Nr. 104. Abonnements- Bedingungen: honnements. Preis pränumerando: Bierteljährl 3,30 ML, monatl 1,10 m, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beüage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Post20bonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen att: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. für dubbik ni ladole Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gemerfichaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudie ort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borie über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inseraie für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt Moritsplatz, Nr. 1983. " Freitag, den 17. April 1914. Kabinettsorder gegen Geseh. Die Vossische Zeitung" beschäftigt sich in der Abendnummer vom Donnerstag an leitender Stelle mit dem neuen Waffenerlaß. Leider in sehr wenig liberaler Weise. Denn wenn sie auch völlig zutreffend meint, daß neue Bestimmungen über den Waffengebrauch des Militärs nur durch das Gesetz, durch ein Reichsgeseh geschaffen werden fönnten, so erblickt sie in der Neuformulierung der Bestimmungen durch das Kriegsministérium doch unbegreiflicherweise eine Zurückweisung militärischer Anmaßung à la Zabern, was sie zu dem Schlusse verleitet, daß man sich für den Augenblick und zur Not" mit der rechtlichen Klarstellung" begnügen fönne, die in dem neuen Waffenerlaß enthalten sei. Eine geradezu unbegreifliche Verkennung der wirklichen Eachlage! Eine Selbsttäuschung und zugleich Täuschung der Deffentlichkeit, die um so naiver anmutet, als selbst Zentrums und nationalliberale Blätter ganz anderer Meinung sind. Erklärte doch die Germania", daß der neuen Vorschrift die berüchtigte Stabinettsorder von 1820 geradezu als„ Muster und Leitfaden" gedient zu haben scheine. Und als der „ Vorwärts" durch Gegenüberstellung jener Kabinettsorder und der neuen Bestimmungen über den staatlichen Notstand" diesen Berdacht erhärtete und sein Urteil in die Worte zusammenfaßte:„ Das ist im Grunde das gleiche", meinte die sehr rechts nationalliberale" Rheinisch- Westfälische Zeitung" dazu: ir auch." § 16 erfolgte Suspension auch nur eines der§§ 5 und 16 genannten Artikel der Verfassungsurkunde muß den Kammern sofort, beziehungsweise bei ihrem nächsten Zusammentreten, Rechenschaft gegeben werden. § 18. Alle diesem Geseze entgegenstehenden Vorschriften werden aufgehoben. Das gegenwärtige Gesetz tritt an die Stelle der Verfügung vom 10. Mai 1849 und der Deklaration vom 4. Juli 1849( Gefezsammlung Seite 165 und 250). Also, der Belagerungszustand für den Fall eines ruhrs fann verhängt werden: Auf1. vom Staatsministerium, 2. auf Antrag des Verwaltungschefs des Verwaltungschefs des Regierungsbezirks in dringenden Fällen vom obersten Militärbefehlshaber einzelner Drte und Distrikte, jedoch nur provisorisch, vorbehaltlich der sofortigen Bestätigung oder Beseitigung durch das Staatsministerium, 3. wenn Gefahr im Verzuge ist, auch ohne Antrag des Zivilverwaltungschefs durch den obersten Militärbefehlshaber, jedoch auch nur vorbehaltlich der fofortigen Bestätigung oder Beseitigung durch das Staatsminifterium. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984. behörde„ außerstande" ist, die Requisition des Militärs zit beantragen! Soll doch der§ 4 der neuen Vorschrift lauten: a) zur Unterdrückung innerer Unruhen und zur Ausführung der Geseze ist das Militär auch ohne Anforderung der Zivilbehörde selbständig einzuschreiten befugt und verpflichtet in Gebieten, die in Kriegs- oder Belagerungszustand erklärt worden find. b) Wenn in Fällen dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit die Zivilbehörde infolge äußerer Umstände außerstande ist, die Anforderung zu erlassen. Davon, daß eine der Voltsbertretung wirklic berantwortliche Regierung sofort die Verhängung des Belagerungszustandes oder der Militärdiktatur zu bestätigen oder aufzuheben hat, wie es das preußische Gesetz vom 4. Juni 1851 ausdrücklich festlegt, ja daß die Militärdiktatur ohne formelle Verhängung des Belagerungszustandes überhaupt nur von einem solchen verantwortlichen Ministerinm ausgehen darf, wie es das genannte preußische Gesetz nicht minder unzweideutig vorschreibt, ist mit keinem Worte die Rede! Der Wachtbereich des Militarismus soll ausgedehnt, das Recht des Volkes und der Volksvertretung verächtlich bei Seite geschoben werden! Selbst das, was die erzreaktionäre preußische Verfassung von 1850 an Volfsrechten festgelegt hatte, soll 1914 dem deutschen Volfe verweigert werden! Wir geben uns selbstverständlich keiner Täuschung dar. über hin, daß jedes geschriebene Recht und insbesondere Ber fassungsrecht ein toter Buchstabe bleibt, solange nicht eine fraftvolle, selbstbewußte, über die Volksrechte eifersüchtig wachende Bolksvertretung ernstlich gewillt ist, in Stonfliktszustand nicht verhängt fit, im Falle des Kriegs oder AufFerner fann nach§ 16, auch wenn der Belagerungs- fällen rücksichtslos den Kampf mit den reaktionären Mächten aufzunehmen. Nichtsdestoweniger bleibt es eine Ungeheuerlichkeit ruhrs bei dringender Gefahr das Militär zur Unterdrückung Und in der Tat: Die neue Vorschrift über den Waffen des Aufruhrs ohne Requisition der Zivilbehörde fondergleichen, daß man jetzt einfach das preußische Kriegs. gebrauch ist nichts als die Neufassung der gesezwidrigen und ministerium und die Krone einseitig Rechte abgrenzen lassen darum ungültigen Kabinettsorder vom Jahre 1820, die dann herangezogen werden, jedoch nur vom Staatsministerium. in die neueren Dienstvorschriften, so die vom Jahre 1899, ihrem nächsten Zusammentreten Rechenschaft abzulegen. In jedem Falle aber ist den Stammern sofort bezw. bei will, die nach§ 68 der Reichsverfassung nur durch Reichs. gesetz festgelegt werden dürfen und längst hätten feftüberging und jetzt in Gestalt der famosen rechtlichen Klar Man kann zugeben, daß durch diese Bestimmungen des gelegt werden müssen, wenn unser Reichsparlament und unser stellung" den militärischen Absolutismus neu ftabilieren soll! preußischen Gesezes vom 4. Juni 1851 der Militärgewalt sehr Bürgertum noch einen Finken von Bürgerſtolz besaße! Aber eben weil der Kern des neuen Waffenerlajjes, nichts weitgehende Rechte eingeräumt sind. Aber in jedem Falle Wir erwarten, daß das liberale Bürgertum nunmehr ist als die Wiederbelebung der Stabinettsorder von 1820 und hat nach diesen Geseke bestimmungen nicht eine Militär- wenigstens seine lare Auffassung gründlichst revidieren wird. weil die Form diefer Neubelebung nichts darstellt, als den behörde das Recht, willkürlich und souverän den Wie dem aber auch sein mag: Wir selbst lehnen das Verfahren, gesetzwidrigen Versuch, einer ungefeßlichen und ungültigen Striegszustand, sei es formell, jei es de facto au etablieren, das man beliebt hat, als verfassungswidrig mit aller EntBestimmung allgemeine Sanktion zu verschaffen, gilt es, diesem sondern das verantwortliche Staatsministerium hat entweder schiedenheit ab! unerhörten Beginnen sogleich und mit aller Schärfe entgegen zutreten! Daß aber die Dinge wirklich so liegen, wie wir dar ftellen, dafür sei im folgenden der Beweis erbracht. Für den Waffengebrauch des Militärs im Reichsgebiet bestimmt der Artikel 68 der Verfassung des Deutschen Reichs: Art. 68. Der Kaiser kann, wenn die öffentliche Sicherheit in dem Bundesgebiet bedroht ist, einen jeden Teil desselben in Striegszustand erklären. Bis zum Erlaß eines die Voraus sezungen, die Form der Verkündigung und die Wirkungen einer solchen Erklärung regelnden Reichsgefeges gelten dafür die Borschriften des preußischen Gefeßes vom 4. Juni 185 1. Dieser Artikel entspricht wörtlich dem Artikel 68 der Verfassung des Norddeutschen Bundes, nur daß an die Stelle des Wortes Bundesfeldherr" das Wort„ Kaiser" und an Stelle des Wortes Bundesgesetz" das Wort„ Reichsgeset" getreten ist. " selbst den Belagerungszustand zu proklamieren oder aber ihn Wir verlangen die längst fällige Regelung der Frage jofort zu bestätigen oder zu beseitigen. Die Minister aber durch ein Reichsgeset. Eine solche Regelung ist aber tönnen nach§ 61 der preußischen Verfassung durch Beschluß angeklagt werden. einer Kammer wegen des Verbrechens der Verfassungsverlegung Der bewaffnete Friede. Von Emil Vandervelde. Bismard nannte einst das System des bewaffneten Frieden, unter dem wir leben, den unbeweglichen Krieg, den Krieg mit unter dem wir leben, den unbeweglichen Krieg, den Krieg mit Goldstiden. Seit über 40 Jahren ist in Westeuropa fein Schuß Goldstücken. Seit über 40 Jahren ist in Westeuropa tein Schus losgegangen außer gegen sich erhebende Arbeiter. Aber man fämpft mittels Rüftungen: Sobald ein Stonflikt zwischen zwei nur möglich, wenn gleichzeitig die ganze Verfassungs. frage aufgerollt, wenn endlich anch im Reiche eine wirkliche Ministerverantwortlichkeit( wie sie ja selbst das preußische Gesetz vom 4. Juni 1851 voraussetzt) geschaffen und Aus alledem erhellt ohne weiteres, daß das Vorgehen dent Reichstage das Recht eingeräumt wird, die Entlassung in 3abern ein Hohn auf das Gesetz war. Dort des Reichskanzlers zu erzwingen. Ohne solche konstitutiowurde aus eigenem Rechte die Militärgewalt requiriert, der nellen Garantien bleiben alle geschriebenen Rechte des Volfes militärische Terror geübt, ohne daß eine verantwortliche nur Spinneweben für Absolutismus und Militärdiktatúr! Regierung die Militärdiktatur, sofort" bestätigte oder aufhob. Der Reichskanzler war vollständig ahnungslos und ohnmächtig, total hilf und ratlos. Ganz abgesehen davon, daß ja eine verantwortliche Reichs regierung im Sinne der preußischen Ministerverantwortlichkeit gar nicht eriſtiert! Es war überhaupt schon eine Ungeheuerlichkeit, daß der Norddeutsche Bund im Jahre 1867 und das Deutsche Reich Der Artikel 68 der Reichsverfassung gilt für das ganze 1870 die preußischen Gesepesbestimmungen einfach über Reich, mit Ausnahme von Bayern, für das nach dem nahmen, obwohl sie für diese Staatengebilde gar nicht paßten. Vertrag mit Bayern vom 25. November 1870 die Geltung Im konstituierenden Norddeutschen Reichstag wurde das Undes Artikels 68 ausdrücklich ausgeschlossen ist. sinnige solcher Gesezesmacherei denn auch bei der Beratung Was befagi nun das preußische Gesetz vom 4. Juni 1851, des§ 68 der Bundesverfassung von dem Abgeordneten das nach Artikel 68 der Reichsverfassung für das Bundes- Rohden scharf hervorgehoben. Aber bei der Schaffung Mächten oder Mächtegruppen ausbricht, vergleicht man die Stärke gebiet( mit der erwähnten Ausnahme Bayerns) bis zum der Bundesverfassung ging es damals ebenso sehr als über der in Betracht kommenden Heere, und je nach dem Ergebnis dieser Erlaß eines Reichsgesetzes Geltung hat? Die in Kopf, wie drei Jahre später bei der Beratung der Reichsver Prüfung steigert man den Ton und die Forderungen oder man gibt Frage kommenden Paragraphen dieses preußischen Gesezes fassung. Die Parlamente wurden von den Regierungen, ins- nach und verhandelt. Unter diesen Bedingungen muß jede Rehaben folgenden Wortlaut: besondere von der allmächtigen preußischen Regierung, einfach § 1. Für den Fall eines Krieges ist in den von dem vor vollendete Tatsachen gestellt und hatten in Bausch und gierung, die ihr Ansehen behaupten, den Erfolg ihrer Diplomaten Feinde bedrohten oder teilweise schon befesten Provinzen jeder Bogen den ihnen vorgelegten Verfassungsentwurf anzu- fichern, ihren herrschenden Klassen zu guten Geschäften verhelfen Festungskommandant befugt, die ihm anvertraute Festung mit nehmen. Auch glaubten die Abgeordneten ja, daß der 68 will, start fein", möglichst viel Echiffe und Sanonen haben, um ihrem Rayonbezirke, der kommandierende General aber den Be- nur ein kurzes Provisorium sein werde, da ja die ihren Rivalen den Eindruck militärischer Ueberlegenheit zu machen. zirk des Armeekorps oder einzelne Teile desselben zum Zwed der Regelung der Verhältnisse laut§ 68 einem Reichsgesetz Daher werden, so lange die internationale Politik eine Räuber Verteidigung in Belagerungszustand zu erklären. vorbehalten bleiben sollte. politik wie heute bleibt, die Rüstungen unvermeidlich wachsen, § 2. Auch für den Fall eines Aufruhrs kann, bei Aber das Reichsgesetz kam nicht! Preußen spielte ja die trotz der Leiden der Völker, der Proteste der Friedensfreunde. dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit, der Beerste Geige im Bundesrat, und wir erleben es ja heute noch, Der französische Statistiker Théry hat fürzlich gezeigt, daß die lagerungszustand sowohl in Kriegs- als in Friedens daß die echt preußischen Männer selbst jetzt, wo die schmähliche durchschnittliche jährliche Zunahme der Rüstungsaus Zabernaffäre die totale unhaltbarkeit des Provisoriums so zeiten erflärt werden. Die Erklärung des Belagerungszustandes geht alsdann vom schlagend bewiesen hat, von einer reichsgeieblichen gaben der sechs Großmächte von 1888-1893 53,9 Millionen Staatsministerium aus, fann aber provisorisch und vor- Regelung der Materie nichts wissen, sondern es dem preußi- Frank war, von da bis 1907 145,4 und bis 1912 386 Millionen. Von 1888 behaltlich der sofortigen Bestätigung oder Beseitigung durch dasselbe, ichen Militarismus selbst überlassen wollen, seine Machtbefug- bis 1912 fticgen diese Ausgaben von 3518 auf 8013 Millionen. Und da ein Teil der Militärausgaben sich in anderen Budgets verbirgt, in dringenden Fällen, rüdsichtlich einzelner Orte und Distrikte, nisse nach Willkür festzulegen! durch den obersten Militärbefehlshaber in demselben, Bisher behalf man sich mit Dienstvorschriften, denen bis fann man ohne llebertreibung fagen, daß heute nur die Großauf den Antrag des Verwaltungschefs des Regierungsbezirks, wenn in die allerneueste Zeit die Kabinetisorder von 1820 zugrunde mächte jährlich über 10 Milliarden Frank für KriegsUnd bald werden diese ungeheuerlichen aber Gefahr im Verzuge ist, auch ohne diesen lag. Jene Kabinettsorder, die, wie Genosse Frank und Pro- vorbereitungen ausgeben. feffor Liszt am 23. Januar dieses Jahres im Reichstag ein- Bahlen weit überschritten sein. Die Regierenden beklagen das. Antrag erfolgen. In geftungen geht die provisorische Erklärung des Belagerungs- gehend nachgewiesen haben, ungültig und ungefeßlich ist, weil sie schlagen etwa, um ihren Parteigängern Freude zu machen, ein sie durch das preußische Gesetz vom 4. Juni 1851 auf- Ruhejahr für die Kriegswerften vor. Sie schicken Gefandte zu einer zustandes von dem Feitungskommandanten aus. gehoben wäre, selbst wenn sie jemals Gültigkeit besessen neuen Haager Konferenz- aber sie sind stillschweigend einig, immer hätte Und jest soll die neue Vorschrift die alte Willkürherr. mehr den Krieg vorzubereiten, um, wie sie sagen, den Frieden zu schaft des souveränen Militarismus dauernd festlegen! Denn erhalten. auf nichts anderes laufen die Bestimmungen über den„, staat- Wir wollen an ihrer Aufrichtigkeit nicht zweifeln. Die Res § 17. Ueber die Erklärung des Belagerungszustandes, sowie lichen Notstand" hinaus, wo das Militär nach eigenem Er- gierungen sind heute wie die Bölfer wirklich friedliebend. Durch #ber jebe, sei es neben derselben(§ 5) oder in dem Falle des messen einzuschreiten berechtigt sein soll, wenn die Zivil- die Vorbereitung des Krieges wollen fie fich alle Vorteile des § 16. Auch wenn der Belagerungszustand nicht erklärt ist, fönnen im Falle des Krieges oder Aufruhre bei dringender Gefahr für die öffentliche Sicherheit die Art. 5, 6, 27, 29, 30 und 26 der Ver.- lrt. oder einzelne derselben vom Staatsministerium zeit und diftrittsweise außer Kraft gesezt werden. Krieges sichern, aber den Krieg selbst fürchten sie. A n a t o l e France sagte das sehr gut bei der Einweihung des neuen Brüsseler Volkshauses:„Im Grunde wollen in keinem Lande die Regierenden den Krieg.?lber sie wollen die K r i e g s d r o h u n g. Tie Kanone soll nicht losgehen, aber sie soll geladen sein. Die Gefahr soll stets vermieden werden, aber stets bestehen. Daher die ewigen KriegSunruhen, die nach Belieben die Führer der Reak, iionsparteien und die regierungsfreundlichen Zeitungen erregen. Die diese schändlichen Gerüchte verbreiten, glauben selbst nur halb und oft gar nicht daran, aber sie finden großen Borteil darin, daß die Völker daran glauben. Politische und finanzielle Vorteile: Unter der Drohung des feindlichen Einbruchs ist ein Volk leicht zu regieren. ES verlangt keine sozialen Reformen. Es räsoniert nicht über Rüstungen und Krrcgslieserungen. Es zahlt ohne Murre» bis zum Ruin. All das ist glänzend für die Shndikate vcn Finanzleuten und Industriellen, denen die patriotischen schrecken eine überströmende Quelle der Gewinne eröffnen. Alan könnte ein Beispiel auch neuester Zeit aus einem Nachbarlände anführen." Wenn das so ist— und niemand zweifelt daran—, fo liegt eS auf der Hand, daß man nicht von oben her ein wirksames Vor- gehen zur Aufhaltung oder Verminderung der Rüstungen erwarten darf. Selbst die Staatsmänner, die mit Unruhe sehen, wie das Anwachsen der Militärausgaben mehr und mehr jede aufrichtige Sozialreform hemmt, müffcn sich dem ehernen Gesetze der mili- tärischen Konkurrenz fügen. Sie müssen es machen wie die andern, wollen sie sich nicht diesen unterwerfen. Aber wenn die Aktion von oben nur überreiche Beweise ihrer Ohnmacht geliefert hat. was soll man da von der von unten, der Aktion der Völker selbst, erhoffen? Eines ist unbestreitbar: daß mehr und mehr die Völker, wenigstens von Westeuropa, den Krieg nicht wollen, Abscheu davor baben. Nur wollen sie ebensowenig, daß ihre Grenzen verletzt, Menschen und Eigentum der Brutalität des Siegers ausgesetzt werden. Und solange Franzosen, Engländer. Deutsche, von denen vor allem der Friede Europas abhängt, noch nicht frei sind von der Furcht vor dem Nachbarn, nicht überzeugt sind, daß ihre„Erb- feinde"— die übrigens alle 25 Jahre wechseln— ebensowenig wie sie Lust haben, sich zu schlagen: solange werde» sie alle Opfer, die man von ihnen für die Landesverteidigung fordert, fügsam auf sich nehmen. Mit dem einfachen Protest der Friedensfreunde wird man den Rüstungskurs daher nicht abändern. Will man, daß die Völker nicht mehr im heimlichen Kriegszustände leben, so muß man ihre Berührungspunkte vermehren, sie von ihrem gemein- samen Friedensverlangen überzeugen. Wenn man de» Militaris- mus wirklich überwinden will, muß man ihn in seinen Ursachen angpeifen, umnifhörlich die Provokationen der Hetzpresie, die lärmende Propaganda der Kanonen- und Panzerplatten- ljeseranten, die nationalistischen Ableitungsversuche der Reak- tionsparteien kennzeichnen. Und vor allem gilt es, der kolonialen und imperialistischen Angriffspolitik, der eigentlichen Ursache der Verwirrung in Europa, eme Politik friedlicher Ausdehnung und freier Handelsbeziehungen zwischen allen Völkern entgegenzustellen.*•.' Aber es genügt noch nicht, durch diese Propaganda eine freund- kichere Siimmung zwischen den Völkern zu erzeugen. Die Völker müssen auch polinsch stark genug sein, den herrschenden Klassen chren Willen aufzuerlegen. Die große Schwierigkeit der beutigen Lage ist, daß eS auf der einen Seite Länder gibt, wo die Demo- krarie nur ihrer selbst und ihrer Jntereffen bewußt zu sein brauchte, um ihren Willen durchzusetzen, auf der anderen aber solche, wo das parlamentarische System nur in der Karikatur oder im Embrponalzu stände vorhanden ist. wo das Wahlrecht nur engen Privilcgisrtengruppeu zusteht und die Säbelherrschaft allmächtig ist. Mirabeau schrieb 1758: Von Preußen hängt heute Krieg und Frieden auf dem Kontinent ab. Man kann heute das- selbe sagen: in dem Sinne, daß in dem im Grunde friedlichen Deutschland das einzige Hindernis des Triumphs der Demokratie. die durch'Herstellung der Autonomie die elfatz-lothringifche Frage lösen und der Politik brutaler Begehrlichkeit, wie sie sich in Klein- asten und Mittelafrika äußert, ein Ende machen würde, das alte Preußen ist. das Preußen der Pietisten und Junker. So wäre vielleicht de» �eößie Sieg, den die Friedensbewegung in der Welt davontragen»nnte, der Sieg desallgemeinenWahlrechts in Preußen, die Umwandlung der preußischen Monarchie in eine parlamentarische wie in Englaird. Aver es ist nicht etwa nur Preußen. In der anderen Mächtegruppe ist der Z a r i s m u s. der nicht nur den Frieden bedroht, sondern alles, was unserer Zivilisa- tion Wert gibt. Und in allen Ländern, selbst denen mit wirklicher Demokratie, ist es der Kapitalismus, ist es die Finanz. manchmal friedlich, aber immer militaristisch. Denn sie braucht den Militarismus zum Gcschästcmachen und zur Verteidigung ihrer Interessen. So ergibt sich die Folgerung: Unter welcher Form sie auch er- folge, jede Friedenspropaganda hat ihren Wert. Denn sie schafft Gegengewichte gegen die eigennützigen Hetzereien der französischen Natiovalisten, der englischen Jingoes, der Alldeutschen, der Echt- ruffen und anderer amtlicher oder regierungsfreundlicher Ver- brecher, die heute in Europa ihr Wesen treiben. Aber ich wäre nicht Sozialist, wenn ich nicht hinzufügte, daß unter allen Qrganisa- ticmen. die für den Frieden arbeiten, d i e den Nobelpreis am meisten verdiente, der er noch niemals zuerkannt wurde: die sozialistische A r b e i t e r-J n t e r n a i i o n a l e. Sie bringt, gTduldiger als jede andere, die Völker wirklich zusammen. Sie be- seitigt die Landesgrenzen zwischen den Arbeitern. Sie betreibt eine planmäßige Aktion aller sozialistischen Parteien gegen den Militarismus. Sie sucht die europäischen ÄonfliltSsällc zu be- seit igen, indem sie für Polen, Elsatz-Lolhringen, kurz für alle Völker das Recht der S e l b st b e st i m m u n g fordert. Sie arbeitet für ein Programm, dessen Grundsätze sie während des Balkan- krieges im Baseler Kongresse entworfen hat. Sie bekämpit die brutale Erobcrungs- und Ausbeutungspolitit in Marokko, Libyen, Kleinasien. Und vor allem: sie bereitet die endgültige �osung des Problems der internationalen Beziehungen vor, indem sie dahin strebt, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen -u beseitigen, das kapitalistische System zu ersetzen durch die freie Genoffenschaftlichkeit der Arbeiter. So wird die International«. wenn sie in diesem Jahre auf dem Wiener Kongresse ihr fnnisiaiährigeS Bestehen feiert, das Recht haben, zu sagen: Ter Sozialismus ist der Friedef ölanke Säbel in Lichtenberg. Polizei gegen Arbeiterjugend. In Lichtenberg war, wie erinnerlich, eun 9. April eine unpolitische Jugeniwerlammlung von der Polizei in durchaus un- gesetzlicher Weise gesprengt worven. Der Kreisjugendausschuß hatte sich dadurch veranlaßt gesehen, für den gestrigen Donnerstag eine neue Versammlung mit demselben Referenten und der gleichen Tagesordnung einzuberufen. Tie von der Polizei geleistete Propaganda hatte natürlich zur Folge, daß der Andrang zu Steuers Lokal in der Frankfurter Allee, wo Genosse Dr. Breit scheid über das Thema„Arbeiter- jugend erwache!" sprechen sollte, ganz enorm war. Tie Polizei übte jedoch diesmal eine andere Taktik. Am 9.?lpril hatte sie die Versammlung erst in dem Augenblick, in dem sie eröffnet worden war," für politisch erklärt und die Räumung des Saales angedroht. Diesmal fanden die Versammlungskesucher schon vor dem Lokal ein gewaltiges Polizeiausgebot, das unter den Emtrittheischenden fürchterliche Musterung hielt und keinen jugendlich Aussehenden durchließ. Die Polizeiprozedur brachte nun wieder fast ganz Lichtenberg auf die Beine, so daß gegen-49 Uhr abends der Saal mit Erwachsenen gut besetzt war, während große Massen von Jugendlichen vor den Pforten des verschlossenen Paradieses Spa- ziergänge veranstaltete. Genosse Brenscheid fand stürmischen Beifall, als er in der politisch gewordenen Versammlung der Erwachsenen die voll- kommene Ungesetzlichkeit des polizeilichen Vorgehens nachwies. Da sich die Polizei hier darauf beschränkte, die Tür zu hüten, konnte die Versammlung in aller Ruhe zu Ende gebracht werden. Mittlerweile hatte sich im Bereinszimmer der Wirtschast von Kurkowski in der Pfarrstraße ein Teil der ausgesperrten Jugend- lichen zusammengefunden. Der Referent der Versammlung begab sich nun dahin, um an die Anwesenden eine kurze völlig un- politische Ansprache zu richten. In der Hauptsache beschränkte er sich daraus, die Jugendlichen zu rastloser geistiger Fortbildung zu ermuntern, damit sie später die gesellschaftlichen Zusammen- hänge begreifen und gute Kameraden ihrer erwachsenen Arbeits- genossen werden könnten. Der Redner hatte den Gedankengang seiner kurzen Ansprache so ziemlich beende:, als plötzlich ein Polizei- leutnant mit mehreren Schutzleuten an der Tür erschien und die Räumung des Lokals anordnete. Als ihn Dr. Breitscheid daraus aufmerksam machte, daß hier keine politische Versammlung statt- finde, antwortete er schnauzend:„Das i st mir ganz Wurst!" Mittlerweile hatten seine Mannschaften schon damit begonnen, die ruhig an den Tischen sitzenden jungen Leute in die Höhe, zu zerren und nach der Türe zu schleppen. Tie Polizei beschränkte sich jedoch nicht darauf, das Vereins- zimmer zu räumen, auch das Schauklokal, in dem einige Gäste standen und ruhig ihr Bier tranken,-verfiel dem gleichen Schicksal. Der Wirt, der entsetzt herbeieilte, um den ihm drohenden Schaden zu verhüten, wurde vom Leutnant für verhaftet erklärt, aber aller- dings gleich wieder freigelassen. Die vertriebenen jungen Leute, zu denen sich die Ausgesperrten der ersten. Versammlung gesellten, versuchten nun in losen Zügen, immer von den Bewaffneten verfolgt, Berliner Gebiet zu erreichen. llnterwegs wurden mehrere von ihnen fistirrt. Um schließlich das Ueberschreiten der.J2ichtenberger Stadtgrenze zu verhindern, gmg die Polizei zu offener Gewalt über.„Ihr seid Lichtenberger! Ihr habt in Berlin nichts zu suchen!" kommandierte der Leutnant. Bald darauf wurden die Säbel gezogen und die jungen Leute wur- den nach Lichtenberg zurückgetrieben. Einige Personen wurden hierbei verletzt. Das sinnlose Borgehen der Polizei hat in Lichtenberg große Erregung hervorgerufen. Die Lichtenberger Arbeiterjugend wird den 16. April nicht vergessen. D'e Polizei wollte ihr Erwachen verhindern. Sie w:rd erfahren, daß gezogene Polizeisäbel keine Schlafmittel sind! Soziale Praxis unö Soziale Reform. Die„Gesellschaft für Soziale Reform" will am 10. 3ßai eine öffentliche Kundgebung für Forlführung der Sozial- r e f o r m veranstalten, die»den Blick der Ration erneul auf die Größe ihrer sozialen Pflichten" hinlenken soll. Zur Begründung wird in der ersten Ankündigung gesagt: Die Widerstände gegen die deutsche Sozialreform haben sich in der letzten Zeit ständig gemehrt. In den gesetzgebenden Körperschaften und der öffentlichen Meinung beginnt der Eifer für den sozialen Fortschrftt zu erlahmen. Die Gegner der Sozialreionn werden zuversichtlicher, manche ihrer Freunde werden lauer, die Zahl der Gleichgültigen wächst. Und dies trotz einer Fülle ungelöster oder kaum in Angriff genommener Ausgaben, inmitten des großen aus Jahrzchnle geduldiger und unverdrossener Arbeit an- gewiesenen Werkes! Die Schilderung entspricht leider nur zu sehr den Tatsachen, und so wie die Dinge bei uns liegen, kann es wobl einen Gewinn bedeuten, wenn Männer wie der StaatSminister Dr. Freiherr V.Berlepsch und Professor Dr. Ernst F ran cke den besitzenden Klassen einmal öffentlich ins Gewissen reden und die Regierung an ihre Pflichten gegenüber den arbeitenden Klassen erinnern. Aber es ist klar, daß der Wert solcher gelegentlichen Kundgebung um so ge- ringer sein muß, je läissger und grundsatzloser die Veranstalter selbst in ihrem sonstigen Tun die soziale Reform betreiben. Die Gesellschaft für Soziale Reform widmet sich neuerdings mit besonderer Vorliebe den Angelegenheiten der Privar- a n g e st e l l t e n. leider jedoch in einer Weise, die nachgerade an- fängt, den Charakter eines groben Unfugs anzunehmen. Ein schlagendes Beispiel hierfür bildet die Behandlung der Kon- kurrenzklausel. Der erste Streich, den sie in dieser Frage den Angestellten gespielt hat. geschah im Dezember v. I. in einer Sitzung ihres Unterausschusses sür die Privatangcslellien- fragen. In dieser Sitzung wurden die angeschlossenen Ber- bände— und das find außer den fteigewerkschaftlichen fast alle— davon„überzeugt", daß sie mit ihren Forderungen sehr weit heruntergehen müßten,„wenn überhaupt etwas zu- stände kommen sollte", und das Ende war. daß sie s o w e, t Heruniergingen, daß selbst die bürgerlichen Abgeordneten in der ReichstagSkommission ihnen nicht mehr folgen wollten. Während die Handlungsgehilsenverbände am 19. Dezember eine GehaltSgrenze von 1S00 M.