Ar. 88. flbonncmentS'BcdJngungen; >ionncmcnls• Preis tJtänumttortbO! »ierteljährl. 3,30 Mk, monatL 1,10 M!, wöchentlich 28 Pjg, frei in» Hau». Einzelne Nuinmer ö Pig, Sonntag». nummcr mit illustrierter Sonntag». Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Lbonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für DerMchland und Oesterreich» Ungarn 2,50 Mar!, für da» übrige Ausland » Mar! pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien, Dänemar!, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Behügt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg„ für politische und qewerlschastlichc Verein». und Versammlung». Anzeigen 30 Pkg, „Kleine Mnseigen", das scttgcdruckte Wort 20 Psg. tzuläfsig 2 scttgedrilclte Worte), icdc» weitere Wort 10 Pia. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen da» erste Wort 10 Psg,, jede» weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buch- Itaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer inüsien bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffliet. Qlidelnl täglich. Berliner Volkesblnlk. Telegramm- Adresse: „Sozialdcinolirat Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokratifcbcti Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt Moristplast, Nr. 1S83. von SanS bis öranöt. Hinter all den Beschwerden, die die Konservativen seit ihrer Niederlage im Jahre 1912 gegen den Reichstag vor- zubringen hatten, und die schließlich in der wilden Hetze der letzten Monate gipfelten, standen von Anfang an unverkenn- bar die beiden Forderungen noch einer Auslösung des gegen war tigen Parlaments und nach einer B e- seitigung des de ni akratischen Wahlrechts. Ten ersten Wunsch sprach man offen und rückhaltlos aus, den anderen ließ man nur gelegentlich und vorsich.ig durchblicken, da die Betonung der Abneigung gegen das gleiche und ge- Heime Wahlsystem ihre Bedenken hat. wenn man unter seiner Herrschaft Sitze erobern will.„Offene Gegnerschaft", so führte einmal Dietrich von Oertzen in der„Konservativen Monatsschrift" aus,„verbietet sich für alle diejenigen Po- litikcr, die noch mit Wahlen zu schassen haben und sich vor der Ausnutzung der Gegnerschaft durch politische Feinde hüten müssen." Auch als eines der im vergangenen Jahre neugewählten konservativen Mitglieder des preußischen Landtags letzthin die lästigen Fesseln sprengte und aus seinem Herzen nicht länger eine Mördergrube machte, hatte die Presse seiner Partei noch nicht den Mut, ihm offenen Beifall zu spenden. Nur ungern und mit Widerstreben nabin sie von der Attacke des teniperamentvollen Amtsrichters Band Notiz und be- mühte sich, es so darzustellen, als ob. es sich bei seiner Kritik an der Grundlage des Deutschen Reichstags und bei seiner Anregung, eine Liga zur Bekämpfung des bestehenden Wahl- rechts zu schaffen, um die Ideen eines Privatmannes handele, deren Verkiindung nur als ein Beweis dafür gelten könne, daß die Toleranz der konservativen Partei ihren Anhängern den denkbar weitesten Spielraum iu der Vertretung ihrer Ansichten gewähre. So würde wohl auch der Vorstoß des etwas unstaats» männischen Herrn Ämtsrichters ohne stärkere Wirkung ge- blieben sein, wenn Herrn Band nicht in Herrn Brandt im rechten Augenblick ein Helfer entstanden wäre. Als derSyndikus der Düsseldorfer Handelskammer auf dem Deutschen Handelstag seine Rede über die mangelhafte Vertretung der Interessen von Handel und Industrie im Reichstage gehalten hatte, da zeigten sich die Organe der Rechten bereit, den Faden weiter zu spinnen, und der schon halb begrabene konservative Abge- ordnete feierte eine ebenso schnelle wie fröhliche Urständ. Man kann in Variierung des berühmt gewordenen Preußen- bundwortes sagen: Wenn die Industriellen kommen, dann kriegen d i e Junker wieder Courage. Die„Deutsche Tageszeitung" und die ihr ver- wandten Organe reden jetzt frisch von der Leber, sie fühlen sich wie von einem Alpdruck befreit, nachdem ihnen die amtliche Vertretung von Handel und Industrie die Berechtigung zu ihrem Haß gegen das Reichstagswahlrecht sozusagen be- scheinigt hat. Tie Liberalen möchten allerdings die Resolution des Handelstages und das Referat, durch das sie begründet wurde, als absolut harmlos hinstellen. Von irgendwelchen Partei- politischen Absichten oder gar von irgendwelchen Spitzen gegen eine der wesentlichsten Grundlagen der Reichsverfassung könne keine Rede sein. Es lasse sich darüber streiten, ob die Vorschläge des Referenten zweckmäßig und praktisch durch- führbar seien, aber sie hätten doch jedenfalls ihren Ursprung nur in dem Wunsche, den Reichstag, f 0 w i e e r i st, für die Anregungen aus den Kreisen des industriellen Unternehmer- tums e!was empfänglicher zu machen. Um die Ehrlichkeit der liberalen Presse nicht in Zweifel zu ziehen, wollen wir annehmen, daß sie naiv genug ist, selber zu glauben, was sie da erzählt. Aber voraussetzen, daß der Deutsche Handclstag in seiner Gesamtheit auch nicht gemerkt habe, wo die Sache hinauswolle, das hieße die Intelligenz von führenden Persönlichkeiten unseres Wirtschaftslebens in be- leidigender Weise unterschätzen. Mag sein, daß sich in der Versammlung einige lzarmlose Gemüter befunden haben, die von nichts was merkten oder die auch nur die ganz unklare Vor- stellung hatten, daß hier irgend etwas nicht in Ordnung sei — so wie Herr K a e m p f, der, um sich zu saldieren, der größeren Sicherheit wegen dem Referenten in schonender Form eine Rüge erteilte—, die große Mehrheit war sich) sicherlich dessen bewußt, daß sie mit ihrer Zustimmung zu den Ausführungen des Agenten der rheinischen Schwerindustrie den konservativen Gegnern nicht nur dieses Reichstags, sondern eines jeden aus demokratischen Wahlen hervor- gegangenen Parlaments einen wertvollen Dienst leistete. Wir dürfen doch wirklich überzeugt sein, daß auch die Mitglieder der deutschen Handelskammern die Vorgänge auf politischem Gebiete einigermaßen verfolgen, und daß ihnen: der Sammlungseifer der Herren auf der Rechten nicht unbe- kannt geblieben ist. Sie sehen, wie eifrig das Agrariertum bestrebt ist, die industrielle und kommerzielle Bourgeoisie an seine Seite zu bringen, um gemeinsam mit ihr vor allem den sozial- und wirtschaftspolitischen Ansprüchen der Arbeiterschaft entgegenzutreten, und sie müßten doch geradezu mit Blind- heit geschlagen gewesen sein, wenn sie nicht gemerkt hätten, daß die Resolution, die man ihnen vorlegte, in denselben politischen Bestrebungen wurzelte, die vor kurzem bei der Verbrüderung der Konservativen und der Nationalliberalen im preußischen Abgeordnetenhaus einen so herrlichen Triumph gefeiert haben. Nun ist mit dem Beschluß des Handelstages der schöne Traum des Amtsrichters von der Liga zur Bekämpfung des Neichstagswahlrcchts allerdings noch nicht verwirklicht, aber für all die abfällige Krstik, die sich aus dem konservativen � Lager jetzt wieder an die Oeffenllichkeit wagt, sind die 'kommerziell rätlichen und sonstigen Ver- treter von Handel und Industrie mit ver- antwortlich. Mit Recht wirft die„Deutsche Tages- zeitung" gegenüber den liberalen Auslegungsversuchen die Frage aus. warum denn niemand opponiert habe, als der Syndikus der Düsseldorfer Handelskammer die These auf- stellte, daß in den Deutschen Reichstag voraussichtlich nie- m a I s genügend sachverständige Vertreter aus Industrie und Handel hineingelangen würden, und was es denn anders be- deute, als eine Verurteilung des Wahlsystems, wenn man dem Parlament eine Art von berufsständischem Beirat zu geben vorschlage. In der Tat, wenn jetzt wieder all die alten Argumente hervorgeholt werden, die schließlich in der Klage zusammenlaufen, daß das gleiche Wahlrecht die Volksvertretung zur Dienerin der großen Masse mache und die Leuchten der Wissenschaft so gut wie die Kapazitäten der„schaffenden Stände" vom Parlamente fernhalle, so können alle die, die mit diesen Schlagworten arbeiten, sich auf die Autorität des „liberalen" Handelstagcs berufen. Eine Liga ist damit, wie gesagt, noch nicht geschaffen, aber der R e ch t s a b m a r s ch der k a p i t a l st a r k e u Teile des liberalen Bürgertums ist unverkenn- bar. Der Ablehnung der Sozialpolitik und dem Kampf gegen die Koalitionsfreiheit folgt die Stimmungsmache gegen das Reichstagswahlrecht, und die Konservativen ziehen von ihrem Standpunkt nur die durch die Situation gebotenen Kon sequenzen, wenn sie von der Regierung verlangen, daß sie die „Richtung erkennen und nützen" solle. Es geht hüben und drübe n aufs Ganze. Totengefolge. (Bon unserem Pariser Korrespondenten.) Paris, 22. März. Wandelt die Republik dem Kampf um Leben und Tod ent gegen? Schon gehen im Parlament Hagelschauer nieder. Und auf den Boulevards erscheiiien gleich Sturmvögeln neue Zeitungen mit grellen Titeln und erhitzten Worten:„Le Nengeur", der„Rächer", brüllt mit der von Alkohol und Syphilis heiseren Camelot-Kehle den Untergang der Demokratie in Sittenverderbnis und Vaterlands- verrat aus. Ein republikanisches Abendblatt— merkwürdiger- weise sind derzeit alle Abendblätter nationalistisch— will in den nächsten Tagen unter dem symbolischen Namen der„roten Mütze" stLounst ronZs) den KampfeSmut der Demokratie beleben. ES hat die deutsch-französische Annäherung in die erste Reihe seiner Programmartikel gestellt. Ehemalige Mit- arbeiter HervsS aus seiner„insurrektionellen" Zeit werden es redigieren. Die Gesten des Journalismus werden revolutionärer, man plündert das Wörterbuch glorreicher Sturmzeiten. Da ist eS gut, vor Falschmeldungen auf der Hut zu sein. Der Klerikalismus hat ja die Marseillaise in sein Repertoire aufgenoinmen. In den achtziger Jahren, nach der Heimkehr der Kommunarden, hatte der französische Sozialismus sein erstes, von Talent und Temperament überschäumendes Tageblatt„Do Cri du Pouplo"(Schrei des Volkes). Jules VallöS war sein Direktor. Im ruhmreichen Gewand schleicht jetzt eine an- dächtige Gestalt umher. Ein„sozialisches Tageblatt" nennt sich der neue„Cri du Peuple", der vor ein paar Tagen erschienen ist. Aber welches.„Volk" schreit da? Direktor des Blattes ist Jean Allem ane, der seinen guten alten revolutionären Namen für die Kompanie deS Abfalles hergibt, die der gecinigten Partei bei den Wahlen in den Rücken fallen will. In Paris gibt es zwei tägliche Arbcitcrbläticr— das ist schon um eines zu viel. Die „Humaniiö" kämpft sich mühsam empor, die„Bataille Syndiealiste" lebt von der imponierenden Opferwilligkeit, womit sie einige Gewerkschaften immer wieder vor dem Ertrinken retten. Aber da« Organ des neuen„Parti Ouvrier" konnte schon als wöchentliche „Lutte des ClasseS" nur von den Subsidien eines klerikalen Gönners leben. Wer ist der Nährvater des„Cri du Peuple"? Der Fall läßt sich in einet Proportion darstellen:„Lutte des ClasseS" verhält sich zu„Cri du Peuple" wie der Richter Bonjeau zu X~ Also, Paris ist aufgeregt. In der Wandelhalle der Kammer glauben die klügsten Spieler und Kiebitze der Politik an die wildesten Bluffs, aus den Boulevards reißen die Leute den Zeitungshändlern die frischen Blätter aus der Hand. Aber— ist die Situation wirklich revolutionär? Greift die politische TageSfrage in das Leben des Einzelnen ein. wirft da, wie sie DreyfuSaffäre, Familien auseinander, zerbricht die Freundschaften, ruft sie Heldentum ins Leben? Noch sehen wir gar nichts dergleichen. Nicht etwa, daß Recht und Unrecht so zweifellos erkennbar geworden wären, daß die öffentliche Meinung einhellig geworden wäre. Aber— und das ge- reicht der Zeit nicht eben zur Ehre— das heutige Paris hat seine Leidenschaft verloren. Natürlich, einige Zehntausend haben ihre politischen Interessen oder Fanatismen. Indes, die ungeheure Maffe der Bevölkerung ist zweifellos weit weniger erregt als zur Zeit des Steinheilprozesses und in den Tagen, da die Polizei mit Bonnot und Garnier, den Automobilapachen, Krieg führte. Das hat das Begräbnis CalmetteS deutlich erwiesen. Die reaktionäre Presse hat die Kühnheit, einen Vergleich mit dem Be- 6xpcdition: 8M. 68» Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 1984. gräbnis Victor Noirs, des von einem Bonaporte erschossenen 1 republikanischen Journalisten, zu ziehen. Damals ist das Pariser Volk aufgestanden— ein düsteres, ungeheures Heer schwoll unheil- kündend an den Mauern der Tuilerien empor. Das Pariser Volk war es auch, das in späteren Zeilen Luise Michel zum Grabe ge- leitete, das in wildem Zorn ansbrausend gegen die Ermordung � FerrerS protestierte. Und— um das entscheidende Maß der Zahlen anzuwenden— haben nicht 100 000 am Grabe des zu Tode ge- marterten Strafsoldaten Arno ult demonstriert und 150(KX) im Pro Saint Gervais gegen die Greuel des Krieges? Auch nach den wohlwollenden Schätzungen der konservativen Blätter waren beinr Leichenbegängnis CalmetteS nicht mehr als 15 000 Teilnehmer er- schienen. Das ist nicht gar so viel, wenn man bedenkt, daß der Tote eine der rührigsten Persönlichkeiten der„Gesellschaft" war und als mächtiger Leiter des mondänen„Figaro" in Salons, Theatern, auf Rennplätzen, im Parlament und so weiter„Beziehungen" ge« sammelt hat. Calmette war auch ein schwer reicher Mann— besonders seitdem ihn der berühmte Emporkömmling Chauchard, der Gründer des Louvremagazins, zum Dank für die Einführung in die vornehmen Kreise und Vermittlung von Auszeichnungen zum Erben eingesetzt hatte. Da sind ein paar tausend Freunde nicht schwer erworben und auch ihre Pietät auf dem letzten Weg, nament- lich wenn ihre Ausübung der Festhaltung in den Zeitungen sicher ist. Freilich— auch die„Camelots du roy" waren da. Man darf diese jungen Leute nicht unterschätzen. Die„Actio» Franpaise" ist heitte unstreitig die bestgefügte streitbare Organisation Frankreichs— die französische Arbeiterschaft leider inbegriffen. Die paar Tausend, die da in glänzender Disziplin aufmarschierten, sind zumeist nicht hervorragend im Denken, aber sie sind energisch, brutal und fanatisch. Der Intellekt der jungroyalistischen Bewegung ist ganz in ihrer Zeitung konzentriert, die gleichfalls„Aclion Franpaise" heißt und in den 6 Jahren ihres Bestehens einen großen Leserkreis gewonnen bat. Die„Action Frantzaise", unstreitig heute das interessanteste Blatt des nichtsozialisiischen Frankreichs, bietet die merkwürdigste Mischung von Geist und Pöbelhaftigkeit, von Wissen und Stupidität dar! Im Vergleich mit der Plattheit des traurig verfallenden bürgerlichen Republikanismus, der ob radikal ob gemäßigt am schalen Zev* des politischen Tagesprofits klebt, hat die Kritik der M a u r r a s, B a i n v i l l e usw. mit ihren großen Perspektiven unbedingt viel Anziehendes. Ein großer Teil der Studentenschaft steht unter ihrem Einfluß. Der letzte Schluß des„integralen Nationalismus" ist allerdings herzhaft einfältig— ein auf angebliche Vernunftgründe basierter Wunderglaube an die Gottesgnadenmonarchie und an die Herrschertugenden und an das Genie des Herzogs von Orleans. Die Argumentation ist eine Wiederholung des oniologischen Beweises für das Dasein Gottes. Die tatsächliche Vortrefflichkeit der Monarchen wird aus dem„Begriff" der Monarchie als SchiedSgewalt zwischen den Wider- streitenden sozialen Mächten abgeleitet. Die Gruppen der„Aclion Franyaise" sind lärmend, skandal« lustig und zuversichtlich. Man hört fast nur mehr sie in der all« gemeinen Verdrossenheit. Trotzdem haben sie von der Zukunft nichts zu erwarten, weil sie ideologisch verrannt die Tatsache verkennen, daß auch die Monarchie heute nur kapitalistisch sein kann. Die „Action Fran�aise" ist ein Kampf der Geister gegen einen absterbende» Körper. Ein Todeszucken, keine Wiedergeburt. Caillaux unö Jabre. Paris, 23. März. Vor der Rochettekom Mission wiederholte Caillaux seine vorhergehende Aussage, beharrte bei ihr und ergänzte sie. Er verlangte denjenigen kennen zu lernen, der dem Advokaten B e r n a r d sagte, daß der Aufschub bewilligt werden würde. Caillaux blieb bei seiner Aussage, daß er Monis nur den Wunsch Bernards übermittelte und niemals über die Natur der Unterredungen zwischen Monis und Fabre etwas gewußt habe. Caillaux fügte hinzu, daß Bernard ihm niemals mit einem Aufsehen erregenden Plaidoher gedroht habe. Er, Caillaux, habe Monis gelegentlich von dieser Möglichkeit ge- sprachen. Zum Schlüsse leugnete Caillaux, daß der Direktor des Rappel D u m e S n i l in der Rochetteangelegenheit bei Monis das Vorgehen Caillaux' fortgesetzt habe. Caillaux ist überzeugt, daß sich der Oberstaatsanwalt Fabre hinsichtlich des Datums seiner Unterredung mit Monis um drei Tage irre. Folglich hätte auch die schriftliche Aufzeichnung Fabres nicht so schnell danach erfolgt sein können. Schließlich wiederholte Caillaux, Fabre habe ihm be» stätigt, daß er über seine Unterredung keine Aufzeichnung ge- macht habe. Staatsanwalt Fabre, der in Gegenwart Caillaux' ver» nommen wurde, hielt die Angaben über den Zeitpunkt der Unter- redungen mit Monis und der Abfassung de» Protokolls aufrecht. Ebenso blieb er dabei, daß Caillaux persönlich ihm nichts von einem Aufschub gesagt habe, daß aber Monis ihm mitgeteilt habe, er wünsche den Aufschub, um Caillaux gefällig zu sein. Als er Monis darauf aufmerksam gemacht habe, daß der Aufschub es Rochette ermöglichen würde, seine Operationen fortzusetzen, habe Monis die Unterredung kurz abgebrochen. Fabre bestritt, Caillaux im Jahre 1911 gesagt zu haben, daß er aufgefordert worden sei, vor dem ersten Untersuchungsausschuß von der Wahrheit abzu- weich. Caillaux widersprach dem aufs entschiedenste. Fabre gab zu, Caillaux, um ihn nicht zu beunruhigen, gesagt zu haben, daß kein Protokoll vorhanden sei. Er hielt serner auf- recht, daß ihm in den Unterredungen mit B r i a n d und Barthou nicht nahegelegt worden sei, über diesen Gegenstand Stillschweigen zu beobachten. Fabre erklärte auf Befragen, er habe Caillaux gegenüber das Vorhandensein des Protokolls auch deshalb verneint, weil er seinen Inhalt nicht bekanntgeben wollte. Wenn et eZ seinen Siellvcrirctcrn Bloch�?atoqne und Cchcrdlin gezeigt habe, so sei dies geschehen, um zu beweisen, daß er kein Narr sei. Er habe kein Geld erhalten, wie ein Gerücht wissen wolle.— C a i l la u x sagte aus Befragen aus, er habe seinen Nachfolger über seine Unterredung mit Fabre in Kenntnis gesetzt. Fabre, von neuem befragt, erklärte, er habe es vor acht Tagen abgelehnt, daS Schriftstück dem Justizministcr zu übergeben, habe ihm aber dessen Inhalt dargelegt. Caillaux entgegnete, au? den Erklärungen des Justizministers Bicnvenu Martin gehe hervor, daß Gcneralstaatsanwalt Fabre sich auch geweigert habe, den In- halt mitzuteilen. Zlm Schlüsse der Vernehmung sind Eaillaux und Fabre darin einig, daß Fabre sich niemals mit Caillaux, weder direkt. noch in- direkt, über die Rochetteangelegenheit unterhalten habe. Die Kammer hat heute die Vorlage über die Erteilung richterlicher Befugnisse an den Rochetteausschuß in der Senats- fassung angenommen. I a u r e s behielt sich im Laufe der Be- ratung vor, erforderlichenfalls eine Ausdehnung der Voll- machten zu verlangen. Frau Caillaux. Paris, 23. Marz.(W. T. B.) Frau Caillaux wurde heut abermals zu einem Verhör nach dem Justizpalast gebracht. Sie wurde der Witwe das MalerS C h a r t r a m gegenübergestellt, welche erklärte, der Herausgeber eine? Blattes habe ihr mitgeteilt, daß man in verschiedenen RedaktionSstuben mehrere intime Sri fe Caillaux' an seine Gattin recht wohl gekannt habe. Der Kampf um tzome-Rule. Man schreibt unS aus London: Die groteske Komödie, die von den konservativen Despcradopolitikern seit Monaten aufgeführt wird, ist an dem Punkte angelangt, wo sie beim erstbesten Anlaß in eine furcht- bare Tragödie umschlagen kann. Die�Bluffpolitik wurde mit einer verbrecherischen Rücksichtslosigkeit betrieben, die keine Grenzen kannte. Die liberale Regierung ermutigte die konter- revolutionären Umstürzler, indem sie ihrem Treiben untätig zusah und ihre Gewaltdrohungen mit Konzessionen bcant- wartete. Aber jede neue Konzession wurde nur mit immer frecheren Gewaltandrohungen beantwortet. Daß keiner mehr vor einem wirklichen„Bürgerkrieg" zittert als die Konservativen und ihre Sippe ganze von Junkern, Kapitalisten und Rentnern, ist sicher. Es gibt keinen Staat in der Welt, der so tief in der Weltivirtschaft stockt, dessen wirtschaftliche und polisische Machtstellung ein so zartcS Ge- webe von zahllosen dünnen Fäden ist, in dem so viele und so Hobe Interessen vom ungestörten Fortgang des wirtschaftlichen und sozialen LebcnS abhängen, wie England. Aber gerade deshalb hofften die reaktionären Desporados die Regierung oder die liberale Partei zu einem selbstmörderischen Rückzug zwingen zu können, wenn sie nur lange genug die Maske der grimmigen Entschlossenheit am Gesichte behalten könnten. Und wenn ihr Spiel bei den Liberalen versagte, dann konnte man noch immer hoffen, dem König die gehörige Angst einzujagen, damit er nur seinen ganzen Einfluß einsetzte, die Regierung zum Nachgeben zu bewegen. Aber aus dem Spaß kann E r n st werden I Wer weiß. ob es ihnen gelingen wird, mit einer leicht erregbaren, fanatischen Bevölkerung ungestraft ihr Spiel zu treiben. DaS ntöiiatelang fortgesetzte blödsinnige Geschivätz vom„B ü r g e r- kr i e g", die Beivaffnungcn. das Drillen, das Soldatenspiel., ,016. grotesken Eidschwürc und der ganze Theaterdonner sind nicht äufeinKominandowort des Herrn Earson wegzublasen. Es hat törichte Menschen in Ulster gegeben, die alles das für bare Münze nahmen, und wenn es blutigeKöpfe gibt, dann werden die konservativen Hetzer und die liberalen Schwächlinge die Ver- antwortung teilen müssen. DaS Manifest Carsons, in dem er zur Ruhe mahnt, ist ein Zeichen dafür, daß die Rcbellenführer von Ulster eine Panik ob der möglichen Folgen ihrer Hetze ergriffen hat. Und wir mögen bald das Schauspiel erleben, wie Herr Earson alle seine Kräfte in dem verzweifelten Be- mühen erschöpft, sein Rebellenheer und seine noch weniger kontrollierbaren Nachzügler im Zaume ju halten. Der bedrohliche Charakter einer«isituatsou, der zu ent- rinnen im höchsten Interesse beider Parteien liegt, erhöht die Aussicht auf einen schnelleil und vielleicht plötzlichen Friedensschluß. Es fehlt nicht an Zeichen, daß im stillen hieran gearbeitet wird. So sind merkwürdigerweise die „Times", die bisher den Mund mit Bürgerkrieg voll hatten, heute plötzlich ganz versöhnlich geworden. Es scheint, als ob die Konservativeil die geringste weitere Konzession der Re- gienulg jetzt mit Erleichteruilg aufnehmen würden, um sich aus einer unmoralisch gewordenen Situation zu befreien. Wie sich auch die Dinge entwickeln mögen, die Arbeiter- s ch a f t Englands kann ihnen niit Seelenruhe entgegenblicken. Kommt es wirklich zu schweren Ruhestörungen in Ulster, dann ist die Arbeiterpartei die einzige, die keinerlei Schuld trifft und die im allgemeinen Bankrott sittlich und politisch unversehrt dasteht. Im übrigen brauchen, die Ar- beiter— abgesehen davon, daß die Arbeiter von Ulster die ersten Opfer wären— eS nicht zu beklagen, wenn die herrschenden Parteien einander wie besessen Wunden schlagen. Es wird ihnen auch nichts schaden, wenn dabei der ganze HerrschaftSapparat der Bourgeoisie desorganisiert und niöglichenueisc auchydie Disziplin der Armee untergraben wird. Sie werden im Gegenteil den Dingen mit ge- spanntestem Interesse zusehen und nützliche Lehren aus ihnen ziehen. Eine Erklärung dcS«riegsministers. London» 23. März. Unterhaus. Vor dichtbesetztem Hause Kriegsminister Oberst Seelh eine kurze Erklärung über die militärischen Ereignisse. Er sagte, am Freitagabend seien im KriegSamt von General Paget Nachrichten eingelaufen, daß einige ihm unterstehende Offiziere ihn verständigt hätten, daß sie unter gewissen Voraussetzungen nicht in der Lage sein würden, die Wei- suilgen auszuführen, die er künftighin für noUvendig erachten sollte, ihnew mitzuteilen. Der Armeerat habe die Bestimmung ge- troffen, daß die ältere» beteiligten Offiziere sich beim Gencraladjutanten im Kricgsamt melden sollten. Solveit aus der Isutcrsuchung des Armeeratcs hervorgehe, sei es klar, daß. der Zwischenfall darauf zurückzuführen sei, daß eine an die Offiziere von Sir Paget gestellte Frage mißverstanden wurde.