Nr. 68. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis prănumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 m wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Jn In der Roten Woche für die Rote Presse! Dienstag, den 10. März 1914. Aber, so wendet der noch nicht Gefestigte ein, der„ Borwärts" bietet meist zu schwere Kost und nicht genug Lesefutter für die Frauen und die Indifferenten. Es ist richtig, und wir bekennen uns zerknirscht dieser Todsünde schuldig: der Vorwärts" bringt nicht tagtäglich ein spaltenlanges Stimmungsbild über das epochale Ereignis des Sechstagerennens. Er verrät seinen Lesern auch nicht die neuesten Tips für PferdeEs hieße vernünftige Menschen beleidigen, wollte man rennen, auf die sie ihre sauer verdienten Groschen am rascheihnen die Bedeutung der Presse erst noch auseinandersetzen. sten los werden können. Der„ Vorwärts" bringt auch keinen Unter den ersten, wichtigsten Forderungen der alten bürger- Sofflatsch, keine Schauspielerhistörchen, keine Skandalchronik lichen Demokratie schon spielte die Forderung der zenfurfreien, aus der Gesellschaft, kein Geschwätz über die hohe Politik des polizeilich unkaſtrierten Presse eine ganz besondere Rolle. Auslandes, wie es in prätentiöser Aufmachung ganze Seiten Und es war ein gewaltiger Erfolg des fortschrittlichen Geistes, unserer bestgemachten" Blätter ausfüllt. Saben doch unsere als man endlich dem vormärzlichen Polizeistaat eine gewisse Beitungsindustriellen ebensogut wie die Herren Ladenbesitzer Preßfreiheit abgetrozt hatte. Wußten doch die Reaktionäre so begriffen, daß es weniger auf die Qualität der geführten Ware gut wie die Vorfämpfer der Preßfreiheit, daß die bleiernen ankommt, als auf die geschickte Aufmachung, die SchaufensterSoldaten Gutenbergs ein forscheres, unbesieglicheres Sturm- dekoration. torps darstellten, als die trefflichst gedrillten Leibgardisten des ancien regime, mochten diese noch so steife Halskragen und noch so tadellose Gamaschen tragen. In der Schaufensterdekoration kann und mag allerdings die sozialdemokratische Presse nicht mitmachen. Für plumpe Anreißereien hält sie sich zu gut. Ihre Pflicht und ihr Stolz ist es, die wahren Interessen der Arbeiterklasse ehrlich und nachdrücklich zu vertreten. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplats, Mr. 1984. Die Kolonialpolitik. Sonnabend den Reden über seinen Etat schweigsam zugehört hatte, nahm heute das Wort zu einer Art Berichterstattung und Pronahm heute das Wort zu einer Art Berichterstattung und Programmerklärung. Herr Dr. Solf ist unter allen Staatssekretären, die Herrn v. Bethmann Hollweg umgeben, eine beinahe eigenartige Erscheinung. Im Ton fonziliant und liebenswürdig, in feinem Vortrag geschickt, und flar in seinen Auseinandersetzungen, hebt er sich vorteilhaft von seinen Kollegen ab, die in ihrem Auftreten und in ihrer Haltung meistens nur den mehr oder weniger fachkundigen Bureaukraten hervortreten lassen. Diese Gerechtigkeit muß man dem Leiter der Kolonialverwaltung zuteil werden lassen, fellbst wenn es richtig ist, daß er auf seine Methode nur versuchen den größten Erfolg zu sichern. So wird es ja freilich sein, und will, den Gegner nach Möglichkeit zu entwaffnen und seiner Politit nicht anders sind wohl auch die Komplimente aufzufassen, die Herr Dr. Solf öfters hörbar genug an die Adresse des Parlaments richtet. Der Staatsjeretär des Reichstolonialamts, der am Der Staatssekretär gab von den deutschen Schuhgebieten, denen er im letzten Jahr seinen Besuch abgestattet hat, eine höchst optiWie sehr die Reaktion auch heute noch die freie Presse mistische und günstige Schilderung. Er unterstrich die Entwickelung, fürchtet, beweist am besten die zärtliche Aufmerksamkeit der die sie genommen haben, aber all seinen Darstellungen folgte alsHerren Staatsanwälte, die ja von Amts wegen dafür zu Nicht, daß nicht auch sie und gerade sie den höchsten bald der sehr deutlich gewollte Schluß, daß dieser Fortschritt, den sorgen haben, daß der Weizen der Meinungsfreiheit und des Anforderungen an Stil und Inhalt zu erfüllen suchte. Daß gleichen, unterstützt und gefördert werden müsse. Selbstverständlich er so sehr hervorhob, durch weitere Arbeiten, Bahnbauten und derdemokratischen Selbstbewußtseins nicht allzu üppig in die das Feuilleton der sozialdemokratischen Presse dichterisch und konnte Herr Dr. Solf auch nicht an den Scheußlichkeiten vorüberHalme schießt. Jedesmal, wenn der Hagel staatsanwaltlicher fritisch unendlich viel höher steht, als das Feuilleton auch der gehen, die noch immer an den Eingeborenen in den deutschen Aufmerksamkeiten und sanftmütiger richterlicher Ver- besten bürgerlichen Blätter, dürfte in ernsthaften literarischen Schuhgebieten verübt werden; er suchte indessen ihre Bedeutung mahnungen mit besonderer Vehemenz in die Freiheitssaaten Kreisen kaum irgendwelchem Widerspruch begegnen. Aber nach Möglichkeit einzuschränken, und versprach auch Abhilfe, wo herniederprasselt, ist das ein Zeichen, wie unbequem das erst recht auf politischem Gebiete sucht die sozialdemokratische Mängel und Mißstände verzeichnet werden. Er spricht sich beispiels. herrschende Regiment die Tätigkeit der freien und ehrlichen Preise ihren Mann zu stellen. Was sie an prinzipieller Kenn- weise gegen den Arbeitsawang aus, aber er geht ebensowenig wie Presse empfindet. zeichnung unserer politischen Verhältnisse, an flarer Stellung. Die bürgerlichen Parteien in der Bekämpfung dieser Barbarei so Freilich hat man längst noch raffiniertere und erfolg- nahme zu den entschiedenen Kernfragen des politischen und weit als es nötig wäre; von einem borläufigen Verbote weiterer berheißendere Methoden entdeckt, um dem um seine Freiheit wirtschaftlichen Lebens leistet, steht ohne Frage turmhoch über zulassung europäischer Plantagen will er nichts wissen. Und in der Bekämpfung der Haussklaverei war der Staatssekretär sogar fämpfenden Volfe seine schärffte Waffe aus der Hand zu dem Drumherumigerede der bürgerlichen Presse. von einer Zaghaftigkeit, die kaum zu begreifen ist, wenn man nicht winden. Was man durch Verfolgung, Gewalt und Unter- Und wo findet sich in der bürgerlichen, der unparteiischen annimmt, daß er sich genau so wie bei der Frage der Plantagen drückung nicht erzielte, das suchte man durch pfiffigen Betrug Presse jene Spiegelung des proletarischen Lebens, die für die gehindert fühlt von allerhand europäischen kapitalistischen Interzu erreichen. Man verfuhr genau so, wie man heutzutage auch sozialdemokratische Presse die erste Selbstverständlichkeit ist? essen. An diesen Einschränkungen leidet selbst das Programm bei der Bekämpfung der freien Gewerkschaften verfährt. Daß Wo finden wir eine Wiedergabe der gewerkschaftlichen Vor- in dem Punkt, in dem man ihm zustimmen könnte: daß nämlich der gewerkschaftliche Zusammenschluß für die Arbeiter ein un- gänge, der Arbeitersportbewegung, der politischen Organi- die Kolonien, in den Tropen wenigstens, nicht zur Ansiedelung entbehrliches Abwehrmittel gegen die kapitalistische Gewalt- fationen des Proletariats? Wo können wir den Pulsschlag von Europäern geeignet find. herrschaft und Ausbeutungswirtschaft ist, das ist eine Er- der Arbeiterklasse fühlen, die 80 und mehr Prozent der ganzen kenntnis, die in dem Gehirn jedes Arbeiters Wurzel ge- Nation ausmacht? Einzig in der sozialdemokratischlagen hat, mag er auch aus den finstersten Teilen des Eichs- schen Presse! feldes, den entlegensten Winkeln der Kassubei stammen. Da man also um die Gewerkschaften nicht herumkommt, gründet man einfach Gegenorganisationen: christliche Verbände oder gar Werksvereine, gelbe Organisationen. Natürlich hütet man sich, die gelben Streifbrecherorganisationen von vorn herein als das abzustempeln, was sie sind. Im Gegenteil: man verhehlt eifrig die Unternehmersubventionen, die in die Kassen der gelben Verbände fließen, man spiegelt den Einfältigen vor, daß diese gelben Vereine nicht minder entschieden die Rechte der Arbeiter vertreten, wenn sie auch nicht die verruchte und unsinnige Taktik der freien, der roten Gewerkschaften einschlügen, die ja die Henne Kapital schlachten wollen, die den Arbeitern die goldenen Eier lege. Was die christlichen oder gar die gelben Gewerkschaften auf gewerkschaftlichem Gebiete sind, das ist die freiheitlich schillernde, dabei aber den schnödesten Kapitalsinteressen dienstbare unparteiische" Presse auf dem Gebiete des Beitungswesens. Wie die vom Judassold der Kapitalisten bestochenen ,, Großklappen" demagogische Redensarten machen, um die betörten Arbeiter in die geistigen Fesseln und die sozialen Sklavenbande des Unternehmertums zu schlagen, so führt die unparteiische Presse schöne, tönende Redensarten im Munde, um im Ernstfalle die Arbeiterinteressen schimpflich zu berraten. Und da sollte das Arbeitsvolk nicht so viel Stolz und Selbstbewußtsein aufbringen, um endlich auch seiner Presse, der sozialdemokratischen Presse, die Ausbreitung zu verschaffen, die unentbehrlich ist, um ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluß zu sichern und zu erhöhen? Möge man in der Roten Woche vor allen Dingen auch der roten Presse gedenken! Die Macht einer kämpfenden Partei spiegelt sich in ihrer Presse. Erst wenn sich die sozialdemokratische Arbeiterschaft durch die Verbreitung und den Einfluß der sozialdemokratischen Presse ein ragendes Sinn bild ihrer Einsicht und Kampfentschlossenheit aufgerichtet hat, wird auch die Reaktion es geratener finden, fie als gerüstete und ihrer Hilfsquellen sich vollbewußte Macht ernsthafter zu respektieren! Eine neue Militärvorlage? bemokratie fann man fura hinweggehen. Sie war in der Form Ueber die Polemit des Staatssekretärs gegen die Sozialztveifellos entgegenkommend und teilweise auch gewandt, aber Herr Dr. Solf arbeitete doch mit Scheinargumenten, und an einer Stelle sogar mit einem unvollständigen Zitat aus dem Vorwärts". Das unterstrich in seiner Erwiderung alsbald Genosse Hente, der gleich nach dem Staatssekretär zum Wort fam. Und er zeigte auch, daß die von Herrn Dr. Solf verlangte Abwägung der Inter effen der Eingeborenen und Weißen darauf hinauslaufe, daß die Interessen der Weißen vorangestellt werden. Unser Redner gab dann zu der Schilderung vom glänzenden Fortschritt der Schutzgebiete, wie sie der Staatssekretär vorgetragen hatte, eine äußerst und ihre Ausbeutung durch die europäischen Kapitalisten, und er notwendige Ergänzung. Er zeigte das Elend der Eingeborenen zeigte auch, welch höchst unvollkommene Durchführung die papierenen Bestimmungen finden, wenn sie noch so schön sind, und gerade dann, wenn sie erfreuliche Wirkungen haben könnten. Das konnte namentlich am Arbeitszwang und an der Hausstlaberei bewiesen werden. Genosse hente erklärte am Schluß, daß er als unver föhnlicher Gegner der Kolonialpolitik den Kampf gegen all diese Uebelstände will, und daß auch in den Kolonien eine gesunde Sozialpolitik getrieben werden muß. Die Generaldebatte wird am Dienstag fortgesett Der Abgeordnete als Polizeispizzel. In der bürgerlichen Presse dauern die Erörterungen über die russischen Rüstungen fort. Zwar muß zugegeben werden, daß diese Rüstungen nichts Neues sind. Hat ja Herr v. Bethmann Hollweg sie bereits als Argument für die letzte Aus Wien wird uns geschrieben: Die liberale oder gar demokratische Tendenz ist ja nur die Militärvorlage benutzt. Trotzdem wird die russische Gefahr Desterreich ist wirklich das Land der unbegrenzten UnFlagge, die das Fahrzeug deckt, das nichts weniger ist als der uns immer wieder vorgeführt. Wir haben gleich gesagt, daß möglichkeiten: und so bringt es auch die politischen ScheußFreiligrathsche Brander, der des„ Besizes Silberflotten" und es sich hier wahrscheinlich um, neue Rüstungstreibe- lichkeiten in einem unerhörten Ausmaße hervor. Eine solche ,, der Kirche scheinheilige Jacht" in den Grund bohren soll, reien handle, und in der Tat scheint irgend etwas in Vor- Unmöglichkeit" war zum Beispiel der Spion Redl, der vielmehr nur ein feiles Schmugglerschiff, das seinem Reeder bereitung zu sein. Schon vor einiger Zeit gaben wir die Verrat des mit der Ueberwachung der Spione betrauten reiche Beute in den Schoß wirft. Mit ballenden Freiheits- Nachricht wieder, daß eine Neubewaffnung der Generalstabsobersten. Nun ist sozusagen ein Zivil- Redl stellig phrasen und leichten, pikant gewürzten Anekdötchen sucht diese Armee geplant sei. Jest liegt wieder eine Meldung vor, nellen Bartei ist überführt, im Dienste der Polizei zu stehen gemacht worden: der Obmann einer der wirklichen oppositioBresse die Arbeiter zu födern, um aus ihren Groschen die diesmal mehr ins Detail geht. Die ungeheuere und von ihr für die Auslieferung geheimer politischer Vorprunkende Industriepaläste zu türmen und Millionen- Summe von einer halben Milliarde wird ge- gänge innerhalb seiner Partei ein festes Gehalt von vermögen zu häufen und sie zugleich der ernsten Arbeit des nannt, die für eine Ne u bewaffnung der Artillerie 800 Kronen für den Monat bezogen zu haben. Höher geht es revolutionären Klassenkampfes abwendig zu machen. und eine Vermehrung der Kavallerie gefordert nimmer! Und was, vom moralischen Standpunkt vielleicht An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", sagt schon die werden soll. das fürchterlichste, der Abgeordnete, der sich als Polizeispitel Jahrtausende alte Weisheit des Orients. Und wie hatte sich Die Summe flingt phantastisch. Aber das deutsche verkauft, ist von Beruf Richter! Aftiver f. f. Richter, der der berüchtigte Streifbrecher und Polizeiagent Reiling Volt hat sich nachgerade baran gewöhnen müssen, daß die gestern noch über Freiheit und Vermögen der Staatsbürger Streifbrecher gegen die böhmischen Buchdrucker zu verschaffen militaristische Wirklichkeit alle Phantasien noch weit hinter sich entscheiden konnte! Nein, da hört die Schadenfreude über die entlarbte Korruption auf, und das Entsetzen über diese gewußt? Durch Inserate in der Berliner Morgenpost"! läßt. Die Meldung zeigt jedenfalls, was die Rüftungs- Fäulnis des ganzen Staatsförpers stellt sich ein! Da habt Ihr Theorie und Praris in der schreiendsten Gegen- interessenten von der Regierung wünschen und wir haben nur Der Polizeispiel ist der Abgeordnete Dr. Karl Sviha, überstellung, in der kräftigsten Nubanwendung für jeden zu oft erlebt, daß diese Wünsche für die Regierung Befehle der im Abgeordnetenhaus einen tschechischen Städtebezirk in Arbeiter, dessen Schädel nicht durch Kruppsche Gußstahlplatten sind. Jedenfalls wäre es höchste Zeit, daß die Regierung Böhmen vertritt, und erst im Dezember zum Obmann der sobernagelt ist! sich über diese Treibereien mit der nötigen Klarheit ausläßt. genannten Nationalsozialen gewählt wurde. Diese National1 sozialen find dem Ursprung nach eine Arbeiterpartei, aller- dings mit extrem nationalistischem Charakter. Gegründet wurde sie im Jahre 1897, dem Jahr der Einführung des allgemeinen Wahlrechts, von den die bürgerliche Schicht, des Tschechentums repräsentierenden Jungtschechcn als Gegen- gewicht gegen die internationale Sozialdemokratie: einen ge�- wissen Arbeitercharakter haben sie sich auch durch die Zeiten und Wandlungen bewahrt. Begehen sie doch die Maifeier kam ersten Sonntag im Mai), auch können sie auf mannig fache Gewerkschaften hinweisen. Allmählich haben sie sich allerdings zu der Partei des wütigsten Chauvinismus ent wickelt. Ihr nationaler Radikalismus kennt keine Grenze, insbesondere die schwarzgelbe nicht. Sie sind im Tschechen tum die eigentliche panslawistische Partei, unterhalten also ständige Beziehungen mit Rußland und mit den Balkanstaaten, insbesondere mit Serbien: und daß derlei Zusammenhänge nicht ausschließlich auf Kulturfragen beschränkt bleiben, ist natürlich. Ter outrierten Schwärmerei für alles Slawische und für alles, was aus Paris kommt, entspricht der krank- hafte Haß gegen alles Deutsche. Sie sind auch ausgesprochene Ailtimilitaristen, aber nicht etwa, daß sie dem Militarismus und den Krieg an sich befehden, ganz im Gegenteil, sie schwärmen für beides; das Antimilitaristische ist im Grunde nur eine Erscheinung der Abneigung gegen Oesterreich. Dieses Gemisch von Radikalismus und Nationalismus mußte natürlich auf die zur Spektakclpolitik neigenden tschechischen Wählerschaften eine ziemliche Anziehungskraft ausüben; tat- sächlich gelang es den Nationalsozialen, sowohl in der bürger- lichen Welt Wurzel zu fassen und die Jungtschechen an vielen Punkten zu verdrängen, wie auch für die Sozialdemokraten zeitweilig eine starke Bedrohung zu werden; die Wandlung und Umbildung der tschechischen Partei zum Separatismus ist nicht zum wenigsten dem Bedürfnis entsprungen, sich von den Nationalsozialen auf dem Felde der nationalen Erpansion nicht beschämen zu lassen. Im Abgeordnetenhause selbst waren die Leute die allzeit und bei jeder Gelegenheit Aufgeregten; imnier deshalb auch bereit, mit der Obstruktion zu spielen und jeden Unfug zu treiben. Ihr bekanntester Mann ist Herr Klofac, ein Säulenheiliger des Planslawismus, der aber, weil er sich in allerlei wenig anmutige Geschäfte eingelassen hat, zur Seite treten mußte. An seiner Stelle wurde eben jener Sviha zum Obmann gewählt. Dieser Herr Sviha steht nun, wie mit aller Sicherheit eickhüllt ist, im Dienste der staatlichen Polizei, ist mit einem Beamten der Prager Geheimpolizei in ununterbrochener Ver- bindung und bezieht dafür, neben Ertrabelohnungen(zum Beispiel 3099 Kronen für seine Wahl) ein fixes Monats- gehalt, das zuerst 699 Kronen betrug, später auf 890 Kronen erhöht wurde. Auch wie die Sache enthüllt wurde, ist fiir die politische Moral in diesem Jammerlande charakteristisch. Die Kenntnis davon soll der Hauptredakteur des jungtschechi- schen Blattes, das die Geschichte jetzt aufgedeckt hat, seit dem Frühjahr 1911 haben. Er ist allerdings im Herbst 1912 ge- starben, hat aber die Geschichte doch so lange gewußt, mit sich herumgetragen und ohne Zweifel auch etlichen seiner Partei- genossen mitgeteilt. Inzwischen haben aber die Jung- tschechen mit Herrn Sviha die mannigfachsten politischen Ge- schäfte gemacht— mit den Nationalsozialen bei den letzten Wahlen sogar ein förmliches Kartell geschlossen— und erst vor zwei Wochen waren sie mit Herrn Sviba in der Ausgleichs- knntrrenz beim Ministerpräsidenten! Also kooperierten sie konferierten sie mit einem Menschen, von dem sie eine Läden und Zeitungen wurde fast überall gefeiert. Eine Pro- testversammlung auf der Piazza del Popolo war von übe 80 909 Demonstranten besucht, die nachher in riesigem Zuge die Stadt durchzogen. Ein starkes Truppenaufgebot. namentlich Kavallerie, war bereitgestellt, doch kam es nur zu leichten Zwischenfällen mit wenigen Verwundungen. Für heute abend ist durch Ausrufer eine neue Volksversammlung von der Arbeiterkammer einberufen worden. Da die Be Hörden keine bindeirden Versprechungen abgaben, wurde die Fortführung des Streiks für morgen beschlossen. derart namenlose Schändlichkeit wissen! Tatsächlich ist die Enthüllung weit weniger ein Ausfluß der Moral, sondern der Rache. ES ist nämlich gerade jetzt aufgekommen, daß die Jungtschcchen aus dem Depositenfonds, dem anrüchigen, zu Bestechungen bewilligten Geheimfonds der Regierung, im Jahre 1998 40 900 Kronen genommen haben, und Vorzugs- weise, um die Angriffe, die deshalb kamen, abzuwehren, ist die Enthüllung über den Führer der Nationalsozialen erfolgt. Ein Pfuhl von Gemeinheit, in den man da hineinblickt. Die verächtlichste Rolle spielt dabei freilich die Staats- g e w a l t. Und so ist es wieder nur für die österreichische Verlottcrung charakteristisch, daß die Gemeinheit der Regie- rung, die Abgeordnete zu Spitzeln dingt, von der öffentlichen Meinung hierzulande völlig„übersehen" wird. Und die Staatsgewalt fühlt gar nicht, in welcher erbärmlichen Rolle sie da ertappt worden ist! Die Präger Geheimpolizei ist immer ein besonderer Schandfleck gewesen; sie hat jederzeit mit Lockspitzeln gearbeitet, und ihre hauptsächlichen Werk- zeuge sind noch heute Kuppler und Bordellbesitzer. Ganz selbstverständlich, daß der ungenannte Polizeibeamte, als er den Abgeordneten zu dem Schandgewerhe verlockte, nicht auf eigene Faust gehandelt hat, daß davon der Polizeipräsident Kenntnis hatte, daß der Statthalter und der Minister des Innern, denen ja die Berichte vorgelegt und fiir die sie. eigent- liche zustande gebracht wurden, gefragt und erfahren haben, von wem sie herrühren. Nun erwäge man das: es ist die Re- gierung, die durch ihre Organe den Volksvertreter zu dieser Lumperei verleitet, es ist die Regierung, die den Richter zum Polizeispion mietet! Das iibertrifft ja beinahe, was von der russischen Spitzelei an Nichtswürdigkeiten bekannt geworden ist! Wir sind überzeugt, daß in jedem anderen Staate die Aufdeckung einer solchen Affäre vor allem ein großes AuS- misten der Schuldigen in der Bureaukratie zur Folge hätte, und daß die verantwortlichen Minister die ersten wären, die es zu büßen hätten. Aber in Oesterreich ist man ja im Reiche der„Gemütlichkeit"! Als der Präsident des Abgeordneten- Hauses den Minister des Innen» fragte, ob er dem Parlament über die ungeheuerliche Sache nicht Aufschluß geben wolle, antwortete der Minister, er wisse ja noch von der Sache nicht recht, er kenne sie nur aus den Zeitungen! So ist die„Affäre" nicht bloß die Brandmarkung eines Menschen, einer Partei, sondern geradezu der Schrilfall der österreichischen Unmoral, der Gleichgültigkeit dieser öffentlichen Meinung gegen Moral und Sittlichkeit. Der Abgeordnete und Richter von der Staatsgewalt als Polizeispitzel gemietet und gezahlt: das würde wohl nicht einmal mehr auf dem Balkan möglich sein. *• Wien, 9. März.(Privattelegramm de?„Vor- wärts".) Ter tschechische Abgeordnete Dr. Sviha hat sein Mandat niedergelegt. Der Generalstreik in Rom. Rom, 3. März.(Privattelegramm des„Vor- wärt s.") Der 24stündige Generalstreik, der heute früh als Protest gegen die Mißwirtschaft in den Hospitälern begonnen hat, ist mit unvergleichlicher Großartigkeit verlaufen. Die Arbeitsruhe war eine voll- tamuaene: einschließlich der Straßenbahnen, Droschken, die privatangestellten unö Sie Rote Woche. Als Ferdinand Lassalle vor etwa fünfzig Jahren seinen glän zenden Vortrag über den besonderen Zusammenhang der gegen wältigen Geschichtsperiode mit der Idee des ArbeiterstandeS(Ar- bciterprogramM) vor Berliner Maschinenbauern hielt, da vermochte dieser geWale Redner es nicht, einen nachhaltigen Eindruck aw seine Zuhörer auszuüben. Und auch später ist es Lassalle ja noch passiert, daß er von den Berliner Arbeitern, die er aufrütteln wollte zu selbständigem politischem Sandeln, ausgepfiffen wurde. Dies war möglich, obwohl der Kapitalismus schon seinen SiegeSzug durch Deutschland angetreten hatte. In den Köpfen der Ar- beiterschaft von damals spukten noch zu sehr die Bilder aus ihrer Vergangenheit, als daß sie die neue Lage, in der sie sich befanden. richtig erkannten. Die nächsten Jahrzehnte mit ihrer tollen Wirt schaftlichen AufwärtSentwickelung. mit ihren furchtbaren Wirtschaft lichen Krisen paukten erst sehr allmählich der Arbeiterschaft das Bewußtsein vom Klassengegensatz zwischen ihnen und dem Unter- nehmertum ein, ließen sie erst nach und nach das Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung erkennen. Und so wurde der Boden auch für die politische Agitation, die Ferdinand Lassalle unter der Arbeiterschaft begonnen hatte, reif. Jahrzehnte harter politischer und wirtschaftlicher Kämpfe haben die Arbeiterschaft gestählt. Heute besitzt das Proletariat Organisationen, wie sie das Bürgertum nie aufzuweisen hatte. Und doch stehen wir noch am Anfange unseres Kampfes! ES bedarf noch ungeheuerer An- strengungen, um daS Ziel all unserer Kämpfe, die Ueberwindung des Kapitalismus durch den Sozialismus, zu verwirklichen. Noch stehen Tausende und aber Tausende außerhalb der Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft. Die R o t e W o ch e, in der wir uns be- finden, sie soll neue Scharen zu uns führen. Wenn unsere Ge nassen in dieser Woche von Tür zu Tür gehen, dann werden sie auch manchen treffen, der schon einmal zu uns gehörte, mutlos wurde und sich wieder abseits stellte. Dem Eifer unserer Werber wird cß gelingen, viele von diesen Lauen wieder aufzurütteln und viele von denen, die unsere Arbeit noch nicht berührt hat, aufzu klären und zu gewinnen. Die wirtschaftliche EntWickelung macht immer neue Bevölke rungssch-chten unserer Agitation zugänglich. Langsam ober sicher erfüllt sich das, was unsere großen Vorkämpfer, was besonders Marx und Engels schon"or mehr als einem halben Jahrhundert vorausgesagt haben. Immer größere Teile des sogenannten Mittelstandes geraten in eine wirtschaftliche Lage, die sich in nichts mehr von der Arbeiterschaft unterscheidet. Viele der durch die riefen- haften Großbetriebe in der Industrie und im Handel vernichteten kleinen selbständigen Existenzen müssen ihr Fortkommen als Hörige des Unternehmertums lachen. Sie und ihr Nachwuchs stellen in der Hauptsache das Rekrutierungsgebiet für eine neue' ArbeitI nehmergruppe, die man unter der Bezeichnung„P r i v a t a n g e- stellte" zusammenfaßt. Die Zahl dieser Privatangestellten ist in starkem Wachstum begristen. Bei ihnen können wir dieselbe Beob- achtung machen, die oben bei der Arbeiterschaft im engeren Sinne de» Wortes geschildert wurde. Ihre wirtschaftliche Lag« gegen- über dem Unternehmertum unterscheidet sich in nichts von der Lage der übrigen Arbeitnehmer zu diesem. Und dennoch waren sie bisher noch entweder politisch indifferent oder stellten sich im politischen Kampfe auf die Seite des Bürgertums. Das hat aber die politische Vertretung der Arbeiterschaft, die Sozialdemokratie, nicht davon abgehalten, auch die Interessen dieser Arbeitnehmer zu vertreten. Gibt e« hierfür bessere Beisoiele, als die Kämpfe, die sich gegenwärtig im Reichstag um einige Angestelltenforderungen abspielen? Wer waren eS denn, die am 15. und 16. Januar im Reichstag in der Frage der Sonntagsruhe die einmütige For derung der Handlungsgehilfen nach völliger Sonntagsruhe ver< treten haben? Einzig und allein die Sozialdemokraten. Wer hat die Forderung aller Angestellten auf völliges Verbot der Kon- kurrenzklausel in dem jetzt seit etwa anderthalb Jahre währenden Kampf im Reichstag bis aufs äußerste verfochten? Wiederum die Sozialdemokraten. Besonders die letzten Kämpfe um die Sonntagsruhe haben einen lebhaften Widerhall in den Kreisen der Privatange- stellten gefunden. Ihre wirtschaftlichen Organisationen, die fast ausnahmslos bisher nach Möglichkeit die immer wieder zutage tretende Erscheinung, daß die Angestellten im Parlament von den bürgerlichen Parteien verraten werden, zu bemänteln versuchten, geben diesmal in ihren Organen ihrer Enttäuschung über diese Parteien offen Ausdruck. Die Entwickelung bringt so auch den Privatangestellten unbarmherzig das richtige Verständnis für ihre Lage bei. Schon sind erfreuliche Anzeichen hierfür da. So hat die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Handlungsgehilfengewerkschaft, der Zentralverband der Hand- lungsgehilsen, in den letzten Jahren eine erfreuliche Vorwärts- entwickelung durchgemacht. Auch die verschiedenen sozialpolitischen Wahlen, an denen die Privatangestellten in den letzten Jahren beteiligt waren, lassen eine starke Entwickelung nach links erkennen. Diese Dinge dürfen wir nicht unbeachtet lassen. Und wenn unsere Genossen bei ihrer Arbeit in dieser Woche auf einen Handlungsgehilfen oder Techniker, auf einen Bureau- angestellten, einen Zeichner oder einen sonstigen Privatangestellten stoßen, dann nicht Halt gemacht! Dann sollten sie einmal viw- suchen, auch hier einmal das Verständnis für unseren Kampf und unsere Ideale zu wecken. Sie werden manches willige Ohr finden! Wenn wir zum Siege gelangen wollen, dann müssen wir auch diese Arbcitsbrüder für uns gewinnen. Das wird erst allmählich gelingen, aber steter Tropfen höhlt den Stein! politische Ueberflcht. Abgeordnetenhaus. Am Montag hat die reaktionäre Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses sich an arbeiterfrcundlichcr Gesinnung wieder einmal ein tolles Stück geleistet. Unter den Petitionen, die nach Ansicht der Kommission zur Erört�huiig im Plenum nicht ge- eignet sein sollen, besinden sich auch einige, die die gesetzliche Ge- Währleistung des uneingeschränkten Koalitionsrechts an die Ar- beiter verlangen. Diese Art der Erledigung von Petitionen be- deutet, daß man die Zeit de« Hause» für zu kostbar hält, sich über- Haupt damit zu befassen. Vergeben? suchte Liebknecht da» Skandalöse einer solchen Handlungsweise zu geißeln; unter Füh- rung der Nationalliberalen trat das Haus dem itommisjionS- antrage bei. Den Einwand, daß eS sich bei den Petitionen um eine der Reichsgesetzgebung unterstehende Materie handelt, kann man nicht gut gelten lassen; denn abgesehen davon, daß der Landtag sich fort- gesetzt mit Fragen beschäftigt, die zur Kompetenz der gesetzgebenden Körperschaften des Reiches gehören, z. B. mit dem Arbeits-� Willigenschutz, beriet er in derselben Sitzung wiederum cin� Reichsangelegenheit. Zur zweiten Lesung des Etats der Handels- und Gcwerbeverwaltung hatten die Agrarier Dr. R o e s i ck e und Dr. Hahn einen Antrag gestellt, der die Ausarbeitung einer Denk- fchrift über die Tätigkeit der Bärfentommission, die Enttvickclung de? Börsenhandels und namentlich die Anlage deutscher Kapitalien im Auslande verlangt. In den Landtag gehört diele Frage nicht, aber, wie von anderer Seite hervorgehoben wurde, liegt es im agitatorischen Interesse der Bundcshäuptlinge, alljährlich eine börsenpolitische Debatte heraufzubeschwören, und da ihnen die Mög- lichkeit dazu im Reichstage nach ihrem Durchfall bei den letzten Wahlen genommen ist, mißbrauchen sie die Tribüne des Drei- klaffcnparlament für ihre Zwecke. Die Debatte, die sich ganz im Geiste früherer ReichStagSdcbattcn über diese Frage bewegte, endete mit der Ucbcrweisung des Antrags an die Budgetkommission. Die weitere Beratung des Etats verlor sich in Einzelheiten. In der Hauptsache wurde die Frage des FortbildungSschulunter- richts erörtert, wobei sich namentlich der Konservative L i e n e w e g zum Sprachrohr der reaktionären bildungsfeindlichen Bestrebungen machte. Ihm traten mit Nachdruck die Abgeordneten R o s e n o w (Fr. Vp.) und L e i n e r t(Soz.) entgegen. Unser Genosse nahm gleichzeitig Veranlassung, an einem typischen Fall die Art und Weise zu brandmarken, wie gewerbliche Fortbildungsschulen in den Dienst parteipolitischer Bestrebungen zur Verdummung der Jugend gestellt werden. Dienstag: Fortsetzung der Etatsberatung. Die sabotierte„Kreuz-Zeitung". Die.Kreuz- Zeitung" ist gerade noch rechtzeitig vor dem 1. April einem ungeheuerlichen Attentat ver stsst Sozialdemokratie auf die Spur gekommen. DaS Heer soll sabotiert und der Mili- tariSmuS verrungeniert werden. Wie das Organ der Junker und Bäffchen herausgefunden hat. soll das auf eine ganz raffinierte Weise- geschehen. Nämlich auf dem Umweg« über das Feuilleton. Alles waS die Politik nicht zu schreiben wagt, daS wird in Form von Erzählungen usw. dem Volle von wegen der Demoralisation beigebracht. Hören wir die grausige Moritat, die sich jüngst er- eignet hat: »Unlängst wurde in der Unterhaltungsbeilage dcS»VorlvärtS* ein Auszug ouS einem Buche„Ein Proletarierleben" verössent- licht, der die Ueberfchrift.Im Reiche der Feldmütze" trug und in Form eines Tagebuches alle möglichen.Soldalenschindereien", die der Verfasser während seiner militärischen Dienstzeit erduldet haben will, aussührte, die aber wahrscheinlich nichls anderes sind als eine Zusammenstellung der bekannien. vom allen Bebel im Reichslage regelmäßig vorgeführten.Fälle", die, wenn man ihnen auf de» Grund ging, ein wesentlich anderes Gesicht annahmen oder in ein Nichts zerflatlerten. In dem.Tagebuche zeigt nun der Verfasser, der. wie er ebenfalls durch seine»Auizeich- nungen" beknndel, sozialdemokratische Schriften in die Kaserne einschmuggelt und als Soldat Ariikel für sostaldemoftatische Zeitungen schreibt, der also wohl schon vor seinem Eiiilritt ins Heer sozialdemolrausch derartig verhetzt war, daß er keine allzu groß« Lust und Lieb« für den Soldalenstand mit- gebracht haben wird, wie er eS feinen.Peinigern" gegeben hat. Der edle Held schreibt: Ich rechnete mit meinen.Peinigern" persönlich ab. Sergeant Krumm wollte seine neuen Stiefel zum zweiten Mal anzieben. Er fand sie nicht. Er suchte ivie verrück:. Vergebens. Ich batte sie rn die Müllgrube beförderr. Wo mir elivaö von den Sachet: der Unterotfiz>erc in die Hände kam, ward es ver- nichwt, verdorben oder versteck:." Verfluch: und zugenäht! Der Mann versteht sein Handwerk. Also das Unlerhaltunpsblatt bestellt sich extra eine Selbstbiographie, worin die Bebelschen Anekdoten milverarbeitet werden müssen, und druck: sie dann kaftlächelnd ab, um sie seinen Lesern zur Nach» ahmung zu empfehlen(so folgert der Wackere weher).»Macht'S ebenso wie der. Vernichtet, verderbt beim Militär allcS, was euch von Ausrüstungsstücken in die Hände kommt"— daS ist die Lehre, die die.Kreuz-Zeitung" uns predigen läßt. ES hieße natürlich diese Sabotage, die da? Ritterblatt an ihrem eigenen Denkvermögen(und dem ihrer Hinleriassen) verübt, allzu ernst nehmen, wollte man ernstlich darauf erwidern. Die»Kreuz- Zeitung" unterschlägt, daß die sozialdemokratiiche Partei ausdrücklich die Kasernenagitation und erst recht die Kasernen- abolag« ablehnt. Sie verschweigt weiter, daß die Erlebnisse des Franz Bergg. um die es sich hier handelt, von einem Professor herausgegeben und in einem gutbürgcrlichen Verlag erschienen sind. Daß der von seinem Peiniger bi« aufS Blut Gequälte sich durch Schabernack rächt, ist aus dem Zusammenhang wohl begreiflich Aber eS wird keinerlei Glorifizienmg damit getrieben und keinerlei Propaganda dafür gemacht. Zum Ueberfluß eine kleine Frage an die Redaktion der.Kreuz- Zeitung": Werden bei ihr die Romane und Erzählungen daraufhin leprüst, ob Dinge darin vorkommen, die sie nicht billigt? Und wie' 'lcHl'S mit der Lektüre der Klaisiker bei ihr? Wilhelm Tell fordert loch wohl zum Meuchelmord aus und Goethes Faust zur Ver- ührung uuschuldiger Bürgermädchen! Und nun erst die täglichen Unfälle und Morde und Selbstmorde im lokalen Teil der Zeitungen. DaS alles sind noch der Logik der.Kreuz-Zeitung" Aufforderungen, dergleichen nachzuahmen. Und wen» sich die Leier der.Kreuz-Zeitung" nach diesem Rezept richten, wird selbst von ihnen in 14 Tagen keiner mehr am Lebe» sein. Wieder eine Slusweisnng. Hanau, 9. März.