Kr. 73. BbonnemcnfS'Bedingungcn: HEonncmentä• Preis ttänumeranbo: Liertcijährl. 3,30 MI, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Eonnlags, nunimer mit Musirierier Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg, Post- ilbonnemenl: 1,10 Marl vro Monal. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Lesterreich. Ungarn 2,50 Marl, für das übrige Ausland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, «Utnätiicii. Schweden und die Schweis 31. Jahrg. CHdKlnt täglich. Berliner Bollroblnkl. Die InfertionS'Gebflfir teträgi für die scchsgefpalienc Kolonel» zeile oder deren Rauni 00 Psg„ für politische und gewcrlschafilichr Vereins» und Versninnitungs-Anzeigen 30 Pfg, „Aieine An--ig-n", das fettgedrucli- Wort 20 Pfg,(zulässig llsettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafsicllenan. zeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buch- ! laben zählen für zwei Worte, Inserate ür die nächste Nummer niüjsen bis > Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geösfncl, Telegramm- Adresse: „SozIaiiUniolirat Berlin", Zentralorgan der lozialdemokrati Tchcn parte» Deutfcblands. Redahtion: 8Tl. 68, Luiden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moriyplat,, Nr. 1983. Sonntag, den 1». März 1914. Expedition: SÄl. 68, Liudenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moripplatz- Nr. 1984. Teuerung unö Aollerhöhung Die Frechheit der Schutzzöllncr kennt keine Grenzen. Nicht zufrieden mit dem jetzigen horrenden Zollwucher und den tngaus und tagein steigenden Preisen, planen sie ein neues Attentat gegen das Volk. Nachdem der Bund zwischen der kartellierten Industrie und den Agrariern erneuert wurde, unternahmen die neu Vereinten einen energischen Vor- stoß gegen die Regierung, die noch zögerte, die Wünsche der Wucherer zu erfüllen. Wie immer, ist die Re- gierung auch jetzt rasch umgefallen, und wir haben wohl die Erfüllung der agrarischen Gelüste vom lüden- losen Zolltarif zu befürchten. Dafür erhalten die industriellen Kartelle erhöhte Jndustriezölle, vielleicht gar einen Kohlen- zoll. Ein schwerer Kainpf steht bevor. Die verflossene Wirt- schaftsperiode war für die Agrarier wie für die Kartelle günstig. Ungeheure Summen flössen in ihre Taschen: ihre wirtschaftliche, soziale und Politische Macht ist sehr gestiegen. Tie Industrie wird immer niehr kombiniert und kartelliert: die Verfeinerungsindustrie gerät in Abhängigkeit von der Schwerindustrie. Von den bürgerlichen Parteien ist keine mehr im Kampfe gegen die Schutzzölle zuverlässig. Allein das Proletariat tritt gegen die Anmaßungen der Schutzzöllner kanipfbereit hervor. Nur die Logik der wirtschaftlichen Ent- Wickelung kommt ihm zu Hilfe. Denn die steigenden Preise machen die Schutzzollbestrebungen geradezu absurd. Mit welchen Argumenten lassen diese sich denn noch verteidigen? Tie„ausländische Konkurrenz"? Diese gibt's sa fast gar nicht mehr, wenigstens nicht auf dem Gebiet der Landwirt- schaft. Oder ist die Teuerung nur eine„vorübergehende" Erscheinung? Jede neue wissenschaftliche Arbeit widerlegt alle diese Argumente der Schutzzöllner aufs neue. So sind insbesondere drei neue Veröffentlichungen über die Teuerung van Interesse. Ein Herr L. P e r l m a n n untersucht die Bewegung der Weizenpreise. Tr, M. A u g st i n, Privatdozent an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule, unternahm auf Veranlassung der Regierung eine Forschungs- reise durch die Vereinigten Staaten und gibt nun die Resultate seiner Studien in einem„Die Entwickelung der Landwirt- schaft in den Vereinigten Staaten von Nordamerika" betitelten Werke wieder. Schließlich faßt D r. C. T v s z k a die Resul- täte verschiedener amtlicher Untersuchungen über die Löhne und Lebenskosten kurz zusammen. Alle diese Schriften sind bei Duncker u. Humblot(München und Leipzig) ericknenen. Jälflc angeführten Untersuchungen stimmen überein, daß dieTeuerung eine dauernde Erscheinung geworden ist, daß kein Grund vorliege, für die nächste Zeit ein Sinken der Preise zu erwarten. Speziell A u g st i n kommt zu folgenden Schluß- folgerungen über die Konkurrenzmöglichkeiten der Vereinigten Staaten: „Das wesentlichste und für unsere einheimische Land- Wirtschaft bedeutungsvollste Ergebnis vorstehender Unter- suchungen ist, daß es wahrscheinlich auch bei einer weitgehenden Produktionssteigerung der nordamerikanischen Landwirtschaft kaum möglich sein wird, die erheblich gesunkenen Erport- ziffern der Vereinigten Staaten wieder zur alten Höhe zu bringen: als unbedingt sicher muß es aber gelten, daß nie- mals wieder durch Konkurrenz der Vereinig- ten Staaten ein Druck auf die Vieh- und Ge- treidepreise des Weltmarktes ausgeübt werden kann, wie in jenen Zeiten, als innerhalb weniger Jahre ungeheure Flächen besten jungfräulichen Bodens durch extensive Kultur fast kostenlos erschlossen wurden." Was vermögen die Agrarier nun angesichts dieser Tat- fachen zur Verteidigung ihrer Wuchergelüste ins Feld zu führen? Wozu denn die Schutzzollmauern, wenn kein Feind ihnen mehr droht? Umgekehrt können sich die Agrarier nicht darauf berufen, daß den Zöllen an der Teuerung leine Schuld zukäme. Denn Tyszka stellt fest, daß die Haushaltungskosten einer Arbeiter- familie in Preußen in den Jahren 1911/12 um 27 Proz. höher waren als die von 1896/1900, während sie in England in dieser Zeit bloß um 11,7 Proz. gestiegen sind. Tic Teuerung ist also in Preußen größer als in England: der Zollwuchcr von 1902 hat also den Haushalt eines Arbeiters mit 12,3 Proz. belastet. Genügt den Agrariern das noch nicht? War Deutschland einst ein billiges Land, dessen Land- Wirtschaft vielleicht unter der auswärtigen Konkurrenz leiden und Schutzzölle gegen einen weiterenRückgang derPreise hätte verlangen können, so ist es jetzt anders getvorden.„Deutsch- land," meint Tyszka mit Recht,„verwandelte sich binnen wenigen Jahrzehnten aus einem billigen Lande mit günstigen Lebensbedingungen zu einen» überausteuerenLande, in welchem infolge der Preis- steigerungen gerade der notwendigsten Lebensmittel. Fleisch und Brot, die Lebensbedingungen, besonders des städtischen Bürgers und Arbeiters, sich fortgesetzt verschlechtert haben. Deutschland ist heute vielleicht das teuerste Land in Europa." Wie die Teuerung auf den Arbeitslohn gewirkt hat, zeigt folgende Tabelle: Es stellten sich in Preußen: Löhne Lebenskosten Reallöhne isoa........ 100-0 100.0 100.0 1910........ 104.1 124.5 79.8 1912........ 116.7 135.8 80.9 Der Reallohn ist also in Deutschland seit 1900 um 20Proz. gesunken. Tie Lobredner der heutigen Wirt- schaftspolitik vergleichen gewöhnlich die Nominallöhne in Teutschland mit denen in anderen Ländern und zeigen stolz darauf hin, daß die Nominallöhne in Deutschland am erheb- lichsten gestiegen sind. Das tut auch Helsferich in seinem Lob- gesang auf Teutschlands Wohlstand, wobei er noch statistisch unzulässige Vergleiche von Größen ganz verschiedener Art macht. Tyszka vergleicht demgegenüber die Reallöhne in Preußen, England und Frankreich und erhält folgende Indexzahlen: Großbritannien Preußen Frankreich 1885... 68.2 56.1 �— 1895... 84.3 69.1— 1900... 100.0 100.0 100.0 1905... 91.6 88.1 104.5 1910... 92.2 79.6—82.9. 106.0 Bis Ende des vorigen Jahrhunderts steigen im all- gemeinen die Löhne an: seitdem gehen sie in England sowohl wie in Preußen zurück. Ter Druck der Teuerung macht sich aber in Preußen fühlbarer als in England, so daß sie in Preußen auf 80 Proz. heruntergehen, wenn man auch die Mietsaufwendungen berechnet, und auf 83 Proz., wenn diese nicht einbezogen werden. Auf jeden Fall bleiben sie in England höher als in Preußen. Dabei muß noch folgendes bemerkt werden. In England sind die Nominallöhne fast gar nicht gestiegen: in Teutschland mußten die Arbeiter schwere Kämpfe um Lohnaufbesserung aussechten, haben auch gewisse Erfolge zu verzeichnen, die aber doch bei weitem nicht ausreichen, um die Lebens- Verteuerung wettzumachen, das frühere Lebensmittelnivcau weiterhin zu erklimmen. Gerade um soviel Prozente, um wieviel die Zölle die Teuerung in Teutschland verschärft haben, bleibt der Reallohn in Deutschland zurück. Wären die Zölle fortgebliegen, so hätten die deutschen Arbeiter viel- leicht die allgemeine Preissteigerung durch Lohnerhöhung ausgleichen können. Die sprunghafte Preissteigerung aber, die infolge der Zölle eingetreten ist, mußte nunmehr den Real- lohn drücken. Die Zollerhöhung wirkte also wie ein Lohn- abzug. Indem sie die Agrarier bereicherte, drückte sie die Lage der Arbeiter stark herab. Sollen sich nun die Arbeiter einen neuen Lohnabzug gefallen lassen? papierchen. Paris, 13. März. sEig. Ber.) Der Direktor deS„Figaro", der seit mehreren Wochen eine persönliche Kampagne gegen C a i l l a u x führt, läßt eine seiner schweren Batterien spielen. Nach den Be« schuldigungen, von deu Banken Geld für Wahlzwecke erpreßt zu haben und trotz öffentlicher Ableugnung, weiter in den glänzend dotierten Verwaltungsstellen exotischer Banken zu sitzen, klagte er den Finanzminister vor zwei Tagen an, in der A f f ä r e Ro chette seinerzeit einen Druck auf die Justiz ausgeübt zu haben, um für den berüchtigten GründungSschwindler eine Erstrcckung zu erlangen, die diesem die Verjährung sicherte. Der Minister hat bisher auf diese Bezich- tigung, die Herr Calmette mit genauen Detailangabcn begleitete, die mit den ehedem umlaufenden Gerüchten merkwürdig zusammen- stimmen, nicht geantwortet. Diese Schweigetaktik, die er übrigens schon seit längerer Zeit gegenüber den Angriffen Calmettes beobachtet hatte, hat er aber heute, gegenüber dem neuesten Anklageakt mucr- brachen. Im heutigen„Figaro" veröffentlicht nämlich Calmette einen auS dem Jahre 1901 stammenden Brief Caillaux', der zur intimen Korrespondenz gehört, die der Minister damals mit einer Dame hatte. Caillaux, der damals der Finanzminister im Kabinett Waldeck-RousseauS war. berichtete seiner Freundin über die Kammerverhandlung vom 4. Juli mit folgenden Worten:„Ich habe einen sehr schönen Erfolg davongetragen. Ich habe die Ein- kommen st euer vernichtet, Ivährend ich sie doch anscheinend verteidigte. Ich brachte es dahin, daß mich das Zentrum und die Rechte akklamierte und habe die Linke nicht allzusehr verstimmt. Und eS ist mir gelungen, den notwendigen Ruck nach Rechts zu geben... Jetzt bin ich im Senat, wo ich das Gesetz über die direkten Steuern zur Annahme bringen werde und am Abend wird die Session zweifellos geschlossen sein. Ich bin zerschlagen, ganz blöde geworden, beinahe krank, aber ich werde dem Land einen wahren Dienst erwiesen haben." Der moralrettende Feldzug des Herrn Calmette wird sicherlich nicht erbaulicher, wenn man jetzt steht, daß der Direktor des kauf- lichsten BlaiteS von Paris in Kompanie mit einer rachedürstigen Exmätresse des Ministers arbeitet. Und da« Pathos, womit Herr Calmette heute seinen seelischen Konflikt vor der Veröffentlichung schildert, ist einfach zum Ausspucken. Das ändert freilich nichts an der Tatsache, daß der zitierte Brief recht fatal für Caillaux ist. Der Minister hat sich auch, schon darum, weil er gerade jetzt die Einkommensteuer im Senat zu verteidigen hat. zu einer Erklärung herbeigelassen, die merkwürdigerweis« in zwei Versionen, von der„Agence HavaS" und von der immer halboffiziösen„Agence Fournier" ausgesandt wird. Was die alten Aeußerungen über die Einkommensteuer anlangt, sagt Caillaux, daß sie in Zusammenbang mit der damaligen Situation gebracht werden müßlen. Gewisse Gegner des Ministeriums hätten damals die sofortige Ersetzung der vier direkten Steuern durch eine „globale"(d. h. auf den ganzen Einkommenskomplex gelegte) Einkommensteuer beantragt. Er habe aber die globale Steuer immer für unmöglich gehalten(er tritt auch heute für die„ceduläre", d. h. Idie einzelnen Einkommensgattungen separierende und nur durch eine„komplementäre" Steuer auf das Gesamteinkommen ergänzte Steuer ein). Weiter habe er auch die Einführung der Ein« kommensteuer nie ohne Vorbereitung und Uebergangsperiode für durchführbar angesehen. Endlich aber hätte es sich darum gehandelt, ein politisches Manöver gegen die Regierung zu vereiteln. In dieser Erklärung mag manckies richtig sein, indes ist cS der Ton, der die Musik macht und der Ton, worin der Minister im vcr« trauten Verkehr von der Einkommensteuer spricht, ist nicht eben der, den man von einem Manne erwarten könnte, der in der Oeffenilich« keit von dieser Reform wie von seinem Königsgedanken spricht. Daß seine Lage nicht durch die Veröffentlichung dieses Briefes allein, fondern durch die ganze Kampagne gegen ihn immerhin heikel gc« worden ist, scheint er selbst einzusehen. In der Angabe der Agence Havas, die das„Journal des Debals" veröffentlicht, ist nämlich der in der durch die Ageklce Fournier ausgegebenen Fassung vor« kommende Satz unterdrückt worden, daß„es leicht wäre, im p 0 l i t i« schen Leben der Männer, die der„Figaro" zu unterstützen vorgibt, Ent Wickelungen in derselben Materie und in vielen anderen zu finden, die sich nicht so leicht erklären ließen". Dieser direkte Ausfall gegen B a r t h 0 u und B r i a n d, die ja offiziell mit den Artikeln Calmetles nichts zu tun haben, muß natürlich dem Bestreben der Gegner des Ministers, alle die Skandalgeschichten vor dem Parlament auszubreiten, zu Hilfe kommen. Der Zorn hat da Caillaux nicht gut beraten. Die Stellung der Soziali st en in dieser Situation ist natürlich nicht angenehm. Sie haben Caillaux nie für einen Tugend» bald gehalten, der nach dem Katechismus der kleinbürgerlichen Moral Treu und Redlichkeit übt, und sie haben nicht den geringsten Grund, den Calmette und seinen Hinter« männern etwas zu liebe zu tun. Man mag selbst zweifeln, ob eS Caillaux ehedem mit seinem Steuerprogramm ernst genommen hat. Semer Klugheit ist aber zuzutrauen, daß er heute die energische Besteuerung der Besitzenden als einziges Mittel erkennt, die bürger- liche Republik vor der finanziellen Katastrophe zu schützen. Das be« deutet nun selbstverständlich nicht, daß sich die Sozialisten in da» Pläljchcrspiel, das hie lämpseuden bürgerlichen Cliquen im kapita« listischen Kampf aufführen, mischen müssen. Immerhin sind Ans« klärungen wie die letzteren sehr nützlicki, um neue Illusionen über den Idealismus und die Vertrauenswürdigkeit der radikalen Politik nicht auskommen zu lassen. Ter Kampf gegen Eaillaux. Paris, 14. März. Die Gegner der Regierung scheinen sich der Hoffnung hinzugeben, daß es ihnen doch noch gelingen werde, den Finanzminister Caillaux vor Schluß der Legislaturperiode zu Fall zu bringen. Sie machen kein Hehl daraus, daß sie in der Angelegenheit des Spekulanten Röchelte ein geeignetes Mittel zur Erreichung ihres Zieles erblicken. In den Wandelgängen de? Palais Bourbon war auch bereits das Gerücht verbreitet, daß der Bericht des Oberstaatsanwalts Fabrc, welcher auf die politische Seite der Rochette-Angelegenheit ein bedenkliches Licht warf, ent« weder durch die Presse oder von der Kammertribüne herab in die Oeffentlichkeit geworfen werden sollte. Die von I a u r e s, dem Obmann des Rochette-Ausschusses, in seiner gestrigen Rede getane Aeußerung:„Man bringe uns neue Dokumente und wir werden dann urteilen," wird als eine Anspielung auf dieses Gerücht auf« gefaßt. Sehr bezeichnend ist der Leitartikel der dem früheren Ministerpräsidenten B r i a n d nahestehenden„Pente R e p u- b l i q u e", die u. a. schreibt:„Niemals ist die Lage Caillaux' kritischer gewesen. Wenn, wie man ankündigt, vielleicht schon in einigen Stunden oder in einigen Tagen das unbestreitbare Schriftstück auftauchen sollte, welches einen Beweis für die Pression bietet, die Monis und Caillaux auf die mit der Untersuchung de» Rochettehandels betraute Gcrichtsstelle ausgeübt haben, dann wer» den die Deputierten einen verurteilenden Wahrspruch fällen müssen. Jedenfalls muß es für Caillaux eine Ehrensache sein, noch vor Ablauf dieser Session auf die Anklagen zu antworten, die allzu bestimmt und allzu heftig sind, als daß er sie mit stiller Verachtung hinnehmen könnte. Jaurcs sagt in der„Humanste": Die Rückschrittler, welche von der immer näherrückenden E'i 11 k 0 m m e 11 st c u e r mit Schrecken erfüllt werden, suchen eine Atmosphäre des Skan- dals zu schaffen. Als Obmann des Rochette-Ausschusses rufe ich den Gegnern der Regierung zu: Wenn Ihr, wie man in den Wandelgängen der Kammer und in den Redaktionsstuben erzählt» entscheidende Dokumente besitzt, dann zeigt sie. Gebt uns die Mittel in die Hand, in genauer Kenntnis der Sachlage zu ent« scheiden. Die radikale„Lanterne" meint: Wir streben den Sieg unserer Sache gegen die Rückschrittler an. Caillaux selbst ist für uns nur das notwendige Werkzeug der Deniokratie, und gerade die maßlose Wut der Konservativen beweist uns, daß die Politik der Regierung den Wünschen unserer Partei möglichst entspricht. Sozialistenverfolgung in Japan. Von S. Katayama /T 0 k i 0). In Japan haben in den letzten Jahren die Regierungen oft gewechselt; bald war eine konservative, bald eine burcaukratische, bald eine„liberale" am Ruder. Aber eines war und ist allen ge- meinsam: die blinde Unterdrückungswut, der brutale Haß gegen die sozialistische Bewegung. Als das gegenwärtige Ministerium den Vertrauensmann der Militärpartei, Katsura, ab- löste, erwarteten viele eine Aera größerer Freiheit und des Fort- schrittes. Vergeblich. Die sogenannte liberale Regierung über- trifft in der Verfolgung aller derjenigen, die im Geruch des So- zialismus stehen, noch ihre rein reaktionären Vorgänger. Tie Clique, die ichl als„liberale" Regierung hmtel, behandelt die Sozialisten kurzerhand als Verbrecher. Sozialistische Bücher zu der- kaufen, ist noch immer verboten; ein Arbeiterblatt besteht nicht mehr. Alles, was an sozialistischer Literatur berhanden war, wurde kurz nach dem Prozeß gegen die sogenannten Anarchisten, Kotoku und Genossen, unterdrückt. Seitdem ist es bloß dein Genossen Sanschiroschikawa möglich gewesen, ein Buch über die Geschichte des Sozialismus zu veröffentlichen; aber auch diese mehr akademische Schrift wurde gleich nach dem Verlassen der Presse von der Regierung verboten und konfisziert. Zuweilen werden bürgerlichen Blättern allerdings Artikel über den Sozialismus'ge- stattet, aber nur, weil sie ihn angreifen. Jedenfalls darf die sozialistische Lehre öffentlich nicht verbreitet werden. Beim Tode unseres Genossen Bebel waren zwei Genossen glücklich genug, einen Artikel über ihn in die Oeffentlichkeit zu bringen. Sie ließen darin den toten Führer sprechen. So half uns noch der tote Bebel in Japan, den Sozialismus verkünden. Auch der sehr einflußreiche Kathedersozialist Professor Abe schrieb unserem ver- storbenen Führer einen Nachruf in einer der bedeutendsten Zeift schriften Japans. Der Sozialismus ist in gewissem Sinne im japanischen Volk sehr populär. Wer heute in Japan ein Buch über Wirtschaftspolitik schreibt, beschäftigt sich mit den sozialistischen Grundsätzen. Gewiß, diese Werke sind vom Standpunkt des Akademikers aus verfaßt; dessen ungeachtet helfen sie den sozialistischen Gedanken ver- breiten. Es ist bezeichnend für unsere Zustände, daß sich keiner dieser Autoren Sozialist nennt. Würden sie es tun, wäre es mit ihrer Karriere zu Ende. Aus dem gleichen Grunde hüten sie sich, mit Sozialisten in Verbindung zu treten. Sie sind ängstlich darauf bedacht, alles zu vermeiden, was sie als Sozialisten erscheinen lassen könnte. Die Furcht vor dem Hungertuch ist mächtiger als die Gesinnungsstärke. Die berufliche wie soziale Stellung ist ihnen lieber als der Name eines aufrechten Mannes. Wir Sozialisten können keinerlei positive Propaganda treiben, weil wir nur zu gut wissen, daß von unserer Gesetzgebung und Rechtsprechung keinerlei Schutz zu erwarten ist. Denn, wenn wir es auf eine Anklage ankommen lassen, würden Schuldbeweise von Polizisten und Detektiven gegen unS fabriziert und auf Grund dieser uns das Urteil gesprochen werden. Uebrigens braucht sich die Behörde die Mühe eines regelrechten Prozesses gar nicht zu machen. Wenn sie irgendeinen Sozialisten zu beseitigen wünscht, so hindert sie niemand daran, diesen Zu verhaften und vor ein Geheim gericht zu stellen, ihn also unter vollständigstem Aus- schluß der Oeffentlichkeit und mit Hilfe der alles beschwörenden Polizisten zu verurteilen. Dieser traurige Stand unserer Rechtsprechung macht uns, wie leicht begreiflich, vorsichtig. Wir erwägen es zweimal, ehe wir mit einer agitatorischen Arbeit beginnen. Aber auch wenn wir uns jetzt wenig in der Oeffentlichkeit sehen lassen, so sind wir noch nicht tot. Die Flamme der revolutionären Begeisterung wird von einer naturgemäß kleinen aber treuen Schar fleißig weiter genährt, damit sie zu günstigerer Zeit wieder frisch lodern kann. Zweimal im Monat versammelt sich das Fähnlein der Unerschütterlichen in dem Hause im lateinischen Viertel Tokios, wo einst der deutsche Genosse Kummer Zuflucht fand, um über unsere Lehre und Taktik zu diskutieren, um wenigstens unter der kleinen Schar Getreuen Einheitlichkeit ftn Denken und Handeln zu schaffen, damit sie bereit sind für die kommenden Kämpfe gegen den gemeinschaftlichen Feind. Ein anderer Weg bleibt unS unter dem gegenwärtigen Zustand leider nicht, für die Bewegung zu arbeiten. politische Uebersicht. Das Endo der Bergarbeiterdebatte. Die Debatte, die am Sonnabend die zweite Lesung des Etats der Bergbauverwaltung im Abgeordnetenhause abschloß, zeichnete sich durch die Uebereinstimmung unter den Rednern der Sozialdemo- traten. Fortschrittler, Polen und des Zentrums über die jammer- vollen Verhältnisse auS, unter denen die Bergarbeiter zu leiden haben. Die Abgg. G r o n o w S k i fZ j, Delius(Vp.). K o r f a n t y (Pole) und H u e(Soz.) wußten ein Lied zu singen von den schlechten Znständen in den Knappschaftskrankenhäusern, von der schweren Schädigung der Bergarbeiter durch die Herabsetzungen ihren Renten, von den geringen Pensionen der Knappschaftskassen, die, wie Hue treffend bemerkte, zum Verhungern zu viel und zum Leben zu wenig sind. Ganz besondere Beachtung ver- dienen wieder die Ausführungen unseres Genossen Hue, der wiederholt in die Debatte eingriff, um sich über die Fragen des KnappschaftSwesenS, der Bergarbeiterwohnungen und der Unfall- gefahr zu verbreiten. Seine Ziffern über die Höhe der Unfälle iin i Bergbau sollten zum Nachdenken veranlassen und den herrschenden Klassen eine Mahnung sein, endlich den Bergarbeitern den Schutz zu gewähren, auf den sie Anspruch haben. Leider aber scheint es den Machthabern mit dem Schutz für Leben und Gesund- heit der Arbeiter immer noch nicht ernst zu sein. Brachte es doch der Abg. Hasenclever snotl.) fertig, unter fortgesetztem Toben gegen die Institution der Sicherheitsmänner, die Schuld an den Unfällen teils den Arbeitern selbst zuzuschreiben, teils auf die Eigen- art des preußischen Bergbaues zurückzuführen! Wieviel Opfer sollen erst noch fallen, bis diese Gesellschaft sich auf ihre Pflicht besinnt und ihr Geldsacksinteresse hinter dem der Allgemeinheit hintanstellt! Entschieden ablehnend verhielt sich unsere Fraktion gegen einen Antrag des Zentrums auf Gewährung von Bauprämien und Bau- darlehen für Arbeiter im oberschlesischen Jndustriebezirk. Nicht etwa, weil wir die Notwendigkeit der Schaffung guter Wohnungen nicht einsehen, sondern weil wir aus Erfahrung wissen, wie sehr die Werkswohnungen mißbraucht werden, um die Freizügig- keit der Arbeiter einzuschränken. Wie berechtigt diese Befürchtung ist, das hat indirekt auch der Vertreter der Regierung bestätig«, indem er erklärte, daß für Oberschlesien keine Notwendigkeit sür solche Maßnahmen vorliege, weil die Bergleute in Oberschlesien nicht gefesselt sein wollen. Wir sind der Regierung für dies Zugeständnis dankbar und werden bei gegebener Gelegenheit den richtigen Ge- brauch davon zu machen wissen. Der Antrag ist übrigens gegen die Stimmen des Zentrums und der Fortschrittler abgelehnt worden. Am Montag soll die Beratung deS Eisenbahnetats beginnen. Militärische lSrundstücksgeschäfte. Ohne den Reichstag zu fragen, hat das Äriegsministerium im Jahre 1011 eine Villa nebst großem Gartengrundstück in der teuer- sten Gegend Berlins gegen andere dem Militärfiskus gehörige Grundstücke eingetauscht. Die Villa wurde den Wünschen des Chefs deS Militärkabinetts, Generals v. Lyncker, entsprechend umgebaut und in dem Gartengrundstück wurde ein mächtiges Gebäude er- richtet, das neben einer Anzahl Amtszimmer ein halbes Dutzend herrschaftlicher Wohnungen für Beamte enthalten soll. Als die Geschichte ziemlich fertig war, erinnerte man sich, daß es nötig sei, die Genehmigung des Reichstages einzuholen. Ma» kleidete also diese Forderung in eine Form, daß für daS Reich noch eine hübsche Summe als Einnahme heraussprang. Abg. Genosse Studien deckte damals diese Ungeheuerlichkeit auf. Er wies nach, daß man nur dem Chef des Militärkabinetls diese elegante Villa als Dienst- Wohnung überweisen wolle. Der Aufwand für diese Dienstwoh- nung mindestens 120 000 Mark pro Jahr betragen hätte. Um einer Ablehnung durch das Plenum des Reichstages vor- zubeugen, zog Staatssekretär Dr. Delbrück namens der Berbün» beten Regierungen die Vorlage im letzten Augenblick zurück. Für die Militärverwaltung entstand nun die Frage, wer für die Kosten aufkommen müsse, die bis dahin dadurch entstanden waren, daß man Ausgaben gemacht hatte, ohne sich vorher der Genehmigung des Reichstages zu versichern. Staatssekretär Kühn vom Reichs- schatzamt hatte ausdrücklich erklärt, daß alle Verträge mit der Klausel versehen wären:„Vorbehaltlich der Zustimmung des Reichstages". Bei den Kommissiönsverhandlungen hatte sich aller- dings herausgestellt, daß die Pläne für den gar nicht genehmigten Um- und Neubau im K r i e g s m i n i st e r i u m ausgearbeitet wor- den sind, und einer der Bauräte war naiv genug, der Budgetkom- Mission lachend zu erklären: das Gebäude stehe nun einmal da, die Budgetkommission möge deshalb nur getrost in den saueren Apfel beißen. Zwischen der Militärverwaltung und dem Bauherrn, einem Herrn b. Wtnterfeldt, haben dann Verhandlungen stattgefun- den, die zu einem Schiedsspruch führten. Nach diesem Schieds- spruch soll die Militärverwaltung entweder eine hohe Entschädi- gungssumme als Abstand zahlen oder das Grundstück nachträglich übernehmen. Dem Reichstag wird daher dieser Tage ein Nachtragsetat zu- gehen, der dem Reichstag zumutet, den Erwerb der Grundstücke nachträglich zu bewilligen. Die Mittel dazu sollen dadurch ge- Wonnen werden, daß ein dem Kriegsministerium gehöriges Grund- stück an das preußische Finanzministerium verkauft wird. Der Reichstag wird hoffentlich auf diesen plumpen Plan nicht eingehen, denn die Tatsache wird dadurch nicht aus der Welt ge- schafft, daß das Budgetrecht des Reichstages in der gröblichsten Weise verletzt worden ist. Das Reich ist zu nichts verpflichtet. Herr v. Winterfeldt mag sich darum— wenn er glaubt, Entschädigung?