(Heiterkeit bei der Opposition.) Jetzt seien sie angewiesen worden, sich zu ihren Truppenkörpern zurückzubegeben. Hinsichtlich der Trup- Penbewegungen wiederholte der Kriegsminister die in der Presse bereits erschienenen Mitteilungen und sagte, der Zweck der Bewegungen sei, die Waffen, Vorräte und Munition der Regierung zu schützen.(Zwischenruf der Opposition: Vor wem zu schützen?) Alle Bewegungen seien durchgeführt worden im Einklänge mit den Weisungen Sir Pagets und alle svefehle feien pünktlich uild un- bedingt befolgt worden, Die Minister find zu einer außerordentlichen B e- r a t u n g zusammengetreten. Bonar Law erklärte, die Lage sei weit ernster, als Kriegsminister Seelh angedeutet habe; er führte dann die Er- klärungen an, die, wie er sagte, von General Paget und seinen Offizieren gegeben worden sei, nachdem Paget seinen Besuch ün Kriegsamt gemacht hätte. Diese Erklärung sei dahin gegangen, daß aktive Operationen gegen Ulster begonnen werden sollten, daß Paget erwarte, daß daS Land am Sonnabend in Flammen st e h e n werde und daß er Weisungen aus dem Kriegsamt erhalt?» habe: erstcns, daß die O f fi z i er«. welche in Ulster beheimatet sind, die Erlaubnis erhalten würden, in U r- l a u b zu gehen und wieder eingestellt werden sollten, zweiten«, daß diejenigen Offiziere, die nicht gesonnen wären, aktwe Operationen gegen Ulster vorzunehuicn, ihren Abschied einreichen müßten und entlassen werden würden. Bonar Law erklärte schließlich, unter diesen Umständen würde es für A s q u i t h schwer sein, das Hau» oder das Land zu überzeugen, daß mit oder ohne sei» Wissen einige seiner Kollegen, die die Regierung vertreten, diese Truppenbewegungen nicht vorgenommen hätten im Sinne eines abgekarteten Planes, um U l st e r entweder herauszufordern oder einzuschüchtern. Der Streik der Offiziere. London, 23. März. Ueber die Abschiedsgesuche der Offiziere in Irland berichtet die„Preß Association" aus Dublin: Am Freitag frijh erhielten die Offiziere der 3. Kavallerie- Brigade in Dublin die Mitteilung des Kriegsamtes, daß sie, wenn sie nicht bereit wären, unter gewissen Voraussetzungen aktiven Dienst in Ulster zu tun, binnen 12 Stunden ihren Abschied ein- zureichen hätten. Nach der Parade fand eine Offiziersversammlung statt. Brigade-General Gough erklärte, er habe bereits seinen Entschluß gefaßt und fordere die Offiziere auf, die Lage zu überdenken und ihm ihre Entscheidung mitzuteilen. So gut wie alle Offiziere erklärten sofort, sie würden dem Beispiel des Generals folgen und ihr Abschiedsgesuch einreichen. Diese? Ergebnis wurde telephonisch dem b. Lancer-Regiment mitgeteilt, worauf 70 von den 76 Offizieren dem Beispiel folgten. Bis zum Abend wurde der Oberstkommandierende Sir Arthur Paget hiervon in Kenntnis gesetzt. Er setzte sich seinerseits mit dem KriegSamt in Verbindung und hatte am Sonnabend Besprechungen mit den Offizieren der 4. Hufaren und der v. Lancer». Sir Arthur Paget erklärte, das KriegSamt sei bereit, das Abschiedsgesuch des Generals Gough und des rangältesten Majors anzunehmen. Tie anderen Offiziere würden dagegen die Konseguenzen zu tragen haben, daS heißt, sie würden wegen Gehorsamsver- Weigerung arretiert und vor ein Kriegsgericht g e- stellt werden. Zugleich wurde den Offizieren mitgeteilt, daß die Truppenbewegungen in Ulster gegenwärtig nur den Zweck hätten, das Staatseigentum zu schützen und der Polizei in der Aufrecht- erhaltung der Ordnung beizustchän. Die Offiziere erklärten sich unter dieser Voraussetzung bereit, nach Ulster zu gehen, erklärten aber definitiv, an Feindseligkeiten gegen die Loya- listen von Klster nicht teilzunehmen. Diese Er- klärung wurde nach London telegraphiert, worauf General Gough und die Obersten der 16. Lancers und der 6. irischen Lancer» nach London gerufen wurden. Einstweilen sind die Befehle für den Transport der Kavallerie nach Ulster suspendiert worden. In der 13. und 14. Jnfanterie-Brigade und in der 8. Artillerie-Brigade, die in Irland stehen, sind in jedem Regiment mehrere p r o v i s o- tische Abschiedsgesuche eingereicht worden. Man erfährt indessen, daß die Offiziere, die ihren Standort in Ulster haben, keinen Befehl zum aktiven Dienst erhalten haben, sondern daß man ihnen die Wahl zwischen Abschied und längerem Urlaub lassen würde. Alle Infanterie- und Ärtillerieregimenter im Süden von Irland sind dem Befehl, nach Norden zu gehen, gefolgt. General F e r g u s s o n vom zweiten Bataillon deS Manchester-Regiments sagte am Samstag in einer Ansprache an die Offiziere und Mann- schaften, seine und der Leute Sympathien seien auf Seiten Ulsters. Er hoffe, sie würden nichtdieWaffengegendieProvinz zu brauchen haben, aber wenn sie den Befehl erhielten, so würden sie als loyale Soldaten de« Königs gehorchen. Die 4. Husaren sind daS Regiment, dem Winstou Churchill als Offizier angehört hat. Die Zeitungen melden, daß in Ulster vollkommene Ruhe herrsche._ politische Ueberslcht. Der Nachtragserat. In rascher Folge erledigte der Reichstag am Montag eine ganze Reihe kleiner Vorlagen und bewilligte dann das Etatsnotgesetz, das bei der Verzögerung in der Beratung des ordentlichen Etats notwendig geworden ist. Bei der zweiten Lesung deS Nachtragsetats für 1913 wurde die Frage des bekannten Grundstücks in der Viktoriastraße zu Berlin behandelt, das in so eigenartiger Weise für Zwecke des Militärkabinetts erwprben worden ist. In der Budget- kommission hatte die Regierung keine Zweifel darüber ge- lassen, daß das Vorgehen nicht korrekt gewesen ist. Selbst- verständlich war aber an der Sache. selbst nicht mehr viel zu ändern. Die Kommission beantragte deshalb, daß die Zweck- bestimmung des Grundstücks späterer Beschlußfassung vor» belialten werden soll, und verlangte ferner, daß die Frage des Regreßanspruchs des Reichs einer näheren Prüfung zu unterwerfen ist. Des weiteren sollen in Zukunft Grundstücks. tauschgcschäfte etatsrechtlich die Behandlung von Kauf- geschäften erfahren, und endlich wird vom Reichskanzler die beschleunigte Vorlegung eines Reichswirtschaftsgesetzes ge- fordert. Genosse Stllcklen gab eine ausführliche Schilde- rung der Vorgänge, wie sie sich abgespielt haben, und bei denen sich die absolut unzulässige Selbstherrlichkeit der Militärverwaltung gezeigt hat. Er lies? keinen Zweifel darüber bestehen, daß es sich hier um eine höchst unangenehme Schiebung handele, der gegenüber der Reichstag ein sphr energisches Wort sprechen müsse. Auch die Redner der anderen Fraktionen tvaren genötigt, das Verfahren zu kritisieren, und der Schatzsekretär ebenso wie der Kriegsininister plädierten nur auf mildernde Umstände. Genosse Ledebourhob dem- gegenüber die unbedingte Notwendigkeit hervor, mit aller Schärfe die Wiederkehr solch peinlicher Erscheinungen zu ver- meiden. Nach Annahme der Kommissionsanträge wurde der Etat des Reichsschatzamts in zweiter Lesung erledigt. Genosse Stolle benützte die Gclegeiiheit, um das System der Ein- mhrscheine einer energischen Kritik zu unterwerfen. Am Schluß der Sitzung gab es noch eine Debatte über Zie Veteranenbeihilfen, bei der Genosse S L d e k u m die Auf- affung der sozialdemokratischen Fraktion kurz darlegte. Ent- brechend der immer eingenommenen Haltung will die sozial- demokratische Fraktion eine möglichst weitherzige und gerechte Behandlung der Veteranen erwirken. Morgen wird der Etat für Kiautschou beraten.. Abgeordnetenhaus. Das preußische Abgeordnetenhaus leistete am Montag schnelle Arbeit. Zunächst überwies es die Borlage betr. die R ö l n e r Eingemeindung an die verstärkte Gemeindekommisston, nach- dem u. a. die Konservativen Bedenken gegen die Stadterweiterung vorgebracht halte», während umgekehrt namens der Sozialdemo- kralen Genosse Adolf Hoffmaun sich für die Vorloge aussprach und dem Verlangen Ausdruck verlieh, die gleichen Grundsätze auch auf Berlin anzuwenden, das zwar nicht wie Köln von einem Festungsgürtel, wohl aber von einem Wall von Bororten umgeben sei und an seiner Ausdehnung gehindert werde. Allseitige Zustimmung fand die Novelle zum Fürsorge- e r z i e h u n g s g e s« tz. die die rechtzeitige Entfernung gefährdeter Kinder au« ihrer Umgebung ermöglichen will. Auch die Genossen Adolf H Uff mann und Hirsch sprachen sich unbeschadet ihrer prinzipiellen Stellung zum FüriorgeerziehungSgesey für die Abänderung aus, betonten aber nachdrücklichst die Notwendigkeit, durch positive Maßnahmen der Verwahrlosung der Kinder entgegenzutreten und nicht so lange zu warten, bis die Kinder verdorben sind. Nach debatteloser Erledigung einiger kleinerer Etats setzte bei der Beratung des Etats her Zentralgeuossenschaftskasse eine lebhafle.Diskuision ein. in der besonders Abg. Dr. C r ü g e r(Vp.) die wirtschaftliche Freiheit der Senossenschaften forderte und die diese wirtschaftliche Freiheit einschränkenden Maßnahmen der Regierung bekämpfte. Am DienStag sollen wieder kleinere Etats beraten werden. DaS beanstandete Plakat. Bekanntlich hatte das Berliner Polizeipräsidium das Plakat zu den Frauenversammlungen, mit denen in Berlin die„Rote Woche" eröffnet wurde, beanstandet. Auf Beschwerde beim Polizeiminister wurde dann das Plakat unter der Be- dingung zum Anschlag zugelassen, daß die Tagesordnung: „H er mit dem Frauenwahlrecht I" abgeändert wurde in „Das Frauenwahlrecht". Nunmehr ist dem beschwerde- führenden Veranstalter der Plakatierung auch der E n t s ch e i d des Oberpräsidenten zugegangen. Er hat folgenden Wortlaut: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg. Potsdam, den 29. März 1914. 0. P. 5217. Ihrer an den Herrn Minister deS Innern gericbteten, an mich zur Verfügung abgegebenen Beschwerde vom 6. d. M. wegen Be- anstandung eine» Plakat« für die Frauenversammluing vom 8. März vermag ich nicht stattzugeben. Roch den, durch§ 30 des Reichspreßgesetzes aufrechterhaltenen § 9 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai lÄöl dürren An- schlagzetlel und Plakate, welche einen anderen Jnihalt haben als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe oder andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, nickt angeschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich ausgestellt werden. Die Ausnahmen von dem Plakat- verbot sind nach der mit den allgemeinen Rechtsgrundsäyen überein- stimmenden Rechtsprechung eng zu interpretieren. Ebenso wie Nach- richten für den gewerblichen Verkehr den rein geschäftlichen Charakter verlieren, wenn mit ihnen ganz andersartige politische Hinweise ver- bunden werden(Erkenntnisse deS KammergerichlS vom 20. September 1907,„Deutiche Juristenztg." 1898, S. 62 und vom 12. Oktober 1908, Kamptz und DeliuS Rechtsprechung. Ergänzungsband S. 254). muh auch angenommen werden, daß Plakate Über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen den geseylich gestalteten Inhalt überschreiten, wenn sie. abgesehen von der bloßen Ankündigung einer Versammlung und des BerhandUmgSgegenstanveS, darauf abzielen, für eine politische Forderung selbständig Propa- ganda zu machen. Dies trifft in dem zur Entscheidung stehenden Falle zu. DaS besonder« große Plakat, das mit der lleverschrifi Frauentag in rotem Druck beginnt, dann die Angaben über die Versammlungslokale und da« Wort„Tagesordnung" in schwarzem Druck bringt und zum Schluß in hervorragendem und besonder« in die Augen fallenden roten Druck die Worte„Heraus mit dem Frauenwohlrechtl" enthält, dient offenbar neben der An- kündigung einer Versammlung dem Zwecke, bei dem am Plakat vorübergehenden Publikum für die Einführung des Frauenwahl- rechts eindringlich Propaganda zu machen. Wollte man das Ver- fahren als zulässig ansehen, so könnte unter dem Borwande der Angabe einer Tagesordnung für jede politische Forderung in Form deS Plakat» agitiert werden, wa» die Absichten, die bei Erlaß de« Preßgesetze» vom 12. Mai 1851 maßgebend waren, vereiteln würde. Der langen Rede kurzer Sinn ist also, daß daS Plakat mehr als die Bekanntgabe der Tagesordnung der Ver- sammlungen enthalten habe. DaS ist aber absolut un- richtig. DaS auf dem Plat mitgeteilte Thema bildete tat- sächlich den Inhalt der gehaltenen Referate. Da nun ohne gröblichste Gesetzcsverletzung doch den Ein- berufern der Versammlungen unmöglich verwehrt werden kann, über jede politische Forderung sprechen zu lassen, inuß es auch gestattet sein, die Tagesordnung dieser Ver- sammlungen zu plakatieren. Eine Bevormundung ohnegleichen aber ist es, wenn sich die Polizeiorgane an- maßen, den Versammlungseinborufern vorschreiben zu wollen, welchen Wortlaut sie der Tagesordnung zu geben haben oder gar, in welcher Schriftart die Plakate gedruckt sein sollen! In dem preußischen Plakatgesetz steht davon kein Wort! Dort ist weder ein Musterformular vorgeschrieben noch die Einschränkung gegeben, daß der Sinn der Veranstaltung auf dem Plakat geheim zu halten ist. Auf nichts anderes als auf die Unterschlagung des beabsichtigten Charakters und der politischen Tendenz der Versammlungen läuft aber die neue Anwendung oder vielmehr Nichtanwendung des preußischen Plakatgesetzes hinaus! Daß die Sozialdemokratie nicht geneigt ist, sich solche Beeinträchtigungen der ohnehin so kärglich bemessenen Bolks- rechte gefallen zu lassen, versteht sich von selbst. Käme nicht diese Wahrung gesetzlicher Rechte in Bettacht, so könnte die Sozialdemokratie sich der besonderen Agitation, die Herr v. Jagow für die Frauenvcrsammlungen betneben, von t erzen freuen und nichts sehnlicher wünschen, als daß die olizeibehörden den gleichen propagandistischen Eifer für sozialdemokratische Veranstaltungen auch fernerhin bekunden möchten!_ Der Seniorenkonvent des Reichstags beriet am Montag darüber, welche Gegenstände in den nächsten Tagen zur Beratung kommen sollen. Donnerstag und Freitag sollen Wahlprüfungen, der Duellantrag und der Gesetzentwurf über di« Konkurrenz'lausel aus die Tagesordnuug gesetzt werden. Man hofft, bis Freitagabend die Beratungen hierüber zu beenden. ES kam noch in Betracht, die Postdampfervorlage auf die Tagesordnung zu stellen; doch wurde hiervon abgesehen, weil sich parlamentarische Hindernisse ergaben.__ Veränderungen im Auswärtigen Amt. Won unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt: Der seit länger« Zeit geplante Botschajterwechsel wird sich in, kurzem vollzieh«: ©raf Pourtales verlätzt Petersburg uud an seine Stelle tritt Herr V. S ch o e n; den Pariser Botschafterposten erhält der Staats- sekretär v. I a g o w, während der Unterstaatssekretär v. Zimmer- mann als Botschafter nach Tokio geht; über die Nachfolger dieser Herren ist noch nicht endgültig entschieden. Deutsch-völkische Partei. Die Antisemiten haben sich wieder einmal geeinigt. Die ganze Partei in der Stärke von 150 Mann tagte am Sonntag im Reichs- tagsgebäude. Zuerst die deutsch-soziale und die Reformpartei jede für sich, dann beide gemeinsam. Da? Resultat der gemein samen Sitzung ist die Vereinigung und die Firmen- änderung. Diese zweifelhafte Gesellschaft zeichnet künftig: Deuts ch-völkische Pa.rtei. Borsitzender ist der Amtsgerichtsrat Lattmann, sein Stellvertreter ist der Reiche tagsabgeordnete Werner- Hersfeld. Diese Einigung wird nicht lange dauern; der Parlamentswitz behauptet z. B., daß die aus Werner, Gräfe und Bruhn bestandene deutsch-soziale Gruppe sich nur deshalb aufgelöst hat, weil dieses edle Dreigestirn nicht darüber einig werden konnte, wer Borsitzender sein soll. Auch der neue Name vermag den Ruf dieser Partei nicht zu verbessern. Nordmarkenpolitik. Ueber die Ausweisung zweier dänischer Künstlerinnen wird ge meldet: In der Reihe der Ausweisungen aus Nordschleswig erregt jetzt in Kopenhagen ein Fall besonderes Aufsehen, der die Konzertsängerin Ea Dinesen, die in Berlin studiert hat, und die Pianistin Helene P r a h r betrifft. Die beiden Künstlerinnen haben am Sonnabend bei einer musikalischen Abenduuterhaltung bei Sommerstedt mitgewirkt und dabei Lieder von Grieg, Hart- mann und anderen Komponisten vorgetragen. Nach Schluß des Konzertes erschien plötzlich ein Gendarm und forderte die Damen auf, ihm zum Amtsvorsteher nach Sommerstedt zu folgen. Dort mutzten sie erfahren, daß sie sich unverzüglich über die Grenze zu begeben hätten. Mitten in der Nacht, ohne die Gesellschaftskleider, die sie noch trugen, wechseln zu können, wurden fie in einem Wagen dritter Klaffe eines Bummelzuges, einen Gen- darmen an der Seite, über die Grenze geschafft. Die Ausweisung gilt angeblich dauernd für ganz Preutzen. ES ist nicht daS erstemal, daß die Nordmarkenpolitik durch Be< kästtgung harmloser Künstler Preutzen der Lächerlichkeit preisgibt Wenn sich z. B. die Dänen Nordschleswigs auch einmal daS Vergnügen leisten wollen, den Kopenhagener Sänger Herold, der doch ein besonderer Günstling Wilhelms II. und ein häufiger Gast der Berliner Hofoper ist, zu hören, so entbrennt die wüsteste Hetze unserer Hakatisten. Die Ausweisung der beiden Sängerinnen ist nun die Folge dieser abgeschmackten Hetze. Nicht einmal die Werke ihrer berühmten Tondichter dürfen sich die Dänen Nordschleswigs von Landsleuten vorführen lassen. Sogar die Kunstpflege wird geächtet und polizeilich verboten. Aergere Schmach kann dem Volke der Denker und Dichter kaum noch zu- gefügt werden, als durch diese ebenso empörenden wie lächerlichen Polizeistreiche I Nationallibcral-fortschrittliches Wahlkartell in Sachse«. Die sächsischen Nationalliberalen haben am Sonntag in Plauen i. B. getagt und das liberale Wahlabkommen für die Landlagswahlen ISIS durch nachstehende Resolution im Prinzip ge- billigt: .Der Bertretertag erblickt in einem allgemeinen taktischen Ab' komnien mit der> Fortschrittlichen Volkspariei für die LandtagS' Wahlen ISlö das gegebene Mittel, um den liberalen Einflutz in Sachsen zu verstärken, und insbesondere die Sozialdemokratie zurück- zudrä»zen. Er ermächtigt deshalb den Vorstand des nationalliberalen Landesvereins zu weiteren Verhandlungen unter der Voraus- sctzung. datz unlcr bisheriger Besitzstand gewahrt bleibt und da« ganze Abkommen der Bedeutung der narionalliberalen Partei in Sachsen gerecht wird.' Die Freikouservativr« hielten in Berlin eine Sitzubg des GesamlvorstandeS, ab in der auch die Frage eröriert wurde, ob sich die Freikonfervativen, die feit 18S6. so lange fie existieren, noch kein Programm besatzen, ein solches schaffen sollen. Der Vorstand verneint« die Frage. Der Ausschuß wurde nur mit der Borbereiruag von Leitsätzen für ein sogenanntes Aktionsprogramm beauftragt. Ein wirkliches Programm, so meinte die Mehrheit, würde für sie nur eine Fessel sein. Die ostafrikanische Pflanzer-Oligarchie. Die deutsch-ostafrikanischen Pflanzer find verschnupft über die im Reichstag an ihre„Arbeiterfreundlichkeit" verübte Kritik. Die Koloniale Korrespondenz teilt nachstehende Protesterklärung des Wirtschaftlichen Verbandes der Nordbezirke von Deutsch- Ostafrika mit: «Tanga, 18. März. Der Wirtschaftliche Verband der Nord- bezirke gibt seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, datz das Forum des Reichstages die Stätte abgab, von der aus ein deutscher Reichsbote gegen deutsche Männer in deutscher Kolonie schwere Beschuldigungen erheben durfte. Er bedauert, datz die gesetzliche Handhabe fehlt, um gegen Verbreiter derartig be- leidigender Anschuldigungen, die unter dem Schutze der parlamen- tarischen Immunität erhoben werden und die in ihrer Verallge- meinerung durchaus unbegründet sind, vorzugehen. Er erwartet von der Loyalität des Retchstagsabgeordneten Erzberger, datz er nach Erhebung des schweren Vorwurfs, die Eingeborenen würden systematisch betrogen, nunmehr auch mit Namen hervortreten wird, damit eine Bestrafung der Schuldigen erfolgen kann. Falls dieser billigen Forderung nicht entsprochen wird, sind seine Be- hauptungen als frivole Verleumdungen zurückzuweisen. Die„Kölnische Volkszeitung" bemerkt zu diesem antnatzenden Auftreten der Pflanzer mit Recht:.Der Wirtschaftsverband der. Nordbezirke richtet sich zunächst an die falsche Adreffe, wenn er den Protest in dieser zugespitzten Form gegen den Abgeordneten Erz- bcrger richtet. Er müßte, wenn er Ernst genommen sein will, in erster Linie protestieren gegen die amtlichen Berichte Über die Schutzgebiete, auf die Abgeordneter Erzberger sich berufen hat, und gegen Staatssekretär Dr. S o l f, der in der Budgetkommission die Mitzstäntke zugegeben hat. Er mutzte pro- testieren gegen die Gesellschaft für Eingeborenenschutz, die in dieser Frage eine Eingabe an den Reichstag richtete, gegen die Koloniale Rundschau, welche die Zustände in den Kolonien statistisch und dokumentarisch beleuchtete, gegen die Abgeordneten und die Blätter der verschiedenen Parteien, welche diese Mißstände besprachen." Rußlanü. Ei» neuer Streich gegen die Pole». Wilna, 23. März. lPrivattelegramm des.Vor- w ä r t s Die russische Regierung gab den Befehl, datz im Gebiet des gesamten Gouvernements Wilna alle GesÄäftSschilde�r in polnischer Sprache zu entfernen seien. Bei den Kauf« lraten, die sich weigerten, diesem Befehl nachzukommen, entfernte die Polizei gewaltsam die Schilder. Japan. Rücktritt de« MinistermmS. Tokio, 23, März. Da daß Parlament daß Budget nicht angenommen hat und infolge der Meinungsverschieden- heften beider Kamniern hinsichtlich der Einschränkung des Flottenbauprogramms hat das Kabinett beschlossen, zurückzutreten. Argentinien. Ei« sozialistischer Erfolg. Buenos AircS, LS. März. Gestern fanden in der ganzen Republik die Wahlen für die gesetzgebenden Körper- s ch a f t e n statt. Die Ordnung wurde nirgends gestört. In Buenos Aires sollen die Sozialisten gesiegt haben, DaS Wahlergebnis wird erst in einigen Tagen bekannt werden. Ms öer Partei. Partcilitcratur. Im Verlage von I. H. 95. D i e tz Nach f. in Stuttgart ist erschienen: Der politische Streik. Von H. Laufenberg. VII und 260 Seiten. Preis broschiert 2 M., gebunden 2,50 M. Band 54 der Internationalen Bibliothek. Nuö dem Inhalt heben wir hervor: Vom ChartiSmuZ zur russischen Revolution. 1. Der heilige Monat. 2. Berusskampf und politischer Streik. 3. Der politische Streik in der russischen Revo- lution.— Die deutsche Diskussion. 1. Der Stand der Theorie. 2. Ter Kölner Gewerischaftskouareß. 8. Die Parteitage von Jena und Mannheim.— Wahlrechtskämpfe. 1. DaS Vorspiel im Osten. 2. Wahlrechtsänderungen in den Einzelstaaten. 3. Die Ver- fasfungskrise im Reich.— Der politische Streik nach der russischen Revolution. 1. Die Kämpfe außerhalb Deutschlands. 2. Die Kämpfe in Deutschland.— Die deutsche Expansion. 1. Deutschland und der Kontinent. L. Ueberseeische Beziehungen. 3. Panama- kanal und Bagdadbahn.— Die Sammlungsbewegung des Bürger- tums. 1. Kapitalexport und Schutzzoll. 2. Die Bedeutung der Steuerpolitik. 3. Das Koalitionsrecht.— Zur Methode des politi- scheu Streiks. 1. Organisation und Masse. 2. Ultima ratio. 3. Generalstreik. 4. Indirekte und gewerkschaftliche Demokratie. Ferner ist erschienen: Neutrale und sozialistische Genoffen- schaftsbcwegung. Von Emile Vandervelde. Autorisierte Uebersetzung von Hanna Gernsheimer-Hertz. V und 164 Seiten. Preis broschiert 1 M., gebunden 1,50 M. Band 55 der Internationalen Bibliothek. Aus dem Inhalt beben wir hervor: Die Beziehungen zwischen dem Sozialismus uno der Genossenschaftsbewegung in der Ver- gangenheit. 1. Owen und Buchez. II. Louis Blanc und Lassalle. s. Louis Blanc. b. Lassalle. III. Karl Marx. Die Beziehungen zwischen dem Sozialismus und der Genossenschaftsbewegung in der Gegenwart. I. England. II. Frankreich. III. Deutschland. I V. Der Kongreß zu Kopenhagen. V. Der Kongreß zu Hamburg. Die Beziehungen zwischen dem Sozialismus und der Genoffen- schaftsbcwegung in der Zukunft. I. Die Produktivgenossenschaften. nsumgenossenschaften. 1. Die sozialistischen Anti- II. Die Ko genossenschafter. a. Cornelissen. b. und das Prinzip der Neutrqlität. Sorel. 