Nr. 84. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl 3,30 Mt., monati. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Sumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1983. Donnerstag, den 26. März 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984. Hauptsache bleibt also die Einbringung einer schwört, nicht auf Leute ihrer eigenen Klaffe bei Arbeiter. neuen Leg Heinze. Ein Vergleich der beiden Entwürfe mag Entwurf eines Gesetzes Der Gesetzentwurf gegen die bies beweiſen; Gefährdung der Jugend. Der Entwurf einer Kleinen Leg Heinze ist wieder einmal, in der Drucksache Nr. 1385, dem Reichstage zugegangen und hat leider noch nicht die Aufmerksamkeit erregt, die er verdient. Es ist dies wohl verständlich, denn der neue reaktionäre Versuch hüllt sich in die Toga des Jugendschutzes und tritt in der unverfänglichen Form zweier Zufagparagraphen(§§ 43a und 149a) zur Gewerbeordnung auf. gegen die Gefährdung der Jugend durch Burschaustellung von Schriften, Abbildungen und Darstellungen. Artikel 1. Lex Heinze. streitigkeiten zu schießen, und sagte: Die Opposition hat sich den Syndikalisten angeschlossen. Die Frage, die wir jetzt zu entscheiden haben, ist, ob das Volk Landesgesetze machen soll gänzlich ohne Einmischung des Königs oder der Armee. ( Lauter Beifall bei den Ministeriellen.) § 184a des Strafgesetzes. oder Darstellungen, welche, ohne Wer Schriften, Abbildungen unzüchtig zu sein, das Scham rung sei in Gefahr. Er tadele nicht die Offiziere, aber Bed( liberal) erklärte, die Repräsentatibregiegefühl gröblich verletzen, einer er tadele jene Männer, die in den letzten drei Jahren durch Person unter 18 Jahren gegen ihr Ränkespiel die Offiziere dazu bringen wollten, ihnen die Entgelt überläßt oder anbietet. oder in der Absicht, bas astanien aus dem Feuer zu holen.( Lärm bei den Oppooder in der Absicht, das fitionellen.) Er tadelte auch den Kriegsminister Seely und Die Gewerbeordnung wird wie folgt ergänzt: einzufügen: I. Nach§ 43 ist folgender§ 43a I. Nach§ 43 ist folgender§ 43a Schriften, Abbildungen oder Darstellungen bürfen in an öffentlichen Straßen rief aus: Was tun wir im Unterhause, wenn wir nicht allein Schau-.. in Aergernis er die Bill dreimal ans Oberhaus zu senden haben, sondern sic der Verlaufsräume oder an öffent- oder anjlägt, wird mitralen und Offizieren zu unterbreiten haben? fenstern, in Auslagen innerhalb regen der Weise ausstellt zur endgültigen Durchsicht noch den Genelichen Orten nicht derart zur Gefängnis bis au sechs Monaten( Beifall bei den Ministeriellen.) Viele Liberale feien Schau gestellt werden, daß die oder Geldstrafe bis zu 600 Mart in einer mißlichen Lage, denn sie hätten dem Volfe ergernis wegen der Jugend zu geben. fittlicher Gefährdung II. Nach§ 149 ist§ 149a ein. zufügen: Eben aus diesen Ursachen heraus ist es um so nötiger, sich mit der neuen Vorlage orientierend zu befassen und ihr Zustandekommen vor Augen zu führen. Schon seit über hundert Jahren befaßt sich die Deffentlichkeit mit dem Vorhandensein naiv- romantischer, künstlerisch- minderwertiger Burschaustellung geeignet bestraft. Literaturerzeugnisse, die aber dem Geschmack und Bildungsniveau der großen Massen zusagen und darum weiteste Verbreitung finden. Die Namen Vulpius, Spieß und Cramer einerseits im Genre der Ritter, Räuber und historischen Romane, und Clauren, Kotzebue andererseits für die empfindsam- schlüpfrige Richtung im sog. Liebesabenteuerroman geben die Stichworte, um die Materie zu kennzeichnen. Unbefriedigende politische und gesellschaftliche Verhältnisse machten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Eingehen der Lejerphantafie auf das Kraftmeiertum der ersten Gruppe, auf das resignierte Versenken in die zweite Art durchaus erklärlich. So daß jedenfalls feststeht, daß die Massenproduktion beider Gruppen willkommenes Refefutter für alle Altersgrade des Kleinbürgertums wurde. Bild. Mit Haft oder Geldstrafe bis 300 W. wird bestraft, wer dem § 43a zuwiderhandelt. Artikel 2. Dieses Gesetz tritt am... in Kraft. usw. usw. " erzählt, daß es recht sei, die Truppen als leptes Mittel bei Ausständen zu verwenden, und jetzt habe die Regierung entschieden, daß die Offiziere auf ihren Dienst verzichten, nach dem Buckinghampalast laufen( Beifall und Widerspruch) und dann unter Eventualbedingungen auf ihren Posten zurücktehren können. Wie unsicher die Lage der Regierung geworden ist, bemeisen die Gerüchte, die von der bevorstehenden Demission des Gesamtkabinetts wissen wollen. Bemerkenswert ist auch eine scharfe Auslassung der gemäßigt liberalen, Westminster Gazette", die schreibt, eine Armee. die der Wie wir bei Vergleich feststellen können, handelt es sich bei dem Regierung ihre Bedingungen diftiere, bedrobe die Freiheit neuen Entwurf nur um eine Neuformulierung und Verschärfung und die öffentliche Ordnung. Das Blatt fordert, daß die Reder abgetanen Ler. Nicht mehr die Absicht der Erregung von gierung ohne Zögern eine deutliche und energische Sprache Von der Mitte des vorigen Jahrhunderts an aber änderte sich das ergernis ist strafbar, sondern die Schaustellung, die bei irgend führe. Zwar blieb der Liebesroman in seiner Form bestehen, iemand ergernis erregt überhaupt. Das originellſte aber an der Der Triumph der unbotmäßigen Offiziere. aber neben der damals entstehenden guten Reiseliteratur, die Borlage ist, daß nicht der Inhalt eines Buches, einer Schrift usw. London, 25. März. Die„ Times" melden aus Dublin: Die ihre Sujets in aller Welt suchte, entstanden, meistens von realtio- maßgebend für die Strafbarkeit sein soll, sondern die Außenseite, nären Schriftstellern verfaßt, politische Abenteuerromane, die eben- der Titel, die Aufmachung der Illustration. Dazu sagt noch die Berhandlung mit den Offizieren im Kriegsministerium falls fünstlerisch minderwertig, schlüpfrig und mit Unmöglichkeiten Begründung, daß grundsäglich auf Haftstrafe au er verlief sehr stürmisch. Feldmarschall French erklärte ihnen, daß durchsetzt, sich dennoch des staatlichen Wohlwollens erfreuten.( John ennen ist und daß nur in besonders leichten Fällen dem Richter ihre Handlungsweise die schärfste Strafe verdiene. Erst das Da zwischentreten des Feldmarschalls Lord Roberts wirfte beRatcliff alias Gödsche- Schneider ist ihr typischer Vertreter.) Diese die Möglichkeit zu geben ist, auf Geldstrafe zu erkennen. Romane und daneben die alten Ritter- und Räubergeschichten geWir wissen seit langem, und die letzten Wochen im Reichstage fänftigend. Zum Schluß unterschrieb Feldmarschall French ein Yangten in Fortsegungs- Heftform in neue Absatzgebiete auf dem bestätigen es vollauf, daß zwischen der Sittlichkeit nach Auffassung von den Offizieren aufgefeßtes Schriftstüd, in Wege der Kolportage, so daß auch Unbemittelten ihr Ertverb möglich der herrschenden Klassen und jener vom Standpunkt des Proletariats bem er bestätigte, daß die Offiziere feinen Befehl erhalten wurde. Wie gegen die ältere Form erhob sich auch gegen die damals eine breite, unüberbrückbare Kluft gähnt. Wohl ist es auch uns, würden, gegen Ulster zu kämpfen oder Homerule mit Gewalt neue manche Stimme, aber alles blieb beim alten, bis sie zur Zeit den Angehörigen der internationalen Sozialdemokratie darum zu durchzusetzen, und daß sie dies den anderen Offizieren mitteilen des Sozialistengejeges den Vorwand geben mußten zur Einschränkung tun, strupelloser Gewinnsucht, wie sie die Wirkung der Konzentration dürften. der Gewerbefreiheit und der Einführung einer Gewerbeordnung, die des Kapitals zeitigt und zeitigen muß, auf das schärfste entgegen tücfehr nach Curragh begeistertempfangen. Truppen beGeneral Gough und Oberst Mac Ewan wurden bei ihrer den Hausierhandel mit Schriften polizeiliche zuwirken und die Jugend vor entsittlichenden Einflüssen Natürlich war, wie ja auch gar nicht beabsichtigt wurde, durch diese wahren, dies wird auf dem Wege einer Gesez- gleiteten sie in ihre Quartiere und brachten drei Hurras auf sie Maßnahme der Vertrieb der fraglichen Literatur nicht eingeschränkt und gebung, wie sie die Mehrheit im Reichstage möglich machen aus. General Gough dankte für den Willkommgruß und gab den ebenso wenig wurde die unlünstlerische Jugendschrift der Indianer- würde, faunt geschehen können. Ant wenigsten wird dieser Truppen die Versicherung, daß sie nicht nach Ulster gesandt werden schmöter Neuruppiner Genres, der Kalender- und Zeitungsfeuilleton- Jugendschutz durch die kleine Lex Heinze" eintreten können, würden. Darauf brachen die Truppen von neuem in Hochrufe aus. roman, die auf kaum höherem Niveau als jene standen, durch diese Beschränkung beeinflußt. So gingen denn die Dinge ihren Gang, London, 25. März. Aus den über die Tegien Ereignisse beim der trotz gelegentlicher Anfeindung nicht zu hemmen war. Erst zu irischen Kommando veröffentlichten Dokumenten geht folgenAnfang des neuen Jahrhunderts trat eine wesentliche Veränderung des Hervor: Bevor General Gough nach Irland zurückkehrte, ein. Der Einfluß des Maschinenzeitalters mit seinem hastenden, richtete er im Namen der Offiziere am 23. März an den Generaladjutanten die schriftliche Anfrage, ob sie, im Falle Homerule Gesetz jagenden Tempo verschaffte sich Geltung. Der Wirklichkeitsjinn der Massen hatte sich inzwischen von den vergangene Berhältnisse vorausWill man wirklichen Jugendschutz fördern, so fördere man die würde, dazu aufgerufen werden fönnien, dies luster aufzuzwingen. sezenden Sujets der Nitter und Räuber abgewandt, dazu kam, daß ökonomische Besserstellung der arbeitenden Klassen, schaffe die un- In der Antwort, die Gough noch am selben Tage zuging, wurde die bandwurmartige Fortsetzungsfolge dieser Romane eine Geduld erhörten Zustände im Wohnungswesen ab, steuere der Ueberfüllung er dazu ermächtigt, den Offizieren mitzuteilen, der Armeerat sei davon überzeugt, daß der mit den Entlassungsgesuchen zusammenund Muße voraussetzte, die unsere heutige Generation nicht mehr unserer Schultlassen und bekämpfe nicht die Freien Jugend- hängende groischenfall auf ein Missverständnis zurückzuführen hat. So war denn allen Kreisen der wahllos Lefenden organisationen", die in gegenseitiger Erziehung mehr leisten als fei. Die Regierung müsse das Recht der Verwendung aller Streit eine Form durchaus mundgerecht, die in Dftab= und aller Schutz durch Paragraphen und Büttelhirne. Quartformat erscheinend, für 10 und 20 Bf. erhältlich, abgeschlossene Erzählungen aus der Gegenwart zu bringen vorgab. Eine Neuromantik primitivster Form fam ans Ruder, die die Taten von Indianertötern, von Detektivs und Gentlemenverbrechern voraber die nur ein neues Instrument in den Händen einer nicht allein auf diesem Gebiete unfähigen Aufsichtsbehörde sein würde, ihr mißliebige Richtungen auf allen Gebieten des Schriftentums usw. zu unterbrücken, während andere nach der Auffassung aller Parteiangehörigen unfittlichen Schriften und Darstellungen nicht nur geduldet, sondern sogar protegiert würden. Der Kampf um Homerule. ld. Die offiziellen Dokumente. führte. Auf der Höhe der Verbreitungsmöglichkeit dieses minder- Ablehnung der Demission des Kriegs- teilte am 20. März mitternachts dem Striegsamt mit, daß ein ministers. fräfte in Irland sowie andersido behalten, um Gesek und Ordnung aufrechtzuerhalten und die Zibilbehörden bei der regelmäßigen Ausübung ihrer Pflicht gu unterstüßen. Die Regierung beabsichtige nicht, dieses Recht dazu zu benußen, die politische Opposition gegen die Grundsäße der Homerulebill zu zerschmettern. General Paget Brigadegeneral und 57 Offiziere der Kavalleriebrigade es borzögen, ihren Abschied zu nehmen, wenn sie nach Norden General Baget unverzüglich die Ermächtigung, alle älteren Offitommandiert würden. Kriegsminister Seely gab daraufhin ziere, die ihr Entlassungsgesuch eingereicht hätten oder auf andere Weise seine Autorität in Zweifel zögen, vom Dienst zu suswertigen Literaturgenres segte eine träftige Opposition ein, die befonders dadurch Sympathien gewann, weil sich unter den Lesern jener Broschüren viele Jugendlichen befanden. Durch Boykott gegen Die Unterwerfung der Regierung unter den Willen der die Verkäufer, durch Schaffung besseren Lesestoffes suchten die einen aufrührerischen Offiziere stößt im liberalen Bager, aber erst die Verkäufer, durch Schaffung besseren Lesestoffes suchten die einen recht bei der Arbeiterpartei auf wachsenden Widerspruch. dem Umsichgreifen der Lesewut zu steuern, andere riefen nach Gesetzes- Dies hat dazu geführt, daß der Kriegsminister Oberit penbieren. Ferner befahl Seely dem General Gough und den paragraphen. Die Folge war, daß so schnell, wie sie gekommen, die Seely seine Demission angeboten hat. Er erklärte übrigen Offizieren, sich sofort im Striegsamt zu melden. Auch gab Indianertöter, die Detektivs und Verbrechergentlemen verschwanden. in Unterhause, daß zwischen ihm und dem Kabinett ein er die Anweisung, sie ihrer Sommandos zu entheben, Dennoch führte sich nun nicht die empfohlene Literatur ein, sondern Mißverständnis bestehe, für das er allein verantwortlich und es wurden Offiziere zu ihrem Ersatz abgesandt. ein neues Genre im Liebesroman, in der hurrapatriotischen Kriegs- fei. Seely erklärte entschieden, daß der König in der Die Dokumente enthalten ferner ein Memorandum Geelys erzählung, unterstützt durch den Jahrhundertrummel, entstand und Angelegenheit der Offiziere feinerlei Initiative ergriffen über eine Unterredung, die er am 16. März mit einigen höheren floriert noch heute, wohl gelitten von den staatserhaltenden be- habe.( Beifall.) Ministerpräsident Asquith gab jedoch Offizieren hatte. Ueber die Pflicht der Soldaten erklärte Seely hördlichen Organen und den regierungsfreundlichen Parteien. später bekannt, daß das Rücktrittsgesuch abge- barin, das Gefes sage deutlich, daß der Soldat dem Befehl zn In diese Situation hinkt nun der neue Gesetzentwurf der Ne- lehnt ſei. sajießen nur zu gehorchen brauche, wenn es den Umständen nach gierung hinein, der sich bestrebt, das Müzliche der Bekämpfung jener Kritik an dem Verhalten der Regierung geübt. Ward, spiel zu einem Blutbad gegen eine Demonstration von Orangisten, Im Unterhause wurde bereits Dienstag scharfe vernünftig sei. Wenn daher Offiziere und Mannschaften zum Beilängst abgetanen Mord- und Detektivgeschichten mit dem Angenehmen der Sprecher der Arbeiterpartei griff unter lautem Bei- die nicht gefährlich für die Nachbarn sei, aufgeboten werden sollten, einer fleinen Leg Heinze zu verbinden, denn, betrachten wir später fall der Ministeriellen die Opposition an und erklärte, so würde es in der Tat und nach dem Gefeß gerechtfertigt sein, die Begründung des Entwurfs, die heute florierenden Hurenhefte zu wenn man den Saz predigen würde, daß die Offiziere wenn fie daran dächten, den Gehorsam zu verweigern, so schlecht bekämpfen, hat er gar nicht im Sinn und die alten Detektiv- das Recht hätten, zu entscheiden, ob fie gehorchen das auch auf die Disziplin wirken müßte. Niemals habe man baran geschichten existieren nicht mehr. Mit der vergeblichen Bekämpfung wollen, so würden andere davon lernen. Er berlas dann ein gedacht, ben Truppen übertriebene unb ungefebliche Befehle au dieser rennt die Reichsregierung also mur offene Türen ein. Diel Manifest der Syndikalisten, das bie Soldaten begeben. Man habe nur die Möglichkeit ins Auge gefaßt, daß die Truppen zur Unterstübung der Zivilbehörden und zum. Schuhe von Leben und Eigentum aufgeboten werden könnten, wenn die Polizei überwältigt worden sei. Gegenüber den Versuchen, die Truppen zu überreden, geseßmäßigen Anordnungen nicht zu. gehorchen, erklärte Seely den Generalen, er mache jeden von ihnen verantwortlich dafür, daß gegen jede derartige revolutionäre Haltung den Bestimmungen des Königs gemäß borgegangen würde. Zusammenstöße in Belfast. London, 25. März. Gestern abend kam es in Belfast zu einem Zusammenstoß zwischen Unionisten und Natio= nalisten. Die Menge warf mit Steinen und Revolver wurden abgefeuert. Die Polizei schritt ein und trieb die Menge auseinander. Sturmszenen im Unterhaus. Sorporalschaftsführer am Sonnabend alles gründlich in Ord- Aufregungen, wie er schreibt, am Ende seiner Straft. Er erwartet, nung bringen. Hierbei soll Ihr Sohn dem Befehle daß Deutschland nun endlich ernsthafte Schritte unternimmt, um des Stubenältesten, sein Spind ordentlich zu verpacken, nicht ihn, aus seiner peinlichen Lage zu befreien. Aehnlich wie ihm geht nachgekommen sein. Vielleicht hat er daraufhin am es übrigens auch noch einem Flugzeugführer, der ebenfalls durch Sonntag früh aus Trotz(?!) die Kaserne verlassen. Die sonstigen Tatsachen hat Ihnen ja mein Feldwebel in Mißgeschick in Nebel über die russische Grenze rerschlagen worden meinem Auftrage mitgeteilt. In einem kleinen Orte, etwa ift. Auch er wird seit Monaten festgehalten und durch ein hoch 35 Kilometer von hier, soll ein Soldat in die Donau ge- notpeinliches Spionageverfahren bedroht. sprungen sein, als die Einwohner hinter ihm herliefen. Vielleicht geschah dies, weil er Furcht hatte, ergriffen zu werden. Ob dies Ihr Sohn war, ist noch nicht genau festgestellt worden. Nach meiner Ansicht ist auch die Donau hier viel zu flach, als daß jemand darin ertrinken kann. Eine Leiche ist noch nirgends angeschwemmt worden. Indem ich das Beste für Ihren Sohn hoffe, zeichnet Rusch, Oberl. u. Batterieführer. Das sind briefliche Mitteilungen, deren lehte vom 27. Februar datiert ist. Am 14. März, also gut zwei Wochen danach, erhielt der Vater ein Telegramm vom Regiment, daß der Sohn in der Donau gefunden ist. Ueber die Art der Auffindung der Leiche, über den Ort und die Zeit der Auffindung und überhaupt über alle näheren Umstände fehlen alle Angaben. Selbst über den Zusammenhang der Leichenauffindung mit der Geschichte von dem Landjäger und der Verfolgung des Mannes in der Drillichjacke sind keine Angaben Zur Beurteilung des Falles ist man einzig auf die Angaben in dem Briefe des Batterieführers vom 27. februar angewiesen, wonach der Soldat mit dem Stubenältesten Streit gehabt hätte wegen seines Spindes. London, 25. März. Die große Unruhe im Hause erreichte ihren Höhepunkt in einer heftigen Szene, die bei Beantwortung von Anfragen Lord Beresfords durch Churchill entstand. Churchill führte aus, daß vor vierzehn Tagen von dem Stabinett beschlossen worden sei, Se est reitt räfte im Umfange eines Schlachtschiffgeschwaders nach der Bomlasbah an der schottländischen Küfte zu entfenden, die eine geeignete Station für lebungen sei, und wo die Schiffe für den Fall von etwaigen vorhanden. ernsten Unruhen in nächster Nähe der irländischen Se i st e gewesen wären. Als es ersichtlich gewesen sei, daß solche Maßnahmen keinen Widerst and finden würden, habe man sich dahin entschieden, daß die Schiffsbewegungen bis nach Ostern aufgeschoben werden könnten. Bei dieser Erklärung brach ein ungeheurer Sturm auf den Bänken der Unionisten los. Amery richtete an Churchill die Frage, ob er erwartet habe, daß die Vorsichtsmaßnahmen zu einem Kampfe führen würden. Churchill erwiderte: Ich weise diese abscheuliche Unterstellung zurück.