Nr. 114. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis bränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntage, nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Reue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitunge. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehinen att: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Berfamminungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", bas fettgedrudie Bort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes writere Wort 10 Big. 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In der Angelegenheit des Dampfers piranga" liegt fol gender Sachverhalt vor. Die amerikanische Regierung hatte dem Dampfer freigestellt, das Kriegsmaterial an Bord zu behalten und seine Fahrt fortzusetzen, oder aber die Waffenladung zu löschen, in welchem Fall sie in dem von den Amerikanern besetzten Zollamt in Berwahrung genommen werden würde. Die Hamburg- Amerika- Linie hat darauf den Kapitän des„ Ypiranga" bcauftragt, seine sonstige nach Veracruz bestimmte Ladung zu löschen, das Kriegsmaterial aber, das übrigens größtenteils ameritanischer Herkunft ist, an Bord zu behalten. Die Waffenladung geht wahrscheinlich nach Hamburg zurüd. Tatsächlich wird denn auch telegraphisch aus Veracruz ge Die südamerikanischen Republiken als Friedensstifter. Die Gesandten Brasiliens, Argentiniens und Chiles darüber: Der Konflikt ist da! Das Volk steht auf, der Sturm bricht los! Der übel beratene Monarch bleibt halsstarrig, das Ministerium, in Vorahnung kommender böser Gewitter, tums im Vormärz eine solche antimonarchische Erbitterung Nichts hat in den Massen des Kleinbürger- und Bauernhat ihm sein Portefeuille vor die Füße geworfen, das Parla- gewedt, wie der schnöde Eigennut, mit dem all diese kleinen ment schart sich geschlossen hinter dem Ministerium- jekt heißt es biegen oder brechen! So haben sich also die Deutschen Dynasten Eigentums- und Nutzungsrecht an den Domänen endlich aufgerafft, um wenn es im Guten nicht geht, im sich vorbehielten. Als das Gewitter von 1848 losbrach, wurde imbenn fast allenthalben das Domänengut zum Staatsgut erBösen unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten. Deutſche, klärt und seine Einkünfte nach Abzug der Zivilliste der meldet, daß der Kapitän des Dampfers„ piranga" von der Ham unwürdige Zustände und ein Ende. Wiejo? Ach Mißverständnis! Nicht um das Deutsche Reich handelt es sich bei Staatskasse zugesprochen, aber als das Märzlüfterl der deut- burg- Amerika- Linie von seiner Gesellschaft die Anweisung erhalten dem Konflikt, sondern um die anderthalbtausend Quadratichen Freiheit verweht war und die Reaktion Eisstücke und hat, mit der für Huerta bestimmten Munitionsladung nach Hamburg zurückzukehren. kilometer deutscher Erde, die sich Herzogtum Gotha nennen. Hagelschloßen auf die hoffnungsgrünen Saaten des deutschen kilometer deutscher Erde, die sich Herzogtum Gotha nennen. Bürgertums prasseln ließ, wurde, unmittelbar oder mittelbar, Und kein Bethmann Hollweg steht, das ganze Bolf auch diesen„ liberalen" Bestimmungen der Hals umgedreht. hinter sich, feinem Wilhelm II. dräuend gegenüber, sondern nur der gothaische Staatsminister Dr. v. Richter einem Herzog Eduard. Und nicht um militaristische Bill für und Bürgerrecht dreht es sich bei dem Konflikt, nicht um das Wahlsystem in Preußen, nicht um die neuen Handels. verträge, sondern um die Schilder, die neuerdings an mehre ren durch die Domänen führenden Wegen mit der Inschrift: Herzoglicher Privatweg! angebracht wurden. Das Ministerium und auch der Landtag erklärten diese Tafeln fiir unberechtigt, da die Wege durch langjährige unbeschränkte Benutzung längst öffentlichen Charakter angenom men hätten, während die Hoffammer, ein Herr v. Baise mit an der Spitze, betonte, durch Anbringung der Tafeln wolle man nur möglichen Haftpflichtansprüchen einen Riegel vorichieben. So gab es ein Für und ein Wider, ein Hin und ein Her, und in dem zähen und erbitterten Streit zwischen Ministerium und Hofkammer siegte vorderhand die Hoffammer, denn ihr oben benannter Basfewig wurde, ohne daß man das Staatsministerium auch nur gehört hätte, mit einem gothaischen Orden wertvoller und wohlschmeckender sind die gothaischen Würste behängt. Darauf Demission des Ministeriums, Konflikt, Sturmgeläute, Barri- doch halt! ganz so weit ist es noch nicht. Bei der Demission und dem Konflikt hat es bisher sein Bewenden. Aber ein Streit um Domänen Der mahnt an das Mittelalter so schön, An Edelknechte und Knappen, Die in dem Herzen getragen die Treu' Und auf dem Hintern ein Wappen. und bis heute herricht vielfach eine höchst unerfreuliche haben der amerikanischen Regierung in Washington angeboten, Dunkelheit darüber, wer das Eigentumsrecht an den klein- zwischen den Vereinigten Staaten und Merifo zu vermitteln staatlichen Domänen besitzt. Als das Oberappellationsgericht und eine Schlichtung des zwischen beiden Staaten ausgeDresden im Juli 1871, also im neuen deutschen Kaiserreich. brochenen Konfliktes zu versuchen. Der Telegraph meldet einen Domänenstreit in Sachsen- Meiningen, einem NachbarWashington, 26. April. Das Anerbieten der südamerikanischen staat des Domänenkriegsschauplatzes von heute, durch einen Republiken bejagt: Schiedsspruch beendete, hieß es darin von diesem Gut ausdrücklich:„ Unbeschadet seiner staatsrechtlichen Eigenschaft als Eigentum des herzoglichen Hauses oder als Landeseigen tum." Dieses oder" ist ein trübes Sinnbild für den Zammer unferer verfassungsrechtlichen Zustände und ein böjes Senn seichen dafür, wie herrlich weit wir es gebracht haben. Ebenso verhält es sich mit dem Domänenstreit in Sachfen Gotha, einer Staatsspielschachtel, die schon vor hundert Jahren zur Liquidation reif war und im zwanzigsten Jahrhundert fein Gran Eristenzberechtigung mehr hat. In den Tagen, da das deutsche Bürgertum sich gewaltig für die deutsche Einheit anstrengte, indem es für sein Ideal auf Schüßenfesten nach der Scheibe schoß, auf Sängerfesten das Lied der Lieder anstimmte und auf Turnfesten die Bauchwelle schlug, war auf allen Schüßen, Sänger- und Turnfesten ein Herzog von Koburg- Gotha, Ernst mit Namen, der populärste Mann, denn wenn er auch nicht die Bauchwelle mit schlug, so schoß er doch mit Gevaiter Schmeider und Handschuhmacher nach der Scheibe. Sein Ahne Eduard scheint nicht nach dem Ruf so billiger Popularität zu geizen, denn auf Grund des berühmten Wortes: Der Staat bin ich! sperrt er die Wege zu den Domänen, die Staatsgut sind, mit Tafeln: Herzoglicher Privatweg!, um so die misera plebs contribuens nach und nach aus seinen Jagdgefilden zu verscheuchen. Wenn gegen folch autokratische Gelüste Land und Landtag sich erheben, ist das ganz in der Ordnung, und wenn auch der Minister den Rechtsstandpunkt wahrt, ist das aller Ehren wert, aber zugleich ist es doch über die Maßen jämmerlich, daß wir uns anno 1914 noch mit dergleichen Vormärzlichkeiten herumschlagen müssen. Der mexikanische Krieg. In der Absicht, den Interessen des Friedens und der Gesittung zu dienen, und mit dem lebhaftesten Wunsche, weiterem Blutver gießen vorzubeugen, das den Absichten der Herzlichkeit und der Giniradi, welche immer die Beziehungen der Regierungen und Bölfer Amerifas auszeichneter, widerspricht, geben wir, die Mer vollmächtigten von Brasilien, Argentinien und Chile, uns die Ehre, der Regierung der Vereinigten Staaten unsere guten Dienste für eine friedliche und freundschaftliche Beilegung des Streitfalles zwischen den Vereinigten Staaten und Merifo anzubieten, Präsident Wilson erwiderte: Die Regierung der Vereinigten Staaten fühlt das liefste Vertrauen zu der Freundlichkeit, dem guten Willen und der großmütigen Sorge um den Frieden und die Wohlfahrt Ameritas, die sich in der gemeinsamen Note Euerer Erzellenzen fundgeben, in welcher Sie die guten Dienste Ihrer Regierungen anbieten, um womöglich eine Beilegung des Zwistes zu erreichen, der gegenwärtig zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und denen ausgebrochen ist, die zur Zeit behaupten, die Vertreter unferer Schwesterrepublik Merito au sein. In Würdigung des Zweckes, zu dem Ihr Unerbieten gemacht wird, kann sich die amerikanische Regierung ihm nicht entziehen. Ihr Hauptinteresse ist der Friede Amerikas, die herzlichen Beziehungen zwischen Ihren Republiken und unserem Volte, sowie Glück und Wohlfahrt, die nur aus einem freien, gegenseitigen Verständnis und aus einer durch ge= meinsame Ziele geschaffenen Freundschaft entstehen können. Das großmütige Anerbieten Ihrer Regierungen wird deshalb angenom mi e n. Die Regierung der Vereinigten Staaten hegt die ernsteste Hoffnung, daß Sie diejenigen, welche für die gemäßigteren Elemente des merikanischen Volkes sprechen, willig und bereit finden werden, über die Bedingungen einer befriedigenden und, daher dauernden Beilegung des Zwistes zu unterhandeln. Wenn Sie diese Bereitschaft vorfinden, wird die amerikanische Regierung mit Ihnen im offensten, versöhnlichsten Geiste alle autoritativ formulierten Vorschläge beraten. Die amerikanische Regierung hofft, daß diese Borschläge sich als ausführbar erweisen und eine neue Zeit gegenseitigen, vertrauensvollen Zusammenwirkens in Amerita berheißen. Natür lich ist es möglich, daß ein Angriff der mexikanischen Streitkräfte diese Hoffnung auf einen sofortigen Frieden zunichte macht. Unsere Regierung hofft indessen auf die besten Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit." Eine diplomatische Antwort, die zu nichts verpflichtet und der Regierung der Vereinigten Staaten böllig freie Sand läßt. Wie wenig wahrscheinlich ein baldiger Friedensschluß ist, zeigt folgende neueste Washingtoner Meldung: In der Tat entzündeten die politischen Konflikte in den Aleinstaaten des Vormärz sich meist an der Domänenfrage. Diese deutschen Kleinſtaaten waren und sind besonders reichlich mit Domanialgut gesegnet, das will sagen, mit Landbesit, den die erlauchten Ahnen jetzt regierender Häuser sich in den Tagen, da Reiten und Rauben" noch keine Schande war, irgendwie mit Gewalt zusammen- erworben hatten. So lange nun Serenissimus aus der urprimitiven fürstenrechtlichen Anschauung des Mittelalters heraus das ganze Ländchen als Doch die Entwickelung läßt sich nicht spotten und auch fein Rittergut und die Bewohner des Ländchens als seine das deutsche Volk wird eines Tags, wo immer an den WegLeibeigenen anjah, konnte zwischen ihm und seinen Untertanen freuzungen der Weltgeschichte eine Tafel gebietet: Herzognicht gut ein Streit über die Domänen entstehen. Sobald licher Privatweg! Königlicher Privatweg! Privatweg! Kaiserlicher sich aber halbwegs moderne Staatsformen herauszubilden Privatweg! diese Tafeln mit fräftiger Faust herausreißen begannen und Staatskasse und fürstliche Privatschatulle, die und zu einem lustig brennenden Freudenfeuer zusammenbordem eins waren, getrennt wurden, stellte überall die werfen. Opposition die Behauptung auf, daß die Domänen, oft den größten Teil des Staates umfassend, nicht Privateigentumt Washington, 26. April. Nath Annahme der Vermittelung bon Brafilien, Argentinien und Chile hat Präsident. Wilson den des Fürsten, sondern Staatsgut seien, und daß ihre Einkünfte Leitern des Kongresses erklärt, daß Amerika nicht in darum nicht in die Schatulle, sondern in die Staatskasse einen Vergleich einwilligen wird, wenn nicht fließen müßten. Natürlich sträubten sich die Potentätchen Die aus New York einlaufenden Meldungen über die Suerta abgedankt und die konstitutionelle Remit Hand und Fuß gegen solch unerhörte Zumutung. Der Zustände in Meriko werden immer verdächtiger. Sie be- gierung in Megiko wieder hergestellt ist. Die her leidlich liberale Großherzog von Baden machte zu einem leid- richten entweder von allerlei Ausschreitungen, Roheiten, Ge- borragendsten Mitglieder des Senats betrachten die Situation als lich liberalen Verfassungsentwurf von Nebenius nur walttaten der merikanischen Bevölkerung gegen die in Meriko sehr pessimistisch. Senator Bristow erklärte: Wie können die Verden Vorbehalt, daß die Domänen seinem Hause als Patri- lebenden Fremden oder über Grenzverletzungen und Mord- einigten Staaten die Vermittelung mit einem Banditen annehmen, monialgut zugewiesen würden. In Kurhessen bildete unter brennereien. Es kann als sicher angenommen werden, daß die den wir anzuerkennen ablehnen. des berüchtigten Reaktionsministers Sassenpflug Re- leicht erregbare, durch die wohlberechneten patriotischen RenomDie Flucht der Nordamerikaner aus Meriko. mistereien der Anhängerschaft Huertas aufgestachelte Masse sich in gime die staatsrechtliche Behandlung der Domänen einer 1834 ihrem langaufgespeicherten Haz gegen die Yankees zu manchen Flüchtlingen aus Tampico und Veracruz ist gestern angekommen. Galveston, 26. April. Der erste Trupp von mehreren tausend erloschenen Nebenlinie eine Quelle ſteter Zwietracht zwischen Ausschreitungen hinreißen läßt, zumal die blutigen inneren Sie berichten, daß Hunderte amerikanischer Männer und Frauen Regierung und Ständen, denn vergnügt und munter strich der Parteifämpfe der letzten Jahre zweifellos zu einer gewiffen durch die Besatzung des deutschen Kreuzers„ Dresden" in Tampico Kurprinz- Regent die Einkünfte dieser Domänen in die eigene Nichtachtung des Menschenlebens geführt haben; aber manche durch die Bejagung des deutschen Kreuzers Dresden" in Tampico vor der Wolfswut gerettet worden seien. Tasche und verstand sich zur Not dazu, 1500 in Worten der amerikanischen Meldungen tragen doch allzu deutlich den vor der Wolfswut gerettet worden seien. fünfzehnhundert!