2. Die Sozialisten polizeiliches, Gerichtliches afw. Scharfmachermethoden vor Gericht. Anfang August 1913 wurde in Köln ein anonymer Flug- zettel verteilt:„Wo bleiben die Kölner Arbeiter- groschen?". Vorsichtshalber war sogar der Name des Druckers fortgelassen. In diesem Flugblatt war durch allerlei Verdrehungen und Fortlassungen der Eindruck erweckt, als kämen die Gewerk- schaftsbeiträge den Mitgliedern„zum allergrößten Teile" nicht zugute. Zu diesem Ergebnis kam das Flugblatt, indem sein Verfasser 1. die Beiträge um 173 536,05 M. zu hoch angab, 2. die Unterstützungen aus der Hauptkasse um 284 155,79 M. zu niedrig und 8. alle sonstigen Vorteile der Gewerkschaften an ihre Mitglieder unberücksichtigt ließ. Um den Anonymus aus dem Busch zu locken, wurde er am IS. August 191S in der.Rheinischen Zeitung" als»gemeiner Verleumder der Kölner Ge» Werkschaftsmitglieder" bezeichnet. Nach sechs Wochen entpuppte sich als der Rechenkünstler Herr Pattl S t e l l e r, der bekannte scharfmacherische Schriftsteller und Generalsekretär des Vereins der Industriellen im Regierungsbezirk Köln. Statt sein Unrecht ein- zusehen, verklagte er den Redakteur Beyer von der„Rheinischen Zeitung" wegen Beleidigung. In einem zweiten Artikel nahm sich nun die„Rheinische Zei- tung die„allerdunkelsten Methoden" deS Herrn Steller noch ein» mal vor, mit dem Erfolg, daß auch gegen den Genossen Soll- mann Klage erhoben wurde. Damit nicht genug, versuchte er noch eine Klage gegen Sollmann auf Grund des§ 11 des Preßgesetzes, weil dieser entgegen den Wünschen Stellers eine Berichtigung nicht als Leitartikel gebracht hatte. Dieses Verfahren wurde aber eingestellt. Sollmann glossierte nun die„Tücken des§ 11* im Hinblick auf die Gesetzesunkenntnis des wichtig tuenden Generalsekretärs derart satirisch, daß er sich auch deshalb eine Be- leidigungsklage zuzog. Gegen Beyer und Sollmann wurde am 21. März vor dem Kölner Schöffengericht verhandelst Beyer erhielt 150 M., Sollmann 100 M. Geldstrafe, aber nur wegen formaler Beleidigung. Wichtig für die Beurteilung der scharf- macherischen Kampfesweise ist das Geständnis Stellers vor Gericht, er habe das Flugblatt anonym erscheinen lassen, weil die An- aben auf dre Arbeiter keinen Eindruck gemacht aben würden, wenn sie gewußt hätten, woher daS Flugblatt stamme. Auch mußte Herr Steller zugeben, daß er das Jahrbuch der freien Gewerkschaften Kölns, auf daS er sich in dem Flugblatt bezog, überhaupt nie in der Hand gehabt hatte, sondern seine Wissenschast sich nur auf einen mißverstandenen Artikel der„Rheinischen Zeitung" stützte. Beiden Angeklagten wurde der Schutz des§ 193 versagt, obwohl sie langjährige Gewerk- ichastler sind und Beyer sogar den gewerkschaftlichen Teil der„Rheinischen Zeitung" redigiert. Die beleidigte Marine. DaS„Norddeutsche Volksblatt" in Nüst ringen hatte im De- zember vorigen Jahres, als sich von dem Linienschiff„Ostfriesland" mehrere Matrosen ohne llrlaub entfernt halten, zum Ausdruck ge- bracht, daß aus dem Sckiff irgendwelche Mißstände vorhanden zu sein scheinen. Wegen dieser Bemerkung wurde der veranlwort- liche Redakteur vom Landgericht Oldenburg jetzt zu hundert Mark Geldstrafe verurteilt. Heran tw. Redakst: Alfred Wielep», Neukölln. Lmeratentetl verantw.- Ms Industrie und Handel. Palnische Wirtschaft im Kalibergbau. Ein anschauliches Bild von der Planlosigkeit der kapitalistischen Privattvirtschaft bietet der Kalibergbau. Obgleich der vierte Teil der vorhandenen Bergwerke genügen würde, um den Weltbedarf an Kali zu decken, entstehen fortgesetzt neue Schächte. Die bis- her erzielten hohen Gewinne der Kaliindustrte habe» auf das Kapital so anreizend gewirkt, daß eS, von einem wahren Taumel erfaßt, immer neue Gründungen ins Leben ruft. Und sie alle, die ihr Geld in Kalikure stecken, hoffen auf reichliche Verzinsung, obivoh! daS bei einfacher Ueberlegung als ausgeschlossen gelten muß. Ani Ende des Jahres 1914 werden mindestens 200 Kali- gruben'förderfertig dastehen und 100 andere sind im Bau be- griffen. Da aber der Verbrauch an Kali bei weitem nicht so schnell zunimmt, ist ein großer Krach in der Kaliindustrie unauSbleib- lieh. Daran wird das projektierte neue Kaligesetz kaum etwaS ändern, vielmehr wird hier daß Sprichwort eintreffen:»Die letzten beißen die Hunde." Allzuweit sind wir von diesem Zeitpunkt kaum noch entfernst DaS gebt aus verschiedenen Einzelerscheinungen bereits hervor. So w urden kürzlich in Hannover vom Gerichtsvollzieher 49 Kuxe der Soltauer Kaliwerke zum Verkauf ausgeboten. Hätte es sich um die Anteilscheine eines alten Werkes gehandelt, so hätte der Gerichtsvollzieher feine 70— 100 000 M. von bannen tragen können. So aber handelte es sich um die Anteile eines Werkes, das im Abteufeln begriffen ist und noch erhebliche Zubußen einziehen muß. Da fand ssty nach langem Besinnen ein Käufer, der für alle 49 Kuxe— 15 M. bezahlte! Die Zubuße ist überhaupt das Schmerzenskind aller Kuxen- inhaber, und den Besitzern von Soltauer Kaliwerke n-Anteilen kann man es schon nachfühlen,, wenn sie ein Haar in der Suppe finden und ihre Papierchen gern wieder los sein wolle». Seit Anbeginn haben fie feste blechen müssen. Einmal waren es 40 W. pro Kuxe, bann 115 M., dann wieder mal 85 M. Schließlich wurde es ihnen zu dumm und sie warfen den kitzlichen Paragraphen aus dem Statut hinaus, der sie zur unbeschränkten Zahlung von Zu- büßen zwang. Geholfen war damit nicht viel— um ihr Geld in dem angefangenen Bau nicht stecken zu lassen, mußten sie eben doch wieder in den Beutel greifen. So entstanden nach und nach ein hölzerner Schachtturm, Bureau- und Magazingebäude, Dampf- kessel und Maschinen kamen zur Aufstellung, und im Mgi 1913 konnte der Grubenvorstand stolz berichten, daß auch der Schornstein mit 65 Meter Höhe sich fertig präsentiere Seitdem haben die Soltauer GeWerke wieder mehrmals Zubußen entrichtet, sahen sie doch etwas für ihr Geld. Nun ist aber anscheinend einigen die Geduld ausgegangen, wie man aus der Kuxenauktion schließen kann. Es wird aber noch mancher Tag vergehen, ehe das erste Pfund Kali gefördert werden kann. Wären die Gewerke von ihren Profitwünschen nicht gar so hypnotisiert gewesen, dann hätten sie längst merken können, wie der Hase läuft. Denn alle paar Monate wechselten die Mitglieder des Grubenvorstandes, die ganze Leitung glich einem Tauben- schlage. Allerhand Leute mit repräsentablen Titeln probierten ihr Gründertalent und schlugen sich nach einiger Zeit wieder in die Büsche. Da waren: ein Dr. jur. und Rechtsanwalt, ein Berg- meister a. D., ein Bankier, ein Major a. D. und ein Justizrat. Die Tätigkeit dieser Herren war zwar nicht unrentabel, wie au? den Geschäftsberichten hervorgeht, doch wollen sie lieber aus der Deckung dem Laus der Dinge folgen. Die letzte Arbeit der gegen- wärtigen Leitung bestand darin, daß fie von einer Kommission ein« Prüfung der Bücher vornehmen ließ, wofür jedem Mitgliede der Prüsnngslommission täglich 100 M. gezahlt wurden. Das wird nicht nur den Neid manches KuxenbefitzerS erweckt haben, sondern auch den der Arbeiter, die wegen der schlechten Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Frühjahr 1013 streiken mußten.— Polnische Wirtschaft! Die Kalikapitalisten mögen ihren Gott bitten, daß fie nicht allgemein wird!_ Letzte Nachrichten. Au» dem Rochette-Ausschuß. Pari?, 23. März. In der heutigen NachurittagSfitzung lehnte «S Maitre Be r n a r d neuerlich ab, seinen unbekannten Gewährs- mann zu nennen und über seine Unterredungen mit Caillaux Auf- schluß zu geben. Diese Ablehnung sei endgültig. Auf Bitten Caillaux erklärte er. daß sein Gewährsmann mit Caillaux nicht ibentisch sei. Briand erinnerte an die Interpellationen über die Rochette-Angelegenheist auf die er habe antworten müssen und betonte, daß er eine durchaus korrekte Rolle gespielt habe, von Anfang der Sache an habe er dem Staatsanwalt Anweisung gegeben» Rochette streng zu überwachen, und wenn er verdächtig erscheine, ihm vor Eröffnung einer Untersuchung fragen zu lagen, ob er eine Nachprüfung seiner Bücher zulassen wolle. Weitere Erklärungen der englischen Regierung. Lvndon, 28. März.(95. T. B.) Unterhaus(Fortsetzung). Premierminister ASqnith wiederholt, daß die ergriffenen Maß. nahmen reine Schutzmaßnahmen gewesen seien. Di« Regierung habe nicht die Absicht, weitere Schritte zu unternehmen. Äeneral Paget seien keine besonderen In st r u k t i on'�Ui gesandt worden außer den bereit? erwähnten, die mit den er» griffenen Maßregeln zusammenhingen, und außer den allgemeinen Instruktionen an alle Kommandeure, in denen sie darauf hin» gewiesen würden, daß eS ihre Pflicht wäre, den Zivil- bchörden beizustehen, und in denen vorgeschlagen werde, daß die im Unruhegebiet beheimateten Offiziere nicht dort verwendet werden svllten. DaS habe nichts mit Bürgerkrieg zu tun, sondern daS gleich« Vorgehen würde eingeschlagen worden sein, wenn e» sich um einen Ausstand handelte. ES sei Tatsache, daß einige Offizier« die von General Paget an sie gerichteten Bemerkungen und Fragen in weitem Sinne ausgelebt hätten, doch sei der Armee- rat überzeugt worden, daß«in Mißverständnis vorgelegen habe(Lachen bei der Opposition). Unter diesen Ofsizieren habe sich auch General Gough befunden, einer der ausgezeichnetsten Kavallerieführer, aber er und sämtliche Offiziere seien bedingungs» los auf ihre Posten zurückgekehrt. Asgmflj besprach dann die von Bonar Law über die Pflichten dex Armee zum Ausdruck gebrachte» Ansichten und sagte, wenn Laws Doktrin von eine: großen poli- tischen Partei angenommen würde, so würde der ganze Bau de? Staate» zerstört werden. Balfour spottete über die Bemühungen der Minister Asquith und Seely, daS, was in der Arme« geschehe» sei, als geringfügig hinzustellen. Er erklärte, die von Asquill) erwähnten Instruktionen seien für Ulster bestimmt. Gough habe seine Entlassung nachgesucht, weil er glaubte, er Werve den Befehl erhalten, gegen Ulster vorzugchen. Er sei entlassen worden, weil er nicht gegen Ulster kämpfen wollte und sei wieder eingestellt wor- den. obwohl er bei seiner Erklärung blieb, daß er nicht gegen Ulster kämpfen werde.(Lachen bei der Opposition.) Die Debatte im Unterhaus dauerte fast Ave» Stunden. Während der ganzen Zeit war daS HauS gedrängt voll und es herrschte große Erregung. Es kam zu mehreren. Unterbrechungen, besonder» während der � Rede deS Premierministers ASquith. Ramfay Macdonald erklärt«, wenn Gough nicht bereft fei, feine Pflicht zu tun, so sollte er auch nicht in der Armee bleiben. Macdonald warf ferner Bonar Law vor. er predige syndikalistische Sehren, welche einen Larkin inS Gefängnis bringe» würden. Der Absolutismus anf dem Marsche. Wien, 23. März.(23. T. B.) Die morgige„Wiener Zeitung" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnng, durch die die Regierung, ermächtigt wird, den Betrag von 375 000 000 Kronen durch eine Krvditoperatrou zubeschaffen._ Vertagung des japanische» Reichstag«». I Tokio, 23. März.(W. T. B.) Ein kaiserlicher Erlaß ordnet die Vertagung des Reichstages am 23. März an. DieS ist gleichbedeutend mit einer Auflösung desselben, und wen« kein weiterer Erlaß dir Session verlängert, so wird da» Budget für 1913/14, anf das für 1914/16 Anwendung finde»,»Nd d i e M a r i u e wird 0!� Millionen Pfund Sterling verliere»« die in diesem Jahre im Etat für fie ausgesetzt waren. Generalstreik in Peru. Lima, 23. März.(W. T. B.) Hier ist der G e neratn ____. streik erklärt worden. Handel und Verkehr ruhen. Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BeriagSanstatt Paul Singer& So., Berlin SW. Hirrjui? Prilirnm u NiitseljeNmmM Diese Woche: Großer Schuh- u. HERMANN TIETZ Strumpf Verkauf LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE 6 Waggon Glas- Porzellan- Steingut zu enorm billigen Preisen 78 Pressolasservice, Diamant" Tafel- und Kaffee- Seriengeschirr, Wasch- Garnituren Baccaratschliff Imitation Stück 5 Pf. Kompotteller. Kuchenteller Stück 28, 55 Pt. rund oder 8, 15 bis 48 Pt. Kompotieren viereckig Kompotieren oval.. 28, 38, 48 PL. 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So intereffant nun auch die Ausführungen des Staatsanwaltes sein mögen, auch die Irrungen bei der Anwendung der zur Berurteilung benötigten Baragraphen, alles dies wird in den Schatten gestellt durch die meisterhafte und aufrechte Verteidigungsrede unserer Genossin Luxemburg. Diefer Prozeß wirkt aufpeitschend. Sorgt für eine Maffenverbreitung dieser Broschüre! Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW 68, Lindenstr.69 Lege- Hühner, garantiert junge, beste Leger, reell und billigst, rmpfiehlt F. Wegner, Berlin SO, nur Mariannenstr. 34. Asthma wird in heilbaren, wenn auch veralteten Fällen behoben durch meine glänzend bewährten Asthmatropfen, Flasche 2.50 M. Bei starken An fällen sofortige Hilfe durcb Indische Asthmakräuter, Kart. 2.00 M. Garant. unschädlich! VorNachahm.jed. Art sei gewarnt! Otto Reichel, Berl.43, Eisenbahnst.4 Möbel- Cohn 2. Gr. Frankfurter Str. 58| Grüner Weg 109 Bitte, genau auf meine Hausnummern zu achten! 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Der Gau umfaßt die Provinzen Brandenburg( einschließlich Berlin), Posen, Preußen, Pommern und beide Mecklenburg. Dienstag, 24. März 1914. Sie nimmt das Inserat, wie so viele andere zweifelNachdem ihr die erschreckten Christenauf eine gottserbärmliche Art aus der Klemme zu ziehen. Sie Die führer auf die Bude gerückt, sucht sie sich in der Sonnabendnummer bringt folgendes Gestammel hervor: 1 Stimme. Für ungültig erklärt wurden 113 Stimmen, darunter das nicht an. 73, welche auf die lektgenannte Liste abgegeben wurden und durch bastester Art, unbesehen auf! Umränderung äußerlich kenntlich gemacht worden waren. Verteilung der Ausschußmitglieder wurde auf Grund der Stimmen zablen vom Kassenvorstande wie folgt festgefeßt:-2 Delegierte für Liste 1, 44 Delegierte für Liste 2 und 4 Delegierte für Liste 3. Auf jede Liste entfallen die doppelte Anzahl Stellvertreter. " „ Auf der Grube Hostenbach im Saarrevier haben die Bergleute die Kündigung eingereicht. Anscheinend bezieht sich ein in der Essener Bollszeitung" veröffentlichtes Inserat der Firma Eduard Langer, Lazarettstr. 24, wonach Bergarbeiter gesucht werden, auf diese Grube. Die weitere Aufnahme des Inserats ist von uns sistiert worden. Die Firma Eduard Langer ist eine Filiale der Streifbrecherfirma Meyer& Lindberg in Hamburg. Den gesuchten Bergarbeitern wird ein Mindestlohn von 5,50 M. zugesichert, während die im Streit befindliche Belegschaft mit ihren Hauerlöhnen im Durchschnitt nicht an den angebotenen Mindestlohn heranreicht. Wir warnen also ausdrücklich vor der Gummifabrik( Abteilung Formerei) dauert fort. Der BetriebsAchtung, Gummiarbeiter! Der Streif in der Norddeutschen leitung ist es bis heute trok größter Anstrengungen nicht gelungen, Aus dem Geschäftsbericht des Gauleiters Ohngemach vor notwendig, daß der Betrieb von qualifizierten Arbeitskräften brauchbaren Ersatz zu bekommen, und ist es deshalb nach wie geht hervor, daß der Gau im 1. Vierteljahr 1912 in 10 Zahlstellen streng gemieden wird... 1379 Mitglieder zählte. Im Laufe des Jahres wurden 8 neue Zahlstellen gegründet, die Mitgliederzahl war Ende 1912 auf 1500 ge= Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. stiegen. Im Jahre 1913 gingen zwei Zahlstellen ein. Die Mit- Tapezierer! Filiale Berlin. Wegen Tarifdifferenzen gliederzahl, die im 1. Vierteljahr 1913 noch ein wenig ge- ist, die Werkstatt von 3eschte, Romintener Straße 11, für stiegen war, ging dann infolge der schlechten Konjunktur etwas Bolsterer gesperrt. Die Schlichtungskommission. zurück und belief sich Ende 1913 auf 1438, die sich auf 16 ZahlDaß Eduard Langer Streifbrechervermittler ist, weiß in Essen stellen verteilen. Die größte Mitgliederzahl Achtung, Schildermaler! Die Differenz bei der Firma sicher jedes Kind. Nur in der„ Essener Volkszeitung" braucht man auf Berlin. Die Lohnbewegungen in den beiden Jahren er- gebote sind demnach zu unterlassen. Nach den letzten Ermittelungen wird, haben die zweifelhaftesten Gestalten sich auf das Inserat bei Bunsow, Müllerstr. 3, ist noch nicht beigelegt. Arbeitsan- das nicht zu wissen. Wie der„ Essener Arbeiterzeitung" mitgeteilt streckten sich auf tampflose Erneuerungen der Tarife in ver- soll die Firma Sonntag u. Co., Bankow, Hiddenjöestr. 12, Herrn Langer eingefunden. schiedenen Zahlstellen, wobei wesentliche Vorteile erreicht wurden. Arbeiten für obige Firma fertigstellen. Vorsicht ist also angebracht. wird ihre Freude daran haben, wenn sie diese Sorte Hauer" ins Die Verwaltung von Hostenbach Auch in den neugegründeten Zahlstellen sind Tarife abgeschlossen worden. 1012 tommt Verband der Porzellanarbeiter, Zahlstelle Berlin. In der Diskussion, die sich meist um örtliche Angelegenheiten Aus dem Fleischergewerbe. Die Differenz bei der Firma drehte, wurde auch geklagt über Grenzstreitigkeiten mit dem Fabrik- Rademacher, Neukölln, Fleischerei Weserstr. 212, ist beigelegt. arbeiterverband hinsichtlich der Kaltstein- und Kunststeinarbeiter. Die Sperre ist aufgehoben. Ein Abkommen mit diesem Verbande wurde als notwendig erDie Tariffommission der organisierten Fleischergesellen. klärt. Hierzu bemerkte Siebold als Vertreter des Zentralvorstandes: Gemäß einem Beschluß des Verbandstages habe der VorDeutsches Reich. stand versucht, einen Kartellvertrag mit dem Fabritarbeiterverbande zu vereinbaren, der Versuch sei aber gescheitert. Der Fabrikarbeiterverband sage nicht mit Unrecht, der Steinarbeiterverband habe sich früher nicht um die Arbeiter gefümmert, die er jetzt dem Fabritarbeiterverband, der sie gewonnen habe, nehmen wolle. Nach Erledigung des Geschäftsberichts wurde über Agitation und Organisation verhandelt, und beschlossen, den Gau in sechs Agitationsbezirke einzuteilen, wodurch gewisse Erleichterungen bei den Agitationsarbeiten geschaffen werden. Ferner wurde beschlossen, beim Verbandstage zu beantragen, daß Gehalt und Bureaumiete für die Lokalbeamten aus der Hauptkasse bezahlt wird, die Lokalbeamten im Gehalt mit den besoldeten Gauleitern gleichgestellt werden und den unbesoldeten Gauleitern eine Entschädigung von 100 Mt. jährlich gewährt wird. Anwerbung." Loch bekommt. Streit an der Kölner Rheinbrücke. Am Montag vormittag find die an den Uferpfeilern der neuen Rheinbrüde beschäftigten Arbeiter ausständig geworden. Die Arbeiter hatten Forderungen auf Grhöhung der Stundenlöhne gestellt und legten, als diese nicht bewilligt wurden, die Arbeit nieder. Die Forderungen wurden damit begründet, daß die Arbeiter bei hohem Wasserstand öfter gezwungen sind, die Arbeit einzustellen, wodurch der Lohn erheblich geschmälert wird. Der Soziales. Aus dem Gewerbegericht. Der Verband der Schneider im Jahre 1913. Der Rechnungsabschluß des Vorstandes fonstatiert in seinem Bericht einen Rückgang der Mitglieder von 50 004 auf 48 712, also einen Verlust von 1292 Mitgliedern. Dieser Rückgang ist ausZum Streik auf der Zeche Hostenbach. schließlich auf das Konto der Fluktuation der weiblichen Mitglieder zu setzen, da besonders die Konfektions- und Wäscheindustrie, in der Vorstand des Bergarbeiterverbandes erläßt folgenden viel Arbeiterinnen beschäftigt werden, start unter dem schlechten Ge- Aufruf: schäftsgang zu leiden hatte. Die Zahl der männlichen Mitglieder Achtung! Bergarbeiter! Achtung! dagegen ist stabil geblieben, sie weist sogar noch eine kleine Zu- Auf der Grube Hostenbach im Saarrevier stehen die Arbeiter nahme von 68 Mitgliedern auf. Nach dem Durchschnitt der Mit- im Streit. Der Streit wird vom christlichen Gewerkverein der gliederzahl berechnet, hat der Verband feinen Verlust zu verzeichnen, Bergarbeiter geführt. Obwohl dieser uns nicht verständigt hat, denn der Durchschnitt betrug 1912 49 533 Mitglieder, 1913 aber so werden wir unsere Mitglieder doch entsprechend den Bestimmun49 978, demnach ein Mehr von 448 Mitgliedern. gen unseres Streifreglements unterstüßen. Da Agenten bereits an Hierauf beschäftigte sich die Konferenz mit der vom ZentralEin wesentlich günstigeres Bild weist der Kassenabschluß auf. Der Arbeit sind, um Streitbrecher anzuwerben, so rufen wir allen borstand veröffentlichten, vom Verbandstage zu beratenden Vorlage Der Hauptkassenbestand betrug am Schluß von 1918 1118 479 M. Vergarbeitern zu: Haltet den Zuzug nach Grube Hostenbach streng über die Einführung der Arbeitslosenunterstützung bei gleichzeitiger Das bedeutet ein Mehr gegen das Jahr 1913 von 290 926 M. Auf fern. Keiner darf an den im Stampfe stehenden Arbeitsbrüdern Erhöhung des Beitrages um 10 Pf. und Leistung des vollen Bei- die verhältnismäßig geringeren Ausgaben für Lohntämpfe im Be- zum Verräter werden. Hoch die Solidarität aller Arbeiter! trages durch die Erwerbslosen. Gegen den letteren Vorschlag richtsjahre ist dieser günstige Kassenbestand zurückzuführen. DemMit Glückauf! wandten sich, nachdem Siebold die Vorlage des Vorstandes gegenüber steht eine starke Mehrausgabe für Kranken- und Reise- Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands. empfohlen hatte, mehrere Diskussionsredner, besonders die Berliner unterſtügung, die mit auf das Konto der Arbeitslosigkeit gejezt werden Delegierten Winkler und Franke. Es wurde betont, die Forderung müssen. Der diesjährige Verbandstag, der im August in Nürnberg des vollen Jahresbeitrages werde die Vorlage zu Falle bringen. stattfindet, soll sich mit der Einführung der Arbeitslosenunterſtügung Wenn der Vorstand diese Forderung fallen lasse, dann werde sich beschäftigen. über alle andere Einzelheiten der Vorlage reden lassen. Eine Das Tarifvertragswesen hat im Jahre 1913 eine starte Qu Reihe von Anträgen, welche zur Erwerbslosenunterstützung vor- nahme erfahren. Erneuert wurden troß der Krise 97 Tarife für Tagen, wurden den Verbandstagsdelegierten als Material über- 2718 Betriebe mit 22 461 Personen. Neu abgeschlossen wurden wir über die Zurückweisung eines Arbeitervertreters durch die wiesen. 48 Tarife für 467 Betriebe mit 2129 Beschäftigten. Der Gesamt- Rammer VII des Gewerbegerichts unter Vorsitz des MagistratsWeiter wurde noch beschlossen, den Gaubeitrag von 10 auf bestand an Tarifverträgen betrug Ende 1913 433 Tarife für 10 159 assessors Dr. Berthold. Die Gründe, die wir damals gegen 15 Pf. zu erhöhen. Die nächste Gaukonferenz findet in Betriebe mit 88 481 Beschäftigten. Die Einführung eines ReichsBütow statt. tarifes für die Maßschneiderei ist bekanntlich für 1916 in Aussicht diesen Entscheid anführten, sind durch nichts entkräftet. Dennoch genommen. Die zentralen Verhandlungen mit den Fabrikanten in lehnte gestern der andere Teil der Kammer VII, dessen Vorsitz der Herrenkonfektion, die im Jahre 1913 wegen Abschlusses eines Magistratsrat Dr. Gerth inne hat, gleichfalls einen anderen Vereinheitlichen Vertragsmusters stattfanden, find gescheitert an der treter eines Schiffers ab. Bisher ist derfelbe Vertreter stets zuFrage des einheitlichen Ablauftermins für sämtliche Tarifverträge in gelassen worden. Lediglich weil er mehrfach eine Vertretung der Konfektion. übernommen hat durchschnittlich etwa drei im Jahr ist er jetzt als gewerbsmäßiger Vertreter angesehen worden. Das heißt denn doch den Begriff der gewerbsmäßigen Vertretung recht start verkennen. Während man an anderen Gewerbegerichten gerade den umgekehrten Weg gegangen und von der früheren Ablehnung zur Zulassung gekommen ist, wird die Rechtsprechung des Berliner Gewerbegerichts immer rückschrittlicher. Sehr zum Nachteil der Binnenschiffer. Darauf aber fam es einzig und allein dem Ver treter der beklagten Firma, des„ Berliner Lloyd" an, denn er wußte nichts weiter gegen den klägerischen Vertreter einzuwenden, als daß er- sich mit Energie der Sachen annehme. Gegen den Entscheid wird wohl der Beschwerdeweg beschritten Achtung, Gastwirtsgehilfen! Zur Sperre Wildgrube", Brunnenstraße 173, Inhaber Föllmer, ist mitzuteilen, daß Herr Föllmer von anderen Instanzen abhängig zu sein scheint, welche ihn daran hindern, mit der Organisation tarifliche Vereinbarungen zu treffen. Herr Föllmer hat sich seinen Gästen gegenüber ausgesprochen, daß er ja unterschreiben könnte, er bekomme dann höchstens einen Rüffel dafür. Anderen Besuchern des Lotals verfuchte Herr Föllmer die Differenz mit der Organisation in unzutreffender Weise darzustellen. Es sei deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß Herr Föllmer, nachdem mehrere Male verhandelt worden, jede Vereinbarung mit dem Verbande abgelehnt hat. Der Betrieb ist für organisierte Gastwirtsgehilfen gesperrt. Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung I. Eine blau- gelbe Niederlage. Die Wahlen zum Ausschuß der Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde Berlin, welche am Montag, den 16. März d. J., ſtattfanden, haben mit folgendem Ergebnis abgeschlossen: Im ganzen wurden 11 734 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Liste 1 ( aufgestellt vom Deutschen Metallarbeiterverband und Deutschen Transportarbeiterverband) 550, auf Liste 2( aufgestellt vom Verband der Gemeindearbeiter und dem Verband der Bureauangestellten) 10 013, auf Liste 3( blau- gelbe Vereine) 1057, auf Liste 4 Kleines Feuilleton. Barabas. Der Schriftsteller Lucien Descaves gab in Verbindung mit dem Zeichner Steinlen unter dem Titel„ Barabas" ein merkwürdiges und originelles Buch heraus. In dem Buche ist in Wort und Zeichnung der Typ von Menschen gezeichnet, den wir Deutsche Stromer" nennen, womit die Mütter ihre Kinder erschrecken und der auch der Schrecken und erger aller guten Spießbürger ist, die gut angezogen sind und noch ihr Essen haben. Die einzelnen Kapitel des Buches sind unterbrochen durch sogenannte „ Worte aus unserem Jammertal", in denen der" Stromer" seinen Zorn und seine Rührung zum Ausdruck bringt. Hier einige dieser Aussprüche: ,, Es gibt eine Hölle. Glaubt mir, denn ich sage das nicht aus Aberglaube, sondern aus Erfahrung. Bunder? Ich vollbringe jeden Tag eines- ich lebe. Hilf dir selbst, denn der Himmel hilft dir nicht. Der heilige Matthäus erzählt: n dieser Zeit, es war an einem Sabbat, ging Jesus durch ein Getreidefeld; seine Jünger, welche Hunger hatten, rissen Aehren ab und aßen die Körner." Wieviel Monaten Gefängnis würde ich mich heute aussehen, wenn ich dieselbe Handlung beginge? Man soll der öffentlichen Wohltätigkeit nichts nachreben. Sie kommt den Bedürfnissen eines zahlreichen Angestelltenpersonals entgegen. Ich schlage vor, daß der nächste Krieg mit den Worten erklärt werde: Söhne des Alkohols zu den Waffen! Der Tag des Delirium tremens ist gekommen. Welch trauriges Schauspiel, dieses Ererzieren der Soldaten! Wie viele Bewegungen für die Knechtschaft wo eine einzige genügen würde für die Befreiung! said Streifbrecherinserate in einem bachemitischen Zentrumisblatt. Die„ Essener Volkszeitung" geriert sich besonders gern als Für sprecher der christlichen Gewerkschaften. Namentlich mit dem Gewert berein christlicher Bergarbeiter, der ja seinen Siz in Essen hat, steht fie in engster Verbindung. Die Profitsucht des Verlags, die sich in einer geradezu wahllosen Aufnahme von allen möglichen Inseraten äußert, hat nun dem Blatte und seinen Gönnern aus christlichem ager einen bösen Streich gespielt. Die Essener Bolkszeitung" brachte am Freitag folgendes Inferat: Bergleute. 200 Hauer, Lehrhauer und Schlepper sofort gesucht. Guter Lohn. Meldungen: Essen, Lazarettstr. 24." In jetziger Zeit 200 Hauer ust. auf sofort gesucht, ohne Angabe der Zwecke, das fällt jedem mit den Verhältnissen im Ruhrgebiet halbwegs Vertrauten sofort auf. Die„ Essener Volkszeitung" ficht Ju Nr. 13 des Vorwärts" vom 14. Januar d. J. berichteten werden. H ,, Landarbeiterfürsorge". Das Wolffsche Telegraphenbureau meldet: Danzig, 23. März. Eine bemerkenswerte Maßnahme zur Hebung der sozialen Lage der Landarbeiter hat die KaiserHumor und Satire. Berlin in Aegypten. Eine Völkerwanderung Berliner Sänger fiel in Aegyten ein. An dem Fuß der Pyramide Ein Blatt, das in die Welt hineinpassen soll, muß über anschmieg-[ halte, denn ich möchte doch wenigstens, daß mich meine Gegner same Federn verfügen. Sie müssen Augen und Ohren für alles hören, bevor sie gegen mich stimmen. Was der Bürgerhaben und groß fein in der Lieferung pikanter Details. Nun, der, meister darauf geantwortet hat, erzählt die Geschichte nicht. der da für den Deutschen Kurier" mit dem Prinzen Heinrich nach Südamerika trabt, ist kein Stümper. Er hat schon den letzten Winkel des Dampfers ausgeschnüffelt, der mit dem Prinzen Heinrich an Bord die erste Ausreise angetreten hat. Das Prinzenpaar legt Wert darauf, daß durch seine Anwesenheit der normale Gang des Bordlebens in feiner Weise gestört werde, aber daran kehren sich die glücklichen Passagiere nicht. Sie warten bei den Mahlzeiten mit dem Betreten des Speisesaals, bis das Prinzenpaar erschienen ist. Und so bildet sich dann regelmäßig mittags und abends ein amüsantes Spalier hungriger Gemüter. Aber Prinz Heinrich hat auch selbst guten Appetit und findet sich zum Lunch wie zum Diner mit erfreulicher Pünktlichkeit ein." Daß ihn bloß nicht eines Tages der gute Appetit verläßt! Das könnte in den ohnehin schon nicht normalen Gang des Bordlebens die allerschlimmste Wendung bringen. Die„ kleine Courtoisie", die man dem Prinzen erweist, könnte als eine große Katastrophe enden. Die Passagiere würden den Speisesaal nicht betreten. würde ins Unerträgliche wachsen. Wie die Fliegen würden sie hinIhr Hunger sinten und eines elenden Todes sterben. Gott erhalte dem Prinzen den guten Appetit. Wir sind feine Unmenschen. Stehn die Schulzen, Lehmanns, Schmide. Noten in der Faust geballt. Plötzlich winkt der Stock des Tattes Hell ertönt's und alle packt es: " Wer hat dich, du schöner Wald--?" Mit verzückter Heldenmiene Hüpft der Wüstenbeduine In der Töne füßes Reich. Durch die unterbroch'ne Stille Lauschen schluchzend Krokodile Und dem Nilpferd wird es weich. Braucht's noch Waffen? Braucht's noch Schiffe! Braucht's noch Diplomatentniffe Und das viele, viele Geld? Schenkt euch das politsche Schtafeln! Deutschland singt durch Liedertafeln Und erobert so die Welt! ( Natatöstr im, Simplicissimus".) Notizen. Das Wahlrecht der toten Seelen". Wie der unsterbliche Held des Gogolschen Meisterromans die verstorbenen Leibeigenen als tote Seelen" aufkauft und dadurch ein reicher Mann wird, so spielen diese" toten Seelen" auch bei den französischen Wahlen, die jest wieder bevorstehen, eine gewisse Rolle. Es kommt nämlich öfters vor, daß man auch Verstorbene, die noch in den Wahllisten stehen, ihre Stimme abgeben läßt, um so die Stimmenzahl zu China in Berlin. Nach langem Suchen nach einem erhöhen. Eine lustige Geschichte von diesem Wahlrecht der toten neuen Drama ist dem Deutschen Theater endlich gelungen, eines zu Ich werde an Philanthropie glauben, wenn der Reiche seine Seelen" erzählt ein französisches Blatt. Der Kandidat war das finden. Das Stück heißt, Die gelbe Jade" und dessen Autor neuen Strümpfe den Armen geben wird, anstatt daß er geruht, den, und zwar waren diese entscheidenden Stimmen gerade die gnügt sich mit einem chinesischen Schauspiel„ Mo 23u" zweier borigemal von seinem Gegner um einige Stimmen geschlagen wor- foll ein alter Chinese sein. Das Königgräßische Theater bcihn die alten auftragen zu lassen. Ein Richter fragte mich:" Haben Sie nur ein einziges Mal gewesen, die der Bürgermeister der Stadt dem Gegner aus der Engländer, das in London Erfolg hatte und nun als Ersatz für die eine Händearbeit verrichtet?" Zahl der Toten zur Verfügung gestellt hatte. Dieses Jahr stellt sonst vorgesehenen Novitäten dienen soll. Ich antiwortete:„ Sie?" er sich nun bei dem Bürgermeister wieder ein, um sich von neuem Die Deutsche Friedensgesellschaft( Drtsals Kandidat einzuführen, und bemerkt folgendes: Wenn Prinzen reisen. Die ersten Berichte über die Südamerika- Bürgermeister, die Sachlage ist folgende: Ich habe, wie Sie wissen, 82 Uhr, im Charlottenburger Rathause eine öffentliche Versammlung Mein lieber gruppe Berlin) veranstaltet am Dienstag, den 31. März, abends Reise des Prinzen Heinrich sind bereits glücklich eingetroffen. Und die größten Aussichten, gewählt zu werden, denn ich habe in den zu Ehren des Professors an der Pariser Universität Charles Richet. sie sind so wenig trocken, daß es die Bürger nach den weiteren lezten Jahren gewiß keine einzige Stimme verloren. Aber Sie Dieser mit dem Nobelpreis gekrönte französische Gelehrte wird in dürsten muß. Der Deutsche Kurier", der einen Vollblutrenner aus wissen ja am besten, daß ich das vorigemal wegen der Stimmen deutscher Sprache einen Vortrag halten über: Die Möglichdem Stalle Byzanz reitet, hat ein großes Rennen gemacht. Der der Toten durchgefallen bin. Ich möchte Sie also bitten, mir feit einer freundschaftlichen Annäherung zwischen Favorit Scherl ist mit mehreren Nasenlängen geschlagen worden. I doch zu gestatten, daß ich eine fleine Wahlrede auf dem Kirchhof Frankreich und Deutschland." " PP 11 " Kleine Notizen. liche Gutsherrschaft in Cabinen getroffen. Auf ihre er- Dauer" und siedelte im Jahre 1911 nach Berlin über. Die„ Sparia" anlaffung wird für jeden Arbeiter eine Versicherung in Soe beschäftigte fich Saut Prospekt in verschiedenen Abteilungen mit von 1000 m. bei der Provinzial- Lebensversicherungsanstalt Best Darlehnsbermittelungen"." Finanzierung von Patenten im In- Graf Renard" bei Sosnowice stürzte das Gewölbe eines Schwerer Grubenunfall in Russisch- Polen. In der Kohlengrube preußen abgeschloffen. Die Kosten hierfür werden, abgesehen von einem und Auslande"," Auskunftserteilung jeder Art über Firmen und Ganges ein. Von den verschütteten Arbeitern wurden vierge= fehr geringen Zuschuß der Arbeiter, von der Gutsherrschaft getragen. Personen" und" Finanzierung von Hypotheken". Nach den Er- tötet, mehrere andere schwer berlebt. Das erwähnte Rapital wird beim Tode des versicherten Arbeiters an seine Hinterbliebenen, beim Erleben des 55. bis 65. Lebensmittelungen der Anklagebehörde bestand das Darlehnsgeschäft in Ein fiebzigjähriger Raubmörder. In Augsburg wurde der jahres( je nach Eintrittsalter) an ihn selbst ausgezahlt. Die Ver der Hauptsache in der Annahme von Leuten, die Geld suchen, als Jäger Saulbacher in seiner Wohnung ermordet und befügung über ein Kapital gibt dem Landarbeiter die Möglichkeit, Abonnenten" oder Mitglieder, die 2 bis 3 Jahre lang einen Bei raubt aufgefunden. Der Täter, ein siebzigjähriger Tagejich jeßhaft zu machen. Der großzügige Plan der Gutsherrschaft trag von 10 bis 15 M. zu zahlen hatten, wozu fie fich durch Inter- löhner, wurde verhaftet. Cadinen soll, wenn er auch von seiten anderer Landwirte Nachahmung schrift einer Beitrittserklärung verpflichteten. Dafür erhielten fie schaft in Hamborn ein Kellner namens Schuster und ein Das Meffer. In der Nacht zum Montag wurde in einer Wirt findet, dazu dienen, die Bodenständigkeit der Landarbeiterbevölkerung eine Abonnements- Mitgliedskarte zugestellt; wenn fie dann zwei Musiker namens Rottweiler von Italienern era zu fördern. and drei Jahre lang gezahlt hatten und einsahen, daß sie geprellt it o chen. Drei Italiener wurden verhaftet, " " Die Bandarbeiter erhalten danach nicht eine Erhöhung waren, da jede Gegenleistung ausblieb, weigerten sie sich weiter ihrer Löhne. Es wird vielmehr nur anerkannt, daß die Ver- zu zahlen, hatten dann aber die Rechnung ohne Herrn Hübner ficherungsgesetzgebung, für die den Arbeitern 5 Proz. direkte gentacht, denn, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt hatten, glaubte Reichssteuern auferlegt sind, völlig unzulänglich ist. Würden Herr Hübner, daß sie in alle Ewigkeit Mitglieder bleiben müßten die Landarbeiter hinreichende Löhne erhalten, so könnten sie und strengte Slagen über Klagen an. Im Zeitraum von 1% Jahren bei der„ Volksfürsorge" Versicherungen in Höhe von 1000 M. follen etwa 980 Prozesse dieser Art die Gerichte beschäftigt haben. leicht selbst nehmen. Das Wolffsche Bureau verschweigt, ob Die Staatsanwaltschaft ist der Tätigkeit der Sparia" in ihren ein- i die Landarbeiter in jedem Fall die Versicherungs- zelnen Abteilungen gründlichst auf den Leib gegangen, um den wirb summe erhalten oder mur, falls sie eine bestimmte Reihe von Schwindel, der nach ihrer lleberzeugung vorliegt, voll aufzubeden. Jahren in Cadinen aushalten. Es wird auch verschwiegen, Die gebrudte Anklage, die Staatsanwalt Dr. Gutjahr verfaßt wie hoch der Beitrag des Arbeiters ist. Demnach scheint eine hat, umfaßt 480 Seiten in Großquartformat; die Zahl der Zeugen Arbeiterfürsorge" von jener Art vorzuliegen, die wiederholt beträgt etwa 1500, die sich aus den verschiedensten Städten und in vielen Fällen zu einer Arbeiterplage wird, ihre Freizügig anderen Ortschaften ganz Deutschlands rekrutieren. Die Verhandfeit hemmt, ihre Löhne senkt und dem Arbeitgeber einen lung wird etwa ein Vierteljahr dauern; vorläufig sind Sizungen Stamm billiger Arbeitskräfte sichert. vom 14. April bis zum Beginn der Gerichtsferien in Aussicht geGerichtszeitung. Erpresser oder auch verrückt. nommen. Der Verteidiger unter Aufficht. Aus aller Welt. Laffet die Kindlein zu mir kommen. Briefkasten der Redaktion. bis 6 Uhr abends Batt. Jeder für den Brieflaßten bestimmten Anfrage elu Buchkabe und eine Bahl als Mertzeichen beizufügen. Brieftiche Antwort sicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt i, serben nicht beantwortet. Eilige fragen trage man in der Sprechstunde ver verlangen. Kommt der Gläubiger dieser Aufforderung nicht nach, so muß 2. B. 78. Der Wirt lann Hinterlegung des Bersteigerungserlöses beim Amtsgericht ein hinterlegungsbeschluß erwirft werden, der dem GeAmtsvorsteher, der Bas ist notwendig. Falls Sie nicht militärpflichtig find richtsvollzieher vor der Versteigerung vorzulegen ist. 8.. 14. Beim und ein Strafverfahren auch nicht eingeleitet ist, macht es feine Schwierig einem zur Führung des öffentlichen Dienstsiegels berechtigten Beamten O.. 46. Am medmäßigsten durch persönliche Erklärung bei ( Bezirksvorsteber, Armenvorsteher, Schiedsmann, Borstand des Polizeirebiers).. Stempel 3 M. Sunt 77. 1. Sa. 2. Die Berufung ist inner halb Monatsfrist, von der Zustellung des Urteils gerechnet, formell zulässig. 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Dieser hat darauf, wie dem geführte Spediteur Alfred Neder aus Tempelhof und deffen Rechtsanwalt Dr. K. jest mitgeteilt worden ist, seitens des OberEhefrau Flora N. angeklagt. Wegen Beihilfe zur Urkunden staatsanwalts eine Berwarnung erhalten, in welcher auf das fälschung war ferner der Agent Franz Stienis mitangeklagt. böllig unguläffige seiner Handlungsweise hingewiesen worden ist. Der der Antlage augrunde liegende Sachverhalt führte in ein eigenartiges Milieu hinein. Vor etwa 15 Jahren wurde in dem fleinen Stäbchen Bentheim eine Ehescheidungsaffäre, die fich unter den Honorationen" der Stadt abgespielt hatte, zum Gegenstand lebhaftester moralischer Entrüstung. Der jeßige Angeklagte Neder fam im Jahre 1899 nach Bentheim, um dort eine Stellung in einem Speditionsgeschäft anzunehmen. Gr lernte dort seine jebige Ehefrau kennen, die seinerzeit mit dem Kreisbahndirettor Stemme Aus Hamburg wird uns geschrieben: Nachdem die Kirchenler berheiratet tvar. Zwischen beiden entstand ein Liebesberhält austrittspropaganda auch in Hamburg eingesetzt hat, hat die Arnis, an welchem schließlich noch als„ Dritte im Bunde" die Ehe- beitslaft der Herren Pastoren auch hier eine erhebliche Wermehrung frau des Amtsgerichtsrats Cramer partizipierte. Diefe Triolen erfahren, denn den Geistlichen steht bekanntlich das Recht zu, zwischen affäre in der Kleinstadt tam eines schönen Tages zur Entdedung der schriftlichen und der mündlichen Austrittserklärung auf bie und zwar auf eine für die Beteiligten recht überraschende Weise. Abtrünnigen" einzuwirken, um fie für die Kirche zurüdzu Die damalige Frau Kreisbahndirettor leitete gegen ihren Ghe- gewinnen. Bei dieser Gelegenheit weisen diese Serren mit bemann die Scheidungsklage ein. Dieser erfuhr im legten Augenblid, daß seine Frau mit dem jebigen Angeflagten in Beziehungen sonderer Vorliebe darauf hin, daß die Kirche ja ein sozialer Orfland und zwar foll dabei die Frau Amtsgerichtsrätin eine gewisse ganizmus sei, um beffentwillen schon fich die Mitgliedschaft lohne. Rolle gespielt haben, wie Reber jetzt behauptet. Die Klage der Wie unsozial aber die firchliche Auffaffung felbft in einer GroßFrau Stemmler wurde abgewiesen, dagegen wurde sie auf Widerstadt wie Hamburg noch heute ist, das beweist der Kirchenzettel der flage hin, nachdem Reder als Beuge vernommen woorden ivar, als protestantischen Gemeinde St. Michaelis für das Jahr 1914. Jn alleinschuldiger Teil angesehen. Ebenso wurde der Angeklagte, einer Aufzählung der sogenannten heiligen Handlungen heißt es, der ebenfalls verheiratet war, als schuldiger Teil gefchieden. daß Taufen in der Kirchenuran ehelichen Rinbern Während diese Prozesse schwebten, joll die Frau Amtsgerichtsrat bollaogen werben. Während alle wahrhaft fojial Empfindenden C., die mit ihrem eitva 20 Jahre älteren Mann sehr unglücklich lebte, nach wie vor zu Reder in Beziehungen gestanden haben. fich ernstlich bemühen, die Vorurteile, die man in manchen Kretsen Wie der Angeklagte und feine jetzige Ehefrau behaupten, foll sich unehelich Geborenen ahne jeden vernünftigen Grund entgegen alle Artikel z. Krankenpflege sogar, als der Amtsgerichtsrat starb und die Reiche im Neben zimmer aufgebahrt war, in dem Trauerhause ein dem Bacchus und der Venus geweihtes Fest abgespielt haben. Als der Angetlagte mit der damals gerade geschiedenen Frau Stemmler in folge der Standalaffäre Bentheim verlaffen mußte, half ihm die verwitwete Frau Amtsgerichtsrätin, die durch den Tod ihres Mannes zu einem größeren Vermögen gekommen war, schon aurzeit mit erheblichen Beträgen aus. Nachdem Reder dann in Tempelhof ein Speditionsgeschäft gegründet hatte, welches schlecht ging, wandte sich seine Ehefrau an die ehemalige Freundin und Mitwifferin der früheren Liebesabenteuer und bat fie um Geld. Die Frau C. gahlte auch viele tausend Mart freiwillig. Als sie sich schließlich weigerte, noch weitere Opfer zu bringen, gingen die Rederfchen Eheleute, wie die Anklage behauptet, mit den scham losesten Erpressungen gegen Frau C. vor, die feitdem feine ruhige Stunde mehr hatte und jeden Augenblid gewärtig sein mußte, daß die Angeklagten ihren Verwandten Mitteilung von den geschehenen Dingen. machen würden. Frau C., die wie ein gehebtes Wild von einem Orte zum anderen floh, aber immer wieder von den Reberschen Eheleuten ausfindig gemacht wurde, opferte auf jene Drohungen hin nach und nach 56 500 Mr. Als Reber schließlich auch die in angesehenen Stellungen befindlichen Verwandten der Frau C. mit Briefen beheiligte, erstattete sie endlich Anzeige und Reber wurde verhaftet. Die Anklage behauptet ferner, daß R. einen Wechsel über 10 000 m. mit dem Namen der Frau G. gefälscht und versucht habe, ihn durch den Mitangeklagten Stienis cintreiben zu lassen. + Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie empfiehlt St. Jakobs- Balsam bringt, zu beseitigen und sie vor ben vielfachen Zurüdsehungen zu bewahren, entblödet sich die Kirche, noch dazu die als besonders freiheitlich" orientiert geltende hamburgische Kirche nicht, biefe Fabrikant Pollmann, unehelich Geborenen schon im zarteften Alter au ächten.- Im jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. fächsischen Orte Roßwein freilich geht man noch einen tüchtigen Eigene Werkstatt. Lieferant für Schritt weiter. Dort veröffentlichen die Herren Bastoren, die sich Krankenkass. Fachgem. Bedienung. 3u den Rechtgläubigen" zählen, in den kirchlichen Nachrichten auch die Namen der Mütter unehelicher Kinder, ja, es wird in der Zeitung mit peinlicher Sorgfalt ber. zeichnet, ob es sich um das erfte, gweite oder gar britte sind dieser Mutter handelt! Die bürgerliche Bresse dieser Stadt aber, die sich allerdings als von den Paftoren und der Kirche abhängig fühlt, bietet ergebungsvoll die Hand zu diesem, tie uns fcheint, nicht sehr christlichen Verfahren. Man will auf diese Weise scheint, nicht sehr christlichen Verfahren. Man will auf diese Weise bie Sittlichkeit" im Orte heben; von praktischen Resultaten freilich ist bisher nichts bekannt geworden. 5000 Fischer vermißt. Wie aus strachan gemeldet wird, ist man dort in großer Sorge um den Verbleib einer Fischerflottille, die auf dem Kaspischen Meere dem Störfang oblag. Da vor einer Woche auf dem Kaspischen Meere ein furchtbarer Sturm wütete, besteht die Befürchtung, daß die Boote, auf denen fich mehr als 5000 Mann Besagung befanden, untergegangen sind. Die Ueberlebenden. Die Angeklagten, die durch die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. Wer hauer verteidigt werden, bestreiten, sich irgendwie schuldig gemacht zu haben. Auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Alsberg war der Medizinalrat Dr. Hoffmann geladen worden, der den Antrag aus§ 81 der Strafprozeßordnung stellte. Das Ge- Dampfer" Borgaa" der Frederik Olfenschen Dampfschiffsgesellschaft Aus effefiorb in Norwegen wird gemeldet, daß der richt beschloß demgemäß, die Sache au vertagen und den Ange: bort den Kapitän und fünf Mann des deutschen Schoe flagten Reber zwecks Beobachtung seines Geisteszustandes auf 6 Wochen einer öffentlichen Jrrenanstalt zu überweisen. ners immo" gelandet hat, der Donnerstagmorgen gegen 1% Uhr vor der holländischen Müfte von dem deutschen Dampfer Kaiser Wilhelm der Große" überrannt worden Darlehnsschwindeleien. 17 Hausmittel I. Ranges von Apotheker C. Trautmann, Basel, Eingetr. Schutzmarke. Bew. Heilsalbe für Wunden u. Verletzungen jeder Art, off. Beine, Krampfadern, Brandschaden, Ausschl., Hämorrhoid., Flechten. In den Apotheken a M. 1.40 Gen.- Depot: St. JakobsApotheke, Basel. Depots Berlin: König Salomoap, Charlottenstraße, Falkenap., Reichenberger Straße. Viktoriaap., Friedrichstraße, Reichsadler Apotheke, Gr. 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Der Kaiser Wilhelm der Große" sich um die Aufdeckung von schwindelhaften Praktiken bei Darlehne- stoppte, konnte jedoch die umbergetriebenen Seeleute im Dunkel bermittelungen, wie fie sich leider bei vielen unsoliden Geschäfts- der Nacht nicht sehen und feste daher feine Fahrt fort. leuten diefes Arbeitsgebietes eingenijtet haben und zu einer öffent- cht bis neun Stunden lang trieben die fa ft unbefleibeten lichen Plage geworden sind. Das schon seit Anfang Mai borigen manner in dem Boot umher, bis sie bon ber Borgaa" aufJahres schwebende Strafverfahren richtet sich gegen den Kaufmann genommen wurden. Der Kapitän der Fimmo" erzählt, daß er August Hübner in Berlin- Rummelsburg in feiner Eigenschaft als durch einen Schrei aufgeweckt wurde. Er sprang aus der Koje. persönlich haftender Gesellschafter der Kommanditgesellschaft Während er die Treppe hinauflief, fand der Zusammenstoß statt. Sparia, August Hübner" und 31 Agenten, die im Dienste dieser Er behauptet, daß das Unglüd auf einen Manövrierfehler Gesellschaft tätig waren. Der Hauptange lagte Hübner steht unter des Kaiser Wilhelm des Großen" zurüdzuführen sei der Anklage des Betruges in zahlreichen Fällen, des versuchten Beiruges, der versuchten Nötigung und der wissentlich falschen Anschuldigung; die Agenten sind der Beihilfe und der Begünstigung Aufregende Szenen spielten sich Sonntagnachmittag in einer beschuldigt. Die„ Sparia", welche von der Staatsanwaltschaft als der Hauptverkehrsstraßen von Nizza ab. Ein italienischer Friseureine Schwindelgesellschaft und betrügerisches Darlehnsvermitte- gehilfe, der plößlich von Tobsucht befallen worden war, stürzte Tungsgeschäft angesehen wird, ist schon seit 4 Jahren, anfänglich in unter gellenden Rufen auf die Straße, in jeder Hand ein Hannover, in Betrieb. Rasiermesser güdend. Entsett flüchteten die Bassanten bor Hübner hatte im Jahre 1905 schon eine Internationale dem Tobsüchtigen, der sieben Personen durch MessersticheberFinanz- und Sportsozietät" begründet, die sich mit Darlehnsver- Iette. Zwei Personen erhielten so schwere Verlegungen, daß sie mittelungen und Verwertung von Tips beschäftigte. Jm Jahre 1907 ins Strankenhaus transportiert werden mußten, wo sie hoffnungsift er wegen Betruges, wobei es sich um 450 Einzelfälle handelte, los banieberliegen. Den fich dem Tobsüchtigen entgegenstellenden Berlin S., Oranienstr. 158. in Hannover zu 1 Jahr Gefängnis berurteilt. Rurze Zeit nach Ver- Polizisten sezte dieser heftigen Widerstand entgegen, und erst einem büßung diefer Strafe gründete er in Hannover die Sparia" als größeren Aufgebot der Sicherheitsmannschaften gelang es, den Nationales Rabatt- Sparsystem, Gesellschaft mit zehnjähriger lüterich zu überwältigen und zu entwaffnen. " " Ein Amokläufer. St. 350 450 500 600 M. Pferdedecken! 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Schiller Charlottenburg. Mehers. Theater bes Westend. Bolenblut. stor: Polenblut. Sonnt.nhm. 3: Der liebe Augustin. Deutsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Abends 8 Uhr: Montis Operetten. Jung- England. Der Raub der Sabinerinnen. Berliner. Wie einft im Mai Zbatia. Die Tangoprinzeffin. Refidenz. Der Regimentspapa. Friedrich Wilhelmstädtisches. Fräulein Trallala. 