Nr. 71. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pranumerando: BierteljährL 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg.. für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Big. Worte über 15 Bucha staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 1983. Für unsere Jugend! Als Fichte in der letzten seiner aufrüttelnden Reden an die deutsche Nation noch einmal all sein stürmendes Pathos, all seine agitatorische Ueberredungskunst, all seine mitreißende Ueberzeugungskraft zusammenfaßt und nacheinander die verschiedenen Schichten des deutschen Volkes zum Kampfe für die Freiheit der Nation aufruft, wendet er sich dabei beschwörend auch an die deutschen Jünglinge: fann. Freitag, den 13. März 1914. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplah, Nr. 1984. erziehen, sie mit den Hoffnungen und Wünschen auf eine Der Oberbürgermeister von Charlottenburg hält in der Stadtschönere Zukunft erfüllen, sie reif machen zur Mitarbeit an berordnetenversammlung mit zornbebender Stimme eine Ansprache. der großen Aufgabe der Hebung des Menschengeschlechts, Der Polizeipräsident seßt auf die Ergreifung der Täter eine Beeiner Aufgabe, die in der Gegenwart in der wirkungsvollsten lohnung, deren Höhe erkennen läßt, daß man an den maßgebenden und tatkräftigsten Weise nur durch aktive Beteiligung an dem Stellen die Beschmutzung der Bildsäule als ein Kapitalverbrechen Denn das ist ja der Zwed der so geflissentlich zur Schau gegewaltigen Befreiungskampfe des Proletariats erfüllt werden wertet und wünscht, daß sie von andern ebenso angesehen werde. tragenen Empörung: Stimmung zu machen gegen die Sozialdemo Auch die erwachsenen Arbeiter führen diesen Kampf in tratie, die ihre frebelnde Hand gegen die Heiligtümer der Nation Nur durch die raffinierteste erhebt, und wir dürfen ja nun darauf gefaßt sein, daß in der den Bahnen der Gesetzlichkeit. und gewaltsamste Auslegung dehnbarer Gesetzesbestimmungen, nächsten Zeit alle Menschen, die noch etwas auf sich und ihren durch Zurückgreifen auf Gesetze, Verbote und Verordnungen Ruf halten, mit Verachtung von der Partei reden werden, die längst vergangener und längst überholter Zeiten wurden ge- ihre Mitglieder zu Denkmalsschändern erzieht. " Ich, der ich schon seit geraumer Zeit aufgehört habe, zu längst vergangener und längst überholter Zeiten wurden ge= Wir bedauern die Tat. Nicht etwa, weil es gerade eine euch zu gehören, halte dafür, und habe es auch in diesen legentlich Einzelne aus dem Millionenheere des Proletariats wenn es uns aus ästhetischen ooer politischen Gründen mißfällt, Reden ausgesprochen, daß ihr noch fähiger seid eines jeglichen gefaßt und rücksichtslos bestraft. Ebenso wenig sollen unsere Sohenzollernbildfäule war, sondern weil jedes Denkmal, auch über das Gemeine hinausliegenden Gedankens und erreg Steinkampf mit Schuhleuten und starren Gesezesparagraphen Bedauern aber hat es ſein Bewenden. Wir erklären ganz offen, über das Gemeine hinausliegenden Gedankens und erreg- jungen Freunde ihre frische, unverbrauchte Straft in einem sozusagen unter dem Schuße des Publikums steht. Bei diesem barer für jedes Gute und Tüchtige." daß wir die kreischende Entrüstung der anderen einfach für Heuche Scharf wendet sich Fichte gegen die müde und stumpf berzetteln. Gerade, weil sie noch erregbarer für jedes Gute und lei halten. gewordenen Flaumacher des Alters, gegen die neunmalweisen Wo bleibt denn die Empörung dieser Ordnungsstüßen, wenn Spötter, die die stürmische und idealfrohe Jugend„ der An- Tüchtigen" find, wollen wir, daß sie die Flammen ihrer jugendmaßung, des vorschnellen, vermessenen und eure Kräfte über- lichen Phantasie und Begeisterung durch flares Denten ver- die Bourgeoisjugend auf den Hochschulen Streiche begeht, die an fliegenden Urteils, der Rechthaberei, der Neuerungssucht" an dichten, und daß sie, wie Fichte es von ihnen verlangt, durch Schändlichkeit" keineswegs hinter der Beschreibung eines Dentflagen und sich, gestützt auf die Erfahrung ihrer eigenen Ver- diese Kunst flaren Denkens zugleich zu einem festen und ent- malsockels mit roter Farbe zurückstehen? Müssen wir an die Eisenbahnwagen durch die Mitglieder feudaler Korps erinnern? gangenheit, hämisch darüber ergögen, daß die Jugend von schiedenen Charakter, zum unbeugsamen Willen für das Gute Gefährdung eines Eisenbahntransports und die Demolierung von Ach, und wieviel Bubenstücke" werden nicht auf deutschen Uniheute später genau so träg und gedankenfaul sein werde und das Notwendige gelangen. Ueberlebte und rückständige Gesetzesgewalt kann die jungen versitäten gegen Denkmäler verübt! Jeder Akademiker weiß wie sie selber jetzt im Alter. Fichte beschwört die Jünglinge, diesem Beispiele nicht zu folgen:„ Der Schmelz der Jugend Arbeiter und Arbeiterinnen von mancher frischfröhlichen Arbeit davon doch Geschichten zu erzählen. Man beschmiert die Statuen zwar wird von euch abfallen, und die Flamme eurer Ein- zurüdhalten, weil Böswilligkeit und Unvernunft darin poli- bielleicht nicht gerade mit roter Farbe, aber zahlreiche Fälle ließen sich aufzählen, in denen die Studenten nächtlicherweile an Dent bildungskraft wird aufhören, sich aus sich selber zu ernähren: tische Betätigung" sieht. Keine Macht der Welt aber tann ver- mälern einen Unfug verübt haben, der der Polizei und der Hochbauaber fasset diese Flamme und verdichtet sie durch klares Denten, macht euch zu eigen die Kunst dieses Denfens, hindern, daß unsere jungen Freunde lesen, bertaltung nachher ebensoviel Arbeit verursachte, wie die Entund ihr werdet die schönste Ausstattung des Menschen, den lernen und denken! Ein guter Mutterwig, der gesunde fernung der Schrift in Charlottenburg. Doch es wird ja wohl als eine besondere Gemeinheit betrachtet, proletarische Justinkt und der unersättliche Wissensdurst des daß das Bild eines vordem regierenden Herrn verunstaltet worden Charakter, noch zur Zugabe bekommen." Was Fichte von den Jünglingen seinerzeit verlangte, muß modernen Arbeiters werden der proletarischen Jungmannschaft ist. Nun, in Jena auf dem Markte steht in Stein gehauen ein dabei zu Hilfe kommen. auch von den Jünglingen und Jungfrauen unserer Zeit ge. Aber auch die erwachsenen Arbeiter können ihnen auf nicht die goldene akademische Jugend den alten Herrn in einer Kurfürst von Sachsen, und es bergeht fast kein Semester, in dem fordert werden. nad Eine kleinliche Polizeigesetzgebung verbietet zwar den mannigfache Weise helfen. Besonders dadurch, daß sie Lust, Weise ausstaffierte, die feineswegs der Würde eines Monarchen Jünglingen, sich mit politischen Angelegenheiten zu be-Geld für die proletarische Jugendbewegung entspricht. Das alles aber, von der Dekorierung des Jenaer Han. schäftigen, es sei denn, sie können ein Polizeipapier aufweisen, bereit halten. Was die Alten für die Jungen tun, tun sie fried angefangen bis zur Zerstörung von Bersonenzügen, find dann das ihnen die Vollendung des achtzehnten Lebensjahres be- nicht allein für die Jungen. Sie tun es für sich, fie tun es 3eichen eines jugendfrischen Humors, Studentenstreiche, über die man nachsichtig hinweggeht, und die als schöne Erinnerungen, in scheinigt. Würde ein solches Polizeigesetz schon vor hundert- für die späteren Geschlechter. Sie tun es vor allen Dingen den Herzen der Oberbürgermeister, Staatsanwälte, Polizeipräsiundzehn Jahren bestanden haben, so hätte die Polizei vor für die große Sache, der wir alle dienen für die Bedenten und sonstigen würdevollen Männern leben, die jetzt für die jeder Fichteschen Rede erst zahlreiche begeisterte und zur poli- freiung des Proletariats aus wirtschaft- niedrige Gesinnung der Sozialdemokraten des Zorns nicht genug aufbringen können. tischen Tat bereite Jünglinge aus dem Saale gewiesen" und licher, politischer ihnen hinterher ein Strafmandat geschickt. Aber Polizei und Gesez können schließlich Jünglinge an politischer Betätigung, oder was engftirniger Polizeisinn dafür hält, hindern, nicht aber am politischen Denken. Die Gedanken sind frei! Vielleicht würden wir auch ohne den Zwang eines Polizeigesetzes den schulentlassenen Jünglingen nicht mit politischer Tat und politischer Abstraktion kommen. Das abschreckende Beispiel der christlichen Kirche und des christlichen Staates, unreife Vierzehnjährige zu einem Glaubensbekenntnis, zu einer feierlichen und bindenden Aussage über die letzten und persönlichsten Probleme menschlichen Dentens und Empfindens zu zwingen, fordert nicht zur Nachahmung für politische Zwecke auf. Aber es ist naturwidrig und unsinnig, das politische Denken an die Erlaubnis eines gesetzlichen Paragraphen, an die Geburtsurkunde zu binden statt an das Interesse, an die Einsicht, an die Erfahrung des einzelnen. Und es ist ein lächerliches Unterfangen, durch gewaltsame Mittel die Beachtung eines sinnlosen Gesezesparagraphen erzwingen zu wollen. Was kommen muß, kommt doch. Die Entwicklung geht ihren Gang. Liebe und drückung! und geistiger Unter Die Denkmalsbeschädigung. Eine Erklärung der Berliner Parteileitung. Die Parteileitung von Groß- Berlin veröffentlicht folgende Erklärung: Aber das wichtigste fehlt noch. Wenn die bemüßten und be. bänderten Jünglinge sich an öffentlichen Einrichtungen bergreifen, ihren sogenannten With an ihnen üben, oder ihr durch den Alkohol erwecktes Temperament an ihnen austoben, dann handeln sie wirklich in freblem Uebermut. Aber gesetzt den Fall, der Täter in Charlottenburg wäre wirklich jemand gewesen, der mit seiner schaden wollte hätte er nicht einen Milderungsgrund, fönnte er ungeschickten und zwecklojen Handlung uns nüßen und nicht sich nicht darauf berufen, daß er durch die Polizei provoziert war? Das Kaiser- Friedrich- Denkmal in Charlottenburg ist da wäre nicht das Verbot der Plakate ergangen, so hätte aller durch beschädigt worden, daß die Worte Rote Woche" in Wahrscheinlichkeit nach kein Mensch daran auch nur denken können, Anilinfarbe angebracht worden sind. Die Versuche, diese durch Aufschriften an einem Denkmal die Aufmerksamkeit auf die Handlung der Sozialdemokratie zuzuschreiben, weisen wir Rote Woche zu lenken. mit aller Entschiedenheit zurück. Es ist selbstverständlich, daß Und deshalb meinen wir, daß, wenn man sich bei dieser die sozialdemokratische Partei eine derartige Handlungs- Affäre schon empören will, die Empörung jedes anständigen weise verurteilt. Gewisse Umstände legen den Verdacht der Bevormundung und Bedrückung wenden muß, das gerade in Gewisse Umstände legen den Verdacht Menschen, jedes Menschen von Rechtsgefühl sich gegen das System nahe, daß man emit der verächtlichen Tat eines Spigels diesen Tagen wieder seine Orgien gefeiert hat. oder eines fanatischen Gegners unserer Partei zu tun hat. Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. J. A.: Eugen Ernst. Die Hofloge im Zirkus des Jrrfinns". Zu dieser Aeußerung möchten wir bemerken: Es ist be= zeichnend, daß, soweit bekannt geworden, an feiner anderen Stelle die roten Aufschriften angebracht worden sind; aus- Das Sechstagerennen hat eine ganze Woche hindurch nicht Als Fichte seine Reden an die deutsche Nation hielt, war gerechnet nur der Sockel des Denkmals ist als„ geeignet" zum nur gewisse Amüsierelemente, sondern auch einen guten Teil der dies im Polizeisinn von heute auch„ verboten", und dreimal Anbringen der roten Farbenaufschrift ausersehen worden. Das Berliner Presse aus dem Häuschen gebracht. Sechs Tage lang verboten war es, Jünglinge zur revolutionären Auflehnung läßt doch den Schluß zu, daß hier Hände im Spiele waren, konnte man in dieser Presse alltäglich, je nachdem auch zweimal gegen die Gesetze aufzufordern. Fichte hat sich nicht hindern die unsere Sache diskreditieren wollten. Es paßt unseren täglich, die marktschreierischsten Reklameberichte und StimmungsLassen, zu reden, und deutsche Jünglinge haben sich nicht Gegnern auch gar zu gut in den Kram, wenn sie jetzt in Ent- bilder" über das große Ereignis des zum Aberwib entarteten Sports genießen. Nun bringt die Tägl. Rundschau" auch ein hindern lassen, freiheitlich und revolutionär zu denken rüstung gegen uns machen können. und als die Zeit erfüllet war Von dieser Entrüftung war wenig zu bemerken, als die Stimmungsbild über den Riesenrummel, das freilich nichts weniger zu handeln. Manche haben für dieses politische Denken und Handeln auf den zahlreichen Vandalenstreiche bekannt wurden, die an den Dentals Enthusiasmus, sondern galligste Kazenjammerstimmung atmet. Schlachtfeldern von 1813 bis 1815 gebüßt. Ihr Name wird mälern in der Siegesallee und auch an dem Kaiser- Friedrich- Es heißt darin: Denkmal verübt wurden, nachdem sich herausstellte, daß bebis heute gelobt und ihr Andenken geehrt. Andere, die trunkene Studenten ihre überschüssige Kraft an den steinernen diesen Tod nicht gefunden haben, hatten es weniger ehren Händen und Nasen versuchten. Mit echt christlicher Liebe voll, sie konnten nach den sogenannten Freiheitsfriegen ihr wurden diese Bubenstreiche zugedeckt. Man muß auf den Gefreiheitliches Denken und Trachten in den Kasematten und danken kommen, als ob der Vorfall in Charlottenburg geradezu Gefängnissen begraben und fühlen. Und bis auf den heutigen bestellt worden ist. Tag wird ihr Andenken geschmäht. Die Jünglinge und Jungfrauen unserer Tage werden Zuschrift: * So stand ich also an der Erfüllung meiner Wünsche. Die Riesenhalle lag verführerisch vor meinen entzückten Blicken. Reklameplakate, nadies Holz und Menschen, Menschen, Menschen. Das schob und drängte sich und schwißte. Das johlte, pfiff und schrie. Das klatschte und schwenkte Arme und Hüte. Das regte sich auf Rang und Tribüne, Sattelplah und Loge und Stehplaß entseßlich auf, weil da auf einer mit Blafaten be flecksten Blankenbahn, die ungeschickt und roh zwei Brücken überquerten, in schmuzigen Trikots vier Radfahrer gondelten. Immer im Kreise. Immer zwanzig Sekunden. Immer von Jmmer das gleiche. Dazwischen alle Stunde ein Pistolenschuß, alle zwanzig Runden ein Glockenzeichen Liebe Sensation, so schnell hättest du dich nicht zu ber flüchtigen brauchen! Denn nach einer halben Stunde schon fam ich mir wie jenseits aller Kultur vor. Ein übler Brodem stieg mir in die Nase. Vont freien Lufthauch schönen frischen Sports war nichts zu spüren. Dagegen sehr viel anderes. Das Palais In derselben Angelegenheit erhalten wir noch folgende von ihren Vätern und älteren Freunden keineswegs zum borne. Die Ordnungsphilister find in ihren erhabensten Gefühlen Ungehorsam gegen die Gefeße aufgefordert, sie werden auch verlegt. In Charlottenburg ist das Denkmal eines Hohen nicht zum revolutionären Stampf gegen die Tyrannei der zollerntaisers geschändet" worden. Man hat seinen Sodel herrschenden Klasse mit der Waffe in der Faust erzogen. Die mit der Aufschrift Note Woche" befudelt! Und nun hallt die erwachsenen Arbeiter wollen nichts anderes und nichts ganze staatserhaltende Presse wider von Schreien der Entrüstung: schlimmeres, als ihre Söhne und Töchter in ihrem Geiste Bubenstück! Gemeinheit! Schandtat! Je Sdiifc* muß gestern Uucht Vcrlvalst gelvcsen felis, so biele „Dainen" zierten den Sportpntast. Eine, mit einem Monokel im Auge, Ijing�tteit über die Logenbrüstuila; ekstatisch schrie sie mit gellender Stimme immer wieder ihr„Willy!" il�dic Kahn; um sie herum spreizten sich merkwürdige Herrentypen, Frack und stumpfer Zylinder, und dbch so das Gefühl: Zehn Schritte vom Leibe. Ich suchle'lvo anders Menschen, richtige Menschen; .. aber nur Gesindel pfiff und schrie und. heulte; ob Stehplatz oder Loge, ob tsatielplatz oder Tribüne, sie fühlten sich ein einzig Volk von Brüdern. Ter Kontakt der„six days" schloß links und rechts zusammen, und während unsereiner fassungslos den„Ereignissen" gegenübersland, füllten diese sich bereits ver- wandt und eins, wenn sie ihr„Willy" oder„Sonny" zu den Fahrern niedergröltcn. In diesem ZirkuS deI Irrsinns strahlt auch eine Hoflogs. Sie ist nicht schön, dafür aber recht rot und golden; zunächst weiß man nicht recht, was sie hier syll. Dann fällt einem ein, daß der Kronprinz es sich nickt nehmen läßt, alljährlick die„six days" zu besuckcn. Das ist bedauerlich, aber wahr. Denn von den Festen des Pöbels sollte sich der Erbe der Krone fernhalten. Der Kronprinz hat es jedoch auch diesmal nicht verschmäht, dem Beispiel zweier sehr junger Potsdamer Prinzen zu folgen, die in dieser Loge, durchaus nicht anders wie die„Herren" der gegenüberliegenden Logen, in elegantem Abenddreß paradierten. Der Kronprinz kam sogar in Uniform. Der Kronprinz verteilte sogar goldene Zigarettenetuis und Manschettenknöpfe. Der Kren- prinz klatschte sogar lebhast interessiert Beifall. Der Kronprinz kann gewiß tun und lassen, was er will. Aber dann sei die Frage erlaubt:.Hat nicht auch ihn der penetrante Geruch der Verworfenheit belästigt, wie er andere belästigt hat? Hat nicht auch ihn das Gejohle und Gekreische angewidert, wie es andere angewidert hat? Hat nicht auch ihn die Sinnlosigkeit diese? ewigen Tretens, Tretens. Tretcns auf der häßlichen Planken- bahn angeekelt, das mit Sport auch nicht das geringste mehr zu tun hat, wie es andere angeekelt hat? Und trotzdem besucht er Jahr für Jahr, wie tausend Habituös, die„six days"? Ich laste die Frage offen.. Es ist nicht gerade schmeichelhaft füc unsere liberale Presse, daß gerade ihre verbreitetstcn Organe zwar endlose Berichte über den abgeschmackten Unfug gebracht haben, daß c? aber einem rechts stehenden Blatte vorbehalten blieb, die gebührende Kritik zu üben, an der es übrigen? der„Vorwärts" bereits in früheren Jahren nicht hat fehlen lassen! Um öas Koalitionsrecht. Innung nnd Erpressung. Wieder einmal zeigt unS ein im Original vorliegendes Schreiben, welche terroristischen, als Erpressung strafbare Mittel die Innungen gegen ihre eigenen Mitglieder anwenden, um sie zu zwingen, den billigen Forderungen ihrer Arbeiter den heftigsten Widerstand entgegenzusetzen. Diesen Terror üben dieselben Meister, die sich nicht genug tun können im Detern über angeblichen Terrorismus der Arbeiter. DaS «schreiben lautet: Freie Fleischer-Jnnung de? mittleren ElbtaleS (Sitz Laubega st). L a u b e g a st, den... Februar kSIt. Herrn Fleischermeister......... Mügeln, Bez. Dresden. Auf Ihre an Herrn Obermeister Paul Büke gerichtete Zuschrift vom 11. Februar 1914 hat Ihnen der unterzeichnete � n JnnungSvorstand zu erwidern, daß er Ihren Austritt. aus der Innung nicht anerkennt. Nach§ IS des"JnnungS- statut» ist der Austritt ouS der Innung nur mit dem Schlüsse ., sehen Rechnungsjahres zulässig und muß mindestens drei Monate '"'fcorher dem Jnnungsvorstande durch schriftliche Erklärung angezeigt werden. Ihr Austritt ist also erst für den 31. März ISIS wirksam. Bis dahin sind Sie an die JnnungSvorschriften und Beschlüsse gebunden. Schon bevor Ihr Schreiben eingegangen war, bot sich der JnnungSvorstand mit dem Schlußsätze Ihre» Inserats in der„PoltSzeitung" Nr. 31 für den S. sachsischen ReichstagSwahlkreiS befaßt. der da lautet:„Der Tarif des Zentral- Verbandes der Fleischer ist anerkannt". Wie Ihnen schriftlich mitgeteilt worden ist, bat die Innung in ihrer Versammlung vom 10. Dezember beschlossen, alle Anträge des Zentralverbandes der Fleischer auf Abschluß von Tarifverträgen abzulehnen und bei vorkommenden Boytotiierungen sich der boykottierten Kollegen anzunehmen, die Nichtinn ehaltung dieses Beschlüsse« aber durch den JnnungSvorstand mit 20 Mark Strafe für jeden einzelnen Fall zu b e st r a f e«. Der unterzeichnete JnnungSvorstand sieht in dem oben an- gegebenen Schlußsatz« Ihre« Inserat« nicht nur eine Nichtinne- Haltung des erwähnten Beschlusses, sondern einen schweren Verstoß gegen die Pflichten der Kollegialität und eine die gesamte Innung und ihre Mitglieder schädigende sittenioidrige Handlungsweise. Der Vorstand wirft deshalb hiermit gemäß Z 11 des Statuts wegen Zuwiderhandlungen gegen den bezeichneten Beschluß eine Geldstrafe von SO Mark gegen Sie au? und sieht deren sofortiger Einzahlung ent- g e g.e n. Er gibt Ihnen weiter ans, bei etwaigen künftigen Inseraten nnd sonstigen Bekanntmachnngen den oben wiedergegeben«» Schlußsatz hinwegzulasie» und sich aller Bekanntmachungen des Inhalts, daß Sie den Tarifvertrag anerkannt haben, zu ent- halten. Es wird Ihnen aufgegebc», sofort voin Vertrage zurück- zutreten. Wir erwarten, daß Sie dieser Nufsorderung unverzüglich nach- kommen und dies der Innung mitteilen. Der JnnungSvorstand: Paul Büke. Herin. Fleischer. Oskar Kluge. Adolf Molbitz. Rudolf Weschneck. Paul Lotzer. Otto Hosmann. Die Innung droht also hier einem Mitglied 20 M. Geldstrafe an, weil das Jnnnngsmitglied mit den Arbeitern einen Tarifvertrag geschlossen hat und verlangt unter Ehr- Verletzung und weiteren Drohungen, von dem Vertrag zurück- zutreten. Das ist nach der gegen Arbeiter geübten Rechtsprechung deS Reichsgerichts glatter Erpressungsversuch und Verstoß gegen 8 153 der Gewerbeordnung. Der Innung darf nicht unbekannt sein, daß der Rücktritt von dem auf Verschlechterung der Lohnveryältnisse gerichteten JnmmgS- beschluß und der Rücktritt von der Innung selbst nach 8>52 Abs. 2 dem Fleischermeister jederzeit frei steht und daß die Einforderung einer„Strafe" eine rechtswidrige Erpressung ist. Wird die Staatsanwaltschaft gegen die kecken Erpresser vorgehen oder ist den Meistern Erpressung erlaubt, wenn sie zwecks Schädigung der Gesellen stattfinden soll? Wegen 25 Pf. ans die schwarze Liste. Mit welcher Rücksichtslosigkeit Unternehmerverbände vorgehen, wenn es sich darum handelt, die Interessen der Mitglieder wahrzu- »ehmeii, dafür liefert ein offener Brief an die Tuchkonvention, die der„Manufakturist"(Nr. ö> veröffeiülicht, ein sehr drastisches Bei- spiel. Der betreffende Firmcninhader berief sich darauf, daß sein Geschäft seit anderthalb Jahrhunderten bestehe: mit seinen meisten Kunden und Lieferanten unterhalte er seit Jahrzehnten Geschäfts- verhindungen. Rur einige Fabrikanten hätten in letzter Zeit die von ihm beliebte Art der Regulierung seiner Verbindlichkeiten bean« standet. Angeblich wurden sie dadurch bei jeder Regulierung um 20 bis 26 Pf. geschädigt. Die meisten Lieferanten seien mit dem monierten Modus dagegen sehr gut zufrieden. Mit allen Fabrikanten habe er sich leicht und gründlich verständigt, nur mit zweien nicht, die fortgesetzt MonitaS erhoben hätten. Schließlich habe er diese beiden Fabrikanten von seiner Liefermüenliste gestrichen. AuS Strafe dafür habe ihn daraufhm die Tuchkonvention auf die schwarze Liste gesetzt. Danach ist es allen Fabrikanten verboten, an den Verfemicii zu liefern. Er soll ruiniert werden, weil er als Geschäfts- mann nach seiner Fasson selig werdcn wollte und nicht nach der Pfeife der terroristischen Fabrikanten tanzte. Die Konvention sprach das Bcrnichtungsurteil über ihn aus, ohne daß man vorher mit dem Angeklagten verhandelt hätlc. DaS ist der Gipfel der Willkür. Aber das alleS ist erlaubt. Wenn dagegen ein Streikender einen Streik- brecher, der ihm in schmählicher Weise in den Rücken fiel und seine Existenz bedroht, auch nur scheel ansieht, dann fliegt er unter Um- ständen wegen Bedrohung ins Gefängnis. Ja, ja, wir haben eine prächtige Rechtsordnung. politische Uebersicht. Luft und Erde. Au? dem Reichstag, 12. März: Bald auf der Erde, bald im Reich der Lüfte tummelte sich die Debatte deS heutigen Tages, der sich mit drei Gesetzentwürfen beschäftigte. Zum Gesetzentwurf„betreffend", wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, Bürgschaften des Reiches zur Förderung des Baus von Kleinwohnungen sprach Genosse G ö h r e den dringenden Wunsch aus, daß das Reich solche Bürgschaften für alle ge- meinnützigen Baugenossenschaften übernehmen möge, gab aber zugleich dem Verdacht Raum, daß der Reichsregicrung gar nichts an einer vernünftigen gesetzlichen Regelung des Woh- nungswesenS gelegen sei. In der Kommission, der der Gesetz- entwurf überwiesen wurde, wird die Sozialdemokratie für diese Ausdehnung der Reichsbürgschast lebhaft eintreten. Die dritte Lesung des PostscheckgcsetzentwurfS gab dem Genossen Dr. S ü d e k u m Gelegenheit zu einer sehr fach- verständigen Kritik dieses mangelhaften Gesetzes, das nur den einen Vorzug hat, so mangelhaft zu sein, daß eine Neu- regelung der Materie bald schon unvermeidbar wird. S ü d e k u m forderte u. a. Verzinsung der Guthaben wie Verbindung mit den öffentlichen Sparkassen und sprach einem tmrklichen Postscheckgesctz den Beruf zu, regelnd in unfern Gcldverkehr einzugreifen. Bei der Beratung des Luftverkehrsgesetzes vertrat Genosse Dr. Landsbcrg geschickt den sozialdemokratischen Stand- vunkt, indem er es tadelte, daß die Haftpflichtbestimmungen des Entwurfs geradezu sklavisch den Bestimmungen des Auto- mobilgesctzes nachgebildet seien. Auch unterließ er es nicht, mit Hinweis auf den seit Wochen in Rußland wegen Spionage- verdachtes festgenommenen deutschen Flieger die Notwendigkeit einer internationalen Regelung des Flugverkehrs in den Vordergrund zu rücken. Genosse Bender legte sich zum Schluß noch für den Schutz der Steuerleute, Maschinisten und sonstigen Luftmannschaftcn ein. Natürlich beteiligten sich auch die bürgerlichen Parteien mit einem Schwärm von Rednern an der Debatte, die hier einzeln aufzuführen den Rahmen, des Berichts sprengen würde. Morgen 10 Uhr: Tuellintcrpellation des Zentrums. Unnütze Arbeit. Unserer hohen Regierung verursacht der angebliche Rückgang der Sozialdemokratie stille Freude; aber sie traut den Jubelberichten der reaktionären Blätter nicht recht und möchte daher nähere An- gaben über die Größe des behaupteten Rückganges haben. Daraus deutet«in geheimer Erlaß, der den untergeordneten Be« Hörden aufgibt, die sozialdemokratische Bewegung und alleS, was mit ihr irgendwie in Zusammenhang gebracht werden könnte, zahlenmäß zu erfaffen. So ist den einzelnen Gemeinden aufgegeben worden, in eingehender Weise Angaben zu macken über Zu- und Ab- nähme der örtlichen Parteiorganisation, der freien Gewerkschaften und„sonstigen sozialdemokratischen'' Vereinigungen, wie Turn-, Radfahrer- und andere Vereine. Auch über die Beteiligung der Sozialdemokratie an der Gründung von Konsumvereinen, sowie über die Mitgliederzahl der Konsumvereine und deren Umsatz soll berichtet werden. Weiter werden Angaben verlangt über die Beteiligung bei den Gemeindewahlen und bei den Krankenkassenwahlen. Zuletzt wird noch gefordert, über die Abonnentenzahl der sozialdemokratischen Zeitungen und Zeitschriften Bericht zu erstatten. Der Gesamtbericht hat an die vorgesetzten Behörden im Anfang des Monats Februar eingesandt werden müssen. ES ist schade um die mühevolle Arbeit, die den Gemeinden auf- erlegt worden ist. Denn wenn den interessierten Kreisen an einer genauen Feststellung des UnifangeS der Sozialdemokratie wie der gesamten modernen Arbeiterbewegung liegt, werden sie nicht verab- änmen dürfen, nach Verlauf der Roten Woche aufs neue ziffern- mäßige Angaben über die Sozialdemokratie einzufordern. Ein interessantes Geständnis. Ein Mitglied der„Vorwärts"-RelWl!ioir Hot in den Artikeln über die Ruanda-Bahn, in denen von ihn: namens der„Vorwärts"-Redaktion deren Stellungnahme zur Ruanda- Bahnfrage und zur Frage der kolonialen Bahnbauten über- Haupt dargelegt ivurde, unter anderem darauf hingewiesen, daß die Ruanda-Bahn nur ein Mittel sein solle, um das zu erschließende Gebiet auch militärisch zu unterjochen. Nicht um eine rein friedliche kulturelle Erschließung des Landes handle eL sich, sondern um die Unterwerfung der Eingeborenen unter die koloniale Steuer- und Derwaltnngspolitik, ivodurch schwere Konflikte ausgelöst werden könnten, zu deren rascher und energischer Niederwerfung durch die Militärmacht dann die Bahn dienen solle. Diese Auffassung hat nun auch eine Bestätigung durch den Staatssekretär des Reichskölonialamts Dr. S o l f erhalten. Allerdings nicht in direkter Weise, aber doch in einer Form, die nicht minder beweiskräftig für die Richtigkeit der im„Vorwärts" dargelegten nnd von den ver- schiedenen sozialdemokratischen Fraktionsrednern im Reichstage begründeten Auffassung ist. Genosse L e d e b o u r machte darüber in der Mittwochsitzung des Reichstages bemerkens- werte Ausführungen, die hiermit nach dem Stenogramm wiedergegeben seien: Heute morgen hat der Herr Staatssekretär, als wir in der Budgetkommission über die Ambolandbahn in Südwestakrika sprachen, die Verhältnisse im Amboland mit denen in Ruanda in Ostafrika in Parallele gestellt. Dabei hat er äußerst interessante AuSsührungen gemacht" die alle» das beki ästigen, waS wir an Verdachtsgründen gegen den B a h n b a u in Ruanda bereits vorher herausgefunden hatten. Ich hatte Einwendungen gegen den Bau der Ambolandbahn erhoben, weil schon in früheren Jahren, hauptsachlich durch Herrn Dr. Semlrr, der Bau dieser Bahn mit der Absicht befürwortet wurde, das Land in Plantagenbetrieb zu nehmen und die Leute zu unterjochen. Darauf erwiderte der Herr Staatssekretär Dr. Solf:„Nein, meine Herren, daS ist nicht unsere Absicht."— Notabene, schalt« ich ein: die Abficht der Regierung mag sehr löblich sein, aber die Folgen solcher Unternehmungen gehen meist über solche Absichten hinaus. Aber darauf kommt es jetzt nicht an.— Also Herr Dr. Solf sagte:„Unsere Abficht ist daS nicht; wir wollen das Amboland nicht erschließen, wie wir Ruanda erschließen wollen; wir wollen es nicht m Verwaltung nehmen. Und dann gebrauchte er einen äußerst charakteristischen Ausdruck, den ich mir sofort wörtlich notiert habe; er sagte, im Gegen- sah zu Ruanda handele eS sich im Amboland lediglich um eine„Penetration paclkicivis", also um eine friedliche Durchdringung mit fried- lichen Mitteln. DaS hat der Herr StaatSlekretär m Gegensatz gestellt zu seiner Politik in Ruanda. Dort handelt eS sich also nicht um eine Penetration paeifigne, eine friedliche Durch- dringung, sondern um eine Durchdringung mit Militärgewalt: denn das ist das natürliche Gegenstück. Das ist es aber gerade, was wir immer vorausgesagt haben. Nicht eine friedliche Durchdringung Ruandas ist in Aussicht genommen, sondern die gewalttätige Unterjochung dieses Landes ist die notwendige Kon« sequenz der jetzt inaugurierten Bahnpolitik, der Steuerpolitik, der Einführung der Verwaltung und alles dessen, WaS eng mit dieser Bahn zusammenhängt, Ich freue mich also, den Herr Staatssekretär Dr. S o l f in dieser Frage zwar nicht als Kronzeugen, aber als Zeugen für die s o zi a ld e m o kr a tis ch e A u f f as su n g, daß es sichdaum eine Unterjochungsbahn nachRuanda handelt, in Anspruch nehmen zu lönnen. Seine Ausführungen haben mich nur um so mehr darin bestärkt, daß wir diese Unter- jochungSbohn nach Ruanda unter allen Umständen ablehnen müssen." Man sieht aus den Bemerkungen des Herrn Dr. Solf, wie begründet die von der Sozialdemokratie geltend gemachten Befürchtungen waren!