- Taler davon in die Staatskasse zu Stempel der Erfindung, so z. B. die telegraphisch aus schütten. Den lautesten Widerhall, weit über die Landes- Washington verbreitete Nachricht, die Volksmasse. hätte in grenzen hinaus, fanden aber die Domänenstreitigkeiten der Hauptstadt Merifo unter der Führung eines Sohnes des zwischen dem Herzog von Nassau und seinen trengehorsamen geriffen, und der Präsident habe dabei sogar eigenhändig ein zwischen dem Herzog von Nassau und seinen trengehorsamen Präsidenten Huerta ein Denkmal George Washingtons niederUntertanen. Durch Jahre und aber Jahre hindurch hielt Seil um das Denkmal geschlungen. Die Amerikaner haben Dieser Streit um Mein und Dein die Geister in Bewegung begreiflicherweise ein großes Intereffe daran, die Merikaner and die Dynastie ließ kein Mittel, und sei es das willfür- als eine robe, zügellose Horde hinzustellen, sich selbst aber als lichste und brutalste, unversucht, um das Recht" in diesen Vertreter höherer Kultur und Humanität. Neue Zwischenfälle in Mexiko. New York, 26. April. Aus Meriko- Cith wird gemeldet: 200 Soldaten Huertas unter Anführung eines Offiziers verlangten vom fulatsgebäude verborgenen Waffen und erhielten zur Antwort: deutschen Geschäftsträger v. Hinge die Auslieferung der im Konwir werden sie nur mit Gewalt herausgeben." Daraufhin zogen fich die Merikaner vorläufig zurüd. Sie beschlagnahmten in der amerikanischen Gesandtschaft 250 Gewehre. Es gelang den Ameri fanern, 50 weitere Gewehre zu versteden. Einfall der Mexikaner in Arizona? Nogales( Arizona), 26. April. Eine Schar bewaffneter Merifaner aus Bagonia find in Arizona eingefallen. Sie berüben an der Grenze Plünderungen und feuern auf die Amerikaner. Alte der Staatshoheit. Dr. jur. von Jagow in der„ KreuzZeitung" Nr. 598 vom 22. Dezember 1913 Abendausgabe. Das graueste Elend muß den staatserhaltenden Geist packen, wenn er so manche Afte der Staatshoheit in der letzten Zeit sich zum Bewußtsein bringt. Alle Säulen des Staatsgebäudes müssen wanfen, wenn das festeste Fundament des modernen preußisch- deutschen Staatswesens nicht mehr unangetastet bleibt. Die denkbar höchste Unruhe aber wird erwedt, wenn nicht nur umstürzliche Organe, sondern selbst staatserhaltende Blätter gegen das Fundament des Staates Vorwürfe erheben. Eine solche Erscheinung gehört zu den Seltenheiten der modernen Geschichte und verdient deswegen ganz besondere Beachtung. Politische Uebersicht. Deutsch- englisches Kolonialabkommen. Wie die Wiener Allgem. 3g." aus London erfahren haben Wenn die Freundinnen des Herrn Schmidt, die Bordell- 1 Att der Staatshoheit, und wer sie irgendwo und irgendwie besigerinnen, durch entsprechende Sauberkeit und ärztliche unterstüßt, sollte vor jeder Strafverfolgung gesichert sein, Untersuchungen zur Abwendung der dem Bublifumt oder denn Strafverfolgung wegen eines Attes einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren" der Staatshoheit ist unzulässig". beitragen, so fallen sie zweifellos unter den Begriff der Polizei Das Amt der Polizei verlangt aber auch, wie wir schon -nach dem Allgemeinen Landrecht, ihre Uebungen, auch die- fahen, jede Abwendung der dem Publikum oder einzelnen jenigen gegenüber Herrn Schmidt, werden zu Aften der Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren". Man erStaatshoheit und find als solche geheiligt. Wir begreifen innert sich nun, daß in dent Gendarmenprozeß der Verhand... Uebungen sind Afte der Staatshoheit. also die„ Post" in ihrer Empörung über einzelne Bolizei- lungsleiter einem Buchmacher, der mit einem Kopfleiden beStrafverfolgung wegen eines Aftes der Staatshoheit organe in Frankfurt a. M. absolut nicht und glauben sie haftet ist, borhielt, daß es doch besser wäre, wenn er bei ist unzulässig.... ein felbstverständlicher Rechtsgrund durchaus im Sinne der Kreuzzeitung" ad absurdum ge- diejem seinen Kopfle den lieber die Rennbahn meide, und man sak, der übrigens im§ 7 des preußischen Gefeßes be- führt zu haben. erinnere sich, daß dieser Zeuge darauf antwortete: Ja, wovon treffend die Konflikte bei gerichtlichen Berfolgungen Auch in dem Kölner Falle müssen wir viel mehr der soll ich denn leben?" Damit ist zweifelsohne erwiesen, daß wegen Amts- und Diensthandlungen vom 13. Februar 1854( Gesezsammlung S. 86) für Beamte auch aus- Areuzzeitung" wie der Post" folgen. Die" Post" regt sich der Gendarm diesem Buchmacher gegenüber durchaus seine drücklich Anerkennung gefunden hat." darüber auf, daß in Köln, wenn nicht durch Pelze, so Bflicht tat, als er sein Gewerbe unterstützte, um ihn dadurch doch durch andere Gebrauchsgegenstände und ebenfalls durch leben zu lassen. Der Gendarm war wieder in der Uebung reichlich bemessenes bares Geld Konzeffionen geschoben worden feines Amtes und vollführte damit einen Akt der Staatsseien. Aber sollten nicht auch Schiebungen, wenn man hoheit. Man versteht wirklich nicht, wie er trotzdemt bestraft jie nur unter den richtigen staatserhaltenden Gesichtspunkten werden konnte. betrachtet, notwendige Akte der Staatshoheit sein? Die„ Post" Aus all diesen Gründen ergibt sich, daß die„ Post" eine will uns doch nicht etwa glauben machen, daß der Schnaps ganz falsche Auffassung vertritt, wenn sie behauptet, daß durch der ostelbischen Junker nicht mehr eine staatserhaltende Er- Die Polizeiprozesse in Köln, in Frankfurt cheinung sei, und ohne den Ausschank von Schnaps, und wie am Main und in Berlin erwiesen sei, daß bei der in Frankfurt ohne das Feilhalten von Prostituierten, hat die Polizei nicht alles in Ordnung sei. Wo es sich um beste Stonzession teinen Wert, sie zu schieben fein Interesse Afte der Staatshoheit handelt, ist von Es kommt aber hinzu, daß die Kölner Polizei, wie vor Gericht vornherein und absolut alles in Ordnung! durch den Beugeneid des dortigen Polizeipräsidenten festgestellt wurde, in den letzten Jahren mehrere Zehntausende von Mark ganz offiziell zur Verteilung an Polizeiorgane von Wir zielen damit auf einen Artikel der„ Po st", in dem sie Privatpersonen erhalten hat. Die„ Post" will uns doch hoffentdie Polizeiprozesse der legten Zeit höchst kritisch be- lich nicht belehren, daß der Kölner Polizeipräsident dieses Geld nicht hätte annehmen dürfen, oder, nachdem er es genommen leuchtet. In diesem Artikel kommt das doch sicher staats- nicht hätte annehmen dürfen, oder, nachdem er es genommen erhaltend gefinnte Organ zu dem Schluß, daß die drei Polizei- hatte, etwa nicht zur Verteilung hätte bringen sollen. Die will, haben die Verhandlungen, welche zwischen England und erhaltend gefinnte Organ zu dem Schluß, daß die drei Polizei- Berteilung selbst aber war eine polizeiliche Uebung und als Deutschland seit längerer Zeit über die portugiesischen Stolonien prozesse von Köln, Berlin und Frankfurt a. icdenfalls ein Symptom dafür seien, daß nicht alles in Ord- solche wiederum ein Aft der Staatshoheit. Geber wie Nehmer schweben, zu einem Abschluß geführt, und es wird die Veröffentnung ist". Wir bekamen feinen fleinen Schred, als wir diese infolgedessen durchaus nicht straffällig immer vom Stand- lichung des getroffenen Uebereinkommens bereits in sehr naher Zeit erfolgen. Deutschland und England haben sich dahin ge= lästerlichen Zweifel an der Polizei, dem Fundament des punkte einer wohlverstandenen Staatshoheit aus gesehen. Staates, lasen, und waren erst wieder einigermaßen beruhigt, Ganz unangebracht erscheint uns die moralische Ent- einigt, daß, falls die portugiesische Regierung nicht imstande wäre, als furz darauf die Kreuzzeitung" in ihrer Morgen- rüstung der Post" auch in dem dritten Fall, der das Ver- die Ruhe und Ordnung in ihren Kolonien aufrecht zu erhalten ausgabe vom 24. April die Autorität der Polizei rettete. Wir halten der Gendarmen den Berliner Buchmachern gegen- und in dem sicheren Besitz derselben zu bleiben, England und müssen nämlich gestehen, daß uns die Auffassung der Streuz- über betrifft. Die Seele der" Post" tocht vor Schmerz, daß Deutschland die portugiesischen Kolonien gegen zeitung durchaus vom Standpunkte der gegenwärtigen Staats- auch hier, gleich wie in Köln und Frankfurt a. M., Polizei- eine entsprechende Entschädigung für Portugal und Gesellschaftsordnung weit zutreffender und logischer er- organen die Bestechlichkeit gerichtlich attestiert worden ist. Die übernehmen werden, und zwar England die ostafrikanischeint, wie die nörgelnde Auffassung der„ Post". " Post" übersteht aber vollkommen, daß auch die Buchmacher schen Besitzungen Lorenzo Marques, Deutschland die Besizungen, hauptsächlich Denn wohin soll der staatserhaltende Geist kommen, wenn in einem ganz besonderen Zusammenhang zur Staatshoheit west afrikanischen er sich den Standpunkt der" Post" zu eigen macht? Die Bost" stehen. Die" Post" weiß genau so gut wie wir, daß fein Angola. beschwert sich z. B. darüber, daß ein Polizeikommissar, dessen Pferderennen sich allein durch die Eintrittsgelder halten oder Gehalt doch bekannt sei und von dessen Vermögensverhältnissen gar rentieren kann. Die wirkliche Seele des Turfs ist, wie man sich doch im allgemeinen keine übertriebene Vorstellung man weiß, der Totalisator, und die Buchmacher sind nur eine mache, teure Belze fauft und sich gesellschaftlich in einer Weise Abart dieses staatserhaltenden und vom Staate anerkannten bewegt, wie es weder seiner Beamteneigenschaft noch seinem Instrumentes. Es liegt kein Grund vor, die Abart anders Geldbeutel zuträglich sein könne. Sie zielt damit auf Herrn einzuschäßen wie die Art, und die Totalisatorsteuer, aus der Schmidt in Frankfurt a. M., der sich vorurteilslos auch die Polizei mitbezahlt wird, anders zu klassifizieren wie genug gezeigt hatte, von einigen Bordellbesigerinnen die freiwilligen Steuern, die die Buchmacher an die GenNaturalien und bares Geld als Geschenke anzunehmen. Daß darmen gezahlt haben. es sich hier um Geschenke von Damen handelt, die von der Die Kreuzzeitung", ist auch hier wieder weit logischer Auf der letzten Generalversammlung der Deutschen besseren Gesellschaft besucht werden, kann zweifellos nicht die wie die" Post". Sie bestätigt ausdrücklich, daß die Tätigkeit Bant führte err v. Gwinner aus, daß die Direktoren und Empörung der Bost" begründen, denn diese staatserhalten der Polizei in fast alle Lebensverhältnisse" eingreift, Aufsichtsratsmitglieder weniger entbehrt werden könnten als alle den Institute, die die Damen besigen, hatten die Konzession warum nicht auch in die Lebensverhältnisse der Buchmacher? Angestellten eines Unternehmens zusammen; dementsprechend der Polizei, konnten sich deshalb auf die Autorität der Polizei Außerdem haben die Gendarmen sich doch, wie schon ange- werde auch die Bezahlung bemessen. Wie ungerecht aber trotzdem stüßen, waren also mindestens indirekte Akte der Staatshoheit deutet, auch für einen höchst staatserhaltenden Betrieb be- diese Arbeit von Aufsichtsratsmitgliedern wenigstens nach der geworden. Vielleicht ist es sogar zweifelhaft, ob nicht die stechen lassen. Der Rennsport soll bekanntlich zur Er- Entlohnung zu urteilen mitunter eingeschätzt wird, mag folBordelle einen integrierenden Bestandteil des Polizeibegriffs tüchtigung" der deutschen Pferdezucht dienen, für die gendes lehren: Die Rombacher Hütte A. G. gliedert sich das darstellen. Dieser Polizeibegriff, wird bekanntlich int im Etat des preußischen Landwirtschaftsministeriums große Kohlenbergwerk Konkordia an. In dem Fusionsvertrag haben § 10, Zeil II, Titel 17, des Preußischen Allgemeinen Land- Summen ausgeworfen werden. Die" Post" wird uns freilich sich nun die fünf alten Aufsichtsratsmitglieder der Konkordia rechts also definiert: Die nötigen Anstalten zur Erhaltung belehren, daß, wenn zwei dasselbe tun, es nicht dasselbe ist; 140 000 202. Tantieme garantieren lassen, obgleich die Konfordia der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Ab- aber bestehen bleibt doch, daß es ohne Totalisator und ohne nur noch formell weiter besteht und der Aufsichtsrat noch weniger wendung der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern des Buchmacher keinen Rennsport und ohne Pferdesport( nach Arbeit" wie früher zu leisten hat. Jedes der fünf Mitglieder selben bevorstehenden Gefahren zu treffen, ist Amt der konservativer Behauptung) feine rationelle Pferdezucht gibt. erhält also jährlich 28 000 M. Lohn. Früher bezogen sie zusammen Polizei." Die Pferdezucht aber ist, von Staats wegen betrieben, ein nur" 152 000 M. Die Verschmelzung der beiden Werke bringt 17 Die Verbündeten in Paris 1814. Nach der Schlacht bei Arcis- sur- Aube dachte Napoleon das Hauptheer der Verbündeten zurüdzumanöverieren, indem er sich auf ihre Rüdaugslinie warf. Der Plan scheiterte, denn die Verbündeten marschierten geraden Weges auf Paris. Ehrenhalber leisteten die Marschälle Marmont und Mortier unter den Mauern der Hauptstadt noch einmal hartnäckigen Widerstand, um dann freilich vor der Zeit die Stadt durch eine Kapitulation dem Feinde in die Hände zu spielen. Blücher war von der eiligen nebergabe nicht sonderlich erbaut, denn der grimme Welschenhasser hätte am liebsten das„ Sündenbabel" an der Seine mit einem vierundzwanzigstündigen Bombardement heimgesucht und dann im Sturm genommen, der Mord- und Plünderungsluft seiner Soldaten dabei weiten Spielraum lassend. Daß Paris im Gegensatz zu seinen kosafischen Absichten überaus schonend und glimpflich behandelt wurde, war dem ruffischen Zaren Alexander zuzuschreiben, der in dem ganzen Firnis seiner angetünchten westeuropäischen Bildung und liberalen Humanität vor den Parisern paradieren wollte. Sogar von Einquartierung blieb die Stadt deshalb befreit. Für jetzt geht die Vereinbarung dahin, daß Deutschland Portu giesisch- Ostafrika als tommerzielle Interessensphäre Englands anEngland dagegen Portugiesisch- Westerfennt, als wirtschaftliche Interessensphäre afrita Deutschlands. Aehnliche Gerüchte liefen schon mehrfach durch ausländische Blätter; doch ist ihre Bestätigung ausgeblieben. Aufsichtsrats- Löhne. und dem Engländer Castlereagh je eine Million und den übri-| moderten, zusammengeschossen von den Heeren der Invasion, sang gen Bevollmächtigten je 500 000 Frank aus dem franzöfifchen Staats- das erlauchte Publikum der Oper auf die Weise eines alten royaschatz auszahlen ließ. listischen Liedes: Es lebe Alexander, Es lebe dieser König aller Könige! Es lebe Wilhelm auch Und seine tapf'ren Krieger alle! Inzwischen waren am 31. März die Verbündeten, an der Spitze Ale yander von Rußland und Friedrich Wilhelm von Preußen, in Paris eingezogen. Aber nicht die Truppen, die alle Strapazen und Gefahren eines ungewöhnlich schwierigen Feldzugs hinter sich hatten, wurden der Ehre des triumphhaften Einzugs Die fremden Eroberer ließen es auch an nichts fehlen, weder teilhaftig, weil sie zu mitgenommen und abgerissen waren, sondern an Galanterie den schönen Kindern gegenüber, noch an Gold für man verwandte die Garden dazu, die seit Lügen nicht wieder die Geschäftsleute. Ja, es wurden in diesen Tagen der Offupation im Feuer gestanden hallen und von denen die Offiziere des glänzende Geschäfte gemacht von allen Restaurateuren, SpielhöllenVord schen Korps wohl spöttelten, eine Stelle bei der Garde sei befizern und Luftdirnen im Palais Royal. Das Gold floß in eine wahre Sinekure, denn ihre Uniform sei zu schön, als daß Strömen, denn wenn einer, der mitmachte, berichtet, daß schon die man sie im Pulverdampf verderben dürfe. Diese Garden, preußische gewöhnlichen Kosaken jeder 200 bis 300 Goldstücke vom Erlös wie russische, sahen denn beim Einzug aus wie neue Bleisoldaten, ihrer Plünderungen im Beutel