9 Roie. Die Königin der Detektei. Rafino. Die olle Webern. Herrnfeld. Die von oben und unten. Reichshallen. Stettiner Sånger. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stols ber 3. Stom pagnie. antang 8%, br. Luifen. Unser Junge Walhalla. Tangofieber. Mittwoch 8 Uhr: Der Biberpelz. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Dir. A. Fürst: Hochspannung. Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs. Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow! 19 Jahre alt. Ohne Extra- Entree! Admiralspalast. Eis- Arena. Täglich: Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Eise. 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Der Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge. 2. Die Flucht der Renn besucher bei strömen dem Regen. Auflös. d. Zirkus Busch a. 31.März. Zirkus Busch. Heute Dienstag, den 24. März, abends 7, Uhr. Stürmische Heiterkeit erregen allabendlich die Revells, groteste Redturner, sow. d. Clowns Gebr. Fratellini und Zwergclown François mit feinem Bong Ignatz. Ferner die humorist. Bale Troupe mit ihr. Rab- Evolutionen. Hierzu Mad. Garniers Sturz aus d.Birkusuppel mit dem Fahrrad. Zum Schluß die Bruntpantomime Pompeji". Metropol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Voigt- Theater Die Reise um die Erde Badstraße 58. Morgen Mittwoch, den 25. März: Benefiz für Egon Weidlich: Im Rausch des Lebens. Komödie in 3 Aften v. Dstar Bitschel. Staffeneröffnung 7 Uhr, Anf. 8 Uhr. Boranz.: Mont., 6. April: Benefiz f. Lina u. Karl Moeller: Mutter Thiele. Folies Caprice. Café Pingsheim 8 Der Heiratsgraf Meyersteins Casino- Theater :: Berliner:: Lothringer Straze 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Mittwoch, den 8. April: Konzerthaus Die olle Webern. Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel- Konzert! Der Regimentspapa. Bertiner Konzerthaus- Orchester Theater a. d. Weidendammerbrücke Dirigent: Franz f. Blon. Musikkorps des Kaiser- Franz- Garde- Grenad.- Regts. Dirig. Oberm. Becker. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 PL Anfang 8 Uhr. An allen 8 Uhr: Der müde Theodor. Wochentagen: Gr. Nachmittags- Konzert bei frelem Folies Caprice. Café Bingsheim Friedr.- Wilhelmst. Theater. Der Heiratsgrai. Meyersteins. Antang 8, Ubr Bolts Theater. Reues Statferjäger. , Amang 9 Ubr. Anjang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Der Sonnt nachm. 3 Uhr: Die Kino- Königin Admiralspalaft. Die lustige Puppe. Berliner Eispalaft. Im Krug zum grünen Rianze. Cines Rollendorf- Theater.Barietés Lichtpiele. • COSE= THEATED Große Frankfurter Str. 132. Die Königin der Detektei. Romant. Detektivkomödie in 3 Alten von 2. Albert. Anfang 8 Uhr. Sternwarte, Snvalidenstr. 57-62 Rittwoch: Die Königin der Detektel. Brauerei Friedrichshain Mittwoch, den 25. März, abends 8 Uhr: Konzert des auf 60 Musiker verstärkten Eintritt Berliner Tonkünstler- Orchesters Dir. Kapellmeister Alfred Hirsch. U. a. Peer- Gynt- Suite von Grieg, sowie Richard- Wagner- Teil, Festdirig. Karl Gießel aus Bayreuth. Szenen aus Parsifal, Tannhäuser. Als Gast Frau Direktor( Komische Oper Berlin) Aurelie Revy Chapmann. TOP Borher ein erstklassiger bunter Teil Sonntag, 12. April, Ostern, 3.1. Male: Wo die Liebe hinfällt. Sonntag 4 Uhr: Mutterliebe. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere füßen Dienstmädel. Burleste v.Megjel Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: Stuckes Pfingstfahrt. Trianon- Theater. Täglich abends 8 1hr: Er und der Andere. Sonntage 8 Uhr: Die Liebe wacht. in 40 Tagen. Heute: Dienstag, 24. März: Letzter Tag in Berlin- Wilmersdorf am Fehrbelliner Pl. Ecke Mannheimer und Brandenburgische Straße Haltest. d. elektr. Straßenb. Zirkus Barum2 Schau. Heute: brillante Vorstellungen nachm. 4 u. abends 8, Uhr. In der Nachmittags- Vorstellung ein ungekürztes Abend- Progr. zu klein. Preis. für Kinder u Erwachsene. Mittwoch, den 25. März: Kurzes Gastspiel in Neukölln Weserstraße gegenüber der Jansastraße. Für den Inhalt der Juierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Große Erbschaft fällt dem Arbeiter! Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschl. Ludwig Wiemann Filiale Groß- Berlin. Am nächsten Freitag, den 27. März 1914, abends 6½ Uhr, bei Obiglo, früher Keller, Koppenstraße 29: Allgemeine Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu dem von den Unternehmern ernent Gebotenen bezüglich eines nenen Tarifvertrages. 2. Verschiedenes. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen. 192/ 3* Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer. Zahlstelle Berlín und Umgegend. Mittwoch, den 25. März 1914, abends 8% Uhr, in den Harmonie- Festsälen", Invalidenstr. 1a, Ecke Brunnenstraße: Allgemeine Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: " Der Berliner Baumarkt". Referent: Schriftsteller Genosse Julius Kaliski. Bollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet Anarchisten! 264/5 Der Vorstand. geb. 15. Juli 1875 in Holzhausen II bei Minden za. Auskunft über feinen Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein unbekannt Aufenthalt an Rechts- f. d. 5. Berl. Reichstags- Wahlkreis. anwalt Herrn Engeling in Minden wird mit 3 m. belohnt. Drei Tropfen Kaol 14135 geben schmutzig stem Metall Dauerglanz Unentbehrlich für Autos Ueberall zu haben in Flaschen. Sozialisten! Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend Dienstag, den 24. März, abends 8½ Uhr Oeffentliche Versammlung bei Ewald, Schulstr. 29( Wedding). Tagesordnung: 1. Militarismus und Arbeiterklasse. Berthold Cahn. 14055 2. Freie Aussprache. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Einberufer: Referent: Genosse Union anarchist. Vereine Berlins und Umgegend. 3. 2.: Ernst Decker, Berlin- Pankow, Bollantstr. 126 E. G. m. b. H. 8entrale: Lichtenberg, Rittergutstr. 16/26. Bohnsdorf und Grünau. Montag, den 30. März, abends 8%, Uhr, im Lokal zu den vier Jahreszeiten", Bohnsdorf, Bohnsdorfer Chaussee, bei Wirt: Lichtbilder- Vortrag des Genossen Mirus über: Die Genossenschaftsbewegung in Deutsch: land und England". 104/6 Du Nach dem Vortrag: Freie Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder beider Verkaufsstellen bittet Der Genossenschaftsrat. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Rorden 1987, 1239, 9714, 185. Mittwoch, den 25. März 1914, abends 6 Uhr: Versammlung fämtlicher in der Bierdruckapparatenbranche beschäftigten Klempner und Monteure im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 8. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlung mit den Arbeitgebern und nnfere Stellungnahme dazu. 2. Diskussion. Mittwoch, den 25. März 1914, abends 6 Uhr: Versammlung Zweigverein Berlin. An alle Mitglieder! Nach dem Beschluß des lekten außerordentlichen Verbandstages wird vom 1. April d. J. an, an alle Mitglieder, die länger als zwei Jahre organisiert sind und Sonnabend, den 20. März, verstarb unser altes, treucs Mitglied, der Buzer Albert Schulz Georgenkirchstr. 6, Bezirk 444. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. März, nachmittags 4, Uhr, von der Leichen: halle des Bentral- Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. am Um zahlreiche Beteiligung er sucht 223/5 Der Vorftand. Am Sonnabend verschied nach furzem, schwerem Strankenlager mein innigftgeliebter Mann, unfer treusorgender Bater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Albert Schulz im 49. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Anna Schulz geb. Flachs. Otto Schulz und Frau. 38072 Martha Schulz und Karl VoB. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 25. März, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim Bezirk Weißensee. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau Marie Schneider Albertinenstr. 1, nach schwerem Leiden verstorben ist. am Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. März, nachmittags 3, Uhr, vom Trauer hause aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. 18/3 Nach langem Leiden verschied meine liebe Frau und herzensgute Mutter 14086 Frau Marie Schneider geb. Trenkler im 57. Lebensjahre. Dieses zeigen schmerzerfüllt an Wilhelm Schneider nebst Tochter Lisbeth. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 25. März, nachmittags mehr als 80 Wochenbeiträge geleistet haben, 3%, ühr, vom Trauerhause, Alberbei eintretender Arbeitslosigkeit Unterstüßung gezahlt. Wer von diesen Mitgliedern nach dem 1. April 1913 für 72 Tage Krankenunterstügung erhalten hat, ist jedoch ausgesteuert. Die Karenzzeit zum Bezuge der Arbeitslosenunterstüßung für zurzeit arbeitslose Mitglieder ist die Zeit vom 25. bis 31. März. Wir ersuchen darum die unterstützungsberechtigten Mitglieder, die am 25. März arbeitslos find oder nach dem 25. März arbeitslos werden, laffen. fich eine blaue Kontrollkarte im Bureau des Zweigvereins, Engelufer 15 III, Zimmer 53, ausstellen Das Mitgliedsbuch, in dem die laufenden Beiträge quittiert sein müssen, und die gelbe Kontrollfarte muß jeder Stollege mitbringen. sämtlicher in der chirurgischen Branche u beschäftigten Kollegen und Kolleginnen im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Schmidt über" Syndikalismns". 2. Verbands- und Brandenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mittwoch, den 25. März 1914, abends 6 Uhr: Versammlung der Metallschleifer und Galvaniseure, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59( gr. Saal). Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen R. Woldt:„ Der amerikanische Hetvogt in Deutschland". 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Mittwoch, den 25. März 1914, abends 8% Uhr: Mitglieder- Versammlung der Goldarbeiter und verw. Berufsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45. Tagesordnung: 1. Wie stellen wir uns zum Ablauf unferes Tarifs? 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Mittwoch, den 25. März 1914, abends 8 Uhr: Mitglieder- Verfammlung für Grünau, Bohnsdorf, Falkenberg im Restaurant Schäfer( Inh. Schönberg) in Faltenberg. Tagesordnung: 115/6 1. Stellungnahme zur Generalversammlung. 2. Diskussion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Die durch Einführung der Arbeitslosenunterstützung bedingte Mehrarbeit im Bureau macht auch eine andere Bureauzeiteinteilung notwendig. Wir weisen darum zur Beachtung für alle Mitglieder darauf hin, daß das Bureau von jetzt an vormittags von 9 bis 1. Uhr und nachmittags von 5 bis 7 Uhr geöffnet ift. 141/ 17* Der Vorstand des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes. Sonntags 12-2 geöffnet. Zweigverein Berlin. Ohne Anzahlung liefere an jedermann Möbel auf Kredit bei Zahlung einer Monatsrate laut Vereinbarung u. bequem. Abzahl. komplette Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbelstücke, Polsterwaren, tarb. Küchen Portieren, Gardinen, Betten, Kronen, Kinderwagen usw. Teppiche, Leib- u. Bettwäsche, Steppdecken, in modernster Ausführung. Ferner: Garderobe für Herren, Damen u. Kinder Grösste Auswah! neuester Fassons S. DORN, Eeke Alte Schönhauser Str Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69. *** Wera Figner Ruffiſche Gefängnisfe Broschiert 75 Pf. Eine packende Schilderung der Greuel in den russischen Gefängnissen und ein Appell an das Gewiffen Europas. Sonntags 12-2 geöffnet. tinenftr. 1, aus nach dem Friedhof Faltenberger Straße statt. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Am 20. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Maurer Wilhelm Wagner ( Bezirk Nordost). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 24. März, nach mittags 3/2 Uhr. von der Halle des Friedhofs der Markus- Bemeinde in Wilhelmsberg aus statt. 141/19 Der Vorstand. Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlins u. Umg. Den Mitgliedern die Trauernachricht, daß am Sonnabend, den 21. März, unser Sollege Karl Lustig nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. März, nachmittags 5 1hr, von der Friedhofshalle der Heilands- Gemeinde, Plößensee, Eingang Seestraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 284/2 Der Vorstand. d Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Eduard Godau Neukölln, Wildenbruchstr. 14, im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Neuköllner Gemeindefriedhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. 11m rege Beteiligung ersucht 85/4 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Otto Leu am 20. d. M. im Alter von 28 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. d. M., nachmittags 22 Uhr, von der Leichens halle des städtischen Friedhofes in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. Den Mitgliederit ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Brauereiarbeiter Gustav Voigt im Alter von am 21. d. Mts. 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. März, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Kirchhofes in Weißensee aus statt. 63/8 Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und guten Bruders sagen wir allen Beteiligten unseren besten Dank. Familie August Brinkmann. Allen denen, die meinem licben Mann und Bater 14066 Gustav Lubatsch die letzte Ehre erwiesen haben, set biermit im Namen der Hinterbliebenen herzlichst gedankt. Marie Lubatsch und Kinder Neuenhagen a. Dstb. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 130M Hugo Philipsohn sage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Witwe Gertrud Philipsohn. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teib nahme und Kranzspenden bei der Bes erdigung meiner lieben Frau Laura Finster sage ich allen Verwandten und Be fannten sowie den Mitgliedern des Wahlv ereins meinen herzlichsten Dant. 125A Wilhelm Finster. ☑ Oskar Wollburg Trauer= Magazin Berlin N., Brunnenstraße 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort. Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer, 3nh.: P. Golletz Mariannenstr. 3. Tel. Mpl. 346 Stempelfabrik Robert Hecht, MEON R.HECHT BERL Inh.: Alfr. Schneller Berlin S. 42, Ritterstr. 116, liefert schnell und billig alle Arten Stempel int bester Ausführung. 1M. wöchentl. Teilzahlung liefere elegante HerrenModen fertig und nach Mass Garantie für tadellos. Sitz und feinste Verarbeitung & J. Kurzberg co. Mass Schneiderei Gegründet 1898 Rosenthaler Strasse 36 I. Etage Reinickendorfer Str. 4 Weddingplatz. Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Mr. 82. 31. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Parteiangelegenheiten. Dritter Wahlkreis. Den Genossen und Genossinnen teilen wir mit, daß die Fortsetzungen der Vorträge des Genossen Dr. Dunder über die Geschichte des Sozialismus( Von Thomas Morus bis jegt) am 26. März, 2., 9. und 17. April, 81%, Uhr abends, bei Frizz Wilke, Sebastianstr. 39, stattfinden. Die Teilnehmerkarte für die vier Vorträge fostet 25 Pf. Wir bitten um rege Beteiligung. Der Bildungsausschuß. = zu Dienstag, 24. März 1914. jugendheimen Brunnenstr. 70 und Große Frankfurter Str. 123, früh fam einer Verständigung zwischen Lehrer und Vater 10 Uhr. Die Heime waren geschmackvoll ausgeschmückt und machten wenigstens hatte der Vater durchaus diesen Eindruc und in in ihrer erhabenen Einfachheit einen der Feier entsprechenden würde- vollstem Frieden schieden beide voneinander. Nachträglich scheint vollen Eindruck. Zirfa 100 Knaben und Mädchen beteiligten sich mit aber Herr Bonin gemeint zu haben, daß doch sein Ansehen nur ihren Angehörigen an der Jugendweihe, so daß die Räume des durch Abstrafung des Freblers repariert werden könne. In Jugendheims knapp ausreichten; es ließ sich aber auch erkennen, daß einer Pause ging er zu dem Jungen in dessen Klasse, ohrfeigte ihn eine starke Notwendigkeit vorhanden ist, solche Jugendweihen regel- mehrere Male, gab ihm wegen der Aeußerung:" Ich soll mich mäßig und in verstärktem Umfange für die schulentlassenen nicht ins Gesicht schlagen lassen!" mit mit der umgewandten Arbeiterkinder zu veranstalten. Die Feier selbst nahm einen sehr Hand eins auf den Mund, packte ihn und schüttelte ihn guten Verlauf. Nach einem ernsten Vorspiel auf dem Harmonium heftig. War jetzt das Ansehen des Lehrers wiederhergestellt? Fünfter Kreis. 1. Abteilung. Donnerstag, den 26. März, abends fangen Arbeiterfänger das Lied: Krönt den Tag", worauf Genosse Es scheint, daß auch das noch nicht genügte. Lehrer 8 Uhr, in den„ Luna- Sälen", Neue Königstr. 7: Abteilungs- Wissell im Jugendheim I und Genossin Bohm Schuch im Bonin nahm den Bersammlung. Geprügelten noch mit in seine eigene Tagesordnung: Vortrag des Stadtverordneten Jugendheim II vortreffliche Ansprachen hielten. Beide Redner Klasse VI M, griff dort zum Rohrstock und bemühte sich, den Genossen Ritter über:„ Die Gewerbeordnung". Geschäftliches fnüpften an das erwachende Naturleben an, wiesen hin auf die er sich nicht freiwillig bückenden Jungen über einen Stuhl zu legen. und Wahl des Abteilungsführers und der Delegierten zur Verbands- blühenden Knospen im Frühling und auf die Entfaltung der auf Schließlich hieb er erregt auf ihn ein, und erst nach einer sehr nachgeneralversammlung. sprießenden Saat des Proletariats; auf die Pflichten, welche der drücklichen Abstrafung gab er ihn endlich frei. Nun war doch wohl Charlottenburg. Morgen Mittwoch, den 25. März, im Restaurant jungen Proletarier harren und wie sie sich am besten für ihr späteres alles wieder im Lot"? Thelen, Kaiser Friedrich Straße 45b, Ede Pestalozzistraße: Wer- Arbeiterleben auf dem Boden der Wahrheit, der allumfassenden sammlung der vierten Gruppe. Nein, noch nicht! Lehrer Bonin fühlte hinterher das Bedürfnis, Tagesordnung: 1. Vortrag des Menschenliebe und eines hohen, starken Idealismus vorbereiten sich auch mit dem Vater nochmals auseinanderzusetzen. Landtagsabgeordneten Paul Hirsch über Sozialdemokratische tönnen. Die von Herzen kommenden Worte fanden im Gemüt der Schluß des Unterrichts schickte er ihm durch Boten einen Brief ins Nach Kommunalpolitit". 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Gruppenleitung. Kinder und ihrer Eltern einen starken Widerhall, und mancher alte Haus, der so lautete: Herrn Qu.. 4. Verschiedenes. Ihr Sohn hat sich ders Parteigenosse konnte sich der Tränen nicht erwehren, als am Schlusse maßen frech und unverschämt benommen, daß es sehr gut wäre, der Ansprache die Kinder sich zum Gelöbnis der Treue zu ihrer wenn Sie zu einer Rücksprache heute noch kommen könnten. Klasse und zu den Jdealen des Proletariats erhoben. Ansprache wurde von den Sängern das Lied Wir warten dein" ge- diesem Brief weder in der Anrede noch in der Nach der G. Bonin." Das Ansehen des Lehrers erforderte wohl, daß fungen und unter einem paffenden Hinweis den Kindern ein Buch Unterschrift irgend eine Höflichkeitsformel beiüberreicht zur Erinnerung an die Jugendweihe. Mit Harmonium gegeben wurde. Lehrer Bonin unterließ das, obwohl er fich am spiel schloß die Feier, die bei allen Teilnehmern Worte der Freude Morgen desselben Tages, wie schon gesagt, in vollstem Frieden von dem Vater verabschiedet hatte. Der Vater begab sich jetzt sofort wieder zur Schule. Ein Glück für ihn, daß er ein besonnener, ruhiger Mann ist! Hätte er gegenüber dem Lehrer in seiner Rücksprache mit ihm die Höflichkeit in ähnlicher Weise vermissen lassen, wie der Lehrer gegenüber ihm in seinem Brief, so wäre wahr scheinlich wieder mal ein Lehrer in die Lage gekommen, sich beleidigt zu fühlen. Und die Schuldeputation hätte sich dann wieder beeilt, das Ansehen des Lehrers zu schützen, den Vater auf die Anklager Für den Umzug kommen folgende Bestimmungen in bant zu bringen und harte Strafe für ihn zu fordern. Welche Betracht. Es sind zu räumen: 1. Kleine, aus höchstens zwei Absicht der Lehrer Bonin bei der schleunigen Herbeirufung des Zimmern und Zubehör bestehende Wohnungen am 1. April 1914. Vaters hatte, ist nicht ganz klar. Dem Vater soll er, wie dieser 2. Mittlere, aus drei oder vier Zimmern mit Zubehör be- verstanden hat, über die an dem Jungen vollzogene Abstrafung die stehende Wohnungen bis zum 2. April 1914 mittags 12 Uhr. beichwichtigende Angabe gemacht haben, daß er nur ein paar Baden3. Große, mehr als vier Wohnzimmer umfassende Wohnungen streiche gegeben habe. Als daheim die Eltern den Jungen besahen, bis zum 3. April 1914 mittags 12 Uhr. zeigte sich ihnen ein Bild, das denn doch auf sehr viel mehr als ein = Treptow Baumschulenweg. Der letzte Vortragsabend des Bildungsausschusses findet heute Dienstag, abends 8 Uhr, im Neuen Gesellschaftshaus" in Baumschulenweg statt. Die Teilnehmer wollen pünktlich und vollzählig zur Stelle sein. Friedrichsfelde. Sämtliche Genossen, die sich für heute, Dienstag, zur Wahlhilfe in Karlshorst bereit erklärt haben, wollen fich so zeitig als möglich bei Sabrowsky, Trestow- Allee 66a, einfinden. Das gilt auch für die Genossen, die erst in den Abendstunden frei sind. Wahlzeit ist von 12-8 Uhr. Es kann also jeder mithelfen, den Sieg zu erringen. und des Dantes auslöste. " Der ganze Verlauf der Veranstaltung zeigte, daß der Jugendausschuß einen guten Griff damit getan hat. Hoffen wir, daß auf Biesdorf. Heute Dienstag, abends 19 Uhr: Ertra- Zahlabend dem beschrittenen Wege der geistigen Freiheit und Pflege des Biesdorf. Heute Dienstag, abends 19 Uhr: Extra- Zahlabend Gemütslebens sich auch weiter die besten Früchte für die Ideale des im Lokal von Hampel, Marzahner Str. 31. Tagesordnung: Die Gemeindevertreterwahlen. Proletariats ergeben! Berliner Nachrichten. Im Wald und auf der Heide, Da hab' ich meine Freude. Umzugstermine. und Zubehör bestehen, müssen jedoch ein Wohnzimmer, und die Mieter von Wohnungen von mehr als drei Wohnzimmern mit Zubehör zwei Wohnzimmer schon am 1. April 1914 vollständig geräumt dem fünftigen Wohnungsinhaber zur Verfügung stellen. Diese Bestimmungen beziehen sich nicht auf die Räumung von Geschäftslotalen; deren Räumung richtet sich nach den Bestimmungen des Mietsvertrages. untersuchte, bescheinigte folgendes: ,, Vor dem rechten Ohr, am Kinn und besonders hinter dem Dhr und an der rechten Halsseite sind eine Anzahl frisch roter, meistens freisrunder Stellen, die auf Druck die Farbe nicht berlieren. Quer über das rechte Schultergelent und über die Stredjeite des rechten Oberarms dicht unter dem Gelent verläuft je eine etwa 8 Zentimeter lange, schwach rot gefärbte Hautstrieme, über das rechte Schulterblatt zieht eine stark rote, 10 Zentimeter lange Strieme, über das linte eine ebensolche noch stärker gefärbte, 8 Zentimeter lange, zum Teil über die Ränder hinaus noch dunkelblau verfärbt, darunter eine schwache, 3 Zentimeter lange. An der Streckieite des linken Oberarmes. in der Mitte sind eine Anzahl roter wunder Stellen, die auf Druc nicht blaß werden. Duer über die Mitte der Streckieite des linken Oberschenkels zieht eine 12 Zentimeter lange, schwach ge färbte Strieme." Sie fann einem aber auch mitunter recht verekelt werden, diese harmlose Freude an der Natur, wenn Unvernunft sich gar zu breit macht. Zwischen Niederschöneweide- Johannis- Die Inhaber von Wohnungen, die aus drei Wohnzimmern paar Badenstreiche schließen ließ. Ein Arzt, der den Jungen thal und Baumschulenweg liegt die sogenannte Königsheide. Stiefern, mit einigen eingesprengten Eichen, bilden den Bestand. Die Kiefern sterben in Menge ab oder verkümmern, weil sie die stark säurehaltigen Ausdünstungen der Kunheimschen Fabrik, in Verbindung mit den Rußniederschlägen aus den vielen Schloten der benachbarten Industrieanlagen, schlecht bertragen können. Macht er auch den Eindruck der Aermlich teit, es ist immerhin Wald, und für die Volksmassen aus dem Südosten Berlins und Neuköllns der nächstgelegenste Erholungsort. Sollte man es nun für möglich halten, daß selbst in einem so dürftigen fleinen Stückchen Wald Erholung suchenden der Aufenthalt zugunsten bestimmter Personen noch räumlich beschränkt wird? Und doch ist es so. Wenn man den ersten Waldweg hinter dem Stichkanal entlang schreitet, findet man auf einer beträchtlichen Strecke an den Kiefern Tafeln, die fund und zu wissen tun, daß das Betreten dieser Waldpartie streng verboten und nur den Gästen eines in der Nähe liegenden Feldrestaurants gestattet ist. Der Verbandsausschuß