(für den Ausschluß jeglichen Wetlbewerbverbotes) als ausreichend bezeichneten, ging die Re:chstagSkominisnon nur bis lSV9 M. herunter. Man versteht also, woher die Regierung jetzt den Mut nimmt, jede höhere Grenze als ISO» M. für unannehmbar zu erklären. Die Regierung will aber noch mehr. Sie will, daß den Arbeit- gebern die Wahl gelassen wird, ob sie im UebertretungSfalle auf Zahlung der vereinbarten Straf« oder auf Erfüllung des Vertrages klagen wollen. Das winde aber ein« offenbare Verschlechte- rung des gegenwärtigen RechtSzustandeS bedeuten und eS ist daher begreiflich, daß die Handlungsgehilfen sich hier- mit unter keinen Umständen einbersianden erklären wollen. Sogar die alten Harmonieverbände, die in der»Sozialen Arbefts- gemeinschaft" zusammengeschlossen sind, haben erklärt, daß sie dies« Regelung unbedingt ablehnen! Was aber tun die Männer um Herrn v. Berlepsch? Die von Professor Francke in Gemeinschaft mit Professor Zimmermann herausgegebene»Soziale Praxis", die zugleich das offizielle Publikalionsorgan der Gesellschaft für Soziale Reform ist, hat in dieser Situation nichts Eiligeres zu tun. als— den Standpunkt der Regierung zu vertreten und durch allerlei Haarspaltereien auf d'dn Ilmfall der Angestellten hin» zuarbeiten! Sie schreibi: Daß nach dem Handelsgesetzbuch zurzeit die Klage auf Er» fülluiig auSgeichlosse» wird,'st riwtig. Das gegenwärrige Handels» gesetzbuch kennt aber auch keine bezahlte Karenz. Man kann des- halb unmöglich davon sprechen, daß durch die von der Regierung geplante Regelung der Fiage das geltende Recht der Handlungs- gehilien verschlechtert werde. Gerade das Gegemeil(?) ist der Fall. Tie Elniührung der bezahlten Karenz bedeutet unzweifelhaft eine ganz außerordentliche Verbesserung des Rechtes der Handlungs- gehilien. und die dem Prinzipale gegebene Möglichkeit, auf Erfüllung des WettbewerboerboteS zu bestehen, ist lediglich die logische' Folge(!) dieser Neugestalrung. dieser Verbesserung des Handluiigsgehilfenrechts. Man muß deshalb dem Staatssekretär darin recht geben, daß unter diesen Umständen der Ausschluß der Erfüllungsklage mit den Grundsätzen von Treu und Glauben in Widerspruch stehen würde— das können aber die Handlungsgehilsenverbände selbst unmöglich wollen. Zum Ueberfluß wird die von der Regierung gewünschte Regelung dann noch als besonders geeignet zur Herbeiführung eines einheitlichen Angestelltenrechtes bezeichnet! Ein Beweis, daß die Herren von der Gesellschaft sür Soziale Reform sich hierunter nicht eben sonderlich fortgeschrittenes Recht vorstellen. Tie Haftung der„Sozialen Praxis" erscheint um so wideiipruchs- voller, als in der neuesten Rummer erst wieder unter dem Tftel „Konkurrenzklauielunfug" über einen Fall berichtet wird, in dem gerade durch die ErfüllungSkloge eine Arbeiterin um ihre Existenz gebracht worden ist. Tie betreffende Frau war ehedem bei einer Firma(in Plauen i. B.) beschäftigt gewesen, die ihren sämtlichen Arbeitnehmern einen Vertrag aumötigt, der sie bei einer Strafe von 399 Mar! ver- pflichtet, innerhalb dro-ier Jahre nach erfolgtem Austritt aus dem Dienste der Firma— dieser Austritt mag erfolgen. auS welchem Grunde es auch sei, infolge Kündigung seitens der Firma oder infolge eigener Kündigung— eine Stellung bei den vier namentlich aufgeführten hauptsächlichsten Konkurrenzfirmen nicht an- zunehmen. Nach ihrem Forlgang ging sie mangels anderer Arbeits« gelegenheit zu einer der verboteneu Firmen, wurde aber auf die Klage ihrer früheren Arbeitgeberin von dem Landgericht Plauen i.V. zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses verurteilt und angewiesen bis zum Ablauf der dreijährigen Frist bei keiner der gesperrten Firmen in Arbeit zu treten bei Vermeidnng einer Geldstrafe bis zu 1599 Mark oder einer Haft st rase bis zu sechs Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung. Auf dieses ungeheuerliche Produtt einer irregeleiteten Recht- sprechung wußte die»Soziale Praxis" zunächst nichts anderes zu sagen, als auf die Gefahr einer Verdienstmindestgrenz» von nur 1599 M. hinzuweisen. Aber sie fügte doch wenigstens hinzu, daß deshalb die bisher von der Reichstogskommission ongenommenen Bestimmungen unbedingt notwendig seien, d. h. nicht unlcr» schritten werden dürften. Das war vor vier Wochen! Heute ist auch dieser Standpunkt sür sie kein Standpuntt mehr, heute findet sie bereits, daß die Re» gierung„von ihrem Standpunkt aus ein Opfer" bringe, wenn sie überhaupt einer MmdeftgehattSgrenze zustimme! Sie meint. eS sollte deshalb„nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, ob dies« Grenze nun bei 1599 oder 1899 M. Gebalt gezogen wird. Versteift sich jedoch die Regierung auf die 1599 Mark- GeballS- grenze, so ist die Differenz zwischen beiden Summen nicht so erheblich, als daß man dazu den Reichstag ermuntern könnte, an ihr das Gesetz scheitern zu lasten, denn das ist doch unbestreitbar, daß durch die 1599 M.-Grenze di» jchlimmsten Auswüchse der Konkurrenzilausel beseitigt werden.. E>n ärgerer Wandel der Uebcrzevgung ist wobl kaum denkbar. Bor vier Wochen galt es den Herren noch als eine Gefahr, wenn die Gehaltsgrenze auf n i ch t m e h r als 1899 M. festgesetzt würde, weil— wie ausdrücklich hinzugefügt wurde—»eS genug Arbeiter gibt, deren Jabresarbeitsverdienst 1599 M. übersteigt". Heute bezeichnen sie 399 M. weniger schon als unerheblich und halten eS für.unbestreitbar", daß durch die 1599-Mark-Grenze die schlimmsten Auswüchse der Konkurrenzllauiel beseitigt werden! Dem- nach würde es in ihren Augen ein durchaus erträglicher Zustand sein, wenn Privatangestellte und Arbeiter mit einem Verdienst von mehr olS 1599 M. fernerhin trotz vereinbarter Konventionalstrafe durch fünffache Geldstrafen und eventuell durch Haitondrohung zur Erfüllung von Konkurrenzkiauseln gezwungen werden können. Es ist ein wahres Glück, daß wenigstens die Betbmannsche Re- gierung in ihrer reaktionären Polittt etwas mehr K'onse» quenz ausbringt! Denn wenn die nun auch noch ihren Stand- puntt abermals ändern würde, würde die„Soziale Praxis" bestimmt acht Tage späier die Meinung vertreten, daß die 1999 Mark-Grenze ja auch»nicht ungeeignet" sei. die a l l e r schlimmsten Auswüchse zu beseitigen. Und so weiter mit Grazie von einem Standpuntt zum andern._ politische Uebersicht. Tie hereingefalleneu Zentrumstaktiker. In den letzten Tagen hat eines der klerikalen Blätter nach dem anderen die Verantwortung für die von ihnen auS dem Kaiser- brief an die Landgräsin von Hessen mitgeteilten verächtlichen Äeuße» rungen Wilhelms II. über die römisch-katholische Religion abge- lehnt— natürlich unter allerlei albernen jesuitischen Verlegen- heilsausreden. Sie alle wollen in gutem Glauben gehandelt und keine anderen Zwecke verfolgt haben, als das Ansehen der tatho- lischen Kirche zu wahren. Zu guter Letzt kommt nun auch noch der Zenrrumsabgeordnete Dr. Eugen Jäger, der vorlauteste von allen, und tritt in der ultramonlanen Münchener„Allgemeinen Rund» schau" unter dem üblichen Teckungslamtam den Rückzug an. Er schreibt:- „Wer den verstorbenen früheren Herousaeder der„Allge, meinen Rundsckiau", Dr. Armin Kausen, kaniue» wird mir zu- geben, daß er eine durchaus ehrenhaste, loyale, vorsichtige und ernsthafte Persönlichkeit war. Ick dizrfte daher mit ihm ühcr- zeugt sein, daß die Mitteilungen, die er erhallen hatte und die mit einer, jeden Zweifel ausschließenden Bestimmihett sich gaben, auf durchaus einwandfreier Quelle beruhten. Ben der durch daS Dementi der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" geschaffenen Sachlage hat sich sür mich ntzn ergeben, daß der Beweis für die Richtigkeil des Inhaltes des KaiscrhxiefeS bezw. der von mir er- wähnten Hauptilellen von mir nicht geführt werden kann. Ich kann dach er meine Angaben in dieser Be- ziehung nicht aufrechthalten. Nun habe ich von vornherein die Vermutung ausgesprochen, daß das Wiedcrgegebenc Nr. 104. 31. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sozialistengesetzliche Zustände. Herr Traugott v. Jagow, der polizeiliche Machthaber von Berlin und unübertreffliche Ausleger der Polizei und Militärgewalt, ist von seinem Amtskollegen in Barmen über troffen worden. Was Herr Dr. Heß, der Polizeidezernent von Barmen, in einem fnappen Jahre geleistet hat, ist ge eignet, den Beifall aller Scharfmacher und Arbeiterfeinde zu entfesseln. Zunächst ging er dazu über, das Verteilen gewerkschaftlicher Druckschriften, Flugblätter, Handzettel usw. auf Straßen und öffentlichen Plägen in einzelnen Fällen zu verbieten. Gelegentlich der Krankenkassenwahl verbot er das Verteilen bon Druckschriften generell; nur eine kleine Anzahl von Straßen wurden von dem Verbot ausgenommen. Das Veste aber hat er sich bei einem Streit in einer Tertilfabrik geleistet. Weil eine Anzahl von Arbeitswilligen nachts 11 Uhr in einer Wirtschaft einige streifende Arbeiter überfielen und mißhandelten, ließ er an die Polizeibeamten des Bezirks die Anweisung ergehen, das Streitposten stehen vor der Fabrik und in deren Nähe nicht zu dulden. Die Streitposten wurden weggewiefen, schließlich verhaftet und auf der Wache fest gehalten. Die drei mißhandelten Arbeiter aber er hielten folgende Verfügung zugestellt: Die Polizeiverwaltung. fegen. An Herrn...." Barmen, den 4. April 1914. J. V. Dr. He B. Freitag, 17. April 1914. In der Nr. 178 des„ Lokal- Anzeigers" vom 7. April nur in geringem Umfang durchgeführten Aussperrung gegenüber im finden wir eine Notiz. die wohl das absurdeste an Ausführungen allgemeinen eine abwartende Haltung ein und arbeiten in den Geenthält, was uns bisher in diesem Lohnkampf entgegentrat. Dort schäften, die nicht ausgesperrt haben, weiter. Neuerdings ist in den ist zu lesen, daß der Durchschnittslohn für die Woche 35 bis Reihen der Marmorarbeiter die Frage aufgeworfen worden, ob es 45 M. beträgt, daß ferner die Neuforderungen 12 bis sich nicht empfiehlt, dieselbe Taftit einzuschlagen. welche die Arbeiter 15 M. pro Woche betragen usw. Da wir nun höchstens der Sandstein- und Grabsteinbranche befolgen. Zur Erörterung einen Durchschnittslohn von 23-25 M. erreichen, haben wir dieser Frage hatte die Streitleitung am Mittwoch eine Seftions wenigstens einmal, in der Notiz des„ Lokal- Anzeigers" versammlung der Grabsteinarbeiter einberufen. Die Kommission auf Wahrheit beruhen würde, hätten wir bei gewonnenem arbeit unbedingt zurückgewiesen wird. einen menschenwürdigen Lohn erhalten. Wenn diefe Notiz empfahl die Beibehaltung der bisherigen Taftit, bei der jede Streif Da sich aber bei den Stampf einen Wochendurchschnitt von 47-60 Mark. Daß der„ Lokal- Zwischenmeistern nicht feststellen läßt, ob die in ihren Betrieben geAnzeiger" im Stlassenkampf stets auf der Seite der schärfften Realtion leistete Arbeit Streitarbeit ist oder nicht, so beantragte die Kom zu finden ist, wissen wir, und daß der Reichsverband in ihm einen mission, daß bei den Zwischenmeistern die Arbeit niederzulegen iſt treuen Abnehmer hat, ist bekannt. Auf dieses edle Organ erzieherisch und der Arbeitsnachweis für sie gesperrt wird. im moralischen Sinne einzuwirken, ist gar nicht unsere Absicht. Der Lesertreis feßt sich aus Elementen zusammen, die für uns nicht zu gewinnen find. Um aber doch die Wahrheit zu Worte kommen zu lassen, haben wir an den 2.-A." folgende Berichtigung gesandt auf Grund des§ 11: Aus der Mitte der Versammlung wurde beantragt, in allen Bctrieben, die bis Sonnabendabend den neuen Tarif nicht bewilligt haben, vom Montag ab die Arbeit ruhen zu lassen. Dieser Antrag wurde nach eingehender Diskussion gegen eine starte Minderheit abgelehnt und der Antrag der Kommission an genommen. 11nwahr ist, daß der Durchschnittswochenlohn der Maßschuhmacher 35-45 M. beträgt. Wahr ist dagegen, daß derselbe Achtung, Gummiarbeiter! Der Streit der Formereiarbeiter in fich zwischen 23-25 M. bewegt. llnwahr ist ferner, daß sich der Norddeutschen Gummi- Guttaperchawarenfabrik vorm. Fonrobert die Mehrforderung auf 12-15 M. für die Woche beläuft. u. Reimann ist durch Vergleichsverhandlungen beendet. Die Sperre Wahr ist dagegen, daß sich die Mehrforderung zwischen 1-4 M. über den Betrieb ist aufgehoben. die Woche bewegt. Verband der Fabritarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin, Engelufer 15. Bisher ist diese Berichtigung jedoch noch nicht er schienen! Wenn im Kampfe erst zu dem Mittel der Jrreführung der Deffentlich leit gegriffen wird, erhellt sich, auf weißen Seite das Recht und die Moral ist. Unseren Kollegen aber mag auch dieser Fall zeigen, wie sehr sich selbst ins Gesicht schlagen, wenn sie die bürgerliche Presse durch Abonnement unterstügen. Eine nette Kumpanei: die demokratische Volks- Zeitung" als Organ für Streitbrecherbermittelung und der edle Lokal- An zeiger" als Informator" der Deffentlichkeit. Das Streiffomitee. = Zum Kellnerstreit im„ Hackepeter", Oskar Engelmann G. m. b. S., Schöneberg, Hauptstr. 139, ist zu berichten, daß der gelbe Reichs. verband( Ortsverein Belle- Alliance, Berlin, Elisabethstr. 30, Arbeitswillige geliefert hat. Verband der Gastwirtsgehilfen. Berlin I. Aus dem Fleischergewerbe. Der Restaurateur Joachim Willert, Alexanderstr. 42, hat den Tarifvertrag der Fleischerorganisation on erkannt. Die Sperre ist aufgehoben. Die Restaurateure Friz Troche, Schönhauser Allee 72, Bernaus Hadepeter, Große Frankfurter Str. 106, und Rübe, Kommandantenstr. 73, weigern sich, den Tarifvertrag der Fleische: organisation anzuerkennen. leber diese Restaurationen ist für organisierte Fleischergesellen die Sperre verhängt. Die Tariffommission. Deutsches Reich. Der Malerverband im Jahre 1913. Die organisierten Malermeister wollten bekanntlich im ver Sofort. Da vor kurzem eine Schlägerei zwischen Arbeitswilligen und Achtung, Töpfer! Jm Groß Berliner Töpfer Streifenden der Firma Kehrenberg stattgefunden hat und zu befürchten steht, daß sich die Streitigkeiten wiederholen, wodurch die gewerbe soll es in den nächsten Tagen zwischen dem Zentral öffentliche Sicherheit gefährdet würde, untersage ich Ihnen auf die verband der Töpfer und der Töpfer- Zwangsinnung wieder zu Tarif Dauer von zwei Wochen nach Zustellung dieses Schreibens den berhandlungen kommen. Obgleich die Jurung in ihrer legten Aufenthalt in der Meckelstraße zwischen Albrecht- und Fingerscheidt- Quartalsversammlung die Forderung der Gesellen, Erhöhung des straße, in der Kothenerschul- und Emmastraße. Für jeden Fall, Meistertarifs um 5 Prozent om 1. Oftober 1914, abgelehnt hat, daß Sie dieser Verfügung zuwiderhandeln, mügte ich eine glaubt sie, daß durch die Verhandlungen doch ein Weg gefunden Zwangsstrafe von 60 M. eventuell 6 Tage haft gegen Sie fest- halb die Gesellen zur Verhandlung aufgefordert, und sollen nach werden wird, um eine Einigung zu erzielen. Die Innung hat des Gegen diese Verfügung steht Ihnen innerhalb zwei Wochen ihrer Auffassung hauptsächlich die Nebenpositionen einen Ausgleich und die Einigung bringen. Die Bauvertrauensmännerversammlung ( ſeit Zustellung) die Beschwerde an den Herrn Regierungspräsidenten vom 15. April hat beschlossen, au verhandeln. Jedoch ist fie der gangenen Jahre durch die große Aussperrung ſich nicht nur en oder die Klage beim Bezirksausschuß in Düsseldorf zu. Meinung, daß durch eine Erhöhung der Nebenpofitionen eine allein dominierende Stellung im Arbeitsvertragsverhältnis aneignen, Einigung nicht erstrebenswert ist, weil dies später zuerst sondern sie hätten auch gern die Gehilfenorganisation finanziell gewieder Veranlassung zu Streitigkeiten und Lohndrückereien gibt. Es soll schädigt und so auf lange Zeit hin lampfunfähig gemacht. Sie Dent Sekretär der Gewerkschaftskommission, der wegen unbedingt an der Aufbesserung der Kachelschichtenpreise festgehalten holten sich aber bei dieser Aktion eine schwere Blamage. Das wird jezt noch besonders dokumentiert durch das Ergebnis über den Stand dieser Anordnungen des Polizeigewaltigen beschwerdeführend werden. bei ihm vorstellig wurde, erklärte Herr Dr. eß, daß das Schwebens der Tarifverhandlungen sofort gegen weitere Firmen, fannten Unparteiifchen gefällten, vom Unternehmerverband ab Ferner stimmte die Versammlung dem zu, daß trotz des der Organisation der Gehilfen im Jahre 1913. Gewiß hat der vorjährige große Kampf um die von den be Streifpoſtenstehen einen Eingriff in die persönliche die zu miserable Löhne zahlen, mit Arbeitsniederlegung vorgegangen Freiheit des Unternehmers( 1) darstelle und die werden foll, damit die Firmen gezwungen werden, anständige Breise gelehnten Schiedssprüche einschließlich einiger kleiner Lohnkämpfe die Bürger" dagegen geschützt werden müßten. Daß aber die zu zahlen. Was bei Kiel, Semon und nach den Feiertagen Summe von 2 268 976 M. erfordert( davon tamen 230 000 M. von Maßnahmen des Polizeidezernenten einen tiefen Eingriff in auch bei der Firma Karman möglich war, muß auch anderwärts ben übrigen Gewerkschaften und 25 000 M. vom Holzarbeiter. verband). Groß aber ist gewiß die Enttäuschung der Inter die persönliche Freiheit von Arbeitern zugunsten eines Unter- durchgedrückt werden. Karmann hat sich nach zweitägiger Sperre nehmers darstellen, scheint dem Polizeiverstand nicht faßbar schriftlich verpflichtet, fofort und später wieder den alten Tarif zu nehmer, daß der Verband trotzdem schon wieder ein Ber über 720 000 M. hat. Dieser verhältnismäßig zu sein. zahlen. Alle Firmen können und müssen also damit rechnen, daß mögen von Gegen die ungefeßliche Maßnahme ist natürlich der Rechts- fie in den nächsten Tagen an die Reihe fommen. Sollte den Firmen günstige Vermögensstand wurde erreicht, obwohl die Ausgaben für weg beschritten worden. dies unangenehm sein, so fönnen sie ja dafür sorgen, daß den Ge- die Unterstützung recht erhebliche waren. So wurden aufgewandt für sellen bei den Tarifverhandlungen annehmbare Zugeständnisse ge- Krankenunterſtüßung 685 863,05 M., Sterbeunterstützung 31 602 M., macht werden, damit wieder ein allgemeiner Lohntarif zustande Reiseunterſtüßung 16 131.60 M., Gemaßregeltenunterstüßung 5634,10 tommen fann. Lange genug haben die Bauunternehmer und Töpfer- Mark, Rechtsschutz 12 310,27 M., insgesamt für die fünf Unters meister die große Notlage der Gesellen ausgenügt; die Gesellen sind stüßungsarten 751 541 M. Die Gesamteinnahmen des Verbandes durchweg der Ansicht, daß dies nunmehr ein Ende haben muß. Alle find gestiegen von 1562 000 M. im Jahre 1912 auf 2196 000 2. Kollegen müssen den festen Willen haben, dazu beizutragen. Am( einschließlich der erwähnten 255 000 M.) im Jahre 1913. besten tun sie dieses durch die Stärkung der Drganisation und Solidarität. Darum auf zu neuen Stämpfen! Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Der Streik der Maßschuhmacher. Seit 14 Tagen tobt der Kampf in der Maßbranche. Da es nun ben Unternehmern trog Streitbreder Annoncen in der Bolts geitung" nicht gelingt, unsere Reihen zu sprengen, man unter die noblen nicht greifen sie zu Mitteln, die registrieren fann. Kleines Feuilleton. Der Gang im Frühling. An einem der letzten Frühlingstage ging ich meinen gewöhnlichen Spaziergang. Die Sonne schien so warm und hüllte mich und alle Welt in einen Mantel milden Lichtes. Junge Mütter faßen auf den umgehauenen Stämmen im Walde, ihre Kleinen in den Kinderwagen zum ersten Male an die Sonne und in die Luft bringend. Durch den Wald sprangen größere Kinder im frohen Spiel. Ehepaare, junge und alte, wandelten durch den Wald. Liebespaare, eng umschlungen, suchten die dichteren Stellen auf, und hie und da sah ich, wie sie die Lippen aufeinander drückten. Alles atmete Lust, Liebe und Leben. Der Frühling war da. Ueber der Welt und über den Menschen breitete sich tiefe Fröhlichkeit. Nicht über alle Menschen. Da begegnete mir einer, den Blick düster zu Boden gefentt, die Hände in den Taschen des abgetragenen lleberziehers vergraben, das Geficht unrasiert, wie es schien nicht gewaschen. Er lachte nicht, ihm lachte auch feine Sonne, ihm fnospten nicht die Weidenfäßchen, ihm ward nicht Liebe, und nur ein Leben der Sorge heute, ein Leben des Elends morgen lag vor ihm. Er war arbeitslos! Und ich ging weiter und wieder begegnete mir ein Mann mit dem verzweifelten Gesicht des Arbeitslosen. Dann wanfte ein junges Mädchen vor mir her. Die Stiefel durchlöchert, die Abfäge schief, den Hut verknüllt, die Haare wirr, und als ich, an dem Mädchen vorbeischreitend, ihr ins Gesicht fah, schrie mich eine solche Verzweiflung aus ihren Augen an, daß der Frühling vor mir verschwand, daß es mich im warmen Sonnenschein zu frösteln begann. Die Aufhebung des großen Kampfes Anfang Juni brachte nicht den erwarteten geschäftlichen Aufschwung. Die Konjunktur blieb bis zum Jahresschluß ungünstig. Dies und die Folgen der Aussperrung, durch die viele bisherige Gehilfen Meister wurden, dann auch die nach Kämpfen oft eintretende Fahnenflucht sind die wesentlichen Ursachen, die ganz naturgemäß einen Mitgliederverlust zur Folge hatten. Troßdem musterte der Verband im Jahresdurchschnit 1111* Die Lohnbewegung der Steinarbeiter. Während die Sandstein- und Grabsteinarbeiter die Aussperrung mit dem Streif beantwortet haben, nehmen die Marmorarbeiter der Gewißheit die Zugehörigkeit dieser Bauten zur germanischen teil, daß man ohne weitere Sprachkenntnisse durchkommt. Siedelung nachgewiesen werden. Nicht nur zahlreiche Gefäßreste mit angenehm find die fremdländischen Namen der Neumark nur für die Mäandermuster in Rädchentechnik, sondern auch eine gut er- Post, der es denn auch leẞthin passierte, daß sie eine Neujahrstarte haltene Bronzefibel aus dem zweiten Jahrhundert gaben darüber hinreichend Auskunft. Die Vermutung, daß wir es hier mit völlig unbekannten altgermanischen Backöfen zu tun haben, hat sich bei den beiden diesmal gefundenen und gründlich untersuchten Anlagen fast bis zur völligen Gewißheit gesteigert. nach dem neumärkischen Bennsylvanien über den Großen Teich" dirigierte, so daß sie erst Ende März den heimischen Adressaten er reichte, nachdem sie in der Zwischenzeit mit einer Unmenge wirklich ausländischer Stempel und Bermerke versehen worden war. Humor und Satire. Schneidigkeit. Nicht so leicht ist Schneidigkeit, wenn man sie auch gerne möchte; ganz besonders wedt den Neid jene preußisch- deutsche, echte. Zabern möchte mancher gern imitieren, wenn er fönnte; doch er kann es nicht von fern, denn ihm fehlen Elemente. Jener Hauptmann beispielsweis', der in Destreich zabern wollte, fand alsbald, so einfach sei's nicht, wie es wohl scheinen sollte. Nüchtern hatt' er nicht den Mut, und er mußte sich benebeln, eb' es ihm gelang, mit Wut Zivilisten zu vermöbeln. Hier ist wieder zu erkennen, Wie wir in der Welt voran. Was im Suff nur andre fönnen, nüchtern fängt's der Deutsche an. Arbeiterfahrten im Lenkballon. Der Dresdener Ortsverein des Metallarbeiterverbandes, der seit mehreren Jahren für seine Mitglieder zu erschwinglichen Breifen Gesellschaftsfahrten nach HamburgHelgoland, München- Berchtesgaden, Wien- Triest- Venedig usw. veranstaltet, will jezt auch das Hauptverkehrsmittel der Luft, den moUm die dernen Lenkballon, seinen Mitgliedern zunuze machen. Möglichkeit einer Luftfahrt, die sich bisher nur Leute mit einem sehr großen Geldbeutel leisten konnten, da in der Regel eine Fahrt im Zeppelinballon und 200 Mart und im Barjevalluftschiff über 50 Mark kostet, auch den Arbeitern zu erschließen, veranstaltet die Dresdener Ortsverwaltung einen Lichtbildervortrag über die Entwicklung und den jezigen Stand der Luftschiffahrt sowie eine Exkursion nach der städtischen Luftschiffhalle, die mit der Befichtigung eines Luftschiffes und eines Flugapparates unter fachkundiger Führung und Erläuterung verbunden sein wird. Die Teilnahme an beiden Beranstaltungen foftet 1 M. Für einen Teil der Teilnehmer, und zwar von ungefähr 30 immer für einen, wird aber damit noch die Berechtigung zu einer einstündigen Fabrt in einem Lenkballon verbunden sein, wofür noch ö M. nachzuzahlen sind. Die Fahrten follen unter den Teilnehmern an dem Vortrage und der Erfuifion ausgelost werden. Die Veranstaltung wird, außer einer guten Belehrung und nachhaltigen Erinnerung für die Teilnehmer, schließlich noch den Beweis erbringen, daß den Arbeitern manches, was ihnen vollständig verschlossen zu sein schien, durch gemeinsame großAltwendisches und Altgermanisches bei Küstrin. Die neuen Auszügige Arbeit und geschickte Organisation zugänglich gemacht werden grabungen des Märkischen Museums bei Küstrin waren von recht Internationales in der Neumark. Wer nur eine kleine Kasse erfreulichem Erfolge begleitet. Es gelang, während der Dsterivoche einen größeren Teil der wendischen Siedelung auf dem Heuerschen aber große Reiselust nach fremden Städten und Ländern hat, der Holzplage freizulegen und festzustellen, daß die Wenden sich auch wandere durch die nahe Neumark. Hier fann er sich zunächst während der mittleren und späteren Periode ihrer Herrschaft Mannheim" ansehen und dann weiter nach Stuttgart" pilgern. ( 9. bis 13. Jahrhundert nach Christus) noch des Pfostenbaues Nach dieser Besichtigung steht es ihm frei, seine Schritte nach der bedienten. An Einzeljunden sind mehrere Spinnwirtel, Knochen- Riviera zu lenken, wo er an der Azur- Küste das schmucke„ Beaulieu" nadeln, Siebgefäße, ein Knochenkamm und ein Ring aus Hirsch trifft, oder nördlich nach Pyrehner- Holländer". Bon Beaulieu gehorn, vor allem aber eine Silbermünze zu verzeichnen. Legtere langt er ohne Seefahrt nach Storfita" und" Malta" und, ohne die ist von derselben Art, wie sie so zahlreich in den sogenannten Sad Site des Roten Meeres ertragen zu müssen, nach dem fernen filberfunden vorkommen. Ein glüdlicher Zufall hat uns sogar den Ceylon" und nach dem noch ferneren„ Sumatra". Hat er indessen Die Freiheitsstatue im Hafen von New wendischen Namen dieses im 15. Jahrhundert untergegangenen Dorfes den Weg nach Byrehner- Holländer eingeschlagen, so ist er auf der in einer Urfunde aus dem Jahre 1261 erhalten. Es heißt Klößniß, Tour nach" Amerika" und kann drüben" Maryland", Louisa", ort scheint dem Ende ihrer Tage nahe zu sein. Das Wasser hat sic Ebenfalls in der Oster- Saratoga" und" Pennsylvanien" besuchen, auch noch einen Ab- burchlöchert, den Schiffen leuchtet sie nicht mehr hell genug und dent was soviel bedeutet wie„ Weißdornhag". woche wurde die im vorigen Herbste begonnene Untersuchung der stecher nach dem kanadischen" Quebec" machen oder nach der west- Stadtiädel foftet sie zu viel( 40 000 9. jährlich). Sie wird wohl das Zeitliche fegnen müssen. Jdeell paßt sie schon längst nicht mehr altgermanischen Siedlung bei Lagardesmühlen nahe bei Stüftrin fort- indischen Insel Jamaika". Alle diese und noch andere interessante Städte und Gegenden an ihren Plaz. Was soll eine Freiheitsstatue am Tor des Landes, geführt. Sier auf dem Gelände der Faldenbergichen Riesgrube fejfelten in erster Linie jene merkwürdigen Bauten aus großen Feldsteinen findet der Wanderer in unserer Reumart. Alio: wozu in die Ferne wo die tapitalistische Menschenausbeutung jich unbegrenzter Mög und Lehm die Aufmerksamkeit. Zunächst fonnte mit unbedingter schweifen...? Außerdem hat eine solche Weltreise noch den Vor- lichkeiten erfreut! fann. " " Notizen. - Geologische Beobachtungen im Freien Mündigt Dr. Heß von Wichdorff. Bezirksgeologe an der Kgl. Preußischen Landesanstalt, im neuen Programm der Humboldt- Akademie an. Ein Zyklus von 10 Doppelstunden( mit geologischen Sonntagsertursionen) soll zu praktischen geologischen Untersuchungen anleiten. Die Vorträge( gl. Bergakademie, Invalidenstr. 44, Montage von 8-10 Uhr) beginnen am 20. April. Ein Mann mit 12 Fingern und 12 geben, cin 16jähriger Rusie, wurde vor einigen Tagen der Pariser Medizin schule vorgeführt. Die überzähligen Finger sind zwar außerordentlich klein, aber vollkommen ausgebildet und mit Nägeln versehen. 47 oil Mii Glieder. Das ist ungefähr der Stand vom Jahre 1911, l j während 1912 im Ausblick aus die bevorstehende Tarifbewegung öl 629 Mitglieder vorhanden waren. .5-- Im Jahre 1913 wurden 395 Tarife für 52 333 Beschäftigte(da- |- von 37 885 im Malerverband organisiert) abgeschlossen. Davon ~: waren 33 Tarife mit 876 Beschäftigten Nenabichlüsse. Bon den be- reits bestandenen Tarifen wurden 272 für 59 912 Beschäftigte er- neuert. Durch Streik oder Aussperrung wurden 239 Tarifabschlüsse £* mit 59 211 Beschäftigten erreicht; durch friedliche Bewegungen nur CO mit 2077 Beschäftigten. Von den Tarifen entfallen 245 mit 40 004 Beschäftigten unter den neu abgeschlossenen Reichstarifvertrag; 21 mit 989 Beschäftigten waren Ortsrarife und 137 mit 939 Be- a schästigten waren Firmentarifc für die in Lackierereien beschäftigten 2 Berufskollegen. Insgesamt bestanden am Schlüsse des Vorjahres g,, im Gewerbe 366 Tarife für 15 854 Betriebe mit 65121 Be- •jT schästigten.— In Rheinland-Westfalen verharrt der Unternehmer- verband noch im Tarifbruch, so dag neue Differenzen auszubrechen � drohen. ä Gegenwärtig entfaltet der Verband in allen Teilen des Reiches "Z eine lebhafte Agitation. Die vorjährige Aktion der Scharfmacher im i* Unlernehmerverbairv hat dafür den Boden gut vorbereitet, und mancher Gehilse, der damals der Organisation den Rücken gewendet Z hat, begreift jetzt, wo er das Wirken seiner Organisation und ihre Standhaftigkeit auch unter den schwierigsten Verhältnissen vor Augen Z sieht, die Notwendigkeit, ihr angehören zu müssen. Dem Verband Z ist bei seiner jetzigen Werbetätigkeit der größte Erfolg zu wünschen. .