_______ Ter Jagdansflug des Kronprinzen. Die Nationalliberalen haben, wie bereits mitgeteilt wurde, die Anregung gegeben, zu der Reise des Kronprinzen nach Afrita aus Reichsmitteln 200 000 M. zu bewilligen. Die Sache war so ge- dacht, daß die bürgerlichen Parteien sich auf einen Initiativantrag einigen sollten, um dem Kronprinzen die 200 000 M. als eine frn- willige Gabe des Reichstags zu überreichen. Das LiebcSwerben der Nationalliberalen hat aber offenbar wenig Erfolg gehabt, denn jetzt verlautet, die Regierung werde dem Reichstag eine Vorlage zugehen lassen, in der 200 000 M. Zuschuß zu den Reisekosten des Kronprinzen gefordert werden. Die Regierung sollte sich überlegen, ob sie dem Kronprinzen damit nicht einen Bärendienst erweist, denn es ist selbstverständlich, daß bei der Debatte die Person des Kronprinzen nicht aus dein Spiel gelassen werdcn kann. Ter Kaiser hat seine Auslandsreisen stets auS seiner Tasche bezahlt, und eS liegt nicht der mindeste Anlaß dazu vor, dem Kronprinzen aus den Mitteln der Steuer. zahler 200 000 M. zu bewilligen, zumal die Reise nur der Jagd und dem Vergnügen dient, denn von einer Studienreise kann schon deshalb keine Rede sein, weil der Kronprinz dort nur das zu sehen bekommt, WaS ihm die Beamten zu zeigen für gut befinden. Tie Arbeitslosenunterstützung in Bayern angenommen. Der von der Regierung verlangte Zuschuß von 76 000 M. für kommunale Arbeitslosenversicherung wurde am Donnerstag in der Abgeordnetenkammer des bayerischen Landtag« verhandelt und an« genommen. Die sämtlichen Bauerngruppen, auch die den Liberalen beigesellten deutsckien Bauernbündler, waren gegen die Bewilligung deS Zuschusses. Vom Zentrum stimmte ein Teil dafür, ein anderer dagegen. Die Liberalen unterstützten auch den weitergehenden sozialdemokratischen Sirtrag auf Verdoppelung deS Staatszuschusses. Hamburgs Antwort an die preuhischen Partikularisteu. Bei Beratung deS hamburgischen Staatsbudgets für 1914 kam cS am Mittwoch in der Hamburger Bürgerschaft zu einer scharfen Abrechnung mit Herrn Dr. Diederich Hahn und den preußischen Iiegierungsvertretern, die seine Angriffs gegen Hamburg im preußischen Abgeordnetenhaus unterstützt haben. Dr. W c st p h a l von der Fraktion der Linken brachte die Vorwürfe zur Sprache, di» der Berichterstatter der Budgetkommission des Abgeordneten- Hauses gegen die Hamburger Propaganda für den Seesischkonsum vorgetragen hatte. Diese Vorwürfe zeigten, daß es gewissen Herren in Preußen etwas ganz Neues sei, daß eine Behörde kaufmännisch und volkstümlich arbeiten könne. Hamburg iverde Preußen gewiß nicht hindern, auch seinerseits etwas zur Ausbreitung des Fisch- konsumS zu tun. Aber darüber müsse Aufklärung geschaffen wer- den, daß die preußische Regierung kein Recht hat, andere Bundesstaaten zu hindbrn, wenn sie etwas für die Hebung der Voits- crnährung zu tun. Unser Genosse Hoffmann wandte sich gleichfalls gegen die Redner des preußischen Abgeordnetenhauses, denen der Hamburger Senat sofort, eventuell durch die Presse, hätte entgegentreten sollen. Wenn auch die ärmere Bevölkerung von der Propaganda für den Fischkonsum noch nicht den erhofften Vorteil erreicht habe, da die Preise infolge des gesteigerten Konsums noch gestiegen wären, so würden doch die Sozialdcmokraicn auch weiterhin diese Propa» ganda unterstützen, in der Erwartung, daß es nach Fertigstellung der neuen Fischdampfer gelingen wird, die Zufuhren so zu steigern, daß die Preise zurückgehen. Auch die staatliche Fischereidicektion möge den Preissteigerungen entgegenwirken. Senator Dr. Sthamer erklärte: die im preußischen Abgeordnetenhaus erhobenen Vorwürfe hätten sich sämtlich als unberechtigt erwiesen. Speziell in Bayern, wo die Vertreter Hamburgs, nach der Behauptung Dr. Hahns, illoyal vorgegangen sein sollten, sei die Hamburger Propa- ganda mit offenen Armen aufgenommen worden; sie sei auch nicht nur den Hamburger Fischmärtten, sondern ebenso den preußischen, in erster Linie Geestemünde, zugute gekommen. Hamburg könne nur wünschen, daß sein Beispiel von anderen Bundesstaaten nachgeahmt würde, dann würden alle Fischmärkte genug zu tun bekommen. Den Ausführungen aller drei Redner wurde lebhaft zuge- stimmt. Nun aber betrat das einzige konservative Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, Dr. Koch, die Tribüne, um seinen Freund Dr. Hahn im besonderen und die preußischen Konservativen im allgemeinen zu verteidigen. Er kam jehoch über ein paar gestotterte Sätze nicht hinaus. Unter dem Gelächter des ganzen Hauses mußte er abtreten. Dr. Burchard, Mitglied der Rechten, begründete darauf einen Antrag: die Bürgerschaft erkläre sich bereit, die Summe für staatliche Fischkonsumpropaganda um 23 000 M. zu erhöhen und ersuche den Senat, eine entsprechende Vorlage zu machen. Dr. Burchard betonte, natürlich dürfe man für die Aeußerungen Dr. Hahns und seiner Freunde nicht das ganze Preußen verantwortlich machen. Jene Herren lebten eben immer noch in der Vorstellung, sie könnten Deutschlands Handel mit einer Mauer umgeben, auf der Uachttürme und— krähende H ä h n e sitzen. Diej« ?e?unZ man ihnen abgewöhnen. Die Aniwork bes Aam- burger Senats an das Reichsamt des Innern, dem die Beschwer- den gegen Hamburg überwiesen find, werde hoffentlich in diesem Sinne erteilt werden. Der Antrag Burchard, der die von Dr. Hahn befehdete Propa- ganda mit erhöhten Mitteln fortzusetzen bestimmt ist, wurde darauf einstimmig angenommen. Oesterreich. Die parlamentarische Situation.— Der Polizcispion. Wien, IL. Februar. In der Seniorenkonferenz betonte der Mini st erPräsident neuerlich die Dringlichkeit der Erledigung des Rekrutenkontingents, des Kreditermächtigungs- gesetzes sowie der bosnischen Bahnvorlage und erklärte, in der augenblicklichen Situation gäbe es nur zwei Möglichkeiten: entweder entschließe fich das Haus, an eine energische und fort- gesetzte Behandlung dieser Gegenstände heranzutreten, oder es müßten die Staatsbedürfnisse, sehr gegen den Wunsch der Regierung, auch neben und außerhalb des HauseS ihre Befriedigung finden, ein Hinausschleppcn der Situation fei für den Staat nicht erträglich. In der darauffolgenden Sitzung des Abgeordnetenhauses sprachen einige tschechische Obstruktionisten, welchen zum Teil das Wort entzogen wurde. Der tschechische So- zialdemokrat Soukup fragte den Präsidenten, ob er geneigt sei, ex praesidio den�V errat des Abg. Sviha zu brandmarken. Der Präsident erwiderte, wenn die Angriffe wahr seien, so stehe er auf dem Standpunkte des Interpellanten.(Beifall.) Hierauf besprachen noch mehrere Abgeordnete die Affäre Svihas, teilweise unter heftigen Ausfällen gegen die Regie- rung. Der deutschnationale Abg. Groß beantragte schließlich mit Rückficht auf die Obstruktion, die Rekrutenvorlage als ersten Punkt auf die morgige Tagesordnung zu setzen. Der Antrag Groß wurde mit 181 gegen 147 Stimmen ange- » o m m e n. Nächste Sitzung morgen. Zrantrelch. Eine Armeedebattk. Pari?, 12. März. Die Kammer beriet heute vormittag über den Gesetzentwurf über die Aufstellung der Cadres und über die Effektivbestände der verschiedenen Waffengattungen. I a u r e s erklärte, der Entwurf mache die Rückkehr zum zweijährigen Dienst unmöglich. Er nannte den Entwurf ein Blendwerk. Man wolle jetzt an der Grenze selbständige Re- gimcnter von Reservisten schaffen, während man früher sich immer scheute, eine zu große Anzahl von Reservisten den Regimentern ein- zuverlciben. JaureZ schloß: Das Dreijahresgesetz wird unter der sozialen, finanziellen und wirtschaftlichen Last zu- grundegehen. Wenn das Parlament sich weigert, es abzu- schaffen, werden die Sozialisten in dieser Sache einen Appell an das Land richten.(Beifall auf der äußersten Linken und auf verschiedenen Bänken der Linken.) Deputierter L e f e v r e wie? auf die wohltätige Wirkung des DreijahreSgefetzeS hin, an dem man gegenwärtig aus Rücksicht auf die Wählerschaft nicht rühren wolle. Wenn eine Regierung auf ihre eigene Verantwortung einen neuen Entwurf einbringen werde» dann werde man denselben prüfen. Aber einem parlamentarischen Initiativantrage werde sich eine entschlossene Mehrheit entgegen- stellen.(Bewegung.) Der Redner fuhr fort: Frankreich ist friedlich. ES hat fein Unglück nicht vergessen, aber es ist über- zeugt, daß ein Krieg eine solche Katastrophe für alle Nationen wäre, daß eS niemals die Verantwortung übernehmen wird, ihn zu entfesseln. ES handelt sich nicht darum, die Vergangenheit zu regeln, sondern darum, die Gegen- wart zu berteidigen. Nicht ein Gedanke der Revanche beseelt Frank- reicb, sondern der Wille zu leben und sich zu verteidigen. Die Waffe ist drückend und kostspielig, aber weniger schwer und weniger kost- spiclig, als es die Niederlage wäre.(Lebhafter Beifall.) Heute sind 280 000 Mann an der Ostgrcnze zur Verteidigung des Landes bereit. Das ist ein erhebender Trost für diejenigen, welche für daS Dreijahresgesetz gestimmt haben.(Lebhafter Beifall.) Mehrere Deputierte beantragen den Maueranschlag für die Rede LefevreS. Die Sozialisten beantragen hierauf den Mauer- anschlug für die Rede JaurcS. Auf Ansuchen LefevreS werden jedoch die Anträge auf Anschlag beider Reden zurückgezogen. Englanü. Die Abrechnung mit der südafrikanischen Regirrung. London, 12. März.(Privcittelegramm des .Torwart s".) Zufolge einer Meldung des Erchange-Tele- graphen-Bureaus ist die Stellung des Ministerpräsidenten S m u t s nach seiner letzten Fronwcränderung und nach der meisterhaften Rede des Senators Schreiner, früheren Ministerpräsidenten der.Kapkolonie und Südafrikas, fast unhaltbar geworden. Schreiner, der angesehenste Staatsniann und Iürist im Senate, zerpflülkte die I n d e ni n i t ä t s b i l l und will die Ausmerzung der Verbannungsbestiminungen und die Einsetzung eines besonderen Gerichtshofes beantragen, von dem die Deportierten nach holländisch-römischem Rechte bestraft werden kpnnten, wenn es der Regierung gelingen sollte, ihnen die angeblich heftigen Reden nachzuweisen. Er forderte auch die Regierung auf, ihren Irrtum einzugestehen sowie die getroffenen Maßregeln rückgängig zu machen und meinte, daß die vorgekommenen Unruhen indirekt ans die Blindheit der Regierung und des Parlaments zurückzuführen seien. Unter anderein sagte er der Regierung noch:„Durch diese Verbaunungen haben Sie nichts gelöst und keinen An- fang init einer Lösung gemacht. Sie säen mlr Drachenzähne: wenn Sie den Syndikalismus töten wollen, müssen Sie der vernünftigen Gewerkschaftsbewegung die Hand reichen und den Irrtum fahren lassen, daß Gewalt ein Heilmittel gegen wirtschaftliche Unzufriedenheit ist." Während dieser Rede betrat B o t h a den'Senat. Schreiner wandte sich gegen ihn und beschwor ihn, doch zn bedenken, daß die vermeintliche Stärke nur eine fundamentale Schwäche sei und vor allem darauf zu achten, daß man nicht später von ihm sage, daß seine Ebre in der Schande wurzle. Auch erwähnte er ferner, daß schon zwei- bis dreitausend Bergarbeiter das Land verlassen hätten, da sie sich nicht mehr in einem freien Lande fühlten und prophezeite, daß ein Mangel an weißen Arbeitern eintreten werbe. Der englische Eisenbahnerverband hat an den südafrikanischen Eisenbahnerverband die Summe von 600 Pfund geschickt,� um ihm aus der auaenblicklichen Schwierigkeit zu helfen. Nach der Verhaftung Noutsmas wurden alle bezahlten und unbezahlten Beamten der Organi- sation ins Gefängnis geworfen. Die Polizei drang in das Hauptbureau des Verbandes ein und hielt es 16 Taae besetzt. Nach der Niederwerfung des Streiks wurden alle Beamten> des Elsendahnerberdandcs von der Eisenbahnverwaliung enl- lassen. Wie der„Justice" meldet, wird sich nach Veendigung der Protestversanimlungen eine Deputation ,zu dem Minister- Präsidenten begeben, um die Reichsregierung zu bestimmen, der Jndemnitätsbill ihre Zustimmung vorzuenthalten. Begeisterter Empfang der Frauen der Deportierten. London, 12. März.(Privattelegramm des „V o r w ä r t s".) Die Genossinnen Poutsma, Bain und W a t s o n, Ehefrauen der deportierten südafrikanischen Arbeiterführer, kamen heute aus Afrika mit dem Dampfer „Grantully Castle" im Hafen von Southampton an. Seitens der Vertreterinnen von dreihunderttausend organisierten englischen Arbeiterinnen wurde ihnen ein herzlicher Empfang bereitet. Auf der Londoner Station Waterloo erwartete die Frauen der Deportierten eine gewaltige Frauenmenge, die bei der Einfahrt des Zuges in begeisterte Hochrufe einstimmte. Mit demselben Dampfer kamen auch eine große Zahl Johannisburger Arbeiter an. Diese erzählten, daß man ste während des Streiks verhaftet und in die schmutzigen Kafferngefängmssc� geworfen habe. Nach acht- tägigcr Haft habe man sie zu Strafen bis zu 25 Pfund(500 Mark) verurteilt und der Mehrheit von ihnen bedeutet, inncrhalb48StundendasLandzuverlassen. Einige von ihnen, die ein Häuschen besaßen, mußten dies um jeden Preis losschlagen. Rußlanü. Erklärungen Ssasonows. Budapest, 12. März. Der Spezialkorrespondent des„Az Est" hatte mit dem russischen Minister des Aeußeren Ssasonow eine längere Unterredung. Der Minister stellte alle aggressiven Ab- sichten gegen Deutschland oder Oesterreich auf das bestimmteste in Abrede. Die Steigerungen der Rüstungen würde ge- rade vom Deutschen Reiche veranlaßt. Die deutsche Initiative hat ihre Rückwirkung in Frankreich, sowie sie auch die Erhöhung des Effektivbestandes in Oesterreich-Ungarn nach sich gezogen hat. Es ist somit ganz natürlich, daß auch wir nach dieser Richtung hin Schritte getan haben. Gleichzeitig bauen wir, was sich von selbst versteht, unser Eisenbahnnetz aus. Ich halte es somit für selbstverständlich, daß auch wir unsere Kräfte ent- wickeln. In alle dem erblicke ich jedoch keinen Anlaß, sich irgendwie aufzuregen. Wir sind groß genug, und eS beschäftigt unS nur ein einziger Gedanke, der Gedanke, unseren Reichtum zu verwerten und zu entwickeln. Nein, wir wollen keinen Krieg. Wir wünschen ein gutnachbarliches Verhältnis mit Oesterreich-Ungarn, und ebenso werden wir eine gute Nachbarschaft mit Deutschland wünschen. Amerika. Ausschluß Murphps. L»»don, 12. März. Die Zeitungen melden aus New York, daß Murphy, der Boß von Tammanh-Hall, und vier seiner Helfershelfer aus dem National Democratic Club aus- geschlossen worden sind. Die Verwaltung des Klub« benutzte den Umstand, daß sich die fünf Mitglieder mit ihren Beiträgen drei Monate im Rückstand befanden, um ihre Mitgliedschaft kurzerhand für erloschen zu erklären und nachträgliche Zahlung abzulehnen. Mus öer Partei. Die Rote Woche. Der Gendarmenkampf gegen die Rote Woche« wird in der Provinz weiter fortgesetzt. In M ü n z d o r f, Kreis Oh lau(Schlesien), schickte der Amisvorsteher eine Der- fügung an die Gastwirte, in der es hieß:„Das Anheften sozialdemokratischer Plakate in der Noten Woche vom 8. bis 15. März haben Sie mit größter Strenge zu verhindern undzu ahnde n." Der Erfolg war, daß der Dorfgastwirt schleunigst das Verbandsplakat des Landarbeiterverbandes, ein Werbeschild der „Volkswacht" und eine Einladung zur Frauenversammlung von den Wänden herunterriß. Damit werden der Landrat und der Amtsvorsteher zwar zufrieden sein, die Wirkung der Roten Woche aber werden sie nicht abschwäckien. Jin Gegenteil! Erfolge der Roten Woche." In den ersten beiden Tagen der Roten Woche wurden in Breslau 403 neue Parteimitglieder gewonnen. Im Agitationsbezirk Frankfurt a. M. be- trägt der bisherige Gewinn der Roten Woche 2700 Mitglieder und 913 Abonnenten. Die letzten Tage sind besonders der Presse gewidmet. In Halle a. S. sind durch eine Hausagitation der Frauen bereits vor der Roten Woche 171 neue Mitglieder ge- wonneu worden. Trotzdem nur einige Bezirke der Stadt das Resultat ihrer Tätigkeit dem Sekretariat übermittelt haben, konnte bis Dienstag festgestellt werden, daß bisher 392 neue Mitglieder der Partei zugeführt worden sind. In einem Orte des Saalkreises, in Frauendorf, wurden 70 Aufnahmen gemacht. Die christlichen Gewerkschaften gegen die Rote Woche. Hinter dem Reichsverband und der bürgerlichen Presse dürfen die christlichen Gewerkschaften und ihre geistlichen Drahtzieher in der Hetze gegen die Rote Woche nicht zurück- bleiben. In F r e i b u r g i. B., dem Sitz der Leitung der christlickien Gewerkichasien Badens, veröffentlichen die zwei Zentrumsblätter einen Aufruf, in dem aufgefordert wird, die Rotc-Wockie-Agitation mit dem Beitritt in die christlichen Gewerksclxrsten zu beantworten:„Wenn die christlichen Ar- bester und Arbeiterinnen letzteres tun, treten sie der Roten Agitationswoche in der richtigen Weise entgegen." Die Antwort auf die christlichen Anmaßungen ist rm voraus schon erteilt worden, denn die„F r e i b u r g e r Volkswacht" bestätigt schon jetzt die Gewinnung von 2 0 0 neuen Abonnenten. In Freiburg wurden auch 100 neue Mitglieder für den sozialdemokratischen Verein ge- Wonnen._ Gcmeindewahlerfolge. Bei den Gemeindevertreterwahlen in Protsch- Weida bei Breslau wurde Genosse Vetter mit großer Mehrheit gewählt. Bei den nächsten Wahlen verschwinden die letzten bürger« lichen Vertreter ans der dritten Abteilung. In L a n g e n ö l s im Wablkreise Görlitz-Lauban wurden in der dritten Wählerklasse die beiden sozialdemokratischen Kandi- datcn mit 137 gegen 3 bürgerliche Stimmen gewählt. In Schleife(Wahlkreis Rothenburg-Hoyerswerda) siegte der sozialdemokratische Kandidat in der ersten Abteilung.— Die erste Abteilung wird in der Hauptjache v«! den Glasarbeitern ge- hildek, während die Dauern und Fuhrwerker meist der Zwesten und dritten Abteilung angehören. Das dreißigjährige Bestehen eines PartciblatteS. London, 11. März.(Eig. Ber.) Am 10. März fand in dem! Cannon-Street-Hotel die durch ein Gastmahl eingeleitete Feier des dreißigjährigen Bestehens unseres Bruderblattes„I u st i c e" statt. Wenige sozialdemokratische Blätter können auf ein Leben so voller Kampf zurückblicken wie das Organ der„British Socialist Party", das die ersten organisierten englischen Sozialdemokraten vor 30 Jahren mit dem gewaltigen Kapital von 300 Pfund Sterling wolgemut ins Leben riefen. Der Genosse Jack Williams, einer der Gründer, schilderte in einer Rede all die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren: wie alle Genossen an der Herstellung und Verbreitung des Blattes mitarbeiteten; wie die einen schrieben, andere das Setzen lernten, wieder andere den Bertrieb übev-, nahmen; wie oft das Blatt vor dem Zusammenbruch gestanden und doch Begeisterung und Opfermut immer wieder das Unglück verhütet haben. Von allen Rednern wurde auch des verstorbenen Genoffen Queich gedacht, der.„Justice" mit beispielloser Hingebung und Aufopferung so viele Jahre redigierte. Harry Queich, der sich vom Landarbeiter zu einem der belesensten Menschen hinauf- gearbeitet hatte, war zweifellos eine starke Persönlichkeit, die dem Blatte einen ureigenen Stempel aufdrückte. Man kann, ohne ernst- lichen Widerspruch befürchten zu müssen, sagen, daß kein anderes sozialistisches Blatt in englischer Sprache bei der Kritik der Gesell- schaftszustände und der Bewertung der Tagesercignisse so gründlich von sozialistischem Geiste durchdrungen ist, iwe„Justice". Heute steht das Blatt finanziell auf festeren Füßen als zuvor und der Wunsch der Genossen der B. S. P., daß sich„Justice" zu einem Tageblatt entwickeln möge, hat mehr Aussicht auf Erfüllung. Mus Industrie und Kandel. Die Stromlieferung für die Berliner Stadtbahn. Die preußische Staatsregierung hatte bekanntlich zuerst ü« absichtigt, die elektrische Energie für die B e r l i n e r S t a d t-« Ring- undVorortbahnen auf Grund eines dreißigjährigen StromlieferungSvertragcs von Privatunternehmern zu beziehen. Ter Widerspruch, der sich hiergegen erhob, veranlaßte sie jedoch, davon abzusehen und die Frage der Eigenerzeugung der elektrischen Energie zu prüfen. Sie scheint jetzt geklärt zu sein. Wie aus der dem Abgeordnetenhanse vor kurzem zugegangenen Nebersicht der Entschließungen der Königlichen Staatsrcgierung auf Beschlüsse des Hauses der Abgeordneten hervorgeht, ist die Regierung nunmehr der Ansicht, daß die Anlage staatlicher Kraftwerke sogar mit Ersparnissen an den Kosten der Stromgewinnung ver- Kunden sein würde. Dieses Zugeständnis ist außerordentlich lehr- reich. Gibt es doch denjenigen recht, die von Anfang an die Meinung vertraten, daß der Staat die Energie ebenso billig wie Privat- Unternehmer erzeugen könne. Das gleiche gilt natürlich mich für andere öffentliche Verwaltungen, z. B. größere Gemeinden und Gemeindcwerbäude, welche vor der Frage stehen, ob sie die Energie« Versorgung ihres Gebietes selbst in die Hand nehmen oder Privat- Unternehmern übertragen sollen. Ein diskreter Geschäftsbericht. z In dem Geschäftsbericht der H a mb u r g- Am e r i? a«, Linie findet zwar die Tatsache, daß von„Seiner Königlichen! Hoheit dem Kronprinzen Rnpprecht von Bayern in Vertretung Sc. Majestät des Königs Ludwig" ein Dampfer getauft wurde, ge- bührendc Würdigung, dagegen werden die Vorgänge, die sich im letzten Jahre in Oesterreich-Ungarn abgespielt haben, m i t keiner Silbe erwähnt. Und doch herrscht kein Zweifel dar- über, daß der österreichische Aus Wandererskandal das Zwischendecksgeschäft der Hcrpag lange Zeit auf das gefährlichste be- droht hat, und daß tatsächlich für das Jahr 1014 mit einer starken Abschwächung der Auswanderung über Hamburg zn rechnen jft, Weil eben die österreichische Regierung dem Treiben gewisser deut- scher Schiffsagenten in Galizien usw. das Handwerl gelegt hat. Di« skandalösen Machinationen ihrer Geheimagenten haben den deiÄ- scheu Großreedereien in Oesterreich-Ungarn die Sympathien aller maßgebenden Kreise und sämtlicher politischer Parteien verscherzt. Herr Ballin hat das zu seinem Leidwesen an der sehr kühlen und mißtrauischen Behandlung im österreichischen Handelsministeriu» erfahren müssen. Gs ist gewiß kein Zufall, daß die von ihren Kon« kurrenten so verdächtigte Kanada-Linie jetzt von der Regie« rung wieder zur AuSlvandcrerbeförderung zugelassen und eher noch günstiger gestellt wird als die deutschen Poolgesellschaften. Die Verhandlungen mit der österreichischen Regierung sowie die hieraus resultierende Verminderung des Zwischendecksverkehrs werden im Geschäftsbericht der Hapag nicht erwähnt. Freilich hat Herr Ballin für seine auffallende Schweigsamkeit eine— allerdings sehr fadenscheinige— Entschuldigung. Er kann sich darauf berufen, daß die letzten entscheidenden Besprechungen in Wien erst im neuen Ge- schäftsjahre stattfanden. Hätte er aber diese auch völlig unerwähnt gelassen, wenn sie einen günstigeren Ausgang gehabt hätten? Man hätte glauben sollen, daß die größte deutsche Reederei in ihrem Geschäftsbericht Gelegenheit nehmen würde, sich wenigstens von den schlimmsten Vorwürfen zu reinigen, die im In- und Auslande gegen ihr Geschäftsgebaren erhoben wurden. Es kann darüber kein Zweifel bestehen, warum sich die„Hapag" diese Gelegenheit hat; entgehen lassen..,_ � t Letzte Nachrichten.„ Eine mißlungene Gründung. WolffZ Telegraphen-Burean vermittelte gestern abend folgende Nachricht: Von beteiligter Seite wird mitgeteilt: Die gestrigen und heutigen Verhandlungen über die Gründung einer„Deutsche» Gesellschaft für Welthandel" haben zu dem Ergebnis geführt, daß von einem weiteren Verfolg der Angelegenheit Abstand genommen worden ist. Es war in der gestern unter Vorfitz des Generaldirek» tors Bällin-Hamburg abgehaltenen Versammlung gemeinsam von den Vertretern des Zentralverbandes deutscher Industrieller und des Bundes der Industriellen beschlossen worden, diese Gesellschaft nnter der Voraussetzung zn begründen, daß der Deutsch-amerika« nischc WirischaftSverband sich der Deutschen Gesellschaft für Welt- Handel auf Grund und im Nahmen ihrer Satzungen anschließe» werde. Der Zentralverband deutscher Industrieller und der Bund der Industriellen waren sich darüber einig und bereit, der Industrie gegenüber einheitlich zu vertreten, daß die der Deutschen Gesell- schaft für Welthandel anzuschließenden zwischenstaatlichen Ver» bände nur eine Tätigkeit nn Rahmen der Satzung der Deutsche» Gesellschaft für Welthandel entfalten könnten und daß nach Grün- dung der Deutschen Gesellschaft für Welthandel ein Bedürfnis für das Weiterbestehen oder die Neugründung zwischenstaatlicher Verbände nicht bestehe. Diese Voraussetzung hat sich nicht erfüllt. In hohem Maße bedauerlich bleibt bei diesem Ausgange, daß hiermit die Gelegenheit, in gemeinsamer Arbeit an einer großen, außer- halb des Rahmens unserer heimischen Zoll- und Handelspolitik liegenden Aufgabe die deutsche Industrie zu einen, ungenutzt vorübergegangen ist. Englische Flottenvermehrung. London, 12. März.(W. T. B.) Premierminister Asguith kündigte heute im Unterhause an. daß der F l o t t e n e t a t für 1014/15 am 17. März eingebracht werden wird. Dieser sieht eine. Gesamtausgabe von 550 000 Pfund Sterling vor. Das Programm für Neubauten verzeichnet vier Schlachtschiffe, viey leiste Kreuzer und Schölf TgrpedobootSzerjtürer. K B G 6m ShawnE SUR Vereinte Kräfte führen zum Ziel Das beweist die erfreuliche Fortentwickelung der Konsumgenossenschaft Berlin u. Umg. Um weiten Bevölkerungskreisen ein Bild von der Stärke dieser Organisation zu geben, findet Sonntag, den 22. März 1914( nicht am 15. März), vormittags 10 bis 12 Uhr, Besichtigung der Betriebsanlagen Lichtenberg, Rittergutstraße 16/26 statt, wozu wir Freunde und Gönner des Unternehmens freundlichst einladen. Die Konsumgenossenschaft besitzt: Zwei große moderne Dampfbäckereien mit einem täglichen Mehlverbrauch von 450 Zentner. Eigene Konditorei, Pfefferkuchenbäckerei, Kaffeerösterei, Selterfabrik, Zentrallager, Wohnhäuser. 88 000 Mitglieder decken in 125 Verkaufsitellen ihren Bedarf. Voraussichtlicher Jahresumsat 18 Millionen Mark. BeitrittsDie Mitgliedschaft kann jedermann erwerben. Das Betis 50 Pfennige Mitglieder werden auf Verkaufsstellen geld beträgt NW. Beusselstr. 4/5 N. Charitéstr. 3 Emdener Str. 50 Rostocker Str. 35 Spenerstr. 21 Stendaler Str. 5 ab 16. März Lübecker Straße 29 Ufnauftr. 16 Bornemannstr. 1 Bohenstr. 4 Fehrbelliner Str. 54 Gartenstr. 3 Adlershof, Bismarckstr. 11 Alt Glienicke, Rudower Str. 59, Ede Stöpenicker Str. Baumschulenweg, Baumschulenstraße 93a Bohnsdorf, Paradiesstr. 17 Borsigwalde, Schubartstr. 21 Britz, Werderstr. 31 Charlottenburg, Fredericiastraße 11 Kaiserin- Augusta- Allee 55 Pestalozzistr. 55 Potsdamer Str. 30 Weimarer Str. 29 Wallstr. 23 Erkner, Friedrichstr. 54 N. Gerichtstr. 3 Gleimstr. 46 Hochmeisterstr. 16d Hochstädterstr. 6 Stoloniestr. 139 Hussitenstr. 53 Lychener Str. 19 Nordufer 4b Prinzenallee 85 Prinz- Eugen- Straße 24 Ramlerstr. 11 Schivelbeiner Str. 9 Soldiner Str. 103 Friedenau, Moselstr. 7 Friedrichsfelde, CapriviAllee 44 Friedrichshagen, Drachholzstraße 2 Grünau, Köpenicker Str. 8 Hermsdorf, Berliner Str. 16a Johannisthal, Bismarckstr. 6 Karlshorst, Treskow- Allee 100 Köpenick, Berliner Str. 5 Borgmannftr. 5 Müggelheimer Str. 48 Lichtenberg, Borhagener straße 24b Bürgerheimstr. 102 Finowstr. 2 N. genommen in allen Stolpische Str. 24 Swinemünder Str. 33 Zogostr. 4 Transvaalstr. 3 Willdenowstr. 4 NO. Böhowstr. 34 Büschingstr. 12 ab 1. April Barnim straße 4/5 Elbinger Str. 42 Naugarder Str. 45 Winsstr. 63 Zelterstr. 28 Gürtelstr. 40 Mozartstr. 2 Rittergutstr. 22 Wismarplay 5 Wühlischstr. 57 Lichterfelde- Lankwitz, KaiserWilhelm- Str. 43 Mariendorf, Kaiserstr. 110 Neukölln, Böhmische Str. 47 Bruno- Bauer- Str. 22 Emjer Str. 33 Herrfurthstr 6/ 6a Herzbergstr. 22 Hobrechtstr. 26/27 Münchener Str. 39 Steinmegstr. 107 Die Verkaufsstellen find geöffnet an Wochentagen von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags 103/ 16* und von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends, Sonnabends bis 9 Uhr abends. 0. Bödikerstr. 7 Gabelsbergerstr. 11 Grüner Beg 15 Rochhannstr. 14 Kopernifusstr. 3 Rüstriner Blag 4 Liebigstr. 7 Mirbachstr. 26 Bettentoferstr. 26 Zorndorfer Str. 61 SO. Adalbertstr. 36 Admiralstr. 28 Forster Str. 3 Weserstr. 28/29 Wildenbruchstr. 89/90 Nieder- Schönhausen, KaiserWilhelm- Str. 79 Nieder Schöneweide, Berliner Str. 110 Ober- Schöneweide, Edisonstraße 50 Mathildenſtr. 5 Pankow, Berliner Str. 47 Wollantstr. 102 Reinickendorf- Oft, Holländerstraße 126 Hoppestr. 16 Reinickendorf- West, Eichs bornstr. 10 SO. Manteuffelstr. 91 Wrangelstr. 65 S. Alte Jakobstr. 57/59 Graefeftr. 65 SW. Arndtstr. 5 W. ab 1. April ArndtStraße 29 Kochstr. 62 Wassertorstr. 20 Yorfstr. 70 Goebenstr. 17, Ede Gulmſtr. ab 1. April Culmstr. 20 Kurfürstenstr. 17. Rosental I, Lindenallee 7 Schöneberg, Apostel- PaulusStraße 40 Ebersstr. 26 Sedanstr. 82/83 Steglitz, Albrechtstr. 115 Südende, Lichterfelder Str. 36 Tegel, Bahnhofstr. 15 Schlieperstr. 27 Freie Scholle 20 Tempelhof, Berliner Str. 39 Dorfftr. 19/20 Treptow, Graeßstr 58. Weißensee, Langhansstr. 7 Lehderstr. 62 Wilmersdorf, Augustastr. 3 Sonntags geschlossen. Der Vorstand. Berontw, Redalt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Injeratenteil verantw. Th.Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 71. 31. Iahrgaug. 1. Keilm Ks Lmiirts" Kerl« WIliMM Freitag, 13. Mar; 19lä. Gewerkschaftliches. Arbeitslose Techniker. Die Arbeitslosi'gkeit ist eine unerbittliche Begleiterin der kapitalistischen Produktion, die an keinem Erwerbszweig und an keiner Berufsschicht vorüber geht. Auch die Privat- a n g e st e I l t e n. denen doch durch die längeren Kündigungs- fristen ein besserer Schutz geboten ist. bleiben von ihr nicht verschont. Nach der letzten Reichsstatistik erreicht der Prozentsatz der Arbeitslosenfälle bei ihnen zwar nicht die gleiche Höhe wie bei den Arbeitern, dafür ist aber die Tauer der einzelnen Stellenlosigkeit um so größer, und es scheint, als ob diese Tatsache sogar in der Weise wirksam ist, daß auf den An- gestellten in Krisenzeiten nicht so sehr die Zahl der Ar- b e i t s l o s e n wächst, als vielmehr die Dauer des einzelnen Falles. Für die Richtigkeit dieser Annahme sprechen auch die Er- gebnisse einer im Dezember v. I. in zehn Großstädten vor- genommenen Zählung der arbeitslosen Techniker. Die vom Technikerverband peranstaltete Umfrage hat 644 brauchbare Fragebogen ergeben, an denen Mitglieder des Bundes der tlchnisch-industriellen Beamten, des Werkmeisterverbandes und des Verbandes der Kunstgewcrbezeichner init je 25 Proz. beteiligt waren, während ein Fünftel von Unorganisierten eingeliefert war. Tie Verhältnis- mäßig größte Arbeitslosigkeit wurde in München ermittelt, an zweiter Stelle steht Berlin. Nach Berufsgruppen ge- ordnet, war sie am größten im Baugewerbe. Nur bei 23 Proz. der Befragten haben persönliche Gründe den Anlaß zu ihrer Arbeitslosigkeit gegeben, bei den übrigen 77 Proz. war Arbeitsmangel(Tiber 50 Proz.!), Gesck)äftsaufgabe, Konkurs und dergl. die Ursache. 29 Proz. waren über 40 Jahre alt, was daraus schließen läßt, daß in Zeiten schlechten Ge- schüstsganges die älteren Ange st eilten zuerst ab- geschoben werden. Besonders gilt dies für die Industrie, während in den kleineren Betrieben des Baugewerbes noch persönliche Beziehungen zwischen Unternehmer und An- gestellten allzu kmsse Rücksichtslosigkeiten zu verhindern scheinen. Die durchschnittliche Arbeits! osigkeit wurde auf 120 Tage, also rund vier Monate, bei den iiber 25 Jahre alten Angestellten auf 142 Tage, also fast fünf Monate, festgestellt! Das sind gewiß beachtens- tverte Zalzlen, besonders, wenn man berücksichtigt, daß 29 Kollegen, die bereits über ein Jahr arbeitslos waren, vorher ausgeschieden worden sind, weil sie die Durchschnittswerte zu stark beeinflußt hätten. Um von vornherein dem Einwand gewisser Scharfmacher zu begegnen, daß es sich vorwiegend um„Arbeitsscheue" handle, ist außerdem festgestellt worden, daß rund 50 Proz. der Arbeitslosen mindestens e i n I a h r in ihrer letzten Stellung beschäftigt gewesen, sind, in Einzelfällen 15 bis 20. ja sogar über 30 Jahre. Ferner ergab sich, daß in der Regel die Verheirateten mehr und länger arbeitslos waren als die Ledigen, die älteren länger als die jüngeren, die Angestellten mit großer Familie länger als die mit kleiner Familie— alles Umstände, die der Arbeitslosigkeit unter den technischen Angestellten einen recht bösartigen Charakter geben. Ein vollständiges Bild von der ungeheuren Not, die sich hinter den trockenen Zahlen verbirgt, erhält man aber erst beim Lesen der E l e n d s s ch i l d e- r u n g e n, die der Statistik beigefügt sind und von denen wir aus Raummangel leider nur wenige zum Abdruck bringen können. Bautcchnikcr, 56 Jahre alt, 46 Jahre im Beruf, letzte Stellung 3 2 Jahre, verheiratet, acht Kinder, seit 1. Ok- tober 1913 arbeitslos. Gekündigt wegen Ausgabe der Fabrik.„Ich bin zurzeit auf die Gnade meiner Kinder ange- wiesen. Da ich nervenleidend bin, ist es für mich sehr schwer, Stellung zu finden." Architekt, 39 Jahre alt, unorganisiert, verheiratet, 24 Jahre im Beruf, letzte Stellung 2 2 Jahre, stellungslos seit dem 1. Oktober 1912 wegen Konkurs.„Das Notwendigste fehlt." Bauingenieur, 59 Jahre alt, unorganisiert, geschieden, 2 Jahre arbeitslos.„Zahle 16 M. monatliche Miete. Habe bereits das letzte versetzt und weiß nicht, wo ich die Miete zum 1. Januar 1913 herbekommen soll. Schreibe zeitweise Adressen." Bauführer, 27 Jahre alt, lcdig, im April krank aus dem Ausland gekommen und seitdem stellungslos.„Habe in den wenigen Monaten mehr zu kämpfen als in der ganzen Zeit meines Auslandsaufenthaltes. Zur mißlichen pekuniären Lage — längere Zeit Herberge zur Heimat wohnhast— gesellte sich die Verschlimmerung meiner Krankheit. Ich bin am 6. De- zember v. I. als halb gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden." Hochbautechniker, 43 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, seit einem Jahr arbeitslos.„Habe schwere Nahrungssorgen. Bin am 5. 12. exmittiert worden." Tiefbauingenicur, 59 Jahre alt, verheiratet, fünf Kind e r, seit Anfang 1912 arbeitslos.„Nur durch Näharbeit meiner Frau und einmalige Unterstützung des D. T.