Nr. 101. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,36 M., monatl. 1,10 m., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illufirierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutichland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts 5 Pfennig 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Stolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewertschaftliche Bereins und Berjamminungs- Anzeigen 30 タラ fg. Kleine Anzeigen", das fettgedrudie 28ort 20 Pfg.( zuläsfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Big.. jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buch staben zählen für zwei Borte. Inseraie für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Morigplas, Nr. 1983. Der heilige Geist. Dienstag, den 14. April 1914. Expedition: S. 68, Lindenstraße 69. Werninrecher: Amt Morisvlak. Nr. 1984. nur eine„ Erziehungsbeihilfe", denn sie bildet geradezu einen oder das Eingreifen der Reichsregierung, und der zweite scheint Eckstein des ganzen militaristischen Systems. Auch der Mili- dem medlenburgischen Minister der beste und gangbarste zu sein. tarismus herrscht nach dem Grundsay: Divide et impera! Seine Auffassung deckt sich vollständig mit der unseren. Die Ein furchtbarer Würgeengel ist der preußisch- deutsche gemeinen" Soldaten als eine gleichförmige und gleich- strelik beizuspringen, wenn auch aus anderen Gründen. Zuletzt und sucht darum mit allen Mitteln zu verhüten, daß sich die Sozialdemokratie hat sich schon mehr als einmal bereit gezeigt, den bedrängten Serenissimis von Schwerin und NeuMilitarismus. Unser Chemnizer Parteiorgan hat vor kurzem strebende Masse fühlen. Darum werden schon die Eifer- erst im vergangenen Jahre, als sie im Reichstag den Antrag einan der Hand amtlicher Statistiken dargetan, wie er unter füchteleien zwischen den einzelnen Truppengattungen und gebracht hatte, dem Artikel 3 der Verfaffung des Deutschen Deutschlands blühender Jugend wütet, und es waren schauer- wiederum zwischen den einzelnen Regimentern, die oft in Reiches einen Zujazz zu geben, nach dem in jedem Bundesstaat liche, waren grauſenerregende Ziffern, die sich da enthüllten. blutige Schlägereien ausarten, von vielen Vorgesetzten be- eine auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen In den letzten elf Jahren sind durchschnittlich 2855 Soldaten günstigt, aber seinen Trumpf spielt dieses System doch durch Wahlrechts gewählte Vertretung bestehen soll. bestraft worden, weil sie die gute Luft der Mannschaftsstube die Macht aus, die es nicht auf dem Papier, wohl aber in der Der Minister ist der Meinung, der Antrag, in dem ja übernicht, fürder zu atmen vermochten und Fahnenflucht heißt Tat den alten Stnochen" über die" Hammels" einräumt. dies, die Ausdehnung des Wahlrechts auf alle über 20 Jahre alten man es pathetisch- den preußischen Kommißbroten Valet Solange die„ alten Beute" die Rekruten kujonieren und Personen gefordert wurde, gehe zu weit und die Sozialdemokratie fagten. Nicht weniger als 33 000 Jahre Gefängnis sind seit schikanieren, und solange die Rekruten vor den alten Leuten" müsse sich mäßigen. Nun, wir fönnen ihm versichern, daß so wenig Bestand des Deutschen Reichs für dieses fürchterliche Vergehen zittern, solange brauchen die Nuznießer des Militarismus bereit sind, wir trotzdem einem von anderer Seite gestellten Anwir auch von unseren grundsätzlichen Forderungen abzulassen ausgeworfen worden, und sogar über 50 000 Jahre Zuchthaus nicht zu fürchten, daß sich in ihren Bezirken die Interessen- trag, der nur die Einführung einer aus allgemeinen Wahlen herund Gefängnis wurden verhängt, weil nicht in jedem Träger solidarität der Unterdrückten den Unterdrüdern gegenüber vorgegangenen wirklichen Volksvertretung fordert, unsere Zu des bunten Rockes der tuschende Gehorsam des niedergeprügel- durchsetzt. stimmung geben werden, wenn unser Antrag keine Mehrheit findet. ten Hundes stedt: über 50 000 Jahre wegen militärischen UnAber auch hier arbeitet die Entwicklung auf diese Inter- Aber das weiß ja auch der Herr Minister, denn die Versuche, vom gehorsams, dessentwegen jährlich rund 3000 Soldaten ange- effensolidarität derer hin, die keine glitzernden Tressen am Reiche her Mecklenburg zu modernisieren, find ebenso alt, wie das klagt werden. Ein noch dunkleres Kapitel bilden die Stragen und feine Epauletten auf den Schultern tragen. Reich selbst, und schon in den Jahren 1871, 1873 und 1874 iſt im Soldatenselbstmorde, deren die Statistik seit 1870 im deut- Schon heute ist der Terrorismus der alten Leute" in solchen Reichstag der Antrag gestellt und angenommen worden, dem Arschen Heere 10 439 verzeichnet. Rund 240 von den jungen Truppenteilen fast vollständig ausgerottet, die sich wie die titel 3 einen Zusatz des Inhalts zu geben:" In jedem BundesLeuten, die am Tage der Aushebung, mit bunten Bändern am tretung bestehen, deren Zustimmung zu jedem Landesgesetz und staat muß eine aus Wahlen der Bevölkerung hervorgegangene VerSut, von Kneipe zu Kneipe schwanken, enden in einem Jahre aur Feststellung des Staatshaushalts erforderlich ist." Später find durch Selbstmord, und rechnet man noch die 130 bis 150 mißähnliche Anträge im Reichstag dann daran gescheitert, daß das glückten Selbstmordversuche jährlich hinzu, so ergiebt sich, daß stärker gewordene Zentrum aus angeblichen Rücksichten auf den Tag für Tag in deutschen Kasernen ein gepeinigter, am Leben bundesstaatlichen Charakter des Reiches sich mit den Konservaberzweifelnder Mann nach dem Strid oder dem Dienstgewehr tiven zu ihrer Ablehnung zusammentat, und erst im gegenwärtigen greift" Soldaten, die sein lust'ge Brüder", wie es im Parlament würde er wieder eine Mehrheit finden können, vorLiede heißt. ausgefeßt, daß die Nationalliberalen restlos bei der Stange bleiben. Aber schließlich würde das Ganze ja doch nur eine Demonstration bleiben, da der Bundesrat sich bon jeher auf cinen ablehnenden Standpunkt gestellt. hat und nichts dafür spricht, daß er im Begriffe ist, seine Meinung zu ändern. Das allerschönste aber ist, daß Mecklenburg selber sich bislang immer, wenn es ernst wurde, gegen das Eingreifen Ein Prozeß, der einen solchen Soldatenselbstmord zum Ausgang hatte, spielte sich dieser Tage in Met ab, und zwar waren es nicht Borgesezte mit Epauletten oder Tressen, die durch Schindereien und Schikanen einen Menschen in den Tod gehetzt hatten, sondern Kameraden", die einen Dragoner so lange quälten, mißhandelten und bedrohten, bis er, von sinnloser Berzweiflung gejagt, die Fahnenflucht aus dem Leben ergriff. Pionierbataillone aus aufgeklärten Proletariern zusammensetzen. Je mehr der Gedanke des proletarischen Klassentampfes auch den jungen Nachwuchs der arbeitenden Klasse ersetzt, desto mehr wird jene barbarische Mißhandlung aus den Mannschaftsstuben verschwinden und der roh zuhauende Heilige Geist", der im Grunde Geist vom Geist der herrschenSen Klassen ist und sicher ihre Geschäfte besorat, wird durch den wahrhaft heiligen Geist der proletarischen Klassen solidarität verdrängt werden. Wir und Dorchläuchting. Der Minister eines deutschen Bundesstaates empfängt den des Reiches gesträubt hat. Wir brauchen da nur an das Jahr Vertreter eines radikal bürgerlichen Blattes. Er schildert ihm in 1910 zu erinnern, wo unmittelbar nachdem wieder einmal ein beweglichen Worten die traurige Lage seines Landes und appel- Verständigungsversuch mit der Ritterschaft gescheitert war, der liert schließlich durch den Journalisten an den Deutschen Reichs- medlenburgische Bundesratsbevollmächtigte von Brandenstein im tag, daß dieser ihm und seinem hohen Herrn in ihrem Kampfe mit Reichstag erklärte, seine Regierung fönne ein Eingreifen des den Edelsten seiner Nation zu Hilfe eilen möge. Reiches mit Rücksicht auf die Selbständigkeit der Bundesstaaten gar an dem Dieser Prozeß warf wieder einmal ein helles Schlaglicht auf das vielleicht fürchterlichste Inventar der militaristischen Schreckenstammer: den Terrorismus, den die sogenannten ,, alten Leute" oder„ alten Knochen", die Angehörigen des Wäre das Interview am 1. April erschienen, so würden wir nicht wünschen. es mit sehr viel Vorsicht und Mißtrauen betrachtet haben. So Zunächst also müßte die mecklenburgische Regierung die Erälteren Jahrganges, über die„ Hammels", die Refruten oder aber steht's in der Osterausgabe des Berliner Tage- flärung abgeben, daß sie ihre Meinung geändert hat und daß sie Angehörigen des jüngeren Jahrganges, ausüben. Schlimm ist blattes". Es kann sich also faum um einen Aprilscherz handeln. auch vor dem preußischen Widerstand, der sich schließlich ja doch für den jungen Soldaten ein Hauptmann oder Leutnant, der Es ist tatsächlich so, daß Dr. Bossart, der Staatsminister von nur aus der Furcht vor einer Einmischung des Reichstags in die feinen üblen Trieben angesichts wehrloser Untergebener die Mecklenburg- Strelis, an die Oeffentlichkeit, und noch dazu an die preußische Wahlrechtsfrage herschreibt, nicht kapitulieren wird. Bügel schießen läßt, schlimmer ein Feldwebel oder Unter- liberale Oeffentlichkeit, flüchtet, um ihren Beistand gegen die medlen- Inzwischen mag der Reichstag immerhin eine neue Aktion unteroffizier, der die Seele eines Schinders in der Brust trägt, aber burgische Ritterschaft zu gewinnen, die den Berfassungsplänen nehmen, aber wir wissen ja, was Reichstagsbeschlüsse heute be am schlimmsten ,, alte Leute", die ihr Mütchen an den jüngeren der doppelföpfigen Regierung hartnäckigen Widerstand leistet. deuten. Aussicht auf Erfolg bestände erst dann, wenn die mecklen Kameraden fühlen, am schlimmsten deshalb, weil sie Tag und Scherzhaft bleibt die Sache troßdem. Zwei Monarchen, die burgische Regierung mit ihren beiden Großherzögen an der Spike Nacht, Stunde für Stunde um ihre Opfer sind und sie nicht aus mit den berufensten Stüben ihrer Throne nicht fertig werden, offen gemeinsame Sache mit der linken Seite der deutschen Volks. den Fängen lassen. Da gibt es keine Demütigung und Ent- bieten unter allen Umständen ein komisches Bild, und wenn nun bertretung machten. Wir unsererseits würden uns der Minister eines der beiden durch eine große Reihe von ge- scherzhaften Eindruck einer solchen Allianz nicht weiter stoßen, denn würdigung, die den„ Hammels" von dem älteren Jahrgang meinsamen Einrichtungen eng miteinander verbundenen Staaten wenn es gegen Junker und Ritter geht, sehen wir uns unsere Vernicht zugemutet würde und der Komment eines studentischen sich auf dem Wege über das„ Berliner Tageblati" hilfeflehend an bündeten nur auf ihre Zuverlässigkeit hin an. Aber ob die Korps ist ein einfaches und selbstverständliches Ding im Ver- den Reichstag, das heißt, wie die Dinge liegen, an die Linke des medlenburgischen Landesväter und ihre Minister troß der großen gleich zu dem Zeremoniell, das die„ Hammels" im Verkehr Reichstages wendet, und auch der Sozialdemokratie nahelegen läßt, Worte des Herrn Bossart nicht schließlich doch Angst vor einem mit den alten Knochen" einhalten müssen. Die Krönung ihn und seinen Großherzog durch Verzicht auf zu radikale Anträge Busammengehen mit Leuten bekommen würden, für die die dieses unerhörten Herrschaftssystems einer Jahresklasse über zu unterſtüßen, so muß das gerade in den gegenwärtigen Beit- medlenburgische Verfassung nur etwas, das preußische Wahlrecht die andere ist der heilige Geist", jene viehische und ge- läuften, in denen der Deutsche Reichstag wieder einmal Be- aber viel bedeutet, das darf billig bezweifelt werden. meine Mißhandlung eines Refruten durch Mannschaften des schimpfungen und Verdächtigungen der nationalen Echreihälse beälteren Jahrganges, die von einem halben Dutzend mit Säbel- sonders ausgesezt ist, überaus belustigend wirken. koppeln bewehrter Kerle durch einen nächtlichen Ueberfall an lenburg die altständische Verfassung bestehen bleibt, haben die beiden Aber freilich ist Not am Mann. Solange in den beiden Meckdem im Bett liegenden wehrlosen Opfer ausgeübt wird. Auch hohen Landesherren die Kosten des Landesregiments prinzipiell der Dragoner im Meßer Fall war durch die Drohung: Heute persönlich zu tragen, und zwar aus den Mitteln des DomanialNacht kommt der heilige Geist zu Dir!" in den freiwilligen" gutes. Herr Dr. Bossart versichert zwar, daß eigene Interessen der Tod getrieben worden. Großherzöge bei dem Wunsche nach einer Verfassung gar feine Nun wäre der Terrorismus der alten Leute" und das Rolle spielten, aber gleichzeitig setzt er doch auseinander, wie für Walten des„ heiligen Geistes" undenkbar ohne die schweigende den Strelitzer die Geschichte immer teurer werde. Die Stände von Billigung mancher Vorgesetzten. In der Tat pflegen oft die Vor- Mecklenburg- Schwerin haben sich, da der Schweriner Hof fein gesetzten, zum mindestens bis zum Feldwebel aufwärts, den eigenes Vermögen besitzt, dazu verstehen müssen, Beträge, die für „ aiten Leuten", wenn irgend etwas nicht flappte, augen- das Allgemeinwohl angefordert wurden, zu bewilligen, doch Dorch zwinkernd den guten Rat zu geben, sie müßten an der„ Er- läuchting in Neu- Strelitz ist ein reicher Mann, er hat bisher alles ziehung" der ungeschickten Rekruten selbst mitwirken. Das selbst bezahlt und hat nach Versicherung seines Ministers für sein Wolf stets ein offenes Herz und eine offene Hand gehabt. Auf die Bei uns ist die Anklage monopolisiert, daß alleinige Recht lassen sich die„, alten Knochen" nicht zweimal sagen, und schon Dauer jedoch läßt sich dieses System nicht durchführen. Das Reich einer Behörde. In Deutschland heißt es nicht: ch flage in der nächsten Nacht erscheint, mit Koppeln und Koppel- ftellt Anforderungen, verlangt die Errichtung von allen möglichen a n", sondern: Ich klage an,- ich, ich, nämlich der Herr schlössern wüst darauf loshauend, der heilige Geist". Der Anstalten und Behörden, die in dem alten patriarchalischen Ge- Staatsanwalt." Militarismus befolgt ja auch das verwerfliche System, das meinwesen für überflüssig gehalten wurden furz und gut, die Sonderbar, aus den obskursten Lagern posaunt und er alle für einen büßen läßt. Hat in einer egerzierenden Ab. vorhandenen Mittel reichen nicht aus, und je mehr das far wird, rumort es heute gegen die Trust gefahr. Gegen das teilung nur ein Mann beim„ Griffekloppen" versagt, so um so eifriger betreiben die beiden Großherzöge die Schaffung Bigarettenmonopol bildet sich eine Interessentenorganisation mit bezahlten Wanderrednern, und in Dresden wird bereits ererziert die ganze Abteilung mit Sandjäden im Tornister einer neuzeitlichen Verfassung. So erweist sich der Geldmangel als Hebel für die Entwickelung gehaussucht. Die Gefahren der Trusts", so heulen uns schweißtriefend nach. Da bedarf es denn nur eines geringen zum modernen Staat. Aber leider, die Herren Ritter haben für Blakate und Anschlagssäulen an. Warum spricht aber nie ein Sinweises, um die Wut der zu unrecht strapazierten Leute die Notlage ihrer angestammten Landesväter ein wesentlich ge- Mensch von den Gefahren des Anklagetrusts?