( Großer Lärm.) Der Sprecher forderte Churchill auf, den Ausdrud zurüdzunehmen. Nach erneuter Unruhe war der Zwischenfall beigelegt. Seely gab dann eine erschöpfende Darstellung. Er habe nichts zu verheimlichen; er habe es nach den Informationen, die er von der Regierung erhalten habe, für notwendig gehalten, Schritte zum Schuße der Regierungsdepots zu unternehmen. Die nötigen Befehle seien mit voller Ermächtigung des Kabinetts erteilt worden. Paget habe mit ihm übereingestimmt, daß trop des rein vorbeugenden Charakters der Truppenbewegungen die Erregung einen solchen Grad erreichen könnte, daß ein allgemeiner Aufstand in ganz Irland die Folge wäre. Deshalb seien die nötigen Schritte unternommen worden, um jene Truppenbewegungen zu unterstützen, falls sie auf bewaffneten Widerstand stoßen sollten. Wieder ein rätselhafter Soldatenselbstmord. Schon wieder ist unser Bochumer Parteiblatt in der Lage, über einen angeblichen Soldatenselbstmord zu berichten, in dem so gut wie alles unerklärt und erklärlich erscheint. Wenn sich Frankreich solche Unverschämtheiten deutschen Ballonund Flugzeugführern gegenüber herausgenommen hätte, ntöchten mir einmal den Spektakel erleben, der von der ganzen reaktionären Presse angestellt worden wäre. herausnehmen. Allerdings wird es in der gegenwärtigen Situation Aber Rußland kann sich alles einer abgeschmacten Rüstungsheze gegen Rußland gerade der Sozialdemokratie schwer, die russische Unverfrorenheit gebührend russischer Bureaukraten- and Polizeikreise sind, so zu kennzeichnen. Denn so notorisch die Dreistigkeit gewisser abgeschmackt ist die Darlegung, als ob Rußland einen Angriff Bevölkerung eine solche Tollhäuslerei zu dulden geneigt wäre. gegen Deutschland plane, oder als ob gar die Masse der russischen Nicht um eine ernste Bedrohung Deutschlands handelt es sich bei den Unverschämtheiten gewisser russischer Regierungstreise, sondern hätschelte und üppig genährte Auffassung, als ob das offizielle um die von der deutschen Regierung leider nur allzu lange ge= seiner Schergen tanzen müsse, und as vs deutsche Bürger das Deutschland jederzeit nach der Pfeife Väterchens und wehrlose Freiwild der echt russischen Männer bildeten. Dagegen ist bemerkenswert, was ein Arzt, den die Eltern in durch ihre würdelose Bedientenhaftigkeit gegenüber den Anmaßun Die deutsche Regierung erntet jetzt nur das, was sie sich selbst Anspruch genommen haben, über den Zustand der Leiche fest- gen und Wünschen der russischen Reaktionäre eingebrockt hat. gestellt hat. Darüber gibt das folgende Attest Auskunft: Aerztliche Befundsbescheinigung. Die von mir am 19. März in Resse, Arminiusstraße 15, besichtigte Leiche des verstorbenen Felix Wroblewski war stark in Fäulnis übergegangen. Auffallend war, daß die rechte Kopfseite im Gegensatz zur linken aufgeschwollen und blutig unterlaufen war. Eine äußere Verlegung der Haut ließ sich jedoch nicht feststellen, ebenso kein Bruch des Schädels. Das im Sarge befindliche Blut war aus Mund und Naje ausgelaufen, eine Erscheinung, die bei länger lagernden Leichen einzutreten pflegt. Ueber die mutmaßlichen Todesursachen ein Urteil zu fällen, bin ich nicht in der Lage, ohne daß eine Oeffnung der Leiche vorgenommen wird. Gelsenkirchen. Dr. Hans la Roche. Die Oeffnung der Leiche lehnte der Arzt ab, weil es sich um eine militärische Angelegenheit handelte. An dem Zeugnis fällt zunächst die Angabe über den Zustand des Schädels auf. Woher rührt die Schwellung und Unterblutung der Schädelhaut? Doch nicht etwa von dem Sprunge ins Wasser? Die Staatsanwaltschaft in Essen, die von dem Vater darum angegangen wurde, lehnte das Einschreiten wegen mangelnder 3uständigkeit ab. In seinen Briefen hat sich der junge Wroblewski niemals gegen den Dienst ausgesprochen, und der Gedante, daß er jemals Selbstmord begehen könnte, liegt den Briefen des jungen Mannes völlig fern. Ist es nicht geradezu grauenhaft, daß unser Bochumer ParteiAm Freitag wurde in Buer- Resse die Leiche des Kano- blatt allein innerhalb weniger Wochen vier Fälle von niers Felix Wroblewski vom Hohenzollernschen Soldatenselbstmorden an die Oeffentlichkeit bringen Fußartillerieregiment Nr. 13 in Im beerdigt. Der tonnte? Stanonier war feit leztem Herbst beim Regiment und war Weihmachten in der Heimat auf Urlaub. in Dazu kommen noch überdies zwei Selbstmorde Angehörige des jungen Mannes waren am Garnisonorte, haben und eine Desertion, die sich nicht feststellen ließen, die aber aber nichts Genaues über die Todesursache erfahren können. Die den Briefen des einen angeblichen Selbstmörders erwähnt borliegenden Schriftfäße, die wir hier zunächst folgen lassen, geben nicht die geringste Klarheit. Hohenzollernsches Fußartillerie- Regiment Nr. 13, 3. Batterie. Im, den 18. Februar 1914. Herrn Johann Wroblewski! Mit der Mitteilung, daß Ihr Sohn seit Sonntag von der Batterie vermißt wird. Ihr Sohn ging am Sonntag früh fort und kehrte seitdem nicht mehr zurüd. Die angestellten Nachforschungen blieben ohne Erfolg. Sobald irgendwelche Nachrichten über den Verbleib Ihres Sohnes eintreffen, bekommen Sie sofort Bescheid. Pevestorf, Feldw. 3. Fußartillerie- Regiment 13. Ulm a. D. Hohenzollernsches Fußartillerie- Regiment Nr. 13, 3. Batterie. wurden. Zusammen also 6 Todesfälle, teils feststehende, teils angebliche Selbstmorde und eine Desertion, bekannt geworden allein aus dem Zeitraum bon wenigen Wochen. Haben wir da nicht das Recht zu fragen: Was mag sich alles hinter den Kasernenmauern abspielen, was der Oeffentlichkeit nie bekannt wird? Muß ein solches System, das jährlich Hunderte von jungen Menschen der Verzweiflung und Selbstverachtung preisgibt, nicht mit allen Mitteln bekämpft werden? Haß gegen dieses System, das die blühende Jugend des Volkes entweder zum Selbstmorde treibt oder ihr sonst das Leben raubt, ist ein zu natürliches Gefühl eines Kulturmenschen, als daß wir es leugnen möchten. Politische Uebersicht. Ja, Sozi, das ist ganz was andres! Mit großem Interesse gibt die reaktionäre Preffe die Nachrichten aus London über die Offizierrevolte wieder. Aber merkwürdig; sie fügt kein Wort der Kritit, geschweige des Entsetzens und des Abscheus hinzu, das ihr immer zur Verfügung steht, wenn in Deutschland von irgendeinem Sozialdemokraten die Forderung erhoben wird, das Heer nicht gegen den inneren Hätte man die Liebedienerei gegen den Zaren und seine Kosaten nicht durch all die Jahrzehnte hindurch soweit getrieben, so würde man jetzt nicht in Gestalt von Fußtritten den Dank dieser echt russischen Männer ernten. Drei Monate Gefängnis für einen schlechten Scherz. Wie aus KvIm ar gemeldet wird, ist dort der Zeichner Waltz vom Kreisgericht Kolmar wegen Beleidigung von Offizieren der Garnison zu drei Monaten Gefängnis ver urteilt werden. Das Verbrechen des Waltz bestand darin, daß er in einem Kolmarer Lokal einen Plaz, auf dem er sich niederließ und auf dem vorher ein Leutnant der Kolmarer Garnison gesessen hatte, mit einem Stücken in Spiritus getauchten Zucker„ desinfiziert" hatte. Das Gericht nahm selbst an, daß es sich um einen schlechten Scherz" gehandelt habe, und daß dem Angeklagten zugute gehalten werden müsse, daß sich der Vorfall zu einer Zeit ereignete, wo unter der Bevölferung wegen der Zaberner Ereignisse noch allgemeine Erregung herrschte. Nichsdestoweniger verhängte das Gericht die un geheuerliche Strafe von drei Monaten Gefängnis! Die Reuter und Forstner, die in verfassungswidriger Weise die Offentlichkeit terrorisierten, gesezwidrige Verhaftungen bornahmen, Maschinengewehre gegen das Volk in Bereitschaft stellen ließen und mit dem Säbel dreinschlugen, wurden vom Kriegsgericht bekanntlich freigesprochen. Aber ein harmloser Zivilist, ein zu Scherzen geneigter Künstler, wird zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er einen Spaß gemacht hat, der im schlimmsten Fall, wenn er überhaupt unter einen Gesezesparagraphen als Beleidigung zu rubrizieren wäre, mit ein paar Mark Geldstrafe mehr als hinreichend geahndet gewesen wäre! Die Moral von der Geschichte aber ist: Der Militarismus darf sich alles erlauben, ein Zivilist aber wird schon ins Ge fängnis geworfen, wenn er durch einen harmlosen Scherz unseren unantastbaren Militarismus am Biertisch zu verulfen wagt! Pflanzer- Jargon. Die vom Bürenstein- Konzern verlegten, von dem bekannten Dr. Friz Stephan Neumann redigierten auchkonservativen Berliner Neuesten Nachrichten" leisten sich folgende Unverschämtheit: " Wie wir erfahren, wird der Unterstaatssekretär Dr. Conze aus dem Reichstolonialamt Anfang April nach Duala ausreisen, um die Dualaneger- Affäre zu untersuchen. Hoffentlich führt der Herr Unterstaatssekretär im wohlverstandenen Interesse der Kameruner Eingeborenen die Bestrafung des nach Europa aus gerissenen Vertreters der Duala wegen unerlaubter Auswanderung herbei. Verzichtet das Gouvernement auf eine Bestrafung. dann wird es auch nicht mehr einschreiten können, wenn von Anwerbern Kameruner Eingeborene nach Fernando Po und Thomé verschleppt werden. Es ist sicher weit wichtiger, dafür zu sorgen, daß nicht zum Schutz der Eingeborenen erlassene Verordnungen unter dem Beifallsgefchrei der Budgetkommission des Reichstags durchbrochen werden, als daß einer urteilslosen Mehrheit der Kommission zu Ge fallen die vom Reichstage schon vor 2 Jahren beschlosseue Enteignung zum Teil wieder aufgehoben wird." Das läßt tief blicken! Der Landrat des Landkreises Göttingen gibt bekannt, die Nach Im, den 23. Februar 1914. Herrn Johann Wroblewski! Auf Ihr Schreiben vom 22. Februar 1914 teile ich Ihnen mit, daß Ihr Sohn am Sonntag, den 15. Februar, gegen 7 Uhr vorm., die Kaserne verlassen hat. Etwa um 8 Uhr vorm. wurde er in der Umgegend auf der Chaussee von einem Landjäger ( Gendarm) angehalten und gefragt, wo er hin wolle. Ihr Sohn gab dem Landjäger zur Antwort, daß er für einen Unteroffizier Feind, die Soldaten nicht gegen ihre eigenen Brüder zu führen. der Batterie etwas holen müsse. Der Landjäger ließ ihn darauf Im Gegenteil, die Reaktionäre haben es immer für selbst- prüfung der Steuererklärungen und Vermögenserklärungen für die gehen, benachrichtigte aber sofort telephonisch die Batterie, weil verständlich gehalten und erklärt, daß der deutsche Soldat Einschäzung zur Behrsteuer habe ergeben, daß trotz der ver es ihm auffiel, daß ein Mann am Sonntag in Drillichjade sich selbst auf Vater und Mutter schießen müsse, wenns befohlen schärften Strafbestimmungen( hohe Geldstrafe und Gefängnis bis zu so weit von der Kaserne entfernt. Es wurde sogleich festgestellt, wird. Woher nun im Falle jenes englischen Regiments dieses sechs Monaten) noch viele Steuerpflichtige unrichtige oder unvoll daß von der Batterie keiner Ihrem Sohn einen Auftrag gegeben hat. Der Landjäger verfolgte ihn, konnte aber nirgends seinen auffällige Schweigen, das deutlich einer Zustim ständige Angaben über ihr Kapitalvermögen gemacht haben. Unter Aufenthalt ermitteln. Auch zwei von der Batterie sofort mit mung gleich zukommen scheint? Es erklärt sich Hinweis auf den bis zur vollendeten Veranlagung noch geltenden Fahrrädern nachgesandte Unteroffiziere tehrten unverrichteter dem Wissenden sehr einfach: Die Ulsterleute sind Generalpardou fordert der Landrat auf, die gemachten SteuerSache zurück. Die Polizei, welcher die Sache noch am Sonntag Konservative, gegen die zu marschieren man angaben schleunigst zu berichtigen oder zu vervollständigen. Diese übergeben wurde, stellte überall Ermittelungen an, welche aber keinem Soldaten zumuten darf, auch wenn Verlautbarung ist außer durch die Tageszeitungen auch noch in bis jetzt ergebnislos verlaufen find. dieselben, wie es in Ulster geschieht, vor fämtlichen Gemeinden bekannt gegeben worden. Wohl ist hier ein Gerücht in Umlauf gegangen, daß ein aller Augen zum Aufstand gegen die StaatsSoldat, auf den die Beschreibung Ihres Sohnes paßt, etwa 40 kilometer von hier( bei Shingen) in der Donau verunglüdt sein soll, doch bis jetzt hat man noch nichts inden können. Festgestellt ist es jedoch nicht. Sobald über Ihren Sohn Nähers bekannt wird, erhalten Sie telegraphische Nachricht. Mit achtungsvollem Gruß Bevestorf, Feldw. 3/13. Im, den 27. 2. 14. Sehr geehrter Herr Wroblewski! macht rüsten. Daher auch kein Wort des Tadels gegen Wiederaufnahmeverfahren gegen die Witwe Hamm. die vielen englischen Offiziere, die ebenfalls, wie Die lebhaften Proteste, die in der letzten Zeit auch in den jene Soldaten, sich geweigert haben zu marschieren, und lieber um ihre Pensionierung einkommen, als dem Befehl schuldlosen Witwe Hamm aus Flandersbach eingelegt worden find, Parlamenten gegen die Verurteilung der aller Wahrscheinlichkeit nach ihrer Vorgesetzten in diesem Falle zu gehorchen. Was nach haben den Erfolg gezeitigt, daß demnächst die Flandersbacher Mordden Konservativen in Deutschland gegenüber der Sozial- affäre nochmals vor dem Elberfelder Schwurgericht verhandelt werden demokratie für das Herr selbstverständliche Pflicht sein muß, wird. Der Straffenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts hat am " Im Besize Ihres Briefes bin ich gern bereit, Ihnen Mitteilungen zu machen, soweit es in meinen Kräften steht. Eine ganz genaue Untersuchung des Falles wird noch durch das Kriegsgericht vorgenommen werden. Ihr Sohn war ein guter Soldat. Ihm fiel der Dienst leicht. Aus diesem Grund war er auch während der letzten 8 Tage zur Regimentskammer kommandiert, wozu nur die besseren Leute kommandiert werden. Wie feine Stubenkameraden aussagen, hat er sich auch mit diesen stets gut vertragen. Er soll auch seinen Kameraden gegenüber niemals geäußert haben, daß es ihm beim Militär nicht gefalle. Um so weniger fann ich mir sein plößliches Davonlaufen erklären. Ich In Rußland wird bereits seit dem 8. Februar ein deutscher glaube, daß es vielleicht innere Gemütsbewegungen waren, die Freiballonführer festgehalten, der durch den Wind über die russische ihn hierzu veranlaßten. Ein unliebsamer Vorfall ist Grenze verschlagen worden ist. Gegen den harmlosen Sportsmann allerdings am Tage vor seinem Verschwinden pajjiert. Ich hatte bekanntgegeben, daß ich mir am Sonntage, ist das Verfahren wegen Spionage eingeleitet worden. Jeder mittags, die Stuben und Spinde auf Sauberkeit und Ordnung Verkehr mit der Außenwelt ist ihm abgeschnitten. Er wird ständig hin ansehen würde. Daraufhin ließen die Stubenältesten und von zwei Kriminalbeamten überwacht und fühlt sich durch die vielen gilt ihnen in England gegenüber aufrührerischen Konservativen Dienstag über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Anoffenbar als Verbrechen. Wäre es anders, dann hätte die ordnung der Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die Witwe Deutsche Tageszeitung" zum Beispiel, deren Chefredakteur Samm und ihre Haftentlassung entschieden. Die eingehend be Dr. Dertel sich so gern gelegentlich als präceptor Germaniae gründete Beschwerde der Staatsanwaltschaft wurde verworfen. bezeichnen läßt, und die sich sonst keine Gelegenheit entgehen läßt, Zensuren auszuteilen, sicher auch in diesem Falle mit ihrem Tadel und ihrer Entrüstung nicht zurückgehalten. Fußtritte für Liebedienerei. Eine wichtige Landtagserfahwahl findet am Donnerstag, den 26. März, in dem zum Großherzogtum Oldenburg gehörenden Fürstentum übed statt. Dort hat der bisherige Landtagsabgeordnete Genosse Rebenstort aus persönlichen Gründen sein Mandat niedergelegt, das er infolge eines Kompromisses mit den Liberalen geholt hatte. Die Wahl ist aus dem Grunde von besonderer Bedeutung, weil es von ihrem Ausfall abhängt, ob im Oldenburger Landtag der schwarzblaue Block wieder ans Ruder kommt oder nicht. Bisher hatte die Linke( 12 Sozial demokraten und 11 Liberale) die Mehrheit in dem 45 Mann starten Parlament. Geht nun das Mandat im Fürstentum Lübed verloren, dann werden die Schwarzblauen wieder die Mehrbeit be fitzen. DaZ Wahlresultat gestaltete fich bei der Hauptwahl im Jahre 1911 wie folgt: Sozialdemokratie 1901, Liberale 1167 und Bund der Landwirte 1791 Stimmen. In der Nach« wähl, in der einfache Mehrheit entscheidet, wurde auf Grund eines Kompromisses ein Sozialdemokrat mit 2791 und ein Liberaler mit 2990 Stimmen gewählt. Die Bündler erhielten 2157 resp. 2109 Stimmen. Für unsere Partei kandidiert jetzt der Zimmerer Karl »ick aus Stockelsdorf, für die Liberalen Rentier Weig-Eutin und für die Bündler der Hauptschreier, Hauptmann v. Levetzow-Sielbeck. Alle Parteien haben eine außerordentlich rege Wahlarbeit betrieben. Da man uns auf dem Lande die Hergabe der Lokale verweigert, haben wir eine Reihe Landarbeiter, die zum 1. April ihre Dienst- stellen verlassen, bewogen, uns ihre Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Unsere Versammlungen hatten allgemein einen sehr guten Besuch aufzuweisen; die Landarbeiter scheuten die infolge des herrschenden schlechten Wetters fast unpassierbaren Wege nicht und kamen teilweise aus stundenweiter Entfernung in unsere Persamm- lungen. � So ist zu erwarten, daß es gelingen ivird, dieses Mandat der Sozialdemokratie zu erhalte» und Oldenburg vor einer schwarz« blauen Herrschaft zu bewahren. die Rochette-Untersuchung. Pari?, 25. März. Der RochetteauSschutz vernahm heute vormittag Monis, Caillaux und F a b r e. welche vereidigt wurden, sowie Maitre Bernard, welcher schwur, er werde vor- behaltlich des Berufsgeheimnisses die ganze Wahrheit sagen. Caillaux gab die ausdrückliche Erklärung ab, Bernard habe zum ersten Male am 2t. März mit ihm von der Rochelteangelegenheit gesprochen. Bernard bestritt das nicht. Monis sagte auS, er habe Fabre am Nachmittag des Tages zu sich berufen, an dem Caillaux mit ihm die Angelegenheit besprochen habe, könne aber nicht daS Dalum genau angeben. B e r n a r d erklärte, wenn es der 24. März gewesen sei, als er bei Caillaux und Fabre gewesen, so habe er bereits vor der Unterredung mit Caillaux gewußt, daß der Aufschub bewilligt werden würde. Als Caillaux vorschlug, von seiner Unterredung mit Bcrnard zu berichten, erklärte dieser, er werde nichts bestätigen oder ableugnen. Caillaux erzählte darauf, Bernard habe ihm bei ihrer Zusammenkunst versichert, er habe durchaus Ruhe nötig und würde nicht imstande sein, am 27. April Rochette zu verteidigen. Er beabsichtige, den Gerichts- Präsidenten B i d a u l t um einen Aufschub zu bitten, der auf keine Schwierigkeiten stoßen würde, abgesehen von dem Widerstände Fabres, den er fürchte. Auf eine Frage Caillaux' habe Bernard geantwortet, ein Aufschub würde keinen Nachteil mit sich bringen und hinzugefügt: Wenn ich Monis kennen würde, so würde ich ihn fragen, ob die Regierung Einwendungen machen wird. Er, Caillaux. habe erwidert: Sie bitten mich, an Monis die Frage zu richten, ob die Regierung gegen einen Aufschub Ein- Wendungen erheben wird? Nach dieser Aussage Caillaux' wurde B e r n a r d von der Kommission über seine Unterredung mit Fabre verhört. Er erklärte, er habe mit Fabre nicht von Caillaux ge- sprachen. Fabre versicherte das Gegenteil. Bernard stellte dem ein absolutes Nein entgegen und sagte, er habe sich bei Fabre vorgestellt, nachdem er die Nachricht erhalten, daß der Aufschub be« willigt sei. In der Nachmittagssitzung erklärte Caillaux, ich bin niemals, weder direkt noch indirekt von der Staatsanwaltschaft benachrichtigt worden, ebensowenig hielt sie mich auf dem Laufenden über die Finangunternehmungen Rochettes. Er bestreite, jemals Monis gegenüber die Worte gebraucht zu haben, die ihm Barthou be- treffend die Kosten der Emission in den Mund gelegt. Ebenso be- streite er, daß in seiner Unterhaltung mit Barthou am Vorabend des Prozesses gegen Rochette von dem Protokoll Fabre die Rede gewesen sei. Briand, erklärte Caillaux weiter, beschränkte sich darauf, mir gegenüber auf die Existenz des Protokolls anzuspielen, doch habe ich seinen Inhalt niemals erfahren und ebensowenig, daß eS auf mich abzielte. Briand erklärte mir zu wiederholten Malen, daß mir kein Vorwurf gemacht werden könnte. Man hat mich nie- malS in den Stand gesetzt, mich zu verteidigen, da meine Vor- gänger mir den Text des Protokolls niemals vor- gelegt haben. Ich befand mich in Notwehr und machte von meinem Rechte Gebrauch, indem ich Fabre zu mir kommen ließ; und war es etwa ungesetzlich, wenn es der Zufall wollte, daß ein Zeuge unserer Unterhaltung beiwohnen konnte. Barthou hat die äußere Politik gestreift, ich werde ihm auf dieses Gebiet nicht folgen. Ich versichere, er ist getäuscht worden, wenn er hier ungenau von Taten berichtet hat, die ich während meiner Amtszeit alS provisorischer Minister des Innern begangen haben soll. Caillaux erklärte, daß er niemals von nahem noch von weitem die Finanzgeschäfte Rochettes gekannt habe und fügte hinzü, daß er sich glücklich schätze, bei dieser Gelegenheit sagen zu können, daß er von seiner Rolle als Finanzminister immer die höchste Auf- fassung gehabt zu haben glaubte. Er habe niemals irgendwelche Einmischung von Privatangelegenheiten in die Staatsgeschäfte ge- duldet, niemals sei eine Börsenorder von seinem Ministerium aus- gegangen. Er sagte weiter: Ich habe mich entschlossen, den Vorsitz in einem Verwaltungsrat zu übernehmen nach einem Schicksal- schlage. Ich habe niemals Geschäfte in Frankreich übernehmen wollen und habe zweimal einen Vorsitz aufgegeben. Wenn ich Politiker bleibe, so werde ich mich nicht mehr geschäftlich betätigen, meine Vermögensverhältnisse haben sich geändert. Caillaux wun- derte sich darüber, daß man ihm Geschäfte vorwerfe, aus denen man anderen Leuten keinen Vorwurf mache, weil er ein demo- kratischer Politiker sei. Er würde gern bereit sein, eine Unter- suchung über den Stand seines Vermögens zuzulassen. Caillaux sagte weiter, daß es zweifellos besser gewesen wäre, wenn er die Aufforderung Bernards nicht angenommen hätte. Caillaux bat seine Kollegen um die Gerechtigkeit, auf die er heute eher denn je ein Recht habe. Er bestätigte, daß er seinen Vorsitz im Verwaltungsrat nicht Kreditgesellschaften verdankte. Er habe immer seine volle Unabhängigkeit bewahrt. Auf Befragen setzte Caillaux auseinander, daß als er Fiimnzminister wurde, Adrien Hebrard ihn bat, in der Angelegenheit der großen Chatreuse einen Aufschub zu gewähren, der, wie er sagte, versprochen sei. Gemäß dem Gutachten des Direktors der Domänen, habe er den Aufschub verweigert. Darauf vertagte sich die Kommission. Sie hofft morgen abend ihre Arbeiten zu beenden. Das Verhör der Frau Caillaux. Pari», 25. März. In dem gestrigen Verhör versicherte Frau Caillaux nochmals, daß sie nicht die Absicht gehabt habe, Calmette zu töten. Sie habe ganz tief gezielt, um ihn nicht zu töten, aber Calmette habe sich gebückt und sei so von den Kugeln tödlich verletzt worden. Italien. Ei« Erfolg der römischen Hospitalagitatiou. Rom. 23. März.uZ ihren Krallen befreien wird. — Theaterchronik. Im Lessing- Theater werden in Wedekinds Tragödie„Simson" Frank und T i l l y W e d e l i n d heute und am Montag nächster Woche als Og v. Basan und Delila gastieren.