-V. sind wir vor dem allerschlimmsten bewahrt worden. Mehrere Dutzend derartiger Schilderungen sind da abgedruckt, immer eine noch trauriger als die andere, und das ist doch auch nur eine Auswahl! Die „Technikerzeitung" hat deshalb recht, wenn sie zusammen- fassend schreibt: Hier findet sich alles vereinigt, was man sonst nur in den Kreisen der Elendesten unter den Proletariern sucht: Auswanderung. Mitarbeit der Frau, Offenbarungseid, Exmissionen. Inanspruchnahme der städtischen Speiseanstalt und des Pfandhauses, der Herberge zur Heimat, der Armen- Unterstützung usw. Solchem Elend gegenüber muß die Kraft der Berufsvereine natürlich versagen. Hier kann nur das Eingreifen des Staates etwas nützen und deshalb ist auch diese Statistik letzten Endes nur ein neuer Beweis für die Dringlichkeit einer Reichsarbeitslosenver- s i ch e r u n g._ öerlm und Umgegenö. Tie Ehre der Berliner Gelben. AuS Anlaß einer Betrachtung über die Art des Wachstums gelber Werkvereine im allgemeinen und des Werkvereins der Brennaborwerke in Brandenburg a. H. im besonderen war es zwischen dem Vorsitzenden des genannten Vereins A. Weidner und der„Brandenburger Zeitung" zu einer kurzen Polemik gekommen, in deren Verlauf die„Brmidciib. Zeitung" in einer Abwehrnotiz gegen eine ihre Abonnenten beleidigende Acußerung deS Weidner mit Bezug auf die während der Aussperrung auf den Brennaborwerke» von Berlin zugereisten neuen Mitglieder des Werkvereins die Be- Zeichnung„Berliner Eisbrecher" anwandte, und zwar in dem Sinne, daß erst durch die Berliner Zugereisten der solange gänzlich bedeutungslose gelbe Werkverein auf den Brennaborwerken„los- geeist", d. h. Fortschritte in seinen Mitgliederzahlen gemacht hatte. Durch den Gebrauch dieses Ausdrucks fühlten sich angeblich der Vor- sitzende Weidner und eine Anzahl weiterer gelber Werkvereins- Mitglieder beleidigt. Die Staatsanwaltschaft in PotS- dam erhob auf Antrag öffentliche Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur der„Brandenburger Zeitung". Genossen Erich Baron, mit der Begründung, das Wort .Eisbrecher" sei eine strafbare Umgehung des Wortes„Streikbrecher". Die vom Verteidiger des Genossen Baron, Dr. Karl Liebknecht, beantragte Klageerhebung gegen Weidner wegen Beleidigung Barons, die in dem Vorwurf der unsachlichen Haltung der „Brandenburger Zeitung" enthalten war, lehnte die Staatsanwalt- s-baft, wie auch auf eingereichte Beschwerde der Oberstaalsanwalt ab. Es wurde nunniehr gegen Weidner Privatkloge erhoben, die noch schwebt. Dagegen war in dem Prozeß gegen Baron auf Dienstag, den 19. März, vor der Brandenburger Strafkammer Termin angesetzt. In der Verhandlung wurde von Baron wie auch von Dr. Liebknecht darauf verwiesen, daß die inkriminierte Aeußerung in dem erwähnten Sinne aufzufassen sei und somit schon keine Beleidigung der Kläger bedeuten könne. Selbst aber auch für den Fall, daß das Gericht das Wort„Eis- brecher" für„Streikbrecher" nehmen könne, stelle seine Anwendung keine strafbare Handlung dar, da zwar nach der stehenden Recht- sprechung das Wort„Streikbrecher" als beleidigende Aeußerung bc- trachtet werde, indes eine andere an sich sonst nicht strafbare Be- nennung von sog. Arbeitswilligen nicht Sirafbarkeit nach sich ziehen könne. Um eine Verhandlungsbasis zu schaffen, sollte der Vorsitzende des Gerichts zunächst feststellen, ob die Kläger auch wirklich Berliner und somit zur Klage berechtigt seien. Da die Staats- anwaltschaft eine solche Feststellung nicht gemacht hatte und auch keiner der Kläger im Termin anwesend war, wurde die Vertagung beschlossen. Auf Antrag des Verteidigers sollen sämtliche Kläger. zirka 39, zum nächsten Termin geladen werden, um festzustellen, ob sie sich auch wirklich beleidigt fühlen und ob sie sich beleidigt fühlen konnten! Wie und um was sich doch nicht alles die objektivste Behörde bemüht! Deutsches Reich. In der Görlitzer Möbelfabrik(Inhaber Paul Nerger) streiken seit Mittwoch früh die Tischler, Beizer, Polierer und Maschinen- arbeiter, weil der Unternehmer den bestehenden Tarif verletzte. Mit der Firma Nerger ist im vergangenen Frühjahr ein Tarifvertrag abgeschlossen worden und zwar desselben Inhalts wie der Vertrag, der mit den dem Untcrnehmerverband angeschlossenen Betrieben ge- schlössen wurde. Nach diesem Tarif ist jetzt am 1. März eine Lohn« zulage von 2 Pf. fällig geworden. Die augenblicklich nicht gerade günstige Konjunktur glaubte Herr Nerger benutze» zu können, um sich über dxn durch seine Unterschrift anerkannten Vertrag hinweg- zusetzen. Von 54 Arbeitern sollen nur 33 die vertragsmäßige Lohn- zulage bekommen. Da wiederholtes Verhandeln des Fabrikausschusses sowie der Organisationsleitung mit Herrn Nerger resultatlos verlief, blieb für die Arbeiter nichts weiter zu tun übrig, als die Arbeit einzustellen. Zuzug von Tischlern, Beizern, Polierern und Maschine»» arbeitern ist von Görlitz streng fernzuhalten. 150V Granitarbeiter ausgesperrt. Die Granitwerksschleifereibesitzer im Fichtelgebirge haben am 9. März an die 1599 Steinmetzen, Schleifer, Säger und Hilfs- arbeiter ausgesperrt. Die Arbeiter hatten sich erlaubt, beim Ablauf des Tarifes Lohnforderungen zu stellen. Die Unternehmer ließen sich nur zu ganz unbedeutenden Zulagen herbei. Die Arbeiter im Fichtelgebirge sind sehr schlecht entlohnt. Dabei hat die dortige Granilindustrie Weltruf, denn es wird sehr viel für den Export ge- arbeitet. Die meisten Arbeiten gehen nach Belgien und Frankreich, In Granit werden im Fichtelgebirge Monumente hergestellt, die direkt künstlerisch genannt werden müssen. Die Aussperrung erstreckt sich auf folgende Orte: Gefrees, Hof, Schwarzenbach, Seußen, Sparneck, Selb, Niederlamitz, Kaiser- Hammer, Bern eck, Bayreuth, Weißen st adt und Wunsiedel. Die Unternehmer verlangten, daß der bisherige Tarif, welcher äußerst kompliziert in seinem Aufbau ist, mit den zugestandenen geringfügigen Verbesserungen ohne weiteres auf drei Jahre weiter laufen sollte. Die Arbeiter lehnten dieses Ultimatum ab und so kündigten die Unternehmer. Die Herren haben es ans einen Kampf abgesehen, denn sie ließen sich frühzeitig bei der Dresdener Streik- versicherungS-Gesellschast ausnehmen. Die Arbeiter in den übrigen Granitschleisereien müssen damit rechnen, daß die Fichtelgebirg?« Unternehmer die Aufträge nach dem Odenwald, der Laufitz und einigen Orten, welche an der Ost- und Nordsee liegen, überweisen. kleines Feuilleton. Die lästige Ausländerin. Am zweiten Tage deS Internationalen Kongresses von 1912 war'S! Im Saale der Bnrgvogtei in Basel begründete ein hochgewachsener Mann mit scharfgeschnillcnen Gesichts- zügen die Zustimmung zur vorgeschlagenen Resolution, in der gegen den Krieg lebhafter Protest erhoben wurde. Es war der italienische Delegierte. Wie eine herrliche Arie flössen die i, a, o, u und e im breiten Strome durch den Saal. Wie prächng das klingt, dachte ich und verließ meinen Platz am Journalistcntisch, um näher beim Rednerpult zu sein. Kaum beachteie ich, daß nicht weit davon eine kleine Frau stand mit tief- schwarzem Haar, von echt slawischem Typus, die sich flüchtig Notizen machte. Denn alles hing an den Lippen des Redners, der seine Worte durch leidenschaftliche Bewegungen und Gesten unterstützte. Der Italiener endete, und sofort bestieg die kleine Frau den Platz, von dem aus die Delegierten sprachen. Der Vorsitzende erteilte ihr zur Uebersetzung das Wort. Diese erfolgte zunächst in deutscher Sprache. In frischer, lebendiger Rede wurde der deutschen und österreichischen Delegation übermittelt, was der italienische Delegierte dem Kongreß sagen wollte. Es toaren recht gute Gedanken, die wir zu hören bekamen. Infolgedessen empfing auch die Uebersetzerin lebhasten Beifall von der deutschen Delegation. die in diesem Punkte ungleich zurückhaltender war wie andere Sektionen der Internationale. Jetzt kam Leben in die französische Delegation, denn der Vorsitzende verkündete, daß die französische Uebersetzung folgen würde. Und die kleine Frau blieb auf ihrem Platze. O, sie sprach perfekt französisch: die Delegierten ouS Frankreich und Belgien schienen wie elektrisiert zu sein ob der von der Uebersetzerin übermittelten Worte. DaS war keine lieber- setzung mehr, daS war der durch die Rede des italienischen Delegierten wehende Geist der Begeisterung und der Entschlossenheit, gegen den Krieg zu wirken, den die kleine Frau in den Saal trug. Und die Franzosen klatschten und machten Zwischenrufe. Nun würde sie abirelen, dachten wir. Aber nichts von alledem! Kaum eine kurze Pause und weiter ging's im Text— sie sprach jetzt englisch. Sapperlot I Auch noch englisch. Und die nüchternen Engländer gaben ihre Freude über die Uebersetzung durch ihre lang- gezogenen Zwischenrufe kund. Der Kongreß aber war erstaunt ob einer solchen Sprachtüchtigkeit. Sie hatte geendet. Brausender, stünnischer nicht endenwollender Beifall erscholl. Tie Delegierten des internationalen Proletariats ermaßen, was e§ beißt, wenn eine Ruisin eine italienische Rede in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt. Sie dantten ihr aus vollem Herzen, sie bewunderten sie. Diese Sozialistin war— die Genossin Dr. Balabanoff aus Mailand, die man am verflossenen Montag aus Hanau aus- gewiesen hat. Eine Frau mit diesen Geistesgaben und solchem Sprachtalent gilt in Preußen als lästige Ausländerin! Der Heldentod fürs Vaterland. Noch waren die sechzehn Soldaten, die die Lawine im Ortlergebiet getötet hatte, nicht be- erdigt, als auch schon an der österreichisch-monlenegrinischen Grenze Blut vergossen wurde. Die bürgerliche Sensationspresse meldete in fetten Lettern von einem schweren Grenzkonflikl. und es hörte stch ganz graulich a». Oesterreich wurde wieder einmal von der Mücke Montenegro schwer bedrängt. Es mußten zwecks Auftecht- crhaltung des Friedens ein paar Söhne der Schwarzen Berge ge- opfert werden. Die Ortschaft Metalka ist zur Hälfte bosnisch, zur Hälfte mon- tencgrinisch. Die Grenzlinie geht mitten durch den Ort. Eines Tages verhinderten die Montenegriner eine bosnische Gendarmerie- Patrouille, einen Saumweg in diesem Drecknest zu betreten. Der Bezirtsvorsteher einer benachbarten und auch sehr berühmten Ortschaft, sie heißt Cajnica, intervenierte, aber die Montenegriner wichen nicht. Also das Ansehen der Monarchie war schwer bedroht; und die Roten murrten auch noch wegen der sechzehn Menschenleben, die man in wahnwitziger Willkür einer Lawine geopfert hatte. Es wußte etwas zur Rehabilitierung der Militärverwaltung geschehen, und sollte es einigen montenegrinischen Schweinehunden das Lehen kosten. Ein Grenzjägerzng, dem auch eine Jnfanteriekompagnie zur Verfügung gestellt wurde, erhielt den Befehl, gegen den„Feind" vorzugehen. Es begann ein Feuergefecht, das mit dem Rückzug der Montenegriner endete. Zwei wurden getötet, mehrere schwer verwundet und zwei gefangen genommen. Wie unschuldig und ungefährlich ist eine Lawine, wiewohl sie sechzehn Menschenleben wegwischt, im Vergleich zu einer Militär- Verwaltung, die nach Taten brennt. Noch waren die Sechzehn, die sie der unberechenbare» Natur geopfert hatte, nicht beerdigt, und schon statuierte sie ein blutiges Exempel. Auch sie ging wie eine Lawine nieder. Sie fegte die Montenegriner von einem Saum- weg fort, und über das Blut, das fließen mußte, ist die Brücke zu einem neuen Frieden geschlagen worden. Und um daS Maß der hündischen Komödie voll zu machen, hat sich Montenegro entschuldigt. Der Soldat läßt sein Leben, er weiß nicht wofür und wozu, aber das dankbare Vaterland bittet die Mörder um Verzeihung. Der Protestzug der Nackten. Eine sonderbare Nachricht koinmt aus Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Britisch- Columbia: 6999 Duchoborzen haben den Behörden kund und zu wissen getan, daß sie. wenn ein jüngst eigens gegen sie und ihre Besonderheiten erlassenes Gesetz wirklich aufrechterhalten werden sollte, nackt, wie Gott sie geschaffen, durch die Straßen der Haupt- stadt ziehen würden. Die Duchoborzen oder Duchoboren(Geistes- kämpfer), eine russische Sekte, die in mancher Beziehung an die Ouäker erinnert, haben den Regierungen der Länder, in denen sie sich zu dauerndem Aufenthalt niedergelassen haben, schon genug zu schaffen gemacht. Sie betrachten sich als die Auserwählten, berufen sich auf ein inneres Licht und behaupten, daß die Seele Christi in ihnen wohne; darum schätzen sie auch die äußere Kirche mit ihren Priestern und Sakramenten gering, verwerfen daS Zeichen des Kreuzes und die Dreiemigkeitslehre und verweigern außerdem Eid und Kriegsdienst. Sie traten zuerst unter Peter dem Großen und der Kaiserin Anna in Moskau und anderen Städten auf. Während sie unter Katharina II. und Paul I. hart bedrückt wurden, ließ Alexander I. ihnen Duldung angedcihen und wies ihnen das Gouvernement Taurien zum Wohnsitz an. DaS Volk beschuldigte sie vielfacher Greuel und Ge- walltaten, weshalb eine scharfe Untersuchung eingeleitet wurde, die mit der Bestrafung ihrer„Engel und Apostel" endete. Sie wurden dann 1841 nach Transkaukasien versetzt und das Land wurde nach ihnen Duchoborien genannt. Eine Spaltung, die 1887 unter ihnen eintrat, veranlaßte einen großen Teil der Duchoborzen, nach Kanada und Oststbirien auszuwandern. Sehr angenommen hat sich ihrer Tolstoi, der ihnen, als sie auswanderten, den. Ertrag eines seiner Werke zur Verfügung stellte. Ob die Behörden von Victoria die angekündigte ungewöhnliche Protestkundgebung gestatten werden, bleibt abzuwarten. Ein„Festzug" von sechstausend nackten Männern wäre immerhin ein nicht ganz alltäglicher Protest. Notizen. — Theaterchronik. In der Komischen Oper lvird am Sonntag, den 15. März, nachmittags 3 Uhr Wagners Lohen- grin bei kleinen Preisen gegeben. — Kunst abend. Ein Goethe-Abend findet Sonntag, den 15. d. M., abends 8>/, Uhr, im S ch i l l e r s a a l, Charlotten- bnrg, statt. De» einleitenden Vortrag hält Dr. G. Manz. Außer- dem Rezitationen und Gesangsvorträge. — Die Neuordnung der Nationalgalerie ist jetzt vollendet. Von Sonnabendnachmittag 2 Uhr an wird sich die Galerie dem Publikum im neuen Gewände präsentieren. — Alles fließt.„Die Welt ist eine andere geworden: wir in unserem Lebensalter find vielleicht nicht mehr imstande, moderne Kunst zu erfassen und richtig zu beurteilen. Der Kunstgeschmack wechselt beständig. Jeder große Künstler ist ursprünglich ein Se- zessionist gewesen. DaS jüngere Geschlecht unter uns denkt und urteilt schon ganz anders als wir." Also sprach der hallische Oberbürgermeister, um seinen wegen seiner Modernität angegriffenen Museumsdireklor zu verteidigen. Ob der Oberbürgermeister ebenso„modern" denkt, wenn es sich z. B. um die Arbeitcrjugendbewegung handelt? — Einer, der s i e kennt. WerS Geld dazu hat, spielt sich heute als Mäcen und Kiinstkenner auf und macht die jeweilige Kunst- mode mit. Der alte M o n e t, der bedeutendste von den über- lebenden Impressionisten hat neulich diese Kreise gekennzeichnet. Um 1889 begann der bis dahin Verkannte berühmt zu werden— und dann begann die lächerliche Uebertreibung.„Sehen Sie"— erzählte Monet—„ich erinnere mich noch an die Zeit, wo einer mit Rot und Mühe 199 Franken zusammenkratzte, den Künstler aussuchte, um ihm sein Bild abzukaufen und seine Leinwand dann zitternd vor Glück mit sich nahm. Jetzt gibt man 59 999 Franken— und versteht nichts davon. Man erklärt die Malerei zu lieben. Ich glaube nicht daran. Ich muß natürlich mitgehen, aber oft schäme ich mich, eine ungeheuere Summe für ein im Spaß hingeworfenes Werk anzu- nehmen." — DaS Alkoholkonto. Seit zwei Wochen trinkt der Stock- holmer seinen Alkohol a konto. DaS will heißen, daß seit 14 Tagen das Brattskeshstein cinaeführl ist. daS den Alkoholverbrauch dadurch einzuschränken sucht, daß den Kunden Spirituosen nur auf«in Konto- buch hin ausgeschänkt werden. Nach all den vorausgegangenen Kämpfen ist diese einschneidende Neuerung fast sang- und klanglos ins Land eingezogen. Aber schon in der kurzen Frist ihres Bestehens haben sich ihre wohltätigen Folgen bemerkbar macht. — Massenfänge eines seltenen Fisches. Niesige Fänge von echtem Petermann(Steinforelle) sind in den letzten beiden Wochen von Geestemünder Fischdampfern gemacht worden, die im Kattegat gefischt hatten. In einzelnen Zügen förderte das Netz 49 bis 59 Zentner dieses sonst nicht sehr häufigen Fisches zutage: ver- schiedene Dampfer landeten jeder 699 Zentner in Geestemünde. Die Folge war, daß der Preis auf den dritten Teil sank. Die Unternehmer werden sich weiter bemühen, Srbeitswtlliye an« zuwerben, waS ihnen aber nicht so leicht gelingen dürfte. Dre Be- arbeitung des recht harten Granits erfordert eine langjährige Be- rufSlätigkeit. Die Aussperrung in der Solinger Waffcninduprie wird sich allem Anschein nach noch auf die übrigen Branchen erstrecken. Einige der Firmen, mit denen die Differenzen bestehen, beschäftigen neben den Waffeaarbeitern auch noch Arbeiter, die Schneidewaren herstellen, Messer, Haarschneidemaschinen. Diese Arbeiter sind bisher von der Aussperrung nicht berührt, sie find auch nicht gekündigt. Die Fabrikanten verlangen jetzt von ihnen, dasz sie an der Her- stelluirg von Waffen mithelsen sollen. Die Arbeiter weigern fich natürlich, die von den Waffenarbeitern liegen gelassene Arbeit zu verrichten. Die Kabrikaulen gehen aber rücksichtslos vor und kün- digen jeden, der fich weigert, au den Waffen zu arbeiten. Danach wird fich die Aussperrung auch auf die Branchen aus- dehnen, die bisher mit der Fabrikation von Waffen nichts zu Mn hatten. �uslanö. „Des Königs Lohn". In den englischen Grafschaften Norfolk und Essex ist vor einigen Tagen ein Kampf zwischen den organisierten Landarbeitern und den organisierten Pächtern um Anerkennung der Arbeitergewerk- schast, bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit ausgebrochen, der allem Anschein nach eine allgemeine Landarbeiterbewegung in Großbritannien einleiten wird. In Essex haben einige Farmer ihre Arbeiter ausgesperrt, da diese der Landarbeitergewerkschaft angehören, die in dem Landesteil schon 7S Proz. der Landarbeiter organisiert hat. In dem nordwestlichen Teil Norfolks haben die streikenden Landarbeiter den Schlachtruf erhoben:.Her mit des Königs Lohnt" In dieser Gegend liegt ein Gut deS Königs von England, Sandringham genannt. Dort hat der König vor kurzem die Löhne seiner Landarbeiter auf IS Schilling die Woche erhöht. Er hat ihnen zudem jeden Sonnabend einen halben freien Tag gegeben und verfügt, daß kein Arbeiter ohne sechsmonatige Kündi- gung aus seinem Hause gejagt werden darf. Diese kleine Reform, zu deren Verwirklichung die öffentliche Besprechung der jämmer- lichen Lage der Landarbeiter und daS Erstarken der Landarbeiterorganisation nicht wenig beigetragen haben werden, hat bei den Pächtern der angrenzenden königlichen Güter bittere Vorwürfe gegen den König ausgelöst. Die Landarbeiter aber hat sie an- gespornt, die gleichen Vorteile zu verlangen. Ter unmittelbare Anlaß zu dem Kampf gab eine Streitigkeit über die Arbeitszeit. Die Pächter wollten an dem Zweifchichteuwefen festhalten, bei dem die Arbeitszeit durch eine zweistündige Mittagspause unterbrochen wird, in der die Pferde gefüttert werben. Die Arbeiter wollten jedoch ohne Mittagspause arbeiten, um früh Feierabend machen zu können und Zeit zu gewinnen, ihr Gärtchen zu bestellen oder nach der Stadt zu gehen. Angespornt durch die Handlungsweise des Königs, fordern nun die Landarbeiter, daß ihr Lohn ebenfalls von 14 auf IS Schilling die Woche erhöht werde, und daß man ihnen auch die anderen Vorteile gewähre, die die Arbeiter auf dem von dem König selbst bewirtschafteten Gut genießen. Der Kampf hat in anderen Teilen Englands ein lautes Echo gefunden. Der Sekretär des Landarbeiterverbandes erklärt, daß er aus allen Teilen England; mit Briefen überschüttet würbe, in denen die Mitglieder der Organisation um Erlaubnis bäten, sofort in den Kampf zu treten; eS fei äußerst schwer, sie von unüberlegten Aktionen zurückzuhalten Der Vorstand deS Verbandes hat be» schlössen, von Norfolk auS einen das ganze Land umfassenden plan» mäßigen Kamps zur wirtschaftlichen Hebung der Landarbeiter einzuleiten. Wie notwendig dieser Kampf ist, beweist schlagend der jüngst erschienene Bericht der liberalen Agrarkommission. Nach diesem Bericht haben über 60 Proz. aller englischen Landarbeiter ein« wöchentliche Einnahme aus allen Quellen von weniger als 18 Schilling. Ta in diesen Einnahmen die dem Arbeiter gelieferten Naturalien eine bedeutende Rolle spielen und da der Wert dieser Naturalien von dem Arbeitgeber berechnet ist, kann man sicher sein, baß die Wirklichkeit noch trauriger ist, als die Zahlen angeben. Der Verband der Landarbeiter, der den Zorn deS Pächterverbandes auf sich gezogen hat und jetzt sich anschickt, auf der ganzen Linie zum Augrisf überzugchen, hat in den letzten zwei Jahren schnelle Fortschritte gemacht. Vor zwei Jahren bestanden erst M Ortsgruppen, heute gibt eS deren mehr als 200; monatlich nimmt die Zahl seiner Mitglieder um 1000 zu. Seit den 70« Jahren, als der große Landarbeiterverband unter den Keulen- hieben der Pächter und des Klerus zusammenbrach, ist eS schier unmöglich gewesen, die Landarbeiter zu organisieren. Jetzt regt es sich wieder überall und in Essex hat man es erlebt, daß aus- gesperrte Landarbeiter mit ihrer Fahne durch die Dörfer zogen und sozialistische Lieder, wie die„Rote Flagge" und„England, steh a»f, die Nacht ist nun gewichen", sangen. Der Arbeitsnachweis unö Sie StaSt öerlin. In Berlin besteht feit dem Jahre 1883 ein„Zenlralverein für Arbeitsnachweis". Vorsitzender des Vereins ist Dr. Freund, oer erste Vorsitzende der LcmdeSverficherungsanstalt Berlin. Die ersten Einrichtungen waren in fünf Stadtbahnbögen, dem Polizeipräsidium am Alexanicrplatz gegenüber, untergebracht. Die Räume zur Ar- bejtsvermitteluna erwiesen fich mit der Zeit als unzulänglich. Ein Neubau in der Gormanstraße wurde am 27. Juni 1S01 begonnen; am 13. Juli 1902 konnte das Hau? für Facharbeit«, mn 10. No- vember desselben Jahres das für ungelernte Arbeit« in Benutzung genommen werden. Inzwischen sind auch diese Räume zu klein geworden, ein großer Neubau ist kürzlich hinzugekommen. Ter Verein besitzt seit dem 16. Dezember 1905 die Rechte einer juristischen Person. Die Teiluahme an dem Unternehmen und damit die Entwickelung der Llrbeitsvermittelung ist besonder» in den letzten Jahren«heblich gestiegen. So betrug die Zahl der Arbeitnehmer, die im Jahre 1905 die Nachweise in Anspruch nahmen 182 950, im Jahre 1912 245 086; offen« Stelle« wurden 1905 gemeldet 125 200, im Jahr« 1912 201 937 und besetzt wurden davon 1912 ISS 069 gegen 90 058 im Jahre 1905. Mit dem Wachsen des B«eins stiegen naturgemäß auch die Ausgaben und Einnahmen des Unternehmens, insbesondere baben aber die Einnahmen mit der Entwickelung nicht gleichen Schritt gehalten. Ter Verein, der von Anfang seine» Bestehens an auf Zuschüsse von dritter Seite angewiesen war, hat im' Laufe der Jahre die Mittel der Stadt Berlin in immer höherem Maße in Anspruch genommen. Der Verein unterhielt am Jahresschluß 1912 eine allgemeine Abteilung und 20 Fachabteilungen. Der Zuschuß der Stadt B«lin. der am Anfang 20 000 M. betrug, stieg im Jahre 1912 auf 35 000 M. In den Kreisen der Städtischen Verwaltung, Magistrat wie Stadtvcrordnctenversammluiig, war man daher seit langem der Meimmg. daß mit der Zunahme der städtischen Zuschüsse die Stadt Berlin einen größeren Einfluß auf die Verwaltung im Zentral- verein für Arvcitsuachlveis haben müsse. Im kommenden Etals- jähr beträgt der Zuschuß der Stadt itzOOtv M. Da der Gesamtetat de? Vereins für Arbeftsnachweis für 1914/15 in Einnahme und Ausgabe mit 229800 Vk. balanciert, s»«gibt fich, daß der Anteil der Stadt an diesem Etat zirka 65 Proz. beträgt. Durch Verhandlungen mit dem Vorstand des Zentralvereins für Arbeits- Nachweis hat dieser seine Bereitwilligkeit erklärt, der Stadt einen maßgebenden Einfluß auf die Verwaltung, und zwar mit 51 Proz. des Stimmenverhältnisses bei Abstimmungen enizuräumen. Durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 16. Ok- tober 1913 stimmte diese dem Vorschlage zu und beschloß gleich- zeitig die Einsetzung einer Abteilung der Gew«bedeputation für den Arbeitsnachweis. Diese Abteilung besteht aus zwei der Ge- Werbedeputation angehörenden Mitgliedern des Magistrats, vier Stadtverordneten mit gleicher Zugehörigkeit und vier Bürger- deputierten, und zwar zwei gewerblichen Unternehmern und Arbeit- nehmern. Fern« wählt die Stadtverordnetenversammlung auf die Dauer von drei Jahren drei ihrer Vertreter der Deputations- abteilung in den Vorstand des Zentralvereins für Arbeitsnachweis und ferner drei Ersatzmänner aus ihrer Mitte. Diese Abteilung der Gcwerbedeputation hat nun letzthin mehrere Sitzungen abgehalten, um zum Etat und anderen der- schiedenen Fragen Stellung zu nehmen. Soweit diese von allge- meinem Interesse sind, seien sie hier wiedergegeben. Zunächst ist zu bemerken, daß Dr. Freund die steigende Teilnahme der städtischen Verwaltung wohl mit einem trockenen und einem nassen Äuge betrachtet hat, und daß seine Bereitwilligkeit, die Stadt Berlin an der Verwaltung teilnehmen zu lassen, mit den Worten treffend ausgedrückt wird:„Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe." In der erwähnten Abteilung für Arbeitsnachweis der Ge- Werbedeputation sitzen vom Magistrat die Stadträte Fischbeck und Maas, als Vertreter der Stadtverordneten Brunzlow, Goldschmidt, Ritter und Thieme, älS Bürger deputierte Hutfabrikant Lucht» Schloffermeister Winter, Tischler Maah und Holzarbeiter Schumacher. In der ersten Sitzung der Abteilung wurde der Etat des Zentralarbeitsnachweises zur Kenntnis genommen und gutgeheißen. Die Höhe desselben ist bereits angegeben. Es erfolgte sodann eine Besprechung üb« die Einrichtung des neu zu gründenden Fach- arbeitsnachweises für das GastwirtSgewerbe. Unter dieser zu- nächst unscheinbaren Bezeichnung kam indes eine Frage von grund- sätzlicher Bedeutung zur Erörterung, die für die beteiligten Kreise, insbesondere für die am Arbeitsnachweis beteiligten Gewerkschaften von großer Wichtigkeit ist. Es handelt sich um die Frag«, von wem werden in Zukunft die Arbeitsvermittler für die einzelnen Facharbeitsnachweise gewählt? Bisher wurde die Sache so gehandhabt, daß die einzelnen Kuratorien, die zur Hälfte aus Arbeitnehmern und Unt«nehm«n und einem unparteiischen Vorsitzenden besteben, die Wahl dieser Arbeitsvermittler vornahmen, und daß die Gewählten vom Vor- stand des Zentralvereins bestätigt wurden. Dabei sollen sich an- geblich, so behaupten Dr. Freund und auch die bürgerlichen Ver- tret« mit Einschluß eines Arbeitnehmers aus dem Lager der Hirsch-Dunckerschcn, Mißstände herausgebildet haben. Hierfür den stritten Beweis anzutreten, hielt man nicht für nötig, über allgemeine Redewendungen kam man nicht hinaus. Die Situation wird verständlich, wenn man weiß, daß die Haupt- träger des ganzen Arbeitsnachweises die Mitglieder der freien Gewerkschaften sind, die, soweit die beteiligten Gewerkschaften in Betracht kommen, einen Interessentenkreis von 200 000 Personen zählen, während bei den Hirsch-Dunckerschen und christlichen Or- ganisationen nur wenige tausende Mitglieder vorhanden sind. Diese Herrschaften sind bekanntlich in der Regel nur da für die weitgehendste Parität, wo fie in der Mind«heit sind. Jetzt, wo die Stadt Berlin das Uebergcwicht in der Verwaltung des Arbeits- Nachweises hat,«achten sie die Zeit für gekommen, die günstige Situation für sich auszunutzen und die„Parität" einzuführen, die wir bei den bürgerlichen Parteien gegenüber den Sozialdemo. traten im Rathause des öfteren«lebt haben. Es dürft« kaum einem Zweifel unterliegen, daß der»piritu, rector der Sache der Vorsitzende des Borstandes des Zentralvereins Dr. Freund selbst ist. Der Gedanke, daß er in diesem Unternehmen, soweit Arbeiter in Betracht kommen, zu Neunzehnteln mit Mitgliedern der freien Gewerkschaften zu tun hat, schmerzt ihn von jeher. Unt« Hinweis darauf, daß eS fich im vorliegenden Fall nicht nur um das GastwirtSgewerbe. sondern um eine Frage von grund- sätzlicher Bedeutung für die Gew«kschaften handele, wurde die Entscheidung zunächst vertagt. In einer zweiten Sitzung wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen, daß die Wahl oer Arbeits- vermittler in Zukunft durch den Vorstand des Vereins«folge und den betreffenden Kuratorien nur das LorschlagSrecht zustehe. Da- mit sind unsere» ErachtenS künstliche KonfliktSstoffe geschaffen. die fich zur höchsten Blüte entfalten können, mit dem Resultat, allgemein« Unzufriedenheit zu erzeugen. In einer weiteren Sitzung wurde zur Tagesordnung etner Borstandssitzung deS Zentralarbeitsnachweises Stellung genommen. Seit dem 1. Januar d. I. besteh» für Berlin ein Facharbeit»- Nachweis für das Schneidergewerbe. In einer früheren Sitzung war beschlossen worden, etwaige Mehrkosten, die infolg« de» Fort- falle? der Einschreibegebühren entstehen, für diesen Nachweis im nächstjährigen Etat anzufordern, da der städtische Zuschuß bereits festgesetzt ist. Die für diesen Nachweis entstehenden Kosten sollten auS dem Etatsentwurf ausgeschieden und der Fehlbetrag auS den Ueberfchüssen d« diesjährigen Beihilfe gezahlt werden. Dieser Posten erfährt insofern eine Aenderung, daß durch den Fortfall der Einschreibegebühren, den daS betreffende Kuratorium be- schloffen hat, die Interessentenkreise selbst 5000 M. aufbringen und 3000 M. von d« früher gewährten Beihilfe der Stadt Berlin ge- währt wird. Die Deputation beschloß serner, vom Vorstand deS Verein» für Arbeitsnachweis für die Zukunft den Nachweis zu fordern» wieviel Arbeitnehmer und Unternehm« aus den Vororten die Arbeitsnachweise benutzen. Es soll damit eine genaue Uebersicht geschaffen werden, in welchem Verhältnis die Beiträge der Vor« orte, die bis jetzt gering find, zur Arbeitsvermittelung, die nach den Vororten erfolgt, stehen. Vom Ausschuß deS Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, der im Februar d. I. in zwei Sitzungen getagt hat, lagen„Grundsätze über die Errichtung und Verwaltung von Facharbeilsnachweisen" und„Grundsätze über da» Verkalten der Arbeitsnachweiser bei Streiks und Aussperrungen" vor. Hierzu waren Abänderungsanträge von einer vom Vorstand de» Berliner Verein» eingesetzten Kommission gestellt worden. Beschlossen wurde. diese Grundsätze nebst Abänderungen, üb« deren Bedeutung noch später zu berickten sein wird, in der nächsten Vorstandssitzung de» ZeniralvereinS für Arbeitsnachweis nicht zu Wthandeln. sondern die Entwickelung der Arbeitsnachweisfrage abzuwarten da. wie der Magistratsvertreter erklärte, versucht werden soll, üb« Groß-Berlin, eventuell durch Bildung«ine» Zweckverdandes, elne allgemeine Regelung vorzunehmen. Tie beteiligten Gewerkschaften ersehen hieraus, daß auf dem Gebiete der Arbeitsvermittelung iu Zukunft wichtige und einschneidende Neuerungen bevorstehen. Staötverorönetenvsrsammlung. 9. Sitzung vom Donnerstag, den 12. März 1914, nachmittag» 5 Uhr. Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach ölst Uhr. In den Ausschuß für die Lorlage betr. die Vermehrung der etatsmäßigen Beamtenstellen sind auch die sozialdemokratischen Mit- glieder Brückner. Mann. Dr. Wehl. Wurm. Zucht» in den Ausschuß für den Umbau deS Krauteuhause» M«chil auch Glocke. Schneider, TolkSdork. Dr 28 e hl. W ol. d e r» k v deputiert worden: in letzterem Ausschüsse führt Dr. Wehl den Vorsitz. D« Emp'angSkommiss on für den ,m Vkai diese» Jahres vorgesehenen Besuch von 30 Vertretern der Stadt Wien in Berlin gehören auch Bruns Heimanu, Ritter» Dr. Rosen feld, Dr. Wehl an. Tie Versammlung beginnt mit der Spezialberatung de« StadthanShaltSrtatS für 1914 auf Grund der Berichte des Etat Sausschusses. Stadtv. L iiser(A. L.) berichtet üb« die Abteilungen: Grund» stückc, Kalksteinbruch Rüdersdorf, Dotationen, Renten, Abgaben, Polizeikosten, Feuerlöschivesen. Gewerbe- und Kaufmannsgericht, Standesämter. Oeffeutliche Beleuchtung. Straßenreinigung, Ab- ladewesen, Bedürfnisanstalten, Gemeindcfriedhöfe, Krematorium. Zu den„P o l i z e i k o st e n" bemerkt Stadtv. Tr. Rosenfeld(Soz.): Die Kosten für die B«liner Polizeiverwaltung wachsen von Jahr zu Jahr; fie sind gegen das Vorjahr allein um 300 000 M. gestiegen. Trotz der wachsenden Ausgaben scheint„teurer und schlechter" die Devise des Herrn v. Jagow zu sein. Anerkennen will ich dabei aber gern, daß in den Reihen der Polizeibeamten das moderne Bestreben, sich zu ver- einigen, sich zu koalieren, sich geregt hat. Die Schutzleute haben offenbar von den Arbeitern viel gelernt; sie haben es sogar zu einem Demonstrationszuge gebrocht, als ein gemaßregelter Kollege. Berlin verlassen mußte. Wir haben den Wunsch, daß die Berliner Schutzleute sich von ihren Vorgesetzten nicht unterkriegen lassen; wir werden fie in dem Bestreben, das.Koalitionsrecht sich zu er- ringen, unterstützen. Weniger erfreulich find die Erscheinungen, welche auf dem Gebiete der Schikanierung der Arbeiterschaft, der Jugendbewegung usw. durch die Polizei auch im vergangenen Jahre gezeigt haben. Herr v. Jagow hat durch seine Maßnahmen und Manifestationen— ich erinnere nur an seinen„Kreuzzeitungs"- Artikel in der Zabernaffäre— offenbar die Qualifikation zum Reichskanzler nachgewiesen. Ich iocise hin auf die Schikanierung der„Freien Volksbühne", auf die fortdauernde Spitzelwirtschaft in der Polizeipraxis; ich«innere an den Polizeiagenten Keiling, einen vielfach bestraften Verbrecher. Ganz besonders schikanös ist die Polizei gegen die Frauenbewegung vorgegangen. An dem Plakat „Heraus mit dem Frauenwahlrecht" nahm die Polizei Anstoß; sie gestattete aber, daß die Worte„Heraus mit dem" überklebt wurden und„Das" dafür gesetzt wurde.