärtsern bis zu den echtpreußischen Leuten, sich beeilt, just vor der Roten Woche und dem Frauentag Schlag auf Schlag gegen uns zu führen, wobei ihnen getreulich das Dreigestirn ihrer Macht: Justiz, Militarismus und Bureaukratismus sekundierte. Wir begrüßen sie als die unfreiwilligen Helfer bei unserer Arbeit, den Massen die Erkenntnis fest und fester einzuhämmern, daß Mann und Weib sich einig, mutig und fest geschlossen dem tobenden Kampf der Klassen stellen müssen. Wir begrüßen sie als ein Teil der ewig neuen Kraft, die stets das Böse will, jedoch das Gute schafft. Die Erbitterung, die sie gesäet, der Zorn, den sie entfacht, sie werden am Frauentag emporlodern als mächtige Flammen der Begeisterung für unseren heiligen Befreiungskampf, bei dem uns das Wahlrecht als schneidige Waffe dienen soll. Die Skrupellosigkeit und die Brutalität des Militarismus, das Elend der Verfassung und das jämmerliche Zuſammentnicken der bürgerlichen Opposition in der ZabernAffäre mit ihrem kriegsgerichtlichen Nachspiel und den vielen Zehn Millionen Frauen regen in Deutschland Hirn und „ Rebenspielen" haben grelle Schlaglichter auf die politischen Hand im gesellschaftlichen Produktionsprozeß. Es ist also Zusammenhänge geworfen und in mehr denn einer Hinsicht wesentlich, was sie zur Erhaltung der Gesellschaft beitragen. den volksfeindlichen Charakter des liebevoll gehätschelten Mili Könnte und würde man es morgen ausmerzen, müßten untarismus erneut enthüllt. Wer aber noch einer weiteren Begezählte Betriebe stillstehen, schlimme, unübersehbare lehrung darüber bedurfte, dem wurde sie zu teil durch das Schädigungen würden die Folge sein. Die Pflichtleistung der harte Urteil gegen die Genossin Luremburg, das sie traf, weil Mutterschaft, die mit großen und schmerzvollen Opfern versie angeblich den„ Lebensnerv des Staates", den Militarismus, fnüpft ist, hat auch eine ganz andere Bedeutung erhalten, seitangetastet. dem für jeden offenbar geworden, daß die Gesellschaft Im Ringen gegen diesen Feind, der Gut- und Blutopfer mit jedem neugeborenen Kinde eine zukünftige Arbeitskraft in unübersehbarer Fülle fordert, stehen die Frauen waffenlos, mehr erhält. Und so ungeheuerlich und töricht der Ruf nach denn: sie haben kein Wahlrecht! einem Verbot antikonzeptioneller Mittel ist, zeigt er doch deutSchutz und Fürsorge für Mütter und Säuglinge sind in lich freilich ohne es zu wollen wie hoch man die PflichtDeutschland kurz bemessen. Die Folge? Vieltausend Frauen leistung der Mutterschaft einschätzt. gehen jährlich bei der Entbindung zugrunde, vieltausend Als Mütter und Arbeiterinnen reklamieren die Frauen werden infolge der Mutterschaft krank und siech; nahezu ihr geschichtlich begründetes Bürgerrecht, das durch die Wand400 000 Säuglinge sterben, tausende verkrüppeln Jahr für lung der Dinge zu einer Notwendigkeit in ihrem Interesse Jahr. und dem ihrer Klasse geworden ist. Durch die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse wird Hunderttausenden die Freude am Kinde vergiftet. Sollen wir sie aufzählen die Geißelhiebe, die auf den Rücken der Arbeiterklasse niedersausten und sie aufpeitschten mit verdoppelter, nein, mit verzehnfachter Wucht und zäher Energie an der Sprengung ihrer Stetten zu arbeiten?- Es Unser diesjähriger Frauentag foll Kunde geben, wie weit wäre schwer zu sagen, welcher der Schläge in höherem Maße diese Erkenntnis das Allgemeingut der Massen geworden ist die Massen und unter ihnen die Frauen aufgerüttelt und in Aber wehe ihnen, wenn sie sich dagegen auflehnen, zum und wie stark der Wille, mit vereinter Kraft für die ihnen das Feuer der Kampfeslust entfachte. Klar enthüllte sich Gebärapparat erniedrigt zu werden und absichtlich die Familie Mündigkeitserklärung der Frau zu ringen! der Zusammenhang des öffentlichen Geschehens, als Junker und klein halten. Flugs find fromme Christen und gute Patrioten Mündigkeitserklärung der Frau zu ringen! Auf denn, ihr Frauen der Arbeiterklasse! Auf zum Protest Industriekönige sich zusammenfanden in der Heze gegen das am Werk, um dieses„ sträfliche" Beginnen zu hindern. Die Stoalitionsrecht und im Schrei nach mehr Zöllen, nach mehr bürgerlichen Herren, die jenen Antrag unterzeichnet haben, der gegen unsere Rechtlosigkeit! „ Schutz der nationalen Arbeit". ein Verbot des Verkaufs antikonzeptioneller Mittel fordert, die also den staatlichen Gebärzwang proklamieren möchten, scheinen die Arbeiterfrauen ähnlich einzuschätzen, wie Friedrich der Große seine Untertanen bewertete. Er schrieb 1741 an Freiheit für die Ausbeutung der Arbeitskraft ist das Ziel der einen und Freiheit für die Schröpfung der Konsumenten der heiß ersehnte Preis für die anderen. Kleines Feuilleton. Die Blume Rot. Im Märzen follt ihr fäen!... In unfruchtbare Not Sollt ihr den Samen lenken Der Itolzen Blume Rot. Im Märzen, ja im Märzen Weht Lenzruch in die Welt, Da werden alle Herzen Zum off'nen feld. Der Hcker ift umbrochen, Durchfurcht vom Stabl der Zeit, Und abertaufend Hirne, Sle harren laatbereit. Nur einen Schöpferfunken Hinein wie Blitz und Dampf Und fie erwachen trunken Zu Licht und Kampf! Im Märzen follt ihr fäen!.. Drum fchreitet ftark und fchwer. Es flattern fchon die Krähen Haßgierig um euch her. Es krächzen fchon die Raben, Ein neidzerfrefines pack. Sie sollen futter haben Hus and'rem Sack! Im Märzen follt ihr fäen!... Bis uns die Ernte loht; Bis alle felder ftehen Im feuer flammendrot. Einft werden wir fie mähen: Die freude und das Brot! Im Märzen follt ihr fäen Die Blume Rot! Pan. Auf zum Kampf für das volle Bürgerrecht der Frau! Kommt herbei, um ein glühendes Bekenntnis zum Sozia lismus abzulegen, zum Sozialismus, der Menschenrecht ist! Luise Ziez. silo Seelsorge- Drucksachen. Ein katholischer Pfarrer mit einem schier| Stofetterieren, flammert sich an den letzten Liebhaber, der ihr geunaussprechlichen Namen hat jüngst ein Buch herausgegeben, betitelt: blieben, mit einer Leidenschaft, die blind vor jeder Demütigung die Drudsachen im Dienste der Seelsorge", aus dem man wunderschön Augen schließt. Sie schanzt ihm Geld zu und redet sich ein, er wisse lernen fann, wie das Geschäft betrieben wird, dessen Verwalter sich nicht darum. Machtlos, jeine Verlobung mit einem jungen in der Regel über alles jogenannt Geschäftliche erhaben dünken. Sie Mädchen zu verhindern, bettelt fie, er möge wenigstens in ihrer haben's freilich nicht leicht. Wären die Seelen der Gläubigen Nähe bleiben. Lampen, so man wöchentlich einmal aufzugießen hätte, dann Der wunderbaren Darstellung der Rolle durch die Eysoldt wär's schon einfacher. Wenn eine wirtschaftliche Vereini- stand ebenbürtig die des früheren Kollegen und Musilers Fredriksen gung ihre Anhänger durch Flugblätter belehrt, so ist das gut und schön, denn sie wendet sich an den einzelnen nur in seiner Eigenschaft als Mitglied der Masse. Aber hier wird auf Käspapier an Seelen appelliert! Und das ist gar lustig. Es lohnt sich, einen Blick in das Broschürchen zu tun. Nach einem historischen Rückblick sett der Pater ein mit seinem Bannfluch über die Presse. Das heißt, ausgenommen die gute Presse". Was das ist, ergibt sich aus den Flugblattformularen. " Gute Presse" heißt zu deutsch Zentrumspresse". Rüde geht's über alle andersgesinnten Blätter her, die„ Gott leugnen und das Sichausleben predigen!" Und mit naiver Offenheit wird gemahnt, daß man bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die katholischen Zeitungen agitieren solle, nicht nur anläßlich einer Predigt". Daß man's da tut, scheint also selbstverständlich zu sein! durch Moissi zur Seite. Ein Gescheiterter wie sie, in der Erinnerung ehemaliger Triumphe schwelgend. Nun spielt er, durch Alkohol zerrüttet, vom schmählichen Verdienst der Frau und Tochter zehrend, ein ehrlos jämmerlicher Parasit, in den Cafés und findet grinsend Trost darin, wenn es den Freunden und Zechkumpanen aus seiner flotten Zeit nicht besser geht. In den Szenen, wo Hamsun das Baar zusammenbringt, in schneidend schmerzhaften, grotest phantastischen Kontrasten die Erinnerung des alten Glanzes auferstehen läßt, spürt man den Dichteratem Hamsuns; da strömen Bilder aus verborgenen Tiefen, ergreifende Symbole der Verzweiflung. Uebrige zeigt viel bedeutungslose Willkür. Ein aus Amerika heimtehrender schon angegrauter Naturbursch, der einen Neger und einige giftige Riesenschlangen im Käfig mitführt, figuriert als Hebel für die Handlung. Die Gasterei, zu der er Julianne und ihren Besuch einlädt, darunter die junge Braut jenes Strebers, an den Julianne sich gehängt hat, endet mit fast Sardouschen Sensationen. Das Und nun folgen herrliche Dinge. Für die Voltsmission wird geworben; dann gibt's fettgedrudte Ererzitien für Jungfrauen" ( Schweig stille, mein Herze!), und da ist wahr und wahrhaftig eine Alle Rollen waren mit ersten Kräften besetzt. Neben der religiöse Woche". Ausverkauf, besonders günstiges Angebot, meint Eysoldt und Moissi interessierten Viktor Arnolds schwayihr? Bacht nicht; es heißt einmal: Will nun der Seelsorger außer hafter Alter, Juliannes Gatte und Biensfeldts vom Trinkender mündlichen Agitation auch noch durch Aufrufe einen Mütter, blöder Leutnant schauspielerisch am stärksten. Schildkraut gab verein gründen, so versäume er ja nicht, auf die vielen Gnaden dem temperamentvoll ungeschlachten Wesen des erotischen Gewaltund Ablässe hinzuweisen, welche diese Bruderschaft den einzelnen menschen lebendig frischen Ausdruck. Fräulein Terwin als gewährt". Tegel, Tezzel immer noch geht er um. Braut verkörperte sehr glücklich den Reiz der unverdorbenen Jugends anmut. " Notizen. dt. Schidsal! Jm„ März“ erzählt Genosse Ludwig Frank folgendes Eisenbahnerlebnis:„ Ein sonniger Herbsttag! Ich bin auf der Reise nach Berlin. Eine verträumte, mollig- einsame Fahrt! Ich lese, ichreibe, rauche Zigaretten. Und auf die Höhe der modernen Zeit fühlst du dich versetzt, wenn du die Drucksachen liest, die jener für das Sakrament der Firmung und der Ehe" entwirft. Da ist einer wird an genommen der hat sich nur standesamtlich trauen lassen und der bekommt nun Drucksachen, die ihm fühl und geschäftlich aus einandersetzen, was er hier versäumt hat. Eine der heikelsten Gewissensfragen wird grob und flobig erledigt. Da Sie meiner ersten Einladung nicht gefolgt sind, so wiederhole ich dieselbe nochmals In Erfurt sehe ich, daß ein Bahnbeamter unter vielen Verim Namen Gottes." Weiter geht's nicht; man fährt unwill- beugungen einen hochgewachsenen Mann an meinen Wagen be fürlich fort:„ llnd wird derselbe nicht verfehlen, Sie nach Gebühr gleitet, ich höre einen lauten Wortwechsel, und gleich darauf tritt und in Gemäßheit Ev. Luc. 43, 56 abzuftrafen." der Schaffner bei mir ein: Herr Abjeordneter, duhn Sie mir einen Jefallen! Der Bruder der Kaiserin is einjestiegen, und wir haben im janzen Zug feine freie Abteilung mehr für ihn. Jehen Sie doch in das Kupee nebenan. Da fizzen schon zwei andere Herren vom Reichstag." Ich hatte schon vorher gesehen, daß ein paar Zentrumsleute meine Nach Mechanisch, schablonenhaft ist die Geschäftspropaganda, der in dieser Schrift die Flötentöne gelehrt werden. Papieren, phrasenhaft, troden laufen die oft gehörten Säße übers Papier. Man kann faum glauben, es möchte da irgendwen geben, der nicht den Wisch in den nächsten Groben wirft. Aber die gibt's eben: der Drucksachen feelsorger wird seine Schäflein kennen. Theater. barn waren. bitte In einer rohen Aufwallung von beleidigtem demokratischem Stolze lehne ich ab:" Ich fahre gerade so gern allein wie der Herzog!" Oder so ähnlich! Erotische Hochspannung. Herr Professor Brunner( Karlchen der Reusche) signalisiert eine erotische Hochspannung. Vor allem: das fündige Berlin ist dicht dabei, vor Erotik zu platzen. Jetzt, nachdem ( vom Reichsgericht leicht auf die Schulter getippt) selbst die be= rühmte Konfistationskammer sich soweit liberalisierte, die Feuer- Kammerspiele: Vom Teufel geholt, Schauspiel Gleich darauf ging ich in den Speisewagen. Und als ich nach bachiche Nymphe( ein nadtes Frauenzimmer, das auf einem von Knut Hamsun. In der zerrissenen Melancholic, der dumpfen einer halben Stunde zurückkam, war ich nicht mehr allein. Die Laten lagert) mit einmal für relativ unzüchtig zu erklären, jezt Willensschwäche der Personen und ebenso in der formlos zerfließen- 8entrumsfollegen waren zu mir umquartiert worden und wird dem Brunner Karl der Angstschweiß aus dem treuen Herzen den Breite zeigt dieses Schauspiel des einsiedlerischen norwegischen grüßten mich treuherzig. Schicksal! Schicksal! perlen: Darmes, armes Volt, man liefert dich den Las- Dichters dem typischen Stil der russischen Dramatit nahverwandte Theaterchronit. Das Künstlertheater Sozietät hat zivitäten, Obszönitäten und Perversitäten geradezu in den Rachen Büge. Zum Quälenden des Sujets gesellt sich eine quälerische schwer zu kämpfen. In der Presse wurde dem Einfluß Gerhart ( seufzert Herr Brunner, der vom Polizeipräsidium seine Diäten Langsamkeit des Tempos. Die Stimmung wird durch unnüßes Hauptmanns die Schuld an den pekuniären Mißerfolgen zugeschoben. bekommt.) Verweilen und durch Wiederholungen um ihre Wirkung gebracht. Diese Vorwürfe weist Rudolf Rittner jetzt energisch zurück. HauptIm Ernst: Es ist doch ein Schwindel, daß die Jugend durch So erklärt sich, daß trop der die psychologischen Nuancen ausgezeichnet mann sei nicht verantwortlich für die fünstlerische Leitung des das Beschauen, selbst durch das lüsterne Begaffen eines Feuerbachschen herausarbeitenden, von Reinhardt selber inszenierten Aufführung, Theaters, sei es nie geweien, und was er als Regisseur geleijiet, Bildes, selbst einer ordinären Postkarte, gefährdet wird. Die jetzt ein Teil des Publikums am Schluß mit lautem Zischen de habe teilweise zu den guten Kassenerfolgen und in keinem Fall zu erwachsenen Leute haben einst im Pubertätstaumel auch allerlei be- monstrierte. den schlechten geführt. äugt und ergattert: Bibelzitate, Konversationslegikons und so. Und Nur gebrochen, eingeschnürt in eine„ Handlung", die um beim Gegen die neue Ler Heinze will der Berliner es sind daraus ganz brauchbare Menschen geworden, sogar Staats- Mangel innerer Bewegung überhaupt vom Fleck zu rücken, allerhand Goethe- Bund am 29. März, 11 Uhr vormittags, im Blüthneranwälte und Brunneriche.( Oder taten Sie nie dergleichen, Herr Gewaltsamkeiten braucht, entfaltet sich die Tragit von Hamsuns Saal eine öffentliche Protestversammlung abhalten. Professor?) Hauptfigur. Lähmende Angst vor dem Altern, vor dem Verwelken Daniel in der Löwengrube, eine Offenbachiade, Darum: wozu der Lärm? wozu zwei Dugend Menschen vier der Reize, durch die sie herrscht, nistet im Herzen Juliannes, der gedichtet von Ernst von Wolzogen, komponiert von Nitischs Gattin Stunden lang bemüben, um schließlich etwas festzustellen, was von einst berühmten Ballettdiva, die eben noch rechtzeitig in die Ver- Amelie, wurde am Hamburger Stadttheater, wie es heißt, mit vornherein selbstverständlich war? nämlich: daß die erotische Hoch- forgungsebe zu einem reichen, schon halb idiotischen Alten flüchtete. freundlichem Erfolg, uraufgeführt. spannung nur in der Phantasie der berufsmäßigen Trüffeljäger Ohne Kinder und ohne irgend einen über die Schranken ihres engen Ich Nächtliche Rubestörung. Ein Schußmann erscheint liegt, daß aber am wenigsten das Bolt und seine Kinder es nötig hinausweisenden Seelengehalts, weiß sie sich keine andere Rettung,( in der Jugend") am Bett eines entjeit auffahrenden Ehepaars mit haben, sich vom Moralgendarmen nach der Art des Herrn Brunner als sinnloses Versteckspielen vor dem Unvermeidbaren. Da sie die dem Donnerwort: Wenn Sie bis zum Dezember keine Zwillinge gängeln zu lassen. rbr. Männer sich entgleiten fühlt, greift sie zum aufdringlicheren haben, werden Sie zwangsweise geschieden!" Zur Aussperrung in der Solinger Waffenindustrie. Eine Organisation gegen die andere ausspielen, das war bis« her die Taktik der Solinger Fabrikanten bei Lohnkämpfen in der Solinger Schneidewarenindustrie. Leider ist dieses Manöver nicht immer von den Arbeitern erkannt worden— zum Schaden der Arbeiter selbst. Wenn nicht alles trügt, hat die jetzige Aussperrung von 800 Waffenarbeitern und der neuerliche Versuch der Unter- nehmer, die Arbeiter wieder gegeneinander auszuspielen, auch dem letzten Arbeiter die Augen darüber geöffnet, daß der gewerkschafk- liche Bruderkampf nur im Interesse der Unternehmer liegt. Am Dienstag, den 3. März, wurden alle Arbeiter in der Waffenbranche ohne Rücksicht auf ihre Organisationszugehörigkeit ausgesperrt. Das war zunächst nur ein Bluff. Avu Donnerstag den 5. März, wurde in den meisten Betrieben die bereits aus- gesprochene Kündigung bztv. Aussperrung der Unorganisierten und der Mitglieder des Metallarbeiterverbandcs rückgängig gemacht. Die Unternehmer glaubten, da mit auswärtigen Streikbrecher- kolonnen in der Waffenbranche absolut nichts anzufangen ist, niit Hilfe der Unorganisierten und der Mitglieder des Metallarbeiter- Verbandes ihre Betriebe aufrechterhalten und den Industrie- arbeiterverband kaltstellen zu können. Diesmal hatten sie jedoch falsch kalkuliert. Unter den 200 Unorganisierten befinden sich 140 bis 150 Spezialarbeiter, die als Streikbrecher absolut nicht in Frage kommen. Es verbleiben also nur noch 50 bis 60 unorgani- sierte Waffcnarbeiter, auf welche die Unternehmer rechnen; ob mit Erfolg, muß zunächst abgewartet werden. Die Geschäftslcitung des Mctallarbciterverbandes hat den Unternehmern sofort nach Zurücknahme der 5lündigung ihrer Mit- gliedcr umgehend mitgeteilt, daß der Mctallarbeiterver- band sich um die Kündigungszurücknahmc nicht kümmert und seine Mitglieder a u s d c n Betrieben heraus- zieht. Mit dem Ausspielen der Organisationen gegeneinander ist es also diesmal ni ch t s geworden. Die Streikenden und Aus- gesperrten stehen in geschlossener Front den Unternehmern gegen- über. Der Unternehmerverband hat eine zweite schwarze Liste her- ausgegeben. Ueber 500 meist selbständige Arbeiter stehen unter An- gäbe ihrer besonderen Beschäftigungsart auf dieser schwarzen Liste. Es befinden sich darunter auch Namen von Arbeitern, die in der Waffenbranche gar nicht beschäftigt sind. Das Interessanteste ist aber, dast selbst die Arbeiter der„lieben" Konkurrenz(die kleinen Betriebe haben nicht ausgesperrt) nicht verschont blieben. Mit Zu- stimmung der Organisationen wurde die ganze schwarze Liste öffentlich bekanntgegeben, um den an Streik und Aussperrung unbeteiligten Arbeitern Gelegenheit zu geben, gegen diese Ber- rufserklärung die Gesetze in Anspruch nehmen zu können. Für den Gang des Kampfes sind auch die schwarzen Listen bedeutungslos, es sei denn, sie kitteten das Solidaritätsgcfühl der Kämpfenden noch mehr zusammen. Gewerksthostliches. Die Arbeitslosigkeit im berliner Baugewerbe. Obgleich in den letzten Jahren ein starker Abzug von Bauarbeitern aus Grotz-Berlin stattgefunden hat, ist doch für die noch hier verbliebenen infolge der verringerten Bautätig- keit nicht genügend Arbeit vorhanden, so daß im ganzen Jahr 1913 der Prozentsatz der Arbeitslosen nicht unter 15 vom Hundert heruntersank. Diese Verhältnisse sind durch den Winter noch verschärft worden. Obgleich auch jetzt noch viele Bauarbeiter unt Unterstützung der Organisation das Groß- Berliner Arbeitsgebiet verlassen, um in anderen Städten Ar- bcit und Verdienst zu suchen, ist der Prozentsatz der Arbeits- losen augenblicklich auf 29 vom Hundert gestiegen. Infolge der großen Arbeitslosigkeit sinkt die Widerstands-- kraft der Arbeiter, was von den Unternehmern, besonders aber von deren Stellvertretern, den Polieren, zu allen mög- licheu Schikanen ausgenutzt wird. Hierdurch erklären sich solche Situationen auf den Bauten, wie sie in der Nummer 33 des„Vorwärts" vom 3. Februar d. I. geschildert wurden, wonach der Maurerpolier eines Baues in der Markgrafen- straße einem um Arbeit ansprechenden Maurer Schläge anbot. Wenn einmal gesagt wurde,„unseren preußischen Leutnant macht uns keiner nach", so können die Berliner Bauarbeiter ruhig behaupten:„Unsere Berliner Maurerpoliere niacht uns keiner nach!" Wie der vierbeinige Gehilfe des Schäfers ist der Polier ftüh der Erste, abends der Letzte auf der Baustelle, seine von ihm aufs vorsichtigste aussortierte Herde den ganzen Tag bellend und belfernd umkreisend und zur höchsten Leistung antreibend. Brutal und egoistisch gegen die Arbeiter, unter- würfig gegen den Unternehmer, ist er sonst zumeist ziemlich beschränkt. Gern anerkannte Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel. Mit der Frage der Berliner Maurerpoliere hängen auch die Zustände auf den Berliner städtischen Bauten zusammen, welche die Berliner Bauarbeiter zur schärfsten Kritik heraus- fordern. Zunächst wird den Firmen, die städtische Bauten ausführen, zuviel Freiheit in der Beschäftigung ihrer„alten" Leute gelassen. Da viele Poliere am liebsten mit solchen Bau- orbeitern arbeiten, die nicht in Groß-Berlin wohnen, so haben diese als„alte" Leute der Firma auf den Groß-Berliner städtischen Bauten eine Vorzugsstellung. Unter den am Schul- hausueubau in der Ofeuer Straße beschäftigten Maurern be- finden sich allein 12 solcher„alten" Leute der Firma Leist, die olle nicht in Groß-Berlin ansässig sind. Tarunter solche, deren wirtschaftliche Stellung es bestimmt zuläßt, daß sie ruhig die Arbeit in Berlin vorübergehend entbehren könnten, ohne sofort hungern zu müssen wie die Berliner Bauarbeiter. Aber auch der Begriff der Ortsansässigkeit ist zu weit gesaßt. Ist es doch an einem im Norden Berlins liegenden Schulbau vorgekommen, daß Bauarbeiter entlassen wurden, die hundert Meter weiter auf Pankower Gebiet wohnten. Auf der anderen Seite werden auf allen städtischen Bauten, wie auch oben gezeigt, Leute beschäftigt, die nicht in Berlin ansässig sind, sich aber— nachdem sie vom Polier bestellt wur- den— schnell polizeilich angemeldet und auch, Wunder über Wunder, zur Zahlung städtischer Steuern be- reit erklärt haben. Aus diesem Grunde müssen die Berliner Bauarbeiter un- bedingt verlangen, daß bei den städtischen Bauverwaltungen in Groß-Berlin sich eine andere Auffassung Bahn bricht. Groß» Berlin ist ein einheitliches Wirtschaftsgebiet. Es sollten darum Unterschiede zwischen Berliner Bauarbeitern und solchen, die in den Berliner Vororten ansässig sind, auf keinem städtischen Bau in Groß-Berlin gemacht werden. Auf der anderen Seite sollte aber der Begriff der Ansässigkeit be- sonders in Berlin schärfer gefaßt werden, indem nur dcrsenige beschäftigt wird, der m i t seiner Familie in Groß- Berlin wohnt und ansässig ist. Die Organisation kann solche Verordnungen nicht aus eigener Machtvollkommenheit treffen. Wenn darum ein sich als nicht organisiert bezeichnender Maurer in der Abendausgabe der„Berliner Volkszeitung" vom 24. Februar die Schuld an diesen Zuständen der Organi- sationsleitung beimißt, so spricht hieraus lediglich die Or- ganisationsfeindschast, die mit Unklarheit und Unwissenheit gepaart ist. Setiin und Umgegend. Ein»euer gelber Reinfall. Bei der am Donnerstag, den 5. März, erfolgten Wahl des Aus- schusses der Jnnungskrankenkasse der Bäckerzwangsinnung zu Berlin erhielt die Liste des Bäckerverbandes 748 Stimmen, die Liste der Gelben 163 Stimmen, 2 Stimmen waren ungültig. Der Verband erhält demnach 33 Ausschußmitglieder, die Gelben 7. Das Wahllokal in den Konkordiasälen, wo zur Wahl der kleine obere Saal zur Verfügung gestellt war. während im großen Saal die Bäckermeister Versammlung hatten, zeigte, wie wenig Rücksicht die Innung auf die Gesellenschaft nimmt. Das Lokal war ein Ab« schreckungsmittel gegen das Wählen. Stundenlang standen die Menschen eng eingepfercht auf den Treppen, ehe sie in vas Wahl- lokal gelangen konnten. Viele, namentlich Frauen, kehrten deswegen nach langem vergeblichem Warten wieder um. Die Organisation war eine so schlechte und die Abfertigung eine so zeitraubende, daß es des ganzen Aufgebots größter Geduld be- durfte, um nicht die wildesten Szenen heraufzubeschwören. Der schlechten Organisation und dem slandalösen Wahllokal ist eS zu danken, daß viele schon zur Arbeit mußten, che sie ihr Wahlrecht ausüben konnten. Trotz aller durch die Ordner des Verbandes aufgewendeten Energie war eS nicht zu verhindern, daß durch die nachdrängenden die vorn an den Türen«ingekeilten Massen zwei Scheiben eingedrückt wurden. Durch diese Uebelstände dauerte die Wahl statt bis 6 Uhr, bis nach 7 Uhr. Au» dem Fleischergcwerbe. Die Restauration Emil Forkert, Hackepeter, Berlin N., Danziger Straße, Ecke Tresckowstraße. ist wegen Nichtanerkennung des Tarifvertrages für organisierte Fleischergesellen gesperrt. Desgleichen die Fleisch- und Wurst- zentrale Lötzsch, Ecke Reichenberger und Forster Straße. Die Tariftommission der organisierten Fleischergesellen. Achtung, Töpfer! Der Bau Weißensee, Casseler Straße, Eigen- tüm?r Stephan R u s i e ck i, Lichtenberg, Gürtelstr. 21, ausführender Töpfermeister Hoff mann in Mariendorf, ist für Verbandsmit- gliedcr wegen Nichtverglasung der Fenster gesperrt. Der Vorstand der Filiale Berlin. Deutffhes Reich. Der Verband der Kupferschmiede im Jahre ISIS. Trotz größerer Arbeitslosigkeit, unter der auch der Verband der Kupferschmiede im Jahre 1913 zu leiden hatte, konnte die Or- ganisation eine größere Anzahl Lohnbewegungen erfolgreich durch- führen. Es wurden 45 Lohnbewegungen in 33 Orten mit 194 Be- trieben und 3345 Beschäftigten geführt, an denen 975 Mitglieder des Verbandes beteiligt waren. Hierbei ist die Bewegung in den Werstorten, an der der Verband in sieben Städten mit 448 Mit- gliedern beteiligt war, nicht berücksichtigt, da, wie bekannt, die Vcr- bandsvorstände die Arbeitsniederlegung als gegen die gewerkschaft- lichen Grundsätze verstoßend, nicht billigten. Diese Bewegung hat dem Verbände an Unterstützungen aus der Haupt- und den Lokal- lassen in runder Summe eine Ausgabe von 46 300 M. verursacht. Ein Erfolg ist nicht erzielt worden. Von den übrigen 45 Lohn- bewegungen sind 36 in 26 Orten in 158 Betrieben mit 2594 Bs- schästigien ohne Arbeitseinstellung mit vollem oder doch teilweiscm Erfolge durchgeführt worden; nur in 9 Fällen ist in 8 Orten und 36 Betrieben mit 751 Beschäftigten die Bewegung erst durch Ar- beitseinstellung entschieden worden. Die Bewegungen endeten in 32 Fällen mit 782 Beteiligten erfolgreich, in acht Fällen mit 124 Beteiligten teilweise erfolgreich; nur 5 Bewegungen mit 69 Bc- tciligten endeten ohne Erfolg. Es wurde erreicht für 476 Per- soncn eine Arbeitszeitverkürzung von zusammen 755 Stunden pro Woche. Die Lohnerhöhung betrug für 856 Personen 2414 M. pro Woche. Außerdem wurden in 23 Fällen für 446 Personen sonstige Arbeitsverbesserungen, die höhere Entschädigung für Ucberzeit- arbeiten und Montagezuschläge, die in diesem Berufe eine große Rolle spielen, erzielt. In 22 Fällen wurde die Bewegung durch den Abschluß von Tarifverträgen beendet. Insgesamt bestanden am Schluß des Jahres 1913 52 Tarifverträge für 299 Betriebe mit 2024 Beschäftigten, von denen 1224 Mitglieder des Verbandes sind. Da der Verband der Kupferschmiede nur etwa 5300 Mitglieder hat, also zu den kleineren Organisationen zählt, find die vor- genannten Zahlen immerhin beachtenswert. Ter Organisation ge- hören nach der letzten am Anfang des Jahres 1913 erschienenen Statistik 77,7 Proz. der Berufsgenossen an; mit Einschluß der>n andere» Verbänden Organisierten sind 83,8 Proz. der Berufsgenossen organisiert._ Die Tarifgemeinschaft der Etcmigraphcn und Kupferdrucker. Mit dem diesmaligen Geschäftsbericht des Tarifamtes hat eine zehnjährige Tarifpcriode ihr Ende gefunden. Die Anregung zur Vereinbarung eines Lohntarifs und zur Bildung einer Tarifgemein- schaft wurde im Jahre 1903 von der Gehilfenseite gegeben. Die damals noch kleine Zahl von Gehilfen, etwa 1000(davon 69,2 Proz. organisiert) in 75 Anstalten, hatte die Wahrnehmung gemacht, daß es mit den gewerblichen Verhältnissen immer mehr bergab gehe, und daß die Gehilfen aus eigener Kraft nicht in der Lajje seien, Ordnung in das Gewerbe und in die für sie in erster Linie wichtigen Arbeitsbedingungen zu bringen. Tie Prinzipalität er- klärte sich bereit, an ihrem Teile helfend einzugreifen, machte die Schaffung eines Lohntarifes aber abhängig von der gleichzeitigen Verpflichtung der Gehilfen auf Durchführung eines Preistarifs, Beide Parteien übernahmen diese gegenseitigen Verpflichtungen, und so kam im«September 1903 die Tarifgcmeinschaft unter Schaffung eines Lohn- und Preistarifs zustande. Es wird anerkannt, daß die Bestimmungen des Lohntarifs in seinem zehnjährigen Bestehen von den Tarifparteien im allge- meinen gewissenhaft resprcktiert worden sind, was von dem Preis- tarif nicht gesagt werden könne. Im wesentlichen aber habe er ein weiteres Sinken der Herstellungspreise verhindert. Dann wird festgestellt, daß die erste Statistik des Tarifamtes im Jahre 1903 nur über 75 vorhandene Anstalten nebst 1006 tätigen Gehilfen be- richten konnte,»nährend die Statistik von 1913 über 178 Anstalten und 2750 Gehilfen Angaben enthielt. Von den Anstalten sind zur- zeit organisiert 157 von 173 gleich 88,2 Proz.; von den Gehilfen 2614 von 2750 gleich 95,1 Proz.(1903: 54 von 75 Anstalten gleich 72,0 Proz.; 696 von 1006 Gehilfen gleich 69L Proz.). Das Prozentverhältnis der Lehrlinge zu den Gehilfen betrug 1903: 31,6 Proz., 1913: 20,7 Proz. Die Arbeits�it betrug 1003 bei 44,5 Proz. der Gehilfen 48 Stunden und darunter, 1913 bei 89,7 Proz. 48 Stunden und darunter. 