Ztr. 93. nbonncfflcntS'lkdingungtn: fftonrcmmlä'Urcü vränumerando! SieneljattL S,30 Mk, monatl. 1,10 Ml, wöchcntUch 28 Pfg, frei in» HauK. Einzelne Nummer s Pfg, Somilaci?, Hümmer mit illustriericr Koni» cm». Peilagt.Tic Neue Seil" 10 Pjg. Poji» SlBotmcmcnt: l.iü Mark pro Monat. tinpcrragc» in die Posi-ZeitunpH- TreiFIiilc. UiUcr Kreuzband für Teulickiand und Leskerreich. Unoarn 2.80 Morl, für da- übrige Lusland 4 Morl pro Monat. VosiabonnemeiUs nebmcn au: Belgien, Dänemark. olland, Italien, Luxemburg, Portugal. umänien, Schweden und die Echweiz. fe N: A. Jahrg. krlcheinl tägüi. Vevlinev Volksblstk. Dl« Tnf«rlionS'6ebüi)r feitägt für die sechbgesbaliene Aolonel- geile oder deren Raunl w Plg.. lür politische und gewerlilliafiliche ZiercinO» und Bersnmnilung- lllnzoigen Pig. „Kleine Hnztiaen". dad fsttgcdruikie SSurt 20 Pia. t zulässig Lfctigcdnnsi- Sortcl, jede- m eitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und SäNaiitcUenau- zeigen das erlte ch-ort 10 Psg., jedes tneucre Sort 5 Psg. Worte über 15 Buch- siabcn zäblen lür zwei Worte. Inserate siir die»äch'te Nunmier inüise» bis ki lllir nachmittag- in der lrrdedition abgegeben werden. Die Eibediiion ist bi- 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- kldreslc: „SopsZlliemolik!» ktkiii". 5 W Zcntralorgan der foztaldcmokrati fehen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morinplap, Nr. 1983. Sonnabend, den 4. April 1914. SxpedMon: 8Ll. 68, I�indensTrasse 69. Fernsprecher: Amt Morittplat«. Nr. 1981. vom Kriegsschauplatz in Petersburg. /lusbreitung unö Verschärfung öes Kampfes. Nachdem die aus Anlaß der Vorgiftiingscpideuiic in den Petersburger öummifobrifert oiisgebmchciien Proteststreiks cm Anfang dieser Woche abgeflaut waren, flainmte die Pro- testbewegung unter den Petersburger Arbeitern nach einigen Tagen mit neuer Kraft auf, als es sich erwies� daß weder die Regierung noch die Tuma irgendwelche Schritte zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter zu er- greifen geneigt waren. Von nun an greift die Lewegung mit rasender Schnelligkeit um sich. Am 1. April streiken nicht mehr Zehntausende, sondern Hundertt a»sende in der Hauptstadt. Revolutionäre Manifestationen finden statt. Es kommt zu blutigen Ziisauimenstößeii mit der Polizei. Zu den IM Verwundeten, die die„Beruhigungsarbeit" der Polizei am 27. März bei der Anseinandertreibiing der streikenden Arbeiter der Gnmmifabrik„Trengolnik" gefordert hatte, kommen nun weitere zahlreiche Lpfer hinzu. Aber nicht genug damit greift die Regierung und die ihr verbündete Unternehmerschaft zu der nicht minder furchtbaren Waffe der M a s s e n a u s s p e r r n n g. Als Antwort aus den fried- liehen Proteststreik der bis zum Aeußersten getriebenen Ar- beiterschaft werden am 2. April 60 000 Arbeiter der größten Fabriken und Werke ausgesperrt. Tie Folge hiervon ist ein weiteres Umsichgreifen des Streiks und eine weitere Ans- breitung der Aussperrung. 100 000 Arbeiter sind jetzt für Wochen hinaus auf die Straße gesetzt! Hunderttausende Men- sdieii sind von den Scharfmachern dem Hunger und dem Elend preisgegeben! Seit 1006, den Tagen der siegreichen Gegenrevolution, hat Petersburg keine so umfassende Aus- sverrung gesehen. Tie ganze Situation weist darauf hin, daß die schwärzeste Reaktion nach einer blutigen Abrechnung mit de? Arbeiterklasse lechzt, deren kühnes Vorwärtsdrängen in den letzten zwei Jahren den herrschenden Parteien schwer auf die Nerven gefallen ist. Tiefe Kreise wollen es nun auf einen offenen Kampf ankommen lassen. Tie Reaktion rüstet sich, um die Arbeiterbewegung in Strömen von Blut zu er- tränken. Ter Krieg ist erklärt und täglich kann es nun in der russischen.Hauptstadt zu Ereignissen kommen, die von der weittragendsten Bedeutung, sein werden. * Um die Tragweite der Petersburger Ereignisse zu wür- digen. sei liier kurz aus die wichtigsten Momente hingewiesen, die die Zuspitzung des Kampfes herbeigeführt haben. Als die Massettvergistungen in den Petersburger Gummifabriken nicht mehr vertuscht werden konnten, setzte die Regierung— 01» Ii ig* ten Tage iiacii dem Beginn der Vergiftungen!— eine Unten schiingskommission ein, zu der zwar nicht die Vertreter der Arbeiter, wohl aber einige— Psychiater hinzugezogen wurd: n. Tie oft zu offiziösen Hansknechtsdiensten benutzte „Börsenzeitung" setzte dann die Version in Umlauf, daß„bös- willige Menschen eine chemische Obstruktion inszeniert hätten, UM auf solche Weise einen Streik herbeizuführen". Tie amtliche UntersuchiingSkomiitission kam nun zwar einstimmig zu dem Ergebnis, daß die Ursache der Erkrankuiigen auf den Gnimnifabriken in den bei der Arbeit eingeatmeten Benzin- d ä m p s e u gesehen werden könnte, ferner daß bei den Er- krankten keine Torine sestgestellt worden seien, d. h. daß von einer„Vergiftung" seitens„böswilliger Leute" keine Rede sei. Indessen suchten die in allen Infamien und Fälschungen erprobten Regiernngskreatiiren diesen fundamentalen Tatbestand durch den Hinweis auf eine angebliche„Massen- Hysterie" unter den Petersburger Arbeiterinnen und ans die in den folgenden Tagen einsetzenden Vergiftungsfälle in einigen Petersburger Tabakfabriken zu vertuschen und neue Verhetzimgsmomente in die Massen der Petersburger Be- völkerung hineinzutragen. Tie„Nowoje Wreiiija"„ das allbekannte Fälscher- inid Hetzblatt, setzte die Mitteilung in die Welt, daß sich nach Angaben der Polizei ein„Vergiftimgs- koinitee" in Petersburg gebildet habe, das mittelst Ans- scyiittnng von giftigen Slofsen ans die Arbeitermassen ein- znwirken suche. Tiese Losung wurde sofort von der gesaniten reaktionären Presse aufgegriffen tauch der Petersburger Korrespondent der„Deutschen Tageszeitung" bat die Nieder- trächtigkeit, von einem„ganz infamen Agitationsmittel der Sozialdemokraten!" zu sprechen) und die amtliche Unter- silchiing»k.a.mmission suchte 111111 krampfhaft nach Argumenten, um die von ihr selbst bestätigte Massenvergiftnng in den Gummi» fabriken durch den Hinweis ans die Unmöglichkeit solcher Ver- giftungsfälle in den Tabakfabriken zu entkräften. Nun kann allerdings nicht behauptet werden, daß die Vergiftungssälle in den Tabakfabriken auf dieselben giftigen Stoffe wie in den Gumniifabriken zurückzuführen sind. Aber einmal sind die gesundheitlichen Verhältnisse auch in diesen Fabriken so schlecht, die Schntzvorrichtungen so nnziireichend, baß Clin- Machtsfälle unter den schlechtgenährten und überarbeiteten Arbeiterinnen durchaus im Bereich der Möglichkeit liegen. Andererseits aber weist die von den Regierungskreatnren ausgegebene Losung unzweideutig darauf bin, daß die Ver- giftungsfälle in den Tabaksabriken von Lockspitzeln inszeniert wurden, um den Eindruck der vorherigen Massenver- giftungen in den Gummifabriken zu entkräften! Wer noch an diesem Zusammenhang zweifelt, findet die Bestätigung für diese neue Infamie der russischen Regierung, die sich den Fälschungen im Äiewer Ritnalmordprozeß usw. würdig an- reiht, in der Nummer der„Nowoje Wremja" vom 1. April. Tos halbofsiziöje Blatt berichtet hier über die Vergiftungs- fälle ans derTabakfabrik„Laierm" und bemerkt hierzu offenherzig: „Ta bcc Vorstefier des Wassiljcwschen Polizeireviers, Skura- law, schon am Tage vorher die Mitteilung über eventuelle Ertrantnngen der Arbeiterinnen in der Fabrik erhalten hatte, hatte er dafür gesorgt, daß Aerzte im Spital der Fabrik Dienst hatten." Unvorsichtiger kann man allerdings das Geheimnis deS „Vergistungskoipitees" nicht preisgeben, mit dem die Peters bnrger Arbeiterschaft genarrt werden sollte. Tas Ergebnis dieser täppisch-dummen Aktion der Regieriingskreaturen war denn auch ein Entrüstungs st 11 r in in der Arbeiterschaft, der in einem n e u e n T e m 0 n st r a t i 0 n s st r e i k Ausdruck fand, als es sich herausstellte, daß auch die herrschenden Parteien der Tuma nur Hohn und Spott für die Arbeiter fänden. Nicht genug, daß die Erklärungen des Regienrngs- Vertreters in der Tuma sich als vollkommen ungenügend er wiesen, hatte der Wortführer der TnmameHrHeit, der Okto brist Si ch n b i n s k 0 i, die Frechheit, als Antwort auf die stürmischen Forderungen der Arbeiter— eine Gesetzesvorlage über den„Kampf gegen die chemische Obstruktion" in der Tuma einzubringen! Tie Petersburger Arbeiter hätten Fisch Klüt in den Adern haben müssen, wenn sie die freche Ver höhnung anders beantwortet hätten, als durch ihren impo santen Proteststreik am 1. April. * Während die herrschenden Parteien in der Tuma, Hand in Hanj� mit allen dunklen Elementen außerhalb des. Paria- ments, in der geschilderten Weise ans eine Zuspitzung des Konflikts hinarbeiteten, suchte die sozialdemokratische Fraktion noch im letzten Augenblick dieser Möglichkeit vorzubeugen und den Forderungen der Arbeiter Geltung zu verschaffen! Am 31. März brachte die sozialdemokratische Fraktion folgenden Antrag in der Duma ein: ..Die iiiitcrzeichil»ten Abgeordneten der Tuma beantragen, eine Kommission ans 33 Mitgliedern zu bilden, die die Ursachen der maffenbaitcn Unglücksfälle in den Fabriten und Bergwerken und die Verantwortung der daran beteiligten Amts- und Privat- Personen feststellen und ferner die sanitären und hygienischen Arbeitsbedingungen in den industriellen Betrieben überhaupt zum Zweck der Ausarbeitung gesetzgeberischer Maßnahmen im Jnicr esse des Schutzes des Lebens der Arbeiter untersuchen soll. Tic Kommission wird beauftragt, auf Grund des 8 47 des Dumastatuts die Vertreter der Arbeiterorganisation iGetveri schaffen und Krankenkassen), wie auch Spezialärzte und Techniker als Sachverständige zu ihren Arbeiten heranzuziehen." Tieser Antrag wurde aus formellen Gründen vom Prä- sidium nickt einmal auf die Tagesordnung gestellt. Tamit wurde endgültig die Bahn frei gemacht für die„außerparla- mentarischeu" Mittel, für die Aussperrungen, Massen- massakres usw., die nun von der Regierung auf die Tages- ordnnng gestellt worden sind. *» * Slutige Zusammsnstoße. Petersburg, 3. April.(T. II.) Gestern abend kam es in den Arbeitervierteln zu schweren Zusammenstößen zwischen den streikenden Arbeitern, die in geschlossenem Zuge mit roten Fahnen zu demonstrieren versuchten, und der Polizei. T i c Polizei gab- Fe 11 er, zwölf Arbeiter wurden t ö d- [ich verletzt ins Hospital gebracht. 200 Personen wurden verhaftet und zehn rote Fahnen wurden konfisziert. Teilweife Wiederaufnahme der Arbeit. Petersburg, 3. April. Tic Arbeiter der Fabrik von Sic- mens u. Halskc, die wie eine Reibe anderer Beiriebe gestern von ibrcr Verwaltung geschlossen wurde, haben heute die Arbeit wieder a u f g e n 0 ni m c st. Interpellation wegen der Iolterungen. Tic„Arbeitsgruppe" der Tuma hat aus Anlaß der kürzlich vor Gericht fcstgcslclllcu Folterungen in der Rigacr Geheimpolizei eine Interpellation in der Tuma eingebracht, die außer erschüttern- den Einzelheiten über die Foltcrpraris des HenkerS Grcgus ein erdrückendes Anklageinatcrial gegen die örtlichen Verwaltungs- und Gerichtsbehörden enthält, die nicht nur mit Grugus zusammen arbeiteten, sondern auch seine inoffizielle„Untersuchung" durch Fälschungen in den Akten zu maskieren suchten. Verhaftung eines früheren dumaabgeordneten. Ter sozialdemokratische Abgeordnete der dritten Tuma, Ge- nasse G. K u s n c tz 0 w. ist vor kurzem anläßlich einer der üblichen Razzien auf„politisch verdächtige Personen" in Simferopol verhaftet worden. Weshalb der Genostc angeklagt wird, ist zurzeit noch nicht bekannt. Spionage. Von dem Reichsgericht in Leipzig sind Tonnerstag drei verelendete Lumpenproletarier, die die kapitalistische Gier, ans jede Art zu Geld zu kommen, in Ver- gehen und Verbrechen gestürzt hatte, zu zwanzig Jahren Zu ch t h a n s verurteilt worden. Es wurde bei ihnen nach dein geltenden Strafrecht Verrat militärischer Geheimnisse zugleich mit schwerem Diebstahl und versnctiter Verrat militärischer Geheimnisse festgestellt. Außer den zwanzig Jahren Zuchthans wurde ans zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Wie ans der Urteilsbegründung hervorgeht, sind die drei Verurteilten, nachdem sie sich mit dem französischen Nächrichtenbnrean in Beifort in Verbindung gesetzt hatten, in einen Geschütz- schuppen in Freibnrg i. B. eingedrungen, haben dort mehrere Geschützteile entwendet und dem genannten Nachrichtenbureau ausgeliefert. Außerdem haben sie versucht, Offiziersbnrschen zu verleiten, die scheinbar auf das Ansuchen eingingen, dann jedoch die Anzeige erstatteten. Tie bürgerliche Presse, im besonderen die all- deutsche nimmt diesen Fall erneut zum Anlaß aller möglichen moralischen und angeblich nationalen Wehklagen. Sie er- innert zugleich an die zunehmenden Fälle derartiger Spionage und an die Ällöglichkeiten internationaler Verwickelungen durch diese Spionage. In der Tat sind in den letzten Jahren die Fälle von Spionage in allen Ländern gestiegen. Gestiegen sind auch besonders in Teutschland und Rußland freilich die Fälle, wo ganz unbegründet harmlose Reisende und Kaiifleute, wie zuletzt in Köln, in Schlesien und in dem russischen Neste Penn durch die Tapsigkeit der Polizei als Spione festgehalten und mit Mühe und Not wieder frei kamen, oder wie die Berliner Ballonfahrer in Perm auch jetzt noch festgehalten werden. In den militärisch mehr neu- tralen Ländern wie in der Schweiz und in Belgien sind in den letzten! Jahren ganze Spionagebiireans und Organisationen entdeckt worden, die dies militäristisch-bapitalistische Geschäft ganz benissmäßig ausführen. Dahinter stehen natürlich die Regierungen aller modernen Militärstaaten.. Diese Steigerung der Spionage und ihrer Entdeckung ist natürlich keine zufällige. Tie zunehmende Konkurrenz der Militärstaaten und ihrer�Kriegstechnik macht es geradezu zu einer Notwendigkeit, Spione berufs- und gewerbsmäßig ansznbilden. Tie moralische Entrüstung und der nationale Tamtam der bürgerlichen Presse ist also höchst überflüssig. Er ist im Moment auch wohl nur ganz zu ver- stehen, wenn man ihn als eine Agitation für das vom Reichstage noch nicht verabschiedete Spionagegesetz ausfaßt. Tas moralische Getue über die verurteilten Lumpenproletarier, die selber erst wieder eine. Ausgeburt der kapitalistischen Wirtschaftsordnung sind, wirkt aber um so widerlicher, als die selbe bürgerliche Presse sich nicht halb so moralisch entrüstet, wenn die gleichen Vergehen bei£ f f i- zieren festgestellt werden. Bei diesen ist es Sport, wo- möglich sogar Opferung fürs Vaterland, was bei den armen Schluckern, bei denen im Urteil sogar festgestellt wird, daß sie zur Zeit der Verbrecken arbeitslos und ohne jedes Geld waren, als das Schiinpslichste hingestellt wird. Auch ans I) i st arische n G r ü 11 d c 11 wirkt die Entrüstung und das Wehklagen der bürgerlichen Presse höchst lächerlich. Tie Herrschaften wollen in solchen Fällen nicht nur nicht wissen, daß die Spionage ein integrierender Bestandteil der gegenwärtigen Militärverfassnng ist: sie wollen die Welt auch vergessen machen, daß die Spionage bis in die h ö ck st e n Kreise des Militärs und der Herrscher- f a m i l i e n ein in aller Zeit höchst beliebtes Verfahren war, sich auf heimtückische und gemeine Art Kenntnisse zu ver- schaffen, wo sie auf offene und ehrliche Art nicht zu bekommen waren. Als im vorigen Jahre im Reichstage einmal wieder sehr in moralischer Entrüstung gemacht wurde, als einem sozialdemokratischen Abgeordneten eine wichtige renk- tionäre Beziehung des Reichsamts des Innern zum prenßi- scheu Ministern des Innern bekanntgeworden war, da lvar es selbst die liberale Presse, die den Grafen Westarp und seine Freunde daran erinnerte, daß es gerade berühmte Fürsten und konservative Staatsmänner gewesen seien, die die Spionage geradezu zu einem System gegeneinander ausgebaut hätien. Es wurde damals als leuchtendes Beispiel der sogenannte große Friedrich angeführt, über den ein ihn verherrlichender Geschichtsschreiber folgendes festhält: ..... Ter König bekam durch feine Späher zeitig genug Kenntnis von den hin- und herfliegenden Roten und Entwürfen, und wie er in allen ihm wichlig scheinenden Tingen pralusch durchgriis, ohne in der Wahl seiner Mittel bedenilich zu sein, so ging er auch jetzt in der derbsten Weise vor. Ter preußische Gesandte in Dresden mußte einen im dortigen Ministerium beschäftigten Kanzlisten bestechen. Man schickte demselben zu wiederholten Malen aus Berlin ganze Bunde von Nachschlüsseln, bis es gelang, die Behältnisse im gehoimen sächsischen Staats- archiv zu öffnen, wo die eingehenden Dokumente ausbewahrt wurden, von welchen der Gesandte dann sofort Abschriften erhielt. Mehrere Jahre lang erhielt der König aus diese Weise von allen Vorgängen Nachricht, wie er das selbst unumwunden erzählt." Ein anderes Beispiel ist einhundert Jahre jünger: In der Zeit der Reaktion spielte der berühmt gewordene xe- p e s ch e n d i e b st a h l s p r 0 z e ß. Ein gltex Zuchthäusler und Polizeispion T e ch e n bestach die Tiener des General- adjutanten v. G c r l a ch, öffnete dessen Schreibtisch, schrieb die Briefschaften ab und lieferte diese Abschriften an den M i n i st e r v. I! a n t e u f f e l. In der Verteidigungsschrift des Geheimrats Seysfert, der nach der Entdeckung mit den Vorgängen in Verbindung gebracht wurde, beißt es: »>.. Inzwischen hatte mir Decken erzählt, dieselben Papiere, die er dem Herrn v. Manteuffcl vorgelegt, mit dessen Zustim- mung auch dem Generaldirektor v. Hinckddey mitgeteilt zu haben. Er zeigte Briefe eines der Vertrauten des Herrn v. Hinckeldey, des Geh. Rats Friedrichs, die darüber, daß solche vertraulichen Mitteilungen zwischen Tcchcn und- Herrn v. Hinckeldey statt- fanden, nicht wohl zweifeln ließen; er gab die Geldbelohnungeu an, die ihm von Herrn v. Hinckeldey' gemacht und für- fernere Mitteilungen in Aussicht gestellt waren. Er erzählte von seiner Unterhaltung mit dem Generalpolizeidirektor Tpecialia, die nichts weniger als Erfindungen oder Lüge sein konnten.,. Ich wußte. daß der Techen im Solde dcS Herrn v. Manteurscl sein Wesen trieb.." seiffert teilte dem Prinzen von Preußen mit, daß sich unter den bei Gcrlach abgeschriebenen Briefen solche mit den schmählichsten Verleumdungen gegen den Prinzen befanden. Tieser Diebstahl von Aktenstücken, der für politische Zwecke reichlich ausgenutzt wurde, währte ein ganzes Zcihr. Auch Bismarck hatte, wie man weiß, unter der Spionage feiner eigenen Klassengenossen sehr zu leiden, was man in seinen Briefen aus den fünfziger Jahren nachlesen mag, wo er sich über die P o st sp i o n e und Briefdiebstähle hin- reichend empört. Wir reden in diesem Zusammenhang gar nicht erst von der Spionage und Spitzelei gegen die Arbeiter- klaffe von den Anfängen ihrer Organisation an, über das Sozialistengesetz hinweg bis auf die jetzigen Tage. Diese Tinge sind unseren Lesern zu genau in eigener Erinnerung, aber eS verlohnte sich gegenüber dem Geheuchel der bürgerlichen Presse, wenigstens aus denjenigen Kreisen ein paar ge. schichtliche Beispiele in Erinnerung zu bringen, die sich immer so wild gebärden, wenn ein paar ausgestoßene und durch das wirtschaftliche Elend äußerlich und innerlich herabgekommene und vollkommen aufgeriebene Menschenkinder, bestochen und verleitet durch baS Geld der militärischen Behörden, ihr Vaterland verraten; ein Vaterland übrigens, das ihnen für dieses große Wort niemals einen Inhalt gegeben hatte. Mus öer schwedischen Wahl- bewegung. sV o n unserem nach Schweden entsandten Korrespondenten.) Boden, 3t. März. Hier in der Nähe der schwcdisch-sinnischcn Grenze liegt eine Festung zur Abwehr einer russischen Invasion, und die Fürsprecher deS schwedischen Militarismus nennen stolz die Festung das Ardianopel des Nordens. Allein man kann über die strategische Bedeutung dieser Festung sehr geteilter Meinung sein. Tie An- lagen und die Bewaffnung sind zweifellos die modernsten, und da , sich um ein« Gebirgsgürtelsestung handelt, ist, anzunehmen, daß eine feindliche Jnvasionsarmee viel Blut vergießen müßte, um dieser Anlagen Herr zu werden. Aber schon die Entstehungs- Geschichte dieser Festung ist typisch für die Schlendrianpolitik dieses Landes. Der Oesterreicher würde sagen: Ganz wie bei unS! Im Jahre 1882 erteilte der König dem Ehef de« GeneralstabeS den Auftrag, eine Untersuchung der befestigten Verteidigung Schwedens zu machen. Und dieser General setzt sich aus die Bahn, bereist da« Land und fünf Jahre später fordert er die Befestigung Bodens. Und erst jetzt entdecken die Militaristen die Gefährdung dieser Gegend, die Zeitungen bearbeiten die öffentliche Meinung, und 18S6 war man so weit, daß man den Reichstag angehen konnte. Der lehnte ab, und so wurde nach der berühmten Methode eine Kommission eingesetzt. Jetzt wurde die Notwendigkeit der Befestigung selbstverständlich nachgewiesen, eine„Vorrats-, Operations- und Sperrfeftung" sollte errichtet werden für 8,7 Millionen Kronen. Der Reichstag bewilligte, wie konnte er sich auch einer Kommission ton„Sachverständigen" und Parlamentariern entgegenstellen. Die Festung wurde gebaut und kostete über lg Millionen. Um den SUichStaz zu beruhigen, strich man von den 1v zwei Millionen ab, die man einfach bis auf weiteres nicht verbaute! So hatte man dem AuyhandelsbcdürfniL der Reichstagskommissioncn Rechnung getragen. Die Kalkulation erwies sich als richtig? Wie die Entdeckung der Notwendigkeit dieser Befestigung, so auch ihre strategische Bedeutung. Die setzt voraus, daß Rußland Teile Schwedens annektieren will und zu diesem Zwecke über Finn- land seine Armeen nach Nordschweden dirigiert. Tie Idee ist zwar sehr lächerlich, aber sie bekommt eine etwas sachlichere Unterlage durch die inzivischen erfundene Hypothese: Rußland wolle den nor- wegischen Hafen Rarvik oben am Polarmcer als eisfreien Zugang zum Atlantischen Ozean, annektieren. Und bei dieser Gelegenheit würde der erzereiche nordschwedischc Bezirk mit annektiert Werdern Auf die Verwendbarkeit Narviks als Hafen für den genannten Zweck werden wir in einem späteren Briefe zurückkommen. Aber daß Rußland ausgerechnet hier oben in Boden, wo jetzt noch am 81. März über W Grad Kälte herrschen und der Schnee metertief liegt, eine Jnvasionsarmee durch schwedische Bcsestigungswcrke fest- legen lassen würde, das kann man nur dann den Russen zutrauen, wenn man sie für komlette Idioten hält. Es ist auch bezeichnend, daß hier oben im Grenzgebiet kein Mensch die jetzige Russenfurcht in den südlicheren Teilen Schwedens teilt. Man macht vielmehr Witze und hält die lieben Landöleute in den wärmeren Landes- teilen für nicht ganz klar im Kopf, soweit sie von der russischen Invasion reden. Ganz besonders pikant ist folgende Episode, die hier von Sven Hedin erzählt wird. Dieser größie Rufer im Kampfe um vermehrte Rüstungen hat ja auch die Mär verbreitet. '�nß Rußland ganz Finnland mit Kosaken belege, um über die Grenze zu marschieren, und schließlich wuchs sich dieser Weiber- klatsch zu dem Gerücht aus, eS ständen bereits 48 000 Kosaken oben bei Torneo bereit, Schweden zu überfallen. Ter mutige Sven hegab sich schleunigst nach Torneo und nach langem Suchen fand er-inen russischen Unteroffizier. Diesen befragte er nun. wie viele Kosaken da wären: Keine. Ueberhaupt kein Militär als dieser eine Unteroffizier.