gr. 78. RbonnementS'BttnngnnQen: «ionnemenls■ 5 t ei 5»tänumetanfc« Bierteljähtl. 3,30 2)!f, mottall. 1,10 SKf, wöchentlich 28 Vsc. frei ins Haus, Einzelne Nummer ö Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- «bonnementi 1,10 Marl pro Monat. Eingetrageti in die Posi-ZeitungS. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn Z60 Marl, für da- übrige Ausland * Marl pro Monat. PostabonnemenlS nehmen an: Belgien, Dänemarh Holland, Italien, Luxemburg, Porlugah Sdlmänieii. Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. «»eint kg»». Verlinvv Volllsblcltt. Sie Tnfcrtions-Gebiifjf Behägt für die f echsgespaltene Kalonel- zeilc oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewerlschastliche Vereins. und Versammlung-. Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Mnseigen", das fettgedruckte Wort 20 Psg.(zulässig 2setlgedruckle Worte), jede- weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenatt. zeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort ö Psg, Worte über 15 Buch. stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ii Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervediiion ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: «S»>äliieiii»ll»l Stllii". Zentralorgan der Ibzialdemoftrati fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplatz. Nr. 1S8Z. Freitag, den ÄO. März 1914. Expedition: SSI. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1984. Wettrüsten ohne Cnöe. London, 18. März.(Eig. Ber.) Zweieinhalb Swnden sprach der Marineminister Churchill gestern im Unterhause, um seinen neuen Flottenetat in der Höhe von über o1�> Millionen Pfund Sterling zu begründen. Er wußte, daß eine außerordentliche Apologie nötig war, um das laute Murren ini liberalen Lager zum schweigen zu bringen. Niemand wird die eng- lischen Liberalen in dein Verdacht haben, keine guten Patrioten zil seilt. Aber was viele von ihnen nicht begreisen können, ist, daß die Flottenrüstungen trotz der offenkundigen Besse- rung der deutsch-englischen Beziehungen noch immer in wahn- sinnigem Tempo vermehrt werden. Wenn das Nachlassen der bedrohlichsten internationalen Spannung, auf die man die Acra unerhörter Flottenrüstungcn zurückgeführt hatte, keine Erleichterung derselben bringt, woraus will man dann noch Hoffnung schöpfen? Daher die wachsende Feindseligkeit lind Erbitterung eines nicht zu imterschätzenden Teiles der liberalen Partei gegen diese Rüstungspolitik. Zur Beruhigung dieser Stinimung sah sich Churchill ge- nötigt, seine schwersten Geschütze auszufahren. Er gab eine großangelegte Uebersicht von der ganzen Oekonomie der Rüstungspolitik und versuchte mit großem Geschick zu be- weisen, daß er weiter nichts tue, als was jene höchsten„natio- nalen" Interessen erfordern, die allen am Herzen lägen. Aber je erfolgreicher die Entschuldigungen Churchills, um so vernichtender das Urteil über das ganze System, das dieser Politik zugrunde liegt. Churchills Beweisführung eröffnet «UM anderen Ausblick in die Zukunft, als die stetig wachsende Unterjochung der Völker durch den Moloch, bis es zu einer wcltverhcerenden Entladung kommt oder bis die riesenhaften Mordinstrumente unter ihrer eigenen Last zu- sammenbrechen. Es ist das System selbst, woran die Art gelegt werden muß, soll ein Ausweg möglich sein. Wer die Eristenzberechti- gung der„nationalen" Interessen weltkapitalistischer Aus- bcutung zugibt, der ist den Rüstungshetzern rettungslos aus- geliefert. Hier liegt die Schwäche der pazisistischen Liberalen. nicht in ihrem mangelnden Willen. Sie müssen ihre Angriffe auf einzelne Erscheinungsformen oder Uebergriffe der Riistungspolitik beschränken, und da sind ihnen die geriebenen militaristischen Fachleute allemal über. Ein großer Teil der Mehrausgaben ist durch die Einführung derOelfeuerung verschuldet. Die liberalen Pazifisten protestieren; aber Herr Churchill beweist schwarz auf weiß, daß die Oelfeuerung die der Admiralität zur Verfügung stehende Mordgewalt außer- ordentlich erhöhe. Tie liberalen Pazifisten können nicht er- widern, daß sie eine Vermehrung der Mordgewalt nicht wollen, sondern müssen sich darauf beschränken, sehr inkom- petente Zweifel über die Vorzüge der Oelfeuerung zu äußern, ohne natürlich die Oeffentlichkeit davon überzeugen zu können, daß sie in dieser Frage besser Bescheid wissen als die Admiralität. Dasselbe gilt von dem wachsenden Umfang der Schlachtschiffe, von der rapiden Ausbreitung des Luftmili- tarismus, von der Vermehrung der Flottcnbemannung und selbst von der Zahl der zu bauenden Schiffe. Aber gelegentlich inüssen die Militaristen doch aus eigenem Munde den Wahnsinn ihres Treibens verkünden. Mit nicht geringem Stolz setzte Church ll auseinander, daß die englische Admiralität mit der Einführung fünfzehn- z 0 l l k a l i b r i g e r Geschütze an Stelle der 13s?<>zoll- kalibrigcn vorangegangen sei. Dieses Geschütz, erzählte Churchill einem staunenden Unterhause, entsendet ein Ge- schoß von fast einer Tonne Gewicht und wirft es bis zu einer Entfernung von Ist— 12 englischen Meilen. Das ist gewiß wundervoll— es gibt kein Gebiet menschlicher Tätigkeit, das alle Errungenschafien des menschlichen Geistes so sehr in seinen Dienst gestellt hat, wie die Mordtcchnik. Aber gleich darauf mußte Churchill hinzufügen:„Die An- griffsmacht des modernen Schlachtschisfes steht außer allem Verhältnis zu seiner Verteidig ungs. macht. Wenn Sie sich ein klares Bild von einem Kampfe zwischen niodernen Schlachtschiffen machen wollen, dann dürfen Sie n-cht an zwei gepanzerte Männer denken, die einander niii schweren Schwertern angreifen. Es ist mehr wie eine Schlacht zwischen z w tz i Eierschalen, die mit Hämmern aufeinander losschlagen. Diese Tatsachen wecken Ztveifel darüber, ob die moderne Form der Kriegsführung zwischen diesen enormen Schiffen sich nicht jetzt ihrem Gipfelpunkt näher t." Ein Dreadnought, der 21/j Millionen Pfund Sterling kostet, so zerbrechlich und ver- wundbar wie eine Eierschale! Für dioies Wort verdient der englische Flottenministcr aufrich igen Dank. Ein großer Teil von Churchills Red? war an die Adresse Kanadas. Australiens und Neuseelands gerichtet. Den Kanadiern sagte er deutlich genug, daß sie ßch schämen sollten, ihre Kiistenverteidigung von den englischen Steuerzablem, die vielfach ärmer seien als sie, zahlen zu lassen! Wäre Kanada unabbängig oder würde es von den Vereinigten Staaten annektart, dann miißien sie gewiß viel höhere Kriegslasten tragen, als ihnen jetzt zugemutet würde. Es bleibt abzuwarten, welchen Eindruck diese Kapuziner- predigt in Kanada machen wird. Das reichspatriotischere und freigebigere Australien und Neuseeland bekam ein anderes Lied zu hören. Diesen Kolonien legte Churchill nahe, wie wichtig es für sie sei, daß die von ihnen gebauten Kriegsschiffe nicht in ihren Heimatgewässern stationiert bleiben, sondern der englischen Admiralität zur Verfügung stehen. 9!ur die englische Flottenübermacht in der Nordsee, im entscheidenden Theater, könne die Unabhängigkeit dieser Kolonien sichern. Ist die englische Flotte in diesem entscheidenden Schauplatz besiegt, dann können die paar eigenen Kriegsschiffe Australien und Neuseeland nicht retten; sie müßten dann den Schutz der Vereinigten Staaten erbitten. Auch die Furcht dieser Kolonien vor I a p a n versuchte Churchill zu beschwichtigen. Sie haben von Japan nichts zu fürchten. Japan könne mit den Flotten- rüstungen der europäischen Staaten unmöglich Schritt halten, und nur das Bündnis mit England sichere ihm seine Unab hängigkeit.— Wie das wohl in Tokio gefallen wird? Die schlagendsten Argumente, die auf englische Patrioten stets den tiefsten Eindruck machen, bewahrte sich Churchill zum Schluß. Die Flotte ist Englands Ein und Alles, nicht nur seine Kolonien, sondern seine nackte Existenz, die� Nahrung seines Volkes, hängen von ihr ab. Für andere Staaten ist die Flotte ein Sport, das Werkzeug einer Machtpolitik; selbst die Vernichtung ihrer Flotte könnte ihre Unabhängigkeit nicht berühren. Deshalb könne England seine Rüstungen nur ei» schränken, wenn die anderen Staaten das gleiche tun. der Siegeszug öer Roten Woche. Die Rote Woche hat den sozialdeyiokratischen Organisationen und der sozialdemokratischen Parteipresse schöne große Erfolge gebracht. Die Resultate gehen nicht so rasch ein, als zu wünschen gewesen wäre. Aber es läßt sich aus den Teilresultaten schon erkennen, daß unsere Erwartungen voll erfüllt worden sind. Im nachstehenden geben wir eine Zusammenstellung der bisher vorliegenden Resultate: h Die Werbearbeii für die Presse wird im Bezirk Halle Ende deS Monals gesondert vorgenommen. Die Ägitalion für die Presse findet erst an den nächsten beiden Sonntagen iiau. 8) Im Kretie Nürnberg hat kurz vor Weihnachten erst eine um- iahende Agitation staltaeilmdeii, die 2134 Mihltieder brachte; zu« sammen mit den jetzig» Erfolgen sind gewonnen worden 2606 neue Mllgtieder. daruiner ö2i Frauen. 4) Die Zabi ver neugewonnenen Genossinnen, die noch nicht fest« gesrclli iverden tonnte, ist in der Geiamtzahl nickt enthalten. Ans rund lstst Wahlkreisen sind vorstehend die Resultate aufgeführt; aber eS find noch unvollständige Resultate. Noch immerfort werden aus diesen Kreisen Neuaufnahmen von Mitgliedern und neuhinzugekommenc Abonnenten gemeldet. Auch das Hamburger Ergebnis ist nicht eingeschlossen, daS schon am ersten Tage auf Istststst neue Mitglieder geschätzt wurde! Die Gesamtziffcr aber aus diesen zirka Istst Kreisen ergibt: 68 300 neue Mitglieder. 53 100 neue Abonnenten! Mit Befriedigung kann die Pgrtei auf den Erfolg ihrer Werbearbeit blicken und Dank gebührt all den Genossen und Genomniieii, die sich mit Fleiß und Eifer der Stärkung unserer Organisation und Presse gewidniet haben. Zugleich zeigen aber diele Resultate auch, daß unserer Arbeit noch ein weites Feld offen steht, und deshalb müssen sie uns an- spornen, in unserer Energie nicht zu erlahmen. Jeder einzelne muß in sich fortwährend das Beivußtscin wach erhalten, daß er stets ein Kämpfer und Werber für die Partei und ihre hohen Ziele ist. Erfolgreich ist unsere Arbeit gewesen und so ruft sie. uns Sozialdemokraten, zu neuer Anstrengung! Großer Wahlsieg Ser Arbeiter- parte« in Süöaftika. London, 19. März.(Privattelegramm des .Vorwärts".) Bei den gestern stattgefundenen Wahlen zum Transvaaler Provinzialrat siegte die Arbeiterpartei auf der ganzen Linie. Sämtliche Sitze der Stadt Pretoria gingen in den Besitz der Arbeiterpartei über. Die Unionisten erlitten eine vernichtende Istederlage, nur zwei Kandidaten wurden gewählt. Bis zurzeit sind 23 Siege der Arbeiterpartei bekannt, die somit über die Mehrheit im Provinzialrat. der nur 36 Mitglieder zählt, verfügt. Bei den ersten Wahlen im Jahre 1916 ent- fielen auf die Arbeiterpartei nur zwei Mandate, während die Unionisten 14 und die Nationalisten 20 Mandate inne hatten. Die Befugnisse der vier Provinzial- rate Südafrikas sind sehr bedeutend. Sie können direkte Steuern erheben und üben die Kontrolle über die Verwaltung des Atkerbauwesens, der Volksschulen sowie der Lokalverwaltung aus. Die diesmaligen Wahlen standen unter dem Zeichen der DePortierung der Arbeiterführer. Es ist dies die beste Ant- wort, die die südafrikanischen Arbeiter den Gewaltmenschen geben konnten. Der Wahlsieg ist auch das beste Vorzeichen und die sichere Bürgschaft für einen Erfolg der Arbeitersache bei den noch in diesem Jahre stattfindenden Wahlen zum Unionsparlament. Unter der Arbeiterschaft Südafrikas herrscht über den Ausfall der Wahl unbeschreiblicher Jubel. Die Arbeiterpartei wird natürlich die Transvaaler Provtnzial- regierung bilden. Im Randgebiet traten die jüdischen und holländischen Wähler für die Kandidaten der Arbeiterpartei ein, unter denen sich viele der früheren Streikführer befanden. politifthe Uebersicht. Haussklaverei und Tiamante«. Aus dem Reichstag, 19. März. Nach der Pause, die durch dringende Arbeiten der Budgetkvmmtssion notwendig geworden war, erledigte das Plenum heute die Beratung des ostafrikanischen Etats. Herr Erzberger ließ die Be- schwerden der Pflanzer nicht gelten, die sich gegen die An- nagelung der schamlosen Negerausbeutung auf den Plantagen richtete, und pflückte auch ein Hühnchen mit dem Peufien- bunds- W r o ch e m, der seiner Zeit als stellvertretender Gouverneur von Deutsch- Ostafrika durch einen Hunde- und einen Grußcrlafi, beide Ausflüsse des schnoddrigen Echt- Preußengeistes, für den er auch auf der Bundestagung den Mund aufgerissen, an der ganzen afrikanischen Küste unlieb- sames Aufsehen erregt hatte. Gegen den Staatssekretär Dr. Solf wandte sich dann Genosse Noskc mit berechtigter Schärfe iir der Frage der HauSstlaverei, nachdem sich, der fortschrittliche Lehrer Bruckhoff für einen seßhaften Lehrerstand in den Kolonien ins Zeug gelegt hatte. Die Haus- sklaverei sollte ursprünglich im Jahre 1920 aufgehoben werden, aberi jetzt wollen der Staatssekretär und die bürgerlichen Par- teien— auch der Nationalliberale K e i n a t h trat heute dafür ein— den Termin der Aufhebung bis in das Jahr 1930 hinausschieben. Die Sozialdemokratie muß in dieser Frage die Schildhüterin nationaler Ehre sein, denn mit Recht bezeichnete N o s k e die Erklärung, daß man bis 1920 und darüber hinaus Menschen wie ein Stück Vieh behandeln wolle, als deutsche Schande. Bei der Beratung des südwestafrikanischen Etats verbreitete sich Genosse Hoch, dessen Sachkenntnis auf diesem Gebiet selbst der Staatssekretär anerkennen mußte, über die Diamantenfrage in Südwest. Die Bestimmung, daß die ?m Gespensiergefängnis. Von Peter S e r g i j e w. II. Als ich mich nach der Krankheit wieder einigermaßen erholt hatte, wurde ich aus dem Spital entlassen und in eine Einzel- zelle gesperrt. Mit diesem Tage fing die grausame Dressur und Quälerei an. Warum bin ich nicht gleich gestorben? Ich schäme mich, alles zu gestehen, was ich erlebt habe. Zum Beispiel den täglichen Spaziergang: der findet unter der Aufsicht des Assistenten Aiienski,. des Oberaufsehers und des Jnspektionsassistenten im Gefängnis- Hofe statt. Die Sträflinge geben paarweise, stramm, in lang- samem Schritt, die Bewegungen auf Befehl des Aufsehers aus- führend. Zu sprechen oder umherzuschaucn ist verboten. So ein Spaziergang müßte unter anderen Umständen eine Erleichte- rung sein. Aber unsere Henker verstanden es, daraus eine Folter zu inachen. Wir kehrten in unsere Zellen geprügelt und wie ge- brachen zurück. Mit Freuden hätte ich auf dieses Privilegium ver- zichtet, aber der Spaziergang war obligatorisch. Der Assistent Anenski achtete darauf, daß die Gefangenen alle in Reih und Glied standen. Sobald er die kleinste Abweichung bemerkte, fing er an, die Leute auszurichten, indem er aus Rücken, Brust und Unterkiefer Schläge austeilte. Nach der Abcndkontrolle fing das Gebet an. Alle mußten beten! die Konfession kam nicht in Betracht. „Ich werde euch Halunken alle zum richtigen Glauben be- kehren," pflegte er zu sagen. Und wirklich. Seine Missionstätigkeit trug staunenswerte Früchte. Alle beteten: Russen und Tataren, Juden, Lutheraner und Atheisten. Nach der Kontrolle legten wir uns stillschweigend schlafen. Auf der Schlafbahre darf man sich nicht rühren, damit das Kettengerassel nicht die Ruhe stört. Niemand wagte zu sprechen, nicht einmal ganz leise. Wir waren in so hohem Grade terrorisiert, daß uns ein mit normaler Stimmkraft ausgesprochenes Wort als etwas Unbegreifliches und«schreckliches vorkam. Nachts mutzten wir uns zn dem Schmutzkübel(Parascha) stehle», sonst meldete der Aufseher am Morgen gleich, daß der und der ausgestanden und in der Zelle herumspaziert sei. Ich kenne Gefangene, die aus Furcht ihre Bedürfnisse auf der Schlafstelle befriedigten. Bei den meisten entwickelten sich verschiedene Magen- krankheiten. Tagsüber, wenn ein Ausieher durch den„Judas"(ein kleines Fenster in der Tür) schaute, waren wir verpflichtet, aufzustehen und stramme Haltung anzunehmen, sonst wurden wir geschlagen. Ich hatte in Orel einmal das Mißgeschick, an rheumatischen An- fällen zu leiden. Als der Assistent Anenski eines Tages durch den „Judas" guckte, konnte ich mich nicht erheben. Alle Anstrengungen waren erfolglos. Ich wollte mich mit beiden Händen an der Wand stützen, doch die Hände fielen kraftlos herab. AnenSki machte die Tür auf, rief den Tagesaufseher und sagte kurz:„Nehmt ihnl" Weiß Gott, war es die Schwäche, waren es meine Leiden, die mir den Gedanken eingaben, an das menschliche Mitgefühl des Assistenten zu appellieren, an ein Mitleid, welches er gar nicht Diamanten auf dem Wegs der Regie Vertrieben werden sollen, hat zu schweren Schädigungen der Förderer geführt, die viel zu billige Preise erhielten. Aber auch jetzt bei der so- genannten öffentlichen Ausschreibung ist ein Antwerpener Diamantensyndikat, dem früher die Diamanten durch einen Vertrag ausgeliefert wurden, eigentlich der einzige ernsthafte Bieter. Genosse Hoch vertrat auch mit Nachdruck die Forderung, daß im Aufsichtsrat der Regie auch Vertreter der deutschen Diamantenarbeiter sitzen müßten. Als er aber einen Vorwurf erwähnte, aus- drücklich ohne ihn sich zu eigen zu machen, der von einem intimen Verhältnis zwischen der Leitung der Regie und dem Antwerpener Syndikat gesprochen hatte, schäumte der Staats- fekretar S o l f ob der— gar nicht vorhandenen! fozialdemo- kratifchcn„Verleumdungen" und„Beleidigungen", mußte dann nach Einsicht in das Stenogramm den Vorwurf der Verleumdung zurücknehmen und bezog schließlich vom Ge- nossen Hoch nock) eine Abfuhr. Dazwischen hatte Erz- b e r g c r dagegen protestiert, daß die vielen für Südwest auf- gewendete» Millionen allein den Konzessionsgesellschaften zu- gute kämen, während sich der fortschrittliche Advokat W a li>- st e i n der armen Konzessionsgesellschaften wckkm annahm. Nächste Sitzung: Morgen 2 Uhr. Kurze Anfragen. Weiterberatung des Kolonialetats. Gegen die Polen. Nach Beendigung der zweiren Berakung de? Etat? der Eisen-- bahnverwaitung trat das Abgeordnelenhaus am Donnerstag in die erst« Lesung des sogenannten Grundteilungsgesetzes(Teilung land- oder forsiwirtschastlicher Besitzungen). In Verbindung damit standen nicht weniger als seckis Jiiiliativamräge der Freikonservativen, Nationalliberalen und Fortschrittler zur Debatte, die sich auf die Erhaltung des Bauernstandes, die Ansiedlung von Landarbeitern, die Schaffung von klein- und nintelbäuerlichen Betrieben und die Förderung der inneren Kolonisation beziehen. Eingeleitet wurde die Diskussion durch eine Rede des Land- Wirtschaftsministers Frhrn. v. Schorlemer, der sich darauf be- schränkte, in trockenem Amtsstil das zu wiederholen, was bereils in der Begründung steht. Zweck der inneren Kolonisation ist nach An- ficht der Regierung nicht die Aufteilung des Großgrundbesitzes. sondern lediglich die Herstellung eines richtigen Verhältnisses zwischen größerem, mittlerem und kleinerem Besitz. Dies Ziel soll angeblich durch den Entwurf erreicht werden, der sich in seinem ersten Teil gegen den gewerbsmäßigen Güterhandol richtet. In Wirklich- keit aber ist das nur ein nebenhergehender Zweck des Gesetz- entwurfs, sein eigentlicher Zweck ist die Bekämpfung des weiteren Vordringens der Polen. �So greift die Regierung, obnmächtiq, die polnische Bewegung einzudämmen, weil sie nur die äußere» Erscheinungen sieht, zu immer neuen Mitteln, um schließlich cinsoheli zu müssen, daß alle Arbeit vergeblich und alles Geld zum Fenster hinausgeworfen ist. Wie die bisherigen Kampfgesetze gegen die Polen, so wird auch dieS Gesetz ein Versuch mit untauglichen Mitteln bleiben. Diese Erkenntnis scheint allmälig auch in konservativen Kreisen sich Bahn zu brechen. Brachte doch der Frallionsredner der Kon- servativen, Abg. Dr. V. K r i e s, der als einziger Redner aus dem Hause zu Worte kam, wenn er sich auch im allgemeinen mit der Tendenz des Entwurfs einverstanden erklärte, im einzelnen so viel Bedenken vor, daß das Zustandekommen des Gesetzes vorläufig noch nicht gesichert ist. Die Beratung wird am Freitag fortgesetzt. Noch eine Sammlungsrede. Der diesjährige Deutsche HandelStag, eine Tagung der deutschen Handelskammern, erhob, wie schon im Vorjahre, die Forderung nach erweiterter Vertretung von Handel und Industrie in den Parlamenten, insbesondere im Reichstag. Gegenüber den agrarischen Interessen müssen in der Tat öfter die jener industriellen Kreise zurückstehen, ob- gleich die Behauptung natürlich übertrieben ist, daß die Par- lamente den Interessen der nicht-agrarischen selbständigen Erwerbstätigen keine Rechnung tragen, da ja in Wirklichkeit besah. Er zögerte einen Augenblick. Sollte er mir glauben oder nicht? Wahrscheinlich war mein Aussehen ein genügender Beweis meiner Krankheit. Schließlich siegte doch die Barbarei.„Simu- lationl" schrie er.„Zum Doktor!" Ter Arzt kam, sah mich an und erklärte mich für gesund. Ich wurde schrecklich geschlagen, man steckte mich in eine Zwangsjacke und warf mich in den Karzer. Ich sing an Blut zu spucken. Wie schwer ist es, das alles zu beschreiben und zu bekennen, daß man diese Schändung seiner Menschenwürde ertragen mußte. Es ist, als ob man alle diese Qualen nochmal durchlebte. Der Gedanke aber hat meine Kräfte ausrecht erhalten:„Du mußt den Menschen alles sagen, was du gelitten ha st, was du und deine Ge nossen in dieserHölle durch- lebt haben. Es ist deine Pflicht— eine schwere, schmerzliche Pflicht. * Jede Aenderung im Gefänigsleben wurde mit Geschicklichkeit ausgenützt, um nepe Qualen zu iämffen. Es schien, als wären die Gefangenen in ein stacheliges Netz eingewickelt, in welchem jede Bewegung schreckliche Schmerzen bereitete. Während des ganzen halben Jahres nach unserer Ankunft wurde in der ganzen Etage ständig geschlagen. Diese Peitscherei wurde hauptsäckilich durch zlvei geistesgestörte Gefangene veranlaßt, die ständig klagten, die andern trollten sie töten, weil sie sich für ihren Verrat rächen wollten. Das genügte vollständig, um alle Insasse» dieser Zelle peitschen zu lassen. Dann versetzte man die Verrückten in eine andere Zelle, wo sich die gleiche Geschichte wiederholte. Auf diese Weise wurde die ganze Etage ununterbrochen gepeitscht. Aus einer der unglücklichen Zellen richteten die politischen Ge- fangencn ein Gesuch cm den Gefängnisinspektor, mau möchte diese zwei Gefangenen einer ärztlichen Untersuchung unterwerfen. Das Schreiben wurde dem Inspektor gar nicht zugestellt und seine Ver- fasser wurden erbarmungslos geschlagen. Erst nachher stellte man die zwei Kranke» unter besondere Aufsicht, worauf sie sich gegen- seitig anklagten und nun endlich auf Grund einer ärztlichen Untersuchung als Geisteskranke in eine Anstalt für solche interniert wurden. Zu den schlimmsten Qualen im Qrelcr Gefängnisse gehören der Karzer und die Arbeit bei der Reinigung der Baumwolle. Der Karzer wird im Winter natürlich nicht geheizt. Die Häftlinge werden, nur mit Wäsche bekleidet, auf den kalten, steinernen Fuß- boden geworfen. Standhaftere und verhaßte Gefangene steckte man in eine Zwangsjacke und band ihnen Hände und Füße. Dann wurden sie an den Füßen gepackt und einige Male auf den Fuß- boden geworfen. Das war eine Folter, die meist innere Ver- letzungen zur Folge hatte. Die Arbeit bei der Reinigung der Baumwolle war noch schlimmer. Denn außer der Baumwolle bekam man auch die gebrauch- liche Portion Schläge. „Was? Willst Du tu die Baumwolle?" drohte der Assistent Sangailo, und das war die schlimmste Drohung. Der Raum, wo die Baumwolle gereinigt wurde, ist von schlechter Luft und giftigem Staub erfüllt. Nach einer halben Stunde Arbeit wurden die Augen rot und brannten. Keiner hielt es länger aus als 3 bis 4 Monate. Der Verurteilte bekam gewöhnlich heftige Tuberkulose und ging schnell dem Tode entgegen. die Kapitalisten die Herrschaj�in den Parlamenten ausüben. Der Handelsminister van S y d o w wies dann als Vertreter des Reichskanzlers auf dem Festmahl des Handelstages auf den eigeritlichen Wunden Punkt hin: „Worauf beruht denn in letzter Linie die größere Wucht, mit der die lavdwirlschastlickwn Interessen sich in der öffentliche» Meinung durchfegen. als die von Industrie und Handel? Darin, daß die Landwirtschaft einheitlich und geschlossen auftritt, daß sie die Interessengegensätze, die es auch bei ihr gibt, z. B. zwischen großem und kleinem Grundbesitz, zurückzustellen und das Gemeinsame allein in den Bordergrund zu bringen ver- standen bat. Daran aber fehlt es in Handel und Gewerbe noch sehr: wähl sind hier die JnleressenuntersÄied« maniugsalnger als innerhalb der Landwirtschaft..Aber es ist doch nicht nötig. daß bei so vielen wichtigen Fragen die Industrie der Halb- fabrikate und die der fertigen Wnren. der Großhandel und der Kleinhandel, die Fabrikrndustrie und das Handwerk, der Handel und die Industrie in Gruppen auseinanderfallen, die sich oft bekämpfen, und daß die Versuche, alle zu gemeinsamer Aktion zusammenzufassen, entweder, wie noch die letzten Wochen wieder gezeigt haben, von Anbeginn scheitern oder sich auf die Dauer als unwkrffam erweisen. Darum möchte ick den Kreisen, deren Interesse der Handclstag vertritt, zürnten: Wollen Sie einen starken Einfluß gewinnen, dann müssen Sie viel mehr als bisher das Ihnen G e- meinsame herausarbeiten, das Sie Trennende zurück- treten lassen." Diese neueste„Sammlungsrede" erhält ihr besonders charakteristisches Gepräge dadurch, daß der Minister ans das Scheitern Ser Welthandelsgesellschaft anspielt und indirekt den Anschluß oller industriellen und kommerziellen Kreise an den scharfmacherischen Zentralverband Deutscher Industrieller empfiehlt, der bekanntlich die Führung in der Welthandelsorganisation übernehmen wollte. Der Handelstninifter als Zutreiber für den hoch- schutzzöllnerischen Zentralverband bietet in der Tat eine hübsche Beleuchtung für die Parität, mit der unsere Regierung den handelspolitischen Strömungen gegenübersteht! Tie Nationalliberalen in den Fängen des Reichs- Verbandes. Für die Stichwahl in Borna-Pegau, die voraussichtlich am 26. März stattfindet, hat, wie der„Berliner Lokal- Anzeiger" meldet, der nationalliberale Kandidat Emil Nitzschka, Mitglied der Z Ivetten sächsischen Kammer, folgenden Aufruf erlassen: „Indem ich meinen Wählern für das der natioualliberalen Partei und auch mir persönlich erneut entgegengebrachte Vertrauen herzlichst danke, bitte ich alle meine Wähler, am Stichwahltage Mann für Mann ihre Stimme dem nunmehr alleinigen bürger- lichen Kandidaten Herrn v. Liebert zu geben. Das Vaterland über die Partei!" Weiter meldet das Blatt, auch ein Aufruf des Verbandes der nationalliberalen Vereine(unterzeichnet Strobel) ersuche die nationalliberalen Wähler, für Liebert einzutreten. Wohl in keinem Wahlkampfe sind die Nationalliberalen von den Reichsverbändlern so schinipflich behandelt worden, wie in diesem. Und nun sollen diese Wähler dem ärgsten Reaktionär zum Siege verhelfen? Der offizielle National- liberalismus zeigt sich wieder in seiner ganzen Charakter- losigkeit._ Schiffbarmachung des Rheins. In der gestrigen Sitzung der badischen Zweiten Kammer erNärte der Minister des Innern Freiherr von und zu Bod- man auf eine Interpellation betreffend die Schiffbarmachung des Oberrheins: Wir sind nicht allein in der Lag«, die Rheinregulierung durch- zuführen. Es werden noch Untersuchungen angestellt, ob das Unternehmen wirtschaftlich und rentabel ist. Gewiß ist, daß unsere Eisenbahnen große Verluste erleiden würden. Ein Wettbewerb sür die Schiffbarmachung des Rheins von Es gelang uns einmal, den Mitgliedern der Duma und den Zeitungen einige Einzelheiten mitzuteilen. Die Redaktionen wurden bestraft und in der Duma.ourd« jede Diskussion abgelehnt. Bald danach erschien eine Widerlegung, die von den Gefangenen unterschrieben war. Diese Widerlegung kam auf folgend« Weise zustande: In der Zeitung, welche über die Oreler Zustände schrieb, waren auch einige Namen der Folteropfer genannt worden. Als die Gefängnisadmmistration dies erfuhr, verhärte sie die Be- teiligten. Bei dem Verhör waren anwesend: der Gefängnis- inspektor, der Vorsteher und der Assistent. Tie Unterredung hatte ungefähr folgenden Verlauf: „Habt Ihr in die Zeitungen von den Folterungen geschrieben?" „Jawohl!" „Weil diese Beschreibungen der Wirklichkeit bollständig wider- sprechen, haben wir eine Widerlegung verfaßt. Unterschreibt sie!" „Nein, wkr unterschreiben sie nicht. Wir finden, daß die an- geführten Tatsachen gerade die Wirklichkeit darstellen." „Ueberlegt es Euch gut; morgen fragen wir wieder." Nach der Abfahrt des Inspektors singen die Gefangenen an zu„überlegen", und die Gefängnisadminff'kration half ihnen dabei: sie wurden in den Karzer geworfen. Nach der einleitenden Peitscherei prägte der Assistent: „Na, vielleicht habt Ihr Euch schon entschlossen, zu uute» schreiben?" „Nein, wir unterschreiben nicht!" „Gut, wir wollen sehen." Neue Folterungen. „Habt Ihr es Euch schon überlegt?" „Wir unterschreiben nicht!" Wieder Schläge. Die Unglücklichen werden ohnmächtig, doch kaltes Wasser und Salmiak bringen sie wieder zum Bewußtsein. „Hört, Ihr Hunde! Mit Euch werde ich nicht spassen. Leben- dig oder tot müßt Ihr unterschreiben! Hört Ihr!" Der Assistent hatte recht. Das Dementi wurde unter- schrieben. » Ich will nicht die Genossen aufzähl-n. die sich erhängte«, vergifteten und die Adern zerschnitten. Im Vergleich mit der Sterb- lichkeit war die Zahl der Selbstmorde ziemlich klein. Die TuberV. kulose forderte die uiciste« Opfer. Jeden Tag starben Leute, sie verschied«: still, gingen unbeachtet hin, ihren Nachfolgern Platz machend. Ich lebte anderthalb Jahre in diesen Gespensterkasematten und nahm schon Abschied von dem Gedanken, die Mauern einmal wieder zu verlassen. Vollständig unerwartet dämmerte die Hoffnung auf Befreiung. Als meine Familie von dem System erfahren hatte, das in Orel herrschte, betrieb sie meine Versetzung in ein anderes sibirisches Gefängnis. Eben bin ich auf dem Wege dorthin. Ich begegne wieder freien Menschen, sehe Frauen uitd Liinder. Auf alles schau« ich gleichgültig. Die Lebensfreude ist in mir für immer gestorben.— «schwindsüchtig— nennt man mich. Ob ich noch lauge leben werde? Erlebe ich noch den Tag der Freiheit? Ach! ein einziges Jahr wenigstens frei leben— cm einziges Jahr! Dann würde ich ruhig, sogar glücklich sterben! Basel Bis Konstanz ist auZgesckrieben. Voraussetzung ist natürlich die Schiffbarmachung der Strecke Strasburg— Basel. Der Rheinregulierung bis Konstanz steht die elsatz-lothringische Regierung nicht sympathisch gegenüber, da sie eine Schädigung der Handelsintcressen Strasburgs befürchtet. Wir können aber keinen Pfennig für den Großschiffahrtsweg Bewilligen, wenn er in Basel enden soll. Er muß vielmehr bis Konstanz durchgeführt werden, sferner muß die Schtveiz zu den Kosten beitragen, auch für die Strecke Basel— Straßburg, da die Schweiz dann direkt mit der??ordsee verbunden sein wird. Wesentlich ist ferner, daß Holland zu den Schiffahrtsabgaben seine Zustimmung gibt. Eine Einwirkung auf die elsaß. lothringische Regierung steht uns nicht zu. Wir haben für die Regulierung des Rheins bis Straß- bürg große Opfer gebracht, obwohl die Befürchtung nahe lag, daß Mannheims Verkehr leiden würde. Unsere Sonder- interesfen haben wir zurückgestellt, und wir dürfen deshalb erwarten, daß auch Elsaß-Lolhringe« uns gegenüber freundlich handeln wird. Der Bau einer Wasselstraße bis Konstanz ist nach Ansicht der Techniker ausführbar. Die Schiffbarmachung des Rheins von Breiiach bis Basel würde 106 Millionen Mark kosten, wobei 50 Millionen auf die Schiffbarmachung und 65 Millionen auf die Anlage von Wasserkraftwerken entfallen würden. In der an die Regierungserklärung sich anschließenden Debatte erklärten sämtliche Parteien, daß die Schiffbar- machung des Rheins bis Konstanz und die Erschließung der Wasserkräfte mit allen Mitteln zu fördern sei. Stürmische Sitzung im hessischen Landtage. Zu stürmischen Auftritten kam es am Freitag in der Zweiten Kammer des hessischen Landtages. Der Leiter des Schulwesens Staatsrat Süffert antwortete in höchst provozierender Form auf die Darlegungen von sozialdemokratischer und sreisiniriger Seite. Aus einen Zwischenruf des Genossen Dr, Fulda, daß sich in dem Auftreten gegen die Lehrer eine Feldwebelpolitik offenbare, ant- wortete Staatsrat Süffert, Dr. Fulda sei doch noch nicht einmal Gefreiter gewesen. Da dem Staatsrat genau bekannt ist, daß Ab« geordneten Dr. Fulda die Oualifikatio» zum Reserveoffizier wegen seines jüdischen Religionsbekenntnisses abgesprochen worden ist, so reagierte Dr. Fulda auf diese beleidigende Bemerkung mit dem Zu- ruf:»Sie unverschämter Staatsrat Fulda erhielt dafür zwei Orb- nungsrufe des Präsidenten. Hierauf führten die bürgerlichen Parteien eine Entrüstungs- komö.Me auf, indem sie Erklärungen gegen das Auftreten Dr. Fuldas abgaben, das parlamentarisch unwürdig sei.