trugen, so läßt sich ermessen, daß die man aus der Schachtel nimmt, und erregten durch ihre parade- die niederen und höheren Offiziere nicht zu kurz gekommen waren, mäßige Haltung und ihre geleckten und lackierten Monturen das und sie hielten sich bei schweren Weinen und leichten Dämchen reichEntzücken der Pariser und mehr noch der Pariserinnen. Aber lich schadlos für die Entbehrungen des Feldzugs. während in der Stadt der Champagner in Strömen floß, und die Auch der Marschall Vorwärts fehlte nicht in dem wüsten Chaos Junker der Garde in allen Genüssen der französischen Küche derer, die in der Lasterstätte des Palais Royal dem Grundsatz des schwelgien, standen vor der Stadt Truppen des or a schen Korps unbedingten Amüsements huldigten. Von dem Augenblick seiner Als Napoleons Kriegslist mißlungen war und er auch in und konnten ihren Hunger gerade an trodnem Stommißbrot ſtillen. Ankunft in Paris" erzählt ein Zeitgenosse, ging er jeden Tag in Eilmärschen zur Deckung von Paris nicht mehr zurecht tam, ton- Diese ungerechte Behandlung verdienter Kämpfer erregte bis in den Salon, wo er mit den höchsten Einsätzen auf Rouge- et- Noir zentrierte er sich mit den ihm zur Verfügung stehenden Streit die höchsten Kommandostellen hinauf Born und Unwillen. Blücher spielte. Solange der Marschall in Paris weilte, war der Salon fräften in Fontainebleau und gedachte, von hier mit einem Angriff beteiligte sich, Krankheit vorschützend, nicht am Einzug und legte ftets gebrängt voll von Leuten, die eigens tamen, um seinem auf Paris den Stier noch einmal bei den Hörnern zu paden. Aber kurz darauf sein Oberkommando nieder, und auch Yorck lehnte Spiel zuzusehen. Sein Benehmen beim Spiel war alles, nur er hatte die Rechnung ohne die Marschälle gemacht. Während die anfangs die Einladung zu dem Einzug unwirsch ab; er habe jest nicht gebildet, und wenn er verlor, so fluchte er deutsch auf das Truppen, alte Garden wie junge Rekruten, nach wie vor mit schwär- teine Paradeuniform bei sich und könne seine Truppen auch nicht ganze Franzosenpad und schoß wütende Blide auf die Croupiers. merischer Begeisterung an dem großen Schlachtenkaiſer hingen, verlassen. unifor Für gewöhnlich brachte er es fertig, alles zu verlieren, was er bei regie sich in den Heerführern das Gefühl der Ratten, die das sinkende Die Kunde von der Kapitulation war von den Parisern mit sich hatte, ebenso alles Geld, das sein Diener, der im Vorzimmer Schiff verlassen wollen. Ruhm, Reichtum und Ehren hatten sich einer nur zu begreiflichen Entspannung der Nerven aufgenommen wartete, als Reserve mitführte. Ich habe ihn aufmerksam bein ihren Kisten und Kasten derart gehäuft, daß sie sich scheuten, worden. Gleichwohl war die Stimmung der breiten Massen von jobachtet und erinnere mich noch sehr wohl seines Verfahrens beim das Errungene aufs Spiel zu setzen die Schäße, die sie in aller Freude weit entfernt. In den Arbeiter- und Kleinbürgervierteln Spiel. Er fuhr mit der rechten Hand in die Tasche, holte mehrere Herren Ländern zusammengeraubt und gestohlen hatten, in Ruhe wahrte man beim Einzug, der fremden Sieger die nationale Würde Rollen Napoleons heraus und warf sie auf Rot oder Schwarz. zu verzehren, und sich ein Bäuchlein anzumästen, war ihre einzige durch finsteres Schweigen. Ganz anders in den Straßen, in denen| Wenn er den ersten Schlag gewann, ließ er stehen; aber wenn der Sehnsucht. So fündigten sie ihrem Herrn und Meister kühl und die Vertreter des Feudalismus und des Großkapitals ihren Wohn- Croupier darauf aufmerksam machte, daß die Bank nicht mehr als schnöde den Gehorsam, und wenn seine Hilfsquellen damit auch fis aufgeschlagen hatten. Hier feierte die nationale Würdelosigkeit 10 000 Franken hielte, dann brüllte Blücher wie ein Löwe und noch nicht erschöpft waren, jo hatte ihn solcher Verrat doch entmutigt schamlose Orgien. Aus allen Fenstern wehten, oft aus Bett- und stieß in seiner geliebten Muttersprache Flüche aus..." und ermüdet: er willigte in die Abdankung zugunsten seiner Tischtüchern improvisiert, weiße Fahnen, aus allen Kehlen klang es: Aber während die leichteren Seelen so wie Korte auf dem Dynastie und ließ sich die winzige Insel Elba in Gestalt eines Hoch Alexander! Hoch Wilhelm! Hoch die Verbündeten! Nieder Wellenschaum ausgelassener Vergnügungen tanzten und ein jouveränen Fürstentums als Kerferzelle anweisen. Aber Talle h- mit dem Tyrannen! Und die eleganten Damen dieser Viertel struppiger Aldeutscher, wie der Vater Jahn, seinen Knotenstod rand, der mit allen Wassern gewaschene, mit allen Hunden ge- scheuten sich in ihrer Herzensfreude nicht, zu den Rosaten auf die schwingend und mit komischer Wut gegen die geilen Welschen hezte, in allen Sätteln gerechte gigantische Spizbube, stedte bereits| Kruppe des Pferdes zu flettern und so den Einzug mitzumachen. geifernd, durch die Straßen von Paris wanderte, grübelte ein mit den Bourbonen unter einer Decke und wußte dem allmächtigen Am 2. April gab es in der Oper eine Galavorstellung. Von den Mann wie Gneisenau in der französischen Hauptstadt über Zaren ihre Kandidatur so handgreiflich zu machen, wie er den Balfonen regnete es aus zarten Händen weiße Sofarben und Nutzen und Notwendigkeit einer liberalen Konstitution für Preußen Senat, aus Mameluden Napoleons bestehend, zum Beschluß der Schleifen, die Bourbonen wie die Herrscher der Verbündeten ließ und Deutschland. Aber Geng, der geistreiche Soldschreiber der Abjebung des Kaisers gebracht hatte. Wie im übrigen Talley man abwechselnd hochleben, und der napoleonische Adler an der Hof- Metternich schen Reaktion, hatte einen besseren Instinkt, als rand mit allen Mitteln zu arbeiten verstand, zeigt die Tatsache, loge mußte schleunigst mit weißem Tuch verkleidet werden. Unein- er, auf den Ausgang des Feldzugs und die Wiedereinjegung der daß er nach Unterzeichnung des für Frankreich recht milden Friedens- gedenk dessen, daß rings im Lande die Dörfer in Schutt und Asche Bourbonen deutend, in einem Brief an Rahel Varnhagen vertrages jedem der Hauptunterhändler, dem Desterreicher Wetter- lagen, zerstört von den Heeren der Invasion, und daß Tausende bekannte, er sei teuflisch erfreut, daß die sogenannten großen nich, dem Preußen Hardenberg, dem Russen Wesselrode und aber Tausende von der Jugend Frankreichs unter der Erde Sachen zuletzt folch ein lächerliches Ende nehmen." gegen protestieren. pitalinon Schillers ,, Bürgschaft". In Siegmar bei Chemnik plante der Jugendausschuß einen Unterhaltungsabend. Acht Tage vor dem in Aussicht ge6nu Polizeigewalt gegen Arbeiterrecht. ihnen also immerhin einen Verlust von 12 000 M. ober pro Kopf der er feine Gattin unter Beihilfe des idealen Bruders unter- Muttermörder, der sich noch mit dem Gedanken trug, auch eine 2400 M. Nach Herrn v Gwinner muß der Aufsichtsrat vor der wirft, frappieren durch brutale Abgeschmacktheit. Dazwischen läuft Schwester und einen Arzt, der ihn früher behandelte, zu erschießen, Verschmelzung also unterbezahlt worden sein. Trotzdem ein Kind, die Tochter Lucians, die süß sein sollende Naseweisheiten in einem Privatlogis Hinter dem Zirkus ermittelt und festgefind die Aktionäre der Konkordia erbost und haben ausgerechnet, von sich gibt, ein rothaarig schurkischer Förster, der( vermutlich eine nommen. Goedicke, der geständig war, wurde in Untersuchungshumoristische Nüance) auf Reime Jagd macht, und ein an schlüpf= daß sie jährlich 1½ Proz. des Aktienkapitals durch die Fortzahlung riger Lektüre sich erbauender Rüster. Der Alte aber, der schließlich haft gesetzt. Dort hat er jetzt seinem Leben ein Ende gemacht. der Tantieme an den Aufsichtsrat von dem ihnen zukommenden mit einem geheimen Testament des seligen Grafen vorrüdt, seine Ein Wärter fand den Gefangenen in seiner Zelle erhängt auf. Verdienst" verlieren. Herr Gwinner mag sie über ihren Irrtum Albernheiten als pädagogische Braftifen auslegt und mit dem lieben aufklären. Uns drängt sich aber noch eine zweite Sorge auf. Die Gott auf Du und Du zu stehen scheint, setzt der Zerfahrenheit des Der Bürgermeister Alexander alias Thormann wurde gestern fieben Aufsichtsratsmitglieder der Rombacher Hütte haben bisher Ganzen, das mit geheimem Lieffinn großtut, die Krone auf. auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Köslin, die für sein Verjährlich 233 000 M. Tantieme erhalten, d. h. pro Stopf 33 433 M. et quammengestellte, Kammermusit. In den männlichen mittags von der hiesigen Kriminalpolizei aus dem Untersuchungsfüllte eine von Hummel aus klassischen gehen zuständig ist, nach dort übergeführt. Thormann wurde vorMotiven Wird ihnen nun infolge der Mehrarbeit durch die Verschmelzung ebenfalls der Lohn um 150 000 2. erhöht werden? Wenn nicht, Hauptrollen wirkten die Herren Vallentin, Geisendör gefängnis abgeholt und zunächst nach dem Polizeipräsidium ge= fer, Krauß und 3immerer, in den weiblichen Fräulein so werden sie hoffentlich durch Arbeitsnieberlegung da- Schönfeld und Thimig. Das Schönste war die blühende bracht. Hier wurde er einem eingehenden, Verhör unterzogen, bei Frühlingsheide, in der die Liebesszenen spielten. dt. dem man ihm auch die Beschuldigung, daß er eine frühere Geliebte vergiftet haben solle, vorhielt. Für diese hatte der Bürgermeister nur ein Lächeln und sagte, daß sie falsch sei. In Köslin soll u. a. auch nachgeprüft werden, ob Thormann sich durch Fälschen von Quittungen tatsächlich Geld von der Stadtkasse verschafft hat. on Den nommenen Termin wurde die Veranstaltung auf dem Gemeinde- das gesetzwidrige Vorgehen der Polizei gestaltete die gestern statt- nach Möslin, wo er kurz nach 6 Uhr eintraf. Vom Bahnhof wurde Die große Erbitterung der Einwohner von Lichtenberg gegen 3wei Striminalbeamte begleiteten den Verhafteten auf der Fahrt amte angemeldet. Auf die Frage, was denn vorgetragen werden solle, nannte der Anmeldende einige Volkslieder und Gedichte, gefundene Protestversammlung zu einer Massendemonstration. Der er dann sofort in geschlossenem Wagen nach dem dortigen Unterdarunter Schillers Bürgschaft". Bei der Nennung dieses Titels große Arnholdsche Saal war schon um 1 Uhr so gefüllt, daß noch eine fuchungsgefängnis gebracht. Die weiteren Vernehmungen werden runzelte der Gestrenge plötzlich die Stirn und verlangte den Tert zweite Versammlung bei Steuer stattfinden mußte. Es referierten nun von dem zuständigen Amtsgericht vorgenommen. dieses verdächtigen Opus zu sehen woraus gefolgert werden die Genossen Landtagsabgeordnete Braun und Stimming. Aus Eifersucht hat der Tischler Ernst Bohn aus der Kaisermuß, daß ihm entweder Schiller oder die„ Bürgschaft", vielleicht Braun rechnete gründlich mit der Lichtenberger Polizei ab. Er auch beide, unbekannt sind. Um ihn nun von der völligen Un- beleuchtete die auf die Beschwerde eingegangenen nichtssagenden Friedrich- Straße in Neukölln feine Ehefrau in der Nacht zum Sonntag, als er von einem Vergnügen heimkehrte, nach einent gefährlichkeit des Gedichtes zu überzeugen, besorgte der Anmeldende Antworten des Polizeipräsidenten, stellte in Parallele dazu die bür- Wortwechsel und einem Wutanfall auf offener Straße zu erschießen dem Gestrengen ein amtliches Volksschullesebuch, in dem gerlichen Jugendvereine, in denen nach Ausspruch des Herrn von versucht. Die Frau wurde nach der Hilfswache in der Steinmetzdie„ Bürgschaft" abgedruckt war. Aber der Beamte war weit ent- Derben ungescheuf Politik getrieben wird. Da in den beiden un- straße gebracht, wo der Arzt feststellte, daß die Kugel zwar in die fernt, sich damit zu beruhigen. Er erklärte, das Buch( wohlgemerkt, politischen Jugendversammlungen das Thema:" Jugend erwache" Brust eingedrungen ist, aber keine lebensgefährliche Verletzung das an der Schule benutzte Lesebuch) müsse der Amishauptmann- behandelt werden sollte, ist nach Ansicht der Polizei jedenfalls nur hervorgerufen hat. Durch den dicen Ulster, den die Frau trug, schaft zur Prüfung eingeschickt werden! So geschah es. Wenige das Schlafen unpolitisch, das Erwachen aber politisch, deshalb wur- wurde die Gewalt des Schusses abgeschwächt. Bohn wurde von der Stunden bevor der Unterhaltu sabend beginnen sollte, lief plöß- den die Versammlungen verhindert. In der dritten Versammlung, benachrichtigten Kriminalpolizei gestern früh in der Wohnung einer Tante dingfest gemacht. lich ein Bescheid der Amishauptmannschaft ein, wonach der Vortrag in der über" Die Pflege und Entwidlung der Seidenraupe" ge= Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Diens nicht stattfinden dürfe. Grund: die Anmeldung hätte minde- sprochen werden sollte, kam jedenfalls ein findiger Kopf der Polizei stens 14 Tage vorher bei der Amishauptmannschaft erfolgen auf den Gedanken, daß die Arbeiterjugend nicht Seide zu spinnen tagmittag: Anfangs etwas wärmer, von Nord nach Süd forthat, deshalb wurde die Versammlung für politisch erklärt und auf- schreitende Zunahme der Bewölkung und im östlichen Küstengebiet gelöst. Die weitere Auflösung der Wahlvereinsversammlung sei zahlreiche, sonst mehr vereinzelte, im allgemeinen geringe Regens ein durch nichts zu rechtfertigender gesetzloser Aft; man könne zur fälle. Später neue Aufheiterung und Abkühlung. Entlastung der Polizei nur annehmen, daß diese der Meinung war, die Wahlvereinsmitglieder seien vordem gleichzeitig die Besucher der Jugendversammlung gewesen und nur, um die Polizei zu verhöhnen, mit einem Male älter geworden. Redner geißelte die sich hier offenbarende Rechtsungleichheit und schloß: darum weiter und vorwärts! Unser die Jugend tros alledem.( Stürmischer Beifall.) richten ist der heutige Wahltag sowohl in Paris wie auch in Paris, 26, April. Nach den bisher vorliegenden NachEröffnung des sozialistischen Parteitages in Ancona. Auch in der zweiten Versammlung fanden die Ausführungen Ancona, 26. April.( Privattelegramm des des Genossen Stimming lebhaften Beifall. Stürmische Pfuirufe der Provinz sehr ruhig verlaufen, da die ganze Wahlkam Vorwärts".) Der 14. italienische Parteitag ist heute ertönten, als er die Polizeitaten schilderte und darauf hinwies, daß pagne trog der wichtigen Fragen, die durch sie zur Entschei von dieser Seite aus junge Leute zu Verrat angehalten werden. dung gelangen sollen, im allgemeinen einen recht leidenschaftsfrüh in Gegenwart von ungefähr 500 Delegierten eröffnet Wenn die Erwachsenen ihre Pflicht tun, könne uns die Polizei losen Charakter an sich trug. Nur aus Marseille wird ein worden. Zugegen waren als Abgesandte ihrer Parteien: unsere Jugend nicht rauben, auch in Lichtenberg werde die Arbeiter- ernſter Vorfall gemeldet. Der ehemalige Senator Boyer, der Ellenbogen- Wien, Pittoni- Triest, Scatula- Prag. Ellenbogen, mit donnerndem Beifall begrüßt, betonte in jugend ihren Mann stehen, trosz Lewald und Polizei. Die Vor- im dortigen Wahlbezirk als unabhängig sozialistischer Kandifeiner Rede die Aufgabe des internationalen Sozialismus, Rummelsburger Männerchors eingeleitet und geschlossen wurden, kannten auf der Straße angefallen. Der Mann schleuderte jizenden beider Versammlungen, die durch Gesangsvorträge des dat auftritt, wurde gestern abend von einem bisher unbedurch Massenaufklärung der Arbeiter den Völkerfrieden gegen forderten auf, im Sinne der Referenten zu handeln. Das sei der Boyer eine Hand voll Pfeffer ins Geficht und feuerte zwei die Expansionsbestrebungen des internationalen Kapitalis wirksamite Protest.