| Der Klempnerstreik in Posen ist mit vollem Erfolg beendet. � Der Tarif ist auf zwei Jahre neu abgeschlossen. Die Mindestlöhne sind gegen den abgelaufenen Tarif um 2 Pf. für 1914 ab 1. April, und um zwei weitere für 1916 erhöht. Dies gilt für alle selbständig 1 arbeilenden Klempner in der Weise, daß alle Gesellen, welche selb- a ständig arbeiten, 1914 per Stunde 60 Pf., 1915 62 Pf. Stundenlohn u erhalten. Wer inehr als sechs Jahre als Geselle arbeitet, bekommt , diesen Lohn unbedingt. Die Zulage bei den Vorortsbauten, die 5 ausgehoben werden sollten, bleiben bestehen, und all« Gesellen, die , den im Tarif vorgesehenen Mindesilohn bereits haben, erhalten 1914 2 Pf. und 1913 nochmals 2 Pf. Zulage. Der Tarifabschluß wurde am 11. d. Mts. vollzogen, die Arbeitsaufnahme erfolgte ohne jede ! Störung gestern, am 14. April. i-- Ter tapfere Kommisverem. Der Verein für HandlungSkommis von 1353 ha� unter dem Titel.Die Not der älteren Handlungsgehilfen" eine kleine Schrift herausgegeben, in der allerlei interessantes Material über das zum Teil wirklich erschreckende Elend aller kauffnämiischer Angestellten zusammengetragen ist. So hat der Verein in seinem Stellennachweis beobachten könne», daß von je 190 Bewerbern im Alter bis zu 29 Jahren 63 Stellung finden, im Alter von 29 bis 39 Jahren noch 36. dagegen mit 49 bis 59 Jahren nur noch 13 und mit über 59 Jahren gar nur 12! Natürlich, An- gestillte mit einiger Berufspraxis verlangen höhere Gehälter, aber der moderne Großbetrieb braucht ihre Erfahrungen nicht, sondern kann sich mit jungen und entsprechend billigeren Kräften beHelsen. Ein Unternehmer schrieb einem Bewerber, als er hörte, daß er über 49 Jahre alt sei, einfach zurück: Er habe keine Altersversorgung. Andere, die ebenso denken, ivrechen es nicht onS, regeln ihre Anstellungen aber nach demselben Prinzip. Das alles ist gewiß nicht neu. Aber die Unternehmer betrachten auch die Veröffentlichung alter Wahrheiten als«ine Ungehörigkeit, sofern ihnen eben diese Wahrheiten unbequem sind. Zornerfüllt schreibt deshalb die Deutsche Arbeitgeber- Zeitung": „Nun ist es eine interessante Beobachtung, daß jedesmal. wenn die Arbeiterschaft irgend ein AgitaltonS« mittel mit mehr oder minder Erfolg in Szene gesetzt ha». nicht lange darauf die organisierten Ange« st e l l t e n das böi'e Beispiel nachzuahmen beginnen. Kaum hat sich also die künstlich entfachte s!) Erregung über die alten Ar» beiter gelegt, alö in der Presse ein neuer Lärm über den alten .jungen Mann" anhebt. ES wird behauptet, daß auch>» den kaufmännischen Betrieben die Gepflogenheit herrsche, die jungen Leute bis zum 49. Jabrc gründlich auszubeuten und sie dann mit der scheußlichen Kaltherzigkeit, die nun einmal da« ganze Wesen des Arbeitgebers auszeichnet, auf die Straße zu setzen....* Darüber ist der arme KommiSverein nun fürchterlich erschrocken. Obwohl doch jedermann von seiner absoluten Harmlostg« keit vollständig überzeugt ist und ihm diese auf Wunsch gern be- scheinigen wird, hat er plötzlich daS Gefühl bekommen, daß er am Ende doch um einen halben Schritt von der gewohnten Bahn liebe- dienernder Unternehmerverehrung abgewichen sei. Mit einer artigen Verbeugung vor der.Arbeitgeber-Zeitung" beteuert er. daß von solchen Schilderungen wie diese sie gegeben habe,.in den Kreisen der bürgerlichen HanvlmigSgehilsen nie die Rede gewesen" sei. Und in ungewollter Selbstkritik fügt er hinzu:.Nichts liegt den bürgerlichen Verbänden ferner, als solche agitatorischen Worte im Munds zu führen". Di« zitierte Darstellung der.Arbeitgeberzeitung" trifft nur zu sehr den Nagel auf den Kopf. So und nicht anders steht es in der Wirklichkeit aus, und wer diese rücksichtslose Praxis in der richtigen Weise brandmarkt, tut nichts anderes, als was jeder tun muß. der die Interessen der Handlungsgehilfen ernsthaft >o a h r n e h m e n will. Aber der tapfere KommiSverein hat Recht: „Nichts liegt den bürgerlichen Verbänden ferner.. Zeitungsträgerstreik. In Dortmund traten am IS. April über 59 ZeitungSträge- rinnen des.unparteiischen"„Generalanzeigers" in den Streik. Sie fordern eine Aufbesserung der Löhne, die 15 Pf. pro Stunde be- tragen und seit 19 Jahren nicht aufgebessert worden sind. Das Blatt wirft für die Besitzer Millioneiiübcrschüsse ab, für die Zeitungs- frauen aber ist kein Geld zur Ausbesserung der Iammerlöhne da. Ter Verlag lehnte alle Verhandlungen ab. < �iuslanö. i Pflastererfireik im Haag(Holland). Seit 1. April d. I. stehen die städtischen Pflasterer in dem Haag, 30 an der Zahl, im Streik. Streikbrecher haben sich bisher nur vereinzelt gefunden. Deshalb geht man im Auslande auf die Suche nach Arbeitswilligen. Es ivird ersucht, Streikbrecher von Holland fernzuhalten. Zur Uhrcnarbeiteraussperrung in Grcnchen. Der Kampf zwischen den Uhrenarbeitern und Fabrikanten zu Grenchen in der Schweiz geht nun in die zehnte Woche und die Unternehmer unterlassen kein Mittel, um ihn zu ihren Gunsten zu wenden. Bereits haben sie mit der Dezentralisation der Betriebe als„Schutzmaßnahme gegen ähnliche Vorkommnisse" begonnen, indem sie in verschiedenen Ortschaften der Umgegend �abrikniederlagen erwarben, die nun ali Zweigniederlassungen bc- lneben werdeii sollen. Ncbsldem führen sie den Kampf auch Hand- areifliÄ durch ihre Herren Söhne sowie durch die Polizei in Form von gemeinen Beschimpfungen. Ein Polizeiwachimeister schimpfte eine Genossin.rote Hure" und der Sobn des Fabrikanten Michel schlug einem Arbeiter inS Gesicht, um sich dann schleunigst in einen Friseurladen zu flüchten, woselbst der geschlagene und ihn verfolgende Arbeiter dem traurigen Feigling allerdings das Empfangene mit Zins und ZinseSzinsen zurückzahlte. Auch die.RauSreißer" tragen das ihre zum„guten Gelingen" der Sache bei. In einer der letzten Nächte wurden kurz nach Mitternacht plötzlich zwölf Schüsse aus ihrem„Heim" abgegeben, obwohl weit und breit in heller Mond- nachr kein Mcm'ch zu sehen war. Wahrscheinlich sollte daS auf« ocboiene Militär veranlaßt werden, gegen den inneren Feind zu marschieren. Desgleichen gaben drei dieser nützlichen Elemente auf offener Straße am hellichten Tage vier Schüsse auf harmlos vorüber- gehende Ausgesperrte, darunter zwei Frauen ab, glücklicherweise ohne zu treffen. Für alle diese Provokationen wurde just der Moment ge- wählt, wo die Leitung der Ausgesperrten sich in Biel am imer- nationalen Kongreß befand. Die Kinder der Ausgesperrten haben die Heimat verlassen. Sie haben in Gcnoffenfamilien der Stadt Ölten gastliche Aufnahme gefunden. Wie gemeldet, hat die Gemeindeversammlung von Grenchen mit großer Stimmenmehrheit die Unlerstützung der Ausgesperrten aus der Gemeindekasse mit wöchentlich 2990 Fr. beschlossen, wogegen die bürgerliche Minderheit Rekurs an die Regierung ergriff. Die Re- gierung hat nun gesprochen und da sie staatsrechtlich nicht anders konnte, hat sie den autonomen Gemeindebeschluß, allerdings im Sinne einer Armenunter st Ützung, für zulässig erklärt, d. h. die Unterstützungen sind nicht von den durch die Gemeinde- Versammlung gewählten Spezialkommissionen, sondern durch die Armenpflege uiid zwar nur an Nicht- KantonSbürgcr auszurichten, weil Kantonsbürger nach dem Armengesetz von der Heimatgemeinde (nicht, von der Wobnortgemeinde) unterstützt werden müssen. Man darf der solothurnii'chen Regierung daS Zeugin» ausstellen, daß sie allen juristischen Scharfsinn walten ließ, um den notleidenden Aus- gesperrten die Hilfe der Gemeinde so hoch al» möglich zu hängen. Die freien Gastwirte gegen neue polizeifesteln. Der Reichstag wird sich demnächst mit einem auf Abänderung der Gewerbeordnung gerichteten Regierungsantrag zu beschäftigen haben, der dem Gewerbe der Gast- und Schankwirte, welches ohne- hin schon durch eine Fülle gesetzlicher und polizeilicher Maßnahmen eingeengt ist, neue Beschränkungen auferlegen will. Um Protest gegen diesen Gesetzentwurf einzulegen, hatte der Verband der freien Gast- und Schankwirte am Mittwoch und Donnerstag sechs Ver» sammlungen veranstaltet. Der Verbandsvorsitzeiide L i t f i n, der in einer dieser Versammlungen referierte, führte unter anderem auS: Die Vorschläge der Regierung decken sich im wesentlichen mit den Forderungen, welche der Rcichsverband der Gasttvirtc, eine Or- ganisation der großen Hotel- und Restaurationsinhaber, an den Reichstag gerichtet hat. Es ist notwendig, die Regierungsvorlage auch vom Standpunkt der kleinen, schwer um ihre Existenz ringen- den Gast- und Schankwirte zu beleuchten. Eine der einschneidensten Aenderungen, welche die Regierung in Uebereinstimmung mit dem ReichSverband der Gastwirte verlangt, ist die, daß bei Gesuchen um Erteilung der Schankkonzession das Bedürfnis nachgewiesen werden 'oll. Die Befürworter dieser Bestimmung gehen von der zünftle- rischen Ansicht aus, daß, wenn die Zahl der Gast- und Schankstätten beschränkt wird, die vorhandenen Betriebe rentabler sein werden. Dem ist entgegenzuhalten, daß die Zahl sowie die Existenzsähigkeit der Gastwirtschaften nicht durch polizeiliche Bevormundung, sondern durch die allgemeinen wirtschaftlichen Berhältniffe bedingt wird. ES ist nicht zu befürchten, daß sich die Zahl der Gastwirtschaften, wenn die Bedürfnisfrage nicht geprüft wird, über daS Bedürfnis hinaus vermehrt. In Stettin, wo man die Bedürfnisfrage nicht prüft, ist die Zahl der Gastwirtschaften trotz erheblicher Vermehrung der Be- völkerung zurückgegangen, Iva» durch den Rückgang der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt ist. Aus diesem Grunde hat sch auch in Berlin die Zahl der Schankstätten vermindert.— Ter Entwurf verlangt auch, daß die Schankerlaubnis zu versagen ist, wenn der Nachsuchende die zur Ausübung des Gewerbes erforder- liche Zuverlässigkeit nicht besitzt. Ob jemand zuverlässig ist oder nicht, das bestimmt natürlich die Polizei, und sie läßt sich dabei oft von politischen Erwägungen leiten. Zahlreiche Beispiele liegen vor, welche beweisen, daß die Polizei schon die jetzt geltenden Bestim- mungen der Gewerbeordnung gegen politisch unliebsame Elemente anwendet. Nicht nur Sczialdenwkraten ist aus politischen Gründen die Schankerlaubnis versagt oder die Ausübung des Gewerbes er- 'chivert worden, sondern dasselbe Schicksal haben im Osten die Solen, im Norden die Dänen, im Süden die Elsässcr. Diese un- gerechte Behandlung politisch unliebsamer Gmtwirte wird noch viel 'chlimmcr werden, wenn der Entwurf der Regierung Gesetz werden sollte. Deshalb haben nicht nur die Gastwirte, sondern auch die Bevölkerung, besonders die Arbeiter, ein lebbafteS Interesse an der Bekämpfung des Gesetzentwurfs. Alles, waS hinsichtlich einer Rege» lung des GastwirtSgewerbeS im öffentlichen Interesse notwendig ist, kann durch die gegenwärtig geltenden Bestimmungen erreicht wer- den, ja die Polizei ist sogar in der Lage und macht den ausgiebigsten Gebrauch davon, daS Gewerbe der kleinen Gast- und Schankwirte in einer Weife einzuengen, die gar nicht den Absichten des Gesetz- gebers entspricht. Eine Erweiterung der gesetzlichen Bestimmungen mutz deshalb mit aller Entschiedenheit abgewehrt werden.— Der Reichsverband der Gasnvirte kann nicht al» eine Jntercssenver- tretung der kleinen Wirte angesehen werden. Deshalb hat der Verband der freien Gast- und Schankwirte mit einigen anderen Gastwirtsorganisationen gemeinsam eine Denkschrift an den Reichs- tag ausgearbeitet, welche die Wünsche der großen Masse der Be- rufSangehörigen begründet. Wenn schon die Gewerbeordnung in bezug auf die Gast- uird Schankwirtschaften geändert werden soll, dann bedarf eS vor allem einer Bestimmung, welche die Festsetzung der Polizeistunde einheit- lich regelt. Aus diesem Gebiete herrscht heute die absolute Willkür der Polizei. Die Polizeistunde ist ein Mittel, welches wie kein anderes die Gastwirte in ein Abhängigkeilsverhältnis zur Polizei bringt. Es ist ein unerhörter Zustand, daß für den Laiidespolizei- bezirk Berlin die Polizeistunde im allgemeinen auf 11 Uhr fest- gesetzt ist und die Erlaubnis, später zu schließen, ganz vom Be- lieben der Polizei abhängt. Wenn ein Wirt als Sozialdemokrat bekannt ist oder sein Lokal von sozialdemokratischen Arbeitern be- sucht wird, kann er nicht auf Verlängerung der Polizeistunde reck- nen, selbst wenn ein Bedürfnis des Publikums vorliegt. Lokale zweifelhasten Charakters, in denen das„bessere" Publikum ver- kehrt, erfreuen sich dagegen solcher Vergünstigungen. In einer Reihe von Großstädten gibt es gar keine Polizeistunde, in anderen ist sie ohne Ausnahme auf 12, 1 oder 2 Uhr festgesetzt, ohne daß sich daraus irgendwelche Unzuträglichkeiten ergeben haben. Um der Willtür der Polizei Schranken zu setzen, muß verlangt werden, daß nicht die Polizei, sondern diejenigen Instanzen, welche über die Kon- Zessionen zu befinden haben, auch die sogenannte Polizeistunde seit- setzen und gegen diese Festsetzung der Rechtsweg zulässig ist. Bus öer Partei. Aus den Organisationen. Aus dem Jabresberichte des Soziatdemokratiicken Vereins Bres lau ist zu entnebmen. daß die Organisaiio» in der Zeit vom 1. April 1913 bis zum 81. März 1914 gule Fortschritte gemacht hat. Der Verein zählt nun 8171 männliche und 2186 weibliche, insgesamt 19357 Mitglieder. Am Schlüsse des Vorjahres waren 9679 Mil- glieder vorhanden. Die Zahl der männlichen Milgliedcr ist um 189 und die Zahl der weiblichen um 589 gestiegen. Die Rote Woche hatte einen Gewinn von 964 männlichen und 382 weiblichen Mitgliedern gebracht. Der starke Aufschwung der weiblichen Mitgliederzahl ist einer rührigen HauZagitatiou unserer Genossinnen zu verdanken. DaS nun tili zweiten Geschäftsjahr bestehende Vertretersystem hat Freunde und Gegner gesunde». Iii der nun bevorstehenden Äeneralversainmluiig soll, einem Antrage entsprechend, darüber eut« schieden werden, ob es weiter bestehen oder aufgehoben werden soll. Sicher hat es sich bewährt, da es das Verantwortlichkeitsgefühl der Vertreter gehoben und einen guten Besuch der Versammlungen ge- zeitigt hat. DaS abgelaufene Geschäftsjahr batte ein reges VersammlungS« leben gezeitigt. Auch wurde vom Verein außerhalb der bildenden Veranstaltungen des BildungSauSschusseS ein vier Abende umfassender Vortragskursus über„Napoleon I. und seine Zeil" veranstaltet. Am Grabe Ferdinand Lassalles wurden anläßlich des 59 jährigen Partei- jubiläurns am 23. Mai 1913 und an seinem TodeStage(31. August) Kranzspenden niedergelegt. Am 1. Avril 1913 ruhte Max Äayier und am 2. Oktober 1913 JuliuS Kräcker 25 Jahre in Breslaus Erde. Der Verein widmete den beiden Verstorbenen Blumenipenden mit entsprechenden Widmungen. Eine würdig verlaufene Trauer- feier wurde für unseren verstorbenen Genossen Bebel veranstaltet. Sehr gut entwickelt sich in Breslau die Frauenbewegung, deren Leitung in den Händen der Genossin Lawatsch liegt. Die Genosflirncn halten allmonatlich ihre Frauenabende in den ver» scknedenen Stadtteilen ab, in denen belehrende Vorträge gehalten werden. Nack Gründung einer Zentralbibliolhek Hot der Verein dieser seine Bückierickätze übergeben. Bei der Landtagswahl in Breslau gab die Sozialdemoiratie den Ausschlag. Unsere Wahl» Männer stimmten bei der Stichwahl für die freisinnigen Abgeordneten Dr. Ehler« und Konietzny. während die Freisinnigen dafür in Niederdarnim unseren Genossen Braun, Harnisch und Hofer zum Siege verhalfe». Bekannt ist die Breslauer Bewegung wegen ihrer polizeilichen und gericktlicken Verfolgungen. Diese haben auch in der BerichlS» zeit nicht nachgelassen. So erkannten Breslauer Rickter im verflossenen Jahr gegen Parteigenossen und Gewerkschaftler wegen deren Tätigkeit in der moderncii Arbeiterbewegung auf insgesamt: 37 Monate, 40 Wo ck en, 29 Tage Gefängnis; eine Wocke Haft und 2699 Mark Geldstrafe. Dem Verein ist in der Berichtszeit ein Vermächtnis von 4999 M. zugefallen. Ein verstorbener Genosse hat UNS diesen Betrag testamentarisch vermocht. Die Jahresabrechnung bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 55 753,34 M. Im WahlsondS ist ein Kassenbestand von 2955,18 M. Der Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins für BreSlau-Land-Neu markt tveist einen Mitgliederbestand von 3631, darunter 616 weibliche auf. Dieie Zahl konnte be- hauptet werden, trotz der gerade in der Umgegend von Breslau sich außerordentlich schwer fühlbar machenden Krise. Am Bußtag fanden im Landkreise Breslau 29 Versammlungen statt, die eine Art Heer« schau der Arbeitslosen bildeten. Von insgesamt 2999 Be- suchern waren 499 Männer nicht weniger als 19499 Tage, also im Durchschnitt jeder einzelne 48 Tage arbeitslos. Das Ergebnis dieser Heerschau wäre aber noch viel trauriger gewesen. wenn nicht em großer Teil der Arbeitslosen aus Dlangel an Mitteln den Versammlungen fernbleiben mußte.— DaS Versammlungsleben dagegen war trotz der schleichenden Krise ein reckt reges. Es fanden 361 Mitgliederversammlungen statt, darunter 87 besondere Frauenabendt. Oeffent« liche Volksversammlungen wurden 65 abgehalten, darunter 3 für Frauen. Die Frauenbewegung macht entschieden Fortschritte, ihre Zahl vermehrt sich ständig und die Frauenabende waren durchweg gut besucht. Für die Leiterinnen der Frouenabende wurde ein be- 'anderer BildungSkursus abgehalten. Gute Erfolge wurden mit Lichtbildervorträgen erzielt, von denen 14 stattfanden. Die Zahl der„VolkSwacht'-Abonnenten beträgt gegenwärtig 4536. An AufklärungSschrifleit wurden verbreitet 52 999 Landboten, 19999 Volkskalender und 57 599 Flugblätter, darunter 3099 besonder» für die Frauen. Do» Strafkonto weist mehrfache Ver« urteilungen wegen Flugblattverbreitung und Boykoltposten» stehenS auf. Wegen Einreichung einer Beschwerde an den Landrat über Mißstände in einer Gemeinde erbielt ein Genosse 69 M. Geld- strafe, ein anderer zwei Monate Gefängnis. Tie Gemeinde» Vertreter Wahlen erbrachten elf neue Mandate; zwölf konnten ohne große Mühe behauptet werden. Für die Gemeinde- Vertreter werden besondere Kurse abgehallen, in denen belehrende Vorträge aus der Praxis gehalten werden. Die Generalversammlung wählte zu Vorsitzenden die Genossen Sckulz und Meier; zum ersten Kassierer den Parteisekretär S r o w i g: als Kandidaten für den internationalen Kongreß in Wien Genossen Schulz und für den deutschen Parteitag die Genossen S r o w i g und Höhne._ Zum Fall Rädel. Auf Wunsch der ausländiichen Seilionen und der Opposition, die sich gegen die Parteileitung der Sozialdemokratie Polens und Litauens gebildet hatte, ist vor längerer Zeit in Paris eine U n t e r s u ck u n g s k o m m i s s i o n zur Ueberprüsung der An- gelegenheit Rädel zusammengetreten. Diese, die au« Vertretern der höchsten Instanzen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Ruß- land». des Organisationskomitees. Genossen Pawlo witsch, und des Zentrallomilees, Genosieir Edischoff, sowie dem Genossen Leder als Vertreter de» Bureaus der ausländischen Sektionen der polnischen Sozialdemokratie bestand(später wurde ver Genosse LunatscharSky söhne Oiganiiationsbezeichnung) kooptiert und gegen Schluß trat nach der Genosse Frenkel vom ausländischen Komitee des jüdischen Bundes ein), hat uuir erklärt, daß keine Gründe vorlagen, den Genossen Rädel vor ein Parteigericht zu stellen, geschweige denn ihn aus der Partei auszuschließen. Der alle Parteivorstand der polnischen Sozialdemokratie bat von Anfang an gegen diese» Verfahren al» stalutenwidrig protestiert, jede Mit« Wirkung und auch die Ueberlasiung seines Materials abgelehnt. Die UntersuchungSkommiifion hat aber diesen Prolest wegen der Außergewöhnlichleit deS Falle« nicht beachtet. Gleichzeiiig gehen uns zwei Schreibe» zu; in dem einen erklärt Genosse Lenin in, Austrage des Zentralkomitees der Sozialistrichen Arbeiterpartei Rußland« den Beschluß der UnteriuchungSlommi'sion ür matzgebend, so daß Rädel als vollberechtigte« Mitglied der russischen Sozialdemokratie zu be- trachten sei. i» dem zweiten erklärt Genosse H a n e ck i im Namen des LandeSvorstandeS der Sozialdemokratie Polens und Litauens, (das ist die frühere Opposilio», die sich jetzt selbständig konstituiert hat) Rädel gleichfalls al« vollberechtigtes Mitglied anzusehen. Die fürsorgliche Polizei in Oeynhausen. Die Polizeiverwaltnng der«ladt Oeynhausen lehnte den dies» jährigen Maifestumzug unter der Begründung ab, sie wolle von den in dem Badeort Oeynhausen toeilendcn Nervenkranken jede Störung und somit weiteren Schaden an ihrer Gesundheit abhalten. Unter den gleichen Gründen wurde die Gei,ebi»igung zu einem geplanten Festzug der Gewerkschaften versogt. Da» gleiche Schicksal erfuhr der in Aussicht genommene Festzug des Arbeueriurnvereins.— In den rüheren Jahren hat die Genesung der Kranlen in Oeynhausen unter dem Gewerlichastsumzug nicht gelitten; ja die Kranken überstehen auch heule noch sehr gut die patriotischen Fackelzüge. Nur die Ärbeitersestzüge gehen ihnen an die Nerven. Ein Graddentmal deS ersten sozialistischen Bürgermeisters von tllvudaix, Henri C a r r e t t e, ist am Sonnlag embülll worden. Die Oiganisalionen des ganzen Rorddepariemenl» nahmen an der Feier teil. 39 999 Personen marschierte» im Zuge, während andere Zehntausende Svalier btldeten. Vor dem Denknial sprachen urner anderen die Genossen L e b a S, der jetzige Bürgermeister der Stadt, D e l o r y und I u l e S G u e S d e. Die Feier ließ einen tiefen Eindruck zurück. Eine Manifestation für die sozialistischen Gcnosscnschaften Belgiens. Man schreibt uns au« Brüssel: Alle Korps der Brüsseler Arbeiterorganisationen waren am Ostersonntag zu einem Festzuge geeinigt, den die Brüsseler Föderation zu Ehren de» neuen nossenschaflShauses— Bildungsheün und Vorlei-Vollsversicherung— veranstaltet hatte. Die unzähligen Inschriften auf Tafeln und Banderolen kündelen die Erfolge deS sozialistischen GenossenschaflS- Wesens:.Das VolkshauS besitzt 3 Brotfabriken, 40 Filialen, S Fleischereien, 5 CafäS. 3 Konfektionsbäuser, 1 Kohlenlager. Es versiebt 80 000 Menschen mit Lebensmitteln." „Das Volksbaus bäckt 11 060 100 Brote pro Jahr; 3ä14S Brote pro Tag."..Das Volksbaus hat im Jahre 1012 an Kronkcnunterslützung 120 774 Frank ausgezahlt, für Versicherung 77 724 Frank und 76 603 Brote gratis an Mitglieder verteilt (21 264 Frank)." Ueber dir sozialistische Volksversicherung war zu lesen: ,137 339 Lebensversicherungen sür 24 Millionen 761 000 Frank und 18 941 Feuerversicherungen.".Die Voltsversicherung legt die Äroeiterkapitalien in Parteiunternehmungen an." Und zwischendurch die stete Inschrift, datz alle diese Unternehmungen daS Werk der Solidarität der Arbeiterklasse find. Mit klingender Musik zogen die Mafien vor die sahnen- geschmückten sozialistischen Gebäude, auch zur neuen Parteidruckerei und schliehlich zum„Grand Sablon", dem grohcn Platz beim Volts- hauS, wo die Sänger und Musitkorp» der Brüsseler und Genter Organisationen eine„DaS Werk" betitelte Kantate zur Aufführung brachten. Maifestzritung 1914. Die diesjährige Maifestzeitung ist in ihrer bildlichen Ausstattung vortrefflich ausgefallen; sowohl da» Titelbild als auch da» grosie Bollbild zeigen Bewegung und charakteristische Arbeitertypen. Der textliche Inhalt ist deS BildschmuckeS durchaus würdig. Die Artikel von Ludwig Frank, Karl Legren und Hermann Wendel er- schöpfen alles, was bei dieser Gelegenheit über daS 26. Maisest deS Proletariats zu sagen ist. Auch die Landarbeiter kommen diesmal zu ihrem Rechte in einem Artikel des Genofien F a a ff über die Landarbeiter und den SozialiSmu». Den Beschlutz bildet eine Be> tracktung der Genossin Gradnauer über Maien— Mütter— Kinder. Die Ausgabe der Maifestzeituna für Grotz-Berlin erfolgt erst am 24. April. Kongreß öer belgischen /lrbeiterpartei. Die dritte und letzte Sitzung wurde durch den Vorsitzenden Genoffen D e b u n n e am Dienstag um 9 Uhr vormittags er- öffnet. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung die Frauen- frage. Genossin T i l l m a n n 5: Man hat gestern an die Kom- Mission zur Slatutenberatung auch die Frage der Organisation der Frauen verwiesen. Seit vier Jahren wird nun schon diese Frage vertagt. Ich schlage vor, daß der Bericht über die Frauen- organisation angenommen und an den Generalrat zur Beachtung überwiesen werde. Genosse V a n d e r s m i s s e n bittet, den Bericht an die Sta» tutenkommission zu verweisen. Der Bericht schlägt ein« Form der Organisation vor, welche noch modifiziert werden kann. Die Genossin Tillmanns meint, datz der Generalrat sich mit den Föderationen über das verständigen kann, worum es sich hau- delt. Dem tritt auch die Genossin D e j a r d i n bei.— Demgegen- über glaubt Genosse Vanders missen, daß man sozialistische Propaganda umer den Frauen betreiben könne, ohne heut« die Frage der Organisation zu entscheiden.— Genosse E v e rl i n g: iic sozialistische Jugend sieht auch die OrganisationSsorm?u neuer Beratung an die Kommission verwiesen.— Genossin Tillmanns besteht auf ihrer Forderung. Wenn daS Stimmrecht für die Frauen in Provinz und Gemeinde angenommen ist, werden wir uns in einer schlechten Lage befinden, weil wir nicht genügend Frauen organisiert haben.— Genosse B r o u k t r e unterstützt die Forderung der Frauen, ohne ihren Optimismus bezüglich de« Wahlrechts in Provinz und Gemeinde zu teilen. Ter Bericht über die Frauenorganisation wird hierauf an den Geigsralrat der Partei verwiesen, der unmittelbar in die Propa- (tenda für die Organisation der Frauen eintreten soll. Tie Arbeitcrliga von Molenbeck hat einen Antrag eingebracht, der die Anhäufung von Mandaten auf eine Person untersag:. Genosse Rampclbcrg vertritt diesen Antrag.— Genosse B o ul a nger(Beyne-Heusah): Tie Selbständigkeit der Gruppen muß geioabrt werden. Es muß den Gruppen gestattet sein, ein Mandat einem Genossen anzuvertrauen, der schon eine besoldete Funktion ausübt. Ter Redner schlägt vor. daß Genossen, welche ein Mandat angenommen haben, auf eigene Rechnung oder auf Rech- vung ihrer Angehörigen nicht mit Gesellschaften in Verbindung treten, die ihrer Natur nach mit Parteiarbeiten betraut werden. Genosse T i l l m a n n S verlangt ein Gehaltsmaximum von 6000 Fr. für Parteifunktionäre. Tagegen wendet sich scharf Gc- nosse Hins: Lassen wir die Gchaltsfragen auS dem Spiel. Fragen wir einfach: Sind die Genossen, die zwei Mandate ausüben, dazu fähig? Wenn ja. dann sollen sie zwei Acmtcr ausüben. Genosse I a q u e m o t t c spricht, häufig durch.Zwischenrufe unterbrochen, von den Gehältern der Angeüelltcn. Er hält ein Einkommen von 12 000 bis 15 000 Fr. für Parteigenossen zu viel. Dagegen seien Gcbältcr von 4000 Fr. für einen Abgeordneten»n- genügend. Ter Antrag Molenbeck sollte angenommen werden, aber nur zur Berücksichtigung durch die Gruppen. Genosse de Lrouköre: Wenn ein Unternehmer einem Ar- bciter untersagen wollte, ein öffentliches Amt oder dergleichen an- zunehmen, würden wir protestieren. Aber ein Angestellter eines „Maison du Pcuple" soll nicht das Amt eines Schossen annehmen? Der Antrag ist in Wahrheit undemokratisch. Nach weiterer Debatte wird die Resolution des Genossen Boulanger einstimmig an- genommen. �, Gcnosse Vandersmisien berichtet dann über den gu». stigen Erfolg der Unterschriftensammlung für die Wahlrechts- Petition.— Genosse Wauters referiert sodann über die Lebens- mittelteucrung, die in Belgien sich besonders fühlbar mache. Ju diesem Bericht haben die Guttempler eine Rciolutwn eingebracht. welche der Lebensmittelteuerung durch Bekämpfung des Alkoholts- mus entgegentreten will. Diese Resolution wurde nach kurzer Debatte dem Generalrat überwiesen.„ m,. Ueber den Imperialismus referierte Genosse B r o u k c r e. Er erinnert an den Antrag von Keir Hardie zum Internationalen Konareß, der verlangt, daß die Transportarbeiter im galle euier Mobilisation in den Streit treten. Wir verurteilen den Jmpcria- lismut. Vielleicht liegen im Generalstreik einige Mittel der Aktion gegen den Imperialismus. Zur Erziehung oes Proletariats ist es erford'rlich. daß vir eine mit Nackrichten gut versehene Presse haben. Man weiß jetzt, daß die bürgerlichen NachrichtenburcauS über Marokko. China und bei anderen Gelegenheiten die Unwahr- heit verbrettet haben. Man muß an eine s o z i a l i st i s ch e T-legraphenag-ntur denken. Man konnte den „Pcuvlc" den„Vorwärts. cne„Wiener Arbeiter- zeitung" und die„H u m a n i t e" in tclephonischc Verbindung miteinander setzen. Dadurch stäuben vier große Länder in schnell- stem Nachrickicnauslausch. DaS könnte der Ansang sein. Genosse Aroukere bringt eine entsprechende Rc,olution ein, dw oaS imw- listische Bureau beauftragt, von allen ,oziall, tischen Blattern Bc- richte einzufordern über d.c Mittel. Informationen für die prole- tarische Presse, unabhängig von bürgerlichen Agenturen, zu er- halten. Eine weitere Resolution fordert, daß daS Internationale Bureau ber internationalen Konflikten sofort Konferenzen nach dem Muster der Baseler einberuft. Beide Resolutionen werden einstimmig angenommen. Ueber den AlkoholiSmuö ref-ricrt in Vertretung Vaiiderveld-S Genosse Dr. L e v y. Genosse Debunne schließt hierauf den Kongreß mit der Mah- nung: Sorget, daß die Wahlen zur Kammer im Mai daS Präludium seien für den Sieg deS allgemeinen Wahlrechte?! der Parteitag der?. L. p. Bradfird, 14. April.