He find famt and Beine Lordfchaft Bornegment ins Schloß bringen und ganen speisen? e bedachte fich nur einen Augenblid, dann trat er in die Stabt Hr. 107. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m, möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntage nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostSibonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen un: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. 0 Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwärts 31. Jahrg. 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Oftelbien hält seinen Einzug in das vornehm- stille Statthalterpalais, der Repräsentant einer renommistischen Unkultur soll den Menschen eines alten Stulturlandes zeigen, was eine Sarte oder eine Mistgabel ist. Dichter an der Bibliothek des Senats angestellt und hatte hier Gelegenheit, in das politische Getriebe des modernen Frankreich aus allernächster Nähe hineinzuschauen. Aber was er in den ersten Jahrzehnten seiner Schriftstellertätigkeit an GeDer dieser Tage seinen siebzigsten Geburtstag beging, ist dichten, Novellen und Romanen herausgab, war nicht politisch Die Elsässer werden mit ihm fertig werden. Es ist fabelhaft, nicht nur ein scharfer Bergliederer menschlicher Leidenschaften gefärbt und hatte auch feine eigentliche soziale Note. Weder was alles die gefunden Stämme da unten vertragen können. und Schwächen, sondern auch ein tapferer Kämpfer gegen als Anfläger noch als Kämpfer trat diefer Schüler Renans menschliche Niedertracht und Ungerechtigkeit: ein großer auf, wenn er auch den Schäden und Uebeln der bürgerlichen Selbst die Köllersche Alera, mit Zuckerbrot und Peitsche, haben sie Dichter nicht nur, sondern auch ein großer Bürger. Gesellschaft nicht blind und nicht gleichgültig gegenüberstand. überlebt und so wird auch Johann Dallwig eine vorübergehende Ueberflüssig, zu sagen, daß ein Mann, der mit gleichem Aber seines Wefens Stern ist ein großmütiger Sfeptizismus Erscheinung an ihrem ziemlich weiten Horizont sein. Daß sie den Recht die Bürgerfrone wie den Dichterkranz auf der Stirn und eine nachsichtige Weisheit, und so schilderte er mit einem Tritt, der in seiner Ernennung zum Statthalter liegt, spüren und trägt, nicht in Deutschland wirkt. Sieht man von der stärksten Gemisch von Verachtung und Wohlwollen die ewig unvoll nadj Kräfien erwidern werden, ist nur in der Ordnung. Sie Partei des Landes ab, so sind wir Deutschen ein unglückliches fommenen Menschen, denen er die Schuld für die Unvoll werden dabei nicht allein sein, wenn auch ihre natürlichen BundesVolk und leiden schwer unter dem Fluch unserer Vergangen- fommenheit der Welt beimaß. Was Anatole France genossen, die süddeutschen Staaten, seltsameriveise diesem ultraheit. Daß wir, während die westlichen Völker, Franzosen und von seinem Abbé Coignard sagt, gilt auch von ihm in dieser preußischen Uebermut stillschweigend gegenüberstehen. Elfaß Engländer, in stürmischer Entwidelung waren, jahrhunderte- Spanne seiner Entwidelung:„ Er verachtete die Menschen mit preußischen Uebermut stillschweigend gegenüberstehen. lang eines staatlichen, eines politischen Lebens entbehrten, Bärtlichkeit," und während die feinen Blüten seiner Kunst Lothringen ist doch eigentlich, bis heute noch keine preußische Prodas wird in Jahrzehnten noch nicht ausgetilgt sein. Daß legten Endes doch von einem Zersegungsprozeß der Gesell- ving. Sieht man denn in Süddeutschland gar nicht, daß es genau durch viele Menschenalter das deutsche Volk wie Schlemihl, schaft Kunde geben, hielt er es nicht der Mühe für wert, gegen so behandelt wird, als wär es eine? Nur preußische Beamte, der Mann ohne Schatten, in der Weltgeschichte umherirrte, diese Gesellschaft zu kämpfen, denn nach seiner Meinung blieb nur preußischer Geist und jetzt auch noch den preußischen Konser hängt ihm noch lange nach. Daß wir nicht aus eigener re- bei allem Wechsel der Regierungsformen und Gesellschafts- vativen als Satthalter. Man sollte doch im außerpreußischen volutionärer Kraft auf einen grünen Zweig famen, sondern ordnungen die menschliche Unvollkommenheit als Quelle aller Deutschland allmählich erkennen, daß es sich hier nicht mehr unt unter der Pickelhaube eines pommerschen Junkers geeinigt Uebel sich gleich. die Ernennung des Vertrauensmannes des Reiches handelt, sondern wurden, lastet auf uns allen. Darum gibt es fein öffentliches Aber wenn schon vordem sein Herz an den Getretenen Leben bei uns, darum strömt die politische Entwickelung nicht und Gedrückten hing, wurde er jählings in die Kämpfe der frisch und frei dahin, darum legen die„ Gebildeten" untätig Gegenwart hineingerissen durch die Affäre"- so schlechthin Das ist ja das Interessante bei der Entsendung Johanne von die Hände in den Schoß und darum hält sich, wer dem nennt der Franzose den Dreyfusskandal mit seinem Drum und Dallwig: nicht nur die Elsässer sollen brüstiert werden, sondern deutschen Barnaß der süßen Gewohnheit des Silbenstechens Dran. Ueber diesen bösen Händeln, deren Gang das ganze Dallwig: nicht nur die Elsässer sollen brüstiert werden, sondern und Versfußzählens ergeben ist, ängstlich- vornehm fern von Frankreich bis in seine tiefsten Tiefen aufpflügte, vollzog sich der devote herr von Bethmann hat den unbequemen Konkurrenten den Angelegenheiten des Marktes. Wie lange her, daß ein auch in Anatole France eine Wandlung: aus dem Step- dadurch abgeschoben, daß er einer der Lieblingsideen seines kaisergroßer deutscher Dichter sich mitten in das Geklirr der tifer brach die Leidenschaft hervor, der Träumer nahm das lichen Herr schmeichelte: der Ausdehnung der Hohenzollernschen Schwerter gestürzt: Partei, Partei! Wer sollte sie nicht Schwert und der Parteilose ergriff mit Ungstüm Partei. Wie Hausmacht! Je niederer der Stand des neuen Statthalters, desto nehmen, die doch die Mutter aller Siege war! Wie fern, daß Emile 30 la den Machthabern jein: Sch flage an! ins Gesicht größer die landesherrliche Gewalt des Kaisers. Je mehr Dallwiş ein großer deutscher Dichter sich zum leidenschaftlichen Anschleuderte, jo warf Anatole France als Begründer und ein Angestellter" Wilhelms II. und Bethmanns ist, desto deutlicher fläger der herrschenden Gesellschaft aufwürfe, wie undenkbar! Boriizender der Riga der Menschenrechte" das Gewicht seines erscheint das Reichsland als preußische Proving, desto lächerlicher In der jungen Generation gibt es freilich ein paar Frei- berühmten Namens für die Revision des Dreyfusprozesses in erscheint das Reichsland als preußische Proving, desto lächerlicher wirft seine sogenannte Verfassung und vor allem das Recht des ſchärler, die verzweifelt um sich hauen und stechen, aber die die Wagschale, und da er jetzt auch politischen Broblemen wirtt seine sogenannte Verfassung und vor allem das Recht des de iegt tatthalters, die elijas- lothringischen Bundesratsstimmen zu Anerkannten, die Abgestempelten, die Erfolgreichen wo näher trat und im Sozialismus den entschlossensten Vordenkt ihr hin. Sie sollten anbinden mit den Machthabern fämpfer gegen politische und soziale Ungerechtigkeit jeder Art instruieren"! Ein großer Herr fönnte in Straßburg vielleicht des Tages? Wo S. M. das übel nehmen könnte oder der entdeďte, zog er entschlossen die letzte Konsequenz und gliederte doch unbequem werden; ein Dallwig nie! Irgendein Fürst würde Börsenfreisinn oder das zahlungsfähige Publikum? Nein! sich dem Heerbann der sozialistischen Arbeitermaisen ein. Seit vielleicht auf den Gedanken kommen, für Elsaß- Lothringen etwas und dreimal nein! Und so wehrt sich Gerhart Hauptmann dem ist er der unvergleichlich feine Künstler geblieben, aber tun zu wollen: Dallwig ist erstens noch nie auf einen Gedanken entrüstet gegen den Vorwurf, mit seinem Weberdrama auf da der Kämpfer sich dem Künstler zugefellte, hat er sein Wesen gekommen und wird zweitens nie vergessen, was er Preußen revolutionäre, sozialistische Wirkung ausgegangen zu sein, gesteigert und vervielfältigt. Seine geschmeidige linge führt schuldig ist. Der Kaiser aber ist unumschränkter Landesherr, die und Richard Dehmel stürmt zum Lobe des Gewaltmenschen er jetzt im Kampf für den Sozialismus, dessen Sieg ihm den hohenzollersche Hausmacht herrscht und Johann von Dallwiz Bismard in die Saiten und der dritte stimmt für des Sieg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Güte bedeutet, dienert. Sturz, die Proving Elsaß- Lothringen ist in guter Hand: Kronprinzen Forschheit die Leier wir leiden schwer unter und wenn auch immer noch die leise und süße Stepfis feines Wilhelm II. hat einfach seinen Johann hingeschickt! Temperaments feinen neueren dein Fluch unserer Vergangenheit! Anatole France ist glücklich, daß er nicht in Utopien baut und in den Reihen des Sozialismus tänupft, wir aber find stolz darauf, daß wir einen solchen Geist zu den u jern zählen dürfen. Und so grüßen auch in Deutschland die Millionen, die im Zeichen des Sozialismus stürmisch corärts drängen, den Meister, der in demselben Zeichen den Weg ron der Skepsis zum Glauben, vom Traum zur Tat, von der Barteilosigkeit zur Partei gefunden hat. daß die ganze Sache so behandelt wird, als sei ein preußischer Oberpräsident zu ernennen! Eine Campagne in in Frankreich. Bei den Bauern des Allier. Wie anders in Frankreich! Seit hier Voltaire nicht lichen Zauber verleiht, so sind sie doch durchstrahlt von dem nur mit Versen, die Widerhaken hatten gleich Pfeilen, die tiefen Glauben an die sozialistische Zukunft, und hinter dem herrschenden Gewalten beschoß, sondern auch wader gegen eine feinen Geäder ihrer kunstvollen Sprache fühlt man ein großes forrupte Justiz und verrottete Borurteile die Sache des Jean und gütiges Herz Klopfen. In der„ Histoire Contemporaine", Ealas führte, haben die französischen Dichter und Künstler der Zeitgenössischen Geschichte", einer Romanfolge, von der Nicht eine weltgeschichtliche Verhältnisse umstürzende Kriegsstets in dem Kampf um der Menschheit große Gegenstände bis heute vier Bände erschienen find, malt Anatole eine gute Alinge geschlagen. Literatur und Leben trennte France das Frankreich in den Tagen der„ Affäre", und tampagne, wie sie in den Werken Goethes zu lesen ist, soll hier hier nicht eine breite Sluft, sondern Literatur und Leben hier schwirren am dichtesten gespiste Pfeile gegen selerisei, beschrieben werden. Nur von den in der Regel glüdlicherweise unwaren eins, und wie die Kunst immer aristokratisch blieb int Militarismus, Junkertum und Bureaukratie, gegen alle blutigen politischen Stämpfen eines Wahlfeldzugs wird die Rede guten Sinne, jo war sie hier auch stets im besten Sinne demo- reaktionären Schächer und gegen jede soziale Unterdrüdung, sein. Aber es ist eine interessante Welt, in die wir die Leser führen fratisch. Der Dichter Victor Hugo als poetischer Verfünder aber am hellsten leuchtet aus den Seiten dieser Sittenschilde wollen es ist die sozialistische Bauernschaft grant. der Julirevolution von 1830, der Dichter 2 a martine in rung auch die sozialistische Zuversicht:„ Nein," sagt der Pro- reich 6. der provisorischen Regierung der Februarrevolution von 1848, feffor Bergeret, der Held des Romans, indem er im Sinne Gewiß, auch die Kreise der industriellen Arbeiterschaft dieses die Rolle des Malers David in der großen Revolution des Marrismus die Linien der Entwickelung zeichnet, nein, Landes zeigen genug des Merkwürdigen, Eigenartigen. Trotz aller nibellierenden Wirkung der Fabriksflaverei und froß der gleichen und die des Malers Courbet während der Kommune idh baue nicht in Utopien." Richtung der sozialistischen Erziehung bringt die Verschiedenheit es sind ein paar ganz berühmte Namen herausgegriffen aus einer Fülle berühmter, und beredt genug ist die Sprache, die der Raffe und der geschichtlichen Entwidelung im städtischen Prole sie reden. Und in unseren Tagen ist eben der Mann, der tariat der verschiedenen Staaten bestimmte Charakterzüge hervor, gerade die Schwelle zum achten Jahrzehnt seines Lebens die dem Bund der Internationale die Mannigfaltigkeit und die überschreitet, ist Anatole France der leuchtende Beweis Vorteile geistiger Wechselwirkung sichern, mitunter aber wohl auch für die heilige Allianz, die Frankreichs beste Geister mit den die Aufgabe stellen, das zur gemeinsamen Aftion notwendige Einungestüm vorwärts drängenden Kräften des Landes gevernehmen erst durch ein verständnisvolles Eindringen in die schlossen haben. Dentiveise des anderen zu gewinnen. Aber der französische Bauern. Hier ist nicht die Stelle, auseinanderzuseßen, was AnaSozialismus ist innerhalb der Internationale eine besonders tole France literarisch bedeutet. Genug, daß er als der charakteristische und besonders wichtige Erscheinung. Nirgendwo abgesehen vielleicht von Skandinavien ist die sozialistische Lehre feinste Geist der lateinischen Raise anerkannt ist, daß er mit allen Elementen der antiken wie der modernen Kultur durchy so tief in die ländlichen Massen eingedrungen, nirgendwo hat der jättigt ist, daß sein Stil leuchtet wie geschliffener Stahl und Sozialismus auf dem Land solche Wahlerfolge wie in Frankreich fich biegt wie eine echte Selinge und daß er ein Französisch errungen. Wenn die sozialistische Partei bei der gewerblichen Ar schreibt, flar, frystallen und durchsichtig, wie es seit dem Raum teimte in optimistisch veranlagten Menschen das Ge- beiterschaft Frankreichs und gerade in ihrem aufgeivedtesten, großen Pamphletisten Courier niemand mehr geschrieben fühl, die Entsendung des Grafen Rödern nach Straßburg sei energischesten Teil- in ihrer Propaganda auf Hindernisse gestoßen hat. Und die Hand dieses verfeinerten Gehirnmenschen legt vielleicht fein zu schlechter Girff gevejen, als auch schon die ist, die sie noch immer nicht ganz besiegt hat, so darf man sagen, fich gläubig in die Faust der revolutionären Arbeitermassen, Regierung Wilhelms II. die große Gefahr erkannt hat, die ihr daß in ihrer ländlichen Agitation der tote Punkt überwunden ist. und das Herz dieſes reifen Kulturmenschen schlägt freudig droht. Sie fürchtete nämlich augenscheinlich, man könne ihr eine Streisen, die entweder ganz oder zu einem bedeutenden Teil agrari Der größere Teil der Mandate der geeinigten Partei kommt aus dort, wo die Fahnen des Sozialismus wehn: Anatole France, dieser erlesene Geist, tändelt nicht nur, liebäugelt luge Sandlung nachjagen, was durchaus aus dem Rahinen ihrer schen Charakter haben. Auf die Bauernschaft ist aber auch die nicht nur mit dem Sozialismus wie manch anderer, sondern sonstigen Betätigung herausgefallen wäre. Und außerdem tönne Zukunft des Sozialismus in einem Lande gestellt, wo die Landist eingeschriebener Sozialdemokrat! Freilich focht er nicht ja auch der Gedanke auftommen, man wolle in Berlin den Elsaß- bevölkerung noch immer die städtische überwiegt und das Stocken immer mit Jaurès Schulter an Schulter. Aus der Welt Lothringern wohl. Beides war im Interesse der schlaflosen Nächte der Voltsvermehrung die industrielle Entwickelung trotz der sonst der Bücher kam er im wahrsten Sinne des Wortes, denn sein unseres Kanglers zu vermeiden und so entschloß sich Wilhem II., sehr günstigen Bedingungen zurüdhält. Ein Einblick in die Propa Vater hatte besonderen Ruf unter den Pariser Antiquaren zwischen zwei Ausgrabungen, einer Spazierfahrt und dem Diri- ganda unserer französischen Genossen auf dem Lande wird endlich, feine Glanzleistung war ein wissenschaftlich geordneter gieren einer Kapelle der Hohenzollern", den Elsässern den Mann bei aller Berücksichtigung der verschiedenen Verhältnisse, auch der Katalog der revolutionären Bibliothek Labédoyères. feines Vertrauens zu schenken: Herrn Johann von Tallwis. Auf Erörterung der sozialistischen Landagitation in den anderen Länte dern zugute kommen, wo die Gewinnung der ausgebeuteten länd In den Büchervorräten des Vaters plünderte Anatole Frances lebhafter Geist schon früh und eignete fich Wissens. Das täuschend nachgeahmte Thrönchen in Straßburg tommt also lichen Maffen ebenso als Bedingung des vollen Siege erkannt wertes aus allen Zeiten und allen Gebieten der Wissenschaft ist ein fleiner preußischer Junker, dessen Fistelſtimme jolange worden ist. an. Nach dem Schluß seiner Studien wurde der spätere im Abgeordnetenhaus die ersehnte Morgenröte der tollen Reaktion. Provinz Elsaß- Lothringen. Bald nachdem der Zug den Bahnhof der Paris— Lyoner Dahn verlassen hat, tritt der Frühling auf beiden Seiten der Strecke an uns heran. Weiß und rosig blühende Obstbäume. Pappelreihen an Landstraßen und Wafserläufcn, Weiden auf lichten Fluren, Land- Häuser und Villen, deren Nüchternheit in der sonnedurchtränlten zitternden Luft.Harmonie wird. Ter unglückselige Stadtmcnsch, der die Natur einen so großen Teil des Jahres nur in Büchern und Bildersälen genießt, denkt an eine Kollektivausstellung von Sisley. An anmutig gelegenen Vororten geht es vorüber, an dem durch vergossenes Arbeiterblut zu trauriger Berühmtheit gekommenen Billeneube-St.