von Groß- Berlin genehmigte gestern die Bauordnung für den Teil der Köllnischen Heide, die zu Neukölln gehört. Zustimmend begutachtet und endgültig erledigt wurden gleichzeitig die Bauordnungen für das Südgelände in Schöneberg und für einen Teil von Steglig. Die Untertunnelung der Linden wurde genehmigt und gleichzeitig die Zustimmung erteilt für etwa 6 Stilometer neue Streckenverbindungen und Sturven für alle diejenigen Straßenbahnen, die den Tunnel benugen sollen. Ein Berliner Geistlicher in Konkurs. Der Schornsteinfeger als„ Einbrecher". " Dieses Attest gibt ein anschauliches Bild davon, wie der Lehrer zugehauen haben muß. Die Einleitung erwähnt die dem Arzt gemachten Angaben, daß der Junge„ vom Lehrer am Hals gepackt und geschüttelt, in die Arme gekniffen und mit einem Verwundert bleiben wir stehen und überlegen, was wohl Rohrstock über Rücken und Beine geschlagen worden" sei. Und zum den hochweisen Forstfiskus dazu bestimmt haben mag, diesen Der am 16. Februar 1912 verstorbene Pfarrer Diestellamp, Schluß heißt es: Der Befund ist mit obigen Angaben gut überTeil deutschen Waldes" einem Budifer auszuliefern. Sollte früher an der Nazarethfirahe tätig, war bekannt als Spekulant, einstimmend. Es handelt sich augenscheinlich um Stodichläge und es vielleicht die Sorge gewesen sein, daß der Dzongehalt der Mehrfach griff die Kaiserin ein und fanierte" ihn. Trogdem ergab Quetschungen mit Bluterguß". Wir selber möchten hier noch ein Waldluft allein nicht hinreiche, um im Menschen Seligkeits- fich nach dem Tode die Unabwendbarkeit des Konturses. Am 7. April Wort sagen über die Versuche des Lehrers, den Jungen über den Gefühle hervorzurufen, daß dazu vielmehr auch noch etwas foll die Schlußabrechnung gelegt werden, die für die Gläubiger nicht Stuhl zu zwingen. Schulkinder in dieser Weise überzulegen", ist Alfohol nötig sei? Oder war es die Erwägung, daß, da an erbauend sein dürfte. Zuletzt hatte Diestellamp in seinem Wohn- aus der Mode gekommen, weil man die damit verbundene Gefahr den meisten Tagen von Ozon überhaupt nichts, desto mehr hause Schönhauser Allee 141 unter Beteiligung des Hofes das( Entstehung von Brüchen, Darmquetschungen usw.) allmählich ers aber von schwefliger Säure Kunheimschen Ursprungs in der Frommel- Heim gegründet, das aber auch nicht ging und den Zu- tannt hat. Wir hatten geglaubt, daß es heutzutage überhaupt Luft zu spüren ist, der Mensch gut daran hut, sich einen sammenbruch nicht aufhalten fonnte. Diestelkamp war eng befreundet berboten sei, Schulkinder noch überzulegen". Aber das Rachenpuzer" zu genehmigen? Aus diesem Sinnen und mit einem Amtsbruder von der nahen Gethsemanefirche, der eben- war wohl ein Irrtum. Bei dem von Lehrer Bonin geprügelten Grübeln werden wir durch dumpfen Hufschlag aufgeschreckt. falls spekulierte und ins Ausland flüchtete, als ihm das Messer an Jungen lag noch eine besondere Gefahr vor, weil er vor neun Schnell springen wir beiseite, und im nächsten Moment schon der Stehle saß. Er befindet sich noch in Chile und ist dort wenigstens Monaten eine Blinddarm operation durchgemacht hatte, jagen einige Offiziere mit ihren Damen im tollsten Galopp vor seinen Gläubigern sicher. sodaß die noch frische Wunde leicht hätte wieder aufbrechen können. borüber. Also im Walde droht Verbot und auf dem Wege Als Herr Bonin ihn ohrfeigte und schüttelte, warnte die dabeistehende der Tod! Da sollen doch tausend Donnerwetter dreinschlagen! Klassenlehrerin des Jungen den aufgeregten Kollegen: Nicht doch, Welch grobe Ungehörigkeit, um keine stärkere Bezeichnung anzuwenden, in solchem Tempo auf einem Waldweg entlang Rhinower Straße 4, augetragen. Dort reinigte, wie gewöhnlich alle oben angegeben, noch in seine Klasse und versuchte, ihn überEine tragikomische Geschichte hat sich im Berliner Norden, in der der ist ja operiert!" Herr Bonn führte dann den Jungen, wie schon zureiten, den alte, gebrechliche Personen und Scharen von vier Wochen, der Schornsteinfeger vom Dache aus die Stamine. zulegen. fleinen Rindern im Alter von drei bis vier Jahren unter der Blöglich gab es im ersten Stodwert ein riesiges Gepolter. Die Was geschieht dem Lehrer, wenn ber Vater die Leitung von Pflegefchtvestern kreuzen! Wie leicht kann da eiserne, an einer Leine hängende Kugel, mit der die Heizungsschächte Staatsanwaltschaft um Strafverfolgung ersuchte? ein schlimmes Unglück geschehen! Am vergangenen Sonnabend, kurz nach Mittag, bekam gefegt werden, hatte glatt die Zimmerwand bei einem Schneider haben wenig Hoffnung, daß sie eine Ueberschreitung des ZüchtigungsAm vergangenen Sonnabend, kurz nach Mittag, bekam meister durchschlagen und pendelte durch das entstandene erhebliche rechtes sähe. Auch von der Schuldeputation erwarten wir übrigens ein solcher Offizierereiter das Unvernünftige dieses Loch in die Wohnstube hinein. Gleichzeitig war eine Menge Ruß in nicht, daß ihr das Verhalten des Lehrers als unzuläffig gilt. Dem Treibens am eigenen Leibe zu spüren. Zwei Offiziere mit die Wohnung eingedrungen und hatte eine neben dem Loch stehende Bater würde sie auf eine Beschwerde wahrscheinlich antworten, fein ihren Damen famen in wildester Karriere auf dem Waldweg Sofagarnitur sowie andere Möbel start beichmust. Es wird sich nun Junge sei frech und unverschämt" gewesen und die Rücksicht auf dahergerast. Bei dem Einbiegen in die Canner Chaussee fragen, wer dem Mieter für den angerichteten Schaden haftet, der das Ansehen des Lehrers habe eine Büchtigung geboten erscheinen rutschten infolge der durch die kurze Kurve bedingten Schräg Schornsteinfeger oder der Hauswirt. Auf alle Fälle zeigt der Vor- laffen. Wir kennen unsere Staatsanwälte und fennen unsere Schul stellung der Tiere dem Pferde des letzten Reiters auf der durch gang, wie leichtgefügt heutzutage Mietstafernen gebaut werden. Das deputation. den Regen schlüpferig gewordenen Pflasterung der Chaussee Haus steht erst wenige Jahre. alle vier Füße zugleich ab, und es fiel mit dumpfem Aufschlag seitlich zu Boden. Wäre das gleiche dem ersten Reiter passiert, würden die nachfolgenden beiden Reiterinnen und Darf ein Schüler mit seinem Lehrer spaßen? In der 245. der letzte Reiter unweigerlich mit über den zu Falle Ge- naben Gemeindeschule( Pantstraße) ist einem Schüler der kommenen gestürzt sein, und ein schweres Unglück wäre un- selaise VI O der Versuch, sich einen Scherz mit einem Lehrer zu erbermeidlich gewesen. So ging alles überaus gut ab. Weder lauben, fehr übel bekommen. hatte der Reiter bei dem Sturze schwere Verlegungen erlitten, Das Ansehen des Lehrers. Mutter und Tochter in den Tod. Wir Die in Alt- Moabit 84b wohnhafte 66 Jahre alte Witive Sophie Wulf und ihre 39 Jahre alte Tochter wurden gestern mittag er hängt aufgefunden. Die Leichen wiesen bereits Verwefungs merkmale auf, so daß anzunehmen ist, daß die beiden Frauen schon vor einigen Tagen in den Tod gegangen sind. Die petuniären wurden ein Sparkassenbuch über 7000 M. und 300 M. in bar Verhältnisse scheinen gut gewesen zu sein, denn in der Wohnung gefunden. Mutter und Tochter waren seit einiger Zeit kränklich. In der Zentrale. noch traf ihn der Gaul, was sehr leicht hätte geschehen können, und sollten nach ihrer legten Unterrichtsstunde fich in Silasse VI M Er und drei andere Jungen seiner Klasse mußten nachbleiben beim Aufspringen mit den Hufen. Mit der übergroßen begeben, um dort unter Aufsicht des Lehrers Bonin zu sein, Schneidigkeit war es nun mit einem Schlage zu Ende, und der noch weiter unterrichtete. Alle vier gingen schon in der man kann auch nicht sagen, daß der Offizier ein besonders Bause zu ihm und meldeten ihre Rambleibestrafe geistreiches Gesicht gemacht hat, als er, wie ein gepreffter an mit den humorvollen Worten: Frosch, alle Viere von sich streckend, mit dem„ vornehmsten tommen wir zu Ihnen auf Besuch." Das wird denen als Lichtenberg hinauspilgerten, um die Betriebsanlagen der Konsum Herr Lehrer, nachber Es waren viele Tausende, die am Sonntagvormittag nach Rod" mitten im Chauffeeschmus dalag. Er konnte von großem fehr ungehörig gelten, die da meinen, daß des Lehrers genoffenschaft zu besichtigen. Und wohl noch keiner der offiziellen Glid sagen, daß er so glimpflich davongekommen war und Ansehen feinen Spaß verträgt. Als die Jungen nachher ihre Nach Besichtigungstage hat eine solche Besucherzahl aufzuweisen gehabt, nach Hause zu reiten vermochte. Etliche blaue Flecken an bleibestunde antraten, griff Herr Bonin zum Rohrstod und befahl wie der Sonntag. In dem großen geräumigen Hof ftaute fich die seinem Körper wird er gewiß davongetragen haben. Soffent- dem ersten der vier, sich zu bücken. Der erschrat, als er fab, welche Waffe der Besucher Kopf an Kopf, da der Zugang zu den Betriebslich hat dieser Denkzettel die Wirkung, daß die Herrschaften Folgen sein harmloser Scherz haben sollte, und lief in seiner Be- gebäuden nur etappenweise vor sich gehen konnte. in Zukunft etwas bedachtsamer reiten. stürzung zum Klassenzimmer hinaus nach Haufe. War das nicht Das größte Interesse wurde allseitig der Bäderei entgegen eine erneute Unbotmäßigkeit, die dem Anieben des Lehrers einen gebracht für deren respektable Größe und Leistungsfähigkeit der täg argen Stoß verjette? Am nächsten Morgen begleitete den liche Mehlverbrauch von 400-500 gentnern, fowie die 30 Doppel Proletarische Jugendweihe. Am Sonntag, den 22. März, veranstaltete der Jugendausschuß geängstigten Uebeltäter der Vater gur Schule, um durch auszugöfen, die täglich ununterbrochen 24 Stunden im Betrieb sind, Berlins zum ersten Mal eine sogenannte Jugendweibe für die Kinder Rüdiprache mit dem Lehrer eine gütliche Erledigung der sprechen. Auch so manches, ja wohl alles, sticht sehr vorteilhaft jener Parteigenossen, welche von der firchlichen Einsegnung Abstand Sache zu erreichen. Herr Bonin lachte, er habe ja selber von dem ab, was man oft in privaten Bäckereien zu fehen nehmen. Die Jugendweihen fanden statt in den Arbeiter- nur Scherz gemacht und gar nicht schlagen wollen. Es und zu hören gewöhnt ist. Die peinliche Sauberkeit die hier herrscht, «itb die bon der Größe und der modernen Einrichtung noch de< günstigt wird, unterscheidet sich abgrundtief von den bekannten Berliner Kellerbäckereien, die trotz aller polizeilichen Verfügungen ein Hohn auf unsere Hygiene sind, lind so mancher Bäcker- JnnungSheld, der da glaubt, schon jetzt zu viel an polizeilichen Bor- schriften über die Hygiene der Backstuben zu haben, könnte hier lernen, was überhaupt dazu gehört, um hygienisch einwandfreie Backwaren herstellen zu können. Die modernsten Maschinen und Hilfsmittel sorgen dafür, daß der Teig so wenig wie möglich mit Menscheckhänden in Berührung kommt. Ferner ist jeder Bäcker nach der Arbeitsordnung verpflichtet, vor Antritt seiner Schicht ein Bad zu nehmen. Diese Selbstverständlichkeit sür die Zubereitung von Nahrungsmitteln ist erwähnenswert, weil daran im großen und ganzen in anderen Bäckereien noch gar nicht zu denken ist, obwohl hier meist noch ohne Teigbearbeitungsmaschine gearbeitet wird. Bon der eigentlichen Bäckerei aus führt unS der Weg nach den Mehlsieb- und Aufschüttböden im 1. und 2. Stock. Die ungeheueren Mehlvorräte, die hier untergebracht sind, reichen bei dem riesigen Bedarf nur wenige Tage. Bon weiterem besonderen Interesse ist die Kaffeerösterei und Verleserei. Neben zwei großen Röstmaschinen stehen 12 Verlese- tische, wo etwaige Fremdkörper aus dem Kaffee beseitigt werden. Bier automatische Wiegeschalen, wo eine einzige in der Minute 8— lOmaliges Abwiegen ermöglicht, dienen zur schnelleren und sichereren Erledigung des Abwiegens. Auch die Mneralwafferfabrik verdient nähe; in Augenschein ge« nommen zu werden. Bon hier aus gelangen wir dann in die Butterei und in die Lagerräume, wo rechts und links in langen Reihen die Waren aufgestapelt sind. D?n Abschluß unseres Rund- gange» bildet die Besichtigung der Kontorräume, die dem Un- eingeweihten im Verhältnis zu der Anlage groß erscheinen mögen. Diese Meinung verschwindet aber sofort, wenn man bedenkt, daß von hier aus 126 Verkaufsstellen verwaltet werden, die in ständiger Verbindung mit der Zentrale stehen. Mit der Ueberzeugung, daß sich hier die Berliner Arbeiterschaft etwas geschaffen hat, was sie wie ein offenes Buch auch den Gegnern der Konsumvereinsbewegung zeigen kann, Verlaffen wir die An- lagen mit dem Wunsche, daß recht viele erkennen möchten, welchen hohen Wert die Konsumentenorganisation für den wirtschaftlich Schwachen hat._ Selbstmord eines Professors. In einer Toilette des Potsdamer Dahnhofs erschoß sich gestern abend der 47 Jahre alte Professor a. D. Hermann Bremicke auS der Luisenstraße zu Lankwitz. Ein unheilbare« Neroenleiden zwang dem Manne den Revolver in die Hand. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht._ Pegouds Sturzflüge. Der Sturzssieger Pegoud wird am Sonnabend und Sonntag feine halsbrecherischen Kunststücke— diesmal mit einem Passagier — in Johannisthal wiederholen. In Rücksicht auf die früheren Borgänge hat der Landrat von Teltow eine Bekanntmachung für die Anfahrt von Fuhrwerken und Kraftwagen erlassen, die besagt: .Die Anfahrt erfolgt 1. durch Berlin- Treptow(Schlesischer Busch), Straße am Treptower Park, Köpenicker Landstraße bis zur Baumschulenstraße, dort rechts wenden und durch die Baumschulen- straße bi» zur Späthschen Baumschule, von dort aus den geraden Weg sBerbindunaschaussee Britz— Johannisthal, Stubenrauch straße, Parkstraße) nach dem Eingang 2, iji>er 2. über Neukölln, Canner Chaussee bis zur Baumschulenstraße usw. wie zu 1., oder L. durch Berlin-Britz, am Buschkrug links wenden und auf der Chaussee an der Späthschen Baumschule vorbei, weiter wie zu 1. — Fuhrwerke, deren Insassen nach den billigeren Plätzen zu 8 M. und I M. wollen, müssen ihren Weg von oer Stubenrauchstraße techtS ab durch die Kaifer-Wilhelm-Stratze und Friedrichstratze nehmen. Der Weg über Berlin- Nie der schöneweide, durch die Bahnstrahe nach Johannisthal ist an beiden Tagen für j e g- lichen Fuhrwerks- und Kraftwagenverkehr ge- sperrt.— Die Abfahrt wird nach Bedarf geregelt; den hierauf bezüglichen Anordnungen der Gendarmerie ist unbedingt Folge zu leisten."_ Für Gartenliebhaber und Laubcnkolonisten. Arbeiter und Klein- gewerbetreibende, die nickt an der See oder im Hockgebirae Sr- holung suchen können, müssen sich mit einer Laube begnügen, vie in dem gepachteten kleinen Stückchen Land mit wahrer Lust mW Freude aufgebaut wird. Wie gesund und heimisch ist nicht das Tun und Treiben in diesm Laubenstädtchen und mit welcher Liebe wird da», was der magere Boden hervorbringt, von Jung und Alt gehegt und gepflegt. Wer praktische Ratschläge für die Bodenbearbeitung und Bepflanzung sucht, findet in der Ocffentlichen Bibliothek und Lese- halle, Berlin SO.. Adalbertstraße 41, eine große Anzahl von Werken und Zeitschriften über Garienbau. Blumenpflege. Obst» und Gemüse- bau, Geflügelzucht usw., die in den Abendstunden von 6'/,— S>/, Uhr und Somnags. vormittags von S— 1 Uhr, vollkommen kostenlos ausgeliehen werden. Vorortnachrichten. Lichtenberg. Die Städtischen Werke im Etat 1914. Die gewerblichen Unternehmungen Lichtenbergs bilden eine der wichtigsten Einnahmequellen. Sie haben sich in den letzten Jahren in ganz besonderem Maße günstig entwickelt. Die Ueber- schüsse der Werke beliefen sich 1911 auf»30 428 M.; 1912 auf 1 267 672 M.; 1913 werden 1826 166 M. erwartet und 1914 2 633 160 M.; das sind nur K Million weniger als die gesamten Erträgnisse der direkten Steuern. Zu den Ueberschüssen trägt das Gaswerk mit 1 408 400 M. mehr al» di« Hälfte bei. Die Gas- Produktion betrug 1910 rund 7 Millionen Kubikmeter; 1911: 8,3; 1912: 9.6; 1913: 11,5 und wird für 1914 auf 17 Millionen Kubik- meter geschätzt. Der Sprung von 11,5 aus 17 erklärt sich durch die Uebernahme der GaSlieferung für Rummelsburg, das bisher an Berlin angeschlossen war und allein 4L Millionen Kubikmeter Mehrbedarf hervorruft. Außer dem eigenen Stadtgebiet werden nöch folgende Gemeinden mit Gas versorgt: Biesdorf, KaulSdorf, Mahlsdorf, Marzahn, Dahlwitz, Hohenschönhausen, Schöneiche. Münchehofe und MönchSbeim. Der GaSpreis betrug bis zum 80. September 1912 für Leuchtzwecke 16 Pfennig und für Koch-, Heiz- und Kraftzwecke 12 Pfennig; von da an wurde ein Einheits- preis von 13 Pfennig pro Kubikmeter festgesetzt. Das Automaten- gas tostet nach wie vor 16,4 Pfennig. Die wichtigsten Einnahme- Posten sind: Gasabsatz 2198 036 M.; Gasmesser 55 000 M.; Koksverkauf 1 507 000 M.; Deerverkauf 152 000 M.; Ammoniakverkauf 249 600 M. Die Einnahmen belaufen sich insgesamt auf 4 812 700 Mark, denen 3 396 800 M. Ausgaben gegenüberstehen. Vom Wasserwerk werden 741 622 M. lleberschuß erwartet. Dazu kommen 100 127 M. Mehrüberschutz vom Jahre 1912. Abge- geben wurden 1910 2,6 Millionen Kubikmeter; 1911 3,3; 1912 4L; 1913 sind geschätzt 5L und 1914 6,3 Millionen. An da» Rohrnetz sind angeschlossen: Lichtenberg, Oberschöne- weide, Friedrichsfelde-KarlShorst, Biesdorf, Marzahn, Mahlsdorf, Kaulsdorf und Dahlwitz-Hoppegarten. Aus dem Wasserabsatz wurde ein Erlös von 1262 160 M. erzielt, während die Gesamt- einnähme des Wertes sich auf 1 632 000 M. belauft. Dieser Summe steht eine Ausgab« von 688 260 M. gegenüber. Das Elektrizitätswerk soll 393 400 M. abwerfen, zu denen noch 68071 M. au» dem Jahre 1912 hinzukommen. Die Stromabgabe betrug 1910: LL Millionen Kilowattstunden; 1911: 3,8; 1912: 4,3; sie wird boraussichtlich 1913 7,6 Millionen erreichen und ist für 1914 auf 8,4 Millionen Kilowattstunden geschätzt. Für den Absatz von Elektrizität sind 946 666 M. Einnahme in den Etat eingestellt. Die Gesamtsumme der Einnahmen ist 1 182 760 M., die der Ausgaben 789 300 M. Um ein genaueres Bild von der Wirtschaftlichkeit der Werke zu erhalten, sind neben obigen allgemeinen Zahlen noch einige andere Angaben von Wert. Beim Gaswerk wurdest im Jahre 1912, für das genaue Angaben zurzeit vorliegen, aus je 100 Kilogramm Kohle 36,52 Kubikmeter Gas, 71,73 Kilogramm Koks, 5,54 Kilo- gramm Teer und 0,32 Kilogramm Ammoniak gewonnen. Der Durch- fchnittserlös pro Kubikmeter Gas war 14,01 Pf. Die Produktionskosten beliefen sich pro Kubikmeter auf 9,6 Pf. Davon gehen ab die Erträge der Nebenprodukte usw. in Höhe von 5,3 Pf., woraus sich die Nettoselbstck ästen mit 4,3 Pf. ergeben. Verzinsung und Tilgung erfordern 3,2 Pf., die Abschreibungen 1 Pf., mithin die Bruttoselbstkosten KL Pf. Beim Wasserwerk wurden zur Förderung von 100 Kubikmeter Wasser 32.6 Kilogramm Brenn- Material erfordert. Im Durchschnitt wurden 20,39 Pf. pro Kubik- meter erzielt. Die Nettoselbjtkosten sind 2,75 Pf.; die Verzinsung und Tilgung sowie Abschreibung erhöhen jedoch die Selbstkosten auf brutto 12.03 Pf. Die Elektrizitätserzeugung kostete pro Kilowattstunde 1,176 Kilogramm Brennmaterial. Der Durch- schnittsstrompreii betrug 14,19 Pf. für die Kilowattstunde. An Nettoselbstkosten entstanden 6,47 Pf., Verzinsung, Tilgung und Ab- schreibung belaufen sich auf 6,2 Pf., also die Bruttoserbstkostrn Steglitz. 120 Proz. Kommunalsteuern schlägt der Etatsentwurf für 1914 vor, statt der bisherigen 110 Proz. Und trotzdem konnte da» Gleich- gewicht in Einnahme und Ausgabe nur durch eine geradezu gewalt- same Beschränkung selbst der notwendigsten Ausgaben und durch einen Zuschuß von 292 000 M. auS dem Ausgleichsfonds hergestellt werden. Aber nicht nur das. Auch die Einnahmeposten sind teil- weise in so gewagter Höhe eingestellt, daß man den Ertrag wohl wünschen kann, aber kaum zu erhoffen vermag. Die Tatsache, daß die Gemeindevertretung bisher noch nicht zur Etatsberatung zu- sammenberufen ist, trotzdem uns noch wenige Tage von dem 1. April trennen, mag vielleicht durch noch zu überwindende finanzielle Schwierigkeiten sich erklären. Eine Entschuldigung für die Ge- meindeverwaltung ist dies jedoch nicht, eher ein Beweis dafür, daß die Dorfverwaltung den Geschäften eines Ortes mit über 86 000 Einwohnern und einem Etat von 9 673 000 M. nicht mehr gewachsen ist. Deshalb mutz mit noch mehr Nachdruck als bisher die Stadt- werdung gefordert werden. Aber auch das Ausscheiden aus dem Kreise wird immer dringlicher. Ist doch die Belastung durch die Kreissteuern für das neue Etatsjahr wieder um rund 60 000 M., also auf rund 691 000 M. gestiegen. Selbstverständlich wird dementsprechend die Entschädigungsforderung des Kreises beim Au»- 'cheiden von Jahr zu Jahr höher. Die Bürgerschaft mag sich der- einst bei der heutigen Verwaltung und der HauSbesitzermehrheit dafür bedanken, daß die Trennung so lange hinausgeschoben wurde. Hinausgeschoben auS selbstsüchtigen Gründen; denn die HauS- besitzerpartei befürchtet— und wohl mit Recht in einer städti« ichen Verwaltung ihren jetzigen bestimmenden Ewfluß einzubüßen. Befremdlich ist an dem Etat, daß er weder für die beschlossenen Mittelschulen noch für daS geplante Wasserwerk irgendwelche Mittel vorsieht. Daß man sich in dem neuen Jahr mit einer Anleihe von nur 600 000 M. für Zwecke der außerordentlichen Verwaltung be- gütigen will, ist zwar lobenswert, doch muß bezweifelt werden, ob mit der Erweiterung des Armenhauses, der Fertigstellung der elektrischen Straßenbeleuchtung und der Erweiterung des Elektrizitätswerkes wirklich alle außerordentlichen Aufwendungen für daS ganze Jahr abgetan sind. Wie in der außerordentlichen, so ist auch in der ordentlichen Verwaltung, die gegen das Vorjahr nur eine Steigerung von rund 676 000 M. ausweist, überall zu fühlen, daß nur die Angst vor einem noch höheren Zuschlag der Berater war. Man darf gespannt sein, wie sich die Gemeindevertretung mit dem Entwurf abfinden wird, zumal in Bürgerkreisen gegen einzelne Einnahmeposten Sturm gelaufen wird, für die doch schließlich anderweitig Ersatz geschaffen werden müßte, weil noch größere Beschränkung der Ausgaben schier unmöglich erscheint. Chart ottendurg. Ein Automobilunfall ereignete sich gestern mittag in der Pestalozzi- sttaße. Dort war der 10 Jahre alte Sohn einer in der Kamstr. 106 wohnhaften Frau Seidel beim Trieselipiel beickäftigt; er wurde von einem plötzlich heransausenden Auto ersaßt und so unglücklich zu Boden geschleudert, daß daS linke Hinterrad des Gefährts über den Oberkörper hinwegfuhr. Außer sonstigen Verletzungen wurde auf der Rettungswache in der Kaiser-Friedrichsttaße bei dem verunglückten Knaben«in doppelter Schädelbruch festgestellt. Anläßlich der bevorstehenden. Schulentlassung mühen sich alle Vereine der bürgerlichen Jugendbewegung ab, die Jugend, speziell die Arbeiterjugend, einzufangen. ES ist Pflicht aller Arbeitereltern, ein Augenmerk darauf zu richten, welchen Weg ihre Jugend einschlägt. Am Sonntag, den 29. März, mittags 162 Uhr findet im„BolkShauS". Rosinenstr. 8/ eine Schul« entlassungSfeier für die arbeitende Jugend statt. Die Festrede hat Herr S. Katzenstein übernommen. Außerdem künstle- risches Programm unter Mitwirkung von Frl. Kussel(Rezitation), Herr Dr. Heinz Schall-CaSpary(Lieder zur Laute), Charlotten- burger Liedertafel. Die Arbeiterjugend und deren Eltern sind freundlichst eingeladen. Einlaßkarten für Erwachsene sind bei Echarnberg, Eesenheimer Straße 1, zu haben(26 Pf.), Jugend- liche unter 18 Jahren frei. Die Jugcndsektion veranstaltet am Mittwoch, den 26. März. abends 8� Uhr, im„Volkshause", Rosinenstr. 3, einen Unter- haltungSabend mit Rezitationen(Genosse Winguth- Neukölln) und musikalischen Darbietungen. Die jungen über 18 Jahre alten Gewerkschaftsmitglieder können an diesem Abend ihren Beitritt erklären. Alle Veranstaltungen der Jugendsektion sind unentgeltlich. Weiflettsee. Aus der Gemeindevertretung. Zunächst wurde beschlossen, mit den Nachbargemeinden Hohenschönhausen und Heinersdorf einen KanalisationS-Zweckverband abzuschließen. Beide Gemeinden füh- ren schon seit längerer Zeit ihre Abwässer in das Weitzenseer Druckrohr. Dem Zweckverband wird das Rieselgut Birkholz in der Gesamtgröße von 681 Hektar übereignet. Die Anschaffungs- kosten, die Einrichtung der Bewirtschaftung und die Verzinsung vom 1. April 1916 ab belaufen sich auf 3 660 000 M. Diese Summe wird dem Zweckverband gestundet und von ihm mit 4)4 Proz. verzinst und mit 1)4 Proz. amortisiert. Das Stimm- Verhältnis wurde so geregelt, daß die Gemeinden Hohen- schönhausen und Heinersdorf zusammen immer«ine Stimme mehr haben wie Weihensee. Zurzeit entsenden die erster«» Gemeinden je 2 Delegierte, während Weißensee 3 Dele- gierte hat. Die Gesamtzahl der gegenwärtig abgeführten Wasser- mengen bträat 2 040 000 Kubikmeter, an Gebühren tragen die Ge- meinden Weihensee und Heinersdorf 7,43 Pf. pro Kubikmeter, während Hohenschönhausen nur 7,1 Pf. pro Kubikmeter zahlt. Die Kanalisationskosten im Ort tragen die Gemeinden jede für sich. Der Zweckverband soll schon vom 1. April ab in Kraft treten.