(Privattelegramm deS»Vor- wärt»".) Genossin Balabanoff aus Mailand, Mitglied des italienischen Parteivorstandes, wurde heute, nachdem sie gestern in zwei Frauenversammlungen gesprochen hatte, auS Preußen als lästige Ausländerin ausgewiesen. Sie mußte unverzüglich daS Staatsgebiet verlassen. Die Polizei hat also wieder mal den Staat gerettet. Nachdem man erst kürzlich durch die Ausweisung deS Genossen T t a u n i n g in Dänemark moralische Eroberungen gemacht hat, war eS chon aus Gründen internationaler Höflichkeit unumgänglich, in t a l t e t> für den gleichen Erfolg zu sorgen. Zwei Zcntrumskandidaten. Die Amberger katholischen Arbeiter sind nicht damit einvertan den, daß die dortige Zentrumsleitung, entgegen ihrem Ver» prechen, über die Köpfe der Arbeiterbevölkerung hinweg, für die nötige Lairdtagserfatzwahl einen Kandidaten nach ihrem Herzen ausgestellt hat. Sie stellten daher vorgestern in Amberg als Gegen- landidaten gegen die osfizell« Zentrumskandidatur Dr. WiuUer den Redakteur de? bayerischen EisenbahnerverbandeS Franz Dauer «WS München mit 141 von 143 abgegebenen Stimmen auf. An der Versammlung des Arbeiterwaylvereins nahmen auch Angehörige des Bauern-, Mittel- und Beamtenstandes teil. Konservativer Einfiust auf die Rechtspflege. Genosse Sachse, der Vertreter des 10. Breslauer Reichs- tagSlvahlkreises, hat gegen den aus dem Waldenburger Meineids- Prozeß bekanntgewordenen konservativen Redakteur L i p p o l d Strafantrag gestellt, weil dieser in seinem Blatt in unglaublich ge- hässiger Weise behauptete, Sachse habe sein Mandat einer Fäl- schung, einer betrügerischen Manipulation zu verdanken. Cr müsse daher von Rechts wegen sein Mandat niederlegen. In zahl- losen Variationen wurden diese Behauptungen wiederholt und müssen natürlich für einen Mann, dem das höchste öffentliche Ehrenamt übertragen ist, schwere öffentliche Beleidigungen sein. Anfangs schien das auch die Auffassung des Waldenburger Staats- anwalts zu sein? denn noch in der letzten Februarwoche führte der krcikonservative Abgeordnete Mertin im Reichstage darüber Klage, daß der Staatsanwalt in Waldenburg i. Schl. im Interesse des sozialdemokratischen Abgeordneten Sachse gegen frcikonservative Redakteure öffentlich Anklage erhoben habe. Nun kommt aber die Nachricht, daß der Staatsanwalt es abgelehnt hat, im öffent- lichen Interesse Anklage gegen Lippold zu erheben. Derselbe öffentliche Ankläger, der gegen unser Waldenburger Parteiblatt und gegen einzelne unserer Genossen schon Dutzende von öffent- lichen Anklagen im Interesse der gelben Sekretäre erhoben hat. auf Grund von„Beleidigungen", die in gar keinem Vergleich zu der oben geschilderten standen, wird mit einem Male müde, als öffent- licher Ankläger aufzutreten, wo ein schwer beleidigter sozialvcmo- kratischer Abgeordneter Recht verlangt I Der Provinziallandtag als agrarische Interessen- Vertretung. Der sächsische Provinziallandtag beschloß auf seiner soeben beendeten Tagung, die bisher bestehende ProvinzialhilfSkasse zu einer öffentlichen Provinzialbank auszugestalten, um der Land- Wirtschaft den Kredit zu erleichtern. Weiter wurde besiblcssen, mit einem Kapital von 1 070 000 M. eine Provinziallelicnsver« sichcrung zu gründen, um der„Volksfürsorge" Konkurrenz zu machen und um gegen das Uebergreifen der Sozialdemokratie auf das flache Land einen starken Damm aufzurichten. Um der immer gefährlicher werdenden Landflucht entgegen zu wirken, bewilligte die agrarische Mehrheit des Landtags 2 Millionen Mark zwecks Beteiligung an der Siedelungsgesellschaft Sachsen- Land; außerdem wurden noch 3<)(XK> M. für eine Jubiläumsstiftung oes landwirt- schaftlichen Instituts an der Universität Halle bewilligt. Diese einseitige Förderung agrarischer Interessen war ohne Stcuererhöhung nur möglich, weil— wie der Landeshauptmann bei der TtatSberahmg ausführte— Bei den Provinzial- fürsorgean stalten erhebliche Abstriche gemacht wurden. Vermeidung von Alkoholexzessen bei Soldaten. Die zwei Kanoniere Pooch und Willmann vom Zielbau- kmnmando dcS Lchrregiments der Fuß-Artillerie-Dchiehschule wur- den am letzten Donnerstag wegen Gehorsamsverweigerung zu vier r e s p. drei Wochen strengen Arrest verurteilt. Bei der Gerichtsverhandlung wurde festgestellt, daß Pooch an jenem Tage in den Militärkantinen für 2 bi» 3 M Schnaps und Bier getrunken hatte, auch Willmann an jenem Tage ein größeres Luantum Alkohol zu sich genommen hatte, und daß Pooch infolge- dessen so betrunken lvar, daß er, als er wegen Gehorsams. Verweigerung nach der Wache transportiert werden sollte, nicht mehr richtig gehen konnte, sondern förmlich hingeschleift werden mußte. Glimpflicherweise sind beide vom Kriegsgericht nur zu 4 refp. 3 Wochen strengem Arrest verurteilt worden; andere Sol- baten sind ja wegen in Trunkenheit begangener Exzesse weit härter bestraft worden und dadurch für ihr ganzes Leben unglücklich (emacht worden. Aber muß hier nicht jeder verständige Mensch ragen �„Warum beugt die Militärbehörde solchen Vorkommnissen nicht einfach dadurch vor, daß sie den Kantinenwirten bei so- fortigem Verlust des Wirtschaftsbetriebes untersagt, einem Sol» baten an einem Tage für mehr als 40 Pfennig alkoholische Ge- txänke zu verabreichen oder verabreichen zu lassen?" Eine solche vorbeugende Anordnung wäre verständiger, humaner und wohl auch für den Dienst ersprießlicher, al» die harte Strafe nach in- folge de? unmäßigen Alkoholgenusses begangener Ausschreilungen mir ihren unabsehbaren Folgen. Sine heikle Aufgabe weist Graf Lpperstzorff, der„Quertreiber", der Organisation der Lentrumspresse. dem AngustinuSverein, zu. In der gut kölnischen „�chlesischen VolkSzcitung" hat bekanntlich ein Herr F. I. Reife, Vorsitzender der schlesischen Gruppe des Auguftinusvereins, einem Geistlichen der Berliner Richtung recht böse Dinge nachgesagt. Er behauptete von ihm, er habe sich»i Breslau statt mit dem Studium des kanonischen.llechts und der Theologie mehr mit dem Studium des Lreslaucr Nachtlebens und mit der Frag« beschäftigt, wie man gewisse Nachtschatten in die Automobile schmuggle, die Türen ver- schlwsi« und die Insassen dahin fahre» lasse, wohin sie nicht wollten. Graf L ppersdorf richtet nun einen offenen Brief an den Augustinus- verein, in dem er ein Einschreiten gegen diese persönliche Kampfes- weise fordert. Er schließt seinen offenen Brief wie folgt: „sie aber, mein« Herren von der Pflege der katholischen Presse, werden sich, bei Gefährdung ihrer eigenen Ehre, der Nachprüfung der Frage nicht länger entziehen dürfen, noch können, ob denn wirklich Elemente, wie die hier gekenn» zeichneten, fernerhin noch Mitglieder oder gar, wie Herr F. I. Neise, Vorstanbsmitglieder und SektionSvorftande Ihres zur Hebung der katholischen Presse gegründeten und angeblich tätigen Vereins bleiben können. Die Oeffentlichkeit soll und wird Zeuge dessen sein, wa» nunmehr geschieht. Und das allgemeine Urteil wird feststellen, wo die Gerichteten sitzen." Nach der Stellungnahme des Augustinusvereins gegen die „Quertreiber wird Oppersdorfs lange auf Antwort und vermutlich noch länger aus ein Einschreiten des Augustinusvereins gegen diesen Herrn Reise warten können. Z« einer Wallfahrt»ach Rom fordert der Erzbischof von Köln die gläubigen Katholiken Deutsch- lands auf, um dem Papst zu zeigen, daß in den gegenwärtigen „schweren Zeiten" der Glaubensmut und die Einmütigkeit der katholischen Kirchenangchörigen nicht abgenommen haben. DerrorismuS. «IS kleinen Beitrag zu der Denkschrift über die SuSwüchse des Koalitionswesen», die vom Reichskanzler dem ReichSiag in Aussicht gestellt worden ist. stellen wir den folgenden Revers zur Versügung. der von der Maichinensabrik-Aktiengei'cllschast Geißlingen in Würltein- berg jedem neu eintretenden Ingenieur zur Unterschrift vorgelegt wird: »Der Unterzeichnete verpflichtet sich, während seiner An- Wesenheit in der Maschinenfabrik-Aktiengesellschast Geißlingen dem B. T. I. B.(Bund der technisch'industriellen Beamten) nicht anzugehören.' von 21 Mitgliedern, die der genannte Bund bisher in der Fabrik hatte, sind bereits zwölf hinausgeekelt. Es wird dem Kanzler einige Mühe kosten, einen solchen Rechtsraub als»sozialdemokrati- schen" Terrorismus zu bezeichnen. Gegen die Arbeitslosigkeit. Der Gemcindrrat der Stadt Gera stellte 10 000 M. zur Linderung der Arbeitslosigkeit zur Versiigung. Es sollen in der Hauptsache Familienväter unterstützt werden, die seit zwei Jahren in der Stadt.Gera wohnen und hier den Unterftützungswohnsitz haben. Die Vertreter der Gelben stimmten mit den Bürgerlichen gegen den Antrag.— Weiter wurde ein Antrag durch die Stimmen der sozialdemokratischen Mehrheit gegen die bürgerlichen Stimmen angenommen, nach dem für Zwecke der noch zu beschließenden Ar- beitslosenversicherung die Summe von 5000 M. pro forma in den Etat eingestellt werden. Polizeilich geduldete Kuppelei. In Frankfurt a. M. find seit einigen Jahren mit stiller Duldung der Polizei Bordelle eingerichtet worden. Der� Betrieb eines öffentlichen Hauses ist strafbar, auch wenn die Polizei, wie in dem Frankfurter Falle, vorher erklärt hat, daß sie nichts gegen die Beherbergung der Protistuicrten einzuwenden habe. Jedoch in der Regel geschieht den Besitzern solcher Häuser nichts nach dem be- kannten Wort: Wo kein Kläger ist, da ist kein Richter. In Frank- furt a. M. erfolgte kürzlich Anzeige gegen eine Frau, die ein solches Haus betreibt, worauf auch Anklage wegen Kuppelei erhoben wurde. Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagte zu einem Monat Ge- sZngnis. In der Berufungsinstanz wurde die Sache milder an- gesehen. Der Verteidiger, der ani Schöffengericht noch auf Frei- spreibung plädiert hatte, weil die Angeklagte sich durch die Erlaubnis der Polizei gedeckt halten konnte, ersuchte nur um eine mildere Strafe, weit doch erstens eine K o n z e s si o n i e r u n g durch die Polizei vorliege, und weil es sich um einen Konflikt zwischen Gesetz und tatsächlichen Verhällniffen handele. Der Staatsanwalt unter st ützte den Verteidiger, und das Gericht setzte auch die Strafe auf eine Woche herab. Die Soldatenmiflhandlungen in Bitsch. DaS Wolffsche Telegraphenbureau, das die Mitteilung von der Verurteilung des Leutnants v. Forstner und deS Sergeanten Höflich wegen Soldatenmißhandlung verschwiegen hat. dementicrr die Meldung von der Verurteilung der Soldaten, die über den Vorfall gesprochen haben. Dazu schreibt die über die Vorgänge in Elsaß-Lothringen stets gut informierte„Strahburger Neue Zeitung":„Aus tiem Wolffschen Dementi geht hervor, daß die Meldung stimmte, soweit der Leutnant und der Sergeant in Frage kommen. Das genügt fürs erste, wenn man weiß, wie schwer ohnehin solche militäramtllche ZugestänSn-sse zur Welt kommen. Daß Bestrafungen von Soldaten erfolgt sind, wird auch nicht ab» gestritten, nur heißt es:„die über den Vorfall gesprochen haben wollen". Diese Einschränkung deS Dementis läßt uns fragen: Soldaten sind bestraft worden, aus welchen Gründen denn, wenn nicht auS den angeführten?" Ein Landesverratsprozefl. DaS Oberkriegsgericht in Kiel hat am Sonnabend den Funken- telegraphisten Michael zu 5 Jahren 1 Monat Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Tie Anklage lautete auf Verrat militärischer Gehcimniffe, Diebstahl, Bestechung, Un- gehorsam gegen einen Befehl in Dienstsachen, wodurch ein erheb- licher Nachteil für die Marine entstanden ist. Das Urteil in erster Instanz, gegen das der Gerichtsherr Berufung eingelegt hatte, lautete nur auf 3 Jahre 7 Monate Gefängnis und 5 Jahr« Ehrverlust. Sowohl von dem Gericht erster wir zweiter Instanz war die Oeffcntlichkeit während der Verhandlung wie auch bei Berkündung des Urteils vollständig ausgeschlossen. Gefterreich. Ein Hochverratsprozcß. Lemberg, S. März. Heute beginnt hier unter dem Vorsitz deS LandgerichtöratS Lewicki eine für mehrere Wochen anberaumte Schwurgerichtsverhandlung gegen den 37jährigen Journalisten Simon Bcndastuk, den 23jährigen orthodoxen Priester Max Sandowicz, den 32jährigen orthodoxen Priester Jgnaz Rudyma und den 23jährigen Rechtshörer Wasil Koldra. Es wird ihn«n zur Last gelegt, daß sie seit dem Jahre 1009 bis März 1212 in Lemberg und in anderen Ortschaften Galiziens im Verborgenen und im gegenseitigen Einvernehmen teils als Führer oder durch Aufwiege» lung, teils als unmittelbar Mitwirkende, und die drei erst- genannten auch durch AuSspähung, eine Tätigkeit entfaltet hätten, die auf Losrcißung GalizienS angelegt war, was den Tat- bestand des Verbrechens des Hochverrat? begründet. Der Angeklagte Bendasiuk wollte sich, bei der Abgabe seiner Personalien der russischen Sprache bedienen. Der Vor- sitzende des Gerichtshofes ließ dies aber nicht zu. Ein Grenzzwischenfall. Wien, 2. März. Auf dem M e t a l k a s a t t e l in Bosnien, einem Gebiete, das zweifellos zu Bosnien gehört, jedoch von den Montenegrinern als strittig bezeichnet wird, hat eine monte- negri nischc Abteilung auf den österreichischen Grenzposten geschossen. Der Grenzposten erwiderte das Feuer, worauf sich die montenegrinische Abteilung zurückzog. Ein Montenegriner wurde g e t ö te t, fünf verwundet, darunter drei schwer. Einer der Schwerverwundeten ist gestorben. England. Homerult. London, 2. März. Als Premierminister Asquith sich erhob, um die zweite Lesung der Hoinerulebill zu beantragen, wurde ihm von seinen Anhängern eine Beifallskundgebung be- reitet, die mehrere Minuten dauerte. Asquith erklärte, die Vor- läge enthielte nach seiner und feiner Anhänger Ueberzeugung keine Ungerechtigkeit, aber in U l st e r bestände die Gefahr eines akuten Konfliktes, ja selbst von Unruhen, und dasselbe gelte für ganz Irland, wenn die Bill verstümmelt oder auf un- bestinimte Zeit hinausgeschoben werde. In beiden Fällen sei die Gefahr groß genug, um allerseits zwar nicht ein Aufgeben von Grundsätzen, wohl aber die Annahme einer praktischen Formel zu rechtfertigen, die zu einem Ausgleich führen könnte. Solch ein. Ausgleich müßte seitens der Unionisten die Annahme einer gesetz- gebenden und einer ausführenden Gewalt in Dublin, und seitens der Ministeriellen eine besondere Behandlung der Minderheit in Ulster zur Voraussetzung haben, außer den Schutzmaßregeln, die di� Bill bereits enthielte. Tie Regierung habe auf �rei verschiedenen Wegen versucht, den Schwierigkeiten von Ulster zu begegnen. Er — Asquith— nei�e persönlich zu einer gewissen Ausnahme- stellung Ulsters gegenüber der Dubliner ausführenden Ge- walt und Verwaltung, wobei Ulster ferner ein Einspruchsrecht gegen Dubliner gesetzgeberische Mahnahmen haben sollte. Homerule innerhalb Homerule fand nicht die Zustim- mung der beteiligten Parteien. Ein zweiicr Vorschlag ging dahin, da? neue System völlig auf Ulster anzuwenden, ihm aber nach Ver» lauf von einigen Jahren den Austritt zu gestatten. Dieser Vorschlag hat sich ebenfalls als unannehmbar erwiesen. Die Rc» gierung ist zu dem Schluß gekommen, daß den Grafschaften von Ulster freigestellt werden solle zu entscheiden, ob sie zunächst ausgeschlossen bleiben wollen. Jede Grafschaft von Ulster sollte darüber abstimmen dürfen, bevor die Bill in Wirksamkeit tritt. Die einfache Mehrheit würde entscheiden. An der Wahl würden die für das Parlament Stimmberechtigten teilnehmen und die Periode des Ausschlusses würde sich auf sechs Jahre erstrecken, von dem Zusammentritt der irischen gesetzgebenden Gewalt an gerechnet. Die Regierung habe eine Periode von sechs Jahren gewählt, weil man imstande sein würde, in dieser Zeit die Tätigkeit des irischen Parlaments genügend zu beurteilen und weil die Wähler des ver- einigten Königreichs in dieser Zeit sicher Gelegenheit haben würden, aus Grund ihrer Erfahrungen zu entscheiden, ob der Ausschluß Ulsters aufhören solle oder nicht. Das Reichsparlamcnt würde spätestens im November 1218 aufgelöst werden, vermutlich aber schon früher. Die Legislatur- Periode des folgenden Parlament? könnte nur bis November 1820 dauern. ES würden also givei allgemciiie Wahlen stattfinden, bevor der Ausschluß Ulsters zu Ende ginge. Die ausgeschlossenen Gras« schaften würden ihre Vertreter im Reichsparlament behalten. Füe die Veriualtung und das Unterrichtswesen in Ulster würden bc- sondere Behörden gebildet werden. Die Regierung halte dies für ein billiges und gerechtes Uebereinkommen und habe es um des Friedens willen vorgeschlagen. ASquith schloß, er erwarte nicht, daß dieser Vorschlag Begeisterung Herborrufen werde, aber er bitte um sorgfältige und leidenschaftslose Erwägung. Spanien. Die Kammerwahlen. Madrid, 2. März. Die Minist e.riellen haben in fast allen Wahlbezirken gesiegt. In Madrid sollen ö Republikaner und 3 Monarchisten gewählt worden sein.— Im Verlaufe der Zwischenfälle in Torrox, Castellon und Valencia wurden zwei Gendarmen und drei Wähler getötet, etwa 30 Personen ver- wundet. Insgesamt sind 34 Verhaftungen vorgenommen worden. Bulgarien. Die Wahlen. Sofia, 3. März.(Meldung der Agence Bulgare.) Ueber die Ergebnisse der Wahlen in den Bezirken der Städte liegen bereits ziemlich genaue Berichte vor. Danach erlangt die Regierung in diesen Wahlbezirken eine grosse Mehr- h e i t. Die s o z i a l i st i s ch e Partei hat eine Nie- d e r I a g e erlitten.(?) Dagegen erscheint es schon jetzt als sicher, daß die demokratische und die nationale Partei eine Verstärkung erfahren und in der neuen Sobranje besser ver. treten sein werde» als in der letzten. Die endgültigen Er- gebnisse werden erst morgen bekannt sein. Südafrika. Ein Schritt zurück. Kapstadt» 9. März. Im Abgeordnetenhause beantragte Minister Smuts die dritte Lesung der Indemnitätsbtll und betonte dabei, dass die Verbannung der deportierten Arbeiterführer nicht notwendigerweise eine dauernde sei, da das Einwanderungsgesetz es ermögliche.'Deportierten einy zeitlich beschränkte Erlaubnis zur Rückkehr zu geben, falls guter Grund dazu vorhanden fei. die deportier- ten Arbeiterführer könnten wegen keines Verbrechens verfolgt werden; sie seien aber Leute, die eine soziale Revolution herbeiführen könnten. Japan. Weitere Abstriche am Marinectat. Tvki«, 9. März. Die Budgetkmnmission des Oberhauses beschloß mit 48 gegen 7 Stimmen, beim Marineetat außer der voni Abgcordnetenhause bereits vorgenommenen Herabsetzung um 30 Millionen Uen dem Oberhause eine weitere Herabsetzung um 40 Millionen Yen zu empfehlen. Premierminister U a m a m o t o wandte sich gegen die Maßnahme und erklärte, die Herabsetzung würde die nationale Verteidigung ernstlich behindern. Bezüglich der B« st e ch u n g S f ä l l e in der iviorine sagte der Premierminister, er sei entschlossen, keine Verantwortung zu übernehmen, biS die Gerichte entschieden hätten. Letzte Nachrichten. Dir Revision im Prozesi Miclzhnski zurückgrzogra. Posen, 2. März.(Privattelegramm des„Vor« wärt S".) Der Staatsanwalt in Mescritz hat die Revision, die er gegen den Freispruch deS wegen Mordes angeklagten früheren Reichstagsabgeordneten Graf Miclzynski eingelegt hatte, wieder zurückgezogen. Verfassunasaildcrung in Rumänien. Bukarest, 9. März.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Kammer wurde ein aus der Initiative von Parlamentariern her»� vorgegangener Gesetzentwurf verlesen, welcher eine Revision der Verfassung fordert, um die Agrarreform durchzu- führen. Das gegenwärtige Mißverhältnis zwischen großem und kleinem Grundbesitz solle beseitigt und die Regierung ermächtigt werden, an Bauern unter gewissen Bedingungen gegen eine billige im voraus zu zahlende Entschädigung Ländercien von Großgrund. Besitzern zu verkaufen. Der Entwurf bezweckt ferner die Durch- führung einer politischen Reform durch Aufhebung der gegenwärtigen Wahlkörper und deren Ersetzung durch einen einzigen Wahlkörper mit Vertretung der Minderheiten und Wahlpflicht. Mehrere andere Artikel der Verfassung sollen mit dem Entwurf in Einklang gebracht werden. Ter Entwurf wurde unter Beifall so- fortzu in Beschluß erhoben. Frau Pankhurst abermals verhaftet. London, 9. März.(W. T. B.) Die Führerin der Frauenstimm« rechtlerinnen Frau Pankhurst ist heute abend in Glasgow ver». haftet worden. Der Bürgerkrieg in Mexikck. Mexiko, 9. März.(W. T. B.) Präsident H u e r t a hat an alle Befehlshaber von Bundestruppen im Felde den entschiedenen Befehl ergehen lassen, heute mit dem Angriff Sfeldzug gegen die Rebellen in Nordmexiko zu beginnen. Dia Depesche ent- hält die Mahnung, die Ausländer zu schützen, und kündigt an. daß die Befehlshaber verantwortlich gemacht würden für jed« Nichtachtung dieses Befehls. HERMANN TIETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE 61a Glas, Porzellan, Steingut zu enorm billigen Preisen Tafel- Serlengeschirr ,, München“ Ein Waggon fees Tonkochgeschirr, Kaffee- Seriengeschirr.., München“ Speiseteller flach oder tief......... 38 Pt. Abendbrotteller. Kompotteller Suppenterrinen Gemüseplatten rund 28, 32 PL. 20 PL. 3.50 450 275 125 Kartoffelschüsseln mit Deckel. Bratenplatten oral 95 Pt., 130 175 bis 400 Dejeuners 5teilig, aparte Dekore. 225 325 Salatieren Saucieren 623 85 Pf., 125 125 Für jedes Stück wird Für jedes Stück wird Marke Feuertrotz Garantie geleistet! Garantie geleistet! 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Sprechst. v. 8-8, Sonntags 9-11 M.2,-, 200 St.4,35 frk., 1000 St. 15,50 frk. größßte, weil be könumlichste Schnüpft Goldfarbs„ Kownons 1"! kennligste Marks Berantw. Rebatt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil berantem Tb. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 68. 31. Jahrgang. 1. KilU des Jntinnrlü" Scrlim WlksblM. Nienstag, 16. Mar; 19 l4. Gewerkschaftliches. Die Straßenbahn- Direktion am Schleifstein. Die Straßenbahn- uab Kleinbahnverwallungen in Deutschland sind in einem Verein zusammengeschlossen. Dieser zerfällt dann wieder in verschiedene Bezirksvereine von „Freien Vereinigungen der Betriebsleiter von Straßen- bahnen, Kleinbahnen und Elektrizitätswerken". Aus einem Geheimprotokoll über die Sitzung der„Freien Ver- emigung Ost- und Mitteldeutschlands", die vor Jahresfrist in Rostock abgehalten wurde, sei von der Beratung über: „Streik bei den Auge st eilten der Straßen- bahn" hier einiges recht Interessantes mitgeteilt. Die Sitzung war besucht von den Direktoren resp. Betriebsleitern der Straßenbahnen bzw. Elektrizitätswerke in Posen, Walden- bürg, Köpenick, Hamburg, Breslau, Halle. Berlin, Thorn, Dessau, Kattowitz, Rostock, Bremerhaven. Als Gäste waren anwesend: Ingenieur A l b e r s von der A. E.-G. in Berlin, Direktor P i e r i tz vom Rostocker städtischen Elektrizitswerk, Jakobs als Direktor der städtischen Straßenbahn in Schtverin. Das Referat hielt Direktor Kalle- Breslau. Er er- klärte, daß der Streik der Straßenbahner in Königsberg recht empfiirdlich gewesen sei.„Auffallend wäre gewesen, daß selbst die ältesten Fahrbeamten sich haben verleiten lassen", an jenem Streik teilzunehmen.