-Gcorgcs, an Draveil, iro Paul und Laura Lafargue ihr Leben beschlossen. Tie Gegend wird allmählich ländlich. Gut gepflegte Bauernhöfe sonnen sich zwischen Obst- und Gemüse- gärten, Hennen laufen mit ihrem kleinen Volk umher, da und dort weiden Kühe und Ochsen. Ter Schlehdorn blüht, die Birken schimmern. Die Zweige der Kastanien entsenden eine Fülle satteren Grüns, auf den Wiesen sind die Goldstücke deS Löwenzahns aus- geschüttet. Die Landschaft ist von einer Mozartschen Süße und Heiterkeit. Eine mitfahrende Dame sagt alle fünf Minuten zu ihrer Mutter:.Ja, das franchsische Torf— nichts ist so schön tvie das französische Torf." Als ob sie ihren Patriotismus in das große Buch der Natur ebenso einschreiben wollte wie in das große Buch der Staatsschuld. Nein, Madame, der Frühling ist auch in den Dörfern anderer Länder unvergleichlich schön. Mutz denn der- glichen werden? Der Wald von Fontaineblcau bringt ernstere Töne. Noch stehen die Bäume kahl. Tie noch mittäglich scharfe Sonne löst das Gewirr der Geäste in einen braunen Dunst auf. Dörfer und Städtchen lagern um alte Kirchen. Auf den Landstraßen vor den Ortschaften wandeln gemächlich feiertäglich geputzte Menschen. Sie stehen wartend an den Bahnübergängen— viele Osterurlaubcr darunter, mit Eltern, Geschwistern und den Herzliebsten. So geht es, durch weite Ebenen und hügeliges Gelände, ins Departement Micr. In M o n l i n s müssen wir aussteigen. Eine Verabredung mit dem Genossen Charles Dumas, Deputierten und neuerlich Kandidaten von La Palissc, ruft uns für Montagmittag nach dem Städtchen Le Toiijon, und wir müssen in Moulins in den Per- sonenzng umsteigen, der uns in If- Stunden nach VarenneS sur l'Allier bringen wird, von wo ein Bähnle nach dem Tonjon führt — in unangenehm großen Intervallen allerdings. Denn der nächste Zug geht erst am anderen Morgen ab. Tie Verkehrsverhälinisse gehören zu den minderen Annehmlichkeiten des Reifens in Frank- reicb. »* • Einundeinhalb Stunden Aufenthalt in Moulins reichen zu einer Besichtigung des Orts aus. Eine alte Bezirksstadt, mit einer stagnierenden Bevölkerungsziffer von etwa 15 000. In den engen Gäßchen Feiertagsstille. Auf schön bepflanzten Esplanaden ver- einzelte Spaziergänger. Mehrere ansehnliche Gebäude. Ein Theater, das wohl aus dem Anfang deS 19. Jahrhunderts oder ans dem ausgehenden 18. Jahrhundert stammt. Die Kathedrale ist sehenstvert. Das von Viollet Le Tue angebaute Schiff mit den ztvci Frontaltürmeu ist zu den glücklichen stilistischen Anlehnungen zu rechnen. Es ist 0 Uhr abends. In der Kirche sind nur zwei alte Frauen und ein jüngerer Mann, der vor einer Altarkapelle kniet. Hat die in der letzten Woche so strapazierte Frömmigkeit am ausklingenden Ostersonntag ihre Ruhezeit begonnen? Indes hat die Kirche überhaupt in dieser Region wenig Macht über die Gemüter behalten. Das Gebiet des Departements Allier ist immer ein Rebellenland gewesen. In der ausgehenden Römer- zeit ist hier der Bauernsturm der Bagauden durchgebraust. Un- geschwächt lebt der alte Haß zwischen Schlotzherren und Bauern fort. Die Landleute des Allier sind stets an der Spitze der französischen Demokratie gezogen, ihr revolutionärer Instinkt hat sie früh mit der politischen Gleichheit die soziale Gerechtigkeit fordern lassen. 1818 versammelte ein Baucrnbankett in St. Leon ihrer viele Hunderte unter roten Fahnen, die die Inschrift„Tod den Reichen" trugen. 1810 wählten sie den Vorkämpfer der radikalen Republik Ledru-Rollin zu ihrem Deputierten. Nach dem Staatsstreich des Louis Bonaparte rotteten sie sich zu Tausenden zusammen, um die Republik zu verteidigen, und die„gemischten Kommissionen" des Usurpators haben Unzählige zur Deportation verurteilt. Auch der infamen Hetze, die die ganze Bourgeoisie nach der Nieder- werfung der Kommune gegen die Anhänger der revolutionären Ideen veranstaltete, haben sie wacker standgehalten und sofort 2000 Stimmen für Anhänger der verfemten Anschauungen ab- gegeben. Und als in den Tagen des„10. Mai", da Mac Mahon am Staatsstreich arbeitete, die Republik in Gefahr war, kamen 3000 Bauern auf den Feldern bei Montlu�on zusammen, um mit Flinten und Sensen nach der Hauptstadt zu ziehen. Heute aber wenden sie sich in immer wachsender Zahl der geeinigten sozialistischen Partei zu. Das Departement Allier hat 6 Deputierte. Zwei Wahlkreise — die von Montlueon— find stark industriell, vier ganz ländlich. Von den Wahlkreisen von Montlu?on ist der eine das letztemal der Partei verloren gegangen, wird aber voraussichtlich von seinem alten Deputierten. Genossen C o n st a n s, diesmal zurückgewonnen werden. Den anderen, für die Partei sicheren, vertrat Genosse Thivrier, der Sohn des berühmten„Deputierten in der Bluse". Von den vier ländlichen Wahlkreisen waren drei sozialistisch ver- treten: die beiden von Moulins(Deputierte: Mille und Bri- zon) und La Paliffe(Deputierter: Dumas). Der Kampf spielt sich in diesem Departement eigentlich nur noch zwischen dcn radi- kalcn Republikanern und den Sozialisten ab. Tie Schlotzherren haben ihre früheren Terrorisierungsvcrsuche angesichts ihrer Nutz- lofigfeit im allgemeinen aufgegeben, und die„Liberalen" trachten nur, die paar tausend Wähler, die ihnen durch Klasscnlage, persön- liche Interessen oder Tradition erhalten geblieben find, beisammen- zuhalten und ihren Einfluß bei der Stichwahl geltend zu machen. La Palisse ist ein winziges Landstädtchen, wie übrigens auch Le Donjon, der Ort des Stelldicheins und die anderen„Städte" des WahTreises— eine einzige ausgenommen: Vichh, den be- rühmten Badeort. Alle anderen größeren Gemeinden haben so um zwei- oder dreitausend Einwohner herum. Ihre Bevölkerung be- steht aus Klcinkrämern. denen es infolge der Konkurrenz der Pariser Warenhäuser und Filialgeschäfte immer schlechter geht. gedrückten Handwerkern, Landarbeitern. Kleinbauern und den Ar- beitern der über die Gegend zerstreuten kleinen Kohlengruben, Fabriken für landwirtschaftliche Geräte, Mühlen usw. In vielen Orten blickt ein Schloß, in historischer oder aufgeschminkter Feudal- Herrlichkeit, über hohe Mauern feindselig auf die niedrigen Bürger- Häuser. •• • Der Zug, der mich am Moniagvormiiiag nach Le Donjon bringt, ist vollbesetzt von Landleuten. Männer und Frauen sind fast alle sehr sauber gekleidet. Nur ein furchtbar geschwätziger, sichtlich schon schwachsinniger Mer, der anscheinend die Hälfte der Reisenden kennt, aber auch die andere mit allen möglichen Fragen belästigt, macht darin eine Ausnahme. Man spricht über daS Wetter, über VerwandtfchaftSangelegenheiten und lokale Ereignisse. mit einem Soldaten über Regimentserinnerungen— aber gar nicht über Politik. Auch nimmt während der ganzen Fahrt niemand ein bedrucktes Papier vor Augen— was jemandem sehr auffallen muß, der früh und abends auf der Pariser Untergrundbahn die ZeitnngSmanie der Passagiere zu sehen bekommt. Tie Bersammlung in Donjon ist zur Zeit meiner Ankunft beendet. Ich treffe Genossen DumaS mit einem Pariser Freund und Parteigenossen beim Mittagessen. An der WirtStafel sitzen ihnen gegenüber noch zwei Herren. Nach der Begrüßung richte ich an DumaS die Frage, wie der Besuch der Versammlung gewesen sei. Ich sehe einen Augenblick etwa» wie Verlegenheit auf seinem Gcücht. Habe ich mit meiner harmlosen Frage irgend etwa? DummeS angestellt? Der jüngere von den Herren gegenüber lacht: „Ach, wir haben doch keinen Grund, Verstecken zu spielen." Und der ältere, ein rüstiger, gesund aussehender Mann, mit dem TypuS deS Gutsbesitzers, stimmt fröhlich ein:„Wir kennen uns ja schon, Herr DumaS, vom vorigen Male, wo ick meine Wähler für Sic zur Urne geführt habe... Das Eis ist derart durch meine Un- Vorsichtigkeit gebrochen und Duma? stellt mir seinen liberalen Gegenkandidaten vor. Damit ist die Steifheit überwunden, die sonst über dieser gemeinsamen Mahlzeit gewaltet hätte, und bald ist eine ungezwungene Unterhaltung im Gang. Die Wahl- kampagne hat zwischen den beiden Gegnern keine Gehässigkeit ge- schaffen, die sie ausschlösse oder einen zynischen Zug in die jetzige Gemütlichkeit brächte. Mag sein, daß seine Aussichtslosigkeit dem Kandidaten der Reaklionärc erleichtert, seinen Feldzug loyal zu führen. Er macht aber auch sonst einen sympathischen Eindruck. durchaus nicht den eines hochmütigen Junkers oder eines Fanati- kers. Uebrigens berührt das Gespräch nicht die Politik. Ter in seiner provinziellen Einschicht sitzende Herr möchte z.?. von dcn Parisern wiyen, wie eigentlich die„Tango-Farbc" aussieht. Freundlich— ja liebenswürdig ist auch der Abschied.„Biel Glück — den Umständen angemessen", wünscht Genosse Dumas seinem Gegner.«Viel Glück, unter allen Umständen", sagt der liberale Zählkandidat. Der Haß gegen die Radikalen verbindet sich mit der Ritterlichkeit des galanten Zeitalters. Man erinnert sich an das verühmte:„Schießen Sie zuerst, meine Herren Engländerl" «-* £ Der Wagen, der uns zur Wählerversammlung in I a l i g n y, einem etwa 10 Kilometer entfernten Ort, bringen soll, ist schon eingespannt. Aber Dumas hat noch eine ganz besonders imer- essanie Bekanntschaft � für mich vorbereitet. Er fiihrt einen kleine:!, beweglichen, alten Herrn in die Wirtsstubc. Nach seinen blühenden Wangen, seiner Rüstigkeit und nach den lebhaft und fröhlich durch eine Brille blickenden Augen möchte man ihn für einen gut- konservierten Mann am Ende der Sechziger, vielleichr für eine:'. Siebzigjährigen halten. Aber es ist der älteste Sozialist Frank- reichs, ja sogar der Nestor der ganzen sozialistischen Internationale. Genosse Prevcrcau. Ter jugendliche Greis erzählt mir aus seinem romanhaft be- wegten und rcicherfüllten Leben. Ein Kind des Departements— er ist dort begütert— war er von früher Jugend auf begeistcner Anhänger der revolutionären Ideen. An der Revolution von 1>18 nahm er mit Leidenschaft teil, als Anhänger Ledru-Rollins. 1852 wurde er nach dem Staatsstreich zum Tode verurteilt. Er lebte im Brüsseler Exil und auf der Insel Jersey und Guernscy zu. sammen mit Victor Hugo, der seine romantische Flucht— in weiblicher Verkleidung und der possenhaften Episode eines ver- liebten Gendarmen— in seiner berühmten„Geschichte eines Ver- brechen?" erzählt hat. 1860 kehrte er zurück und nahm sofort seine politische Tätigkeit wieder auf. Unier der dritten Republik war er von 1882 bis 1889 Deputierter. Er sah natürlich auf der äußersten Linken und hielt zu C l e m e n c e a u, der ihm damals als der vertrauenswürdigste und fortgeschrittenste Führer der Demokratie erschien. Aber als sich die sozialistische Partei organisierte, fand er in ihr die wahre Verkörperung der Ideale seiner Jugend. Er ist jetzt der Schriftführer der winzigen Gruppe des Tonjon. Das alles erzählte mir der Alte mit vielen Details, die sein außerordentliches Gedächtnis bewahrt hat. Dann fragte er nach der Bewegung des Auslandes, ob es auch bei uns bei den Bauern vor« wärtSgehe. Und lustig schüttelt er mir zum Abschied die Hand; „Na. vielleicht komme ich noch einmal in Ihr Land hinüber." Auf meine Frage nach seinem Alter hat mir Genosse Prcvereav geantivortet: 90 Jahre. Aber er hat, wie mir Dumas anvertraut. schon 93 auf dem noch kerzengeraden Rücken. Die Koketterie deS Menschen höret nimmer auf. Genosse Prevereau hat sich„jung gemacht". Bichh, 18. April. Otto Pohl. politische Uebersicht. Was ist's mit der Wahlreform. Mit lauten Trauergesängen begleiten die konservativen und Scharfmacher-Blätter die Beförderung ihres Tallwih. Und der«Schmerz ist um so größer, als die Ernennung des Herrn v. Loebell ihnen, wie die„Deutsche Tageszeitung" ge- steht, überraschend kommt. Und angenehm ist augenscheinlich den Junkern diese Ueberraschung gerade nicht. Denn der Herr v. L o e b e l l war ja der Vertrauensmann Bülows, gegen den der Haß der Junker noch so frisch ist wie je. Und die leise Sprge zieht durch das konservative Gemüt, ob am Ende das von ihnen glücklich zerbrochene«Königswort" nicht von neuem geleimt werden soll. In der Tat. was ist's mit der Wahlreform? Glaubt Herr v. B e t h m a n n wirklich, die„wichtigste und von Düppel bis Aabern. „Still, vom 18. April ein Lied ich singen will..." So begann tor 50 Jahren Theodor Fontane seinen Hymnus auf die Erstür- «ung der Tüppler Schanzen. Und da» heute ganz vergessene, damals aber ungeheuer populäre Lied„Schleswig-Holstein, meer- umschlungen" wurde in jenen Tagen mit einer Begeisterung ge- sungen, von der wir uns heute keine Vorstellung mehr machen können. Wollten doch selbst die Arbeiter Hamburgs, die sich dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein angeschlossen hatten, sich be- waffnen und eine Freiwilligentruppe bilden, um den Dänen das Fell zu gerben. Lassalle riet aber ab. Die Revolution von unten für ein freies und geeintes Deutschland war nicht durchzuführen. Bismarck machte die deutsche Einheit mit der Revolution von oben, deren erste Etappe über die zehn Düppeler Schanzen und den Brückenkopf von Sonderburg ging. Bon der deutschen Freiheit war freilich nicht mehr die Rede. Der Düppler Sturmmarsch war die Ouvertüre für den Triumphzug der preußischen Pickelhaube, der über Königgrätz und Sedan ging und heute nach 50 Jahren mit Zabern und seinem Drum und Tran seinen Höhepunkt erreicht hat. In anerkennenswerter Ehrlichkeit spricht auch die Kabinetts- order, die am 18. April von Korfu her„an Mein Heer" geflattert kam, nur von der„Einigung Deutschlands". Die deutsche„Frei- heit" wird durch die fast gleichzeitig veröffentlichte„Dienstvorschrift über den Waffengebrauch des Militärs" zur Genüge illustriert. Es ist daher auch begreiflich, daß die Erinnerung an die Er- «ignissc vor 50 Jahren im Volke herzlich wenig Begeisterung er- weckt. Bei den verschiedenen Kriegervereinskommersen wird natür- lich das Maul tüchtig vollgenommen, und auf jede damals eroberte dänische Schanze werden mindestens drei Glas Bier durch die nationalen Gurgeln geschüttet werden. Bei solch alkoholisierter Be- geisterung wird auch die berühmte Legende vom Pionier Klinke und seinem Pulversacke wieder in neuem Glänze erstehen. Und in den Schulen mußten am 18. April die Lehrer ihre geschichtlichen Kenntnisse zusammenkratzen, um den Kindern