— Genofle Ulrich verurteilte mit scharfen Worten diese Komödie. Er führte den Herren zu Gemüte, daß sie kei» Gefühl besäßen für die wahre Würde der Volksvertreter, und daß sie Beleidigungen von Abgeordneten durch Regierungsvertrcter dann ruhig zuließen, wenn diese Ab- geordneten Sozialdemokraten seien. Genosse Ulrich selbst zog sich bei dieser Zurückweisung durch den etwas nervös gewordenen Präsidenten nicht weniger als drei Ordnungsrufe zu. Hierauf ging die Budgetberatung weiter. Ausbau des Hamburger Kolonialinstituts. Die Bürgerschast hat amMittwoch den Antrag deSSenats aus Ausbau de» Kolonialinstituts durch sofortige Errichtung von drei Professuren für Sprache und Kultur Jgpanö. für Kultur und Geschichte Indiens und für Geschichte und Kultur Rußlands sowie die Errichtung einer kolonialgeschichtlichen Abteilung am historijcheu Seminar ange- nommen. Zentrumsheuchelei. Die unverschämte Heuchelei des Zentrums, das öffentlich jeden, der bei irgendeiner Wahl einen sozialdemokratischen Kandidaten unterstützt, als Staatsfeind denunziert, selbst aber bei jeder Ge- legenheit die Sozialdemokratie um Wahlstimmen anbettelt, wurde am Mittwoch im württembergischen Landtag erbarmungslos auf- gedeckt. Zur Debatte stand ein Zentrumsantrag, der die staatlichen Arbeiter aus der Versicherungsanstalt Württemberg herausnehmen und für sie eine Sonderanstalt gründen will. Dieser nur dem Agitationsbedürfnis de» vom Zentrum patronisierten christlichen Eisenbahnerverbandcs entsprungene Antrag wurde von der Re- gierung und der gesamten linken Hälfte des Landtages bekämpft. Da auch der volköparteiliche Abg. Fischer, der Sekretär de« libe- ralen schwäbischen Eisenbahnerverbandes ist, sich scharf gegen das Verlangen des Zentrums wandte, wurde er vom Zentrumsabgeord- neten Graf als Knecht der Sozialdemokratie hingestellt und ihm vorgehalten, daß er bei den Wahlen zur Eisenbahner-Krankenkasse mit dem angeblich sozialdemokratischen Süddeutschen Eisenbahner- verband gegangen und bei den letzten Landtagswahlen einen Wahl- ausruf zugunsten der Sozialdemokratie unterschrieben habe. Darauf erwiderte Genosse 5k c i l, ob denn da« Zentrum glaube, es sei sein Privilegium, mit der Sozialdemokratie Wahlgeschäfte zu machen. Tie Verhandlungen im Dom zu Speyer seien doch aller Welt bekannt. Graf solle doch einmal seine Fraklionsfreunde Andre und Herbster fragen, wie sie sich zur Sozialdemokratie stellen. Ehe noch ein weiteres Wort gefolgt war, fuhr Andre auf mit den schuldbewußten Worten:.Es ist nicht wahr!" Er rückte dann heraus mit dem Geständnis, daß bei der letzten LandtagSivahl ein Freund von ihm mit der Sozialdemokratie in Tuttlingen in Vev bindung getreten sei, um gegen das Versprechen, da« Zentrum werde in Tuttlingen für die Sozialdemokratie stimmen, die Stichwahl- Hilfe der Sozialdemokratie für Andre in Oberndorf einzutauschen; doch will Andr6 selbst an der Sache nicht beteiligt gewesen sein, vielmehr sofort, als er von den Verhandlungen hörte, sie zum Scheitern gebracht haben. Genosse M a t t u t a t frischte aber das Gedächtnis des Zen- trumsabgeordneten auf. Nicht nur ein Freund Andres, ein katho- lischer Arbeitersekretär, sondern auch ein katholischer Geistlicher sei mit dem sozialdemokratischen Vertrauensmann in Tuttlingen münd- lich�und telephonisch in Verbindung getreten und hätte um Wahl- Hilfe für Andre gefleht. Nur an der Ablehnung der So- zialdemokratie sei der Versuch gescheitert. Trotz- dem sei mit Wissen Andre? am Wahltag in Oberndorf ein Plakat angeschlagen worden des Inhalts:„Sozialdemokraten, wählt Andre, das Zentrum wählt in Tuttlingen M a t t u t a t1" Vou der Sozialdemokratie wurde dieser Aufruf als Zenitumsschwindel gekennzeichnet. Da Andre lveitcr dehauptele, auch der Abg. Herbster wisse sich rein von einer Berührung mit der Sozialdemokratie, teilte Mattutat mit, daß Herbster ihn bei der Reichstagsersatzwahl in Konstanz zur Nachtzeit aus dem Bett geholt habe, um die Unterstützung des Zentrumskandidaten durch die Sozialdemokratie zu erbitten und Gegenleistungen in Aussicht zu stellen. Diese Mitteilungen erregten im Hause großes Aufsehen und erzeugten eine sehr kleinlaute Stimmung' im Zentrum. Auf die stürmischen Rufe von der gesamten Linken, Herbster solle reden, ergriff dieser schließlich das Wort und bestätigte unter allerlei Drehungen und Verrenkungen die Darstellung MattutatS. Wieder eine Kasernentragödie. Wiederum kann unser Bochumer Parleiblatt von einem Soldaten- selbstmord berichten, wie sie sahraus jahrein zu Hunderten in unserem „herrlichen" Kriegsheere vorkommen. Seit vorigem Herbst diente beim 8. badischen Infanterieregiment Nr. 16Ü in Lahr der Bergmann Gerhard Riß, der bis dahin in Witten bei seiner Großmutter, der Witwe Bruns, gelebt hatte. Am 2. März schrieb Frau Bruns an ihren Enkel eine Postkarte mit der Anfrage, was mir ihm los sei, da er gar nichts von sich hören lasse. Diese Karte kam zurück mit dem Vermerk: Am IL. Februar 1314, abends 8 Uhr, verstorben. An den Absender zurück. Darauf erbat sich Frau Bruns vom Regiment genauere Aus- kunst über Ursachen und Umstände des Todes und erhielt dafür folgenden Brief: Gericht des 8. Bad. Ins.- Regt. Nr. 163. b' 10- mii 1914 Frau Ww. Bruns, Witten-Ruhr. Auf Ihr Schreiben vom 5. S. 1914 teilt Ihnen das Regiment mit, daß sich Ihr Enkelkind, der Musketier Riß, am 18. 2. 1914, abends, das Leben genommen hat. Nach den angestellten Er- Mittelungen haben ihn häusliche Verhältnisie zu diesem Schritte veranlaßt. Nach Iseußerungen, die er Kameraden und Vorgesetzten gegen über machte, war er schon seil seinem 14. Lebensjahre wegen eines Zerwürfnisses mit seinen Ellern von Hause fort. Niemals soll er seitdem ivieder dorthin zurückgekehrt sein. Diese Trennung von den Eltern hat ihn stets sehr bedrückt und schließlich dann zu jener Verzweiflungstat getrieben. Einem Kameraden gegenüber, der Weihnachten mit ihm zu summen nach Wirten fuhr, hat er unterwegs tränenden Auges geäußert, daß dieser wenigstens nach Hause fahren könnte, ihm sei dies nicht möglich. Der Vater des Musketier Niß ist selbstverständlich sofort von dem traurigen Borfalle ur Kenntnis gesetzt worden. Er er- yvidert'e dem Regiment, daß er sich bei der großen Lebenslust seines Sohnes diesen Schritt nicht erklären könne. Das Ergebnis der Ermittelungen wurde dem Vater gleich- falls mitgeteilt. Niß war sonst ein braver Soldat und sein Plötz- licher Tod hat unter seinen Kameraden allgemeines und herzliches Bedauern hervorgerufen. Name unleserlich. Oberst und Regimentskommandeur. Demgegenüber existiert aber ein Brief von Niß, gerichtet an seine verheiratete Schwester und deren Ehemann, worin es heißt: Lahr, 17. Februar 1914. Lieber Schwager und Schwester!... Hier geht es ganz verrück: zu. Den» ich weiß manchmal gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Unsere Ausbildung ist nun vorbei. Aber jetzt fängt das Kompagnie- Exerzieren an; da holt sich mancher 3 Tage. Aber auch dieser Schmerz wird vorübergehen. Vor ein paarTogen habe ichmich tatsächlich mit Selbstmordgedanken rum geschlagen." Man beachte das Datum deS Briefes: 17. Februar; am 1 8. F e b r u a r hat Riß seine Selbstmordgedanken in die Tat um- gesetzt. Also wieder einer jener zahlreichen Fälle, die sich in der dunklen Stickluft der Katern« abspielen, ohne daß über die ivahren Ursachen solcher Verzweiflungstaten Klarheit gegeben wird. Wer das Kasernen- elend am eigenen Leibe kennen gelernt hat, wird solche Tragödien allerdings ohne weiteres verstehen. Berichtigung. Die Redaktion der„Schles. Volkszeitimg" ersucht uns um fol- gende Berichtigung: „In Ihrer Nummer vom 16. März schreiben Sie, daß„in der gut kölnischen„Schlesischen VolkSzeitung" ein Herr F. I. Reise Geistlichen der Berliner Richtung böse Dinge nachgesagt" habe.— Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist, daß in der„Schlesischen VolkSzeitung" die in Frage stehenden Ausführungen gegen„einen Geistlichen der Berliner Richtung" nicht gestanden haben." der Rochette-Stanüal. Paris, 19. März. Marineminister Monis, der vor dem Rochetteausschuß erscheinen soll, ist für die Tauer der Untersuchung von seinem Amt zurückgetreten. Mit der Leitung des Marineministeriums wurde interimistisch Kolonialminister Lebrun betraut. ZfaUs die Untersuchung ergibt, daß Monis sich keines tadelnswerten Vergehens schul- dig gemacht hat, wird er wieder an die Spitze des Marine- Ministeriums treten. Die Bureaus des Senats haben eine Kommission von neun Mitgliedern gewählt, die den Vorschlag der Kammer. deni Rochetteausschuß richterliche Befugnisse zu er teilen, prüfen soll. Die Kommission wählte R i b o t zum Vorsitzenden. Der Justizminister erklärte sich dannt cinver standen, daß die Befugnisse der Konimission darauf beschränkt sein sollen, daß die Kommission berechtigt ist, Zeugen zuin Er- scheinen zu zwingen und falsche Zeugenaussagen zu bestrafen. Ter„Matin" erzählt, C a i l l a u x habe vor einiger Zeit den Oberstaatsanwalt F a b r e zu sich berufen und ihn über den vielbesprochenen Bericht vom Jahre 1911 befragt. Dieser habe erwidert, dieses Schriftstück sei nicht vorhanden. Favre läßt vor den« Rochetteausschuß erklären, daß er einerseits Caillaux habe beruhigen, andererseits damit habe sagen wollen, daß der Bericht, den er in vertraulicher Weise dem dantaligen Justizminister B r i a n d übermittelt habe, nicht der Oeffentlichkeit preisgegeben werden sollte. Fahre hätte zu seineni Schutze das Original des Berichtes für sich de- halten. Der gegenwärtige Justizminister B i e n v e n u» Martin habe kürzlich Fabre gefragt, ob es wahr sei, daß er Briand eine Abschrift seines Berichtes übergeben habe. Fabre habe bejaht, worauf Bienvenu-Martiu sein Bedauern darüber aussprach, daß dieses Schriftstück aus dem Justiz- Ministerium verschwunden sei, und Fabre ersuchte, ihm eine neue Abschrift zu geben. Fabre habe dies trotz wiederholten dringenden Ersuchens des Justizministers abgelehnt. Tie erste Sitzung. Paris, 19 März. Der Rochetteausschuß der Kamnier beschloß, bereits inorgen die früheren Minister Monis und Caillaux, den Oberstaatsanwalt Fabre und den Gerichtspräsidenten B i d o u l t de l'J s l e zu vernehmen. Das schlechte Gewissen. Pari«, 13. März.(Privattelegramm des„V o r- wärt s".)-JSHc reaktionäre Presse bekämpft die Versehung der Rochette-sivmmisfion mit gerichtlichen Bollmachten al» eine revolu-, tionäre Verletzung des Prinzips der'Gewaltentrennung. Nur zu durchsichtig ist ihre Befürchtung des wachsenden Ansehens der Sozialisten und auch die Furcht, daß eine rücksichtslose Untersuchung die Demokratie rehabilitiert und die reaktionären Intriganten ent- larvt. Wahrnehmbar ist auch das Bestreden, die Aufmerksamkeit von der zweischneidigen Untersuchung durch die Aufrührung der afrikanischen Politik Caillaux und einen nationali st ischen Skandal abzulenken. Militarismus und Klerikausmus rüsten zu einem entscheidenden Sturm gegen die radikale Republik. Frau Caillaux. Paris, 19. März. Dem„Matin" zufolge wiederholte Frau Caillaux einem Sekretär Laboris gegenüber das Bedauern über ihre Tat. Sie sei über die Prehkampagne wahnsinnig aufgeregt gewesen und habe jetzt erkannt, daß sie eine schwere Schuld auf sich geladen habe, als sie jich einen Augenblick willenlos der Verwirrung hingab. der Kampf um tzomerule. Tie Debatte über das Mißtrauensvotum. London. 19. März. Unterhaus, Bonar Law beantragte ein Mißtrauensvotum, in dem erklärt wird: das Haus bedauere die Weigerung der Regierung, Vorschläge zu einem Zusatzantrag zur Homerule Bill zu machen und ist der Meinung, daß dies« Vor- schlage vor der Wiederaufnahme der zweiten Lesung gemacht wer- den müßten. Bonar Law erklärte, die Lage sei heute weit gc- fährlichcr als sie je gewesen sei, und wenn ein Ausweg gefunden würde, wäre es durch ein Mittel, das er ganz und gar nicht voraus» sehen könne. Die Opposition habe nicht die Tür rasch zugeschlagen und würbe sie auch nicht ohne Notwendigkeit zuschlagen irgend einem von der Regierung ernstlich vorgebrachten Vorschlag gegenüber in der Hoffnung, dadurch den Frieden herzustellen. Wenn jedoch der Grundsatz der Verständigung darin bestehen sollte, daß die Ulster- leute nach der Uebergangszeit automatisch unter die Homerule Bill gebracht werden sollten, so mühte die Opposition dies voll- kommen ablehnen. Falls Ulster nicht aus dem Bereinigten Königreich ausgeschlossen würde, so würde die Opposition dies alß Grundlage für eine mögliche Beratung und Ver- Handlung zur Lösung der Schwierigkeiten annehmen. Wenn die Regierung deren Vorschläge in die Homerule Bill einfüge und diese durch eine Volksabstimmung dem Lande unterbreite und das Land dies billige, so würden die Unionisten sich nicht länger widersetzen. A s q u i t h wiederHolle die Vorschläge der Regierung vom 9. März. Er fügte hinzu: Er Hab« Kenntnis von dem Vorschlage Bonar Laws genommen und frage, ob U l st e r das Ergebnis einer Volksabstimmung annehmen würde? C a r s o n unterbrach ihn und sagte: Wenn Asquith mir einen endgültigen Vorschlag macht, will ich Antwort geben. Asquith richtete im weiteren Verlauf seiner Rede einen ernsthaften Appell an das Haus, zu bedenken, daß die neuen Vorschläge die einzige Hoffnung auf eine dauernde Ver- ständigung gäbe. Carson erwiderte: Die Regierungsvorschläge in ihrer gegenwärtigen Form sind nicht wert, von Ulster in Erwägung gezogen zu werden. Japan. Keine Verständigung. Tokio, 19. März. Die gemeinsame Konferenz von Vertretern beider Häuser des Landtages hat den Zusatzantrag des Oberhauses, der den Marineetat um sieben Millwnen Pfund Sterling herabsetzen will, mit einer Stimme Majorität b e r»'W w o r f e n. Die eutscheidende Stimme war die des durch das LoZ gewählten Vorsitzenden, der zufällig ein Oberhausmitglied ist. Letzte Nachrichten. Die Home-Rule-Debatte. L»nd»n, 19. März. Das Unterhaus bot heute das Bild eines großen Tages. Binar Law und Asquith hielten ihre Reden vor dicht besetztem, gespannt lauschendem Hause. Der Ton beider Reden war maßvoll, aber nachdrücklich. Ein von Carson gegen die Regierung und besonders gegen Churchill unternommener Angriff rief auf beiden Seiten des Hauses Unruhe hervor. Später stellte der Nationalistenführer Devlin neuerlich fest, daß Carson einstmals Anhänger von Home-Rule gewesen wäre. Carson sprang erregt auf und rief: Das ist eine infame Lüge!(Große Unruhe.) Der Sprecher ersucht Carson, sich in seinen Ausdrücken zu mäßigen. Carson erwiderte: Die Behauptung war eine wissentliche Unwahr» hell.(Erneute Unruhe.) Delvin versuchte in seiner Red« fortzu- fahren, doch dauerte der Tumult an. Der Sprecher schritt erneut ein und forderte die Mitglieder des. Hauses auf, persönliche An, griffe zu vermeiden. Devlin setzte hierauf seine Rede ungestört fort. Er führte aus, es habe niemals eine größere Maskerade des Scheins oder de« Betruges gegeben, als die Erzählung von einem Bürgerkrieg in Ulster. Die einzige neue EntWickelung in der Lage ist das Anerbieten Bonar Laws, daß die Opposition die Home-Rule-Bill annehmen würde, wenn sie durch ein« Volksabstimmung gebilligt würde. Aber obwohl Asquith erklärt, er würde sich keiner An- regung verschließen und Kenntnis nehmen von dem Anerbieten, so zeigen seine Einwände gegenüber dem Grundsatz der Volks- abstimmung, daß Laws Anerbiete» wahrscheinlich nicht angenommen werden wird. Während der Debatte erhob sich Carson und verließ da? Haus, um sich nach Belfast zu begeben. Sämtliche Mitglieder der Opposition erhoben sich von ihren Sitzen und brachen in begeisterte Hochrufe aus. Salandra italienischer Ministerpräsident. Rom, 19. März.(W. T. BJ Der König hat heute in einenl Erlaß die Deinissioit des Kabinetts Giolitti angenommen und Salandra mit der Bildung des neue« Kabinetts beauftragt. Zusgmmeustoß mit einem Torpedoboot. Venedig, 19. März.(W. T. B.) Das italienische Torpedoboot 66 T" stieß mit einem Dampfer der städtischen Dampffchiffahrts- gesellschast, der mit etwa 89 Personen an Bord vom Lido herkam, zusammen. Der Dampfer sank und der größte Teil der Passagiere ertrank. Einige Personen wurden gerettet. Sechs Leichen wurden in das St. Anna-Hospital überführt, darunter die des russischen Vizekonsuls Merkinski. Die Vertreter der Behörden haben sich sofort an die Unglücksstelle begeben. Die Zahl der Opfer soll un- gefähr 59 betrage». Venedig, 19. März.(W. T. B.) Sofort nach dem Zusammen- toß des Torpedoboots mit dem Passagierdawpfer wurde der mit mächtigen Scheinwerfern ausgestattete österreichisch- ungarische Schlepper„Titan" zu Hilfe gerufen; auch ein Boot des deutschen Kreuzers„Goeben" eilte herbei. Der Chefkomwandant des Marine- departements leitet persönlich die Rettungs- und Bergungsarbeiten. Der Torpedojäger„Jrrequisto" sucht mit Tauchern nach den Leichen. Es sollen«ur etwa zehn Passagiere gerettet sein, VIIS TOURISTEN DIE NAT VEREIN REUNDE Touristenverein „ Die Naturfreunde" Ortsgruppe Berlin. Mitglied der Zentralfomm. für Sport- u. Körperpflege. Sonnabend, den 21. März 1914: Oberbayerische Kirmes in Schinkelheim( Berliner Klubhaus, Ohmstraße 2). Auf dem Festplatz: Großer Tanz usw. Die Teilnehmer werden ersucht, als Tourist, Sommerfrischler oder in entsprechenden Kostümen zu erscheinen. Anfang 8%, Uhr. Einlaßkarte 50 Vf. 1/ 4* Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin, N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Rohrleger und Helfer! Sonntag, den 22. März 1914, vormittags 10 Uhr, in Obiglos Festsälen, Koppenstr. 29: Branchen- Verfammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wilhelm Siering. 2. Neuwahl der Agitationskommission und der Branchenbertreter. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! 114/19 Zentralverband der Handlungsgehilfen Bezirk Groß- Berlin Büro: C25, Münzstr.20 Heute Freitag, den 20. März 1914, pünktlich 83 Uhr, in den Musiker: Sälen( Großer Saal), Kaiser Wilhelm- Straße 31: General- Verfammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht a) Kassenbericht b) Geschäftsbericht c) Kaufmannsgerichtswahlen 2. Neuwahl der Ortsverwaltung 3. Verschiedenes. Kolleginnen und Kollegen! reiches und pünktliches Erscheinen. 77/ 9* Steinarbeiter! Dienstag, den 24. März, abends 8, Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Versammlung der Sektion I Bau- u. Grabsteinbranche Tagesordnung: Bericht der Tarifkommission und Stellungnahme hierzu. 171/ 8* EF Rein Kollege darf fehlen! Die Sektionsleitung. Verband der Steinsetzer, Pilastereru. Berufsy. Filiale Berlin. Den Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis, daß am wichtigen und reichhaltigen Tagesordnung bitten wir um zahl Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 3), mit der Wegen der äußerst Sonnabend, den 21. März cr., vormittags 9 Uhr, im Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Arbeitslosen- Unterstützungs- Auszahlung begonnen wird. Auch erhalten daselbst die Ausgesteuerten und im Jahre 1913 neueingetretenen Mitglieder Extra- Unters ftüßung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Branche der Einsetzer und Ladeneinrichtungs- und Kontormöbelbranche. Sonntag, den 22. März, vormittags 11 Uhr: Besichtigung der Feuerbestattungsanlagen in Treptow. Treffpunkt 10%, Uhr, Bahnhof Baumschulenweg. Sonntag, den 22. März 1914, vormittags 10 Uhr, in den Sophien- Sälen, Sophienftr. 17/18( großer Saal): Ueberschuß wird der Unterſtügungstaffe überwiesen. Zur Dedung der Unkosten sind pro Person 20 Pf. zu zahlen; etwaiger Branchen- Versammlung aller in den Eisenkonstruktions- Werkstätten beschäftigten Arbeiter sowie Fahrstuhlmonteure und Helfer. Tagesordnung: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 22. März 1914, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3: Branchen- Versammlung der Emaillierer Berlins u. Umgegend. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genoffen Davidsohn: „ Gastfreundschaft und Fremdenrecht." 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Sonntag, den 22. März 1914, vormittags 10 Uhr, im Voigt- Theater, Badstr. 58: Die Teilnehmer müssen pünktlich zur Stelle sein. Sonntag, den 22. März, vormittags 9½ Uhr, bei Greive, Rungestr. 30: Versammlung aller in Cheaterdekorations- Gefchäften, Filmbetrieben und Theatern beschäftigten Tischler. Tagesordnung: 1. Jit es. möglich, in unserer Branche einen Tarif einzuführen? 2. Distussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Tischbranche. Sonntag, den 22. März, vormittags 10 Uhr, in den Comenius- Festsälen, Memeler Str. 67: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Walther über„ Bollsfürsorge". 2. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Es ist erwünscht, daß die Vertreter der Bezirte und Branchen an. wesend find. Sargtischler. Branchen- Verfammlung Sonntag, den 22. März, vorm. 10 Uhr, bei Michaltſeck, der Wickelei- und Isolationsarbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Bauer über: ,, Die Reichsversicherungsordnung." 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Am Sonntag, den 22. März, vormittags 10 Uhr, findet in der Treptow- Sternwarte eine Sonder- Vorstellung mit Film für unsere Mitglieder statt. Zur Aufführung gelangt: Wilhelm Cell nach alter Chronik. Billetts a 40 Pf. sind im Bureau Linienstraße 83/85, Zimmer 3, zu haben. Achtung! Achtung! Erwerbslose, Kranke. Dr Wegen Quartalsschluß bleibt das Bureau am Mittwoch, den 1. April, den ganzen Tag gefchloffen. Da sämtliche Mitgliedsbücher zur Abrechnung eingezogen werden, ersuchen wir die Kollegen, bis zum Dienstag, den 31. März. ihre Unterstützungen abzuheben. Ausgeschloffen davon sind diejenigen, welche ihre Unterstützungen erst nach Beendigung der Krankheit abheben. Für Mittwoch, den 1. April wird schon am Dienstag, den 31. März, gezahlt. Wegen der Osterfeiertage finden die Zahlungen wie folgt statt: Für Mittwoch und Donnerstag, den 10. und 11. April, wird am Mittwoch, den 8. April, gezahlt. Für Freitag und Sonnabend, den 10. und 11. April, wird am Donnerstag, den 9. April, gezahlt. Karfreitag bleibt das Bureau gefchloffen. Für Montag, den 13. April( 2. Feiertag), wird am Sonnabend, den 11. April, bis 12 Uhr gezahlt. Nachmittags geschloffen. Am Dienstag, den 14. April( 3. Feiertag), wird die laufende Unterstützung bis 12 Uhr gezahlt. Nachmittags geschlossen. Wir bitten die trauken Kollegen, Vorstehendes genau zu beachten! Die Ortsverwaltung. Petersburger Str. 84: Branchen- Versammlung. Tagesordnung: Verbands- und Branchenangelegenheiten. Montag, den 23. März, abends 8 1hr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11-12: Versammlung aller in den Betrieben der Wagenbauerund Stellmacher- Innung beschäftigten Versicherungspflichtigen. Tagesordnung: 1. Die Krankenversicherung. 2. Aufstellung der Kandidaten zum Ausschuß. 85/1 Die Ortsverwaltung. Möbel- Angebot. Gute, reelle Möbel laufen Sie am billigsten beim Fachmann. Wohnungs- Einrichtungen sowie einz. Möbel in riesiger Auswahl( 3 Etagen). Ev. Teilzahlung. Vorwärtslejern 5% extra. 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Außerdem waren die Differenzen, da es sich um Stücklöhne, Teilatford und Zeitlohn, jowie um Heimarbeiter und Werkstattarbeiter handelte, außer ordentlich vielgestaltig. Die Erhöhung auf die einzelnen Affordsäge bewegen sich zwischen 6 und 10 Broz, im Durſdimitt betragen sie 8 Broz. auf die Grundpofitionen. Außerdem wurden die Löhne für in einer Versammlung der Streitenden mit 219 gegen 116 Stimmen Das Resulat dieser äußerst schwierigen Verhandlungen wurde die bei 10 Stimmenthaltungen angenommen. Die Arbeit soll, soweit Betriebsverhältnisse dies erlauben, am Donnerstag, den 19. März, früh aufgenommen werden. Damit ist auch der Streif bei der Firma Ostertag in Göppingen erledigt, weil diese Firma als Mitglied des Unternehmerverbandes die Zugeständnisse anerkannt hat. Herr Langguth alle Arbeiter, um andere Ausbeutungsobjekte anzus es sich um Waffenarbeiter bandelt. Sie verlangen in den Inseraten werben. Fahrradarbeiter, wollen aber in Wirklichkeit die Gesuchten in der Der Tektonbetrieb der Deutschen Steinholzwerke des Herrn Paul Waffenbranche als Streitbrecher haben. Langguth ist darum gesperrt. Für die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Beendeter Streit in der Stuttgarter Herrenkonfektion. Zweigverein Berlin. Am 18. März wurde der seit dem 2. Januar dauernde Streik Der Zentralvorstand des Handlungsgehilfenverbandes Achtung, Gastwirtsgehilfen! Die über den Hadepeterbetrieb ber in der Stuttgarter Herrenkonfektion beschäftigten Zuschneider, erläßt in der neuesten Nummer des Fachorgans einen Aufruf, Strohmeyer in Charlottenburg, Rantstr. 111, verhängte Sperre Schneider und Näherinnen beendet. Die Verhandlungen über den der sich an die Handlungsgehilfen wendet, aber auch die an- ist aufgehoben. Die Betriebe„ Restaurant anr Wildgrube", Inhaber Abschluß des Kampfes begannen bereits am Sonntag, den 8. März, deren Handlungsgehilfenverbände an ihre Pflicht ermahnt. Föllmer, Brunnenstr. 173, und„ Bierhallen zur Kottbuser Hütte", fonnten aber erst am 17. März abends zu Ende geführt werden. In dem Aufruf wird darauf verwiesen, daß von allen An- Inhaber Berndt, Neukölln, Kotibuser Damm 73, Ecke Lenau- Außer den örtlichen Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter trägen und Anregungen, die im Reichstage und in der Reichs- straße, find nach wie vor gesperrt. tagskommission gegeben worden sind, nur der sozialdemokratische Antrag für die Handlungsgehilfen annehmbar ist. Obl und inwieweit der sozialdemokratische Antrag noch die Zustimmung der Reichstagsmehrheit finden würde, hänge im Die Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter im Januar. wesentlichen von den Handlungsgehilfen selbst ab. Sie sollten Jm Bauarbeiterverband ist bis Ende vorigen Jahres feine fortdie Vertretung ihrer Interessen nicht allein den sozialdemo- laufende Arbeitslosenstatistik geführt worden. Wenn die Arbeitslosen Fratischen Abgeordneten überlassen, sondern die kauf- gezählt wurden, so geschah es im ganzen Reiche an Stichtagen, von männischen Angestellten müßten selbst Hand ans Wert legen. deren Ergebnis auf die übrige Zeit Schlußfolgerungen gezogen einige Extraarbeiten erhöht und über 50 Tarifpofitionen neu einDie Einigkeit, die ihnen sonst von den prinsipalsfreundlichen werden mußten. Seit Anfang dieses Jahres wird nun infolge der geführt. Der Stundenlohn wurde von 50 auf 55 Pf. erhöht, der Organisationen, z. B. von dem Verband Deutscher Handlungs- Einführung der Arbeitslosenunterstützung auch im Bauarbeiterverband Tagelohn für Schneider von 4,50 M. auf 4,75 M. bei 9/ stündiger täglicher Arbeitszeit. Für die Zuschneider wurde eine neue Gehaltsgehilfen zu Leipzig und dem Verein für Handlungskommis eine fortlaufende Statistik geführt. Ihr Ergebnis für Januar wird staffel eingeführt, wonach das Gehalt im vierten Jahre nach dem Einvon 1858, gepredigt wird, könnten sie hier in anderer Weise in Nr. 12 des Grundstein" veröffentlicht. Daraus ergibt sich, daß tritt in die Branche mindestens 37 m. wöchentlich betragen muß. in die Tat umjeßen, indem sie gemeinsame Vorkehrungen sich viele Mitglieder an die Neuerung noch nicht gewöhnen können. Weitere Bahlungen bleiben der freien Vereinbarung überlassen. treffen, um die gefeßgebenden Gewalten zu zwingen, die Bon 1040 Zweigvereinen haben nur 700 brauchbare Berichte ge- Jeder Zuschneider erhält sofort eine Zulage von 1,50 M. pro Woche. Sonntagsruhe zu gewähren. liefert, und auch ein Teil dieser Vereine hat mitgeteilt, daß nicht alle Ferner wurde die Feriengewährung geregelt. Für Arbeiterinnen im Die Geschäftsinhaber behaupten, die Sonntagsruhe sei Arbeitslose von dieser Statistit erfaßt seien. Insgesamt haben die Beitlohn tritt eine sofortige Lohnerhöhung von 90 Pf. bis eine Mart nicht durchführbar. Die Handlungsgehilfen könnten den Be- 700 berichtenden Ortsverein 235 495 Mitglieder, von denen sich im pro Woche ein. weis dafür liefern, daß sie in Wirklichkeit durchführbar ist. Laufe des Monats Januar 81 392 oder 34,6 Proz. wegen Arbeitslosigkeit Die Handlungsgehilfenverbände müßten ihre Mitglieder an- und Strankheit zur Kontrolle meldeten. Begen Arbeitsmangels allein weisen, von einem zu bestimmenden Tage ab keine Sonntags- meldeten sich 72 345 oder 30,72 Proz. Durchschnittlich entfielen bei arbeit mehr zu leisten. Folgen die Mitglieder einer solchen 26 Arbeitstagen auf jeden Arbeitslosen 18 Arbeitslosentage. Am Weisung ihrer Verbandsleitungen, dann würde der Kampf legten Werktage des Januar waren noch 49 558 Mitglieder, das find um die Sonntagsruhe siegreich beendet werden, dann gäben 21 Broz. der Gesamtheit, arbeitslos, woraus zu schließen ist, daß die gesetzgebenden Gewalten nach, indem sie das, was die bei einer Stichprobenstatistik am Ende des Monats nicht die ganze Handlungsgehilfen erreicht haben, gefeßlich sanktionierten. Größe der Arbeitslosigkeit im Januar zum Ausdrud gekommen Daher richtet der Vorstand des Zentralverbandes der wäre. Da sich viele Arbeiter nicht zur Kontrolle gemeldet haben, Handlungsgehilfen an die Mitglieder aller Handlungs- erscheint die Arbeitslosigkeit in der Statistik ohnehin milder als sie gehilfenverbände das Ersuchen, von ihren Verbandsleitungen in Wirklichkeit war. Von den einzelnen Berufen hatten die Stuffa Maßregeln in diefem Sinne zu verlangen. Diejenigen Ver- teure mit 41 Proz. berhältnismäßig am meisten Arbeitslose; ihnen bandsleitungen, die diesem Wunsche nicht nachkommen, würden folgen die Maurer mit 38.6 Proz., die Hilfsarbeiter mit 29,2 Proz., dadurch zeigen, daß es ihnen mit der Vertretung der Gehilfen- die Betonarbeiter mit 22,9 Proz., die Fliesenleger mit 21,6 Proz., interessen durchaus nicht ernst ist. Das gleichzeitige Vor- die Erdarbeiter mit 19,7 Proz. und die Jfolierer mit 9,3 Proz. gehen, wenigstens der größeren Gehilfenverbände, sei Voraussetzung, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Um dieses Der Streit auf der Grube Hostenbach- Saarbrücken ist nunmehr gemeinsame Vorgehen zu erreichen, sei es Gewissenspflicht zur Tat geworden. Die Grubenverwaltung lehnt jegliche Unteraller Berufsgenossen, diese Agitation des Zentralverbandes handlung ab, weil die Belegschaft die Kündigung eingereicht hat, der Handlungsgehilfen nach Kräften zu unterstüßen, überall bevor die Grubenausschußfißung über die Forderungen der Belegdafür Stimmung zu machen. Der Worte seien genug ge- schaft entscheiden konnte. Die Verwaltung der Grube hat es jezt wechselt, nun müßten die Handlungsgehilfen endlich Zaten mit der Entscheidung nicht sehr eilig, so daß am Sonnabend, dem zeigen. Ueberall müßte es jetzt aus den Reihen der Gehilfen- lezten Tage, an dem die neue Arbeitsordnung noch nicht in Kraft schaft erschallen: Wir müssen zur Selbsthilfe greifen, dadurch Mittagsschicht bekamen von der Verwaltung ihre sofortige Entlaffung war, ein Teil der Belegschaft fündigte. Etwa 100 Mann von der werden wir die Gesezgebung vorwärts treiben! wegen der Weigerung, die Schicht zu befahren. Weitere Entlassungen stehen bevor. Durch Agenten sucht die Grube nunmehr Arbeiter anzuwerben. Wie bekannt, find bei dem Streit in der Hauptsache Mitglieder der chriftlichen Bergarbeiterorganisation beteiligt. Achtung, Bauarbeiter! Die Sieinholzfirma Doloment, Inhaber Zum Kampf in der Solinger Waffenbranche. Baul Langguth, hat die Fabrikation eines neuen Steinholzartikels übernommen. Aus Magnesit, Sägespähnen, gemahlener Hoch- Die Unternehmer wenden eine neue Taftif an. Durch Zurüd ofenjchlade und Lauge werden die sogenannten Zettonplatten annahme der Kündigung der Mitglieder des Metallarbeiter- Verbandes gefertigt. Den dabei beschäftigten Arbeitern wollte Herr P. Langguth und der Unorganisierten versuchen sie, einen Keil in die Bewegung anscheinend demonstrieren, wie ostelbise Junker ihre Leute" entlohnen hineinzutreiben. Diese ihre neue Tattit hat aber Schiffbruch geund behandeln. Bei 40 bis 45 Pf. Stundenlohn verlangte er eine litten. Die Mitglieder des Metallarbeiter- Verbandes haben es abaußergewöhnlich hohe Leistung. Seine Ansicht über die Arbeitszeit gelehnt, in den Betrieben weiter zu arbeiten. Seit Mittwoch find tam in dem Satz zum Ausdruck: Die Arbeitszeit bestimme ich". auch sämtliche Unorganisierte aus den Betrieben ausgetreten, sodaß Nur sollte feine eigene Arbeitszeit dabei keinen Maßstab bilden. Als in den ausgesperrten Betrieben nur noch einige Meister und einige sich schließlich die Organisation der bedrängten Arbeiter annahm und Lehrlinge arbeiten. Die Firmen versuchen nun, durch Inserate in zur Abstellung der obigen Mißstände Verhandlung anbot, entließ der bürgerlichen Presse Arbeiter zu bekommen, ohne mitzuteilen, daß soll jährlich einen Reingewinn von 200 000 Pfund Sterling( 4 Millionen Mart) erzielen. Nun, da der Preis der Times" auf einen Benny die Nummer erniedrigt worden ist, wird der Kampf um Eine Revolution in der englischen Journalistik. Das welt- diese Beute entbrennen. Hart wird der Kampf vielleicht werden, bekannte Londoner Blatt" The Times" ist unter die Plebejer ge- aber sein Ende kann nicht zweifelhaft sein. Dann wird der„ Nagangen. Vor einem Jahre kostete dieses Sprachorgan der herrschen- poleon der Journalistik", wie sich Lord Northcliffe gern nennen den Klasse Englands noch 3 Pence die Nummer, dann ging der hört, auf dem ganzen Felde triumphieren. Vielleicht wird dieser Breis auf 2 Bence herab, um mit dieser Woche bei dem demokra- Zeitungsfapitalist schließlich noch den lieben Gott einladen, in den tischen Benny anzulangen. Diese Preisentwidelung besagt mehr, Spalten seines beispiellofen Weltblattes die Freuden des Paraals auf den ersten Blid zu erkennen ist. dieses zu annoncieren, ehe ihm die Konkurrenz mit der Schilderung ihres durchwärmenden, idyllischen Klimas in diesen rauhen Märztagen zuvorkommt. Berlin und Umgegend. Kleines Feuilleton. Die Times" find teine Zeitung gewöhnlichen Schlages; fie Find ein nationales Institut, die Quelle der lauteren Wahrheit, die publizistische Unfehlbarkeit und das Orakel der Nation in ihren Möten. Wenigstens hat die Herrschende Klasse Großbritanniens, die trotz der politischen Spaltung sich einiger ist als irgendeine andere herrschende Klasse der Welt, es verstanden, dem englischen Volke, dem das Blatt meist nur aus Zitaten bekannt ist, diese Meinung beizubringen. " Der erlösende Schritt der Reisekultur. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die ungarischen Staatseifenbahnen haben sich auf Grund befriedigender Versuche entschlossen, nach Art der Schlafwagen richtige Sinowagen in die Züge einzustellen. Der Reisende, der einen solchen Wagen betritt, wird durchaus den Eindrud haben, als ob er sich in einem der üblichen Lichtbildtheater befinde. Die Anordnung der Sippläge ist theatermäßig. Auch sind alle Vorsichtsmaßregeln analog denen im festen Theater getroffen worden, um jedem Unglüd vorzubeugen. Um den Reisenden, die eine längere Fahrt vor sich haben, zu mehrmaligem Besuch des fahrenden Kinos anzuregen, hat man beschlossen, das Programm stündlich wechseln zu lassen. Bersammlung beschlossen, den für die Verbandsbrauereien be Die Brauereiarbeiter in Dresden haben in start besuchter stehenden Tarifvertrag zu fündigen. Die bisher bestandenen Verträge zeigten noch verschiedene Mängel und verhinderten nicht, daß für bestimmte Arbeitergruppen ungünstige Auslegungen gemacht werden konnten. Auch die Arbeitsnachweisfrage für die Brauereihilfsarbeiter muß endlich gelöst werden, weil die Brauereien den dazu gegebenen Versprechungen nicht nachgekommen sind. Die seit dem letzten Tarifabschluß zunehmende Teuerung und die Entwidelung der Technik in den Brauereibetrieben bedingt auch eine Revision der Arbeitszeit und Löhne. Die Agitationsmethode der Chriften. Der Verwaltungsstelle Stuttgart des Deutschen Trans portarbeiterverbandes gehören auch 400 Straßenbahner als Mitglieder an. Ein Bruchteil von diesen fühlt sich nun neuerdings in der zuständigen Organisation nicht wohl, wie sie behaupten, weil glauben mit dieser Ausrede sich am besten um ihre Pflicht als in ihr auch die Fuhrleute organisiert sind. Die Nichtorganisierten Arbeiter drücken zu können. Von welcher Seite aus diese Bewegung genährt wird, ersieht man am besten aus einem Artikel, den ein Vertreter des christlichen Straßenbahnerverbandes in dent ultramontanen Stuttgarter ischen Volksblatt" vom 16. März d. J. veröffentlicht hat. Nachi er die gerpagte Behauptung aufgeftellt hat, der christliche Stragenbahnerverband habe in Kö Indo über 1000 Mitglieder, und an anderen Orten habe er ebenfalls starte Straßenbahnerzahlstellen-merkwürdigerweise werden die anderen Orten verschwiegen- fährt er in Anpreisung seiner Scheinorganisation wie folgt fort: " Jene Arbeiter und Angestellten der Straßenbahn und der Gemeinde, welche im Zentralverband christlicher Gemeinde. arbeiter und Straßenbahner Mitglied sind und noch beitreten, find materiell viel besser daran, als wenn sie beim sozialdemokra tischen Transportarbeiterverband, wo auch die Fuhrleute und ähnliche Arbeiterkategorien organisiert sind, angehören würden." Auch fühlt man sich beträchtlich wohl im reinlichen Salontirol Der Dichter schwingt im Gmüatl ' s Hüatl. Und auch die Tonlunst ist allhier: da hinten trommelt am Klavier für viele Pinke- Pinte Paul Linde. Und alles ist im Ordensfrad. Nur leider fehlt der Kunstgeschmac Nun, man behilft sich ohne beim Sohne, Sohne, Sohne beim Sohne. Notizen. " Theobald Tiger. Vorträge. Ueber Wanderungen in Spit. bergen" halten heute abend 8 Uhr in der" Viktoriabrauerei", powstraße 111/112, Kapitän Riischer und Dr. Wedemeyer einen Vortrag mit Lichtbildern. Das Theater ber 5000, das der Zirkusdirektor Sarra fani in Dresden erbauen ließ, läßt sich nicht halten. Von der Höhe Unsere Zeit ist den heiligsten Gütern nicht hold. Das mußten auch die" Times" erfahren, als sie vor einigen Jahren unter die Herrschaft des Ueberjournalisten Herrn Harmsworth fielen, der sich heute mit seiner großen Trommel, der" Daily Mail", als Lord Northcliffe Eingang in das Oberhaus verschafft hat. Die Brüder Harmsworth find gerissene Jungen. Der eine ist konservativ und der andere liberal; so kann sich die neue Journalistik ungehindert Der Reisende, der in Ungarn die letzte Wagenklaffe betritt, hat amerikanisch- phantastischer Hoffnungen ist es schnell hinabgerutscht. nach links und rechts ausbreiten. Für die Times" brachen mit durchaus den Eindruck, als ob er sich in einem Schweinestall be- Es hat sich nicht bewährt und der Besizer wäre jezt froh, wenn die der Herrschaft Lord Northcliffes forgenvolle Tage an. Wie sollten finde, und der soll ihm auch noch lange nicht genommen werden. Stadt Dresden ihm den Riesenlasten abnähme. Er würde es selbst fie, die bisher den vornehmen englischen Gentlemen, der sich durch Die ungarischen Eisenbahnen stecken sich ein höheres Ziel. Sie mit Verlust hergeben, so satt hat er das mißratene Ding. nichts aus der Fassung bringen läßt, herauskehrten und deren halten die Flimmertiste für„ berufen", dem Eisenbahnwesen an Druderei übrigens eine Streifbrecherbude ist wie sollten sie mit gegliedert zu werden, und sorgen so mehr für die geistigen" Be- Amundsen, der gestern von Berlin zurückgekehrt ist, erklärt in einem Amundsen 8 Nordpolfahrt verschoben? dem frechen, dummen und dredigen Hesblatt Daily Mail" in einem dürfnisse des reisenden Publikums. Es find alle Vorsichtsmaßregeln Interview Aftenposten", daß er seine Nordpolfahrt wegen des Bu Gespann laufen? Beitweilig machte der arme Batrizier einen getroffen, um jedem Unglück vorzubeugen, und nur im Falle einer standes der Fram", feines Expeditionsschiffes, vielleicht noch um fläglichen Eindrud; zum Beispiel als Lord Northcliffe zur Einsicht Eisenbahnkatastrophe werden die Reisenden in dem mitrollenden ein Jahr hinausschieben müsse, da es zweifelhaft sei, ob die" Fram" tam, daß die konservative Partei mit der Propaganda der Lebens- Kintopp ihres Lebens nicht sicher sein. mittelsteuern nicht wieder ans Ruder kommen fonnte, und„ Daily Mail wie„ Times" am selben Tage gegen die Lebensmittelsteuern in diesen Tagen Punta Arenas erreiche. Das Schiff müsse dort ge Front machen mußten. " " sich der wechselnden Bilder, die da Gottes freie Natur bot, und nicht bis Mitte Juli erreichen könne, sei es ristant, die Expedition Früher blickten die Reisenden zum Fenster hinaus und freuten reinigt werden; falls es alsdann von dort aus San Francisco waren zufrieden. Jetzt werden sie sich in der mitrollenden Flimmer in diesem Jahr auszuführen. Dem Lord Northcliffe war es natürlich nicht nur darum zu liste, in der das Brogramm stündlich wechselt, fesseln und hinreißen tun, als Hauptbefizer der„ Times" zu gelten. Er war der An- lassen. Und manch einer wird gerne über das Ziel semer zwanzig--Ein neues Mittel gegen Warzen hat Dr. Szontagh ficht, daß die unwägbaren Werte diefes nationalen Instituts" fündigen Reife hinausfahren, um noch den legten Aft eines fenfatio in Budapeſt gefunden. Es besteht in der Bebedung der Hautstelle fapitalistisch nicht wirksam genug ausgebeutet würden. Er träumte nellen Dramas zu sehen. init einem einfachen Gummipflaster, das wochenlang liegen bleibt von der Reklame im napoleonischen Stile. Zuerst zeigte sich das In den ungarischen Nachtzügen ist nicht einmal für Wasch- und alle drei bis vier Tage erneuert wird. Die Wirkung dieses so Blatt etwas spröde. Bald aber ging es immer flotter. Eine mit gelegenheit gesorgt, aber in den eingestellten Kinowagen wird überaus einfachen Verfahrens soll sicher sein, wenn jeder Reiz auf schwer bezahlten Annoncen reich geschmückte Beilage folgte der man Dinge zeigen, bei denen wenigstens fein Auge troden bleibt. die Haut durch Reiben oder dergleichen vermieden wird. anderen. Ganze Industrien wurden tributpflichtig gemacht. Dann wurden ganze Länder annonciert. Die ersten Staaten, die ihre Vorzüge, ihre Leistungs- und Zahlungsfähigkeit in dem Blatte des Lord Northcliffe annoncierten, waren die südamerikanischen Republiken. Dann kam das ewig geldhungrige Rußland. Die russische Beilage ist zu einem Institut geworden. Die Times" loben das Barenreich über den grünen Klee und Väterchen annonciert. Auf dem Gebiete der Weltreflame ist Lord Northcliffe unbestrittener Herrscher. Und nun schickt er sich an, auch die kleinen Fische zu fangen. Auch die kleinen Annoncen bringen viel Geld ein. Bis jetzt hat sie das fonservative Familienblatt The Daily Telegraph, der beren täglich ganze Seiten voll bringt. Das Blatt Humor und Satire. Die Kronprinzenbühne. Sieh da, sieh da: am preuß'schen Hof erblickt man einen Musenschwoof. Man spielt beim Sohn vom Vater Theater. Die fleine Zote, lieb und nett, wird blant poliert für das Parkettund, was der Gallier schildert, gemildert. - Ein flammenloser Sprengstoff. Aus Florenz erfährt die Stampa", daß es einem jungen, faum zwanzigjährigen Chemiker, Guido Fei, gelungen sein soll, ein Sprengmittel zu erfinden, das ohne Flammenerscheinung explodiert. Bormärzliches. In Deutschland tauchen Kabinettsorders von 1820 aftiv aus dem dunfelsten Dunkel auf und in Desters reich macht man ähnliche Funde. Dem Schulreformer Dr. Wyneken hat man in Wien einen Vortrag über seine pädagogischen Jdeen ver boten aus Rücksicht auf die öffentliche Ruhe und Ordnung", und das Verbot stügte sich auf eine„ Spektakelverordnung", die aus dem Jahre der schwärzesten Metternichschen Reaktion 1836 stammt. Zu der Behaupturv- die Straßenbahner seien im christlichen S tragen bahnerverband Ma/ eriell besser daran als im Deutschen Transportarbeiterverband, sei nur kurz bemerkt, daß der christliche Artikelschreiber weih, dah i-z hier Wahrheit und Dichtung in arger Weife verwechselt«. Für die Agitationswethode der Thristen ist«s aber sehr be- zeichnend, dah sie behaufüen. die Straßenbahner seien im christ- lichen Stratzendahnervervand deshalb besser daran, weil ihm keine Fuhrleute und ähnliche Arb«iterkategorien angehören I Derselbe Christ, der heute den Straßenbahnern sagt, es sei ein Glück für sie, daß sie nicht dem Transportarbeiter- verband angehören, denrn die nützen die Organisation nur aus, d«r erklärt morgen de» Transportarbeitern und schwört Stein und Bein darauf, baß ihre Interessen nirgends besser vertreten und gewahrt werden als im christlichen Transvortarbeiterverband. Wie traurig muh eS doch um eine Organisatwnsrichtung bestellt sein, dia, um Mitglieder zu bekommen, an die niedersten Instinkte im Menschen appellisren und einen Teil der Arbeiterschaft gegen den anderen aufhetzen, und verdächtigen muß. Ehrlich ist ein solches Vorgehen nicht, aber echt christlich und jesuitisch. Der Zweck heiligt daS Mittel. De» Mitgliedern und Funktionären des Deutschen Transportarbeiterberbandes wird diese Leistung im Kampfe gegen die Christen gute Dienste leisten. Sie ist geeignet, diesen die heuch- lerische Maske vum Gesicht zu reißen und verdient deswegen die weiteste Verbreitung. Ausland. Gesetzen halten. Den Grundsatz, daß die Bürgerdeputierten aus I gesetzt; es wird ferner versucht, allgemein etwa? weniger Fleisch Lohnbewegung der österreichischen Post- und Telegraphenangcstellten. Das Beispiel der französischen Post» und Telegraphenarbeiter. die ihre Lohnwünsche mit Erfolg bei der Regierung durchzusetzen wußten, scheint nunmehr auch in Oesterreich Scbule zu mache». Die Mechaniker der staatlichen Telephon» und Telegrophenbetriebe be» aSfichtigen nämlich Ebenfalls, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie fordern»ine angemessene Erhöhung ihrer Bezüge und Einreihung in den staatlichen Beamtenrang. Sollte die Regierung nicht geneigt sein, ihren Wünschen nachzukommen, so sind sie entschlossen, in die passive Resistenz einzutr.'teu. Dadurch würde der Telegraphen» und Telephonbetrieb in Oesterreich schwere Störungen erleiden. /wo öer Partei. Gemeindewahlerfokge. In-Langenbielau im Eulemzebirge wurden nicht nur die schon in unserem Besitz befindlichen drei Mandate mit überwältigenden Majoritäten behauptet, sondern noch ein vierte» dazu gewonnen. Damit verschwindet der letzte bürgerliche Bertreter aus der dritten Abteilung des G« mern�parlaments. In StonSdorf und Därndorf im Riesengebirge wurde in der dritten Abteilung je ein Genosse gewählt. Trotz der Verschlechterung des Gemeindewahlrechts, wie sie die sächsische Landgemeindeordnu ng im äußersten Fall zuläßt, siegte bei der Gemeinderatswahl in H i r s ch s e l d e der Lagerhalter Genosse Seifert in der Klasse der höchstbesteuerten Unansässigen. polizeiliches, Gerichtliches usw. Der beleidigte'Zuhälter. Zjm Juni 1913 würben die Genossen Frank« und Beyer doo der„Rheinischen Zeitung- in Köln wegen Beleidigung eine» mestr als zehnmal vorbestraften Menschen i Hauptmann), der im Teutzer LandfriedenSbruchprozeß eine unheilvolle Rolle gespielt hatte, von der Kölner Strafkammer zu hohen Strafen verurteilt. Franke erhielt sechs Wochen Gefängnis, Beyer 200 Mark Geldstrafe. Ihre Revision wurde am Mittwoch vom Reichsgericht verworfen. Selbst der Reichsanwalt beantragte Aufhebung des Urheils, soweit es gegen Beyer gefällt sei, da die Begründung unhaltbar sei. Er erklärte sogar, daß über die Gerechtigkeit der Verurteilung der beiden Redakteure an sich, vielleicht Zweifel bestehen könnten, was freilich das Reichsgericht nicht nachzuprüfen habe. Das Reichs a�richt verwarf die Revision, weil es die Abficht der Beleidigung f« beiden Fällen für jfestgestellt hielt, obwohl es sich nur um die mit einigen Schlußfolgerungen versehene Wickdergabe einiger vom Landgericht selbst als wahrheitstreu anerkannter Gerichts- berichte handelte..„ r, Gerzen Hauptmpnv ist inzwischen ein neues Verfahren wegen Zuhälterei eingeleitet worden. Da er nicht mehr aufzufinden ist, hat dieselbe Staatsanwaltschaft, die sechsmal öffentliche Anklage wagen Beleidigung dieses Subjektes gegen die ..Rheinische Zeitung" erhob und auch stets eine Verurteilung er- zielte, einen Steck rief hinter i h m erlassen! Und es fordert zu interessanten Vergleichen heraus, daß dieselbe III. Kölner Strafkammer, die die..Ehre" dieses Menschen so hoch einschätzte, einige Monate spater, freilich unter einem anderen Vorsitzenden, den Genossen Sollmann roegen Beleidigung der höchsten staats- anwaltlichen und polizeilichen Spitzen zu d00 M. Geldstrafe ver- urteilte._ Zur Rettung des gefährdeten Militarismus werden in Elber- seid große Anstrengungen gemacht. Ter hinter verschlossenen Türen geführte Prozeß gegen Winqen und Ullenbaum wegen der Broschüre „Wer will unter die Soldaten?" ist kaum beendet, so wird dort eine neue Staatsaktion eingeleitet. �Donnerstag vormittag wurde in der Redaktion der Elberfelher.Freien Presse" und dann in der Wohnung des Verantwortliche« gchauSsucht nach der Anklageschrift gegen Winnen und Ullenbaum. Unser Slberfelder Parteiblatt hatte nämlich am IS. März aus dieser Schrift die sechs Anklagepunkte veröfteutlicht. Dies war die Ursache der Haussuchung. Gefunden wurde selbstverständlich nichts. Staötverorünetenversammlung. 19. Sitzung vom Donnerstag, den 19. März 1914, nachmittag? 5 Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 6H Uhr. Dem Vorentwurf zum Neubau einer Gemeinde- doppelschule nebst einem Depot für die Parkverwaltung an der Danziger Straße stimmt die Versammlung ohne Debatte zu. Ohne Diskussion tritt auch die Versammlung einem Ausschuß- antrage bei. der sich mit der Umgestaltung des Dönhoff- Platzes befaßt. Der Vermehrung der Waisendeputation um eine Stelle, die durch eine Frau besetzt werden soll, hat der für den Antrag Düring eingesetzte Ausschuß zugestimmt. Nach dem Antrage sollten der Deputation zwei Frauen hinzutreten. Bon dem Dtadtv. Cassel ist beantragt:„Ten Magistrat zu ersuchen. unter Abänderung der bestehendcu Organisation die Waisen- pflege durch eine besonder« selbständige Abteilung der Armendirektion verwalten zu lassen, und zwar derart. daß auch Frauen als st immberechtigte Mitglieder dieser neuen Organisation gewählt werden können. Die Ver- sammlung ersucht ferner, der Magistrat wolle zur Verwaltung des Fürsorgewesens Krauen als nicht stimmberechtigte Mit- glieder hinzuziehen." Von den Sozialdemokraten wird beantragt, drei Stellen für Frauen neu zu schaffen. Referent des Ausschusses ist der Antragsteller Stadtv. Düring(Fr. Fr.). Stadtv. Cassel(Ä. L.): Wir sind einig in dem Wunsche, daß leitende Behörde unserer Waisenpflege gerade so wie die die leitende Behörde unserer Waisenpflege gerade so wie Armendirektion auch Krauen zu Mitgliedern zählt. Wir lehnen.„ aber den Ausschußantrag ab. da wir ihn für unvereinbar mit den I sichtigt, daS Essen zu verschlechtern. den.Einwohnern" entnommen werden sollen,' wie er für die Armendirektion gilt, können wir nicht auf die Waisendeputation ausdehnen, da die zu ihr gehörigen Bürgerdeputierten nach der Städteordnung stimmfähige Bürger sein müssen. Mit dieser Negation wollen wir uns aber um der Sache willen nicht begnügen daher unser Antrag, der das gewollte Ziel ohne Schwierigkeiten erreichen läßt. Auch die Fürsorgeangelegenheiten können dann von Frauen mitberaten werden. Auf dem Wege unsere? Antrags allein wäre ein positives Ergebnis zu erzielen. Stadtv. Dr. Nosenfeld(Soz.): Für uns ist die Zulassung von Frauen zur Waisendeputation etwas Selbstverständliches. Auch Herr Cassel und seine Freunde wünschen diese Zulassung, aber sie wollen sie in einer Weise regeln, die der Stellung der Frau nicht entspricht, ja etwas Entwürdigendes hat. Wir möchten von vorn- herein ganze Arbeit machen. Formal juristische Erwägungen, die wir noch dazu nicht einmal für richtig halten, können uns nicht irremachen. Die Waisendeputation ist schon vorhanden gewesen bevor es ein Fürsorgeerziehungsgesetz gab, ebenso wie die Armem direktion schon bestand, bevor das Unterstützungswohnsitzgesetz er- ging. Auch die Waisendeputation erledigt Ärmenangelegenheiten daher ist die Zuziehung von Frauen rechtlich ohne weiteres zu gelassen. Sollte der Magistrat sich ans den Standpunkt des Kollegen Cassel stellen, dann ist für die Annahme seines Antrages immer noch Zeit. Die Mehrheit des Ausschusses hat gerade ebenso gründlich� überlegt wie der Geheimrat Cassel. Beide Anträge würden übrigens einer geordneten Mitarbeit der Frauen nicht voll gerecht werden; wir wollen sie den Frauen sofort ermöglichen, und daher beantragen wir die Schaffung von drei neuen Plätzen für Frauen, und zwar stellen wir dieses Amendement sowohl zum Ausschußantrage wie zum Antrag Cassel.(Beifall bei den Sozial demokraten.) Stadtrat LSHning: Auch der Magistrat wünscht die Teilnahme von Frauen an der Waisenverwaltung und in der Fürsorge- erziehung. Er kann aber auf den Boden des Ausschußantrages nicht treten, denn die Waisendeputation ist ausdrücklich auf Grund der Städteordnung 1904 und 1998 geschaffen worden unter.Los- lösung" von der Armendirektion; sie ist eine selbständige Berwal tungSdeputation, die durch Gemeindebeschluß existiert, und sie hat auch nicht nur Angelegenheiten zu erledigen, die in den Bereich der Armenpflege gehören. Der Antrag Cassel ist im Magistrat nicht auf juristische, aber auf verwaltungstechnische Bedenken ge- stoßen; man sieht die formelle Spaltung der Waisendeputation für durchaus unerwünscht an, Es wird zurzeit daher nichts übrig bleiben, als Frauen mit nur beratender Stimme zuzuziehen. Stadtv. Cassel: Der Vorwurf des Kollegen Dr. Rosenfeld gegen mich, als hätte ich den Vorschlag der AuSschußmehrheit als nicht überlegt bezeichnet, war gänzlich deplaziert. Daß der Magistrat auch unfern Antrag ablehnt, bedauere ich sehr; die Zu ziehung der Frauen ohne Stiminberechtigung halten wir nicht für ausreichend. Die entgegenstehenden VeiwaltungSschtoierigkeiten können nicht ins Gewicht fallen. Stadtv. Roscnow(N. L.): Etwa» ungewöhnlich ist eS doch, daß der Magistrat auch schon über ein Amendement sich schlüssig ge macht hat, das erst heute beantragt wird. Nehmen wir beide Am träge an. dann Hot der Magistrat die Auswahl. In der Abstimmung wird daS Amendement der Sozialdemokraten, di*. Zahl der Frauen auf drei festzusetzen, gegen die Stimmen der Alten Linken angenommen, und mit dieser Modifikation der Ausschußantrag. Der Antrag Cassel gelangt mit der gleichen Abänderung ebenfalls zur Annahme. Für Bauausführungen in den städtrschen G a» � werken und am Gasrohrnetz sowie für Neubeschafftmger werden 2 463 000 M. gefordert, wovon 1 Million dem Etat 191i entnommen werden sollen. Die Versammlung ist damit einvev standen. Auch den an den höheren Lehranstalten vertretungsweise be- schäftigten anstellungsfähigen Kandidaten de? höheren Lehramts wird die Befreiung von der Krankenversicherung». Pflicht durch Gewährleistung der Ansprüche aus Z 169 der Reichs- Versicherungsordnung l Krankenhilfe oder Anspruch auf den 1)4 fachen Betrag des Krankengeldes) zugestanden. Dem VersammlungSbeschlusse, die Beihilfe für den Hanpwerein Kinderhort" zu Berlin für 1914 von 20 000 auf 27 000(statt auf 24 000) M. zu erhöhen, hat der Magistrat die Zustimmung versagt: er hält eine'Erhöhung um 4000 M. nach wie vor für aus- reichend und sagt evtl. einen Zuschuß aus dem von der Stiftung� deputation verwalteten Straßenbahnfonds zu. Die Versammlung nimmt davon Kenntnis. Bis zum 1. April 1914 muß Bestimmung darüber getroffen sein, ob der Stadt die B. E. W. zum Taxwert oder zum Buchwert übergeben werden sollen. Der Magistrat will sie zum Vuchwert übergeben haben. Endgültige Entscheidung über die Uebernahme der Werke durch die Stadt wird damit noch nicht getroffen. Die Versammlung nimmt den Magistratsantrag ohne De batte an. Die Beratung des Stadthaushaltsetats für 1314 wird hierauf auf Grund der Anträge des EtatSauSschusseS fort- gesetzt. Ueber die Etats für die Krankenhäuser und die Heilstätte in Buch referiert Stadtv. Dr. Landau(A. L.j. Beim Rudolf-Virchow� Krankenhaus soll die Zahl der Assistenzärzte um 2 auf 38 erhöht werden. Der Magistrat hat sich damit einverstanden erklärt und eine Nachtragsvorlage dem Ausschüsse zugehen lassen. Von den Stadtv. Sonnenfeld(A. L.) und Dr. Jsaae<5. L.) wird die Streichung der beiden für ambulatorische Behandlung Geschlechtskranker bestimmteu Assistenten beantragt. Dagegen soll der Magistrat ersucht werden, in gemischter Deputation zu beraten, ob die Einrichtung einer Poliklinik zur ambulatorischen Behandlung Geschlechtskranker geboten ist. Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Der Kämmerer hat eine Erhöhung der Verpflegungssätze in Aussicht gestellt. Eine solche Maßnahme spricht jeder Sozialpolitik Hohn; es wird dann eine Menge hilfsbedürftiger Kranker die Krankenhäuser nicht aufsuchen, bndern die Krankheiten weiter mit sich herumschleppen. Besonders auch der Mittelstand würde darunter zu leiden haben; wo bleibt also die von Ihnen immer so sehr betonte Mittelstandspolitik? In einem unserer Krankenhäuser soll der Selbstkostensatz 7 M. betragen, meinte der Kämmerer; die Stadt erhöbe aber nur 3 M. Das heißt doch mit Zahlen jonglieren, denn bei diesem Satz handelt eS sich peziell um das Kinderkrankenhaus, wo überdies der allergrößte Teil der Patienten auf Kosten der Stadt verpflegt wird; also würde man hier bloß aus einer Tasche in die andere zahlen. Unsere Krankenhäuser entwickeln sich auch immer mehr zu wissen» schaftlichen Pfleg st ätten. Wir warnen also vor einer Erhöhung der Verpflegungssätze, wie sie auch die Deputation ein- stimmig abgelehnt hat. Die Stadt hat ein großes Interesse daran, daß ihre erkrankten Mitbürger schneller wieder leistungsfähig, konsumfähig und steuerkräftig werden. DaS geschieht aber durch die Erleichterung der Aufnahme bei billigen Sätzen.— In der sogenannten„Reformkommission" für die Krankenhäuser haben auch wir eifrig mitzuarbeiten gesucht; aber diese„Reform'kommission will sparen, knapsen und knausern um jeden Preis. Das zeigen die zahlreichen Beschwerden der Kranken und Beamten darüber, daß die Speisen in Quantität und Qualität geringer geworden sind. Die Verpflegungskostenanschläge der Verwaltungsdirektoren, die tzoch durchweg auch sparsame Herren find, haben aus Veranlassung des Kämmerers durch den Magistrat eine erhebliche Herabsetzung, um 10 Pfennig und mehr pro Tag, erfahren; eine Ausnahme macht nur das Krankenhaus Moabit, wo der Satz von 1,68 auf 1,66 M. erhöht worden ist. Die Aerzteschaft steht heute auf dem Stand- Punkt:„Wer gut ernährt, heilt gut"; da geht es also nicht an, gerade bei der Beköstigung zu knausern. Der Reform- kommission müßte auch ein Arzt angehören. Stadtrat Selberg: Klagen über das Essen sind stets laut ge- worden, so lange es Krankenhäuser gibt. Es ist keineswegs beab- Nur der erste Tisch ist herab- zu geben, und auch da leiten uns nur ärztliche Autoritäten. Ter Reformkommission gehören auch Aerzte an. Stadtv. Dr. Wehl: Als Mitglieder, soweit ich weiß, nicht. Tie Hauptperson ist der Revisor. Bon den übrigen Erklärungen de» Magistratsvertreters nehme ich Akt. Stadtrat Dr. Straßmann: Der Revisor hat gar keine Vor- schlüge zu machen, sondern nur die Kommission. Bürgermeister Dr. Reicke bestätigt letzteres noch besonders. Stadtv. Sonnenfcld(A. L.) äußert sich über die Frage der Einstellung der beiden neuen Assistenzärzte. Der MagistratSvor- schlag habe in den Aerztekreiscn Beunruhigung hervorgerufen. Die Frage sollte in aller Ruhe in gemischter Deputation erwogen werden. Stadtv. Dr. Isaak(N. L.) bestreitet ebenfalls das Bedürfnis dieses Ambulatoriums, für das man die Parallele der staatlichen, ausschließlich Untcrrichtszwecken dienenden Poliklinik nicht heran- ziehen dürfe. Stadtv. Dr. Lazarus(Fr. Fr.) tritt im Gegensatz zu den Vor- rednern für die geplante ambulatorische Behandlung lebhaft ein. Sie sei im Interesse der wirksamen Bekämpfung der Sy- p h i l i Z ganz unentbehrlich. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: Die medizinischen Gutachten sprechen sich durchweg für die Einrichtung aus. Der Magistrat hat danach die Einstellung der beiden Assistenten beschlossen. Ob die Assistentenzahl im Virchow-Krankenhaus überlastet ist, wird noch nachgeprüft werden, da ein Teil der Assistenten auch noch im Rettungswesen Nachtdienst getan hat. Die ambulatorische BeHand- lung ist eine Notwendigkeit; in Frage kommen lediglich die Armen- kranken.— Redner geht auf die Streitfrage der Behandlung mit Salvarsan und anderen Mitteln näher ein, um auch von diesem Gesichtspunkte die ambulatorische Praxis als unentbehrlich dar- zutun. Stadtv. Dr. Wehl: Wir lohnen den Antrag in beiden Teilen ab. Es kann nur im Interesse der Kranken liegen, wenn derselbe Kranke nach derselben Methode von Anfang bis zu Ende be- handelt, eine einheitliche Behandlung durchgeführt wird. Das ist nur auf dem Wege der ambulatorischen Behandlung zu erreichen, wie sie ja übrigens schon seil 1903 beim Virchow- Krankenhause besteht. Gegen eine so tückische Krankheit wie die Syphilis ckann gar nicht genug angekämpft werden.— ES handelt sich bei dem Rettungswachendienst der Assistenten, der heut« in der „Voss. Ztg." etwas denunziatorisch erwähnt wurde, um gelegeni- liche, ausnahmsweise Vertretungen, noch dazu in der Zeit der Be- urlaubung von Assistenten. Bürgermeister Dr. Reicke: ES ist nicht beabsichtigt, die ambn- lawrische Behandlung auszudehnen; sie soll»in beschränktem Rahmen" bleiben wie bisher. Eventuell könnte ja die Bewilligurig ausgesprochen, die Besetzung der Stellen aber unsererseits aus- gesetzt werden, bis die Frage geklärt ist. Stadw. Sonnenfcld polemisiert gegen Dr. Wehl, der wieder seinem Ideal, der Verstadtlichung des ganzen ärztlichen Dienstes nachgestrebt habe. Die Bestellung dieser beiden Assistenten sei der erste Schritt auf einem sehr gefährlichen Wege, an dessen Ende der Ruin de? Aerztestandes stehe. Stadtv. Dr. Landau(A. L.): Di« Frage ist völlig spruchreif. Der Armenarzt kann ja die Behandlung gar nicht durchführen, dazu ist sie viel zu kompliziert, zeitraubend und kostspielig. Selbst vom materiellen Standpunkt des Arztes aus ist die Behauptung unsinnig, daß eL sich hier um eine Konkurrenz handelt. Mit einer Poliklinik hat die Frage gar nichts zu tun. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) erklärt sich ebenfalls gegen den Antrag Sonnenfeld-Jsaac. Stadtv. Dr. Jfaac fordert, daß die Allgemeinheft der Aerzte in den Stand gesetzt werde, den Kampf gegen die Syphilis so zu ühren, wie ihn die beiden Assistenten führen sollen. Stadtv. Sonnenfcld hält den Vorgang, daß ein Referent als Diskussionsredner auftreie, in einer so wicknigen Frage für äußerst ungewöhnlich, ruft damit aber lebhaften Widerspruch hervor. Er weist dann noch auf den in einer Petition des Berliner Aerzle- Vereins gegen die Einrichtung erhobenen Protest hin, in der die Aerzte nicht nur eine Mnderung ihre» Einkommens, sondern auch ihres Ansehens erblicken.. Damit schließt diese Debatte. Ueber den Antrag Sonnenfeld- Jsaac, der jetzt dahin geändert ist, den Magistrat zu ersuchen, die Anstellung der beiden Assistenzärzte auszusetzen, wird n a m e n t» i ch abgestemmt. DaS Ergebnis ist die A b l e h n u n g mit 87 gegen 38 Stimmen. Ter Antrag auf Einsetzung einer gemischten Deputa- tion wird abgelehnt. Die Etats der Krankenhäuser werden genehmigt. Referent für die Baurtats, oioie für die folgenden Spezialetats: Märkisches Museum, Stadt- bibliothek. Volksbibliotheken und Lesehallen, Gehälter der Magi- teatsmitglicder, Personalbcsoldungen, Ruhegehälter, Witwengelder und Unterstützungen, Statistisches Amt, Verwaltung der Bureau» dienstgcbäude und Bureaus, GeschästSbcdürfnisse und Prozeßkosten ist Stadtv. Bruns(Soz.). Im Hochbauctat ist von dem Neubau der Stadtbibliothek„und des Oberbürgermeisterhauses" die Rede. Von Aus- chuß wegen sind diese drei Worte gestrichen,„da der Versammlung von einem solchen Hause überhaupt nichts bekannt ist".