Ur. 74. 9 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungar 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweis Ericheint täglich. Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwärts 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammĭnungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes writere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Der Mbret. Montag, den 16. März 1914. ziere steht. Von dieser Gendarmerie erzählt man sich heute schon muntere Stückchen. Der Sicherheitstruppe in Alessio Die Expedition: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsvrecher: Amt Morisvlas, Nr. 1984. Die kommende neue Heeresvorlage. war zu Ohren gekommen, daß sie als zu kostspielig und als überflüssig aufgelöst werden sollte. In der nächsten Nacht Salutschüsse, Nationalhymme, rotschwarze Wimpel und schon tat sie ihre Unentbehrlichkeit glänzend dar. Es drangen mangelhaft präsentierte Gewehre so kam der Mbret von nämlich Malissoren in die Stadt, um den Bazar zu plündern, Das Kanzlerblatt, die„ Nordd. Allg. 3tg.", hat die NachAlbanien vor acht Tagen in Durazzo an. Inzwischen wird er wurden aber in einem glorreichen Feuergefecht von der Truppe richt, daß eine Vermehrung der Kavallerie und Neusich häuslich eingerichtet und manche Erkenntnis gewonnen zurückgeschlagen. Erheblicher Patronenverbrauch auf vierzig bewaffnung der Artillerie geplant sei, deren Kosten sich haben, von der er sich in Potsdam und Neuwied nichts träu- Schritt Entfernung das ließ in argwöhnischen Gemütern schäzungsweise auf eine halbe Milliarde Mark belaufen, nach men ließ, wie etwa die, daß hierzulande ein Kammerjäger den Verdacht aufsteigen, daß die Stäuber" vielleicht nicht ganz dem üblichen offiziösen Dementierschema bestritten, das heißt, nötiger ist als ein Leibjäger. Auch sonst dürfte ihm eine zufällig den Weg zur Stadt gefunden hatten, aber so wenig sie hat nicht geleugnet, daß in militärischen Kreisen eine solche Ahnung davon aufgedämmert sein, daß der cäsarisch stolze Grundsak, lieber in Durazzo der erste zu sein als in Potsdam der soundsovielte, doch seine Mucken hat. Denn wer sich nicht durch den Brimborium täuschen ließ, mit dem die Hurrapatriotenpresse in Deutschland die Fahrt Wilhelms I. nach seinem neuen Lande begleitete, weiß, daß die Lage des Mbret wie die Lage des Landes unglücklicher ist denn je. wie bei der Rockspitelei einer westeuropäischen Polizei war etwas Sicheres nachweisbar. Mit jenem Gesindel und dieser Gendarmerie ein Land zu erobern, das in seinem Süden heute schon in hellem Aufstand steht, müßte dem Mbret selbst mißlingen, wenn er ein Stratege von napoleonischem Scharfblick wäre. So wird bald schon von wüsten Verwickelungen in Albanien die Rede Während die fingerfertigen Federfuchser solch hurra- sein und wenn nicht wieder internationale Verwickelungen patriotischer Blätter seit Wochen des Längeren und Breiteren daraus erwachsen, kann sich Europa Glück wünschen. Die von der einhelligen Begeisterung zu berichten wußten, mit der Sozialdemokratie aber darf der Entwickelung der Dinge mit das albanische Volf dem Prinzen zu Wied entgegenharre, Ruhe zusehen. Es ist wahrhaftig nicht der Neid von Republihaben wir stets darauf hingewiesen daß die Masse des albani- fanern auf eine neu entstandene Monarchie, der sie den Taten patriotisch- bürgerlichen Journalistenkreisen spöttelt man offen schen Volkes von dem Mbret aus Neuwied entweder nichts des Mbret mit äußerster Stepsis entgegenschauen läßt, denn weiß oder nichts wissen will. Diese unsere Auffassung be-| wenn alle Kronen so locker auf den zugehörigen Köpfen stätigt ein Artikel der Frankfurter Zeitung" aus Durazzo, fäßen wie die albanische, könnten sich die Republikaner ruhig in dem es heißt:„ Geradezu erstaunlich ist der Gleichmut, schlafen legen. Der nächste Windstoß schon würde das mit dem die ungebildete Menge, d. h. die große Mehrheit der Seine tun. Bevölkerung, dem Einzuge zusah." Erstaunlich? Nein, aber selbstverständlich! Und das ist die Hafenstadt Durazzo, die Reſidenzſtadt, in der doch auch der zerlumpteste Sammel etwas Der serbisch- türkische Friedens- fie anderswo ausgebrütet worden sind, lediglich dem Kanzler notwendig betrachtet und für sie mit allen Kräften gearbeitet " Bervollständigung unserer Rüstung" als wird, sondern nur, daß dem Reichstage schon demnächst" eine neue Wehrvorlage in der Höhe dieses Kostenbetrages zugehen werde. Dieses kuriose Dementi hat denn auch selbst auf mattliberale Blätter wenig Eindrud gemacht; das Gerücht, daß baldigst der lezten großen Heeresvorlage eine kleinere Ergänzungs- oder Nachtragsforderung im bescheidenen Betrage von ungefähr einer halben Milliarde folgen wird, will nicht verstummen. Wer nimmt auch heute, nach dem bunten Verier- und Dementierspiel des mentis der„ Nordd. Allg. 3tg." noch ernst? Selbst in Kanzlerblattes bei der letzten Wehrvorlage, die offiziösen Deüber die chronische Dementier- Diarrhöe des ehrsamen Kanzlerblattes und glaubt auf Grund alter Erfahrungen, daß die Bestreitung einer politischen Meldung durch dieses Blatt weit mehr für deren Richtigkeit als unrichtigkeit zeugt. Zudem weiß nachgerade selbst ein politisches Baby, daß neue Heeresvorlagen weder im Reichskanzleramt, noch im Kriegsministerium ihren Ursprung haben, sondern nachdem und Kriegsminister zur legislativen zurechtstugung und zur bon dem neuen Fürsten gehört hat und wo der Stammes. Verteidigung vor dem Reichstag überlassen werden. partikularismus so ziemlich erloschen ist. Wie aber erst, wenn Weit schwerer als alle albernen Dementis des Reichs. man zwei Stunden ins Innere wandert und auf die Stämme Nach langen Verhandlungen ist am Sonnabendnachmittag der fanzlerblattes wiegt deshalb die Tatsache, daß die Militärstößt, die noch in holder Waldursprünglichkeit wie vor zwei- türkisch- serbische Friedensvertrag von den beiderseitigen Delegierten verwaltung vorläufig noch mit der Durchführung der letzten tausend Jahren dahinduseln und die weit eher den pytha- unterzeichnet worden. Zugleich wurden die diplomatischen Be- Wehrvorlage zu tun hat und eine Aufstellung neuer Truppengoräischen Zehrsaz erfassen würden als den Begriff eines ziehungen zwischen der Türkei und Serbien wieder aufgenommen teile deshalb hier und dort den fertiggestellten Organi,, albanischen Volkes" und einer nationalen Zusammenge- und von der legtgenannten Macht der Generalsekretär des serbischen fationsplan durchbrechen würde. Aber auch dieser Grund gehörigkeit". Ihnen ist der Mbret Wilhelm I. in Durazzo so Ministeriums des Aeußern Stefanowitsch, der mit Reschid wie die offenkundige Abneigung der süddeutschen Regiegleichgültig wie Herr Erzberger in Berlin und so lange er Beh den Vertrag unterzeichnete, der Pforte als serbischer Gesandter rungen gegen die fortwährende Beunruhigung der Bevölkesie in Frieden läßt, werden sie auch ihn nicht behelligen. Denkt in Konstantinopel vorgeschlagen. aber dieser neue Schüßling von Gottes Gnade in frebelhaftem Leichtsinn daran, Steuern einzutreiben und schon der Verbrauch des Hofes an Insektenpulver wird erkleckliche Summen verschlingen, dann gehen die Flinten in allen Bergnestern von selber los und über den Gleichmut seines" Volkes wird sich der Mbret dann nicht mehr beklagen können. Allerdings sitt Wilhelm I. heute noch auf einem großen Sad voll Dukaten, der den Vorschuß der Großmächte enthält, und in diesem Sack mit Dukaten wurzelt das monarchische Gefühl und die Anhänglichkeit an den Mbret, die in einzelnen albanischen Kreisen plöglich so stürmisch aufgewallt sind. Das ist die sogenannte Intelligenz", die von einer guten Rennerin Albaniens, der Freiin von Godin, charakterisiert wird als eine Gruppe von Leuten, die mit feinem Worte verächtlich genug gekennzeichnet werden kann und die ebenso hassenswert und verderblich als unverbesserlich und unrettbar ist, weil sie die alten und in ihrer Weise so strengen Rechts- und Ehrbegriffe des albanesischen Volkes verloren hat, ohne daß sie dafür die Rechtsbegriffe Europas annahm, so daß sie vollig ohne Charakter und Ueberzeugung, seinen anderen Gedanken, kein anderes Motiv mehr fennt als den eigenen Vorteil. Diesen Leuten, die auf die Gunst der von ihnen umschmeichelten Regierung und der Mächtigen bauend, ihre Untergebenen ausnügen, so weit es denkbar möglich, ist nichts heilig, weder der Freund noch ihr Wort noch der eigene Bruder, nur der Gewinn. Sie sind imstande, sich und ihre Ehre für einen Acker zu verkaufen und wiederholen den Handel, so oft es geht, und wenn es nicht täglich geschieht, so liegt es gewiß nicht an ihnen oder irgend welchen Gewissensskrupeln, sondern einzig daran, daß sich nicht täglich eine Gelegenheit findet." Dieses Gesindelman fann es nicht oft genug wiederholen! bildet den einzigen Anhang des Mbret, denn auf die albanischen Feudalherren wie Essad Pascha ist natürlich erst recht kein Verlaß, dieses Gesindel brüllt sich mit Huldigungsrufen die Kehle heiser, um sie dann mit gespendetem Raffi ordentlich auszuspülen, dieses Gesindel wird mit ,, altalbanischer Treue" bei Wilhelm I. ausharren, bis der letzte Dukaten des Vorschusses zwischen seinen schmutzigen Fingern verschwunden ist. Dann schlägt es sich auch seitwärts in die Büsche. Neben diesem Gesindel verfügt der Mbret noch über die Gendarmerie, die von der internationalen Kontrollfommission eingerichtet wurde und unter dem Befehl holländischer Offivertrag. Ueber den Wortlaut des Friedensvertrages wird telegraphisch aus Konstantinopel gemeldet: Konstantinopel, 15. März. Das Prefsebureau veröffentlicht den Text des serbisch- türkischen Friedensvertrages. Artitel 1 bestimmt: Die beiden Teile betrachten den Zondoner Friedensvertrag als ratifiziert. Die früheren Verträge werden wieder in Kraft gesetzt, die diplomatischen und Konsular beziehungen werden unverzüglich wiederhergestellt werden. Artitel 2 betrifft den Austausch der Kriegsgefangenen und lautet analog den Bestimmungen des türkisch- bulgarischen und türkisch- griechischen Friedensvertrages. rung durch neue Militärforderungen spielt für die sogen. maßgebenden preußisch- militärischen Kreise und die ihre Bestrebungen unterstüßenden Rüstungsprofitler feine Rolle denn die wichtigste Vorbedingung für die Durchführung ihrer neuen Rüstungspläne ist ja nach ihrer Meinung vorhanden: das Geld. Die Wehrsteuer wird, das steht heute schon fest, einen beträchtlichen Ueberschuß ergeben mindestens einige Hundert Millionen Mark mehr, als der Voranschlag beträgt, pielleicht sogar eine halbe Milliarde mehr. Und dieses Geld muß nach militärischer Logik unbedingt verpulvert werden. Zwar die Reichsfinanzlage ist miserabel; die Verwendung Artikel 3 enthält die Bestimmungen über die Amnestie. des Wehrsteuer- Ueberschusses zur Schuldentilgung oder für Artikel 4 regelt die Frage der Staatsangehörigkeit und Kulturaufgaben wäre entschieden vernünftiger; doch die Forbestimmt: Die in den an Serbien abgetretenen Gebieten wohn- derungen der militärischen Kreise und der Rüstungsinterhaften Personen werden das Recht haben, innerhalb dreier Jahre essenten haben nichts. mit der Vernunft zu tun, weder mit der für die türkische Nationalität zu optieren. Die von dort gebürtigen reinen noch mit der praktischen. Sie werden in der Hauptund im Auslande wohnhaften Personen werden das Recht haben, fache durch Avancements-, Gehalts- und Profitrücksichten befür die serbische Nationalität zu optieren, in welchem Falle sie stimmt; und so schließen denn die Generalstäbler kurzweg, der nicht mehr nach der Türkei zurückkehren können. Die Musel- Wehrsteuerertrag ist für Rüstungszwecke bestimmt, folg. manen werden während der Optionsfrist nicht zum Militärdienstlich muß er auch völlig für Rüstungszwede herangezogen werden und keine Militärtare zahlen. Artitel 5: Die Grundeigentumsrechte von Privatpersonen, aufgebraucht werden. werden. werden. Artikel 7: Die Wakufs werden respektiert, und nach dem Scheriatgeseze von den betreffenden muselmanischen Religionsgemeinden verwaltet werden. Die Wakufzehnten werden aufge= hoben. Die ferbische Regierung wird denjenigen Institutionen, bie infolgedeffen teine genügenden Einkünfte haben werden, Eubventionen gewähren. die vor der Offupation erworben wurden, werden respektiert Und um Gründe für neue Rüstungen ist man nicht verlegen; man holt einfach die alten abgenutten Argumente Artikel 6: Die Privatgüter des Sultans und der Mit- wieder hervor und bügelt sie neu auf: Deutschland sieht sich glieder der ottomanischen Dynastie werden respektiert. We von neidischen Feinden umgeben, die seinen weltpolitischen Streitfragen werden dem Haager Schiedsgerichte unterbreitet Interessen hindernd in den Weg treten, deshalb muß es für aber eine technisch auf der Höhe stehende Artillerie, also mehr alle Fälle gerüstet sein; das Wichtigste ist im Zukunftskrieg Steilfeuergeschüße, Schrapnell- Granaten usw.; auch die Verstärkung der Kavallerie um einige Regimenter ist redyt nüßlich und sollten dann noch einige Milliönchen übrig bleiben, so könnte deren Verwendung für Luftschiffahrtszwecke ebenfalls nichts schaden, damit wir den Vorsprung Frankreichs oder Englands einholen usw. ad libitum. Bereits wird denn auch von gewissen konservativen und rechtsnationalliberalen Blättern offen in dieser verlogenen Weise argumentiert, indem man zugleich der Regierung zu verstehen gibt, daß, wenn der Reichstag die neue Heeresvorlage ablehnen sollte, sich ja die schönste Gelegenheit bieten würde, den jetzigen Reichstag aufzulösen und ihn verArtitel 9: Die muselmanischen Privatschulen werden an- mittels eines recht kräftigen Appells an das erkannt. vaterländische Herz nach altem Rezept durch Artikel 10: Das Grabmal Murads auf dem Amjelfelde einen reaktionären Reichstag zu ersetzen, wird erhalten und respektiert werden. der auch für alle schönen Zollerhöhungsforderungen der Artikel 11: Da die Königlich serbische Regierung bezüglich agrarisch- großindustriellen Koalition zu haben wäre. der Gesellschaft der Orientbahnen und der Bahn SalonikiCD Monaftir für die Teile, die in dem an Serbien abgetretenen Geschreibt z. B. der ehemalige Bismard- Moniteur, die rechtsbiete gelegen find, in die Rechte, Lasten und Verpflichtungen der nationalliberalen Hamburger Nachrichten": ottomanischen Regierung tritt, werden alle betreffenden Fragen der Pariser Finanzkommission übertragen werden. Artikel 8: Die serbische Regierung erkennt den serbischen Untertanen muselmanischer Religion in den abgetretenen Gebieten die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte zu, wie sie den übrigen anderen Konfessionen angehörenden Serben zuerfannt sind. Sie werden die Freiheiten der Kultusübung genießen. Die Ernennung des Obermuftis findet nach den Bestimmungen des griechisch- türkischen Vertrages statt. Die von den Muftis gefällten Urteile werden durch die kompetenten serbischen Behörden in Vollzug gesetzt werden. Artikel 12: Die Ratifitationen werden innerhalb eines Monats in Ronstantinopel ausgetauscht werden. Sollte sich die Regierung nach pflichtmäßigem Ermessen wirklich gedrungen fühlen, in näherer 8ukunft mit neuen militärischen Forderungen an den Reichstag heranzutreten, so würden diese unter feinen Umständen eine neue Belastung des Volkes zur Folge haben, sondern sich lediglich im Rahmen des UeberschusscS aus dem Wehrbcitrag halten. Unter dieser Bedingung würden vom nationalen Standpunkte keine Einwendungen zu erheben sein. Taß der Reichstag bierbei wirklich ernsten Widerstand leisten sollte, glauben wir nicht, denn die Ergebnisse des Wehrbeitragcs sind, wie gesagt, ihrem Wesen und ihrer Bestimmung nach dazu da, um unsere Rüstung auf die größtmöglichste Höhe zu bringen. Obwohl wir durchaus nicht pessimistisch veranlagt sind, lehrt doch jeder Blick auf die internationale Lage, daß Deutschland, will es sich behaupten und seine Interesse» durchsetzen, auch militärisch stark genug sein muß, um seinem Willen eventuell mit der Waffe in der Faust den gehörigen Rachdruck zu geben und vor dem traurigen Schicksal bewahrt zu bleiben, sich in den entscheidenden Augenblicken von anderen Völkern an die Wand gedrückt zu sehen. Versagt der Reichstag ivider Erwarten, so soll es uns recht sein. Es würde sich dann eine neue Gelegen- hcit ergeben, ihn dahim zu