klar zu machen, wie herrlich weit wir es unter dem Hohenzollernaar seit Düppel ge- bracht haben. Preußens Heldensöhne, jene echtpreußischen Leute, deren Herr- lichste Vertreter der schneidige Regierungsassessor und der Gendarm sind, führen ja noch heute todesmutig den Kampf um Teutschlands Nordmark. Zwar kämpft man nicht mehr gegen den„tapferen Landsoldaten", wie die Dänen in einem Nationalliede ihre Bater- landsverteidiger nennen. Aber die dänische Gefahr, die sich in armen Dienstknechten und Dienstmädchen, in harmlosen Konzert- sängerinnen und in der Person eines Nordpolreisenden verkörpert, wird mit allen Mitteln preußischer Energie bekämpft. Man lächle nicht darüber. Die dänische Gefahr ist kein leerer Wahn. Ein Gtaat, der drauf und dran ist, seinen Angehörigen das denkbar freiesie Wahlrecht zu geben,«in Wahlrecht, das sogar Frauen und Dienstboten mit allen politischen Rechten ausstattet, kann von echtpreuhischen Leuten nur mit dem größten Mißtrauen behandelt werden. Darum müssen von der Nordmark alle freiheitlichen Bazillen, die vielleicht in der Lederhose eine» dänischen Pferdeknechte? oder in den Schürzenfalten einer dänischen Dienftmagd sitzen, fern- gehalten werden. Die preußischen Kulturgüter sind denn doch zu kostbar, als daß sie durch dänische Barbarei versaut werden dürften. Dem„DanSke" find die Schläge von Düppel ein heilsames Erziehungsmittel zur Demokratie geworden. Für den preußischen und deutschen Bürger bedeutet der Sturm auf die Tüppler Schanzen den Anfang vom Ende der an sich schon so blutarmen bürgerlichen Demokratie. Die oppositionellen AortschrittSmänner kapitulieren vor der Logik der BiSmarckschen Bajonette, da» goldene Zeitalter der SiegeSlümmel und der Hurracanaille bricht an, um sich in unseren Tagen in einer epidemisch auftretenden loyalen Rücken- marcksdarre zu dokumentieren. Da schreibt der anerkannte Herold der heutigen bürgerlichen Demokratie, Herr Theodor Wolfs, daß der„demokratische Gedanke" in schuldiger Achtung die königlich- Person unberührt lassen müsse. Sin Grundsatz, den z. B. auch die Liebenberger Tafelrund« in mystischer Inbrunst befolgte. Wenn daS am grünen bürgerlich-demokratiichen Holz geschieht, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß fortschrittlich-liberale «Sckjützenbrüder und Kegelfritzen Glückwunschtelegramme an einen Oberst Reuter senden, daß liberale Zeitungsmänner vor Loyalität zerschmelzen wie Butter in der Sonne, wenn ein Kronprinzen- adjutant bei ihnen vorfährt und um gut Wetter für den jungen Herrn bittet. Ten Gipfel loyaler Glückseligkeit hat aber ein braver Bürger?- mann in Holzminden erklommen. Dort schoß der Schützenverein zu Ehren der Geburt des Braunschweiger Thronfolger» eine Ehren- scheide aus. Ter Sieger war ein Herr Tacke. Das Ereignis war aber für diese» loyalen Untertan noch ganz besonder? erfreulich. Denn Herr Tacke, so verkündet die„Holzmindener Zeitung" der staunenden Welt, rief einst als Gardist vor dem Berliner Schlosse die erste Wache heraus, die die Ehrenbezeugung vor der jungen Prinzessin(jetzigen LandeSmutlor von Braunschweig) zu machen hatte, die zum ersten Male spazieren gefahren wurde. Bon dieser Orgie loyaler Glückseligkeit kann sich natürlich ein sozialdemokratisch verseuchtes Gemüt keine Borstellung machen. Der Schießerfolg in Verbindung mit dieser historischen persönlichen Erinnerung— es ist nicht zum Ausdenken I Ein Bürgertum von solchen geistigen Qualitäten erblickt in dem Wege von Düppel bis Zabern natürlich nur einen Triumphzug des höchsten Menschentums. Es ist in diesen Jahrzehnten dick und seit geworden und fragt den Teufel nach der deutschen Freiheit. Ihm graut sogar davor, denn bei aller loyaler Borniertheit ahnt es doch, daß Arbeiterköpse und Lrbeiterfäuste daS bei Düppel begonnene, halb« Werk fortsetzen und ausbauen müssen. Aber dann ade satte, knechtselige Behaglichkeit! Da söhnt sich der brave deutsche Spieher schon eher mit dem Zaberner Pandurenkeller aus. Bor mir liegt ein kleines, unscheinbares Heftchen. daS vor 50 Jahren eine Massenverbreitung gefunden hat.„Gedichte und Lieder für Schleswig-Holstein" ist sein Titel. Herausgegeben ist ek von Hoffmann von Fallersleben. Sein Preis ist 1 Sgr.„Zum Besten von Schleswig-Holstein." Auf dem Titelblatte steht auS« drücklich:„Kann nackgedruckt werden, aber nur zum Beste» für Schleswig-Holstein." Aus diesem Büchlein sangen damals di« Großväter und Väter unserer heutigen liberalen Philister: ..Greift an das Werk mit Fäusten! Das Rechten hilft nicht mehr. Ihr Besten und Getreusten, Zur Tat, zur Gegenwehr! Wenn alles ist verloren, Dann hofft nur noch ein Tor, Im Kampf nur wird geboren, Was eure Ruh' verlor. Was sie versprochen hatten Von Recht und Billigkeit, Ist nur«in Schall, ein Schatter», Ein unerfüllter Eid. Die Freiheit will errungen, Kein Gnadenbissen sein! Mit Fäusten, nicht mit Zungen Greift an und schlaget drein." Und heute? Tu lieber Himmel. Da singt man auch im radl» kalsten liberalen Bezirksverein, die zottige Männerbrust von loyaler Rührung geschwellt, das„Hei! dir im Siegerkranz". Für die Frei« heit zahlt heute ei» anständiger Bürger keinen Silbergroschen mehr. Heut läßt er sich von den Epigonen der Tüppelstürmer alle» bieten, ein Reuter und ein Forstner sind ihm die Heroen deutscher Mannestugend, denen er in seiner Stammtischecke bewundernd hul- digt. Angesichts all dieser bürgerlichen Jämmerlichkeit auf der einen, der Pickelhauben-Ueberhebung und der ganzen reaktionären Wirtschast auf der anderen Seite seien noch folgende Berse ouZ dem Liederbüchlein der Düppeltage zitiert: „O Himmel, der du hock dich wölbst, Schau aus die Schmach, die uns geboten; Schau her, hier wirft ein Volk sich selbst Für ew'ge Zeiten zu den Toten!— Und harrt ihr noch, daß kommen soll Erst Schlimmeres dem Baterlande? Wann endlich ist das Maß denn voll Ter endlos aufgehäuften Schande!" Ernst, bringendste Aufgabe der Gegenwart" noch länger verschieben taielle Dedung vorzuschlagen, die gleichzeitig mit dem Mili- baß die Kunst, das Erbe unserer großen Geistesheroen, ein befferer zu können. Gerade die Vorgänge der legten Seit haben in tärgeset hätte angenommen werden müssen. Das notvendige Erzieher ist als der Gewissenszwang nach bekannter nationalistischer den preußischen Arbeitern steigende Erbitterung ausgelöst. Gleichgewicht im Budget fönne mur gesichert werden bei einer Schablone. Sie öffnen den zum Erwerb reif gewordenen jungen Das preußische Polizeiministerium war ja geradezu zu einer Steuer auf das Kapital und das Einkommen, ohne Be Menschenblüten weit den Blick in geistiges Neuland und spornen Verschwörungsstätte geworden, wo man Tag für Tag neue freiungen und Privilegien für irgendeine Art von Einkommen. die jungen Kämpfer an zum Ringen um die Wahrung der Verfolgungspläne ausbrütete. Die Heze gegen die Jugend- Der Minister wandte sich gegen diejenigen, welche sich damit ein- Menschenwürde. Warm leuchtete prächtige Frühlingssonne. Wärmer bewegung wird je länger je mehr als eine unerträgliche verstanden erklärten, daß eine Steuer auf das Einkommen ge- wurde es im Herzen der vielen Hunderte, die freudig dem Weckruf Herausforderung empfunden. Den Versuch, die freien legt werde, die aber dem Staate nicht die Möglichkeit geben wollten, gefolgt waren, als zündende Belehrungen, hehre Dichterworte, Gewerkschaften und fie allein für politische Ver- dieses Einkommen festzustellen. eine zu erklären, müßte Herr von Bethmann, der als Staats- Zur Wahlreform sagte der Ministerpräsident, er fönne fekretär jo feierliche Versprechungen über die anständige sie nur auf der Grundlage bes Majoritätsprinzips zu Handhabung des Vereinsgefezes gegeben hatte, geradezu als lassen, wobei jedoch den Minoritäten eine gerechte Vertretung eine persönliche Schande empfinden. Glaubt er wirk- auzubilligen wäre. lich, daß man in Preußen nur mit Wortbruch regieren fann? machtvolle Mujittlänge von der Festbühne erschollen. Im Gewerkschaftshaus am Engelufer fesselte Simon Staßenstein mit groß Den Arbeitern und angelegter Festrebe die lauschende Jugend. ihren Kindern nicht nur das Recht auf Arbeit, auch das Recht auf Freude und Genießen! Luise Zieh gewann im Moabiter Gesellschaftshaus am Engelufer fesselte Genosse Kazenfiein mit groß„ Da Die italieniſche Streitbeweguing benda brauben das ewig wiederkehrends Statucwunder des Fralings so werden Aber gerade diese neuen reaktionären Versuche haben auch der Arbeiterklaffe aufs neue gezeigt, daß es keine Ruhe Ausbruch des Streits der Eisenbahnarbeiter herrscht. ist, wie schon gibt in unseren aus dem Schlaf gewedten Kindern, in Preußen geben darf, bis die Wahlreform errungen turz gemeldet, in den staatlichen Tabakfabriken ein Ausstand aus- wir mit Mut, Kraft und zähem Willen schließlich siegen über die ist. Der Dallivis ist weg, aber den Herren muß auch gesagt gebrochen. In Rom, Neapel, Mailand, Turin, Genua und Benedig verderblichen Mächte, die auch schon die Jugend vergiften!" Wie werden, daß wir für die Fortsetzung des Systems Dallwitz haben die Tabatarbeiter ihre Tätigkeit niedergelegt. Die Ein- immer vor dem empfänglichsten und dankbarsten Publikum, spielten feine Geduld mehr aufbringen. Eine Systemänderung aber stellung der Arbeit vollzog sich in größter Ruhe und Ordnung. Die die in den Dienst der guten Volkssache geſtellten Künstler, von Beis fann nur erfolgen, wenn endlich der preußische Landtag Regierung erhielt vom Syndikat der Tabatarbeiter eine Auf- fall umbraust, mit ganzer Seele. Wünschenswert wäre es, auch anders zusammengesezt werden kann. Es ist wahrlich Zeit, ftellung der Forderungen übermittelt. die dringendste Aufgabe der Gegenwart in Angriff zu nehmen. Wie Herr von Jagow Material fammelt. Aus Groß- Berlin. zu den weniger bekannten alten Volksliedern beim Sologesang den gedruckten Text berteilen zu lassen. Das prachtvolle Sonntagswetter, das halb Berlin in die Umgebung trieb, hatte den Besuch nicht im mindesten beeinträchtigt. Beide Festsäle waren dicht gelichen Unserigen. Vor einigen Wochen erſchien bei dem juristischen Berater Was ist der„ Schatz der Armen" wert? füllt, ein schönes Zeichen für den ernſten Zusammenhalt der jugendeiner Organisation von Kleinunternehmern, deren BezeichFreilich, die Morgenpost", das ist doch noch ein Blatt, nung die Meinung aufkommen lassen konnte, daß sich auch Ar- das ihren Abonnenten etwas zukommen läßt. So oft fie ein Die zusammengebundenen Leichen eines Brautpaares beiter in ihren Reihen befänden, ein Beamter der Berliner Jubiläum feiert, erläßt sie ein Preisausschreiben und es wurden am Sonnabendabend aus den Tegeler See geborgen. Bor Kriminalpolizei mit dem Ersuchen, ihm Fälle anzugeben, in fommt ihr auf zwei- bis dreitausend Mart nicht an. Als ihre mehreren Wochen hatten in der Nähe der Insel Scharfenberg fich denen diese Vereinigung unter dem Terrorismus der Abonnentenzahl auf 400 000 angewachsen war, blühte allen der Schlächter Herrmann Korell und die Verkäuferin Thereſe sozialdemokratischen Gewerkschaften" zu Armen wieder das Glüd! Wie groß wird die Summe der Vogerl in das Waffer gestürzt. Jetzt hat man die Zeichen des Leiden gehabt habe. Der betreffende Syndikus konnte dem kleinen Anzeigen sein, die in vier aufeinanderfolgenden Paares geborgen. Die Toten hielten sich innig umschlungen und Schnüffler allerdings nicht mit dem gewünschten Material Sonntagsnummern in ihrem Blatte erscheinen werden? Für waren durch einen Strid zusammengebunden. Die Zeichen wurden dienen, ließ sich aber mit ihm in eine Unterhaltung ein, in die richtigen Lösungen dieser Frage waren Preise in der Ge- nach dem Friedhof in Tegel übergeführt. deren Verlauf ihm sein Besucher erzählte, daß jetzt bei allen famthöhe von 3000 Mark ausgesetzt. So etwas zieht immer. Ferner wurde aus dem Tegeler See der Leichnam des Kaufnationalen Organisationen" ähnliche Enqueten veranstaltet Man muß sich die Sympathien der Leser warm halten, und manns Friedrich Bierwerth aus Berlin gelandet. B. stürzte sich würden und daß die Kriminalpolizei auch schon hier und da das tut man am besten, wenn man sie ab und zu anfeuert, ihr bei Saatwinkel in den Tegeler See, ging fofort unter und ertrant. wertvolle Mitteilungen erhalten habe. Ueber ihren Ver- Glück zu versuchen. wendungszwed war der kundige Thebaner nicht ganz im Dreitausend Mark sind ein Dred für die Morgenpost", Mit Maske und Revolver ausgerüstet war ein Einbrecher, der Flaren, er fajelte etwas davon, daß sie als Grundlage für ein aber den Bejern schickt er Wohlgerüche in die Nase. Ein in der Bärwaldstraße auf einer Flatterfahrt" überrascht und unGesetz dienen sollten, durch das die sozialdemokratischen Ge- Unternehmen, das jährlich Millionen abwirft, fann einmal auf einen mastierten Mann, ber eifrig beim Aufräumen“ war und ſchäblich gemacht wurde. Ein Hausbewohner stieß auf dem Boden werkschaften" unter eine schärfere Kontrolle der Polizei zu Behntausende Leser auf den Trab bringen. Was kostet der ihm auf seine Frage, was er dort suche, den Revolver vorhielt mit bringen seien. Wahrscheinlich liefen ihm der Schutz der Ar- Spaß? Dreitausend Mart. Eine Bappalie. Wer wie die der Drohung, daß er ihn niederschießen werde, wenn er es wage, beitswilligen und die Erklärung der Gewerkschaften zu poli- Morgenpost" nur der nackten Gewinnsucht frönt, kann schon ihn anzurühren. Der Mann schlug Lärmt, und als bald darauf poli tischen Vereinen durcheinander. gelegentlich die Spendierhosen anziehen. Das Hemd der Ge- zeilicher Schuß eintraf, hatte sich der Maskierte hinter allerhand Der Jurist, der übrigens der Sozialdemokratie nicht an- finnung ist schmierig, aber die moderne Spendierhose besticht. Gerümpel verbarrikadiert. Er entpuppte fich als ein„ Schlosser" gehört, glaubte den Beamten belehren zu sollen, daß man Man mag das Mäntelchen immerzu geschäftig nach dem Johannes Kroſtinat. von sozialdemokratischen Gewerkschaften nicht reden könne und Winde von oben drehn, wenn man sich nur die Liebe der daß es sich wohl um die freien Gewerkschaften handele. unteren Schichten im Sturme erobert. Man ist der Scha Der Abgesandte des Herrn v. Jagow aber blieb bei seiner der Armen" und streicht jährlich Millionen ein, man iſt Ansicht. Er versicherte, die freien Gewerkschaften das der Hort der Bielen" und hat doch nur einen ein feien nicht die sozialdemokratischen, sondern die anarchi- zigen Zwed. Geld, recht viel Geld zu bringen. stischen Organisationen, und er fügte dieser Erklärung Boldt hieß der Mann, der den ersten Preis gewann. Er das wundervolle Bolizeigeständnis hinzu, die anarchisti hat auf die Babl 24 093 geraten. Es war ein Sonntag und fchen Verbände feien im Grunde gar nicht so ein Morgenpost- Auto hielt vor seinem Hause. In der Straße schlimm, im Gegenteil, sie hätten ihr Gutes, da sie den war ein Aufsehen wie noch nie. fozialdemokratischen Gewerkschaften Schwierigkeiten bereiteten und auf diese Weise die Aktionen der Polizei ja einigermaßen unterſtüpten. So sammelt also Herr v. Jagow für sich und wohl auch im Auftrag höherer Stellen das Material zum Stampfe gegen die Arbeiterbewegung. Kriminalbeamte, denen die allerelementarſten Kenntnisse von dem Wesen der wirtschaftlichen Verbände der Arbeiterschaft fehlen, werden ausgesandt, um die Unternehmervereine, die Gelben usw. zu animieren, der Polizei von ihren schlechten Erfahrungen mit den freien Gewerkschaften Kenntnis zu geben. Schon um sich nicht gar zu sehr zu blamieren, framt die Sorte dann allen Dreck zusammen, den sie irgendwo erreichen kann und überläßt es möglicherweise noch dem Ignoranten, der als Ausfrager gefommen ist, aus diesem Stoff einen Bericht zusammenzustellen. Auf diese Art kommen dann die Aften zustande, auf die geftügt die Polizei die Gewerkschaften mit den schikanösen Paragraphen des Vereinsgefeßes verfolgt und die den Regierungsvertretern in den Parlamenten als Unterlage dienen, daß der Terrorismus der sozialdemokratischen Arbeiter immer unerträglicher werde. " 1 Die Morgenpost" hatte es schon in alle Häuser getragen, daß Herr Boldt außer dem Hauptgewinn auch das Recht errungen hat, 20 Ainber nach seiner Wahl auf Kosten der Berliner Morgenpost" auf vier Wochen in die Ferienkolonie zu schicken. Hier lag für die Freunde, Bekannten und sämtliche Unbekannten die Möglichkeit vor, von dem Gegen sozusagen auch noch ein Häppchen abzubekommen.... 