— Im Tief. banetat sind die Anliegcrbeiträge für Straßenregnlierungen von 820 000 auf 620 000 M. erhöht, dagegen die Ausgaben für Instand- Haltung des Straßenpflasters um 28 000 M. auf die vorjährige Höhe von 2 028 000 M., die Ausgaben für Aenderungen am Kanali- ationSrohrnetz von 89 000 auf 78 000 M. herabgesetzt worden. Der Bücheranschaffungsfonds für die Stadtbibliothek soll au» Gemeindemitteln um 6000 M. erhöht und auf 36 000 ZR. gebracht »erden.— Dem Stadtschulrat Dr. Michaeli» will der Etats- ausschuß eine persönlich« pensionsfähige Gehaltszulage von 3000 M. bewilligen.— Für die Sparkasse soll ein besonderer D i r e k» o r mit 8000 M. Gehalt, steigend bis 10 000 M., bestellt werden. — Die ständigen Bureaugehilfen sollen nach einem Dienstalter von 12 Jahren die Amtsbezeichnung„SekretariatSassistenten" erhalten. Stadtv. G a l l a n d(A. L.) knüpft beim Etat der Volks» ibliotheken an eine vom Türerbunde ausgehende Kritik der Entleihungszahlen an, um mehr und eingehenderes Material über die Benutzung und die Benutzer der Bibliotheken vom Magistrat zu erbitten. Bürgermeister Dr. Reicke sagt Erfüllung drS Wunsches zu. Auf Anregung des Stadw. Sonnenfeld bestätigt der Bürgermeister, daß mit der Regelung der Krankenvcrsichc» rungspflicht für die im Wege des Privatdienstvertrages angestellten tädtischen Bediensteten eine Benachteiligung in den Bezügen nicht eintreten soll. Auf eine bezügliche Anfrage deS Stadw. R o s e n o w stellt Ober. Bürgermeister Mermuth richtig, daß an die Ausarbeitung der Besoldungsaufbesserungvorlage alsbald gegangen werden soll, daß aber damit nicht gesagt sei, daß unter allen Umständen schon vor der Aufstellung des nächsten Etats eine Vorlage gemacht werden wird. Stadtv. Dr. Cohn(Soz.): Unter sanftem Zwang« hat der Magistrat im vorigen Jahre Bilder von einer großen Anzahl mann- licher und weiblicher Beamten, bis herunter zu den bescheidenen Angestellten der Badeanstalten und dergl., herstellen lassen. Ueber die Schaffung eines solchen Verbrecheralbums auf Borrat ist in den beteiligten Kreisen berechtigte Mißbilligung entstanden. Schau rüher ist Streit darüber gewesen, ob die Polizei berechtigt ist, ei» solches„Verbrecheralbum aus Vorrat" anzulegen; jedenfalls kan» aber eine städtische Verwaltung nicht ohne weiteres ihre sämtlichen Beamten derart beleidigen. Es wird seitens der Beamten auch noch darüber geklagt, daß die Photogravhien lässig aufbewahrt werden. Das Photographieren der Rummelsburger Häftlinge ist vom Ma- pst rat schließlich aufgegeben worden; wo bleibt da die Konseguenz? lebrigens: was den unteren Kassenbeamten recht ist, sollte de» oberen Beamten einschließlich des Kämmerers billig sein. Ma» müßte doch auch, wenn die Sache Zweck haben soll, die Photo- graphie alle halbe Jahre erneuern. Oder will man auch noch Daktylostopie greifen? Wir ersuchen um die NichtVerwendung der Mittel zu Geschäftsbedürfnissen für diese der Beamten nicht würdige Manipulation. Kämmerer Boß: Die Verwaltung hat sich hier das stets einpfoh- lene kaufmännische Verfahren zum Muster genommen. Die Würde der Beamtenschaft wird dadurch nicht tangiert. Kein Beamter wird gezwungen, sich photographieren zu lassen; nur bleibt derjenige, der sich nicht photographieren lassen will, nicht in derselben Kassen- abteilung.(Hort! hört!) Stadtv. Dr. Cohn: Der Kämmerer hat lediglich meine Be- hauptung bestätigt. Ich war so höflich, von„sanftem Zwang' zu sprechen; im politischen Sprachgebrauch nennt man das Terro- rismus. Die angeführten Etats werden durchweg nach den Ausschuß- antragen festgestellt. Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) berichtet über die A u f w« n- düngen für gemeinnützige Zwecke, sowie über den Kunstfonds, den Repräs'entationsfonds, das Dispositionsquantum(von jetzt ab„Vorbehaltsmittel" betitelt), Unterstützungen auf Verfügung des Magistrats usw. Stadtv. Dr. Wehl: Das Zentralkomitee für die Bekämpfung der Schwindsucht, des Alkoholismus und des Krebses hat im Januar an uns den Notschrei um Erhöhung des städtischen Zu- schusses von 50 000 M. gelangen lassen. Einerseits ist dem Komitee eine Subvention von 25 000 M. entgangen, die es bisher von anderer Seite bezog; andererseits hört man, daß auch von der Landesversicherungsanstalt Berlin die Bekämpfung der Tuber- kulose in Angriff genommen werden soll. Der Etat sieht wieder nur 50 000 M. vor. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: In nächster Zeit wird wegen Zusammenwirkens dieses Zentralkomitees mit der LandeSversiche- rnngsanstalt zur Bekämpfung der Tuberkulose eine Konferenz stattfinden. Im übrigen werden auck» diese Etatsteile nach den Ausschuh- antragen verabschiedet und folgende Resolution angenommen: Den Magistrat zu ersuchen, zu erwägen, ob nicht dem Verein für Ferienkolonien ein angemessener Zuschuß zu seinen Ausgaben ge- währt werden könne. Um lOtä Uhr wird die Etatsberatung und die Sitzung ab- gebrochen. Die Beratung des Etats soll in einer Extrasitzung am Dienstag fortgesetzt werden. Ms Inöustrie und Handel. Tie gescheiterte WelthandclsgeseLschaft. Die vom.Zentralverband Deutscher Industrieller"(der Organisation der Schwerindustrie) eifrig betriebene Gründung einer Welthandelsgefellschaft ist bekanntlich vor kurzem gescheitert. Ueber die Gründe dieses Scheiterns wußte man bisher nur, daß die Ferftgfabritindustrie, deren Organisation(der Bund der In- dustrielleuj in das Schlepptau des Zentralverbandes genommen werden sollte, in letzter Stunde ein Haar in der Suppe des Zentral- Verbandes fand, wenn auch der Syndikus des Bundes Dr. Strefe- mann eifrig für das Auslöffeln agitierte. Der HandelSver- e i n macht nun in dem soeben erschienenen zweiten Märzheft seines Organs„Deutscher Außenhandel" nähere Angaben über Einzel- Helten des Projekts, die des Interesses nicht entbehren. Schon die f i n a n z i e l l e S e i t e der geplanten Welthandels. orgauisation zeigt, welche Bedeutung bei! Gründung für die In- dustrie zugekommen wäre.»Die jährlichen Betriebs» k o st e n waren auf 7— 800000 M. geschätzt worden,— sicher eher zu weKig als zu viel, wenn man bedenkt, daß die Gesellschaft private HandelSsachverftändige und Exportstellen, deutsche Zeitun- gen und journalistisch« Bureau» usw. in einer ganzen Reihe von Auslandsstaaten schaffen wollte und daß allein für vier leitende Persönlichkeiten(darunter drei mit nur neben- amtlicher Tätigkeit) 125000 M. Gehalt au»ge>vorfen war." Dies« Riesensnuune von ukehr als% Millionen Mark sollte all- jährlich neu aufgebracht werden. Die Beschaffung dieser Mittel hält der Handelsvertragsverein für außerordentlich schwierig. Seine Hauptkriftk richtet sich aber gegen die beabsichtigte Tendenz der Welthandelsgesellschaft: „Dazu kam nun weiter, daß die Gesellschaft sich aufbauen sollte auf den bestehenden dentsch-anSländischen Wirt- schaftSvereinen. die ihre Selbständigkeit verlieren und zu Unterabteilungen der Gesellschaft herabsinken sollten. Damit verloren diese Vereine ja just diejenige spezifische Eigenart, die ihnen überhaupt erst ihre Daseinsberechtigung neben der Ueber- zahl sonst existierender wirtschaftlicher Körperschaften verleiht: ihren internationalen Charakter. Wie könnten diese Bereine denn künftig noch auf Beteiligung der ausländischen Körperschaften, Vertrauensmänner usw. an ihren Arbeiten, Auf- rechterhaltung ihrer engen Beziehungen zu ausländischen Gesandt- schaften, Konsulaten, Preßvertretern usw. in Deutschland Unter- stützung und Beihilfe ausländischer Kaufleute an unseren deutschen Interessen weiter rechnen, wenn sie nur noch Fachausschüsse einer einseitig deutschen Exportorganisation geworden wären; noch dazu unter maßgebender Leitung des Zentralverbandes Deutscher Industrieller, der seit seinem Bestehen Wortführer einer hoch s ch utzzö l I ner ischen A b sch l i e tz u n g S- Politik und Schutztrnppe des deutschen Agrarier- tum» gewesen ist. Aber neben diesen beiden Momenten trat nun weiter immer deutlicher zutage, daß der.Zentralverband Deutscher Industrieller" da» Projekt dazu mißbrauchen wollte, um die ihm allmählich entgleitende wirtschaftspolitische Hegemonie in Deutschland endgültig wiederherzustellen." Auch der neugegründete Deutsch, Amerikanische Wirtschafte verband sollte sich mit Haut und Haar der erst später zu gründenden Welthandelsstelle verschreiben und nur als deren Unterabteilung fungieren, falls man auf die Mitwirkung des Zentralverbandes rechnen wollte. Da» Uebergewicht des Zentralverbandes ergab sich deutlich aus dem Organisationsplan: „Mit Emphase erklärten zwar die Vertreter deS Zentral» Verbandes, sie hätten sich zu einer völlig paritätischen Leitung bereit erklärt, sofern die Mitglieder de» Verwaltungsausschusses zu gleichen Teilen vom Zentralverband und vom Bund der Industriellen ernannt, bzw. kooptiert werden sollten. Demgegen- über wurde zunächst hervorgehoben, daß eS keine Parität sei, wenn man die Leitung auf zwei Organisationen beschränke und alle anderen zentralen Interessenvertretungen einfach ignoriere, u. a. die Organisationen des Handel»— bei einer Welt- Handels gesellfchast?— überhaupt unberücksichtigt lasse. Indessen auch die sogenannte Parität zwischen Bund und Zentralverband erwies sich als ein durchsichtiger Trick. Denn die Mitglieder des Verwaltungsausschusses sollten auf Lebenszeit gewählt werden, bei ihrem Tod« aber nicht etwa eine Neupräsentation durch die Organisation, deren Vertreter verstorben war, sondern Wahl eines Ersatzmannes durch die Mitgliederversammlung erfolgen. In letzterer sollten aber erstens überhaupt nur Mitglieder mit wenig- Kens 800 M. Beitrag stimmberechtigt sein, und zweitens Ttimmenkumulierung nach der Beitragshöhe bis zu hundert(Ztiniemn auf ein Mitglied stattfinden. Das bedeutete praktisch nicht mehr und nicht weniger, als daß schon beim ersten Tadr-fail die Zentralverbandsgruppe die Mehrheit im Verwaltung?- ansschuß erhalten und nach wenigen Jahren ihn völlig beherrscht hätte. Das konnte nun zunächst noch relativ harmlos erscheinen, da ja erklärt worden war, die Welthandelsgesellschaft sollte Handels- politisch vollständig abstinent sein. Aber auch dies erwieS sich schließlich als eine Finte: Ausfuhrpolitik und Einfuhrpolitik sind ja absolut nicht von- einander zu trennen, sondern im Gegenteil eng miteinander ver- knüpft. Und wie es in Wirklichkeit damit bestellt war, kam zutage, als es gelang, eines Exemplars des SatzungSentwurfS habhaft zu werden. Da stellte sich heraus, daß nachträglich in diesem schon die„Sammlung von Material für die neuen Handelsverträge" als Teil des Arbeitsgebietes einge- schmuggelt worden war. Nun war daS gewaltige Interesse des Zentralverbandes an der Gründung klar verständlich. Das Plän- chen war wirklich fein ausgedacht: Zunächst hatte man Bund und Zentralverband eng zusammenschweißen und die dem Zentral- verband höchst unbequemen deutsch-ausländischen Wirtschaftsvereine — über deren gemeinschädliche Tätigkeit Herr Echweighofer(der Syndikus des Zentralverbandes) erst unlängst noch so eindringliche Worte gefunden hatte— durch völlige Unselbständigmachung aktionS- unfähig machen wollen. Dann sollten mit Hilfe der„gemein- nützigen Ziele" die gewaltigen Geldmittel aufgebracht werden, deren geschickte Verwendung die beteiligten Körperschaften eng an die Gesellschaft fesseln mußte. Dann sollte sich allmählich heraus- stellen, daß die Handels- und Zollpolitik von der Arbeit der Gesell- schaft nicht zu trennen war und Schritt für Schritt in ihr Arbeits- gebiet mit einbezogen werden mußte. Und gleichzeitig würde — ganz unmerklich, aber unverhinderbar— die Leitung der Gesellschaft ganz und gar in die Hände der Zentralverbands- i n d u st r i e übergehen. So wäre diesem für daS handelspolitische Kometenjahr die wirtschaftspolitische Führung in Deutschland ge- sichert und seine Gegnerschaft lahmgelegt gewesen. Waren aber die neuen Handelsverträge erst unter Dach und Fach, dann mochten die für einige Jahre festgelegten großen Beiträge getrost ver- siegen und die„gemeinnützige" Organisation zur Unbedeutendheit herabsinken; dann hatte er ja sein zollpolitisches Schäfchen ins Trockene gebracht." Der Widerstand zahlreicher Vertreter von Handel und Industrie gegen diese Umstrickung hat zur völligen Aufgabe des Plans ge- führt.?tur die im Zentralverband führende Gruppe der rheinisch- westfälischen Schwerindustris hat ihre eigene AuSlandsgesellschaft gegründet. Der Zentralverband hält sich weiter dem Deutsch- Amerikanischen Wirtschaftsveretn fern und droht, er würde in Amerika auf eigene Faust vorgehen; dann würde man ja sehen, welcher der beiden Teile der stärkere sei. Rüstungsprofite. Die Skodawerke. Aktien-Gesellschaft, der österreichische Krupp, erhöhten ihren Reingewinn im Jahre 1313 von 5,83 auf 7,08 Millionen Kronen. Die Dividende wird von 14 Proz. auf 15 Proz. herausgesetzt. Soziales. Die NahrungSmittelkontrolle in Preußen. Der von der Abteilung für das Gesundheitswesen des preußischen Ministeriums des Innern herausgegebene Bericht über die Tätigkeit der Nahrungsmitteluntersuchungsämter für das Jahr 1911 ist zwar etwas spät erschienen, nämlich erst im Dezember 1913, er enthält aber manche auch heut noch beachtenswerte Mit- teilüngen. Die Entnahme der zu untersuchenden NahrungSmittelproben erfolgte bisher meist durch Polizeibeamte in Uniform. Aus diesem Umstände hatte das Resultat der mit diesen Proben vorgenommenen Untersuchungen oft nur einen bedingten Wert, indem schlaue Ver- käufer nicht ganz einwandfreie Waren den Augen dieser Beamten wohl zu verbergen wußten. Da» gibt auch der Bericht aus dem Regierungsbezirk Lüneburg zu, der zugleich mitteilt, daß auf den Dienstversammlungen der Gendarmen, zu denen auch vielfach kommunale Polizeibeamte zugezogen wurden, zunächst unter Be- sprechung zahlreicher Fälle auS der Praxis auf die Wichtigkeit der NahrungSmittelkontrolle hingewiesen, die einschlägigen Gesetzes- bestimmungen besprochen und Anweisungen über deren Handhabung gegeben wurden. Die zum Schutze deS NahrungSmittelmarkteS erlassenen Gesetzesbestimmungen waren den meisten Beamten wenig bekannt; nur die älteren Wachtmeister wußten etwas Bescheid damit; aber auch sie waren über daS Bereich der polizeilichen Be- fugnisse dabei keineswegs im klaren. Im Anschluß an die Vorträge suchte der Vorsteher deS UntersuchungSamteS mit den Beamten zahl- reiche Nahrungsmittelgeschäste auf und zeigte ihnen, wie bei einer sachgemäßen Auswahl der Proben vorzugehen sei, und daß in erster Linie auf Sauberkeit und Ordnung m den Verkaufsräumen zu achten fei. Weiter führt der Bericht aus, daß überall, wo solche Kurse stattfanden, ihnen ein erfreulicher Erfolg nachgerühmt wird, der in einer zweckmäßigen Auswahl der eingesandten Proben und einem höheren Prozentsatz an Beanstandungen zum Ausdruck kam. Dann machte er noch darauf aufmerksam, daß die Kontrolle ohne Zweifel noch wirksamer sein würde, wenn, wie mehrere Untersuchung«- ämter warm befürworteten, häufiger Geheimentnahme» von Proben erfolgen würden. Auch in den Polizeischulen in KottbuS und Halberstadt werden Kurse für Probenentnahme von Nahrungsmitteln abgehalten.(DaS wäre einmal eine Tätigkeit von Polizeibeamten, gegen die man nichts einzuwenden hätte.) Bei Wurst wurden Mchlzufälzr von 8,1 bis 15,28 Proz. fest- gestellt. Trotzdem der Nachweis dieser Fälschung bei den Unter» suchungen leicht geführt werden kann, und trotzdem die Gerichte wiederholt entschieden haben, daß da« Feilhalten mehlhaltiger Wurst(z. B. als Semmelleberwurst) auch beim Aushängen eines den Mehlgehalt in der Wurst angebenden Plakates im Laden straf- bar ist, versuchen die Schlächter immer wieder, mchlhaltige Wurst ohne diese Angabe in den Handel zu bringen. Eine Zusammen- stellung diesbezüglicher Urteile des Kammergerichts und der Land- gerichte in Bochum und Essen bestätigen das. Daneben wird als Bindemittel schon gebrauchte? Fleisch verwendet, und zwar an- scheinend regelmäßig bei Bereitung von Brüh» und Kochwürsten. Solche Fälschungen wurden wiederholt festgestellt. So verarbeitete ein Fleischer im Bezirk Frankfurt a. O. Wurst, die schon jahrelang gehangen hatte, unter Zusatz von verdorbenem Pökelfleisch von neuem zu Wurst. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt. Ein Schlächtermeister, der täglich die Berliner Markthallen besucht, benutzte da» dort nicht mehr verkäufliche zum Teil schon verdorbene Fleisch zu solcher Fabrikation. Im Regierungsbezirk Düsseldorf wurde ein Metzger, der saßweise aus Köln bezogene Geschlechtsteile von Schweinen zu Wurst verarbeitete, zu 1 Monat Gefängnis und 1000 M. verurteilt.— Die künstliche Färbung der Wurst geschieht jetzt nicht mehr mit Anilin, sondern mit rosa Paprika, daS der Wurst ein frisches Aussehen gibt. Als Konser- Vierungsmittel wurde mehrfach Borsäure festgestellt. Einige Metzger scheinen in der Verwendung solcher Zusätze sehr weitherzig zu sein. Bei Hackefleisch kommt immer noch ein unzulässiges, sogenanntes Fleischkonservierungsmittel„Promptol" vor.— Aus Rußland in Kisten dezogen« Eier wurden vielfach al» frische Landeier verkauft. In Geestemünde mußte» 42 mal eingeführte Fische endgültig ver» ivorfen werden, meist größere Posten, z. B. solche von IL Zentner», die für menschlichen Genuß als ungeeignet, und zerstampft an Fischmchlfabriken zu Viehfutter verkauft wurden. Auch Büchsen» fleisch mutzte vielfach beanstandet werden, so in den Regierungs- bezirken Minden, Kassel und Stralsund. Milch wurde infolge des Futtermangels vielfach weniger ge-l Wonnen und durch Wasserzusatz verlängert, obgleich es leicht gelang, diese Verfälschung zu"konstatieren. Im Regierungsbezirk Düsse!» dorf zeigte sie durchschnittlich 10— 25 Proz. Wasserzusatz, doch kamen auch solche von 35 bis 00 Proz. vor. Sie wurde oft gelblich ge» färbt. Dringend notwendig wäre die Einführung fester Grund- sätze für die Beschaffenheit der Milch. In Hannover wurde für Schulkinder Milch von noch nicht 2,7 Proz. Fettgehalt geliefert. Auch in Halle mußte ähnliche Kindermilch beanstandet werden. In der Provinz Brandenburg wurde in Milch Zusatz von Formalin konstatiert. Auch Milch von an Klauenseuche kranken Kühen wurde zu Markte gebracht, ohne daß sie vorher im Pasteurisierapparat erhitzt worden wäre. Nur in einigen Molkereien wurden geeignete Pasteurisierapparate in Betrieb gefunden. Im Kreise Düsseldorf wurden in einer Molkerei die Molkereigeräte von der Frau des Verwalters zum Waschen von HauSwäschc benutzt. Die Milchknappheit führte vielfach auch zu Butterfälschungen, z. B. zu ungewöhnlichem Wassergehalt; so wurde im Bezirk Oppeln bis 37,4 Proz. und im Bezirk Kassel bis 40 Proz. Wassergehalt in derselben festgestellt. Im Bezirk Minden wurde sibirische Butter als teure Molkereibutter verkauft. Ebenso alte ranzige Kratzbutter. Vielfach wurde sie auch mit Margarine versetzt. Käse zeigte mehrfach zu geringen Fettgehalt. In Bäckereien kamen keine Verfälschungen, aber um so häufiger Schmntzereien mit Milben und Staub vor. Im Bezirk Kassel wurde ein Streumehl verwendet, das aus 70 Proz. Gips und 30 Proz. Holzmehl bestand. Zu Butter- gebäck wurde oft Margarine oder altes ranziges Fett verwendet. Obst und Gemüse in Konservenbüchsen mußten oft, weil ver» darben, beanstandet werden. Apfelkraut enthielt bis 70 Proz. Stärkesirup. Olivenöl war viel mit Sesamöl verfälscht. In Ham- bürg wurde eine Kafsccglasur angetroffen, die erhebliche Mengen Arsenik enthielt. Gemahlener gerösteter Kaffee war oft mit bis 45 Proz. Lupincnsamen verfälscht.„SurmannS Nährsalzkaffee" enthält überhaupt nur Surrogate, aber keinen Kaffee.„Phönix« kafsee nnt Gewürz" enthielt 75 Proz. geröstetes Getreide. Ge» mahlene Gewürze, wie Zimmt, Pfeffer, Piment usw. waren viel- fach mit wertlosen Surrogaten verfälscht. In Esfigproben wurden mehrfach Essigälchen gefunden. Das Speiseeis und Fruchteis des Stratzenhandels wurde vielfach verschmutzt und dazu statt Himbeer» fast ein Kunstprodukt verwendet, deshalb ist der Verkauf an Kinder unter 14 Jahren verboten. Honig zeigte im Regierungsbezirk Brandenburg einen Gehalt von 20 bis 30 Proz. Rohrzucker. Im Bezirk Breslau wurde statt italienischer Blutwein Heidelbeeerwem verkauft und im Bier vielfach Saccharin festgestellt. Im Kreise Glatz wurde in Essigessenz vielfach ein starker Gehalt von Zink» Vitriol gefunden. Obgleich diese Ermittelungen zeigen, daß der verkauf ver- dorbener und verfälschter Nahrungs- und Genußmittel noch ziemlich bedeutend ist» und deshalb eine fortwährende lleberwachung und Untersuchung der verkäuflichen NahrungS- und Genußmittel noch überall nötig ist, so bestehen doch in einer Reihe von Provinzial» kreisen PreußenS noch keine Nahrungsmittelunterfuchungsamter. Jahresberichte landwirtschaftlicher Berufsgenossenschaften. Wer die Jahresberichte unserer landwirtschaftlichen Berufs»" genossenschaften sammeln und studieren will, muß große Geduld haben. Ende Dezember 1913 erscheinen erst die meisten Berichte für daS Jahr 1912 und dann hat man noch lange Schreibereien. bis man endlich einen solchen„Bericht" erhalt. Verschiedene Be» rufsgenossenschaften geben nur alle zwei Jahre einen Bericht her- aus. einige gar keinen, vertveisen auf ihre amtlichen Organe. Die übergroße Mehrzahl der Berichte ist aber kaum die Druckerschwärze wert. Die kleinste Ortskrankenkasse gibt heute einen besseren Be» richt heraus, als die Berufsgenossenschaften, deren Leiter doch nicht „der nötigen Fähigkeiten" zum Amte entbehren, wie man es de» armen Kassenbeamien immer nachsagt. Fast unbrauchbar für irgendeinen Vergleich sind die Berichte der vier württembergischen Berufsgenosscnschaften, der Anhalter, Koburger, Reutzer usw. Die besten Berichte liefern immer noch die Bayern, die immer noch etwas zu sagen haben, und deren technischen AufsichtSbeamten. hei aller Zurückhaltung in den letzten Jahren, immer noch eine beut» liche Sprache reden. Diesen Berichten ist auch gewöhnlich ein« Staftstik über die Zahl der verletzten Kleinbauern und deren Angehörigen beigegeben. Man will offenbar damit den Kleinbauern � begreiflich machen, welche Lasten die Großgrundbesitzer hier freiwillig fiir ihre kleinen Kollegen tragen. Gewöhnlich sind es 00 bis 70 Proz. aller Verletzten, die zu den Familien der Kleinbauern selbst zählen. Nur der Bericht der„Ostpreußen" zeigt offen die ganze Liebe der Agrarier für ihre Kleinbauern, den treuen Stimme» im Wahlkampfe, wie folgt: „Betriebsunternehmer und deren Ehefrauen waren früher zwangsversichert, sofern ihr Jahrcsarbeitsverdienst 2000 M. nicht überstieg. Seit dem 1. Januar 1908 ist jedoch die Grenze für die ZwairgSversicherung auf 1500 M. herab- gesetzt worden. Seit jener Zeit sind Betriebsunternehmer mit einem 1500 M. übersteigenden Einkommen nur gegen Unfall versichert, wenn sie von dem ihnen zustehenden Recht der frei- willigen Versicherung Gebrauch gemacht haben, was nur in sehr geringem Umfange geschehen ist. Infolgedessen sind die Fälle, in denen an Betriebsunternehmer und deren Ehefrauen Entschädigungen zu bewilligen waren, seit dem 1. Januar 1908 weniger zahlreich geworden." Um aber den Agrariern entgegenzukommen, die Umlagen möglichst niedrig zu halten, greift auch Vater Staat gerne in seinen Säckel. Die Behörden subventionieren direkt die reichen Berufs» genossenschaften durch Uebcrlassung von Geschäftsräumen, Beleuch- tung und Heizung sowie Portofreiheit, die man aber den armen Ortskrankenkassen bislang unbedingt verweigert hat. So berichtet „Obcrpfalz": „Der Staat stellt die Geschäftsräume, die er bis zum Ende des Berichtsjahres überlassen hatte(inbegriffen sind auch die zwei neuen Zimmer), auch für die Folge u n e n t- geltltch zur Verfügung. Die Kosten der Beheizung, Reini- gung und Beleuchtung dieser vier Räume, welche mit 440 Rk. berechnet sind, hat dagegen vom 1. Januar 1913 ab die Berufs- genossenschaft der Regieverwaltung der K. Regierung, welche die Beheizung usw. besorgt, zu ersetzen. Diese Kosten werden jedoch aus dem vom K. StaatSministerium zur Verfügung gestellten Zuschuß von 440 M. bestritten.(Art. 21 d. Ausf.-Ges. z. R.V.O.) Der gesamte Schriftenverkehr der Berufs- genossenschaft war innerhalb Deutschland durch Ablösung von Po st porto befreit. Die Kosten hatte die Staatskasse übernommen." Aehnliches berichtet„Schwaben und Neuburg" .Unterfranken" bemerkt: „Die Geschäftsräume befanden sich im Regie» rungSgebäude in 0 Zimmern, welche nebst Be- Heizung und Beleuchtung von der K g l. Regierung� unentgeltlich zur Bcrfügung gestellt wurden. Der ge- samte Geschäftsverkehr war innerhalb Teutschlands porto» frei durch Ablösung und auf die Staatskasse übernommen. Die 5t a s s a- und Utechnungsführung wurde von der Kg ll Kreiskasse für Unterfranken unentgelt» lich besorgt." Mehr kann man wahrlich nicht verlange»! A.Wertheim Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch ohne Schmorfleisch Ptd. 85 Pf. Knoch. 1.00 Rinderkamm u.-Brust Pfund 70 Pf. Querrippe Ptd. 65, Gehacktes 60 Pf. Kalbskeule u. Rücken 1.00, geteilt 1.10 Kalb kamm u.-Bug.. Pfund 80 Pt. Kalbsbrust Ptd.80, Spitze( 3-4Pfd.) 95 Pt. Schulterblatt im Ganz. 4-5 Pfund Pfund 60 Pt. Liesen Pid. 65 Pf., Rückenfett Pid. 55 Pt Pökelkamm 75 PL., Rinderzunge 1.20 Pökelbrust........ Pfund 90 Pt. Kassler im Ganzen.... Pfund 80 Pt. 2-8 Pfd.. Pfd. 75 PL. Eckstück Mittelstück Pfund 90 Pt. Billige Lebensmittel Wurstwaren Butter und Käse Zervelat- u. Salamiwurst Ptd. 1.15 Thüringer Salami in Blasen Pfd. 1.50. Rollschinken ca. 6 bis 8 Pfd., Pid. 145 in Stücken v. 11, Schinkenspeck bis 4 Pfund, Pid 1.10 Magerer Speck. Pfund 90 Pt. Fetter Speck Pfd. 75 Pt, 5 Pfd 3.60 Gek. Pökelfleisch ... Pfund 110 i. St v. 1 Pfd. Aus eigener Wurstfabrik Rotwurst Plund 55 75 PL. Jagdwurst....... Landleberwurst.. Pastetenleberwurst Pfund 1 M. Pfund 90 Pf. Pfund 1.10 Bauernmettwurst..... Pfund 1.15 Teewurst. Pfund 120 . Koch- u. Backbutt. Pfd 1.12, 1.18 Tischbutter... Pfund 1.28 Tischbutter- Pfund- Pakete 64 PL. Tafelbutter....... Pfund 1.34 Tafelbutter-Pfund- Pakete 67 PL. Pflaumenmus.... Pfund 25 Pf. Schmalz Pfund 68 Pf. Echter Emmerthaler. Pfund 1.10 Schweizerkäse..... Pfund 80 Pt. Tilsiter Käse vollfett. Pfund 68 PL. Limburger Käse.... Pfund 40 Pf. Harzer Käse. Kiste 100 Stück 1.10 Fische Kabeljau Seelachs ohne Kopf in ganz. Fischen. ohne Kopf in ganz Fischen ... Pfund B Pfund 15 Pt. Pfund 14 Pf. Pfund 16 Pf. Schellfisch Rotzungen 15 und 22 Pf. Große Schollen Pfund 25 Pf. Lachs in ganzen Fischen Pfund 42 Pf. Zander.. ... Pfund 60 Pf. Frische grüne Heringe Pfund 10 Pf. Lebende Karpfen Pfd. 68, 90, 1 M. Lebende Hechte Pfund 90 Pt. Lebende Schleie gross. Pfund 1.15 Lebende Plötzen..... Pfund 38 Pf. Obst und Gemüse Ananas . Tomaten........ Pfund 30, 35 Pf. Pfund 58, 68 Pf. Apfelsinen... Dutzend 18, 28, 35 Pt. Blut- Orangen Dutzend 25, 35 Pt. Ananas- Reinetten.. 2 Pfund 35 Pf. Italienische Essäpfel 2 Pfund 35 Pt. Kochäpfel........ 5 Pfund 70 Pf. Blumenkohl.... Kopf 7, 10, 15 Pf. Weisskohl.... Rotkohl Kopfsalat.. Pfund 3 PL. Pfund 5 Pt. Stück 10 PI. Malta- Kartoffeln..5 Pfund 48 Pf. Jeder Arbeiter, jeder Handwerker, jeder praktisch arbeitende Mann der für seine Arbeit, für seinen Beruf, besonders vorteilhaft geeignete Kleidung nötig hat, tauft diese bei der bekannten Firma Kohnen& Jöring, Arbeitskleidung Berufskleidung 1 Größtes Spezialgeschäft dieser Art Alexanderstr. 12. Nosenthaler Str. 53 Landsberger Allee 148 Neukölln: Bergstr. 66. Neelle billige Preise, erprobte solide Qualitäten, guter Sit, richtige Machart, beste Verarbeitung, größte Auswahl. Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Unger. Begen 30 Pfennig auf 10 Bf. Anweisung frei Dhne Zweifel die bequemite u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Min. ort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Hanjertraft.) Dr. H. Unger in Würzburg. GreifBerlin( 20 Bj.): Salomon- Apotheke, Charlottenstraße 54. spotheke, Barnimstr. 33. Wo nicht, zu haben: Rosen- Apotheke, Würzburg Theater und Vergnügungen Freitag, den 20. März 1914. Schiller- Theater 0. Theater am Nollendorfplatz 5. Anfang 5 Uhr. Paffage Theater. Kino- Varieté Anfang 6 Uhr. Cines Palaft am 3oo. Barieté Lichtspiele. Anfang 6%, Uhr. Walner Theater. Freitag, abends 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Sonnabend, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Cines Nollendorf Theater.Barieté Schiller- Theater CharlettenLichtspiele. Anfang 7 Uhr. Ral. Schauspielhaus. Peer Gynt. Deutsches Opernhaus. Parsifal. Anfang 7, Ubr. Rgl. Chernhaus. Der Liebhaber als Arzt. Die Slawische Braut werbung. Leffing. Iphigenie auf Tauris. Röniggräser Straße. König Richard III. Deutsches. ( 1. Zeil.) König Heinrich IV. Zirkus Bufch. Galavorstellung. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 75 Uhr. burg. Freitag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das große Licht. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Andreas Hofer. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. 8 Uhr: Russisches Ballett. Thamar, Geist der Rose, Polowetzer Tänze, Kleopatra. Casino- Theater Lothringer Str age 37. Täglich 8 Uhr Wovon sprechen die Berliner? bon ,, Die olle Webern" Worüber lachen die Berliner? leber ,, Die olle Webern" Wohin laufen die Berliner? Bu ,, Die olle Webern" Sonnt. 4 Uhr: Mädchenehre. Voigt- Theater Badstraße 38. Freitag, den 20. März 1914: Theater in der Königgrätzer Straße Das Lehen und Liehen einer Soubrette. 7½ Uhr: König Richard III. Komödienhaus. 8 Uhr: Kammermufit". Metropol. Die Reise um die Belt Berliner Theater. in 40 Tagen. Anfang 8 Ubr. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Stom. m. Ges. i. 3 Aufz. v. Karl Haffner. Kaffeneröffnung 7 Uhr, Anf. 81, Uhr. Boranz.! Mittw., 25. März, Benefiz URANIA Zirkus Alb. Schumann. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Dir. A. Fürst: Hochspannung. Metropol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Er und der Andere. f. Eg. Weidlich: Im Rausch d. Lebens. Sonntags 3 Uhr: Die Liebe wacht. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Luisen-Theater./ Walhalla- Theater. 1 8 Uhr: Künstlerfest, veranstaltet| Täglich 8, Uhr: Tangofleber. von den Mitgliedern der Vereinigten Gr. Boffe m. Gej. u. Tanz in 3 Aften Berliner Boltsbühnen. von E. Urban. Musik v. Hugo Hirsch Sammerspiele. Bürger Chipel. Deutsches Künstlertheater Gesangver. Kreuzberger Harmonie Künstler Theater. Schirin und Gertraude. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Trianon. Er und der Andere. Komödienhaus. Kammermusik. Theater am Rollendorfplat. Russisches Ballett. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Die beiden Leonoren. @chiller Charlottenburg. Die Maschinenbauer. Theater des Westens. Bolenblut. Montis Operetten. Jung- England. Berliner. Wie einst im Mai. Kleines. Jettchen Gebert. Thalia. Die Tangoprinzelfin. Residenz. Der Regimentspapa. Friedrich Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. Noie. Romeo und Julia. Kasino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Stompagnie. Anfang 8%, Uhr. Quifen. Des Löwen Erwachen. Walhalla. Tangofieber. Folies Caprice. Café Bingsheim. Der Heiratsgraf. Meyersteins. Reues Anfang 8, Uhr. Bolts- Theater. Barrens Gewerbe. Aniang 9 Ubr. Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Abends 8 Uhr: Schirin u. Gertraude. Sonnabend 8 Ur: Der Raub der Sabinerinnen. Friedr.- Wilhelmst. Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Die Kino- Königin. Residenz- Theater 8 Uhr: Der Regimentspapa. DOSE= THEATED Große Frankfurter Str. 132. Romeo und Julia. Trauerspiel in 5 Aften von Shakespeare. Anfang 8 Uhr. Sonnab. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. Frau ubbs. 8, 8. 1. M.: Die Königin d.Detektei. Admiralspalast. Die lustige Buppe. Berliner Eispalaft. 3m Krug zum grünen Sianze. Cines Nollendorf- Theater.Varietés Lichtspiele. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere füßen Dienstmädel. Burleste v. Menfel Anjang 8 Uhr. Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: ,, Manöver- Wiße". M. d. D. A.-S.-B. Chormeister Franz Bothe. Sonntag, den 22. März, im großen Saal der Neuen Welt, Hasenheide 108-114: Frühjahrskonzert unter Mitwirkung des Konzertsängers Georg Funk und des Berliner Konzerthaus- Orchesters Dir. Franz von Blon 40 Musiker. Eröffnung 5%, Uhr. Anfang präzise 6, Uhr. PROGRAMME ( im Vorverkauf 60 Pf.) sind zu erhalten bei Horsch, Zigarrenhandlung, Engelufer 15; Pingel, Rest., Böckhstr. 