„Ja, aber Ihr wollt doch große� Kasernen hier bauen."—„TaS ist richtig, da liegen gerade die Steine an- ce fahren."_.�DaS ist ja nicht viel, wie groß soll daS werden?"— Es soll ein HauS werden für em Kommando von 40 Mann, und d«S ist doch für diese Hund-g-gend viel?" Der Vorhang fällt! Sonst hat Boden keine Bedeutung für diese Gegend. Industrie fehlt ganz bis aus einige staatliche Werkstätten für den Eisenbahn- betriebe Tie ungeheuerliche Temperatur während des fast acht Monate dauernden Winters wirkt aus das Eisenbahnmatcrial sehr zurück und die Räder beispielsweise haben oft bereits nach wenigen Wochen Sprünge. Tie Erschütterung der Wagen wird durch den fcstgefrorenen Bahndamm stärker als sonst. Im übrigen lebt die Bevölkerung(3000 Seelen ohne das Militär) von Festungsvauten und Handel mit dem lappländischen Hinterland. Auch Viehzucht wird hier betrieben. Tie sozial- demokratische Bewegung ist hier sehr stark. Bei den ÄreiStagswahlen am 25. erhielten unsere Genossen in Boden mit Landgebiet 5500 Stimmen, das sind 1500 Stimmen mehr als vor vier Jahren. Die Konservativen stagnieren mit ungefähr 2500 Stimmen, während die Liberalen einen Zuwachs um rund 1000 auf 4450 Stimmen hatten. Tie Stimmung für die Reichstagswahlen am kommenden Sonntag ist auch hier die allerbeste. Tie inzwischen noch bekannt gewordenen Ergebnisse der KreiStagswahlcn im ganzen Lande bestätigen das erste Bild: An der Gesamtfiruation wird nichts von Belang geändert. Gewinne hat von allen Parteien nur unsere Partei einheimsen können und ihre Stimmenzahl ist teils geradezu enorm gestiegen. 150, 200, 300 Proz. Stimmenzunahme der Sozialdemokratie, so lauten die Berichte aus den einzelnen Orten. Und überall hört man bei unseren Genossen nur Worte des Dantes gegenüber dem König, der ihnen- diese prächtige Situation schuf. politische Ueberflcht. Deutsches Kriegsmaterial für Ruhlaud. In einer Zeit, in der von bürgerlichen Presseorganen hüben und drüben in russisch-deutschcr Verstimmung gemacht wird, halten es die deutschen Rüstungsfirmen für angebracht, ihre Erzeugnisse und Erfahrungen dem russischen Staate zur Verfügung zu stellen. Krupp wollte sich an den russischen Putilaw-Werken für Kriegsmaterialien beteiligen und mußte nur zurücktreten, weil die französische Regierung ihren Einfluß dagegen aufbot. Kurz darauf tat�K r u p p sich aber mit der österreichischen Kanonenfirma S k o d a� und dem französischen Waffenfabrikanten Schneider- Creuzot zu- sammen, um eine andere den Putilow-Werken nahestehende Rüstungssabrik zu unterstützen. Und jetzt kommt wieder die Meldung, daß die D e u t s ch e n Waffen- u n d M u n i- tionssabriken(Berlin) gemeinsam mit dem Stahl- werk Becker A.-G. in Willich bei Krefeld, das ebenfalls Kriegsmaterial herstellt, einer russischen Firma„Para Bellum"(in Petersburg) durch Hergäbe ihrer Patente und Fabrikationsniethoden unterstützen will. Die deutschen Firmen beeilen sich also, dem Lande, das angeblich für einen Krieg gegen Deutschland rüstet, noch Waffen zu liefern. Tie Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken sind bekaimtlich einer der Hauptlieferanten des deutschen Militärfiskus. Noch vor einigen Monaten beeilte sich die bürgerliche Presse, mit- zuteilen, daß die Verhandlungen in der durch die Krupp- Skandale ins„Leben" gerufene Reichstagskonunission zur Prüfung der Kriegslieferungen die völlige moralische Intakt- hcit und den ziveifelSfreien Patriotismus dieser Firma fest- gestellt hätte. Gerade in jenen Tagen zogen denn auch die Kurse der„Waffen"-Aktien an. Nun stellt diese Firma, die durch ihren„Figaro-Brief" bereits höchst unrühmlich be- kannt ist, mit großer Bereitwilligkeit auch Rußland die gleichen Waffen zur Verfügung, die zum Schutze Teutschlands dienen sollen. Gerade in diesen Tagen haben die„Deutschen Waffen" den Beschluß gefaßt, ihr Aktienkapital um 1ä-Millio- nen Mark zu erhöhen. Von deutschen Aktionären aufgebrachtes Kapital wird also dazu dienen. Rußlands Waffenrüstung zu stärken. Und da wage noch einer, den Patriotismus dieser Firma und ihrer Aktionäre zu bezweifeln! Wohnungsnot und Geburtenrückgang. Die Reichsregierung fordert 25 Millionen Mark, um für die im Reichsdienst beschäftigten Angestellten und Aifoiter die Wohn- gelcgenhcit zu bessern. Das ist ein Tropfen auf einen heißen Stein gegenüber der herrschenden Wohnungsnot und der großen Zahl der in Betracht kommenden Personen. Ter Verband Deutscher Militär- Handwerker und-arbeitcr(Sitz Elberfeld), eine der gutgesinnten. sich zur christlichnationalen Arbeiterbewegung rechnende Organi- sationen, hat eine Denkschrift über die soziale Lage der von ihm vertretenen Arbeiterschichten herausgegeben, worin auch die Ergeh- nisse einer Umfrage über die Wohnungsverhältnisse veröffentlicht sind. Im ganzen sind 21 Orte mit Betrieben der Militärverwaltung angeführt, von denen einige wiedergegeben seien. Dan zig: 2 Zimmer und Küche 30— 10 M., 3 Zimmer und Küche bis 60 M. den Monat. Die WohnungSverhältnisie sind die denkbar schlechtesten, die Anzahl der Wohnungen ist ungenügend. Bei Nachfrage ist das erste: Wieviel Kinder haben Sie? Bei 2 Kinder hält es schon schwer, eine W o h- n u n g zu bekommen. Graudenz: 2 Zimmer und Küche 235 M.. in Vororten 8 Zimmer und Küche 350 M. Der größte Teil der Arbeiter wohnt in den Vororten, weil die Wohnungen in der Stadt bei dem niedrt- gen Lohn zu teuer sind. Kinderreiche Familien bekam- men in der Stadt kaum Wohnung. Münster: 2 Zimmer und Küche 250—300 M.. 3 Zimmer und Küche 300— 360 M. Anzahl ungenügend und Beschaffenheit mangelhaft. Kinderreiche Familien sind nicht gern gesehen. Siegbürg: 2 Zimmer und Küche 300—400 M., 3 Zimmer und Küche 40Q—500 M. Großer Wohnungsmangel, die meisten Wohnungen sind feucht. Kinderreiche Familien crhal- t e n sehr schwer und dann nur in alten Häusern Unterkommen. Trier 2 Zimmer und Küche jährlich 324 M. Wohnungs- verhältnisse schlecht, zum größten Teil alte und feuchte Wohnungen. Infolge der Garnisonvermehrung besteht erheblicher Wohnungs- mangcl. Kinderreiche Familien will niemand auf- nehmen. Ulm: 2 Zimmer und Küche 200— 300 M., 3 Zimmer und Küche 300— 100 M. Nach Arbeiterwohnungen herrscht eine rege Nachfrage. Kinderreiche Familien können nur schwer Wohnungen bekommen. Das ist eine kleine Auewahl, die keineswegs die übelsten Ber- hältniffe herausgreift. Ueberall wird geklagt über die geringe Zahl oder über die schlechte Beschaffenheit der Wohnungen oder über beides zusammen. Und fast ohne Ausnahme findet sich der Hin- weis auf die Schwierigkeiten, die die kinderreiche Familie bei der Erlangung einer guten Wohnung zu bestehen hat. Und dann wundert man sich, wenn unter solchen Umständen die Arbeiter anfangen, sich den bcneh enden Verhältnissen anzupassen und nicht mehr Kinder in die Welt setzen, als sie epnähren und unterbringen können! Unter den in der genannten Tcnkschrist in bazug auf ihre Wohnungsverhältnisse untersuchten Orten befindet sich eine be- trächtliche Zahl stramm katholischer Städte: Koblenz, Fulda, Lippstadt, Münster, Paderborn, Sicgdurg. Trier, Ulm, Wesel usw. Und aus allen wird berichtet von der Abneigung der dortigen Hausbesitzer, gewiß durchweg wackere Zcntrumsleute, kinderreiche Familien als Mieter aufzunehmen. Auch Metz, die Stadt de? letzten Katholikentages, befindet sich darunter. Hier wetterte im vergangenen Herbst Pater Bonaventura mit der vollen Kraft seiner Lunge gegen das große Laster der Zeit: die Beschränkung der Geburten. Seine Rede scheint wenig gefruchtet zu haben, denn aus Metz meidet die genannte Denkschrift: ..Wohnungsverhältnisse im allgemeinen sehr schlecht. An Arbeiterwohnungen mangelt es. Einer kinderreichen Familie werden sehr große Schwierigkeiten gc- macht. Bei der Wohnungssuche ist überall die erste Frage nach der Kinderzahl. Sind mehrere Kinder vorhanden, hat der Ver- mieter immer eine SluSrcdc: entweder ist dann die Wohnung zu klein oder er verlangt, um abzuschrecken, einen Mietpreis, bei dessen Höbe schon gern auf die Wohnung verzichtet wird." . Was alles die frommen Hausbesitzer in Metz und anderswo nicht abhält, tüchtig auf die Sozialdemokratie zu schimpfen, die, wie an allem Hebel, so auch an dem Geburtenrückgang, diesem schlimmen Vergehen wider Gottes Gebot, schuld ist. Der Liberalismus für den Lcbensmittelwucher. In der Berliner Ortsgruppe des H a n s a b u n d e S sprach Ende März Dr. Pachnicke über die deutschen Handelsverträge. Die Ausführungen dieses linksliberalen Politikers klangen dahin aus. daß an den bestehenden Handelsverträgen, die bekanntlich 1S17 ablaufen, nichts geändert werden dürfe. DaS heißt also, daß sich auch der sogenannte Liberalismus ohne Borbehalt für den hochgradigen Lebensmittelwucher der Junker ins Zeug legt. Interessant sind die Argumente, die Dr. Pachnicke für diese volksfeindliche Haltung inS Feld führt. Man müsse die alten Handelsverträge unverändert weiterlaufen lassen, damit das Volk vor dem lückenlosen Zolltarif der Junker geschützt werde. Ferner sei es verfehlt, angesichts der schweren Kämpfe und Krisen im Innern deS Staates neue Zollkämpfe zu entfachen; das würde unser Wirtschaftsleben aufs schwerste gefährden. Mit dieser feigen aber bequemen Taktik geben also die Liberalen jeden Widerstand gegen den junkerlichen Fleisch- und Brotwucher auf. Der Liberalismus fürchtet jeden Kampf, weil er dabei immer nur verliert, niemals aber etwaS gewinnt. Deshalb rief Dr. Pachnicke immer wieder in den Saal: Ruhe! Ruhe! Ruhe! Und als drittes Argument für die Beibehaltung deS Zolltarifs führte er die drohenden Zollkriege mit dem Auslande an. Besonders Rußland sei in derartigen Fragen ein bösartiger Gegner; mit einem Schlage könne es uns seine Wanderarbeiter vorenthalten, wodurch die deutsche Landwirtschaft in ihrem Lebensnerv getroffen werde. Auch diese Liebeserklärung für die Junker noch!__ Der betrügerische Patriot darf Unteroffizier bleiben! Vor das Kriegsgericht der 8. Division in Halle o. S. wurde dieser Tage der Sohn eines Gutsbesitzers zitiert. Ter miltäriiche Ankläger halte die'Absicht, ihn aus dem Range eines Unteroffiziers der Landwehr zu stoßen, weil er sich durch Betrüge» reien der„Ehre" unwürdig gezeigt haben sollte, dem Heere in .seinem>, bevorzugten" Teil anzugehören. Hilliger— so hieß der Herr Unteroffizier der Landwehr—, der in der Landwirtschaft tätig gewesen war und einmal keine Stellung hatte, bediente sich gefälschter Zeugnisse, die er selbst angefertigt und mit dem Namen von Rittmeistern, Amtmännern usw. versehen hatte. In einem anderen Betrugssalle stellte sich der Agrarier alö königlich. prcußi- scher Domänenpächter" vor und nannte sich selbst„Amtmann". An seiner Zahlungsfähigkeit Zweifel hegende Menschen beruhigie er mit Telegrammen von Halleschen Bürgern, die ihm zur Pach- tung der Domäne gratulierten. Auch diese Telegramme waren gefälscht gewesen! Wegen dieser frechen Betrügereien hafte die Strafkammer in Torgau dem Herrn Unteroffizier der Landwehr mehrere Monate Gefängnis aufgebrummt. Auch wegen schwerer Körperverletzung hatte er schon längere Zeit hinter schwedischen Gardinen gesessen. Außerdem schwebt am Amtsgericht Halle gegen H. ein Verfahren wegen weiterer Schwindeleien. Trotz alledem wurde dem Angeklagten die Berechtigung zum Tragen des betreßten vornehmsten Rockes vom Kriegsgericht nicht aberkannt. Freilich wußte der Angeschuldigte seinen militärischen �Richterit gewaltig mit patriotischen Gefühlen und dito Taten zu imponieren. Er erzählte mit feierlicher Betonung, daß sein Groß- vater 1813 den Befrcrungskricg gegen Napoleon mitmachte, daß sein Vater gar in drei Feldzügen vor dem feindlichc.i gestanden hätte und— jetzt unter besonderer Betonung die Pointe!— daß er selbst Mitglied in drei Krieger- und Militär- vereinen wäre! Ter kriegerische Stammbaum und seine unzweifelhaft hochpatriotische Gesinnung retteten den Betrüger. Na, die geschmicrten Kreaturen dcS Brandt behielten ja sogar ihren OfsizierSrang! Die„Innere Kolonisation" in der Praxis. Aus Dramfeld(Südhamiover) wird gemeldet: Angesichts der unlängst stcillgefundenen Beratung des Grund- teilungSgeietzeS im Reichstage sei auch einmal daraus hingewiesen. wie die„Innere Kolonisation" praktisch doch ganz anders geHand» habt wird, als man in der Theorie dorüber denkt und schreibt. Bis zum Jahre 1873 lagen vor Dramfeld etwa 100 Morgen der lgl. Klosterkammer gehöriges sogenanntes ScheffelzinSland, wovon man bei der hiesigen Gemeindeverkoppelung etwa 70 Morgen, die sogenannte„Hufe", hart an die Grenze des Klostergutes Mariengarten legte, um es nach Ablauf der Pacht- zeit mit dem Klostergule Mariengarten zu vereinigen, die anderen restlichen 3t) Morgen sind teilweise verkauft, teilweise der Feldmark Deiderode zugeteilt worden, um nachher ebenfalls mit dem Kloster- gute Mariengarleil vereinigt zu werden. Da nun daS Vorwerk „Wetenborn". das 500 Morgen umfaßt und früher an einen Pächter allein verpachtet war, und ferner ein rund 200 Morgen Land enthaltender Hof in Dahlenrode, der stüher ebenfalls einen besonderen Pächter batte, auch dem Klostergute Marien- garten zugeteilt wurden, so erfuhr das Älostergut Marien- garten hierdurch einen LänderzuivachS von 800 Morgen, waS natürlich den Ortschaften Dramfeld, Deiderode und Dahlenrode verloren ging. Da durch diese Maßnahmen die Kleinbauern und die Arbeiter in den genannten Gemeinden stark geschädigt wurden. so wurde man bei dein königlichen Klosteramte in Güttingen vor- stellig und bat. doch das Land den Bauern und Arbeitern in Erb- pacht zu überlassen. Da« wurde aber von dem königlichen Kloster- amr in Göltingen mit der Begründung abgelehnt: Die Arbeiter dürften nicht so viel Land haben, sonst mähte» sie nicht sür die Großgrundbesitzer und täten für die Großen keine Arbeit Infolge dieser Maßnahme sind aus Dramfeld und Umgegend etwa 40 Familien in die Städte verzogen und Dramfeld, Deiderode. Dahlenrode und Mariengarten haben dafür eine russisch-polnüche. rulhenische und galizischc Arbeiterbevölkerung von fast 100 Personen erhallen, so daß man glauben könnte, man befände sich hier in den Gefilden von Lstelbieu oder Mecklenburg. Nr. 93 31. Iahrgavg. t KnlW des.Awirls" Krlim WsM Zomlllbtnd. L Apnl 1914. Gewerksihastliches. tfin neuer Schlag gegen öie Gewerkschaften. Tie Vereinzellen Versuche einiger Behörden und Gerichte, örtliche Zahlstellen unserer Zentralverbände für politisch zu •erklären, genügen jetzt nicht mehr. Ter Prozeß gegen den Zentralvorstand des Bergarbeiterverbandes zeigte schon, daß der Gesamtverband getroffen werden soll. Berlins berühmter Polizeipräsident v. Ja g o w folgt jetzt in größerein Umfange diesen Spuren eifriger Behörden und Gerichte in der Aera öes„liberalen" Reichsvereinsgesetzes. Er hatte schon früher in einem Gutachten, das ein Gericht von ihm einforderte, einen der Zentralverbände für politisch erklärt und darin Gründe von ähnlicher Beweiskraft aufgeführt, wie sie jetzt in dem neuerlichen Prozeß gegen den Bergarbeiterverband als Urteilsbegründung gelten mußten. Kein Wunder daher, wenn er jetzt aus seiner Reserve als Gutachter heraustritt und die Gewerkschaften für politische Vereine erklären will. Unter dem 1. April ist bereits an einige in Berlin domi- zilierende Zentralvorstände und auch an einige Berliner Orts- Verwaltungen folgende von Herrn Jagow unterzeich. nete Verfügung erlassen worden: „In Anwendung des 8 3 Reichsvereinsgesebes vom 1?. April W08 ersuche ich Sic, binnen 8 Tagen ein Exemplar der zurzeit gültigen Bcrcinssatzungen sowie ein der Gegenwart entsprechen» des SorstandSmitglirderverzeichnis mit Angabe» der Bor- und Zunamen, des Standes und der Wohnung einzureichen. Sollten Sic dieser Aufforderung keine Folge leisten, so wird gegen Sie auf Grund des A 132 Nr. 2 des Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 13. Juli 1883 eine Geldstrafe von 150 M. oder im Unvermögensfalle eine Haftstrafe von zwei Wochen festgesetzt und vollstreckt werden. Zur Bermeidung der im§ 18 a. a. O. angedrohten Strafen wollen Sie künftig von jeder Acnderung in der Zusammen- setzung des Vorstandes, sowie von jeder Acnderung der Satzung binnen zwei Wochen nach erfolgtem Eintritt Anzeige machen." Tie Verfügung stützt sich mit guter Berechnung auf das Allgemeine Landrecht. Tie Klage gegen diese Verfügung kommt daher nicht vor die ordentlichen Gerichte, son» der» muß im V e r w a l t u n g s st r e i t v e r f a h r e n er- ledigt werden. Bekannt aber ist, daß das Oberverwaltungs- gericht in einer gerichtlichen Entscheidung sich auf den Stand- Punkt stellte, daß, wenn der Zentralvorstand als politisch gilt, auch eo ipso alle Ortsvereine politische Vereine siitö. Turch dieses Vorgehen des Herrn v. Jagow würden also mit einem Schlage auch die Ortsvereine für politisch erklärt werden. Tie Gewerkschaften werden auch diesen Schlag zu parieren wissen. Ta aber zu befürchten ist, daß das Vorgehen des Hern v. Jagow vielleicht auch noch andcrcrorts Schule machen könnte, so sei im besonderen darauf-hingcwiesen. daß die von solchen Verfügungen betroffenen Gewerkschaften späte st ens innerhalb 14 Tagen dagegen Einspruch erheben müssen. Durchaus irrtümlich ist die Ansicht. die zum Schaden der Gewerkschaften ausschlagen würde, daß eine solche Verfügung init Stillschweigen hinzunehmen ist und erst dann, wenn die Einziehung der Geldstrafe eintritt. Ein- spruch erhoben werden muß. Achtung, Kleber? � Die Sperre über die Firma Burmann, Chausseestr. 44, ist aufgehoben. Die Schlichtungskommission. öerlin und UmgegenS. Fort mit der Sonderorganisation— hinein in den Zentralvcrband. Im Warenhause Wertheim hatte, loic wir kürzlich schon mit- teilten, der Transportarbcitervcrband eine Bewegung eingeleitet, die mit einem für das Handelsarbeiterpersonal günstigen Tarif- abschluh geendet hätte, wenn nicht die zur anarcho-sozialistischen Richtung gehörende Gcschäftsdiener- und Packervereinigung durch verwerfliche Mittel den Erfolg hintertrieben hätte.— Um die inter- essierten Arbeiter über diese Tinge zu unterrichten und sie vor dem verderblichen Treiben der gegnerischen Organisation zu warnen, hatte der Transportarbeiterverband am Tonnerstag eine öffeni- liche Versammlung der in Kauf- und Warenhäusern beschäftigten Ticner und sonstigen Hilfsarbeiter einberufen. Ter Referent Paul Müller zeigte in einem großzügige» Vortrage, daß jede organisatorische Zersplitterung Feindseligkeit unter den Arbeitern hervorruft, daß die Arbeiter dadurch an der Verbesserung ihrer Verhältnisse gehindert werden und nur der Unternehmer den Vorteil davon hat, wenn sich die Arbeiter in ver- schiedcne Gruppen sondern, anstatt einig und geschlossen ihre ge- memsamen Interessen dem gemeinsamen Gegner gegenüber zu ver- treten. Bei W e r t h e i m hat sich das Verhalten der gegnerischen Organisation in ihrer ganzen Vcrlverfkichkcit gezeigt. In hinter- kältiger Weise, durch Kriecherei und elende Liebedienerei hat man von jener Seite die Absichten des Transportarbeitcrvcrbandcs durchkreuzt. Den Schaden davon haben alle Arbeiter. Das un- faire und unkollegiale Verhalten der Vereinigung mutz auf das schärfste verurteilt werden. Für jeden Arbeiter, der es mit seinen Kollegen ehrlich meint, muß die Parole lauten: Heraus aus dem Sumpfe der Uneinigkeit, hinein in die Einhcitsorganisation. sLeb- hafler Beifall.) Vom Vorstand der Gcschäftsdiener- und Packervereinigung war trotz Einladung niemand erschienen. Aber der derselben Richtung angehörende Portierverband war durch einige Mitglieder seines Vorstandes vertreten, welche ausführten, daß sie, falls die An- schuldiguog gegen die Gcschäftsdiener- und Packervereinigung zu- treffend sei, deren Verhalten verurteilen. Im übrigen be- kündeten diese Redner ihre Gegnerschaft gegen den Transportarbeiterverband.— Mehrere Redner dieses Ver- bandes kennzeichneten das Treiben der Gegenorganisation, bc- sonders in der Angelegenheit bei Wertheim. Wie Fröhlich aus- führte, hatte die Firma sich bereit erklärt, die Forderungen des Transportarbeitervcrbandcs zu bewilligen. Als die Leitung der Vereinigung das erfuhr, hielt sie eine von 3g Personen besuchte Versammlung ab, in der ausgeführt wurde, wenn die Firma mit dem Transportarbeiterverband einen Tarif abschließe, dann sei es mit der Geschäftsdiener- und Packcrvereinigung im Hause Wert- beim vorbei, deshalb müsse die Macht des Transportarbeiterver- baudes gebrochen werden. Die Leitung der Vereinigung hat es denn auch verstanden, durch Mitteilung interner Angelegenheiten der Arbeiter die Firma derart zu beeinflussen, daß sie alles, was sie dem Transportarbeitervcrband zugestanden hatte, wieder zurückzog. Schließlich kam noch ein Mitglied der Geschäftsdiener- und Packervercinigung zum Wort. Dieser Redner sagte, die Angelegen- heit bei Wertheim habe sich so abgespielt, wie sie hier vorgetragen wurde. Aber das alles habe der Vorsitzende H a a k ganz allein, über die Köpfe des Vorstandes und der Mitglieder hinweg, gemacht. Paul Müller erklärte das für nicht glaubhaft. Tie Ver- Handlungen bei Wertbeim haben sich monatelang hingezogen. Es sei deshaib nicht anzunehmen, daß der Vorstand der Vereinigung von dem Verhalten seines Vorsitzenden nichts erfahren haben sollte. Ter angeschuldigte Vorstand sei nicht erschienen; er habe damit be- iundet, daß er sich nicht verteidigen könne, denn er fühle sich schuldig. Aus diesem Schuldbekenntnis müssen die Mitglieder der Bereinigung, welche noch auf Arbeiterehre halten, die Konsequenz ziehen: Heraus aus der Vereinigung, welche die Arbeiterintercsicn schädigt. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: „Tie in den„Arminhallen" tagende stark besuchte Versamm- lung aller in den Warenhäusern beschäftigten Hondclsarbcitcr spricht ihre tiefe Entrüstung aus über das Vorgehen des Vor- standes der Berliner Geschästsdiencr- und Packcrvereinigung bei der Firma A. Wertheim. Das Perbalten der Vereinigung bat gezeigt, daß es niemals ihr ernster Wille war, die traurige Lage der Handelsarbeiter zu verbessern, sondern daß sie als llnternehmerschutztruppc den um Verbesserung ihrer Verhältnisse kämpfenden in den Handels- betrieben beschäftigten Angestellten hindernd in den Weg tritt. Die Versammelten verpflichten sich, dieses an Arbeitervcrrat grenzende Vorgehen in den weitesten Kreisen der organisierten Arbeiter Berlins bekanntzugeben, und um weiteren Schädigungen entgegenzutreten, geloben sie, alles daran zu setzen, um mehr und mehr die Einheitsorganisation in den Reihen der Handels- arbeitck zu stärken und zu fördern. Zur Lohnbewegung der Brauereiarbeitcr. Da das Abitimmungsresultat der Urabstimmung über An- nähme oder Ablehnung des Angebotes der Unternehmer nur in einem Teil der Auflage des Vorwärts aufgenommen war, lassen wir hier die endgültigen Feststellungen der Zählkommission noch einmal folgen: Abgegebene Stimmen: Ringbraucrcicn 4799, ringfreic Braue- rcien 1295, insgesamt 6964 Stimmen. Ungültige Stimmen: Ringbrauereicn 52, ringfreic Brauereien 14, insgesamt 66 Stimmen. Verbleiben gültige Stimmen insgesamt 5995. Gültige Stimmen in den RingbrauereieU 4747, ringfreic» Brauereien 1251. Mit„Ja" haben gestimmt: Ringbraucreien 2991, ringsrcie Brauereien 135, insgesamt mit„Ja" 2226 Abstimmende. Mit„Nein" haben gestimmt: Ringbrauereicn 2656, ringfreic Brauereien 1116, insgesamt„Nein" 3772. Die Zweidrittelmehrheit der abgegebenen 5998 gültigen Slim« men beträgt 4999. Mit„Nein" haben insgesamt gestimmt 3772. An der erforderlichen Zweidrittelmehrheit fehlen somit 228 Stim- men. Bei der Mitteilung des Resultats bom Freitag sind einige Irrtümer unterlaufen. Es mutz natürlich heißen:„Bei der Zu- sammenlegung aller Stimmen würden an der Zweidrittelmajorität 228 Stimmen fehlen." Ebenso muß es heißen:„Für die Lohn- bcwegung kommen alle Lagerbierbrauereien in Frage". Ta da» Resultat weder nach der einen, noch nach der anderen Seite den Erwartungen entspricht, wird an einem der nächsten Tage eine Versammlung der Vertrauensleute noch einmal dazu Stellung nehmen. Tic an der Lohnbewegung beteiligten Organisationen. Aus dem Flcischcrgcwcrbc. Der Fleischermeister Georg L a m p r e ch t, Neukölln, Herzbergstr. 32, hat den Tarifvertrag der Fleischerorganisation anerkannt. Die Sperre ist aufgehoben. Die Restaurateure und Inhaber der Hackepeter: F r i tz T r o ch e, Schönhauser Allee 72, Willert, Alexonderstr. 42 und Rübe» Kommandantenstr. 73, weigern sich, die Forderungen der Organi- sation anzuerkennen. Ucbcr diese Betriebe hat die Organisation für organisierte Fleischerge seilen die Sperre verhängt. Tic Tariftommission. Achtung, Schildermaler! Zu der Aussperrung bei der Firma Bünsow ist zu berichten, daß diese immer noch für Organisierte gesperrt ist. Tie Firma will von den Ausständigen einzelne wieder einstellen. Von diesen wird aber ein Revers verlangt, nach dem sie nicht organisiert sind und auch in nächster Zeit nicht beabsichtigen, dieses zu tun! Also ein klipp und klares Verbot des gesetzlich ge- ivährlcisicten Koalitionsrechts unter freier Vereinbarung! Auch sind in Berlin schwarze Listen versandt. Wir bitten alle Kollegen, die Firma Bünsow unbedingt mit Angeboten zu verschonen. Verband der Porzcllanarbeiter, Zahlstelle Berlin. Achtung, Gummiarbeitcr! Der Streik in der„Norddeutschen Gummifabrik vorm. Fonrobert u. Reimann", Abt. Formerei, dauert linverisudert fort. Trotz größter Anstrengungen ist es der Firma nicht gelungen, brauchbaren Ersatz für die Streikenden zu erhalten. Der Betrieb ist für alle Guinmiarbeiter gesperrt. Verband der Fabrikarbeiter. •*! Kleines Zeuilleton. Grundeigentum. Ellis O. Jones erzählt im Brüsseler„Peuple" don einem Marsbewohner, der während seiner Reisen in ein schönes und großes Land unserer Erde kam. Majestätische Flüsse be- wässerten den Boden und, wohin der Blick auch traf, überall sah der MarSmensch eine reiche Fruchtbarkeit. Er ging fröhlich singend feine« WegeS, da begegnete ihm ein Bewohner der Erde, dessen An- gesicht eine tiefe Bedrücktheit zeigte. „Guten Tag I' rief der Marsianer. „Guten Tag!" „Was fehlt Ihnen denn?" „Ich habe Hunger." „Warum essen Sie denn nichts?' „Kein Geld!" „Arbeiten Sie doch, dann haben Sie welches?" «Ich kann keine Arbeit finden." „Aber dann arbeiten Sie doch auf den unkultivierten Ländereien. eäen Sie Getreide, Mais, pflanzen Sie Kartoffeln und andere nützliche Pflanzen. Machen Sie doch das!" „Der Grundbesitzer weigert sich, mich einzustellen." „Was?" „Ja. der Grundbesitzer läßt mich da» Land nicht bebauen." „Wer ist dieser Besitzer von Grund und Boden?" „Der dem das Land gehört." „Das verstehe ich nicht! Ihr sagt doch hier auf Erden, daß Gott die Erde geschaffen habe? „Ja. so sagt man."-. „Und hat er die Erde dann nicht für alle seine Kinder geschauen, damit sie ihre Nahrung gewinnen?" �/ .Ich habe davon reden hören. ES tst möglich. I ch aber weiß "°"Wl?!ommt eS denn, daß sich so ein Individuum zum Land- «td Grundeigentümer auswirft■"„ .Das Gesetz gibt ihm da« Recht dazu. „Und wer macht daS Gesetz „Nun, wir!" „Wer sind die„Wir"?"..<« „Die Wähler— ich und die anderen. „Und Ihr da«-souveräne Volk. Ihr macht Geietze, die ein grogeS, fruchtbares Stück Land einem einzigen Menschen überliefern und zwar mit der Machtbefugnis, euch zu verhindern, dleien Grund und Boden zu bearbeiten. Und Ybr anderen laust umher, bettelt um Arbeit, sterbt vor Hunger— ist denn da« möglich iRum wenn�Jhr so verrückt seid, daß Ihr lieber zugrunde gebt vor Hunger, als es zu machen, wie cS auf allen anderen Wetten der Fall ist.— dann geschieht Euch recht." „Wie soll ich da« verstehen?"., m.rt,* „Nun," sagte der Marsianer,„ich habe eunge Millionen Wel besucht bisher: aber diese Erde ist die erste, wo die Bewohner dumm genug sind, zu erlauben, daß sich einige Leute m den» It kon Grund und Boden setzen und die große Mehrzahl hirnern, ca. Sand zu bebauen, so daß sie sterben vor Hunger." Ter Sport als Feind. Prof. Albu in Berlin hat als einer der ersten die Einwirkungen sportlicher Uebungen auf die inneren Organe, den GcsamtorganismuS und den Stoffwechsel festgestellt. Die ersten Untersuchungen wurden an Rennfahrern aiigestellt. Seither hat Prof. Albu auch auf anderen Gebieten des Sports ähn- liche Untersuchungen angestellt, im spezielle» hauptsächlich auf drei verschiedenen Gebieten, erstens dem der Arineegcpäckmärschc, zwei- tens dem leichtathletischen Rasensport und drittens dem Gebiet der Ringkämpfe. Prof. Albu fand, daß die spezielle Einwirkung auf die inneren Organe bei den verschiedenen Sportarten ein und dieselbe ist. Je nach der Heftigkeit und Dauer der Muskelanstren- gungen giebt es auch allerdings sehr erbebliche quantitative Unter- schiede in der Reaktion des Organismus, aber, da nach den bisher vorliegenden Tatsachen alle übermäßigen Muskelanstrengungen, wie sie bei den sportlichen� Höchstleistungen vorliegen, die inneren Organe und den Stoffwechsel in gleicher Richtung»nd unabhängig von der speziellen Art der Muskclübung beeinflussen, so muß die Einwirkung aller Sportarten als eine einheitliche bezeichnet wer- den. Die Einwirkung sportlicher Höchstleistungen stellt sich pbysiolo- gisch fast durchgebends in zwei Phasen dar: 1. als die Reizwirkung in Forin eines schnellen starken Blutandranges zu den angestrcng- ten Muskeln und zu den inneren Organen, welche als Blut- druckstergcrung und als vermehrte Herzaktion in die Erscheinung kommt. 2. als Lähmungswirkung, welche je nach der Intensität der Anstrengung bald nach kürzerer, bald nach längerer Zeit zur Aus- bilduiig kommt und in ellier starken Blutdrucksenkung und in funktioneller Herzschwäche in�dic Erscheinung tritt. Tic Erscheinungei' und Folgen akuter Herzschwäche beherrsche» das Bild sportlicher Uebera»strenguiigen. Als eine Folge dieser Herzcrmattung sind auch die Harnveränderungen anzusehen. Diese sind der Ausdruck einer Stauungsnierc, welche bei muskclschwachem Herzen sich oft zu entwickeln pflegt. Daß es sich dabei um flink- tionell entstandene Störungen handelt, beweist die schnelle Rück bildungSsähigkeit dieser Nicrenvcränderungcn. Die schädlichen Nebenwirkungen sportlicher Uebungen kommen nicht dem Sport an sich zu. sondern nur seiner Ausartung atz Wettsport. Dieser muß unbedingt von der Schule ausgeschlossen bleiben, sonst aber soll der Sport neben dem Turnen als zweite Methode körperlicher Muskelübung als Lchruntcrricht in den Schulen eingeführt wer- den, wo er unter strenger Uufncht der Lehrer und TcbulärAtc stehen soll. Ter Besieger der Panamaseuchen. Der Generalarzt Gorgas. der Leiter des ärztlichen und getundbeiilichen Dienstes am Panama- kanal. ist bei Gelegenheit eine« Aufenthalts und Vortrages in London sehr geseictt worden. Einer der Redner hob hervor, daß der Panamakanal bis zu der.eit, als Gorgas die Leitung über- nahm, schon 29 999 Menschenleben an Malaria, gelbem Fieber und Dysenterie verschlungen hatte. Tie Landenge sei damals ei» großer Kirchhof gewesen. Jetzt sei tie mindestens ebenio gesund wie irgend eine der amerikanischen oder englischen Großstädte und dadurch sei die beschleunigte Vollendung deS Riesenwerkes überhaupt erst mög- lich geworden. GorgaS war zu dieser erstaunlichen Leistung durch die Ersahrungen befähigt, die er auf der Insel Kuba und besonders in ihrer Hauptstadt Havanna gesammelt hatte, wo ihm die AuZ- rottung des gelben FieberS gelang. Daß Gorgas auch beim Panamakanal erfolgreich abichniit, hängt allerdings zusammen mit der Tatsache, daß ihm die Summen, die sein Werk brauchte, den Anforderungen gemäß zur Verfügung gestellt wurden, lind daß eS geschah, wurde entscheidend beeinflußt durch das Eingreifen unserer amerikanischen sozialistischen Organisationen und ihrer Presse. Schonungslos griffen sie das Massenmordshstem an, das der Kapitalismus in den Fiebersümpsen der Pattamazone skrupellos ausgebildet hatte und duldete. Das soll man nicht ver- gessen, wemt heute bei kapitalistischen Festessen toastend gerühmt wird, ein volles Zwanzigstel der gesamten Kosten des Panamakanals sei für medizinische und sanitäre Arbeiten ausgegeben worden. Gorgas selbst hatte in seinem Vortrag vor der Gesellschaft für Medizin darauf hingewiesen, daß ein Drittel der Kanalzonc eine sumpfige Niederung ist. die vier Jahrhunderte lang als eine der im- gesundesten Gegenden der ganzen Erde gegolten und wahrscheinlich mehr Europäer durch Tropenkrankheiten getötet hat. als irgend ein anderes Gebiet innerhalb der Tropen. Selbstverständlich hätte er seinen Sieg gegen diese Seuchen nicht erkämpfen können, wenn nicht innerhalb der Zeil von 1889, äls die Franzosen ihre Arbeiten be- ganncn, bis 1994, als die Amerikaner sie aufnahmen, die Entdeckung gemacht worden wäre, daß sowohl die Malaria wie das gelbe Fieber durch Stechmücken auf den Menschen übertragen werden. Notizen. — Paul He y s e wird am Sonntag auf deni Münchener Waldfriedhof beerdigt. In den letzten Verfügungen fordert er. man möge Klagen tun seinen Tod unterlassen. Kränze aus dem Zimmer. in dem er aufgebahrt liege, fernhalten und seine Leiche ohne geist- liche Mitwirkung zu Grabe tragen. DeS Künstlers Leben, von allem Glück begünstigt, war gonz auf Freude und Schönheit gestellt: da wären Leichenklagen. Totenkränze und JenseitSpredigten wahrlich die schrillste Versündigung. — Theaterchronik. Die erste Aufführung von S t r i n d« b e r g S Kammerspiel„Scheiterhaufen" findet am nächsten DonnerSiag im Deutschen Theater statt und zwar in Form einer Matinee vor geladenem Publikum.— Die von K. E. Kroner geschaffene Büste Gerbart Hauptmanns ist von Reinhardt für das Foyer deS Deutschen Theaters erworben worden.— Im Theater in der Königgrätzer Straße ist die Erstaufführung des anglochinesi'chen Schauspiels„Mr. W u" von H. M. Vernon und Harold Owen bereits auf festgesetzt. — Freie Hochschule Berlin. In der Osterwoche findet eine dreitägige Studienreise nach Magdeburg, HildeSheim, Braun« schweig unter Führung deS Dozenten Dr. Eohn-Wiener statt. Der einleitende Vortrag ist Dienstag, den 7. April, abends 8 Uhr, Aula Dorotheenstr. 12. — Henrik I b i e n S Gattin, die eine Tochter der Schrift- ftellerin Margarethe Thoressen war, ist 78 Jahre alt, gestorben. — DaS B a g n o von Neu-Caledonien,� das Frank« reich ein halbes Jahrhundert lang unterhielt, ist geschloffen worden. Aber nicht, um damit diesem Erbe barbarischer Zeiten endgültig Valet zu sagen: das französische Bagno von Guyana bleibt bestehen und hat die Insassen von Neu-Caledonien aufgenommen. Deutsches Neich. Kein Entgegenkommen. ta durch die Aussperrung der 4000 Arbeiter der Linke-Hot mann-Wcrkc in Breslau weite Kreise der dortigen Geschäfts- welt ganz erheblichen Schaden erleiden, versuchte der Gewcrbeinspektor, vermittelnd einzugreifen, ohne von einer Partei dazu beauftragt zu sein. Arbeiter wie Unternehmer leiste- ten seiner Einladung zur Einigungsvcrhandlung Folge. Es hätte dabei, das sei vorausgeschickt, zum Frieden kommen können, wenn die Fabrikleitung nicht von Anfang an den k r a s s e st e n H c r r e n st a n d p n n k t eingenommen h ä t t e. Zu Beginn der Verhandlungen erklärte der 2. Direktor der Fabrik, Geheimrat M a: t i n i; „Ich will Sie darauf aufmerksam»lachen, dag nicht wir, die Fabriklcitnng, an die Ausgesperrten herangetreten sind, um Verhandlungen anzubahnen, sondern der Geiverbegerichtsvor- sitzende ist an uns herangetreten, und wir baben uns bereit er- klärt." Prompt erwiderten die Vertreter der Ausgesperrten, daß auch diese nicht darum gebeten hätten. Auf die Frage des Geheim- rat» nach den Wünschen der Arbeiter erfolgte die Gegenfrage von diesen nach den Zligeständnissen der Firma. Ter Herr Gc- heimrat cnvidcrte daraus: „Gar keine. Wenn Sie mit den von uns vor- geschlagenen Löhnen nicht einverstanden sind, so haben iv i r keine Veranlassung, mit Ihnen zu v e r h a n d e l n." Da taten die Arbeitervertreter das in diesem Falle Richtige und ließen den anmaßenden Geheimrat allein. Gegen diese geradezu ungeheuerliche Provokation protestierten in drei mächtigen Versammlungen die Ausgesperrten. Lieber >v ollen sie noch wochenlang auf der Straße liegen und Entbehrungen auf sich nehmen, als sich wie Knechte be- handeln lassen. Als Antwort auf die maßlose Verhöhnung der Arbeiter erhöhten alle an der Aussperrung beteiligten Organi- sationen die U n t e r st ü tz n n g um 2 Mark pro Woche für alle Ausgesperrten.— Im Betriebe sieht es immer trauriger aus. Die Gelben und die von auswärts importierten Arbeitswilligen, die nach kurzer Zeit immer wieder den Betrieb mit getäuschten Hoffnungen verlassen, machen das Kraut nicht fett. Mit Ach und Krach wird nur eine Lokomotive in der Zeit hergestellt, in der sonst drei geliesert wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß einzelne Teile noch von den alten, jetzt auf der Straße liegenden Arbeitern hergestellt sind. Wie immer, ist auch hier der Staat den bedrängten Unter- nehmeru durch Verlängerung der Lieferfristen entgegengekommen. Vor� dein Gewerbegericht geben Arbeitswillige und Fabrik- leitung fast in jeder Sitzung eine oder mehrere Gastrollen. Ein Schloffer Jungnickel klagte auf Hcrauszahlung des von der Fabrik cinbcbaltenen Kostgeldes, das diese erst bezahlen will, wenn die Aussperrung beendet ist. Als Grund siir die vorzeitige Lösung des Arbeitsverhältnisses gab der Kläger an, daß seine Gesund- heit und sein Leben in der Fabrik gefährdet seien, weil dort von� den Arbeitswilligen dem gewerbsmäßigen Ha zardspiele gefront werde. Eine reguläre Spiel- Hölle h a b e s i ch in der Fabrik a u f g c t a n. Staats- anwalt und Polizei habe er erfolglos um Einschreiten gebeten. Auch sonst spotte der Betrieb in sanirärer Beziehung und Bcr- h Ü t u n g�v o n kl n f a l l g e f a h r c n jeder Beschreibung. Die Stimmung unter den Ausgesperrten, von denen die Mit- gliedcr des Konsumvereins„Vorwärts" jede Woche zwei Brote gratis erhalten, ist die denkbar beste. Weniger gut ist diese aber bei den Aktionären, denen schon die Einnahmen durch den Gewaltakt des Direktors ganz e r h e b l i ch g e t ii r z t worden sind. Allgemeine Erbitterung henzcht in der ganzen Stadt darüber, saß die Direktion beabsichtigt, alle über äst Jahre alten Ar- b e i t e r nach Beendigung der Aussperrung überhaupt nicht ui ehr einzustellen. Auch das wird die Solidarität der Ausgesperrten zu verhindern wissen. Gräfte Lohnkäiupfe in der«teininduftrie. Die Sandsteinmetzen in Buuzlau, Hockenau, Rackwitz, Löwen- berg, Mittelsteine, Rückers und Wünschelburg iSchlesien) reichten, nachdem der Tarif schon seit einigen Jahren nicht mehr»erhöht wurde, Lohnforderungen ein. Tie Unternehmer, es handelt sich meist um Berliner Steinmetzmeister, lehnten nicht nur jede Zu- läge ab, sondern sogar Verhandlungen. Sic stellten das Ulti- matum: Wenn ab 1. April der bisherige Tarif nicht weiter an- erkannt lvird, werden die Steinmetzen und Brecher entlassen. Die Herren haben also eine regelrechte Aussperrung inszeniert. Es sind davon rund 200 Arbeiter betrossen. Tie Steinlnetzincister wollen nun den Versuch machen, in den böhmischen Steinmetz- gebieten Arbeitswillige anzuwerben. Betont sei, daß der Stein- inctzmeistervcrband schon 14 Tage vor dem Ablaus des Tarifes die schwarzen Listen versandte. Es war somit unter allen Umständen aus einen Gewaltakt abgeseben. In Roth am Sand traten soeben die Granitsteinmetzen und Schleifer in den Streik. Tic Löhne, welche außerordentlich gering sind, sollten um eine Kleinigkeit aufgebessert werden. Die Schlcifercibcsitzer lehnten jedes Zugeständnis rundweg ab. MslanS. Tie Bewegung der italienischen Eisenbahner. Rom, 3. April.(P r i v a t t c l c g r a in m d e s„V o r w ä r t S".) Die Eisenbahner erklären die Zugeständnisse der Regierung für ungenügend. Die Verbandlungcn werden aber fortgeführt. Es besteht Hoffnung, den Streik am 12. April zu verhüten, falls das Kabinett zu weiteren Konzcssionen bereit ist. Jugenöbewegung. Die katholische Jugendbewegung. DaZ„Korrsspondenzblatt für die katholischen Jugendpräsides" bringt soeben eine bcachienSwertc Zusammenstellung über den Um- fang der katholischen Jugendvereine ami r m e r dann auch an der Veranstaltung selber'l e i l n e h m e n und sich von Herrn Keim für die Ziele des Wehrvercins begeiftcr» lassen. Welcher Art die Kcimschen Ergüsse sind, ist bekannt. Er erschreckte auch hier die Versammlung mit der überraschenden Mitteilung, daß die„halben Bestien", die Tuikvs und die wilden Kosaken sozusagen schon auf dem Anmarsch wären, um uns arme wehrlose Deutsche zu vernichten. Dann zog der Herr Generalmajor ganz besonders gegen die biirger- liche Friedensbewegung vom Leder und äußerte sich darüber nach dem vom Wehrverein selber vcranlaßten Zeitungsbericht wie folgt: „Der künftig« Krieg wird über un» politisch, national und wirtichaftlich enticheiden. Für seine Vorbereitung kann nicht genug geschehen. Nationalstolz und männliche Gesinnung müssen hervor- gerufen werden. Da ist noch viel zu tun. Der internatio- nale Humanitätsdusel greift immer mehr um sich. Die Friedensbewegung hat schon genug Unheil angerichtet. Carnegie hat für sie 20 Msllionen und dann wieder 8 gestislet, nachdem er seine Milliarden an Kanonen und Panzerplatten verdient hatte. DaS Geld geht statt nach Frank- reich und England, wo es am Platze wäre, nach Deutschland. Die unausbleibliche Folge dieser Friedensbewegung ist die Erziehung des deutschen Volkes zur Feigheit, statt zur Pflege deS mannhaften Geistes... Da man amtlicherscits nicht gegen die verderblicheFriedenSbewegungvorgeht. müssen wir gegen sie kämpfen. Eben'lo wie in der Konfliktszeit König Wilhelm I. den Mut hatte, sich für die richtige Sache ein- zusetzen nnd sich gegen die öffentliche Meinung zu stemmen, so müssen wir es auch ruii." Wir wollen uns hier nicht mit den Halluzinationen des Herrn Keim auseinandersetzen. Wir wollen auch ganz davon abseben, die Frage zu umersuchen, wie sich die Aufforderung zum Massenmord auf jeden Fall, der infernalische Haß gegen jeden Versuch, die Zwisiigkeiten der Völker resp. Regierungen auf unblutigem Wege zu schlichten, mit den Forderungen der Kultur und insbesondere auch der Jugenderziehung vertragen. Nur darauf möchten wir die Auf- merlsamkeit leiikeu. wie hier ganz ungeniert die national organisierte Jugend in de» Dienst unzweifelhaft hochpolitischer Veran- stalmngen gestellt wird. Der Fall bildet eine treffliche Illustration zu dem berühmlen„unpolilischen" Charakter der bürgerlichen Jugend» bewegung. Im Osten steht Breslau mit 184 Vereinen und 12 309 Mitgliedern an der Spitze. Die Fäden der katholilchen Jugendbewegung laufen in einem eigenen Generalsekretariat in Düsseldorf zusammen. Dieses gibt allein drei pädagogische Zeitschriften heraus: das„Korrespondenz- blatt für Jugendpräsides", den„Jugendverein" und„Jugendführung". Die Jugend selbst wird mit einer Flut von Flugblätlern und Zebu- pfenmgheftchen überschwemmt. Diese Werbehefte sind zwar dem In- Mus Jnöustrie unö hanöei. Wolf Wertheim in Konkurs. Gestern, Freitag nachmittag, hat W. Wertheim G. m. b. H. offiziell ihre Zahlungen e i n g e st c l I t. Tie Passiven betragen 18 Millionen Mark, denen nur 2l/> Millionen Aktiven gegenüberstehen. Nach anderen Meldungen sollen die Aktiven gar nur eine halbe Million Mark betragen. Bei den Gläubigern der Firnia besteht große Erregung darüber, daß die Wolf Wertheim G. m. b. H. ihre Lager in der Potsdamer Straße vor einiger Zeit an die A. Wertheim G. m. b. H.