1903 wurden 12,7 Proz. der Gehilfen tarifwidrig entlohnt, 4,9 Proz. zum Minimum, die andern darüber; 1913 wurden 3,8 Proz. unter dem tariflichen Lohn, 1,8 Proz. zum Minimum und die anderen höher entlohnt. Durch die tariflichen Arbeitsnachweise wurden im Jahre 1913 insgesamt 1236 offene Stellen besetzt. Mit dem 1. Januar d. I. ist ein neuer Tarif in Kraft ge- treten. Nach demselben gelten als Tarifparteien nicht mehr ausschließlich der Bund der chemigraphischen Anstalten Deutschlands und der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, sondern es können alle Prinzipale und Gehilfen, auch wenn sie den vorstehend genannten Organisationen als Mitglieder nicht angehören, Mitglieder der Tarifgemeinschaft sein, sofern sie sich zur Anerkennung und Befolgung der Bestimmungen des Tarifs verpflichten. Die Zahl der Prinzipale und Gehilfen, die zurzeit jenen Organisationen als Mitglieder nicht angehören, ist aber so gering, daß die tatsächlichen Träger der Tarifgemeinschast doch die in jenen Organisationen vereinigten Prinzipale und Gehilfen sind. Wie jeder Tarifabschluh, der die einander zumeist direkt ent- gegenstehendcn Wünsche der Tarifparteien möglichst vollkommen berücksichtigen soll, unmöglich in allen Positionen eine volle Be- friedigung bei den Tarifparteien finden kann, so haben auch dies- mal die Beschlüsse des Tarifausschusses nicht befriedigt. Bei der Gehilfenschaft zeigte sich größere Unzufriedenheit insbesondere über die Aufhebung des Organisationsvertrags, über die Festsetzung besonderer Sparten-Minimallöhne und über die gegen früher ver- schärften Vorschriften über die Arbeitsnachweise. Es wird jedoch vom Tarifamt die bestimmte Meinung vertreten, daß die Befürch- tungen, die gehilfenseitig in dieser Beziehung gehegt und prin- zipalsseitig in anderer Richtung zum Ausdruck gekommen find, sich nicht erfüllen würden. Mit dem Beginn der neuen Tarifperiode sind gleichzeitig um- fassende Veränderungen in der Besetzung der Tariforgane vor sich gegangen. Der bisherige Prinzipalsvorsitzende der Tarifgemeinschaft und Gründer derselben auf Prinzipalsseite, Gebeimer Kom- merzienrat V ü x e n st e i n- Berlin, beendet mit dem Ablauf der jetzigen Tarifperiode seine Tätigkeit als Tarifsunktionär. Der bisherige Geschäftsführer im Tarifamt, Herr Schliebs, hat ebenfalls seine zehnjährige Mitarbeit eingestellt. Der umfangreiche Geschäftsbericht bringt zum Schlüsse das namentliche Verzeichnis sämtlicher tariftreuen Firmen in Deutsch- land und die Adressen der Tariforganc. Ist das kein Terrorismus? Der Stellmachermcister Opitz in Groß-Baudiß bei Liegnitz ge- hörte der fteicn Stellmachermnung in der etwa zwei Stunden ent- fernten Stadt Striegau an, wurde aber von der Behörde der Zwangsinnung in dem vier Stunden entfernten Liegnitz zugewiesen. Mit der Begründung, daß er in Striegau Jnnungsmitglicd sei. weigerte er sich, nach Liegnitz Beiträge zu zahlen. Da kam eines TageS zu ihm ein Bollziehungsbeamter, um 3,60 M. Beitrag zu pfänden. Opitz widersetzte sich der Pfändung und bedrohte den Be- amten, der auch wirklich von der Pfändung absah. Später hat dann seine Frau die 3.60 M. bezahlt.— DaS Schöffengericht verurteilte Opitz wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu vierzehn Tagen Gefängnis und die Strafkammer Liegnitz erklärte auf ein- gelegte Berufung diese Strafe für angemessen. Gegen den staat- lichen OrganisatwnSzwang für Handwerksmeister gibt es kein Wehren. ßue der Partei. Die Rote Woche und die Gelben. llnfere Rote Woche macht auch den Gelben Kopffchmerzen. .Der Werkverein", das Organ der Gelben Essener Kalibers, bringt in seiner neuesten Nummer folgende Aufforderung in be« sonderer Aufmachung: Gemeindewahlerfolg. Bei der Gemeindevertreterwahl in Krietern bei Breslau» einem Villenvorort, wurde trotz oer ungeheuersten Anstrengungen der Gegner Genosse Gronig, Parteisekretär für Brcslau-Land, wiedergewählt.___ Bildungsarbcit in der Schweiz. Ein Bildungskursus der schweizerischen sozialdemokratischen Ange st eilten wird vom 6. März bis Ende April an einem Tage jeder Woche im Züricher Volkshause abgehalten. Referenten sind die Genossen: Professor Reichesberg- Bern(EntWickelung der volkswirtschaftlichen Ideen); Dr. F a r b stei n- Zürich(Staats-, Verwaltungs- und Strafrecht des Bundes, Allgemeiner Teil des Zivilrechts); Ober- richter Otto Lang(Dienst- und Werkvertrag u. a.). Außerdem sind praktische Uebungen vorgesehen.— Eine große Zahl Arbeiter- und Gewerkschaftssekrctäre hat sich zur Teilnahme gemeldet. Ein deutsches sozialdemokratisches Blatt in Brasilia« erscheint seit Dezember unter dem Titel:„Volksfreund" im südbrasilianischen Staate S a o Paulo. Bekanntlich ist in den Südstaaten mit ihrem gemäßigten Klima das deutsche Element stark ver- breitet. Und wo es Deutsche gibt, gibt es auch Sozialdemokraten. Die Zeitung ist das Organ des Allgemeinen Arbeitervereins Sao Paulo, der auch die Verwaltung in Händen hat. Jugendbewegung. Weggeworfene Millionen. Für die Zwecke der bürgerlichen Jugendpflege geben Staat und Gemeinden Millionen aus, nur zu dem einen Zweck, die heran- wachsende Generation im hurrapatriotischen Sinne zu erziehen und von jeder geistigen Berührung mit der Arbeiterbewegung fernzu- halten. Daß mit den Reifejahren die von ihnen beeinflußte Jugend doch ihre eigenen Wege gehen wird, darüber kann sich jedoch kein Verständiger täuschen. Und in um so höheren Matze wird das geschehen, je mehr etwa den geistigen und kulturellen Interessen der Jugend entgegen gekommen wird, während gleichzeitig die all- gemeinen sozialen Aufgaben vernachlässigt werden. Wenn auch alle bildenden und belehrenden Veranstaltungen ber_ bürgerlichen Jugendbewegung tendenziös gefärbt und reaktionären Zwecken dienen sollen, ein gewisses Maß von Kultur steckt schließlich doch auch in ihnen und die Heranwachsenden werden sie in ihrem späteren Leben nicht vermissen wollen. Und mit diesem anerzogenen Bedürfnis scheitert die bürgerlich« Jugendbewegung bei der Verfolgung ihres Zieles. Wollen die durch sie hindurch gegangenen Arbeiter und Arbeiterinnen auch in ihrem späteren Leben die Segnungen der Kulturgüter genießen, so ttettoe* Bdhtung. Vom 8. bis 15. März wollen die Genoffen eine rote Woche—— � obhalren; sie wollen die Arbcitcrwohnungcir stürmen, ruhige Leute mit Redensarten be- ISsttgen, Flugblätter schwinbelhaften Inhalts verteilen und ihren üblen Terrorismus zum Mitgliederfang entfalten. Jeder Genosse soll Slgitator sein. Eine Massenbelästtgung soll einsetzen, von der die Genossen annehmen, daß ihr der einzelne Arbeiter nicht Stand zu halten vermag; darum versprechen sich die Ge- «offen große Erfolge, klingende Münze für die Partcikaffe und für die Partcizritung. Der sozialdemokratischen Anmaßung und ihrer sozialen Riickständigkeit kann am besten durch eine Aufklärung über die Ziele der neue« deutschen, wirtschastsfriedliche« nationale» Arbeiterbewegung—— entgegengetreten werden. Kameraden! Cut Eure pfUebt! sie bald einsehen, daß sie dann mit dem großen Heer der klaffen- bewußten Arbeiterschaft gemeinsam für eine Verbesserung ihrer materiellen Existenz kämpfen müssen. Bei ihrem Mangel an historischer Einsicht haben unsere Gegner dies beachtliche Moment völlig übersehen. Ein pommerscher Reaktionär sucht ihnen jetzt darüber die Augen zu öffnen. In der in Stolp erscheinenden konservativen „Hinterpommerschen Zeitung" veröffentlichte er am 20. Februar -einen Artikel über„die Kehrseite der öffentlichen Jugendpflege", in dem er sich dagegen wandte, daß„die öffentliche Jugendpflege unterschiedslos auf Stadt und Land ausgedehnt" werde. Als eine folch allgemeine Veranstaltung habe„sie einen Charakter erhalten, der in mancher Hinsicht nicht ganz unbedenklich erscheint". Es lasse sich nicht verkennen, daß die wirtschaftliche EntWickelung mit ihren neuen Produktionsformen, ihrer großstädtischen Konzen- tration und dem damit verbundenen Wohnungsclend die sittliche uiib_ körperliche EntWickelung der Halbreifen nachteilig beeinflusse. Es sei deshalb ursprünglich nur die löbliche Absicht gewesen, llebel- ständen abzuhelfen, als der Staat mit einer öffentlichen mann- lichen und weiblichen Jugendpflege eingriff,„als er die schul- entlassene Jugend nicht nur sittlich und körperlich, sondern auch national gefährdet sah". Aber das Land hätte er davon verschonen sollen, so meint der konservative Kritiker, denn die Jugendpflege habe„eine Tendenz erhalten, die von Erziehung weit entfernt ist. Sie läuft hin- ausaufUnterhaltungundAmüsemen t". Zur Jugend gehöre zwar Lebensfreude:„auf dem Wege aber, der ein Volk auf- wärts führt, liegt nicht Spiel und Genuß",„sondern Ernst und Kampf, Pflicht und Schuldigkeit, Zucht und Autorität, und jede öffentliche Erziehung, die nicht in diesem Grundgedanken wurzelt und nicht diesen Grundgedanken zum Ausdruck bringt, führt ein Volk unzweifelhaft abwärts. Es kann unmöglich zum guten ausschlagen... der Jugend von feiten der Gesellschaft allmählich ein öffentliches Recht auf Unterhaltung, auf Spiel und Vergnügen anzugewöhnen. Wem ein öffentliches Anrecht auf Spiel gegeben ist, der wird bald ein öffentliches Anrecht auf Brot fordern." In diesen Sätzen mischt sich Richtiges mit Falschem, aber die letztere Schlußfolgerung ist eine unerschütterliche Wahrheit. Nur zu bald werden die Förderer der bürgerlichen Jugendbewegung ein- sehen, daß sie sich vergeblich muhten, der Arbeiterbewegung Abbruch tu tun. Ihr Bemühen erweist sich eben als ein Teil jener Kraft, die das Bose will und doch das Gute schafft. Der Klassenstaat wird seine Millionen fortgeworfen haben und— wir erfreuen uns des Genusses ihrer Zinsen! Wie die Jugend für die Nationalen geködert wird. Nicht nur Kommißstiefel, alte Uniformen und Lebensmittel verteilt die bürgerliche Jugendpflege, um die Arbeiterjugend für die Veranstaltungen der staatlichen Jugendpflege-Ausfchüsse zu ge- Winnen, sondern sogar— Rodelschlitten und«Schneeschuhe. Ter Bericht des Landratsamtes für den Kreis Schleu- singen teilt in dem Kapitel Jugendpflege mit, daß in einem Winter an die Gruppen nicht weniger als 38 0 Paar Schnee- schuhe und 200 Rodelschlitten zur Verteilung gelangt sind. Selbstverständlich gibt eö unzählige Jugendliche, in deren Hause die wirtschaftliche Lage zu ungünstig ist, als daß sie aus eigenen Kräften solche Sportgegenständc anschaffen könnten. Sie lassen sich daher leicht für die staatliche Jugendpflege kaufen. Aber die Herren Landräte und Leutnants sollen nur aufpassen, daß ihnen die Arbeiterjugend nicht auf den Schneeschuhen noch rascher wieder davonläuft als in den Kommißstiefeln. Blüten katholischer Jugendpflege. In dem bekannten klerikalen Verlag von Ludwig Auer in Donauwörth erscheint ein« Zeitschrift:„Notburga", die das Organ vieler katholischer Jungfrauen vereine ist. In dieser„Notburga" äußert sich der geistige Tiefstand der»leisten katholischen Jungfraucnvereine und Kongregationen noch unver- hüllt. Es wäre schade, wenn von den zahllosen Textblüten dieser katholischen Jugendzeitschrift nicht wenigstens einige allgemein bekannt würden. In jeder Nummer findet man zahlreiche GcbctSaufforderungen für verstorbene Vereinsmitglieder. und man erfährt daraus, daß sich Jungfrauen von recht ehrwürdigem Alter in diesen Jugend- vereinen befinden. In wenigen wahllos herausgegriffenen Num- mern lesen wir Nachrufe an Jungfrauen im Alter von 37, 48, 63, 00, 86, 76 und 83 Jahren. Der Tod ist eine ernste Sache, und es liegt uns fern, Spott mit ihm treiben zu wollen. Aber wer kann ernst bleiben, wenn er in einem Nachruf auf eine Jungfrau von 66 Jahren liest:„Eine stramme Jungfrau war siedurchunddurch... Eine Schlamperei in der Küche, im Haushalt war ihr unausstehlich." Und der mit 83 Jahren sanft verschiedenen„braven Jungfrau" wirft man noch im Grabe vor:„Der zu wenig abgetötete Eigensinn hat ihr Leben mit den größten Schmerzen beendet. Trotz öfterer Verwarnung hat sie mit dem Feuer im Ofen derart hantiert, daß zuletzt ihre Kleider Feuer gefangen." Diese Vorwürfe einer Jungfrau von83Jahrcn! Eine große Rolle spielen in der Zeitschrift die Gebets- empfehlungen, in denen Vereinsmitglieder Gebete für ihre Interessen erflehen. Man findet dabei zum Teil recht weltliche Dinge. So wird aufgefordert zu beten: für einen guten Haus- verkauf, für guten Geschäftsgang, für guten Aus- gang eines Prozesses, für Verhinderung einer gemischten Ehe, für Erlangung einer ruhigen Wohnung für einen älteren Mann, für Erlangung der Tugend des Schweigens, für die Sinnes- änderung einer zukünftigen Schwiegermutter, für Glück und Segen im Stall, für eine Familie, in der oft geflucht wird, für Auflösung einer sündhaften Bekanntschaft usw. In den Artikeln finden sich Wendungen, die jeder Außen- stehende als geschmacklos empfinden muß. So wenn Jesus„die Krone der Jungfrauen" genannt wird, oder der„Edelstein der gottgewollten Jungfräulichkeit", oder wenn es aO einer anderen Stelle heißt:„Babctte war ein eifriges Mitglied der Kirche, ein frommes Kind des Heiligen Franziskus, eine kluge Jung- frau, die ihre mit dem Oel der guten Werke ge- füllte Lariipc dem Herrn freudestrahlend cnt- gegcntrug." Von einer verstorbenen Jungfrau wird gesagt, sie sei vor ihrem Tode„ge l ä u t e r t und gereinigt worden in einer nahezu halbjährigen schweren Lungenkrankheit." Von einer kleinen Erstkommunikantin, deren Alter mit 4 Jahren, 5 Monaten angegeben wird, wird unter dem Titel „Klein-Nelli— Vom heiligen Gott, das Veilchen des Allerheiligsten Sakramentes" erzählt: „Kein unnötiges Wort kam aus ihrem Munde, bevor sie Jesus in ihr Herz aufgenommen und begrüßt hatte. Auch bat sie die Wärterin, mit ihr nicht zu sprechen, bis die heilige Messe vorüber sei. Kaum hatte sie kommuniziert, als ihr Antlitz sich ganz veränderte. Ein übernatürlicher Ausdruck ver- klärte ihre Züge... Die Uebcrmacht der Liebe und Dankbarkeit erfaßte so allgewaltig ihre Seele, daß sie für die Dinge dieser Welt keinen Sinn mehr hatt e." Ein Kind von genau 4 Jabren und 6 Monaten, das für die Dinge dieser Welt keinen Sinn mehr hatte! In einer so heiligen Gesellschaft ist für weltliche Vergnügungen keine Stätte, und man wird sich daher nicht wundern, wenn es vom Tanzboden heißt: „Ja, ich bin auf den Tanzboden gegangen. Dieser Gedanke wird so mancher die Sterbestunde, die ohnehin schon schwer genug ist. noch mehr erschweren. Drum merk Dir. wozu das Tanzen gut ist. E s i st n u r g u t f ü r d e n T e u f e l. der sich dadurch in der Todesstunde in Verzweiflung bringen oder doch recht ängstigen will." Trotz all dieser Abtötungcn scheint es aber doch noch dauernd dort mit der Heiligung nicht zum besten bestellt zu sein, denn ein Artikel ist schlafenden Kircheavesuchern gewidmet, und eine Frau klagt darin: „Die Leute hier, die gehen ja gar nicht in die Kirche, um zu beten, die schlafen j a." Wenn so gepredigt wird, wie die„Notburga" geschrieben ist, verstehen wir die Tiefe und Ausdauer des Kirchenschlafes. Berichtigung. Herr Paul Erlach sendet uns folgende Berichtigung: Der„Vorwärts" vom 18. Februar(„Antisemitische Störungen im Wandervogel") bringt mich in Verbindung mit der burschi- kosen Aeußerung: Der Wandervogel soll kein„Ablagerungsplatz für alte Siesel, die ehemals auf Plattbeinen gesessen haben und nach Knoblauch stinken", ioerden.— Demgegenüber stelle ich fest, daß in keiner von mir herausgegebenen Druckschrift jemals dieser oder ein ähnlicher Satz gestanden hat. Damit werden natürlich auch die vom„Vorwärts" an diese Aeußerung geknüpften, meine Person herabsetzenden Ausführungen hinfällig. Gerichtszeitung. Der Regimentsbefehl des Kronprinzen. In Nr. 25 des..Vorwärts" vom 26. Januar brachten wir unter der Ueberschrift:„Der Abschied vom Regiment" einen kurzen Artikel, der in Anlehnung an den Erlaß, mit dem sich der Kronprinz bei seiner Versetzung nach Berlin von seinem Husarenregiment verabschiedet hatte, einen in satirische Form gekleideten erdichteten Regimentsbefehl brachte. Jeder direkte Hinweis auf den Lkronprinzen fehlte in dem Artikel. Trotzdem wurde Genosse Er n st Meyer, der die be- treffende Nummer verantwortlich gezeichnet hatte, wegen B e- leidig ung des Kronprinzen angeklagt. Tie vierte Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirek- t o r s Hofmeister verhandelte gestern gegen Meyer. Vor Eintritt in die Vorhandlung wurde auf Antrag des Staatsanwalts Heinz mann, unter Widerspruch des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Hugo H e i n e m a n n, die Oeffentlichkeit„wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung" ausgefchlossen. Doch wurde dem Ge» nossen Ströbel als Redakteur des„Vorwärts" gestattet, der Verhandlung beizuwohnen. Als Zeugen wurden Redakteur Weber und Faktor Rosen vemomtnen, die bekundeten, daß Meyer den Artikel im Drange der Geschäfte nur flüchtig gelesen, aber nicht eingehend geprüft haben könne. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis. Das öffentlich verkündete Urteil lautete im wesentlichen: Der unter Anklage stehende Artikel ist eine Parodie auf den Regimentsbefehl, den Seine Kaiserliche Hoheit der Krön- Prinz beim Abschied von scineni Regiinent erließ. Die Parodie ist hämisch, sie ist derart hämisch, daß kein Zweifel darüber aufkommen kann, daß der Verfasser die Absicht hatte, Seine Kaiserliche Hoheit den Kronprinzen in seiner Ehre zu kränken, ihn lächerlich zu machen. Der Verfasser hat in bös- williger Absicht und feindseliger Gesinnung gegen Seine Kaiserliche Hoheit gehandelt. Der Angeklagte behauptet, daß er den Artikel nicht verfaßt hat. Ob das der Fall ist oder nicht, kann dahingestellt bleiben. Nach dein Preßgesetz ist der Angeklagte verantwortlich. Umstände, die seine Täter- schaft ausschließen, sind nicht erwiesen. Der Angeklagte hat sich des Vergebens gegen � 97 schuldig gemacht. Er hat Seine Kaiserliche Hoheit mit Absicht, in böswilliger Weise und mit Ueberlegung beleidigt. Für das Strafmaß ist einerseits zu berücksichtigen, daß der Angeklagte noch unbestraft ist. Andererseits kommt in Betracht die weite Verbreitung des Blattes, wodurch die giftigen(I) Früchte desselben in die weitesten Kreise getragen werden. Aus diesen Gründen ist von einer Festungsstrafe abgesehen und der Angeklagte zu einer Gefängnis st rase von drei Monaten ver- urteilt.. Der Nrbciter-Tängcrbund als politischer Brrein. Im Gegensatz zum Kammergericht hat das OibervcrtvaltungS- gcricht am Donnerstag einen Arbcitergesangverein im wesentlichen deshalb für politisch erklärt, weil er dem Arbeiter-Sängcrbund angehört. Der Vorsitzende Karl Lipke vom Arbeitergesangverein„Vor- wärts" in Hcegermühle, der zum Arbeitco-Sängerbund gehört, war vom Amtsvorsteher durch polizeiliche Verfügung aufgefordert worden, die Statuten und ein Verzeichnis der Vorstandsmitglieder einzureichen. Der Amtsvorsteher stützte sich aus§ 3 des Vereins- gcsetzcs, wonach die Vorsteher politischer Vereine dazu verpflichtet sind. Er erachtete also den Gesangverein als einen politischen. Lipke beschwerte sich vergeblich beim Landrat in Freienwalde und beim Regierungspräsidenten in Potsdam. Dann klagte L. beim ObervcrwaltungSgcricht. Das OberverwaltungSgcricht hat jetzt die Klage mit folgender Begründung abgvwiesen: Es Handel« sich hier aber um einen politischen Verein. Diese Annahme gründe sich auf die Tatsache, daß der Gesangverein„Vottvärts" in Seegermühle Mitglied des Deutschen Arbeiter-SängerbnudeS(Sitz Berlin) fei. Dieser Bund, der seit 1003 bestehe, habe in einer Broschüre von 1911 seine Ziele deutlich dargelegt. Aus dieser Schrift gehe hervor, daß der Bund sich die Förderung der sozialdemokratischen Partei zur Aufgabe gemacht habe. Dasselbe ergebe sich aus dem Organ des Bundes, der„Arbciter-Sänger-Zeitung", die in einer ganzen Sieihe von Artikeln den Beweis erbringe, daß der Arbeiter-Sängerbund und seine Mitglieder die Unterstützung der sozialdemokratischen Partei pflegen. Auch eine Reihe anderer Tatsachen sprächen dafür. So sei für die Wahlagitation im Jahre 1911 beschlossen Ivorden, die Versammlungen des Arbeiter-Sängerbundes einzuschränken, um den Mitgliedern die Teilnahme an der Wahlagitation möglich zu machen. Ferner hätten dem Bunde angehörende Gesangvereine bei Festlichkeiten politischer Vereine, zum Beispiel bei Stiftungs- festen von Wahlvereinen mitgewirkt. Wenn nun der Arbeiter-Sängerbund politisch sei, so seien es auch die zu ihm gehörenden Gesangvereine. Im Gegensatz zum Obcrvcrwaltungsgericht hat das Kammer- gcricht mit Recht erklärt, es sei unzulässig, ohne weiteres den politischen Charakter eines Vereins aus seiner Zugehörigkeit zu einem größeren politischen Bunde zu folgern. TaZ„liberale" Vcreinsgesctz ist, wie man sieht, recht aus- legungsfähig— wenn es sich»m Sozialdemokraten handelt. WeS- halb ist beispielsweise der„Bund der Landwirte" nebst seinen Filialen nicht für politisch erklärt, wenn in der Tat die oben wiedergegebenen Gründe zuträfen? Die ruhende Nymphe, vom Staatsanwalt verfolgt? Anselm Fcuerbach hat sie gemalt, die ruhende Nymphe. In göttlicher Nacktheit und Unschuld liegt sie hingestreckt auf grüner Matte: Der vollkommenste Ausdruck der Ruhe. Nichts sinnlich Aufreizendes, nichts erotisch Erregendes hat das Bild. Dennoch hält es der Staatsanwalt für eine„unzüchtige Darstellung", le- diglich deshalb, weil die Nymphe nackt ist. Das Auge des Staats- anwalts vermag eben in dem hervorragenden Kunstwerk nichts anderes- zu erblicken als eine unbekleidete Frauensperson, und deshalb inntzte der Inhaber der Volksbühnenbuch- Handlung, Heinrich Wibker, auf die Anklagebank. Er soll dadurch gegen die Sittlichkeit gefrevelt haben, daß er eine vorn Verlage der Münchener„Jugend" herausgegebene farbige Rcpro- duktion der ruhenden Nymphe in seinem Schaufenster ausstellte. Das Gericht hat sich bereits iin September vorig»» Jahres mit dieser Sache beschäftigt. Mehrere Sachverständige, darunter der bekannte Maler Professor Lovis Corinth, erklärten da- mals, die ruhende Nymphe sei ein durchaus keusches Kunstwerk ohne eine Spur von Sinnlichkeit. Tie vorliegende Reproduktion sei eine künstlerische, dem Original entsprechende. Da der Staato- anwalt nach diesen Gutachten seine Anklage wanken sah, so setzte er die Vertagung durch und lud»och andere Sachverständige, welche die polizeiliche staaisanwaltliche„Kunstanschauung" stützen sollen. In der erneuten Verhandlung, die gestern vor der 12. Straf» kammer des Landgerichts k stattfand, und einen vollen Sitzungstag in Anspruch nahm, hielten sechs Sachverständige län- gere Vorträge, die sich nicht nur um das vorliegende Bild drehten, sondern prinzipielle Fragen über die Ausgaben der Kunst, dr>: Darstellung des Nackten in der Kunst und deren Wirkung aus den Beschauer hielten. Dabei zeigte sich, daß selbst die vom Staats- anwalt als Stützen der Anklage geladenen Sachverständigen ver- sicherten, daß das Recht des Künstlers, den nackten Menschen dar- zustellen, nicht angegriffen werden solle. Gegen Originalwerkc der Kunst, die ja in der Regel nur einem kleinen.Kreise zugäng- lich seien, sei nichts einzuwenden. Aber die Reproduktionen, m'd nun gar die vorliegende. Wenn die weiten Kreisen des Volles, besonders der heranwachsenden Jugend zugänglich gemacht würden, so sei das eine Gefahr für die öffentliche Sittlichkeit. Diesen Standpunkt vertrat Dr. Karl Stork von der Zeitschrift„Der Thürmer", und auch der Polizeizensor Professor Brunner erklärte das vorliegende Bild als geeignet, die Jugend sittlich zu gefährden.. Eine» entgegengesetzten Standpunkt vertraten die Sachver- ständigen Professor Lovis Corinth, Dr. Max Deri, Di- rektor Springer(Vorsitzender der Neuen freien Volksbühne) und Dr. Karl S ch e f f l e r. Diese Sachverständigen beton!:.:. daß die künstlerische Darstellung des Nackten, auch in guten Rc- Produktionen, nicht sittenverderblich wirke, und daß die Verbr'- tung guter Kunstwerke in weiten Volkskreisen, hohen erzieherismen Wert habe. Was besonders das vorliegende Feuerbachsche Bild betrifft, so war die Ansicht dieser Sachverständigen übereinstimmend mit der des Professors Corinth, welcher sagte: Vom künstle- rischen wie vom moralischen Standpunkt ist Feuerbachs ruhende Nymphe das beste, was es gibt. Wenn ich Feuerbach kritisieren wollte, dann würde ich sagen, es ist zu wenig sinnlich, es ist ganz nüchtern. Eine Photographie einer Schauspielerin in pikantem Kostüm wirkt viel sinnlicher wie die Darstellung eines nackten Weibes.— Von der vorliegenden Reproduktion, die nach Ansicht eines anderen Sachverständigen, Direktor Krämer von der Rotophotgesellschaft, kitschig sein und deshalb sinnlich wirken soll. sagte Lovis Corinth: Sie ist so gut, daß Feuerbach, wenn er sie sehen könnte, seine Freude daran haben würde. Der Staatsanwalt stellte sich vollkommen auf den Stand- Punkt der von ihm herangezogenen Sachverständigen: Die Kunst soll nicht verfolgt werden, aber es darf nicht gestattet sein, solche Reproduktionen wie die vorliegende, den weitesten Volkskreiscn zugänglich zu machen. Ter Angeklagte solle mit 10 Mark be» straft'werden. ,, Rechtsanwalt Lesser trat den� Ansichten deS Staats- anwalts entgegen und beantragte Freisprechung. Das Gericht sprach den Angeklagten frei und lehnte auch den Antrag des Staatsanwalts aux Ein. zichung des vorliegenden Exemplars der ruhen- den Nymphe ab. Das Urteil stützt sich im wejcnflichen daraus, daß die hier in Frage kommende Reproduktion nach Anucht des Professors Corinth eine künstlerische, ja sogar eine ausgezeiÄ- nete ist, daß sie nicht sinnlich wirkt und also nicht geeignet ig, das Scham- und Sittlichkeitsgefüht des normalen Menschen zu verletzen._ Fledderer. Drei sehr gefährliche Bahnhofsräuber, die besonders auf dem Schlesischen Bahnhofe ihre Tätigkeit zu entfalten pflegten, standen gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I. Die Angeklagten, Arbeiter Ludwig Kania, Edmund Kwiatowski und Johann B-rk-wSki haben in der Nacht zum Ostersonntag 1913 einen russischen Ingenieur überfallen und ihm Geld und Uhr geraubt. Der Ueberfallene war nämlich von Warschau gekommen und saß im Wartesaal 3.«lasse des Schlesischen Bahnhofs. Gegen 3 Uhr nachts beobachtete der Ingenieur, wie die drei Angeklagten einen schlafenden Galizier fledderten. Er stand aus und ging vor den Bahnhof, um einen Schutzmann zu holen._ Die_ drei hatten dies gemerkt, gingen ihm nach und schlugen auf ihn ein, wobei sie ihm Uhr und Portemonnaie stahlen. Es� gelang, ihrer habhaft zu werden. Das Gericht verurteilte Kania zu 5 Jahren Zuckthaus, Kwiatowski zu 6 Jahren Zuchthaus, beide auch zu je 3 Jahren Ehrverlust und 10 Jahren Polizeiaufficht, den Angeklagten Bor. kowski, gegen den nur die Anschuldigung der Körperverletzung vor» lag, zu 1 Jahr 0 Monaten Gefängnis. 35 000 M. nntcrschlage». Nach dreitägiger Verhandlung vor der 11. Strafkammer des Landgerichts l verfiel gestern der Prozeß gegen den Bankbeamten Ott» Thiele der Vertagung. Es handelt sich bei dem Prozeß, wie wir mitgeteilt haben, um eine mysteriöse Fälschung einer Quittung über 36 000 M„ die im Jahre 1910 zum Schaden der Kommerz- und DiSkontobctnk ausgeführt worden ist. Nach Vernehmung zahlreicher Zeugen, von denen ein großer Teil Aussagen machte, die den Verdacht der Täterschaft des Angeklagten zn beseitigen ge- eignet waren, hielt das Gericht die Sache noch nicht für genügend aufgeklärt und beschloß, die Verhandlung zn vertagen und zu einem nächsten Termin die sämtlichen Zeugen noch einmal und einen Buchsachvcrständigeu zu laden. Ein Mieter von seinem Hauswirt erschossen. In der gestrigen Verhandlung über die Bluttat deS Hausbesitzers Hielschcr führte der Staatsanwalt nach Schluß der Be- Weisaufnahme aus, daß der Angeklagte kein Recht gehabt habe, dem Koza das Wegbringen einer Matratze zu verbieten und das Loch in seinen Rechtsansprüchen mit dem Revolver auszufüllen. Die Tatsache, daß der Angeklagte dem Koza sofort mit dem Re- volvcr entgegen getreten ist, zeige deutlich, daß er bei der Tat eine bestimmte Absicht, wenn auch keine Ueberlegung gehabt habe. Der Staatsanwalt beantragte in erster Reihe die Schuldfrage auf Tofichlag, eventuell aber die nach Körperverletzung mit Todes- erfolg zu bejahen.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Treitel beantragte die Freisprechung, da nach seiner vollen Ueberzeugung der Angeklagte in der Notwehr gehandelt habe. Die Geschworenen verneinten die Schuldfragen. Der Angc- klagte wurde dem Wahrspruch entsprechend freigesprochen. Marktpreise von Berlin am 6. März I9U, nach Ermittelungen des kgl. VolizeivrälibinmS. Mais(mircd), gute Sorte 00,00—00,00, Donau 001)0—00,00. Mais(runder� gute"Sorte 14,70—15,00. Richtstroh 0,00. Heu 6,60—8,20. Markt hallenpreis«. 100 ZNlogr. Erbsen, gelbe, zum Koche» 34,00—50,00. Sveisebobnen. weihe 35.00—60,00. Linien 40,00—60,00. Karwh'cin(Kleinbdi.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,60—2,40. Nindfleiich, Bauchfleiich 1,30—1,80. Schweinefleisch 1,40—2.00. Kalbfleisch 1,40— 2.40. Hammelfleisch 1,50— 2,40. Butter 2.40—3,00. 60 Stück Eier 3,80—6,00. 1 Kilogramm Karvien 1,20—2,40. Aale 1,60— 3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,40— 2,80. Barsche 1,00—220. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60, 60 Stück Krebse 3150— 24.0a A.Wertheim Leipziger Str. Königstr. G. m. b. H. Schriftliche Bestellungen an die Versand- Abteilung Berlin W 66 erbelen Rosenthaler Str. Moritzplatz Ausstellung In dieser Damen- Hüte Woche: Garn.Damen- Hüte mit neueste Formen Hut- Fassons Hut- Fassons und Geflechte Liséré- Geflecht 2.90 Moderne Kappe oder Strohbandeau. enit gestreiftem Band 2.45 Kleine Trotteurform doen. Band 2.90 Strohbolero mit gestreiftem Band.. 3.45 od.Ponpons- Garn. Band- Trotteur aus Liséré- Geflecht.. 