„Ungewöhnlich lange dauerte der Streik— nämlich rund drei Wochen— und das will unter den bestehenden Verhältnissen bei einem Straßenbahnunter- nehmen viel sagen." Er ftihr fort: „Wie schon in Saarbrücken, ist auch der notleidenden Ver- waltung in Königsberg durch andere Betriebe geholfen worden, indem Personal zur Verfügung gestellt wurde. Freilich konnte bei weitem nicht die Zahl der streikenden Fahrbeamten ersetzt werden. Besonderer Dank gebührt gerade bei dem Streik in Königsberg der Polizei.... Lediglich die von fremden Betrieben gestellte Hilfe ermöglichte es, sich mit Erfolg gegen die Forderungen der Streikenden zu tuenden. Daraus erwächst die Notwendigkeit, eine Vereinbarung zu treffen, stets dem bestreikten Betriebe mit Personal auszuhelfen, und zwar tunlichst mit Kontrollbeamten, deren Abwescn- heit an ihrem Heimatsort weniger auffallen würde. Die Leiter der städtischen Betriebe dürsten beim besten Willen nicht in der Lage sein, die bezeichnete Hilfe(durch Stellung von Streikbrechern) zu leisten, ohne sich Angriffen in den Stadtparlamenten auszusetzen; es sei aber zu wünschen, daß auch durch die städtischen Betriebe Hilfe geleistet werden darf. Für diese Betriebe ist es besonders zweckmäßig, an Stelle der eigentlichen Fahrbeamten einige Konirollbeamten dem durch den Streik notleidenden Betriebe zur Verfügung zu stellen. Dies ist weniger auffällig.... Das Aushelfen bei Streiks müsse statt- finden, damit die Streikenden bei dem betreffenden Betriebe nicht den Triumph geniesten, den Betrieb der Straßenbahn auch nur . einen Tag zum Stillstand gebracht zu haben." In der Diskussion führte Direktor S i e g m a n n- Rostock aus. die Frage müsse durchaus diskret be- handelt werden. Sternberg. Direktor der Posener Straßenbahn sagte:„Joder siegreich niedergeschlagene Streik ist ein Ge- winn für die Allgemeinheit der Straßenbahnunternehmungen: der Königsberger Streik hat der dortigen Verwaltung viel Geld gekostet: den(„arbeitswilligen") Mannschaften wurden freie Reise, freie Verpflegung und ein Tagelohn von 15 M. gewährt: daneben wurde ihnen der daheim entgangene Lohn weitergezahlt. Der Königsberger Streik hat der dortigen Straßenbahnverwaltung 175 000 M. gekostet." K o lle- Breslau:„In Königsberg scheint die Verwal- tung überrumpelt worden zu sein." S i e g m a n n- Rostock:„15 M. Tagegeld(für die Streikbrecher) ist zu viel: die Leute müssen auch nicht mit Geld förmlich überschüttet werden." Geyl, Direktor der Hamburger Straßenbahn:„Es heißt immer, das dürfen wir nicht dulden, daß unsere Leute organisiert sind: aber wir müssen uns auch sagen: auf die Dauer ist das nicht durch- zusetzen: es muß gründlich und wohlüberlegt werden, welchen Eindruck wir bei der Behörde machen, wenn wir sagen: wir dulden nicht, daß das Personal organisiert ist, wir sind aber selb st orga- s i e r t." Direktor Feschke- Waldenburg riet ebenfalls zum Aus- helfen durch Streikbruchpersonal und lobte das Verhalten der Polizei beim dortigen Straßenbahnnerstreik. Sternberg-Posen empfahl eine Streikversicherung der Straßenbahnverwaltungen. van Perl st ein- Thorn warnte davor,„den Haupt- verein mit der Streikangelegenheit zu beschäftigen, da es un- möglich ist, den h e i k l e n G e g en st a n d in diesem geheim zu verhandeln", man solle die Sache durch ein ver- trauliches Rundschreiben ins reine bringen: die Kommunalbahnen könnten nicht mitgehen. K o l l e- Breslau:„Es handelt sich hier um eine außer- ordentlich wichtige Angelegenheit": es sollte tatsächlich durch ein Rundschreiben an alle Verwaltungen klargestellt werden, ob wir uns alle im Falle eines Streiks mit Mannschaften aushelfen wollen. In diesem Sinne wurde beschlosien. verlin unü Umgegenö. Die Bewegung der Marmorarbeiter. Die Frage: Wie stellen wir uns zu dem ablehnen- den Verhalten der Unternehmer? bildete den Ver- handlungSgeqenstand einer stark besuckitcn Versammlung der Marmor- arbeiler. Bürger erstattete Berickit über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Letztere lehnen nicht nur die achtstündige Arbeits- zeit, sondern überhaupt jede Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit strikte ab und damit zugleich auch den geforderten Lohnausgleich. Dagegen wollen sie an den von ihuen geplanten Verschlechterungen entschieden sesthalten. Die von den Marmorarbeitern eingesetzte Kommission legte deshalb folgende Resolution vor: „Die Marmorarbeiter von Groß-Berlin nehmen Kenntiiis von der ablehnenden Haltung, welche der Unternebmerverband ihren Hauptforderungen gegenüber einnimmt. Die ablehnende Haltung vermag jedoch an ihrer Stellung nichts zu ändern. Nach wie vor sind sie von der Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit sowohl als auch von dem durch diese bedingten Lohnausgleich überzeugt, die Berechtigung dieser Forderungen mit der zu- nehmenden Ausdehnung Groß-Berlins und der Steigerung der Lebensmittelpreise begründend. Die von den Unternehmern beabsichtigten Verschlechterungen, die Anfängerlöhne in der Schleisereibranche sowie die Fahrgeld- und Fahrzcilentichädignng betreffend, weisen sie mit Enlschleden- heit zurück und werden sie solch« gegebenenfalls abzuwehren wissen. Sich verpflichtend, unabhängig für die Stärkung ihrer Or- ganiialion tätig zu sein, beauftragen sie den Vorstand, geeignete Mahnahmen zur baldigen Verwirklichung ihrer Forderungen zu treffen." In der Aussprache über den Bericht trat deutlich der Wunsch hervor, sofort zur schärfsten Kainpfform überzugehen, weil die meisten Redner in der vorgeschlagenen Resolution glaubten ein Zurückweichen erblicken zu müssen Dagegen wurden auch Stimmen laut, die durchaus kein Nachlassen der Forderungen in der Annahme des Kom« miifionsvorschlages sehen, sondern eine kluge taktische Mahnahme, wie eS auch die Branchenleiiung andeutete. Dieselbe Auffassung legte W i n k l e r von der BerbandSleitung dar. Ein Antrag Paulikat forderte, vom gestrigen Montag ab in sämtlichen Be- trieben nur noch acht Stunden täglich zu arbeiten. Nach sehr ein- gehender Debatte wurde der Antrag Paulikat in geheimer Ab- stimmung abgelehnt. Darauf vereinigte die abgedruckte Resolution die Stimmen fast sämtlicher Anwesenden auf sich. Ueber den Berliner Flcischcrinnungstarif sprach in einer gut besuchten öffentlichen F l ei s ch e r g e s e l l e n- Versammlung Kollege Schneider. In ausführlicher Weise schilderte der Redner, wie der Zentralverband der Fleischer seit seinem Bestehen seine ganze Kraft dafür einsetzte, um die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Fleischergewerbe tariflich zu regeln. Dank seiner unermüdlichen Tätigkeit wurden bis Ende 1913 759 Tarifverträge für 8300 Fleischergesellen abgeschlossen. Die Fleischerinnungen waren von jeher die größten Gegner von tariflichen Regelungen. Auf den Verbandstagen der Fleischer- meister wurde über die Abschließung von Tarifverträgen weidlich geschimpft. Es wurden da Resolutionen gefaßt, die besagten, daß der Fleischermeister, welcher sich zu einer tarif- lichen Regelung der Arbeitsverhältnisse in sei- nem Betrieb herbeiläßt, des Handwerks unwür- dig sei. Die Standesehre der Fleischermeister würde durch Abschluß von Tarifverträgen ver- letzt. Der Fleischergeselle sei kein gewöhnlicher Arbeiter(wohl weil er täglich durchschnittlich 14 Stunden av- beiten muß?), sondern die Gesellenzeit im Fleischergewerbe sei nur ein Uebergangsstadium vom Gesellen zum Meister. Im Jahre 1910, anläßlich der Tarifbewegung in Karlsruhe i. B., drohte der Vorsitzende des Deutschen Fleischermeisterverbandes, Herr Marx- Frankfurt a. M., den tariftreuen Fleischermeistern von Karlsruhe damit, daß er dafür sorge, den Fleischermeistern die städtischen Lieferungen zu entziehen, wenn sie nicht ihre Unter- schrift von dem Tarifvertrag zurückziehen. Herr Marx wurde aus Anzeige der tariftreuen Fleischermeister wegen Nötigung zu einem Tag Gefängnis verurteilt. Herr Marx erklärte dazumal, daß eher einige kleine Meister ihre Existenz aufs Spiel setzen müssen, als daß Tarifabschlüsse im Fleischergewerbe zustande kom- men. So kämpften die Fleischermeister zwei Jahrzehnte lang gegen die tarifliche Regelung, und was sie nun so lange be- kämpften, hat endlich die Berliner Flerscherinnung aus Angst vor der aufwärtsstrebenden Gesellenbewegung anerkannt. Die Idee der tariflichen Regelung der Arbeitsverhältnisse im Fleischergewerbe hat in der Theorie gesiegt; ja sie hat sogar gleich einen Sprung gemacht: man ist zu dem Abschluß eines korporativen Tarifver- träges übergegangen. Der langjährige Kampf des Zentralvcr- bandcs der Fleischer hat in Berlin die erste Frucht gezeitigt. Anders steht es mit dem abgeschlossenen Tarifvertrag selbst. Es ist ein Vertrag, der den Gesellen keine Verbesserungen, sondern Verschlechterungen bringt. Dia Arbeitszeit beträgt wöchentlich 72 Stunden einschließlich der geietzlichen Sonntagsarbeit. Sollten mehr Ueberstunden geleistet werden, so sind diese als Ueberstunden anzusehen. Die Arbeitszeit darf an keinem Tag 14 Stunden überschritten. Ist während dieser Zeit die zu leistende Arbeit nicht zu bewältigen, so sind Ueberstunden, jedoch nur unter Zustimmung des Meisters, zu machen. Ueberstunden sind mit 50 Pf. zu entlohnen. ES wer- den jedoch nur voll geleistete Ueberstunden be- zahlt. Was in diesen Bestimmungen der eine Paragraph vorschreibt, löst der andere Paragraph wieder auf. Während der§ 1 ein« wöchentliche 75 stündige Arbeitszeit vorschreibt, werden die Ge- sellen im s 2 verpflichtet, täglich 14 Stunden ohne Ueberstunden- bezahlung zu arbeiten, das sind, Sonntagsarbcit mit eingerechnet, 87 S t u n d e n p r o W o ch e. Ist die Arbeit in diesen 14 Stun- den nicht zu bewältigen, so sind Ueberstunden, jedoch nur unter Zustimmung des Meisters zu machen. Und werden dann Ueber» stunden gemacht, so werden nur vollgelcistete Ueberstunden gezahlt. Sehr viele Gesellen, und hauptsächlich die Gelben, haben gar nicht den Mut. an den Meister wegen Ueberstunden heranzutreten, und wenn der Meister schlau ist. so verzieht er sich, wenn er sieht, daß Ueberstunden gemacht werden müssen, aus dem Gesichtskreis der Gesellen, damit die zu machenden Ueberstunden nicht gemeldet kleines Feuilleton. Sumpf und Sturmflut. Das ist wohl eines der stärksten Stücke, das seit Wochen ein bürgerliches Blatt geleistet hat. Das hat kaum seinesgleichen und kann schwerlich überboten werden. Hier ist aller Scham mit einer Wucht ins Gesicht geschlagen worden, daß das Blut des Hohns nur so spritzt. In der setzten Sonntagsperl« des„Schatzes der Armen", der „Morgenpost", trennt eine Zeichnung vom Sechstagerennen einen knappen Bericht über die Not cui der Ostsee in zwei Hälften. Der Ruf des Provinzialkomitees um Hilfe für die Menschen, die nicht mehr als das nackte Leben gerettet haben, durchschneidet ein Bild aus dem Palast, darin sechs Tage lang die Lebewelt in Wonnen schwimmt. Tie Bitte, derer nicht zu vergessen, die alles verloren haben, überschreit ein Dickwanst mit der Verkündung eines Ge- Winnes für die Kultur: 54 Stunden. 1814,130 Kilo- meter! Weltrekord!! Die Prinzen, die Aristokraten, die Snobs, die Zuhälter und die Kokotten horchen auf, ein Taumel der Freude erfaßt sie, Champagner fließt, die Musik spielt die National- Hymne, man liegt sich in den Armen, es werden Küsse gegeben, und grenzenloser als die Not der Armen ist das Glück der Lebewelt. Ein Klingelbeutel geht herum, er füllt sich rascki mit Silber- und Goldstücken, es ist ja alles da, und„das Ausfahren einer Prämie gestaltet sich doch immer hochdramatisch". Was bedeutet da neben solch einem hinreißenden Schauspiel die Tragödie einer Sturmflut? Der Kampf um ein Paar Manschettenknöpfe, die der Kronprinz gestiftet hat. geht den Herrschaften näher als der Kampf derer, die kaum mehr als ein Hemd am Leibe haben, eine Jagd nach den „blauen Lappen" raubt ihnen den Atem, und der Hilferuf für jene, denen die Sturmflut alles geraubt hat, liegt in Fetzen, zerrissen in zwei Hälften, zwischen denen sich der wahre Charakter der bürgerlichen Presse offenbart. Haben die Kinder Religion? Im Märzheft der Zeitschrift „Die Tat", die der Neformbewegung der Erziehung gewidmet ist, untersucht Emil Felden die Frage, ob Kinder Religion haben. Er verneint sie durchaus für die ersten Lebensjahre und bejaht sie nur sehr bedingt für die Zeit vom 10. Lebensjahr an. Ter „GottcSglaube" der Kinder stoinint nicht aus einem inneren Be- dürfnis, sondern ist Dressur, die den Kindern die Erwachsenen äußerlich aufgenötigt haben. Ter Verfasser, selbst ein Pfarrer, hat 410 Schüler des Konfirmandcnunterrichts, Knaben und Mädchen von 12 bis l4 Jahren, ans allen Schichten der Bevölkerung auf ihre religiöse Gesinnung geprüft. Die große Mehr- zahl der Konfirmanden bekannte offen ihren Unglauben. Von 59 Konfirmanden einer Abteilung erklärten 49:„Es gibt keinen Gott." Von den übrigen 300 Schülern und Schülerinnen erklärten 20, daß sie an Gott glaubten, 13:„man könne es nicht wissen", 321 bekannten ihren Unglauben. Tie meisten Kinder gaben als Grund ihres Unglaubens an, daß noch niemand Gott gesehen habe. Andere meinten: Wo soll er denn sein? Im Himmel sei die Luft zu dünn, da müßte er herunterfallen. Wenn er nur Geist sei, wie könnt« er leben oder etwas schaffen? Wenn er Geist sei, habe er keinen Kehlkopf, könne also auch nicht mit Moses gesprochen haben, dann seien auch nicht die Gebote von ihm und die Menschen hätten sich alles nur ausgedacht.„Unsere Lehrer sagen eS nur, weil der Senat(von Bremen) es so haben will." Im Unglauben war kein Unterschied zwischen Knaben und Mädchen zu entdecken. Die häufigsten Einwände waren Vernunft- gründe der erwähnten Art. Seltener waren die Einwände, die die Kinder ihren persönlichen, sozialen Erfahrungen entnahmen: „Wenn man Hunger hat und betet, kriegt man doch nichts zu essen."—„Wenn eine Mutter krank ist, dann müßte sie gesund werden, wenn es einen Gott gebe."—„Gott hilft den Armen nicht, dann kann es uns auch egal sein, ob einer da ist oder nicht." Hermann Stchr in Berlin. Es ist von jeher so gewesen und wird � wohl auch noch länger so bleiben: es muß einer erst dreißig Jahre tot sein, um die verdiente Anerkennung als Dichter zu er- langen. Und dann ist man wohl schon etwas„veraltet" nnd muß sich daraus beschränken, in der Literaturgeschichte ein kümmerliches Dasein zu fristen.— So war denn auch Sonntagmiitag der Bech- steinsaal ziemlich leer, als der fünfzigjährige Schtefier Hermann Siehr aus das Podium trar, um den— leider sehr kleinen— Zuhöreikreis in die Well seiner Schöpfungen ein- znfiibren. In den beiden Prosastücken, die er neben dem sinnvollen Gedicht.Trostgesang" auswählte,— einem Kapitel aus dem Roman „Der begrabene Gotl" und einem aus der Novelle«Die Groß- multer"— gab er zugleich das Programm seiner eigenartigen Kunst, die sich mitleidig liebevoll in das Seelenleben der Äermsten verientt und mit realistischer Kleinmalerei die außerordentlich feine Wieder- gäbe der psychiswe» Zustände zu einem ergreifenden, stiminungSvollen Ganzen verwebt. Der Dichter trug seine Werke eindrucksvoll vor, man spürte die Persönlichkeit, die sie geschaffen. Hoffentlich findet Stchr auch einmal den Weg zum Volke, in dem allein seine Kunst wurzelt. Ein Robinson Crusoe von beute. Wer Sinn für Einsamkeit und Romantik besitzt, den wird die Sehnsucht packen, wenn er von dem Inserate hört, das in diesen Tagen in der Londoner„Timeö" erschien. Dort war nichts mehr und nichts weniger als ein Welt- entlegenes Eiland mit vier„Nebeninseln" zum Verkaufe an- gcboien, nnd die Schilderung, die von dem Olftekt entworfen war, lockte durch die farbenprächtigsten Bilder. Wer wird der Robinson Crusoe sein, der hier wie sein berühmter Vorgänger ein träum- verlorenes Dasein, das nichtsdestoweniger mit großem Komfort der Neuzeit geführt werden kann, zu leben gedenkt? Die einzige Bedingung, die der Käufer und Einsamkeitsliebhaber zu erfüllen hat, besteht darin, bare 80 0 M. auf den Tisch zu zahlen. Da- durch wird er unbeschränkter Herr des kleinen schönen Jnselreiches. Die Insel gehört zu den Bahamainscln im westindischen Archipel. Ter Name ist„Great Whale Caw". Es ist beileibe kein unfrucht- barcS Land, sondern, wie von dem Verkäufer versichert wird, stehen 4000 Kokosnußbäume dort in Reih und Glied, und ein großes Stück Ackerland ist mit Sisalgras bewachsen, aus dem Hanf getvonnen wird. Inmitten der Insel erhebt sich ein an- mutiges Wohnhaus. Von dem Luxus, mit dem es ausgestattet ist, sei nur erwähnt, daß im nächtlichen Dunkel darin das strahlendste elektrische Licht erglänzt. Der gegenwärtige Eigentümer der Insel„______ setzte vor neun Jahren mit seiner jungen Frau als erster seinen> unzüchtig erklärt. Fuß auf die gänzlich unbewohnte Insel und erschloß sie der! Ehre, wem Ehre gebührt t Kultur. Die beiden blieben die einzigen Bewohner der Insel, bis eines Tages ein Mulatte den Weg zu ihnen fand und getreu wie der„Freitag" Robinson Crusoes ihnen ein hilfreicher Diener wurde. Nach einigen Jahren entschloß sich der wagemutige Crusoe, eine Reihe von?Nulatten als Arbeiter auf die Insel zu nehmen und dort eine Kokosbaumpflanzung anzulegen. Die Kokosnuß- und die Hanfindustrie sichern dem Jnselkönig ein auskömmliches Dasein. Und wenn dem Einsamen, der sich diese Insel als Wohn- ort erkiesen will, einmal doch nach Abwechselung gelüstet, dann braucht er nur sein Motorboot zu besteigen und zum 55 Kilometer entfernt gelegenen Nassau zu gondeln, wo er selbst die Freuden eines— Kientopps genießen kann. Die geschiedenen Zwillinge. Bor einigen Wochen wurde der Pariser medizinischen Akademie das am 23. November v. I. ge- borene Schwesternpaar Susanne-Madelaine vorgestellt— als ein neues Beispiel von„Tiphophagie", oder wie der populäre Name sagt:„siamesischer" Zwillingschaft. Die Untersuchung ergab, daß eine die beiden voneinander trennende Operation unschwer durch- zufiihren war. Die radiographische Aufnahme zeigte nämlich, daß Susanne und Madeleine ganz separate Eingeweide besahen, und daß es sich nur darum handelte, eine schmale, von einer Membrane umhüllte Verbindung zwischen den Lebern durchzuschneiden. Die Operation war gleichwohl eine delikate Arbeit. Sie wurde aber in 35 Minuten glatt durchgeführt, nachdem die Zwillinge anästheti- siert worden waren. Man hatte alle Aussicht, die wohlgebildeten Kinder am Leben zu erhalten; inzwischen ist aber doch eines gestorben.__ Notizen. — V o rt r ä g e. Der bekannte GenchtSchemiker Dr. Pauk Jeserich wird aus seiner interessanten Praxis einige Streiflichwr geben und in der Utania in der Taubenstraße am Dienstagabend 8 Uhr einen Vortrag«Wissenschaft und Verbrechen" halten. ---Die Lage b es KiinstlertheaterS. Sonntag fand eine Versammlung der Sozietäre und Aiiteileigner des Dentslbcn Kiinstlerlheaters iiatt. Es wurde eingebend Bericht über die Ge« schäfrslage des Theaters erstattet und festgestellt, daß die über das Theater verbreiteten ungülistige» Berichte unzutreffend sind. — D i e Schinkclausstellung im Schinkelinuseum ist bis zun, 31. Marz unentgeltlich geöffnet und zwar; Mvntag, Mittwoch, Freitag von 10 bis 4 tthr und Sonntag bon 10 bis 1 tlhr. — Die Soziakdemotratie als-Kulturfaktor. Der Oldeiiburger Landtag bewilligte die Uebernahme der kunstgewerblichen Sammlungen auf den Staat und die nötigen Mittel zu einem Neubau. Das Museum stand bisher unter Vereins« Verwaltung. Erfreulicherweise fand sich auch die Mehrheit für Be- willigung von Ankaussmittcln, da sonst jede Entwickclung auSge- chlossen wäre. Die sozialdemokratische Fraktion hatte wesentlich zu der Erfüllung dieser Kllltnraufgabe beigetragen. Noch einmal die Feuerbachsche Nymphe. In der Sonntagsglosse: Erotische Hochspannung ist ein sinnentstellender Druckfehler enthalten. Die Berliner Konfiskationskammer hat die Nymphe Fenerbachs nicht einmal(statt: mit einmal) für relativ Werben fönnen, und- fchon braucht der Weiter die geleisteten verpflegung hatte, wirb heute die Eintragung in die Armenlifte ber- fchmelzung mit einer anbern Großbank bietet. Die Handelsgefelifchaft DeUeberstunden nicht zu bezahlen! Das größte Unrecht ist, daß langt und diese wird gelegentlich Individuen verweigert, die notorisch figt zudem ein für ihre Beziehungen zur Großindustrie verhältnismäßig nur boll gefeiftete Ueberstunden bezahlt werden. Der Gefelle seit Jahr und Tag obdachlos find. Bon der Existenz Chronisch geringes Aftienfapital( mur 110 millionen Mart), wogegen die Refann laut Zarif beinahe 15 Stunden täglich zur Arbeit heran- franter will man nichts mehr wissen und hat unlängst eine alte Frau, ferven( mit 84,5 Millionen Mart) höher find als bei dem Schaaffgezogen werden, das sind über 90 Stunden pro Woche, ohne daß die von einem Hospital dem Institut für Chronischkranke überwiefen haufenschen Bankverein und der Darmstädter Bant mit höherem er auch nur einen Pfennig für Ueberstunden bezahlt bekommt. wurde, per Droschte in ihre Wohnung geschickt. In der Tat war Der& 4 bejagt, daß der Innungsarbeitsnachweis im Gesellenhaus die Alte fo bei Kräften, daß sie noch in der Droschte starb. Man Aktienkapital. Die Folge des relativ niedrigen Kapitals ist die in Anspruch zu nehmen ist. Der organisierte Gefelle bebente, daß die Hospitäler in Rom bon Mitteln unterhalten werden, eigene starte Beanspruchung von Kredit. ist von diesem Jnnungsnachweis ausgeschlossen. Die die Erblasser den Armen bestimmt haben. Die Armen Roms Die Geschäftstätigkeit aller Banten stand im vergangenen Jahre Ja man droht den organisierten Gesellen sogar mit Anzeige wegen werden heute um ein unzweifelhaftes menschliches und juristisches im Beichen der Geldteuerung. Die hohen Einsätze brachten den Hausfriedensbruch, wenn sie nur den Innungsnachweis betreten. Recht in gemeinster Weise geprellt. Tros des ungeheuren Mangels Banten große Einnahmen aus Zinsen, Provisionen und WechselDer§ 4 ist also, obwohl der Tarifvertrag mit dem Gefellen an Hofpitalbetten hat man foeben das hospital von S. Giacomo verlängerung. Der teure Geldsatz hinderte aber gleichzeitig die ausschuß, der alle Gesellenab organisiert oder nicht zu mit 800 Betten gefchloffen. Diese Maßnahme hat dem Faß den Industrie an der Inanspruchnahme hoher Kredite und das Spekulantenvertreten hat, abgeschlossen ist, der Paragraph des Terrorismus. Boden eingeschlagen und die Arbeiterschaft bestimmt, den Werfuch zu publikum an der Beteiligung bei Börsengeschäften. Dadurch Es ist der Paragraph, der dem Gefellen verbietet, sich zu organi- machen, durch den Generalstreit die Behörden zur Bernunft zu fieren. Das Originellste an dem Tarifvertrag ist der§ 6, das bringen. Der Streit wird sich auch auf die Trambahner und auf fanken zugleich die Einnahmen der Banken auf dem Konto Schiedsgericht. Dasselbe besteht aus je zwei Jnnungsvorstands die Druder erftreden. Davon, daß die strankenwärter ihren Dienst Beteiligung und Neuausgabe von Wertpapieren. Durch die Kursund zwei Gesellenausschußmitgliedern. Eine Berufung gegen diese einstellen, hat man aus humanitären Rücksichten Abstand ge- verlufte an der Börse erlitt auch das Konto Besitz von BertEntscheidung dieses einseitig zusammengesetzten Schiedsgerichtes nommen. papieren Mindereinnahmen. Bei zwei Banken( Schaaffhausen und gibt es nicht. Nationalbank) werden auf diesem Konto sogar Verluste nachgewiesen. Mit Recht protestieren die Berliner Fleischergesellen gegen diefen Tarifvertragsabschluß, der der Ausbeutung Tür und Zor öffnet, und mit Recht sprachen die Bersammelten dem Berliner Gesellenausschuß das Recht ab, fie fernerhin zu vertreten, zumal der Gefellenausschuß diesem Tarifvertrag über die Köpfe der Ge- Die Großbanken im Jahre 1913. fellen hinweg seine Zustimmung gab und noch nicht einmal den Mut hatte, obwohl er schriftlich zu dieser Versammlung eingeladen war, zu erscheinen und sich au rechtfertigen. Eine bemgemäß verfaßie Resolution fand einstimmige Annahme. In diefer Resolution erkennen die Versammelten die Organi fation als die Korporation an, die bis dato mit allem Ernst and Eifer die Intereffen der Berliner Fleischergesellen vertreten hat und ersuchen die Organisation auch fernerhin mit den Fleischer meistern in Berbindung zu treten, um Tarifabschlüsse zustande zu bringen, die den Gesellen auch wirklich Vorteile bringen. Dentsches Reich. Wirtschaftlicher Wochenbericht. " Aus der Partei. Die Rote Woche. Nur Vorteile von den teueren Geldfäßen hat die Deutsche Reichsban? gehabt. Die Einnahme aus ihrer Haupttätigkeit, ber Diskontierung bon Wechseln, flieg gegen 1912 von 59 auf Kapitalserhöhungen von 68,2 Millionen, da die Distontfäge neun Monate lang 6 Broz. beGroßbanken. trugen. Die Zinsen erfuhren eine Steigerung von 1,5 anf Die Konzentration des Kapitals macht gerade in Seiten des 4,7 millionen. Die Unfoften fielen dagegen laum höher aus, so Stonjunkturridganges besonders große Fortschritte. Kleinere Unter- baß ber lleberfuß von 87,4 auf 50,6 Millionen anwuchs. Der nehmungen gehen in schlechten Zeiten ganz unter oder müffen fich Reichstaffe fielen davon 31 Millionen zu, faft 10 Millionen mehr als im Vorjahre. größeren anschließen. Nur die kapitalkräftigen Unternehmen vermögen schlechte Beschäftigung, finkende Preise und geringen Absatz zu ertragen. Aus dem zu solchen Beiten fich verschärfenden Kon furrenztampf gehen daher allein die Größten mit relativem Machtzuwachs fiegreich hervor. Auch für die Banten, die scheinbar von Konjunkturschwankungen wenig berührt werden, weil ihre Menta Jm Agitationsbereich des Brobingtal. bilität( Dividende) in ungefähr gleicher Göbe bleibt, ift die Beit ferretariats für die Provinz Brandenburg find am der Konjunkturabschwachung die Beit der Ausdehnung und Erweite rung. Da jeder Konjunkturridgang mit der Berbilligung des Sonntag nach den bom Sekretariat gesammelten Resultaten 1600 Mitglieder der Partei, Geldes infolge wuchernden Geldangebotes verbunden ist, liegt für die 1100 Abonnenten der Parteipreffe Banken in diesen Seiten ein besonderer Anreia, ihr arbeitendes Rapital au bergrößern und das Kapital wird natürlich nur denen, neu gewonnen worden. Das Ergebnis bieler Drte feht noch und ihnen um so lieber, auftrömen, die in den erften Strifenzeiten nicht feft. tein Beichen der Profitverringung zeigen. Also auch hier dient die In Elberfeld- Barmen wurden am Genntag, dem erften Lage der Noten Woche, 677 nene Parteimitglieder geStonjunkturabfchwächung in erster Linie den großen Instituten. In dem vergangenen Jahre ist nun in Deutschland ein wonnen, und zwar 566 männliche und 111 weibliche. Die Verschlechterung der Produktions- und Breisverhältniffe am Waren der Gewinnung neuer Leser für die Parteipresse, bestimmt. Im Wahlkreise Hagen- Schwelm wurden am Sonnmarit bringen. Gleichzeitig ist das Geld, das bis zur Mitte des Jahres 1918 infolge der besseren Konjunktur und der politischen Ber- tag 688 nene Mitglieder gewonnen, und zwar 600 männliche widelungen Inapp und teuer war, feit dem Herbst 1918 billiger ge- und 38 weibliche. Da noch die Resultate mehrerer wichtiger worden; die Reichsban! hat mehrmals den Binsfuß für ihre Kredit Drte fehlen und die Agitation noch an zwei Sonntagen fortgewährung herabgesetzt. Die Geldmarttelage ist wieder füffiger gesetzt wird, ist für den Wahlkreis Hagen- Schwelm mit dem und es nimmt daher kein Wunder, daß die deutschen Großbanten Gewinn von zirka 1000 neuen Mitgliedern zu rechnen. Sapitalserweiterungen benten. Wohl Einen Kampf um die Koalitionsfreiheit führen die Maurer und Steinhauer in Mihla i Thür. Dem Internehmer Schlothauer, der neben einem Baugeschäft auch den Abbau mehrerer steinbrüche betreibt und dabei zuzeiten bis zu 200 Arbeiter beschäftigt, ist es plöblich eingefallen, von den Arbeitern den Austritt aus der Organisation zu verlangen. Dies Verlangen ist um so sonderbarer, als Schlothauer zurzeit noch mit dem Zweigverein Gisenach des Bauarbeiterverbandes in einem Tarifverhältnis steht, das allerdings mit dem 1. Mai beendet sein wird. Der Versuch auf Erneuerung des Tarifes, unter der Voraussetzung einer angemessenen Lohnerhöhung, dürfte denn auch Konjunkturumfchlag erfolgt und die Zeiten werben eine weitere Mitgliederagitation wird fortgesetzt. Der nächste Sonntag ist die Ursache gewesen sein, daß Herr Schlothauer durch einen seiner Boliere bei den Arbeitern Unterschriften sammeln ließ, unter einer Erklärung, für den bisherigen Lohn auch später weiterarbeiten zu wollen. Gleichzeitig wurde bekanntgegeben, daß die dazu Bereiten mit bem 1. Mai aus dem Bauarbeiterverband anzutreten und fich einem neu zu gründenden Werkverein anzuschließen haben. Wer die Unterschrift nicht leistete, wurde unter dem Vorwand des schlechten Geschäftsganges entlassen. Auf diese Weise hat der Unternehmer etwa 60 Arbeiter entlassen, die sich gemeigert hatten, die Unterschrift zu geben. Wie wenig die angebliche Ursache der inappheit des vergangenen Jahres zu einem Rüdgang der Umsätze Entlassungen mit der Wahrheit übereinstimmt, hat fich ergeben, und teilweise der Gewinne bei den Banken geführt. als alle Arbeiter, welche die Unterschrift leisteten, auch sofort ein der größten unserer Banken haben fogar ihre Dibibende geftellt wurden. Dabei wurde aber der sofortige Austritt aus dem ermäßigen müffen, der Schaaffbaufensche Bankverein um 2 Broz. Bauarbeiterverband verlangt. Die Arbeiter haben das natürlich( auf 8 Proz.), die Berliner Handels- Gesellschaft und die National nicht getan, sondern unterhielten sich nach der Arbeitszeit darüber, bant je um 1 Bros.( auf 8%, bezw. 6 Broz.). Aber auch bei diesen wie diesem Koalitionsgegner zu begegnen sei. Als Schlothauer Banten ist mit Ausnahme des Schaaffhausenfchen Bantvereins die davon hörte, forderte er alle diejenigen Arbeiter, die die Abmeldung Ersparnis bei der Dividendenzahlung zu erhöhten Rädlagen berbeim Bauarbeiterverband nicht vollzogen hatten, auf, fofort seinen Betrieb zu verlaffen. Diefer Aufforderung tamen dann alle Bewendet worden, so daß eine innere Erstarlung der Institute ftattgefunden hat, die eine Rapitalserhöhung vorbereiten tann. Es ist fchäftigten nach. neben den beiden Beaten, bie baber wahrscheinlich, daß bereits die Bermehrung des Aktienkapitals befchloffen haben, noch andere innerhalb des jenigen Konjunkturperiode eine Ausdehnung vornehmen werden. In der Zeit des Terrorismusgefchreis aller Realtionäre Aber den angeblichen Terrorismus der Arbeiterorganisationen ist das wirklich ein schöner Beweis dafür, wo die Terroriften zu fuchen find. Der Unternehmer wird verfuchen, namentlich für feine Steinbrüche, die sich bis nach Hayroda, an der Bahnftrede TreffurtMühlhausen, erftreden, Arbeiter zu erhalten, vermutlich aus der Gegend von Raiserslautern Es wird gebeten, alle Steinhauer und Steinbrecher darauf aufmerksam zu machen, daß die Betriebe bon Schlothauer als gesperrt zu betrachten find. Die andgesperrten Gelben. an hat die Gelds Die inische Beitung" über Bebels Lebenserinnerungen. Drei In einem längeren Artikel des Biteratur- und Unterhaltungsblattes der Köln. Beitung vom 8. März wird auch der britte Band von Bebels Wert Aus meinem Leben" besprochen. Der Kritiker tommt schließlich zu folgendem Urteil: „ Ueberschaut man den Inhalt der nunmehr fertig vora liegenden Erinnerungen, so muß man auch als Gegner zuge ftehen, daß fie in all ihrer agitatorischen Einseitigkeit und Sub jeftivität einen sehr wertvollen Bestandteil unserer deutschen Memoiren- Biteratur bilden. Ihr reicher Materialinhalt macht fie ebenso fehr dazu, wie die ungeheure Hingabe an eine Sache, bie fie auf jeder Zeile predigen. Die deutschen Bolitiker werden auch diesen Band mit Aufmerksanleit lesen müssen, er enthält ein wichtiges Stad deutscher innerpolitischer Geschichte, gesehen durch das Temperament des größten Agitators, den Deutschland bis jeht hervorgebracht hat." Bon manch anderem Urteil der Gegner, bie glauben, alles Herunterreißen zu müssen, was mit der Sozialdemokratie zufammenhängt, sticht dieses Urteil der Kölnischen Zeitung" sehr ab. Gemeindevertreterwahlen. Bängt das auch wieber an? In einer Rotia des Harburger Boltsblattes", die sich mit der Staatsanwalt eine Majestätsbeleidigung gefunden und Ordensverleihung an den Oberst v. Reuter befaßte, hat der gegen den Verantwortlichen, Genoffen Schubert, Anflage erhoben. in der Notiz wird kurz die Haltung festgestellt, die Wilhelm II. als Armeechef gegenüber dem Konflikt zwischen Bürgertum und Militär in Babern einnehmen mußte. Die Banten, die fon jest ihr Kapal erhöhen, fub te beiden größten Deutschlands. Die Deutsche Ban? seht ihr Rapital von 200 auf 250 Millionen, die Disconto Gefellfaft bon 200 auf 225 Millionen hinauf. Die Deutsche Bant benutzt den Kapitalsauwachs, um fich die Bergisch- Märkische Bank! in Elberfeld, eine ber größten Brovingbanken, anzugliedern, die schon jetzt unter bem Einfluß der Deutschen Bank steht. Die Disconto Jn Markersdorf, einem Orte im Wahlfreife orliba Herr v. Neiswis und feine wirtschaftsfriedlichen Arbeiter find Gesellschaft verwendet die Kapitals erhöhung, um das Kapital einer Bauban, wo es außerordentlich schwer ist, fich öffentlich für die miteinander in Differenzen geraten. Der Oberscharfmacher und Tochterbant, der Norddeutschen Bank in Hamburg, an erhöhen und Sozialdemokratie zu entscheiden, gelang es unsern Genossen, mit Chefredakteur der Arbeitgeber- Zeitung" ist in Altona an einem eine Filiale in Antwerpen zu errichten. Die Deutsche Bant beab- elf gegen neun Stimmen den ersten Sozialdemokraten ins Bergament- und Papierstoffwerk beteiligt, das von einem anderen fichtigt durch den Erwerb der Bergisch- Märkischen Bant, festeren Fuß Gemeindeparlament zu entfenden. Reiswig geleitet wird. Meine Frage, daß der hocheble Baron im rheinisch- westfälischen Industriegebiete zu gewinnen, denn dort und Freiherr seinen Betrieb sozialistenrein hielt und die wirt ist die Provinzbant mit etwa 35 Niederlaffungen und Depofitenschaftsfriedlichen" Arbeiter bevorzugte. Er zahlte ihnen den für faffen feft berantert Die Gelegenheit für die Deutsche die Verhältnisse in Hamburg- Altona horrenden Lohn von 42 bis Bant, ihre Beziehungen zur dortigen Industrie feftigen, 45 Pf. in der Stunde. Gine Gruppe der Maschinenführer mußte ist um fo günstiger, als der Schaaffhaufensche Bankverein( Köln in den Bausen durcharbeiten, wofür ihnen eine nach der Menge und Berlin) durch die Ermäßigung seiner Dividende auf das des fertiggestellten Papiers berechnete Prämie versprochen ward. für eine Großbant ungewöhnliche Niveau von 3 Proz. in feinem Anstatt der Prämie bezahlte Reiswiz den Arbeitern mur den Lohn ersten Arbeitsgebiet( Rheinland) an Nuf einbüßen muß. für die zwei durchgearbeiteten Stunden. In jüngster 8eit follen Die Kapitalserhöhung der Disconto- Gesellschaft ist dagegen die Arbeiter aber auch den Stundenlohn nicht mehr erhalten. Ihre nicht der Erweiterung inländischer Beziehungen, sondern der AusProteste wurden mit einem Revers beantwortet, daß fie bereit behmung des Geschäfts mit fremden Ländern gewidmet. Darauf feien, in Schichtlohn" zu arbeiten. Die Eingeschüchterten unter deutet sowohl die Errichtung einer Zweigniederlaffung in Antwerpen schrieben. Aber die wirtschaftsfriedliche Rube wollte nicht wieder- als die Kapitalserhöhung ihrer Tochterbant in ber Handels- und Am Freitag wurde der verantwortliche Redakteur ber tehren. Weiteren Ansprüchen folgte ein zweiter Revers, nach dem Hafenstadt Hamburg. Die Disconto- Gesellschaft arbeitet schon jett Arbeiter Beitung" in Effen wegen Beleidigung des die Arbeiter keine Forderungen an die Firma haben. Diesmal zum Teil mit Hilfe von befreundeten Banten besonders in Süd- Fabrikbefibers Dr. Goldschmidt in Essen zu 40 M. Geldstrafe unterschrieben nur wenige Arbeiter. Darauf bot man ihnen eine amerika( Brafilien und Chile). Die Kapitalserhöhung der Nord- berurteilt. Durch Ablehnung der Beweisanträge wurde die Aufrollung der äußerst interessanten Borgeschichte des Prozesses ver Abfindung von 5 M. und legte später noch 4,80 m. darauf. Als deutschen Bant ist übrigens rein formell, denn die Discontogefell hindert; voraussichtlich wird dies aber noch in der Berufsverhandaber trotz alledem die Begehrlichen auf ihrer Forderung von 70 M. fchaft ist alleinige Befizerin der Bank in Hamburg, die in Behindert; voraussichtlich wird dies aber noch in der Berufsverhandlung nachgeholt. bestanden, mußten sie den vaterländischen Betrieb verlassen. ziehungen zur rheinisch- westfälischen Schwerindustrie( z. B. Gelsen. So ist der Krieg zwischen den Wirtschaftsfriedlichen und ihrem firchen), deutschen Bergwerksunternehmen und rumänischen Betroleum großmächtigen Proteftor entbrannt. Mit profitlüfterner Tapfigkeit gesellschaften steht. haben die hohen Herren den vaterländischen Phrasenschleim weg- Der Gewinn und Dividenrüdgang bei dem Schaaffhausen gewischt, so daß wieder einmal fichtbar auch für das Auge des schen Bantverein ist so bedeutend( von 7 Broz. im Jahre rückständigsten Arbeiters, die unversöhnliche Gegenfählichkeit der 1911 auf 3 Broz. im Jahre 1913), daß die Gerüchte erklärlich Intereffen zum Vorschein kommt. Schneiderftreik in Saarbrücken. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Kapitalistische Geschäftsmoral. Die Firma Goldschmidt, Inhaberin des bekannten Termit Schmelzverfahrens, hatte die Berliner Detektivfirma Wannowsti beauftragt, ein Fabrikgeheimnis auszutundschaften, das dem Stahlwerk Wengern an der Ruhr patentiert war. Der Detektiv Hinder hofer quartierte fich als Stein- und Erzsammler" an der Ruhr ein und bewog einen Arbeiter des Stahlwerks zum Diebstahl von Rezept und Metallproben des Verfahrens, die dann in den Besitz werben, wonach die Aufsaugung des Bankvereins durch eine der Firma Goldschmidt übergingen. Auf die Strafanzeige des andere Großbank in Aussicht stehe. In früheren Jahren Stahlwerks wurde der Arbeiter, der für seinen Liebesdienst 40 M. stand der Bankverein in engster Interessengemeinschaft mit Belohnung bekommen hatte, zu einem Tage Gefängnis verurteilt, Am 1. März haben in Saarbrücken zirka 120 frei organisierte der Dresdner Bant. Heute denkt man weniger an die Ber- der Detektiv wurde freigesprochen. Die Essener Arbeiter. Schneider die Arbeit eingestellt, da mit den Arbeitgebern bis dahin bindung dieser beiden Banten, als an die Verschmelzung des Bant- Beitung" hatte diesen Fall gebührend kritisiert und soll sich dadurch feine Einigung über Neuregelung des Lohntarifs erzielt werden vereins mit der Berliner Handelsgesellschaft Die der Beleidigung Goldschmidts schuldig gemacht haben. fonnte. Inzwischen haben Verhandlungen stattgefunden, die an der Berbindung böte in der Eat vom Standpunkt beider Banten aus Lobnfrage gescheitert sind. Die Christlichen haben was nicht anders zu erwarten war den Arbeitgebern gefchloffen Streit wesentliche Vorteile. Der Bankverein könnte feine Beziehungen zur brecherdienfte geleistet. Das hatte zur Folge, daß sie das minimale Großinduftrie feftigen, denn die Handelsgesellschaft wirkt hauptAngebot der Arbeitnehmer annehmen mußten, das den Teuerungs- sächlich als Kreditgeberin für die Großindustrie. Die Handelsberhältnissen am Drt in feiner Weise entspricht. Die Mitglieder des gesellschaft gewönne hingegen mit einem Schlage ein weitverzweigtes freien Verbandes sind gewillt im Kampfe auszubarren, bis ein an- Nez von Depofitentaffen. Denn zurzeit, ift fie die einzige nehmbares Tarifverhältnis zustande tommen wird. Buzug ist Großbant, die diese Kanäle zur Auffaugung von Geldern nicht berichtet wurde, Artillerie- Jugendwehren eingeführt wurden, die strengstens fernzuhalten. besitzt. Der Vereinigung sollen Hemmnisse entgegenstehen, die nur durch Berfonenverhältnisse begründet find. Der Leiter der Handelsgefellichaft ist Direktor fürstenberg, ein alternder Mann, der an gewissen äußerlichen Sonderheiten mit aller Straft festhält. So verSämilicje römische Gewerkschaften haben befchloffen, am 9. Wara immer nicht weimonatlich Zwischenbilanzen und auch das von der öffentlicht die Handelsgesellschaft als einzige größere Bant noch auf 24 Stunden den Generalstreit zu proklamieren, um gegen die schandbaren Hospitalverhältnisse au protestieren. In der Tat find Reichsbank aufgestellte Bilanzichema meidet fie allein grundfäßlich. Die Dinge nachgerade auf dem Buntte der unerträglichkeit angekommen. Die rein persönlichen Hemmungen werden natürlich nur vorübergehend Während früher jeder Bedürftige das Recht auf Strantenhaus- wirksam sein können gegenüber den ökonomischen Vorteilen, die eine BerAusland. Generalstreik in Rom. Jugendbewegung. Artillerie- Jugendwehren. Der Jugendwehrunfug ist soweit gediehen, daß, wie seinerzeit natürlich vom Militär in gleicher Weise begünstigt worden find, wie die anderen Jugendwehren. In den Mitteilungen über diese Begünstigungen erregte vor allen Dingen Aufsehen, daß diese Artillerie- Jugendwehren die Schießpläge benützen und sich im im Berliner Sofalanzeiger" jene Meldung in folgender Form: Scharfschießen mit den vom Militär zur Verfügung gestellten Geschüßen betätigt haben. Das Kriegsministerium dementiert nun Bon einer Genehmigung des Kriegsministeriums im Sinne dieser Ausführungen ist an zuständiger Stelle nichts be fannt, ebensowenig von einer Betätigung der Jugendwehren im 130 sin sid Abschluß des Lloyd. Scharfschießen auf Artillerie- Schießplähen. Es mag bahingeftelt falls hobe Arbeltstofenziffern wurden and ta ben Berbänden ber Sonntagsruhe in Stablen mie mehr als 75 000 inwohnern ein bleiben, ob vielleicht irgendwelche Jugendwehrgruppen mit Ge Friseurgehilfen, der Zabalarbeiter, ber Kürschner, der Schuhmacher geführt, in fleineren Städten die Sonntagsarbeit gestattet sein nehmigung eines Truppenkommandeurs gelegentlich einmal als und der Bäder ermittelt. foll. Der Stadtverordnete Genosse Ullenbaum erflärte, daß die unbeteiligte Buschauer einem Scharfschießen beigewohnt haben. sozialdemokratischen Stadtverordneten nur für den Antrag stimmen Ueber die daran geknüpfte Frage, wer die Kosten für die doch önnten, wenn ihm folgender Bujak angehängt würde: bielmehr recht teure Munition zahle, erübrigt sich daher jede weitere wünscht die Stadtverordnetenversammlung die allgemeine Grörterung." Der vom Vorstande des Norddeutschen Blogb borgelegte Einführung der Sonntagsruhe". Der Antrag wurde nunmehr Abschluß des Geschäftsjahres 1918 weist einen Bruttoüberschuß von mit bem 8ujazz des Genossen Ullenbaum mit allen gegen rund 61 Millionen gegen 51,9 Millionen im Vorjahre auf, somit eine zwei Stimmen angenommen. Gegen den Antrag stimmte der Steigerung von 9,1 Millionen. Auf allen Linien der Gesellschaft Antragsteller Dr. Wiedemann. Ein Beweis, daß er nicht nur ein fonnte infolge der guten Schiffahrtskonjunktur ein Mehrgewinn Gegner der Differenzierung, sondern der Einführung voller erzielt werden. Dazu kam ein beträchtlicher Mehrgewinn aus Sonntagsruhe überhaupt ist. Zinsen und Beteiligungen. id led grid Das Dementi ist in der Hauptsache eine Bestätigung der angefochtenen Mitteilungen. Ob der Kriegsminister davon weiß oder nicht, spielt teine Rolle. Will der Kriegsminister unterrichtet sein, muß er eben die Truppentommandeure anweisen, daß fie nur mit feiner Einwilligung den Jugendwehren die militär- fiskalischen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Ergebnisse des Frauentages. Die Meldungen über Versammlungen, Neuaufnahmen von Mitgliedern und Gewinnung von Abonnenten laufen so zahlreich ein, daß es unmöglich ist, fie alle einzeln wiederzugeben. Aus den Einzelberichten geht aber das eine immer wieder hervor, daß die Demonstrationsversammlungen in Berlin und Vororten, in der Proving Brandenburg wie im ganzen Reich fast über Erwarten gut verlaufen find. Beitrittserklärungen und Abonnements unterschriften find in erfreulicher Bahl abgegeben worden. Die in den angenommenen Resolutionen ausgesprochene Einsicht, die Erringung des Frauenwahlrechts durch Beitritt zur sozialdemokratischen Partei zu beschleunigen, ist also praktisch wirksam geworden. Von größeren Veranstaltungen nennen wir: aligda Braunschweig: Nach Schluß der Versammlung zogen bie Frauen demonstrierend durch die Stadt. Wie hier üblich, zeigte fich Schumannschaft im Demonstrationsornat mit Gummi fmüppel und Revolver. 8u wesentlichen Zusammenstößen tam es, dant der Ruhe der Demonstrierenden, nicht. Gewinn. Frankfurt a. M.: Die Veranstaltungen zum Frauentag find recht gut gelungen. Die Teilnahme war gegen das Vorjahr bedeutend gestiegen. 1200 bis 1500 Frauen waren versammelt. Für bie Barteiorganisation brachte die Veranstaltung einen reichen Düsseldorf: In zwei überfüllten Bersammlungen wurde die Resolution einstimmig und mit großer Begeisterung an genommen. Nach Schluß der Versammlung formierte fich auf der Straße ein Demonstrationszug der 1200 bis 1500 Frauen zählte. Ein starkes Bolizeiaufgebot versuchte den Bug zu zerstreuen, was ihm aber erit gelang, als heftige Regengüsse zur Hilfe tamen. In den Versammlungen wurden über 100 Aufnahmen gemacht. Stettin: In der Proving Bommern wurde der Frauentag mit 31 Bersammlungen begangen; in Groß- Stettin allein fanden 17 ftatt. Alle Versammlungen waren gut besucht. Es wurden über 600 neue Mitglieder und zahlreiche Abonnenten für wurden über 600 neue Mitglieder und zahlreiche Abonnenten für die Parteipreffe gewonnen. Im Herzogtum Sachsen- Altenburg fanden ins. gesamt 11 Frauenversammlungen statt, die alle start befucht waren. Namentlich die Versammlungen in der Stadt Altenburg waren überfüllt, fünf weitere in den Städten des Herzogtums desgleichen. Auch die fünf Versammlungen in den Bandorten waren gut be fucht. Ueberall wurden neue Mitglieder gewonnen. Im Bezirk alle wurden im ganzen 25 Bersammlungen abgehalten. In der Stadt Halle hatten fich ca. 600 Genoffinnen zufammengefunden. Der dort angenommenen Resolution wurde eine Sympathiekundgebung für die Genoffin Luxemburg und ein Proteft gegen das Frankfurter Urteil beigefügt. Im Wahlkreis Bochum fanden 14 öffentliche Berfammhungen ftatt, bie unter dem stürmischen Regenwetter litten, aber dennoch eine Gesamtbesucherzahl von 3800, darunter 1176 Frauen, aufzuweisen hatten. In den Versammlungen und bei der Haue agitation wurden mehrere hundert Abonnenten für die Barteipreffe und Barteimitglieber gewonnen. Der Frauentag ta ber Gwets. An allen von Broletariern bewohnten Orten des SchweizerLandes fanden sich Sonntag, den 8. Mara, am nachmittag Hunderte bon Männern und Frauen zusammen, um für das Frauenwahl. recht und für gefeßlichen Mutter und Kinderschuh zu demonftrieren. Gleichzeitig wurde überall ein scharfer Brotest gegen die deutsche Juftig erhoben, die eine Vorkämpferin der Internationale, weil sie den Mut hatte, einer Kulturidee Ausdrud zu geben, ins Gefängnis warf. Am besten besucht war die Versammlung in Basel, in der Aula der Universität. Einzig der Besuch in Zürich entsprach nicht den Erwartungen, während in Genf mit vier Refe raten in drei Eprachen ein Massenmeeting erzielt wurde. Er. freulich ist es, daß der Besuch in fleinen Orten, wie Olten, Erftfeld und dergleichen, relativ noch viel beffer war als in den größeren Städten. Auch die diesjährige Heerschau hat bewiesen, daß unsere proletarischen Frauenbewegung marschiert. Aus Industrie und Handel. Die Dividende wird von 7 auf 8 Bros. erhöht, trok einer Vermehrung der Abschreibungen von 24,2 auf 80,1 millionen Im Behrervereinshaus tagte eine start besuchte Bersammlung Mark. Damit erreichen die ausgewiesenen Fonds, Reservefonds, der angestellten Apotheker von Berlin und Vororten und beschäftigte Erneuerungsfonds usw. des Norddeutschen Lloyd eine Höhe von sich mit der Frage der Sonntagsruhe. Alle Redner( Apothekenrund 35,2 Millionen( gegen rund 28 Millionen Mark im Vorjahre). befizer) sprachen sich mit Ausnahme des Vorfikenden des Deutschen Die Gesellschaft verfügte Ende 1913 über Mittel im Gesamtbetrage ruhe aus. Es gelangte dann einstimmig eine Resolution zur Anvon 62 Millionen. nahme, in der die Hoffnung zum Ausdrud gelangt, daß der Reichss tag den Bestrebungen der angestellten Apotheker, durch das Sonntagsruhegesetz auch eine angemessene Sonntagsruhe der Apotheten zu erhalten, seine tatkräftige Unterstützung nicht versagen Die Hamburg- Amerika- State bat zirka 4% Millionen Mart Attien der Deutschen Levantelinie aus dem Besitz des Fürsten Hohenlohe von der Deutschen Bank angekauft. Die gefähr liche Konkurrenz der Schiffahrtslinien des Fürstentrusts ist damit für die Hapag für immer beseitigt. Das Monopol, das Hapag und Lloyd durch ihre Interessengemeinschaft befizen, erfährt zugleich eine weitere Stärkung Soziales. Wiederansbruch des Aerzteftreffs. Der Ausschuß des Beipziger Aerzteverbandes htelt am Sonntag eine Sigung ab, aus der berichtet wird, der Verband habe dem Handelsministerium die Absicht angekündigt, einen neuen Rampf einzuletten, weil einige Staffen es ablehnen sollen, rechtsgültig angenommene Aerzte zu entlassen oder Entschädigungsgelder zu zahlen. Der Staatssetretär ist bei bem von ihm beranlaßten Abfommen vom 23. Dezember den Aerzten viel weiter entgegengekommen, als Gerechtigkeit und das Interesse der Rassen oder der Allgemeinheit es geftatten. Dennoch find die Kassen, um endlich einen Friedenszustand zu haben, dem Abkommen beigetreten. Die jeßige Drohung der Aerate zeigt, daß der Leipziger Ausschuß den Willen zum Frieden nicht hat und daß erst handlungszwang eingeführt ift. Die zur Einführung dieses dann Ruhe erzielt werden wird, wenn der gesetzliche BeBehandlungszwangs erforderlichen Schritte sollte die Regierung endlich ergreifen. anudohal Zentrum und Arbeiterhaushalt. In der Stadtverordnetenversammlung zu Münster richtete am 27. Februar der Stadtv. Holle( 8.) Anfragen wegen ber Löhne der städtischen Arbeiter an den Magistrat. Diese Löhne stehen zum großen Teile noch unter 4 M. Herr Holle hat mit einigen nüchternen Arbeitern und deren Frauen Aufstellungen über das gemacht, was eine Famille mit fünf Kindern im Alter von 4-15 Jahren notwendig hat. Dabei ist diese Rechnung herausgekommen: Brot, täglich für 90 Bf. im Jabre. Kartoffeln, täglich 8 Bfb. je 8 Pf. Gemüse und Hülsenfrüchte, täglich 15 Bf. Milch, täglich 1 Liter je 18 Pf. Eier, täglich 1 G( 1). . 828,50 Dt. wird. 9. Zagung beutscher Berufsvormiubet. Die diesjährige( 9.) Tagung deutscher Berufsvormünder findet bom 21. bis 23. Juni in Zürich statt. Es sollen folgende Themen behandelt werden: 1. Die Berufs bormundschaft in der Schweiz. Referent: Amtsvormund Dr. Groba Zürich. 2, Die Biele der öffentlichen Erziehung. Referent: Fürsorgeerziehungsinspektor Knaut- Berlin. Korreferent: Stadtrat Pflüger- Bürich. 3. Das uneheliche Kind im Zivilrecht der Schweiz. 4. Die Vollstrecbarkeit deutscher und österreichischer barkeit der gleichen schweizer Titel in Deutschland und Oesterreich. Alimentemurteile und Vergleiche in der Schweiz und die Vollstrec Referent: Dr. Grieder, Subst. der Amtsvormundschaft, Basel. Im Anschluß an die Tagung findet ein Besuch der schweizer Bandesausstellung in Bern statt, die eine Jugendfürsorges woche arrangiert. Ferner veranstaltet das Archiv deutscher Berufsvormünder Ende September vor dem Internationalen Stongres für Bolts bildung( 26. September) einen zehntägigen Kursus über Kinderfürsorge( Berufsvormundschaft und Fürsorgeerziehung) in Dresden und Leipzig. Ein Warnungssignal. Grabe zur rechten Zeit, gewissermaßen als ein Warmungsfignal gegen eine übereilte Gesetzgebung, beröffentlicht das Bayerische europäischen Staaten. Für den, der aus Statistiken zu lesen ber Statistische Landesamt Ziffern über den Geburtenüberschuß in den mag, geht daraus unzweifelhaft hervor, daß eine fozusagen zwangs weise Bermehrung der Geburten die Säuglingssterblichkeit steigern würde. Hier die Zahlen, die fich auf 1000 Einwohner der auf geführten Staaten beziehen: Rumänien Serbien Lebendgeborene Gestorbene Geburtenüberschus Rußland Bulgarien. 48,9 28,9 15,0 • 42,0 23,5 18,5 89,2 28,8 14,4 88,5 22,1 16,4 Defterreich. 82,6 28,1 11,3 Ungarn.. 85,7 23,6 12,1 Italien. 83,8 17,8 18,4 Spanien 83,1 23,8 9,8 Bortugal 82,3 19,6 12,7 Deutschland 29,8 16,2 13,6 88,32 Niederlande 28,6 13,6 15,0 • 54,75 Dänemart. 27,5 12,9 14,6 98,55 Norwegen 26,1 18,5 12,6 25,55 Schweden 24,7 14,0 10,7 Sped, Burft, Stinberfett, täglich 30 f. Fleisch, nur Feiertags(), je 1 2 Margarine, Schmalz, Apfeltrant 109,50 Großbritannien 25,0 14,0 11,0 65, Schweiz. 25,0 15,1 9,9 104, Mebl, Salz, Gewürze, wöchentlich 25 f. Kaffeeerfaß und Buder, wöchentlich 1 M. Für sonstige Lebensmittel Belgien. 28,8 15,2 8,6 18, 52, Frankreich. 19,6 17,8 1,8 10, • Miete mit Waffergeld und Reparaturen Beleuchtung( Betroleum und Streichhölzer) Heizung 250, W 20, • 48, Reinigung( Seife, Buzmaterial) 22, Lehrmittel für die Kinder. 9, Bekleidung mit Leibwäsche a. Kopfbededung 180, Fußbekleidung( Neuanschaffungen) 48, " Fußbefleibung( Reparaturen) 58, " 15, " 6,80 36,40 " 6, " 10, " 4,40" 10, " 10, 15, Für Arzt und Apotheke Steuern Kranten und Invalidenversicherung Für eine Zeitung • Sterbefaffe und Feuerberficherung Beiträge zum Arbeiterverein n. Volksversich. Fortbildungsschule und Lehrmittel. Ausgaben bei besonderen Familienanläffen Erneuerung des Inventars und der Wäsche Rafieren und Haarschneiden. Busammen. 15, 1662,97 R Die Zahlen find in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Unter den 18 Staaten steht Deutschland mit der Geburtens bäufigkeit an der zehnten Stelle. Da Frankreich trop geringerer Geburtenzahl doch eine höhere Sterblichkeit aufweist als Deutschland, stehen wir mit der Zahl der Sterbefälle an der elften Stelle und rüden mit dem Geburtenüberschuß an die fiebente Stelle. Somit behauptet Deutschland einen sehr günstigen Blag. Eine tolltapfige, von reaktionärem Uebereifer dirigierte Gefeßgebung, die in plumper Weise in intime Verhältnisse sowie in die persönliche Freiheit und Selbstbestimmung eingreift, würde Deutschland sicher von dem günstigen Blaz verdrängen. Den vielleicht erzielten Mehrgeburten stünden bald noch mehr Sterbefälle gegenüber. Ganz abgesehen von den sonstigen, schon mehrfach herausgestellten Verwüstungen als Folge der AntiWeiter ist bemerkenswert, daß die tonzeptionsgefegschmiederet. Niederlande und Dänemark mit einer geringeren Geburtenhäufigkeit als Deutschland troßdem einen höheren Geburtenüberschuß haben. Das zeigt, wo der Hebel angefeßt werden muß. Durch Arbeiter schuh, öffentliche und gewerbliche Hygiene und vor allem durch energischen Säuglingsschutz fönnte der Geburtenüberschuß in Deutschland noch erheblich gesteigert werden. Sieben Länder haben eine niedrigere, teilweise erheblich niedrigere Sterblichkeit als Deutsch land, dem man fälschlich die beste Sozialpolitik nachrühmt. Die Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg im Jahre 1913. Bei der Duartalsberichterstattung über die Arbeitslosigkeit ber Mitglieder in deutschen Fachverbänden wird auch zugleich der Stand der Arbeitslosigkeit am Ende des Duartals in den einzelnen Bandesgebieten festgestellt. Die Ergebnisse der Erhebung vom 4. Duartal 1918 werden nun im neuesten Reichsarbeitsblatt" veröffentlicht und Holle erklärte, ble Säße feien so niedrig angegeben, daß somit wertvolle Anhaltspunkte für die Beurteilung der Arbeitslofigfeit fie auch für eine Familie mit 8 bis 4 Sindern gelten fönnten. Und da fich bei uns nun die Ultramontanen sehr reklamehaft als geboten. Und in der Eat, man muß fich wundern, wie eine solche Auf- Förderer der Geburtenhäufigkeit in empfehlende Erinnerung bringen, Bon den in Betracht kommenben Staaten und Sambestellen bat ftellung als Norm für eine fiebenköpfige Famille präsentiert als Hauptschreier der Realtion auftreten, ist es wohl nicht ohne Intereffe, darauf hinzuweisen, daß in allen Staaten, in denen der Berlin und Brandenburg am Ende des Monats Dezember werden fann! Stleritalismus das Heft in Händen hat, der Geburtenüberschuß 1913 die höchste Arbeitslofengiffer, nämlich 7,9 Proz. ber Diese Arbetterfamilie torbe hternach auf jebe Anniedriger ift als in Deutschland. Desterreich, Italien, Spanien, vorhandenen Mitglieder aufzuweisen und übertrifft damit den Reichs- nehmlichkeit des Lebens Berzicht leisten Belgien und Frankreich, alles Hochburgen fleritaler Herrschaft im durchschnitt( 4,8 Proz.) um 8,1. Erft im weiteren Abstand folgen müssen, denn kein Pfennig fteht zur Verfügung für eine Bolle, bleiben mit der Bevölkerungszunahme hinter Deutschland soOft und Westpreußen, Bommern und das rechtsrheinische Bayern Bigarre, für Getränke, für irgendein Bergnügen, das Geld gar erheblich zurüd. Und nicht nur Frankreich, sondern auch das mit je 6,0 Broj, während die übrigen Landesteile unter dem Reichs- fostet. An den Besuch belehrender Veranstaltungen ist nicht fehr start tatholische Belgien und die start tatholischen Niederlande burchschnitt stehen. Den geringsten Stand der Arbeitslosigkeit, ber zu denken. Abgesehen davon und von einigen andern Lücken" weifen niedrige Geburtenziffern auf als Deutschland. Da sieht man, fich unter 8 Bros. bewegt, zeigen die beiden Gebietsgruppen Rhein- find die angegebenen Säge im einzelnen geradezu phantastisch, daß von den Klerifalen nichts Gutes au erwarten ist. proving( 2,5 Proz.) und Elsaß- Lothringen mit der Rheinpfalz wenigstens wenn von der Befriedigung notwendiger Bedürf( 2,2 Broz.). Wie in den einzelnen Quartalen die Steigerung der niffe ausgegangen wird. Arbeitslosigkeit vor sich gegangen ist, veranschaulicht folgende Bu Tatsächlich müssen sich die städtischen Arbetter in Münster sammenstellung. Bon 100 Mitgliedern waren arbeitslos am Drt und nun aber mit 1050 bis 1200 m. jährlich behelfen! auf der Reise: in Berlin und nixage 10 Brandenburg 08 at 1918 1912 1911 4,4 8,2 4,2 4,8 8,7 8,6 September. 4,4 2,9 2,7 Dezember 7,9 5,4 4,2 Ende März Juni. Indem der Oberbürgermeister Jungeblobt die verlangte grundsägliche Lohnerhöhung bekämpfte, gab er ben Arbeitern bie Weisheit mit auf den Weg: fann Die Stadt lann nicht berpflichtet werden, unter allen Umständen die Arbeiter in den Stand zu sehen, einiger maßen anständig leben an lönnen... Belcher Stand ift jezt noch da, der von seinem Gehalt ftandesgemäß leben Ich glaube, daß da der Arbeiter, felbst wenn er vier oder fünf Kinder bat, nicht am schlechtesten gestellt ist. Wenn man höher steigt, in die höheren Stände, geht das erst recht nicht. Glaubt denn Herr Holle, daß ein Offizier bon feinem Gehalt standesgemäß leben fann? Nun wissen die Arbeiter wenigstens, woran sie bei biefer zentrümlichen Stadtverwaltung find! im Deutschen Reich 1918 1912 1911 2,2 1,6 24 2,7 1,7 1,5 2,7 1,5 1,7 4,8 8,0 2,4 Sieraus erfieht man, daß in Berlin und Brandenburg bei allen Arbeitslosenziffern gegenüber dem Reichsdurchschnitt fast eine Berdoppelung eingetreten ist. Man sieht aber auch, wie fich gegen über dem Monat September 1918 die Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg erhöht hat. Nicht weniger als 12 Fachverbände haben hier im Monat Dezember Höchftziffern au berzeichnen. An erster Stelle stehen die Glaser, wo 45,8 Proz., also beinahe die Hälfte der Zum Kampf um die Sonntagsruhe. Mitglieder arbeitslos waren. Dann folgen die Tapezierer mit 81,7, Die Stadtverordneten in Elberfeld wünschen die allgedie freiorganisierten Holzarbeiter mit 19,7, die Sattler und Porte meine Einführung der völligen Sonntagsruhe. In der Stadt feuiller mit 16,0, die christlichen Holzarbeiter mit 12,1, die Sutmacher berordnetenversammlung am 8. März brachte der Stadtverordnete mit 9,5; ferner die Buchdrucker mit 8,4, die Kupferschmiede mit 7,9, Handelskammersyndikus Dr. Wiedemann folgenden Dringlichkeitsdie Borzellanarbeiter mit 7,8, die Metallarbeiter mit 7,2 und bie antrag ein: Die Stadtverordnetenversammlung wolle gegen den Lithographen und Steindrucker mit 6,2 Broz. Arbeitslosen. Eben Beschluß der Reichstagskommission protestieren, wonach bie völlige T Das Reichsversicherungsamt im Kampf gegen Lobbrigkelt. Wie die armen Unfallverlebten oft jahrelang um ihre Rente tämpfen müssen und wie durch das Verhalten von Ober- Bersiche rungsämtern das Verfahren verzögert wird, zeigt folgender Fall schlagend: Ein Fuhrmann zu Frankfurt a. M. hatte im Januar 1910 einen schweren Unfall erlitten. Er fiel mit einer aufgestellten Leiter im Betriebe seines Unternehmers um, aus einer Höhe aufs Pflaster des Hofes und mußte von seinen Nebenkollegen bewußtlos fortgetragen werden. Der herbeigerufene Staffenarat stellte schwere innere Berlegungen und auch eine Verlegung des Hüftgelenkes feft. Nach wochenlangem Krantenlager tonnte der Berlegte seinen Beruf nicht mehr nachgehen, da er zu stark hintte. Die Berufsgenossenschaft machte aber geltend, daß der Verlegte schon vor dem Unfall gehinkt habe und daher auch nicht der Unfall die Ursache seines jebigen Leidens fei. Obschon der Rassenarzt und diellerate des Städtischen Krankenhauses zu F. den erlittenen Un fall als Ursache der Verschlimmerung des früheren Leidens des Berlegten ansahen, wurde der Kläger vom Schiedsgericht zu Wies. baden im Januar 1911 mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Im November 1911 hatte sich dann das Reichs- Versicherungsamt mit dem Returfe des Berlebten zu beschäftigen. Das Urteil wies die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Schiedsgericht zurüd. Das Schiedsgericht mußte fich vom Reichs- Versicherungsamt belehren lassen, daß nach Sage ber Sache der Entschädigungs Mittelstandsretteret. anspruch des Klägers nicht ohne weiteres und ohne daß durch ein Lieferungen zu fündigen. Der Angeklagte ließ fich jedoch nicht eingehend begründetes ärztliches Gutachten die Annahme der ge- Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. So benken die abschrecken. Er erschien mitunter mehrmals in der Woche bei G., nannten Aerzte widerlegt worden ist", abgewiesen werden durfte. reaktionären Barteien und fie reichen den Mittelständlern auf Kosten um Offerte zu machen. Mit der Häufigkeit dieser Besuche hielt Es sei der Arbeitgeber des Verletzten zu hören usw. Was tat anderer hin und wider magere Trinkgelder. Die retten das Hand- auch gleichzeitig die Zahl der Frauen Schritt, bie mit zugehaltener das Schiedsgericht? Es ging gar nicht weiter auf die Sache ein wert nicht, aber sie zwingen die Spießer in die reaktionäre Gefolg Nase und einem kleinen Töpflein bei G. erschienen. In dem Topf, und wies den Anspruch des Klägers wieder ab. Im Mai 1913 fchaft. Dabei erraffen die Junker und deren Genossen Millionen dem eine penetranter Schwefelwasserstoffgeruch entströmte, befanden hatte sich nun das Reichs- Versicherungsamt wieder mit der Sache gewinne durch Lebensmittelwucher. Schwar leidet darunter auch zu beschäftigen, und wurde nun etwas deutlicher. Wieder wurde der Mittelstand. Er muß die Trinkgelder von Gnaden der Reaktion fich faule Eier, welche die Frauen kurz vorher bei G. gekauft hatten. die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das teuer, sehr teuer bezahlen. Zu den Trinkgeldern, die man den Gabor zerbrach sich den Kopf, welche Ursachen es haben tönnte, Ober- Bersicherungsamt zurüdgewiesen und auf die erste Rekurs- Innungsfrautern hinwarf, gehört auch die Einbeziehung der Schneide. daß er plößlich von seinem bisherigen Lieferanten so schlecht bedient entscheidung ausdrücklich hingewiesen, nach welchem ein Obergut- rinnen und Bugmacherinnen in die Innung. Damit unterstehen sie wurde. Als er nahe daran war, dem Angeklagten die Aufträge achten eingeholt und auch der Arbeitgeber zu hören gewesen wäre. auch den Bestimmungen der Gewerbeordnung betreffend Lehrlings zu geben, erhielt er eines Tages des Rätsels Lösung. Er bemerkte, Im Urteil heißt es:" Hierbei hat das Reichs- Versicherungs- ausbildung. Im übrigen hat die Geschichte nur den Wert, daß die wie der Eierhändler mehrere in der Tasche bereitgehaltene saule amt ohne weiteres vorausgesetzt, daß das Ober- Versicherungsamt Handwerksmeisterinnen zu den Innungen und der Handwerkskammer Gier zu den„ Konkurrenzeiern" legte. Vor dem Schöffengericht machte Rechtsanwalt Dr. Mag = Der Kampf um die Leuchtkugel. diese für erforderlich erachteten Beweiserhebungen von sich aus Beiträge zahlen müssen. Das ist das wichtigste. Wie in der legten berenlaffen würde."