Nr. 108. Abonnements- Bedingungen: • Abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl 3,30 MRI, monatl. 1,10 m, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Poft Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Big.( zuläffig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1983. Der neue Herr. Uns wird geschrieben: Dienstag, den 21. April 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 1984. [ Sozialdemokratie, und Sozialdemokratie, und wir werden jede Gelegenheit be- immer stehen mochte, auch ein rein ästhetisches Vergnügen, nußen, um den Staat in dieser seiner Pflicht voll zu unter- wie er im Dezember 1906 das Zentrum und dann im stüßen... Die fonfervative Partei wird stets bereit sein, den Februar und März 1907 ganz speziell Herrn Erberger Verbündeten Regierungen den Panzer um den Arm zu legen und mit seiner Schieberpolitik an den Pranger stellte. Man bedas Schwert zu schärfen, wenn es gilt, gegen die inter- greift deshalb, wie wenig erfreut die Junker jest nach nationale Sozialdemokratie vorzugehen. Der Staat hat nicht bloß ihrer neuen Verbrüderung mit dem Zentrum über die Bedie Nachtwächterrolle, die Sie ihm so gern zudiftieren möchten, rufung des Herrn v. Loebell find. Herr v. Loebell hat aber die Erlaubnis, ins Hifthorn zu stoßen, wenn das Feuer aus nicht nur politisch seit 1904 eine merkliche Schwenfung gegebrochen ist, fondern der Staat hat eine vorbeugende Tätigkeit macht, sondern auch Veranlassung genommen und aus perzu üben; er hat zu sorgen, daß das Feuer nicht ausbreche und sönlichen Gründen gesucht, sich in dem Wirtschaftsgetriebe nicht um sich greife. Diese vorbeugende Tätigkeit er des modernen Kapitalismus umzusehen. Er ist durch seinen warten und verlangen wir vom Staate." Freund Helfferich, den früheren Regationsrat und späteren Direktor der Deutschen Bank, nach seinem Scheiden aus Eine alte Erfahrung in der Politik geht dahin, daß es biel wichtiger ist, wer in ein politisches Amt hineinkommt, als wer aus ihm scheidet. Bei der Bedeutung, die nach Verfassung und Verwaltungspraris der Minister des Innern von Preußen hat, ist es deshalb nicht wertlos, sich die politische und vielleicht auch für die letzte Zeit die persönliche Entwicklung des Herrn von Loebell genauer in Erinnerung zu bringen. Man begreift die Freude und den Trost über diese Worte Herr v. Loebell hat in seiner politischen Laufbahn eine bei Herrn Dertel; denn die Laufbahn des Herrn von Loebell dem Staatsdienst in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank sehr charakteristische Grenzscheide. Sie liegt um das Jahr nach 1904 ist keineswegs so eine gerade und zweifelsfreie gekommen, von dort aus in weitere gut tapitalistische Der Wind, der ihm hier um die 1904 herum und hängt zusammen mit der Aera des Fürsten reaktionäre wie vor 1904, sodaß die konservative und die Aufsichtsratsstellen. Bülow. Vor 1904 ist die Entwicklungslinie des Herrn v. Boebell Zentrumspresse ihn jetzt auch mit sehr gemischten Ge Dhren wehte, war zweifellos ein anderer und immerhin ein eine gerade und zweifelsfrei reattionäre. Wir haben fühlen kommen sehen, und Herr Dertel eben deshalb höchst modernerer, wie der in den reaktionären Gefilden seiner Verdiese seine Entwicklung bis 1904 an dieser Stelle ausführlich glücklich ist, diese reaktionärsten Perlen vorlegen zu können. gangenheit. Wir überschätzen diese seine zweite Entwickelungsrüdschauend untersucht, als er im Herbst 1904 zum Chef der Tätigkeit ist Herr von Loebell zweifelsohne, so wenig auch die ganzen grundsäglichen Auffassung von den letzlich wirkenden In der zweiten Periode seiner öffentlich- politischen periode nicht, und erst recht geben wir uns aus unserer Reichskanzlei ernannt wurde. Wir erinnerten damals, daß er mehrere Jahre Geschäfts- der Kultur mehr beledt worden, und zwischen ihm und dem nungen hin, die jetzt in der liberalen Preffe auf die liberale Presse wesentliche Hoffnungen darauf setzen sollte, von Sträften in Politik und Wirtschaft nicht den Hoffführer der konservativen Partei gewesen sei. Seine gewandten Formen, ein gewisses Redetalent und ein geringes ber Leute um Heydebrandt und Dertel, immerhin eine merkliche Aber wir halten es für unsere Pflicht, da wir die abgeschobenen Herrn von Dallwig flafft, vom Standpunkte Berufung des Herrn des Herrn von Loebell hin laut werden. Weniger jener in der Junferfippe stereotypen Scheu vor Lesen und Lernen veranlaßten seine Partei, ihn in den Stluft. Es ist schon erwähnt worden, daß in dieser Zeit, von erfte Periode des Herrn v. Loebell gekennzeichnet haben, auch Reichstag zu ziehen. Er wurde 1898 im 8. Potsdamer Wahl- 1904 ab, Herr v. Loebell die Blockpolitik des Fürsten Bülow diefe feine zweite nicht unerwähnt zu lassen. Die Sozialfreise aufgestellt und siegte mit den üblichen konservativen mitgemacht hat, und es ist männiglich bekannt, daß er in ihr demokratie ist den gehenden und kommenden preußischMitteln, die aber in diesem Falle doch so offensichtlich wurden, eine der ersten Geigen gespielt hat. Es braucht nur an seinen deutschen Staatsmännern gegenüber immer ohne Furcht und daß seine Reichstagsherrlichkeit bereits am 1. Mai 1900 durch Kampf gegen die Hintertreppen Machtpolitik des Zentrums, ohne Hoffnung gewesen; sie weiß längst, daß in keinent Ungültigkeitserklärung des Mandats des Mandats ein im besonderen der Herren Erzberger und Roeren Lande der Welt die sozialdemokratische Partei so sehr auf sich bitteres Ende nahm. Ein Jahr darauf, 1901, tam ihm schon erinnert zu werden. Es war, auf welchem Standpunkt man selber angewiesen ist wie in Preußen- Deutschland. ber Trost in der Gestalt eines Mandats für das preußische Abgeordnetenhaus, aus dem er dann so plöglich die Treppe in die Reichskanzlei hinauffiel. Im Reichstage zeigte er bis dahin bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit, daß ihm die schwärzeste Reattion gerade recht und erstrebenswert mar. Bei der Beratung des Invalidenversicherungsgesetzes zum Beispiel gestand er am 15. Februar 1899 feinen und seiner Partei Abscheu vor jeder energischen Sozial. 9 Krieg mit Huerta. Sonntag um 6 Uhr abends lief die Frist ab, die die Ver- die Ermächtigung, die bewaffneten Streitkräfte des politik, irgendeine Sozialpolitik könne überhaupt nicht einigten Staaten Huerta zur Erfüllung ihrer Forderungen gestellt Landes zur Aufrechterhaltung der Ehre und Würde der Nation eher wirfen, als bis man mit Energie und Umsicht der hatten. Suerta hat die Forderung abgelehnt und die Ver- zu verwenden. Agitation entgegentrete, die in Stadt und Land geflissentlich Inzwischen ist die Flotte an beiden Küsten auf dem bemüht ist, die Wirkungen der Sozialpolitik zu beein- einigten Staaten greifen nunmehr gewaltsam in die merikanischen Wirren ein. Wege in die merikanischen Gewässer, bereit, die geplanten. trächtigen", erklärte er wörtlich. In derselben Rede zeigte Der Anlaß, der zum Vorwand der bewaffneten Intervention ge- Repressallien des Präsidenten auszuführen. Zu einer forer sich auch sonst als Kulturmensch, indem er aus feiner Begeisterung für die Prügelstrafe fein Hehl nommen wird, ist so geringfügig, wie er nur fein fann. Am mellen Kriegserklärung dürfte es nicht machte. Er erklärte, natürlich unter lebhaftem Beifall 10. April landeten einige Seefoldaten des amerikanischen stanonen- tommen, da die Vereinigten Staaten einer Regierung, die rechts:... ich nehme gar nicht im geringsten Anstand, auch bootes„ Delphin" in Tampico, um Petroleum einzuholen. Ein sie nicht anerkennen, nicht den Krieg erklären könnten. Das meinen Wählern gegenüber zu vertreten, daß ich bei der zu- merikanischer Beamter ließ sie verhaften. Auf Intervention des Stabinett tritt heute zusammen, um über eine friednehmenden Verrohung seitens der jungen Burschen die amerikanischen Admirals Mayo wurden die Gefangenen jedoch so- liche Blockade der merikanischen Häfen und andere Prügelstrafe für sie tatsächlich für das einzig Richtige halte. fort wieder freigelassen. Huerta entfchuldigte sich in üb- Maßnahmen zu beraten. Es wird von zuständiger Seite ( Sehr gut! rechts.)" Diefe ber erklärt, daß der Bruch es den Vereinigten Staaten unmöglich Als blödester Scharfmacher offenbarte er sich aber bei der licher Weise bei der amerikanischen Regierung. Beratung der Zuchthausgesetvorlage in der dent- langte aber, daß die„ beleidigte" amerikanische Flagge durch mache, die Ausländer in Merito fernerhin zu schüßen. Die würdigen Sigung vom 20. November 1899, wo diese Vorlage merikanische Truppen falutiert werde. Nach einigem Zögern fremden Regierungen seien von dieser Tatsache verständigt endgültig verscharrt wurde. Diese Rede war ein einziger willigte Querta ein, verlangte aber, daß der Salut mit den worden. Yauter Schrei nach einem Ausnahmegesetz gegen die gewerk- Amerikanern gleichzeitig, Schuß um Schuß, ausgetauscht werde. Auf eine Frage, ob er seinen Plan, Tampico und Veraschaftlich oder sozialdemokratisch organisierte Arbeiterschaft. Das lehnten die Vereinigten Staaten ab und deshalb der Konflikt. cruz zu besetzen, als Striegsfall betrachte, antwortete Präsident Die ältesten Ladenhüter mußten gegen unsere Partei auf- Natürlich handelt es sich um ganz andere Dinge als um die Wilson: ,, Keineswege." marschieren, und es wurde eine Rede, wie sie jedem Krieger- Schießerei mit Plakpatronen. Es unterliegt faum einem Zweifel, daß Die Pläne, um deren Gutheißung er ersuche, beträfen bereine zur Ehre gereicht hätte. Die Sozialdemokratie war Es handle sich lediglich um eine ihm nicht nur eine politisch verruchte Partei, sondern auch der Sturz des alten Diktators Porfirio Diaz durch Madero ameri- eine besondere Lage. eine persönlich moralisch verkommene, von der jeder anständige tanische Unterſtügung gefunden hatte. Um sich dem immer stärkeren Ein- Streitfrage zwischen der amerikanischen Regierung und fluß des amerikanischen Großkapitals und namentlich des übermächtigen einer Persönlichkeit, die sich Präsident von Mensch meilenweit abrüden müsse. Kein Wunder, sondern eine Selbstverständlichkeit, daß fich Betroleumtrusts wenigstens teilweise zu entziehen, begünstigte Diaz Merito nenne. gerade an diese Rede des Herrn v. Loebell gestern Herr das europäische und namentlich das englische Rapital, das wertvolle Das ging dem Erklärungen Wilsons. Oertel in " Deutschen Tageszeitung" Eisenbahn- und Delfelder- Konzeffionen erhielt. Washington, 20. April. Präsident Wilson äußerte heute flammert. Er zitiert aus dieser Rede mit großem Behagen amerikanischen Kapital gegen den Strich und mit seiner Unterdie folgenden Säße: ftüßung gelang Madero der Sturz des Diaz. Doch Madero ent- Beitungskorrespondenten gegenüber: Nehmen Sie nicht den Eindruck Ich will betonen, daß meine Partei auf dem Boden des täuschte die auf ihn gesezten Hoffnungen; er fonnte sich nicht be- mit, daß wir mit Merito Krieg führen wollen, wir würden unter feinen Umständen gegen das merikanische Gesetzentwurfes steht, weil sie glaubt, daß er eine wirksame Baffe haupten und feit seiner Ermordung herrscht die Anarchie in Bolt tämpfen, denn wir sind seine Freunde. Ich begeiſtere mich ist, einmal den Arbeitern Schuß zu gewähren, zweitens aber Bermanenz. Huerta, der gegen den Willen der amerikanischen Re- nicht für den Krieg. Ich wünsche Gerechtigkeit, die gegenwärtige auch endlich der Sozialdemokratie, gegenüber Farbe zu befennen, was wir bisher lange vermißt gierung zur Präsidentschaft kam, wurde von den Vereinigten Lage wird vielleicht doch nicht zum Kriege führen, falls Huerta jest Staaten nicht anerkannt, die zuletzt offen die gegen ihn kämpfenden noch dem Gebot der Klugheit folgt. Wie der Kriegssekretär bestätigt, wird der Generalstabschef Wir denken uns die Regelung des Vereinsrechtes so, daß evolutionäre unterſtüßten. Doch machten diese nur langiame Fortunbedingt eingeschritten werden muß gegen alle die schritte und die Intervention wird wohl vor allem den Zwed haben, das Generalmajor Zeonard Wood im Falle von Feindseligkeiten politischen Vereine, die sich den Umsturz der bestehenden was den Rebellen nicht gelang, den Sturz Huertas mit den Mitteln die amerikanischen Streitfräfte befehligen. Staats- und Gesellschaftsordnung zur Auf der Vereinigten Staaten herbeizuführen. In diefem Sinne wohl ist Die Kriegsvorbereitungen. gabe gemacht haben, und wir erachten es für erforderlich, die Erklärung des Präsidenten Wilion aufzufaffen, es handle sich Washington, 20. April. Strategen der Marine und Armee find daß die Staatsgewalt mit aller Energie ihre Absicht zu um feinen Strieg mit Merito, sondern um eine Streitfrage zwischen mit der Ausarbeitung von Kriegsplänen beschäftigt. Konter erkennen gibt, gegen diese Art von politischen Vereinen scharf ein- der amerikanischen Regierung und einer Persönlichkeit, die sich admiral Fletcher ist angewiesen worden, Marinesoldaten Es ist einmal gefagt worden, daß alle Gefeße daraufhin Präsident von Merito nenne. Gelingt den Vereinigten Staaten ihre nach Mexico City zu senden, wenn dort Unruhen entstehen. geprüft werden müßt.n, wie sie wirken gegenüber der Sozial- Absicht, dann wird wohl Merifo noch mehr als je zu einer Domäne Allen auf der Fahrt nach Meriko befindlichen Schiffen ist durch Funkdemokratie, und wir haben, glaube ich, ganz besonders die Pflicht, der amerikanischen Trusts ein schönes Resultat der Politik des pruch der Befehl zugegangen, ihre Geschwindigkeit zu erhöhen. Wie amtlich gemeldet wird, hat Deutschland zwei Handelsdiesen Gesichtspunkt immer an die Epiße zu stellen; denn die demokratischen Präsidenten, der fich ftets so laut seiner Gegnerschaft ichiffe gechartert, die zur Aufnahme von Flüchtlingen aus haben... zuschreiten... Sozialdemokratie hat... es meisterhaft verstanden, bisher die gegen das Großfapital gerühmt hat. Gesetzgebung ih zu Diensten zu machen. Wir müssen und dingt fordern und erwarten, daß demgegenüber auch icharf vorgegangen wird gegen eine Agitation und Berhekung, wie sie ihresgleichen noch niemals gefunden der hat.. Der Staat hat die Pflicht... den königstreuen, baterlandsliebenden Arbeiter unbedingt zu Der Ablauf des Ultimatums. New York, 20. April. Huerta hat die Forderung Vereinigten Staaten abgelehnt. Die Botschaft des Präsidenten. Washington, 20. April. In einer Botschaft über schüşen gegenüber der baterlandslosen internationalen Merito ersucht Präsident Wilson heute den Kongreß um Veracruz bestimmt sind. Huston( Teras), 20. April. Die zweite Armeedivision ist in Starle von 10 000 Mann eiligst nach Galveston beordert worden, wo Transportschiffe bereit liegen. Washington, 20. April. Der Vorsitzende der Senatskommission für Militärangelegenheiten hat eine Bill eingebracht, durch welche dem Präsidenten fünfzig Millionen Dollar zur Ver ausgabung zur Verfügung gestellt werden. Die Haltung Mexikos. Mexiko, 20. April. Der Minister des Aeußem Rains erklärt, es sei unmöglich, die Forderungen der Vereinigten Staaten auf bedingungslosen F l a g g e n s a l u t zu erfüllen, weil die Flagge nicht beleidigt worden sei, da sie nicht von der Barkasse geweht habe, deren Mannschaft verhaftet worden sei. weil ferner die amerikanischen Matrosen noch vor Ein- leitung einer Untersuchung wieder freigelassen und der für die Verhaftungen verantworliche Offizier selbst festgenommen worden sei. Der Minister fügt hinzu. Mexiko habe nach- gegeben, soweit es seine Würde gestatte.— In den Zeitungen hat der Minister des Aeußern eine Bekanntmachung erlassen, worin er die Mexikaner vor amerikofeindlichen Demonstrationen warnt. Nach einem Telegramm aus Fuarez haben die Re- bellen Befehl gegeben, sofort den Angriff auf T a m p i c o zu erneuern. Dieser Befehl wurde mit'dem Wunsch erklärt. daß die Amerikaner, wenn sie Präsident Wilsons An- ordnungen durchführen, die ihnen freundlich gesinnten Rebellen an Stelle der Bundestruppen in Tampico vor» finden sollen. Die neutralen Rebellen. New Kork, 20. April. Man erwartet, daß auf gewisse Zu- sicherungen von Washington hin Carranza und Villa eine strikt neutrale Haltung annehmen und sich auf den Schutz aller konstitutionellen Interessen sowie des RebellengebietS und ihrer Häfen beschränken werden. Indessen herrschen Zweifel, ob die Nebellenführer ihre Leute von Gewalttaten gegen Amerikaner ab- halten können. Huerta soll schon einen Emiiiär nach Thihuabua entsandt haben, wo er angeblich eine Konferenz mit Carranza und Ltilla haben wird. Wiederbeginn der Lanötagsarbeiten. Am heutigen Dienstag tritt der preußische Landtag wieder zu sammen, um sich nach Verabschiedung dcS Etats und Erledi gung einiger Vorlagen in erster Lesung um Pfingsten herum auf den Herbst zu vertagen. Viel positive Arbeit haben die Dreillassenmänner in dieser Session bisher noch nicht geleistet, sogar der Etat ist noch ziemlich im Rückstände. Adgesehen von einer Reihe kleinerer Etats hat der Kultusetat noch nicht die zweite Lesung passiert, von der dritten Etatsberatung im Abgeordnetenhausc und der Durchpcitschung deS Etats im Herrenhause gar nicht zu reden. Von den wichtigeren Vor lagew ist der Wohnungsgesetzelstwurf in der Kommission in zweiter Lesung durchberaten worden, der Entwurf zur Ab änderung des Kommunalabgabengesetzes sowie der Entwur eines Grundtcilungsgesetzes sind Kommisstonen über- wiesen worden, die mit der Arbeit kaum begonnen haben. Eine Reihe anderer Vorlagen. darunter der Gesetzentwurf zur Abänderung der Besoldungsordnung, die sstovelle zum Landesverwaltungsgesetz, die Sekundärbahn Vorlage, der Entwurf eines FischcreigesetzeS und der Gesetz entwurf zur Ergänzung deS Gesetzes über die Errichtung von Rentenbariken harren noch der ersten Beratung im Plenum des Abgeordnetenhauses. Die Zahl der Initiativ antrüge, die überhaupt' noch nicht beraten sind, beträgt 40; unter ihnen finden sich die fortschrittlichen und national liberalen Wahlrechtsmiträge, Anträge auf Einführung der geheimen Stimmabgaben bei den Stadtverordnetenwahlen, der konservative Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung, der nationalliberale Antrag auf Befreiung der Dissidentenkinder vom Religionsunterricht und Anträge betreffend den Gebrauch fremder Sprachen in öffentlichen Versammlungen. Andere Initiativanträge konnten nur deshalb beraten werden, well die Antragsteller es vorzogen, sie als Etatsresolutionen behandeln zu lassen oder weil sie mit Regierungsentwürfen gemeinsam zur Debatte gestellt wurden. Es ist das ein Verfahren, das sich auf die Dauer kaum aufrecht erhalten läßt, ein Not- behelf, zu dem man schreiten mußte, um überhaupt eine Be Handlung zu ermöglichen. Daß die Gründlichkeit der Be- ratungen darunter leidet, ist leicht ersichtlich. Das Abgeordnetenhaus ist nicht daran schuld, daß es mit seinen Arbeuen so weit im Rückstände ist. Im Gegenteil, eS hat dig Sitzungen sogar ungewöhnlich lange ausgedehnt und vor und nach den Plenarsitzungen unzählige Kommissionssitzungen abgehalten. Das Zeugnis des Fleißes kann man dem Drei- klassenparlament oder besser gesagt den wenigen Abgeordneten, bis eS mit ihrem Amt ernst nehmen— die weitaus meisten Pflegen bekanntlich durch Abwesenheit zu glänzen— nicht versagen. Wir wünschten nur, daß die Qualität der Leistungen der Quantität entspräche. Auch daß die Sozial demokraten die Debatten ungebührlich lange aufgehalten haben, kann im Ernst niemand behaupten. Gewiß haben die Vertreter des Proletariats da, wo sie eS für erforderlich hielten. in die Verhandlungen eingegriffen, gewiß haben sie sich zu fast allen Vorlagen und Anträgen geäußert und vor allem haben sie es bei der Etatsberatung an der Kritik der in Preußen herrschenden Zustände und, wo� es nötig, auch an der Kritik einzelner, das System verkörpernder Personen nicht fehlen lassen, aber überflüssig waren die sozial demokratischen Reden nicht. Im Gegenteil, sie waren sogar sehr nötig. um den herrschenden Klassen das Gewissen zu schärfen und dem Volke die Augen zu öffnen. Daß die sozialdemokratischen Reden der Regierung und ihren Sachwaltern unangenehm waren, geben wir ohne weiteres zu. Das sollten sie auch sein. Aber das berechtigt noch nicht, in der Oeffentlichkeit geflissentlich die Meinung zu verbreiten, als ob es an den Sozialdemokraten liegt, wenn die Arbeiten des Landtages nicht gefördert werden und daß es daher eine Pflicht der Selbsterhaltung ist, wenn man im Interesse der Wahrung des Ansehens des Parlamentarismus die unbequemen Kritiker mundtot macht. Versucht hat man es ja oft genug, aber eS ist den Herrschaften noch immer recht schlecht be- kommen. Nein, Schuld an der Verzögerung der Geschäfte trägt einzig und allein die Regierung, die den Landtag regelmäßig zu einem möglichst späten Termin einzuberufen pflegt und dann Hetzarbeit von ihm verlangt. Wiederholt hat das Ab- geordnetenhauS einstimmig die Einberufung im Herbst gc- fordert. Die Regierung hat sich nicht daran gekehrt, natürlich nicht auL Unhöflichkeit gegen das Dreiklassenparlament, sondern weil eS angeblich nicht möglich ist, den Etatsentwurf zeitiger festzustellen. In Wirklichkeit sollen die Herren Geheimräte nicht um den Genuß ihrer Sommerferien gebracht werden. Auf sie nimmt man Rücksicht, nicht aber auf die Abgeordneten und noch viel weniger auf das Volk, das doch wohl in erster Linie die strikte Beobachtung der Verfassung verlangen kann. Ist es aber ein mit der Verfassung in Einklang stehender Zu- stand, wenn jahrein jahraus zu Beginn des Etatsjahres der Etat noch nicht verabschiedet ist? Das ist in Preußen ständiger Brauch geworden, aber nicht erst seit dem Einzug von Sozial- demokraten in das Dreiklassenparlament. Nein, auch schon vorher gehörte die rechtzeitige Verabschiedung deS Etats zu den Ausnahmen. Eine weitere Folge der späten Einberufung des Land- tages ist darin zu erblicken, daß Initiativanträge und Petitionen fast völlig unter den Tisch fallen. Die Regierung achtet daö Parlament nicht als den gleichberechtigten Faktor in der Gesetzgebung, und die Wünsche des Volkes, die in Petitionen zum Ausdruck kommen, sind ihr erst recht gleich- gültig. Das sind Zustände, wie wir sie außer in Preußen nirgends finden, Zustände, die dringend der Befestigung bedürfen Hierzu aber gibt es nur einen Weg. und das ist die früh zeitige Einberufung deS Landtags. Weigert sich die Regierung auch ferner, diesen Weg zu beschreiten, dann trägt sie und sie einzig und allein die Verantwortung für dies verfassungs widrige Regiment in Preußen. preußkflhe Zabriklnfpektion 1 91 3 I. Jeder neue Gewerbeinspecktionsbericht liefert eine Menge Tatsachenbeweise für die Rückständigkeit des Arbesterschutzes in Preußen-Teutschland. Nun ist der Bericht der preußischen Beamten über das Jahr 1913 erschienen. Man weiß, den königlich preußischen Fabrstinspektoren ist es verboten,„soziale Flausen" zu haben, sie müssen sich darauf beichränken, einfach Tatsachen aufzuzählen. Aber die Verhinderung kritischer Dar stellung rücksländiger Arbeitsverhältnisse kann doch nicht ver hindern, daß die Berichte als Belege der sozialen Unkultur wuchtige Anklagen gegen die herrschende Gesellschaft erheben. Seit einigen Jahren werden in jedem Bericht einzelne Fragen etwas eingehender behandelt. Diesmal hatten die Beamten den folgenden Gegenständen größere Aufmerksamkeit geschenkte„Geldstrafen auf Grund der Arbeitsordnungen" „Arbeitszeit und Ueberzettarbeit in der Großindustrie".