4.50 Fescher Trotteurlang genäht a.Pirol- Stroh 5.90 m.hoh.Seidenband- Garn. Gesteckt.Touques a. Tagolor m. römisch 6.90 gestreiftem. 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An die Adresse der Regierung, die von vornherein abwinken zu sollen geglaubt hat, richtet sich eine vom Arbeits- ausschutz der Propaganda für Reinickendorfs Eingemeindung der- anstaltete Kundgebung. Er hatte für Freitag nach den„Hubertus- sälen" eine öffentliche Versammlung einberufen, die aus allen Schichten der Bevölkerung, auch ans der Arbeiterbevölkerung, sehr stark besucht war. Auch die Mitglieder der Gemcindekörper- schaften waren fast vollzählig erschienen. Ter Versammlung?- leiter G a d e betonte in einer Ansprache die Notwendigkeit, ein- mütig zu bekunden, daß die Bevölkerung Reinickendorfs hinter jenen Eingemeindungsbeschlüsscn des Gcmeindevorstands und der Gemeindevertretung steht und entgegen der Mahnung des Nieder- barnimer Landrats den Gedanken der Eingemeindung nicht aufgeben will. Diese Einmütigkeit kam denn auch in den Referaten wie in der Diskussion zu überzeugendem Ausdruck. Gemeindevertreter Busch, der Führer der bürgerlichen Fraktion, beleuchtete in seinem Referat die mißliche Finanz- läge Reinickendorfs, aus der es keinen anderen Aus- weg als den Anschluß an Berlin gebe. Die Lcistungs- fähigkeit in der Aufbringung von Steuern sei an der Grenze an- gelangt und habe diese zum Teil schon überschritten. Aus dem Grund- und Hausbesitz lasse sich, da er bereits überlastet sei, nichts mehr herauspressen. Auch bei der Gewerbesteuer sei eine weitere und erhebliche Steigerung nicht möglich, wenn nicht die Industrie im Ort lahmgelegt werden solle. Wahrscheinlich werde der Ein- kommensteuerzuschlag, der jetzt schon 140 Proz. beträgt, noch weiter erhöht werden müssen. Aber hiervon habe man eine Flucht der Bessersituierten zu befürchten, die dann nur zu einer erneuten Steigerung des Steuerzuschlags zwingen werde. Reinickendorf sei zu wenig bemittelt, um auf die Dauer den großen neuzeitlichen Aufgaben der Kommunen gewachsen zu sein. Rur durch Einge- meindung nach Berlin könne es sich aus dem Labyrinth finanzieller Wirrnisse herausretten. Wenn die Regierung Berlin nicht größer werden lassen, sondern mit einem Kranz leistungsfähiger Vor- ortgemcinden umgeben wolle, so gehöre jedenfalls Reinickendorf nicht zu den„leistungsfähigen". Durch Eingemeindung gewinne Reinickendorf eine Ermäßigung aller Steuern, auch werde Berlin dann eine Straßenbahn zwischen Ost und West herstellen und die Scepromenade schaffen. Gewinnen müsse auch der Kreis, da die Eingemeindung eine Weiterführung der Schnellbahnen über Wedding und Gesundbrunnen hinaus zur Folge haben und die ganze Verkehrspolitik im Norden Berlins günstig beeinflussen werde. Der Kämmerer von Berlin habe kürzlich zum Etat er- klärt, daß auch Berlins Finanzlage sich ungünstiger gestalten könne. Daraufhin habe der Landrat den Vertretern der Rcinicken- dorfer Eingemeindungskommission gesagt:„Sie sehen ja, Berlin kann auch nicht mehr weiter!" Aber man werde sich durch solche Mittel nicht die Sache verleiden lassen. Wolle die Regierung die Eingemeindung hindern, so solle sie zur Balancie- rung des Reinickendorfer Etats die fehlenden Millionen hergeben. Der zweite Referent war unser Genosse Gemeindevertreter Schönberg. Er betonte, daß in der Gemeindevertretung die beiden Fraktionen— die sozialdemokratische und die bürgerliche— ungeachtet aller sonstigen Gegensätze in der Eingemein- dungsfrage überein st im nien. Durch Eingemeindung der Vororte nach Berlin ein Groß-Berlin zu schassen, sei ja seit langem eine Forderung der sozialdemokratischen Stadt- und Ge- meindeverordneten. In Preußen freilich, wo die Junkerkaste herrsche und der Bureaukratie die Selbstverwaltung der Gemein- den verhaßt sei, suche man mit allen Mitteln die Entwickelung leistungsfähiger Gemeinden zu hindern. Nicht aus Wirtschaft- lichen oder juristischen Gründen, sondern aus Gründen der Partei- Politik werde die Eingemeindung bekämpft. Unter der städte- feindlichen Strömung habe jetzt auch die Gemeinde Reinickendorf zu leiden. Aber die Eingemeindung müsse und werde kommen— alles andere, wie z. B. auch der Plan eines Schullastenausgleichs, sei Quacksalberei. Daß der Gemeinde Reinickendorf nur die Eingemeindung helfen kann, zeigte Refe- rent, indem er das Mißverhältnis zwischen ihrer geringen Steuer- kraft und den ihr gestellten kouimunalen Aufgaben an der Hand eines reichhaltigen Zahlenmaterials nachwies. Reinicken- dorf ist vorwiegend von Arbeiterfamilien bewohnt, von besitzlosen Proletariermassen. Gerade hier sind aber die Ausgaben für die Volksschule verhältnismäßig sehr viel höher als in anderen Ge- meinden Groß-Berlins, deren wohlhabende Bevölkerung sehr be- deutende Steuerbeträge aufzubringen vermag. Für die Volks- schule wurden im Jahre 1913 pro Kopf der Bevölkerung ausgegeben in Reinickendorf 13,94 M., aber z. B. in Dahlem nur 4 M. Achn- lich steht es mit anderen Aufwendungen Reinickendorfs, z. B. mit den Krankenhauskosten, die für jeden Kranken einen täglichen Zu- schuß von 4,27 M. erfordern. Die hohen Aufwendungen können nur durch hohe Steuern gedeckt werden, und dabei steht Reinicken- dorf vor einer ganzen Reihe neuer großer Ausgaben. Wieviel da noch zu tun ist, legte Genosse Schönberg im einzelnen dar. Redner kam zu dem Schluß, daß für Reinickendorf die Eingemeindung eine Lebensfrage sei. Hier gebe es kein Wollen mehr, sondern nur noch ein Müssen. Leicht Werve der Kampf nicht sein, aber ohne Kampf kein Sieg. Die Losung müsse lauten:„Vorwärts und durch I" Beide Referate wurden oft durch zustimmende Zwischenrufe unterbrochen, und beiden folgte stürmischer, langanhaltender Beifall. In der Diskussion wurde kein Widerspruch gegen den Eingemeindungsgedanken laut. Für die im sozialdemokratischen Wahlverein organisierte Arbeiterschaft, die zahlreich vertreten war, gab Genosse S e l k e eine Zustimmungserklärung ab. Postsekretär N e u m a n n legte mit einer Mahnung, in der Eingemeindungsfrage fest zusammenzuhalten, folgende R e s o l u- tion vor: „Der Antrag der Gemeindekörperschaften von Berlin-Reinicken- dorf auf Eingemeindung in Berlin ist mit aufrichtiger Freude zu begrüßen. Wjr erblicken in der Eingemeindung das einzige Mittel, um den fortschreitenden wirtschaftlichen Niedergang in unserer Kommune aufzuhalten. Die zur Deckung der laufenden Ausgaben der Gemeinde benötigten Mittel haben bereits zu einer steuerlichen Ueberspannung der Kräfte bei allen Bevölkerungsklassen geführt. Die Aufbringung neuer Mittel ist nicht einmal zur Befriedigung dringender kultureller Bedürfnisse, geschweige denn zur Schaffung allgemeiner, die Entwickelung fördernder örtlicher Verbesserungen möglich. Bei diesen Zuständen ist es ausgeschlossen, daß unserem Orte neue, die Steuerkraft belebende Elemente zugeführt werden. Eine Aenderung der Lage aus eigener Kraft ist bei gewissenhafter und kritischer Beurteilung der zukünftigen Entwickelung für ab- sehbare Zeit nicht zu erwarten, wenn man sich nicht einem unver- antwortlichen Optimismus hingeben will. Bei einer solchen dauernden Leistungsunfähigkeit ist die Aufgabe un- serer kommunalen Selbständigkeit nur als die Besei- tigung eines ungesunden und unberechtigten Zustandes anzusehen. Durch die Eingemeindung in Berlin wird dieser Zustand in einer allerseits befriedigenden Weise behoben. In allen anderen Mitteln, wie in dem Zusammenfassen von Gemeinden zur Erfüllung einer speziellen kommunalen Aufgabe, können wir nur eine ungenügende Halbheit erblicken. Wir bitten deshalb die königliche Staats- regierung, unter gerechter Würdigung unseres wirtschaftlichen Notstandes das von den Gemeindckörperschaften und der gesamten Be- völkerung einstimmig geäußerte Verlangen nach Eingemeindung in Berlin zu unterstützen." Die Resolution wurde e i n st i m m i g angenommen. Parteiangelegenheiten. Aur Lokalliste. In Fredersdorf fR.-B.) steht uns das Lokal von Ww. Gronau zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. In Köpenick hat das für uns freie Lokal Gesellschafts- haus, Grünauer Str. 31, den Besitzer gewechselt. Eine Aenderung ist dadurch nicht eingetreten. In Nowawcs hat das Restaurant„Deutsche Festsäle" den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber Herm. Wolfgramm stellt dasselbe ebenfalls zur Verfügung. _ Die Lokalkommission. Achtung, Frauentag! Die Leiter der heutigen Ver> sammlungen werden gebeten, für den Fall besonderer Vor- komnmisse sofort nach Schluß der Versammlung Mitteilung darüber durch einen Boten auf die Redaktion des„Vorwärts" zu senden! Erster Wablkrcis. Die Genossinnen treffen sich heute pünkt- lich 1 Uhr bei Weihnacht, Grünstr. 21 und gehen von dort aus zur Versammlung. Lichtenberg.— 19. Abteilung.— Heute, Sonntag, Abteilungs- vergnügen im Lokal des Herrn Seemann, Wagnerstr. 64. Be- ginn nachm. ö Uhr. Lichterfelde. Am Montag, den 9. März, abends 8� Uhr, finden zwei Gemeindewähler-Versamm- l u n g e n in den Lokalen Chaussecstr. 104(Inhaber Richter) und Berlincrstr. 129(Inhaber Erpel) statt, in denen die Reichstags- abgeordneten P e u s und Dr. Q u a r ck sowie die Kandidaten sprechen werden. Friedenau. Am Mittwoch, den 11. März, von den Bezirks- lokalen aus: wichtige Flugblattverbreitung.— Der Zahlabend findet für die Bezirke 1, 2 und 3 bei Klabe, Handjerystr. 69/61, für den 4., ö. und 6. Bezirk im„Chaufteurheim", Born- Ecke Büsing- straße, gemeinsam statt. Köpenick. Nach der Frauenversammlung im Stadttheater ge- meinsamer Spaziergang nach Restaurant Pöhnisch,„Wilhelmshof", Hirschgartenstr. 1. Daselbst Kaffeekochen und gemütliches Bei- sammenfein. Ober-Schöneweide. Dienstag, den 19. März, abends 7 Uhr, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Buckow b. Britz. Eine öffentliche Gemeindewählerversamm- lung findet heute, Sonntag, nachmittags ö Uhr, im Lokal von Klein, Ehausscestr. 12, statt. Referent Stadtverordneter Conrad. Alt-Glienicke. Dienstag, den 16. d. M., abends 8 Uhr, im „Terrassen-Restaurant"(Jnh. Hub. Rodenbusch), Rudowerstr. b4: Oeffentlichc Versammlung. Tagesordnung: 1.„Feinde ringsum." Referent ReichstagsabgcoÄncter Fritz Z u b e i l- Berlin. 2. Tis- kussion. 3. Verschiedenes. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch. Bezirk Schönciche und Umgegend. Heute nachmittag 3 Uhr große öffentliche Versammlung in Hanncmannö Gescllschaftshaus, Fichtenau. Tagesordnung: 1. Die Entrechtung der hiesigen Ein- wohner durch die bürgerliche Mehrheit der Gemeindevertretung, der Kampf der bürgerlichen Vereine gegen die Mieter und unsere Antwort auf das neueste ivahrheitswidrige und verleumderische Flugblatt des bürgerlichen Wahlkomitees. Referent: G. Wasenitz. 2. Diskussion. Zossen. Die Parteigenossen treffen sich am Dienstag und Mittwoch, abends 7 Uhr, im Lokal von Scherler zur wichtigen Parteiarbeit. Tegel. Am Dienstag, den 16. März, abends 7 Uhr, von den bekannten Stellen aus: wichtige Flugblattverbreitung. Pctcrshagcn-Frcdersdorf. Am Mittwoch, abends 8% Uhr, bei Kirchner-Fredersdorf: Generalversammlung, Wahl des Vor- standcS. Roscnthal. Dienstag, 16. März, 7 Uhr abends. Flugblattver- tung von den bekannten Stellen aus. Vorortnachrichten. „ßrau Varrens Gewerbe". (Zu den Vorstellungen im Neuen Vollsthcater.) Bernhard Shaw, der englische Dramatiker, Verfasser des vieraktigen Schauspiels„Frau Warrens Gcwerb e", hat sich auch in Teutschland längst den Ruf eines bitteren, stets ins Schwarze treffenden Spötters erworben. Zur Zielscheibe seiner Satire hat er die verlogenen und verrotteten Zustände der bürger- lichen Gesellschaft gewählt.„Frau Warrens Gewerbe" will die in den Verrücktheiten dieser Gesellschaft ruhenden Wurzeln der Prosti- tution treffen. In Frau Warren, der Hauptfigur des Stückes, stellt er uns den Typ der klugen Geschäftsleute dar, deren Weizen in dem Moderboden der käuflichen Liebe üppig gedeiht. Aber nicht, um sich über den Charakter und das Geschäft der Dame Warren noch über die Prostitution und die Prostituierten moralisch zu ent- rüsten, sondern um uns zu zeigen, daß die Prostitution selbst und damit das Bordellgeschäft nur blühen können, weil ihnen dauernd durch schlechte soziale Verhältnisse, durch Hungerlöhne und Arbeits- losigkeit die Opfer zugetrieben werden. Neben Frau Warren inter« essiert in dem Stück besonders ihre Tochter, die sich von der Mutter lossagt, nachdem sie die Quelle des Reichtums erkannt hat, der ihr eine gute Erziehung möglich gemacht hat und ihr dauernd Wohl- leben und Sorglosigkeit garantieren soll. Aber auch diese Trennung erfolgt in ruhiger Sachlichkeit, ohne lächerliches moralisches Pathos. Um das in jeder Hinficht wertvolle Stück der Arbeiterschaft zu- gänzlich zu machen, haben wir einige Porstellungen im Neuen Volkstheatcr, Köpenicker Str. 68, teilweise belegt. Wir machen die Vorstellungen hiermit noch einmal bekannt: 1. Dienstag, den 19. März, abends 8� Uhr.' Verkaufsstelle für die Karten: P. Horsch, Engel- ufer 15, Zigarrengeschäft. 2. Sonnabend, den 14. März, abends 8% Uhr. Verkaufs st ellen: Zigarrengeschäft von Baumann, Runge- straße 36; Bureau des vierten Wahlkreises, Stralauer Platz 16/11 (von 9— 1 und B— 7 Uhr);„Vorwärts"-Spedition, Petersburger Platz 4; Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145; Zakzewski, Zi- garrengeschäft, Feldstr. 9; H. Schröder, Zigarrengcschäft, Hagel- berger Str. 53/54. 3. Sonntag, den 15. März, abends 8 Uhr. Verkaufs st ellen: Bureau des 6. Wahlkreises, Gericht- straße 71(von 9—1 und 5— 7 Uhr). Restauration Paersch, Olden- burger Str. 16. 4. Freitag, den 26. März, abends 8% Uhr. Verkaufs st ellen: Paul Horsch, Zigarrengeschäft, Engel- ufer 15; Baumann, Zigarrengeschäft, Rungestr. 36; Restauration Dieseler, Brunnenstr. 145; Zakzewski, Zigarrengeschäft, Feldstr. 9. Preis des Platzes 1,16 M. einschließlich der Garderobengebühr und des Theaterzettels. Der Bezirksbildungsausschuh Groß-Berlin. Zur Roten Woche. Exemplare der heutigen Nummer des„Vorwärts" sind noch in unseren Speditionen zu haben. Aufgehobener„Konkurs". Am 5. März ist der unseren Lesern bekannte„Konkurs" gegen den Berliner Stadtverordneten, Genossen Karl Hetzschold vom Gericht aufgehoben worden. Bekanntlich haben die Scharfmacher im Bäckermeisterlager diese unsaubere Aktion gegen Genossen Hetzschold zu dem ausgesprochenen Zweck eingeleitet, um ihn um sein Mandat als Stadtverordneter zu bringen. Mehr als 26 dieser„anständigen" Herren haben sich nach einer Aeußerung des Jnnungsanwalts bereit erklärt, die zur Eröffnung des Konkurses vom Gericht geforderte Sicherheit von 426 M. zu erlegen. Der saubere Plan politischer Schädigung ist vorbeigelungen. Seine Ver- anlasser sind moralisch gerichtet und unsterblich blamiert. Der Konkursverwalter kennzeichnete den Konkurs als einen solchen, der aus politischen Motiven beantragt sei. Der Richter sagte dem Jnnungsanwalt und dem Antragsteller, einem früheren Bäcker- meister Lude, recht unbequeme Wahrheiten. Alle anständigen Politiker haben an dem Vorgehen jener Jnnungsscharfmacher schärfste Kritik geübt. Rätselhaft bleibt nur, daß der I n n u n g s- Anwalt klagte, und zwar angeblich im Auftrage des Herrn Lude, der doch den Offenbarungseid geleistet hat. Wer zahlt denn da die Prozeßkosten? Gleichviel, diese unanständige Machination hat jetzt ihren unrühmlichen Abschluß gefunden. Zwar hatte der JnnungSanwalt Loewe noch einen letzten krampf- haften Versuch gemacht, die Konkursaufhebung zu hintertreiben. Er hatte im letzten Augenblick eine Klage gegen die Feststellungen des Konkursverwalters eingereicht. Der Richter, der schon im früheren Termin jeden Versuch der Verschleppung entschieden zurückwies, ging auch auf diese neue Ver- schleppungSmanöver nicht ein, sondern erklärte den Konkurs kurzer- Hand für aufgehoben. Der Konkursverwalter berichtete noch, daß von der hinterlegten Sicherheitssumme von 426 M. aus der Konkursverwaltung noch 117 M. übrig geblieben seien, die von Rechtsanwalt Roth im Auftrage des Bäckerverbandes, dem Lude noch> 186 M. schuldet, gepfändet worden seien. Wer andern eine Grube gräbt... Der JnnungSanwalt und Herr Lude waren diesem kläglichen Zusammenbruch ihrer anrüchigen Aktion aus begreiflichen Gründen ferngeblieben. Verfehlte Steueraktion! Die Theatervcreine waren kürzlich von der städtischen Steuer- Verwaltung aufgefordert worden, anzugeben, wieviel Vergnügungen sie im letzten Jahre abgehalten haben und wo diese Veranstaltungen stattgefunden hätten. Die Steuerverwaltung war der Meinung, daß die Veranstaltungen der Theatervereme unter die Lustbarkeitssteucr fielen, weil durch Zulassung von Gästen doch gewisse Oeffentlichkeit gegeben sei und deshalb die Theateraufführungen steuerpflichtig wären. Dieses Vorgehen der städtischen Steuerverweser war recht naiv. Eine Antwort, wie sie verlangt wurde, zu geben, wäre wirk- lich unsinnig gewesen. Aber eine andere Antwort erfolgte. Die betroffenen Vereine erhoben lauten Protest gegen die städtischen Steuerschnüffler und wiesen das Ansinnen entschieden zurück. Die Vereinsauffllhrungen seien nicht steuer- pflichtig, andererseits aber ihre Versteuerung nur geeignet, weite Erwerbskreise schwer zu schädigen. Die Auferlegung einer neuen Steuer bedeute die Konzessionierung; diese aber wieder die Auflösung der Vereine. Das Endergebnis laufe darauf hinaus, daß wohl schwerer Schaden angerichtet würde, aber der Magistrat ginge doch leer aus. Diese Aktion gegen die Theatervereine wurde auch in der Stadtverordnetenversammlung von dem Redner der sozialdemo- kratiichen Fraktion gegeißelt und als unzulässig bezeichnet. Inzwischen hal man sich an den zuständigen Stellen im Magistrat die Sache überlegt und ist dort zu der Ansicht gekommen, daß man gut tut, die Finger von der Sache zu lassen. Man will die Ange- legenheit auf sich beruhen lassen und sie nicht weiter verfolgen. In diesem Sinne sind auch die Petenten auf ihre Eingabe hin beschicden worden. Eine mißglückte Steuerattion! Auch eine Arbeiterinncnbewegung. Um die Arbeiterinnen ihrer natürlichen Organisation— den freien Gewerkschaften— abwendig zu machen, bemühen sich unsere Christlichen mit regem Eifer. Deutsch-edangelische Arbeiterinnen- bewegung betiteln sie das von ihnen gezogene Gewächs. Wer die Personen sind und was sie wollen, erhellt aus einem Bericht über die Hauptversammlung der Vereinigung zur Förderung dieser Ar» beiterinnenbeweguilg. Die Versammlung fand statt in einem Saale des Ministeriums des Innern. Unter den Gästen, die sich eingefunden hatten, befanden sich die Hofstaatsdamen Gräfin Keller und Frl. v. Gersdorff, Die Vereinigung ist vor einigen Jahren vom Kapellenverein, der Orts- gruppe des Deutsch-evangelischen Frauenbundes, und dem Haupt» verein für Innere Mission gegründet worden; sie steht unter dem Vorsitz von Fräulein V. Kröcher und dem General von Pfucl, Man sieht schon aus diesem Persouenkreis, wes Geistes Kind diese Arbeiterinnenbewegung ist. Arbeiterinnen findet man in der Leitung natürlich nicht. Diese„Organisation" hat sich die Aufgabe gestellt, Arbeiterinnenheime und Arbeiterinnenvereine zu gründen. Nächsten? soll Moabit mit einem solchen Srveiterinneuheim beglllckt werden. In einem Bericht de? frommen.Reichsboten' heißt eS über diese beabsichtigte Gründung: .Wie notwendig diese Arbeit ist, zeigten die Ausführungen des Herrn Pastor U n g n a d, der auf die enormen Mittel hinwies, mit denen die Sozialdemokratie für ihre Organisation und Propa- ganda arbeitet, �jhr steht jetzt schon eine verhältnismäßig starke, geschlostene christlrch-nationale Arbeiterschaft gegenüber, dagegen ist die Organisation der christlichen Arbeiterinnen gegenüber den sozialdemokratischen Frauen noch verschwindend klein. Wie wichtig es aber ist, die Frauen und Mütter des Volke? zu gewinnen, das beweisen die Anstrengungen der Sozialdemokratie hierin. Darum muh auch von anderer Seite alles drangesetzt werden, die Arbeiterinnen Zugewinnen zu christlicher und nationaler Gesinnung. Herr Geh. Konsistorialrat Dr. Conrad, der die Hauptansprache des Abend? übernommen hatte, legte den An» wesenden die ernste Verantwortung an? Herz, die Gott es liebe, die erlebt sein muh, auch zur Tat werden zu lassen, Opfer zu bringen für die Arbeit und mit Tatkraft und Liebeskraft auch unseren Schwestern des vierten Standes Hilfe und Liebe zu bringen.' Da? ist also die Arbeiterinnenvewegung, die hier gefördert wird: Erziehung zum GotteSglauben und zur Demut unter Bevormundung von HofstaatSdamen und Pfarrern. Die Interessen der Arbeiterinnen, ihre schlechte Entlohnung, ihre lange Arbeitszeit, ihre Beschäftigung unter gesundheitsschädlichen Bedingungen interessieren diese Leute nicht. Und deshalb werden aufgeklärte Arbeiterinnen von den frommen Protektoren nicht eingefangen werden. Bon der Minderung der Berliner Geburten. Der Geburtenrückgang, der nach Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts begann, hat seitdem angedauert und keine der vereinzelten Unterbrechungen hat die Abwärts- bewegung aufzuhalten vermocht. In Berlin hat im Jahre 1913, das jetzt hinter uns liegt, der Rückgang sich in beschleunigtem Tempo fortgesetzt. Während hier in 1912 noch 44 312 Kinder geboren wurden, ergab 1913 nur noch 42 216 im Jahre geborene Kinder(die tot geborenen immer mitgezählt).' Zum vergleich möge dienen, daß z. B. in den Jahren 1875 und 1876, wo Berlin noch nicht eine Million Einwohner hatte(durchschnittlich 943 566 in 1375 und 981081 in 1876), hier 43 774 und 46 293 Kinder geboren wurden. Unter dem Ertrag von 1375 ist jetzt derjenige des ahreS 1913 geblieben, obwohl es heute in Berlin mehr als Millionen Einwohner gibt(2082111 im Durchschnitt von 1913). Daß in 1913 der Geburtenrückgang so sehr beträcht- lich war, ist nur zum geringen Teil aus dem Rückgang der Bevölkerungszahl zu erklären, den Berlin im Jahre 1913 gegenüber dem Vorjahre gehabt hat. Die Lergleichuna der uu Jahr« geborenen Kinder mit der durchschnitt- lichen Bevölkerungszahl desselben JahreS ergibt für 1913 eine Geburtenziffer von nur noch 20,28 pro 1000 der Bevölkerung, gegenüber 21,27 für 1912 und 21,65, 22,32, 23,29, 24,78, 25,66 für die fünf Vorjahre 1911 bis 1907 zurück. Die oben erwähnten Jahre 1875 und 1876 bedeuteten einen Höhepunkt: auf 46,15 und 47,19 pro 1000 der Bevölkerung stellte sich damals die Ber- liner Geburtenziffer. Dann kam der Niedergang, auf 45,52 sogleich in 1877, weiter z. B. in 1887 auf 35,24, in 1897 auf 29,48, in 1907 auf 25, 56 und so fort. Die absoluten Zahlen der in den letzten Jahren geborenen Kinder sind für 1913 und 1912, wie schon angegeben, 42 216 und 44 312. ferner für 1911 bis 1907 zurück 44 849, 45 953, 47 731, 51 057, 52 91». Gegenüber(907 wurden in 1913 rund 10 700 Kinder weniger geboren._ Die Urania auf Abwege«. Als die Urania vor fast einem Jahre die Jjftier ihre? WjShrwen Bestehens feierte, wurde von dem neuen Vorsitzenden de? Auf- sichtsrateS, Herrn Salomonsohn, dem Mitinhaber der Diskonto- gesellschast, allerlei Auffälliges von der Neugeburt der Urania er- zählt. Das damals angekürdigte ist nunniehr Ereignis geworden. Die Voranzeigen dafür waren die Reklamcnotizen, die von einem Umbau der Uraniabühne zu einem elektrotechnischen Dorade kun- deten. Unter dem vielversprechenden Titel:„Hochspannung, ging inzwischen die Neugeburt vor sich. Herr Artur Fürst, der vierte Direktor der Urania, trug ein Feuilleton vor. Was geboten wurde, waren lauter olle Kamellen. Bis auf ein Experiment, das sich auf eine Hochfreauengspule bezog und geistreich all„fingende Elektrizität"«ingefuhrt wurde, kam keine einzige Tatsach« vor, die mcht schon vor IS bis L0 Jahren in der Urania vorgetragen wurde. Zwar sttrnden damals noch keine ISO 000 Volt zur Verfügung, aber auch schon 20- bis SOOOO Volt, die nur bescheidene Aufwendungen erforderten, geuügten, weil der Sprung von jener Spannung auf die 150 000 Volt zwar technisch von der größten Bedeutung ist, für die Demonstration aber gar nichts bedeutet. ES ist daher unerfindlich, warum die Urania die Aufwendungen macht, wenn sie doch überflüssig sind! U. W. hat dies« Anstalt doch gerade kein überflüssiges Geld. Es konnte daher nur der Wunsch maßgebend sein, alles Frühere zu übertreffen. Das war in dem tnstrumentellen Aufwand tatsächlich der Fall, machte er doch sogar die Absteifung des Hinterhauses erforderlich! Für den Vortrag ist aber wesentlicher als alles andere da? gesprochene Wort. Und da mutz eS höchst befremdlich erscheinen, daß man einen Feuilletonisten wählte, der weder über Vortragsbegabung verfügt, noch wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen hat. Umso befremdlicher ist das. als die Urania gerade für die Physik noch jetzt über einen Vortragsmeister verfügt, wie sie in der Tat nur selten sind, der zugleich auch ein tüchtiger Vertreter seiner Wissenschaft ist. Bei diesem Vortrage aber kam das Wort und damit der Inhalt in keiner Weise zur Geltung. Man stelle sich abgelesene Ekstasen und geschriebene Emphasen vor! Noch mehr Widerspruch aber muß es erwecken, wenn bekannte Tatsachen, wie die Verwehung von Blitzen einem Vortragenden unbekannt sind, der als Direktor der Urania auftritt. Warum das hier so ausführlich erwähnt wird? Wer auf- merksam ist, hört ganz genau, woher der Wind bläst. Gleich zu Beginn des Vortrages erzählte Herr Fürst von den glänzenden Perspektiven, die sich dem Elektrizitätsverbraucher von Groß-Berlin eröffnen, wenn im kommenden Jahre die Stadt Berlin von ihren Verstadtlichungsrechten der Berliner Elektrizitätswerke keinen Gebrauch macht. Dann würde das Fernkraftwerk Bitterfeld kommen, das nun den Strom sehr billig erzeugen könnte usw. Daß das alles die Stadt Berlin auch könnte, bleibt unerwähnt. Das könnte der AEG., die bekanntlich mit den BEW. eng ver- sippt ist. so passen! Die Urania hat das Unglück gehabt, in die Hörigkeit großer Kapitalgesellschaften zn geraten uns wird nun damit beglückt, als Reklamefiliale der AEG. fungieren zu dürfen. Der Hörer be- kommt die bittere Pille des RcklamevortrageS zu schlucken, der mit .Hochspamnlng' beginnt und bei der elektrischen Heizplatte mit der Vorführung elektrischer Bratpfannen, Kochtöpfe, Zigarren» anzünder— selbstverständlich nur von der AEG!— enden wird. Damit hat die Urania einen Weg betreten, der zu keinem guten Ende führen dürfte. Möge unser Warnruf unser populäres In- stitut rechtzeitig zur Umkehr bewegen. I. L. Gegen den Schullastenausgleich. Mit der Frage des Schullastenausgleichs beschäftigt« sich gestern eine vom Magistrat eingesetzte Kommission. Wie bereits der Ober- Mrgermeister in seiner Etatsrede ausgeführt hat, beabsichtigt der Magistrat gegen das unberechtigte Verlange« d«S Kreises Nieder- barnim und einiger östlichen und südlichen Vororte Stellung zu nehmen. Es handelt sich hier um ein Gebiet, bei dem nicht nur Berlin, sondern auch in gleicher Art viele, namentlich die westlichen Vororte, interessiert find. Ein gemeinsames Borgehen Berlins mit diesen Bororten ist in Erwägung. Unverschämte Schnorrer. Unter dem Namen»Luftfahrerdank' existiert in Berlin eine Gründung, die sich der Flieger und Lustschiffer annehmen will. Dieser.Luftfahrerdank' gibt sogenannte Wohlfahrtsmarken heran?, um eine Sammlung für verunglückte Flieger und Lustschiffer sowie deren Witwen und Hinterbliebenen zu veranstalten. Der Vertrieb dieser Wohlfahrtsmarken erfolgt in der Weise, daß an zahlreiche Personen Anschreiben versandt werden, dem zugleich ein Bogen mit Wohlfahrtsmarken zum Preise von 1,25 M. und eine Zahlkarte bei- gelegt ist. Die Versender dieser Wohlfahrtsmarken schicken ihre Prospekte in die Welt hinaus und warten dann auf das Geld, dessen Neinertrag den angegebenen Zwecke zugeführt werden soll. NnS gehen zahlreiche Protestschreiben zu, in denen betont wird, daß diese Schnorrerei als eine große Belästigung empfunden wird. Das ist sie auch, wenn auch das Zirkular die Unterschriften des Freiherrn v. d. Goltz und Rasch enthält. Man rechnet offenbar damit, daß die Empfänger der Zuschriften die Wohlfahrtsmarken nicht zurücksenden, dafür> aber den verlangten Betrag auf der beigefügten Zahlkarte abschicken werde». Damit dürften sich die Arrangeure stark verrech»«,. Für die verunglückten Flieger sowie deren Familien zu sorgen, ist eine Aufgabe, die auf andere Weise als durch eine solche Schnorrerei gelöst werden muß. Bemerken wollen wir noch, daß niemand die Pflicht hat, die nicht bestellten Wohlfahrtsmarken zu bezahlen noch zurückzusenden. Mögen die Herren Veranstalter sich die Marken abholen. Ei« unternehmender Versammlungsveranstalter. Zu der am Dienstag in Kellers Festsäleu(Koppenstraße) abgehaltenen Volksversammlung, die gegen den Plan eines staat- lichen Gebärzwanges protestierte, hatten sich so viele Personen ein- gefunden, daß Hunderte nicht mehr Einlaß erhalten konnten. Wäh- rend diese draußen auf der Straße noch vor dem Versammlungslokal standen und warteten, wurde unter den Augen der den Eingang be« wachenden Polizei die Gittertiir von innen geöffnet, und eS trat ein Mann aus die Straße hinaus, der mit lauter Stimme die Menge auf- forderte, ihm nach den AndreaS-Festsälen(Andreasstraße) zu folgen, wo sofort eineNebenversammlung abgehalten werden solle. Viele folgten der Aufforderung und begaben sich nach dem be- zeichneten Lokal, dessen Inhaber gleichfalls bereits durch einen Mann in Kenntnis gesetzt worden war, daß man hier eine Versammlung abhalten wolle. Nach etwa einer halben Stunde erschien der Mann wieder in dem Lokal und erzählte den Versammelten, daß er in« zwischen im Auto nach dem Polizeipräsidium gefahren sei, um dort die Erlaubnis zur Abhaltung der Versammlung zu erwirken. Er übernahm dann die Leitung, ohne daß jemand Einspruch da- gegen erhob, auch machte er zugleich den Referenten, weil kein andrer da war. Als in der anschließenden Diskussion die Frage aufgeworfen wurde, wer der Veranstalter dieser Versammlung sei, ergab sich, daß der Mann gar nicht Mitglied der sozialdemokra- tischen Partei ist. Er sagte das selber und fügte hinzu, er sei .Landauerscher Sozialist'. Sein Einfall, zu der in der Koppenftraße abgehaltenen Versammlung auf eigene Faust hier diel» .Nebenversammlung' abzuhalten, rief jetzt große Erregung hervor. Der»Landauersche Sozialift' beanspruchte übrigen? auch den Ertrag der Tellersammlung, um daraus, wie er sagte, die Kosten der er- wähnten Autofahrt zu decken. Die ganze Angelegenheit scheint unS noch sehr der Aufklärung zu bedürfen. Feuer im Spreepalast. In der vierten Morgenstunde wurde gestern(Sonnabend) die Feuerwehr nach der Jndustriestätte.Spreepalaft' in der Runge- straße 25—27 gerufen, wo im dritten Stock des Vorderhause« ein größere? Feuer ausgebrochen war. Es brannte in der Fabrik für Reifeeffekten von L. Prager. und die Flammen hatten Regale, Werkbänke. Koffer, Materialien, Türen und Fenster usw. ergriffen. Gleichzeitig war eine starke Verqualmung des ganzen dritten Stock- werk» eingetreten, so daß der Löschangriff sich anfangs recht schwierig gestaltete. Es wurde auf der Straße eine mechanische Leiter errichtet, und sowobl von dieser aus, wie auch über zwei Treppenhäuser drangen die Löschmannschaften gegen den Brandherd vor. Die Rauchentwicklung nahm aber von Minute zu Minute immer mehr zu. so daß der leitend« Brandmeister sich entschließen muhte. einen Sappeur mit einem Sauerstoffschntzhelm auszurüsten und in die brennenden Räume vorzuschicken. Erst jetzt gelang eS, das Feuer wirksam zu bekämpfen. Nach einstündigem Wassergeben auS drei Rohren konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Die vollständige Ablöschung mit den AuträumungSarbeiten zog sich bis gegen S Uhr hin. Die Ursache des Feuers ist nicht ermittelt, eine Betriebsstörung tritt bei der Firma L. Prager nicht ein. Borher hatte die Wehr in der Potsdamer Straße 127/128 zu tun, wo im Münchener Hofbräu ein Brand entstanden war. Da? Feuer zerstörte Türen und Teile der Wandtäfelung.