„ Statt beffen hat die Borinstanz die gesamten Sitzung der Handwerkskammer Berlin mitgeteilt wurde, find bisher kantorowicz geltend, daß man hier nicht von einem Betrugsversuch, Ermittelungen der Berufsgenossenschaft überlassen. Ein derartiges 285 Bugmachermeisterinnen, 183 weibliche Puhmachergesellen und Verfahren ist unzulässig und muß als ordnungswidrig bezeichnet und 119 Buarbeiterinnen angeschlossen worden. Man vernahm die sondern höchstens von vorbereitenden Handlungen zu einem solchen werden, daß notwendige vom Reichs- Versicherungsamt verlangte Stlage, daß die einschlägigen Bestimmungen lange nicht genügend sprechen könnte, die straflos feien. Das Gericht hielt aber einen einer beachtet würden. Die Retter des Mittelstandes sind der Ansicht, daß Betrugsversuch als vorliegend und erkannte auf 80 Mark Geldstrafe. Aufklärungen seitens des Ober Versicherungsamts Partei übertragen worden sind. Die als notwendig erachteten Er- viel mehr Meisterinnen gemacht" werden könnten und daher noch mittelungen bei dem Arbeitgeber beschränken sich denn auch ledig eine stattliche Steigerung der Beiträge, die meistens für Verwaltungslich auf Aufzeichnungen eines Beamten der Berufsgenossenschaft fosten draufgeben, zu erreichen wäre. Das Meisterinnenmachen soll durch genaue Kontrolle gefördert werden. Da merkt man doch über angebliche Erklärungen des Arbeitgebers." Darin jei aber feine amtliche Auskunft zu erblicken und auch der Inhalt des den weiten politischen Blid unserer Krauter. Sie retten den MittelSchreibens der Berufsgenossenschaft an ihren Vertrauensarzt, stand in Grund und Boden. welcher zur Nachuntersuchung des Verletzten aufgefordert wurde, stehe in erheblichem Widerspruch zu der Objektivität, die von einem richterlichen Ersuchen verlangt werden muß. Die gesamten Ermittelungen sind daher nicht geeignet, zur Grundlage einer richterlichen Entscheidung zu dienen". Dann werden dem OberVersicherungsamt weitere Mängel des Verfahrens vorgeworfen, z. B. daß es dem Kläger nicht einmal die Gutachten usw. zur Verfügung gestellt habe, und zum Schlusse erklärt das Reichs- Ein raffiniertes Konkurrenzmanöver bildete den Gegenstand Versicherungsamt:" Das Verfahren der Borinstanz rechtfertigt einer Anklage, welche das Schöffengericht Weißenfee beschäftigte. mithin die Besorgnis, daß entweder die Anweisungen des ReichsVersicherungsamtes irrig aufgefaßt sind oder daß die Prozeßleitung in der Erfüllung ihrer Aufgaben versagt hat." Im Dezember 1913 lehnte das Ober- Versicherungsamt wieder bie Ansprüche des Verlegten ab. Wieder mußte derselbe Rekurs an das Reichs- Versicherungsamt erheben. Nun kämpft also der arme Leufel schon fast vier Jahre um seine Rente und kann nicht au ſeinem Rechte kommen. Das Zutrauen zu der Rechtsprechung ist natürlich bei dem Verletzten ganz„ erheblich gestiegen". #EEEEEE 9 Unserem lieben Genossen August Noatnick und seiner lieben Braut Emilie Braband die allerherzlichften Glückwünsche zur heuligen Vermählung. Die Genoffen u. Genoffinnen des 742. Bez. des 6. Kreises. essese Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied 115 Gustav Berger Mainzer Str. 23 berftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle Strugstege aus statt. Am 6. d. Mts. verstarb unser Mitglied Leo Prochzinski Stronprinzenstr. 9. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nadmittags 3 Uhr von der Leichen. halle in Marzahn aus statt. Nege Beteiligung wünscht 14/9 Die Bezirksleitung. Sozialdemokratischer Wahlverein Kreis Niederbarnim. Bezirk Weißensee. Nachruf. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Tischler Otto Kaciala am 3. März aus dem Leben schied. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand bereits statt. 18/2 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Kaulsdorf. Am Sonntagnachmittag 3 Uhr verschied nach furzem, schwerem Leiden unsere Genossin Julie Pfeil geb. Horn. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Ge meinde- Friedhojes aus statt. 240/9 Die Bezirksleitung. Verband der Tapezierer Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Paul Günther am am 6. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. März, nachmittags 5 Uhr, auf dem Georgen Stirchhof, Landsberger Allee, statt. 178/5 Die Ortsverwaltung. Gerichtszeitung. Faule Eier der Konkurrenz. Wegen versuchten Betruges war der Eierhändler Jakuwis an geklagt.- Der Angeklagte, der in Weißensee einen Gier- Engroshandel betreibt, ärgerte sich seit langem im stillen darüber, daß der im Ort wohnhafte Kaufmann Gabor nicht von ihm, sondern Er erschien wiederholt in von einem Konkurrenten Gier bezog. den Geschäftsräumen des G. und machte Offerte. Jedoch vergebens, da dieser erklärte, daß er mit seinem bisherigen Lieferanten sehr zufrieden sei und er deshalb keine Veranlassung habe, diesem die Am Sonntag, den 8. März cr., früh 8 Uhr, entschlief nach langen, schweren Leiden mein innigst geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwiegersohn und Schwager Karl Binder im 37. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Auguste Binder, geb. Kaufmann nebst Kindern. Berlin SO, Forster Str. 1. Die Beerdigung findet am 11. März, nachmittag 4 Uhr, von der Kapelle des alten Thomas- Kirchhofes, Neukölln, Hermannstr. 179-185, aus statt. 36/3 Deutscher Metallarheiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, day unjer Mitglied, der Schloffer Julius Bunke am Belterstr. 3, am 6. b. Mts. an Lungenentzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nordend aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Erich Müller Lübbener Str. 14, am 7. d. Mts. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10. März, nachmittags 41, 1hr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes in Neukölln, Hermannstraße, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Hugo Hackbarth am am 6. d. Mts. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes in Weißensee, Röldestraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 114/6 Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiter- Verhand Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges treues Mitglied, der Kollege Rabigpuger Wilhelm Otzdorf am 8. März 1914 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. GeorgenKirchhofes in Weißensee aus statt. Der Vorstand. Am Sonntagvormittag 3 Uhr verschieb nach turzem, schwerem Krantenlager meine liebe Frau, Mutter und Großmutter Julie Pfeil geb. Horn. Die tieftrauernden Hinterbliebenen Familie Pfeil. Die Beerdigung findet Mitt. woch, den 11. März, nachmittags 5 1hr, von der Leichenhalle des Kaulsdorfer Gemeindefriedhofes aus ftatt, 11976 Beerdigungsverein der Zimmerlente Groß- Berlins. Am Sonnabend, ben 9. März, verschieb plöglich an Herzlähmung unser langjähriges Mitglied, der Stamerad August Hardt Neukölln, Berliner Straße 87. Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. März, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus ftatt. 11986 Der Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, gute Mutter, Schwiegermutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Großmutter Sophie Lührs nach furzem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist.. Dies zeigt im Namen der Hinter. bliebenen tiefbetrübt an Heinrich Lührs. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Oberschöneweide. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß unsere liebe 121A Mutter und Großmutter Ww. Pauline Zobel geb. Langner im Alter von 82 Jahren uns durch den Tod entrissen wurde. Im Namen der Hinterbliebenen Ernst Zobel. Die Beerdigung findet am 11. b. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gemeinde Friedhofes au Oberschöneweide aus statt. Danksagung. Für die Beweise berzlicher Teil nahme und Strangspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Baters, des Schloffers Johann Anhalt fagen wir noch nachträglich Herrn Meister Bardemann. sowie den Kol legen der Siemens- Schudert- Berte, Dynamowert Abt. 9, unsern herzlichsten Dant, 11936 Luise Anhalt nebst Tochter. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen, die an dem Begräbnis des Stuffateurs 115 Ernst Schröder teilgenommen haben, beften Dant. Die Firma A. Wertheim hatte im Jahre 1901 gegen die Firma Hermann Tich Klage erhoben auf Entfernung der auf dem Dache des Geschäftshauses der letzteren in der Leipziger Straße in der Form eines Globus angebrachten Leuchtkugel und zwar mit der Begründung, daß diese Leuchtkugel das der Firma Wertheim ge= schüßte Warenzeichen verleze. Die Klägerin ist damals koftenpflichtig abgewiesen worden und das Urteil ist rechtskräftig ge= worden. Im Frühjahr v. J. hat die Firma A. Wertheim von neuem Klage gegen die Firma Tiek erhoben und zwar nicht nur auf Entfernung dieses Globus, sondern auch auf Entfernung des Globus am Alexanderplak, sowie dergleichen Fassadenbestandteile auf den Warenhäusern der Firma Hermann Tiek in Stuttgart und Straßburg, endlich auch auf Entfernung der Kleinen, in Kugelform gestalteten Laternen an der Fassade des Liebschen Neubaues am Dönhoffplay. In dieser Sache wurde die Firma A. Wertheim am 3. Juli 1913 von der 17. Kammer für Handelssachen des Landgerichts I abgewiesen. Gegen dieses Urteil hatte die Klägerin Berufung eingelegt. In dem am 7. März angestandenen Verhandlungstermin hat das Kammergericht die Berufung toftenpflichtig zurüdgewiesen. அ Jede verständige Mutter gibt ihren Kindern nur Kathreiners Malzkaffee. Kathreiners Malzkaffee erhält die Kinder frisch und kräftig und macht den Kleinen die Milch schmackhaft. Tausende von Ärzten empfehlen ihn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen KranzSpenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter, fagen wir allen Freunden und Betannten, fowie den Kollegen der Städtischen Gasanstalt Gitschiner Straße unferen innigften Dank. 112 Fritz Schneider ebit Kindern. Borussia- Festsäle Telephon: Amt Norden 2674 Inb. Georg Wolffgramm, Aderstr. 6/7 empfiehlt feine 4 Säle 100 bis 800 Personen fassend, au Bersammlungen und Festlichkeiten. NB. März und April ist der große Saal noch einige Sonnabende 35772 und Sonntage frei. Spezialarzt Tätowierung 1. 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Brich an, du Stunde Der freien Bahn für unfern Siegerschritt l Frisch auf. voran! Laß uns mit Geisteswaffen An unsrem großen Werke mutig schaffen Und Klärung bringen in der Zeiten Lauf. Steht Unverstand auch berghoch uns entgegen, Wir kämpfen weiter selbstlos und verwegen. Mit uns der Sieg! nur immer feste drauf! Wir wissen: großes werden wir erringen Und großes wird der Zukunft noch gelingen. Was heute wankt, stürzt morgen und zerschellt. Einst wird der Mensch mit seinen freien Rechten Uns Ruhmeskränze um die Stirne flechten: Uns Pionieren dieser neuen Welt! Drum auf, Genoffen l immer mutig wagen! Durch Druck und Not hin, immer ohne Zagen. Die Halbheit kennt ein ganzer Kämpfer nicht. Wir wollen freudig immer daran denken, Den Kindern wollen wir die Freiheit schenken! Vorwärts, Genossen! Auf! Durch Nacht zum Licht! R. R. Auf der Suche nach Plakaten befanden fich am Sonnabendabend und am Sonntag früh Polizei- beamte in Uniform und Zivil. Sie begnügten sich nicht damit, die Plakate, in denen zum Abonnement auf den„Borwärt«' und zum Eintritt in den Wahlverein aufgefordert wird, au» den Schaufenstern zu entfernen, sondern nahmen auch die im Innern der Lokale hängenden Plakate an sich. Die Sonntagsnummer des„Vorwärts' enthielt auf der ersten Seit« de« Hauptblattes den Inhalt dieser staatsgefährlichen Zettel. E» ist unbenommen, dies« Zeitung öffentlich auszuhängen, da sie nicht unter den Begriff des Plakates fällt. Exemplare dieser Nummer sind noch in unseren Speditionen zu haben. » Flugblattverbreitung findet heute Dienstagabend von den bekannten Lokalen statt. An die vorher aufgezeichneten Adressaten werden außer den Flugblättern Aufnahmescheine und LbonnementSkarten für den»Vorwärts' ab- gegeben. Mttwoch, de» 11. März. ist Zahlabeud. Zu demselben müssen die Genossen und Genossinnen persönlich Ungeladen werden.___ Achtung» Fuhrungen im Aquarium! Die von unS ausgegebenen Teilnehmerkarten zu den Führungen im Aquarium tragen den Ver> merk, daß sich die Teilnehmer im Vorraum des Aquariums sammeln möchten. Diesem Wunsche ist mehrfach nicht ent- sprachen worden. Es ist vorgekommen, daß die Inhaber unserer Karten einzeln das Aquarium betraten und sich in alle Räume verstreut hatten, bevor die Führung ihren Anfang genommen hatte. Viele unserer Genossen haben sich auch irgend einer anderen Führung angeschlossen. Wir müssen dringend warnen, so zu handeln, da die Gefahr besteht, daß uns dadurch die Füh- rungen für die Zukunft entzogen werden. Unsere Teilnehmer müssen beieinander und bei unserem Führer bleiben; die Führungen beginnen pünktlich 10 Minuten nach'/.9 Uhr. Wir ersuchen die Organisationen, die Führungen belegt haben, einen Vertrauensmann, der den Führer unterstützt, zur festgesetzten Zeit in das Aquarium zu entsenden. Der Bezirks-Btldungsausschuß Gr oß-Berlin. Bezirk Lichtenberg. Mttwoch. den 11. März, kombinierter tahlabend der 1». Abteilung im Cafe Bellevue. 1. Vortrag über euerbestattung. 2. Wahl de» Abteilungsleiters.— Sonntag, den 16. März, vormittag», Besichtigung de» Krematoriums in Treptow. Eintritt 10 Pf. lkharlottenburg. Heute abend iVi Uhr von den bekannten Lokalen aus: wichtige Flugblattverbreitung. Kein Parteigenosse darf fehlen. Steglitz. Heute Flugblattverbreitung von allen Bezirkslokalen aus. Tempelhof. Heute, Dienstag, von den bekannten Stellen aus wichtige Flugblattverbreitung. Grünau. Mittwoch, den 11. März, abends 9 Uhr, Mitglieder- Versammlung„In der grünen Ecke', Köpenicker Str. 88. TageS- ordnung: Vortrag und Diskussion sowie letzte Vorbereitung zu unserer Gemeindewahl. Schmargendorf. Mittwoch, den 11. März, abends 8� Uhr, Generalversammlung bei Goetsch, Warnemündes: Straße 14/15. Die Genossen von Grunewald wollen hierzu erscheinen. Bie«d«rf. Der diesmalige Zahlabend findet Dienstag, den IS. März, abends%9 Uhr, im Lokal von Hampel, Marzahner Straße 31, statt. Tagesordnung:„Die Kemeindewahlen'.---> 11. ffiärz: Zablabend i Freitag, den 13. März, im gleichen Lokal: Oeffentliche Wählerver- sammlung. Weißensee. Heute von allen Gruppenlokalen de? 1., 3. und 4. Bezirkes Flugblatwerbreiteung. Im 2. Bezirk findet die Wer- breitung eine Woche später statt. Hohcnneucndorf. Am Freitag, den 13. März, abend? 8llt Uhr, im Restaurant.Waldschänke' sJnh. Blessin) am Bahnhof Stolpe: Oeffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: 1. Die bevor- stehende Gemeindewahl. Referent: Genosse Hoffmann. 2. Dislusston. 3. Aufstellung der Kandidaten für die 3. Klasse. Am Donnerstag, den 12. März: Handzettelverteilung. Adlcrshof. Der Zahlabend am Mittwoch, den 11. März, findet in den Bezirkslokalen statt. FriedrichShagen. Am Mittwoch, den 11. März, fällt der gemein- same Zahlabend aus, es finden dafür in den Bezirkslokalen Einzel- zahlabende statt. In Anbetracht der am Sonntag, den 15. März, stattfindenden Gemeindewahlen ist jeder Genosse verpflichtet, pünktlich zur Stelle zu sein. Nieder-Schönhausen. Heute abend 7 Uhr Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Reinickendorf-Ost. Heute abend: Wichtige Flugblattverbreitung. Friedrichsfelde. Heute, Dienstagabend, von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Lichtenrade. Mittwoch, den 11. März, abends 3 Uhr, vom Lokal Th. Jantke aus, Flugblattverbreitung. öerliner Nachrichten. In üer Gefängniskirche. Es war im Märzen des Jahres 1913. Die Sonne leuchtete vom blauen Himmel und aus tausend Quellen quoll neues Leben. Es ging dem Frühling entgegen.... Schwermütig, in dumpfen Akkorden, hallten um die gleiche Zeit— es war am Sonntag Judika— die Klänge des Har- moniums durch die Räume der nüchternen Gefängniskirche. Zitternd brachen sich die hellen Sonnenstrahlen an den blei- gefaßten, bunten Fenstern und glitten an der Mauer entlang über den Altar und die Kanzelempore. Mit fünf Schritt Ab- stand traten die Gefangenen, das Gesangbuch ün die Hand gedrückt, in die Kirchentür ein und vor ihnen, der Reihe nach, öffnete und schloß sich der Sitzkasten, in dem sie eine Stunde lang der kirchlichen Handlung zuschauen sollen. Amphitheater- mäßig reiht sich ein Sitz an den andern. Kein Gefangener kann seinen Nebenmann sehen, eine hohe Holzwand türmt sich zwischen ihnen auf. Aber von allen Sitzen können sie ihren Blick der Kanzelempore zuwenden, vor der ein Altar auf- gestellt ist und auf dem ein Abbild des gekreuzigten Jesus steht. Nüchtern und kahl mutet alles an. Ernst und Feierlich- keit werden unbewußt dadurch zurückgedrängt.... Das Harmoniumspiel ertönt wieder und rauh fallen die Stimmen der Gefangenen mit dem Text des Chorals ein. Nur wenige hört man heraus. Meist helfen die Aufseher, die an verschiedenen Stellen der geräumigen Kirche Platz ge- nommen haben. Der Pfarrer spricht die Lithurgie. Eintönig und salbungS- voll schallen die mit Pathos wiederholten Worte„Sünder' und„Büßer" von den Wänden zurück. Ein Choral schließt sich wiederum an. Sodann betritt der Geistliche die Kanzel. Hoheitsvoll und stolz steht er da, faltet zunächst die Hände zum Gebet und löst darauf umständlich die Kette der Uhr von seiner Weste und legt diese neben sich. Mitunter scheinen die Äugen ein wenig mit Verachtung über die Versammlung hinwegzu- gleiten. Aber es scheint nur so. Langsam und bedächtig er- hebt er die Bibel, und wie bei der Lithurgie erklingt jetzt wieder die hatte, unmelodische Stimme:„Zu uns spricht heute Johannes im Kapitel 8, Vers 34 und 35: Wahrlich ich sage euch: wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibt nicht ewiglich im Hause; der Sohn ewig- lich. So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei." Eine halbe Stunde lang ist der Inhalt dieses kurzen Satzes auch der Inhalt der Worte des Geistlichen. Kein Gleichnis wird eingeflochten, keine Erzählung zur Aus- schmückung eingefügt.„Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht." Monoton wiederholt sich dieser Satz. Kalt und immer kälter ist es in dem nüchternen Raum der Kirche geworden. Die Blicke des Geistlichen gehen von links nach rechts, hier und da suchen die Augen ein Opfer. Wie ein Beilhieb auf einen harten Gegenstand klingt nianches Wort und kaum ein trauter, heimischer Ton liegt dazwischen. Wird der Appell an das Gewissen der Gefangenen Erfolg haben? Werden die salbungsvollen, mit kaltem Pathos herausgebrachten Worte auf fruchtbaren Boden fallen?... Es scheint nicht. Denn die Blicke des Geistlichen werden un- ruhiger und die Motte fließen heftiger von den Lippen.„Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht."—„Er geht ein zur ewigen Verdammnis."—„So euch jedoch der Sohn frei- macht, so seid ihr recht frei." Durcheinander wirbeln die Sätze und durcheinander finden sie auch den Weg in die Hirne der Gefangenen. Aber sie zünden nicht. Trotzig gehen Blicke auf und nieder; unruhig bewegen sich manche Hörer in ihren Sitzkästen. Jedoch starr und steif sitzen die meisten und nur manchmal klingt ein Seufzer durch, als wollte er sagen: wir sind noch Menschen! Und dann ist es für eine Weile stiller. Leise und weicher entfliehen jetzt die Laute dem Gehege der Zähne und man vermeint einen Vogel zu vernehmen, der sein Weibchen zu lieblichem Minnespiel lockt.„Denn wahrlich ich sage euch: So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei. Amen." Ein Ruck geht durch die Gefangenen. Wie eine Erlösung scheint allen das Ende der Predigt des Geistlichen. Aber noch einmal schallt die Stimme durch den hohen Raum. Alle haben sich erhoben und laufchen:„Und führe uns nicht in Versuchung... denn dein ist das Sieich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit l— Amen.' Groß-Berlin. Nach dem allgemeinen Gesang setzt das Harmoniumspiel wieder ein. Leise rauschen die Akkorde über den Raum hin. Reihe um Reihe öffnen sich die Sitzkasten und wieder mit fünf Schritt Abstand verlassen die Gefangenen die Kirche und gehen in ihre Zellen zurück. Der Gottesdienst ist zu Ende. Draußen lacht die Sonne und die Menschen lachen mit. Denn alles freut sich des herrlichen Tages und des Werdens in der Natur!-- Jrrenrechts- Konforenz. Die Allgemeine Jrrenrechtskonferenz, die der Bund für Irren- recht und Jrrenfürsorge zum Sonntag nach den Jndustrie-Festsälen in der Beuthstraße einberufen hatte, bewies durch starken Besuch das wachsende Interesse für das aktuelle Jrrenrechtsthema. Zahl- reiche Aerzje, Juristen und Sozialpolitiker waren erschienen. Redak- teur Paul Elmer von der Zeitschrift„JrrenrechtS-Reform" begann sachlich mit einem Lob auf die Psychiatrie, die während der letzten Jahrzehnte in der Jrrenpflege und im Aufbau moderner Irrenanstalten Bedeutendes geleistet habe, bedauerte aber, daß diese Verdienste verdunkelt werden durch unleugbar schwere Irren- Hausmißstände. Bei den Privatirrenärzten seien pekuniäre Sonder- interessen, die dem Redner brieflich durch den Direktor einer deut- scheu öffentlichen Irrenanstalt bestätigt worden find, ein offenes Geheimnis. Bei vielen leitenden Irrenärzten öffentlicher Anstalten grassiere Strebertum, ärztliche Rückgratlofigkeit und Liebedienerei nach oben. Die Jrrenrechtsfrage sei kaum mehr eine Wissenschaft- liche Frage zu nennen, sondern eine reine Machtfrage gewo: � den. Mit Macht und Gewalt, mit der?srsnoia poUtics, sperre man politisch oder sonstwie unbequeme Personen ins Irrenhaus und schaffe dadurch Zustände, die das moderne Jrrenunrccht zum getreuen Pendant des Pandurenkellers von Zaber» gestalten. Diel schuldiger als die Psychiater seien gewisse Behörden, welche die Psychiatrie benutzen, um Rechtsverletzungen an der persönlichen Freiheit zu begehen. Gegen das System, die hochgestellten Schuldigen zu schützen und Rechtssünden zu ver- tuschen, müsse mit aller Energie Front gemacht werden. Wahre Hilfe sei nur vom Reichstag zu erhoffen, für den auch im Irren- recht die Losung sein solle: Feste drauf I Professor Dr. L e h m a u n- H o h e n b e r g- Weimar sprach über die mangelhafte wissenschaftliche Vorbildung der Psychiater und ihr Verhältnis zu den Universitäten. Mit Seelenkunde sollten sich keine Stümper befassen. Unfähige und gewissenlose Elemente, welche die Jugend nur verbilden, müßten von den akademischen Lehrstühlen entfernt werden. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld schildette in längerer Rede an der Hand amtlich bekanntgegebener EinsperrungSfälle die Mißstände im Berliner Jrrenwesen. Durch die unseren städtischen Irrenanstalten von der Staatsgewalt in großer Zahl Cr.:'- gezwungenen geisteskranken Verbrecher sei die städtische Jrretipslc.,- geradezu demoralisiert worden, was selbst Geheimvat Sander von der Irrenanstalt Dalldorf bestätige. Trennung der Verbrecher von den kommunalen Irrenanstalten sei eine der wichtigsten Jrr-r rechtsforderungen. Ueberhaupt müsse der P o l i z e i g e i st, der heute daSgesamtedeutscheJrrenwesenbeherr sä'i, verschwinden. Bon 1803 bis 1839 haben in durchaus bewährier Form die Gerichte über Jnternierungen entschieden. Mit dem Eingriff der Polizeigewalt in die Rechte der Justiz sei eS immer schlimmer und unhaltbarer geworden. Demnach sind die Miß- stände an den Berliner Irrenanstalten nur Ausflüsse eines gefä?>:- lichen Systems. Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried stellte erneut seine schon bekannten Thesen zur Verbesserung des Jrrenrechts auf. In zündender Rede pries der bekannte Arzt Dr. Wilhelm Winsch den wohltätigen Einfluß der Natur auf die Behandlung von Geisteskrankheiten im Gegensatz zu der umfangreichen Hantierung mit allerlei Giften, die oft geeignet sind, Geisteskranrheiten hervor- zurufen und zu fördern. Auch er mißt der mangelhaften, dog- matisch zugestutzten Ausbildung der Aerzte auf den Universitäten einen Teil der Schuld bei.„Aenldern Sie," so schloß der Redner unter begeistertem Beifall,.das herrschende soziale System. W r müssen ein soziale? System bekommen, in dem nicht mehr d r eine der Ausbeuter des anderen ist, sondern in dem wieder nr r Nächstenliebe herrscht. Wenn uns das erst mal gelingt, wird damit die Haupwrsache aller Geisteskrankheiten verschwunden sein." Raubüberfall in Charlvttenbnrg. Ein schwerer Raubanfall wurde gestern vormittag um 814 Uhr in Charlottenbnrg verübt. Ein unerkannt entkommener Mann schlug eine Bewohnerin des Hauses Suarezstraße 54 mit einem Beil nieder, würgte eine zweite an der Kehle und ergriff dann die Flucht, ohne den geplanten Raub ausgeführt zu haben. Wir erfahren hierzu: Im zweiten Stockwerk des Hauses wohnt eine Frau Wolter,' die Zimmer vermietet. Zu dieser kam zur angegebenen Zeit ein Mann von etwa 30 Jahren und sagte, daß er ein Zimmer zu mieten wünsche. Die Frau zeigte ihm auch ein gerade leerstehendes Zimmer, und der Mann erklärte sich auch bald mit dem Preise ein- verstanden. Er zog dann ein Buch aus der Tasche und bat die Wirtin, die Vermietung darin durch Unterschrift zu bestätigen. Während sie sich hierzu anschickte, zog der vermeintliche Mieter ein Beil aus der Tasche und schlug es der Frau mit der scharfen Seite über den Kopf, so daß diese zusammenbrach. Im gleichen Augenblick kam ein Fräulein, das ein Nebenzimmer bewohnt, zufällig mit einer Wasserkaraffe auS ihrer Stube in den Raum, in dem sich d: Wirtin und der Mann befanden. Dieser stürzte sich jetzt sofort auf das Fräulein und würgte es am Halse. Diese war aber so geistes- gegenwärtig, nicht nur laut um Hilfe zu rufen, sondern sich auch energisch zur Wehr zu fetzen. Unter diesen Umständen zog es der Mann vor, die Flucht zu ergreifen. Es gelang ihm auch, zu ent- kommen, doch mußte er mehrere Sachen zurücklassen. So auch eine rotseideue Krawatte mit weißen Streifen, die ihm das Fräulein im Kampfe entrissen hat, seinen schwarzen steifen Hut, Größe Nr. 54, einige Papiere und das Beil. Es ist die? ein neues Küchenbeil, ans dem mit Bleistift die Buchstaben?. O. und mit Blaustift die Bc- zeichnung 600. 11. C O. sowie das Fabrikzeichen mit den Buchstaben P. D. vermerkt ist. Der entkommene Täter, der eS ohne Zweifel auf eine Beraubung seines OpferS abgesehen hatte, ist 1,70 Meter groß und ziemlich korpulent, hat kurzes, dunkelblondes Haar und ebensolchen Spitzbart. Beide Gesichtsseiten sind ebenfalls stark bc- haart. Die schwer verletzte Frau Wolter wurde nach dem Kranken- hause gebracht, wo ße bedenklich daniederliegt. Der sofort ljiiizugceiltcn Charlottenburger Krimtnalpolizei ist es inzwischen gelungen, den Namen des Täters zu ermitteln. Am Tatort fiel dem Räuber während des Kampfes mit Fräulein Simson eine Postpakctadresse aus der Tasche, auf welcher die Aufschrift stand:„Herrn Monteur Otto Heyer, Leipzig". Die Charlotten- burger Kriminalpolizei wandte sich sofort telephonisch an die Leip- zigcr Behörde, und so konnte in wenigen Minuten festgestellt wer- den, daß Heyer, der vielfach vorbestraft ist, von seiner in Leipzig wohnenden Frau getrennt lebt. Er ist am 16. Januar 1876 zu Eis- leben geboren, etwa 1,6ö Meter groß, hat blondes Haar, trägt eben- solchen Spitzbart, braunen Ueberzieher und schwarzen steifen Hut von 54 Zentimeter Weite. Diese Kopfbedeckung hat Heyer in der Walterschen Wohnung zurückgelassen. Die Waffe, mit der er die Tat verübte, ist ein neues Küchenbeil und zeigt die Fabrikmarke R D. mit dazwischenliegendem Hubertus-Hirschkopf. Auch dieses Beil hat Hetzer gleichfalls am Tatort liegen lassen. Vom Berliner Wohnungsmarkt. Alljährlich wird in Berlin eine Zählung der leerstehenden Wohnungen ausgeführt, um Klarheit über die Verhältnisse des Wohnungsmarktes zu gewinne». Ueber das Ergebnis der Zählung, die am 1. Dezember 1813 stattfand, berichtet jetzt das Berliner Statistische Amt. Gezählt wurden diesmal 27 824 leerstehende Wohnungen, davon 26 685 ohne Gewerberäume und 1739 mit Ge- werberäumcn. Gegenüber dem 1. Dezember 1312, wo 26 366 leer- stehende Wohnungen, 24 395 ohne Gewerberäume und 1911 mit Ge- werberäumen, gezählt wurden, ist eine sehr erhebliche Acnderung eingetreten. Bei den Wohnungen mit Gewerberäumcn ist eine Minderung der leerstehenden zu verzeichnen, bei den Wohnungen ohne Gewerberäume haben die leerstehenden sich weiter ge- mehrt. Im Hinblick auf den bedeutenden Rückgang der Be- Völkerungszahl Berlins, den das Jahr 1913 gebracht hat, wäre eine noch viel stärkere Mehrung der leerstehenden Wohnungen zu er- warten gewesen. Daß an der Mehrung alle Größenklassen beteiligt waren, ergibt die Sonderung in kleine, mittlere und große Wohnungen. Von 1912 zu 1913 mehrten sich die leerstehenden Wohnungen ohne Gewerberäume mit 2 oder weniger Zimmern von 19 485 auf 26 746, mit 3 oder 4 Zimmern von 3338 auf 3566, mit 5 oder mehr Zimmern von 1572 auf 1785. Tie Gruppierung nach Stadtteilen zeigt, daß die Mehrung sich auf die meisten Stadtteile erstreckt. Einige Ausnahmen fallen auf, so der nördliche Teil des Königsviertels, der nordöstliche und der nordwestliche Teil der Rosenthaler Vorstadt, der östliche und der westliche Teil von Moabit, ganz besonders aber der Stadtteil Wedding, der eine Minderung der leerstehenden Wohnungen ohne Gewcrberäume von 1873 auf 1589 hatte. Im ganzen ist aber das Ergebnis dieser Zählung leer- stehender Wohnungen so, daß es die Hausbesitzer Berlins, die seit langem einen Umschwung herbeisehnen, wieder recht bitter ent- täuschen wird. Die Hoffnungen auf Wiederkehr einer Wohnungs- knapphcit, die den Hausbesitzern eine erneute kräftige Hinauf- schraubung der Mieten ermöglichen soll, scheinen sich einstweilen nicht erfüllen zu wollen. Zwar hat in Berlin, wo schon seit Jahren das Angebot von Wohnungen erheblich über die Nachfrage hinaus- ging, die Wohnungsproduktion merklich nachge- lassen. Aber unter dem Einfluß der Wirtschaftskrise und des Arbeitsmangels haben im letzten Jahr auch die Wegzüge von Berlin die Zuzüge nach hier so stark überwogen, daß ein beträchtlicher Bevölkerungsrückgang(um rund 16 666 Personen) sich ergab und die Wohnungskonsumtion sich weiter ver- r i n g e r t e. Auch die reichliche Minderung der Eheschließungen, die Berlin im letzten Jahre hatte— es wurden 1866 Ehen weniger als im vorletzten Jahre geschlossen—, muß die Nachfrage nach Wohnungen sehr fühlbar beeinflußt und weiter herabgedrückt haben. Ein Radfahrer gegen einen Autobus gefahren und getötet. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Frankfurter Allee ereignet. Der 19 Jahre alte Radfahrer Xaver Obst, Hochmeisterstr. 