9 Ueberfall im Walde. hindsig Das Opfer eines Ueberfalles wurde die Ehefrau des Kellners Berner im Forst bei Hessenwinkel. Als Frau W. den Waldweg zwischen Rahnsdorf und Hessenwinkel passierte, trat plöglich ein fremder Mann auf sie zu, stürzte über sie her und würgte sie am Salje. Die Gefährdete setzte sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften zur Wehr und sie brachte es auch fertig, sich für einen Moment von dem Attentäter zu befreien und um Hilfe zu rufen. Nun zog es der gemeingefährliche Bursche vor, die Flucht zu ergreifen. Er lief in die Waldung hinein und fonnte, trozdem bald darauf der Forst durch Beamte abgesucht wurde, nicht dingfest gemacht werden, Die Leichen zweier junger Mädchen wurden gestern in Moabit aus der Spree gelandet. Vor dem Hause Solsteiner Ufer 28 landete man die 16 Jahre alte Tochter Erna des Verwalters Elanjinsti aus der Friedrich- Wilhelm- Straße zu Tempelhof. Das Mädchen entfernte fich vor einigen Tagen aus der elterlichen Wohnung und Boldt stand da wie ein kleiner Napoleon- und notierte. Ob hinterließ einen Bettel, daß es sich das Leben nehmen werde. Ihren er jemals vorher so von Frauen umworben worden ist? Wie Vorsatz hat es auch wahr gemacht, doch weiß man nicht, was bas mag ihm zu Mute gewesen sein, als er sich so als Gebieter über Mädchen zu diesem Verzweiflungsschritt getrieben hat. Unaufgefläct das Wohl und Wehe vieler fühlen konnte! Als er sich mit einem ist auch noch der Selbstmord der ebenfalls erst 16 Jahre alten VerRud emporgehoben sah über das Niveau feiner Umgebung, hinein- fäuferin Ella Schmidt aus der Lessingstraße, deren Leiche an der gehoben aus der Sphäre des Empfangens in die des Gewährens. Gogtowsthbrüde aus dem Wasser gezogen wurde. Vor ungefähr Und wie mag ihm zu Mute gewesen sein, als der Besuche- vier Wochen sprang das Mädchen in der Nacht um 3 Uhr von der rinnen immer mehr wurden, als die Treppe sich unter der un- Moltkebrücke in die Spree. Aus Papieren, die man in der zurüc gewohnten Last fast bog! Als die Fortgehenden sich kaum mehr gelassenen Handtasche fand, ging der Name der jugendlichen Lebens. an den kommenden vorbeischlängeln konnten! müden hervor. Diese hatte abends um 8 Uhr ihr Gehalt von 40 2. Und so ein großes Los" sieht immer nach etwas Geheim- erhalten und sich dann von der Arbeitsstelle am Rosenthaler Tor ent nisvollem, Schicksalsschwerem, Tiefgründigem aus. Von dem fernt. Wo sie sich bis 3 Uhr aufgehalten hat, weiß man nicht. Glücklichen aber, dem es in den Echoß gefallen ist, scheint eine Jedenfalls fand man ihren Sohn nicht mehr in der Tasche. Man Art Fluidum auszugehen. Er hat so ein gewisses Etwas an sich, bermutet, daß ihr dieser gestohlen worden ist und sie aus Gram wie einer, mit dem das Schicksal etwas Besonderes vorhat." hierüber den Tod im Wasser gesucht hat. Die Leichen der Mädchen Ja, tausend Mark ließ die hochherzige Morgenpost" den wurden nach dem Schauhause gebracht. A Mann gewinnen, und Hunderte Bittsteller hat sie ihm auf den Hals gejagt. Ihm fiel das große Los" in den Schoß, Sonntag tagte in Frankfurt der Gesamtvorstand des Reichs aber er konnte sich vor den Müttern der Aleinen nicht retten. ist gestern vormittag die 42 Jahre alte Ghefrau Helene des pensio berbandes der nationalliberalen Jugendbereine. Sie rannten ihm die Türe ein, ging doch auch eine Art nierten Schuhmanns Maß aus der Rembrandtstraße zu Friedenau. Die Herren bedauerten, wie sie mitteilen lassen, sehr, daß ihnen Fluidum von ihm aus. Die Treppe bog sich fast unter einer Frau Maß besuchte gestern ihre leidende Mutter am Bethanien Die nationalliberale Parteile.tung Selbstmord ansinne. Um die ungewohnten Last, Mütter flehten, Stinder weinten und über üfer 2, um sie zu pflegen. Sie selbst leidet an Schwindelanfällen Heranwachsende Jugend zur politischen Mitarbeit heranzuziehen, allem schwebte in der Sphäre des Gewährens, wie ein kleiner und fiel in einem solchen, als sie aus dem Küchenfenster im vierten sei die jungliberale Bewegung und ihre Zusammenfassung im Napoleon, Herr Boldt. Was willst du noch mehr, mein schwere Verlegungen zu, daß sie bald darauf im Krankenhaus Etod auf den Hof sah, auf diesen hinab. Hierbei zog sie sich so Reichsverband unentbehrlich. Wenn jetzt schon wieder gegen den Gold? Es war für die Morgenpost" ein Sieg auf der Bethanien, wohin man fie brachte, verstarb. Reichsverband vorgegangen werde, so liege die Befürchtung nahe, ganzen Linie. Ihr Banner war entfaltet, sie riß die eindaß das nächste Mal auch die Landesverbände und die einzelnen fältigen Herzen empor. Dreitaufend Mark hatte sie springen" jungliberalen Vereine zerstört werden sollen, eine Befürchtung, lassen von einem Gelde, das aus dem Boden der Gemeinheit s die durch verschiedene Aeußerungen von altnationallibe- und des Schwindels wächst. raler Geite sehr erheblich genährt werde. Wer bezahlt die Kleinen Anzeigen, die die Morgenpost" zum Schak der Armen machen? Suppler, Kartenlegerinnen, Brüffel, 19. April. Die Wahlen zur Erneuerung der Hälfte bessere" Mädchen und weise Frauen. Greift nur hinein in der Size in der Kammer sind auf den 24. Ma i festgesetzt worden. vollen Inseratenteil, wo ihr ihn anpadt, ist er pitant. Witwenball. Inselstraße 10. Am 2. und 3. Feiertag Großer Festball mit anschließendem Ostereiersuchen. Halb zum Sterben bereit. Deshalb hat der Gesamtvorstand das Verlangen, den Reiche verband aufzulösen, aufs entschiebenste abgelehnt. Ja, Kuchen! Es sind Nationalliberale und so wird der Vorstand in Berhand- ben Iungen eintreten, in der Hoffnung, die Gesamtpartei von der Schäblichkeit seines Selbstmordes vielleicht überzeugen zu können. Und auch darüber wollen sie Besprechungen pflegen, wie bei Erhaltung des Reichsverbandes doch ein dauerhafter Friede in der nationalliberalen Partei hergestellt werden könne. Also noch nicht zum Tode, aber doch schon zur Selbstverstümmelung bereit. Und das nennt sich Jugend! Aus dem Fenster gestürzt Letzte Nachrichten. 8 98 Die belgischen Wahlen. Automobilzusammenstoß. Kottbus, 19. April. Heute streifte auf der Forster Chauffee in Graphologin, weltberühmt. Telephon Königstadt 296. der Nähe des Zollhauses ein Kraftwagen des Händlers Erdmann Sprechstunden täglich. Simon, Marienburger Str. 36. Ein Mägdelein gar lieb und fein, Die möcht' nicht länger einsam sein. Drum heiratet fie riesig gern Einen gutfituierten ältern Herrn. Postlagernd C. B. 25" Tempelhof. Distret allen vorkommenden Fällen ältere Hebamme Stanz ler, Brunnenstr. 27. auf einer solchen Göbe ſteht der Unzeigenteil der Zeiaus Forst das Automobil des Kammerjunkers v. Nazmer aus Trebendorf beim Ueberholen. Der Kraftwagen des Herrn v. Nazmer überschlug sich und die vier Passagiere sowie der Chauffeur wurden herausgeschleudert. Frau v. Nazmer erlitt einen Bruch des Schlüffelbeins. Rippenbrüche und eine Verstauchung der Wirbel Wahlrede des französischen Ministerpräsidenten. säule, Fräulein Weidmann aus Spremberg einen schweren Echädel Souillac, 19. April. Ministerpräsident Doumergue, der bruch und Untertieferbruch und Gräfin v. eine Gehirnerschütterung hier heute sprach, kritisierte in seiner Rede lebhaft die Haltung tung, die fich rühmt, daß sie alles sagt, was gesagt werden Schädelbruch, während der Chauffeur Benpliz einen leichten feiner Borgänger und warf ihnen besonders vor, daß sie das muß, um dem Niedergang des öffentlichen Geistes, der bis in bavontrug. republikanische Programm lediglich als Etikette benut hätten. die Innerlichkeiten der Familie hinein seinen falten Sauch Zur, Frage der militärischen Organisation übergehend, bläst, zu begegnen. Im Haufe des Arbeiters darf kein Plat legte er bar, daß seine Regierung das Dreijahrsgefeh fein für ein solches Blatt. Locker ist in der Moral, Verräter Paris, 19. April. Seute nachmittag ereignete fich auf dem loyal angewendet habe, und erklärte, es würde für die Sicherheit, an seiner Klasse, wer es dennoch hält. des Landes gefährlich sein, wie es die Gegner wollten, au jagen, Zwei Frühlingsfeiern für die schulentlaffene Jugend daß dieses Gesetz für die Zukunft jeden Verbesserungsversuch ausschließe. Wir müssen uns, fuhr der Minister fort, bewiesen am geftrigen Sonntag aufs neue, wie die Arbeitereltern sehr start erhalten, solange nicht alle Völker, wie es zu wünschen und deren ins werktätige Leben tretende Kinder immer mehr beist, burch gleichzeitige Berträge ihre Rüstungen scelt werden von dem Gedanken, daß zu den schneibigsten Waffen eingeschrän! t haben und entschloffen sind, ihre Meinungs- des Proletariats in erster Linie die geistige Fortbildung gehören verschiedenheiten und Streitigkeiten auf schiedsgerichtlichem muß. Die schon zur lieben Einrichtung gewordenen Jugendfeiern Wege zu regeln. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß find nur der erfolgreiche Anreiz zum Aufstreben des Geistes aus diejenigen, welche ihn hinsichtlich der nationalen Verteidigung der des Voltes eigener Straft. Sie führen der Arbeiterjugend mit Lauheit beschuldigten, sich gescheut hätten, die notwendige finan künstlerisch fein abgestimmten Darbietungen lebendig vor Augen, Schwere Fliegerunfälle. Flugfelde von Buc ein Unglüdsfall. bei welchem awei Flieger getötet und zwei schwer verletzt wurden. Die Flieger Deroye, Desille, Cuenet und Buidot bewarben sich mit ihren Gindedern um ben Echnelligkeitspreis. als plöglich die Flugzeuge von Derohe und Bord hatten, 311Buidot, welche je einen Fluggenossen an fammen stießen und unter furchtbarem Strachen zu Boden stürzten. Das Benzinreservoir des Eindeckers Derone explodierte und stand in einem Nu in Flammen. Deroye und sein Fluggast d'Abain konnten nur als Zeichen geborgen werden. Buidot und fein Fluggaft Pelabo erlitten lebensgefährliche Verlegungen. Das Schaufliegen wurde sofort abgebrochen. Theater. Montag, den 20. April 1914. Anfang 5 Uhr. Passage Theater. Kino- Varieté. Anfang 6%, Uhr. Cines Nollendorf- Theater. Was mir die Wildnis gab. Anjang 7 Ubr. Kgl. Opernhaus. Parsifal. Kgl. Schauspielhaus. Peer Gynt. Anfang 7 Uhr. Deutsches. Was ihr wollt. Zeining. Nach Damaskus. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anjang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Anfang 8 Uhr. Urania. Mit Roosevelt in BritischDftafrita. Deutsches Opernhaus. Das Rheingold. Kammerspiele. Der Enob. Deutsches Künftler Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Berliner. Wie einst im Mai. Mr. Geffentliche politische Versammlungen. Dienstag, den 21. April 1914, abends 8 Uhr: Große öffentliche Frauen- Versammlung in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Tagesordnung: Steinarbeiter! Dienstag, den 21. April 1914, abends 8 Uhr, im ,, Englischen Hof", Alexanderstraße 27c: Versammlung der Grabsteinbranche. Tagesordnung: Bericht der Kommission und weitere Stellungnahme, Mittwoch, den 22. April 1914, abends 8 Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97: Kombinierte Versammlung Tagesordnung: 1. Die Anträge zum Verbandstage. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. Die Kollegen werden ersucht, ohne Ausnahme und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. 171/16 Die Arbeiterfrauen und der Weltfrieden. Spezialarzt Es werden sprechen: Vertreterinnen der Frauen aus Holland, Rußland, England, FinnKöniggräßer Straße. Bland, Frankreich, Desterreich und der Schweiz; ferner die deutschen Genoffinnen Klara Zetkin und Luise Zietz. Theater am Nollendorfplan. Der Zurbaron. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Kleines. Jettchen Gebert. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Trianon. Die Rotbrüde. Komödienhaus. Kammermusik. Quitspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Das große Licht. Schiller Charlottenburg. Bann tir alfern. Liebe. Geburtstag. Lottchens Montis Operetten. Jung- England. 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Das Buch bringt außerdem in einem Anhang eine Reihe historischer Attenstücke( Rongreßprotokolle, Broschüren, Reden, Aufrufe, Zeitungs. artifel usw.), die in den Prozeßverhandlungen zur Berlesung tamen. Diese Schriftstücke sind im Buchhandel längst vergriffen oder in alten Zeitungsjahrgängen vergraben, für die meisten Leser also unzugänglich. Ein ausführliches Personen- und Sachregister erhöht den Wert dieser Ausgabe, indem es das rasche Nachschlagen der zahlreichen historischen Daten ermöglicht und über den reichhaltigen und verschiedenartigen fachlichen Inhalt leichten Ueberblick bietet. Der Unterzeichnete bestellt hierdurch bei der Expedition Leipziger Hochverratsprozeß des Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 geb. zum Preise von 4.- M., zahlbar in Wochenraten von 50 Pf. oder 1 M. Das Buch wird mir sofort geliefert, doch bleibt es bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum der obigen Firma. Verantwortlicher Rebatteur: Ernst Meyer, Steglik. Für den Injeratenteil verantw.: Zb. Glode, verlin. Drud u. Verlag. Vorwarts Paul Singer& C., Berlin SW. Name. Wohnung Wir bitten deutlich zu schreiben. Hierzu 1 Beilage, Nr. 107. 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 5 sadow sid Montag, 20 April 1914. Der Waffengebrauch des Militärs. Vor der neuen Vorschrift. Das Lied der Berge. Der goldene Mund. Nach der neuen Vorschrift. He find famt Beine Lordicant 6111 benamiP FULL RS& Das ist das Lied der Berge! Empor! Von Rei Marut. Hoch blinkt das Gipfellicht. Das freie, blendende Licht der gungsrecht feinen Gebrauch gemacht. Höhen. Ueber den Wolken stehst du und bist frei. Weißte, wenn du das Kalbsschnitzel nich essen willst, tannste es ja doch bestellen. Ja doch egal, ob ich es effen tu oder ob du es izt. So'n Esel bin ich doch nich, daß ich nich begreife, wenn de feen rechten Appetit mehr hast. Tät mir genau so gehen. Aber du Spargel jahenten und die halbe Flasche Champagner. Die schenken dir ooch nischt, nich mal des nadie Leben. Na?". Seine Majestät der König hat von seinem Begnadi- wirst doch den Brüdern nich das Kalbsschnitzel und den diden Vorgelesen und unterschrieben hier den Namen Und so nah ist dir die Sonne; und so weit alle Tiefe. Falls Sie noch irgendeinen Wunsch haben sollten betreffs Hein alles Kleine. Aber groß ist die Weite und die Höhe, und die Regelung Ihrer Privatverhältnisse oder einen Wunsch bezüglich des Essens „ Nein!" Tiefe und das Licht sind unendlich. Empor! ruft alles. Auf zur Sonne! Steige empor und stehe. Sei frei! So flingt das Lied der Berge. So Hörst du Herz den Klang? Und du stockst nicht vor Luft. Armes Herz. Wie bist du flein geworden in der großen Stadt. Mürbe gebegt. Erdrückt ist deine große Sehnsucht in fleine Wünsche und Begierden. Geschwunden dein Wille, dein großes, weltfraittrogendes Wollen. Du bist fremd geworden in der heimischen großen Welt. Nun ruft das Lied der Berge und der Lüfte: Raffe dich auf. Finde dich hinauf. Steige empor und werde frei. Werde fröhlich! Fühlst du nicht das Jauchzen der Gipfel? Es ruft dich zum göttlichen Fröhlichsein. " „ Ueberlegen Sie. Ich laffe in einer Stunde noch mal anfragen. Ein Aufseher ist ja auch in der Nähe. Er hat den Auftrag, irgendwelche Wünsche Ihrerseits mir sofort zu überbringen. Wollen Sie den Beistand des Geistlichen?" Ich bitte darum." „ Adieu! Und Kopf hoch! Tragen Sie es mit Fassung. Muß nu mal sein. Ein bißchen zusammengenommen. Sie waren doch Soldat. Na also! Paar Stunden gehen rasch vorüber." " Jawohl, Herr Oberstaatsanivali!" „ Na, Jungeten! Morgen früh um fünfe hacen sie dir deine Rübe runter. Prost Mahlzeit! Etlig, was? Macht weiter nischt. Wie denkste denn nu darüber? Hä!?" " ,, Un nu fannste dir was wünschen, weißte, Kalbsschnigel mit bidem Spargel. Un wenn de willst, ne halbe Bulle Champagner Vergessen sollst du. Verfluchen und vergessen. Verlieren, was du fannste dir ooch leisten. Ne Zigarre für fünfundzwanzig, jogar cen halbes Dubend. ä!?" nie gefunden. Schüttle ab den Staub von Kleid und Seele. Blase die Gifte „ Ja, is mulmig, was? Ja, ja, wenn man so denkt, morgen und Dünfte der hungrigen Stadt hinweg. Der Ruf der Berge ist der früh um halb sechse is Zappen ab, da licgste halt schon mit de neue, ewig uralte Odem der Welt. Beene am Koppe wie een Echlangenmensch." Tu iollit Mensch sein. Nur Mensch. Verlieren sollst du und dich ganz gewinnen.. Du zögeist? Wie wollte man dich niederzwingen in falsche Tugend und Enge. Daß die Schönheit nicht lebe, die Freiheit sterbe. Daß die Wahrheit im Schatten der Niederungen und Schleichwege trolle und die Liebe hinter den Fenstern erbleichend verblühe. Daß nirgendwo Glück und alles ersterbe in der Starrenfahrt: Dasein * Mein Sohn, Sie haben mich rufen lassen.