— Ein bös- williger Alarm erfolgte dann noch nach der Gubener Straße 9. Der Täter ist entkommen._ Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins mrd der Vor- orte veranstaltet in dieser Woche in den nachbenannten Schulaulen hygienische Vorträge, die die Reihe der für dieses Jahr hingerichteten Vorträge beschließen. Der Zutritt zu diesen Vorträgen ist unentgeltlich. In Köpenick, Dorotheenschule, Freiheit, spricht am Dienstag, den 10. März, Herr Dr. S. Laserstein über.Frauenkrankheiten und deren Verhütung'.(Nur für Frauen!) In Mariendorf, Gymnasium, Kaiserstr. 17/21, spricht am Donners- tag, den 12. März. Herr Dr. M. Halle über.Erkrankungen der oberen Luftwege'. In Tegel. Gemeindeschule, Treslowstr. 26/27, spricht am Dienstag, den 10. März, Herr Dr. I. Moses über.Geschlechtskrankheiten und ihre Verhütung'. In Tempelhof, Gemeindeschule, Friedrich-Wilhelm-Str. 11/13, spricht am Dienstag, den 10, März, Herr Dr. Fett über.Frauen- krankheilen und ihre Verhütung'.(Nur für Frauen!) Ferner wird bekanntgegeben, daß der für Montag, den 9. März. vorgesehene Vortrag des Herrn Prof. Dr. Blumreich umständehalber nicht stattfinden kann. Arbeiter-Samariter-Bund, Kolonne Groß-Berlin. Am Frei- tag, den 27. Februar, hielt die Kolonne Groß-Berlin im llebungs- lokal ihrer ö. Abteilung ihre diesjährige Generalversammlung ab. Den Geschäftsbericht gab der Genosse Krause. Nach demselben haben im Geschäftsjahr 1913 276 Samatiter 680 Dienste geleistet, bei denen 1136 Unfälle gemeldet wurden. Dazu kommen 118 Un- fäll« außerdienstlich, so daß 1301 Hilfeleistungen zu verzeichnen sind. In ärztliche Behandlung überwiesen wurden 41 Verletzte, dem Krankenhause zugeführt drei, tödlich verlaufende Unfälle sind nicht geiueldet. In sieben Abteilungen wurden 80 ausgebildete Kursusteilnehmer ärztlich geprüft, von denen 61 die Prüfung be- standen. Im Berichtsjahre jind 20 Genossen und zwei Genossinneu auS der Kolonne ausgetreten. Der Kassenbericht schließt mit einer Einnahme von 5332,65 M. und einer Ausgabe von 5140,09 M., so daß ein Bestand von 192,56 M. verbleibt. Die Neuwahlen zum Vorstand ergaben: 1. Vorsitzender Filzecker; Kaisierer Vogt; Schrift- fiihrer Seebach. Als Delegierte zum Bundestag nach Erfurt wurden Pilzecker und Hubert, als Ersatzmann Dietrich gewählt. Der Monatsbeitrag beträgt 30 Pf., der Jahresbeitrag für Kursus» teilnehmer wird auf 2,50 M. erhöht, jedoch werden den Teilnebmern außer der Zeitung dann je eine 4-, 6- und 5-Zentimeter-Binde als Lehrmaterial überwiesen. All« Zuschriften der Vereine und Gewerkschaften und sonstige Mitteilungen sind an den Vorsitzenden, Genossen R. Pilzecker. Berlin NO. 35, Jmmanuelkirchstr. 20, zu richten. Der Zentral-Berein für Arbeitsnachweis ist in der Lage, Hausfrauen, die zum 1. April junge Anfängerinnen als Mädchen für alles, Kindermädchen oder 2. Hausmädchen einstellen wollen, solche zu vermitteln. ES können aber nur rechtzeitige Meldungen berücksichtigt werden. Es liegen augenblicklich noch ca. 100 Anmeldungen von jungen Mädchen vor, die von der Schule besonders empfohlen sind. Bestellungen werden entgegengenommen schriftlich oder mündlich: Eichbornstr. 1 von 8 bis- 12 und 4 bis 7 Uhr, Gor- mannstr. 12 von 5 bis 7, und Alt-Moabit 88 von 4 bis 7 Uhr. Nach tenauer Kenntnisnahme aller Bedingungen werde» die jungen lkädchen zur Vorstellung ins Haus geschickt. Seilten 70. Geburtstag beging gestern der in der schwersten Zeit für unsere Sache tätig gewesene Genosse August Voigt. Britzer Str.9. Trotz eines Augenleidens nimmt der Parteiveteran noch heute reges Interesse am Parteileben. Kleine Nachrichten. Beim Betteln tödlich verunglückt ist gestern abend in dem Hause Jmmanuelkirchstraße 36 der 50 Jahr« alte AliNosenempfänger Emil Glaser, der aus Königsberg i. Pr. stammt und sich hier wohnungslos aufhielt. Er glitt auf der Treppe des genannten Hausee aus und zog sich eine schwere Kopf- Verletzung zu, die feinen Tod herbeiführte.— Von einem Auto- omnibus überfahren und tödlich verletzt wurde gestern abend gegen H7 Uhr in der Alten Schönhauser Straße der 46 Jahre alte Ar- beiter Gustav Krege aus der Graunstr. 4. Beim lleberschreiten des Fahrdamme» kam er vor einem Kraftomnibus zu Fall und unter das Rad des schweren Wagens zu liegen. Er erlitt neben anderen Verletzungen einen Schädelbruch und verstarb auf der Stelle. Hie HemeinSewahlbewegung. Am heutigen Sonntag sowie in den nächsten Tagen l?abek noch eine Anzahl Vororte Gemetndewcchlen vorzunehmen. Die Werktätige Bevölkerung wird daher ersucht, mit allen Kräften darauf hinzuwirken, daß die von der Sozialdemo- kratzic aufgestellten Kandidaten als Sieger aus der Wahl her- vorgehen. Wie ans dem Verlauf der bisherigen Gemeinde- wählen hervorging, schrecken die bürgerlichen Parteien vor keinem Mittel der Lüge und der Verleumdung zurück, mn das weitere Vordringen der Sozialdemokratie in den kommu- nalen Körperschaften zu verhindern. Die Sozialdemokratie bedient sich solcher Agitationsmittel nicht. Ihre Stärke be- steht in dem berechtigten Hinweis auf die bisher von den so- zialdemokratischen Vertretern in den Kommunen geleistete Kulturarbeit für das Wohl der Allgemeinheit. Wer eine Verstärkung der Machtposition unserer Partei in den Kommunalvertretungen will, muß ein Helfer der so- zialdemokratischen Wahlarbeit und ein Agitator für die Wahl unserer Kandidaten sein. » ♦ • Pankow. Die Gemeindevertreterwahl, welche heute von IZNHrmittagSbiSSUHr abends und morgen Mo», tag, ebenfalls von 12 Uhr mittags, aber bis 7 Uhr abend» für die dritte Wählerabteilung stattfindet, bringt der proletarischen Wählerschaft die lange erwartete Gelegenheit zur Abrechnung mit ihren Vergewaltigern vor zwei Jahren. Wie er- innerlich, brachten damals die bürgerlichen Wahlmacher durch die schäbigsten Machinationen zwei unsrer mit über 400 Stimmen Mehrheit gewählten Vertreter um ihre Mandate. Auch diesmal hofft der bürgerliche Wahlausschuß, der sich aus densebben Herr» schaften wie vor zwei Jahren zusammensetzt, der Partei abermals Abbruch zu tun. Noch am Freitag hat er einen Aufruf an seine Getreuen erlassen, in dem der Sachverhalt von vor zwei Jahren auf den Kopf gestellt und„allen Säumigen und Gleichgültigen' die Ausübung de? Wahlrechts zur Pflicht gemacht wird. Was das für die zahlreichen Beamten und abhängigen Wähler Pankows bedeutet, hat sich vor zwei Jahren deutlich gezeigt. Auch sonst erschallt in den letzten Tagen an allen Ecken und Enden Pankows der Ruf;„Gegen die Sozialdemokratie!' Die Neueinteilung der Wahlbezirke hat die bürgerlichen Hoffnungen nicht ohne Grund wesentlich erhöht. Außerdem ist der Gemeindevorstand den bürger- lichen Wünschen, die Wahl an mehreren Tagen zu vollziehen, ob- wohl diesmal hierzu keinerlei Veranlassung bestand, bereitwilligst entgegengekommen. Nur mit seinem Ansturm gegen die Sonn- tagswahl hat die Seele der bürgerlichen Wahlmacher, Herr Her- bert Schmidt, erfreulicherweise keinen Erfolg gehabt. Obwohl nach alledem unsere Genossen diesmal keinen leichten Stand haben werden, gehen sie doch frohen Mutes in den Kampf. An der proletarischen Wählerschaft ist es nun, schon vom heutigeu M i t t a g a n mit einer solchen Wucht gegen die feindlichen Schanzen anzustürmen, daß der Abend für die Arbetterschast Pan» kows ein Resultat aufweist, daS einen würdigen Auftakt zur roten Woche darstellt. Ober-Schöneweide. Den Auftakt zur Roten Woche geben die heute stattfindenden Gemeindevcrtreterwahlen in der dritten Abteilung. Der Vorstand des hiesigen Zentrumsvereins sucht bei dieser Gelegenheit einige von der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Teutschland, M.-Gladbach, herausgegebene Pamphlete gegen die Sozialdemokratie an den Mann zu bringen. Doch damit dürften die katholischen Einwohner nicht so leicht vor ihren Wagen zu spannen sein. Die segensreiche Tätigkeit unserer Genossen in der Gemeindevertretung ist auch denen bekannt, die bisher noch nicht in den Reihen des kämpfenden Proletariats ge- standen haben. Und letztere über ihre wirtfchaftliche und politische Lage mit Mitteln der Demagogie hinwegzutäuschen, dürfte den „Brüdern in Christo' nicht so leicht gelingen. Es kann am heutigen Tage daher für jeden denkenden Wähler nur eine Losung geben: nämlich unseren Kandidaten im 1. Bezirk Rudolf Schwarz» bürg er. im L. Bezirk Friedrich Wernecke und Max Winkelmann zum Siege zu verhelfen. Kicder-SchSnewcide. Eine im„Wirtshaus Lorrleh' stattge» fundene gut besuchte Versammlung beschäftigte sich mit der bevor» stehenden Gemeindewahl. Der Referent Genosse Obst erläuterte an Hand unseres Kommunal-Programms die Forderungen der Sozialdemokratie an die Gemeinden. Hierauf gab Genosse Bengsch einen Bericht über seine zweijährig« Tätigkeit als Gemeindever- treter. Er konnte nachweisen, daß immerhin unsere Vertreter schon befruchtend auf das Gemeindeparlament gewirkt haben. Erfolge hätten sie auf dem Gebiete der Unänderung des Feuerlöschwesens, der Spielplatzfragc, der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Ge- meindearbeiter und anderen Gebiete. Bei der Frage des Schul» Neubaues hatte der Grundbesitzerverein den Antrag gestellt, den» selben auf drei bis vier Jahre zu vertagen. Unseren Genossen sei cS jedoch gelungen, den Antrag zu Falle zu bringen, so dcrtz mit dem Neubau in nächster Zeit begonnen werden soll. Den Antrag, die Wahl an einem Sonntag stattfinden zu lassen, habe die®e- meindevertretung gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. MS Kandidaten wurden von der Versammlung einstimmig die Genossen Wilhelm Ladendorf und August Kienast auf- gestellt. Trotzdem mehrere bürgerliche Vertreter in der Versamm- lung anwesend waren, meldete sich in der Diskussion niemand zum Wort. Der Vorsitzende Genosse Voss ermahnte am Schluß der Versammlung die Anwesenden, amMontag.deng. März, nur die Vertreter der Sozialdemokratie zu wählen. Wahllokal ist die Schulaula und Walstzeit von morgeuS 11 Uhr B«£ abends 8 Uhr. Wannsee. Die Gemeindevertreterwahleu für die 3. Klasse finden am kommenden Donnerstag und Freitag nachmittags von 5— 8 Uhr im Restaurant.Reichsadler" statt. Am Donnerstag ist Ergänzungswahl für zwei ausscheidende bürgerliche Vertreter. Aufgestellt find hier die Genossen Rentier N. H. W i t t und Schriftsetzer Heinr. H i r ch e. Am Freitag ist Ersatzwahl für einen der- storbenen bürgerlichen Vertreter. Aufgestellt ist hier der Genosse Maurer Wilh. Jung ermann. Versäume keiner, zur Wahl zu gehen, auf jede Stimme kommt eS an. Die Bürgerlichen strei- ten sich noch wegen der Kandidatenanfstellung. Wenn jeder seine Pflicht tut, muß uns der Sieg werden. Klein-SchSnebeck-Fichtenau. Die Gememdevertreterwahlcr für die dritte Klasse finden Montag, den 9. März, nachmittags von 5—9 Uhr in Horns.Kurhaus" statt. Die zweite Klasse wählt ebendaselbst am Dienstag, den 19. März, abends von 6 bis 8 Uhr. Kandidaten unserer Partei find für die dritte Klasse Otto M e y. für die zweite Klasse Max Schwertner. Um unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen, ist es nötig, daß die Genossen die kurze Zeit, welche uns noch zur Verfügung steht, tüchtig ausnutzen und am Tage der Wahl sich in genügender Anzahl zur Verfügung stellen. Hohen-SchSnhausen. Heute Sonntag, den 8. März, findet die Gemeindewahl statt. Gewählt wird von mittags 12 Uhr bis nachmittags 5 Uhr in der Turnhalle der neuen Gemeindeschule Rödernstr. 68/69. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Genossen Mar Siebeuwirth und Karl D r e w S. Arbeiter- Wähler seid auf dem Posten, die Bürgerlichen haben erst jetzt ihre Kandidaten aufgestellt und glauben uns den Sieg streitig zu machen. In einer gut besuchten Versammlung sprach Genosse P. Brühl über: Die Aufgaben der Sozialdemokratie in den Kam- munen. Die rege Zustimmung bekundete das Interesse, mit dem die Versammelten dem Bortrage gefolgt waren. In der Dis- iussion trugen die Genossen Thiele und Obermeyer einige Fälle aus der Gemeindevertretung vor, die bewiesen, daß die Arbeiter» schast alle Ursache hat, ihren Einfluß im Ortsparlament zu verstärken. Buchholz. In einer öffentlichen Gemeinde Wähler-Versamm- lung sprach Genosse Brühl über die bevorstehenden Wahlen. Der Redner legte in großen Zügen unsere Forderungen und Ziele innerhalb der Gemeinde dar. Hierauf besprach er noch einige, jetzt in Angriff genommene Projekte, deren Ausführung die Ge- meinden in eigene Regie hätten vornehmen lassen müssen. Red- ner kam zu dem Schluß, daß die von uns gewählten Gemeinde- Vertreter für diese Probleme einzustehen haben. Auch die Auf- gäbe der Frauen sei eS, bei der Wahl ihre Schuldigkeit zu hin. Der Vorsitzende, Genosse Schulz, ersuchte hierauf dafür Sorge zu tragen, daß unser Kandidat für den 2. Bezirk, Genosse Heinrich Bot ich e, als Sieger aus der Wahl hervorgehen möge. Vorortnachrichten. Die heutigen Lrauenverfammlungen in de« Vororten. Steglitz-Friedenau. Die in den Flugblättern und durch Säulenanschlag für heute angekündigte Frauenverfammlnng kann, da der.AlbrechtShof" vollständig geschlossen fft. nicht in diesem Lokal abgehalten werden. Die Verfammlung findet nunmehr im .Birkenwäldchen", Schützenstraße, statt. Anfang 2 Uhr. Friedenau. Gemeinsamer Abmarsch nach Steglitz um fA llhr don Klabe, Handjerystr. 60/61. Lankwitz. Zur Teilnahme an der Verfammlung bei Wahren- darf in Lichterfelde treffen sich die Frauen mittags 1 Uhr im Lokal von Atter, Tharlottenftr. 34. Köpenick. Morgen, Montag, abends pünktlich 8 Uhr, im Lokal von Rieck, Grunauerstr. 7, Zusammenkunst aller Genossen. die bei der Agitation für die rote Woche helfen wollen. Marieafeld«. Die Genossinnen und Genossen versammeln sich um 12 V4 Uhr bei Schufter, von da um 1 Uhr Abmarsch nach Mariendorf-Tempelhof. Bezirk Schöueiche und Umgegend. Die Frauen schließe» sich der Versammlung in Friedrichshagen an. Abfahrt Bahnhof RahnS- darf 1,27 Uhr. Die Frauen aus Fichtenau treffen sich bis 1 Uhr bei Pufch, Hauptstr. 18. Hermsdorf. Der Abmarsch zur Frauenverfammlung«ach Tegel erfolgt 1 Uhr von Eggebrecht, VA Uhr Schulzendorferstr. Scke Roonftraße. Bernau i. M. Die Frauen von Röntgental, Zepernik, Schönotv und Bernau versammeln sich heute mittag 1 Uhr in Bernau im „GesellschastshauS" von H. Modisch, Kaiserstraße. Von da gemein- sawer Gang zur Frauenversammlung. Wilmersdorf. I» einer gut besuchten öffentlichen Versammlung am Freitag abend im Viktoriagarten, sprach Genosse Dr. Breit- scheid über„Volksfeindliche Politik in Wilmersdorf". Vom Magistrat und den Stadtverordneten, die schriftlich eingeladen waren, war niemand erschienen. Mein Dr. Edel(lib.) hatte sein Fehlen brieflich mit Behinderung entschuldigt. In fünfviertel- stündiger Rede kennzeichnete Genosse Breitscheid die reaktionäre Wilmersdorfer Politik, die ihr Ideal erreicht habe, seitdem man im Stadtparlament ganz unter sich sei ohne jeden Sozial, demokraten.— Besonders eingehend sprach er über die beab- sichtigte Aufhebung der Jleischhalle, die nach den Aeußerungen in der Stadtverordnetenversammlung gegen Herbst salso nach den Wahlen!) erfolgen soll. Die Sozialdemokratie müsse dafür sorgen. daß in Wilmersdorf nicht nur für die Annehmlichkeit der besitzenden Kreise gesorgt werde, sondern auch die unumgänglich notwendigen sozialen Einrichtungen getroffen werden, die jede Stadt von der Größe Wilmersdorfs haben müsse. Bei den Wahlen müssen wix unsere ganze Kraft einsetzen, damit die Stimme des arbeitenden Volkes auch in Wilmersdorf gehört werde. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion Genosse Hilbig erinnerte dann noch an die rote Woche und forderte zu eifriger Werbearbeit auf. Friedrichsfelde. Die Etatsberatung wurde in der letzten Sitzung der Gemeinde- derlretung begonnen und in später Nachtstunde zu Ende geführt. Wie recht wir kürzlich mit unserem Hinweis hatten, daß der neue Etat auf schwachen Füßen stehe, ging aus der EinfiihrungSrede des Bürgermeisters deutlich genug hervor. Nach seinen Worten war eine Erhöhung des SteuerzuschfagS nur zu iimgehett,' indem man in der Erwartung günstigerer wirtschaftlicher Verhalt- nisse die Steuererträge auch ohne Zuschlag höher in Ansatz brachte. Leider ist das nicht der einzige Mangel des Voranschlags. Der Bürgermeister mußte weiterhin selbst zugeben, daß außerdem eine große Anzahl von Wünschen und Aufgaben unerfüllt bleiben mußten, weil die nötigen Mittel fehlen. So z. B. konnte den viel- fachen Anträgen der Beamten und Arbeiter keine Berücksichtigung zuteil werden. Auch die dringend nötigen UmPflasterungen eini- ger besonders verwahrloster Straßen ist auf„bessere Zeiten" hin- ausgeschoben worden. Genosse Pinseler zählte eine ganze Anzahl weiterer Einrichtungen auf, für die schon längst Zusagen gegeben, aber auch in diesem Jahre keine Mittel vorgesehen wurden. Worauf die Misere zurückzuführen ist und welchen Weg man einschlagen könne, um aus ihr herauszukommen, zeigte ein vom Genossen Frentzel begründeter Antrag auf Bildung eines Schulden- tilgungSfonds, der aus den Erträgen einer zehnprozentigen Erhöhung des Steuerzuschlags gespeist werden könnte. An diesen Vorschlag knüpfte sich eine längere Aussprache, aus der zu entnehmen war, daß die Gemeindevertretung ausnahmslos dem Grundgedanken zustimmte und nur zunächst noch die„Furcht vor einer Steuererhöhung" das unüberbrückbare Hindernis seiner Ver> wirklichung bildete. Unter den unerfüllt gebliebenen Aufgaben der Gemeinde hatte Genosse Pinseler auch die versprochene Ein- richtung einer Kleinkinderbewahranstalt aufgezählt. Bei der Speziolberatung brachten unsere Genossen einen entsprechen- den Antrag ein. Die Armendeputation hatte sich bereits stüher. namentlich auf Grund des von uns beigebrachten Materials auf den Standpunkt dieses Antrags gestellt. Der Gemeindevorstand aber verhielt sich in seiner Mehrheit ablehnend. Der erneute Antrag fand jedoch, nachdem sich auch Beigeordneter Caßebaum warm dafür ausgesprochen hatte, ein« fast einstimmige Annahme. Bewilligt wurden 2500 M., als spätester Eröffnungstermin wurde der Oktober festgesetzt.— Bei dem Kapitel„Volksschulen" forderte Genosse Oehlert für die 3. Volksschule Wiedereinstellung des früheren Betrages für Milchlieferung. Das wurde gegen sieben Stimmen abgelehnt. Damit hat sich die Mehrheit die Ansicht des Rektors der Schule zu eigen gemacht, der die Hälfte der Summ« für ausreichend hält. Es wäre interessant, zu erfahren, nach wel> chen Gesichtspunkten der Heer sein Urteil gebildet hat und ob er etwa den allgemein beobachteten, betrübend hohen Grad von Unter- ernährung bei den Volksschülern als Normalzustand ansieht? Auch ein vom Genossen Frentzel eingebrachter Antrag. Lernmittel durch die Gemeinde zu beschaffen und zum Selbstkostenpreise an die Volksschüler abzugeben, erhielt nur die Stimmen unserer Ver treter.— Eine längere Aussprache knüpfte sich an den Etat der Gasanstalt. Gem.-Vertr. Reinhardt wendete sich gegen die Ein- stellung von 76 000 M. Neberschuß in Ausführungen, denen später zu Recht der Vorwurf der Unlogik gemacht wurde. Unverkennbar waren sie auch diktiert von dem Haß gegen daS von jener Seite bisher stets angefeindete Werk. Vor Eintritt in die Etatsberatung wurden einige kleinere Vorlagen erledigt. Gegen die Gemeindewählerliste find sechs Einsprüche eingelegt worden� von denen fünf als berechtigt aner- kannt werden mußten. Größere Beachtung verdient aber eine Anfrage des Gem.-Vertr. Hintze, ob eS richtig sei. daß bei An- rechnung des Steuersatzes der Wähler auch die in anderen Gemeinden entrichtete» Steuern eingerechnet wurden. Bezeichnenderweise blieb der Bür» gcrmeister hierauf die Antwort schuldig I— Einen Maßstab für den Umfang dr Arbeitslosigkeit kann man im gewissen Sinne aus dem Armenetat gewinnen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die für das laufende Geschäftsjahr eingestellten Beträge bei weitem nicht ausreichen und noch weitere 12000 M. nötig sind. Dazu be- merkt der Gemeindevorstand:„Der Anregung der Armenverwal- tung, einen Betrag besonders zur Verfügung zu stellen, um ortS- ungehörige und infolge Arbeitslosigkeit hilfsbedürftigen Personen zinslose Darlehen zu geben, die nicht den Charakter der öffentlichen Lrmwunterstützung tragen, ist der Gemeindevorstand nicht gefolgt. Sr glaubt, im lanfenben RechmmgSjahre diese Einrichtung entbehren zn können." Marienfelde. Die Gemeindewahl hat leider wieder dem bürgerlichen Msch- Masch den Sieg gebracht. War die Wahlzeit von 10 bis 2 Uhr auch ewe äußerst ungünstige, so hätte man doch eine größere Beteiligung erwartet. Unter den Wählern, die der Wahl fern- blieben, befanden sich meist solche, die Jahr auS und Jahr ein Arbeit haben. Auch die Daimler-Werke haben ihr möglichstes getan, um dem bei ihnen beschäftigten Tischlermeister Krope zum Siege zu verhelfen. Die Autos rasten die Straßen entlang, als ob der Satan hinter ihnen wäre. Kein einziger von den An- gestellten wurde übersehen, vom Latrinenwärter bis zum In- genieur wurde alles herangeschleppt. Unter den„Geschleppten" traten viele gesenkten Hauptes an den Wahltisch, weil sie sich schämten, gegen die eigenen Interessen zu handeln. In der zwei- ten Klasse wurde der bisherige Vertreter, Rentier Heitmann, herausgewählt, so daß die sogenannte Dorspartei ganz erheblich zurückgedrängt ist. ES wurden in der dritten Klasse 304 Stim- men abgegeben, davon erhielt: Krope 159, Genosse Greulich 144 Stimmen. In der zweiten Klasse wurde der SynoikuS der Daim- ler Werke Dr. Maier gewählt, in der 1. Klasse Oekonomierat Behrodt und Gutsbesitzer Wiese. Gegen die Wahl wird von uns sowohl wie von der 2. Klasse Protest erhoben werden. Teltow. In der letzten Stadtverordnetensitzung stand der Etat zur Be« ratung. Nach den Darlegungen des Magistrats ist die Finanzlage der Stadt eine gesimde, da noch ein bescheidener lleberschuß zu ver« zeichnen sei. Auf Antrag des Genossen Röder wurde die bisher vorgesehene Summe von 900 M. für den Armen- und Schularzt auf 1200 M. erhöht und damit eine Stadtarztstelle geschaffen. Durch diesen Beschluß dürften für einen zweiten Arzt die Existenz« bedingunjjen gegeben sein, was bei der leidigen Ärztftage zugleich einem dringenden Bedürfnis der Einwohner abhelfen würde. Beim Kapitel Schuletot wurde die Anschaffung eines Projektionsapparates beschlossen, um den Kindern die bildliche Anschauung zu ermöglichen. Der Stadtverordnete Patz glaubte dl« schlechlen Zähne der Kinder aus den übermäßigen Fleischgenuß zurückführen zu sollen. Ihm wurde vom Bürgermeister sowie unseren Genoffen die nötige Auf- klärung zuteil. An Gemeindesteuern gelangen auch in diesem Jahre wieder 150 Proz. zur Erhebung, Rosenthal. Ans der Gemeindevertretersitzung. Die Malerarbeiten für den SchulhauSneubau wurden dem Malermeister Hansen Hierselbst zum Betrage von 4900 M. übertragen. Von den sechs eingegangenen Offerten betrug das Höchstgebot 8240 M.— Durch die Abwässer der Bergmannschen Fabrik ist der See verschmutzt, eS ist daher das Eisen von der Polizeibehörde auS sanitären Gründen verboten. Hierdurch ist dem Besitzer ein Schaden von 1900 M. ent- standen, den derselbe durch einen gegen die Gemeinde angestrengten Prozeh beitreiben will. Da die finanziellen Verhältniffe des Besitzers keine glänzenden sind, ist die Gemeinde geneigt, das Grund- stück zum Preise von 90 000 M. zu erwerben. Genosse Milbrodt legte in längeren Ausführungen dar, daß daS Terrain als Staubecken und istr Anlagen der Kanalisation benötigt werde. Die Erwerbung des Grundstücks sei aber auch auS dem Grunde erforderlich, weil die Gemeinde, die ganz arm an öffentlichen An- lagen und Schmuckplätzen sei, hier am See eine Promenade und Anlagen schassen könne, in denen die Kinder und Frauen sich aufhalten könnten. Er beantrage 95 000 M. für das Grundstück zu zahlen, womit dann alle Regreß- und Schadenersatzansprüche des Besitzers erlöschen. Die Vertretung stimmte jedoch der Summe von 90 000 M. zu und erklärt sich bereit, ev. 5000 M. für entstehende Unkosten zu zahlen.— Der Kanalisationsgebühren- satz für daS Rechnungsjahr 1914 bleibt unverändert. „,. tz AAA* El.,., M Ueber die lebte Stadtverordnet enversammlunz geht un« folgender Bericht zu: Die Beratung des Stadlhaushaltplanes für 1914 wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung fortgesetzt. Beim Titel Armen- Verwaltung hatten unsere�Genossen�die Bereitstellung von Mitteln beantragt, um zu ermöglichen, daß die Unterbringung von Kindern in Erbolungsstälten mehr als bisher erfolgen könne. Beim Titel Krankenhausverwaltung übte Genosse Papke über vor- handene Mißstände im Krankenhaus scharfe Kritik. Es sei nachgewiesen, daß die Aufsicht bei Patienten, besonders aber M Kindern, nicht in der Weise geschehe, wie dies unbedingt erforderlich wäre. Er verlange, daß den Stadtverordneten Legitimationskarten ausgestellt werden, damit sie jederzeit in der Lage seien, Beschwerden nachzugehen. Em ganz besonders krasser Fall habe sich unlängst abqeipiclt. Ein hier bei der Kanalisation be- schäftigter Arbeiter sei im Krankenhaus gestorben. Als seine Freunde und Genossen von dem Wärter verlangten, daß der Sarg noch ein- mal geöffnet werden sollte, sei dieser dem Verlangen erst auf Drängen nachgekommen. Jetzt habe sich den Anwesenden ein trauriges Bild geboten, indem der Mann eingesargt worden sei, ohne daß Veranlassung genommen wurde, die Scham zu bedecken.— Di- für kirchliche Zwecke in de» Etat eingesetzte Summe beantragten unseren Genossen zu streichen.— Die Gesamtausgaben betrage» 621 100 M., denen eine Einnahme von 211 265 M. gegenübersteht, so daß durch Steuern 409 834 M. auf- zubringen sind. Hiervon sind durch die Einkommensteuer 218 598,73 Mark zu decken, ivelche Summe durch ein» Er- höhung der Einkommensteuerzuschläge von 160 auf 180 Proz. erreicht Iverden soll. Von unseren Genossen war beantragt, die Steuer« erhebung in Staffelsätzen vorzunehmen, und zwar sollen die Ein« kommen bis zu 1200 M. steuerfrei bleiben. Von 1200—1500 M. sollen 125 Proz., von 1500—2400 M. 150 Proz., von 2400—3000 M. 160 Proz., von 3000— 5000 M. 180 Proz, von 5000—10000 M. 200 Proz,' über 10 000 M. 250 Proz. erhoben werden. Genosse Papke hob in der Begründung dieses Antrages hervor, daß hiermit eine gerechtere Belastung der Einkommen erreicht werden sollte. Unsere Genossen hätten sich aber von Anfang an keiner Illusion hin- gegeben, daß der Antrag Annahme finden würde; sei doch gerade von der bürgerlichen Seite, welche einen Staffeltarif als Wahlköder bei der letzten Stadtverordnetenwahl inS Feld geführt und in den hellsten Farben gepriesen habe, nicht ein- mal der Wille vorhanden gewesen. ihr den Wählern gegebenes Versprechen einzulösen. Deshalb entbehre der Antrag seiner Fraktion nicht einer gewissen Ironie.