28 wohnhaft, hatte für die Firma H., Kastanien- allee 62, Rechnungen im Osten der Stadt einkassieren wollen. Er benutzte sein Zweirad. Als er die Frankfurter Allee entlang fuhr und in die Warschauer Straße einbiegen wollte, geriet er gegen einen entgegenkommenden Automobilomnibus, wurde mit der Ma- schine zu Boden geworfen und unter die Räder des Kraftwagens geschleudert. Die letzteren gingen dem jungen Menschen über Brust und Beine hinweg. In leblosem Zustande wurde O. nach der Hilfs- wache 1 gebracht, wo er nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Auf dem Transport nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain starb der Verunglückte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Aus der Arinendirektion. Die Armendirektion beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Mon- tag mit einem Antrage unserer Genossen, die Armenspcisung in diesem Jahre bis zum 31. März auszudehnen und zu diesem Zweck der Armcnspeisungsanstalt weitere 16 666 M. zu überweisen. Begründet wurde der Antrag mit der großen Inanspruchnahme der Speisung. In den Monaten Dezember bis Februar wurden im Durchschnitt 7666 bis 8666 Portionen pro Tag verlangt und ver- abreicht. Im Januar wurde die Zahl von 8666 an manchen Tagen überschritten. Die riesige Arbeitslosigkeit zwingt leider viele Fa- Milien, dieses letzte Mittel zu ergreifen, um vor direkter Armen- Unterstützung bewahrt zu bleiben. Dadurch bedeutet die Speisung aber auch eine wesentliche Entlastung des Armenetats. Stadtrat Doflein stellte die Bewilligung der geforderten 16 666 M. durch den Magistrat in sichere Aussicht, und fand dann auch der Antrag ein- mütige Annahme. Zu einer längeren Debatte kam es noch wegen der Unterschlagung eines Armenvorstehers; dieser hat nicht nur den eisernen Bestand von über 366 M. mitgehen heißen, sondern auch die Lieferanten der Kommission nicht bezahlt, trotzdem sie quittierte Rechnungen überreicht haben. Diese verlangen jetzt von der Direktion Zahlung. Es soll von Fall zu Fall geprüft und entschieden werden. Bei Beginn der Sitzung wurden 11 neue Vorsteher durch Herrn Stadtrat Doflein für ihr schweres Amt, so führte der Stadtrat aus, verpflichtet. Hilfreich und schnell einzugreifen, wo es nottue, gab er den Herren mit auf den Weg. Auch wir können diese Mahnung angesichts des Verhaltens vieler Vorsteher nur wiederholen. Human ihres Amtes zu walten und auch in den Ärmen, die genötigt sind, die Hilfe der Stadt in Anspruch zu nehmen, ihren Mitbürger zu sehen. Wird so verfahren, werden viele Beschwerden fortfallen. Die Not seiner Mitmenschen nutzte ein Schwindler aus, der jetzt von der Kriminalpolizei un- scbädlich gemacht wurde. Ein 31 Jahre alter Bücherreisender Max May erließ von hier aus in der Provinz Zeitungsanzeigen mit dem Wortlaut:„Lohnenden Nebenerwerb weist nach Chiffre..." Daß er darauf unzählige Meldungen erhielt, bedarf in einer Zeit der Arbeitslosigkeit erst gar keiner Erwähnung. Allen Leuten ant- wartete nun May, daß sie an eine bestimmte Adresse, gewöhnlich imter seinem Namen, an dieses oder jenes Hotel 2 M. einzusenden hätten. Nach Eingang dieses Betrages werde er ihnen den Nach- weis zugehen lassen. Die arglosen Leute glaubten natürlich eine Stelle nachgewiesen zu erhalten, bekamen aber statt dessen nur ein Heft mit allen möglichen Ratschlägen, auf welche Weise Geld ver- dient werden könne. Die Bewerber waren also ihre 2 M. los und beruhigten sich zum größten Teil bei ihrer Enttäuschung. Auf mehrere Anzeigen hin gelang es jetzt, May in einem Hotel am Stettiner Bahnhof, in dem er zuletzt mit seiner Frau wohnte, zu ermitteln und festzunehmen.__ Tolle Lärmszenen ereigneten sich in der Nacht vom Sonntag zu Montag im Sportpalast, in dem das sogenannte Sechstagerennen stattfindet. Zwei Paare waren mehrfach überrundet worden und sollten nach dem Reglement ausslbeiden, nämlich Pawke— Marx und die Belgier Bugose— Rebacts. In großer Erregung schleuderte ein Manager der Deutschen heftige Anklagen gegen die Rennlcitung, worauf ein ohrenbetäubender Lärm entstand; man johlte, pfiff und schrie, daß kein Wort zu verstehen war. Um den Tumult zu hindern, gab die Nennleitnng nach und ließ das deutsche Paar fahren. Das gab aber neuen Krach, weil auch die Belgier weiter fuhren. Schließlich kam eine Einigung zu stände und die Schreier be- ruhigten sich. Ein Liebesdrama auf dem Tegeler See. Eine Liebestragödie, die auf Mord und Selbstmord schließen läßt, hat sich auf dem Tegeler See abgespielt. Dort fand man gestern an der südlichen Seite des Sees, am Scharfenberg, einen Kahn, in dem sich ein Herren- und ein Damenhut, zwei Schirme und eine Handtasche befanden. Die Ermittelungen ergaben, daß der Kahn von einem Bootsverleiher aus Tegelort stammt. Dieser hatte ihn schon am Sonntagnachmittag einem Pärchen vermietet. Dieses ist, wie sich an Hand der gefundenen Sachen bald weiter feststellen ließ, ein 32 Jahre alter Fleischer Paul K o w a l und ein 22 Jahre altes Dienstmädchen Therese Vögerl. Beide unterhielten schon seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis. Das Mädchen wohnte seit einigen Tagen in der Fehmarnstraße in Schlafstelle, da es ohne Beschäftigung war, während ihr Geliebter in einer großen Fleischerei auf dem Wedding arbeitete. Nun hatte des Mädchen in demselben Betriebe einen anderen Schlächtergesellen kennen ge- lernt. Um nun Kowal loszuwerden, erzählte sie ihrem neuen Ver- ehrer, daß ihr früherer Geliebter in dem Geschäft fortwährend stehle. Dies stimmte, und das Mädchen wußte auch schon längere Zeit davon. Ihr neuer Geliebter machte jetzt davon dem Geschäfts- inhaber Mitteilung, der daraufhin die Polizei benachrichtigte. Die Folge davon war, daß Kowal wegen der fortgesetzten Fleischdiebstähle in Haft genommen wurde. Nach sechswöchiger Strafverbüßung wurde er am vergangenen Donnerstag wieder entlassen. Er hatte inzwischen in Erfahrung gebracht, daß seine frühere Braut ihn ver- raten hatte, während diese davon nichts ahnte. Er suchte sie auf und verabredete mit ihr zum Sonntag eine Partie nach Tegel. Hier suchten sie u. a. ein Restaurant auf, wo, wie die Wirtsleute be- künden, das Mädchen äußerst vergnügt war. Gegen 4 Uhr nahmen beide dann einen Kahn und fuhren auf den See hinaus. Man glaubt nicht, daß beide gemeinsam und freiwillig in das Wasser gegangen sind, weil das Mädchen stets zu lebenslustig war und nie Selbstmordgedanken geäußert hat. Es wird vielmehr angenommen, daß Kowal eigens die Kahnpartie gemacht hat, um seine frühere Geliebte aus Rache in den See zu stürzen und sich dann auch selbst das Leben zu nehmen. Die Leichen des Paares, das wohl ohne Zweifel seinen Tod im Wasser gefunden hat, konnten bisher noch nicht geborgen werden. Zu der Ncbciivcrsammlung am Dienstag in den Andrcas-Fest- sälen, über die wir am Sonnlag berichteten, teilt uns Herr Gustav Landauer mit, daß der Sozialistische Bund mit dem Einberufer der Versammlung, einem gewissen Hetrn Paatoiv, noch nie etwas zu tun gehabt habe. Panlow sei nicht Mitglied einer Gruppe des Sozialistischen Bundes gewesen. In der Frauenvcrsammlung in den Arminhallen ist eine Boa gefunden worden. Dieselbe ist bei Aug. Pohl, Naunynstraße 36, abzuholen. Zu dem Automobilunfall am Sonnabendabend in der Alten Schönhauser Straße 29 teilt uns der Bruder des Verunglückten mit, daß es sich um den 44jährigen Arbeiter Gustav Regel handelt. Er wurde beim Ueberschreiten der Straße vom Autoomnibus umge- rissen und überfahren. An den schweren Verletzungen ist Regel eine halbe Stunde darauf im Hcdwigs-Krankenhause gestorben. Beim Unfall ist dem Verstorbenen das Portemonnaie abhanden gekommen; es loar ein kleines dunkles Portemonnaie mit Metall- buchstabcn G. R und hatte etwa 15 M. Inhalt. Ter ehrliche Finder wird gebeten, es an die Frau des Verstorbenen, Frau Regel, Graunstraße 4, abzugeben. Die Leiche eines Polizeisergcantcn wurde in der Jungfern- Heide aufgefunden. Vor einigen Tagen fand man dort einen Mann erschossen auf, dessen Persönlichkeit sich zunächst nicht feststellen ließ. Die Nachforschungen haben nunmehr ergeben, daß es sich um den aus Oberwasen gebürtigen Polizeisergeanten Alwin Schreiner handelt, der seit dem 24. Januar d. I. aus Harburg, wo er in Dienst stand, verschwunden war. Ein unheilbares Leiden scheint den Mann in den Tod getrieben zu haben. Am Grabe des Vaters erschossen. Rekognosziert wurde die Leiche jenes jungen Mädchens, das erschossen auf dem Georgen- friedhof zwischen Gräbern aufgefunden wurde. Es handelt sich um die Lljährige Verkäuferin Elli Anders aus der Georgenkirch- straße 12. Das junge Mädchen hatte vor kurzem den Vater, an dem es mit großer Liebe hing, durch den Tod verloren. Sie ver- mochte den herben Verlust nicht zu ertragen und tötete sich am Grabe des Toten durch einen Revolverschuß in die Brust. Wer sind die Toten? Aus der Spree gelandet wurde am Gröbenufer die Leiche einer Frau von etwa 25 Jahren, die nach dem Befunde wohl vier bis sechs Wochen im Wasser gelegen haben mag. Die unbekannte Tote ist 1,76 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug einen grünlichgelben Ulster, eine hellblaue Bluse mit Einsatz und wollene Handschuhe.— Im Krankenhause zu Lichterfelde verstorben ist eine Frau von etwa 45 Jahren, die Sonn- abendvormittag in Steglitz auf der Straße von Krämpfen befallen wurde. Die Verstorbene hat dunkelbraunes Haar und trug einen Pelzhut mit Federn, eine blaugrün gestreifte Bluse, einen schwarzen Rock und Schnürstiefel. Bei sich hatte sie eine braune Ledertasche mit acht Schlüsseln, einem Portemonnaie u. a. m. An oen Füßen hat die Tote Oprationsnarben. Vorortnachrichten. Gemeindcwahlergcbnifse. In Pankow wurden bei der am Sonntag und Montag stattgefundenen Gemeindevertreterwahl im ersten Bezirk für die Sozialdemokratie 449, für die Bürgerlichen 684 Stimmen abgegeben. Im zweiten Bezirk erhielt unser Kandidat Genosse Koch 962 Stimmen, die Bürgerlichen dagegen nur 155 Stimmen, und im vierten Bezirk brachte es unser Kandidat Genosse Paul Schindler sogar auf 1112 Stimmen, während die Gegner nur 197 Stimmen erhielten. Im 1. Bezirk war es uns leider nicht vergönnt, den Be- zirk zu erobern. Die vereinigten Bürgerlichen hatten alles auf- geboten und die in einem Abhängigkeitsverhältnis stehenden Be- amtcn kolonnenweise zur Wahl geschleppt. Die gestern in N i ed e r- S ch ön h a u sen zu Ende geführte Wahl brachte unserem Kandidaten Paul D u m s ch mit überwälti- gender Stimmenmehrheit den Sieg. Auf ihn entfielen 954 Stimmen, während es sein Gegenkandidat, der Postsekretär Kraft, nur auf 451 Stimmen brachte. Damit ist auch das fünfte und letzte Mandat in der dritten Klasse im sozialdemokratischen Besitz. Heute finden die Wahlen in der zweiten Klasse statt. Kandidaten der Sozialdemo- kratie sind hier die Genossen Friedrich Breitmann und Albert Müller. Einen besonders harten Wahlkampf hatte die Sozialdemokratie in H o h e»- S ch ö n h a u s e n gegen den ge- samten bürgerlichen Mischmasch zu bestehen. Durch unerhörten Terrorismus wurden hier alle abhängigen Wähler gezwungen, für die Kandidaten des Grundbesitzervereins zu stimmen. Reichs- Wahrheilsverband und Deutschnationale Handlungsgehilfen wett- eiferten in dieser Agitation. Alle Beamte, freiwillige Feuerwehr, Sanitätskolonne und Kriegerverein wurden gegen den Umsturz auf- geboten. Autos durchrasten stundenlang für die Ordnungspartei den Ort, doch alle Mühe war vergebens. Die Genossen Sieben- w i r t h und D r e w s wurden mit 381 und 379 Stimmen g e- wählt. Tie Kandidaten der Bürgerlichen erhielten 359 und 333 Stimmen, darunter befanden sich 56 Papiersoldaten. Der bis- herige bürgerliche Vertreter erhielt nur 31 Stimmen, drei waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 55 Prozent. In Caputh bei Potsdam wurde in der Ergänzungswahl der dritten Abteilung Genosse Fritz W e n tz mit 113 gegen 63 bürgerliche Stimmen gewählt. Bei der Verstärkungswahl ging Genosse Herm. Krüger mit 124 gegen 64 bürgerliche Stimmen als Sieger aus der Wahl hervor. In der zweiten Abteilung brachten es unsere beiden Kandidaten auf je 16 Stimmen. Hier fiel den Bürgerlichen der Sieg mit 39 bezw. 37 Stimmen z». In Bruchmühle brachte uns die Wahl leider nicht den er- hofften Sieg. Daß hier unsere Genossen unterlagen, ist darauf zu- rückzuführen, daß die Gegner sämtliche Papierstimmcn in ihren Händen hatten. Auch sonst übten sie auf die abhängigen Wähler den unglaublichsten Terrorismus aus. Weihensee. Einen stürmischen Verlauf nahm eine am vergangenen Freitag bei Frentz, Berliner Allee 256, vom Zentralverband der Handlungs- gehilfen, Bezirk Weißcnsee, einberufene öffentliche Versammlung, in der zur bevorstehenden Kaufmannsgerichtswahl Stellung genommen wurde. Schon lange vor Beginn der Versammlung hatten die Gegner, die ihre Berliner Mitglieder durch ein besonderes Zirkular zusammengetrommelt hatten, alle Plätze besetzt, so daß die Mitglieder des Zentalvcrbandes nur mit Mühe in den Saal ge- langen konnten. Genosse O h l o f f behandelte das Thema:„Der Zentralverband und seine Gegner" in überaus treffender und streng sachlicher Weise. In der Diskussion sprach zunächst Herr Gostinsky. Da der Herr dem Zentralverband der Handlungsgehilfen in prinzipieller Hinsicht nichts vorwerfen konnte, rempelte er unfern Kandidaten Fuhrmann mit allerlei Persönlichem in seiner Eigenschaft als.Vor- wärts"-Angestellter an. Als ihm Kollege Schmidt die gebührende Antwort gab, kam es wiederholt zu stürmischen Auftritten. Hierbei trat die Absicht der Gegner, durch fortgesetzte Provokation die Ver- sammlung zu sprengen, deutlich hervor. Ihren Höhepunki erreichte die Versammlung, als sich Kollege B u b l i tz anschickte, die unglaublichen Verdrehungen und Entstellungeu über unsere VerbandStätigleit, die der zweite Diskussionsredner der Gegner sich leistete, richtig zustellen. Nunmehr veilangten dieselbe» für ihren dritten Redner das Wort, und sie verhinderten durch fort- gesetztes Lärmen Bublitz am Weiterredcn. Unter wüstem Geschimpfe und Gejohle zogen die Radaumacher schließlich ab. Mit einem Appell an die Wähler, am 18. März die Liste 2 des Zentral- verbandcs der Handlungsgehilfen zu wählen, wurde die Versamm- lung geschlossen. Steglitz. Ein tief bedauerliches Ereignis nennt das Leiborgan der Terrainspekulanten die Wahl von zwei Sozialdemokraten und die Wiederwahl eines Demokraten bei den Ge- meindewahlen der dritten Klasse. Wir verstehen den tiefen Schmerz der Hausbesitzerpartei zu würdigen und können ihre Enttäuschung darüber nachfühlen, daß die Wähler auf den Gimpelfang nicht hineingefallen find, trotz Reklamewagen,' Schlepp- autos und dummdreister Wahlplakate, wie z. B. der folgenden:.Wir wählen keine Sozi-Genossen, sondern die Männer praktischer Er- fahrung Hoyer und Wegeler", oder eines anderen:.Arbeiter und Bürger, die über die Ziele der Sozialdemokratie aufgeklärt sind, wählen Hoyer und Wegeler." Wie geistig arm müssen doch diese.vereinigten" Bürgerlichen sein, wenn sie selbst in Gemeinschaft nicht mehr Witz aufbringen können. Der Eindruck dieser Plakate auf die Wähler war denn auch dem auf- gewandten Geist entsprechend: alles lachte über den Blödsinn und wählte Hoyer und Wegeler— nicht, sondern die Sozialdemo- kraten, so daß nunmehr die sozialdemokratische.Fraktion" vier Mann zählt. Diese unseren Gegnern recht unangenehme Tatsache hat schon eine unerwartete Wirkung auf die Mehrheitsparteien aus- geübt-- sie ist bereit, den Wahlrechtsraub des anderthalb- fachen Durckiichnitts zu opfern, um der Sozialdemokratie diesen Agitationsstoff zu entziehen. Schreibt doch das Hausbesitzcrorgan in einem„Nach den Wahlen" betitelten Artikel u. a.:.Wenn jedoch die steuerliche EntWickelung von Steglitz das Wahlstatut überholt hat, dann könnte die Majorilälspartei sich vielleicht überlegen, ob es nicht angebracht sei, das ganze Wahl st atut auf- zuheben."— Ja. ja, nur von wegen der steuerlichen Entwickelung l Sehr schön umschrieben! Unsere Wähler können sich zu diesem ersten Erfolg ihrer Stimmenabgabe gratulieren. Wannsee� Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung abermals mit der Verlegung der Kreischaussee Wannsee-Neu- babelsbcrg. Die Gemeinde soll hierzu einen Kostcnzuschuß von 16 666 M. tragen. Das wurde mit der Motivierung abgelehnt, daß Kohlhasenbrück durch die Verlegung vom Verkehr abgeschlossen würde; man erklärte sich zur Leistung des Zuschusses nur dann bereit, wenn ein Projekt ausgearbeitet wird, in welchem Kohlhasen- brück besser abschneidet. Die Regierung verlangt die Ausarbeitung eines Kanalisationsprojektes für Wannsee. Das läßt sich vorläufig schlecht bewerkstelligen, weil der Bebauungsplan vorläufig noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Wenn letzterer vorliegt, soll mit der Ausarbeitung eines Projektes begonnen werden. Die Sache selbst scheint man sehr hinausschieben zu wollen; daraus ergibt sich ein für einen Ort wie Wannsee durchaus unwürdiger Zustand. Alsdann wurde die Errichtung einer ländlichen Fortbildungsschule, d. h. für ungelernte Arbeiter, im Prinzip beschlossen. Es soll zunächst noch eine Kostenübersicht ausgearbeitet und darüber verhandelt werden, ob genügend Lehrkräfte vorhanden sind. j�ricdrichsfelde. In der geheimen Sitzung der Gemeindevertreter vom vorigen Freitag wurde auch über eine Gehaltszulage von je 1666 M. für den Bürgermeister und für den Beigeordneten verhandelt. Dem Bei» geordneten Caßebaum wurde sie bewilligt, dem Bürgermeister aber abgelehnt! Hoffentlich zieht letzterer nun daraus die Lehre. daß man als Leiter eines Gemeinwesens auf die�Dauer die Mehr- heit der Gemeindevertreter nicht in der Weise brüskieren darf, wie er es bisher getan. WWMWWWWMWM»»»»»»»» Neuenhagen( Ostbahn). Metallarbeiterschaft mehr als bisher zur Unterstüßung in erziehe-| seligen Tat, bei der es sich um Mord und Selbstmord handelt, rischer Hinsicht herangezogen werden müsse. Am wirksamsten soll in Familienzwistigkeiten liegen. allerdings sei immer die Agitation, die von der Gruppe selbst ausGewählt wurde Wehnert als Obmann, Schattan als Aus aller Welt. Du bist ein Teil von jener Kraft... Nur gegen Einlaßkarten ist der Zutritt zu der heute, Dienstag abend, stattfindenden Versammlung der drei Grundbesizervereine, geht in der über die Gemeindewahl beraten werden soll, gestattet. Sie scheuen die Oeffentlichkeit. Die sonst feindlichen Brüder haben sich Schriftführer, Schreiber als Staffierer und Eischner und jekt vor der Wahl geeinigt und verteilen schon, des Sieges gewiß. Ma how sti als Kommissionsmitglieder. Als Revisoren funDie Mandate. Das Mandat der zweiten Abteilung beansprucht der Vorsitzende des Niederheider Grundbesißervereins, während die beiden gieren Brödner und Lehmke. anderen Vereine je ein Mandat der dritten Abteilung unserer Partei abringen wollen. Damit dieser fein ausgeflügelte Plan Erfolg hat, soll die äußerst ungünstige Ansehung der Wahlzeit durch den Gemeindevorsteher helfen. Mittags 12 Uhr beginnt die Wahlhandlung. Fast alle Wähler sind in Berlin beschäftigt und müssen teilweise einen ganzen, bestimmt aber einen halben Tag versäumen. Der in dieser schlechten wirtschaftlichen Konjunktur doppelt schwer empfindliche Verlust des Arbeitsverdienstes soll das Wahlergebnis ungünstig beeinflussen. Das zu verhindern, ist unsere Pflicht. Parteigenossen! Agitiert für guten Besuch des morgigen( Mittwoch) Zahlabends. Bringe jeder mindestens einen unorganisierten Freund mit, dann muß der Erfolg am Tage der Wahl unser sein. Die Wahl der dritten Abteilung findet am Freitag, den 13. März d. J., im Fagersternschen Saal, Dorfstraße, statt. Es wird in zwei Wahlgängen gewählt, und zwar von 12 bis 3 Uhr Ergänzungswahl, Kandidat Genosse Otto Göller, und von 3 bis 6 Uhr Ersaßwahl, Kandidat Genosse Gustav Lubatsch. Zur Bildung des Wahlbureaus muß jeder Parteigenosse pünktlich 12 Uhr zur Stelle sein. Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde. Die Vertrauensleute aller Betriebe und Werkstätten sowie fämt liche Gewerkschaftskommissionsmitglieder obiger Orte werden ersucht, heute Dienstag, den 10. März, abends 6 Uhr, im Wilheimsgarten in Tempelhof, Berliner Straße, zu einer sehr wichtigen Besprechung zu erscheinen. Die Parteis und Gewerk schaftsgenossen wollen die in Frage kommenden Funktionäre auf die Sigung aufmerksam machen. Lübars- Waidmannsluft. Kleine Notizen. Arbeiterrifiko. In einer Dampfgiegelei in Rudelstadt in Schlesien wurde der Arbeiter Heinrich Ronge von abborgen werden. Auf dem Marienschacht in Königshütte fiel stürzenden Erdmassen verschüttet. Er konnte nur als Leiche gedem Grubenarbeiter Polotzek ein Kohlenblod, der sich aus dem hängenden Gestein löste, auf den Stopf und tötete ihn. Apachenüberfall auf ein Kloster. In Boulogne fur Seine drang eine Bande von fünfzehn zuhältern in ein hälter zertrümmerten die Fenster und die Glastüren durch Kloster ein, in dem sich eine Besserungsanstalt befindet. Die ZuRevolverschüsse, bedrohten die Nonnen und entführten schließlich mehrere der in der Obhut des Klosters befindlichen Mädchen. Der Polizei gelang es, sieben Mitglieder der Bande festzunehmen. Die Verhaftung der anderen steht unmittelbar bevor, Großfeuer in einem amerikanischen Klubhause. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat sich Montag früh in St. Louis, der Hauptstadt des Staates Missouri, zugetragen. In dem achtstödigen Klubhause des Missouri Athleticklub kam in den frühen Morgenstunden, als ein großer Teil der etwa 200 Bewohner des Hauses noch schlief, Feuer aus. Bei Ankunft der Feuerwehr hatte der Brand bereits soweit um sich gefressen, daß Männer und Frauen, denen der Rettungsweg versperrt war, aus allen Stockwerken auf die Straße sprangen, wo sie zumeist schwer verlett liegen blieben. Gtiva 20 Personen konnten sich durch Flucht Dank Dir, Traugott v. Jagow, den ein gütiges Geschid über ein niedriges Dach in Sicherheit bringen. Zahlreiche Perund landesväterliche Gnade zum Polizeipräsidenten von Berlin ge- sonen wurden durch die Wehrleute gerettet. Wahrscheinlich ist die jetzt hat. Wenn irgend einer unserer Aftionen größere Stoßkraft Bahl der Toten sehr groß, da man bisher nur sieben Pergegeben werden soll, auf die unfreiwillige Mitarbeit des obersten sonen tot aufgefunden hat und 60 bis 70 vermißt werden. Gewalthabers vom Alexanderplatz ist so sicher zu rechnen, daß Etwa 50 Personen erlitten durch Brandwunden oder durch manche von uns ihn als einen Faktor des glücklichen Gelingens Sprung aus dem Fenster schwere Verlegungen. Das Ge= der Aktion im voraus einsehen. Wie bei den ersten Demon- bäude des Klubs bildet nur noch einen Trümmerhaufen. Der Sachftrationen, wo die Warnung an die Neugierigen das Gegenteil schaden wird auf 1 Million Dollar geschätzt. bis zur erzielte erzielen mußte, Herr Polizeipräsident Roten Woche eine ununterbrochene Kette von Erfolgen, die nicht zum letzten zu danken sind der unfreiwilligen Hilfe des Herrn Traugott v. Jagow. Noch wissen wir nicht zahlenmäßig die Erfolge der Roten Woche, eines aber wissen wir: wenn die Parteiarbeiten in der Roten Woche hier und da unter Mangel an Arbeitskräften gelitten hätten, die Befürchtung ist jetzt grundlos. Herr v. Jagow hat mit seinen famosen Plakatverboten dafür geTödlicher Absturz. Am Montag nachmittag ist auf dem Flugs sorgt, daß unsere Genossen sich das Wort Immer feste druff!" zu eigen machen. Es ist eine alte Erfahrung: Je kräftiger und felde Aspern bei Wien Oberleutnant& Isner mit einem rücksichtsloser der Hammer auf das rotglühende Eisen niederfällt, Unteroffizierflugschüler abgestürzt. Beide sind Einen besonderen Reiz bot in der letzten Sigung die Besprechung um so inniger und fester werden die einzelnen Teile zusammen- to t. einer Vorlage, die auf Wunsch eines Grundeigentümers, der auch geschmiedet. Und wie dort, so auch hier: Je schneidiger Herr Gemeindevertreter ist, der Gemeindevertretung zur Annahme v. Jagow seine Attacken gegen uns reitet, um so enger schließen empfohlen wurde. Es sollte eine Verbindungsstraße zwischen der sich die Reihen. Wenn nach Jahren den kommenden Geschlechtern Kurhaus- und Hubertusstraße in einer Breite von 11 Metern über in Buchform die Kämpfe der Berliner Genossen der Jektzeit vor das Frankesche Grundstück hergestellt werden, um eine bessere Aus- Augen geführt werden, in der Liste der Förderer der Parteibenugungsmöglichkeit des betreffenden Grundstücks herbeizuführen. wegung wird nicht an letzter Stelle stehen der unfreiwillige Das Straßengelände hierzu sollte eventuell unentgeltlich her- Propagandist Herr v. Jagow. gegeben werden, jedoch müßte das an der Hubertusstraße belegene Schülersche Grundstück, das zur Durchführung der Straße gebraucht wird, von der Gemeinde zum Preise von 8000 m. angetauft werden. Die Herstellungskosten der Straße, die auf rund 23000 M. berechnet sind, wollen die Interessenten nicht übernehmen. Unsere Genossen erklärten, daß ein öffentliches Interesse zur Durchführung dieser Straße weder jetzt noch in Zukunft für vorliegend Ein fajt unglaublicher Fall klerikalen Hasses wird aus Belgien erachtet werden könne, es fomme lediglich das Profitinteresse der Grundeigentümer bierbei in Frage; so lange sich dieselben weigern, gemeldet. In der Mädchenschule zu Schaerbeef bei Brüffel hierfür die Kosten zu übernehmen, läge für die Gemeindevertretung fiel während des Unterrichtes ein sonst ganz gut gekleidetes Kind feine Veranlassung vor, in die Beratung dieser Vorlage einzutreten. in eine tiefe Ohnmacht. Den sorgfältigen Bemühungen der Auf diesen Standpunkt stellten sich auch die übrigen Redner und nach Lehrerinnen gelang es, das Kind wieder zum Bewußtsein zu dem noch Genosse Luicher gegen die Ausgaben protestiert hatte, die bringen. Das Mädchen gestand nun den Lehrerinnen, daß es und für Vorarbeiten( Vermessungen) dieser Vorlage gemacht worden sind, seine kleine Schwester zu Hause schon zwei Tage nichts ohne die Gemeindevertretung vorher zu informieren, wurde dieselbe mehr zu essen erhalten hätten. Wie die daraufhin anabgelehnt. gestellten Ermittelungen ergaben, ist der Vater des Mädchens ein Angestellter, der jedoch sein einigen Monaten ohne Arbeit ist. Startoffein( Steinhdl.) 4,00-7,00. 1 Stilogramm Rindfleisch, von der Steule Der Großvater der Kinder ich ein reicher flämischer 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,40-3,00. Industrieller. Der Sohn hat gegen den Willen seines Vaters Sealbfleisch 1,40-2,40. 1 Kilogramm Starpfen 1,20-2,40. Male die Tochter eines freigesinnten Mannes geheiratet. Der Vater 60 Stud Gier 3,80-6.00. 1,60-3,40. Bander 1,40-3,20. echte 1,40-2,80. Barje 1,00-2,20. verstieß ihn daher. In seiner Not wandte sich der Sohn nun an Schleie 1,60-3,20. Bleie 0.80-1,60. 60 Stüd rebie 3,50-24.00. den Vater um eine Unterstützung für seine Kinder. Auf den Rat zweier Geistlicher und einer zur Familie gehörenden Klosterschwester erklärte sich der Großvater, der ein eifriger Klerikaler ist, bereit, die Kinder zu unterstüßen; jedoch nur unter der Bedingung, daß die beiden Mädchen in eine Klosterschale gebracht würden, und daß sich die Eltern verpflichteten, ihre Kinder vor dem einundzwanzigsten Lebensjahre nicht mehr zu sehen. Auf diese gemeine Bedingung ging der Sohn nicht ein. Sein klerikaler Vater brachte ihn hierauf außer Arbeit und als der Sohn wieder andere Beschäftigung als Handlungsgehilfe erhielt, gelang es dem Einfluß des Vaters, ihn diese Beschäftigung wieder, und zwar in drei Fälle, zu entziehen. Der Sohn geriet nunmehr mit seiner Familie in größte Not. Seine Kinder brechen vor Hunger in der Schule zusammen - das ist katholische Nächstenliebe, klerikale Liebe gegen das eigene Fleisch und Blut. Ueber die Bildung eines Zweckverbandes der Gemeinden Lübars, Hermsdorf und Frohnau für den Bau eines Realgymnasiums in Hermsdorf fand eine lebhafte Aussprache statt, die aber zu feinem Beschluß führte. Es war im allgemeinen hierfür feine Stimmung vorhanden, jedoch soll zur Informierung mit Hermsdorf weiter verhandelt werden. Genosse Luscher trat hierbei in längeren Ausführungen für die Einheitsschule ein. Dann wurde der Verlängerung des Bertrages mit dem Kanali fationsbauleiter bis zum 30. September zugestimmt. Unsere Genossen stimmten dagegen, da sie der Meinung waren, daß die Arbeiten bis zum 1. April fertig gestellt sein konnten, wenn die Arbeitslojen mehr berücksichtigt worden wären. Situngstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Lichtenberg. Donnerstag, den 12. d. Mis., abends 7 Uhr, im Rathaus, Möllendorffstraße. Diese Sikungen sind öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist berechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Versammlungen. is RAS Und darum Dank Dir, Traugott v. Jagow, den ein gütiges Geschick und landesväterliche Gnade zum Polizeipräsidenten von Berlin sette. Klerikaler Fanatismus. Familiendrama in Breslau. Die Gruppe der Kinooperateure im Deutschen MetallarbeiterVerband hielt in der Nacht von Sonnabend und Sonntag ihre Jahresversammlung ab; Wehnert erstattete den Jahresbericht. Die Lage der Kinos und somit auch die der Operateure hat sich Eine furchtbare Ueberraschung wurde am Montag nachverschlechtert, teils durch die wirtschaftliche Not, teils auch durch die mittag in Breslau der Frau des Hausverwalters Flemstrengen Polizeimaßregeln. Der Kampf um den freien Weih- ming zuteil, als sie von einem Ausgange nach Hause zurücknachtsheiligabend war von Erfolg gekrönt. Der Arbeitsnachweis fehrte. In der Wohnung fand sie ihren Mann, ihren soll ausgebaut und die Vermittelung von Arbeitskräften durch vor 17 jährigen Sohn und ihre beiden Töchter von zunehmende Neuerungen gehoben werden. In der Diskussion warf 15 und 18 Jahren tot vor. Sofort angestellte WiederbeKnaak die Frage auf, ob es nicht ratsam sei, die Theaterbeleuchter der Gruppe der Operateure zuzuführen, wobei er die Belebungsversuche waren erfolglos. Wie die Untersuchung ergab, denken nicht verschwieg, die einem solchen Verhältnis entgegen- liegt Vergiftung vor, die vermutlich auf ein Pflanzenständen. Die Frage sei jedenfalls zu prüfen. gift, das sich der in einer Drogerie beschäftigte Sohn zu verEin Redner vertrat die Ansicht, daß die gesamte organisierte schaffen gewußt hat, zurückzuführen ist. Die Ursache der un186 Eingegangene Druckschriften. 247 S. Jugendstreiche. Humoristische Novellen. Von H. Bredow. Xenien- Verlag, Leipzig. Taschenbuch für Werkmeister. Von H. F. Bonté- Schaefer. 272 S. Die Deszendenztheorie und ihre Hilfstheorien. Studie von D. Lemer, Leipzig. R. Heilig. 11 S. Für Interessenten kostenlos. Franch, Stuttgart. Marktpreise von Berlin am 7. März 1914, nach Ermittelungen des kgl. Polizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 00,00-00,00, Donau 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,70-15,00. Richtstroh 0,00. seu 7,00-8,00. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00-50,00. Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Rinien 40,00-80,00. Bebel Porträt Nach einem Gemälde von Tronnier- Hannover Kunstvoll in fünf Farben ausgeführt Preis 1.- Mark Diese Bilder sind auch gerahmt zum Preise von 2.-, 2.75, 3.- und 3.25 Mark vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 odac In der Einheit liegt die Macht! Wehrlos wäre 0 1916947-1952 Wehrlos wäre die Arbeiterklasse, gäbe ihr nicht die Zusammenfassung ihrer Kräfte Stärke und Macht. Darum ist es Pflicht jedes Arbeiters, sich seiner ſtes Pflicht OOK MA politischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, um aktiv und mit aller Energie teilzunehmen an dem großen Befreiungskampfe seiner Klasse. Tretet ein in die sozialdemokratischen Wahlvereine, werdet Abonnenten des Vorwärts". Beitrittserklärungen zu den Wahlvereinen werden entgegengenommen im Berliner Verbandsbureau, Berlin SW 68, Lindenstraße 2 I. Bestellungen auf den„ Vorwärts" nehmen die Hauptexpedition, Berlin SW 68, Lindenstraße 69, sowie alle Filialexpeditionen entgegen. Kompl, Küche von 48-180 M. Wohnzimmer von 180 M. an Otto Plehl Berlin N. Elg. Schlafzimm. von 295 M. an Wohnungs- Einrichtung 230% Speisezimmer von 320 M. an Garnituren 100-350 Mark Möbelschon YOR Umbausofa von 52 Mark an Otto Plehl Magazin Brunnenstrasse 120 Teilzahlg. Jedem Keln Kredithaus 5% Extra- Rabatt auf kompl. Zimmer bis zum 30. April Theater. Tellzahlg. ohne Preisaufschlag Dienstag, ben 10. März 1914. Anfang 6 Uhr. 