„Sitz gelegenheiten für Arbeiterinnen",„Arbeitszeit der jugeud lichen Arbeiter in den Bäckereien".„Fußböden der Arbeits räume".„Gesundheitsverhältnisse der Arbeiter in den Ver- goldereien und in den Steinbrüchen mst mechanisch betriebenen Gesteinsbohrmaschinen" sowie„Wohnungen der Arbester". Tie Wichtigkest einzelner dieser Fragen bedingt es. sie einer besonderen Betrachtung zu unterziehen. Im nachfolgen den sollen sie nur in einigen ihrer stärksten Merkmale ge würdigt werden. Zunächst ist zu bemerken, daß die Revisionstätigkeit der Fabrstinspektoren noch längst nicht alle revisionspflichtigen Betriebe unifaßt. Seit 1903 hat sich der Stab der Beamten von 245 auf 332 verstärkt, die Zahl der Betriebe ist gestiegen von 103 423 auf 175 436 und die der darin beschäftigten Per- sonen von 2 516 783 auf 3 579 771. Im Vergleich mst dem Vorjahre ist im Jahre 1913 ein etwas kleinerer Teil der Be triebe und beschäftigten Personen von den Revisionen erfaßt worden. In der Gegenüberstellung mit den Ergebnissen des Jahres 1903 zeigt sich eine Revisionen.- von 49,2 auf FO.i ianz geringe Erweiterung der , Proz. der Betriebe und von 80,3 auf 84,4 Proz. der Beschäftigten. Daß die Hälfte aller Betriebe von der Beaufsichtigung verschont bleibt, ist jedenfalls ein sehr großes Manko. Nach dem Urteil fast aller Aufsichtsbeamten war der U m fang der Gütererzeugung im Berichtsjahre schwächer als im Jahre vorher. Aus diesem Grunde sind auch wohl weniger Ueberschreitungen gesetzlicher Maximal arbeitszesten und Arbesten an Sonntagen gestattet worden. Aus der anderen Seite muß aber von einer Zunahme der Uebertretungen von Arbeiterschutzbestim m u n g e n berichtet werden. Die Bestimmungen, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen haben die Unternehmer in erheblich größerer Zahl übertreten als im Jahre 1912. Trotzdem sind weniger Personen in Strafen verfallen. 1912 waren es 727, im letzten Jahre nur 659. Uebertretungen der zum Schutze Jugendlicher erlassenen Bestimmungen wurden im letzten Jahre m 6017 Anlagen ermittelt, oder 1o9 mehr als im Jahre 1912, trotzdem sank auch hier die Zahl der bestraften Personen von 1288 auf 1199. In dem Maße, wie die Rechtsprechung gegen Arbeiter härter und schroffer wird, scheint sie gegen gesetzesverletzende Unternehmer an Milde und Nachsicht zu gewinnen. Zu solchem Urteil reizt die Höhe der Strafen, die das Unter- nehmertum traf. Wegen Ueberschreitung der für Backe r e i e n festgesetzten Arbeitszeit wurden Unternehmer im Re- gierungsbezirk Königsberg zu Geldstrafen von 3 bis 20 Mk. verurteilt. Mißachtung der Bestimmungen betr. Beschäfti- gung von A r b e i t e r i n n e n wird in manchen Fällen schon mit 1 M. gesühnt. 3 bis 18 M. waren die Strafen, die wegen verbotener Sonntagsbeschäftigung verhängt wur- ien. Zwischen 1 bis 20 M. bewegten sich die Strafen, die eine Uebertretung des Kinderschutzgesetzeö als Ursache hatten. Die gleichen Strafen trafen wegen derselben Vergehen viele Bäckermeister in den Regierungsbezirken Gumbinnen und Allenstein. Zahlreich sind tue Verstöße gegen das Kinder- 'chutzgesetz und die Schutzbestimmungen betr. Beschäftigung Jugendlicher im Bezirk Potsdam. Wie gefahrlos das für Unternehmer ist, berichtet der Beamte in einem besonderen Falle. Er schreibt:„Obgleich der Unternehmer auf dem Fa- brikarundstück wohnt, wurde trotz ausdrücklichen Hinweises auf den§ 151 der GO. nur der Meister, und zwar mit 10 M. bestraft." In bezug auf Uebertretungen des Kinderschutz' gesetzes wird weiter mitgeteilt:„Von den eingeleiteten«traf- verfahren führten 230 zu einer Verurteilung in Höhe von bis 10 M., einige auch zu einer höheren Strafe." Aus dem Regierungsbezirk Frankfurt a. Ö. wird berichtet:„Eine An- klage wegen Beschäftigung von Schulkindern in einer Zi- garrenfabrik endete mit Freisprechung, weil sowohl der ange- klagte Arbeitgeber wie auch der als unbeeidigter Zeuge ver- nommene gesetzwidrig beschäftigt gewesene Schüler in der Hauptverhandlung den Tatbestand bestrttten. den sie im Er- mittelungsverfahren bereits zugegeben hatten. In 29 Fällen sind strafen von 1 bis 18 M. verhängt worden."— Der Beamte von Stettin und Stralsund meldet, daß dort die Uebertretung des Kinderschutzgesetzes gewöhnlich 5 bis 0 M. kostete. Ein Bäckermeister, der Jugendliche in gesetz- widriger Weise beschäftigt hatte und die Knaben obendrein zu falschen Aussagen vor Gericht verleitete, mußte dafür ganze 25 M. auf den Mar der Gerechtigkeit opfern. Das sind so einige Proben aus der unendlichen Fülle mstder Strafen wegen grober Mißachtung des Arbeiterschutzes. Fast könnte man glauben, den Unternehmern sollte durch der- gleichen Urteile zu Gemüte geführt werden: Arbeiterscbutz- gesetze können ohne große Gefahren übertreten werden. Daß sie so wirken, daß sie zu Uebertretungen direkt veranlassen, das konstatiert ein Aufsichtsbeamter von Münster also: „Die milde Beurteilung einer umfangreichen Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in einigen Webereien eines entlegenen Ortes hatte die Wirkung, daß»n einem nur 10 Kilometer davon entfernten Fabrikort ebenfalls die Beschäftigung schulpflichtiger Äinder eingeführt wurde..." Unsere streikbrecherische Mordbuben und Arbetterschutz- gesetze übertretende Unternehmer freisprechende Rechtsprechung macht sich zweifellos ganz außerordeittlich um die Aufklärung über den Klassencharakter der Gesellschaft verdient. Tic Gier nach billigen Arbeitskräften, die in der ungesetzliche!: Ausbeutung kindlicher, jugendlicher und weiblicher Arbeitskraft zum Ausdruck kommt, ver» anloßte auch eine unverhältnismäßig starke Zunahme dieser Arbeitskräfte. In den revisionspflichtigen Betrieben wurden nämlich beschäftigt: 1903 1913 Kinder unter 14 Jahren... tugendlia-e von 14— 16 Jahren rbeitennnen über 16 Jahre all Arbeiter........ Zunahme Prozent 78 67 69 39 2003 3 584 167 400 280 148 429 782 687 734 1917 598 2 662 152 Tie Zahlen liefern eine treffliche Charakteristik der kapita» listischen-Ordnung. In manchen Industrien und Bezirken hat die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter abgenommen. Jugendliche und Arbeiterinnen wurden dagegen mehr einge- stellt. Ob das Kapital die Trägerinnen zukünftigen Lebens in schwerer, gesundheitmordender Arbeit zugrunde richtet, ob es junge Me'nschenknospen zerstört, zarte Blüten vernichtet. Kinderleben verwüstet, das kümmert es nicht. In unstillbarem Gewinnhunger, in ungezügelter Raffgier reißt das Kapital die billigen und willigen Arbeitskräfte in die Erwerbsfron, spottet aller Humanitätsduselei, verzehrt Kinder- und Frauen- fleisch. Wie Kinder werden auch FrauenundjungeMäd» ch e n vielfach mit durchaus ungeeigneten und verbotenen Ar- betten belastet. Aus Potsdam wird berichtet, daß Ar» beiterinnen bei dem Gewinnen und Verladen von Kies beschäf- tigt wurden. Eisengießereien sind dazu übergegangen, daS Kermnachen von weiblichen Arbeitskräften ausführen zu lassen. In Metallverarbeitungsanlagen nehmen Arbeiterinnen mehr und mehr die Plätze an Bohr- und Drehbänken ein. Der amtliche Berichterstatter bemerkt dazu:„Die Leistungen sollen bei erheblich geringerer Entlohnung die gleichen sein." Bei der Erörterung der Frage betreffend Beschaffung von Sitzgelegenheit zählt der Beamte von Frankfurt a. O. eine Reihe Beschäftigungen auf, die stehend verrichtet wurden, z. B. das Schleifen von Glas an wagerecht laufenden Steinen, das Abschneiden von Steinen am Preßtisch, das Herstellen von eisernen Schrauben auf Maschinen, Möbelpolieren, Zu- sammensetzen von Furnieren usw. Das alles sind Arbeiten für Frauen und Mädchen! Viele Berichterstatter teilen mit, daß die Arbeiterinnen sehr oft auf Sitzgelegenheiten ver» zichten— weil sie in Akkord arbeiten und keine Verdienst» beschränkung durch Rücksicht auf ihre Gesundheit erleiden wollen. Die„Höhe" des Lohnes gestattet solchen Luxus nicht. Im Bezirk Oppeln wurden Arbeiterinnen beim Abbau einer Schlackenhalde beschäftigt. Der auf das Ungesetzliche dieser Beschäftigung aufmerksam gemachte Betriebsführer gab die Antwort, das kümmere ihn wenig. In einer Großbrauerei hatten 22 Arbeiterinnen in einem Monat 959 Ueberstunden, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstießen, geleistet: auf eine der Arbeiterinnen entfielen allein 6 2 Ueberstunden. Das sind so einige Proben aus den zahlreichen Fällen frivoler Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft. eine politische Uebersicht. 45 OOO neue Soldaten! Der„Alldeutsche Verband" hielt am Sonntag in Stuttgart Sitzung des Haiwtvorstandes ab. Dabei wurde selbst» verständlich wieder mächtig in chauvinistischer Eisenfresserei und Rüstungshetze gemacht. Die auswärtige politische Lage wurde als überaus be» denklich geschildert. Frankreich lauert nur auf die Revanche. Mst größeren Hoffnungen denn je, denn:„an Englands Stelle hat Rußland die vorder st e Kampfes- reihe gegen uns bezogen." Also Feinde ringsum l Aber gleichwohl: wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt. Wir verlangen unseren Anteil an der Land» raubpolitik. Wir verlangen ein großes deutsches Zentralafttka. Aber, so deklamierten die Herren weiser, wir brauchen auch eine starke und gesunde Türkei und Einfluß in Vorderasien. 4nd um das trotz unserer internationalen Gegner durch» zusetzen, brauchen wir. so folgerte Herr Keim, noch die jähr- lichc Mehreinstellung von 45 000 Waffenfähigen. Sonderbar, daß es den alldeutschen Leutchen nicht doch etwas unheimlich wird. Mit allen Nachbarn hat es die all- deutsche Krakeelerei verdorben. Aber nicht genug damit, daß nach alldeutscher Ansicht Frankreich. England und Rußland unsere Feinde sind, sucht man nach Kräften auch die übrigen Nachbarstaaten, wie Dänemark, zu erbittern. Dazu kommen dann noch die inneren„Reichsfeinde", die Polen, Dänen. Elsässer und Sozialdemokraten. Und gegen all diese Feinde hat man nur das eine Rezept: 45 000 neue Soldaten I Total meschugge!_ Wedels Abschied ans Strahbnrg. Dem bisherigen Staltdalter der Reichslande, Grasen Wedel. wurde am Sonnlag aus Anlaß seines Abschiedes in Htraßburg ein großer Fackelzug dargebracht, an dem ungefähr 10 000 Personen teilnahmen. An diesen Fackelzug schloß sich um lO Uhr eine Serenade, die aus zwei Musilvorträgen und drei Geiangnummern be- tand, darunter doS.Elsaßlied" von Wiltberger-Kolmar. Dann hielt der Präsident deS eliaß-Iolhrngischen Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr. Zenner. eine An'proche an da» Statthalterpaar, auf die der ehemalige Graf, jetzige Fürst Wedel, in kurzer Red« antwortete. Tie Gegensätze im nationalliberale« Lager. Am Sonntag hielt der Geianuvorstand deS ReilbSverbande« der Bereine der nationalliberalen Jugend, wie wir scdon in unserer gestrigen Nummer berichtet haben, seine angekündigte.Tagung" ab. um zu dem Beschluß deS nationalliberalen ZenirolvorsiandeS Stellung zu nehmen, der die Auslösung der innerhalb der national« liberalen Partei bestehenden Sonderorgonisaiionen der.Alten" und Jungen" verlangt. Ueber den Verlauf und das Ergebnis der hinter veischlosienen Türen gefühlten Verhandlungen wird von offizieller Seite folgendes mitgeteilt: Man war einig im lebhaften Bedauern darüber, daß der Zenlralvorstond der Partei schon nach kurzem seit Jahren wieder- holt sich gegen den Reichsverband der Berein« der national» liberalen Jugend sich wendet, obwohl der Reichsverbcmd oft i$lM Nr. 108. 31. Iahrgllvg. 1. Irilijt des.Hmilck" ßrilinH Dieustag, 21. April 19{4. Gewerkschaftliches. Scharfmachereien gegen öie Maifeier. Der Arbeitgeber-Schutzverband deutscher Schlossereien und verwandter Gewerbe, Berlin LW, Gitschiner Str. 2, erließ unter dem 16. April 1911 folgendes Rundschreiben: „An die verehrlicken Orts- und Be�irksverbände! Da der 1. Mai wieder bevorsteht, gestatten wir uns. unsere verehrlichen Ortsverbände darauf hinzuweisen, daß wir als Mit- glieder der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeber-Verbände ver- pflichtet sind, die Maifeier abzulehnen! Danach bitten wir sie, in Ihren Mitgliederkreisen event. durch eine Versammlung darauf hinzuwirken, daß die Maifeier nickt gestattet wird und daß das den Gesellen und Arbeitern ausdrücklich bekanntgegeben wird, unter Ankündigung einer Eni- lassung auf drei Tage für den Fall, daß Gesellen trotzdem am 1. Mai der Arbeit fern- bleiben! Wir bitten Sie des ferneren, die extra feiernden Ge- seilen und Arbeiter auf drei Tage auszu- sperren und uns dann unverzüglich mitzuteilen, um wieviel es sich bandelt. Wir machen darauf aufmerlsam, daß die Maifeier als Kampf- mittel dienen soll gegen den„Kapitalismus", d. h. gegen das selbständige Unternehmertum und unsere wirtschaftliche Ordnung. Wenn aber von Arbeitgeberseite diesen Maßnahmen energisch Einhalt geboten wird, so hat sich gerade in dieser Frage noch immer ein voller Erfolg gezeigt, und zwar besonders deshalb. weil die Gewerkschaftskassen durch die Unterstützung, die sie infolge unserer AuSsperrungSmaßnahmen zahlen müssen, zu sehr belastet werden. Wir rechnen darauf, daß diesmal in unserem Verbände die Ablehnung der„Maifeier" energisch und konsequent durch- geführt wird. Hochachtungsvoll Arbeitgeber-Schutzverband deutscher Schlossereien und verwandter Gewerbe. Der Geschäftsführer: Dr. H. Harnehl." Die Angabe über den Zweck der Maifeier ist in dem Schreiben etwas sehr dürftig ausgefallen, aber vielleicht wirkt es in dieser Form gerade auf die Schlossermeister am besten. Daß die kleinen Scharfmacher es doch immer den großen gleichtun wollen, oder sie gar in der Scharfmacherei über- trumpfen. Die bald Üöjährige Maifeier sollte doch auch den verehrlichen Schlossermeistern gelehrt haben, daß gerade sie nicht die Auserwählten sein können, ihr den Garaus zu machen.__ Serlin und Umgegend. Der Abwehrkampf der Kraftdroschkenführer. Am Montag vormittag waren die im Kampf stehenden Chauffeure wieder vollzählig im Gewerkschaftshaus versammelt. Wie die Streik- leitung mitteilte, hat sich die Situation seit der letzten Versammlung nicht verändert; sie ist nach wie vor für die Streikenden günstig. Es ist kein Anlaß vorhanden, an der bisherigen Taktik irgend etwa? zu ändern. Da bis jetzt noch nicht bekannt geworden ist. daß von den m Aussicht gestellten Unterstützungen der Großbetriebe den be- streikten Kleinunternehmern etwas zugeflosien ist, so muß an- genommen werden, daß sie auch nichts erhalten, also vergebens auf Unterstützung gehofft haben. In der ziemlich ausgedehnten Diskussion kam ohne Ausnahme der feste Wille zum Ausdruck, den Kampf unerschülterlich durchzu- führen. Unter anderem wurde betont, daß man in unbeteiligten Kreisen mitunter die Meinung höre, eS handle sich bei diesem Kampf nur um eine Bagatelle. DaS sei aber Ha Irrtum, denn wenn es den Unternehmern gelänge, die jetzt geplanten Abzüge durchzuführen, dann sei zu befürchten, daß sie auch eine Herabsetzung dcS ProzentanteilS der Chauffeure an den Einnahmen durchzudrücken versuchen würden. Dem müsse mit aller Energie vorgebeugt werden. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche besagt, daß die Streikenden im Kampfe aushallen werden, auch wenn er sich längere Zeit hinziehen sollte und daß der Kampf erst dann ab- gebrochen werden kann, wenn die Unternehmer den Transport- arbeilerverband anerkennen und keinen Pfennig von dem bisherigen Lohn abziehen. Die nächste Versammlung findet am Mittwochvormittag statt. Zentralverbanb der Steinarbeiker. Gesperrt sind folgende G r ab st e i n g e sch ä f t e: Stahl u. Herzog, Neukölln, Hermaimstr. 196; Breitkreuz, Neukölln, Her- mannstr. 73 und lZü; Wolf, Kottbuser Tamm 77; Ncumänn, Friedrichsfeldc, Am Zentralfriedhof; Schröder u. Laurin, Friedrichs- felde. Am Zentralfriedhof; Krause, Berlin, Ackerstr. 38; Rüseler, Berlin, Am Bahnhof Gesundbrunnen; Bräuer, Berlin, Badstr. 9; Poppe, Pankow, Wollankstraße; Heimlich, Nordend; Vogt, Hohen- schönhausen; Spielvogel, Purps Nachf., Landsberger Allee 151; Woitschesti, Landsberger Allee 17; Macher, Westend, Neuer Fürsten- brunner Weg;J2ange, Schöneberg, Marstraße; Lübsen, Wilmers- dort, Berliner Straße; Zenker, Berlin, Bergmannstr. 53; Schneider, Berlin. Bergmannstr. 59; Janetzke, Bergmannstr. 79; Bader, Liesenstr. 19._ Tic Ortsvcrwaltung. deutsches Reich. Material für öie Terrorismusjchreier. Der„Oberst. VolkSzeitnng" ist ein vertrauliches Rundschreiben auf den Tisch geflogen, daS der Borsitzende des Verbandes siid- deutscher Textilarbeitgeber an seine Mitglieder versandt hat und das einen interessanten Einblick in die geheime Werkstatt der Scharf- macherterroristen gewährt. Die BerbandSsirma Adolf RoeSle in Hof a. d. S. hatte den ihr„mißliebig" gewordenen Weber Christian Schmidt entlasten, sich aber nicht damit begnügt, sondern andere Firmen vor ihm gewarnt. Als Schmidt bei einer anderen Firma um Beschäftigung nachsuchte, wurde ihm solche auch zugesagt und er ins Hauptkontor gesandt, um seine Jnvalidenkarte abzugeben. Dort aber erhielt er vom Portier den Bescheid, der Direktor habe erklärt, daß er Schmidt nicht einstellen könne, weil er von der Firma RoeSle„gemeldet" worden sei. Von einer anderen Firma wurde Sch. hierauf eingestellt und an freie Stühle gestellt, aber nach einigen Stunden sagte man ihm, seine Einstellung sei auf einen Irrtum zurückzuführen, und er wurde unter Abfindung mit 2 M. wieder entlassen. Er schloß daraus auf das Bestehen schwarzer Listen und klagte gegen die Firma RoeSle wegen Existenz- loSmachung. Die Firma wandte sich darauf an den Arbeitgeber- verband, der den Fall zum Anlaß nahm, in dem oben erwähnten Rundschreiben eine ausführliche„Rechtsbelehrung' an seine Mitglieder ergehen zu lassen. ES wird Eingangs darauf hin- gewissen, daß die Herausgabe schwarzer Listen an sich nicht gegen ein Gesetz, auch nicht gegen die guten Sitten verstößt, nur in der Art. wie dabei verfahren wird, könne unter Umständen eine unrechtmäßige Handlung im Sinne des§ 826 des B. G. B. liegen. Der Verband gibt keine schwarzen Listen, sondern nur„Warnungen" vor Einstellung gewisser Personen heraus, zu deren Be- obachtung eine satzungsgemäße Verbindlichkeit nicht besteht. Nur im Streikfall sind die Mitglieder satzungsgemäß ver- pflichtet, Streikende nicht einzustellen. Es folgen dann Anweisungen, wie � man sich zu verhalten hat, um in Schadenersatzprozesien wegen der Warnungen nicht zu unter- liegen. ES sind tatsächliche Unterlagen dafür beizubringen, ob der Betreffende in einer die Ordnung im Betrieb gefährdenden Weise als Hetzer aufgetreten ist und daß er Zeitungsartikel gegen die Firma unter Entstellung der Tatsachen geschrieben oder inspiriert hat. Ein zweiter Weg wäre, die Streitsumme zu bezahlen für den Fall, daß ! die Führung des Prozesses mit Rücksicht auf die sich daran knüpfen- den Erörterungen in der Oeffentlichkeit oder mit Rücksicht auf die geschäftlichen oder lokalen Verhältnisse unangenehm oder, schädlich erscheinen kann. Diesen Weg hat im vorliegenden Fall die Firma eingeschlagen. Der Arbeitgeberverband bezeichnet diesen Vor- gang als einen Beweis dafür, welche große Unannehmlichkeiten einer BerbandSsirma ohne alle ihre Schuld dadurch erwachsen können, wenn die hinausgegebenen Warnungen nicht mit der er- forderlichen Vorsicht behandelt werden. Da jede Firma des Verbandes in die gleiche Lage kommen könne, hätten alle das gleiche Interesse an der geeigneten Geheimhaltung und vor- sichtigen Behandlung der Warnungen, s!) Die Mit- glieder werden daher dringend ersucht, in ihren Betrieben Maßnahmen zu treffen, daß dieExistemz der Warnungen geheim bleibt und daß von ihnen nur solche im Betrieb tätige Per- sonen erfahren, die absolut zuverlässig sind und zum vorsichtigen Verhalten Dritten gegenüber angewiesen sind. Es wird auch auf die Gefahr verwiesen, daß durch die öffentlichen Erörterungen, die sich an Prozesse lvegen schwarzer Listen knüpfen, di» Gesetzgebung von den politischen Parteien zum Verbot solcher Listen gedrängt wird. Hierzu keinen Anlaß zu geben, hätten die Arbeitgeber allet? Grund. Das Rundschreiben bedarf keiner weiteren Beleuchtung, es spricht für sich selbst und nimmt wieder einmal den Schreiern über den ArbetterterrorismuS die heuchlerische Maske vom Gesich:! Die Lohildewcgung im Braugewerbe Harburgs ist jetzt mit gutein Erfolge beendet. An Lohnerhöhungen während der vierjährigen Tarifdauer wurden 1—5 M. pro Person und Woche erreicht, die Tourengelder und Ueberstundensätze wurden erhöht. Die Arbeitszeit wurde für das Winterhalbjahr von 9 auf 8>/z Stunden verkürz:. nach dem zweiten Tarifjohr auf 8>/., Stunden, für das Maschinen� personal auf 8 Stunden festgesetzt.'Erfolgt zum Ablauf der vier jährigen Tarifdauer die Kündigung des Tarifs nicht, so tritt für das fünfte Tarifjahr eine allgemeine Lohnzulage von i M. wöchentlich ein und die Arbeitszeit wird für das Winterhalbjahr auf 8 Stunden täglich verkürzt. Achtung, Fliesenleger! Trotz des im vorigen Jahre zum Ab- schluß gebrachten Tarifvertrages für das Fliesenlegergewerbc zu Nürnberg-Fürth, versuchten die Unternchmer, sich über die tarifliche» Bestimmungen hinwegzusetzen. Die ständige Erbtiterung, die dadurch unter den in diesem Berufe tätigen Arbeiter hervorgerufen wird, gab des öfteren Veranlassung, die Arbeitgeber auf die Anerkenmuig und Einhaltung der tariflichen Bestimmungen hinzuweisen. Da nun bis zur Zeit von den Unternehmern die volle Anerkennung des Tarifs noch nicht zu erzwingen war. sah sich die Sektion der Fliesenleger veranlaßt, über die Firmen Lottes, Späth, Schmid und Bankel(Vertreter Schneider) die Sperre zu verhängen. Bor Zuzug wird gewarnt. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Nürnberg-Fürlb. Sektion der Fliesenleger. Ter Untrrnehmerverband für das Wagendaugrwcrbc in München hat den bestehenden Tarifvertrag gekündigt. Die Kündigung, die dem Gewerbegericht zuging, enthielt zugleich die Mitteilung, daß der Unlernehmerverband die Absicht habe, das Tarifverhältnis nicht mehr zu erneuern. Die Unternehmer suchen in ganz Deutschland Arbeiter. Vorsicht bei Arbeitsangeboten ist also sehr zu beachten. Ein Streik der Speditionsfuhrleutc i» Mannheim niachte sich im Güterverkehr sogleich sehr empfindlich bemertbar. Die Unternehmer erklärten sich daher bald bereit, über die schwebenden Differenzen zu verhandeln. Darauf wurde der Streik, an dem etwa 299 Kutscher beteiligt w ren, am Sonnabend zunächst beendet. Zugestanden haben die Fuhrwerksbesitzer eine Lohnerhöhung von 1,59 M. wöchentlich. und weitere 59 Ps. für einen noch festzusetzenden späteren Termin Die Eisenbahn-Betriebsinspekttoii machte bekannt, daß sie wegen de? Ausstandes der Fuhrleute die Zufuhr der Frachtstückgüter selber über- nommen habe. Eine gleiche Belannlmachung hatte auch die Direktion Mainz für die mit der preußisch-hessischen Bahn in Mannheim an- kommenden Güter erlassen. Tatsächlich haben am Sonnabend auch schon Bahnarbeiter einige Fuhren besorgt. Paul hepses letzte Komödie. Die unzerstörbare Fruchtbarkeit Paul HeyseS hat auch den Tod überwunden. Räch seinem leiblichen Ense, über dem blumen- prangenden Grabe, ist feine einzige Komödie großen Stils enl- standen. Der Leichnam lebte und sanimelte leine Freunde und Gönner als handelnde Personen einer prächtigen Burleske. Schon vor feinem Begräbnis begann die Komödie. ES ergab sich, daß der Liebling der Götter und Gottesgnädlinge verfügt halte. daß er ohne geistlichen Beistand der Erde übergeben würde. Das war ein harter Schlag für diese kirchlich neugeborene Welt. Die Mitglieder des Hauses Wittelsbach, das den Geliebten mit Orden und Adel honoriert hatte, verzichteten erschreckt auf persönliche Mitwirkung an dem sündhaften Leichenbegängnis des Münchener Ehrenbürgers. Dann aber brach Gräßlicheres hervor. Dieser brave Staats- bürger Paul Heyie, der Getreue der Tafelrunde des seligen Königs Mar, ist ein Förderer allen Umsturzes gewesen; sein berühmter und unverdächtiger Name wurde unter dem Sozialistengesetz als Teck- adresie für die Verbreitung verbotener Literatur, durch Vermittelung des jungen Schoenlank, benutzt. Daß Freund Schlüter, der diese sozialistengesetzliche Erinnerung erzählte, einem Irrtum verfalle» sein könnte, ist ausgeichloffen, denn Schlüter mußte als Leiter der Züricher Buchhandlung die Deckadleffen kennen. So gar ungeheuerlich wäre nun solcher Liebesdienst Paul Hehi'es nicht. Jeder anständige Mensch niußie den durch das infame Ausnahmegesetz Entrechteten, wenn es in feiner Macht stand, helfen. Und im Grunde sollten solche Dienste bei einem Schriftsteller ganz selbstverständlich sein, dessen sittliche Berufspflicht es war, gegen die gewaltsame Unterdrückung literarischer Erzeugnisse si» aufzulehnen. Eine ähnliche Bemerkung hätte man in der liberalen Presse lesen sollen, wenn sie es für notwendig hielt, das Verhalten Paul Heyses zu erklären. Die bürgerliche Gesellschaft reagierte aber ganz anders auf die entsetzliche Enthüllung. Sie skandalierte über die Verdächtigung des toten Dichters, und was ihm zur Ehre gereichte, erschien ihr als boshafte Verleumdung. Das war unerträglich: eben erst hatte man wonneichauernd über den HuldigungSkranz de« deutschen Kaisers be- richtet, und nun sollte diese Ehrung eme» Unwürdigen getroffen haben' der sich am Schriitenschmuggel unter dem Ausnahmegesetz beteiligt? Man lief zur Witwe und diese warf nicht etwa die Auf- dringlichen mit dem Bescheid hinaus, daß ihr Manu, als ein liberoler Charaklcr selbstverständlich ein Gegner seder Geioalttat gegen geistige Bewegungen gewesen sei, sondern sie verucherte, es sei kein wahres Wort an der Ge'chichte.'hr Paul habe sich niemals„um solche Dinge" oelümmert. Dem Vertreter eines liberalen Münchner Blattes hat sie' sogar erklärt, sie sei„aufs tiefste über diese Ver- öffentlichungen empört." Allerdings hat sie zugegeben, daß Bruno Schoenlank persönliche und briefliche Beziehungen zu Paul Heyse gehabt habe. Aber höchstens könne er einen einzigen Brief aus Liebenswürdigkett, ahnungslos, um was es sich handelte, weiter befördert haben. Und dann sprach die Witwe diesen Nachruf auf ihren Gatten, der wohl nur in dem unsterblichen deutschen Schilda, sonst aber in keinem Lande der Erde für rühmlich gehalten werden dürste:........... „Ich habe bereits an den Verwalter de« lrterarttchen Nachlasses meines Manne«. Herrn Dr. Petzet, geschrieben, er solle die Tage- bücher. in denen mein Mann jeden Beiuch. ieden Brief vermerkte. kurz, genau über jeden Tag Buch geführt hat. einer Durchficht unter- ziehen. Ich werde die gesamte Korrespondenz von 1879 bis 1899, die ja für diese Sache in Betracht kommt, revidieren, und werde dann an der Hand dieser Erhebungen beweisen, daß an den Mit- tcilnngen Schlüters nichts Zutreffendes ist. Wenn man jetzt versucht, das Andenken meines Mannes dadurch bei sernen Gegnern in ein falsches Licht zu stellen, indem man ihn als gebeimen Umstürzler und als sozialistischen Mithelfer bezeichnet, so ist daS ein wenig rühmliches Beginnen. Mein Mann hat sich niemals mit Politik beschäftigt, er hat selbst oft genuß betont, daß er sich in Politik nicht einmische, da er von Politik mchtS verstehe." So viel Mühe, um den Nachweis zu führen, daß niemals Heyse gewagt hätte, ein Mann zu sein! Und zudem eine überflüssige Arbell ohne jede Beweiskraft. Denn so leichtsinnig wird Paul Heyse jedenfalls nicht gewesen sein, in den nicht ungefährlichxn Polizei« zelten deS Sozialistengesetzes sorgfältig zu buchen, wann er sich eine strafbare Handlung zu schulden kommen ließ. Die Gegner Paul Heyse«. die durch diese wissenschaftliche Unter- suchung verhindert werden sollen, den Dichter in ein falsche« Licht zu stellen, sind die klerikalen Kinder dieser und jener Welt. Der„Bahr, Kurier" hatte nämlich triumphierend geschrieben: „Es ist begreiflich, daß diese Enthüllungen daS größte Aufsehen zu erregen geeignet sind. Könige und Fürsten und Mächtige iin Reiche der Wissenschast. der Kunst und Polirik haben bei dem Ab- leben des Dichters dem Toten den Tribut höchster Anerkennung und Verehrung gezollt, und nunmehr stellt sich herauK. daß dieser lange Zeit ein heimlicher Förderer und Gönner der sozialdemokratischen Umsturzbewegung gewesen ist, und zwar zu einer Zeit, wo daraus die Strafe des Geieyes stand." Und dieses Organ einer Partei, die einst genau wie die Sozialisten aus die Ausnahmegesetze der Kulturkampfzeit pfiff, fügt die geschäftliche Nutzanwendung Hinzu:„Ein Beweis, welche un- sicheren Kantonisten diese liberalen Kreise sind, die nach außen um Hofgunst weiben und sich in ihr wohl fühlen und behaglich sonnen, heimlich aber mit den Thronumstürzlern paktieren und ihnen bewußt oder unbewußt Hehlerdienste leisten." Das schwarze Blatt tut den Liberalen in doppelter Hinsicht unrecht. Niemand hat behauptet, daß die Sozialisten mit Paul Heyse irgend welche politische Ge- meinschaft gehabt hätlon. Dann aber sind die Liberalen überhaupt nicht so, sondern vielmehr ganz anders, nämlich so: Ich glaub' an das allmächt'ge Gold und seinen Geliebten Sohn, den man den Gulden nennt; All Wechsel, Amtsgehatt und den Dreieincn, Hcil'gen Konto-Korrent. Ich glaub' an Kabiuettsbesehl, Reskript lind an den Thron, der mir ein Ansehn gibt. Ich glaub' an Mauth, Akzise, Zoll und Steuern, An den Kataster auch und seine Sippe. Ich glaube, daß mein Kreuz nie wundzuscheuern, Ich glaub' an Stall und Krippe lind bete zu den Heil'gen spät und ftühe Des Tages, wo ich mein Gehalt beziehe. So hoff' ich, soll mir'S mit der Zeit gelingen, Ganz sacht die höchste» Ehren zu erwerben. Vielleicht selbst in den Adelsklub zu dringen Und endlich sanft zu sterben Ms Steuerrat, ein„von" vor meinem Namen Und mit dem Ritterkreuz im Knopfloch. Amen. DaS wird dann der passende Schluß der postHumen Komödie sein, daß der Familicnbiograph Heyses auch gleich den Auftrag niU- erhält, urlundlich nachzuweisen, daß die vorstehenden Verse Ginstis nicht aus der Feder Paul Heyies geflossen seien, der auch niemals, wie schamlose Verleumder bisher mit Erfolg behauptet haben, nicht nur das zitierte Gedicht Giustis, sondern mit besonderer Vorliebe und großer Kunst zahlreich gerade die revolutionärsten zeitgenössischen Dichter Italiens ins Deutsche übertragen und dadurch den Um- stürzlern aller göttlichen und weltlichen Autorität frech Borschub geleistet habe. Vielmehr habe er sich um solche Dinge niemals bekümmert... Röntgenstrahlung als Ersatz für Radium. Von den Berfa- Werken in Frankfurt a. M. sind seit längerer Zeit Versuche unter- nommen worden, die wirksame Strahlung de» Radiums„künstlich zu erzeugen". Der leitende Ingenieur F. Deffauer berichtete darüber nach der„Frank. Ztg.": Die Möglichkeit für einen solchen Ersatz des Radiums ist da- durch gegeben, daß au und für sich die Radiumstrahlung mit der Röntgenstrahlung prinzipiell gleichartig, nur sehr viel durchdringungssähiger ist. Aus dieser größeren Durch- dringungssähigkeir der Strahlung beruht die günstigere Heilwirkung der Radiumstrahlung gegenüber der Röntgen- strahlung bei tiefliegenden Krankheiten, wie beim Krebs u. a. Da- gegen ist die Radiumstrahlung bei den geringen zur Verfügung stehenden Mengen sehr schwach. Eine Röntgenröhre liefert viele tausendmal mehr Strahlen als ein noch so großes Radiumpräparat. — Die Arbeiten waren schließlich von Erfolg gekrönt und es gelang, in Röntgenröhren durch besondere Versuchsanordnungen Strahlen zu erzeugen, die das menschliche Gewebe fast ebenso durchdringen wie die Radiumstrahlen und die etwa zwanzig- mal so durchdringungsfähig sind wie die gewöhnliche Röntgenstrahlung und teilweise ganz nahe an die Durchdringungsfähigkeit des Radiums herankommen. Eine Röntgenmaschine, die derartige Strahlen liefert, ersetzt Radium im Werte von mehreren Millionen Mark und ver- billigt die Strahlentherapie so, daß sie allgemein zur Anwendung gelangen kann, während jetzt ja die Radiumtherapie sehr wenigen Kranken zugänglich ist. Desiauer ist aber trotz dieser Eni- deckung der Ansicht, daß das Radium und Mesothorium nie aus dem Heilichatz der Medizin verschwinden werden, weil c« vermöge der Kleinheil der Präparate in Körperhöhlen innerlich zur Anwendung gelangen kann, während es seiner Ansicht nach bei der äußeren Aivendung gänzlich durch die neu entdeckte radiumähnlichc Röntgenstrahlung ersetzt wird. Tie wisicirschastliche Nachprüfung wird entscheiden, ob das interessierte Urteil des Ingenieurs berechtigt ist. Humor und Satire. Auf Korfu. Wer es vermag, erholt den Körper Von deS Berufes Last und Weh, Indem er teilweis ,up de Dörper' sich fortbegibt, teils an die See. Doch da« auch, was den Geist anrege, In Prosa und auch mal im Reim, Läßt man selbst in der Lungenpflege, Weil fich'S nicht ziemt, nicht gern daheim. die englischen Parteitage. (Von unserem Korrespondenten.) London, 19. April 1911. Alles deutete darauf bin, dah sich der Parteitag der I. L. P, aus der die Partei ihr 21 jähriges Beilehen seiertc, zu einem groben Fest gestalten würde, das die Verhandlungen der Delegierlen in den Schauen stellen würde. Es ist anders gekommen, lvie viele glaubten Nicht die Festlichkeiten und die Festreden kennzeichneten diese Konferenz, sondern die höchst wichtigen und anregenden Debatten und Beschlüsse, die jedenfalls die Entwickelung der I. L. P. und wohrscheinlick, auch den Charakler der ganzen sozialistischen Be- wegnng GrobbritannienS stark beeinflussen werden. Die Debatten über Parteitaktik lieben einen von wenigen geahnten Umschwung in den Anschauungen unserer der I. L. P. angeschlossenen Genossen erkennen. Ein neueö Kapitel in der Parreigeschichle fängt an, und die theoretischen und taktischen Auseinandersetzungen, die den Ver» Handlungen folgen müssen und werden, werden nur dazu beitragen können, die Lebens- und Wervekraft der Partei zu erhöhen. ES sind keine leicht zu fassenden und zu überiehenden Zusammen- - hänge, die zu begreifen sind, wenn man die Lage und die Taktik der britischen Arbeiterpartei und die Stellung der I. L. P. in ihr verstehen will. Im Nähme» eines Artikels lassen sich die wichtigsten Punkte nur andeuten. Und die Schwierigkeit einer Erklärung wird noch dadurch sehr vergröbert, daß sich zwischen den Hindernissen, die sich in Grobbrilannien dem Wachstum einer sozialdemokratischen Partei entgegenstellen, und denen, die wir in den meisten anderen Ländern antreffen, so wenige Parallelen ziehen lassen. Die Debatten über Parteitaktik, die dem Partei- tag der I. L. P. den Stempel aufdrückten, entsprangen dem Be- dürfnis der Mitglieder der I. L. P., sich über die verwoirene politische Lage einmal gründlich auszusprechen und inö Klare zu kommen. Die liberal Regierung hatte die Arbeiterpartei in eine äugerst schwierige Posiuoir hineinmanövriert, wobei ihr der Mechanismus des ParlamentsgesetzeS, der die gesunde Entwickelung der Dinge aufhält und ein treffliches Mittel ist, den politischen Fortschritt zu verlangsamen, lehr zustatten kam. In vieler Augen erschien die Arbeiterpartei, mit der sich die I. L. P. vermählt, nur noch als ein Teil der liberalen Partei. Man sah Mitglieder der parlamentarischen Fraktion, die nur ein lauwarmes Interesse für die Anträge und Resolutionen ihrer eigenen Partei bekundeten, ivährend sie mit Feuer und Flamme für die vom Parlaments- geietz gedeckten liberalen Refornien eintraten, vielfach offenbar von der Ansicht geleitet, dast die Wegräumung dieser Streitpunkte die Bahn für soziale Resormen frei machen würde. Man sah auch Arbeiterparteiler gegen ihre eigenen Anträge stimmen, nur damit die Kreise der Regierung mcht gestört würden. Bon einem Parlamentarier wird sogar behauptet, dab sich die Arbeiterpartei mit der Regierung im geheimen verabredet habe, eine Abslimmunji über einen Antrag der Arbeilersraktion nicht vorzunehmen, weil für die Regierung die Gefahr bestand, dah er angenommen werden würde. linier Hinweisen aus die allgemeine politische Lage lassen sich zweifelsohne plausibel klingende Argumente für diese Taklik an- führen. Aber wie soll der einfache Mann diese von den Intrigen der bürgerlichen Parteien diktierte Taktik verstehen? Welche Ant» wort soll ihm der sozialistische Redner geben, wenn er in einer Volksversamm'.aug gefragt wird, weshalb die Arbeiterfraktion so und nicht so gestimmt hat? In einer festgefügten Partei mögen gelegentliche Seilensprünge nicht viel Schaden anrichten, aber in einer jungen unter äuberst schwierigen Verbältnissen arbeitenden Partei. die den Volksmassen noch das Bewuhtsein von der Selbständigkeit und Eigenheil der proletarischen Partei beibringen muh. wirken ste sehr verwirrend und deprimierend. Auf der I. L. P., die fast allein die geistigen Kämpfe der Arbeirerpartei führen muh. ruhte nun die ganze Last der Verteidigung gegen die Kritik, der die Arbeiterpartei unaufhörlich ausgesetzt war. Viele Genossen gaben die Sache auf und schlössen sich den Kritikern an. Andere kriti- sierten und suchten nach Mitteln, um eine Gesundung der Ber- Hältnisse herbeizuführen. Aber das war nicht leicht. Wäre die britiiche Arbeiterpartei eine sozialistische Partei, so hätte eS genügt, die Parlamentarier auk- zufordern, ihre Politik nach den Grundsätzen der Partei einzurichten. Die Arbeiterpartei ist jedoch nur ein Kompromiß zwischen einer sozialistischen Minderbeil und einer Mehrheit von Gewerkschaftern, von denen viele noch bis über die Ohren im Liberalismus stecken. Einige dieser Gewerkichafter gehören sozialistischen Organisationen an. denen sie als Parlamentsmitglieder jedoch nicht verantwortlich Drum schleppt selbst auf den„Mönch" und.Eiger"— Er weiß, was sich für„Bildung" schickt!— Herr Schulze den„Lokal-Anzeiger" Und liest ihn, bis er eingenickt. So wird man freundlich damit fühlen, Daß auch S. M. dort auf Korfu, Bei deutscher Dichter Geistcsspielen' Erst ganz geuietzt der Ferienruh. Er priifte sorgsam der Poeten Zur Zeit gerad' berühmten Häuf'— Und bat dann freundlich anzutreten Major a. D, Herrn Josef Laufs. Gewib. man sagt bei der Erscheinung, Daß diesem der. dem der gefällt. Doch daß man meist nicht einer Meinung Das eben ist der Laufs der Welt. Knax. Notizen. — Vorträge.. Mein e Rei se d urch Japan" lautet daS Thema de» Vortrages, den Charloiie Willimek am Mittwoch. den 22. April, abends S'/z Uhr im.Verein von Freunden der Treptow-Slernwarte" unter Vorführung farbiger Lichtbilder halten wird. — Kongresse. In Wiesbaden wurde am Montag der »I. deutsche Kongreß für innere Medizin eröstne». In seiner EwteitungSrede betonte der Borsitzende Prof. Romberg, daß der skongreh zu seiner bisherigen Aufgabe, der Uebermittelung der neuesten Forschungsresultate, nun auch die Behandlung aktueller Themata der inneren Medizin von mehr prattiicher Bedeutung bringe.— In Hamburg begann der erste internationale Kongreß für' experimentelle Phonetik �Erforschung der Laute) seine Tagung. — Die Leihbibliothek im Kraftwagen. Die Automobilkirche, die sich in den Vereinigten Staaten bewährt haben soll, hat jetzt ein Gegenstück gefunden. Eine unternehmende Dame hat den Plan einer Wanderbibliothek gefabt, und zwar benutzt sie zur Beförderung ihrer ungefähr 3000 Bände starken Bücherei einen Krastwagen. Mit ihrem Gefährt begibt sie sich von Wohnung zu Wohnung und leiht gegen eins Gebühr von 5 Pfennig ihre Bände aus. llngefähr acht Tage bleibt sie an demselben Platz und hat. wie ste erklärt, sehr gute Einnahmen. — Ein Konzert-Großunternehmer. Die Konzert- und Theateragenturen ern, angellen bisher der echtkapitalistischen Großzügigkeit. Zwar halten manche findige Köpfe allerlei Prozeduren aus den benachbarten Gebieten des angestammten Pferdehandels oder des Altwarenvertriebs mit Erfolg eingeführt. Aber immerhin blieb daS Geschäft, soweit es nicht überhaupt alt- modisch-solide betrieben wurde, auf der polnischen Slufe bestehen, Emil Gulmann, hieb der Apostel, der die Konzerlbranche groß- kapitalistisch, modern-spekulativ. omerikanisch-reklamehaft zu organi- sieren begann. Schade, daß die Sache nicht glückte: Herr Guimann hat sich von den Geschäften zurückziehen müssen. Aber ein anderer wird das Geschäft doch einmal machen und den Konzert- und Kunst- betrieb endgüliig kapitalistisch ausbauen. Bielleicht geben dann sogar den Künstlern die Augen auf und sie sehen, wie Kunst ge- «acht und ausgebeutet wird. sind; andere find Liberale, deren Wahl teilweise von ber liberalen Wahlorganisation betrieben wird und die entweder von Arbeiterpolitik nur eine unklare Vorstellung haben, oder die Arbeiter- Partei nur als einen propagandistischen Flügel der liberalen Partei betrachten, wie es etwa die bürgerlichen Radikalen find. Die An- sichten der letzteren sind ganz logisch; sie erstreben nicht den Sozia- lismus, sondern wollen den Arbeitern das Leben in der kapitalistischen Geiellschast nur etwas erträglicher und angenehmer machen. Wenn ihre politische Stellung nicht ebenso logisch ist. so sind fie nicht schuld daran; denn sie sind von der Mehrheit der Mitglieder ihrer Gewerk- schast gezwungen worden, sich der Arbeiterpartei anzuschließen. Man laiin sich vorstellen, wie schwer es dem Führer einer aus solch ver- ichiedenen Elemenien bestehenden Partei sein muß seine Truppen in der heuligen politischen Situation Großbritanniens zusammen- zuhalten. DaS Bindemitiel der Arbeiterpartei soll die Unabhängig- keir allen andere» Parteien gegenüber sein. Die I, L. P. hat stets eifersüchtig darüber gewacht, daß die Parlamentarier diese Unabhängigkeit achten, und in den letzten Monaten ist eS ihr gelungen, durchzusetzen, daß zwei Bergarbeitervertreter, die ganz offen die Verfassung der Partei mißachteten, aus der Fraktion aus- geschlossen wurden. Dock, außer dieser formalen Unabhängigkeit hat eine bedeutende Minderheit in der I. L. P. seit langem die taktische Unabhängigkeit der Arbeiterpartei angestrebt. Diese Minderheit ist nun aus dem Bradforder Parleitag zu einer großen Mehrheit geworden. Der Ruf nach prinzipieller Politik, der in der viel umstrittenen Bradforder Resolution ertönt, tritt mit einem Angriff auf die Kabinettsherrschast und daS Zweiparteiensystem auf. Wenn die Arbeiterpartei wachsen und gedeihen will, sagen die Bradforder, dann müssen wir diese« System zertrümmern und nicht versuchen, unsere Taktik ihm anzupaffen. In dem herrschenden politischen System Großbritanniens ist für eine unabhängige dritte Partei kein Platz vorhanden; sie muß sich Platz schaffen.' Das kann sie aber nur. wenn sie prinzipiell stimmt. Liegt zum Beispiel ein der Regierung nicht annehmbarer Antrag vor. de» Eisenbahnern einen gesetzlich gewährleisteten Mindest- lohn zu verschaffen, so dürfen uns keine Drohungen der liberalen Minister, abzudanken und das Parlament aufzulösen, falls der Antrag angenommen würde, davon abhalten, für ihn zu stimmen. Nicht die Bequemlichkeit der Regierung und ihre Politik, sondern unsere Grundsätze müffen für unser Verhalten entscheidend sein. Das Gegenstück zur Bradforder Resolution ist die schon leit einiger Zeit von der Arbeiterpartei befolgte Wahltaklik, die darauf hinzielt, das Zweiparteiensystem in den Wahl- kreisen zu sprengen. In viele» Wahlkreisen hat man in der letzten Zeit trotz der WehtlaAen der Liberalen, die die Arbeiterpartei be- Ichuldigten, die Geschäfte der Reaktion zu besorgen, Arbeiter« kaudidalen aufgestelll, um die Regierung zu zwingen, ein System einzuführen, das die Wahl von MinderheilSkandidalen verhindern soll. Letzthin ist viel von einem Wahlbündnis mit den Libe» raten geredet worden. ES wird sogar bestimmt versichert, daß ein Plan fix und fertig vorgelegen habe, nach dem die Liberalen der Arbeiterpartei eine Anzahl Sitze einräumten unter der Bedingung, daß die Arbeiterpartei die Liberalen in anderen Wahlkreisen unbehelligt ließe. Wenn dieser Plan je bestanden, so kann er nach dem Bradforder Kongreß, auf dem sich die Dele- gierten in schälsster Weise gegen jedes Bündnis oder Einverständnis mit den Liberalen aussprachen, als tot und begraben erklärt werden. Die Bradforder Taklik ist nur die Ergänzung der von der Arbeiter- Partei schon jetzt verfolgten Wabllaklik; sie verlangt nur, daß man im Parlament das lue, waS man in den Wahlkreisen schon tut; sie erklärt, daß man wichtige Positionen nur durch den Kampf nehmen kann. Vorläufig ist eS nur die Taktik der I. L. P., deren Aufgabe es sein wird, ihr in den Reihen der Arbeiterpartei Anerkennung zu verschaffen.' Die Schwenkung nach links, die die I. L. P. vollzogen hat, fand auch einen überaus glücklichen Ausdruck in der Wahl des neuen Vorsitzenden. Keir Hardie, der das Amt im vorigen Jahre wieder einmal annahm, weil die Partei in daS Jahr ihrer Groß» jährigkeit eintrat, dankte ab und machte dem Genosien I o w e t t Platz. Jowett ist der parlamemarifche Vertreter für Bradford-West und der Urheber der Bradforder Taktik. Er steht bei den Genosien der B. S. P. in hohem Ansehen, so daß die sozialistische Einigung was die I. L. P. anlangt, unter den denkbar günstigsten Verhäitniffen staufinden kann. Auch der Parteitag der B. S. P. verdient internationale Aufmerksamkeit, Politische und parlamentarisch-toktische Fragen spielten auf ihm keine große Rolle. In einer Partei, der es nicht vergönnt gewesen ist, die Voltsmasie anzuziehen und im Parlament Fuß zu fassen, müssen solche Fragen stelS emen unwirklichen aka- demischen Anstrich hoben. Sie ist wie ein General, der in Gedanken eine Schlacht schlägt. Das Gefübl der Isolierung hat bei den leitenden Personen nicht wenig dazu beigetragen, daß sie sich mit dem Gedanken der sozialistischen Einigung aus Grund des AnschluffeS an die Arbeiterpartei befreundeten. Von ihrem Eintreten für die sozialistische Einigung, die der. wichtigste Gegenstand der Beratungen des Londoner Kongresses war, wird das Resultat der Urabstimmung über den EinigungSplan. die jetzt vorgenommen werden wird, abhängen. Wenn auch in London wie in Bradford bei der DiS- kuision der Frage der alte Hader sich manchmal wieder züm Worte meldete, io konnte er doch nicht daS Gefübl der Versöhnlichkeit beeinträchtigen, das beute die Mehrheit der Genosien beider Richtungen beieelt und das durch die gegenseitige Emsendung brüderlicher Delegierter greifbaren Ausdruck fand. Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, nkird die rote Jmernalionale bald um eine geeinigte Partei reicher sein und der Sozialismus wird mit erneutem Mute und ver- doppelter und verdreifachter Kraft in Großbritannien seiner Arbeit nachgehen können._ Mus öer Partei. Maifeierumzüge verböte». Wie in früheren Jahren, so wurde auch in diesem Jahr in Wilhelmshaven und zum ersten Mal im benachbarten R ü st r i n g e n der Maifestumzug aus den bekannten Gründen— Gefährdling der Sicherheit— verboten. Die WilhelmShavener Polizei beillrchtet außerdem, die elektrische Straßenbahn, die seit einem Jahr die Siraßen Wilhelmshavens und Rüstringens unsicher macht, werde den Festtcilnebmern gefährlich werden. Wie fürsorglich! In der oldenburgischen Gemeinde Rüstringen hat man sich nun auch in der Maifeiersrage dem preußischen Polizeigeist unterworfen. Parieijubiläum in Halle. Die Parteiorganisation des Or/eS, der den ersten Parteitag der deulschen Sozialdemokratie nach, dem Fall des Sozialistengesetzes beherbergte, Halle a. S.. konnte am 19. April auf ihr fünfund- zwanzigjähriges Bestehen zutückblicken. Der Verein wurde mit 65 Mit- gliedern gegründet noch einem Referat des Genossen Frohme, als „Verein zur Erzielung volkslümlicher Wahlen". Gegenwärtig zählt der Verein 8430 Mitglieder, darunter 1138 weibliche.