— Die weitere Debatte drehte sich nur um zwei Gesichtspunkte. Auf der einen Seite 6'/° Proz. Kanalisationsgebühren und 180 Proz. Gemeindesteuer- zufchlag, auf der anderen Seite 4'/, Proz. Kanalisationsgebühren und damit über 200 Proz. Gemeindesteuerzufchlag. Unsere Genossen hätten hierbei eigentlich den lachenden Dritten spielen können, wäre die Sache nicht so furchtbar ernst gewesen. Für sie konnte eS somit nur zwei Fragen geben: Entweder sie folgten ihrem Prinzip und lehnten den Etat ab, so hätte darunter die Allgemeinheit gelitten, indem ein Steuerzuschlag von 205—225 Proz. erhoben würde, während sie mit ihrer Zustimmung diese Belastung auf die breite Masse verhindern konnten. Wir mußten, wie Genosse Papke auS- führte, uns schweren Herzens zu dem kleineren Uebel'entschließen, und obwohl der Etat für uns verschiedene Positionen enthält, die unsere unbedingte Ablehnung erfordern, demselben zustimme«. Sitzungstage der Stadt- und Gemekndevertretjmge». Hermsdorf b. Berlin. DienStag, de» 10. Mär».«bendS S Uhr, im Gemeindehaus._ Ober-SchSneweide. Dienstag, dm 10. Siärz, uachrnMog« 6 Uhr, im Realgymnasium. Etatsberatung. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder«rmewdeimgehöttge ist be, rrchtigt, ihnen«IS Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltnng«. Neukölii. Im Jugendheim I tagt j-dm Montag von Uhr der Ltzlgendchor. Sangessrohe Kollegen und Kolleginnen können sich dem Thor jederzeit anschließen. Freie Jugendorganisation Berlin-Äichterfeldc. Heut« Sonntag von nachmittags 5 Uhr ab im Vereinslotal: Unterhaltmigsabend. Um J/a7 Uhr: Vortrag. Freundinnen und Freunde, auch Eltern, willkommen. Lankwitz. Heute Sonntag, nachmittags ö Uhr: UnterhaltnngSabend bei Schulz, Kursürst enstr. 37.— Dienstag, dm 10. März: Mädchmabmd bei Frau Modrak, Charlottcnstr. 47, Ansang 8 Uhr.— Donnerstag, den 12. März: Lese- und DiSkutierabmd bei Heizmann, Marienstr. 7. Ansang 8 Uhr.— Sonntag, den lö. März: Tagesansslug der Lankwitzer. Tempel- hoser, Mariendorfer, Steglitzer, Lichterselder und Lichtenrader Jugendlichen nach dem Lindenberg bei Jühnsdorf. Treff für Lankwitz«/«S Uhr am Pestalozzislist-Obornik 8,44; Meseritz- Bomst 2,66; Rawitsch-Gostyn 4,02; Adelnau-Schildberg 3,36, Kroto- schin 0,72; Gnesen 0,90) Sa. 118,40; Bez. Breslau IH Ou.(Breslau Ost- und West 1691,76, Breslau-Land 468,20, Liegnitz- Goldberg 408,80, Glogau 39,34, Guhrau-Steinall 15.78, OclS»Gr. Wartenberg 19,17; Milirsch-Trebnitz 48,86; Brieg- RamSlau 84.84; Ohlau- Nimptsch 81,84, Reustadt O,-S. 32,46, Falkenberg- Grottkau 3,24, Reitze H Ou. 20,—; IH. Qu. 15,15) Sa. 2929,44, Köln Reg. W, 20,—; IS. Saarbrücken HI. Qu. 100,75, Dr. P. A. Chemnitz 10,—. 13. Zittau HL Ou. 430,—; 14. Bez. Oldenburg HL Ou. (Oldenburg- Stadt 294,72, Varel 978,26, Delmenhorst 208,80, Leer» Emden 153,08, Aurich« Wittmund 80,43) Sa. 1712,26; Bez. Westpreuhen HI. Ou.(Elbing- Marienburg 111,92, Danzig-Land 116,81, Danzig-Stadt 278,40, Reustadt-Karlhaus 0,84, Berent-Stargard 4,60, Stuhm-Marienwerder 8,32, Rosenberg-Löbau 1.02, Graudenz-StraSburg 35,19, Thorn-Culm 16,50, Schwetz 2,—, Schlochau-Flatow 12,28, Deutfch-Kronc 11,04) Sa. 898,92. 10. Groß- Berlin a konto 10 000,—(darunter: Alexander F. 6,—, von d. Arb. d. Firma Argus 23,—, Rutz d. Fug 10,—, E. B. d. Futz 10,— Weber d. Adermann 2,—, Volkmann 3,—, Bleisteg d. Jckert 1.—, A. B. Mister 1,—, Höppner Januar 2,—, Ausgeloster Verein 3,50. Neubau Linden str. 2, Köppcke 40,—. Hölandt 4,—. 2. Kreis, 212. Bez. d, Marth 8,—. Gutenberg 26,40. Tellers, am 3. März bei Obiglo 89,41. 17. Bez. Hessen IH Qu.(Friedberg- Büdingen a konto 100,—; Alsfeld-Lauterbach 30,—, Darmstadt 491,34, Offenbach 900,—, Erbach 148,02, Worms 117,—, Bingen-Alzey 18.—, Mainz 375,—) Sa. 2176,36, Bez. Pfalz IH. Ou.(Speyer-Ludwigshafen 1003,06, Landau 286,98, GermerSheim 54,72, Pirmasens 200,66, Kusel- Homburg 84,86, Kaiserslautern 111,62) Sa. 1771,60; Nürnberg, Rotes Schloß 100,—; 18. Pirna 8. sächs. Kr. IH. Ou. 1181.26; Bez. Oberlangenbielau Hl. Ou.(Waldenburg 430,08, Hirschberg 166,—, Frankenstein-Münsierberg 5,16, Landeshut-Jauer 170,80, Glatz-Habelschwerdt 18,20, Striegau-Schweidnitz 413,52, Reichenbach 322,84) Sa. 1523,60; 19. Bez. Nordwest HL Ou.(Hemelingen 384,—, Harburg 1509,86, Vegesack 617,62, Bremerhaven 1174,40) Sa. 3685,88; P. L. Bern 50,—; 21. Bez. Chemnitz HI. Ou. (Zschopau 469,16, Annaberg 450,96, Döbeln a lonto 1000,—, Stollberg a lonto 360,—) Sa. 2280,13; Bez. Baden a lonto I. bis HL Ou. 10 000,—; 24. Berlin-MacheteS 10,—; Bez. Erfurt IH. Ou.(Ersurt-Schleusingcn 810,42, Mü hlhausen-Langensalza 288,71, Rordhausen H. Ou. 263,27; HL Ou. 262,16, Heiligenstc 6,30) Sa. 1630,86; Bez. Görlitz IH. Ou.(Grünberg-Freistadt 128,37, Sagan-Sprottau 141,94, Bunzlau-Lüben 184,65, Löwenberg 30.06, Görlitz-Lauban 534,96, Rothenburg-Hoyerswerda 209,46) Sa. 1229,44, 25. Bez. Elsaß-Lothringen L, H, III. Ou.< Saarburg-Salzburg IH. Ou. 1912/13 u. I.. H. HI. 1918/14 11,37, Hagenau-Weißenburg L, H, HL Ou. 78,69, Rapp oltsweiler- Markirch H u. Hl. Qu. 114,57, Saargemünd- Forbach HI. Ou. 58,35, Diedenhofen> Bolchen 6,56, Mülhausen i. E. 276,76, Colmar 57,83, Erstein- Mölsheim 29,67, Altkirch- Thann 20,98, Schlettstodt 43.—, Metz 94,50, Gebweiler 22,14, Straßburg- Stadt H. Ou. 144,69) Sa. 964,11. 26. Bez. Frankfurt a. M. HI. Ou(Höchst-Usingcn 930,96, St. Goarshausen Montabaur 48,—, Limburg-Diez 41,—, Dillkreis 30,90, Frankfurt a. M. 2282,50, Hanau-Gelnhausen 1681,52, Fulda-Schlüchtern 13,—, Wetzlar Altenkirchen 99,80, Marburg« Kirchhain 17,70, Siegen« Wittgew stein 33,40) Sa. 5183,78; Mitgl. d. U.-Dr. 1.40. 27. Dr. L. A. 100,—; Bez. Kassel IH. Ou(Kassel- Melsungen 932.68, Eschwege Schmalkalden 196,10, Fritzlar-Homberg 34.94) Sa. 1163,72; Dresden, 4. sächs. Kreis IH. Ou. 1400,—. 28. Bez. Brandenburg HI Ou (Westpriegnitz 201,60, Ostpriegnitz 12,60, Prenzlau-Angermündc 70,20, Oberbarnim' 109,86, Osthavelland 457,88, Westhavelland 785,48, Zauch-Belzig 467,60, ArnSwalde-Friedeberg 40,42, Königsberg N.-M. 30,—; Frankfurt-LebuS 812,63, Ost- und West-Sternberg 16,20. Züllichau-Krosien 128,10, Sorau-Forst 535, W, Kottbus-Spremberg 486,47, Kalau-Luckau 468,50) Sa. 4123,24, Bez. Brandenburg f. Binnen schiffer 34,—, Berlin H. H. 50,—. Berlin, den 7. März 1914. Für den Parteivorstand: Otto Braun, Lindenstr. 3. Zu der Quittung für Januar ist nachzutragen zu den Berliner Beitragen unterm 17..Rutz durch Fuß" 10.—. Reichstag. 230. Sitzung. Sonnabend, den 7. März 1S14, vormittags 11 Uhr. Am Tische deS Bundesrats: Dr. S o I s. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung ües Etats ües Reichskolonialamts. Abg. Dittmaun(Soz.): Es wird immer klarer, daß alle hochgespannten Erwartungen und Hoffnungen über unsere Kolonien sich als eitel Lügen er- weisen. Darüber können auch die Diamanten aus Südwestafrika nicht hinwegtäuschen. Gewiß leugnen wir nicht, daß seit der Aera Dernburg manches besser geworden ist, und wir rechnen es uns sogar als Verdienst an, dazu beigetragen zu haben. Aber alle Re- formen können das Grundübel der heutigen Kolonialpolitik nicht be- fettigen, die kapitalistische Ausbeutung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch in bürgerlichen Kreisen merkt man heute schon, daß die Kolonialpolitik einem Abgrund zutreibt, daß sie darangeht, die Henne zu schlachten, die die goldenen Eier legt. DaS Aussterben der Eingeborenen in den Kolonien zeigt den Bankrott der Kolonialpolitik.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Beruht doch alle Hoffnung, die Kolonien zu wirtschaftlicher Eni- Wickelung zu bringen, auf der Voraussetzung, daß die Produkiivkrast der Eingeborenen gehoben wird. Es find aber Kräfte am Werh die diese Erkenntnis verhindern wollen. Immer wieder wird der Schwindel verbreitet, unsere Kolomen seien Siedelungskolonien für Weiße und geeignet, unseren Bevölkerungsüberschuß aufzunehmen; es wachse dort eine zweite deutsche Heimat heran, die uns Rohprodukte liefert. Systematisch wird die öffentliche Meinung mit diesem Schwindel irre g e- führt, die leitenden Kreise unserer Kolonialpolitik haben sich un- ausgesetzt dagegen zu wehren, und erliegen zuweilen. So hat auch Dr. S o l f bei seinem Ausenthalt in Afrika davon geredet, daß dort ein zweites Deutschland erstehe, und auch in der Budgetkommission hat er jüngst einen Anfall dieses alldeutschen Fiebers gehabt. (Präsident K a e m p f rügt diesen Ausdruck.) Selbst Südwest- asrika, daß von allen unseren Kolonien noch das günstigste Klima hat, wird niemals imstande sein, auch nur einen nennens- werten Bruchteil des deutschen Bevölkerungszuwachses aufzu- nehmen. Die anderen Kolonien, Kamerun und Ost asrika, haben ein Klima, das den Ausenthalt für die Weißen ganz u n- möglich macht. Freilich hat Herr v. L i n d e q u i st im Jahre 1908 behauptet, größere Gebiete Ostafrikas eignen sich für die Be- siedelung. Inzwischen ist aber von den beiden Gouverneuren v. Rechenberg und Herrn S ch l e e das Gegenteil ttberzeugend nachgewiesen, dieses Land hat eine Zukunft nur als Bauernland für Schwarze. Die Tatsachen geben ihnen auch Recht, denn trotz aller Propaganda ist der Zustrom dorthin ganz gering. Am 1. Januar 1918 wohnten. Männer, Frauen und Kinder zusammengerechnet, ganze 24 389 Weiße in unseren Kolonien, die einen Flächeninhalt haben, der öy�mal so groß ist wie das Deutsche Reich.(Hört! hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Aus Deutschland sind ausgewandert 18 514 Menschen im Jahre 1912, davon gingen 13 706 nach Nordamerika, nach dem übrigen Amerika 4422, nach Australien 322, nach den übrigen europäischen Ländern 90 und nack Afrika ganze 4.(Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Ob diese 4 nach unseren Kolonien gegangen sind, geht aus der Statistik nicht hervor, vielleicht sind sie nach englischen Gebieten gegangen. Uebrigeus beruht Deutschlands Machtstellung in Europa darauf, daß es ekiten gewaltigen Bevölkerungszuwachs im Lande behalten konnte. Jetzt, wo ein geringer Geburtenrückgang sich zeigt, haben unsere Weltmachischwärmcr schon gewaltige Angst be- kommen und suchen ihn durch Ouacksalbereien zu bekämpfen. Deutschland ist gar kein AnSwanderungsland, sondern ein Ein- wandernngSland; die heimische Wirtschaft nimmt unseren Geburtenüberschuß restlos auf, und zieht noch Hunderttausende aus- ländischer Arbeiter ins Land. Die innere Kolonisation spielt bei unS eine große Rolle; in Preußen will man jetzt 300 Millionen Mark aufwenden, um Landarbeiter anzusiedeln. Da kann doch über das Sinnlose einer Agitation für eine MassenauSwandcrung nach den Kolonien gar kein Zweifel bestehen. Der Traum einer solchen Massenauswandcrtmg sollte doch endlich ausgeträumt sein. Die Weißen treten in den Kolonien nicht als Arbeiter, sondern als Unternehmer oder Antreiber der Unternehmer aus. Es ist ja charakteristisch, daß Ostafrika, wo 4500 weiße Männer und Frauen vorhanden sind, 9000 schwarze Diener aufweist, also a u f jeden Weißen zwei schwarze Diener.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Weißen haben dort auch kein Jntereffe an der Emwickelling der Kolonie, sondern sie wollen nur in kurzer Zeit soviel Geld machen, um ihren Raub ruhig in der Heimat der- zehren zu können. Man weist auf die Vermehrung des Handel? mit den Kolonien hin. Er ist in den fünf Jahren von 1907 bis 1912 von 130 Mil- kionen auf 260 Millionen Mark gestiegen. Für sich betrachtet kann diese Zahl imponieren. Deutschlands Gesamthandel stieg aber in dieser Zeit von 15,6 auf 19,7 Milliarden. Teutschlands Wirtsckafts- leben hängt also von der übrigen Welt in ganz anderer Weise ab als von den Kolonien. An der Au», und Einfuhr nach Deutsch. land sind unsere Kolonien nur mit Bruchteilen von Tau- sendsteln beteiligt; unser Handel mit einigen englischen asrika- nischen Kolonien übersteigt den mit unseren eigenen Kolonien. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß die treibhausmäßige Plantagcnkultur in den Kolonien sehr bedenklich ist. beweist die gegenwärtige Kautschukkrise. Auf Ceylon und Euba wird ein Plantagen- kantschuk geliefert, der jede Konkurrenz aus dem Felde schlägt, weil eben dort die Bedingungen für Kautschukgewinnung günstiger sind. Das sollte für uns eine Warnung sein. Was heute mit dem Kautschuk geschieht, kann morgen mit Kaffee, Baumwolle, Kakao geschehen. Auch für diese Produkte gibt es weite Gebiete, in denen die natürlichen Produktionsbedingungen günstiger sind. Die treib- bausmäßige Plantagenkultur in unseren Kolonien macht Deutsch- londs Handel nicht etwa vom Ausland unabhängig, sondern be- schwört nur wirtschaftliche Katastrophen für die Kolonien herauf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wür den übrigens unsere Kolonien in großem Maße Rohstoffe produ zieren, so würden diese keineswegs lediglich Deutschland zur Ver sugung stehen; dem stehen die internationalen Verträge und Ver- Kältnisse im Wege. Die Bedarfsartikel für die Neger werden auch keineswegs vorzugsweise aus Deutschland geliefert, Baumwoll- gewebe z. B. wird in unseren Kolonien au? England in stärkerem Maße eingeführt als aus Deutschland. Eine starke heimische Produktion für die primitiven Bedürfnisse der Neger würde auch gar kein Segen für unsere Arbeiter sein; eS würde das für sie geringer« Lohne und niedrigere Lebenshaltung be- deuten; unsere Arbeiter haben ein Interesse an dem Export nach hochentwickelten Ländern und an einem starken Inlands- markt. Nicht Kolonialpolitik, sondern Sozialpolitik liegt im Interesse der arbeitenden Klasse.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Für die gegenwärtige EntWickelung der Kolonien werden von der Arbeiterklasse die wah nfi n n ig sten Qpfer gebracht. Seit 1004 ist rund eine Milliarde Mark für die Kokonien und Schutz- gebiete aufgewendet worden, und die Anleihen und der ReichSzu- schütz für die Kolonien werden vornehmlich von den Arbeitern durch Zölle und Steuern aufgebracht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und auf den Eingeborenen lastet diese Politik furchtbar. Die Aufwendungen für hygienische Einrichtungen, für Eisenbahnbauten sind ja alles nur Vorbereitungen für die kapitalistische Ausbeutung. Das gibt sogar die amtliche Denkschrift ganz klar zu. In der Bismarckschen Zeit mutete man dem Kapital zu, diese vprbcreitende Kulturarbeit selbst zu zahlen, und darum hielt es sich fern. UebrigenS ist auch diese vorbereitende Kultur- arbeit, der Eisenbahnbau, ein ganz profitables Geschäft für die ausführenden Gesellschaften. In die Rentabilität der neuen Tanganyka-Bahn setzt die Verwaltung selbst Zweifel; sie hat vorwiegend militärische Bedeutung. Die Zinsen für die Bahn- bauten der Kolonien belaufen sich schon auf 3 Millionen und treiben die Steuerlast der Eingeborenen in die Höhe, so daß auch die Bahnbauten wieder zur Ausbeutung der Eingeborenen beitragen. Wie ein V a m p h r sitzen die Weißen im Nacken der Eingeborenen. Mit dem Kapitalismus Hand in Hand geht die Dezimierung der Eingeborenen, auch ohne Massenmetzelei i la Hererokrieg; auch ohne diese barbarischen Maßnahmen stirbt die eingeborene Bevölkerung aus. In der Budgetkommission sagte deshalb ein bürgerlicher Abgeordneter;„wenn die Dinge so weiter gehen, kann Teutschland die Verantwortung für die Kolonial- Politik nicht mehr tragen; diese Politik geht nicht nur aus auf die Proletarisierung der Eingeborenen, sondern aus die Enwölkerung, die weit schlimmer ist als unter der Herrschaft der Araber.' (Lebhaftes Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. S o l.f bestritt, daß ein Zwang zur Plantagenarbcit bestehe. Tat- sächlich herrscht er. Wrr nicht nachweisen kann, daß er 20 Tage im Monat gearbeitet hat, wird auf das Bezirksamt geschleppt und mit der Rilpfcrdpcitschc verprügelt.(Lebbastes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Darin liegt der brutalste Zwang zur Plantagenarbeit. Dabei ist diese Plantagenarbcit eine ganz mörderische; es fehlt dort an den einfachsten sanitären Ein- richtungcn. Die Wurmkrankhcit und Geschlechtskrankheiten grassic» ! ren infolgedessen unter den Schwarzen in fürchterlicher Weise. Ilm die bestehenden Vprschristen bekümmert sich kein Mensch, schuy- los sind die Neger den Mißhandlungen der Pflanzer ausgesetzt. In der Regel werden sie auch noch um den Arbeitslohn geprellt; in wie schamloser Weise das geschieht, geht aus dem amtlichen offiziellen Bericht deutlich hervor. Mit größter Schamlosigkeit lamentieren die Pflanzer über „andauerndes Steigen der Löhne". Dabei sind die Löhne von 52 Ps. im Jahre 1907 aus 53 Pf. im Jahre 1912 bei der Oftafrika» Kompagnie z. B. gestiegen. Lausen die Neger fort, iverden sie wieder eingesangen, geprügelt, an die Kette gelegt. Eine schlimmere Sklaverei als jetzt unter deutscher Herrschaft hal es dort nie gegeben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Tie sogenannte Anwerbung ist die reine Sklavenjagd. Tie Sterblichkeit der Eingeborenen infolge dieser Sklavenjagden und der Ausbeutung ihrer Arbeits- kraft ist enorm groß. Stellenweise soll sie 20 Proz. betragen, so daß in fünf Jahren alles ausgestorben ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Heber das Sterben ganzer Stämme hat ein Pater in der Dczembernummcr der„Kolonialen Rund- schau" erschreckende Mitteilungen gemacht. Er schreibt:„Tie Sache ist sehr ernst, denn was will Teutschland in Ostafrika an- fangen ohne die Neger." Abscheu und Empörung muß jedes fühlende Mcnschcnhcrz erfassen' angesichts seiner Schilderung. Pro- fessor Westermann hat in einer Reihe sehr instruktiver Artikel ebenfalls aus diese Schädigungen hingewiesen und er schreibt: „Sie sind eine notwendige Folge unserer bisherigen Ko- lonialpolitik, die den Hauptnachdruck auf die Europäerpslanzungcn legt und in den Eingeborenen nur Arbeitsmaterial sieht." Leider zieht er daraus nicht die einzig notwendige Konsequenz: Verbot neuer Plantagena n lagen. Unseren dahingehenden Antrag hat die Budgetkommission in der brüskcsten Weise abgc- lehnt.(Präsident K a e m p f rügt diesen Ausdruck.) Ohne daß der Antrag auch nur gedruckt vorlag, hat die Kommission über ihn abgestimmt und ihn abgelehnt.(Hört! hört! bei den Sozialdemv- kraien.) Eine Gesundung der Verhältnisse ist aber nur möglich durch Förderung der Eigenwirtschaft der Eingeborenen, die allein ihre Fortcxistenz und ihr allmähliches Hinein- wachsen in die europäische Kultur garantiert. Für den gesunden Menschenverstand muß unsere jetzige Kolonialpolitik sich geradezu wie ein Stück anS dem Tollhaus ausnehmen. /Präsident K a e m p f ruft den Redner zur Ordnuug.j Tie kapitalistische Ausbcutungö- und Unterdrückungsherrschaft ist die Wurzel des ganzen Uebcls, und nur die Fcrnhaltung weiterer Profitjäger kann dieser Per- nichtung der Eingeborenen Halt bieten. Der Staatssekretär mag noch so sehr bestrebt sein, den Arbeitszwang und all die sonstigen Scheußlichkeiten zu beseitigen, hier gilt das Wort: der Himmel ist hoch und der Zar ist weit. Der Staatssekretär und der Gouverneur von Ostafrika sträuben sich ja sogar dagegen, den Beschluß des Reichstages zur Ausführung zu bringen, daß die Haussklavcrci im Jahre 1920 aufgehoben sein muß. Was zur Begründung für das Bcstchenbleiben der Haussklaverei von ihnen angeführt wird, liest sich wie seinerzeit die Rechtfertigung der a in e r i k a-- nischen Südstaaten zur� AuftechterhaltunZ der Neger- sklaberei.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Ansehen deS Deutschen Reiches gebietet es, daß so schnell wie möglich die Haussklaverei beseitigt wird.(Ledhafte Zustimmung bei den Ho, zialdemokratem) Jetzt will man sogar daran gehen, die dicht be- wohnten Länder im Nordwesten von Ostafrika zwischen den großen Seen zu unterjochen. Dort sitzt etwa die Halste der gesamten Bevölkerung aus Afrika. Die Eingeborenen sind, wie die amtliche Denkschrift selbst hervorhebt, größtenteils sittenstreng und haben zahlreiche und gesunde Kinder Die Bcvölkc- rungsziffer steigt stark im Gegensatz zu vielen anderen Stämmen Deutsch-SüdwestafrikaS. Also hier ist den Eingeborenen eine gc- sicherte Existenz und Fortpflanzungsmöglichkeit gewährleistet. Beides ist aber ausgeschlossen, wo die kapitalistische Ausbeutung eindringt. Diese Gefahr liegt auch hier vor, sobald die geplante Eisenbahn das Land in den Strudel des Weltverkehrs hineinzieht, Der Staatssekretär meinte in der Kommission, jetzt sollten die Leute nicht zur Arbeit herangezogen werden, aber in 20 Jahren würden sie freiwillig in die Plantagenbe�irke kommen, sich zur Arbeit anbieten. Was es mit dieser Freiwilligkeit auf sich hat, wissen wir aus der gegenwärtigen Arbeiteranwerbuntz, die ja auch freiwillig sein soll, in der Tat aber zu den scheußlichsten Sklavenjagden ausartet. Lassen sich dann die Eingeborenen die Unterjochung nicht gefallen und kommt eö dort zu einem allge» meinen Aufstand, so wird die Hererotragödie in Südwestaftika ein Kind er spiel sein gegen das Morden, das dort anhebt, denn dort handelt eS sich nicht um 80 000, sondern um 31� Millionen Schwarze. Wir sind die letzten, die sich dagegen sträuben, daß die noch nicht aufgeschlossenen Gebiete der Erde unserem Knl- turkreis angeschlossen werden. Aber wir wenden uns gegen die gewaltsame und mörderische Art der kapitalistischen Gewaltpolitik. Solange nicht das Profitinteresse aus der Kolonisation ausgeschaltet wird, lehnen wir die Verantwortung für die Kolonial- Politik ab. Wir vertreten eine friedliche KolonioJ- Politik, zu der Ansätze auch gegenwärtig vorhanden sind. So beruht z. B. das Gedeihen der britischen Kolonie Liberia zum Teil auf der größerenSelb stand ig kcit der Eingeborenen. Wir sind einverstanden damit, daß Musterpflanziingen errichtet werden, daß die Einaeborenen zur Anlage erprobter Ikulturen an» gelernt, daß ihnen die Methoden der Bodenbearbeitung und Bich- zucht nach wissenschaftlichen Grundsätzen gezeigt werden. Der Weiße soll als Lehrer und Helfer zu den Schwarzen kommen, aber der Ertrag ihrer Arbeit soll den Eingeborenen selbst zua kommen. Wir wollen ihre Bedürfnisse steigern und sie auf Grund- läge ihres materiellen Wohlergehens allmählich auch geistig zu einer höheren Kulturstufe bringen. Eine Kolonialpolitik, die diesen Grundsätzen widerspricht, lehnen wir ab. Das hindert uns nicht, für Reformen auch innerhalb der heutigen Koloninipolitik einzutreten. Deshalb stimmen wir den Resolutionen der Budget- kommission zu. Im übrigen werden wir immer darauf dringen, daß der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung in den Ko- lonien ein Ziel gesetzt wird im Namen der Kultur und Mensch- lichketL(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Meine Freunde stehen der Kolonialpolitik wesentlich anders gegenüber als der Borredner. Die positiven Vorschläge, die er zum Schluß kurz machte, würden in der Praxis sehr bald zum Scheitern fuhren. Wir unterstützen eine christliche, natio» nale, soziale Kolonialpolitik. Die Eingeborenen. Politik muß aufgebaut sein auf den Grundpfeilern: ora et labora! (Bete und arbeite!) Das zeigt die tausendjährige EntWickelung aller Kolonien. Daß unsere Kolonialpolitik in diesem Sinne bc- trieben worden ist. kann ich leider nicht zugeben. Der Vorredner hatte in seiner Schilderung der Zustände leider in sehr vielem Recht. Den Standpunkt des Vorredners, daß es am besten sei, die Kolonien zu verkau fcn, können wir nicht teilen. Auf dem Gebiete der Kolonialpolitik ist der sonst so radikale Herr Vorredner noch sehr reaktionär. Wäre er in verantwortlicher Stelle in der Leitung der Kolonialpolitik, würde er sehr viel Wasser in seinen Wein gießen müssen. Er hat nur die Schatten- feiten der Kolontalpolitik �erbortieBoSen, aber alle Lichtfeiten unter den Tisch fallen lassen. Tahcr war seine Darstellung ein- seitig. Die wirtschaftliche Aufwärtsentwickelung in vielen Teilen unserer jialonien ist nicht zu bestreiten. Das Markanteste dabei ist die Vovivartsentwickelung der Eingeborenenkulturen und Zurückgehen der europäischen Plantagenkultur. Das zeigt den Weg für die Weiterentwickelung unserer Kolonien. Der Gesamt- Handel der Kolonien ist in 10 Jahren von S9 auf 435 Millionen gestiegen, hat sich also rascher entwickelt als unser einheimischer Handel. Der deutsche Anteil an dem Handel der Kolonien beträgt auch nicht nur ein Drittel, sondern 60 bis 70 Proz. Daran haben doch auch die deutschen Arbeiter ein großes Interesse, daß so unser Absatzgebiet erheblich erweitert ist.(Sehr richtig! im Zentrum.) Gar nicht erwähnt hat der Vorredner den großen Er- folg, der durch die Erreichung des Tanganjikasees ourch die neue Eisenbahn erreicht worden ist. Der Bau dieser Bahn ist ein Meisterwerk deutscher Technik und ist von größter Be- deutung für die Erschließung Deutsch-Ostafrikas. Die Freude daran werden wir uns nicht vergällen lassen, wenn auch einige unangenehme Erscheinungen bei dem Bau vor- gekommen sind. Erfreulich ist auch die finanzielle Enkvickelung unserer Kolonien. Ferner ergibt sich in den Kolonien hochinter- essantes Beobachtungsmaterial für unsere Wissenschaft. Auf der anderen Seite zeigt unsere Kolonialpolitik in den letzten Jahren eine Reihe schwerer Schattenseiten. Wenn es dem Staatssekretär nicht gelingt, sie zu beseitigen, wäre ich nicht niehr bereit, weiter Mittel des Reiches für die Kolonien zu bewilligen. Tie schweren Anklagen betreffend die Behandlung der schivarzen Arbeiter auf den deutschen Plantagen sind leider nur zu berechtigt. Plantagen, die nur gedüngt werden durch das Blut der Ein- geborenen sind ein Fluch �für das Deutsche Reich und haben leine Existenzberechtigung.(Sehr richtig! im Zentrum.) Gegen die L o h n h i n t e r z i eh u n g e n, die die amtliche Denkschrift selbst feststellt, hätte weit schärfer vorgegangen werden müssen. Gegen dies System des systematischen Betrugs d e r Eingeborenen, die doch unsere Schutzbefohlenen sind, mutz der ganze Reichstag aufs schärfste protestieren. Diese Klagen liegen schon seit langem vor und wir erwarten, daß der Staatssekretär uns Auskunft gibt, was dagegen geschehen ist und in Zukunft geschehen soll und welche Garantien er uns für die Durchführung der von ihm geplanten Maßnahmen geben kann. Die Sterchlichkeit der Eingebore ne�a auf den Pflan- zungen ist in der Tat erschreckend groß. Ter Staatssekretär muß sofort telegraphisch Anweisung geben, daß das System des A rb ei ts zwa ngs aufhören muß. Es zeigt sich jetzt, wie richtig das Prinzip des früheren Gouverneurs v. Rechenberg war, daß der Plantagenbau nicht künstlich gefördert werden darf. Wie kann nun das Aussterben der Eingeborenen verhindert werden. Der sozialdemokratische Weg ist nicht durchführbar. Selbst können sich die Eingeborenen nicht auf eine höhere Kulturstufe heben. Es müssen Mu st er schulen, Mu st erpflanzungen errichtet werden.(?lbg.: Dittmann: Das habe ich ja gesagt!) Tie HauSsklaverei wird von selbst nie aussterben, wie der Gouverneur von Ostafrika zu glauben scheint, es müssen energische Maßnahmen dagegen ergriffen werden, um sie allmählich zu be- seitigen. Warum lehnt der Gouverneur all die von uns verlangten Maßnahmen ab? In zwei Jahren hat er nicht das Min- d e st e getan, um die Haussklaverei bis 1920 zu beseitigen. Wir wollen freie Menschen in Deutsch-Ostafrika, die für sich selber ar- beiten. Wir verlangen weiter eine wesentlich bessere ärztliche Fürsorge für die Eingeborenen. Ter wesentlichste Punkt ist für uns die Unterstützung der Missionsschulen. Ter wertvollste Kulturträger in den Kolonien ist und bleibt der Missionar. (Sehr wahr! im Zentrum.) Was von dVt Missionaren aus idealen Motiven dort geleistet wird, geht weit hinaus über alles, waS durch»Staatshilfe geleistet werden kann. Weiter wünschen die Missionare Zollfreiheit für alle diejenigen Dinge, die für den Unterricht notwendig sind; diesen Wünschen sollte der Staats- sekretär sich freundlich gegenüberstellen. Ferner sollte den Missionaren in viel weitherzigerer Weise Grund und Boden zur Verfügung gestellt werden.— Der Staatssekretär wird viel Mühe haben, um das Programm durchzuführen, das zur Erziehung oer Eingeborenen, zu ihrer Heraufhebung zu gebildeten Christen und deutsch fühlenden Leuten führt, wird aber� dabei die über- wiegend« Mehrheit des Reiches und des deutschen Volkes auf seiner Seite haben.(Bravo! im Zentrum.) Wg. Keinath(natl.): Ausgaben für die Kolonien leisten wir im Grunde erst seit 10 Jahren, und für diese Zeit ist die EntWickelung sehr günstig. Man darf nicht, wie Herr Dittmann es tat, den Handel mit den Kolonien mit unserem Gesamthandel vergleichen, sondern mit dem Handel der Kolonien in früheren Jahren, und da zeigt sich eine sehr erfreuliche Steigerung. Sehr erfreulich ist die Richtung, die der Handel unserer Kolonien nimmt, es werden dort Roh- Produkte für unsere Industrie hergestellt und nach Deutschland gebracht. Wenn der Umfang dieses Handels jetzt noch gering ist, so muß man bedenken, daß wir noch in der Zeit der Saat, nicht der Ernte sind. Vor allem brauchen unsere Kolonien eine ruhige, stetige Entwickeln ng.— Auch die finanzielle EntWickelung der Kolonien ist eine günstige; der Reichszuschutz sinkt, die eigenen Einnahmen steigen. Aber auch hier soll man nicht rauh eingreifen. Die Ueberschüsse aus den Diamanten soll man den Kolonien belassen; denn das sind nur einmalige Einnahmen. Sie sollen verwendet werden zu Eisenbahnen und zur Wassererschliehung in den Kolonien. Die Sozialdemokraten wettern gegen die kapitalistische Ausbeutung der Kolonien. Aber ohne europäisches Kapital können die Kolonien nicht erschlossen werden, und das europäische Kapital ist ja geradezu ermuntert worden, in die Kolonien hinauszu- — das ist ja gerade das Verdienst Ternburgs. Bedroht sind unsere Kolonien jetzt von der G u m m i k r i s i s und von der Schlafkrankheit. In der Beamtenschaft ist leider auch noch lange keine Stabilität eingetreten. Sehr betrübend sind die klein- lichen Streitigkeiten zwischen Beamten und Farmern, zwischen Be- amten und Missionen.