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Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Ruanda- Bahn. *) IV. Die Kulturbedeutung der Ruanda- Bahn. blaue Bohnen. Aber dafür, so liest man, wird ja doch die unter- bisher vielfach die Watuisi ziemlich milde verfuhren, drückte untere Schicht die Herrschaft der Hamitischen Ober- so erflärt sich das nicht daraus, daß sie außergewöhnlich Herren, oder, wie es in einigen Blättern heißt, die bisherige gutmütige Sterle sind, sondern daraus, daß sie in dem Barbarei" und„ Sklaverei" los. Betrachten wir deshalb die bisherigen Zustand der naturalwirtschaftlichen Eigen Abhängigkeitsverhältnisse in jenen Gegenden etwas näher. produktion oft wenig Interesse an einer Steigerung der Lasten Die Regierungsdenkschrift über den Bahnbau scheint, obgleich der Wahutu hatten; lassen sich diese Leistungen aber später in ihre Angaben nicht direkt unrichtig, sondern nur unvollständig Geld umsetzen, dann erlangen sie für die Watuale eine ganz find, ganz irrige Vorstellungen über die Hörigkeit der Wahutu andere Bedeutung. erweckt zu haben. Dienstag, 10. März 1914. geborenen nicht einzugreifen. Ist das aber Bahn, die, wie schon erwähnt wurde, weder den Viktoriasee richtig dann kann auch nicht von einer Abschaffung der berührt, noch durch das Innere von Urundi und Ruanda Hörigkeitssklaverei und der Barbarei die Rede sein, dann führt. Soll sie aus den viehreichen Gegenden dieser Landbleibt vorläufig alles, wie es ist( was in ferner Zukunft ge- schaften und vom westlichen Seeufer Frachten aufnehmen, schieht, fann natürlich niemand wissen) und der große ver- müssen ihr diese auf größtenteils 20 bis 30 Meilen langen Für das Handelskapital bedeutet also, wie wir sehen, die heißene Kulturfortschritt besteht allein darin, daß den Wahutu Karawanenwegen zugeführt werden. Sobald die RuandaErschließung des Nordwestgebietes Deutsch- Ostafrikas durch die zu den bisherigen Fronleistungen nun auch noch die Bahn fertiggestellt ist, wird sich deshalb bald eine geplante Bahn eine günstige Kapitalsanlage, für die Ein- neue Last von 20 bis 30 Arbeitstagen zur Zunahme, nicht eine Abnahme der Trägergeborenen aber eine relativ hohe Steuerbelastung, Zwang zur Aufbringung der Kopfsteuern aufgepackt dienste ergeben, oder aber es müssen sofort verPlantagenarbeit, syphilitische Verseuchung und, falls die Be- wird. Es ist sogar anzunehmen, daß die Watussi nach Er- schiedene Anschlußbahnen erbaut werden. bölkerung sich gegen solche Kulturwohltaten auflehnen sollte, öffnung der Ruanda- Bahn danach trachten werden, ihr Re- Von anderer Seite hört man: Aber die Ruanda- Bahn quisitions- und Fronrecht weiter auszudehnen, denn wenn fördert doch unzweifelhaft den Verkehr und jede Verkehrsförderung ist ein Kulturfortschritt. Davon ist nur der Bordersak richtig; keineswegs aber ist jede Bertehrsförderung an sich ohne weiteres au ch schon ein Kulturfortschritt, ohne Rücksicht darauf, ob der Waren- oder Personenverkehr gefördert wird, ob die Bahn wesentlich der Ein- oder Ausfuhr, der Zu- oder Abwanderung dient, ob sie zur Hebung oder Verelendung und Versklavung der anwohnenden Bevölkerung dient. Die Bahn ist zunächst nur ein Verkehrsmittel, und inwieweit sie als kulturfördernd" zu betrachten ist, hängt von ihren Wirkungen ab. Welcher Art diese Wirkungen aber bei der ostafrikanischen Mittellandbahn find, und welcher Art sie bei der Ruanda- Anschlußbahn sein werden, haben wir gesehen. Und dasselbe gilt, je nach den besonderen Umständen in größerem oder geringerem Maße, von allen tropischen Ausbeutungsfolonien: der Bahnbau führt nicht zur kulturellen Hebung der eingeborenen Völkerschaften, sondern zu ihrer Verelendung und Herabdrückung. Dafür ein weiteres Beispiel. In Kamerun wird seit einigen Jahren eine Eisenbahn von Duala über Edea nach Widimenge am Njongfluß gebaut, von der jedoch erst ungefähr die Hälfte im Betrieb ist. Die bisherige Wirkung dieses kulturfördernden Bahnbaues, der durch die fruchtbarsten Gegenden Kameruns führt, auf die anliegenden Stämme schildert folgende Stelle einer Ansprache, die Kolonialstaatssekretär Dr. Solf im vorigen Jahre bei seinem Besuch Kameruns an die Vertreter der Handelskammer von SüdKamerun gehalten hat: " " Das, was ich auf meiner kurzen Reise hier gesehen habe, zwingt mich zu der festen Ueberzeugung, daß für die Eingeborenen in dieser Weise erheblich mehr gesorgt werden muß als bisher. Es ist ein trauriger Zustand, zu sehen, wie die Dörfer von Männern entvölkert werden, wie auch Weiber und Kinder Lasten tragen, wie das ganze Leben eines Volkes sich auf der Straße abspielt! Das, was ich in Jaunde und Ebolowa auf der Landstraße gesehen habe, hat mich auf das tiefste bekümmert. Das Familienleben geht zugrunde, Eltern, Gatten und Kinder sind getrennt. Es werden keine Kinder mehr ge= boren, da die Frauen die größte 3eit des Jahres von ihren Männern getrennt sind. Das sind Mißstände und Schwierigkeiten, die aufhören müssen." Aber, höre ich sagen, wenn die Eingeborenen ihr über Wahrscheinlich sind die Batwa, ein Zwergbolt, von dem flüssiges Vieh verkaufen können, haben doch auch sie einen heute nur noch versprengte Reste existieren, die Urbewohner Vorteil! Ein schönes Beispiel dafür, wie immer wieder prijener Bergländer. Schon sehr früh( wann, läßt sich natürlich mitive Verhältnisse durch die Kulturbrille angeschaut und nach nicht sagen) muß jedoch die Bantuvölkerschaft der Wahutu in fapitalistischen Analogien beurteilt werden. Wer hat denn das Zwischenseengebiet eingedrungen sein und nach und nach in Ruanda und Urundi überflüssiges Vieh? das ganze Land erobert haben. Wie die meisten Bantuvölker Nur die Sultane und die großen Watuale; nicht der einfache trieben auch die Wahutu neben ihrem Landbau in mäßigem acerbautreibende Wahutu. Der hat meist nur ein paar Umfange Viehzucht. Später( vor mehreren Jahrhunderten) Biegen und Schafe. Sollte er durch das Verlangen nach Geld sind dann vom Norden aus wieder andere Eroberer, das eine oder durch den Zwang, die ihm auferlegte Kopffteuer anzuganze Reihe verschiedener Stämme umfassende hamitische schaffen, dazu getrieben werden, sein Kleinvieh zu verkaufen, Hirtenvolk der Watussi in Ruanda und den nördlichen Karagwe wäre das für ihn das größte Unglück, schlimmer noch, als Siftrift eingedrungen und haben nach längeren Kämpfen sich wenn einem deutschen Kleinbauern die letzte Stuh abgepfändet weiter und weiter nach Süden vorgeschoben. Die einzelnen wird, denn der Wahutu ist auf seine Ziegen für seinen kleinen Stämme nahmen bestimmte eroberte Gebiete in Besitz oder Haushalt durchaus angewiesen. richtiger die Stammesoberhäuptlinge( die späteren Sultane) Vorteil von der weiteren Ausdehnung des Vieh- und Felllegten darauf als Vertreter ihrer siegreichen Stämme Beschlag handels würden nur die reicheren Watussi- Häuptlinge haben, und teilten dann an die größeren Unterhäuptlinge bestimmte aber auch sie nur persönlich, nicht das Land. Früher, Landgebiete aus, aber nicht als freies Eigentum, sondern als als sich noch wenig Aussicht bot, Häute und Hörner durch erbliches Lehen; denn bei den Batusji besitzt das den Handel abzusehen, wurden meist nur ganz alte Rinder Stammesoberhaupt als Vertreter der Gesamtheit seines und junge Bullentälber geschlachtet, Kühe und Kuhfälber Stammes das Obereigentumsrecht über alles Land und Vieh. äußerst selten. Seit sich aber der Handel über Bukoba nach Die unterworfene Bevölkerung der Wahutu blieb zwar durch Britisch- Dstafrika entwickelt hat und die gestiegenen Hautpreise weg im Besitz ihrer Dörfer und ihrer angebauten Felder; aber zum Verkauf locken, werden auch vielfach Kühe geschlachtet, und fie mußte die Watussi als Oberherren anerkennen, ihnen in bereits melden auch die im Ruandagebiet als Missionare tätigen manchen Gegenden zu bestimmten Zeiten Abgaben in Gestalt Weißen Väter", daß in einigen an der Karawanenstraße Kigali Landwirtschaftlicher Produkte leisten, sowie außerdem auf Bukoba gelegenen Landesteilen der Viehstand bedenklich zurückRequisition gewisse Fronarbeiten verrichten, z. B. mußten die geht, während freilich andere Landesteile sogar vorläufig noch mit Wahutu bei Kriegszügen als Träger und Troßknechte Vieh überſtockt zu sein scheinen. Dieser Rückgang der Viehfungieren, bei den zeitweiligen großen Viehzusammentreibungen herden ist begreiflich, denn in der letzten Zeit sind allein über Treiberdienste leisten usw. Auch wurden ihnen die großen Bukoba jährlich an 20 000 bis 22 000 Zentner Häute und Felle Bergweiden abgenommen und vom Stammesoberhaupt ausgeführt worden.( Wie die Etatsdenkschrift angibt, wurden größtenteils den unteren Watusihäuptlingen als Weidepläge 1911 allein in Kigali, dem Siz des deutschen Residenten, an für ihre Viehherden zugewiesen. 44 000 Rinderhäute und 100 000 Ziegenfelle zum Versand nach Bukoba gezählt.) Steigt dieser Ausfuhrhandel in ähnlicher Weise weiter und tommt dann nach der Vollendung der Ruanda- Bahn die deutsche Konkurrenz hinzu, fo ist gar nicht ausgeschlossen, daß sich in einiger Zeit die deutsche Regierung gezwungen sieht, Gesetze zum Schutz der Erhaltung des ein heimischen Viehbestandes zu erlassen, vorausgesetzt, daß nicht Mir scheint, daß manche Genossen, ohne es selbst zu schon vorher durch Einschleppung der Rinderfeuche die Vieh wissen, allzusehr unter dem Einfluß der kapitalistischen herden( wie im Massaigebiet) gründlich verwüstet worden sind. Stulturanschauung stehen. Wie den heutigen Kapitalisten Doch die Freunde der jezigen Kolonialeisenbahnpolitit ganz naturgemäß im heutigen kapitalistischen Syſtem jede wollen durchaus eine Förderung der Kultur" durch den Arbeit als nützlich und produktiv gilt, die Mehrwert erzeugt Bahnbau herausfinden, und da sie wirkliche Kulturfortschritte und demnach Profit abwirft, ganz gleich, wie sonst ihre nicht zu entdecken vermögen, konstruieren sie sich solche und Wirkung auf das Gesellschaftsleben sein mag, so gilt ihnen erklären, schon darin läge eine Kulturförderung, daß fünftig auch jede Produktions- und Rentabilitätssteigerung als die Warentransporte nicht mehr durch Trägerkolonnen, Stulturfortschritt, mag dieser Fortschritt auch durch die Versondern auf dem Schienenweg erfolgen würden. Dadurch elendung großer Bevölkerungsschichten, durch die Zerstörung blieben wenigstens die Eingeborenen vom alter tausendjähriger Kunstfertigkeiten und Kunstformen oder a stenschleppen verschont. herrlicher Naturwunder erkauft sein und mag ferner dieser Fortschritt auch die Degradierung großer Volksteile zur Ma schine oder zum bloßen Maschinenanhängsel zur Folge haben. „ Wir stimmen ihnen( den Bahnbauten) unter gewiffen Vor- Der Profit über alles! Aber kann dieses kapitalistische aussetzungen zu, nicht wegen der kapitalistischen Absichten, die Kulturideal, das den Menschen zur Zeit des Aristoteles und ihnen zugrunde liegen, sondern wegen der objektiven Konsequen- des Beginns der Renaissance als höchste Unkultur erzen, die sich aus ihnen unentrinnbar ergeben. Die jetzt beendete schienen wäre, zugleich als sozialistischer Kulturmaßstab Tanganjita- Bahn in Ostafrika beispielsweise ist gebaut worden gelten, den wir bei der Beurteilung gesellschaftlicher Zustände um tapitalistischer Interessen willen, nicht aus Rücksicht auf die anzulegen haben? Umfaßt unser Kulturbegriff denn nicht Schwarzen. Die Konsequenz der Bahn aber ist, daß die endlosen auch die Erhaltung und Stärkung der Volkskraft, die FördeKarawanenzüge aufgehört haben, die bisher in einer Länge von rung des Volkswohls, die Ausbildung der geistigen und 1200 Kilometern das Land durchzogen und in denen die Lasten förperlichen Fähigkeiten des Menschen? auf Regerföpfen pro Kopf eine Last von 30 Kilogramm Nebenbei bemerkt, dient die Ruanda- Bahn nicht einmal transportiert wurden. Gegen 90 000 Neger traten früher jährlich solcher Produktionssteigerung, denn sie soll dem Eingeborenen den Marsch von der Ozeantüste zum See und umgekehrt an. Daß feine neue Anbaumethode, keine Verbesserung der Viehzucht, dieser Barbarei Tausende und Abertausende keine höheren Wirtschaftsformen usw. vermitteln, sondern von Negern zum Opfer fielen, fümmerte das nach dem eigenen Bekenntnis der Regierungsdenkschrift im Kapital nicht. Aber es ging zu langsam, die Spejen waren zu wesentlichen nur den Handelsprofit mehren hoch, deshalb baute man die Bahn und befreite so, ohne es groß helfen.. Von diesem erhaltenen Lebensbesitz teilten dann wieder die Unterhäuptlinge den kleineren Geschlechtshäuptlingen und Familienhäuptern After- oder Unterlehen zu; doch bekam nicht jeder dieser kleineren Familienhäuptlinge zugleich die Herrschaft über einige Wahutugebiete dadurch wäre das Land zu sehr zerstückelt worden, sondern manche erhielten als Afterlehen nur eine bestimmte Anzahl Rinder und die zu deren Unterhaltung nötigen Weiden, also nur Vieh- und Weidelehen. Demnach unterscheidet man heute in Ruanda( die Watussi haben im Laufe der Zeit die Sprache der von ihnen besiegten Wahutu angenommen) auch genau zwischen Watuale ya butatta", das heißt Oberherrn des Grundes", Inhaber von Bodenlehen, und Watuale ya inka", Oberherrn der Rinder, Inhaber von Viehlehen, oft auch Watuale ya ufenge", Weideherrn, genannt. " Daneben gibt es noch eine dritte Art von Lehen, nämlich Kriegs- oder Gefolgschaftslehen. Wie die alten deutschen Stammestönige, so hatten auch die Watussi- Oberhäuptlinge schon zur Zeit der Eroberung kleine Gefolgschaften von Waffenfähigen um sich gesammelt, die ihnen zu persönlicher Treue und zur Kampffolge verpflichtet waren. Diesen„ Gefolgschaftsherren" wurden als Belohnung für ihre Kriegsdienste ebenfalls Lehen zugeteilt sowie ferner auch allerlei Anrechte auf Abgaben und Frondienstleistungen der unterworfenen Wahutu eingeräumt, und zwar, soweit sich ersehen läßt, meist auf Lebenszeit. Dafür haben diese Lehensinhaber nicht nur persönlich dem Kriegsaufgebot des Oberhäuptlings zu folgen, fondern ihm auch eine bestimmte Anzahl von ihnen unterhaltener Striegsleute sowie ferner eine mehr oder minder große Schar ausgehobener Wahutu Troßleute und Wahutu Träger zur Verfügung zu stellen. Diese, dritte Art der Lehensinhaber werden Watuala ya ingabbo", d. h. Gefolgschaftsherrn", genannt. " Zunächst gab es eine ganze Anzahl solcher voneinander unabhängiger Stammesreiche. In Ruanda haben aber nach und nach die Oberhäuptlinge( Sultane) des Kigali- Distrifts die übrigen Oberhäuptlinge unterworfen, so daß jetzt ein König" das ganze Ruandagebiet regiert, während in Urundi und im Bukoba Distrift noch eine ganze Reihe von einander unabhängiger Sultanate vorhanden ist. Die Wahutu stehen alio in einem ausgeprägten Hörigfeits verhältnis zu den an Zahl weit geringeren Watussi( im ganzen dürften die Watussi nur etwa 4 Proz. der Gesamt bevölkerung au mehen), und dieses Hörigkeitsverhältnis hat sich in den einzelnen Landesteilen im Laufe der Zeit recht verschiedenartig entwickelt. In der einen Gegend sind die 2b gaben und Frondienste recht mäßig, in der anderen ziemlich beträchtlich; hier sind bestimmte regelmäßige Leistungen Brauch geworden, dort wieder hat sich ein willkürliches Requisitionssystem herausgebildet. So heißt es z. B. in einem P. L. gezeichneten Artikel der Frankfurter Bolfsstimme"( Nr. 55): zu wollen, Ostafrika wenigstens für das Gebiet der Bahn von einer der entsetzlichsten Landplagen." schritt vielleicht schon darin gefunden werden, daß durch den Prächtige Kulturerfolge"! Oder soll der KulturfortBahnbau dem Kapital( oft allein dem Handelskapital) in den neuerschlossenen Gebieten die Möglichkeit zur Erzielung höherer Profite geboten wird? Zweifellos auf dem alten Karawanenweg udjidji- Lassen wir also die Hände von den kolonialen EisenbahnTabora Daressalam haben die Trägerzüge aufgehört, bauten nicht nur von der Ruanda- Bahn, sondern auch von aber dafür nehmen, wie P. L. übersieht, die Trägerzüge den anderen in unseren tropischen Kolonien geplanten Eisenauf den 3ubringerstraßen nach den Handels- bahnlinien, denn die Verhältnisse sind dort überall ähnlich gestationen der Bahn zu. Schon jetzt tritt auf den artet. Eine Zustimmung zur Ruanda- Bahn wäre die schärfste östlichen Bahnstrecken diese Erscheinung deutlich hervor, be- Desavouierung unserer ganzen bisherigen Stellung sonders beginnen sich die Stationen Tabora und Kilimatinde aur offiziellen kapitalistischen Kolonialpolitik, denn wenn wir immer mehr zu großen Stapelplätzen zu entwickeln, denen die wirtschaftlich viel bedeutungsvollere Mittellandbahn von durch Trägerkolonnen von Nord und Süd Waren zugeführt Daressalam nach dem Tanganjifasee abgelehnt haben, können werden. Wird erst auf der ganzen Eisenbahnlinie der volle wir unmöglich, ohne uns selbst zu desavouieren, für die Die Mehrung des Betrieb eröffnet, dann wird sich diese Erscheinung auf der west- Ruanda- Zweigbahn stimmen. lichen Bahnstrece noch in weit verstärktem Maße zeigen; ja Rapitalprofits gehört nicht zu den Aufdie Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft rechnet sogar ganz gaben der Sozialdemokratie. Das können wir Bisher hat sich die Kolonialregierung gehütet, in diese bestimmt darauf, daß der Bahn von Tabora nach Kigoma nicht den Kapitalisten selbst überlassen und damit auch die VerLehensverhältnisse einzugreifen, um nicht sehr gefährliche nur Bahnfrachten aus den südlichen und nördlich gelegenen antwortung für die traurigen Folgen solcher sogenannten Erschließungsbahnen". Konflikte heraufzubeschwören. Die deutschen Residenten haben Landschaften, sondern auch vom Nordende des Niassasees und sich wohlweislich darauf beschränft, allzu groben Ueber dem Kongostaat zugeführt werden. griffen der Watussi Häuptlinge entgegenzuwirken. Und Nach einigen Jahren wird sich, herausstellen, daß zwar weiter soll auch fünftig nichts geschehen. auf der Linie Udjidji- Tabora Daressalam keine Lasten Nach den Ausführungen des Kolonialstaatssekretärs und des mehr geschleppt werden, wohl aber dafür in um deutschen Residenten von Ruanda in der Budgetkommission so stärkerem Maße auf den Zubringerdes Reichstages gedenkt man auch ferner strenge straßen, ganz abgesehen davon, daß die Bahn die An8urüdhaltung zu beobachten und in die tom- werbung von Plantagenarbeitern dadurch ganz wesentlich plizierten Lehensverhältnisse der Ein erleichtert hat, daß sie für die Transporte von angeworbenen Auf der Tagesordnung stehen nach Versagung einer nach Arbeitern billige Ausnahmefahrpreise eingeführt hat. gesuchten Genehmigung zur Strafverfolgung des Abgeordneten Und noch viel mehr gilt das von der geplanten Ruanda- Kurzawski( Bole). Siehe Nr. 65 des Vorwärts", dritte Beilage. " Reichstag. H. C. 231. Sigung. Montag, den 9. März 1914, nachmittags 2 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Dr. Solf. Wahlprüfungen. Die Wahl dcS Mg. Frommer(k.) beantragt die Kommisston für g ü l t i g zu erklären. Abg. Renmann-Hofer(Vp.): Es liegt hier ein Nobum vor insofern, als die Kommission die Gültigkeit der Wahl beantragt, trotzdem der Abg. Frommer bei Auszählung der Stimmen in der Minderheit blieb. Sie hat das deshalb getan, weil nach ihrer Meinung die Beweiserhebungen doch zu keinem anderen Ergebnis geführt hätten.— Weiter ist der Kommission insofern»in Versehen passiert, als sie 26 Stimmen dem Gegenkandidaten abgezogen hat. Wir beantragen daher Be wetserhebungen. Abg. Schmidt-Meißen(Soz.): Wir werden diesem Antrage zustimmen. Die Wahl bietet das typische Bild aller Wahlen in Ostelbien, die eigentlich alle genau nachgeprüft werden mühten, um dort bessere Wahlsitten einzuführen. sSehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Es ist durchaus möglich, dah nach den Beweiserhebungen der Abg. Frommer seine jetzige Mehrheit verliert. Der Antrag der Volkspartei wird gegen die Stimmen der Bollspartei und Sozialdemokraten abgelehnt, die Wahl wird sür gültig erklärt. Ohne Debatte für gültig erNärt werden die Wahlen der Ab- geordneten Dr. d. Heydebrand und der Läse(kons.) M e r t i n erkennung zu zollen sür die neue Arbeiterverordnung, die unier anderem auch ganz sicherstellte, däß ein ArbeitSzwgng nicht aus- geübt werden dürfe. Sie gewährt den Arbeitern Rechtsschutz und orgt für sanitäre Einrichtungen. Der Ansicht, daß die Haus- kla verei bis zum Jahre lSLO unier allen Umständen abgeschafft sein muß, können wir uns nicht anschließen, wir freuen uns über die Offenheit, mit der der Gouverneur in der Denk schrift fich über diese Verhältnisse ausgesprochen hat. Die segensreiche Tätigkeit der Missionare erkennen wir gern an. Die Kolonien haben den berechtigten Wunsch nach einen, Ausbau der Selbstverwaltung und einer Verwallungsgerichtsbarkeit.— Unsere Ziele gehen dahin, die wirtschaftliche Lage des Mutterlandes zu heben, so viel wie möglich Produkte aus eigenen Kolonien zu kaufe». Dazu müssen wir mit dem Ausbau des Wegenetzes, der Eisenbahnen, der Landstraßen und der Wasserstraßen fortfahren. jBravo I rechts.) Abg. V. Morawski(Pole) tritt für sofortige Abschaffung der Haussklaverei ein. Staatssekretär Dr. Solf: Ich möchte Ihnen zunächst die Eindrücke schildem, die ich auf meinen Jnspekrionsreisen gewonnen habe. Wir müssen unterscheiden die Tropen- und die Siedelungskolonien. Dazu gehört Südwest- afrika und eventuell noch Samoa. Aber auch den tropischen möchte ich nicht jede Entwickelungssähigleit absprechen. Tie Hochplateaus sind besiedelungsfähig. Aber in all diesen Hochländern in K a» n» e r u n und O st a s r i k a müßte erst Wasser erschlossen werden. Und dann müßten die Interessen der dort wohnenden Ein- geborenen abgewogen werden gegenüber den Interessen der An- siedler. Bor allem müssen die Plateaus angeschlossen sein an die Verkehrswege des Wellverkehrs. Erst nach Erfüllung dieser Be- dingungen könnte ich den Ansiedlern sagen: Kommt herein, der Tisch ist gedeckt. Herrn Dr. Arendt möchte ich sagen, daß doch Deutschland noch keinen solchen Ueberschuß an Einwohnern hat, daß wir angewiesen wären aus die Aus- Wanderung nach den Kolonien,(«ehr wahr! bei den Sozial- demokralrii.) Was Deutsch-Südwestasrika anbelangt, so hat es sich auf der Basis der Farmwirtschast allmählich glücklich entwickelt. Seine Zukunft aber hängt ab an der W a i s e r e r s ch l i e ß u n g. Das können die Farmer nicht leisten. Die LandwirtschaftSbank hat bereits begonnen, die Farmer mir den bewilligten Reichs- mittein zu unterstützen. In dem Ausbau der Selbstverwaltung find bereits Fortschritte gemawt; auch den Aufgaben de« Sanitälswesens der Weißen und Schwarzen haben wir erhöhte Ans- merksamkeit zugewandt. In den gesamten Kolonien sind dafür zirka 6 Millionen 1911 ausgegeben worden, seit 1909 26 Millionen. Deutsch-Ostaftika habe ich jetzt nach 15 Jahren wiedergesehen und war sehr freudig überrascht über die Entwickelung, die ich konstatieren konnte. Die Hauptaufgabe wird dort die EntWicke- lung de« Bahnnetzes sein, die auch zur Hebung der Ein- geborenenkulturen beitragen werden. Kamerun habe ich zum ersten Male gesehen und bin überzeugt, daß Kamerun eine der besten Kolonien werden wird. Ich habe seine Zutunst bereits gesehen in der benachbarten englischen Kolonie Nigeria. Für die Kultur der Oelpalme, von der Nigeria sür 86 Millionen ausgeführt hat. ist Kamerun noch geeigneter. ES wird sich schnell entwickeln, wenn wir unS enl- schließen, die N o r d- S ü d b a h n zu bauen. In Kamerun sagt man. unser Land ist so fruchtbar: wenn man einen S P a z i e r st ock in die Erde steckt, wächst eine Palme heraus(Heileikeitj. Das ist bezeichnend für den Optimismus der Einwohner. Pessimisten sollten auch nicht in die Kolonien gehe». Ich komme dann zu dem Muster- ländle Togo(Heiterkeit). Es wird schnell zum Musterland werden, wenn wir die Bahn bauen.(Zuruf b. d. Soz.) Sie werden auch noch mal für Bahnbauten zu haben sein. Das wiäitigste ist die Anechobahn.— Ueberhaupt müssen wir die Schutzgebiete weiter mit Bahnen erschließen, natürlich vorsichtig, nach ihren Finanzkräflen. Danach müssen auch Pausen eintreten— wie z. B. wenn uns die Ruandabahn in Ostafrika bewilligt ist. Die beste Politlk ist, an einer großen Verkehrsader alle anderen Bahnen anzuschließen, z. B. in Ostafrika an die Tangaujikabahn. Aber unter Umständen kann von diesem System auch abgewichen werden. Die Bcgriinder des prachtvollen Kulturwerks der Tangaujikabahn sind die Herren V. L i n d e- quist und v. Rechenberg. Für mich kann ich in Anspruch nehmen, dafür gesorgt zu haben, daß dies Werk so schnell wie möglich voll- endet wurde.(Bravo!)— In K a m e r u n muß sich die Forst- Verwaltung darauf beschränken, die Forste n zu erhalten. An die Ausbeutung dieser reichen Bestände zu gehen, wird Zeit sein, wenn das Holz hier so teuer wird, daß die Kolonien damit konkurrieren können.(Sehr gut I)— Die Handelsbeziehungen unserer Gesamt- kolonien zu Deutschland haben sich in einem Maße gesteigert wie sonst in keinem Lande der Welt.(Hört! hört!) Deutschland ist mit etwa 80 Proz. an dem Handel der Kolonien beteiligt. An«inen Verkauf unserer Kolonien denken wir unter diesen Umständen nicht: von mir sind sie nicht zu haben.(Heiterkeit.) Den Eingeborenenkulturen stehe ich durchaus ihm- pathisch gegenüber und suche fie zu heben. Aber darum brauchen wir im Plantagenbau Europäer, die deutsche Landwirtschast muß der Lehrmeister der tropischen sein; deshalb tann ich die Resolution der Sozialdemokratie, Plantagenbau überhaupt zu verbieten, nicht annehmen; eher kann ich mich mit der Resolution der bürgerlichen Parteien abfinden, Plantagenbau nur soweit zuzulassen, als die Eingeborenenkulturen dadurch nicht geschädigt werden. Das soll geprüft werden. In bezug auf die Arbeiterfrag« schreiben nicht die .Sozialistischen Monatshefte�, sondern der ganz onderdächtige „Vorwärts*, in unseren ostafrikanischen Kolonien sind die Bestim- mungen über die Anwerbung der Arbeiter keineswegs inhuman, die neue Arbeiterordnung wird formell eine gute Verordnung genannt.(Zurufe bei den Soziakdemokraten: Sehr richtig I aber die Anwendung!) Die Regierung ist bemüht, die Gesetze durch- zuführen; daß es damit in einem Lande, das L'�mal so groß ist wie Deutschland, zuweilen hapert, weil es an Beamten mangelt, werden Sie zugeben, Jedensalls ist die Regierung bemüht, den wirtschaftlich Schwachen zu helfen. Die Arbeitszeit ist auf 10 Stunden festgesetzt, für U n t e r I u n f t s r ä u m e wird ge sorgt, Heilgehilsen müssen vorhanden sei«. Die Regierung ist also bemüht, für das Wohl der eingeborenen Arbeiter zu sorgen. Die Denkschrift ist zitiert worden dafür, daß bei den Lohnzahlungen Anstände zu finden find, und daraus wurde geschlossen, daß fürchterliche Zustände herrschen. Die Herren hätten die Dentschiift nur weiter zitieren solle»; es heißt dort„die Ärbeiterfiirsorge hat in denjenigen Bezirken, in denen DistritiS kommissare angestellt find, insbesondere in den Norddistrikten eine erbebliche Besserung erfahren."(Hört I hört i rechts.) Wenn die gute Absicht der Regierung noch nicht immer durchgeführt ist, so liegt das nicht an den angeführten kleinliche» Gründen, sondern an der, wie der Abg. Naumann in der Kommission es nannte, aus eudämoni- stischen Lebensauffassung der Neger. Aus der Verschiedenheit dieser Lebensauffassung zu der der Weißen entstehen Inkongruenzen. die je nach dem Temperament der Pflanzer erfreulich oder unerfreulich ist. Daß Arbeitszwang besteht, leugne ich. Die Gouver- »eure sind angewiesen, jeden solche» Zwang, wo er in einer Arbeits- ordnung bestehen sollte, aufzuheben. Ich will nichts vertuschen und so will ich zugeben, daß mir zu Ohren gekommen ist, daß in Dar- essalaam' eine Art Arbeitszwang doch besteht. Das wird untersucht werden und eventuell wird Abhilfe ge schaffen werden. Ganz ohne moralischen Zwang geht es natürlich bei den Negern nicht ab. Auch hier haben wir ja tausenderlei Verpflichtungen, für die Oeffentltchkeit zu arbeiten, an denen niemand Anstoß nimmt. Aber es soll auch in den Kolonien niemand etwa gezwungen werden, am Eisenbahnbau mitzuarbeiten. I» Ostafrika ist das Ver hältnis der Arbeiter besser als in Kamerun. Aber daran ist nicht die Plantagenarbeit schuld. DaS Los der Träger ist oft trauriger als das Los der Plantagenarbeiter. Ich muß sie bitten, die Be- schwerden aus Afrika, die mit KZ Grad Reaumur geschrieben find, nicht zu ernst zu nehmen.(Abg. Ledebour: Die Berwaltungs- berichte werden auch bei 40 Grad Reaumur geschrieben I) Nein, nein (Heiterkeit). Man muß auch benickfichligen, daß in Kamerun Kauf- leute und Pf lanzer im scharfen Gegensatz stehen. Besonders erfreut war ich über die Eingeboreneufürsorge, Ordnung undSauberkeit auf den Tabakpflanzungen in Nordkamerun. Das Trägerunwcsen habe ich an Ort und Stelle aus das schärfste verurteilt. ?icr sind die Zustände tatsächlich so, wie fie der Abg. Dittmaun ge- childcrt hat. Aber das Entvölkerungsproblein hat ganz andere llr- aiven. Nachgewiesen ist eine Bevölkerungsabnahme noch nirgends, (Hört I hört!) Die Gouverneure werden aber augewiesen, diese Frage genau zu untersuchen. ES muß geprüft werden, ob nicht Unsitten und L a st e r unter den Eingeborenen selbst Schuld an der sogenannten Emvölkerung sind. Waö die H a u s s t l a ll e r e i anlangt, so steht die Denkschrift deS Gouverneurs ganz auf dem Slandpunit der Resolution deS Reichstags. Nur die Ansichten über das Tempo sind verichieden. Der Gouverneur schreibt ausdrücklich, die Verwaltung wird die völlige Abschaffung der Haussklaverei vor ihrem natürliche» Ende im Auge behalten. Die Differenz, die wir auseinander sind, beträgt höchstens zehn Jahre. Tatsache ist, daß die HauSlllaven nicht sehr schlecht behandelr werden. Damit will ich durchaus nicht sür die Hausillaverei sprechen. Aber wie harmlos die Haus- sklaverei dort aufgesaßt wird, dafür spricht ein Fall, wo ein Askari, als er seine Freilassung erfuhr, sagte: Für so schlecht hätre ich meinen Herrn nicht gehalten.(Heiterkeit.)— In Z nnzib ar stieg die Kriminalität nach dem Erlaß des Eklaven- lefreiungsgesetzes. Bielfach verstanden die Schwarzen von ihrer Freilassung keinen rechten Gebrauch zu machen. Sie vagabondrenen umher, viele freigelassene Mädchen wurden zu Prostituierten. Als dann die Freilassung nur unrer der Bedingung erfolgle, daß der Betreffende ein neues Arbeitsverhältnis nachwies, sank die Krimi- naliräl.— Daß der I e s u i t e n st a a r P a r a g u a i ein sozial- demokratischer Staat sei. wie Herr D i t t m a n n meinte, muß ich bestreiten. Die oberste Gewalt liegt in den Händen der Paters. Da« ist von dem Ideal de« sozialdemokratischen ZukunftstaatcS wohl weil emsernt.(Heiterleit.)— Die MisstonStärigkeil erkennen wir gern und dankvar an.(Bravo im Zentrum.! Kolonisieren ist missioniere» im Sinne der Erziehung der Eingeborenen zur höheren Kultur. Ich bin auch sür daS Wort ora et labora, bitte aber doch die Herren Missionare, etwas mehr Wert aus das labora(arbeite) zu legen, das ora(bete) kommt dann schon.