— Vom Ge- nosien Reiwand, einem der Mitbegründer des Vereins, jetzt Partei- sekretär, ist anläßlich des Jubiläums eine Geschichte der Parteibewegung in Halle verfaßt worden, die aus 236 Seite» großen Formats eingehend die Kämpfe eine« Vierteljahr- Hunderts schildert und die Schwierigkeiten, die der Parteibewegung gerade in Halle durch eine rücksichtslose Polizei auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes noch bereitet worden. Jntereisierten Pailei- genossen wird das Buch gegen Einsendung von 1 M.(einschließlich Porto) durch das Parteisekrelarlat. Harz 42/44, gern zugesandt, Das Jubiläum der Parteigründung wurde am Sonnabeiid unter überaus starker Beteiligung der Parteigenossen durch eine groß- zügige F.'stveranstallung feierlich begangen. Genosse Krüger- Barmen, der Vorsitzende de» Vereins zur Gründungszeit, hielt die Festrede._ Aus den Organisationen. Im sozialdemokratischen Verein für Altona wurde in der letzten Mitgliederversammlung vom Borsitzenden, Gen. Sieverts Bericht erstattet. Von Interesse waren die Stadtverord- netenwahlen. Um den Vormarsch der Sozialdemokratie aus- zuhalten und um die von allen Spießern so sehr gefürchtete sozialdemokratische Majorität im Stadtparlament zu verhindern, wurden Bezirkswahlen eingeführt. Dabei wurde die Einteilung der Bezirke so vorgenommen, daß die Sozialdemokratie möglichst schlecht wegkam. Trotzdem gelaug es unseren Genossen, 5 Mandate zu erobern; allerdings war die Zahl der Stadtverord- neten von 35 auf 42 erhöht worden, so dah das�Stärkeverhältnis ziemlich dasselbe blieb. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktion zählt jetzt 17 Mitglieder, denen 25 Bürgerliche gegenüber- stehen. Die Zahl der Mitglieder betrug am Schlüsse des alten Ge- schäftsjahres 7083(5812 männliche, 1271 weibliche Mitglieder). Tie „Rote Woche" hat einen Gewinn von rund 1000 Mitgliedern ge- bracht, was um so mehr ins Gewicht fällt, als das Gebiet des Vereins keinerlei Ausdehnungsmöglichkeit besitzt und somit der natürliche Zuwachs infolge Zuzug fehlt. Der erste Mai soll nach einem Beschlüsse der Versammlung durch Arbeitsruhe gefeiert werden. Der Festzug ist, wie schon mitgeteilt, von der Polizei genehmigt worden. Die Aufstellung ge- schieht diesmal im Gegensatz zu früher im Innern der Altstadt. « Am 2. Osterfeiertag fand in Fr ehh an eine Konferenz für den Wahlkreis M i l i t sch-T re b n i tz statt. Anwesend waren 12 Delegierte, der Reichstagskandidat Genosse Rösler- Breslau und der Bezirkssekretär Genosse S ch o l i ch- Breslau. Der Geschäftsbericht weist eine Verdoppelung der Mit- gliederzahl im letzten Jahre auf. Es wurden am Schluß des Berichtsjahres 600 männliche und 37 weibliche Mitglieder ge- zählt.„Volkswacht"-Abonnenten waren 206. An Agitations- Material wurden verteilt: 12 800 Landboten, 5000 Volkskalendcr und 2200 Flugblätter. Sozialdemokratische Gemeindevcrtreter sind 7 im Kreise vorhanden. Einnahmen und Ausgaben balanzieren mit 1514,80 M. Einem Referat über„Agitation und O r- g a n i s a t i o n" des Bezirks-Parteisekretärs folgte eine lebhafte Aussprache, in der von allen Rednern in diesem Jahre eine durch- greifende Agitation in dem rein ländlichen Wahlkreise des unge- krönten Königs von Preußen gefordert wurde. Daß selbst die konservativen Führer um das Mandat ihres Häuptlings befürchten, beweist die jetzt erfolgte Anstellung eines zweiten konser- vativen Parteisekretärs für dessen Wahlkreis. Geklagt wurde von allen Delegierten über den unerhörten Terror von den Behörden, Agrariern und Unternehmern, der sich namentlich bei den Wahlen mit öffentlicher Stimmenabgabe zeigte. Als Reichstagskandidat wurde Genosse Gauleiter R ö ß l e r- Breslau einstimmig wiedergewählt. Die Kreisleitung bilden die Genossen M o h und H ü b n e r als Vorsitzende und Zimmer- l i n g und W o l k e n st e i n als Kassierer, sämtlich in Freyhan. Die nächste Wahlkreiskonferenz findet in M i l i t s ch statt. Ter Konferenz voran ging eine gutbesuchte öffentliche Volksversamm- lung, in der Genosse S ch o l i ch über»Die Sozialdemokratie und ihre Feinde" sprach. » Eine gut besuchte Generalversammlung des Sozkak- demokratischen Vereins für Dresden-Altstabt nahm den Geschäftsbericht für das Jahr 1913 entgegen. Die Agitation gestaltete sich äußerst schwierig wegen der in Dresden besonders stark austretenden Arbeitslosigkeit, weil der Kreis eng begrenzt ist und weil immer mehr Minderbemittelte durch das herrschende Wohnungselend und die Steigerung der Mieten ge-. zwungen werden, die innere Stadt zu Verlasien. Trotzdem konnte die Mitgliederzahl von 5961 auf 6331, alsoum3i0. gesteigert werden. Dagegen nahm die Abonnentenzahl de'.DreS- dener Volkszeitung die schon im Jabre 1912 um etwa 500 zurückging, um weitere 685 ab. Ein besonders erfreuliches Bild zeigte der mit 32 589 M. balanzierende Kassenbericht, weil die Mitgliederbeiträge mit 26 750 M. um über 1000 M. höher waren, als im Wohljahr 1911/1912. Dieses schöne Ergebnis ist die Frucht eines gut ausgebauten BezirkskassierersyitemS. FL' Volks- b i l d u n g wurden in verschiedenen Zweigen 1948 M. cuSgegeben. an den Parteivnrstand gingen 5350 M, Die Frauenbewegung erstarkt im Kreise immer mehr. Sie wurde durch öffentliche Ver- iammlungen, DiSkusfionSabende und eine energisch durchgeführte Hausagilation. die 130 neue Mitglieder brachte, lebbaft ge'ördert. Der Verein zählt jetzt 755 weibliche Mitglieder. In 14 öffentlichen Versammlungen wurden die auftauchenden politischen Fragen behandelt. Außerdem fanden 90 BezirSversammlungen statt. In der Debatte wurde die Agitationsmethode des Hauptvorstandes für die Rote Woche bemängelt, von anderer Seile aber auch deren Vorteile hervorgehoben. Ferner wurde verlangt, daß an Stelle der vielen kleinen Bezirksversammlungen mehr große Agitalioiiövcrsammlungen mit auswärtigen Rednern abgehalten werden sollten. �«°>nuel Klatschko gestorben. Ein alter russischer Revolutionär ist Freitag in Wien gestorben. Klatschko gehörte wohl zu der ältesten lebenden Generation der russischen Revolutionäre. Im Jahre 1849 in Wilna geboren, geriet er als junger Student in Moskau in den Kreis der Tschaykowzr. So nannte man damals die von Tschahkowski begründeten geheimen Verbindungen russischer Studenten, in deren Köpfen sich Ideen Bakunins und Lawrows, Marxens und Lassalles zu leidenschaftlicher Begeisterung für den Befreiungskamps des russischen Volkes vermählten. AiS die jungen Studenten ihre Agitativn nicht ohne Erfolg„ins Voll", in die Bauernschaft zu tragen versuchten, griff die zarische Regie- rung ,m Jahre 1874 mit eiserner Faust ein. Hunderte wurden verhastet, Hunderte zu schweren Strafen verurteilt. Hunderte von den Schergen des Zarismus ins Ausland vertrieben. Damals mußte auch Klatschko die Heimat verlassen. Er hat dann ein inhalts- reiches Leben in England, in Frankreich, einige Zeit auch als land- wirtschaftlicher Arbeiter in einer kommunistischen Gemeinde in Amerika geführt. Aber der russischen Revolution blieb er treu. Nach seinem Ursprung, seiner Ueberlieserung stand er dem russischen Baubrnkommunismus nahe, jener Richtung der revolutionären Bewegung Rußlands, die von Bakunin zu den modernen Sozia- listenrevolutionären führt. Seine gründliche marxistische Bildung aber führte ihn zu der proletarischen Bewegung, zu der russischen Sozialdemokratie. So war er ein Mittler zwischen den beiden großen Richiutigen der russischen Revolution, stets bereit, beiden zu helfen, beide in stiller, nie versagender Hilfsbereitschaft z» unter- stützen. So fest und unerschütterlich seine eigene Uebeczeugung war, so stand ihm doch die große gemeinsame Sache der russischen Revolution hoch über alle Besonderheit der Partei, der Richtung, der Sekte. So war er recht eigentlich ein Vertrauensmann aller Richtungen des russischen Sozialismus. Als dann das große, lang ersehnte Ereignis, als die russische Revolution kam, hat Klatschko im Berein mit österreichischen Genossen den Htlfsdienst für die Flüchtlinge der Revolution organisiert. Jedes Opfer des großen Freiheitskampfes war seines Rates, seiner freigebigen Hilfe sicher. In rührender Treue hing er in der Zeit der großen Siege wie in den Tagen der Niederlage an der Partei. Seit Monaten quälte ihn schweres Leiden; als aber vor wenigen Tagen ein russischer Ge- nosse den greisen Revolutionär besuchte, erinnerte sich der schier schon«terbende noch, daß er seinen Beitrag an die ruftische Partei seit einigen Monaten schuldig war, und reichte dem Gaste noch seine Steuer für die Sache, der er ein Leben lang gedient. � Mit unseren russischen Genossen gedenken auch wir in wehmütiger Dankbarkeit des alten treuen Freundes. Richtigstellung: Das in Rr. 106 des„Vorwärts" abgedruckte kurze Reiumee über meinen Vortrags im Kommunistischen Arbeiter- bildungSverein in London läßt mich sagen:„Ein Krieg mit Rußland könne unmöglich die gleiche Abscheu erwecken, wie der mir den west- lichen Kulturstaaten." Ich habe einen solchen Satz weder dem Wort- laut, noch dem Sinne nach gesagt. Ich habe vielmehr keinen Zweifel darüber gelassen, daß jeder Krieg von dem klassenbewußten Proletariat aller Kulturstaaten als ein Verbrechen betrachtet würde. Hermann Mülls». Suchmacher und Gendarmen. In der gestrigen Verhandlung gegen die der pasnven Bestechung angeklagten Gendarmeriewachtmeister Haneberg, Suckland und Erx- leben wiederholte sich da? bisherige Bild der Beweisaufnahme. Die meisten der als Zeugen vernommenen Buchmacher verweigern die Aussage, ob sie Gendarmen Geld gegeben haben, andere bekunden, dag Buchmacher vom Ring den Beamten Gelder gaben, können aber bestimmte Einzelbeilen nicht angeben. Ein Zeuge wird aus einer Krankenbahre in den VerhandlungS- räum getragen. ES ist dies Nelle. der unter dem Namen.der Doktor" auf den Rennplätzen bekannt ist. Der Zeuge bat niemals buchgemacht, sondern nur gewettet. Er ist mit den Verhältnissen auf der Rennbahn sehr vertraut. Nelle bestreitet, dah ihm irgendein Buchmacher für Gendarmeriebeamte Gelder gegeben hat. Auch will er nicht Zusammenkünfte zwischen Buchmachern und Beamten ver- mittelt hoben. Es ist von anderer Seite die Behauptung aufgestellt worden, daß der.Doktor" gewissennaßen als Mittelsperson für Buch- macher und Gendarmeriewachtmeister galt. Der Zeuge bestreitet dies. Der Buchmacher Teuerkanf habe dem Nelle einmal gesagt, wenn es zur Verhandlung gegen den Wachtmeister Klauert kommen � sollte, dann werde er die Sache so drehe», daß dem N. nichts passiere. Auf die Frage, ob der Zeuge Nelle den Frvuen der Gendarmen Taschen uiw. geschenkt habe, bestreitet dieS N. Er hat nach seinen Bekundungen die Taschen an die Frauen verkauft, denn er handelt mit derartigen Gegenständen. Mit den Frauen her Angeklagten hat der Zeuge niemals etwas zu tun gehabt. Der Zeuge Hermann Teuerkauf macht bezüglich des Angeklagten Suckland eine Aussage. Er bekundet, er babe einmal in Blumen- garten dem Gendarmeriewachtmeister Suckland gelroffrn und ihm gesagt: Entweder nehmen Sie mich in den.Ring' auf, oder es passiert etwas. Ich sage Ihnen, Sie werden keine Freude haben, wenn Sie nicht wollen! Suckland erwiderte daraui, T. solle ihn nicht anpöbeln, er sei privat da. Ter Angeklagie Suckland bestreitet dies und erklärt, die Sache habe sich anders abgespielt. Der Bruder des Teuerkous bekundet. er habe einmal gehört, wie ein Buchmacher sagte, ein Beamter .nehme wie Wasser". Es sei ein öffeniliches Geheimnis gewesen. daß die Sache auf den Rennbahnen nicht mit rechten Dingen zugehe. Dem Buchmacher Saballech wurde einmal, als er genommen und vorgeillhrl wurde, sein Geld abgenommen. Ein Beamter habe ihm dann das Geld wieder zurückgebracht, doch babe etwas daran gefehlt. Der Bruder des Teuerkauf erklärt zu dieser Angelegenheit, daß e-Z sich um den Buchmacher Festrich handle. Tie Ehefrau deS Zeugen Friedländer ist häufig mit ihrem Mann auf der Rennbahn gewesen und hat ihn unterstützt. Die Zeugin be- kündet, daß es Tagesgespräch gewesen sei. daß sich die Angeklagten hätten Geld geben lassen. Beweise habe sie aber nicht. Ihr Mann habe ihr gesagt, die drei Angeklagten brauche sie nicht zu fürchten. Ueber bestimmte Bestechungen vermag die Zeugin nicht» au«- zusagen. Der Buchmacher Savalla bestreitet, einem Beamten Geld gegeben haben. Er will den Zeugen Teuerkauf, der beboupie», S. habe einem Beamten ein Zwanzigmarkstück gegeben, gar nicht kennen. Demgegenüber bleibt T. bei seinen Angaben; S. habe ihm einmal gesagt, er müsse heute noch ein Psundstück hergeben. S. bestreitet. weder Haneberg noch Suckland noch Erxleben jemals Geld gegeben zu haben. Die dann als Zeugen vernommenen Beamten der Gendarmerie können nicht« Belastendes bekunden. Die Sitzung wird auf Mittwoch vertagt. Jugendbewegung. Jugendschutzforderungen. Weitgehende und vernünftige Forderungen für den Jugend» li, nm 1R Whrrf rtitf hpr fiPÄ j;in JAeUlglllUiLtU UJU C l U U t CLÜLiCtlt Vit IfCi. Zugendlichen, die als eine Folge deS Berufs anzusehen sind, und mpfahl als Gegenmaßnahmen zur Verhütung von Krankheiten >ie Ausdehnung der Schutzbestimmungen bis zum 8 Lebensjahre, Einrichtung eines freien Spi elnach- nittags. Verkürzung der Arbeitszeit und einen ährlichen v i e r z e h n t ä g i g e n E r b o l u n g S u r l a u b. Einführung eines ärztlichen UeberwachungSdiensteS. Ferner fei iotwendig die Einführung eines leichten Sports, Aufklärung der Zugendlichen über gesundheitsschädliche Fragen, msbesondere der Hinweis auf die Schädigungen des Alkohols und des Tabaks. Das sind Forderungen, die. soweit sie gesetzgeberi,che Maß- lahmen verlangen, von der Sozialdemokratie se,t langem ange- trebt werden. Soweit sich die Forderungen auf Sport und geiund» »eitliche Aufklärung beziehen, sind sie in der freien Jugendbewegung tereits verwirklicht.... t.-,«!» und Staat, nicht zu haben sein werden. In eine einstimmig an- genommene Entschließung kam deshalb von diesen vernünftigen orderungen so gut wie nichts. In dieser Entschließung wird nur eine regelmäßige ärztliche Ueberwachung der schulentlassenen männlichen und weiblichen Jugend und deshalb Anstellung von Aerzten, vornehmlich für Fortbildungsschulen, verlangt. Fortbildungsschullehrer gegen den hurrapatriotischen Jugenddrill. An den Osterfeiertagen fand in Schweidnitz der vierte schlesische Fortbildungsschullehrertag statt, der sich u. a. auch mit der Jugendpflege beschäftigte. In einem Referat über diese wurde hervorgehoben, daß die edelste Form der Jugendpflege Wanderungen seien. Es wurde betont, daß die Ausbildung des Geistes und des Gemütes, die Förderung und Stählung körper- sicher Kraft, die Liebe zur Heimat und kameradschaftlicher Sinn nur durch sachgemäß arrangierte Wanderungen in die Natur erreicht werden kann. Diese Ausführun- gen wurden nicht nur von allen Diskussionsrednern kräftig unter- strichen, sondern alle wandten sich auch noch scharf gegen die heut allgemein übliche und von der Regierung sowie den Hurrapatrioten mit allen Mitteln geförderte ka fernen- und reglementsmätzige Art der bürgerlichen Jugend- Pflege. So muß es kommen! Trotzdem werden sich die Oberpatrioten nicht abhalten lassen, ihr Ziel, die Jugend durch Kriegsspiele und Schlachten weiter verrohen zu helfen. Kein Versammlungsrecht in Königsberg. Nach der Jugendschlacht in Königsberg, die am ö. April die Polizei veranstaltete, sollte am Sonntag, den 13. April, eine Jugendvcrsammlung im Gewerkschafts« hause stattfinden. Arbeiiersekretär Krüger wollte einen Vortrag über den„Jungdeutschlandbund" ballen. Die Versammlung war stark besucht, doch als sie der Versammlungsleiter eröffnen wollte, stand der Polizeibeamte auf und erklärte, daß der Polizei- Präsident die Versammlung als eine politische ansehe. Ter Polizeibeamte forderte deshalb alle Per- fönen unter 18 Jabren auf. den Saal sofort zu verlassen. Er' fügte hinzu, daß derjenige, der sich den Polizei- lichen Anordnungen nicht füge, gewaltsam entfernt und bestraft werden würde.— Unter diesen Umständen war die Abhaltung der völlig unpolitischen Versammlung unmöglich. Die Versammelten mußte» auseinandergehen. In einem Nawbarhau'e war ein starkes Polizeiaufgebot unlergebraä»: es erhielt jedoch keine Gelegenheit zum Einschreiten. Auf diese Weise wird der Arbeiterjugend in Königsberg das Versammlungsrecht vollkommen genommen. Soziales. Sächsischer Kraukenkassenangcfielltentag. Chemnitz, 19. April. Die LandeSkoitferenz der Krankenkassenangestellien Sachsens tagte heute im Gasthaus zur„Linde". Kassen aus allen Teilen Sachsens waren vertreten. Zu dem Punkte der Tagesordnung: „RuhrgehaltSberechtigte Anstellung oder nicht?" führte Vrenke- Leipzig u. a. auS: Das Ziel der ruhegehaltsbcrechtigten Anstellung geht dahin, die Kassen unter die Fuchtel der StaatSbureaukratie zu bringen und für Militäranwärter gute Stellen zu schaffen. Tie Staatsbeamtenschaft nimmt den Angestellten die Aktionsfähigkeit und den Kassen das Selbstverwaltungsrecht; sind doch schon hier und da Leutnants a. D. in leitende Kassenstellen untergebracht und andere Militäranwärter angestellt worden. Nur die unteren Stellungen sollen den Angestellten bleiben, für die die Pflicht der Offenbarung ihres Vorlebens eingeführt und denen das Äoalitions- recht genommen werden soll. Ist doch auch von einem preußischen OberregierungSrat ausgesprochen worden, daß den Angestellten jede politische Betätigung bei Androhung von Disziplinarstrafen ver- boten werden soll,„die den Umsturz der staatlichen Ordnung be- zweckt". Wo man damit hinaus will, das zeigen die Maßregelungen von Bürgermeistern und Lehrern. Diese Gefahren abzu- wenden, besteht kein anderer Weg, als auf die ruhcgchaltSberechtigte Anstellung»u verzichten. TaS ist gewiß bitter, erscheint aber not- wendig. Auch außerhalb der Kasse kann für das Alter der Ange- stellten im Verein mit den Kassenvorständen gesorgt werden, die das größte Interesse an der Erhaltung de« Selbstverwaltungsrecht haben. Die Berliner Kollegcnschaft hat in stark besuchter Ver- sammlung schon denselben Slandpunkt eingenommen. Die Kranken- kassenvorstände müssen nur genügend informiert werden; desgleichen die Gewerkschaftskartelle, unsere Forderungen durchzudrücken, ist notwendig und mit Hilfe des Verbandes möglich. Dieser muß ge- stärkt, der letzte Mann des neuen Zuwachses muh ihm zugeführt werden. Der Verband ist politisch neutral, er arbeitet nur für die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder. Nach lebhafter Aussprache gelangte folgende Resolution gegen eine Stimme zur Annahme: Die von 230 Angestellten aus 33 Ortschaften der Ortskrankenkassen Sachsen? besuchte, im Gastbaus„Linde" tagende Versamm lung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einver- standen. Insbesondere rrflörcn die Anwesenden im Prinzip, daß ihnen an der Uebcrtragung der Rechte und Pflichten als Staats- f■. und Gcmeindebeamten nichts liegt und sie jede Regelung der Ruhe- gehaltsfrage ablehnen, die damit verbunden ist." HM -> UCK Qualifdis 3S Clgarefte Beschäftigung von Putzmacherinnen am Sonnabend. Wegen Uebertrctung der Arbeiterinnen-Tchutzbestimmungcn der Gewerbeordnung war Herr Bänsch in KottbuS verurteilt war- den. In zweiter Instanz verblieb es bei der Verurteilung wegen unberechtigter Beschäftigung von Arbeiterinnen am Sonntag, die in seinem Putzgeschäft erfolgt sei. Dagegen wurde der Angeklagte freigesprochen von der?lnilage der Uebertretung des Z 137 Absatz 1 und 2 der Gewerbeordnung, wo unter der Voraussetzung, daß es sich um einen Betrieb im Sinne des 8 134i handelt, be- stimmt ist:„Arbeiterinnen dürfen nicht in der Nachtzeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und am Sonnabend, sowie am Bor- abende der Festtage nicht nach 3 Uhr nachmittags beschäftigt werden. — Die Beschäftigung von Arbeiterinnen darf die Dauer von 10 Stunden täglich, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage von 8 Swndcn, nicht überschreiten." Das Landgericht führte aus: Allerdings feien hier in dem Putzmachereigefchäft des Angeklagten Putzmacherinnen am Sonn- abend länger beschäftigt worden. Tic zitierte Bestimmung könne aber nicht?lnwendung finden, weil es sich nicht um einen Betrieb gemäß§ handele, der bestimme:„Auf Betriebe, in denen in der Regel mindestens 1» Arbeiterinnen beschäftigt werden, finden. unbeschadet des 8 l33b' die nachfolgenden Bestimmungen der§8 133 bis 139aa Anwendung." Mit zwei Direktricen und zwei kauf- männisch tätigen weiblichen Personen seien in dem Betriebe zwar über 10 Personen beschäftigt, sowohl die Direktricen wie die kauf- männischen Angestellten müßten aber für die Feststellung, ob i» der Regel mindestens 10„Arbeiterinnen" beschäftigt seien, aus- scheiden. Ohne diese Personen seien in der Regel aber weniger als 10 Personen in dem Putzmachereibctriebe des Angeklagten be- schäftigt. Somit könne keine Verurteilung auf Grund des§ 137 Absatz 1 und 2 erfolgen. Das Kammergericht hob jetzt auf die Revision der TtaatS- anwaltschaft die Entscheidung des Landgerichts auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an daS Landgericht zurück. Zur Begründung wurde unter anderem aus- geführt: Wenn es sich auch nicht um einen Betrieb im Sinne des 8 134! der Gewerbeordnung handele, so habe wegen der längeren Beschäftigung am Sonnabend doch nicht ohne weiteres Freisprechung erfolgen können. Die Strafkammer habe übersehen, daß die Bundcsratsverordnung vom 31. Mai 1897 in der Fassung vom 17. Februar 1304 hier zur Anwendung kommen könne. Danach dürften, ohne daß es auf die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen ankomme, in Werkstätten, in welchen Frauen- und Kinderhüte be- setzt(garniert) würden, Arbeiterinnen am Sonnabend wie am Vorabend der Festtage nicht nach 5H Uhr beschäftigt werden. Diese Verordnung bestehe fort auch nach dem Inkrafttreten dcr letzten Novelle zur Gewerbeordnung. Das Risiko der Arbeit. In einer einzigen Nummer eines kleinen neumärklschen Lokalblättchens werden kurz hintereinander drei Todesfälle im Beruf gemeldet. In den Rüdersdorfer Kallwerken verunglückte ein vierundzwanzigjähriger Elektromonteur König aus Neudamm, indem er mit einer Starkstromschiene in Berührung kam uno einen elektrischen Schlag erlitt, der auf' der Stelle den Tod her- beiführte. In Frankfurt a. O. wurde der Rangierer Kitzke von einem fahrenden Wagen umgestoßen. Er fiel auf das benachbarte Gleis und wurde buchstäblich gerädert. In Soldin holte der Lokomotivführer Mahlke eine Maschine aus dem Schuppen. Bei der Ausfahrt lehnte er sich wohl etwas zuweit aus seinem Stand heraus, kurzum, er geriet in der engen Durchfahrt mit dem Kopf gegen einen Pfosten, so daß ihm dcr Schädel zerquetscht wurde und alsbald der Tod eintrat. Seine Frau sieht, nebenbei bemerkt, in Bälde ihrer Niederkunft entgegen, und außer der Witwe hinter» läßt er eine alte Mutter, deren Stütze er war. Ter verunglückte Rangierer hinterläßt eine Frau mit einem ein paar Tage alten Kinde, und um den jungen Elektromonteur trauern bejahrte Eltern. Von den mannigfachen Gefahren, die den Arbeiter bedrohen und oft jählings und auf entsetzliche Weise seiner Familie ent- reißen, wissen die Eouponabschneider und Dividcndcnschlucker nichts. WaS ist gegen die ständige große Lebensgefahr vieler Ar- beiter ihr erbärmliches Geldrisik»? Sie verunglücken nicht im Beruf, sondern höchstens, wenn sie den leichten Gewinn in Wahn- sinnigen Automobilfahrten usw. verjubeln, wobei jedoch leider ge- wohnlich auch statt der schuldigen reichen Fahrprotzcn die unschul- digen armen Fußgänger zu Krüppeln oder zu Tode gefahren werden. Ihr Motorrad ist erst dann, wie es sein soll, wenn Sie sich auf die Bereifung und den Bicmen unbedingt verlassen können. Das Beste ist hier gerade gut genug. Wenn Sie Äerger vermeiden und Zeit und Geld sparen wollen, dann gibt es nur eins: Wählen Sie Continental Motorradreifen und Gummikeilriemen Contlnental-CaootclionE- und Gotta-Perclia-Co., Hannover. | Personal 12 000.