- Eine große Reihe von Neuaufnahmen für Revolverkugeln auf ihn ab, deren eine Boyer ani Arm leicht mus zu sichern. Die eingelaufenen Glückwunschtelegramme die Organisation bewiesen den Erfolg der unfreiwilligen Agitation des deutschen Parteivorstandes, des Internationalen Bureaus, der Polizei. lepiejen ben des serbischen und portugiesischen Parteivorstandes wurden mit großem Jubel aufgenommen. müssen. Wir finden diese weise Entscheidung vom Standpunkt sächsischer Regierungspraxis ganz berechtigt: 14 Tage Zeit gebraucht doch ficherlich eine föniglich sächsische Behörde, um sich mit dem Inhalt eines so schwierigen und völlig unbekannten Gedichts vertraut zu machen. Wer bürgt ihr denn schließlich für die Harmlosigkeit dieser " Bürgschaft", in deren erster Zeile gleich etwas von einem Thrannen steht. Waffen für die Freiwilligenkorps Ulsters. London, 25. April. Heute gelang es den Unionisten bon Ulster, 75 000 Gewehre und 40 Tonnen Munition zu Aus Groß- Berlin. Mit Gott für König und Vaterland. Letzte Nachrichten. verwundete. Wahltag in Paris. Französische Wahlergebnisse. Paris, 26. April. Bei den Wahlen zur französischen Rammer wurde im Departement Nord, Wahlkreis Harze broud, der Abbé Lemire mit einer Majorität von 2000 Stim. men wiedergewählt. In Paris wurde im ersten Wahlkreis des zwölften Arrondissements der ehemalige Kriegsminister Die Konservativen und die Frömmler hielten es für landen. Die Landung wurde bei strenger Wahrung des Ge nötig, ihren gesunkenen Kredit durch eine Vorstellung im Millerand mit 5647 Stimmen gegen einen Sozialisten geheimnisses durchgeführt. Die Paraden der Freiwilligenforps, die an verschiedenen Orten stattfanden, täuschten die Birkus Busch wieder einmal zu beheben. Es war angekündigt wählt, der 4147 Stimmen erhielt. Im fünften Arrondisse. Behörden vollständig über den Plan. Im Hafen von Larne, worden, daß am Sonntag, mittags 12 Uhr, im Zirkus Busch ment von Paris erhielt der ausscheidende Deputierte, der wo hauptsächlich die Landung stattfand, wurden starke Ab. zu Berlin von drei konservativ- chriftlichen Rednern die unabhängige Sozialist Painlevé 4539 Stimmen, der Proteilungen Freiwilliger auf der Parade in der oberen Stadt Kreuzzeitungs"-Parole Mit Gott für König und Bater- gressist Lannes de Montebello 4361 Stimmen. Ein anderer land" verteidigt werden sollte. unabhängiger Sozialist erhielt 172 und ein Kandidat der von der Polizei beobachtet, während eine andere, einige hun- Der Zirkus Busch faßt ungefähr 5000 Personen. Wenn geeinigten Sozialisten 69 Stimmen. Die Wiederwahl Paindert Mann starke Abteilung sich unbemerkt nach dem Quat begab, den sie völlig besetzte. Bald darauf lief der Dampfer er boll geworden wäre, fornten die Konservativen einen levés, der ein Gegner des Dreijahresgesetzes ist, ist wahrschein begab, den sie völlig besetzte. Bald darauf lief der Dampfer doppelten Erfolg buchen, denn sie hatten ein Eintrittsgeld lich. Im sechsten Arrondissement wurde der Progreſſiſt Mountjoy" in den Hafen ein und legte an. Abteilungen von 20 Pf., für die Logen 1 Mt. angesetzt, hätten sonach einen Charles Benoist, der Vorkämpfer der Wahlreform, wieder. und die Reklame einer gelungewurden in Automobile gebracht, die sofort abfuhren. Die erbarm. Es waren in dem weiten, weiten Zirkusraum ganze der neugebildet iſt, wurde der Bonapartiſt Laſies gewählt. unterbrochen, bis die Ladung ausgeschifft war. Die Waffen nen Versammlung obendrein für sich gehabt. Aber daß Gott gewählt. Im zweiten Wahlkreis desselben Arrondissements, Arbeiten wurden die ganze Nacht fortgesetzt. Beilages 600 Personen, die mit Gott für sönig und Baterland unter Im dritten Arrondissement wurde der Sozialistisch- Radikale anbruch fuhr das Schiff nach vollendeter Ausladung mit un- der Führung des Pfarrers Philipps, des Grafen Buech wiedergewählt. Ebenso im achten Arrondissement der bekanntem Ziele davon. In Bangor erwartete eine ganze estarp und des christlichen Arbeitersekretärs Behrens Konservative Denys Cochin. Im elften Arrondissement steht Flottille von Motorbooten ein Schiff, das Waffen von dem kämpfen wollten. Vielleicht auch noch nicht einmal tämpfen der Sozialistisch- Radikale Paté, ein Fürsprecher des DreijahrsDampfer Mountjoy" erhalten hatte. Die Ladung wurde wollten, denn mitten in der auf eine Stunde Dauer angesetzten geseges, in Stichwahl mit dem geeinigten Sozialistisch- RadiEin anderer Dampfer landete in Donaghadee, wo 70 Versammlung riß auch noch ein guter Leil aus. Es waren falen Hyacinthe- Loyson. In St. Etienne, Wahlkreis St. Cha Tonnen Gewehre und Munition ausgeschifft wurden. Bolizei schönen Sonntagmittag verðarben. Der Pfarrer Philipps mond, ist Briand wiedergewählt. abgedroschene Phrasen, die ihnen den Geschmack an dem und Küstenwachen waren machtlos. Ein Wachtmann, der auf wetterte. gegen Kirchenaustritt und Geburtenrüdgang und m die Polizei rannte, um Bericht zu erstatten, verstarb an Herz predigte Gottvertrauen. Graf West arp, dem die Verschlag. teidigung des Königs zugefallen war, feierte die Hohenzollern Wien, 26. April. Wie auf Grund des offiziellen Abendbulletins und predigte schärfsten Kampf gegen alle Demokraten und bekannt wird, ist im Befinden im Laufe des heutigen Tages keine Sozialdemokraten, die die Republik im Herzen tragen. Und wesentliche Veränderung eingetreten. Der Zustand des Kaisers Behrens haspelte sein Pensum, das Vaterland zu verherr- zeigt die Tendenz zur Besserung. Der Kaiser hat abends um Kgl. Schauspielhaus. Alles um Liebe, roman- lichen, schlecht und recht im Schweiße seines Angesichts her- 7 1hr mit Appetit gegessen und ist fieberfrei. Der Kräftezustand tische Komödie von berbert Gulenburg. Unter den vielen unter, vermochte sich aber auch nicht über den allergewöhn- und Herstätigkeit sind befriedigend. schwachen Stücken Gulenburgs hatte sich das Kgl. Schauspielhaus lichsten Bhrasenbrei zu erheben. Und dafür mußten die Leute eines der allerschwächsten ausgesucht, das schon vor ein paar Jahren in Hamburg und in München eine Ablehnung erfuhr. Die noch 20 Pf. Eintrittsgeld bezahlen. borgenommenen Aenderungen haben an der bodenlosen Konfusion der Anlage nichts zu bessern vermocht. Co wiederholte sich der Berliner Theater. Weil sie nicht zusammenkommen konnten. Das Befinden des Kaisers Franz Josef. Wien, 26. April. Im Gegensatz zu dem offiziellen Abend bulletin erfährt der Vertreter der Telegraphen- Union aus Hof= freisen, daß im Befinden des Kaisers keine Besserung ein= getreten ist. Vielmehr beginnt das Leiden des Kaisers seiner nächsten Umgebung Besorgnis einzuflößen. Die Aerzte befürchten, daß bei dem Charakter der Krankheit das Herz affiziert werden und Rollaps eintreten könnte. Auch mit dem Eintritt Ein deutscher Ballon in Frankreich gelandet. Paris, 26. April. Ein am Sonnabend in Barmen aufDurchfall. Der von den" handelnden" Personen unter der Aegide Gestern Sonntag morgen furz nach 5 Uhr warfen sich der eines geheimnisvoll- prätentiösen Alten verzapfte Unsinn fiel dem 20 jährige Arbeiter Alfred Schwarz aus Berlin, Caprivistr. 14, doch sicher nicht verwöhnten Publikum am Ende derart auf die Nerven, daß sich bei einem Worte unwillkürlicher Selbstkritik die und seine Braut, die 16 Jahre alte Arbeiterin Else Ebert aus der einer Lungenentzündung muß gerechnet werden. Memeler Str. 3, hinter dem Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde aufgehäufte Bein elementar entlud. Die Erklärung des Alten, eine seiner Reden sei doch der reine Blödsinn, entfesselte durch die vor einen Eisenbahnzug. Das Mädchen wurde auf der Stelle geEchlagtraft ihrer Wahrheit einen Beifallssturm zustimmenden Ge- tötet, der junge Mann mit schweren Verletzungen nach dem Kaiſerin gestiegener Zuftballon landete heute vormittag bei lächters, der freilich ebensowenig wie das starke Bischen den Dichter Auguste- Viktoria- Krankenhaus geschafft. Der junge Mann ist Angoulins- sur- mer, 300 Meter vom Meere. Da von dem hinderte, auf den Applaus der Getreuen vor den Vorhang zu ebenfalls schwer verletzt, es mußte ihm bereits das linte Bein herbeigerufenen Präfetien festgestellt wurde, daß sich nichts verabgenommen werden. Dem Mädchen war der rechte Arm und das dächtiges in dem Ballonkorb befand, wurden die Luftschiffer wieder Das Stüd spielt laut Theaterzettel„ in und bei irgendeinem linke Bein glatt abgefahren. Schwarz gab bei seiner Vernehmung freigelassen. Es waren dies drei deutsche Industrielle namens Schloß in Deutschland im goldenen Zeitalter". Zwei Söhne eines fognafvergnügt gestorbenen Grafen haben sich im Gegensatz zu an, jie seien beide gemeinschaftlich in den Tod gegangen, weil sich Bruno Schmit, Hugo Kaulen und Karl Werschen; fie beabsich dem Erzeuger der Liebe gewidmet. Der eine, Lucian, der eine ihrer ehelichen Verbindung nach seiner Ansicht unüberwindliche tigten eine Trainierfahrt nach Spanien für das Gordon- Bennettausgezeichnete Frau besitzt, in der Weise, daß er abwechselnd be- Schwierigkeiten in den Weg stellten. An seine Angehörigen hatte Rennen der Lüfte. gisterte Breisreden auf seine wadere Leonore hält, in tölpelhafter das junge Baar Abschiedsbriefe gerichtet. Eifersucht ihr zusetzt oder sie betrügt, tommen. Selbstmord eines Muttermörders. Großfeuer in Hamburg. Hamburg, 26. April. Heute nachmittag entstand in den Fabrikanlagen der Wilhelmsburger Chemischen Fabrit Feuer, und zwar in den mechanischen Trockenräumen der Leimfabrit. Das große vierstöckige Gebäude und das Kesselhaus wurden ein Raub der Flammen, die an den großen Leimvorräten reiche Nahrung fanden. Der Echaden ist sehr beträchtlich. Raubüberfall in Warschau. der andere, der junge Witmer Adrian, indem er der verblichenen Gattin in efstatisch sentimentalem Totenfultus huldigt. Sie war die herzlichste ihres Am 4. v. M., vor ungefähr sieben Wochen, wurde in ihrer Geschlechtes! Er schämt sich seiner Echwäche, daß er die Erhabenheiten der Liebertrauer zuweilen, nach dem Los gemeiner Mensch- Krefelder Str. 20 gelegenen Wohnung die Privatiere Witive Alara lichkeit, durch Essen unterbrechen muß. Doch als die schöne Netsch, verwitwete Goedice, geborene Guthoff, erdrosselt und er Schwägrin mit einer Echwärmerei, die feiner Leidenschaft nichts schoffen aufgefunden. Wie die Ermittelungen der Kriminalpolizei nachgibt, sich in ihn verliebt und ihn der Mühe, erst zu werben, bald ergaben, war der Täter ihr eigener Sohn, der am 3. Januar überhebt, fehrt sich sein Sinn vom schwebend unbestimmten Bilde 1877 zu Berlin geborene Kaufmann Gustav Goedice. Dieser, ein der Vergangenheit rasch zur lebendigen Gegenwart. Er wird die leidender, start hinfälliger Mensch, erschoß und erdrosselte die alte Raub überfall auf einen Viehhändler und dessen Gehilfen Warschau, 26. April. In der Slizfastraße wurde heute ein biejen Szenen Hingt zuweilen ein Zon von zart beschwingter Mutter, als er mit ihr an einem Sonntagnachmittag in Streit verübt. Letterer wurde getötet, der Bichhändler, ein aweite ganz so unvergleichlich finden, wie er die erste sand. In Die Baralleltur, die Lucian, den Unbeständigen, zur geriet, blieb dann noch bis zum anderen Morgen bei der Reiche Sausknecht und eine Passantin wurden verwundet. Die Räuber Treue führen soll, bleibt im Abfurden steden. Die Liebesproben", und ergriff dann die Flucht. Schon am nächsten Tage wurde der entflohen, ohne ihre Opfer beraubt zu haben. Lhrif an. In der Einheit liegt die Macht! Wehrlos wäre die Arbeiterklasse, gäbe ihr nicht die Zusammenfassung ihrer Kräfte Stärke und Macht. Darum ist es Pflicht jedes Arbeiters, sich seiner politischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, um aktiv und mit aller Energie teilzunehmen an dem großen Befreiungskampfe seiner Klasse. Tretet ein in die sozialdemokratischen Wahlvereine, werdet Abonnenten des„ Vorwärts". Beitrittserklärungen zu den Wahlvereinen werden entgegengenommen im Berliner Verbandsbureau, Berlin SW 68, Lindenstraße 2 I. Bestellungen auf den„ Vorwärts" nehmen die Hauptexpedition, Berlin SW 68, Lindenstraße 69, sowie alle Filialexpeditionen entgegen. Theater. Montag, den 27. April 1914. Anfang 5 Uhr. Paffage Theater. Kino- Varieté. Aniang 6%, Ubr. Cines Nollendorf- Theater. Was mir die Wildnis gab. Anfang 7 Uhr. Agl. Overnhans. Die Walfire. Kgl. Schauspielhaus. Peer Gynt. Anfang 7, Ubr. Deutsches. Stönig Lear. Anjang 753 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Anfang 8 Uhr. Urania. Der Großglodner, Gastein, Salzburg. Zeining. Pygmalion. Deutsches Künstler Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Kammerspiele. Der Snob. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräter Strake. Mr. Bu. Theater des Westens. Bolenblut Theater am Nollendorfplan. Der Jurbaron. Thalia. Benn der Frühling tommt. Ricines. Marys großes Herz. Trianon. Die Notbrüde. Romödienhaus. Kammermusil Quitipielhaus. Die spanische Fliege. Deutsches Opernhaus. Monsieur Bonaparte. Schiller O. Das große Licht. Schiller Charlottenburg. Heiligen. wald. Montis Operetten. Jung- England. Residens. Der Regimentspapa. Moie. Die Dollarprinzessin. Kajino. Wo die Liebe hinjänt. Geffentliche politische Versammlungen. Oeffentl. Volksversammlung am Dienstag, den 28. April, abends 8, Uhr, in Obiglos Festsälen, Koppenstraße 29. Tagesordnung: Aus russischen Kerkern. Ein Hilferuf! Die Leiden der politischen Gefangenen Rußlands. 