schicken, wohin er schon längst gehört, und den Appell ans Volk zu wagen." Das ist erst der Anfang vorn Liede' bald wird dieser patrio- tische Gassanbauer in den verschiedenartigsten Variationen von allen„vaterländischen" Blättern benmtergcvrgdt werden— vor allem, wenn erst das Ergebnis des Wehrsteuer- beitrages zu übersehen ist und sich ein stattlicher Ueberschuß herausstellt. Wieder wird, wie bei früheren Wehrvorlagcn, über die Ehre des teuren Vaterlandes, das aus den sranzösi- schcn Schlachtfeldern vergossene deutsche Blut, die Wacht an der französischen und russischen Grenze deklamiert werden— der frühere Tert bedarf ja nur sehr geringer Abänderungen — und wieder wird das Zentnun, diese Partei der volitischcn und sittlichen Korruption, nach einigem kokottenhaften Sträuben fast alle Forderungen der Militärpartei und der Riistungsprofitler bewilligen. Immer dasselbe verlogene Spiel I_ kapitalistische Piraten. Ter bürgerliche Durchschnittsleser bezieht seine Kenntnis über das nationale«chiffohrtSwesen aus dem Teil seines Leibblattes unter dem Strich. In fast mathemansch regelmäßigen Abständen kehrt dort eine von Lob und Anerkennung überschwellende Schilderung des bequemen Lebens auf einem der modernen Rieienschiffe wieder, auf dem der Herr Autor für gewöbnlich völlig kostenlos gegen das stillschweigende Zugeständnis, die Herren Gastgeber gebührend zu loben. Tage. Nächte und Wochen zubringen darf. Diese relativ billige Art. die Reklametrommel zu rühren, ergänzen unsere größten SchiffahrlSgesellschaftcn durch Einladungen an gefürstete Personen, sich ebenfalls gratis auf längere oder kürzere Zeil defördern zu lasten, und so genießt.der" Deutsche fast Jahr für Jahr das wohl nur für Ausländer etwas seltsame Schauspiel, daß deutsche Bundesfürsten nebst hoher Verwandtschaft sich ein Kajütenbillett erster Klasse einschließlich freier Verpflegung schenken lassen und— benutzen. In den Augen dcS deutschen Spießers gewinnt-die SchiffahrtS« gesellschaft dadurch noch an Ansehen. Wo übrigens die freiwillige Anerkennung der Presse ausbleiben sollte, haben die Gesellschaften noch ein anderes Mittel in der Hand: durch internationalen Vertrag haben sich alle bedeutenden europäischen und nordamerikanischen Gesell- schaste» verpflichtet, leine Zeitung durch Annoncen zu unterstützen, die einer der Gesellschaften irgendwie Ungelegenheiten bereitet. Deshalb wohl ging auch in den letzten Wochen ein Flehen an jedem Morgen und jedem Abend durch die bürgerliche Presse, Hamburg— Amerika-Üinie und Lloyd möchten doch ja die vor einiger Zeil ausgebrochenen Differenzen schleunigst beilegen. Die Einigung der beiden Gesellschaften, die von der gesamten bürgerlichen Presse freudig begrüßt wurde, bedeutet in der Tat die Herstellung eines Monopols im Schiffahrtsgewerbe und damit die schlimmste Ausbeutung der Aermsten. Die Gesellschaften leben ja nicht von den Passagieren erster und zweiter Kajüte, sondern ihren Hauptprofit ziehen sie aus dem Zwischendecks- und Frachtenverkehr. Hierauf allein bezieht sich auch die auf IS Jahre abgeschlossene Interessengemeinschaft. Hohe Frachten bedeuten Warenvertcucrung, und hohe ZwischendeckSpreise pressen aus den armen gequälten Auswanderern, denen das Vaterland alles raubte, noch mehr heraus. Die schmutzigen Praktiken, wie sie der österreichische Auswanderer- skandal und der Prozeß in Mhslowitz enthüllten, gehören dabei zum System des Auswanderer„geschäfts*, und die Gesellschaften fühlen sich denn auch selbst so schuldig, daß sie in ihren vor einigen Tagen veröffenllichten Geschäftsberichten eS gar nicht wagten, auch nur mit einem Wort diese Dinge zu berühren. An den Dividenden— die Hapag zahlt wieder 1» Proz., der Lloyd erhöht von 7 auf 8 Prozent klebt die Hoffnung verängstigter und politisch geknechleter osteuropäischer Auswanderer, denen die SchiffahrtS- gesellschastcn als die letzte Rettung aus dem Elend erscheinen. Nach- dem nun die österreichische Regierung dem Druck der österreichischen SchinahrtSinteressenten nachgegeben und die deutschen Gesellschaften zurückgedrängt hat, schloffen sich die Hapag und der Lloyd zu einer engeren Gemeinschaft zusammen, um die Ausfälle im österreichischen Verkehr durch beabsichtigte Preistreibereien im Eesamtgeschäfr aus- zngleichen. Von den Borteilen des Zusammengehens fAusschaltung jeder Konkurrenz, gemeinsame Ausstellung des Bauprogramms) werden die Auswanderer nichts zu spüren bekommen. Tie Monopolherrschaft der Hapag und des Lloyd ist durch einen glücklichen Zufall beschleunigt worden. Die zum Fürstenkonzern ge« hörigen Schiffahrtslinien betrieben bisher eine Politih die der jener Gesellschaften entgegenstand. Strebte der Fürstenkonzern doch sogar danach, selbst den Auswandererverkehr zu eröffnen, der bisher auf Grund staatlicher Konzessionen nur den beiden älteren Gesellschaften zusteht. Wohl verweigerte die Re- gieruug die Erlaubnis, aber nian konnte ja nicht wissen, ob der Hauptfinanzier des Fürstenkonzerns, Fürst von Fürstenberg, auf Grund der persönlichen Freundschaft mit dem Kaiser nichl doch einen Umschwung in den Anschauungen der Re- gierung herbeiführen würde. Seit einem Jahr fleht der Fürsten- konzern nun aber sozusagen unter Konkurs und die Hapag hat sich beeilt, die Aktien der Lcvante-Linie aus der Masse des Konzerns zu erwerben. Auch von dorther drohr also keine Gefahr mehr. Hapag und Lloyd beherrschen unbestritten die deutsche Seeschiffahrt und die Erneuerung der nordatlantischen SchiffahrtSkonvenlion bürgt datür, daß auch keine ausländischen Linien die heimischen an der vollen Ausnutzung des Frachtgeschäfts und der Auswanderer hindern können.- politische Uebersicht. Bei Sarrasani. Während der Bund der Landwirte bei seinen alljährlichen Berliner General-Galavorftellungen als Versammlungslokal den Zirkus Busch bevorzugt, hat die sächsische Landesversammlung der Bündler eine gewisse Vorliebe für den ZirkuS Sarrasani in Dresden. Dort hat denn auch wieder am letzten Freitag die diesjährige Tagung der sächsischen Bauern mit und ohne Fuchspelzen flattge- funden; aber abgesehen von diesem örtlichen Unterschied ist die ganze Aufmachung dieselbe— nur, daß in Dresden nicht die großen „Attraktionen der Arena" austreten, sondern sich die sächsischen Agrarier mit der Vorführung von Kräften zweiten, dritten Ranges begnügen müssen, die überdies auch nur in ganz wenigen Nummern, wie es im schönsten Zeitungsdeutsch heißt,„in die Erscheinung treten". Diesmal hatte man sich als Hguptbvltlgeur— wahrscheinlich um allen Anwesenden die Grundlosigkeit des Geredes von der Fleischnot sä oculus zu demonstrieren— den Redaktions-Rc- nommier-Falstaff der„Deutschen Tageszeitung" Herrn Tr. Georg Oertel aus Berlin verschrieben, der sicherlich als geborener Sachse und Beherrscher des sächsischen Dialekts aus solche Berufung auch die größte Amvartschast hatte. Er schildert in langer Rede die grausamen Gefahren, die Teutschland vom Auslande drohen und vanöalismus und Sozialismus. Au dem Charlottenburger KaiferiFriedrich-Tenkmal prangte an einem Dutzend Stellen, durch eine Schablone mit Anilinfarbe ausgetragen, das Wort„Rote W o ch c". und schon windet sich der teutschc Spießbürger in Entrüstungskrämpfen über die roten Bandalen, die alles„verrungenicren", alle Kultur und Zivili- sation zerstören wollen. Nun hat es mit den echten wie mit den roten Bandalen eine ganz besondere Bewandtnis. Als das Borbild emes sinnlosen Zerstörers von Kulturwerten gilt wohl jener Hcrostratos des griechischen Altertums, der auS brennendem Ehrgeiz den Tempel der Diana in Ephcftis in Brand steckte und sein Ziel er- reichte: noch heute spricht man von herostratischen Gelüsten und Taten. Ebenso bekannt ist die Geschichte jenes Kalifen Omar, der Alcrandria im Sturme nahm und angesichts der von den Ptolemäern gegrünoeten gelvaltigen Bibliothek lakonisch sagte: „Es gibt nur ein Buch der Bücher: daS ist der Koran. Steht also in diesen Büchern dasselbe wie im Koran, so- sind sie überflüssig. Steht etwas anderes darin, so sind sie schädlich. Ins Feuer mit ihneul" Und man heizt« sechs Monate lang mit den Bibliotheks- schätzen die öffentlichen Bäder. Nun will cS aber die geschichtliche Wabrheit, daß schon sechs- hundert Jahre vorher die Bibliothek der Ptolemäer mit 400 00(1 Handschriften bei der Einnahme Alerandrias durch C ä s a r zu- fällig in Flammen aufging, und eine andere alexandrinische Bibliothek wuroe 090 nach Christus durch den christlichen Bischof T h e o p h i l o s der Vernichtung geweiht. Mit allzu bedeutenden Büchervorräten kann also Omar gar nicht aufgeräumt haben, wenn anders, was die Araber bestreite», die ihm zugesprochenen Wort« und Taten wirklich stimmen. Aehnlich verhält es sich mit den Vandalen, die bei der Er- oberung Roms die meisten Bildsäulen und Kunstwerke aus wüster Freude am Zerstören zertrümmert haben sollen, so daß unS das meiste nur tu Scherben erhalten ist. Tic neuere Geschichts- forschung weist auch hier nach, daß dieser germanische Stamm. fälschlich mit diesem schweren Vorwurf belastet, auf die Nachwelt übergegangen ist.„Mit Unrecht." sagt Ludwig Schmidt in seiner Geschichte der Vandalen,„ist durch daS Wort VanoalismuS dem Volke Gciscrickö ein Brandmal aufgedrückt worden." UebrigenS ist Wort und Begriff erst am 31. August 1704 ge- prägt worden, alS in der französischen Nationalversammlung der Bischof Gregoire von Blois über den„revolutionären VanöalismuS"'der Jakobiner zeterte. Auch sehr zu Uurecht. denn wenn sich während der großen Revolution auch der Drang auS» tobte, alle Erinnerungen an die schmachvollen Zeiten de-S Tespe- tiSmüs und Feudalismus auszutilgen, und dabei auch hier und da eine Status m Stücke gehen �mochte, so wurde doch balo eine eigene Kommission gebildet mit der Aufgabe, Kunstwerke zu schützen und zu erhalten, und der Nationalkonvent verbot durch, ein Dekret vom 3. Brumaire des Jahres II ausdrücklich,„Bücher, Zeichnungen, Gravüren, Bilder, Statuen, Medaillen, Altertümer, Modelle und andere KuustgSgenstäude wegzunehmen, zu zerstören, zu verstümmeln oder auf irgendeine Weise zu beschädigen unter dem Vortvand, daß man die Zeichen der Feudalherrschast und des .Königtums verschwinden lassen wolle." Daneben hat die kurze Zeitspanne der revolutionären Regierung in Frankreich mehr für die Entfaltung und EntWickelung der Kunst getan, als alles Mäcenatentum der bourbontschen Ludwige zusammeirgenomincn. Ein halbes Jahrhundert später allerdings, als mit schwerem Tritt eine neue Klasse, daS Proletariat, aus der Wellbühne zu erscheinen und sich im Zeichen des Sozialismus zu sammeln be- gann, befürchtcteH, auch vorurteilsfreie Geister allerhand Unheil für die Kunst von oem Sieg« dieser vordrängenden Klasse. Selbst ein Heinrich Heine gefiel sich in Phantasien, wie der „schauderhaft nackteste, ganz feigenblattlose kommune Kommunis- muS" die ganze moderne Zivilisation bedrohe und wie er nach seinem Triumph an Stelle der Rosenbcete Kartoffelfelder pflanzen werde. Das aber war schließlich kein Wunder in einer Zeit, da das, was es an Sozialismus gab, noch einen stark klcinbürger- lichen Einschlag aufwies. Prouohou, der Stammvater des kleinbürgerlichen Sozialismus, ivar in seinem trockenen Banausen- tum stramm kunstfeindlich, und einer seiner Anhänger, der Journalist JuleS Balles, selber allerdings ein stürmisches Künstlerlemperament. donnerte und wetterte gegen die ganze klassische Kunst und hielt es für ganz und gar lein Unglück, wenn alle Museen und Bildergalerien an ein und demselben Tag in Flammen aufgingen. Aber die Niederlegung der Vendömesäulc durch die Kom- munc im Jabre 1871 entsprang doch anderen Gründen als solcher Sinnesart. CäsarismuS, Absolutismus und Militarismus wollte man treffen, indem man die Säule umstürzte, auf der Napoleon I. als ein Sinnbild des CäsarismuS, Absolutismus und MilitariS- muS thront«. Im übrigen hatten gutbürgerliche Republikaner wie JuleS Simon und Jerry schon seit Jahren danach gelechzt, dieses Tenkinal zu zerstören, uno ein so unvergänglicher Künstler wie Courbet hatte die erste Anregung dazu gegeben. Die moderne Arbeiterklasse vollends ist so kunstfreundlich wie nie eine Klasse, denn während etwa daS Junkertum sich mit den leichtesten Freuden des Daseins schmunzelnd begnügt und auch die Bourgeoisie sich auf dem Felde der Kunst nur amüsieren will, suchen die modernen Arbeiterorganisationen ihren Mitgliedern dos Verständnis für alle Kulturgüter und Kunstschätz« zu erschließen. Was Sozialscmokratie und Gewerkschaften an Bildungsarbeit und Kunstpflege leisten, dos haben auch ehrliche Gegner staunend und bewundernd anerkannt und, während sicher hier und da noch in stumpfen Hirnen die Vorstellung von Streikenden als von schnapSduftendcn Ballonmützen lebt, spricht eine Notiz wie Sie folgende über einen Ausstand der Wiener Transportarbeiter Bände: Tie Stimmung der Streikenden iit ausgezeichnet. Sic freuen sich ihrer strammen Einigkeit, sie freuen sich auch des schönen Wetters. Vielen, die nur Nachtdienst haben, sah schon wie lange nicht mehr die Sonne ins Angesicht. Run stehen sie auf Streikposten und lassen sich vom Glänze des Sommers die naturgemäß nur durch fortgesetzte beträchtliche Heeresdere stärkungen beschwichtigt werden können. Tann wandte er sich gegen das Vermögenszuwachssteuergesxtz und lobte die sächsischen Finanzen, forderte eine gründliche, kraftvolle, klare, energische Mittelstands- Politik und einen ausreichendei! Streikbrecher- und Hinzebrüder- schütz und creifertc sich dann schließlich gegen das Uebcrmaß der Sozialpolitik, der eirt schieden Einhalt ge- boten werden müsse. Natürlich verfehlte Herr Oertel auch nicht, zum Schluß einen seiner bekannten christkich-germanischen Leitartikel, wie er sie regelmäßiig vor christlichen Feiertagen in der „Deutschen Tageszeitung" ablagert, vorzutragen, selbstverständlich dem Verständnis der Zuhörer entsprechend ins Bäuerisch-Sächsische übersetzt. Nachdem dann noch Rittergutsbesitzer aus dem Winkel-Logau. der agrarische Nossener Bürgermeister Tr. Eberl« und ein Rechts- anwalt Tr. fiohlmann oder Kohlmcyer geredet hatten, wurde die Tagung in bekannter begeisterter Stimmung geschlossen. Nationalliberale �jensurleistnngen. In der nationalliberalen Melaugepartci wird der Kuddelmuddel immer ärger. Infolge der genialen Taktik des großen Partei- strategen Bassermann haben die Friedeberger und Fuhrmänner ihre Machtstellung innerbalb der Partei in letzter Zeit mehr und mehr erweitert, und sie benutzen ihren Einfluß nicht nur dazu, die nationalliberals Reichstagsfraktion unter die Beaufsichtigung und Direktive der nationalliberalen Fraktion des preußischen Äbgeord- netenhauses zu stellen, sondern auch als Zensoren der journalistischen Leistungen der bassermännischen und jungliberalen Blätter aus, zutreten. Hatten da jüngst die.Jungliberalen Blätter" sich er- drsistet, das Verhalten der preußischen nationalliberalen Laitdtags- fraktion gegenüber den konservativen Angriffen für recht schwächlich zu erklären und zu monieren, daß die Nachgiebigkeit der national- liberalen Landtagsavgeordneten gegen die konservativen Heraus- forderungen manchmal„bis hart an die Grenze der Würdelosigkeit" gehen. Taraus antwortet die Fuhrmannsche„Altnationallibcralc ReichSiagskorrespondeuz" mit folgender Epistel: Tie Junglibcralen pflegen ja d«S öfteren von dem Vorrechte der Jugendlichkeit, ohne Sachkenntnis mit großen Worten um sich zu werfen, Gebrauch zu machen. Darüber mag man hinwegsehen, solange die nationallibcrale Partei davon nicht un- mittelbar berührt wird. Wenn sich die jungen Herren aber er- lauben, ihre Boxerkun st stücke gegen die nationalliberale Partei und deren geordnete parlamentarische Vertretung zu richten, dann muß ihnen ein wenig auf die Finger geklopft werden. mindestens solange sie noch Wert darauf legen, als Angehörige derselben Partei angesehen zu werden. Ein solches unzuläjjiges A n r e m p e l n der eigenen Fraktion liegt in dem Leitartikel der letzten„Junaliberalen Blätter" vor. Tiefer Artikel, der von anmaßcnoen Ungehörigkeitcn strotzt, hat den „Mut", von Rednern der nationalliberalen preußischen Landtags- fraktion zu sagen, daß sie bei der bekannten großen Auseinander- setzunng mit den Konservativen„bis hart an die Grenze der Würdelosigkeit" gegangen seien.... Man könnte über die erstaunliche politische A h n u n g S l o s i g k e i t, die auS dem ganzen Artikel spricht. mit Heiterkeit hinweggehen, wenn dieser Artikel nicht wieder ein- mal von dem Anschauungskreise Kunde gäbe, der im jungliberalcn Lager herrscht.... Tie preußische nationalliberalc Landtags- fraktion wird sich, dessen sind wir gewiß, durch ein solcyes A n- bellen in ihrer nach allen Seiten unabhängigen Politik nichl beirren lassen. Man muß zugeben, die preußischen nationalliberalen Land- tagsabgeordneten sind doch nicht ganz so würdelos, wie dit.