7; Steudel, Rest., Jahnstr. 18; Rabe, Rest., Fichtestr. 29, sowie bei sämtlichen aktiven Mitgliedern. 感 58/8 Heute Freitag, den 20. März, abends 7, Uhr: Große Gala- Vorstellung. Auftr. der gesamten März- Attrakt. Um 9% Uhr: Das große Ausstattungsstück in 7 Bildern ,, Tipp" der Derby- Favorit 1914. Besonders hervorzuheben: 1. Das Verbrechen am Tunnel. 2. Station Lincolnshire, Verladung des Favoriten. Zum Schluß Flucht d. Rennbesucher bei strömendem Regen. Berlin- Wilmersdorf am Fehrbelliner Pl. Ecke Mannheimer und Brandenburgische Straße Haltest. d. elektr. Straßenb. Nur kurze Zeit Zirkus BarumSchau. Täglich abends 8 Uhr: Das grandiose Programm mit 22 Weltattraktionen. Morgen Sonnabend, 21. März: brillante 2 Vorst ellungen nachmittags 4 Uhr, abends 8, Uhr. 0 In der Nachmittags- Vorstellung ein angekürztes Abend- Progr. zu klein. Preis. f. Erwachsene u. Kinder unter 12 Jahren. 66:: Berliner:: Admiralspalast. Clou" Konzerthaus Mauerstraße 82 Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel- Konzert! Dirigent: Berliner Konzerthaus- Orchester Franz v. Blon. Musikkorps des 1. Garde- Dragoner- Regiments. Dirigent: Oberm. Baarz. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentagen: Gr. Nachmittags- Konzert bei freiem Brauerei Friedrichshain Eintritt. Montag, den 23. März 1914, abends 8 Uhr: Doppel- Konzert des auf 60 Künstler verstärkten Blüthner- Orchesters und des Namenlos( A.-S.-B.) Gesangvereins Chor- u. Orchesterdirigent: Emil Thilo. Programm u. a.: Wagner Brahms Liszt Entree 30 Pf. Grieg. Eis- Arena. Täglich: Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Else. Bis 6 Uhr und von 10% Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier- Abteilung. Passage- Panoptikum Der englische Theater a.d. Weidendammerbrücke 8 Uhr: Der müde Theodor. Auflös. d. Zirkus Busch a.31.März. Zirkus Busch. Heute Freitag, den 20. März, abends 7, Uhr: Humoristischer Gala- Abend. 11. a.: Mad. Garnier mit threm fenfationellen Sprung aus der Zirkuskuppel. Die Bale Troupe, Kunstradfahrer. The Revells, groteste Redturner. Zum Schluß: ,, Pompeji". Orig. Ausstattungs- Bantomime d. Birkus Busch in 5 glänzend. Aft. Sonntagnachmitt. 3, Uhr 1 Kind frei. Auf vielseitigen Wunsch, die Hauptakte d. Ausft.- Bant. Pompeji. WINST BARTEN Olga Desmond und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Rauchen gestattet! Apollo- Theater. 8 Uhr. Tel.: Lützow 2757. Zum 91. Male: 8 Uhr. Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartstein. Lachen ohne Bause! Rauchen gestattet! Folies Caprice. 8%{ Zum 50. Male: Café Pingsheim Der Heiratsgraf Meyersteins Gala- Lichtspiele Schoneberg Hauptstraße 48. Die Riese Geburt d. Marseillaise Teddy Bobs. Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow! 19 Jahre alt. Ohne Extra- Entree! ( Das Kriegslied der Rheinarmee) illustriert durch melodramatischen Geiang der bekannten Künstlerin Luise del Zopp- Lingg in den Hauptrollen: Wanda Treumann und Viggo Larsen. Gonnt.nhm. 3: Der liebe Augustin. Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wieleby, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei a. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 78. 31. Jahrgang. 2. Kcilm des Joraätfs" Serlim Jlolblilatt. Freitag. 20. Mär; 1914. Parteiangelegenheiten. Jugcndsektion de-Z 5. Kreises. Am Sonntag, den 22. März, findet eine Partie nach Potsdam, Schwielowsee, Ferch, Michendorf statt. Das Fahrgeld beträgt hin und zurück 1,20 M. Treffpunkt Alexanderplatz Berolina, morgens 7'/z Uhr. Neukölln. Zu der am Sonntag, den 22. März, nachmittags 2'/z Uhr, im„Neuköllner Theater" stattfindenden Theatervorstellung »Der Kaufmann von Venedig", Lustspiel von W. Shakespeare, sind noch Billetts in den Parteispeditionen sowie bei den bekannten Restauraieuren zu haben. Köpenick. Morgen Sonnabend, abends von 7 Uhr ab, findet von den bekannten Stellen aus für die Stadtverordneten-Ersatzwahl eine Flugblattverbreitung statt. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 21. März, abends 8 Uhr, im Lokale von Otto Paelsch, General- Versammlung. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes. Neuwahl des Gesamtvorstandes. Vereinsangelegenheit und Verschiedenes. Hohen-Schönhausen. Vierund zwanzig Mark sind von den Ar- beitern der Firma R. Heike, die als Kranzspende iür die März« gefallenen bestimmt waren, an den Elternverein Hierselbst abgeführt. Tegel. Zu der am Sonntag, den 22. März, stattfindenden Be- fichtigung der Zentralanlagen der Konsuingeiiossenschast in Lichtenberg, treffen sich die Teilnehmer früh um 8ll3 Uhr an der End- station der Straßenbahn. Röntgental, Zepernick, Buch. Morgen Sonnabend, abends 8>/z Uhr, im Lokal von August Lange, Siemensstraße S/10: General- Versammlung. Vor Eröffnung: Beitragszahlung. Für den Bezirk Buch findet am Sonntag früh 8 Uhr vom Lokal Alex Piolrowski eine Flugblattverbreitung zur Gemeinde- sticbwahl statt. Die Stichwahl erfolgt am DienSIag, den 24. März. nachmittags von ö— 9 Uhr. öerliner Nachrichten. Die Klatschsucht. Fast täglich findet man in dem Inseratenteil der Presse ein Inserat, in dein Frau T. die beleidigenden Aeußerungen gegen Frau I. init Bedauern zurückninimt und Frau A. für eine ehrenhafte Frau erklärt. Der Leser, der tiefer in das Leben blickt, ahnt gewist, wieviel Verdrust, Hast, Herzeleid und Ver- bitterung hintereiner solchen kurzen Notiz verborgen liegt. Sie ist nur der Schlustakt(und leider oft auch das noch nicht ein- mal) einer mehr oder weniger langen Periode zerreibender und vergifteter Kämpfe zwischen zwei Personen oder Par- teien, die sich ihr meist ohnedies schon nicht leichtes Leben durch Gedankenlosigkeit oder Bosheit gegenseitig noch schwerer machen. Wir fragen: Must das sein, ist es unbedingt not- wendig, dast man seine Nase in die privatesten Angelegenheiten seiner Mitmenschen steckt, ihre Lebensgewohnheiten, ihre Be- dürfnisse, kurz, alles, was diese allein angeht, belauscht? Und wenn man schon eimnal etwas sieht oder hört: ist es schön, das Unglück oder die Schwächen einzelner der ganzen Mitwelt zu unterbreiten, auf den Markt zu tragen, bamit jeder nach «�Herzenslust darin herumschnüffeln und-stochern kann? Viele Leute meinen, daß der Klatsch nur in der Kleinstadt und in Dörfern den geeigneten Boden finde, daß in der Hast und dem ewig flutenden, wechselnden Leben der Großstadt mit ihren riesigen Mietskasernen kaum Zeit und Gelegenheit bliebe, zu klatschen und zu tratschen. Und dennoch blüht sie, die Klatschsucht— frisch und fröhlich— auch in Berlin. Die tägliche Erfahrung lehrt es. Unzählige Gerichtsfälle haben gezeigt, dast arnie, hilflose Kinderchens von Raben- eltcrn mehrere Jahre lang in unmenschlickzer Weise geprügelt und malträtiert werden können, ohne daß sich jemand aus der Nachbarschaft einmischte. Gewist, wer da eingreift, must ge° wärtig sein, Unannehmlichkeiten zu erleben. Aber wenn die Konfektionöse aus der dritten Etage des linken Seitenflügels eine große, schöne Plenreuse auf dem Hute hat oder mit einer seidenen Bluse ausgeht, so weist es bald das ganze Haus. Augenzwinkern, vielsagendes Lächeln: na ja, man weist Be- scheid. Schlustakt— Moabit. Im ersteren Falle hüten sich die meisten Nachbarn, sich die Zunge zu verbrennen: um der Pleurcuse oder der Bluse willen riskieren sie leichten Gemüts eine Anklage. Und doch würde im ersteren Falle das Bewußtsein, eine menschlich schöne Tat begangen zu haben, ihnen alle unangenehmen Folgen versüßen, während sie hier unter Beschämung und Selbstentwürdigung den Gerichtssaal verlassen. Wie leicht jemand durch Klatsch nickt nur um seinen guten Ruf, sondern obendrein noch um seine Existenz kommen kann, beweist ein Fall, der vor nickt allzu langer Zeit das Kauf- mannsgericht beschäftigte. Die schicke Kleidung einer Ver- käuferin hatte den Neid und den Verdacht ihrer Kolleginnen erregt, und sie ruhten nicht eher, als bis der Chef davon Kenntnis erhielt, der das betreffende Fräulein sofort entließ, da sie sich— nach seiner Meinung— von ihrem Gehalt nicht so gut kleiden könne. Das Gericht verurteilte den Herrn aber schlankweg, da es sich herausstellte, daß die Mutter des Fräuleins Schneiderin ivar und die Kleider ihrer Tochter selbst herstellte. Der Fall ist so charakteristisch dafür, wie Klatsch entsteht. Wer die vergiftende Tätigkeit solcher elenden Läster- mäuler in ihrer ganzen Bedeutung kennen lernen will, der be- suche einmal die Verhandlungen vor einem Schöffengericht. Nicht, dast sich der Klatsch etwa auf einzelne Schichten der Be- völkerung beschränkte: er ist in der Hautevolee genau so zu Hause wie�in den ärmsten S'.adtvierteln. Er treibt sein lln- Wesen im Salon wie in der Dachstube. Auf der Hintertreppe ist er nur häufiger vorhanden, weil hier die Menschen dichter beieinander wohnen. „Det ist die schlimmste Klatschbase aus de ganze T-Straße, vor die hat keen Mensch Ruhe, det können Sie mir glauben, Herr Richter," sagt eine ältere Frau ganz empört und wirft der Beklagten einen grinimigen Blick zu. Man könnte es fast gar nicht glauben, dast das kleine schmächtige Frauchen, mit dem Vergistmeinnichtsträustchen auf dem Hute eine solche Gift- kröte sein soll. Da rückt aber schon eine stattliche Reihe Zeugen auf, fast lauter Frauen, die alle dasselbe Klagelied singen und in nianchmal äußerst drastischen Worten die Beklagte charakterisieren. Ins Riesengroße wächst deren Schuldkonto. Eine Flut von Bosheit, Gehässiekeit und Dummheit wälzt sich an dem Gerichtshof vorüber. Die Herren vom Forum sitzen mit müden, gelangweilten Gesichtern da. Der Zeiger der Uhr rückt gleichmäßig weiter. Tie Kleine must wirklich ein Aus- brnid von Bosheit sein, ihre Klatsch und Hetzsucht hat schon einen starken Stich ins Krankhafte. Ganze Hänser hat sie verhetzt, alte Freundschaften getrennt und in friedlich Ehen den Keim des Misttrauens, der Eifersucht gesät. Ihr Ver- Leidiger ist um diese Klientin nicht zu beneiden. Er kämpft für eine verlorene Sache. Der Amtsanwalt beantragt vier Wochen Gefängnis. Es sei einmal eine exemplarische Strafe nötig, uni der Angeklagten Achtung vor dem Hausfrieden und dem Familienglück einzelner Personen oder Fainilien bei- zubringen. Der nächste Fall betrifft zwei Geschäftsleute, von denen der eine den anderen der Lebensniittelfälschung beschuldigt hat— aus Konkurrenzneid. Auch hier ergibt sich die völlige Haltlosigkeit der Beschuldigung. Der Beklagte nimmt dieselbe mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück, zahlt eine größere Summe in die Armenkasse und muß obendrein noch eine Ehrenerklärung in einer bestimmten Zeitung veröffentlichen. In der nächsten Sache hat sich ein Hausverwalter wegen Beleidigung einer alleinstehenden Mieterin aus seinem Hause zu verantworten. Er hatte erfahren, dast zu der betreffenden Dame öfter ein Herr komme und diese Nachricht erschütterte sein sittliches Gleichgewicht, und da er sich nicht nur als Haus-, vielmehr auch als Keuschheitsverwalter fühlte, so mußte er eingreifen, mit dem Erfolg, dast er einige Zeit später sich wegen Beleidigung zu verantworten hatte. Der Herr, der die Dame so oft besucht hat, war ihr— Bruder. Und die Moral? Man halte strikte daran fest. Privat- angelegenheiten als solche zu betrachten, die niemand etwas angehen als die betreffenden Personen selber. Man wende seine Interessen Fragen zu, die von allgemeiner Bedeutung sind: die bilden, erheben und die Klasse fördern. Dem Läster- maule Verachtung! Besonders im Proletariat must die Giftblume der Ver- leumdung möglichst ausgerottet werden, auf dast es einig und kampfbereit des Gegners harre! Ans der Beratung des Stadthaushaltctats. Die Stadtverordnetenversammlung setzte gestern die Spezialberatung des Etats fort. Sehr lange � wurde bei dem Kapitel Krankenhäuser verweilt, das i ja von jeher ein„Schinerzenskind" unserer Stadtverwaltung gewesen ist. In der ersten Lesung des Etats hatte der Kämmerer angekündigt, daß der Verpflegungssatz bald wieder mal erhöht werden müsse. Gegen diese Absicht wandte sich gestern Genosse Wehl mit dem Hinweis, dast jede weitere Verpflegungssatzerhöhung besonders den söge- nannten„Mittelstand", die kleinen Gewerbetreibenden, emp- findlich treffen werde. Er berührte auch die leidige B e- k ö st i g u n g s f r a g e, die durch die Tätigkeit der famosen „Reformkommission" wieder mal„brennend" geworden ist. Die Stadträte S e l b e r g und Strastmann wollten glauben machen, dast man nicht zu knausern, fondern nur vernünftigere Ernährungsgrundsätze einzuführen sich bemüht habe. Eine hitzige Debatte entbrannte wegen des Planes einer ambulatorischen Behandlung von Ge- s ch l e ch t s k r a n k e n, der zwei besondere Assistenten ani Virchow-Krankenhaus erfordert. Zum Sprachrohr der privaten Aerzte, die sich von einer unerwünschten Konkurrenz bedroht fühlen, machte sich Stadtverordneter S o n n e n f e l d. Er warnte vor diesen:„ersten Schritt auf einem sehr gefähr- lichen Gebiet", fand aber keine Mehrheit für seine Vorschläge. Aus dem weiteren Verlauf der Etatberatung sei noch hervor- gehoben die Erörterung über die Zwangsphoto- graphierung der Kassenbeamten. Daß es sich dabei tatsächlich um einen Zwang Handeft, stellte unser Genosse Cohn fest, der dieses schon im vorigen Jahr gegeißelte Ver- fahren erneut zur Sprache brachte. Kämmerer B ö st ant- wartete, man fordere dock) sonst immer von der Stadtverival- tung die Befolgung„kaufmännischer Grundsätze", hier lmbe sie inal die Praxis der Banken befolgt. Das sollte kein„Witz" sein.— In einer für Dienstag angesetzten Extrafitzung wird die Etatbcratung fortgesetzt und beendet werden. Im ersten Teil der gestrigen Sitzung wurde über den aus dem Ausschuß zurückkommenden Antrag auf Hinzuziehung von Frauen zur Waisen deputation verhandelt und beschlossen. Wie sie möglich sei, darüber wurde noch einmal eingehend debattiert. Dast sie allgemein für notwendig gehalten wird, kam in den gefaßten Be- schlüsscn zum Ausdruck._ Ein trostreiches Ostergeschenk für die Kleinen. Die Feiertage sind noch etwas fern, aber wer Kinder hat, legt sich doch die Frage vor: waS schenke ich ihnen? ES soll ihnen Freude bereiten, aber so wenig wie möglich kosten. Viel kann man nicht ausgeben, denn die Zeiten sind nicht glänzend. Da trifft es sich herrlich, daß man in einer Berliner Zeitung folgendes Inserat entdeckt: Auf Wunsch der Frau Kronprinzessin herausgegeben. Die kronprinzlickien Kinder in Danzig-Langfuhr. Elf prächtige und wohlgelungene, in Tiefdruck wiedergegebene Ausnahmen der krön- prinzlickien Lkinder, von welchen eine von der Frau Kronprinzessin selbst ausgenommen wurde. DaS vornehm ausgestattete Werkchen, welche» ganz besonders als Ostergeschenk für die Jugend zu empfehlen ist. wird überall große Freude bereiten. Es kostet nur 1,10 M. portofrei. Alko wer nicht zu tief im Druck ist, der kauft seinen Kinde'rn als Ostergeschenk die elf in Tiefdruck wiedergegebenen prächtigen und wohlgelungenen Aufnahmen der kroiiprinzlichen Kinder. Es ist leine Leckerei aber e« ist doch„i ü ß", zu sehen, wie die erlauchten Kinder an, Strande buddeln, wie sie auf ihren Ponys reiten und wie sie überhaupt die schönen Sommertage in Danzig-Langfuhr hin- bringen. Das Albuin wird überall große Freude bereiten und den schmerzlichen Gedanken vergesie» lassen, daß man seine eigenen Kinder nicht einmal für ein paar Tage in eine Sommerfrische schicken kann. Nur demjenigen ist nicht zu helfen, dem ein solches Album in dieser Welt der„gottgewollten" Gegensätze weder Trost noch Freude bereitet._ Eine günstige Gelegenheit. Volle Kirchen sind in dem„Sündenbabel" Berlin etwas Seite- neS. Sieht mal ein Pastor eine gefüllte Kirche vor sich, so wird er pflichtgemäß das nach Kräften ausnutzen. Konfirmations- feiern gehören zu den Anlässen,- die den Pastoren solche Gelegen- heit bieten. Wenn ein Junge oder ein Mädel konfirmiert werden soll, dann muß aus der Verlrxrndtschaft und Bekanntschaft„alles, was Kopf und Kragen hat", dabei sein. Auch so mancher, der sonst den Teufel was nach Kirche und Pastor fragt, will dem Jungen oder dem Mädel zuliebe nicht wegbleiben. Da wird dann ein Pastor, der seine Sache versteht, diesen ungläubigen Gästen mal ein bißchen ans Herz zu greifen versuchen. In der Melanchthon» gemeinde hat der Pastor Steiniger bei einer bor einigen Tagen abgehaltenen jwnfirmationsfeier den glücklichen llmstaud, daß die Kirche gut besetzt tvar, noch in anderer Weise auszunutzen sich bemüht. Nach Schluß der Feier empfahl er die am Kirchen- ausgang aufgestellten Sammelbüchsen dem besonderen Wohlwollen der Teilnehmer an diesem Gottesdienst, indem er mit drastischen Worten, die Verwunderung hervorriefen, ihnen auch an den Geld-- beute! zu greifen versuchte. Er habe, sagte er, soeben IIS Kinder eingesegnet; da hoffe er, nachher in den Sammelbüchsen auch 113 Mark zu finden. Man hat uns leider nicht angeben können, welchem Zweck diesmal die Kollekte dienen sollte. Wenn sie, wie wir ver- muten, für die Armen bestimmt war, so ist denen ein möglichst boher Ertrag gewiß zu gönnen. Selbstverständlich wird auf das Scherflein der v i e l e n Ungläübigen, d i e a n K o n f i r m a- t i o n s t a g e n auch mal in die Kirche kommen, ebenso gerechnet wie auf das der paar Gläubigen, die der Pastor als liebe Stammgäste kennt. Die Bedürftigen und Notleidenden der Melanch- thongemeinde werden, wie man zu sagen pflegt, ihrem Schöpfer danken, daß es auch dort noch Leute gibt, die ihre Kinder, sogar gegen ihre eigene Ueberzeugung, konfirmieren lassen. Bei solcher Gelegenheit kommt mit Hilfe der Ungläubigen, die gegen ihre Ueber. zeugung mit in die Kirche gehen und sich als„Staffage" hergeben, wenigstens wieder mal ein bißchen Geld in den Armensäckel der Kirche._ Telephonbesitzer, Vorsicht! Eine Berliner G. m. b. H., die sich ,Nerosorm"-Telepbon-Desinfektio!is-Gesellschaft nennt, operiert zur- zeit in folgender Weise: Sie bittet in der bekannten Art, ihren Vertreter zu dem Herrn Telephonbesitzer schicken zu dürfen. Der Vertreter kommt. Er redet viel, lange und gut. Besonders, wenn„nur" die Frau des Telephonbesitzers zu Hause ist. Der Vertreter weiß die Worte so geschickt zu setzen, daß der Eindruck erweckt wird, zur Desinfektion des Telephons werde am Apparat eine überaus kostspielige Vorrichtung angebracht! Er ruht nicht, bis er seinen Auftrag weg hat. Vor allem aber die berühmte Unterschrift! Am liebsten gleich für L(drei I) Jahre. Mindestens aber für 1 Jahr I Monatlich wird zweimal„desinfiziert". Das kostet 1 M. jeden Monat. Der Vertreter erntet also seinen Auftrag von 36, m i n d e st e n S aber 12 M.! Zumal wenn„nur" die F r a u zu Hause war.— Der„Desinfektor" kommt. Er nimmt ein Läppchen und reibt eine Prise„Neroform" ans Sprach- und Hörrohr des Telephons. Kostenpunkt 50 Pf.,„reeller" Wert: 1 Pf.. Der glückliche Telephonbesitzer schreibt der klugen G. m. b. H. in Berlin IV., daß er sich betrogen fühlt. Als Antwort erhält er einen Brief, der nicht mit Rosenöl, nicht einmal mit„Nerosorm", geschrieben ist. Die G. m. b. H." spielt sich auf und droht mit Klage. Alle Unternehmungen, bei denen etwas faul ist, pflegen sich aufzuspielen und mit Klage zu drohen! Aengstliche Gemüter lassen sich einschüchtern und zahlen weiter— zahlen— zahlen! Die „Neroform"-G. m. b. H. aber blüht, gedeiht und„desinfiziert".. Telephonbejitzer, Vorsicht! Ein blutiges Ehedrama. Im Hause Brunnenstraße 193 spielte sich gestern morgen ein blutiges Ehedrama ab. Der 40 Jahre alte Arbeiter August Brandt feuerte auf seine von ihm gelrennt lebende Ehefrau drei Revolver- schüsse ab und jagte sich dann mehrere Kugeln in den Kops. Aus verschiedenen Gründen lebten die Eheleute von einander ge- trennt. Der Mann versuchte wiederholt, sich seiner Frau wieder zu nähern, wurde aber abgewiesen. Kürzlich nabm ihn die Polizei schon einmal in Schutzhaft. Aber Brandt ging nach seiner Entlassung wieder nach der Wohnung seiner Frau. Gestern morgen ereignete sich das Unglück. Um 8 Uhr früh klopfte er an die Tür der Wohnung. Das kleine Kind öffnete. Er trat sosort auf seine Frau zu und ver- langte von ihr drohend zum letzten Male eine Wiedervereinigung. Als die Frau auch jetzt ablehnend antwortete, zog er einen Revolver aus der Tasche und feuerte drei Schüsse auf sie ab. Eine Kugel drang der Frau in den Kopf, eine zweite in die Brust und die dritte in den Unterleib. Daun richtete er die Waffe gegen seine rechte Schlüte und drückte zweimal ab.. Mann und Frau brachen besinnungslos zusammen. Die Schwester der Frau hatte das Unglück. das sich sehr schnell abspielte, nicht verhindern können. Sie holte einen Arzt und die Polizei herbei. Nach Anlegung von Notverbänden wurden die beiden lebensgefährlich verletzten Eheleute weggebracht. Die Frau nach der Königlichen Klinik, der Mann als Polizei- gefangener nach der Charilö. Die Leiche eines wenige Tage alten Knaben wurde in dem Hause Alt-Stralau 70 von einem Maler, der in einer leerstehenden Wohnung Malerarbeiten zu verrichten hatte, aufgefunden. Als er in einem der Zimmer die Decke tünchte, iah er auf dem Ofen eine in Lumpen gehüllte Kindesleiche, die bereits seit dem 26. Februar auf dem Ofen gelegen halte. Die Ermittelungen ergaben, daß das Dienst- mädchen P. heimlich einem Kinde das Leben geschenkt und dann den Säugling erdrosselt hatte. Als die Herrschaft dann unmittelbar darauf aus der Wohnung herauszog, versteckte es die Leiche auf dem Ofen. DaS junge Mädchen wurde verhaftet. Die Polendemonstrationen in der St. Paulus-Kirche haben jetzt zu zwei Verhaftungen geführt. Die Verhafteten sind der Damen- schneider Kaczmareck und der Malermeister Slomski, die an der Demonstration beteiligt waren. In polnischen Kreisen fällt be« sonders die Verhaftung des Malermeisters Slomfti auf, der gar keinem polnischen Berein angehört und seine Kinder in deutscher Sprache für die Kommunion hat vorbereiten lassen. „Die Küche im Mai" nennt sich eine Kochkunst-Ausstellung, die von den ersten Vereinigungen der Berliner Berussköche vom 6. bis 17. Mai im„Clou" abgebalten wird. Die Veranstaltung wird in- sofern nach ganz neuen Prinzipien durageführt werden, als man dem Publikum nicht nur Schaustücke vorführen, sondern ihm auch im weitesten Umfange Gelegenheit geben wird, die ousgesiellten Speisen sofort zu proben bezw. käuflich zu erwerben. Bei der städtischen Badeanstalt an der Schillingbrücke ist am Montag das zwecks Umbaues geschlossen gewesene Schwimmbad wieder dem Verkehr übergeben worden. Es steht nunmehr auch in dieser Anstalt, ebenso wie in der Anstalt Gerichtstraße, sowohl für die männliche, wie auch für die iveibliche Bevölkerung je ein be« sonderes Schwimmbad ununterbrochen während des ganzen TageS zur Verfügung. Wer ist die Tote? Die Leiche eines jungen Mädchens von etwa 17—20 Jahren wurde gestern bei Spandau in der Havel gelandet. Sie hat nach ihrem Aussehen schon längere Zeit im Wasser gelegen. Die unbekannte Tote ist ungefähr 1,60 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug ein grünes Jackett mit gelben Knöpfen, einen schwar- zen Rock, eine weiß-blau punktierte Bluse mit blau-rot punktierter Borte, schwarze Schnürschuhe und weiße Wäsche ohne Zeichen. Zmei Taschentücher, die man bei der Leiche fand, sind C. G. gezeichnet. Außerdem fand man in den Taschen ihrer Kleider eine II. L. G. 4 gezeichnete Matrosenschleife des Schiffes S. M. Rheinland und eine Blechdose mit einer Perlmutterhalskette. Der Gesangverein Kreuzberger Harmonie hält am Sonntag, den zahle; er berstieg sich zu der Drohung, als Abwehr bei der Auf- Montag statt. Gewählt wird im Restaurant Sadan, 22. März, in der Neuen Welt" in der Hasenheide sein erstes sichtsbehörde Beschwerde über ein solches Beginnen zu erheben. Residenzstr. 124. Kandidat ist der Genosse Paul Selke. Frühjahrskonzert unter Mitwirkung des Berliner Konzertprchesters Für die sozialdemokratische Fraktion legte Genosse Grunow ent- Gewählt wird am Sonntag: nachmittags von 2 bis ( Dir.: Franz Blon) ab. Eröffnung 5 Uhr. Das Programm fostet schiedene Verwahrung gegen diese Anmaßung ein; die Etatsansäße 7 Uhr, am Montag: nachmittags von 3 bis 8 Uhr. im Vorverkauf 60 Pf. stellten nur das Mindeste dessen dar, was eine Industriegemeinde Genossen, nüßt die kurze Zeit zu eifriger Agitation für unsere in betreff öffentlicher Wohlfahrts- und Gesundheits- Kandidaten aus. Keiner darf am Wahltage fehlen. Es kommt auf Pflege zu leisten habe. Wenn im Etatsansah noch nicht die jede Stimme an. Mittel für den Bau einer Gemeindeturnhalle erscheinen, Ein arbeitslos gewordener Tischler verlor am Mittwochabend auf dem Bahnhof Prenzlauer Allee iein Portemonnaie mit 24 m. Inhalt. Der Finder wird um Abgabe gebeten an Paul Leid, Briezner Straße 9. Vorortnachrichten. Aufhebung des Hausbefizerprivilegs und geheime Stadtverordnetenwahl. Die Stadtverordnetenversammlung von Charlottenburg hat den Beschluß gefaßt, den Magistrat zu ersuchen, gemeinsam mit ihr bei den beiden Häusern des Landtages um Aufhebung des Hausbesigerprivilegs und Einführung der geheimen Stimm abgabe bei den Stadtverordnetenwahlen zu petitionieren. Der Magistrat ist diesem Beschluß beigetreten und hat in einer längeren Eingabe an das Abgeordnetenhaus und Herrenhaus um die Aufhebung des Hausbesigerprivilegs und um Einführung der geheimen Stimmabgabe bei den Stadtverordnetenwahlen gebeten. Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung erledigte diesmal die Geschäfte im Eilzugstempo. Allein bei der Beratung der Rechnungsablegung fur das Jahr 1911 tam es zu einer fleinen Diskussion. Der Berichterstatter Schulz hatte vor allen Dingen bemängelt, daß eine Kontrolle der Einnahmen bei der nachträglichen Prüfung unmöglich sei, da nur die Einnahmen gebucht werden, die tatsächlich erfolgt sind. Der Magistrat wird ersucht, in Zukunft größere Sorgfalt darauf zu verwenden und alles, was die Stadt an Einnahmen zu erwarten hat, auch als Solleinnahme einzutragen. Dr. Leidig betonte gleichfalls den Mangel und wies auf die Notwendigkeit hin, zur Unterstützung des Rechnungsausschusses in Zukunft eine befoldete Kraft heranzuziehen, die vom Magistrat unabhängig sei. Er wünschte, daß die Stadt für abhanden gekommene Garderobe in den Schulen vollen Ersatz leisten möge. Alsdann werden die zweiten Lesungen der Vorlagen über die nötigen Enteignungen am Lehniner und am Fehrbelliner Plaz nach dem Vorschlag des Magistrats und des Finanzausschusses engenommen. Ein Zuschuß von 3000 M. in drei Jahresraten für die Olympiade wird ohne Debatte erledigt. Bei der zweiten Lesung des Etats für 1914 schlug namens der freien Fraktion Stadtverordneter Dröße vor, die Grundwertsteuer bon 2,5 barv. 5 pro Tausend auf 2,4 bzw. 4,8 pro Tausend zu ermäßigen und den dadurch entstehenden Ausfall zu decken, indem bie Aſphaltierung der Düsseldorfer Straße auf das nächste Rechnungsjahr verschoben wird. Da die liberale Fraktion sowie der Magistrat diesem Kompromiß zur Erleichterung der armen Grundbesizer zustimmten, wurde darauf der Etat für 1914 en bloc angenommen. Damit ist die Erhöhung des Steuerzuschlags auf 110 Pro 3. perfeft geworden. Ueber die Petition betr. Aufrechterhaltung der städtischen Fleischhalle ging man bei der GeLegenheit zur Tagesordnung über, weil, wie der Vorsteher mit gehobener Stimme mitteilte, die Absicht auf Aufhebung der Fleischhalle bei niemandem bestehe. Lichterfelde. Die zwischen dem Genossen Wenzel und dem Kandidaten der Beamtenvereinigung erforderliche Stichwahl findet am Mitt woch, den 25. März, von 3-8 Uhr, in den Lichterfelder Festfälen statt. Die Parteigenossen werden aufgefordert, die furze Spanne Zeit zur intensivsten Agitation auszunügen. Am Wahltage selbst müssen alle berfügbaren Kräfte des Ortes um 8 Uhr bei wahrendorf, Baetestraße, zum Schleppdienst fich einfinden, um die vorhandenen Reierben heranzuziehen. Bei der jezigen Situation ist der Sieg unseres Kandidaten durchaus möglich, wenn die Parteigenossen und Genossinnen energisch in den Wahlkampf eintreten. Kalkberge, Rüdersdorf, Tasdorf. Wie die öffentliche Wahl die bürgerlichen Kandidaten vor dem Durchfall schütt. " so nähme die Fraktion vorläufig nur Abstand von einem dahin Neuenhagen( Ostbahn). gehenden Antrag, weil die Vorlage eines solchen Projektes ihr für Einen herben Verlust hat die Partei des Drtes durch den plözbie nächste Zeit zugesagt ſei. Gegen die Stimmen der 1. Klasse lichen Tod des Bezirksleiters Gustav 2 ubatsch erlitten. Vorher, fanden dann die Positionen für die Dotierung des Pensions- und rüstig und scheinbar gefund, leitete er noch unsere Gemeindewahl Pflasterfonds wesentliche Erhöhung, ebenso die Position für Steuer- bewegung ein und er wurde auch selbst als Kandidat einstimmig aufrückzahlungen, welche infolge der Einsprüche der Großindustrie in nächster Zeit in besonders großem Betrage zu erwarten find. geſtellt. Zur ſelben Zeit, als er gewählt wurde, schaffte man ihn Einen weiteren Anlauf nahm die erste Klasse durch Herrn Peierls ins Krankenhaus, wo er am Mittwoch verschied. Sein aufrichtiges 27 000 m. aus den zu erwartenden Ueberschüssen des Vorjahres leuchtendes Vorbild bleiben. Ueber die Beerdigung wird noch näheres gegen den Vorschlag der Etatskommission, den Einnahmeposten von Wesen, gepaart mit kraftvoller Energie, wird den Genoffen ein zu streichen; der befoldete Schöffe Dr. Kühn und Genosse Grunom bekannt gemacht. bekämpften lebhaft eine solche ungesunde Finanzgebarung; auch hierin wurde die 1. Klasse überstimmt. Ein Antrag des Vater- In der Gemeindevertretersizung am 16. März wurde neben den ländischen Frauenvereins um Erhöhung der Beihilfe für seinen Herren Zitterbarth und Schmidt Genosse Köseling in den Schul Kinderhort gab dem Genoffen Schwarzburger Gelegenheit, vorstand gewählt. diese Art der Privatwohltätigkeit einer Kritit zu unterziehen und Alt- Landsberg. die hierfür bei der Mehrheit bestehende Bereitwilligkeit in Parallele zu stellen mit der Tatsache, daß man der Treptow sternwarte Die Justiz im Dienste der Politit. Ueber dieses Thema referierte nur ganze 10 M. mehr bewilligen wollte. Den ablehnenden Stand- in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung Genosse Buschick. punft unserer Genossen zur Erhöhung des Schulgeldes begründete Am Schlusse feines mit großem Beifall aufgenommenen Referats Genosse Grunom mit dem Hinweise darauf, daß man den Klassen- forderte der Redner die Versammelten auf, am Freitag, den charakter der höheren Schule nicht noch verbösern soll, zumal ja 20. März. fich an der Stadtverordnetenwahl zu beteiligen und für auch weniger bemittelte Eltern ihre Kinder dieser Schule zuführen; die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten, Genossen Stilt ein das Ziel einer Kommune mühte es sein, dieselbe zum Allgemein zutreten. Die am Schlusse der Versammlung an die Anwesenden gut aller zu machen. Die besondere Gewerbesteuer fand nach den gerichtete Mahnung des Vorfißenden, Genossen Gloger, sich der Borschlägen eine Erweiterung, und die Hundesteuer wurde von Organisation anzuschließen und die sozialdemokratische Presse zu 20 auf 30 M. erhöht. Der Antrag unserer Fraktion auf Auf- abonnieren, hatte den Erfolg, daß sich 6 männliche und 3 weibliche hebung der Besteuerung der Einkommen bis zu 900 M. wurde ab- Veriammelte zur Aufnahme in den Wahlverein meldeten und außer gelehnt, ebenso der vom Genossen Imberg begründete Antrag auf dem 4 neue Vorwärts" abonnenten gewonnen wurden. Abstellung der Biersteuer. Die Anregung des Genossen Pankow. Grunow, für Errichtung der 2. Apotheke die Initiative zu ergreifen, wurde dahin beantwortet, daß bereits das Erforderliche Die Gemeindevertretung befaßte sich am Dienstag mit der beranlaßt sei. Beim Friedhofsetat wurde zur Kenntnis Beratung des Etats für 1914. Terfelbe balanzieri in gebracht, daß die durch Anträge unserer Genossen veranlaßte Ab- Einnahme und Ausgabe mit 3770 000 m. In einem etwa ein änderung der Friedhofsordnung genehmigt sei. Das Projekt der stündigen einleitenden Referat wies Bürgermeister Suhr zunächst Errichtung einer Boltsbadeanstalt größeren Stiles ist darauf hin, daß es troß äußerster Sparsamkeit nicht gelungen sei, wegen der ca. 700 000 m. betragenden Kosten einstweilen zurück- den Etat zu balanzieren, ohne der Vertretung eine Steuererhöhung gestellt. Da in der Frage der besseren Entschädigung für die vorschlagen zu müssen. Hierbei aber habe der follegialische Ge Schulreinigung die Anregungen unserer Genoffen keine Zuftim- meindevorstand sich unter keinen Umständen dazu entschließen mung fanden, stellten dieselben für die nächste Zeit dahingehende können, eine weitere Erhöhung des zurzeit 120 Proz. betragenden unseren Genossen die verärgerte 1. Klasse gegen den Etat, so daß bringung des noch zu deckenden Fehlbetrages von 134 750 Mt. durch Anträge in Aussicht. Bei der Gesamtabstimmung stimmte mit Stommunalzuschlages zu empfehlen. Vielmehr glaube er die Aufderselbe nur mit 14 gegen 11 Stimmen zur Annahme gelangte. eine Erhöhung der Grundwertsteuer von gegenwärtig Das Ergebnis löste große Heiterkeit aus, bei regelrechter Be 3 pro Taufend für bebaute und 6 pro Tausend für unbebaute feßung wäre die Ablehnung des Etats erfolgt. Man sieht, daß Grundstüde auf 3% resp. 7 pro Tausend als den einzigen geeig getern, so etwas fertigbringen, wenn die Politik ihren Geldsack- höhung des Gemeindesteuerzuschlages müßte etwa 20 Proz. betragen auch die Kreise, welche sonst über die negative Politik der Partei neten und zweckmäßigen Ausweg vorschlagen zu sollen. Eine Er. intereffen zuwiderläuft. und würde zu etwa% den Einwohnern Pankows zur Last fallen, während die Erhöhung der Grundwertsteuer nach den obwaltenden Am Sonntag, den 22. Mära, findet in den Erelfior- Lichtfpielen, ben vielen Nachteilen, die eine Erhöhung des Kommunalzuschlags Verhältnissen nur von etwa ½ zu tragen wäre, ganz abgesehen von Bergstr. 