- Wenn fich gegen den schuldigen Pechvogel austoben zu lassen. ringeres Verständnis als für ihre eigenen Interessen, und alle mir unbekannte Kapitalstrategen in Amerika den Preis Aber in dieser gewissermaßen legitimierten Schinderei Versuche, zu einer Verständigung mit ihnen zu gelangen, find bis meiner Zigarette diftieren, ist das unangenehm, aber ich kann der jüngeren durch die älteren Mannschaften steckt mehr als her gescheitert. Da bleiben dann nur zwei Wege: die Oftrovierung das noch zehnmal eher ertragen als das Gefühl, in den Gegen den Anklagetrust. Im alten demokratischen Athen gab es keine Staatsanwälte. Jeder Bürger hatte das Recht, ein trogiges„ Ich flage an!" in die Oeffentlichkeit zu schleudern, wenn er einem Verbrechen auf der Spur war. Gegen allzu leichtfertige Anklagen halfen Bußen, denen der Ankläger verfiel, wenn nicht einmal eine bescheidene Minorität der Volksrichter fir schuldig" stimmte. Gewiß, viel Schatten ist in diesem System; aber ein Schatten, wie er auf griechischen und italischen Marmorbauten nur als Kontrast steht zu der blendenden Selligkeit, die von den weißen Wänden leuchtet. brennendsten Fragen von Recht und Unrecht an einen An- 1 Die Staatsanwaltschaft schien auch bereit, sich mit der Sache finden. In den Versammlungen selbst kam es infolge des flagetrust verkauft und verraten zu sein. zu befassen und eröffnete die Voruntersuchung. Da kam die Vorgehens der Polizei zu sehr erregten Auftritten. Die Aber woher dieses ängstliche Mißtrauen, wird man Mertinsche Beschwerde im Reichstag und wenige Tage Polizei gestattete lediglich, daß ein Arbeitergesangverein ein fragen. Im Gesetz sind doch die weitesten Garantien gegen darauf erhielt Genosse Sachse von der Staatsanwaltschaft den Lied vortrug. Als dann in dem einen Saale ein Jugendlicher einen Mißbranch des Auflagemonopols geschaffen! Der Bescheid, daß sie ein Einschreiten im öffentlichen Interesse( immer noch vor Eröffnung der eigentlichen Versammlung) Staatsanwalt steht unter dem Regalitätsprinzip", ablehne! einen Prolog sprechen wollte, erhob sich der Polizeiinspektor d. h. er ist verpflichtet, auf jede Anzeige einzuschreiten; er Aber zur politischen Abhängigkeit tritt noch ein weiteres. und erklärte, daß die Polizei die Versammlung als volitisch darf keine Ausnahme machen, ja, auch ohne besondere Anzeige Der Staatsanwalt unterliegt in politischen Prozessen den- betrachte und infolgedessen die Jugendlichen unter 18 Jahren muß er tätig werden, wo er von einent Verbrechen erfährt. selben Symptomen wie der Stichter. Das Legalitätsprinzip auffordern müsse, den Saal zu verlassen, sonst würden sie Und ein Staatsanwalt, der die Verfolgung einer strafbaren in allen Ehren: aber wo man nicht wünscht, daß ein Ber mit Gewalt hinausgeschafft. Aehnliche Szenen spielten sich Handlung unterläßt, um den Verbrecher der Strafe zu ent- brechen ist, da ist man auch leidt geneigt, fich über seine in der zweiten Versammlung ab. Die Versammlungsleiter ziehen, hätte nach§ 346 des Strafgesetzbuches sogar 3ucht- Existenz zu täuschen. Zum Beispiel: der Staatsanwalt wiefen auf das Ungesebliche des Vorgehens der Polizei hin haus bis zu fünf Jahren verwirft. lieft, wie jeber Kulturmensch, Beitung. Dabei fann man und ersuchten die Jugendlichen, im Saal zu bleiben. Als die Wer vom unheilbaren Vertrauen auf geschriebene Gejeze manches Strafbare finden, aber wenn man's übersieht wer Polizei daraufhin Miene machte, einzuschreiten, wurde das besessen ist, mag sich dabei beruhigen. Vielleicht dient es ihm will nachweisen, daß man's gelesen hat?! Liest der Herr Thema geändert und Genosse Sollmann wollte über seine zum besonderen Trost, daß unseres Wissens noch nie ein Staatsanwalt morgens beim Kaffee sein Leibblatt, die" Post", Meise nach England reden. Aber auch das genügte in der Staatsanwalt auf Grund des§ 346 des Strafgesetzbuches be- so ist er halt noch schläfrig und sein Geist schlaff. Da mag der Hauptversammlung dem Polizeigewaltigen nicht. Ein schriller straft worden ist. Aber wir haben ja auch einen§ 336, der die Deutsche Staiser in ziemlich unverhüllter Form als furchtsamer Pfiff ertönte und über 20 uniformierte Schußleute erbewußte Rechtsbeugung unter Zuchthausstrafe stellt, Brahler hingestellt werden, gähnend fliegt er darüber hinweg. fchienen im Saale. Nunmehr forderte der Versammlungsleiter und dieser Paragraph hat doch nicht im mindesten das Empor- Aber dann, auf dem Bureau, da legt ihm sein Sekretär den die Jugendlichen auf, der Gewalt zu weichen. In aller Ruhe wuchern einer unbewußten Klassenjustiz verhindern Vorwärts" vor. Hui, wie sein Blick jezt adlerhelle blikt! wurde dieser Aufforderung nachgekommen. können. Genau ebenso bietet auch der§ 346 nur Schug gegen Und nun hüte dich, sozialdemokratisches Redakteurlein, daß ganz ertreme, plumpe Mißbräuche des Anklagemonopols, alles auch nicht die fleinste satirische Bosheit gegen den KronDie Regierung und die Wirtschaftsfriedlichen". Die Regierung und die was unterhalb der Linie gewollter und verbrecherisch- bewußter pringen stehengeblieben ist. Denn jetzt entgeht ihm nichts! Unter Gewerkschaftliche 3" haben wir in der Rechtsbeugung liegt, bleibt von ihm gänzlich unberührt. In Breslau beschwerte sich einst ein Redakteur der ,, Volkswacht", daß er andauernd wegen Notizen perklagt werde, die lebten Sonntagsnummer nachgewiesen, wie die Regierung da in bürgerlichen Blättern unbehelligt stünden. Antwort des nach trachtet, durch allerlei feltsame Interpretationen die Staatsanwalt: er lese eben nur die Volkswacht"„ amt- freien Gewerkschaften unter die politischen Vereine einzureihen, während andererseits die gelben, vaterländischen und ich", die bürgerlichen Blätter dagegen nicht. Auch die schönsten gejezgeberijchen Stautelen fönnen nicht über zwei nüchterne Tatsachen hinwegtäuschen: Erstens, daß das Anklagemonopol einer Behörde anvertraut ist, die feine richterliche Unabhängigfeit genießt; zweitens, I daß diese abhängige Behörde Weisungen und Aber was heißt„ amtlich"? Das Gesez kennt diesen fog. wirtschaftsfriedlichen Gewerkvereine in ihren VersammWinfevon oben bekommt, denen sie sich zu fügen hat, Unterschied nicht. Amtlich weiß natürlich fein Staats- lungen über politische Fragen diskutieren und zu Reichstags, denn sie besitzt gar keine Macht, sich dagegen aufzulehnen. anwalt, daß die Zentrumspresse seit Wochen den Deutschen Landtags- und Gemeinderatswahlen Stellung nehmen dürfen Bestenfalls kann ein Staatsanwalt, der eine ministerielle Kaiser beschuldigt, einen die katholische Kirche tief verlebenohne daß sich die wohllöbliche Polizei bewogen fühlt, einAnweisung als ungerecht empfindet, seinen Abschied nehmen; den Brief geschrieben zu haben, und daß die„ Norddeutsche zugreifen. Doch nicht nur, daß die Regierung dem gegen das dann wird aber an seiner Stelle ein anderer das betreffende Allgemeine" diese Darstellung dementiert hat." Aber jeder Gesez verstoßenden politischen Treiben der nationalen wirttun oder nicht tun, die Behörde als solche fann ihren Staatsanwalt, der das ganz privatim in seiner Zeitung schaftsfriedlichen Vereinen wohltuend zuschaut, ihre Verwal Willen nicht behaupten. lieft, ist vom Gesek verpflichtet, Anklage wegen Majestäts. tungsorgane sind auch auf jede Weise bemüht, die gelbe und Und weil das der Fall ist, hat noch jede Regierung bei beleidigung gegen diejenigen zu veranlassen, die den nach schwarz- weiße Arbeiterbewegung zu fördern und von Amts uns die Staatsanwaltschaft zum Werkzeug ihrer politischen offiziöser Angabe gefälschten Kaiserbrief veröffentlicht haben. wegen durch Rat und Tat zu unterſtüßen. Die nachfolgend Pläne gemacht; von Bismard angefangen, dem ein Staats- Liest denn nun feiner der Staatsanwälte Beitung? bom Landratsamt in Salzwedel ergangene Aufforderung aupalt Lessendorff ichrelang ein ganzes Sozialisten- doch, fie finden ja auf Schritt und Tritt Stronprinzen- liefert für diese zärtliche Besorgtheit der Verwaltungsbehörden gejeb ersetzte. Und wenn 1911 in Hamburg der Verteidiger beleidigungen in der Prejse. Beleidigungen, die durch irgend- um das nationale" Arbeiterwohl einen neuen schönen Beweis: Dr. Herz unwidersprochen in öffentlicher Gerichtsverhandlung welche harmlose Satire begangen sein sollen. Nur diese eine feststellen konnte, daß in Hamburg eine generelle Verschwerwiegende Nachricht, die ist ihnen zufällig allen entfügung an die Staatsanwälte bestehe, bei Streif. gangen. Bech! Ja wirklich, ist es Schuld der Staatsanwaltschaft, wenn beleidigungen nur auf Gefängnis zu plädieren, so zeigt das, daß unsere heutigen Staatsmänner wenigstens in diesem fie auf das eine aufmerksam wird, auf das andere nicht? In Stettin tobt der Kampf zwischen Fleischermeistern und einen Bunfte Bismarck nichts nachgeben. Bon reaktionärer Seite wird ja die Staatsanwaltschaft Gesellen um den Tarifvertrag. Die Gesellen drohen den ganz offen und brutal als politisches Werkzeug für konservative Solonialwarengeschäften mit Boykott, die von den bestreiften Barteizwede reklamiert. Als jüngst einmal ein ganz Fleischern Wurst beziehen. Die Fleischermeister dagegen feltener Fall der Staatsanwalt für den fortschrittlichen drohen denjenigen Viebkommissionären und Großschlächtern Abgeordneten Dr. Wendorff im öffentlichen Interesse die mit Boykott, die den Meistern, die bewilligt haben, Wurst Beleidigungsklage gegen den fonservativen Parteisekreär oder Fleisch verkaufen würden. Man mag den Boykott als Dr. Jordan erhob( es geschah dies allerdings erst auf Befolchen billigen oder verwerfen, auf jeden Fall handelten beide schwerbe beim Oberstaatsanwalt), da tobte die konservative Parteien gleich. Dennoch fand sich nur für die Gesellen ein Staatsanwalt die Meister werden dagegen nicht anMecklenburger Warte": geklagt, obwohl ihr Verhalten in der Presse dargestellt war. Aber welcher Staatsantvalt liest auch alle Zeitungen?! Die Staatsanwaltschaft ist nach ihrem Wesen und Wirken in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht ein politisches Organ, was aus verschiedenen Bestimmungen des Gerichtsverfassungs gefebes mit Sicherheit gefolgert werden muß. Diese politische Signatur muß demgemäß allenthalben zur Geltung und zur Durchführung fommen. Von diesem Standpunft aus müssen mit erneut scharf und energisch Einspruch dagegen erheben, wenn der Herr Oberstaatsanwalt im Falle Wendorff ein öffentliches Interesse für vorliegend erachtet hat. Ein öffentliches Interesse fann nur als gegeben erachtet werden, wenn es sich um den staatsanwaltschaftlichen Schuh von Männern und Persönlichkeiten handelt, die- ohne an gouvernermentaler Knochenerweichung au Ieiden bewußt und gewollt im Geiste orga nischer Fortentwidelung staatlichen Lebens und Wesens fich öffentlich betätigen. Mit solcher politischen Zielsetzung ist es aber logisch und tatsächlich unverein bar, wenn der Herr Oberstaatsanwalt für einen Bolitifer rechtlich eintritt, der mit der Sozialdemokratie prattiert hat, dessen Bartei mit der Sozialdemokratie generelle Stichwahlbündnisse im gesamten Reich abgeschlossen hat." Deutlicher kann man mit Worten nicht werden. Aber die Staatsanwaltschaft ist schon mit Taten deutlicher geworden. Im Reichstage beschwerte sich vor nicht langer Zeit der freikonservative Abgeordnete Mertin darüber, daß die Staatsanwaltschaft sich für unseren Genossen Sachie ins Beug zu legen wage. Sachse war von dem konservativen Parteiredakteur Lippold vorgeworfen worden, er habe sein Reichstagsmandaterschlichen, ein Vorwurf, deffen Aufhellung doch sicher im Intereffe der Oeffentlichkeit liegt. Die verdammte Humanität. Diese Beispiele mögen einstweilen genügen, um die Gefahren des Anklagetrufts zu beleuchten. Erschöpfen läßt sich bas Material gegen ihn in ein paar Zeilen nicht. Aber seine besondere Gefahr liegt auch nach dem Gejoaten klar zutage. Er ist gefährlicher als jeder wirtschaftliche Trust, weil er in viel höherem Maße politischen Einflüssen unterliegt. Politische Uebersicht. Der Königliche Landrat des Kreises Salzwebel. J. Nr. 78 G. Salzwedel, den 24. März 1914. Der Ausschuß zur Förderung der wirtschaftsfriedlichen nationalen Arbeiterbewegung in der Proving Sachsen hält die Anstellung eines Arbeitersekretärs für die Altmark in Stendal für notwendig und den gegenwärtigen Zeitpunkt dazu für gut geeignet. Der Herr Oberpräsident beabsichtigt, am Montag, den 6. April er., 54 Uhr nachmittags, in Stendalim Landratsamt mit den Landräten der Altmärkischen Kreise und dem dortigen Oberbürgermeister hierüber Beratung zu pflegen und dazu diejenigen Persönlichkeiten aus diesen Kreisen hinzuzuziehen, von welchen ein gewisses Interesse für diese Frage erwartet werden darf Ich labe Sie im Auftrage des Herrn Oberpräsidenten zu der gedachten Besprechung hiermit ergebenst ein und ersuche im Be hinderungsfalle um gefällige umgehende Benachrichtigung. Bethmann Hollweg und Dallwig. Wie die Medienburger Barte" behauptet, wird ihr von gut unterrichteter Eeite mitgeteilt, daß trok aller gangen und halben Dementis bie Ernennung des Herrn bon Dalla mit zum Statthalter von Elsaß- Lothringen mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten fei. Das Blatt schreibt: Ob die Verzögerung dieser Entscheidung, die ja schon ein mal vor einigen Wochen als ziemlich sicher angenommen wurde, auf gewisse geltend gemachte Bedenken, die seinerzeit mit dem Besuche des Grafen Wedel in Berlin in Verbindung gebracht wurden, zurückzuführen sei, möge dahingestellt bleiben; auf jeden Fall aber hätten zurzeit diejenigen, wohl dem Reichelanglerpalais nicht ferne stehenden Kreise wieder das Uebergewicht, welche in der Person des derzeitigen preußischen Ministers des Innern das Saupthindernis für die Durchführung liberal- demokratischer Wahlrechtswünsche in Preußen fänden; die hervorragende Tüchtigkeit und Charakterfeitigkeit des Herrn v. Dallivis biete aber keine Chancen, ihn beiseite zu schieben; so sei die Gelegenheit, ihn„ sich aus Preußen Heraus tot abancieren zu lassen", der einzige einzige Auss weg, ihn in freundlicher Form" dem Drängen der Linden, beren Suggestion die Bethmannsche Regierung ja so beispiellos zugänglich ist, zu opfern. Als für diese weiteren 8wede geeigneter" Nachfolger in der Uebernahme des preußischen MinisterPortefeuilles dürfte einer der unmittelbarsten Begleiter des Polizeischikanen gegen die Arbeiterjugend. Düsseldorf, 13. April.