(am Leipziger Platz) verkaust hat, ohne daß die Kaufsumme bisher an die Warenliferanten von Wolf Wertheim zur Auszahlung gelangt ist. Es ist in diesen Reihen daher der Verdacht aufgetaucht, daß diese Summen nur den Gläubigern zugeflossen sind, die dem„Fürsten- konzern" nahestehen. Tie Wolf Wertheim G. m. b. H. gehört bekanntlich zu diesem Konzern, dessen Gründer die Fürsten Hohenlohe und Fürstenberg sind. Rußlands Außenhandel. Aus dem kürzlich veröffentlichten Dezemberheft der russischen Haiidclöstatistik ergibt sich, daß der russische Außenbaudcl über die europäischen Greuzen, einschließlich der kaukasischen Schwarzmecrküste, im Jahre 1913 im Gesamtumsatz eine weitere Steigerung erfahren hat, und zwar nicht nur gegen das Vorjahr, sonddrn auch gegen das bisherige Höchstjahr 1911. Die Zahle» für die letzten vier Jahre sind folgende: Ausfuhr Einfuhr Gesamtumsatz MehrauSfuhr Millionen Rubel 1910... 1384 953 2336 431 1911... 1214 1023 2537 491 1912... 1428 1037 2465 391 1913... 1421 1221 2641 200 Die Abnahme der Ausfubr, wenn auch nur um den geringen Betrag von 7 Millionen Rubel, fällt insofern auf, als die Ernte des Jahres 1912, aus der hauptsächlich die Ausfuhr gespeist wurde, erheblich besser war als 1911. In der Tat hat sich auch die Ausfuhr der Nahrungsmittel gehoben und ebenso die von Vieh und fertigen Erzeugnissen. Stark zurückgegangen ist dagegen die Ausfuhr von Rohstoffen und Halberzeugnissen. Die Getreideausfuhr betrug im Jahre 1913 289.9 Millionen Rubel gegen 247,1 Millionen Rubel im Jahre 1912 Gestiegen ist ferner die Ausfuhr von Butter, Eiern, Fleisch und Geflügel sgcschlachtetj. Kaviar, Fischen und Tabak. Zurückgegangen dagegen ist die AuSsuhr von Spiritus und ins- besondere von Zucker. WaS die Rohstoffe und Halberzeugnisse betrifft, so hat namcnt- lich abgenomnien die Ausfuhr von Flachs, Leinsaat, FuttergraSsame», Häuten, Raiichwerk sowie von Roßhaar, Borsten, Wolle und Eisenerz. Zugenommen hat dagegen die Ausfuhr von Holzwareu aller Art, Hanf, Manganerz, Napblhalcuchtöle» und Napbthaschinieröleir. Was den Verkehr mit Deutschland anbetrifft, so sank die Ausfuhr nach Deutschland von 423,8 aus 422.0 Millionen Rubel, dagegen stieg die Einfuhr au» Deutschland von 221,1 auf 642,8 Millionen Rubel. Diese Zahlen sind wichtig angesichts der bevorstehenden Erneuerung des deutsch-russischen Handels- Vertrages. Ilcbrigens ist nach der deutschen Handelsstatistik die deutsche Einsuhr au» Rußland höher, als nach der russischen Statistik._ Die Goldproduktion der Welt. Nach der alljährlich vom ameri» kaniscken Münzdirektor veröffentlichten Schätzung sank die Gold- Produktion der Welt von 466.1 Millionen Dollar auf 422,2 Millionen Dollar. Die Erzeugung war auch niedriger als im Jahre 1911: 461,2 Millionen. An dem Rückgang waren Afrika, die Vereinigten Staaten, Asien und Mexiko beteiligt. In Kanada und Britisch-Jndien stieg dagegen die Produktion. Soziales. Zahnersatz bei der Landesverficherungsanstali Berlin. Als vor mehreren Jahren bekannt wurde, daß der Vor» stand und der Ausschuß der Landesversicherilngsanstalt Berlin den Beschluß gefaßt hatten, eine Zahnklinik einzurichten, wurde dieser Beschluß in den Kreisen der Versicherten freudig begrüßt, glaubte inau doch, daß neben der Ersparnis, die durch die eigene Klinik erzielt werden könnte, vor allen Tingen der Zahnersatz glatt und schnell bewilligt würde, die Anfertigung der Zähne prompt erfolgen würde. Wer dieser Meinung war, hat dieselbe im Laufe der Jahre revidieren müssen. Sankt BureaukratiSmus hat auch hierbei anscheinend alle guten Keime erstickt, hat die Bewilligung von Zahnersatz für die Antragsteller zur Qual werden lassen. Uns gehen fortgesetzt Klagen der Versicherten zu, die bei Stellung von Anträgen, nach ihrer Meinung, unnötig nach dem Bureau der Landesversicherungsanstalt bestellt wurden und die oftmals monatelang auf die Anfertigung von Gebissen warten müssen. Man wende nicht ein. daß Zahnersatz nicht sofort, nachdem die Vorarbeiten, die Mimdbehandlung vor- genommen, angefertigt werden kann, da auch hier eine völlige Ausheilung erzielt werden muß. Stellt man auch diesen Umstand in Rechnung, so ist es doch keineswegs notwendig. die Versicherten unter Umständen mehr als ein Dutzend msl nach der Anstalt zu bestellen, dieselbe monatelang, ja ein halbes Jahr und darüber auf die Anfertigung der Zähna warten zu lassen. Will man erreichen, daß der Antragsteller— müde des ewigen Wartens— den Glauben an die Anfertigung aufgibt, und sich, wenn auch unter Auferlegung schwerer Opfer— von einem Privatzahnarzt Zähne anfertigen läßt, so ist das setzt geübte Verfahren ein gutes Mittel dazu. Eine soziale An- stall, noch dazu eine Anstalt, die bezüglich der Uebernabme des Heilverfahrens an erster Stelle stehen will, darf aber nicht so verfahren. Schon einmal haben wir den Mißstand durch ein typisches Beispiel illustriert. Nachstehend eine ähnliche aus einer Reihe von Fällen herausgegriffene Leidensgeschichte eines Antragstellers.-.z Ein Versicherter stellte am 2. Januar cr. unter Ueberrcichung der Jnvalidcnkartcu den Antrag ans Bewilligung von Zabnersatz.„'j Hierbei großes Examen, ob in Arbeit, wie hoch der Verdienst, dann die Mitteilung, in 14 Tagen werde Nachricht ergehen zwecks ärzt» licher Untersuchung. Was die Fragen nach dein Verdienst usw. mit der Notwendigkeit des Zahnersatzes zu tun haben, ist uns un-> verständlich. Es soll doch Zahnersatz bewilligt werden, um Jnvali- ditat abzuwenden, und dabei ist lediglich die Notwendigkeit zu be- urteilen. Als drei Wochen vergangen waren, fragte der Aiilragftcllcr an! Er erhielt dann einen vom 3. Februar datierten Brief mit der Mitteilung, daß die Untersuchung in ungefähr 11 Tagen erfolgen würde. Am 19. Februar ein weiteres Schreiben, sich am 21. Fe- bruar zur ärztlichen Untersuchung einzufinden. Tie Untersuchung erfolgte. Wer nun jedoch glaubte, der Anfertigung deS Gebisses wären die Wege geebnet, der sah sich getäuscht. Denn am 28. Fe- bruar erfolgte die Zusendung eines weiteren Fragebogens, cnt- hallend die Fragen:„Bei welchem Arbeitgeber haben Sie mit 24. Februar in Arbeit gestanden? Welcher Krankenkasse haben Sie an diesem Tage angehört? Welche Nummer trägt Ihr Kranken- kassenbuch?" Hat denn die Stellung dieser Fragen nicht gleich erfolgen können— warum auch hierdurch wieder eine erhebliche Verzögerung? Endlich, datiert vom 19. März er., folgendes Schreiben:„Wir werden Ihrem Antrage aus Gebißanfcrlignng siattgeben, können aber, da unser zahnärztliches Institut für längere Zeit mit Auf» trägen voll beschäftigt ist, erst in zwei ms drei Monaten--- aus Ihren Antrag zurückkommen." Ta schlage einer lang hin! lieber zwei Monate hat man gebraucht, dem Sankt Bureaukratismus Opfer zu bringen, die notwendigen Feststellungen zu machen und nun soll der Antragsteller noch zirka 3 Monate lang warten, bis— nicht etwa das Gebiß angefertigt wird, sondern man von der An- stall— auf den Antrag zurückkoinmen will. Tem Antragsteller wurde von einem Kassenarzt Nachtrag« lich bescheinigt:„Herr.... leidet an Darnikatarrh. Es läge im Interesse seiner Gesundheit, wenn die Anfertigung der Zähne beschleunigt würde." Da sich der' Antragsteller nun nochmals an die Anstalt wandte und bat, unter Berücksichti- gung seines Zustandcs die Anfertigung der Zähne beschleu- «igen zu wollen, lvurde ihm schriftlich geantwortet, daß weder vom ärztlichen Standpunkt, noch aus sonstigen Gründen eine Bevorzugung gerechtfertigt sei. Von anderen Versickerten wird uns berichtet, daß sie der- maßen oft und zwar während der Tageszeit hinbestellt wur- den, daß die ihnen von dein Arbeitgeber abgezogenen versäum- teil Stunden den Betrag überstiegen, den die Anfertigung eines Gebisses, wenn sie es auf eigene Kosten von einem privaten Zahnarzt hätten anfertigen lassen, gekostet hätte. Ter Vorstand der Landesversicherilngsanstalt Berlin hat unseres Erachtens alle Ursache, sich uin diese Dinge zu küm- mern, dafür zu sorgen, daß die Versicherten durch die lange Wartezeit bei der Anfertigung der Zähne nicht noch ernstlich Schaden an ihrer Gesundheit nehmen. Ist" es doch auch Auf- gäbe des Vorstandes, darauf Bedacht zu nehmen, daß nicht ans einer sozialen Einrichtung das Gegenteil davon gemacht wird._ Anfechtung einer Gcmeindevertrrterwahl. Bei den Gemeindevertreterwahlen in Schmöckwitz a« 26. März 19l2 wurde in der dritten Abteilung der Fischer Karl Schulz gewählt. Rentier Moll focht die Wohl an. Der Bezirk«- ausschuß al» Bcrufungsinsiaiiz wies aber die Klage ab und erklärte die Wahl des Schulz für gültig. Daö Oberverwaltungsgericht verwarf o« Donnerstag die von Moll eingelegte Revision. Es führte aus: G« sei allerdings richtig, daß in der dritten Abteilung in die Wähl«, liste zehn Personen cingettagen seien, die an sich nicht huicingehört«. Nr. 93. 31. Jahrgang. 2. Ktilye des Jotmätts" SM» MdlM Aonnabend. i. April 1914. Das Drama im Eismeere. Schreckensszenen ans dem Eise. Nach den neuesten Telegrammen ist die Katastrophe, von der eine Robbenfängerflotte in den Gewässern von Neufundland betroffen wurde, noch viel furchtbarer, als man nach den ersten Meldungen annehmen konnte. Die Ge samtzahl der in dem Schneesturm Umgekommenen wird auf 140 bis 300 geschätzt. Allein von der Besatzung des Dampfer?„Neufundland", der zu der Robbenfängerflotte gehörte, find 64 Personen umgekommen, die überlebenden 37 Mann haben sämtlich durch den Frost so schrecklich gelitten, daß bei den meisten eine dauernde Invalidität zu bc- fürchten ist. Die Besatzung des Dampfers„Neufundland" wurde von dem furchtbaren Schneesturm überrascht, als sie auf dem Eise dem Robbenfang oblag. Die Versuche einiger Schiffe, die Ueberlebenden des Dampfers„Neufundland" von den Eisschollen zu retten, wurden durch den Sturm ungemein erschwert. Da die Verunglückten schwere Verletzungen durch den Frost erlitten hatten, war es schwierig, sie an Bord zu schaffen: überall sah man Eisschollen, auf denen Lebende und Tote dicht nebeneinander lagen. Die Ge° retteten waren so schwach, das; sie kaum sprechen und keine Nahrung zu sich nehmen konnten. Viele der Schiffer, die meist nur leicht bekleidet und'ohne Zelt« waren, hatten seit 36 Stunden keine Nahrung zu sich genommen. Mehrere waren irrsinnig geworden und rannten schreiend oder lachend auf dem Eise umher. Bisher weiß man noch nicht, was aus den anderen Schiffen, die zu der aus 20 Fahrzeugen starken Flottille ge- hörten, geworden ist. Es wird befürchtet, daß von der Be- satzung, die im ganzen etwa 1000 Mann beträgt, ein großer Teil ums Leben gekommen ist. Das zu den Robben- fängern gehörende Segelschiff„Southern E r o ß". das mit einer Robbcnladung von: St. Lorenz-Golf kam. wurde am Dienstagmorgen vor dem Schneesturm in der Nähe von Kap Race zum letzten Male bemerkt. Seit der Zeit ist über den Verbleib des Schiffes auf Neufundland keine Nachricht mehr eingetroffen. Das Schiff hatte 173 Mann an Bord. Allgemein wird angenommen, daß das Fahrzeug ein Opfer des Sturmes ge- worden ist._ Parteiangelegenheiten. Charlottwbuag. Sonntagmorgen 8 Uhr findet von den be- kannten Lokalen Alugblattvervreitung aus statt. Kein Parteigenosse darf fehlen. Schineberg. Die Besichtigung des Krematorium» in Baum- schulenweg findet für Genosien und Genossinnen am Sonntag, den S. Sprit, vormittag« 11 Uhr, statt. Abfahrt 10.82 Uhr vom Bahn- Hof Schöneberg. Steglitz-Kriedena». Sonntag, den S. April, nachmittag» 3 Uhr, Schulentlasfungefeier im Jugendheim, Kniephoffir. 5V. Festrede. Hannoniumsptel, Thorgesang und Rezitation. Wir laden die Eltern der Schulentlasienen mit ihren Kindern und sonstigen Familien angehörigen höflichst ein. Tempethef. Die Parteigenossen, die am Stichlvahltage sGonn tag) im 1. Bezirk Wahlhilse leisten wollen, werden ersucht, fich vor mrttag» 10 Uhr, im Genossenschastswirtshau», Dorfftr. 50, einzu finden. Schmargendorf. Sonntag, den 5. April, früh 7'/, Uhr, Flug blattverbreitung von Goetsch, Warnemünder Str. 14/15, aus. Niederschinhauseu-Nordend. Zu der am Sonntag, den o. April, abends 7 Uhr, im Restaurant„Schloß Schönholz", Linden str. 11, tattfindenden Operettenvorstellung„Die Fledermaus" sind Billett« ür alle Plätze zum Preise von SO Pf. bei den Bezirksführern und im Lokal von Greth am Bismorckplatz zu haben, wohin sämtliche Nicht verkauften Billett» bis Sonntagmittag zurückzuliefern find. Der Bildungsausschuß. Röntgental. Zepernick- Buch. Die Parteigenossen und Genoifinnen treffen sich am Sonntag, den 5. April, nachmittag» um 2'/, Uhr, am krauerhause, SiemenSstr. S. fchluß. In früheren Jahren wurde mehrere Stunden an manchen Eistagcn der schönste Teil der Rousseau- Insel im Tiergarten abgesperrt, wenn der Hof auf Schlittschuhen sich amüsieren wollte. Ehrfurchtsvoll stand das Hurrapublikum in weitem Kreise herum. Man sieht es nicht alle Tage, daß ein leibhaftiger Prinz oder eine tvirkliche Prinzeffin sich Mfreitvillig tief bis zur Erde neigt. Die bürgerlichen Blätter schrieben dann begeisterte Berichte iibör die — selbstverständliche— Anmut der höfischen Aus- nahmemenschen, über ihre unvergleichliche, dem ivaschechten Hochadel natürlich schon angeborene Kunstfertigkeit, und der alte Mummelgreis und Frauenverhätscheler Ludwig Pietsch, der bei so etwas nie fehlen durfte, bcdichtcte dazu auch die Eislaufkostüme der hohen Herrschasten bis zum Unterrock und Spitzenhöschen. Heutzutage sind die Blaublütigen noch exklusiver geworden. Sie brauchen sich auf dem Eise nicht mehr vom„Volk" bei ihren SaltomortaleS begaffen zu lasten, haben zwei ganze Winter-Nachmittage, um die Zeit totzuschlagen, im Eispalast gepachtet und lassen niemand in ihren KreiS ein, der nicht durch Ahnen, hohe Staatsstellung oder den Geld- sack entsprechend abgestempelt ist. Unten tanzt auf dem Eise die gezackte und die goldene Jugend, darunter auch manche verblühende„Schönheit", den gewagtesten Tango und Onestep, oben auf den Galerien sitzt man gesellschaftsweise, fast nach höfisch geregeltem Zeremoniell, an reservierten Tischen, schleckt Austern, säuft Schampus und gibt sich verzweifelte Mühe, zu geistrcicheln. Na, sie sind wenigstens, was sie ja auch sein wollen, hübsch unter sich. Das ist das Beste an diesem Hof-Eisklub, der vorgestern sein Schlußmceting ab- hielt und nur eine Phase bildet in deni unersättlichen Ver- gnügungshungcr, für den zu gleicher Stunde die mit den schwieligen Arbeitshänden schaffenden Klaffen vorläufig noch das Gold münzen müffen._ Zwei billige Theatervorstellungen. Hinterm Zaun Schauspiclerkomödie von Karl R ö ß l e r im Herrnfeld-Theater, Kommandantcnstraße. DaL lustige Stück ist schon einmal in einer unserer Vor stellungen gespielt worden und hat allgemeinen Beifall ge funden. Es stellt das Schicksal der armen unbekannten Komödianten im Gegensatz zum. Leben der Schauspieler dar, die viel weniger durch ihre besondere Befähigung als viel mehr durch gute Beziehungen nach oben in gut bezahlten Posten an den Hoftheatern stehen. Hinein spielen allerlei heitere und.ernste, rein menschliche Dinge. Das Ganze ist recht wirkungsvoll und fesselnd, belästigend und nachdenklich zugleich. - Die Vorstellungen finden statt am Montag, den 13. April(2. Osterferfeiertag), nachm. 3 Uhr. Karten in folgenden Stellen: Zigarrengeschäst Horsch, Sngeluser 16; Zigarrengeschäft Baumann. Rungestr. 30; Bureau deS 4. Wahlkreises, Stralauer Platz 10/11(von 9—1 und 6—7 Uhr);..Borwärts"-Spedition. Petersburger Platz 4; Restauration Dieseler, Brunnenstr. 150; Bureau de» 6. Wahlkreises, Gerichtstr. 71(von 9—1 und 5—7 Uhr); Restauration Paersch, Oldenburger Str. 10. Sonntag, den 19. April, nachmittags 3 Uhr. Karten in folgenden Stellen: Zigarrengeschäft vaumann, Rungestr. 30; Bureau deS 4. Wahlkreises. Stra- lauer Platz 10/11; Restauration Dicseler� Brunnenstr. 150; Zigarrengeschäst Schröder, Hagelbergerstr. 53/54. Preis des Platzes inkl. Zettel und Garde- robe 1,10 M. Der BczirttbildnngSauSschnß Groß-Berlin. Serliner Nachrichten. ver hof-Eistlub. Bon seiner Existenz erfährt der nicht Hofsähiac erst aus fac durch Ullsteins aufgefchminkten„Tante Voß" bei Salfon- Ter Waldankauf für den Zweckverband. Ter von der Verbandsversammlnng de» Zweckverbandes zur Vorberatung der Vorlage über Erwerb fiskalischer Waldflächen eingesetzte Sonderausschuß beendete gestern abend seine Beratungen. Er stimmte der Vorlage mit den beiden unwesentlichen Aenderungen gegen die beiden sozialdemokratischen Vertreter zu, daß für die Belastungen eine anteilige Be- rücksichtigung bei der Kauffestsetzung erfolgen und daß der Kaufpreis statt in zwölf in fünfzehn Jahren abgezahlt sein solle. Danach sollen also für etwa 40000 Morgen fünfzig Millionen, und zwar fünf Millionen bei der Auflassung, je drei Millionen in den nächsten fünfzehn Jahren gezahlt werden. Mit anderen Worten: der Zweckverband übernimmt die dem Staat obliegende, bezüglich deS Grunewalds auch durch Kabinettsorder anerkannte Verpflichtung des Staates, die Wälder unbebaut und in forstmäßigem Zustand zu er- halten und— zahlt für diese Uebernahme der staatlichen Pflicht 50 Millionen an den aus seiner Pflicht Entlassenen. Ein eigenartiges Geschäft._ Zum Kopemcker Bootsunglück hat der Berein der Dampffchiffahrtsbefitzer und-führer auf den Märkischen Wasserstraßen(e. V.) zu Berlin folgende Eingabe an da» Wafferbauamt Köpenick gerichtet: «Der Vorstand unseres Vereins hat sich mit dem traurigen BootSunglück befaßt, da» sich am 24. März bei Spindlersfelde er- eignet«. Ohne dem Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung und Feststellung vorzugreisen, gestatten wir un»*. ergebenst darauf hinzuweisen, daß unser Verein schon vor einer Reihe von Jahren über Mißstände an dieser Stelle sich ausließ, worauf dortseit» ent- sprechende Verfügung folgt«. Der Fährbetrieb kann in der bisherigen Weise nicht weiter- gehen; denn die Mißstände haben sich, wie der Unfall zeigt, in- zwischen noch verschärft und verursachen eine schädliche Beein- trächtigung de» gesamten durchgehenden SchiftahrtSvcrkehrs. Diese besteht darin, daß zu den bestimmten Zeiten die Fährkähn« von der Spindlerschen Fabrik gewissermaßen in einer Kette quer über den Strom fahren, wodurch sich für die Dampfer die Unzuträglich. keit ergibt, daß sowohl da» Ausweichen nach recht» al» nach link» gefährdet ist. Da nach den Berichten dieser Fährbetrieb gewiffermaßen schon längst ein gewerbliche» Unternehmen'ist, so bitten wir, Anord- nungen dahin ergehen zu lassen, daß in Zukunft ein regelmäßiger Verkehr daselbst nur von genügend sachkundigen Leuten ausgeübt werden darf. Auch möchten wir angesichts der großen'zu befördern- den Personenzahl die Vorschrift der Stellung einer Motorsähre vor- schlagen; diese kommt schneller von einem llfer zum anderen, bean- sprucht demnach den Strom nicht so stark und trägt somit zur Sicherung des gesamten Verkehrs bei." die Spitzhacke arbeiten und nur noch die Erinnerung übrig lassen. An derselben Stelle aber wird sich in wenigen Jahren der prunk- volle Millionenbau deS neuen königlichen Opernhauses erheben. Kehraus bei Kroll. Dieser Tage Hai da» alte Krollsche Etablifiement am König»- platz, das jedem Berliner bekannt war, seine Pforten für immer geschloffen. Siebzig Jahre bildete der schlohartige Bau ein Wahr- zeichen der Gegend am Brandenburger Tor, hat ein gute? Stück Berliner Geschichte miterlebt. Viele dem Namen und Aussehen nach nur noch der älteren Generation erinnerlichen Gartenlokale -gm Tiergarten, so der große und der kleine Hofjäger, sind im Laufe der letzten Jahrzehnte dahingeschwunden, linier ihnen allen galt Kroll» Garten und Theater als vornehmste» Vergnügungslokal dieser Gegend, das denn auch hauptsächlich auf„besseres" bürgerliches Publikum zugeschnitten war und an besonderen Tagen sogar sürstliche Gäste beherbergen durfte. Die Verwendung bunter Gasglocken, von denen alt« Berliner noch immer schwärmten, konnte die modernen Großstädter nicht mehr reizen; die 400 Jahre alten Lorbeerbäume und eine 350 Jahre alte Myrte, beide» Eigentum des Kaiser«, wurden kaum beachtet. Tie breiten Maffen haben sich nach diesem Sommerlokal eigentlich nie recht hingezogen gefüblt, und auch die volkstümlich gedachten Theatervorstellungen der letzten Jahre brachten nicht den gewünschten Erfolg. E» roch zu sehr nach Alt-Berlin, weil niemand in den muffigen Eteinbaukaften Geld hineinstecken wollte. Für das nicht gerade billige Eintrittsgeld, da» hier üblich war, konnte aber der neuzeitliche Berliner fich anderweit viel besser amüsieren. Dazu hielt dt» königlich« Tiergartenverwaltung, der der Grund und Boden de» Etabliflements gehört, an der Traditio» fest, wollte nichts Moderne», da» vielleicht die Massen hätte anziehen können, auf- kommen lassen, und so war die Einstellung des Geschäft»b«triebes. der schon jahrelang nur noch krebst«, unvermeidlich. Die schönen Pflanzenkulturen de» Gartens, darunter herrlicher Flieder und üppiger alter Wein, werden wieder von der Tiergartenverwaltung übernommen; die gläsernen Belenchtungsherrlrchkeiten kommen nebst allem Theaterplnnder unter den Hammer; bald wird auch Rätselhafter Tod einer Neuvermählten. Ein mysteriöser Todesfall beschäftigt seit Freitag nachmittag die Steglitzer Kriminalpolizei. In der Nacht vont Tonnerstag zum Freitag erkrankte ein junges Ehepaar Riesch in Steglitz, Kreuz- nacher Straße 5 wohnhaft, das soeben erst von der Feier seiner Hochzeit gekommen war, aus einer bisher noch nicht festgestellten Ursache. Verwandte, die am Freitagnachmittag das junge Paar besuchen wollten, ließen, da ihnen nicht geöffnet wurde, die Flur- tür gewaltsam erbrechen. AIS man das Schlafzimmer betrat, lag die junge Frau tot auf ihrem Bett, während Riesch, der bewußtlos war, nur noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Hausbewohner holten einen in der Nähe wohnenden Arzt herbei, der, in der An« nähme, daß es sich um eine Gasvergiftung handele, den Rettungs- wagen der Feuerwehr mit dem Sauerstoffapparat herbeirief. ES gelang den Samaritern endlich, den Kaufmann ins Leben zurück- zurufen, während alle Versuche bei der Frau vergeblich blieben. Eine weitere Untersuchung ergab jedoch, daß eine Gasvergiftung in diesem Fall nicht vorliegen könne. Eine von der Inspektion d�r Gasanstalt sofort vorgenommene Untersuchung der Leuchtgasanlage erbrachte den Beweis, daß eine derartige Vergiftung ausgeschlossen sei. Der Arzt nimmt vielmehr an, daß es sich hier um eine"Nah- rungsmittelvergistung handelt, deren Ursache noch aufgeklärt werden muß. Der Tod der jungen Frau dürfte ungefähr in den Mittagsstunden deS gestrigen Freitags eingetreten sein.� Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Leiche der Frau R., während der Mann in das Schöneberger Krankenhaus gebracht wurde. Zu dem mysteriösen Todesfall wird uns noch in Ergänzung unserer Mitteilungen berichtet, daß es sich in diesem Fall nin eine Vergiftung durch Lebensmittel nicht handelt. In dem be- treffenden Restaurant, in dem am Donnerstagabend die Hochzeit gefeiert wurde, wurdest gleichzeitig zwei derartige Feiern ab- gehalten. Da» Essen war bei beiden Hochzeitsgesellschaften das gleiche und es hätten somit, falls eine LebenSmtttelvergiftung vor- gelegen hätte, sich auch bei anderen Personen Spuren-von Ver» giftungen zeigen müsse». Dal ist, wie bereit» festgestellt worden ist, nicht der Fall und so bleibt nur ein« Möglichkeit, daß da» Hochzeitspaar in der Wohnung etwas zu sich genommen hat, was Gift enthalten hat. Der Bräutigam ist in einem Betrieb bt- schäftigt, in welchem ätzende Sauren verwendet werden. ES ist nicht ausgeschlossen, daß das Ehepaar aus einem noch un- bekannten Grunde sich vergiftet hat- Der behandelnde Arzt neigt zu der Ansicht, daß eine Vergiftung durch ein chemisches Präparat herbeigeführt ist. Abstinenz Jugendlicher zugunsten der Kaffe katholischer Missionen. Die katholischen Missionen brauchen viel Geld. Um solche» heranzuschaffen, sollen die katholischen Jünglinge in der Osterwoch« Abstinenz üben und Glimmstengel, Süßigkeiten und Näschereien, Bier und jeglichen Alkohol meiden. In einen? Aufrufe in der „Märkischen Volk«zettung" lesen wir: „Für d i e I ü n g l i n g e. Auf der vorjährigen Katholiken- Versammlung zu Metz machte der hochw. Herr P. Ortsiefer den Borschlag, die Katholiken möchten sich in einer Woche des Jahres von allen alkoholischen Getränken, von Zigarren und Zigaretten und anderen Genußmitteln enthalten, um die hierdurch erzielten Ersparnisse den Missionen zukommen zu lassen. Darum fordert die MisstonSvereinigung Katholischer Jünglinge Deutschland» alle Jung- linge, besonder» alle Mitglieder der JImglingSvereine auf, in der letzten Woche der Fastenzeit diesen Gedanken der fteiivillige» Abstinenz zmn Besten der Misstonen in die Tat umzusetzen. Sollten sie e» incht über sich gewinnen, in der Karwoche die Abstinenz zu üben, in der Karwoche, die un» doch daS Vorbild des größten lieber- winders so eindringlich vor Augen führt? Wahrlich, eö stände schlimm um unsere katholische Jugend, wenn sie für daS- ideale Werk der Glaubensverbreitung nicht ihrem Erlöser zu Liebe diese» kleine Opfer freudigen Herzens bringen könnte! Darum weg mit dem Gliinmstengel in der Karwoche, weg mit den Süßigkeiten und Näschereien, weg mit dem Bier und jeglichem Alkohol. Ein« Woche nur, dann aber auch durch- g e h a l t« n l Denkt ihr daran, daß sich hierbei eine Summe von 00 000 M. ergeben würde, wenn jeder Jüngling auch nur 30 Pf. gäbe? Die Missionen haben e» so bitter notwendig; ihr selbst habt den größten Nutzen;— darum sorgt dafür, dah»svorsteher Rektor Bandt, aber wieder kehrte er heim mit der Klage, daß er nichts ausgerichtet habe. Daß ihm bare Unterstützung verweigert worden war, ist als sicher anzunehmen. Möglich ist, daß inan ihm»veiter Naturalien bewilligen ivollte, doch ist hierüber nichts bekannt gewordei». Die Hauswartftau gab ihm in schonendster Form zu verstehen, daß er wohl wieder mal Miete werde zahlen müssen.„Jawohl/' sagte er,«oder wir gehen raus— aber für immer!" Und er„ g in g r a u s für i mm e r", aus dem Leben nämlich, indem er noch am Abend desselben TageS sich in seiner Wohnung am Fensterkreuz aufhängte. Ein Nachbar, der ihn fand, alarmierte andere Hausbewohner. Als man den LebenSnrüden ab- schnitt, war er tot und schon starr. J» eine Abteilung Soldaten gefahren. Gestern vormittag 10 Uhr fuhr der Kraftwagen Li. 2134(1, der von den» 21 Jahre alten Sattler Albert Jurgait aus Pankow geführt wurde, vor dem Hause Schan»horststr. 3 infolge VersagenS der Fußbremse in eine Abteilung Soldaten der 1. Kompagnie des 2. Garde- regiments. Dabei wurden drei Mann verletzt, die sich aber zu Fuß »ach ihrer Kaserne begeben konnten. Raubüberfall in der Stadtbahn. Gestern morgen, kurz nach 1 Uhr, wurde auf eine Dame, die im Kupee eines Stadtbahnzuges allein fuhr, ein dreister Raubüber- fall verübt. Der um 1 Uhr 5 Minuten in Charlottenburg fällige Ringbahnzug mußte kurz vor dem Bahnhof Charlottenburg auf freier Strecke halten. In diesem Augenblick schwang sich der auf der Bctriebswerkmeisterei Charlottenburg beschäftigte Glaser Preh,n in das Abteil der Dame, versetzte ihr mehrere Schläge ins Gesicht und versuchte sich ihrer Handtasche zu bemächtigen. Als die Ueberfallene um Hilfe schrie, ergriff Prehm die Flucht. Es gelang jedoch einigen Bahnbeamten, den Fliehenden festzunehmen, der dann der Polizei übergeben wurde. Prehm ist verdächtig,»och einen ähn- lichen Ueberfall auf eine alleinreisende Dame, der sich vor einigend Tagen kurz vor dem Bahnhof Charlottenburg abspielte, verübt zu haben._ Im Bremserhäuschen eines Eisenbahnwagens erhängt hat sich der 36 Jahre alte Arbeiter Paul Kober aus der Neuen Bahnhof- siraße 8 zu Lichtenberg. Der Mann war seit längerer Zeit sehr nervös und zuletzt augenscheinlich geisteskrank. Er konnte deshalb auch seine Arbeit in einer Kistenfabril in der Komniandantenstratze nicht mehr verrichten und mußte am vergangenen Montag entlassen werden. Am Dienstagnachmittag kan» er plötzlich mit einer Kraft- droschke vor seiner Wohnung voraefahren. Weil er keinen Pfennig Geld besaß, so ließ ihn der Droschkenführer nach der Wache bringen. Hier erkannte man bald, daß man es mit einem Geisteskranken zu tun hatte und entließ ihn sofort wieder. Der Kranke ging aber nicht nach Hause und wurde seitdem vermißt. Man fand ihn auf dem Schlesischen Bahnhof tot wieber. Er hatte sich dort irgendloie Zugang verschafft und in dem Bremserhäuschen eines Wagens erhängt. Der Zentralvercin für Arbeitsnachweis, Eichhornstr. 1, teilt uns »nit, daß seine Ausbildungskurse für weibliches Hauspersonal in» April neu beginnen. Im Feinplättkursus»vird das Plätten von Kragen und Manschetten. Serviteurs und Oberhemden gelehrt, in» Ausbessererkursus das Stopfen von Küchen-, Tisch- und Leib- Wäsche. Die KursuSteilnehmerin lernt Flicken in Wäsche und Kleider einsetzen. Der Schneiderkursus gibt ihr Unterweisung im Zuschneiden und Abändern von Schnitten nach Sckmittmustern, in» Anfertigen von Hauskleidern und von einfachen Röcken und Blusen. Die Kurse finden je einmal wöchentlich abends von l/<ß bis V3IO Uhr statt. Die Anmeldungen können vormittags von 8—12 Uhr und nach- �mittags von 4—7 Uhr im Zentralarbeitsnachweis selbst bewirkt werden. Jandors hat das Kaufhaus Graff& Heyn erworben. Das Kauf- haus Graff& Heyn in der Wilmersdorfer Straße ist mit seinem gesamten Warenlager von der Firma Jandorf'erworben worden, die es in denselben Räumen weiterbetreiben wird. Die Geschäftsräume sind zwecks Jnventuraufnahme geschlossen worden. Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat März nächtigten im Männerashl 1S2V0 Personen, wovon 6531 badeten, im Frauen- asyl 2801 Personen, wovon 606 badeten. Arbeitsnachweis wird er- beten für Männer und Frauen Wiesenstraße 65/59. KarfreiUie OrOßeS Wernsilopier Schleuse. Isbelnesseii. ■Auch zu den bevorstehenden Dampferpartien empfehle ich den geehrten Vereinen und Gewerkschaften raein Lokal nebst neu renoviertem 8 aal. Motorbootverbindung: von Schmöckwitz, Gasthaus z»zr Linde(StippekohJ), nach Wernsdorf. Paul Schwedler. Monntag l»i« 6 lThr geöffnet. Anton Boekers Festsäle Wcberstr. 17 Telephon: Amt Königstadt 18t lt. Empfehle den werten Vereinen und Kewerischasten meine Säle, 100»md 7Z0 Personen fassend, zur Abhaltung von Ver- iammlungen und Fesllichfeiten, auch Sonntag?, zu günstigen Bedingungen. In der Saison noch einige Sonnabende und Sonntage zu vergeben. ,»«>1° UUDEIIIldH Friedrickit 8. Usf.». Ks» Nattosal-Bad, Brunnenstr. S. Bad Ostend I Original Lobtannin-Bad WalUtr. 70/71 früh. MBnscl Smtl. Bäder, auch f. Krankenk. Passage- Bad Smm"" 78. Reform-Bad, Wiener Str. 68. Reform-Bad Weifienaee, Lekleril 104 scnmer-Bao, Mniientr.hlaJ il A&IS"Bad» W» WD W» 9 1 1 V 9 1« Schiesische Str.»1. gMflagenJ�j* R. Bänke, Strsiauer Str. 66. Berkholz, KSpenickerstr. 70. A. E. Lange, Brunnenstr. 166 " hSi" Liepe, Schöneberg, CruavaMatr>6. MeTer,P.,I[UIi.,Berlinerstr.48— 60 R. Neusdi, Breitest. 24, Spandau. J. Ch. Pollmann, Letkrtsgantr. 40. H. Spranger, Beinickend. Str. 11. Qacker o. Konditorsisn C.Adamack. Nklln., Jonasstr. 23 A.A)bat.Markt8t.l2/lG.BeiDiekeBdort Albrecht, E., Fruchtatr. 29. Candbrotbficker. 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April, nachmittags 3 Uhr: Int Rausch de* lieben*. Abend« 7 Uhr: To sind sie Alle! Kassen erössn. 10 Uhr. Ans 3 u. 7 Uhr. Voranzeige: Montag, den 8. April: Benefiz sür Lina und KnH Moellar. itztir den Inhalt der Jnirratr ädernimmr die Redattt»» dem Vndlikum»egenäber keinerlei Berantwortnng. V. Vützit) w�Giief.k«fgef8tr.Ze Mr��rtsich�R�hafteur: Alfreh Wi-lepp, Nsufölln. stflt hep Inseratenteil verantw.: Tb.Glock�Berlin. Drück�LVerlaa: Borwärt» Buchdruck«-!». BerlagOanftatt Paul Ging«! Li So, vackw A Da aber die Eintragung dieser Personen bei Offen- legung der Liste nich� a n g e f o ch ten worden«ei, so habe die Liste in jener Beschaue tiheit alö Grundlage der Wahl dienen mllffen. Einen weitere� Einwand, dah Fischer Zchulz sich eine größere Anzahl Vollmachten imr sehr frühzeitig habe verschaffen lönncn, weil ihm der Gemeindevorsteher die Wählerliste vor der Offen- legung habe elnjehen lassen, habe der Bezirksausschuß ohne Ber- sabrensman�el als widerlegt erachtet. Somit muffe die Wahl de§ €chulj als gültig angesehen werden. MUrtärdiintrl von Zivilisten. Ter Mikitärdünkel eines Leutnants a. D. fand vor der L. Kammer des Berliner Äaufmannsgerichts gelegentlich einer dort stattgehabten Verhandlung eine drastische Beleuchtung. Als Kläger trat der Akquisihenr Egon G. gegen eine Berliner Möbelfabrik aus, �die ihn wegen eines an den Chef des Hauses gerichteten Briefes sofort entlastrn hatte. G., der Leutnant a. D. ist, geriet eines Tages mit dem Disponenten des beklagten Unternehmens in gc- fchästliche Differenzen, die einen heftigen Wortwechsel zur Folge hatten. Obgleich der Chef, ein älterer Herr, bei der ganzen An- flc fege«heil unbeteiligt war, sandte der Kläger noch an demselben Abend an letzteren ein Schreiben, das etwa folgenden Wortlaut hat: ...Herrn Lazarettim vektor Hermann T. Ich bin heute von dem p. L. gröblich beleidigt worden. Den p. L. zur Rechenschaft zu ziehen, halte ich unter meiner Würde. Ich möchte aber von Ihnen wissen, und zwar umgehend, ob Sie das Benehmen des P. L. billigen. Andernfalls darf ich Ihnen, Herr Lazarettinspektor ..mit der Qualifikation zum Reserveoffizier' wohl morgen meine Zeugen schicken. Hochachtend! Leutnant a. D. Egon G.' Tic Absendung dieses Briefes wird noch dadurch in das reckte Licht gesetzt, daß der Kläger zugegebenermaßen wußte, daß sein Ehef ein berzleidender Mann ist, dem jede Aufregung erspart Iverden mutzte. G. entschuldigte sich zwar später mit hochgradiger Aufregung, in die er durch den Konflikt mit dem Disponenten ■geraten war, konnte aber dadurch feine Entlassung nicht ahwendcn. Das.Kausmannsgerichl billigte auch die sofortige Entlasiung. Wie her Vorsitzende ausführte, habe der Kläger mit der Anfuhrung der militärischen Rangvcrhältniffe in dem an den Chef gerichteten Briefe offenbar darauf hinweisen wollen, daß er militärischer Borgesepter drs Prinzipals sei. Das Duell sei zur Austragung Oeschäftlicher Difsercnzen ein gänzlich untaugliche» Nittel. Es Kinge nicht an, daS kaufmännische Dienstverhältnis dadurch zu verschieben, daß man es ans einem anderen Gebiet, dem militäri- schcn, zum Austrag zu bringen versuche. Das Beuchinen des Klägers sei derart geivesen, daß es nicht durch ein Entschuldigungs- schreiben einfach ausgelöscht werden konnte, denn auch in der Er- «gung müsse sich ein reifer Mann von Bildung meistern können. In Elbing 127 Familien obdachslos! In E l b i n g waren am 1. April d. I. bereits 81 Familien vorhanden, die keine Wohnung erhalten können. Neu hinzu kamen 46. so daß die Zahl der obdachlosen Familien in der Ähichaustadt nun 127 beträgt. Fast alle diese Heimatlosen sind mit Kindern„gesegnet". Die Vorbereitungen des Magistrats waren, obivohl die Presse schon Ivochenlang auf die Vergrößerung der Wohnungsnot hinwies, ganz unzureichend. Zn einem früheren Speicher hatte der Magistrat 30 Räume bereitstellen lassen. Die übrig bleibenden wurden in eine leerstehende Fabrik hineingesteckt. � fius aller Welt. Sächsische Gemütsathleten. Der Hinautwurf des RcichSverbondsgeneralS v. Liebert aus »ein Reichstage ist den sächsischen Patrioten so arg aus die Nerven gefallen, daß ein agrarisches Wochenblatt in Sachsen, die »Sächsische LandcSzeitung" sich folgende Swimpfworre stiftet: Welcher Teufel mag die Mehrzahl der Bornaischcn Wähler- Ichoft am Stichwahltage nur geritten haben?... In der Amis- haupimannschatt Borna wurde seinerzeit die größte Anzahl von Pferdekrankhetten festgestellt. Daher redet man von einer'be- stimmten Pserdelrankheit, von Bornaischer Krankheit. Die sogenannte Bornaische Krankheit ist eine plötzlich auf« tretende Gehirnerkranlung und erzeugt, wie da» BrockhouS-Lexikou besagt, den D u m m k o l l e r. ES liegt wohl die Vermutung seht nahe, daß ein großer Teil der libe- ralen Wählerschaft, die noch am IS. März dem national- liberalen Landtagsabgeordneten Ritzschle ihre Stimme gab. von der menschlichen Bornaischen Krankheit befallen tv a r. DaS BrockhauS-Lexilon erklärt als KrankheitScrzeuger der Bornaischcn Krankheit mit Jauche veruitreintgteS Wasser und schädliche Fütterung der Pferde. Nun, bildlich ge- meint, ist den Wählern von Borna verseuchtes Wasser und ungesundes Futter hinreichend vorgesetzt worden.... Wie uns versichert wird, ist die Bornaische Krankheit, der Duiinnkoller, seit der letzten Wahl in Borna-Pegau ganz bedeutend Zurückgegangen. Nur in einigen konservativen Zeilungs- Redaktionen soll die Krankheit noch epidemisch auftreten. Spionageprozeft in England. Bor dem Gerichtshof von O l d B a i l e y wurde am Freitag gegen den am 22. Februar unter dem Verdacht der S p t o n a g e verhafteten Zigarrenhändler Friedrich Bould, der etn Deutscher namens Schröder sein soll, und dessen Frau Maud Gould verhandelt. Beide waren angeltagt, sich gewiffe Pläne und Schriftstücke verschafft zu haben, um sie einer fremden Macht auszuliefern. Gould war außerdem ange- klagt, seine Frau zu dem Verbrechen angestiftet zu haben. In der Verhandlung bekannte sich Gould in dem ersten Punkt der Anllage schuldig, bestritt dagegen den zweiten Punkt. Seine Frau er- klärte, sie wäre nicht schuldig. Der Gerichtshof ließ die Anklage gegen dte Frau fallen und verurteilte Gould zu sechs Jahren Zwangsarbeit und Ausweisung. Ter Ehelose für de» Eebärstreit. Aus dem V. ordentlichen Gautag der sozialdemokratischen Partei Bayerns, Gau Südbayeru, der in diesen Tagen m München statt- fand, klagt« der Detegierie Zeh- Augsburg über Schikanen des Zentrums und der Geistlichkeit im Wahlkreis« Aichach: Ein Kaplan habe das Austrage» de« sozialdemokratischen .Bayertnden Wowenblaties' verboieit und mit Autliindigung enter Pacht gedroht. Auf einen Wirt wurde durch den Geisilutien ein» gcwirli. daß er das.Bayerische Wochendlait' abbestelle: der Geistliche riet der grau zum ehciiiven Streik, falls der Wtrt das sozialdemoiransche Blatt nicht abbestelle. Helfe was Velsen mag! Im Interesse der guten katholischen Sawe werden Geistliche selbst zu Propagandisten der Geburten- beschräntung. Die rusfischc Korruption. Wie uiis ein T e l e g r a m m aus Petersburg meldet- hat eine plötzliche Revision ans dem Petersburger.Haupt' Postamt ein überraschendes Resultat gezeitigt. Es hat sich herausgestellt, daß die Behörde seit Jahren um itngeheure Summen von den hohen Postbeantten be- st o h l c n w o r d c n ist. Die höchsten Beamten selbst sind in die Unterschlagungen verwickelt. Aitsschenerregeitde Verhaftungen stehen bevor. Wenn es in dem Telegramm heißt, daß die Revision ein ü b e r r a s ch c n d es Resultat gezeitigt hat. so ist das wohl nur für die russische Regierung gemeint. Für jeden andern lväre es überraschend, wenn eine Revision russischer Kassen einmal nicht das Fehlen erheblicher Bestände ergeben würde.____ Kleine Notizen. Ein fanatüchcr Akt der Suffragette». Anhängerinne» des Frauensiimmrechlcs veriuchteit am Freitag früh, die B e l in o n t- k i r ch e im Westen von Glasgow in die Luft zu sprenge». Es erfolgten drei Erblostoneii, durch die jedoch nur die Tür und die Türschwelle beschädigt wurden. Die Wahnsinnstat einer Mutter. In der Nacht zum Freitag versuchte die 33 Jahre alte Bahnbeamtenstau Barbara Stengel in einem Ansall von religiösem Wahnsinn ihre beiden vier und sechs Jahre allen Knaben und dann sich selbst zu töten. Sie schlug auf die beiden Kinder mit eincnt schweren Hammer ein und brachte sich dann mit einem langen K ll ch e n m e s s e r einen tiefen Schnitt am Halse bei. Die Frau und der ältere Knabe sind lebensgefährlich, der jüngere Knabe leicht verletzt. Griefkasten öer Neöaktion. rtc fkrifltlAt findet Ltnde,»ratze 60, dorn»er See»» — Fatzrftntzt—, woKentagUch von di» tU)T adend», Eonnadend». hon«Vj ins 6 Udr abend« statt. Jeder für den Brieftaften dcstimmtrn Änfraae tft ein Bnchstade nnd eine Za» alii Meet, eichen brtznfüaen.«ete suche Antwort wird nicht erteilt,«nfracen, denen keine AdonncmentSeuittunz detgeslgt I», »crd-n nicht beantwortet. EUiie Fragen trage man in der««rechftnnde nor. A. Z. 616. Direkt an die Wasserbauverwaltung Berlin. Klosterstraße 68. II, adressieren.— L. S. Berlin, Lindenstratze 3. — T. k>. 18. Ja— H. P. 7. l. 200 BcitragSwochcn, bei«elbst- versicherten 500 BeliragSwöchcn. 2. Falls Sie nicht versichermigSpflichlig. aber versicherungSbcrechtigt nnd, leben die Rechte aus den alten Karten erst aus. wenn mindestens 500 BeiiragSwochen geleistet sind.— Sch. 10». Unzulässig, eventuell strasbar.—'M. M. 111. 1. In, sosern dem Prinzipal der Nachweis gelingt. 2. New.— E.®. 1914. 1. bis 3. Nein. — A. M.. Moabit. Ja.— R. M. Nein.— R. K. 42. Sie haben Anspruch aus Ermäßigung um eine weitere Stufe, also aus d-n Steuersab von 13 M. Reklamieren Sie und geben Sie an, daß da« dritre Kind am 26. März, also vor Beginn de« StcuerjabrcS geboren ist.— F. 1915. 1. Die llebcrtragung d«S Geschasis würde jetzt nutzlos(ein. 2. In 30 Jahre». 3. Ja.— A. Z. 100. Beibandsbeiträge find leider nach der herrschenden Rechtsprechung nicht abzugSsäbig.— E. 2. B. 41. 1. nnd 2. Nein. 3. Ja.— R. B. 100. Die Landesversicherungsanstalt hat die Leistungen, die die Krankenkasse sür den Fall der KrankenhauSbehandlung statuicn- gemäß zu tragen Hai, zu gewähren. sallS Heilverfahren angeordnet wird. s B. 33. 1. Ihre Darstellung reicht nicht aus, kommen Sic in die Sprech- stunde. 2. Die Beschlagnabme der Sachen wäre erst zulässig, wenn der Erbsall eingetreten ist. Die Kosten einer Klage fallen dem unterliegenden Teil zur Last.— L. 26. 1. Der vereinbarte Prämieiiintz ist zu zablcn. 2. Ja. sofern die Geiellschast im Besitz eines vollstreckdaren Schuldtitels ist. 3. Nein. Die angegebene Tatsache reicht nicht au», da Sie im Besitz der Möbel verblieben sind. i. Eine Beglaubigung der Unterschrift ist nicht er- forderlich. Ob der Bertrag gültig ist oder nicht, läßt sich nur nach Kemitnis des Inhalts beurteilen.— E. L. 21. Zur Bezahlung der Beträge, die nach dem 1. 1. 1S10 geleistet find, find Sie vcrpflichlet. Bezüglich der übriocit Forderung könne» Sie den BerjährungSeinwand erheben— - C. 2. 49. g.er Abzug ist unbegründet. Sic könne» gegen den PsanduiigSdeschlug Bcsqwcrde eüilegeii.— M. 17. Lesscntlich nicht, Marktpreise von Ncrli» am». April 1911. na« Ermittelungen deS fgl Polizeipräsidiums. Mais(mixed), gute Sorte 00,00—00,00. Donau 00,00—00,00. Mais(runder), gute Sorte 14,85—15,10. Richtftroh 0,00. Heu 0,00-0,00. M a r k t h a l I c n v r c i s e. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartofieln(Klewbdl.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 0,00—0,00, Rindfleisch, Bauchsteisch 0,00— 0,00. Schweinefleisch 0,00—0,00. Kalbfleisch 0,00—0,00. Hainmelfleilch 0,00—0,00, Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,20— 5.40. 1 Kilogramin Karpsen 1,20— 2,40. Aale 1,60—3,20. Zander 1,40—3,20. Hechte 1,20—2,40. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebse 3,50—21,00. BSitterungsüberiicht vom 3. April 1914. Etationcn " E ij WH s r sf Wetter {a>K «s> Swinemde.,757!NW Hamburg 75g, NW Berlin 757iW Franks. a.M 75g Still München>759 xW Wien!7ö7 slill t halb bb. 4NcbcI 2 bedeckt Dunst 3 bedeckt bedeckt Stationen Ii se Havarandastü�S j PetcrSburg>763O Scillq 762® I Aberdcen 751>WSW Wetter Paris '761>NNO 2! Schnee U Schnee 2 wolkig 1 wolkig 3 halb bd d-ix w-- »!! »To _ 2 '— 0 0 6 10 Wetterprogvofe für Sonnabend, den 4. April 1914. Nachts kühler, ain Tage ivieder ziemlich mild bei mäßigen westlichen Winden und veränderlicher Bewöllung:»was Regen. Berliner Wetterbureau. Wettcrausfichten für das mittlere Rorddeutfchland bis Sonntag mittag: Zunächst noch ziemlich kühl und vielfach heiter, jedoch sehr vcr- änderlich: später vom Westen wieder ein ivenig wärmer und slärkercr Be» wölkimg, aber noch keine erheblichen Niederschläge. Freireligiöse«emelndr. Somitag. 