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Daß wir uns meiden müssen, Es kommt uns sauer an. Du warst ein treuer Diener Ostelbisch echtem Blut Und hieltst den Gutshof Preußen In strammer, strenger Hut. Weh, daß wir scheiden müssen! Nimm denn dies Zeugnis an: Stets warst du dienstbeslissen, Mein wackerer Johann! Und gab es Nasenstüber, Du wußtest, was dir frommt; Da ging dir nichts darüber: Daß erst die Herrschaft kommt! Weh, daß wir scheiden müssen! Du gehst in andern Dienst." Oft wird man dich vermissen, Weil du so willig schienst. Ein ander Feld! Behack es Als preußischer Kolonist Und zeige mal den Wackes, Was eine Harke ist! Cec. fümmert sich darum nicht um das geringste. Kein Baragraph des Strafgesetzbuches ist verlegt. Aber die Gerechtigkeit klagt laut die Lehrherrin und deren Sohn an, klagt sie an der Vernichtung eines Menschenlebens. Sie möchte eingreifen, daß diesem Paare nicht neue Opfer in die Hände fallen. Sie kann es nicht. Es gibt keinen Baragraphen, der verhindert, daß diese Modistin ein anderes Lehrmädchen nimmt, daß der Sohn es, sofern das Kind hübsch ist, verführt, und so wieder ein Menschenleben vernichtet wird. berer, und wenn es Kinder waren, die der Wahn als solche bezeich- selben Tage starb. nete. Die Juffiz diente in der Zeit der Entwicklung der Staaten Ein blühendes junges Menschenleben vernichtet! Die Justiz dieser Entwicklung, und da die Fürsten das Wort:" Der Staat bin ich" Fundamentalgrundsatz des Staates werden lassen wollten, diente die Justiz den Fürsten mehr im Laufe der Entwicklung als dem Staate. Die ökonomischen Kräfte schufen die Klassen unter den Menschen. Die Justiz machte die neue Entwidlung mit: Sie wurde die Justiz der Klasse, die herrscht. Nicht des Vorwurfes wegen soll dies hier gesagt sein; nur der Feststellung halber, daß die Justiz die ganze politische und ökonomische Entwicklung der Menschheit mitgemacht hat und mitmacht und stets ein Instrument Ich kenne einen Kartonnagenfabrikanten. Er ist zurzeit einer war, ist und sein wird derer, die herrschen und die Gewalt haben. der angesehensten Bürger des Ortes, wo er wohnt. Er verkehrt Erst in der Gesellschaft der Gleichheit, Freiheit und Brüder- nur mit den Honoratioren der Stadt. Staatsanwalt und Richter lichkeit wird die Justiz verschwinden und die Gerechtigkeit endlich drücken ihm die Hand. Er ist Stadtverordneter und war Kandidat ihren Platz einnehmen. Gerechtigkeit ist ihrem Wesen nach für den Landtag. Der Mann hat mehr Menschenleben auf dent etwas ganz anderes als die Justiz. Sie hält dem Verbrechen nicht Gewissen als ein Sternickel. Sternickel wurde geköpft. Er hat die Leichenrede. Die Gerechtigkeit steht mit ihrer Macht an den Paragraphen übertreten. Der ehrenwerte Bürger und KartonQuellen des Verbrechens und des Unrechtes und sucht mit allen Kräften die üblen Quellen auf die Dauer zu verstopfen. Sie läuft dem einzelnen nach, der aus diesem oder jenem Grunde zum Verbrechen und zum Begehen des Unrechtes neigt, und fleht und bittet ihn, davon abzustehen; sie führt ihn zurück auf die Wege, die ein Heil sind für ihn und seine Mitmenschen. Und wenn trotz ihrer Fürsorge dennoch das Verbrechen und Unrecht geschieht, dann ist der Uebeltäter für sie immer noch mehr Mensch als Verbrecher. Sie wendet alles an, ihn zu bessern und der Gesellschaft als ein Glied, welches ihr nüßlich werden kann, zurückzugeben. Verbrechen, die nie gefühnt werden. Justiz boch so viele Menschen, so daß jeder zwölfte Mensch ein teit übernommen: Sie hat ihn mit Gicht und Reißen geschlagen, bewegen kann. nagenfabrikant hat dies niemals getan. Vor fünfundzwanzig Jahren war er stadtbekannt und es war stadtbekannt: Jedes hübsche Mädchen seiner Fabrik mußte bald in seinem Privatkontor erscheinen, nachdem es eingestellt war. Es fam anders aus dem Kontor heraus, als es hineinging. Einige dieser Mädchen wollten ihre Schande" nicht tragen: fic gingen in das Wasser. Zwei Mädchen sind zu Kindsmörderinnen geworden. Einige gingen den Weg abwärts und gelangten auf der Straße au. Erst als die Organisation in dem Städtchen auffam und der Kaße die Echelle umhängte, wurde dem Unwesen des Menschen gesteuert. Er haßt Das Thema führte weit. Aber es war notwendig, dies alles noch heute dafür die Organisation der Arbeiter grimmig und wird zu sagen. Erst der fundamentale. Unterschied, der zwischen Justiz gerade deshalb als eine besondere Staats- und Ordnungsstüße geund Gerechtigkeit besteht, macht es flar, warum in der Gesellschaft priesen. Keine Justiz hat je auch nur versucht, diesem Wüstling soviel Verbrechen ungejühnt bleiben. Fast dürfte gesagt werden: das Handwerk zu legen. Und eine Gerechtigkeit lebt nicht in der warum das Verbrechen nicht gefühnt wird. Und dabei straft die Gesellschaft. Nur die Natur hat ein wenig das Amt der GerechtigBestrafter ist, wenigstens in Deutschland. Der Paragraph schafft so daß er heute nur mit Hilfe eines Dieners mühsam sich fortEine Plauderei von Sepp Oerter. eben nicht das Verbrechen aus der Welt; man könnte eher sagen: Wir haben eine Justiz. O, sie bildet sich sehr viel ein und er schafft es. Für die schlimmsten Verbrechen gibt es dabei nicht Als der Herr Brauereidirektor gestorben war, hielt ihm der evans glaubt von sich sogar, daß sie die Trägerin der Gerechtigkeit wäre. einmal Paragraphen. Die Justiz kennt diese Verbrechen gar nicht, gelische Stadtpfarrer eine ergreifende Leichenrede; erster Klasse Ein wahnwißiger Irrtum. Die Justiz hält dem Verbrechen und die die Gerechtigkeit auf das tiefste beklagt. Begräbnis; Preis 240 Mart ohne Trinkgelder. Der Herr Pfarrer nur insoweit als es ein Strafgesetz übertritt die Leichenrede. Wie man auf solche Gedanken kommt über Justiz und Gerech- sprach von ihm als dem geliebten Familienoberhaupt, das ein VorSie straft. Warum? meiß sie selbst nicht genau, und wirft sich tigkeit? Das ist sehr einfach. Ich las in einem Blatte eine ein- bild aller Tugenden gewesen sei. Die Wissenden kicherten, und in die Brust und verkündet stolz: Ich habe Gerechtigkeit geübt! fache Notiz, die kein besonderes Ereignis mitteilte, sondern ein auch der Herr Pfarrer gehörte zu den Wissenden. Er ficherte aber Niemand tennt weniger das Wesen der Gerechtigkeit als die selbst sehr alltägliches. Aber das ist gerade das Erschreckliche daran, und nicht. Es war eigentlich auch nicht zum Kichern. Denn dieser gefällige Justiz. Niemand ist ihr ferner und muß ihrer immer bebend fragt Herz und Verstand: Warum geschieht das? Warum Mann, den, wie der Herr Pfarrer sagte,„ eine tüdische Krankheit ferner bleiben als sie. Wie oft erschrecken die Menschen über die darf das geschehen? Die Antwort lautet: Weil es wohl eine Justiz in der Blüte seiner Mannesjahre dahingerafft hatte", war der Urteile der Justiz Sie moren und sind der Meinung Justiz sei gibt aber feine Gerechtigkeit. Doch die Geschichte: schlimmste Verbrecher an seiner eigenen Familie. Seine Frau Gerechtigkeit, und können nicht verstehen, wie von der Gerechtigkeit Ein junges Mädchen von fünfzehneinhalb Jahren war in hatte er mit vollem Bewußtsein seines Zustandes mit der„ tückischeit ein solches oder solches Urteil habe. gefällt werden können. Ziese einem Pariser Puzatelier als Lehrfräulein. Der Sohn der Mo- Krankheit" infiziert. Seine drei Kinder hatte er für das ganze Meinung ist falsch, der Schrecken daher auch ein falscher, Justiz distin verführte das junge Kind. Die Herrin machte deshalb Vor- Leben zu Elend und Siechtum verurteilt, eines davon in das steht und stand immer im Dienste eines Interesses. Sie hat die würfe, und zwar sehr heftige dem jungen Mädchen. Der Vater Irrenhaus gebracht. Er holte sich Jahr für Jahr eine Verschärfung, gesamte politische und ökonomische Entwicklung der Menschheit des Kindes, welcher sich über das verstörte Wesen seines Kindes der Krankheit, war ein wöchentlicher Stammgast in den besseren mitgemacht. Sie hat im Dienste der Kirche gestanden, als diese beunruhigte, erkundigte sich bei der Lehrherrin und erfuhr den Bordellen der benachbarten böhmischen Grenz- und Badestädte und die Beherrscherin der Menschheit war, und verbrannte und ber- Sachverhalt. Als das Kind seinen Vater wieder nach Hauje trug überall hin, wo sein Geld und sein Einfluß Opfer bekommen vom unzureichenden Grund. Zu den echten, tvirklichen Wundertätern rechnet in erster Linie immer noch die Justiz. Sie kann mehr als Wasser in Wein Der- wandeln, sie macht aus Unrecht Recht und zwar in verblüffend einfacher Weise, indem sie das Unrecht mit Urtcilsgründen versteht. Tann ist es Recht. In dem Zwang. Gründe anzugeben, sieht man eine weit- gehende Garantie gegen Parteilichkeit und Willkür des Richters. Gr darf nicht gleich Shakespeares Falstasf trotzen:„Wie, mit Gc- Ivalt wollt ihr mir Gründe abnehmen? Und wenn Gründe wohl- feil wären wie Brombeeren, ihr sollt keine haben." Nein, mit großer Gewissenhaftigkeit gibt der deutsche Richter ganze Satz- bandwürmer und Aktenfaszikel voll Gründen von sich. Nur daß sie leider wohlfeil sind wie die Brombeeren.... Man sage oder zeige etwas, das die Justiz bei uns nicht be- gründen kann. Tor, wer sich einbildet, daß das Urteil aus den Gründen herauswachse. Nein, erst ist das Urteil im Kopfe des Richters fertig, das Gefühls-, das innerliche Werturteil und nach- träglich erst bemüht sich der Verstand, dem Gefühl die logische Rechtfertigung zu geben. Gefühle aber spotten der Logik; Klassen- instintte und politische Leidenschaften lassen sich nicht vom kalt- avwägcndcn Verstand beugen, und so entstehen die gewundenen, gliederverrenkendeü Begründungen in politischen Prozessen, die das Rad darstellen, auf das der vergewaltigte Verstand geflochten wird. Man sollte z. B. meinen, daß ein Mann, der in den Worten „Ich schlage dir den Schädel ein" keine Bedrohung sieht, in einem barmlosen„Guten Tag" und„Adieu" erst recht keine finden kann. Aber unsere Justiz bringt das Unglaubliche zuwege. Und sie be- gründet es. Beim Streik auf der Wiesbadener Steinmühle 091Z) hatte ein Streikbrecher einem Streikenden gedroht, ihm„die Hirnschale auseinandcrzuschlagen". Gleichwohl lehnte der Staats- anwalt ein Einschreiten ab. „Wenn Wilhelm Scholz(der Streikbrecher)— so heißt es in dem ablehnenden Bescheid— Ihnen(dem Streikenden) mit Schlägen gedroht und dabei auch von„Auseinanderschlagen der Hirnschale gesprochen hat, so ist nach Lage der Sache nicht wahr- scheinlich, daß er sich dabei bewußt war,. in Ihnen die Furcht var Tötung zu erwecken!" Damit vergleiche man die Haltung eines Anklagevertreters in einem Prozeß gegen Streikende, der Ende Januar 1914 in Frankenberg i. Sa. verhandelt wurde. In der Verhandlung konnte den Streikenden nicht die geringste Ungebührlichkeit nachgewiesen werden. Dennoch plädierte der Amtsanwalt auf Schuldig: „Wenn auch keine tätliche Beschimpfung oder Bedrohung der'Arbeitswilligen seitens der Streikenden vor- liege, so müsse doch schon in dem öfteren Zusammentrcfsen mit den Streikenden auf der Straße eine peinliche unangenehme Be- lästigung erblickt werden." Ter Unterschied zwischen der zarten Natur des Streikbrechers und der höchsr robusten des Streikenden leuchtet auch aus U r- teilen hervor, die von Gerichten gefällt und sorgfältig be- gründet werden. Der berüchtigte Streikbrechcragent Kaczmarek hatte einem Streikenden gedroht, ihn in die Panke zu schmeißen und ihn später wirklich hingestoßen und mißhandelt. Dennoch sah das Gericht in den Worten„ich schmeiße dich in die Panke" keine Bedrohung, denn sie seien„nicht ernst gemeint gewesen".— Aber erst jüngst hat ein streikender Arbeiter einen Monat in Untersuchungshaft gesessen, weil er zu ihm begegnen- den Streikbrechern gesagt hat:„Na, wo wollt ihr denn hin," und in Breslau erhielt 1912 der Beamte des Glaserverbandes Gefängnis, weil er beim Ansprechen eines Streikbrechers— vor diesen hingetreten war! Damit, so entschied dke Mundrhkainmer, sei dieser bedroht worden, denn er habe ihm„den Weg verstellt". Von den Streikenden verlangt man also, daß sie homerische Helden an Kühnheit übertreffen, sie müssen die schlimmsten Drohungen gleich artigen Scherzen mit Lachen quittieren, einen Streikbrecher darf dagegen schon der Anblick eines fremden Menschen in Todesängste versetzen. Man siehl, es läßt sich alles begründen! Im allgemeinen wird man glauben, daß Fußtritte, Ohr- feigen, Stöße und Schläge Tatsachen sind, die sich mit allen Gründen nicht wegdisputieren lassen. Unsere Kriegsgerichte können aber mit Leichtigkeit beweisen, daß ein Vorgesetzter, der seinen Untergebenen haut, tritt, anspuckt usw. es trotz des deutlichen Augenscheins doch nicht getan hat! Ter Vizefeldwebel Plontke hat einem Rekruten ins Gesicht gespuckt. So hatten es konnte, seine„tückische Krankheit". Im Volke, das so sehr einen gesunden Gerechtigkeitssinn hat und nach der Gerechtigkeit tief innerlich förmlich lechzt, wurde Hundertemal der Schrei laut: Legt diesem Menschen doch das Handwerk! Die allzu lauten Rufer packte die Justiz und bestrafte sie wegen öffentlicher Beleidigung. Sie hatten ja Paragraphen übertreten. Ter Mann aber, der Tod und Verderben über seine Familie und über unendlich viele Menschenwesen brachte, hat nie einen Paragraphen übertreten. Seine Verbrechen blieben ungesühnt. Es gibt Menschen, die mit glühendem Herzen um die Freiheit ringen und um das Recht. Das hat die Justiz nie begreisen können. Sie hetzt diesen Menschen ihre Spitzel auf die Fersen. Die Gerech- tigkeit würde diese Menschen mit der innigsten Liebe umfassen. Würde sie bitten, ihre Mission getreu und weithin auszuüben. Die Gerechtigkeit würde ihnen die Wege bahnen, ihnen helfen, denn dieser Menschen Werk ist groß und edel. Die Justiz versperrt der Freiheit und dem Reche mit ihren Paragraphen den Weg. Und Werl sie die Paragraphen noch nicht für die genügenden Fang- netze hält, so stellt sie extra Fanghunde dazu an. Tie Verbrecher begehen Verbrechen über Verbrechen— keines wird je gesühnt. Vor zwanzig Jahren lebte in Duisburg ein Mann. Ter reiste über die Grenze nach Holland, holte dort Schriften und Zeitungen herüber und verbreitete sie unter der Bergarbeiterbevölkerung des Ruhrgebietes. Als das Netz voll war, wurde eine Reihe von Berg- leuton verhaftet, auch der Mann, von dein ich spreche. Sie wurden vor das Reichsgericht in Leipzig gestellt und zu Zuchthaus und Gefängnis verurteilt. Nur einer wurde freigesprochen— der Mann, von dem sie die Schriften erhalten hatten, der sie über die Grenze gebracht hatte. Zwei von den Verurteilten begingen im Zuchthaus Selbstinord, einer kam vom Zuchthaus für immer in eine Irrenanstalt, die den Kerker wieder verliehen, waren ge- brochene und zermürbte Menschen. Jung und kräftig haben sie einst vor ihren„Richtern" gestanden. Ter Mann, der sie alle auf dem Gewissen hatte, der einzige Verbrecher unter ihnen, erhielt eine Staatsanstellung: er wurde Wächter bei einem Kasernenneu- bau im Rheinland. Einige Monate, nachdem er diese Stellung angetreten hatte, wurde er in einem Prozeß gegen einen jungen Mann als Zeuge vernommen. Da fragte ihn der Vorsitzende: „Wie kamen Sie denn zu den Schriften?" Ter Staatsanwalt winkte dem Vorsitzenden lebhaft ab. Aber der Mann hatte e» schon heraus:„Ich bin im Austrage des Herrn Staatsanwalts in Holland gewesen, um die Schriften zu holen und zu verbreiten." Der Vorsitzende zog ein langes„So?". Der Staatsanwalt lächelte gezwungen. Ter jugendliche Angeklagte wurde zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilt. So arbeitet die Justiz. Und die Ge- rochtigkeit schänit sich, daß sie mit ihr identifiziert wird. wenigstens die Zeugen gesehen. Aber das Kriegsgericht Breslau nahm an, er habe nur vor dem Soldaten ausgespuckr und ganz per Zufall sei der Speichel dem Retruten(der auch gcohrfcigt morden war) inS Gesicht geflogen! Tas erinnert direkt an den bekannten Witz von Mikosch, der von einem Fremden angespuckt, mit einem achjelzuckenden„Mangel an Uebung" quittiert! Ucberhaupt herrscht ein Pech der Vorgesetzten bei ihren Körper- bewegungen, das man als„Richtungsspuk" bezeichnen möchte. Leutnant v. Tippelskirch lRegiment Hamburg) stößt beim Lauf- schritf einem ermatteten Soldaten mit der Säbelscheide in die Kniekehlen— so meint dieser. Aber o nein, sagt das Kriegs- gericht, dem Leutnant ist nur unabsichtlich die Säbelscheide in der Richtung des Soldaten ausgerutscht. Der Sergeant Schulze (Füsilierregiment 36) hat einen Soldaten so geohrfeigt, daß Blut aus der Nase floß. Das Kriegsgericht meint, ihm sei„im Orange der Geschäfte die Hand ausgerutscht.