— In den K a in m c r s p i e l e n des Deutschen Theaters findet Montag die erste Ausführung des aus dem Chinesischen über- tragenen Schauspiels„Die gelbe Jacke" in der Ucbersetznng von Frank Freund statt. — Die Prote st Versammlung des Goethe-Bund es Berlin, die sich mit dem Thema„Eine neue Imr Heinze?" befassen wird,, findet am nächsten Sonntag. 29. d. Mts., präzise 12 Uhr mittags, im Blüthuersaale, Lützowstraße 76, statt. — Das Stadion auf dem Cannstatter Wasen. das im Anschluß an die Ausstellung für Gesundheitspflege geplant war, ist gesichert. Es wird ein Sportplatz größten UmfangeS sein. — Dreckferien. Mit diesem schönen Wort bezeichnet man in Niederschlesien eine besondere Art Schulferien, die es zzirzeit in einem Dorfe des Kreises Landeshut gibt. Der Schmutz auf den Dorfstraßen hat dort eine solche Tiefe erreicht, daß für die jüngeren Volksschüler der Unterricht aufgehoben werden mußte, weil die Kleinen auf dem Weg zur Schule steckenbleiben würben. — Die bittere Pille der Unzuchtschnüffler. Auf- gehoben wurde die im vorigen Jahre von der Berliner Staats- anwallschaft verhängte Beschlagnahme der K ü n st l e r p o st k a r t e n, die hergestellt sind nach den im Leipziger Museum für bildende Künste ausgestellten Werken„Adam und Eva" von W. Müller-Schönfeld und„Odysseus und die Sirenen" von Otto Greiner. Hoffentlich finden die, die e» angeht, recht bald weitere Gelegenheit, Pillen dieser Art zu schlucken. An der nötigen Vormischung haben jie'S ja nicht fehlen lassen. mit umfaßt, hat auf seiner in Eisenach unter dem Borsiz bon| wegs im Intereffe der Herrschenden Bureaukratie. Für fte, wie für| intereffe gehe ihr über alles. Architekt Behrens Hannover tagenden Generalversammlung ein- die russischen Getreidehändler ist also das bei weitem bequemste liefern jebt den Beweis, daß für sie allein das politische Interesse Gerade die bürgerlichen Barteien stimmig den Beitritt zur Vereinigung der Deutschen Mittel, dem finnischen Volke das russische Getreide mittels Zölle maßgebend ist. In Königsberg i. Pr. find Bestrebungen im Gange, Arbeitgeberberbände beschloffent. Die Mitglieder ganz einfach aufzuzwingen. Zwar hatten die Getreidehändler auch eine Landkrankenkasse zu gründen, nachdem mit Hilfe der„ Herrdieses Verbandes beschäftigen rund 250 000 Arbeiter. andere Vorteile beansprucht, nämlich Exportprämien und Er- schaften" und Dienstboten der„ Drache Sozialismus in der Krankenmäßigung der Frachten. In diese Forderungen konnte die Regie- fasse getötet" ist. Doch gegen diesen Plan erheben sich Stimmen, die rung nicht einwilligen, weil das den Interessen der Staatskaffe zu aus politischen Gründen warnen, eine Landkrankenkasse zu errichten. nahe getreten wäre. Aber sie hatte nichts dagegen, daß die So schreibt Rechtsanwalt Dr. Frice: finnische Arbeiterschaft durch Hungerzölle ausgebeutet würde, denn daraus entsprießen ja auch für die Regierung unmittelbare Vorteile. nicht Ausland. Agitation der italienischen Seeleute. Rom, 23. März. In Neapel ist eine auf einen Reeder beschränkte Agitation der Seeleute ausgebrochen, die die Annahme des neuen Tarifvertrages zum Zweck hat. Das Personal des Dampfers " Cornigliano", der am 21. abends nach Derna in See gehen sollte, meldete sich im letzten Augenblick frank. Der Dampfer ist daraufhin mit Personal der Kriegsmarine in See gegangen. Das Schiff sollte Soldaten und Kriegsmaterial nach Bengaji bringen. Der „ Tribuna" zufolge haben alle Reeder, deren Schiffe auf nicht subventionierten Linien verkehren, die Abrüstung ihrer Flotte beschlossen, um den Forderungen des Personals nicht nachzugeben. Bis jetzt sind im Hafen von Neapel vier Dampfer abgerüstet worden. Deshalb hat also die Regierung der russischen Duma dem finnischen Landtage! einen Gesezentwurf unterbreitet, laut dessen dem vom Auslande( aber nicht dem von Rußland) nach Finnland importierten ungemahlenen Getreide ein Zoll von 4,30 Fr. und dem Mehl ein Zoll von 6,50 Fr. pro 100 Kilo aufgelegt werden solle. Dies vorläufig. Der Gesezentwurf läßt ahnen, daß der 3oll später bis zum vollen Betrage der für Rußland geltenden Bölle erhöht werden soll. Die Stellung der Arbeiterschaft zu der Zollfrage ist selbstverständlich. Mit Freude kann aber erwähnt werden, daß ein Teil auch der Bourgeoisie bereit zu sein scheint, gegen die Zölle Aus Industrie und Handel.nbruch zu erheben. Die induſtriellen Intereſſen würden von Die finnische Arbeiterschaft und die Getreidezölle. Aus Helsingfors wird uns geschrieben: Mitte März haben im ganzen Finnland riesige Massen verjammlungen stattgefunden, um gegen die Pläne der russischen Schutzöllner zu protestieren. Zur rechten Zeit, ohne Zweifel, denn vielleicht wird schon nach einigen Wochen die russische Duma ihren Beschluß gefaßt und der finnischen Arbeiterschaft eine bisher unbekannte, schwere Brotsteuer aufgelegt haben. Zöllen direkt leiden, und ebenso diejenigen der überwiegenden Mehrzahl von den kleineren Grundbesitzern. Auch unter den größeren gibt es folche, die feinerswegs unbedingte Verteidiger der Schutzölle sind. Die finnische Landwirtschaft hat sich nämlich seit einigen Jahrzehnten immer mehr der Viehzucht zugewendet der Buttererport ist bedeutend und eine gezwungene Rückkehr zur Getreideproduktion könnte nicht ohne Ungelegenheiten vor sich gehen, besonders weil die Getreidezölle die finnische Landwirtschaft von den Preisen des russischen Getreides abhängig machen würden, und diese Preise infolge der häufigen Mißernten in Rußland sehr wechselnd sind. 3war haben einzelne Agrarier auch bei uns die Getreidezölle verteidigt, jedoch mit der Forderung, daß dieselben auch dem russischen Getreide aufgelegt werden müssen, weil sie sonst der finnischen Landwirtschaft keinen Nußen bringen. Seit einem halben Jahrhundert sind Getreidezölle etwas in Finnland Unbekanntes. Die tapitalistische Entwidelung, die sich schon um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bei uns geltend machte, trug zu ihrer Abschaffung bei, und seitdem haben nur ein paarmal die einheimischen Agrarier schwache und erfolglose Es scheint also möglich, daß der finnische Landtag ungeachtet Versuche gemacht, um die Zölle wieder einzuführen. Während der Parteiunterschiede einen Einspruch gegen die drohenden Brotim östlichen Nachbarlande ein rasender Protektionismus auf allen zölle erheben wird, was die sozialdemokratische Fraktion vorgeschlaGebieten herrschte und auch im westlichen Nachbarlande die agrari- gen hat. Ohne Zweifel hat auch die entschiedene Haltung der schen Interessen diejenigen des arbeitenden Volkes in den Hinter- Arbeiterschaft mächtig dazu beigetragen, daß sich die Stimmen der grund drängten, hat sich die allgemeine Meinung in Finnland einheimischen Schutzöllner nicht allzu laut gemacht haben. daran gewöhnt, daß wenigstens das Brot des armen Mannes immer billig ist und bleibt. Jezt soll das Brot um ein Viertel, vielleicht um ein Drittel verkleinert werden und warum? Unter den russischen Agrariern weist man darauf hin, daß das russische Getreide, nachdem es den finnischen Markt beherrscht hat, immer mehr von ausländischem, besonders deutschem Getreide verdrängt worden ist. Das ist wahr. Soziales. 36 Stunden Arbeitszeit. In einer Klage vor der achten Kammer des Berliner GewerbeUnd wahr ist auch, daß die deutschen Einfuhrscheine gerichts verlangte der Wächter H. von der Wach- und Schließgesellcinigermaßen dazu beigetragen haben. Aber die wesentlichste Ur- fchaft Christ u. Co. die Herauszahlung der nach und nach einsache ist dennoch eine andere. Sie ist die außerordentliche Un- behaltenen Kaution von 30 M. Es kam hierbei zur Sprache, daß fähigkeit der russischen Getreidehändler, sich moderne Methoden der Kläger neben dem üblichen Nachtdienst von Sonnabend abends anzueignen und ihre Wirksamkeit vorteilhaft zu organisieren. So- 7 Uhr bis Montag früh 7 Uhr ohne Pause also volle 36 Stungar Amerikaner machen ohne Schwierigkeit Geschäfte auf Finnland den Dienst tun mußte. Hierfür erhielt er den horrenden Monatswie sollten sich da nicht diejenigen der russischen Geschäftsleute lohn von 60 M. Vom Gehalt war noch das Fahrgeld und die Verlohnen! Der russische Weizen z. B. wird ja überall als vorzüglich pflegung des Wachhundes zu leisten. Der Vorsitzende, Magistratsanerkannt. rat Schulz, kennzeichnete dieses Dienstverhältnis als unerhörte Ausbeutung". In der Klage selbst, die mit dieser Ausbeutung nicht direkt im Zusammenhang stand, wurde ein Recht der Gesellschaft auf Einbehaltung von 5 M. anerkannt. Das Gedeihen der russischen Landwirtschaft erschweren die allgemeinen sozialen und politischen Zustände in dem großen Kaiserreich. Der Feodalismus verzögert die Entwickelung eines lebensfräftigen Rapitalismus, und dieser hat sich zum Teil im Schuß des Staates und traft der Schutzölle gleich einer Gewächshauspflanze entwickelt. Die Bauern und die Arbeiter leben in allzu elenden VerDie Krankenkassen und die bürgerlichen Parteien. hältnissen, um den Produkten der Landwirtschaft und der Industrie Seit Jahren wird der Sozialdemokratie zum Vorwurf gemacht, ein genügendes Absatzgebiet bieten zu können. Aber das Heben der fie lasse sich in Fragen der Versicherungsgefeße und bei Krankenarbeitenden Bevölkerung zu höherem Lebensstandard liegt keines- tassenwahlen nur von politischen Erwägungen" leiten. Das Partei" Bu bekämpfen ist die Errichtung einer Landkrankenkaffe schließlich aber auch aus politischen Erwägungen. Gerade infolge der Zugehörigkeit der Dienstboten zu der Allgemeinen Orts trantentasse steht jetzt bei zielbewußtem Zusammenarbeiten der Mitglieder aller bürgerlichen Parteien die begründete Aussicht, die Leitung der Kasse wieder in die Hände der bürgerlichen Parteien zu bringen. Diese Aussicht würde durch die Errichtung einer Landkrankenkasse wieder zerstört werden." Und in der Hartungschen Zeitung" wird die Landkrankenkasse aus folgenden Gründen bekämpft: " Der Ausschuß( der Landkrankenkasse), der zu zwei Dritteln aus den Arbeitnehmern, also doch wohl aus Dienstmädchen zu bestehen hätte, könnte in dem Dienstmädchen leicht den Gedanken eines Intereffengegenfases zu den Dienstgebern weden, und es wäre denkbar, daß diese Idee, je klarer sie sich herausgestaltete, zu einer Aufhebung des Bewußtseins von der häuslichen Gemeinschaft, von der Zusammengehörigkeit zwischen Herrschaft und Dienstboten, führen könnte. Ja, diese Möglichkeit, bis in ihre letzten Konsequenzen durchgedacht, könnte die auf dem Wege des Kassenwesens geschaffene Organisierung des Dienstbotenstandes zu einer willkommenen Borarbeit für die Zwecke der Sozialdemokratie werden. Die Sozialisierung des Dienstbotenstandes in einer Sonderklasse wäre die Vorstufe zu seiner Sozialdemokratisierung. Diese Gefahr besteht nun allerdings auch bei der Zugehörigkeit zur Allgemeinen Ortskrankenkasse aber vielleicht doch nicht in dem Maße, wie bei einer isolierten Organisierung des Standes." " Das sind die Erwägungen", von denen sich die Bürgerlichen leiten laffen. Nicht das Wohl der Versicherten ist für sie maßgebend, sondern das Wohl der bürgerlichen Parteien ist ausschlaggebend. Ueber 40 Jahre alte Arbeiter werden nicht eingestellt. Die Firma Schichau- Elbing, die Jahr für Jahr eine Reihe Arbeiten für das Reich und den Staat ausführt, schrieb einem Tilfiter Schloffer, der sich um eine Stelle beworben hatte: F. Schichau. Eisen- und Stahlgießerei, Maschinenund Lokomotivfabrik. Schiffswerft. An den Schlosser. Elbing, den 17. März 1914. Auf Ihre Karte vom.... d. M. wird Ihnen die Mitteilung, menn Sie eine ordnungsgemäße Lehrzeit durchgemacht haben, Ihre Papiere in Ordnung, und der hiesige Krankenkassenarzt Sie für gesund befindet, Ihre Einstellung in meiner Lokomotivfabrik hier erfolgen kann. Ferner ist Bedingung, daß Sie nicht über 40 Jahre alt sind. Gezeichnet: F. Schichau. Das ist die gesicherte Eristenz der Arbeiter bis ins hohe Alter". Briefkasten der Expedition. Battenten in Beelis, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte exemplaren sofort ihre Adresse einfenden, da bei verspäteter Bestellung bie bleiben, wollen ihrem bisherigen Spediteur wegen der Ueberweisung von Frei ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. IIe Adressen müssen jeden Monat neu eingefandt werden. Wievie B dachten Sie für Ihre FrühjahrsGarderobe anzulegen? Einerlei, ob viel, obwenig. Sie finden bei uns zu jeder Ihnen genehmen Preislage eine umfassende Auswahl. 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Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wann wir altern. Hierauf: Liebe. Nachher: Lottchens Geburtstag. Theater in der Königgrätzer Straße 7% Uhr: König Richard III. Komödienhaus. 8 Uhr: ,, Kammermusik“. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonnt.nom. 3: Der liebe Augustin. Deutsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Abends 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Freitag 8 Uhr: Schirin u. Gertraude. Residenz- Theater 8 Uhr: Der Regimentspapa Theater und Vergnügungen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Sonnabend, den 28. März, im Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain ( Am Königstor) 999 25. Stiftungs- Fest ce Mitwirkende: Die Thiloschen Chöre, 300 Sänger( Dirigent Emil Thilo): Gesangverein Namenlos",„ Männerchor Ost"," Sängerchor Wedding". Konzertsängerin Frau Hertha Geipelt( Sopran), am Flügel Emil Thilo. Das Berl. Konzerthaus- Orchester( 40 Musiker), Dirigent Franz v. Blon. 226/ 5* Eintritts- Karte 30 Pfennig. Konzertbeginn pünktlich abends 8 Uhr. Festrede. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Eintrittskarten a 30 Pf. sind noch im Wahlvereinsbureau Gerichtstraße 71 zu haben. Der Bildungsausschuẞ. Friedr.- Wilhelmst. Theater. Anfang 8 Uhr. Fräulein Trallala. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Die Kino- Königin. Vereinigte Berliner Volksbühnen. Luisen- Theater. 8 Uhr: Unser Jugen. Boltsstück mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Hans Ritter. DOSE= THEATED M Große Frankfurter Str. 132. Die Königin der Detektei. Romant. Detektivkomödie in 3 Akten von 2. Albert. Anfang 8 Uhr. Freitag: Die Königin der Detektei. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Er und der Andere. Walhalla- Theater. Täglich 8 Uhr: Tangofieber. Gr. Posse m. Gej. u. Tanz in 3 Aften von E. Urban. Musik v. Hugo Hirsch. Clou" Mauerstraße 82 :: Berliner:: Konzerthaus Zimmerstraße 90/91. Großes Doppel- Konzert! Dirigent: Berliner Konzerthaus- Orchester Franz v. Blon. Musikk. Kaiser- Alexander- Garde- Gren.- Regts. Dirig. Kgl. Musikdir. Brase 10 Anfang 8 Uhr. An allen Eintritt 50 Pf. Anfang& Uhr. Sonntags 3 Uhr: Die Liebe wacht. Wochentagen: Gr. Nachmittags- Konzert bei freiem tibeli lus Eintritt. YPOGRAPHIA Gesangverein BerlinerBuchdrucker und Schriftgießer Gegr.1879 Gormeister Alexander Weinbaum Ma.A.S Sonntag, den 5. April 1914( Palmsonntag), im Festsaal der ,, Neuen Welt", Hasenheide 99 KONZERT Mitwirkende: Adelheide Pickert, Sopran( Mitglied der ehem. Komischen Oper zu Berlin) Prof.Oscar Schubert, Kgl. Kammervirtuos( Klarinette) Carl Rausch, Klarinette Gottfried Schreiber, Oboe Theodor Menge, Oboe Thilo Heuck, Horn Joseph Sprenger, Horn Heinrich Lange, Fagott Georg Strehle, Fagott Königl. Kammermusiker Anfang 6%, Uhr. Eintritt 60 Pf. Kinder 20 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt! Eintrittskarten à 50 Pf sind zu haben in den Zahlstellen des Vereins: Zigarrengeschäften von G. Schulz, Kottbuser Tor, P. Horsch, Engelufer 15; R. Lehmann, Mittenwalder Str. 2; K. Schnier, Bergmannstr. 59; W. Seidel, Schenkendorfstr., Ecke Arndtstr.; M. Gölfert, Yorckstr. 40; K. Bielefeld, Graefestr. 35; G. Kuhring, Jahnstr. 1; M. Kämmerer, Elisabethufer 37; B. Böttger, Zossener Str.30 und Skalitzer Straße 107; H. Köppe, Tilsiter Str. 45. Neukölln: A. Abraham, Donaustr. 25; P. Opitz, Pflügerstraße 74; A. Rietdorf, Pannierstraße 40; Schöneberg: Ziem, am Ringbahnhof; Charlottenburg: F. Meyer, Hardenbergstr. 15, Ecke Fasanenstr.; BandagistenGenossenschaft, Köpenicker Str. 98b; im Tagesrestaurant ,, Neuen Welt", sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen. der Theater am Nollendorfplatz 5. Scheherazade, Karneval, Geist der 8 Uhr: Russisches Ballett. Rose, Polowetzer Tänze. Kartell der Freien Volksbühnen. 119 W of 1020 06189 Sonntag, 29. März, abds. 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus ( großer Saal): Einführungs- Vortrag Herr Dr. Heuß- Leipzig über: Die Matthäus- Passion. Eintrittspreis pro Person 10 Pf. Drittes Chor- Konzert Karfreitag, den 10. April, 7 Uhr, in der Neuen Welt. Matthäus- Passion von Johann Sebastian Bach. Berliner Volkschor, Blüthner- Orchester Soli, Orgel, Kinderchor. Dir. Dr. Ernst Zander. Solisten: Sopran: Lucie Haenisch Paula Weinbaum Paul Bauer Alt: Tenor: Baß: Werner Engel Baß: Emil Severin Einlaßkarten a 75 Pf. sind in allen Zahlstellen( an der Abendkasse 1 M.) erhältlich. Einführungshefte mit Text und erläuterndem Aufsatz sind am Eingang der Säle am Sonntag und Kar freitag zu haben. Extra- Vorstellungen: Lessing- Theater: 12. April, nachmittags 3 Uhr: Professor Bernhardi. Herrnfeld- Theater: 13. April, nachmittags 3 Uhr: Hinterm Zaun. Anfang 3 Uhr. Gastkarten a 1,10 M. in den 8 bekannten Zahlstellen. Nichtmitglieder 25 Pf. mehr. 179W nstmess ando 58/15 Theater a. d. Weidendammerbrücke Zirkus Alb. Schumann. 8 Uhr: Der müde Theodor. Heute Donnerstag, d. 26. März, abends 9, Uhr: Zum ersten Male in Berlin! Intern. Ringer- Wettstreit ( Catch as catch can) Alle Griffe erlaubt! Es ringen heute folg. Paare: 1. Tarso Miake gegen Carpini ( Japan) ( Italien) 2. Chevalier gegen Jussuf ( Frankreich) ( Türkei) 3. Jimmy Essom geg. Jarousinsky ( England) ( Galizien) 4. Tripolt gegen Van Riel ( Oesterreich)( Holland) Vorher von 72 bis 82 Uhr: ,, Tipp" der Derby- Favorit 1914. Von 8%, bis 9%, Uhr: Große Sportvorstellung Auflös. d. Zirkus Busch a.31.März. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 26. März, abends 72 Uhr. Große Wohltätigkeits: Vorst. zum Besten des Vereins Unter funft für hilfsbedürftige Wöchnerinnen und deren Säuglinge, hier, Blumenstr. 97. Auftr. der gesamten März- Attrakt. 11. a.: Mad. Garnier mit ihrem Sprung aus der Zirkuskuppel mit dem Fahrrad. Zum Schluß: ,, Pompeji". Drig. Ausstattungs- Pantomime d. Zirkus Busch in 5 glänzend. Att. A Berlin- Neukölln an der Weser- Ecke Rütlistraße gegenüber der Jansastraße. Nur kurze Zeit Zirkus BarumSchau. Täglich abends 8 Uhr: Das wunderbare Programm mit 22 WeltAttraktionen, wie sie die Welt in solcher, jeder Konkurrenz die Spitze bietenden Zusammenstell. noch nie gesehen hat. Täglich ab vorm. 11 Uhr: Oeffentliche Tierschau verbunden mit großem Promenadenkonzert der eigenen Hauskapelle. Alleiniger Billettvorverk. im Zigarrenhaus Richter u. Franke am Hermannplatz und an der Zirkuskasse ab vormittags 11 Uhr. Charlottenburger Festsale, Charlottenbg., Kaiser- Friedrich- Str. 24. Heute in beiben Sälen: Großer Ball. Anfang 8 Uhr. 2 Kapellen. Eintritt und Tanz frei. 44/16 URANIA Taubenstr. 