(Eig. Ber.) In der Morgensitzung am Dienstag setzte der Parteitag die Be- ratung de« Voritandsberichtö fort. Tie erste wichtige Frage, die zur Verhandlung kam, war die geplante Sozialistische Einigung. Zur Debatte stand eine Resolution folgenden Inhalts: „Diese Konferenz heißt die auf der in London im Dezember 1913 mit dem Internationalen Bureau abgehaltenen Konferenz gemachten Vorschläge in bezug auf die sozialistische Einigung gut und glaubt, daß eine derartige Einigung den Fortschritt der bri- tischen sozialistischen Bewegung fördern wird." Im Zusammenhang damit wurde die Stelle im Vorstands- bericht beraten, wo die Bemühungen de« Internationalen Bureaus um die Herstellung der sozialistischen Einigung in Eng- land geschildert werden. Die Anstrengungen des Bureaus führten bekanntlich dazu, daß die Vertreter der drei sozialistischen Organi- sationen des Landes am 13. Dezember des letzten Jahres nach einer Besprechung mit dem Bureau in London eine aus zwei Absätzen bestehende Einigungsresolution annähmen. In dem ersten Absatz werden die Vertreter der drei Körperschaften ausgefordert, ihre Mitglieder zu befragen, ob auf der im Jahre 1916 stattfindenden Konferenz der Arbeiterpartei der Vorschlag gemacht werden soll, den Kandidaten der Partei zu gestatten, sich bei Wahlen nicht nur Arbeitcrparteiler, sondern Arbeitcrparteilcr und Sozialist zu nennen. Ueber diesen Punk: drehte sich hauptsächlich die folgende Debatte. Ter zweite Absatz der erivahnten Resolution handelt von der?lbhaltung gemeinschaftlicher Demonitvatimten. Diese De-' monstrationen sind in den letzten Monaten in einigen Stödten schon abgehalten worden. Anderson sParteivorsiand) ergänzt den gedruckt vorliegen- den VorstandSbericht und weist darauf hin, daß der Antrieb zur Einigung nicht von der I. L. P., sondern von den Genossen des Auslandes ausgegangen sei. Tie ausländischen Genossen sind unse- rer Meinung, daß eine Einigung nur erzielt werden kann, wenn sich alle Sektionen der Arbeiterpartei anschließen. Die I. L. P. hat schon seit einiger Zeit einen gemeinschaftlichen Rat mit der Fabischen Gesellschaft. Das Resultat der Einigung würde daher sein, daß die B. S. P. ihre Vertreter in diesen Rat schickt. Dem Vorschlag, den Namen der Kandidaten der Arbeiterpartei zu ändern, kann ich nicht zustimmen. Es würde nur zur Verwirrung und zur Auflösung deS Bündnisses mit den Gewerkschaften führen. Ter Vorsitzende Keir Hardie bittet die Delegierten, zu be- achten, daß die B. S. P. sich der Arbeiterpartei anschließen müsse, ehe etwas zur Herstellung der Einigung getan werden könne. Man müsse beachten, daß die B. S. P. ihren Beitritt zur Arbeiterpartei nicht von der Namensänderung der Arbeiterkandidaten abhängig mache. S m i l l i c- Schottland: Durch eine Namensänderung würden wir eine große Gefahr für den Bestand der Partei herauf- beschwören. Wenn eS�unS Sozialisten gestattet werden soll, uns Arbeiterparteiler und Sozialisten zu nennen, dann werden die Ge- werkschafter, von denen viele noch Liberale oder konservative sind, die Forderung stellen, sich Arbeiterparteiler und Liberale oder Ar» beiterparteilcr und Progressiiten oder Gewerkschafter nennen zu dürfen. Das würde die Arbeiterpartei in Sektionen auflösen und ihre EntWickelung verhindern. Wa k e. Lancashire wendet sich entschieden gegen das Zu- sammenarbeilen mit der B. S. P. Unsere ganze Geschickte be- weist, daß wir mit der B. D. P. nicht zusammenarbeiten können und unsere Mitglieder haben auch keine Lust dazu. Auf einer vor kurzem abgehaltenen Bezirkskonferenz der I. L. P. in Lancashire stimmten nur 2 von 79 Delegierten für eine Resolution, die der vorliegenden ähnlich war. Keir Hardie felbjt hat auf der Öfter- konferenz des Jahres 1909 die Gründe angegeben, weshalb wir uns der B. S. P. fernhalten müssen. Sind diese Gründe heute nicht noch ebenso stichhaltig wie damals? Die erste Folge des neuen Bund- nisses würde die sein, daß die Vertreter der B. G. P. in den Orts- gruppcn der Arbeiterpartei erschienen und dieselben alten unsruchi» baren dogmatischen Streitigkeiten wieder anfingen, die wir früher erlebt haben. Diese Streitigkeiten, die unS die praktische Arbeit erschweren, werden nach der Einigung nickt aufhören. Zwei Tage nach der Konferenz mit dem Internationalen Bureau hat Hyndman in London eine Rede gehalten, in der er die Arbeiterpartei heftig angriff. Wir würden auch all die störenden Elemente wieder in unserer Mitte sehen, die wir glücklicherweise abgeschüttelt haben. Die Annahme der Resolution würde ein Unglück für unsere Partei bedeuten. Fast all« folgenden Redner wandten sich gegen den letzten Redner und bedauerten die Form und den Inhalt seiner Rede. Lloyd- London bemerkt, daß man die B. S. P. nicht für die AuS- führungen HyndmanS verantwortlich machen könne. Die anderen Mitglieder der B. S. P., die in der von Wake erwähnten Ver- iammlung anwesend waren, haben die Rede Hyndman» lebhaft be- dauert. Lassen wir uns in dieser wichtigen Sache nicht von alten Vorurteilen leiten. Fenncr Brockway(Redakteur des„Labour Leader") erwähnt, daß er auf der Konferenz des Bezirks Lanca- fhtre anwesend gewesen sei und daß man die Abstimmung nicht so auslegen könne, wie es Gcnosse Wake getan habe. Natürlich wer- den sich die Vertreter der B. S. P. in den Versammlungen der lokalen Organisatione» der Arbeiterpartei einfinden. Aber da! können sie auch ohne sozialistische Einigung, indem sich die B. S. P. einfach der Arbeiterpartei anschließt, die ihr den Anschluß nicht ver- wehren kann. P a l i n- Bradford polemisiert gegen Wake. Wir müssen unS abgewöhnen, zu glauben, daß alle Narren in der B. S. P. zu suchen sind; auch wir haben unser pollgerüttelt Maß von dieser Sorte. Es gibt in der B. S. P. viele tüchtige Genossen, mit denen wir gut zusammenarbeiten können. Burgeß: ES ist eine Tatsache, daß wir mit den Genossen der B. S P. schon vielfach Hand in Hand arbeiten. In Bradford, L-edS und anderen Städten stehen sie unS bei den Gemeindewahßm loval bei. Manck? Ortsgruppen der B. S. P. sind schon der Ar- beiterpartei angeschlossen. Als Gewerkschafter kommen die Ge- nossen der B. S. P. aur die Kongresse der Arbeiterpartei. Alles die« beweist, daß wir mit �ihnen zusammenarbeiten können. Wenn wir die gemachten Vorschläge zurückweisen, so geben wir damit der Internationale einen Schlag ins Gesicht. Schließlich wird ein Antrag, den Absatz der Resolution im Vorstandsbericht, der von der Namensänderung der Kandidaten der Arbeiterpartei bandelt, an den Vorstand zurückzuverweisen, mit 226 gegen 113 Stimmen angenommen. Tie I. L. P. wird die Namensänderung auf dem nächsten Kongreß der Arbeiterpartei mithin nicht verlangen. Tie oben wörtlich zitierte Resolution wird daraus in dem durch die vorstehende Abstimmung veränderten Sinn fast einstimmig angenommen. Der neue Vorsitzende der I. L. P. Zum Vorsitzenden der Partei wurde für das kommende Jahr Genosse I o w e t t /Varlamenlsmitglied für Bradford) geivähl». Er erhieL im dritten Wahlgang 205 Stimmen gegen 107, die auf den Genossen Burgeß entfielen. Jowe't wie Burgeß gehören dem linken Fliigel der I. L. P an. Jowett ist der Urheber der be- kannten Bradkorder Taktik und der beharrlichste Verfechter einer streng unabhängigen Politik'm Parlament. Di« Vradfordcr Taktik. Regelmäßig erscheint auf der Tagesordnung der Jahres- konferenz der I. L. P. ein Antrag, der den Zweck verfolgt, die Ar- bciterfraktion im Parlament zu bbstimmen. sich bei ihren Hand- lungen nicht von Rücksichten auf die liberale Partei leiten zu lassen. Der Antrag erscheint stets in der Form eines Angriffs auf die große Macht, die daS Kabinett ausübt. Diesmal hat er folgen- den Wortlaut: „Die Kabinetlsherrfchaft. die die Abschaffung der Rechte der Parlamentsmitglieder auf angemessene Mitbestimmung der Politik seiner Partei und die Demission des Ministeriums sowie die Auflösung des Parlaments für den Fall, daß Vorschläge des Kabinetts niedergesiimmt werden, mit sich bringt, und die außer- dem die ungebundene Beratung von Vorschlägen, die nicht vom Kabinett geeicht sind, fast unmöglich macht, ist schädlich für die gute Regierung des Landes; um dieses System schließlich zu zer- trümmern. wird die Arbeiterpartei im Parlament aufgefordert. sich um derartige Erwägungen nicht zu kümmern, sondern bei allen Fragen lediglich gemäß den Grundsätzen, sür die die Partei eintritt, zu stimmen." Leech(Bradford) begründet die Resolution mit folgenden Argumenten. Unsere Kapinettsberrschaft ist nichts als die unkon- trollierte Herrschaft der Exekutive. Wie entsteht bei unS eine Rc- gierung? Nach den Wahlen wählt sich daS Haupt der Mehrheit!- Partei unter feinen Freunden eine Handvoll Leute, die an die Spitze der verschiedenen Ministerien gestellt werden. Diese Männer bilden das Kabinett und erklären sich miteinander solidarisch. Be- geht einer von ihnen eine Dummheit, so treten die anderen für ihn ein und drohen rebellierenden Parteimitgliedern mit der De- Mission und der unvermeidlichen Parlamentsauflösung. Um die Verrücktheil dieses Systems zu erkennen, denke man sich, eS herrsche m der Gemeindepolitik. Man denke sich z. B., der Bürgermeister von Bradford würde alle Vorstandsposten der Gemeindeausschüsse mit seinen Freunden besetzen, die die Beschlüsse der Ausschüsse im voraus bestimmten. Würde sich das eine Gemcmdevertreiung gefallen lassen? Und dock— von der Regierung des Landes nimmt man es ruhig hin. Tie Opposition sticket daS System ganz na- türlick. Ihre Ausgabe in dem Arrangement ist eS, alle», waS das Kabinett tut. berunterzumacheu. um selbst ans Ruder zu kommen. In diesem System ist für eine dritte Partei kein Platz. Die dritte Partei, die Arbeiterpartei, muß daher versuchen, diese« System zu zertrümmern. Nehmen wir es an. so sind wir außerstande, unsere eigene Politik zu verfolgen; wir snck an eine Partei gekettet. Durch die Rücksichtnahme auf die liberale.Regierung werden wir in den Augen des Publikums mit dieser identifiziert. Daher die Un- ruhe und Unzufriedenheit, die sich der Mitglieder der I. L. P. de- mächtigt hat. Man hält uns entgegen, daß die Bradford« Taktik alle paar Monate zu einem Sturz des Ministerium» und zu Reu- wählen führen würde. Glauben Sic das nicht; die Regierung wird sich mit der neuen Loge abfinden müssen und diese neue Orten» tiemna wird nicht zu unserem Shachml ausfallen. Anderson(Partmvorstand) führt ans: Ich stehe der Re- solution stimpatbisch gegenüber, ober ick kann nicht sehen, wohin sie uns führt. Wodurch soll lvs Kabinetrssystem erseht werden? Die Mängel, die das KabinettSivitem in Großbritannien aufweist, sind ihm nicht eigentümlich: sie können beseitigt werden. In Australien wird daS Kabinett z. B. nach demokratischen Grundsätzen ernannt. Es scheint mir auch, daß wir die KabinoitSberrschaft dadurch zer- stören können, indem wir He ignorieren. Man macht zu viel Wesens von diesen Reformen des RegierungSmechamsmuS. Was der Partei nottut, ist mehr KVjmpfgeist innerhalb und außerhalb des Parlamentes. Arne wendet sich gegen die Äesoluickn. Das KabmettSsyitem ist daS RegierungSsnstem, da» in al�'n Gemeinden— auch in Bradford— besteht oder in der Entwickelteng begriffen ist. Sein Wesen ist die Herrschaft der Mehrheit, dis ihren Vertretern die Aus- fiihrung des Willens der Mehrheit üch-rirägt. Es ist eine Sinnes- täuschung, wenn man annimmt, daß o« Personen sind, die uns regieren. Herr ASquith und nicht ein �beliebiger Linksliberaler ist das Haupt der Regierung, wpil er mehr wie ein anderer die Be- strebungen der liberalen Partei verlritt. Wenn man die Bande zerschneidet, die das Kabinett an die Mehrheit fesselt, so wird man nicht dadurch die Macht der Parlamentsmitglieder vergrößern, sondern nur die Macht der Krone. Nachdem in der NachmittagSsitzung noch mehrere Redner für und gegen die Resolution zu Worte gekommen waren, erteilte der Vorsitzende dem Genossen Jowett das Schlußwort. Er führte folgendes aus: Tie Arbeiterpartei ist nicht in derselben Lage wie die" irische Partei. Sie kann sich nicht wie jene verpflichten, der Regierung durch Tick und Dünn zu folgen, wenn die Regierung nur ein Gesetz, da» der Partei am Herzen liegt, durchführt. Ihre Taktik kann nur die der politischen Ehrlichkeit sein; sie muh bei allen Fragen ihr Gewissen und ihre Grundsätze befrage». DaS ist die Taktik, die in der vorliegenden Resolution gefordert wird und die eine andere Taktik aus dem Felde schlagen muß. Die neue Taktik schafft kein neues Regicrungssystem. aber sie durchlöchert da» alte und zwingt die Regierung, zu der neuen Lage Stellung zu nehmen. Ich bin gegen die Kabmettsherrschast, selbst wenn jeder Minister, der eigenmächtig sein Nessort verwaltet, ein Sozialist wäre; denn das System führt zur Bureaulratie._ Man hält mir entgegen, daß ich mich meinen Wächlern gegenüber verpflichtet habe, für Homcrule zu stimmen. Gewiß werde ich bei alle» Ge- legenheiten für diese Forderung eintrete«, aber mein Versprechen besagt nicht, daß eS für Srpressung4zwecke benutzt werden darf. Ich meinerseits iverde mich weigern, wie ein Sklave zu folgen. Ich will frei sein. Die Bradford« Resolution, die ans allen früheren Parteitagen der I. L. P. abgelehnt wurde, wird diesmal mit 233 gegen nur 78 Stimmen angenommen. DaS Resultat der Abstimmung kenn. zeichnet noch mehr als die gestrige geheime Sitzung üb« Partei» taktik den großen Ruck nach links, der sich in der I. L. P. voll» zogen hat. Grütze von der B. S. P. Dan Irving, der die Grüße der B. S. P. überbrachte, wurde ein herzlicher Empfang bereitet. Er gab in seiner Rede der Hoff» nung Ausdruck, daß es bald möglich sein werde, eine Konferenz der geeinigten sozialistischen und Arbeiterbewegung ganz Groß- britannienS emzuvcrufen. Vielleicht sei eS zu optimistisch, zu glauben, daß die vielen Jahre der Feindseligkeit und d« Isolierung und der natürlichen Mißverständnisse, die sich aus der Isolierung ergäben, so schnell aus dem Gedächtnis gewischt werden könnten. wie die meisten wünschten. Aber nichtsdestoweniger wünschten alle, die Einigungsbcstrebungcn zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Die Zeit war nun weit vorgeschritten urck an eine eingcheicke Beratung der noch vorliegenden Punkte der Tagesordnung war nicht zu denken. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die den Militarismus, die Verwendung des Heeres für politische Zwecke und die Klassenjustiz verurteilt, wie sie in der ungleichen Behandlung anttmilitaristischer Gewerkschafter und hochgestellter Politik« und Offiziere zum Ausdruck gekommen ist. Von den anderen Resolutionen, die Annahme fanden, seien erwähnt: eine Resolution über Wahlrechtsreform und Frauenstimmrecht; eine Resolution über die Sozialversicherung, in der das gänzlich« Fehl- schlagen deS Musterschutzes festgestellt wird und die Rcgi«ung zu bestimmten Reformen aufgefordert wird; eine Resolution über Lohnämter für Landarbeiter und ein Antrag, der die Parlamen- tarier auffordert, gegen jede Erhöhung der Rüstungslasten zu stimmen. Allgemein gaben die Delegierten der Ansicht Ausdruck, daß der Parteitag der Großjährigkeit einer der besten mck fruchtbarsten gewesen ist, die die I. 2. P. abgehalten hat. Evangelisch- Sozialer Kongreß. Nürnberg, 16. April.(Telegr. B«icht.) Der Evangelisch-Soziale Kongreß trat am Heu- tigen Tonnerstag hier im großen Rathausjaal zu seinen diesjährigen Verhandlungen zusammen. Er begeht in diesem Jahre daS Jubiläum seiner 26. Tagung. Die Tagesordnung enthält drei wichtige und aktuelle Punkte: den Einfluß der sozialen Verhältnisse aus die Entwickelung �der Frömmigkeit und Kirchlichkeit mit dem Präsidenten des Kongresses, Prof. v, Baumgarten als Referenten, die Eingeborenensrage in unseren Kolonien, über die Dr. Lic. Paul Rohrbach-Berlm refe- riert, und das Thema: Zwang und Freiheit im Organisation», leben. i Wie üblich, hielt der Präsident, Prof. D. Baumgarten eine programmatische Eröffnungsansprache gegenüber der Stadt und der aderbautreibenden Bevölkerung zugunsten der industriellen das sind Entwidelungen, die wir nicht aufhalten können, wenn wir sie noch so sehr beflagen. Wir fönnen uns im Intereffe des Evangeliums, der Frömmigkeit und Kirchlichkeit dieser Entwickelung nicht entgegenstellen. Das ist schon deshalb nicht möglich, weil derartige gewaltige Kulturbewegungen nicht von einem religiösen oder sittlichen Willen beeinflußt werden können. Insofern hat der Margismus auch bei uns gewirkt. Reinickendorf- Weft. Um der schulentlassenen Jugend Gelegenheit zw geben, die Ziele der freien Jugendbewegung fennen zu lernen, findet am heutigen Freitag, den 17. April, abends 8%, Uhr, eine öffentliche unpolis statt. Die Arbeitereltern werden ersucht, ihre Söhne und Töchter auf diese tische Jugendversammlung in Behers Restaurant, Scharnweberstr. 101-104, Bersammlung aufmerksam zu machen. Gegner der freien Jugendbewegung erhalten in der Diskussion unbeschränkte Redefreiheit. Aus Industrie und Handel. über die Aufgaben und Ziele des Kongresses. Prof. Baumgarten führte aus: Was während des letzten Jahres und immer wieder dem Kongres zum Vorwurf gemacht wurde und zwar von sehr beachtenswerter Seite, das ist die Behauptung, daß er allmählich alt und stumpf wird. Man hat gesagt, daß der Kongreß sich in diese Welt der Widersprüche und Widerstände gar zu sehr eingelebt habe; er mache Konpromisse nicht nur mit dem im Staat beranferten Gesellschaftswesen der Gegenivart, sondern insbeson- Wir sind überzeugt, daß in jeder Entwickelung ein Naturgeses tätig dere auch mit dem Kapitalismus, dem Lurus und dem hohen, ist, dem entgegenzustellen nichts anderes bedeuten würde, als selbst Steigerung des Stahlverbrauchs. Nach den definitiven Ausfeinen Lebensstil. Ist dieser tiefgreifende und ernstgemeinte Vor- unter den Schlitten zu kommen. Dasselbe gilt von der Frauenwurf berechtigt? Gewiß ist es richtig, daß der Kongreß je länger, bewegung. Wir können ja ruhig sagen, was uns an dieser Bewe- weisen des Stahlwerksverbandes war der Märzversand noch höher die erste Schäzung angab. Der Versand stieg von besto weniger sich gedrungen gefühlt hat, mit großen Protesten und gung nicht gefällt, aber daß da ein naturnotwendiger Prozeß als aggressiven Resolutionen vor die Oeffentlichkeit zu treten. Wir vor sich geht, im Interesse der allgemeinen Kulturbewgung fich 482 925 Tonnen im Februar auf 560 525 Tonnen im März. An baben uns weder veranlaßt gefunden, für die zertretenen deutschen vollzieht ein Aufwärtsstreben großer Gruppen das kann auch der Steigerung war am stärksten das zumeist für Bauten ber Wolfsgenossen in den baltischen Provinzen Rußlands, noch für die der Blindeste nicht leugnen. Wir dürfen uns solchen Bewegungen wendete Formeisen beteiligt. Hier übertrifft die Versandziffer fogar unendliche Not in den russischen Gefängnissen öffentlich zu zeugen, nicht aus fleinlicher Angst vor ihren Konsequenzen entgegenstellen. die des Vorjahres. Danach scheint eine Belebung des Bau noch auch in der Frage der päpstlichen Enzyklika zur Gewerkschafts- Wir fönnen uns auch nicht der Landflucht in den Weg stellen, wenn frage Stellung zu nehmen. Wir haben uns auch nicht verpflichtet wir auch ruhig die großen Werte anerkennen können, die für die marktes einzutreten. Für Halbzeug wird gegen das Vorjahr erachtet, unsere evangelischen Arbeitervereine, soweit sie christlichen Kirche auf dem Lande in Frage stehen. Auch da vollzieht sich ein feine nennenswerte Wenderung, für Eisenbahnmaterial eine Abnahme Gemerfschaften angeschlossen sind, durch eine Stellungnahme zu unausweichliches Geſetz. Wir sind allerdings als evangelischer verzeichnet. dieser inneren Frage des Katholizismus zu schädigen. Wir haben Kongreß der Ueberzeugung, daß wir dieser gewaltigen Entwidelung Petroleumgewinnung in Nordamerika. Die Petroleumgewinnung auch nicht protestiert gegen den Massenaustritt aus der Landes- nicht mit verschränkten Armen zuzusehen haben. Gegenüber der Vereinigten Staaten von Amerika hat im Jahre 1913 die schon firche und wir haben auch öffentlich nicht Stellung genommen zur gewissen bemerkenswert große Durchschnittshöhe aller Jahre des laufenden Frage eines größeren Schuzes der Arbeitswilligen und zur Frage Auswüchsen des Kapitalismus, der Arbeitslosenversicherung. Wir haben das alles nicht getan, weil gegenüber gewissen Roheiten des wirtschaftlichen Kampfes und Jahrhunderts bei weitem und auch die bisher höchste Jahresausbeute toir uns von solchen öffentlichen Kundgebungen eine erhebliche gegenüber gewissen Brutalitäten der Gegenwart muß der Staat, von 1912 noch um fast 20 Millionen Faß übertroffen. Wirkung auf diejenigen Kreise, die es angeht, nicht versprechen beherrscht und getrieben von einem christlichen Gewissen, etwas tun. Zunahme gegenüber 1912 war gegen Ende des Jahres stärker als Fönnen. Die Dinge haben sich so entwickelt, daß rein firchliche Die großen Verschiebungen selbst werden wir nicht aufhalten, weder in seinem Anfang. In Kalifornien stieg die Gewinnung um rund Gesellschaften nicht erwarten dürfen, an den maßgebenden Stellen mit der Dorffirche, noch mit der Wohlfahrtspflege. Aber es steht 10 Minionen Faß, auch Oklahoma, Teras und Louisiana ver den Einfluß auszuüben, den solche öffentlichen Kundgebungen be- dem nichts entgegen, daß wir es z. B. unmöglich machen, daß auch größerten ihre Ausbeute, während der Ertrag des Golf- Feldes zurückanspruchen wollen. Ueberall machen wir die Erfahrung, daß auch noch in Zukunft in einem einzigen Kärrnerhaus neun Kinder in ging. Die Ausbeute stieg insgesamt von 222 auf 242 Millionen in den scheinbar einfachsten Dingen, die für das Pathos des einer Stube siten und der Geburt des zehnten Kindes zuschauen. Christen so schlicht und flar liegen, Fußangeln der sozialen, wirt( Sört! hört!) Der Wohnungsnot muß auf dem Lande und in der schaftlichen und politischen Technik verborgen sind, die man gar Stadt gesteuert werden. Wer auf dem Lande bleiben will, dem nicht ahnen konnte.( Sehr richtig!) Wenn wir es sogar unter- muß es innerlich erleichtert und ermöglicht werden; es muß innere Tassen haben, uns um den absoluten Schuß der Sonntagsruhe zu Kolonisation getrieben werden. Wir müssen ferner auf bemühen, so ist das auch daraus zu erklären, daß bis dahin in unseren Kreisen alles über die unzweifelhafte soziale und sittliche Notwendigkeit einer absolut gleichmäßigen Sonntagsruhe einig war, daß aber andererseits über die Frage des Tempos, in welchen dieses lezte Ziel angestrebt werden soll, allerlei Meinungsdiffe: rengen unter uns bestehen.( Sehr wahr!) Es gibt unter uns folche, die die Rücksicht auf den Mittelstand nicht ohne weiteres weniger firchlich und weniger religiös finden, als die Rücksicht auf Angestellte und Arbeiter. Was sodann den Maffenaustritt aus der Landeskirche angeht, so find wir der Ueberzeugung, daß das Interesse für diese Frage anderen Vereinen und Gesellschaften näher liegt, als gerade uns und daß die Frage nach den Ursachen des Massenaustritts und nach der Schuld daran sich gar nicht so einfach lösen läßt. Auch sind für uns die Folgen dieses Massenaustritts in evangelisch sozialer Beziehung nicht ohne weiteres durchsichtig.( Zustimmung.) In der Frage des Schutzes der Arbeitswilligen find viele Briefe an mich gerichtet worden, und man hat es für wünschenswert erklärt, in dieser Frage programmatisch Stellung zu nehmen. Da muß gefagt werden, daß wir als Proteftanten Sarüber einig sind, daß der Schuß der Freiheit des einzelnen in der Verwertung seiner persönlichen Arbeitskraft ein unendlich wichtiges Interesse ist; wir haben aber die feite Heberzeugung gewonnen, daß eine Neuordnung bzw. Beschränkung der unbe dingten Freiheit im Streifbetriebe sofort zu Wirkungen führen würde, die wir nicht wünschen dürfen. Unsere feste Ueberzeugung ist jedenfalls die, hinwirken. ein neues Arbeitsrecht die Arbeit da zu finden, wo er seine Kraft am besten einsehen Es muß jedem, der Arbeit sucht, ermöglicht werden, kann. Dazu muß ihm die Möglichkeit des Zusammenschlusses und einer freien Betätigung der Organisation gegeben werden. Nur wenn dieses Arbeitsrecht als ein heiliges, religiös geweihtes Recht Religion und Arbeitsleben wiederhergestellt wird. tommen wird, fönnen wir hoffen, daß die Verbindung zwischen Hieran schloß sich eine längere Debatte. Pastor Gmelin- Württemberg: Es bestehen ganz deutlich erkennbare Beziehungen zwischen der sozialpolitischen Tätigkeit der Gegenwart und der Religiofität und Kirchlichkeit auf der anderen Seite. Das Wort des Vaterunser strichen werden, was der Vorredner über die Zaberner Verhältnisse gejagt hat.( Sehr richtig!) Als Ehrenpräsident erkläre ich, daß nach meiner Meinung es nicht ganz gehörig war, diese Verhältnisse hierher zu bringen. Barrels. Die Kapitalserhöhung bei Hoesch. In einer außerordentlicher Generalversammlung des Eisen- und Stahlwerks Hoei in Dortmund wurden die Anträge der Verwaltung, wonach das Attienkapital der Gesellschaft um 8 Millionen Mark durch Ausgabe Die neuen Aktien werden einem Konsortium unter Führung des A. Schaaffhausenschen von 8000 neuen Aftien erhöht wird, genehmigt. Bankvereins in Berlin übertragen. Dagegen wird der Geſellſchaft von dem Konsortium das Bergwert Eisenzecher Zug in Eiserfeld bei Siegen beschafft. Ebenso übernimmt das Konsortium die Einführung der Aktien an der Börse. Zum Streit in der Zigarettenindustrie. Wie die Frankfurter Zeitung" erfährt, sind die Zwistigkeiten zwischen der Zigarettenfabrik Manoli G. m. b. H. in Berlin und dem Antitrustverband bei gelegt. Das entscheidende Schiedsgericht ist außer Aktion getreten. Es steht in den nächsten Tagen eine Veröffentlichung des Antitrust Mandelbaum die von ihm früher an die Tabakfirmen Herzog in berbandes folgenden Inhalts in Aussicht:„ Nachdem Kommerzienrat Budapest und Meyer in London verkauften 51 Proz. der Anteile seiner Manoli G. m. b. H. zurüderworben hatte, müsse weiterhin jeder Trustverdacht als unbegründet erscheinen.“ Kapitalskonzentration in der Schweiz. Nach der neuesten Ver öffentlichung des statistischen Bureaus in Bern bestanden in der Echweiz Ende 1912 4631 Aktiengesellschaften mit einem Gesamt tapital von 3,43 Milliarden Frank. Von den 1912 neugegründeten 615 Gesellschaften mit 195,78 Millionen betrafen 117 die Ums wandlungen von Privats in Attienunternehmungen. Seit 1902 find 1024 folche Umwandlungen mit 515 Millionen Frank Grundkapital vorgenommen worden. Den Neugründungen von 1912 stehen 132 Auflösungen mit 147 Millionen Frank Kapital gegenüber. Davon entfallen allein 26 mit 90 Millionen Frant auf das Bankwesen, wo Fusionen und Zusammenbrüche, in 2 Fällen auch Verstaatlichung ftattfanden. Relativ genommen dürfte die Schweiz mit ihrer großen Zahl von Aktiengesellschaften an der Spize aller Länder stehen. ,, Unser täglich Brot gib uns heute!" bedeutet ein großes sozialreformerisches Programm, und zwar für den heutigen Tag. Daher muß sich die Kirche bekümmern um die Arbeitslosenfürsorge und um eine Frage wie die Einheitsschule. Gegenüber der ungeheueren Zerflüftung unseres Volfslebens ist die Einheitsschule eine Forderung des Evangeliums. Der evangelisch- soziale Kongreß soll sich nicht beschränken darauf, ein Arbeitsrecht zu schaffen, sondern wir müssen überhaupt erst einmal ein gutes deutsches Recht schaffen. Die Personen des Leute nants v. Forstner und des Obersten v. Reuter dür fen nicht zur Grundlage neuer Rechtsbildungen gemacht werden.( Unruhe.) Wir brauchen uns noch lange nicht als Revolutionäre aufzuspielen; aber die ganze evangelisch joziale Tendenz hat keinen Wert, wenn wir nicht in der Wucht unserer Gedanken die Sozialdemokratie übertrumpfen. die unbedingte Koalitionsfreiheit ist die magna charta des Ehrenpräsident Exzellenz Geheimrat Dr. von modernen Arbeitsrechtes. Harnad Berlin: Wir haben ja eine allgemeine und sehr indi ( Beifall.) Umgekehrt liegt für uns die Frage der Arbeits- viduelle Aussprache; aber als ganz besonders individuell muß unterlofenversicherung, die hier in Bayern jetzt zu einer gefeßgeberischen Aktion geführt hat, noch keineswegs so einfach. Ein Berein wie der Verein für soziale Reform, der wesentlich aus Sachverständigen auf sozialpolitischem Gebiet besteht, tann sich eine ge= fchlossene, zur Gesezgebung reife Ueberzeugung auf diesem Gebiet Frau Profeffor Rirdner Gera: Wenn die FrauenTeisten; aber wir, die wir wesentlich eine Gesinnungsvereinigung bewegung an Kirchlichkeit verloren hat, jo liegt das eben daran, daß find, fönnen alle Rüdivirtungen auf die Struktur unseres Gesell die Kirche sich unserem Kampf verständnislos gegenüberschafts- und Wirtschaftslebens in dieser Frage noch nicht übersehen. stellte. Ich habe immer die Empfindung, daß, wer diese Be Man hat gejagt, je älter wir werden, desto bedächtiger und wegung richtig verstanden hat, auch ein wahrhaft frommer Mensch vorsichtiger würden wir. Wenn das richtig ist, so wollen wir um ist; allerdings ob er firchlich ist, das ist eine andere Frage! Gotteswillen auf der anderen Seite unseren alten Enthusiasmus Professor Förster Frankfurt a. M.: Professor Baumniemals vergessen. In diesen Tagen hat. Prof. Ernst Frande garten hat die Bedeutung der sozialen Verhältnisse überschätzt und eine Aundgebung erlassen für die Fortführung der Sozialpolitik, die Kraft des persönlichen Willens unterschätzt. Die sozialen Verund wir schließen uns dieser von starkem sittlichem Geist ge- hältnisse sind religiös zu beeinflussen und können geändert werden, tragenen Kundgebung aus vollem Herzen an.