* " Jawohl, Herr Bastor." „ Das ist schön von Ihnen. Nun ist doch noch nicht alles ver loren." „ Doch, Herr Pastor, das Leben ist doch jetzt futsch." „ Aber die Seele retten wir. Tas ist die Hauptsache. Sieh, mein Sohn, was liegt an dem bißchen Leben?" Ja, nicht wahr, Herr Pastor? Was liegt an dem bißchen Leben? Und wenn ich Ihnen nun das Genid umdrehe, Ihre Secle Wäärt- e- e- e- r!" ,, Wäärteer " Dur, uffstehn! Je mu Zeit! Dalli! Ach so, bist schon uff! Hier hafte een reenes Hemde. Un hier haste den Kamm, daß de manierlich aussiehst um Kopp." Guten Morgen, mein Sohn! Unser Herr und Heiland wird dir beistehen in seiner unendlichen Güte.", „ Guten Morgen, Herr Pastor " Baß dich nicht stören, mein Sohn, beim Anziehen. Du haft nur noch zehn Minuten. Sprich nur, wenn du noch etwas auf dem Herzen haft. Ich höre schon." „ Herr Bastor, das steht doch wirklich in der Bibel: wer Menschenblut vergießet, deß " Ja, gewiß, mein Sohn!" Wo, Herr Pastor?" " Zm alten Testament. Im Mose „ Das steht doch auch in der Bibel: nicht fiebenmal sollst du deinem Bruder bergeben, sondern fiebenzigmal fiebenmal und: richtet nicht, auf daß ihr?" das steht Ja, Wo, Herr Pastor?" „ Im Za Hm! Hm! Bete, mein Sohn, du haft nur noch fünf Minuten." " Morg'n!" Guten Morgen, Herr Oberstaatsanwalt!" " Fertig?" " Bloß noch das Haar fämmen, Herr Oberstaatsanwalt." " Ich habe soeben gehört, Sie hätten keinerlei Wünsche ge äußert." Nein, Herr aber wenn ich jetzt noch schnell eine Tasse starken Staffee und-" „ Und 2" Dem Sisyphus gleich schien das menschliche Tun und Sein. Zu rollen den Stein der Dual und Arbeit, Sehnsucht und Lust. ist doch gerettet Bendet euch Hände und Füße Rührt euch. Stoßt ihn hinab, den Stein. Laßt ihn rollen ins Tal. Ale Schwere muß hinab. Nicht wahr, wenn nur die Seele gerettet ist. Aber, da brauchen Staffee und Zigaretten?" Alle Freiheit muß hinauf. Empor. Empor über deine Wolken: chidial. Hinauf zu deiner Sonne: Glüd. Empor! Hoch flingt das freie göttliche Jauchzen der Gipfel. Das Gipfellicht singt. Den Fröhlichen fegnet die Sonne; der Starfe wird siegen. Denn dein ist die Kaft, o Mensch die Kraft und die Herrlichkeit! Julius Zerfaß. „ Wie gesagt, Herr Pastor, was liegt an dem bißchen Leben? und ein paar Zigaretten " Das ist eigentlich gegen Beruhigt das Ihre Nerves, Sie doch nicht so mordsmäßig zu schreien. Das kleine bißchen anwalt, und ich kann mich kaum auf den Beinen halten." Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen Herr Oberstaata Leben das bißchen „ Wir wollen ein gemeinsames Gebet sprechen, damit Sie ruhig werden: Unser Vater, der du bist im Himme!! * * „ Du, ich soll noch mal fragen, was du abend effen willst, sonst friegst du bloß Mehlpampe, wenn de dir nischt bestellt." Wenn Sie mich doch nur endlich in Frieden lassen möchten." „ DannAufseher, laufen Sie rasch in die Küche. Starken Kaffee. Rasch. Ist sicher schon welcher fertig. Und Zigaretten? tooher? Halt. Hier, nehmen Sie von mir. Hier haben Gott sei Dant, da ist ja schon der Kaffee. Berbrennen Sie sich nicht. Scheint sehr heiß zu sein." 1 Ja Sie Feuer. Kommen Sie! Da haben Sie noch eine frische Zigaretic. Da, bitt schön, Feuer. Die ersten fünf Züge find die gemußreichsten. Na und nun finamm halten. Ift weiter nicht gefährlich. In drei 1 Die wahre Triebkraft. Ans ,Le Socialismc". Noch immer findet man Arbeiter, die der Ansicht sind. der Sozialismus sei eine Sache des Gefühls. Ein Herz haben für die Leiden anderer, den Unglücklichen zu Hilfe eilen, die Ausländer ebenso lieb haben wie feine Landsleute, entsetzt sein bei dem Gedanken an einen Krieg, von jeder individuellen oder sozialen Ungerechtigkeit anfs tiefste empört werden— daran glauben sie den Sozialisten zu erkennen. Dieser Irrtum hat sein Gegenstück in dem unserer Gegner, die uns anklagen, wir erregten eine ebenso un- gesunde wie ungerechte Begehrlichkeit, wir predigten den Haß unter den Menschen, trieben die arbeitenden Klassen zu den blutigsten Ausschreitungen und wollten den Bürgerkrieg. Ich verstehe wohl, daß die Mehrzahl dieser Gegner ihre guten Griinde haben, den Sinn unserer Behauptungen zu fälschen und so eine„ehrliche Entrüstung" in ihrer Umgebung zu nähren. Aber ich kenne auch andere, die wirklich glauben, was sie sagen, und an diese möchte ich mich wenden. Nun— wie die eben erwähnten Arbeiter halten auch diese Bourgeois die Wirkungen für die Ursache— sie nehmen die Konsequenzen der Theorie für die Theorie selbst. Wenn in der von ihnen selbst geschaffenen Organisation die Proletarier gelernt haben, Solidarität zu üben, so doch nicht aus humanitären oder moralischen Gründen, noch weil sie besser sind als andere, sondern nur. weil die Soli- darität sich ihnen aufdrängt als ein notwendiges Kampf- mittel— weil sie ihre Kraft für den Widerstand als auch für den Angriff stärkt. Was es ihnen zur Pflicht macht, streikende Kameraden zu unterstützen, ist vor allem die Notwendigkeit, zu deni Er- folge von Arbeiterforderungen beizutragen � was es ihnen zur Pflicht macht, sich über die Grenzen hinaus mit ihren Arbeitsbrüdern zu vereinigen, ist vor allen Tingen die Not- wcndigkeit einer genieinschaftlichen Aktion, um den inter» national gegen sie organisierten Kapitalismus zu schlagen. Wird sie in dem richtigen Sinne aufgefaßt, so ist ihre Soli- darität nichts anderes als ein K l a f s e n i n t e r e s s e, das sie gewissenhaft und mit voller Einsicht verfolgen. Was die Bourgeoisie entietzt, ist der Gedanke, wir seien entschlossen, uns aller Mittel zu bedienen, wenn es sich darum handelte, die kollektivistische Umwandlung zu verwirklichen. Was sie für ihre Haut zittern und sie uns wie wilde Tiere betrachten läßt, ist der Gedanke, daß sie Gefahr laufe, eines Tages freiwillig oder gezwungen der sozialen Umgestaltung hindernd in den Weg zu treten, und daß wir auch nicht einen Augenblick zögern werden, sie in einem solchen Falle als Hemmschuh zu betrachten, das heißt, sie niederzuringen— ohne Leidenschaft, ohne Zorn, ohne Haß, doch auch ohne Mit- leid— wie man eben ohne sentiinentale Anwandlungen Bäume fällt, um einen Weg durch den Wald zu bahnen. In diesem Sinne aufgefaßt, erscheint die revolutionäre Aktion gleichfalls und ausschließlich geleitet von einem Klassen- Interesse. Also— in dem einen wie in dem anderen Falle spielt das Gefühl bei der ganzen Sache keine Rolle. Ter Sozialis- mus gehorcht einem N o t w e n d i g k e i t s g e s e tz. das die soziale Welt ebenso beherrscht und regiert wie die Natur. Der ökonomische Materialismus ist es, der uns treibt, der uns die Aktion in einer Form vornehmen läßt, die sich den Bedingungen des Kampfes und dem Ziele anpaßt, das es zu erreichen gilt. Nicht in dem. was die Philosophen das Gewissen nennen— in dem Gehirn haben wir die Triebkraft zu suchen. Wir erkennen es jedoch gern an— die sozialistische Lehre ist eine unvergleichliche Erzieherin der Arbeitersolidarität und der revolutionären Energie. In weniger als einem halben Jahrhundert hat sie das Proletariat moralisch weit mehr ge- hoben, als eine religiöse oder philosophische Lehre es je ver- macht hätte. Und dies ist unter taufenden ein Beweis ihrer Ueberlegenheit über alle Systeme, die man ihr vergeblich ent- gegenzusetzen versucht. ljummi elasticum. Es tvar einmal— Aber dies ist kein Märchen. Dies ist Wirklichkeit. Harte Wirklichkeit wie altbackenes Brot, an dem die Zähne müde werden. Nämlich es sängt mit den Liberalen an. Und dann wird einem gleich sauer aus der Zunge. Die Blauen sind je auch dabei, wenn's gilt. Gummi zu er- zeugen. Wer sie tun'S nicht gern, sind mehr für durable, härtere Sachen. Denn sie haben einen Charakter, wenn ihn auch mancher nicht schön findet. Der Liberale hat mehrere.(Teils leichtere, teils schwerere.) Und wenn er sich gar nicht mehr auskennt, geht er hin und macht Gesetze. Oder er stimmt ihnen zu. Gern stimmt er Gesetzen zu. Bc- sonders solchen, die ihm nicht gefallen. Und dann freut er sich. Und er sagt: Seht! Ich? Oha? Jetzt geht sie los! Die li- berale Aera nämlich. Ei ja! Mit den» altbackenen Brot sollte nicht die Härte der Liberalen angedeutet werden. Hart sind sie nicht, Gott bewahre uns! Aber es ist hart, wenn ein guter Mensch nicht gescheit wird. Noch härter, wenn es mehrere sind. Und am härtesten, wenn sie Gesetze machen. Müssen es denn gerade Gesetze sein? Es gibt so vielerlei zu machen. Bälle und Gummistrümpfe, Suspensorien und Radiergummi, Pneumatiks und Bruchbänder, Luftkissen und Strumpfhalter. Statt dessen machen diese Gummifabrikanten Gesetze. Und sehen ihren Ehrgeiz darin, sie so elastisch wie möglich zu machen. Je länger sich ein Paragraph ziehen läßt, desto gelungener er- 'cheint er ihnen. Die mißtrauischen Leute auf der äußersten Linken verlangen Kautclen. Trau der Deibel dem Aptheker! Sie tragen Zweifel in der Brust, weisen auf allerlei Dinge in der Vergangenheit hin, da die Taten ihren Vätern, den Gedanken, verflucht unähnlich luaren, und drücken ihre Zweifel in Anträgen aus, die von Re- gierung und Liberalen abgelehnt werden. Mit Recht. Denn wie i sollen die Landräte und Amtsvorsteher regieren, wenn alle dunklen! Hintertüren mit schweren Riegeln verschlossen sind? Die Sozis haben eben keinen elastischen Geist und haben vermutlich nie an Krampfadern gelitten, sonst wüßten sie Gummi zu schätzen. Man schaltet sie deshalb als ungeignet bei der Gesetzgebung aus. Diese gedeiht am besten, wenn Gummifabrikanten und Staats- hämorrhoidarier sympathisch zusammenarbeiten. Tie ersteren haben ihr natürliches Produktionsinteresse; die anderen wissen, was ein gutes Lustkissen wert ist. Wenn sich beide also schöpferisch vereinen, kommt eben daS Vereinsrecht heraus. Deshalb heißt es so. Oder was dachten Sie? Sie dachten: Ter Bethmann hat doch damals beschwörend beide Hände erhoben und hat anerkannt: Jeder Deutsche darf sich vereinigen mit wem er will. Mit einer Frau, einem Kompagnon, einem Kegelbruder und. wenn's denn durchaus sein muß, auch gewerkschaftlich und politisch. Die Politik allerdings verlangt eine besondere Pflege und Wartung. Aber fürchten Sie nicht, daß wir unsere väterliche Wachsamkeit über Gebühr ausdehnen. Schi- kanen? Ich bitte Sie! Laim ck'Konneur! Ist die Regierung nicht—? Sind die Gerichte nicht—? Ist die Polizei nicht—? Liberal nämlich. Und liberal heißt bekanntlich— nach dem Wörterbuch: freigebig, freisinnig, vorurteilsfrei. Lauter schöne Dinge. Einiges trifft sogar zu. Freigebig sind sie, die Liberalen, der Regierung gegenüber. Aber man weiß doch nicht recht... freisinni"� Auch Bethmann? Oder hat sich der Kanzler geirrt? Irrt sich das Wörterbuch? Sind die Liberalen befangen? Damit sollte sich gelegentlich ein Sprachfocschertungreß be- schäftigen. Auch damit: heißt es der Gummi oder das Gummi? Minuten— wollte sagen, die drei Minuten— nein,-kn, lassen Sie nur. behalten Sie die Zigarette ruhig im Munde, ich vcrant. Worte es.--" »» « Die Zeugen: Ein Stadtrat a. T., ein SattlermeisUr. ein Klempnermeister. ein Büchbinder, ein Privatier, zwei Kaufleute, ein Fleischermeister, zwei Restaurateure und ein Fabrikb.sitz.r. Eigentlich gehörte noch ein Schneidermeister dazu. Im letzten Augenblick jedoch bat er abgesagt, weil er für nichts garantieren könne. In der Verzweiflung hat man an seiner Statt einen Schriftsteller erwischt, der im Hauptberuf Dichter ist. Die Zeugen frösteln in der kühlen Morgenluft. Dem Stadtrat hängt ein blankes Tröpfchen an der Nase. Ab und zu wischt er es mit dem Handrücken fort. Manchmal fällt eS auch herunter und stolpert über die Rocklnöpfe. „Kennen Sie die Ballade vom Zuchthaus zu Reading?" fragt der Dichter den Klempnermeister. „Wissen Sie, es ist doch ein unangenehmes Gefühl, wenn man denkt, da oben wird nun einer— meine Frau meinte noch, ich soll man vorher ein paar Schnäpse trinken", antwortete der Klempner- meister. „Vollkommen verblödet", denkt der Dichter und sagt zum Stadtrat a. D.:„Die Todesstrafe, man mag sagen was man will, ist doch immer ein Uebcrbleibsel vom Barbarentum. Wir Kulturmenschen sollten mit derartigen Strafmittcln, die an die Inquisition erinnern, ein- für allemal aufräumen und intelligent genug sein. andere Maßnahmen zum Schutze der Menschheit zu erfinden." „Nö. sehe ich nu absolut nich ein," mischt sich der Fleischer ins Gespräch;„so'n Kerl muß geköppt werden." „Geköpft. Erlauben Sie mql, der Mensch ist doch kein Schlacht- Hammel." „Da— da kommen sie schon an, jetzt geht's los", sagt der Kaufmann und schaut krampfhaft auf seine Stiefelspitzcn. Der Fleischer:„Wie frech der Kerl die Zigarette im Maul hält. Frech wie Rotz." Der Klempner:„Wenn der Patron nicht geköppt wird, schlägt er morgen zwei andere tot." Der Fabrikbesitzer:„Wie ein richtiger Halunke sieht er aus. der Schlingel." Der eine Kaufmann:„Ich möchte ihm nicht abends nach neun allein auf der Straße begegnen." Der Dichter:„Sehen Sie doch, meine Herren, wie der Mann dasteht! Dieser stolz zurückgeworfene Kopf, dieses verächtliche Zucken am die Mundwinkel, diese kühle Furchtlosigkeit in den Augen." Der Privatier:„Der Mcnsch hier neben uns m'i Blindheit geschlagen oder verrückt oder ein Maler." «* • Halblaut hört man aus der Gruppe von oben di. Stimm« des Staatsanwa ts. Zwischendurch in dringender, einschläfernder Dumpfheit die des Pastors. Die Lippen d:S Verurteilt. n spielen nervös mit der Zigarette. Sie ist noch halblang In graublauem, zitterndem Rauch löst sie sich weiter auf. Unruhig läßt er seine Augen umherflackern. Er sucht das Beil. Findet es nicht. Tann b.merkt er eine faltige Verschiebung des schirarzen Tuches. Ob es wohl darunter liegt, unter dieser Tuchfalte? Cr sieht auch kcincn Sarg. Plötzlich denkt er. es sei alles nur so. um ihm Angst zu machen. Sonst müßte doch ein Sarg dastehen, und das blinkendc Beil müßte doch ebenfalls greif. bar in der Nähe sein. Gleichgültig schaut er in das ihm vom Staatsanwalt vor- gehaltene bestätigte Urteil. Es interessiert ihn nicht, ob die Unter- schrift vorhanden ist. oder ob sie fehlt. Dann fällt ihm die Zigarette aus dem Munde. Sie zieht einen nebligen Faden'ang hinter sich her. »« • Blitzschnell hat sich der eine Hilfsknecht gebückt und den Kopf so rasch und fest an den feuchten Haaren gepackt, daß er nicht erst den Boden berührt. Er häft ihn halbhoch und will ihn in den schwarzen Sarg legen. Da springt mit einem Satze der Dichter hinzu, reißt den Kopf an sich und starrt in das bleichwcrdende, zuckende Gesicht. An den Augenlidern des Kopfes glimmert eine glänzende Linie wie glitzern- der Tau. Plötz'ich schreit der Dichter:„Er bat einen goldenen Mund! Wahrhaftig, seht her. er hat einen goldenen Dkund!" Der Staatsanwalt, der Pastor, der schwarzbefrackte Henker und alle die anderen find infolg« der impulsiven Tat des Dichter» wie erstarrt. Jetzt aber laufen sie hin und fragen durcheinander:„Wo denn? Zeigen Siel" Der Dichter hält den Kopf mit gestreckten Armen weit von sich. allen entgegen und ruft:.Ein Mensch! Nur ein Mens»! Ein Menich mit einem goldenen Munde! Wir haben einen seltsamen Mcnicken erschlagen!" „Geben Sie doch mal her", sagt darauf der Knecht zum Dichter und nimmt ihm den Kopf weg. w ben Jm Haar, betrachtet ihn einen Augcnb.lck und melnt dann lachend:„Unsinn, goldener Mund. Uns erscheint das männliche Geschlechtswort hier nichj a». gebracht. Da das weibliche nicht in Frage kommt, bleibt nur da» kindliche übrig.