- ansprüche stellen zu können— an jene Leute wenden, die ihm un- befugterweise Aufträge erteilt haben. Mit dem Verkauf des militär- fiskalischen Grundstücks kann man einverstanden sein, nicht aber damit, daß aus dem Erlös dem General v. Lyncker das begehrte Palais zur Verfügung gestellt wird, das den deutschen Steuer- zahlern die ungeheuere S'u mme von 120 000 Mark i m Jahre kosten würde. Jedenfalls dürfte dieser Nachtragsetat im Reichstage zu kräftigen Auseinandersetzungen führen. Gibt der Reichstag nach, so ist damit der Militärverwaltung der Weg gezeigt, den sie einschlagen muß, um Aufwendungen zu machen, die der Reichstag, wenn er vorher gefragt würde, niemals bewilligt hätte. Jnnkcr-TcrroriSmns. Als vor einigen Tagen Genosse L e i n e r t im preußi- schen Junkerparlament zahlreiche Fälle von.Jnnungsterro- r i s m u s zur Sprache brachte und insbesondere auch auf den Terror bei ländlichen Wahlen hinwies, widersprach nicht nur die gesamte Kohorte der Junker, sondern auch der bekannte Mittelstandsretter, der Abgeordnete Schornfteinfegermeister Eon- r a d t, stellte solche Fälle in Abrede und verlangte Beweise. Wir können heute mit einem ganz krassen Fall dienen. Einem kleinen nationalliberalen Landwirt wurde von den Großagrariern einfach die Existenz abgeschnitten, weil er nicht nach der Pfeife der agrarischen Freunde des Herrn Conradt tanzen wollte. Der seit 16 I a h r e n in der Zuckerfabrik Trachenberg, zum Wahl- kreis de» Herrn v. Hehdebrand gehörig, al» Expedient ange- stellte Landwirt Baum batte sich bei der letzten ReichZtagSwahl durch bei den Großagrariern mißliebig gemacht, daß er aus seiner nationalliberalen Gesinnung kein Hehl machte. Sonst war dem Mann nichts nachzusagen, denn in der Fabrik erfüllte er seine Pflicht. Im Frühjahr 1012 gründeten die Großagrarier des Kreises einen Rübenbauverband, der mit der Zuckerfabrik ein Vertrags- Verhältnis einging, dabei aber zur B e di n g u n g machte, daß de'- im Geruch nationalliberalcr Gesinnung stehende Expedient Baum entlassen werden müsse. Auf die Fragen des erstaunten Direktors nach der Ursache dieses Verlan- gens, wurde diesem zu verstehen gegeben, daß, wenn er diesen Wünschen nicht nachkomme, er auch seiner Wege gehen könne. Doch gelang es dem Fabrikdirektor noch, das Opfer großagrarischen Terrors bis zum Oktober 1012 weiter zu beschäf- tigen; dann aber muhte er den Baum nach IKjähriger einwand- freier Tätigkeit entlassen. Seit dieser Zeit ist Baum nun stellungs- los und daher gezwungen, wenn er nicht bald eine andere Stellung findet, seine Wirtschaft zu verkaufen, da diese allein zu klein ist, um ihn und seine Familie zu ernähren. Das ist nur einer von den vielen Fällen, wo dt« agrarischen Kampfgenossen des Abg. Conradt ihre politische Gegner rücksichts- los an die Wand drücken, bis diese vor Hunger quietschen. Und genau so, wie die Agrarier, machen es die Jnnungshelden, al« deren Verteidiger Herr Conradt im Abgeordnetenhause auftrat. Vom Kampf gegen den inneren �fetnd. AuS bürgerlichen Kreisen wird unS mit der Bitte um Ver- öffentlichiilig folgendes Schriftstück zugestellt: Kommandantur der .Festung...................... Tgb. Nr.......(enthält Datum) An den Restauratcur Herrn.......... Hier. Es ist zur Kenntnis der Kommandantur gelangt, daß sozial- demokratische Vereine in Ihrem Lokal Vergnügungen und ähnliche Zusammenkünfte abbalten. Fall« dies auch noch ferner von Ihnen geduldet werden sollte, würde sich die Kommandantur veranlaßt sehen, Ihr Lokal für Militärpcrsonen zu verbiete». Unterschrift (Name unleserlich.) Der IlkaS kommt aus einer der östlichen Garnisonen des Reiches. Da man einstweilen noch keine Maschinengewehre gegen den inneren Feind auffahren kann, feuert man simple Papiergranaien. Nun ist sicherlich der Militärboykott nichts NcueS. Aber der Mann, der bier terrorisiert werden soll, hat nie etwas mit der sozialdemokratischen Bewegung seines Ortes zu tun gehübt. Er ist allem Anschein nach das Opfer der Denunziation eines Konkurrenten geworden. Armer Tr. Bcumer! Man schreibt uns: Der nationalliberale Landtags- abgeordnete Dr. B e u in e r ist wirklich ein armer Mann. Auf eine Behauptung unseres Genossen Leinert erwiderte er kürzlich, daß er weder Aktionär noch Auffichtsrat sei, also kein dreimal so hohes Einkommen habe wie ein Staatssekretär; ein Schluß, der eines würdigen Doktors unwürdig ist, denn man kann auch ohne Aktien und Aufsichtsratsposten im Solde der Großindustrie enorm viel verdienen. Ueber allen Zweifel erhaben ist dagegen Dr. Beumers geistige Armut. Et erklärte nämlich in der Entgegnung auf Leinerts Anklagen weiter, zur tatsächlichen Beseitigung der Not und des Elends habe das Christentum zehnmal soviel getan wie die Sozialdemokrat ie, und fand damit die stürmische Zustim- mung der Junkerpartei. Armer Dr. Beuinert Als er so sprach, kam aus Spanien, wo die katholische Kirche das Hest noch am festesten in der Hand hat, die Kunde, die wir bereits gemeldet haben,■ daß ein Arbeiter sich und seine zehnköpfige Familie vow Wurzeln und Kräutern genährt habe, bis er dem furcht- baren Elend ein Ende gemacht habe, indem er seiner Ehefrau mit ihrer Einwilligung den Kops abschnitt und sich selbst die Gurgel. So sieht die christliche Fürsorge aus. Wo das heutige Staats-- christentum am uneingeschränktesten herrscht, ist die Not am größten. Das beweist serner das heilige Rußland mit seinen periodischen grauenhaften Hungersnöten. In der sozialistischen Gesellschaft würden derartig entsetzliche Ereignisse nicht vorkommen. Ueberdies ist die Sozialdemokratie kaum 30 Jahre alt, das Christentum da- gegen 1900. Trotzdem hat s i e zehnmal mehr zur Beseitigung der schlimmsten Armut getan als das Christentum, und sie hätte noch zehnmal mehr getan, wenn sie die Macht des Christenrums hätte und nicht gerade vom heutigen Christentum an ihrer sozialen Arbeit gehindert und gehemmt würde., Delirien in einem nationalen Tollhause. Die drakonischen Urteile gegen Reservisten, die am Tage von Kontrollversammlungen in trunkenem Zustande sich Ausschreitungen. gegen Militärpersonen zu schulden kommsn ließen, haben ihren Höhepunkt in dem bekannten Erfurter Urteilsspruch gefunden. Das vom dortigen Kriegsgericht erster Instanz gefällte Zuchthausurteil hat so ungeheures Entsetzen hervorgerufen, daß es zu einer, wenn auch geringen Milderung der gesetzlichen Straff- bestimmungen führte und hoffentlich auch dazu führt, den unhalt-- baren Zustand zu beseitigen, daß Reservisten am Tage der Kontroll-- Versammlung den ganzen Tag den Militärgesetzen unterstehen. Aber anders wie sonst malt sich die Welt in den Köpfen der Lest- artikler der„Täglichen Rundschau", der Unabhängigen Zeitung für nationale Politik. In diesem Blatt wird die längst notwendige Forderung wie folgt beurteilt: Bis an die Pforten des Bezirkskommandos kommt also der rote Herr der Welt als fteier Mann, und hoch in seiner Linken schwingt er den„Vorwärts" mit freudigem Winken. Vor dem Eintreten in Reih und Glied werden nicht nur, wie bisher, Stöcke und Schirme, sondern auch rote Nelken und' A gitations-Literatur an die Mauer gelegt. Nun nur noch schnell Namensaufruf, Verlesung der Be° srimmungen, der Strafen— und mit dem„Wegtreten!" ist der ganze Disziplin-Spuk zerstoben. Vor dem Tore stehen mit Plakaten die sozialdemokratischen Sandwichmänner, in allen umliegenden Lokalen finden Versammlungen der Umsturz- Partei statt, werden antimilitaristische Reden gehalten. Ter Staat als Zutreibet der Sozialdemo- kratie. So bequem hat sie es sonst nie,„alle miteinander" zu bekommen, auch diejenigen, die sonst die Versammlungen meiden. Wir bekommen rote Kontrollversamm- l u n g e n. Alle Unkosten der Einberufung trägt der Staat... Die Leute selbst atmen ja. an diesem einen Tage auf. Es ist für sie nicht nur ein Tag des Blaumachens, sondern auch der Freiheit, denn sie sind ledig von Parteipflichten, sicher vor Parteibeamten. Warum will man ihnen diese köstlichen Stunden rauben? Bielleicht ist es doch noch möglich, durch sachgemäße Kaltwasser. behandlung den Unglücklichen zu retten. Der Versuch sollte wenigstens gemacht werden. Erleichterung der ländlichen Schullasten. In der Budgclkommission des Preußischen Abgeordnetenhauses haben sich die Konservativen, Zentrum. Frcikonservative und National- liberale auf folgenden, vornehmlich die Verminderung der Schullasten der Gutsbezirke bezweckenden Antrag geeinigt: Das Hau» der Abgeordneten wolle beschließen: die Königliche StaatSregierung zu ersuchen, 1. mit tunlichster Beschleunigung eine Gesetzesvorlage zu machen zur Beseitigung des unerträglichen Druckes, welchen die Schullasten teils wegen ihrer Höhe, teils wegen ihrer Un» gleichmäßigkeit auf eine große Anzahl der preußischen Gemeinden und Gutsbezirke aus- üben; 2. bei der Vorbereitung dieser Vorlag«— unter Aufrecht- erhaltung des kommunalen Charakters der Volksschulen— vor- nehmlick die Befreiung der einzelnen Schulver» bände von der Aufbringung der persönlichen VolkSsch ulla sten in Erwägung zu ziehen und dabei auch auf die Beseitigung der now vorhandenen Ungleichheile» und anderer Mißstände im Lehrerbcsoldungswesen Bedacht zu nehmen; 3. die Verhandlungen hierfür so zu beschleunigen, daß dem Landtage tunlichst noch im Laufe dieses Jahres eine Denkschrift, welche die Höhe der Schullasten und der sonstigen Äommunallastcn in den Gemeinden und Gutsbezirken darstellt und die verschiedenen Möglichkeiten der Abhilfe erörtert, und zu Beginn de? JahreS 1015 der unter 1 vorgesehene Gesetzentwurf vorgelegt wird. DueNziffern. Im Anschluß an die erregten Duelldebatten im Reichstage ver« öffenllicht die„Frankfurter Zeitung" interessante Duellziffern, die sich auf die Veröffentlichungen der Anli-Duell-Liga stützen. Danach fanden in Deutschland während der letzten Jahre außer den zahl« reichen Herausforderungen 410 Duelle mit tödlichen Waffen statt. Die Duelle pro Jahr schwanken zwischen 20 und 69, sicher ist aber eine Steigerung zu verzeichnen. Von den 838 Duellanten waren zwei Drittel Militärs und Studenten. Unter den 231 Militärs be- fanden sich 227 Offiziere und 4 Fähnriche. Einer der Offiziere war General, 4 Stabsoffiziere, 16 Haiiptleuie, Rittmeister oder Stabs- ätzte, die übrigen 206 standen im Leutnanlsrang. Aus Studenten- kreisen rekrutieren sich 628 Duellanten, worunter sich 14 Schüler im Alter von 12 Jahren befanden. Glücklicherweise verstanden diese jugendlichen„Ehrenniänner" nicht die Waffe zu führen, weshalb die Duelle unblutig verliefen. Daraus ist mit genügender Deutlichkeit zu ersehen, daß nur in den Kreisen der„Gebildeten", der„Edelsten und Besten" der Nation der barbarische und blöde Duellunfug Vertreter findet. Tödlich verliefen 29 Duelle und in 23 Duellen wurden beide Gegner verletzt. Die Ursachen des Schießens oder SchlagenS waren Ehebruch, Eifersucht. Liebeshändel, Antisemitismus, Beleidigungen und andere Albernheiten alles Gründe, um dem verhaßten Gegner eine Kugel oder den Degen durch den Leib zu jagen. Die Arbeiterklaffe kann diesen niedrigen Blödsinn von einer höheren Warte betrachten, wie alle Unsitten der Herrschenden. Mögen sich jene kampflustigen Wüteriche so viel sie wollen die Leiber zerfetzen—»eim'8 ihnen nur Spaß macht. Barbaren haben sich schon immer selbst aufgefressen, und das wird auch künftig so bleiben. Der Herr Major? Hinter verschlossenen Türen verhandelte ba» Dresdener Kriegsgericht gegen den Major und AbteilungSchef des Arttllecieregiments Nr. 48, Georg P e tz o l d, der wegen Mißhandlung und vorschrifts» widriger Behandlung eines Untergebenen an« geklagt war, aber als Ersttlassiger vor der Anklagebank Platz nehmen durfte. Wie gewöhnlich in solchen Fällen waren auch diesmal wieder die militärdienstlichen Jntereffen in Gefahr, weshalb man noch vor Verlesung der Anklageverfügung auf Antrag des Anklagevertreters schleunigst die Oeffentlichkeit ausschloß! Die Beweisaufnahme, in der drei Zeugen und ein ärztlicher Sachverständiger aehört wurden, spielte sich also hinter fesiverschlossenen Türen ab, es kann daher auch nichts Näheres über die strafbaren Handlungen des Majors berichtet werden. Nur so viel war zu erfahren, daß sich der Angetsagie in nicht unerheblicher Weise an seinem Burschen, dem Fahrer Reiwald, tätlich bergangen hat. Nur für die Verlündung des Urteils, das der Anklage gemüB auf 14 Tage Stubenarrest lautete, wurde die Oeffentlichkeit wieder hergestellt, für die Begründung jedoch abermals ausgeschlossen. Güterpreissteigerung. Alle Dinge müssen den Agrariern zum besten dienen. Da? gilt auch von der nationalen Siedelungspolitik in Weftpreusten und Posen. Den.Patrioten"»von" und„zu" treibt die staatliche Siedelungs Politik den Preis ihres Grundbesitzes in die Höhe, das; es eine Lust ist— zu verkaufen. Nach den Nachweisungen der Siedelungs- kommission über ihre Tätigkeit im Jahre 1913 ist der Durchschnitts- preis für die im Berichtsjahre erworbenen Grundstücke wiederum gestiegen. Insgesamt wurden 18 841 Hektar für 3t 307 4Sg M. angekauft, im Jahre 1912 dagegen 23 321 Hektar für 33 440 877 M. Wie der Durchschnittspreis in die Höhe schnellt, veranschaulicht folgende Zusammenstellung: Es betrug die Grütze der der gesamte derDurchschnrtts erworbenen Erwerbspreis preis pro Hektar Fläche in Hektaren Mark Mark 1886.... 11839 6 762 993 879 1900.... 16 875 13 486 432 813 1911.... 8 938 12 472 367 1393 1912.... 23 321 83 440 877 1400 1913.... 18 841 84 307 436 1821 Seit 1886 ist demnach der Durchschnittspreis für den Hektar um 1242 M. gleich 215 Proz. gestiegen. Die Ostelbier sind wirklich Kinder des Glücks. Erst treibt der Staat durch seine Wirtschafts- Politik die Preise der Agrarprodukte und damit die Bodenprcise in die Höhe und dann kauft er den schmunzelnden Junkern ihre Scholle ab— alles zum Wohl des teuren Vaterlandes. Wieder ein Toldatenschinder. Recht sonderbare Erziehungsmethoden wandte der Unteroffizier Artur Pöselt von der 6. Kompagnie des 30. Infanterie- regiments bei den ihm unterstellten Rekruten an, weshalb Pöselt sich wegen Mißhandlung Untergebener vor dem Kriegsgericht in Posen zu verantworten halte. Dieier Menschenerzieher liest nicht nur die ihm unterstellten Rekruten wiederholt mitten in der Nacht antreten, sondern mißhandelte auch einen besonders schwächlichen Soldaten mit einer Klopfpeitsche so schwer, daß dessen Rücken mit blutunterlaufenen Striemen bedeckt war. Der vor Schmerzen winselnde Rekrut wurde dann nachts noch einmal geweckt und nach einer finsteren Stube befohlen, wo ihm Pöselt mit verstellter Stimme drei Mark abnahm, die er für sich selbst verbrauchte. Durch einen anderen Soldaten, der zufällig an dem Zinuner vorbeikam, wo der Miß- handelte war, mußte dieser in sein Bett geführt werden. Bei einer Stubenbcsichtigung mußten die Rekruten die Spuck- näpfe in die Hand nehmen, worauf Pöselt diese ihnen mit dem ekelerregenden Inhalt ins Gesicht schleuderte. Für diese Gemeinheiten erhielt der Rekrutenerzieher Pöselt 2 Jahre Gefängnis. Außerdem wurde er degradiert. Frankreich. Ein vernünftiger Beschluß. Paris, 13. März. Die Kammer nahm mit 300 gegen 80 Stimmen einen Zusatzantrag zum Heeresbudget an, der dafür ein- tritt, daß zwei Millionen Frank bewilligt werden zum Ersatz des Schadens, der den Familien durch Tod ihrer Kinder, ihrer Oberhäupter oder ihrer Ernährer verursacht wurde, die beim Militär infolge von Epidemien oder anderen Krank« heiten verschieden sind. Dieser von dem Sozialisten Ahes- q uiere eingebrachte Antrag war von der Kommission und der Regierung bekämpft worden. Italien. Tie Krise. Rom, 14. März.„Giornalc d'Italia" meldet. Solan- d r a habe heute mit den Bemühungen zur B i l d u n g e i n e s Kabinetts begonnen, u. a. habe er San Giuliano auf- gesucht, vermutlich uin ihn zu bitten, sein Portefeuille zu behalten. Englanü. Neuwahlen.— Zusammeustößc in Dublin. Loildon, 14. März. Der Untersekretär im Auswärtigen Amt A c l a u d sagte gestern in einer Rede in Acton, die Liberalen sollten sich für Juli 1913 auf Neuwahlen einrichten. In Dublin kam es gestern abend zu einem Z u- s a m m e» st oh zwischen Arbeislosen und der Polizei. Die Arbeitslosen wurden geführt von dem Sohne des Ver- teidigers von Ladysmith Hauptmann White, der im Buren- krieg mit Auszeichnung gedent hat. White wurde wegen tat- lichen Angriffs auf Polizeibeamte verhaftet. Rußland. Die Rüstungskorruption in Rußland. In den Kckmisiionen der russischen Duma finden zurzeit Er- örterungen statt, die im Zusammenhang mit der kürzlichen Putiloff- Affäre grelle' Schlaglichter aus die Korruption in der russischen Rüstungsindustrie werfen. Schon am 23. Februar verlas der libc- rale Abgeordnete Schingarew anläßlich der Beratung des Etats der Hauptartillerieverwoltung in der Budgetkommission den Wortlaut der Verträge, die zwischen dem Fiskus und den Putiloff- Werken in Petersburg und der neuen Kanonenfabrik in Zaritzny abgeschlossen worden sind. Diese Verträge schützen die Interessen des Staates in keiner Weise und sichern den Werken, hinter denen bekanntlich das englische und französische Kapital steht, beträchtliche Preiszuschläge und sonstige Vorteile. Ueber denselben Gegenstand bcrhandelte man neulich in der Militär- und Marinekommission der Duma. Nach dem Bericht der„Rowoje Wremja" wiesen die Kommissionsmitglieder auf die außerordentliche Unklarheit des Vertrages hin, der zwischen dem Staat und den Putiloff-Werkcn sSchneider-Ereuzot) abgeschlossen worden ist. Nach den Worten der Abgeordneten ist eS vollkommen unmöglich, festzustellen, wo die Pflichten und Rechte der Putiloff- Werke Schneider-Creuzots und des Staates beginnen und auf- hören. Ferner wiesen die Abgeordneten sehr nachdrücklich auf den Vertrag hin, den die Regierung mit der englischen Gcschützfabrik VickerS abgeschlossen hat. Räch diesem Vertrag ist die russische Regierung verpflichtet, der Firma Vickers im Verlauf von 10 Jahren bestimmte Summen auszuzahlen— obgleich die Bewilligung dieser Kredite erst noch von den Kammern abhängt. Ferner geht au? dem Pertrag hervor, daß das Marineressort der Firma Vickers so weitgehende Konzessionen eingeräumt hat, daß es beispielsweise vor kurzem von der Vergrößerung der Kanonenwerke in Perm (Ural) Abstand nehmen mußte, weil Vickers, auf Grund feines Ver- träges, verlangte, daß sämtliche außerhalb der jetzt bestehenden Staat«, und Privatwerke zu vergebenden Bestellungen ihm über» wiesen werden sollten. In einer weiteren Sitzung der Marine- kommission wurde der Vertrag mit Dickers als gesetzwidrig erklärt. Der Vertreter des Marineressorts, der Vickers zu verteidigen suchte, wurde von den Kommissionsmitgliedern der wissentlichen Lüge überführt. Diese Reibungen zwischen der Regierung und den Ver- tretern des russischen Großkapitals in der Marinekommission sind um so interessanter, als hinter ihnen der Gegensatz zwischen dem englischen und französischen Rüstungskapital und ferner die be- sondere Intimität zwischen dem Marineressort und der Firma Vickers zum Vorschein kommen. Süöafrika. Tie Wahlen. Johannesburg, 14. März. Ganz Südafrika steht im Zeichen der Neuwahlen. Gestern abend kam es zu lebhaften Zu- sammenstößen zwischen den Anhängern der verschiedenen Par- teien. Anhänger der Arbeiterpartei drangen in Wahlver- sammlungcn der bürgerlichen Parteien ein und sangen die Jnter- nationale. Es kam zu heftigen Szenen. Die Polizei muhte wieder- holt einschreiten. /ius der Partei. Gemcindcwahlerfolgc. Im Kurort S a l z b r u n n, wo der Fürst von Pleß großen Einfluß besitzt, wurde in der dritten Abteilung Genosse P e s ch k e gewählt. Wie sehr es auf die einzelne Stimme ankommt, bewies die Gemeindevertreterwahl in Z i r l a u bei Freiburg in Schlesien. Dort erhielt unser Genosse Andersech und sein bürgerlicher Gegenkandidat je 75 Stimmen. Das Los entschied zu unseren Gunsten. In S t a n o w i tz bei Striegau wurde in der dritten Ab- teilung Genosse Großpietsch mit 70 Stimmen gewählt. Ter bürgerliche Gegenkandidat erhielt nur 37 Stimmen. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Eine Anklage wegen OffizicrSbclcidigung. Tie Genossin Berta Selinger hielt im November v. I. in Dresden und Umgegend eine Reihe von Versammlungen ab, welche jetzt zu einem gerichtlichen Nachspiel führen sollen. � Auf Grund des Berichtes ziveier Kriminalgcndarmen ist gegen die Genossin Anklage erhoben ivorden, weil sie die preußischen und sächsischen Offiziere beleidigt haben soll. Die Genossin Selinger legte in den Versammlungen die Schäden des Militarismus dar und besprach die bekannte Tatsache, daß gerade die Junker mit Vorliebe ihre Söhne beim Militär unterbringen und infolgedessen den.Hauptvorteil von der Vermehrung des Heeres haben. In diesem Zusammenhange soll dann eine für die Offiziere der preußischen und der sächsischen Armee beleidigende Aeußerung ge- fallen sein, wegen der sowohl der sächsische wie der preußische Kriegsminister Strafantrag gestellt haben. Der Prozeß, in welchem Genosse Dr. Kurt Rosenfeld-Berlin die Verteidigung führen wird, findet am 18. März vor dem Schöffengericht in Dresden statt. �ugenübewegung. Aus der internationalen Jugendbewegung. In Holland wird die Diskussion über die Jugendbewegung eifrig fortgeführt. Auf der Jugendkonferciiz, die am 19. Oktober 1913 stattgefunden hat, wurde beschlossen,, daß die Leitungen der Jugendorganisationen mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten sollen. Ter Parteikongreß im Jahre 1912 hatte bereits festgestellt, hast die von den sozialdemokratischen Organisationen einzusetzenden Jugendansschüsse auch als Abteilungen der Bildungsausschüsse, welche aus Delegiorten der Partei und der Gewerkschaften bestehen, arbeiten dürfen. Die'Jugendkonferenz hat beschlossen, die Ge- nassen, welche in der neutralen Abstinentenjugenvbewcgung tätig sind, aufzufordern, sich in der proletarischen Jugendorganisation zu betätigen; sie hat ferner beschlossen,«ine einheitliche Verwaltung in den Jugendvereinen durchzuführen und die Jugendkonferenzen zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung zu mache». Ueber die Organisationsform und die Frage der Selbständigkeit wurde lebhaft debattiert. Die Mehrheit der anwesenden Jugendlichen verlangte einen Zentralverband mit Ortsgruppen statt lokaler Jugendvereine. Für diesen Antrag stimmte die Hälfte der Dele. gierten. Die andere Hälfte stimmte für den Antrag des Amster- damer Jugendausschusses: „Die Jugendkonferenz verlangt die Einsetzung eine? Zentral- ausfchusses zur Förderung der Jugendbewegung in Holland. Die Ausgabe dieses.JugendauSschusjes soll sein: 1. Die Herausgabe eines Organs. 2. Die Herausgabe von Schriften und Flugblättern für die Propaganda der Jugendbewegung. 3. Die Unterstützung der Agitation zur Ausbreitung der Jugendbewegung und die Erteilung von Rat." -Als wünschenswert wurde erachtet, daß der Parteivorstand und der Vorstand der Gewerkschaftszentrale Delegierte in diesen Ausschutz schicken. Jugendliche sollen hineingewählt werden. Sämtliche Anträge wurden dem Parteivorstand als Utzaterial überwiesen. Der Parteivorstand beschloß die Einsetzung des ge- wünschten Zentralausschusses. Dem Verlangen vieler Jugendlicher nach Gründung eines Zentralverbandes wurde nicht stattgegeben. Der Zentralausschuß trat anfangs Januar 1914 zusammen. Die GewerkschaftSzcntrale ernannte keinen offiziellen Vertreter, doch ist eines ihrer Vorstandsmitglieder Mitglied des Ausschusses. Der Zentralausschuß beschloß zunächst die Gründung eines Jugend- organS„H e t j o n g e Volk", das am I. Februar in einer Auf. läge von 10 000 Exemplaren zum erstenmal erschienen ist.— Seit dem 1. November ericheint wieder ein französisches Jugendorgan unter dem Titel„Lz voix des Jeunes. Es ist von der Jugendorganisation des 20. Pariser Bezirkes gegründet worden, gilt aber als Organ de? gesamten Verbandes. Es be- schäftigt sich mit allen Fragen der sozialistischen Erziehung. Der Parteitag der z e n t r a l i st i s ch e n Tschechen hat am 27. Dezember 1913 in Prag beschlossen, eine Jugendorganisation zu gründen, welche das Programm der deutschösterreichischen Jugendorganisation annehmen soll. Die neue Organisation hat sich bereits der Internationale angeschlossen. Ms Industrie und Handel. Agrarische Schutzzöllncr in der Schweiz. Aus Zürich wird uns geschrieben: Zwischen den schweizerischen und den deutschen Agrariern be- steht nur ein Unterschied in bezug auf die Größe ihrer Betriebe. Die Vegehelichkcit ist bei den Gruppen gleich unbeschränkt und lvenn die schweizerischen Agrarier noch nicht die gleichen Wucher- zölle und sonstigen Vergünstigungen erlangt haben, wie ihre deutschen Klassengenosscn, so liegt die Ursache in den etwas anders gearteten wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der Schweiz. Ein neuer Zolltarif muß in der Schweiz die gefährliche Klippe der Volksabstimmung passieren, in der die Agrarier auf die Unter- stützung-aller anderen Volksschichten angewiesen sind, wenn sie damit durchdringen wollen, weil sie selbst mit ihren 32 Proz. der Bevölkerung nur eine Minderheit bilden. Im Jahre 1903 war eine sehr große Minderheit gegen de» neuen Zolltarif»nd das nächste Mal kann schon eine Mehrheit dagegen zustande kommen und den neuen Tarif mit höheren Zöllen verwerfen. Die nicht- agrarischen bürgerlichen Kreise, die mit den Agrariern zusammen oen bürgerlichen Parteien angelwren, stimmen nur au» klasscn- politischen Gründen, die sie selbst.staatserhaltende" nennen, für die Agrarzölle, die sie. dann den gegnerischen Volkskreisen, den Konsumenten, als schwere Opfer auferlegen. Jetzt haben die Agrarier und ihre nichtagrarischen Freunde einen neuen Vorstoß gegen die Konsumenten unternommen. � In der Zolltarifkommission des Nationalrates haben sie mit 17 gegen 3 Stimmen(die unserer Genossen Jäggi und Grimm sowie des- Genfer Konservativen Odh) beschlossen, vom Bundesrat zu ver- langen, oaß er auf das Gefrierfleisch wiedcr den Zollsatz von 23 Fr. pro Doppelzentner anwendet, während seit Dezember 1911 ein Zoll von nur 10 Fr. erhoben wurde. Nachdem das Geschrei der Agrarier über die„Minder- Wertigkeit" des argentinischen Gefrierfleisches wirkungslos ver- hallte und das im Gegenteil qualitativ sehr gute Gefrierfleisch immer mebr Absatz fand, soll nun der Staat der helfende Samiel sein. Dabei sind die Fleischpreise im allgemeinen kaum zurück- gegangen und verschlechtert die Wirtschaftskrise die Existenz der großen Massen des arbeitenden Volkes. Von den gesunkenen Vieh- preisen haben nur die Viehhändler und Metzger den Gewinn ein- ge'teckt, die Fleischkonsumcnten merkten kaum etivas davon. Dabei fühlen sich aber die Agrarier mit den Metzgern solidarisch gegen die Konsumenten. Mit ihrem neuen zollpolitischen Vorstoß werden die Agrarier und ihre Freunde eine erbitterte Stimmung in den weitesten Volkskreisen schaffen, an der ein neuer erhöhter Zolltarif scheitern wird._ Die Deutschen Waffen- und Muniiionssabrikc» beabsichtigen, ihr Kapital um 10 Millionen auf 25 Millionen Mark zu erhöhen. Die neuen Anteilscheine sollen den Aktionären zu 150 Proz. abgegeben werden. Da die alten Aktien zurzeit auf 615 Proz. stehen, bedeutet das ein Geschenk an die Aktionäre von 4650 M. pro Aktie. Von einer früher beabsichtigten Gratisausgabe von Aktien— die bei dem guten finanziellen Stand des Unter- nehmens wohl möglich gewesen wäre— hat man wohl nur ab, gesehen, um die öfferltliche Kritik nicht herauszufordern. Dem Geschäftsbericht der G. A. Jasmatzi A.-G. für das Ge- schäftsjahr 1918 entnehmen wir folgende Daten: Es wird eine Dividende von 16 Proz. auf die Stammaktien vorgeschlagen, während auf die Vorzugsaktien wiederum 5 Proz. Dividende zur Ausschüttung gelangen. Der Gewinnvortrag auf das neue Ge- schäftsjahr beträgt zirka 870 000 M. Der Mehrumsatz an Zigaretten im Vergleich zum Jahre 1312 beziffert sich auf 500 Millionen Zigaretten» soweit allein das Jnlandsgeschäft in Frage kommt. Für Reklame und Propaganda weist der Geschäftsbericht gegen das Vorjahr einen Mehrbetrag von 1 900 000 M. auf. Petroleumindustrie in Rumänien. Angesichts der Beratungen über das Petroleummonopol haben die Ziffern über die EnNvickelung der Pctrolciimindiistrie in Rumänien besonderes Interesse, denn von dort her sob ja die größte Quantität zur Ver- sorgung des deutschen Bedarfes bezogen werden. Die Produktion von Rohpetroleum stieg im Jahre 1913 gegen das Vorjahr von 1,805 auf 1,885 Millionen Tonnen. Die Steigerung(80 000 Tonnen) ist also relativ gering. Von den bedeutendsten Aktiengesellschaften wurden in den Jahren 1913 die folgenden Rohölmengen(in Tonnen) ge- fördert: Astra Romano 444 025, Steaua Romana 402 360, Romana Americana 333 228, Concordia 83 127, Jnternationala 41 451, Orion 75 274, Colombia 226 770, Trojan 22 621, Alfa 27888, Roumanian Oilfietdö Ltd. 62 681, Aguila Franca Romana 17 700, Naphtha 23 066, Anglo-Roumanian Petrol. Cy, Ltd. 12 074. Die Ausfuhr von Petroteumproduklen aus Rumänien erreichte in dem Jahre 1913 im Vergleiche zum Vorjahre die nach- stehende Höhe: Rohpetroleum. Rückstände,. Mineralöl«.. Brennpetroleum Benzin.... Paraffin Jnsgesamml. 1 036 446 846 423 +Wlt0la Von der GesamtauSfuhrmenge im Jahre 1913 in Höhe von 1 086 456 Tonnen(1912: 846 423 Tonnen) gingen nach Deutsch- l a n d 126 295 Tonnen<84 041 Tonnen). nach Großbritannien 232 880 Tonnen, nach Oesterreich-Ungarn 77 184 Tonnen, nach Belgien 25 136 Tonnen, nach Bulgarieu 13 149 Tonnen, nach Däne- mark 18 893 Tonnen, nach Aegypten 121 642 Tonnen, nach Frank- reich 151 402 Tonnen, nach Holland 44 947 Tonnen, nach Italien 118643 Tonnen, nach Norwegen 8186 Tonnen, nach Rußland 9114 Tonnen, nach Tunesien 8204 Tonnen, nach der Türkei 64 68S Tonnen und nach Schweden 4190 Tonnen. Keine Jntcrveutisn der amerikanischen Regierung. In einer Sitzung des Kabinetts unter dem Vorsitz des Präsidenten Wilson wurde die Frage erörtert, ob cs zweckmäßig sei, zugunsten der Standard Oil Company, die sich darüber beklagt, daß das dem Reichstag vorliegende Petrolcum-Monopol- gesetz das Geschäft der Gesellschaft in Deutschland schädige, bei Teutschland zu protestieren. Am Schlüsse der Beratung wurde an. gedeutet, daß die Regierung an diesem Kampf zwischen den ameri- kanischen und unabhängigen Oelkonzernen rinerscits und der Standard Oil Company andererseits nicht teilnehmen wollq, Letzte Nachrichten. Ein neuer Triumph der Funkcntelegraphie. Nauen, 14. März.(W. T. B.) Die von der Großstatio« Nauen aufgegebenen drahtlosen Versuchstelegpamme sinb_ gestern zum ersten Male auf der Telefunkqnstation Windhuk(Südwest» afrika) gehört worden._ Explosion in einer Oelfabrik. Harburg, 14. März.(W. T. 93.) Eine schwere Explosion er- eignete sich heute in der Thörlschen Oelfabrik in der Stearindestilla» tion. wo ein mit Stearinpech gefüllter Kessel mit lautem Knall explodierte. Hierbei entstand ein Feuer, das aber bald gelöscht werden konnte. Ein Arbeiter wurde so schwer ver- b rannt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird; ein anderer erlitt leichtere Brandwunden.* Das Unwetter in Südrusiland. Zu den Unwetterverheeningen in Südrußland, über die wir schon an anderer Stelle unseres Blattes berichtet haben« erhalten wir noch folgende Meldungen: Wladikawkas, 14. März. Um 1 Uhr nachmittags setzte hier ein dichter Nebel ein und ein aus Nordwest kommender Sturm führte große Staubmassen herbei, die die Stadt in Dunkel hüllten. Dann begann Schnee zu fallen, der den Nebel zerstreute. Der Tclegraphcnverkehr war unterbrochen. Grosnij(Eiskaukasien), 14. März. Um 1 Uhr nachmittags brauste ein Orkan über die Stadt dahin. Der Himmel war mit rötlichen Wolken bedeckt, und die zunehmende Finsternis er- reichte einen Grad, der einer totalen Sonnenfinsternis gleichkam« Friedrichstrasse 110-112( Passage- Kaufhaus) WWERTHEIM G.m.b.H. Leipziger Straße 75-76 am Dönhoffplatz In dieser Woche Drei Serien PromenadenRöcke mit hohem Stickerei- Volant 2.45, 3.75, 5.50 Gutscheine, Leihbibliothek- Abonnements, Markier- und ProzentKarten werden nach der demnächst erfolgenden Aufgabe unseres Hauses am Dönhoffplatz im Passage- Kaufhaus Friedrichstraße 110-112 erledigt. Das Haus bleibt Leipziger Str.mtas v. 1-3 Uhr geschloffen Hervorragend billige Damen- Wäsche Sehr preiswerte Stickerei- Garnituren Garnitur ,, Lotte 2.95 Taghemd und Beinkleid Garnitur ,, Carmen" Taghemd und Beinkleid Nachthemd Garnitur ,, Cleo" Taghemd und Beinkleid Nachthemd 3.90 ..... 3.75 dazu passend Garnitur ,, Senta" Taghemd und Beinkleid 5.75 dazu passend.... 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In der Schraubendreherei beispielsweise hat die Frauenarbeit die der Männer fast vollständig verdrängt. Die EntWickelung und Vervollständigung der automatischen Schraubenmaschine hat die Schraubendreher überflüssig gemacht. Trotzdem der- suchen eine Anzahl von Schraubenfabriken junge Leute zur Absolvierung einer Lehrzeit zu veranlassen, in der sie zu dem Beruf eines Automatcncinrichters herangebildet werden sollen. Das ist aber überhaupt kein Beruf, in dem die Ausübung einer Spezialarbeit, die in jeder Fabrik, an jedem anderen Maschinensystem, deren es zahlreiche gibt, neu wieder geübt werden muff. Der junge Mann hat beim Ver> lassen des Betriebes dem Fabrikanten 8—4 Jahre als billiger und williger Hilfsarbeiter gedient und ist auch nach seiner Entlassung aus dem„Lehrverhältnis" nichts anderes ge- worden I Mehr Aussicht scheint sich den Lernenden ja zu bieten, wenn sie in einer Schraubcnfabrik Gelegenheit haben sollen, die Werkzeugmacherei oder Dreherei zu erlernen. Hier winkt ihnen anscheinend ein wirklicher Beruf. Schade nur daß die Spezialisierung der Arbeit in den Schraubendrehercien auch diese Hoffnung zuschanden macht. Wer dort das Wcrkzcugmachen erlernt, ist bestenfalls in der Lage, in einer anderen Schraubenfabrik als Werkzeugmacher zu arbeiten. Das ist aber ein so beschränktes Arbeitsgebiet, dafi dem jungen Mann dadurch kaum eine ausreichende Sicherheit aus kommende Arbeitsgelegenheit geboten wird. Gewiß macht die Spezialisierung und das Eindringen der Maschine auf fast allen Gebieten, namentlich der Metall- industrie, Fortschritte. Für den jungen Mann, der nicht nur Hilfsarbeiter in der Metallindustrie, sondern qualifizierter Ar- bester werden will, wird dies immer schwieriger. Man kann sagen, es ist ohne sachverständigen Rat bei der Auswahl des Lehrbetriebes schon fast unmöglich geworden. Und es ist nicht nur in der Metallindustrie so. Aber kaum irgendwo haben die Verhältnisse sich so ausgestaltet, wie in der Schrauben- fabrikation, wo die Entwickelung der Technik offensichtlich auf immer weitere Ausschaltung der männlichen Arbeits- kraft hindrängt. Der Beruf des gelernten Schraubendrehers ist im Untergang begriffen; seine Tage sind gezählt. Serlin unü Umgegend. Sarotti und der— Tango! DaS große Glashaus der Firma Sarotti zu Tcmpelhof, welches bei den Berufsangehörigen den Spitznamen.Das graue Elend' führt, ist jetzt unumschräukles Reich des Herrn Zander, eines Mannes, der einst Direktor eines Zoologischen Gartens war. Der Herr ist Re- serveoffizier. Mit ihm zog auch gleich zum Schaden der dort Ve- schäftigtcn ein anderer Geist bei der Firma Sarotti ein. Seine größte Freude ist es, die Fahrer mit den angeschirrten Pferden in Reih und Glied auf dem Hofe antreten zu lassen, um die Front abzuschreiten und nach den blankgeputzten Stiefeln und Knöpfen zu sehen! Die Schmach, die in der Niedertretung der Menschenwürde liegt, wie sie in der bei Sarotti üblichen Leibesvisitation zum Ausdruck kommt, ist groß; die freie Zeit und die Ueberhebung des Herrn Direktor Zander sind größer. In der neuesten Zeit nimmt er sich mehr und mehr daS Recht heraus, auch in die Privatverhältnisse seiner Untergebenen einzugreifen. Er macht dabei nicht Hall beim kaufmännischen Personal, sondern kommt mit seinen väterlichen Be« vonnundungen auch den Arbeiterinnen zu nahe. Durch seinen Spitzelapparat hat er herausbekommen, datz eine Gruppe von seinen Arbeiterinnen Unterricht im Tangotanz nehme. Gräßliches Verbrechen I Der Herr war sehr erbost. Er ließ— da er es zunächst nur von einer seiner Arbeiterin wußte— die Uebel- läierin vor sich kommen und forderte bei Strafe der sofortigen Eni- lassung die Namen der am Tangokursus teilnehmenden Kolleginnen I Als Herr Direktor Zander dann durch diese Einschüchterung die Namen der anderen Tangoschülerinnen erfahren hatte, ließ er alle zu sich kommen, um ihnen nach allen Regeln der Kunst eine Moral« predigt zu halten. Von Jahr zu Jahr sind die Verhältnisse bei Sarotti schlechter geworden. Aber statt um ihr leibliches Wohl, sorgt sich der Herr Direktor um die Privatverhältnisse der Arbeiter und Arbeiterinnen. Er täte wahrlich besser, wenn er sich die Frage vorlegen würde: Wie kann eine'Arbeiterin bei den heutigen Verhältnissen wöchentlich mit 6 und 7 M. Lohn auskommen? Wie kann sie sich davon er- nähren und kleiden? Wären die Arbeiterinnen so straff im Verband der Bäcker und Konditoren organisiert, wie es sich gehört, sie könnten die Anmaßungen des Herrn Direktors zurückweisen. Ter Deutsche Holzarbcitcrverband, Gau Berlin, hält seine ordentliche Gaukonferenz am 15. und 16. März im Lokal des Herrn Boeker, Weberstr. 17, ab. Achtung, Töpfer! Laut Beschluß der letzten Generalversamm« lung ist vom Montag, den 16. März, wenn es die Witterung erlaubt; das Arbeiten ohne verglaste Fenster gestattet. Die Verbandsleitung. An die Arbeiterschaft Groh-Berlins! Die in den Mineralwasserfabriken, Bier-, Weingroßhandlungen sowie Großdestillationen und Essigfabriken bcschästiatcn Arbeitnehiner, die vielfach in den Gastwirtschaften, Kantinen, Kolonial« und Grün« kramgeschäften die Produkte abzuliefern haben, gehören bisher nur zum Teil ihrer gewerkschaftlichen Organisation, dem Deutschen Transportarbciterverband an. Zwecks Kontrolle über die Verbandszugehörigkeit ist von der unterzeichneten Branchenleitung eine Legitimationskarte zur Ausgabe gelangt, die für alle in der Getränkeindustrie beschäftigten Arbeiter Gültigkeit hat und jeden Monat abgestempelt wird. Die Kontroll« karte ist von hellblauer Farbe und dient als Ausweis dafür, daß der Inhaber desselben Mitglied seines Verbandes ist. Da vorwiegend Kleinbetriebe in Frage kommen, ist die Agitation mit Rücksicht aus die lange und unbestimmte Arbeitszeit außerordent- lich erschwert. Wir ersuchen daher die Gewerkschafts- und Partei- genossen, soweit dieselben mit den obengenannten Arbeitern, nament« lich jedoch mit den Kutschern in geschäftliche oder persönliche Be« rnhrung kommen, nach der Legitimalionskarte zu fragen und auf die Lrganisationspflicht hinzuweisen. Im besonderen wird von den Mitgliedern des Verbandes erwartet, diesen Hinweis zu be« achten, damit die immerhin noch große Zahl der Unorganisierte» kleiner wird. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Die Branchenleitung der Kellerarbeiter und Kutscher. Achtung, GastwirtSgehilfcn! Die Differenzen im Schultheiß« Ausschank, Inhaber B alster, Reinickendorfer Straße 29, sind durch tarifliche Vereinbarung mit der Organisation geregelt. Verband der Gastwirtsgehilfen, OrtSverwaltung Berlin I. Achtung, Gummiarbciter! Der Streik in der Norddeutschen Gummi- und Gutraperchawarenfabrik vorm. Fonrobert u. Reimann (Abteilung Formerei) dauert unverändert fort. A ll eÄrbeitSangebote dieser Firma sind nach wie vor zurückzuweisen. Nach unS zugegan- genen Meldungen wird von einem Meister der Firma spez. in Lichter« felde versucht, Streikbrecher zu werben. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ersucht. Zuzug ist fernzuhalten. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Groß-Berlin. Engelufer 15. deutsches Neich. Mitgliederverlust im christlichen Bergarbeitcrverband. Der.Bergknappe', das Organ, des christlichen Bergarbeiter« Verbandes, wußte kürzlich einen gewaltigen Rückgang des.sozial« demokratischen' Bergarbeiterverbandes im Ruhrrevier zu melden. Daß die Herren Christlichen stets den Splitter im Auge des andern sehen/ aber den Balken in ihrem Auge nicht, zeigt sich wiederum auch hier. Nach der Jahresabrechnung, die der.Bergknappe' ver« öffentlicht— über die Mitgliederzahlen erfährt die Oeffentlichkeit wohlweislich nichts— hatte der Gewerkverein im Jahre 1913 rund 964 314 M. Einnahmen. Im September erhöhten die Christlichen ihre Beiträge allgemein, so auch im Ruhrgebiet, wo zwei Drittel ihrer Mitglieder sitzen. Dort beträgt der Beitrag 70 Pf._ die Woche. Weiter wurde ein Wochenbcitrag von 1 M. eingeführt, der freiwillig geleistet werden konnte. Dutzendemale berichtete der.Bergknappe' schon, daß die Zahl derer, die den Marlbeitrag leiste, immer mehr anwachse. Nehmen wir aber nur einen- Durch« schniltSbeitrag von 46 Ps. die Woche an, das sind 26,36 M. im Jahre, so sehen wir, daß ganze 46 361 bollzahlende Mitglieder Wahlen zum Ausschuß der Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde Berlin, am Montag, den 1k. März, von 9 Uhr vorm. bis K Uhr nachm. Die Angestellten, Handwerker und Arbeiter der Berliner städti- schen Betriebe haben am kommenden Montag zu entscheiden, wem sie die Vertretung ihrer Interessen im neu zu wählenden Ausschuß der Betriebskrankenkasse übertragen wollen. Diese Entscheidung wird dadurch besonders bedeutungsvoll, als der Liste 2 der bisherigen freigewerkschaftlichen Verwal- tungsmitglieder Vorschlagslisten von Leuten entgegengestellt worden sind, die sich bisher um das Wohl und Wehe der Kassen- Mitglieder nie gekümmert haben. Ein sogenanntes„liberales Wahlkomitee' z. B. versucht unter Führung des Schlachthofangestellten W i ch u r a die Arbeiter und Angestellten für seine Liste 3 einzufangen. Dabei wissen diese Ouertreiber gegen die bisherige bewährte Verwaltung der Betriebs- krankenkasse auch nicht den Schatten eines Vorwurfs beizubringen. In ihrer Versammlung am letzten Montag wußte W i ch u r a nichts weiter, als mit lächerlichem Pathos vor dem alten„aus lauter Sozialdemokraten" bestehenden Kassenvorstand gruselig zu machen. Mit welchen Mitteln dieses„liberale Wahlkomitee' arbeitet, trat in der Versammlung sehr deutlich zutage, in der uniformierte Beamte der städtischen Straßenbahn herumspionierten und fest- stellten, wer von den Angestellten dieses Betriebes anwesend war. Man will die letzteren offenbar nach Scharfmacherart terrorisieren, um der„liberalen' Liste auf die Beine zu helfen. Gegen solche unerhörten Versuche, wie überhaupt gegen den ganzen Gimpelsang des„liberalen Wahlkomitees", müssen die Wähler der städtischen Betriebskrankenkasse entschieden Front machen. Durch die Wahl am Montag müssen alle diese Bevormun- dungsversuche unzweideutig zurückgewiesen werden durch einmütiges Votum für die Liste 2. Wer eine zielklare soziale Fortentwickelung der Betriebs- krankenkasse der Stadtgemeinde Berlin will, der stimmt am Montag für die Liste 2. Wer eine umfassende Vertretung der Interessen der Ver- sicijerten im Ausschuß der Betriebskrankenkasse will, der stimmt für die Kandidaten der freigewerkschaftlichen Organisationen:„Verband der Gemeinde- und Staatsarbciter' und„Verband der Bureau- angestellten' und wählt die Liste 2, Wahlen Zur Innungskrantenkasse öer Zuhrherren-Innung Berlin, Fontane-Promenade 14. Kutscher, Stalleute, Arbeiter, Handwerker aus den Schwer- fuhrwerksbetricben Berlins und Vororte! Am heutigen Sonntag(15. März), vormittag? von 9 bis 11 Uhr, findet die Wahl der Vertreter der Arbeitnehmer zum Ausschuß obengenannter Krankenkasse im Berliner Klubhaus, Ohmstraste 2, statt. Wahlberechtigt sind alle über 21 Jahre alten Arbeitnehmer, welche in Fuhrbetrieben beschäftigt sind, deren Inhaber Mitglieder der Fuhrherreninnung zu Berlin sind. Als Wahllegitimation für die Arbeitnehmer gilt eine vom Arbeit- geber ausgestellte Bescheinigung, daß der Betreffende am Tage der Wahl noch in Beschäftigung steht, oder die Mitgliedskarte von der Krankenkasse. Kollegen! Bei dieser Wahl erwächst für die Versicherten dieser Krankenkasse die Pflicht, dafür einzutreten, damit aus ihren Reihen Vertreter in den Ausschuß gewählt werden, die die Rechte der Kasscnmitglieder gegenüber dem rückschrittlichen Geist, der bisher in den Jnnungskrankenkassen herrschte, mit Nachdruck vertreten. Jeder Versicherte, der ein Interesse daran hat, daß nur solche Vertreter gewählt werden, die gewillt sind, im vorstehenden Sinne in der Verwaltung der Kasse zu wirken, darf nur für die Liste 2 der organisierten Kutscher stimmen. Stimmzettel mit dem Vermerk Liste 2 werden am Eingang des Wahllokals verteilt. Kutscher, Stallcute, Arbeiter, Handwerker übt Euer Wahlrecht aus. gebt so früh wie möglich Eure Stimme nur für Liste 2 ab. Deutscher Transportarbciterverband. Bezirk Groß-Berlin. _ Sektion II. I. A.: Albert Utheß. Kleines Feuilleton. DaS Tagesgespräch.