— Ein Fußtritt in den Unterleib, den der Sergeant Roßdeutscher(I. Eisenbahnregiment) beim Exerzieren einem anstürmenden Pionier versetzt, ist nach Ansicht des Oberkriegsgerichts des Gardekorps eine„unbeabsichtigte Abwehr mit den Beinen".— Vor dem Dresdener Kriegsgericht bekundeten dieser Tage ein Aizefcldwebel und ein Rekrut, daß der Hauptmann und Kompagniechcf Blank lJnfanterieregiment 178) dem Rekruten beim Exerzieren von hinten einen heftigen Schlag versetzt hat, so daß ihm der Helm schiefrutschte. Das Kriegsgericht aber spricht den Hauptmann frei, denn es könne nur von einer „Berührung mit der Hand" gesprochen werden. Mit Gründen wird man es auch nie belegen können, daß dieselbe Sache gleichzeitig gut und böse ist. So verhält es sich sonderbarerweise mit der Freiheit des Arbeitsver- träges. Wenn es sich um den„Schutz der Arbeitswilligen" handelt, so ist die Freiheit des Arbeitsvertrages das heilige Palladium der bestehenden Gesellschaftsordnung. Der Vorsitzende der Strafkammer in Erfurt, Landgerichtsdirektor Siebert, be- gründete mehrfach die exorbitanten Strafen, die seine Kammer wegen Streikvergehen verhängte, mit dem Satze:„Wer einen andern in der Freiheit beschränkt, zu arbeiten, wo er will, vcr- geht sich gegen die Autorität des Staates."— Das hindert aber nicht, daß ein Fleischermeister in Mügeln, weil er von der Freiheit des Arbeitsvertrages Gebrauch gemacht und gegen den Willen der Innung mit seinen Gesellen einen Tarif abgeschlossen hat, darob vom Landgericht Dresden fürchterlich den Kopf ge- waschen bekommt. Weil er die Tatsache des Tarifabschlusses öffentlich bekanntgegeben hat, wirft ihm die schriftliche Urteils- begründung vor: Untreue, Verletzung des Anstandsgefühls, Ber- stoß gegen die guten Sitten, ja sogar geschäftliches Freibeutcrtum! Wo bleibt hier die„Autorität des Staates,.?! Zum Schluß das Bild eines Richters, dem es nicht darauf an- kommt, sich selber mit seinen Gründen zu ermorden. Im De- zember 1912 wurde vor dem Chemnitzer Schöffengericht der fort- schrittlich: Abgeordnete und Landgerichtsdirektor B r o d a u f von einer Widerklage der„Chemnitzer Volksstimme" f r e i g e- f p r o ch e n, der er vorgelvorfen hatte, sie schlage einen„Sau- hcrdenton" an. Im Februar 1914 wird der verantwortliche Re- dakteur der„Volksstimme" wegen Beleidigung des Stadtrates in Burgstädt von demselben Gericht verurteilt, weil er die Umwandlung des gleichen Kommunalwahlrechts in ein Drei- klassenwahlrccht als, Wahlrcchtsraub" bezeichnet hatte. Die schriftliche Begründung beider Urteile liegt zufällig in der Hand desselben Richters, des Amtgerichtsrat Dr. Engel- mann. Und was tut dieser? Im ersten Urteil schreibt er: Der Ausdruck„Sauherdenton" ist ein Fachwort im politischen Sinne und keine Beschimpfung. Im zweiten Urteil schreibt er: Ter Ausdruck„WahlrcchtSranb" ist kein politischer Kunstausbruck, sondern dezeichnet etwas Unehrenhaftes"nd Un- erlaubtes. Wer stellt zwischen diesen beiden Aussprüchen desselben Richters die logische Brücke her? Wenn das aber nicht möglich ist, was ist dann die Urteilsbegründung mehr als eine böchst über- flüssige Farce? Man könnte es jedenfalls einem soz�aldemokrati» schen Angeklagten nicht verübeln, wenn er den zur Urteilsbegrün- düng anhebenden Richter mit den Worten des Zaust unterbräche: —-- Hör!— merk dir dies— Ich bitte dich, und schone deine Lunge. Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge, Behätttz gewiß Und komm, ich Hab des Schwätzens Ueberdruß, Denn du hast recht, vorzüglich weil ich muß! Ich möchte gerne weiter plaudern von so unendlichen vielen Fällen, die das Leben mir vor die Füße warf. Aber achte doch ein jeder selbst auf alle Fälle, wo die Verbrechen ungesühnt bleiben. Es sind ihrer gar viele, mehr als derer, die gestraft und gesühnt werden;' es sind die größten Verbrechen. Erkenntnis gewonnen— ist viel gewonnen Und die Erkenntnis muh gewonnen werden— deshalb diese Plauderei—, daß die Justiz etwas anderes ist und die Gerechtigkeit wieder etwas ganz anderes. Tie Justiz ist das Instrument eines Interesses und schlägt nieder. Tie Gerechtigkeit dient der gesamten Menschheit. Sie schützt vor und heilt. Die Justiz erwächst auf dem Boden eines Staates und einer Gefell- schaft, die Interessen von Personen, Klassen oder Institutionen zu schützen haben. Die Gerechtigkeit kann nicht sein, wenn die Frei- heit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit nicht ist. Kein Verzagen und kein Erschrecken deshalb, weil es keine Gerechtigkeit gibt auf der Welt— sondern gekämpft dafür, daß die Gerechtigkeit den Boden findet, auf dem sie allein gedeihen kann. Den Boden schafft ihr die Beseitigung der Klassenherrschaft, die Eroberung der Macht durch die Massen, die gleich, frei und brüder- lich sein wollen— die Massen der Sozialdemokratie. Das Gesthent. Von Ernst Preczang. Georg Hesse, der Klassenerste und Sohn des Dorffleischer- meifters. hatte es' angeregt: den Lehrer zu feinem Berufsjubiläum zu beschenken. Pelzow, der Lehrer, führte nämlich im Nebenamt die Geschäfts- bücher des Herrn Hesse, der immer den Krampf im Daumen kriegte, wenn er eine Stahlfeder sah. Außerdem hatte der Lehrer zuweilen Ideen, die sich von Herrn Hesse mit Würde im Gemeinderat vor- tragen ließen und ihm den Ruf eingebracht halten: he is'n tlauken Kirl. Und das war er ja auch. Deshalb schlug er vor: dem Lehrer einen Blumenstrauß und einen Löpfündigen Schinken zu überreichen. Dazu sollte Georg ein Gedicht aufsagen. Dieses ganz umsonst, wohingegen der Schinken zum Marktpreise von der Klasse erworben werden mühte. Die Idee fand Anhänger und Widersacher wie jede Idee. Auf der ersten Schulbank war die Begeisterung am heftigsten; aber je weiter Georg nach hinten kam, desto milder wurde sie. DaS Won Schinken hatte für manchen einen fatalen Beigeschmack und verursachte ein schmerzliches Ziehen in den Lenden. Viele wollten sich die Sache erst noch überlegen und auch mit den Eltern sprechen, da diese doch in den Beutel greifen mußten. Chamäleon. Herr Rudolf L e b i u s, der Besitzer und Chefredakteur der „Staatsbürger-Zeitung", beschwert sich in einem kürzlich erschiene- ncn Artikel, daß ihn der„Vorwärts" ein politisches Chamäleon gc- Nannk habe, daß er bald bei dieser, bald bei jener Partei tätig gewesen sei und fortwährend seine Ansicht gewechselt hätte. Zum Beweise dafür, wie der„Vorwärts"„lügt" und„schwindelt", er- zählt Herr Lebius seinen Lebenslauf als Politiker: er sei zuerst an nationalliberalen Blättern tätig gewesen, dann wäre er Redakteur eines bürgerlich-demotrati schen Blattes geworden und schon nach drei Monaten zur Sczialdemo- k r a t i e übergetreten, und da er auch dort keine Befriedigung ge- Pfunden, habe er sich den National sozialen zugewandt, aber diese bald wieder verlassen und keiner Partei angehört; im Grunde genommen, wäre er schon seit einem Jahrzehnt n a t i o- nal-demokratisch.— Wer nach diesem Geständnis noch be- hauptct, Herr Lebius wechsele fortwährend seine Farbe wie das Chamäleon, ist ein„Verleumder" und ein„Strolch"; denn:„Nur Böswilligkeit kann abstreiten, daß hier eine organisch gewachsene politische Entwicklung vorliegt". Trotzdem scheint die„Entwicklung" noch nicht abgeschlossen zu sein. Wie wäre es sonst möglich, daß ein National-D emokrat die konservativ-anti semitische „Staatsbürger-Zeitung" redigiert und darin eine konservative und bis vor einigen Wochen auch eine antisemitische Parteipolitik vertritt! Demokratie und Konservativismus scheiden sich wie Wasser und Feuer, und wenn ein Demokrat an einer konservativen, oben- drein noch antisemitischen Zeitung arbeitet, dann schreibt er ent- weder gegen seine bessere Ueberzeugung, oder er ist so wirr im Kopse, daß er beide Weltanschauungen verwechselt. Herr Lebius wehrt sich zwar gegen den Verdacht, daß die Haltung des antisemitischen Moniteurs aus besonders nahe Be- Ziehungen zu den Konservativen schließen lasse; er deutet aber an, daß diese seinem Blatte politisch nahe ständen, zumal da nach seiner Meinung die konservative Partei neben der deutschvölkischen Gruppe die„deutscheste"(I) aller Parteien sei. Gleichzeitig schreibt er, daß„die„Staatsbürger-Zeitung" lediglich ein deutsches Blatt ist. Dieses Wort„d e u t s ch" ist zugleich ein Programm für das Blatt", heißt es in dieser konfusen Erklärung. Sind denn die Blätter anderer Richtungen nicht deutsch? Ist der„Börsen- Courier" ein chinesisches Blatt, die„Freisinnige Zeitung" ein eng- lisches Blatt oder wird die„Tägliche Rundschau" von Kanakcn der Sandwich-Jnseln geschrieben? Der„Vorwärts" hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, daß die „Staatsbürger-Zeitung" plötzlich den Antisemitismus aus ihrem Programm gestrichen und die Judenhetze aus ihren Spalten ver» bannt habe, und er hatte daran die Frage geknüpft, welche Rich- tung wohl jetzt Lebius in seinem Blatte einschlagen werde. Dieser hatte aber sehr bald eingesehen, daß die„Staatsbürger-Zeitung" ohne antisemitische Tendenz nicht zu halten ist, deshalb kehrte er nach kurzer Zeit wieder zu seiner alten Liebe, der Judengegner- schaft, zurück. Nach diesem mißlungenen Experiment muß Herr Lebius seinen Lesern verdächtig erscheinen, nämlich als ein Mann, dessen Antisemitismus nickst echt ist. Das weiß Herr Lebius genau, deshalb möchte er die Geschichte der Schwenkung seiner Zeitung gern vertuschen; deshalb auch nennt er unsere Mitteilung»Vorwärts» schwindeleien". Wie sehr ibm daran gelegen ist, sich zu rechtfertigen und seine Leser im Dunkeln zu lassen, geht daraus hervor, daß er sich nicht scheut, in einem„Verlag und Redaktion der Staatsbürger- Zeitung" unterschriebenen Aufruf die Leser aufzufordern, sich bei ihm zu melden, die von den„Verdächtigungen und Verleumdun- gen", die„gegen die Staatsbürger-Zeitung und ihre Richtung absichtlich und geflissentlich verbreitet werden", Kenntnis erhalten haben, damit„die Verleumder strafrechtlich zur Verantwortung gezogen" werden können. Ein Bluff, der den politischen Farben- Wechsel verdecken soll. Wenn es dem Verlage und der Redaktion wirklich darum zu tun ist, den„Verleumder" zu ermitteln, brauchen sich beide nur an Herrn Lebius zu wenden. Oder will Herr LebiuS ableugnen, daß er Herrn Dr. Nathansohn, den Generalsekretär der gelben Werkvcrcine, zur Mitarbeit aufgefordert hat mit dem Bemerken, die„Staatsbürger-Zeitung" sei nicht mehr antisemitisch, und weiter bereils zu jener Zeit einen anderen jüdischen Schrift- st eller zur Mitarbeit herangezogen hat, der wahrscheinlich seine Tätigkeit auch heute noch ausgeübt. Thomas Ruschekohl aber von der letzten Bank sagte einfach: „Nee! Geh ab!" Ganz kurz und schroff. Für ihn war die Idee nicht diskutabel. Dieser Thomas Ruschekohl war überhaupt ein ganz merkwürdiger Junge. Lang und dürr aufgeschossen, überragte sein blasses, trockenes Gesicht die ganze Klasse. Er saß als Letzter auf der letzten Bank. Da hinten war es ein wenig dämmerig, namentlich an trüben Winter- tagen, aber dies blaffe, trockene Gestcht leuchtete gewissermaßen, leuchtete als ein wsißer Fleck aus dem grauen Hintergrunde her. Immer wieder fühlte Herr Pelzow sich dadurch irritiert. „Schau nicht schon wieder so frech!"... Und Thomas Ruschekohl gab sich die größte Mühe, noch er- gebener, noch geduldiger, noch aufmerksamer dreinzuschauen, als das ohnehin in seiner Natur lag. Ja, er wäre am liebsten unter die Bank gekrochen, aber das war auch nicht erlaubt. So zog er sich denn gewaltsam zusammen, duckte sich, soweit es sich eben machen ließ, und sank allmählich mit der Nase aufs Tintenfaß. „Thomas Ruschekohl! Du paßt nicht auf! Wovon habe ich eben gesprochen?!" Und Thomas schnellte empor, rang die mageren Hände kramps- hast in einander und begann zu stottern. Irgendeine Antwort, die mitunter richtig und häufig das Gegenteil war. „So dumm wie lang!" sagte Herr Pelzow dann oft.