„Sächliche" wollten wir sagen.— Erstaunlich ist es auch, wie sich ein Begriff infolge räum- lichec Versetzung wandeln kann. Vom Königsplatz nach deui Alexanberplatz geht man eine knappe halbe Stunde. Auf dem Königsplatz ist das Versinsrecht noch liberal. Aber. großer Gott, wie schaut es aus, wenn's nach dem Alexanderplatz kommt! Und wie erst, wenn's aus dem großen roten Hause wieder heraustritt! Blessiert, einäugig, krumm und lahm und zum Krüppel ge- schlagen. Sollte es doch zuweilen geheime Mißhandlungen auf den Wachen geben?— Da fällt mir eine Anekdote ein, die aber nicht von heute ist. Ein armer Handwerksbursch, der hungernd und frierend an einem Winterabend die Landstraße entlangschleicht, müde und ver- zweifelt, trifft einen großen unheimlichen Fremden. Ter fragt ihn aus und fordert ihn auf, mit ihm in ein nahegelegenes Gasthaus an der Straße zu kommen. Kaum fitzen sie. schreit die Wirtin den Handwerksburschen entsetzt an:„Was? Ihr setzt Euch mit dem an einen Tisch? l"— Da lacht der unheimliche Fremde höhnisch:„Der gehört mir. Seht Ihr nicht sein rotes Halstuch?" Der Handwerksbursche greift sich erschrocken an den Hals, findet aber nichts.„Es ist doch da!" sagt der andere. Und sie streiten und streiten. Schlagen sich schließlich. Ter unheimliche Fremde erliegt, sinkt hin. Er war der Scharfrichter... Diese Anekdote stammt allerdings aus dem Mittelalter, das ja inzwischen restlos von unserer freisinnigen, vorurteilslosen Zeit überwunden ist, dank den NationaUiberalen. Immerhin: es mehren sich die Augen, die allüberall daö rote Halstuch sehen. Und niemand sieht so scharf— in Berlin ist's stadtnotorisch— wie eben jener Mann am Alexanderplatz, den wir brauchen. Eben darum brauchen wir ihn. Sein Ruhm ist noch immer im Steigen. Er fängt an, be- ängstigend zu werden. Nun ist auch das Vereinsrecht in seinem juristischen Mahl- gang geraten und Gott behüte euch! Er ist voll Eifer, der Mann. Und voll Kraft. Er zieht die Paragraphen auseinander vom Wallotbau bis zum Präsidium. Was gleichzeitig auch für die Güte des Gummis spricht. So ging das ja auch nicht mehr weiter. Der schrankenlosen Häufung von Individuen mußte ein derber Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Es mußte wieder etwas verhindert werden.(Die Polizei ist ja überhaupt nur zum Verhindern da.) Ter große Negative sah mit Besorgnis das Wachsen einer positiven Macht. Die Gewerkschaften werden kräftig. Wie Er. Wenn auch nicht im Gummiziehen, so doch in anderen Dingen. Sie heben das Selbstbewußtsein, propagieren das Sattessen und ähnliche Bedürfnisse, find für Muße und gelegentlich für die Musen, die es mit Herrn v. Jagow längst verdorben haben: ße sperren ihre ärmsten Brüder nicht in dunkle Zellen, sondern stützen sie in Licht und Liebe— und ihr Geist wirkt ank Ga�en unr Landstraßen aufmunternd, helfend, stär'end. Das geht nicht. Wer im Straucheln ist, soll fallen. Wer jung ist. trete der Jugendwehr bei. Und übrigens ist es die Aufgab« des Steve'r ze zu sorgen. Der Staat duldet keine Konkurrenz. Er läßt sich nicht beschämen. Wer ihm seine Aufgaben wegnimmt, begeht Raa an ihm, Es ist eine Annektion. Tie läßt sich kein Staat, der etwas auf sich hält, gefallen. Millionen von Menschen vereinigen sich da. Millionen Vsn Mark. Millionen von Willen. Das Positive wächst. Es droht stärker als die Negation zu werden. Es droht mit seiner stillen, zähen Arbeit wider die Verneinung. die Unproduktivität des Staates zu demonstrieren. Aber Herr v. Jagow duldet keine Demonstrationen. Js ja man bloß von den Zigaretten. Die hab'n doch en Goltmund» stück. Des wecß doch jeder. So'n Blödsinn! Goldener Mund! Wo» denn nich noch! Daß ich man bloß nich des Lachen kriege!" Mit brutaler Geste wirft er d n Kopf zu dem übrigen Körper. In den schwarzen Holz sarg. Der Dichter steht ganz verlassen da. In einer unendlich schmerzvollen Gelärde drückt sich bei Ihm da» Empfinden au», al» fühle er eine große Einsamkeit um sich her. Hilflos blickt er von einem zum anderen mit den erschrockenen Augen eines KindeS, dem der erste Sonnentraum zerrinnt. Die Anwesenden, auch der Oberstaatsanwalt und der Pastor atmen wie befreit auf, läckxln gezwungen und sagen sich laut: „Guten Morgen!" Ter Staatsanwalt fü--' noch einigemal hinzu: „Ich danke Ihnen, meine Herren, ich danke!" Der Kaiser. Der Kaiser ist 1 Meter 70 groß und von untersetzter Statur; doch läßt die Schönheit und das Ebenmaß seiner Glieder diese Tatsache nur bewußt werden, wenn er neben einem schlanker Ge- wachsenen steht, und man so also VergleiehSmöglichkeiten hat. Seine Körpergestalt ist überaus schön und von großer Anmut, obschon er alle Toilettenkünste verschmäht und sowohl be- treffs seiner Haarfrisur als auch seiner Barttracht sehr un- bekümmert»st; auf den Bart legt er so wenig Wert, daß er stch ihn mit der Schere stutzen oder durch das Messer sogar häufig ganz entfernen läßt. An Speise genießt er überaus wenig und meist nur Hau»- mannikost. Er kommt überhaupt nieht de» Tafeln» wegen mit seiner Familie und Geladenen zusammen, sondern pflegt zu essen. wenn er wirklich Hunger fühlt, und dann zieht er Schwarzbrot und Käse, Sardellen und frisches Obst allen anderen Gerichten vor. Im Weingenuß ist er von Natur höchst mäßig; zur Stillung des Durstes verwendet er am liebsten in kaltes Wasser getauchtes Brot oder frisches herbes Obst von weinsäuerlichem Geschmack. seine Tafel besteht meist nur auS drei und, wenn es hoch hergeht. aus sechs Gängen. Aber wenn auch der Aufwand nicht übermäßig ist. so ist doch seine Freundlichkeit als Wirt vollendet; denn gern zieht er die Schweigenden oder nur vorsichtig'Flüsternden zur all- gemeinen Unterhaltung heran, und zur Abwechselung läßt er nicht nur ernste Künstler, sondern auch Humoristen und mit besonderer Votliebe auch Satiriker auftreten, di« die Sittlichkeitsschnüffl« und Betschwestern allen zum köstlichsten Spaß markieren un» tfc frommen Seelen gehörig autlüften. Wohin das führt, hat er an seinen Schuhleuten gesehen. Sie haben einen gcmatzregelten Kollegen mit Hurras zum Bahnhof hinausbegleitet. Hurras aber gehören ganz wo anders hin. Vielleicht ist hier das psychologische Moment zu suchen, das Ihn veranlatzte, am Gummi zu zoppen. Und er wird weiter zoppen. Er kann nicht anders. Bis der Gummi so hart und brüchig ist, dag er zerreißt. Jedermann weiß: dies ist schmerzhaft für den, der ihn in Händen hat. Was aber nicht ausschließt, daß dann die Gummisabrikanten und die Luftkissen-Hämorrhoidarier ein neues, elastisches Bruch- Hand fabrizieren. Der„Schlaftvdgeu'. Es ist dunkel in diesen Seitenstraßen des Berliner Ostens. Es fehlen alle die unregelmäßigen Lichtquellen, die im Westen und den Vergnügungsvierteln des Zentrums die öffentliche Beleuchtung unter- stützen, ffe oft weit überstrahlen. Die Cafes, die Restaurants, die großen Läden, die aus Gründen der Sicherheit und aus Gründen der Reklame die ganze Nacht hindurch die elektrischen Birnen brennen lassen. Hier leuchtet nichts als die Gaslaternen und hie und da. trübe durch Vorhänge hindurch oder gedämpft durch eine Glasvitrine, das spärliche, unsichere Licht einer sehr bescheidenen Kneipe. Menschen steht man kaum noch, jetzt, da die dritte Nachtstunde schon vorüber ist. Ein paar ärmlichste Dirnen mit ihrem Anhang. Auch einen Schutzmann. Und an der Ecke dort, wo eine noch schmalere, dunklere Straße abbiegt, einen gedankenvoll auf und ab marschierenden Herrn. Auch von Fuhrwerken ist, wie das natürlich ist, weil und breit nichts zu sehen noch zu hören. Wie sollten sich Arnos hierher verirren oder auch nur Nachtdroschken? Und noch sind auch die ftübesten der Lastwagen nicht wieder ausgefahren zu neuem Tage- werk. Um so mehr empfindet man ein dumpfes Rumpeln, das an- schwellend die Stille unterbricht. Es ist sicher ein schweres Gefährt, das dort kommt. Wirklich. Ein Möbelwagen. Run. das scheint denn doch wunderlich. Wohin in aller Welt fährt um diele Stunde ein Möbelwagen? Selbst die spätesten Berliner Umzüge finden nicht mehr um drei Uhr nachts statt. Und auch die Umladungen auf den Bahnhöfen beginnen zwar sehr früh, ober doch kaum vor sechs Uhr und schließen in den späteren Abendstunden. Dieser nachtwandelnde Möbelwagen ist entschieden eine Merk- Würdigkeit. Und sonderbar I auch den einsamen Spaziergänger an der Ecke scheint er lebhaft zu interessieren. Ter schwere Wagen fährt langsam und ächzend seinen Weg. Da geichichl etwas Üeberra Ichendes. Der patrouillierende Herr an der Ecke tritt plötzlich dem Wagen «Ntgegen, hebt die Hand und sagt: .Halt I bitte!" Und zugleich sind plötzlich drei— vier Schutzleute da, von denen bis dabin nichis zu jeden war. Sie lösen sich von HauStor- Nischen und Häusei winkeln ob und umstellen den Möbelwagen. Ter Kuticher klettert ziemlich gleichmüiig vom Bock. .Aufmachen!" befiehlt der Beamte. Der Man» schieb! die Riegel an der hinteren Wand des Wagens zurück uno öffnet die Tür. Und nun—? Verschlafen, m ßmMig, manche auch furchtsam, klettern auf die Aufforderung des KrinunalS etwa zwanzig ärmliche, zum Teil zer- lumpie Memchen aus dem Wagen Auch ein« Frau ist dabei. Sie werden von den Schatzlemen kurz vifilierl, in euien Haufen gedrängt, Von ihnen in die Milte genommen und— .Sämtlich zur Wache!" bestimmt der leiiende Beamte. Ja. es gibt da?. Diele.Zchla'wagen" für Obdachlose. Natürlich geschieht daS nicht offiziell. Weist der Himmel, auf welchem Wege, durch weiche Bermilielung Möbelwagen für diese» Zweck herkoinmen. Und daß es genügend arme Teufel in der Wellstadt gibt, die in den Asylen leine» Puig finden und die nun so. gegen ein paar Groichen, eine Nachl voll Schlaf suche», ohne jeden Augen- blick die festiiehinende oder sorlweiieude Schutzniannshand fürchten zu müssen, weiß man auch Aber sie, die Polizei, die sonst von vielen, lbrer Aufmerk'amkeit sehr würdigen Dingen nichts weiß, sie kennt diese gelegentlichen. «le» vflen aller.Swiastvagen". U.ui sie dehn, ibre.Ra, iaS" au« aus sie aus. Tafel der Verlogenheit. Man braucht sich nur einmal, wahllos herausgegriffen, in lapidaren Sätzen folgendes untereinanderschreiben, um zu sehen, wie alles, was die Machthaber von heute als.Recht" und„Sitte" bezeichnen und mit wunderschönen Etiketts bekleben, naturnot- wendig, gewissermaßen automatisch, zu einer Kette von V e r- logenhe-ten wird. Die Spionage gilt schier als das ehrenrührigste aller bürger- lichen Vergehen. Der Staat aber verführt zur Spionage. Er kauft und bezahlt sie. Die nationalen Parteien kreiden fremden Staaten die Unter- drückung deutscher Minderheiten als Verbrechen an. Die Schika- nierung fremder Nationalität in Deutschland wird von denselben Parteien als„patriotisch" mit Fanatismus verteidigt und ge- fordert. Die Verweigerung der„Disziplin" konservativer englischer Offiziere wurde von der deutschen konservativen Presse entschuldigt und beschönigt(weil sie sich gegen ein liberales Ministerium rich- tete). Deutsche Soldaten, die sich auch nur einem unsinnigen oder unsittlichen Befehl widersetzen würden, würden unter Umständen ins Zuchthaus fliegen. Die Oeffentlichkeit des Wahlrechts wird in Preußen noch immer mit dem schönen Argument verteidigt, daß„jeder den Mut seiner Ueberzeugung haben müsse". Daß unter dem Landrat und den kleinen und großen Jagows nur der wirtschaftlich Un- abhängige diesen Mut haben kann, wird verlogen ver- schwiegen. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist formell festgelegt. Gegen die schreiende Ungerechtigkeit der praktischen Rechtsprechung, die sich — von ihnen selbst bewußt nicht gewollt— durch die soziale Aus- Wahl der Richter ergibt, geschieht nichts. Der„Bund der Landwirte" blüht fröhlich als„unpolitisch" weiter. Die Gewerkschaften und die proletarischen Vereine werden politisch gehetzt. Gegen die Gott sei Dank freieste und autoritätsloseste mensch- liche Betätigung, die Kunst, versucht man, unter dem Deckmantel des.Jugendschutzes", Wachtmcisterparagraphen zu schassen. Dem Elend der in Schlafstellen, Heimarbeitsstätten, Kellerlöchern und Hinterhausluken verkommenden Kinder sieht der Staat in Gemüts- ruhe zu. Der Polizeistaat kennt keine Prostituierten, soweit(auch sie) essen, trinken, schlafen und wohnen wollen. Er„bekämpft" sie. Als.Unfitllichkeit". Indem er sie abstempelt und der schamlosen privaten Ausbeutung überliefert. Die Dogmen von Recht und Sittlichkeit sind eigentlich immer nur ein Drumherumreden, hie und da nicht ohne Geist, meistens auch ohne den. Ein Drumherumreden um irgendeine Angelegen- heit de? Portemonnaies. daS, ferner oder näher, breit und dick im Hintergrunde steht. Sonntagssthänöung. Ich bin keineswegs religiös. Aber das meine ich, daß eine Ordnungsstütze, loie es ein Gendarm ist, an einem Karfreitag wäh- rend des Gottesdienstes in die Kirche gehört. Die Religion ist doch die beste Förderin der öffentlichen Ordnung. Ein Gendarm muß also ein religiöser Mensch sein und ein religiöser Mensch gehört zur gottesdienstlichen Zeit in die Kirche. Ich wurde eines Besseren be- lehrt. Und das kam so: Am Karfreitag machte ich für mich allein eine Herrenpartie. Ich kam da iii ein Dorf, und als ich an der Kirche vorbeiging, hörte uh fromme Choräle erschallen und schloß daraus, daß in dem Orte ein gut christlicher Geist herrsche. Freilich begegn-ten mir gleich hinter der Kirche ein vaar Turner, welche Turngeräte nach einem freien Platz trugen. Denn die Sonne schien prächtig, und die Luft war mild. Auch nicht schlecht, dachte ich. wenn die jungen Leute in der frischen Luft ihre Glieder stärken und ausbilden. Es waren gut patriotisch« Turner, die zu ihrem Uebungsplatz gingen. Ich ging weiter. Auf einmal sah ich einen Menschenauflauf, aus dessen Mitte die Spitze der Pickelhaube eines Gendarmen her- vorragte. Ich schritt auf die Gruppe zu. ungehalten über diese Störung der schönen Sonntagsruhe. Und was sah ich nun? Ter Gendarm war in vollster beruflicher Tätigkeit, indem er einige Turner, die nach einem anderen Turnplatz einen Barren fuhren. aufschrieb. Diese Turner waren Arbeilerturner. Ich bin von Natur