(Redner breitet die beiden Plakate auf dem Tisch des HauseS aus.) Selbstverständlich stehen wir diesem Polizeisystem absolut ablehnend gegenüber. Vorsteher Michclet: Die Rednerliste ist erschöpft, die Debatte üb« das Kapitel geschlossen.(Rufe aus der Versammlung: Die Plakate wegnehmen! Rufe bei den Sozialdemokraten: Warum denn? ES kann sie ja noch einer sehen wollen! Stadtverord- neter Oberrealschuldirektor Dr. Xropfke wirft die Plakate vom Tisch. Stadtv. Hoffmann(Soz.) langt sie auf und breitet sie wieder auf dem Tisch des HaufeS aus, meldet sich gleichzeitig zum Wort.) Stadtv. Hoffmaun(zur Geschäftsordnung): In de» Parla- mentcn ist es üblich, wenn man etwas auf den Tisch de» HauseS legt, daß eS bis zum Schluß der Sitzung liegen bleibt, und ich bitte, auch hier so zu verfahren, selbst wenn hiu ein« an Rotscheu leidet. Vorsteher Michclet: Ich Hab« eben«klärt: die Debatte ist ge« schlössen; also sind die Plakate wegzunehmen.(Ein Saaldien« nimmt oie Plakate fort; die Unruhe dauert an.) Bei dem Etat für da» Gewerbe- und KanfmaonSgericht führt Stadw. May(N. L.) Klag« über die jetzige Art. wie die 28ahlen zu diesen Gerichlen vollzogen werden. Die Beteiligung lasse sehr zu wünschen übrig, die 2Lahlzeit liege sehr ungünstig. Die vom Magistrat angestellten Erhebungen sollten beschleunigt werden. Stadw. Hinve(Soz.): Den Wunsch einer anderweiten Auf- stellung der Wählerlisten haben auch wir. Aber worauf ist die Taffache zurückzuführen, daß so wenig Wähler eingetragen werden? Die Aufftellung der Listen geschieht durch die Polizeibureaus; Wünsche auf Aenderung find hier Verlautbart, auch wohl entsprechende Anträge angenommen worden; herausgekommen ist da- bei aber nichts. Rcmedur würde nur«folgen können, wenn bet Magistrat die Wählerliste selbst aufstellt. Das ließe sich leicht durch. führen, wen» die über 2000 Stadtsergeanien damit beauftragt würden; die wissen iu ihren Revieren viel besser Bescheid al» die Schutzleute. Wenn aber Herr May die schriftliche Stimmenabgabe empfiehlt, so ist da» einer solchen Wahl nicht würdig ODHol):... nein, selbst wenn eS anderswo Mode ist; ich stelle diese Laken- gerichte dafür viel zu hoch. Wer einiges Interesse dafür hat, muß auch so viel Zeit haben, seine Stimme persönlich abzugeben. Gewiß ist eS sehr bedauerlich, daß bei der letzten Wahl nur 15 Proz. ihre Stimmen abgegeben haben. Stadw. Gronewaldt(A L.) hält die Hilfe des Magistrat» bei der Aufstellung der Wählerlisten für«wünscht, befürwortet aber gleichzeitig schriftliche Stimmenabgabe. Die Arbeitgeber müßten ihren Angestellten Zeit geben, ihr Wahlrecht auszuüben; von den Arbeitgebern könnten aber etwa 40 Proz. nicht zur Wahl gehen, weil sie ihr Geschäft nicht verlassen können und die Entfernungen zu groß sind.(Rufe: Mögen fie doch Automobile nehmen!) Unter diesem Uebelstand litten sehr viele Kleingewerbetreibende. Auch die Stimmenzahl der sozialdemokratisch gesinnten Arbeitgeber würde sich bei solchem Abstimmungsmodus»«größern. Dann be- käme man auch ein klare» Bill» über die Stimmenzahl derjenigen, die wirklich wählen wollen. Gewerbe- und KauftnannSgertcht sollten endlich bessere Räume erhalten. Herr Hintze al» KaunnannSrickN« sollte diesen Wunsch unterstützen. Stadw. Ritter(Soz.): Liegt nacb dem Gewerbegerichtsgesetz überhaupt die Möglichkeit der schriftlichen Abstimmung vor? Ich muß das bezweifeln. Da» Berliner Gewerbegericht ist nach meiner Meinung ein Glied der Berliner Verwaltung(Zustimmung); die Einrichtungen diese» Gerichtes enffprechen aber modernen An» forderungen überhaupt nicht mehr. Noch heute ist das Gewerbe- geruht nicht im Besitz einer Schreibmaschine. Die Regelung der Geschäfte in den einzelnen Bureau» und Zimmern ist durchaus unzulänglich; es findet ein fast ununterbrochene» Herumziehen au» einem Zimmer in» andere statt. E» braucht gar nicht besonders laut gesprochen zu werden, so hört man trotzdem die Verhandlungen durch mehrere Zimmer hindurch. D« Magistrat sollt« dies» Be- schwerden auf ihre Berechtigung prüfen. Die Srxirsamkeit ist beim Gewerbes« icht übergroß; manchmal steht für Mitglieder des Eini- gung samt«» nicht einmal ein Bogen Papier zu Gebote.(Wid«- spruch; Rufe: Taffache!) DaS Gewerbegericht ist tatsächlich daS Stiefkind der Berliner Verwaltung. Stadtrat Loehning: Es ist eine ernsthafte Sorg« all« Sozial» Politiker, wie der Wahlmodus zu gestalten ist usw. ES ist eine Konimission in Tätigkeit; da» Ergebnis ihrer Beratungen hat für die letzten Wahlen noch nicht nutzbar gemacht werden können. Die Reformvorschläge gipfeln in der schriftlichen Wahl und in dem ver- such, an Stelle der jetzigen unvollkommenen Wählerlisten bessere zu schaften; man denkt dabei daran, die Polizeikommiffar« durch die Krankenkassen zu ersetzen. Der Magistrat wird mit Eifer diese Vorschläge weiter prüfen und noch im Laufe dieses Jahre» eine Vorlage auf Abänderung de» Statuts sowohl für die G«w«be- wie für die Kaufmannsgerichte einbringen. Die Beschwerden über die räumlichen Mißstände werden ebenfalls gründlich untersucht werden. Standesämter. Stadv. Schul,«(A.L.): Die Standesämter find laut Magistrats- Verfügung von 9 bis 2 Uhr wochentäglich geöffnet; an den Sonn- tagen bleiben sie hermetisch für das Publikum verschlossen. Wahrscheinlich will der Magistrat den Standesbeamten die Sonntags- ruhe nicht verkümmern. DaS kann aber zu großen Unzuträglich- leiten führen. Wenn eiu Sterbesall Sonnabendmittag eintritt, dann sind die notwendigen Geschäfte unmöglich noch am Sonn- abend zu«ledigen; die Leiche muß von Sonnabendmittag bis Montagmittag in d« Wohnung verbleiben. Was da» heiße« will bei den hygienisch ungesunden Zuständen in den Kleinwohnungen, brauche ich nicht auszumalen. Es sollten lme früher für Sterbe- fälle auch Sonntags die Standesämter geöffnet werden. Allerdings wohnen von 16 Standesbeamten nur 5 in Berlin.(Beifall.) Stadtsyndikus Hirsekorn: Gesetzlich mutz jeder St«befall spätestens am nächsten Wochentage mitgeteilt werden; Totgeborene am nächsten Tage. AuS diesem letzteren Grund« waren_ die Standesämter früh« Sonntags für Todesfälle überhaupt offen. Bor acht Jahren ab« ist eine Aend«ung des Personenstandsgesetzes zustande gekommen, welche letzter« Bestimmung aufhob. Die Ge- ne�migung zur Beerdigung wird durch die Polizei, nicht durch den Standesbeamten erteilt; der Totenschein genügt. In Berlin wurden versuchsweise von April 1906 an die Standesämter geschlossen; auf Festtage in der Woche bezieht sich diese Anordnung nicht. Allge- meine Beschwerden sind noch nicht an die Behörden gekommen. Stadtv. Hoffmann: Ich mutz mich den Ausführungen des Kol- legen Schulze anschlietzen. Gerade für grotze Städte ist diese Schließung am Sonntag sehr unzuträglich. Was es heißt, wenn der Tote an heißen Sommertagen und bei gewissen Krankheiten von Sonnabend bis Montag in der Wohnung bleiben mutz, läht sich kaum schildern. Mit der Sonntagsruhe soll man uns da nicht kommen; lieber sollte man Sonntags die Polizeibureaus schließen. (Große Heiterkeit.) Krematorium. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Beim Krematorium sind für 1914 nur 700 Fälle angenommen. Ich bin überzeugt, die Zahl wird bedeutend steigen, trotzdem das Einäscherungsverekelungsgesetz so- viel Schranken aufrichtet. Auch der Preis wird noch immer so hoch gestellt, daß nur bemittelte Leute iustande sind, das Krema- torium f benutzen. In«mer Großstadt wie Berlin haben wir alle Ursache, dafür zu sorgen, datz eine solche Einrichtung mehr als bis- her benutzt wird. Tas Gesetz schreibt die schriftliche Einwilligung des Gestorbenen zur Einäscherung vor. Vielfach wird dieses Schrift- stück nicht rechtzeitig gefunden und die Einäscherung muß dann unterbleiben. Zur Abhilfe haben manche Kommunen ein U r- künde»buch angelegt, das die Bürger benutzen können. Auch Berlin sollte ein solches Urkundenbuch anlegen und auslegen; da- mit würde dem Publikum ein grotzer Gefallen erwiesen. Die Be- zirksvorsteher sollten stets ausreichend gedruckte Formulare zur Hand haben; auch dafür sollte vom Rathause au» gesorgt werden. Stadtrat Runge: Diese Anregung wird im Kuratorium zur Sprache gebracht werden. Stadtv. Sökcland(A. L.) hat das Referat über das Städtische Schulwesen. Bei den Ausgaben für die höheren Mädchenschulen bemerkt Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Wir haben nur drei private Lehre- rinnenseminare und kein Städtisches Institut dieser Art. Hoffent- sich wird der Schlag, den die staatliche Schulverwaltung gegen jene führen will, die Wirkung haben, daß die Stadt ein solches Institut begründet. Die Einrichtung ist im Anschluß an eine höhere städtische Mädchenschule(Lyzeum) durchaus möglich. Stadtschulrat Michaelis: Tie Frage hat uns in der Schuldepu- totion schon lange beschäftigt. Allerdings ist die Entscheidung nicht leicht, ob ein solches zur Vorbereimng zum höheren oder zum Volksschuldienst errichtet werden soll. Das Bedürfnis weist auf ein Seminar für Volksschullehrerinnen. Es liegen Petitionen vor u. a. aus der Gegend des Weddings; in allernächster Zeit wird die Deputation darüber verhandeln. Stadtv. Roscnow(N. L.): Datz auswärts Wohnende die Ber- liner Seminarien nicht besuchen dürfen, ist eine der Freundlich- keiten, die gegen Berlin ausgeübt werden; die Stadt muß dagegen sclbstständig vorgehen. Stadtv. Mann(Soz.) bemerkt bei den Ausgaben für Turn- hallen, Spielplätze usw.: Bei den Ferien spiel- p l ä tz e n hat sich die Sparsamkeit des Kämmerers an der unrechten Stelle betätigt. Wenn der Spielbctrieb der Jugend in den Ferien nicht leiden soll, kann nach der Ansicht der Deputation für das Turn- und Badewesen unter ISO 000 M. nicht ausgekommen werden, der Magistrat hat davon 20 000 M. gestrichen. Wir beantragen die Wiederherstellung der Position. Schon voriges Jahr reichte die bewilligte Summe nicht aus, es mutzten Zuschüsse aus Stiftungen usw. herangezogen werden. Inzwischen ist auch eine Erhöhung der Honorare für die Spielleitung notwendig geworden; hier hat eben- fall? der Magistrat gegen die Deputationsvorschläge Kürzungen vorgenommen. Die Verantwortung der Leiter und Leiterinnen bei den Spielen ist eine sehr grotze, sie verdienen für ihre Leistungen volle Anerkennung. Ferner soll Milch den spielenden Krndern nicht mehr roh, sondern abgekocht gereicht werden; das erfordert auch eine Mehrausgabe. Spielplätze in genügender Zahl stehen uns immer noch nicht zur Verfügung; wir müssen danach trachten, möglichst allen Gemeindeschulkindern die Teilnahme an den Spielen zu ermöglichen und besonders auch die Eltern dafür zu interessieren. Diesen fehlt es nicht an dem guten Willen, wohl aber oft an Geld. Tie Erlangung von Freikarten zu betreiben, ist auch nicht Sache jedes Arbeiters, um ein Kind eine Woche lang zu den Spielen hlnzuschickcn. Für ein Kind macht das pro Woche ILO M.; diese Summe und das Mehrfache derselben bei mehreren Kindern kann der Arbeiter bei den heutigen traurigen Arbeits- Verhältnissen nicht entbehren. Es jjibt einen Weg zur Abhilfe: die Gewährung von Freikarten für s a m t l i ch e Kinder. Im vorigen Jahre schon sind 40 Proz. sämtlicher hinausbeförderten Kinder frei gefahren. Die Kosten bei völlig freier Zulassung und freier Verpflegung würden sich ja bedeutend steigern; das darf uns aber nicht schrecken; für die Erziehung und Gesundheit unserer Kinder darf uns kein Betrag zu hoch sein. Stadtschulrat MicheeliS: Die Schulverwaltung wendet der An- gelegenheit ihr ganzes Interesse zu. Wer einmal draußen die Kinder während der Sommerferien sich angesehen hat, loird schwerlich irgendwo ander» etwa» Gleiches in gleichem Umfange und mit gleichen Erfolgen antreffen. Es dürfen aber zu stürmische Schritte auch hier mit Rücksicht auf das Ganze des Etats nicht ge- macht werden. Mit 28 000 M. mehr gegen das Vorjahr hat der Magistrat auszukommen geglaubt.— In Buch mutz der Spielplatz verlegt werden; e» wird der Versammlung darüber noch ein Nach- trag zugehen. Bei den Ausgaben für die Pflichtfortbildung»- schulen bemerkt Stadw. Dr. Rosenfeld: Aus einem vom Turnwart Hallwachs erstatteten Bericht ersehen wir erst jetzt, datz unsere Jugend- pflege in Verbindung getreten ist mit dem Jung- D e u t s ch l a n d b u n d, der den Zweck und die Bestimmung hat. in erster Linie militärische Ziele zu verfolgen. Da» scheint uns kein geeignete« Erziehungsmittel für unsere Gemeinde- und Fort- bildungSschulen. Auch sollten die Jugendklub« nicht in Beziehung stehen mit kirchlichen Vereinen. Wir bitten um Auskunft über diese auffälligen Behauptungen des Berichts. Stadtschulrat Dr. Fischer: Tie VolkSschulverwaltung hat den genannten Bericht noch nicht erhalten. Sie hat mit diesen Klub«, die sich an den einzelnen Schulen unter der Leitung von Lehrern oder Rektoren aus früheren Schülern bilden, direkt nichts zu tun. Es werden auf. Antrag diesen Klübs die erforderlichen Räume zur Verfügung gestellt. Eine Aufticht übt die Verwaltung über diese Kltzbs nicht; sie ist ja bei diesen ganzen Einrichtungen seinerzeit zu -nernem Bedauern ausgeschaltet worden. Stadw. Dr. Rosenfelb: Ich habe das Gewicht auch nicht darauf gelegt, ob die Schulverwaltung davon Kenntnis hat. Der städtische Turnwart Hallwachs hat doch den Bericht unterschrieben. Die An- träge auf Bewilligung von Räumen für die Klubs richten sich an die Stadtvertoaltung; also ist doch ein Einfluß der Stadt möglich. (Ruf:„Nein!") Ja, wie war eS denn beim Turnverein„Fichte"? (Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Wir halten es für gleich, ob es sich um den Turnverein„Fichte" oder um den„Jungdeutsch- landbund" handelt. Wir müssen verlangen, datz unsere Schul- jungend vor kirchlichen Einflüssen bewahrt bleibt, die wir nicht kon- trolieren können, und ebenso vor den schädlichen Einflüssen des Jungdeutschlandbundcs. Stadtschulrat Fischer: Der Magistrat hat sich bei dem Turn- verein„Fichte" lediglich den Anordnungen der Regierung gefügt. Stadtschulrat Michaelis gibt eine Ucbersicht über die Art der Jugendpflege bei den Pflichtfortbildungsschulen. Stadtv. Dr. Rosenfeld: Also in den letzteren geschieht nichts, Ivas nicht die Zustimmung der Stadt findet; alles wird kontrolliert durch die städtischen Behörden. Herr Dr. Fischer �erklärt aber, daß es die Stadt nichts angehe, sondern es den Klubs überlassen bleiben müsse, wie sie sich betätigen wollten. Wenn es möglich war, bei jenen Schulen solche Einflüsse fernzuhalten, so wird es Herr Dr. Fischer doch fertig bekommen, sie in Zukunft auch von den Gemeinde- schulen fernzuhalten. Ich habe gegen körperliche und geistige Aus- bildung im allgemeinen nichts gesagt; alles das hat ja die prole- tarischc Jugendbewegung längst gemacht, das hat man uns abgeguckt, (Grotze Unruhe bei der Mehrheit.) Hoftentlich wird der nächst- jährige Bericht einen besseren Eindruck machen. Stadtschulrat Dr. Fischer: Der Vorredner geht von falschen Voraussetzungen aus. Pflicht der Fortbildungsschule ist es, auch nach dieser Seite zu sorgen. Stadw. Prof. Dr. Landau(A. L.) referiert über: Park- und Gartenvcrwaltung, Offene Armenpflege, Hospitäler, Waisenpflege, Fürsorgeerziehung, Arbeiterhäuser, Obdach, Irrenanstalten, Bade- anstalten, Heimstätten, Rettungswesen, Wohnungsamt. Zur offenen Armenpflege bemerkt Stadtv. Hintze: Der Kämmerer hat unserer Armenverwaltung diesmal ebenso wenig ein Loblied gesungen wie Kollege Mommsen dem neuen Direktorium. Die Herren hatten allen Grund, sich der Lobgcsänge zu enthalten, denn im vorigen Jahre haben sie damit einen riesigen Reinfall erlebt. Schon im Juni mutzte die Per- waltung erklären, es sei die höchste Zeit, sparsam zu wirtschaften und den Daumen auf den Beutel zu halten, denn es seien bereits im Mai 250 000 M. mehr ausgegeben worden als im Jahre vor- her. Das geschah, nachdem unser Antrag auf Erhöhung des Armenetats um 600 OOfl M. abgelehnt war. Die 250 000 M. waren eine starke Uebertreibung, aber sie sollten auf die Armenvorsteher natürlich entsprechend wirken. Später wurde selbst die Erhöhung der eisernen Bestände hintangehalten. Der laufende Etat wird ganz erhebliche Etatsüberschreitungen zeitigen; es werden etwa ai Millionen mehr erforderlich. Die Zahlen des neuen Etats- entwurfes entsprechen nun ebensowenig den wirklichen Verhält- nissen. Mit unseren Almosenempfängern gehen wir trotz der Ab- nahine der Bevölkerung in der Zahl nicht zurück. Dasselbe Bild sehen wir bei den Extraunterstützungen: die Steigerungen sind namentlich angesichts der erschrecklichen Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten ganz enorm gewesen. Wir beantragen daher eine Erhöhung der Almosenunterstützung um 100 000 M., der Extra- Unterstützungen um 60 000 M. gegenüber dem Etatsanschlag. Die Pflegcgeldcr wollen wir nicht erhöhen, müssen aber hervorheben, datz vielfach noch sehr niedrige, gänzliche unzureichende Sätze unter 10 M. zur Zahlung gelangen. Zwei Drittel aller von uns unter- stützten Personen sind über 60 Jahre alt. Ist der Arbeiter heute 50 Jahre, dann wird er als zu alt von jedem Fabriktor zurückgewiesen; ja, vielen ist der Arbeiter schon mit 40 Jahren zu alt. Arbeit bekommt der Altgewordene nicht mehr, also fällt er der Armenpflege zur Last.— Aus dem 300000 M.-Fonds werden Darlehen an unterstützte Personen überhaupt nicht gegeben. Em am 20. Februar eingereichtes Gesuch um ein solches Darlehen ist bis heute nicht beantwortet worden. Stadtrat Doflcin: Die Ueberfchreitung des ArmenetatS kann nicht bestritten werden. Der Etat wurde zu einer Zeit aufgestellt, wo niemand einen solchen Tiefgang der Konzunktur voraussehen konnte, wie er im Winter eingetreten ist. Mit der Ermahnung zur Spar- samkeit ist der Magistrat nur seiner Pflicht nachgekommen. Dem erhöhten Bedürfnis haben wir durch die erhöhten Etatsansätze ge- nügend zu entsprechen geglaubt; die weiter beantragte Erhöhung ist nicht notwendig. Der 300 000 M.-FondS wird indirekt eine (Ritlastung des ArmenetatS herbeiführen; es werden daraus auch solche berücksichtigt werden müssen, die schon einmal Unterstützung bezogen haben. Stadtv. Hintze: An der Tatsache, datz die genannten beiden Herren ganz außergewöhnlich auf die Armcnkommissionsvorsteher einzuwirken gesucht haben, ändert diese Verteidigung nichts(Stadtv. Dr. Ritter: Ganz unwahr!). Sie haben doch keine Ahnung davon, wie können Sie da von Unwahrheit reden?(Vorsteher Michelet rügt, den Zwischenruf als unparlamentarisch). Ich berufe mich auf den amtlichen Bericht der Verwaltung, der im„Kommunalblatt" steht. Der 5kämmerer hat auch den neuen Ansatz der Kalkulatur sehr stark herabgesetzt; die hatte weit mehr gefordert. Daß die Arbeitslosigkeit im Rückgang begriffen sei, davon ist im allgemeinen noch nichts zu merken; jedenfalls wird für Februar und März keine Verminderung eintreten., Die Anträge Hintze werden abgelehnt. Zu den Ausgaben für die Hospitäler bemerkt Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Die städtischen Hospitäler haben be- reits über 3000 Insassen, und diese Zahl wird steigen, je mehr wir die Kranken aus den städtischen Ävankenhäusern herauSbekonunen, die da nicht hineingchören, weil sie eigentlich unheilbar sind. Eine ganze Reihe von Krankenhäusern schieben den Hospitälern ihre Kranken zu, aber zum Teil in recht ungeeigneten Momenten. Man hat Todeskandidaten ins Hospital gebracht, die in den ersten Wochen ihreS Aufenthalts in den Hospitälern starben. Andererseits gibt eS Krankenhäuser, die überhaupt keine Kranken an die Hospitäler schicken. Diese Teilung mutz aber stattfinden, auch aus finanziellen Interessen. Je mehr wir die Krankenhäuser von solchen Pfleglingen entlasten, wird Raum für wirkliche Kranke, für akute Fälle ge- schaffen. Andererseits müssen die Hospitäler ausgestaltet und er- wettert werden; wir müssen auch neue erbauen. Auch in bezug auf Verpflegung und Behandlung mutz Wandel eintreten. Die Leute gehen z. B. höchst ungcrn nach Buch und kehren lieber nach der Fröbelstrahe zurück; es scheint in Buch eine Art milttäri- scher Disziplin zu herrschen; wer nach 6 Uhr zurückkommt, erhält kein Abendbrot mehr.(Hört! hörtl) Ueber den Etat für das Arbeitshaus in Rummels- bürg bemerkt der Reserenk. daß d« Vingst notwendig« fc« Weiterungsbau jetzt in Aussicht steht. Stadtv. Zucht(Soz.): Die Botschaft hör ich wohl, aber der Glaube fehlt mir doch. In der Asistalt RummelSburg herrschen unglaubliche Zustände; wer in den Hospitälern nicht untergebracht werden kann, wird nach Rummelsburg gebracht; man hat zu diesem Zwecke das Arbeitshaus in Rummelsburg umgetauft in„Hospital in Lichtenberg", aber damit ist nicht das geringste an den unerträg- lichen Zuständen geändert. Hospital und Strafanstalt, alles geht dort durcheinander. Die mit Arbeitshaus bestraften Korrigenden sollen doch abgeschlossen sein: die Hospitaliten aber haben alle drei Tage Ausgehetag, und da ist für die Zuhälter unter den Korri- gcndcn die Verbindung mit den Dirnen draußen aufs schönste her- gestellt! In einem Schlafsaal stehen 50 bis 60 Betten, wo soll da bei den Hospitaliten die Nachtruhe herkommen? In dem Filial- Hospital in Reinickendorf sind die Zustände noch skandalöser, die Beamten sind mit der Arbeitszeit ungemein überbürdet. Alles An- drängen des Kuratoriums macht auf den Magistrat keinen Ein- druck; da verharrt alles im tiefsten Schweigen. Die Anstalt in Reinickendorf mutz kassiert werden. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.): Ich stimme mit dem Vorredner völlig überein.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn ich vorhin„unwahr" gerufen habe, so habe ich„unrichtig" gemeint. tBorsteher: Sie haben aber„unwahr" gesagt!) Stadtrat Toflriu: Eine örtliche Trennung, eine reinliche Scheidung ist in Rummelsburg nicht ausführbar. Die starke Be- leguug des Hospitals ist auch eine leidige Tatsache, aber eS ist doch besser, daß die Hospitaliten untergebracht werden können, als daß sie abgewiesen werden müssen. All« Mißstände werden in abseh- barer'Zett abgestellt werden. Die Deputation hat ja schon Vor» bereitungkm getroffen. Stadtv. Hossmann: Diese Auskunft ist doch sehr mäßig,„vor- bereiten" tun wir uns seit 12 Jahren, im„Obdach" seit 25 Jahren. (Heiterkeit.) Wie oft schon sind Vorlagen angekündigt worden b Was kam, war nicht zu brauchen. Die Räume, die da» Arbeits- haus braucht, sind jptzt mit Hospitaliten belegt. Wenn die Ueber- Weisungen an das Arbeitshaus wieder zahlreicher werden, dann wissen wir absolut nicht mehr, wo mit den Leuten hin. Im Obdach fehlt uns jedes Pflegepersonal für Sieche. Stadtv. Cassel tritt den Ausführungen der Vorredner wegen der formalistischen Art der Beurteilung der Vorstrafen bei. Stadtrat Doflcin hält auch die Frage der Behandlung vor- bestrafter für sehr ernst und wird dem Magistrat die heute gegebene Anregung vortragen. Stadtv. Hoffmann: Schon vor 10 Jahren habe ich darauf auf. merkfam gemacht, datz der Magistrat einen Mann beschäftigt, der früher einen Fehltritt begangen hat. Derselbe Magistrat duldet aber fortdauernd, daß hier der Begriff„vorbestraft" so scharf ge- nommen wird.«.. Stadtv. Rosenow erklärt, daß anderweitig neuerdings sogar Vorstrafen aus den Akten gelöscht worden seien, um Vorbestrafte« das Fortkommen nicht zu erschweren. Städtisches Obdach. Stadtv. Zucht(Soz.): Der Oberbürgermeister hat kürzlich daS Obdach bei Nacht besichtigt und das bestätigt gefunden, worüber wir Klage zu führen wir Anlaß haben. In diesem Winter ist die ZahlderObdachlosenauf5 400 gestiegen. Die Unter. bringung so vieler Leute kann nicht in der bisherigen Weis» weiter gehen. Wir wünschen eine Vorlage sowohl für die Vergrößerung des Obdachs wie für Verlegung der Geschlechtskrankenstation. Wir bitten um möglichste Beschleunigung. Stadv. Dr. Ritter tritt auch hier den Ausführungen de» Bor» redners bei. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: Die Vergrößerung de» Ob- dach» läßt sich von der Frage der GeschlechtSkrankenftatton nicht trennen. Die räumlichen Schwierigkeiten, die sich der Vergröße� rung beider entgegenstellten, sind jetzt überwunden. Stadtv. Hoffmann: Man will also jetzt einen Teil de» erweiterungsfähigen Obdach» gur Geschlechtskrankenstation umändern; im muh aber unbedingt eine gesonderte GeschlechtSkrankenftatton er» richtet werden, und zwar schleunigst. Stadtv. Dr. Wey!(Soz.): Die Frag« des GefMech« kranken» Hauses gehört ja doch gar nicht zum Obdach. Seit 25 Jahren be- steht diese Station provisorisch al» Notbehelf im Obdach; nachdem wir so lange auf Remedur gewartet haben, sollte der Magistrat doch endlich einen energischen Schritt nach vorwärts tun und ein eigenes Geschlechtskrankenhaus für Prostituierte erbauen, dem eine Anstalt für geschlechtSkranke Fürsorgezöglinge anzugliedern wäre. Stadtv. Dr. Zadek: Die I r r e n p f l e g e wird von der Stadt noch immer nicht in genügendem Matze wahrgenommen; noch immer befinden sich Tausende von Irren in Privatpfiege. Jahre und Jahre laben ivir immer wieder die Stadt an ihre Pflicht erinnert. Bor einigen Jahren rechnete ein Magistratsbeamter aus, datz die Jrrenpflege in kommunalen Irrenhäusern eigentlich billi» ger für die Stadt zu stehen komme, und zwar pro Kopf und Tag um 1 Nik. Die hierauf gegründete Hoffnung scheint aber zu trü» gen; es soll beabsichtigt sein, Dalldorf eingehen zu lassen. Dann würde an dem bisherigen Zustande nichts geändert, wir würden I sq||'""' müssen. nach wie vor Tausende Irrer in den Prlvatanstalten belassen Stadtrat Dr. Strohmann erteilt eine Antwort, die auf der Tribüne nicht verstanden werden kann, die aber Stadtv. Dr. Z a» d e k dahin ausfaht, daß die Anstalt in Dalldorf für Jrrenzwecke er» hallen bleiben soll. Zur Zentrale Buch bringt Stadtv. Böhm(Soz.) Miß» stände in der Verpflegung der Mädchen in der dortigen Waschküche zur Sprache und ersucht den Magistrat um Abhilfe. Stadtv. Ulrich(A. L.) glaubt diese Klagen al» unberechtigt hinstellen zu können. Stadtv. Manasse(Soz.): Die Herstellung einer neue« Küche ist gar nicht kostspielig. Ter Bezug des Essen» au» der Irren» anftalt für diese Mädchen führt zu großen Unzuträglichkeiten. Kämmerer Böh: Ueber die schlechte Qualität de» Essen» ist ebensowenig Grund zur Klage wie über die Unzuträglichkeiten des Transports. Ein Doppelbetrieb macht natürlich Mehrkosten. Stadtv. Hoffmann: Gelegentliche Kostproben beweisen nicht«. Der Kämmerer sollte einen Monat lang diese Kost genießen, dann wollen wir weiter reden! Stadtv. Manafle: ES handelt sich um 42 Waschmädchen. Sämtliche vorgenannte Einzeletat» werden nach den Ausschuß- antrügen bewilligt und gegen 10 Uhr die Etatsberatung und die Sitzung abgebrochen. Bvsomlvi's empfohlen: i !-■ MAGST Würze in Originalfiaschen zum Preise von 35 Pfj[n 65 Pfg, M. 1.10, M. 1.80, M. 3.20, M. 6.—. Probefläschchen 10 Pfg. Vorteilhafteste Größe zu M. 6.—(mit Plombenverschluß). Man füllt aus dieser die kleinen Tischfläschchen selbst ab und hat dabei, außer der Garantie für Echtheit, namhafte Ersparnisse. « Billige a.Wertheim Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch ohne Schmorfleisch Pid.85 Pf. 1.00 Pfd.85Pf. Knoch Roastbeef Ptd. 1.00 ohneKnoch. 1.40 Rinderkammu, Brusteid. 70 Pf. Fehlrippe. Pfund 75 Pf. Kalbskamm u. Bug Pfd. 85 Pf. Kalbsbrust Pfund 80 Pt. Schweinekotelett Pfund 90 Pf. Schweinekamm... Pfund 80 Pf. Liesen Rückenfett..... Pökelkamm B 9 Pfund 65 Pf. Pfund 55 Pf. Pfund 75 Pf. Pökelrinderbrust. Pfund 90 Pf. Kaninchengestreift, Stück v.75 Pf. an Freitag und Sonnabend, soweit vorhanden Wurstwaren Zervelatwurst in Fettd. Pfd. 1.30 Schinkenwurst.... Pfund 120 Zervelat u, Salami. Pfund 1.15 Kochmettwurst westfäl. Pid. 90 Pf. Rollschinken ca. 6-8 Pfd., Pid. 145 Landschinkenca.8-12Ptd. Pfd 140 in St. v. 1. b. Schinkenspeck 4 Pfd., Pfund 1.05 Butter Koch- u. Backbutt, Ptd 1 10,1.18 Tischbutt, Ptd. 1.28-Pid-P 64 PI. Tafelbutt, Pt. 1.34-Pfd-P. 67 Pt. Geflügel 1 15 Poulets gefroren.. 1.00, 130 Schneehühner.... Junge Tauben.... Stück 85 Pf. Suppen- Tauben... Stück 55 Pf. Fr.Eier Mdl. 85 PL Trinkeier 1.20 Räucherwaren Kieler Sprotten.. Pfund 45 Pf. Sprottbücklinge... Pfund 38 Pf. Kiel. Schleibücklinge 2 st. 10 Pf. Goldjische........ Stück 8 Pf. Matjes- Heringe 10, 15, 20 Pt. Voliheringe..... 2 Stück 15 Pf. Fische ohne Kopf in Kabeljau ganz. Fischen Pfund 16 Pf. Seelachs ohne Kopf in ganz. Fischen Pfund 15 Pf. Pfund 22 Pf. Pfund 22 Pf. Pfund 40 Pf. Pfund 15 Pf. Schellfische Rotzungen Grosse Schollen Seeforellen.. Tafel- Lachs in ganz. Fisch. Pfd. 43 Pf. Zander Pfund 60 Pf. Leb. Karpfen Pfd. 68, 90, 1 M. Lebende Hechte.. Pfund 90 Pf. Lebende Schleie gross, Pfd. 1.15 Lebende Plötzen. Pfund 38 Pf. Obst und Gemüse Grünkohl..... 2 Pfund 15 Pf. Kochäpfel....... 5 Pfund 68 Pf. Kochäpfel Apfelsinen Dutzend 18, 25, 35 Pf. Zitronen Dutzend 25 und 35 Pf. Italienische Essäpfel Ptd. 15 Pf. Ananas- Reinetten 2 Pfund 35 Pf. Kalif. Aepfel( Peppins) Pfund 40 Pf. Rhabarber.. Bund 5 und 10 PL. Radieschen...... 3 Bund 25 PL. Blumenkohl.. Kop! 7, 10, 15 PL. Weißkohl...... Pfund 3 Pf. Rot- od. Wirsingkohl Pid. 5.Pf. Schwarzwurzeln 2 Pfund 25 Pf. Freitag, 13. März 1914. Anfang 6 Ubr. Cines Palaft am Zoo. Varieté Lichtspiele. Aniang 61, Uhr. CinesNollendorf- Theater.BarietéLichtspiele. Anfang 7 Uhr. Theater und Vergnügungen Schiller- Theater 0.allner Theater. Freitag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Sonnabend, abends 8 Uhr: Weh' dem, der lügt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Kgl. Schauspielhaus. Beer Gynt. Schiller- Theater CharlottenDeutsches. Was Ihr wollt. Anfang 7, Ubr. Kgl. Opernhaus. Der Freischüz. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Birtus Busch. Galavoritellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anjang 755 Uhr. burg. Freitag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Sonnabend, abends 8 br: Das Glück im Winkel. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andreas Hofer. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Theater a. d. Weidendammerbrücke Metropol. Die Reise um die Welt 7%, Uhr. 3. 1. Male: Der müde Theodor. in 40 Tagen. Aniang 8 Ubr. Urania. Sb. Chiba- Tolio: Geisba, Blumenkalender und Theater in Japan. Neues Operntheater( Krom). Geschlossen. Kammerspiele. Vom Teufel geholt. Deutsches Opernhaus. Fidelio. Leffing. Pygmalion. Deutsches Künstler Theater. Cafard. Königgräßer Straße. Frankfurter. Die fünf Trianon. Er und der Andere. Komödienhaus. Kammermusik. Theater am Nollendorfplan. Russisches Ballett. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Das Glüd im Winkel. Schiller Charlottenburg. Maschinenbauer. Die Deutsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Freitag, 8 Uhr: Cafard. Sonnabend, 8 Uhr: Cafard. 8 List Residenz- Theater Sr. Der Regimentspapa. Friedr.- Wilhelmst. Theater. Anfang 8 Uhr. Bum 50. Male: Fräulein Trallala. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Die Kino- Königin. Theater des Weftens. Bolenblut. DOSE THEATED Montis Operetten. Jung- England. Berliner. Wie einft im Mai. Kleines. Jettchen Gebert. Thalia. Die Tangoprinzessin. Residenz. Der Regimentspapa. 10 Friedrich Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. Nofe. Die Maschinenbauer von Berlin. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Som pagnie. Anfang 8 Uhr. Luifen. Unser Junge. Walhalla. Tangofieber. Folies Caprice. Café Bingsheim. Der Heiratsgraf. Meyersteins. Aniang 8, Ubr. Renes Volfs Theater. . Siebzehnjährigen. Anjang 9 Uhr. Die Admiralspalast. Die lustige Puppe. Berliner Eispalast. Im Krug zum grünen Nianze. Cines Nollendorf- Theater.Varieté Lichtspiele. Sternwarte, Invalidenftr. 