| M RRIWaB Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und Allgemeine Ortskrankenkasse -Arbeiterinnen Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Am Mittwoch, den 22. April 1914, abends 8 Uhr, bei F. Wilfe, Sebastianstraße 39: für Berlin- Mariendorf und Umgegend. Am Donnerstag, den 30. April 1914, abends 6%, 1hr, im Lotale bon C. Benscheck, hier, ChausseeGeneral- Versammlung 27 Tagesordnung: 1. Der Klaffenkampf der Arbeiter. Referent: Reichstagsabgeord neter Genoffe Käppler. 2. Wahl einer Schiedsfommission. 3. Geschäftliches. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend notivendig. 76/10 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Branchen- Versammlungen: Musikinstrumenten- Arbeiter Dienstag, den 21. April 1914, gleich nach Feierabend. Bezirk Berlin Ost- Lichtenberg bei Fredersdorf, Frautfurter Allee 127. Bezirk Norden und Nordosten bei Büttner, Schwedter Straße 23/24, und Brinkmann, Andreasstraße 26. Bezirk Süden- Südwesten im Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 148. Bezirk Südosten- Neukölln im 2otal ,, Südost", Waldemarstraße 75. Tagesordnung: Der 1. Mai. Die Unwesenheit sämtlicher Verbandsmitglieder ist notwendig. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Ordentliche Ausschußsitzung. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung bro 1913. a) Geschäfts- und Kassenbericht, b) Bericht der Revisoren. 2. Verschiedenes. Etroaige Anfragen oder Beschwerden, zu denen Einsichtnahme in die Kaffenaften erforderlich ist, sind spätestens bis zum 28. April dem Vorstande schriftlich einzureichen. Berlin- Mariendorf, den 18. April 1914. Der Vorstand. 272/7 Aug Leip, Borfizender. C. Baechler, Schriftführer. Allgemeine Orts Krankenkasse = für den Stadtbezirk Cöpenick. Geffentliche politische Versammlungen. Dienstag, den 21. April 1914, abends 8, lthr: Große öffentliche Frauen- Verfammlung in der ,, Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Tagesordnung: Die Arbeiterfrauen und der Weltfrieden. Es werden sprechen: Vertreterinnen der Frauen aus Holland, Rußland, England, Finnland, Frankreich, Oesterreich und der Schweiz; ferner die deutschen Genoffinnen Klara Zetkin und Luise Zietz. Zu der am Dienstag, den 28. April 1914, abends präzise 8 1hr, int 199/ 7* Café Sorge, Schloßstraße 12, statt. findenden Ordentlichen Ausschußßkung werden die Ausschußmitglieder, Arbeitgeber und Versicherte, hiermit eingeladen. Tagesordnung: 1. Berlesen des Protokolls der legten Ausschußfizung. Achtung! Stock- u. Zelluloid- Arbeiter! ahresbericht bro 1918. Donnerstag, den 23. April 1914, abends 6 Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstraße 72. Tagesordnung: Branchenangelegenheit. Der 1. Mai. Verschiedenes. Diese Versammlung ist für sämtliche Kollegen einberufen. Spezialarzt f. Hauts, Harns, Frauenleiden, nero. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in Dr. Homeyer 3 11. Co. fonz. Laborat. j Blut untersuchung., Fäden i. Harn usw. gegenüber Friedrichstr. 81, anoptikum Spz. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Dr. Hoffbauer's 86/10 GES. GESCH. UNIVERSALMAGENPULVER Magenstar kend, gegen Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit und nervösen Magenleiden. Verdauung und Appetit anregend. Original- Schachtel M. 1.Verkauf und Versand durch ElefantenApotheke, Berlin W, Leipziger Str. 74 3. Abnahme der Jahresrechnung für 1913. 4. Beratung und Beschlußfassung über den Vertrag mit den Herren Aerzten. 5. Bericht und Beschlußfassung über den Vertrag mit den Herren Apothekern. 6. Beratung und Beschlußfassung über die abzuändernde Stranten. ordnung( Vorstandsvorlage). 7. Anträge des Vorstands auf Aenderungen der Sagung§ 67 A6fak 1,§ 84 bjak Ia. 8. Geschäftliches. Mit Rüdficht auf die reichhaltige Tagesordnung bitten wir bie Ausschuß mitglieder dringend, pünktlich zu er fcheinen. 272/8 Der Vorstand. Otto Nickel, Borsitzender. Der Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. Servus Schuhputz mit Dosenöffner Ueberall zu haben in großen Dosen a 20 Pf. Fabrik: Chemische Werke Lubszynski& Co., Aktiengesellschaft, Berlin- Lichtenberg. Dienstag, den 21. April 1914. Anfang 5 Uhr. Baffage Theater. Kino- Barieté. Aniang 6%, Ubr. Cines Nollendorf- Theater. Was mir die Wildnis gab. Aniang 7, Uhr. Die Welt, Kgl. Schanipielhaus. in der man sich langweilt. Deutsches. Was ihr wollt. Leifing. Peer Gynt. Zirkus Schumann. Galavorstellung. Anfang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Zagen. Anfang 8 Uhr. Urania. Hochspannung. Kgl. Opernhaus. Salome. Theater und Vergnügungen Schiller- Theater O. ( Wallner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Das Glück im Wink el. Mittwoch, abends 8 Uhr: Heiligenwald. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hierauf: Wann wir altern. Liebe. Nachher: Lottchens Geburtstag. Charlottenburg. Schiller- Theater Dienstag, abends 8 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Donnerstag, abends 8 Uhr: Das große Licht. Deutsches Opernhaus. Martha. Deutsches Künstlertheater Kammerspiele. Die gelbe Jade. Deutsches Künstler Theater. Erziehung zur Liebe. Berimmer. Wie einst im Mai. Röniggräger Straße. Mr. Wu. Theater des Westens. Bolenblut. Theater am Nollendorfplaş. Der Jurbaron. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Kleines. Jettchen Gebert. Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Dienstag, 8 Unr: Erziehung zur Liebe. Mittwoch, 8 Uhr: Erziehung zur Liebe. Theater an der Weidenbammer Theater am Nollendorfplatz 5. Brücke. Der müde Theodor. Trianon. Die Notbrüde. Komödienhaus. Kammermusif. Quitspielbaus. Die spanische Fliege. Schiller O. Das Glüd im Winkel. Schiller Charlottenburg. Des Meeres und der Liebe Wellen. Montis Operetten. Jung- England. Residenz. Der Regimentspapa. Roie. Die Dollarprinzessin. Kafino. Wo die Liebe hinfällt. Reichshallen. Stettiner Sänger. Herrufeld. Die von oben und unten. Wintergarten. Spezialitäten. 8 Uhr: Der Juxbaron. Residenz- Theater. 18 Uhr: Der Regimentspapa. Apollo. Der Stolz der 3. Stom- Theater a.d. Weidendammerbrücke pagnie. Palast Theater. Spezialitäten. Friedrich Wilhelmstädtisches. 9 Die Förster- Chrifti. Anfang 8%, Ubr. Walhalla. Tangofieber. Quisen. Los von Muttern. Folies Caprice. Tohuwabohu. Das Starnidel. Das Erdbeben. Anfang 8%, Ubr. Neues Volts. Theater. Haubenlerche. Anfang 9 Ubr. Die Admiralspalast. Im Tangoflub. Berliner Eispalast. Umor auf Urlaub. Eisballett. Cines Nollendorf.Theater. Was mir die Wildnis gab. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 8 Uhr: Der müde Theodor. Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Komödienhaus. 8 Uhr: ,, Kammermusik". URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Hochspannung. COSE THEATED Große Frankfurter Str. 132. Anfang 8 Uhr. Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Willner und Grünbaum. Mufit von Leo Fall. Morg.u.f. Tage: Die Dollarprinzessin. Vereinigte Berliner Luisen- Theater. 8 Uhr: Los von Muttern! Gr. Ausstattungspoffe m. Gesang u. Ballett in 4 Atten. Passage- Panoptikum. Der englische Riese Teddy Bobs. Der größte Mensch, der je gelebt! 160 mm größer als Machnow! 19 Jahre alt. 20 Säle mit Sehenswürdigkeiten Alles ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Volksbühnen. Walhalla- Theater. 8 Uhr: 8um 100. Male: Tangofleber. Gr. Poffe m. Gej. u. Zanz in 3 Aften. Brauerei Friedrichshain. Sonntag, den 3. Mai: 2. Konzert des Männer- und Frauenchors Neukölln. Mitwirkende: Blüthner Orchester( 60 Musiker). Herr Gustav Thümler- Walden, Bariton. Zur Aufführung gelangen außer Männer- u. Frauenchören Die Hekatoncheiren( Die Hunderthändigen) von Ernst Eloeßer für Baritonsolo, Männer- und Frauen chor und Orchester.( Dichtung von Karl Weiser.) Zum ersten Male in Berlin aufgeführt. Anfang pünktl. 7 Uhr. Eintritt 60 Pf. Saa löffnung 5%, Uhr. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Anfang 8% Ubr. Nur noch einige Tage! Die Förster, Chrift. Zirkus Alb. Schumann. Apollo- Theater. 8 Uhr Tel.: Lützow 2757. 8 Uhr Zum 130. Male! Der Stolz d. 3. Kompagnie mit Hartstein. Vorher das große Varieté- Programm. Rauchen gestattet! 11 12 Winter Garten Ein beispielloser Erfolg der von Publikum und Presse glänzend beurteilten April- Attraktionen! Entreeplatz wochentags M. 0,60. Rauchen gestattet! Metropol- Theater. Abends 7 1hr 55 präzise: 66:: Berliner:: Die Reise um die Erde Clou Konzerthaus ,, Clou❝ Mauerstraße 82 Zimmerstraße 90/31. Gastspiel Prager Tonkünstler Orchester. Anfang 8 Uhr. An allen Wochentagen: Dirigent: Kapellmeister und Komponist Julius Fucik. Eintritt 50 PI Anfang 8 Uhr. Gr. Nachmittags- Konzert Eintritt. Berliner Theater. Werder a. H. Restaurant Schwarzer Adler 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater des Westens. 8 Uhr: Polenblut. Sonntag 3, 1br: Der liebe Augustin. Parteilokal Fischer Straße 98. Inhaber C. Neinert. Herrlicher Garten direkt am Wasser. Eigener Dampfersteg. Großer Tanzsaal. Jeden Sonntag von 3 Uhr ab: Tanz. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Familien können Kaffee kochen. Es ladet freundlichst ein C. Neinert. in 40 Tagen. Folies Caprice. Tohuwabohu 8 Das Karnickel Das Erdbeben. Voigt- Theater Badstraße 58. Morgen Mittwoch, den 22. April 1914: Das Geheimnis von New York. Antispirit. Drama in 3 Att. von Manz. Kaffen eröffnung 7 Uhr. Anf. 8%, 116r. Boranzeige. Mittwoch, d. 29. April: Benefiz Ernst Franzen: Der stolze Heinrich. Heute Dienstag, den 21. April, abends 7, Uhr: Gr. Sport- Vorstellung. Um 9 Uhr: Jeder Kampf bis zur Entscheidung. Es ringen als erstes Paar: 1. Saft gegen Esson ( Deutschland)( England) 2. Jussuf gegen Deriaz ( Türkei)( Schweiz) 3. Petlivan gegen Derelli ( Türkei) ( Asien) Admiralspalast. Die Eis- Arena. Novität ,, Im Tangoklub" und zum 230. Male das effektvolle Eisballett ,, Die lustige Puppe". Bis 6 Uhr u. ab 10%, Uhr halbe Kassenpreise. Wein- und Bier- Abteilung. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger Unsere süßen Dienstmädels Urtomische Burleste von Megjel. Anjang heute 8 Uhr. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Die Notbrücke. Sonntags Nm. 3 11hr: Die Notbrücke. Casino Theater Lothringer Strane 37. Täglich 8 11hr. Bieber ein großer Theater- Erfolg! Der nene Lustspiel- Schlager Wo die Liebe hinfällt. Borher das neue April- Programm. Tauberts! Selma Wal lis! Willi& Wiwi! Sonntag 4 Uhr: Papas Seitensprung. Für den Jubalt der Juierate übernimmt die Redaktion dem Vublikum gegenüber teinerlet Verantwortung. Berantwortlicher Rebakteur: Alfrey Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. >-«"■>**»■ 2. KeilU des Joraärts" Kerlim öolblilatt. Arbeiter, Parteiangelegenheiten. Zweiter Wahlkreis, 4., 5. und 6. Aitciluug. MiltwoÄ, den 22. April, abends S'/j Ubr, in Habels Brauerei-Ausscbank. Bergmann- strafe 5/7: Mitgliederversammlung. Vortrag des Genosien E. Eich- Horn über:.Warumsind wir Sozialdemokraten?" Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der neuaufgenommenen Mitglieder, ersucht Der Vorstand. Eharlottenburg. Die Jugendsektion des Wahlvereins hält am Mittwoch, den 22. April, abends 8 s/z Uhr, im Volkshause. Rosinen- straße 3, ihre Versammlung ab. Vortrag des Genossen Ernst Reuter über„Militarismus". Alle jungen Partei- und Gewerkschaftsmitglieder im Alter von 18 bis 23 Jahren sind hierzu eingeladen. Tempclhof. Mittwoch, den 22. April, abends 81li Uhr, im Lokal .Zur Stadt Dresden", Berliner Str. 78: Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl deS Vorstandes. Wahl der Delegierten zur Kreis- und Verbands-Generalversammlung. Anträge. Verschiedenes. Mugliedsbuch legitimiert. Mohlsdorf an der Ostbahn. Der Wahlverein hält heute abend 8'/z Uhr seine Generalversammlung im Lokal des Herrn Anders, Bahnhofstraße, mit folgender Tagesordnung ab: Jahresbericht, Neu- wähl der Bezirksleitung, Rückblick auf die verflossenen Gemeinde- vertreierwahlen. Kaulsdorf. Morgen Mittwoch 8>/z Uhr im Lokal von Bobey am Bahnhos: Eptra-Zahlabend. Tagesordnung: Aufstellung deS Kandidaten zur Gemeindevertretung. Neuwahl der Bezirksleitung. Verschiedenes. Roseuthal. Heute Dienstag, 2l. April, abends 8'/z Uhr, im Lokal von Gust. Milbrodt. Walderseestr. 5: Mitgliederverlammlung. Tagesordnung: Ausnahme neuer Mitglieder, Bortrag der Genossin D o l tz s ch- Treptow über Rinderschutz, Wahl des ersten Vorsitzenden, Partciangelegenheilen. Zossen. Heute Dienstag, abends S'/zUhr: Flugblattverbreitung zu der am Donnerstag stattfindenden Versammlung. öerliner Nachrichten. Kontrollversammlunaen. Man hat uns mit bedeutungsschwerer Betonung vor- gelesen, daß„wieder" 431 Mannschaften des Be- urlaubtenstandes bestraft werden mußten— meist mit Haft!—. weil sie nicht rechtzeitig, nicht zu der richtigen Zeit oder überhaupt nicht zur Kontrollversammlung gekommen sind. Der die Versammlung leitende Hauptmann plädierte laut und lebhaft dafür, daß die— geradezu ungeheuerliche!— Zahl dieser Bestrafungen abnehmen müsse. Die schuld an den Versäumnissen weist er natürlich bis auf den letzten Tropfen den.Mannschaften des Beurlaubtenstandes" zu. sie liegt aber doch in erster Linie bei der Militär- b e h ö r d e und ihrer mittelalterlichen Art, die Zeit der Kontrollversammlungen bekannt zu machen. Die Bekannt- niachung erfolgt nämlich in dem großen Berlin an den Anschlagsäulen! Auf keinem anderen Wege! Da m u ß es einfach vorkommen, daß so viele Leute den rechten Zeitpunkt verpassen und nachher dafür brummen müssen. Zwar weiß jedermann, daß die Kontrollversamm- lungen Anfang März und Anfang November stattfinden. Ter Mensch ist doch nun aber nicht der Äontrollversammlungen wegen da, imdern hat seine Sorgen und seine Arbeit und kommt durchaus nicht immer Anfang März oder November auf den Einfall, die Anschlagsäulen nach Bekanntmachungen der Militärbehörde zu studieren. Dazu konimt aber noch, baß die Bekanntmachung der Kontrolloerfammlungen an vielen Orten durch die Zeitungen erfolgt, die Amtsblätter bringen sie als amt- liche Mitteilungen und die Parteiblätter drucken sie vielfach nach. In Berlin muß aber der Interessent trotzdem die amt- lichcn Bekanntniachungen an den Säulen studteren. um genau Zeit und Ort der Stellung zu erfahren. Woher soll ich als in Berlin Zugereister wissen, daß ich hier in Berlin die mili- tärischen Bekanntmachungen an den Anschlagsäulen zu suchen habe! Wenn's mir der Bezirksfeldwebel sagt, ist's zu spät, dann werde ich gleichzeitig bestraft I Das Bezirkskömntando weiß aber ganz gut, wie es an die einzelnen Leute ganz einfach und billig herankommen kann. Es stellt ihnen die Äriegsbeorderungen z. B. immer prompt durch die Post zu. Auf demselben Wege sollte es ihnen auch, da die Militärbehörde ja ganz allein Interesse daran hat. die Termine der Kontrollversammlu>getl über- Mitteln. Das läßt sich sehr einfach so machen, daß der Schreiber, der im März die neuen Kriegsbeorderuttgen be- stempelt, auch noch ciuen Stempel verwendet mit den Terminen der Aontrollversamnilung für das laufende Jahr und den fraglichen Jahrgang. Das Bezirkskommando muß doch am fünfzehnten März schon wissen, an welchem Tage des ersten Drittels im April die Kontrollversammlungcn statt- finden werden und kann sich im März auch schon einen solchen Termin für den November vor- nehmen......... Bei gutem Willen ist das zu machen! Die viereinhalb- hundert Strafen von drei Tagen oder einem Tage Haft kann das Bezirkskommando auf diese einfache Weise den.Mann- schasten des Beurlaubtenstandcs" schenken und sich und den versäumenden Mannschaften den ganzen Rummel an Vor- ladungen. Vernehmungen und Inhaftieren sparen, der bei der gegenwärtigen Praxis des Bezirkskommandos unvermeid- � Und wie die Kontrollvcrsammlung verlief? Kinder, Kinder. so spaßhast wie immer! Em btsonderer Clou war diesmal, daß die geborenen Bayern vo/ treten mußten, u.n an' den.König Ludivig den Dritten" vereidigt zu werden:„der Eid auf den Prinzregenten ist„ungültig" geivorden!" Ja. ja, man nimmt's genau. Am Ende läßt sich im Kriege ein .Gegner" abhalten, auf einen Bayern zu schießen, der nicht auf den König, sondern nur auf den Prinzregcnten vereidigt ist. Tie Komik dieser Situation belebte denn auch die Ge- sichter der anwesenden„Mannschaften des Beurlaubten- standes" mit sichtlicher Heiterkeit, die in einem beifälligen 'm! Rüstet Gemurmel zum Ausdruck kam. trotzdem man sich belästigt fühlte durch die unbedingt überflüssige persönliche Beorderung zu dieser Kontrolle, trotzdem man bedroht ward mit Schikanen für seine eventuelle Gesinnung. Na und diese Bedrohung! Auch sie wird ja allgemein als Lächerlichkeit, die sie ist, empfunden. Man soll sich nicht„sozialdemokratisch oder sonstwie revolutionär betätigen". Besonders istesverboten, hier amOrte der Kontrollversammlung durch Zeitungen. Flugschriften, Absingung von Liedern und ähnliches für die Sozialdemokratie Propaganda zu machen. Da ließ sich eine höchst gemütlich und zufrieden klingende Stimme aus dem Hintergrund ganz deutlich vcr- nehmen:„Ist ja hier auch gar nicht nötig, hier wählt alles stramm sozialdemokratisch, wir sind hier im Wahlkreise von Georg Ledebour!" Na eben! Und Kriegervereinspropaganda, die erlaubt, ja empfohlen ist— darf man doch ausdrücklich Kriegervereinsabzcichen anlegen, während alle anderen Ab- zeichen verboten sind—. hat da niemand getrieben. Dann stellte der Hauptmann noch fest, daß die meisten nicht auswendig wissen, wo sie am Mobilmachungstage anzutreten haben. Herr Hauptmann, das wird man sich dann schon innerhalb der drei oder fünf oder mehr Tage von dem roten oder gelben Zettel herunterlesen können! Auswendig sollen wir's wissen? Etwas anderes wäre mangelndes mili- tärisches Interesse? Was soll uns das militärische Interesse! Raufbolde sind wir nicht! Und mit einem Krieg rechnen wir nicht! Denken nicht dran! Wir denken nicht ans Sterben, wir denken an das Leben! » Aus Krolls Vergangenheit. Anläßlich des Abbruchs des Krollichen Etablissements in Berlin dürste folgende Notiz von Interesse iein, die im Jahre 1815 in der „Deutschen Eisenbahn", einem inzwischen eingegangenen sächsischen Blatte, erschien:„In Berlin veranstaltet Herr Kroll in seinem Garten abwechselnd italienische, chinesische und dergleichen Nachte. Es sind das Maskenaufzüge in entsprechendem Ge- wände, die jeglitber sittlichen Roheit und sinnlichen Bestialität bequem aum Teckmantel dienen, um den Gelüsten de» Fleisches zu frönen. Mit der tiefsten Entrüstung teilte un§ ein Augenzeuge darüber Dinge mit, so schamlos, so niedrig, so gemein, so viebiich, daß unsere Feder den gottlosen Skandal nur andeuten. nicht zu beschreiben vermag. Diese und ähnliche Feste werden unter den Augen und mit Bewilligung der Hohen Wohl- sahrtSpolizei gefeiert, derselben Polizei, die auf jeden freien Gedanken Jagd macht und in Jtzstein und Hecker, diesen sittlichen Größen, jüngst ganz Deutschland beleidigte I— In Berlin, in Preußen, wo soviel von christlichem Sinn und Wandel, von Kirch- lichkeit und von der äußeren Ordnung der Dinge geredel wird, gibt es da kein«.OeffeMliche Meinung", die ihre Stimme erhebt wider die Entwürdigung der öffentlichen Sitte? Wo stecken denn die hypersrommen Herren,- die sich die Diener Gottes nennen!. Ist unter der ganzen Legion keiner, der so viel Sittlichkeitsgefühl im eigenen Innern und so viel Mut hat, um mit Kraft und Würde gegen das Hereinbrechen öffenilickier Unzucht unter den Augen der weltlichen Mawt anzukämpfen, öffentlich mit allen Mitteln anzukämpfen, die der verhöhnten Menschheit zu Gebote stehen?