„Komm vor. Bück Dich.' Klatsch, klatsch, fttftjch. „Setz Dich!" Und Thomas seufzte, faßte sich ans Rückencndc"nd schlenkerte wieder in seine Bank hinein, um nun angestrengt deu Worten de� Lehrers zu lauschen. Aber dann richtete er sich unwillkürlich auf, und dann leuchtete sein weißes Gesicht wieder über die Klasse her. und dann„schaute er frech". Ties war zu einer fixen Idee bei Herrn Pelzow geworden. Er hätte etwas darum gegeben, dies ruhige, weiße Gesicht da hinten nicht sehen zu müssen. Tie anderen Kinder lebten ja auch nicht immer zu seiner Freude, aber ihre Gesichter erschienen indifferent, während Thomas mit seinen großen, wasserblauen Augen irgend ein verborgene» Leben ausstrahlte. Herr Pelzow las Auflehnung heraus. Trotz, versteckten Haß, Anklage. Und er benutzte fleißig den Stock als Zauberstab für die Umwandlung der Psyche. Er sprach gelegentlich mit dem Vater, der ein Taglöhner war. Aber der schüttelte verwundert den Kops:„Ree, Herr Lehr«, Kongreß für einheitliches Angestelltenrecht. Der Kongreß, dessen Zweck und Aufgabe wir in der Donner3tagnummer des" Vorwärts" besprochen hatten, tagte am geftrigen Sonntag im„ Architektenhause" zu Berlin. Anwesend waren etwa 200 Delegierte der 12 Angestelltenorganisationen, die den Kongreß gemeinsam veranstaltet haben. verhältnisse aller Angestelltengruppen einer durchgreifenden Res form in sozialem Sinne zu unterziehen. Dabei ist sich der Kongreß bewußt, daß angesichts der Uebereinstimmung der Grundfragen des Angestelltenrechts mit denen des Arbeiterrechts das einheitliche Angestelltenrecht nur eine Etappe auf dem Wege zum allgemeinen Arbeitsrecht bilden wird. Der Kongreß fordert die beteiligten Angestelltenverbände auf, die Schaffung eines einheitlichen Angestelltenrechts nach Kräften zu fördern. Vom Jahrmarkt des Lebens. Das Wochenrepertoir. ber deutschen Bankbeamten), Dr. Pfirrmann( Allgemeine Vereinigung deutscher Buchhandlungsgehilfen), Hugo Baddach ( Verband der Bureauangestellten), Dr. Höfle( Deutscher Technikerverband), Max Feder( Verband der Kunstgewerbezeichner), Georg Werner( Deutscher Steigerverband), Gold= bed( Verband technischer Schiffsoffiziere), Drews( Werkmeisterverband für das Buchbindergewerbe), Schulz( Deutscher Zuschneiderverband) zeigten an praktischen Beispielen aus ihren Berufen, daß die Zersplitterung im Angestelltenrecht die größten Unzuträglichkeiten für die Angestellten zur Folge hat, und daß deshalb ein einheitliches Recht notwendig ist. Goldbeck, der VerWie bei der Eröffnung der Verhandlungen mitgeteilt wurde, treter des Verbandes der technischen Schiffsoffiziere, betonte, daß ist das Reichsjustizamt und das Reichsamt des Innern eingeladen, er auch im Namen des hier nicht vertretenen Verbandes der nauaber nicht vertreten. Auch von den Fraktionen des Reichstages hat tischen Schiffsoffiziere für die Forderung des einheitlichen Anwie der Vorsitzende des Kongresses bemerkte anscheinend gestelltenrechts eintrete. feine der Einladung Folge gegeben. Der nun folgende Punkt der Tagesordnung lautete: Die Die Verhandlungen des Kongresses begannen mit einem Refe- Gegner des einheitlichen Angestelltenrechts. rat des Rechtsanwalts Dr. Sinzheimer- Frankfurt a. M. über Der erste Referent Sandrod vom Bunde der technisch- Trok der schon etwas vorgerückten Saison kamen in der abgeDie Notwendigkeit des einheitlichen Angestell- industriellen Beamten behandelte die gegnerischen Bestrebungen in laufenen Woche auf der politischen Bilderbühne wiederum mehrere tenrechts". Der Referent betonte, daß die Angestellten aller Unternehmerkreisen. Es wird behauptet, die Konkurrenzfähigkeit äußerst zugkräftige Schlager zur Aufführung. Aus der Fülle des Gruppen ein dringendes Interesse an einer einheitlichen Geſtal- der deutschen Industrie werde durch die soziale Gesetzgebung in Gebotenen sei zunächst genannt Das Pfundstück" oder" Buchtung des für ihr Arbeitsverhältnis geltenden Rechts haben. Die Frage gestellt. Das ist falsch. Die soziale Gesetzgebung hat dem macher und Gendarm". Die von Gottesfurcht und Königstreue Regierung verweigert bis jetzt die Erfüllung eines derartigen Ver- Raubbau an der Arbeitskraft Schranken gesetzt und dadurch die langens, sie will einstweilen auf dem Wege der sozialen Reformen Volkswirtschaft gehoben. Wenn alle unsere sozialen Forderungen erfüllten Verfasser Haneberg und Such I and verstanden es, nicht weiter gehen. Auch in den Kreisen der zünftigen Juristen erfüllt würden, dann kostet das die Unternehmer nicht soviel, als das Interesse der Zuhörerschaft bis zum letzten Afte aufrechtwill man von einem einheitlichen Angestelltenrecht nichts wiffen. sie heute freiwillig zuz Unterstützung der gelben Wertvereins zuerhalten. Ihre flott hingeworfene Burleste garantierte ihnen Nun treten die Privatangestellten selber auf, um ihre Forderung bewegung aufwenden. Zur Frage des einheitlichen Angestellten- einen glänzenden Kassenerfolg, dem leider dadurch etwas Abbruch zu erheben. An einer Reihe von Beispielen illustrierte der Redner rechts liegen offizielle Aeußerungen der Arbeitgeberorganisationen geschah, daß der Staat eine Steuer von 300 M. für sich einzog. die gegenwärtig herrschende Zersplitterung auf dem Gebiet des nicht vor. Der Zentralverband deutscher Industrieller hat einen Es fann jedoch den beiden rührigen Kompagnons der Vorwurf nicht für die Privatangestellten geltenden gewerblichen Rechts. Dieser Ausschuß zur Prüfung der Angelegenheit eingesetzt, der auch ver- erspart bleiben, daß fie nach einem alten bewährten Rezept geWirrwar muß verschwinden. Die Zersplitterung und Verschieden handelt hat. Man hat aber davon noch nichts weiter erfahren, als arbeitet haben, wie die bald darauf vorgenommene Neueinstudieheit des geltenden Rechts bei gleicher Rechtslage verlebt die ele- daß die Unternehmer in dieser Frage verschiedener Meinung sind, mentarſten Gebote der Gerechtigkeit. Das Privatangestelltenrecht aber von einer Fortbildung des sozialen Rechts nichts wissen rung der Slosedischen Komödie„ Der geschmierte Gendarm" muß nicht nur einheitlich sein, sondern auch volkstümlich und klar. wollen. Hoffentlich werden in der Angestelltenbewegung alle Kräfte oder" Der Gastwirt auf der Anklagebank" jedem Kenner bewies. Ein solches Recht ist ein elementarer äebenstern der Privat- mobil gemacht werden können, um die Widerstände de: Regierung Während bei den Herren Haneberg und Suchland das große und angestellten. Es sollte deshalb von allen Angestellten gefordert und der Arbeitgeber gegen das einheitliche Angestelltenrecht zu fleine Pfundstück im Mittelpunkt der Handlung steht, spielen beim werden, denn sie haben alle ein Interesse daran. Diejenigen, brechen.( Lekhafter Beifall.) Gendarmeriewachtmeister Slosedi, dem Vater des welche einwenden, man könne nicht die ihrer Tätigkeit nach sehr einstudierten Stückes, Wellfleisch und frische Wurst, Kognak und verschiedenen Gruppen der Angestellten rechtlich in einen Topf Bier in den einzelnen Szenen eine respektable Rolle. Jedoch war werfen, sollen bedenken, daß sie schon durch das Bürgerliche Gesetz auch seinem Stüde dank des dramatisch aufgebauten Ganzen ein buch, durch die Gewerbeordnung und durch die Angestelltenversiche sung alle in einen Topf" gekommen sind. guter Achtungserfolg beschieden. Die Vereinheitlichung des Privatangestelltenrechts ist nicht nur ein Gebot einer modernen, nach Vereinfachung strebenden Rechtstechnik, sondern auch eine Forderung der Gerechtigkeit. Wo eine Verschiedenheit der Verhältnisse besteht, und eine Differenzierung des Rechts sich deshalb notwendig macht, soll dem Rechnung getragen werden. Aber den gleichen Interessen muß der g'eiche rechtliche Ausdruck gegeben werden. Die einheitliche Ordnung des Brivatangestelltenrechts darf nicht nur eine Verallgemeinerung bestehender Sondervorschriften sein, sondern sie muß zugleich als eine weitere Entwickelung des sozialen Rechtsgedankens betrieben werden. Das bedeutet, daß alle Schutzvorschriften unzveideutig zwingenden Rechts sein müssen. Die Fürsorgepflicht des Arbeit gebers ist den neuen Schußbedürfnissen des Angestellten anzupaffen. Die sozialen Freiheitsrechte im Arbeitsvertrag und gegen über demselben müssen sichergestellt werden, es muß den Angestellten die unbedingte Koalitionsfreiheit gesichert werden, damit sie bei der Gestaltung des Arbeitsvertrages mitwirten fönnen. Es muß verhindert werden, daß ein geheimes und verstecktes Recht die Wirkungen der gesetzlichen Regelung des Angestelltenrechts ausschließt. Die Vereinheitlichung des materiellen Rechts bedarf der Ergänzung durch Maßnahmen des Prozeß- und Verwaltungsrechts. Das bedeutet: Erweiterung der Sondergerichtsbarkeit nach dem Muster der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte für alle Privatangestellten. Erweiterung der Gewerbeinspektion auf alle Fälle des Angestelltenschutzes. Arbeitskammern mit Angestelltenabteilungen im Anschluß an die unabhängigen Angestelltenverbände. Zum Schluß berwies der Referent barauf, daß die Regierung dem einheitlichen Angestelltenrecht deshalb widerstrebt, weil sie glaubt, das einheitliche Recht werde eine einheitliche, proletarisch gerichtete Angestelltenbelegung begünstigen. Das ist eine falsche Auffassung. Eine derartige Bewegung entsteht nicht durch die Wirtung rechtlicher Vorschriften, sondern durch den Einfluß ökonomischer Verhältnisse. Diese sind es, welche die Brivatange stellten brängen, sich zur Vertretung ihrer Intereffen in Roa litionen zusammenzuschließen. Wenn es sich um die Forderung eines einheitlichen Angestelltenrechts handelt, so muß auch betoni werden, daß die Sicherung des Koalitionsrechts der Angestellten cine dringende soziale Forderung ist.( Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde das Interesse der einzelnen Angestelltengruppen an einem einheitlichen Dienstvertragsrecht von Vertretern der am Kongreß beteiligten Organisationen besprochen. Georg Borchardt( Berein der deutschen Kaufleute), Karl Koch( Allgemeiner Verband neuPaul Lange vom Zentralverband der Handlungsgehilfen, der als zweiter Referent die gegnerischen Bestrebungen in der Angestelltenbewegung behandelte, führte aus, daß nicht alle hier nicht bertretenen Angestelltenorganisationen Gegner des einheitlichen Rechts find. Einige haben sich an anderen Stellen dafür ausgeAls ein erstklassisches Sensationsstüd, das noch wochenlang sprochen, aber sie beschränken sich im wesentlichen auf die Forderung der Gleichstellung der kaufmännischen und technischen An- ungeschwächte Anziehungskraft ausüben dürfte, erwies sich der gestellten, während wir für ein einheitliches, sozial fortgebildetes Thormannsche Verwandlungssketch" Der falsche Alexander" Angestelltenrecht und im weiteren für ein einheitliches Arbeitsrecht oder Wie wird man Bürgermeister?". Der jugendliche Verfasser, find. Andererseits muß aber betont werden, daß die unseren Be- von dem wir nach den gezeigten Proben zweifellos noch Großes ftrebungen entgegentretenden Angestelltenorganisationen in ihren erwarten dürfen, hat es verstanden, den Faden der Handlung so eigenen Reihen Mitglieder haben, die der Vereinheitlichung des Angestelltenrechts freundlich gegenüberstehen. Unsere hauptsäch- brollig zu schürzen, daß die Zuschauer aus dem Lachen nicht herausLobende Erwähnung verdient die Rolle des Heldenlichsten Gegner sind die großen Handlungsgehilfenverbände. Sie kommen. find Gegner des einheitlichen Rechts nicht nur wegen ihres Standes- vaters, in der sich in dem Stück ein höherer Regierungsbeamter dünkels, sondern auch aus politischen Gründen und aus Mangel an aus Bromberg versuchte und damit nicht wenig zu dem vollen Ersozialer Gesinnung. Doch die Gegnerschaft dieser Verbände wird folge beitrug. unsere Bewegung nicht aufhalten. Nußen wir die Werbekraft un- Auch auf den Vorstadtbühnen gab es in leßter Woche einige serer Forderung aus, dann wird es uns gelingen, das einheitliche recht interessante Novitäten. In Lichtenberg ging vor Angestelltenrecht zu verwirklichen.( Großer Beifall.) Rechtsanwalt Dr. Sinaheimer betonte in seinem Schluß- Jugendlichen beiderlei Geschlechts das Märchenspiel" Die poli wort, daß die Kundgebung dieses Kongresses ihre Wirkung nichttische Seidenraupe" über die Bretter. verfehlen werde, wenn jeder Teilnehmer, wo immer es ihm möglich unter anderem Titel bereits die Runde durch unser ganzes geist, seinen Einfluß geltend macht auf die politischen Parteien, daß liebtes Preußen gemacht, erwies aber auch bei der jüngsten Aufsie nicht nur mit Resolutionen, sondern mit positiven Anträgen die führung seine ungeschwächte Zugkraft. Lobende Erwähnung ver dient zum Schlusse noch die Neuköllner Bilderbühne, die sich in Forderung des Kongresses unterstützen. Schließlich wurde nachstehende Resolution einstimmig ange- letzter Woche mit einem Schlager Auf der Polizeiwache" oder Wie man Zivilisten verbläut" in Erinnerung rief. nommen: Das Stück hat 016 Die bestehenden Unterschiede in den Rechtsverhältnissen der Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sollen noch zahlverschiedenen Angestelltengruppen sind weder in den wirtschaft- reiche Erstaufführungen in Vorbereitung sein, so daß die auslichen Verhältnissen begründet, noch entsprechen sie den Forde nahmsweise ergiebige Saison voraussichtlich bis zum Schlusse das rungen der Gerechtigkeit. Auch die Bersplitterung des Dienst Interesse des Publikums wach erhalten dürfte. bertragsrechtes der Angestellten in sechs Reichsgesetze und Dußende Interesse des Publikums wach erhalten dürfte. von Landesgefeßen ist unhaltbar, weil die einzelnen Gruppen der Angestellten nicht scharf untereinander abzugrenzen sind. Sie bildet außerdem, wie die Vorgänge der lebten Jahre mit aller Deutlichkeit gezeigt haben, ein wesentliches Hindernis einer wirkjamen Sozialpolitik für alle Angestelltenberufe. Die Reklame des Detektivs. Die Gemeinheit triumphiert! Die Niedrigkeit dient als Aushängeschild, dient zur Reflame! an= Der Kongreß für einheitliches Angestelltenrecht erklärt es Paul Schwarz, der wegen Betruges, Diebstahls, Urkundenbeshalb für bringend notwendig, daß, unbeschadet der Notwen- fälschung und Unterschlagung vorbestrafte Detektiv", dem es gar digkeit, die Besonderheiten der einzelnen Angestelltenschichten zu nichts ausmachte, sich unter falscher Flagge einem armen berüdsichtigen, ein einheitliches Angestelltenrecht geschaffen wird. ständigen Mädel zu nähern, es zu betören und zu verführen, es Er betont jedoch ausdrücklich, daß ein einheitliches Recht, das sich durch Geschenke, die er ihm später wieder abnahm, zutraulich zu auf die bloße Ausgleichung der bestehenden Unterschiede und die machen und sich mit ihm zu verloben, um dem armen Ding unter formale Zusammenfassung der Rechtsvorschriften beschränken dem Druck der Verhältnisse ein Geständnis" abzupressen, das sich würde, den zu stellenden Anforderungen noch keineswegs ent- dann als ganz haltlos erwies,( eine Schuftigkeit, für die er seinerspräche; vielmehr kommt es vor allem darauf an, die Rechts- zeit zu 6 Monaten Gefängnis berurteilt wurde), dieser Mann dat kann nich sin. De Jung' is gaut und is ok flietig. Ich be-| tohls aufstieß, da stand dieser auf und brachte ein längliches| Tage des Frühlings gehen wieder dahin. Die Sonne scheint so griep dat nich." Affenliebe!" murmelte Herr Belzow, und fügte laut hinzu: " Ich werde seinen Trozz schon brechen!" Wenn ich ein Perd einfahren will, Herr Lehrer, und ich brauch man jümmer die Peitsche, dann bün ich ein schlechten Kutscher." So, das sagte der alte Ruschekohl auf hochdeutsch, schob seinen Priem auf die andere Seite, nickte mit dem Kopf und ging. Und der Stock tanzte weiter. Thomas Ruschekohls Hosenboden und das Rohr gerieten in die denkbar innigste Verwandschaft, und Thomas wunderte sich ordent lich, wenn ein Tag vorüberging, ohne daß die beiden sich näher begrüßt hatten. Bon Rechts wegen müßtest Du die Stöcke bezahlen!" sagte Herr Pelzow entrüstet, wenn einer zersplitterte." Wie kommt die Gemeinde dazu?" Deshalb also sagte Thomas Ruschekohl zu Georg Hesse:„ Nee! Geh ab!" „ Schaf!" erwiderte Georg.