„Um GotteSwillen, was ist Ihnen? Sie werden ja ganz blaß.' „O Gott, hören Sie nur, was der.Lokal-Anzeiger' schreibt: Fräulein Mary Richardion nahm eine Axt mit in die Galerie und hieb damit aui die VcnuS des Belasquez ein, daß sie aus sieben breiten Wunden blutete. Ist das nicht furchtbar? Richtig geblutet bat sie. die Arme.' „Beruhigen Sie sich. Die„B. Z. a. M.* triumphiert: Schon � hat der Direktor der Nationalgalerie eiklärt. die Wunden, die dem Bild geschagen wurden, seien heilbar, daS Gemälde werde bald ausgebessert sein. BenuS siegt noch einmal über die politische Hysterikerin. Dienende Hände werde» sich über die Schwerverletzte beugen— zarteste Sorgfalt wird die Wunden vernäben, und morgen liegt die Velasquezsche VenuS wieder lächelnd aus ihrem Lager.' „Morgen schon wieder? Gott sei Dank. Aber der Schrei der Entrüstung, sagt die.Post', der durch die Welt geht, wird— „Ja ja. Man hört jetzt wieder GrauesivolleS über die Leiden der Gefangenen in Rußland.' „Aber das ist doch nichts Neues. Ein richtiger klatschender Peitschenhieb in das Antlitz der Kullurmenschheit ist die Hero- ftratuStat der Mary Richardion.' „Reden Sie nicht solch frivolen Unsinn.' „Ich wiederhole nur die.Slaaisbürger-Zeitung.' „Lebt daS Dreckblatt auch noch? Dem sollten die Suffragetten ein Ende bereiten.' „Sie sind wohl gar nicht gegen diese Hyänen?' „Sprechen Sie nicht von Frauen wie ein Barbar.' „Aber der„Lokal-Anzeiger, nennt sie doch so. WaS kann ich dafür?' „Sprechen wir von etwas anderem. 226 666— „Aber Sie irren sich ganz gewaltig. Ueber 866 666 Mark sind für die VenuS bezahlt worden." „Mensch, lassen Sie mich blos aussprechen. 226 666 Gefangene hat man im Jahre 1913 in den russischen Gefängniffen gezählt." „Seh'n Sie, so etwas interessiert mich gar mcht.' Der Temagog Gabelsbcrger. Das elende System der Verfolgung und Unterdrückung, das heute gegen die Sozialdemokratie an- gewendet wird, hat das Bürgertum'am eigenen Leibe erproben müssen, als es für ebenso staatsgefährlich galt wie heute die kämpfende Bewegung der Arbeiterklasse. Mit WaS für kleinlichen Mitteln selbst Leute von Verdienst und Kulturbedeutung heimgesucht wurden, dafür ist der Stenograph Babelsberger ein Beispiel. Wie Kntz David in seinen Denkmalen GabelSbergcrS erzählt, erhielt der Erfinder des beute weit verbreiteten Systems im Jahre 1834 für sein Werk, die„Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst', auf die er die Arbeit von 17 Jahren und außerdem 2266 Gulden verwandt halte, eine Beihilfe von ganzen 266 Gulden! Aber daS war nicht daS schlimmste: Als dann Gabelsberger ein Exemplar seines Werkes dem Könige zu überreichen bat, brachte es die kleinliche Mißgunst eineS HofmanneS, die ihn auf Grund eines in der Anleitung enthaltenen Beispieles der Demagogie verdächtigte, sogar fertig, daß das Excmplar vom König nicht angenommen und Gabelsberger zurück- gegeben wurde. Das inkriminierte Beispiel lautete:„Eine Regie- ruiig. welche dem Despotismus huldigt, kann sich in Europa, wo die Zivilisation ihre Heimat aufgeschlagen hat, nicht mehr halten." Gabelsberger tilgte nun diesen Satz und setzte an seine Stelle, als Antwort auf jenen Angriff, die Worte:„Demjenigen, der den Grundsätzen der Rechtlichkeit huldigt und dessen Gesinnungen menschenfreundlicher Natur sind, genügt nicht der Schein, von jemand böse zu urteilen." Erfinderlos. 13 Jahre nach dem Tode des Erfinders hat nun in New Aork der Richter Hazel das Urteil in dem berühmten Prozeß des Hannibal Goodwin gegen die Eastman-Kodak-Gesellschaft ge- fällt. Der Rechtsstreit betraf die Ausnutzung des Patents zur Her- stellung photographischer Films und Goodwin, der Erfinder des Verfahrens, hatte gegen die Eastman-Kodak-Gesellschaft den Vor- wurf erhoben, daß man ihn um ferne Ansprüche als Erfinder und Inhaber de? Patentes gebracht habe. Er starb in Armut, indeS die Gewinne der Easiman-Äodak-Gesellschaft auf Grund des strittigen Patente« ungezählte Millionen erreichten; die niedrigsten Schätzungen berechnen die Gewinne auf 26, andere auf 166 Millionen Mark. Nun hat das Gericht entschieden, daß Goodwin zweifellos als der Erfinder anzusehen ist und daß seine Erben Anspruch auf die Ge- Winne haben, die durch die Ausnutzung des Patents in die Taschen der Unternehmer geflossen sind. Wenn nicht die letzte Instanz das Urteil aufbebt, werden die Witwe und die Kinder Goodwins, die in Brooklyn leben, Tantiemenansprüche für die ganze Zeit, während der die Kodak-Geiellschaft das Paient benutzt hat, erheben. Ihr Anspruch wird von den Sachverständigen auf viele Millionen geschätzt. Altägyptischcr Licbeszaubcr. Ein interessantes Kulturbild aus dem allen Aegypten bietet ein antiker Liebeszauber aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert, einer Zeit üppiger Blüte des Aber« glaubens. Es ist eine Bleitafel, die vor kurzem die Papyrus- sammlung des Berliner Museums erwarb. Obeu ist kindlich ein Mensch gezeichnet, das Gesicht ist mehrfach durchstrichen. Denn eS ist fester Bestandteil des Zaubers in alter wie neuer Zeit, daß dem Abbild das zugefügt wird, WaS man dem Original wünscht. Blei wurde, wie Dr. Plaumann in den Amtlichen Berichten ausführt, gleichfalls in magischer Bedeutung gewählt: seine Källe, Schwere, Bewegungstosigleit, bleiche Farbe wurden mit dem Tode und dessen > Wirlungen in Beziehungen gesetzt. Das Täfelchen ist mit einem Nagel durchstochen, der noch jetzt drinnen steckt: dem Symbole des unentrinnbaren Festhalteiis. Der Tote wird aus der Tafel folgender« maßen angeredet:„Ich beschwöre Dich, Du Totendämon, und ich erwecke Deinen Dämon(Du Inhaber dieses Grabes), hilf mir bei ApollonuS, die Arsinoe gebar, und ihr Herz soll mit wildetn Ver- langen erfüllt werden, daß sich ihr Herz ändere und sich neige zu meinem Herzen, so daß sie mich liebt und mich in allen meinen Wünschen erhört, mich PtolemaioS, den ThaseS gebar. Denn ich schwöre den Allerhalter, den Herrn Gott Jaho(von Jerusalem):„Du bist der große Gott Jatabaolh, der Gott vom Geierberge, gib drum, daß ApollonuS. die Arsinoe gebar, mich liebl, mich den Prolemaios, den die Thases gebar, für alle Zeit, damit sie mich liebe und mir alles schenke, was ich von ihr erbitte; und nicht eine einzige Stunde soll sie noch zögern, zu mir zu kommen, zu PtolemaioS, den Thase» gebar, für alle Zert." Theater. Deutsches Theater. Shakespeare-ZhkluS: WaS ihr wollt. Vor ei» halb Dutzend Jahren ging diese lustigste aller Shakespeare-Komödien zum ersten Male in Reinhardtscher Inszenierung über die Bretter. Ihr Wiedererscheinen war für die Schauspieler, die ihrer Laune in den burlesken Szenen frei die Zügel schießen lassen durflen, und für das Publikum ein Fest. Wie ein unaufhör« licher KriegSruf scholl von der Galerie der Name WaßmannS, dessen altberühmter flachshaarig trottelhafter Junker Bleichenwang sich diesmal selber übertroffen hatte. Ein bunter MaSkenzug, oft von Musik begleitet, glitten die Szenen, gefühlvolle, graziöse und Fastnachrsmäßig-derbe. auf kreisender Drehbühne vorüber. Für die sehnsüchtig-schwärmende Liebesleidenschaft deS Herzog«, die durch Musik und Lieder den Genutz des Leidens noch zu erhöhen sucht, fand Karl E b e r t stimmungsvollen Ausdruck. Trefflich gelang Johanna Termin die Rolle der Brola, des frohgemuten Mädchens, das in Pagenkleidung bei dem Herzog Dienste nimmt und. selbst zum Sterben i» ibren neuen Herrn verliebt, seine Lrebeswerbungen als Bote der schönen Olivia überbringt. Witz und Pagenkeckheit stand ihr so natürlich zu Gesicht, wie die zurückgehaltene innige Empfindung. Ihre jüngferlichen Aengste bei dem Duell mit dem gleich ängstlichen Bleichenwang entfesselten stürmische Heiterkeit. Der sanfte Reiz Llivias,' die drollige Ironie, daß sie, die sühlloS ihren herzoglichen Verehrer immer abgewiesen, sich rettungslos inS Antlitz dieses jungen BürschchenS vergaff», erhielt durch Else Heim S eine Verkörperung, wie man sie freundlich anmutsvoller mcht hätte denken können.— Im Vordergrunde aber stand der Anlage deS Stückes entsprechend das liederliche und närrische Volt, daS in Olivias HauS fein Wesen treibt: Der zu Falstafischer Korpulenz gediehene rotbackige Tobias D i e g e l« mannS, sein idiotischer, von Waßmann präsentierter Schütz« ling, Lucie Höflichs ausgelassenes Kammerfräulein, der mit �erauSlommen. Rechnet man noch 20 Proz. Restanten hinzu, so sind e« immer erst KS 633 Mitglieder. In der SRr. ii vom 7. gjUt 1913 deS.Zentralblattes", wie auch im.Bergknappen" vom 23. August 1913 wurde die Mitgliederzahl de« christlichen Äewerk- Vereins der Bergarbeiter mit 83ö83 im Jahre 1911 und mit 76 983 im Jahre 1912 angegeben. Le�t mau der Einnahme des Jahre« 1913 eine Berechnung der Mitgliederzahl zu Grunde, so ti> gibt sich, daß annähernd 20 900 Mitglieder der christlichen Organi- lation Balet gesagt haben müssen. Zum Frohlocken über den Mit, gliederverlust de« alten Verbandes haben also die Christlichen nicht gerade sonderlichen Anlag.__ Soziales. Aus dem Gewrrbegericht. Ein Hausdiener klagte gestern vor dem Gewerbegericht gegen die Firma Lichtspiclkunst, Friedrichstraße 219, auf eine vierzehn. tägige Lohnentschädigung wegen Nichteinhaltung der Kündigung«- frist. Der Fiouxninhaber, ein Herr Winter, hat den Kläger am 5. Januar aushilfsweise angenommen und folgert daraus KündmungSauSschluß. Die Entlassung erfolgte erst am 23. Februar. Da« Gericht machte dem Beklagten begreiflich, daß von einer aus- hilfsweisen Beschäftigung bei so langer Zeit nicht die Rede sein könne. Nun machte der Beklagte geltend, der Kläger habe sich ge- weigert, ihm den Fahrstuhlschlüssel herauszugeben und sei deshalb mit gutem Grund entlassen. Ferner sei ihm bereits am 16. zum 22. Februar vom Inhaber gekündigt worden. Dem Kläger waren die Schlüssel vom Geschäftsführer de« Beklagten, Schwarzkopf, mit dem ausdrücklichen Auftrag, sie nicht au« der Hand geben, anvertraut worden. Der Kläger machte ferner geltend, die Kündigung set vom Geschäftsführer ausdrücklich zurückgenommen worden. Damit sei allerdings der Inhaber Winter nicht einverstanden ge- Wesen. Da« Gericht billigte dem Kläger für eine Woche Entschädigung zu. Dt» Kündigung vom 10. Februar könne vom Geschäftsführer nur mit Einwilligung des Firmeninhabers zurückgenommen werden. Aus der Weigerung, die Schlüssel herauszugeben, fei ein Entlassungsgrund nicht herzuleiten, denn der Kläger handelte zum mindesten im guten Glauben. Gerichtszeitung. Die unsittlich« Reklamr-WachSpuppe. Vor der 12. Strafkammer des Landgerichts l fand gestern eine Verhandlung gegen den Kaufmann Gabriel Neumann statt, der beschuldigt ist, im Jahre 1913 eine unzüchtige Darstellung an einem Orte, welcher dem Publikum zugänglich ist, ausgestellt zu haben, Vergehen gegen die ZZ 184, I, und 40 Str. G.B. Den Borsitz führte Lanvgerichtsdirektor Lilia, die Anklage vertritt Staatsanw.-Rat Heintzmaun, Verteidiger ist Rechtsanwalt Dr. Als- berg. Der Angeklagte betreibt in der Leipziger Straße 82 ein Korsettgeschäft. Er hatte längere Zeit in seinem Schaufenster eine Wachsfigur ausgestellt, die, auf einem Stuhle sitzend, nur mit Unterrock, Hemd, Korsett und Strümpfen bekleidet, stark dekollettiert, den Busen weit freiließ. Diese Puppe ist seinerzeit beschlagnahmt worden und befindet sich seitdem im Gewahrsam der Staats- anwaltschast, die der Ansicht ist, daß solche Reklamefigur nur den Zweck hat, auf die Lüsternheit der Männer zu spekulieren und so den Namen des Geschäfts in weite Kreise zu tragen. Durch solche Ausstellungen werde das sittliche Gefühl des Volkes verletzt und da der Angeklagte einer ihm gewordenen Warnung nicht Folge geleistet habe, so habe er bewußt und vorsätzlich gehandelt, und wenn er sich üher den unzüchtigen Charakter geirri Hab«, so be> finde er sich in einem strafrechtlichen Irrtum. Zur gestrigen Ver- Handlung waren seitens der Staatsanwaltschaft eine Menge männlicher und weiblicher Personen als Sachverständige geladen, auch einige seitens der Verteidigung. Der Verteidiger beantragte, einen Teil der von der Staatsanwaltschaft geladenen Zeugen als un- gravitätisch stolzem Hahuenschrilt in jede ausgelegte Schlinge . toppende Malvolio Bassermanns und Moissis angegranler Narr, der seines Amts in dieser Schar als Weiser waltet. Di« Trinklzenen, in denen Tobias seinen Zögling die modischen Tanzschritte exerzieren läßs und die alkoholische Begeisterung schließlich in einem Hunde» Kanon ausströmt, halten verblüffend ansteckende Feuchtfröhlichkeit. Den Gipfelpunkt erreichte die FidelitaS bei einer dem Geiste dieser Art Bezechtheit tiefsinnig angepaßten Improvisation in Bellauten. Moissi, die Laute in de» Hände», von leichtem Scherz wieder zurückgedrängt in melancholisches Sinnen, ragt wie da» Bildnis einer anderen Welt in dieses wilde Treiben. Bassermanns Hofmeister funkelte in der Fülle geistieich erfundener Nuaneen. Doch hälte seine Komik in der Gartenszene durch ein« Beschleunigung des Tempos noch gewinnen können. Streichungen, die es ermöglichten. das Stück in kaum dreieinhalb Stunden herumerzuspielen, kamen der gesamten Wirkung entschieden zu Gute. dt. I m Theater an der Weidendammer Brück«— gewiß ein langatmiger Titel für ein vielleicht kurzatmiges Unter» nehmen— wird jetzt ein Schwank Der müde Theodor von Max Real und Max Ferner gegeben,«n Rentiers, die außer der Arbeit des KouponabschneidenS nichts bessere« mit ihrem Dasein anzufangen wissen, als dem Gutfchmack und dem Schlaf zu frönen, ist wahrlich kein Mangel. Der Renmer Theodor Hagemann schläft zwar auch immer, wo er sitzt oder steht, aber nur, weil er nachls Kellnerdienste verrichten muß. Für ein„kleines Mädchen" bezahlter heimlich Gesangsstunden. Da ihm nun der Kies ausgegangen ist, versetzt er eine kostbare Brillantbrosch« seiner Frau. Und um den Schmuck wieder auslösen zu können, kellnert er. Ein« Schnarch» Walze, die er fich extra für den Phono» graphen hat anfertigen lassen, genügt vollkommen, um die nicht gerade intelligente Eheliebste über seine nächtliche Ab- Wesenheit hinwegzutäuschen. Versetzen ist verhältnismäßig leicht z Einlösen zur rechien Zeit ziemlich schwer. Diese alte Gassenweisheit haben fich die Verfasser zu Nutzen gemacht. Es sind sreilich lauter altbewährte Requisiten, wie fingierter Einbruch usw. verwendet; aber eine witzige„Handlung" ergibt sich doch. Für Lachmuskel- übung ist reichlich gesorgt. Erfreulicherweise lassen die Autoren auch statt des üblichen Trios Verliebter und Verlobter nur ein Paar glücklich werden. Henry Bender gibt den müden Theodor schon so, daß man nicht einschläft. Neben ihm machen dann noch Friedrich St an dt« und Erich Schönseldex ihre mehr oder minder drolligen Späße. vir. Notizen. — Borträg«. Die Wissenschast heS kinematographi» schqn Bilde« wird von Prof. D o n a t h am Dienstag. d»n 17. März, in der Urania in einem Experimentglvortrag behandiit. Der Vor» trag, der der letzt» der Gelehrtenvorträg« ist, wird am Donnerstag wiederholt. — Ein Theater G o r k i». Aus Moskau wird gemeldet: Maxim Gorkt trifft hier Vorbereitungen zur Gründung eine» großen Theater», da» für da» breite Publikum bestimmt ist und nach Gorti« Abficht, ein wirksamer Kulturfaktor werden soll. Da» Theater soll spätesten» bis Ostern 191b im Bau vollendet sein. — K u n st ch r o n i k. In M ü n ch e n hat fich«in».Reu» München»! Sezession� gebildet. Zu den Gründern gehören ehemalige Mitglieder der Münchener Sezesfion idie WeiSgerber-Bruppej, der Scholle, der Neuen Künstlervereinigung München, der Sema, de« Internationalen Künstlerbunde». — Di« Rationalgaleri« wird ihr« neu geordneten Räum» erst am Mittwoch, den 18. März, dem allgemeinen Besuche öffnen. — Eine Ehrung für Paul Ehrlich. Di«„Münchner Medizinische Wochenschrift" hat zu einer würdigen fachmännischen Feier des 60. Geburtstages hon Paul Ehrlich«ine besondere Nummer veröffentlicht, die in ihren Originalheiträgen zum größten Teil For» schungen behandelt, die auf den grundlegenden Arbeiten von Ehrlich fuße». In erster Reihe sieh» dabei selbstverständlich dag Salvarsan uns da» Neosalvarsan. geeignet abzulehnen. Nachdem da? Gericht diesen Antrag zurück- gewiesen hatte, beantragte der Verteidiger Vertagung, da er nicht m der Lage gewesen sei, sich über einen Teil der Sachverständigen zu erkundigen. Unter Widerspruch de» Staatsanwalt» beschloß das Gericht die Vertagung der Verhandlung; zu dem neuen Termin sollen die gestern vorgeladenen Zeugen und Sachverständi- gen wieder vorgeladen werden�_ Ei» Dolchstich. Ein quf offener Straße verübtes Eifersuchtsattentat bildete den Gegenstand einer Verhandlung, welche gestern unter Borsitz de» Landgerichtsrats Velber das Schwurgericht de» Landgericht» II beschäftigte. Wegen versuchten Totschlags war der 18jährige Schriftsetzer Oskar Wiederfich angeklagt. In der Nacht zum 20. Dezember v. I. spieltc sich in Schöne» bcrg. an der Ecke der Gustav-Müller- und Torgauer Straße, eine aufregende Szene ab. Ein junger Mann, der dort einige Zeit mit einem jungen Mädchen auf und ab gegangen war und heftig gestikulierend auf sie eingesprochen hatte, zog plötzlich ein langes Dokchmesser hervor und jagte es dem jungen Mädchen in die Brust. Während dieses mit einem lauten Aufschrei zu Boden sank, ergriff dex Attentäter die Flucht. Er wurde von den Augenzeugen der Tat verfolgt und ergriffen. Auf der Polizeiwache ergab eS sich. daß diese Szene den Abschluß einer Ltcbesgeschichte bildete, die sich zwischen dem jetzigen Angeklagten und der ISjährigen Ar» beiterin Minna Gläser, die in einer Schokoladenfabrik in der Maxstraß« beschäftigt, abgespielt hatte. Die Beziehungen waren von dem Mädchen gelöst worden, da e» erfahren hatte, daß W. fast nie arbeitete und sich, auf gewisse Abenteuer ausgehend, in der Friedrichstraße herumtrieb. Der Angeklagte hatte auch an dem Tage der Tat versucht, sich dem Mädchen wieder zu nähern, war aber zurückgewiesen worden. In eifersüchtiger Wut zog W. ein Messer und jagte eS der G. in die Brust. Der Stich durch- bohrte die Lunge; die Verletzung heilte jedoch so gut. daß keinerlei Folgen verblieben sind. Bon Rechtsanwalt Perl» wurde darauf hingewiesen, daß man nicht annehmen könne, daß der Angeklagte in einer TötungSab- ficht gehandelt habe, offenbar habe er der Zeugin in der Wut nur„ein» auswischen" wollen, so daß nur Körperverletzung in Frage kommen könne. Di« Geschworenen bejahten auch nur die Schuldfrage nach gefährlicher Körperverletzung. DaS Urteil lautete auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Di« schwarzen Listen der Tpandaurr Polizei vor Gericht. In einer Privatklage, die vor dem Spandauer Amtsgericht zum Austrag gebracht wurde, spielten die geheimnisvollen schwarzen Listen der dortigen Polizei, die rücksichtlsos gegen Staatswerk- stättenarbeiter angewandt werden, welche im Verdacht stehen, der sozialdemokratischen Partei anzugehören, eine große Rolle. Diese Listen, welch« dem Chef der Spandauer Polizei, Oberbürgermeister Beheimrat Koeltze, nach einer Aeußerung in der Stadtverordneten- Versammlung völlig unbekannt stich, habe« den großen Fehler, daß sie falsch sind, da nach Inkrafttreten deS neuen VereinSgcsetzeS bekanntlich keine Mitglieder des Wahlvereins mehr bei der Polizei- angemeldet werden und von den in früheren Jahren gemeldeten Mitgliedern inzwischen eine große Anzahl verstorben, verzogen und ausgetreten sind. Wenn man weiter berücksichtigt, daß der Vorstand de» WahlvereinS nach dem alten Vereinegesetz wohl der- pflichtet war, die Mitglieder anzumelden, nicht aber verpflichtet war, dieselben wieder abzumelden, so kann man sich vorstellen, wie die polizeiliche Liste der Mitglieder des Spandauer Wahlver- ein» aussehen muß. In dem borliegenden Fall handelt es sich um einen Maurer K r e m e r, dex schon lange dein Wahlverein den. Rücken gekehrt hat, seit einer Reihe von Jahren sogar auf dem Bau seine eigene Gewerkschaft bekämpfte und jetzt stramme» KriegervereinSmitglied ist. K., der im Jahre 1995 dem Wahlverein beigetreten war und nach seine? Angab« auf Grund der polizeilichen Auskunft, daß er Mitglied de» WahlvereinS sei, von den StaatSwerkstätten entlassen, nach 14 Tagen aber wieder eingestellt worden war. verklagte nun den ehemaligen Kassierer deS Wahlvereins, Genossen Bohle, auf Schadenersatz. Er behauptete, niemals Mitglied des WahlvereinS gewesen zu sein. Das Amtsgericht stellte in dem schriftlichen Ur- teil folgenden Tatbestand fest: Kläger war im Mai und Juni 1913 Arbeiter in der Königlichen Artilleriewerkstatt Spandau. Am 10. Juni 1913 ist er entlassen worden. Er führt die» auf eine an den Direktor des genannten militärischen JnstiwtS gelangte Auskunft der Polizeiverwaltung zurück, wonach er dem soztaldemo» kratischen Wahlverein angehört hätte. Die» sei tatsächlich un- richtig und jene Mitteilung beruhe auf wahrheitswidrige Anzeig« de» Beklagten, des früheren Vorsitzenden de» Verein». Ex macht den Beklagten für den Ausfall an Arbeitsverdienst verantwortlich. Der Beklagte hat da» Mitgliederverzeichnis de» genannten Be» ein» vom Jahre 1905 vorgelegt, laut dem der Kläger seinen Bei- tritt erklärt Hab«. Mangels Beitragszahlung sei der Kläger dann wieder ausgeschieden. Die entsprechende Mitteilung an die Po- lizetverwaltung vor 8 Jahren habe lediglich auf Vorschrift beruht. Nunmehr hat der Kläger erklärt, er Hab« sich allerdings einmal von Arbeitsgenossen überreden lassen, dem sozialdemokratischen Berein beizutreten, sei aber, nachdem er sich der Tragweite seine» Schrittes bewußt gewesen sei, alsbald wieder ausgeschieden. Da» Gericht wie« den Kläger kostenpflichtig mit seiner Klag« ad und sagt« in seinen Entscheiduagsgründen: Die Klage ist unbegründet, da auf fetten deS Beklagten von einer verwerflichen Handlung»- weise ebensowenig die Rede sein kann, wie von einem Bewußtsein. daß der Kläger durch die Mitteilung an die Bolizeiverwaltung ge- schädigt werden könnte. Kläger, der gegen diese» Urteil beim Landgericht III Borufung eingelegt hatte, hat dies« jetzt leider zurückgezogen, so daß e» dem Verteidiger des Beklagten, dem Genossen Liebknecht, nicht mehr möglich ist. auf die schwarzen Listen der Polizei näher einzugehen. Kläger hätte übrigen» mit seiner Entschädigungsklage mehr AuS» ficht auf Erfolg gehabt, wenn er die Polizei, die doch anscheinend die Anmeldepflicht der Mitglieder unter dem alten Vereinsgesetz dazu benutzt hat, ihn arbeitslos zu machen, verklagt hält«. Luftschiffer. Der in Flug« und Sporttreisen bekannte Direktor Arthur Müller hatte sich vor dem Charlottenburger Schöffengericht wegen Beleidigung de» Direktor» der AlbatroSwerke, Herrn Otto Wiener un» de? Kaufmanns Walter Rax zu verantworten. Herr Direktor Arthur Müller hatte in Abwehr gegen ihn von dritter Seite er« hobener Angriffe ein« Broschüre unter dem Titel„TherfiteS, picht Gracchus" veröffentlicht, darin Beleidigungen gegen einige irt Lustschifferkreisen angesehen« Personen unterlaufen lassen und unter anderem die Behauptung aufgestellt: Herr Nax habe in einer Prozeßsach« der AlbatroSwerke gegen die Flug, und Sport» platz-Gesellschaft einen wissentlichen Meineid geleistet und Herr Wiener Hab« Herrn Nax zu diesem Meineid angestiftet. Die Ver. Handlung ergab, daß Herr Nax in keiner Weise ein« falsch» Au»- sage gnnacht hat. serner. daß Herr Wiener Herrn Nax zur Ab- gäbe seiner Aussage überhaupt nicht veranlaßt hat. Bezüglich deS PrivatNäger» Nax kam der ausführliche Bescheid de» Ersten Staatsanwalt» zur Verlesung, welcher auf die Anzeig« de» Di- rektorS Arthur Müller die Eröffnung des Verfahren» gegen Nax unter der Begründung abaelehnt hat, daß nicht nur nicht erwiesen sei, daß Nax etwas Falsches ausgesagt habe, sondern im Gegen- teil Sie Aussage des Nax nach dem inneren Zusammenhang der Tatsachen schon an sich glaubhast und wahrscheinlich war. Be- züglich der angeblichen Anstiftung durch Herrn Wiener konnte seitens des Angeklagten ein Moment zur Unterstützung dieser De- hauptung nicht geltend gemacht werden.