—" Tie Verkehrsmisere in Grost-Berliu trat Sonntag wiederum lebhaft in die Erscheinung. Die Zahl der Klagen über die Unzulänglichkeit der heutigen Verkehrsmittel nimmt stänoig zu und die meisten Klagen sind nur zu begründet. Kinder und ältere Personen sind Sonntags auf den Vorortbahnen. Straßen- bahnen uiw. selbst in Begleitung anderer Personen den größten Ge- fahren ausgesetzt. Die Züge nach den belebtesten Vororten waren in den Abteilungen 2. und 3. Klaffe von früh bis abend gedrängt voll. Abends bei der Rückfahrt nach Berlin haben sich nach den uns beule gemachten Schilderungen wieder geradezu unbeschreibliche Szenen ereignet. Familien mit Fahrkarten 2. Klasse mußten stunden- lang auf Beförderung warten, wurden bei dem großen Gedränge auseinandergerissen, froh, wenn sie ein Plätzchen in der 3. Klasse erwischten und kamen schließlich einzeln mit großen Verspätungen daheim an. Die Staatsbahnen stehen mit ihren Maßnahmen zur Bewältigung deS Verkehrs hinter den Straßenbahnen und den Ho»- und Untergrundbahnen weit zurück. Es ist ganz unbegreiflich, wie inan das Publikum in einzelnen Wagen zusammen- pfercht, warten läßt, den Familien das Fahren verleidet und eine Menge Wagen auf der Anhalter, Wetzlarer u. a. Bahnen mit l. und 2. Klaffe leer laufen läßt. Den Beamten wird dadurch der Dienst ganz außerordentlich erschwert, den Fahrgästen das Ein- und Aus- steigen nicht erleichtert. Die meisten Unfälle auf Bahnhöfen sollen sich beim Suchen nach den Abteilungen ereignen. Weshalb man leine durchgehenden Züge mit offenen Plattformen zum Aufenthalt und mit nur einer oder zioei Klassen einrichtet, mögen die Götter wissen. Die Einnahmen wären größer, die Frequenz bedeutender, der Betrieb einfacher, die Unfälle geringer, die Klagen weniger und die Betriebsausgaben durch de» Fortfall leerlaufender Wagen keines- falls höher, eher kleiner, wenn sich die gepriesene preußische Eisen- bahnverwaltang zu einer durchgreifenden Reform auf dieiem Gebiet entfchließen würde, woran wir aber berechtigte Zweifel hegen. Tie Zustände in der Univerfitäts-�rauenklinik, an denen wir in letzter Zeit wieder mehrfach Kritik üben mußten, sind dem Leiter dieser Anstalt längst bekannt. Wir erfahren, daß schon im vorigen Jahre der Ehemann einer Frau, die mit der Klinik böse Erfahrungen gemacht hatte, eine schriftliche B e- schwerde an den Geh. Medizinalrat Professor B u m m richtete. Der Beschwerdeführer, ein Klempner N., teilt uns leider erst jetzt mit, wie es damals seiner Frau erging und welchen Mißerfolg seine Beschwerde hatte. Aber gerade die Tatsache des Mißerfolges veranlaß:« uns, auf jene Angelegenheit noch jetzt einzugehen, ob- wohl inzwischen nahezu ein volles Jahr verflossen ist. Frau N. wurde am 26. April>313, weil ihre Entbindung nahe levo:zustchen schien durck hren Ehemann um morgens in der Unive.siläls Frauenklinik sArtilleriestraße) eingeliefert, wo sie bereits Mitte Februar sich zur Ausnahme gemeldet und die übliche Einschreibcgebühr gezahlt hatte. Nach einer Wartezeit von zwei Stunden sagte ntan dem Mann, seine Frau könne dableiben, und er ging dann nach Hause, indem er die ihm auf seinen Wunsch aus- gehändigten Kleider der Frau mitnahm. An demselben Tage, nach- mittags um 2 Uhr, wurde er aus seiner Wohnung an das Telephon eines anderen Hausbewohners geholt mit dem Bemerken, daß soeben zur Maifeier! die Klinik gemeldet habe, er solle sofort die Kleidung zurückbringen, seine Frau sei— entlassen. Er wollte es nicht glauben und hielt es für ganz unmöglich, aber per Telephon bestätigte man es ihm, und als er selber zur Älinii kain, war jede Widerrede vergeblich. Es sei noch nicht soweit, sagten die Sachverständigen der Klinik. Für die Pflegekosten hatte er schon einen Vorschutz von 24 M. gezahlt, doch auch das schützte die Frau nicht davor, noch wieder weggeschickt zu werden. Im Bureau wollte man bei der Rückzahlung des Geldes ohne weiteres„einen Tag" Pflegekoften berechnen und 3 M. dafür abziehen, aber N., der damals arbeitslos war, erhob Einspruch und erreichte die Auszahlung des vollen Betrages. Um 3 Uhr konnte er aus der Klinik seine schwangere Frau wieder hinausführen. Da er aus ihrem Befinden schloß, daß die Entbindung sehr bald erfolgen müßte, so fuhr er mit ihr sofort nach einem Wöchnerinnenheim. Noch an demselben Tage, um Uhr abends, ging dort die Entbindung vor sich. Drei Tage später richtete N. an den Professor Bumm eine aus- führliche Beschwerde, in der er alle Einzelheiten und auch die Zeiten der Aufnahme in der Klinik, der Wiederentlassung aus ihr und des so bald erfolgten Eintretens der Entbindung genau angab. Er fügte noch hinzu, zu Frau N. habe nach ihrer Austiahmc in der Klinik ein sie untersuchender Arzt gesagt: Es sei noch nicht so weit, zwei bis drei Tage werde es noch dauern; sie solle nur noch mal nach Hause gehen und wiederkommen wenn es Zeit sei; hier sei kein Sanatorium, sondern eine Entbindungsanstalt. Auf diese B e- schwerde hat N. bis auf den heutigen Tag keine Antwort erhalten. Jetzt jährt sich der Tag, an dem Frau N. vergeblich darauf rechnete, daß in ihrer schweren Stunde die Universitäts- Frauenklinik ihr Hilfe gewähren würde. Vielleicht führt die öffent- liche Besprechung der Angelegenheit dazu, daß zur ersten Wieder- kehr des Geburtstages ihres Kindes der Herr Professor Bumm ihr die Freude macht, noch jetzt zu antworten und sich über das Ergebnis der doch gewiß von ihm damals sofort vorgenommenen Untersuchung zu äußern. Ob jener Arzt die ihm nachgesagten Aeußerungen so bestätigt hat oder nicht, ist nebensächlich. Der Kern der Beschwerde ist, daß die schwangere Frau noch zu einem Zeitpunkt wieder weggeschickt wttde, der knapp sechs Stunden vor dem Eintritt ihrer Eni- bindung lag. Möglicherweise ist in der Universitäts-Frauenklinik der Ueber- fluß an Schwangeren noch viel größer, als wir eS ahnen. Das würde ja dann manches erklären, was aus den ersten Blick unbe- greiflich scheint. Wir wiederholen unsere Warnung vor der Universitäts-Frauenklinik, in der wegen übergroßen Andranges von Ausnahmesuchenden solche Vorkommnisse möglich sind. Schwangere sollten diese Anstalt nicht zuerst, sondern höchstens zuletzt aufsuchen, wenn keine andere Anstalt ihnen Auntahme gewähren kann. Vom Zweckverband. linier dem Vorsitz des Oberburqernteisters Wermuth tagte gestern im Berliner.Rathause der Verdandsau-schuß von Groß-Berlin. Es wurden u. a. die beantragten Bau- ordnungen für die Gelände bei Dreilinden, in der Nähe des Bahnhofes Wannsee. sowie für einen Teil von Mahlsdorf. Rosenthal und Wittenau an der Industriebahn genehmigt. Ferner stimmte der Ausschuß der Verlängerung und Umlegung der Straßenbahnlinien 21, 55 und 94 sowie der Linie D nach Iteukölln und Britz zu.__ Gegen den Waldankauf. Die Haus- und Grundbesitzervcreine im Osten Berlins hat an den Magistrat eine Eingabe gerichtet, in der die Behörden ersucht werden, mit Entschiedenheit dafür einzu- treten, daß der Enverb des Wald- und Wiesengürtels unt Berlin(Grunewald) unterbleibt. Begründet wird der Antrag mit dem Hinweise auf den hohen Preis, den geringen Wert der Wälder, sowie auf die hohe Belastung der Steuerzahler infolge der großen Kosten, die aus der Erhaltung und Auf« forstung der Wälder erwachsen. Neuerungen im Stadt- und Riugbahubetriebe. Versuchs- weise sind auf einigen Bahnhöfen als Ersatz für die Hebel- Vorrichtung, an der kurz vor Eintreffen eines Zuges mechanisch durch einen„Arm" die Fahrtrichtung augezeigt tvird, elektrisch von der Blockstation aus bediente Anzeigeapparate aufgestellt worden. Sie tragen in Mannshöhe ein Uhrzifferblatt, auf dem der Zeiger die Fahrtrichtung und das betreffende Gleise angibt. Es können hier auch mehrere Züge, die zu gleicher Zeit einlaufen, signalisiert werden. Sicherer mag das ja sein. also Irrtümer beim mechanischen Aufziehen der Arme leichter ausschließen, aber praktischer sind wohl die weithin sichtbaren, bisher durch Bahusteigbeamte bedienten Arme, da das Ziffer- blatt natürlich nur auf kurze Entfernungen ablesbar ist. Einen Springbrunnen zum Trinken zeigt der baulich fast ganz erneuerte Ringbahnhof Landsberger Allee. Der Wasser- strahl springt fußhoch aus einer kleinen Metallschalc und fließt sofort wieder ab. Der Dursüge beugt sich über den Strahl, saugt das Wasser am, wozu einige Uebung gehört, und braucht den bisherigen Trinkbecher, der auf allen Bahn- Höfen wenig appetitlich aussieht und auch unhygienisch ist. nicht mehr zu benutzen. Viele Fahrgäste wissen freilich noch gar nicht, wozu diese neue Einrichtung eigentlich da ist. Beim Spazierritt vom Tode ereilt. Der Oberst Anton, Chef der Feldartillerieabteilung der Artillerie« Prüfungskommission, ritt gestern morgen in Begleitung seines Burschen im Tiergarten spazieren. Als er in die Nähe deS Hippodroms tarn, wurde er von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und stürzte, ehe es der ihn begleitende Dragoner verhindern konnte, vom Pierde herab. Der Bnrickie versucvte, seinen bewußtlos daliegenden Vor« geletzten auszulichten, hatte damit aber keinen Erfolg. Inzwischen sammelten sich einige Spaziergänger, die die Unfallstation am Zoolo« gistben Gatten in Kenntnis setzten. Als man mit dem Verunglückten auf der Unfallstation eintraf, stellte es sich heraus, daß Oberst Anton bereits tot war. Die Aerzte konstatierten, daß ein Herzschlag seinem Leben ein Ziel gesetzt hatte. Die Leiche wurde noch im Laufe de» Vormittags von der Unfallstation nach der Wohnung des Verstorbenen in der Prinzregentenstraße VS gebracht. Wie der„Lokal-Anzeiger" berichtet. Em gefundenes Freiien glaubte der„Lskal�Änzeiger" seinen Lesern durch folgende Notiz vorsetzen zu tonnen: „Ein ungetreuer GenossenichaftSkaisierer". Unter dem Verdacht. GenossenschaflSgelder unterschlagen zu baben. wurde der frühere Kaisierer Kappe der soz-aldemokratischen Baugenossenschaft„Ideal" rn Neulölln verhaftet. Wie wir hierzu erfahren, sollen die Unter- schlagungen zwei Jahre zurückliegen, wurden aber jetzt erst entdeckt. Eine vorläufige Prüfung der Bücher ergab eine Fehlsumme von zunächst 9000-SN. Der Verhaftete leugnet bisher jede Schuld." Zunächst sei festgestellt, dah von einer sozialdcniokra- tischen Genossenschaft keine Rede sein kann. Die Genossenichast „Ideal" rit durch ihren Grundbesitz in Britz in der dortigen Ge- meinde durch einen iozialdemolraiischen und einen konservativen Gcmeindcvertreter vertreten und vollständig neutral. Der vom Juni 19 1 2 bis November 1912 angestellte Buchhalter hatte nch eine Fäl- schung einer auittierten Rechnung mschulden konrmen lassen, die im Januar entdeckt wurde. Durch Ersatz der sehlenden Summe in Höhe von noch nicht 400 SN. wurde die Sache beigelegt. Mißtrauisch geworden, unterzog die Eeschästöleitung die fragliche Zeit der Bcschäf- tigung des Kampe fnichr Kappe) einer eingebende» Prüfung. Dabei stellte sich heraus, datz K. auch mehrere Obligationen zu tierschieben versucht hat. Da er aber die vorgeschriebenen Bedingungen nicht beachtete, kann die Genossenschaft kein nennenswerter Schaden treffen. K. sitzt zurzeit in UnlerstichmtgShast. Die Darlegungen des„Lokal-Anzeigers" sind also ungeheuerlich aufgebauscht._ Ei» trauriges Ende hat der frühere Ärankenkassenangestellt« Adolf Roth, zuletzt AinSstr. 25 wohnhaft, gefunden. Roth war seit Jahren schwer' nerpenleidend und litt zuletzt an Gehirnerweichung, so daß er in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte. Am Sonnabend ließ.er sich einen kurzen Urlaub geben, den er dazu benutzte, sich an einem Fensterriegel in seiner Wobnung zu erhängen. Roth hat in seinen: gesunden Tagen in eifriger Weise im fünften Kreise für unsere Sache gewirkt. Eine Bahtthofshyäne wurde gestern wieder einmal von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Sie verhanele den 28 Jahre alten, aus Weißensee gebürtigen..Koch" Ernst Mann, einen schon wiederhol: bestraften Menschen, der wieder einmal seinen, alten Ge- werbe nachging. Mann wurde von einem Beamten beobachtet, wie er auf dem Bahnhof Frisdrichstraße einem Zuge entstieg und mit einem zweiten Fahrgast, dem man den Provinzler gleich ansah, den Bahnsteig verließ. Heftig auf ihn einredend, schrill er mit dem Manne, den er sich als Opfer ousersehen hatte, durch die Friedrich- straße, um rbn in irgendein Lokal zu verschleppen. Hierzu ließ eS der Beamte jedoch erst gar nicht kommen, nahm den alten Sünder vielmehr gleich fest und die Vernehmung fernes Begleiter» ließ bald erkennen, was er mit diesem beabsichtigte. Er hatte ihn auf dem Lehrter Bahnhof ängeiprochen, ihn veralilaßt. sein Gepäck dort aus- zugeben und ihir zu begleiten, da er lohnende Beschäftigung für ihn hcÄe.' Es/ war■ Vie§ natürlich mir eine Ausrede des gefährlichen Äurfcheii.' um ihm bei Gelegenheit den Gepäckichem zu stehlen und deffen Sacken darauf zu erheben.' Bei dem Verhafteten iand man noch Pier Pfandscheine, darunter einen, der auf eine goldene Uhr laürete, die. wie festgestellt werden konnte, am 15. Januar d. I. in Frankfurt a. M. bei einem Goldwarendiebftahl gestohlen worden ist. Vorortnachrichten. Trevtow-Baumschulenwcg. Aufgelöste Jugcndversammlung. Ein neue» Blatt zu ihrem JHuhmeSlranze hat sich am Sonntag die Treptower Polizei verdient. Zu mittags l'/j Uhr war nach dem„GesellschaftShouS". Baum- fchulenweg, eine Jugendversammlung einberufen worden, die schon in der Einladung ausdrücklich als„unpolitisch" be- zeichnet wurde. alio einen Zweifel über den beab- fichrigten Charakter nicht ließ. Pieck- Steglitz sollte über da« Thema„Hinaus in» Leben" sprechen. An die 299 Jugendliche waren erschienen und warteten der Ratschläge für ihren Lebensweg. Draußen auf der Straße hüteten zwei uniformiert« Schutzleute den Eingang, drinnen wachten zwei in Zivil über das Wohlergehen der Jugendlichen. Kaum hatte der Einberufer Hernig die Versammlung eröffnet, sprang Wachtmeister Dietze aus und. fordert« von ihm die Entfernung der noch nicht IS Jähre allen Versammlungsteilnehmer, wozu natürlich für den Leiter keinerlei gesetzliche Ver- anlasiung vorlog, Borher hatte der Beami« zwar dem Einberufer eröffnet, daß seine Behörde die Bersamur- lung al» politische ansehe, worauf ihm aber auch vom Referenten versichert worden war. daß kein politisches Wort fallen würde. Folgerichtig hätte er jetzt erst abwarten müsse, ob sich fein Verdacht bestätigte. Den Fall schien aber seine Instruktion nicht vorgesehen zu haben und so fordert« er denn die Jugendlichen selbst zum Verlassen des SoaleS auf. Ll« diese aber auf doS ungesetzliche Verlangen nicht gleich reagierten, verkündete der Beamte dle Aus» lösung der Versammlung. DaS ist nun aber wieder' eine Maß« nähme, die im Gesetz keine Stütze findet. Im§ 14 des Reichs« Vereinsgesetzes sind ausdrücklich alle Möglichkeiten der Auflösung aufgezählt, diese aber ist nicht dabei. Der Herr Wachtmeister unterließ es deshalb auch, bei der AuflöfungSeltläiung den gesetzlichen Grund anzugeben, wie dieS vorgeschrieben ist. Da nun aber inzwischen die Uniformierten in den Saal gerufen wurden, wichen die Versammelten der Gewalt und zogen in den schönen Frühlingstag hinaus, um alsbald in einem Rachbarort ein« gastlichere Ställe zu finden, wo sie einer anderen Versammlung bei- wohnen konnten, die nicht mit rauher Hand von den Hütern des Gesetzes gestört wurde. Wenn dre Polizeibehörden oder rhre Auf- tpaggeber etwa glauben sollten, durch solch« Maßnahmen der auf- strebenden Arbeiterbewegung Abbruch zu tun. so irren sie. Jugend« liche, denen man in so greifbarer Weise beibringt, daß sie minderen Rechtes find, als die unter Leitung des Pfarrer« stehenden höheren Töchter und Söhne, die werden sich um so fester vornehmen, das herrschende Klassenunrecht später mit z» bekämpien. Wer Wind säet. wird Sturm ernten. Freilich Raubritter nach dem Beispiel einiger besserer Söhne werden diese drangsalierten ArbeiierjungenS und «Mädels auch dann noch nicht, wenn man ihnen, wie hier, die gmxn Lehren Erwachsener im Wege direkter Rede unzugänglich macht. Bris». In der Gememdevertrekerfitzung wurden zunächst die Wahlen für gültig erklärt und die neugcwähllen Gemeindeverlreter eingeführt. Dem SteuerauSichuß gehören u. a. die Genossen Gulschmidt und Eberhardt an. Alsdann beschloß die Gemeindevertretung die An- ichafiung eines Automobil« für die Feuerwehr. Bei der Begründung hierzu bemerkte Herr Tiedt. daß dieieS Automobil auch für die erste Hilisleistung bei Unglücksfällen. Erkrankungen usw. bestimmt und mit Tragbahre und Souerstoffapparot ausgerüstet werde. E» halte sich gezeigt, daß der Krankenwagen vom Krankenhaus nicht mit der erforderlichen Schnelligkeit zur Stelle sei. Dieses Eingeständnis de« Herrn T>«dt ist um io bemerkenswerter, al» derselbe noch vor drei Wochen in einer Preßfehde, die sich unter.Eingesandt' im hiesigen Onsblättchen anläßlich einer plötzlichen Erkrankung abspielte, umere Elnrichcungen in dreier Hinsichr direkt als erhaben hinstellte und jede daran geübte Kritik energisch zurückwies. Des ferneren gab der Bürgermeister bekannt, daß die chemi'che Fabrik Riedel aus Anlaß ibre» Jubiläum« der Gemeinde 5999 M. für wohltärige Zwecke zur Verfügung gestellt habe. Vielleicht empfiehlt e» sich, daß diese Summ«, zur Unterstützung für die gemaßregeltcn Arbeiter dieser Firma verwendet wird. Aus den werteren Verhandlungen wäre nur zu erwähnen, daß der eine der neugewählten Vertreter anläßlich eines Rosenverkaufes durch die Gemeinde sich gemüßigt fühlte, eine Lanze für den größten Steuerzahler im Orte, wie er ausdrücklich betonte, zu brechen und daß Herr Hülle, der sich später rektifizierte, bei der Bekanntgabe der neuen Poli.zeiverordnung über da« Hallen von Hunden für sein Tier bei der Uebertrening besondere Rücksichtnahme verlangte. Wie weit im übrigen da? sozial« Verständnis bei den bürger- lichen Herren geht, zeigt das Veriangen des Herrn Ullrich, die Ge- meinde solle Schritte umernehinen, daß im Orte eine Landlranken- lasse für die Dienstboten eingeführt werde. Wenn man bedenkt, daß der gegenwärtige Kassenbeilrag nur 86 und 48 Pf. beträgt, muß man dem Herrn eine nähere Sachkenntnis auf diesem Gebiete über- haupl absprechen. MahlSdorf an der OVah«. AvS der Gemeindevertretung. Zunächst wurden die neu- bzw. wiedergewählten Vertreter eingeführt. Der nächste Punkt betraf die andcrweite Festsetzung der LehrerorjSzulagen und der Amtszulage für den Rektor. Die Gemeindevertretung hat bereits zwei- mal beschlossen, den Lehrern eine Ortszulage von 699 M. zu ge- währen. Hiergegen hat die Regierung Einspruch erhoben. Sie will nur 529 M. anerkennen und Mahlsdorf mit Neuenhagcn gleich- stellen. Diese Auffassung wurde allseitig für unhaltbar erklärt. zumal die Regierung in anderen Orten von gleicher Größe wie Mahlsdorf die Gewährung von 699 M. gutgeheißen hat. Es wurde einstimmig beschlossen, bei dem früher gefaßten Beschluß zu be- harren. Beim Punkt: Inanspruchnahme der den Gemeinde- angestellten zustehenden Krankengelder, wurde von unseren Ge- nossen aus die eigenartige Praxis der Niedar-Barnimer Krankenkasse hingewiesen, die für die Kranken außerordentliche Schwierig- keiten mit sich bringe. Es sei auch nicht besonders sozial gehandelt, wenn man den Angestellten und Arbeitern die paar Pfennige Krankengeld vorenthalten wolle. Man solle ihnen, diesen Betrag ruhig belassen, zumal im Krankheitsfall« immer erhöhte Ausgaben entstehen. In diesem Sinne wurde beschlossen. Beim Punkt: AuS, Wahl eines BegräbniSplatzproMeS platzten die Gemüter heftig auf- einander. Ter HauSbentzervartei und ihren Freunden war es gelungen, die Frage der Errichtung einer Leichenhalle fast zwei Jahre hinzuziehen. Als sie gar keinen anderen Ausweg mehr wußten, kamen sie mit ganz neuen Projekten, und dieses Manöver wollte einer der ihrigen jetzt noch einmal wiederholen. Der Kamps drehte sich um ein Projekt, welches die Gemeindevertretung an- läßlich eines Preisausschreibens angekauft und ein Prckjekt, welches Herr Bartsch angefertigt hatte. Erste res soll etwa 39 999 M. kosten. Letzteres ist zwar etwas billiger berechnet, da aber noch verschiedene Veränderungen daran vorgenommen werden müssen, so dürften die Kosten ziemlich gleich hoch sein. ES ist eine Irreführung der öffent- lichen Meinung, wenn in der„Mahlsdvrfer Zeitung" behauptet wird, das Proiekt Bartsch koste nur 18 759 M. TaS dürften un- gefähr die Kosten für den Rohbau sein. Herr Bartsch hatte selber sein Projekt etwa 4999 M. teurer berechnet. Schließlich wurde mit 9 gegen 9 Stimmen beschlossen, das von der Gemeinde angekaufte Projekt zur Ausführung zu bringen. Für die Umzäunung des Friedhofplatzes wurden 4599 M. und sür gärtnerische Anlagen 4999 Rlark bewilligt. Einschließlich 5999 M. für. Pflasterzwecke in der Berliner Straße, soll eine Gesamtanleihe von 45 999 iM..zu iü Proz. Zinsen und 2 Proz. Tilgung aufgenommen werden. Zum Schluß kam noch das eigenartige Verhalten de« Herrn Dr. Fvrgber-Äcrulsdorf zur Sprache. Dieser Herr hatte es ohne jeden Grund abgelehnt, mit der Mahlsdorser Gemeindekrankenpslegerin zusammenzuarbeiten. Aus eine diesbezügliche Anfrage des Gemeindevorstehers erfolgte eine recht unhöfliche Antwort, aber keine Angabe von Gründen. Als der Gemeindevorsteher dann in der „MahISdorfer Zeitung" auf diese Ding« aufmerksam machte und daraus hinwies, daß die Patienten in bezug auf Krankenpflege selbst zu wählen hätten, erließ Herr Dr. Forgber eine ganz patzige „Bekanntmachung", die darin auSklang, daß die Kassenpatienten sich seinen Anordnungen zu fügen hätten. Unsere Genossen Schu- mann und Schmidt unterzogen das Verhalten dieses Herren einer scharfen Kritik, und e« wurde ein Beschluß in diesem Sinne mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Hoffentlich befaßt sich auch der Vorstand der Allgemeinen Krankenkasse in Berlin mit dieser Angelegenheit. Marienfelde. I« der letzte» Gemeindevertretersttzung wurden zunächst die neugewählten Vertreter, der zweiten und dritten Klasse eingeführt. Der Antrag des Gemeindevorstehers, sein Grundgehalt von 6999 Mark auf 8599 M. zu erhöhen, wurde gegen die Stimme des Rittergutsbesitzers Kiepert abgelehnt. Ter Vorsteher begründete seine Gehaltsforderung mit den teueren Lebensverhältnissen und ver hohen Wohnungsmiete. In den zwei Jahren seiner Tätigkeit in Marienfelde hätte er schon 8999 M. zugesetzt. Dem Gemeinde- baumeister wurde eine DienstauswandSentschäoigung von 699 SR. bewilligt, allerdings nur mit 6 gegen 5 Stimmen. Sein Gehalt beträgt somit 5199 M. Der Etat balanciert in Einnahm« und AuS. gäbe mit 1 474 000 M. Als Gemeindesteuern sollen von 429 M. Einkommen ab 119 Proz. erhoben werden. Die Gewerbesteuer in der ersten und zweiten Klasse beträgt 225 Proz. und in der dritten und vierten Klasse 189 Proz. Ms Erundwertsteuer sollen 3 M. pro Mille deS bebauten und unbebauten Grundbesitzes erhoben werden. 'liieder-Tchöneweide. In der Generalversammlung deS WahlvereinS erstattete Genosse F. Boß den Jahresbericht. Die größie Arbeit babe die Gemeinde- vertreterwabl erfordert, die der Partei auch zwei neue Sitze im Gemeindeporlament einbrachte, so daß jetzt drei Genossen zum Wohle der Allgemeinheit dann tätig seien. Der Mitgliederbestand habe sich infolge der regen Agitalion in der Roten Woche um 62 Genossen vermehrt. Er beträgt«xrzeii 885, davon 77 weibliche. De« weiteren wurden 85 neue.BorwärtS"leser gewonnen. JnSgesami find jetzt 499 Abonnenten am Ort. Ter hierauf vom Genossen Frasiei er- stattete Kassenbericht weist eine JahreSeinnahme von 1299.97 M. eine Ausgabe von 1272.92 M. auf. Die Wahl de« Vorstände» und der Funktionäre zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Borsitzender Frassek. 2. Reimann. Kassierer Rietz. Schriftführer G. Kersten. Beisitzer Debmel, Lutz und Genossin Radzuweit. Zu Bezirksführern wurden v. Frank für den 1. Bezirk. Seedorf 2. Bezirk. Saewe 8. Bezirk. Riemai» 4. Bezirk gewählt. Die Wahl de« BeziikSführerS für den 5. Bezirk mußte noch zurückgestellt werden. Die Beschweidekommission besteht aus Olsen. Kienast und O. Gehrt. Zu Revisoren wurden Bonakowski. Brandt und Saqert. in den Jugendausschuß F. Müller. zum Bibiiolbekar Hauck. in die BibiioibekSlommüsion Debmel. Lutz und die Genossin Radzuweit. zur LandagilationSkommission Weiß- schnür. Soger,, varschall und Fr. Stein gewählt. Genosse Boß schloß die gut besuchle Bersommlung mit der Bitte on die Genossen. sich an den Parteiarbeiten nach wie vor recht rege zu beteiligen. Votsda«. In der letzten Stadtverordneten sidung wurde der zum besolde- ten Stadtrat gewählte bisherige MagistratSasseffor Lipphardt in sein Amt eingeführt.— Der Neubau der Obcrrcalschule wurde entsprechend der Magistratsoorlags beschlossen und die errorder. lichen Mittel hierzu bewilligt. Für den Bau steht das zwischen der Behlert« und der Buragrasenstraße gelegene, rund 7799 Quadrat- Meter große Grundstück zur Verfügung. DaS zwischen diesen Bau- platz an der Neuen Königstraße belegen« S7S Quadratmeter große Haeckelsche Grundstück soll ebenfalls angekauft und zwischen der Schul« und der Neuen Könjgstraße eine Schmuckanlage geschaffen werden. Die Kosten stellen sich auf rund 685 999 M.. außer den nötigen Jnventarien. welche vorauSsichllich zum Teil von der jetzigen Oberrealschule übernommen werden.— Der Handfertig» keitSunterricht an der Hilfsschule für schwachbegabte Kinder soll einen größeren Ilmfang erhalten, um dadurch eventuell diesen Kindern später durch Fingerfertigkeit Gelegenheit zu geben, sich ernähren zu können.— Ter Rittwoch-Wochenmarkt soll nach dem Bassinplatz verlegt werden und sollen fest abgegrenzte Marktstände geschaffen werden. Ter Pächter will dafür 2999 M. Pacht mehr zahlen. Ein Beschluß wurde hierüber noch nicht gefaßt.— Die Zänkersche Badeanstalt in der Brandenburger Vorstadt ist seitens de« Magistrats an den Schwimmklub 1993 zum Preise von 699 M. verpachtet worden, lieber diese Maßnahme des Magistrats sind die Stadtverordneten verwundert, weil beim Ankauf dar Zänkersche« Badeanstalt beschlossen worden ist. eine Volksbadeanstalt daselbst zu errichten.?ln den Vertrag ist jedoch nichts mehr zu ändern, Und da er nur auf ein Jahr geschlossen ist, verlangen die Siadtväter. daß sie im nächsten Jahre vor Erneuerung des Vertrages erst ge» hört werden. Die Badeanstalt steht natürlich auch unter der Lei- tung des Schwimmklubs der Allgemeinheit zur Verfügung. Di« Preis« sind niedrig bemessen und soll den Schülern der Gemeinde- schulen der Schwimmunterricht unentgeltlich erteilt werden.