( Privattelegramm des or wärts".) Die Düsseldorfer Polizei hat in ibren Ruhmeskranz ein neues Blatt geflochten. Am zweiten Osterfeiertage vormittags sollten in den Volkshausräumlichkeiten zwei öffentliche unpolitische Jugendversammlungen stattfinden, für die der Genosse Sollmann- Köln als Referent gewonnen war. Die Polizei erklärte diese Versammlungen einfach für politisch im Sinne des§ 17 des Reichsvereinsgesetzes. Unser Düsseldorfer Parteiorgan„ Die Volkszeitung" antwortete in einem geharnischten Artikel auf diesen Willkürakt und forderte die Arbeiterschaft auf, gemeinsam mit den schulentlassenen Kindern in der Versammlung zu erscheinen. Dieser Aufforderung haben an zweiten Ostertage auch Tausende Folge geleistet. Die Räumlichkeiten erwiesen sich bei weitem als zu flein und viele konnten feinen Einlaß mehr! zusprechen. Man nimmt eben Rücksicht auf die Quatschtöpfe im| minder ein Vertreter jenes schwarz- weiß- roten HerrenmenschenReichstag und auf die öffentliche Meinung und auf die verdammte tums, das die Humanität als einen belanglofen Unterrichtsgegen Humanität. Humanität ist ein Wort, das herrschenden Klassen verzweifelt Nur in einem Gebietsstrich, über dem stolz die Fahne schwarzschlecht zu Ohr flingt. Humanität heißt au deutsch Menschlichkeit weiß- rot weht, hat, Gott sei Lob und Dank! die Humanität feinen und hat schon etwas plebejisch Gleichmachendes in sich, indem es Kurswert: das sind unsere" teuren Kolonien! Einer der ersten daran erinnert, daß, wer nachher eine Strone trägt oder Kohlen Pioniere der Nilpferdpeitsche, Dr. Karl Peters, hat jetzt endlich schaufelt, gleichermaßen nadt zur Welt kommt und gleichermaßen feinen Lohn dahin, indem er sich mit einer Bension auf seinen Mensch ist. Humanität schließt auch Rücksicht, Tattgefühl, Schonung etwas blutigen Lorbeeren ausruhen darf. Er hat zwar ben verden sozial Benachteiligten gegenüber in sich und all das sind Dinge, meintlichen Beischläfer seiner schwarzen Konkubine sehr kurzer Hand auf die unsere herrschende Sippe fröhlich pfeift. Sie will darum aufhängen lassen und nachher mit fröhlichem Egoismus sein Glas nichts mit der verdammten Humanität zu schaffen haben, die ihr auf den" seligen Mabrud" geleert, was dem Verfechter der„ unnicht nur lästig. sondern als die Quelle aller Uebel erscheint. Ber aufhängen lassen und nachher mit fröhlichem Zynismus sein Glas einigen Jahren noch mühte sich der Generalfeldmarschall Freiherr auf den" seligen Mabrue" geleert, er hat gelegentlich Schwarze wie v. d. Golz, der„ Ertüchtiger" der schwarz- weiß- roten Jugend. in Spaßen vom Baum geschossen, er hat auch einmal einem Regerhäupt. einem sozusagen wissenschaftlichen Werke um den Nachweis, daß ling, um ihn gesprächiger zu machen, ein brennendes Streichholz an die übertriebene Humanität an den Niederlagen von Jena und die Lippen gehalten, und ein unbezweifelbarer Gentleman wie Auerstädt anno 1806 die eigentliche Schuld getragen habe. In Wihmann mochte mit diesem gewissenlosen Konquistador um den herrschenden Klassen Preußens war freilich damals von die Welt nicht zu tun haben, aber das tut alles nichts: Karl Humanität so wenig zu spüren wie heute, die Junter waren ein Peters, der Antipode jeder Humanität, hat seine Pension und unwissendes, ungebildetes und rohes Bad. Die Offiziere spielten erfreut sich der Hochachtung all derer, deren Herz so hart und mit dem Bürger nach Belieben Schindluber, und die Soldaten zäh ist wie das Leder der Nilpferdpeitsche. wurden auf dem Kasernenhof braun und blau und blutig ge= Denn solche Leute braucht man in unseren Kolonien, wo nach prügelt. Tut nichts! Das preußische Volf war 1806 durch allzu- Noten und ohne Noten geprügelt wird, wo die Schwarzen als. biel Sumanität verweichlicht, der Herr Generalfeldmarschall Silanen verkauft werden und wo es siehe den eben erschienenen täterätätätä! sagt es und damit Basta! Erlaß des Reichskanzlers! für die Asfaris der Schuttruppe barEs ist ja auch sicher der heimliche und unheimliche Kummer barische Strafen gibt, die schier das Spießrutenlaufen in der preuunferer Junker, Scharfmacher und Kriegsheber und was noch in gischen Armee vor hundertundzehn Jahren in den Schatten stellen. dieselbe Kiste hineinpaßt, daß in Deutschland mit zu großer Peters? Jawohl! Liebert? Aber sicher! Deimling? Sumanität vorgegangen wird gegen Arbeiter, Polen, Gljässer, à la bonheur! tebert, gleichfalls ein alter Afrikaner". ist Lothringer, Dänen, Demokraten und anderes unterworfenes Ge- ja auch eine feine Nummer, der von den Wählern seines Wahlfindel. Warum sprigt man die Straßendemonstrationen des arbei- freises a D. in einer Tonart spricht, als ob er noch immer über tenden Volfes nicht mit einem Stugelhagel aus Maschinengewehren den Schwarzen seines Paschalits die Peitsche schwänge. Die auseinander! Und wenn ein Oberst mal stramm zugreift und ein Quittung hat er ja dafür erhalten. Und auch Deimling, der paar Untertanen in einen Bandurenkeller stedt, bebarf es erst in den Hererofriag 30g, weil er nach eigenem fröhlichen Eingeständeiner ordentlichen Gerichtsverhandlung, um ihn im Triumphe frei- nis nicht immer nur Blahpatronen verfeuern wollte, ist nicht -stand der Konfirmandenstunde betrachtet und danach handelt. Unsere Nilpferdpeitschen fanatifer freilich fürchten, daß durch die Unterordnung des Schußtruppenkommandeurs unter, die Zivilgewalten die Humanität allzuweit in den Vordergrund unserer Kolonialpolitik treten fönnte. Die Schußtruppe hat jetzt einen neuen Kommandeur erhalten, der bislang in den Kolonien noch nicht tätig war, und die Deutsche Tageszeitung" begleitet diese Tatsache mit folgendem erbaulichen Kommentar: „ Es soll ein Offizier sein, der den Geist der Schußtruppe nicht eingeatmet hat, der ferner durch den Aufenthalt in der Seimatstruppe an stramme Disziplin gewöhnt ist und seinen Vorgesezten, einerlei ob dieselben Offizier sind oder zur Zivilverwaltung gehören, ohne Augenzuden gehorcht und teine Schwierigkeiten macht. Selbstverständlich ist Gehorjam eine Pflicht im militärischen Leben, au ch in den höheren Stellungen. Aber es gibt Momente, in denen jedenfalls ein der Zivilverwaltung unterstellter Offizier fich eine gewisse Selbständigkeit wahren muß. 3. B.: Es fann vorkommen, daß in den Kolonien ein mit militärischen Verhält nissen zu wenig vertrauter, vielleicht von außenstehenden Fattoren beeinflußter 3 ibilborgefester die Humanität zu weit treibt. Die Folge wird sein, daß die Disziplin in der Truppe gelockert wird oder die hohe Achtung, die der Eingeborene unbedingt vor der Truppe haben muß, berloren zu gehen droht." Bravo! Aufrichtigkeit über alles! Gehorsam ist eine militärische Pflicht, aber, sagt das Bündierblatt, ein höherer Offizier fann und muß diese Pflicht in den Wind schlagen, wenn sein Zivilvorgesetzter die Humanität zu weit treibt". Nur ein verweichlichter und verweibischter Demokrat tann natürlich der törichten Meinung sein, daß man die Humanität, die Menschlichkeit nie zu weit treiben fönne, aber ein Kastengenosse des Obersten v. Reuter weiß beffer Bescheid und bringt zur rechten Zeit das: Immer feste bruff! zur Geltung. Und mit Recht, denn nicht mit Humanität, sondern mit der Nilpferdpeitsche regiert unsere herrschende Sippe die Welt. Karl Ludwig. Fürsten Bülow auf seiner Reise nach Damaskus im Jahre 1909| Erfolgen nichts ändern können und daß es das gescheiteste ist, glückten auch in diesem Falle sämtlich geborgen werden. Auf der ausersehen sein....." Agenten des Auslandes. In ihrer Sonntagsnummer äußert sich endlich die Deutsche Tageszeitung" zu dem Beschluß des russischen Parlaments, deutsches Getreide mit einem Zoll zu belegen, um damit die Wirkung der deutschen Ausfuhrscheine auszugleichen. Herr Dr. Oertel nimmt in höchsteigener Person das Wort und führt aus: „ Was dieser Beschluß politisch und wirtschaftlich für eine Bedeutung hat, liegt auf der Hand. Er ist keine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern ist als Unfreundlichkeit gegen Deutschland gemeint und bestimmt. Das darf nicht übersehen, das soll nicht verhüllt werden. Es gilt, den Dingen ruhig und sicher ins Auge zu sehen. Sobald über die Dumaverhandlungen genauere Berichte vorliegen, fommen wir darauf zurüd. Aus den jetzt vor liegenden geht aber schon deutlich hervor, daß die Befürworter des russischen Getreidezolles durchweg mit den Argumenten gearbeitet haben, die ihnen von der freihändlerischen Bresse in Deutschland zur Verfügung gestellt worden sind. Diese Blätter haben sich wieder einmal, insbesondere mit ihren Ausführungen über die Einfuhrscheine, wenn auch nicht als Agenten diese Bezeichnung hören sie nicht gern, so doch als Kronzeugen des Auslandes bewährt und bewiesen. Die deutsche Landwirtschaft wird sich auf die veränderten Verhältnisse einrichten müssen. Es fällt ihr nicht ein, um Gunst zu betteln." Aus Berzweiflung in den Tod gegangen. Arbeits- und Mittellosigkeit haben den 25 Jahre alteit in unsere Fußtapfen zu treten. Wir lesen deshalb schon seit Dahme gerieten ebenfalls mehrere Personen beim Kentern eines einiger Zeit in der freisinnigen Bresse von einer Fortschritts- Segelbootes in große Lebensgefahr. Einen längeren Kampf mit Woche", die verschiedene liberale Organisationen zugunsten der den Wellen mußten ein Herr und eine Dame beſtehen, die eine Stärkung der Organisationen der Fortschrittlichen Volkspartei Ruderfahrt auf der Böck ni unternommen hatten und gefentert arrangieren, und auch die Konservativen wollen nicht mehr waren. Ihnen konnte erst nach etwa einer halben Stunde Hilfe länger untätig zusehen. Unsere Gegner find aber keine Freunde gebracht werden. der Arbeit, am wenigsten von der recht mühevollen Arbeit des Berbens für Barteizwecke. In wesentlichen verlassen sich diese Herrschaften auf den behördlichen Apparat, der für sie in Bewegung gesetzt wird. Aber selber von Haus zu Haus, von Handlungsgehilfen Artur Baer aus der Kanzowostraße 5 in Tiir zu Tür gehen und für die Partei agitieren, das macht den Tod getrieben. Der junge Mann hatte schon seit Mühe, schickt sich auch nicht für hochmögende Herrschaften. mehreren Monaten feine Stellung. Alle seine Und so müssen sie sich um bezahlte Lente umsehen, die für Bemühungen, neue Beschäftigung zu finden, blieben ohne ErGeld diese Werbearbeit übernehmen. Dies haben denn auch folg. Dies trieb ihn zur Berzweiflung, besonders auch, weil fürzlich die Konservativen in Moabit getan. Dort besteht ein er seiner Mutter nichts geben fonnte. Als diese am Montag fogenannter Konservativer Bürgerverein unter Zeitung des in der Küche der gemeinsamen Wohnung war, schoß er fith int bekannten Rechtsanwalts Ulrich. Dieser Verein erließ in der Stube mit einem Revolver eine Kugel in die Lokal- Anzeiger" ein Inserat, in welchem Reute gesucht rechte Schläfe. Gin hinzugerufener Arzt konnte mir noch wurden, die fich unter dem Kennwort National" melden seinen Tod feststellen. follten. Auf solche Meldungen hin erhielten die Bewerber ein Selbstmord eines Gymnasiaften. Schreiben, in dem die ihnen obliegenden Aufgaben niedergelegt waren. Der Inhalt ist so charakteristisch, daß wir ihn sich der 17 Jahre alte Gymnasiast May Wader aus der Haupihier verewigen wollen. Er lautet: Gewiß, die Junker betteln nicht um Gunst. Das haben sie in Konservativer Bürgerverein Moabit. Preußen- Deutschland nicht nötig, sie befehlen einfach der ReBerlin,.... April 1914. gierung, die Lücken im Zolltarif sofort auszufüllen und den Sehr geehrter Herr! Handelsvertrag mit Rußland zu fündigen. Wenn übrigens Bezugnehmend auf Ihr Angebot unter dem Kennwort die Herren Agrarkonservativen sich die Freiheit nehmen, die Be- National" bitte ich Sie ergebenst, sich zur persönlichen Vorfämpfer des Zollwuchers als„ Agenten des Auslandes" zu bezeichstellung wochentäglich zwischen 4% und 6% Uhr zu mir bemühen zu wollen, falls Sie überhaupt für die nachfolgende furz sfizzierte nen, so können diese sicherlich mit weit mehr Recht die agrarischen Tätigkeit Interesse haben. Lebensmittelverteurer Ausbeuter des Vaterlandes" nennen. Die Sittenpolizei als Gönnerin der Unfittlichkeit. Die Untersuchung gegen den Polizeikommiffar Schmidt von der Sittenpolizei in Frankfurt a. M. führt, wie wir voraussagten, zur Aufdeckung von Verfehlungen immer weiterer Beamtenfreise. Als Schuldige fommen, wie jetzt berichtet wird, auch Schußlente der Sittenabteilung in Betracht. Den Schußleuten wird ebenfalls Bestechung zur Laft gelegt. Geschenke, Geld und freies Vergnügen in den Bordellen sind die Bestechungsmittel gewesen, denen die Beamten unterlagen. Man mag über die Verfehlungen der Beamten noch so streng urteilen, so muß doch immer wieder betont werden, daß die ganze Institution der Sittenpolizei wie die Etellung der Behörden und der Gesellschaft zur Prostitution für die Beamten der Sittenpolizei eine stete Gefahr für ihre Moral find. Die Polizei duldet stillschweigend den Betrieb von Bordellen, froßdem fie gegen die Inhaber dieser Häuser wegen Kuppelei Anzeige erstatten müßte. Die stillschweigende Duldung ist, darüber fann fein Streit sein, eigentlich ein Amtsvergehen, denn die Polizei hat für alle strafbaren Handlungen, von denen sie erfährt, die Bestrafung herbeizuführen. Das geschieht aber nicht, wenn es fich um Bordellinhaber handelt: im Gegenteil, es werden da beide Augen zugemacht. Ist es daher verwunderlich, wenn ein Beamter, der täglich sieht, wie dem Gesez ein Schnippchen geschlagen wird, auf den Gedanken kommt, es nicht so genau zu nehmen und sich seine Nachsicht bezahlen zu lassen? Die Schuldigen" werden ja nun bestraft werden; die Ursache ihrer Verfehlungen wird aber weiter bestehen. " Es handelt sich um Besuche derjenigen Wähler, welche bei der letzten Landtagswahl im Bereiche des 12. Berliner Landtagswahlfreises( Moabit) tonservativ gewählt haben, um diese Wähler möglichst dem Konservativen Bürgerberein Moabit, dessen Vorsitzender ich jeit langen Jahren bin, als Mitglieder zuzuführen. Erforderlich für die Werbetätigkeit jind natürlich gewisse politische Kenntnisse, damit der Besucher auf etwaige Fragen bzw. Einwürfe die entsprechenden Antworten zu geben in der Lage ist. Das zu besuchende Menschenmaterial ist insofern für den Besucher kein jprödes, als es sich, wie schon erwähnt, um lauter Herren handelt, die bereits bei der Landtagswahl konservativ gewählt haben; freilich dürften hierunter einige Sundert 3entrumswähler sein, da das Zentrum feine Angehörigen angewiesen hatte, bei der vori gen Landtagswahl in unserem 12. Berliner