8. April, vormiitag« 10 Uhr. Pappel-Allee 15/17: Neukölln..Jdcalpasiaac-': Tegel, Bahnhosstr. 15. und Ober Schöneweidc, Klara str. 2: Freireligiöse Vorlesung,— Vormittags 1 l Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Portrag von Herrn Dr, H, Hasse: „Modernes Prophcientum',— Damen und Herren als Gäste willkommen. Allgemeine Kranke«, und Sterbckaffe der Metallarbeiter. ».>< h,,tr.I»ug für allo-Zweige der Gewerbe»nd Industrie, Sanitätsdienst usw. kcisz'Zskn. tt«'i-Il». tivgr. 1891. Chaustee-StraSe 29—30 11 BrQcken- Straße II GroSe Frankfurter Straße 20 Sehüneberg, Hauptstraße 10. Hauptkatalog kostenfrei. Prompt. 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Fisch-Mayonnasse..... 40, Slraßburaer Eier.... 40„ Wirsingkohl mit Rindfleisch. 40, Tzraczn. polnisch..... 50, Kalbsrüden...... 60, Kalbfleisch-Snppe Herinasialat...... Echellstlch m. Sensbutlcr. Farc. Stack m. Panaschec Kahler Rippespeer... Rumpsteak...... Mittwoch, den 8. April. FrühlingSspupPe..... 15 Ps. Jlaliencr-Salat..... 40 Eier a la Figaro..... 40 Bohnen m. Hammelfleisch. 40 Ungar. Gouläsch..... 50 Paprika-Huhn...... 60 Frisches Rippespeer.... 60 Greift zu! Verkauf von Monats-Abonnenten- Herr enkletdung. \ on hohen Herrschaftou, Kavalieren. It eisenden abonniert gewesene llerrcnntoilrn, sehr wenig getragen, feinste Verarbeitung, teils von Hoflieferanten, auch auf Seide, für jede Figur passend, speziell für starke Herren. Fracks, Smokings und Gehrock-Anzüge werden zu Festlichkeiten verliehen. Firma'acht'en AÜ0lf Zt0SeNlierg Büicherslr. 61� 1 Treppe, Ecke L'rbanntraBe. Billiger als im Laden, da ich Ladenmiete erspare. Altes Gold u. Silber wird gekauft. 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Am Tonnerstag verschied nach langem, schwerem Leiden im Alter von 13 Jahren unser mniggcliebter Sohn, Edwin. Die Beerdigung findet Sonntag, den 5. April, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus stall, 52A Um stilles Beileid bitten Tie traue» nden Eltern Alfred Geneiir nebst Frau. Hautleiden Jehl bin ich m der Lage Ihnen meinen herzlichen Tank sür Ihre wundervoll heilende Medizin die mich vollständig vondem schauderhaften Hantleiden befreit hat. voll und «anz zu zollen Gustav Sichtina, Mücheln Imiffttill«,, l",i)®,c (BezHalle) Mlllplllkll folgt zu haben. Generaldepot u. Bersand, Bismarck- Apotheke Berlin: Börangrlpr. 47, ferner in den Apotheken: Eharlottenitr. 5l. PotS- damer Str. 84». Landsberger Str. 39. Kastanien- Allee 2. Augustfw. 60, Königsberger Str. 21, Belle Alliancc- straße 12, BSilmerSdorf: Wilhelms- aue 110, Schänebcrg: Hauplstr, 151, Spandau: PichelSdorser Slrage 14, F-riedrichsfelde: Zentral-Apolhekc. Dhenania, I'adrile estsm.-xhar- mac. Produkte, Bonn IM IMlr Verwaltung Herlin. Mitglikber-Ntchmmllillgkil: Maschinenarbeiter. Montag, den tt. April 1S14, abends 6 Uhr: ÜBCjirf Offen l bei Fredersdorf, Frankfurter Allee 127. ÜBCgitf Horben! bci KaczorowsUI, Ravensstr. 6. Tienstag, den 7. April 1914, abends K Uhr: Bezirk Süd-Ost: ft?a1Äbersep ,,of' 3?�en6er3Cr Bezirk©Üb-SBeft I 6ct Fröhlich, Fontanepromenade 18. Tagesordnung: 1. Bericht vom(Sautage. 2. Branchenangelcgenheiten. Achtung! Sargtischler! Achtung! Dienstag, den 7. April 1914, abends 8� Uhr: N e r t r u ii t« s m ä ii n c r- Nersummluilg bei Zllclialtseclc, Petersburger Str. 84. DV Jede Werkstatt must vertreten fein!-WZ Die Zahlstelle ZZ ist am 1. April 1914 von Frankfurter Chaussee 141b nach Möllendorffftraße 119 bei Gustav Siewert verlegt worden. Branche der Möbelpolierer! Montag, den 6. April, gleich nach Feierabend, in den„Andreas- sälen", Andreasstr. 21: Branchcn-Verfammlung Tagesordnung: 1. Die Tariftreue der Unternehmer und welche Massnahmen ergreifen wir? 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 85/15 Die Ortsverw nltnng. X en-ErölVnuii g. Moderne Kerrenbekteidnng. Stets das Neueste in Paletots, Ulstern und Anzügen. Königstr. 56 57 Yerband der Lederarbeiter ====== Filiale Berlin I Sonntag, den o. April, vormittags 10 Uhr: Prinzenallec 33: 4«limrdr»tl!chr WitgllkdkllltlsülIlMllllig Ta g e S o r d n u n g: Erhöhung des Lokalkassenbeitragcs. Dir Wichtigkeit der Dagesorduung erfordert das Ersckic.'Vcn aller Mitglieder. 134/7 Der Vor�tavd. W Tarifbezirk Groh-Berlin. In solchen Betrieben, die den an anderer Stelle bekannt- gegebenen Schiedsspruch des Einigungsamtes des Berliner Gewerbegerichts nicht anerkennen, ist vorläufig weiter zu arbeiten, sofern nicht den Mitgliedern Sonderverträgc zur Unterschrift vorgelegt werden. Wo letzteres geschieht, ist die Unterschrift zu verweigern und der Ortsvcrwaltung sofort telephonisch Nachricht zu geben. Das Bureau ist zu diesem Zwecke täglich bis auf weiteres von 8% Uhr morgens bis 7 Uhr abends geöffnet. Ferner geben wir bekannt, daff dii� Notstandsuntcrstützung bis zum 11. April gezahlt ivird. Am 4. und 11. April erhalten auch solche Mitglieder Unter« stützung, die wegen wiederholter Aufnahme Karenzzeit haben. Wer Unterstützung beziehen will, mutz den Arbeitsnachlveis zwecks Kontrolle passieren. Mit Berbandsgrutz Bio Ortsverwaltnnx]75/4* Eugelnfer 15, Zimmer 95. Tel.: Amt Moritzplatz Nr. 1232b'. 35- Olvne (xrolies fiüg-er. liefere an Jedermann Ang�tYitingj"] »icunrmann Sonntag-».12-« goOSae to-, DoitienMrobe dal Zahlung ei-.r«onatar... H__„__ m und� bequemer Abzahlung ÄSÄT&rasftSi Auch einzelne Möbel zu herabgeselzlen Preisen. �_ Sport- und Ktnderwaaea. ÖORjN�_We|"I»eSster»iraOe 4* hauser Sti aßc. 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Äeht, nachdem die Ergänzunaswahlen. die in einigen ' Kreisen notwendig waren, erfolgt sind, läßt sich die Physio- gnomie der neuen Kammer endgültig bestimmen. Tie Regie- ! rtmg hat richtige Angaben darüber, wie das Verhältnis der l Opposition zur Regierungspartei ist, so lange als möglich ; verheimlicht, weil sie ungünstigen Einfluß auf die Ergän- ! Zungswahlen fürchtete. Trotzdem hat die Regierung keine 1 Ursache, mit den Ergänzungswahlen zufrieden zu sein. Sie i erhielt von 7 Mandaten nur 3, die anderen 4 fielen der Oppo- silion zu. Im ganzen verfügt die Regierung in der neuen Kammer über 127 Stimmen, die Opposition zählt 118 Stim- men. so daß die Regierungsmehrheit auf ganze Ü Stimmen aufgebaut ist. Tie Regierung hat in Altbulgarien 98 Man- date. in den neu eroberten Gebieten 31 bekommen, diese 31 aber nur deshalb, weil die türkische Bevölkerung dieser Gfr biete auf Anweisung des jungtürkischen Kommitees in Kon � stantinopel die Regierungskandidaten wählte. Tie Opposition erhielt 198 Mandate in Altbulgarien. 19 in den neuen Ge» bieten, in denen die bulgarische Bevölkerung ausschließlich oppositionell wählte. In Altbulgarien ist also die Regie- rung wieder in der Minderheit. Ter Druck der Behörden und die Gewalttaten der Polizei vermochten ihr rncht mehr als zwei Mandate mehr einzubringen, als sie in der aufge- lösten Kammer besaß. Zieht man nun in Betracht, daß die Regierung, um eine Mehrheit zu erlangen, sich damit einverstanden erklären mußte, daß in den Wahlkreisen von Gümüldjina 12 Türken als ihre eigenen Kandidaten gewählt tvurden, Türken, die von dem jungtürkischen Komitee vorge schlagen worden waren und dabei nicht einmal alle Forde jungen des Wahlgesetzes erfüllten, so ergibt sich, daß das Schicksal der Regierung in die Hände dieser türkischen Gruppe gelegt ist. Tiefe türkischen Abgeordneten und die türkischen Mitglieder der Sobranje aus Altbulgarien bilden eine eigene Gruppe von 29 Mann. Wenn nun zwischen Bulgarien und der Türkei irgendwelche Erörterungen der Balkanprobleme Zur Frage stehen, wird sich die Regierung immer den türki- schen Wünschen fügen müssen oder sie bleibt in der Minder- heit. eine allerdings nicht beneidenswerte Lage für eine Re- gierung, die unter der Tevise der„nationalen" Politik zu kämpfen vorgibt._ Kämpfe in Süüalbanien. Turazzo, 2. April. Heute sind cpirotische Aufstän- bische vor K o r i tz a erschienen und haben mit Geschützen einen Angriff auf die Stadt unternommen. ES entspann sich ein blutiger Kampf. Tie E p i r o i e n waren heimlich in Korcha eingedrungen und machten einen plötzlichen Angriff, indem sie die Häuser der Alb* v'scn beschossen. T«r holländische Major Rueller, der Äom- mandanat der albanesischen Gendarmerie, beschränkte sich auf die Verteidigung. Tie Angreifer waren im Vorteil gegenüber den Albanesen, und Major Rueller wurde schwer verwundet. Tie Einnahme der Stadt steht unmittelbar bevor. Tie mohammedanischen Landbewohner versuchten die Stadt zu ver« leidigen. Auch in anderen Städten im südlichen Albanien wurden bie albanesischen Besatzungen vertrieben. Balona, 3. April. sMeldung der„Agenzia Stefani".) Nach hier eingetroffenen Nachrichten haben 8b griechische Soldaten, die im Hospital von Koritza gepflegt worden waren, aufgereizt von dem hellenischen Bischof, albanesische(pendarmen angegrisfrn. Es sei zu einem blutigen Kampfe gekommen, in dem ein holländischer Offizier verwundet worden sei. Tie Stadt befinde sich noch immer in albanesischen Händen.__ Äoriha in Flammen. Wien. 3. April.(W. T. B.) Die Albanische Korrespondenz meldet aus Valona: Eine große griechische Bande, die durch verkleidete griechische Soldaten verstärkt war, hat K o r i tz a überfallen und mehrere heftige Angriffe gegen die Stadt ge« richtet. Koritza steht in Flammen. Griechische Banden haben ferner die Ortschaft Frasari und einige Dörfer der Ilm- tzebung geplündert, viele Häuser Niedergebra n n t Und eine größere Zahl von Personen getötet. Viele Renschen sollen in den Häusern lebendig verbrannt sein. Frankreich. Tic Kammer und der Rochette-Skandal. Paris, 3. April. CP r i v a t t c l c g r a m m d c s„Vor- lv ä r t s".) Tie Kammer erlebte heute eine an ungeheuer dramatischen Zwischenfällen reiche Sitzung. B r i a n d s sentimentale Darlegung seines korrekten Verfahrens fand Veifall auch bei einem Teil der Linken. Dagegen fiel Bar- thou ab, welcher unfähig war, die Aneignung des Toku- ments von Fabrc zu rechtfertigen, jedoch die Loyalität seiner Benutzung erweisen wollte. Genosse E o l l y wies darauf hin. daß die k a p i t a l i st i s ch e B e c i n f l u s s u n g der v! u st i z nichts Neues sei. Tos beweise schon die neueste Verurteilung einiger Gewerkschaftler wegen der Soldaten- kasse. Er forderte die gerichtliche Verantwortung aller von der Kommission als ichuldig�Erkannten. �n glänzender Rede erinnerte darauf Genosse S c m b a t an den G e- s-tzbruch Briands gegen die Et se.nb ahner. pvotestierte aber dagegen, daß die Skandale auf die Republik zurückzuführen seien. In Monarchien habe man auch solch« Äffären, wie Marconi und Krupp beweisen. Sembat charakterisierte dann unter allseitigem Beifall die Zexsetzung des Parlaments in um die Krippen sich raufende Grüpvchcn und forderte eine fundamentale Reform der Demo- k r a t i e. die Begründung stabiler Parteien und Regierun- !l?n. Tie Sitzung dauert twch fort. Jauräs Rede wird init Spannung erwartet. Tie Verhandlung. Poris, 8. April. Die Deputiertenkammer nahm heute di« Beratung der Schlußfolgerungen des RochetteauSschusseS Mieder auf. Ter Berichterstatter Folleville brachte folgende Tagesordnung ein: Di« Kammer mißbilligt und tadelt die festgestellten regelwidrigen Einmischungen der Finanz in die Politik, und der Exekutive in die Gerichtsbarkeit, und geht zur Tagesordnung über. B r i a n d erklärte, den unbestimmten Ausdruck des Bedauerns. der sich in bezug aus ihn in den Schlußkolgerungen der Kommission finde, nicht annehmen zu können. Er rechne sich seine Rolle in dieser Angelegenheit zur Ehre an und freue sich al« Politiker und Republikaner, diese Asfäre nicht wicderaufgerührt zuhaben. Als früherer Justiz. minister könne er die richterlichen Beamten nur sehr loben. sBarthou rief ihm Vcisall.) Briand wandte sich heftig gegen die Rolle, welche i gewisic Politiker den richterlichen Beamten, die ganz in ihren Händen seien, zuweisen wollten. Lrtand schloß, wenn die Kammer die Schlußfolgerungen der Kommission ratifizierte, würde sie an einer Parodie der Gerechtigkeit mitschuldig sein.(Lebhafter Beifall auf der Rechten, im Zentrum und auf zahlreichen Bänken der Linken.) Ter Sozialist Sem bat sagt«, er sei dar Uebarzeugung, daß daS höchste Gericht Monis und Eaillaux freisprechen würde, wenn sie nicht schuldig, und verurteilen würde, wenn sie schuldig seien. Wenn es anerkannt würde, daß Caillaux ein Verbrechen begangen habe, so habe Barthou dieses Verbrechen als Waffe benutzt, um seinen politischen Gegner zu treffen. Barthou wieS darauf abermals die Beschuldigung betr. die Aneignung und Aufbewahrung des Dokumentes des Oberstaats anmalte Fahre zurück. Auf Briand dürfe kein Verdacht fallen. (Lcvbafter Beifall auf zahlreichen Bänken.) Nach einer Erklärung des Ministerpräsidenten D o u m c r g u e. welcher nockimalS nachdrücklich versicherte, daß er den Bericht des Oberstaatsanwalts Fabre vor dessen Verlesung durch Barthou nicht gekannt habe, beschloß die Kammer zur Erledigung der Rochettc Angelegenheit eine N a ch t s i tz u n g abzuhalten. Dieselbe wird hauptsächlich einer Rede de» Obmanns des UntersuchungsauS- schusseS I a u re S gewidmet fein. Vertagung des Senats. Paris, 3. April. Ter Senat hat sich bis zum 2. Juni vertagt. China. Die Diktatur Juauschikai». Peking, 3. April. Der Konvent für die Abänderung der Verfassung hat einstimmig die Amendements angenom men, die vom Präsidenten I u a n s ch i k a i beantragt waren. Der Konvent entwirst tatsächlich eine neue Verfassung, die dem Präsidenten so gut wie diktatorische Gewalt überträgt. Die unzufriedenen Parteien im Süden haben sich an Waffenhandlungen in Schanghai gewandt, um sehr bedeutende Mengen von Gewehren und Munition zu erhalten. Die englischen Firmen haben die Liefe rungen abgelehnt. Mexiko. Der Fall von Torrcoo. Juarez, 3. April. General Carranza meldet. daß T o r r e o n gestern abend genommen ivorden sei. General Villa soll dabei eine große Menge von Gefangenen gemacht haben. Der blutige Kampf um die Stadt hat elf Tage gedauert. In den Kämpfen sind auf feiten der Rebellen 099 Mann getötet und 1Z99 Mann verwundet worden. Tie Verluste der BundeStruppcn werden auf über 1999 Tote geschätzt._ �ius öer Partei. Toteiiliste der Partei. Kn Halle a. d. I. starb am Donnerstag nach langer Krankheit der Genosse Julius Ebeking, der Berichterstätter de» Hallesche« „VolkSblattcS". Mit dem nach langen, mit zäher Ausdauer und großer Geduld getragenen Leiden Gestorbenen ist einer der Tapfer- iten aus der alten Garde der Partei ins Grab gesunken, dessen Tätigkeit für die Partei weit über seinen engeren Wirkungskreis hinaus anerkannt war. So war der Verstorbene auch über 20 Jahre lang ein treuer Mitarbeiter des„Vorwärts". In Julius Ebcling verkörperte sich die Geschichte der Halleschen Parteibcwegung im allgemeinen und derjenigen unseres Halleschen Parteiblatte« im besonderen. Er gestörte mit den zu Gründern des Partei- Vereins. Von Anfang an war er Mitglied des Vorstande» und entwickelte namentlich während der Zeit des Ausnahmegesetze« einen bewundernswerten Eiter. Keine Arbeit war dem in treuester Pflichterfüllung förmlich ausgebenden ehemaligen Mascktinenbauer zu schwer, al» daß sie nicht geleistet werden konnte. Er gehörte auch mit zu dem kleinen wackeren Häuflein, das unter ungeheuren Mühsalcn die Vorbedingungen für eine eigene Presse schuf; er war vom GründungStage bis zur Stund« seine» Todes Bericht. erstatter und Redakteur des.Volksvlattes", mit ihm bat er alle Verfolgungen, aber auch die herrlichen Erfolge miterlebt und durchgekostet. Ein Herzleiden warf den Unermüdlichen aufs Krankenbett. Kaum 60 Jastre alt. wurde der Tapfere von seine» peinigenden LeibeSqualen erlöst. Die Halleschen Parteigenosse» wissen, was sie an ihm verloren haben. Gemcindewahlcrfolge. Tie G e in e i n d e w a ß l e n haben unserer Partei auch im AgilationSbezlrk Halle wiederum eine Reihe neuer Sitze in den Gemeindekörperschaften gebrocht. Au» 41 Orten wurden biSbcr Aahlresultate mitgeteilt, die der Partei günstig waren; in elf Orten wurden zum erstenmal� Sozialdemokraten gewählt. Insgesamt sselen der Partei 46 Mandate driter, 2 Mandate zweiter Kl a s s e zu. Ter WohlrcchtStampf in Holland. Ter Vorstand der holländischen Partei hat für den Lsterkongreß eine Resolution veröffentlicht zur Wetterführung des Wahlrecht»- kämpfe*. Die Lage ist jetzt diese: Die Regierung hat erne Vorlage zur Einführung de» allgemeinen Männerwahlrechts und zur Er- möglichunä des FrauenwahlrcchtS üiisgcarvcitct. In der Zweiten Kammer ist für die Vorlage eine Mehrheit vorbanden, aoer ein Widerstand der Ersten Kammer mit istrer klerikalen Majorität ist nicht ausgeschlossen. Ter Partcivorimnd schlägt nun vor: t. bei den Provinzialwahlcn für Beseitigung der bis jetzt noch klerikalen Pro- vinzialvertretungen. welche die Erste Kammer wählen, zu arbeiten und dabei..in den Kreisen, wo der Parteivorstand c» al» notwendig erachtet, mit den Freisinnigen zusammenzuarbeiten": 2. wird vor- geschlagen, falls die Möglichkeit der Ablehnung durch die Mehrheit der Ersten Kammer bestehen bleibt, einen zweiten..roten DienSiag" im Haag, wo daS Parlament lagt, abzuhalten, unterstützt von De- monsträtionen in den inneren LandeSteilen...wobei die Arbeiter so viel als möglich feiern sollen. Der Parteivorstand ruft di« Ar- beiterschast aus,..zu bedenken, daß es ietzl von ihrer Kampfsähigkeit abhängt, ob die Frucht eines langjährigen mühsamen Kampfes ge- pflückt werden kann, und ob der in Aussicht stehende Sieg der Anfang einer Periode neuer Eroberungen für ihre wirtschaftliche und intellektuelle Hebung sein wird, und daß sie wachsam und bereit zu sein hat zu einer letzten enticheidendcn. Schlacht, fall» diese von ihr gefordert wird". polizeiliches, Gerichtliches usw. Polizeiübrnall auf eine» Leichcnzug. Am Freitag, den 27. März, stürzte der Genosse Karl Vierina aus Olvenstadt bei Magdeburg bei der Reparatur eine» Schornstein» auf der Zeche.Rudolfschacht"� in Völklingen au» einer Höh« von SS Metern ab. Er war sofort tot. Zu seiner Beerdigung, die am Dienstag, den 3l. März, in Böltlingen stattfand, waren neben seinen Angehörigen je eine Deputation der sozialdemokratischen Parler und deS Deutschen Bauarbeitervsrbande? sowie ein« Anzahl Freunde aus Saarbrücken mit Kränzen mit roten Schleifen erschienen. Die Eltern de» Verstorbenen hatten einen evangelischen Geistlichen bestellt. Als der Zug sich formierte, drehte sich der Pastor um und kommandierte:„Entfernen Sie hier sofort die roten Schleifen l" Die Genossen kamen dieser Aufforderung nicht nach. Jctzr stürzten von allen Seiten Polizisten— die bis dahin nirgends zu sehen waren— über den Zug her und rissen die Schleifen von den Kränzen. Tieie bäßlicve Szene spielte sich vor der Leichenhalle vor den Augen deS Dieners christlicher Nächstenliebe ab. Der sich nun in Bewegung setzende Zug, bestehend aus zirka drei Dutzend Teilnehmern, wurde von einem vollen Dutzend Polizisten und Gendarmen eskortiert. Einen Stenographen hatte die Behörde auch mitgeschickt, der die kurzen Widmungsworte beim Niederlegen der Kränze ftetiographierte. ...... i Ein hereingefallener Tiizialistenverlrumder. Ter Vorfitzend« der„liberalen" Parteiorganisation des Wahl- kreifes Bahreuth, Reallehrer Dr. Hiendlmaper, harte im Kampf um die Verwaltung der Ortskrankenkasse Bayreuth die unter- schämte Aeußeruna getan:„Den Sozialdemokraten ist kein Mittel zu schlecht, die schrecken sogar vor einem Meineid nicht zurück." Die„Fränkische VolkStribünc" hatte disfe Beschimpfung kräftig zurückgewiesen und dem Herrn Roallehrer gesagt, daß sein Be- nehmen an Rüdigkeit da» Maß de» Gewohnten übersteige. Ter Mann, der mit der Ehre der politischen Gegner in so leichtfertiger Weise umging, verklagte den verantwortlichen Redakteur der„Frön- tischen Volkstribüne", den Genossen Hacke. Das Schöffengericht aber sprach den Angeklagten frei. Hicndlmaner legte gegen das freisprechende Urteil Berufung ein. Der Reichsverband zur Be- kämpfung dr Sozialdemokratie hatte ein ganzes Bündel Zeitung»- ausschnitte geschickt, mit dem der Kläger beweisen sollte, daß die Sozialdemokratie tatsächlich den Meineid al» politische Waffe be- trachte. Da» Gericht lehnte aber die Verlesung deS ReichSvcrbands- zeugeS ab und verwarf die Berufung. Prefiprvzetz. Vor dem Ehemnitzcr Landgericht wurde die Berufung der Redakteure Meper und Kuttncr von der(Chemnitzer..Volksstimme" gegen ein Schöffengerichtsurteil verhandelt. Da» Schöffengericht halte Meyer zu 14 Tagen Gefängnis und Äuttner zu 2S0 M. Geldstrafe verurteilt wegen zweier Notizen, in denen die Burgstädter GcmeindewahlrechtSfrage behandelt würde. � Die Einführung de» Treiklassenwahlrecht» war als WahlrcchtSraub bezeichnet, und die bürgerlichen Stadtväier waren mit dem Ausdruck„Wahlrechts- räuber" bedacht worden. Dafür die oben erwähnte Strafe.— Das Landgericht hob das Urteil gegen Meyer auf und erkannte auf 200 M. Geldstrafe. Kuttner» Berufung wurde verworfen. Letzte Nachrichten. Asquitl, über die Lage in England. London, 3. April.(W. T. B.) Noch seiner Ankunft in Newcastle hielt Preniiernümster A s q u i t h an die ouf dem Bahnhofe versammelten Liberalen eine Ansprache, in der er ausführte, die Zeiten feien kritisch, d i e f u n d a m e n- talcn Grundsätze seien in Frage ge st eilt und große Dinge ständen auf dem Spiele. Aber vorausgesetzt, daß Festigkeit und Einigkeit unter den Fortschrittlichen herrschten, würden sie ihr großes Werk festigen und vollendest. Ms der Zug mit dem Minister ASquith Newcastle verließ, versuchte eine Anhängerin des Frauen st immrechts den Zug zu besteigen. Zwei Polizisten ergriffen die Frau, die in dem entstehenden Hand- gemenge bewußtlos wurde. Nachdem sie sich wieder erholt hatte, wurde sie freigelassen. Heftige Zusammenstöße in der russischen Duma. Petersburg, 3. April. Während der heutigen Beratung der Interpellation über die Vcrgift ungS- fälle in den Fabriken kam es zu scharfen Z u s a m- m e n st ö ß e n zwischen Abgeordneten der Linken und Rech- ten, die in Tätlichkeiten auszuarten drohten. Zwei Abgeordneie der Linken wurden für die Tauer von zwei Sitzungen von den Verhandlungen ausge- schlössen.