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 499 M. Geldstrafe. In der UrteilSbea gründung führte der Vorsitzende, AmtSgerichtSrat Meyer, au»: Das Gericht habe laiige geschivankt, ob der Angeklagte m Anbetracht der Schwere der Beleidigungen nicht mit Gefängnis zu bestrafen sei. Da? Gericht habe aber von der Gefängnisstrafe Abstand ge- nommen, einerseits, weil die Oeffentlichkeit der Beleidigung nicht genügend dargetan sei, da die Flugschrift doch nur an«inen be, stimmten Kreis von Interessenten verschickt worden sei, anderer- seits, weil dem Angeklagten eine gewisse Erregung wegen der schwebenden Prozesse und Streitigkeiten zugute zu halten sei. Den Schutz des ß 193 des Strafgesetzbuches hat aber das Gericht dem Angeklagten versagt, da ihm die Wahrnehmung berechtigter Jnter- essen nicht zugebilligt werden könne. Angriffe und unliebsam« Kritiken seien auf andere Weise abzuwehren als durch ehren- kränkende Vorwürfe, für die der Angeklagte den Beweis der Wahr- heit schuldig geblieben sei._ flus aller Welt. Hroße Ueberfchwemmung in Siiörußlanö. 200 Arbeiter ertrunken. Ein entsetzliches Unglück meldet der Telegraph von der Küste des Asowschen MeereS. Sin Orkan, der das Asowsche Meer aufpeitschte, hat zu einer Hochflut geführt, die in der Nähe des KosakendorfeS AchtyrSkaja 200 unweit de» Ufer» schlafende Arbeiter mit sich fortführte. Alle sind ertrunken. Auch sonst hat die Hochflut viel Unheil angerichtet. Diele Arbeiteransiedlungen sind überschwemmt worden. In der Stadt Temrjuk wurde ein Zementdamm durch die Fluten z e r st ö r t, ein großer Teil der Stadt steht unter Wasser; auch hier sind mehrere Personen umgekommen. Auch die Provinz Kuban ist von einem wrchtbaren Orkan heimgesucht worden. DaS Asowsche Meer stieg um drei Meter und überschwemmte die Orte Stanitza und Ätschu- jewskaja, wo mehr als tausend Menschen umS Leben kamen. In VasenSkaja ertranken 1S0 Personen. Auf der am Schwarzen Meer entlang führenden Eisenbabn wurden Wagen und Lokomotlven durch die luten umgestürzt. In Atschujewskaja stürzten 8V Gebäude ein. Grostfeuer im Münster von Neust. Ein gewaltiges Schadenfeuer, da» durch Kurzschluß in den frühen Morgenstunden de» Sonnabend auskam, hat das Münster der rheinischen Stadt N e u ß heimgesucht. Die Neußer Feuer- wehr konnte gegen den Brand, d«r um 6 Uhr im Ostturm auskam, zunächst nur wenig autrichten', die Dampfspritze war gerade in Reparatur und konnte nicht benutzt werden. Ein energischer Angriff auf das Feuer war erst nach dem Eintreffen der D ü s s« l- d o r f e r Berufsfeuerwehr möglich, die gegen 7 M Uhr erschien. Inzwischen hatte auch daS Dach deS Mittelschiffe» der Kirche Feuer gefangen, das aber bald erfolgreich bekämpft werden konnte. Gegen 8 Uhr stürzte der schwere Glockenturm unter großem Getöse zusammen; nach kurzer Zeit folgte dann das Glockengebälk. Den Bemühungen der vereinigten Feuerwehren, auch die Kölner Berufswehr beteiligte sich an den Löscharbeiten, ist e» gelungen, da? kostbare Mittelschiff de» Münsters mit seinen wertvollen Gold- schnitze reten, da» schon Feuer gefangen hatte, zu retten. Di« sehr wertvolle Orgel wurde bei dem Brande vernichtet. Der Schaden wird auf 200 900 M. geschätzt. E« ist daS dritte Mal. daß die Kirche, die 1209 erbaut wurde. unter einer Feuersbrunst zu leiden hat. 1496 wurde derselbe Turm deS Münsters von einem Blitzschlag getroffen und nieder- gelegt. 1741 wurde da« ganz« Dach der Kirche vom Feuer ver- nichtet._ Gisenbahnkatastroph« in NeusüdwaleS. Ein sehr schweres Eisenbahnunglück hat sich nach einer Meldung aus T e m o r a in der Nacht zum Sonnabend auf der Eisenbahnstation E x e t e r in Neusüdwales zugetragen. Im Nebel stieß ein einlaufender Postzug mit einer Lokomotive zusammen. Dreizehn Personen wurden getötet, drei schwer und zwölf weniger schwer verletzt. Ein Vater, der mit seinen Kinbern die Leiche der Mutter be- gleitete, wurde mit seinen Töchtern auf der Stelle getötet, der Sohn wurde schrecklch verletzt. Englische Schnellfenerjustiz. Wie aus London gemeldet wird, sind sechs Anhängerinnen deS Frauenstimmrechts, die Sonnabend früh dem Staatssekretär de» Innern McKenna die Fenster eingeschlagen hatten, noch im Laufe de« vormittags zu je zwei Monaten Gefängnis bei schwerer Arbeit verurteilt woroen. Letzte Nacht haben Anhängerinnen deS Frauenstinonrecht» den Pavillon«ine» Lawn-TenniSklubS bei Birmingham niedergebrannt. Frau Pankhurst tst wieder aus dem Holloway» Gefängnis ,nt lassen worden, nachdem fie einen Hunger» und Dur st streik begonnen hatte. Noch ist Preusten nicht verloren! Die Herrschaften, die mit Sorgen in die Zukunft sehen, weil ihnen da» Proletariat nicht mehr in alter Zahl Ausbeutung«» objekte liefern will, finden in der Frau de» Arbeiter»� Anton Dr o st zu D r a tz« g in Pommern ein Weib nach ihren Wünschen. Frau Drost ist noch keineswegs von dem..Gift" de» Gebärstreiks angesteckt und bedient sich absolut nicht der schändlichen Mittel, die demnächst da» Strafgesetz verpönen will, sondern sie hat all- jährlich chre regelrechte Geburt und in sechsjähriger Ehe bereits neun Kinder zur Welt gebracht, in den drei ersten Jahren je et n», in den drei letzten je zwei. Der.Kindersegen" fyjt jedoch fönst wenig Segen gebracht, sie bedauernswerte Mutter ist jetzt schwer erkrankt und in ihrer Familie die bitterste Not eingekehrt. Die Freunde de» Geburtenüberschusses kümmern sich aber nicht im geringsten um die Rotleidenden. Kleine Notizeu. TedeSstur, eine» deutschen MtlitirfliegerS. Am Sonnabend- morgen ist auf dem Flugplatz in Köntyeberg Leutnant de Lesser vom 8. Westpreußischen Jnfantemeregiment Nr. 175, der als Flugzeugführer zur weiteren Ausbildung nach Königsberg kommandiert war. beim Landen abgestürzt. Er war so- fort tot. Sech« Arbeiter bei Vprengarbeite« verletzt. In einem Stein- bruch bei Gudensberg in Hessen-Nassau hat sich Sonnabend früh ein schwere? Unglück ereignet. Durch vorzeittgeS Losgehen«ine» Sprengschusses wurden sechs Arbeiter so schwer verletzt, daß ihre Ucberführung in» Kasseler Krankenhau» erfolgen mußte. Zwei der Arbeiter haben so schwere Verletzungen erlitten, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Eine badische Ortschaft durch Erdrutsch bedroht. Im Ort« Vormberg bei Sinzheim befindet sich der Vergabhang, auf de« da» Oberdorf steht, im Rutschen. Drei Wohnhäuser find b«q reit» z e rst ö r t worden, fünf andere mußten geräumt werde» »nd noch andere sino gefährdet. Die Betvohner der zerstört« Häuser konnten sich rechtzeitig tn Sicherheit dringe» seeeeeee# 9999999 Unserem Genoffen Paul Neumann nebst Gattin bie besten Glückwünsche zur silbernen Hochzeit. Mehrere Genossen von Nowawes. 9999666666se Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 8. Berl. Reichstagswahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, ber Maler Theophil Greetz ( Bezirk 222) gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. März, nach mittags 5 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Biliale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Theophil Greetz ben 13 am Freitag, den 13. März berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. b. Mts., nach mittags 3 Uhr, von der Halle des städtiscen Friedhofs in Friedrichs136/14 felde aus ftatt, Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Bezirk 774. Am Freitag, den 13. März verstarb unsere Genoffin Frau Berta Hein Guineaftr. 8. am Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 16. März, nachmittags 8, br, von der Leichen balle des Städtischen Friedhofes, Müller Ede Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Bezirk 565. Am Freitag, den 18. März. verstarb unser Genosse, der Maurer August Hoffmann Bornholmer Str. 15. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Mara, nach mittags 3, Ubr, von der Leichen. halle des Gethsemane- Kirchhofs in Niederschönhausen Norbend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/16 Der Vorstand. Bezirk 544 Am Sonnabend, den 14. März, verstarb unser Genosse, der Metall. fchleifer Max Sonntag Prenzlauer Allee 188. Ehre seinem Andenken! ani Die Beerdigung findet Dienstag, den 17. März, nachmittags 2, Uhr, vom Trauer hause aus nach dem Himmel fabrts Kirchhofe in Meberschönhausen- Nordend, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach richt, daß mein innigftgeliebter Mann, mein lieber Sohn und Schwiegersohn 1286b Max Sonntag am 14. März nach langen schweren Leiden verstorben ist. Beerdigung findet am Dienstag nachmittag 3 Uhr pom Trauer hause, Stargarder Str. 89, aus nach dem Himmelfahrts- Kirchhof. Niederschönhausen Nordend, statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Frau Frida Sonntag. Bme. Sonntag, Mutter. Deutscher Banarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putner. Den Mitgliedern zur Rachricht, daß unser Kollege August Hoffmann am Freitag, ben 18. Mara, im Alter pan 73 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 16. März, nach mittags 8 Uhr, von der Galle des Gethsemane Kirchhofes in Niederschönhausen Nordend aus ftatt. # Um rege Beteiligung ersucht 141/12 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 12. März verstarb unser Parteigenoffe Hermann Loppe am Blethenstr. 29, 20. Bezirk Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 16. März, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannftr. 99-105, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/14 Der Vorstand. Zentralverband der Zivilberufsmusiker Deutschlands. Berlin. Ortsverw. Am 12. b. Mis. verstarb nach langem schweren Leiden unser Verbandsmitglied Hermann Loppe. Der Verschiedene, im Alter von 61 Jahren, gehörte zu den Mitbegründern unserer Organisation und hat sich in derselben stets als ein treues Mitglied und als guter Kollege erwiesen. Ein dauernd ehrendes Andenken bewahrt ihm Die Ortsverwaltung. Die Beerdig ung findet am Montag, den 16. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstr. 99. aus ftatt. 5013 Um rege Beteiligung bittet Der Vorstandd. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Kapellmeister Hermann Loppe nach langem, schwerem Leiden fauft entschlafen ist. 108A Im Namen der Hinterbliebenen Therese Loppe. Beerdigung: Montag, nachmittags 4%, Übr, von der Leichenballe des neuen Jalobi- Kirchhofes, Hermannstraße. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Hermann Kriese ( Swinemünder Str. 61) im Alter von 31 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 16. März, rach mittags 3, Uhr, von der Halle des Himmelfahrts Stirchhofes in Nieber- Schönhausen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 84/16 Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Hein, Berta geb. Funke, Kameruner Str. 40, Beatrt 1, verstorben ist. Ehre ihrem Mubenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 16, März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Philippus Apostel- Kirchhofes aus statt. Die Ortsverwaltung. 78/11 Sierdurch die traurige Nach richt, daß meine liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Julie Runge im Alter von 78 Jahren nach langem, famerem Leiden ver ftorben ift. Dies zeigt im Namen der trauernden interbliebenen an Wilhelm Liedtke, Restaurateur, Suarezftr. 4. Die Beerdigung findet am Montag, den 16. März, nachmittags 3, Uhr, von der Halle in Stahnsdorf aus statt. Ab fabrt 2 Uhr 50 Minuten Bahnhof Charlottenburg. 119a Am 12. Mara berschied nach fchwerem Leiden unfer Jugendfreund, der Graveurlehrling Erich Deuter Elbeftraße 29. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 16. März, nach mittags 8 Uhr, von der Halle des Gemeindefriedhofes, Marten dorfer Weg, aus statt. Der Verstorbene war tros feiner jungen Jahre etn allezett fireb fames unb bielversprechendes Mitglied unserer Jugendbewegung. Wir werden daher sein Andenten in Ehren halten! Um rege Beteiligung an der Beerdigung ersucht Der Jugend- Ausschuß 122 der Arbeiterschaft Neuköllns. Am 12. März entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine innigftgellebte Frau, unsere herzensgate Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Emilie Müller geb. Hasel im 58. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Karl Müller und Kinder, Weißenburger Straße 25. Die Einäscherung findet am Montag, den 16. März, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße 37/38, statt. Kranzspenden und Kondolenzbefuche verbeten. 12856 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 1254b Fritz Hildebrandt fage ich hiermit meinen herzlichsten Dant. Bw. Johanna Hildebrandt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Hermann Wandrey sage ich allen Verwandten und Bes fannten, den Genossen des vierten Babltreises sowie den Genossen und Genofsinnen des 297. Bezirts sowie dem Redner Genossen Bült für bie trostreichen Worte am Grabe meines Mannes meinen herzlichsten Dant, Frau Minna Wandrey, Gubener Str. 11. Für die vielen Bewelse herzlicher Teilnahme bei der Bestattung meiner lieben Frau und Schwester sagen wir allen Freunden und Verwandten, insbesondere den Kollegen von der Genossenschaft Möbelfabri! Hoffnung 88A unseren herzlichsten Dant. Johann Sowitzkat Luise Tuma. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes fagen wir allen Freunden und Be fannten, insbesondere Herrn Siering für seine troftreichen Worte, bem 4. Wahlkreise, dem MetallarbeiterBerband sowie dem Gesangberein Kreuzberger Harmonie" unseren herzlichsten Dant. 12445 Marie Blumenthal und Minder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 902 Hugo Hackbarth fage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Wahlverein Niederbarnim, dem Metallarbeiter berband, der Direktion und den Stollegen der Odeon iomie der Niprolit- Berke, dem Schauspielklub und Herrn Dr. Schütte für feine troſtspendenden Worte am Sarge des dem lieben Entschlafenen somie Wcännerchor meinen berzlichsten Dant. Frau Emma Hackbarth. Sonntags 12-2 geöffnet. Victoria- Fortbildungs- und Fachschule. Kurfürstenstr. 160. Berlin W. 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Ten Vogel schießt die SenfationSpresse ab, welche die Leser in der haarfträubensten Weise anschwindelt. Die Leser, die nicht prüfen können, wie oestimmte Vorgange sich abspielen, glauben, ihrer Zeitung aufs Wort und meinen, ganz besonders gut und schnell unterrichtet zu werden. Wer tiefer sieht und die Dinge genauer verfolgt, bedauert oft die Leser der Sensations- blätter, weil sie ständig angelogen werden. Allen Fällen nach. zugehen, ist bei der Fälle des Materials nicht möglich, man mutz sich gelegentlich auf Stichproben beschränken. An einem besonderen Fall möchten wir heute unsere Behauptungen erweisen. Vor acht Tagen brachte die„Berliner Morgenpost" einen Artikel unter der sensationellen Ueberschrist:.Die Geschichte einer Kinder- entführung" mit den Untertiteln:„Ein Vater als Eni» sührer seiner Kinder— Die Flucht nach Amerika — Der Kampf mit der Ehefrau im Treptower Park". In dem Artikel wird eine Familiengeschichte erzählt. Ein Mann namens L. habe mit seiner Frau Differenzen ge» habt und sei mit ihr auseinander gekommen; es sei die Ehe- scheidungsklage eingeleitet worden. Der Mann sei, weil er an den Kindern sehr hing, mit einer Geliebten nach Amerika gegangen und habe die Kinder mitgenommen. Nach fünf Jahren sei er wieder nach Deutschland gekommen und nach Treptow gezogen. Die .Morgenpost" schildert nun im Romanstil den weiteren Verlauf der Dinge also: .Aber die bisher erreichten Vorteile seiner Flucht sollten vollkommen zunichte werden. Eine Reihe von Zufällen kettete sich aneinander, die so phantastisch klingen, datz man sie im ersten Moment für unmöglich hält. Als L. eines Tages mit seinen Kindern einen Spaziergang im Treptower Park unter- nahm, sah er sich plötzlich seiner geschiedenen Frau gegenüber. Mit den Worten .Meine geliebten Kinder— das Schicksal führt mich Euch in den Weg", ritz sie die kleinen an sich und versuchte mit ihnen zu ent- kommen. L. stürzte hinterher, und es gelang ihm, den K n a b e n zu ergreifen und der Mutter zu entreißen. Aus Furcht, auch das Mädchen wieder zu verlieren, eilte nun die Mutter in höchster Aufregung mit dem Kinde in den Park. L., der ebenso den Verlust des Sohnes befürchtete, stürzte in entgegengesetzter Richtung davon. Die Mutter, die sich inzwischen wieder verheiratet hatte, behielt nun das Mädchen in ihrer Obhut, doch trachtete sie nach wie vor danach, auch den Knaben wiederzugewinnen. ES gelang ihr, L.S Aufenthalt zu ermitteln, und sie beantragte auf Grund deS Scheidungsurteils einen Gerichtsvollzieher, ihr den Knaben zu- zuführen. Dieser traf jedoch L. nicht zu Hause. Auf seine Vor- stellungen hin wurde ihm aber der Knabe von den nichtsahnenden Wirtsleuten ausgehändigt. Vor der Tür wartete die Mutter. die den Knaben sofort in Empfang nahm und sich nun am Ziel ihrer Wünsche glaubte. Doch ihre Freude war verfrüht. Denn wenige Minuten später kehrte L. zurück und hörte, waS vorgefallen war. Im nächsten Augenblick hatte er sich schon aus die Verfolgung gemacht. Die Frau hatte einen Straßen- bahnwagen bestiegen und war mit dem Kind in der Richtung nach dem Alexanderplatz abgefahren. L. jagte nun in einer Kraftdroschke hinter seinem So h n e her und holte die Elektrische auch am Alexanderplatz ein. Er verließ da? Auto, sprang au'f den Straßenbahnwagen in voller Fahrt auf, entriß der überraschten und verdutzten Mutter wieder das so heiß ersehnte Kind, sprang mit ihm ab— und war eine Sekunde später im Menschengewühl verschwunden. Die Frau hat nun gegen ihren ehemaligen Gatten Straf- antrag wegen Kindesentführung gestellt. L. ist jedoch nicht mehr zu ermitteln gewesen. Man nimmt an, daß er sich mit seiner Geliebten und den Kindern wieder zum zweiten Male nach Amerika gewandt hat. Jedenfalls darf man aber auf den Ausgang dieses von beiden Seiten mit solcher Er- bitterung durchgeführten 5Tinderstreites gespannt sein. Sollte L. hier ergriffen werden, wird er eine erhebliche Gefängnisstrafe zu gewärtigen haben." Soweit der wesentlichste Teil deS Artikels der„Morgenpost". Die Leser und noch mehr die Leserinnen haben mit Interesse die spannende Schilderung gelesen und warten der Dinge, die noch kommen sollen; sie wundern sich höchstens noch, daß diese hübsche Geschichte im„Vorwärts" nicht zu finden war. Wir möchten den wahren Tatbestand gegenüberstellen: Der in dem.Morgenpost"- Artikel genannte L. entschloß sich, nachdem ihn seine Frau mehrere- mal verlassen hatte, nach Amerika zu gehen und seine beiden Kinder mitzunehmen. Tns war vor B'/b Jahren. Im Staate Michigan wirkte L. als Farmer und heiratete ein Mädchen, daS er kurz vor seiner Abreise aus Teutschland für seine Kinder sich gesucht hatte. In der Zwischenzeit war in Teutschland die Ehescheidung erfolgt und weil L. nicht hier war und seinerseits unterließ, eine Gegen- klage anzustrengen, fielen die Kinder der Frau zu. Die letztere verheiratete sich inzwischen wieder. In der jungen Frau de» L. erwachte mit der Zeit die Sehnsucht, L. gab den Bitten nach und kehrte wieder nach Deutschland zurück, wo er zunächst bei Bekannten in Treptow wohnte. Tie frühere Frau des L. hatte sich wiederholt nach ihrem früheren Manne, der eine Militärpension bezog, er- kundigt und als sie jetzt hörte, datz L. zurückgekommen war. suchte sie ihn aus. Sie nahm das vor dem Hause spielende Mädchen mit sich, das auch ruhig mitging, obwohl eS die Mutter gar nicht kannte. Wegen des anderen Kindes, einem Jungen, der bei der Abreise ein Jahr alt war, sandte sie einen Gerichtsvollzieher, der den Jungen pfänden sollte. Nachdem der Mann des Gesetzes sah, daß dieser Junge sehr an dem Vater hing und einer sofortigen Festnahme des stark herzleidenden Jungen die schwersten Gefahren für das Leben des Kindes mit sich gebracht hätte, nahm er zunächst Abstand. Der Vater des Kindes erklärte sich freiwillig bereit, den Jungen herauszugeben, und zwar an die Mutter selber. Er ging soweit, da der Junge mit fremden Personen nicht mitging, die Mutter— seine ehemalige Frau— auf den Straßenbahnwagen zu begleiten. Am Alexanderplatz mußte der Junge austreten, und der Vater verließ mit seinem Kinde den Wagen, die Mutter zurück- kissend. TaS ist die Geschichte der Kindesentsührung. Die ganze Darstellung der„Morgenpoft" von einem„Kampf im Trep- t o w e r Park", von dem Entreißen deS Knaben, von einer Ver- folgung des VaterS ist von Anfang bis zu Ende er- f un den. Auch die Bemerkung der„Morgenpost" über die Geliebte des L., die feit Jahren die angetraute Frau des L. ist, ist falsch. Im übrigen ist L., der mit dem Jungen und seiner Frau wieder nach Amerika gehen wollte, wieder zurückgekommen, weil er unter Wegs angehalten wurde. Er hat den Jungen ohne weitere» her- ausgegeben und hofft nunmehr, in einem Prozeß wenigstens den Jungen zugesprochen zu erhalten. Die ganze Angelegenheit ist eine reine Privatangelegenheit, die für die Oeffentlichkeit kein Interesse hat. Aus diesem Gxunde nahmen wir von der Sache absichtlich keine Notiz. Nur der „Morgenpost", auch dem„Lokalanzeiger" blieb es vorbehalten, diese Privatsache auf den breiten Markt der Oeffentlichkeit zu zerren, und das in einer Form, die nur der Sensationslust frönen sollte. Ein Blatt, dem es um wahrheitsgemäße Sachdarstellung zu tun ist, kann und darf eine solche phantastische Irreführung seiner Leser nicht mitmachen. patteiangeleeenheiten. Juge..�sektion des 5. Kreises. Heute Versammlung bei Schulz, Königsgraben 2. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Preck: Der 18. März 1848. Nachdem: Gemütliches Beisammensein. Gäste willkommen. Charlottcnburg. 3. Gruppe. Am Dienstag, den 17. März, abends 8)4 Uhr: Gruppenversammlung im Volkshaus, Rosinen- strahe 3. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Düwell über:„Demokratie nicht Bureaukratie". 2. Freie Aussprache. 3. Gruppenangelegenheiten. 4. Wahl der Gruppen- leitung. Neukölln. Am Mittwoch, den 18. März, in Bartschs Festsälen: M ä r z f e i e r. Anfang 8� Uhr. Gesang, Festrede, Rezitationen sichern den Besuchern gediegenen Genuß, aber auch lehrreiche Stunden. Eintritt frei. Die letzten Stunden des Redeübungskursus sind voraussichtlich am 19. März und 2. April, die vorjährigen Teilnehmer werden ge- beten, ebenfalls zu erscheinen. Die diesjährigen Schüler kommen auch weiterhin in Uebungsstunden zusammen. Auf den Hinweis an dieser Stelle in den nächsten Tagen ist zu achten. Der Bildungsausschutz. Steglitz- Friedenau. Unser Schumann-Abend am 21. März findet nicht im„Albrechtshof", der seine Pforten ge- schlössen hat, statt, sondern im„Birkenwäldchen". Da auf den Eintrittskarten noch der„Albrechtshof" genannt ist, bitten wir die Bezirksführer und Hauskassierer, überall auf den Wechsel des Lokals hinzuweisen und zugleich für reichlichen Absatz der Karten zu sorgen. Der Bildungs- und Jugendausschuß. Friedenau. In der Mitgliederversammlung deS Wahlvereins, die am Mittwoch, den 18. März, abends SVt Uhr, im großen Saal des„Kaiser-Wilhelms-Gartens" stattfindet, spricht Genosse Julian Borchardt über:„1848— 1914". Friedrichsfelde. Heute, Sonntag vormittag, von den bekannten Stellen aus: Handzettelverbreitung. Tegel. Am Donnerstag, den 19. März, sindet eine Theater- Vorstellung in TrappS Festsälen statt. Zur Aufführung gelangt: „Ausgewiesen" von Karl Böttcher. Billetts a 49 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Tempelhof-Maricndorf. Zu der am Montag, den IS. März, abends 8i-h Uhr, im Tempelhofer„Tivoli" stattfindenden Theater- Vorstellung„Die Schiffbrüchigen" sind all« Karten vergriffen.' Rcinickcndorf-Wcst. Heute Sonntag von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung.— Dienstag, den 17. März, abends 8% Uhr, im Lokal von Beyer, Scharnweberstraße 191: Oeffcnt- liche Kommunalwähler-Versammlung. Bruchmüble. Heute Sonntag, abends pünktlich 7 Uhr, im Lokal von Fischer, Radebrück: Mitgliederversammlung. öerliner Nachrichten. Ter Tierfreund. Ein schwer mit Abbruchmaterial bcladener Wagen fährt durch die Markgrafenstraße. Beim Einbiegen in die Linden- straße gibt es eine kleine Verkehrsstockung, der Wagen muß halten und als die Pferde wieder anziehen sollen, gleiten ihre Hufe auf dem schlüpfrigen Asphalt aus, so daß der Wagen nicht vom Fleck kommt. Der Kutscher steigt ab, nimmt die Pferde am Zügel und knallt heftig mit der Peitsche, ohne aber die Pferde zu schlagen. Es samnieln sich natürlich sofort eine Reihe Leute um das Fuhrwerk. Der Kutscher müht sich die Pferde vorwärts zu bringen. Er läßt die Zügel los, stemmt sich mit aller Macht an die Radspeichen. Aber die Pferde rutschen aus. Der Wagen geht rechts und links, aber nicht vorwärts. Er haut nun einmal den Pferden mit der Peitsche über den Rücken. Sofort fängt ein Herr an zu schreien: „Hauen Sie die Pferde nicht! Laden Sie lieber nicht so viel auf! Ich zeig Sie einfach an! Roheit!" Der Kutscher guckte den Herrn von oben bis unten an und sagte ruhig, wenn auch grob: „Halten Se die Schnauze. Mann! Zuville is nich geladen, wär' man nich allens so glatt. Wir müssen ooch unsre Wagen machen, sonst fliegen wir uff's Pflaster." „Aber die Pferde brauchen Sie nickt zu schlaaen!" rief der Herr wieder, zornrot im Gesicht. „Na, dann fassen Se man an!" antwortete der Kutscher seelenruhig und deutete auf ein Wagenrad. Der Herr warf ihm einen unbeschreiblichen Blick zu. Da kamen drei Arbeiter herbei und übersahen im Nu die Sache: „Willem, Mare, ran!" rief der eine. Sie stemmten sich alle drei in die Räder, der Kutscher ergriff die Zügel und heidi war der Wagen flott. Lachend klopften sich die drei Arbeiter die Schultern ab; der Kutscher schwang sich während der Fahrt auf den Wagen und winkte den Dreien niit der Peitsche grüßend zu. Ter Tierfreund aber riß Mund und Augen auf und sah dem dahinfahrenden Wagen nicht sehr klug nach.___ Zur Eiugemeindung von Reinickendorf nach Berlin. In der Angelegenheit der Eingemeindung Reinickendorfs nach Berlin ist gestern der formelle Antrag an den Oberpräsidenten abgesandt worden. Trotz des berciks erfolgten ablehnenden Bescheides des Obervräsidenten an den Gemeindevorstand in Reinickendorf haben beide Ge- meinden Berlin und Reinickendorf gemeinsam den An- trag auf Eingemeindung gestellt. Gegenüber der von der Rc- gierung vertretenen Auffassung, daß Berlin von einem Kranze blühender Vororte umgeben werden müsse, kommt in Betracht, daß hier ein Fall vorliegt, auf den dieses Merkmal sicherlich nicht zutrifft. Reinickendorf befindet sich, wie in einer dem Antrag beigegebenen Denkschrift nachgewiesen ist. in einem äußerst bedrängten Zustande der Gemeindefinanzen. Gerade mit Rücksicht darauf, wie dieser Fall gelagert ist. verbieten sich Erwägungen allgemeiner Art. wie solche bisher von feiten der Regierung und in den dieser Frage gleich gerichteten Kreisen vertreten worden sind. � Es ist in dem Eingemeiichungsantrag deshalb gebeten, diesen Fall losgelöst von allen allgemeinen Erwägungen für sich behandeln und beurteilen zu wollen. Ter neuerbaute Jungfernsteg in Plötzensee, eine über den Spandauer SchiffahrtSkanal führende Fußgängerbrücke, ist gestern dem öffentlichen Berkehr übergeben worden. Tas kommt davon, wenn man auf Reisen geht. Eine teuere Bekanntschaft machte wieder einmal ein Herr aus der Provinz, der sich noch in etwas vorgerückter Stimmung und Stunde die Rcichshauptstadt näher ansehen wollte. In einer Wirt- schaft traf er einen Mann, der bereitwilligst die Führung übernahm und endlich eine ganze Reihe von Lokalen mit weiblicher Bedienung mit ihm aufsuchte. Als der Provinzler dann irgendwo aus einem Schläfchen erwachte, war der Führer verschwunden und mit ihm seine Brieftasche, die 1899 M. enthielt. Ter Gefledderte wird wohl schwerlich wieder zu seinem Gelde kommen, zumal er seinen freundlichen Führer nicht einmal annähernd beschreiben kann. Heiratsschwindler. Farmer von Hertzberg nannte sich ein Heiratsschwindler, der besonders in Berlin seine Opfer fand und jetzt in Kiel ergriffen wurde. In hiesigen Zeitungen erschien wiederholt eine Anzeige, daß ein Mann in höherer Stellung eine vermögende Dame zwecks Heirat kennen zu lernen wünsche. Die heiratslustigen Damen, die sich schriftlich an die angegebene Teckadresse wandten, erhielten darauf aus Kiel, Bremen oder Hamburg einen Brief, dessen Ab- sender„Egon von Hertzberg" ihnen schilderte, wer er sei und wie er bisher gelebt habe. Hiernach war„Herr von Hertzberg" der Sohn eines Rittergutsbesitzers. Mit dem zehnten Jahre verwaist, wurde er von Verwandten sehr streng erzogen, schlug die OfftzierSlauf- bahn ein. stand 16 Jahre lang bei den Schutztruppen in unseren Kolonien, verließ dann den Dienst, betätigte sich als Pflanzer und hatte jetzt, nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland, die Ab- ficht, als Farmer nach Deutsch-Afrika zurückzukehren. Im letzten Augenblick hatte er sich entschlossen, eine Lebensgefährtin dorthin mitzunehmen. Weil er cS also eilig hatte, so lud„Herr von Hertz- berg" die Damen gleich nach Kiel. Bremen oder Hamburg, je nach. dem er sich gerade hier oder dort befand, zu einer persönlichen Besprechung ein. Im Hotel wußte er dann den Heiratslustigen sehr viel von den Kolonien zu erzählen, und alle seine Darstellungen bekräftigte er noch mit Photographien, die ihn selbst im„Kreise seiner Kameraden oder Bekannten mit darstellten. Sobald er ans diese Weise das volle Vertrauen der Damen gewonnen hatte, lockte er ihnen unter allerhand Vorspiegelungen die Barschaft ab und versetzte sie dann, statt mit ihnen die Ausreise anzutreten. Auf die Anzeige von Geschädigten wurde der angehende Farmer in Kiel fastgenommen. Er entpuppte sich als ein ehemaliger Kaufmann, der nie Offizier, wohl aber eine Zeit lang in unseren afrikanischen Kolonien gewesen ist. Es wäre erwünscht» daß sich alle Berliner Damen, die ihm ins Garn gegangen sind, bei der Kriminalpolizei im Zimmer 193a des Polizeipräsidiums meldeten. Tödlicher Unfall durch Ucbcrfahrcn. Am 11. d. MtS.. nachmittag» gegen 6.3ö Uhr, wurde"vor dem Hause Leipziger Str. 137 beim Ucberscbreiten des Fahrdammes eine bisher unbekannte Frau von einem Kraftomnibus überfahren und getötet. Die Unbekannte ist ungesähr 49-45 Jahre alt. 1.55 Meter groß, hat graumeliertes Haar und am rechten Bein einen Stelzfuß. Sie war bekleidet mit braunem Hut mit Federn, schwarzem Jackett, graugestreiftem Rock. schwarzer Bluse. Federboa, schwarzen Handschuhen und hatte ein Taschenluch. gez. C. 199, bei sich. Mitteilungen über die Personlich. keit!�r Toten nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei zu 8M 17/48. 14 entgegen.__ Zahle deinen Obolus. Wiederholt beobachtete Versuche von Fahrgästen, sich der Zäh. lung des Fahrgeldes zu entziehen, haben der Großen Berliner Straßenbahn Veranlassung zu einer vom Polizeiprasidenlen ge» nehmigten Ergänzung der Beförderungsvorschriften gegeben, die jetzt durch Aushang in den Wagen bekanntgemacht wird. Sie lautet. „Tie Fahrgäste sind verpflichtet, sich alsbald nach Besteigen de» Wagens beim Schaffner zwecks Erlangung eine» Fahrschein» bemerkbar zu machen." n» Es soll damit ausdrücklich auf die Unrichtigkeit der Auffassung bingewicsen werden, als bedürfe es einer besonderen Aufforderung des Schaffners zur Entrichtung des Fahrgeldes. AuS Not seinem Leben ein gcwaltsamcs Ziel gesetzt hat im Hause Manteusfelstraße 13 der 69jährige Arbeiter Wilhelm Meißner. M. bewohnte hier eine Stube. Da er keine Arbeit hatte» verschaffte er sich durch gelegentliche Aushilfsarbeiten in einem 'Kohlengeschäft hin und wieder etwas Verdienst; jedoch reichte dieier niclit aus. um die fällige Miete zahlen zu können. Er reichte daher ei,, Gesuch um Unterstützung bei der Armenkommission ein, wurde jedoch abschlägig beschiedcn. AIS ihm auch noch die Exmission an- gedroht wurde, machte er seinem Leben durch Erhangen freiwillig ein Ende. ArbeitSnochweis für das Schncidergcwerbc. Der durch den Magistrat der Stadt Berlin errichtete FacharbeitSnachweiS für da» Schneidergewerbe teilt allen Schneidermeistern für Damen-, Herren» sowie der gesamten Konfektion mit, daß sämtliche in ihrem gewerb- lichen Betriebe benötigten Arbeitskräfte von seinen untenstehenden Filialen unentgeltlich, auch auf telephonischem Anruf, nachgewiesen werden. Schneidern, Büglern. Steppern, Mamsells, Stepperinnen. Näherinnen usw. wird jederzeit kostenlos Beschäftigung nach. gewiesen: Rückerstraßc 9, Tel.-Amt Norden 3791— 3797, geöffnet für weibliche Arbeitsuchende von 8—12 Uhr. geöffnet für männliche ArbeitsMbende von 3—7 Uhr; Junkerstraße 19. Tel.-Amt Moritz- platz 14943, geöffnet von 9—1 Uhr; Gerichtstraße 35, Tel.-Amt Moabit 8864, geöffnet von 3—7 Uhr. Arbeiter-Bildungsschule. Heute, Sonntag, den 15. März, abends 7 Uhr, im großen Saal des..Gewerkschaftshauses, Engel. ufer 15, zwei Lichtbildervorträge. 1. Werden und Ver» gehen der Gebirge. Vortragender: Genosse. Ernst Reuter. 2. Eine Wanderung durch die Uckermark. Vortragender: Genosse Georg Krämer. Eintritt 49 Pf. Garderobe frei. Im Zoologischen Garten ist die reichhaltige und sehenswerte Papagetcnsammlung dieser Tage wieder um zwei sehr schöne Seltenheiten bereichert worden, die die Vogelfreunde stark anziehen werden: Hahns Zwerg-Ara und Grünzügelpapagei. Ersterer ist wirklich ein Zwerg gegen seine populären Verwandten, da er nur so groß wie einer von den kleinen Sittichen, und auch ähnlich wie diese, grün gefärbt ist. Daß er trotzdem ein Ära ist, beweisen die ganze Figur und Schnabclbildung, besonders aber der charalte- ristischc nackte„Zügel" zwischen Schnabel und Auge. Nach der- selben Stelle am Kopfe, die bei ihm �rünbesiedert ist,'hat der zweite Neuankömmling seinen Namen, der zu den südamerikanischen Kurz- schwanzpapageien gehört. Sein Gefieder zeichnet sich durch eine so kparte Zusammenstellung von schwarzen, grünen, weißen und scharf rotgelben Farbentönen aus, daß es der modernsten Modistin von Berlin WW. alle Ehre machen würde, dieses Farbenkonzert er» funden zu haben. Kleine Nachrichten. Aus Furcht vor einer Gerichtsverhandlung hat am gestrigen Sonnabendmittag die Witwe Friederike Kühn, Steinmchstraße K7 wohnhaft, ihrem Leben ein Ende zu machen ge- sucht. Sie nahm eine große Dosis Verona! und öffnete dann den Gashahn ihrer Wohnung. Die-Lebensmüde wurde nach einigen Stunden von Nachbarn bewußtlos aufgefunden und sterbend in das Urbankrankenhaus gebracht.— Auf dem Hochbahnhof Gleisdreieck hat sich in der Freitagnacht kurz vor 1 Uhr ein schwerer Unfall er- eignet. Der Schuhmachermeister Otto Brunk, Neue Winterfeld- straße ll wohnhaft, wollte sich von dem oberen Bahnhof zu dem nach Westen fahrenden Zug begeben. In der Eile verfehlte er eine Stufe und stürzte die ganze Treppe hinab bis auf den Bahnsteig, wo er leblos liegen blieb. Man schaffte den Verunglückten auf die nächste Unfallstation, wo ein Arzt Schädelbruch und innere Ver- letzungen feststellte und die Ueberführung des Verletzten nach dem Krankenhaus am Urban anordnete. Auf dem Transport dahin der- starb der Schuhmacher jedoch infolge innerer Verletzungen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt.— Auf dem Rangicr- bahnhof der Lehrter Bahn wurde gestern vormittag der Ran- gierer Gustav Heise aus der Köpcnicker Straße überfahren. Auf dem Weg nach dem Krankenhaus erlag der Verunglückte seinen Ver- lctzungen. Straßensperrung. Das Königliche Polizei-Präsidium teilt mit: ~ic B r u n n e n st r a ß e zwischen Rosenthaler Platz und Jnva- lwenstraße beziehungsweise Veteranenstraße wird wegen Gleis- arbeiten auf der westlichen Hälfte am 16. und 17. März d. I. und auf der östlichen Hälfte am 18. und 19. März d. I. für den Fuhr- wcrksverkehr gesperrt. Vorortnachrichten. „Ein fozialüemokratischer Pastor." Unter dieser Ueberschrift läßt sich das„Spandauer Tageblatt' aus der benachbarten Gemeinde Cladow schreiben:„Die am Sonn- tag, den 8. d. Mts., stattgefundene Gemeindevertreterwahl zeitigle ein eigenartiges Ergebnis. Der unter dem Patronat des Fidei- kommißbesitzers Herrn Rittmeister d. L. a. D. von Wollank auf Grotz-Glienicke stehende Pfarrer Hermann Hierselbst, wählte in der dritten Klasse einen bekannten Cladower Sozialdemokraten. Viele Mühe muß sich der Herr Pfarrer gegeben haben, um den Sozial. dcmokraten durchzubekommen. Zu diesem Zweck verschaffte er sich mehrere Vollmachten, unter anderem von Herrn Stabsarzt Dr. Geronne-Potsdam, Rentier H. Hoffmann-Cladow a. H., Kaufmann Bertold Israel Wessels Erben, Architekt H. Wessel und Dr. Ed. Mosler, alle auf Schwanenwerder. Das Ergebnis der Wahl war nun auch, daß der von den Sozialdemokraten aufgestellte Kandidat gewählt wurde. Ob ein derartiges Verhalten eines evangelischen Pfarrers sich mit seiner Tätigkeit als Seelsorger und geistliches Oberhaupt der Gemeinde verträgt, bleibt abzuwarten." Im Anschluß hieran bemerkt das Blättchen entsetzt, daß es hier vor eineni Rätsel stehe, wie ein Geistlicher, der von der Kanzel predige:„Seid Untertan der Obrigkeit, denn sie ist von Gott ver- ordnet", die religionslose Umsturzpartei unterstützen könne.„Wje verhalten sich Konsistorium und die oberen Kirchenbehörden zu einem solchen Amtsbruder?" so fragt das Blättchcn. Es sucht dann noch nachzuweisen, daß der Pfarrer unter den Gemeindemitglicdern wenig beliebt sei. weil er in bezug auf einen Altsitzer gesagt b�lbe:„Ach was heißt Kirchenältester I Das sind doch bloß„Bachul- kciiJT Wegen dieser Aeußerung sei er am Mittwoch vor dem Spandauer Schöffengericht zu 19 M. Geldstrafe verurteilt worden. tro�em er nachgewiesen habe, daß der Ausdruck in der polnischen Sprache„Nachläufer" oder„polnischer Gefolgsmann" heiße. Hcuch- lerisch bemerkt das Blatt zum Schluß, daß es sonst nicht seine Auf- gäbe sei, derartige persönliche Angelegenheiten zu bringen. Im vorliegenden Falle hätte es, um dem Einsender und der hinter ihm stehenden großen Anzahl der staatserhaltendcn Gemeindcmit- glieder gerecht zu werden, von seinem alten Brauch absehen müssen, und zwar mit der sicheren Hoffnung auf baldigen Wandel in Gr so hart geprüften Gemeinde. Hierzu wird uns aus der„hart geprüften" Gemeinde ge- schrieben: Jahrzehntelang war in früheren Jahren in Cladow Prediger Schall am Ruder, der es verstand, der Sozialdemokratie die Säle abzutreiben und dadurch erreichte, daß die Parteibewegung in der Bauerngemeinde nicht hochkommen wollte. Erst im Jahre 1999 wurde dort infolge tatkräftiger Agitation Spandauer Partei- genossen ein Wahlverein gegründet, der es bald bis auf 69 Mit- glieder brachte. Vor 4 Jahren wurde der erste Genosse ins Dorf- Parlament gewählt, dem vor 2 Jahren der zweite Genosse folgte. Durch die fortschrittlichen Ansichten unserer Genossen, die neues Leben in die bisher von rückständigen Bauern beherrschte Gemeinde- Vertretung brachten, erwarben sich unsere Vertreter auch die Spm- pathien anderer, der Sozialdemokratie fernstehenden Kreise. So wurde denn auch am Sonntag bei der Gemeindcvertreterwahl Genosse Rennebarth mit 64 gegen 4ö Stimmen gewählt; eS ist somit die ganze dritte Abteilung im Besitz der Partei. Der oben- genannte Pastor gab 7 Forensenstimmen für andere Wähler, von denen er dazu die Vollmacht hatte, für unseren Kandidaten ab, weil Genosse R. dem Gemeindekirchenrat angehört. Von einzelnen wütenden Bauern, die alles daran gesetzt hatten, um unseren Ge- nossen eine Niederlage zu bereiten, wurde der in der Gemeinoe sehr beliebte Pastor im Wahllokal zur Rede gestellt, wie er dazu komme, einem Sozialdemokraten die Stimme zu geben. Hierauf erwiderte letzterer, für ihn komme es hauptsächlich darauf an, daß der Kandidat Mitglied des Gemeindekirchenrats und ihm shm- pathisch sei. Alles andere spiele bei ihm keine Rolle. Ter Artikel des„Spandauer Tageblatts" hat ob seiner Gehässigkeit Aufsehen erregt. Danach soll sich allerdings die Kirche lediglich in den Dienst der volksfeindlichen mit den Grundsätzen christlicher Nächstenliebe im Widerspruch stehenden Bestrebungen stellen. Erfolge der Roten Woche. Bis Freitagabend wurden 15 2 M i t g l i e d e r für den Wahlverein aufgenommen und 1 1 1„V o r- wärt S"-Abonnenten gewonnen. Da die„Vorwärts"-Agitat!on gestern abend fortgesetzt wurde und heute beendet wird, so werden sich diese Ziffern noch bedeutend erhöhen. Berücksichtigt man die große Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und die große Abhängigkeit der Staatsarbeiter, ferner den gelben Terrorismus auf den Siemenswerkcn, so ist der bisherige Erfolg ein überaus zufrieden- stellender. Es wird denn auch beabsichtigt, in einigen Wochen eine „Vorwärts"-Agitation über die ganze Stadt vorzunehmen. Hin- gewiesen sei noch darauf, daß neue Abonnenten den„Vorwärts" bis 1. April frei zugestellt bekommen. Bestellungen auf denselben werden in der„Vorwärts'-Spedition, Breitestr. 64, entgegen- genommen. Friedenau. Wahlenthaltung. Am Dienstag, den 17. März, findet Ge- nieindevertreterwahl für die dritte Klasse statt. Da nur Hausbesitzer zu wählen sind, die Sozialdemokratie aber geeignete Kandidaten nicht präsentieren kann, werden die sozialdemokratischen Wähler er- sucht, strikte Stimmenthaltung zu üben. Friedrichsfelde- Karlshorst. Die Wahlen der Gemeindevertreter finden in diesem Jahre nicht wie in den Vorjahren an einem Sonntag, sondern am Dienstag, den 24. März d. I., von mittags 12 bis 8 Uhr abends, statt. Diese Anordnung der Wablen scheint unter dem Zeichen der Verweigerung der Gehaltszulage des Gemeindevor- stehers zu stehen. Wie bekannt, wurde in der letzten Gemeinde- Vertretersitzung ein von der Etatskommission gestellter Antrag, das Gehalt des Bürgermeisters und des Beigeordneten, um je 1999 M. zu erhöhen, abgelehnt und darauf beschlossen, das Gehalt des Bei- geordneten um 1999 M. zu erhöhen, die Gehaltserhöhung des Bürgermeisters aber abzulehnen. Man nimmt nun an, daß dieser Beschluß den Bürgermeister bestimmt hat, von der bisherigen Praxis der Sonntagswahl abzugehen, um eventuell zu verhindere daß im Ortsteil Karlshorst die dem Herrn verhaßten Sozialdemokraten die Mandate der 3. Abtellung erlangen. Es wird nunmehr doppelte Pflicht der Wähler sein, am Dienstag, den 24. März, vollzählig zur Wahl zu erscheinen und ihre Stimme für die Kandidaten der Sozialdemokratie abzugeben. Dricdrichshagen. Heute Sonntag, den 15. März, vormittags Von 11?' Uhr bis nachmittags 3)4 Uhr, finden für die 3. Abteilung die Er- gänzungswahlen statt. Die 3. Abteilung wählt in zwei Bezirken. Das Wahllokal für den 1. Bezirk befindet sich im Restaurant„Eiskeller", Friedrichstraße 96/97 und für den 2. Bezirk im Restaurant Conrad, Friedrichstraße 137. Unsere Kandidaten sind: für den 1. Bezirk Genosse Hans Micke und für den 2. Bezirk Genosse Otto Stephan. Pflicht eines jeden Genossen ist es, pünktlich zur Stelle zu sein, damit das Bureau durch uns besetzt werden kann. Außerdem werden die Genossen ersucht, sich von 1)4 Uhr nachmittags an zum Schleppdienst zur Verfügung zu stellen, da die vereinigten bürgerlichen Parteien unter Führung des„Bürgervereins" versuchen wollen, uns die Mandate der 3. Ab- teilung zu entreißen. Es kommt auf jede Stimme an. Das Schleppbureau befindet sich im Wahllokal. Grünau. Tie Gemcindewahlen finden am Donnerstag, den 1 9. d. M., im Restaurant Buchholz statt. Die dritte Abteilung Wählt von 4V2 bis 8 Uhr nachmittags. Sozialdemokratischer Kandi- dat ist Genosse Bluhm e. Um den Wählern Gelegenheit zu geben, zu der Wahl Stellung zu nehmen, findet am Dienstag, den 17. d. M., abends 9 Uhr, im Lokal von I. Duschaufour Ww., Köpcnicker Straße 79, eine öffentliche Wählerversammlung statt, in welcher Genosse Groger ein letztes Wort an unsere Wähler richten wird. Genossen, agitiert für guten Besuch der Versammlungen sowie für rege Wahlbeteiligung. Neuenhagen sOstbahn). Gemcindcwahlsieg. Selbst die Einigung der drei Grund- besitzervcrcine auf zwei gemeinsame Kandidaten, um dadurch der Sozialdemokratie zwei Mandate abzunehmen, hat unseren Sieg nicht verhindern können. Bei der Ergänzungswahl erhielt Genosse Otto Göll er 62, der Gegner 49 Stimmen. In der Ersatzwahl wurde Genosse Gustav L u b a t s ch mit 67 gegen 53 Stimmen ge- wählt. Die äußerst schwache Wahlbeteiligung ist auf die ungünstige Wahlzeit(12 bis 6 Uhr) zurückzuführen. Petershageu bei Fredersdorf. Ein geradezu klägliches Resultat hat die am 12. d. M. statt- gefundene Gemeindevertreterwahl für die hiesige Arbeiterschaft gezeitigt. Von insgesamt 156 in der 3. Klasse abgegebenen Stimmen, erhielten die Bürgerlichen Paul Brederecke und H. Ziegenhagen je 102 Stimmen, unsere Genossen Otto Palm und Willi George je 48, erstcre sind somit gewählt. 