151/152, eine movorstellung für Kinder statt. Zur Auf- für die Gemeinde sowohl wie auch für den Grundbesih selbst zar führung gelangt das Schauspiel Wilhelm Tell", eine Natur Folge haben müßte. Besonders eingehend befaßte sich dann der aufnahme und ein humoristischer Att. Der Eintritt ist nur Kindern Bürgermeister mit der Belastung der Gemeinde durch die Schulen. gestattet, der Eintrittspreis beträgt 10 Pf. Billetts find in den In Prozenten von der Gemeindeeinkommensteuer ausgerechnet erunten angegebenen Stellen zu haben. Anfang Punkt 12 Uhr. fordern die Gemeindeschulen 86,24 Proz., das Realgymnasium Mittwoch, den 25. März, wird die Märchenvorstellung vom Sonntag wiederholt. Zur Aufführung gelangt das mit Beifall auf- 32,17 Proz., die Oberrealschule 12,15 Proz., das Lyzeum 10,65 Proz genommene Ostermärchen: Warum der Frühling fommen mußte". einer vom Gemeindevorstand aufgestellten Berechnung die Ge Unter Zugrundelegung der gegenwärtigen Schulbesehung zahlt nach Da am Sonntag wieder Hunderte von Kindern umkehren mußten, meinde für das einzelne Schulkind bei den höheren Lehranstalten ohne Einlaß zu bekommen, empfiehlt es fic, fich rechtzeitig mit im Durchschnitt 105,33 M., bei den Gemeindeschulen 108,13 m. für Kinder 10 Pf., für Erwachsene 20 Pf. Billetts zu verfeben. Saalöffnung 5 Uhr, Anfang 6 Uhr. Eintritt im Sekretariat, Medarstr. 3; Spedition Rohr, Siegfriedstr. 28; Billetts find zu haben Trok der hohen Aufwendungen für die Gemeindeschulen sei be dauerlicherweise die Klassenfrequenz immer noch ungesund hoch, Restaurant Bartsch, Hermannstr. 49; Restaurant Brill, Böhmische welchem Mißstand nach Möglichkeit abzuhelfen die Schulverwaltung Straße 44; Lehmann, Richardstr. 63; Lietich, Wildenbruchfir. 86; ernstlich bestrebt sei. Bei dieser Gelegenheit gab Herr Suhr be Butenschön, Weisestr. 5; Bormann, Liberdaftr. 15; Schneider, Weise kannt, daß den Wünschen nach Einführung der achtstufigen straße 64, und bei den Bezirksspielleitern und Leiterinnen. Schule in naher Zukunft insoweit Rechnung getragen werde, als auf Beschluß der höheren Schulbehörde für die Volksschulen die Volkstümliche Vorträge. Die im Programm für das Winter fiebenstufige Schule mit einer Oberklasse allgemein zur Einführung halbjahr 1913/14 veranstalteten Vortragsabende erwähnten Vorträge fommen soll. Die Schuldeputation hat im Einverständnis mit dem burd bas Institut für Meerestunde finden nicht statt. Für Dienstag, Gemeindevorstand beschlossen, diesen neuen Lehrplan schon mit dem den 24. März, abends 8 Uhr, ist Herr K. Hirche, Lehrer am 1. April b. 3. in Pankow einzuführen. Es werden zunächst drei Kaiser- Friedrich- Realgymnasium, zu einem Vortrage in der Aula der Oberklassen an der 2. und 4. Schule geschaffen, denen zu Michaelis Realschule, Boddinstraße, über seine„ Reise nach Island" verpflichtet weitere folgen sollen. Der Bürgermeister streifte dann noch bei nahmen wird der ganze Weg von Stettin über Kopenhagen, Edin steuer. Trotz der lebhaften Befehdung und der zahlreichen Beti Durch eine Reihe von 130 Lichtbildern nach eigenen Auf- der speziellen Besprechung der Steuern auch die Lustbarkeits. burgb, die Felfen der Fär- Der und Westmännerinseln nach Jsland tionen feitens der Interessenten sei der Gemeindevorstand für eine veranschaulicht werden. Der Eintritt ist kostenfrei. Kindern sowie gänzliche Beseitigung derselben nicht zu haben. Es sei aber Schülern, auch in Begleitung Erwachsener, ist der Zutritt nicht schon für die nächste Sigung eine Vorlage vorgesehen, die sich mit gestattet. einer Milderung sowie mit Beseitigung von Härten dieser Steuer befassen werde. Neukölln. worden. Röpenid. Nidel. Wie sehr die öffentliche Wahl die in einem gewissen Abhängig teitsverhältnis stehenden Arbeiter und Beamten zu willenlosen Wert zeugen ber Machthaber erniedrigt, zeigten die in dieien Tagen statt gefundenen Gemeindevertreterwahlen oben genannter Drte. Für allberge war die Wahl abends 6 Uhr angefeßt. Die Angst, die Sozialdemokratie fönnte einen der ihren in das Gemeinde parlament entienden und damit die Ruhe und Eintracht der bürger lichen Vertreter in ihren Sizungen stören, brachte ein ganzes Heer In der nun einsehenden Generaldebatte trat zunächst der Stadtverordnetenersahwahl. Am Montag, Dienstag und Donners- bürgerliche Vertreter Herr Singel entschieden für Beseitigung bon Bergleuten auf die Beine. Nicht aus innerer Ueberzeugung gingen diefe Leute zur Wahl, um gegen die Interessen tag, den 23., 24. und 26. März findet für die dritte Abteilung eine der Luftbarkeitssteuer ein und versuchte durch allerlei unangebrachte ihrer Klasse zu votieren, sondern unter dem Zwange und der Auf- riazwahl statt. Alles Nähere erfahren die Wähler durch die amt Streichungen und sonderbare Vorschläge die ausfallenden 17 000 m. ficht der Herren Steiger und Dbersteiger. Galt es doch einen Oberlichen Starten, die ihnen vom Magistrat zugefiellt werden. Sollte wieder hereinzubringen. Herr Niemann befürwortete ebenfalls meister Klinger, Mitglied des Vorstandes der Fortschrittspartei iemand verhindert sein, am Tage der Wahl, an dem er zu wählen eine wesentliche Milderung der Luftbarkeitssteuer. Bürgermeister Niederbarnims, zu wählen. Unter diesen Umständen war es fein bat, sein Wahlrecht auszuüben, so fann er an einem der beiden Stuhr betonte Herrn Ringel gegenüber nochmals, daß der Gemeinde. Kandidat ist Genoffe Otto Hand bieten werde und trat der Anschauung entgegen, als ob ge Wunder, daß auf diesen 186 Stimmen entfielen, während für anderen festgesezten Tage wählen. Standidat ist Genosse Otto borstand zu einer Beseitigung der Luftbarkeitssteuer niemals seine unseren Kandidaten nur 43 Stimmen abgegeben wurden. Wie sehr legentlich der Etatsberatung einfach die Aufhebung der Steuer be die Bergleute diesmal zur Stimmabgabe gepreßt wurden, beweist Am Sonntag, den 22. d. Mts., veranstaltet der Bezirk schlossen werden könnte. Das könne nur auf dem vorgeschriebenen bie Tatsache, daß bei der Wahl vor zwei Jahren der bürgerliche Dammvorstadt des Wahlvereins im Lokale von Böhnisch, Hirsch- recht langwierigen Wege geschehen, und bis zur Entscheidung sei Kandidat nur 21 Stimmen erhielt. Damals hatte dieser Herr gartenstr. 1, einen Familienabend. Einleitend Vortrag über Feuer der Gemeindevorstand die Steuer zu erheben verpflichtet, Von allerdings feinen Gegenkandidaten. beftattung". Vortragender: Genosse Dr. Freund- Neukölln. Nach unserem Redner wurde unser negierender Standpunkt dieser Steuer In der Gemeinde Nüdersdorf fand die Wahl Sonntag- dem Vortrage gemütliches Beisammensein und Tanz. Anfang pünkt gegenüber betont und die Vorschläge des Herrn Ringel, namentlich bezüglich Einführung einer Filial- und Omnibussteuer, als indis nachmittag um 2 Uhr statt. Hier galt es, dem Rechtlich 5 Uhr. Der Eintritt ist frei. Tanz 30 Pf. Gäste willkommen. Futabel zurüdgewiesen. Im übrigen sei ja nach den Ausführungen die Ehre zu geben und die Partei des abgefägten Gemeinde- Da die Einnahme vom Tanz dem Verein Arbeiterjugendheim" des Bürgermeisters auch der Gemeindevorstand von der Notwendig vorstehers Klemens herauszuwählen. Auch hier wurden die Vergleute überwiesen werden soll, wird eine rege Beteiligung erwartet. feit einer Reform der Luftbarkeitssteuer überzeugt und werde die Benutzt, der neuen Richtung zum Siege zu verhelfen. Auf unseren Während des Vortrags werden für die Kinder im oberen Saale demnächst zu erwartende Vorlage Gelegenheit geben, die ganze Kandidaten entfielen 45 Stimmen. Am gleichen Tage wurde auch in Märchen vorgelesen. Materie nochmals gründlich nachzuprüfen. Nachdem noch eine ganze Zasdorf gewählt. Hier waren es feine Bergherren, die ihre Reihe Redner das Wort genommen und die mannigfachsten Vors schläge und Anregungen zwecks Beseitigung der Lustbarkeitssteuer wirtschaftliche Macht auch in politische Macht umsehen zu können Bei der gestern stattgefundenen Gemeindevertreterwahl ist es uns wie Vermeidung der Erhöhung der Grundwertsteuer gemacht wor= glaubten, sondern der allmächtige Befizer der Zementfabrik. Arbeiter, nicht gelungen, das Mandat zu behaupten. Auf unseren Kandidaten den waren, wurde in die Spezialberatung eingetreten. Borarbeiter, Meister, Kantineninhaber, Infaffen der Mietstasernen, fielen 190 Stimmen, während der Gegner 246 Stimmen erhielt. alles wurde an den Wahltisch gebracht, um den Meister Gonschored Das war aber nur möglich, daß die zahlreich im Orte wohnenden Borsigwalde. gegen den vom Bürgerverein aufgestellten Kandidaten Brüfemeister Beamten zur Wahl herangeschleppt wurden und im staatserhaltenden Herauszubauen. Hinter den Arbeitern, die herangeschleppt wurden, Sinne wählen mußten. stand jedesmal ein Vorarbeiter, der die Stimmabgabe kontrollierte. Remnickendorf. Schlimmer fann nirgends, selbst in Dstelbien, die freie Willensbestimmung der Wähler beeinflußt werden, wie das hier geschehen ist. Ober- Schöneweide. Grünau. " 1 Bei der gestern stattgefundenen Gemeindevertreterwahl wurden die beiden Kandidaten der Sozialdemokratie mit einer überwältigenden Majorität gewählt. Sie erhielten au fammen 751 Stimmen, während es die Bürgerlichen nur auf 74 brachten. Die Gemeindevertreterwahlen für die 3. Klasse finden am Sonntag( 22. März) und Montag( 23. März) statt. Es wäh Ten sämtliche drei Bezirke und zwar der erste Bezirk( umfassend Situngstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. den westlichen Ortsteil, den sogenannten Tegeler- und Eichbornplan, sowie die Humboldtstraße 26-46 und die Weltener Straße Friedrichstr. 87. Etatsberatung. Friedrichshagen. Heute Freitag, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Die letzte Gemeindevertretersizung galt der Beratung des( ausschließlich 1 bis 3) sowohl am Sonntag als auch Etats. Da mit den bisherigen Steuerfäßen die erforderlichen am Montag in der Turnhalle der 2. Gemeindeschule, Auguste- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Diese Sihungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be Mittel nicht aufzubringen waren, mußten neue Einnahmequellen Viktoria- Allee 114. Am Sonntag findet die Ersatzwahl statt. erschlossen werden. Die Etatskommission glaubte mit Recht von Kandidat ist der Genosse Franz Lange. Am Montag ist einer Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages absehen zu müssen der infolge Vermehrung der Gemeindevertreter Neuzuwählende zu und den Mehrbedarf im wesentlichen der am Orte ansässigen wählen. Unser Kandidat ist der Genosse einrich Schulze. Großindustrie in Form einer Erhöhung der Säße der be- Am Sonntag findet ferner die Ersatzwahl im dritten( östlichen sonderen Gewerbesteuer aufzuerlegen. Nebenher war eine Bezirk statt( Provinzstraße mit ihren Seiten- und Nebenstraßen Erhöhung des Schulgeldes für das Realgymnasium sowie der nähere Straßenangabe ist aus dem am Sonntag zur Verbreitung Hundesteuer in Vorschlag gebracht. Die Einführung einer gelangenden Flugblatt zu ersehen). Diese Wahl findet in der Filialsteuer hat bereits die Zustimmung der lebten Sißung erhalten. Herr Direttor Peier Is von der AEG. machte der Vertretung gleich eingangs der Beratungen den Vorwurf, daß sie leicht fertig Ausgabeposten erhöhe, nur weil die Industrie ja die Kosten Gerichtszeitung. Ein Malermeister als Dieb. Neulich ein Bädermeister, furz darauf ein Schlächter Turnhalle der 4. Gemeindeschule am Hausotterplah statt. Kandidat meister, gestern ein Malermeister vom Gericht als Dieb berist der Genoffe Paul Gursch. Im zweiten( mittleren) Beurteilt. zirk( Residenz, Park- und Hauptstraße mit ihren, Seiten- und Wegen Diebstahls von Bretiofen wurde gestern der MalerNebenstraßen sowie das Schweizerbiertel) findet die Wahl am meister Baul Butschte vor die 1. Straftammer des Landgerichts III 2 Charlottenburg. Eröffnungstour Wannsee, Fürstenhof. Start:| Grabe eines Achtundvierziger- Revolutionärs. Bon W. B. Ludwig Lessen, Kreuz und quer durch den Balfan. Von E. Barth. Schöneberg. Familientour bom Sportskartell. Start: Abends 6 Uhr Neue Rathausfäle, Tunnel. Neukölln. Pichelswerder, Alten Freund. Start: 1 Uhr, Neue Belt, Hasenheide. aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der Angeflagte war bon einer am Kurfürstendamm in Charlottenburg wohnenden Frau 1 Uhr Boltshaus, Rosinenſtr. 3. Hirschberg angenommen worden, um in deren Wohnung Malerarbeiten auszuführen. Er war schon mehrere Tage damit beschäftigt, als ihm Frau H. Klagte, daß an einem in ihrem Schlafzimmer stehenden Schreibtisch das Schloß nicht in Ordnung sei. Er erklärte sich bereit, zu ergründen, welcher Grund für das Nichtfunktionieren des Schlosses vorläge. Er entdeckte dann in dem Kasten des Tisches eine Kassette mit mehreren Kartons, die kostbare Schmucksachen enthielten und ließ schleunigst zwei solcher Kartons in seiner Tasche verschwinden. Er hatte sich somit in den Besitz Treptow. eines Brillantenkolliers im Werte von 3000 m. und mehrerer goldener Broschen und Nadeln im Werte von 1200 M. gefeßt. Der Verlust ist von Frau H. erst mehrere Tage nach Beendigung der Malerarbeiten bemerkt, die Pretiosen sind aber bis heute nicht wieder zur Stelle geschafft worden. Der Angeklagte behauptete, daß, als die Polizeibeamten eines Morgens bei ihm anklopften, um Haussuchung abzuhalten, er kurz entschlossen das Kollier zum Fenster hinaus- und die übrigen Goldsachen in die mit schmußigem Wasser gefüllte Waschschüssel geworfen habe und dieser Teil der Diebesbeute wohl unbemerkt mit ausgegossen sein müsse. Das Gericht glaubte ihm dieses handgreifliche. Märchen nicht und da der Angeklagte schon erheblich vorbestraft ist, verurteilte es ihn zu einem Jahre Gefängnis. Wenn Du einen Kommissar mal siehst, Sergeant, so sollst Du stets ihn grüßen. A Die hochnotpeinliche Frage, ob Kriminalfergeanten stets einen Polizeikommissar grüßen müssen, bejahte das Oberverwaltungsgericht in nachfolgend geschilderter Streitfache. In Altona war als Hilfskriminalkommissar ein Herr F. im städtischen Polizeidienst eine Zeitlang beschäftigt. Inzwischen ist er ausgeschieden. Zu diesem Herrn fühlten sich die städtischen Kriminalfergeanten nicht besonders hingezogen. Der Kriminalsergeant Baumann verweigerte ihm den Gruß. Als er deshalb vernommen wurde, gab er zu, ihn absichtlich nicht gegrüßt zu haben. Er könne F. nicht die erforderliche Achtung entgegenbringen, weil dieser sich in der Oeffentlichkeit nicht so benehme, wie es einem Kriminalfommissar zufäme. F. verkehre viel mit weiblichen Personen aus besonderen Straßen. Baumann wollte ihn auch weiter nicht grüßen. Festgestellt wurde, daß F. allerdings mit weiblichen Personen Verkehr hatte. Der Regierungspräfident zu Schleswig nahm Baumann wegen der fortgesetzten Verweigerung des Grußes gegenüber einem Vorgesezten in eine Disziplinarordnungsstrafe von 50 Mart. Der Oberpräsident verwarf die Beschwerde, worauf B. beim Oberverwaltungsgericht flagte. Zugleich mit der Eache B.3 wurde eine Sache des Kriminalfergeanten Sievert verhandelt, der ebenfalls wegen Verweigerung des Grußes dem F. gegenüber in eine Ordnungsstrafe von 50 M. genommen worden war. Das Oberverwaltungsgericht wies die Klagen beider Kriminalfergeanten mit folgender Begründung ab: Es ergebe sich zunächst aus den Akten, daß der Magistrat den F. als Hilfe- Kriminalfommissar anzustellen beschloffen hatte, daß dies die Genehmigung des Regierungspräsidenten damals erhielt, und daß der Kriminalinspektor es den Unterbeamten bekanntgegeben habe. Danach sei als feststehend anzusehen, daß F. Beamter und Vorgesetzter der Kriminalfergeanten war, sowie daß diese, und damit auch die Kläger, Kenntnis davon gehabt hätten. Sie hätten ihn somit grüßen müssen. Was die Kläger weiter einwendeten, fönne ihr Verhalten nicht rechtfertigen. Die Ansicht des Klägers B., er hätte nicht grüßen brauchen, weil nach seiner Ansicht F. einen nicht würdigen Lebenswandel führe, sei unzutreffend. Es wäre B. allerdings unbenommen gewesen, Anzeige zu erstatten, wenn er der Meinung war, F. führe einen Lebenswandel, der einem Polizeikommissar nicht zutomme. Selbst Richter spielen durfte er aber nicht. Und was Sievert angehe, so hätte er sich beschweren können, wenn F. seine Grüße nicht erwiderte. Selber durfte er aber dem Vorgesezten den Gruß nicht verweigern. Reinesfalls fönne es den Klägern zur Entschuldigung dienen, wenn, wie angedeutet sei, unter sämtlichen Kriminalfergeanten eine Vereinbarung bestanden hätte, nach der die Kläger die Frage, ob F. Beamter sei und ob er gegrüßt werden müsse, zur Entscheidung zu bringen hätten. Ein solches Komplott der Unterbeamten wäre vielmehr absolut verwerflich, jei der Beamten nicht würdig und widerspreche aller Disziplin. Falls sie Bedenten hatten, mußten fie fie beim Kriminalinspektor oder bei der Polizeiverwaltung anbringen. Na, nun ist der Staat wieder einmal gerettet: die Unterbeamten find belehrt, daß sie ein Komplott bilden", wenn sie über den Gruß eine andere als eine höchst subalterne Ansicht haben. Die Belehrung kostet 50 Mt. Wird die Belehrung doch den einen oder anderen Beamten zu der Ansicht führen, daß das Recht auf Gleichberechtigung als Bürger ihm vorenthalten wird und daß sie gegen ihre einzige Befreierin antämpfen, wenn sie die Arbeiterklasse nicht unterstüßen? Spiel und Sport. Radfahrer. Arbeiter Radfahrerbund Solidarität". Mitgliedschaft Berliu. Tourenplan zum Sonntag, den 22. März. Agitationstour: Start früh 26 Uhr( Steuerhaus, Tempelhofer Feld). Die Unterfommissionsmitglieder aller Abteilungen müssen erscheinen. 1. Abt.: Tempelhof, Wilhelmsgarten. Start: 1%, Uhr: Bülowftr. 58. 3. Abt. Müggelheim, Troppens. Start: 12%, Uhr Laufizer Plat 12. 4. und 5. Abt.: Nachm. 2 Uhr Wittenau, Schulz, Hauptstraße 56. 4. Abt. Start: Küstriner Blaz. 5. Abt. Start: Weberwiese, Memeler Str. 6. Abt.: Nachm. Wittenau, Gesellschaftshaus, Schulz. Start: 123 Uhr 7. Abt.: Nachm. 1, Uhr. Zour wird am Start bekannt gemacht. Start: Schulitraße 29. bber Schöneweide. Sonntag, 22. März: Frühlingsanfahrt. Start 1 Uhr, Restaurant Th. Schüffler, Siemen: str. 28. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Sonntag, den 22. März, früh 8 Uhr, nach Niederlehme( Jägersrus), 30 km. Anschlusstart Bahnhof Neukölln. Nachm. 1 Uhr: Adlershof( Wöllstein). Anschlußstart Bahnhof Turner. Turnverein Fichte". Sonntag, den 22. März 1914. 8. Männer Abteilung: Spandau, Forsthaus, Damsbrud, Brieselang, Nauen. Treffpunkt 7 Uhr Alexanderplay, Berolina. Abf. 712. 13. Männer Abteilung: Oranienburg, Lehnigsee, Summt, Hermsdorf. Treffpunkt 8%, Uhr Stettiner Bahnhof. 15. Männer Abteilung: Turnfahrt nach Tegel, Hermsdorf ( durch den Kindel), childon, Mühlenbed, Summt, Birkenwerder. Treffpunkt 6%, Uhr Stettiner Bahnhof. Sportfest Stettin- Fichte III. Sonntag, den 22. März, findet auf dem Timbria- Sportplay Neukölln, Grenzallee, ein großes Sportsmeeting statt, bestehend aus Kurz- und Langftredenläufen, Staffetten, Stabhoch und Freihochspringen, Kugelitojen, Distus- und Speerwerfen. Feiner treffen sich noch Sportklub Moabit und B. f. B. 94, sowie die 4. und 5. Frauenabteilung in sportlichen Wettfämpfen. Den Schluß der Veranstaltung bilden ein Hockeyspiel zwischen Fichte X und III. Männerabteilung, sowie ein Fußballwettspiel SüdsternFichte III. Jm Interesse der Förderung des Sports in der Arbeiterschaft 2 Uhr. Fahrverbindung 20, 22, 46, 47, 48, I und V, Autoomnibus IV. erfuchen wir um rege Unterstügung der Veranstaltung. Beginn pünktlich Fußball. Schöneberg. Die 1. Jugendmannschaft des Arbeiter Turnvereins spielt Sonntag vorm. 211 Uhr gegen Südwest 1913 auf dem nachm. 4 Uhr gegen Fichte 11 auf dem Tempelhofer Feld. Die 1. Männermannschaft Spielplatz an der Blanken Hölle. Die Zurnabende des Arbeiter- Turnvereins finden jetzt jeden Montag und Freitag in den Neuen Stat ausfälen, Meininger Str. 8, und jeden Dienstag und Freitag in Rapps Feftiälen, W Dennewibitr. 13, statt. Gäste willkommen. Arbeiter und Arbeiterinnen, welche is an einer Osterwanderung beteiligen wollen, tönnen Näheres an den Turnabenden erfahren. Wanderer. Arbeiter Wanderverein„ Berlin". und Georg Weihnacht, Grünite. 21, zu haben. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchbandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch tann dieselbe bei der Post mir pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft foftet 25 Pf. Bon der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns foeben Nr. 13 des 24. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir bervor: Dritte Internationale Konferenz sozialistischer Frauen und Arbeiterinnenorganisationen. Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. XIV. Von Anna Blos. Was eine Frau fann. Der Saint- Simonismus und die Frauenwahlrechtsbewegung. Franz Diederich. Zur Krankenversicherung der Hausangestellten. III. Bon F. Kl. Unfer internationaler Frauentag: 1. In Deutschland. 2. In Defterreich). telegramme. Von 3. Jn Böhmen, Mähren und Bosnien. 4. In der Schweiz. 5. In Holland. 6. In Frankreich. 7. In Rußland. Sympathie Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Bs.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 Mr. Vom Wahren Jacob" ist soeben die 7. Nummer des 31. Jahrgangs, 16 Seiten start, erschienen. den Verlag J. H. W. Die Nachf. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern sind jederzeit durch allen Buchhandlungen und Stolporteuren zu beziehen. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet inden ftraße 69, voru vter Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, von 4 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzetchen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsqutttung beigefügt tft, perben nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. Sch. 21. 1. Die Veranlagung in Wildau ist zulässig. 2. Ersuchen Sie das Umisgericht um Uebersendung der Bescheinigung. Die Rechtslage ist zweifelhaft. Wir raten von einer Klage ab.. S. 47. verpflichtet. Die Arbeitgeber sind zur Zahlung des Beitragsanteils von einem Drittel 17... P. B. 1881. 1. Nur dann, wenn Sie Ausländer sind. übersteigt. K. O. 10. Ja, wenn das Einfommen 900 Mark jährlich Haben Sie die deutsche Reichsangehörigkeit erworben, so können Sie sich meiter versichern. 2. Sie bleiben bis zum Ablauf des Vertrages für die Miete hajtbar. 5. N. 76. Es besteht ein Anspruch auf Unfallrente, wenn der Unfall im Betriebe passiert ist. S. N. 1. Die Pfändung fönnte erfolgen. Der Vermieter hätte aber ein Vorbefriedigungsrecht. Boghagen 10. 1. Nein, Sie können sich bei dem Versicherungsamt I. Sonntag, den 22. März: Studienfahrt nach Brandenburg a..haben Sie sich nicht strafbar gemacht. 3. Sie können gegen den Pfändungs beschweren. 2. Nein... 12. 1. Nein. 2. Nach Ihrer Darstellung Abfahrt 5 Potsdamer Hauptbahnhof. Rundgang durch Brandenburg. Teilnehmerkarten sind in unseren Zahlstellen Friz Wähl sch, Stalizer Str. 22, beschluß Erinnerung bei dem Amtsgericht einlegen. H. H. 99. Nach Wählich, Ihrer Darstellung sind Sie nicht zahlungspflichtig. 5. 105. Dagegen II. Nach der Jungfernheide, Siemensstadt, Haselhorst, Gartenfelde, läßt sich nichts tun. Stellen Sie Ihr Bettgestell an die andere StubenSaatwinkel, Tegel. Treffpunkt bis 9 Uhr am Bahnhof Jungfernheide. wand. M. M. 34. Namens der Kinder fann Anspruch auf ihren Fahrgelegenheit Straßenbahnlinien 18, 54, 164. Gate willkommen. gefeßmäßigen Anteil ohne Abzug erhoben werden. G. R. 21. Ja. 2. 17. Die Selage erscheint aussichtslos. O. 8. 44. Nein. M. P. 84. Ein Anspruch auf Rüdzahlung besteht nicht.-.. 54. 1. Die Meisterprüfung muß abgelegt werden. 2. Es genügt, wenn der nahme in den Mietsvertrag beantwortet werden. Bertführer die Prüfung abgelegt hat. 2. 16. Rann nur nach EinsichtI. P. 10. Die wird, haben Sie die Kosten nicht zu tragen. Wegen der Adresse fragen Scheidung erscheint durchführbar. Wenn Ihnen das Amenreat bewillig: Sie beim Einwohnermeldeamt an. G. B. 100. Wenn der Nachlaß 500 Mark übersteigt. 2. Nein. 3. Der genannte Geldbetrag ist nur dann unpfändbar, wenn E. 8. Unseres Erachtens ja. Borräte an Nahrungs-, Feuerungs- und Beleuchtungsmittel nicht für vier Wochen vorhanden sind... 42. Die Zwangsvollstreckung fann nur Innerhalb 30 Jahren veranlaßt werden. reicht nicht aus, fommen Sie in die Sprechstunde. O.. 333. Ihre Darstellung Streit. Ihr Vorgänger hat Anspruch auf Erstattung des Wertes der Bäume. Ihm gehört auch der Lattenzaun, den er, falls Sie sich über den Erwerb nicht mit ihm einigen, entfernen fann. R. 23. 70. Die Klage bleibt bis zur UrteilsSie einen solchen beim Gericht beantragen. fällung anhängig. Falls ein neuer Termin noch nicht anberaumt ist, können E.. 150. Ja, eine Lohnkürzung braucht Ihre Mutter sich aber nicht gefallen zu lassen. 23. M. 25. Die Ihnen bereits anderweit erteilte Auskunft ist zu treffend. Leiser. Königgräger Straße. Die dreitägige KündigungsW. S. 77. Die Deutscher Arbeiter- Wanderbund„ Die Naturfreunde". Am Sonntag, den 22. März, werden folgende Touren unternommen: Ortsgruppe Berlin. Briefen, Madlizer See, Alter Ringwall, Hafenfelde. Abf. Schlesischer Bahnhof 6.39 Uhr vorm. Fabrgeld 3 M Führer W. Wilke. Dahmsdorf- Müncheberg, Budow, Märlische Schweiz, Klobichsee. Abf. Bbf. Friedrichstraße 5.25 Uhr vorm. Fahrgeld 2,25 M. ( Sonntagstarte.) Führer Friedrich. Rebbrüde, Bergholz, Wildenbruch, Michendorf. Abf. Bhi. Alexanderplatz 8.07 1hr vorm. Fahrgeld 1,30 M. Führer Bocksfeldt. Ertner, Grünheide, Möllensee, Rüdersdorf. Abf. Schlesischer Bahnhof 6.33 Uhr vorm. Fabrgeld 1,15 M. Vorortbhf. Fahrgeld 55 Bf. Führer Kreplin. Frohnau, Bergfelde, Birkenwerder. Treffpunkt 1.20 Uhr nachm. Stett. Ortsgruppe NeukölIn: straße 15. Besuchszeit von 2-10 Uhr. Butritt frei. Ausstellung der photographischen Abteilung im Jugendheim II, Rogat Rudow, Mahlow. Trefpunkt 7 Uhr Bhf. f. Neukölln. Fahrgeld 40 Pl. Führer Rimfus. Drtsgruppe Steglit: dorf- Friedenau 5.36 Uhr vorm., Stettiner Boj. 6.46 Uhr vorm.( Stremmener Schwante, F. Sabrnow, Grabowsee, Dranienburg. Abf. Bhf. Wilmers. Bahn). Fahrgeld 1,85 M. Führer Müller. Ortsgruppe Friedrichshagen Köpenid: Schloßplaz mit der Straßenbahn 6.05 Uhr, Königs- Wusterhausen 7.33 Uhr. Groß- Beften, Brieros, Hölzerner See, Groß- toris. Abfahrt vom Gäste willkommen. Arbeiter Touristenverein, Die Naturfreunde". Ortsgruppe Berlin. ( Mitgl. d. Bentr.- Komm. für Sport u. Körperpflege). Sonnabend, 21. März, abends 8 Uhr, im Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2: Oberbayerische Kirmes. Siehe heutige Annonce. Sonntag, den 22. März, feine Touren. Bartie statt: Nahnsdorf, KL- Schönebeck, Tasdorf, Stienissee, Straußberg. Drtsgruppe openid. Sonntag, den 22. März, findet folgende Abf. 688 Bahnhof Köpenid. Schwimmer. spiel in dieser Serie zwischen Neuköln- Berlin II am Mittwoch, 18. März, Arbeiter Schwimmerbund( Kreis I). Das letzte Kreis- Wasserball. endete nach flottem Spiel mit 3 zu 1 Tore für Berlin II. Die nächste Kreis- Schwimmwartstunde findet am Sonnabend, 21. März, 7 Ubr, in ber Gerichtstr. 64 statt. Der Berliner Schwimmklub" Freiheit" hält am Sonntag, den 22. März, nachmittags 3 Uhr, ein Schauschwimmen verbunden mit Reigenvorführungen ab. Arbeiter Samariterbund, Kolonne Groß- Berlin. Lehrabend haben in dieser Woche( Beginn 8, Uhr): Berlin. 1. Abt. Montag, den 23. März, Kommandantenstr. 62, Beders Festsäle. Berlin. 2. Abt. Montag, den 23. März, Swinemünder Str. 42, Gefellschaftshaus. Bidenhagen. Schöneberg. Donnerstag, den 26. März, Borbergstr. 9 bei Händel Lichtenberg. Donnerstag, den 26. März, Scharnweberstr. 60 bei Neukölln. Freitag, den 20. März. Weichselstr. 6( 3dealpassage). Charlottenburg. Freitag, den 20. März, im Restaurant Bernice, Bismard, Ede Sesenheimerstraße. Arbeiter Samariterbund, Kreis Brandenburg. Köpenid. Dienstag, den 24. März, Schönerlinder Straße 5 bei Stippekohl. Ober Schöne weide. Montag, den 23. März, Siemensstr. 12 bei Schulz. Alt Glieni de. Dienstag, den 24. März, Stopenider Straße 45 Friedrichshagen. Donnerstag, den 26. März, Friedrichstraße 60, Now awes. Dienstag, den 24. März, in der Fortbildungsschule. 8. Abt.: Nachm. 12 Uhr, Rudow, Lindenpart, Bendaftr. 52. Start: bei Bahr. Kleinert, Levezomstraße. 9. Abt.: Steglit, Birkenwäldchen. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 2. Hof. Start: Miede, Schillingstr. 22. 12. Abt.: Motorfahrer nach Müggelheim bei Troppens. Treffpunkt 2 Uhr daselbst Lichtenberg. 1. und 2. Abt.: Nachm. Pichelswerder, Alten Freund. Gemeinsamer Start: 12%, Uhr, Pfarrstr. 74. Pantow Niederschönhausen. Nach Bergfelde. Start: 1 Uhr Bankow, Marktplag. Bernau. Nach Pankow, Waldschänke. Temmler. Reinidendorf. Start: 1 Uhr Wallstr. 2, Pflichttour zu Anders, Reinickendorf- Dft. Die Mitglieder müssen erscheinen. Start: 1. Abt. 1 Uhr bei Züning. Alten Freund, Bichelswerder. Treptow Baumschulen weg. Start: 1 Uhr Treptow, früher Kimmel. Eingegangene Druckschriften. Von der Neuen Zeit" ist soeben das 25. Heft des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die Folgen. Peuterts Erinnerungen. Von St. Kautsky. Massen und Führer im Gewerkschaftstrieg. Von Rich. Woldt. Die Entwickelung der ober schlesischen Eisenindustrie. Bon Joh. Kregen( Düsseldorf). Soldaten mißbandlungen und Sozialdemokratie. Von Ludwig Mann. Ein Land arbeiterdrama. Von Franz Diederich. Literarische Rundschau: Aus dem Warnung! 19 001 1 frist gilt als vereinbart und ist deshalb maßgebend. A.. 87. 1. Ja. ortspolizeiliche E. 1. Ja. 2. Die Frage ist zweifelhaft, immerhin Auf Verlangen Ihrer Schwiegermutter sind Sie zur Herausgabe des Pianos juchen. G. A. 128gung, auch in Charlottenburg, müfen Sie nachs raten wir zu einer Beschwerde beim Versicherungsamt. R. R. 1977. berpflichtet. G. R. 44. Nur dann, wenn und soweit Sie mehr wie 28,85 m. wöchentlich verdienen.- A. G., Steinmetzstr. 76, Neukölln. 1. Dagegen läßt sich nichts tun. 2. Sie haben Anspruch auf Herausgabe der Ihnen eigen tümlich gehörigen Sachen. Sie können eventuell klage erheben. 1881. 1. Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, liegt ein beantragen. 2. Sie können Ihre Forderung von 15 M. noch geltend Betrug im Sinne des Gesezes nicht vor. Sie können einen Zahlungsbefehl machen. H. R. 46. Senden Sie uns den Vertrag unter Wiederholung Ihrer Anfrage ein. Wir werden Ihnen dann brieflich antworten. 1. Unseres Erachtens ja. 2. Nein. 2. S. 1888. Sie tönnen Strafantrag auf dem Polizeirevier oder auf dem Polizeipräsidium stellen. Kanone 1000. Nein. 6. G. 34. R. R. 20. 1. Nein. 2. Der Unters ftügungswohnsiz geht nach einjähriger Dauer verloren. R. B. 25. Ja. Stahlonen Witterungsübersicht vom 19. März 1914. Better Stattonen Swinemde. 754 D 4 heiter 2mollig Hamburg 752 GD Berlin 753 2beiter Franff. a.M 752 Still Dunst München 752 23 2mollig Bien 755 SSD 8 wolfig 3 Haparanda 763 D 3 Betersburg 757 NND 2 Scilly 742 3 Better Retnp. n. G. 19.01 0 -6 5 2 halb 5d.