__ Tic Rcichsragswahlen in Schweden. KerlSkrona. 3. April. kW. T. B.) Tie ReichStagStvahl im �lekinge-WahlkreiS hat folgende» Ergebnis gehabt: Di« ÄertcidigungSfreunde erhielten drei Sitze, die Freisinnigen zwei, die Arbeiterpartei einen. Bisher hatte jede der Parteien zwei Mandate. Besada spanischer Kammerpräsident. Madrid, 3. Äprtl.«W. T. 58.) Zum Präsidenten der Tepu- tiertenkammer wurde einstimmig Besada gewählt Tie Uuabhängigkcitsbestrcbungen in der Mongolei. Pari», 3. April. iH. B.) Der PeterSvurger Korrespondent de»„Tempt" meldet, daß der Hutuchtu, der Herrscher der äußeren Mongolei, sich, nachdem er die Hoffnung aufgegeben hat, mit Hilfe Rußland» die Vereinigung aller mongolischen Gebiete unter seinem Szepter herbeizittühren, in einem Schreiben an de u M ikado wandte, um die Stimmung de» japanischen Herrscher» gegenüber seinem Plane zu sondieren. Er hat an den Mikado die Bitte um Unterstützunng gerichtet, auf China einen Druck auszuüben. damit diese» seine Truppen auS der äußeren Mongolei zurückzieht: dann hont der Hutuchtu mit Erfolg ouf eine Verekni- gung der mongolische» Rassen hinarbeiten zu können. Al» Äequi« valent für Japan» Bemühungen hat er der Regierung des Mikado Konzessionen aus wirti'ckaftlickwin Gebiete zugesichert. Tie Bcrgarbcitcrocwegung in South Z)orkshirr. London, 3. April. sW. T. B.) Heute fand hier eine Zu- santmcnkunst von Vertretern der Grubcnbe- sidcr und der Grubenarbeiter statt, in der die Lage in South Aorkshire besprochen wurde. E» wurde bekanntgegeben, daß man mit der Erledigung eines der bestehenden Streitpunkte wesentlich vorwärts gekommen sei. Tie Besprechung wurde auf den 3. April vertagt. Zu dem Trama im Eiomcrr. Saint John», 3. April. Wie jetzt fostgsstellt ist, hatte die Neufundland" eine Besatzung von ISO Mann, von denen 7 7 um- gekommen sind. 60 Leichen wurden geborgen. Von den Uebcr- lebenden hatten 36 erfrorene Glieder. Telephonverbindimg Badern— Italien. München, 3, April.(Amtliche Meldung.) Auf den neuen Leitungen Frankfurt a. M.— Mailarid und Zürich— Maijand finden zurzeit Svrechversuche zwifchen banerischen und italienischen Orten statt. Von dem Ergebnis dieser Versuche hängt e» ab. inwieweit Bayern in den deutsch-iialienifchen Sprechverkehr einbezogen werde» kann, e„.r A.Dandorf esssssssssssssssssssssssssssss«:� Spittelmarkt Belle-Aüiancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm ( Wurstwaren'Obst und Gemüse N Sonntag den 5. 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Gerichtszeitung. Gesindesklavcrei und Gericht. Vor der Strafkammer in Frankfurt a. C. stand eine ländliche„Herrschaft" aus flicilhardenberg, angeklagt wegen Mißhandlung, Freiheitsberaubung, Körper- Verletzung usw. ihres Dienstmädchens. Obwohl das arme Geschöpf den Dienst nach besten Kräften persah und von der Natur geistig stiefmütterlich ausgestattet war, also eine besonders rücksichtsvolle Behandlung verdient hätte, wurde es von dem Arbeitgeberpaar geradezu viehisch traktiert: nr i r Besenstielen geschlagen und mit F ü ß c n getreten und nachts in einen Stall gesperrt, wo es auf Stroh liegen mußte, nachdem die Stalltürcn zugebunden waren, damit ein Entrinnen unmöglich sei. Selbst der Staats- anwalt war über die Roheit der Angeklagten entrüstet und beantragte sechs Monate Gefängnis und die sofortige Ver- Haftung. Aber die Richter dachten anders und hielten die scheußlichen Taten mir 200 Mark Geldstrafe für den Ehemann und 100 Mark für die Ehefrau für hinreichend gesühnt. Solange die ländlichen Dienstboten nicht besser geschützt werden, wird ihre Sklaverei nicht aufhören, wird aber auch die„Leutcnot" nicht nachlassen, wird auch von Gleichheit vor deni Gesetz keine Rede sein. „Ilnjüchtigc" Ovcrcttrutcrte. Eine Beschlagnahme, welche in Theaterkreisen großes Aufsehen erregt hat, beschäftigt zurzeit das Landgericht II. Sehr bemerlens- wert ist hierbei, daß bisher sämtliche der Ilnzüchtigkcit verdächtigen Schriften und Abbildungen von dem Bezirksamt Berlin-Mittc de- schlagnahmt wurden, um sie in die Zuständigkeit der Staatsanwalt- schast I und damit vor die 12. Straftammcr des Landgerichts I, der sogenannten Spczialkammcr für Unsittlichkciten, zu bringen. Eni- gegen der früheren Praxis hat das Reichsgericht in der letzten Zeil mehrere von dieser Strafkammer erlassene Urteile, die ans- geboben worden waren, nicht an das Landgericht I zurückverwiesen, sondern dem Landgericht II überwiesen. In den beteiligten Kreisen ist man der Meinung, daß das Reichsgericht mit der Ansicht der Speziatkammer nicht immer einverstanden ist, da die Gefahr vor- liegt, daß ein Richter, der sich jahrelang mit derselben Materie bc- schästigen muß, nicht immer mit der erforderlichen Unbefangenheit an die Sache herantritt.— In dem vorliegenden Fall ist von dem Dezernenten der Staatsanwaltschaft II, Staatsanwalt Eormegh, die Beschlagnahme von drei in dem Berlage von Paul Löwinsohn in Sebönebcrg erschienenen Heften mit dem Titel„Frohe Lieder" angeordnet ivorden. Tie Hefte enthalten in der Hauptsache Kabarettlieder und Hpercttentexte. die seit Fahren öffentlich vor- getragen werden und gedruckt worden sind. Als unzüchtig sind u. a. die Lieder:„Wenn der Bräutigam mit der Braut durch die Felder geht",„Nein, Herr Zimmermann" und das bekannte„Laden- mädcl" angeschen. Interessant ist, daß � dieses letztgenannte Kabarcttlicd von Rudolf Nelson in einer Scparatvorslcllung im Königlichen Schloß zum Vortrag gebracht worden ist und den bc- sonderen Beifall des Kronprinzen gefunden hatte. Als unzüchtig werden serner Lpcrettentexlc aus Stücken angesehen, die heute noch auf dem Spielplan stehen, so z. B. das Lied..Aber gnädige Frau" aus„Jung-England" von Leo Fall und„Fräulein, es lvird regnen" aus dem„Tangofieber" im Walhalla-Theater. Neben dieser leichten Musik enthalten die Hefte, die als Titelbilder den verstorbenen Giampietro und die Künstlerin Lisa Weise bringen, auch ernstere Stücke, wie z. B. einen AuSzug aus„Parsifal" und sogar„Tic Wacht am Rhein".— Gegen diese Beschlagnahme ist von Rechtsanwalt Tr. Frey sofort Beschwerde bei dem Landgericht II erhoben worden mit dem Hinweise, daß man als Maßstab bei der Prüfung der Frage der Unsittlichkcit nicht die Ansichten von älteren, zum Teil unverheirateten Damen in Reformkostümen an- legen dürfe, wie sie kürzlich in einem Sittlichkeitsprozeß von der Staatsanwaltschaft I als Sachverständige geladen worden seien. In Theater- und Verlegerkreisen sieht man dem Ausgange dieses Verfahrens mit Spannung entgegen. Ein Gchcimsckrctör als Angeklagter. Pferde und Weiber haben den Geheimen Kanzleisekrctär Benno Friede aus Potsdam auf die schiefe Ebene gebracht. Aus der Untersuchungshaft wurde F. gestern der 3. Strafkammer des Land- gerichls I vorgeführt, um sich Wege» schwerer Urkundenfälschung. Betruges und Unterschlagung zu verantworten. Mitangetlagt war früher noch der Kaufmann Robert Gronemann, gegen den aber nachträglich das Verfahren eingestellt worden ist, da ihm nicht nach- gewiesen werden konnte, daß er nicht in gutem Glauben gehandelt habe.— Ter Angeklagte Friede war. nachdem er als Feldwebel beim Militär ausgeschieden war, als Diätar bei der Obrrrrchnungs- kammrr eingetreten und im Jahre 1904 zum Geheimen Kanzlei- sekretär befördert worden. Als solcher bezog er im letzten Jahre 3632 M. Gehalt. Er geriet in ischuldcn. als er im Jahre 1908 anfing. Rennwetten anzulegen. Außerdem fuhr er fast jeden Tag nach Berlin, wo er in den Bars den noblen Kavalier spielte. Ein Liebesverhältnis mit einer Barmixerin, der Frau eines Kellners. verschlang ebenfalls beträchtliche Summen. Mit ihr und ihrem Manne unternahm er große Weinreisen durch Berlin und machte u. a. in der Egerschen Weinstube große Zechen. Um das Geld zu diesem leichtsinnigen Lebenswandel zu erlangen, fälschte er. wie sich später ergab, aus den Namen zweier Kollegen mehrere Wechsel. Diese übergab er einer Geldvermittlerin. Als ihm diese kein Geld besorgen konnte, diskontierte Friede die gefälschten Wechsel bei der „Berliner Kredit- und Sparbank" und bei dem„Deutschen Bürger- Kredit- und Sparvcrcin", dessen Mitglied er war. Wie in solchen Fällen üblich, kam er auch mit Wrchsclschicbern zusammen, die ihm die Wechsel abnähmen, aber kein Geld gaben, während er aus bedeutet Wuchs.— Fall.—'> Unterpeget. Furcht, daß die Fälschungen entdeckt würden, die inzwischen fällig gewordenen Wechsel dann einlöste.— Schließlich hatte der An- geklagte noch als Obmann des„Vereins der Geheimen Kanzlei-, sckretäre der Oberste» Reichs- und Staatsbehörden", für den er von|| der Firma Schräder u. Eo. in Bremen Zigarren bezog, etwa 809 9)1. unterschlagen, die ihm zur Abführung an die Firma über- geben worden waren. Tie Fälschungen kamen schließlich zur Eni- deckung und Friebe wurde verhastet.—• Wie der Vorsitzende, Land- gerichtsdirektor Tr. Baiimgartcn, in der Urteilsbegründung hervor- hob, sei es ivobl der erste Fall, daß ein Beamter der Oberrechnungs- kammer sich in dieser schweren Weise gegen das Gesetz vergangen habe, so daß auch die Frage der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erwogen Ivorden sei. Das Urteil lautete deshalb auf 2 Jahre Gesäliguis unter Anrechnung von 6 Monaten der Unter- suchungshaft. Auf Ehrverlust ici nicht erkannt worden, um dem Angeklagten nach verbüßter Strafe das Fortkommen nicht noch mehr zu erschweren._ Autorascrci. Ter praktiichc Arzt Pahnarzt Tr. Stein aus Kaiserslautern fuhr am 22. Oktober 1913 in seinem eigenen Auto mit dem Re- rungsrat Feiertag, dem Gymnasialprofessor Zcufsrrth und dem Bauamtmann Schmidt nach etwas lebhafter Zecherei von Kaisers- lautern über Neustadt nach Köllstedt. Kurz vor Frankenstein fuhr der Arzt gegen eine Steinsäulc. Die Insassen wurden heraus- geschleudert. Feiertag und Scufscrth waren sofort tot. Schmidt kam mit leichten Kontusionen davon, Tr. Stein blieb unverletzt. Wegen fahrlässiger Tötung wurde Tr. Stein angeklagt. Tie Strafkammer Kaiserslautern verurteilte ihn gestern, wie ein Telegramm uns meldet, zu 4 Monaten Grsängnis. SSasseritandS-Rachrichtcn der Landesantlalt für Ecivässtriundc, mitgeteilt vom Berliner ZSetterbureau ililnilti.iliiNliiiliiiitilihyiilllLilK............... i■iiiniiiiiMmiiiiiniuiiiii'uiiumi.iiiiiiiiiiiiiimiiiuinmimmiiHiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii ......................................................................................................................................................................................................................... imhwhmuuiuiuil-- 1 tu == I 3entra1e: C., Jerufalcmer Str.32»35 Oranien* Strasse Nr. 161 Gr. frankfurter Str. 123 cssaussee- Strasse 114-115 Potsdamer Strasse Nr. 2 Tauenteten-Strasse 16 a Tauentelen» Strasse 7d frledrich-Strasse Nr. 75 NSnIg-Strafte Nr. 25-26 NofentssalerStrasseNr.d SchSnedg.,kiaupt-Str.146 Neukölln, Lerg-Strasse 25 CNarl., wilmerstiortcr Straft«« Zweigniederlassungen: Magdeburg• ssalle■ Cassel ssamvurg. 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Arbeiter, nüchtern, kräftig. Krause, Aaetslratze 38.-slw Bildungssekretär gesucht. Für das am 1. Juli 1914 für den Bezirk des 4., 3. und 6. sächsischen Reichstagswahlkreises zu errichtende Bildungs- Setretariat, Sitz Trcsden. wird ein Sekretär gesucht. An* stcllung zu den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse. Der ekrctär hat aus dem gesamten Gebiete des BildungswesenS organisatorische und propagandistische Tätigkeit zu entfalten und die Geschäfte des Sekretariats zu verwalten. Bewerbungen mit Angabe über die bisherige Tätigkeit, besonders auch über die in der Arbeiterbewegung ausgeübte, sind schriftlich bis 20. April d. I. an den Unterzeichneten einzureichen. 284-7 Vereinigung für BolksbUdnug und Kuostpslege (Bildungsausschust der Dresdner Arbeiterschaft) Oskar See bald, Vorsitzender, Dresden-A.. Ritzenbergstr. 4. I. CalMngestellte! Die Sperre über das 31/13* Cafe Urled, Belle-Alllauee-PIatz 9, ist durch Tarisabichlutz aufgehoben. Zwcigvcrciii der Gafe-'Augcstcllfcn. Achtangf! Aifth.tiiiz;! Sic verhängte Sptkl� übet d-» :: Nahenhofer Ausschank:: Inhaber Karl VorpakI, Kanonierstr. 2. ist hiermit aufgehoben. 31-16 Herr Vorpskl hat die lariflichc» Berembarungen anerkannt. Vkfiunill lief K»5t«jfl5gMöii. Berlin I. �WWWW�������MHeseilitziilli«lad.' BpmtttoitÜchtr SleicIleiiT: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.BerlagkBorwärtSBuchdruck�et u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nt. 93. 31. Jahrg. KeM-SeilU te Jwiirtf für Sikn�gfllcii. 4. April 1914. Staöweroröneten-Versammlung in Neukölln. Zunächst wurde debattcloS die Vorlage des Magistrats geneh- migt, nach welcher mit der Anlegung des Spart- und Spielplatzes an der Grenzallce begonnen werden soll. Für die zunächst herzustellende Teilanlage ist ein Betrag von 22 000 M. erforderlich. Ten in Neukölln wohnenden Veteranen aus dem Feld- zuge von 186-t will der Magistrat„aus Änlaß der äOjährigcn Wiederkehr des Tages der Erstürmung der Düppeler Schanzen" ein Ehrengeschenk von 20 M. überweisen. Stadtv. S i l b e r st e i n tSoz.) stimmte namens seiner Fraktion der Vorlage zu, geigelte Aer mit kräftigen Worten die für Reich und«taat beschämende -ratsache, daß die Veteranen, welche für das Vaterland ihr Gut und Blut zu Markte getragen haben, von den herrschenden Gewalten desselben Vaterlandes im Stiche gelassen werden und auf Gnaden- geschenke und ähnliche Almosen angewiesen sind. Stadtv. S c r n o beantragte Erhöhung des Geschenkes von 20 auf 30 M. Tie Versammlung genehmigte in diesem Sinne einstimmig die Vorlage. In Verfolg des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung dom 19. März d. I. auf Errichtung einer Schulzahn- ' l i n i k unter Anschluß an das Berliner Lokalkomitee für Zahn- Pflege in den Schulen lag der Versammlung der mit dem letzteren abzuschließende Vertrag im Entwurf vor. Danach übernimmt die Etadt einen jährlichen Äostcnbeitrag von 10 000 M. und hat außer- dem die Räume einschließlich Heizung, Beleuchtung und elektrischer Kraft für die Älinik unentgelrlich zur Verfügung zu stellen. Das Komitee verpflichtet sich, alle die Neuköllner Gemeinde-, Hilfs- und Mittelschulen besuchenden Kinder zu behandeln, und zwar Mund- krankheiten und Entfernung von Zähnen völlig kostenlos. Für Plombieren kann von den Eltern ein Zuschuß von SO Pf. pro Füllung oder ein Jahresabonnement zum Betrage von 1 M. für ledes Kind(bei mehr als 3 Kinder Höchstbctrag 3 M.) gefordert werden. In den engeren Ausschutz des Komitees sollen drei Ver- ireter der Stadt eintreten, Jwn denen einer nach dem Vorschlage des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt werden soll, vstadtv. P a c ö e l sSoz.) legte entschieden Einspruch gegen diese Verteilung der Sitze ein und verlangte für die Stadt- verordneten zwei Vertreter, damit auch die größte Fraktion, die sozialdemokratisch«, an der Schulzahnpflege mitarbeiten könne. Das sei schon um deswillen recht und billig, als ausschließlich auf deren Trängen erst die neue Einrichtung beschlossen worden ist. Er schlage deshalb Stadtv. Dr. Silberstein noch zur Wahl vor. Ter Appell an die einfachste Anstandspflicht prallte aber bei den bürger- lichen Fraktionen ab. Tie Siadtvv. S e r n o und V ö g e l k e empfahlen unter Vorbringung ganz sinnloser„Gründe" die Zu- sammensetzung der Vertretung aus einem Magistratsmitgliede, einem Krsisschulinfpektor und einem Stadtverordneten; für letzteren schlugen sie den Medizinalrat Dr. Dietrich vor. Ohne mit der Wimper zu zucken, vollzog die bürgerliche Mehrheit darauf tat- sächlich den vorher abgekarteten Gewaltakt und wählte mit 31 gegen 25 Stimmen ihren Kandidaten, lehnte aber den sozialdemokratischen Vorschlag ab. Eine lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag, dem Deutschen Reichsausschuß für LItimpische Spiele für die VI. Olympiade 1916 zu Berlin einen Beitrag von 3000 M. zu gewähren. Stadtv. Z c p m e i s e l(Soz.) erklärte, daß die Beihilfe abgelehnt werden müsse, da die Veranstalter der Olympiade, eben jener unter dem Vorsitz des Exministcrs v. Podbielski stehende Reichsausschuß, tiefes Mißtrauen verdienten. Habe man doch von jener Seite den Arbeitersportvercinen das Grunewaldstadion vorenthalten; denn die Anbietung des ersten Pfingstfeiertages konnte selbst der Reichs- ausschutz nicht als ernst auffassen. Die ganze offizielle Sport- bewegung habe nicht minder bedenkliche Seiten angenommen; das beweisen die unerhörten Vorgänge in Stuttgart, wo die Deutsche Turnerschaft ein allgemeines Sportfest unmöglich machte, weil sie nicht mit den von der Stadtverwaltung ebenfalls eingeladenen Arbeiterturnvereinen denselben Festplatz teilen wollte. So wür- den die Arbeitersportler allgemein schikaniert und ihre Vereine ganz widerrechtlich als politisch erklärt, obwohl nirgends ernster Sport getrieben werde, als gerade von den Arbeitersportlern, während I auf der anderen Seite der Sport immer mehr zum Selbstzweck auswachsc. Dazu könnten aber allgemeine Stcuermittel nicht ver» langt werden. Stastv. R o s c n o w bestritt zwar den behaupteten Selbstzweck, wußte yber der notorischen Hetze gegen die Arbeiter- sportvereinc nichts weiter entgegenzusetzen als die lendenlahme Ausrede, baß die Stadt keinen Einfluß darauf habe, wenn die Arbeiter in der allgemeinen Sportbewegung keine Vertretung hätten. Natürlich empfahl er die Bewilligung der 3000 M. Bürgermeister Dr. Wein reich tat dasselbe, indem er die allgemeine politische Zerrissenheit bedauerte, welche auch hier hindernd in den Weg trete. Man müsse dock aber die Gastfreundschaft, welche di� Deutschen bei früheren Olympiaden, insbesondere in Stockholm, gefunden hätten, erwidern. Stadtv. Dr. Silberstein(Soz.) kennzeichnete ganz mit Reckt das Gerede von der„politischen Zerrissenheit" als Verlegenhcitsphrasc. Auch in anderen Ländern gebe es verschiedene politische Parteien, aber nirgendwo noch, als in Rußland und Preußen-Deutschland,. eine so elende Nichtachtung und jämmerlichc Unterdrückung der Arbeiter. Dort könne der Sport eine allgemeine Volkssache sein, hier bei uns nicht. Stadtv. Wntzfv(Soz.l bestritt die bürgermeisterliche Behauptung, daß der Neuköllner Magistrat sich neutral verhalte. Tie Verweigerung der Turnhallen an den Arbeiterturnverein unter den fadenscheinigsten„Gründen" beweise neben anderen Borgängen das Gegenteil, wie man vor Jahren, vom Hurrapatriotismus erfüllt, Redner sowohl wie seine im neu- tralen Sinne handelnden Turngenossen ans dem Turnverein„Jahn" geradezu meuchlings und fast mit roher Gewalt gedrängt habe, so herrsche heute noch in Neukölln der unduldsame Geist gegen die Arbeiter als Sportfreunde. Die Vertreter dersclb»! müßten ja jede Selbstachtung aufgeben, wollten sie da noch Mittel für ihre Gegner bewilligen.— In der nunmehr folgenden Abstimmung wurde nur mit Mühe und Not die geforderte summe aufgebracht; 31 Stimmen wurden dafür und 30 Stimmen dagegen abgegeben, stolz können der Reichsausschuß und seine Lerne auf diese Beute gewiß nicht sein. Die Bildung einer ständige»„Deputation für das Turn- und Badewef.en" wurde einstimmig beschlossen. Sie so llbestehen aus vier Magistratsmitgliedern, neun Stadtverordneten und vier Bürgerdeputiertcn. Gewählt wurden u. a. die sozial» demokratischen Stadtvv. Heitmann, Stiele r, W u tz k y, Zcp- m e i s e l und als Bürgerdeputicrter Genosse Brätle. Elegante solide Ausführung, Rosshaar- Verarbeitung, vorzügliche Passform m, 19, 25, 32, 35, 39, 45, 55, 65 Infolge eigenei* Fabrikation ist meine Konfektion a usserorcSentlicli preiswert erstklassig verarbeitet und in den besseren Preislagen volflständiger Massersatz l Knaken-Kleldchen„Kronprinz" 3.�r.e:.B.llli. E % 5.50 j f ugiast Spezialhaus für Henen- und Knabenbekleidung 77 Kottbuser vsmin 77 Sonntag, S. April. 12 VI» 6 HJhr gcattnet. Großer SehuhYerkauf Schiihverlrieb Turmsir. 87, Jedes Paar 2—3 Mark billiger als im laden. Nur allerbeste haltbare Fabrikate. 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Andererseits klagten die Jndustrievertreter laut über die fortgesetzte Rahrungsmittelpreissteigerung und die dadurch bewirkte Erschwerung der Konkurrenz auf dem Weltmärkte. Seit ctiva Jahresfrist hört man aus den agrarkonservativcn Grundherrenkreisen fast nur noch verständnisinnige Auslassungen über die„Industrie"; die Grogindustriepresse schweigt über die bkahrungsmittelteuerrmg oder bestreitet sie gar wohl— da «Kartell der schaffenden(raffenden) Stände" ist in Wirksamkeit! So sehr, daß Wortführer der Agrarkonservativen nun sogar die Regierung auffordern, die Grubenbesitzer bei der Neubildung do Kohlenshndikats kräftig zu unterstützen. Graf Kunitz hat das Gegenteil als eine StaatSnotiocndigkcit nachgewiesen— aber da mals war das Kartell zur gegenseitigen Bereicherung auf Allgemein kosten noch nicht geschaffen. Es hat seinen guten Grund.>vcnn der..Schlotjunker" sich nun auf das engste mit dem„Krautjunker" verbündet. Beide kämpfen um den Wciterbezug von Extraprofiten alias Liebesgaben, zum Schaden einer großen Masse minderkräftiger Existenzen. Die Großagrarier wie die Schwerindustricllen rühmen das„bewährte Wirtschaftssystem", weil es diesen wie jenen die Preise im In lande hochhält und außerdem den Vernichtungskampf gegen lästige Jnlandskonkurrenten ermöglicht. Ueberall ist es aufgefallen, daß ausgerechnet die w i r t s ch a s t l i ch st ä r k st e n R o h st o f f v e r k ä ü f e r das Wort für die Bei beHaltung der Einfuhrzölle führen, wogegen die wirtschaftlich schwächeren Wcitcrvcrarbeitcr sich entweder zurückhalten oder direl für eine gewisse Milderung des„Schutzzollsystems" eintreten. Tic jcnige Fabrikantengruppe, von der man am ehesten annehmen darf daß sie des Schntzzolles bedürfen, sind keineswegs begeistert für ihn Das hat seinen guten Grund. Ter Roheisenzoll von 111 M. pro Tonne, das Kernstück der Eisen- und Stahlzölle, trägt hervorragend mit dazu bei, die auf den Eintauf(bei syndizierten Werken) von Roheisen ünd Halbzeugeisen angewiesenen Weitcrverarbeitungsmarkcn weit« bewerbsunfähig zu machen! Die Großhütten sind syndiziert im Roheisen- und im Slahlwerisverband. Das über den Selbstder brauch hinaus produzierte Roh- und Halbzeugeiscn stellen die Werke den genannten Kartellen je nach ihren Anteilen zum Verkauf zur Verfügung, und diese halten den JnlandS-Berkaufsprcis so hoch. daß in ihm auch der lO-Marf-Zoll pro Tonne mindestens zum Ausdruck kommt. Saweit die syndizierten Mengen im Jnlande nicht zum Absatz kommen, werden sie in das Ausland, hier weit unter dem Inlandspreis, verkauft. 