ein wenig vorwitziger Art und rief daher d?m Gendarm zu: �Aber, Mann. Sie stören ja die gottesdienstliche Sonntagsruhe! Sie üben ja Ihre gewerbliche Tätigkeit aus." Ich tat das in den allerbesten Absichten, um zu verhindern, daß der Gendarm sich strafbar mache. Zugleich sollte es eine leichte Erinnerung an seine sonntägliche Kirchenpflicht sein. Ich kam schön an. Der Gendarm warf mir einen fürchterlichen Blick zu, stellte einen Augenblick seine gewerbliche Tätigkeit ein, um mir zuzu- rufen:„Stören Sie mich nicht in einer Amtshandlung! Sonst schreibe ich Sie gleich mit aus!" „Aber bitte, guter Mann," entgegnete ich,„während der gottcs- dienstlichen Zeit haben nur die Pastoren ein Recht zu Amtshand- lungen. Alle anderen haben jede gewerbliche und berufliche Hand- lung zu unterlassen, und wer ein guter Staatsbürger ist, der hat in der Kirche zu sein." „Das werde ich Ihnen gleich zeigen, was ich zu lassen habe," erklärte mir der Gendarm, fragte mich nach Nam' und Art und notierte die gegebene Auskunft in seinem Buch. Was wird die Folge dieses Erlebnisses sein? Ich werde ein Strafmandat erhalten, weil ich eine Lanze brach für den Besuch des Gottesdienstes und gegen die Störung der gottesdienstlichen Zeit austrat. Und da lebt man in einem christlichen Rechtsstaat! vom Jahrmarkt öes Lebens« die G'schamige. Euphrosine Strudelmeier ist eine unberührte keusche und iugcnd» same Jungfrau. Nach des Werktages schwerer Fron— Euphrosine ist von Beruf Näherin— ist ihre einzige Erholung die christliche Erbauung in der Kirche. Schon ftühzeitig macht fie sich des Sonn- tags auf den Weg, um nicht die Frühmesse zu versäumen. Schämig schlägt die tugendsame Jungfrau die Augen nieder, wenn die jungen Burschen deS OrteS mit Kniehosen und nackten Waden an ihr vorübergehen. Weiß Euphrosine aus den erbaulichen Predigten des Herrn Kaplans doch, daß die Sünde in allerlei Gestalt auf ihre Opfer lauert, daß vor allem das nackte Fleisch eine Versuchung des Teufels ist. Trotz aller Versuchungen blieb die tugendsame Jungfrau stand- hast. So ging das jahrelang. Euphrosine mit ihren mittlerweile stark geschwundenen Reizen brauchte zwar keine Furcht mehr zu haben, daß ihre Tugend bei einem feschen Burschen verloren gehen könnte; aber der Teufel schläft nicht und sucht seine Opfer in mancherlei Gestalt. Schon lange war Satanas voll grimmen Zornes, daß er die tugendsame Jungftau nicht in seine Netze ziehen konnte, bis ihm eines Tages ein genialer Gedanke einleuchtete. Euphrosine ist, wie schon mitgeteilt, Näherin, und so versuchte er mit Hilfe ihres Unternehmers der Armen eine Falle zu stellen. Der gab ihr eines Tages— man denke— Herrenanzüge zur Anfertigung. Welch sündhafte Gedanken konnten bei der Her- ftellung der Unaussprechlichen in der bisher keuschen Jungfrau aussteigen? Aber Euphrosine hat auch diese letzte Versuchng des Teufel» siegreich abgeschlagen. Sie ahnte des Bösen Werk, und um sicher zu gehe», ob fie sich mit der Herstellung von Herren» anzügennicht versündige, wandte sie sich in ihrer Herzens- not mit einer Anfrage an das von Priestern deS bayerischen Kapu- zinerordens herausgegebene FranziskuSblatt" in Altöt- ting, das zu Nutz und Frommen weniger tugendsamer Mägdelei« die Anfrage in Nr. 2 des Jahrganges von 1S14 abdruckte. Und da komme noch einer und sage, daß Tugend und Keuschheit ausgestorben seien! Hüter der Ordnung. Allerlei recht erbauliche Dinge sind in den letzten Wochen übet Hüter der Ordnung in die breite Oeffentlichkeit gedrungen. Von dem Schutzmann, der in Berlin einen Sp'tzbuben zu einem E i n- b r uch engagierte, den zahlreichen Sittenbeamten, die sich schmieren ließen, bis zu den Gendarmen, die auf eigene Faust Buchmacher konzessionierten und dafür ihr Pfundstück einsackten, eine ununterbrochene Kette saftigster Korruption. Die ob der Schlammflut der aufgedeckten Skandale entsetzten Polizeioberen mögen sich trösten: Die polizeiliche Korruption ist i n t e r n a t i o» n a I und wechselt in den verschiedenen Ländern nur in ihrer Form mit den anders gearteten wirtschaftlichen Verhältnissen. In Deutsch- land wie in Frankreich, in Amerika wie in Rußland, allüberall rollt Ter Kaiser wohnt in einem bescheidenen Palast, der weder durch räumlichen Umfang, noch durch bauliche P.acht in die Augen fällt und dessen Zimmer einfach und ohne überladenen Schmuck sind. Und zwar bewohnt er dort im Sommer und Winter schon seit Jahrzehnten dasselbe Schlafzimmer, trotz der Erfahrung, daß das Klima seiner Hauptstadt seiner Gesundheit keineswegs zu- träglich ist. Im Sommer lebt er häusig an der See. G.oße und prächtige Schlösser sind ihm ein Greuel.>-:eine einfachen wenigen Landhäuser schmückt er nicht mit Denkmälern und Gemälden aus, sondern legt den Hauptwert auf schöne Spaziergänge und gefällige Baumpflanzungen; er hat aber eine Porliebe für Altertümer und Raritäten und hat z. B. Sammlungen von Skeletten und Knochen riesenhafter lebender und verschollener Land- und Seetiere.*�8 besondere Seltenheiten pflegt er stets ösfentlich auszustellen. dam,t sich jedermann daran freuen kann. Tie Spariamkeff icineS Mobiliars und seines HauSgerateS hat schon Manchen braven BürgerSmann in Erstaunen versetzt; denn man bekommt in seinem Hause nichts zu sehen. waS man nicht selbst ebensogut oder besser besitzt.. Er kleidet sich meist in Zivilanzüge und halt seine Uniformen nur für besondere Gelegenheiten, aber auch so bereit. daß unerwartete und plötzliche Fälle ihn nicht ubcrras.en können. Niemand kann ihm. ohne eine häßliche Unlvahrye.t zu sagen, den Vorwurf der Pcunkliebe machen. Freundschaften anzuknüpfen entschließt der Kaiser sich nicht leicht. Im Bewahren der Freundschaft ist er aber von au- harrender Treue und weiß nicht nur eines jeden gute Eigenschaften und Verdienste zu würdigen, sondern auch'seine Fehler und Der- geben, wenn sie nur ein gewisses Ma« n.cht überschreiten, zu er- tragen Aus der gesamten Zobl seiner Freunde smd kaum zemal« 1» d--»Mi--°°- itmmni" ,»--«<-«»"»™k ff'": lich, sich irgendeine Blöße zu geben B-, ander« Ä» Redner ist er don rühmenswerter Gewandtheit und �Mfie�st.gk't. Lbwo« er ein geschickter Siegreisredner ist. arbeitet er doch alle oftentlichen Reden schriftlich aus und memo.. ert sie. Hat er zum Auswendig lernen keine Zcu. so liest er mit flangvoll-r, anmutiger Sprache vor und kommt so nicht-n die Gefahr, zu stocken°der abzuschweifen und Tinoe»u sagen die er hinterher ein,«ranken oder verleugnen muß. Im sprachlichen Ausdruck strebt er nach geschmackvoller WaÄ der Worte und Einfachheit der T�-on u� verm-ch-t künstelten, schlagwortmaßigen Ponten. Ueberhaupt hie höchst- Sorgfalt darauf, den«-danken möglichst klar und un «rtßverpändlich herauszubringen. | Auch seine Familienangehörigen hält er strengstens an, nichts zu tun und zu reden, was die Oeffentlichkeit nicht ver- trägt; unfügsame Prinzen setzt er mit unerbittlicher Ener- gie kalt. Nie empfiehlt er einen Prinzen der Anerkennung und Aufmerksamkeit der Lesfentlichkeit. ohne dabei hinzuzufügen: i„Wenn er es verdienen wird" Seine Bescheidenheit und seine Ächtung vor der Würde des Staatsbürgers läßt es nicht zu, daß er Schmeichelreden duldet oder Beifall und Hochrufen er- folgt, nur aus dem Grunde, daß er sich irgendwo öffentlich zeigt. Die Anrede„Herrscher" weist er stets als Beschimpfung und Beleidigung mit Abscheu zurück. Als einmal in einem Schauspiel, dem er beiwohnte, die Worte aus der Bühne gesprochen wurden:„O, der milde und gütige Herrscher!" und sämtliche Anwesenden diese Worte mit ausschweifendem Beifalls- jubel auf ihn bezogen, wies er nicht nur auf der Stelle durch Mienen und Gebärden diese Ausdrücke unwürdiger Schmeichelei zurück, sondern rügte sie auch sofort am anderen Tage in einer besonderen Kabinettsorder, und läßt sich weder von seinen Kindern, noch von seinen kleinen Enkeln, weder im Scherze, noch im Ernste mit„Herr" anreden: ja, er verbietet ihnen auch, sich untereinander solcher Schmeichelreden zu bedienen. Bei seinen Reisen richtet er sich nach Möglichkeit so ein, daß Ankunft und Abfahrt aus und nach der Hauptstadt oder einer Provinzialstadt immer auf die Spätabends- oder Nachtzeit fallen, um niemand durch Empfangs- und Abschiedsbezeigungen Mühe und Unruh- zu machen. Schmähschriften und selbst boshafte Beleidigungen. Spottreden und ähnliches behandelt er mit könig- licher Gelassenheit und Geduld. Als ein Staatsanwalt einmal mit besonderer Hartnäckigkeit die Verurteilung eines Mannes empfahl, der sich fortwährend übel über ihn geäußert habe, sagte der Kaiser ihm mit allen äußeren Anzeichen großer Aufregung:„Ich wünschte wohl, daß diese Beschuldigungen und Beleidigungen Punkt für Punkt diskutiert würden, ich würde dann dem Angeklagten auch alles mögliche nachreden und ihn fühlen lassen, daß auch rch eine scharfe Zunge habe." Und dem Kronprinzen, der ihn einmal mit großer Heftigkeit zur Verfolgung eines Beleidiger» auf» zustacheln suchte, schrieb er wörtlich.„Laß Dich von Deiner Jugend- Hitze nicht hinreißen, allzu großen Unwillen zu empfinden, daß es Leute gibt, die von mir übel reden! ES ist genügend, wenn wir die Sicherheit haben, daß unS niemand Uebles tun wird." Auch sonst ist daS staatsbürgerliche Gefühl des Kaiser» ja hinreichend bekannt; rühmenswert ist aber immerhin vor allem, wie vielen seiner ausgesprochensten politischen Gegner er selbst den Weg in die höchsten Staatsämter frei- läßt. Orden und Ehrenzeichen verleiht der Kaiser über» aus sparsam, stets nur dem wahren Verdienste nach und deshalb oft selbst gemeinen Soldaten. Den Steuerdruck beseitigt er mit aller Kraft und läßt � auch die Lebensmittelverte uerung auf keinen Fall durchgehen, obwohl er den Agrariern kein böswilliger Gegner ist; in Teuerungszeiten läßt er sich nicht abhalten, fiskalisches Getreide für sehr geringen Preis oder auch ganz umsonst Mann für Mann zumessen zu lassen. Niemals sucht er sich auf Kosten deS Volke» ein höheres Einkommen zu verschaffen; er beweift im Gegenteil Freigebigkeit bei allen passenden Gelegenheiten ohne Unterschied der Stände. Deshalb nennen wir alle, Bürger und Adel, unfern Kaiser einmütig„Vater des Vaterlands". Er heißt— Cäsar Ocjavianu» AugustuS. (Aus den Kaiserbiographien deS römischen Historiker» TuetoaI Mecklenburg. Ja, wie geht denn diese» zu: Ein liberale» Interview— Hören Sie?— in Meckelnborch? Ein regierender Minister Zieht hier solche Scheltregister? Na, da brat mir eener'n Storch k Wo der Ochsenkopf im Wappen— Solche Reden, solche schlappen, Von Verfasiung und pp? Wo ist denn der Mann gewesen? Kinning».»stvr kein Federlesen! Sagten wir nicht deutlich: Nee!! Freudig sind wir die Triarier Unser« Herzog» I— doch Agrarier Sind wir nebenbei doch oochl Dieses aber will besagen: Alles hinter meinen Kragest l Und idr andern schnappt man Rooch. Boffart will den Rock un» machen? Droht mit Reichstag? Wa» für Sachen 1 Kirl. da seggen wi: Oho! Wenn den alten wir zerreißen, Gibt'« nur einen Schneider: Preußen! Und dann i» es ooch noch s«. Pan. バン T F Ueberall tionsposten gesucht. Gute Figur und robuftes Gewissen gewährleisten immer noch eine auskömmliche Gristenz. Theater. und ber Rubel. Es fann auch nicht anders sein, denn das Schmier- Ein recht offensichtliches Zeugnis für solche indirekte Korrup| bie hohe Ghre haben werben, dem Kaiser die Macht und Größe gelderwesen ist ja nur ein übler Ausfluß der forrumpierenden tion bietet in der Freitagsnummer die mit Gott für König und des Turnens der Mark in fast allen seinen Formen zu kapitalistischen Ordnung. In Rußland, wo der Kapitalismus Vaterland streitende Kreuzzeitung". In einem auffallenden Infe- zeigen. Ferner soll die erste Aufstellung und der Schlußerst im Werden ist, zeigt sich die polizeiliche Korruption noch in rat wird für sofort ein Offizier, der gute Beziehungen zu taft aft noch den Hauptwethepunkt der Veranstaltung bilden ihrer primitivsten Form. Der russische Jiprawnit raubt ganz fahrer, Luftschiffer- und Fliegertruppen und zur das alles in einer Stunde? Für diese Aufklärung können offen, was ihm unter die Finger kommt; ist er doch absoluter Marine besigt, für selbständigen Vertrauens- und Repräsenta- wir dem Reichsausschuß nur dankbar sein, denn die Arbeiter in Herrscher in seinem Bezirk. Im Lande der Trusts, in Amerika, der Deutschen Turnerschaft können daraus ersehen, daß sie wiederassoziiert sich der Policeman in Trusts zur Ausbeutung der Spielum nur zu einer großen Staffagetundgebung in deur häuser und Bordelle, und in Deutschland, wo viele meinen, daß Stadion benutzt werden sollen, um in die wenig interessanten man nur die kleinen Diebe hängt, greift der Gendarm der GesetzMilitärwettkämpfe etwas Abwechslung durch ihren Massenaufzug wie gebung vor und konzessioniert auf eigene Faust die Buchmacherhineinzubringen. Wenn die deutschen Turner also nicht ,, tanonen" und nimmt" dafür die kleinen Schächer. Ueberall der„ Vorwärts" sowie jeder Lejer der Notiz ohne Zweifel anaber arbeiten die Korrumpierten mit gleichem Erfolg. Schiller Theater O.: beiligen wald", Luftspiel nehmen mußte einen ganzen Tag für das angekündigte große bildet der rollende Rubel neben dem Dienstgehalt eine nicht zu von Halm und Saadet. Der Erfolg von Meyer- Foersters Alt- Programm erhalten haben, so können für diesen Irrtum nur die verachtende und wahrlich auch nicht verachtete Rebeneinnahme, eine Heidelberg" macht Schule. Man kann schon von einer erkledlich an- Reiter der vaterländischen Turner verantwortlich gemacht werden, geschwollenen Literatur der Nachahmungen dieses Rührstücks sprechen. die diese irreführende Bekanntmachung erlassen und jedenfalls finanzielle Sicherung für zukünftige schlechtere Zeiten. Zweifellos hat es auch auf die Entstehung des„ Märchens vom Heiligenwald" eingewirkt. Dahin verweist die Aehnlichkeit des vor- aus guten Gründen den wahren 3wed der Veranstaltung ihren märzlich angehauchten duodezhöfischen Milieus, nur daß es diesmal Mitgliedern nicht bekanntgegeben haben. Ueber die Hauptsache, ob auch im nächsten Jahre wieder alle Nicht nur in der Justiz, auch in der christ- katholischen Kirche nach dem südwestdeutschen Schwarzwald verlegt ist; ferner die besteht seit altersher der Grundjak zu Recht, daß es nicht dasselbe Försterstochter Eva genannt Huschel" und der Inkognito- Fürft Sonntage für die Arbeiter bejezt sind, schweigt sich leider besteht seit altersher der Grundsatz zu Recht, daß es nicht dasselbe Karl Ernst, der sogar mit dem von„ Alt- Heidelberg" den gleichen der Reichsausschuß vollständig aus. Das wäre doch das beste Besei, wenn zwei dasselbe tun. Namen trägt. Immerhin bleibt anzuerkennen, daß die beiden weismittel gewesen, daß der Reichsausschuß über den Parteien" In Planig im Streise Alzey hatte sich ein Arbeiter, dem österreichischen Verfasser bei der Ausgestaltung ihres übrigens schon steht. Könnte der Reichsausschuß diese sicher nur vergessene die Frau vor mehreren Jahren starb, zur Führung seines Haus- vor einigen Jahren in Berlin aufgeführten Lustspiels mit erfreu- 3usage nicht recht bald nachholen? 