- 18 2 Schnee 5 tollig 8 Aberdeen 741 SSW 2 halb bd. 1 Paris 7506523 3 bedeckt 8333 Wetterprognose für Freitag, den 20. März 1914. Bielfach wollig, nachts fühl, am Tage ziemlich mild mit etwas Regest und mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterb: rean Bafferftand me me!, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frantiurt cm³) 360+50 Havel, Spandau) 112 0 Rathenow³) 134-1 Spree, Spremberg) 142 am feit am feit 18.3. 17. 8. Basserstand 18. 17.3. cm cm³) Cir 453 267 340+2 +47 Saale, Grochlig +2 265 458 269 +2 266 -2 252 +4 +10 Barthe, Schrimm Landsberg 200 Neze, Bordamm 90 0 Ibe, Leitmerik 230+18 118-5 Dresden Barby Magdeburg 1)+ bedeutet Wuchs, Beesfom Befer, Münden +12 132+3 527 +71 547+13 Rhein, Maximiliansoa 596-4 Minden Raub Köln 533-18 681+14 Redar, Heilbronn 272 441 -9 Main, Hanau 402+7 390 -2 Mosel, Trier 374-14 Fall. *) Unterbegel. Es sind Bouillon- Würfel im Handel, deren Verpackung derjenigen von Maggi's Bouillon- Würfeln täuschend nachgeahmt ist. Wer ficher fein will, Maggi's Bouillon- Würfel zu erhalten, verlange ausdrücklich diefe und achte auf den Namen„ Maggi" fowie die Schutzmarke Kreuzftern. Maggi- Gesellschaft. +27 B BЯ Todes- Anzeigen Verband der Bureauangestellten. Allen Bekannten und Freunden geben wir hiermit die Nachricht, daß unser Kollege Gustav Lubatsch angestellter der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes, am Mittwoch, den 18. d. M., gestorben ist. Der Verstorbene war uns stets ein Freund und guter Kollege. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 115/2 Die Angestellten des Deutschen MetallarbeiterVerbandes, Verwaltungsstelle Berlin. Ortskrankenkasse der Schlosser und verwandten Gewerbe zu Berlin. Am Mittwoch, den 18. d. M., verstarb unser Erster Borfitender, Herr 270/6 Gustav Lubatsch. Lange Jahre hat derselbe mit großer Hingabe sein Ehrenamt verwaltet. Wir bedauern schmerzlich, daß ihn der unerbittliche Tod im besten Mannesalter aus unserer Mitte gerissen hat und werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde nus statt. Der Vorstand. J. A.: Alb. Polzin, 2. Borjizenber. Rob. Krüger, Schriftführer. Den Kollegen zur Nachricht, daß am 18. März unser Kollege Gustav Lubatsch nach schwerer Krankheit verstorben ist. 114/20 Der Verstorbene war stets ein eifriger Förderer unserer Bestrebungen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Agitationskommission der Bau- u. Geldschrankschlosser. Sozialdemokratischer Wahlverein Kreis Niederbarnim. Bezirk Neuenhagen. Mittwoch, den 18. d. M., bers starb nach furzem Krankenlager unser Bezirksleiter Gustay Lubatsch im Alter von 48 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nach mittags 5 Uhr von der Halle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwünscht. 240/11 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Gustav Lubatseh a, v 18. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nachmitta ys 5 1hr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 115/1 Die Ortsverwaltung. Ortskrankenkasse der Schlosser und verwandten Gewerbe zu Berlin. Der Erste Borjitende unserer Staffe Herr Gustav Lubatsch ist am Mittwoch, den 18. d. M., verstorben. Während seiner langjährigen Amtsdauer war er uns stets etn milder und gerechter Vorgesetzter. Sein früher Tod erfüllt uns mit aufrichtiger Trauer. Sein Andenfen wird in uns fortleben! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 270/7 Die Angestellten der Schlosser- Krankenkasse. Gesangverein Männerchor Ost" ( M. d. D. A.-S.-B.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Sangesbruder, der Arbeiter Max Johlke am 17. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. März, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Friedrichs felde aus statt. Am Mittwoch, den 18. März, verstarb unser Sangesbruder Gustav Lubatsch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nach mittags 5 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 58/13 Die Sänger treffen sich bei Mühlenbeck am Friedhof. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verhand. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stall mann Gustav Adam am 18. d. M. im Alter von 57 Jahren verstorben ist. am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 21. d. M., nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Seestraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Max Johlke am 17. d. Mts. im Alter von 34 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 20. März, nach mittags 2, 1hr, von der Leichen balle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 63/7 Die Bezirksverwaltung. Ortsgruppe Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Gustav Lubatsch ( Angestellter des MetallarbeiterVerbandes) verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 21. März, nachmittags 5 Uhr, auf dem Zentrals friedhof in Friedrichsfelde statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Petersburger Viertel. Bez. 359. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Friedrich Balke Rigaer Str. 58, gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nach mittags 2 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Am 16. März starb unser Mitglied, der Maurer Friedrich Balke ( Bezirk Dsten II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 141/15 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein L. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis Stralauer Viertel. Bez. 327. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Gustav Hamlack Revaler Str. 3, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 21. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 212/6 Der Vorstand. Am Dienstag, den 17. März, abends 8 Uhr, verstarb mein lieber Mann und unser guter Bater, Sohn, Bruder, Schwager und Dnkel, der Kaufmann Hugo Philipsohn im fast vollendeten 52. Lebens. fahre. 129A Im Namen der Anverwandten e. Gertrud Philipsohn. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 21. März, nach mittags 4 Uhr, im hiesigen Strema torium, Gerichtstraße, statt. Zentralverband der Handlungsgehilfen. Bezirk Groß- Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß am Dienstag unfer Kollege Hugo Philipsohn perstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung erfolgt am Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, im städtischen Krematorium, Gerichtstraße 37/38. Bahlreiche Beteiligung erwartet 77/10 Die Ortsverwaltung. Nach kurzem, schwerem Leiden starb beute unser langjähriger Stadtbertreter, Herr Hugo Philipsohn. Wir verlieren in dem Dahingefchiedenen einen felten fleißigen, bflichttreuen Mitarbeiter, dessen Andenten wir stets hoch in Ehren halten werdeu. 13296 am Die Einäscherung findet Sonnabend, den 21. d. Mts.. nach mittags 4 1hr, im städischen Krematorium, Gerichtstraße, statt. Meyer& Messow Nachf. Unser langjähriger lieber Kollege Sere Hugo Philipsohn wurde uns plötzlich durch den Tod entrissen. Trauernd stehen wir an der Bahre dieses vorbildlich fleißigen und tüchtigen Mannes, dessen wir stets in Liebe und Freundschaft gedenken werden. Die Reisenden und das Personal der Firma Meyer& Messow Nachfolger. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Bezirk 818 a. Am Dienstag, den 17. März, verstarb unsere Genossin Frau Laura Finster am Briezener Str. 30. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 21. d. Mts., mittags 12 Uhr, vom Trauer hause aus auf dem Städtischen Friedhofe in der Müllerstraße, Ede Seestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/2 Der Vorstand. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenhauer. V. a. G. Berlin. Bezirk 13. Am 17. März verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kalfu lant Johannes Runge Butligstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Kgl. Charité nach dem St. Johannis- Kirchhof in Plözensee statt. Um rege Beteiligung bittet 1337b Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme beim Hinscheiden meines unvergeßlichen Mannes, unseres Vaters, Schwiegerbaters und Großvaters, des Wächters Karl Schüler sagen hiermit allen unseren tiefgefühlten Dant. 132A Im Namen der Hinterbliebenen we. Anna Schüler und Kinder. Berlin, 18. März 1914. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilh. Wartenberg am 18. März im Alter von 65 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. März, nach mittags 3, Uhr. von der Halle des städtischen Friedhofes in der Seestraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 141/16 Der Vorstand. Für die zahlreiche Beteiligung und ben reiden Blumenschmud bei der Beerdigung unseres lieben unvergeßlichen Bruders, Cousins und Schwagers Artur Domgall sagen wir seinem lieben Freund Paul Lez, Paulstr. 30, und dem Wahlverein des 6. Kreises, Bezirk 670, sowie den anwesenden Verwandten, Vereinen und Klubs, Freunden und Bekannten unsern herzlichsten Dank. Martha Teichmann geb. Domgall. Richard Domgall. Bernhard Leuthäuser. Danksagung. 122A Leipzig. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Berta Hein meinen herzlichsten Dank. fage ich allen Freunden und Genosseu 116A Ernst Hein nebst Kindern und Eltern. Frack Verleih- Institut A. Borchardt, Friedrichst.115, Dranb.Tor. Tel. Nrd.10654, berl. Fiad, Smoting, Gebrodanzüge in verschied. Preislag. bis z. elegantest. 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Hierauf wird in der Beratung des Etats für öas Gftafritanische Schutzgebiet fortgefahren. Abg. Erzberger(Z.): Von meinen Behauptungen über die Behandlung der Eingeborenen auf den Plantagen habe ich nichts zurückzunehmen; speziell ist es richtig, daß die Neger auf den Plantagen systematisch umihrenLohn betrogen werden. Diese Feststellungen sind dem amtlichenMaterial, das die Regierung uns unterbreitet hat. entnommen. Ein„alter Afrikaner' klagt:»Im Reidjslage ist die Sozialdemokratie und das Zentrum ausschlaggebend. Infolgedessen heißt e-s in der Kolonialpolitik: Humanität und Arbertcrschntz. Dernburg und Rechenberg haben nach ihrem politischen Tod in der Kolonialpolitik gesiegt.' Wir sind stolz darauf, daß in der Kolonialpolitik Humanität und Lrbeiterschutz geübt werden soll, und wir werden die Behandlung der Reger trotz der großen Proteste aus Ostafrika hier geißeln und darauf dringen, daß die Leute gut behandelt werden. In erdrückender Weise liegt amtliches Material vor, das beweist, daß das heute nicht der Fall ist. Daß trotzdem erregte Proteste ouS den Kolonien kommen und hier kritillos verbreitet werden, in denen das Gegenteil behauptet wird, liegt daran, wie seinerzeit auch der Staatssekretär Dernburg betont hat, daß die Pflanzer an die Eingeborenen Anforderungen stellen, die mit den Geboten des Christentums und der Humanität unvereinbar sind. Sie fordern, daß jede selbständige Betätigung der Eingeborenen unmöglich gemacht wird, damit dort kein selb«' ständiger Bauernstand aufkomme. Dernburg hat auch betont, daß diese protestierenden Pflanzer nicht Interesse am Aufblühen der Kolonie haben, sondern lediglich Spekulanten sind. Hiergegen mögen die Pflanzer protestieren, nicht aber gegen mich, wenn ich dies amt- liche Material benutze.— Nun etwas anderes.- Der chekanntc Prcußenbundgcneral, der sich erlaubt hat, vom Reichstag als von einer gemischten Gesellschaft zu sprechen, von einer Rotte von Menschen, die in die Kommandogewalt des Kaisers eingegriffen hätte, hat als Major und stellvertretender Gouverneur von Ostafrika einen Hundeerlaß und einen Grußerlaß erlassen. In dem letzteren wird an« geordnet, daß sämtliche BoyS der Europäer und die beim Gouverne« menl angestellten Schwarzen jeden Europäer zu grüßen hätten, so« wohl im Vorbeigehen als auch, wenn sie irgendwo sitzen oder liegen; im letzteren Fall haben sie aufzustehen und eine stramme Haltung anzunehmen. sHeiterkcit.j Fehlt nur: Hand an Hosen« naht. sErneute Heiterkeit.) Weiter heißt es: Sämtliche Farbigen in Daressalam, Inder, Sudanesen usw. haben den Gouverneur und den stellvertretenden Gouverneur zu grüßen. Einen Herrn, der erst vor wenigen Tagen nach DareSsalam gekommen war und Herrn Major v. Wrochem nicht kannte, fuhr dieser mit den Worten an:�»Sie unverschämter Flegel, warum rußen Sie nicht: ich bin der stellvertretende Gouverneur, ich stehe ier an Stelle des Kaisers.' Auf die Erwiderung des Herrn, er h$e Herrn v. Wrochem nicht gekannt, antwortete dieser:„Sie sind e'K geborener Flegel; ich werde euch dcibringen, die Obrigkeit zu grüßen, ihr Flegel." Er hat wohl geglaubt, ein Reichstag«« abgeordneter wäre nach Daressalam gekommen. �Heiterkeit.) Auch für die Matrosen der Marine scheint der Erlaß zu gelten: als die Matrosen der„Möve" in Daressalam an Land gegangen waren, wurden sie vom Herrn v. Wrochem mit den Worten ange« fahren:„Ihr Schweine, könnt ihr denn nicht grüßen." Gegen diesen Erlaß vom 23. November 1893 sind im folgenden Jahre von zwei Mächten diplomaiische Vorstellungen in Berlin erhoben worden, was ja sehr erklärlich ist. Ich frage daher, ob der Erlaß noch besteht oder ob er zurückgenommen worden ist. AlS von Berlin aus Herr v. Wrochem zur Rechenschaft gezogen werden sollte, hat er sich den Schlüssel des Bezirksamts geben lassen, um durch eine A e n d e« r un g die Schuld für den Erlaß auf einen anderen abzuwälzen.(Lebhaftes Hört! hört I) Geschehen ist Herrn v. Wrochem nichts, er ist vielmehr später im auswärtigen Dienst verwendet worden und hat eS bis zum Generalleutnant gebracht. Das geht freilich den Staatssekretär nichts an, ihn frage ich nur: Hat der Erlaß heute noch Gültigkeit oder ist er formell zurückgezogen worden? «sollte es nicht der Fall sein, so kann ich ihn nur bitten, den Erlaß so bald als möglich zurückzuziehen.(Beifall.) Staatssekretär Dr. Solf: Sowohl der Hundeerlaß wie der G r u ß e r l a ß des Herrn v. Wrochem haben eine Geltung nicht mehr. Beide Erlasse sind auch nicht in die Sammlung der Verordnungen aufgenommen worden. Eine Verlängerung der Dienftperiode in Ostafrika ist unmöglich, nach dreiviertel Jahren läßt die Schaffensfreudigkeit der Beamten dort bereits nach.(Hört! hört!) Dagegen ist in Südwestafrika eine Verlängerung möglich. Mit der HauSstlaverei in Ostafrika liegt es nicht so, wie Herr Abg. N o s k e es hinstellte. Auf Sklavenraub mit Sklaven- Handel stehen schwere Strafen. Das einzige, worum eS sich handelt, ist das Tempo der Beseitigung der Haussllaverei. Am meisten bat zur Ausrottung der Haussklaverei beigetragen die Neuerung, daß der Uebergang eines Sklaven von einem Herr» zu einem anderen durch den BezirkSamtmann beurkundet werden muß. Die Urkunde muß Feststellungen darüber enthalten, daß der Sklave mit dem neuen Herrn einverstanden ist. Daß der neue Herr in demselben Bezirk wohnt, daß die Familie des Hauösklaven durch den Uebergang nicht aus- einander gerissen wird und daß der neue Herr ein Eingeborener ist: er darf also kein Inder oder Araber sein. Ein solches Dokument meinte Herr?ioSke. Diese Beurkundung durch den BezirkSamtmann ist aber gerade ein Zeichen humaner und weiser Politik im Sinne des Schutzes der wirtschaftlich Schwachen.--- Was den Termin der Allshebung der Haussllaverei an- langt, so habe ich mir überlegt, ob nicht eine Brücke möglich ist zwischen den Anschauungen des Reichstages und der Denkschrift. Ich bin bereit, dem Gouverneur folgende Vorschläge zu machen— die Verantwortung hat er schließlich selbst zu tragen. Ich will ihm vorschlagen: im Jahre 1929 wird eine Verordnung getroffen, nach der irgend eine Klage auf Wiederherstellung, Anerkennung oder Beibehaltung eines SklavenverhältnisseS nicht mehr vor irgend einem Gericht des Schutz- gebietes zugelassen wird. Um die Herren der Sklaven schadlos zu halten, wird eine Klage zugelassen des Herrn gegen den früheren Sklaven nicht auS dem Sklaveuverhältnis, sondern den, Verhältnis einer erfolgten Leistung. Drittens soll festgesetzt werden, wie hoch der FreikaufSpreiS eines Sklaven ist. Dieser soll sobald wie möglich bekannt gemacht werden, damit 1!)20 in den Köpfen der Eingeborenen als feste Tatsache besteht, daß der Preis so und so hoch ist. Ich glaube, diese Brücke können Sie betreten. Abg. Kciuath(natl.): Die Abschaffung der altgewohnten Einrichtung 5er Hausfklaverei auf einen festen Termin könnte leicht zu Unruhen führen. Einen solchen Aufruhr heraufzubeschwören, haben wir kein Interesse. Ich bin damit einverstanden, daß der Staatssekretär nicht von hier aus einseitig die Haussklaverei ausheben, sondern die Ver- antwortung dem Gouverneur überlassen will.— Die Vollendung der Bahn zum Tanganjika wird hoffentlich ein Markstein in der Eni« Wicklung des ostafrikanischen Schutzgebietes sein. Abg. Bruckhoff(Vp.): Es scheint sich ein Mangel an guten Lehrkräften in unseren Kolonien vorzubereiten. Der Wechsel der Kräfte ist ziemlich bedeutend. Das hängt zusammen mit den Gehalrsverhältnissen der Lehrer. Das Gehalt entspricht dem. was das kleinste Dorf in Preußen zahlt. Ungerecht ist auch, daß der Kreisschulinspektor 2000 M. weniger Gehalt bezieht als die Oberlehrer. Die Forderungen der Lehrer werden abgelehnt mit der Motivierung, es sei noch niemals Mangel an Lehrern gewesen. Es geht doch aber nicht an, daß man die Kulturtätigkeit der Lehrer bezahlt nach dem rein gesckäftlichen Grund- satz von Angebot und Nachfrage. Die Hauptsache ist die Schaffung eineS seßhaften Lehrerstandes m den Kolonien.(Bravo I links.) Abg. Noske(Soz.): Ueber die Beschimpfungen des Reichstags durch den Ueber« Preußen v. Wrochem noch viel Worte verlieren, hieße dieser unangenehmsten Art von Maulheldentum zu viel Ehre antun. (Sehr gutl) Mit dem Abg. Erzberger bin ich auch darin ein« verstanden, daß die Prolestaktionen der Pflanzer auf uns keinen Eindruck machen können. Es sind eher zu wenig als zu viel Vor- würfe erhoben worden, um das Matz von Ausbeutung der Ein« geborenen zu brandmarken, daS leider in Ostafrika vorhanden ist. Wir brauchen ja nur auf daS amtliche Material der Denkschrift zu verweisen, wo angegeben ist. daß auf den Pflanzungen vielfach voll durchgearbeitete Tage den Arbeitern weggestrichen werden, oder daß ihnen trotz zehnstündiger Arbeit'nur halbe Tage, von einem Pflanzer sogar nur sechs Tage angerechnet worden sind, (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Statt zu protestieren, mögen die Herren Pflanzer dahin wirken, daß die gerügten Uebel- stände sobald als möglich verschwinden.(Zustimmung.) Zur Schulfrage wird der Reichstag in den kommenden Jahren noch viel mehr zu sprechen haben, als bisher. In Ost- und Südwestafrika sind ja erhebliche Beträge zur besseren Erziehung der Kinder der Weißen eingestellt, das Schulwesen für die Eingeborenen aber liegt außerordentlich danieder. Die Missionen der verschiedenen Konfessionen haben auf diesem Gebiete Redliches geleistet, RegierungS- schulen aber können wir ihnen so gut wie gar nicht gegenüberstellen. Für die Anträge, den Missionen zu diesem Zweck größere Mittel zu bewilligen, haben wir gestimmt, weil wir eine andere Möglichkeit zur Förderung des Schulwesens nicht sehen; ich möchte aber mit allem Nachdruck den Staatssekretär bitlen, im nächsten Jahre in die Etats aller Schutzgebiete erhebliche Beträge zur Hebung des Schulwesens der Eingeborenen durch RegirnmgSschulen einzustellen. Bei den Missionsschulen fehlt die notwendige Einheit- lickkeit, und die Streitigkeiten der verschiedenen Missionen können dem Schulwesen nicht förderlich sein.(Zustimmung bei den Sozial« demokraten.)— Herr K e i n a t h hat die frühere Stellung seiner Freunde zur Haussklaverei desavouiert. Es berührt recht eigentüm« lich, daß er in diesem Zusammenhang von einer Beunruhigung der Eingeborenen und einer Ausstandsgefahr spricht. Natürlich wird die Aufhebung der Sklaverei in daS wirtschaftliche Leben einer großen Zahl von Leuten schwer eingreifen. Deshalb hat der Reichstag ja für die Verwaltung eine zehnjährige UcbergangSfrist geschaffen. Die Verwaltung kann aber Jahre ins Land gehenlassen, ohne irgend etwaö zu tun, damit der Forderung des Reichstages Genüge getan werde. Als ich vor einigen Tagen über den Menschenraub in Afrika sprach, war mir bekannt, daß be- stimmte Vorschriften bestehen. Als vor 23 Jahren eine Anzahl von Millionen gefordert wurde, um in Ostafriia vorzugehen, geschah es mit der Begründung, man wolle dem Sklavenhandel zu Leibe gehen. Nach 25 Jahren aber besteht die Sklaverei noch, und man erklärte sogar, man könne sie nicht einmal bis zum Jahre 1920 beseitigen. Diese amtliche Erklärung, daß man bis 1920 und darüber hinaus Menschen wie ein Stück Vieh behandeln wolle, empört mich aufs äußerste, ich empfinde sie als deutsche Schande. Was über die Unmöglichkeit der Aufhebung der Sklaverei gesagt wird, ist nicht stichhallig. Infolge der Entwickelung in Ostafriia steigt der Wert der menschlichen Arbeitskraft und die Folge ist, daß die Sklaven nur noch teurer werden. Man sagt, ein Sklave kann sich für 13 bis 20 Rupien loskaufen. Dabei werden 120 und mehr Rupien für einen Sklaven bezahlt und sie werden, wie schon gesagt, mir der steigenden Entwickelung des Landes noch teurer werden. Für meine Fraktion ist die Frage der Hinausschiebung der Abschaffung der Haussilaverei über 1920 hinaus vollständig undisku- tabel; der Reichstag sollt« unzweideutig zum Ausdruck bringen, es sei dringend geboten, Geld zur Verfügung zu stellen, damit dieser Schandsleck von der deutschen Kultur so bald wie möglich weggewischt werde.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Der Etat wird bewilligt. Eine Resolution der Kömmission, wonach beim Bau der Eisen« bahn im Gebiete von Ruanda und U r u n d i keinerlei staatlicher Arbeitszwang ausgeübt, für Arbeitschutzbestimmungen gesorgt und eine Besiedelung von Ruanda und Urundi durch Weiße aus- geschlossen werden soll, wird angenommen. Es folgt die Beratung des Etats für das südwest- afrikanische Schutzgebiet in Verbindung mit dem Nach- tragsetat betreffend die Diamantenregie. Abg. Hoch(Soz.): Die Beratung des Etats in der Kommission hat zu so heftigen Angriffen auf die Kolonialverwaltung geführt, daß ich erwartet halte, der Staatssekretär würde die erste Gelegenheit benutzen, um auf diese Angriffe zu antworten. Er hätte uns dann erspart, auf die Einzelheiten näher einzugehen. Der Verkauf der Diamanten, die in Deutsch-Südwestafrika gesunden werden, war bekanntlich durch kaiserliche Verordnung dahin geregelt, daß die Förderer verpflichtet waren, auf den eigenen Verkauf der Diamanten zu verzichten und sie einer Verraufsgesellschaft, der sogenannten Diamantenregie auszuhändigen, die den Berkauf unter Aufsicht des Reichs vorzunehmen hatte. Im Laufe der Zeit war verschiedentlich der Vorwurf erhoben worden, daß bei dieser Art des Verkaufs die Interessen der Förderer und des Reichs sehr geschädigt werden. Schließlich sah auch die Verwaltung den berechtigten Kern dieser Vorwürfe ein und hat ein anderes Ver« fahren eingeschlagen, das der Reichstag gefordert hat. Während früher die Diamanten durch einen Vertrag ausschließlich an eine Gesellschaft dreier Großkapitalisten in Antwerpen ausgeliefert wurden, wurde im vorigen Jahre zum ersten Male die Vergebung der Diamanten öffentlich ausgeschrieben. Aber die Hoffnung, daß nun der Verkauf so geregelt werde, wie eS dem guten Recht der beteiligten Kreise entspreche, hat sich nicht erfüllt. Der Kampf zwischen Förderern und Regie ist noch verschärft worden. DaS neue Verfahren hat aber jedenfalls bewiesen, daß der Vorwurf der Diamautenförderer berechtigt war, daß seit Bestehen der Regie die Diamanten viel zu billig abgegeben worden sind und so die Förderer wie das Reich um viele Millionen geschädigt wurden zu- gunstcn der drei Kapitalisten in Antwerpen. Einzig verantwortlich dafür ist die Unfähigkeit der Kolonialverwaltung. Sie hatte die Befugnis bekommen, die Gesellschaft zu bestimmen, die den Verkauf der Diamanten übernahm, und ihre Geschäftsführung zu überwachen. Bei der vorjährigen Ausschreibung ist nun ein bedeutend höherer Preis erzielt worden, womit bewiesen ist, daß früher das Reich und die Förderer schwer geschadigt worden sind. Die Ausschreibung hat ferner bewiesen, daß es unmöglich so weiter geht, daß von Jahr zu Jahr die Bedingungen für den Absatz von Diamanten neu geregelt werden, daß vielmehr hier eine Regelung für längere Zeit getroffen werden muß.(Sehr richtig! bei den Soz.) Im übrigen hat die öffentliche Ausschreibung nur einen Sinn, wenn sie wirklich öffentlich ist. Die Erfahrungen bei der letzten Aus- schreibung haben aber bewiesen, daß diese Voraussetzung nicht vor- liegt. Das Antwerpener Syndikat war bereits so stark geworden, daß mit Ausnahme des Syndikats, daS in London seinen Sitz hat und früher ausschließlich den Diamantenhandel beherrschte, kein ernsthafter Bieter in Betracht kam. Daher muß in Zukunft ein anderes Verfahren eingeschlagen werden. DaS ist auch auS einem anderen Grunde unvermeidlich geworden. Die von dem frühern Staatssekretär als besonders klug gepriesene Maßnahme!, daß eine Gesellschaft dem Reich und den Förderern das ganze Risiko abnehmen und die Verpflichtung übernehmen sollte,� die ganze Diamantensörderung zu einem einmal festgesetzten Preise zu über- nehmen, hat sich als undurchführbar erwiesen. Die Regie hat sich genötigt gesehen, den Herren in Amsterdam die Erleichterung zu gewähren, nicht die ganzen Diamanten abnehmen zu müssen. DaS Risiko muß also anders verteilt werden. Daran ist natürlich nicht zu denken, daß der jetzige Diamantenpreis etwa wieder herunter« geschraubt würde: er entspricht durchaus den Marktverhältnissen. Erfolgt nun eine Regelung für längere Zeit, so dürfen die Interessenten bei der Regelung des Verkaufs nicht ausgeschaltet werden. Das war ja der größte Fehler bei dem ursprünglichen Verfahren, daß die Herren von den Großbanken glaubten, alles allein machen zu können. Bei dieser schwierigen Frage, wo jeder Fehler von größter finanzieller Be- deutung ist, müssen Fachleute gehört werden, es müssen also in die Regie hineinkommen in erster Linie die Diamantenförderer. Ferner müssen in der Regie vertreten sein die Diamanten- Händler, die Schleifereibesitzer und vor allem die Dia m antenarbeite r. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Diamantenarbeiter vor Lohndrückerei geschüfe) sind, es muß den auf diesem Gebiet bestehenden Tarifen Geltung verschafft werden, und dazu ist es nötig, daß im AufsichtSrat der Regie auch Vertreter der deutschen Diamanten- a r'b e i t e r sitzen.— Eine der wichtigsten Slreitfragen ging dahin, ob es richtig ist, eine gewisse Grenze festzulegen, über die hinaus nicht gefördert werden dürfe. Prinzipiell haben sich die Förderer nicht dagegen erklärt, haben aber mit Recht verlangt, daß der Vorteil dabei nicht allein den drei Großkapitalisten in Antwerpen zugute kommen soll. Die Art, wie die Kolonialverwaltung in dieser Angelegenheit vorgegangen ist, war geeignet, die größte Er- b i t t e r u n g bei den Förderern zu erregen, die die Förderer auch zu unberechtigten Vorwürfen geführt bat. Bei der letzten Ver- gebung der Diamanten war als Bedingung ausdrücklich festgelegt worden, daß die ganze Menge der produzierten Diamanten ab- genommen werden müsse. Aber kaum war der Vertrag mit dem Antwerpener Syndikat fertig, so wurde diesem gestattet, nur einen Teil abzunehmen. Als Entschuldigung wurde angeführt, wir könnten unseren Abnehmern nicht Bedingungen auferlegen, die äugen- scheinlich nicht zu erfüllen sind. Aber diese Darstellung ist durchaus irrig und direkt darauf berechnet, den Reichstag zu täuschen. Dem Antwerpener Syndikat wurde das Zugeständnis von vom- herein gemacht, und dadurch wurde die öffentliche Ausschreibung zu einer Komödie. Das Kolonialamt hätte, sobald eS von diesem illoyalen Vorgehen erfuhr, mit einem Donnerwetter dazwischen- fahren müssen. Dadurch, daß uns in der Budgetkommission keine Mitteilung darüber gemacht worden ist, daß von der unbedingten Abnahme keine Rede sein könne, fühle ich mich direkt getäuscht. Eineö Urteils über das Borgehen der Verwaltung will ich mich trotzdem vorläusig enthalten und die Erklärung der Regierung abwarten. Die Förderer wollten aber nun nicht darauf eingehen, daß dem Amsterdamer Syndikat in dieser Weise ein Millionengeschenk gemacht wurde, sondern bestanden auf den Vertrag. Die Kolonialverwaltung hat daraufhin erklärt, die Regie über- nehme den ZinSverlust, der durch die Zurückhaltung von Diamanten in der Regie herbeigeführt werde. Die Förderer seien dadurch nicht geschädigt. Zu diesem Zweck wurde der sogenannte Dispositions- fonds benutzt. In diesem Fonds steht aber kein Wort davon, daß er angesammelt wird, um den Herren in Amsterdam Geschenke zu machen, denn darauf kam es docv hinaus, wenn die Regie den Zinsverlust übernahm, den sie auf Grund deS Vertrages zu tragen hatten. Einen weiteren Angriff muß ich erwähnen, weil der Staats- sekretär es nicht für nötig gehalten hat, sich gegen diesen ehren- rührigen Vorwurf zu wehren. Es wird nämlich behauptet, daß die Leitung der Regie in einem zu intimen Verhältnis zu dem Amsterdamer Syndikat steht, und daß das dazu geführt habe, daß dem Syndikat die Diamanten jahrelang zu einem un- verantwortlich billigen Preise abgegeben worden sewn. Das ist doch ein so schwerer Vorwurf, daß er offenbar unberechtigt sei« muß, aber man kann von der Verwaltung verlangen, daß sie ihn nicht ruhig hinausgehen läßt, ohne Einspruch dagegen zu erheben. Nach all den gemachten Erfahrungen hätte die Kolonialverwaltung sich nicht dazu hergeben sollen, nach der Pfeife der Großbanken zu tanzen. Gegen die Förderer ist sie schonungslos vorgegangen. Der einzige Mann, der im Kolonialamt dem Großkapital emgegengetteten fft und die Wünsche der Förderer und Schleifer berücksichtigt hat, hat gehen müssen oder ist von selbst gegangen. Die Herren, die an seine Stelle getreten sind, sind gewiß unter den schwierigsten Verhältnissen tätig, aber jedenfalls hat sich im abgelaufenen Jahre die Kolonialverwaltung nicht mit Ruhm bedeckt. Sie ist von dem Wege, der im vorigen Jahre eingeschlagen worden ist. immer mehr abgekommen und ist bemüht gewesen, immer mehr ein- seitig die Interessen der Großbanken zu wahren. Wir hoffen, daß sie im Jahre mehr dem Wohl der Gesamtheit entsprechend handeln wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Solf: Ich nehme an, daß wenn der Vorredner da? Stenogramm meiner Rede liest, er nachher zu mir kommen und sich ent» schuldigen wird. Im vorigen Jahre habe ich ihm über alle?, was er vorgebracht hat. Rede gestanden, habe ihm sogar gedankt für gewisse erwägungswerte Anregungen im Interesse der Schleifer. Auf die heulige Rede werde ich ihm im einzelnen nicht er- wider», da sie B e l ei d i g un g en, ja sogar V e r l e um d u ngen gegen mich enthielt.(Große Unruhe bei den Sozialdem.) Er hat behauptet, daß betrügerische Manipulationen in der mir unterstellten Regie vorgekommen sind, trotzdem ich in der Budgctkommission ent- gegengesetzle Erklärungen abgegeben habe. Darauf bezieht sich das harte Wort, daS ich gebraucht habe. Ich kann davon nicht« zurück- nehmen, che nicht der Herr Abgeordnete die Beleidigungen zurück- nimmt, die er mir entgegengeschleudert hat.(Bravo! rechts.) Ich erkenne an, daß er sich in das schwierige Diamautengeschäft ein- gearbeitet hat, aber in das der Schleifer, nicht der Förderer. Die Beziehungen, die das Kolonialaml mit dem Herrn Äbgeord- neten gehabt hat, insbesondere im Interesse der Schleifer, waren doch so, daß ich eS für unmöglich gehalten hätte, daß er heute so gegen mich und die Kolonialverwaltung auftritt. Auf den Diamantenhandel kann ich heute nicht aus- führlich eingehen, da wir gerade vor dem Abschluß eines sehr wichtigen Geschäfts sind, an dem auch der Fiskus bedeutenden Anteil hat. In der Budgetkommission habe ich dargelegt, worum eS sich handelt. Ferner kommt in Betracht, daß nach dem monate« langen Kampf mit den Förderem jetzt eine Belohnung erfolgt ist. Herr Ho® Ijat hier offene Türen eingerannt. EZ ist bcreitZ ke» scblossen, daß die Förderer den Löwenanteil in der Regie haben sollen. Wir haben auch den Gedanken erwogen, ob wir einen Schleifer hineinnehmen sollen, haben uns aber über die Person nicht einigen können, und ich möchte den Förderern, um nicht bon neuem den Frieden zu brechen, keine Person aufdrängen. Sie werden selbst sehen, daß ich sehr unter dem Eindruck der gegen mich erhobenen Beleidigung stehe. Ich will deshalb nicht weiter auf die Dinge eingehen, um nicht unsachlich zu werden.