„Jung- liberalen Blätter" behaupten: auf Anrempelungen aus dem eigenen Lager wissen sie mit stark entwickeltem Selbstbewußtsein recht derb zu antworten— nur bei Anrempelungen von konservativer Seite sinkt ihnen ihr Männerherz in die Unterhosen. Neubildung des italienischen Kabinetts. Rom, 15. März. Ter Abgeordnete Salandra hat seine Bemühungen einer Neubildung des Kabinetts fortgesetzt, jedoch ist bisher noch nichts über die endgültige Besetzung der segnen. Die Streiktagc sollen ober nicht nur der kämpf- erfüllten Ruhe dienen. Man denkt daran, die Mutze- stunden auch für Biloungsarbeit zu verwenden. Man plant Führungen durch Sternwarten, Museen und andere Bildungsstätten. Feste und Vorträge sollen veranstaltet werden. Ter Streik soll viele gute Früchte tragen! Darum können wir den Vorwurf des„VandalismuS", der in leicht zu durchschauender Absicht wegen des DenkmalSanstrichS in Charlottenburg gegen uns erhoben wird, gleichmütig abwehren mit den Worten des Dichters H e n ck e 1 1: Wir sind die„Vandalen" der Milde, Wir sind die„Barbaren" des Rechts, Wir führen die Freiheit im Schilde, Tie Freiheit des Menschengeschlechts. Karl Ludwig. die„rote Exzellenz" unö der „Süööeutsche postillon". Gedenkblatt von Ernst Kreowski. Am 19. März vor 90 Jahren wurde Heinrich v. Redcr geboren. Erst nach seinem Mitte Februar 1909 erfolgten Tode ist sein Name in die breiteste Oeffentlichkeit gedrungen. Das war, als einige Feldpostbriefe RederS aus dem deutsch-französischen Kriege ihre Auft'ehen erregende Runde durch die ganze Partei- presse machten. Dabei wurde auch wohl des Dichters gedacht, aus dessen Schriften ein Münchcner Privatdozent eine ziemlich be- langlosc Anthologie zurechtgeswppeli hatte. Es gab eine Zeit, da Reder sich unter den„Modernen" großer Popularität erfreute. Als Mitarbeiter von M. T. Conrads„Gesellschaft" zählten sie ihn gern zu ihresgleichen, weil ein pensionier- tcr Artillerie-Oberst als prominente Künstlerpersönlichkeit eine un- gewöhnliche Erscheinung bildete und sehr wohl als„Aushängeschild" zu gebrauchen war. Bald fand der verstorbene Otto Julius Bier- bäum— und chm beteten es andere nach— daß RederS dichterische Art mit der LiliencrouS auffallende Aehnlichkeit hätte. Nichts lag ja für oberflächliche Beurteilung näher, als diese Phrase. Gewiß— beide waren ehemalige Offiziere und verdienstliche Kriegsinvaliden. Herkommen, Bildung und Charakter trennte sie aber entschieden von einander. Liliencron entstammte einer niederdeutschen Aristokratenfamilie, die sich auf ihr Geburtswappen viel zu gut tat. Reder war bürgerlicher Abkunft. Jener folgte nur traditionellem Brauch, indem er sich in die militärische Laut- bahn schieben ließ: dieser, ausgestattet mit gründlicher huma- nistischer Bildung, hatte bereits die Forstakademie sowie ein fori:- praktisches Probejahr hinter sich, um darauf an der Münchener Universität noch einige Semester hindurch philosophischen und ftaatswissenschaftlichen Studien obzuliegen, als er. unmittelbar nach den Lola-Montez-Krawallen und der hiermit verknüpften „freiwilligen" Abdankung Ludwigs l., unters Kalbfell mußte. Glück- licherwcije eröffnete, sich dem sofort zum Leutnant Ernannten die Mlnistersessel bekannt. Als wabrscheinlicki wixd folgende Kam» bination angesehen: Ministerium des Aeußern: Äiarguis di Zan Giuliano! Finanzministerium: Luzzatti- Kriegsmini. sterium: Guardenghi! Marineministerium: Millo. Gestern abend hat der König Salandra in Audienz empfangen und eine Stunde lang mit ihm konferiert. Ter schwierigste Punkt bei der Neubildung J5es Kabinetts ist die Personenfrage, denn das Programm Salandras findet all- gemeine Billigung._ Eine Rede Churchills über die Home-Rule-�rage. London. 14. März. Ätarineminister Churchill hat heute in Bradford eine Rede gehalten, in welcher er unter anderem sagte:.ASquiths Angebot hinsichtlich der Stellung Ulsters zu Home Rule bedeute einen großen Schritt vorwärts, aber es scheine ihm grundsätzlich auch das letzte Angebot zu sein, das die Regierung machen könnte und dürfte. Er sei gewiß, daß der erste britische Soldat, der von einem Orangiften angegriffen oder getötet würde, Anlaß zu einem solchen Zornausbruch des englischen Volkes'sein würde, wie die TorhS es sich wohl kaum vorstellen dürften, und daß dieser die Grundlage des Staates schwer erschüttern würde. Man werde sich aber durch die Drohungen der Ulsterleute nicht einschüchtern lassen, vielmehr müiso die Macht des Gesetzes und die Ordnung aufrechterhalten werden. Sieg der Pariser Postbeamte« im Lohnkampf. Paris, 1ö. März. Die Forderungen der Post- und Telegraphen- beamten des Pariser Hauptpostamtes, die kürzlich ihrem Miß- vergnügen über die schlechte Bezahlung in lärmenden Kund- gebungen auf dem Amte Luft machten, sind nun doch bewilligt worden. Zu den bereits iür das Jahr 1913 betvilligten 6 Millionen Frank für die Postbeamten werden am 1. Juli und 1. Dezember dieses Jahres je weitere 6 Millionen treten. Ms Groß-öerlin. Gläubige polen und üie Geistlichkeit. 80 Schutzleute in der katholischen Kirche. In der katholischen Pauluskirche in Moabit ist es am gestrigen Sonntag früh zu lebhaften Zusammenstößen mit der katholischen Geistlichkeit gekommen, die ihre Ursache in der Nichtberücksichtigung der polnischen Sprache haben. Vorausgeschickt sei, daß die Pauluskuratie und der Domini- kanerkonvent an der Ecke der Waldenser und Oldenburger Straße 500 Kindern von einem Dominikanerpater Unterricht in der deut- fchen Sprache erteilen lassen, natürlich Religionsunterricht. Zahl- reiche Polen, die als sogenannte Radikalpartei Groß-Polen in polni- schen Bereinen organisiert sind, hatten aber den Wunsch, daß ihre Kinder die Kommunion in polnischer Sprache empfangen. Die Er- füllung dieses Wunsches soll zunächst auch von den Geistlichen zuge- sagt worden, aber von der höheren zuständigen Stelle abgelehnt worden sein.— Gestern war nun der Tag der Kommunion heran- gekommen. Die Geistlichkeit ahnte Unheil. Sie ließ in der Messe von 8— 9 Uhr vormittags die sonst übliche polnische Predigt aus- fallen, um den Gottesdienst abzukürzen und eventuellen peinlichen Auftritten vorzubeugen. Um 8 Uhr erschienen in der Kirche, die ungefähr 3000 Personen faßt, über 8000 Polen, Männer und Frauen, mit den 50 Kindern, die über die Feiertagskleider Mäntel angelegt hatten. Beim Eintritt in das Gotteshaus entrollten sie eine Fahne des polnischen Arbeitervereins Casimir. Ein Geistlicher forderte sie auf, sie wieder zu verhüllen, aber umsonst Jetzt be- schlagnahmten Kriminalbeamte, die zur Borsicht sich schon vor Bc- ginn des Gottesdienstes eingefunden hatten, die Fahne. Während\ der Messe verhielten sich die Polen ziemlich ruhig, nur einzelne Zwischenrufe fielen hin und wieder. Nach der Messe aber begaben sich die Kinder, die unterdessen ihre Mäntel abgelegt hatten, auf Verabredung zur Kommunionbank und knieten nieder, um das militärische Laufbahn, die, sonder Mittel oder Protektionen als Notanker ergriffen, siebenunddreißig Jahre lang festgehalten wurde. Aber der dichter-künstlerische Trieb war schon damals in ihm wach. Und die gemächlichen artilleristischen Dienstobliegenheiten zu da- maliger Zeit gewährten Mutze genug, um solcher Neigung sich hinzugeben. Reder poetisierte und studierte nebenbei fleißig die Landschaftsmalerei, worin er es dann ebenso wie in der Literatur zu vorzüglichen Leistungen gebracht hat. In der Geschichte der älteren Münchener Kunst ist sein Name mit Auszeichnung genannt. Als 1849 die ungarische Revolution ausbrach, faßte Reder— er selbst hat mir es anvertraut— mit noch zwei gleichfalls dichterisch begabten Kameraden: Georg Letzel und Karl Neu mann, den tollkünhen Entschluß, daran teil- zunehmen. Auf einem Holzfloß gedachten sie von Passau, ihrer gemeinsamen Garnison, aus donauabwärts zu fahren. Ehe es aber hierzu kam, war der Ausstand niedergeschlagen und eine An- zahl ungarischer Offiziere büßten ihren Rebellenmut mit dem Tode am Galgen. Zweifellos hätten die drei das gleiche Los gezogen. Betzel fiel bald nachher bei München im Duell. Neumann, der es noch bis zum Jnfanterie-Hauptmann i. P. brachte, erschoß sich, dem Trübsinn verfallen, 1888 in Regensburg. Beide haben das Ge- heimnis ihres freiheitlichen Dranges ins Grab genommen. Ihr poetisches Vermächtnis'hat Reder besorgt. Daß er aus anderem Holze war als Liliencron, bezeugten schon seine Feldpostbriese von 1870/71. Am schärfsten bezeugt es seine Lyrik. Seinen Realismus hatte er den Jüngstdeutschen voraus. Und die revolutionäre Note obendrein. Redcr war immer ein rationalistischer Denker. Pfasserei, Kriechertum, Bureaukratie,„Blechschädel" oben wie unten haßte er zeitlebens. In seinem Epos„Wotans Heer" zieht er gegen Fürsten, Geistlichkeit und Adel zu Felde. Seine Liebe steht beim Volke der schwieligen Fäuste. Alles übrige, ob Staat. ob Gesellschaft, ob Religion, gilt ihm alter Plunder:„kein Pfund Lckmpen wert". Eigentlich hat er sich, seit 1851, da er in Pension ging, erst so reckt dichterisch ausgewirkt. Aus dieser Beschaulichkeilsperiode stammen auch seine zahlreichen Gedichte politischer und sozialer Gattung. Ganze Stöße hatte er zusammengebracht. Mir gab er die neu entstandenen stets zur Durchsicht. Ich kannte den Reichtum jener Mappen. Vor seinem Ableben hat er aber TetmU rasa gemacht. Das ist sehr zu beklagen; denn Rcder war, wie ihm Paul Heyse einst bezeugt hat, wahrhaft ein Ritter des Schwertes und der Feder. Nichts kennzeichnet ihn treffender, als die Schluß- ftrophe einer feiner prächtigen„Federzeichnungen": Am liebsten aber fingt mein Herz Von Sturmwind und Gewittern, Von Steg und Tod in off'ner Schlacht, Wenn Sklavenketten splittern. Und diese Wesensart lebt gerade in jenen Gedichte», die in vier Jahrgängen des„Süddeutschen P o st i l l o n" aufgespeichert liegen. Daß dem so ist, war eigentlich ein Zufalls- spiel. Das Blatt erschien ja in München. Anders wäre es seinem Redakteur, Genossen Eduard Fuchs, schwerlich geglückt. Reder zur Mitarbeit zu bewegen; denn obgleich er für sich keinerlei Unzuträg- lichkeiten befürchtete, hatten ihn doch mannigfache Mißgriffe mit , Sakrament zu empfangen. Diese Handlung rief den KuratuZ auf ■ die Kanzel. Er setzte den Leuten in deutscher Sprache das Verbot . auseinander, mahnte sie zur Ruhe und zum Gehorsam und sprach seine Verwunderung über ihr Benehmen aus, das er von ihnen I nicht erwartet hätte. Die Antwort war, daß man ihn auslachte, ■ anschrie und auf die Bänke schlug. Man warf mit Lichtern, welche ■ die Kinder bei sich trugen. Einige Leute fangen auch polnische , Lieder. Es war ein ohrenbetäubender Lärm. Jetzt versuchte der Erste Kaplan, Pater Amandus, der Präses der deutschen Arbeiter- vereine, die Leute zu beruhigen. Der Erfolg war nur ein neuer- licher Lärm ohne Ende. Der Kaplan von Äönigswusterhausen, der � in Vertretung die Messe gelesen hatte, sprach zur Beruhigung der Leute polnisch. Aber sie antworteten ihm mit:„Judas!",„Ver- räter der Landsleute!" und dergleichen mehr. Weil alle Mühe der Geistlichkeit umsonst war, so schritt nun die Polizei ein, die von Kriminalbeamten benachrichtigt worden war. Der Vijrsteher des 64. Reviers, der mit 80 Beamten erschienen war, forderte die Leute vom Altarraum aus dreimal auf, die Kirche zu verlassen. Als man keine Folge leistete, drängten die Beamten die aufgeregten Menschen langsam hinaus. Der Lärm wurde nun noch größer. Schreiende Frauen klammerten sich an die Bänke und warfen sich auf den Fußboden, Männer leisteten tätlichen Wider- stand. Es war ein furchtbarer Lärm. Nach einiger Zeit aber gelang es, die Kirche zu leeren. Ein Teil der Polen ging nach der Wiclef- straße und besuchte dort ein Lokal, in dem der Vorfall noch länger aufgeregt besprockcn wurde. Verschiedene Leute verteilten vor der Kirche an die Menge polnische Flugblätter, die aber von den Polizeibeamten sofort beschlagnahmt wurden. Borläufig festge- nommen wurden ein Arbeiter Kasmareck, der bis vor einigen Tagen Präses des polnischen Arbeitervereins Casimir war und ein gewisser Slomski. Die peinlichen Auftritte gaben Veranlassung, die Äindcrmesse um 9 Uhr und das Hochamt ausfallen zu lassen. Erst die Nach- mittagscmdacht fand wieder um 5 Uhr wie immer statt. Ob die Kirche von neuem geweiht werden mutz, bedarf noch der Untersuchung. ES handelt sich hierbei hauptsächlich darum, ob Blut geflossen ist. Die peinlichen Vorfälle wären vermieden worden, wenn auf die polnisch sprechende Bevölkerung die Rücksicht ge- nommen würde, die sie verlangen kann, und wenn die katholische Geistlichkeit sich nicht auch zur Unterdrückung dieser Leute ge- brauchen ließe. Wie die Polizei für unsere Sache wirkt- Als Antwort auf die Auflösung der öffentlichen Versammlung am Donnerstag veranstalteten gestern unsere Genossen in Lichten- berg eine Volksversammlung im„Schwarzen Adler", die einen Massenbesuch aufwies. Um der polizeilichen Absperrung vor- zubeugen, wurde die Versammlung sofort nach der Eröffnung in den Garten verlegt, der sich bald füllte. Es waren weit über 3000 Personen erschienen, die unter gespanntester Aufmerksamkeit den Darlegungen der Genossen Artur Stadthagen und Paul Brühl folgten und ihre wirkungsvollen Ausführungen mit stürmischem Beifall und dem Gelöbnis quittierten, nun erst recht mit doppeltem Eifer für unsere Sache zu wirken. Die Versammlung nahm unter demonstrativer Zustimmung eine Resolution an. in der gegen die durch nichts gerechtfertigten Maßnahmen des Lichtenberger Polizei- Präsidenten protestiert wird, die eine Bevormundung der Lichten- berger Arbeiterschaft darstellten und jeder gesetzlichen Basis ent- kehrten. Eine große Zahl von Ausnahmen war der einzige Erfolg des polizeilichen Versammlungsvcrbots. Wahlergebnisse aus Vorortgemeinöen. Friedrichshagen. Trotz der vereinten Anstrengungen unserer Gegner, die noch am letzten Tage zwei Flugblätter herausgegeben j hatten, in welcher sie die Sozialdemokratie in gehässigster Weise angriffen, gelang es unseren Genossen, die 3. Abteilung in samt- lichen Bezirken zu behaupten. Im 1., Bezirk wurde Genosse Hans Miele mit 339 Stimmen gegen 143 Stimmen, welcher der ver- einte bürgerliche Kandidat Richard Teltow erhielt, gewählt. Im Verlegern sehr mißtrauisch gemacht. Er wolfie nichts mehr mit der„Oeffentlichkeit", in welcher Form immer, zu schaffen haben und verbarg seine Produktion vor neugierigen Augen. Außer dem „Postillon" hat kein Parteiorgan jemals auch nur eine Zeile von ihm bekommen. Fuchs also warb nicht vergebens um Reders Mit- arbeit. Und sie war bedeutungsvoll, sowohl für das Blatt, dem der Ruhm gebührt, die konsequenteste Satire vertreten zu haben, als auch für den Dichter selbst. Zunächst freilich präludierte dieser zurückhaltend. Mählich gab er mehr, begleitete er, bald in sozialen Bildern, bald mit feinstem Spott, immer volltöniger die Erschei- nungen der Zeit. Fast in jeder Nummer wartete nun seine Muse mit gewichtigen Beiträgen aus. Der Geist des damals schon Sieb» zigjährigen sprüht Flammen und schleudert tödliche Blitze um sich her. Keiner unter uns sechs bis acht Luftren jüngeren„Postillö- nern" kam Reder gleich an poetischer Spannung und lapidarer Ge- dankenwucht. Ob er nun den Militarismus oder die Bureaukratie, die pfäffische oder die prozentpatriotische Moral der herrschenden Sippen mit Ruten strich, ob er die an deren Karossen gekettete Be- dientenhaftigkeit professoraler Wissenschaft und Kunsiübung geißelte oder das soziale Elend der Enterbten malte:— immer schöpfte er aus dem Born eines tiefen Welterlebens. Wußte außer Fuchs, wenig erprobten Vertrauten und mir, der ich sozusagen Kardinal- zeuge von der Geburt aller dieser Dichtungen gewesen, sonst nie- wand um die anonyme Autorschaft Reders, zu