( Lebhafter Beifall.) und darum muß der evangelisch- soziale Kongreß auch den Willen haben, diese Verhältnisse zu ändern.( Beifall.) Saupipastor Geher- Nürnberg: Die soziale Entwide in absolutistischer Zeit aufgehäuften Kriegsschulden. lung beseitigt vieles, dem wir keine Träne nachzuweinen brauchen. Bolt nicht zu uns fommt, so müssen wir zum Wolfe gehen und Wir sollten uns in den Dienst des neuen Lebens stellen. Wenn das wir müssen die Berinnerlichung und Vertiefung der sozialpolitischen Gesetzgebung herbeiführen helfen.( Beifall.) Es folgte nun der erste Vortrag, der das Thema: Der Einfluß der sozialen Verhältnisse auf die Entwickelung der Frömmigkeit und Kirchlichkeit # Bergmann Elektrizitätswerke A.-G. Nach der Angliederung an den Siemens u. Schudert- Konzern und der dainit verbundenen Konsolidierung scheinen die Bergmann- Werte einen Aufschwung zu erleben. Im Jahre 1913 stieg der Bruttogewinn von 10,6 auf 11,6 Millionen, der Reingewinn von 2,38 auf 3,18 Millionen Marl. An Dividende sollen wie im Vorjahre 5 Proz. gezahlt werden. Die österreichischen Staatsschulden haben, wie Abgeordneter Ge nose Dr. Ellenbogen im Kampf" darlegt, eine Höhe von 12 Milliarden erreicht 429 Kronen auf den Kopf der Bevölkerung. Die Verzinsung und Tilgung erfordert jährlich 488,5 Millionen 403 Millionen, das der indirekten allerdings 1108 Millionen. Den Kronen. Das Gesamterträgnis der direkten Steuern beträgt nur größten Anteil an den Staatsschulden haben die von den Habsburgern, Eingegangene Druckschriften. Bon der„ Nenen Zeit" ist soeben das 3. Heft vom 2. Band des 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Kaiser und Katholizismus. Eine Die Boltsausgabe des„ Kapital". stein( London). Selbstanzeige von Karl Kautsth. Die Krise in England. Von Th. Noth Rußland. Von W. Echer. Die Gewerkschaftsbewegung der legten zwei Jahre in G. E. Notizen: Fremdes Sapital in Merilo. Von tratie. E. Legien, Aus Amerifas Arbeiterbewegung. Anzeigen: Eduard Bernstein, Die Steuerpolitik der Sozialdemo Feuilleton: Paul Heyse. Bon Franz Diederich. Literarische Rundschau: Kapitän Scott, Lehte Fahrt. Bon Gg. Engelbert Graf. nistische Internationale nach dem Haager Rongreß. 1872 bis 1881. Gin Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation von Georg Ergänzungsheft zur Reuen Zeit" r. 18: Die Baku behandelte. Der Referent Professor D. Otto Baumgarten Kiel begann mit der Frage: Gibt es überhaupt ein Kausal verhältnis zwischen den sozialen Zuständen und der Entwidelung der Religiosität und Kirchlichkeit?" In dieser Frage tritt uns Paftor Dr. Rüttelmeyer- Nürnberg: Das Volk will zunächst die Theorie von Karl Marx entgegen, nach nicht mehr auf das Jenseits vertröstet werden, sondern das Diesder religiöse und Weltanschauungskämpfe nichts anderes darstellen feits erobern und seine Leiden selbst überwinden. Diese Stimals Folgeerscheinungen von ökonomischen und sozialen Emanzi- mung ist in der deutschen Arbeiterschaft lebendig und aus dieser pationsbestrebungen. Dieser dogmatische Abriß der Kulturgeschichte Stimmung heraus erklärt sich ihr Widerstand gegen das firchliche gibt aber ein verkehrtes Bild. Von religiösen Bewegungen und Christentum. Die Arbeiter fragen, wo die sogenannte Gerechtigkeit Sen entscheidenden Knotenpunkten der religiösen Entwidelung kann bleibe und wo die Allgüte Gottes. Wir Theologen sollten dafür man unmöglich behaupten, daß sie weiter nichts wären, als Ver- Sinn und Verständnis haben und mit diesen Leuten leben. Wir tapfelungen von sozialen Verschiebungen. Bei der religiösen Ent müssen den neuen Gott in diesen Leuten innerlich erobern, dann widelung stehen vielmehr Weltanschauungsinteressen im Vorder- werden sie auch wieder den Weg zum Christentum finden. Wir Stiellow. grund und bei Jejus, Luther und Calvin kann man sogar jagen, dürfen nicht nur Baß sie im bewußten Gegensatz zu ihrer Zeit gestanden haben. die Schäden der industriellen und kapitalistischen Flut Auf der andern Seite aber dürfen wir nicht in den entgegengesezten Fehler verfallen und im Gegensatz zu Mary und beseitigen wollen, sondern müssen fortwährend in die moderne Kautsky die großen Zusammenhänge nur rein ideologisch be- industrielle Entwidelung den chriftlichen Sauerteig hineinmischen trachten. Im Gegenteil, gerade durch Marr sind wir veranlaßt und offene Augen haben für die Not des Volkes.( Lebhafter Beifall.) worden, die gewaltigen Zusammenhänge des kirchlichen und reli- Bastor Kießlich Hamburg: Wir werden mit unserer giösen Lebens mit der gesamten Kulturbewegung ins Auge zu Arbeit bei den leidenden Wolfsschichten um jo mehr Verständnis fassen. Die religiöse Gemeinschaft selbst ist ein soziales Problem für die sozialen Nöte und den festen Willen antreffen, die soziale und hat als solches in der Geschichte die verschiedensten Lösungen Not zu überwinden. gefunden. Man kann die ganze religiöse Entwidelung nicht her= " Die„ Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch bandlungen, Boftanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Duartal zu beziehen; jedoch kann diefelbe bei der Post nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Bon der ,, Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, ist uns foeben Nr. 15 des 24. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir berbor: Neunter Stongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Bebels Erinnerungen. Gegen den staatlichen Gebär amang. Rede der Genojjin Ziek. Zur Krankenversicherung der Haus. angestellten. IV. Bon F. Kl. Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. XV. Massenstreik in Rugland. Bon E. Tenenbaum. Bon Anna Blos. Majsenvergiftungen von Arbeiterinnen und in der Kamm und Haarschmudindustrie. Bon fk. Die Arbeitsverhältnisse Unser internationales Frauentag: 1. In Schweden. 2. In Bosnien. In seinem Schlußwort führt Profejjor D. Baum feiten aus den sozialen Verhältnissen und die sozialen Verhält- garten aus: Man hat verlangt, daß wir die Sozialdemokratie nisse nicht aus der religiösen Entwickelung, wohl aber besteht eine an sozialpolitischen Forderungen übertrumpfen sollen. Ich kann Wahlverwandschaft zwischen firchlichem und religiösem Leben auf mir das nicht denken. Ich werde mich niemals bereit finden Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer der einen und der allgemeinen Kulturentwidelung auf der andern lassen, im Mundvollnehmen die Sozialdemokratie und ihre LeiSeite. So hat z. B. das Luthertum sich zuerst aufgebaut auf agra itungen zu übertrumpfen. Das ist auch gar nicht möglich. Wir rischer Grundlage, während der Calvinismus vor allem im Bürger- haben tum Fuß faßte, das sich industriell zu betätigen anfing. Das die heilige Pflicht zur Vorsicht und Bescheidenheit 10 Bf., durch die Boft bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf.; unter Streuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 m. Die Mai- Nummer des„ Wahren Jacob ist soeben reich aus. gestattet 16 Seiten start erschienen. den Berlag 3. H. W. Dick Nachi. G. m. b. H. in Stuttgart sowie von Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummern find jederzeit durch allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Settenwesen ist am stärksten verbreitet in solchen Kreisen, die in dieser Hinsicht. Es ist dann gejagt worden, der evangelisch zwischen Proletariat und Kapitalismus hin und hervendeln und der soziale Kongres hätte in der ersten Zeit seines Bestehens viel moderne Individualismus ist nicht denkbar ohne die weitgehendste mehr Mut gezeigt. Ich kenne seine Geschichte ganz genau, fann Zertrümmerung unseres gegenwärtigen Lebens. Jedenfalls kann aber die Richtigkeit dieser Auffassung nicht bestätigen. Es waren eine große Kulturtat nur entstehen, wenn eine Persönlichkeit oder unter uns immer Geister, die unbedingt vorwärtsdrängten und eine Gruppe bestehen, die von ihren ernsten Bedürfnissen Zeugnis andere, die zurüchielten, weil sie die soziale, politische und wirtablegt. Allerdings müssen diese Bedürfnisse immer den sozialen schaftliche Entwickelungsgeschichte im Auge behielten. Damit will Zuständen entgegenkommen. Wir müssen sagen, daß wir noch lange ich aber keineswegs und nirgendwo den Enthusiasmus dämpfen. nicht die inneren Zusammenhänge und Wahlverwandtschaften Im Gegenteil: mögen wir nie Einbuße erleiden an dem Enthufigs zwischen gewiſſen ſozialen Situationen und dem religiösen Gemein, mus, den wir uns alle wünschen, nämlich an dem Glauben, daß ist chaftstrieb ins Auge gefaßt haben. Die Frage ist nun:" Was ein heiliger Wille lebt und die Dinge gestaltet und daß wir uns foll nun jest praktisch geschehen; gibt es ein berufen fühlen, dieser Kraft zu dienen.( Lebhafter Beifall.) Programm zur Beeinflussung der sozialen zuInteresse des Evangeliums?" Diese # tände im Frage müssen wir mit ein beantworten und vor allem gibt Jugendveranstaltungen. -U von Briefkasten der Redaktion. Die jarikische Sprechstunde findet 2taben frate 69, born bier Treppen ahrkuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieflaften bestimmten Anfrage ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen betzufügen. Brieftiche Antwort nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnementsquittung beigefügt t verden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde war. Westfalen. A. 66. 1 1. 2. Wenn die beleidigenden Aeußerungen bewiesen werden können, fann selage erhoben werden. 3. Wegen der Steuerforderung, die nicht länger als Jahr fällig ist, ist die un beschränkte Lohnbeschlagnahme zulässig. Steuern ist nur der 28,85 m. wöchentlich übersteigende Betrag pfändbar. Begen früher fällig gewesener A.. 100. 1. Ja. 2. Bei 15 Marl Bochen Lohn 24- Pf.- Marlen, bei 20 Mart Bochenlohn 32- Bf.- Marken. D. 8. Ja 3. B. 09. Ja. Lichtenberg. Sonntag, den 19. April, abends 6 Uhr, im Jugend es fein revolutionäres christliches Programm, um soziale um heim, Doffeftr. 22: Lichtbildervortrag des Herrn Gottscher: Die Urgeschichte wälzungen herbeizuführen oder aufzuhalten. Die Induſtrialiſierung der Mark Brandenburg. Das Heim bleibt während des Vortrages von 6 unferes Volfes, die fortschreitende Zurüddrängung des Landes bis 8 Uhr gefchloffen. Berantwortlicher Redakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. nicht der sichere Worilaui ist. Damit ist die Ängelegendeit aber noch nicht vollständig geklärt. Warum dat Aardina! Kopp den Äaiserbrief von der Landgränn eröeren. idn in Verwahrung ge- nommen und ihn als Staatsgeheimnis aufbewahrt, um ihn eri't nach seinem Tode der Üandgrätin wieder zustellen zu lassen? Ist der Brief, wie die„Norddeutsche" erklärt, wirklich so harmlos und sind die„Borstellungen an die Landgräfin", wie im Reichs- tänzlerpalais behauptet wird, wirklich frei von„Kränkungen" „der Katholiken, dann waren die großen Vorkehrungen unnötig. die Landgräfin konnte ihn ruhig behalten und jedem zeigen. Wie will die„Norddeutsche Allgemeine" diesen Widerspruch aufklären? Tie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt nun. daß der Kaiserbrief keine Verletztenden Ausfälle gegen den Katholizismus enthalte. Sie bestreitet nicht die Existenz des Telegramms, in welchem der Kaiser der Landgräfin durch ihren llebertritt zum Katholizismus die Zugehörigkeit zum Hause Hohenzollern auf- - gekündigt hat. Nun liegt es doch vshchologisch sehr nahe, daß die ■ Gemütsauiwallung, die zum Ausschluß des katholischen Mit- gliedes aus der Familie führte, sich auch in dem Briefe in noch ausführlicherer und deutlicherer Weise als in dem Telegramm kundgab. Tie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sagt, der Brief sei dem Reichskanzler in beglauvlgter Abschrift vorgelegen, und auch hier«hebt sich die Frage: Wer hat die Abschrift verfaßt und wer ha: sie beglaubigt? Man sieht also, es gibt immer noch dunkle Punkte und niemand wünscht mehr als ich und die„All- gemeine Rundschau", daß sie einwandfrei und über jeden Zweifel erhaben aus der Welt geschafft werden." Tie Zentrumstaktiker von der Art der Erzberger und Jäger haben Pech. Sie glaubten, den Kaiserbrief als Waffe oder doch wenigitens als Presiionsmittel. benutzen und durch ihn die Regie- rung zur Nachgiebigkeit in der Jesuitenfrage zwingen zu können, und nun haben sie nicht nur oben eine ihnen recht unangenehme Verstimmung hervorgerufen, sondern sich auch selbst noch als simple Gascognards charakterisiert. Staatsminister Tr. Bossart und das„Verl. Tageblatt". Aus die Tementierung ihres Berichts über die Unterredung ihres Strelitzer Korrespondenten mit dem Staatsmini st er Dr. Bossart durch die„Landeszeitung für beide Mecklenburg" antwortet das„Berliner Tageb.ati" mit folgender Erklärung: Wir haben den Bericht über das Gespräch selbstverständlich erst veröffentlicht, nachdem unser Mitarbeiter, Herr Tr. Sellin in Neustrelitz, uns auf unsere Rückfrage nochmals erklärt hatte, daß er für die Richtigkeit der Wiedergabe eintrete. Er hat am Freitag als Vertreter des„Berliner Tageblatts" die Unterredung nachgesucht und wurde dann aufgefordert, am Sonnabend vor- mittag den Minister zu besuchen. Aus Anlaß der sogenannten Richtigstellung sende: er unS noch das folgende Telegramm: 5. Reustrclitz, 1 5. Ab r i L Ich halte den Inhalt der Unterredung Wort für Wort - aufrecht. Aus Gründen der Diskretion hatte ich bei der Wiedergabe Verschiedenes forrgekassen. Ich habe soeben bei Exzellenz Tr. B o s s a r t vorgesprochen, der mir sagte, d:e Richtigstellung" sei nicht amtlich, wenn es ihm . auch begreiflicherweise peinlich ist, Gegenstand einer Zeitungs- . tungspolcmik zu sein.— Nun hat wteder die konservative Presse das Wort. Ter Uuterdrückungsfeldzug gegen die Gewerkschaften. Tie„Lstsee-Zeitung" konnte bereits vor einiger Zeit �neiden, daß die Erklärung, der gewerkschaftlichen Zentralver- Lande für p o I i t k s.ch e Vereine nicht nur Jogows Werk, Aondern eii: Akt preuhischer Regierungsweisheit sei..%ht wird dem Blatt wieder von zuverlässiger Seite aus München gedrahtet, daß im ganzen Reiche in der gleichen Weise gegen die Gewerkschaften vorgegangen werden soll. Es schweben zurzeit zwischen mehreren Bundesstaaten Verstand- lungen darüber, auf Grund der letzten gerichtlichen Urteils- feststeltung über den politischen Charakter des Bergarbeiter- Verbandes die Stellung der freien Gewerkschaften unter dos Rcichsvereinsgcfetz Kerbeizuführen. Schon in aller Kürze würde, sobald der Einspruch der Berliner Gewerkschaften gegen die polizeiliche Verfügung des Herrn v. Jagow seine Erledigung gefunden hat. auch in den außerpreußischen Bundesstaaten die Behandlung der freien Gewerkschaften als politische Vereine erfolgen._ Denkschrift über die Tuala-Augelegenheit. Die Budgelkommiifion deS RetÄstagis hat die Verabschiedung des Etats für Kamerun ausgesetzt. b'S das amtliche Material über die Verhandlungen mit den Duala. die enteignet werden sollen, bei- gebracht ist. Tie Regierung will nun der Sudpelkommiision Ende April eine Denkschrift zugehen lassen, die Aufklärung über die strittigen Punkte bringen soll._ Miuisterwechsel in Württemberg. Der württembergische Finanzminister v. Geßler ist von seinem Amt zurückgetreten. Der bisherige Minisier'.aldirektor v. Pistoriüs wurde zu feinem Nachfolger ernannt. Mit dieser Nachricht wurde Württembergs Bevölkerung am Mittwoch über- rafcht. Wohl wußte man, daß der Tod seiner Frau im pergange- nen Herbst den Minister hart getroffen und seine nicht feste Ge- svndheit erschüttert halte. Die letzten Verhandlungen der Kammer ließen aber erkennen, daß v. Geßler sich noch kräftig genug fühlte, seinen Posten zu bekleiden. Man geht darum wohl nicht fehl in der Annahme, daß die offene Feindseligkeit der Ersten Kammer, wie sie in der letzten Sitzung dieses feudalen Hauses zutage trat, den Minister veranlaßt hat. sein Amt niederzulegen. Wie berichtet. hat die Erste Kammer den letzten Gesetzentwurs des Ministers die Gemeindesteuerreform betreffend, in geradezu skandalöser Weiie abgetan. Die Zweste Kammer hatte dem zugestimmt, daß dt- Ge- meinden Württembergs, die fast alle mit schweren finanziellen Nöten zu kämpfen haben, das Recht erhalten sollten, die Gemeinde- einkommeniteuer auf 7? Proz. der Staatssteuersätze zu steigern. Zurzeit dürfen die Gemeinden vis öO Pvoz. gehen. Tie Erste Kammer hatte das Eefetzlein abgelehnt und nur die ange« hängten Hundesteuerparagraphen übrig ge- lassen. Um doch etwas zustande zu bringen, hatte dann die Zweite Kammer den Gesetzentwurf den Bemängelungen der hohen Herren gemäß umgestaltet und u. a. auch den Beschluß wieder au fge- hoben, die kleinen Einkommen van SOO bis iK0 M. jähillich bei Perheirateten von dieser Steuererhöhung frei zu lassen, �ie Erste Kammer beantwortete diese demütige E-fierte mit der Weigerung, da« Gesetzlein in dieser Tagung noch in Beratung zu nehmen. Frühestens im Herbst wollten die seudalen Herrschaften den Eni- wuxf nochmals gnädigst zerzausen. Die Zweite Kammer hat auch diese Demütigung eingesteckt, der Minister aber hat den Herr- schaften den Bettel'bar die Füße geworfen. Aehnlich wie der frühere Minister des Innern v. P i f ch e k, der nach dem Ausfall der letzten LandtagSwahlen und dem Anwachsen der Rechte� nch weigerte, das Steuerruder nach rechts zu drehen und kurzeraand den Dienst quittierte. Geßler hat das Finanzministerium feit 1S0S verwa-uet. Eine Arbeitskraft, persönlich ein liebenswürdiger und bescheidener Mensch, hat er es stets abgelehnt, die Hetze gegen/ die Sozialdemo- kratie mitzumachen.— Seinem Nachiolger Pistoriüs, Ministerial- direltor im Finanzministerium, wird ein eiserner Wille nachge- rühmt. Er wird ihn brauchen können, denn das Vorgehen der Ersten Kammer macht die schleunige Jnangriiinahme einer gründlichen Finanzreform zur unabweisbaren Notwendigkeit. Dabei dürfte es zu harten Kämpfen, mit der Ersten Kammer und mit den rechtsstehenden Parteien der Zweiten Kammer kommen. Der frühere Minister des Innern' v. P i s ch e k bat bereits am '26.'März dieses Jahres bei Beratung des Gemeindcjteuergesetzes in der Ersten Kammer den Herrschaften warnend zugerufen:„Ich kann dabei den Ausdruck der Befürchtung nicht unterdrücken, daß. wchrn das Hohe Haus jetzt die kleine Mehrbelastung her Einkommen- steuerpflichtigen ablehnen würde, sich leicht in nicht zu ferner Zeit die febr unerwünschte Notwendigkeit ergeben könnte, eine er- heblich weitergehende Konzession in dieser Hin- ficht zu machen..." Tiefe Voraussage dürfte sich schneller bewahrheiten, als den Herrschaften lieb ist. Der Kampf um die Besolduugsnovelle. Die Regierung rechnet, wie die„Berliner BobkSzeitung" hört, mit Bestimmtheit darauf, daß der Reichstag bei der Besotdungs- Novelle nachgeben und ncki im großen und ganzen auf den Boden der Regierungsvorlage stellen werde. Tic Erwägung, von der sich dic Regierung dabei leiten läßt, ist sehr einfach. Für den Ab- geordneten ist es. so sagt, sie sich, weit unangenehmer, wenn die Novelle scheitert, als für uns. Mit leeren Härchen werden' die Ab- geordneten nicht vor ihre Wähler treten wollen- Um den Ilmfall zu erleichtern, will die Regierung in Kleinigkeiten Entgegenkommen zeigen. Boraussetzung dafür ist aber, daß diese Kleinigkeiten nicht einen Aufwand erfordern, der in die Millionen. gehen würde. Grenzregulierung i« Kamerun. Die am kl. März in Biüssel aufgenommenen Schluß- beiprewungeii der Lberleiter der Kameruner Grenzvermessung find am 9. Aptil mit Unterzeichnung eines Protokolls abgeschlossen worden, das noch der Priiiung und Genehmigung dmäi die beiden Regierungen Lcdari. Im ollgemeinen wurde über den Berlauk der igst dreitauieud Kilometer langen Grenze zwischen den Kommissaren volle Einigung erzielt. Slreil'g geblieben find eine Strecke von sechs Kilometern am Ubongiufer oberhalb Tingo und eine Insel im Logouestuß namens Waleachc. Außerdem ist noch eine Entscheidung zu treffen über die Fübrung der Grenzlinie vor den deutschen Ufer- strecken im Kongo und Ubangi, womit das.Schickschal der diesen Userstreisen vorgelagerten' Jnieln und der bisher zu Kamerun ge- hörigen Schariinfeln zusammenhängt: Die deutscherseits erhobene Forderung auf die Tolweggrenze ist von Frankreich noch nicht an- e kannt worden. ''' Schmuggelei an der deutsch-holländischen Grenze. In. letzter Zeit ist die holländische.Grenzbehörde, große» Spiritusschmuggeleien auf die Spur gekommen. Die Zollstationen ivurd'en deshalb mit starken Grenzwachen besetzt. In der vorgestrigen Nacht gelang es nun den Grenzbeamten, wie dem»Berliner Tage- blatt' aus Aachen gemeldet wird, ein Autömobik abzufassen! da» in eiliger Fahrt die Grenze passierte. Als der Chauffeur dem Halt- gebot keine Folge leistete, gaben die Beamten mehrere Schüsse ab, von denen zwei die Wand des Automobils durchbohrten, ohne die Insassen zu treffen. Am Eisenbahnübergang bei Kirchrath ließen die Zollbeamten die Sperrbänme nieder. Das Automobil rannte mit so großer Gewalt gegen dws Hindernis! daß dir Sperrbäume durch- brachen. Ten aus Rädern rolgenden Beamten gelang eS. das Automobil bei Heerlen zu foffenT Am Wrgranbe. lagen; Fastet mir Spiritus. DaS Automobil und die Fässer wurden beschlagnahmt. Der Besitzer des Automobils konnte aber nach holländischem Gesetz nichr verhaflet werden._ Puerto gibt nach. Washington, 16. April. Roch amtlichen Depeschen Hai H u e r t a so gut wie zugesagt, den Salut für die amerikanische Flotte abfeuern zu lassen. Präsident H u e r t a hat an di?„New Aork Times" tele- araphiert. Mexiko habe keine Streitigkeiten mit irgendeiner Macht, ani wenigsten mit der großen amerikanischen Notion', der Zwischenfall von Tampico habe keine beson- dere Wichtigkeit. Optimismus in Washington. Washington, 16. Avril. Auf Depeschen des amerikanischen Geschäftsträgers O'sifaughnessy in Mexiko, daß H u e r t a s Haltung nachgiebig sei, erklärte Staatssekretär B r y a n, die Lage sei sehr ermutigend. Ende der Krise. Washington, 16. April. In amtlichen Kreisen bezweifelt man nicht, daß Huerta» Vorschlag, die amerikanische Flagge unter der Bedingung zu salutieren, daß die amerikanischen Kriegsschiffe den Salut erwidern, angenommen werden wird. Die KrifiS wird deshalb für beendet angesehen. Verwundete Deutsche. Taorpa. 16. April. Von der Mannschaft deS deutschen Tankschiffes„Ofage", das von Tampico hier eingetroffen ist. sind bei den Kämpfen um Tampico zwei Mann an Bord deS Schiffes verwundet worden, einer wahrscheinlich t ö d l i ch. Die Absichten Billas. Chihuahua, 16. April. General Villa berichtet, die von San Pedro zurückgehenden Bundestruppen würden jetzt zwischen zwei Abteilungen der Rebellen aufgerieben: er selber eile mit seiner Streitmacht dem Kampfplätze zu in der Hoffnung, ihnen einen ver- nichtenden Schlag beibringen zü lönnen. /taüers als in Zabern. Paris, 16. April. Wie mehrere Blätter melden, kam es in C l e r m o n t- e n- A r g o n n e bei Verdun am Sonn- tagabend infolge einer Einquartierung zu argen Auftritten. Ein Leutnant de» 61. Artillerieregi- ments, der sich mit 14 Mann nach dem Loger von Chülons begab, wollte seine Leute in einer Scheune, des Landwirts Jacob unterbringen. Dieser verwehrte den Soldaten den Eintritt mit der Begründung, daß bei ihm schon eine Anzahl Artilleristen und Pferde einquartiert seien. Zwischen Jacob und dem Offizier entstand ein heftiger Streit und schließlich p a ct t e n d i e Soldatenden Land- wirt. prügelten ihn durch und warfen ihn aus dem Hofe. Jacob flüchtete, von dem Leutnant und dessen Leuten verfolgt, zu.einem Forsthuter und bot diesen um Schutz. Hier wurde er von den Soldaten angegriffen und in das Gemeindegefängnis geschleppt. Es gelang Jacob, abermals zu entkommen und sich zu dem Zweiten Bürgermeister zu flüchten. Als die Bevölkerung' von dem Vorkommnis erfuhr, strömte sie zusammen und gab ihrer Entrüstung stürmisch Ausdruck. Ein Generalrat des Be« zirks, Dr. Clause, und der Zweite Bürgermeister, die Ordnung schaffen wollten, gerieten mit dem Leutnant, der sie Pruftiens nannte, in Streit. Desgleichen wurde die Frau des Landwirts Jacob gröblich beschimpft. Die Lage wurde immer drohender, bis schließlich die Gendarmerie ein- schritt und die Ordnung wieder herstellte. Die Militär- b e h L r d e ordnete eine Untersuchung an und stellte fest, daß der Offizier durchaus im Unrecht gewesen sei. Dieser wurde auch sofort mit strengem A r r e st b e- st r a f t. Ter D i v i i i o n s g e n c r a l. und Gouverneur von Perdun, General Coutencsau, begab sich gestern in.Ke- gleitung seines Stabes nach Clcrmont-en-Argonne und sprach daselbst vor der versammelten Bevölkerung sein tiefstes Bedauern über den Borfall aus. Schweüea. Die Wahle». Stockholm, 16. April.(Privattelegromm deS „Vorwärts".'» Heute fand die Stimmenzählung in zehn Kreisen statt. Tie Sozialdemokraten gewannen von J5en Liberalen die Kreise Nordkalmar. Westkov.varberg und Süd- angernwnnlond. An die Konservativen verloren sie Mittel- malmöhus. Tie Konservativen nahmen außerdem den Liberalen noch vier Kreise ab. Bisher sind gewählt 63 Mitglieder der Rechten(vorher->0), ä4 Sozialdemokraten'(48) und 46 Liberale(59). China. Der Weiße Wolf. Peking, 16. April. Nach Meldungen au? Siansu haben die Räuberbanden Äienchow emgenvmnten und geplündert, wobei sie viele Personen töteten oder verwundeten. Einzel» heiten liegen noch nicht vor. AM Mann.bester Truppen sind in Eilmärschen in Siansu eingetroffen und sogleich nach Westen weiser» marschiert; sie haben bereits mit den Räubern Fühlung gewonnen. 5900 Mann aus Kaniu haben die Distrikte Fengsianfu und Pinchow besetzt und dadurch den Räubern den Bormarsch nach Westen ver« sperrt.' Die Lage Hai sich sehr gebessert. Einige Städte sind der Plünderung dadurch entgangen, daß sie ihre Tore öffneten und schweres Lösegeld zahlten. Die Städte, die Ssiidcrstani leisteten» wurden erbarmungslos behandelt. Tie Grausamkcit der Räuber ist überall furchtbar. Soziales. Aus dem Gcwcrbcgcricht. I. Ein Gürtlerlehrling forderte gestern im Klagewege Fort« setzuttg des Lehrverbälmisses durch die Firma Brendel u. Loewy. Er war seit 2>/s Jahren in der Lehre und wurde jetzt plötzlich ent« lassen. AlS Enrlassungsgriinde wurden angeführt: zu langes Ver» wellen auf dem Abort! Verweigerung von siraiweiie verhängten Botengängen, nach Feierabend und wiederholtes Fernbleiben. von der Pflichtfortbildungsswule. Tie letzte Behauptung wird durch de« Personalbogen der Schule widerlegt. In dem Betriebe, in dem nebe» 9 Gürtlern 17 Lehrlinge beschäitigl werden, scheinen recht eigenartig« Maximen für die Lehrlingsausbildung gang und gäbe zu sein. Wen« sie nach Ansicht eines Meisters sich irgend«vergangen" haben, müssen sie nach Feierabend strafweise Botengänge verrichten. Im vorliegenden Falle war dem Kläger fast Tag für Tag dies« Zlrafe auferlegr, was kür die Firma sicher eine recht, gewinn» bringende Methode war. Auch sonst scheint die Behandlung eigen- artig zu sein, so daß der Kläger sogar einmal aus Verzweiflung Brenne(Teure) getrunken hat. Nach Prüfung all dieser Umstände kam das Gericht zur Verurieilung der Beklagten dem Klageantrag gemäß. Von den vorgebrachten Gründen käme höchstens die Ver« Weigerung der Botengänge in Betracht. Die zu machen find aber dem Lehrling vom Vater verboten worden. Die Firma habe diese« „eigenartige" Strafverfahren sehr oft und ohne den Bater zu be» nachrichtigen angewendet, solgtich selbst verschuldet, daß der Jung« in den Gewissenskonflikt kam. entweder dem Bater oder der Firma ungehorsam zu sein. Deshalb wurde der Grund gleichfalls ver- warfen. II. Em Automobilschlosser klagte gegen den Inhaber einer Lutojchlosserei. Funke, auf Zahlung von 70 M. für eine sieben» wöchige Arbeltsleistung. Der Kläger war zunächst ein Bierteljahr langsÜJt wöchentlich 10 Mark bei dem Beklagten tätig. Dann wollte er Autochauffeur werden. Die Kosten der erforderlichen Prüfung be- laufen sich auf 10 M. Hierüber wurde eine Vereinbarung getroffen. deren Inhal» streitig war. Der Kläger behauptet, der Beklagte habe sich erboten, di« Prmungsgebübren zu zahlen und dafür solle Kläger vier Wochen unemgelllich arbeiten. AuS den vier Wochen wurden sieben. Der Beklagte dagegen sagt, er habe dem Kläger unter Verzicht auf das sonst übliche Lehrgeld gestattet, ohne Lohn« cntschädigung. sich selbst als Autochauffeur auszubilden. Das Gericht nahm an, unter Berücksichtigung, daß der Kläger schon ein Vierteljahr für 10 M. pro Woche tälig war, die Verein« barung tatsächlich so gelautet habe, wie Kläger darstellt, ES sprach ihm 40 M. zu und wleS die Mehrfordernng ab. Letzte Nachrichten. Die amerikanische Flotte soll vor Mexiko bleibe«. Washington, 16. April. Wie es heißt, bedeutet die Er» füllung der von Huerta gestellten Bedingung durch die Ver- einigten Staaten nicht eine Anerkennung der Regierung Huertas. Es wird erklärt, die amerikanische Regierung wolle ihre Flottrnmacht in den mexikanischen Gewässern sechst dann verstärken, wenn der gefordert«. Flaggensalut abgefeuert worden ist. In diesem Falle wird nur ein Teil der jetzt süd» wärts dampfenden Schisse zurückgerufen werden. Ein Ministcrstreit in Norwegen. Kristiania, 16. April. Der Minister für soziale Angelegen- heiten. Handel. Industrie und. Fischerei. E a st b e r g, ist Wege« Meinungsverschiedenheiten mit den übrigen Ministern aus de« Kabinett ausgeschieden. Ter italienische Kochnialftieg. B»nsh«si, 16. April. LOOO Rebellen, die sich bei Gedabia ver- einigt hatten, wurden von einer Kolonne Infanterie, Kavallerie und Artillerie unter General Eantore von Zuetina aus ange» griffen; die Rebellen wurden nach heftigem Widerstand in völliger Unordnung zurückgeworfen und von den italienischen Truppen verfolgt. Tie Rebellen ließen 124 Tote zurück, nahmen zahlreiche Verwundete mit sich und verloren Zelte, Lebensmittel und Munition. Bei den Italienern fielen zwei Offiziere und zwei Soldaten: fünf Soldaten wurden verwundet. Vier Askaris sind gefallen, 21 wurden verwundet. Opfer des Grubeubrandes in Belgien. Brüffel. 