(Bravo! recht-?.) Abg. Erzberger(Z.): Mit den Einnahmen aus den Diainanten steht und fällt der Etat. Es wäre dringend wünschenswert, daß endlich einmal niit den ewige» D i a m a n t d e b a t t e n Schluß gemacht werden könnte. Man sollte über all die falschen Maßnahmen der Ver- gangenheit jetzt nicht mehr sprechen. Ivo friedliche Beziehungen zwischen der Verwaltung und den Förderern herbeigeführt worden sind. Ich hoffe, daß die Regelung so erfolgen wird, daß die Ein- nahmen aus den Diamanten sich weiter so glänzend für das Reich entwickeln wie bisher. Vielleicht bringt Südwestafrika aus diese Weise sogar einmal einen Ü e b e r s cd u ß. Frei- lich würde ich dem Staatssekretär nicht raten, schon heute einen Geldschrank dasür anzuschaffen.(Heiterkeit.) Der Errichtung der O v a m b o b a h n stimmen meine Freunde zu, aber nur unter der Voraussetzung, daß genügend sanitäre Maß- nahmen bei der Heranschaffung von Arbeitern aus subtropischen Gebieten getroffen werden. Der Staatssekretär sollte nicht so sparsam mit der Anstellung von Eingeborenenkommissaren vorgehen, dann werden uns die traurigen Erfahrungen aus Ostafrika in Südwest- afrika erspart bleiben.— Aber die Millionen, die wir für Südwestafrika bewilligen, kommen fast ausschließlich den Gesellschaften zugute, die sich aus den Konzessionen entwickelt haben, die in den 9l)er Jahren ohne jede Gegen- leistung vom Kolonialamt verliehen worden sind. Die Kommission hat mit der von ihr beschlossenen Aenderung des Gesetzes über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete dem Staatssekretär eine starke Waffe in die Hand gegeben, mit der er der Erschließung des Landes dienen kann, wenn er sie rücksichtslos gegen die Konzessions- gcscllschaften anwendet. Irgendwelche Rücksicht haben diese Gesell- schaften nicht verdient, die niemals etwas zur Erschließung des Landes tun wollen, sondern reine Spekulation S gesell- schaften sind. Wir müssen dafür sorgen, daß die Millionen, die wir in das Land stecken, nicht einigen großen Spekulationsgesell- schaften zugute kommen, sondern daß ein wirtschaftlich fteies und unabhängiges Land entsteht.(Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär Dr. Solf: Aus dem Stenogramm der Rede des Abg. Hoch ersehe ich, daß der von mir als„Verleumdung" bezeichnete Passus in hypothetischer Form ausgesprochen ist. Ich hatte aus To» und Haltung den Eindruck des Positiven. Da aber nicht der sudjelrive Eindruck, sondern der objektive Wortlaut maßgebend ist, kann ich das Wort.Verleumdung" nicht aufrecht er- halten. Abg. Waldstein(Vp.): Die Diamanten sind wie im Nibelungenheim verborgen; man kann bei den Diamanten auch geradezu von einer Nibelungennot sprechen. Bei der Frage der Diamanten und der Diamanten- regie darf jedenfalls nicht gegen das Gesetz verstoßen werden. und die Forderung des Kolonialamtes nach der gänzlichen Uebernahme der Diamantenregie steht nicht im Einklang mit dem Stutut der Regie. Das war ein Staats st reich, der nicht ganz ungefährlich ist, weil in den Kreisen der Kapitalisten die Stimmung um sich greift, daß man mit dem Kolonialfiskus Ge- schäfie nicht machen könne, weil man sich auf Recht und Gesetz dabei nicht ganz verlassen könne.— An den Lasten für die Schutztruppe und die Landespolizei hat der Reichstag das Schutzgebiet selbst be- teiligt; wir sichern uns dadurch die jachkundige Mitwirkung des Landesrates bei der Entscheidung über die Größe der Schutztruppe imd der Landespolizei. Für die Verwendung der Ueberschüsse znsolge der Diamanten kommen in Frage der Ausbau der wasserwirtschaftlichen Anlagen und des Eisenbahnnetzes, speziell stimmen wir gern zu der O v a m b o b a h n, nicht nur im Interesse der wirtschaftlichen Entwickelung des Landes, sondern vor allem auch im Interesse der Eingeborenen. Das müffen auch die Sozialdemokraten anerkennen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) Der Resolution der Kommission, im Norden des südwestafri- konischen Schutzgebietes eine solche Regelung der bergrechtlichen Ver- hältnisse herbeizuführen, daß eine sachgemäße Erschließung des Landes sich vollziehen kann, stimmen wir zu. Ebenso dem von der Kommission beschlossenen Gesetzentwurf, der die Konzessionsgesellschaflen, die Land in der Nähe von Bahnbauten, Strombauten usw. haben, zu Leistungen für diese Anlagen in einem ihrem Interesse an der Anlage entsprechenden Weise heranziehen will. Da den Gesellschaften Abgabenfreiheit ein- geräumt ist, könnte eS scheinen, als ob dieses Gesetz ein Rechts- b r u ch unter dem Schein der Gesetzlichkeit wäre. Einem solchen würden wir niemals zustimmen. Aber die hier in Anspruch ge- nommenen Leistungen fallen nicht unter den Begriff der Abgaben. Wir wollen in den Kolonien nicht eine Eingeborenenpolitik treiben, auch nicht eine Kapitalistenpolitik, sondern deutsche Kulturpolitik. (Bravo! bei der Volkspartei.) Hierauf vertagt sich das Haus. Ein während der Sitzung eingegangener Nachtragsetat für 1913 wird debattelos der Budgetkommission überwiesen. Abg. Hoch(persönlich): Ich habe auch nicht hypothetisch eine Verleumdung gegen den Staatssekretär ausgesprochen, sondern habe ausdrücklich betont, daß der erwähnte Vorwurf offenbar unberechtigt sein müsse.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe geradezu die offen- kundige Ehrenhaftigkeit der Kolonialverwaltung als Beweis dafür angeführt, daß ein solcher Vorwurf gar nicht berechtigt sein könne. (Hört! hört! bei den Sozialdenrokraten.) Der Staatssekretär meinte, er setze voraus, daß ich mich entschuldigen werde. Das hätte ich auch getan, wenn ich aus dem Stenogramm ersehen hätte, daß ich auch nur ein Wort zu viel gesagt habe. Ich hätte dann offen und frei erklärt: ich habe mich geirrt und hätte nicht in ver- steckter Weise den Vorwurf noch einmal erhoben. Das möge sich der Staatssekretär-rck notam nehmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Abgi Ledebour: Der Staatssekretär schweigt!) Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr.(Kurze Anfragen, Forlsetzung der Beratung des Kolonialetats.) Schluß 6lU Uhr. /lbgeorönetenhaus. es. Sitzung. Donnerstag, den 19. März 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Die zunächst auf der Tagesordnung stehende Fortsetzung der Beratung des Eisenbahnetats gibt einer großen Anzahl Abgeordneter Gelegenheit, Wahlkreiswüiische vorzutragen. Schließlich werden die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben bewilligt. Damit ist die' zweite Lesung des Eisenbahnetats beendet. Das Grunüteilungsgefetz. Bei Beginn der Verhandlung erscheinen die Minister Frhr. bon Schorlemer-Lieser, von Dallwitz, Dr. Beseler am Ministerlisch. Zu dem vorliegenden Entwurf eines Gesetzes über Teilung land- oder forstwirtschaftlicher Be« s i tz u n g e n sind vier nationalliberale Anträge, ferner ein fortschritt- sicher und ein konservativer Antrag eingegangen. Der freikonservative Antrag ersucht die Regierung im Interesse der Erhaltung des Bauernstandes um Erhebungen über größere Zusammenkäufe des bäuerlichen Grundbesitzes in den letzten zehn Jahren. Der erste nationalliberale Antrag ersucht im Interesse der Er- Haltung des Bauernstandes um Zusammenstellung der Verschiebung und der Zusammensetzung des ländlichen Grundbesitzes und der ländlichen Wirlschaftsbetriebe und der Zusammensetzung der Be- völkerung in den letzten Jahrzehnten. Die drei übrigen national- liberalen Anträge enthalten Gesetzesanträge a) betreffend Ansiedelung von Landarbeitern und Schaffung von A l m e n d e n in den Provinzen Pommern, Ostpreußen und Branden- bürg, Schlesien, Sachsen, Schleswig-Holstein und Hannover, b) be- treffend Schaffung von kleinen und mittelbäuerlichen Betrieben, o) betreffend Förderung der inneren Kolonisation durch provinzielle Ansiedelungsgesellichasten in den genannten Provinzen. Für jeden dieser Zwecke soll ein Fonds von 100 Millionen zu Staatsdarlehen bereitgestellt werden. Der fortschrittliche Antrag enthält einen Gesetzentwurf betreffend Bereitstellung von 300 Millionen Mark zur Gewährung von Staats- darlehen für innere Kolonisation. Minister Frhr. v. Schorlemer: Schon fttther habe ich die Ziele und Grenzen der inneren Kolonisation zu skizzieren versucht. Bon einer Abschaffung des Großgrundbesitzes kann keine Rede sein. Vielmehr handelt es sich um ein richtiges Verhältnis zwischen Groß-, Mittel- und Kleingrundbesitz. Die von dem Gesetzentwurf vorgeschlagenen Matznahmen sollen die Ansehung von Bauern und Arbeitern erleichtern, wo es sich um die Aufteilung größerer Güter bandelt. Die zunehmende Entvölkerung des platten Landes, hervorgerufen durch die zunehmende Industrialisierung— n'cht etwa durch Großgrundbesitz und Bauernlegen— hat die Bestrebungen der inneren Kolonisation ins Leben gerufen. Ebenso der Zug der länd- lichen Bevölkerung vom Osten nach dem Westen, wo sich bessere Arbeitsbedingungen bieten. Die Siedlungsgenoffenschasten. die seit den achtziger Jahren wirken, sind nicht erfolglos gewesen. Die Schwierigkeiten, mit denen diese Siedlungsgenossenschaften zu kämpfen haben, sollen durch den vorliegenden Gesetzentwurf beseitigt werden. Da handelt es sich zunächst darum, den gewerbsmäßigen Güterhandel, durch den eine unwirtschaftliche Zerschlagung des Bodenbesitzes gefördert wird, zu beschränken. Diesem Zwecke dient die Bestimmung, daß bei einer Zerschlagung des Besitzes die Genehmigung der Regierung eingeholt werden muß. Dadurch wollen wir den Grundstückschacher und die Konkurrenz, die die gewerbsmäßigen Händler den Siedelungsgenossenichaften machen, aufheben. Auch die unmäßige Steigerung der Bodenpreise kann durch eine solche Maßnahme verhindert werden. Wir haben ein Interesse daran, die Erhaltung des bäuerlichen Besitzes in der- selben Hand mehr wie bisher zu unterstützen. Jede Zerschlagung von Gütern, die den vom Staate geförderten Siedelungsgenossen- schaften entgegengesetzt ist, vor allem in W e st p r e u ß'e n und Posen, soll beseitigt werden..(Abg. Adolf Hoffmann: Hört I hört!) In B a h e r n ist es bereits gelungen, den Güter- Handel und die gewerbsmäßige Zertrümmerung der Güter erheblich zurückzudrängen, durch ähnliche Maßnahmen, wie wir sie jetzt vor- schlagen. Zu diesen Maßnahmen gehört besonders das Vorkaufs- recht, das die Bestimmung hat, den Landbedars ftir die innere Kolonisation sicherzustellen. Gewiß hat eS Bedenken, in die privaten Rechtsverhältnisse einzugreifen, aber hier muß es geschehen, da nur das Vorkaufsrecht eine wirksame innere Kolonisation ermöglicht. ES schädigt weder den Besitzer, der sich ja bereits seines Besitzes entäußert hat, noch den Käufer, der im voraus mit diesem Recht rechnen kann.(Lautes Lachen links.) Das Vorkaufsrecht ist keine Erfindung von mir. In Bayern ist es bereits eingeführt und von Nationalökonomerr, die der rechten Seite dieses Hauses angehören, anerkannt worden. Dieser Gesetzentwurf, schwerwiegend und bedeut- sam wie er ist, wird vielleicht nicht Ihre vorbehaltlose Zustimmung erhalten, aber Sie werden bereit sein, die Borschläge der Regierung einer Kommission zu übergeben, die zusammen mit der Staats- regierung daraus ein Gesetz gestaltet, das sich als brauchbar erweist. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. v. Kries(k.): Ich beantrage, den Gesetzentwurf an eine Kommisston bon 28 Mitgliedern zu überweisen. Die grundsätzlichen Ziele der Re- gierung werden keineGegner finde». Gegenüber der nationalen Bedeutung, die dem vorliegenden Gesetzentwurf zukommt, darf der Streit der Parteien keine Rolle spielen.(Sehr wahr!) Durch die Zurückführung der Bevölkerung auf das platte Land heben wir die Kraft und die Gesundheit unseres Volkstums. Bis- her war alles vergeblich, was die Siedelungsgenossenschaften ge- leistet haben. Die Staatskontrolle über die gewerbsmäßige Güterzerschlagung genehmigen wir. Das Gesetz kann die Grund- stückspreise von ihrer ungesunden Höhe herabdrückcn. Gegen das Vorlaufs xecht haben wir grundsätzliche Bedenke», da es einen starken Eingriff in das Privateigentumsrecht bedeutet. Es kann selbst durch die Interessen der inneren Kolonisation nicht gerechtfertigt werden. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen übt der Redner eingehende Kritik an den einzelnen Bestimmungen des Gesetzentwurfs. Der fortschrittliche Antrag würde zu viele neue Beamte fordern. DaS Gesetz soll eine Bestimmung enthalten, die verhindert, daß bestehende gute Zustände durch falsche kolonisatorische Maß- nahmen verschlechtert werden. Trotz aller unserer Bedenken wird sich die Mehrheit des HauseS zu einem für unser Vaterland heil- samen Gesetze zusammenfinden.(Lebhafter Beifall rechiS.) In einer längeren Gefchäftsordnungsdebatte wird der Vorschlag des Präsidenten, morgen schon um 10 Uhr zu be- ginnen, abgelehnt. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr. Schluß 4% Uhr._____ parlamentarisches. Die Reichs-Besoldungsordnung in der Budgetkommission. Die Beratung der Besoldungsnovelle wurde am Donnerstag bei tz 1 fortgesetzt. Die in einem Kompromißantrage der bürgerlichen Parteien geforderte Gehaltserhöhung für höhere Postbeamte stieß auf entschiedenen Widerstand bei der Regierung, die kategorisch erklärte, daß sie sich auf Wünsche, die über die Vorlage hinausgehen, grundsätzlich nicht einlassen könne. Die Parteien beharrten jedoch auf ihrer Forderung und eine Mehrheit stimmte ihr zu. Die Sozialdemokraten ent- hielten sich der Abstimmung, da sie ihre Haltung zur Besoldungs- Vorlage abhängig machen von der Stellung der Mehrheitsparteien zu§ S der Vorlage. Die übrigen Forderungen des Kompromiß- antrages, sowie die§Z 2 und 3 der Vorlage wurden ohne erheb- liche Debatte bewilligt. Bei Z 4 der Vorlage entstand eine längere Auseinandersetzung über die Neuregelung der Gehaltssätze von Deck- offizieren. Die vorgeschlagenen Aufbesserungen, die recht an- ehnlich sind und den Etat mit einer Mehrausgabe von über izh Millionen Mark belasten, wurden mit dem starken Interesse begründet, das die Marineverwaltung an der Erhaltung eines guten. Dcckoffizierpersonnls hat. Im Zusammenhange mit§ 4 wurde auch§ 7 der Vorlage erledigt. Im Gegensatz zu diesen reichlichen Zuwendungen nimmt sich die Zulage, die den Reichseisenbahnbeamten gewährt werden soll, ungemein kläglich auS; sie schrumpft bis auf ganze 20 M. pro Jahr zusammen und bleibt auch dann noch fiktiv. Denn nach§ 5 der Vorlage soll der seit 40 Jahren gewährte nicht- pensionsfähige Zuschuß insoweit in Wegfall kommen, als die durch ie Besoldungsnovelle erhöhten Gehaltssätze die bisher geltenden Sätze in den einzelnen Gehaltsstufen übersteigen. Der Effekt dieser Bestimmung würde für Unterbeamte einzig darin bestehen, daß 20 M. nichtpensionsfähiger Zuschuß in eine pensionsfähige Zulage verwandelt werden.— Genosse Weill begründete die im Antrag der Svzialdinorkraten verlangte Streichung des§ ö. Ein Kompromißantrag der bürgerlichen Parteien forderte Streichung des bisherigen Zuschusses für die nach dem 1. März 1914 an- gestellten, Beibehaltung für die vor diesem Termin angestellten Beamten, jedoch mit der Maßgabe, daß künftige Aufbesserungen um ein Drittel gekürzt werden. Die Regierung begründete ihr Vorgehen mit der Notwendigkeit, die früher gewährten Zuschüsse abzubauen; es wurde ihr aber von verschiedenen Seiten bedeutet, daß es unbillig sei, damit bei den untersten Beamtenklassen zu beginnen. Ein Vertreter der Sozialdemokratie erinnerte daran, daß bei Gewährung des Zuschusses alle Parteien einig gewesen seien in der Ueberzeugung, daß der Zuschuß berechtigten Bedürf- nissen entspreche und nicht wieder entzogen werden dürfe. Mit 13 gegen 12 Stimmen wurde schließlich§ 5 abgelehnt. Der Rest der Vorlage wurde sodann in erster Lesung beendet. Der Kampf um Sie �ugenö. Zur bevor st eh enden Schulentlassung. Wenn heute noch bei einem leider recht erheblichen Teile der organisierten Arbeiterschaft eine merkwürdige Gleichgültigkeit gegen- über der Jugendbewegung zu bemerken ist, so zeugt das von außerordentlich bedauerlicher Kurzfichtigkeit und einer Verhängnis» vollen Verkennung der Bedeutung unserer Jugendbewegung. Es ist eine durchaus irrige, indes nicht selten anzutreffende Auffassung, zu glauben, die Frage der Einordnung Jugendlicher in die allgemeine Bewegung als gewissermaßen vorbereitenden Teil werde über ein interessantes Treibhausexperiment hinaus keine praktische Bedeutung erlangen. Wie wenig es sich jedoch um ein künstliches Gebilde handelt, beweist zur Genüge die unverhüllie Förderung der bürgerlichen Jugendbewegung durch die herrschende Klasse und deren ausführendes Organ, die Regierung. Und in der Tat müssen wir uns gewöhnen, den Kampf um die Seele der Jugend als das Ergebnis einer folgerichtigen historischen Entwicklung zu betrachten. Nichts wäre für die Zukunft der Arbeiterklasse verhängnisvoller, als hier einen ähnlichen Gleichmut zu wiederholen, dessen unangenehme Folgewirkung von der gelben Bewegung her uns allen nur zu bekannt sein dürfte. Bei Licht besehen ist aber gerade dieses gelbe Gewächs Vater der bürgerlichen Jugendbewegung. Diese gelben Werkvereine find indes dem Unternehmertum längst nicht mehr Selbstzweck, vielmehr ein zwar recht unangenehmer, jedoch zur Niederhaltung der Gesamtarbeiter' schaft augenblicklich noch unumgänglicher Notbehelf. Die Organi« fierung der„WirtschaflSfriedlichen" ist für das Unternehmertum eine an sich ziemlich kostspielige Sache, die zudem nicht einmal Gewähr für unbedingte Zuverlässigkeit bietet; denn bei dem geübten Terror ist es natürlich unmöglich, die reguläre Ware von der Konterbande zu sondern.— Nun hat sich aber neben den seßhaften Elementen gelber Couleur eine Elitetruppe gebildet, deren ausschließliche Auf- gäbe eS ist, von Ort zu Ort ziehend, jeden auch noch so be» rechtigten Streik mit Mitteln rohester Gewalt unmöglich zu machen.— So sehr auch im Einzelfalle der Erfolg solcher Aktionen von der herrschenden Klasse begrüßt werden mag. jeder Unternehmer weiß genau, daß durch zu häufige Jnanspruch- nähme dieser„nationalen Mitarbeiter" die schönste Anarchie in seinen Betrieb getragen wird und der„Herr-im-Hause-Standpunkt" gegen» über dem Austreten dieser„Friedlichen" sich eine recht erhebliche Einschränkung gefallen lassen muß. Hinzu kommt noch die nahende Erschöpfung des Reservoirs, aus dem die gelbe Bewegung bisher gespeist worden ist. Grund genug, sich nach dauerndem und vor allem zuverlässigerem Ersätze umzusehen.— Deshalb die gegen- wärttg geradezu epidemisch auftretende Liebe aller an Erhaltung des Bestehenden interessierten Kreise zur heranwachsenden Jugend. Denn in der Beeinflussung der Jugend, die bestehende Ordnung als die beste anzuerkennen, sieht die herrschende Klasse eine der letzten Möglichkeiten, sich Macht und Besitzstand noch auf absehbare Zeit zu sichern. In ganz klarer Weise tut sich somit kund: allen schmückenden Beiwerkes entkleidet, ist das Ringen um den Besitz des proletarischen Nachwuchses nacktester politischer und wirtschaftlicher Machtkampf. Gewiß wird hiermit nichts Neues ausgesprochen, aber es kann nicht oft und eindringlich genug auf die Geiahr hingewiesen werden, die der Arbeiterschaft von dieser Seite droht. Spötteln über das Brimborium und den Firlefanz, der die bürgerliche Jugendbewegung charakterisiert, ist leicht und bequem. Schwerer ist es schon, annehmbare Vorschläge zu machen, geeignet, unsere Bewegung zu der ihrer geschichtlichen Sendung entsprechenden Bedeutung zu verhelfen. Mit sicherem Instinkt und sichtbarem Erfolge haben Gründer und Leiter der Jungdeutscbland-Organisationen eine Eigenschaft zu nützen gewußt, die mehr oder minder Erbteil jedes Menschen: den persönlichen Egoismus.— Durch Entnahme der AuS» stattung aus der Requisitenkammer des dreimal heiligenMilitarismuS ist man bestrebt, diesen ererbten Trieb in der raffiniertesten Weise zu steigern. Die Lust zum Soldatenspiel ist die Leimrute. Duich den Geist der Subordination sollen unter der Maske harmlosen Spiels selbständige Regungen frühzeitig erstickt werden, um so nach und nach in der heranwachsenden Generation eine geistig und körperlich versklavte Masse heranzuziehen, deren Wohl und Wehe ganz in die Hand des sogenannten„Brotherrn" gelegt ist.— Angesichts dieses frivolen Attentats auf die Zukunft des arbeitenden Volke» wirkt die in weiten Kreisen der organisierten Arbeiterschaft noch vor- handene Teilnahmslosigkeit um so erstaunlicher. Stünde nur die Jugend des Bürgertums in Frage, wäre jedes Wort müßig. Aber das Gros der bürgerlichen Vereine rekrutiert sich ja gerade aus Proletarierkindern. Es muß deshalb mit aller notwendigen Schärfe betont werden, daß Partei- und GewerkichastSgenosien, die ihren Kindern die Teil» nahnre an Verbindungen gestalten, deren Tendenz eine unverkennbar arbeiterfeindliche ist, geradezu ein Verbrechen begehen, nicht nur an ihrer Klasse, sondern auch an sich selbst und ihrer Familie.— Un- zweifelhaft liegt diesem Tun ein gut Teil jener Gedankenlosigkeit zugrunde, die eine erhebliche Anzahl sonst kirchenseindlicher Arbeiter ihre Kinder taufen und einsegnen läßt, um, wie man so schön sagt. sie in ihrem Fortkommen nicht zu hindern. Daß aber durch solch inkonsequentes Verhalten Tausenden von Kindern, deren Eltern ihrer Ueberzeugung in konsequenter Weise Rechnung tragen, das Leben, besonders in der Schule, bitterschwer gemacht wird, sei nur nebenher erwähnt.— In ähnlicher Weise mag bei manchem sonst aufgeklärten Eltcrnpaare der Glaube obwalten, die militärischen Spielereien der Pfadfinder und gleichgearteten Organisationen könnten geeignet sein, ihrem Sohne den Militärdienst leichter zu machen und ihn so vor den gefürchteten Mißhandlungen schützen.— Nun, wer die Jahre hindurch die militärischen Mißhandlungen ver- folgt hat, dem ist sicher die Tatsache nickt entgangen, daß die Opfer der Rohlinge zum großen Teil geistig minderwertige oder aber solche Menschen sind, denen das Selbstbewußtsein durch Schule, Kirche und auch Elrernhaus schon in ftühester Jugend ausgetrieben worden ist. Die gesamte bürgerliche Jugendbewegung ist aber auf den AuloritätS« glauben eingestellt und dieser, konsequent durchgeführt, züchtet den Kadavergehorsam und liefert so den Soldatenschindern das Material für ihre Bestialitäten. Es tritt somit genau das Gegenteil dessen ein. was naive Elterngemüter erhoffen. Wem eS daher ernft ist mit dem Rampfe gegen den Menschenglück und Menschen ehre brutal zertrampelnden Kadavergehorsam, der halte seine Kinder fern von der nationalen Jugendbewegung, die aus unseren Söhnen ein Bolt von Kriegsknechten machen möchte. Nun noch einige Bemerkungen zu den Fragen, wie unsere Jugendbewegung am wirksamsten gefördert werden kann und wer zur Mitarbeit befähigt ist. Bereits oben wurde bemerkt, wie die Drahtzieher des Jungdeutschlandbundes bestrebt sind, den Egoismus des einzelnen zur Verankerung ihrer Macht zu benutzen. Der persönliche Ehrgeiz ist der Todfeind der Solidarität. Da wir nun in einem Klassenstaat leben und Klassengesetzen unterworfen sind, liegt nichts näher, als dem persönlichen den Egoismus der Klasse entgegen zustellen. Nicht so sehr das Einzelindividuum, als vielmehr der Angehörige einer bestimmten Klasse ist das Objekt unserer Werbearbeit.- Unausgesprochen muß in allen die Jugend betreffenden Beranstaltungen, mögen es nun Einzelvorträge, Kurse, Führungen, Wanderungen usw. sein, faßbar zum Ausdrud gebracht werden: Sieh her, all diese Fülle des Notwendigen und Nützlichen, des Erhabenen und Schönen wird dir nicht vorenthalten als Persönlichkeit, nein, du mußt es entbehren, weil dich der Zufall der Geburt in die Hütte der Armut verschlug. gefälligft die Finger davon, denn der richtet mehr Schaden an, als| Segelschiff erlitt bei dem Anprall so schwere Beschädigungen, daß es zehn andere gut machen können. nach etwa 50 Minuten sant. Bald nach dem Zusammenstoß Wem unter den Partei- und Gewerkschaftsgenossen an einer stellte der Kapitän des deutschen Dampfers fest, daß sich die Beernsthaften Förderung unserer Jugendbewegung gelegen ist, der trete fagung des Schoners nicht mehr an Bord befand. Nachdem den bestehenden Jugendheim- Vereinen bei. Je restloser das geschieht, der Schoner gesunken war, kehrte der Dampfer Kaiser Wilhelm der desto größer wird der Erfolg sein. Jeder Groschen ist ein Baustein Große" an die Unfallstelle zurüd. Der Dampfer hielt sich ungefähr und kein Kapital wird für die Arbeiterbewegung bessere Zinsen zwei Stunden in der Nähe auf und suchte die Unfallstelle ab, ohne tragen, als das so angelegte. etwas von der Mannschaft des gesunkenen Schoners zu entdecken. Die bevorstehenden Schulentlassungen geben uns wieder will- Mit größter Wahrscheinlichkeit dürfte die Besatzung des Schoners, tommenen Anlaß, alle Arbeitereltern in erhöhtem Maße auf die Be- da ruhige See war, von in der Nähe befindlichen Dampfern auf deutung der proletarischen Jugendbewegung hinzuweisen. Wenn die genommen worden sein. herrschende Klasse, gestützt auf die Autorität der Staatsgewalt und unter Benutzung der staatlichen Machtmittel einerseits mit verlockendstem Sirenengesang die Jugend zu lödern und unter das Untersuchungsrichters in Kiel wurde in Hamburg der Kaufmann Noch ein Nachklang zum Kieler Werftprozeß. Auf Ersuchen des nationale Banner zu scharen sucht, andererseits aber die proletarische Rudolf Neugebauer, der verdächtig ist, mit den Unterschleifen Bewegung mit aller Brutalität zu unterdrücken trachtet, dann auf der Kieler Werft in Verbindung gestanden zu haben, vermüßte sich doch jedem Arbeiter der Gedanke geradezu aufzwingen, haftet und nach Stiel gebracht. daß es bei diesem Ringen um einen der letzten Rettungsanker der herrschenden Klasse geht. Aus aller Welt. Opfer der Armut. Kleine Notizen. Die Mannschaft des Balder" gerettet. Wie aus Curhaven gemeldet wird, ist die Mannschaft der untergegangenen englischen Schonerbark Balder nicht, wie zuerst gemeldet, ertrunken, sondern von dem deutschen Schlepper, Vultan" gerettet und in Cowes gelandet worden. " Familiendrama. In Salzdaluhm bei Braunschweig wurde Donnerstag früh die Frau des Kossäten Heinrich Löhr mit einem Beil erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden. Den Ehemann fand man im gleichen Raum erhängt vor. Es ist anzunehmen, daß der Ehemann seine Frau nach voraufgegangenem Streit er schlagen und sich dann selbst erhängt hat. Die Eheleute lebten in den Die schwarzen Schieder So kommen Menschenkinder wegen Mangels an Aufsicht schändFicht schade Eisenbahnunglück in Triest. Ein Personenzug aus Görz stieß Mit Eifer und pädagogischem Geschick durchgeführt, wird ein folches Vorgehen den jugendlichen Arbeiter als Erwachsenen folgerichtig in die Reihen derer führen, die im solidarischen Zusammenschluß die einzige Möglichkeit erkannt haben, der Menschheit ein Der weit verbreitete Notstand, daß auch die Mutter außerhalb besseres Los zu erkämpfen. Dabei haben wir es wahrhaftig nicht des Hauses Lohnarbeit verrichten und ihre aufsichtbedürftigen Kinder nötig, ähnlich den Nationalen, Zusammenkünfte unserer Jugend mit allein in der Wohnung lassen muß. hat neuerdings wieder drei politischen Debatten auszufüllen. Was nun die Frage anlangt, wer zur Mitarbeit in der Jugend- in Mecklenburg sind die drei Kinder eines Schnitterehepaares, die in berg in Lippe find unter den polnischen Arbeitern die ber Dpfer gefordert. Auf dem Lehngute Baumgarten bei waren besten. Berhältniffen, doch bestanden immer häusliche Zwijtigkeiten. bewegung befähigt sei, so würde sich dieselbe eigentlich erübrigen, der armseligen Kate der Eltern eingeschloffen waren, elendiglich schwarzen Bocken ausgebrochen. Ein Arbeiter ist bereits gewenn nicht immer wieder Klagen über Mangel an Kräften geführt umgekommen. Es war ein Brand entstanden, und bevor die stor ben und sofort beerdigt worden. Ein anderer Erkrankter, der würden. In der Hauptsache handelt es sich indes wohl mehr um Feuerwehr zu den hilflosen Wesen vordringen konnte, waren sie, podenverdächtig ist, hat im Krankenhanse in Detmold Unterkunft geKlagen hinsichtlich der Qualität. Und in der Tat: für Gouvernanten, zwei Mädchen und ein Junge, schon im Rauche erstickt. Schulmeister, Autoritätsfanatiker und ähnliche Kategorien bedankt funden. Die Domäne ist polizeilich gesperrt. fich unsere Jugend. Wer zu ihr kommt, darf nicht mit der Elle lich um, während es in unserer herrlichen christlichen Welt Klub- bei der Einfahrt in den Triester Staatsbahnhof fo moralisierender Anstandstanten bewaffnet sein, sondern muß ein häuser und Aufwärterinnen für Hunde gibt! Während heftig an einen Gleisabschluß, daß mehrere Personenwagen beschädigt warmes Herz sein eigen nennen, das mit der Jugend zu man die Menschenkinder in den erbärmlichsten Löchern unter jämmer wurden. 46 Reisende und drei Schaffner sind, zumeist fühlen weiß. Und nur in liebevollem Eingehen auf die lichen Lebensbedingungen großzieht, wohnt das Hundevieh mancherleicht, verlegt worden. Eigenart des Lebensalters wird es ihm gelingen, alle heftigen orts in Räumen mit Polstermöbeln, mit Seiden- und Ausbrüche überschäumenden Kraftgefühls zu zügeln. Dabei spielt Spizengardinen, trägt fostbare Kragen, Bänder und Me das Alter der Mitarbeiter absolut keine Rolle. Während wir einer daillons und verspeist ausschließlich Delikatessen. Wie lange wollen feits junge Leute von geradezu philiftröser Gefeßheit haben, gibt es die Menschen diese Verrücktheit noch ertragen? Wie lange anderseits alte Genofsinnen und Genossen, denen die Zeit nichts von wollen sie sich noch als Hunde behandeln lassen, während Hunde wie ihrer jugendlichen Lebensauffassung rauben fonnte. Ganz besonders Fürsten gehätschelt werden? aber sind zur Mitarbeit jene berufen, die das sorglose Glück der Jugend nie kennen gelernt haben. Im Streise dieses Völkchens tönnen sie zwar das Verlorene nicht wieder gewinnen, aber in In der Nähe der Westfriesischen Inseln bei Haaks Feuerschiff hingebender Erfüllung einer dankbaren Aufgabe die Lücke in ihrem hat sich in der Nacht zum Donnerstag ein folgenschwerer Schiffs Dasein weniger schmerzhaft machen. Wen freilich nicht innerer zusammenstoß zugetragen. Der deutsche Dampfer Kaiser Drang zur Sache treibt, sondern einzig der Ehrgeiz, einen Posten, Wilhelm der Große" stieß auf seiner Fahrt mit einem un gleich welcher Art, in der Bewegung zu befleiden, der Tassel bekannten weißen Dreimastichoner zusammen. Das fremde Schiffskatastrophe in der Nordsee. ist der englische Militärflieger Leutnant Tree by bei einem Fluge Todessturz eines englischen Fliegers. Am Donnerstagmorgen über dem Flugfeld in der Grafschaft Salisbury tödlich ver unglückt. 34,00-50,00. des tgl. Polizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 00,00-00,00, Donau Marktpreise von Berlin am 18. März 1914, nach Ermittelungen 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,70-15,00. Nichtstroh 0,00. Heu 7,20-8,50. Martthallenbreise. 100 Stilogr. Erbjen, gelbe, zum Kochen Kartoffeln( Seleinhdl.) 4,00-7,00. 1 Rilogramm Rindfleisch, von der Keule Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Rinfen 40,00-80,00. 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Stalbfleisch 1,40-2,40. Hammelfleisch 1,50-2,40. Butter 2,40-3,00. 1,60-3,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,20-2,40. Aale Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stüd rebie 3,50-24.00. Hechte 1,20-2,60. Barsche 1,00-2,20. 60 Stud Gier 3,60-5,40. Bander 1,40-3,20. Wer ihn fennt- liebt ihn! Tadellos elegant sigend! Rein läftiges Schnüren! Stets fertig gefchnürt! 3m Augenblid an- und ausgezogen! SchuhUnseren von Taufenden gepriesenen Condor Patent Schnürstiefel ohne zu schnüren Hauptpreislagen: 1150 1250 1550 1750 1950 Höchste Bequemlichkeit! Eine Wohltat für den Fuß, weil die elastische Schnürung jeden. Drud verhindert. D. R. p. 174 209. Einziges Patent auf die Fledermauslasche zum Schuh gegen Sand Staub- Rässe fabrik Conrad Tack& Cie. Burg 144 Verkaufsstellen im Reich, C, Spittelmarkt 15 davon 21 in Berlin u. 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