57-62 Theater in der Königgrätzer Straße 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus. Zum 30. Male: Kammermusik". 8 Uhr: Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 thr: Russ. Ballett. Der blaue Gott",", Carneval" ,,, Der Geist der Rose" ,,, Polowetzer Tänze". Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonntagnachm. 3, Uhr: Gräfin Fifi. Große Frantiurter Str. 132. Die Maschinenbauer von Berlin. Bosse mit Gesang u. Tanz in 3 Atten v. A. Weihraum. Mufit v. A. Lang. Anfang 8 Uhr. Sonnabend 4 1hr: Die 7 Raben. 8 Uhr: Die Maschinenbauer von Berlin. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere füßen Dienstmädel. Burleske v. Meysel Anjang 8 Uhr. Sonntag, nachm. 3Uhr, 3. ermäßigt. Breisen: Der Nachtwächter v.Zerpenschleuse Folies Caprice. Café Pingsheim 84 Der Heiratsgraf Meyersteins Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow 19 Jahre alt. Ohne Extra- Entree! Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 15. März, abends 7 Uhr, im großen Saale des ,, Gewerkschaftshauses", Engelüfer 15 Zwei Lichtbilder- Vorträge. I. Werden und Vergehen der Gebirge. Vortragender: Genoffe Ernst Reuter. II. Wanderung durch die Uckermark. Vortragender: Genosse Georg Krämer. Eintritt 40 Pf. 6/ 5* Garderobe frei. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Luisen- Theater. 8 Uhr: Unser Junge. Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Zirkus Alb. Schumann. Heute Freitag, den 13. März, abends 7, Uhr: 1 Walhalla- Theater. Täglich 8 Uhr: Tangofieber. Gr. Poffe m. Gef. u. Tanz in 3 Aften von E. Urban. Musik v. Hugo Hirsch. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Sh. Chiba- Tokio: Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Gr. Wohltätigkeits- Vorstellung Geisha, Blumenkalender u. Theater Arbeiter- Radfahrerbund, Solidarität' Ortsgruppe Morgen Sonnabd., in sämtlichen Berlin. den 14. März 1914, Festsälen der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108/114: Bayr. Kirchweih 6 gr. Kapellen. Madame Sissis Oberlandler- Blasorchester. Rudi Winklers Bayernkapelle. Die urfidelen Keferloher. Sänger und Schuplattler. Radkünstler- Truppe. Die Saalmannschaft der Ortsgruppe u. a. Sensationelle Gratis- Verlosung. 7 Gewinne im Gesamtwert von 200 M. u a. 1 Uhr, welche nach einmaligem Aufziehen 400 Tage geht, sowie 1 Uhr, bei welcher im Dunkeln Zeiger und Zahlen leuchten usw. Wunderbare Alpendekoration, Tanzrad, Rutschbahn, Gaudi aller Art. 11/ 9* Anfang in allen Festsälen 8 Uhr. Eintritt inkl. Tanz 60 Pf. Kein Kostümzwang. Die Festkommission. Fahrradhaus ,, Frisch auf", Offenbach a. M. Wir empfehlen unsere aus bestem Material hergestellte, leicht laufende ,, Frisch auf"-Fahrräder von 75-140 M. ,, Frisch auf" Nähmaschinen für Familien u. Handwerker, vor- und rückwärtsnähend von 62 bis 120 M. Sprechmaschinen, Platten, Wasch- u. Wringmaschinen, Laufdecken, Luftschläuche, nur bestes Filialen in Fabrikat, sowie Fahrrad- Zubehörteile. Berlin: Brunnenstr. 35. Beusselstr. 19, Kottbuser Damm 22. Die Geschäftsleitung. Neue Welt. Arnold Scholz. Letzte Woche! A Hasenheide 108/114. Letzte Woche! Hente Freitag, den 13. März 1914: in den Bockbierfest bayerisch. Alpen. Anfang 7 Uhr. 3 Kapellen. Entree 30 Pf. Morgen Sonnabend, den 14. März, sind sämtliche Vorzugsund Saisonkarten ungültig Sonntag, den 15. März 1914: Letzter Bockbiertag. " 66:: Berliner:: Clou" Mauerstraße 82 Konzerthaus Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel- Konzert! Dirigent: Berliner Konzerthaus- Orchester Franz v. Blon. Anfang 8 Uhr. Musikkorps des 1. Garde- Dragoner- Regiments. Dirigent: Oberm. Baarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PL An allen Wochentagen: Eintritt. Gr. Nachmittags- Konzert bei freiem Brauerei Friedrichshain Dienstag, den 17. u. Donnerstag, den 19. März: Heitere Opern-, Operettenund Künstler Abende. Sensations- Programme. Einlaßkarten in beschränkter Anzahl abzufordern in den ,, Vorwärts"-Expeditionen bei Hrn. Zucht, Immanuelkirchstraße 12 und Hrn. Hanisch, Ackerstraße 174. zum Besten erholungsbedürftiger taubstummer Kinder. Um 9 Uhr: Das große Ausstattungsstück 99 in 7 Bildern 66 Tipp" der der Derby- Favorit 1914. Tegel Bahnhof- u. August- Müllerstr. Nur 3 Tage Zirkus BarumSchau. Heute Freitag, den 13. März, abends 8, Uhr: Premiere mit 22 Welt- Attrakt. Morgen Sonnabd., 14. März: brillante Vorstellungen nachmittags 4 Uhr, abends 8 Uhr. 2 9 In der Nachmittags- Vorstellung ein ungekürztes Abend- Progr. zu klein. Preis. f.Erwachsene u. Kinder unter 12 Jahr. Täglich ab vorm. 11 Uhr: Oeffentl. Tierschau verbunden mit großem Promenaden- Konzert der eigenen Hauskapelle. Billettvorverkauf von vormittags 10 Uhr ab an der Zirkuskasse. Metropol- Theater. Die Abends präzise 7 Uhr 55: Reise um die Erde in 40 Tagen. Casino- Theater Lothringer Strase 37. Täglich 8 Uhr Ein neues Berliner Boltsstüď: in Japan. Auflös. d. Zirkus Busch a.31.März. Zirkus Busch. Heute Freitag, den 13. März, abends 7, Uhr: Wer Pompeji noch sehen will, muß sich beeilen, da, wie bereits oben erwähnt, nur noch wenige Aufführungen stattfinden können. Hierzu Auftr. d. groß. Attraktionen. 11. a.: Mad. Garniers Sprung mit dem Fahrrad aus der Zirkuskuppel. Ferner: Die Bale Troupe, Sunstradf. Avis! Sonntagnachm. 3, Uhr auf vielseitig. Wunsch: die 3 glänzend. Hauptakte von Pompeji". 94 WINDEDORTEN Idette 765 Mado Minty Brémonval, in ihrer Szene ,, Die Spinne" Piccolo Comp. Amann Paul Jülich Mimiker u. seine Rekruten sowie eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Rauchen gestattet! Apollo- Theater. 8 Uhr. Tel.: Lützow 2757. 8 Uhr. Bum 83. Male: Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartstein. Lachen ohne Pause! Rauchen gestattet! Voigt- Theater Badstraße 38. Heute Freitag, den 13. März 1914: Zum Benefiz f. d. Reg. Fr. Rühle: Philippine Welser, die schöne Augsbürgerin oder: Fürst und Bürgermädchen. Hist. Schausp. i. Bild. v. D. v. Redwig. Staffeneröffnung 7 Uhr, Anj. 84, Uhr. Admiralspalast. Eis- Arena. Täglich: E Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und von 10%, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier Abteilung. Die olle Webern. Berliner Ik- Tric Ur- Berl. Figuren, Ur- Berl. Humor! Einziges Theater in diesem Genre! Im Stile der alten Wallner- Bühne. Sonnt. 4 Uhr: Mädchenehre. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Er und der Andere. Sonntags 3 Uhr: Die Liebe wacht. Adr.: Neukölln Lahnstr.74L Für den Inhalt der Jnerate übernimmt die Redaktion dem Bublitum gegenüber feinerlei Verantwortung Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 71. 31. Zlthrgavz. 2. WlU des, Amiirls- Knlim Nslkbick. Freitag 13. Mi!9l4. ROTB WO CHE /lgitation in öer Werkstatt. Heute und morgen wird die Werbearbeit in der Werk» statt, auf den Arbeitsplätzen fortgesetzt; eine Arbeit, die kein Jagow unterbinden kann. Wohl gibt es genug Aufpasser in manchen Betrieben, die am liebsten eine Zuchthausordnung einführen und jedem Arbeiter das Sprechen auch während der Pausen verbieten möchten. Allein es gibt auch da manche Gelegenheit, mit den Arbeitskollegen Worte über die Notwendigkeit nicht nur der gewerkschaftlichen, sondern auch über die der politischen Organisation und über den Wert der Arbeiter- presse wechseln zu können. Diese Werbearbeit, die Agitation von Mund zu Mund ist zu allen Zeiten die wirksamste gewesen. In der schlimmsten Zeit der Verfolgungen unserer Partei, in der Zeit des Sozialistengesetzes, waren wir fast ausschließlich auf diese Agitafton angewiesen. Und wenn unsere Bewegung den Umfang angenommen hat, den sie heute hat, so ist dieses Vorwärtsdringen nicht zuletzt der intensiven Agitation von Mund zu Mund zu danken. Und deshalb müssen wir auch heute von neuem in verstärktem Maße die Agitationsarbett unter den Arbeitskollegen betreiben. Unsere Genossen mögen sich darin keinen Augenblick irre machen lassen. Mögen unsere Gegner heulen und Wut- entbrannt jedes Vorkommnis auf unser Konto setzen: Die Arbeit geht weiter! Wir werden uns durch nichts beirren lassen in unserem Vorwärtsschreiten! Parteiangelegenheiten. Friedenau. In der heute. Freitag, abends 8Vz Uhr stattfindenden öffentlichen Versammlung sprich! Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil über: Die Mordfreibeit der Streikbrecher. Sonntag früh 8 Uhr von den 6 Bezirkslokalen aus: Wichtige Flugblatt- Verbreitung. Lichtenberg. Infolge der gestern aufgelösten Versammlung findet am Sonnabend, den 14. März, abends 7 Uhr, eine Flug- blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Hohenschönhausen. Heute abend pünktlich 3>/z Uhr öffentliche Fraiienversommlung. Die Genossin Srendiee hat das Referat über- nommen. Sonntag, den Ib. März, morgens 8 Uhr, wichtige Flug- blattverbreitung von den Bezirkslokalen aus., Biesdorf. Heute abend 8'/, Uhr im Lokal von Hampel, Mar- zahner Straße 31, öffentliche Gemeindewählerversammlung. öerliner Nachrichten. Konzerte ües philharmonischen Orchesters zu Serlin. Das Berliner Philharmonische Orchester veranstaltet in der Osterwoche und zwar am 6., 9. und 11. April Konzerte in den Lokalen: Konkordia, Andreasstraße, Brauerei König- stadt. Schönhauser Allee, und Brauerei Fricdrichshain, Am Friedrichs Hain. Das Konzert am 6. April ist ein Beethoven-Abcnd; aus dem Programm für den 9. April sei hervorgehoben: Romanze und Spinnlied für Violoncello von Campagnoli bezw. Popper, vorgetragen von Herrn F. Reitz, und Ungarische Rhapsodie Nr. II, instrumentiert von Herrn Müller-Berghaus; das Konzert am 11. April ist ein Wagner-Abend. Aus diesem Programm sind hervorzuheben: Karfreitagszauber aus„Par- sifal", Wotans Abschied von Brunhilde und Feuerzauber aus «Walküre" sowie Waldweben aus„Siegfried". Der Eintrittspreis beträgt wie früher 30 Pf. pro Person. Eintrittskarten sind zu haben im Bureau der Gewerkschafts- kommission, Engelufer 15 I, Zimmer 13, wochentäglich von 9 bis Vsl Uhr vormittags und von 4 bis ll28 Uhr nachmittags, außer Sonnabends nachmittags, sowie zu jeder Tageszeit an folgenden Stellen: Paul Harsch, Engel- ufer 15; Schmidt, W 57, Kirchbachstr. 14; Schade, W 57, Blumenthalstraße 13; Schröder, Hagelberger Straße 53/54; Beyer, Schönleinstraße 23; Gottfried Schulz, Kottbuser Tor; Stephan Fritz, Prinzenstraße 31; Fischer, Sebastianstraße 14; Karl Melle, Petersburger Platz 4; A. Dietrich, Romintener Straße 46; P. Schneider, Hufclandstraße 30; Alfred Pärsch, Oldenburger Straße 10; Dobrohlaw, Swinemünder Straße 11; feyse, Boyenstraße 19; Henkel, Stralsunder Straße 17; akzewski, Feldstraße 9. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. LO 16, Engelufer 15 L Spezialberatung des Ttadthaushaltetats. Die Stadtverordnetenversammlung be- gann gestern mit der zweiten Lesung des Stadthaushalt- etats für 1914. In einer bis 10 Uhr dauernden Sitzung er- ledigte sie, was aus dem Ausschuß zurückgekommen war. Bei vielen Punkten gab es Erörterungen, fast immer infolge der von der sozialdemokratischen Fraktion geübten Kritik. Zum Polizeikostenetat stellte Genosse Rosen- selb fest, daß die Polizei Berlins wieder teurer, aber nicht besser geworden ist. Die von ihm vorgetragene Liste be- achtenswerter Polizeilcistungen schloß er mit einer Kenn- zeichnung des Vorgehens gegen unseren Frauentag, wobei ein paar Freisinnige„Bravo!" höhnten. Als er zwei Säulenplakate, eins in der beabsicht'gten und eins in der zu- gelassenen Fassung, auf dem„Tisch des Hauses" zurückließ, forderte Vorsteher M i ch e l e t auf, sie wegzunehmen. Das wurde mit Recht abgelehnt, und nun ergriff Stadtverordneter Tropfte, hastig herantretend, die Plakate und warf sie wütend zu Boden. Genosse H 0 f f m a n n wies auf das Un- gehörige und Skandalöse dieser Szene hin; Herr Michelet aber hielt es nicht für nötig, das unparlamentarische Ver- halten des aufgeregten Herrn Tropfke zu rügen. Die von Hoffmann wieder auf den Tisch niedergelegten Plakate ließ I der Vorsteher, den sie offenbar sehr beunruhigten, durch einen Diener wegnehmen. Beim Etat des K a u f m a n n s g e r i ch t beleuchtete l Genosse H i n tz e die Ursachen der geringen Beteiligung au den Kaufmannsgerichtswahlen. Für das Gewerbe- g e r i ch t brachte Genosse Ritter, der es das„Stiefkind der Berliner Verwaltung" nannte, allerlei Wünsche vor. Stadtrat L ö h n i n g versprach Prüfung, lieber die Sonn- tagsruhe der Standesämter klagten Stadtverordneter Schulze und Genosse H 0 f f m a n n, aber Stadtrat Hirsekorn versicherte, es seien ja noch keine Beschwerden eingegangen. Beim Etat der Friedhöfe gab Genosse Hoff mann eine Anregung, die den Verzögerungen der Feuerbestattung vorbeugen soll. Die Einrichtung eines städtischen Lehrerinnenseminars, die beim Mädchenschul-Etat der Genosse A r 0 n s empfahl, hat nach einer Erklärung des Stadtschulrats Michaelis Aussicht auf Verwirklichung. Für die F e r i e n s p k e I e beantragte die sozialdemokratische Fraktion reichlichere Mittel. Genosse Mann trat für diese Forderung sehr warm ein. aber Stadt- schulrat Michaelis will„nicht zu stürmische Schritte nehmen". Die Freisinnigen lehnten ab. Beim Etat der Fortbildungsschulen kam es zu einer Debatte über Jugendpflege. Dem Protest des Genossen Rosen- seid gegen die Verquickung mit dem Jungdeutschland- bund usw. konnten die Stadtschulräte Fischer und Michaelis nur ein Verlegenheitsgerede entgegensetzen. Zum Etat der offenen Armenpflege beantragten unsere Genossen die Einstellung höherer Mittel. Genosse H i n tz e beleuchtete die Wirkungen der Kargheit, mit der schon am Armenetat für 1913 geknappst worden war. Stadtrat D 0 f l e i n hielt ein Mehr nicht für nötig— und die Freisinnigen lehnten ab. Tie Mißstände in den H 0 s p i t ä- lern, unter anderem die„militärischen" Disziplinarbräuche in Buch, wurden voni Genossen Zadek gerügt. Wie es im Arbeitshaus samt dazu gehörigem Hospital und iin O b- dach zugeht und wie sehr unter den dort herrschenden Män- geln nicht nur die Insassen, sondern auch die Beamten leiden, das schilderten unsere Genossen Zucht, Hoff mann und Weyl. Es soll in beiden Anstalten„bald" anders werden, so versicherten Stadtrat Doflein und Stadtmedizinalrat Weber. Beim Etat der Z e n t r a l e B u ch brachte Genosse B 0 e h m Klagen der Waschmädchen über Mängel der Be- köstigung vor. Dem Stadtverordneten Ulrich und dem Kämmerer B 0 e ß, die keine Ursache zu Klagen sahen, widersprachen Genosse Manasse und Genosse Hoff- mann. Den Rat, selber mal vier Wochen lang die Wasch- mädchenkost zu genießen, wird der Kämmerer wohl kaum be- folgen._ Der Lindcntunnel. Eine dem Polizeipräsidium wie der Eisenbahnverwoliung nahe- stehende Korrespondenz teilt mit, daß die seit Jahren beabsichtigte Unteriunnelung der Straße Unter den Linden zwischen Opernhaus und Kastanienwäldchen vom Kaiser genehmigt worden sei. Diese Untertunnelung ist direkt auf eine Willenserklärung 1>cS Kaisers zurückzuführen. Der Kaiser war es, der dem Antrage der Stadt Bertin, ihre Straßenbahn über die Linden durchzuführen und so eine Verbindung der Linie Mutelstraße— Pankow mit der Lirne nach Treptow herbeizuführen, Widelstand entgegensetzte mit den Worten: Nicht drüber weg, sondern unten durch! Seitdem wurden Pläne ausgearbeitet, welche die Untertunnelung der„Linden" zum Ziel hatten; aber fortgesetzt entstanden neue Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten wurden vornehmlich von dem Verkehrs- dezernenten im Polizeipräsidium gemacht. Im Vorjahre wurde aus Anlaß der Jubiläumsschenkung mit den AussichtSbehörden ein Abkommen getroffen, in dem die Genehmigung des Lindentunnels einen Teil der Abmachung bildete. Nachdem die Frage des OpernbauSneubaueS endgültig entschieden war, verständigten sich Straßenbahn und Stadl über die Erbauung des Tunnels und über die Benutzung desselben. Von dem ursprünglichen Projekt eines zweigleisigen Tunnels im Zuge der Straße An der katholischen Kirche hatte die Große Berliner Straßen» bahn wegen der ständigen BcrkehrSzunahme abgeraten und eine viergleisige Anlage vorgeschlagen, die wegen der örtlichen Schwierig- leiten in zwei Tunnels untergebracht werden sollte. Der östliche, in der Hauptsache der Großen Berliner Straßen- bahn vorbehaltene Tunnel wird zwischen Opernhaus und Prinzessinnen- Palais am Hauie Hinter der katholischen Kirche 2 seinen Ansang nehmen: die von der Französischen Straße kommenden Wagen machen gegenüber der Hcdwigskirche eine kleine Schwenkung nach rechts und fahren dann auf einer längs der Gartenmauer des Palais anzulegenden Rampe zum Tunnel hinab, der sich bis zu dem neuen Flügclanbau der Universität erstreckt. In den westlichen Tunnel, der vorwiegend für die städtische Straßenbahn bestimmt sein soll, gelangen die Wagen von der Markgrafen- und Behren- straße aus; die Rampe beginnt am Gebäude der Dresdner Bank und geht parallel zur Bauflucht der ehemaligen könig- lichen Bibliothek bis zum Denkmal der Kaiserin Augusta. Dieses Denkmal, das während des Baues entfernt werden mutz, behält seinen alten Standort, nur erhält der Platz davor eine anderweitige Einteilung. Die Rampen am Garten des Prinzessinnen-Palais und an der Singakademie werden durch gärtnerischen Schmuck den Blicken der Vorübergehenden völlig ent- zogen werden. Die Stadt ertaut beide Tunnels und verauslagt den von der Straßenbahn zu zahlenden Kostenbeitrag; die Stadt gestattet gegen Entgelt die Mitbenutzung ihres Tunnels für die Wagen der Moabiter Linie, die in der Torotheenstraße die westliche Weiche benutzen müssen, und für die Wagen der Stadt wird die Mitbenutzmig des Straßenbahntunnels bei eveiiluellcn Velrieb-störuiigen eingeräumt._ Polizei und„Rote Woche." Mit welcher Nervosität die Polizei jetzt überall bemüht ist, sich unserer Agitation während der„Noten Woche" hindernd in den Weg zu stellen, beweist wiederum ein Vorgang, der sich in Lichten- berg ereignet hat. Dort sollte gestern abend ein Lichtbildervortrag mit dem Thema:„Die Revolution von 1848" abgehallen werden. Dieser rein geschichtliche Vortrag wurde jedoch von dem Polizei- Präsidenten von Lichtenberg verboten. Interessant ist die Begrün- dung dieses Verbotes. Nach einer längeren Einleitung heißt es: „Schon das Vortragsthema allein erscheint geeignet, eine gewisse öffentliche Besorgnis hervorzurufen. Auch dnrch die Tat- fache, daß der Vortrag während einer besonderen Zlgitations- Periode, der sogenannten„Roten Woche", stattsindct, wird die polizeiliche Zlnnahme begründet, daß die öffentliche Ruhe, Sicher- heil und Ordnung gefährdet erscheint." Unsere Parteigenossen in Lichtenberg waren nun der Ansicht, daß der Polizeipräsident von Lichtenberg mit seinem Verbot den Rechtsboden verlassen habe, und beschlossen, den Vortrag doch statt- -finden zu lassen. Doch der überwachende Beamte, ein Polizei- Hauptmann, löste die überaus stark besuchte Versammlung in dem Moment aus, als dem Vortragenden das Wort erteilt wurde. Die Versammelten gingen nun auseinander, und als sie auf die Straße kamen, stand dort ein großes Aufgebot von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde. Ungeachtet dessen, da ßsich nun zu den Versam- mclten auch auf ds«-Stratze spielende Kinder gesellten, ließ der- selbe'Polizeioffizier, der die Versammlung aufgelöst hatte, die be- rittenen Schutzleute in die dicht gedrängte Menschenmenge hinein- reiten. Die Polizei scheint es ganz und gar darauf abgesehen zu chaben, unserer Agitation den belebenden Geist, der etwa noch fehlen sollte, zu schaffen. Denn es ist nichts mehr geeignet, das Volk über seine Rechtlosigkeit aufzuklären, als diese endlosen Polizei- schikanen. Um so eifriger wird es sich auf seine Pflicht besinnen, durch Unterstützung der sozialdemokratischen Organisation und Presse den Weg zu einem Staatswesen zu schaffen, das solche Polizeitatcn unmöglich macht. Sistierungen. In der Mittwochnacht und am Donnerstagmorgen sind wegen Nnklebens roter Zettel Sistierungen vorgenommen worden. In Berlin sollen 100, in Vororten etwa 50 Feststellungen erfolgt sein. Tie rote Aufschrift an dem Kaiser-Friedrich-Denkmal. Die Mitteilungen über die rote Aufschrift an dem Kaiser- Friedrich-Denkmal in Charlottenburg widersprechen sich in der gröbsten Weise. Werden schon über die Größe dieser Aufschrift die widersprechendsten Angaben gemacht, so noch mehr über die Wirkung des aufgetragenen Farbstoffes auf dem Stein. Nach einer Meldung sei die Beschädigung so erheblich, daß man eine Kommission von Sachverständigen zusammenberufen will, die Vorschläge über die Entfernung der Inschriften ohne weitere Beschädigung des Denk- mals machen soll; man will nur noch eine Entscheidung des Kaisers abwarten, dem über den Vorgang Bericht erstattet worden ist. Ueber die Sache selbst meldet eine Korrespondenz: „Um die auf dem Granit mit Anilinfarbe aufgetragene Inschrift zu beseitigen, werden gegenwärtig die beschädigten Stellen mit Lösungen von Salzsäure und Chlorkalk überzogen, wodurch die Farbe aus den Poren des Steins herausgebracht werden soll. Schon Mittwochnachmittag wurden Versuche mit Salzsäure angestellt. Da Salzsäure Anilinfarben aber nicht löst, so verschwand wohl die Auf- schrift auf kurze Zeit, wurde dann aber wieder, wenn auch schwächer, sichrbar. Das Verfahren mit Chlorkalk dagegen scheint von besserer Wirkung zu sein. An einigen Stellen ist die rote Aufschrift bereits fast ganz verschwunden. An anderen Stellen versucht man die Schrift durch Abschleifen des Granits zu beseitigen. Der Sockel des Denkmals, der aus poliertem Granit besteht, auf dem bekanntlich an vier bis fünf Stellen die rote Inschrift angebracht worden ist, wird allerdings durch das Abschleifen empfindlich leiden: doch hofft man, die Politur des Steines in kurzer Zeit wieder herstellen zu können. Am gestrigen Bormittage war das beschädigte Denkmal von einer großen Zahl Neugieriger umlagert." Ein Unfug. Die wiederholten tödlichen Unfälle auf der Untergrundbahn, hervorgerufen durch Auf- und Abspringen während der Fahrt, haben die Direktion dieses Verkehrsunternehmens Veranlassung gegeben, durch Plakate auf die Lebensgefährlichkeit solchen Leichtsinns hin- zuweisen. Wer ständig die Untergrundbahn benutzt, kann bemerken, daß der Unfug des Aufsprtngens während der Fahrt erheblich nachgelassen hat. Um so verwunderlicher aber ist eS, daß Angestellte der Hoch- und Untergrundbahn dem Publikum mit schlechtem Beispiel vorangehen. Auf der Endstation Nord- ring kann man fast täglich beobachten, wie Hockbahnangestellte, die den Zug benntzen, um ihren Dienst auf einem Zwischenbahnhof anzutreten, ihre Unterhaltung mit Kollegen erst dann abbrechen, wenn der Zug im Anfahren ist, um dann noch schleunigst aufzu- springen. Nicht nur im Interesse der betreffenden Angestellten sondern auch in dem deS Publikums liegt es, daß dieser Unsitte ein Niegel vorgeschoben wird._ Ter Schutzmannsrevolver. In der Nacht zum Donnerstag spielte in der Saarbrücker Straße der Schutzmannsrevolver wieder eine Rolle. Zwei Kutscher hatten in einem dortigen Lokale gekneipt; ihr Dienstherr hatte ihnen aus Anlaß der Einsegnung seiner Tochter Freibier spendiert. Betrunken verließen beide das Lokal. Auf der Strafe soll nun der eine Kutscher in seinem betrunkenen Zustande mit Passanten zusammengeraten sein. Kriminalbeamte kamen hinzu, es entstand eine Rauferei, wobei der Kriminalschutzmann Ludwig seinen Revolver zog und nicht weniger denn fünf Schüsse abgab. Der Kutscher Kussack wurde in den Unterleib geschossen, während der andere Kutscher Huth einen Schuß in den Oberschenkel erhielt. Beide wurden nach der Polizeiwache gebracht, wo Huth zusammenbrach. Die Verwundeten wurden hierauf auf Anordnung des Arztes nach der Charite gebrocht. Die Beamten rechtfertigen ihr Vorgehen da- mit, daß sie sich in Notwehr befunden hätten; der eine Kutscher soll ein Messer gezogen haben. Der Borgang zeigt wieder, wie schnell die Beamten von ihrem Revolver Gebrauch machen. Es handelte sich doch nicht um Verbrecher, sondern um angetrunkene Leute, gegen die man keinen Revolver zu ziehen braucht. falsche Revisoren als Juwelendiebe. Zwei rasfinierte Burschen haben in Groß-Lichterfelde eine Gast- rolle gegeben. Sie traten unter der Maske von Revisoren der elektrischen Leitungen auf. Unter anderem sprachen sie in mehreren Villen in der Berliner- und Wilhelmstraße vor und baten um die Erlaubnis, die elektrischen Anlagen besichtigen und auf ihre Sicherheit hin prüfen zu dürfen. Sie seien von der Elektri- zitäts- Gesellschaft entsandt. In einem Falle traute die Wohnungsinhaberin den beiden nicht und sie überwachte die Arbeiten bis zu Ende. In einer Villa in der Wilhelmstraße sollten die beiden Diebe mehr Glück haben. Hier öffnete ihnen das Dienst- mädchen die Korridortür nnd ließ sie während der„Revision" allein in den Räumen. Dies machten sich die dreisten Burschen ordentlich zunutze. Sie stahlen eine ganze Reihe wertvoller Schmucksachen und Juwelen, darunter Brillantarmbänder, eine mit Brillanten besetzte Halskette, goldene Uhren, Brillanlringe usw. im Gesamtwert von mehreren tausend Mark. Erst als die Wohnungs- inhaber heimkehrten, wurde der Verlust der Wertsachen entdeckt. Die beiden falschen Leitungsrevisoren, die auch in anderen Fällen mit Erfolg auftraten, werden als zwei junge Leute im Alter von 26 beziehungsweise 22 Jahren beschrieben. Der eine ist von mittlerer Figur und bat schwarzen Schnurrbart und schwarzes Haar. Der andere ist von untersetzter Gestalt, bartlos und blond. Aus dem Fenster gesprungen. In der dritten Morgenstunde spielte sich gestern in der Wilhelm- Stolze-Straße 37 eine aufregende Szene ab. In einem Anfall von Verfolgungswahn sprang der Sö Jahre alte Schmied.Wilhelm Kilpert aus einem Fenster des ersten Stockes auf den Hof hinab, wo er mit schweren Verletzungen liegen blieb. Wenige Minuten später trat der Tod ein. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Sckau- haus überwiesen.__ Beide Beine abgefahren. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen wurden in der letzten Nacht einem Mann von der Maschine eines einfahrenden RingbahnzugeS beide Beine abgefahren und außerdem trug er einen schweren Schädelbruch davon, so daß er auf der Stelle tot war. Wie die polizeilichen Er- Mittelungen ergaben, handelt es sich um den 32 Jahre allen Tischler- gesellen Hermann Kriese aus der Swincmünder Str. 61, der sich vor die Maschine geworfen haben soll. Juwelcndirbstahl. Für ungefähr 10 000 M. Juwelen und Gold- waren erbeuteten Einbrecher in der vergangenen Nacht in Charlotten- bürg. Sie hatten es dort auf das Juwelengeschäft von Th. Bärthel in der Berliner Straße 118 abgesehen. Sie verschafften sich Ein- gang in den Laden, indem sie die Scheibe deS Oberlichts an der Straße eindrückten und dann durch die Oeffnung einstiegen. Nach dem Befunde müssen sie wobl gestört worden sein. Immerhin nahmen sie noch für etwa 10 000 M. Schmucksachen mit. Entdeckt wurde der Einbruch erst gestern vormittag. Von den dreisten Dieben fehlt bis jetzt jede Spur._ Das ausgesetzte Kind. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 2. März wurde von einer Bewohnerin des Hauses Müllerftr. 1S2 ein etwa acht Wochen alter Knabe auf der Bodentreppe desselben Hauses aufgefunden. Das Kind war mit sauberem weißen Hemde und Strickjäckchen bekleidet und in saubere Wäsche gewickelt. Eine Person, die das Kind aus- gesetzt haben könnte, ist nicht gesehen worden. Mitteilungen aus dem Publikuni, die zur Ermittelung der Kindesmutter führen könnten, werden auf dem Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 3so entgegengenommen._ Großfcucr am Bahnhof Putlitzstraße. Ein gefährlicher Brand kam gestern nachmittag gegen-P/, Uhr auf dem der Stadt Berlin gehörigen Grundstück Süduser 4, am Bahnhof Putlitzstraße, zum Ausbruch. Die Feuerwehr wurde von nicht weniger als fünf ver- schiedenen Stellen aus alarmierl und rückte infolgedessen mit einem großen Löschaufgebot an. Bei Ankunft der Züge stand neben dem Bahngelände ein großer Lagerschuppen der Kartoffclhandlung won F. Spandow in Flammen und das umliegende Terrain war bis zur Putlitzbrücke von dichten Rauchwolken belagert. Der Lösch- angriff erfolgte mit zwei B- und vier C-Rohren, die von einer Dampfspritze, einer Motorspritze und von Hydranten gespeist wurden. Das Feuer gefährdete anfangs auch ein angrenzendes Wohngebäude und ein Zementlager. Den Bemühungen der Löschmannschaften ge- lang es aber, den Brand auf den Lagerschuppen zu beschränken. Dieser ist allerdings zu einem erheblichen Teil zerstört worden. Während der Löscharbeiten sammelten sich in der Umgebung der Brandstelle große Scharen Neugieriger an. Erst gegen 7 Uhr abend? tonnte die Wehr unter Zurücklassung einer Brandwache den Brandplatz wieder verlassen. Wodurch das Feuer entstanden ist, be- darf»och der Aufklärung. Mißstände in der Putzmacherei bildeten das Thema einer Wer- ümmlung des FachvereinS der Putzmacherinnen Berlins. Die Stimmung der Versammelten ließ darauf schließen, daß der Verein in Zukunft wohl vor ernstere Aufgaben gestellt werden dürfte, wie das Abhalten von Versa mm lungen mit Fachvor- trägen, Zeichenkursen usw., was der„Verband für Hand- werksmäßigc und fachgewerbliche Ausbildung der Frau" bis jetzt als Programm für den Fachverein aufgestellt hat. Außerdem sollen aber auch gesellige Zusammenkünfte, Ausflüge usw. veranstaltet werden. Zunächst soll das Anfertigen von Probearbeiten aufhören. Dies wurde in einer Resolution verlangt und zwar mit der richtigen Begründung, daß dies für jemand, der seine„Gesellen- oder Meisterprüfnng" gemacht habe, wie das ja in diesem Gewerbe verlangt wird, selbverständlich überflüssig sein müßte. Wo aber auf die Anfertigung bestanden wird, da soll wenigstens dafür bezahlt werden.— Man sollte es kaum für möglich halten, daß es Geschäftsinhaber gibt, die sich solche Probearbeiten, die einen bis vier Tage in Anspruch nehmen, nicht bezahlen, sondern die arbeitsuchende Putzmacherin mit:„Ich danke, Fräulein, Sie be- kommen Bescheid" verabschieden. Der Bescheid kommt dann entweder gar nicht oder er ist ein ablehnender. So löst eine Probearbeiterin die andere ab und zum Schluß hat der Chef sein Hutlager komplett. Es ist unglaublich, daß so etwas möglich ist. Jede Putz- macherin bekäme vom Gewerbegerichl anstandslos den Lohn für diese Arbeitern zugesprochen. Da aber die meisten Mädchen diesen Schritt scheuen, so unterbleibt das Klagen und die alte Unsitte be- steht weiter. Diese Mißstände und eine Reihe anderer, wie Strafgelder, schlechte Behandlung, schlechte Arbeitsstnben und besonders die unzureichende Entlohnung von 25 bis 60 M. den Monat bei einer Beschäftigung von 5 bis 7 Monaten im Jahre überhaupt, wurden sehr lebhaft besprochen und Abhilfe verlangt. Hoffentlich versagt die Leitung des Vereins nicht.— Und wenn, dann würde dem jungen Verein von anderer Seite die Hilfe erstehen, die notwendig ist, um auch in diesem Beruf Zustände zu schaffen, die der Putzmacherin zu ihrem Reckte verhilft. Zunächst aber ist notwendig, daß die Eltern, deren Töchter das Pntzsach als Beruf wählen, sich vorher genau hierüber orientieren. Denn von diesem Beruf gilt das, was ein Redner sagte:„Wer von Ihnen, meine Damen, nickt vorsichtig war in der Auswahl seines Vaters, kann diesen Beruf gar nicht erwählen."— Der allseitige Beifall bei diesen Worten bewies, daß er das Richtige getroffen. Im Berliner Aquarium sind in diesen Tagen sechs ebenso seltene wie wertvolle und auffallende brasilianische Frösche eingetroffen, die sich besonders durch die hörnchenartigen Zipfel über den Augen aus- zeichnen und daher den Namen H o r n f r ö s ch e führen. Einige von ihnen sind riesige Gesellen. Ihr etwa handlanger Körper ist auf- fallend breit, und wenn sie sich, in Furcht gesetzt, aufblasen, so find sie tatsächlich ebenso breit als lang. Sie lassen es jedoch nicht bei diesem passiven Widerstande bewenden, sondern find die einzigen unter ihren Verwandten, die gereizt zum Angriff übergehen und empfindlich beißen können. Für gewöhnlich vergroben sich die Horn- frösche derartig in feuchter Erde, daß nur der Kopf oder auch häufig sogar nur die Augen hervorschauen. Naht sich den Tieren ein Frosch, so wird er blitzschnell in dem riesigen Rachen begraben. Merk- würdigerweise sind die einzelnen Stücke verschieden gefärbt: es gibt sowohl grüne als auch braune unter ihnen: doch scheint diese Ver- schiedenheit anscheinend nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, wie bisher meist angenommen wurde. Die merkwürdigen Fremdlinge sind in den Terrarien Nr. 5 und Nr. 6 untergebracht worden. Vorortnachrichten. Jn öer Charlottenburger Staütverorönetenversammlung am Mittwoch abend machte der Oberbürgermeister, wie bereits an anderer Stelle berichtet ist, vor Eintritt in die Tagesordnung Mit- teilung von der Vefchädigung des Kaiser- Friedrich-Denkmals. Tie Erledigung der umfangreichen Tagesordnung vollzog sich verhält- nismätzig schnell. Eine längere Debatte rief zunächst die Mit- teilung des Magistrats über die Verringerung der Provinzial- steuern um 137 000 M. hervor. Während der Magistrat diesen Betrag, der der Stadt wider Erwarten zugeflossen ist, dem Dis- Positionsfonds zuführen will, verlangten die bürgerlichen Parteien, daß das Geld den Hausbesitzern in Gestalt einer Ermäßigung der Gebühren für Müllabfuhr zugute kommen soll. Im Gegensatz dazu vertat Genoise Hirsch den Standpunkt, dqß es staatsrecht- lich nicht angängig sei, den einmal festgestellten Etat, der äugen- blicklich der Regierung zur Genehmigung vorliegt, in einer Ein- nahmeposition zu ändern. Wohl aber sei es möglich, die Lustbar- keitssteuer aufzuheben. Tie städtischen Körperschaften hätten die Möglichkeit, das mit dem Erlaß dieser Steuer beschlossene Unrecht gut zu machen. Nötig seien die Einnahmen daraus nicht mehr. Die Debatte endete schließlich mit der Ucberweisung der Vorlage an eine Kommission. Angenommen Hürden die Vorlagen betr. Befreiung städtischer Beamter, Lehrer und Lehrerinnen von der Krankenoersicherung und betreffend Erhöhung der an die.