16. April. Bei dem Brande in der Grude von Gillp sind leider doch zwei Arbeiter, die man nicht retten konnte, verbrannt. Das Feuer ist feit mittag gelöscht. Billige a.Wertheim Cebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moribplat Frisches Fleisch Schmorfleisch....... Pfund 85 Pf. Rinderkamm u.-Brust Pfund 70 PL. Fehlrippe Goulasch**** Gehacktes.... Kalbskamm u.-Bug Kalbsbrust.. Schweinekamm... Rückenfett..... Liesen Pfund 75 PL. Pfund 70 Pf. ... Pfund 60 PI. Pfund 85 Pt. Pfund 85 Pf. Pfund 80 Pf. 3. Pfund 50 PL. Pfund 60 Pf. Pökelzunge****. Pfund 1.20 Eisbein( Dickbein) Pfund 55 Pt. Kasseler im ganzen... Pfund 80 Pf. Wurstwaren ... Aus eigener Wurstfabrik Landleberwurst..... Pfund 85 Pf. Pastetenleberwurst. Pfund 1.05 Rotwurst...... Pfund 45, 65 Pf. Pfund 1.00 Jagdwurst... Bauernmettwurst..... Pfund 1.10 Pfund 1.20 Teewurst... Magerer Speck...... Pfund 90 PI. Fetter Speck Ptd 75 Pt, 5 Pfd. 3 60 Rollschinken ca. 6 bis 8 Ptd., Pid. 145 Zervelat- u. Salamiwurst Pid. 1.15 Deutscher Metallarheiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, finienftr. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 20. April 1914: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden: Pharussäle, Müllerstr. 142, abends 8%, Uhr. Norden: Norden: Frankes Festsäle, Babstr. 19, abends 8, Uhr. Moabit: Prachtsäle Nordwest, Wiclefstr. 24, abends 8%, Uhr. Charlottenburg: Volkshaus, Rojinenftr. 3, abends 8, Uhr. Büttners Festsäle, Schwedter Straße 23, abends 8 Uhr. Wohlfahrts Festsäle, Reinickendorf, Eichborn: Vereinshaus, Schöneberg, Tegel: ftraße 18, abends 6 Uhr. Westen und Schöneberg: auptr. 5, abends 8, Uhr. Osten: Comeniussäle, Memeler Str. 67, abends 8%, Uhr. Lichtenberg: Restaurant Kurkowski, Pfarrstrake 74, 8 Café Bellevue, Hauptftcaße 3, Stralau- Rummelsburg: abends& ubr abends 8, Uhr. 8%, br. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. Weißensee: Penkerts Restaurant, Berliner Allee 251, Südenbezirke: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( Saal 4), Neukölln: Bartschs Festsäle, Sermannfir. 48/49, abends Schellhases Festsäle, hornstraße 15a, abends Restaurant Lehmann, 8 Uhr. Steglitz: br Köpenick u. Friedrichshagen: penid, Bahnhofſtr. 44, Oberschöneweide, Niederschöneweide, Johannisabends 8, Uhr. Restaurant George, Oberschöneweide, thal u. Umg.:ilhelminenhofftr. 44 a. abends 8, Uhr. Spandau: Rater Adler, Spandau, Potsdamer Straße, abends 8 Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Bericht von der ordentlichen Generalversammlung und Stellungnahme zur außerordentlichen Generalversammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. 116/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Modell: u. Fabriktischler. Montag, den 20. April, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11-12. Tagesordnung: Bericht van der Generalversammlung. Beratung der Anträge zur Branchenkonferenz. Verbands und Branchenangelegenheiten. 86/8 Kranken- und Sterbekasse der Bauhandwerker zu Berlin. ( Zuschuskaffe.) ( Frühere Bauhandwerker- Krankenkaffe.) Sonntag, den 19. April, vorm. 10 Uhr, bei Wilke, Sebastianstr. 39 General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand der Staffe, Beschlußfassung über die Führung Ser zukünftigen Kassengeschäfte. 2. Festschung der Entschädigung nach§ 19 drr Stafsensazung. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Räucherwaren Ahlbecker Flundern. Pid. 35 PI Kiel, Schleibücklinge 4 st 10 Pf Kiel. Schleibücklinge 2 st 10 Pt. Ger. Aal... Pfund 1.20. u. 1.50 Pomm. Bratheringe4Ltr.- D 1.50 Lachsstör... Pfund 65 Pf. Geflügel Junge Gänse..... Pfund 1.35 Enten..... Stück 2.70 bis 3 90 Supp.- Brathühner 1.90 bis 2 80 Masthühner... 2.95 und 3 20 Frische Eier Mdl. 75, 85, 95 Pf. 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Bericht der Re visionsfommission. 3. Beschlußjassung ilber die Genehmigung der Bilanz und die Berteilung des Gewinncs, 4. Beschlußfassung über den Bericht des Verbandsrevisors über die am 10. Februar er. borgenommene Re vision. 5. Neuwahlen zum Aufsichts. rat. 6. Beschlußfassung über den( Se samtbetrag, den Anleihen der Ge noffenschaft und Spareinlagen bei ihr nicht übersteigen sollen. 7. Beschluß fassung über die Ausschließung von fäumigen Genoffen. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Berluftberechnung für das Jahr 1913 find in der Geschäftsstelle, Sidingen straße 8, einzusehen. 104/13 Der Vorstand. 2. Schmidt. Ernst Roscher. Kranken- Unterstützungs- und Begräbnisverein der Bau- u. gewerblichen Arbeiter Berlins und Umg. Sonntag, den 19. April, vormittags 10 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45: Paket Pfund 1 Mark, General- Versammlung. 1, 5 Pakete 4,75 Mark. Paket= Pfund 0,50 M. Alleiniger Fabrikant: D. Mader, Prinzenstr. 86. Zu haben in Apotheken, Drogerien und besseren Kolonialwarengeschäften sowie in den Filialen der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Heines Werfe 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Billige Parzellen! direkt am Bahnhof, westlicher Bor: oit, zum Bau von Eigenheimen besonders geeignet. Kleine Anzahlung. Geringe jährliche Teil. zahlung. Guter Boden. Bauparzellen v. 2000 M. inIL Straßen pflaster. Brospett, Pläne 2c. toftenlos. Schreiben Sie sofort, da nie wiederkehrende Gelegenheit. M. F. Buchholz, Berlin NO. Kniprodeftr. 19.[ 39132* Der echte Kapitän- Kantabak ist nicht nur durch seinen feinen Geschmack allein so schnell beliebt geworden, sondern auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus, denn jedes einzelne Stud dess.( 10 Pf.- Rollen oder Bündel) wird sauber verpackt zum Verkauf gebracht. Bieviel gerade hier gesündigt wird, bedarf wohl keiner Erörterung. Berkaufsstellen überall, eventl. d. d. General- Bertr. C. Röcker, Berlin, Grünertveg 119. Tel.: Stönigft. 3861. Tagesordnung: 1. Abrechnung bom I. Cuartal 1914. 2. Bereinsangelegenheiten und Vers schiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, zahl reich zu erscheinen. Der Vorstand J. A: Gade gast, Borsitzender, Soldiner Str. 75. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 Karl Henckell Zu seinem 50. Geburtstage empfehlen wir: Aus meinen Gedichten 37/3 Mit Buchschmuck von Fidus Gebunden 1 M. „ Reichenberger Hot" Jnh. Karl Fahrow. Reichenberger Straße 147. schrägüber Quisentheater. Amt Morigplaz 3233. Empfiehlt den geehrten Vereinen u. Organisationen 3 neu reno vierte Säle nebst Garten zur Abhaltung von Sommerfesten 2c., auch Sonntags, zu günstigen Bedingungen. Berantw. Redalt.: Alfred Wielepp, Neuköln. Inseratenteil berant. Th. Glode, Berlin. Drudu. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl bMjihtom. 2: leilnje des Jormirtf Kerlilm öolteliliitt. �«�iw Parteiangelegenheiten. �rauenversammlung. Eine öffentlicheFrauenversammlung findet am Dienstag, den � I.April, abe nd s 8'/z Uhr, in der Renen Welt,.Ha s e n h e i d e 108— 11-t, st a t t. Die Tagesordnung lautet: Die Arbeiterfrauen und der Welt- frieden. Als Rednerinnen find angemeldet: Vertreterinnen der Frauen aus Holland, Rußland, England, Finnland, Frank- reich, Oesterreich und der Schweiz; ferner die deutschen Ge- nossinnen Klara Zetkin und Luise Zieh. Wir erwarten von den Genossinnen Grotz-Berlins zahl- reiche Beteiligung. Der geschäftsführende Ausschuß. Tritter Kreis. Heute Freitag, abends Ubr, findet der vierte Vortrag des Genoffen Tr. Duncker bei'Wilke, Sebastian« straße 39, statt. Der Bildungsausfchuß. Steglitz- Friedenau. Ter Bildungsausschutz veranstaltet heute Freilag, den 17. April, im Kaifer-Wilbelm-Garlen, Friedenau, Rhein« stratze 65, eine Treppe, einen wisisnfcdastlichen Einzelvortrag: »Das Westen der Philosophie und ihre Bedeu- t u n g Vortragender: Dr. C. S ch r o e t e r. Da wir damit ein Gebiet betreten, das in unseren Veranstaltungen noch nicht behandelt worden ist. erwarten wir zahlreichen Besuch. Eintritt frei. Anfang Vz9 llhr abends. Wannsee. Sonnabend, den 18. d. Mts., Vortrag deS Genoffen Witt über„Nord-Brasilien'(mit Lichtbildern). Anschließend an den Vortrag: GeneralversJmmlung des Wohlvereins. Aufnahme neuer Mitglieder. Beide Veranstaltungen in, großen Saale des»Fürsten- Hof'(H. Hille). Anfang pünktlich 8 Uhr. Gäste willkommen. Friedrichsfelde. Parteigenossinnen und-Genosien, die der Ge- noifin W a l d m a n n das letzte Geleit geben wollen, treffen sich am Somiabendnachmittag so rechtzeitig am Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsseide, daß die Abfahrt nach' Baumschulenweg 3.91 Uhr er- folgen kann. Bruchmühle. Sonnabend, den 18. April, 8>/z Uhr, bei Mille: Zahlabend. Oranienburg. Sonntag, den 19. April, vormittags 8 Uhr, von den Dezirkslokalen aus: Flugblaltverbreitung.— Dienstag, den 21. April, abends S'/j Uhr. im»Waldhaus Sandhausen', Schützen- straße 34: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung:»Her mit dem Gewcrbegerichl Referent: Genosie Eugen Brückner-Berlin. Zu dieser Versammlung sind die Stadtverordneten, welche das Gewerbegericht ablehnten, schriftlich eingeladen. Serliner Nachrichten. vor den Toren der Stadt. Run macht sich der Frühling mit seinem prunkenden Grün und mit seiner Blumen- und Blütenpracht an allen Wiesen- rändern und Feldrainen breit. Die �oyntagsausflügler schauen denn auch iu stattlichen Scharen nach den neu- erstandenen Frühlingswundern auS. Die Woche hindurch aber liegen die Fußpfade und Landstraßen vor den Toren der Stadt verhältnismäßig unbelebt da. Und doch ist gerade jetzt die Zeit, da die Wanderlust in die jungen.Handwerksburschen fährt. Einzeln, zu zweien und in kleinen Gruppen kommen sie die Chausseen einbergetippelt. Das Glanzleinwandränzel hängt ihnen an vielfach zusammengeknotetcr Schnur überm Rücken. Den verwitterten Hut schmückt irgendeine Frühlings- 1>lume. Die bestaubten Stiefel mahlen müde den weichen Sand der märkischen Straße. Taktmäßig gräbt sich die eisen- beschlagene Spitze eines derben Steckens in den zerfließenden Erdboden. Aus den bartlosen, erhitzten Gesichtern blicken meist blaue und dunkle Kinderauge». Die roten Lippen pfeifen oder singen ein Lied, nach dessen Takte es sich gut marschiert. Man sieht es den meisten der jungen Leute an, daß sie just ihre Lehrzeit hinter sich haben und ihr Glück nun einmal in der Großstadt versuchen wollen. Junges Volk ist es fast durch- weg: einen Aelteren findet man nur ganz selten. Die Uu- befangenheit und Hoffnungsfreudigkeit.der Jugend liegt um die schmächtigen und doch sehnigen Körper der Schreitenden gebreitet. Sie wissen noch nicht recht, daß sie erst am Anfang des großen Lebenselends stecken. Auch die Tücken der Land- straße zur rauhen Jahreszeit werden die meisten ja noch nicht kennen. Im Frühling wandert es sich leicht und frohgemut. Freilich, die gerühmte Romantik der alten Wander- burschenhcrrlichkcit>ist heute ausgestorben. Unser kapitalistisches Zeitalter hat neue Wunder gezeitigt und den Hauch einer eisenklirrcnden Poesie daruni gewoben. Aber die jungen Handwerksgesellen lieben die Schönheiten der Erde und der erwachenden Ziatur darum doch. Auch die alten Wander- lieber, die Generationen hindurch von Mund zu Mund ge- gangen sind, leben noch immer. Und allemal, wenn der Frühling ins Land zieht und mit blitzenden Goldstrahlen durch die verstaubten Fenster finsterer Werkstätten und dunipfer Fabriksäle blinkt. weckt er die Sehnsucht in den jungen Herzen. Dann zieht es gar manchen, der eine Eisenbahn- fahrt verschmäht, mit stürmischem Verlangen hinaus ans die Straßen, die die Städte miteinander verbinden, hinaus in den knospenden Wald, in die sprießenden Felder, vorbei an blumcnbnnten Rainen und zartbehalmten Wiesenrändcrn. Mag die Nähe der Großstadt auch noch so grau und düster winken, um sie herum dehnt sich doch lachendes Land: weite Felder, stille Wälder, blitzen!*: Wasser, lichtblauer Himmel und frühlingsgoldiger Sonnenschein. Sie alle gehören der Jugend, mag sie auch mit noch so leichtem Gepäck und noch so leerem Magen ihres Weges ziehen. Was auch das »Morgen" bringt, kümmert sie nicht groß, denn wo Frühling und Jugend beisammen sind, ist das Leben doch immer schön Aufs Land vermietet! lieber die Leutenoi aus dem Lande bi.icvt bei den Aiserable» Lohn« und Arbeitsverhältnissen deS Londarbencrs sich niemand zu wundern. Tie Landwiile haben dem Mangel an Arbeitskräften ab- zuhelfen gesucht durch Eierichtung von VermitlliiiigsS», lern,' die ihnen die gewünschten Laitdarbeiier heranschaffen»liissen. Auch in Berlin ireib, man Arbeitervcrmtttlung für Land« Wirte, und gerade hier bietet ja der unaufhörlich hindurchflulende Strom von Arbeitsuchenden eine günstige Gelegenheit zu erfolgreichen Fischzügen auf Landarbeiter und solche, die es werden wollen. Dabei wird von lebender Beute mitgenommen, was irgend I brauchbar fcheint und zu kriegen ist. In den Netzen der Land- � arbeitervcrmittelung bleiben nicht nur die vom Lande nach Berlin Zugereisten hängen, sondern gelegentlich auch Berliner Kinder, die der Teufel plagt, die Freuden des Landarbeiterlebens kennen lernen zu wollen. Der Vater eines 14jährigen Mädchens, das im Spät- herbst 1913 von Berlin aus aufs Land vermietet wurde, ist von den bisher gemachten Erfahrungen sehr wenig erbaut. Frida N. ging, um Stellung zu suchen, zum„Arbeitsamt der Landwirt schaftSkamnt er der Provinz Branden- bürg', da« für Berlin in der Koppenstraße gegenüber dem Schlesifchen Bahnhof ein Bureau hat und Arbeiter für die Landwirtschaft vermittelt. Das Bureau forderte schriftliche Einwilligung deS Vaters und gab ein Formular mit, das der Vater leider— er bedauert eS heute selber— unterschrieb. Darauf vereinbarte das Bureau mit der knapp Vierzehnjährigen in Gegenwart der sie begleitenden Mutter eine Vermietung auf ein Jahr, wozu nur noch die Unterschrift des Mädchens gefordert wurde. In welchem Ort und bei wem die Stellung sein sollte, erfuhr die Mutter nicht. Man konnte ihr nur sagen, Frida werde zunächst nach Perleberg gebracht und erst von dort aus in Stellung gegeben. Die Eltern ließen sich das gefallen, und sie wurde dann im De- zember von Perleberg aus nach einem Dorf Klein-Gottschow in der West-Priegnitz an einen Gastwirt Richard Gragert vermietet. Der Vater meinte, daß das Arbeitsamt der Landwirtschaftskammer samt den Arbeitgebern aus Landwirtekreisen froh sein müßten, Arbeitskräfte zu finden, und daher dem Mädchen keine Unkosten entstehen würden. Als er im Frühjahr bei dem Gastwirt brieflich anfragte, wie es denn mit dem Lohn sei. antwortete dieser, daß er»vorläufig nicht auf Geld zurechnen brauche". Der JahreSlohn betrug 40 Taler, er war aber noch nicht fällig. und überdies waren auf'ihn im voraus allerlei Ausgaben für Kleidung uiw. gemacht worden oder nächstens noch zu machen. Mit Verwunderung las der Vater, daß der Gastwirt auch 25 Mark ansetzte, die er habe»im Mietskontor zahlen müssen'. Bei Inanspruchnahme eines.AmtlichenArbeitSnachweises" (so nennt sich daS Berliner Bureau deS Arbeitsamts der Landwirtschafts- kammer für Brandenburg auf einer am Hause prangenden großen Plakattafel) konnten 25 M. Unkosten entstehen, die der Arbeitgeber gegenüber dem Lohnverlangen als eine Ausgabe für das Mädchen aufzählen zu dürfen glaubt?— Auf diese Frage, die sich ihm aufdrängte, wußte der Bater ebenso wenig eine Antwort wie aus die andere, waS mit den Geld- und Kleidungsangelegenheiten des Mädchens der dortige P a st o r zu tun hatte. Denn auch davon schrieb der Gastwirt, daß»Frida durch den Herrn Pastor ein schwarzes Kleid und 24 M. erhalten' habe„mit der Weitung, das Nötige noch dafür zu kaufen'.. Den Kauf des.Nötigen" hatten der Gastwirt und seine Frau schon besorgt, und sie hatten»die Rechnung darüber dem Herrn Pastor zugeschickt". Ob der Pastor, der übrigens in einem Nachbarort Krampfer wobnt, die 24 Mark auS eigener Tasche hergegeben hat oder nur den Verwalter der für Frida mal zu erwartenden Lohneinnahme spielt, wisien die Eltern nicht. DaS schwarze Kleid hielt der Pastor wohl iür unentbehrlich, weil er Frida— einsegnen wollte. In Berlin hatten die Eltern auf Einsegnung des Mädchens verzichtet, weil sie ihnen überflüssig schien. Dem Dorspastov. aber�-der gewiß bald von dieser sträflichen Unterlasiungssünde erfuhr, scheint die Sorge um das Seelenheil der jungen Magd das Herz bedrückt zu haben. Der Plan, die Einsegnung nachzu« boten, wurde den Eltern schon Ausgang des Winters bekannt. Frida wünschte, ihren Tausschein zu haben, den sie wegen der Konfirmation brauche. DaS meldete sie aber nicht den Eltern, sonder» vorsichts- halber nur der verheirateten Schwester. Entrüstet schrieb der Bater dem Gastwirt, er solle nur dem Pastor sagen, daß er, der Vater, seine Einwilligung verweigere. Die Forderung»Heraus aus der Kirche!" habe seinen Beifall. Doch so geschwind gibt ein Pastor nicht eine gefährdete Seele preis, die zu retten er sich vor- genommen hat. Alsbald traf von dem Pastor— er heitzr Hahn« Zumpt— ein ebenso freundlicher wie höflicher Brief ein. den der Vater, ein schlichter Schmied, kopfschüttelnd las. Die Tochter sei»doch solch' ein nettes, verständiges und gutes Mädchen" und„möchte so gern eingesegnet werden". Es solle»ihr ja auch gar keine Kosten machen," er selber habe„ihr alles besorgt, was sie braucht. Kleid. Rock. Schuhe, Gesangbuch und noch 20 Mark, damit sie sich alles anschaffen kann." Und dann suchte der Pastor den Vater noch von einer anderen Seite zu fasten, indem er fortfuhr: „Ich kann mir doch gar nicht denken, daß ein Mann wie Sie, der gebildet und fortgeschritten ist und eine freie Selbstbestimmmtg verleidigt, seinem Kinde die freie Selbstbestimmung rauben will und so gegen seine eigenen Ideen und Ideale handelt. Lasten Sie do-� Ihr Kind nach eigenem Gewissen und Ermessen handeln." Die Tochter werde, so versicherte er. voir keiner Seite beeinflußt und von ihm nun gar nicht. Er sei durchaus kein Fanatiker. Der Vater solle sein Kind nicht kopfscheu machen. Das arme Mädchen weine immerfort und möchte doch so gerne kon- firmiert werden. So schrieb der freundliche Pastor— und die erwartete Wirkung blieb nicht auS. Ter Vater meinte, seinem Kinde die„freie Selbstbestimmung" überlassen zu sollen und gab die Einwilligung zu der beabsickitiglen Kon- sirmalion. Er nimmt an, daß der Pastor auch dann, wenn ein Kind die von den Eltern ausgedrungene Konfirmation ablehnen möchte, die»freie Selbstbestimmung" des Kindes hochhalten würde. Nicht wahr, Herr Pastor? Nach diesen Erfahrungen hat der Vater uns gebeten, sie der Oestenilichkeil bekannt zugeben. Er will alle Eltern davor warnen, ihre Kinder„so in die Ferne zu schicken", wie er eS getan hat. lieber die Arbeil seiner Tochter sowie über die ihr zuteil werdende Behandlung weiß er vorläufig noch nichts. Doch nur Geduld! Auch das wird er erfahren, wenn erst das aufs Land vermietete Berliner Kind das vereinbarte Jahr abgedient hat. Ter Berkehrsverband an der Reinickendorf— Liebcnwalde— Gr. Schöncbcckcr Eisenbahn hat in seiner letzten in Basdorf abgehaltenen Mitgliederversammlung eine Resolution gefaßt, laut welcher er die E i n g e m e i n d u n g von R e i n i ck e n- d o r f n a ch B e r l i»: für dringend geboten hält. Diese Resolutlon ist den in Frage kommenden Behörden mit der Bitte übersandt ivorden, die Eingemeindung wohlwollend zu erwägen und dafür einzutreten. Ter gestohlene Leichenwagen. Einen ungewöhnlichen Streich verübten Mittwoch nachmittag Pferdedieb« in der Mühlenstraße am Schlesifchen Güterbahnhof. Die Beerdigungsanstalt von Julius Grieneisen brachte eine Leiche, die nach der Heimat des Verstorbenen übergeführt wird, vom Sterbe- hause nach dem Bahnhof. Während der oar� in dem Wagen unter» gebracht und die Förmlichkeiten erledigt wurden, hielt der Leichen- wagen vor der Einfahrt in der Mühlenstr. 58. Kutscher und Bc- gleiter waren nicht wenig erstaunt, als sie nach Erledigung ihrer Arbeiten auf dem Bahnhof die Heimfahrt antreten wollten. Ihr Wagen war spurlos verschwunden und weit und breit nicht zu finden. Niemand konnte sagen, wer mit ihm weggefahren war. Alles Suchen und die Nachfon'chungen der Polizei blieben stunden- lang erfolglos, bis man endlich abends den Wagen herrenlos und ohne Pferde auf der Köllnischen Allee, stehen sah. Wo das Gespann geblieben ist, weiß man auch bis jetzt noch nicht. Bielleicht versuchen die Diebe es in Graß-Bcrlin zu verkaufen, vielleicht sind sie aber auch schon mit den Tieren in die Provinz hinausgeritten, um sie dort zu Geld zu machen. Ter Bestohlene erleidet einen Schaden von ungefähr 3000 M. Die Pferde, ein paar langschwänzige Rappen ohne Zeichen, sind jedes ungefähr 1000 M. wert und eben» soviel das Geschirr mit dem schweren Silberbefchlag. Den Silber- beschlag des Wagens haben die Diebe unberührt gelassen, Die findige Post. Eigentümliche Praktiken scheinen sich in der Fesff'etzung von Strasportogebühren auf dem Postamt Berlin 0 34 breit zu machen. Allem Anschein nach handelt es sich um die Unwissenheit eine« oder einzelner Beamten in Punkts Frankatur von Drucksachenbestellungen. Kleinen Leuten im Bestellbezirk dieses Postamtes wurden Karten mit vorgedruckten Ostergrüßen, die— als Drucksache mit 8 Pf. frankiert— an ihre Adresse gerichtet waren, mit 5 Pf. Strafporto de- legt. Als Grund der Strafportoerhebung wurde der handschristliche Zusatz„sendet Familie C. W. Beyersdorf" angeführt. Für die Entpfänger der Kartete wurde den Briefträgern die Belehrung mit auf den Weg gegeben, das Wort»sendet' ent- halte eine Mtteilung und wäre somit die Karte ein offener Brief, der 5 Pf. Porto koste. Die gleichen Karten, mit wärt- lich gleichem Text wurden aber von demselben Absender an Ver- wandte im Bestellbezirke des Postamts Berlin 0 17 und des Postamts Neukölln gesandt und hier anstandslos als Drucksache mit 3 Pf. Porto den Adressaten zugestellt. Die postalischen Bestimmungen für Drucksachensendrmgen, wie sie im Postbuch für Berlin und Umgegend zu finden sind, lauten: Folgende Zusätze und Aenderungen sind zulässig: Auf gedruckten Visitenkarten sowie auf Weihnächte- und Neu- jahrskarten die Adressen des Absenders, seinen Titel mit höchstens fünf Worten hinzuzufügen. Die Hinzufügung von fünf beliebigen Worten ist nur bei diesen Karten, nicht auch bei anderen Druck- sachensendungen gestattet. UnS deucht es als ausgeschlossen, daß Osier- und Pfingstkarten von diesen Bestimmungen ausgeschlossen sein sollten. Kleinen Leuten. denen es nicht vergönnt ist, die Feiertage im Kreise ihrer Angehörigen und Verwandten zu verleben, dienen doch auch diese Karten zu dem Zweck, letzteren ihre Grüße und Wünsche zu den Feiertagen zu über- mittel», genau wie Weihnachls- und Neujahrskarten. Daß diese Findigkeit im Erheben von Strasportogebühren nicht auf allen Post- ämtern anzutreffen ist, berechtigt zur Annahme, daß es sich beim Postamt 0 34 um eine ungerechte Maßnahme auf Kosten kleiner Leute handelt._ v Arbeitshaus statt Arbeit. -• Uns wird geschrieben: ,„In der. Nr. 102 brachte der„Vorwärts" unter„Berliner Nach- richten" eine Mitteilung über»Die bureaukratische Anwendung des. ArbeitSscheuengesetzes". Die» Kennzeichnung, die dort den in Betracht kommenden Magistratsinstanzen der Reichshauptstadt zuteil wird, haben diese in überreichem Maße verdient. Wenn sie daS Arbeitsfcheuengesetz nun sogar auf kaum entlassene Jrrcnanftalts- Pfleglinge anwenden, so ist das um so skandalöser, als gerade die Stadt Berlin bisher völlig versagt hat, wo es sich darum handelte, entlassenen Geisteskranken, die von der Anstaltsleitung als geheilt und arbeitsfähig angesehen werden, irgendwelche Arbeit zu be» schaffen. Während sich schon hier und da Privatleute finden, die den Versuch wagen, solchen Geisteskranken, die auf die Autorität des Leiters der Herzberger Anstalt(Prof. Maelip wieder ins Leben ge- stellt werden, Arbeit anzuvertrauen, ist es so gut wie unmöglich, einen dieser Unglücklichen mit Hilfe der Berliner Park-, GaS- oder irgendeiner sonstigen Deputation oder Verwaltung auch nur ver- suchswcife in Arbeit zu bringen. So wird dann der Steuer- fäckel durch viele als gesund und arbeitsfähig entlassene Männer und Frauen belastet, die sich selber wieder durchschlagen könnten, wenn man ihnen in der schweren Uebergangszeit unter die Arme griffe. Ich habe Gelegenheit, die geschilderte traurige Erfahrung sich unaufhörlich wiederholen zu sehen. Der Bureaukratie aber sieht es ähnlich, daß sie durch ihre Rückständigkeit und Verknöcherung Leute, denen gerade sie in erster Linie helfen müßte, nicht nur im Elend läßt, sondern obendrein(statt mit Arbeit) mit dem»Arbeitshaus" beglücken will! Wenn es so weiter geht, wird der Berliner Magistrat bald polizeilicher sein als— Jagow." Da schafft man einen Beirat für entlassene Geisteskranke, um den Entlassenen helfen zu können, auf andere Weife aber wirkt man in gegenteiliger Richtung. Hier gibt man vor, zu helfen» dort wer» den alle diese verständigen Bestrebungen vollkommen wieder zu- nichtc gemacht. Zur Beachtung für die Arbeiterelteru! Am nächsten Sonntag, den 19. April, nachmittags g Uhr, finden zwei Feiern für die schulentlassene Jugend und deren Eltern statt und zwar in folgenden Lokalen: 1. Moabitrr Gescllschastshaus, Wiclefftr. 24. 2. Gcwcrkschaftshaus, Engelufer 15. Das Progrankm ist dem Charakter dieser Feiern entsprechend ausgewählt und besteht aus Gesang,. Musik, Rezitation und Fest- anspräche. Der Eintritt ist für Jugendliche vollständig frei. Alle Arbeiterelteru sind mit ihren schulentlassenen Söhnen und Töchter« zu den Feiern herzlich eingeladen. Waffersteuer. Aus W a n n i e e wird uns geschrieben t Eigenartige Wahr« nehmungen konnte man an den Feiertagen in der Königstraße in der Nähe des Bahnhofes an der Prinz-Friedrich-Leopold-Brücke machen, welche die Verbindung vom Großen zum Kleinen Wannsee über- brückt. Hier hatte sich unten am Wasser ein Beamter der Kreis- fchiffahrt vom Kreise Teltow postiert, welcher sämtliche durchfahrenden Boote anhielt. Man erfuhr, daß das Befahren des Kleinen Wann- seeS resp. deS sich hier anschließenden Prinz-Fricdrich-LeopoldkanalS 1 M. kostet; d. h., eine Karte, gültig für 1 Jahr, kostet 1 M..Diese Karte muß� aber von der Kanaldirektion in Klein-Glienicke auSaestelll fein. Der Beamte konnte eine solche Karte nicht ausstellen, wohl aber eine Karte, gültig für einen Tag. Brit. Diese foftete aber auch 1 M. Ea gab es erstaunte Gefichter. Esstellung der Todesursache nach der Zeichenhalle in Schöneberg ge- † éinberufen, die Genossen wollen daher der Nuörif Partei Ausrüden bracht. angelegenheiten" in den nächsten Tagen besondere Aufmerksamkeit nuste nichts, wer nicht bezahlen wollte, mußte zurüd. febenfen. fonnte niemand, denn ganz in der Nähe lag ein Motorboot mit Deutscher Arbeiter Abstinenten- Bund. Heute abend 8%, Uhr peiteren Beamten von der Kreisschiffahrt, zum Verfolgen bereit. Run herrichte namentlich am zweiten Feiertag bei dem schönen findet im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, eine Versammlung statt. Better ein sehr reger Verkehr auf dem Wasser. Was da für in der Herr Dr. jur., H. Eggers- Bremen über den Gefeßentwurf zur Störungen eintraten, fann sich jeder leicht denken; fonnte da nicht Reichsgewerbeordnung sprechen wird. für ordentliche Bekanntmachung dieser Bestimmung gesorgt werden? Die gestohlenen Stiefel. Vorortnachrichten. Eine franzöfifche Reisegesellschaft, die in einem großen Hotel am Kurfürstendamin abgestiegen ist, wollte gestern einen Ausflug nach Botsdam unternehmen. Der Sonderdampfer sollte um 8 Uhr vom Die nächste Märchenvorlesung in der öffentlichen Lesehalle der Charlottenburger Schloß abfahren; doch als die französischen Gäſte Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, Rungestr. 