Landtagswahlkreis für die konservativen Wahlmänner zu stimmen; jedoch dürfte hierin ein wesentliches Erschwernis nicht liegen. Wir vergüten für jedes neugeworbene Mitglied einen einmaligen Betrag von 1,50 W., so daß es der Werber selbst in der Hand hat, bei regem Fleiß, natürlich muß er auch vom Glück begünstigt sein, für sich befriedigende Erfolge zu erzielen. Es sind im ganzen zirka 1800 Besuche zu machen, die natürlich kaum von einem einzelnen Herrn erledigt werden fönnen. Eine schriftliche Werbung ist den Besuchen bereits vorausgegangen; derartige Anschreiben pflegen aber ohne nach folgenden persönlichen Besuch mur in den feltensten Fällen zum Biele zu führen, weshalb sich auch nur 15 bis 20 Herren auf die schriftliche Werbung ohne weiteres gemeldet haben. Sollten Sie hiernach geneigt sein, in die oben beschriebene Tätigkeit für uns einzutreten, so bitte ich nochmals um Ihre persönliche Borstellung in den angegebenen Stunden. Hochachtungsvoll Ju der Nacht vom ersten zum zweiten Osterfeiertag erschos straße 121 zu Schöneberg. Der junge Mann, dessen Bater Direktor ist, besuchte mit seinen Eltern und einer befreundeten Familie am Ostersonntagabend ein Theater. Nach Schluß der Vorstellung ging man gemeinsam zuerst in ein Restaurant und dann in ein Café in der Friedrichstraße. Gegen vier Uhr morgens begab sich Mag Bader auf die Toilette und erschos sich hier. Auf der Hilfswache in der Kronenstraße konnte der Arzt nur noch den Tod des jungen Menschen feststellen. Was den Gymnafiaften, der ein guter Schüler war und auch jest wieder eine gute Osterzensur erhalten hatte, zum Selbstmord veranlaßt hat, ist völlig unauf geflärt. In der Wohnung von Einbrechern überfallen. Als der Arzt Dr. L. aus der Blumenstraße in der Nacht zum Montag gegen i Uhr von einem Ausflug zurückkehrte, sah er sich beim Betreten seiner Wohnung zwei Männern gegen= über. Es waren Einbrecher, die seine Abwesenheit dazu ausgenuht hatten, seiner Wohnung einen Besuch abzustatten. Wäh rend der eine schnell durch ein zweites Zimmer die Wohnung verließ, stürzte sich der zweite quf den Arzt, padte ihn am Solfe und mürgte ihn. Der Ueberfallene fezte sich jedoch zur Behr. Ws die beiden Kämpfenden in die Nähe der Flurtür tamen, riß der Einbrecher diese auf. gab dem Arzt einen Stoß, daß er die Treppe hinunterflog und lief dann an ihm vorbei hinaus. Der Lärm hatte die anderen Hausbewohner aufmerksam gemacht. Während sie auf der Treppe den Ueberfall eifrig besprachen, tam ein Mann im Gehrock von oben herunter, erfundigte sich eingehend nach dem, was vorgefallen war und verließ dann das Haus. Wie fich nachher ergab, war es einer der Einbrecher, der zuerst Der Gehrock, den er frug, ge= nach dem Boden gelaufen war. hörte dem Arzte. Platintiegel, ärztliche Instrumente und andere Sachen hatten die Einbrecher auch schon zusammengesucht, aber nicht mitnehmen können. Der überfallene Arzt hat neben anderen. weniger schweren Verlegungen einen Nervenchot davongetragen. Aus dem Fenster gestürzt. Ein verhängnisvoller Unfall hat sich am ersten Osterfeiertag in der Schildhornstr. 66 in Steglit zugetragen. Das zwei jährige Söhnchen des Kaufmanns Schmodel hatte, während es allein im Wohnzimmer war, einen Stuhl ans Fenster gerückt, war auf die Brüstung hinaufgeklettert und sah nun dem Spiel der Kinder auf der Straße au. Der Kleine beugte sich dabei zu weit bor, berfor plöhlich das Gleichgewicht und stürzte aus der dritten Stage in die Tiefe. Sich mehrere Male überschlagend, fick das sind auf das harte Steinpflaster auf. Sterbend wurde es nach dem Krankenhaus Großlichterfelde gebracht. Berlin NW., Alt- Moabit 138. rich. Rechtsanwalt. Türkische Anleihe in Frankreich. Der Konservative Bürgerverein läßt sich die Werbearbeit Konstantinopel, 12. April. Nach dem gestern abend etwas fosten; allerdings ist Affordlohn vereinbart. Nur, wer durch kaiserliches Frade sanktionierten provisorischen Gejeb, es versteht, recht viel Mitglieder zu machen, wird zu feinem daß Dechavid Ben ermächtigt, den in Paris abgeschlossenen Gelde fonumen; mer Bech hat und abgewiesen wird, arbeitet Anleihevertrag zu unterzeichnen, beläuft sich die An- umsonst. Es werden gewiffe politische Kenntnisse voraus leihe auf 35200000 türkische Pfund zu gefeßt, so daß also schon jemand die Sünden der konservativen 5 Prozent. Die unterzeichnete Konvention bezieht sich bloß Partei fennen muß, um sie zu staatserhaltenden Aktionen um auf den ersten Abschnitt der Anleihe im Betrage von zufügen. 22 Millionen Pfund, deren Erträgnis insbesondere zur Bezahlung der vor, während und nach den Kriegen in Tripolis und auf dem Balkan abgeschlossenen Vorschußgeschäfte sowie der anderen von der ersten Anleihe zahlbaren Vorschüsse und anderer kleinerer Schulden bestimmt ist. Da die Weganleihe im Betrage von 212 Millionen Pfund mit der neuen Anleihe Kindesmord und Selbstmordversuch. verbunden ist, wird nach Abzug dieser Summe ein Betrag, Auf unerquidliche Familienverhältnisse zurüdzuführen ist eine der vom Finanzministerium festgestellt wird, angewiefen schwere Bluttat, die die Ehefrau des Ladierers Selmsen aus werden, um die sofortige Inangriffnahme des Baues der der Falkensteinstr. 5 in der Nacht vom 1. zum 2. Feiertag verübt Eisenbahn Samsun- Sivas und der Häfen von Jaffa und hat. In Abwesenheit ihres Mannes schnitt fie ihrem fünf Haifa zu ermöglichen. Die Sanktionierung des Gesetzes er- Jahre alten Sohn die Kehle durch und versuchte dann, folgte unter dem Vorbehalte der Genehmigung durch das sich auf die gleiche Weise das Leben zu nehmen. Als der Mann, findet bei Bowileit, Jofthstraße 7, eine Versammlung der JugendJugendfektion des 5. Kreises. Am Mittwoch, den 15. d. Mits., Parlament nach dessen Wiederzusammentritt. der bis in die Abendstunden geschäftliche Besorgungen erledigt jeftion statt. Jedes 18 bis 23 Jahre alte Parteimitglied wird er hatte und dann mit einigen Arbeitskollegen noch ein Lotal besuchte, sucht, zu erscheinen. Als Vergütung für die Gewährung dieser Anleihe erhält Frankreich die Konzessionen folgender Eisenbahnen: 1. Die Eisenbahnlinie Samsun- Sivas- Kharput- Arghana, 2. die Eisenbahnlinie Arghana- Bitlis- Ban, die bei Argahana mit der der deutschen anatolijchen Eisenbahngesellschaft gehörigen Linie Arghana- Diarbekr zusammentrifft, = Bom eigenen Fuhrwerk überfahren. Ob freilich mit dieser Art der Werbung die Moabiter Entfeßlich zugerichtet wurde am Sonnabendabend der MörtelKonservativen Seide spinnen werden, ist sehr fraglich; inner- futscher Andreas Rother, Zechliner Straße 2 wohnhaft. R. hatte bin ift die Charakterisierung der Konservativen in dem oben nach einem Neubau in der Calvinstraße Mörtel gefahren. Als er abgedruckten Zirkular nicht uninteressant. mit seinem Wagen von dem Grundstück wieder herunterfuhr, kam das Gefährt ins Schwanken. R. wurde vom Bock heruntergeschleudert und kam so unglücklich zu Fall, daß er mit der einen Gesichtshälfte unter das Vorderrad zu liegen fam. Der Bedauernswerte wurde fürchterlich zugerichtet. Der Schädel wurde ihm gebrochen und die Gesichtshälfte fast vollstän= biggermalmt. In hoffnungslosem Zustand wurde der Schwerberlehte nach dem Virchow- Krankenhaus gebracht. Letzte Nachrichten. gegen 1 Uhr nachts nach Hause kam, fand er die Wohnung ver- Jugendfektion Charlottenburg. Die nächste Zusammenkunft schloffen und niemand öffnete. Nachdem er sich gewaltsam der Jugendfektion findet am Mittwoch, den 15. d. Mts., abends Eingang verschafft hatte, fand er seine Frau in bewußtlosem Zu- 8% Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße 3, statt. stande und den Sohn mit durchschnittener Stehle tot im Bett liegen. Die Frau wurde nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht, wo sie sich auf dem Wege der Besserung befindet. Auf dem Tische der Stube fand der Mann scheide aus dem Leben, da Du mich doch vernachlässigst. Deine dumme Frau!" Die Unglückliche, eine kränkliche und sehr nervöje Frau, glaubte fich von ihrem Manne zurückgesezt und hat bereits einige Male Selbstmordversuche unternommen. 3. die Eisenbahnlinie Trapezunt- Grzerum, 4. die Eisenbahnlinie Erzerum- Erfingjan- Sivas, einen Brief seiner Frau, in dem sie schreibt: Lieber Wilhelm, ich 5. die Linie Samjun Konstantinopel. Außerdem bewilligte die Pforte in Syrien die Konzession einer Eisenbahn Rayat nach Stantleh, wobet man hofft, daß die englische Regierung erforderlichenfalls einer Verbindung mit dem ägyptischen Eisenbahnneh zustimmen werde. Ferner bewilligte die Pforte Konzeffionen für die Häfen von Jaffa, Haifa, von AsiatischTripolis im Mittelmeer und für die Häfen von Jneboli und Heraflea im Schwarzen Meer. Der drohende Eisenbahnergeneralstreik in Italien. Rom, 18. April. Das Zentralfomitee der Verbände der Eisenbahnarbeiter Italiens hat während der lebten Tage längere Gizungen' abgehalten, in denen alles zum Ausbruch eines General streits vorbereitet wurde. Mehrere Regimenter, die in der Umgegend von Rom übten, haben ihre Manöver abgebrochen und sind in ihre Garnisonen zurüdgekehrt. Man schließt daraus, daß die Regierung bereits alle Vorkehrungen getroffen hat. Aus Groß- Berlin. Konservative Mitglieder zu 1,50 Mark. Unfälle beim Waffersport. Eine ganze Reihe von Bootsunfällen, von denen einer leider auch ein junges Menschenleben forderte, hat sich an den beiden Osterfeiertagen auf den Gewässern der Umgebung Berlins erSchwerer Unfall eines Rennfahrers. Leipzig, 13. April. Bei dem gestrigen Radrennen auf dem Leipziger Sportplay kam der Rennfahrer Van Ret im Dauterrennen durch einen Pneumatikdefekt an seinem Hinterrad zum Sturz und fiel so unglücklich, daß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. Er wurde sofort in das Krankenhaus St. Jakob gebracht. Seine Verlegungen sind aber so schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Stöffler gibt den Monaco- Flug auf. Paris, 13. April. Der deutsche Flieger Ernst Stöffler, Vier Komplizen der New Yorker Polizeikorruption hingerichtet. eignet. Besonders am ersten Feiertag herrschte infolge der schönen, der bekanntlich in Avignon landen mußte und dabei seinen Appaenn auch etwas windigen Witterung auf den Seen und Flußläufen rat schwer beschädigte, hat seine Teilnahme an dem Sterns ein ungewöhnlich starker Ruder- und Seglerverkehr. Auf dem fluge nach Monaco endgültig aufgegeben. Müggelsee. bem Tegeler See und auf den Spreeläufen fonnte man Hunderte und aber Hunderte von Booten beobachten, und so mancher Bootsinsasse war mit der Technik des Ruderns nicht allzu sehr vertraut. Es blieben daher auch Unfälle aller Art nicht aus. Auf dem Müggelsee bei Friedrichshagen tenterten allein drei Boote, von denen die Insassen in die Fluten stürzten, aber durch andere Ruderer wieder geborgen werden konnten. Einen verhängnisvollen Abschluß fand eine Bootspartie, die zwei junge Männer auf dem Langen See unternahmen. Infolge unrichtigen Fahrens gerieten sie mit dem Fahrzeug in die Wellen eines vorüberfahrenden Dampfers. Das Boot tam zum Kentern, und obwohl Hilfe bald New York, 13. April. Im Singfinggefängnis wurden heute vormittag vier jener Polizeisubjekte, die vor zwei Jahren den Spieler Rosenthal, einen Mitwisser der New Yorker Polizeiforruption, ermordeten und deshalb zum Tode verurteilt waren, vermittels bes elettrischen Stuhls hingerichtet. Schwerer Unfall beim Wiener Schaufliegen. Mit Wut und Neid hat die bürgerliche Preffe von den Er. Aspern, 13. April. Als bei den gestrigen Schauflügen der folgen der Roten Woche Notiz genommen. Die Wut richtete zur Stelle war, konnte der eine der Ruderer nicht mehr gerettet sich dagegen, daß unsere Partei Tausende von Partei- werden. Er war sofort untergegangen und ertrunken. Flieger 2emonier eine Höhe von 400 Metern erreicht hatte, mitgliedern der Organisation zugeführt und außerdem durch Auch ein Segelboot tam auf dem Langen See am ersten Feiertag sprang sein Mitflieger Bourhis mit einem Fallschirm beide Beine und erlitt innere Berlegungen. Gewinnung von Abonnenten die Schlagkraft unserer Preise zum Umschlagen. Die vier Insassen vermochten sich so lange am bom Flugzeug ab; beim Aufschlagen auf den Erdboden brach er erhöht hat; neidisch sehen die Gegner auf uns, weil sie selber Stiel des Bootes anzuflammern, bis Hilfe zur Stelle war. Auf dem Flugzeug verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Lemonicht vorwärts komunen. Schließlich find unsere Gegner aber Tegeler See fenterte bei Tegelort ein mit zwei Herren und nier sprang heraus und trug schwere Verlegungen davon. doch dahinter gekommen, daß Wut und Neid allein an unseren zwei Damen bejeztes großes Segelboot, doch konnten die Verun. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Das Theater. Dienstag, den 14. April 1914. Tell. Anfang 3 Uhr. Theater an der Weidendammer Brücke. Zar und Zimmermaun. Schiller- Charlottenburg. Wilhelm Anfang 4 Uhr. Urania. Bon Abbazia bis Korfu. Aniang 5 Uhr. Paffage Theater. Kino- Varieté. Aniana 6, Ulbr. Neues Aniang 8, Ubr. Wolfs Theater. Haubenlerche. D Die Aniang 9 Ubr. Admiralspalast. Jm Tangoflub. Berliner Gispalast. Eisballett. Amor auf Urlaub. Cines Nollendorf Theater. Was mir die Bildnis gab. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Admiralspalast Eisarena. Cines Nollendorf- Theater. Was Heute zwei Vorstellungen mir die Wildnis gab. Anjang 7 Uhr. Rgl. Cvernhaus. Parsifal. Kgl. Schauspielhaus. Peer Gynt. Anfang 7, Uhr. Reffina. 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April 1914, pünktlich 8%, Uhr, in Musiker- Sälen( großer Saal), Kaiser- Wilhelm- Straße 31: General- Versammlung. 1. Tagesordnung: Neuwahlen: a) Aktions- Ausschuß; b) Bildungs- Ausschuß; c) Vorort- Kommission. 2. Besprechung der Anträge zum Verbandstag. Kolleginnen und Kollegen! Wegen der äußerst wichtigen und reichhaltigen Tagesordnung bitten wir um zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 77/ 11* Größtes sämtlicher Die Ortsverwaltung. Spezial- Geschäft GastwirtsArtikel. L. Katz& Co., Spandauer Str. 20 am Molkenmarkt. Filialen: Neukölln, Bergstraße 65, am Bahnhof u. Hermannstraße 35, Ecke Wanzlikstraße. ett- Ausstattungen Bettwaren jeder Art, wie Betten, Inletts, Bettwäsche, Stepp, Daunen- und Schlafdecken. Metallbettstellen und Matratzen. mit elektr. Dampf- Bettfedern- Reinigungsanstalt Betrieb Willi Schmock, Schöneberg, Martin- Luther- Str. 82 T.: Surf. 8944. gieferant der Konsumgenossenschaft Berlin u. Umg. E. G. m. b. H. 