— Eine längere Debatte entstand bei dem Punkt Festsetzung der KanalisattonSgebühren. Der frühere Streit über die Beitrags- leistung entbrante von neuem, weil die Gebühren von 2,2 auf 2,3 Prozent erhöht werden mußten. Seinerzeit sollten einige Herren aus der Verwaltung die Erklärung abgegeben haben, daß, wenn die beschlossene Beitragsordnung Gesetz würde, die Gebühren auf unter 2 Proz. sinken würden; das vorliegende Resultat bedeute wiederum eine Erhöhung. Herr Fechner wollte lieber den Kom- munalzuschlag erhöht, al» den HauSbefitz noch weiter belastet wissen. Ihn selbst konnte der Bescheid, daß laut Gesetz die Hausbesitzer die Kanalisationsnnkosten zu tragen haben, nicht befriedigen; er stimmte als einziger dagegen. Für das nächste Jahr betragen die Kanal:- sationsgebühren 2(4 Proz. nach einem Nutzertrage von 6100 000 Mark.— Auch die Errichtung eine? zweiten Wochenmarktes brachte die Herren wieder in Harnisch. Der jetzige Marktpächter hatte den Antrag gestellt, auf der Prenzlauer Promenade einen zweiten Wochenmarkt zu errichten, und die Finanzkommission hatte dem zugestimmt. Es erklangen nunmehr die üblichen Reden über Schädigung der Gewerbetreibenden und der Hausbesitzer, die ihre Läden nicht vermieten können; doch zum Schluß wurde der Antrag gegen zwei Stimmen angenommen. Die Märkte sollen am Diens» tag und Freitag vormittags bis 1 Uhr abgehalten werden. Der Pachtpreis beträgt im ersten Jahre 1600 M., im zweiten und dritten Jahre 2000 M., im vierten bis sechsten Jahre 4000 M.— Hierauf folgte noch eine geheime Sitzung. Wilmersdorf. Einen empfindlichen Verlust hat ein HauSkasfierer deS sozial- demokratischen Wahlvereins zu beklagen. Derselbe verlor am Sonnabendabend auf dem Wege von der Berliner Straße nach dem Stadtpark, Kaiserallee 62, ein Portemonnaie mit 76,50 M. Da der Verlierer für das Geld haftbar ist, bittet derselbe den ehrlichen Finder, seine Adresse an Hermann Adam, Berliner Straße 26, ge« langen zu lassen. Britz. In der Gemeinbevertretersitznns wurde der Voranschlag für da» EtatSjahr 1914 beraten. Derselbe balanziert mit 3 672 060 Mark. Für Erhöhung der Beamtengehältec sind in diesem Jahre 4700 M. mehr eingesetzt. Die Realschule erfordert einen Zuschuß von 7900 M., die höhere Mädchenschule einen solchen von 2000 M. Unsere Genossen verlangten bei Beratung dieses Titels, daß der Gemeindevorsteher über die höheren Schulen einen Bericht geben solle; derselbe wurde zugesagt. Für die Gemeindeschulen werden 9600 M. mehr gefordert. Die Frequenz in den Schulen beträgt pro Klasse 43,6 Schüler. Hier beantragte Gememdevertreter Ge- nasse P r e n z l o w die Anstellung eines zweiten Schularztes, da für den einen Schularzt die Anzahl der zu überwachenden Kinder eine zu große wäre. Bei dem Kapitel Schulzahnpflege wurde von unseren Genossen gefordert, die eingesetzte Summe auf 860 M. zu erhöhen. Die bürgerlichen Vertreter lehnten diese Anttäge wie auch die Erhöhung der Lehrergehälter ab. Ferner stellten unsere Vertreter die Forderung, für die Gemeindearbeiter eine Erhöhung des Tagelohnes(jetzt 4 M.) auf 4,50 M., innerhalb 6 Jahren steigend auf 5 M., vorzunehmen. Die Vertreter der 1. und 2. Klasse verhielten sich ablehnend, jedoch sagte der Bürgermeister zu, nach Möglichkeit in diesem Jahre eine Aufbesserung eintreten zu lassen. Bei der Steuerverwaltung beantragten unsere Vertreter, die Ein- kommen unter 900 M. steuerfrei zu lassen. Natürlich wandte sich auch hier die bürgerliche Mehrheit dagegen. Unsere Gemeinde- vertteter forderten dann, daß wenigstens diesen Steuerzahlern von der Gemeinde eine Veranlagung zugeschickt werde, damit den- selben Gelegenheit für eventuellen Einspruch gegeben werde. So- weit keine gesetzlichen Hinderungsgründe bestehen, versprach der Bürgermeister, dem Wunsche zu entsprechen. Zur Deckung der verschiedenen Mehraufwendungen machte sich die Erhöhung der Hundesteuer notwendig. Dieselbe wurde auf SO M., für jeden weiteren Hund auf 40 M. festgesetzt. Der Gemeindesteuerzuschlag bleit bei 120 Proz. Tegel. Ein Lokomotivschuppen in Flamme«. Auf dem Hafenbahnhof der Industriebahn Tegel— Friedrichßfelde brach vorgestern nach» mittag ein größeres Feuer aus. Der Brandherd lag in eine» au» Fachwerk bestehenden Lokomotivschuppen, und als die Feuer- wehren von Tegel, vom Borsigwerk und aus Wittenau anrückten, stand der ganze Schuppen schon vollständig in Flammen. Drei Lokomotiven hatte man noch in letzter Minute ins Freie holen können. Die Wehren griffen das Feuer sofort mit mehreren Rohren an, doch konnte nicht verhindert werden,- daß die Flammen auch ans den benachbarten Wasserturm übersprangen. Erst nach zweistündiger Löschtätigkeit war die Gefahr beseittgt. Der Lokomotivschuppen, der auch Reparaturwerkstätten enthielt, ist völlig zerstört worden. Ebenso sind an dem Wasserturm alle Holzteile verbrannt. Die Ursache de» Feuers ist nicht ermittelt. Eine Betriebsstörung tritt bei der Industriebahn nicht ein. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Reintckendort. In der Gemeindevcrtretersttzung verlas der Bürgermeister zu» nächst den in Gemeinschaft mit dem Berliner Magistrat bei der Regierung gestellten Antrag auf Bereinigung Reinickendorfs mit Berlin. Den neuen Voranschlag de» Etat« pro 1914/16 festzusetzen, bietet so auktzerordentliche Schwierigkeiten, daß.S aussichtslos erscheint, ihn bis Ablauf dieses Etatsjahres zu Ende zu beraten. Die Finanzkommission beantragte daher, den Gemeindevorstand zu ermächttgen, im neuen Etatsjahr vorläufig Zahlungen nach Maßgabe des Etats vom laufenden Jahre zu leisten. Die Ber» sammlung stimmte dem Antrage zu. Vom Gemeindevorstand war beim Provinzialschulkollegium beantragt worden, die höhere Mädchenschule als Lyzeum anzuerkennen. Die Schule befindet sich zurzeit noch in einem Anbau der ersten Gemeindeschule. Die Re- gterung verlangte nun unter anderem, daß sie jederzeit das Recht haben solle, bon der Gemeinde den Bau eines eigenen Schul- gebäudeS für daS Lyzeum zu fordern; eine bei unseren finanziellen Verhältnissen sehr kitzliche Bedingung. Es besteht kaum ein Zweifel, daß— veranlaßt durch Beschwerden der Eltern und der AnstaltS- leitung— die Regierung schon in sehr kurzer Frist den Neubau verlangen würde. Es wurde deshalb beschlossen, eine mindesten» vierjährige Wartefrist festzulegen. Die Kanalisationgebühren wur- den wieder auf 314 Proz. vom staatlich veranlagten Gebäudesteuer- nutzungswert festgesetzt. Vorder aber ließ sich die bürgerlich« Fraktion vom Gemeindevorstand bestätigen, daß seiner Ansicht nach die hiesige Gemeindevertretung bei der Festsetzung etwaiger vom Ausschuß des Kanalisationszweckverbandes beschlossenen Beiträge nicht mitzuwirken habe. Diese Frage spielt augenblicklich in Ret- nickendorf eine große Rolle. DaS Rieselaut Schönerlind« steht im Eigentum des von den Gemeinden Reinickendorf und Wittenau gebildeten KanalisationSzweckverbandeß. Nach dem zwischen beiden Gemeinden abgeschlossenen ZweckverbandSvertrage und nach§ 17 Abs. 1 de» Zweckverbandsgesetze« ist der Zweckverband berechtigt, in sachgemäßer Anwendung deS Kommunalabgabengesetzes Gebühren und Beiträge zu erheben. Ter Erwerb deS zur Berieselung be» nötigten Gelände? und die Ginrichtung des Rieselgutes zwangen zur Aufnahm« einer hohen Anleihe, deren Verzinsung und Tilgung letzt außerordentliche Aufwendungen erheischen, die in Form außer» ordentlich hoher Kanalisationsgebühren ihren Ausdruck finden. So würde diese beispielsweise in Reinickendorf dauernd mindestens 7 Proz. vom GebäudesteuernutzuNgSwert bettagen müssen. Eine Ermäßigung dieser Sätze kann nur erreicht werden, wenn durch eine einmalige außerordentliche Schuldentilgung der Zinsendienst erleichtert würde. Tie Mittel hierzu müßten von den Interessenten — den Haus- und Grundbesitzern— durch einen einmaligen Bei- trag ausgebracht werden. Diese Absicht fand auch anfänglich den Beifall der Hausbesitzer und Reinickendorf setzte dann im Verbands» ausschuß einen Beschluß durch, der die Sttaßenanlieger verpflichtet, pro laufenden Meter GrundstückS-Straßenfront einen einmaligen Beittag von 20 M. zu leisten. Wider Erwarten erhoben sich aber gegen diesen Beschlutz— wohl aus der Hoffnung auf Eingememdung gebore« — bei den Hausbesitzern, die bei diesem Beschlutz gerade am besten wegkommen, ein starler Widerspruch. Sie behaupten jetzt, daß der Zweckverband nicht das Recht habe, derartige Beschlüsse zu fassen. Er könne den gesamten Bedarf feststellen und den ungedeckten Teil durch ein Umlageverfahren auf di« einzelnen Verbandsglieder— also die Gemeinden— verteilen. Und diese haben dann erst nach Reinickendorf- Tegel. Wirt Die Gemeindewahlbewegung. fuglatt und auch, daß, der„ Erfolg figher fei. Wo ein Don um fiber zwei Jahren das nachzuholen, was dieſes mal versäumt ordnungsmäßigen Beschlüssen der Gemeindekörperschaften das Recht, Friedrichstr. 75, eine große öffentliche Wählerversammlung zur Wahl[ mittags, die zweite von 7-8 Uhr abends. Für uns kommt den benötigten Beitrag von den einzelnen Interessenten zu er- Stellung nehmen. Die Handzettelverbreitung dazu, verbunden mit diesmal nur die zweite Abteilung in Frage, der sozialdemokratische heben. Und hier zu Hause bei sich, in der von ihnen beherrschten der Verbreitung eines Flugblattes, wird am Mittwochabend vor- Kandidat ist Genosse Hermann Modisch. Bon gegnerischer Gemeindevertretung, glaubten sie die Sache irgendwie mit einer neuen Anleihe Binfen und Tilgung selbstverständlich zu Lasten genommen. Jeder Genosse hat die Pflicht, fich daran zu beteiligen. Seite find zwei Kandidaten aufgestellt, so daß es höchstwahrscheinlich der Allgemeinheit deichseln zu fönnen. Bu ihrem großen Leidzur Stichwahl kommt. Da wir für die dritte Klasse feinen Genossen Friedrichshagen. Die Gemeindewahlen find in allen als Hausbefizerkandidaten haben, beteiligen wir uns offiziell nicht wefen aber war nichts mehr zu machen". Die bürgerliche Fraktion drei Klassen beendet. Daß in der dritten Klasse unsere an der Wahl. aber ließ sich zur Sicherung ihrer heilen Haut vom Gemeindevor- Genossen Miette und Es ist jedoch Pflicht der Genossen, pünktlich um Stephan mit überwältigender 6 Uhr anwesend zu sein, damit die Besetzung des Bureaus von stand bestätigen, daß sie für diese Frage" leider" unzuständig sei. Stimmenmehrheit wiedergewählt wurden, haben wir schon uns erfolgen tann. Die armen Krele, sie weinten fast vor Freude über ihre Un- berichtet. In der zweiten Klasse wurde für den auszuständigkeit. Bom Gemeindevorstand war beantragt worden, die scheidenden Herrn Gude der Buchdruckereibefizer Noster- merlen, daß sich in der hiesigen Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre Grünau. Zu dem Ausfall der Gemeindevertreterwahl ist zu beGenfer Straße voll auszubauen. Es wurde aber beschlossen, nur Sirschgarten ohne Gegenkandidaten und in der ersten Klasse wurden badurch eine bedeutende Veränderung vollzogen hat, daß zirka 200 Bean den Stellen den Ausbau vorzunehmen, an denen bereits gebaut die beiden bisherigen Vertreter Görling und inge, in der amtenfamilien im Drt ansässig geworden sind, die die eigentliche worden ist. In den Verbandsausschuß des Giroverbandes der Ersazwahl Rentier roter gewählt. kommunalen Verbände der Provinz Brandenburg wurde auf Vor- Diese Wahlergebnisse bilden eine flägliche Niederlage für den werdende Wohnung wurde sofort durch Beamte belegt. Dieser Umstand Arbeiterbevölkerung nach und nach hinausgedrängt haben. Jede frei schlag des Herrn Henschte, der bei dieser Gelegenheit feine Ran- famofen Bürgerverein. Unter diesem Namen vereinigte machte sich bei der legten Wahl augenfällig bemerkbar. Bei Beginn des bibatenrede hielt, der Stadtrat Reich he Im gewählt. Den üblichen sich vor etwa zwei Jahren ein kleines Grüppchen hochkonservativer Wahlattes füllte sich das Lokal sofort mit 60 bis 70 Beamten. Um Anträgen auf Genehmigung von Etatsüberschreitungen wurde au- Leute, zumeist Staatsbeamte, um einerseits gemeinschaftlich Eis- den berhaßten Sozialdemokraten aus der Vertretung zu verdrängen, gestimmt. beine, andererseits die bestehende Gemeindevertretung mit Haut hatten sich Grundbefizer, Liberaler Bürger- und der Beamtenverein und Haaren zu verschlingen. Ueber eine Vernachlässigung der erst auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt und zwar auf den Die Mißstände in der Niederbarnimer Driskrankenkasse. Was hingegen die andere anbetrifft, so ist die hiesige Einwohner Wählern erschienen 487. Unter den 246 bürgerlichen Stimmen genannten Bereinsaufgabe find Klagen nicht bekannt geworden. tonservativen Bahnmeister Steinweg. Bon 835 eingeschriebenen Mit diesem Thema wird sich am Donnerstag, den 26. März, abends schaft seit Monaten nicht im Zweifel darüber gelassen worden, daß befanden sich 42 Forensen- und 147 Beamtenstimmen. 5½ Uhr, im Schüßenhaus", Reinickendorf- Oft, Residenzstr. 1, eine bei den diesmaligen Wahlen der Bürgerverein mit eisernen Besen lich ein Resultat, auf das Herr Ehrhardt als Wahlmacher öffentliche Krankenkassenmitgliederversammlung beschäftigen. Gine tehren und fortan die Zügel der Gemeinderegierung in seine kraft- des Bürgervereins und Herr Wicke zweite Versammlung findet am Freitag, den 27. März, vollen Hände nehmen werde. Vor allem sollte die Sozialdemo- nicht besonders stolz sein können. Die 130 Mitglieder des liberalen vom Grundbefizerberein abends 5% Uhr, in den„ Eichbornsälen", Reinickendorf- Weft, Gich- tratie aus dem Gemeindeparlament entfernt werden, deren Ein- Bürgervereins haben sich bis auf wenige Ausnahmen nicht an der bornstraße 60, statt.- Arbeiter, erscheint in Massen in diesen fluß und Machtlitel" nicht mehr zu ertragen sei. Habe doch ein Wahl beteiligt, also gegen die Machenschaften seines Vorstandes reVersammlungen und protestiert gegen das unhaltbare System in fozialdemokratischer Vertreter die Frechheit beseffen, in ein und belliert und dadurch mehr politisches Reinlichkeitsgefühl bewiesen wie der Kaffenverwaltung. Die Gewerkschaftskommissionen von Reinickendorf und Tegel. berselben Sigung Unterstüßung für Arbeitslose zu verlangen, da dieser. gegen die Uebernahme der Kosten für einen Bierabend zur Jahr- Bedauerlicherweise hatten eine Anzahl Arbeiter sich der Wahl hundertfeier abzulehnen! Solche Männer gehören nicht in die enthalten. Der Ausgang dieser Wahl muß uns ein Ansporn sein, Gemeindevertretung," so und ähnlich las man es in dem Wahl- die nach ihrer Klassenlage zu uns gehörenden Wähler zu gewinnen, sicher" Bansa fich einzustellen. Und siehe da, Herr Grenzien, VorQuichotte sein Schlachtroß fattelt, pflegt auch ein feister Sancho figender vom Haus- und Grundbefiberberein, erschien mit berflärter Miene auf dem Schauplak der Begebenheiten. Nämlich der Bürgerverein hatte ihm eines von den Mandaten der dritten Klasse, die er der Sozialdemokratie abnehmen würde, abgetreten. Allerdings sollte dafür der Grundbefiberberein von den drei zu belebenden Mandaten der ersten Klasse jofort zwei dem Bürgerverein Schiebung vorgenommen werden. Der seitherige Vertreter Görüberlassen. Mit dem dritten aber sollte eine ganz merkwürdige ling, den direkt abzuschieben man sich wohl nicht recht getraute, sollte diesmal als Angeseffener gewählt werden, obwohl er die gefeßlichen Voraussetzungen dafür nicht erfüllt. Die Wahl hätte für ungültig erklärt werden müssen, doch wird man annehmen dürfen, daß dann der Bürgerverein selbstlos in die Bresche gesprungen wäre, um auch das dritte Mandat zu befeßen. Der Handel lief also lebten Endes darauf hinaus, dem Bürgerverein drei Mandate nicht ganz sichere Aussicht auf ein Mandat in der dritten Klasse in der ersten Klasse zuzuschanzen, wofür er lediglich die doch immerhin Tausch gab. Wer da meint, baß dieser Handel denn doch zugefcheit angelegt gewesen sei, um beim Vorstand des Grundbesitzer vereins Gegenliebe zu finden, ber informiere fich gefälligst bei Cervantes über das Wesen des Sancho Panja. Herr Grenzien unterschrieb den Vertrag! Seine Grundbefigerversammlung je doch brachte ihm verständnisvolle Heiterkeit entgegen und- nominierte die beiden bisherigen Vertreter und für die Ersatzwahl Malermeister Schmidt. Erfreulicherweise ließ der Bürgerberein feinen Zorn darüber nicht an den unschuldigen Grenzien aus, sondern beließ ihm seine Kandidatur Durchfall ihr ein natürliches Gnde bereitete. Nach der Absage der bis der jämmerliche Grundbesitzer wurde es dem tapferen Don Quichotte und SoziaKarlshorst. Auf zur Gemeindewahl! Heute soll es fich entscheiden, ob die Gemeindepolitik der letzten Jahre in der bisherigen Weise fortgeführt werden soll von Leuten, die nicht das geringste Verständnis für das Wohl der minderbemittelten Bebölkerungsschicht bewiesen haben. Durch den Terrorismus unserer Gegner ist die sozialdemokratische Partei bisher nicht in der Lage gewesen, der hiesigen Bevölkerung Aufschluß zu geben über die Sünden der bürgerlichen Vertreter. Nicht eine größere Versammlung konnte fie abhalten, weil ihr die Säle vorenthalten werden. Um fo mehr ist es Pflicht eines jeden Arbeiters heute am Wahltag durch intenfive Tätigkeit dafür zu sorgen, daß auch der letzte unserer Anhänger Herangeholt wird. Uns steht nicht der Beamtenapparat wie den Gegnern zur Verfügung, um so mehr müssen unfere organisierten Genoffen heute mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dafür Sorge tragen, daß wir die Wahl mit Ehren bestehen. Schon werden im bürgerlichen Lager Versuche unternommen, bei einer etwa notwendig werdenden Stichwahl zu einer Einigung au gelangen. Macht alle Hoffnungen der Gegner aunichte und tretet geschlossen für unsere Kandidaten Engel und Dempwolf ein. Stellt Euch so früh wie nur irgend möglich im Schlepplokal, Restaurant Buchholz, Dönhoffstraße 1, zur Verfügung. Gewählt wird in dem uns nicht zur Verfügung stehenden Restaurant König, Erestowallee 87, bon 12-8 Uhr. Frisch ans Wert! Wahlresultatsverkündung abends 8 Uhr im Fürstenbad". zu Reinickendorf. Bei den am Sonntag und Montag statt. gefundenen Gemeindevertreterwahlen für die dritte Klasse erhielten im 1. Bezirk bie Genoffen& ange 1003, Schulze 921 Stimmen; im 2. Bezirk der Genosse. Selte 808 Stimmen und im 3. Bezirk der Genosse Gurich 893 Stimmen. Die auf einige bürgerliche Gegner entfallene Stimmenzahl ist so gering, daß fie einer Erwähnung nicht bedarf. Adlershof. Die Gemeindevertreterwahl in der zweiten Abteilung' batte folgendes Ergebnis: Es erhielten Haus- und Grundbefizerverein 184 Stimmen. Neuer Haus- und Grundbesitzerverein 47 Stimmen und die Sozialdemokratie 76 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Bei dieser Wahl wurden insgesamt 54 Forensen ftimmen abgegeben. Außerdem mußten 19 Forensenstimmen aurüdgewiesen werden. Die Gegner hatten es sich nicht nehmen laffen, sogar Schulkinder zum Zettelverteilen zu verwenden. In Prenden( Kreis Niederbarnim) gelang es, in der dritten Klaffe in dem Geuoffen Otto Görig den ersten Sozialdemokraten ins Dorfparlament zu wählen. Erfuer. Endlich ist die Wahl ausgeschrieben, fie findet am Sonntag, den 29. März, im Lofal bor. A. Degebrodt, Friedrichstr. 1, statt. Die dritte Klasse wählt von 12-6 Uhr nach mittags. Am Donnerstagabend 8%, Uhr wird bei E. Degebrodt. Bestellschein V. Bis 2Exempl. ein Postpaket à 8 M. gegen Wander der Urwelt Berlin W, Lützowstraße 31, Exemplare Willibald Wendes Verlag, Hiermit bestelle bei Nachnahme Genaue Adresse: Umtausch oder Zurückgabe bereitwilligst gestattet. . wurde. feren Genossen nicht, das Mandat in der 3. Abteilung zu erobern. Nach Budow. Bei der hiesigen Gemeindewahl gelang es leider uneinem von den Gegnern mit allen zu Gebote stehenden Mitteln geführten Wahlkampf unterlag unser Kandidat mit 58 gegen 76 Stimmen des bürgerlichen Kandidaten. Mit welcher Heftigkeit der Wahlkampf geführt wurde, geht schon daraus hervor, daß es unseren Genoffen gelang, mit nur 2 Stimmen Mehrheit das persönlich gehäffigen, oft radauartigen Angriffen auf unsere GeWahlbureau zu besetzen. Das veranlaßte unsere Gegner, zu noffen während der Dauer der Wahlhandlung. Der Aerger der Herren beruhte darauf, daß der Wahlvorstand 26 Forenserstimmen, deren Unterschrift feine Beglaubigung aufwies, nicht zur Wahl guließ. Der Macher der ganzen Wahl, Direktor Gutjahn vom Neuköllner Krankenhaus, leitete persönlich die Arbeiten für den bürgerlichen Kandidaten, ein Auto zum Schleppen hatte der Fahrradhändler Wolf in Briz gestellt. Daß wir das Mandat nicht baß das Personal des Krankenhauses unter persönlicher Aufsicht gewannen, dürfte hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben sein, ihres Direktors, der während der ganzen Wahlzeit zugegen war, ihr Wahlrecht ausüben mußte. In der 2. Abteilung wurde mit 25 Stimmen Landwirt Drößler, in der ersten mit 3( drei) Stimmen Gutsbesizer Rohrbed gewählt. Gegen die Wahl des letzteren wurde sofort Brotest erhoben. listentöter etwas bänglich ums Herz, aber noch einmal begann der Stern des Oberlehrers baise, Vorsitzender des Bürgervereins, aufzuleuchten, als furz vor der Wahl Herr Schmidt die Kandidatur ablehnte und eilfertigst der Vorstand des Grundbesitzervereins, ohne die Mitglieder zu fragen, durch eine öffentliche Bekanntmachung Herrn Haife als alleinigen Kandidaten für die Erfazwahl profla Vorstbenden vom Bürgerverein gesichert, nachdem ihm alle anderen felle davongeschwommen waren. Doch immer noch war das Maß der Enttäuschungen nicht voll. Als man das Resultat der Wahl in der ersten Klasse besah, lag Herr Haise mit ganzen 10 Stimmen platt im Sande, während der plöblich wie vom Himmel herabgefchneite Kandidat cofer mit 30 Stimmen das Mandat in die Tasche steďte. Nun lacht ganz Friedrichshagen über den Reinfall Bergens feine Rofinante absäumt, reibt sich Sancho Bansa im bes Bürgervereins. Und während Don Quichotte gebrochenen hilflosen Erstaunen über die Zrrwege des Schicksals die schmerzende Sinterseite. Schenkendorf( bei Königs- Wusterhausen). Die Gemeindewahlen finden am Mittwoch, den 25. März. im Restaurant Rudolf Möhrife ſtatt. Die dritte Abteilung wählt von 6-7% Ubr nachHochinteressant, spannend und lehrreich für jeden Leser! Die Wunder der Urwelt und die Entwicklungsgeschichte der Erde. Nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen bearbeitet und herausgegeben von GUSTAV A. RITTER. Ca. 700 Seiten mit mehr als 500 OriginalIllustrationen GanzleinenPrachtband Lexikon Format Wir können das Werk jedem Leser nur bestens empfehlen, um so mehr, als der außergewöhnl. billige Preis nur 3 Mark für das ganze Werk beträgt Auch bei diesen Wahlen mußten unsere Genossen bom Wahlborstand 9 Forensen mangels Beglaubigung der Unterschrift zurückweisen. Der Ausgang der Wahl der 8. Abteilung zeigt unseren Genossen, daß noch mehr agitiert werden muß, wenn die 8. AbWahlkampfes der Boden vorbereitet, nun muß die Arbeit für die teilung Befit der Arbeiterschaft werden soll. Es ist während des Gewinnung von Vorwärts"-Lesern und Mitgliedern für den Wahlverein einsetzen. " Sigungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Friedrichshagen. Heute Dienstag, den 24. März, nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Fortsetzung der Statsberatung. haus, Möllendorffftraße. Fortlegung eventuell Freitag. Lichtenberg. Donnerstag, den 26. d. Wis., abends 6 Uhr, im Rate Marienfelbe. Am Mittwoch, den 25. März, nachmittags 6 Uhr, im Schuler Echönhausen. Heute Dienstag, nachmittags 6 Uhr, im Rathause. Etatsberatung. Hermsdorf b. Berlin. Dienstag, den 24. März, abends 5 Uhr, im Gemeindebaus. Diese Situngen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige i be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Frauen- Leseabende. Waidmannsluft. Mittwoch, den 25 März, abends 8 Uhr, im heizerhaus". Dianastraße. Bortrag des Gen. Sassen- Berlin über Berfassungsfragen". Ober- Schöneweide. Mittwoch den 25. März, abends 8%, or, bet Rabe, Wilhelminenhofstr. 