(Sehr wahr! bei den Nationalliberalen.) Die Tätigkeit der Missionen und Missionsschulen erkenne ich gern an und bin auch für ihre Unterstützung aus Reichsmitteln, aber nicht etwa auf Kosten der Regierungsschulen. Sehr beklagenswert ist der Streit der Missionen der verschiedenen Konfessionen, wodurch nur die Stoßkraft des Islams gestärkt wird.— Ein großer Mißstand in den Kolonien ist die große Rechtsunsicherheit; das europäische Kapital kann dadurch nicht zu neuen Unternehmungen ermuntert werden.— Die Eisen bahn Politik des Staats- sekretärs kann ich voll und ganz unterstützen; seitdem wir Eisen- bahnen draußen bauen, kommen die Kolonien wirtschaftlich vor- wärtS.— Den Bedingungen, die der Staatssekretär für die Zu- lassung der Siedelungen in der Budgetkommission aufstellte, kann ich zustimmen; nur darf man sie nicht engherzig auffassen, Pio- liieren muß man immer Gelegenheit geben, über das Gebiet ge- schlossener Siedelungen hinaus vorzudringen. Solche Siedelungs- Politik braucht nicht in Widerspruch zu stehen mit einer vernünf- tigen Eingeborenenpoliiik. Gewiß sind Grausamkeiten vor- gekommen; aber man darf sie nicht verallgemeinern. Die Pflanzer haben selbst ein großes wirtschaftliches Interesse an einer tüchtigen eingeborenen Arbeiterschaft, die sie pfleglich behandeln. Die Eni- völkerung der Kolonien ist keineswegs auf die deutschen Kolonien beschränkt, sie hängt mit Krankheiten zusammen, die leider noch nicht bekämpft werden können, mit gewissen Sitten der Eingeborenen / und mit dem Alkoholkonsuln. Wir werden allen Matznahmen auf ärztlichem und verwaltungstechnischem Gebiete zustimmen, durch die die Sterblichkeit in den Kolonien vermindert werden kann. Der entsprechenden Resolution der Kommission stimmen wir zu. Mit den einzelnen Forderungen der Arbeiter schutzresolution der Kommission kann man einverstanden sein; aber der Ton macht die Musik, und das Recht der Eingeborenen darf nicht so über- spannt werden, daß eS zu einem Unrecht am eigenen Volke wird.(Sehr.richtig! bei den Nationalliberalen.) Die Farmer sind ermuntert worden hinauszugehen, da darf man ihnen das Wirt- schaften nicht ummöglich machen.(Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Das Deutsche Reich treibt Kolonialpolitik in erster Linie der heimischen Volkswirtschaft wegen, der Rohstoffe geliefert werden sollen, und wir hoffen, daß- dabei die Eingeborenen kulturell gehoben werden. Dies Verhältnis darf man nicht um- kehren. Das� Primäre ist stets die Förderung der heimischen Volkswirtschaft.— Ein Wort der Anerkennung mutz ich aussprechen für unsere echntztruppe, die in schwieriger Zeit unter Schonung der Eingeborenen Großes geleistet hat.— Unsere Kolonialpolitik braucht in erster Linie Stetigkeit. Unsere Siedelungen niederzu- reißen ist leicht, sie wieder aufzubauen, sehr schwer. Das mag sich der Staatssekretär vor Augen halten.(Bravo! bei den National- liberalen.) Abg. Gokhein(Vp.): Wir müssen uns mit den einzelnen Posten des Kolonialetats befassen, ohne die Verhältnisse und die Beamten zu kennen, also vom grünen Tisch aus. In England bewilligt man Pauschale für die einzelnen Kolonien, denn der Minister ist der Vertrauens- mann des Parlaments. Bei uns ist das anders, und wir müssen uns daher auch mit den Einzelheiten befassen. Daß wir noch immer jedes Jahr darüber diskutieren, ob Kolonien ein Nutzen sind oder nicht, ist wirklich überflüssig. Das Glaubensbekenntnis der Herren von der Sozialdemokratie kennen wir ja, aber solche De- batten fördern uns nicht in der Praxis. Verkaufen oder verschenken wollen ja die Sozialdemokraten unsere Kolonien auch nicht. Tie Konsequenz ihres lstamdpunktes wäre, daß Kanada noch heute von den Indianern bewohnt sein müßte. iSehr gut! rechts.) Daß die Kolonialpolitik mit den ungeheuerlichsten Sünden namentlich im Anfang belastet ist, geben wir zu. Wir verlangen eben des- halb, daß in Zukunft eine Kulturpolitik getrieben.wird, zur Hebung der Eingeborenen. Will man aber die Kolonien überhaupt wirtschaftlich und kulturell erschließen, so ist die erste Vorbedingung der Bau von Eisenbahnen. Daß dabei große Anforderungen an die Arbeiter gestellt werden, die zum Teil über ihre Kräfte gehen, ist unvermeidlich. Nach der Logik des Herrn Dittmann hätte auch der Suezkanal nicht erbaut werden können. Im übrigen bringen die Eisenbahnen, wenn sie erst gebaut sind, auch große sanitäre Vorteile für die Eingeborenen mit sich. Ten Plantagenbau ganz zu verbieten, geht zu weit. Die K a u?s ch u k- Plantagen z. B. haben sich sehr gut bewährt. Mit Muster- Pflanzungen allein ist es nicht getan, es muß auch die Erziehung zur geregelten Arbeit hinzukommen.— Die Argumente gegen die Beseitigung der Haus sklaverei erinnern lebhaft an die frühere Verteidigung der Leibeigenschaft. Daß der eine oder andere Haus- sklave, dem es jetzt gut geht, vielleicht darunter leiden könnte, ist möglich, aber im ganzen wäre die Beseitigung der HauSsklaverei sicher ein großer Fortschritt.— Die Tätigkeit der Missionen ist gewiß sehr anzuerkennen, nur sollten die Missionare beider Konfessionen sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Der I n- halt der Fibeln Jier Missionsschulen sollte vom Kolonialamt kontrolliert werden. So fand ich in einer Fibel den Satz:„Ter fremde Arzt betrinkt sich in Palmwein; er schlägt jetzt täglich seinen Koch."(Heiterkeit.) Das kann nicht zur Hebung des Ansehens der Beamten und Aerzte beitragen.— Wir hoffen, daß unsere Kolonialpolitik sich nach manchen traurigen Erfahrungen für die Eingeborenen auch für diese zum Segen entwickeln wird. (Bravo! bei der Volkspartei.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich bin heute in der angenehmen Lage, mit Herrn G o t h e i n weitgehend übereinzustimmen. Mit der Zeit werden wir wohl dazu kommen, hier nur über den Reichszuschutz zu ver- handeln, und den Etat der Kolonien einfach zur Kenntnis zu nehmen.— Die Entwickelung unserer kolonialen Entfaltung kann uns mit stolzer Freude erfüllen, von der vollen Bedeutung der jetzt vollendeten zentralafrikanischen Bahn wird vielleicht erst die nächste Generation die richtige Vorstellung bekommen.(Sehr richtig! rechts.) Nach dem Rezept der Sozialdemokratie freilich würden noch heute die Indianer in Amerika leben, und die Arbeiter in Deutschland würden sich dann auch nicht zur gegenwärtigen Kultur- höhe entwickelt haben. Allerdings verhält sich die heute gehörte Dittmannsche Rede zu den früher von Bebel gehörten wie Sekt zu Limonade oder mit einem kolonialen Bild wie schlechter Z i ch o- rien- Aufguß zu einem guten Kilimandscharo, Kaffee. (Heiterkeit.)— Die Haus sklaver ei soll man nicht überschätzen; es gibt nur 180 000 Haussklaven, und ihre Zahl ist in dauernder Abnahme begriffen.— Sehr beklagenswert ist der Streit der katho- tischen und evangelischen Missionen; dadurch wird ihre Wirkung aus die Eingeborenen lahmgelegt.— Die Behandlung der Neger durch die Pflanzer ist im allgemeinen eine gute; es liegt das ja auch im wohlverstandenen Interesse der Pflanzer selbst, die auf die Arbeit der schwarzen Arbeiter angewiesen sind. Nirgends aber herrscht ein solches System der Zwangsarbeit wie in der Neger- republik Li b e r i a, die ja nach dem Muster sozialdemokratischer Anschauungen errichtet worden ist.— Der Resolution der Koni- Mission, die verstärkte ärztliche Versorgung der Kolonien wünscht, stimmen wir zu. Die Resolution, die Sicherstellung von Leben, Freiheit und Eigentum der Eingeborenen verlangt, ist eine B e- l e i d i g u n g für den Staatssekretär; denn sicherlich wird heute schon nach diesen Grundsätzen gehandelt. Die übrigen Reso- lutionen der Kommission enthalten fromme Wünsche vom grünen Tische aus. Ter letzte Zweck unserer Kolonialpolitik ist e i n gesunder nationaler Egoismus; wir wollen Raum haben für unsere überschüssige Bevölkerung und wollen die Rohstoffe für unsere Industrie aus eigenen, nicht aus fremden Kolonien holen.(Bravo! rechts.) Abg. Mumm(wirtsch. Vg.): Ter Raubbau an Eingeborenen hat sich noch stets in der Kolonialpolitik gerächt. Deshalb mutz vor allem die freie Liebes- tätigkeit der Missionen unterstützt werden. Tie Stelle, die Herr Gothein anführte, ist sicher nicht typisch für die Fibeln der Missionen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 2 Uhr.(Vorher Wahlprüfungen.) Schluß S Uhr._ Mgeorönetenhaus. 44. Sitzung. Sonnabend, den 7. März 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. S y d o w. Nachdem bereits gestern der Schutzzollantrag v. Krause (natl.) gegen die Fortschrittler und Sozialdemokraten abgelehnt und der Antrag Hammer(k.) betr. die Zu stände in derElek- trizitälSindustrie angenommen waren, wird heute der fortschrittliche Antrag gegen Privatmonopole und für Schutz der Installateure usw. abgelehnt. Einzelberatung öes Hanüelsetats. Ein Antrag Rösicke, Hahn(l.) verlangt eine Denkschrift über die Tätigkeit des Börsenkommissars, die Entwickelung des Börsen« Handels und der Emmissionen und die Anlage deutscher Gelder im Ausland. Die Abgg. Dr. Liebknecht und Ströbel(Soz.) haben vor sich das große Plakat zum Frauentag aus- gebreitet, dessen Anschlag der Polizeipräsident v. Jagow verboten bat. In der Debatte zum HandelSetat erklärt ein Regierungsvertreter auf Anfragen der Abgg. v. Maltzahn(k.) und Münsterberg(Bp.), daß die letzthin erfolgte Aenderung der BesoldungS- und AnstellungS- bedingungen der Lotsen in deren Interesse läge. Die Gewerbeinspektion. Abg. Graes(k.): Die Gewerbeaufsichtsbeamten haben sich auf eine Kontrolle der Betriebe zu beschränken und auf Berichterstattungen über die Ergebnisse dieser Kontrolle, Vorschläge zur Verbesserung zu machen liegt außerhalb ihres Wirkungskreises; wir begrüßen einen dahin- zielenden Erlaß des Ministers. Namentlich in der Konfektionsbranche sind die Arbeiterschutzbestimmungen zu scharf und den praktischen Verhältnissen nicht angepaßt. Hinsichtlich der Bäckereiverordnung dürfen die Gewerbeaufsichtsbeamten nicht mit rigorosen Maßnahmen vorgehen. Preußen kann sich mit der Zahl seiner Gewerbe- inipektoren und der für sie in den Etat eingestellten Summe sehen lassen. So wie das Wirtschaftsleben jetzt gestaltet ist, wird alle Sozialpolitik die Arbeiterschaft nicht zufrieden stellen. Minister Sydow: Das seit 22 Jahren bestehende Gesetz über die Gewerbe- inspektionen hat sich bewährt. Meine im Januar erlassenen Ver- ordnungen sind hier mehrfach beanstandet worden, weswegen es mir obliegt, sie hier zu rechtfertigen. Der Grundsatz, wonach die Ge- werbeaufsichtsbeamten keine polizeiliche Befugnisse haben sollen läßt sich nicht aufrechterhalten. Von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird den Gewerbeaufsichtsbeamten Vertrauen entgegengebracht. Menschlichkeiten können hier und da vorkommen. Sie kommen ja auch bei der Polizeibehörde vor, die gleichfalls nicht mit Engeln arbeitet. (Heiterkeit.) Die Gewerbeaufsichtsbeamten sind mit der Bewilligung von Sonntagsarbeit, Uebersiunden usw. betraut und der Minister des Innern hat seine Zustimmung dazu erklärt, daß den Gewerbe- inspektoren diese Befugnisse übertragen werden. Ein Mann, der Jahr für Jahr die gewerblichen Betriebe inspiziert, ist ganz anders als die Polizei in der Lage, das für die Betriebe Notwendige zu er- kennen. Von den Gewerbeinspektoren gehen der Polizei Anregungen zu Verfügungen und Verordnungen zu.— Ich danke dem Abg. Dr. Beumer für die goldenen Worte, die er gestern hier über die sittliche Bedeutung der Arbeit sprach. Die Einführung des Achtstundentages in der Großindustrie ist bei den bestehenden Verbältnissen unmöglich. Schon im Jahre 1905 habe» die Regierungspräsidenten auf eine Anfrage der Regierung, ob es angängig sei, den Gewerbeinspektoren Polizei- liche Befugnisse z u übertragen, zustimmend geant- wartet. Die Erteilung des Rechts, polizeiliche Verordnungen zu erlassen, ist eine Pflicht, die wir den Gewerbeaufsichtsbeamten gegenüber haben. Hinsichtlich der Bäckereiverordnuug wer- den die Hauptschwierigkeiten beseitigt werden.— Nationalökonomische Erwägungen dürfen nicht überwiegend vom theoretischen Standpunkt aus angestellt werden. Tie Einführung des Achtstundentages in der Großeisenindustrie scheitert an dem Mangel an Arbeitskräften. Man müßte sie der Landwirtschaft und anderen Industrie- zweigen entziehen, und das ist ausgeschlossen. Zuzugeben ist, daß in der Großeisenindustrie die Neberarbeit von Jahr zu Jahr zugenommen hat.(Hört, hört, b. d. Soz.) Bisher war es nicht gelungen, das zu verhindern. Aber wir sind jetzt, bestrebt, die Zahl der zu- lässigen Ueberstunden zu beschränken. Tarunter werden gegen- wärtig im Reichsamt des Innern Erwägungen angestellt. Es ist gewiß ein sehr matzvoller Schritt vorwärts, wenn wir durch jnne Bundesratsverordnung eine solche Beschränkung erreichen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Abg. Gtesbrrts(Z.): Es müssen Arbeiter als Gewerbeauffichtsbeamten angestellt werden. Die Regierung sollte von den Gewerbeaufsichts- beamten Vorschläge für die �Sozialgesetzgebung entgegennehmen. Das Recht der Inspektoren, polizeilicke Verfügungen zu erlassen, ist vollauf begründet. Wir fordern den freien Sonnabendnach» mittag in unseren industriellen Betrieben, wie er bereits in Eng- land eingeführt ist. In der Großeisenindustrie ist leider durch anfechtbare Bundesratsverordnungen eine Zunahme der lieber- arbeit festzustellen. Tie Unternehmer hätten die Pflicht, die un- glaublichen Zustände, die in der Großeisenindustrie eingerissen sind, zu beseitigen und den Achtstundentag einzuführen. Es gibt Eisenhüttenarbeiter, die außerhalh der zwölf- st ü n d i g e n Schicht eine monatliche U eberarbeit von 96—108 Stunden habe:.. Das wirksamste Mittel gegen solche Zustände ist die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter. Auch die Sonntagsruhe muß besser garantiert werden. Tie So- zialpolitik wird und darf nicht stillstehen in Teutschland. Wir müssen in unseren Beschlüssen weitergehen als die Regierung! (Beifall im Zentrum.) Abg. v. Äessrl(k.): Der Abg. Giesberts hat die sozialpolitischen Forderungen überspannt. Die Uebertragung von polizeilichen Befugnissen an die Gewerbeaufsichtsbeamten erscheint uns als sehr bedenklich im Hinblick auf die vielen Fragen, die von den Aufsichtsbeamten an die Unternehmer gerichtet werden. Das ist eine unzulässige Belästigung der Arbeitgeber und ein Auswuchs der Sozialpolitik, dem man den Vorwurf der Lächerlich- keit nicht wird ersparen können. Einer meiner Fraktionskollegen wurde sogar jüngst von einem Arzte aufgefordert, festzustellen, ob die Stillsähigkeit der Wöchnerinnen nachgelassen habe.(Beifall und Heiterkeit rechts.) Abg. Tr. Cremer(natl.): Die Sozialdemokratie stellt ihre Aüffassung der wirtschaftlichen Verhältnisse als die Ausfassung der gesamten deutschen Arbeiter- schaft dar. Das ist durchaus irreführend. Von den 900 909 Berg- arbeitern sind noch nicht 120 000 organisiert. In der Großeisen- industrie nehmen sämtliche gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, die christlichen mit eingerechnet, nur den vierten Teil der Arbeiter- schaft ein. Die meisten Arbeiter denken also ganz anders als die Herren Hue und Giesberts. Was die Vertreter der Industrie hier sagen, verdient weit mehr Beachtung.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die Ueberarbeit ist nicht abzuschaffen, ja, die Arbeiter drängen sich selbst dazu. Die zwölfstündige Arbeits- schicht wird durch lange Betriebspausen unterbrochen. Den Ge- werbeinspektoren dürfen polizeiliche Befugnisse nicht übertragen werden. Namentlich huldigen die Herren Affessoren, die von der Universität kommen, den st a a t s s o z i a l i st i s ch e n A n s ch a u- u n g e n. Der Verdienst der großen Unternehmungen ist nur wenig höher als das, was sie an die Arbeiter nach den Bestimmungen der Sozialistengesetzgebung zahlen müssen. Man sollte der In- dustrie nicht noch mehr ausladen. Unsere Schutzzoll- Politik hat e? ermöglicht, daß die Jndustri'e so viel für das Wohl der Arbeiter tun konnte. Die Gewerbeinspektoren jucken in schikanöser Weise in den Betrieben mit zu regieren. Ter Minister möge dahin wirken, daß sie taktvoll ihre Tätigkeit ausüben. Vom Standpunkt der christlichen Welt- anschauung sind wir für die Sonntagsruhe. Wenn aber der Reichs» tag" jetzt auf diesem Gebiete eine Neuregelung vornehmen will, so müssen wir bor einer weiteren Ausdehnung und einer voll- ständigen Sonntagsruhe warnen.(Beifall bei den National- liberalen.) Minister Dr. Sydow: Ter Abgeordnete Cremer möge sich mit diesen Wünschen an seine Fraktionskollegen im Reichstag wenden, denen die Vorlage noch nicht weit genug geht.(Beifall links.) Abg. Hue(Soz.): Die Gewerbeinspektion ist entstanden und gewachsen unter dem steten Widerstand der Unternehmer und soeben hat der Abg. Dr. Cremer all das wiederholt, was schon in den ö0er Jahren widerlegt wurde. Der außerordentliche Aufschwung unserer In- dustrie ist die treffendste Widerlegung der Behauptung von ihre« V Anstellung von weiblichen Aufsichtsbeamten, Ruin durch die sozialpolitischen Lasten. Die Erklärung des keit.) Wenn aber die Statistik beweist, daß von einer stärkeren| Gewalttätigkeit gegen Arbeiter aller Richtungen half er anscheinend Ministers ist erfreulich. Die Gewerbeaufsichtsbeamten sollten mehr Belastung der Industrie durch höhere Löhne und Sozialpolitik teine für selbstverständlich. Der Fall beweist aber die Notwendigkeit, Grekutivgewalt bekommen. Man hat hier den Erlaß des Ministers Rede sein kann, dann kann ich mit um so mehr Recht für eine das Ginigungsverfahren zu verbessern, und die wichtigste Vorso sehr kritisiert, dabei mahnt aber auch er zur Vorsicht. Selbst Verstärkung des Arbeiterschußes eintreten, der heute in der Groß- bedingung dazu scheint mir die Einführung des Erscheinungsin Berlin hat 1912 ein Unternehmer einem Gewerbeinspektor unter eisenindustrie so gut wie gar nicht vorhanden ist. Man sollte es tvangs vor dem Gewerbegericht zu sein.( Bustimmung links.) Zum Schluß möchte ich die Regierung fragen, ob die Ursachen beleidigenden Redensarten den Zutritt zu seinem Betrieb unter- für unmöglich halten, daß die Regierung in der Großeisenindustrie sagt, was mag da erst dort vorkommen, wo die Welt mit Brettern bier Ueberstunden täglich zulassen will, was eine der furchtbaren Erplosion in Rummelsburg vernagelt ist! Dringend nötig ist bei der zunehmenden Beschäfti-| 16- Stunden- Schicht bedeuten würde, in den Feuerbetrieben eine gung weiblicher Arbeiter die Menschenquälerei und Menschenschinderei allerersten Ranges! bei Berlin festgestellt werden konnten, was allerdings kaum wahrHoffentlich besinnt man sich doch noch eines besseren. 1911 wurden scheinlich ist, dann aber, wie man in Zukunft wenigstens die Andie auch zur endlichen Durchführung des Kinderschutzgesetzes bei- in den Roheisenwerfen 21,2 millionen Ueberstunden verfahren, wohner gegen Schäden durch solche Explosionen sichern will, die sich tragen würden. Die Zahl der Gewerbeaufsichtsbeamten muß über- 1912 schon 24,6 Millionen, davon entfielen 11,5 Millionen auf die vor kurzem auch in Querenburg bei Bochum und in der Roburithaupt erhöht werden. Nach dem Gewerbeinspektorenbericht für Sonntagsarbeit. Wenn man nun, wie manche Vorredner, die fabrik in Annen sowie in Stockum bei Witten zugetragen haben. 1912 sind von 169 606 revisionspflichtigen Betrieben 86 309 revidiert Sonntagsarbeit nicht als Ueberstundenarbeit rechnet, so müßte Dort hat die höheren Behörde entgegen dem Willen der Gemeinworden, also 51 Broz., während es noch 1911 51,9 Proz. waren. man das Bibelwort umtehren und sagen:„ Sechs Tage sollst du den die Einlagerung großer Mengen gefährlicher Sprengstoffe ge= Es ist also eine Verschlechterung der Aufsicht eingetreten. Aller- arbeiten und am fiebenten Doppelschiicht machen", dann wäre es stattet. Wenn es nach dem bestehenden gesehlichen Zustand nicht dings waren in den revidierten Betrieben 84,5 Proz. aller Arbeiter recht! So ist es ja heute auch schon in der Großeisenindustrie mit möglich ist, in die Konzession eine Schadensicherungsklausel hineinbeschäftigt, aber der Bericht zeigt auch, daß von allen Betrieben ihren 24- Stunden- Schichten. Die reichliche Bewilligung von zubringen, dann muß ein gesetzlicher Schutz für die auf das nur 12 395 zweimal, 5881 drei- und mehr mal revidiert wurden, Ueberstunden ist ein Anreiz zur Ueberproduktion, die zu Arbeiter- schtverste bedrohten Bürger geschaffen werden.( Lebhafter Beifall daß nur 2462 Nachtrevisionen und 4048 Revisionen an Sonn- und entlassungen, Feierschichten und Werkstillegungen führt. Uebrigens bei den Sozialdemokraten.) Feiertagen stattgefunden haben. Es versteht sich, daß sich bei einer beweist gerade der reduzierte Betrieb in den Walzwerken, daß fo unzulänglichen Revision sehr viel den Bliden der Aufsichts- eine Verkürzung der Arbeitszeit dort technisch durchaus möglich beamten entzogen haben muß.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo- ist, wozu auch die technische Entwickelung des Walzwerkbetriebs fraten.) alle Voraussetzungen geschaffen hat. Geheimrat Dr. Hüber: Abg. Rosenow( Bp.): Die Geiverbeaufsichtsbeamten sorgen nicht nur für den Schuh der Arbeiter, sondern auch für die Entlastung der Unternehmer von der großen Verantwortlichkeit. Die Uebertragung polizeilicher Befugnisse an die Gewerbeaufsichtsbeamten ist durchaus gerechtfertigt. Die Gewerbeinspektoren sollten von den Unternehmern als Berater bei der Anlage und Einrichtung der Betriebe hinzuWir brauchen Frauen ( Sehr richtig! links.) gezogen werden. und Aerzte in der Gewerbeinspektion. Der sittliche Wert der Ar beit geht bei einer grenzenlosen Beanspruchung der Arbeitskraft verloren. In den Bäckereibetrieben müssen Sauberkeit und ge= funde Arbeitsbedingungen herrschen. des Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Abg. Dr, Liebknecht( Soz., persönlich): Antrages verhindert zu sein. Jedoch ist dies nach der großen Ich bedaure, durch den Schlußantrag an der Begründung stede des Abg. Hue nicht mehr unbedingt nötig. Sozialdemokraten abgelehnt. Der sozialdemokratische Antrag wird gegen die Stimmen der Die Weiterberatung wird auf Montag 11 Uhr vertagt. San delsetat und Bergetat. Schluß: 4% Uhr. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet 2indenstraße 69, vorn vier Treppen -Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7½ Uhr abends, Sonnabends, bon 4 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage Eine Regierungskommission hat sich sofort nach Rummelsburg begeben, als die Nachricht von der Katastrophe eintraf. Ein Wie kann man da über zu scharfe Gewerbeaufsicht Klagen! Ueber die Bundesratsverordnung von 1908, zu deren Ent- Apparat, der seit vielen Jahren ohne Gefahr benutzt worden war, Viele Industrien arbeiten mit Tag- und Nachtschicht, was natürlich stehen eigentlich ich im Reichstag das Karnickel gewesen bin, haben flog plötzlich in die Luft. Die technischen Voraussetzungen des bei so wenigen Nachtrevisionen absolut nicht ausreichend beauf sich die Unternehmer bitter beschwert. Indessen ist diese Ver- Vorfalls waren nicht festzustellen. Der Minister hat eine genaue sichtigt werden kann. Im Landespolizeibezirk Berlin ordnung durchaus unzureichend und ihre Pausenvorschrift völlig Untersuchung angeordnet. Bedauerlich ist die große Zahl der verfind 20 495 revisionspflichtige Betriebe mit 395 137 Arbeitern vor- ungenügend. Nebenbei bemerkt, hat die behördliche Untersuchung unglückten Arbeiter. Ueber den Fall in Querenburg wird der handen; davon wurden nur 11 091 Betriebe revidiert durch ins- alle meine schwerwiegenden Angaben, die ich seinerzeit im Reichs- Minister Erhebungen einleiten. gesamt 15 330 Revisionen. Das so gewonnene Urteil über die Ge- tage über die Arbeitsverhältnisse in der Großeisenindustrie werbeberhältnisse kann natürlich nur sehr mangelhaft sein; trotzdem machte, vollkommen bestätigt. Die nationalliberalen Redner wurden auch im Bezirk Berlin vielfach schwere haben hier die Hüttenarbeiter als kräftige Gestalten geschildert und Mißstände ermittelt. Die Inspektoren stellen fest, daß es mit Ansichtskarten operiert; von der Zermürbung dieser kräftigen vielfach an Schuh der erwerbstätigen Kinder und Jugendlichen Gestalten durch die heutigen Arbeitsverhältnisse, von der Ausmangelt. Die traurigste Tatsache unserer wirtschaftlichen Entwicke- mergelung durch die Feuerbetriebe, wie sie Meunier plastisch darlung ist, daß in steigendem Umfang schulpflichtige gestellt hat, haben sie nicht gesprochen.( Abg. Hasenclever[ natl.]: Kinder zur gewerblichen Arbeit herangezogen In Belgien!) Ich bin der lezte, der sagen würde, daß in Deutsch werden, und da flagt man über ein zu schnelles Tempo der land die schlimmsten Arbeitsverhältnisse bestehen, es gibt noch Sozialpolitik! Es sind in Berlin viele gesundheitsschädliche schlimmere, aber die bei uns sind schlimm genug und wir wollen Kellerbetriebe wegen der teuren Miete und vielfach un- doch nicht nach den allerschlimmsten streben! In gewissen Abteigesunde Verhältnisse im Gastwirtsgewerbe festgestellt worden, was lungen von Eisenhüttenwerken ist bereits die Achtstundenschicht einübrigens auf den ganzen Staat zutrifft. geführt. Es gibt fast keinen Beruf, der so hohe Unfallziffern aufweist wie die Eisen- und Stahlberufsgenossenschaften. Auf 1000 Dic Betriebsunfälle haben durchweg Ein sozialdemokratischer Antrag ist eingegangen, stark zu= genommen, allein in Berlin um 2119. Jm Bezirk Berlin Arbeiter wurden bei der Norddeutschen Metallberufsgenossenschaft der die Regierung ersucht, eine Gesezesvorlage auszuarbeiten, durch passierten 1911 258 tödliche Unfälle, 1912 aber 472, und der Be- 49 Unfälle angemeldet, bei der Nordwestdeutschen 83, bei der schle- welche die Inhaber von Sprengstoffabriken und Sprengstofflagern richt der Inspektoren erklärt die Unfallvermehrung als eine fischen 99, bei der Südwestdeutschen 111 und bei der Rheinisch- unter allen Umständen für die angerichteten Schäden schadenersatzFolge der erhöhten Arbeitsintensität, also der ge die weitaus meisten Unfälle vorkommen, leisten den heftigsten Westfälischen 179. Gerade die Herren aber, in deren Betrieben pflichtig gemacht werden. steigerten Ausnutzung der Arbeitskraft. Außerordentlich groß ist die Zahl der Unfälle in der Metall- und in der Holzindustrie. Ich Widerstand gegen den Schutz der Hüttenarbeiter und drücken mit verweise nur auf die furchtbare Darstellung der durch die Arbeits- der Arbeiter nicht Folge leiste. Die Krankheitsziffern betragen ihrer ganzen Macht auf die Regierung, damit sie den Wünschen maschinen in der Holzindustrie verkrüppelten Hände, die auf der in den Hütenwerken bis zu 130 Proz. muß da nicht mit der Baufachausstellung in Leipzig ausgestellt war.( Sehr wahr! links.) Die Statistit der Norddeutschen Berufsgenossenschaft für die Holz- werden und daß die Regierung sich nicht unterkriegen lasse von den stärksten Kraft gefordert werden, daß diese Menschen geschützt industrie beweist die Angaben des Deutschen Holzarbeiterverbandes; danach sind 1912 auf 1000 Bollarbeiter 52,60 Unfälle vor- Interessen der Kapitalisten, sondern das Gemeinwohl voranstelle. gefommen, im ganzen 16 071. 2882 Unfälle führten zu vorüber-( Sehr wahr! links.) Derselbe Abg. Cremer, der hier von den fräftigen Gestalten der Hüttenarbeiter schwärmte, schrieb am gehender oder dauernder Erwerbsunfähigkeit, 102 waren tödlich 7. Februar 1914 in der Rheinisch- Westfälischen Zeitung", daß die und fast 50 Proz. waren verursacht durch Motoren, Transmissionen militärtauglichkeit unter der Bevölkerung Rheinlandund Arbeitsmaschinen. Der Gewerbeinspektorenbericht für Berlin Westfalens und die Geburtenzahl ständig jinkt.( Hört! hört! bei erklärt die Mitwirkung der Arbeiterschaft bei der den Sozialdemokraten.)" Da kommt man mit den ollen Kamellen Verhütung von Unfällen der Holzindustrie für vom Ruin der Industrie! Als der preußische Kultusminister von angebracht.( Hört! hört! bei den Sozilademokraten.) Altenstein 1839 endlich durchsetzte, daß mit dem Kinderschutz ein Sehr umfangreich sind Ueberstunden und Sonntag- Anfang gemacht werde, schrien die Unternehmer Beter und Mordio, ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen betzufügen. Briefliche Antwort arbeit bewilligt worden. Die Folgen dieser Ueberproduktion daß sie nun nicht mehr Kinder unter 9 Jahren beschäftigen wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt ist, tragen jetzt in der Krise Unternehmer und Arbeiter. Gewiß gibt durften, und das damalige Handels- und Gewerbeministerium verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. es Arbeiter, die noch glauben, durch Ueberstunden und Sonntags- Teistete den Bestrebungen von Altensteins Widerstand. Ich hoffe, arbeit sich zu wohlhabenden Arbeitern hinaufzuarbeiten, aber sehr daß diese Tradition im Ministerium nicht mehr lebendig ist, Ja, daher der Ausdrud: Mixtum 61. Dazu sind wir leider nicht in der Lage. W. E. 74. 