19l3 wurden 1 754 l>Ol) Tonnen Roheisen, Alteisen, Halbzeug aus« und nur 451 l)0(l Tonnen eingeführt. Schon der ungeheure Ausfuhrüberschuß zeigt an, daß die fragliche.Industrie keines„Erztehungs-' oder Schutzzolls mehr bedarf. Sie ist eine crstklasfige Ausfuhr- industrie geworden. Der Roheisenzoll nun crnröglicht es den syndizierten Groß Hütten, den inländischen Roheisenkäufern den Einkaufspreis um den Zollbetrag zu erhöhen, wodurch der Zoll den Charakter einer außer. ordentlichen Belastung jener Verbraucher annimmt! Andererseits treten die Roheisenvcrkäufer auch als stärkste Roheisen felbsrverbraucher jenen Weiterverarbeitern als nun besonders de- günstigte Konkurrenten gegenüber, ergreifen immer weitere Te- biete der Weiterverarbeitung und erdrücken allmählich die„reinen" Werke. Wie sich die durch Rohciscuzoll und Syndikatsprcise bedrängten Verbraucher über die„bewährte Wirtschaftspolitik" auslassen, dafür einige charakteristische Beispiele, Die Stahlwerke Brunning- Haus Ä.-G. in Werdohl i. Westf. erklären in ihre», Bericht für 1912/13: „ES wäre dringend zu wünschen, daß der Roheisenver- band, der durch den Schutzzoll in Deutschland ein Monopol genießt, diesen Schutz nicht dazu benutzt, trotz des Preisrückgangs fast aller aus Roheisen hergestellten Fertigfabrikale, die Roheisenpreise in einer Höhe«ufrechizuer- halten, die zu den gesunkenen Preisen der Fertigfabrikate in keinem angemessenen Verhältnis mehr stehen." Dieser Wunsch der Roheisenverbraucher ist nicht erfüllt> vorden. Das Roheisensyndilat hat, durch sein„Schutzzoll"-Monopol unter- stützt, die Preise unverhältniSinäßig Hochgehalten; es schiebt die Schuld auf die unzureichenden Preisnachlasse des Kohlen- und Kokssyndikats. In dem Kohle nshndikat domi- niereu aber dieselben Unternehmer, die auch im Rohcisenverband und im Stahl werksverband den Ausschlag geben l Dieses Syndikatstrio nutzt Heu »Schutzzoll" also gründlich aus zur Unterdrückung der von den Syndikaten abhängigen Verbraucher. Das Barop er Walzwerk in W. wird für das letzte Jqhr keine Dividende verteilen. Welcher Grund vorliegt, geht aus einer Stelle im Geschäftsbericht für 1911/12 hervor, wo es heißt: „Beeinträchtigt wurden die Erträgnisse besonders durch die seit Januar 1912 bis aus 72 M. pro Tonne frei Werk herausgeschraubten Preise für Stahb-Roheisen, da wir in den Prcijcn unserer Fabrikate keine entsprechcude Aufbesserung erzielen konnte.,. Die gleichzeitigen billigen Vcrkauss- Preise d e u t s ck> e n R o b e i s c u> vi.auslände n a r. ,en zudem unsere auSländ'sche Konkurrenz und erschwerten uns den Wettbewerb auf dem Welt- markte. Ter R o h e i se n z o l l. den unsere Grob- industrie gar nicht mehr n o t i g hat. wirkt nicht als Schutzzoll, sondern dient nur noch zur Bc- einträchtigung d-r kleineren inlandischen Be- triebe."».--. Das ist eine fachkundige Stimme aus Jndu,trlckrei,en, die Prinzipiell auf dem Boden de» Schutzzolls stehen, aber nicht der- behlen können daß der Roheiscnzoll nicht nur überflüssig geworden -st. sondern den Charakter einer Liebesgabe für eli.s Gruppe Großindustrieller angenommen hat. Ter Roh- eisenzoll trägt nun mit bei zur Vernichtung der kleinen und mittleren Betriebe, und doch wagen es die Liebes- gabenempfänger. sich als mittelstandsfreündlich auszugeben Die Z e n t r u m s p a r t c i hat sich durch ihren Herold für inc »Unbedingte Aufrechterhaltung des bewährten Wirtschaftssysteii's erklärt. Daß damit keineswegs den Interessen der Weilerver- orbeitungslndustrie gedient ist. will das Zentrum in den| genutzten Bevölkerung Rücksicht zu nehmen hat, gibt auch die Z e n t rumspresse zu, daß unser„Schutzzollsystem" die Bergcwalti guug gerade der Schutzbedürftigen bedeutet. So schreibt das führende Zentrumsblatt, die»Kölnische Volkszcituug", am 5. Fe- bruar 1913: ..Ausnützuug des Robeiscnzolls. Daß der jetzige Roheisen- zoll für die großen„aemischtc»" Werke iiwnopolartig zuungunsten der Gesamtheit wirkt, tritt nun immer deutlicher zutage, und zwar dergestalt, daß der jetzt gar nicht mehr benötigte Roheisen- zoll aus Kosten der Gesamtheit und des verbrauchenden Puvli«- kums nur nocki für die großen und immer größer lverdenden Werke allein, und zwar unbereckligte, Borteile bringt, wie die Folgeerscheinungen lehren.... Also:»wnopolarlige Aufsaugung des Absatzmarktes von Fcrtigcrezugnissen auf Grund eigener, durch hohen Zoll und de» Verband geschützter Roheisenerzeugung, während die„reinen" Gießereien durch die Hohen Preise für Roheisen, zuzüglich Zoll, bald zugrunde gehen müssen. Für die Dauer ist es eben ausgeschlossen, daß reine Gießereien unter diesen Verhältnissen noch fortbestehen tonnen, da doch die Hoch- ofcnwerkc quf allen Gebieten den Gießereien das Brot durch eigenen Wettbewerb wegnehmen. Bleibt also das gegenwärtige Verfahren„gemischter" Werke mit eigener Erzeugung von Fertigware bestehen, dann treten bestimmt innerhalb kurzer Zeit ungesunde, amerikanische Ver- Hältnisse bei uns ein; alles auf Grund des Zolles als Anrcizmittel und Prämie dazu." Vor 5 Jahren schon haben über 100 in Sachsen-Thüringen, Rordweftdeutschland. Westfalen, Rheinland. Pfalz und Süddeutsch- land belegene Sicmens-Martinwerke, Stahlformgießereien und Walzwerte in einer Petition den Reichstag um Sistierung und spätere Aufhebung der Schutzzölle auf Roh- eisen, Schratt und Halbzeug gebeten. Der Stahl. werfsverhand wandte sich in einer Petition dagegen und hatte— natürlich— das„Ohr der Regierung". Die Sistierung der„Schutzzölle" auf im Jnlande syndizierte Produkte schlug be- reits 1902 die sozialdemokratische Fraktion in der Zolltarifkommission vor und bewies damit, daß sie praktisch mittel- standsfreundlicher ist als die angeblichen Mittelstandsparteien, die den sozialdemokratischen Antrag ablehnten. Daß der sozialdcmo- kratische Antrag die rüasichtslosc Ausnutzung des„Schutzzolls" durch die privatkapitalistischen Monopole verhindert hätte, steht fest. Heute aber muß mit der Datsache gerechnet werden, daß auf Betreiben der in dem„Kartell der schafsenden Stände" vereinigten großagrarischen und großindustricllen LiebeSgabencmpfänger das Ausbculungssystcm im vollen Umfange aufrechterhält««, wenn es nicht gar durch einen lückenlosen Zolltarif erweitert wird. Die Regierung verschließt beide Augen vor den Folgen dieser gemein- schädlichen Monopolwirlschaft. Vorortnachrichten. Eine alte Straß enbau-Unsitte. UnS wird geschrieben: In Steglitz ist jetzt ein Stück Straßen- bahn von der Friedenaner Brücke durch die Bismarckstraße fort- geführt bis zur Albrcchtstraße, um die Bautätigkeit zu beleben. Dabei hat von der Bergstraße aus eine Straßenregulierung statt- gefunden, wobei der berühmte Bismarcksockel wegen Denkmals- mangel beseitigt wurde. Die Bismarckstraße wurde zum Teil notdürftig umgepflastert mit unregelmäßigen Steinen ohne Untcrbettung. In die Fugen der Pflastersteine wird der Sand mit Wasser hmeingeschlämmt. Aber daran läßt man sich nicht genügen. Es ist eine alte Unsitte, die Pflasterebene noch einmal mit Sand zu überstreuen unter dem Vor- lvande, der Sand werde durch daS Befahren noch in die Fugen hineingedrängt. Das ist aber ganz und gar unzutreffend, der grobe Sand wird von den Lastwagen fein zermahlen und bildet. wie man sich überzeugen kann, bei Regenwetter einen »iipassierbaren Modder und bei trockenem Wetter einen feinen un- erträglichen Staub, der erst im Laufe vieler Wochen allmählich durch die Straßenreinigung beseitigt und gemildert wird. In allen Vor- ortgemeinden wird bei Pflasterdammarbeiten diese kostspielige, für die Fußgänger unerträgliche Unsitte geduldet. Die Vororte haben hier völlig nutzlose Kosten für eine schäd- liche Arbeit. Der aufgestreute Sand dient höchsten« dazu, ein schlechtes Pflaster auf einige Zeit zu verdecken. Ist er fein genug zerrieben, wird er durch den Wind haushoch getrieben und in die Wohnungen hineingefegt. Wann werden die Bauverwaltungen end- lich zu der Einsicht kommen, diese alte Jnnungsmucke zu verbieten i Ganz ebenso schlimm wirkt der auf neues Mosaikpflaster der vürgersteige aufgestreute Sand, auch dieser verwandelt sich in feinen Staub. Die Straßenreinigung muß beseitigen, was erst auf Kosten der Stadt nutzloserweise hingeschllttet wird. Wenn die Gemeinde-Bauverwaftungen das Pflaster besenrein ab- egcn lassen, nachdem der Sand in die Fugen eingeschlämmt ist. dann werden fie erstens Geld sparen, zweitens besser sehen, was ihnen der Unternehmer für Pflaster geliefert hat und drittens uns Borortbewohner vor Modderstraßen und unerträglicher Staubplage bewahren.__ Steglitz. Die sozialpemvlratischen Mandnir als ungültig erklärt. Die gestrige Gemeindevertretersitzung erklärte einen gegen die Wahlen unserer Genossen Krug und Leimbach zu Gemeindevertretern eingereichten Einspruch für berechtigt und beschloß die Ungültig- k e i t dieser Wahlen. Gute Fortschritte hat in, verflossenen Jahr die hiesige Partei- Organisation gemocht. Wie der Borsitzende in der General- Versammlung in seinem Berichte mitteilte, ist die Zahl der Wahl- beremsmitglieder von 894 auf MV gestiegen.„VorwärtS'leser sind 1241 vorhanden. In der Roten Woche sind 88 Wahlvereinsmitglieder und 82„Vorwärts'leser gewonnen worden. D-r Kassenbericht de« Genossen Leue weist eine Einnahme von 100S.ZS M. und eine AuS- gäbe von 1028.50 M. auf. Aus der aus 372 Büchern bettcheuden Bivlioihet sind 250 Bücher entliehen worden. Beim Berich, der Lolallommiijion entspann sich aus Anlaß der .,Albrechtshof"-Angelegenheir eine längere Debatte. Die nun folgende BorstandSwahl hatte folgende« Ergebnis; 1. Borsitzender Zaäww, 2. Tilg, 1. Kassierer Leue. 2. Clauß 1. Schriflsührer Hellmann, Nothnagel. Beisitzer sind Moeglich wwie die Genossinnen Bier- chenk und Lieher. Trmvelhof. Für die am Sonntag, den S. d. SB., stattsindeude Stichwahl im ersten Gemeindewahlbezirk bieten die Gegner alles auf, um den Sieg zu erringen. Zwar lassen sie in der Oeffentlichkeii„ich, viel verlauren, desto mehr wird im geheimen gearbeitet. Sogar vor dein so sehr beschrienen Terrorismus schrecken die Herren nicht zu- ein Druck ausgeübt, dainii diese dem bürgerlichen Kandidaten ihre Stimme geben. Mit guten Gründen kann man uns nicht bekämpfen, da muß es eben so gehen. An unseren Parteigenossen wird es nun liegen, die Hoffnungen der Gegner zuschanden zu machen. Wenn jeder unserer Genojien tauch der nicht zur Wahl stehenden Bezirke) seine volle Schuldigkeit tut, dann wird es uns gelingen, auch diesen Bezirk zu erobern, so daß daini die dritte Klasse nur von Sozial- demokraten besetzt ist. Mahlsdorf an der Ostbahn. Aus der Gemeindevertretersitzung. Gegen die Wahl des Herrn Henkel in der ersten Abteilung war vom Grundbesitzerverein Mahls- dors-Süd Protest eingelegt, den Herr Grützner damit begründete, daß ein ortsansässiger Wähler sein Stimmrecht durch einen anderen hat ausüben lassen und daß das Wahlbureau von Wählern aller drei Abteilungen gewählt worden ist. Der Gemeindevorsteher hielt beide Gründe für stichhaltig. Die Vertreter des.vausbesitzervereins bekämpften beide Protestpuntte und traten für Gültigkeit der Wahl ein. Unsere Genossen wandten sich gegen den zweiten Punkt, er- kannten aber die Berechtigung des ersten Punktes an und stimmten gegen die Gültigkeit der Wahl. Die Wahl wurde für ungufhg erklärt. Gegen die Wahlen in der zweiten Abteilimg war von der- selben Seite Protest eingelegt, und zwar ebenfalls wegen der Bureauwahl. Diese Wahlen wurden für gültig erklärt. Gegen die Wahlen in der dritten Abteilung hatte Herr Oberpostafsistent Fischer Einspruch erhoben niit der Begründung, daß die bor- genommene Bezirkseintcilung nicht zu Recht erfolgt sei und daß bei der Verteilung der Mandate mit drei Bertretern für den Nord- bezirk und zwei Vertreter» für den Ssidbezirk, der letztere alle sechs Jahre einmal um sein Wahlrecht tommc. Der Gemeindevorsteher vertrat die Gültigkeit der Bezirkseinteilung. Die Wahlen wurden für gültig erklärt. Tagegen stimmten die.Herren Bartsch, Klein, Haast, Wille, Plewe und Siewert. Außerdem lag noch ein Dring-- lichkeilsantrag. die Legung von Wasserröhren in der Voigtstraße betreffend, vor. Der Gemeindevorsteher betonte, daß das Straßen- land noch nicht an die Gemeinde aufgelassen sei und der Zweck- yerband an dem jetzt schon zwei Jahre vorliegenden Bebauungsplan gerade für diesen Ortsteil Abänderungen vorhabe. Er, der Ge« meindcvorstcher, habe sich bisher Msthe gegeben, beide Angelegen. heilen zu fördern, aber disber leider ohne Erfolg. Es wurde all- seitig betont, daß diese Hindernisse so bald wie möglich beseitigt werden müßten, damit dieser Ortstcil nicht länger in seiner Eni- Wickelung zurückgehalten werde. Zum Schluß wurde ein Antrag des Herrn Plewe angenommen, der den Gemeindevprsteher beauftragt, bei dem Zwcckverband dahin zu wirken, daß der Bebauungsplan für Mahlsdorf endlich einmal zur Verabschiedung gelangt, Weihensee. Der Kanalisationszweckverbaiid, umfassend die Gemeinden Weißensee, Hohenschönhausen und Heinersdorf, ist am 1. April in Kraft getreten. Die Gemeinden Hohenschönhausen und Heiners- darf haben je zwei Vertreter im Berbandsausschuß und Weißensee drei Vertreter. Der erste Abgeordnete jeder Gemeinde ist ohne Wahl der jedesmalige Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister oder ein von ihm zu bestimmendes Mitglied der Gemeindeverwaltung. Im übrigen werden die Abgeordneten und deren Ersatzmänner durch ihre Vertretungskörperschaften gewählt. Von Weißensee ge» hört auch Genosse Taubmann dem Zweckverband an. Zeuthen. Die Gcmeindevertreterwahl am Dienstag, den 31. März, hat m der dritten Abteilung ein endgültiges Resultat nicht ergeben. Bon 3S1 Wahlberechtigten übten 150 ihr Stimmrecht aus. Auf den Ge- nossen Feiertag entfielen 75 Stimmen. Die gleiche Anzahl Stimmen erhielt auch der konservative Gegenkandidat. Es ist des» halb Stichwahl erforderlich, die am Mittwoch, den 15. April, abend? von 7—8 Uhr stattfindet. Klein-Tchönebeck-Fichtenau. Eine Mohrenwäsche versuch: das bürgerliche Wahlkomitee durch eine„Oeffentliche Erlläruug" in der»Rieverbarnimer Ost-Wacht" o» ihrem Wahlmacher, dem Gemeindevertteter Schramm vorzunehmen.' Ein leichtes Stück Arbeit mutz es nicht gerade gewesen sein, an da? die Herren herangegangen sind: haben sie doch reichlich vier Wochen gebraucht, um eine.Richtigstellung" von knapp dreißig Zeilen zu« recht zu drechseln. Der oberflächliche Leser soll nämlich in den Glauben versetzt werden, als sei nunmehr die Behauptung unserer Genossen, der Gcmeindevertreter Schramm habe ein Flugblatt ver» faßt, mit den Namen A. Timn, und Bätac unterzeichnet und Ver« breitetet, ohne daß die beiden Herren den Inhalt kannten, end« gültig widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall. Da? bürger« liche Wahlkomitee bestätigt vielmehr diese Behauptung, indem eS geflissentlich darauf nicht eingeht und erklärt nur. nachdem die Herzbeklemmung vorüber, daß Herr Timm als Borsitzendec „den Inhalt deS Flugblattes mit seinem Namen voll und ganz deckt", daß Herr Schramm bei der innigen Zusammenarbeit der drei bürgerlichen BereinSvorstände sich wohl für berechtigt halten konnte, ein„solches" Flugblatt zu verfasseii und daß Herr Bötac„grundsätzlich auch mit dem Inhalt einverstanden gewesen sei" und eS sogar unter« zeichnet hätte, wenn er es zu Gesicht bekommen. In der öffentlichen Versammlung, i» der uiisere Genossen dem staunenden Wahlburean das Rundschreiben unter die Nase hielten, hat Herr Timm es Herrn Schramm überlassen, sich aus der unangenehmen Situation heran?« zuwinden. Herr Bvlac dagegen verließ ganz aufgeregt den Saal. erklärte draußen:„was soll man dazu sagen, der Schramm macht alles über unsere Köpfe", entschuldigte sich dann bei unserem in dem Rundschreiben aiigegriffeueu Genossen Mey, indem er ausdrücklich betonte, daß er sich die Angriffe nicht zu eigen mache, sie vielmehr auf das lebhafteste bedauere. Nach der„Oeffentlichen Erklärung' teht außerdem„och fest, daß Herr'Schramm die drei bürgerliche« Vereinsvorstände so genau kannte, daß er die Abfassung eine? „solchen" Flugblattes unter Benutzung der beiden Namen wagen durfte und daß Herr Bstac nur vier Wochen gebrauchte, um sich soweit zu entwickeln, daß auch er jetzt grundsätzlich mit dem Inhal» des Flugblattes einverstanden ist. Wir nehmen von dieser„Oeffem« lichen Erklärung" dankend Notiz und kondolieren. Wie steht es übrigens mit der Unterschrift de« Herrn Kraus«? In der Erllärung ist davon kein Wort zu finden. Hat eS nicht mehr ausgereicht, um auch diese„sozialdemokratische Behniipftmg" richtig« zustellen? Spandau. Stadwerordnetenorrsomml»,»«. Nack Einführung des neu» gewählten Stadtrat« Dr. Woelck beschäftiaten sich die«tadtverord« nete» mit det Errichtung einer Badeanstalt in der Wilhelmstadi. Bei der Abstimmung ließ sich jedenfalls die Kommunale Bereini« aung von dncrn Schreiben der Pächterin de« Frauenbades in der Wröhmännerstraße, daß das Bad ein„bürgerliche«" sei, leiten und brachten den Antrag des Stadtv. Dr. Kantorowicz, die Bade« anstalten an allen Nachmittagen freizugeben, zu Fall. Beschlossen wurde, daß eine Badeanstalt in der Wilhelmstadt vorläufig nicht errichtet werden soll, hingegen aber vom nächsten Jahre ab di« Badeanstalten in der Wröhmännerstraße am Dienstag, Donner?» tag, Sonnabend und Sonntagnachmittag als Freibad freizugeben« Uebsr den Bau des neuen Gasbehälters, für den 02 000 M, bewilligt werden sollten, berichtete Stadtv. Lzerow, Nach kurz»? Debatte wurde der Borlage zugestimmt. Zur Linderung der Wohnungsnot beantragte der Magistrat den Beriauf eines Geländes im Stadtwald gegenüber de» Schützenhof am Niederneuendorfer Weg an eine Aktievgosellschaf» Jur Ansiedelung von Einfamilienhäusern�zum Preise Von 4,5 M. für einen Quadratmeter Rohland. Tie Stadt soll sich an der Ak- tiengesellschaft mit 10 Aktien zu 1000 M. beteiligen und die selbst- schuldnerische Bürgschaft für das Baukapital von 750 000 M. über- nehmen. Stadtv. Aschke empfahl die Vorlage mit Rücksicht auf die große Wohnungsnot zur Annahme, während der liberale Aadt- verordnete Prager gegen die Vorlage sprach, weil die Stadt dabei ein zu großes Risiko habe, die Aktiengesellschaft sich nur mit einem Kapital von 10 000 M. an dem Unternehmen beteilige und außer- dem der Preis von 4,5 M. pro Quadratmeter zu billia sei. Ober- bürgermeifter Koeltze betonte, daß die Stadt im Vorstand der Aktiengesellschaft die Mehrheit haben werde. Außerdem brauche die Stadt selbst kein Geld herzugeben, sondern nur die Bürgschaft für das Geld zu ubernehmen, welches die Landesversicherung hergebe. Selbstverständlich wolle dip Stadt bei dem Geländeverkauf kein Ge- schäst machen. Genosse Pieck trat warm für die Vorlage ein, da hier dringende Abhilfe nottue. Seine Fraktion stebe ja grundsätz- lich auf dem�Standpunkt, daß die«ladt selber Wohnungen baue. £a aber die Stadt schon über ein Jahr brauche, um eine Bedürfnis- anstalt herzustellen, so würden die Wohnungen jedenfalls erst im Jahre 1921 fertig werden. Die Stadtvv., Dr. Zapel und Wolf (Freie Bereinigung) sprachen sich entschieden gegen die Vorlage aus. Sie gelangte zur Annahme, ebenso ein Antrag Werner, den Ma- gistrat zu ersuchen, nach Möglichkeit sämtliche Aktien zu erwerben. Zur Beschaffung eines Sachverständigengutachtens über den hiesigen Strahenbahnbetrieb zur Feststellung etwaiger Mängel und notwendiger Verbesserungen, insbesondere zur Beurteilung der Rentabilität der Nonnendammbahn, wurden nach kurzer Debatte 1000 M. bewilligt. Zugestimmt wurde dem Vertrag über die Ver- längerung des Strahenbahnbetriebes vom Bahnhof Jungfernheide bis zum Verwaltungsgebäude der Firma Siemens Ii. Halske auf dem Nonnendamm. Nach dem Vertrage ist es den von Spandau kommenden Fahrgästen gestattet, ohne Nachzahlung mit der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn von der Reisstraße bis zum Bahn- Hof Jungfernheide zu fahren. Ebenso können in umgekehrter Richtung die Fahrgäste ohne Nachzahlung bis zum Markt in Spandau fahren. Dann wurde noch die Auflösung der Nonnendammbahn-Gesell- schast m. 5. lind die Einverleibung der Nonnendammbahn in die Spandaner Straßenbahn beschlossen. Iugendveranstaltuuge». Schöneberg..Was bringt die Entlassung aus der Schule f", so lautet daS Vortragsthema der Frau A. Fahrenwild für die am Sonntag, den 5. April, in der Schlohbrauerei, Houptstr. 121, pattiindende Zusammen- kunst der Arbeiterjugend und ihrer Eltern. Im Interesse der Arbesterjugend ist zahlreiche Beteiligung geboten. Weissensee. Sonntag, den ö. April, nachmittags 2 Uhr, im„Albrechts- hos", Parkstrahe 16: Große öffentliche unpolitische Jugendvcrsammwng. Tagesordnung:„Wohin gehört die proletarische Zugend?" Reserent: Herr Schriststeller Kurt Döring< Steglitz. Freie Aussprache.— Wir bitten alle proletarischen Eltern, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter zum Besuch dieser Versammlung anzuhalten. Stralau. Heute, Sonnabend, den 4. April, abends 8 Uhr, im Lokale der Witwe Schröder(»Alte Taverne"), Alt- Stralau 25— 27: Ocffentliche unpolitische Jugendversammlung. Britz. Sonntag, den S. April, abends 7 Uhr, findet im Heim eine Frühlings-(Goethe.) Feier statt. Mitwirkende: Herren Farbig und Winguth und Fräulein Paul. Vortrag, Rezitationen und" Lieder zur Laute. Die neu eröffneten, bedeutend erweiterten Geschäftsräume bieten| besonders grosse Vorteile in Herren-Moden I Der solide Sommer- Pa lef ot aus gutem Marengo-Cheviot, mit Satinellafutter, vornehme Passforra Hauptpreislagen: 4