43. Vortrag der Gènossin Grumach. weir Als Geschenkwerke sowie vorzüglich geeignet zu Prämien, Bibliothekzwecken a. dergl. sind die bereits früher angezeigten Werke, die, soweit noch vorrätig, ebenfalls zum Preise von 3 Mark abgegeben werden Rund um die Erde Das große Buch der Liebhaberkünste Das große Buch der Jagden u.Abenteuer Das Buch der Neuesten Erfindungen Wunder der Unterwelt, des Himmels Das Buch der Tierwelt Der Haussekretär Schillers, Goethes, Reuters Werke Ratgeber für, den Guten Ton Praktische Rednerschule Dr.Book's Buch v.ges. u.krank.Mensch. Neue Perlen der Tonkunst In klarer, jedermann verständlicher Sprache zieht hier die Schöpfungsgeschichte von den Uranfängen bis zur Gegenwart an uns vorüber. Wir sehen nicht nur den Erdball selbst entstehen, sondern auch die organische Welt, die auf demselben lebt, Pflanzen sowohl wie Tiere sich von den unvollkommensten organischen Körperchen durch Zeiträume von Jahrmillionen bis zu immer vollkommeneren Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen, als dem höchstorganisierten und vollendetsten Wesen, ihre höchste Schöpfungskraft zeigt. Was Kopernikus, Kepler, Newton, Kant, Laplace, Alexander von Humboldt, alle die vielen Forscher als richtig erkannt und zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt. Zahlreiche Anerkennungen aus allen Kreisen und aus allen Teilen der Welt, u. a.: Nachdem ich schon 5 Bücher von Ihnen erhalten habe, bin ich überzeugt, daß diese Prachtbibliothek in keinem Hause fehlen darf. Ich werde deshalb Ihre werten Bücher gern jedem empfehlen, und nach und nach mir noch mehr Exemplare kommen lassen. gez. Fritz Kasch, Kropp. 60 000 F. 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Beck(natl.) und Erzberger($■) beantragen. die sich aus dem vermehrten Verkehrsbedürfnis ergebenden neuen Beamtenstellen im Po st etat schon in diesem Gesetz zu bewilligen. Abg. Beck snatl.) weist darauf hin, dah die Entscheidung in den anderen Beamten� fragen durch diese Bewilligung nicht beeinflußt Wersen solle. Der Antrag und das Etatnotgesetz werden angenommen. Der Reichsschuldenkommission wird für ihren Be- richt vom 8. März 1913 Entlastung erteilt. Ohne Debatte erledigt werden Re chnung en über den Etat von Kiautschou für 1905, 1996 und 1997, eine Rechnung der Oberrechnungskammer für 1919 sowie Rechnungen über dre Etats einiger Kolonien für 1998. Es folgt die zweite Beratung des Nachtragsetats für 1913 betreffend den Erwerb öes Erunüftücks Viktoriaftr. 34 für öie Militärverwaltung. Die Kommission beantragt die Bewilligung der als erste Rate teforderten 2S99 999 M., unter Uebernahme des Titels auS dem ltilitäretat in den Etat des Reichsschatzamts, mit der Hinzufügung, daß die Zweckbestimmung des Grundstücks späterer Beschluß- fassung, zu der die Zustimmung deS Reichstags einzuholen ist, vor- behalten bleibt, und daß die Verwaltung im übrigen ermächtigt ist, das Grundstück zu veräußern, falls mindestens der Selbstkosten� preis erlöst wird. Ferner beantragt die Kommission dazu drei Resolutionen. Erstens soll die Frage des Regreßanspruches des Reichs als- bald geprüft und dem Reichstag darüber berichtet werden, ferner sollen Tauschgeschäfte über Grundstücke in Zukunft etats- rechtlich ebenso behandelt werden wie Kaufgeschäfte und drittens wird der Reichskanzler um beschleunigte Vorlegung eines Reichs wivtschaftsgesetzes ersucht. Abg. Stückle»(Soz.): Durch die Vorlage soll eine Angelegenheit zum Abschluß ge bracht werden, die seit Jahr und Tag sehr viel Staub aufgewirbelt hat. Es handelt sich hier um einen Verstoß gegen das Budgetrecht des Reichstags, um den Versuch einer BerfassungSverletzung. Dem Reichstag wird eine Rechnung präsentiert, die weit über 6 Millionen hinausgeht, die aufgestellt wurde von einem Schiedst gericht, von besten Zusammensetzung der Reichstag keine Kennt« nis hatte. Die Kommission hat sich dahin entschieden, daß der Reichstag in den sauren Apfel beißen und für den Betrag auf' kommen müsse. Der Kriegsminister meinte in der Kommission, damit, daß dem Reichstag diese Vorlage zugehe, sei um ?n d e m n i t ä t gebeten. Danach scheint er eine sehr v e r- chleierte Auffassung von dem Begriff Indemnität zu haben. Wenn die Regierung das wollte, mußte sie im vorigen Jahre bereits er- klären, wir sehen ein, daß wir gegen die Verfastung verstoßen haben, und bitten um Indemnität. Jetzt, nachdem dös Schieds' gericht den Mililärfiskus verurteilt hat. dem Reichstag erklären, er solle die annähernd ö Millionen bezahlen, damit suche man zugleich um Indemnität nach, das heißt denn doch, dem Reichstag allzuviel zumuten.(Sehr wahp! bei den Sozialdemokraten.) Nein, Indemnität ist nicht nachgesucht worden, der Reichstag ist vor eine vollendete Tatsache gestellt worden. Ich behaupte, daß die Militärverwaltung mit voller Absicht darauf hinzielte, das Budgetrecht des LieichStages bei dem großen Geschäft, das da gemacht werden sollte, vollkommen auszuschalten. Deshalb muß der Reichstag mit aller Schärfe dies Vorgehen verurteilen, damit die Herren von der Militärverwaltung einsehen lernen, daß die Bestimmungen der Berfassung nicht allem für uns, sondern auch für sie gelten, damit nicht ein zweites Mal versucht wird. den Reichstag zunächst in der Weise zu hinter- gehen, und dann vor eine vollendete sehr unangenehme Tatsache zu stellen.(Präsident Kaempf rügt den Ausdruck„hinter- gehen'.) Ich werde versuchen, die Handlungsweise der Militär- Verwaltung mit den mildesten Ausdrücken zu charakterisieren, möchte aber betonen, daß eine solche Angelegenheit den Reichstag noch nie- malS beschäftigt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es dreht sich bekanntlich um den Neubau eines Gebäudes für das Militärkabinett. Bereits 1992 wurde vom Reichstag der Bau eines solchen Gebäudes Ecke Prinz-Albrecht- und Königgrätzer Straße ab- gelehnt im Hinblick auf die schlechten Finanzen des Reichs. Die sind inzwischen nicht besser geworden, sondern vor allem durch die Schuld deS Militarismus noch schlechter. Der Chef des Militärkabinetts Frhr. v. L y n ck e r drängt aber seit langem darauf, daß ein eigenes Gebäude für das Militärkabinett und vor allem für ihn eine luxuriöse Dien st Wohnung hergestellt werde. Ich bin überzeugt, daß gerade dieser letztere Wunsch die treibende Kraft bei der ganzen Frage gewesen ist. Wir haben wiederholt betont, daß wir die ganze' Einrichtung des Mililarkabinetts verurteilen, daß wir in ihm eine militärische Nebenregierung sehen. Aus einer Schreibhilfe für den Kaiser, die eS eigentlich sein sollte, ist eine Instanz geworden, die auf dem Umwege über den Kaiser dem Kriegsministerium Aufträge erteilt. Der KriegSminisler v. Heeringen bestritt, daß ihm vom Militärkabinett ein Auftrag erteilt werden könne. Direkt gewiß nicht, aber die beiden Herren sind ja zum Vortrag beim Kaiser zugelassen, und was der Chef des Militär kabinetrs wünscht, geht dem Kriegsminister als Be'ehl deS Kaisers wieder zu. Als Verwaltungsbehörde sollte aber das Militärkabinett dem Kriegsminister unterstellt sein. Seine Wirkung vermögen wir zahlen- mäßig am besten an der Hand des PensionSeiats zu erfassen, der bekanntlich beständig gewalrig in die Höhe geht. Für die Wirk- samkeit des Militärkabinelts ist der K r i e g s m i n i st e r ver- antwortlich, obwohl er nicht den mindesten Einfluß darauf hat. Das Mililärkabinett stellt eine militärische Nebenregierung dar, und zwar eine unverantwortliche und ist die festeste Stütze des persönlichen Regiments. Daß der Kriegsminister für Dinge verantwortlich ist, aus die er keinen Einfluß hat. ist ganz un- haltbar, und es ist bezeichnend, daß sich immer noch Herren finden, die bereit sind, in solchem Fall die Verantwortung zu übernehmen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Räume des Militärkabinetts sind unzureichend geworden. >m einfachsten wäre es, dem Chef des Militärkabinetts den Wohuungsgeldzuschuß zu geben— er beträgt 15 333 M., und dafür ist wohl auch für einen preußischen General eine würdige Wohnung zu bekommen. Dann würden genügend Räume frei werden. Das Militärkabinett braucht aber gar nicht in der teuren Gegend der Behrenstratze zu stehen, es könnte ganz gut auf dem Tempel- hofer Felde errichtet werden, wo auch das Bezirkskommando erbaut ist. Ins Bezirkskommando müssen jährlich Zehntausende Berliner Bürger gehen: die Offiziere, die dem Militärkabinett unter- stellt sind, haben persönlich dort sehr wenig zu tun, und die blauen Briefe, die von dort versandt werden, kommen in ganz gleicher Weise an, ob sie im Tempelhofer Felde oder in der Behrenstraße aufgegeben werden.(Sehr richtig!) Aber der Chef des Militärkabinetts wünschte ein luxuriöses Dienstgebäude in der teuren Viktoriastraße mit einer Dien st Wohnung von 16 Zimmern und einem Festsaal. Da möchte ich doch fragen, ob das mit der so viel gerühmten militärischen Einfachheit in Einklang steht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Militärverwaltung wußte, daß sie ein solches Gebäude auf geradem Wege nicht bekommen würde, und deshalb suchte sie es auf sebr bedenklichen Umwegen zu erreichen.(Präs. K a e m p f ersucht den Redner, die parlamentarisch zulässigen Grenzen nicht zu überschreiten.) Als rettender Engel erschien eines Tages im Kriegsministeriuin ein Herr v. Winterfeldt, dersich als Bankdirektor vorstellte. Mit ihm wurde verabredet, daß man gegen die Grundstücke in der Behren- und Königgrätzer Straße die Villa in der Viktoriastraße und das daneben befindliche Grundstück mit einem zu errichtenden Militärdienstgebäude und dann noch das Grundstück Wilhelmstr. 78 eintauschen wollte. Der Herr v. Winter- feldt besaß damals gar nichts, aber hinter ihm stand die Dresdner Bank, die das nötige Geld gegen 6 Proz. Zinsen und monat- liche Provision zur Verfügung stellte. In der Viktoriastraße ist ein dreistöckiges Gebäude errichtet, und der Reichstag dann vor die vollendete Tatsache gestellt worden. Das ganze kühne Gebäude brach aber zusammen, als der preußische Landtag das Grundstück haben wollte, das die Militärverwaltung dem Herrn v. Winterfeldt ver- sprochen hatte, und es brach völlig zusammen, als die Sache an den Reichstag kam. Der Staatssekretär Kühn erklärte damals, das Budgetrecht des Reichstags sei gewahrt, denn allen Abmachungen sei hinzugefügt worden„vorbehalilich der Zustimmung des Reichstags" Der Staatssekretär Kühn hatte also keine Kenntnis von dem was im Kriegsministerium vorging. Bei der Verhandlung im Reichstag erklärte auch der Kriegsminister v. Heeringen, bestimmte Zusicherungen hätte man Herrn v. Winterfeldt machen müssen, doch sei das Reich in keiner Weise gebunden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Jetzt aber zeigt sich, daß bindende Ab- machungen mit Herrn v. Winterfeldt und seinen Hintermännern getroffen waren.(Hört! hört!) Die Kommission lehnte die Sache damals ab und im Plenum wurde die Forderung seitens der Regierung zurückgezogen. Damit schien die Sache für uns erledigt. Herr v. Winterfeldt hat aber den Militärfiskus verklagt und sich mit ihnr geeinigt, die Sache einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Von diesem Schieds gericht hatte der Reichstag keine Kenntnis; allerdings hatte der Staatssekretär Kühn in seiner langen Rede vom 2. Dezember darau hingewiesen und zugleich gesagt, daß das Verfahren vor dem Schiedsgericht noch schwebe; aber dieser Passus seiner Rede war nicht beachtet worden. Das Schiedsgericht hat nun entschieden, daß das Reich an die Dresdner Bank einschließlich Zinsen etwa S'/z Millionen Mark zu zahlen habe, oder das Grundstück in der Viktoriastraße übernehnien müsse zum Preise von rund fün; Millionen Mark. Das Reich ist danach mindestens um 2 bis 2,/a Millionen Mark geschädigt. Das Schiedsgericht hat festgestellt, daß man im Kriegsmini st erium den Plan hatte, die Angelegenheit außeretatsmäßig durchzuführen (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten), indem ein Unternehmer au einem ihm gehörigen Gelände unter Aufsicht deS Ministeriums ein Gebäude errichten und dieses gegen ein anderes Grundstück dem Ministerium übergeben sollte. Dazu hielten die Herren sich für be- rechtigt. Die Resolution der Budgetkommission erklärt das Gegen- teil. Der frühere Kriegsminister v. Heeringen sagte, der Chef des Militärkabinetts habe bei der ganzen Sache nicht mitgeredet. Das Schiedsgericht aber stellt fest, daß das Grundstück Biktoriastr. 34 nach dem Vorschlag des Chefs des Militärkabinetts in Aussicht genommen wurde.(Hört! hört! b. d. Soz.) Im Jahre 1911 fing die Sache an, ohne daß dem Reichstag von dem Millionenprojekt Mitteilung genracht ivurde. Im Kriegs- Ministerium sind die Baupläne ausgearbeitet worden, die Bauausführung ist von einem Beamten des Kriegs- Ministeriums überwacht worden, und da will man sagen, das Kriegsministerium habe sich nicht gebunden. In dem Prozeß machte das Kriegsministerium den Einwand, bindende Abmachungen seien mit Herrn v. Winterfeldt nicht getroffen worden, denn notariell sei gar nichts abgemacht worden. Dabei hatte Herr v. Winterfeldt einen Brief aus dem Kriegsmini st erium erhalten, worin be- merkt war:„Wenn das Kriegsministerium Ihnen einen solchen Brief schickt, so ist das mindestens so sicher, wie eine notarielle Be- glanbignng". Und dann beruft man sich nachher darauf, es sei nichts notariell abgemacht worden.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Einen parlamentarischen Ausdruck für ein solches Vorgehen gibt es nicht. Im kaufmännischen Leben würde das eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben bedeuten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Kriegsminister damals ausführte, ein Unternehmer wäre bereit, auf eigene« Risiko den Bau herzustellen, so möchte ich wirklich wissen, wie es mit der geistigen Beschaffenheit eines Bauunternehmers ans- ehen müßte, der ein Grundstück kauft, dort ein Dienstgebäude für das Militärkabinett baut und einrichtet, und wenn alles fertig ist, dem Kriegsministerium erklärt: Nun hitte, erwägt einmal, ob Ihr mir das abnehmen wollt!(Heiterkeit.) Gegenüber der Erklärung des KriegSministerS in der Kommission. daß er trotz alledem, was vorgegangen sei, das Gebäude für das Militärkabinett reklamierte, hat die Kommission das Gebäude dem Reichsschatzamt überwiesen, mit dem Auftrage, es, wenn mög- lich, zum S e l b st k o st e n p r e i s e zu verkaufen. Daraus geht klar hervor, daß die Mehrheit der Kommission und wohl auch die große Mehrheit des Reichstages nicht damit einverstanden ist, daß ein solches Gebäude für das'Militärkabinett errichtet wird. Den Resolutionen der Kommission stimmen wir zu. Es muß festgestellt werden, welche Beamren mit ihrem Vermögen für die Millionen, um die das Reich benachteiligt ist, haftbar gemacht werden können. Die Schuldigen find zwar alle vom Schauplatz ihrer Tätigkeit ver- chwunden. Aber sie sind doch da, und man kann sie ver- antwortlich machen. Auch muß die Frage geprüft werden, ob denn der Reichskanzler von den Dingen gar nichts gewußt hat, und ob er nicht auch regreßpflichtig gemacht werden kann. Dringend notwendig ist es ferner, daß die Rechte der Ver- waltung in dem verlangten Reichswirrschaftsgeietz genau abgegrenzt werden. Hat doch Staatssekretär Kühn in der Kommission den Standpunkt vertreten, daß bei Tauschgeschäften der Reichstag nicht gefragt zu werden braucht. Dogegen wurde in der Kommission allgemein protestiert. Wenn bisher in dieser Beziehung eine gewisse Handlungsfreiheit gelassen wurde, so bezieht sich das natürlich nur auf kleine Objekte, aber daran hat niemand gedacht, daß ein Staats- sekretär auf den Gedanken kommen könnte, daß er Millionenobjekte vertauschen dürfte, ohne den Reichstag zu fragen. In der Kom- Mission wurde bemerkt: Da könnte man ja einen schönen Tages auch den Reichstag vertauschen gegen irgend ri» anderes Gebäude! (Heiterkeit.) ES niuß also festgelegt werden, daß die Regierung kein Recht hat, Tauschgeschäfte zu machen, bei denen die Vermögens- übstanz des Reiches erheblich beeinträchtigt werden kann. Die ganze Angelegenheit ist wieder einmal ein Ausfluß de» Macht« willens des Militarismus, der hier versucht, da» Budget- recht des Reichstages auszuschalten, sich über die Verfassung hinweg- zusetzen. Das zeigt, wohin die Fahrt geht, und nur ein ge- schlossener Widerstand des Reichstages kann das deutsche Volk vor größerem Schaden bewahren.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) � Abg. Schiffer(natl.): Die Ausführungen über die Befugnisse des Chefs des Militär- kabinetts gehörten kaum zur Sache. Sie waren auch nicht nötig. denn der ganze Reichstag dürste sich darüber einig sein, daß das anfängliche Vorgehen der Militärverwaltung mit dem Budgetrecht des Reichstages nicht in Einklang zu bringen ist. Das hat der jetzige Kriegsminister auch in der Kommission ohne weiteres zugegeben. Die jetzige moralische und finanzielle� Zwangs- läge des Reichstages ist in der Tat sehr mißlich. Das Vertrauen, das wir der Regierung entgegenbringen mästen, ist hier auf eine schwere Probe gestellt worden. Diese Beeinträchtigung des Vertrauens zwischen Regierung und Reichstag ist für mich das schlimmste an der Sache. Der Beschluß der Kominission bildet ja nun einen einigermaßen erträglichen Aus- weg. Ebenso stimmen wir den Resolutionen zu. Hineingeleuchtet werden muß auch in die Art, wie Herr v. Winterfeldt in das Kriegsministerium eingeführt worden ist.(Bravo I) Abg. Gotheiu(Vp.): Sämtlich Parteien sind einig darin, daß die Vorgänge, die zu dem Tauschgeschäft geführt haben, das Etatsrecht des Reichs- tags verletzen. Selbst das Schiedsgericht hat festgestellt, daß im Kriegsministerium der Plan vorlag, die Sache„außeretatsmäßig" zu erledigen. Gegen die Erledigung der Sacke durch ein Schieds- gericht haben wir nichts einzuwenden. Der Fiskus ist dabei auch noch recht gut gefahren. Für uns ist aber wichtiger als die Frage, ob ein größerer oder kleinerer Verlust für das Reich entsteht, die Frage der Verletzung unseres Budgetrechts. Setzt das Militär« kabinett seinen Willen schließlich doch durch, so wird es wieder heißen, der Reichstag kann doch nnr schöne Reden halten. Das wird durch den Beschluß der Budgetkommission vermieden. Die Resolutionen der Kommission bitte ich ebenfalls anzunehmen. Allerdings gebe ich mich keinen großen Erwartungen hin über das, was bei den Regretzansprüchen herauskommen wird, schon weil ich hoffe, daß das Reich schließlich überhaupt ohne Verlust davonkommen wird. Freilich wäre die Erziehung derer, die sich so leicht über das Etatsrecht des Reickstags hinwegsetzen, durch Maßnahmen, die ihr eigenes Portemonnaie treffen, sehr wirksam— das Portemonnaie gehört ja zu den empfindlichsten Körperteilen.(Heiterkeit.) Die Forderung der Kommission nach einem Wirtschaftsgesetz ist ein alter Ladenhüter, den ich hier vor 39 Jahren schon vorgefunden habe. Mit einer Resolution werden wir es nicht erreichen.(Sehr wahr! links.) Trotzdem stimmen wir natürlich der Resolution zu.(Beifall bei der Volks- Partei.) Reichsschatzsekretär Kühn: Irgend eine absichtliche Verletzung des Budgetrechts des Reichs- tages ist nicht vorgekommen. Reine Tauschgeschäfte, die glatt auf« gehen, halten wir für z u l ä s s i g, bei größerem Umfang sind wir freilich der Meinung, dem Reichstage solle Mitteilung gemacht werden, was leicht geschehen kann, indem man ein Tauschgeschäft in zwei Kaufgeschäfte auflöst. In der Verlvaltung bestand einige Zeit hindurch die Ansicht, eS handele sich auch hier um ein reines Tauschgeschäft. Von dieser Ansicht kam die Reichsleitung zurück bereits zu einer Zeit, als in der Oeffentlichkeit noch gar nichts von der Sache bekannt war. Diese Tatsache gibt wohl die Gewähr, daß auch in Zukunft so verfahren wird, und daß zu einem Mißtrauen kein Anlaß vorliegt. Abg. Ledebour(Soz.): Auf die Befugnisse des Militärkabinetts mußte eingegangen werden, da ja letzten Endes das Militärkabinett der Schuldige an der Verletzung des Budgetrechts ist. Wenn nach der Vermutung des Abg. G o t h e i n letzten Endes das Reich keinen Schaden erleiden wird, so bleiben doch die Kosten des Verfahrens vor dem Schieds- gericht mit etwa 39 999 M., die ebenfalls unter die Regreßpflicht fallen. Deshalb ist es nötig, diese Regreßpflicht mit allen Konsequenzen in Anspruch zu nehmen; wir kriegen von den Regreß- Pflichtigen 39 999 Mark eher als 3 Millionen Mark, und die Lehre, die den Betreffenden erteilt wird, ist dieselbe.(Sehr wahr!) Der Kriegsminister hat ja auch in der Budgetkommission gesagt: Unter meiner Verwaltung kommt so etwas nicht vor! Ein gebrannter Kriegsminister scheut eben das Feuer. Die Auffassung des Schatz- sekretärs Kühn, daß bei reinen Tauschgesckäften der Reichstag nicht gefragt zu werden braucht, könnte dazu führen, daß z. B. auch das Reichstagsgebäude gegen ein anderes Grundstück eingetauscht wird, ohne daß dem Reichstag Kenntnis gegeben wird. Wir niüssen also verlangen, daß für alle Tauschgeschäste die Genehmigung des Reichstagrs nachgesucht wird. Das muß sich der Reichstag erzwinge». Die Resolution, der wir ja auch zustimmen werden, wird wenig nützen. Die Regierung wird nachher einfach erklären, das lasse sich nicht durchführen. Dann sitzen wir mit unseren Talenten da. Nur durch Ausnutzung seines Budgetrechts, indem er an geeigneter Stelle be- stimmre Bedingungen stellt, kamt der Reichstag wirklich etwas er- reichen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Ein völliges Ver- trauen zwischen Bundesrat und Reichstag kann nie vorhanden sein, denn es handelt sich hier um den Kampf um die Macht, in dem der Reichstag bisher immer den Kürzeren gezogen hat, weil er seine bisherigen Machtbefugnisse nie ausgenutzt hat. Die einzige Möglich- keit zu einer endgültigen Lösung solcher Fragen ist die Her- tellung des wahren KonstitutionalrSmuS, unter dem der Reichstag allein über solche Dinge zu bestimmen hat, und die Regierung nur das ausstihrendc Organ ist.(Beifall bei deu Sozialdemokraten.) Abg. Dave(Vp.): Die Erklärung des Staatssekretärs entbehrte auch für mich der genügenden Klarheit. Es muß festgelegt werden, daß Tausch- geschäste ebenso zu behandeln sind wie Kaufgeschäfte. Der Tausch .st eine unvollkommene Form des Güterumsatzes, seine Anwendung im Privatleben nennt man unter Umständen Schiebung.(Sehr gut! links.) ReichsschatzfekretSr Küh»: Ich habe nur gesagt:.grundsätzlich hat die Regienmg da» Recht, reine Tauschgeschäfte ohne Zustimmung deS Reichstags zu machen. Ich habe aber weiter hervorgehoben, daß trotzdem die Finanzverwalrung i n d e r R e g e l die Zustimmung deS Reichstags ei solchen Geschäften eingeholt hat, und einhole» wird." Kriegsminister v. Falkeuhayn: Die Vertreter des Kriegsministeriums, die hier angegriffe» worden sind, haben allerdings, indem sie die erwähnten Ver« pflichtungen eingingen, und die Militärverwaltung sowie die Volsvertretung banden, etwas getan, toas sie bei einem Geschäft wie dem vorliegenden, das kein reines Tauschgeschäft war, meiner Ansicht nach nicht tun durften. Aber man soll die Sache doch nicht so hart ansehen, denn sie haben jedenfalls ge- glaubt, ein vorzügliches Geschäft für das Reich zu machen, und auch etzt ist es noch ein wenigstens erträgliches. Der Chef des Militär- kabinetts hat bei der Sache mir soviel mitgewirkt wie jeder Bau- Herr bei einem Vau mitwirkt, der für ih» rejp. sei« Behörde au«- geführt vir». 8 «totwneu Vetter ** Ii apara»da7Sl!SSO elirsl)urg,7ö4DSO Scillq 750 SSW Aberdeen!747sSM Paris ff5SS � Nebel 5 3 bedeckt—2 5 bedeckt! 8 wolkenl s 1 2 wollenl' 1 Wettervrognole für Titustag. den 24. März 1914. Melsach heiter, aber meist veränderlich, nachts kübl. am Tag« ziemlich mild bei meist schwachen südlichen Winden,- leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. eLaikerfiitndS-Rackrichte» de: Landesanstall lü: Gewäfierlunde, mitgeteill vom Berliner Wetterbureau Wasserstand M e tn e>. Tilstl P r« g e l, Jnsterburc, W e> ch' e>, Tborn Oder. Rattbor , Kroisen Kran Nun Warthe. Schrunm . LandSberg Netze. Bordamm Elbe, Leitmcrttz , Dresden . Bardo , Magdeburg ')+ bedeutet Wuch»,— Kall.— llnterpeget. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inserat arnil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer Sc Eo, Berlin SW,