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Die göttlichen Sterne waren Trugbild der Ferne, nur Erde blieb dein und irdische Pein. Doch deine Herzflammen lodern zusammen mit all den Millionen, die dienen und fronen. So dumpf euer Schlag! Ihr wartet auf Tag! Ja, wartet geduldig! Doch bleibt nichts schuldig! Das Schwungrad braust. Laß sausen, was ſauſt! Aus Gegenwartswehen wird Zukunft erstehen! Schon leuchtet ein Schein und grüßt unsre Reihn. O Sonne, Genoß, wie machst du uns groß! Sonne, ström ein! Wir alle sind dein! Ostar Wöhrle. Auf Korfu. Sepp's Geisterstunde. Von Robert Größsch. Von oben her gesehen begann der Sepp mit einem uralten Filzhut von unbestimmter Farbe; unter dem zackigen Hutrand herborlugend: graue, strähnige Haare, die born in ein rungliges, faltiges Gesicht fielen, darin Alter und Pfiffigkeit nisteten; weiter hinab: eine ausgefranste Jade, eine mit einem Riemen irgendwie im Kreuz befestigte zerschabte Hose und schuhähnliche Lederruinen an den Füßen das war der Sepp Mooslacher. Und so saß er am blanken, spiegelnden See. Er lachte hell aus sonnbeglänztem Gesicht der See, nicht der Sepp. Nein, der nicht! Der zeigte ein verwurzeltes, grimmiges G'schau, vielleicht das grimmigste seines Lebens. Seine Blicke spielten zur Seite, nach dem wasserumspülten Steinblock hin, auf dem ein nadtfüßiger Bub die Beine baumeln und glatte Kiesel über das Wasser fitschen ließ. Lange und unbewegt jah Sepp dort hinüber, lange, als erwöge er einen verfligten Plan. Dann sagte er so verhalten, daß es der Bub grad hören konnte:„ Anderl, geh amal her!" Der Knirps verdrehte nicht einmal den Kopf, ließ den Steinborrat seiner Taschen langsam und Stück für Stück über die blaue Flut pfeifen. Stück für Stück. Nach dem letzten Stein ging er mit fragendem Blick auf den Alten los. Anderl, hob i Dir net oft a Pfeifen geschnitzt?" " Dös host scho...“ Pause. Anderl, Du kannst schreib'm, gel?" „ Na, dös glaab i!" „ Siehgst, Anderl, da schreib mir amal" Sepp fingerte in seiner Hose herum, brachte einen alten Bleistiftstummel und ein Stück braunes Backpapier zutage schreib mir amal, woas i Dir jag." Anderl saß schon stolz am Boden, faltete das Papier, ledte am Bleistift und horchte. Da kniff Sepp die kleinen wimperlosen Augen noch mehr zusammen, bekam ein paar tiefe Dentfalten in die Stirn und begann rudweise, in langen Pausen zu diktieren: Was man den Sepp da drüben schon gewurzt hatte! Solange er sich noch leidlich rühren und den Bauern die Arbeit machen konnie, war's noch angegangen. Aber seitdem ihm nun auch noch die Gicht in die alten krummen Knochen gefahren war, ging er bei den Bauern reihum wie ein alter Gaul, dem das Futter unter Schimpfen und Schelten gereicht wird. Gestern war Wie gestern... Himmelherrgottssakrament! der Girglhof an der Reihe gewesen, den Sepp zu beschäftigen und zu beköstigen. Und da hatte der Bauer zur Bäuerin geschimpft: " Wann uns der Herrgott nur amal von dem alten Haderlump erlösen tät! Wie lang soll er der G'meind ebba noch zur Last lieg'n, der Dorflump?" und heute gar heute hatte der Gemeindevorstand den Sepp gar einsperr'n wollen, weil der Sepp im Gemeindewald einen Hasen in der Schlinge gefunden hatte! Wo doch der Sepp gar keine Schlinge gelegt hatte! Konnte er dafür, wenn ihn der Herrgott einen lebendigen Hasen finden ließ? Sepp spie in weitem Bogen ins Wasser. Er fühlte: etwas mußte geschehen, sonst würde sein Kreuz da drüben im Dorf immer ärger. Wenn er jetzt zum Beispiel wirklich in den See ginge Man würde das Papier finden, alle Dörfer würden erfahren, wie schlecht man den Sepp im Seedorf behandelt hatte, die Obrigkeit würde daherkommen und würde fragen:" Was habt Ihr dem Sepp getan?" Vielleicht würde sogar der Kaiser auf den Tisch schlagen... Sepp zog seinen Stittel vom Leibe, legte ihn ins Wiesengras, packte den Hut nach innen, legte den Zettel obenauf, beschwerte das Papier mit einem Steine und wiegte den alten Kopf befriedigt. Sah das nicht alles schon aus wie eine richtige Leiche? Safra, was die im Dorf für einen Schred kriegen sollten... Als er aufsah, war es ihm, als würde es da drüben um die ersten Häuser lebendig, als kämen helle Hemdsärmel und wehende Kopftücher auf den See los. Da duckte sich Sepp noch mehr und schlich mit steifem Buckel dem Walde zu, der sich dunkel an die Südseite des Sees heranschob. Mochte das Dorf erst einmal seinen Schreck kriegen mit dem Ersäufen eilte es nicht; der See lief dem Sepp nicht davon. Erst weit im Walde drin wagte der Sepp seinen Rücken wieder gerade zu richten, strich zwischen den Bäumen dahin und hatte ein Lachen um die pfiffigen Mundwinkel. Am Rande einer Lichtung, auf deren Moos die Sonne goldige Kreise brannte, warf er sich lang ins Warme, lächelte ins Leere und malte sich aus, wie die aus dem Dorfe jetzt den See mit langen Stangen absuchten und flagten:" Dös braucht' er uns a net ang'tean, der Sepp.... " Ihr habt's mich in den Tod getrieben und ich geh im See und ich werd den Herrgott alles verzählen. Josef Mooslacher." Als der Bub das Ganze noch einmal selbstgefällig überlas, schrat er mit großen Blicken auf. In den See wollte der Sepp! Der aber nahm ihm das Papier aus der Hand und jah ihm mit einem langen stieren Blick unverwandt in die Augen. Mit einem Blick, vor dem der Bub entsetzt zurückwich.... Und als der Sepp Still und schwarz lauerte der See im Abenddunkel. Dünne gar die knochige Hand nach ihm ausstreckte, da tat das Anderl einen weiße Nebelschleier zogen über dem Wasser. Durch die Wolfent< Luftsprung und flüchtete quer über die Seewiese hinweg. Weit wände des Nachthimmels stahl sich ein ärmliches Stück Mondscheibe. draußen blieb er noch einmal mit großen Augen stehen, sah den Ihre Strahlen fielen mit dünnem Scheine auf den Seerand her Sepp nicht mehr, sah nur etwas Dunkles durch die Luft sausen nieder und zitterten über einen grauen Kopf hinweg. Der gehörte und in den See plumpsen.... Einige Sekunden starrte Andert dem Sepp. gedankenlos ins Blaue, dann jagte ihn das Grausen über die Wiesen hin dem Dorfe zu. Er trat tastend aus dem Walde, reckte sich und fühlte sich frisch wie ein Junger, weil man im Moose einer sonnigen Richtung besser schläft als in Sepps feuchtem Häusel.. Sepp hockte am Seerande und glich in seiner Sturrheit einem Steine des Ufergerölls. Nur seine fleinen wimperlojen Augen Langsam, verschlafen stapfte er dem Ufer zu und spähte scharf lebten und glommen über die Seewiese hin zu dem Dörschen, dessen am Boden hin. Richtig, Jacke und Hut waren fort. Der Boden Häuser sich drüben am Berghange verzettelten. Daß doch der von derben Schuhen zertreten. Jessas! mochten da viel Leute am Herrgott ein Donnerwetter in diese Dächer geschickt hätte!...lufer herumgestanden sein! Ein paar Kähne lagen auch auf dem Reaktionäre als Revolutionäre. Es sind immer die Reaktionäre gewesen, die den Re« b o l u t i o Ii ä r c n den Weg und die Methode des Kampfes ge- wiesen haben. Die neuen Vorschriften über den„W äffen- gebrauch des Militärs und seine Mitwirkung zur Ii n t c r d r ü ck u n g innerer Unruhe it" sind ein Musterbeispiel für diese historische Erfahrung. Nicht nur dadurch, dag sie in einem doch angeblich bestehenden Rechtsstaat ohne j e o e Mitwirkung der gesetzgebenden Faktoren zustande gekommen sind. Tie sind eine einfache Verordnung der pceugischen Heeresverwaltung und der gleichgcsteUten anderen bunde-staatlichen Instanzen und haben weder dem preußischen und einem anderen Landtage noch dem Reichstage vorgelegen, obwohl sie für das Reichs- land Elsast-Lothringen besondere Gültigkeit haben sollen. ES ist ein Rückfall in die feudal-absolutistischc Zeit, in der der König durch willkürliche Verordnungen und Maßnahmen das Muster will- kürlichev revolutionärer Eingriffe in Ttaat und Gesellschaft dar- stellte. So ist schon der Geburtsatt dieser Vorschriften revolutionär, wenn er auch nur der Reaktion dienen soll. Die neue Vorschrift ist in Preußen erzeugt worden, und es versteht sich, daß sie in jeder Zeile die preußische Sprache spricht.?llö 1863 im preußischen Abgeordnetenhause ein polnischer Abgeordneter ironisch bedauerte, daß es noch keine preußische Sprache gäbe, da antwortete ihm Rudolf Birchow: ,,Ja, meine Herren, es gibt eine solche; das ist diejenige, welche die Herren vom Ministertische gegenwärtig reden. Es ist aber die Sprache, welche nian in der ganzen Welt nicht versteht." Bis- inarck begriff sofort, daß in dieser Charakterisierung keine Schmeichelei für ihn und seine Kollegen und damit für die preußische Regierung und ihre Politik liegen sollte, und mit der ihm eigenen reaktionären Offenheit, die wir an ihm immer ve- wundert haben, antwortete er:„Meine Herren, ich bin stolz darauf, eine preußische Sprache zu reden, und Sie werden dieselbe noch oft von mir hören!" In der Tat hat die preußische Regierung während der Bismarckschcn Zeit und bis auf den heutigen Tag eine preußische Sprache weiter gesprochen, ohne daß sie dadurch der Kulturmenschheit verständlicbcr geworden wäre. Sie wird höchstens von den östlichen Rachbarn Preußens verstanden, von der russischen Regierung, die eine durchaus ähnliche Sprache spricht. Wer wollte leugnen, daß die neue Vorschrift über den Waffen- gebrauch in jedem Buchstaben eine Grammatik dieser preußisch- russischen Sprachenverbrüderung darstellt? Die russische Verbrüderung zeigt sich natürlich noch weit deutlicher in dem Sachinhalt der Vorschriften. Ein bekanntes Scharfmacherblatt, dem sein früherer AuShalter in diesem Falle nicht bescheinigen würde, daß es von„Eseln" redigiert würde, hat ganz richtig herausgefunden, daß es sich bei der neuen Vorschrift hauptsächlich um die Frage Handell,„ob nach wie vor das Militär bei einem staatlichen Notstände, auch ohne Anforderung der Zivilbehörde, selbständig ein- zuschreiten befugt und berechtigt ist", und es freut sich, daß „diese Bestimmung der alten preußischen Vorschrift vollständig auf- rechterhalten zu sein scheint". Die revolutionäre Tendenz in dieser reaktionären Vorschrift ist mit den Händen zu greifen. Tie brutale Macht tritt offensichtlich au die Stelle eines geistigen Kampfes und Ausgleichs und Per- Handelns. Der Säbel und die Flinte ersetzen Tinte und Feder und sprechen eine deutlichere Sprache wie der Mund der Menschen. Ilm mit Lassalle zu reden, hat die Revolution im Heugabel- sinne einen neuen und sichtbaren Triumph davongetragen. Ausgeschaltet ist auch durch die neue Verordnung der Rechtsweg zur Nachprüfung ihrer Anwendung. Die „juristische Deduktion" und die„juristischen Zwirnsfäden" sind wieder einmal revolutionär beiseite geschoben worden. Der große revolutionäre Reaktionär Bismarck ist auch für diesen Vorgang ein Muster. Man erinnert sich, was er zur Rechtfertigung der Annektion des Vermögens des abgesetzten Königs Georg von Han- nover, der Beschlagnahme des Vermögens des früheren Kurfürsten von Hessen und zur Verteidigung des Reptilienfonds 1869 sagte: „lieber juristische Zwirnsfäden wird die königliche Regierung nicht stolpern in der Ausübung ihrer Pflicht, für den Frieden des Staates zu sorgen; sie wird diese ihre Aufgabe auch nicht auf das Niveau von Gmnüsekörben hinunterziehen lassen, sondern sie in ihrer ganzen Höhe aufrechterhalten und durchführen." Das heißt Seerande.... Und da— ja, was war denn jetzt das? Da— kaum ein Meter vom Wasser eptfernt— auf Papier gelegt— grad vor Sepps klobigen Füßen— da lag ein Brotl Er bückte sich, griff zu. Ein schönes, rundes, weiches, neu» backneS Brot. Mit einem Herzzeichen in der Mitte— das Brotzeichen vom GirglhofI Er biß heißhungrig in den braunen Sechs- pfünder, daß die Rinde knackte, ließ sich sinnend auf einem Stein- block nieder, kaute und biß. Das Brot— wie kam das Brot daher. Der Sepp war ertrunken, der See war abgesucht worden— und setzt lag ein ganzes neubackenes Brot dahier...! Und wie er so über das Brot hinweg ins Wasser starrte, tauchte in Sepp? altem Kopfe eine alte Erinnerung auf. Da war im Nachbardorf ein kleines Dirndl ertrunken und konnte nicht gefunden werden. Noch am selben Tage wurde ein neubackenes Brot im Dorfe aufgetrieben und ans Ufer gelegt, denn der Herr Koperator sagte:„Ein neubackenes Brot is a heiligs Brot. Es ziagt den Toten ans Ufa: oder der Tote sagt in der Nacht dem, der's Brot gelegt hat, wo die Leich zu finden is." Sepp pfiff leise durch die Zähne. Also deswegen! Und noch dazu eis Brot vom Girglbauer, dem Filz, dem geizigen Tropf! Weiches Brot hatte der Sepp schon seit Jahren nicht mehr zu sehen bekommen— und jetzt opferte man ihm gleich ein ganzes neu- gebackenesl Noch dazu vom Girglhof! Sepp pfiff geradeaus. Herrgottssakra, der Girglbauer— ob der nicht ein Zeichen verdiente...! Weiße Liästfunkchen geisterten im Nebel wie neckische Ko- bolde, aber in Sepps verwittertem Schädel spukten ganze Kobold- brigaden, als er über die Wiese hinweg in weitem, vorsichtigem Bogen zu seiner Hütte schlich--- Die Häuser des Dorfes verkrochen sich hinter dem Nachtdunkel wie unter einer Bettdecke, schliefen tief, fest und trauniloS wie ihre Bewohuer. Nur draußen an der Berghalde, im Oberstock des Girglhofes— da wälzte sich einer unruhig im Bett. Alle Auf- regungen des Tages tobten traumspukend durch den schweren breiten Kopf des Girglbauers: der Ander! kam atemlos ins Torf gerast und schrie, er hätte den Sepp in den See springen sehen; dann war der Girglbauer am See draußen, viel Leute standen umher und ein paar Weiber schrien:„Legt'S a Brot ans Wasser, a neu- gebacken'?."—„Legt'S daher, damit er uns auf d' Nacht sagt, wo er liagt."