ahnen vermochten doch auch Fernstehende, daß er und kein anderer dahinter stünde. Erinnert sei an den„Petrefakt", eine humoristisch-satirische Dichtung, die nicht im„Postillon", sondern im selben Verlag 1894 als eigenes Büchelchen von nur 12 Druckseiten Ilmfang erschien und innerhalb 14 Tagen vier starke Auslagen notwendig machte. Die Kritik erkannte darin mit Fug und Recht eine der köstlichsten und gelungensten Persiflagen auf das Denkmalsetzen und Ordcn- stisten, die jemals geschrieben wurden. Ihr Inhalt ist kurz dieser: Ein dicker deutscher Fürst mutz einmal im Wald beim Jagdpläsier etwas Menschliches verrichten. Dabei passiert ein entsetzliches Malheur; ein Bauer hilft aus dem— Druck. Zur Erinnerung dieses welterschütternden StäatsereignisseS wird an selbiger Stelle ein Denkmal errichtet und ein Orden gegründet— der„Petrefakten- stern". Die vornehme, dennoch in jeder Verszeile funkelnd satirische Behandlung des heikligen Themas wird noch kostbarer durch eine meisterhaste Zeichnung aus der Feder des Dichter» Malers. Soeben war der Petrefakt zum viertenmal hinausgegangen, da griff der bayerische Staatsanwalt nach der Maifest-Nummer des„Postillon". Drei Vollbilder:„Es werde Licht",„Es ward Licht" und ,.?in 6- siecle" sowie deren texliche Beigaben wurden als„aufreizend" beschlagnahmt. Knappe zwei Monate später hatten sich Eduard Fuchs als Redakteur und M. Ernst als Verleger vor dem Schwurgericht wegen„Aufreizung zu Gewalttätigkeiten" sß 130) hinter verschlossenen Türen zu verantworten. Angeklagt war. wie man aus der fulminanten Rede des damaligen Ersten Staatsanwalts entnehmen konnte, eigentlich die angeblich aus Provozierung brutaler Gewaltakte abzielende Sozialdemokratie. Vom„Postillon" war fast keine Rede. Nach 7�ftündiger VerHand- lung wurden zwar beide Pressesünder freigesprochen— aber trotz 2. Bezirk siegte Genosse Otto Stephan mit 4S5 Stimmen Wer den Bürgerlichen Grenzien mit 161 Stimmen. Die Wahl in der 2. Abteilung findet heute statt. Die Partei, genossen werden ersucht, Stimmenthaltung zu üben. In Kaulsborf erhielt Beyer(Sozialdemokrat) 127 Stimmen und Gutzcit(bürgerlich) 47 Stimmen. Beyer ist somit'gewählt. Von den vier Mandaten in der 3. Abteilung befinden sich jetzt drei in den Händen unserer Genossen. In Lichtenrnde wurde der von den bürgerlichen Parteien auf- gestellte Kaufmann Gast mit 203 Stimmen gegen unseren Genossen, Buchdrucker Groß, welcher 132 Stinrmen erhielt, gewählt. In Weißcnsce erhielten im 2. Bezirk Genosse Eduard Äasielke 765, im 4. Bezirk Genosse Gustav Seifert 365 Stimmen. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. Gemeindewahle« finden statt in Mühlenbeck: Heute, Montag, den 16. März. abends 1/26 bis 7 Uhr. Wahl der 3. Klasse im Gasthof von Grothe. Kandidat ist der Genosse Paul Bruckmann. In Eggersdors-Hohenflies findet die Wahl für die 3. Ab- teilung Dienstag, den 17. März, statt. Unser Kandidat ist der Genosse Otto B u ch h 0 l z. Tue jeder seine Pflicht!_ llnsiillc auf der Straße. Ueberfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag vor dem Hause Stromstr. 3 das Dienst« mädchen Auguste Stolz. Als sie den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde sie von einer Autodroschke angefahren und gegen die Bordschwelle geschleudert. In schwerverletztem Zustande fand die Verunglückte im Krankenhause Moabit Aufnahme.— Vor dem Hause Wildenbruchstraße 81 in Neukölln wurde das vierjährige Mädchen Hedwig Jensick von dem Motorwagen 1504 der Linie 89 erfaßt und geriet mit dem Oberkörper unter den Schutz- rahmen. Der Straßenbahnwagen wurde mittels Winden an- gehoben und die Jensick befreit. Das Kind, das bereits verstorben war, wurde von der Feuerwehr, die Passanten gerufen hatten, in die Neuköllner Feuerwache und von dort ins SchauhauS über- geführt.— Vom Auto überfahren wurde am gestrigen Sonntag- abend das zwanzigjährige Dienstmädchen Frida Neunburger aus Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes an der Ecke der Windschcid- und Bismarckstvaße achtete sie nicht auf ein in schneller Fahrt der Heerstratz« herab- kommendes Privatauto. Das Mädchen wurde von dem Wagen erfaßt und überfahren. Mit schweren inneren Verletzungen brachte man die Unglückliche nach dem Krankenhaus Westend. Letzte Nachrichten. Aussperrung französischer Textilarbeiter. Paris, 15. März.(W. T. B.) Wie aus Cambray gemeldet wird, haben die Spitzenfabrikmtten von C a u d r y beschlossen, die von ihnen schon vor einiger Zeit angedrohte Aussperrung der Arbeiter von morgen ab in Kraft treten zu lassen. Sechs» bis siebentausend Arbeiter und Arbeiterinnen wer- den von dieser Aussperrung betroffen. Hochwasser auf dem Rhei». Duisburg, 15. März.(28. T. B.) Seit gestern abend sind hier, wie am ganzen Mittelrhein, starke Niederschläge erfolgt. D i e Hockwassergefahr am Rhein nimmt damit einen drohenden Charakter an. Am hiesigen Pegel ist seit gestern ein weiteres Steigen um 15 Zentimeter zu verzeichnen. Weite Wiesenflächen und niedrig gelegene Aecker am Niederrhein sind überflutet. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein liegt fast ganz danieder, da die Ladeeinrichtungen durch die Hochflut zum großen Teil unbenutzbar geworden sind. Das Erdbeben in Japan. Tokio, 15. März.(W. T. B.) Nach neueren Meldungen haben. die sechs Erdstöße in der Probinz Akita doch Menschen- leben gefordert. In Omagari kamen fünf Per- sonen ums Leben, in Kariwano sechs. Hunderte von Häusern sind eingestürzt, viele Städte und Dörfer vom Verkehr abgeschnitten. Der Vulkan Asama ist in Tätigkeit. des auf„Nichischuldig" lautenden Wahlspruches der Geschworenen erkannte das Urteil des Gerichtshofes dahin, daß das Bild und Gedicht«Pia de siecle" nebst den Druckplatten zu vernichten sei. Was denn auch geschah. Hatte man geahnt, daß unsichtbar hinter dem verknurrten Bilde der Geist eines bayerischen Max-Josef- Ritters als zornentflammter Ankläger stand, den man solcher- weise zum Schweigen zu bringen glaubte? Wie hatte es doch in den Schlußsirophen von allen Notleidenden und Geknechteten geheißen? Sic reichen alle sich die Hand, Zum Bund vereint im vierten Stand, Dumpf dröhnt der Schritt der Massen. Millionen treibt des Elends Oual Und immer größer wächst die Zahl, Kein Kerker kann sie fassen. Da nützt nicht mehr ein Machtgebot Und nützt nicht länger Kraut und Lot, Die Not zerbricht das Eisen. Gewalt regiert solang' die Welt. Als an der Kett' der Hunger bellt, Der Hund wird endlich beißen. Und dahin ziehen sie, eine unabsehbare Schar: die Arbeiter, die Bauern, die Kriegsinvaliden, die niederen Bediensteten— alle, die am Hungertuche nagen müssen, mit Sensen, Hämmern, Aexten oder rostigen Musketen bewaffnet, während Blitze zucken und Donner rasen... Vom Gerichtsgebäudc— es war ein wundervoller Junitag— eilten Fuchs und ich schnurstracks zum Augvitinerbräu, wo uns Röder schon ungeduldig erwartete. Was? Sein„Pin de sisele" verdonnert? 2Vie greller Wetterschein umzucktc es seine Stirn. „Bah!" Mit ironischer Geste griff er zum Sreinkrug. Lad)end taten wir Bescheid, um sogleich gemeinsam auf die hellbesonnie Straße hinaustretend uns zu verabschieden.„I rivederla!" Stramm und straff, den Kalabreser trotzig ins Gesicht gerückt, schritt „Oberst Wotan" von dannen. Und blieb, der er gewesen. Jahrund Tagdarauf— die Gesetzesvorlage gegen dcnllmsturz stand in Sicht— als wir in corpore den 71. Geburtstag Reders feierten, applizierte dieser uns eine salzige„Abreibung". Alle Schönrednerei sei„blauer Dunst"— nichts für einen alten Landsknecht. Bismarck habe ja allerdings für seine Schwadroneurkünste Millionen eingesackt. Er hingegen mußte sich eine Chaffepotkugel auf den Pelz schießen lassen— und habe nichts gekriegt.„Nieder der Mili- tariSmus I Es lebe der Umsturz! Prosit!" Und leerte sein Glas roten Tirolers. Draußen vorm offenen Fenster des Knciplotals duckten sich ein paar Polizeihelme schämig ins Nachtdunkcl... Lang nachher wurde dem Achtzigjährigen noch der General- major mit dem Exzellenztitel zugedacht. Bei den Münchnern„die rote Exzellenz" zu heißen, galt ihm doch höher. Unversöhnt mit den herrschenden Mißständen in Staat und Gesellschaft, worunter er zeitlebens unsäglich gelitten hatte, vollzog er schließlich den..Ab- marsch zur großen Armee". Feuer sollte seinen Leib verzehren. „Nichts als die Asche soll von mir übrig bleiben." So hatte er's bestimmt; und so geschah eS. Er war ein Ritter von Schwert und Feder— ein echter Sohn des Märzen l Theater. Montag, 16. März 1914. Anjang 6 Uhr. Cines Palaft am 3oo. Varietés Lichtspiele. Anjang 6%, Uhr. Cines Nollendorf Theater.Varieté Lichtspiele. Anfang 7 Uhr. Rgl. Schauspielhaus. Peer Gyut. Anfang 7, Uhr. Kgl. Opernhaus. Bohème. Deutsches. Was Ihr wollt. Königgräger Straße. Brand. Zirkus Busch. Galavorstellung., Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Zagen. Urania. Anfang 8 Ubr. Mit dem nach New Yort. Imperator" gorfaal: Ronftr. Sng. Steßner: Eisen- und Metallgießerei. Leffing. Phgamolion. Rammerspiele. holt. Bom Teufel ge Deutsches Opernhaus. Die luftigen Beiber von Bindsor. Deutsches Künstler Theater. Der Bogen des Ddyffeus. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Trianon. Er und der Andere. Komödienhaus. Kammermusik. 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Jedes Heft ist reich illustriert Der Verfasser behandelt in seinem Werke die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts von dem Beginn des polnischen Aufstandes und seiner heldenmütigen Volkskämpfe, die die Polen aus der todbringenden Umarmung des russischen Knutentums befreien sollten, bis zu den jüngsten Ereignissen im Balkan, bei denen zum Entsetzen aller Menschenfreunde die Kriegsfurie in all ihrer Scheußlichkeit: Frauenschändung, Ermordung von Greisen und Kindern, seine Wiederauferstehung feierte. Das Werk sollte von jedem nach Aufklärung strebenden Arbeiter gelesen werden. Wir bitten von dem nebenstehenden Bestellschein Gebrauch zu machen. in 60 reich illustrierten Heften zum Preise von 20 Pfennig wöchentlich ins Haus zu liefern. Name: Ort: Wohnung: ( Dieser Zettel kann auch der Botenfrau mitgegeben werden.) Berantw. Rebatt.: Alfred Wieleby, Neukölln. Inseratenteil beranto Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& E., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage. Nr. 74. 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Montag, 16. März 1914. Deutsche Tageszeitung st Падким CLAADING A. Salbe. Keiling: Wat so' nen gemeinen Majestätsbeleidijer jeben se weniger Knast als mir, der ick immer det Staatswohl int Ooge hatte? Die Wochenmaler. Ja, ja, nun rührt man allerwegs die Knochen, Und jedes Aleffchen springt. Da Ihr in diesen Tagen rot gesprochen, Sabt Ihr auch sie beschwingt. Wie wirkt man fruchtbar? Dies war ihr Problem. Nun blitt„ Aha!" ihr Cerebralsystem: Man kommt vor allem einmal in die Wochen! Wie eifrig wackeln da die dicksten Zöpfe! Man faucht und droht. Die Pinsel tauchen in die Farbentöpfe: Auf, auf! Und löscht das Rot! Blau sei die Woche! Oder: Gelb wie Harz! Ein andrer schreit: Am besten deckt das Schwarz! Und wildgeschäftig rauchen alle Köpfe. Der Fortschritt auch muß etwas mitspektakeln. Sein weicher Pinsel kämpft, Um seinerseits die Woche anzukrakeln, Natürlich sehr gedämpft. Was aber gibt das arme Töppken her? Von bunter Mischung einen sanften Schmeer. Doch eifrig hört das lahme Suhn man kakeln. Na, schmiere jeder seinen braven Schinken. Man lacht sich eben schief. Es wirkt der Sozi, will uns schier bedünken, Hier wieder positiv: Sie spüren alle seine Faust am Schopf Und tauchen schleunigst in den Farbentopf, Doch weniger um zu malen, als zu stinken. Pan. Kätchen. Von Friz Müller. Mätchen ist ein prächtiger Mensch nein, ich muß sagen, war ein prächtiger Mensch. Denn da ist ein ein wie soll ich fagen ein Anads in ihrem Leben gewesen, ein ganz unberfändlicher Anade. Sie war noch ein halbes Kind, als sie zur Tante Mina tam. ha, Zante Mina, meint ihr. Nein, bitte sehr, da lag der Knads " -nicht. Tante Mina war eine tüchtige Frau, eine sehr tüchtige Frau rätin neulich auch gesagt hat, ich sollte acht geben auf dich fogar. Und Kätchen konnte froh sein, daß sie solch eine Tante hatte. du kämest jest in das Mter, wo auch eine Nichte von ihr so bumme Oder ist es vielleicht kein Glüd, wenn ein elternlos gewordenes Streiche gemacht hat weißt du, so allerhand Sachen nun, Mädchen zu einer Tante kommt, die ihm Schutz und Dach gewährt? du verstehst mich schon, mein Kätchen." Die sie vor der Fährlichkeit der Welt behütet. Die für sie sorgt. Kätchen stand da mit blanken Augen und verstand es nicht. Nicht nur mit Speise und Trank und Kleidern die auch für Nun, um so besser, Kätchen wie gesagt, ich lasse absolut ihre Bildung sorgt und die Moral. Oder ist in diesen traurigen nichts auf dich kommen. Ich kenne doch mein Kätchen viel zu gut, Beitläuften, wo sich allerorten festgefügte Bande lodern wollen, die und richtig was ich noch sagen wollte, hast du jetzt die Bildung und Gefittung nicht viel, viel mehr als Essen? Stickereien fertig? Noch nicht? Hm, ich dachte allerdings nuit, du wirst sie eben morgen fertig machen; morgen ist ja Sonntag, morgen ist ja Zeit dazu und am Montag bringst du sie zu Hage u. Co. erst wenn's dunkel wird, Kätchen, und durch den hintern Eingang; es brauchen ja nicht alle Leute zu sehen, daß-" Tante Mina stockte. Tante Mina stoďte sonst nicht oft. ber hier stockte sie dochy. Und fragend blidte Kätchen auf, Tante Mina sagte es immer: Sätchen", sagte sie, iß nicht zuviel nicht als ob ich's dir nicht gönnte der Himmel weiß, daß ich's dir gönne aber ich habe erst im Hufeland gelesen, ja im Hufeland, daß viel mehr Menschen am zu vielen Essen sterben als am zu ivenig Essen." Nein, nein, sterben wollte Kätchen nicht. Da aß sie lieber wenig, recht wenig. " Denn, siehst du", fuhr die Tante Mina fort, aufhören muß man doch zu essen, wenn's am besten schmedt jaja, wenn's am besten schmeckt das steht auch im Hufeland, mein Kätchen." Und so kam es, daß Kätchen immer, immer aufhörte, wenn's am besten schmeďte. Das heißt“, ergänzte sich die Tante Mina später, das heißt, bei der Arbeit ist das anders. Arbeiten kann man immer. Arbeiten ist gesund. Und viel arbeiten ist noch gesünder. Am gesündesten aber ist, auch dann zu arbeiten, wenn die Arbeit nicht mehr schmecken will. Dann gerade extra, Kätchen." Kätchen wurde rot. " Nun ja, Kätchen, ich will offen fein; du weißt ja, ich bin immer offen man kommt am weitesten damit und siehst du Stätchen, es gibt Leute, böse Leute, die gleich sagen würden, wir hätten es nicht nötig, Stickereien an Geschäfte zu verlaufen, ich, deine Tante, hätte Geld genug. Aber nicht wahr, Mätchen, so töricht bist du nicht? Du weißt sehr gut, daß Arbeit niemals schändet. Schon der alte Hufeland..." Hufeland, Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern", Davidis, Das praktische Kochbuch" und" Marlitt. Das Geheimnis der alten Mamsell", waren die einzigen Bücher, welche Tante Mina hatte. Siehst du, Kind", sagte sie, was brauch ich viele Bücher. Ich kenne ja das Leben, wie es ist. Und bu, was brauchst „ Aha, ich sehe, du verstehst mich, Kätchen. Ja, ich will offen du viele Bücher? Du lernst ja auch das Leben kennen burch sein zu dir, Kätchen, ganz offen. Gestern abend z. B. hast du um mich, jawohl, durch mich. Deine Schule hast du fa durchgemacht, halb neun Uhr plößlich aufgehört zu bügeln. Und warum? Weil wie sich's gehört. Du hast die Bildung, die dir zukommt du müde warst, wirst du sagen, Kind. Jaja, weil du müde warst. einem gutgesitteten Mädchen zukommt und die dich einmal fähig Siehst du, das ist gerade der Puntt, wo bei einem Mädchen wie machen wird, einem Haushalt jaja, Kätchen, einem Haushalt du der Wille einsetzen müßte. Der Wille: nein, jest will ich grad vorzustehen. Oder willst du etwa immer bei deiner Tante Mina noch weiter bügeln, bis alles fertig ist. Ich an deiner Stelle, bleiben, wie?" Nätchen, hätte das getan. Jaja, der Wille, Kätchen, der verlängert auch das Leben. Schon der berühmte Hufeland" die Kätchen fagte nichts. Sie fentte nur den Kopf. Nun, ich wußte es ja, daß du ein braves Mädchen bist. Ich Stätchen wurde blaß. Kätchen suchte nach einem Taschentuch. wußte ja, daß du es einsiehst;' s ist einfach deine Pflicht, jawohl, „ Aber