«tadt Berlin zu zahlenden Kanalisationsbeiträge. Auf lebhaften Widerspruch stieß eine Magistratsvorlage betreffend die Einrichtung von Räumen für die Behandlungs stelle des Stadtaugen- und Stadt- ohrenarztes. Stadtv. Bergmann(lib.) verhielt sich ab- lehnend, weil er darin den ersten Schritt zur Errichtung einer Poliklinik erblickt und eine Beunruhigung der Aerzteschaft be- fürchtet. Dem widersprach Stadtrat Dr. Gott st ein, während Stadtv. Dr. Byk(unpol.) die Magistratsvorlage aus prinzipiellen Gründen bekämpfte. Nachdem Genosse Vogel der Sympathie seiner Freunde für die Vorlage Ausdruck gegeben und darauf auf- merksam gemacht hatte, daß die Sozialdemokraten schon vor langen Jahren die Einrichtung einer städtischen Poliklinik verlangt hatten, ging auch diese Vorlage an einen Ausschuß. Die Wahlen unserer am 8. Februar im dritten Bezirk ge- wählten Genossen Gustav L e u p o l d und Hermann P e e s ch wurden ohne Erörterung einstimmig für gültig erklärt. Einem besonderen Ausschuß wurde die Mitteilung des Magi- strats betreffend die Organisation des städtischen Pressedien st es überwiesen. Endlich beschäftigte sich die Versammlung noch mit zwei Jnter. pellationen. Die eine, von dem Stadtv. Dr. C r ü g e r(fortschr.) eingebracht, lautet: „Auf dem deutschen Sparkassentag, der in Charlottcnburg am 6. Dezember stattfand, ist den Sparkassen dringend der Ab- schluß einer Arbeitsgemeinschaft mit den öffentlichen Lebens- versichsrungsanstalten empfohlen. Gedenkt der Magistrat für die Sparkasse der Stadt Charlottenburg eine solche Arbeitsgemein- schaft mit einer öffentlichen Lebensversicherungsanstalt abzu- schließen?" In der Begründung setzte Stadtv. Dr. C r ü g e r die Be- denken, die dem Anschluß der Sparkasse an eine öffcntlich-recht- liche Lebensversicherungsanstalt entgegenstehen, des näheren aus- einander. Insbesondere warnte er davor, die Sparkassen zu Agenten der Versicherungsgesellschaft zu machen. Im Gegenteil; mit Rück- ficht, darauf, daß die Steuerkraft der Gemeinden auf der Privat- Wirtschaft beruhe, habe die Stadt alles Interesse an der Berück- sichtigung der privatwirtschaftlichen Unternehmungen. Namens des Magistrats gab der Kämmerer S ch o l tz die Er- klärung ab, daß sich weder der Vorstand der Sparkasse noch der Magistrat bisher mit der Frage befaßt habe, und daß auch nicht die Absicht bestehe, eine Arbeitsgemeinschaft der Sparkasse mit einer öffentlichen Lebensversicherungsgesellschaft herbeizuführen. Ebenso betonte Genosse Dr. Bo r ch a r d t, daß es ihm nicht recht verständlich wäre, wenn die Sparkassen den öffentlich-rechtlichen Gesellschaften gegenüber eine andere Stellung einnehmen würden, wie jeder anderen Versicherungsgesellschaft gegenüber. Allerdings habe er als Mitglied des Provinziallandtages vor zwei Jahren in Gemeinschaft mit den übrigen Vertretern Charlottenburgs der Gründung einer öffentlich-rechtlichen Versicherungsanstalt zuge- stimmt, aber doch nur wegen des staatssozialistischen Charakters dieser Anstalt, und weil er auch der ländlichen Bevölkerung, bei der es den privaten Versicherungsgesellschaften bisher nicht gelungen sei, nennenswerte Erfolge zu erringen, die Wohltat der Versiche- rung habe zuteil werden lassen wollen. Damit war die Besprechung beendet. Die nächste Interpellation ging von den Sozialdemokraten aus, sie lautet: „Beabsichtigt der Magistrat Pflasterarbeiten in eigener Regie auszuführen und ist es richtig, daß der zu zahlende Lohn hinter den im Steinsetzergewerbe vereinbarten Tarifsätzen zurückbleibt?" Genosse Scharnberg schildert eingehend die der Jnter- pellation zugrunde liegenden Tatsachen. Der Magistrat habe An- fang Februar vom städtischen Arbeitsnachweis 10 Steinsetzer ver- langt und ihnen statt des Tariflohnes von 85 Pf. unter dem Bor- wand, daß die zu verrichtenden Arbeiten Notstandsarbeiten seien, nur 53 Pf. pro Stunde angeboten. Natürlich hätten die Arbeiter darauf verzichtet. Stadtbaurat Bredtschneider erwiderte, daß es sich tat- sächlich um Notstandsarbeiten gehandelt habe. Es sei nicht mög- lich, Arbeitern, die vorübergehend eingestellt werden, mehr zu zahlen, als den ständigen städtischen Arbeitern. Diesen Ausführungen trat Genosse Hirsch unter Zurückweisung der sozialpolitisch unhaltbaren Auffassung des Stadtbaurats scharf entgegen. Zwar bemühte sich der Bürgermeister Dr. M a i e r die Wogen zu glätten, indem er der Ansicht Ausdruck gab, daß nur ein Mißverständnis vorliege, aber die Worte des nächsten Redners, des nationalliberalen Führers Dr. Stadthagen, bewiesen, daß der Stadtbäurat den Arbeiterfeinden ganz aus dem Herzen ge- sprachen hat. Es war ein Schauspiel für Götter, Herrn Stadt- Hägen sich in dem gleichen Atemzuge als Freund der Tarifverträge bekennen zu hören und sich sittlich über die Arbeiter entrüsten zu sehen, die es ablehnen, in Fällen von Arbeitslosigkeit unter dem Tarif zu arbeiten. Unsere Genossen scharnberg und Hirsch blieben ihm die Antwort nicht schuldig. Ein praktisches Ergebnis zeitigte die Debatte nicht, doch behalten sich unsere Genossen vor, später in Form eines Antrages auf die Angelegenheit zurück- zukommen._ Die von den städtischen Körperschaften beschlossene Lustbnrkeits- steuer ist vom Bezirksausschuß und gestern vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg genehmigt worden. Sie tritt Montag, den 16. März in Kraft. Tie Lehrstcllenvermittclung des städtischen Arbeitsnachweises, die mit der Zentralstelle sür Lehrstellenvermitlelung für Groß-Berlin in ständiger Beziehung steht, besorgt die Berufsberatung sowie die örlliche Vermittelung sür Charlottenburg selbst, um dadurch Lehr- meistern und Lehrlingen die zeitraubenden Wege nach Berlin zu ersparen. Es liegen jetzt die Anmeldungen sämtlicher Kinder vor, die zu Ostern aus der Schule entlassen werden; unter anderm sind zahlreiche Mädchen vorgemerkt, die sich der Schneiderei und den kaufmännischen Berufen widmen wollen, ebenso noch Knaben, die Maschinenbauer, Mechaniker, Elektrotechniker, Dreher. Maschinen- schlosser, ferner Bildhauer, Damenschneider sowie Schreiber beim Rechtsanwalt und im kaufmännischen Bureau. Buchhalter usw. zu werden beabsichtigen. ES wird gebeten, die Lehrstellen für Mädchen Augsburger Straße 13, Fernsprecher Lützow S83S und 0810, die für Knaben Berliner Straße 81, Fernsprecher Wilhelm 12S1 tunlichst bald anzumelden, damit eine sachgemäße und individuelle Auswahl unter den Bewerbern gettoffen werden kamr. Neukölln. Die neuerbaute Strecke des Neuköllner SchiffahrtstanalS von der Teupitzer Straße bis zum Teltowkanal, die Schleuse und die Hafen- decken sollen nach einer Mitteilung des Magistrats versuchsweise am 16. März dem Berkehr übergeben werden. Die landespolizeiliche Abnahme dieser Anlagen fand am 10. d. M. in Gegenwart von Vertretern der Regierung und des Polizeipräsidiums zu Berlin als Landespolizeibehörde statt. Am Sonntag, den 15. März, findet bei Bartsch, Hermann- straffe 49, eine Märchenaufführung statt. Zur Aufführung gelangt: Warum der� Frühling kommen muffte. Ostermärchen in 3 Auf- zügen von Th. Lehmann-Haupt. Eröffnung 3 Uhr, Anfang 4 Uh. Billetts zum Preise von 10 Pf. für Kinder und 30 Pf. für Er- Der Spielausschuß. wachsene, einschließlich Tanz, find noch zu haben im Gefretariat 160 Broz. fchiver zu leiden habe, fo liege das an der nicht ge- Friedrich- Straße, Ede Berliner Straße, bintilich 1,7 Uhr. Nachzugler Nedarstraße 3, Spedition Rohr, Siegfriedstraße 28, Restaurant nügenden Heranziehung der Großbauern zur Grundwertsteuer. Die fahren mit der Hochbahn bis Alexanderplak, von dort 7 Uhr Zug nach Strausberg. Gäste willkommen. Bartsch, Hermannstraße 49, Restaurant Prill, Böhmische Straße 44, Gegner hätter die Wähler der zweiten Klasse zu einer Versammlung Frau Lietsch, Wildenbruchstraße 86, Frau Bormann, Liberda- eingeladen und ihnen erklärt, daß sie die bürgerlichen Kandidaten straße 3, Frau Lehmann, Richardstraße 63, Butenschön, Weise zu wählen haben, wenn sie noch auf Kundschaft rechnen wollen. Das Freie Turnerschaft Neukölln- Brik. Am Sonntag, den 15. März, straße 5, Schneider, Weisestraße 64. veranstaltet die 1. Frauenabteilung eine Partie nach dem TeufelsDie Konservativen gingen fee. Abfahrt pünktlich um 4,8 Uhr vom Bahnhof Neukölln. Für Nachzügler Mittwoch den 18. März, findet die letzte Märchenvorlesung bei fei Terrorismus der schlimmsten Art. sogar soweit, ihre Kandidaten zurückzuziehen um den Freifinnigen" Treffpunkt 2 Uhr im Restaurant Teufelssee". Dort findet ein Waldlauf Bartsch statt. Anfang 5 Uhr, Eintritt frei. Um regen Besuch ersucht zum Siege zu verhelfen. Und das alles aus Angst vor der Sozial- über 500 Meter statt. demokratie! Wie wenig fortschrittlich und unabhängig die bürger- Abteilung nach Königs- Wusterhausen. Gäste erfahren Näheres am Sonntag, den 15. März: Partie der Alters. lichen Mischmaschkandidaten seien, beweise der Umstand, daß darunter Freitag während des Turnens im Karlsgarten; nach demselben im sich zwei Beamte befänden. Wer für den Fortschritt und gegen die Bauernheim", Böhmischestraße 13. 1. Kreis, 5. Bezirk. Am Sonntag, den 15. März, findet in den fonservative Stliquenwirtschaft sei, der müsse daher am Dienstag, Müggelbergen der 1. Waldlauf des Bezirks statt. Der Start ist am den 17. März, die Kandidaten der Sozialdemokratie wählen. Teufelssee, desgleichen das Ziel. Die Läufer treffen sich 2 Uhr im Restau Dies sind für die dritte Abteilung: Franz Mohr; für die zweite rant Teufelssee. Abteilung: Franz Mohr und für die Ersagwahl in derselben Klaffe Emil Greulich. Die dritte Abteilung wählt von 3 bis 6½ Uhr Märkische Spielvereinigung. Bez. Groß- Berlin. Am kommenden im Lokal von Mar Schulze. Die Genossen werden ersucht, pünkt- Sonntag finden folgende Spiele statt: Fichte XVII gegen Rummelsburg, - R. B. C. gegen Vittoria, in Reinickendorf lich zur Stelle zu sein, damit unsere Partei im Wahlvorstand ver- in Reinidendorf am Schäferjee. ViolinSchillerpromenade. Neu- Hellas gegen Weißensee, auf dem Tempelhofer treten ist. Feld. Spielbeginn 4 Uhr. Wanderer. Am Frauentage ist in der Versammlung in den Passagesälen ein schwarzer Damengürtel, in der Versammlung in den Hohenstaufensälen ein Pincenezetui gefunden worden. Die Gegenstände fönnen im Bureau des Wahlvereins, Nedarstraße 3, in Empfang genommen werden. Schöneberg. Der nächste städtische Volksunterhaltungsabend findet am Sonntag, den 15. März, abends 6 Uhr, in der Aula der Chamissoschule, Barbarossa Blag statt. Mitwirkende: Konzertsängerin Frau Anna Reicher- Feiten, Rezitatorin Fräulein Margot Dolsty, virtuosin Fräulein Sittmann, Konzersänger Herr Gustav Franz und am Klavier Herr Frizz Bäder. Eintrittspreis 30 Pf. Billetts sind in der Spedition, Martin- Lutherstr. 69 und im Laden der Konfumgenossenschaft, Apostel- Paulusstr. 40, zu haben. Tempelhof. Kalkberge, Rüdersdorf, Tasdorf. Für Rüdersdorf ist die Wahl auf Sonntag, den 15. März, anberaumt. Die dritte Klasse wählt nachmittags 2 Uhr. Kandidat ist Genosse Paul Richter. Wahllokal ist bei Emma Külper. Die zweite Klasse wählt am gleichen Tage um 3½ Uhr nachmittags. Kandidat ist Genosse Franz Richter. 15. März statt, Wahllotal ist bei Paul Hoffmann. Für Tasdorf findet die Wahl gleichfalls am Sonntag, den Die dritte Klaffe wählt von 2-4%, lhr nachmittags. Kandidat der Sozialdemokrat ist Genosse Paul Kemmnow. Mache jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch, um unseren Genoffen zum Siege zu verhelfen. Fußball. Mittwoch, den 18. März, bei Wählisch, Stalizer Str. 22. Ruderer. Rnderverein„ Collegia". Bootshaus Tiefwerder bei Spandau. Am Sonnabend beginnen in den drei Gemeinden die Wahlen Arbeiter Touristenverein, Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. ( Mitgl. d. Bentr.- Komm. für Sport u. Körperpflege). Sonntag, den 15. März, zur Gemeindevertretung. Die kommunalpolitischen Aufgaben haben das Interesse aller Gemeindeangehörigen erweckt und 1. albe, Oberförsterei Hammer, Groß- Besten. Abf. nach Halbe Görliker Bahnh. 6.55.( 4. SI.) 2. Rüdniz, Probstheide, Gorinsee, Buch. Abf. allgemein ist man von der Ansicht durchdrungen, daß alle Kräfte nach Rüdnik Stettiner Fernbahnh. 5,59. 3. Königs- Wusterhausen, Die Gemeindewahl für die dritte Klasse findet am anzuspannen sind, um nicht länger der Sozialdemokratie den Eintritt Gussow, Cablow, Königs- Wusterhausen. Abf. nach Königs- Wusterhausen Sonntag, den 22. März, von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr in diese Interessenparlamente vorzuenthalten. Da in den drei Ge- Görlizer Bahnh. 6,30. Freitag, den 19. März. im Berliner Klubhaus, nachmittags statt. Der 1. Bezirk wählt im Restaurant Lehne, In- meinden mehrere gegnerische Kandidaten aufgestellt sind, muß alles Dhmstr. 2: Sigung der geologischen Abteilung. Sonnabend, den haber Pfeiffer, Dorfstraße 20; der 2. Bezirk im Kurfürst", Dorf aufgeboten werden, damit der Sieg unser ist. Für alle Genossen 21. März, im Berliner Klubbans, Ohmstr. 2. Näheres Annonce am Sonn straße 22; der 3. Bezirk im" Tivoli", Berliner Straße 97/98, und besteht die Pflicht, sich vorher in den Wahllokalen zur Verfügung zu tag. Gäste stets willkommen. Arbeiter Wanderverein Berlin".( Verein zur Förderung des der 4. Bezirk im Restaurant O. Meher, Berliner Straße 78. Der stellen, um bei der Wahlarbeit mitzuhelfen. Wandersports unter den organisierten Parteigenossinnen und Genossen 1. und der 4. Wahlbezirk haben je einen Nichtangesessenen zu Kandidat für Kaltberge ist in der dritten Klasse Groß- Berlins.) Die Tour Biesenthal, Ruhlsdorf, Biesenthal am Sonntag, wählen, während der 2. und 3. Bezirk die Wahl eines Angesessenen Genofie Wilhelm Freudenberg. Wahllokal: Mißler, Schul- den 15. März fällt aus. Sonntag, den 22. März: Studienfahrt nach vornehmen muß. Die im 1. und 4. Bezirk zu Wählenden sollen straße. Die Wahl findet morgen Sonnabend, den 14. März, Brandenburg a. H. Rundgang durch die Stadt. Befichtigung der mittel als Verstärkung gelten. Nach welchen Grundsäßen bei der Ver- abends 6 Uhr, statt. Da Terminswahl ist, muß sich jeder Wähler alterlichen Bauwerke. Besuch einiger Innenräume. Teilnehmerkarten find teilung der Angesessenen und Nichtangesessenen verfahren wird, ist in unseren Zahlstellen bei Friz Wählisch, Stalizer Str. 22 und Georg Weih nacht, Grünstr. 21, zu haben. Einführungsvortrag zu dieser Fahrt am unbekannt. Während vor zwei Jahren im 1. Bezirk ein Ange- 8ur angelegten Zeit im Wahllokale einfinden. sessener, der Genosse Wanzlick, gewählt wurde, soll diesmal ein Richtangesessener gewählt werden. Danach könnte man annehmen, daß mit der Wahl von Angesessenen und Nichtangesessenen in den Bezirken abgewechselt wird. Im 2. Bezirk wurde im vorigen Jahre in der Ersatzwahl ein Angesessener gewählt. Dieses Mandat ist jezt erledigt, es hätte nunmehr eine Ergänzungswahl auf sechs Jahre stattzufinden. Merkwürdigerweise ist hier auch diesmal wieder ein Angesessener zu wählen. Wenn man nach einheitlichen Grundsäzen verfahren würde, so wäre hier diesmal ein Nichtangesessener zu wählen. Den Schlüssel zu diesem Verteilungsmodus erhält man, wenn man die Auslassungen der Gegner verfolgt. Dieselben haben nämlich die Hoffnung, daß die Sozialdemokratie im 1. und 4. Bezirk unterliegen wird, während sie für den 2. und 3. Bezirk( für uns sichere Bezirke), in denen Angesessene zu wählen sind, nicht in der Lage sein wird, Kandidaten aufstellen zu können. Auf diese Weise würde man dann so nach und nach die Sozialdemokraten aus der Gemeindevertretung entfernen können. Ebenso willkürlich geht man bei der Verstärkungswahl vor. Während in Wirklichkeit ein Angesessener und ein Nichtangesessener zur Verstärkung zu wählen sind, bestimmt man einfach die beiden Nichtangesessenen zur Verstärkungswahl. An unseren Genossen wird es jetzt liegen, den Gegnern einen dicken Strich durch ihre Rechnung zu machen. Die zweite Klasse wählt am Montag, den 23. März, von 5 bis 8 Uhr abends, bei Lehne, Dorfstraße 20, und die erste Klasse ebenfalls dort am Dienstag, den 24. März, von 12 bis 1 Uhr nachmittags. Lichterfelde. падзей Bei den Gemeindewahlen am Montag siegten im ersten und dritten Bezirk die Kandidaten der Beamtenvereinigung mit je einer Stimme Majorität. Im zweiten Bezirk muß eine Stichwaht statt finden zwischen dem Kandidaten der Beamtenvereinigung, Bunge, der 480, und dem Genoffen Wenzel, der 394 Stimmen erhielt. Auf die Kandidaten des Kommunalverbandes entfielen in diesem Bezirk 147 Stimmeu. Tegel. 13120 Ein schwerer Automobilunfall hat sich am Mittwoch nachmittag gegen 6 Uhr in der Berliner Straße ereignet. Dort sprang der Fahrer Hartstock von einem Straßenbahnwagen der Linie 31 während der Fahrt ab. In demselben Augenblick versuchte der Führer eines Privatautomobils IA 4142 an dem Straßenbahnwagen vorbeizufahren. Hartstock wurde von dem Kraftwagen erfaßt, zu Boden gerissen und überfahren. Der Verunglückte erlitt eine schwere Kopfwunde, sowie eine Quetschung des Unterleibes und wurde in befinnungslosem Zustande nach dem Paul- Gerhardt- Stift in der MüllerStraße gebracht. Bohnsdorf. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Petershagen. Sonnabend, abends 6 Uhr. Etatsfestlegung für 1914. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. F Spiel und Sport. Radfahrer. Arbeiter Radfahrerbund" Solidarität". Mitgliedschaft Berliu. Sonnabend, den 14. März, abends 9 Uhr: Pflichttour aller Abteilungen. Starts an den bekannten Stellen: zur Bayerischen Kirchweih". Tourenplan zum Sonntag, den 15. März. Vereinstour. 1.- 5. Abt. Baumschulenweg( Gesellschaftshaus), Baumschulenstr, 78. Start 2 Uhr an den bekannten Stellen. 5. Abt. Start: Diemeler Straße( Weberwiese.) 6.- 11. Abt. fowie Motorfahrer: Glienide a. d. Nordbahn,„ Zum Kronpringen"( Altermann Nchfl.). Sammelstart 2 Uhr: Leopoldplay, Schulund Ruheplasstraßen- Ede. Straße 66/67. Start: vorm. 9 Uhr bei Obst. Schöneberg. Bezirkstour nach Briz. Lokal Schöneberg, Rudower Neukölln. Bezirkstour nach Briz. Lokal Schöneberg, Rudower Straße 66/67. Start: 1 Uhr, Hohenzollernplay. Pankow Niederschönhausen. Zour wird am Start bekannt gegeben. Start: 1 Uhr Bantow, Marktplatz. Bernau. Tour nach Lande( Schloßpart). Start: 1 Uhr( Tember) Wallstr. 2. Lichtenberg. Tour Bernau( Salzmann). 1. und 2. Abteilung ge meinsamer Start: 1 Uhr Pfarrstr. 74. Lichterfelde. Besichtigung der Arbeiter- Wohlfahrts- Ausstellung Charlottenburg. Start: 12 Uhr, Vereinslokal. Bei schlechtem Wetter F- Bahn, Händelplay. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität". Gau 9. Bezirk II. Sonntag, den 15. März, vormittags 9, Uhr, in Brik, Rudower Str. 66/67, bei Schönberg: Delegiertentag des Streifes Teltow( Bezirkstag) für das Geschäftsjahr 1913. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, den 15. März, früh 8 Uhr: Streifzüge durch den Grunewald. Anschlußstart: Bittorpart. Nachm. 1 Uhr: Bichelswerder( Alter Freund). Anschlußstart: Wilhelmsplatz, Ede Boßstraße. Turner. Turnverein Fichte". Sonntag, den 15. März 1914. 5. Frauenabteilung. Nachmittags 4-6 Uhr: Deffentliches Turnen in der Turnhalle Böchstr. 17-20. 10. Männerabteilung. Turnfahrt nach Finkenkrug durch den Brieselang und Krämer nach Velten. Abf. Schles. Bahnh. 7.03, Lehrter Bahnih. 7.20 nach Finkenkrug. Sizung Freitags 9 Uhr. Charlottenburg, Windscheidstr. 18. Ruderverein Freiheit". Bootshaus Stralau, Tunnelstr. 26. Sigung Donnerstags 9 Uhr, daselbst. Ruderverein„ Vorwärts". Bootshaus Dber- Schöneweide( Wilhelms strand, Ueberfahrt Spreeschloß). Sigung Donnerstags 9 Uhr daselbst. • Schwimmer. Arbeiter- Schwimmverein Berlin, Abt. 2.( Mitglied des Arbeiter. Schwimmerbundes. Mitglied des Arbeiter- Sportfartells Berlin.) Heute Mittwoch, Freitag, den 13. März, abends 8 Uhr: Jugendversammlung. den 18. März, abends 8-9 Uhr in der Volksbadeanstalt Gerichtstraße: reservierte Uebungsstunde. Anschließend: Streiswasserballspiel Neukölln gegen Berlin, Abt. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. * Arbeiter- Samariterbund, Kreis Brandenburg. Lehrabend haben in dieser Woche( Beginn 82 Uhr): Berlin. Mittwoch, den 18. März, Restaurant Haberland, NeueFriedrichstr. 35. Verbands- Lehrabend für Frauen und Mädchen. Charlottenburg. Freitag, den 20. März, im Volkshaus, Rosinens Neukölln. Freitag, den 20. März. Weichselstr. 6.( Idealpassage). Wilhelmsruh. Montag, den 16. März, bei Hirsch, Reinickendorf, Residenzstr. 6. Spandau. Mittwoch, den 18. März, bei Danneberg, Pichelsdorfer Straße 5. straße 3. Mariendorf. Mittwoch, den 18. März, bei Hennig, Tempelhof, Manteuffelstr. 45. Nowawes. Dienstag, den 17. März, in der Fortbildungsschule. Dber Schöneweide. Montag, den 16. März, Siemensstr. 12 bei Schulz. Alt Glienide. Dienstag, den 17. März, Stöpenider Straße 45tug bei Bahr. Friedrichshagen. Donnerstag, den 1.9 März, Friedrichstraße 60, 2. Hof. Jugendveranstaltungen. Weißensee. Am Sonntag, den 15. März, findet nur für Jugendliche eine Besichtigung des Reichstagsgebäudes unter Führung eines Herrn Reichstagsabgeordneten statt. Treffpunkt 8%, Uhr vorm. am Antonplag. Den Allgemeine Krankens und Sterbekasse der Metallarbeiter. ( V. a. G.) zu Hamburg. Filiale Baumschulen weg. Mitgliedern, welche in Treptow wobnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 14. März, abends 8 Uhr, im Lotal von Julius Schmidt tassiert wird. Marktpreise von Berlin am 11. März 1914, nach Ermittelungen des tgl. Polizeipräsidiums. Mais( mired), gute Sorte 0,00-0,00, Donau 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,70-15,00. Nichtstroh 4,50. Seu 6,80-8,50. Martihallenpreise. 100 Stilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00-50,00. Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Linien 40,00-80,00. 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Kartoffein( Kleinhdl.) 4,00-7,00. 1 Silogramm Rindfleisch, von der Keule Stalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,40-3,00. 60 Stüd Gier 3,60-6,00. 1 Kilogramm Karpien 1,20-2,40. Aale 1,60-3,40. Bander 1,40-3,20. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00-2,20, Mit der bevorstehenden Gemeindewahl hatte sich am Mittwoch eine öffentliche Wählerversammlung zu befassen. Genosse EcholzNeukölln referierte über„ Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde". Er zeigte an zahlreichen Beispielen die fruchtbringende Arbeit, die die Partei bisher geleistet habe. Genosse Schifffe legte in der darauffolgenden Diskussion dar, wie rückständig die Gemeinde noch verfahre. Der von unseren Genossen gestellte Antrag, die Wahl an einem Sonntag stattfinden zu lassen, sei vom Gemeindevorsteher abgelehnt worden, weil ihm der Sonntag zu heilig sei; er habe sich jedoch nicht gescheut, von der Pflichtfeuerwehr, deren Mitglieder meist in der Woche ihrer Arbeit nachgehen müssen, an einem Sonn17. Männerabteilung. Partie nach Grünau, Schmödwig, Ziegentage die Aufräumungsarbeiten bei dem Brande seiner Scheune ver- hals, Wernsdorf, Gosener Berge, Erkner. Abf. Bahnh. Gesundbrunnen 6.57 Uhr. Gäste willkommen. richten zu lassen. Wenn die Bohnsdorfer Arbeiterschaft und das Arbeiter- Turnverein Pankow. Turnfahrt der Männerabteilung mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Kleinbürgertum unter dem hohen Kommunalsteuerzuschlag von am Sonntag, den 15. März, nach Strausberg. 8. Männerabteilung. Partie nach Ertner, Werlsee, Rüdersdorf, Stienisice, Strausberg. Treff 7 Uhr Schles. Bahnh., Madaiſtraße. 1. Frauenabteilung. 13. März in der Turnhalle Mariannen- User 1a Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stüd Strebje 3,50-24,00. von 8-10 Uhr abends. Abmarsch von KaiserWetterprognose für Freitag, den 13. März 1914. Ein wenig wärmer, nur zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter bet Berliner Wetterbureau. Einfegnungs- Stiefel Andolen Neueste Modelle! MARKE Condo Höchst preiswert! Knaben- Schnürstiefel Knaben Schnürstiefel 760 820 Mädchen- Schnür- u. Knopfiftiefel 800 890 920 1050 1250 at begraft Chereau.. 1050 1250 la Rindbog... Echt Chevreau und Bogcalf.. Schub Conrad Tack& Cie. fabrif Echt Boxcalf, Aft. Burg Gef. bei Magdbrg. 144 Verkaufsstellen im Reich, davon 21 in Berlin und Umgebung C, Spittelmarkt 15 C, Rofenthaler Straße 14 W, Potsdamer Straße 50 W, Schillfiraße 16 NW, Turmffraße 41 NW, Bilsnader Str. 22 NW, Beuffelstraße 29 N, Friedricffraße 127 N, Müllerstraße 3 N. Reinidendorfer Str. 23 N, Brunnenstraße nur 37 N, Danziger Straße 1 O, Andreasftraße nur 50 0, Frankfurter Allee 125 SO, Oranienstraße 2a SO, Dranienstraße 32 SO, Brangelfiraße 49 SW, Friedricftr. 240-241 Charlottenburg: nur Bil mersdorfer Str. 122-123 Neukölln: Bergstraße 30-31 Potsdam: BrandenburgerStr.54 Unserm lieben guten Onkel und Großonkel Alois Müller Graeßstraße 59 aut feinem 60. Geburtstage bie herzlichsten Blüdwünsche. 1072 Die Danziger. Danksagung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kerang Spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes und Baters lagen wir allen Berwandten, Freunden Hugo Hackbarth und Bekannten, ferner der Firma Flatow u. Priemer, dem Wahlverein sage allen Berwandten, Freunden und dem Drtsverband der Tapezierer, und Bekannten, dem Wahlverein, bem Metallarbeiter- Berband, Sie meinem Manne und mic in Direktion und den Kollegen der unseren schweren Tagen mit Rat und Odeon- Berke, dem Schauspieltlub. Tat zur Seite gestanden haben, besonders Herrn Tireftor Schütte unseren tiefgefühltesten Dant. 122 meinen tiefgefühlten Dant. Klara Rabe und Tochter. Frau Emma Hackbarth, Weißensee. eeeeeeeeg besonders aber seinen Stollegen, Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Frankfurter Viertel. Bez. 277. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Hausdiener Otto Fechner geftorben ist. Ehre seinem Anbenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. März, nachmittags 4, Uhr, von der Halle bes Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/4 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bader Gustav Regel am 7. d. Mts. im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 13. d. Mts., nachmittags 4, Uhr, von der Leichenballe des Friedens Kirchhofes, Nordend, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpader Wilhelm Schmidt am 11. b. Mts. im Alter von 49 Jahren verstorben ist. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 14. b. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Nazareth- Stirchhofes in Reinidendorf West, Kögelstraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Arbeiter Fritz Stamps am 9. b. Mts. im Alter bon 17 Jahren verstorben ist. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 14. b. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen. halle des neuen Treptower Kirchhofes, Baumschulenweg, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Otto Fechner am 10. b. Mts. im Alter von 41 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, ben 14. d. Mts., nach mittags 4, Ubr, von der Leichen balle bes Bentralfriedhofs in Friedrichsfelde aus ftatt. Ehre ihrem Audenken! Um rege Beteiligung ersucht 63/3 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechanifer Willi Daschkiewitz Landsberger Straße 35 geftorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 14. März, nachmittags 3 Uhr, bon der Leichen halle des fatholischen Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Ferner farb unser Mitglied, der Metallarbeiter Bruno Funke Schibelbeiner Strage 35. Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. Marz, nach. mittags 4 1hr, von der Leichenballe des Gethsemane- Stirchhofes in Nordend aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 114/11 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Karl Binder fage ich allen Freunden und Betannten, den beteiligten Vereinen ber 90A Tischler- Verein zu Berlin. V. a. G. Sonnabend, den 18. April, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshaus ( Saal 5): und Verbänden, insbesondere ben General-Versammlung. lieben Sollegen der Firma Julius Bintsch A.-G., meinen herzlichsten Dant. 37/2 Spezialarzt Deutscher Holzarbeiter- Verband. Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. FrauenfeldenEhrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Mäßige Preise. Sprechst. v. 8-8. Sonntags 9-11. Verwaltung Berlin. Montag, den 16. März, von 4 bis 8 Uhr abends: Wahl der Delegierten zum Verbandstage und eines Knabenanzüge Delegierten zum Gewerkschafts- Kongreß Baletots, Byjacks, einzelneHosen am preiswerteften direkt in der Fabrit Bertha Pröstel 50 Andreasstr. 50, I. Etage. Kein Laden. Hilfebein General- Versammlung. Bier 1. Bericht vom 1. Duartal. 2. Berschiedenes. 283/14 Sonnabend, den 14. März, in Frau Auguste Binder seliems eftfalen, Safenheide 18—15: Forster Straße 9. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Gattin sage ich allen daran Beteiligten herzlichen Dank. 740 Max Klose. Ein Abend in der Laubenkolonie. Boltsbeluftigungen aller Art. Borträge Ueberraschungen. Kein Kostümawang. Anfang 8%, Uhr. Eintritt 50 Pf. Freunde und Gönner des Vereins labet ein Der Vorstand. das lob ich mir süffig, gehaltvoll, belsömmlich Servus Schuhputz mit Dosenöffner Ueberall zu haben in großen Dosen a 20 Pf. Fabrik: Chemische Werke Lubszynski& Co., Aktiengesellschaft, Berlin- Lichtenberg. Puck Die QualitätsPf ॐ Cigarette " in folgenden Lokalen: 1. Henkel, Schöneberg, Meininger Straße 8. 2. Habels Brauerei, Bergmannstr. 5-8. 3. Märkischer Hof, Admiralstr. 18c. 4. Südost, Waldemarstr. 75. 5. Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147. 6. Neukölln, Weichselstr. 8. 7. Neukölln, Rosenstr. 24. 8. Bringmann, Andreasstr. 26. 9. Grunwald, Memeler Straße 67. 10. Prachtfäle des Oftens, Frankfurter Allee 153/156. 11. Schwarzer Adler, Lichtenberg, Frankfurter Chaussee. 12. Prälaten, Weißensee, Lehderstr. 122. 18. Rienaft, Ober- Schöneweide. 14. Boeker, Weberstr. 17. 15. Büttner, Schwedter Straße 23. 16. Glische, Kopenhagener Straße 74. 17. Razarowski, Ravenéstr. 6. 18. Pazenhofer Brauerei, Zurmstr. 25. 19. Thunad, Charlottenburg, Wielandstr. 4. Stimmzettel erhalten die Kollegen in den Wahllokalen. Jedes Mitglied muß persönlich zur Abstimmung erscheinen und als Legitimation bas Mitgliedsbuch vorzeigen. Dhne Mitgliedsbuch wird niemand zugelaffen. Die Wahl fann jeder Rollege in dem Lokal vornehmen, welches für ihn am bequemften zu erreichen ist. 84/13 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. N 54, finienftr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 16. März 1914: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin 8 Uhr. in folgenden Lokalen: Norden: Pharussäle, Müllerstr. 142, abends 8%, Uhr. Norden: Butters Festsäle, Schwebter Strake 23, abends Norden: Frankes Festsäle, Babftr. 19, abends 8%, Uhr. Moabit: Prachtsäle Nordwest, Wiclefftr. 24, abends 8%, Uhr. Charlottenburg: Volkshaus, Rofinente. 3, abends 8%, Ihr. Tegel: Muller, Restaurant, Berliner Strake 84, abends 6 Uhr. esten und Schöneberg: Sanptir. 5, abends 8, Uhr. Osten: Comeniussäle, Memeler Str. 67, abends 8%, Uhr. Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. Vereinshaus, Schöneberg, Restaurant Kurkowski, Pfarrstraße 74, Lichtenberg: abends 8%, Uhr. abends 8, Uhr. abends 8 Uhr. Stralau- Rummelsburg: Café Bellevue, Hauptstraße 3, Weißensee: Penkerts Restaurant, Berliner Allee 251, Südenbezirke: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( Saal 4), Neukölln: Bartschs Festsäle, Germannstr. 