25, findet am fich zur Dampferfahrt ankleiden wollten, vermißten neun von ihnen Sonntag, den 19. April, nachmittags bon 4-5 Uhr statt. the Schuhwert, das sie am Mittwochabend zum Reinigen vor die Eintritt fret für Kinder und Eltern. Zür gestellt hatten. Tros allen Suchens waren die Stiefel nirgends zu finden, und schließlich ließ die Hotelverwaltung die franzöfifchen Gäste in ihren Hausschuhen oder auch auf Strümpfen mit Kraftwagen nach dem Kaufhaus des Westens bringen, wo fie sich auf Kosten des Hotels mit neuem Schuhzeug verforgten. Unterbeffen warteten die übrigen Mitglieder der Reisegefellschaft im Charlottenburger Schloßpart und auf dem Dampfer in der frischen Morgenluft. Endlich kamen die Neubeschuhten im Straftwagen angefauft, und wurden von den Harrenden jedesmal mit lautem Hallo begrüßt. Um 91 1hr war endlich die ganze Reisegesellschaft wieder beisammen, und nunmehr fonnte der Sonder bampfer abfahren. Jm Hotel hatte während der Zeit die Kriminalpolizei schon die ersten Ermittelungen angestellt. Sie ergaben, daß ein Dieb eine Zür an der Liegenburger Straße erbrochen hatte und von dort aus unbemerkt auf die Hotelflure gelangt war. erfannt. Generalversammlung der Arbeiterbildungsschule. Aus dem zunächst erstatteten, debattelos entgegengenommenen Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß im verflossenen Quartal von 599 eingeschriebenen Hörern 489 durchschnittlich an den Kursen teilnahmen. In der Zahl sind.81 Damen und 518 Herren einbegriffen; unorganisiert waren 62. An Einnahmen wurden 2516,50 02, an Musgaben 2823,49 D., ausgewiesen, so daß ein Bestand von 3074,64 Mart verbleibt. Der Bibliothet mit einem Bestand von 2825 Bänben wurden 1051 Bände entliehen. Genosse au mig als Vorsitzender des Bezirksbildungsausschuffes begründete den Antrag auf Umgestaltung der Arbeiter bildungsschule. Ausgehend von der denkwürdigen Gründungsverjammlung am 12. Januar 1891, tissierte er in happen Umrissen die historische Entwideiung des Instituts und führte dann aus: Ob wohl die Schule ihre unzweifelhafte Bebeutung innerhalb der BerYiner Arbeiterbewegung gehabt habe und etwa 12 000 bis 15 000 rBeiter burch sie hinburchgegangen seien, bränge sich doch die Forde zung auf, einen entschiedenen Schritt weiter zu gehen. Das sei aber nur möglich durch die vorgeschlagene Umwandlung, bei der aber dem historisch Gewordenen und Bewährten im weitesten Maße Raum: gegeben ist. Un Hand ber gebrudten Vorlage, die ja auch bereits die Organisation beschäftigt hat, gab er dann noch einige Erläuterungen darüber, wie im einzelnen die Ausführung gedacht ist. Schöneberg. Reuthen. Bergfelde( Niederbarnim.) 98. für Die vorhandenen Minel Von der Mit'enwalder Kleinbahn überfahren. Ein grausiges Un glüd ereignete fich vorgestern gegen Abend auf dem hiesigen Bähn Die zur Baumblüte nach Werder kommenden Partei- hofe der Mittenwalder Kleinbahn. Die Frau Dornbusch, Mariens genossen werden ersucht, auf die Lokalliste besonders Bedacht dorfer Allee 9 wohnhaft, fandte ihren Enkel, den fechsjährigen zu nehmen. Der Arbeiterschaft bon Werder stehen als Ver- Cieslewicz, zu seinem Vater, einem Lokomotivführer der Bahn, mit fehrslokale der Schwarze Adler", Fischerstraße 98, und das Abendbrot. Der Knabe mußte dabei das Gleise. das die Straße freuzt, überschreiten und geriet unter die Räder des Zuges, so daß Lokal von Hinge, Kugelweg 58, zur Verfügung. ihm beide Beine abgefahren wurden. Das Unglüd wurde nicht ein. mal sofort entbedt, da das Kind keinen Schrei von sich gab. Der Bahn feblen Bahnwärter und Schranken, sie läßt zur Warnung beim Kreuzen der Wege nur die Glode ertönen. Ob das nun von dem Kinde überhört wurde oder ob es den Zug in der Dunkelheit nicht herannahen jah, niemand weiß es. Gestern ist das Kind im Kreistrantenbauſe den schweren Verlegungen erlegen. Der schon so oft, aber immer vergeblich gerügte Mißstand der ebenerdigen, un gefchügten Kreuzungen dieser. Bahn, hat so wieder einmal fein fchweres Opfer gefordert. Seine Abänderung durch Höber oder Eine blutige Ehetragödie hat sich am gestrigen Donnerstagnach- Tieferlegung der Babn ist längst geplant, aber es verblieb bis. mittag gegen 6 Uhr vor dem Hause Eisenacher Str. 70 abgespielt. her bei der bloßen Absicht. Hoffentlich wird jezt bald für Abhilfe Dort versuchte der Arbeiter Nowugic feine 54jährige Frau Anna gesorgt. durch drei Revolverschüsse zu töten und verlegte sie schwer. Die Verwundete wurde in das Schöneberger Krankenhaus geschafft, Die Gemeindevertreterjisung begann mit der Einführung der während der Täter verhaftet werden konnte. Wie darüber berichtet wird, lebte Komugic mit seiner Frau schon feit längerer Zeit in neus bezw. wiedergewählten bürgerlichen Vertreter Quandt, Boigt und Güldemeister, wobei Genosse Buchholz nicht veriäumte, auf die unfrieden. Bor etwa einem halben Jahr trennte sich die Frau von Wahlverstöße fowie auf die mit der wünschenswerten Unparteilichkeit ihm, bezog in der Belziger Str. 4 in einem Seitenflügel eine zwei- nicht in Einklang zu bringende Beteiligung von Gemeindebeanten zimmerige Wohnung und nahm in einer Echöneberger Fabrit Arbeit. an der Wahlagitation hinzuweisen. Solche Vorhaltungen gehören Seit einigen Tagen hatte der Arbeiter die Wohnung seiner Frau in natürlich nicht hierher", werden vielmehr als schwere Angriffe auf Zu dem Einbruch bei einem Arzt teilt das Polizeipräsidium Erfahrung gebracht und bat sie schriftlich, ihm eine Unterredung zu die geheiligte Dorfmajestät versarien. Aber selbst diese Unkenrufe Ein scharfe Aus folgendes mit: Der Einbruchsdiebstahl, der in der Nacht zum Oster- gewähren. Da hierauf feine Antwort erfolgte, lauerte st. seiner aus dem Briefetal sollen uns nicht irre machen. fonntag bei dem praktischen Arzt Dr. L. in der Blumenstraße Nr. 6 Frau abends, wenn sie von der Arbeit fam, ab und bat fie, einanderiegung, im wesentlichen zwischen Genossen Buchholz und dem Gemeindevorsteher als Wortführer der bisher herrichenden Dorf ausgeführt wurde, und bei dem der Arzt von den Einbrechern ge- ihn bei sich aufzunehmen. Frau Stowusic fvies diesen Borschlag jedoch mehrheit, zeitigte der Beratungsgegenstand: Befreiung der Lehrwürgt und die Treppe hinabgestoßen wurde, scheint nunmehr feine ab. Am Donnerstagnachmittag lauerte St. jeiner Frau an der Ede personen von der Krankenversicherung gemäß§ 169 der Reichs Aufklärung zu finden. Wie wir seinerzeit berichteten, haben die der Belziger und Eisenacher Straße wieder auf und versuchte noch versicherungsordnung. Alle Mühe unferes Vertreters, die Täter eine genaue Drtelenntnis und Kenntnis der Lebensgewohn male, fie umzustimmen. Als Frau K. jedoch auf seine Bitten und Anwendung Diefer bon offenent und verlappten Feinden Es wurde nunmehr festgestellt, daß Ausnahmebestimmung heiten des Dr. L. bewiesen. Sozialpolitik hineingeflickten der Bräutigam eines früheren Dienstmädchens, welchent die Drohungen hin ihren Entschluß nicht änderte, zog der Mann plög ber Wohnungs- und Haustürschlüssel abhanden gekommen waren, ein lich einen Revolver und feuerte auf sie drei Schüffe ab, von denen unseren Ort zu verhüten, mißlang. Bezeichnend ist, daß bürgerlichen Vertreter höchst ungenügend und der Gebereits der Kriminalpolizei bekannter Einbrecher Ernst Arnold einer in die Brust, ein zweiter in den Unterleib brang. Der Täter, die Hilscher ist, der auch bereits in dem Erkennungsdienst photographiert der zu fliehen versuchte, wurde von Bassanten eingeholt und auf die meindevorsteher nicht so über die Sache unterrichtet war, um ein und gemessen ist. Die Refognoszenten haben nun in der Photo- Rebierwache II der Schöneberger Bolizei gebracht. Die verlegte flares Bild über die Tragweite und finanzielle Wirkung des Gesetzes bemerkenswert aber auch, daß der aus diesem Grunde zu geben, graphie des Hilscher den einen der Täter mit Sicherheit wieder Frau fand im Schöneberger Krankenhauſe Aufnahme, wo sie in befehr berechtigte Borschlag des Vertreters Quandt, die Beschlußfaſſung dentlichem Zustand daniederliegt. weds befierer Information zu vertagen, ohne Widerspruch des Antragstellers vom Gemeindevorsteher einfach beiseite geschoben wurde. Also bessere Sachkenntnis ist nicht nötig. Im Krankheite Gemeindewahlfieg. Bei der am Mittwoch stattgefundenen Stich falle foll übrigens der anderthalbfache Betrag des Krantengeldes wahl zur Gemeindevertretung der 8. Klaffe wurde Genosse eier gezahlt werden. In den Schulvorstand wurde auf unseren Vor eier- gezahlt tag mit 96 Stimmen gewählt; auf den Gegenkandidaten, den kon- fchlag Herr Quandt neben dem wieder ernannten Herrn Genzow fervativen Privatgelehrten Nikolaus, entfielen 89 Stimmen, darunter gewählt. Entgegen dem Versuch des Gemeindevorstehers, den Schul Hinzustellen, befanden sich allerdings 36 Papierstimmen. Das Resultat ist um so borstand sozusagen als einflußlose Dekoration eifrigste Förderung der Gemeindeschule; erfreulicher, als die Gegner eine geradezu gehässige Agitationsmethode namentlich die Anstellung des zweiten Lehrers jei dringend, da die gegen unseren Kandidaten anwendeten. Schülerzahl jezt sechzig überschreite und ein Lehrer diesen Kindern Neukölln. unmöglich bei den heutigen hohen Anforderungen auch nur note Die Schulaufsichtss Sonntag, den 19. b. Mts., findet im Union- Theater, Hafenbeide dürftig genügendes Wissen beibringen könne. ( Unionsbrauerei), eine Stinovorstellung mit besonders gewähltem behörde auf geeignete Weise davon zu überzeugen, ist eine Aufgabe, Programm statt. Billetts zum Preise von 10 f. für Kinder und welche dem Schulvorstand ungeteilten Dant eintragen würdes 20 Bf. für Erwachsene find noch zu haben im Gefretariat, Redar. Die Ausschreibung für den Sprizenhausbau foll fraße 8; in der Spedition Rohr, Siegfriedstraße; in Bartiche nach vorgelegtem Plan gefchehen. Restaurant, Hermannstr. 49; Restaurant Brill, Böhmische Straße, genügen, diesen schon vor fünf Jahren als bringend empfundenen Bau, und zwar mit Eurm, auszuführen. Die Straßenpflasterung de Schubomiaſtraße; bei Lietich, Bilbenbruchstr. 86; Butenschön, in der anliegenden Mühlenbeder Straße foll aber, wenn billiges Gelb aufzutreiben ist, möglichst auch bei der jest günstigen StonWeiſeſtr. 5; Bormann, Liberdaftr. 15; Lehmann, Richardftr. 63, in der anliegenden Mühlenbeder Straße foll aber, wenn billiges Uhr.junttur ausgeführt werden. Zum Schluß noch eins: der in ficht und Schneider, Beifeftr. 64. Anfang der Vorstellung 2 Uhr. Geld aufzutreiben ist, möglichst auch bei der jest günstigen Stone Ginlaß 1 Uhr. Mittwoch, den 22. April, nehmen die im vorigen Jabre fo licher Entrüstung unserm Genossen B. gemachte Borwurf, daß er zu beliebt gewordenen Rachmittagsspiele ihren Anfang. Treffpunkt hartnädig und eigensinnig an feiner Meinung festhalte, ericheint wenig angebracht, wenn man berüdsichtigt, mit welcher Hartnädigteit nachmittags 2 Uhr auf dem Wildenbruchplaz. Um rege Beteiligung der Herr Gemeindevorsteher häufig als einziger den Standpunkt der ersucht Mehrheit verficht. Bolkstümliche Konzerte: Am Dienstag, ben 5. Mai, abends 8 Uhr, veranstaltet die Etadtgemeinde Neukölln zum Abschluß der Aus der Gemeindevertretung. Ohne Einspruch wurden die neuvollstümlichen Konzerte 1913/14 in der Neuen Welt" ein Bolts. Aufgeführt wird Mendelsohns gewählten Vertreter eingeführt. Bei den vorgenommenen Neuwahlen Dratorientongert Elias" durch den Oratorienverein zu Neukölln und das be- zu den verschiedenen Kommissionen wurde u. a. auch unier Vertreter deutend verstärkte Berliner Konzert- Dichester. Solisten: Fräulein in die Armenfommission gewählt. Alsdann wurde ein neuer Schul Elfriede Müller( opran). Fräulein Anna Graebe( Alt). Herr borstand gemählt, trozdem der alte noch auf drei Jahre zu Recht Valentin Ludwig( Tenor), Herr Hermann Beißenborn( Baß. Elias). besteht. Etwas aus der Reihe tanzte diesmal der GemeindeKarten zu 30 Bf., 50 f.. i m. und 1,50 M. find zu haben in den vertreter Dörschner, der fich zu fagen erlaubte, daß Leute gewählt „ Borwärts" Speditionen Nedarstraße 2 und Siegfriedstraße 28 29. würben, die feine Ahnung hätten, und bei der Beratung betreffs Ueber die Leistungen Berliner Arbeiterfänger, die am zweiten Borprogramme find im Zimmer 213 des Rathauses unentgeltlich Verlängerung des Kontraftes mit dem Omnibusbefizer verstieg er fich zu der Aeußerung: die gange Beratung sei ult. Ofterfeiertag im Breelauer Gewerkschaftshaufe ein gut befuchtes au haben. Gaftkonzert gaben, utteilt die rechtsliberale Breslauer Zeitung" Raulsdorf. u. a. wie folgt: Aus der Gemeindevertretung. Die zum 8. April einberufene E. P- k Die Berliner vereinigten Männerchöre des Deutiden Arbeiter Sängerbundes( Es handelt sich die Sänger- Sigung war infolge Fernbleibens der Mehrzahl der GemeindeAbteilung I" und den Männerchor Norden". Red.) veranstalteten vertreter nicht beschlußfähig. sie wurde deshalb auf Dienstag, den am zweiten Dfterfeiertag ein Gaftfonzert. Trotz der ins Freie 14., berlegt. Beim ersten Punkt der Tagesordnung, Neuwahl der Isdenden Frühlingssonne brauchte das mehr als taufenblöpfige Schulfommission, bemängelten uniere Genoffen, daß eine fo wichtige Bublifum den Aufenthalt in dem dichtgefüllten Konzertiaal bes Rommiifion, deren Amtsdauer 6 Jahre läuft, jest am Schluffe des Gewerkichaftshauses nicht zu bereuen. Denn die Leistungen der aus Berwaltungsjahres von den alten Bertretern gewählt werden soll. tvärtigen Sängeridhar übertrafen um ein Erfledliches bas Maß des Das sei eine Migachtung der formenden Gemeindevertretung und Gewohnten, täglichen. Lediglich vom Standpunkt der Kunst aus stehe im Widerspruch zu der bisher gehandhabten Bragis. Bur betrachtet, verdienten die aus Kunsthören, volkstümlichen Liedern Sache selbst bemerkten unsere Genossen, daß bei der Auswahl der und heiteren Gefängen bestehenden Darbietungen eine Bertschägung. Sommiifionsmitglieder vor allem folche vorzufchlagen und zu wählen bie um so höher zu veranschlagen ist, wenn man das wahrlich nicht feien, deren Kinder auch die hiesige Schule besuchen. Weiter iolle von Jugend auf zur Stunstpflege erzogene Sängermaterial in Be- man den Grundsay, in die einzelnen Kommissionen möglichst Leute 5 mit entsprechender Fachkenntnis zu delegieren, auch für die tracht zieht... Betont fet allerdings bei dieser Gelegenheit, daß folche Leistungen Schulfommiffion gelten laffen. Dies fet jept nicht der Fall, denn Der Arbeiterfänger erst durch die Schaffung großer Chöre ermöglicht das einzige derzeitige Mitglied, das über die Qualitäten berfügt, worden sind. Das sollten sich die vielen fleineren Arbeitergefang- iet der Reftor, der aber nicht durch Beschluß der Gemeindevertretung, bereine merken, die aus furzsichtiger Vereinsmeierei einer Ber- fondern als Vertreter und Sachwalter der Regierung dort Siz und Stimme habe. Es wurde dann von unseren Genossen bean schmelzung immer noch ablehnend gegenüberstehen. tragt, unter Berücksichtigung der angeführten Gründe die Wahl bis Erschoffen aufgefunden wurde am Donnerstag früh im Schloß zum Buidmmentritt des neuen Gemeindekollegiums auszulegen. park zu Nieder Schönhausen ein dem Arbeiterstande angehörender Der Antrag gelangte, bei Stimmenthaltung der bäuerlichen Vertre er, Mann. Ein Schuß, in die rechte Schläfe hatte feinem Leben ein zur Annahme. Weiter gab der stellvertretende Gemeindevorsteher Ziel gefest. Aus vorgefundenen Papieren ging hervor, daß es fich bekannt, daß der Schöffe Herr Süden wegen beruflicher Ueberlastung anscheinend um den arbeitslosen Hausdiener Friz Strauß handelt. bie Niederlegung feines Schöffenmandats sowie aller anderen Aemter Wieder ein Opfer der herrschenden Wirtschaftskrise. in der Gemeinde angezeigt hat. In der Disfuifion wurde darauf hingewiesen, daß man von den Bestimmungen der Landgemeindeord Feuer in einer Lampenfabrik. In der Nacht zu Donnerstag tourde die Feuerwehr nach der Kommandantenstr. 16 gerufen, to nung, wonach jedes Gemeindemitglied verpflichtet sei, mindestens3 Jahre walde( Schulz). Start: Schulitraße 29. Ehrenamter auszuüben, abfehen wolle, wenn ein Mitglied nicht die nötige imr zweiten Stod des britten Quergebäudes in den Räumen einer Zeit oder das Intereffe habe. Dementsprechend wurde beichloſſen. Zampenfabril ein größeres Feuer ausgebrochen war. Die Flammen als legte Sache wurde über die Gültigkeit der stattgefundenen fanden an Regalen und Berpadungsmaterialien reichliche Nahrung Ergänzungswahlen verhandelt. Der Gemeindevorstand beantragte, und sprangen auch noch auf den dritten Stod über. Der Löfbas Mandat unseres Genoffen Beher für ungültig zu erklären, da er nicht angriff wuide mit drei Schlauchleitungen durchgeführt, weils über anfäisiger im Sinne der Landgemeindeordnung fehen Gem por Stangen die Mohrführer teils über eine mechanische Leiter, die Treppen gegen das Feuer vor. Erst nach einstündigem Wasser- bertretung stimmte, mit Ausnahme unserer Genossen, dem Vorschlage zu. geben war die Gefahr beleitigt. Die Nachlöich und AufräumungsEs muß nunmehr noch einmal in die Wahlbewegung eingetreten arbeiten zogen fich bis 8 Uhr morgens hin. Die Ursache bes Brandes werben. Genosse Beyer hat bereits die nötigen Eritte unter- Charlottenburg. Nachmittags 2 Uhr: Franz.- Buchholz. Starts ift nicht ermittelt. In der Adalbertstr. 73 brannten außerdem nommen, die ihn binnen turzem zum anerkannten Hausbefizer Stiften und Streuborräte in einem Stallgebäude. stempeln sollen. Der Termin ber Neuwahl steht noch nicht fest, doch wird die amtliche Bekanntmachung voraussichtlich bald erfolgen. Esirschgarten( Bilbeinshof, Böniich). gilt aber schon jest, die mündliche Agitation für die Wahl auf Stralan- Rummelsburg. Büge 12.49, 1.39, 1.49, 2.9, 3.19, 2.39. unmen und die Wähler der dritten Klaffe auf ihre Pflicht au ber Start:? Uhr früh Beretola weifen, in gleicher Weise wie bei der Hauptmahl fo auch diesmal ihre Bflicht zu tun.- Sofort nach Bekanntgabe des Bahltages wird die Bezirksleitung eine außerordentliche Mitgliederversammlung Der Vorstand der Arbeiter Bildungsschule empfahl der Verfammlung auf Grund der Sasungen, der nächsten Generalver. jammlung den Antrag zu unterbreiten: Die Arbeiter- Bildunge schule ist aufzulösen und das vorhandene Vermögen dem Bezirke bildungsausschuß als Schulfonds zu überweisen. Den wurde debattelos gegen ganz wenige Stimmen zugestimmt. 0 4 17 Ein unheimlicher Fund wurde gestern auf dem Baubengelände an der Ede der Niederwald. und Lorcherstraße in Schöneberg gemacht. Dort lag ein mit Windfaden verschnürtes Batet aus Beitungsunb Badpapier, bas die Zeiche eines neugeborenen Anaben enthielt. Der Fund wurde der Polizei übergeben und von dieser zur Fest. Der Spielausschuß. Bruchmühle. Sigungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Hohen- Schönhausen. Heute Freitag, abends 7 Uhr, im Rathause, Diese Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindeangehörige ist be rechtigt, ihnen als Zuhörer beiguwohnen. Sauptstr. 50. Spiel und Sport. Radfahrer. Arbeiter abfahrer- Bund, Solidarität. Mitgliedschaft Berlin. Tourenplan zum Sonntag, den 19. April. Sommenden Sonntag, den 19. April: Werberagitation. Treffpunkt Uhr früh an den belannten Startlatalen. 5. Abt.: Agitationsstart Elbinger, Ede Langenbeditraße. Bülowftr. 38. 1. Abt. Früh 7 Uhr: Friedrichsthal Nachm. 1 Uhr: Bergfelde. Start: 2. Abt. Früh 7 Uhr: Hennigsdorf- Hohenschöpping- Birkenwerder. Nachmittags 1 Uhr: Waidmannsluft( Schweizerhaus). Start: Fontane Bro menabe 3. Abt. Streifzüge über Erfner- Gofener Berge usw. Start: 7 Uhr morgens. Nachmittags 1 Uhr: Richtershorn. Start: Lausitzer Blas 12. 4. Abt. Früb 6%, Uhr: Ablochtour Finfentrug- Briefelang. Rath mittags 1 Uhr: Pichelswerder( Freund) Start: Ktüjtriner Blaz 5. Abt. Früb 6 Uhr: Briegen( Grünberg, Freienwalder Str. 6). Nag mit: ags 1 Uhr: Bernau( Salzmann). Start: Beberwiese, Ede Memeler Straße. 6. Abt. Früh 7 Uhr: Lanke( Stodmann). Rachmittags 1 Uhr: Bepernic ( Bartschlößchen). Start: Oberberger Straße 28. 7. Abt. Früh 7 Uhr: Lante( Stodmann). Nachmittags 1 Uhr: Schön 8. Abt. Früh 7 Ubr: Biefentbal( Schüzenhaus). Rachmittags 1 Uhr: Bernau( Salzmann). Start: Aleinert, Revezomitrage. 11. Abt. Mittwoch, 22. April, früh 9 Uhr: Berder. Start: Berbanbs. haus. Gr. Hamburger Sr. 18/10. 12. Abt. Nach Nauen( Kunide). Start: Bahnhof Heerstraße. Reutölln. Früh 8 Uhr: Abfochtour Stremmen( Schade, Berliner Straße 28): Nachmittags 1 Uhr: Schulzendorf( Hubertus- Lokal). Start: Hermannplas Schöneberg. Faltenbagen( Bifchoff). Start: 1 Uhr bet Dbft. Segel Borfigwalde Nachmittags 1 Uhr: Mühlenbed. Bollshaus, Rosinenſtr. 3. Lichtenberg. 1. u. 2. 906t. Nachm. 1 Uhr: Frühlingsausfahrt Statt: Pfarritr. 74. Bahnstart: Richterfelde. Sonntag, den 19. April: Zour nach Ludenwalbe 2ilmersdorf. Sonntag, ben 19. April, mittags 1 Uhr Start am Bom Sonntag ab alle Starts am Dentmal Denkmal. Dilhelmsaue. Tour murd bort befannigegeben. Nr. 104. 31. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. freitag, 17. April 1914. „ Blinde" Gendarmen vor dem in einem anderen Falle waren Sie mit Schulz in einem Zotal am Dem Angeklagten Sudland gab der Zeuge eines Tages ein ZehnKriegsgericht. Das Geld spiele bei der Bezeichnung gar keine Rolle. In seiner schonte ihn. Bei der nächsten Vernehmung erklärte ich, ich Gegenwart habe Schulz kein Geld bekommen. Verhandlungsleiter: hätte mich bei der ersten Vernehmung getäuscht in der Person. Sattelplay in Hoppegarten. Dort trat der Buchmacher Wenzel an markstüd, damit er sich Billette fürs Metropoltheater faufen könne. Schulz heran und drückte in Ihrer Gegenwart dem Schulz ein Der Zeuge macht eine Reihe von Aussagen, durch die auch Zehnmarkstück in die Hand. Angeklagter: Das ist gar nicht möglich. andere Beamte belastet werden. Verhandlungsleiter: Un jenem Tage hatte ich ja bei der Einweihung des Stadions im Nun gibt es auch noch Buchmacher, die vor der Rennbahn_thr Unter der Anklage, von Buchmachern auf den Rennplägen in Grunewald Dienst getan. Verhandlungsleiter: Dann halte ich Wesen treiben. Zeuge: Ja, das sind solche, die keine Konzession Karlshorst und Hoppegarten Geld und andere Geschenke entgegen Ihnen noch vor, daß eine ganze Anzahl von Buchmachern, die haben. Es gibt sozusagen zwei Lager auf der Rennbahn; das eine genommen und dafür das Treiben der Buchmacher geduldet, ja fogar Schulz Geld gegeben haben, von Ihnen seit Jahren nicht ist dasjenige der„ Konzessionierten", das andere das der Opfer. gefördert zu haben, standen gestern die Gendarmerie- Wachtmeister mehr zur Anzeige gebracht worden sind, obwohl sie alle Haneberg, zum Worte gelassen, erklärt, daß die Angaben des Haneberg, Sudland und Eryleben von der 3. Gendarmerie- Brigade auf der Liste der Buchmacher gestanden haben und ihnen das Bevor dem Kriegsgericht der 2. Garde- Division. Sie wurden im Herbst treten der Rennbahn verboten war. Der Angeklagte bestreitet auch 3eugen unwahr seien. Man könne auch nichts auf seine Aussagen geben, da F. in Beamtenkreisen als der„ berrüdte Friedländer" vorigen Jahres mit einer Anzahl anderer Gendarmen verhaftet, von hier, sich irgendwie schuldig gemacht zu haben. bekannt sei. Verhandlungsleiter: Vielleicht heißt er auch der denen mehrere inzwischen von der gleichen Anklage freigesprochen Verhandlungsleiter: Es behaupten nun mehrere Zeugen, daß sie verrückte Friedländer, weil er Euch unbequem ist. Der Zeuge worden sind, weil die Hauptbelastungszeugen versagten. Sie machten Sie best och en hätten. Angeflagter: Nein, ich habe feine Ge- bekundet weiter: Ein Bekannter habe zu ihm einmal geäußert, von dem ihnen zustehenden Rechte Gebrauch, ihre Aussage zu verschente angenommen. Verhandlungsleiter: Man hat Sie der Be- als er von den ihm vorgeschossenen 150 M. an Haneberg 20 M. weigern, weil sie sich sonst selbst belastet hätten. stechung beschuldigt, und Sie haben sich nicht gewehrt und keine Abzahlung an ihn schicken wollte:„ Schicke doch dem Menschen kein Zu dem Prozeß find 82 Zeugen geladen, meist Gendarmen und Klage wegen Beleidigung gestellt. Wie verhalten Sie sich zu den An- Pfund, der verdient ja morgen auf der Rennbahn Buchmacher; ferner Kaufleute, Kellner, Reisende, Händler usw. Die gaben von Zeugen, wonach Sie wiederholt Geld in die wieder 50 bis 100 m.1"-Angeklagter Sudland bestreitet, aus der Untersuchungshaft vorgeführten Angeklagten bestreiten ihre and gedrüdt bekommen haben? Angeklagter: Das von Friedländer jemals 10 M. bekommen zu haben. Verhand ist nur ein Rachealt. Verhandlungsleiter: Der Kaufmann lungsführer zum Zeugen Friedländer: Und wissen Sie, ob der Friedländer hat befundet, Sie hätten ihn im Jahre 1912 wegen Angeklagte Errleben Geld bekommen hat? Zeuge: Die GenHausfriedensbruchs angezeigt und ihm die 150 Mark Geld- darmen haben alle Geld bekommen, alle, und nur die wenigen strafe selbst gegeben. F. fagt, wenn er, der Angeklagte, die 150 M. Neuen vielleicht nicht. Aber die Oberwachtmeister auf keinen Fall; nicht gegeben hätte, so hätte er ihn damals wegen Bestechung an Oberwachtmeister Heinemann war sehr streng, und wenn er nicht gezeigt.. wisse, daß Haneberg feit zehn Jahren mit Buch seinerzeit gekommen und energisch aufgetreten wäre, so würde die ma chern gemeinsame Sache gemacht habe und daß schon Sache so immer weiter gegangen sein. im Jahre 1906 umfangreiche Bestechungen vorgekommen seien. Der Kriminalfommissar Werner hat seinerzeit die Zeugenvers Angeklagte bestreitet alles. Schuld. Vernehmung der Angeklagten. In seiner persönlichen Vernehmung bekundet der Angeklagte Haneberg, daß er Portepéeträger ist. Vor mehreren Jahren ist ihm der Offizierssäbel verliehen worden. H. ist in Karlshorst stationiert. Das Führungszeugnis lautet auf sehr gut. Auch Sudland hat den Offiziersjäbel; er ist in Oberschöneweide stationiert. Beugnis: ziemlich gut. S. ist wegen Achtungsverlegung mit Arrest bestraft. Errleben, der gleichfalls den Offizierssäbel trägt, hat seinen Dienstort in Pantow. Die Angeklagten sind seit September v. J. in Untersuchungshaft. Es folgt nun die Vernehmung des Angeklagten Sudland. Auch nehmungen in Berlin angestellt. Er bekundet, daß Herr Isaac er bestreitet, Geldgeschenke von Buchmachern angenommen zu haben durchaus sachlich ausgesagt habe und daß seine Angaben einen durchaus glaubwürdigen Eindruck gemacht hätten. Dagegen sei Nach Verlesung der Anklage erklärt Angeklagter Hanemann: und stellt sich im übrigen auf denselben Standpunkt wie Haneberg. der Zeuge Friedländer bei seinen Befundungen etwas nervös geIch bestreite ganz entschieden, Geld oder irgendwelche Vorteile von Der Angellagte Ergleben bestreitet gleichfalls jegliche Schuld. wesen. Verhandlungsleiter: Sind die Klagen, die Herr Isaac Buchmachern angenommen zu haben. Ich wurde im Jahre 1902 Es wird ihm vorgehalten, daß er sich ein ganz erfledliches Sümmchen und der Zeuge Friedländer Ihnen gegenüber gemacht haben, schon nach der Rennbahn Karlshorst kommandiert. 1906 bis 1910 blieb zusammengespart habe, etwa 4-5000 M. Der Angeklagte erklärt, früher von Buchmachern geführt worden, und wußten Sie schon vor ich dann in Zivil auf demselben Plaz, auf dem ich vorher in er habe niemals etwas mit einem Buchmacher zu tun gehabt. diesem Prozeß, daß es einen sogenannten fongeffionierten Ring Uniform gewesen war. Im Jahre 1911 trat dann die Berliner Schwerwiegende Verdachtsmomente gegen ihn liegen nicht vor. gab? Zeuge: Jawohl. Man hätte unwillkürlich das Gefühl Kriminalpolizei zurüd. und wir wurden jezt durch andere Kollegen Hierauf wird in die Beweisaufnahme eingetreten. Zu haben können, daß da irgend etwas nicht in Ordnung war. Aber unterstügt. Wir wurden in Patrouillen eingeteilt, und zu unseren nächst gelangen mehrere Beitungsartikel zur Berlesung, durch welche die Leute wollten nicht so recht mit der Sprache heraus. Befugnissen gehörte es, auf Buchmacher zu fahnden. Bei den Rennen sind der Stein ins Rollen fam. Auch ein längeres Schreiben, das an Oberwachtmeister Heinemann hatte den Aufsichtsdienst int gewöhnlich bis 70 0000 Menschen anwesend, und es ist außerordentlich die 3. Gendarmeriebrigade gerichtet war, wird verlejen. schwer, die Buchmacher da herauszufinden. Es wurden vom Aus den Zeugenaussagen heben wir folgende als bemerkens- Hoppegarten zu leiten. Er hat in einem Bericht an den Distriktsoffizier im September vorigen Jahres die Vermutung aus Kriminalfommissar v. Manteuffel Schriften herausgegeben, die uns wert hervor: einige Hinweise gaben. Wenn man einige Zeit Dienst getan hat, Als erster Zeuge wird der Zeitungsverleger und Schriftsteller gesprochen, daß etwas nicht in Ordnung sei mit seinen Beamten auf dem Rennplay. Es gibt auf den Rennpläßen sogenannte eine kann man an den einzelnen Bewegungen des Betreffenden sehen, sa ac von der Zeit am Montag" vernommen. Er hat person- Buchmacher, Buchmacher dritten Grades, die fleinere Summen an daß er Buchmacher ist. Es ist eben schwer, sie zu überführen. Vor lich Beobachtungen in Karlshorit und Hoppegarten angestellt. Der nehmen, und solche, die Summen von 50 bis zu 1000 Mt. ane Gericht haben sie 99 Ausreden. Sie ichieben andere Perionen vor, Jeuge trat mitten unter die Buchmacher und erfuhr von ihnen, nehmen. Und gerade die kleineren Buchmacher wurden oft fiftiert. und erklären einfach, sie hätten die Gelder am Totalisator angelegt. daß fie die Gendarmeriebeanten, obwohl fie in zibil waren, wohl Haben wir jedoch die Ueberzeugung gewonnen, daß wir einen Buch- tannten. Herr Isaac beobachtete, daß sich die Buchmacher weiter macher vor uns haben, dann schleichen wir uns an ihn heran, nehmen gar nicht vor den Beamten genierten. Und die Beamten mußten ihn fest und bringen ihn zur Wache, wo ihm Geld und Papiere ab- alles sehen, sie mußten das Geld klappern hören. genommen werden. Verhandlungsführer: Es soll ciu Buchmacherring existiert haben, der von Ihnen und den anderen Beamten unbehelligt gelassen worden ist, während die anderen kleinen Buchmacher zur Anzeige kamen. Wieviel Buchmacher haben Sie denn eigentlich zur Anzeige gebracht?