—. a Toter im See bringt alleweil Unglück und Wehdam überS Turf, legt's a Brot her..." Da kam die Frau deS Dorfbäckers langsam gegangen, legte ein weiches Brot am Uferrand nieder, und alle Leut' beteten den Rosenkranz darüber. Und plötzlich war der See weg, und die Leut' waren fort, und der Girglbauer stand auf der Himmelswiese. Vor ihm saß auf hohem Throne der Herrgott mit langem weißen Bart und einer Troddel- bis auf den heutigen Tag, daß das Gesetz zu schweigen hat, wo die Macht herrscht. Es gibt keinen revolutionäreren Grundsatz wie diesen. Vom Erhabenen zum— weniger Erhabenen ist nur ein Schritt; von Bismarck auf Herrn v. Jagow zu kommen, liegt nahe. Auch dieser modernste Reaktionär ist ein Muster revolutio- närcr Lehren und Beispiele zur Nacheifcrung. Wir reden nicht von dem revolutionären Inhalt und von der revolutionären Wir- kung seiner Erlasse, obwohl sie überreich Anlaß geben, unseren Gedankengang zu erweisen. Wir nehmen ihn nur als Ganzes. Wie hat dieser Reaktionär in den paar Jahren seiner Regierung die Köpfe revolutioniert I Er hat sogar bewirkt, daß seinetwegen die Zeitfolge revolutioniert wurde, denn es war, wie man sich er- innert, der 6. März im Jahre 1316, als man ihn schon durch den Spaziergang im Tiergarten in den April schickte.... Und wenn des Geschickes Mächte ihn uns noch einige Zeit erhalten, so kann er in seinem Tatendrang nur ausgeschaltet wer- den durch die neue..Borschrift über den Waffengebrauch des Militärs und seine Mitwirkung zur Unterdrückung innerer Un- ruhen". Nehmen wir den wenig erhabenen Fall, daß Herr v. Jagow zu einem Fünfuhr-Tee geladen sei und daß zu gleicher Zeit durch einen Wahlrechts-Spaziergang im Sinne der preußischen Regierung eine„innere Unruhe" entsteht. Herr v. Jagow darf nicht gestört werden, die Zivilbehörde versagt, der„staat- liche Notstand" ist da, die Militärbehörde kann nicht der- ständigt werden. Da, immer im Sinne der preußischen Negierung, eine„dringende Gefahr für die öffentliche Sicherheit" eintritt, greift nunmehr das Militär ein. Welch ein revolutionärer Vor- gang! Die Macht des Herrn v. Jagow wird beiseite geschoben und, ohne ihn zu fragen, tritt an ihre Stelle eine andere. Tie Reaktion schlägt um in die Revolution, selbst gegen die reaktionäre Spitze der revolutionären preußischen Hauptstadt. So ist die neue Vorschrift voll revolutionärer Fußangeln, und eS bleibt dem deutschen Geiste nur der eine Trost, daß sie nicht auch für Bavern, Sachsen und Württemberg gilt. Mindestens Bayern und Württemberg find bisher, freilich zu unserem Bedanern, in diesem Sinne wenig revolutionär ge- Wesen. Ter preußische Geist, die preußische Sprache und die preußische Reaktion sind indessen auf dem besten Wege, auch dort Eroberungen zu machen, so daß man hoffen darf, daß auch dort jene Reaktionäre entstehen werden, die noch immer die besten Helfer der Revolution geworden sind, die ihr den Weg und die nötige Methode des Kampfes weisen. Der Toilettenwärter. Szene: Die Toilette eines eleganten Caiös. Marmorboden, Ka-belwönde, eingebaute Waschbecken mit Warmwasierleiiung. Auf einem Tisch frische Handtücher und ein reichhaltiges Toilettenservice, von der Schuhbürste bis zum Mcmicurekasten. Personen: Der Toiletten Wärter, weißbärtig, sehr sauber, auf der Brust die Kriegerdenkmünze. Der Gast, klein, untersetzt, nach letzter Mode gekleidet, Brillantringe. Der G a st:„Bitte, waschen!" Der Wärter(läßt Wasser in« Becken laufen und legt ein Stück Seife in die Schale):„Hier mein Herr." Der Gast lzieht die Ringe von den Fingern, legt sie auf das Sims, beginnt sich zu waschen. Der Wärter steht daneben und hält ein Handtuch bereit. Es entspinnt sich folgendes Gespräch): „Na, Sie kenne ich doch schon seit langein. Wie lange sind Sie eigentlich jetzt hier?" „Fünf Jahre, mein Herr I" „Und wie alt sind Sie?" „Zweiundsiebzig." .Donnerwetter— so alt schon. Was waren Sie denn srüher?" „Schmied." „Na. und das ging nicht mehr?" „Nein. Ich hatte von anno 73 her einen Knaks weg. So ne Art Bruch. Das ist dann mal wieder zuin Ausbruch ge- kommen." „Sie beziehen doch Invalidenrente?" „Ja. 3 M. 76." „In der Woche—?' „Nein, im Monat l" «So. hm. Biel ist das nicht. Aber Sie find ja auch nicht ganz erwerbsunfähige Was krieaen Sie denn hier monatlich?" mütze auf dem Kopfe. Neben ihm viel Engel und mittendrein der Sepp. Akkurat der Sepp, wie er auf Erden dahergegangen war: mörderliche Schuh', zerschabte Hosen, Leibriemen und ein ver- luderteS Hemd.... Aber noch ehe der Girglbauer den Sepp richtig beschaut hatte, donnerte der Herrgott:„Balthasar Matthias Girgl, zu mir wird hergeschaut! Knie nieder, denn Du bist ein ganz Schlechter. Du bist der Geizigste gewesen von allen I Tu hast dem alten Andrea? Josef MooSlacher nicht einmal das trockne Brot ver- gunnt, hast ihn am schlechtesten gehalten, wann die Reih' an Dir war, hast meinen armen Knecht Josef Mooslacher in den Tod ge- trieben! Tarauf steht die ewige Höll!" Matthias Girgl hatte sich lang vor Gottes Thron niedergeworfen, zitterte am ganzen Leibe und hörte von weitem eine Meute Höllenhunde winseln.„Hörst Tu sie!" drohte der Herrgott und gab dem Girgl einen Fußtritt, daß er durch den Himmel fiel, tiefer, immer tiefer— bis es einen verteufelten Krach tat.... Da erwachte der Girglbauer. Finster war's um ihn her. Er lag neben dem Bett auf den Dielen, rieb sich die Augen und fühlte, wie ihm der Schweiß von der Stirn troff. Draußen im Hof heulte der TyraS, und von unten her klang das Knarren einer Türe— dazwischen schwere, schleifende Schritte. Der Girglbauer stieg beklommen, langsam ins Bett, saß auf- recht, hielt den Atem an, lauschte... Die Uhr schlug Zwölf... Zwischen den Schlägen schleiften schwere Tritte... TyraS' Geheul wurde zu leisem Winseln... Ter Bauer bog sich zur Seite, griff ins Bett nebenan, rüttelte die Bäuerin.„TbreS, hörst nixl" Aber die brummte nur:„Na, heut net.. wälzte sich auf die Seite und kam ins Schnarchen. TyraS jammerte in abgerissenen Heullauten... Da schob der Girglbauer die Beine unter dem Bett hervor, fuhr in Hosen und Strümpfe, tastete sich durch die Kammer und stieg die hölzerne Treppe hinab. Tie Haustür war geschlossen, aber die Stubentür— die stand weit offen. Ein matter grauer Lichtfleck fiel in den Flur... Auf der untersten Treppenstufe machte der Bauer noch einmal horchend Halt Stille. Nur das Ticken der Uhr kam aus der Stube.,. Langsam und spähend schritt Girgl durch die geöffnete Tür--- „JessaSmarie!" Cr wankte gegen den Ofen, sank langsam auf die Ofenbank, starrte in die Zimmerecke und bekreuzte sich. Dort, hinterm Tische, unterm HauSaltar— dort saß Sepp? Geist. Der Mond warf einen weißen Schein von einem Fenster schräg zum andern, über die Ecke hinweg, grad an Sepps Gesicht vorbei. Die spitzen Backenknochen schimmerten weiß; die Augen lagen tief, hohl, wie in einem Totenkopfe; die Haare hingen struppig „Kriegen? Ich zahle hier doch— l" „Machen Sie doch keine Witze. Was heißt, Sie zahlen hier." „Ich habe die Toilette gepachtet und muß dafür täglich zehn Mark geben." „Na, und was haben Sie da übrig?" .Durchschnittlich eine Mar! fünfzig bis zwei Mark. Manchmal auch zweifünfzig." sWährenddessen hat der Herr sich abgetrocknet. Er putzt sich nun die Nägel, während der Alte mit einem Ledertuch die Lackftiefel ab» reibt. Der Gast:) „Na, leicht haben Sie's ja nicht. Aber Sie brauchen ja auch wenig. WaS meinen Sie, wie unsereins sich den Kopf zerbrechen muß, um bei diesen verfluchten Zeiten über Walser zu bleiben. Es ist nicht alles Gold, was glänzt."(Er streift die Ringe über.) (Der Alte bürstet ihn ab. Der Gast greift in die Westentasche, sucht herum, steckt dem Alten etwas in die Hand.) „Bitte!" Der Alte verbeugt sich, der Gast verschwindet. Der Alte öffnet die Hand, darin liegt— ein Zweipfennigstück. Um 3 Uhr nachts kommt ein rotbefrackter Kellner in die Toilette: „Fritze, was meinste, was mir der kleene Dicke for'n Trinkgeld gegeben hat, der vorhin hier war? Zwanzig M I Fein, was? For achtzig hat er und sein Mächen gesoffen, und wie ich ihm aus hundert rausgeben will, winkt er ab. Kavalier, was? Aber be- soffen, sag ich Dir— wie'n Schwein! Komm, Fritze, sollst auch was davon haben." Und er wirft einen Taler auf den Tisch. o. z. k. vom Jahrmarkt öes Lebens. Ein Satyrspiel. In unserer schnellebigen Zeit, in der ein Ereignis das andere verdrängt, denkt kaum noch ein Mensch an die Schlammflut, die in den verschiedenen Krupp-Prozessen zutage trat. Wo in bürger- lichen Blättern noch einmal an die Krupp-Affäre erinnert wird, geschieht es fast in der Regel in einer Art, als ob der Weltfirma mit den gegen sie erhobenen Anklagen das größte Unrecht geschehen sei; ja, es tritt die Behauptung auf, daß die Anklagen vollständig zusammengebrochen seien. Wenn auch der Staat keinerlei Lehren aus den schmutzigen Schmiergelderprozeffen gezogen hat, einer hat seine Lehren daraus gezogen— das ist die Firma K r u p p. Sie ist plötzlich sittlich geworden und wendet sich gegen das Schmier- geldemmvesen, Notabene soweit es gegen die Interessen der Firma verstößt. Vor einiger Zeit hat die Firma für ihre im Monatsgehalt stehenden Beamten einen neuen Tienstvertrag eingeführt, in dessen § 4 es heißt: Ueber geschäftliche Angelegenheiten, die ihrer Natur nach vertraulich oder als solche ausdrücklich bezeichnet worden sind, ist Verschwiegenheit zu beobachten. Schon G e- spräche über geschäftliche und dienstliche Angelegenheiten mit Unbeteiligten sind zu unterlassen. Im§ 10 wird den Beamten ver- boten, Vergütungen, Geschenke oder Aufmerksam- leiten von Wert anzunehmen, sobald' solche unmittelbar oder auch nur mittelbar von Personen �"gehen, die mit der Firma in Geschäftsverbindung fiel Wie wären die kleinen Zeug. nants hinausgeflogen, wen� sie bei der Firma Krupp und nickt zufällig im Dienste de» prtu' schen Staates gestanden hätten. Bei soviel Moralität und sittlichem Geschäftssinn ist es wahrlich an der Zeit, daß die Firma Krupp wieder die Mitgliedschaft im Verein gegen das Schmiergelder- unwesen erwirbt._ die desonüere Ehre. Die allgemeine Entrüstung, die das Niederknallen eines in seiner Gattenehre gekränkten Offizier? durch einen Kameraden her» vorgerufen hat. und die Debatten über den Tuellunfug bringen einen leibhaftigen General auf den Plan, der im„Tag" die An- ficht vertritt, daß es in erster Linie Sache des Offizier- k o r p s selbst sei, wie es seine Ehre vert, idigen wolle. In seiner Art ist der Herr lmrckauS konsequent. Solange es das Bürgertum als das höchste der Gefühle betrachtet, in engeren Verkehr mit irgendeinem Offizier treten zu können, solange es das erstrebens- im Gesicht. In den Händen, weit über den Tisch vorgestreckt, hielt er ein Brot. Der Girglbauer zitterte leis, brachte die Augen nich! von der Ecke los. War ibm der Sepp nicht eben genau so im Scklafe er» schienen, auf der Himmelswiese, neben dem Herrgott. Akkurat so bleich, so gestorben... Aber wie kam der Geist eigentlich in den Girglhof? Daß Brot hatte doch der Bäck gelegt... Girgl sah von unten her nack dem Brote hin, das vor dem Sepp lag. Das Mondlicht strich über die braune Rundung; ein kleines Herz saß drin— das Zeichen des Girglhof«. Sakra, grad von meinem Brot hat der Bäck einS derwischen müssen, dachte der Girglbauer. Aber der Zorngedanke ging sofort unter in kaltem Grausen. Flüsternd, röchelnd kam eS unter dem Kruzifix hervor:„So viel kalt ist'S hierin im nassen Grab— gebt's mir eppes Warin'S zu trinken." Der schwere Bauernkops auf dem dünnen Hals sank wie im Schwindel vornüber. In seinen Ohren war ein Summen und Rauschen.„Was hast g'sagt, Sepp." raunte eS heiser,„wo liegst?" „Grad mitten im See lieg i", röchelte Sepp.„Gebt s mir eppeS Warm's zu Hnk'n— und a Essen— daß i net hungrig zum Serr» gott lim ml" Und Sepp pochte dazu mit knöchernem Geisterfinger auf den Tisch. � Ter Girglbauer erhob sich halb im Rausch, schritt zur Küche, stellte einen Kaffeerest auf die Spiritusslamme, brachte speck und Wurst, schob es von weither, mit vorgebeugtem Oberkörper, auf den Tisch und zog sich wieder an den Ofen zurück. Da hatte Sepp auch schon sein altes, griffestes Messer in der Hand und schnitt derartige Streifen von der Speckseite, daß der Girglbauer aus dem Grausen in's Staunen kam. Ein kalter Schauder aber kehrte auf dem breiten Rücken wieder, als es in der Altarccke zu flüstern begann:„Im Rauchkammerl drauß'n�häng'n zwoa Schinken. Bring den rein, der wo angeschnitten is.. Ein Toter wußte, daß zwei Schinken im Girglhof hingen!... Der eBauer schob sich mit schwachen Knieen zur Küche hinaus, brachte den Schinken, langte ihn vorsichtig auf den Tisch und staunte abermals, denn der Sepp schnitt sich schier eine halbe Seite herunter. Schwerfällig zog sich der Bauer zum Ofen zurück, schlug drei Kreuze und stammelte:„Gel Sepp, zum Herrgott wannst kimmst, nachher bittst a für ans Gel trägst mir nix nach?" Sepp kaute und schmatzte in der dunklen Ecke. Nur seine Backenknochen hoben sich fahl au? der Düsternis. Tann zischelte eS unter dem Kruzifix hervor:„Was Du an mir g'sündigt hast— wegen meiner brauchst's net zu büß'n. Aber moanst cppa. Du hätt'st sonst nix aus'm Kerbholz?" werteste Ziel desselben Bürgertums ist, dcist seine männliche Jugend den Titel L. d. R. tragen kann, darf es sich nicht darüber erregen, wenn die Anmastung mancher Erstklassigen schier ins Endlose steigt. Und es sind wahrlich nicht die Anmaßendsten, die durch Gc- burt und aristokratische Erziehung sich in feudalen Gedankengängen bewegen. Oftmals sind viel anmaßender die jungen bürgerlichen Herren, die der Ehre für würdig befunden wurden, Mitglied irgend- eines Offizierkorps— wenn auch nur als Sommerleutnant— zu werden. Erst dieser Tage glaubte sich ein junger Kaufmann be- rechtigt, als Leutnant der Reserve auf Grund seiner ganz besonde- ren OssizierSehre seinem Chef darüber Vorhaltungen macheu zu können, daß er als Angestellter und nicht als Offizier behandelt worden ist. Auch ein anderer Fall, der in letzter Woche vor dent Kriegsgericht zur Aburteilung kam, zeigt, bei welchen Gelegenheiten sich das besonders fein entwickelte Ehrgefühl des L. d. R. regt. In reichlich vorgerückter Stunde gab es in einem Berliner Nachtlokal zwischen einem Leutnant der Reserve R. und einem Referendar Z. einen Wortwechsel, in dessen Verlauf sich R. so gekränkt fühlte, daß er dem anderen eine schallende Ohrfeige versetzte. Tie ruchlose Tat und eine sich daran anschließende etwas plebejische Holzerei konnte nur dadurch gesühnt werden, daß man sich eine Forderung auf schwere Säbel unier de» denkbar schwersten Be- dingungen übermittelte. Und das Gottesgericht funktionierte auZ- nahmsweise richtig, der Austeiler der Ohrfeige wurde abgestochen und erhielt jetzt vom Kriegsgericht noch 3 Monate 14 Tage Festung. Es ist doch etwas Schönes uni die besondere Ehre. Selbst in alkoholisiertem Zustande weist sie deni Erstklassigen den richtigen standesgemäßen Weg. Ein Iahrhunüertfeier-Nachspiel. Allgemach ist der Jahrhundertfeicr-Rummel verebbt; nur hier unt» da entdeckt man noch irgendeinen denkwürdigen Tag, den man zum Anlaß einer lokalen Festveranstaltung benutzen kann. Um nun aber nicht ganz die Erinnerung an die bedeutsame Zeit dem Gedächtnis der kommenden Geschlechter entschwinden zu lassen— den Lebenden ist sie ja durch die Opscrsteuer des Wchrbcitrages gcnügeni» eingeprägt worden— hatten die Stadtväter des heiligen Köln beschlossen, mehrere höhere Lehranstalten nach großen Geistern der Zeit vor 100 Jahren zu benennen. Die großen Patrioten Stein. Hardenberg und Arndt Ivaren dazu ausersehen. die Lehranstalten durch ihren Namen zu ehren. Doch die Stadt- verordnetenversammlung denkt und der Kultusminister lenkt. Er hat der Kölner Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt, daß er gegenwärtig nicht in der Lage sei. die Borschläge zu genehmigen. Leider ist der Kultusminister mit seiner Ablehnung auf halbem Wege stehen geblieben. Wir haben in der Jetztzeit doch genügend Patrioten, die würdig erscheinen, daß ihr Name der Nachwelt er- halten bleibt. Wie schön würde sich eine höhere Töchterschule machen, die mit dem Namen des Leutnants v. Forstner verknüpft wäre. Auch ein Ober st Reuter-Gymnasium oder ein General v. Liebert-Lyzeum würden unseren Nachkommen ein treffliches Bild von den Großen unserer Zeit und von dem Freiheitssinn des heutigen Bürgertums geben. verbanüstag öes/lllgememen Verbandes der deutschen Sankbeamten. DaS Bestreben des scharfmacherischen Unternehmertums, das Koalitionsrecht aufzuheben oder nach Möglichkeit einzuschränken und ähnliche Tinge mehr haben bekanntlich schon seit längerer Zeit dazu geführt, daß auch in den Kreisen der sogenannten höher gestellten Arbeiter das Klassenbewußtsein erwacht ist. Auch die Angestellten im Bankgewerbe sind zu der Einsicht gelangt, daß, wenn sie den wirtschaftlichen Kampf für Besserstellung ihrer materiellen Lage mit Erfolg führen wollen, sie mit allen Harmoniebestrebungcn, die angeblich noch zwischen Kapital und Arbeit bestehen, vollständig brechen müssen. In dieser Erkenntnis hat sich, im Gegensatz zu dem auf dem Harmoniestondpunkt stehenden„Verein der Deutschen Bankbeamten" der„Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten" gebildet, der Sonntag und Montag im Festsaale des Hotel Stevens sNiederwallstr. 