6 Stimmen waren zersplittert. In der 2. Klaffe haben wir das Mandat mit 34 gegen 24 Stimmen, welche für den Schutzmann a. D. Herrmann abgegeben wurden, behauptet; Genosse Otto Urbat ist hier gewählt. In der 1. Klasse erhielt der Bauer Frz. Bresecke 19, Genosse Todtenhausen 3 Stimmen. Trotz der diesmal gegen 29 vorhandenen Papier- stimmen und des gegen die Lohnarbeiterschaft ausgeübten Terro- rismus, hätten die beiden Mandate der 3. Klasse geholt- werden können, eins besaßen wir schon, aber leider mußte konstatiert werden, daß ein großer Teil der Wähler gerade ihre eigenen Interessen aufs Spiel setzte. Hoffentlich wirkt der Verlust etwa? belehrend. Herzfelde. Wenn die Kuh des Gemeindeschöffen kalbt. Recht typisch für ländliche Verhältnisse ist ein Fall, der sich gelegentlich der letzten Gemeindevertretersitzung in L i ch t e n 0 w bei Herzfeldc zutrug. Die Vertretung behandelte gerade den letzten Punkt(„Ver- schiedenes") der Tagesordnung, als dem in der Sitzung anwesenden Genieindeschöffen H. Bredereck die hochwichtige Meldung überbracht wurde, daß— seine Kuh kalbe! Flugs entfernte sich nun der Schöffe in Begleitung seines Bruders, der Gemeindevertreter ist, um Geburtshilfe zu leisten. Taraufhin beantragte der Gemeinde- Vorsteher Hinze, die Sitzung so lange zu unterbrechen, bis die ge- nannten Herren wieder zurückgekehrt seien. Auf energischen Protest des Gemeindeverordneten Fritz Zauter wurde die Sitzung jedoch zu Ende geführt. Heute Sonntag, nachmittags von 3 bis 6 Uhr, findet im Vul- prechtschen Lokale in der 3. Abteilung eine Gemcindevertreterwahl statt. Als Kandidat der Sozialdemokratie fungiert der Genosse Julius G r a s n i ck. Die Bürgerlichen setzen alle Hebel in Be- wegung, um ihren Kandidaten durchzubringen. Deshalb ist ein geschlossenes Eintreten der Arbeiterschaft für unseren Kandidaten dringend geboten. Es gilt, dieses Mandat den Bürgerlichen unter allen Umständen zu entreißen. Deshalb: Genossen! Arbeiter! Seid am heutigen Sonntag auf dem Posten! Durch einen Sturz vom Rade zog sich am Donnerstag der Arbeiter Fellberg aus Herzfelde aus der Strecke von Kalkbcrg» nach Bcrgbrück eine schwere Kopfverletzung zu. Ter Bedauernswerte mußte ins Rüdersdorfcr Verbandskrankenhaus geschafft werden. Klein-Tchönebeik-Fichtenau. Die Gemcindevertreterwahlen endeten mit einer Niederlage unserer Genossen in der dritten Abteilung. Wie wir bereits mit- teilten, hatte die bürgerliche Mehrheit unserer Gemeindevertretung allen Parzellenbesitzern das Forcnsenstimmrecht verliehen, die auf einem Besitz im Werte von 2999 M. eine Sommerlaube zu stehen haben. Dadurch hatte nun die Wählerliste einen Zuwachs von 48 auf 221"„Forensen" erfahren. Lüge und Verleumdung bildeten weiter die Waffen der Gegner; nebenbei erweckten sie in den Spießern die Sozialistenfurcht und redeten dem kleinen Parzellen- besitzer vor, daß unsere Genossen ihren Grund und Boden entwerten und sie um das mühsam Ersparte bringen wollen. Daß man sich nicht scheute, diesen Kolonisten in einem Rundschreiben zu erzählen, unser Gemeindevertreter Tobias habe sie-als„Zigeuner" bezeichnet, eine Unterstellung, die unser Genosse öffentlich als„elende Ver- lumdung" kennzeichnete, sei nur nehenbei erwähnt. Unerhört wie diese hinterhältige Kampfesweise waren aber auch die Mittel. Das erste Flugblatt trug die Unterschrift des Gemeindevertreters Betac. Dieser Herr erklärte unserem Kandidaten, daß er sich mit dem In- halt nicht identifiziere und sein Name unter das Flugblatt gesetzt worden sei, ohne daß er den Inhalt gekannt habe. Das zweite Flugblatt trug wieder die Unterschrift des Ehrenvorsitzenden des Verschönerungsvereins, Herrn Krause. Auch dieser erklärte, und zwar durch die„Niederbarnimer Zeitung", daß er weder mit dem Inhalt des Flugblattes einverstanden sei noch eine Erlaubnis zur Verwendung seine? Namens gegeben habe. Da? sind nur einige öftentlich festgenagelte Episoden; welcher Art der unterirdische. Kampf dieser Herrschaften war, kann man sich nach alledem lebhaft vorstellen. Der Wahlkampf wurde— da auch unsere Genossen alles aufboten, um die Wähler aufzurütteln und in zwei stark be- suchten Versammlungen die Kampfesweise unserer Gegner an den Pranger stellten— mit einer Kräfteanstrengung geführt, wie nie zuvor. Und das Ergebnis? Für den Kandidaten der Bürgerlichen wurden 219 Stimmen abgegeben, darunter befanden sich 133 Papierstimmen, während auf unseren Genossen Mey 127 Stimmen entfielen. Damit ist der dritten Wählerklasse ein Mandat geraubt worden, das sich ein Jahrzehnt in den Händen unserer Genossen befand. Lange wird sich aber der Gewählte, Herr Disponent Petzhold, nicht seines Amtes zu erfreuen haben, denn gegen den Beschluß der Gemeindevertretung ist die Klage bereits eingelegt worden und gegen die Wahl wird Protest erhoben werden. Wittenau-Borsigwalde. Zu der am Donnerstag, den 19. März, von 12 bis 8 Uhr nach- mittags im„Wittenauer Gesellschastshaus", Hauptstraße 56, statt- findenden Gemeindevertreterwahl werden am Montag und Dienstag zwei Wählerversammlungen Stellung nehmen. Und zwar findet die erste Versammlung am Montag, den 16. März, abends 8)4 Uhr, in Wittenau bei Eberhardt, Lübarser Straße, die zweite am Dienstag, den 17. März, abends 8H Uhr, in den„Borsigwalder Festsälcn" statt. Kandidaten der Sozialdemokratie sind die Genossen Karl Liebelt und Hermann Straube. Kaulsdorf. Tie Tätigkeit der Sozialdemokratie in der Gemeinde lautete das Thema, über das Gemeindevertreter Genosse Pinseler- Friedrichsfelde in einer öffentlichen Wählerversammlung referierte. In der Diskussion beschäftigten sich die Genossen Seyfcrt und Himpel besonders mit den bürgerlichen Vereinen und Vereinchen am Orte und■ dem von ihnen herausgegebenen Flugblatt, dessen geistiger Urheber der Hausbesitzer und Gemeindevertreter Herr Hennig ist. Die darin aufgestellten Forderungen an die Ge- nveinde, die nach Herrn Hennig nur die Bürgerlichen vertreten— sind aus unserem Kommunalprogramm gestohlen. Die eigenen Gedanken hätten nicht mehr ausgereicht. Geradezu erheiternd aber müsse es wirken, wenn diese Herren unter sich nicht einmal einig seien, indem in der 2. Abteilung jeder Verein nur seine Kandidaten gewählt wissen will. Diese Zersplitterung müsse zur Folge haben, daß die Bauernpartei, der bekanntlich der Ausbau der Schule genau so ein Luxus sei wie das Straßenkehren,� wieder Besit? von der 2. Abteilung nimmt. Die werktätige Bevölkerung müsse daher alles daransetzen, daß kein bürgerlicher Vertreter mehr in die 3. Abteilung einzieht. In der Versammlung zu erscheinen, und ihre Behauptungen und Ansichten zu vertreten, dazu fehlte den Herren trotz Zusage die Courage. Genosse Schmidt ergänzte noch die Ausführungen des Referenten aus seiner eigenen Tätigkeit als Gemeindevertreter am Orte und legte dar, daß es erst seiner An- regung bedurfte, um die Gehälter der niedrig entlohnten Gemeinde- angestellten zu erhöhen. Weiter zeigte er, wie gerade die bürger- lichen Vertreter, die in ihrem Flugblatt stolz für Freiheit und Fortschritt eintreten, es gewesen seien, die Frauen als Zuhörer in den Vertretersitzungen nicht duldeten. Unser Kandidat Genosse Wilhelm Beyer versicherte, im Falle seiner Wahl mit ganzer Kraft im Interesse der Gemeinde und ihrer Mitglieder tätig sein zu wollen. Die Wahl findet heute Sonntag, den 15. Marz, von 12 bis 5 Uhr nachmittags, in der Turnhalle der Gemeindeschule, in der Adolfstratze, statt. Die Genossen treficn sich um 1412 Uhr m Hamanns Gesellschastshaus(Jnh. Koslowski). Frankfurter Chaussee. Buckow. Am heutigen Sonntag findet die Gemeindewahl statt. Die Kandidatur der Bürgerlichen in der dritten Abteilung wird von dem Direktor des Neuköllner Krankenhauses, Herrn Gutjahn, mit allen Kräften unterstützt. In einer Versammlung, in welcher dieser Herr den Kampf gegen die Sozialdemokratie eröffnete, mußte zu- nächst den Alt-Buckower Einwohnern mal die Tatsache pkausibek gemacht werden, wieso den Neu-Buckower Einwohnern unter Führung des Herrn Direktors eine Sonderwurst zu braten sei. Nachdem dies gelungen, wäre beinahe die ganze Anlage zu Wasser geworden; als man trotz der schön gesalbten Worte des Direktors die Auf- stellungsmöglichkeit erhielt, dankte einer der protegierten Gemeinde- Vertreter aus der dritten Abteilung, weil die Kandidatur ihm zu gering war. Zum Glück für die Partei, Gutjahn fand sich noch ein anderer Kandidat, dem die dritte Abteilung zusagte. Wem die Allgemeininteressen näher liegen als die Durchsetzung von Wünschen einzelner Personen, der kann seine Stimme nur dem Kandidaten der Sozialdemokratie Gastwirt Karl Klein geben. Besonders die Angestellten des Krankenhauses in Neu-Buckow sollten sich ihrer Pflicht bewußt sein, ihr Wahlrecht ausüben und für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmen. Die Wahl findet von 3 bis 5 Uhr in der Schule des Orte? statt. Buch. Stichwahl, das ist da? Resultat der am Donnerstag in der dritten Klasse vorgenommenen Wahl. Dadurch, daß die Gegner mit allen Miiteln auf die abhängigen Beamten einwirkten, gelang es ihnen, auf ihre beiden Kandidaten 194 Stimmen zu vereinigen, während auf unseren Genossen Gesing nur 68 Stimmen entfielen. Er steht somit mit dem Bürgerlichen Kersten, der es auf 63 Stimmen brachte, in Stichwahl. Unsere Parteigenossen werden bis zum Stichwahltage die größten Anstrengungen machen müssen, um unserem Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Das ist um so drin- gender nötig, als die Einwohnerschaft jetzt nichts erfährt von dem, was in der Gemeindevertretung beschlossen wird. Hermsdorf bei Berlin. Die Finanzkalamität in der Gemeinde. Wie recht unsere Ge- nossen in der Gemeindevertretung hatten, als sie vor einigen Jahren voraussagten, daß die höheren Schulen später die Ueberschüsse der Gemeindewerke vollständig verbrauchen werden, beweist der jetzt vor- liegende Etat. Es sollen in diesem Jahre 61 990 M. mehr auf- gebracht werden, als im vergangenen Jahre. Darin ist auch der steuerliche Fehlbetrag von 41 999 M. des Jahres 1913 enthalten. Die Etats- und RechnungSkommission schlug nun vor: Alle Steuer- arten, einschließlich des Gas- und Wassergeldes zu erhöhen. Nur die Grundwertsteuer sollte unberührt bleiben. Letztere» wurde selbst von zwei Grundbesitzervereinen als Unrecht er- kannt. Um die Erhöhung des Einkommensteuersatzes sowie die des Wassergeldes zu verhindern, wurde beantragt, die Erhöhung der Grundsteuersätze für bebaute von 2,5 auf 2,85 Proz. und für unbebaute Grundstücke von 5 auf 5,79 Proz. festzusetzen. Zunächst wendete sich Genosse Schrauer in längeren Ausführungen gegen die geplanten Steuercrböhungen, die nur nötig geworden seien durch die unverantwortlichen Bewilligungen der Mehrheit für die höheren Schulen. Straßen, Bürgersteige, Plätze und Beleuchtung befänden sich noch immer in der bedürftigsten Verfassung. Für diese Dinge seien seien sogar im Etat die Beträge noch herabgesetzt und der Betrag von 999 M. sür den Schularzt ganz gestrichen worden. Der Gemeindeverordnete Hermann wehklagte über die beantragte Erhöhung der Grundsteuer; aus seinen AuSführungeu war zu entnehmen, daß der Grundbesitz bereits am Ende seiner Leistungsfähigkeit steht. Genosse Sohrauer wies an der Hand von Beispielen nach, daß der Grund- besitz in HermSdorf im Vergleich zu anderen gleichartigen Gemeinden durchaus günstig dastehe. Beschlossen wurde, die Einkommensteuer von 199 auf 119 Proz., die Grundsteuer für bebaute von 2.5 auf 2,86 Prozent und für unbebaute Grundstücke von 5 auf 5,79 Proz., die Geioerbesteuern Klasse I und II von 299 auf 225, Klasse III und IV von 159 auf 165 Proz., die Hundesteuer von 29 auf 39 M., das Schulgeld pro Schüler für die höhere Knaben- schule von 129 auf 169 M., für auswärtige Schüler von 129 auf 189 M. zu erhöhen. Bis auf die Erhöhungen der Grundsteuern und de« Schulgelde? lehnten unsere Genossen sämtliche Steuer- erhöhungen ab. Der Preis des Wassers mit 25 Pf. pro Kubikmeter " foll bestehen bleiben, nicht aber ber Satz für Gas; darüber wird die nächste Sigung beschließen. Auf Antrat unserer Genossen wurde beschlossen: Im Etat statt Turnhalle Gemeindeturnhalle" zu setzen; ferner den Betrag von 900 M. für den Schularzt wieder einzusehen und die Eisenbahnverwaltung zu ersuchen, den Plaz am südöstlichen Bahnhofsausgang zu regulieren. Sonntag: Das Glüd im Winkel. Montag: Das große Licht.( Anfang Jugendveranstaltungen. 8 Uhr.) Neukölln, Heim I, Jdealpassage. Heute Sonntag, abends 6 Uhr: Die Stino- Königin. Allabendlich: Fräulein Trallala.( Anfang 8 Uhr.) Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Hanauer über: Bute und schlechte Mufit." Die Jugendlichen werden gebeten, recht zahlreich an der Beerdigung des Neues Volkstheater.( Neue Freie Voltsbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Michael Kramer. Abends Montag und Dienstag: Frau Barrens verstorbenen Stollegen Erich Deuter teilzunehmen. Dieselbe erfolgt Montag Warrens Gewerbe. Sonnabend und Sonntag: Die Haubenlerche. Mon- Neuen Rathausjälen, Meininger Str. 8. Vortrag über: Gewerbe. Mittwoch: Der Kaiserjäger. Donnerstag und Freitag: Frau nachmittag 34 Uhr auf dem Gemeindefriedhof am Mariendorfer Weg. Schöneberg. Heute Sonntag, den 15. März, abends 6 Uhr, in den Die Schwind tag: Frau Barrens Gewerbe.( Anfang 8 Uhr.) Walhalla Theater. sucht, eine Proletarierkrankheit." Referent: Herr M. Hentschke- Wilmers Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. dorf. Sonnabend, den 21. März, abends 9 Uhr: Unterhaltungsabend Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Allabendlich: Tangofieber.( Anfang 8 Uhr.) mit Tanzkränzchen. Musikalische Vorträge, Rezitationen, lebende Bilder Montis Operetten Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Fleder( Bronzegruppen). Bahlreicher Besuch, auch der Eltern, wird erwartet. Königl. Opernhaus. Sonntag: Carmen. Montag: Bohème. maus. Allabendlich: Jung- England.( Anf. 8 Uhr.) Dienstag: Aida. Mittwoch: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Tempelhof- Mariendorf. Heute Sonntag: Partie nach Jühnsdorf. Rose Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Mignon. Freitag: Der Liebhaber als Arzt. Slawische Brautwerbung. Abends: Die Maschinenbauer von Berlin. Montag: Romeo und Julia. Treffpunkt bis 18 Uhr im Jugendheim oder bis 18 Uhr in Mariendorf, Mittwoch: Sonnabend: Kerkyra( Storfu).( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Sinfoniekonzert. Dienstag: Im weißen Rößl. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Dorfstraße, Ecke Chausseestraße. Dienstag: Mädchenabend. Montag: Der Liebhaber als Arzt. Ballett.( Anfang 7%, Uhr.) Vortragsabend. Donnerstag: Leseabend. Werbt für unsere Be Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Venus mit dem Papagei. Die Maschinenbauer von Berlin. Freitag: Romeo und Julia. Sonn Montag: Peer Gynt.( Anjang 7 Uhr.) Dienstag: Die Venus mit dem abend und Sonntag: Die Königin der Detektei. Montag: Die Anna- wegung! Denkt an die Schulentlassung! Liese.( Anfang 8 Uhr.) Papagei. Mittwoch: Beer Gynt.( Anfang 7 Ühr.) Donnerstag: Die Venus mit dem Papagei. Freitag: Peer Gynt.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Sonntag: Geschlossen. Montag: Beer Gynt.( Anfang 7 Uhr.)( Anfang 7, Uhr.) Neues Opern Theater( Kroll). Sonntagnachmittag 2, Uhr: Doktor Klaus. Sonntag: Vaterland.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag: König Lear. Montag: Was Ihr Deutsches Theater. wollt. Dienstag: Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch: Ein Sommernachtstraum. Donnerstag: Was Ihr wollt. Freitag: König Heinrich IV.( 1. Teil.) Sonnabend: König Lear. Sonntag: Was Ihr wollt. Montag: König Heinrich IV.( 2. Teil.)( Anfang 72 Uhr.) Kammerspiele. Sonntag: Der Snob. Montag: Bom Teufel geholt. Dienstag: Der Snob. Mittwoch: Wetterleuchten. Donners tag: Der Snob. Freitag: Bürger Schippel. Sonnabend und Sonntag: Der Snob. Montag: Wetterleuchten.( Anfang 8 Uhr.) Leffing- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhardi. Abends: Peer Gynt.( Anf. 72 Uhr.) Montag: Pygmalion. Dienstag: Peer Gynt.( Anf. 7, Uhr.) Mittwoch: Pygmalion. Donnerstag: Beer Gynt.( Anfang 7½ Uhr.) Freitag: Iphigenie auf Tauris.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Peer Gynt.( Anfang 7%, Uhr.) Sonntag und Montag: Iphigenie auf Tauris( Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich: Wie einst im Mai.( Anfang 8 Uhr.) Theater in der Königgräker Straße. Sonntag: Die Trenkwalder. Montag: Brand.( Anfang 7%, Uhr.) Dienstag: Hinter Mauern. Mitt woch: Die Trenkwalder. Donnerstag: Die fünf Frankfurter. Freitag: König Richard III.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Die Kronbraut. Sonntag: König Richard III.( Anfang 7%, Uhr. Montag: Die Trent walder.( Anfang 8 Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Glaube und Heimat. Abends: Cafard. Montag: Der Bogen des Odysseus. Dienstag: Schirin und Gertraude. Mittwoch und Donnerstag: Cafard. Freitag: Schirin und Gertraude. Sonnabend und Sonntag: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Der Bogen des Odysseus.( Anfang 8 Ubr.) Komödienhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Filmzauber. Allabendlich Kammermusit.( Anfang 8 Uhr.) Theater an der Weidendammbrücke. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Lohengrin. Allabendlich: Der müde Theodor.( Anjang 8 Uhr.) Deutsches Opernhans. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Die Iuftigen Weiber von Windsor. Dienstag: Die Jüdin. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Barfifal.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Bar und Bimmermann. Sonntag: Parsifal.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Tiefland. ( Anfang 8 Uhr.) Luftspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hofgunst. Alabendlich: Die spanische Fliege.( Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3%, Uhr: Gräfin Fifi Allabendlich: Polenblut.( Anfang 8 Uhr.) Residenz Theater. Theater am Nollendorfplatz. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die schöne Helena. Abends und Montag: Prinzeß Gretl. Dienstag bis Sonnabend: Russ. Ballett. Sonntag und Montag: Prinzez Gretl. ( Anfang 8 Uhr.) Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das erste Ehejahr. Abends: Wilhelm Tell. Montag: Ein Freund der Armen. Dienstag und Mittwoch und Donnerstag: Unser Junge. Freitag: Des Löwen Erwachen. Sonnabend: Unser Junge. Sonntag: Deines Bruders Weib. Montag: Unser Junge.( Anfang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mädchenehre. abendlich: Die olle Webern.( Anfang 8 Uhr.) Kasino Theater. AUFolies Caprice. Allabendlich: Café Pingsheim. Der Heiratsgraf. Meyersteins.( Anfang 8% Uhr.) Apollo. Sonntagnachm. 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Hartstein, der Stolz der dritten Kompagnie.( Anf. 8 Uhr.) Metropol. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Blißmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.( Anfang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Sonntagnachmittag 3, Uhr und allabendlich: Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Reichshallen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr fotvie allabendlich: Stettiner Sänger.( Anfang 8 Uhr, Sonntags 7%, Uhr.) Zirkus Busch. Sonntagnachmittag 3%, Uhr und allabendlich 7, Uhr: Galavorstellung. Zirkus Schumann. Sonntagnachmittag 32 Uhr und allabendlich 7, Uhr: Galavorstellung. Gebr. Herrnfeld Theater. Allabendlich: Die von oben und unten. ( Anfang 8 Uhr.) Admiralspalast. Eisballett: Die lustige Puppe.( Anfang 82 Uhr.) Berliner Eispalast. Im Krug zum grünen Stranze.( Anf. 9 Uhr.) Cines Palast am Zoo. Varieté Lichtspiele. Täglich: 6 Uhr. Cines Nollendorf- Theater. Varieté- Lichtspiele. Täglich: 6%, und 9 Uhr. Urania Theater. Imperator" nach New York. Hörsaal: Konstr.- Ing. A. Meßner: EiſenSonntag: Hochspannung. Montag: Mit dem und Metallgießerei.( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Die Wissenschaft des tinematographischen Bildes. Mittwoch: Hochspannung. Donnerstag: Die Wissenschaft des finematographischen Bildes. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Hochspannung. Montag: Unbestimmt.( Anjang 8 Uhr.) Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde finbet 2tubentrate 69, vorn vier Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, bon 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ift ein Buchstabe und eine 8ahl als Merkzetchen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, verden nicht beantwortet. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. R. K. Neus Thalia Theater. Allabendlich: Allabendlich: Die Tangoprinzessin. $. 34. Den Wechsel tönnen Sie zurüdverlangen. ( Anfang 8 Uhr.) stadt. Ein Recht auf Einstellung haben Sie nicht. A. B. O. Nein. Anwenn die Ehe des. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Gretchen. É. F. 33. Eine Bestrafung ist nur dann zulässig, wen abendlich: Der Regimentspapa.( Anfang 8 Ühr.) wegen geschieden ist.- A. C. 90. Wird die Aufnahme abgelehnt, so ist Trianon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Liebe wacht. darüber dem Betriebsunternehmer durch Vermittelung des Versicherungs Sanabeelih. Nach Allabendlich: Er und der Andere.( Anfang 8 Uhr.) amts ein Bescheid mit Gründen zuzustellen. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die heitere Residenz.§§ 1271, 1518 R.-B.-D. hat die Landesversicherungsanstalt dem Stranten Abends und Montag bis Donnerstag: Jettchen Gebert. Freitag bis dasjenige zu gewähren, was diesem feine Krankenkasse nach Gesek oder Montag: Hallo.( Anfang 8 Uhr.) Sabung zu leisten hätte. Die von Ihnen erwähnten Abzüge sind demnach Schiller- Theater 0. Sonntagnadmittag 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. unzulässig. Sollte eine Reklamation bei der Landesversicherungsanstalt Abends und Montag: Das Glüd im Wintel. Dienstag: Die beiden keinen Erfolg haben, fo empfehlen wir Beschwerde beim Versicherungsamt. Leonoren. Mittwoch: Das Glück im Winkel. Donnerstag und Freitag: O. D. 37. Jn 20 Jahren. F. N. 175. 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Was das infolge Verschuldens der Arbeiter zurüd gegangen. Am Ministertisch: Dr. Sy do w. Bochumer Volksblatt" anbetrifft, so habe ich ja gesagt, daß es( hört! Die Sicherheitsmänner sind, nicht meiner Partei angehört, und meine Verwunderung darüber hört! bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, sie wie wir voraussagten, weiße Salbe geblieben. ausgesprochen, daß der Vorstand des Allgemeinen Knappschafts- hätten nicht die nötige Vorbildung. Die föniglichen Einfahrer haben vereins keine Strafanzeige gegen den Redakteur des diese doch Blattes erhoben hat. und doch haben sich die Unfälle nach ihrer Einführung vermehrt! Der frühere Handelsminister Brefeld hatte damals Damit schließt die Besprechung. Der Antrag des Zentrums infolge eines Riefenunglüds bei Bochum die Einführung von wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Fortschrittler Arbeiterfontrolleuren für nötig erklärt- hier im Hause! abgelehnt. ( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber nach dem Geschrei Zum Kapitel Oberbergämter" wünscht ein Zentrums- der Zechenpresse erklärte er, man fönne Arbeiterkontrolleure nicht antrag die Verlegung des Amissizes der königlichen Bergrevier- anstellen, weil sie gemaßregelt würden! beamten in den Mittelpunkt der einzelnen Bergrebiere. Abg. Brust( 3.) Beim Titel Knappschaftsfragen und Arbeiter wohnungen" wünscht ein Zentrumsantrag Bauprämien und Baudarlehen für Arbeiter im oberschlesischen Industriebezirk. Abg. Gronowski( 8.): Während in den katholischen Krankenhäusern des rheinischwestfälischen Industriebezirks die Verpflegung der Kranten nichts zu wünschen übrig läßt, herrschen in den Knappschaftskrantenhäusern nach dem Ausdruck des„ Bochumer Volksblatts" geradezu von den Revieren. Oberberghauptmann v. Velsen: Wenn aber die Arbeiter nicht schuld sind an der Vermehrung der Unfälle, wenn die wohlvorgebildeten Einfahrer und Bergrevier Gedinge ein Wühlen nach Kohle ohne alle Vorsichtsmaßbeamten sie nicht gehindert haben, dann bleibt nur der Schluß, daß die Antreiberei, das Prämiensystem, das niedrige regeln und Rücksichten auf Gefahr verschuldet. Solange mit diesent System nicht gebrochen und seine Folgen nicht mindestens durch Arbeiterkontiolleure abgeschwächt werden, gibt es keine ( Lebhafter Beifall bei den Sozial demokraten.) der Redner, vom Abg. Althoff( natl.) mehrmals heftig unterlieren oft viel Zeit durch die großen Entfernungen der Amtssige " beschämende Zustände". Zum Beweise deſſen verliest begründet den Antrag. Sowohl die Beamten wie die Arbeiter verbrochen, einen Artikel des„ Bochumer Volksblatts", der ganz entsebliche Verhältnisse in den Knappschaftskrankenhäusern zu Gelsenfirchen und Recklinghausen schildert. Herr Althoff! Gegen diese Darstellung eines Blattes, das nicht meiner Partei ange- Ich kann dem Antrage in der vorliegenden Fassung nicht zu wirksame Unfallverhütung. hört, ist weder Strafanzeige erhoben noch eine Bestimmen und bitte, ihn abzulehnen. richtigung veröffentlicht worden. Selbst von denjenigen Bergleuten, die nicht zu meiner Partei gehören, von den ärgsten Nonnenfressern, werden die konfessionellen Krankenhäuser lieber benutzt, als die Knappschaftskrankenhäuser. Es muß auf die Gesinnung von Tausenden von christlich gesinnten Arbeitern Rücksicht genommen werden. Das ist bei der Errichtung neuer Strantenhäuser nicht geschehen, zum Teil aus Feindschaft gegen die Religion.