— Zollerleichterungen tonnen die Missionare leicht in Gegensatz zu de» Kaufleuten bringen, es ist daher besser, sie in weniger anfechtbarer Weise zu unterstützen. Der Anregung, den Elementarunterricht ganz in die Hände der Missionen zu legen, stehe ich sympathisch gegenüber; aber in Ostafrika bestehen doch auch schwere Bedenken dagegen. Wir müssen dort mit dem Islam rechne», und mohammedanische Eltern senden ihre Kinder nicht in konfessionelle Schulen, und man kann den Missionen nicht gut zumuten, konfeisionslose Schulen zu gründen.— De»«lköholgenuß der Eingeborenen bekämpfen wir nach wie vor; wir würden niehr erreichen, wenn nicht die sran- zösischen Kolonien hinter uns lägen. Uebrigen« betrinken sich die Eingeborenen, wo ihnen Alkohol nicht zugängig ist. auch an ihren eigenen Getränken; sie sind nicht etwa Gewohnheitstrinker, aber wenn sie trinken, trinken sie mehr, als ästhetisch zulässig ist.(Heiterkeit.) Ich bitte Sie, die Debatte über die Eingeboreuensrage sür unsere Landsleute in den Kolonien etwas versöhnlicher ausklingen zu lassen.(Bravo! rechts.) Die Kritik war geiviß teilweise berechtigt. Aber die Kolonialverwaliung bat doch nicht nur sür die Eingeborenen zu sorgen, sondern auch sür unsere Laudslrute. Ich hoffe, es wird im nächsten Jahre soweit kommen, daß. der Reichstag mir ruhig zuhört, wenn ich eine Liste all des Guien an- iühre, was Deutschland und die Deutschen sür und in unseren Kolonien geleistet haben.(Lebhafter Beifall.) Abg. Henke(Soz.): Bei den eben gehörten Aussührungen fiel mir das Wort ein: „Wenn man'« so hört, möcht's leidlich scheinen." Der Staatssekretär versteht es, Ocl auf die erregten Wogen zu gießen. Der Staats- sekretär sprach davon, daß die Jnteresien der Singeborenen und die dex Weißen gegen einander abgewogen werden müßten. In der Praxis heißt das, die Interessen der Weißen werden voran g e« stellt,(«ehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staats- sekretär forderte dann Vertrauen. Wir können dieses Vertrauen nicht gewähren, so lange unie Wünsche in bezug auf die Kolonien nicht erfüllt sind. Wenn wir die kapitalistische Kolonialpolilik auch prin« zipiell ablehnen, so erstreben wir doch, unbeschadet dieses Stand- Punktes, das Beste sowohl für die Kolonien wie für die Eingeborenen. Bei der SiedelungSpolitik hat der Staatssekretär nicht erwähnt. worauf es ankommt, daß nämlich für k l e i n e Leute in unseren Kolonien keine Ansiedelungsmöglichkeit besteht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ansiedeln kann sick höchstens, wer 20—25 000 M. Kapital besitzt und auch diese Leute müssen noch sehr v o r s i äi t i g sein und sich genau erkundigen, wenn sie ihr Kapital nicht vertiereu wollen.— Mit der ihnen gewährten Selbstverwaltung sind die Farmer durchaus nicht zufrieden.— Die Gefahr einer Wurm- kr a n kh e i t hat der Staatssekretär in der Kommisston geleugnet. In der„Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung" wird sie z u g e a e b e n. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) Wie im übrigen der Ge- sundheitszustand in unseren Kolonien ist, darüber liegen zahlreiche Zeugnisie vor. Die EäugNngSflerblichkeit i« Ostafrika ist sehr groß. Die eigentliche Ursache ist das Herausreißen der Ein« geborenen aus ehrer Wirtschaftsweise, mit der sie zufrieden waren, herausgerissen worden find durch den Kapitalismus. Nach wie vor müssen wir auf der Forderung gründlicher sanitärer Ein- richtungen in den Kolonien bestehen— kommt doch erst aus 100000 Eingeborene ein Arzt. Ju drei Jahren ist«in Stamm aus weniger als die Hälfte reduziert worden; ich meine die armen Leute, die aus Südwestafrikq nach Kamerun transportiert worden sind und dort von 93 000 auf 12 000 zusammenschmolz«». Auf der«inen Seite treibt man geradezu Mord, aus der anderen will man christliche Nächsten- liebe und Gesundheitspflege üben. Im B a h n b a u ist der Staatssekretär der Testamentsvollstrecker des Herrn Dernburg geworden, der als kluger Geschäftsmann voraussah, daß wenn man das Großkapital für die Kolonien intet» essjeren wolle, man Bahnen bauen müsse. In der Kommission hat er uns versprochen, das Tempo nicht nur ein vorsichtiges, sondern ein langsames werden zu losieu. Das wäre auch notwendig, denn in Ostafrika sind Seuchen und Dürren an der Tagesordnung. Wir können den rosigen Optimismus des Staatssekretärs insbesondere in bezug auf die Bahnbauien nicht teilen. Die interesfierteit Banken werden zu immer neuen Bahnbauten drängen. fodaß wir zu einem rasenden Tempo im Bahubau kommen werden. Ich wundere mich, wie ein so erfahrener und sonst so kühl denkender Mann wie der Staatssekretär so leicht sich mit dem rasenden Tempo unseres Bahnbaucs in den Kolonien abfindet. Es ist doch mit ihm ver« Kunden die Vernichtung der Kultur und das Unglücklichmacben der Eingeborenen. Man sagt, durch die Eisenbahnen werden die Träger« karawanen überflüssig, die sür die Eingeborenen so mörderisch sind. Gewiß sind die krägerkarawanen mörderisch für die Ein- geborenen. Aber auch zur Trägerarbeit find die Eingeborenen durch den Kapitalismus herangezogen worden; so Hai auch hierbei die sogenannte höhere Kultur den Eingeborenen nicht Glück, Freude und Gesundheit gebracht, sondern Unglück und Krankheit. �(«ehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten) Wir stehen also den Eisenbahnen sehr skeptisch gegenüber. Die bürgerlichen Parteien freilich werden sie bewilligen, wie fie ja überhaupt einig sind in Bewilligung aller Forderungen für daS Militär und für die Kolonien. Hinter den großen Worten deS Ab- geordneten Erzberger, es müsse in den Kolonien anders werden, oder das Zentrum würde Mittel sür sie nicht bewilligen, st e b t absolut nichts.(Sehr richtig! bei den Soziaidemolraten.) An den Bahnlinien ist im wesentlichen das Gouvernement interessiert, die Ostafrikanische Gesellschaft und die den Bau ausführende Firma. Für die Zubringerlinien will der Staatssekretär dje Rcnra» bilität von Fall zu' Fall prüfen. In der Denkschrift aber heißt es, bei Eisenbahnbauten in den Kolonien könne man die Rentabilität überhaupt nicht prüfen. Aber der Staatssekretär kcnnl seine Leute. Er weiß, man will hier Gutes über die Kolonien hören, und deshalb sagt er, wenn da« Holz bei uns noch knapper wird, dann werden wir ansangen zu holzen(Heiterkeit), und dann werden die Kolonien sichbezahlt machen. DaS bleibt doch abzuwarten; immer werden wir die hohe» Trausportkosteii haben. Dann meinte der Staatssekretär, der Anteil des Mutterlandes am Handel der Kolonie» sei bei unS weit größer als bei England und Frankreich. Aber zwingend sind feine Ziffern durchaus nicht. Bei seinem Zitat aus dem„Vorwärts", daß die Bestimmungen über die Anwerbung und Behandlung der einheimischen Arbeiter keineswegs inhuman find, hätte der Staats« sekretär nur weiter lesen sollen, er btauchte nur noch den Rachsatz hinzufügen:„aber wie so viele andere schöne Kolonialsachen stehe» auch diese Bestimmungen zum großen Teil nur auf dem Papier. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Zum Lesen des Nachsatze» taugte die Brille des Staatssekretärs nicht mehr.(Heilerkeit.) In den Arbeilkarten, daß die Eingeborenen gezwungen werden, i» die Bureaus zur Anwerbung zu kommen, liegt der Arbeiiszwang. Ich tvundere mich, daß der Staatssekretär das nicht sieht. Ich zweifle nickt an dem guten Willen de« Siaatssekretäts, aber wa» sollen wir, wo« sollen vor allem die Eingeborenen damit ansangen. Der Reichstag ist weit und der Staalsiekreiär ist weit. Er wird selbst zugeben müssen, daß hier mancherlei Mächte auf ihn einwirken, denen er sich nicht entziehen tann.— Daß keine Bertuichungspolitit getrieben wird, hoffen wir, aber der Staals« sekretär hat sich doch in der Kommission manchmal recht schlecht informiert gezeigt, linser Vertrauen zu ihm wird von seinen Handlungen abhängen. Die HauSiklaverei will der Staatssekretär erst bis 1930 abschaffen. Daß die Denkschrift des Gouverneurs Dr. Schnee eigentlich ein Loblied auf die Haussklaveret ist, ist nicht zu bestreiten. In der Tat aber ist heute, wo die kapitalistische Entw'ckelung in Ostafrika aus die Hausillaverei abfärbt, diese Haus« sllaverei viel schlimmer sür die Schwarzen als es früher der Fall gewesen sein mag. DaS Wort ora st labora hat sich der SiaatS« lekreiär zu«igen gemacht, legte aber mehr Wert auf das labora. Er denkt wohl mit dem Dichter:.Bei' und arbeit ruft die Welt, bete kurz, denn Zeit ist Geld."(Heiterkeit.) Daß mein Freund Dittmann irgend etwas übertrieben hätte, muß ich be» streiten. Die Zustände sind in der Tat geradezu himmelschreiend. Wünsche, die Herr Erzberger äußerte, sind innerhalb der kaptta« listischen Kolonialpolilik ganz unerfüllbar. WaS er unter einer christ« lichen imd sozialen Kolonialpolittk versteht, hat er nicht gesagt. Jedenfalls kommt es den Farmern in den Kolonien aus die..zeit» lichen und ewigen Segnungen de« Christentum" nur dann an, wen» sie fich mit dem Profit verlragen. Das or» ist ihnen furchtbar schnuppe, es kommt ihnen nur auf daS labora an.(Sehr wahr! bei den Sozialdemolraten.) Herr Erzberger meinte, wir hätten kein Progranim sür unsere Kotonialpolitik. In der Tat haben wir ein solches Programm seil 30 Jahren. Wir wollen eine pro le» larische Sozialreform in den Koloniey, wir wollen Muster« schulen, viel schneller als Eisenbahnen, wir wollen mehr Aerzte, mehr Arbetterkommissare, die so wirken wie bei un? die Gewerbeinipelioren. Aber der ausbeutende Kapitalismus will hier wie in den Kolonien von Beweibeinkpeitoren, die ihre Ausgaben ernst nehmen, nichts wissen.— Wir wollen weiter alle mögliche Förderung der Ein geborenenkulturen. Ein Verbot der Plantagen haben wir nicht gefordert, iondern eine � aus« soll eintreten, neub Plantagen sollen nicht gebildet werden. Diese Forderung ist berechtigt, llagen doch die Plantagen jetzt schon über Arbeitermangel. Wer übrigens die Planlagen zulassen will, will auch die unlösbar damit verbundenen Greuel an den Eingeborenen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist durch zahlreiche Zeugnisse über die Art der«»Werbung, die Beschäftigung und Behandlung der Arbeiter bewiesen, insbesondere über die portugiesischen Plantagen, nach deren Musler. wie der frühere Gouverneur Jesko v. Puttkamer schreibt, unsere Kakao-Plantagen in Kamerun eingerichtet sind. Tort herrschen genau dieselben Uebelstände wie bei uns in Ost« clbien. Wer diese Greuel nicht will, muß mit tmS beantragen, daß wenigsten« keine neue Plantagen zugelassen werden. Herr Erzberger aber erwartet von unserer Bureaukratie in unseren Kolonien, daß sie diei« Greuel beseitigt I Dabei hat er selbst in einem Buche die Tätigkeit der„Bureaukratie" auss schärfste ver- urteilt.— lieber die S t r a f e x p e d i t i o n e n, die Herr Erzberger empfahl, denken wir auch etwas anders. Schilderungen Beteiligier beweisen, daß e« dabei zu kommt. ganz unnitigen Grausamkeiten Herrn Keinath möchte ick entgegenhalien, daß wenn wir eine Bilanz über unsere Kolonialpolitik ausstellen, für uns nicht nur die Ein- und AuSfuhrzifferit in Betracht kommen, sondern auch die große� Menge der vernichteten Menschenleben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir da? mit in Betracht ziehen, so bleibt auch im letzten Jahre ein großes Defizit übrig. Erstaunlich ist, daß sich gerade Herr G o t b e i n über unser« ab- lehnende Haltung der Kolonialpolitil gegenüber wundert. Früher haben die freisinnigen Herren Bamberger, Richter, gierung borgegangen. Aber noch einen Schritt weiter zu geben 1 Abg. Leinert( Soz.): b. Bayer genau so scharfe Stritit an unserer Kolonialpolitik geübt. und etwa nach dem Muster Frankreichs jedwede Zulassung auslän- Ich muß mich mit Entschiedenheit gegen die Ausführungen des Der einzige Unterschied zwischen uns und Ihnen ist, daß wir bei der discher Anleihen zu verbieten, dazu kann ich mich nicht entschließen. Abg. Lieneweg über die Fortbildungsschulen wenden. Was er heute Stange geblieben, Sie aber umgefallen sind. Auch den Ver- Dadurch würden wir hinsichtlich derjenigen ausländischen Werte, die über diese Schulen und über die Schule gejagt hat, das stellt die fauf der Kolonien haben die Freifinnigen früher gefordert. Wenn wir zulaffen, eine Garantie übernehmen, die wir nicht übernehmen Verhältnisse vollkommen auf den Kopf. Er hat sich für die abendsie jetzt davon abgekommen sind, so können sie uns doch nicht einen fönnen. Ich werde mich in denselben Bahnen bewegen wie zuvor lichen Unterrichtsstunden eingefeßt. Wenn der Abg. Zieneweg abends Vorwurf daraus machen, daß wir unsern Prinzipien treu geblieben und daraufhin wirken, daß eine Beteiligung an ausländischen noch ganz gut chue Müdigkeit bat arbeiten können, io hat er sich am find.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Emiffionen nur soweit erfolgt, als es im politischen und wirtschaft- Tage wohl von der Arbeit brüden fönnen. Man frage die jungen lichen Interesse Deutschlands liegt. Die Entwickelung unserer Kolonien ist in mehr als einer Beziehung sehr bedenklich. Vor allem wird das Schulwesen nicht so schnell ausgebaut, wie es sein sollte, dagegen nimmt die Bes steuerung und Ausbeutung der Eingeborenen in einer Weise zu, daß eine Aufstandsgefahr außerordentlich start ist. Wir fizzen in den Kolonien geradezu auf einem Pulverfaß. Gegen alle diese Uebelstände werden wir uns nach wie vor wenden. Abg. Mommsen( Vp.): Leute, ob sie abends dem Unterricht noch folgen fönnen. Das ist eine Unmöglichkeit. Herr Lieneweg wird aber gekennzeichnet durch feine Ausführungen über Frechheit und Unbotmäßigkeit der Schüler. Ich bedaure jeden Lehrling, der in die Nähe eines Mannes kommt, der so wenig von Lehrlingsbildung versteht. Kreis Bielefeld den Fortbildungsschulen entzogen und in die ländlichen Herr Lieneweg trug' hier vor, daß Hunderte von Lehrlinge in Schulen geschickt werden. Statt aber dagegen zu protestieren, fordert Die Bank und Böriengefeggebung gehört nicht in dies Haus, fondern vor das Forum des Reichstages. Aber seitdem die Abgg. Röside und Hahn aus dem Reichstag heraus gewählt worden sind, scheinen sie die alljährlich fällige Bant und Börsendebatte hierher verlegen zu wollen. Das alte Börsengefez war die Ursache dafür, daß unsere Kapitalien start in aus Wir sind nicht dazu berufen, die schönen Seiten der Kolonialpolitik ländischen Werten angelegt wurden. Seit der Reform des Börsen- er bom warmen Herzen des Miniſters Zuschüsse für diese ländlichen zu zeigen, sondern um Kritik zu üben. Aus den bürgerlichen gefeges hat die Spekulation in Auslandspapieren abgenommen. Fortbildungschulen! Ich fordere den Minister auf, dafür ein so Parteien aber wird der Wunsch nach immer mehr Kolonien laut. Fine Dentschrift, wie sie der fonfervative Antrag fordert, ist unaus- warmes Herz zu haben wie Herr Lieneweg für die Lehrlinge, Damit würde die Konfliktsgefahr mit anderen Völkern zunehmen, führbar und vollkommen unnüz. Es ist nicht wahr, daß es nur im deren rücksichtslose Ausbeutung, selbst unter Hintanjezung der Schulund so find wir auch als Friedensfreunde Gegner der Inlande infolge der ausländischen Emissionen an Geld gefehlt hat. pflicht er fordert. Es ist höchst bedauerlich, daß die GewerbeKolonialpolitik und werden sie nach wie vor aufs schärfste belämpfen, Der Staat hat immer das Geld, das er forderte, erhalten. Ebenso ordnung feine Bestimmung über die Arbeitszeit der Lehrlinge entgetreu unserem Grundlage, daß wir gegen jede Unterdrückung des wie fich unsere Industrie nach dent Auslande hinbewegt, ebenso auch meiner Lehrzeit, wie die lange Arbeit den hält.( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Ich weiß noch aus Menschen sind, gleichgültig welcher Farbe, welcher Rasse, welcher unsere Kapitalien. Die Regierung fann nicht die Berantwortung Nationalität!( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) übernehmen für die Glite der ausländischen Papiere, die auf unseren Sierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag 2 Uhr. Abg. Dittmann, Soz.( persönlich) bestreitet, Paraguay als einen Musterstaat sozialdemokratischer Wirtschaft hingestellt zu haben. Nächste Sigung: Dienstag 2 Uhr.( Kurze Anfragen, Weiter beratung.) Schluß: 6 Uhr. Abgeordnetenhaus. 45. Sigung. Montag, den 9. März 1914, bormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Sy do w. Der Handelsetat. Zunächst steht auf der Tagesordnung das Verzeichnis der von den Kommissionen für nicht geeignet zur Erörterung im Plenum er achteten Petitionen. Abg. Dr. Liebknecht( Soz.) macht darauf aufmertiam, daß sich unter diesen Betitionen eine be findet, die die gefeßliche Gewährleistung des uneingeschränkten Koalitionsrechts an die Arbeiter" fordert und im Plenum besprochen werden sollte. Als der Redner dazu übergeht, von dem Recht der Koalitionsfreiheit zu sprechen, wird er vom Präsidenten Graf Schwerin- 25 wit unterbrochen und darauf hingewiesen, daß er nach der Geschäftsordnung jezt nicht das Recht habe, darüber zu sprechen. Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Börsen gehandelt werden. Die ganze Aktion der Herren Röii de und abn will lediglich den Großbanken etwas am Zeuge Abg. Dr. Lucas( nail.): flicken. Den Ausführungen des Abg. Mommsen, der Fachmann ist, fann ich im wesentlichen beistimmen. Wir haben die leberwindung der letzten Krifis nur der Vorsicht unserer Großbanfen zu verdanken. Das deutsche Wirtschaftsleben braucht eine lebendige Börse. Ich bin gegen den vorliegenden Antrag. Doch haben wir nichts dagegen, daß er der Budgettommiffion überwiesen werde. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Abg. Dr. Diederich Hahn( k.): Als Mitantragsteller habe ich doch das Schlußwort. Vizepräsident Dr. vou Krause: Das haben Sie nicht. Der Antrag Dr. Röside- Hahn wird an die Budgetkommission berwiesen. Der Titel„ Staatskommissar an der Berliner Börje" wird bewilligt. Bei der Binnenschiffahrt fragt Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Abendunterricht für uns wertfos machte, weil wir ihm trotz allem Bildungsdurst nicht folgen fonnten. So geht an vielen Lehrlingen geradezu die Lehrzeit muglos vorüber dank der langen Arbeitszeit der Lehrlinge, die die Innungen aufrechterhalten. Und dann flagt man über ungenügendes können der Lehrlinge beim Gesellenstück. " In Schkeudiz bei Haffe wurde eine von dem von der Regierung angestellten Bezirksjugendpfleger in Merseburg heraus gegebene Zeitschrift wir find Deutschlands Jugend!" an Stelle des Lesebuchs eingeführt. Dafür sollten die Lehrlinge 60 Pfennig jährlich zahlen. Die Eltern derjenigen, die sich weigerten, das zu zahlen, wurden von der Regierung mit Strafe wegen Nichtbeschaffung von Lernmitteln bedroht. Wir verlangen, daß die Negierung gegen einen solchen Zwang einschreitet, eine deutschnationale Beitschrift zu halten, woran weder die Lehrlinge, noch die Eltern, noch das Getperbe ein Interesse haben.( Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ein Regierungskommissar: Der Minister hat angeordnet, daß ein solcher Zwang nicht ausgeübt werden darf( Bravo! bei den Sozialdemokraten), aber nicht, weil das Werk deutschnational ist, sondern weil das nur bei Lernmitteln statthaft wäre, für die die Schule die Verantwortung übernehmen fann. Das ist aber nur bei abgeschlossenen Werken tönnen. Abg. Lieneweg( f.) von mir neulich dargestellten Rechtswidrigkeiten zugunsten Inwieweit hat die Regierung Maßnahmen getroffen, um die möglich, nicht aber bei Zeitschriften, die jedesmal etwas Neues bringen der großkapitalistischen Schiffahrtsunternehmungen bei dem Vor schleusenrecht aut verhindern. Die Großunternehmer maßen sich einen Vorrang au und scheinen die Beamten zu schmieren, daß sie ihnen das durchgehen lassen. Hierdurch werden die Schiffer zu allen anderen Schwierigkeiten auch noch geschädigt. Ein Regierungkommissar Selbstverständlich gehört das Koalitionsrecht zur Reichsgesetzgebung. Aber bei der Einwirkung des preußischen Abgeordneten Hauses auf die Reichsgefeßgebung( Der Redner wird abermals bom Präsidenten mit dem Hinweis auf die Geschäftsordnung verlangt Angabe bestimmter Fälle. unterbrochen.) Dann beantrage ich, die Petition an die Kommission zurückzuberweisen. Abg. Schröder- Kassel( natl.): " Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Das habe ich beim Bauetat getan und außerdem auf das Schifferinnungsorgan Deutscher Schiffseigner bin Ich beantrage, diese Betition nicht an die Kommiffion zurüd gewiefen, wo folche Fälle dargestellt sind. Der Redner erzählt mun die zuberweisen. beiden von ihm bereits beim Bauetat geschilderten Fälle aus der Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Proving Schlesien, denen so viele Fälle aus anderen Landesteilen gleichstehen, daß ein Einschreiten der Regierung dringend nötig erscheint. Diefe Petition betreffend das Koalitionsrecht fommt aus einer Boltsversammlung. Um so mehr sollte sie der Gegenstand einer Beratung durch die Volksvertretung sein. Dber genügt bei Ihnen( nach rechts) das Wort Volt schon, um...( Lebhafter Widerliches Unterrichtswesen, wissenschaftliche und Der Titel wird genehmigt. Es folgt das Kapitel Gewerba spruch und Lärm rechts.) gemeinnügige 8wede". Nach einer weiteren Geschäftsordnungsdebatte zwischen dem Präsidenten und den Abgg. Dr. Liebfnecht( Soz.) und Schröder Staffel( natl.) wird über den Antrag des Abg. Dr. Liebknecht auf Burückverweisung an die Kommission abgestimmt. Er findet nicht die hinreichende Unterstügung. Abg. Biered( ft.): Die Feftfegung der Unterrichtsstunden muß mit den Bedürf niffen der Gewerbetreibenden im Einklang stehen. Berdienstliche es, baß jest Unterricht in der Bürgerfunde erteilt wirte den Das Verzeichnis der Petitionen wird darauf burch Kenntnis privaten Handelsschulen haben Gutes geleistet. Mn die höheren nahme erledigt. Schülern von Mittelschulen die Möglichkeit Charakter von Hochschulen zu Darauf wird die Beratung über den Handelsetat beim erteilt, einzutrete Handelsschulen, denen man leligionsunterricht an den Titel„ Staatsfommiffar bei der Berliner Börse" fortgesetzt. Dazu Bandeja muß in größerem Umfange gepflegt werden. Der liegt ein Antrag der Abgg. Dr. Roeside und Dr. Diederichner äußert ferner einige Wünsche betreffend die Handelshochschule Hahn( f.) vor, der eine Dentschrift fordert über die Tätigkeit des fönig in Berlin. lichen Börsenkommissars, über die Entwickelung des fenyandels und der Emissionen an den preußischen Börsen and drittens über Ein Regierungskommiffar die Emissionen ausländischer Werte an den preußischen Börsen und verspricht eingehende Prüfung dieser Wünsche. die Anlage deutscher Kapitalien im Auslande. Abg. Dr. Roefice( f.) Abg. Münsterberg( Vp.): Wir begrüßen die Vermehrung der Mittel für Fachschulen. Da beute mehrere Millionen Frauen im Erwerbsleben tätig sind, so begründet diesen Antrag. Der hohe Bankdiskont, den wir bis bor ist diese Vermehrung namentlich für die Fortbildungsschulen für die furzer Zeit hatten, hat lähmend auf die Entwickelung unseres weibliche Jugend von hoher Bedeutung. Die Ansichten über den Handels eingewirkt. Besonders niederdrückend war zeitweise die Wert der Handelshochschulen gehen weit auseinander. Ein endFurcht vor einem ausbrechenden Kriege, die wie eine düstere Bolte gültiges Urteil wird sich erst in Zukunft fällen lassen. über uns schwebte. Deutschland hat sich zu start an ausländischen Anleihen beteiligt. Dbwohl der Minister in dankenswerter Weise die Börse der Aufnahme zur Vorsicht bei Die Stellung der Handelslehrer muß von der Regierung fest ländischer Emissionen ermahnte, so haben gleichwohl ausländische gestellt werden. Hier herrschen noch ganz ungeklärte Zustände. Anleihen mehr Käufer gefunden, als bie deutschen Staatspapiere. Es wird eine ernfte Aufgabe für den Minister sein, aus Abg. Bacmeister( natl.): Minister v. Sydow Abg. Lieneweg( f.): das weitere Sinten unserer Staatspapiere aufzuhalten. Unfere erteilt Auskunft über einzelne Anstellungsverhältnisse bei der HandelsGroßbanten tönnen gar nicht anders, als rücksichtslos ihr belehrerschaft. sonderes Interesse zu verfolgen. Wenn die onzentration, die sich in unserem gesamten Wirtschaftsleben und auch im Bank wefen vollzieht, nicht zu einer ichweren Gefahr für die Allgemeinheit werden soll. is muß der Staat durch bedeutende Maßnahmen eingreifen.( Widerspruch bei der Volkspartei.) Ich habe hier nicht beftimmte Vorschläge zu machen.( bg. Mommsen[ Vp.]: Das glaube ich. Lachen bei der Volkspartei.) Der Staat muß die Staatsbant so ausbauen, daß sie den größeren Teil der Staatspapiere in der Hand behalten laun.( Beifall rechts.) Minister Dr. Sydow: erklärt, sich von der Schule nicht gedrückt zu haben. Es ist falsch, daß die Handwerker an den Lehrlingen 4-5000 m. verdienen. Abg. Leinert( Soz.): Ich habe Herrn Lieneweg nicht vorgeworfen, sich von der S gedrückt zu haben. Tatsache ist, daß bei einer Arbeit von freiben abend die nötige Aufmerksamkeit für den Unterricht übrig000 m. fann. Dem Ausbeutungsintereffe des Lehrherrn vonateresse der Mugen habe ich nicht gesprochen muß das Bildur Lehrlinge vorangehen. Minister Sydow erklärt: Wenn am Drte eine gewerbliche müffen die Lehrlinge dahin gehen, we ist, müssen die Lehrlinge diese bein Damit schließt die Beinung, bildungsschule besteht, aber nur eine ländliche da nog. Heims( Wirtsch. Vg.) tritt für ein efferftellung der Lehrer an den Baugewerkschulen ein. Abg. Turm( Vp.) tritt für die Förderung des Flachsbaues ein. In einer unwesentlichen Debatte bringen mehrere Redner verschiebener bürgerlichen Barteien totale Wünsche zur Sprache. Ein Zentrumsabgeordneter fordert Submissionsämter zur Förderung des Handwerks und Mittelstandes. Damit ist auch dieses Kapitel erledigt. Das Haus vertagt sich auf Dienstag 11 Uhr: Handels- und Schluß 6 Uhr. Bergetat. Stationen Barometer Witterungsübersicht vom 9. März 1914. Stand mm Swinembe. 74728 Hamburg Berlin Bind richtung Windstarte Better 3 bededt 748 WSW 2Regen 750SB Franff, a.M 7553 München 760 3 Regen 6 mollig Wien 5° C.= 4° N. Xemp. n. Stationen Barometer Stanb mm 7 Petersburg/ 7433 8 Scilly Bind лимфа Binbitarte Better Kemp. n. 4. Bo 69509 7 Haparanda 747 748ND 10 Aberdeen 749 W 4 Paris 755 SS 10 2 wollig 13 2 bedeckt 5 bedeckt 2 heiter 8 bedeckt 2 halb bd. 758 3 mollig Wetterprognose für Dienstag, den 10. März 1914. Biemlich mild, teilweise aufklavend, jedoch vorwiegend trübe mit wieder. holten Regenfällen und lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau Wafferstands- Nachrichten am feit am jeit 8. 3. 7. 3. cm cm³) 154+30 279-13 335+14 237 Wafferstand Saale, Grochlik abei, Spandau) Rathenow) Spree, Spremberg) 222 Beeston 8. 3. 7. 3. cm cm³) 356 +-58 96 -6 95 -3 -+- 67 126-3 239 351+13 442 41 158+6 48 +8 297+114 Lehrlinge, die über 18 Jahre alt find, sollen nicht mehr zum Besuch der Fortbildungsschulen verpflichtet sein. Wir müssen mittels bes Fortbildungsschulwesens die Liebe zur Heimat, zu Kaiser und Reich pflegen. Oft find die Strafen, die Handwerker bafür, daß sie es einmal unterlaffen, die Lehrlinge in die Schule zu schicken, der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt vom Berliner Betterburean ungerechtfertigt, da die Hilfe der Lehrlinge bei unvorhergesehenen und plöglich notwendig werdenden Arbeiten unentbehrlich ist. Gegen Wasserstand die abendlichen Lehrstunden an den Fortbildungsschulen hat man eingewendet, daß da die jungen Leute nicht mehr aufnahme meme!, Tilsit Sicherlich haben wir ein Interesse daran, daß auf dem Inlandsmarkt fäbig feien. Das ist volllommen unzutreffend. Ich war auch Bregel, 3niterburg ein ausreichendes Kapitalangebot stattfindet. Andererseits aber muß Handwerkslehrling und habe nichts von Müdigkeit gemerkt, obwohl seifel, Thorn fich unser Kapital an ausländischen Unternehmungen beteiligen mit au meiner Beit die Arbeitszeit viel länger gewesen ist. Auch der, Ratibor Rücksicht auf unsere Industrie, unsere Handelsschiffahrt und unsere bei unserer Jugend ist von Müdigkeit nichte zu merken, wohl Weltpolitit, z. B. zur Zahlung der großen Mengen Rohstoff, die aber von Faulheit, Schlechtigkeit und Unbotmäßigkeit, da sie aufunsere Industrie aus dem Ausland importiert. Und um bom Aus- gehegt wird. land Aufträge für unsere Industrie zu erhalten, brauchen wir einen Befit an ausländischen Werten. Wir dürfen also auch die aus- Man sollte doch eine solche Rede, wie sie der Abg. Sieneweg Die Fortbildungsschulen! Ländischen Anleihen nicht vernachläßigen, namentlich bei solchen gehalten hat, für unmöglich halten. Staaten nicht, mit denen wir Handelsberträge abgeschlossen Unser Handwerk tann sich zu diesen Schulen nur beglückwünschen. baben. Was ich tun fonnte, um dem deutschen Publikum minder- Der Bildungshunger ber jungen Leute findet in ihnen reichliche vertige ausländische Anleihen vom Halfe zu halten, habe ich getan. Nahrung. Es sollte noch in ihnen Unterricht in der Bürgerkunde an Dabei find die Großbanken im Einbernehmen mit der Reljunge Mädchen erteilt werden.( Beifall links.) Abg. Nosenow( Vp.): Krossen Frantiurt Barthe, Schrimm Landsberg Nete, Borbamm 1be, Leitmerik Dresden 140 +-86 Barby 351+-23 Magdeburg 278+14 4)+ bedeutet Wuchs, Frall. 390 cm am 6. März 7 Uhr abends. Befer, Münden Minden Rhein, Magimilianeau 556+58 Kaub Köln 410-119 490+107 Nedar, Heilbronn Main, Hanau Mojel, Trier 3709)+50 360+42 379+44 2) Unterpegel.) Höchststand: Eine hochinteressante Weltreise für nur 15 Pf. die Woche. Bas regt den Geist von neuem an, bringt Frohsinn und Schaffens freude wieder? Reijelust und Reifen! Wir wollen erfahren, wie die Welt in Wirklichkeit mit all dem Reichtum ihrer Naturschönheiten aus fiebt, und wie die Menschen darauf leben. Wer Zeit und Geld hat, der reift. Aber wie viele können dieses überhaupt und sollen sie es sich ver jagen? Nein! 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Stellungnahme zum Verbandstage und zur Gaukonferenz. 2. Wahl der Delegierten. 3. Bericht über den gegenwärtigen Stand unserer Lohnbewegung. Die Kollegen beider Sektionen sind verpflichtet, zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Berlin SO. 16, 171/ 6* H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von G. A. Hanewacker, Grimm& Triepel. Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen. Amt IV. 3014. Möbel- Angebot. Solide Möbelfirma liefert Spezial- Ein- und ZweizimmerEinrichtungen sowie Einzelmöbel gegen mäßige Zinsver Gelegenheitskauf! Schwere Schlafdecken St. 350 450 500 600 M. Pferdedecken! St. 250 350 450 550 M. Versand unter Nachnahme. Emil Lefèvre Berlin S., Oranienstr. 158. Fehlerhafte Decken + spottbillig! Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. 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