11) unter Girgl bekam einen hohen Buckel und sank auf die Ofenbank zurück. Seine Blicke hingen wie gebannt in der Ecke, aus der Sepps Augen plötzlich groß und starr herausbrannten.„Moanst i woatz net, was die im Dorf net wiss'n? Wootz net, wie Du beim Kartlen alleweil a Blatt'l hast im Schoß fall'n lafl'n?" Der Bauer hob den Kopf.„Na Sepp, alleweil g'wiß net. Nur zwoamal Hab i's tean!" „Siehgst, zwoamal! Wir Toten wissen all's. Und Schling'n hast g'legt im ganzen Wald umanand, gar so vüll Schling'n." Der Girglbauer wurde eifrig, schüttelte heftig den Kopf.„Na, goar so vüll net! Nur am Seeholz drauß'n.. „Am Seeholz drauß'n, wo i den Hasen in der Schling'n g'fundcn Hab— siehgst, die Toten wiss'n all'S!" Sepp hieb wieder in Speck und Schinken und dreht« das knöcherne Gesicht so gespenstisch in's Mondlicht, daß der Bauer scheu den Kopf senkte. Er wagte Minuten- laug nicht aufzuschauen. Eine stumme, unheimliche Pause, in der Sepp die halbe Wurst unters Hemd schlüpfen ließ. Dann sah er zur Uhr auf. Das Blatt gleißte im Fensterlicht. Der Zeiger rückte der Eins näher und näher. Die Gespensterstunde ging zu Ende.... Der Girglbauer hob den Kopf wieder.„Gel Sepp, zum Herr- gott wannst kimmst, bitt'st für mi...." Die blinkernden. scheuen Augen waren nach der Ecke hin gerichtet. Der hinter'm Tisch erhob sich, packte den Schinken am Knochen, schleifte mit schweren Schritten nach der Stubenmitte, hatte einen stieren Toienblick und sagte mit hohler Stimme:„Matthias Balthasar Girgl, mei Stund iS iatzt kommen, i lieg in der Mitte vom See wann ihr mi sucht.." Der Bauer war nach der Küchentür hin gewicben. sah bald in Sepps stiere Äugen, bald auf den Schinken, schwankte, trat ein paar Schritte vor, packte ängftlich, mit langen Armen nach dem Schinken und sagte bebend, aber bestimmt:„Der bleibt da..." Da ließ Sepp den Schinken fahren, rafft« die Speckseite vom Tische und war so rasch zur Tür hinau», wie es eben nur Geistern möglich ist.--- Der Girgl stand verdattert in der Stube, rieb sich die Stirn und hörte von draußen her eine Stimme, wie sie Sepp bei Leb« Zeiten gehabt hatte:„Wenn' heut noch von den Toten aufersteh'n tat, nachher vergiß neb waZ Du mir vom Kartlen und Sching'n« leg'n verzählt hast, gel Girglbauer!" * 9118 die Sonne wieder hoch über den Bergen stand, ging� die Kund- durch'? Dorf, daß der Sepp gesund und schlafend in seiner Hütt« aufgesunden worden sei und daß er aus alle? Gefrage nur Vorsitz des Bankbeamten G r ü n e w a l d(Berlin) den zweiten ordentlichen Verbandstag abhielt. Es waren zahlreich« Delegierte aus allen Teilen des Reiches erschienen. Dem von Benno Marx (Berlin) erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verband im Gegensatz zu dem Verein Deutscher Bankbeamten, der vom„Verband des deutschen Bank- und Dankiergewerbes" Unter- stützung erhalte, den Prinzipalen ein Dorn im Auge sei. Allein trotz aller Maßregelungen, Bespitzelungen und Besehdungen aller Art mache der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten recht erfreuliche Fortschritte. Die deutschen Bankbeamten auch«im Reiche gelangen immer mehr zu der Erkenntnis, daß, wenn sie eine durchgreifende Besserung ihrer materiellen Lage erreichen wollen, sie sich als geschlossene K a m p f o r g a n i s a t i o n organisieren müssen. Die Bankangestellten können es sich nicht länger gefallen lassen, daß die Prinzipale bei Abschluß von Anstellungsverträgen selbst in ihre Familien- und Eheverhält» isse eingreifen. Dies wollen sich allerdings auch nicht die Mitglieder der Harmonievereine länger gefallen lassen. Ganz besonders imiffen aber die Angriffe des Unternehmertums auf das K o a- lttionSrecht bekänipft werden. Selbst der I n d u st r i e r a t des Hansabundes habe einen Beschluß gegen das Koalitions- recht gefaßt. Das Präsidium des Hansabundes habe allerdings den Versuch unternommen, diesen Beschluß zu mildern, trotzdem stehe es außer Zweifcl, daß auch der H a n sa b u n d ein scharfmache- rischer Untcrnehmerverband sei, dem kein Angestellter, dem sein materielles Interesse am Herzen liege, mebr angehören dürfe. Die Bankangestellten müssen, ebenso wie alle anderen Ange- stellten und Arbeiter mit voller Entschiedenbeit das unbeschränkte Koalitionsrecht, die Einführung der Arbeitslosenunterstützung und Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung verlange». Es sei dringend notwendig, jeden Abgeordnetenkandidaten zu fragen, wie er sich zu diesen Forderungen stellt. Die Kollegen im ganzen Reiche haben dieser Taktik zugestimmt; er sei überzeugt, daß diese Taktik die Bankangestellten zum Ziele führen werde.(Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) Dem hierauf von dem Kassierer Weiß(Berlin) erstatteten Kassenbericht tvar zu entnehmen, daß durch die Tantiemen dem Widerstandsfonds, aus dessen Mitteln die Gemaßregelten unter- stützt werden, im verflossenen Geschäftsjahre 10 000 M. zugeflossen sind. Ter Widerstandsfond weise nunmehr einen Bestand von weit über 50 000 M. auf. Nach längerer Diskussion wurden mehrer« Entschließungen einstimmig angenommen. In der einen fordert der Ver- bandstag im Gegensatz zu der von der Regierung und den Mehr- heitsparteien des Reichstages zur Frag« der Konkurrenzklausel und der Sonntagsruhe eingenommenen Haltung vollständige Ab- schaffung der Konkurrenzklausel und Verbot jeglicher Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe. Der Verbandstag fordert daher dis Fraktionen des Reichstages auf, den vorgeschlagenen vollständig unzulänglichen Entwürfen ihre Zu- stimmung zu versagen. In dieser Resolution heißt es dann weiter: Ten reaktionären und scharfmacherischen Forderungen des Unternehmertums und der von ihm beeinflußten Kreise nach einem Schutz der sogenannten Arbeitswilligen stellt der zweite ordentliche Verbandstag die Forderung auf Ausbau und freiheitliche Gestaltung des Koalitionsrechts gegenüber. Den einzig wirksamen und wirklichen Schutz der Arbeitswilligen erblickt der Verbandstag in einer Reichs- Arbeitslosenversicherung, deren Träger die Organi- sationen der Arbeitnehmer sein �Dllen. Eine fortschrittliche, allen Arbeitnehmern gerecht werdende S o z i a l p o l i t i k ist die erste und vornehmste Aufgabe des Staates. Nicht der von Regierungs- seite proklamierte Stillstand der Sozialpolitik, sondern deren kraft- volle Förderung liegt im eigenen Wohlinteresse der deutschen Volks- Wirtschaft. In der zweiten Entschließung erklärt sich der Ver- bandstag mit der vom Vorstände eingeschlagenen konsequent durch- geführten gewerkschaftlichen Taktik in allen Punkten einverstanden und ersucht den Vorstand, auf dem beschrittenen Weg« unbeirrt weiterzuarbeiten.'In einer anderen Entschließung erblickt der Verbandstag in den Beschlüssen, die der Jndustrierat des Hansabundes zum Koalitionsrecht gefaßt hat und die im Wesen von dessen Direktorium gebilligt worden sind, eine Provokation der gesamten Arbeitnehmerschaft. Es sei daher eines Angestellten unwürdig, fernerhin dem Hansabunde anzugehören. eine Antwort habe: er sei in den See gegangen, sei im Himmel gewesen und habe den Herrgott gesehen. Der aber habe gesagt: „Sepp Mooslachcr, bleib noch eine Weile in Deinem Dorf und sag's mir, wenn Dir wer ein Leid tut! Ich weiß, daß Du die Schlinge nicht gelegt hast!" Was dann geschehen war, wußte Sepp nicht.' Und noch ein Wunder ereignete sich. Der Girglbauer ging im Dorf umher und mahnte:„Seid net hart zu dem Sepp, Leut'lnl Gebt ihm sei Ruh. Er hat halt a sei Kreuz!" So sprach der Girglbauer und das ganze Dorf gestand sich. daß im Girgl doch ein besseres Herz sitze als man bisher geglaubt hatte.... Versammlungsverbote. In einem ostpreußis»en Dorfe wurde die Abhaltung einer sozialdemokratischen Versammlung nicht gestaltet, weil ein Gendarm an dem Tage, an dem die Versammlung statifinden sollte, gerade seine Hochzeit feierte. Die Sozialdemokraten waren keine Unmenschen und beriefen die Versammlung vier Wvckicn später ein. Doch der Amtsvorsteher bat, den Gendarm in scine» Flitterwochen nicht zu stören. Auch diesmal hatten die Sozialdemokraten Einsehen; sie schoben die Versammlung abelmals aus. Als sie zwei Monate später abgebalten werden sollte, litt die Frau des Gendarmen an Influenza, und der Amtsvorsteher verbot aus gesundheitlichen Gründen die Versammlung, da der Gendarm die gefährliche In- feklionskranlheit aus die Besucher übertragen könnte. Bier Wochen später wurde die Versammlung wiederum ver- boien, weil der Gnidarm an Magenschmerzen litt. Der Amts- Vorsteher erklärte, es müßte erst untersucht werden, ob es sich nicht um einen Typbusfall bandele. Als die Sozialdemokraten nach drei Monaten den Bescheid erhielten, daß der Gendarm nur an einer leichten Magenverstimmung gelitten hält«, beriesen sie die Ver- sammlung ein Sie wurde abeimals verboten, und der Amts- Vorsteher sogt«, der Gendarm wäre aus Ferien n»d seine Frau lönnt« ihn ni«t vertreten, da sie bereit« in gesegneten Nmsländen sei. Und e« wäre doch anstößig, sie in dieser Situation mit der Ueberwachung einer Veliominlung zu betrauen. Drei Monate später war in der Familie de« Gendarmen ein kleiner Junge eingekehrt, und jetzt gab es erst recht keine Geneh- migung zur Versammlung. Zwei Monate später hatte da« Kind de« Gendarmen die Masern bekommen, und jetzt mußte die Versammlung mit Rücksicht aus die Ansteckungsgefahr verboten werden. Die Vorsts ndswahlen ergaben die Wiederwahl aller bisheri. gen Mitglieder. Die weiteren Gegenstände der Verhandlung be- trafen innere Vcrbandsangelegenheiten. 12. Sunöestag öer technisch-inöustriellen Seamten. Am Sonntag und Montag tagte im Ausstellungspark zu Berlin der 12. Bundestag der technisch-industriellen Beamten, der von 3E Delegierten und den Beamten des Bundes beschickt war. Vor Eintritt in die eigentlichen Arbeiten beschäftigte man sich in langer und erregter Debatte mit der Frage, ob die Mandate von fünf itz Berlin neugewählten Delegierten gültig seien iden bisherigen J>T habern dieser Mandate war vom Berliner Gautag ein Miß- tr a u e n s v o t u m ausgestellt worden) und entschied sich dann in namentlicher Abstimmung mit Stimmengleichheit für die U n- g ü l t i g k e i t der neuen Mandate. Tic fünf alten, mit dem Mißtrauensvotum bedachten Mandatsinhaber gaben schließlich die Erklärung ab, im Jineresse des Friedens von ihrem Mandat zurückzutreten. Der Bundestag faßte dann grundsätzlich und für alle zukünftigen Fälle(mit allen Stimmen bei zwei Stiinmenenthaltungcn) den Beschluß, daß Mandatare, die von ihren Wähler» ein Mißtrauensvotum erhalten, stets ihr Amt nieder- legen müssen. Im Jahresbericht über das Jahr 1913 konstatierte der Vor- stand ein heute noch ausgesprochen ungünstiges Gesamtbild des Wirtschaftslebens und eine ebenso unerfreuliche sozial- politische Lage. Es kann kein Zweifel mehr darüber be- stehen, daß die deutsche sozialpolitische Gesetzgebung an einem Punkte angelangt ist, wo die Kräfte, die sich dem Fortschritt ein- gegenstemmen, das Uebergewicht erlangt haben, weil das deutsche Unternehmertum der Fortführung der staatlichen Sozial- Politik einen immer stärkeren Widerstand entgegensetzt.