kind, was hast du plöglich? Doch nicht etwa weinen? Sätchen, deine Pflicht, dir einen Haushalt zu schaffen, wenn es Das wäre noch schöner. Schau, ich meine es so gut mit dir. Oder Zeit ist. Und mir scheint, ätchen, es ist jetzt Zeit weißt du jemand auf der Welt, der's besser meint? Na, siehst du, Kätchen sah erschrocken die Tante Mina an. Kätchen. Und es ist ja nichts verloren, wenn du wenn du heute ,, Sieh, Kätchen, ich will offen sein mit dir ich bin immer abend dann das nachholst, Kätchen, was du gestern. offen, das weißt du ja. Daß meine Renten all die Zeit her, ha Und Kätchen holte es am Abend nach. Sogar gründlich holte es du bei mir warst, nicht gerade mehr geworden sind, nun, das Kätchen nach. Es war knapp vor zwölf Uhr, als das Bügeleisen verstehst du doch, mein Kind, nicht wahr? Aber hör mal, weinen nicht mehr über die weiße Wäsche dampfte. mußt du nicht, das würde deinen Teint verderben- das wäre Dafür fargte aber auch die Tante Mina nicht mit Anerkennung nicht gut für den Ball morgen abend, und was die Bälle betrifft am anderen Morgen. Siehst du, Mätchen", sagte sie, ich hab' cs fic foften übrigens ein Heidengeld, mein Kätchen was die Bälle ja gewußt, du bist ein prächtiges Mädchen. Nein, nein, Kätchen, betrifft, ich denke, du wirst besorgt sein, daß wir nicht mehr allau ich laffe auch nichts über dich kommen. Und wenn die Rechnungs. biele nötig haben." Krankreich und deutschlanö. Von unserem Pariser Korrespondenten. Die chauvinistische Stimmungsmache, die in Frankreich in den letzten Monaten merklich nachgelassen hatte, ist gerade in den letzten Tagen wieder heftiger geworden. Allerdings ist die Erkünstelung der Aufregung unverkennbar. Hat die Prehpolemik der deutschen und russischen Offiziösen den Anlaß geliefert, so ist es doch offenbar, daß die Alarmartikel und-telegramme vor allem der W a h l- Politik dienen, die Wählerschaft gegen die' sich zur Gegnerschaft gegen die dreijährige Dienstzeit bekennenden oder ihrer doch ver- dächtigen radikalen Parteien und die jetz'ge Regierung einnehmen sollen. Da sich die alldeutschen Hetzer natürlich hocherfreut aller scheinbar beweiskräftigen Dokumente der Haß- und Kriegsstim- mung des französischen Volkes bemächtigen, kommt ein kluges, kühl- sachliches und vom Mut zur Klarheit erfülltes Büchlein, das soeben unter dem Titel:„Der bewaffnete Friede und die e l sä s fische Frage in der Anschauung der neuen französischen Generatio ne n" bei Eugene Figuiere u. Cie. erschienen ist, im richtigen Augenblick heraus. Die Verfasser: Marcel Laurent, Philippe Norard und Alexandre M c r c c r e a u, sind keine bekannten Staatsmänner, keine Berühmtheiten der großen Presse und der in offizielle Wür- den eingerückten Hierarchie der Wissenschaft; sie sind auch keine Politiker von Berus, vermutlich nicht einmal Politiker aus Nei- gung. Der bekannteste von ihnen, Mercereau, genießt als Dichter, Kritiker und Propagandist der jungen Kunftbestrebungen im literarisch interessierten Publikum hohe Schätzung. freien. � Man kennt im bürgerlichen Deutschland vom französischen Geist hauptsächlich die Meinungen der jetzt in Parlament, Presse und Literatur in Führerstellungen stehenden Persönlichkeiten. Und in der letzten Zeit hat man unter den plötzlich emporschießenden Schriften, worin die Franzosen von heute Klarheit über sich selbst und über ihr Verhältnis zum Ausland zu finden suchen, vor- nehmlich noch die Aeußerungen des ganz jungen, recht lärmend und anmaßlich ausschreitenden Geschlechts beachtet, das in einem unter dem Autornamen„Agathon" veröffentlichten Buch einen brutalen Gewaltkultus verkündete. Die neue Schrift will nun die Meinungen der mittleren Generation feststellen, die noch nicht zur entscheidenden Rolle in der Leitung der nationalen Angelegenheiten gekommen, aber den leichtentzündlichen Leidenschaften einer un- erfahrenen, noch von keiner Verantwortung gezügelten Jugend entwachsen ist. Es handelt sich, wie die Verfasser sagen, um da§ Geschlecht, das zwischen 1875 und 1890 geboren ist, d. h. den Krieg nicht gesehen und an Stelle des alten sentimentalen, von Formeln bewegtem und romantischen Idealismus eine posivistische, wissen- schaftlich prüfende Denkmethode ausgebildet hat. Es ist die Schicht, die in den kommenden Jahren die Schicksale der Nation zu lenken haben wird. Wobei wir, zur Vermeidung von Irrtümern, klar- stellen möchten, daß die Verfasser den Kreis der Studierten im Auge haben— nicht die sogenannten„Intellektuellen" allein, sondern diejenigen, die aus den höheren Schulen in die verschie- densten Berufe eingetreten sind und in der Regel unter der Be- zeichnung als„Gebildete" zusammengefaßt werden. Also im ganzen das jüngere Geschlecht der bürgerlichen„Gebildeten". Man kann recht wohl die Meinung bestreiten, daß die Generation, die den Krieg nicht mehr erlebt hat, erst in der Zukunft größeren Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten bekommen werde. Sicherlich äst die französische Politik wie die französische Kultur von heute auffallend reich' an Persönlichkeiten, die ihre führende Rolle trotz ihres hohen Mers bewahren— wir nennen nur die Namen Clemenceau, Ribot, Combes, Anatole France. Rodin— und die prachtvolle Lebenskraft dieser Greise mag die Albernheit des alldeutschen Gefasels über den Verfall der französischen Rasse kennzeichnen— aber in der Demokratie kommen die Jungen verhältnismäßig früh zur Geltung. Die Deputiertenkammer z. B. hat einen sehr beträchtlichen Prozentsatz von Mitgliedern, die„den Krieg nicht gesehen" haben, und das gleiche kann von dem Personal der Verwaltung, der Presse, der liberalen Berufe gelten— namentlich wenn man das Geburtsjahr der jungen Generation etwas zurückrückt, da ja selbst jene, die etwa 1865 geboren find» doch kaum den Krieg„gesehen" haben. Wer schließlich handelt es sich nicht darum, ob 56, 66 oder 76 Proz. der jüngeren Generation die Meinungen der Verfasser teilen. Tie.Hauptsache ist, daß ein bedeutender Teil auch der Bourgeoisie, und gerade ihrer geistig entwickeltsten Kreise, der Kriegshetzerei und der fortgesetzten Aufpeitschung des Chauvinismus Und Kätchen war besorgt. Herr Piesak, der Ingenieur aus Böhmen, war erstaunt, daß Kätchen nun doch auf einmal alle Tänze mit ihm tanzte, die er früher immer vergeblich von ihr erbeten hatte. „Und siehst du, Kätchen," sagte die Tante Mina,„dieser Herr Piesak ist eine ganz vortreffliche Partie für dich. Gewiß, gewiß, er ist nicht schön. Aber Schönheit tut es nicht allein. Das weißt du selbst recht gut. Auch der alte Hufeland hat da irgend etwas gesagt über die Schönheit— ich kann mich nur nicht gleich darauf besinnen — nun, gleichviel, Kätchen, Herr Piesak ist der rechte Mann für dich. Ein vorzügliches GehaU hat er, pcnsionsberechtigt ist er auch. Und weißt du, was noch ein Vorzug von ihm ist? Er gibt gar nichts auf äußerliche Dinge. Siehst du, so soll ein Mann sein. Auf den Kern kommt eS an, auf den Kern, Kätchen. Hufeland sagt auch, daß..." Der Ingenieur gab wirtlich nichts auf äußerliche Dinge. Denn es war ihm auf Tante Minas Vorschlag durchaus recht ge° wesen, daß keine„Geschichten" gemacht würden bei der Hochzeit, Geschichten, die nur viel Geld kosten und keinen inneren Wert haben. Es war ihm ganz recht gewesen, daß eine Hochzeitsreise unterblieb.„Solch eine Hochzeitsreise ist glatte Firlefanzerei", hatte Tante Mina gesagt. Es war ihm ganz recht gewesen, daß sie in die Wohnung gegenüber von Tante Mina zogen. Und das war wirklich sehr vernünftig. Denn dieses Haus gegenüber gehörte ja o"ch Tante Mina, und gerade diese Wohnung hatte sie schon seit einem Vierteljahr nicht vermieten können. Da traf sich diese Hochzeit ganz vortrefflich. Und auch damit war der Ingenieur Piesak einverstanden, daß hie Hochzeit am Dreizigsten stattfand. Denn von jetzt ab mußte doch die Tante Mina ein Mädchen haben an Stelle Kätchens— das ging nun nicht anders, nicht wahr?— und dieses Mädchen trat am Ersten ein. So machte sich alles ganz von selbst und ohne Störung. Ohne Störung verlief auch die ganze Hochzeit. Tante Mina sagte, Kätchen würde sich's nicht nehmen lassen, auch das HochzeirS- mahl gleich nach der Trauung am frühen Morgen selbst zu bereiten. ES ging alleS wie am Schnürchen. So ein Brautkleid, so ein einfaches, ist im Hui wieder ausgezogen und durch das Haus- ttcid ersetzt. Und wie die Rechnungsrätin an der Türe läutete— Tante Mina hatte außer der Rechnungsrätin niemand eingeladen, weil sie außer ihr keine wirkliche Freundin hafte am Orte, sagte sie — also wie die Rechnungsrätin läutete, da schlüpfte Kätchen wieder in das Brautgewand. entschieden überdvüssig ist, und daß das Bewußtsein, daß eine Ver- ständigung Frankreichs mit Deutschland eine Kulturnotwendigkeit ist, durch keinen Presselärm zu betäuben ist. Der Schrift ist ein Manifest vorangestellt, das über 76 Unterschriften trägt. Es sind Leute, deren staatlicher Würdegrad in den wenigsten Fällen den des Mittelschulprofessors überragt. Ein großer Teil zeichnet einfach als„Schriftsteller", einige sind sogar erst Studenten. Auch mehrere bildende Künstler haben unter- schrieben. Von bekannteren Namen nennen wir den Dichter Nicolas Beauduin, Direktor der vierteljährlich heraus- gegebenen„Vie des Lettres", einer wertvollen Anthologie der dem Leben zugewandten Literatur; den Bauern und Dichter Guil- lau min, Verfasser des Romans„Das Leben eines> schlichten Mannes"; Henri G u i I b e a u x, der vor kurzem eine Auswahl moderner deutscher Dichtung übersetzt herausgegeben hat. Wir bemerken ausdrücklich, es ist nicht eine Kundgebung von Sozialiften. Das kommt schon in der Bedeutung zum Aus- druck, die das Manifest dem Kolonialbesitz Frankreichs ftir die Richtung seiner Politik zuschreibt. Vielmehr wird es dadurch gekennzeichnet, daß es die konsequente Fortsetzung jener leiden- schaftslosen, auf die kapitalistische Expansion gerichteten Politik Jules Ferchs fordert, die seinerzeit vom kleinbürgerlichen Chan- vinismus des Clemenceauschen Radikalismus zu Fall gebracht worden ist, und sich heute sonderbarerweise wieder in einem radi- kalen Ministerium schüchtern hervortraut. Es ist auch charakte- ristisch, daß sie weit weniger mit Gemütsmomenten operiert als die vulgär-demokratische Argumentation Gustav H c r v e s, der vermutlich gar nicht erbaut davon sein wird, daß die jungen Bour- geois den Ausgleich mit Deutschland ohne Revision der europäi- schen Landkarte ins Auge fassen. Sie sind wohl Ideologen, weil sie die wirtschaftlichen Quellen des Imperialismus und auch der chauvinistischen Ideologie nicht genügend beachten, und etwas zu sehr auf die gefchichlliche Macht der Vernunft vertrauen; aber sie sind in ihren Friedenspredigten und-Vorschlägen doch erheblich über die humanitäre Phrase des landläufigen Pazifismus hinaus. Das Manifest faßt die Ideen des Buches in folgenden Haupt- gedanken zusammen: Die Verstärkung der Rüstungen muß, wenn sie weiter fortschreitet, den Krieg als Befreiung von der unerträg- lichen Last des bewaffneten Friedens erscheinen lassen. Frankreich ist sicher, seine Weftmachtstellung zu behaupten, wenn es sein Kolonialreich bewahrt und fruchtbringend macht; aber es bringt diese Stellung in Gefahr, wenn infolge eines unglücklichen Krieges sein Handel, seine Industrie und seine Kriegsmacht zu Lande und zur See sich nicht mehr auf die volle Ausnützung der kolonialen Besitzungen stützen können. Frankreich braucht keine neuen Kolo- nien mehr, aber es muß seinen jetzigen Besitz wahren. Das sicherste Mittel zur Wahrung des Friedens und der Kolonien ist eine Politik des Friedens und der Entspannung namentlich mit Deutsch- land, die nicht den geringsten Verzicht auf nationale Würde be- deutet. Für Deutschland wäre der Einsatz im Kriegsfalle geringer, daher ein Krieg mit ihm ein ungleiches Spiel. Die Vernunft also wie die Humanität gebieten die Friedenspolitik. Die deutsch-fran- zösische Annäherung ist der Schlüssel zur allgemeinen Vertrags- mäßigen Abrüstung. Die Bevölkerung Elsatz-Lothringens lehnt den Gedanken eines Krieges ab; sie wünscht die Annäherung, ja das Bündnis zwischen Frankreich und Deutschland. Sic selbst hält die Rückstellung der zwei Provinzen an Frankreich nicht mehr für möglich und konzentriert ihre Bestrebungen auf die Erlangung der Autonomie innerhalb des Reiches. Darum erklären die Unter- zeichner, daß Frankreich, gemäß dem. den tjflfaB-�othringexn nach dem Krieg gegebenen Wort, keinen anderen Wunsch haben darf, als die von den Elsässern selbst gewählte Politik zu unterstützen. Die Politik der Entspannung allein, kann sie fördern.' Es. ist die Pflicht aller klarsichtigen Franzofen, öffentlich und mit Entschieden- heit zu erklären, daß die Hoffnung auf Rückkehr der zwei Pro- vinzen zu Frankreich ein unftuchtbares Ideal ist. Tie Spannung zwischen Frankreich und Teutschland kommt fast ebenso sehr von Grundirrtümern der französischen Politik wie von gewissen Un- geschicklichkeiten der deutschen Regierung. Die eigensinnige Politik, die Frankreich seit 15 Jahren treibt, indem eS Deutschland auf allen Punkten der Erdkugel in die Quere kommt, ist unftuchtbar und gefährlich. Tie Verminderung der Lasten des bewaffneten Friedens, die jede soziale Roform von Bedeutung hindern, ist em europäisches Interesse. Darum soll Frankreich die Entspannungs- und Annäherungspolitik gegenüber Teutschland, die Ferry 1886 begonnen und Freycinet und Hanotaux 15 Jahre fortgesetzt haben, wieder aufnehmen, die Annäherung der zwei Bündnisgruppcn vorbereiten und die Initiative zu einem Abrüstungsvorschlag er- greifen. Und auch das ließ sich Kätchen nicht nehmen, hatte Tante Mina gesagt, selbst das Essen aufzutragen, als der Herr Ingenieur Piesak mit seinem Freund erschienen war. Dieser Freund war ein wenig unbeholfen, das ist richtig. Aber das hatte er doch gesagt, daß ihm das Essen ausgezeichnet schmeckte. Und auch die Rech- nungSrätin hatte genickt dazu. Und der Ingenieur Piesak hätte deshalb beinahe seiner jungen Frau einen Kuß gegeben, weil-sie so gut kochen konnte. Aber er hatte sich noch im rechten Augenblick darauf besonnen, daß er aus solche äußeren Tinge gar nichts gebe. Und dann war das Mahl vorüber. Tie Rechnungsrätin und der Freund von dem Ingenieur Piesak waren gegangen. Da sagte der Herr Piesak:„So, Kätchen, so— nun könnten wir hinüber- gehen—" Wer da ist der Tante Mina noch etwas eingefallen:„Weißt du, Kätchen", sagte sie,„wenn dein Mann nichts dagegen hat, dann könntest du noch ein bißchen aufräumen mit dem Geschirr— du weißt ja, das Mädchen kommt erst morgen." Und der Herr Ingenieur Piesak hatte wirklich nichts dagegen. So daß also Kätchen in aller Ruhe noch alles abtragen konnte, abspülen konnte, alles wieder blitzblank machen konnte wie seit so vielen, vielen Jahren jeden Tag. Und das muß ich auch noch sagen, dafür gab ihr die Tante Mina noch einen Extrakuß.