8 Uhr: 48/49. Dir. A. Fürst: Hochspannung. Hörsaal 8 Uhr: Dr. A. Piotrowski: Erscheinungen des Seelenlebens: Psichische Gemeinschaften. WINSTARTEN 6 Letzte Vorstellungen! Olga Desmond Freireligiöfe Gemeinde □□ Jugendweihe □ □ der Kinder von Mitgliedern der freireligiöfen Gemeinde. Am Sonntag, den 29. März, vormittags 10 Uhr, bei Kliem, Hasenheide 18/15. Festrede von Herrn Anton Fischer: ,, Die neue Welt." Festvorträge a.d. Orgel mit Violin- u. Cellobegleitung. Eintrittspreis: Erwachsene 20, Kinder 10 Pf. Jeden Sonntag, vorm. 11 Uhr, in der Kl. Frankfurter Str. 6: Vortrag. April 5. Harmonium: Volkslieder. Herr Dr. Hermann Hasse: Modernes Prophetentum. 12.( 1. Osterfeiertag) Harmonium und Violine: Festvortrag. Festvortrag: Herr Dr. Bruno Wille. ㄉ 99 19. Harmonium: Der Lindenbaum( Schubert). Herr Wilhelm Bölsche: Das Sterben der Arten und das Gespenst der Degeneration. 26. Harmonium: Aus Tannhäuser"( Wagner). Herr Dr. Bruno Wille: Der falsche Schein. Brauerei Friedrichshain Montag, den 30. März, abends 8 Uhr: Heitere Künstler- Soiree Zum Benefiz des artist. Leiters der Künstler- Abende Harry Senger und Lola Gray. Mitwirkende: Allererste Kräfte hies. Bühnen. U. a.: Lona Nansen, Herrmann Feiner, Lutti Werkmeister, Holländer, Improvisator Adolf Wenter, Conferencier, Olly Romann, Richard Wissiak, Franz Meißner, Forfalla, Fantasie- Tänzerin. Entree 35 Pf. 54/6 Wo? und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Rauchen gestattet! Apollo- Theater. 8 Uhr. Tel.: Lützow 2757. 8 Uhr. Zum 99. Male: Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartstein. Lachen ohne Bause! Rauchen gestattet! Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs. Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow! 19 Jahre alt. Ohne Extra- Entree! Metropol- Theater. Abends präzise 7 Uhr 55: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Casino- Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch bis Mittwoch, den 8. April: Die olle Webern. Borher ein erstklaffiger bunter Leil Sonntag, 12. April, Ostern, 3. 1. Male: Lo die Liebe hinfällt. Sonntag 4 Uhr: Matterliebe. Berliner Prater- Theater Sastanienallee 7-9. Donnerstag, den 26. März 1914: Gastspiel des Voigt- Theaters. Im Rausch des Lebens. Komödie in 3 Aften v. Delar Pitschel. Raffeneröffnung 7 Uhr, Anf. 8 Uhr. Folies Caprice. 8% Café Pingsheim Der Heiratsgraf Meyersteins Admiralspalast. Eis- Arena. Täglich: Die lustige Puppe. Großes Ballett auf dem Eise. Bis 6 Uhr und vor 10%, Uhr ab halbe Kassenpreise. Wein- u. Bier- Abteilung. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere süßen Dienstmädel. Burleste v. Megfel Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntag, nachm. 3 Uhr: Stuckes Pfingstfahrt. Reuters Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Spezialarzt 1. Hauts, Sarn, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beintrante jeber Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. tons. Laborat. Blut untersuchung., Fäden i. Harn usw. Dr. Homeyer Friedrichstr. 81, gegenüber Panoptikum no todo T Billige Möbel Einzelne Schränke..... von 39 M. an Einzelne Bettstellen Einzelne Sofas. .... von 16 M an von 42 M. an Einzelne Spiegel.. Einzelne Büfette.. Einzelne Matratzen..... von 15 M. an Einzelne Schreibtische Einzelne Vertikos Ausschneiden und USW. · von 11 M. an ... von 95 M. an von 58 M an von 37 M. an 09000 und ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerder, an der neuen beim Alten Freund. Heerstraße Allgemeine Orts- Krankenkasse für Zehlendorf u. Umg. Bekanntmachung betr. Wahl zum Vorstand. Seitens der Gruppe der Arbeit geber ist nur ein Wahlvorschlag, welcher Die Nr. 1 erhalten hat, in der zu lässigen Frist eingereicht worden. Es gelten somit gemäß§ 9 der Wahlordnung die in diesem Wahlvorschlage bezeichneten Personen ohne weiteres als gewählte Vertreter. Nachstehend wird hiermit der Wahlvorschlag ver Wochenrate A- 3200 öffentlicht. schon von Mark an auf Kredit axle mitbringen k Wert 5 Mark Versand auch nach auswärts 4442 inden 190 0000000 Ausschneiden und mitbringen Wert 10 Mark um Umzug Nunmehr Vereinigte 3 Kredithäuser Beamten Gebrüder Ohne Lieber Lieber Anzahlung Alexanderstrasse 16 Minute vom Bahnhof Jannowitzbrücke. M. Glogau Alte Jakobstrasse 73 Ecke Dresdener Strasse Entwur BAR N. Tannenzap Nchf., Blumenstr 2 Ecke WallnerTheater- Str 1. Gemeindevorsteher a. D. Fr. Schweiger; 2. Klempnermeister Richter; Robert 3. Buchdrudereibesizer Albert Fischer. Seitens der Gruppe der Ver ficherten Vertreter find 18 gültige Stimmen abgegeben worden. Von biesen entfallen auf den Wahlvorschlag Nr. 2, beginnend mit dem Namen Dstar Saffe, endigend mit dem Namen Robert Nidel, 8 Stimmen, und auf den Wahlvorschlag Nr. 3, beginnend mit dem Namen Otfo Fehlberg und endigend mit dem Namen Wilhelm Berger, 10 Stimmen. Nach dem Verhältnis der Stimmenzahl entfallen auf jeden der beiden Wahlvorschläge 3 Bewerber zum Borstand. Es sind gewählt worden: Vom Wahlvorschlag 2 B 1. Feuerwehr Feldwebel Saffe; Ostar 2. Obergärtner Hermann Kühl; 3. Vorarbeiter Paul Freidant. Bom Wahlvorschlag 3 4. Tischler Otto Fehlberg; 5. Geschäftsführer Kreteler; Johann 6. Maschinist Rudolf Fenzan. Ginsprüche gegen die Gültigkeit, der Wahl find innerhalb 2 Wochen nach Bekanntgabe bei dem Kassenvorstand oder dem Königlichen Versicherungsamt des Kreises Teltow einzureichen. Zehlendorf, den 21. März 1914. Der Vorstand. 270/16 F. Schweizer. G. Reibe. Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Pg. Café Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 u. 15, Bier, bell u. dunk. 10 Bf. ca. 50 Zeitungen; Billard Stb. 60 f. Zahlstelle der Freien Volksbühne. ardinenGard Spezialhaus Emil Lefèvre Berlin S, Oranienstr. 158, Wunderbare Neuheiten, Gardinen, Stores, Vitrages, Tüllbettdecken etc. in allen Stilart. Abge- Dekorationen paßte mit Querbehang. Allovernettüll, Fenster 5,75 Etamin( buntfarb.) ,, 6,75 1 Posten reich- ErbstüllBettdecken mit Volant gestickter 5 bis 7 M.). mit Volant à 285 435 bisher Erbstüll- Stores à 335 475( bisher Spezial- Katalog 5 bis 8 M.). 650 Abbildungen gratis u. franko. Frankoversand waren v aller 20. Sbr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Berantwortlicher Redakteur: Alfred 28ielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil berantto.: Th. Glocke, Berlin. Drud u.Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 84. 31. AlhtZlws. 2. WIM Ks Jotmirts" Aerlim MM Jsunerstag. W. Mn 1914. vas Sootsunglück bei Köpenick. S Todesopfer. Nach den amtlichen Feststellungen haben bei dem Untergang des Spindlerschen Fährbootes von seinen neunzehn Insassen nicht fünfzehn Personen, sondern acht ihr Leben eingebüßt; immerhin noch schlimm genug. Die Liste der Toten enthält folgende Namen: 1. Anna Dich aus Köpenick, Stubenrauchstr. 4; 2. Frau Steiuhauseu aus Friedrichshagen; 3. Martha Gnldenpfenvig aus Köpenick, Parrisiusstr. 14; 4. Else Rnckstinat aus Köpenick, Annen-Allee 6; 5. der Bootsführer Fritz Gierasch, Köpenick, Bahnhofstr. 43; L. u. 7. die Geschwister Haaschke, Köpenick. Kaiser-Wilhelm Straße 13; 8. Fräulein Heidebrecher, Köpenick, Knrfürsten-Allee 2. Die Namen der Geretteten find: 1. Otto Redet aus Friedrichshagen; 2. Amanda Meinicke aus Friedrichshagen; 3. Paul Meiwald aus Friedrichshagen; 4. Fräulein Klähue aus Köpenick, Kaiser-Wilhelm-Str. 13; 5. Frau Gierasch aus Alt-Glienicke; 6. Karl Schrammer aus Friedrichshagen; 7. Martha Redens aus Friedrichshagen: 8. Else Runge aus Köpenick, Spreestr. 1; 9. der Arbeiter Kraft, Köpenick, Kaiserin-Auguste-Viktoria Straße 16; 10. Fräulein Huth, Köpenick, Parrisiusstr. 7; 11. Frau Wagner aus Friedrichshagen. Von den geretteten elf Personen befinden sich der Arbeiter Maiwald und Fräulein Klähne in dem Köpenicker Kreis Krankenhause, die übrigen in ihren Wohnungen. Es sind noch nicht alle Leichen geborgen. Gestern waren zahlreiche Personen mit Booten in Bewegung, um die noch fehlenden Leichen zu bergen. Trauer in Köpenick. Blitzschnell verbreitete sich die Nachricht von der Bootskatastrophe bei Spindlers felde in Köpenick. Die längst verhallten Todesschreie der unglücklichen Opfer der Arbeit zittern noch heute in der Be» völkerung des Städtchens und der ganzen teilnehmenden Umgebung «ach. Es ist die dumpfe Trauerstimmung, wie sie in den Zechen- revieren herrscht, wenn der Tod mit rauher Hand urplötzlich nach blühenden Menschen greift, die heiter und gesund den Weg zur Arbeit schritten. Wenn bei Spindler Fabrikschluß ist und Hunderte von Arbeitern und Arbeiterinneu sich zum Heimweg über das Spreetoass« rüsten, ist eS an beiden Ufern belebt. Hier stehen m dichten Scharen die Arbeitendea, bis sie an der Reihe der Ueberfahrt find. Dort drüben warten besorgte Angehörige oder Kollegen, die den Wasserweg schon hinter sich haben, auf die Ankommenden. Um fo tragischer spielte sich innerhalb weniger Sekunden das Unglück ab. Man suh von den Ufern aus die Katastrophe mit Riesenschnelle herankommeir, sah die Todesopfer in den Wellen verschwinden, hörte die entsetzlichen Schreie und konnte, weil sich alles so furchtbar schnell zutrug und das Wasser hier etwa 200 Meter breit ist, doch kaum helfen. Ehe genügend Hilfsbereite zur Stelle eilten, war es zu spät, gab der Fluß nichts Lebendes mehr heraus. Wie wahnsinnig irrten Angehörige am Ufer umher, als ihre Lieben nicht mit der gewohnten Pünktlich- keit zu Hause eintrafen und die Kunde des Unglücks in alle Stadt- teile und in die Nachbarorte gedrungen war. Noch blieb die Hoffnung einer Verspätung, eines anderen Heimweges, aber in fast allen Fällen hat sich die trübe Ahnung bestätigt. Die Ernährer der Familie lagen schon tot in den kalten Fluten, als man innner noch hoffte. Sie sind Opfer der Arbeit geworden, denn der Fährbetrieb ist ein Bestandteil des Fabrikbetriebes, und so bleibt es noch ein kümmerlicher Trost im Unglück, daß die Unfallversicherung wohl für alle Ertrunkenen einzutreten hat. Wenigstens wird sich die zuständige Berufsgenossenschast hoffentlich nicht weigern, hier ihre sozialen Pflichten zu erfüllen. Der Fährbetrieb besteht in dieser Form schon seit mehr als dreißig Jahren. Er ist eingerichtet worden, als die Spindlersfelder Fußgängerbrücke in der Nähe noch nicht gebaut war, und wurde beibehalten, weil der Wasserweg die Heimkehr von der Fabrik für viele Arbeiter um eine halbe Stund« abkürzt. Die Fährboole ge- hören der Fabrik und werden seit Jahren von Arbeitern, die mit der Ueberfahrt vertraut sind, gesteuert. In Köpenick wurde sofort die Theatervorstellung abgesagt. Bürgermeister Dr. LangerhanS begab sich schnell persönlich zur Unfallstelle. Bis in die Nachtstunden hinein herrschte Auftegung in dem sonst so ruhigen Städtchen� Zur letzten Ehrung der Opfer der Katastrophe wird eine große gemeinsame Trauerfeier geplant. Die Lehren öes Unglücks. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt die Köpenicker Polizei, die den Fährbetrieb bis zur Klärung des Unglücks untersagt hat, das Uebersetzen mit Booten, die nicht von berufsmäßigen Schiffern be- dient werden, in Zukunft gänzlich zu untersagen. Das wäre für die zirka 300 Personen, die täglich morgens, mittags und abends bei diesen drei Fahrten eine Stunde Zeit ersparten, allerdings wenig erfreulich. Man hofft jedoch, daß die Firma Spindler selbst ein- greifen und nunmehr, wie schon bor einigen Jahren geplant war, «ine Motorsähre einrichten wird, die die Angestellten der Fabrik schneller >md sicherer als bisher von einem Ufer an das andere befördert. vle Schulöfrage. In der Press« und im Publikum wird lebhast die Frag« er- ilrtert, wen die Schuld an dem entsetzlichen Unglück trifft. Aus den Kreisen der Binnenschiffer gehen uns' folgend- Darlegungen zu: .Unfälle, wie der vorliegende einer ist. liegen in der Binnen- schiffahrt im Stzstem. Der Schiffsführer hat«rgegeben, er sei im Unterdeck zum Essen gewesen. Das trifft zu. Der Schiffsführer kann nicht Tag und Nacht ohne Nahrung am Steuer stehen, er muß «uch Zeit zur Erledigung sonstiger Bedürfnisse haben. Dann muß er sich vertreten lasten. Schuld find die mangelhaften Bemannungsvor- schriften; es sollten auf jedem Dampfer zwei Personen sein, die«in Patent haben, damit eine fachkundige Ablösung vor sich «ehe« könnte. Ein Blick auf die Besatzung namentlich der kleinen »»«pfer te Berlin zeigt, daß hier alle BorfichtSmaßregeln beiseite Des' Schauplatz der ßootskatastrophe in Köpenick gekästen werden, denn vielfach finden wir junge Leute von IS bis 18 Fahren am Steuer. Es hätte also außer dem Schiffsführer noch ein Mann an Bord des Dampfers sein müsten, der im Besitz eines Dampfer- patentes war. Sicher ist auch manches Unglück agf die unregel- mäßige Arbeitszeit zurückzuführen; in der Binnenschiffahrt gibt es Arbeitszeiten von 48 Stunden und länger. Dann wird dem Führer des KahueS die Schuld beige- messen, weil er nicht im Kielwasser des Dampfers gesteuert hätte. Das mutz bestritten werden. Es ist wohl möglich, daß der kleine Dampfer unmittelbar dem Steuer gehorcht, dies tut aber kein Kahn und der Schiffsführer, der dies Behauptet, wird noch keinen Kahn gesteuert haben. Dann vergißt man aber ganz, an die Führung des über- rannten Bootes zu denken; es fragt sich, ob ein schiffahrtS- kundiger Mann vorhanden gewesen ist. ES ist kein Zweifel, daß mindestens ein Drittel der in Berlin anwesenden Fahr- zeuge gegen die Bemannungsvorschriften verstößt und es wäre gut, wenn die Behörden hier etwas aufmerksamer sein würden. Denn die Gefahren auf den Berliner Wasserstraßen sind infolge dieser Zustände viel größer, als das Publikum annimmt. Gerade in den Berliner Gewässern mit dem außer- ordentlichen Personenverkehr sollten die Behörden die Jnnehaltung der Borschristen streng überwachen." Parteiangelegenheiten. An die Bildungsausschüsse und Organisationsleitunge«. Wir machen bekannt, daß in der von uns übernommenen Vorstellung im.Deutschen Opernhaus" am 21. Mai.Die lustigen Weiber von Winds» r" von Nicolai ge geben werden. Karten sind noch zu haben. Organisationen, die eine Anzahl übernehmen wollen, mögen sich recht bald melden. Der Bezirks-Bildnngsausschuß Groß-Berlin, SW. 68, Lindenstr. 2. Zweiter Kreis. Sonntag, den 29. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, llrania-Vorstellung: Mit dem»Imperator" nach New Bork. Der Physiksaal wird um 1 Uhr geöffnet. Billetts a 60 Pf. inkl. Garderobe find noch beim Kassierer Gustav Schmidt, Gneisenau- straße 72 sab Freitag: Bärwaldstr. 42) zu haben. Dritter Wahlkreis. Heute, Donnerstag, den 26. März, abends 8l/a Uhr, findet bei Wilke, Scbastianstt. 39, der erste Vortrag des Genossen Dr. Duncker über.Die Geschichte des Sozialismus"(von Thomas More bis jetzt) statt. Die Teilnehmerkatte für alle vier Vorträge kostet 25 Pf. Reinickendorf-West. Heute, Donnerstag, abends 3'/, Uhr, bei Schröder,»Eichbornsäle", Eichbornstt. 60: Vierter Vortragsabend mtt dem Thema:»Geschichte des Sozialismus". Serliner Nachrichten. An unsere Abonnenten! Unsere Zeitungsspeditton, bisher Gneisenaustraße 72, findet sich vom 27. März ab in der Bärwaldstratze 42, der Gneisenaustraße, im Laden. de- an Die Hanptexpeditio«. tzeiratskultur! Will der verkrachte Adlige fein Wappenschild neu der- golden, der Kaufmann seinem Geschäft neue Kapitalien zu- fuhren, der Herr Leutnant seiner Stellvertreter-Gottes-Würde eine glänzende Folie verleihen— dann ist der einfachste unt bequemste Weg zur Verwirklichung aller dieser Ziele die Heirat mit einer reichen Erbin! Das ist allgemein bekannt und wird täglich durch Abertausende von Heiratsgesuchen in den bürgerlichen Zeitungen erhärtet: in den besitzenden Schich- ten heiratet man zumeist nur, um sich zu„verbessern". Nicht etwa, tveil man in der Ehevereinigung das Mittel sähe, um an sittlicher, persönlicher, geistiger Kraft zu gewinnen, um sich mit ideellen Glücksgütern zu bereichern, sondern vielmehr. weil sie als ein Institut zur Erlangung materieller Vorteile angesehen wird. Wen man heiratet, das ist ganz gleichgültig, wenn nur der Geldeffekt recht groß ist! Persönlich? Be- Ziehungen von Mensch zu Mensch sind bei diesem Geschäft durchaus nicht vonnöten: sie kriegt den Adelstitel usw., er die Mittel zur Führung„standesgemäßer" Lebensweise. Das ist der Sinn von alledem! Man lebt aber nicht ungestraft in einem so hochkultivier- ten Milieu, wie es über Berlin IVW oder Ostpreußen schwelt. Verfeinerte Sitten, ästhetisch infizierte Anschauungen und ideale Erwägungen über die Heiligkeit der Ehe lassen es als ungebildet und unfein, als„shocking" erscheinen, wenn der .Gentleman" einfach auf das Heiratsburean geht und sich dort eine titelsüchtige und ehelüsterne Dulzinea mit soundsoviel Mille aussucht. Man will alle Freuden der Brautschau ge- nießen, man will gern auch den„Zufall" ein bißchen spielen lassen— kurz, man will das Seelenfutter Illusion auch bei der Suche nach dem lebenden Geldsack nicht Vennissen. Man möchte den Anschein erwecken, als ob die Liebe die ersehnten Ziele verwirkliche. Und so lernt denn Graf Krachwitz mit zig"tauscnd Mark Schulden den Goldfisch, der ihn davon befreien und seinen adligen Allüren eine neue goldene Unterlage geben soll, rein„zufällig" kennen und„lieben". Obwohl sie beide schon auf dem Heiratsbureau gegenseitig von sich hörten, tnachen siv ihre persönliche Bekanntschaft doch ganz anderswo. Und dann kann sich jeder von ihnen einbilden, die Liebe, der glückliche Zufall habe sie zusammengeführt. Wie es gemacht wird, um„die Form zu wahren", um den Rest des vielleicht noch vorhandenen Schamgefühls über die menschenunwürdige, entehrende Verkuppelung zu be- schwichtigen, zeigt folgendes Inserat eines Heiratsbureaus, das man dieser Tage in einigen Berliner Zeitungen lesen konnte: Süden-Reise 1914! Da ich in den nächsten Tagen nach dem Süden reise, bitte ich die Damen oder Herren oder deren Ändert vandte. welche mit mir in Verbindung stehen, mir die in Aussicht genommenen Süden-Reisen und deren Ziele rechtzeitig anzugeben, damit ich passende Arrangements in gesellschaft» licher Form treffen kann. � Die.fassenden Arrangements" sind es, auf die es hier besonders ankommt. Ein Mann, der den Aristokraten vor- täuschen will, ist der Verfasser folgenden Inserats: Ein junger, wirklich vornehmer Kaufmann, Inhaber eine? EngroS-ÄeschaftS, der den Anschein eines Aristo- kraten erweckt, wünscht Bekanntschaft mit besserer, auch älterer Dame zwecks späterer Heirat. Suchender ist 1,80 groß, schlank, bartlos u. v. auffäll. Blässe."> Auffällige Blässe ziert den Heiratslustigen, der den An- schein eines Aristokraten erweckt und dem es auch recht ist, wenn die Dame schon bei Jahren ist. wenn sie nur Moneten hat. Im übrigen: wie mag dieser„junge, wirklich vornehme" Kaufmann in Natura wohl aussehen? Der Etat der Stadt Berlin und die Aufsichtsbehörde. Gelegentlich früherer Etatsberatungen im Rathause haben die bürgerlichen Stadtverordneten besonderes Gewicht auf den Umstand gelegt, daß bei dem starren Festhalten des Geineindestcuerzuschlags von 100 Prozent die Gemeinde ihr Selbstbestimmungsrecht behalte. Es sei außerordentlich viel wert, wenn man den Etat der Aufsichts« behörde nicht vorzulegen brauche. Seit einigen Jahren hört man dieses stolze Wort im Rathause nicht mehr. Wohl ist eS immer noch bei 100 Prozent Gemeindesteuer geblieben, aber die Realsteuern stehen jetzt nicht mehr in dem vorgeschriebenen Verhältnis. Und aus diesem Grunde mutz der Etat dem Oberpräsidenten zur Genehmigung vorgelegt werden. Der Magistrat hat nach Schluß der Etatsver- Handlungen am Dienstagabend sofort dem Etat zugestimmt und den Oberpräsidenten um die Genehmigung ersucht. Vom Zweckverband. Am Montag, den 30. März, findet im Berliner Rathause eine Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckvcrbandos statt, um insbesondere den Entwurf des Haushaltsplanes des Verbandes für das Rechnungsjahr nach Maßgabe des Berichts des ständigen Sonderausschusses für den Haushalt und das Umlageverfahren zu beraten. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung bildet ferner die Vorlage betreffend die Er» Weiterung des Straßcnbahnnetzes der Stadt Berlin, tnsonder- heit die Untertunnelung der Linden beim Opernhause und die dazu erforderlichen Zuführungswege. Aus der Wohnungsdeputatio«. In der Sitzung der Deputation für das Wohnungswesen, unter dem Vorsitz des Stadtrats Fischbeck, wurde die Ge- schäftsanweisung für das Wohnungsamt genehmigt. Ferner wurden die Richtlinien zur Beurteilung von Wohnungen durch die Organe des Wohnungsamtes und die Verwendung der Zinsen der König- Friedrich- Stiftung und sonstiger Sttstungsmittel zu Zwecken der Wohnungspflege festgelegt. Znm Schullastenansgleich. Im Berliner Rathause sind gestern Vertreter der Stadt Berlin mit Vertretern der westlichen Vororte zusammengetreten, um zu den neuerlichen Beschlüssen der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses und zu der Petttton der östlichen Vororte Berlins in der Frage des Schul- und Kommunallasten- ausgleichs Stellung zu nehmen. Nach dem Ergebnis der Be- sprechung wurde in Aussicht genommen, die Stellungnahme der vertretenen Gemeinden in einer Denkschrift an das Ab- geordnetenhaus darzulegen._ Zwei schwer« Betriebsunfälle ereigneten sich im Lause des gestrigen Tages im Betriebe der A. E. G. in Henningsdorf. Der erste Unfall ttug sich morgens um ?L8 Uhr zu. Um diese Zeit war der Rohrleger Albert Wirschula mit dem Autogenschweißen eines BenzinbehälterS beschäftigt. Der Behälter sollte am Boden gelötet werden. Hierbei müssen sich wohl Dämpfe oder Gase entwickelt haben, die plötzlich zur Explosion kamen. Der Boden riß ab und traf Wirschula an der Stirn. Er wurde an den Augen, am Mund, am linke» Unterarm und an der linken Schulter schwer verletzt. Alle in dem Raune Anwesenden wurden durch den starken Luftdruck bei Seite gestoßen, und nur dem tatkräftigen Zuspringen eines Arbeiters ist es zu verdanken, daß nicht die etwa 3 Schritt abstehenden 2 Sauerstofflaschen ebenfalls zur Explosion kamen. Wie uns von Arbeitern des Betriebes be- richtet wird, lassen die sanitären Einrichtungen in der Fabrik viel zu wünschen übrig. Zirka eine Dreiviertelstunde habe der Schwer- verletzte liegen müssen, ehe ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. Außerdem sei kein Verbandszimmer vorhanden gewesen, wo man den Schwerverletzten hätte unterdringen können; er sei lediglich in einen anderen Arbeitsraum gebracht worden. Das furchtbare Geschrei des Verunglückten hallte durch die ganze Fabrik. Nach einer Stunde war erst ein Krankenwagen zur Stelle, der den Verunglückten dem Reinickendorfer Krankenhause zuführen konnte. Der zweite Unglücksfall ereignete sich mittags in der Loko- motivfabrik. In diesem Betrieb laufen vier große Lastenkräne, zu denen eigentlich je ein Anbinder, der die Lasten an den Krau vorschriftsmäßig zu befestigen hat, gehört. Aus SparsamkeitS- rücksichten— so wird mitgeteilt— wird jedoch für alle vier Kräne nur ei» gelernter Anbinder verwendet; das Anbinde» der Lasten a» d« andere» Kräne Mich»» Ms Twui�MtarhM« hefrnys, Tiner dieser Sfrätte deförderke eine große Last Bleche. Als er diese abladen wollte, gab anscheinend die Schleife nach, so daß die Last qcrunterfiel und die untenstehenden Arbeiter Labitzke und Linick, beide aus Berlin, verletzte. Zum Glück standen auf dem Erdboden allerlei Materialkisten, so daß die Wucht des Sturzes erheblich gemildert wurde. Trotzdem erlitt Labitzke schwere Verletzungen am Kopf, während Linick an beiden Händen verletzt wurde. Mittels Lastautomobils wurden die Verletzten nach dem Reinickendorfer! Krankenhaus gebracht. Wie uns weiter berichtet wird, ereignete sich erst kürzlich ein schwerer Unfall. Ein Elektromonteur, der allein in der Nacht die Aufsicht iiber den Betrieb hatte, wurde noch mit Arbeiten an der Schalttafel sSr Licht und Hochspannung beschäftigt. Durch einen unglücklichen Zufall kam er der Leitung zu nahe und verbrannte im Gesicht, an der Brust und an beiden ArMen schwer. Der Un- glücksfall trug sich des Nachts um 12 Uhr zu. Bis 6 Uhr früh mußte der Verunglückte liegen bleiben. Erst nachdem das Kranken- automobil von der Brunnenstrahe gekommen war, konnte er einem Krankenhause zugeführt werden.— Daß es die Direktion eines so großen Betriebes noch nicht für nötig gehalten hat, einen Krankenwagen für etwaige Unglücksfälle im Werk bereitzustellen, ist sehr zu verwundern. Warnung vor Kohlenschwindlern: Kohleuschwindler treiben wieder in Berlin und Vororten ihr Unwesen. Es sind in der Regel drei Mann, die sich ihre Opfer vornehmlich unter der Arbeiterschaft suchen. Einer von ihnen spricht in den Abendstunden in den Wohnungen vor und bietet einige Kasten Preßkohlen(das Hundert zu 95 Pf.) zum Verkauf an. Wer sich herbeiläßt, auf das Geschäft einzugehen, sich mehrere Hundert BrilettS bringen läßt, sie aber, auf die Ehrlichkeit der Menschen bauend, nicht durchzählt, der wird, nachdem sich die schwarzen Ge- sollen entfernt haben, sehr bald die Wahrnehmung machen, daß er betrogen ist: die käuflich erworbene Anzahl ist nicht vorhanden. Uns wird mitgeteilt, daß bei größeren Posten auf die Weife schon hunderte Briketts gefehlt haben.— Leuten, die man persönlich nicht kennt und die in s p ä t e r A b e n d st u n d e Kohlen zum Verkauf an- bieten, sollte aus diesen Gründen von vornherein mit Mißtrauen entgegengetreten werden. Auf alle Fälle aber ist dringend not- wendig, die Kohlen vor der Zahlung des geforderten Preises genau durchzuzählen. Diese Kohlenschwindler scheuen sich nicht, auch arme Arbeiter mit ihren Betrügereien heimzusuchen, was um so verwerflicher ist. Vielleicht gelingt es durch diesen Hinweis, den gewissenlosen Burschen das unsaubere Handwerk zu legen. Eine Agitationsversammlung für das Frauenturnen findet heute, Donnerstag, in den Jndustrie-Festfälen, Beuthstr. 20, statt, in der über die Drangsalierungspolitik gegen den Arbeiter- Turnerbund und den Turnverein„Fichte" und über das Turnen der Frau und seine Bedeutung für das Volkswohl referiert werden wird. Die Gemeinöewahlbewegung. Auf einen Schelmen setze anderthalben, so dachten unsere Genofien in Birkenwerder am letzten Sonntag bei der Wahl. Für unseren Genossen Pieper(Nichtangesessener) niußte ein An- gesessener gewählt werden. Der Vertreter Wartenberg, dessen Mandat bis 1913 läuft, ist über Nacht Nichlangesessener geworden und hat, deshalb den Antrag auf Niederlegung seines Mandats gestellt. Der Herr Gemeindevorsteher hatte ihn wieder breit geschlagen er glaubte jetzt den einzigen Genossen als Nichtangesessenen aus der Vertretung hinausbugsieren zu können, da ja ein Angesessener ge- wählt werden mußte. Er wußte, daß wir keinen Angesessenen haben und nun hoffte er, an seinem Ziel zu sein. Es kam aber anders. Genosse Pieper wurde nun als Protestkandidat aufgestellt. Unsere Genofien besetzten das Wahlbureau und lehnten sämt- liche un beglaubigten 31 Vollmachten ab. Die Gesichter wurden lang und länger, und ihr Geschrei wurd' bang und bänger. Denn dadurch erhielt die Partei des Gemeindevorstehers nur 36, die vereinigten Grundbesitzer 48 und unsere Genossen die Majorität mit vi Stiinmen. Ist auch die Wahl ungültig, so haben unsere Ge- Nossen doch erreicht, daß ihr Kandidat bis zur Neuwahl in der Ver- tretung verbleibt. Lankwitz. Die am Dienstag stattgehabte Wahl zweier Ge« meindeverordneten der dritten Wählerklafie hat kein endgültiges Er» gebnis gebracht. ES erhielten Stimmen die beiden sozialdemokrati- schen KaAdidalen R a d i ke 355 und Lange 352, die Kandidaten der Gemeindevorsteherclique M a r ch a n d 333 und S t e ck 327, die Kandidaten der bürgerlichen Opposition Ulrich 320 und Wulff 299. Es hat also Stichwahl stattzufinden zwischen den vier erst- genannten Kandidaten. Der Ausgang dieser Wahl ist eine große Niederlage für den Gemein bevor st eher. Der Wahl war ein heftiger Kampf vorausgegangen, in dem die Politik unseres Gemeindevorstehers und insbesondere auch sein selbstherrliches Wesen einer scharfen Kritik unterzogen war. Wie der Wahlauöfall zeigt, haben sich zwei Drittel der Gemeindewähler dritter Klasse gegen den Gemeindevorsteher entschieden; und selbst wenn er die erste und zweite Wählerklasse ganz hinter sich hätte— was aber nickit der Fall ist— so würde innner noch die Mehrheit aller Wähler gegen ihn sein. Sieht man das Wahlergebnis vom Dienstag genau an. so müßte man eigentlich meinen, daß dem Herrn Gemeindevorsteher die Sache doch zu denken geben, wie sich die Wählerzahl seiner Kandi- baten Marchand und Steck zusammensetzt. Der Gemeindeschöffe Pein hatte eine planmäßige Rettungsaktion für den Gemeinde- Vorsteher veranstaltet, indem er sich nicht weniger als 32 Stimmen dritter Klasse von Grundstücksbesitzern und Grundstücksbesitzerinnen verschafft hatte. Damit die Oeffentlichkeit auch erfährt, in welcher Weise der Generalkonsul und Gemeindeschöffe Pein hierbei ver- fahren ist, sei nachfolgender Brief abgedruckt, den er verschickt hat: „Es würde mir ein Vergnügen sein, Ihr Stimmrecht für Sie auszuüben, wie ich auch sonst Ihnen gern zur Verfügung stehe, falls Ihnen einmal eine Vermittlung bei der Gememdebehörde erwünscht sein sollte." So kam Herr Schöffe Pein, der selbst Wähler e r st e r Klasse ist, zu 32 Stimmen dritter Klasse, die er nun nicht etwa, wie es seine Zeit erlaubt hätte, während der stillen Wahlzeit abgab, sondern vielmehr erst in den späteren Stunden, als die Arbeiter und An- gestellten zur Wahl kamen. Da für jede dieser 32 Stimmen die Vollmacht nachzuprüfen war, so wurde auf diese Weise das Wahl- geschäst während eines starken Andranges der Wähler aufgehalten. Wie weit._ioch bei gebildeten Leuten die Rücksichtslosigkeit gehen kann! Wäre Herr Schöffe Pein in der Sammlung solcher Wähler- stimmen nicht so fleißig gewesen, so würden die Gemeindevorsteher- kandidaten überhaupt nicht in die Stichwahl gekommen sein. Die Kandidaten Marchand und Steck verdanken außerdem ihre Stimmenzahl zu einem guten Teil den schlecht bezahlten Gemeindearbeitern, die wie auf Kommando am Wahltisch erschienen und Mann für Mann ihre Stimme für die Gemeinde- Vorsteherkandidaten abgaben. Viele andere Beamte, die nicht unter dem direkten Einfluß de» Gemeindevorstehers stehen, wie Post«, Bahn- und sonstige Staatsbeamte haben für die bürgerliche Opposition ge- stimmt. Wenn auch die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen gegen die frühere Wahl nicht gewachsen ist, was bei der veränderten Struktur unserer Gemeinde erklärlich erscheint, so ergibt sich doch aus der viel stärkeren Wahlbeteiligung, die der bürgerlichen Opposition zugute kam, wie groß die Erbitterung gegen den Gemeindevorsteher ist. Nun wacker gearbeitet für die Stichwahl! Adlershof. Die Wahlen zur Gemeindevertretung in der dritten Ab- teilung sind hier unter besonderen Umständen erledigt worden. Die bürgerliche Mehrheit hatte es abgelehnt, die von unseren Genossen be- antragten amtlichen Wahllegitimationen den Wählern zuzustellen. Daraufhin beschloß der Wahlverein in einer außerordentlichen Generalversammlung, nicht, wie es sonst geschehen ist, die Nummern, unter denen der Wähler in der Liste eingetragen ist, auf der Wahl- aufforderung zu vermerken. Eine glatte Durchführung der Wahl wäre nicht möglich gewesen und so mußte sich der Wahlvorsteher, der von obigem Beschluß Kenntnis erhalten halte, nach einem Aushilfsmittel umschauen. Es wurden zwei Beamte beordert, im Wahllokal den Wählern Auskunst zu erteilen. unter welcher Nummer die letzteren in der Liste eingetragen sind: also daS, was man unseren Genossen in der Gemeindevertretung abgelehnt hatte, wurde jetzt, wenn auch in abgeänderter Form, dock eingeführt. Die Abfertigung vollzog sich unter so erschwerenden Umständen, daß es den Wählern nichl zu- gemutet werden kann, noch einmal derartige Wahlen mitzumachen. Dem die Wahl leitenden Schöffen wurden denn auch wieder- holt nicht gerade Schmeicheleien gesagt als bekannt wurde, daß auch er einer derjenigen war, die gegen die aml- lichen Leginmationen gestimmt haben. Nicht nur. daß ein geradezu stirchterliches Gedränge entstand und der ganze Wahlvorstand verschiedentlich in Gefahr war, buchstäblich an die Wand gedrückt zu werden, sind auch Unregelmäßigkeiten zu verzeichnen gewesen. Aber auch dadurch, daß die Wahläbfertigung nur langsam vor sich ging, sind Wähler, die nicht Zeit hatten stunden- lang zu warten, um ihr Wahlrecht gekommen. Es wurden zirka 70 Wähler gezählt, welche, ohne gewählt zu haben, das Wahllokal verlassen mußten. Die Wahlbeteiligung im allgemeinen war nicht groß, von 1892 eingeschriebenen Wählern wählten 757. Gegen- kandidaten waren nicht aufgestellt. Es erhielten der Genofie Emil Klodt 755 Stimmen und der Genosse Georg Müller 753 Stimmen. Nirderlehme. Ein unerhörter Terrorismus einzelner Firmen auf die von ihnen beschäftigten Arbeiter ermöglichte bei der letzten Gemeindewahl in der dritten Abteilung das Resultat, daß der Kandidat unserer Partei, der Genosse Mörschel, mit 67 gegen 127 Stimmen 4>em Gegner unterlag. Die skrupellose Art der Wahl- beeinflussung der Gegner veranlaßte unsere Genofien gegen die Wahl Einspruch zu erheben. Besondere Leistungen auf dem Gebiete systematischer Beeinflussung der Wähler zugunsten des Kandidaten der Werksverwaltungen leisteten einige Meister der in Niederlehme ansässigen Betriebe. Sie ließen„ihre" Arbeiter antreten und gaben diesen Anweisung, wen sie zu wählen haben. Ein Inspektor der Firma Tabbert äußerte zu den in der sogenannten Kaserne wohnenden Arbeitern, daß sie zur Wahl gehen müßten. Wer Mörschel wählt, kann sich bei ihm Arbeit holen. Das wurde von den Arbeitern so aufgefaßt, wer dem sozialdemokratischen Kan- didaten seine Stimme gibt, wird entlassen. Tatsächlich find auch Arbeiter, die wagten, ihre Staatsbürgerrechte so auszuüben, wie es ihrer Ueberzeugung entspricht, entlasten worden. Auch das Verhalten des Wahlvorstandes gab Veranlafiung, gegen die Wahl Einspruch zu erheben. Z 61 der L.-G.-O. bestimmt, daß jeder Wähler dem Wahl- Vorstande zu Protokoll zu erklären hat. wem er seine Stimme geben will. Es ist aber vielfach vorgekommen, daß Wähler gar nicht an den Wahltisch traten, sondern aus der Mitte der Wähler den Namen des Kandidaten nannten. Der Skame des Kandidaten wurde häufig falsch genannt, aber richtig protokolliert, während nach den Eni- scheidungen des O.-V.-G. stets der ausgesprochene Name maß- gebend tst. Der dem Wahlvorstand genehme Kandidat wurde auf Grund der vordem geschilderten Vorgänge für gewählt erklärt. Die abhängigen Wähler fürchteten um ihre Existenz und wagten nicht, gegen den Willen der Unternehmer von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Senzig. Einen erfreulichen Sieg errangen unsere Genossen bei der Gememdewahl der III. Abteilung in Senzig am Montag, den 23. März. Genosse Richard H o l z m a n n erhielt 42 Stimmen; aus den gegnerischen Kandidaten emfielen nur 5 Stimmen. Vorortnachrichten. Eharlottenbnrg. Die Einrichtung der Schulhelferinuen hat die Stadt Charlotten- bürg geschaffen. Die steigende Inanspruchnahme der städtischen Wohlfahrtseinrichtungen machte die Bestallung von Schulhelferinuen erforderlich. Die Schulhelferinnen unterstehen der Schuldeputation und bei Ausübung ihrer Tätigkeit den Rektoren der betreffenden Schulen. Ihre Hauptaufgabe ist nach der Dienstanweisung die Vorbereitung und Ausführung der Schulspeisung. Grund- iätzlich ist da einzugreifen, wo schulpflichtige Kinder infolge der Arbeitsverhältnisse, Krankheit oder Bedürftigkeit der Eltern, insbesondere der Mütter, nicht ihre genügenden Mahlzeiren erhalten. Die Schulhelferinnen sollen Hand in Hand arbeiten mit den Schul- ärzten und den Organen der öffentlichen und privaten Wohltätigkeit. Ihnen liegt die Prüfung der häuslichen Verhältnifie von Unter- stützten ob, nicht allein im Falle des Eintritts oder der Einstellung der Schulspeisung, sondern auch fortlaufend, zumal bei verwahrlosten Kindern. Eine besondere Ausgabe ist die, säumige Mütter zu ihren Pflichten zurückzuführen. Zu den Konferenzen der Schulhelferinnen. die alle 14 Tage stattfinden, find stets die beteiligten Rektoren und Klassenlehrer zu laden. Friedrichshagen. Mit der Etatsberatung beschäftigte sich die letzte Gemeindever- tretersitzung. Der Voranschlag schließt ab in Einnahme und Aus- gäbe mit 1 237 000 M. gegen 1 170 100 M. im Vorjahr. In der Generaldebatte wies der Bürgermeister Dr. Stiller auf die schlechte Finanzlage des Ortes hin. Durch die wirtschaftliche Krisis hat die Einkommensteuer zirka 15 000 M. weniger eingebracht. Die Etatskommission schlägt deshalb eine Erhöhung von 135 auf 145 Prozent vor. Außerdem soll das Wassergeld von 25 auf 30 Pf. pro Kubikmeter erhöht werden. Auch ist die Erhöhung der Hunde- steuer von 20 auf 30 M. in Aussicht genommen. Zur Frage der Grundstücksankäufe wies der Bürgermeister darauf hin, daß diese unbedingt erforderlich waren, da Friedrichshagen so gut wie gar keinen Grundbesitz habe und man doch nicht warten könne, bis unbedingt die Grundstücke gebraucht werden, um dann später ganz unerschwingliche Preise dafür zu zahlen. Er ersuchte deshalb, den Etat in der porgeschlagenen Fassung anzunehmen. Genosse Barth trat ebenfalls für die Erhöhung der Steuersätze ein. Die einzelnen Positionen seien im Etat schon so niedrig angesetzt, daß an diesen absolut nichts zu streichen sei. Einige bürgerliche Vertreter be- mühten sich, nachzuweisen, daß von einer Steuererhöhung un- bedingt abgesehen werden müfie, weil sonst der Zuzug nach Frie- drichshagen noch geringer sein würde. In der nun folgenden Spezialdebatte wurde zunächst der Etat der Wasserversor- g u n g erledigt. Er schließt ab mit 84 750 M. in Einnahme und Ausgabe. Die Komission schlägt vor, den Wasserpreis von 25 auf 30 Pf. zu erhöhen, wodurch eine Mehreinnahme von 13 250 M. zu erwarten sei. Nach längerer Debatte wurde der Antrag ange- nommen. Beim Etat der G a s a n st a l t, welcher mit 371 150 M. abschließt, beantragte Genosse Miele, die'Miete für den zweiten Gasmesser nicht zu erheben, da hierdurch gerade die kleinen Ab- nehmer erheblich belastet werden. Bei einem Ueberschuß von 55850 Mark müßte es trotz der schlechten Finanzlage möglich sei», wenig- stenS mit einer Verdi lügung den Anfang zu machen, wenn auch augenblicklich an eine Herabsetzung des Gaspreises incht zu denken sei. Der Antrag wurde der Gaswerksdeputation überwiesen. Der Kanalisationsetat schließt mit 54 740 M. ab. Die Ge» bühren für die an die Kanalisation angeschlossenenen Grundstücke sollen von 1,20 aus 1,25 Proz. erhöht werden, desgleichen sollen in Zukunft für den laufenden Meter Grundstücksstraßenfront 1,65 statt 1,60 M. erhoben werden. Die Erhöhung im Gesamtbetrage von 2540 M. wurde von einigen bürgerlichen Vertretern energisch bekämpft. Nach lebhafter Diskufiion wurden die vorgeschlagenen Sätze angenommen. Der Voranschlag für das Realgymna- si u m schließt mit III 200 M. ab. An Schulgeld werden 61 260 M., an sonstigen Einnahmen 2240 M. eingenommen. Der Gemeinde- zuschuß beträgt 47 700 M. Ein Antrag des Schössen Kunzke, in Zukunft nur demjenigen dritten Sohn e-chulgeldfreiheit zu gewahren, dessen Vater nicht mehr wie 6000 M. Einkommen hat, wurde angenommen. Die gewerbliche Pflichtfortbil- d u n g s s ch u l e, die in diesem Etat das erstemal enthalten ist, erfordert 3300 M. Der Staatszuschutz beträgt 1330 M. Der Vor- anschlag für Stiftungen enthält 2850 M. Beide Titel wurden ohne Debatte genehmigt. Bei den gewerblichen Unter- nehmungen betragen die Einnahmen 471 530 M., die Ausgaben 375 452 M. Der Ueberschuß beträgt somit- 96 078 M., in welchen 34 900 M. für die Wasserversorgung und 55 850 M. für die Gas- anstalt enthalten sind. Für die Parkverwaltung und Ver- schönerung des Ortes wurden 18 870 M. ausgegeben. Die Einnahmen belaufen sich auf 2250 M. Die Baupolizeiver- w a l t u n g und das Gemeindebauamt erfordern 15 350 M.» die Einnahmen betragen 2500 M. Für Verzinsung und Tilgung der Gemeindeschulden wurden 72 451 M. gebraucht, dem steht eine Einnahme von 9485 M. gegenüber. Die Ausgaben für G e- meindegrundstücke betragen 13 620 M., die Einnahmen 12 270 M. Für Stratzenpflasterungen, Besprengung und Beleuch- tung sind im Etat 87 000 M. vorgesehen, die Einnahmen betragen 1030 M. Das Feuerlöschwesen kostet der Gemeinde 3010 M. Beim Titel Gemeinde-, Amts- und Standesamtsverwaltung brachte Genosse Miele wieder Beschwerden gegen die hiesige Polizei zur Sprache. Bürgermeister Dr. Stiller erklärte hierzu, daß er nach wie vor daraus sehe, daß sich die Polizisten dem Publikum gegen- über taktvoll zu benehmen