� Unter dem irreführenden Namen„Kartell der schaffenden S Hände" haben sich im vergangenen Jahre der Zentralverband deutscher Industrieller, der Bund der Landwirte und der Reichs- deutsche Mittelstaudsverband zusammengesunden, um gemeinsam gegen die Sozialpolitik Front zu machen. Ebenso zeigen sich immer ausgesprochener die Bestrebungen des Unternehmertums, den Stellennachweis zuungunsten der technischen 9lngestellten auszu- bauen. Unter der Ungunst der Wirtschaftskonjunkiur hat auch der Mitgliederzuwachs des Bundes nicht die Höhe früherer Jahre er- reicht; doch übersteigt er mit 1240 immer noch beträchtlich den des Deutschen Techniker-Verbandes, der nur 193 Mitglieder zuge- nommen hat. Am Ende des Berichtsjahres konnte der Bund rn 230 Verwaltungsstellen 23 386 Mitglieder zählen. Besonderes Ge- wicht wurde aus die Gewinnung von Studierenden als H o s p i- tauten gelegt. Und mit Erfolg; denn deren Beitrittszahl war um 508 höher als im Jahre 1912, so daß am Schluß des Jahres 2312 Hospitanten dem Bunde angehörten. Im Innern hatte der Bund im abgelaufenen Jahre nicht unerhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Ein mir Ausscheiden des Geschäftsführers zu- sammenhängender Konflikt nahm seine Kräfte in starkem Maße in Anspruch. Die beiden vorletzten Bundestage wurden zu einem großen Teile von der Erörterung dieser inneren Streitfragen in Anspruch genommen, doch hat seitdem ein einträchtiges Zusammen- arbeiten der Beamten des Bundes stattgefunden. Das Verhältnis zum Deutschen Techniker-Verband wurde zu Anfang des Jahres ein gespanntes durch das Verhalten des Verbandes in der Frage des Koalitionsrechtes der auf Privat- dienstvertrag angestellten Eisenbahntechniker. Später besserten sich die Beziehungen durch die Zusammenarbeit in der Frage des einheitlichen Angestelltenrechtes. Von verschiedenen Gründungen gelben Charakters brachte es nur eine einzige über den ersten Anlauf hinaus— die im vorigen Jahre in Hannover gegründete„Nationale Technikerschast". Doch auch sie verkrachte, obwohl als Gönner sowohl der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wie auch die Hannoversche Arbeitgeberschaft sich um sie bemühten. Man darf wohl die Hoffnung schöpfen, daß die Nationale Technikerschaft in der Bewegung der technischen Angestellten eine unerfreuliche, aber praktisch bedeutungslose Episode bleiben wird. Die internationalen Beziehungen erfuhren eine Stärkung durch einen Kartell mit dem Bund technischer Angestellter der Schweiz, gleichwie der Oesterreichs, wodurch den Mitgliedern bei jcdbeliebigem Stellenwechsel inner- halb des Organi sationsgebietcs der drei Verbände die Ausrecht- erhaltung der Mitgliederrechte gewährleistet ist. Tie Bilanz des Kassierers wies ein Vermögen von 421 019 M. auf. Für das Unterstützungswescn wurden 113 807 M. verausgabt. Die Debatten über den Vorstandsbericht und die dazu gc- stellten Anträge nahmen den ganzen Nachmittag in Anspruch. Dem Dem Amtsvorsteher war e« natürlich peinlich, daß die Sozial- demokraten keine Versammlung abhalten konnten. Er wollt« durch» aus nicht in den Verdackil kommen, er mißachte die Gesetze, und so entschied er denn, daß an dem Tage, an dem die Ehe des Gendarmen geschieden werden sollte, eine Versammlung tagen könnte. Und zur großen Ueberraschung des Amtsvorstehers kam eS auch wirklich bald zur Ehescheidung, und der AmtSvorsteher löste sein Wort auch ein. Doch zu seinem großen Schmerze konnte die Ber- sammlung nicht stattfinden, da sich der Gendarm au« Freude über die Ehescheidung so betrunken hatte, daß er die Ueberwachung nicht vornehmen konnte. Voltsbühnen-polheiftunüe. Die Nacht ist keine« Menschen Freund» Drum geh' um elf zu Bette. Wem dieser Rat verdrießlich schein� Erfreu sich am Ballette. Wo die geschlitzten Röcke Wehn Und Waden defilieren, Bei Sekt und SumS Im Dirnenbums Da kann dir nichts passieren. Die Muse heißt zwar auch ein Weib (Die andern sind fideler), Doch hat sie Seele, nicht nur Leib, Und diese« ist ihr Fehler. DaS Fleisch zeigt nächtens feine Pracht Dreist bis zur Morgenmette; Der Geist— Gott helf'l Der muß um elf, Ja, spätestens, zu Bette. Wenn du am Tag geschüttet hafh Dann ist dir Ruh' vonnöten. Nachtmütze und ein Troddelquast Geziemt sich für Proleten. Zum Teufel Dichtung, Drama, Kunst t Ouatsch! Kriech in deinen Koben! Und stütz' den Staat Mit Menschensaat, So wird dich Traugott loben. Die Verhandlungen des zweiten Tages begannen mit der Frage der Organisation der Wertmeister im Bunde, mit der sich schon zu wiederholten Malen ein Bundestag beschäftigte. Mit 20 gegen 17 Stimmen wurde ein Antrag angenommen, die Werbearbeit mehr als bisher auf die Wertmeister auszudehnen und in dem Werbematerial des Bundes und der IndustriebeamtenZeitung darauf Rücksicht zu nehmen. Herr Granzin- Stuttgart fand mit einem Referat allseitige Zustimmung, worin er den Stillstand der Sozialpolitif scharf geißelte und unsere sozialmörderische Wirtschaftspolitik mit ihren Zöllen und ihrer Konsumbesteuerung, für die nicht das volkswirtschaftliche, sondern das privatkapitalistische Interesse maßgebend ist. In einer darauf bezugnehmenden Resolution heißt es: „ Der Bundestag erhebt entschiedenen Einspruch gegen die Versuche einzelner Vertreter der Wissenschaft und des scharfmacherischen Unternehmertums, der deutschen Sozialpolitik unerwünschte Folgen hinsichtlich ihrer Wirkung auf die allgemeine Boltsmoral anzudichten und damit ihre Fortführung zu hintertreiben. Vor allem aber protestiert der Bundestag auf das leb= hafteste dagegen, daß auch nach Ansicht der Reichsregierung unsere jozialpolitische Gesebgebungsarbeit an einem gewissen Abschluß angelangt sein soll." Fußballsport. Borstand wurde gegen etliche Stimmen Entlasting erteilt. Eine| auch Herr Rottmann in der Epijobenrolle des Heiratskandi-| Forderung auf Freigabe des Stadions für die Arbeiter ist, so sicher Reihe das innere Verbandsleben betreffender Anträge wurde daten Numero Zwei, eines in allen Pfauenfarben der Gitelteit ist auch eine erneute Ablehnung. Oder sollten taktische Gr. angenommen. Ein die Oeffentlichkeit interessierender Beschluß schillernden Siegesalleekünstlers, der Einladungen von S. M. erwägungen diesmal zu einem anderen Entscheid führen? dürfte sein, durch den Bund bei den Stadtverwaltungen mit allen hält. Vor dem Andrang der Freier flüchtet die Umworbene nach Mitteln auf einen Beschluß hinzuwirken, daß städtische Lieferungen Monte Carlo, angeblich um einen Vetter ihres verstorbenen und Aufträge nur an Firmen vergeben werden, die das Koali- Mannes, einen enragierten Spieler, loszueisen, im Stillen aber tionsrecht in jeder Weise respektieren. mit der Hoffnung, abseits von den konventionellen Wegen einmal Das wunderbare Wetter der Festtage bot unseren Arbeiter= was Extraordinäres zu erleben. Es gibt da nach dem Schema des fußballern die günstigste Gelegenheit, ihr Können auf den ver Pariser Schwankstils amüsante Szenen. Die Eroberungsversuche schiedenen Spielpläßen den zahlreichen Zuschauern zu zeigen. Auf eines bessarabischen Fürsten( von Heinz Salfner flott reprä- allen den Arbeitersportvereinen ur Verfügung stehenden Pläßen sentiert) werden abgeschlagen, aber mit einem jungen Bürschchen, tummelten sich in edlem Wettstreit die jungen Arbeiter und zeigten, das sich erschießen wollte und dem sie Geld zum Weiterspielen gab, daß sie in der Technik des Spiels den bürgerlichen Sportvereinen verlebt die Dame am nächtlichen Meeresstrand um so romantischere durchaus ebenbürtig sind. Stunden. Die Poesie noch zu steigern, nennt er sich einen Flieger; Auf dem Herthaiportplab in Lichtenberg fand am entpuppt sich aber zulesi als smarter Keaner, der es nur auf einen 2. Osterfeiertage vor einem äußerst zahlreichen Publikum ein Pump im großen abgesehen hat. So verzichtet die Dame auf Propagandaspiel zwischen Tasmania- Forst und Rummels= weitere Entdeckerfreuden und beglückt einen der früheren Kandi- burg I statt. Das sehr interessante Spiel endete mit 3: 3. Vordaten, den relativ vernünftigsten, mit ihrer Hand. Traute her fand ein Spiel der 1. Mannschaften von Fortuna- Lichtenberg Dumde- Carlsen spielte die Rolle temperamentvoll, frisch gegen Rummelsburg statt. Auch dieses Spiel, das mit 5: 2 für und liebenswürdig. Ifa Grüning, sonst so bewunderungs- Rummelsburg endete, fand das lebhafte Interesse der Zuschauer. wert in ihren altem Mütterchen, figurierte mit nicht geringerer Nachfolgend geben wir noch die übrigen uns übermittelten Kunst diesmal als elegante schöne Dame und Freundin der Spielresultate der Festtage: Neu- Hellas gegen Weißensee 2: 0; Baronin. Von der abgeflapperten aristokratischen Spielratte, die, Vittoria gegen Libertas 11: 1; Fichte 11 gegen V. f. B. 2: 2; eben erst gewettet", gleich wieder von Berlin nach Monte Carlo Friedrichsfelde gegen Stralauer Ballspielflub 3: 3; Borussia gegen retiriert, entwarf Herr Göz ein äußerst gut gesehenes Porträt. Waidmannslust 0: 0; Fichte 16 gegen Reinickendorf 1: 4; Wilmersdorf gegen Neukölln- Briz 1: 3( unter Protest); Eiche- Tegel gegen Fichte 18 7: 1; Alemania 3 gegen Alemania 2 2: 3; Sportklub Weißensee gegen Fichte 9 5: 5; R. B. C. gegen Herta 10: 0; Fichte 16 gegen Borussia 1: 0; Fichte 17 gegen Fichte 12 2: 3; R. B. C. I. Jugend gegen Fichte 18 7: 1; Fichte 4 gegen Waidmannsluft 2: 2; Fichte 9, I. Jugend, gegen Sadowa 4: 2; Sportflub Weißensee gegen Sportklub Lichtenberg 11: 3; Jung- Stralau gegen Germania 3: 1; desgleichen 6: 1; Adler gegen Eiche- Tegel 4: 2; Bremen gegen R. B. C. I 0: 2. Dieses Spiel wurde in ganz überlegener Weise von Reinickendorf gewonnen. Oberspree I gegen Britannia- Leipzig 3: 1; Oberſpree II gegen Siegſtern II 3: 2; V. f. B. I gegen Freie Sportvereinigung 4: 5; V. f. B. II gegen Freie Sportvereinigung 3: 1; Adler gegen Borussia 6: 1; R. B. T. I, Jugend, gegen Adler- Ludenwalde 11: 1. Spiel und Sport. Die Turner im Stadion. dt. Ebenso scharf wurde die Stellung des Reichstages zur Kon= furrenzflaufelfrage berurteilt. Eine einstimmig angenommene Resolution zu dieser Materie besagt, daß die technischen Angestellten an einer Neuregelung ihrer Rechtsverhältnisse auf der Grundlage der Regierungsvorschläge fein Interesse haben. Vor einiger Zeit wurde bekanntlich dem Arbeiter- Sportlartell Die Annahme dieser Vorschläge erscheint ihnen nur geeignet, eine Groß- Berlin sowie dem Turnverein" Fichte" das Stadion verbaldige gründliche Reform der Konkurrenzklausel auch für die tech- weigert, weil angeblich kein Sonntag mehr frei war. Heute fönnen nischen Angestellten aufzuhalten, und bitten daher den Reichstag, wir jedoch mitteilen, daß für den 7. Juni diese Regierungsvorschläge abzulehnen und statt dessen die grundfäßliche ungültigkeit aller Ronkurrenstlauseln großen Hurrafeier des Vorjahres extra ein Tag nur für die vaterländischen Turner reserviert wurde. Das ge= famte Turnen foll durch Massenaufführungen, Wetturnen usw. dargestellt werden, wie es in der soeben erschienenen Bekannt machung heißt. Wir lesen die Bekanntmachung weiter und finden. folgenden Passus: zu beschließen. Die Borstandswahl ergab die teilweise Wiederwahl des bis herigen Vorstandes; ein paar Herren wurden neugewählt. Die übrigen Arbeiten erstreckten sich auf Internas. Berliner Theater. einen Tag vor der „ Am 7. Juni werden die märkischen Turner die hohe Ehre haben, dem Kaiser das Wesen des deutschen Turnens in fast allen seinen Formen im Stadion zu zeigen.. Die erste Aufstellung und der Schlußatt sollen die Größe und Macht unseres Turnkreises zeigen, aber auch ein Beweis dafür sein, daß die Turner der Mark es dankbar empfinden, ihren anggehegten Wunsch, den Kaiser einmal auch bei ihren Vorführungen bei sich zu haben, erfüllt zu sehen." Reffingtheater: Rösselsprung, Lustspiel von Karl Rögler. Nach dem großen Erfolg der Fünf Franfsurter" hat sich Rößler in seinem neuen Lustspiel die Sache recht bequem gemacht. Ein Häuflein aus einer Handvoll feuilleto nistischer Bemerkungen flüchtig zusammengenagelter Kurmacher und eine jung verwittwete Baronin, die sich vor ihrer zweiten Heirat noch ein fleines Abenteuer leistet, liefern die Requisiten. Indes so mager die Erfindung, die Szenen sind, das Geschick und gute Laune der Schauspieler sorgten, daß der Zwed anspruchsloser Unterhaltung erreicht wurde. Das Publikum war zufrieden, daß es lachen konnte und dankte mit lebhaftem Applaus. Besonders lustig wirkte, aus den Komödienschwänken Thomas bereits rühmlichst bekannt, Mar Adalbert, der einen von unheilbarer Gedankenflucht geplagten Freier mimte. Bei jedem Anlauf, seine Liebe zu erklären, verirrte sich sein Geist in wunderliche Kreuzund Querfragen und landete zulegt an irgendeinem ungeahnten Und die Arbeiter? Für sie war leider" fein Sonntag Ufer. Durch fein abdämpfende Diskretion und eine unnachahmlich forrette Nüchternheit der Miene und des Tons in allem Rede- frei. Ob im nächsten Jahre ein Tag frei sein wird, bleibt abzumirrmarr trieb er die Komit auf die Spiße und bei allen Wieber- warten, da bis jetzt auf die Eingabe noch kein Bescheid eingelaufen holungen desselben Zugs hielt er fie frisch. Ausgezeichnet war ist. So selbstverständlich im Jutereffe der Gleichberechtigung die Verband der Gastwirtsgehillen. Die Beerdigung unseres Mitgliebes Karl Bendix findet heute, Dienstag, nach mittags 1%, Uhr, von der Leichenballe des Georgen Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Ortsverwaltung Berlin I. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69, Laden Wichtig für jeden preußischen Steuerzahler Führer durch das preußische Einkommensteuer- Gesetz Vom Arbeitersekretär Rud. Wissell mit 19 Formularen für Reklamationen. Preis 30 Pf. MB Nach Lesen dieses Absabes ersehen wir freilich, warum noch ein Sonntag frei war! Der 7. Juni soll eine ähnliche Ver anstaltung bringen wie im Vorjahre der 8. Juni, nur daß diesmal die Turner ganz unter sich sind. Und die Turner sind hochbeglüdt, daß sie dem Kaiser. der bisher stets die Teilnahme an den Deutschen Turnfesten abgelehnt hat nun endlich auch das Turnen in seiner ganzen Macht und Größe zeigen dürfen. Alle Vereine sollen in großer Zahl antreten, um das ganze Turnervolk im Stadion zu vereinen. Radrennen in Treptow. Die am 1. Feiertag abgehaltenen Rennen erfreuten sich eines guten Besuches. In den Fliegerrennen war der durch seinen Sechstagefieg bekannte W. Lorenz der beste Mann am Blake, als Sieger hervorging. der mit seinen Gegnern leichtes Spiel hatte und aus allen Rennen In den Dauerrennen zeigte Demte sein können, indem er zwei Siege errang. Seine Gegner Schulze und Przyrembel waren ihm nicht gewachsen. Beim Schlußrennen gab es noch einen Massensturz, der indes ohne Schaden für die Beteiligten abging. Nachstehend die Ergebnisse: Ofterpreis der Flieger. 150, 80, 40 und 20 m. 1. orenz. 2. Hoffmann. 3. Raabe. 4. Kops. Prämienfahren. 60, 40, 20 und 10 M. 1. Lorenz. 2. Hoffmann. 3. Kops. 4. Häusler. Tandem rennen. 100, 50, 30 und 20 M. 1. Lorenz= a mann. 2. Raabe- Häusler. 3. Schmittchen- Reiß. 4. StopsStephan. Trostfahren. 40, 30, 20 und 10 M. 1. A mort. 2. Kühnel. 3. Gemmel. 4. Jodiel. 15 Kilometerrennen. 300, 200 und 100 M. 1. Bruno Demte 13 Min. 16% Set. 2. Schulze 110 Meter. 3. Hugo Brahrembel 1410 Meter. Osterpreis für Steher. 50 Kilometer. 600, 400 und 200 M. 1. Br. Demte 44 Min. 12. Sef. 2. Schulze 1240 Meter. 3. Prayrembel 5580 Meter. Deutscher Arbeiter- Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 19. April 1914, vorm. pünktlich 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichshain": Uebungsstunde für den Bezirk I( Berlin). Geübt werden folgende Lieder: Am Strom- Tord Foleson- Hinaus Frühlingsstürme. Im Nebensaale pünktlich 10 Uhr: Ausschuß- Sitzung für den ganzen Gau. Tagesordnung: Aufnahme von Vercinen. Bundesangelegenheiten. Die Vereine werden nochmals ersucht, die Antwort auf das Anschreiben noch vor der Ausschußfizung an den Vorsitzenden gelangen zu lassen. Der Vorstand. Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69. Sozialdemokrat. Flugschriften: 20. Sozialdemokratie und Militärvorlage. 21. Sozialdemokratie und Arbeitslosenfürsorge. Referat v. Joh. Timm- München erstattet auf dem Parteitage zu Jena 1913. Der Preis beträgt pro Heft 10 Pfennig. 249/5 UnsereMarine BESTE 23 CIGARETTE MonatsGarderobe! Von hohen Herrschaften, Kavalieren, Reisenden abonniert gewesene Herrenmoden, sehr wenig getragen, feinste Verarbeitung, teils von Hoflieferanten, auch auf Seide, für jede Figur passend, speziell für starke Herren Fracks, Smokings u. Gehrock- Anzüge werden zu Festlichkeit. verliehen. Bitte auf Adolf Rosenberg Firma achten Blücherstr 61, 1 Tr., Ecke Urbanstr. Wir empfehlen jedem Zeitungsleser zur Anschaffung: Liebknechts Volksfremdwörterbuch Dreizehnte Huflage. 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