— Die Firma Reichner u. Sohn in Potsdam hat an den Magistrat ein Schreiben gesandt, das an Tummdreistigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Für die städtisch« Sparkasse wurde ein Geldschrank benötigt. Außer anderen auswärtigen Firmen war auch die PotS- damer Firma Reichner u. Sohn aufgefordert worden, einen Kosten- anfchlag«t machen. Mjr Angebot betrug 1300 M., das niedrigste 799 M. schließlich änderten sich die Verhaltnisse, und es wurde ein anderer Schrank, welcher den anfangs beabsichtigten unnötig machte, angeschafft. Lieferant war eine auswärtige Firma. Ms das die Firma Reichner u. Sohn erfuhr, richtete sie ein langes Schreiben an den Magistrat, in welchem sie sich über diese Handlungsweise bitter beschwert. Die Firma teilt unier anderem mit. daß sie be- schlössen habe, sämtlich« Sparguihaben ihrer Familienangehörigen bei der städtischen Sparkasse abzuheben. Auch habe sie ihre bei ihnen beschäftigten Leute veranlaßt, ihr Geld von der städtischen Spar- lasse abzuheben und anderStvo unterzubringen, denn wenn man zum Stcuerzahlen gut genug sei, dann müsse man auch Arbeit per- langen können. Die Firma müßte im Rathaus vertreten sein und dann müßte die Arbeitslosenfürsorgc auf der Tagesordnung stehen. Tie letzte Wahlvereinsversammlung nahm zunächst die Gc- nossen und Genossinnen auf, die während der„Roten Woche" ze- Wonnen worden waren. Insgesamt wurden 129 Aufnahmen vollzogen. Todann erstattet- der Kassierer den Kassenberickiv vom 1. Quartal 1914. Einer Einnahme von 398,59 M. stand eine Ausgabe von 187,43 M. gegenüber, so daß. ein Bestand von 121.9? Mark vorhanden war. der der Kreiskaffe zugesandt wurde. Um ein« bessere Uebersicht über den Bersammlungsbesuch zu haben, wurde daö Einrühren einer Präsenzliste beschlossen, welche während der Versammlung herumgeht und in die sich vi« einzelnen Genossen und Genossinnen eintragen sollen. Wer längere Zeit die Versamm- lungen nicht besucht, soll dann eine Aufforderung zu regerem Ver» sammlungsbesuch erhalten. Ferner wurde der Geschäftsbericht über das abgelaufene Jabr erstattet. Hiernach zählte der Wah'verein am Schlüsse des Geschäftsjahres 457 männliche und 78 weibliche Mitglieder. Zu Versammlungen stehen wie.bisher zwei Lokale, zur Verfügung.— Hierauf wurden die Genossen Staab. Wolter..Haus. mann und Diener in die Zeitungskommission gewählt. Beschlossen wurde ferner, als ersten Punkt der nächsten Versamm'ung die- Hauskassierung zu beraten. Vom Vorstand sollen entsprechende Vorschläge gemacht werden. Außerdem sollen die nächsten' Zahl- abende sich mit dieser Materie beschäftigen..-- SiowaweK.----- Mit der Einführung der Berufsvvrmuudschaft beschäftigte sich die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung. Obwohl die Finanzkommission die Einführung empfahl und für das Amt eine geeignete Person in Vorschlag brachte,{am doch kein definitiver Beschluß zustande, weil von einzelnen Rednern die Zweckmäßigkeit einer solchen Neuerung angezweifelt wurde. Um nun über daS Wesen und die Bedeutung der Berufsvormundschaft einigermaßen Klarheit zu schaffen, soll über dieselbe in der nächsten Sitzung ein Vortrag gehalten werden, für den ein hiesiger Vormundschaft?- richter in Aussicht genommen wurde. Eine längst ersehnte Berkehrsverbeflerung wird der neue Fahr- plan der elektrischen Straßenbahn bringen, indem vom 1. Mai ab statt de? bisherigen 15-Minuten der 7 �-Minu ten-Verkehr zwischen unserem Ort und der Stadt Potsdam zur Einführung gelangt. Die Abfahrtszeiten sind wie folgt festgesetzt: Ab Potsdam Kaiser» brücke 6.96. 6.13. 6.21, 6.28. 6.36, 6.43, 6.51 usw. bi« 9.21 abend«; ab Nowatves Plantagenstraße 6.29, 6.31, 6.38. 6.46, 654, 7j0l usw. bis 9.46 abends. Von 9.21 abends bis 1036 ab Kaiscrbrücke und von 9.46 bis 19.54 ab Plantagenstraße RaraweS verkehren die Wagen nur viertelstündlich. Der erste Frühwagen von Potsdam fährt nur bis zum Rathaus NowaweS. Gitzmlgstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Weidensee. DienSlagnachmillag 5 Uhr im Rathause, Albertini- straße«. HermSVorf bei Berlin. Heut«, den 21. April, abends 6 Uhr, in Gemeindehaus...■ Ties« Sitzungen find öffentlich. Jeder Gemeindemigehörige ist berechtig«, ihnen al» Zuhörer beizuwohnen. Gerichtszeitung. Münzfälschung. Ein Münzfälscher, dessen Treiben durch einen Zufall zur Kenntnis der Behörde gekommen war. hatte sich gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts III. welches unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors S ehm e r gestern eine neue Tagung begann, zu verantworten. Aus der Untersuchungshaft wurde der Schmied Karl Klammer vcrgeführt, um sich wegen Münzverbrechens zu verantworten.— Der schon wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte, wurde ein:« Tages Ende November vorigen FahreS dabei abgefaßt, �wie er einen Schokoladenautomatei, ausbrechen wollte. Er wurde sestgenommm, und nachdem man festgestellt hatte, daß er»n der Weserstraße in Lichtenbirg wohnte, wurde ein Kriminalschutzmann beauftragt, in der Wohnung des Angeklagten eine Haussuchung vorzunehmen. Diese hatte em überraschende« Resultat. Statt der vermuteten ge- ttoblenen Schokolade wurde von dem Beamten eine gut eingerichtet« Falschmünzerwertstatt vorgefunden. Der Beamte konnte zahlreiche falsch« ü; 1- und 5-Markstücke beschlagnahmen, die der Angellaote mit Hilfe eines neuen, bisher von Falschmünzern nicht angewcnoe- tcn Verfahrens hergestellt hatte. Die Stücke waren, wie der Sach. verständige, Obermunzwardcin Mitteinann, vor Gericht bekundete. so gut hergestellt, daß eine Täuschung ohne weiteres möglich war. Der Angeklagte war zur Zeit der Tat arbeitslos. Seine Frau sah ihrer Niederkunft entgegen. Er war vor Gericht geständig, bestritt aber, die Falsifikate in de» Berkehr gebracht z» habe». Die Geschworenen bejahten nur die Schuldfrage nach versuchte« Münzverbrechen. Der Staatsanwalt beantragte 9 Monate Gesang- niS. Das Gericht erkannte aus 6 Monate Gefängnis unter An- rechnung von zwei Monaten der Untersuchungshaft. Au» dem ,.Sparia"-Pr»»est. In dem„Sparia"-Prozeß wurden an den letzten beiden Sitzungstagen die eigenartigen Geschäftsprinzipien erörtert, die Herr August Hübuer, der Dirigent de» von der Staatsanwaltschaft al» großer Schwindel behandelten Unternehmens in den einzelnen Abteilungen desselben beiolgte. Diese ganzen Abteilungen waren überhaupt nur eingerichtet, um den TarlahnSsuchern, hi«« als Mitglieder und„Abonnenten" der„Sparia" mit Hilf» der 90 für ihn tätigen Agenten einzulangen suchte, in den Glauben zu per- setzen, daß sie alle möglichen wertvollen Vergünstigungen durch diese» Abonnement erlangten, wahrend diese angeblichen Ver- günftigungen gleich Null waren. Der Jahresbeitrag hat mehrfach cjjBedjfelt; er betrug eine Zeitlang IS M. pro Jahr, später 10 M., wobei die Leute, die die Beitrittserklärung unterschrieben, in dem Irrtum belassen wurden, daß ein dreijähriges Abonnement 10 M. koste, während jährliche Zahlung von 10 M. beansprucht wurde. Tie Abonnenten kamen auch durch die Bestimmung in eine schwie- rige Situation, daß stillschweigende Verlängerung auf drei Jahre vorgesehen war, falls der Abonnent nicht sechs Monate vor Ablauf der ersten drei Jahre durch eingeschriebenen Brief kündigte. Den Mitgliedern war unter anderem auch„kostenlose Auskunflerteilung in Patentsachen" als Lockspeise versprochen, und auch damit hat Hübner eine ganze Anzahl Mitglieder gewonnen, die da glaubten, ihre Erfindungen günstig verwerten und durch die„Sparta" Bar- mittel in die.Hände kriegen zu können. Sie hatten sich gründlich getäuscht, denn die„Patentabteilung für In- und Ausland. Finanzierung von Patenten" war der reine Humhug und von Kosten- losigkeit war auch keine Rede. Die„Sparia" war ganz außerstande, Patente zu verwerten. Hübner hatte in diesen Tingen gar keine Sachkenntnis und keine zweckfördernden Verbindung:». Eine Zeit- lang stand die„Sparia" in Verbindung mit dem„Internationalen Patcntbureau Laura Winter" in Hannover, dessen jetzt mit auf der Anklagebank sitzende Inhaberin zugleich Massage. HeiratSver- Mittelungen und dergleichen betreibt. Dieses„Internationale Patentbureau" hat Leute, welche Verwertung von Erfindungen an- strebten, dahin öeschieden, daß sie augenblicklich eine Verwertung für die fraglichen Erfindungen nicht habe, aber die Kommandit- Gesellschaft„Sparia" empfehlen könne, die sich für Neuheiten stets interessiere und diese ihren„600 Vertretern" zur Verwertung übergebe. Laura Winter hat dann die betreffenden Personen zum Beitritt zur„Sparia" mit einem Jahresabonnement von 15 M. bewogen, ohne daß deren Hoffnungen und Erwartungen erfüllt werden konnten. Da wollte eine Wilwe ihren patentierten„Milch- kocher", eine junge Tame ihr Dhistcrschutzrecht auf eine„Sicherheitsnadel" verwerten, ein Tischler hatte einen„Fahrradregen- schirm" erfunden, den er patentieren lassen wollte, ein anderer wollte ein Gebrauchsmuster auf ein Karussell herausbringen, ein Arbeiter hatte einen„Streichholz-Tpar-pparat" erfunden, ein Lehrer wollte ein Patent auf„RricgSspiel« für Offiziere und Unteroffiziere" verwerten, ein Handlungsgehilfe trachtete nach einem Gebrauchsmuster für einen„Fingerring", ein Techniker hatte einen„SicherheitSriegel", ein Tischler eine„selbsttätige Eisenbahnkuppeluug" erkunden usw. usw. In den meisten dieser Fälle haben die glücklichen Erfinder die Mitgliedsbeiträge bezahlen müssen, ohne eine Gegenleistung zu empfangen.— Äehnlich soll es mit den Versprechungen auf„kosten« lose Rechtsauskunft" und„kostenlose Äreditauskunst" gewesen sein. Versammlungen. Verband der Brauerei- und Mühlenarbetter. Die Zahlstelle Berlin hielt am Sonntag ihre Generalversammlung ab. Hodapp gab einen Ueberblick von den im letzten Quartal er- ledigten Verbandsangelegenheiten. TaS Quartal stand völlig im Zeichen der abgeschlossenen Tarifbewegungen, von der der Rc- ferent eine eingehende Darstellung gab. Zurzeit sind Tarifverhand- lungcn mit 5 tarisfreien Brauereien im Gange. Einige aus der Versammlung gestellte Fragen beantwortete der Referent. Ein Flaschenkellerarbeiter erklärte, daß seine Gruppe bei dem Tariiabschluh schlecht abgeschnitten habe. Ferner erhielten in der Löwenbrauerei die Arbeiter statt des ihnen zustehenden halben Liters nur 0,4 Liter. Auch würden noch immer keine Wasser- dichten Schürzen geliefert, die die Arbeiter so notwendig brauchton. Ueber die Brauerei Merks. Zossener Straß«, wurden bittere Klagen vorgebracht, da dieser Betrieb zwar den Tarif unterzeichnet hat. denselben aber in keiner Weise einhält, sondern auf das schärfste den Herrenftandpunkt herauskehrt. Im übrigen kam eine allae» meine Unzufriedenheit mit den Ergebnissen deS ZärifabschlusjeS zum Ausdruck. Von feiten der Tarifkommission wurde hierauf erwidert, daß die Klagen zu verstehen seien, aber an den Ver- Handlungsteilnehmern liege daS nicht. Im Schlußwort ging der Referent aus alle angeschnittenen Fragen ausführlich ein. Der Kassenbericht zeigt folgendes Bild. Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 31 OS4,1S M. Di« Lokallkasse hatte eine Ausgabe von 8255,34 M. und eine Einnahm« von 3429,13 M., fo daß eins Mindereinnahme von 326,16 M. zu verzeichnen ist. Für llnierstützungSzwecke wurden insgesamt 23 040,20 M, ausgegeben. Hierauf referierte T r ü g e r über Aufgaben und Zusammen. setzung deS EinigmigSamts. Soweit das EinigungSamtsstatut ver- ändert worden ist. sind nur Verbesserungen zu verzeichnen. Tie Versammlung sprach sich für das Statut auS, ebenso für den Vor- schlag, die Mitglieder de« CinigungSamts in einer einzuberufenden Bertrauensmännerveriammlung zu wählen. Sodann wurde die Ausstellung der Kandidaten zum Verbands- tag vorgenommen. Schulte berichtete Im Anschluß hieran, daß die Grenz- streitigkeiten mit dem TranSportarbelterverbande durch ein ein- gesetztes Schiedsgericht dahin geregelt sind, daß das Fahrpersonal auS den Brauereien und Bierniederlagen, soweit sie von Brauereien geleitet werden, und Mineralwasserarbeiter, die in Brauereien beschäftigt sind, dem Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiier angehören. /lus aller Welt. Der Zoll öerlluer« Noch einer dem Anwalt der in Rußland gefangen gehaltenen Luftschiffer. Dr. Aßmann. zugegangenen Mitteilung soll die G-richtS- Verhandlung gegen Berliner und Genossen bereits am Z0. April und zwar nicht in Kasan, sondern in Perm statifinden. Die letzten Meldungen über den Prozeß lauten für Berliner sehr ungünstig. Danach sollen die Ballonimässen ein Tage- buch geführt haben, in dem steht, daß die Lustichiffer an der rusfisckcn Grenze Ballast über Bord geworfen und den Ballon in die Höhe getrieben haben. Auch soll das Ueberflicgen der Festung Dünaburg verzeichnet worden sein. Auf die Schüsse hin seien sie nicht sofort niedergegangen, sondern weiter geflogen, obgleich ihnen die Bor- schriften Rußlands über die Lustschiffahrt als Mitglieder des deutschen LuftfahrerverbandeS bekannt sein mußten. Auch soll ein mili- tärischeS Brie ftaubenpo st- Reglement an Bord ge- iunden worden sein. Kurz und gut, eS wird behauptet, daß die in Rußland gefangenen Lustichiffer bei ihrer Fahrt über die russische Grenze sträflich leichtsinnig gehandelt haben. Der Herr Polizeichef. Diesmal ist Galizien an der Reihe. Dort hat man in Lem- b e r g in dem Chef der Bahnhofspolizei den Bock zum Gärtner gemacht. Gegen den Herrn, Jakob LhfakowSki be- namset, schwebt ein Strafverfahren wegen MißbrauchS der Amtsgewalt und Richtrückgabe der den Dieben abgenommenen Güter. Der Poltzeichef war lange Jahre ein lüchtiger Beamter, der scharf hinter den Bahnhossdieben her war. Rur die ein« unangenehme Eigenschaft hatte er, daß er das den Spitzbuben abgejagte Diebes- gm nicht ablieferte, sondern seelenruhig im eigenen Haushalt verbrauchte. So hat er beispielsweise mit den seit zehn Jahren im Bahnbetrieb gestohlenen Kohlen feine Privat- Wohnung geheizt._ Untergang einer französischen Alscherbark. In der?!ähe der französischen Küste, bei D o u a r n e n e z. ist während eines Sturmes die Fischerbark„Claude Bernard" mit Mann und Maus untergegangen. An Bord des Schiffes befanden sich elf Mann. Man erfuhr erst von dem Unter- gang des Schiffes, als die Trümmer desselben an daS Land trieben. Schreckenstat eines Geisteskranke«. In der westpreußischen Ortschaft Kaminitza-Mühle hat der Gutsbesitzer Ludwig Kraffl seinen sieben Jahre alten Sohn und seine vier Jahre alte Tochter mit einem Beil geköpft. Die Absicht, auch die übrigen fünf Kinder zu ermorden, wurde dadurch vereitelt, daß sich Krafft seine eigen« linke Hand mit dem Beile abschlug. Anscheinend handelt es sich um die Tat eines Geisteskranken. Schweres Bootsunglück. Wie aus T o u l o n gemeldet wird, fand ein Fischer in einer Bucht ein Boot, in dem ein Päckchen mit mehreren hundert Frank und Schmucksachen lag. Die Untersuchung ergab, daß daS Päckchen einer Halbweltdame namens Celine Roulin gehört. welche am Sonnabend in Gesellschaft der Leutnants der Kolonial- infanleri« S o u ch s t und Lenormand und eines jungen Touloner» namens C e f f e l vom Fort Colle-Noire nach Toulon zurückkehren wollte. Bei dieser tollkühnen Fahrt sind alle vier Insassen des Bootes zweifellos ertrunken. Armut im Geiste. Eine Gläubigkeit, wie man sie nur noch in den entlegensten Gebieten vermuten sollte, wurde in einer Gerichtsverhandlung in Köln nachgewiesen. Dort schwindelten zwei Frauenzimmer, von denen die eine, wie ein Pastor in der Verhandlung aussagte, durch thr frömmelndes Wesen fein besondere« Vertrauen besessen habe, einer frommen Mitichwester vor. sie müsse für ihr Seelenheil e t n wohltätiges Werk tun. Di« um ihr Seelen- heil besorgte Frau opferte denn auch aus ihrem Lebensmittelgeschäft reichlich Waren„für die JeiuitenpaterS". doch ließen sich selbstredend dl« besten Schwindlerinnen die Leckerbissen selber schmecken. Um mehr zu bekommen, erzählten die beiden Frommen ihrem Opfer. die JeiuitenpaterS hätten herausbekommen. weshalb ihr Geschäft nicht floriere. Sie müsse ein großes Opfer bringen, damit eine Sünde ihres ManneS„ausgelöscht" werde. Das genügte, um der stammen Geschästs- inhaderin für einiae hundert Mark Baren wie Spargel, Eier. Bern usw. abzunehmen. Schließlich hatten die beiden stamm« Menden Schwindlerinnen ihr Opfer so weit, daß die Frau ihnen eine Sparbüchse übergab und alle paar Tage, was sie erübrigen konnte» ihnen zustellte. Wenn sie die paar Mark brachte, sah sie dann, wie die beiden Frauen, die Speisen verzehrten, die den JesuüenpaterS als„Opfer" zugedacht waren. Das fiel auf die Dauer selbst diesem einfältigen Gemüt aui. und so kam der Schwindel vor Gericht. Es war keine beneidenswerte Rolle für den katholischen Pfarrer Becker in Köln-Sülz. als er seine beiden „Marienkinder", die er wegen ihrer Frömmigkeit so warm empfohlen hatte, auf der Anklagebank wiedersah. Sicher wird er sich m seiner nächsten Predigt als Text die Verheißung der Selig- ket: für die Armen im Geiste wählen. Kleine Notizen. Schweres Automobilunglöck. Auf der Chausiee Suhl- Schmiede- f e l d platzt« an einem Automobil, das eine Probefahrt machte, an einer scharfen Kurve ein Reifen und der Wagen schlug um. Zwei Insassen, der Fabrikmeister H e r t i g und der Monteur Roller. erlitten bei dem Sturze fo schwere Verletzungen, daß sie bald darauf starben. An der«arvktimischcn Käste aufgelaufen. Ein deutscher Dampfer, dessen Raine unbekannt ist, ist in der Rächt zum Sonntag an der urarokkanischen Küste bei B e n z u auigelaufen. Das spanische Kanonenboot„Loya" und andere Kriegsschiffe sind zur Hilfeleistung abgegangen, denn da« deutsche Schiff soll von Eingeborenen angegriffen worden fein. Der schleichende Tod. Auf dem Hochofenwer! der Friedrich- Wilhelm-Hütte bei Mülheim a. R. wurden zwei Arbeiter, die sich in der Nähe des Hochofens zum Schlafen niedergelegt halten, durch ausströmende Hochofengase vergiftet. Die sofort an- gestellten Wiederbelebungsversuche waren bei dem einen Arbeiter erfolglos, während es bei dem anderen gelang, ihn wieder ins Leben zurückzubringen. TvdeSsturz eine« französischen Fliegers. Auf dem Flugplatze von A l l e l i ck in Algier ist der franzosische Flieger E h r m a n n be» Sturzflügen a la Pegoud aus 800 Meter Höhe abgestürzt. Ehrman wurde tot unter den Trümmern seines Flugzeuges hervor« gezogen. Waldbrände. In der B e r g i s ch- und Siegoegend eni- standen am Sonntag mehrere Waldbrände. An den Bergabhängen d«S SchmehzbachtaleS brannte eine große Waldpartie ab. Die Feuerwehren der anliegenden Ortschaften hatten große Mühe, ein Ueberspringen deS Feuers auf die Dörfer zu verhüten. — In der Gegend von Remscheid wurden l 0 0 0 fünf» zehnjährige Tannen vernichtet. Di« Ursache der Brände ist unbekannr._ LSttternngSSbersstb« vom 20. April 1914. Etattonen Sffimemve. Hamburg Berlin Franst. a.M München Dien 2°' iE h gl 773 Still 773 SO 7720 770 RO 770«0 77ZRRO Wetter jwolken! l woilen! t-woltenl ! wolkeiü Awolkenl Zwolkenl »St d* -ill =» II Ü 19 10 6 S Wettcrvrognoke kür Dienstag, de» 21. April 1914. Trocken und zunächst noch vorwiegend heiter, am Tage warm bei mätzigen südlichen Binden; später langsam zunehmende Bewölkung. Berliner Letterbureau. LZetteraussichten sür daS mittlere Rorddeutschlaud biS Mittwoch- miltag! Ansang« noch grötztente lS heiter, trocken und ziemlich warm. später von Nord nach Süd fortschreitende langsame Zunahme der Bewölkung. Im Küstengebiet etwa« Regen, sttichweise Gewitter und geringe Abtühlung. «SasterftandS-stiack, richte« der LandeScmstsll für Eewösseriund», mitgeteilt vom Berliner Deilerbureau Safserstand Kemel, Tfl« Pregel, Jnsterburg D e i ch i e l. Tborn Oder. 5tatibor , Kroiien . Franiwrl Warth«, Schrtmm , Landsberg Netz«. Vordamm Elbe, Leitmoutz , Dresden . Barbv . 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Die unmittelbar nach geschlossenem Frieden entgegen dessen Dillen erfolgte Gründung deS oltliberalen Reichs» Verbandes kann unmöglich als ein Grund zum Vorgehen gegen die im Reichsverband vereinigten jungliberalen Bereine an- ge'ehen werden, zumal da sich diese genau an den Geist der Beschlüsse des Parteitages von 19t2 und an das Programm der Partei geHallen haben. Das Ziel der ju»gl>beralen Bewegung. immer von neuem die heranwach'ende Jugend zu polui'cher Mitarbeit heranzuziehen. kann ohne den Reichsverband der Vereine der nalionalliberalen Jugend nicht erreicht werden. Der Relchsverband der Vereine der nationalliberolen Jugend ist für die Fortexistenz und die gedeihliche Weiterarbeit auch der einzelnen Vereine völlig unentbehrlich und damit auch für die Geiamlpartei. die gerade in letzter Zeil die durch nichts zu ersetzende Tätigkeil der Jugendvereine von leitender Stelle aus anerkannt hat. Wenn jetzt schon wieder an dem im Reichsverband ickon seit Jahren bewährien Recktsbestand so von Grund auf gerüttelt wird, so liegt die Befürchtung nahe, daß das nächste Mal auch die Landesverbände und die Vereine zerstört werden sollen, eine Befürchtung, die durch ver'chiedene Aeußeruiigen von aitnationalliberaler Seite kehr erheblich genährt wird. Da hielt es der Gesanitvorstand für seine Pflicht, gerade auch gegen die nationalliberale Partei in Verhandlungen über die Auflösung des Reichsverbandes der Vereine der national- liberalen Jugend einzutreten. Er war aber der Ueberzeugung, daß sich bei ruhiger Beurteilung auch die G-samipartcr diesem Gedankengang nicht werde verschließen können und erkennen werde, dag der Beschlutz des. Zentralvorstandes vom 28. März zur Herbeiführung eines gederhlichen Friedens in der Partei ungeclgnet sei. Im übrigen ermächtigte der Gesamtvorstand gemätz seiner stets beobachteten Parteitreue seinen Geschäftssüqrenden Aus- schütz, sobald die Leitung der Gesamtpartei einen derartigen Wunsch ausspricht, hierüber Besprechungen zu führen, die, un. beschadet der Erhaltung des Reichsverbandes der Vereine der nationalliberalen Jugend in allen seinen wesentlichen Funk- ! innen, auf die Schaffun« eines dauerhaften Friedens in der Partei abzielen. Ter Gesamtvorstand konnte auch mit grotzcr Freude eine Reihe von Sympathiekundgebungen von feiten alter nationalliberaler Organisationen entgegennehmen. Schlietzlich wurden noch die zur Vorbereitung des diesjährigen Vertretertages notwendigen Beschlüsse gefaßt. Lohuordnuog der Staatsbahuarbeiter. Am l. April d. I. ist für die sämllichen preußischen StaatSbabn. Werkstätten eine neue Lohnordnung in Geltung getreten. Der preußische Eisenbabnminister v. Breitenbach hat nun zu dieser Lohn- ordnung Ausführungsbestimungen erlassen, denen wir nach der „Skorddeutschen Allgemeinen Zeitung" folgendes entnehmen: „Kein Bediensteter darf in seinem bisherigen Lohneinkomman und Lohnaussichten durch die Neuregelung geschädigt werden. Größten Wert legt der Minister darauf, daß sich die Einführung der Lohnmatznahmen glatt und ohne berechligte Beschwerden der Arbeiter hervorzurufen vollzieht.