5. R. I. Private viele Arbeiter haben sich schon zu der Erkenntnis durchgerungen, sondern daß man sich mehr an das Wort hält, das damals der Schulen empfehlen wir nicht. Städtische Wahlfortbildungsschule für daß, wenn sie mit der normalen Arbeitsgeit sich ein anständiges Regierungspräsident von Brandenburg gebrauchte: Die Mädchen Friedenstraße 16. Stur.- Vors. Prediger Dorow, Reinidendorfer szi Auskommen nicht verdienen können, sie das mit Ueberstunden und Menschenfultur ist auf jeden Fall noch wichtiger Straße 59. Nordland. Deutscher Sozialdem. Verein„ Borwärts", Sonntagsarbeit erst recht nicht erreichen. Wohl aber haben die und ersprießlicher als die Erhöhung der In- Geschäftsstelle der Freireligiösen Gemeinde" Berlin, Pappelallee 15/17. Kopenhagen, 3. Knabrostaede. G. 6. 24. Dies erfahren Sie bei der Ueberstunden und die Sonntagsarbeit viel Arbeitslosigkeit ber- bustrie." O. P. 56. Unter Spar- und Lotterieverein Gleichheit. Nein. schuldet. Wenn auch durch die Ueberstunden der Verdienst ge= Nicht nur im Bergbau, sondern überall verlangen die Ar- den Linden 72. 23. 1. Städtische Kochschulen finden Sie im Berliner tiegen ist, so geben sowohl die Gewerbeinspektoren als beiter, daß sie an der Verhütung von Unfällen beteiligt Adreßbuch, 2. Band, Teil 2, Seite 188, Spalte 2. Private Schulen empauch sogar der Essener Handelskammerbericht und werden. Noch 1912 mußten in Berlin Metallarbeiter und fehlen wir nicht. C. 4. Jm Südwesten ist uns keine Adresse bekannt. das Zentralblatt für Hütten- und Walzwerke" Töpfer in den Streit treten, um den gesetzlich vorgeschriebenen Wenden Sie sich an den 1. Vorsitzenden G. Jacob, Berlin, Emdener zu, daß die Lage der Arbeiter trotzdem durch die Arbeiterschutz zu erzwingen.( Sört! hört! bei den Sozialdemo- Straße 45. Joseph 45. Erste elektrische Linie der„ Großen Berliner Lebensmittelteuerung beeinträchtigt wurde und fraten.) Ge liegt gewiß im Interesse der Gewerbeinspektoren, sich Straßenbahn" Schöneberg bis eranderplat, un engann 1. daß hierdurch auch die Produktionskosten steigen. Dessen sollten die bei der Unfallverhütung und Unfallerhebung die Mitwirkung der.. 369. G. 100. Wiederholen Sie Ihre Anfrage. Unternehmer eingedent sein, die sich mit den Agrarfonservativen Arbeiter zu sichern. Die Gewerbeaufsichtsbeamten sollten auch an- Anfrage ist uns beim besten Willen nicht verständlich. 23. 87. Nein. zu noch stärkerer Lebensmittelteuerung verbinden wollen!( Sehr gewiesen werden, mehr als bisher bei Arbeitskämpfen vermittelnd H. G. 66. Ueber die Agentur ist uns nichts bekannt; Bor gut! links.) Wie es sich übrigens mit der sozialen Belastung der einzugreifen. Freilich werden sie dabei Widerstand bei den Unter- ficht ist bei solchen Abschlüssen immer geboten. A. G. 100. Industrie wirklich verhält, geht daraus hervor, daß diese pro Tonne nehmern finden. Ein Beweis dafür wird aus Breslau berichtet. A. Ja, für die Beit bis einschließlich Dezember der Förderung bei der Harpener Bergwerks- Aktiengesellschaft seit Dort machte man in der Lokomotivfabrik Linke- Hoffmann den B. Nur für königliche Fuhrwerke. Paul Joost. Seit 1868. 1911 von 1,24 M. auf 1,16 M. gesunken ist. Der Deutsche Berg- Arbeitern vertragswidrige Lohnabzüge in solchem Umfang, daß arbeiterverband hat in seiner Eingabe an den Zechenverband dabei Löhne bis zu 3 M. pro Woche herausfamen.( Hört! hört! Wasserstands- Nachrichten statistisch nachgewiesen, daß der Lohnanteil an dem Wert der bei den Sozialdemokraten.) Der Direktor erklärte, man müsse der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau Förderung seit 1907 um 8 Proz. zurüdgegangen ist. Nach der jetzt die Lokomotiven dem Staat um 4000 M. billiger liefern, und Statistik des Vereins oberschlesischer Bergwerks- und Hüttenbejizer das müßte auch auf die Arbeiterlöhne abgewälzt werden. Der Etat ist die Jahresleistung pro Arbeiter von 1875/79 bis 1911/14 von zeigt aber, daß für die Lokomotiven mehr gezahlt wird als früher. 100 auf 192 Tonnen gestiegen, der Lohnaufwand pro Tonne aber Der Gewerbeinspektor bemühte sich in anerkennenswerter Weise bon 1880/84 bis 1911/14 gesunken von 9,30 M. auf 8,38 M.! zu vermitteln. Man wies ihn aber ab, obgleich auch der Ne- Memel, Silfit ( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) gierungspräsident mit seinen Sympathien auf der Seite der Ar- Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Der Abg. Dr. C rremer, der übrigens durch seine Rede be- beiter stand, gegen die rechtswidrig vorgegangen war. Durch ihre Dder, Natibor wiesen hat, daß ihm die Kenntnis der Arbeitsverhältnisse in der Weigerung, auf die Vermittelung des Gewerbeinspektors einKrossen Großeisenindustrie fehlt, die er anderen Leuten nachsagt( Sehr zugehen, trieb die Fabrikleitung schließlich 1800 Mann in den gut! links), hat behauptet, daß sich im Hochofenbetrieb durch das Streit. Den übrigen 3600 legte man eine Erklärung vor, daß sie warthe, Schrimm Zusehen und Abwarten Betriebspausen ergeben. Wäre das nur dem Werkverein, Vaterländischen Arbeiterverein oder Kathodas richtig, so hätte der Schnellzuglokomotivführer, der von Berlin lischen Arbeiterverein angehörten, aber feiner Organisation- das bis Hannover nicht zu halten braucht und sich auf das Zusehen sind also keine Organisationen! und daß sie feinerlei Streifbeschränkt, eigentlich überhaupt gar keine Arbeitszeit!( Sehr gut! unterstüßung erhalten. Auf diese Zumutung gingen die Arbeiter bei den Sozialdemokraten.) Dr. Beumer hat übrigens die gleiche alle aus dem Betrieb heraus und das Unternehmen verhängte die Rede, die er hier gehalten hat, schon vor 10 Jahren im Reichstag Aussperrung. Gestern eilte der Abgeordnete Conradt bis nach gehalten, er beweist dadurch eine erfreuliche Rüstigkeit!( Heiter- Dortmund, um einen Terrorismusfall zu finden. Diese Breslauer Möbel Engros- Lager Wir liefern direkt an Private als Spezialität: gediegene Ein-, Zwei- u. Drei- Zimmer- Einrichtungen Wasserstand " Die Geschworenen". 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 66. 31. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 8. März 1914. Der Frauentag im Ausland. Die österreichischen Arbeiterinnen und der herrschenden bürgerlichen Barteien, den Frauen Rechte einzu- Frauentage diese Frage einen wichtigen Teil des Programms ein Frauentag. " Die sozialdemokratischen Frauen Oesterreichs rüsten zum 4. internationalen Frauentag. Mit Genugtuung können wir festftellen, daß die Wirkung der bisherigen Frauentage eine gute und anfeuernde war. Die Organisation wurde in zahlreichen Orten durch eine beträchtliche Vermehrung der weiblichen Parteimitglieder gestärkt, die sozialdemokratische Presse und Literatur fand Eingang bei bisher fernstehenden Frauenschichten. Die Arbeiterinnenbewegung in Desterreich ist innerhalb der Gesamtbewegung zur Beachtung und Ansehen gelangt. 29 000 Frauen und Mädchen sind heute Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, über 50 000 Arbeiterinnen gehören den Gewerkschaften an. Die ArbeiterinnenBeitung", die während der Kriegsivirren und der nachfolgenden großen Arbeitslosigkeit auf einen Abonnentenstand von 25 000 fiel ( bon 27 500), hat heute eine Auflage von mehr als 29 000. Die Früchte der Werbeaktion vom September kommen in diesem Aufschwung zum Ausdruck, denn 5000 neue weibliche Mitglieder wurden in den Septemberwochen gewonnen. Es gibt heute keine Parteiforporation, wo die Genojjinnen nicht vertreten wären. Sie sind in den Vorständen und Konferenzen der politischen Partei gleich berechtigt, und auch in der Genossenschaftsbewegung kommen fie immer mehr zur Geltung. Neben dem von der Frauenreichs. tonferenz eingesetzten und von der Partei anerkannten Frauen reichstomitee, das die Aufgabe hat, organisierend, aufflärend und erzieherisch unter den Frauen zu wirken, besteht ein genossenschaftliches Frauenkomitee, das die Funktion hat, die räumen. Da sind auch in Oesterreich immer nur die Sozialdemo- nimmt. Damit im Zusammenhange soll auch erörtert werden, was fraten die Vorkämpfer für die Frauenrechte. So haben die sozial- die Gemeinden in der Fürsorge für Mutter und Kind tun könnten, demokratischen Abgeordneten im niederöstereichischen Landtag erst wie auch entsprechende Kritik der gegenwärtigen Kommunalbor wenigen Tagen den Antrag gestellt, das Gemeindewahlrecht verwaltungen. auf die Frauen auszudehnen, und zivci Genossen haben diese For- Die parlamentarische Betätigung der Arbeiterfrau findet in der derung begründet. Im Landtag von Oberösterreich hat ebenfalls Bartei allgemeine Anerkennung. Zu Anfang der gegenwärtigen Session der sozialdemokratische Vertreter eine glänzende Rede für das wurden seitens der sozialdemokratischen Parlamentsvertreterinnen Frauenwahlrecht gehalten. Die bürgerlichen Parteien jedoch sind vier Anträge eingebracht eine Eingabe zu einem Hebammengesetz hier wie dort gegen diese Forderung der Gerechtigkeit. Wo die mit der Bestimmung, daß nur geschulte Hebammen berechtigt seien, Frauen in den letzten Jahren ein Wahlrecht erhalten haben, sei es Geburtshilfe zu leisten, ferner, daß Gemeinden auf je 3500 Ginfür Landtag oder Gemeinde, ist es nur aktiv und an eine Steuer- wohner eine Hebamme anstellen sollten, und Gewährung unentgeltleiſtung geknüpft. Doch ist es heute Tatsache, daß immer größere licher Geburtshilfe nebst Arzneimitteln bei einem Familieneinfommen Kreise von Frauen die Forderung nach dem Wahlrecht erheben. unter 2000 m. Ferner Anträge 1. zur Aufbesserung der Lage Die Arbeiterinnen waren immer Kämpferinnen für die politische der im Eisenbahndienst stehenden Frauen; 2. zur Verbesserung der Gleichberechtigung aller Frauen, und sie werden auch am Frauen- Fürsorge von Blinden, Taubstummen, Epileptikern und Schwach tag mit allem Nachdruck und mit aller Schärfe diese Forderung finnigen, und zur Verabfolgung einer Pension aus den Mitteln des erheben. Staates an solche; 3. zur Vornahme einer statistischen Erhebung innerhalb der Bekleidungsgewerbe, um die Lage der Konfektionsarbeiter zu beleuchten. Gegen 300 Versammlungen werden am Frauentag stattfinden. Rednerinnen und die Abgeordneten und sonstigen Funktionäre der Partei werden in allen Teilen Oesterreichs die Forderung nach dem Frauenwahlrecht begründen. Die Arbeiterinnen aber werden nicht ermüden. Immer und immer wieder werden sie die Forderung nach dem gleichen Recht vertreten, durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Frau erst gerecht gewertet werden wird, wenn sie keine politische Helotin mehr ist. Adelheid Popp( Wien). Infolge einer lebhafteren Agitation seitens der Frauen innerhalb der Gewerkschaftskreise ist die Zahl der Mitglieder im vorigen Jahre gestiegen. Momentan stehen wir vor einer betrübenden Tatsache: am 1. März wurden in Kotka viele Sägereiarbeiter ausgesperrt. Die Gesamtzahl der darunter Leidenden intl. Familienangehörigen beträgt 5000 Personen. Unter den Ansgesperrten bes finden sich auch viele Arbeiterinnen. Arbeiter Seitens der wurde alles aufgeboten, um den Arbeitsfrieden zu erhalten. Aber die Unternehmer waren Die nicht dafür zu haben. im Lande wütet. Das Kapital will es so! Es gilt, die gewonnenen Positionen zu Wir sind zum Kampfe gezwungen, wie in aller Herren Ländern. verteidigen und neue zu erobern. Frauen mit den Grundsägen und Zielen der Genossenschaftsbewe- Die Betätigung finnischer Arbeiterinnen. Aussperrung ist um so empfindlicher, als eine große Arbeitslosigkeit gung vertraut zu machen und Funktionärinnen für die Aufsichtsräte zu schulen. Der internationale Frauentag hat in Finnland warmen Wieberball gefunden. Wir beabsichtigen, am 8. März überall im Lande Demonstrationsversammlungen zu veranstalten. In seinem Aufruf fordert der Verband sozialdemokratischer Frauen auch die Parteiorganisationen auf, sich an der Demonstration zu beteiligen. Es gilt die Propaganda um den Sozialismus, den Frieden und das demokratische Wahlrecht. Zu diesem Zweck erschien das Frauenorgan Työläisnainen" als Propagandanummer in größerer Auflage. Als Sonderschrift für den Frauentag erschien aus der Feder Alexandra Kollontays August Bebel als Vorfämpfer der Rechte und Freiheit der Frau". Aus allen Gegenden des Landes erhält das Bureau des Verbandes sozialdemokratischer Frauen zahlreiche Aufforderungen zur Entsendung von Rednerinnen " " ... und wird uns anfeuern auch im Stampfe gemeinsam mit der Inter So findet die Rote Woche uns mitten im Kampfe. Sie soll nationale. Silja Pärssinen. Helsingfors, 3. März 1914. Verbot des Frauentages in Petersburg. Auch in den Gewerkschaften nimmt eine immer größere Anzahl von Genossinnen hervorragende Vertrauensstellungen ein. An den Funktionärinnenkursen, die vom Frauenreichskomitee veranstaltet werden, nehmen immer auch Delegierte von Gewerkschaften teil. Auch in den Krantentassen gewinnen die Arbeiterinnen langsam Zutritt zu den Vorständen. Dem Vorstand der Allgemeinen Arbeiterfrankenkasse gehört eine Genoffin an, eine andere dem Ueberwachungsausschuß. Auch in einigen genossenschaftlichen Krantentassen sind Arbeiterinnen Vorstandsmitglieder, so bei den Buchbindern, den Schneidern, den Zuckerbädern usw. die am 8. d. M. geplanten Arbeiterversammlungen mit Berichten Der Petersburger Stadthauptmann hat ohne Angabe der Gründe Zum erstenmal wird eben jezt eine Genossin für den Vorstand der über die Lage der Arbeiterin und die Aufgaben der ArbeiterinnenGremialbeamtentrankenkasse der Handlungsgehilfen und Rednern. bewegung verboten! Die seit mehreren Wochen begonnenen Vors und gehilfinnen kandidieren und drei Gehilfinnen für die Dele- Als eine Frage von befonderer Bedeutung steht bei uns das bereitungen zum Frauentag sind durch das brutale Verbot des giertenversammlung dieser erstklassigen und hochangesehenen fommunale Wahlrecht im Vordergrunde. Bis jetzt gilt in Finnland Stadthauptmanns furzer Hand vernichtet worden. Während die bürgerKrantentasse. Am 8. März, am Frauentag, finden diese ein Pluralwahlrecht der Reichen. so daß die reiche Bourgeoisie in lichen Frauenrechtlerinnen noch am 5. d. M. die Möglichkeit erWahlen statt, und mit Stolz können die sozialdemokratischen Hand- den Kommunen selbstherrlich waltet. In diesem engen Rahmen ge- hielten, eine öffentliche Versammlung abzuhalten, in der die lungsgehilfinnen darauf hinweisen, daß sie es verstanden haben, nießen auch einige bevorzugte Schichten bürgerlicher Frauen ein liberalen Damen und Abgeordneten über die Rolle der Frauen, große Kreise ihrer Kolleginnen zur Ausübung des Wahlrechts zu faum zu nennendes Wahlrecht, wie auch das Recht, in Armen- und der Gesetzgebung, über das Wahlrecht der Frau usw. zu sprechen erziehen, so der nationalen und konfessionellen Agitation zu ent- Schulkommissionen gewählt werden zu dürfen. Noch steht es in vermochten, wird den Arbeitern und Arbeiterinnen ohne Angabe der ziehen. Die Arbeiterinnenbewegung in Oesterreich ist bestrebt, frischer Erinnerung, daß und wie die finnische Arbeiterin sich an Gründe das Recht entzogen, auf ähnlichen Versammlungen ihre überall zu wirken, wo sich ein Betätigungsfeld bietet. So sind zwei dem Kampfe um das allgemeine Wahlrecht und um das Ein- Stellung zu diesen Fragen fundzugeben. Daß diefes Verbot. eine Vertreterinnen in die handelspolitische Kommission der Stadt Wien fammerparlament verdient gemacht hat. Wie 1905 und 1906 den Absichten seines Urhebers entgegengesetzte Wirkung ausüben delegiert, ohne sich übertriebenen Hoffnungen über das durch steht sie auch heute im Vordertreffen, wo es sich um die wird, versteht sich von selbst. Auch die rückständigsten Frauen in den dieje Kommission Erreichbare hinzugeben. Wo es nur Arbeit gibt, Erfämpfung desselben Rechts in der Kommunalverwaltung Arbeiterkreisen werden durch dieses Verbot aufgepeitscht und den allsind schließlich die Frauen überall geduldet, viel schwerer fällt es de bandelt. Daher ist es zu verstehen, daß gerade auch an dem gemeinen Lofungen der Arbeiterbewegung zugänglicher gemacht werden. Die neuesten Herren- Moden Einige Beispiele aus unserer gewaltigen Auswahl: Unsere Kleiderwerke Jetzt trägt man liefern die besten Erzeugnisse, die modernsten Fassons und haben allgemeine Anerkennung gefunden flaschengrün blau- marengo lederfarben mittelgrau und Pepita- Muster Jackett- Anzug Oliv, grau oder bräunlich gemusterter Cheviot 27 M. Jackett- Anzug Vornehme Cheviots, bräunlich, grünlich u. grau Elegante Verarbeitung 50 M. Jackett- Anzug Pepita- Muster, in grau oder flaschengrün Cheviot 33 M. Gehrock- Anzug Tuchkammgarn in vornehmster Ausführung 40.- 55.- 70 M. Cutaway u. Weste Marengo Cheviot, vornehmste Formen 27.- 36.- 50 M. 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März 1914, nachmittags 2 Uhr: A Geffentliche Frauen- Versammlungen gil1919gns neinüvi na dowodtleW Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59 Happoldts Brauerei, Hasenheide 32/38 Graumann, Naunynstr. 27 Süd- Ost, Waldemarstr. 75 t Berlin. Konzert- und Festsäle, Roppenstr. 29 Schweizergarten, Am Königstor Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10 Berliner Bockbrauerei, Abt. II, Chauffeestr. 64 Frankes Festsäle, Badstr. 19 Pharus- Säle, Müllerstr. 142 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24 Referenten: Toni Breitscheid, Otto Büchner, Dr. Oskar Cohn, Frau Dr. Christingen- Tobler, Emil Dittmer, Hugo Haase, Paul John, Hugo Poetzsch, Heinrich Ströbel, Dr. Hermann Weyl, Klara Weyl. ohio Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg. shroll Uhr. Baefeftr. 7. Adlershof Restaurant Otto Ziege, Bismarckstr. 29. Groß- Lichterfelde Restaurant Wahrendorf, Alt- Glienicke-3um affertur Gottfr.häfer. Königs- Wusterhausen, Wildau- Niederlehme, Senzig- Zernsdorf Baumschulenweg Geſellſchaftshaus Baumschulenweg 78. 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" Referenten: Anna Aufhäuser, Hermann Barenthin, Gertrud David, Paul Dupont, Wilhelm Düwell, Karl Freter, Gustav Fuß, Kurt Heinig, Max Henschke, Alfred John, Franz Kotzke, Hermann Kunze, Gustav Link, Dr. Ernst Meyer, Wilhelm Paetzel, Wilhelm Pieck, Ernst Reuter, Elfriede Ryneck, Gertrud Simon, Georg Ucko, Adolf Wuschick, Fritz Zubeil, Gustav Zwahr. Bernau Salzmann, Basborfer Straße. Niederbarnim. Ober- Schöneweide wilhelminenhof. Borsigwalde„ Borsigwalder Festfäle( Inh. Rich. Sohn). Oranienburg albhaus Sandhausen. Friedrichshagen Gisteller, Friedrichstr. 96/97. Pankow, Buchholz, Nieder- Schönhausen Lichtenberg Schwarzer Adler, Franki. Chauffee 5. Reinickendorf- Ost ißenhaus, 99 Café Bellevue" am Bahnhof Stralau- Rummelsburg. in Bankow, Roczycki, Kreuzftr. 3/4. 1 Uhr. Residenzstr. 102. ftraße 101. Reinickendorf- West Beyer, Scharnweber. Rosenthal Milbrobi, Balderfeestr. 5. Tegel, Hermsdorf, Waidmannslust in Tegel, Trapps Festfäle, Bahnhofstr. 1. Weißensee Schlok Weißensee. Referenten: Eugen Brückner, Hermann Clajus, Anna Dietz, Heinrich Farwig, Karl Hetzschold, H. Grünzel, Martha Jeetze, Anna Kiesel, Joachim Klüß, Karl Leid, Luise Siedel, Artur Stadthagen, Karl Wermuth. Tagesordnung: Heraus mit dem Frauenwahlrecht! Alle Frauen sind eingeladen. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lindenftr. 2. Moebel Boebel Berlin Moritzplatz 58 88879 Name ges.gesch. Schlafzimmer echt Eiche anpoliert M. 315.1 Schrank mit Spiegel. M. 96. 1 Waschkommode mit Marmor..... 55. 1 Spiegelaufsatz....... 2 Bettstellen.. 2 Nachttische mit Marmor 2 Stühle... 18. 99 à M. 46.92. 99 40. 14. ( 1 Bettumbau extra M. 60.-) M. 315. Wohnzimmer echt Nussbaum, furniert M. 278.1 Kielderspind 4 Stühle .M. 56.à M. 5.- 20.19 1 Trumeau mit Stufe............. 36. 1 Auszugtisch.. 1 Vertikow.. 1 Moquettesofa. 23. 68.75. 19 M.278. ( 1 Umbau extra M. 53.-) Frachtfrel d. ganz Deutschland. 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März zu benutzen, um die Ausstellung, insbesondere die Abteilung für KleinwohnungsEinrichtungen, zu besichtigen. Die Ausstellung geht am 17. März cr. zu Ende. Heute Sonntag, von nachmittags 4 Uhr ab, findet eine Führung unserer Mitglieder durch die Ausstellung statt. Der Eintritt ist frei. Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Mitglieder werden hierdurch nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß bom 1. März an folgende Lohnerhöhungen in Straft treten, die am 7. März erstmalig zur Auszahlung gelangen müssen: 1. Alle dem allgemeinen Vertrage, dem Vertrage für die Treppengeländerbranche, dem Vertrage für die Laden- und Kontormöbelbranche, dem Vertrage für die Modellfabriken unterstehenden Lohnarbeiter, sowie die in Lohn beschäftigten Bantischler und Einsetzer erhalten ab 1. März eine Lohnerhöhung von 2 Pfennig pro Stunde. 2. Alle dem Vertrage für die Stockindustrie unterstehenden Lohnarbeiter erhalten ab 1. März eine Lohnerhöhung von 1 Mart pro Woche. 3. Die Mindestlöhne erhöhen sich für: a) Treppengeländerarbeiter, die noch nicht in der Branche gearbeitet haben, von 62 Pf. auf 64 Pf. pro Stunde. Für solche gelernten Arbeiter, die vier Wochen in derselben Werkstatt gearbeitet haben, von 67 Pf. auf 69 Pf. pro Stunde. b) Stockarbeiter( Facharbeiter), die mindestens ein Jahr in der Branche mit Facharbeit beschäftigt sind, von 29 M. auf 30 M. pro Woche. c) Modelltischler und Modelldrechsler über 21 Jahre von 77 auf 79 Pf. pro Stunde. d) Ladentischler( Einstellungslöhne) für Arbeiter, die noch nicht in der Branche gearbeitet haben, von 57 auf 59 P. pro Stunde. Für Arbeiter, die sechs Monate in der Branche beschäftigt sind, von 62 auf 64 Pf. pro Stunde. 4. Die Minimalabschlagszahlung für alle dem allgemeinen Vertrage unterstehenden Affordarbeiter erhöht sich von 28,50 auf 29,50 M. für diejenigen, die in den letzten sechs Wochen durchschnittlich 30,50 mt. pro Woche verbient haben. 5. Alle dem allgemeinen Vertrage, dem Vertrage für die Treppengeländerbranche, dem Vertrage für die Laden- und Kontormöbelbranche unterstehenden Affordarbeiter erhalten auf die bestehenden Affordpreise einen Aufschlag von 3 Prozent. Für Bautischler und Einseger gelten die Bestimmungen der Tarife. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Bureau: Engelufer 14/15 II. Delegierte zur örtlichen Generalversammlung der BezirksVerwaltung Groß- Berlin. Montag, den 6. April 1914, abends 8%, Uhr, in Kellers ,, Neue Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97: Außerordentliche General- Verfammlung. Tagesordnung: 1. Besprechung der eingegangenen Anträge zum Verbandstag in Köln a. Rh. 1914. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Wahl der Delegierten zum Verbandstag. 3. Geschäftliches. NB. Zegitimationstarte und Mitgliedsbuch find mitzubringen und zweds Kontrolle resp. AbStempelung am Eingang zum Versammlungslokal vorzulegen. Ohne Karte und Mitgliedsbuch kein Zutritt. Wer über 8 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstande ist, hat ebenfalls feinen Zutritt. Die Bezirksverwaltung. J. A: A. Werner. 62/20 Achtung! Bäckerei- Genossenschaft Hansangestellte! Charlottenburg u. Umgegend Sonntag, den 8. März, abends 7, Uhr, in den Industrie- Festfälen, Beuthstraße 20 1: Versammlung In allen Betrieben, in denen die vorstehenden Lohn- und Attordpreis- aller Köchinnen, Stüken, Haus- und Kindermädchen, erhöhungen am 7. März nicht zur Auszahlung gelangt find, ist sofort dem zu Mädchen für alles, Aushilfen, Diener, Wasch- und ständigen Obmann Meldung zu erstatten. Montag, den 16. März 1914: Die Ortsverwaltung. Wahl der Delegierten zum Verbandstage. Montag, den 30. März, abends 8 1hr, im Gewerkschaftshause, Saal 4: Ordentliche General- Verfammlung. Anträge müssen bis zum 20. März an das Bureau, Rungestraße 30, eingesandt werden. Die Ortsverwaltung. 84/10 Wichse Steckenpferd Geife mit Wichse von Carl Sauber& Sohn dann lebst auf glänzendem Fuße Du schon. zu haben in allen einschl. Ge schäften. Händler gesucht. Frankfurter Allee 16a. Segr. 1865. Fernipr. ft 12674 die beste Lilienmilchfeife fun, zarte weiße Haut Reinemadhefrauen. Tagesordnung: ( E. G. m. b. H.) Bilanz per 31. Dezbr. 1913. Aktiva. Utensilien- Konto Bespann- Konto Stations Stonto Anteil- Stonto 5. C. G. Bespann- Untoften- Stonto Spesen- Konto F Bäderel- Konto Spefen- Stonto B Raffa- Konto Vortrag des Herrn Störmer:" Der Kampf gegen die Detail- Konto Ungerechtigkeit." 48/4 Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Die Ortsleitung. Gäfte willkommen. Betriebskrankenkasse. Stadtgemeinde Berlin. Bekanntmachung. Für die am 16. März d. J. anstehende Wahl der Vertreter zum Aus schuß find 5 Wahlvorschlagslisten eingegangen, von denen die mit der Nr. 5 bersehene Lifte innerhalb der im§ 9 der Wahlordnung zugelassenen Frist zurüdgenommen iſt. Die übrigen 4 Wahlvorschläge sind geprüft, für richtig befunden und liegen von Wontag, dem 9. März 1914, in unserer Hauptlasse, Alexander Straße 89/40, von 9-1 Uhr, und den einzelnen Zahlstellen zur Einsicht der Beteiligten bestimmungsgemäß aus. Die eingereichten Wahlvorschläge haben folgende Ordnungsnummern erhalten: a) Wahlvorschlag durch Dumke eingereicht: Nr. 1 b) B Geipel # Wichura Stindt Berlin, den 3. März 1914. Der Vorstand 3: Gutzeit. Nr. 2 Nr. 3 Nr. 4 269/14 ber Betriebskrankenkaffe der Stadtgemeinde Berlin. Waren- Konto • 3305,89 " 797,30 450, 19,50 100, 316,20 6903,95 144, 3604,21 3468,20 1076,20 17082,45 Passiva. 540, 665, • 5600, 1125,94 900, • 958,28 6517,92 775,31 Mitglieder Guthaben- Stonto Kautions- Konto Darlehns- Konto Rabattmarken- Stonto Referbefonds- Konto Betriebsfonds Ronto Stonto- torrent- Stonto Dispositionsfonds- Konto 17082,45 Im Laufe des Geschäftsjahres ist tein Genoffe beigetreten und leiner ausgeschieden. Um 31. Dezember 1913 betrug die Mitgliederzahl 18 und das Mitgliedergut haben 640 M. Die Haftfumme von 540 M. hat sich nicht ver mehrt und nicht vermindert. 108/18 Der Vorstand Hermann Liebig. Ferdinand Junge. Buß' Ball- Salon 85, Gr.Frankfurter Str. 85. Grfter Osterfeiertag ist noch nuter günftigen Bedingungen an bergeben. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 2. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 98. Am 6. März verstarb unser Mitglieb Marie Liebers Bergmannstr. 2. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. 5. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, Seestraße und Müllerstraßen Ede aus statt. Um rege Beteiligung bittet 205/14 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Petersburger Viertel. Bez. 353 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Hermann Kaser ( Edertstr. 8) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 9. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/1 Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Am 6. März starb unser Mitglieb, der Bauarbeiter Hermann Kaser ( Bezirk Dsten II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 141/10 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Bezirk 818. Am Donnerstag, den 5. März, verstarb unser Genosse, der Friseur Paul Müller Soldiner Str. 17. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. März, nach mittags 5 Uhr, von der Leichendes Sophien Kirchhofs, halle Freienwalder Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/14 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Wilhelm Witske verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung erwartet 14/7 Die Bezirksleitung. Sozialdemokratischer Wahlverein Kreis Niederbarnim. Bezirk Weißenfee. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Genoffe Hugo Hackbarth am 6. d. M. nach langem schweren Beiden im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Gemeinde- Friedhofes, Röldestraße, aus statt. 18/1 Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für a. Reichst.- Wahikr. Niederbarnim. Bezirk Lichtenberg. Am Freitag, den 6. März, verfchied nach furzem, schwerem Leiden unser Mitglied, die Ge noffin Lucie Klose Glazer Str. 5a, Bezirk 19. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. März, nach mittags 14 Uhr, von der Leichenballe des Kirchhofes Lückstraße, aus statt. Um rege Beteiligung erfucht 14/8 Die Bezirksleitung. Deutscher Holzarheiter- Verband. Radfahrerfarten Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Knapp ( Potsdamer Str. 44) im Alter von 57 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. März, nachmittags 4, Uhr, von der Halle des Luisen Kirchhofes, Fürstenbrummer Weg, aus statt. 84/11 4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarheiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chauffeur Max Harz amt 5. d. Mts. im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth Stirchhofes, Brinzenallee, aus statt. 63/1 d Die Bezirksverwaltung. Verband der Sattler u. Portefeuiller Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Am 5. März starb unser Mitglied der Militärbranche Hermann Wedell Werkstatt Wunderlich. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. März, nachmittags 3 Uhr, auf dem alten Paulstirchhof, Seestraße, statt. 156/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarheiter- Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Oskar Dallmer Goldaper Straße 8, am 5. März an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen balle des St. Georgen- Stirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/5 Die Ortsverwaltung. Für bei bie liebevolle Teilnahme Beerdigung meines ich Wanderfarten hält stets vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69( Laden) Spezialarzt f. Haut, Harn, Franenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in ut. Co. fonz. Laborat. j Blut: Dr. Homeyer untersuchung., Fäden i. Harn usw. 