( Unruhe bei den Nationalliberalen.) Während der Rede des Abg. Gronowski werden die vom Abg. Hue( Soz.) gestern auf den Tisch des Hauses niedergelegten Photographien von Arbeiterwohnungen durch zahlreiche Abgeordnete besichtigt. Abg. Delius( Vp.): Die bedauerliche Herabsetzung der Krankenrenten im Saarrebier ist durch die katholischen Fachverbände herbeigeführt worden. Durch diese Herabsehung der Renten, die mit großer Härte vorgenommen wird, werden die Arbeiter schwer geschädigt.( Hört! hört!) Bauprämien und Zinsdarlehen für Bergarbeiter sind von großer Bedeutung, aber man verkehrt diese Wohltaten in Plagen dadurch, daß man die Prämien von den an Streits beteiligten Bergarbeitern zurückfordert. Abg. Hue( S03.): Minister Dr. Sydow. Abg. Imbusch( 3.) Abg. v. Hassell( f.) beschwert sich über die Bestrafung einer Belegschaft, die am wünscht Vermeidung der Schädigung der Landwirtschaft durch die Fastnachtsdienstag gefeiert hatte. Dieser Tag gilt im ganzen Bergwertsanlagen und fordert eine Vervollkommnung des Eiſen« Rheinland als Feiertag. Der Redner geht im weiteren Ver- bahnnezes im Mansfeldschen. lauf seiner Ausführungen auf die Sicherheitsmänner ein. Leider gibt es geheime Berichte, die über die Tätigkeit der Sicherheitsmänner ungünstig aussagen und die an die holländische verspricht Berücksichtigung dieser Wünsche. Regierung ausgeliefrt worden sind. Die Reform des SicherheitsEin Regierungskommissar: männergeseßes ist dringend notwendig. Ich habe seinerzeit dafür gestimmt, und wenn ich auch zugeben muß, daß sich mannigfache Ich muß die Vorwürfe, die die Abgeordneten Sue und Korfanth Mängel eingestellt haben, so sind diese Mängel vor allem darauf gegen die Bergverwaltung erhoben haben, zurückweisen. Die Be zurüdzuführen, daß die Sicherheitsmänner fürchten, in ihrem hauptungen des Abg. Korfanty über die 12stündige Beschäftigung Lohn geschädigt zu werden und deshalb unrichtige Angaben jugendlicher Arbeiter unter Tage in Oberschlesien sind durchaus machen. Daher wünschen wir die Einführung eines Minimal- falsch.( Abg. v. Pappenheim: Hört! hört!) Sie werden nur lohnes. Da die größte Zahl der Unfälle im Bergbau durch die 9 Stunden lang beschäftigt. Der Fall einer Verlängerung der Uebermüdung der Arbeiter, und zwar gegen Schluß der Woche, Arbeitszeit für Jugendliche, den Abg. Hue vorgebracht hat, ist verursacht werden, so muß die Arbeitszeit verkürzt werden. dahin richtigzustellen, daß es sich dabei um eine Ausnahme im Saarrevier handelt, die in der Eigenart des Betriebes vollkommen. begründet ist. Herr Hue hat mit der Behauptung recht, daß die bespricht den Zusammenhang zwischen niedrigen Löhnen und Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Oberschlesien zugenommen Unfallgefahr in Oberschlesien. Er wird dabei vom Vizepräsidenten hat. Aber wenn Herr Hue von Beschäftigung von Kindern ge Borsch mehrfach zur Sache gemahnt, da die Besprechung der sprochen hat, so muß ich das dahin berichtigen, daß es sich um Lohnfrage geschlossen ist. Als Abg. Korfanty eine Bemerkung junge Leute im Alter von 14 bis 16 Jahren handelt.( Abg. Hue: hierüber macht, schlägt Abg. v. Pappenheim( f.) auf den Das sind doch Kinder!) Nein, im Sinne des Gesezes nicht. Tisch und ruft: Das ist doch unerhört!" Der Redner verbittet sich In England sind sehr viel mehr jugendliche Arbeiter unter Tage scharf, daß Avg. v. Pappenheim hier Präsidentenrechte in beschäftigt als bei uns. Und technisch erfahrene Männer haben die Anspruch nehme, während er bei ganz unsachlichen Reden Ansicht ausgesprochen, daß die geringere Zahl von Unfällen in Dr. Hahns gar nichts einwende.( Zustimmung links.) Dann den englischen Betrieben auf die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter bringt Abg. Korfanty Klagen über die Schifanierung der zurückzuführen sei. Eicherheitsmänner vor. Abg. Korfanty( Pole) Abg. Hue( Soz.): Die Pensionen der Knappschaftstassen, die häufig nur 10 bis 15 M. pro Monat betragen, sind zum Verhungern zu viel, aber zum Leben unziweifelhaft zu wenig.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei den Wohnungsverhältnissen der Arbeiter ist die Krankenhauspflege ja meistens durchaus vorzuziehen, aber der unbedingte Krankenhaus zwang der oberschlesischen Knappschaften ist zu verwerfen, denn er ist bei leichteren Erkrankungen nicht am Plaze und veranlaßt viele arme Arbeiter, sich lieber selbst auf eigene Kosten zu kurieren. Wir wünschen, daß den Patienten, die religiöse Bedürfnisse haben, keinerlei Schwie. Jim deutschen, besonders im preußischen Bergbau werden noch rigkeiten bei deren Erfüllung gemacht werden. Vielfach Taufende von weiblichen Arbeitsfräften beschäftigt, so 1912 nicht werden die Leiden verletzter Bergarbeiter durch den Transport weniger als 10 292. Allein schon die Tatsache, daß die Zahl der nach weit entlegenen Krankenhäusern vergrößert. Gegenüber dem weiblichen Grubenarbeiter fich fast ganz auf Obervielfach bestehenden Zwang, nur zu einem einzigen Arzt zu gehen, schlesi en beschränkt, ist für mich der Beweis dafür, daß man fordern wir, daß auch die Knappschaftsversicherten den Arzt ihres die weiblichen Grubenarbeiter überhaupt entbehren kann, und ſelbſt Vertrauens wählen dürfen, mindestens in dem Umfang, wie es in Oberschlesien werden in den fistalischen Betrieben feine weib in den Ortskrankenkassen möglich ist. Infolge der früheren Nachlichen Arbeiter beschäftigt. Die weibliche Arbeit in Gruben, die lässigkeit der Aufsichtsbehörden sind in den Knappschafts- für den weiblichen Körper durchaus unzuträglich ist, sollte durch tassen vielfach Fehlbeträge entstanden und jetzt läßt man ein Geset gänzlich verboten werden. Früher hatte man dafür die Arbeiter die weiblichen Grubenarbeiter nur am Niederrhein und in Oberschlesien; am Niederrhein hat bereits 1893 das Bergamt die weibliche Arbeit gänzlich untersagt. In Oberschlesien wenden sich die privaten Bergbaugesellschaften mit den uralten Gründen gegen Beschränkung der Frauenarbeit und der Vertreter des Grafen Donnersmard hat sogar gesagt, daß gegen den bestehenden Zustand durch Kürzung ihrer Renten büßen. füßliche, sentimentale Einwendungen die Abg. Hasenclever( nafl.) bekämpft in ausführlicher Rede die Darstellung des Abg. ue. Die Zahlen, die der Abg. Hue angegeben hat, sind unzutreffend. etwas, was er nicht gesagt hat, verdient aber besonders hervor gehoben zu werden, nämlich daß in der Unfallstatistik die Bergwerksarbeiter nicht an erster Stelle stehen. Sehr häufig sind die Unfälle auf die Unvorsichtigkeit der Bergarbeiter zurüdzuführen. Das Prämiensystem hat keine Schuld an den Unfällen; ein Buſammenhang zwischen beiden besteht nicht. Die Bergwerks. befizer brauchen der Sozialdemokratie zuliebe nicht vom Prämien system abzugehen. Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter erhöht die Gefahr nicht. Die Arbeiter haben selbst ein Interesse daran, daß nicht noch mehr Sozialdemokraten Es ist nicht wahr, daß zu Sicherheitsmännern gewählt werden. die Sicherheitsmänner schifaniert werden. Die Kontrolle der staat. lichen Beamten genügt durchaus. Die Nachprüfung durch die Sicherheitsmänner ist überflüssig. Die Sozialdemokratie will staatliche Arbeiterkontrolleure bekommen, um die rosarote oder schon mehr die knallrote Salbe in die Bergwerksbetriebe hineinzu schmuggeln.( Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Hue( Soz.): ( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Einsetzung einer Kommission zum Studium des Augenzitterns der Bergleute begrüßen wir, aber bei der Anerkennung der Wurmkrankheit als Berufskrankheit werden vielfach Schwierigkeiten gemacht. Für den Zentrumsantrag betreffend die Wohnungsverhältnisse in Oberschlesien lönnen wir nicht stimmen. Zunächst müssen wir grund- erhoben werden.( Hört! hört!) Das erinnert mich an gewisse Zeifäßlich fordern, daß Mietsvertrag und Arbeitsvertrag völlig untungsstimmen, die von" Humanitätsduselei" sprechen, wenn der abhängig von einander seien, damit die Insassen der Werks- Arbeiter in seinem Berufe geschützt werden soll. Wir haben allen Die Argumente des Abg. Hasenclever find 20 Jahre alt, wissen wohnungen usw. nicht um ihre Rechte gebracht werden. Dann Anlaß, darauf zu achten, daß wir die Frauenarbeit in Bergbau- Sie denn nichts Neues? Ihr Sch wenten mit dem roten aber zeigen uns die Erfahrungen im Saar- und Ruhrgebiet, daß betrieben nicht wieder bekommen. Die Bundesratsbestimmungen& appen, diese unsachlichen parteipolitischen Aeußerungen bedie Arbeiter zu Zehntausenden abwandern, weil sie bei Still- über Kinderarbeit kommen den Wünschen der Bergwerks- weisen, wie wenig start Sie sich in Ihrer Position fühlen. Wir anderen legungen entlassen werden oder den schlechten Löhnen entrinnen befizer in bezug auf die Ausnüßung der Kinderarbeit in bedenk- haben über die Unfälle, statt über Parteipolitik gesprochen.( Sehr wollen. Wenn diese Leute mit ihren schwer erarbeiteten Groschen lichstem Maße entgegen und ich möchte mit allem Nachdruck die trau- wahr! bei den Sozialdemokraten.) sich ein Haus angeschafft haben, so müssen sie es dann im Stich rige Tatsache feststellen, daß wir in aller Stille, ohne daß die OeffentAbg. Hasenclever( natl.): lajsen oder mit großem Verlust losschlagen. Wir sind gewiß lichkeit darauf aufmerksam gemacht worden ist, eine starke Vernicht gegen die Seßhaftigkeit der Arbeiter, aber wir wünschen mehrung der Beschäftigung von Kindern, von 13 bis 16 Jahre Daß wir Unfälle haben, habe ich nicht bestritten; aber parteinicht, daß sie durch solche Zustände um ihr Eigentum kommen. alten Kindern, unter Tage stattgefunden hat, wobei eine Ausnahme politsch ist es von der äußersten Vinten, ſeit 20 Jahren immer die ( Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) für die Mansfelder Gruben besteht. Im Oberbergamtsbezirk gleichen unbewiesenen Behauptungen vorzubringen. Die Unfälle Breslau waren 1905 855, 1912 aber bereits 2619 Kinder unter Tage kommen von den Gesteinsverhältnissen usw. beschäftigt; es hat also eine ungeheure Vermehrung der Ausnutung Abg. v. Pappenheim( f.) beantragt Schluß der Besprechung. der Kinderarbeit stattgefunden und ich ersuche die Regierung, dem Abg. Ad. Hoffmann( Soz): Der rettende Engel! Große mit allen Mitteln entgegenzutreten. Auf der einen Seite treibt Heiterkeit.) Abg. Faltin( 8.) begründet seinen Antrag mit den schlechten und teuren Wohnungen in Oberschlesien. Der Antrag richte sich nicht gegen die Haus besitzer, die durch die hohe Belastung des Bodens zu den hohen Mieten genötigt werden. Oberberghauptmann v. Velsen: Im Saarrebier wie in Oberschlesien hat der Fiskus Bergmannskolonien gebaut, aber die Bergleute in Oberschlesien weisen unsere Prämien zurück, da sie auf die Bedingungen, die wir stellen, nicht eingehen wollen. Die Bergleute des Ruhrgebietes wollen nicht an Kolonien gefesselt sein. Nach einer unwesentlichen Rede des Abg. v. Hassell( f.) spricht Minister Dr. Sydow: Der Widerstand der Arbeiter gegen die Behandlung in Krankenhäusern hat nachgelassen und zwar hauptsächlich deswegen, weil das Krankengeld nicht mehr auf die Hälfte reduziert wird. Die vorhandenen Krankenhäuser genügen nicht, deswegen müſſen neue errichtet werden. Abg. Althoff( natl.): = Abg. Weinhausen( Bp.) man Jugendfürsorge, auf der anderen Seite eine Ausnü bung Für den Schlußantrag stimmen mit der Rechten, dem Zentrum der Jugend, die eine direkte Verwüstung der Volkskraft und den Nationalliberalen auch die Abgg. Hasenclever und ist. Wie läßt sich das vereinigen? Wo hinaus soll das gehen? Wenn Hirsch- Essen, die sich aber auf die Zurufe der Sozialdemokraten das so weiter geht, gelangen wir zu den Zuständen, die in den sezen. 40er Jahren in der englischen Industrie zum Entsetzen der ganzen Der Schlußantrag wird angenommen, der Zentrumsantrag Welt festgestellt worden sind. Ueber die Sicherheitsmänner habe ich wegen der Revierbeamten abgelehnt. bei der letzten Interpellation über Grubenunglüce ausführlich ge- Beim außerordentlichen Etat spricht sprochen. Die Behauptung, daß die Sicherheitsmänner politisch mißbraucht werden, kann man nur dadurch aufstellen, daß man aus der Instruktion des Bergarbeiterverbandes Säße herausreißt und über die Bernsteinwerke in Danzig, muß aber damit aufhören, weil tendenziös zusammenstellt. Unser Verband arbeitet durch Erperi- es sich jetzt nur um das Betriebsgebäude handelt. mentalvorträge usw. an der Fortbildung der Sicher= Der Bergetat wird erledigt. beitsmänner, aber nicht ihm, wohl aber anderen Leuten liegt an politischer Ausnutzung dieser Einrichtung. Aus dem Kruppschen gelben Werkverein wurden ja auch 140 Katholiken ausgeschlossen, demokraten und im Zentrum.) Und diese Vereine sollen nach der weil sie 3entrum gewählt hatten.( Hört! hört! bei den SozialBehauptung der Zechenbesitzer die politische Neutralität der Sicherheitsmänner sichern! Montag 11 Uhr: Zentralgenossenschaftskaffe, Eisenbahnetat. Schluß gegen 25 Uhr. Parlamentarisches. Wohnungsgesetzkommission. Leider hat der Abg. Gronowski in seiner Polemik gegen Die riesige Unfallsteigerung im deutschen Bergbau die Krankenhäuser des Allgemeinen Knappschaftsvereines auf ist durch amtliche Zahlen nachgewiesen. Tausende Betriebsunfälle, einen Artikel des sozialdemokratischen Bochumer Volksblattes" fogar solche, die zur Arbeitsunfähigkeit führen, werden dabei nicht Bezug genommen. Aber dieser Artikel ist voller Entstellungen und angemeldet. Namentlich seit Einführung der neuen Berggesez lebertreibungen und übrigens gleich nach seiner Veröffentlichung gebung ist die Zahl der Unfälle gestiegen. Bis zu 40 Proz. der desavouiert worden. Der Allgemeine Knappschaftsverein hat eine tödlichen Unfälle passieren durch Stein- und Kohlenfall, der die aus Arbeitern und Unternehmern gleichmäßig zusammengesetzte größte Gefahrenquelle ist. Besonders in Oberschlesien und im Kommission ernannt, welche die Zustände in den Krankenhäusern Ruhrgebiet ist die Steigerung dieser Unfälle zu verzeichnen eine zialdemokratie verlangte die Einführung eines besonderen Absatzes, eingehend prüft. Die Ausführungen des Abg. Gronowski be- Folge der Heranschleppung ausländischer ungelernter Arbeiter in treffend die Religionsgegnerschaft, die er der Leitung des Knapp- Massen.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) schaftsvereins vorgeworfen hat, sind falsch. Es gibt viel zu In Belgien und England, wo die technische Betriebswenig Krankenhäuser im rheinisch- westfälischen Industrie- entwickelung der unseren gleichläuft, sinkt die Todesziffer, bei uns gebiet, darin befinde ich mich in grundsätzlicher Uebereinstimmung steigt sie gegenüber den 50er und 60er Jahren, bleibt sie mindestens auch mit dem Abg. Hufe. gleich gegen die besten Jahre trotz Einführung der Sicherheitsmänner. Der Vergleich der Unfälle durch Stein- und Kohlenfall zeigt aber auch, daß die Gebirgsverhältnisse in Belgien und England nicht schlechter sein können als bei uns. Allerdings an letter Stelle stehen wir nicht in der Welt mit den Unfällen. Bei uns ist die Todesziffer 2,4 pro 1000, in Amerika 3,9; dort wirkt die Kompagnie Moneymaker and Businessman"( Geldmacher und GeschäftsAbg. Korfanth( Bole): Ich werde gegen den Antrag des Zentrums stimmen, da uns die Erfahrung gelehrt hat, daß die staatlichen Wohnungen als Mittel gebraucht werden, um die Arbeiter abhängig zu machen. Wir sind nicht gegen eigene Wohnungen der Arbeiter, wohl aber gegen eine Beschränkung ihrer Freiheit. Die Wohnungsgesetzkommission des preußischen Abgeordneten hauses hat am Freitagabend ihre unfruchtbare Tätigkeit fortgesetzt. wiederum wurden alle Verbesserungsanträge, insbesondere die von sozialdemokratischer Seite gestellten, mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein sozialdemokratischer Antrag forderte den Grlaß von Vorschriften für die Beschaffenheit von Räumen zur Unterbringung von Saisonarbeitern. Ein weiterer Antrag des Vertreters der So der Mindestanforderungen an Wohnräume für Arbeitnehmer enthält, die bei Arbeitgebern in Kost und Logis stehen, ein dritter Antrag endlich bezog sich auf den besonderen Schutz der Heimarbeiter. Keiner dieser Anträge fand Gnade vor den Augen der Kommission. Eine besonders lebhafte Debatte entfesselte ein fortschrittlicher Antrag, der die Trennung des Mietsvertrages vont Arbeitsvertrage verlangte. Das Schicksal war das gleiche wie das der sozialdemokratischen Anträge. Die Mehrheit der Kommission scheint entschlossen zu sein, feinerlei Verbesserungen an dem so mangelhaften Entwurf der Regierung vorzunehmen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, wurde sogar ein zu dem Artikel Wohnungsaufsicht" gestellter sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der verlangt, daß die Wohnungsbesichtigungen systematisch erfolgen mtb in ihren Ergebnissen festgelegt werden müssen. WaS eine Wvhnungsaufsicht für einen Zweck hat, wenn nichts einmal eine so selbstverständliche Forderung damit verbunden ist, das wird das Geheimnis der Regierung und der LandtagSmehrheit bleiben. Jus See Frauenbewegung. Gegen Gebärzwang— für Mutterschutz! Auch in bürgerlichen Kreisen stößt der Gesetzentwurf über den Handel mit empfängnisverhütenden Mitteln erfreulicherweise auf lebhaften Widerstand. In der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten sprach in dieser Woche Herr Professor Blaschko zu dem Gesetzentwurf be- treffend den Vertrieb von Schutzmitteln. Er ging dabei von dem § 184, 3 des R.St.G.B. aus, der die öffentliche Anpreisung und Ausstellung von Gegenständen, die zu unzüchtigem Gebrauche be- stimmt sind, mit Strafe bedroht und unterwarf die jetzige Aus- legung dieses Paragraphen durch das Reichsgericht, die schon heute die Verbreitung wirklich guter Schutzmittel außerordentlich er- schwert, einer scharfen Kritik. Während man früher bestrebt war, aus Sittlichkeitsgründew ein Verbot dieser Präparate anzustreben, soll nunmehr die Geburtenvorbeugung und die kriminelle Ab- treibung getroffen werden. B. zeigte, daß der Antrag, weil gesetz- lich nur der kleinste Teil der Präventivmittel zu erfassen ist, völlig nutzlos wäre. Es ist aber sogar zu befürchten, daß er direkten Schaden anstiftet, da er einen wirksamen Kamps gegen die Ge- schlechtskrankheiten fast zu einer Unmöglichkeit macht. Es ist also Pflicht der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten, ausdrücklich gegen eine solche Gesetzmacherci«tellung zu nehmen, wie sie denn auch in diesem Sinne bereits eine Petition an den Reichstag übersendet hat. Der Geburtenausfall, der der Nation aus den Folgen der Geschlechtskrankheiten erwächst, ist ein ungeheurer, sie sind die weitaus wichtigsten Faktoren der natürlichen Unfruchtbarkeit. Will man die Geburtenziffer heben, so sollte man nicht durch Polizeimaßregeln das Verbot einiger weniger Prä- bentibmittel durchzusetzen suchen, sondern durch eine groß- -zügige S o z i a l p o l j t i k die gesellschaftlichen Zustände einer durchgreifenden Reform unterziehen. Im Bund für Mutterschutz beleuchtete Dr. Heinz Potthoff den Widerspruch, daß dieselben bürgerlichen Mehrheits- Parteien einen wirksamen Mutter- und Kindesschutz abgelehnt haben, die jetzt über den Geburtenrückgang zetern. In der Dis- kussion wurde ebenfalls darauf hingewiesen, daß der Gesetzentwurf Seradezu eine Vermehrung der Geschlechtskrankheiten zur Folge aben werde. Helene Riechers, die Vorsitzende des Frauen- komitees der Bühnengenossenschaft, wies auf den Widerspruch hin. der darin liegt, daß dieselben Kreise sich als warme Freunde der Mutterschaft hinstellen, die beim Reichstheatergesetz eine Bestim- mung schaffen wollten, wonach die unverheiratete Schauspielerin beim Eintritt der Schwangerschaft sofort ohne Kündigung auf die Straße gesetzt werden kann. Wer dem Geburtenrückgang entgegen- treten will, der sollte sich zunächst erst einmal der unehelichen Mütter mehr als bisher annehmen. Mit überwiegender Mehr- hett wurde schließlich eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: ..Der Deutsche Bund für Mutterschutz, Ortsgruppe Berlin, spricht seine lebhafte Entrüstung darüber aus, daß durch den beab» sichtigten Gesetzentwurf, der den Verkehr mit Schutzmitteln ver- bieten will, der Versuch gemacht werden soll, in die privatesten Entschließungen der Eltern mit Polizeimitteln einzugreifen. Er sieht darin ein ebenso untaugliches wie unmoralisches Mittel, da? die freie sittliche, verantwortlichkeitsbewußte Ent- schließung zur Elternschaft beeinträchtigt und einen staatlichen Gebärzwang durch Polizeimittel herbeiführt. Der Bund für Mutterschutz konstatiert, daß dieselben Kreise, die jetzt durch Polizeimittel einen Gebärzwang herbeiführen wollen, seinerzeit einen weitgehenderen Mutterschutz abge- lehnt haben. Der Bund für Mutterschutz fordert daher: Hebung von Volks- kraft und Geburtenzahl durch Förderung des Mutterschutzes, unter anderem durch Ausbau der Mutterschaftsversicherung, zu einer Kinderrente, Besserstellung der Unehelichen, Gesundheits- atteste vor der Eheschließung, Hebung des Hebammenwesens, Ifreie ärztliche und Geburtshilfe, Aufhebung de? � Zölibats der Beamtinnen, Wohnungsreform, Aufhebung der Schutzzölle und Verbilligung der Lebensmittel, zur Unterstützung aller derjenigen Richtungen und Bestrebungen in unserem Volksleben, welche mit uns gegen staatlichen Gebär» zwang, aber für staatlichen Mutterschutz kämpfen." 5rauen-Lefeabenöe. Fricdrichsfelde. Montag: Vortrag über:.Die Frau und die Jugend.' Der Leseabend findet jeden dritten Montag im Monat bei Brunk, Prinzcnallce 59, statt. Lichterfelde. Dienstag'/,9 Uhr bei Erpel. Berliner Zw. 129: Aerzt- licher Vortrag über:.Säuglingspflege im Arbeiterheim.' Niederschönhauien-Nordend. Dienstag, den 17. März, abends 8'/, Uhr, bei Rettig, Blankenburger Str.». Pankow. Montag abends 8>/, Uhr für den N erdbezirk bei Schröt«, Florastt. 5: für den Lüdbezirk bei Heinze, Berliner Str. 78. In beiden Bezirken findet ein Vortrag statt. Steglitz. Montagabend V.g Ubr bei Thiel, Albrechtsw. 87. Vorwag des Genossen Döring!.Die Revolution in Berlin 1848.' Weiftensee. Der Frauen-Leleabend findet diesmal nickt am Montag, sondern am Dienstag, den 17. März, pünktlich 8V, Uhr, im Lokale des Genossen G. Peukert, Berliner Alice 951, statt. Genossin O. Baader-Berlin setzt ihren Vortragszyklus:.Die Frau und der Sozialismus' jort. Marktpreise von Berlin am 1Z. März li»l4. nack Ermittelungen des tgl. VolizeipräfidiumS. Mais smixed). gute Sorte 9,00— 0,00, Donau 00,00—00,00. MaiZ(runder), gute Sorte 14,70—15,00. Richtstroh 4,30. Heu 3,30—8,40. Martlhallenvreis«. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 94,00—50,00. Svciscbobnen. Welze 35,00—80,00. Linien 40,00— 80,00. Kartoffeln(Kleinddl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,30—9.40. Rindfleisch, Bauchfleilch 1,90—1,80. Schwemefieisch 1,40—2,00. Kalbfieisch l. 40— 2.40. Hammelficilch 1,50—2,40. Butter 2.40—3,00. 30 Stück Eier 3,30—3,00. 1 Kilogramm Karpien 1,20—2,40. Aale 1,60—3,40. Zander 1.40-3.20. Hechle 1,40—2,80. Barsche 1,20—2,20. Schleif 1,60—3.20, Bleie 0.80—1,60. 60 Stück Krebie 3.50-24.00, Bildung ist Macht—Bildung ist Kapital das niemand dem Arbeiter streitig machen kann. Daher gehört in das Heim eines jeden Arbeiters eine gute Zeitschrift, aus der er Kenntniese schöpft von allem Wissenswerten aus Geschichte, Literatur, Kunst und Wissenschaft. Ein populäres Blatt, das ihm nach harter Werktagsarbeit Stunden froher Unterhaltung und reinen Genusses spendet. Dio y �as gro�e�o�s�a� -——, �—— geistige Kultur und Fortschritt ist das Blatt der schaffenden Stände, das von Schriftstellern und Volksführem empfohlen wird. Sie liefert durch die Beigabe von vier •wertvollen Büchern pro Jahr. Bezugspreis 15 Ffg. pro Heft. Man benutze nebenstehenden Bestellschein. Arbeiter unterstützt keine Schundliteratur— lest„Die Lese4