„Jaja, das Kätchen", sagte sie,„ich Hab' eS ja gewußt, mein lieber Schwiegersohn, das Kätchen bleibt bis zum letzten Augenblick, wozu ich sie erzogen habe all die vielen Jahre lang. Und waö dem Menschen einmal zur zweiten Natur geworden ist, sagte Hufeland, das..." Endlich war es dunkel geworden. Und da gingen sie hinüber. Von einem Haus ins andere. An der Tür aber fiel's Herrn Piesak ein:„Entschuldige, Kätchen", sagte er,„entschuldige, ich habe ganz vergessen, mir vom Bureau die Zeichnung mitzunehmen, die ich morgen und übermorgen fertig machen wollte während meines Urlaubs— nicht wahr, du bist nicht böse— du gehst einst- wellen allein hinauf und machst es mir— und machst es mir ein wenig gemütlich— in einer kleinen halben Stunde bin ich wieder da." Dann war er ohne Ueberhastung die Straße hinausgegangen. Und als er wiederkam— ja, alS er wiederkam, da war eben das Unbegreifliche geschehen, da war— der Knacks in Kätchens Leben eingetreten, der unbegreifliche Knacks. Oder war eS vielleicht nicht unbegreiflich, war ei nicht gegen alles menschliche Empfinden, daß der Ingenieur Piesak bei seiner Rückkehr die Wohnung leer fand? Daß seine eben angetraute Wir haben dieses Programm so ausführlich wiedergegeben, nicht weil es neue Gedanken enthält— man findet sie teils schon in der bürgerlichen Presse, teils in der Berner Resolution und am entschiedensten in den verschiedenen Kundgebungen der sozio- listischen Partei ausgesprochen—, sondern weil seine Sprache der Ausdruck jener Kühnheit ist, die zu den höchsten Vorzügen des fran- zösischen Geistes gehört. Mögen die Unterzeichner auch überzeugt sein, im Namen der Mehrheit ihrer Altersgenossen zu sprechen, so wissen sie doch sicher auch sehr gut. in welche Gefahr der Verleum- dung, Beschimpfung, Denunziation und Aechtung sie sich begeben haben. Man erinnere sich doch nur an das Kesseltreiben gegen Herve— den Herve der„antipatrwtischen" Epochel Und bei Hervc konnte man doch nur ein paar Kraftphrafen aufspießen, nicht eine kalle Absage an den nationalistischen Mythus finden. Eben darum, weil eine Kundgebung, wie die des besprochenen Buches, im bürgerlichen Deutschland kein Echo trifft, werden es vermutlich auch sonst wohlmeinende Leute in Frankreich kops- wackelnd als„nicht politisch" erklären.»Es mag auch richtig sein, daß die Verfasser bei Aufstellung ihres Entspannungsprogramms den deutschen Faktor nicht in Betracht gezogen haben: die annähe- rungsfeindliche Macht der Junker und Rüstungsprofitler, den Welt- eroberungsdusel der Studiosen und Oberlehrer. Aber die beste nationale Politik ist nicht die, die immer nur mißtrauisch und ängstlich auf den Nachbar, sondern die vor allem auf die Bedürf» nisse und Hoffnungen der Nation selbst blickt! Eine die Kräfte des Volkes entfesselnde innere Politik findet auch nach außen Würde und imponierende Größe. Der juristische Sprechsaal. Eine Plauderei von Sepp Oerie r. Neulich hatte ich auf einen Bekannten zu warten und da es regnete, trat ich in eine nahegelegene Wirtschaft. Auf meinem Tisch lag eine Zeitung. Ich nahm sie. Es war ein Ordnungs- blatt, ein Blatt, das wacker streitet für deutsche Zucht und Ordnung, für Thron und Zfttar, und das deshalb den Sozialdemokraten spinne- feind ist. Der Leserkreis des Blattes besteht aus guten Staatsbürgern, Beamten, braven Geschäftsleuten— kurz aus Leuten, die stets dazu begeistert sind, Hurra zu rufen und im übrigen den Mund zu halten. Sonst sind sie für Zucht und Ordnung, Ehrbarkeit und gute Sitte. Das hinderte mich aber nicht, den Versuch zu machen, diesen guten Ordnungsleuten immer wieder hinter die vorgc- nommene Maske zu schauen. Man kann das leicht. Die Leser eines jeden Blattes demaskieren sich an gewissen Stellen ihres LeibblatteS, und man hat das Vergnügen ihnen recht tief in das Herz hineinzublicken, wenn man diese Stellen nachschlägt. Tie geeignetste Stelle, die Leser eines Blattes, ihren Geist und ihr inneres Wesen kennen zu lernen, ist der juristische Sprechsaal. Er erzählt ganze Geschichten, läßt uns die Herzen und Nieren der Fragesteller prüfen und enthüllt uns ihr innerstes Wesen und Denken. Ich schlug daher in dem Blatte— ich tue das immer— zuerst den juristischen Sprechfaul auf. Zuerst fiel mir folgende Antwort ins Auge: E. L. 12. Sie haben die gesetzliche Untcrhaltungspflicht gegen Ihre Mutter. Bei Ihrem Gehalte und Ihrer Stellung ist der festgesetzte Betrag von 15 M. monatlich nicht zu hoch bemessen. Sie dürften durch richterliche Entscheidung eine Herabsetzung dieses Betrages nicht erreichen. Ist das nicht eine ganze Äebensgefchichte? Der Sohn Be- amter, in guter Stellung und mit gutem Gehalt. Wie hat viel- leicht die Mutter gedarbt, um ihn dazu werden zu lassen! Sie ist nun arm, ist wahrscheinlich der Gemeinde zur Last gefallen. Diese verlangt von dem Sohne einen Unterhaltungsbeitrag von 15 M. monatlich für die Mutter. Und der Sohn— er erkundigt sich in seinem Leibblatt, ob er nicht durch gerichtliche Entscheidung von einer Unterstützung seiner Mutter ganz frei kommen könne oder ob diese 15 M. monatlich für seine Mutter nicht zu viel wären.— Im öffentlichen Leben aber ist dieser Beamte eine OrdnungS- stütze und verteidigt deutsche Zucht und Sitte. Hausbesiyer. Ter Dsicter braucht wegen seines kranken Kindes die Wohnung nicht zu räumen. Liegt eine ansteckende Krankheit vor, so können Sie allerdings die Ueberführung des Kindes in eine Anstalt verlangen. Schadenersatz kann der Ver- Mieter nicht beanspruchen, wenn der Mieter oder eines seiner Familienmitglieder in der Wohnung stirbt. Tos totkranke Tier findet eine Höble oder eine Stätte, wo es verenden kann. Ter biedere Hausbesitzer aber denkt anders. junge Frau mit einem kleinen Geldbetrag, den sie noch von den letzten abgelieferten Stickereien für Hage u. Co. in der Tasche hatte, daß sie mit diesem Geldbetrag durchgebrannt war, einfach durchgebrannt? Wohin? Kein Mensch hat das je erfahren. Vielleicht, daß sie bald darauf gestorben und verdorben ist— ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß der Ingenieur Piesak mit Recht bedauert wurde. Ich weiß nur, daß man bei der Tante Mina Kondolenz» besuche machte; sogar Frauen, die sonst nicht zu ihren Freundinnen zählten, machten Kondolenzbesuche. Ich weiß nur, daß man mit allgemeiner Teilnahme nickte, als die Tante Mina sagte:„Ja, und denken Sie, denken Sie— all die viele Mühe für eine ordentliche Erziehung ganz umsonst— all das schöne Geld zum Fenster hin- ausgeworfen." Und es waren echte Tränen, welche Tante Mina diesmal vergoß. Hut ab! So war des Mannes und war ihr Geschick! Am Morgen ging er heil in die Fabrik. Vor Mittag noch kippt eine Schiene um und schlägt den Mann zum Krüppel, lahm und krumm. Nun liegt er kraft- und sinnlos auf der Äaut, indes die Frau nach Brot und Arbeit schaut. Vier kleine Kinder, einen siechen Mann— Wie das ein schwaches Weib nur schaffen kann? Doch ob die Dächer weiß, die Bäume grün, sie wäscht und putzt, bis spät die Sterne glühn. Tagaus, tagein— und stets die gleiche Äatz, nur selten Zeit zu einem kleinen Schwatz. Dies Leben währt schon an die sieben Jahr; kaum weiß sie noch, daß es je anders war. Viel mehr entbehrt sie in der großen Stadt, als aller Reichtum zu vergeben hat. Mir aber zwingt die Kände an de» Äut, was diese Äeldin in der Stille tut. Kmi»rig,«. (5r möchte zu gern ein armes sterbenskrankes Menschenkind auf die Strohe setzen und berechnet, wenn ihm da» nicht gelingen sollte, wieviel Mark er aus dem Todesfall herausklagen kann. Der Be- scheid im juristischen Sprechsaal ist ihm ungünstig. Wutentbrannt wird er wahrscheinlich das Blatt für Zucht und Ordnung abbestellen und ein noch ordnungstüchtigeres abonnieren.— B. K. 211. Wenn Ihr Sohn den Beweis erbringt, daß auch S-ie— dann wird Ihr frühere» Dienstmädchen mit Ihrer Klage gegen Ihren Sohn abgewiesen. Ein liebliche» Familienidyll enthüllt diese Antwort. Vater und Sohn——. Das Dienstmädchen— diese Person— ist natürlich schon längst aus dem ehrbaren Hause hinausgeflogen. Wer Folgen machten sich bemerkbar. Ein Kind ist da. Ter Sohn soll zahlen. Doch mutig springt der Vater in die Bresche. Vorsichts- balber frägt er aber zuerst bei seinem Leibblatte, dem Blatt der sittenernsten Bürger, an. Die Antwort ist günstig. Vor Gericht wird der Vater seinen rettenden Eid für Sohn und Geldbeutel leisten. Die Klage des sittenlosen und verdorbenen Mädchens wird abgewiesen. Voll Verachtung gegen diese Person gehen Bater und Sohn nach Hause.??och auf dem Sterbebette wird der Vater dem Sohne ein treue» Festhalten an seinem Leibblatte empfehlen und ihn bitten, jederzeit für Zucht und Ordnung einzutreten, die besonders von dem roten Feind im Lande bedrängt werden.— Malthus. Das dritte Kind ist kein Scheidungsgrund, ausgenommen Sie sind nicht der Vater Ich wette Hundert gegen Eins, der Fragesteller ist im ösfent- lichen Leben ein tüchtiger Patriot. Sein Herz bebt vor heiligem Zorn, wenn er in seinem Leibblatt liest, daß die Geburtenzahl im Reiche zurückgeht und dadurch die Wehrkraft des Volkes be- schränkt wird. Doch von seiner Frau, die— schrecklich— nun schon das dritte Kind bekommt, will er los. Kinderkriegen ist etwas für den Pöbel; nicht für den ordnungsliebenden Staatsbürger.— A. 52. Es steht Ihnen frei, ein Entmündigungsverfahren gegen Ihren Vater zu beantragen. Ob aber das Gericht in der Tatsache, daß Ihr Baier sich wieder verehelichen will, einen ge- nügenden Grund zur Entmündigung erblickt, erscheint äußerst zweifelhaft. Der gute Sohlt fürchtet um sein Erbe. Schnell frägt er an, ob er seinen Vater entmündigen lassen könne. Der Vater fflhlt sich körperlich noch rüstig genug, um wieder zu heiraten. Das muß der Sohn verhindern. Zu was sind die Gerichts da. Der Alte ist geistesschwach, wenn er das Erbe seines Sohnes schwächen will durch eine Wiederverhciratung mit ihren Folgen. Leider muh ihm sein Leibblatt eine Antwort geben, die ihn nicht ermuntert. Wird er den Versuch machen? Es ist nicht sicher. Sicher aber ist: Er wird Beifall zollen, wenn sein Blatt den schönen Satz schreibt: »Tie Autorität muß ausrecht erhalten werden, die Autorität der Eltern, der geistlichen und weltlichen Obrigkeit und die Autorität der Gesetze."— Pcrcat. Das Arbeiterrecht, das sich herausgebildet hat, iit nicht entstanden aus einem sittlichen Reckitsanspruch heraus. Es wurde durch den Terrorismus und den Zwang, den eine frech gewordene Klasse ausübt. ES ist mithin nur ein Notgesctz, um schlimmeres zu verhüten. Unserer Meinung nach wäre es besser gewesen, den unberechtigten Forderungen der Arbeiter die ent- schlossene und doch besonnene Autorität der Staatsgewalt ent- gegenzusetzen. Wir können Ihnen keinen Rat geben. Es kommt darauf an, ob Sie Richter finden, die wissen, daß der Zweck aller Justiz sein muß, die Autorität und die bestehende Ordnung zu erhalten. Was der Pereat-Frager— pereat bedeutet: nieder mit ihm! — gefragt hat, läßt sich zwischen den Zeilen lesen. Er wird ge- fragt haben: Wie breche ich Arbeiterrecht? Die Antwort dieses Blattes für Thron und Altar, für Gesetz und Recht ist klar und unzweideutig. Sie braucht keinen Kommentar.— Lächelnd lege ich die Zeitung weg. Ich habe einen tiefen Blick in den Geist und das Wesen der Leser dieses Blatte» getan und einen ebenso tiefen Blick in den Geist des Blattes selbst. Sage mir, wer dich liest, und ich sage dir, wer du bist. Tic Leser sind ihres Blattes würdig, und das Blatt seiner Leser. Und zu- sammen sind sie würdig, für eine Ordnung und Zucht, für eine Gesellschaft und deren Zustände, die nichtswürdig sind, zu kämpfen. das Sexualproblem öer Jugenö. In der deutschen Studentenschaft regt sich neues Leben. In die dumpfe Stickluft von Tabaksrauch und Alkoholdunst, die jähr- zehntelang die deutschen Universitäten umnebelte, fegt von vor- schiedenen Seiten her ein hoffnungsfrohcs Lüftchen edleren und wertvolleren studentischen Tuns. Dem selbstgefälligen Strebertum, der schwarzweißroten Ideologie der Karriereschnaufer, dein faulen Das Kreisblatt. Was ist ein Kreisblatt? Beginnen wir mit dem Wichtigsten. Das Kreisblatt ist in erster Linie ein Organ, in dem gut ent- wickelte Ferkel zum Verkauf angezeigt werden. Man erfährt hier ferner, daß der berühmte Deckhengst„Gloria" für fünfzig Mark in fruchtbare Tätigkeit tritt, wohingegen, wenn er sich nur ein erfolgloses Vergnügen macht, zehn Mark zu entrichten sind. Es ist auch nicht richtig, was manche Leute behaupten, daß sich auf dieser Eselswiese das Leben beschaulich und ohne alle Emo- tionen abwickelt. Ich beobachtete erst in den letzten Tagen einen hochdrcnnatischen Kampf zwischen besten, allerbesten und herrlichsten Kunstbuttersorten, die sämtlich von fetter Sahne trieften, und er- fuhr mit Staunen und Bewunderung, daß man sich mittels der verschwenderisch ausgestreuten Rabattmarken eine ganze Küchen- einrichtung gratis zusammenbuttern könne. Aber neben dem dra- matischen fehlt auch das rührende Element nicht. Herr Müller aus Zwetschgendorf gibt zum Beispiel bekannt, daß er sich eines Wasser- stiefels väterlich angenommen habe, der einsam und verlassen auf der Landstraße stand und allein nicht heimfinden konnte. Herr Müller will ihn dem Verlierer gegen Erstattung der Jnsertions- kosten ausliefern und fügt, weil das dann in einem bezahlt wird, hinzu, daß er einen Heuhaufen und eine Egge zu verkaufen habe. Es werden natürlich auch Hühnerhunde, Kaninchen, Tapeten, Salz- Heringe, Brustkaramellen und so weiter angepriesen, womit auf die Reichhaltigkeit des Kreisblattes hingedeutet sei. Und es ist nicht uninteressant, zu lesen, daß Frau Lehmann eine böswillige Be- leidigung reuevoll zurücknimmt und„sie" gleichzeitig für höchst ehrenhaft erklärt. Ucberhaupt scheint es unter den Kreisblattlesern auch weniger harmlose Gemüter zu geben; denn Herr Meier ver- kündet„allen geflügelbesitzenden Nachbarn zur Warnung" und mit drohenden Worten, daß er auf seinem Grundstück Giftll! gestreut habe. In die dunklen Abgründe sonst in erster Linie großstädtischer Verbrechen und detektivischer Gerissenheit aber führt jene Anzeige von dem Damenjackett, das auf einem Kriegerball spurlos ver- schwand.„Wenn die Person sich nicht innerhalb drei Tagen meldet, wird Anzeige erstattet, da sie erkannt ist!!!" Hoffentlich kommt sie zur Einsicht. Es ist nicht ganz unrichtig, zu sagen, daß das Kreisblatt auch einen textlichen Teil habe,«o findet man in dem lokalen Teil häufig so aufregende Mitteilungen wie die, daß der Postassistent Krüger von Oberftrammwitz nach Niederstrammwitz versetzt worden Herumlottern auf Kosten väterlicher Staats- und Börsenpapiere tritt neuerdings— in bescheidenen Anfängen noch, aber erkennbar! — der ernste Wille zum Studium um des Studiums willen, ein reges soziales Empfinden und der Versuch praktischer Mitarbeit in öffentlichen und privaten Organisationen der Gesellschaft entgegen. Und das an vielen Orten zugleich und ohne unmittelbare Ver- Bindung miteinander! Gerade darin darf man eine besonders starke Bürgschaft für den Ernst dieser neuen Ansätze und Keime erblicken, daß sie weder von irgendeiner überlieferten Autorität mit allem verfügbaren Druck von oben her in die Studentenschaft hinein- getragen worden sind, noch als Ergebnis pompöser Aufrufe mit den obligaten Unterschriften titelreichcr Männer und Frauen Plötz- lich überall als reklamehaste Modesache austauchen. In die breite Oeffentlichkeit dringt nur wenig von diesem neuen Ringen. Dazu ist es zu sporadisch und in seiner Betätigung noch zu verschieden- artig und unsicher. Es tastet erst überall nach den richtigen Wegen und den richtigen Methoden. Einzelne Sucher finden sich mehr zufällig als absichtlich zusammen und bilden eine kleine, aber eifrige Diskussions- und Arbeitsgemeinschaft. Die einen suchen in den studentischen Arbeiterunterrichtskursen ein Feld ihrer Betätigung; andere wollen in unmittelbarem Zu- sammenwohnen mit Arbeitern deren Gedanken- und Gefühlswelt kennen lernen und dabei zugleich die Arbeiter an ihrem Borteil der besseren formalen Bildung teilnehmen lassen und durch Woh- nungskultur und künstlerische Ratschläge anregend wirken; wieder andere beschränken sich auf akademische Erörterung sozialer Theorie| und Praxis; noch andere bemühen sich auf sonstigen Wegen gesell- schastlicher Regeneration ihren Studentenjahren mehr Inhalt und Tiefe und nachhaltigere Erinnerungskraft für daß spätere Leben zu geben. Nicht alles ist richtig, manches ist sogar falsch und bedenklich. Aber der gute Wille und der Ernst der oft nicht bequemen Be- tätigung dieses Willens verdient Anerkennung. Er erhebt sich turmhoch über die wüsten Orgien studentischen Kraftüberflusses, die nach Herkommen und Silte einen erheblichen Bruchteil der Studien- jähre ausmachen. Eine ebenso schwierige wie wichtige Frage des Studentenlebens behandelt in einem kürzlich bei Eugen Drederichs in Jena erschienenen Schristchen der Student Eduard Heimann:„Das Sexualproblem der Jugend" nennt er sein ehrliches Selbstbekenntnis, durch das er Freunde und Mitkämpfer für eine Veredelung des Sexuallebens der Studenten werben will. Der Titel des Schriftchens entspricht dem Inhalt nur in bedingter Form. Man erwartet eine Darlegung sozialer, ethischer und hygienischer Faktoren, eine Behandlung des komplizierten Problems vom Grunde aus; aber der Leser findet statt dessen eine geistvoll und begeiste- rungsvoll durchgeführte Begründung einer einzelnen Forderung, der Forderung grundsätzlicher vorehelicher Keuschheit des Mannes, besonders des Akademikers. Eduard Heimann ist darum kein Sitten- und Splitterrichter und noch weniger ein griesgrämiger und altkluger Weiberfeind. Nur die vollste Hochachtung vor der Frau als Kameradin, Lebens- gefährtin und Mutter führt ihn zu seiner strengen Forderung. Wie alle jungen Männer, die im elterlichen Hause in innigster Per- ehrung der Mutter und in Erfüllung ritterlicher Pflichten gegen die Schwestern erzogen worden sind, in ihrem vorehelichen Sexual- leben die schwersten inneren Kämpfe durchmachen, so hrt auch Hei- mann allem Anscheine diese Kämpfe erlebt und sie für sich zunächst im Sinne strengster sexueller Abstinenz entschieden. Dazu kommt ein Neues. Während früher von rückständigen Eiferern gegen die Zulassung der Frauen zum Untversitätsstudium die Gefahr der sittlichen Verwilderung von Studenten und Studen- tinnen an die Wand gemalt wurde, scheint sich für ernstere Eharak- tere auS dem gemeinsamen Studium gerade die umgekehrte Folge zu ergeben. Heimann schreibt:„Tatsache ist jedenfalls, daß mit dem Einzug der Frauen in die Universttät der Beginn von etwas Neuartigem zusammenfällt: eine bisher unbekannte und darum älteren Leuten vielfach bedenkliche enge Kameradschaftlichkeit zwi- schen den Geschlechtern, eine steigende Wertschätzung der Frauen bei den jungen Männern und als unmittelbare Wirkung hiervon eine rigorose Tendenz zu sexueller Abstinenz vor der Ehe... Je enger aber dieser kameradschaftliche Umgang, je tiefer die gegen- seitige Kenntnis, je inniger das freundschaftliche Vertrauen, desto mehr drängt sich den jungen Männern die Forderung der Keuschheit als eine strikte Notwendigkeit auf; denn, wie die Motivation durch- gängig lautet:„Sonst müßte ich mich ja vor diesen Mädchen schämen!" Am unbequemsten ist für Heimann der medizinische Einwand, mit dem er auch nicht restlos fertig wird. Daß die strenge Jnne- hallung der Keuschheit in den Iahren stärksten sexuellen Garens sei— zum Bedauern der Oberstrammwitzer, die in ihm einen leutseligen Beamten verehrt hätten. Oder daß der Schimmel des Fuhrherrn Heuer neulich beinahe ein Bein gebrochen hätte, weil er mit dem Huf in ein Straßenloch geriet. Oder daß dem Wege- arbeiter Langheinrich nach fünfzigjähriger Tätigkeit auf Aller- höchsten Befehl das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen wurde. (Vom Kronenorden an werden solche Mitteilungen im Druck hervor- gehoben.) An der Spitze des Kreisblattes stehen die amtlichen Bekannt- machungen, die besonders von den Apothekern gehaßt werden, weil sie dem Absatz von Schlafmitteln hinderlich sind. Tann kommt der humoristische Teil, der mit„Politik" über- schrieben ist. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, täglich festzustellen, daß die Welt, die bekanntlich von den Hohenzollern und den Landräten im Lot gehalten wird, durchaus einwandfrei eingerichtet ist; daß alle Regierenden und besonders die Landräte sich in übermenschlicher Selbstverleugnung und mit dem Aufwände beispielloser Weisheit für die Leser aufopfern, und überhaupt: daß diese Leser dämliche Untertanen sind. Tics ist auch der Grund, weshalb sie die behördlichen Subventionen für das Kreisblatt in ihren Steuern mitbezahlen dürfen. Wer sich darüber oder wer sich überhaupt ärgert, ist ein Sozialdemokrat. Von diesem Sozialdemokraten steht ein Modell in der Re- daktionsstube: ein dreckiger, versoffener Kerl mit Ballonmütze, rotem Taschentuch, Ziegenhainer und Schnapsbuddel, der entweder Gotteslästerungen oder MajcstätSbeleidigungen von sich gibt, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, in großer Heimtücke Bomben unter die Throne zu schieben. Es ist zwar schon ein wenig alt und verstaubt, dies Modell, Gott ja. Aber ein besseres ist noch nicht er- funden, und der Herr Landrat ist überhaupt kein Freund von Neuerungen. Und wenn man es den verehrten Lesern und den lieben Leserinnen immer wieder, immer wieder vorführt, stellen sich die Ergebnisse einer Zwangshypnose ein. Ueberhaupt ist es ja die wesentlichste Aufgabe eines KreiSblaiteS, an der bestehenden Ordnung nicht rütteln zu lassen, vielmehr sie mit allen Mitteln zu stützen. Deshalb füllt es seine Textspalten vor allem mit militä- rischen und höftschen Tingen und schleimt jeden Würdenträger an. Das war schon immer so und bleibt so. Und vielleicht heißt das Kreisblatt nur deshalb so, weil es sich ewig im alten Kreise dreht. Aber halten muß man es doch. Erstens wegen der Ferkel und so. Und dann auch für die Hausapotheke: als Brechmittel. Tic. zu ernsten nervösen Störungen führt, will er den vielen und ernsten ärztlichen Bekundungen gegenüber nicht bestreiten, aber er hilft sich mit der gewaltsamen Logik, daß„Gesundheit zwar ein sehr wich- tigcs Mittel, aber darum noch lange nicht der Zweck des Lebens ist," und durch die nicht minder gewaltsame H>ipothese:„Wer sich und fein Erleben durch Keuschheit steigert, wird vielleicht weniger leisten als mancher andere, aber besseres." Auch dem Verfasser kommt es im gewollten und scharf betonten Gegensatz zur moralischen Duckmäuserei gerade auf daS stärkste sexuelle Erleben an, das er aber nur von der Einehe bei vorher- gegangener strengster vorehelicher Keuschheit erwartet:„Denn ein köstliche» Gut ist die Keuschheit, die sich auft'part, um die Weibe einer großen Stunde zu vermehren." Er ist aber ehrlich genug, selbst die Fälle wenigstens anzudeuten, in denen auch, entgegen seiner Behauptung.„Unkeuschheit" und außerehetiche Verbindung zum stärksten seelischen Erleben führen könne: bei Künstlern will er toleranter sein, weil bei ihnen auch durch die Wiederholung das Erleben nicht abgestumpft werde, Goethe wird deshalb auch von ihm mit anderem Maß gemessen. Aber gerade mit der Zulassung dieser Ausnahme entwertet er seine übrigen Deduktionen. Tie Künstler sind nicht eine so streng abgeschlossene Menschengattung, daß man für sie besondere Moral- und Sexualgesetze aufstellen darf. Wir sind gerade gegenwärtig drauf und dran, durch die Reform der Erziehung das Künstlerische in jedem Nienschen zu wecken, ohne daß eS bei jedem einzelnen zu künstlerischer Tat kräftig genug zu werden braucht. Aber künft- i lerische Anlagen sind in jedem Menschen mehr oder weniger vor- Händen, also gegebenenfalls mehr oder weniger auch das von Hei- mann dem Künstler zugeschriebene besondere Sexualempfiltden. In der strengen Forderung zeitlicher sexualer Askese liegt nicht das Interessante des Heimannschen Büchleins, auch nicht in seiner Begründung. Was das Buch aber zu einem sympathischen Beitrag der modernen studentischen Literatur macht, daS ist der Geist, aus dem heraus es entstanden ist; das ist die Tapferkeit und Offenheit, mit der ein Jüngling für eine These eintritt, von der er von vornherein wissen mußte, daß sie seine Kommilitonen fast ausnahmslos ablehnen, wenige mit Ernst und Sachlichkeit, die meisten mit höhnsicher Besserwisserei und faulen Witzen; das ist endlich auch die Stärke der Selbstüberwindung, die sich in der Innehaltung eines derartigen freiwilligen Gebots äußert. Denn Heimann gibt zum Schluß zu verstehen, daß ihm und seinen Mitkämpfern ihre Art. das Leben einzurichten, oft schwer genug werde und daß mancher von ihnen besiegt dahinsinke. Aber man dürfe nicht jammern, denn man kämpft für eine gute Sache: „für die Ehrfurcht vor den Frauen, für die Heiligkeit der Liebe, für die Größe des Lebens". H. Lest. vom Jahrmarkt öes Lebens. RuWfch frisierte Weltgeschichte. Einzelnen Lehrbüchern für preußische Volksschulen merkt man an, daß ihre Verfasser Eewissensskrupel empfanden, wie sie sich über unangenehme Situationen der Weltgeschichte, als da sind: die Regierungszeit Friedrich Wilhelm II., die große französische Re- volution und die deutsche Revolution, im staatSerhaltendcn Sinne hinweghelfen sollten, ohne die geschichtliche Wahrheit allzusehr zu verbiegen. Im allgemeinen hat man sich damit abgefunden, den Dynastien unbequeme Dinge möglichst auszumerzen; über so delikate Sachen, wie die Köpfung Ludwig XVI. und die wüste Wirtschaft deL dicken Preußenkönigs aber kein Wort zu verlieren. Da sind die russischen Geschichtsschreiber doch ganz andere Kerle» So wird beispielsweise in einem Lehrbuch der Welt- g e s ch i ch t e, herausgegeben von dem Historiker I l o j a w s k i, daS vornehmlich an russischen Gymnasien in Gebrauch ist, die Zeit der großen französischen Revolution und das Kaiserreich also dargestellt: „Ludwig XVI. war ein friedlicher und milder Herrscher. der in seiner langen Regierungszeit mit besonderem Geschick tüchtige F i n a n z m i n i st e r zu finden wußte. Bon seinem Volke verehrt und geliebt, entschlief der hoch betagte Monarch nach einer glorreichen Regierung plötzlich am S ch l a g s l u ß. Ihm folgte sein Sohn Ludwig XVII., der mehrere Kriege führen mußte, in denen sein Feldherr, der königliche Marschall Napoleon Bonaparte, einen großen Teil Europas für seinen König eroberte. Napoleon mißbrauchte aber seine Macht und mackzte den vergeblichen Versuch, sich gegen die recht- Einer öer vielen. Es ist das Lied der großen Stadt- Alle Töne sind darin: Haß, Aufruhr, versteckter Grimm, Hohn, Leid, Hunger und die furchtbare Schar der Siechtümer; aber auch die lebentragenden: Stolz, Selbst- Bewußtsein, das frohlockende Schnaufen über erreichte Ziele, das anfeuernde Vorwärts, der Trommelschlag der Hoffnung, die Jahnen der Sehnsucht und das verstehende, alles befreiende Lachen einsamer Denker; auch die lebcnzeugcnden: der warme Blick, die streifende Liebkosung, das heimliche Warten, die Schauer eroberter Be- rührungen, das Glück verbotener Wege und die grausame, nieder- reißende und doch alles erbebende, alles überwältigende Liebe. Ter müde Wanderer bört nichts von diesen ihn in wahnsinniger Schnelle umkreisenden Akkorden, die sich mit dein Weltatem ver- mischen. Ilm ihn braust der Sturm der Stille, Wohl sieht er die ragenden Fabriken, diese Riesenhöblen menschlicher Tätigkeit und menschlichen Elends, wohl siebt er die schaffenden Hände von Hunderttausenden seiner Genossen, wohl überschaut er das un- geheure, den Blick gewinnende Getriebe, das allfältig Kraft braucht, und das doch ihn, den Grauhaarigen, nicht mehr Leistungsfähigen, ausschloß. Er greift mit einer hellen Röte im Gesicht an seine Tasche. Aber die wenigen Pfennige, die drin liegen, werden nicht mehr; die harte, trockene Brotkruste wird nicht weich und beißbar. Er kommt an den Strom, der unter der hohen, schwebenden Brücke dahinfließt. Er schaut in die Strömung, die unaufhaltsam nordwärts treibt, wertenden Meeren zu, und die letzte tzofsnuug fällt aus seinem annseligen Leben. In allen Adern spürt er die Kälte der Verlassenheit. O unberechenbares Leben, du fließendes Heer! Aus tausend Oucllcn nimmst du, aus tausend Ouellen verschwendest du und giost niemals Rechenschaft. Wie du endest, ob du verspritzest in den rasend sich drehenden Turbinen, ob die Sonne dich aufsaugt noch während der Wanderung, oder ob du Gras netzest und fruchtbare Kräuter, was ist der linterschied- Ein Gemeinsames nur bindet: du bist gewesen! Frag nicht woher, frag nicht wohin. Das sind Fragen ins Wesenlose, Narrheiten. Aus Quellen gehst du. in Meere mündest du; einzig was dazwischen liegt, ist dein: der Weg. Selbst die ewigen Sterne kennen keine andere Antwort, selbst die ewigen Sterne können nur Spiegel sein. Ob dbr alte Mann dies alle» bedachte? Keine Seele weiß es. Nur ein eilig heimhastender Mensch sah, wie er sein schmieriges Bündel fortwarf und über die Geländer sprang. Ein nasses Auf- klatschen? ein heller Schrei! Was sucht ihr mit Lichtern?— Was steht ihr und haltet Gr- spräche?— Was nützt das �schifflein, das ihr ihm nachjagt?— Laßt ihn!— Laßt ihn, er ist frei!. Eure Lichter kommen zu spät. Es ist daS Lied der großen Stadt, der täglich sich tausendmal wiederholende Ausschrei des Lebens. Oskar Wöhrle. mäßige Regierung zu empören und feine ehrgeizigen Pläne durchzusehen. Unter Führung Alexander I., des Kaisers und Königs und Selbstherrschers aller Reußen wurde der General abgesezt, feiner Würden und Ehren, sowie aller An= fprüche auf eine Pension beraubt und auf die Insel St. Helena verbannt, wo er in tiefster Einsamkeit, vergessen und schmachbedeckt sein verbrecherisches Leben beendete." Der geistvolle Historiker darf nicht in Rußland versauern. Hoffentlich wird ihm bald von einer Hohen preußischen Regierung der ehrenvolle Auftrag, die preußischen Lehrbücher für den Ge schichtsunterricht einer gründlichen Revision zu unterziehen. Daß Jlojawski ganze Arbeit macht, dafür bürgt die gebotene Probe. Die unfittliche Woche". Das fittlich gereinigte Bilderbuch des Scherlschen Verlages, " Die Woche", kann von Glück sagen, daß es diesem pfiffigen Staatsanwalt nicht zu Gesicht gekommen ist. In Nr. 4 der Woche" findet sich auf Seite 141 ein Bild, auf dem eine Mutter mit ihrem Säugling zu sehen ist, der allein schon ein unglaublicher Verstoß gegen die Sittlichkeit fast völlig nadt abfonter feit ist, während außerdem die Mutter förmlich herausfordernd die rechte Hand so hält, daß man sofort über den fehlenden Trauring stolpert. Und doch ist der Säugling nicht die Frucht einer verbotenen Riebe, sondern der jüngste Enkel König Ludwigs von Bayern, der Sohn der Prinzessin Franz von Bahern. Es entsteht also die Doktorfrage: Wann übt der fehlende Trauring auf den berühmten„ Normalmenschen" eine Ginberufung von Versammlungen aber immer längere Beil in Jginn der wärmeren Jahreszeit alle drei Vereine von Groß Anspruch nimmt und so schnelles Handeln oft unmöglich Berlin: Collegia" an der Havel und Freiheit und ist, der Lohnkommission in Gemeinschaft mit den Ver- Vorwärts" an der Oberspree der Berliner Arbeiterschaft trauensmännern das Recht zu geben, jede ihr geeignet er im schmucken Gewande ihrer neuen Bootshäuser zeigen. scheinende Maßnahme zur Durchführung der Lohnbewegung zu treffen. Die fo zustande gekommenen Beschlüsse erkennen die Versammelten als für sie bindend an und verpflichten sich, für deren strikte Durchführung Sorge zu tragen. Die Verpflichtung der Lohnfommission, einen neuen Bertrag nur nach vorheriger Zustimmung der Mitglieder abzuschließen, wird hierbei nicht berührt. Rönigliches Theater. Rasch enteilt die Zeit bei der für die Allgemeinheit geleisteten Arbeit. Die Sonne sendet ihre letzten Strahlen über den Horizont. Das Tagewerk ist beendet. Man widmet sich Bei noch einige Stunden der zwanglosen Geselligkeit. Musik, Spiel und Unterhaltung verweilen die Ruderer mit ihren Angehörigen in den freundlichen Restaurationsräumen. Plaudernde Gruppen bilden sich, in denen rudertechnische Fragen erörtert und Erfahrungen ausgetauscht werden. Hier wird eine Ferienfahrt geschildert und manch schöne ErSchauspielhaus: Die Venus innerung ausgeframt, dort ein Projekt für den nächsten mit dem Papagei." Lustspiel von Lothar Schmidt und Sommer besprochen, zuweilen wohl auch ein echtes„ Seemit Schäfer. Die Venus mit dem Papagei ist keine zwei- mannsgarn" gesponnen. Wenn auch schließlich nicht alles deutige Abenteuerin, sondern ein altes Gemälde der auf ihrem Lager hingestreckten Liebestönigin, das im Salon der Meggen- aufs Tüpfelchen stimmt, so war's doch schön und man trennt scheidtschen Kommerzienratsfamilie parabiert. Die Herrschaften sich mit dem Bewußsein, bald wieder am Schluß der Woche haben es für eine halbe Million als eins der Meisterwerke des nach harter Arbeit hinauseilen zu können, um in der herrban Dyd gekauft und sich durch diese Kapitalanlage den Ruf lichen freien Natur einige Stunden der Unabhängigkeit und großzügigen Mäcenatentums erworben. Zehn Jahre hängt das Erholung zu verbringen. Renommierstück, im Baedeker als Sehenswürdigkeit der Stadt bezeichnet, schon bei ihnen, da tritt der Bräutigam der Tochter, ein Fußballresultate. Troh aller Aufmerksamkeit ist es in der Zeit der immer mehr zunehmenden Unsittlichkeit den Staatsanwälten nicht möglich, alle den Normalmenschen unfittlich erscheinenden Bilder zu konfiszieren. Nur hin und wieder gelingt das. So beispielsweise dem Staatsanivalt, der eine Postkarte konfiszierte, weil die darauf abgebildete Mutter mit ihrem Säugling feinen Trauring auf der rechten and trug. Der pfiffige Staatsanwalt schloß daraus, daß es sich bei dem Säugling nur um die Frucht einer verbotenen Radrennbahn Treptow. Die Eröffnungsrennen, die für diesen Liebe handeln könne, denn tugendsame Ehefrauen tragen im all- ehrbegieriger fünftiger Kunstgeschichtsprofessor, dessen Kunstver- Sonntag angefeßt waren und an denen Janke,. Przyrembel