48/49, abends im Lofal von Schellhase, Steglik, Ahornftr. 15 a, Steglitz: abends 8 Uhr. abends 8, Uhr. 81, 11br. Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. Restaurant LindenKöpenick u. Friedrichshagen: garten, Briedrichs hagen, Friedrichstr. 74, abends 8%, Uhr. Bortrag des Roll. Blant. Oberschöneweide, Niederschöneweide, Johannisthal u. Umg.: lhelminenhofftr. 44a, abends 8, Uhr. Restaurant George, Oberschöneweide, Roten Abler, Spandau, Potsdamer Straße, abends Spandau: 8 r. Bortrag. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Stellungnahme zur Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 114/12 Die Ortsverwaltung. Am Mittwoch mittag 11, Uhr verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Großvater und Schwiegerpater, der Betriebsmeifter Wilh. Wegener Neukölln, Fuldaftr. 58. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, Die Beerdigung findet bott bem Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg aus statt. 112 KROTOWSKI Möbelfabrik Rob. Seelisch Berlin 013, Rigaer Str.71-73 a Gegründet 1876 am Versand nach allen Plätzen Deutschlands empfiehlt gute preiswerte Möbel Einrichtungen von 187 M. bis 10,000 M. 154 Musterräume Lagerräume: 6696-Mir. groß. Besichtigung ohne Kaufzwang gestattet. Jilustrierte Katalogo gratis und franko! 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Das Reich will Bürgschaften für Hypothelendarleben an gemeinnützige Baugenossenschaften bis zum Betrage von 25 Millionen übernehmen, die Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte des Reichs und der Militärverwaltungen errichten. Gegen eine Ausdehnung noch auf andere gemeinnützige Baugenossenschaften sprechen schwerwiegende Bedenken. Abg. Göhre(Soz.): Der Entwurf bedeutet sicherlich einen Fortschritt auf dem Wege reichSgesetzlichcr Wohnungsfürforge, aber nur einen unendlich kleinen, denn cS sollen nur solche Baugenosienschaften mit BürgscbaftS- Hypotheken bedacht werden, deren Mitglieder Arbeiter und Beamte des Reiches sind. Von den schwerwiegenden Bedenken, die gegen dir Ausdehnung des Gesetzes auf alle gemeinnützigen Baugenossen- fchaften sprechen, hat der Vertreter des Bundesrats nichts Näheres gesagt. In der Begründung sind nur zwei Bedenken dagegen angeführt, die aber beide nicht stichhaltig sind. Zunächst ist von der zu starken finanziellen Belastung des Reiches gesprochen l aber zur Uebernahme «iner Bürgschaft braucht man überhaupt kein Kapital. In� Oesterreich besteht denn auch seit drei Jahren ein solches Gesetz ohne diese Beschränkung. Als weiteres Bedenken steht in der Begründung der Mangel einer Zentralorganisation. Diese Koniroll- instanz fehlt doch aber auch in dem Rahmen, in dem daS Gesetz ausgeführt werden soll; außerdem würden die Gemeindeverwaltungen sich lehr gern zur Kontrolle zur Verfügung stellen. 300 Gemeinden geben ja selbst Bürgscbastshypotheken an gemeinnützige Baugenosien- fchaften. Diese Bedenken sind also nicht stichhaltig. Das wirkliche Bedenken im ReichSamt des Innern war wohl die Furcht,«ine ebensolche Zurückweisung beim Bundesrat zu erfahren wie beim ReichSwohnungsaussichtsgesetz. Wir beantragen, den Entwurf an die Wohnungskommission zu verweisen, in der wir die Ausdehnung des Entwurfs auf alle gemeinnützigen Baugenossenschaften als unsere Hauptausgabe betrachten. sBravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Diez-Konstanz(Z.): Wir begrüßen den Entwurf als einen Fortschritt auf dem Gebiet der Wohnungsfürsorge. Allerdings soll man Baugenossenschaften nur da unterstützen, wo ein Bedürfnis dazu vorhanden ist, weil ohne sie nicht genügend Kleinwohnungen errichtet werden. Not» wendig ist auch die Einführung einer WohnungSaufsichr. Abg. Schulenburg(natl.): Di« Erweiterung der WohnungSsürsorge durch das Reich ist er- freulich, daß Kaulelen bei der Uebernahme von Bürgschaften im Gesetz vorgesehen sind, ist selbstverständlich z allerdings werden Verluste kaum zu befürchten sein. Abg. Wenders(Vp.): Der Entwurf, den auch wrr mir Freude begrüßen, hat doch einen sehr engen Rahmen. Wir werden in der Kommission ver- suchen, den Entwurf auf alle gemeinnützigen Baugenossenschaften, die KleinwohnungSbau betreiben, auszudehnen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Auch mein« Freunde schließen sich der allseitigen freundlichen Aufnahme an, die der vorliegende Entwurf im Hause gefunden hat. Abg. Mumm(Dirtsch. Vg.) schließt sich dem Vorredner an. Der Entwurf wird an die Wohnungskommission ver- Viesen. Es folgt die dritte Beratung des Entwurfs eineS Postschcckgesetzes. Abg. Dr.«üdekum(Toz.): Dadurch, daß zwischen dem Abschluß der Koinmisfionsberawng und der zweiten Lesung von den Parteien ein K o m p r o m i ß ge- schlössen worden ist, an dem natürlich Aenderungen im Plenum dann kaum mehr möglich waren, sind die Rechte der Minderheit zu sehr verkürzt worden. Man sollte daher in Aukunst einen solchen Kompromißantraz erst� wieder an die Koinmission zurückverweisen. Dann ist eS eher möglich, sachliche Verbesserungen noch durch- zusetzen. Die Bedenken, die wir gegen daS Kompromiß haben, hat der Vertreter meiner Fraktion in der zweiten Lesung. Herr Ab- geordneter Vogt her r. ausführlich dargelegt. Em nennenswerter Aufscbwung des Postscheckwesens ist von dem Gesetz nicht zu erwarten. Die Reichspostverwallung scheint einen solchen Ausschwung geradezu zu fürchten. Die mangelhafte Ausgestaltung dieses Gesetzes gibt mir nur die eine Hoffnung, daß die Sache in Fluß bleiben wird. Das kann unmöglich der Abschluß unseres PostscheckwesenS sein. Eine wirklich große Zukunft kann es erst haben, wenn eine Verzinsung der Guthaben, sowohl der Grundsumme wie der anderen Guthaben, bei der Post'chcckanftcilt erfolgt. Das würde natürlich stark in die Verhältnisse ddr Depositenbanken eingreifen. Aber gerade deshalb mug dies Ziel möglichst bald verwirklicht werden, denn so wie heute geht eS mit unseren Depositenbanken aus leinen Fall weiter. Durch die ungeheuere Ansammlung von Kapital in den Depositen- danken ist einigen Hundert Menschen ein nichterträgliches Versiigungsrecht über einen großen Teil unserer Volkswirtschaft ge- gebe». Hier liegen Probleme vor, die mit Hilfe der Ausgestaltung dcS Pofticheckweiens gelöst werden müssen. Wenn eine Bank, wie die Deutsche Bank mit 200 Millionen Mark Aktienkapital, 112 Millionen Mark Reserven, 15 000 Millionen Mark Depositen hat und 12'/» Proz. Dividende verteilt, so sieht das so ans wie eine achtbare wirtslbafl- liche Leistung. Bei genauer Analyse aber zeigt sich, daß zwar die Aktionär- Vorteil davon haben, daß aber volkswirtschaftlich hier mit einer enormen Verschwendung gearbeitet wird. DaS heutige System der Heranziehung der Depo- siten scheint also ein schwacher Punkt bei unseren Großbanken zu sein, wenn ein Institut von solch beberrschender Stellung in unserem Wirtschaftsleben, wie die Deutsche Bank, ihre Funktionen nicht einwandfrei erfüllt. Würden nun die Postscheck« konten verzinst, so würde das Geld auch den Banken zur Verfügung gestellt werden, aber nicht von den einzelnen Depositeuren, sondern von der Verwaltung des Postscheckwesens, die sich aber dann natürlich ein gewisses Kontrollrecht fiber die Banken vorbehalten müßte. Vogtherr hat schon darauf hingewiesen, daß eine viel engere Verbindung deS PostscheckverkehrS mit der Reichsbank notwendig wäre. Das liegt aus demselben Wege. Ebenso müßte eine Verbindung mit den öffentliche» Sparkossen angestrebt werden. Wenn wir delile aus der einen Seile WohnungSgeseve machen, und auf der andern Seite ruhig ziiieben.wie die Bonken Bodenspekulation treiben, die mit ihrer eigerrtli-ven Tätigkeit gar nichts zu tun hat, so bewegen wir uns in einem viroulus viüosjs. Eine bloß formelle Ueberwachung der Banken durch Reichskommisiare nützt natürlich nichts, es kommt darauf an, duß man materielle Macht hat. Und die kann das Reich nur bekommen durch Ausbau des Posischeck- Wesens. Natürlich müßte Hand in Hand gehen ein Ausbau der Rechte der Volksvertretung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie die Dinge jetzt stehen, muß man also jetzt froh sein, daß das Gesetz so schleckt ist, daß eS auf die Dauer nicht haltbar ist. Unser Ziel muß bleiben ein Postscheckgesetz, das ermög- licht, regulierend in unseren Geldverkehr einzugreifen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Beck(natl.): Herr S ü d e k u m hat uns eben ein Zukunftsbild entrollt über die Gestallung des Postscheckwesens. Ich irete ihm nur insofern bei, als ich einen Abschluß des Postsckeckwesens in dieser Vorlage auch nicht erblicken kann. Im übrigen kann ich ihm nickt folgen. Wir lehnen es ab, ein solches staatliches Institut zu schaffen, das nun seinerseits die Mach: der heutigen Depositenbanken in sich ver- einigt. Im übrigen erblicken wir in den Kompromißvorschlägen eine annehmbare Verbesserung des Gesetzes. Wir müssen nur die Beschlüsse zweiter Lesung noch insofern ergänzen, als wir das Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. Juli 1914 beschließen. Die Post- Verwaltung ist mit diesem Termin einverstanden. Abg. Gothei«(Vp.): Daß ein Gesetz, das durch ein Kompromiß zustande kommt, nicht allgemein befriedigt, ist selbstverständlich. Aber ein gewisser Forlschriit wird doch erreicht. Am Ende der EntWickelung des Postsckeckwesens sind wir gewiß nicht. Aber die Zukunflsmusik des Abg.Dr.S ü d e ku m erschien mir wenig erfreulich. In England ist die Entwickelung derDepositenbankennochvielweitgehenderals bei uns, und gerade die Deutsche Bank erinnert am meisten an die englischen Verhältnisse, indem sie sich fast ganz auf dem Depositenverkehr ausbaut. Die Grundstücksspekulation ist aber ein äußerst kleiner Zweig der Tätigkeit dieser Banken. Im übrigen ist die Tätigkeit unserer Banken doch eine reckt vorsichtige und umsichtige. Ich hätte aber eine Todesangst davor, daß diese Riesensummen verwaltet werden sollten vom Bundesrat unter Mitwirlung des Reichstages. Bei der Parteizeriplitternng, wie wir sie haben, würden wir dann überhaupt nickt vom Flecke kommen mit der Verwaltung dieser Gelder.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Abg. Dr. Südeknm(Soz.): Ich habe nicht daran gedacht, dieser Regierung bei der h e u t i g e n Machtverteilung zwischen Regierung und Reichstag eine so entscheidende Stellung zuzubilligen, wie Herr Gothein meinte. Ich habe vielmehr ausdrücklich betont, daß eine Entwickelung auf dem Gebiete unseres VersasiungSwescnS in der Richtung des p a r l a m e n t a r i s ck e n Regimes die Voraussetzung wäre.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Racken(Z.): Den Vorschlag der Zurückverweisung an die Kommission hätten die Sozialdemokiaien in der letzten interfraktionellen Zusammenkunfl machen sollen. Da wäre dieser Weg noch gangbar gewesen. Daß mit dem Gesetz ein Abschluß des PostscheckwesenS nicht erreicht wird, gebe ich zu. Herr S ü d e k u m hat aber bei seinen Aus- führungen übersehen, daß daS Postscheckwesen sich selbst bezahlt machen muß. Auch würde die Post niemals so hohe Zinsen zahlen können wie die Depositenbanken. Damit schließt die Debatte. DaS Gesetz wird mit der vom Abg. Beck(natl.) erwähnten Hinzufügung angenommen. ES folgt die zweite Beratung des Gesetzentnmrss über die Folgen der Verhinderung Wechsel- und scheckrecht- licher Handlungen im Ausland. Die Ä o m m i s f i o n beantragt unveränderte Annahme. Das HauS beschließt demgemäß. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die Erste Lesung des LuftverkehrSgesehes. Direktor Lewald: Die Entwickelung deS Luftverkehrs ist so unerwartet rasch und vielseitig geworden, daß man an eine gesetzliche Regelung denken muß, Wir haben beute einige 20Luftschiffe, lOLuiischiffhallen, große Flugplätze in den verschiedensten Teilen des Reiches und eine große Anzahl von Flugzeugen. Etwa 30 Fabriken beschäftigen sich heute mit dem Bau von Flugzeugen. Auch stehen wir Deutsche in der Kunst des Fliegens nicht mehr hinter anderen Nationen zurück. In England, Frankreich und Oesterreich hat man bereits Borschriften über den Verkehr von Luftschiffen erlassen. Auch wir gehen jetzt an eine gesetzliche Regelung im Gefühl der Verantwortung für das Publikum sowohl wie für die Luflschiffer. Der erste Abschnitt deS Entwurfs enthält VerkehrSvorschriiten. Außerhalb der Flugplätze sollen nur behördlich zugelassene Lust- fahrzeuge Verlebren. Die Anlegung von AufftiegS-, Landung?- und Flugplätzen wird an eine Konzession gebunden, ebenso gewerbS- mäßige Luflfahriunternehmen, die in der Zukunft vielleicht einen großen Umfang annehmen werden. In Bezug auf die Prüfung und Zulassung der Führer soll der Bundesrat weitgehende Befugnisse erhalten. Einer späteren internationalen Regelung auf diesem Ge« biet muß ja eine klare nationale Regelung vorangehen.— Den Verkehrsvorschriften folgen im zweiten und dritten Abschnitt ent- sprechende Haft- und Slrafvorschriften. die zum Teil in der Oeffcnt- lichkeit eine scharfe Kritik gefunden hoben. Ich hoffe, daß in der Kominission, der der Entwurf wohl überwiesen wird, sich eine Ver- ständigung wird erzielen lassen. Abg. Dr. Landsberg(Soz.): Die Regierung hat in dem Entwurf den Zukunstsperspeltiven zu wenig Raum gegeben. Daß eine nationale Regelung der Verkehrs- Vorschriften einer internationalen Regelung vorausgehen muß. davon hat unS der Staatssekretär keineswegs überzeugt. Sollen wir denn solche Vorlonimmsie, wie das verhaften eines deutschen Flieger«, der aus Versehen die russische Grenze überflogen hat und seitdem unter dem Verdacht der Spionage zurückgehallen Ivird, mit Grazie weiter ertragen, mit der Gelassenheit, die unsere Regierung bei Liebenswürdigkeiten des russischen Nachbars auszeichnet?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)— Daß die Führung eines Lustfahrzeuges an eine Genehmigung gebunden wird, und daß die Zulassung zurückgenommen werden darf, wenn sich später die Unzuverlässigkeit des Betreffenden ergibt, ist zu billigen. doch muß das Ver>v alt ilngs st reitverfahren zugelassen werden, das im Entwurf fehlt. Wenn es sich um die Entziehung der Erlaubnis zum Fahren außerhalb der Flugplätze handelt, läßt der Entwurf allerdings einen Rekurs zu, aber ohne aufschiebende Wirkung und ohne daß Schadenersatz geleistet werden soll, wenn die polizeiliche Verfügung als zu Unrecht erlassen ausgehoben wird. Wenn die Erlaubnis wegen Gefährdung der Landessicherheit versagt oder entzogen wird, soll ein Rekurs nicht zulässig sein. Hierin spricht sich ein Mißtrauen gegen die Gerichte aus. Ich will nicht untersuchen, inwieweit es berechtigt ist, aber jedenfalls haben wir zu den Behörden, die statt dessen ent- scheiden sollen, ein noch viel größeres Mißtrauen. (Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Als man die Besiimmung schuf, daß die Bercchngung zum einjährig- steiwilligen Dienst bei mangelnder moralischer Qualifikation entzogen werden kann, bar wohl niemand daran gedacht, daß die militärische Behörde den Mut haben würde, einen moralischen Defekt bei jemand anzunehmen, der sich auö vollster Ueberzeugung«iner politischen Partei anschließt. Wir haben das aber erlebt. (Zuruf: Unerhört!) Zu Behörden, die mit einer Bollmacht derartigen Mißbrauch treiben, können wir kein Vertrauen habe».(Zu- stimmung bei den Soz.) Die Haftpflichtbestimmungen des Entwurfs sind geradezu sklavftch den Bestimmungen des Automobilgesetzes nachgebildet, ohne daß der Unterschied in dem Wesen von Automobil und Lustsahrzeug irgendwie beachtet wird. DaS B. G.-B. steht bei der Haftung grundsätzlich auf dem Standpunkt der Verschuldung, mit gewissen Ausnahmen, aus die ich hier nicht eingehe. Aber die Wissenschaft ist dazu gelangt, statt dessen das Prinzip der Ge- fährdungshaftung auszusprechen, und in beschränktem Umfange ist ihr das deutsche Hastpflichtgesetz und auch das Automobilgesetz gefolgt. Auch der vorliegende Entwurf erkennt die Gefährdungshaftung an, aber doch sehr beschränkt. Personen, die als Insassen eines Fahrzeuges zu Schaden kommen, oder die in ihrer Tätigkeit beim Betriebe eines Fahrzeuges beschädigt weiden, sollen nur beim Nachweis der Verschuldung Ansprüche erheben lönnen. Auch wird die Haftsumme beim Tode mehrerer Menschen auf 140 000 Mark im Höchstfälle, bei Sachschäden auf 10 000 Mark festgesetzt wörtlich nach dem Automobilgesetz. Aber durch ein Automobil werden wohl kaum jemals mehr wie 5 Menschen beschädigt werden, ein in eine Menschenmenge hineinsausendes Luftfahrzeug dagegen kann unübersehbaren Schaden anrichten. Wir verlangen, daß ein Unternehmer eines Luftfahrzeuges bis zur Grenze der höheren Gewalt schadenersatzpflichtig gemacht wird. Man sagt, dann könne die Luftfahrzeugindustrie sich nickt entwickeln. Denselben Einwand hat man seinerzeit bei den Eisenbahnen und bei den Automobilen von den Interessenten erhoben, aber ohne Erfolg, und trotz der vollen Haftpflicht haben sich die Eisenbahnen und die Automobile recht gut entwickelt. Die volle Haftpflicht ist sogar die Voraussetzung für eine gesunde Entwickelung, denn die Luftschiffe könnten in späterer Zeit die Konkurrenz mit den Eisen- bahnen gar nicht ausnehmen, wenn jeder, der sich der Eisenbahn an- vertraut, aus vollen Schadenersatz rechnen kann, beim Transport durch die Luft dagegen nickt. Meine Freunde verlangen also, daß der Führer eines Lustsahrzeuges lediglich nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch haste und nicht nachzuweisen braucht, daß ihn kein Verschulden trifft. Der Unternehmer aber soll für den vollen Schaden bis zur Grenze der höheren Gewalt haftpflichtig sein. Ist er im einzelnen .Fall schuldlos, so ist der Geschädigte sicher noch viel schuldloser. Den Einwand, die Industrie könne das nicht ertragen, beantworten wir: Wir verzichten aus eine Industrie, die sich nur entwickeln kann auf Kosten der Gesamtheit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Den Entwurf s beantragen wir, einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen, in der wir uns be- mühen werden, hie Haftpflichtbestimmungen auszudehnen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Belzer(Z.): In dem was der Herr Vorredner über die Regelung der Haft« Pflicht in dem Entwurf gesagt hat, kann ich ihm durchaus bei- stimmen. Das eine internationale Regelung nicht enolgl ist, bedauern auch wir, sind aber im Gegensatz zum Vorredner der Ansicht, daß die Regierung in dieser Beziehung getan hat, was sie konnte. Der Hauptgesichtspunkt bei der Beurteilung der Vorlage ist für uns die Frage der Landessicherheit und der Landesverteidigung, da 90 Pro z. der Luftfahrzeuge im Besitz des Reiches sind.— Die Hafipflichtbestimmungen haben uns, wie gesagt,_ enttäuscht. ES ist daS nobile officium des Reichs, bei Unglücksfällen, die durch seine Luftfahrtzeuge verursacht werden, anständige Ent- schädigung zu zahlen. Natürlich wünschen wir auch nickt, daß die Entwickelung des Luftverkehrs durch allzu rigorose Haflpflichtbestim« mungen erstickt wird.— Bei der Betriebsmaunschasl muß natürlich die Unfallversicherung platzgreisen. Das beste wäre die BUdimg einer Zwangsgenossenschast. Wir hoffen, daß bei dieser der baldigen Regelung dringend bedürftigen Materie eine Verständigung möglichst bald erfolgt. Abg. Quarck-Koburg(natl.): Wir gedenken bei dieser Gelegenheit dankbar deS Wagemuts unserer Pioniere auf dem Gebiete der Eroberung der Luft. Im Interesse der Entwickelung des Luftverkehrs wünschen wir im Gegen- iatz zu den Vorrednern eine vorsichtige Ausgestaltung der Haftpflicht. Besonders dunkel kann ich die Bestimmungen nicht finden, sie sind nickt dunkler als die deS AntomobilgesetzeS. Die Entschädigungssätze deS Automobilgesetzes reichen hier allerdings nicht aus. Eine Zwangsgenossenschaft wird in Zukunft doch gebildet werden müssen. Abg. Dr. Oertel(k.): Wir freuen unS auch deS Fortschritts des Luftverkehrs, bewahren uns aber auch hier eine gewisse Nüchternheit. DaS Gesetz scheint uns die richtige Milte zwischen ZukunslSmusik und Gegen- Wartsarbeit zu bringen. Die Sprache des Gesetzentwurfs erscheint mir gut; wenn ich noch Lehrer des Deutschen wäre, würde ich sie mit I vielleicht Ib zensieren.(Heiterkeit.) Sie könnte anderen Ge- setzen zum Vorbild dienen. Allerdings ist die Juristensprache manchmal mit der Sprache des normalen Menschen unvereinbar. (Heiterkeit.) In bezug auf die Regelung der Haftpflicht durch den Entwurf haben auch meine Freunde die schwersten Bedenken, in der Kommission wird eine erhebliche Erweiterung der Grenzen der Haftpflicht vorzunehmen sein.(Beifall bei den Konservativen.) Abg. Siehe(Vp.): So erfreulich die Entwickelung deS Luftverkehrs ist, so stehen wir doch erst am Anfang einer zukunftsreichen Entwickelung, und nun soll die Gesetzgebung reglementierend eingreifen durch sicherheitspolizeiliche Vorschriften und durch eine Verschärfung der zivilrechtlicken Hastung. In beiden Richtungen erkennen wir die Notwendigkeit des Vorgehens an; in Bezug auf die Notwendigkeit der Ausdehnung der Haftpflicht schließe ich mich meinen Vorrednern an. Aber in bezug aus die polizeilichen Sicherheits- inotznahmen muß man doch Rücksicht darauf nehmen, den' Fliegern ihren Beruf durch engherzige und kleinliche Polizeimaß- nahmen nichl zu verekeln. In dieser Richtung werden wir in der Kommission zu wirken suchen. Sehr bedenklich erscheint uns die Be- stimmung, daß der Bundesrat seine Befugnisie zum Erlaß von Anordnungen über Prüfung, Zulassung und Kennzeichnung von Fahrzeugen und Führern usw. auf andere Behörden, auch auf die Landeszentralbehörden, übertragen kann, das kann zu einer sehr un- erwünschten B u n t s ch e ck i g k e i t der Bestimmungen führen.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Direktor Lewald sagt zu, daß bei Ausarbeitung der BundeSratSvorschrffien Such« verständige gehört werden sollen. Abg. Bendler-Bernburg(Soz.): In der Vorlage ist nichts darüber gesagt, ob die heutigen privaten Fliegerschulen ersetzt werden sollen durch kommunale oder staatliche. Es muß aber dafür gesorgt werden, daß nur zuverlässige Personen Flugsahrzeuge leiten und das ist nur möglich durch Errichtung kommunaler oder staatlicher Schulen. Die Ausbildung der Chauffeure in privaten Chauffeur- schulen hat bereits zu großen Mißständen geführt. Die Schulen überbieten sich durch möglichst schnelle Ausbildung, um recht viel Schüler zu bekommen. Dabei ist die Ausbildung der Chauffeure ganz ungenügend. Die vorgeschriebene Prüfung vor dem amtlichen Sachverständigen bietet keine genügende Gewähr. Die zweite deutsche Aulomobitführerkonferenz hat daher auch Ausbildung der Chauffeurein staatlichen oder kommunalenChauffeurschulen verlangt.'Der Wunsch nach Schaffung solcher Schulen für Flieger ist auch in Flieger- kreisen allgemein. Die Sicherheit des Flugverkehrs kann nur auf diese Weise wirstich gehoben werden. Ferner fehlt in dem Entwurf Zeder Schutz flic die Steuerleute, Maschinisten und sonstigen Mann schasten der Luftfahrzeuge. Alles ist hier deni Bundesrat überlassen. Bon Begrenzung der Arbeitszeit dieser Mannschaften usw. ist indem Entwurf keine Rede. Dabei haben diese Leute eine äußerst nerven- aufreibende Tätigkeit. Nach wenigen Jahren sind ihre Nerven vollkommen aufgebraucht. fHörtl hortl bei den Sozialdemokraten Gewitz hat nach der Gewerbeordnung der Bundesrat das Recht, Borschristen zu erlassen gegen eine übermäßige Aus- dehnung der Arbeitszeit in bestimmten Gewerben. Aber von diesem Recht hat der Bundesrat vielfach keinen Gebrauch ge« macht, z. B. im BinnenfchiffahrtSgewerbe. Es müssen daher im Gesetz selbst Bestimmungen zum Schutz von Leben und Gesundheit dieser Arbeiter, die bei ihrem Beruf stündlich dem Tod ins Auge sehen, geschaffen werden.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Das Gesetz geht an eine Kom Mission von 21 Mitgliedern.— Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Freitag 10 Uhr.(Kurze Anfragen. Duell iuterpellation des Zentrums.) Schluß 8% Uhr.___ parlamentarisches. Rechtlosmachung der Eingeborenen. Am Donnerstag kam der Etat von Kamerun in der Budgetkommission des Reichstags an die Reihe. Den VerHand- lungen wohnte der Gouverneur Ebermaier bei, der wiederholt das Wort nahm. Eine längere Aussprache entstand, als Genosse Wels an der Hand umfangreichen und detaillierten Materials die Beschwerden von Eingeborenen vortrug, die von der Deutsch- Westafrikanischen Handelsgesellschaft, die unter dem Schutze der Kolonialverwaltung eine Monopolstellung gewonnen hat, in rück- fichtsloser Weise und ohne entsprechende Entschädigung e n t- eignet, von ihrem Grund und Boden verjagt, um den Ertrag ihrer Arbeit und ihres Besitzes gebracht und in Konflikts ja in Verzweiflung getrieben werden. Der Gouverneur hcDe angesichts der vorgetragenen Tatsachen, die selbst der Abg. Paaschs (natl.) als unerhört bezeichnete, nur ein paar allgemeine Redens- arten und versteckte sich hinter dem Vorwand, daß er einem in der Sache schwebenden gerichtlichen Versahren nicht vorgreifen könne. Dies gab dem Genossen Ledebour Gelegenheit, die Gouver- nementSverwaltung an ihre Pflichten zu erinnern und sich energisch der Eingeboreneninteressen anzunehmen. Genosse N o s k e kenn- zeichnete das rigorose und skandalöse Verhalten der Gesellschaft als gemeingefährlich und forderte schleunigstes Eingreifen der Be- Hörden. Auch die?lbflg. Er zb erger(Z.) und O e r t e I(kons.) hielten mit ihrer Kritik nicht zurück und bezeichneten eS als ein Gebot der Billigkeit und Menschlichkeit, daß mit aller Energie gegen die ungeheuerlichen Zustände vorgegangen werde. Staatssekretär Dr. S o l f vertröstete auf Besserung der Verhältnisse, sobald erst mehr Beamte zur Verfügung stehen würden. Als ihm aber von verschiedenen Seiten bedeutet wurde, daß dies der Kommission nicht genüge, versprach der Gouverneur die sofortige Entsendung eines Spezialkommissars in die betreffenden Gebiete. Ueber die Weiterführung der bis an den Njong bewilligten Mittellandbahn und den Ausbau des Kameruner Eisenbahnnetzes entspann sich eine ausgedehnte Debatte. Frühere Projekte haben aufgegeben werden müssen; auf neuen Wegen, die es zu erkunden gilt, will man an den Tscbadsee herankommen. Außerdem find Verbindungen nach deme Osten hin ins Auge gefaßt. Jrür Hochbauten in der Kolonie werden biß 000 M., für Wege, en und Wasseranlagen 8l5 000 M., zur Bekämpfung an- steckender Krankheiten 288 000 M. mehr gefordert. Oberstabsarzt Dr. Kuhn gab Auskunft über die Verbreitung der Schlaf» k r a n k e i t, die sich auf vier Herde konzentriert, wovon zwei in den neuerworbenen Kameruner Gebieten liegen. Teilweise sind bis ?u 60 Proz. der Eingeborenen infiziert; durch ärztliche Behandlung önnen bis zu 30 Proz. der Erkrankten gerettet werden. Eine Ausrottung Her Fliege scheint ausgeschlossen. In den benachbarten Kolonien anderer Staaten wird sehr wenig zur Bekämpfung der Seuche getan. ES wurde angeregt, Aerzte als Bezirksleiter zu der- wenden, gemeinsam mit frcn in Betracht kommenden Staaten vor- zugehen und in den Etat eine größere Summe zur Bekämpfung her Krankheit einzustellen.— Nächste Sitzung: Dienstag. . Der Kauchf um die Sountagsruhc. r In der Sonntagsrnhekommission des Reichstages kam an: Donnerstag zunächst die Regelung der kaufmännischen Sonntags- arbeit für größere und kleinere Gemeinden gemeinsam, soweit fie in einem einheitlichen Verkehrs- und Wirtschaftsgebiete liegen, zur Verhandlung. Bei dieser Gelegenheit wurde von den Genossen Hoch und Dr. O u a r ck das Gerücht zur Sprache gebracht, daß sich ei» Teil des Zentrums mit der Regierung in Verhandlungen darüber befinde, ob sogar die völlige Sonntagsruhe für Gemeinden von über 75 000 Einwohner noch fallen gelassen werden solle. Abg. Dr. Hitze bestritt für die anwesenden Zentrumsmit�Iieder die Richtigkeit dieses Gerüchts und versicherte auf ausdrückliche sozial- demokratische Anfrage, daß er wünsche, die Kommission möge an ihren bisherigen Beschlüssen festhalten. Dagegen kündigte die Regierung eine große Umfrage bei den Handelsvertretungen über die Grenze von 75 000 Einwohnern an, da zuviele Einsprüche gegen diesen Kommiffionsbcschluß seitens der Städte und Prinzipale ein- gelaufen seien. Genosse Dr. O u a r ck erhob nachdrücklichen Ein- spruch dagegen, daß die Regierung nach ihren soeben abgegebenen Erklärungen wieder einmal nur die Geschäftsinhaber, nicht aber gleichzeitig die Angestellten befragen und hören wolle. Mache sie eine Umfrage, so habe sie die gebieterische Pflicht, beide Teile zur Acußerung aufzufordern. Im übrigen müsse die Kommission ohne Rücksicht auf die Stellung der Regierung ihre Beschlüsse an da» Plenum bringen und durchzusetzen suchen. In der Abstimmung wurde unter Ablehnung des sozialoemokratischea Verbesserungs- antrages mit allen bürgerlichen Stimmen beschlossen, die einheit- liche Regelung für gewisse städtische Verkehrsgcbiete der Vcr- waltungsbebörde nur bedingungsweise zu übertragen. Da- gegen wurde auf sozialdemokratischen Antrag der Zusatz beschlossen, daß die Angestelltenverbände ebenfalls zu hören sind und daß die einheitliche Regelung auch die völlige Sonntags- ruhe einführen kann. Beschloffen wurde weiter die Beibehaltung der Möglichkeit weitergehender ortsstatutarischer Regelung und eine weitere Einschränkung der Ausdehnung dieser Regelung auf ein- heitliche BprkehrSgebiete, die nur fakultativ und abhängig von Prinzipalsanträgen von der bürgerlichen Mehrheit beschlossen wurde.....-iu-..£■__ Der Neubau des Botschastergebäudes in Washington. � T«r»Bund deutscher Architekten" hat an den Reichstag eine Petition gerichtet, die sich mit dem Neubau des Botsckmftergebäude» befaßt. Die Petenten bitten erstens um Aufschluß über das Ber- fahren bei diesem Wettbewerb; zweiten» um Fürsorge dafür, daß ausgeschriebene Bauprojekte in loyaler Weise zur Ausführung kommen. Bei dem Wettbewerb und dem Entwurf eines neuen Bot- schaftergebäudeS in Washington ist bekanntlich nachträglich noch der B a u r a t I h n e zugelassen worden, und zwar direkt aus Veranlassung deS Kaisers. Ein Vertreter der Regierung behauptete, vaß dem Kaiser das Recht zustehe, in dieser Weise ein- zugreifen, wenn man auch über den Geschmack streiten könne. Die beiden Referenten, die Abgeordneten Schulenburg(natl.) und Pfeiffer(Z.) beantragten ll ebergang zur Tagesord- n u n g, weil den Teilnehmern am Wettbewerb keine Zusage ftir die Ausführung ihrer Entwürfe gemacht Wurde. Diesem Antrag trat Abg. Brey(Soz.) entgegen mit dem Hinweis darauf, daß ocr Vorgang weit über den gegebenen Fall hinaus Bedeutung habe. Die Teilnehmer an solchen Wettbewerben setzen voraus, daß die sich htzwerbenden Künstlep ein Anrecht auf.Ausführung haben, Ken Bewerbern sei es nicht nur um d!e Prciskrönung zu lun, sie wollen auch gestalten; sie dürken dabei nicht abhängig sein von dem Willen einer hochgestellten Persönlichkeit. Die Kommisfion müsse zeigen, daß sie die impulftve Betätigung des kaiserlichen Geschmacks auch im Interesse der Künstler nicht billige.— Nach diesen Ausführungen beantragte der Korreferent Dr. Pfeiffer, den zweiten Teil der Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu über- weisen. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der National liberalen angenommen._ Das preußische Wohnmigsgesetz. Die mft der Vorbereitung des Wohnungsgesetzent> wursS betraute Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich nach Erledigung der das Baugelände und die baupolizei- lichen Vorschriften behandelnden Artikel nunmehr der Beratung des wichtigen Artikels über die Benutzung der Gebäude zugewandt. Es handelt sich zunächst um die allgemeinen Vorschriften über die Benutzung der Gebäude zum Wohnen und Schlafen(W o h n u n g s ordnungen). Der Entwurf sieht bekanntlich nur für Gemein den und Gutsbczirke mit mehr als 10 000 Einwohnern obligatorische Wohnungsordnungen vor, während er für kleinere Gemeinden und Gutsbezirke den Erlaß von Wohmtngsordnungen in das Ve- lieben der Polizei stellt. Diesem Zustande wollte ein sozialdemo kratischer Antrag, der ganz allgemein den Erlaß von Wohnungs ovdtiungcn für alle Gemeinden fordert, ein Ende bereiten. Die Bemühungen unseres Vertreters in der Kommisswn Waren aber vergebens: sein Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme ab- gelehnt, und das gleiche Schicksal erfuhren verschiedene andere Ver- besserungsanträge. K 3 der Regierungsvorlage enthält Vorschriften, die die Woh nungsordnungen treffen können. Von sozialdemokratischer Seite wurde beantragt, einen Zwang zum Erlaß bestimmter Vor- schriften auszusprechen. Das Resultat war die Ablehnung mit allen gegen die Stimme deS Antragstellers. Die bürgerlichen Mitglieder der Kommission wollen weder hiervon etwas wisse», noch wollen sie überhaupt bestimmte Mindestforderungen festlegen. Aus diesem Grunde lehnten sie mich alles andere ab, was der sozialdemo- kratische Antrag forderte, obwohl eS sich durchweg um Forderungen handelt, die im Interesse von Gesundheit und Sittlichkeit erhoben werden müssen, wenn anders ein Wohnungsgesetz überhaupt seinen Zweck erfüllen soll. Zur Jllnftrierung sei nur hervorgelwben, daß sogar die bescheidene Forderung, daß in städtischen Verhältnissen grundsätzlich ein Abort von höchstens zwei Familien benutzt werden darf, abgelehnt wurde. Wenn die Kommission weiter s» arbeitet und das Plenum ihren Beschlüssen beitritt, dann wird das Wlchnungsgesctz in der Praxis auf dem Papier stehen bleiben. Soziales. Aus dem Gewerbegericht. Eine auffallende Art der Derhandlungsfilhrung und Rechtsauffassung dokumentierte gestern der stellvertretende Vorsitzende der Kammer 5, Magistratsassessor Dr. Niese. Ein Monteur klagte gegen die Firma Böttcher, Elektr. Werke. Er forderte eine Anzahl Stunden bezahlt, die er gearbeitet und nicht bezahlt erhalten hat. Außerdem verlangte er für zwei Tage Lohnentschädigung, weil ihm die Papiere mit einer solchen Ver- zögerung ausgehandigt wurden. Schließlich wollte er auch noch ein Zeugnis über Führung und Leistung ausgedehnt haben. Die Firma behauptete, die Leistungen feien unbefriedigend gewesen und zur ordnungsmäßigen Herstellung der vom Kläger ausgeführten Anlagen seien 150 Stunden erforderlich gewesen. Hieran knüpfte sich folgender Dialog: Vors. Rieke: Na, wollen Sie denn auS Ihrem Schaden keine Rechte herleiten?" Beklagter:.Nein." Vors. Niese:..Na, Sie sagten doch wohl schon, daß Sie den Schaden geltend machen wollten?"« Beklagter:„Nein, nein!"(Das war ihm w der Tat auch nicht in den Sinn gekommen.) Vors. Niese:.Aber Sie haben doch deshalb den Setrag zurück- gehalten?" Beklagter:.Nein, zurückbehalten haben wir nichts." Vors. Niese(mit Ztachdruck):.Also Sie wollen keine Gegen- örderungen stellen?" Beklagter:.Ja, das will ich dannl� Vors. Riese:„Dann brauchen wir uns also m» die Forderung deS Klägers nicht mehr zu kümmern!" Der vom Kläger angebotene Beweis, daß er von der Firma den strikten Auftrag ljaite.»nvorschriftSmäsngeS Material ,« ver- wenden, wodurch die Nacharbeiten verursacht wurden, wurde ihm abgeschnitten. Da» Gericht kam in allen Punkten zur Klageabweisung, weil ber Schaden der Beklagten größer sei als die vom Kläger geforderte» 21 M. Dies Urteil stellt alle Rechtsbegrisfe auf den Kopf. Die Suggerierung eines Schadenersatzanspruches des Beklagten durch den Vorsitzenden ist merkwürdig. * ♦ * In einer anderen Sache, in der eS sich um Nichteinhaltung der Kündigungsfrist handelte, meinte derselbe Vorsitzende Niese, als eS sich um die Frage drehte, ob der Kläger in Stunden, oder Wochenlohn stand:„Das ist sehr wichtig, denn, wenn Stundenlohn vereinbart sei, so folge daraus eo ipso, daß Kündigung ausgeschlossen ist." Wunderliche Rechtsauffassung t Welches Recht schwebt denn dem Assessor Niese vor? Dem deutschen Recht sind seine Rechtsanffassungen in beiden Fällen durchaus frenid. hei geringerem Lohn. Vor kurzem wurde er wegen ArbeiiSmangel entlassen.' Er bezieht an Invalidenrente und Veteranengeld gn-t sammen 25 M. Kann damit ein Mensch auskommen? 36 Jahre im Dienst, dann—«ms die Straße! Vom Schlachtfeld der Arbeit. DaS riesige Anschwellen der Opfer auf dem Schlachtfeld der Arbeit haben wir gestern dargestellt. Es kommen Unfallverletzte auf 1000 Versicherte: 1899.... 23.83 1903.... 27,25 1912.... 29.68 In diesen Ergebnissen kommt die Tendenz d« zunehmenden Unfälle ganz deutlich zum Ausdruck. Das Resultat ergibt sich, ob- wohl von den landwirtschaftlichen Genossenschaften weniger Unfälle gemeldet worden find. Für 1905 verzeichneten sie 144 989 Unfall« verletzte, für 1912 auf dieselbe Anzahl versicherter Personen(nach berufsgenossenschaftlicher Schätzung) nur noch 131942 ver« letzte Personen. In derselben Zeit stieg die Zahl der von den gewerblichen BerufSgenossenschaslen gemeldeten Un« sälle von 414 445 aus 547 700, bei einer Zunahme der Versicherten von 8 195 732 auf 10 178 577. Danach haben die Unfälle in den Fabrikbetrieben und gewerblichen Anlagen ganz gewaltig zu- genommen. Es mag sein, daß in den landwirtschaftlichen Betrieben nun auch allmählich die Schutzvorrichtungen an Maschinen Eingang finden und dadurch eine Verminderung der Unfälle erzielt wird. Teilweise kann die Abnahme aber auch rein rechnerisch sein, indem eben nicht mehr alle Unfälle zur Anmeldung gelangen. Der Kampf der Junker gegen die sogenannten Schnapsreuten, wie sie die Ent- schädigungen bis 20 Proz. zynisch zu bezeichnen pflegen, und die Praxis der Genossenschaften, selbst verhältnismäßig schwere Unfall- schäden als nicht entschädigungspflichtig zu bezeichnen, hält manche Arbeiter tmvon ab, erlittene Unfälle zur Anzeige zu bringen. Die Verschlechterung in der Unialirechtsprechung tritt sehr deutlich auch in der gestrigen Zusammenstellung in die Erscheinung. Bis zum Jahre 1907 kann man eine ununterbrochene Zunahm« der ent- tchädigungSpflichtigen Unfälle konstatieren. Dann setzt ein Verhältnis-- mäßig scharfer Rückgang ein. Das konnte den Anschein erwecken, als ob eine verschärfte Beachtung der Unfallverhütun�svorschrisren die Unfallhäufigkeit vermindert habe. Schon frllber wresen ivir auf das Irrtümliche solcher Auffassung hin, die von Unternchmerorganen geflissentlich hervorgerufen und gestärkt wurde. Trotz der Ab- schreckungsmethode der Unternehmer nahm nämlich die Zahl aller gemeldeten Unfälle weiter kräftig zu und, was besonders schwer ins Gewicht fällt: die tödlich verlaufenen Unfälle wurden nicht w.esentlich weniger, nach einer kleinen Abweichung in der Bewegungslinie gingen fie wieder stark nach oben. Während vo» 1907 bis 1910 die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle um 8,7 Proz. zurückging, stieg die oller gemeldeten Unfälle noch um fast 2 Proz. Im Jahre 1911 schnellte dann nicht nur die Zahl aller Unfälle, sondern auch die der entschädigungspflichtigen wieder hinauf. Und diese Bewegung hat sich im Jahre 1912 kräftig fort- gesetzt. Seit 1910 haben die entschädigungspflichtigen Unfälle wieder um 3,8 Proz., die der tödlich verlaufenen sogar um 16,6 Proz. zugenommen. AuS der ganzen Entwickelung ist klar zu erkeunen, daß infolg» einer erheblich verschlechterten Rechtsprechung w der Unsallverficherung trotz Zunahme der Unfälle weniger Entschädigungen gezahlt worden sind. Die Unternehmen sparten auf Kosten armer Uusallverletzter. Und wenn nun, trotz der bekannten Theorie von den.Schönheit«- fehlern' und der berüchtigten Rentenguetscherei die Zahl der ent- schädigungspflichtigen Unfälle wieder stark zunimmt, dann ist das ein Beweis dafür, daß es mit dem Arbeiterschutz jammervoll bestellt ist. Und e? liegt der Gedanke nabe, daß die Verschlechterung in der Unfallrechtsprechüng die Unsallhäufigkett steigert. Die Unternehmer wissen ja. Renten gibtS so leicht nicht stir Verletzte, daher lohnen sich die Schutzeinrichtungen schon aar nicht mehr. So wird die Nnfallgefahr gesteigert. Ihr energisch zu begegnen, widerstrebt den kapitalistischen Interessen und darum fallen auf dem Schlachtfelde der Arbeit Jahr für Jahr Opfer unerhört! Für die Sonntagsruhe. Ueberall demonstrieren die Mittelständler und ihre Schieber gegen die Sonntagsruhe. Wenn man sie Hort, bedeutet die Sonn- tagsruhe für jeden Geschäftsmann einen Verlust. Nur bleibt eS rätselhaft, wo alle die Verluste bleiben. Wie oberflächlich die Argumente der Feinde der Sonntagsruhe find, beweist ein Detailist in einem Eingesandt in der ultramontanen.Grcnzwarte"(Nr. 68). Zu der Forderung der Kleinstädter und Dörfler, für sie eine Aus- nähme zu machen, bemerkt er:„Wenn in den Städten von über 75 000 Einwohnern das Personal de» Soniitag» die volle Ruhe genießt, wird es wohl keinem einsallen, in kleineren Stüdtc» Stellung zu nehmen." Und schließlich schreibt der Mann der Praxis und religiösen Bedürfnisse: „So sehr man auch gegen da? Gesetz der vollständigen Sonn- tagsruhe resp. der Differenzierung nach Städten sein muß, so ist es immerhin zu begrüßen, wenn in der heutigen Zeit, wo jeder ielbstündige Tetaillist sich sechs Tage lang voll und ganz einer an- gestrengten aufreibenden Tätigkeit widmen muß, auch für ihn ein Ruhetag geschaffen Ivird, wo er sich seinen kirchlichen Pflichten und seiner Familie widmen kann. Und wenn das Gesetz in ver- nünftiger Weise geregelt wird, so soll man sich sagen, es gilt nicht allein für die Angestellten, sondern für die Ehess selbst. Auch diese haben die Ruhe notwendig." Der Ansicht sind wir auch: ThefS und Angestellte wollen ihren Ruhetag haben. Mtersfürsorgr. Wie für den Arbeiter bis ins hohe Alter gesorgt wird, zeigt nachstehender Fall aus Ostelbien. Der 71 Jahre alte Arbeiter Hopp. ein Beteran, war seit 36 Jahren im Dampfsägewerk von Gebrüder Scharf in Vogelfang bei Marienburg beschäftigt, und zwar zunächst 80 Jahre. M Heizer, und m dess. letzten Za�reri mit lxichterex'Arbkit Gerichtszettimg. Eiu Frauenschicksal.. Viel ergreffender als der packendste Roman ist oft das Leben. Das zeigt wieder eine Verhandlung, die gestern biet 4. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt wegen fortgesetzten Betruges war die 3vjährige> Frau E. Möbus, geb.' Döring.— Im Sommer 1912 erließ der Gutsbesitzer A. aus Gut Reinfeld bei Templin«ine Annonce folgenden Inhalts:„Suche Bekanntschaft zu machen mit Tamck mit einigem Vermögen zivecks späterer Heirat." Aus diese? In- serat hin erhielt er von einer„Frau Professor Emmi Hoffman», geb. Richter" einen schön stilisierten Brief, in welchem diese sich bereit erklärte, nach einer höchst unglücklichen und längst ge- schiedenen Ehe eine neue glücklichere Ehe eingehen zu wollen. Nach einem längeren Briefwechsel verabredete man am 4. Eep- teinber eine Zusammenkunft in Oranienburg. Die Frau Pro-■ fessor, die auf». einen sehr guten Eindruck machte, schüttete ihm. bei diesem ersten Rendezvous unter Tränen ihr Herz auS. Sie• erzählte, daß sie von ihrem infolge seines leichtfinnigen Lebens durch und durch kranken Manne, der sie häufig mißhandelt habe, geschieden sei»no daß sie sich danach sehne, einen wirflich an« ständigen und guten Mann zu bekommen. Ihr geschiedener Ehe- mann habe sich mit ihrem Bruder, der in Tempelhof praktischer Arzt sei, verbündet und verfolge sie auf Schritt und Tritt, da fie es beide auf ihr ererbtes Vermögen, welches zirka 21- Millionen betrage, abgesehen hätten. Sie könne die Zinsen diese» Ver- rnögenS gar nickt verbrauchen uno habe deshalb in Tempelhof auf ihre Kosten ein Arüppelhrim errichtet. Diese auch bei den späteren Zusammenkünften wiederholten Angaben machten auf A. eine» so glaubwürdigen Eindruck, daß er sogar, als ihm die Frau Pro- fefior erklärte, sein Gut gefiele ihr gar nicht, das Gut sofort mit Verlust verkaufte. Aus Wunsch �dcr Frau Professor, die ein Gut mit schloßartigem Gebäude, Schloßpark und See kaufen wollte, unternahmen beide Reisen und besichtigten unter anderem das Gut Zabel bei Hagenoio, tvelches 1400 000 M. kosten sollte. Die Beziehungen ztoischen ihnen toarcn allmählich vertrauter ge- worden, so daß eS A, nicht weiter auffiel, daß ihn die Frau Pro- fcffor um Beihilfen für ihr Krüppelheim bat. A. zahlte nach und mich zirka 2000 M. für das Heim. Zu einer Zeit, als schon der Hochgeitstermin feitgesetzt war, erfuhr A. zu seiner grenzenlosen llederraschuug, daß die angeb- liche Frau Professor Hoffmann die Ehefrau des seinerzeit in Tempelhos wohnhaften Kaufmanns Wilhelm Möbus war. Später ergab sich, daß an den Erzählungen der Pseudo-Frau Professor tatsächlich ein Körnchen Wahrheit war, wenigstens soweit ihre Ehe in Frage kam. Durch die Vernehmung der Angeklagten wurde im Gerichtssaal eine erschütternde Ehetragödie aufgerollt. Wie sie angab, habe sie sich zu dieser Komödie mit A. nur hergegeben, um fi'ir_ sich uud ihr durch Schuld des Baterö schwerkrankes und halb blind geborenes Kind den Lebensunterhalt zu haben. Ihr Ehemann, der sich jene Krankheit durch seinen leichtsinnige» Lebenswandel zugezogen habe, habe nie gearbeitet fce vielmehr mißhandelt und auf der Straße beleidigte Um ihre eingebrachten Mobcl, die für die Schulden ihres Mannes gepfändet waren, vor der Versteigerung zu retten, habe sie jenen Schwindel mit dem Krüppelheim vorgebracht. Diese Erzählung der Angeklagten wurde durch das zur Verlesung gebrachte ScheidungSurteil bestätigt, in welchem der Ehemann als allein schuldiger Teil angesehen wurde, da er nicht für seine Familie gesorgt und seine Frau und da« krönte Kind mißhandelt hatte. Der als Zeuge vernommene ge- schiedcne Ehemann brachte eine furchtbare Selbstanilagc gegen sich vor. Er erklärte, daß eigentlich er an der Stelle stehe« müßte, an her jetzt sein» tzeschirdenv Kr«v ftehr�« habe, durch br»<»te Rtß- " ,, Wie ein Zier." handlungen und eine nieberträchtige Behandlung die Frau zu bildungsschule erschienen unvermutet Polizisten, um die Taschen beraber gehört die Erkenntnis, daß der 8ufammenschluß der Dabei wurden bei den einen Arbeiter in festgefügten Organisationen, regste Werbearbeit einem Brad gemacht. Seinen Verdienst habe er verjubelt, während jungen Arbeiter zu durchsuchen. die Frau, die er feelisch und körperlich faput gemacht habe, mit Bigarren, Taschenmeffer ut. dgl. gefunden, wofür fie je atvei Stunden unter den no fernstehenden Volksgenossen und Stärkung der dem tranfen Kinde Hunger gelitten habe. Der Zeuge A., der in den Kazzer gesperrt wurden. Noch einmal so schlimm erging es Arbeiter reffe die Mittel find, die Befreiung der Arbeiter. feinen Schaden auf girta 10 000 2. beziffert, bekundete, daß er denjenigen, bei denen man Rontrollfarten der Arbeiterjugend ent flasse vorzubereiten. burch jenen umüberlegten Gutsverkauf völlig ruiniert worden sei deckte: fie erhielten vier Stunden. Die Kontrollkarte hat nicht etwa und sich jetzt als Angestellter ernähren müsse. Der Zeuge erklärte, einen staatsgefährlichen Inhalt, sondern auf der Borderseite nur den Die Gefahren der Hochspannungsleitung. daß er die Angeklagte, wenn es ihm seine materiellen Berhältnisse Namen des Inhabers, auf der Rückseite sind die Bestimmungen für Ein schweres Unglück, dem zwei Menschenleben zum einigermaßen gestatten würden, sofort heiraten würde. Staats- die Benützung des Jugendheims aufgedruckt; es sind lediglich Ananmalt Dr. Lehmann beantragte, da es sich doch immerhin um gaben über die Zeit, in der das Heim geöffnet ist, über die Ent- Opfer gefallen sind, hat sich in der Nähe von Strehlen zuEin junger Landarbeiter, der zur militärischen ein recht raffiniertes Vorgehen handele, eine Gefängnisstrafe von nahme von Spielen und Büchern, weiter das Verbot des Rauchens getragen. 6 Monaten. Die Angeklagte bat unter Tränen, sie nur ihres und Alkoholgenuffes, des Lärmens, Singens und Schreiens, also die Stellung nach Strehlen gekommen war und dort mit Kindes wegen nicht ins Gefängnis zu schicken. Das Gericht ent- Anleitung zu einem gefitteten Betragen. Wer eine solche Anleitung Stameraden des Guten zu viel getan hatte, Hetterte auf dem sprach dieser Bitte und erkannte auf eine Geldstrafe von 600 M. mit sich führt, wird von der Bayreuther Schulbehörde mit schwerem Nachhausemege auf einen Mast der elektrischen Karzer bestraft. Und die Herrschaften glauben wirklich, daß sie mit Tragödie eines Beteranen". berartigen Mittelchen gegen die freie Jugendbewegung anfämpfen Stromzuleitung der Ueberlandzentrale. Er wurde bom elektrischen Strom und getroffen tönnen! Zentralstelle zur Unterstügung deutscher Kriegsveteranen" ftürzte bom Mast herunter. Im Fall Fall verwickelte Mit Gott für König und Vaterland" hieß die patriotische er sich in die Leitungen, die er mit herabriß. Da es Schöpfung des früheren Buchdruckers Paul Loeffin, der gestern vor Zu Beginn der Roten Woche verteilte das Benirum ein unmöglich war, ihn ohne Hilfsmittel aus der Berwicklung der der 6. Straffammer des Landgerichts III unter der Beschuldigung fich au verantworten hatte, fich betrügerischerweise etwa 13 000 m. von Schmähungen gegen die Sozialdemokratie strogendes Flugblatt Drähte zu befreien, wurde ein Monteur der Zentrale herbeiau Unrecht angeeignet zu haben. Der Angeklagte versandte bon in 2 Millionen Eremplaren. Die Behauptungen gehen soweit, daß geholt, der mit Gummihandschuhen versehen die Drähte entAnfang August 1912 ab an eine Reihe meist hochgestellter Persön- der Partei sogar Empfehlung der Unsitilichkeit" bor- fernen wollte. Er kam jedoch durch irgendeine Unvorsichtig lichkeiten eine Drudschrift, die unter der Ueberschrift Tragödie geworfen wird. Mit ganz groben Alögen geht es auch unserer feit mit einer ungeschütten Stelle des Körpers der Leitung eines Beteranen" in erschütternder Darstellung das Geschick eines Zeitschrift Arbeiter- Jugend" zu Leibe: Beteranen Drug, der in der Düsseldorfer Straße plöglich befinnungslos zusammengebrochen und wie ärztlicherseits feftgeftellt worden sei an Hunger und Entkräftung gestorben sei. Daran knüpfte sich ein Aufruf, in welchem es als Ghrenpflicht aller Edlen und Rationalgesinnten erklärt wurde, mitzuhelfen, um Armut, Krankheit, Not und Elend unserer Kriegsveteranen zu lindern. Jede Gabe, auch die kleinste, ist willkommen und wird mit herzlichem Dayt entgegengenommen." Unterzeichnet war dieser Aufruf mit Bentralstelle zur Unterstügung deutscher KriegsDie ganze beteranen, Borsigender P. Loeffin, Seestraße 118". Sache war so inszeniert, daß der Empfänger der Druckschriften den Eindrud erhielt, als handle es sich um die Zentrale eines großen, tohlorganisierten Wohltätigkeitsunternehmens und dieser Eindrud wurde noch dadurch verstärkt, daß die Nationalbant als Zahlftelle angegeben wurde. Auf die Druckschriften hin sind an den Angeklagten beziv. auf das Konto der Zentralstelle" insgesamt über 13 000 m. an freiwilligen Spenden eingegangen. Der Inhalt der Druckschriften war eine grobe Mystifikation. Als die Druckschriften versandt wurden, bestand ein Verein überhaupt nicht und ber erst später gebildete Berein" war eine Scheingründung und er hat sich am Abend des 13. August 1912 im Pavillon- Restaurant in Richterfelde an einem Biertisch gegründet" und bestand zunächst nur aus dem Vorstand, nämlich dem Angeklagten und drei Buchbindern. Durch diesen Berein" ließ sich der Angeklagte gegen ein Monatsgehalt von 150 M. als„ Sekretär" engagieren. Dieses Gehalt zahlte fich der Angeklagte, der ohne jede Kontrolle arbeitete, aus dem für die Zentralftelle eingegangenen Beträgen selbst aus. Der Angeklagte hat ungefähr 1000 W. an Unterstützungen an Beteranen gezahlt. Dies geschah, als er wegen Betruges von der Bolizei verantwortlich vernommen worden war. Aber wie erzieht die Arbeiter- Jugend", das Blatt für zunahe und wurde gleichfalls vom Strom getroffen. Er wurde 100 000 jugendliche Sozialdemokraten, die Jugend männlichen auf der Stelle getötet und auch der junge Mann wie weiblichen Geschlechts? Was sie an Schönem und Erfreu- erlag auf dem Transport nach dem Strankenhaus lichem bietet es wird durch und durch vergiftet burch seinen Verlegungen. Das Gericht erkannte wegen Betruges und Beleidigung auf meun Monate Gefängnis und redmete jedhs Monate der Unteruchungshaft auf die Strafe an. Pathologische Schwindlerin? Das fittliche Bosen. ben Einschlag eines oberflächlichen, verrohenden hädel schen Materialismus und einer boshaften Religionsspötterei. Die Männer der Wissenschaft find freilich längst mit Die jüngste Residensstadt des Deutschen Reiches hat schon wieder Hädel und seinem Materialismus fertig. Selbst einzelne Sozial demokraten rüden davon ab. Trotzdem ja trotzdem wird ein neues Gittenstandälchen. Traf da vor kurzem ein russischer heute noch die erziehungsbedürftige Jugend damit gefüttert. Würdenträger, ein Graf Gordon, aus Warschau in Bosen ein, Schämt sich nicht mancher sozialdemokra- und nahm in der Friedrichstraße Wohnung, wo er zunächst den Bes tische Familienbater selbst, wenn ber Glaube an such verschiedener Damen der Halbwelt empfing. Alsbald gingen die angebliche Affen abstammung des Menschen mit aber auch bei der Polizei Denunziationen ein, daß der Graf gewissen Bildern den Söhnen und Töchtern aufgebunden wird? Mädchen Wenn dabei noch obendrein der überragende Menschengeist letzten abchen unter 14 Jahren an sich gelockt und fie mißbraucht Endes als ein Produkt förperlicher Entwickelung erscheint? habe. Da die Anzeigen von verschiedenen Seiten erfolgten, fo Kommt da der Jugend nicht bald der Gedanke:" Du bist aus wurde eine Untersuchung gegen den Grafen eingeleitet. Der russische einem Tier und endest wie ein Tier? Warum Graf tourde Donnerstagvormittag verhaftet und einem Verhör sollst Du dann nicht leben wie ein Zier?" unterzogen. Nach der Bernehmung wurde er wieder auf freien Fuß gesegt, bleibt aber borläufig unter polizeilicher Beobachtung. Die Anzeige gegen den Grafen Gordon war von Familien erfolgt, Die in einem Hause gegenüber seiner Mietswohnung wohnen und ihn bei seinen Handlungen beobachtet hatten. Die echt flerifale Gemeinheit liegt in dem letzten Sat. Damit soll unserer Arbeiter- Jugend" der Vorwurf gemacht werden, daß sie ihre Leser und Leserinnen auf die Stufe der Tiere herabziehe. Dagegen bauchen wir unsere Jugendzeitschrift sie ist die inhalt reichste in Deutschland nicht au verteidigen. Interessant und beweiskräftig für die Unehrlichkeit der Heritalen Agitation ist aber die Tatsache, daß in demselben M.- Gladbacher Wolfsvereinsverlag, der jetzt dieses Flugblatt herausgibt, unter dem Titel„ Die fozialiftische Jugendbewegung in Deutschland" eine Arbeit erschienen ist, die ganz anders über unsere Jugendbewegung urteilt, auch wenn sie deren Zielen natürlich nicht zustimmt. Da heißt es auf Seite 30 von der Arbeiter- Jugend", man müsse zu der Ueberzeugung gelangen, daß hier eine von einem großen Stab von Mitarbeitern eifrig unterstüßte Schriftleitung andauernd und nicht ohne Grfolg bemüht ist, den angehenden Genoffen reichhaltigen und interessanten Lefeftoff zu bieten". und nach anderen Komplimenten heißt es auf Seite 36: neingeschränkte Anerkennung aller Jugendfreunde verdient die in der Arbeiter- Jugend", sowie in Vorträgen und Resolutionen scharf zum Ausdrud gebrachte Gegnerschaft bezüglich des Alkohol- und( wenig stens des übertriebenen) Tabatgenusses, ferner der Schundliteratur." " Das sollen die Schwarzen in ihren affobolisierten und von Tabatsqualm erfüllten Zusammenfünften nachmachen, ehe sie uns unterschieben, wir verleiteten die Jugend, wie ein Tier zu leben", aller Welt. Tod Brot gesucht und der os gefunden. Kleine Notizen. Schnelle Justiz. Die Anhängerin des Frauenstimmrechts Mary Richardson, die am Dienstag in der Nationalgalerie in London die Venus" von Velasquez beschädigte, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Untergang eines französischen Torpedobootes. Bei einer Uebung der Banzerfreuzer und Torpedoboote im Hafen von Cherbourg riß infolge stürmischer See die Anterkette eines Torpedobootes, das als Bielichiff diente. Das Torpedo boot jant 29 Meter tief. Die Besagung wurde gerettet. Ein ,, flammender" Protest. Anhängerinnen des Frauenftimmrechts haben in der Nacht zum Donnerstag ein Haus in Stewarton ( Grafschaft Ayr) in Brand gestedt, um gegen die Berhaftung der Frau Banthurst zu protestieren. Absturz eines thetischen Fliegers. Der Militärflieger Nuri, ber es versuchte, von Konstantinopel nach Aegypten zu fliegen, ist Mittwochnachmittag in Jaffa um Fluge nach Jerusalem aufgestiegen, aber nach furzer Zeit ins meer gestürzt. Nuri starb bald barauf an seinen Verlegungen; fein Begleiter, Hauptmann Ismail Satti, rettete sich durch Schwimmen. Wasserstands- Nachrichten ber Landesanfalt für Gewäfferturbe, mitgeteilt von Berliner etterbiltean Unter der Maste eines Fel. von Szamory" hat die underthelichte Margarete Sad, die gestern wegen Betruges vor der 7. Straffammer des Landgerichts I stand, einen jungen Kaufmann in einer Weise beschwindelt, daß man sich über die Leichtgläubigleit des Hineingefallenen nur wundern kann. Die Angeklagte, deren im Gerichtssaale anwesende Mutter in Moabit in dürftigen Verhältnissen lebt, hat in Stargard eine höhere Töchterschule be= hucht, hat sich dann nach der Ueberfiedelung nach Berlin auf einer Handelsschule weitergebildet und einige Zeit als Staffiererin bei Wertheim ihr Leben gefristet. Sie ist eine offenbar hysterische und leicht erregbare, phantasiereiche Person. Gines Abends lernte fie in einem Café in Moabit den Kaufmann Hubert Prein fennen, der sich ihr vorstellte und demgegenüber sie sich Marga v. Szamoch nannte. Das Gespräch wurde sehr lebendig und Herr P. erfuhr, daß seine neue Belanntschaft aus vornehmem Milieu stamme. Sie erzählte, fie fei die Tochter des verstorbenen Rittergutsbesikers Morig von Szamory, ein Bermögen von 38 000 m. besize und nur in vornehmen Kreisen verkehre usw. Er verlobte sich mit ihr, fühlte In Strehlen im gelobten Lande Schlesien vermißte man fich betrogen, als herauskam, daß die Angeklagte weder ablig noch bor etlichen Tagen zwei arme Schulmädchen. Endlich sah man auf Geld, noch reiche Verwandte befißt und erstattete Strafanzeige. Die Beweisaufnahme in der gestrigen Verhandlung hatte das einem Teiche bei dem benachbarten Töppendorf ein Körbchen Ergebnis, daß nach Erstattung des Gutachtens des Gefängnis- schwimmen. Man suchte nun den Wassertümpel ab und fand die arates Dr. Dhrhenfurth und des praktischen Arztes Dr. Burchardt, Reichen der bedauernswerten Kinder. Sie hatten noch am Abend die die Möglichkeit, daß pathologischer Schwindel vorliegen fönnte, in Zöppendorf gebettelt und waren offenbar auf dem Heimweg nicht ohne weiteres von der Hand weisen konnten, der Gerichtshof in der Dunkelheit ins Wasser geraten; denn Spuren eines beschloß, die Angeklagte auf ihren Geisteszustand in einer Anstalt Verbrechens waren nicht zu sehen. Das Körbchen hatten sie beim untersuchen zu lassen. Die Angeklagte wehrte sich sehr energisch Betteln gebraucht. Die Aermiten hatten also Brot gesucht und den Reze, Borbamm gegen ben Gedanken, daß sie verrückt sein könnte, wurde immer mutender gegen ihren ehemaligen Bräutigam, dem sie drohend zurief: Den schieße ich nieder, wie einen follen Hund!" und ergriff fchließlich ein Wasserglas, um es dem Verhaßten an den Kopf zu werfen. Durch schleuniges Hinzufpringen der Gerichtsdiener wurde fie daran verhindert. Ein ostelbischer Gutsbesiter. e3 Enter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte dieser Tage bas Elbinger Schwurgericht gegen den Gutsbesitzer Alfred Grothe und das Dienstmädchen Helene Sawakki aus Gr. Lichtenau( Kreis Marienburg). Der Angeklagte hatte das Mädchen, das in seinem Haufe diente, gu geschlechtlichem Verkehr genötigt. Als damit diese Angelegenheit in einem Gerichtstermin zur Sprache kam handelte sich um eine Beleidigungsklage, die die Helene Satvaizki auf Veranlassung von Grothes Bater gegen eine wirtin anstrengen mußte hat der junge Grothe den geschlechtlichen Verkehr eiblich abgeleugnet und auch das verführte Mädchen zu einem Meineis verleitet. Beide wurden verhaftet und legten in der Untersuchungshaft ein Geständnis ab. Vor dem Schwurgericht wurde der Gutsbefiber zu 2 Jahren Zuchthaus, das verführte Mädchen zu 9 Monaten Gefängnis berurteilt. Jugendbewegung. Wie man uns drangfaliert. In Königsberg wird die freie Jugendbewegung von der Polizei in der schärfsten Weise verfolgt. Dieser Tage hielt in einer Jugendversammlung Genosse Nudat einen Lichtbildervortrag über das Thema:" Von der Postkutsche bis zum Gilzug". Als der Redner am Schluß seines Referats erklärte, daß die Völker durch den internationalen Verkehr einander näher gebracht würden, erhob sich der überwachende Polizeibeamte und sagte, der Redner habe das politische Gebiet betreten, er schließe die Versammlung und fordere alle Personen unter 18 Jahren auf, den Bersammlungsraum zu verlassen. Eine Anzahl Jugendlicher wurde noch von der Polizei notiert. Much in der liberal regierten bayerischen Stadt.Bayreuth ist -wieder eine großartige Staatsrettung berübt worden. In der Fort Wasche Hauspulz unentoch licht Tod gefunden. Während so schon blutjunge Menschenkinder vor fremben Türen betteln müssen und unter ungünstigen Umständen Opfer ihrer und ihrer Eltern Armut werden, wähnt man hoch oben, für den deutschen Arbeiter wäre gesorgt bis ins hohe Alter. Rur eigene Kraft tann die Arbeiterklasse aus geistiger und körperlicher Not befreien. Dazu Hautleiden entstehen durch nureines Blut können deshalb auch nur durch innere Behandlung gründlich und dauernd geheilt werden. Hautpillen das beste hierfür. Frau Will hatte auf Armen, Beinen u. der ganzen Brust förmliche Borken bon Ausschlag, ist aber nach der letzten Kur vollständig geheilt worden. Ich tomme, um Ihnen den gebührenden Dant abzustatt. Gott vergelte es Ihnen. Dolmann, Pfarrer in Refrath. Die patentat Hautpillen in eve lich geschütten allen Vororten in allen Apotheken zu haben. Bersand nach auswärts durch Bismarck- Apotheke, Berlin, Wrangelstraße 47. Postlarte genügt. Humorist Holz, Bindowerstraße 21. 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Genossenschafter Waren- Konto Betriebs Unkosten- Stonto Gespann- often- Stonto Kassa- Kota Bank- Konte 5 692,63 240,00 Shpotheken- Konto 970,20 Heservefonds- Konto 993,16 89,70 Darllyns- Konto Lohnreserve- Konto Effekten- Konto 379,40 Kreditoren Grundstück- Konto 33 000,00 Gebäude- Konto 164 327,50 Juventar- Konto 750,00 Abschr 3287,50 161 040,00 Abschr. 100,00 Maschinen- Konto 2700,00 650,00 Abschr. 300,00 2400,00 Gespann- Konto 15538,05 Abschr. 2330,05 13 208,00 Debitoren- Konto. 900,00 223 563,09 M. 950,00 175 000,00 15 823,38 12 065,00 570,00 19 154,71 223 563,09 Im Laufe des Geschäftsjahres hat sich die Mitgliederzahl nicht rerändert und beträgt 19 Genossen. Das Geschäftsguthaben sowie die Gesamthaftsumme der Mitglieder haben sich nicht verändert und betragen am 31. Dezember 1913 je 930 Mark. Reinidendorf, den 12. März 1914. 104/2 Der Vorstand. Robert Engel. Karl Marschel. Bäckerei- Genossenschaft Berlin. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz per 37. Dezember 1913. Attiva. An Anteiltonto G. E. 6. Anteillonto H. E. G. Utensilienfonto " " " Gespannfonto Kautionsfonto " . " " Spesentonto B " Spesenkonto F " Warenkonto " " Detailkonto " Kajjakonto " " Maschinenkonto 3 Bädereitonto W. Paffiva 902. 711,40 Ber Mitglied.- Guthabentont. 7 000, 200, 5 100, Spezialreserbefondskto. 1992,41 Unterstübungsfondstto. 3 232,50 Darlehnsschuldkonto 26 325, . Reservefondsfonto 9 622,26 " 1 095,54 " " 110, Kautionskonto " 401,95 " 1275, Gespann- Unkosten font. 107,20 3 056,62 814,85 4 044,94 Einrichtungsfonto 4 964,92 23 896,78 • 22 000,84 72 302,30 Rabattmarkenkonto. Kontoforrentkonto.. • 1 500, 658,68 26 493,71 72 302,30 Die Mitgliederzahl botrug am 27. Dezember 1912 34. Ausgeschieden im Jahre 1913 6. Die Mitgliederzabl betrug am 27. Dezember 1913 28. Das Mitgliederguthaben betrug am 27. Dezember 1912 7260 m. Auszahlungen im Jahre 1913 260 M. Das Mitgliederguthaben betrug am 27. Dezember 1913 7000 9. Die Haftiumme betrug am 27. Dezember 1912 8500., verminderte sich im Jahre 1913 um 1500 M. Die Hastsumme betrug am 27. Dezember 1913 7000 M. 104/1 Der Vorstand. Richard Linder. Ludwig Ertl. Würzburger Hühneraugenmittel hon Dr. H. Unger. Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei Dhne Zweifel die bequemite u.wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 min. ort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Hanfegtralt.) Dr. H. Unger in Würzburg. GreifBerlin( 20 Pf.): Salomon- Apotheke, Charlottenstraße 54. Apotheke, Barnimftr. 38. We nicht, zu haben: Rosen- Apotheke, Würzburg Mobel- Otto Piehl Magazin Kein Kredithaus Tellzahlung erhöht diese Preise nicht! Komplette Einrichtung schon v. M. 230.Komplette moderne Küche schon von M. 48.Muschelsofa Umbausofa . von M. 60.von M. 52.Berlin N. BrunnenStr. 120 Besseres Wohnzimmer. Yon M. 180.Garnitur( gut gearbeitet) Yon M. 100.Walzen Diwan. Yon M. 52, Schlafsofa mit Kasten von M. 75.Große Einkaufsvorteile für Ratenzahlung nach Wunsch Brautleute! 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Batentanwalt Bejjel, Gitiginer. 37/1