11. A. w. g. haltes und zur Erziehung seines Sohnes eine Wirtschafterin licher Selbständigkeit verfahren sind. Vor allem verstanden sie es, In diesem Jahre findet infolge der Nichthergabe des Stadions genommen. Das ging so lange, bis der Sohn die erste Kommunion aus dem Inkognito" ein Spiel zwar harmloser, aber doch von das Arbeitersportfest am 14. Juni wieder im Schloß Weißenempfangen sollte. Da stellte der gestrenge Herr Pfarrer den Ar- feinerer Komik durchsetzter Verwechselungen zu entwideln. Die beiter vor die Entscheidung, entweder die Wirtschafterin zu ent- Mischung waldromantischer und realer neuzeitlicher Gegenfäße ist fee statt. Tassen oder seinen Sohn aus der katholischen Kirche ausgewirksamt vollzogen. Zudem haben alle Gestalten den Vorzug lebenswohl erwogen, die Lösung bühnentechnisch, dabei doch dichterisch stoßen zu sehen. Eine Beschwerde des Arbeiters an die bischöf: wahrer Zeichnung. So schwebt denn über dem Ganzen ein gewisser Das am Mittwoch, den 15. April, stattgefundene Kreiswasser= liche Behörde wurde dahin beantwortet, daß es Recht und Pflicht poetischer Reiz, der naive Gemüter gefangen nimmt. Dank einer ballspiel zwischen Berlin III gegen Berlin II endete mit dem Redes Pfarrers sei, auf Grund der firchlichen Vorschriften zu be- diesen Märchenstimmungen des Lustspiels sorgsam nachgehenden fultat von 8: 0 Tore für Berlin II. urteilen, ob er in einzelnen Falle die hl. Kommunion spenden Regie und eines hübsch abgetönten Spiels aller beteiligten Daroder verweigern müsse. fteller fam eine recht schöne Aufführung zustande, der das Publikum mit sichtlichem Vergnügen folgte. Wenn zwei dasselbe tun • In Mailand ist dieser Tage im Alter von über 70 Jahren eine Herzogin Ritta geftorben, die seinerzeit ganz offiziell als die Geliebte König Humberts I. galt. Als Ende der 90 er Jahre ein Sohn der Herzogin starb, reiste Humbert heimlich nach Mailand, um den jungen Mann noch im Sarge au Stadion fehen. Nach dem Tode Humberts soll die Königin Margherita den Befehl gegeben haben, die Herzogin Litta zu benachrichtigen, damit sie die Leiche des Königs gleich nach den Familienmitgliedern besichtigen fönne. Spiel und Sport. ek. Arbeiter- Schwimmerbund, Kreis I. Fußballresultate. Reichsausschuß für olympische etha 2: 2; R. B. C. gegen Fichte 8: 11: 0; Fichte 12 gegen - Arbeiterschaft. Spiele In der vorigen Montagsausgabe des„ Vorwärts" war unter Ob wohl ein katholischer Pfarrer es jemals gewagt hat, dem der Ueberschrift: Turner im Stadion" mitgeteilt worden, König Humbert oder dem sich in ähnlicher Lage befindlichen daß dem Arbeiter Sportkarte II sowie dem Turnber deutschen Reichstanzler Fürsten Hohenlohe die ein" Fichte" das Stadion verweigert worden ist, während die Absolution zu verweigern? Wenn zwei dasselbe tun, jo ist es nicht vaterländischen Turner soeben bekanntgeben, daß sie ant dasselbe! 7. Juni im Stadion dem Kaiser fast das gesamte Turnen vorführen werden. Während also für die Arbeiter tein Sonntag mehr frei war, ist für die große Hurrakundgebung der dem Jungdeutschland bund angeschlossenen Turner gerade in der von den Arbeitersportlern gewünschten Zeit doch noch ein freier Sonntag vorhanden gewesen. Was manchem fehlt. " Im Berliner Lokalanzeiger" entdeckt eine Schriftstellerin in einer gastronomischen Betrachtung die alte Wahrheit, daß eine eingenommene gute Wahlzeit einen großen Einfluß auf das AllgemeinDiese Feststellung der nackten Tatsachen hat ganz wider Erbefinden des Menschen und auf seine Stimmung ausübt. Um das warten den Reichsausschus der bisher auf die vielen Beschwerden zu erhärten, behauptet die Dame, daß Frau Caillaur an dem der Arbeitersportler im Vorwärts" kein Wort der Erwiderung Tage, an dem sie den Schriftsteller Calmette niederschoß, ein sehr gehabt hat ganz aus dem Häuschen gebracht. Das finden wir schlechtes Frühstück verzehrt habe. Die Köchin hätte insofern verständlich, weil zu den Olympischen Spielen 1916 eine so ziemlich jedes Gericht verpfuscht und das sei durchaus nicht ohne Masse Volk" zum Füllen des Stadions gebraucht wird, und da Einfluß geblieben auf die nervöse Fraus" Jedenfalls war ihre möchte man sich zu gern den Anschein geben, als wenn der bürgerStimmung gereizter und bitterer, als wenn sie ein schönes liche Sport über den Parteien stehe und daher die nationale meißes Stüd gebratener Hühnerbrust Aur pointes d'Asperges" Ehre" es erfordere, daß die Arbeiter fich wieder in Maffen als und frische Erdbeeren mit Gervaistöpfchen zum Deffert im Magen Staffage hergeben. Dieses Märchen müffen wir leider auf Grund gehabt hätte. Man glaubt gar nicht, mięsanftund menschen der wahren Tatsachen zerstören. freundlich eine gute Bouillon die Seele stimmt. Der Reichsausschuß beruft sich in einem Schreiben an die Die Caillaursche Köchin wäre danach also fast eine Art Mitbürgerliche Preise darauf, daß er dem Arbeiter- Sportfartell einen fchuldige." Sonntag zur Verfügung gestellt habe, den das Kartell aber abOb solche gastronomischen Genüsse eine beruhigende Wirkung gelehnt habe. Das ist richtig. Dieser Sonntag war aber der nur auf Ministerfrauen ausüben? Wir glauben nicht fehl zu fingitsonntag, an dem kein Sportverband eine Veranstal gehen, wenn wir behaupten, daß alle Arbeitslosen, die in tung arrangieren kann, wenn er nicht von vornherein mit einem den letzten Monaten ihrem Elend gewaltsam ein Ende gemacht sicheren Fiasko rechen will. Deshalb fonnten die haben, der Menschheit erhalten geblieben wären, hätten sie stets bürgerlichen Sportler diesen Tag nicht gebrauchen und auch die eine gute Bouillon, verschönt durch ein saftiges Stück gebratener Arbeitersportler mußten ihn ablehnen. In Arbeitersportkreisen Hühnerbrust, oder ähnliche Leckerbissen zu verzehren gehabt. Nach ist dieses Angebot geradezu als Sohn auf die Forderung nach der Meinung der Lofalanzeiger"-Schriftstellerin sind die Unter- Gleichberechtigung aufgefaßt woorden. nehmer, die den Arbeitern durch Anziehung des Hungerriemens das Leben verbitterten, als Mitschuldige an dem Tode zahlreicher Menschen zu betrachten. Lebensstellung. Weiter schreibt der Reichsausschuß in seiner Erklärung: „ Die erwähnte Nummer 2 des Stadionstalenders enthielt für die Zeit vom 6. bis 8. Juni„ Armeewettkämpfe", von deren Ausschreibung auch seinerzeit die meisten Zeitungen berichtet haben. Die Vorführungen der Deutschen Turnerschaft werden bor Beginn der Armeewettkämpfe, Sonntag, den 7. Juni, in Offiziere a. D. stehen immer noch im Kurs. Wenn sie auch der Reit von 1% Uhr bis 2½ 1hr mittags, stattfinden." fonit wenig zu gebrauchen sind; sie verstehen au repräsentieren Aus dieser Erklärung geht doch klar und deutlich hervor, daß. und haben mencherlei Einfluß auf ihre früheren Kameraden. Das von 6. bis 8. Juni nur Armeewettkämpfe vorgesehen wissen unsere Industriellen, die Geschäftsverbindung mit der Armee waren. Nun haben aber die„ baterländischen" Turner in einer fuchen, nach Gebühr zu schäßen, und darum stellen sie auf Posten, offiziellen Bekanntmachung fein Wort von den Armeewett bei denen es auf Figur und gute Beziehungen ankommt, mit Vor- fämpfen erwähnt, sondern in großer und fetter Schrift nur ihren liebe Offiziere a. D. Mitgliedern bekanntgegeben, daß die deutschen Turner am 7. Juni Konstitution und Kapitalismus das alte Herren- und Dienerverhältnis, bei dem sich, wenn der Herr nicht gerade ein Viech ist, im Grunde beide Teile am besten befinden und jedenfalls am wohl sten fühlen. Herrn Sombarts empfindsame Reise. Rußland hat eine Eroberung gemacht, auf die es stola sein fann. Herr Werner Sombart, Professor der Nationalöfonomie von Fach und schöngeistiger Plauderer von innerem Beruf, liegt ihm zu Füßen. Da deutschen Behörden war er früher einmal verdächtig, ireil er mit dem Sozialismus fotettierte. Heute schwärmt er für das russische System, und vielleicht kommt noch einmal die Stunde, mo er, der wegen seiner angeblich radikalen Gesinnung in DeutschTand bei einer Handelshochschule unterschlupfen mußte, durch die Berufung an eine russische Universität eine späte aber um so glänzendere Rehabilitierung erfährt. Leider ist in Deutschland von diesem schönen patriarchalischen System faum noch ein Reit vorhanden. 4 1. Mannschaften: Rummelsburg gegen Fichte 17 2: 3;.B.C. gegen Liberta 4: 0; V. f. B. gegen Neuenhagen 8: 2; Jung- Stralau gegen Fichte 15 14: 0; Fichte 18 gegen Fichte 9 0: 6; Hertha gegen Habsburg 12: 0; Union gegen Südstern 3: 1; Bernau gegen Bantom 10: 1; II. Mannschaften: Südstern gegen Rummelsburg 4: 3; Charlottenburg gegen Fichte 4 2: 3; Charlottenburg gegen Fichte 16 0: 1; Hertha II gegen Südstern III 1: 4; Stralau gegen Rüstig- Vorwärts 3: 5; Südstern III gegen Wilmersdorf 3: 2; 23. f. B. gegen Astania 12: 1; Fichte 7 gegen Freie Sportvereinigung 5: 1. Faustball. Fichte 2 gegen Fichte 3 45:52. Hockey. Fichte 3 gegen Fichte 12 10: 0. Aus aller Welt. Boruffen als Hochzeitsgäste. Dieser Tage ist Hochzeit im Hause des Landwirtschaftsministers Schorlemer- Lieser. Die Baroneß Paula heiratet einen Leutnant von den Königshusaren in Bonn. Die Bevölkerung von Bernkastel, wo Schorlèmer refidiert, sieht dem Familienfest des Ministers mit einer gespannten Frage entgegen: Werden auch Bonner Borussen wieder das Fest veredeln helfen? Bernfastel spricht noch von der Gastrolle, die diese erlauchten Jünglinge vor einigen Jahren in dem weinfrohen Städtchen an der Mosel gegeben haben, als eine andere Tochter Schorlemers in den heiligen Stand der Ghe trat, Damals hatte man die Boruffen- Hochzeitsgäfte in einem Hotel mit dem ominösen Namen Zu den heiligen drei Königen" eins quartiert. Dort gaben die Herren anerkennenswerte Proben der Erziehungsresultate feudaler Kinderstuben. Sie schraubten im Hotel die Feuerschläuche an, bespristen Betten was doch eins facher zu erreichen gewesen wäre-, ließen Möbel aus dem zweiten Stockwerf in die Tiefe sausen, schnitten Federbetten auf, um„ Frau Solle" zu spielen, so daß die Vorübergehenden durch Federn wie durch Schnee waten mußten. Es ist also erklärlich, daß man in Bernkastel gespannt ist, ob auch diesmal beim Hochzeitsfeste fich die Boruffen als besondere Attraktion erweisen werden. Wenn sie was so gut wie sicher kommen, follten sich Kinobesitzer die Gelegenheit, einen Borussenfilm aufzunehmen, nicht entgehen lassen. Wie erhebend wäre es, wenn wir der patriotischen Kinderschar in der Flimmerkiste vorführen Laffen tönnten, wie sich in Preußen die zukünftigen Stüßen der Ordnung und Regenten des Volkes auf ihren hohen, heiligen Beruf vorbereiten. Nicht bezahlte Padfinderhüte. Zu den ersten und vornehmsten Ausrüstungsgegenständen eines richtiggehenden Pfadfinders gehört ohne Zweifel ein graugrüner So ein Ungetüm Kakihut mit der schwarz- weiß- roten Kokarde. nötigt allen Hurrapatrioten in Zivil und Uniform schon von vorn herein den nötigen Respekt ab. Von dieser Ansicht ging auch das Pfadfinderkorps in Landeshut in Schlesien aus. Da aber bei dem größten Teil seiner Mitglieder die patriotische Begeisterung größer als das Portemonnaie war, wurden die Hüte, 50 an der Bahl, bei einem dortigen Hutmacher einfach gepumpt. Stolz 3ogen bon jest ab die kakihutgeschmüdten patriotischen Jünglinge unter ohrenbetäubendem Geschrei und Trommelschlag am Laden In Berlin ist es die Regel, daß Verkäufer, Berkäuferinnen, des Gutmachers vorüber. An Bezahlung dachten sie aber nicht, auch Kutscher, Kellner, Portiers, Friseurgehilfen, also namentlich nicht, als wiederholte Mahnungen erfolgten. Schließlich blieb dem alle, die persönliche Dienstleistungen zu verrichten haben, Sutmacher nichts weiter übrig, den Vorsitzenden, als den Bebrummig sind und sich flegelhaft betragen. In Ruß- fteller, zu berklagen. Das Gericht verurteilte ihn zur Tand trifft man diese unerfreulichen Typen erst wieder auf ber 3 ahlung. Da dieser aber selbst ein armer Schluder ist, foll Rüdreise in Warschau, an der Schwelle der wefteuropäischen seine patriotische Begeisterung eine schwere Erschütterung erlitten Zivilisation". Im eigentlichen Rußland liegt wohl ein Bug haben. Den Hutmacher aber strafen von jetzt ab die Jungdeutschvon Ergebenheit auf den Gefichtern, aber im Grunde doch von landbrüder mit Verachtung. Vielleicht boykottiert der Zufriedenheit mit ihrem Lose, das ja noch das ihn noch. natürliche Los der großen Masse ist. Aber bei dieser Seligpreisung des natürlichen Loses der Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis DienstagGombart hat eine Vortragstournee durch das Zarenreich unternommen und ist außerordentlich befriedigt von ihr zurückgekehrt. Echließlich hat ja auch alles vortrefflich geklappt, denn der Polizeimeister von Odessa, der auf irgendwelche dunkle Gerüchte hin, die ihm über die revolutionären Ansichten des Gastspielreisenden zu großen Masse bleibt der beglückte Reisende nicht stehen. Er bringt mittag: Anhaltend trocken und vorwiegend heiter. In den TagesOhren gekommen waren, sein Auftreten untersagt hatte, 30g sein es fertig, sogar dem Paß wesen eine schöne Seite abzugewinnen. stunden ziemlich warm, in der Nacht zu Dienstag wieder kühl, dann Verbot schließlich zurück, so daß Ehren und Einnahmen nicht ver- Er jagt, daß es zu der höchst persönlichen Färbung aller Beziehun- stärkere Erwärmung. loren gingen und eine internationale Reklame noch kostenlos dazu gen in Rußland gehöre, und findet etwas Rührendes darin, daß geliefert wurde. Nun berichtet der Zurüdgekommene über seine eine Obrigkeit in einem so riesigen Reiche wie Rußland sich um Einbrüde im„ Berliner Tageblatt", und wenn den Polizeigewal- jeden einzelnen fümmern zu sollen glaube, wie Eltern um ihre tigen von Odessa seine doch ohne Zweifel antisemitische Gesinnung Unmündigen. Er meint das beileibe nicht ironisch, es ist ihm innerhalb der Schranken nicht daran hindert, von den Artikeln des Mosseblattes Stenntnis bitter ernst mit dieser Auffassung zu nehmen, wird er die letzten Zweifel an der Zwedmäßigkeit seiner natürlich, in denen einem berufsmäßigen Causeur, der immer etivas Außergewöhnliches sagen zu müssen glaubt, überhaupt etivas ernit ſein kann. Toleranz verlieren. Herr Sombart ist nämlich einfach begeistert. Alles war schön und alles war vortrefflich. Aber am meisten imponiert ihn doch, Die Berichte sollen noch fortgeführt werden, und wir erwarten daß überall in Rußland so viel williges Dienstpersonal nun, daß in der nächsten Nummer Herr Sombart sich auch für vorhanden ist. Viel mehr als in Deutschland, wo nur immer dort das zaristische Regierungssystem, für die Verbannung nach Sizuviel Menschen sind, wo man sie nicht brauchen kann, in der birien, für die Schwarzhundertschaften und für die Pogroms bes Straßenbahn, in den Restaurants, auf den Waldwegen und geistert. Damit würde das Berliner Tageblatt" nicht einber Aber bitte, sein Chefredakteur hat doch auch mas Herr Sombart merkwürdigerweise nicht erwähnt auf den standen sein? Herrn Kotowzew semen Krahfuß gemacht und ihm eine Handvoll Bällen. Es sind Menschen genug da zum Dienen. Diesen Gin- Weihrauch gespendet. Und dann ist Herr Sombart doch ein gar brud empfängt man immer wieder. Menschen, die auch gern so geistreicher Mann, und so etwas weiß das Publikum in Berdienen und infolgedessen gut dienen. Ueberall herrscht noch tros lin W. zu schätzen. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 17. April verstarb unse: Parteigenoffe Friedrich Raebel Selchower Etraße 32, 22. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Diens tag, den 21. April, nachmittage 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi Kirchhofes, Her: mannstraße, aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Bezirk 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau des Kollegen Stephan Emilie Stephan Schreinerstr. 45 verstorben i. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mortag, den 20. April. nachmittags 4 Uhr von der Halle des Ben tralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Berantw. Rebatteur: Ernst Meyer, Steglitz. Inseratenteil verantw.: Tb.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchbr. u. Verlagsanstak Budhoruderet u. Verlagsannalt Baul Singer u. Co., Berlin S