gemeinen den Trauring. stand aus der Lektüre unendlich vieler alter Wälzer fließt, dem und Stellbrint teilnehmen sollten, wurden ein Opfer des Regens. Schwiegerpapa mit der Entdeckung gegenüber, daß das gefeierte Die Rennen wurden auf nächsten Sonntag verschoben. Objekt aus irgendeiner obsturen Werkstatt stamme. Das Banauſentum des großkapitalistischen Bildersports, die Praktiken des Fichte 17 gegen Rummelsburg 4: 1; Neuhellas gegen WeißenKunsthandels, der pedantisch wichtigtuerische Kleintram in der Kunstgelehrsamkeit und manches Drum und Dran wird in dem fee 2: 1; Eiche- Tegel gegen Reinidendorfer Turnerschaft 3: 1; Stüdchen satirisch durchgehechelt; aber leider fehlt ihm die Fülle, Eiche- Tegel gegen Schönholz 12: 0; R. B. T. gegen Vittoria 4: 1; die zu wirklich luftspielmäßiger Wirkung nötig wäre. Die Szenen Oberspree gegen Sportklub Mahlsdorf 9: 3; Fichte 2 gegen Fichte 6 halten sich in dem Bereiche psychologischer Möglichkeiten, tommen 2: 8; Bernau gegen Fichte 4 10: 0; Fichte 18 gegen Hertha 1: 3; aber über ein feuilletonistisch skizzenhaftes Aneinanderreihen Sportklub Neuenhagen gegen Sportklub Lichtenberg 2: 0; Fichte 12 nicht hinaus. Zu einer hübschen Persiflage des ästhetischen Snob gegen Fichte 11 4: 1; Oberspree gegen V. f. B. 2: 4; Alemannia ismus führt das Experiment des Malers, der das berühmte Bild gegen Oberspree 1: 7; Vorwärts gegen V. f. B. 3: 0; Sportklub fopieren soll und heimlich die Kopie mit dem Original vertauscht. Alt- Glienice gegen Rummelsburg 1: 1; Fichte 4 gegen Union, Kein Familienmitglied, auch nicht der Kenner, bemerkt den Bluff. tampflos von Fichte 4 gewonnen; Spandau gegen Fichte 9 4: 1; Mit dem Wechsel des Etiketts wechselt zugleich der Enthusias R. B. C. gegen Sportklub Mahlsdorf, R. B. C. tampflos gewonnen; unjittmus seinen Gegenstand. Die alte Venus wird unter reichlichem Adler gegen Fichte 7 7: 0; Stralauer Ballspielflub I gegen Gigant I Aufwand geschwollener Fachausbrüde als mittelmäßiges Ronter- 2: 1; Stralauer Ballspielflub II gegen Gigant II 10: 0. fei heruntertritisiert. Nachdent der biedere Kommerzienrat ein gesehen, daß seines Schwiegersohnes Gründe unwiderlegbar sind, versucht er das Objekt einem Amerikaner anzuhängen. Nur an der Klausel, daß er die Venus bei Nachweis der Unechtheit zurüdHeinrich Heine kein deutscher Dichter. zunehmen habe, scheitert das Geschäft. Er mimt beleidigte Entrüstung. Bei solchem Risiko erscheint es vorteilhafter, sich auf In Höhscheid beantragte im Stadtverordnetenkollegium die den gemeinnüßigen Stifter und Patrioten auszuspielen, um Orden sozialdemokratische Mehrheit eine neue Straße Heinrich- Heineund hohe Konnerionen einzuheimsen. Der Museumsdirektor stellt Straße zu nennen. Dem widersprach die Stadtverwaltung( der Meggenscheidt die Gunst des Landesfürsten in Aussicht, verspricht Bürgermeister und auch der Beigeordnete Nerff) mit der geiftdie Ueberlassung eines anderen alten Gemäldes und die Befördereichen Bemerkung, daß man einen Namen nicht so weit herrung des Schwiegersohnes zum Museumsassistenten, um sich zu zuholen" brauche, wo man noch deutsche Dichter habe. Und revanchieren. Der Handel endigt mit dem Reinfall des hohen Herrn. Der neue Assistent verrät ihm das Geheimnis, und, damit wenn der Beschluß dennoch gefaßt würde, so werde er nicht durchnicht genug, entpuppt sich das Bild, das er für die Venus gab, nach geführt, da die Straßenbenennung nicht Sache der Stadtverordneten Abtraßen der Uebermalung als richtiger Van Dyd. Doch die ist. Das im Kreise Düsseldorf liegende Städtchen Höhscheid ist Herr von Horst wurde rot, maß mich mit einem durchbringen- lamage bleibt zum Glück geheim. Der vorlaute Bücherwurm also gerettet. Heine, der geborene Düsseldorfer, hat diese Art Herr von Horst wurde rot, maß mich mit einem durchdringen- flappt angeschnauzt und eingeschüchtert in sich zusammen. Das Spießer treffend gekennzeichnet. den Blick und sagte endlich stolz:" Ich bin Offizier der deutschen soll verschwiegen werden, und Meggenscheidt hat selbst das drinArmee verstehen Sie! Würde es nicht an diesem Orte sein gendste Interesse, reinen Mund zu halten. umb wären Sie satisfattionsfähig- dann würde ich anders mit Ihnen reden." liche Wirkung aus?... Satisfaktionsunfähig! Man schreibt uns: Als ich einmal in Mainz wegen Aufich war weder Ehrenforderung zu ungesetzlichen Handlungen gerichtsrat, noch Kriegsminister, noch der Oberst Reutter, sondern Sozialistin Untersuchungshaft saß, war zugleich mit mir ein Graf oder Freiherr von Horst inhaftiert und zwar wegen Falschspiel, Betrug usw. Der Edle war leider mit der Kräbe behaftet. Wenn wir nun zum Spaziergang auf den Hof hin unter geführt wurden, so hatte er die Gewohnheit, mit der Hand über das Treppengeländer zu rutschen. Eines Tages machte ich ihn darauf aufmerksam und sagte höflich:" Ich würde an Ihrer Stelle lieber nicht das Treppengeländer anfassen. Wie leicht fann sich da ein anderer ebenfalls was wegholen." Braukapital und Brauereiarbeiter. Die Aufführung, in der die Herren Pohl, Vallentin, Bedebur, die Damen Heisler und v. Mahburg wirkten, war auf das Sorgfamite gefeilt. Die Glanzleistung des Abends bildete Patrys ölig diplomatischer Direktor. " dt. Theaterchronit. Auguft Strindbergs KammerUnter ungeheurem Andrange nahmen am Sonntag die ,, Brandstätte", Gespensterfonate" und Brauereiarbeiter Stellung zu dem bisherigen Ergebnis ihrer Ver- spiele handlungen mit den Unternehmern. Sodapp gab eine gedrängte che i terhaufen" find von der Direktion des Deutschen Darstellung des Verlaufs der Verhandlungen, aus der zu entnehmen Theaters zur Aufführung in den Kammerspielen für die sie war, daß die im Verein der Brauereien Berlins und der Umge- der verstorbene Dichter bestimmt hat erworben worden. bung organisierten Arbeitgeber zunächst rundweg ablehnten, über Scheiterhaufen" wird voraussichtlich noch in dieser Saison Im Kleinen Theater wird die Erst die von den Arbeitnehmern aufgestellten Forderungen zu unter- zur Darstellung gelangen. handeln. Sie glaubten die Organisationen mit der abgebrauchten aufführung des Lustspiels Salloh" von Imre Földes auf bekannten Erzählung von der beklagenswerten schlechten finan- Sonnabend, den 21. März verlegt, um nicht mit anderen Premieren ziellen Lage des Brauereikapitals abspeisen zu können, doch er- am 20. März zu kollidieren. flärten sie sich schließlich, als sie auf die veröffentlichten günstigen Geschäftsabschlüsse und Dividendenausschüttungen verwiesen wurden, bereit, in Verhandlungen einzutreten. Spiel und Sport. ,, Rein Deck!" Aus aller Welt. Zusammenbruch einer Ordnungsfäule. Wegen Unterschlagung von mindestens 24 000 M. Jnnungsgeldern wurde der Sekretär der Breslauer Bäder. in nung, Karl Schröter, au zwei Jahren Gefängnis berurteilt. Zwölf Jahre lang hatte er seine Unterschlagungen betrieben. Während der Zeit hatte er unzählige Straf anzeigen gegen Mitglieder des Bäderverbandes verbrochen, um sich das besondere Vertrauen des Innungsvorstandes zu erwerben und jeden Verdacht von seiner Geschäftsführung abzulenten, was ihm bei der Arbeiterfeindschaft der Innungstrauter auch trefflich glüdte. Verbrecherische Anschläge auf englische Flieger. Vor kurzer Zeit stürzten der englische Flieger Hauptmann Allen und sein Passagier Leutnant Burroughs mit einem Flugapparat ab und fanden dabei ihren Tod. Die Untersuchung des Unglücksfalles hat jetzt das überraschende Ergebnis gehabt, daß die entstange des Höhensteuers an dem Flugapparat vor dem Aufstieg von unbekannter Hand angefeilt worden war, ohne daß der mit der Ueberwachung des Apparates betraute Mechaniker den Schaden bemerkte. Infolge Bruchs dieser Lenkstange kippte dann der Zweideder in der Höhe ab und zerschellte. Es taucht nun das Gerücht auf, daß die Zerstörung der LenkKleine Notizen. Unwetter in England. Aus ganz England und Irland werden schwere Stürme und Regengüsse gemeldet, die an vielen Stellen eberschwemmungen zur Folge hatten und beträchtlichen Schaden anrichteten. Bei Holyhead erreichte der Sturm eine Ge schwindigkeit von 77 Meilen in der Stunde. Die Schiffahrt hat ganz erhebliche Verzögerungen erlitten, man befürchtet sogar, daß Erdbeben in Japan. In Akita ereigneten sich innerhalb bald Meldungen von Schiffskatastrophen eintreffen werden. einer Stunde sechs schwere Erdstöße. Mehrere Häuser fürzten ein, die Eisenbahn-, Telegraphen- und Telephonver bindungen waren auf mehrere Stunden unterbrochen. Verluste an Menschenleben werden nicht gemeldet. Allgemeine Heiterkeit erregten die mitgeteilten Zugeständnisse" der Brauereien. Eine Erhöhung der Löhne um ganze fünfzig Pfennig" wöchentlich sollte nur bei den Arbeiterkategorien vor- Diese goldene Regel der Schiffahrt, die tagtäglich auf genommen werden, die jetzt noch unter 30 Mart prò Woche jedem Schiff mit peinlichster Sorgfalt in die Tat umgesetzt verdienen. Auch der Ablösung des Haustrunts mit ganzen 15 Pf. wird, wirft bei denen, die das Segeln und Rudern als Sport pro Liter wollte man zustimmen und schließlich noch die Regelung betreiben, alljährlich, wenn die Sonne wieder höher steigt, der Krankenentschädigung nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht etwa wie ein Kommando, nein wie ein Bauberwort. stange in verbrecherischer Absicht geschehen ist. Es ist nicht das erste innerhalb des Tarifvertrags vornehmen. Dafür aber wünschten die Unternehmer eine mindestens fünfjährige Vertragsdauer. Die An den Sonntagen kann man jetzt schon vom frühen Morgen Mal, daß englische Flieger auf diese Weise verunglückt sind. So Berliner Brauereien machen sich also die scharfmacherischen Grund- an ein reges Leben und Treiben in und vor den Boots- macht beispielsweise der„ Evening Standard" darauf aufmerksam, Berliner Arbeiterruderer beobachten: Das daß bei dem Absturz, der am 27. Mai v. J. den Tod des Leutnants fäße des„ Brauer- Bundes" zu eigen. Die Niederlagsarbeiter sollen häusern der Arthur zur Folge hatte, die Verhältnisse ähnlich lagen. Der überhaupt von der Regelung ausgeschlossen sein und ebenso der Reinigen und Instandsetzen der Boote hat begonnen. übrige größte Teil der Brauereiarbeiter. Es ist keine Rede von Da der Rudersport nur während der Zeit des Eisganges Apparat war repariert worden und es gelang niemals, festzustellen, Bezahlung der ungeregelten Sonntagsarbeit, vom Achtstundentag, ruht, wird ein Teil der Boote des Sonntags fast ständig wer die Reparatur ausgeführt hatte. Der Kriegsminister Oberst von Urlaubsgewährungen oder von einer Bezahlung, die den ver- benugt, indessen die übrigen„ zartbesaiteten", will fagen Seely wurde deswegen damals von einem Abgeordneten heftig änderten Lebensbedingungen wenigstens einigermaßen angepakt dünnbeplanften Vehifel der märkischen Gewäffer langsam angegriffen. Auch diesmal soll dem Kriegsminister eine diesist. Zugleich hat man zum Beweise der Behauptung, die Forderungen der Brauereiarbeiter gingen weit über das Maß hinaus, verstaubend im Bootshause ihre Winterruhe halten. In bezügliche Frage vorgelegt werden. das sich mit einer gefunden Entwicklung der Brauereien verträgt, Reihen neben und übereinandergeschichtet liegen fie, ungeallerlei Milchmädchenrechnungen aufgemacht, wonach die Braue- stört rastend, gleichsam Zwiesprache haltend über die Stra reien durch Bewilligung solcher Forderungen bis zu mehreren Mil pazen und Erlebnisse des letzten Sommers. Manches von lionen Mart höher belastet würden. Die eingesezte Lohnkommission ihnen ist weit draußen gewesen, hat andere Gegenden und hat jedoch den Herren teinen Zweifel gelaffen, daß nicht die geringste Menschen geschaut, ja beinahe man dente nur die Nase Aussicht besteht, die Arbeiterschaft werde sich mit den geringfügigen ins Seewasser gestedt. Andere haben gefahrvolle Situationen Zugeständnissen zufrieden geben. Das ging auch deutlich aus den Ausführungen der Diskussions- durchgemacht, einzelne gar Schäden davongetragen und find redner hervor, und sodapp konnte in seinem Schlußwort feft- untröstlich über die ihnen zugefügten Schrammen und Risse. stellen, daß die organisierten Brauereiarbeiter einig und geschloffen Einige wieder beklagen, daß sie so wenig in die freie Natur auf dem Standpunkt der Organisationsleitung bezw. der Lohn- hinausgekommen sind.- Jezt aber pocht der Frühling an fommission beharren. Notwendig sei aber strengste Disziplin. die Tür und macht allen Betrachtungen ein Ende. Männlein und Weiblein machen sich hurtig daran, die Folgende Resolution wurde angenommen: Die am Sonntag, den 15. März 1914, in der Neuen Welt" Boote ins Freie zu bringen. Unter großen, mit Seifenwasser tagende Versammlung sämtlicher in den Brauereien und Bier- gefüllten Steffeln, welche inmitten des Plates stehen, prasseln niederlagen Berlins und der Umgegend beschäftigten Arbeit- die Holzscheite: das Sonnenwendfeuer des Ruderers! Nun nehmer erklären sich mit der von den Vertrauensmännern am 24. Februar cr. angenommen und an den Verein der Braue- gehts an ein Scheuern, Krazen, Schaben und Putzen, als reien Berlins und der Umgegend abgesandten Resolution ein- gälte es, ein großes Fest vorzubereiten. Ein buntes, lebenverstanden. Desgleichen billigt die Versammlung den bisher diges Bild. Seltjame Trachten und originelle Kleidungsvon der Verhandlungskommission bei den Verhandlungen mit stücke sind dabei zu sehen und hinüber und herüber fliegen den Arbeitgebern eingenommenen Standpunkt. Scherzworte, manchmal auch derber Art. Nach und nach Weiter nehmen die Versammelten von dem am 10. März cr. bekommen die Boote wieder ein freundlicheres Aussehen. Der vom Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend ge- Schmuß ist entfernt, aber noch sieht man die zerfragten, abmachten Angebot Kenntnis und erklären, daß dieses Angebot geschabten oder beschädigten Stellen. Da muß nun nachfeine Grundlage zur beiderseitigen Verständigung bilden kann. geholfen und renoviert werden. Das fällt den ArbeiterIndem die Versammelten ihr Bebauern über das geringe Entgegenkommen der Arbeitgeber aussprechen, beschließen die- ruderern weiter nicht schwer; sind doch unter ihnen die verfelben, einem neuen Bertrag oder einer Verlängerung des be- schiedensten Handwerke und Berufe vertreten. Hingegen find stehenden Vertrages nur dann ihre Zustimmung zu geben, wenn ja die Ruderer des Deutschen Nuderverbandes nicht einmal unter anderem neben einer Verkürzung der Arbeitszeit und der Teilnahme an Regatten würdig, wenn sie sich durch ihrer einer generellen Lohnerhöhung unter besonderer Berücksichtigung Hände Arbeit ernähren. der unteren Lohaklassen auch eine Regelung der bisher unbezahlten Sonntagsarbeit stattfindet. Um eine größere Beschleunigung der Angelegenheit zu er möglichen, wurde eine weitere Entschließung gefaßt, deren WortLaut lautet: Weiter beschließt die Versammlung: Da die Zeit bis zum Ablauf des bestehenden Vertrages nur noch eine kurze ist, die Berantwortlicher Redakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Aufstand von Derwischen. In Berbera( Britisch- Somaliland) griffen Derwische einen Basar der Eingeborenen an und verwundeten mehrere Personen. Als Polizeibeamte die Derwische verfolgten, feuerten diese auf der Flucht auf ein Hospital für Bodentrante, brannten mehrere Dörfer nieder und freundlich gesinnte Gingeborene. töteten oder verwundeten fünf den Engländern Nach langen Leiden verschied am 12. März die Frau unseres Genoffen Emilie Müller geb. Hafel im 58. Lebensjahre. Ehre Jhrem Andenken. Die Einäſcherung findet am Montag, den 16. März, nachmittags 4 Uhr im Krematorium Gerichtsstr. statt. + Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60 Eigene Werkstatt. Lieferant, für Krankenkass. Fachgem. Bedienung Wanderkarten In einigen Sonntagen emfiger Arbeit, gefördert durch das gemeinsame Interesse der Mitglieder an ihrem Vereinsmaterial, find die Boote, nachdem sie einen sauberen Ladanstrich erhalten haben, wieder fertig zu neuer Fahrt. Aber biele andere Arbeiten auf den Vorplägen und in den Bootshäusern sind noch zu verrichten. Wollen sich doch zum BeInjeratenteil verantw.: Zb. Glode, Berlin. Drud u. Verlag. Vorwärts Buchdruderet u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S Die Genossen des Bezirks 516 6. Berliner Reichstagswahlkreises. hälf ftets vorräfig Buchhandlung Vorwärts Lindenftr. 69( Laden)