„Ich vertraue." so'chlieh: der Erlaß,„daß die Lohndezernenten, mitbeteiligten Aachdezernenten, Amtsvorständ, Direktoren und die sonst beteiligten Beamten sich mit aller Sorgfall der Durchführung der Matznahmen annehmen. Zu diesem Zwecke sind nickt nur alle Vorbereitungen sorgfällig zu treffen, sondern«S ist auch durch persönliche Fühlungnahme mit den Arbeitern bei den ArdciterauSi'chutzsidungen und sonst sich bieten» den Gelegenherten dafür zu sorgen, daß Wesen und Vorteile der Neuregelung den Arbeitern verständlich werden. Auch muß, nament- lich in der ersten Zeit, darüber gewacht werden, wie die Dienst- Vorsteher die neuen Bestimmungen handhaben. Wo dabei mangeln. des Verständnis für die Zwecke und Ziele der Lohnreform hervor- tritt, muß belehrend und anregend eingegriffen werden. Nur wenn in verständnisvollem Zusammen wirken aller beteiligten Stellen die Durchführung der Lohnreform gefördert wird, ist ein voller Erfolg zu erwarten."_ Abg. Pachnicke mandatsmüde. Der fortschrittliche Abg. Pachnicke hat den fortschrittlichen Ver» rrauenSmännern seines WahllrerieS Parchim-LudwigSlust mitgeteilt. daß er ein Mandat zum Reichstag nicht mehr annehmen'werde. Dagegen wird er das Maneal zum preußischen Landlag beHallen. Als seinen Nachfolger stellten die Fortl'chrilller den Rechtsanwalt Dr. Berndt-Siettin auf.— Die Fortschrittler dürften jedoch dielen Kreis bei den nächsten Wahlen kaum wieder erlangen. denn bei den verflofienen Wahlen erhielten die Konservativen 7114. die Fortkchritller 6722. die Sozialdemokratie 6687 Summen. Es ist daher anzunehmen, daß bei den nächsten Wahlen wir mit den Kon» servatrven in die Stichwohl kommen. Attsgetuiesen. In dem bei Pößneck gelegenen weimarischen Dorfe Klein, dembach wurde Genosse Anton Dörfler, ein gebürtiger Oester- reicher, ausgewiesen. Das weimarische Staatsministerium be- haupiet, er habe sich.lästig' gemacht. Dörfler ist nämlich Vor« fitzender der Kleindembacher Zahlstelle der Porzellanorbeiter und Kolporteur der.Weimarischen VolkSzeitung'. Da« genügt schon, um den Herrschenden.lästig' zu erscheinen. Konservativer Zeitungsauflauf. In Schweidnitz i. Schl. ist das linkSsreisinnige Blall «Schweidnitzer LollSireund" von dem agrartonservativen Verlag »Tägliche Rundschau" ausgekauft worden, ohne daß der leitende Redakteur des freisinnigen Blattes bi» zur Stunde des notarielle« KaufakteS von der Transaktion eine Ahnung hatte. Ein solche» Auftauigeschäft ist von dem konservativen Verlag in dieser Stadt innerhalb vier Jahre bereit» zum zweiten Male inszeniert worden. Trotzdem nun aber der freisinnige Chefredakteur sofort ausgetreten ist. verkündet der konservative Verleger, daß die politische Haltung deS Blattes dieselbe bleibt wie bisher. Um die liberalen Leser ganz sicher einseifen zu können, und um einen Abonnentenschwund zu verhindern, ist das angekaufte Organ zurzeit noch radikaler wie vordem. Dafür zwei Beispiele aus einer der jüngsten Nummern dieses»freisinnigen", in einem stockkonservativen Verlag herge- stellten BlatteS: »Die Mogelei auf dem Lande. Der Generalpardon hat in dem Kreise Rotenburg(Aurhessen) 214 Millionen, in dem Kreise Ohlau(Schlesien) gar 13 Millionen Kapitalvermögen mehr er- aeben, als bisher versteuert worden war. In beiden Fällen ha». delt es sich unr fast rein landwirtschaftliche Kreise. Die Herren Agrarier hatten eben alles für das Vaterland übrig, nur nicht das ihm geschuldete Geld." _»Ter Wichrbcitrag des Kaisers soll 4 100 806 M. betragen. Ist diese Zahl richtig, so läßt sie einen Rückschluß auf die ungeheure Größe seines Privatvermögen» zu. Trotzdem wurde die Zivil> Ich« von 16 Millionen auf 1814 Millionen Mark erhöht." Man beachte die Angriffe gegen die Agrarier und auf Wikhelm II und bedenk« dabei, daß beides unter Schutz und Schirm, wenn nicht gar unter Zustimmung eines konservativen Fei» tungSverlegers geschieht. Der Zweck ist Aar: Mit dem Trick sollen die freisinnigen Leser als Abonnenten erhalten bleiben. Später werden ihnen dann die konservativen Klötentöne beigebracht. Da» Ganze zeigt aber auch den Rückgang deS Liberalismus in Schlesien. Budgetberatung in der Bremer Bürgerschaft. In der Bremer Bürgerickakt begann am Sonnabend— sebr deispälel— die Beratung de« Budget« für da« Etotsjabr Svril 1914/15. Die Finanzen des kleinen BiuideSliaate« sieben nicht günstig. Das Budget schließt mit einem Defizit von 1 800 000 M. ab. Be- sonder« siarl belastend sind die Hafenanlagen, während man anderer» seit« sich scheut, die Wohlhabenderen schärier zur Einkommensteuer heranzuziehen. Tie Finonzmisere spiegelt sich auch in dem Miß- trauen der Kopiiolisten gegen die bremischen Anleihen wider. Die« veranlaßte den Staatskommissar zu einem Appell an den Lokal» Patriotismus. Der sozialdemokratische Redner kritisierte da« Ver- sagen de« brewi'chen Staates besonder» in der ArbeitSlosensüi sorge und aus dem Gebiete de« WobnungSwekenS. In der VerfassungS- frage«ei ebenfall« nicht der geringste Fort'chrill wahrzuiiebmen. Ter Antrag der sozialdemokialiichen Fraktion oui Einführung de« allgemeinen, gleichen und direkicn Wahlrecht« für beide Ge« schlechter vom 20. LebenSjovr an nack dem VerbältiiiSwahisystem wurde von der Rechten und von einem Teil der Freisinnigen mit höhnischem Lachen zur Kenntnis genommen. Ter frühere württembergische Ministerpräsident v. Breitling ist heute im Alter von 79 Jahren gestorben. Er trat!SPS in da» Ministerium alS Jultizmimsier»in und übernahm 1901. al« der Ministerpiäsidenl Schott v. Schonenstein nach kurzer«misdaner über ei»« Sutenaffäre gestolpert war. den Voisiy im Staat«. Ministerium. Unter dem Ministerpräsidenten kam da« Keketz über die Steuerreform und>m Jahre 1906-ine PerkasiungSresorm zu- stände, die dem Freiherr» v. Miirnacht in. Jabre 1808 nicht gelungen war. Breitling war in seiner Grundstellung ein kpnservaiivcr Lia'aiSmon». ließ sich aber gern von volk«varteili«er Seite ei» liberales Mäiiiclchcii umhängen. B i der BersassungSreform nahm er die Hilfe der Sozial cmolratie in Anspruch, da da? Geietz sonst die erforderliche Zweid.iitelmeh' heil nicht erlangt liäue. Nach Lurch- stibfung der Bersaflungsrefoim. durch welche l>eka»»il ch die Zweite Kammer ganz auf den Boden de» allgemeinen Wahlrechi« gestellt wurde trar Bieiinna im Dezember 1906 in den Rubestand. Sein Nachfolger wurde der jetzige Mm'stcrprästdent v. Weißacker. Ter reustische Gemeindetvahlrechtsraub vor dem n Landtage. «. ÄCTä: Wi7!?�k«iA»K w m vte Levanen uver ote tnegtriui'»',» 2,..,..» v..«-r.:*. m. im„m-v« 400 Mfll onen Kronen betrage» soll. ......................... m.Dadurch wird da« Interesse wurden.' de» deutschen Kavital sten-PublfkumS auf die wirtschaftlichen Ver- laufe» bältnisse in Bosnien gelenkt. Vor 34 Jahren begann nach dem Einzug der österreiajiich-ungariichen Truppen in Bosnien die Kultivierung des Landes. Zwar war die Hauptindustrie Bosniens, die BergwerkSindustrie. schon sehr alt. da schon die Römer in dem Lande Gold, Silber» Blei, Ouecksilber, Kupfer und Eisen gewannen, aber der Bergbau hatte viel« Jahrhundert« hin- die schwedischen Wahlen. Es ist nunmehr daZ Wahlresultat festgestellt in 49 der 56 Wahlkreise und von den 236 Mandaten der Zweiten Kammer sind damit 261 besetzt. Die fehlenden 2v Wahl- resultate aus 7 Wahlkreisen werden erst am Mittwoch fest- gestellt sein. Bon den 261 Mandaten haben die Konservativen 75 erobert, die Liberalen 59 und die Sozialdemo- kraten 67. Die Verteilung dieser Mandate m der vorigen Kammer war 57 Konservative, 85 Liberale und 59 Sozial- demokratcn. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, daß in den noch fehlenden Kreiien eine weitere Verschiebung nicht vor sich geht, wird die kommende Kammer folgendes Aussehen haben: Konservative etwa 83 Mandate, Liberale 75 und Sozialdemokraten 72. Möglich ist. daß zwischen den beiden letzten Parteien eine kleine Verschiebung zugunsten der Sozialdemokraten eintritt. In den Kreisen, in denen bisher das Resultat festgestellt wurde, erhielten die Konservativen 248 666 Stimmen, das sind 84 666 mehr als bei der letzten Wahl im Fahre ISll. Die Liberalen erhielten 268666, zirka 2666 mehr als früher und die Sozialdemokraten gleichfalls 268666, ein Mehr von 56666 gegenüber 1911. Oesterreich. Erkrankung Franz Joseft. Kaiser F r a n z I o s e f ist an einein fieberhaften Bronchial- katarrh erkrankt infolge einer Erkältung, die er sich kürzlich bei dem Empfange Wilhelms II. auf dem Penzinger Bahnhof zugezogen hat. Englanü. Ablehnung der Bündnitpolitik. London, 20. April. Der„Daily Telegraph� schreckt. England werde aufgefordert, die Entente mit Frankreich in«in Bündnis zu veoranbeln und diese« durch ein weiteres Bündnis mit Rußland zu ergänzen. Gründe für diese Ansicht seien unschwer zu finden, aber sie seien offenbar voreilig und eben deshalb zur Unwirksamkeit verurteilt. In europäischen Fragen sei es nicht nur unweise, sondern unmöglich, die stetige Bewegung der öffentlichen Meinung zu antizipieren, die allein defensiven oder offensiven Abmachungen und Bündnissen Substanz und Ge- wicht verleih«. Da« Blatt fährt fort: Können wir wirklich sagen, daß der Boden für ein formelle« Bündnis bereitet ist. um Rußland, Frankreich und Großbritannien in einer gemeinsamen Aktion und Po'itik zu pereinigen? Wir sind natürlich verpflichtet, den Fall von unser:« eigenen Gesichtspunkt aus zu bctrachten, und da sind viele Gründe vorhanden, die den Diplomaten hier und im Auslande wohl bekannt sind. wcShalb Großbritannien eS ablehnen muß. sich in Kontroversen Und Verwickelungen hinein- zichen zu lassen, die eS nichts angehen, sondern nur das kon- tinentale System betreffen. Was gewährt die jetzige Entente genau genommen? Sie gewährt Frankreich wie England eben da«. wa« sie von ihr verlangen, nänüfch eine Garantie gegen Angriffe und ungerechte Streitigkeit:««. Sic gewährt nicht, was im geg'n- wärtigen Augenblick keine der beiden Nationen verlangt, nämlich ein Versprechen zur Unterstützung in einer aggresscken Politik, Wir wünschen nicht, andere Rationen zu bedrohen. Wir wünschen, mit allen in ehrenvollem Frieden zu lelcn� Wir suchen nicht, Frank- reich von dem Abschluß ander- r Freundschaften abzu- bringen, und wir nehmen für uns ein ähnliches Recht in Anspruch. Mus Ztiöllstde und Handel. Bosnien. Eine neue bosnische Anleihe ist von einem deutschen Bank- konsortium unter Führung der �.eutichen Bank, der Dresdener durch brachgelegen. Die öffarreich- ungarische Rsgierung machte sich daran, den Bergbau neu zu beleben. Sie nahm zum Teil den Abb>ru in eigene Regie, teilweise ermöglichte sie durch Erlaß eine? Schürfordnung dem privaten Kapital, die Schätze Bosniens zu heben. Noch heute befindet sich eine erhebliche Quote des bosnische» Berg- baus in Händen der österreichisch-ungarischen Repierima. Im Jahre 1812 wurden von der Regierung allein.159 Millionen Doppel- zentncr Eisenerze gewonnen. Die Einfuhr Bosniens beläuft sich auf ungefähr 150 Millionen Kronen. Einer der Hauptposten der Ausfuhr ist naturgemäß der Export von Bergbauprodukten. Die neue Anleihe soll zum größten Teil für Bahnbauten verwendet werden._ Selbstvcrständlicki. Als das Rheinisch- Westfälische Zementsyndikat zustandekam, hieß es, die Zementpreife wurden von dem Syndikat nicht geändert werden. Wer hat man schon ein eben zustandegekommenes Syndikat gesehen, das seine frisch« Macht nicht ausnützt«? So hat denn auch das Rheinisch-- Westfälisch« Zemenisyndikat eine etwas verklausulierte Preis- erhöhung. aber eben sine Preiserhöhung, beschlossen. Flaschengeschäft und Witternng. Nicht nur der Konsum von Flüssigkeiten geht bei kühlerer Witterung zurück, auch der Vertrieb der Flüf'sigkeitsbehälter. besonders der Glaser und Flaschen, wird geringer. So wird im Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft für Glasindustrie vorm. Friedr. Siemens konstatiert, daß„das Flaschengeschäft insbesondere unter der Verminderung des Ber- brauchcS an Flaschen infolge des außergewöhnlich kühlen Sommers 1813 zu leiden hatte'. Die Aussperrung öer Drosthteachauffeure geplant» Der Verband der Berliner Droschkenbescherverein« hielt gestern abend eine Versammlung ab, um über Maßnahmen gegen den Streik der Troschkenchauffeure zu beraten. Wie ausgeführt wurde. haben gegenwärtig 1400 Chauffeure die Arbeit niedergelegt. Der Vorsitzende Oskar Schulze forderte die Versammlung auf, den Streikenden mit scharfen Maßnahmen entgegenzutreten und sicherte die Unterstützung deS Verbandes zu. Der Redner empfahl dann folgenden Antrag: ..Die im Streik befindlichen Fahrer nehmen am W. d. M. die Arbeit wieder auf. und zwar zu den alten Bedingungen, d. h. zu einem Tage lohn von 1ch0 M. und 25 Proz. der Einnahme. Fügen fichdie Fahrer diesem Beschluß nicht, so erfolgt am 26. die Aussperrung und die Kraft» droschkenbesitzer bezahlen von dann an nur noch 1 M. Loh« und 20 Proz. der Einnahm«. Das Wagenwaschgeld haben die Fahrer nach wie vor zu zahlen.' In der stürmisch verlausenden DiSkussimr wurde aber all- gemein der Wunsch ausgedrückt, daß man die Aussperrung nicht kurzer Hand proklamieren möge, sondern den Termin der AuS- sperrung noch um einige Tage verschiebe. Allgemein wurde gemih- billigt, daß einige große Äraftdroschkenbetriebe sich der Bewegung nicht angeschlossen haben, sondern-zum Teil mit ihren Angestellten Tarifverträge bereits abgeschlossen hätten. Die Versammlnng einigte sich schließlich daraufhin, entsprechend dem obigen Antrag bis zum 25. April zu warten, andernfalls a m 26. April die Aussperrung der 4000 Berliner D r o sch k e nch au f fe ur e erfolgt. Interessant war auch die Mitteilung des Vorsitzenden der Kraftdroschkenbefitzer Groß-BerlinS. HanS Schwankt, daß da» Kgl. Polizeipräsidium auf Seiten der Unternehmer stehe und den Streik nicht billige. Di« Streikende» weichen etwas anderes auch nicht erwartet haben. Letzte Nachrichten. Borhereitungen zum Augriff. Beraeruz, 20. April. Kapitän HugheS, der Chef be» Stabes der Atlantischen Flotte, begab sich heute zu General Maas, dem Befehlshaber der mexikanischen Bundestruppen in Beraeruz, und zum Hafenkommandanten und ersuchte sie, all« Handel». schiffe zum Verlassen deS Hafen« aufzufordern. Der amerikanische Konsul hat alle Frauen fremder Nationalität ersucht, auf im Hafen liegenden Schiffen Zuflucht zu suchen, vor- zugSweisc aut den Dampfern.Mexiko' und.ESperanza', die von der amerikanischen Marine für diesen Zweck gechartert wurden. Die Maifeier in Frankreich. Dovai. 20. April. Der Nationalverband der Kohlen� Grubenarbeiter hat soeben eine Kundgebung veröffentlicht. in der alle Arbeiter aufgefordert werden, am 1. Mai zn feiern. um die Macht deS Verbandes durch diesen Streik zu beweisen. Der Generalstreik der italienische« Eisenbahnardeiter vertagt. Aneona, 20. April. Der Zentralausschuß de» italienische« Eisenbahners hndrkatS erklärt« sich heute nach längerer Beratung mit sieben gegen sieben Stimmen gegen den sofortige« Ausbruch de« Generalstreiks. Im Ausschuß stritten sich drei Strömungen gegeneinander. Die radikale Minderheit forderte sofortigen Streikbeginn; ein« nicht unbeträchtlich« Anzahl von Delegierten war für den Aufschub de» Streik» bis zum Herbst, während die Reformisten nach wie vor sich gegen den Streik aussprachen. 70 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. Leipzig, 30. April. Nach Genuß von Fleisch erkrankten am Sonnabend und Sonntag im Osten der Stadt etwa siebzig Personen, von denen sich jedoch die meisten auf dem Wege der Besserung befinden. Nach Mitteilung des Gesundheitsamtes ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Erkrankungen auf den G e n u ß deS'Jleische« einer notgeschlochteten Kuh-tznrückzu- führen sind, deren Stücke jedoch vorschriftsmäßig abgestempelt waren. Zur Verhütung weiterer Erkrankungen find die umfassend» ften Maßnahmen getroffen worden. kicken veilreler stimmlei, nicht nur der Voelag. ,n vollem Umkauze der Anleihe die im ganzen 400 a zu, ioude.n beanir.fgten io.zar w-.f-ie W.'hlkcchi«ve.!wlew! ruugen wird demnächst auf�el'gt �werden. insofern, al« Orte, vie von dem Entwürfe M nicht geiroffen einbezogen werden sollen. Die Fordeningcn per Major-läl daraus pinau«. daß den bürge, i.chcn Pnr.e.en m°ll-»Gem.nd«n Mindestens dreiviertel oller S.tze ous olle Zeiten gesicker blecken. Unsere Genossen r.ckn.ten mit den Reoltionären oller Schomerungen in sckars.r Weis« ab. Nach dem Verlans der Debaten darf man annehmen, daß der«uSschuß die vorlag- noch verschlechtern wird. Großfener in einer Spinucrei. Sache», 20. April. Ein Grohfeuer zerstörte heute den größten Teil der Tuchfabrik Kuhhorn. Die Spinnerei und da« Wollager find vollständig ausgebrannt. Der Schaden ist beträchtlich. Ein großer Teil der Arbeiterschaft ist hierdurch beschäftiaungSIos geworden. Die Fabrik Kuh- Horn ist die älteste Tuchfabrik in Aachen. Explosion an Bord eines französische» Torpedobootzerstörers. Toulon, 20. April. Durch die Explolion eines Petro- leumfaffeS entstand im Achtsrteil des Torpedobootzerstörers „Muzin' Feuer, da« zwar verhältnismäßig schnell gelöscht wurde, aber doch großen Schaden verursachte. da Pau 3.L Le Orga Kä J.A Al ig. em ent Dez B W ein Cig Dr rog rlin Ho K El W.Wertheim: Passage- Kaufhaus h. Friedrichstrasse 110-112 Wegen Inventuraufnahme bleiben die Geschäftsräume von Mittwoch, d. 22., bis einschließlich Freitag, d. 24. d. M., geschlossen. Sonnabend Beginn des Ausverkaufs in den Lebensmittel- Abteilungen zu herabgesetzten Preisen. Es kommen u. a. Mosel-, Rhein- und Bordeauxweine, deutsche und tranz. Schaumweine sowie Liköre u. Spirituosen in guten Qualitäten zum Verkauf Der Konkursverwalter größte, weil beSchnüpft Goldfarbs„ Kownons 1"! kömmlife marke Todes- Anzeigen Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschäftsdiener Fritz Hildebrandt am 16. April im Alter von 20 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Nieder Schönhausener Friedhofs aus statt. $ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Friedrich Linde am 17. April im Alter von 56 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. April, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Birchow Strankenhauses aus nach dem alten Pauls- Kirch hofe statt. Um rege Beteiligung ersucht 64/6 Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Berta Possekel am 14. April an Nervenleiden gestorben ist. Ferner starb unser Mitglied, der Mechaniker Franz Eichler Prenzlauer Allee 202 am 19. b. Mis. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes in Weißenice aus statt. Ehre ihrem Andenken! 116/19 Die Ortsverwaltung. Am 18. April verstarb unser lieber Kollege, der Schriftsezer Ewald Wemhöner aus Stirchlinde( Westfalen) nach langen, schwerem Leiden im Alter von 24 Jahren. am Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. April, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Frieoboses Niederschönhausen in Schönholz aus ftatt. Das Personal d. Buchdruckerei W. Moeser. 1779b Verband der Hut- und Filzwarenarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands( Ortsverw. Berlin). Nachruf. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege am Reinhard Röllig ( Betrieb Fischer, Weißensee) 7. April im Alter von 29 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden ist. cal Ehre seinem Andenken: 76/9 Der Vorstand. Am 18. April starb nach kurzem schweren Beiden unser lieber Sohn und Bruder Emil Hahn. Dies zeigt tiefbetrübt an Familie Franz Hahn, Charlottenburg, Scharrenstr. 38. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 22. April, nachs mittags 4, Uhr, auf dem neuen Luisen Kirchhof, Fürstenbrunner Weg, ftati. 9 119 Arbeiter- Jugend Charlottenburg. Am Sonnabend, den 18. April, verstarb nach fun zem Leiden unser Jugendfreund 284/16 Emil Hahn im Alter von 16 Jahren. Ein treuer Kamerad, ein bom höchsten Jdealismus erfüllter Mita tämpfer ist uns jäh entrissen worden. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4, Uhr von der Halle des Luisen- Kirchbofes am Fürstenbrunner Weg aus ftatt. Treffpunkt der Jugendlichen im Jugendheim, Rosinenstraße 3, 3 Ubr. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens meines lieben Mannes und Baters Wilhelm Lehrig lagen wir hiermit allen Freunden, Berwandten und Bekannten, ins besondere dem Stadtv. Walded Manasse für die trostreichen Worte, dem Wahlberein für den II. Kreis, sowie dem Holzarbeiterverband unseren innigsten Dant. Elis. Lehrig nebft Tochter. Bekanntmachung betreffend der die Wahlen der Vertreter und der Ersatzmänner zum Ausschuß Krankenkasse der Personen- Lohnfuhrwerks- Innung zu Berlin. bom Von den Versicherten ist auf Grund unseres Wahlausschreibens 2. April 1914 nur ein und von den Arbeitgebern überhaupt kein Wahlvorschlag eingereicht worden. Die vorgeschlagenen Versicherten gelten daher gemäß§ 48 des Statuts als gewählt. Desgleichen gelten die bom Borstande vorgeschlagenen Arbeitgeber ebenfalls als gewählt. Die für Montag, den 18. Mai 1914, angesezten Wahltermine werden dem nach hiermit aufgehoben. 272/9 Berlin, den 20. April 1914. J. A.; G. Rose, Vorsitzender. Personen Lohnfuhrwerks= Junung, Berlin, Dirdsenstr. 5. Bekanntmachung. Am Donnerstag, den 30. April 1914, abends 6 Uhr, findet im„ Präs laten", Dirdjenstraße, Stadtbahnbogen 110, Bogen 9, die statutenmäßige Neuwahl des Gehilfen- Ausschusses statt. Wahlberechtigt find die bei einem Snnungsmitgliede be= Gehilfen, schäftigten volljährigen welche fich im Befize der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Wählbar ist jeder wahlberechtigte Ge hilfe, welcher zum Amte eines Schöffen fähig ist.§§ 31, 32 des Gerichtsverfassungsgefezes. 272/3 Legi imation: Bescheinigung des Innungsfubrherrn. J. A: A. Wohnke, Oberineister. Reuters Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Borwärts Ortskrankenkaffe für das Maurergewerbe zu Berlin C 54, Sophienftr. 6. Einladung zu der am Mittwoch, den 29. Avril, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11/12 ftattfindenden Ausschuß- Sigung der Vertreter der Arbeitgeber und Kassenmitglieder. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschußvorfizenden. 2. Borlegnng des Berwaltungsberichtes und Rechnungsabschlusses pro 1913. 3. Bericht des Rechnungsausschusses über die Prüfung der Jahresrechnung 1913 und Abnahme derselben. 4. Festsetzung und Beschlußfassung über den dem Bersicherungsamt einzureichenden Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Geschäftsjahr 1914. Möbel- Angebot. 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Der Vorstand ber Criskrankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin A. Daehne, Vorfizender. G. 2ebmpfuhl, Schrif führer. Soeben erschien: 247/ 13* Militarismus, Krieg und Arbeiterklasse Rosa Luxemburg vor der Frankfurter Strafkammer Ausführlicher Bericht über die Verhandlungen am 20. Februar 1914. Preis 10 Pf. Dieser Prozeß, eine der feinsten Blüten preußisch deutscher Nechtsprechung, der mit der Verurteilung unferer Geno sin Luxemburg zu einem Jahr Gefängnis endete, hat überall berechtigtes Aussehen erregt. So interessant nun auch die Ausführungen des Staatsanwaltes sein mögen, auch die Irrungen bei der Anwendung der zur Berurteilung benötigten Baragraphen, alles dies wird in den Schatten gestellt durch die meisterhafte und aufrechte Berteidigungsrede unserer Genossin Luxemburg. Dieser Prozeß wirkt aufpeitschend. Sorgt für eine Massenverbreitung dieser Broschüre! Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW 68, Lindenstr.69 Straussfedern und Pleureusen direkt ab Fabrik. 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