- Angeklagter: Jm Jabre 1912 habe ich auf drei Rennbahnen 85 Buchmacher zur Anzeige gebracht. Verhandlungsleiter: Es eriſtierte eine iste, in welche die Buchmacher ein gezeichnet waren, und nach dieser Liste hätten Sie doch arbeiten und die Buchmacher erkennen fönnen. Sie sollen Jaber die Leute geschont haben. Es ist wiederholt in der Presse über dies Treiben geschrieben worden. Sie sollen dem Wachtmeister Schulz gegenüber verdächtige Aeußerungen getan haben. Sie sollen ihn angelernt und ihm dabei gesagt haben: ,, Die und die können buchmachen und die nicht." Sie taten aber, als ob sie gar nichts merkten Der Zeuge hat auch andere Beamte als die Angeklagten in der beschriebenen Weise beobachtet. Nur wenn einer, der unter dem Namen des„ Offizierkarl" nahte, steckten die Buchmacher die Papiere ein und markierten den Harmlosen. Wenn es hieß: " " Der Offizierfarl" fommt", und diese waren darüber ärgerlich, daß gerade fie immer genommen' wurden. Es mußte also auf die großen Buchmacher mehr Wert gelegt werden. Es gehört aber eine gewisse Ausdauer und Beobachtung dazu, diese größeren Buchmacher festzulegen. Jur Laufe der Zeit tam dem Zeugen die Vermutung, daß es zu träge zuginge, denn es mußten mehr große Buchmacher genommen werden. Der Zeuge hat oft die Beobachtung gemacht, daß, wenn er die Rennbahn betrat, die Buchmacher schnell ihre Papiere ver schwinden ließen, und daß ihnen der Schred in die Glieder fuhr. Diesen Umstand hat der Zeuge auch hin und wieder ausgenügt und Leute genommen. Die Tätigkeit eines Beamten auf der dann trat plöblich Ruhe unter den Buchmachern ein. Sobald Rennbahn sei eine sehr schwere. Als der Zeuge eines Tages den Buchmacher Friedländer nahm, machte dieser Aeußerungen und Offizierkarl" wieder verschwand, ging das Buchmachen wieder los. Anschuldigungen, über die der Oberivachtmeister nicht hinweggehen Und was für eine Persönlichkeit hinter diesem geheimnisvollen konnte. Dazu kamen dann noch die Angaben des Gendarmerie Offiziertail" stedt, vermag weder der Zeuge noch sonst jemand wachtmeisters Schulz. Sch. meldete, es sei schon längst seine Abanzugeben. Der Zeuge befundet weiter, daß bei den Buchficht gewesen, die Meldung zu machen. Die Wachtmeister Haneberg ma cherringen oft hundert und zweihundert Per- und Sudland hätten ihm geraten, mit den Buchmachera sonen zusammenstanden. Fühlung zu nehmen. Nach jenem Rennen in Hoppegarten Verhandlungsleiter: Sie sind auch Zeuge gewesen, feien ihm bei einer Zecherei von den Buchmachern Geldsummen wie ein wilder Buchmacher genommen" wurde. Beuge ausgehändigt worden. Schulz habe dem Oberwachtmeister 240 W., Jawohl, das war Teuerkauf. Aber weder Haneberg noch Sudland die er von Buchmachern erhalten, ausgehändigt. Der Zeuge ift hat die Verhaftung vorgenommen. Aus den. Bekundungen des der Meinung, daß dem Schulz schließlich das Gewissen geschlagen hat und daß er auch Material gegen die Buchmacher sammeln wollte. Betreffs der Ueberführung der Buchmacher durch das Ge. richt erklärt der Zeuge, es genüge den Gerichten die Feststellung, daß die Buchmacher Gelder einnehmen und auszahlen, ohne fich an den Totalisator zu wenden. Wird einmal ein Buchmacher überrajcht, so gibt er schnell Wettzettel und Gelder an seine Begleitung ab. Es ist auch schon vorgekommen, daß Buchmacher Wettzettel verschluckt haben. Dem Zeugen ist nicht bekannt, daß die Buchmacher bei den Gendarmen als„ gut“, genügend" und" schlecht" bezeichnet werden. Ein Gendarm darf den Buchmacher nicht auffällig beobachten, aber die Beobachtungen währen lange. Die Verhandlung wird sodann auf Freitagvormittag vertagt. das Buchmacherwesen ganz öffentlich Sie haben alio von fonzessionierten und nichtlonzeffionierten BuchSie haben alio von fonzessionierten und nichtkonzeffionierten Buch machern gesprochen. Und dann hat ein Zedgelage, bei dem Zeugen geht hervor, daß Sie und lauter Buchmacher zugegen waren, stattgefunden. Schulz hat nach einem Rennen von Buchmachern nicht weniger als 160. zugestellt erhalten. Er hat die Sache dann angezeigt. Angell.: betrieben wurde. Der Zeuge hat erst eingehende Betrachtungen Wachtmeister Schulz fagt die unwahrheit. Berhandlungsleiter: Was angestellt, ehe er die in Frage stehenden Artikel schrieb. Es sei hat Schulz für einen Anlaß, Sie hineinzulegen? Angekt.: Das weiß wie auf einer Börse, ganz offen zugegangen. Vor dem„ Offizier farl" hatten die Buchmacher allein Respekt. Wenn er fam, richteten Der Angeklagte macht dann längere Ausführungen über Glücks- sich die Blide aller Buchmacher auf ihn, und alles verdächtige spiele, bei denen nach einem Rennen„ Die lustige Sieben" und" Die Material verschwand. Die Angeklagten müssen, und wenn sie auch goldene Sechs" von Rennbesuchern gespielt wurden und wobei er auf Taschendiebe und andere Sachen zu achten hatten, das Treiben mit dem Wachtmeister Schulz auf die Spieler fahndete. der Buchmacher gemerkt haben, denn tranken damals in einem Lokal Bier, doch hat uns niemand etwas Bezahlt. ich nicht. Wir man stolperte ja förmlich darüber. Die Arbeitervorlesungen der Humboldt- Akademie, die heute beginnen und bis zum Himmelfahrtstage dauern, umfassen: Algemeine Gesundheitslehre( Dr. Wolff- Eisner, Vortrag Freitag, den 17. April, Invalidenſtr. 42, Landwirtschaftliche Hochschule); Gartenbautunde der arbeiten. den Bevölkerung( H. Hermes, Georgenstr. 30/31, Freitags 8-10. Beginn: 17. April); Fahrten und Wanderungen durch Deutschland( Dr. Goslich, Beorgenstraße 30/31, Montags 8-10 Uhr abends, Beginn: 20. April); Bilder aus der Völkerkunde( Dr. A. Eichhorn, Georgenstr. 30/31, Dienstags 8-10 Uhr, Beginn: 21. April). Hörgebühr 1 M. für jede Vortragsreihe. Allgemeine Kranken und Sterbekaffe der Metallarbeiter. ( V. a. G.), Hamburg. Filiale Tegel. Sonnabend, den 18. April, abends 8%, Uhr, bei Sorrer, Schlieperstraße: Mitgliederversammlung. Verhandlungsleiter: Wachtmeister Schulz stellt die Der Zeuge legt mehrere eidesstattliche Versicherungen vor, nach Sache aber anders dar. Nach einem Rennen in Hoppegarten faßen denen bestimmte Personen versichern, Gendarmeriebeamten und Sie, Sudland und Schulz mit vielen Zivilisten zusammen, die alle Buch- auch anderen entsprechenden Personen Geld gegeben zu haben, um macher waren. Es wurde auf Kosten der Buchmacher tüchtig Ruhe vor ihnen zu haben und das Buchmachergewerbe ausüben zu gezecht und einer nach dem andern ging an Schulz, den neuen können. Der Zeuge hat gesehen, daß die Buchmacher Gelder bis Wachtmeister heran und zahlte ihm 5 und 10 Mart, bis 160 Mark zum Läuten des Starts entgegennahmen, und daß dann nachher zusammen waren. Sie haben dem Schulz auch anempfohlen, sich Gelder wieder ausgezahlt wurden. Der nächste Zeuge Friedländer wird auf das Zeugnisein Buch anzulegen und darin die Namen der Buchmacher anzu führen, die unbehelligt bleiben sollten. Angeklagter: Das ist alles veriveigerungsrecht hingewiesen, erklärt jedoch aussagen zu wollen. Buch unwahr. Verhandlungsleiter: Was wissen Sie davon, daß die Ich habe gar nicht gewußt, daß es Beuge: Daß ein Genmacher woven. Verhandlungsleiter: Dann halte ich Ihnen Angeklagten bestochen worden sind? als darm Geld von Buchmachern nimmt, ist erwiesen. Verhand noch eins Dor. Sie sollen dem Wachtmeister Schulz, 3euge: Er muß unbedingt sehen, dieser fragte, ob die Sache denn nicht entdeckt werden könne, er lungsleiter: Wieso? widert haben:„ ch wo, wir sind alt dabei geworden!" daß Buchmacher dort sind, und er faßt nicht zu. Ich selbst habe Angeklagter: Das ist nicht wahr. Ich habe nur einmal gefagt, bei immer meine Braut bei mir, die das Geld abnimmt. Ein tüchdem schweren Dienst auf der Rennbahn kann man früh alt und grau tiger Buchmacher hat nie viel Geld bei sich. Es gibt„ konzessioMarktpreise von Berlin am 15. April 1914, nach Ermittelungen werden, Verhandlungsleiter: Und dann noch etwas. Als Sie nach nierte" Buchmacher und Opfer. Eines Tages trat Haneberg in des tgl. Volizeipräsidiums. Mais( mixed), gute Sorte 00,00-00,00, Donast Mais( runder), gute Sorte 14,90-15,20. Nichtstroh 0,00. einem Rennen mit Schulz in einem Gehölz nach Sittendirnen Karlshorst an mich heran und sagte, er müsse mich wegen Haus- 0,00-0,00. fuchten, taufte plöglich der Buchmacher Zwemte mit einem anderen friedensbruch anzeigen. Ich erklärte, daß. ich die Strafe nicht eu 7,70-9,20. Martthallenpreise. 100 Stilogr. Erbjen, gelbe, zum Rochen Buchmacher anf und 3. gab dem Schulz 20, der andere Buchmacher zahlen könne. Er, Haneberg, werde noch in der Uniform an mein 34,00-50,00. Speisebobnen, weiße 35,00-60,00. Rinfen 40,00-80,00. 10 M. 3. trarde dann ins Buch als" gut", der andere, der nur Beit kommen und Abbitte leisten. Die Anzeige wurde erstattet 10 m. gegeben, als„ genügend" eingetragen. Das ist alles in Ihrer und ich wurde auf dem Polizeirevier vernommen. Bei der Ver- Kartoffeln( Stleinbdl.) 4,00-7,00. 1 Silogramm Rindfleisch, von der Steule nehunung sagte ich, ich sei angezeigt worden, weil ich Haneberg feine 0,000,00. Rindfleisch, Bauchfleisch 0,00-0,00. Schweinefleisch 0,00-0,00. Gegenwart geschehen. Der Angeklagte bestreitet dies und sucht eine harmlose Auf- 5 und 10- Martitüde gezahlt habe. Der vernehmende Polizei- 60 Stüd Gier 3,00-1.80. Härung zu geben. Man babe die Leute, die große Schwierigkeiten wachtmeister wollte meine Aussage crit gar nicht aufnehmen. 1,80-3,20. bereiteten, nicht mit genügend", fondern mit„ ichlecht“ bezeichnet. Saneberg zahlte dann selbst die 150 Mark und ich Schlete 1,60-3.20. Bleie 0.80-1.60. 60 Stud Streble 3,50-24,00. 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Die italienische Auswanderung. de= ind Straße einen alten Mann, dem beide Beine fehlten, wie er feit vier Präsidenten Poincaré und der Großherzogin von MecklenburgTagen in den Büschen nahe den Bahngeleisen herumfroch. Da fein Schwerin sowie des Marineministers und des belgischen Aeroklubs. Benehmen am Karfreitag auf Selbstmordabfichten hindeutete, gingen einige Männer hinzu und wollten ihn mitnehmen. Er bat sie aber Ober- Schöneweide. Sonntag, den 19. April, beranitaltet der Stefige elenbes geben beenden könne. flehentlich, ihn auf den Schienen liegen zu lassen, damit er sein Enrnverein fein Anturnen auf seinem Spielplatz in der Köpenider Straße Er habe zwar in Berne( bei Aus Rom wird uns geschrieben: Den Beweis dafür, daß das reit burch volkstümliches Wettturnen. Abmarsch nach deur Spielplas 2 Uhr Langendreer) ein Zimmer, aber es fei noch nicht einmal ein Jahr 1918 ein Krijenjahr war, hat man nachträglich aus der Aus- bevom Bereinslofal Wilhelminenhof". Strohlad darin, auf den er sich legen fönne. Der Mann, wanderungsstatistit. Es sind nämlich im Jahre 1913 aus Italien en, 1. Kreis 2. Bezirk. Am Sonntag, den 19. pril, findet auf dem der 54 Jahre alt ist und dem vor längerer Zeit on 428 484 Jtaliener in überseeische Länder ausgewandert, beinahe asFichte Turnplab in Treptow ein Propaganda Fauftballspiel zweier fom- beide Beine bon einem Zechenzuge abgefahren wurden, 136000 mehr als im Vorjahre. Den Hauptzuwachs er- fent binierter Mannschaften des zweiten gegen den ersten Bezirk statt. Deswar so erschöpft, daß er fortgetragen werden mußte. Nachdem fahren die Vereinigten Staaten, für die die italienische Einwanderung ar. gleichen Stafettenläufe. Beginn 24, Uhr. NB. Die Bereine des zweiten Bezirks. treffen sich um 1 Uhr mittags am Bahnhof Gesundbrunnen. mitleidige Menschen feinen Heißbunger geftillt hatten, forgte die von 208.000 auf 805 000 angewachsen ist. Auch die Einwanderung für Polizei für die lleberführung ins Krankenhaus, wo festgestellt wurde, nach La Plata ist von 59 000 auf 99 000 geftiegen, die nach Brasilien ehr daß die Beinstümpfe vollständig wund waren. Bei dem Bedauerns dagegen von 23 000 auf 21 000 gefunden. Wenn jetzt die VerEinblid in unsere vielgepriesene Armenpflege gestattet. Es lautet: werten fand sich ein amtliche 3. Schriftstück, das einen tiefen einigten Staaten, wie sie die Absicht haben; die Einwanderung von Analphabeten verbieten und dadurch dieses Auswanderungsziel für Italien wegfällt, wird die wirtschaftliche Situation, die durch den Krieg geschaffen worden ist, sich noch weit ernster gestalten. Märkische Spiel- Bereinigung, Bezirk Groß- Berlin. Am tommenden Sonntag finden folgende Spiele der I. Klaffe statt: Rummelsburg gegen Fichte XVII in Lichtenberg, Triftweg; Sanja gegen. Vorwärts in Johannisthal, Kaiser- Wilhelm- Str. 26; V. f. B. gegen Neuenhagen in Friedrichshagen, Gemeindesportplak. Diese Spiele beginnen um 4 Uhr. Biltoria gegen Fichte XV um 3 Uhr auf dem Bundesplat in Beigenfee, Rennbahnstr. 40; Weißenfee gegen Boruffia um 5 Uhr auf dem Bundes. play in Weizenjee, Rennbahnstr. 40; R. B. C. gegen Libertas um 5 Uhr in Reinidendorf, Schillerpromenade. * Wanderer. Deutscher Arbeiter Wanderbund„ Die Naturfreunde. Am Sonntag, den 19. April, werden folgende Touren unternommen: Drtsgruppe Berlin: Wilhelmshagen, Stranigsberge, Alein- Wall, Fangschleuse. Abfahrt Schlesischer Bhf. 6.23 Uhr vorm. Groß- Kreuz. Kloster Lehnin und Umgegend. Abfahrt Potsdamer Bhf. 5.35 lor vorm. Schlesischer Shf. 6.23 Uhr Dorm. Raubtierplage in Deutsch- Oftafrika. us ter Beoffs ent 110 era Auf Ihr Schreiben vom 12. d. M. erwidere ich Ihnen, daß es Ihnen überlassen werden muß, sich wegen der Heizung Ihrer Wohnung an den Vermieter zu wenden oder fich ein anderes Unterkommen zu verschaffen. Die Ihnen bewilligte Unterftügung bon taglio 80 f. ist nach der Festlegung des Bezirksausschusses zur Beftreitung des gesamten Lebens Der amtliche Jahresbericht des Reimstolonialamts schäßt die unterhaltes eines erwachsenen Menschen, der gar fein anderes Bahl der Eingeborenen, die in Deutsch- Ostafrika alljährlich den Einkommen hat, mehr wie ausreichend. Bettere Unter- großen Raubtieren zum Opfer fallen, auf mindestens 1500. ht flügung oder Kleidungsstüde erhalten Sie deshalb nicht, Besonders gefürchtet find Löwen und Leoparden. Daneben finden er, und ich empfehle Ihnen, weitere Briefe in diefer Angelegenheit zahlreiche Eingeborene den Tod durch Biz giftiger Schlangen oder zu unterlaffen, da auf solche feine Antwort erfolgen wird. Berne, 15. Januar 1914. Der Amtmann gez. Gimbel. ine burch Strokodile. Durch Gewährung von außprämien sucht die ag Berwaltung eine Minderung der Raubtierplage herbeizuführen. ED wurden im letzten Jahre für 347 Löwen und 1040 erlegte Leoparden Nach diesem Schreiben fann man es verstehen, wenn dem armen Prämien gezahlt, außerdem für 1700 Buffottern und Speischlangen Strausberg, Eagersdorf, Bögſee, Schlagmühle, Strausberg. Abfahrt Krüppel jede Lebenslust vergangen ist. Bei der starken Kälte, die und für 315 Krokodile.. Die meisten Löwen( 89) wurden im legien Friedrichshagen, Müggelberge, Grünau. Abfahrt Schlesischer Bhf. im Januar und vorher herrschte, im ungeheizten Zimmer und auf Jahre im Bezirk Aruscha geschoffen, aber auch in den tüstennahen Bezirken übt der Wüstenkönig" noch feine Herrschaft aus. Im 1.23 Uhr nachm. dem nackten Fußboden zu schlafen, ist wahrlich feine Annehmlichkeit. Bezirk von Daresfalam wurden noch im letzten Jahre Drisgruppe ReufbII: Geradezu aufreizend muß die Ansicht der Behörde über die Be- 36 2öwen erlegt. Die Höchftzahl der getöteten Leoparden weist Biesenthal, Böhlizbruch, Samithfee, Melchow. Abfahrt Bhf. Neukölln streitung des Lebensunterhalts mit 80 Pf. täglich wirken. Mit Recht der Bezirt Moshi am Kilimandſcharo mit 140 Stüd auf. fragt die Arbeiter- Zeitung", ob die Mitglieder des Bezirksausschusses und der Amtmann wohl je versucht haben, mit 80 f. täglich aus5.08 Uhr, Stettiner Bhi. 5.59 Uhr. Spandau, Wannsee. bfahrt Bhf. Neukölln 6.28 Uhr. Ortsgruppe Steglib: Bannfee, Catrower See, Gr. Glienider See, Staaken. Abfahrt Bhf. zukommen. Stegliz 5.13 Uhr vorm., Bannicebhf. 5 Uhr vorm. Gäste willkommen. fommen. Rektor Ahlwardt gestorben. 9 Kleine Notizen. Arbeiter Touristenverein Blutige Kämpfe in Algier. In 3eralba, cima 30 Stilometer „ Die Naturfreunde. Ortsgrupbe bon Algier, fam es zu einem regelrechten Kampfe zwischen n⚫ Berlin. Sonntag, den 19. April: Wanderung Hennigsdorf, Velten( BeIm Leipziger Krankenhause St. Jakob ist am Donnerstagbor fieblern und Eingeborenen. Drei Gingeborene fichtigung einer Ofenfabrik und Besuch des Beltener Ortsmuseums). Lebnis mittag der frühere antisemitische Reichstagsabgeordnete Meltor a. D. wurben getötet, fiebzehn Europäer und Eingeborene Abfahrt nach Hennigsdorf Stettiner Borortbhi. 6.55 Uhr. Gäste stets will. Hermann Ahlward: an den Folgen eines in voriger Woche durch Flinten- und Revolverschiffe fch foer verlegt. Der PolizeiEinen Lightbildervortrag mit Farbenphotographien: Die Natur im durch Ueberfahren erlittenen Unfalls gestorben. Als der Berliner fommissar, der einschreiten wollte, wurde mißhandelt. Wechsel der Jahreszeiten" peranstaltet heute Freitag, den 17. April, abends Radau- Antisemitismus der 90er Jahre in Blüte stand, war Unwetter auf einer französischen Jusel. Der Gouverneur von 81, Ubr, im Gewerkschaftshaus die Ortsgruppe Berlin des Touristenvereins hlwardt einer seiner hervorragendsten Bertreter. Im. Reichs Madagastar hat dem franzöfifchen Kolonialministerium mitgeteilt, " Die Naturfreunde". Arbeiter Wanderverein Berlin. Sonntag, den 19. April: Bander- tage hat er... den Wahlkreis Arnswalde Friede daß ein heftiger örtlich begrenzter Orfan auf der Infel fahrt nach Eichwalde- Edmödwig- Biegenbals- Bernsdorf- tönigswuster- berg vom Jahre 1892 bis zur Bahl 1903 bertreten. Mayotte am 11. April schweren Schaden an Gebäuden, hausen: bfabri 6.30 Uhr Görliger Bbf. Gäfte willfommen." Baumblütentour. Nachstehende Tour soll an einem Sonntag Welche Begeisterung die Antisemiten ihrem Judenflinten"-Ahlwardt Straßen und Dämmen verursacht hat. Einige Eingeborene sind während der Baumblüte veranstaltet werden. einstens entgegenbrachten, fann man daraus ersehen, wie der Neftor aller Deutschen bei seinem ersten Auftreten in Arnswalde Schwerer Unfall eines Flugkünstlers. Auf dem englischen Flugempfangen wurde. In vierspännig, gefahrener Slutſche die Kutsche plas Hendon stürzte der Flieger Louis Noel, der mit einem felbft mußte aus Stargard gepumpt werden zog Hermann Baffagier Flugfünfte à la Begoud vorführte, mit seinem Apparat ab Ahlwardt, nachdem er am Bahnhof von den Spizen der Stadt und erlitt fo fchwere Berlegungen, daß er faum mit dem Leben davonkommen dürfte. Auch der Basiagier, der in englischen feierlichst begrüßt worden war, unter Borantritt eines Musikkorps Sportfreiten sehr bekannte polnische Aristokrat Fürst Sapieba, in das Aderbürgerstädtchen ein. wurde schwer am Kopf verlegt; doch scheinen seine Berlegungen nicht tödlich zu sein. Abfahrt 5.35 Uhr Potsdamer Hauptbbf. bis Werder. Rundgang durch Werder Bettermarsch nach Bezow, Schwielowsee, Mittelbusch, Ferch. Lienemisfee, Michendorf.. Den Teilnehmern wird der Termin der Tour ber Boftfarte mitgeteilt und sind Gastkarten a 25 Pi in unteren Bablitellen Friz Bählisch, Skaliger Str. 29, und Georg Beihnacht, Grünite. 21, zu haben. Arbeiter Samariierbund, Kolonne Groß- Berlin. Lebrabend haben in dieser Woche, abends 8, Uhr: Berlin. 6. Abt. Dies stag, den 21. April, Rene Friedrichstr. 35, Restaurant Haverland. Eaarlottenburg. 7. bt. Donnerstag, den 23. April, Bismardftraße 38, Restaurant Bernice. Siemensstr. 12. Arbetter Samariterbund. Kreis Brandenburg. Lehrabende haben in nächster Woche abenbs 8%, Uhr: Romames. Tienstag, den 21. April, in der Fortbildungsschule. Ober Schönemeibe. Montag, den 20. April, bei Schule. Ripenid. Dienstag, den 21. April, bei Stippekohl, Schönerlinber Straße 5. Straße 45. It Glienide. Dienstag, den 21. April, bei Bahr, Köpenicker Friedrichshagen. Donnerstag, den 23. April, Friedrichstraße 60, 2. Hof. Aus aller Welt. 1 Der einst föniglich Gefeierte wat feit Jahren schon ein politisch toter Mann. Dem Tode entronnen. Am Donnerstagvormittag ist auf Grube Trieu Kaisin in Gilly bei Charleroi nach dem Einfahren der Morgenschscht Feuer ausgebrochen. Der Maschinensaal und die elektrische Zentrale find 250 zerstört. Grubenarbeiter Tonnten sich durch einen Verbindungsgang nach einer benachbarten Grube retten. Schaden wird auf eine Million geschäst. Der Monaco- Sternflug. ertrunien. Staftonen Der Witterungsübersicht vom 16. April 1914. Barometerstand mra Bun QUI Swinembe. 771 92923 Samburg Berlin Franff. a. 773923 77292 774920 772 D Windstärke Wetter 2beiter 4 bebedt 3beiter 1 bededt 3moltig 770234beiter 50= 4° R Temp. R. 7 Stattonen Barometer stand mam Dumpia QU183 Babaranba 761 9 6 Betersburg 756 9 6 Scilly 772050 5 Aberdeen 775) 239228 3 Baris 6 Windstärke Better Temp. n.&. 6° C= 4°. 2 molten! 0 2halb bb.- 1 5 mollig 8 1 wollen 4 Ju Monaco Sternflug wirb vorbehaltlich der Bestätigung durch München das Preisgericht, Garros den ersten Preis von 25 000 Francs für Bien die besten Zeiten auf allen vorgesehenen Zeilstreden der Flugftrede Betterprognofe für Freitag, den 17. April 1914. Monaco- Baris erhalten. Der zweite Preis( 10.000 Francs) wird Bormiegend beiter und troden, nachts fehr fühl, aur Mittag ziemlich Berliner etterbureau Ein Elendsbild aus der besten der Welten. Renang für feinen Flug Paris- Monaco zufallen. Auf den dritten warm bei mäßigen nordwe'tlichen Winden. Breis hat wieder Garros für seinen Mittwoch früh von Grüffel Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Gottite In die Jammererifienz eines alten Unfallinvaliden leuchtet ein aus unternommenen Flug nach Monaco Anspruch. Drei Preise von abendmittag: Ueberall troden und vorwiegend heiter, in den Mittags Bericht, den die Dortmunder Arbeiterzeitung" aus ütgen- 5000 Francs und zehn Stredenpreife werben Garros und stunden ziemlich mild, in der Nacht zu Sonnabend an vielen Drien dortmund erhält. Dort beobachteten Bewohner einer abgelegenen Brindejonc erhalten. Garros gewinnt auch die Preise des leichter Froft. 666666 03333 Dem Silberpaar, Genoffen Albert Zeiße nebit Frau zum beuti en Tage die herzlichen Glüdwünsche! Bezirk 813. 6. Kreis Bellermannstr. 86. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein L. d. 2. Berl. Reichstagswahlkreis. Bezirk 131. Am 15. April verstarb unser Mitglied, der Tischler Wilhelm Lehrig. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend. den 18. April, nachmittags 2 Uhr, im Städtischen Strematorium, Gerichtstr. 37/38, ftatt. Um rege Beteiligung bittet 205/19 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß infer Kollege, der Tischler Wilhelm Lehrig Böchstraße 14, im Alter von 67 Jahren ge ftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 18. April, nad mittags 2 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Am 14. April starb unser Mitglied, der Maurer Wilhelm Schröter ( Bezirk Süd- Dft). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 17. April, nach mittags 4, br, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes in Neutölln, Hermannstraße, aus statt. 142/6 Der Vorstand. Yerb. d. Schneider, Schneiderinnen n. Wäschearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Herrenmaßaneider, Kollege Gustav Hofmann am 14. April im 33. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Peerdigung findet am Sonnabend, den 18 April, nach mittags 4%, Uhr, von ber Halle des Gethsemane- Kirchhofes, Nordend, aus ffatt. 163/2 Die Ortsverwaltung. Die Beerdigung meines lieben Mannes, des Wagenbauers Anton Müller finbet beute Freitag, den 17. April, nachmittags 2, Ubr, von ber Salle des ftabtischen Friedhofes, 1709b Seeftr. 98, aus ftatt. Witwe Pauline Müller. Sozialdemokratischer Wahlverein Niederbarnim. Bezirk Friedrichsfelde. Am 15. April verstarb nach langem, fchwerem Strantenlager unsere langjährige Parteigeno fin Lina Waldmann. Wir werden fie in treuem Andenken behalten. Die Bezirksleitung. Die Einascherung findet am Sonnabend, den 18. b. M., nach mittags 4 Uhr, im Krematorium Treptow Baumschulenweg, Stief bolgitrage, ftatt. 4 240/15 Allen Freunden und Belannten zur Nachricht, daß meine liebe Frau und unfere gute Mutter Lina Waldmann geb. Baumann am 13. April im Alfer von 38 Jahren verstorben ist. Der tiefbetrübte Batte Heinrich Waldmann u. Ainber. Friedrichsfelde, Balderfeestr. 26. Die Einäfcherung findet am Sonnabend, ben 18. April, nach mittags 4 Uhr, im Strematorium Baumschulenwea, Siefbplaftr., ftatt. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben, une vergeßlichen Mannes ALD Eduard Scholz fage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Ränner gelangberein Borwärts Süb Dit für den erheben den Besang, den Ge noffen des 4. Reichstags- Wahlkreises, bem Holzarbeiterverband, ben Stollegen der Firma Crofinsly u. Eisenac foipie Herrn Bicloch für die troitreichen Borte am Sarge des Entschlafenen meinen tiefgefühlten Dank. 17035 Wwe. Anna Scholz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung une eres lieben Baters, des Beißgerbers Gottlob Richter fagen wir allen Bekannten und Ber wandten sowie dem Gesangberein „ Gesundbrunner Harmonie, den Beberarbeiterverband fomie dem, Sozialdemokratischen Wahlverein bes 6. Berliner Reichstags- Bahltreises ( 18. Abt. Begirl 806) unseren innigiten Dant 125A Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme, fomie bie Strangipenden bet ber Beerdigung meiner lieben Frau Anna Rolf fagen wir allen Freunden, Verwandten und Belannten, insbesondere bem Bahlberein Lichtenberg, der Kontroll tommission der öftlichen Bororie des dolzarbeiter- Verbandes, den Kollegen der Genoffenschaft,„ Boran der Arbeitsstube Gefänger, sowie den Bewohnern des Hauses Borhagener Chauffee 9 hiermit unseren Hef: gefühltesten Dant 740 Gustav Rolf, Charlotte Rolf. Dantjagung. Für die vielen Beweise herzlichfter Teilnahme bei der Beerdigung meines. lieben Mannes jage ich allen Ver wandten ,: Freunden und Belannten jomie bem Bentral Berband der CON NTAL Angenehmer, weicher und elastischer Gang Keine Erschütterung Keine Ermüdung Ungemein dauerhaft! Verlangen Sie von Ihrem Schuhmacher ausdrücklich Absätze Continental Zimmerer meinen herzlichsten Dant. Dr. Hoffbauer's 96 Witwe Behrendt. Danksagung. GES. GESCH. 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Berlust- Kto. 697,67 Bestand am 1. Januar 1913: 190 Genossen; ausgeschieden 6 Genossen; neu aufgenommen 10 Genossen. Das Geschäftsguthaben der Genossen hat fich um 850,- M. erhöht, die Gesamthaftsumme ebenfalls um 850,- M. Lettere belief sich am 31. Dezember 1913 auf 11850,-. Ober: Schöneweide, den 31. Dezember 1913.. Bau- und Erwerbsgenossenschaft ,, Vorwärts", Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. 1704b Karl Behrend. Mar Shuldig. Paul Stügelmaier. Hilfebein Bier 2989998 das lob ich mir süffig, gehaltvoll, belömmlich Abessinier Brunnen zum Selbstaufstellen für 3 m Tiefe schon von 12 Mart an. Hofvumpen, Garten- u. Druckpumpen usw. 5 Jahre Garantie. Jllustrierte Preisliste gratis. Koblank& Co., Pumpenfabrif, Berlin N. 820/ 3* Reinidendorfer Straße 95. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. 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Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Das Märchen von Heiligenwald. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Sonntag, abends 8 Ubr: Das Märchen von Heiligenwald. Metropol. Die Reife un die Belt Schiller- Theater Charlottenin 40 Tagen. Anfang 8 Uhr. Urania. Hochspannung. Rammerspiele. Die gelbe Jade. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräner Straße. Mr. Mu. Theater des Westens. Polenblut. Theater am Nollendorfplan. Der Zurbaron. Deutsches Künstler Theater. Erziehung zur Liebe. Thalia. Benn der Frühling fommt. Kleines. Jettchen Gebert. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Trianon. Die Notbrüde. Komödienhaus. Kammermusit. Quitspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Die Maschinenbauer. Schiller Charlottenburg. Die beiden Leonoren. Montis Operetten. Jung- England. Residenz. Der Regimentspapa. Noie. Die Dollarprinzessin. Kasino. Bo die Liebe hinfällt. Reichshallen. Stettiner Sänger. Die von oben und Herrnfeld. unten. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Der Stolz der 3. Some pagnie. burg. Freitag, abends 8 Uhr: Die beiden Leonoren. Sonnabend, abends 8 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Rosenmontag. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Komödienhaus. 8 Uhr: ,, Kammermusik". Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einft im Mai. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Anfang 8% Uhr. Die Förster- Chriftl. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Der Juxbaron. Residenz- Theater. Der 8 Uhr: Regimentspapa. Reichshallen Theater Stettiner Sänger Unsere füßen Dieuftmädels Urfomische Burleste von Meyfel. Anfang 8 1hr. Sonnt. 7, Uhr. COSE THEATED Große Frankfurter Str. 132. Anfang 8 Uhr. Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Willner und Brünbaum. Mufit von Leo Fall. Morgen: Die Dollarprinzessin. Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs. 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