haben. Durch die Errichtung der neuen Polizeikommissarstelle hoffe er, daß diese Beschwerden endgültig verschwinden werden. Der Etatstitel schließt mit 130 200 M. Aus» gäbe und 11032 M. Einnahme ab. Zum Schluß wurde noch die Erhöhung der S u n d e st e u e r von 20 aus 30 M. beschlossen, dieselbe tritt jedoch erst vom 1. Oktober ab in Kraft. Tarauf wurde die Weiterberatung des Etats vertagt. Eichwalde. Bier, zum Teil sehr«usgedehate Gemeindevertretersitzungea waren zur Beratung des diesjährigen Etats notwendig. Derselbe balanciert mit 209 340 M. Einnahmen und Ausgaben konnten nur durch Erhöhung fast aller Steuern in Einklang gebracht wer- den. Wie bei den Beratungen mehrfach vom Genossen Allritz und auch von Herrn Staninga betont wurde, sind die Steuererhöhungen nur durch die höhere Schule notwendig geworden. Herr tschöffe Jhrm wollte allerdings Glauben machen, daß die höhere Schule der Gemeinde gar nichts kostet, weil bei Errichtung derselben die Grund- wertsteuer erhöht worden sei. Dabei erfordert die Schule bei 140 Schülern einen Gesamtzufchuß von rund 15 000 M. Die letzte Gemeindevertretersitzung war reich an Ueberraschun- gen. Die erste bereitete Herr Schösse Jhrm, indem er erklärte, daß er nach eingehender Ueberlegung sich entschlossen habe, gegen den Etat zu stimmen. Es sei ihm nicht möglich gewesen, genügend Einblick in den Etat zu gewinnen. Der Herr Vorsteher hätte ihn bei Aufstellung des Etats nicht hinzugezogen. Herr Gemeinde- Vorsteher Weidner stellte sofort fest, daß Herr Jhrm zu den Siyun- gen der Finanzkommiffion geladen war. Gegenüber den Angriffen des Herrn Jhrm bezeichnete er die Aufstellung des Etats als über- aus vorsichttg. Bei den Ausgaben habe man sich überall die größte Beschränkung auferlegt. Betreffs der Glogner-Stiftung, deren Heranziehung zum Ausgleich des Etats Herr Jhrm angeregt hatte, mußte Herr Weidner mitteilen, daß von den 65 000 M. bereits 58 000 M. verwirtschaftet seien, er warnte davor, von den übrig- bleibenden 7000 M. noch etwas zu nehmen. Herr Staninga teilte mit, daß unter dem verstorbenen Vor- steher außerdem 9000 M. aus verschiedenen Fonds mitverbraucht sind, er wunderte sich über Herrn Jhrm, daß er seine Bedenken nicht früher vorgebracht habe. Herr Jhrm sei ja ein Freund der höhe- ren Schule und habe deren Ausgaben mit beschlossen, nunmehr müsse er auch für Deckung sorgen. Dem Gemeindevertreter Herrn Merz brennt in der Markgrafenstraße, nördlich der Bahnhofstraße, die noch sehr wenig bebaut ist, eine Laterne unnütz. Der Vorsteher und andere Vertreter hielten ihm entgegen, daß die Gemeinde ver- pflichtet sei, für Beleuchtung zu sorgen, da sonst jemand verun- glücken könne. Herr Merz erwiderte daraus:„Das geht doch die Gemeinde nichts an, die Gemeinde ist ja versichert." Die Sparsam- keitsanwandlung des Herrn Merz konnte bei den übrigen Ver» tretern keine Begeisterung auslosen. Herr Weidner verlas unter anderem ein Schreiben der hohe» ren Mädchenschule. Aus Anlaß des Scheidens einiger Schüle- rinnen veranstaltete die Schule eine Abschiedsfeier, wozu die Ge- meindevertreter geladen sind. Die Arrangeure dieser Festlichkeit scheinen die Lokalverhältnisse am Orte sehr schlecht zu kennen, sonst wäre es unbegreiflich, weshalb die Feier in Rauchfangswerder statt- findet. Am Orte sind acht Gastwirtschaften, vier mit Saal, davon zwei für Arbeiter gesperrt. Die Herrschaften wären also sehr schön unter sich gewesen. Warum mutzten unsere Steuern erhöht werden? Heber diese» Thema sprach in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung Gemeindevertreter Genosse A l l r i tz. Die bürgerlichen Gemeinde- Vertreter waren geladen, aber in Erwartung einer gehörigen Bla- mage nicht erschienen. Nur einer ihrer Kühnsten brachte den Mut auf, mitzuteilen, daß er geschäftlich verhindert sei, an derselbe» teilzunehmen. Redner entwarf auf Grund eitles außerordentlich reichhaltigen Materials ein für die Mehrheit des Gemeinderats wenig schmeichel- Haftes Bild. Klassendünkel, Kirchturmspolitik und liebedienerisches Patriotentum haben danach nicht nur die bestehende Finanzmisere verschuldet, sondern versperren auch den Weg zu durchgreifender Besserung. So liege die Ursache der Finanzkalamität in erster Linie in der Errichtung der hohen Schule und in den Bestrebungen auf weiteren Ausbau derselben. Während 1908 noch die Zuschüsse hierfür nur den zwölften Teil der Jahresausgaben darstellten. bildeten sie heute rund den s e ch st e n Teil derselben. Es sei daher kein Wunder, daß die Zuschläge zur Gemeindesteuer von 100 auf 110 Proz. erhöht werden mußten. Ferner sei auch die Grund- und Gebäude-, sowie die Gewerbesteuer erhöht, die Hundesteuer von 20 aus 30 M. hinaufgeschraubt und die Biersteuer beschlossen war- den. Während man so auf der einen Seite die Steuerschraube aufs äußerste anziehe, suche man sich auf der anderen jeder im Interesse des Gemeinwohls liegenden Verpflichtung zu entziehen. Der an sich geringfügige Betrag zur Tuberkulosebekämpfung sei gestrichen worden. Wer aber meint, daß bei dem chronischen Geld- Mangel jede wirklich vermeidbare Ausgabe unterbleibe, der irre ge- waltig. Seien doch im Vorjahre für patriotische und sonstige Feiern 1150 M. verpulvert worden. Weit hoher noch seien die Leistungen für die evangelische Kirche, der man außer den ständigen all- jährlichen Zuwendungen auch sonst noch allerlei kostspielige Gefällig- leiten erweise. Auch bei der vom Staate geförderten Jugend» pflege dürfe die Gemeinde nicht beiseitestehen. Für wirkliche Jugendpflege und Kräftigung des Nachwuchses set man weniger eingenommen, denn der beschlossene Turnhallen» bau werde unverantwortlich verzögert. Weiter machten sich Be» strebungen bemerkbar, die Gaspreise zu erhöhen. Treibende Kraft in diesem Punkte sei ein Herr, der seinerseits diesem ver- maledeiten modernen Beleuchtungsmittel noch keinerlei Konzessi»» gemacht habe, sondern noch bei dem guten, alte» Petroleum de» In der Diskussion gaben auch einige bürgerliche Herren ihrem Unmut über die Beschlüsse des Gemeinderats offen Ausdruck. Die im weiteren Verlauf der Diskussion hier mit Humor, dort mit beißendem Sarkasmus behandelten Punkte: Pflichtfeuerwehr usw. werden den Herren auf dem Rathause die Ueberzeugung befestigen helfen, daß man ihre Taten nicht minder würdigt als die der hochwohlweisen Räte jener Stadt Schilda, allwo man hoffte, das Licht in Säcken einfangen zu können. Die Versammlung bedeutete einen großen moralischen Erfolg, unserer Partei, und die Mahnung des Genossen Moltenthin, bei zukünftigen Wahlen sich die Kandidaten sehr genau anzusehen, ferner aber auch den Vorwärts" zu abonnieren und Wahlvereinsmitglieder zu werden, wird Früchte tragen. Rahnsdorf. Gefälschte Lohnlisten. bleibe. Wenn die Mehrheit der Gemeindevertretung glaube, mit| nommen worden. Nach den Feststellungen der Anklagebehörde foll berbotsverfügung der Polizei außer Kraft. Gründe: Die Verihren neuesten Beschlüssen den Zuzug und damit die Steuerkraft die Praris des Angeklagten anfangs ganz gut gegangen sein, der sammlung sei gwar für die Jugend einberufen worden, aber nicht zu heben, so werde sie bittere Enttäuschung erleben. Angeklagte war aber in der Erfüllung seiner Pflichten sehr nach- lediglich für jugendliche Personen unter 18 Jahren, sondern es sei lässig, lebte in den Tag hinein, verschlief Termine, so daß oft Ver- auch, wie aus den Einladungen hervorgehe, die erwachsene Arbeiter. fäumnisurteile ergingen. Er trennte auch die eingehenden Gelder schaft zum Besuche eingeladen worden. Ein Vorausverbot der nicht von seiner Privatkasse, sondern tat alles in eine gemeinsame ganzen Versammlung wäre deshalb überhaupt unzulässig gewesen; Kasse und entnahm ihr ohne regelrechte Kaffenführung je nach Be- höchstens hätte die Polizei unter diesen Umständen hindern können, darf Gelder daraus. Er geriet immer mehr in finanzielle daß Jugendliche unter 18 Jahren teilnahmen. Das Verbot wär Schwierigkeiten, so daß es manchmal an Mitteln für die dringend- also auf jeden Fall aufzuheben, weil diese Verfügung zu weit ging. sten Bureaubedürfnisse fehlte. Im August 1913 ist schon einmal Ueber die anderen Einwände des Vertreters des R. brauche darum von einem Gläubiger die Eröffnung des Konkursverfahrens be- nicht entschieden werden. antragt worden; der Antrag ist aber wieder zurückgenommen worden, da die Forderung bezahlt wurde. Am 28. Mai 1913 leistete der Angeklagte vor dem Amtsgericht Charlottenburg den Offen- Vom Landgericht Duisburg ist am 5. Januar der Schachtmeister barungsceid. Martin Thon wegen Betrugs in drei Fällen zu 7 Monaten GeAm 26. April 1913 verstarb der Divisionspfarrer a. D. Walter fängnis verurteilt worden. Er war bei dem Unternehmer T. in Liebe in Wilmersdorf und der Rechtsanwalt v. Brehmer wurde Hamborn angestellt und hatte nicht nur die Lohnlisten zu führen, Nachlaßpfleger. Er soll seine Pflichten als Pfleger in sehr leicht- sondern auch die Lohndüten den Arbeitern auszuhändigen. Um sich Die Eingemeindung Wilhelmshagens, richtiger des Gutes finniger Weise gehandhabt haben und ist schließlich von seinem rechtswidrig zu bereichern, sette er für einzelne Arbeiter mehr/ Rahnsdorf, nach Gemeinde Rahnsdorf, die ant 1. April früheren Bureauvorsteher Mielenz und dem Rentier Ernst Liebe Arbeitsstunden auf die Lohnliste, als sie wirklich gearbeitet hatten. dieses Jahres stattfindet, veranlaßte die Gemeindevertretung, beschuldigt worden, Vermögensstücke des Nachlasses veruntreut zu Wenn er dann die Lohndüten erhielt, so änderte er die darauf in ihrer lezten Sibung Stellung zu einem Ortsstatut be- haben. Dieser Punkt ist der Hauptteil der Anklage. Der Ange- fälschlich angegebenen Beträge in die richtigen um, nahm den Uebertreffend die Vermehrung der Zahl der Gemeindevertreter flagte wird ferner beschuldigt, als Bevollmächtigter eines Kauf- schuß heraus, um ihn für sich zu behalten und gab dann den Arzu nehmen. Durch die Eingemeindung des alten Gutes manns Alfred Renz und eines Friseurs Rosente über Vermögens- beitern ihren verdienten Lohn. Ferner führte er Arbeiter in den vergrößert sich die Einwohnerschaft der Gemeinde Rahnsdorf von stücke der Auftraggeber zum Nachteil derselben verfügt zu haben. Lohnlisten auf, die überhaupt nicht bei seinem Dienstherrn tätig 1416 auf 2300 Personen. Um den Hinzukommenden eine ent- Der von beiden Angeklagten ausgeführte Betrug richtete sich gegen waren. Endlich hat er Arbeiter zu einem niedrigeren Stundensprechende Vertretung zu sichern, wurde beschlossen, die Zahl der einen Friseur Adolf Gröger. preis angestellt, als er seinem Dienstherrn angab, und den LohnGemeindevertreter von 12 auf 16 und der Schöffen von 2 auf 3 zu unterschied für sich behalten. Die Revision des Angeklagten wurde erhöhen. Im Anschluß daran erklärte sich die Gemeindevertretung am Dienstag vom Reichsgericht verworfen. mit einer Vertagung der Ergänzungswahlen einverstanden. Da die notwendigen Vorarbeiten, Steuerberanlagung, Aufstellung und Auslegung der Wählerliste geraume Zeit beanspruchen, sollen die Wahlen zur Gemeindevertretung erst im Juni stattfinden. Potsdam. In der Verhandlung bestritt der Rechtsanwalt, unsolide gelebt und dem Alkohol zu sehr gefröhnt zu haben, gab aber zu, daß seine Geschäftsführung eine unordentliche gewesen sei. Der Vorsißende stellte nach den Angaben des Angeklagten fest, daß dieser während seiner Amtstätigkeit bis zu seiner Verhaftung zirka 25 000 Mark Eingänge gehabt und davon zirka 21 000 M. für Schulden, Unkosten und Unterhalt gehabt habe. Er schulde zur Zeit noch zirka 7500 m. Zum Sechstageprozeß. Herr Hugo Benjamin, Mexanderstr. 9, ersucht uns um Mitteilung, daß er mit dem wegen Betruges bestraften Albert Benjamin nicht identisch ist. Wiewohl die Verschiedenheit der Vornamen eine Verwechselung unmöglich machen sollte, kommen wir dem ausgesprochenen Wunsche nach, weil nach Behauptung des Einsenders Berwechselungen vorgekommen sein sollen. Versammlungen. In der letzten Stadtverordnetenfißung nahm man Stellung Der Vorsitzende hielt dem Angeklagten zahlreiche Unregelmäßiggegen den Oberbürgermeister Bosberg, weil dieser die Glückwunsch feiten und Pflichtwidrigkeiten vor, die dieser während seiner Tätigadressen, wie sie letztens an den Kaiser und nach Braunschweig geteit als Pfleger des Nachlasses des Divisionspfarrers a. D. Liebe sandt worden waren, allein unterzeichne. Man verlangt, daß auch und insbesondere bei der Schlußabrechnung sich hatte zu Schulden der Stadtverordnetenvorsteher zu diesem wichtigen" Aft heran- kommen lassen. Unter anderem hatte er bei der Schlußabrechnung gezogen werden soll. Der Oberbürgermeister bestritt ein Recht der versichert, daß eine Summe von 1800 M. sich bei seiner Bant" Stadtverordneten auf Mitunterzeichnung, weil er die Stadt vertrete. befände und jederzeit abgehoben werden könne, während er gestern Diefe wichtige" Angelegenheit wurde schließlich in die nichtöffentliche zugab, auf der Bant keinerlei Guthaben gehabt zu haben. Bei der arbeiterverband wiedervereinigten Rohrleger und Helfer hielten am Rohrleger und Helfer. Die nunmehr im Deutschen MetallSigung verlegt. Der Neubau des Eisenhardtkrankenhauses als Klassen Grörterung der Einzelheiten aus der Liebeschen Nachlaßpflegschaft Sonntag eine gut besuchte Branchenversammlung ab. Siering frankenhaus wurde beschlossen. Die Stadt übernimmt das Grundstüc tam auch die Juwelensammlung" des alten Herrn Liebe zur hielt das einleitende Referat, in dem er u. a. ausführte: Mit der in der Behlertstraße zu einem Preise von 162 000 M. und überläßt Sprache, deren angeblich ungeheurer Wert seinerzeit Gegenstand Wiederherstellung der Einheitsorganisation der Arbeiter im Berdafür Gelände in der Burggrafenstraße, welches einen Wert von lebhafter Erörterungen in der Presse war. Der alte Herr hatte liner Rohrlegergewerbe sei ein alter Streit begraben, der für die 91 000 M. hat, so daß noch 71 000 m. zu zahlen find. Die Bau eine Passion, Steine zu sammeln; diese Sammlung bestand aus Arbeiter nur Schaden gebracht habe. Von diesem Streit haben die fosten werden etwa 454 000 m. betragen, welche von dem rund Edelsteinen, Halbedelsteinen und ganz wertlosen Steinen. Nach der Unternehmer als lachende Dritte auf Kosten der Arbeiter ihren 400 000 M. betragenden Vermögen der Eisenhardt- Stiftung gedeckt Taxe des Sachverständigen Juweliers Gießel haben die vorge- Nutzen gezogen. Dieser unerquidliche Zustand sei jebt beseitigt. werden, während den Restbetrag die Stadt zu zahlen hat. Eine fundenen Steine nur einen Wert von 572 M. gehabt. schnellere Erledigung sollen in Zukunft die Aufnahmeanträge für Der Angeklagte behauptet, immer präsente Mittel gehabt zu arbeiterverbandes, Verein Berlin und Umgegend, ist fast restlos der Uebertritt der Mitglieder des Allgemeinen Deutschen MetallLungenheilstätten finden. Diese Anträge, die immer den Stadt haben, um alle seine Verpflichtungen den Liebeschen Erben erfolgt. 1553 Mitglieder sind bereits übergetreten, wozu noch eine verordneten vorgelegt wurden, sollen von jezt ab von der Armen gegenüber zu erfüllen. Demgegenüber stellte der Vorsitzende fest, Anzahl der beim Militär und auf Montage befindlichen Mitglieder direktion erledigt werden. Zur Verfügung stehen für diesen Zweck daß der Angeklagte eine Schreibmaschine auf Abzahlung gekauft hinzuzuzählen sei, so daß mit rund 1600 Uebertritten zu rechnen ist. 5100 m. Neben der Erledigung einer Reihe Etats wurde der und nur zwei Monatsraten gezahlt habe und verklagt werden Bergegenwärtigt man sich die Tatsache, daß die lebte GeneralGesamtetat der Stadt festgesetzt. Er balanciert mit 8 882 660 M., mußte, daß er ein Darlehn von 1000 M. gegen die Verpflichtung, versammlung des sich auch Allgemeiner Deutscher Metallarbeitergegen das Vorjahr 537 256,82 M. mehr. 1500 M. zurückzuzahlen, habe aufnehmen müssen, daß der Magi- verband nennenden Vereinchens des Wiesenthal von im ganzen Königs- Wusterhausen. strat von Wilmersdorf wiederholt ihn wegen der Zahlung von 6 M. 15 Personen besucht war, so ergibt sich daraus der strikteste Beweis, Die Ausgabestelle des„ Borwärts" befindet sich jekt Der Angeklagte berief sich seinerseits auf mehrere Freunde, die zahl der ehemaligen gemeinsamen Mitgliedschaft enthielt. Die für den Transport der Leiche habe erinnern müssen usw., usw. daß der übergetretene Verein gleichen Namens die übergroße MehrBahnhofstraße 2. jederzeit bereit gewesen wären, ihm bei Bedarf mit barem Gelde luft, die durch den jahrelangen Zwist zwischen den Rohrlegern Nowawes. auszuhelfen. ja bekanntlich ein gewisser Mann immer noch zu erweitern fachte, und Helfern zu ihrem gemeinsamen Schaden entstanden sei, die sollte nach dem organisatorischen Zusammenschluß überbrückt sein. Soweit das noch nicht geschehen ist, muß versucht werden, durch gemeinsame Arbeit und intensive Agitation es herbetzuführen. Es muß auch in nächster Zukunft dafür gesorgt werden, daß die noch im Gewerbe beschäftigten zahlreichen unorganisierten Arbeiter dem Deutschen Metallarbeiterverbande beitreten, damit 1916 bei Ablauf das jetzt gültigen Tarifs die Rohrleger und Helfer möglichst vollzählig, einheitlich und geschlossen organisiert sind. Nicht in den Streitereien der Vergangenheit solle herumgewühlt werden, sondern mit frischer Kraft und vermehrter Energie ist die Organisation für die Zukunft zu festigen und auszubauen. Rach einer im zustimmenden Sinne sich bewegenden Diskussion wurde die Neuwahl der Branchenkommission vorgenommen. Die Wahl erfolgte geheim. Es wurden gewählt: Ehrlich, Ficius, Fiehn, Friedrich, Friz, Gedanik, Hein, Hofmann, Koch, Kraaß, Krüger, Milfowsti, Niederkirchner, Paul, Bizonta, Rotenburger, Schmidt, Schulz, Bander, Ziese und Zimmermann. Zum Branchenvertreter wurde darauf einstimmig Mag 3iese und zum Stellvertreter Kurt Friedrich gewählt. Für den Jugendfang legen fich jetzt, angesichts der bevorstehenden Schulentlassung, die Macher der nationalen Jugendbewegung doppelt ins Zeug. Nicht nur Lehrer, sondern auch Geistliche nutzen jede Gelegenheit aus, um die Arbeiterkinder einzufangen und so den proletarischen Jugendorganisationen das Wasser abaugraben. Auch ein hiesiger Geistlicher, der sich vor einiger Zeit an einem Grabe auf dem Friedhof in der Großbeerenstraße zu unpassenden Bemerkungen gegen die Sozialdemokratie verstieg, ergreift die Feder, um in einem mit der Ueberschrift Zur Konfirmation" versehenen Artikel in der Borortbeilage der Potsdamer Tageszeitung" für die chriftlichen Jugendvereine Propaganda zu machen. Diese Werbetätigkeit macht es der Arbeiterschaft zur Pflicht, mehr als bisher für die Stärkung der freien Jugendorganisation zu wirken, in der die Kinder nicht nur geistig und förperlich gefördert, sondern vor allem zu freien, auf rechten Menschen erzogen werden. Spandau. Der Arbeitergesangverein Hoffnung" veranstaltet am tommenden Sonnabend, abends 8% Uhr, im Roten Adler" einen Volkslieder- Abend unter Mitwirkung der Sängerin Frl. PieschelBerlin. Da der Verein sich der freien Arbeiterschaft bei allen Veranstaltungen zur Verfügung stellt, so kann der Besuch des Konzerts, zu dem ein reichhaltiges Programm aufgestellt ist, nur empfohlen werden. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Bernau. Freitag, den 27. d. M., abends 6 Uhr, im Sigungssaale des Nathauses. Etatsberatung. Bohnsdorf. Am Freitag, den 27. März, nachmittags 4 Uhr, im Lokal von M. Schulze. Berliner Str. 48/49. Hohen- Neuendorf. Heute Donnerstag, abends 6 Uhr, im Sizungssaale, Mariendorf. Freitag, den 27. März, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Kaiserstraße. Steglit. Freitag, 27. März, abends 6 Uhr, im Rathausjaale. Etats beratung. Weißensee. Freitag, 27. März, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Albertinenstraße 6. Etatsberatung. Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige it be rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gerichtszeitung. Ein Rechtsanwalt als Angeklagter. $ 12 Sehr belaftende Aussagen machte der frühere Bureauvorsteher des Angeklagten, Gustav Mielent, der eine Schilderung von den Zuständen im Bureau des Angeklagten gab, wonach dort die größte Riederlichkeit geherrscht habe. Er behauptete, daß der Angeklagte nach nächtlichem Bummel oft erft früh morgens nach Hause getommen fei, den ganzen Vormittag geschlafen und feine Anwaltspflichten so vernachlässigt habe, daß Bersäumnisurteile an der Tages ordnung gewesen seien. Nach der Behauptung des Beugen befand sich im Liebeschen Nachlaß auch ein wertvoller Abendmahlskelch. Aus diesem Kelch habe eines Morgens der Angeklagte mit einem Bekannten namens Brähmer und einem Frauenzimmer kneipend getrunken. Der Angeklagte erklärte dies für völlig unwahr und bestreitet dessen belastenden Behauptungen in den meisten Punkten. Gegen die Glaubwürdigkeit dieses Zeugen machte Rechtsanwalt Dr. Halpert zahlreiche Einwendungen, für deren Berechtigung morgen Zeugen vernommen werden sollen. Der entflohene Angeklagte. Ein Einbruch in die Gemeindekasse von Hohen- Neuendorf bildete den Gegenstand einer mehrstündigen Verhandlung, welche die 2. Straffammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Heffe beschäftigte. Jugendveranstaltungen. Sonntag, den 29. März, eine Spielpartie nach Schönerlinde, Schönwalde. Pantow- Nieber- Schönhausen. Die Arbeiterjugend veranstaltet am Abfahrt mittags 12%, Uhr pünktlich von der Bantower Kirche mit der Siemensbahn nach Franz- Buchholz, von dort gemeinsam mit der Buchbolzer Arbeiterjugend nach Schönerlinde. Dortfelbft finden Spiele im Freien statt. Von 5 Uhr ab gefelliges Beisammensein im Restaurant Schulz in Schönwalde. Die Arbeiterjugend wird ersucht, sich recht zahlreich an dieser Beranstaltung zu beteiligen. Aus der Untersuchungshaft wurden der Arbeiter Alfons Rudolph, der Arbeiter Erich Arnold und der Arbeiter Frib Nadel vorgeführt, um sich wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls zu verantworten. Die Anklage richtet sich auch noch gegen den vielfach wegen Diebstahls vorbestraften Wilhelm Stein. Gegen diesen fonnte jedoch nicht verhandelt werden, da er am Sonnabend aus dem Gerichtsgefängnis in Oranienburg ausgebrochen war. Stein, der dort in Untersuchungshaft saß, sollte am Sonnabend nach Ber= entlanggeführt wurde, benutte er einen günstigen Augenblick und lin transportiert werden. Als er den Flur im ersten Stodwerk Der rechtliche Charakter der Arbeitskonflikte. Von J. Sousel, sprang durch die Scheibe eines nicht vergitterten Fensters in den.. Ministerialrat. 3,60 Str. M. Perles, Wien, Settergaffe 4. Kürschners Bücherschat: 940. Sagar. Roman von E. Vely. Hof hinab. Troßdem die Verfolgung des Verbrechers sofort auf- 941/42. Prater. Roman von E. C. Scapinelli.- Einzeln 20 Pf.. Hillger, genommen wurde, gelang es ihm zu entkommen. Das Verfahren Berlin W 9. gegen ihn wurde abgetrennt. site wurden Aus aller Welt. 2012 Boot Bootskatastrophe auf der Donan. Am Morgen des 14. Februar dieses Jahres beobachteten die Gemeindenachtwächter Rogge und Teppers in Hohen- Neuendorf, wie mehrere Personen über den Stacheldrahtzaun des dortigen Schulgrundstüds, in dem sich auch die Gemeindekasse befindet, fletterten und schleunigst die Flucht ergriffen. Die beiden Wächter stellten fest, daß eine Scheibe des Kassenzimmers eingedrückt war. Dienstag auf der Donau ein schweres Bootsunglück erUntveit der serbischen Ortschaft Kladowo hat sich am Sie benachrichtigten sofort den Wachtmeister Broszio, der telephonisch sämtliche Polizeiämter längs der Chaussee nach Berlin eignet, dem sechs Menschenleben zum Opfer gefallen von dem Einbruchsversuch benachrichtigte und dabei besonders sind. Ein Boot, in dem sich 15 Arbeiter befanden, wollte bei darauf hinwies, daß sich die Täter bei dem Ueberklettern des Kladowa die Donau übersehen, fippte jedoch infolge des hohen Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts III unter Stacheldrahtzaunes die Kleidung zerrissen hätten. Dieser tele Bellenganges um und sämtliche Insassen stürzten Vorsiz des Landgerichtsdirektors Bahr stand gestern der phonische Verbrecherfang funktionierte auch prompt. Der jebige ins Wasser. Trotz der sofort eingeleiteten Rettungsattion Rechtsanwalt Gerhard von Brehmer aus Wilmers- Angeklagte Rudolph wurde in Waidmannslust, die drei übrigen in der in der Nähe befindlichen Dampfer und Boote tonnten dorf unter der Anklage der Untreue in zwei Fällen und Tegel von den dortigen Polizeibeamten verhaftet. In ihrem Be- nur neun Bersonen geretten werden. Sechs fanden den Tod der Unterschlagung in vier Fällen. Mit ihm hat sich der Kauf- fchrankenbrüchen 45 funstvoll gearbeiteten Dietrichen die zu Geld- in den Fluten. verwendeten Werkzeuge der gewerbsmäßigen mann Erich Löwenberg in Charlottenburg wegen unbe" Geldschranktnader" vorgefunden. Außerdem befand sich Arnold fugter Führung des Titels Referendar" und" Dr. juris" und im Besize eines scharfgeladenen Revolvers. Das Gericht erkannte gemeinsam mit v. Brehmer wegen Betruges zu verantworten. gegen Rudolph auf 1 Jahr Zuchthaus und gegen Arnold und Zwei junge Leute aus Madrid, Antonio Nereretto und Der Angeklagte von Brehmer, der seit etwa neun Monaten Radel, denen mildernde Umstände zugebilligt wurden, auf je 1 Jahr Ludwigo Maratotell, liebten dasselbe Mädchen. Sie waren sich in Untersuchungshaft befindet, ist 1879 in Potsdam als Sohn Gefängnis. der Ansicht, daß einer von ihnen der Welt überflüssig sei und eines inzwischen verstorbenen höheren Offiziers geboren. Er hat im beschlossen ein Duell, das in einem abgeschlossenen Zimmer zum Jahre 1911 sein Assessorexamen gemacht. Nach dem Tode seines Austrag gebracht werden sollte. Nachdem sie aus einem Revolver Baters war er auf geringe Einkünfte angewiesen und machte Der Polizeipräsident von Hannover verbot die Abhaltung einer mehrere Schüffe abgefeuert hatten, jedoch keine erheblichen Ver Schulden auf Schulden, die in furzer Zeit bis auf 5000 m. an öffentlichen Jugendversammlung, die am 20. April 1913 im„ Ball- legungen davontrugen, segten sie den Kampf mit scharfen Messeru stiegen. Zur Bezahlung dieser Schulden lieh er sich von einer Frau hof" in Hannover stattfinden sollte und für die ein Referat des fort. Als schließlich Nachbarn die Tür mit Gewalt aufgesprengt Baumert in Potsdam diesen Betrag gegen Ausstellung eines Schriftstellers Jürgen Brand über„ Schule und Leben" vorgesehen Schuldscheins und lebernahme der Bürgschaft seitens seiner da- war. Als sich trotzdem 300 Personen einfanden, verhinderte die hatten, fand man die beiden jungen Leute ganz erstochen in maligen Braut, einer wohlhabenden Fabrikantentochter. Nach Auf- Polizei die Abhaltung auch tatsächlich. Wegen des polizeilichen ihrem Blute liegend vor Kurze Zeit darauf sind sie ihren lösung dieses Verlöbnisses ließ sich von Brehmer im Oktober 1911 Berbots der Jugendversammlung und wegen ihrer tatsächlichen Berlegungen erlegen. Die Schöne aber wird, wenn sie den ersten in Wilmersdorf als Rechtsanwalt nieder. Seine Schulden hatten Verhinderung durch die Polizei erhob der Arbeiter Rohrsen Be- Schmerz überwunden hat, den Dritten nehmen. fich inzwischen noch vergrößert, namentlich auch durch Uebernahme schwerde. Aufgehobenes Versammlungsverbot. von Bürgschaften für zwei Jugendfreunde. Im Laufe der Zeit Nachdem der Regierungspräsident und der Oberpräsident die Zwei Narren. Verbrecherjagd im Hydroplan. find gegen den Angeklagten ungefähr 40 Zivilprozesse angestrengt Beschwerde zurückgewiesen hatten, klagte Rohrsen. Das Obervers Eine neue eigenartige Verwendung hat der Hydroplan in und ungezählte Male sind fruchtlose Pfändungen bei ihm vorgewaltungsgericht gab am 19. b. M. der Klage statt und setzte die Miami im Staate Florida gefunden. Ein erfindungsreicher Blutarme. Kranke trinken während der Rekonvaleszenz feurig süßen Santa Lucia Stärkungs- Fl. 1.50 Stärkungs- Fl. 1.50 Nachahmung bitte zurückzuweisen. Rotwein 1.2 Kaufl. In Apotheken, Drogerien u. Delikat.- Gesch, Witterungsübersicht vom 25. März 1914. Detektiv namens Shabe berfolgte seit längerer Zeit einen Neger, Iram mit uns über Ser Wasserlinie aufgerissen. Personen sind nicht Ralbfleisch 1,40-2,60. Hammelfleisch 1,50-2,40. Buffer 2,40-3,00. der in einem eleganten Hotel eine große Anzahl kostbarer zu Schaden gekommen. 60 Stud Gier 3,40-5,40. 1 Kilogramm Starpfen 1,20-2,40. Aale Schmudsachen entwendet hatte. Es war dem Dieb gelungen, Dampferunglück auf der Seine. Bei Rouen stieß der nor1,60-3,20. Bander 1,40-3,20. Hechte 1,20-2,60. Barthe 1,00-2,20. auf einem Dampfboot zu entfliehen. Mittels drahtloser Telegraphie wegische Dampfer Frederik" mit dem Frachtdampfer„ Creuzot" zu- Schleie 1,60-3,20. Bleie 0,80-1,60. 60 Stud Strebje 3,50-24,00. stellte der Detektiv nun den Aufenthaltsort des Schiffes fest, sammen. Der lettere sant, und zwei Matrosen erbestieg ein Wasserflugzeug und ließ sich von dem Piloten an das tranten. Schiff bringen. Dort verhaftete er den Neger, schleppte ihn ins Flugzeug und führte ihn im Fluge" nach Miami zurüd. Dort fonnte er zwar die Verhaftung nicht aufrecht erhalten, die nach den Gesezen Floridas nur möglich ist, wenn sie im Lande erfolgt, immerhin gelang es ihm aber, dem Dieb seine toftbare Beute wieder abzujagen. Sie verstehen es. Die Stadt Neapel ist in größter Aufregung. Die Statue des Stadtheiligen Santt Januarius, die auf der Porta Capuana steht, hat nämlich ihren Kopf gedreht. Bisher ließ der Heilige Januarius bekanntlich nur zweimal im Jahre I mz Dome sein Blut sieden. Zum Drehen des Stopfes hatte er sich aber bisher noch nicht verstiegen. Das Wunder verfeht die niedere Bevölkerung in einen wahren Aufruhr, und Tausende kleiner Leute umbrängen angst voll die Porta Capuana. Mittlerweile hat der Erzbischof einen genauen Bericht über das Wunder eingefordert, um zu entscheiden, ob das Wunder für die Stadt Glück oder Unglück bedeute. Die Antwort wird schon so ausfallen, daß die von der Ausbeutung der Dummheit des abergläubischen Volkes beteiligten Kreise nicht zu furz kommen. Kleine Notizen. Ein Mädchenhändler verhaftet. Die Hamburger Polizei verhaftete den 28 Jahre alten Kellner Ostar Vetter aus Leipzig wegen Verdachts des Mädchenhandels. Der Verhaftete wird be schuldigt, gewerbsmäßig aus Leipzig und Umgegend nach Hamburg und anderen Städten junge Mädchen in öffentliche Häuser verschleppt zu haben. Unfall eines Torpedoboots. Das Hochseetorpedoboot 193 wurde während einer nächtlichen Uebung vom Torpedoboot 108 ge= Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Bezirk 561 a. Am Dienstag, den 24. März, verstarb unser Genosse Emil Haubenreißer Schivelbeiner Str. 13. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, den 27. d. M., nach mittags 5 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung erjucht 226/11 Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Groß- Berlin. Am Dienstag, den 24. März, ist unser Mitglied 56/11 Emil Haubenreißer verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, den 27. März, nach mittags 5 Uhr, im Strematorium Gerichtstraße statt. Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Ludwig Grützmann Beißensee, Gustav Adolf- Str. 22 am 23. d. Mts. an Schlaganfall gestorben ift. Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Gemeindefriedh oses in Weißensee, Fallenberger Straße, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, Der Schlosser Rudolf Peter. Ehre ihrem Andenken! Sozialdemokratischer Wahlverein für Steglitz. Am Sonntag, den 22. März, berftarb unser Mitglied, der Schlosser Rudolf Peter Holsteinische Straße 2( Bezirk 7). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Stegliger Gemeinde- Friedhofes aus ftatt. Die Sänger treffen sich auf dem Friedhofe. Bahlreiche Beteiligung erwartet 201/20 Der Vorstand. Am 24. b. M., nachm. 3%, Uhr, verjaied fanit nach langem Leiden mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Dnkel, Neffe, Schwager und Better, der Instrumentenmacher Richard Noeske im 36. Lebensjahre. 108a Im Namen der Hinterbliebenen Heinrich Noeske, Büdlerstr. 31, Die Einäscherung findet am Sonntag, den 29. d. M., um 11 Uhr, in der Gerichtstraße statt. Am Dienstag, den 24. März, verschied nach furzem Kranten lager unfer lieber Mitarbeiter, Herr Balthasar Lorrig. Sein liebenswürdiger und biederer Charakter sichert ihm ein ehrendes und dauerndes Andenken. Das Personal der Firma Bretschneider& Graeser. Ein Jdeal für unsere Geburtentreiber. In Wolemta( Oftgalizien) gebar die Frau eines Bapierwarenhändlers auf ein= mal fünf Kinder, die sämtlich lebend zur Welt kamen. Leider kommen solche Fünflingsgeburten unter 4-5 Millionen Geburten nur einmal vor, darum müssen unsere Frauen durch Geseh gezwungen werden, wenigstens recht schnell hintereinander so viel wie möglich Kinder zur Welt zu bringen. Vielleicht hat jemand Lust, es der Galizierin nachzumachen. Stafionen Barometer tanb mm Wind cichtung Bindstärke Better Eminemde. 747 DGD 5bedect Hamburg 744 SD 2 Regen Berlin 1 bededt Frants. a. ertränkte in einem Anfall von religiösem Wahnsinn die München Schreckenstat einer Wahnsinnigen. In Bad Reichenhall 30 Jahre alte Bäuerin Achthal ihre drei Kinder von bis Bien zu 4 Jahren und dann sich selbst in der Jauchegrube. Briefkasten der Redaktion. 746 747 Still 748 SP Dunit Kemp. n. G. Hot Dog Stationen Barometer flanb mm Wind sichtig Binbftarle Better Kemp. n. 6. 11 Do 87728 5 Haparanda 763 S 6 Betersburg 763 D 5 Scilly 2 wolfenl 2 wolfen!-7 741 4 bedeat 3 bededt 1 beded 4 Aberdeen 741 N 4 balb bd. 3 Paris 744 749 DSD 1bedeckt 4 Wetterprognose für Donnerstag, den 26. März 1914. Zunächst etwas fühler, zeitweise aufflärend, bei mäßigen südwestlichen Winden, nachher wieder Erwärmung, Trübung und Regen. Berliner Betterbureau Wasserstands- Nachrichten cm) am feit 24. 3. 23.3. cm cm³) 258-16 120+2 130 0 2. K. Cöpenick. 1. Das ist zweifelhaft, insbesondere da Sie vor der Gestellung nicht reklamiert haben. 2. Die Höhe des Verdienstes ist nicht der Randesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau maßgebend, sondern ärztliches Gutachten. M. 2. 100. 1. August 1893 G. N. 58. Zur Ausübung mit Birfung zum 1. 1. 1894. 2. Nein. des Gewerbes ist die polizeiliche Erlaubnis erforderlich. Der Nachweis, daß ein bestimmtes Sapital vorhanden ist, braucht geführt zu werden. Eine Verweigerung der Erlaubnis kann nur erfolgen, wenn sachen vorliegen, welche die Unzuverlässig leit des Ausübenden dar tun oder wenn ein Bedürfnis nicht vorliegt. 5. Ei. 1860. Ja. 7. D. 16. Das tatsächlich erhaltene Krankengeld kann der Unternehmer türzen Ein Statut fönnen Sie sich von der Krankenkasse geben lassen. Zats Marktpreise von Berlin am 24. März 1914, nach Ermittelungen des fgl. Polizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 00,00-00,00, Donau 00,00-00,00. Mais( runder), gute Sorte 14,95-15,10. Richtftroh 4,60. Heu 7,00-8,40. Martthallenpreise. 100 Kilogr. Erbjen, gelbe, zum Kochen 34,00-50,00. Speisebohnen, weiße 35,00-60,00. Linsen 40,00-80,00. Startoffein( Kleinbbl.) 4,00-7,00. 1 Silogramm Rindfleisch, von der Steule 1,60-2,40. Rindfleisch, Bauchfleisch 1,30-1,80. Schweinefleisch 1,40-2,00. Allen, die meiner lieben Frau, Mutter, Tochter und Schwester Deutscher Transportarbeiter Verhand. Anna Wilfe Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bretter träger August Hauff am 23. d. M. im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. März, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Gemeindefriedhofes Neutölln, Mariendorfer Weg aus statt. 63/10 Die Bezirksverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 24. März verstarb unser Parteigenosse Franz Lösche Gastwirt, Hobrechtstr. 29, 2. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 27. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/15 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter sagen wir allen Freunden, Bekannten und Ber wandten sowie den Genossen des 2. Wahlkreises unsern besten Dank. F. Hartlepp und Sohn. Für die Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Blumenspenden beim Hinscheiden unserer herzensguten Mutter, Schwiegermutter und Großmutter, Fran Maria Melzer geb. Stadie sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie unseren werten Mietern Wissmannstraße 9 und 10 und dem Grundbesitzerverein Neukölln, tiefgefühltesten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung mbet beute Das Christusproblem gelöst! Donnerstag, den 26. März, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Stegliger Fridhofes in Steglit, Bergitraße, aus statt. Nege Beteiligung erwartet 115/9 Die Ortsverwaltung. Sparverein Südost 1914. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Richard Noeske am 24. März verstorben ist. Die Einäscherung findet Somm tag bormittag 11 Uhr im Strematorium, Gerichtstraße, statt. Der Vorstand. Am Dienstag entschlief fanjt nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, der Reſtaurateur Franz Lösche. Um stille Teilnahme bitten Frau Marie Lösche nebst Kindern. Neukölln, 25. März 1914. am Die Beerdigung findet 27. März, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des Neuköllner Gemeindefriedhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatt. 112 Soeben erschien: Vor 1900 Jahren! Wer war Jesus Christus! In einer alten orientalischen Bibliothek ist ein Dokument gefunden worden, das ganz genau mitteilt, wer Jesus Christus war: ein Bundesbruder des Essäerbundes, einer Art Freimaurervereinigung. Es ist der Bericht des Aeltesten dieses Bundes in Jerusalem an den Aeltesten in Alexandrien. Ein christlicher Priester versuchte bei der Entdeckung das Dokument zu vernichten, da sich die ganzen mystischen Wundergeschichten auf einmal ganz natürlich erklären. Die Vernichtung gelang ihm aber nicht. Dieser historische Bericht ist ins Deutsche übersetzt worden, mit einem Vorwort über Pontius Pilatus, neu bearbeitet von Ferd. Schmidt. Kein Denkender wird das Werk unbefriedigt aus der Hand legen. Preis 1.50 M., schön gebunden 2.20 M. Nachnahme 30 Pf. mehr. Bücherkatalog gratis durch Albrecht Donath, Verlag, Leipzig. 508 Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. Der politische Massenstreik. Ein Beitrag zur Geschichte der Massenstreikdiskussionen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie. Von Karl Kautsky. Broschiert 3 M. 247/ 15* Die gebundene Ausgabe( 3,50 M.) erscheint in ca. 8 Tagen. geb. Howe die letzte Ehre erwiesen haben, sei hierdurch herzlichft gedankt. Richard Wille. Margarete Wille. Familie Howe. Stroffen Frankfurt Basserstand Saale, Grochlig Havel, Spandau) Rathenow) Spree, Spremberg) 160+22 Beeskow am feit Basserstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor 24.3. 23. 3. cm 503-8 223-2 278 3 298-16 268+8 266 +6 226-10 215+2 86-14 144 Befer Münden +2 348-12 Minden 444-20 Rhein, Marimiliansau 542-14 Raub 200 +5 Köln 457<-16 546 97 +11 Nedar, Heilbronn 185-15 Main, Hanau 321 -15 Mosel, Trier 298 -16 Fall. 2) Unterbegel Barthe, Schrimm Landsberg Nee, Bordamm Ibe, Zeitmeriz Dresden Barby Magdeburg + bedeutet Buchs, 410-16 346-11 -8 Würzburger Hühneraugenmittel bon Dr. H. Unger. Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei Ohne Zweifel die bequemite u.wirksamite Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Min. ort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Hanfertraft.) Dr. H. Unger in Würzburg. GreifBerlin( 20 Bf.): Salomon- Apotheke, Charlottenstraße 54. 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Mitbringen! Wert 5 M. Sonntags 12-2 geöffnet. Größte Rücksicht bei Krankheit u. Arbeitslosigkeit Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Reutolla. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u.Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. »,».1 fitilajt de» ,|oraürt6" Kerl« W»M»»»«-"->« Mrs verlorene Kinöer. Gebärstreik, Gebärzwang, Geburtenrückgang, lauter Schlag- Worte, die das öffentliche Interesse erregen und Gegenstand lebhafter Debatten sind. Gerade die am lebhaftesten eintreten für die Ansicht, daß eine künstliche Geburteneinschränkung un- moralisch ist, haben die Geburteneinschränkung niemals unsitt- lich gefunden, solange sie von den oberen Zehntausend ausgeübt wurde. Aber die Masse des Volkes, die hat die Pflicht, für Nachwuchs zu sorgen. Wie dieser Nachwuchs groß gezogen wird, das kümmert die Moralisten nicht. Daran denken sie auch nicht, daß jährlich in Deutschland hunderte von Kindern gehören werden, die einfach verschwinden, ohne daß sich jemals ein Mensch um ihren Verbleib kümmert. Als die frühere Polizeiassistentin von Stuttgart, Schwester Henriette Arendt, auf diese verlorenen Kinder aufmerksam machte, als sie darauf hinwies, daß unzählige Kinder in Deutschland verkauft, verschenkt oder auck umgebracht oder fortgeschleppt werden, da wurden diese Behauptungen als unwahr bezeichnet und die von ihr vorgebrachten Tat- fachen abgeleugnet. Inzwischen haben sich aber doch eine Reihe von Vereinen und Persönlichkeiten mit der Nachprüfung beschäfftgt, und allmählich wird man sich wohl davon über- zeugen, daß die Wirklichkeit schlimmer ist, als das, was Schwester Arendt aufgedeckt hat. Man muß bedenken, daß sie allein, fast immer ohne Unterstützung von Behörden, ja oft gegen dereu Willen ihre Forschungen machen mußte. Und doch hat sie allein schon fast zweitausend Kinder in ihre Ob- Hut genommen, die niemand gehörten, von denen niemand etwas wissen wollte, Kinder, die verkauft oder verschenkt oder ausgesetzt wurden. Sie alle wären elend zugrunde ge- gangen, wenn sich nicht die warmherzige Frau ihrer ange- nommen hätte. Wie leicht kann man sich da vorstellen, daß noch Tausende solcher Kinder verschwinden, zugrunde gehen, weil eben niemand da ist, der sich ihrer annimmt, wenn schon ein einziger Mensch gegen zweitausend verlorene Kinder vor dem Untergang gerestet hat. Schwester Arendt machte zunächst auf die zahlreichen Zeitungsannoncen aufmerksam, die sich mit dem Knderhandel beschäftigen. Wie häufig werden da Kinder zum Verkauf angeboten. Es handelt sich da durchaus nicht immer um un- eheliche Kinder. Sehr häufig sind es Eltern, die eines ihrer Kindergegen eine größere Abfindungssumme abzugeben wünschen. Sie erklären ganz offen, daß sie mit dieser Summe ihren andern Kindern Brot verschaffen wollen. Frägt man sich, wer solche Kinder kauft, so wird man finden, daß es sich um die verschiedensten Zwecke handelt. Es gibt reiche kinderlose Leute, die ein Kind annehmen wollen. Gewöhnlich kaufen sie solch ein Kind aber nicht, da sie es ja leicht geschenkt bekommen können. Die Abfindungssumme dient dazu, den Eltern die Möglichkeit ab- zukaufen, Rechte auf ihr Kind geltend zu machen. Oder aber das Kind soll dem Käufer zu irgendwelchem Gewinn der« helfen. Diese Kinder werden ausgebildet für Zirkus oder Varietö. Sie werden in ausländische Bordelle verschleppt. Sie werden zu Bettelzwecken benutzt. Ein russischer Landrat hat behauptet, daß in den sogenannten Krüppelsabriken, wie man sie in Rußland findet, auch deutsche Kinder gefunden sind, die dort zu Bettelzwecken hergerichtet werden. Das heißt, sie werden geblendet oder die Glieder werden ihnen gebrochen oder ihr Wachstum wird künstlich verhindert. Denn je elender und mißgestalteter ein Kind ist, desto eher erregt es das Mitleid der Vorübergehenden und solche Kinder sind sehr begehrt. Aehnliche Krüppelsabriken gibt es auch in Spanien, England usw. Daß Eltern ihre Kinder verschenken, kommt seltener vor. Verschentte Kinder haben meist eine Mutter, die nicht verheiratet ist, die verlassen wurde oder keine Möglichkeit hat, den Vater des Kindes zu seinem Unterhalt heranzuziehen. Die Mütter, die Kinder verschenken, sind gewöhnlich durch die Geburt des Kindes in eine traurige Lage gekommen. Sie werden von ihren eigenen Angehörigen verstoßen, von den Mitmenschen verachtet. Sie finden keine Möglichkeit eines Erwerbes, bei dem sie ihr Kind bei sich behalten können. Ihr Verdienst reicht nicht aus, um für das Kind eine gute Pension bezahlen zu können. Sie bieten das Kind zum Geschenk aus und dürfen natürlich nicht »vählerisch sein, wer ihnen das Kind abnimmt. Findet sich niemand, dann setzen sie das Kind aus oder sie töten es. In Straßburg fanden spielende Kinder vor kurzem eine Kindes- leiche, die über ein halbes Jahr in einem Sandhausen ge- legen hatte. Die Mutter hatte das Kind in ihrer Not dort versteckt. Niemand hatte je nach dem Verbleib des Kindes ge- fragt. Solche Fälle sind durchaus nicht vereinzelt. Kann die unverheiratete Mutter für die Aufnahme des Kindes eine kleine Summe zahlen, so ist für das Kind viel- sack nicht besser gesorgt. Die Fälle, daß Engelmacherinnen Kinder nehmen, für die eine Summe gezahlt wird, sind nicht selten. Auch das Los der Kinder, für die Pension gezahlt wird, ist traurig. Häufig werden sie nur so weit' am Leben erhalten, daß sie ihren Pflegemüttern eine Rente sichern. Sich um ihre körperliche Pflege, um richtige Ernährung ihrer Pfleglinge zu kümmern, fällt vielen der Frauen, die Zieh- oder Haltekinder annehmen, selten ein. Es gibt aber auch Kinder, für deren Abnahme noch eine große Sumnie zugezahlt wird. Das sind die Kinder von un- verheirateten Müttern der besitzenden Klassen. Um die Schande aus dem Wege zu räumen, wird da oft kein Geld gescheut. Dieses Geld komm» aber in den seltensten Fällen den Kindern selbst zugute. Sehr häufig werden sie aus- ländischen, namentlich französischen Hebammen übergeben. Diese behalten das Geld und bringen die Kinder in den französischen Findelhäusern unter, wo alle Kinder unentgeltlich auf- genommen und auf Staatskosten erzogen werden, ohne daß eine Angabe ihrer Herkunft gefordert wird. Diese Findel- Häuser stammen aus der Zeit Napoleons, der erkannt hat „Wir brauchen Mütter". Da er aber auch erkannte, daß vielen Frauen Not und Vorurteil unmöglich machen, Mutter- pflichten zu erfüllen, so hat er diese Pflichten dem Staat übertragen. In neuester Zeit sollen sich die Fälle, daß deutsche Mädchen in Frankreich entbinden und daß deutsche Kinder auf Kosten des französischen Staates erzogen tverden, derart mehren, daß man ihre Aufnahme erschwert. Die Anfragen, die Schwester Arndt wegen Aufnahme von Kindern erhält, sind unzählig. Sie gehen weit über üer xrauenbeweg das hinaus, was sie an Hilfe zu leisten vennag, da sie ja ausschließlich auf private Unterstützungen angewiesen ist. Daß eine ganze Reihe von Kindern wie eine Ware verhandelt werden, das beweisen nicht nur die vielen Zeitungsannoncen. das beweisen auch die Menschen, die durch den Vertrieb dieser lebendigen Ware sich eine Existenz gründen, die Kinder- Händler. Verlorene Kinder sind es meist, die verkauft, verschenkt, verhVndelt werden, die aus dem Wege geräumt werden, weil niemand da ist, der sich ihrer annehmen will oder kann. Wertvolles Menschcnmaterial geht auf diese Weise zu Grunde. Der Geburtenrückgang ist gewiß eine unbessteitbare Tatsache. Eine unbestreitbare Tatsache ist es aber auch, daß unzählige Kinder geboren werden, die infolge der traurigen sozialen Verhältnisse zu Grunde gehen oder die ein Opfer der falschen sittlichen Anschauungen werden, die gerade von denen am eifrigsten vertreten werden, die darüber jammern, daß die Be- völkerung abnimmt. Es wäre von volkswirtschaftlicher Bedeutung, wenn man alle Kinder, die alljährlich verloren gehen, vor diesem trau- rigen Los bewahren könnte. Wenn eine Frau mit geringen Mitteln unter den größten Schwierigkeiten, ja sogar mit Wider- stand kämpfend, fast zweitausend verlorene Kinder retten konnte, wie viele Tausende von Kindern mögen da noch ver- loren gehen in der Zeit, in der über Geburtenrückgang ge- jammert wird, in der der Gebärzwang eingeführt werden soll I Anregungen für unsere Leseabenüe. Einen glänzenden Verlauf hat unsere rote Agitations- Woche genommen. Taufende neuer Mitglieder sind unseren Ber- einen zugeströmt. Vor allem waren die Versammlungen, die den Gedanken des Frauenwahlrechtes in immer weitere Kreise tragen sollten, überall von einem Geiste beseelt, der zu den besten Hoff- nungen für unsere fernere Agitationsarbeit berechtigt. Unerwartet groß ist die Zahl der Frauen und Mädchen, die in dieser Woche ihren Beitritt zum sozialdenrokratischen Verein erklärt haben. Wohl sind unter diesen neuen weiblichen Parteimitgliedern eine große Anzahl, die schon vordem mit ihrem Fühlen und Denken zu uns gehörten, und für die es nur eines Anstoßes bedurfte, um ihren Beitritt zu vollziehen. Aber nicht minder groß wird die Zahl der- jcngen sein, die im ersten Feuer der Begeisterung, vielleicht an- gefacht durch ein zündendes Referat in den Versammlungen, mit Freude zu uns kamen. Diese gehören nun vielleicht in ihrem innersten Fühlen noch nicht ganz zu uns. Nicht alles werden sie verstanden haben, was sie in den Versammlungen über Zweck und Ziele der Sozialdemokratie gehört haben. Stur dunkel haben sie vielleicht empfunden, daß die Partei sich der Unterdrückten und Entrechteten annimmt, und aufgefordert, mitzuhelfen an dem Werke ihrer Befreiung, kamen sie, Begeisterung im Herzen, zu uns. Und nun möchten sie wohl helfen, sie wiffen aber noch nicht wie und wo; sie wisse» es nicht anzufassen. Da liegt es an uns, ihnen den rechten Weg zu zeigen. Soll nun so eine neue Genossin eine überzeugte Klassen- kämpferin werden, so hängt das in hohem Grade davon ab, in welche Hände sie zuerst kommt, oder besser gesagt, daß der Kreis der Genossinnen, zu dem sie zuerst hinzugezogen wird, etwas An- heimelndes für sie hat, daß sie sich dort wohl fühlt. Gerade dieses Moment trägt viel dazu bei, zur Mitarbeit anzuspornen. Eine jede Genossin, die unter gleichen Verhältnissen zur Partei kam, wird das bestätigen können. In den meisten Fällen sind es zueifft die Leseabendc, in die diese jungen Parteimitglieder eingeführt werden. Biel hängt hier für uns nun ab von dem Geschick und dem Taktgefühl der Leiterin und der tätigen Genossinnen. Schüchtern tritt vielleicht so eine Frau in den Versammlungsraum, und da soll man ste dann nicht in einer Ecke oder allein an einem Tisch sitzen lassen. Nein, mit selbstverständlicher Freundlichkeit müssen wir ihnen ent- gegenkommen, ihnen möglichst einen Platz bei tätigen Genossinnen anweisen und sie in ein Gespräch zu ziehen suchen. Alles Klein- liche muß natürlich in der Unterhaltung vermieden werden, und sehr schnell werden sich die junge» Genossinnen an unseren Kreis gewöhnen und unsere Leseabende werden ihnen dann lieb und wert sein. Aber nicht nur allein auf das freundschaftliche Entgegen- kommen kommt es an. Sollen unsere Leseabende eine dauernde Anziehung ausüben, so muß auch darauf Gewicht gelegt werden, das Thema des Abends so interessant wie möglich zu gestalten. Tüchtige und treue Klassenkämpferinnen wollen wir ja er- ziehen, und deshalb ist es notwendig, unsere Neugewonnenen zu- erst mit den Ideen des Sozialismus vertraut zu machen. Wenn dos nun in der richtigen Weise geschieht, dann werden sie das auch begreifen, und sie werden sich nicht mehr dem Banne unserer Lehren entziehen können. Ja mehr noch, sie werden dann selbst zur Verbreitung unserer Lehren beitragen. Meist wird in unseren Leseabendc» nur ein Vortrag gehalten, an den sich eine Diskussion anschließt. Aber selten wirb eine Genossin nach einigen Tagen noch den Inhalt des Vortrages angeben können, wenn sie sich nicht Notizen gsmacht hat. Das ist auch ganz erklärlich, denn meistens haben unsere Frauen einen Tag schwerer Arbeit hinter sich, sie können unmöglich dem ganzen Vortrage folgen und sind auch so schwer zur Diskussion zu bewegen. Ganz anders aber ist es, wenn der Vortragende ivährend seiner Ausführungen Fragen stellt und am Schlüsse das Durchgenommene noch einmal durchfragt. Bei dieser Methode kann man erst erkennen, ob unsere Genossinnen auch alles verstanden haben, und man kann sicher sein, daß alle die Fragen, auf denen die Ge- nossinnen selbst die Antwort gefunden haben, nicht mehr von ihnen vergessen werden. Vor allen Dingen werden unsere Frauen so zum logischen Denken erzogen, ihr Gesichtskreis wird sich dadurch erweitern. Allen politischen und wirtschaftlichen Fragen werden sie dann ein weit größeres Interesse entgegenbringen, weil sie sich selbst eher ein Urteil darüber bilden können. Obgleich die von der Genossin M. G. gegebene Anregung be- reits in Zusammenkünften von Leseabend-Leiterinnen und-Refe- rentinnen diskutiert worden ist, drucken wir die Einsendung doch gern um ihres ersten Teiles willen ab. der Hinweise für die Mit- arbeit aller Genossinnen enthält. Die Redaktion. Kommandiere nicht. Sehr verbreitet, besonders bei den Müttern, ist das un- aufhörliche Bevormunden und Kommandieren, wobei sie sich nicht etwa nach bestimmten Grundsätzen richten, sondern sie befehlen und verbieten gerade, wie es ihnen einfällt. Jean Paul meinte einmal, die Durchfchnittsmutter gleiche noch nicht einmal jenem Harlekin, der mit einem Aktenbündel unter jedem Arm aufs Hoftheater trat und auf die Frage, was er unter dem linken Arm trage, antwortete:„Befehle"— und auf die Frage, ivas er unter dem linken tiflge, antwortete:„Gegenbefehle"—, sie gleiche vielmehr dem Riesen Briareus, der hundert Arm« hätte und unter jedem ein solches Bündel. Da wird gar mancherlei verboten, worauf die Kinder von selbst gar nicht ge- ♦ kommen wären.„Steckt mir ja keine Erbsen in die Nase," sagte eine Mutter zu ihren Kleinen, die seelenvergnügt mit Erbsen spielten. Und siehe da, kaum hatte die Mutter das Zimmer ver- lassen, da waren die Kinder alle eifrigst dabei, zu tun, was ihnen sonst nicht eingefallen wäre. Ich las einmal von einem kleinen Mädchen, das. nach seinem Namen gefragt, antwortete:„Marie Laßdas". Das Verbot war ihr schon zu einem Teil ihres Namens geworden. Jean Paul sagt in seiner Lcvana:„Die feinste Politik istt nicht zu viel regieren; es gilt auch für die Erziehung." Und gerade, weil diese„feinste Politik" bei uns im öffentlichen Leben nirgends geübt wird, weil das Biel-Regieren und-Reglementieren im lieben deutschen Vaterlande an der Tagesordnung ist, haben wir um so mehr die Pflicht, nicht auch noch bei der Kindererziehung in dieselbe Kerbe zu hauen und dadurch das Selbstbewußtsein und das Gefühl der Menschenwürde bei den künftigen Staatsbürgern schon im Keime zu ersticken. (Käte Duncker, Sozial. Erziehung im Hause.), Frauenarbeit. Lohnende Heimarbeit. Vor einiger Zeit wurden uns Stickerei« arbeiten vorgelegt, welche die Firma H., Holzmarktstraße 3, in der Heimarbeit anfertigen läßt. Die bei diesen Gegenständen es waren Bürstentaschen— verlangte Arbeit erfordert pro Stück einige Stunden Arbeitszeit. Für zwei Dutzend solcher Bürstentaschen zahlt die Firma den Beirag von l,80 M. Nach Angaben der Arbeiterin benötigt sie zur Fertigstellung der zwei Dutzend Bürstentaschen etwa 1 Stunden Arbeitszeit. Nehmen wir nun an, daß diese Arbeiterin ganz be- sonders langsam sei. eine geübte Stickerin dagegen die Arbeit in 24 Stunden herzustellen vermöchte— was wir für ausgeschlossen halten— so würde auch diese noch nicht auf einen Stundenlohn von 10 Pf. kommen. Dabei sind die Bestimmungen des Liefer- scheines über Rücklieferung der Arbeit alles anderes als milde. Jeder kleinste Verstoß gegen die Bedingungen zieht für die Arbeiterin sofort einen erheblichen maieriellen Verlust nach sich. Daß von dem Verdienst für diese Arbeit niemand leben kann, steht außer allem Zweifel. Und dennoch werden sich zahlreiche Heimarbeiterinnen finden, die zur Uebcrnahme solcher Arbeiten be- reit sind. Da stehen in erster Linie jene„Heimarbeiterinnen", die sidb als verschämte oder verarmte Personen höherer Stände aus- geben, dann jene, die sich ein Taschengeld verdienen wollen, und die große Masse derer, die verdienen müssen, um leben zu können. Sie alle werden vom Unternehmer gegeneinander ausgespielt und haben schließlich noch Angst, ihre Brotstelle zu verlieren. Die den höheren Ständen Angeliörenden sind natürlich zu gebildet, um an- gemessenen Lohn zu fordern, wogegen die für ein Taschengeld Ar- bettende nicht das Urteilsvermögen hat, um zu begreisen, welches Unheil durch ihre Arbeit für Tausende schlecht entlohnter Heim- arbeiterinnen angerichtet wird. Wer aber von dein Verdienst für solche Arbeit leben mutz, wird durch die außerordentlich lange Arbeitszeit so zermürbt, daß er eine Besserung seiner Lebensloge einfach für ausgeschlossen hält. So bleibt der Unternehmer der einzige, der von diesen Zuständen profitiert und an ihrer Erhaltung ein Interesse hat. Wann endlich werden die Arbeiterinnen begreifen, daß der Lohn für jede Arbeit so bemessen sein muß. daß er bei angemessener Arbeitszeit eine sorgenfreie Existenz sichert und daß dieses Ziel nur zu erreichen ist, wenn die Arbeiterinnen den Weg zur O r g a n i- s a» i o n finden. Elender als die schlechteste Fadrikarveit. Eine Näherin schreibt uns: In Nr. 77 geben Sie einen Bericht über die traurige Lage der Zuckerindustrie. Die Lage der Schirmnäherinnen, welche zur Branche der Heimarbeiterinnen gehören, ist noch um vieles trauriger. Wenn die Arbeiterinnen jener Branche täglich 18 Stunden lang tätig sein müssen, so sind Arbeitstage von 20 bis 22 Stunden bei den Schirm« Näherinnen keine Seltenheit. In der Zuckerindustrie wird, wie er- wähnt, die Arbeit mit 18,1 Pf bezahlt. In der Schirmbranche, welche Akkordarbeit ist, kommt der Stundenlohn höchstens auf 13 Pf. Der Durchschnitt ist 0 bis 10 Pf. pro Stunde, da die Schirmnäherin das Material, wie Seide, Zwirn, Abnutzung der Maschine, Feuerung zum Dämpfen und Fahrgeld, das täglich zur Lieferung gebraucht wird, von ihrem Verdienst bezahlen muß. Von den Schirmnäherinnen in Berlin sind 700 verheiratete Frauen und 300 Witwen, ehe« verlassene Frauen und ältere Mädchen. Die verheirateten Frauen sind dem Hungerlohn noch nicht so preisgegeben, da ihre Männer wöchentlich Geld nach Hause bringen. Die Letztgenannten müssen dagegen von ihrem kärglichen Verdienst auch noch Miete und Lebensunterhalt bezahlen. Somit geht es den Schirmnäherinnen noch um vieles trauriger, wie den Arbeitern der in Ihrem Blatt an« geführten Branche. Wohl besteht eine Organisation, doch leider ist die Mitgliederzahl so gering, da die verheirateten Frauen in den meisten Fällen nicht zu bewegen sind, dem Verbände beizutreten. ES ist nicht immer die Schuld der Frauen allein, dem Uebelsn:de abzuhelfen, sondern auch viel die ihrer Männer, da diese in vielen Fällen ihre Frauen hindern, dem Verbände beizutreten. Abends nach Schluß ihrer Arbeit helfen sie ihren Frauen beim Nähen, sind aber natürlich bedacht, daß das nicht dem Verbände bekannt wird. §rauenemanzipation. „Abtreibung und Strafrechtsreform". In der juristisch-psychia- irischen Vereinigung der Stadt Zürich hielt der Staatsanwalt G I ä t t l i ein Referat, in welchem er die Notwendigkeit betonte, daß die Abtreibung durch einen Arzt in allen den Fällen straflos sein soll, in denen die Schwangerschaft einem Verbrechen ihre Entstehung verdankt(der Notzucht, Schändung usw.). Gegen diese Ausführungen sprach einzig Prof. Dr. Zürcher, während sie Oberrichter Lang, Rechtsanwalt Dr. Farbstein, Prof. Dr. Bleuler, Assistenzarzt Dr. Andres und Frl. Dr med. Wyler unterstützten. Lang beantragte, daß das eidgenössische Strafgesetzbuch eine Bestim- mung erhalten sollte, durch welche die Abtreibung straflos erklärt werde, sobald es die Gesundheit der Mutter erfordert und sie von einem Arzt vorgenommen wird. In der Abstimmung wurde mit allen gegen nur 2 bezw. 3 Stimmen den Ausführungen Glättlis wie dem Antrag Lang zugestimmt und soll eine bezügliche Eingabe an die Expertenkommission für die Ausarbeitung des Entwurfes eines schweizerischen Strafgesetzbuches eingereicht werden. Die Presse legt diesen Beschlüssen große Bedeutung bei. Aus der bürgerlichen Frauenbewegung Frankreichs. Der über alles Erwarten gelungenen Demonstrationsversammlung der sozialistischen Frauen ist drei Tage später eine ebenso glänzend besuchte Kundgebung für das Frauenwahlrecht gefolgt, die vom„Nationalkomitee der französischen Frauen" einberufen war. Dem Komitee gehören bürgerliche und sozialistische Frauen an, und es sprachen Rednerinnen und Redner verschiedener sozialer und politischer Anschauungen für die gemeinsame Forderung der politischen Gleichstellung der Frau. Die angenommene Resolution fordert das Parlament auf, die Vorlage über das Wahlrecht der Frauen in Gemeinde. Departement und Bezirk möglichst rasch an- zunehmen.— Erwähnt sei, daß das weitverbreitete, von Frauen stark gelesene Nachrichtenblatt„Le Journal" seit einiger Zeit Pro- paganda für das Wahlrecht der Frauen macht und Artikel und Zuschriften der bekanntesten Frauenrechtlerinnen veröffentlicht. Es will auch gleichzeitig mit den Kainmerioahlen eine Art Urabstim- mung der Frauen organisieren. Ob dabei mehr herauskommt als Reklame für die Zeitung— und die? ist der Veranstalterin wohl die Hauptsache— ist indes zu bezweifeln. Bettfedern gründlichste Reinigung durch elektrischen Betrieb. Normaler Stand M. 3.-. Freie Abholung und Zusendung. 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