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März, findet in den Armin empfundenen Worte unseren beiten hallen, Kommandantenstraße 58/59, eine fombinierte Versammlung statt. Dant. 14646. Tagesordnung: Gaukonferenz und Verbandstag. Königs- Wusterhausen, März 1914. 171/ 5* Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil nahme und Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes sorgsamen Vaters, des Gafte wirts Hermann Seidler fagen allen Verwandten und Bekannten insbesondere dem 4. Wahlkreis, dem 269. Bezirk, dem Verein der freien Gastwirte, den Stammgästen, den Sängern, sowie Herrn Dr. Schütte 882 Witwe Seidler nebst Kindern. Danksagung. unseren aufrichtigsten Dant. Die Ortsverwaltung. im Juli zu Zeltdach. Ganzer Sperrfit, zirka 1600 Personen, gegen Regen geschützt. Lohnender Nebenverdienst! Für Zuführung neuer Stunden erhält jeder bon mir hohe Brovision. Die Preise werden troydem nicht höher berechnet, da an jedem Stück der Preis in Zahlen deutlich vermerkt ist. 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Schwieger und Großbaters, des Bollzähligen Besuch erwartet deshalb Buzers 102 Karl Kemmerich fagen wir hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Mitgliedern des Deutschen Bauarbeiterverbandes, Settion der Buzer, sowie den Mitarbeitern des Baugeschäfts Gärtner Mahlsdorf und dem Wahlberein Mahlsdorf unseren innigiten Dank. Mahlsdorf, Höhnower Str. 168. Wwe. Marie Kemmerich geb. Seller nebst Kindern. MöbelKredit Beim Kauf hierfür 3 M. gut! Bis 20. März 5 Proz. Nachlaß bei jedem Stauf! Bevor Sie fich Möbel kaufen, fehen Sie sich meine für 265 Mart zufammengestellte solide Wohnungseinrichtung an. Anzahlung 20 Mart, Abzahlung ganz nach Uebereinfunft. Ehrlich, Alte Schönhauser Str. 32. 169/5 Die Ortsverwaltung. Zur Beachtung! Bom 15.- 31. März find die Mitgliedsbücher im Bureau zur Kontrolle einzureichen. Rückständige Beiträge bitten wir ums gehend zu begleichen. Gardinen. 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Seitdem ich Ihren Inhalator ge Alle Bedenken, jeder Zweifel muß schwinden, wenn Sie fol- oft um die Nachtruhe brachte. braucht, ist weder Schnupfen noch Katarrh wiedergekehrt, so daß ich Warum quälen Sie sich jahraus, jahrein mit diesem für Sie und gendes lesen: Ihre Mitmenschen ebenso lästigen, wie gefährlichen Zustande, der Ich litt über 25 Jahre an einem efligen Nasen- und Rachen- in der Weihnachtswoche des vergangenen Jahres 18 Reden ohne Sie vieler Genüsse beraubt, Ihnen beständig Sorge und dauernd tatarrh als Folgefrankheit der Influenza, in den letzten Jahren die geringste Anstrengung und ohne irgendwelche Folgen halten Ausgaben verursacht? Warum machen Sie es nicht wie Tausende stellte sich Atemnot ein. Nach vierzehntägigem Gebrauch Ihres fonnte. Ihrer Leidensgefährten, die langjährige Dauerkatarrhe durch den Lancréschen Inhalator nach furzem angenehmen Gebrauch glüdlich losgeworden sind und lachend an die Zeit des ewigen Schnupfens, permanenten Räusperns, der raffelnden Sprache, des pfeifenden Atems, der ftets heiseren Stimme, unausgefekter Verschleimung und anderer ähnlicher Erscheinungen zurüddenken. Das sind noch die geringeren Uebel dieser Art. Es müßte aber allen Katarrhträgern zum Bewußtsein gebracht werden, daß jede diefer Symptome sich langsam zu einem bösen Spezialleiden auswachsen kann. So unterscheidet man, je nachdem die virulente Brut der Katarrhbazillen( denn ihre Ursache sind in der Tat meistens Ansteckungsteime) ihren Siz haben: Kehlkopfkatarrh, Bronchialkatarrh, Nasen-, Rachen, Luftröhrenkatarrh, Asthma, Emphysem. Diese Form des echten Tancré- Inhalators merken Sie sich, da viele Nach ahmungen im Handel! Ueber 14000 Anerkennungen von Aerzten u. Patienten" Ich kann diesen Inhalator jedem Halsleidenden aufs wärmste empfehlen. Linderode N.-L., im Januar 1914. Pastor und Königl. Kreisschulinspektor Anders. Nur eins müssen Sie beachten, Sie müssen den echten TancréInhalator Modell B bestellen und genau unsere Adresse Firma Carl A. Tancré, Wiesbaden D. 61 schreiben, es gibt viele Nachahmungen, die minderwertig sind. Beachten Sie diesen Hinweis, der in Ihrem eigenen Interesse liegt, Sie werden uns später dafür danken. Der Original- Tancré- Inhalator koftet mit vollständiger Ausrüstung einschließlich einer Flasche Juhalationsflüffigkeit nur Mark 8.85 gegen Nachnahme. Ein Apparat genügt für viele Jahre, lassen Sie nicht wieder den heutigen Tag ungenutzt verstreichen und bestellen Sie sofort einen Apparat. 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Martens. es Ihnen sagen, Sie haben aus irgendeinem Grunde ein VorIhr Tancré- Inhalator hat mir in furzer Zeit vortreffliche Dienste urteil, Sie sollten aber dann einmal Ihren Arzt fragen über den Im offenen Briefumschlag mit 3 Pfennig frantieren. altbewährten Tancré- Inhalator, der wird Ihnen sagen: den tönnen geleistet, Ich hatte mir im Jahre 1910 bei Revision einer Schule Sie mit bester Aussicht auf Erfolg benuzen, denn 14 000 Gutachten in einem eiskalten Schulhause eine schwere Nachen- SchleimhautBerantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Zb. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärta Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S Burg, Bez. Bremen. Wohnort: Genaue Adresse:. Nr. 66 31. Jahrgang. 6. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Soziales. Eine Frreführung der Arbeiter. räumen. Sonntag, 8. März 1914. berzichtet werden, so kann die Krankenkasse nicht gezwungen wer- durch einen plötzlich erfolgten Einsturz von Kohlenmassen drei den, weiteren Angestellten einen Ruhegehaltsanspruch einzu- Bergleute verschüttet. 3wei fonnten gerettet werden, der dritte blieb tot.. Jm unterirdischen Betrieb der Zeche„ Königsgrube" in Röhlingshausen wurden zwei Bergleute durch niedergehende Gesteinsnassen verschüttet. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. Die antifoziale Wirkung der ministeriellen Grtaffe fällt auf Die Freifinnige Zeitung"," Kölnische Volkszeitung", die machthungrige Staatsbureaukratie zurüd. Es wird aber die „ Schlesische Volkszeitung" und einige andere Blätter drucken Angestellten nicht zu hindern brauchen und nicht hindern können, unter der Ueberschrift„ Eine Frreführung der Arbeiter durch Mittel und Wege zu suchen, eine ähnliche Versorgung für sich und den Vorwärts"" eine den Interessen der Unternehmerklasse ihre. Hinterbliebenen außerhalb des Dienstverhältnisses zu, crdienende Korrespondenz ab, die behauptet, unsere in der langen. Nummer vom 3. März dargelegte Ansicht sei falsch, nach der der Arbeiter ein Recht habe, Zahlung statt wertloser Papierschnigel zu verlangen. Es gehört eine starke Dosis von Unfenntnis der gesetzlichen Vorschriften dazu, zu leugnen, daß unsere Ansicht die dem Gesetz allein entsprechende ist. Wie liegt die Rechtslage? Bereits am 11. August 1912, 13. März und 3. April 1913 hatten wir gegenüber den Drohungen einiger Handelskammern und der Arbeitgeberzeitung", den Arbeitern statt Lohn Papiergeld aufzuhalsen, Stellung nehmen müssen.§ 115 der Gewerbeordnung schreibt flipp und klar vor: " Die Gewerbetreibenden find verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen." Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntagnachmittag 2, Uhr: Hänsel und Gretel. Die Puppenfee. Abends: Mignon. Montag: Sinfoniekonzert. Dienstag: Ein Maskenball. Mittwoch: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Samson und Dalila. Freitag: Der Freischüß. Sonnabend: von Bortici. Montag: Bohème.( Anfang 7, Uhr.) Die Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Sonntag: Die Stumme Geschlossen. Dienstag: Peer Gynt.( Anfang 7 Uhr.). Mittwoch: Ariadne Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Beer Gynt. 2. Abend. Montag: auf Nagas. Donnerstag: Urjel Acosta. Freitag: Beer Gynt.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Die Venus mit dem Papagei. Montag: Peer Gynt.( Anjang 7 Uhr.)( Anfang 7, Uhr.) Sonnabend, Sonntag: Baterland.( Anfang 8 Uhr.) Neues Opern Theater( Kroll). Sonntag, Montag, Mittwoch Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Benedig. Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Romeo und Julia. Mittwoch: König Lear. Donnerstag: Hamlet. Freitag: Was Ihr wollt. ( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Kaufmann von Benedig. Sonntag: Stönig Lear. Montag: Was Ihr wollt. Unjang 7 Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Vom Zeujel geholt. Montag: WetterDienstag: Der Snob. Mittwoch: Vom Teufel geholt. leuchten. Sonnabend Donnerstag: Der Snob. Freitag: Bom Teufel geholt. und Sonntag: Der Snob. Montag: Bom Teufel geholt.( Anfang 8 Uhr.) 8 Uhr.) Eine Woche Haft für Uebertretung der Konkurrenzklausel. Der Kampf, den die Berliner Wach- und Schließgesellschaft schon seit längerer Zeit gegen ihren durch die Konkurrenzklausel gebundenen früheren Alquifiteur 8. führt, hat gestern vor der fünften Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts zu einem Resultat geführt, wie es eben nur unter den zurzeit noch geltenden gesetzlichen Beſtimmungen möglich ist. Der verklagte Afquifiteur hatte bei seinem Ausscheiden aus dem Betriebe der Klägerischen Geſellſchaft kein Hehl daraus gemacht, daß ihm als Familienvater nichts anderes übrig bleibe, als in dem Fache weiterzuarbeiten, in welchem er eingearbeitet sei. Die Feststellungsklage der Gesellschaft wurde seinerzeit vom Kaufmannsgericht abgewiesen, weil die Konkurrenzklausel als sitten wibrig erachtet wurde, das Landgericht hob aber das Urteil auf und stellte fest, daß das Konkurrenzverbot gültig sei. Nunmehr beantragte die flägerische Gesellschaft die Androhung einer In den weiteren Paragraphen, insbesondere in den Strafe für den Fall der llebertretung, und das Kaufmannsgericht §§ 116, 117 schreibt die Gewerbeordnung vor:„ Arbeiter, deren gab dem Antrage auch statt, indem es dem Beklagten eine HaftForderungen in einer dem§ 115 zuwiderlaufenden Weise be- ftra fe von einer Woche für jeden Fall der Hebertretung anLeffing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhardi. richtigt worden sind, können zu jeder Zeit Zahlung nach Maß- drohte. Inzwischen hatte die Gesellschaft herausbekommen, daß der Abends: Beer Gynt.( Anf. 7%, Uhr.) Montag: Pygmalion. Dienstag: gabe des§ 115 verlangen, ohne daß ihnen eine Einrede aus Beklagte trotz der Strafandrohung für Konkurrenzunternehmungen Beer Gynt.( Anf. 7%, Uhr.) Mittwoch: Pygmalion. Donnerstag: Beer Aufträge bermittelt. Sie beantragt in der jezigen Verhandlung, Gynt.( Anfang 7% ühr.) Freitag: Pygmalion. Sonnabend und Sonndem an Zahlungsstatt Gegebenen entgegengesezt werden kann." daß das Kaufmannsgericht wegen lebertretung in einem Falle auf tag: Beer Gynt.( Anfang 7% Uhr.) Montag: Pygmalion.( Anfang Ueber die Auslegung des§ 115 bestehen nun drei Ansichten. Die Strafe ertennen möge. Der beklagte Afquifiteur war nicht erDie eine, die auch wir vertreten, geht dahin, daß unter" bar" schienen, er soll sich zurzeit außerhalb Berlins aufhalten. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: 28ie einst im Mai.( Anfang 8 Uhr.) Zahlung in Metallgeld zu verstehen ist. Diese Ansicht wird Nach langer Beratung verkündete der Vorsitzende Magistrats- Theater in der Königgräßer Straße. Sonntag: Die Trenkwalder. auch von dem hervorragendften Kommentator der Gewerbe- affessor Dr. Hentschel folgenden Beschluß: Der Beklagte 3. wird zu Montag: Die Stronbraut. Dienstag: Die Trentwalder. Mittwoch: König ordnung, Landmann, vertreten. Danach ist eine Zahlung einer Woche Haft berurteilt. Nachdem das Landgericht Richard III.( Anjang 7%, Uhr.) Donnerstag: Die Trenkwalder. Freitag: Sonnabend und Sonntag: Die Trenkwalder. in Papiergeld( Banknoten oder Reichstassenscheinen) unzulässig. durch rechtskräftig gewordenes Urteil das Stonkurrenzverbot als zu Die fünf Frankfurter. ( Anfang Uhr.) Eine zweite Meinung will auch Reichsbanknoten( nicht Recht bestehend anerkannt hat, blieb dem Kaufmannsgericht in dem Montag: Brand.( Anfang 7 Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Schirin Rechtsstreit nur noch die Rolle der Vollstreckungsinstanz. Das GeNoten der Privatbanken oder Reichstassenscheine) als Zahlungs- richt, so heißt es weiter in der Begründung, hat sich nur aller- Dienstag: Cafard. Mittwoch: Das Phantom. Donnerstag bis Sonntag: und Gertraude. Abends: Casard. Montag: Der Bogen des Odysseus. mittel zulassen, weil die Novelle zum Reichsbankgesetz vom schwersten Herzens dazu entschließen fönnen, auf Haftstrafe zu er- Cafard. Montag: Der Bogen des Odysseus.( Anfang 8 Uhr.) 1. Juni 1909 den Reichsbanknoten( 20, 50, 100, 1000- Marf- fennen, es nimmt auch feinen Anstand, zu erklären, daß es grund- Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich: scheine) die Eigenschaft eines geseglichen Zahlungs fäßlich der Verhängung von Haftstrafen abgeneigt ist. In diesem Kammermusit.( Anfang 8 Uhr.) Theater an der Weidendammbrücke. Sonntagnachmittag 3 Uhr: mittels beigelegt hat. Diese Ansicht ist für den Arbeiter Falle indeffen würde für 3. der selber erklärte, eine Geldstrafe nicht ungefährlich. Anders steht es mit der dritten, von der Arbeit- zahlen zu können, die Geldstrafe ein Schlag ins Wasser gewesen Wer zuletzt lacht. Abends, Sonntag, Montag, Dienstag: Reformtänzerin. Allabendlich: Der müde geberpresse verbreiteten Auslegung des§ 115 der Gewerbe- fein, und das Kaufmannsgericht mußte auf Haftstrafe erkennen, Mittwoch und Donnerstag: Ber zuletzt lacht. Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Bar und ordnung. Sie meint, auch in Noten von Privat- wollte es das landgerichtliche Urteil nicht zur Farce herabgewürdigt Theodor.( Anfang 8 Uhr.) Der Vertreter gibt schließlich noch die Erklärung ab, daß gimmermann. Abends: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Martha. banken oder in Reihstassenscheinen dürfe der Arbeitgeber zahlen. Diese total irrige und dem Gesetz wider- er während der Haft des Beklagten für dessen Ehefrau sorgen werde. Dienstag: Mandragola. Mittwoch: Die Meistersinger von Nürnberg.( UnFreitag: Fidelio. sprechende Interpretation suchte der Handelsminister in einem Bei der Androhung der Strafe hatten wir schon herbor- fang 7 Uhr.) Donnerstag: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Martha. Sonntag: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Montag: im März v. J. offiziös veröffentlichten Gutachten zu unter- gehoben, daß der Beschluß des Kaufmannsgerichts ein außer- Mandragola.( Unjang 8 Ubr.) Lustspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Charleys Tante. Allstügen. Er berief sich auf eine Entscheidung des Obertribunals ordentlich bedauerlicher, antisozialer ist. Er bedeutet eine bom 2. Juni 1874 und eine Reichsgerichtsentscheidung vom Sonderstrafe gegen jemand deshalb, weil er arm ist, er geht Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der liebe 27. März 1888. Beide Entscheidungen besagen aber das gegen den, der arm ist, deshalb, weil er arm ist, mit FreiheitsThalia Theater. Allabendlich: ( Anfang Die Tangoprinzessin. birekte Gegenteil. Sie legen dar, daß auch der beste Wechsel strafe vor. Darüber hilft das allerschwerste Herz" der Richter teine Bezahlung sei, weil er dem Inhaber nur einen nicht hinweg. Ruhige Ueberlegung hätte ihnen die Androhung Uhr.) Residenz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Frau Präsi Anspruch auf Zahlung der Wechselsumme gewährt, einer Haft verbieten müssen. dentin. Allabendlich: Der Regimentspapa.( Anfang 8 Uhr.) Trianon- Theater. einen Anspruch, zu dessen Realisierung es erst einer RechtsSonntagnachmitfag 3 Uhr: Die Liebe wacht. Allabendlich: Er und der Andere.( Anfang 8 1hr.) handlung bedarf, er stellt also diese Summe nicht in sich und unmittelbar dar". Dasselbe trifft auf Reichstassenscheine( 5 und 10 Mart- Scheine) zu. Sie sind fein Bargeld, sondern Anweisungen auf Geld. Die Nach amtlichen Meldungen sind die Leichen sämtlicher Reichstasse ist verpflichtet, die Scheine für Rechnung des Reichs bei der Lawinenkatastrophe berunglüdten Stiauf Erfordern gegen bares Geld einzulösen. Der fahrer geborgen und nach Trafoi gebracht worden. In neueste Kommentar zur Gewerbeordnung vom Senats dem amtlichen Bericht des Leutnants Gaidof über das Stiunglüc präsidenten Dr. Georg Lindenberg führt dem heißt es: Um 4 Uhr nachmittags, als die Spitze der Abteilung entsprechend mit Recht aus, daß mit Zustimmung des unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln ungefähr hundert Arbeiters auch in anderen Geldsurrogaten, z. B. Reich& Meter unterhalb des Tabaretta- Joches angelangt war, wich die tassenscheinen, gezahlt werden kann, läßt sich nach dem ganze Schneedede und setzte sich in Bewegung. Leutnant Wortlaut des§ 115 nicht rechtfertigen." Gaidof hörte bei vollkommener Finsternis nur ein furchtbares Donnern und Sausen. Einige Zeit konnte er sich auf der Oberfläche der Lawine behaupten. Als aber von der Tabaretta- Spike Die fapitalistische Presse geht jetzt noch weiter. Wir Hatten dargelegt, daß nach amtlicher Mitteilung bei den fehen. Aus aller Welt. Bergung der Opfer des Lawinensturzes. abendlich: Die spanische Fliege.( Anfang 8 Uhr.) Augustin. Allabendlich: Polenblut.( Anfang 8 Uhr.) 8 $ Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die heitere Residenz. Allabendlich: Jettchen Gebert.( Anfang 8 Uhr.) Schiller Theater O. Sonntagna mittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Abends: Hasemanns Töchter. Montag: Das Glück im Winkel. Dienstag: Weh' dem, der lügt. Mittwoch: Das Glüd im Winkel. Donnerstag: Andreas Hofer. Freitag: Das Glüd im Wintel. Sonnabend: Web dem, der lügt. Sonntag und Montag: Das Glück im Winkel.( Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Andreas Hofer. Das Glüd im Winkel. Mittwoch: Die Maschinenbauer. Donnerstag: Das Abends und Montag: Die Maschinenbauer. Dienstag: Glück im Winkel. Freitag: Die Maschinenbauer. Sonnabend: Das Glück im Winkel. Sonntag und Montag: Die Maschinenbauer.( Anfang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Kino- Königin. Allabendlich: Fräulein Trallala.( Anfang 8 Uhr.) Neues Volkstheater.( Neue Frete Voltsbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Michael Kramer. Abends: Drei Courteline= Gingfter. Dienstag ab: Frau Warrens Gewerbe.( Anfang 8, Uhr.) Walhalla Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Von Lohnzahlungen in größeren Betrieben verschlossene Lohndüten eine zweite Lawine nieberging, wurde er von dieser begraben und abends Operetten Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fleder mit Hartgeld und Papiergeld ausgegeben sind, daß dann weiter bergabwärts gerissen. Er verlor aber nicht die Besinnung die Lohndüte zerrissen und die Lohndüte mit dem noch darin und konnte sich an die Oberfläche emporarbeiten. Das Schneefeld befindlichen Teil eines Kaffenscheins fortgeworfen ist. Ersatz war vollkommen leer. Erst nach einiger Zeit bemerkte er etwas haben. die Reichskaffen nicht geleistet, weil der nicht fort- höher einen Landesschüßen, dem es ebenfalls gelungen war, sich geworfene Teil des Kassenscheins weniger als die Hälfte eines aus dem Schnee herauszuarbeiten. Diese beiden bemühten sich nun Scheines betrug. Wir hatten mit Recht die geschädigten Ar- sofort um die verunglückten Kameraden. Leutnant Gaidof hörte beiter darauf hingewiesen, daß sie Anspruch auf die nach- in seiner Nähe ein Röcheln und scharrte mit der Hand den Kopf trägliche Zahlung in bar nach§ 115, 116, 117 GD. haben. eines noch lebenden zweiten Landesschüßen aus dem Schnee herDiesen Anspruch der Arbeiter muß nach§ 2 des aus. Bei weiteren Bemühungen gelang es den Neberlebenden, noch Lohnbeschlagnahmegesetzes und den angeführten Vor- zwei Kameraden aus dem Schnee zu befreien. Den Oberleutnant schriften der Gewerbeordnung der Richter selbst dann Löschner, den sie ebenfalls auffanden, konnten sie nur als Reiche aus anerkennen, wenn er unerklärlicherweise der durchaus hin- dem Schnee herausgraben. Um 8 Uhr abends, als bereits boll fälligen Ansicht folgt, mit Reichstassenscheinen dürfen Lohn- ständige Dunkelheit eingetreten war, stellten die Geretteten die Hartgeld und Scheine in einer Tüte überreichen läßt, ist an frühen Morgen des nächsten Tages tamen dann die ersten Berder Vernichtung der Scheine schuld. Wir können die Arbeiter gungsmannschaften aus Trafoi und den anderen Ortschaften an nur davor warnen, sich von den kapitalistischen Soldschreibern der Unglüdsstelle an. irreleiten zu lassen, die dem Arbeiter Papierscheine statt Lohn aufdrängen wollen. Solche Art Zahlung ist unzulässig und ftrafbar. maus. Alabendlich: Jung- England.( Unf. 8 Uhr.) Montag und Dienstag: Die Maschinenbauer von Berlin. Mittwoch: Im Nose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends, weißen Rözl. Donnerstag bis Sonntag: Die Maschinenbauer von Berlin. Montag: Romeo und Julia.( Anfang 8 Uhr.) Theater am Nollendorfplatz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Abends, Montag und Dienstag: Prinzeß Grett. Mittwoch bis Sonnabend: Russ. Ballett. Sonntag und Montag: Prinzez Gretl.( Anfang 8 Uhr.) Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Freund der Armen. bends: Deines Bruders Weib. Montag bis Sonnabend: Unser Junge. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Ein Freund der Armen.( Anfang 8%, Uhr.) Kasino Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mädchenehre. All abendlich: Die olle Webern.( Anfang 8 Uhr.), Folies Caprice. Allabendlich: Café Pingsheim. Der Heiratsgraf. Uhr.) 3 zahlungen erfolgen. Denn der Arbeitgeber, der Arbeitern Arbeit ein und nächtigten in der nahegelegenen Edelweißhütte. Am Meyersteins.( Anfang 8 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hart Schuhriegelung der Kassenangestellten. Eine soziale Tragödie in Spanien. In Turon, einem Dorfe der Provinz Granada spielte sich eine schredliche Tragödie ab. Der Arbeiter Emilio Castillo, verheiratet und Vater von neun Kindern, war durch ArbeitsDie vom Handelsminister für Preußen gegen das Selbstverlosigkeit in ein solches Elend geraten, daß er zur Ernährung seiner waltungsrecht der Beamten herausgegebenen Grlaffe benutzt das Familie lediglich auf Kräuter und Wurzeln angewiesen von einigen Kaffen gewährte, von anderen in Aussicht genommene war, die er selbst suchte. In Uebereinstimmung mit seiner Frau Pensionsrecht von Kaffenangestellten dazu, jest diese Sassenange- tötete er sie, indem er ihr den Kopf vom Rumpfe trennte, stellten unter die Botmäßigkeit des Landrats und der Bürger- hierauf durchschnitt er sich selbst die Gurgel. Die Kinder hatte meister zu bringen und den Einfluß der Arbeitgeber und Arbeiter das Ehepaar währenddem weggeschickt. Als sie nach Hause kamen, lahmzulegen. Denn zu Beamten wird erklärt, wer ein Anrecht fanden sie ihre Eltern tot auf. auf Ruhegehalt hat. stein, der Stolz der dritten Kompagnie.( Unf. 8 Uhr.) Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Blißmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.( Anfang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 32 Uhr und allabendlich: Spe zialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Stettiner Sänger.( Anfang 8 Uhr, Sonntags 72 Uhr.) Reichshallen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr sowie allabendlich: Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 7 Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 3%, Uhr und allabendlich 72 Uhr: Galavorstellung. Gebr. Herrnfeld Theater. Allabendlich: Die von oben und unten. ( Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Die lustige Puppe.( Anfang 8 Uhr.) Berliner Gispalast. Im Krug zum grünen Seranze.( Anf. 9 Uhr.) Cines Palast am 300. Varieté Lichtspiele. Täglich: 6 Uhr. Cines Nollendorf- Theater. Barieté- Lichtspiele. Täglich: 6%, und 9 Uhr. Urania Theater. Sonntag und Montag: Hochspannung. Dienstag: Wissenschaft und Verbrechen. Mittwoch und Donnerstag: Hochspannung. Freitag: Geisha und Theater in Japan. Sonnabend: Hochspannung. Sonntag und Montag: Unbestimmt.( Anfang 8 Uhr.) Stationen Da das Pensionsrecht für die Erdrosselung der SelbstverKleine Notizen. waltung herhalten soll, so hat der ministerielle Borstoß ferner den Bootsunglück. Auf der Ostsee tenterte am Freitagabend ein jozialen Nachteil für die Angestellten, daß ihnen Ruhegehalt nicht mit vier Filmern befestes Boot. Die Fischer Julius Bollgewährt werden kann, wenn sie nicht unter die Beamtenfuchtel gaemm und Julius May aus Groß- fuhren( Samland) tommen sollen. Selbstverständlich kann kein Arbeiter und fein ertranfen. Die anderen Fischer konnten gerettet werden. Die Arbeitgebervertreter solcher scheinbaren sozialen Fürsorge zu- beiden Ertrunkenen hinterlassen zahlreiche Familien, einer von ihnen acht Kinder. stimmen, angesichts der überaus nachteiligen Wirkungen des RuheEin Zirkus niedergebrannt. In Kopenhagen brannte am gehaltsanspruchs für die Angestellten wie für die Staffen. Ebenso Sonnabend früh ein Zirkusgebäude, in dem gegenwärtig Varieté wenig wie die Arbeiter, werden die Arbeitgeber Neigung zeigen, boritellungen gegeben werden, bis auf die Grundmauern nieder. auf das erhebliche Maß ihrer Rechte zugunsten der Staatsbureau- Die Feuerwehr mußte fich darauf beschränken, die durch den heftigen Swinembe. fratie zu verzichten, das sie durch die Reichsversicherungsordnung Sturm gefährdeten Nachbargebäude zu schützen. Der Schaden beläuft Hamburg Berlin erlangt haben; eine Verständigung wird mit den Arbeitgebern in sich auf etwa zwei Millionen Kronen. der Regel gefunden werden. In ihrem eigenen Interesse werden aber auch die Angestellten gern auf solches Danaergeschenk verzichten, auch dann, wenn ihnen aus einem vor dem 1. Januar 1914 geschlossenen und noch gültigen Vertrage ein Recht darauf zusteht. Sollte aber in Einzelfällen nicht auf diesen alten Vertragsanspruch rantj. a. Witterungsübersicht vom 7. März 1914. Barometer tand mm Windcichtung Bindstärke Better Kemp. n. 6. 5° C. 4° R. Stationen Barometer Stanb mm Wind sichtig Bindflärle Better Kemp. n. Wot- Bob! 2 moltig 5 1 Schnee 3 4 Petersburg 7380 4 Scilly Haparanda 743ND 755 NW 6 mollig 10 5 wolkenl 3 73723 7 Regen 742S6woltig 2 743 28 751 München 752 Wien 7 Aberdeen 745 WNW 7 Paris 756 3 bedeckt 11 8 heiter 6halb bd. Unglücksfälle bei der Arbeit. Auf der Friedrich- Alfred- Hütte" 4 bedeckt 747 23 stürzte ein Montagearbeiter von dem Gebäude, an dem er be4 halb bd. 10 schäftigt war, 18 Meter in die Tiefe und war sofort tot. Wetterprognose für Sonntag, den 8. März 1914. Auf demselben Wert tam der Schlosser Schmidt einer Start. stromleitung zunahe und wurde ebenfalls fofort gespäter wieder zunehmende Erwärmung, Bewöltung und geringe Nieders Zunächst etwas fühler, vielfach heiter bei schwächeren westlichen Winden, istet.- Auf der Beche Maximilian" in Mart( Westf.) wurden faläge. Berliner Wetterbureau ( Siehe Wochen- Spielplan.) Freie Boltsbühne. Sonntag, 8. März, Nachm. 22 Uhr: Deutsches Theater: Der lebende Leichnam. nachm. 3 Uhr: Neues Bollstheat.: Michael Stramer. Herrnfeld- Theater: Hinterm Zaun. Abendvorstellungen für die Abteilungen 16-20 im Neuen Boltstheater 8, Uhr von Diens tag, den 10. März, bis Sonnabend, den 14. März: Frau Warrens Gewerbe. Neue Frete Volksbühne. Sonntag, 8. März 1914, nachm. 2, Uhr: Rammerspielhaus: Die Einnahme von Berg- op- Boom. Nachm. 3 Uhr: Deutsches Opernhaus: Bar und Bimmermann. Schiller Theater Charlottenb.: Andreas Hofer. Thalia- Theater: Bater und Sohn. Schiller- Theater O.: Geschäft ist Gefchäft. Theater und Vergnügungen URANIA Deutscher Arbeiter- Wanderbund Taubenstraße 48/49. Sonntag und Montag 8 Uhr: Direktor A. Fürst: Hochspannung. Hörsaal 8 Uhr: Konstr.- Ing. A. Keßuer: Eisenund Metallgießerei. ZOOLOG ischer Garten Täglich ab 4 Uhr: Großes Konzert. Eintrittspreise: Aquarium: Heute: ZOO: 50 Pf. Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Neu! Neu! AQUARIUM 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. 99 Die Naturfreunde". Ortsgruppe Neukölln. Sonntag, den 8. März 1914, in A. Bartsch's Festsälen, Neukölln, Hermannstraße 49: Wenn wir wandern.. Großer Lichtbildervortrag mit hundert Bildern nach Originalaufnahmen des Vortragenden Gen. Georg Krämer. 1. Teil. Durch die Uckermark. Kloster Chorin; Naturschutzpark Plagefenn; Prenzlau; Templin. 2. Tell. Rügen. Auf dem Dampfer; Am Strande; Saßnits; Stralsund. 3. Tell. In der Juninacht. 1/3 Havelberge; Am märkischen Bee; Sonnenaufgang n. a. Nach dem Vortrage: Tanzkränzchen. Einlaß 6 Uhr. Eintritt 30 Pfennig. Anfang 7 Uhr. stone borila bens Admiralspalast. Herren, die daran teilnehmen, sahlen 50 Pfennig nach. Theater a. Nollendorfplatz: Drpheus in der Unterwelt. Metropol Theater: Ein Blizmädel. Berliner Theater: Große Nofinen. Montis Dperetten- Theater: Fledermaus. Die Trianon- Theater: Die Liebe wacht. Theater in der Königgrägerstraße: Das Lebensfest. Nachm. 3, Uhr: Blithner- Saal: Sinfonie- Stonzert. Abends 8 Uhr: Neues Boltstheater: Cinatter- Abend. Abends 8, Uhr: Reues Boltstheater: Montag: Einafter- Abend. Eis- Arena. Heute 2 Vorstellungen nachm. 5 Uhr, abends 29 Uhr: Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Eise. Wein- u. Bier Abteilung. Passage- Panoptikum. Der englische Schiller- Theater 0. Riese ( Wallner- Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter. Montag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. CharlottenSchiller- Theater burg. Sonntag, mittags 12 Uhr: Kammermusik. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andreas Hofer. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. 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