„ Nachher haut er Dir noch mehr." Laß ihn. Wenn er mir Blumen auf den..... malt, will ich ihm keine andern schenken. Und wenn er es immer mit meinen Schinten zu tun hat, braucht er feinen geräucherten mehr!" Döstopp! Du kriegst noch garnich genug!" Und nun war der Tag der Feier gekommen. Um den Eingang zum Schulhause zog sich eine Girlande, die oben in der Mitte ein Schild mit einer umkränzten" 25" trug. Der Gemeinderat schickte eine Abordnung, und der alte Seſſe hielt eine fleine Rede. Kurz, aber voller Dankbarkeit und Brustton. Und Georg Hesse sagte ein Gedicht auf und überreichte den Blumenstrauß. Und zwei andere kräftige Jungen brachten auf einem Tablett den Schinken, aus dessen rostrot leuchtender Schwarte ebenfalls eine 25" in ſpediger Weiße hervortrat. Und Herr Pelzow war gerührt, stammelte Dankesworte, die sich allmählich zu einer kleinen Rede verdichteten, und drückte allen die Hände. Ja, allen. Zunächst natürlich den Erwachsenen. Dann ging er die Bänke entlang. Ihr habt mir eine große Freude bereitet," sagte er. Und als er an die letzte Bank kam und einen Augenblid zögerte, weil ihm wieder das trockne, weiße Geficht Thomas Rusches Packet zum Vorschein. " Das schickt mein Vater," sagte er nüchtern. " Wie? Dein-?" Herr Pelzow war außerordentlich überrascht. Er öffnete das Papier. Eine derbe, geschmeidige Weidenrute tam zum Vorschein. Sie war mit blauen Bändchen und Schleifen geschmückt und machte einen festlichen Eindrud. Benn auch nicht so sehr auf den Lehrer, der fassungslos auf die Rute in seiner Hand starrte. Was was soll das?!" " Damit möchten Sie mich schlagen," sagte Thomas leise und schüchtern. " Was für' ne Frechheit!" schrie Herr Heffe.„ Schlagen Sie ihm das Ding um die Ohren!" Das wollte Herr Pelzow im ersten Augenblick. Aber nur im ersten. Denn er sah in diesem Moment scharf in Thomas Augen. Und er sah ein Gesicht, das er nicht fannte. Fühlte blißartig, daß dieser Junge in all den Jahren ein ganz Fremder für ihn gewesen war. Daß er sich nicht die Mühe genommen, ihn kennen zu lernen. Daß er hier blind und töricht auf etwas Gutem herumgeprügelt hatte. Er wurde blutrot und neigte einen Augenblick das Haupt und das war eine stille Bitte um Verzeihung. Dann drückte er Thomas Ruschekohl warm die Hand und sagte: ..Ich danke Dir! Auch Deinem Vater. Grüße ihn von mir!" Und die Rute mit den blauen Schleifen hing er in seinem Wohnzimmer auf. Dort hängt sie noch heute. Und wenn der Besucher fragt, dann antwortet Herr Belzow: Ein Geschent. Das wertvollste, das ich jemals erhielt." Warenhaus im Frühling. Es ist früher Nachmittag und in allen Abteilungen Ruhe. Die Verkäuferinnen wissen nicht, was sie mit der Zeit anfangen sollen. Das Leben ist so kurz, und ein Tag hinter dem Ladentisch so lang. So lang. Vor fünf, bor sechs geht es nicht wieder los. Noch stehen die Frauen und Mädchen, die in diesem Warenhause ihre Einkäufe besorgen, in den Fabriken und Arbeitsstuben. Zwischen fünf und sechs werden die ersten auftauchen. Ab Die Baderinnen sizen müßig. Gähnen und plaudern. und zu nur werden sie bemüht. So vergehen Stunden mit nichts. Stunden des Wartens und der Langenweile. Die wundervollen und warm und die Luft ist so rein. Sie schmeichelt und lockt jenseits der Brüde fahren die gelben Wagen nach Treptow. Wer doch jetzt nach Treptow fahren könnte. Wer doch im Alten Eierhäuschen oder sonstwo bei Kaffee und Kuchen am Wasser sizen tönnte. O, wer das doch könnte. Wie stark ist an den Arbeitstagen die Sehnsucht nach einer Wanderung im Grünen, nach einem Kaffeetrunk unter Bäumen. Unter blühenden Bäumen. 2 Uhr ist es erst. Und wenn man nach acht wieder auf die Straße tommt, ist es fast Nacht. Die schöne, warme Sonne ist we und alles grau. In der Musikalienabteilung hat sich ein Mann anz Klavier gesezt. Aufhorchend blicke ich in die Höhe. Er spielt ein Lied, das mir fremd ist.. Aber da, als ich mich schon zum Gehen wende, Rührend beginnt er mit dem Mendelssohnschen Frühlingslied. steigt es in die sonnige Glaskuppel empor. Auf Tischen und in Regalen liegen tausende Waren, entstanden unter den Händen von Unfreien, um hier wieder an Unfreie verfauft zu werden. Waren und Tand. Viel Tand. Die Menschen sind an die Arbeit gefettet und am Tand hängen sie. Wie unfrei sie doch sind, wie elend. Die Tage des Frühlings sind wieder hier, mit tausend Stim men ruft die Natur; aber die jungen Mädchen warten hinter den Ladentischen auf den Ansturm derer, die jetzt noch in den Betrieben find. Und das Lied will fast die Wände sprengen. So sehnsüchtig flingt es. Hinter den Tischen träumen welkende Mädchengesichter. Es ist noch lange bis zum Abend, der dunkel ist und grau. Wer aber jetzt hinaus könnte. Von der Jannowißbrücke gehen so viele Dampfer ab. Nach den Müggelbergen und überall hin. Das Leben ist so furz, und ein Tag hinter dem Ladentisch so lang. So lang. Fiel Korn... Fiel Korn um Lied, fiel Lied um Korn Aus unbekümmert weiter HandUnd manches fiel auf Stein und Dorn Und manches auch auf gutes Land. Der Sämann sieht es an dem Tag Der ersten Ernteschau. Er sinnt Und sammelt dankbar den Ertrag, Bemessend, wie er nun beginnt. Rarl Hendell. Z B B B B B AA B A 21 21 11 11 11 W 0 a g 91 ce i mit dem weiten Gewissen entblödet sich nicht, im B. T." vom 19. April in folgender Weise zu inserieren: Paul Schwarz Der Detektiv als Bräutigam. Gewissenhafte Bearbeitung in Ehescheidungen und Strafsachen( speziell Kapitalverbrechen). Beobachtungen und Ermittelungen auf Reisen im In- und Ausland." Aus aller Welt. Eduard Sueß gestorben. Gemeinsam wird Rast gemacht und gemeinsam der Weg weiter fortgesetzt. Aber nicht selten fommt es vor, daß die ganze Mannschaft Halt machen muß. Bei dem Fahren über schlechte Wege, über spike Steine werden die Mäntel der In Wien ist 83 Jahre alt der Geologe Eduard Sueß gestorben, Räder böse mitgenommen und auf offener Straße muß die eine mannhafte vorbildliche Gelehrtennatur, die immer den Weg Reparatur vorgenommen werden. Samariter" sind oft schnell aus der Studierstube ins öffentliche Leben suchte und fand. Als zur Hand, die„ Wunden" werden verbunden, der Schaden Wiener Student gehörte er 1848 der Akademischen Legion an; er geheilt und weiter geht es, dem Ziele zu. Gerade diese gegen ist wohl der letzte ihrer Ueberlebenden aus den Sturmtagen des Der Detettiv als Bräutigam! Eine feine Reklame! Wie er feitige Silfe in Notfällen ist das Erfreulichste bei den Rad- Revolutionsjahres und ist den konstitutionellen Idealen seiner Innerlich, führte damals der Vorsitzende, bei der Verurteilung diejes touren. Besonders in den Abendstunden, wenn es nach Hause Jugend immer treu geblieben. Er gehörte lange Zeit dem Wiener sauberen Herrn aus, daß der Angeklagte, Schwarz wegen, Beleidigeht und die Fahrstraßen auch durch Fuhrwerk aller Art be- Gemeinderat an und ist in den parlamentarischen Körperschaften gung, begangen durch die Verführung der Elisabeth Heinrich, ver- lebt sind, ist das gegenseitige Aufeinanderachtgeben eine Desterreichs dreißig Jahre lang bis Ende der neunziger Jahre eifrig urteilt werden müßte, weil er über Zeichen und sehr rücksichts- strikte Notwendigkeit, was beweist, daß die Radfahrerorgani tätig gewejen. An Fragen des Volksschulwesens jetzte er seine unlos vorgegangen sei". Das ist aber kein Hinderungsgrund, Ge- sation, die auch bei Unfällen Hilfe spendet, vieles Gute und ermüdliche Kraft. Als geologischer Forscher galt er viel. In dem schäfte zu tacchen. Herr Schwarz tenut seine Pappenheimer. Er Nützliche für die Arbeiterradfahrer leisten kann. findet auch die richtige Stelle, an der unsere forrupte, fapitaldreibändigen Werke„ Das Antlitz der Erde", schuf seine frische, Träftige Bourgoisie ihre dienstbaren Geister sucht, die für Geldfahrer, die auf den nach Potsdam und Werder führenden eines Buches, das der Wissenschaft dienen und zugleich in weiteste Amt gestrigen Sonntage ging allein die Zahl der Rad- flare, das Ganze großzügig beherrschende Art das Musterbeispiel alles machen. Mitten unter den Reellen Heiratsgesuchen", unter Chausseen sich befanden, in die Zehntausende. den Vermittelungsangeboten„ Nur für vornehmste Streise" prangt die Reklame dieses fairen Geschäftsmannes! Also, bitte, meine Herrschaften, Ledienen Sie sich! Daß der Herr hervorragende Fähigkeiten bejist, hat er wohl zur Genüge bewiesen. Es kriselt. Kreise dringen will. Schweres Dampferunglück. Das Stadion und die Arbeiter. In der Nacht zum Sonntag ereignete sich in der StörDer Reichsausschuß für olympische Spiele sendet uns eine mündung ein schwerer Schiffs zusammenstoß. Der Zuschrift, die sich auf eine Notiz in voriger Montagsnummer be- von Hamburg elbabwärts kommende Dampfer Werner", mit einer zieht, in der auf die Veranstaltungen im Jahre 1915 Bezug ge- Gersteladung nach Gefle bestimmt, stieß mit dem Hanja- Dampfer nommen war. Er schreibt:„ Die für das Jahr 1915 zu StadionVeranstaltungen freien Sonntage dürften voraussichtlich, wie es Rolandsed" zusammen und wurde schwer beschädigt. Er liegt auf auch im vergangenen Jahre geschah, in dem Mitte November zur dem Störsteert unter Wasser. Der Matrose Hans Boysen Ausgabe gelangenden Stadion- Kalender beröffentlicht aus Apenrade und ein Schiffsjunge sind ertrunken. werden, worauf die von den Verbänden für Veranstaltungen ge- Der Dampfer„ Rolandsed" wurde mit eingedrücktem Vordersteven wünschten Sonntage voraussichtlich bis Ende November anzumelden in den Hafen gebracht. sein, werden. Durch den Verwaltungsausschuß des Deutschen Reichsausschusses dürfte dann die Verteilung der beantragten Sonntage an die einzelnen Stellen erfolgen. Die Parijer Straffammer verurteilte am Sonnabend den Partungsausschuß beschlossen:„ Erfolgen gleichzeitig Anträge von Ver Deflarationen über den Alkoholgehalt seiner Fabrikate ab In seiner Sigung vom 18. Dezember v. J. hat der Verwal- fümfabrikanten Rehus, der seit zirka einem Jahre falime bänden und Vereinen, die dem Deutschen Reichsausschuß ange- gegeben und dadurch den Fiskus um erhebliche Summen hören, und anderen Körperschaften, so sollen die dem D. R. A. angeschlossenen Verbände den Vorzug erhalten." geschädigt hatte, zu einer Geldstrafe von 283000 m., Wir glauben, hiermit das„ I. A. w. g.", soweit es uns zur an die Staatskasse zu zahlen hat. die R. bei jofortiger Pfändungsandrohung innerhalb zweier Jahre nur irgend möglich ist, beantwortet zu haben und zeichnen ujw." So, nun wissen wir's oder auch nicht! Der christlichen Kirche beider Konfessionen will es nicht mehr flecken. In immer stärkerem Maße macht sich der trasseste Materialismus breit, d. h. die frommen Schafe lehnen es ab, ihr Geld herzugeben für Dinge, die nicht in ihrem eigenen Interesse liegen. Selbst die sonst so glaubensstarte bäuerliche Bevölkerung fängt an, sich gegen den Grundsatz der Bibel zu wehren, gebt Gott, was Gottes ist. In der Eifel, im Dorfe Schwirzheim, ist die ganze gut katholisch gesinnte Bevölkerung rebellisch geworden; sie will der Alleinseligmachenden den Rücken tehren, weil die Kirche für den Bau eines neuen Pfarrhauses Anforderungen an sie stellt, die die sprichwörtlich avmen Eifelbauern nicht befriedigen können. Ein ähnlicher Vorgang wird aus den Dorfe Medenbach auf dem Hundsrück berichtet. Die Bewohner, zum größten Teil proteftanti- zeit scher Religion, haben denselben Pfarrhausstreit wie ihre fatholischen Leidensgenossen in Schwirzheim, und genau wie diese jeben sie sich zur Wehr durch gemeinsamen Kirchenaustritt. sündhafte Welt! Wenn am grünen Holze derartige Dinge pajjieren, wenn selbst die gottgläubigen Bauern schon anfangen, rebellisch zu werden, wird wohl bald die Zeit kommen, wo die Geschorenen und Gescheitelten sich nach einem einträglicheren Handwerk umsehen müssen. Spiel und Sport. Der Radler. Ausflugswetter! Auch den Radler treibts hinaus. Schon längst sind alle Vorbereitungen getroffen. Das Stahlroß ist in Ordnung; alle Teile des Rades sind gewissenhaft nach gesehen und mun fann die Reise losgehen. Am besten fährt sichs in Gesellschaft, wenn Maß gehalten wird. Und gerade die Arbeiterradfahrvereine Gegner aller Wettfahrerei und abgefagte Feinde der unsinnigen, Körper und Geist ruinierenden Radrennerei auf den Rennbahnen sind es, die an die Spize ihres Sportes den Grundsay gestellt haben, daß Radfahren Freude und Genuß bringen kann, wenn es in vernünftigen Grenzen ausgeübt wird. So sehen wir denn unsere Arbeiterradfahrer an den Sonntagen von ihren Starts abfahren unter Führung ihrer Fahrwarte, hinaus in die freie Natur. In furzen Abständen nebeneinander und hintereinander fahren sie dahin und sind bald unseren Augen entschwunden. Sich gegenseitig mandjes Scherzwort zurufend, sind sie bald auf der großen Landstraße, Ort um Ort hinter sich lassend. Der Turnverein Fichte hielt gestern sein Anturnen und ein Frühjahrsmeeting ab, das infolge des schönen Wetters eine starke Beteiligung aufwies. Fußball. Viktoria 1 gegen Hanja 1, 7: 2; Merfur gegen Nordista, 2: 1; Adler gegen Heria, 1: 1; Adler 2 gegen Herta 2, 2: 4; Froh- Frei gegen Nowawes, 10: 2; Froh- Frei 2 gegen Nowawes 2, 6: 2; Sport flub Mahlsdorf gegen Johannistaler Ballspielflub, 0: 3, Sperber 2 gegen Neukölln- Briz, 6: 3. Berichtigung vom vorigen Sonntag: Neu- Hellas gegen Rüftig- Vorwärts, 2:12. Faustball. Ein anrüchiger Parfümfabrikant. Ein strenges, aber gerechtes Urteil. Es wird aber auf andere Steuerbetrüger wohl wenig abschreckend wirken, denn sie sind sich überall gleich. Den Patriotismus im Munde und den Orden oder das Band der Ehrenlegion im Knopfloch, glauben sie den Talisman zu befizen, der ihre Betrügereien unsichtbar macht. Monsieur Rehus gehörte sicherlich auch zu der Gattung. Daß er jetzt fro jeines vielen Parfüms in einen so schlechten Geruch gekommen, ist das Erheiternde an der Sache. Kleine Notizen. Ein japanischer Flieger tödlich verunglüdt. Der japanische Militärflieger Oberleutnant Shigematsu ist mit einem Doppeldeder aus 500 Meter Höhe abgestürzt und getötet mor= den. Das Flugzeug fing Feuer und der Leichnam des Fliegers verbrannte. Ein amerikanisches Räuberstückchen wird aus New York gemeldet. Wie es heißt, ist es einem einzigen Banditen zuplündern. Er drang in den Postwagen ein, awang mit vorgehaltenem Revolver die Postbeamten, ihm die Bostjade auszuliefern, nahm bares Geld in Höhe von 5000 Dollars an sich, sprang aus dem fahrenden Zuge und verschwand spurlos. wawes 2, 55:33; Froh- Frei 3 gegen Nowawes 3, 68:57. Froh- Frei 1 gegen Nowawes 1, 93:86; Froh- frei 2 gegen Ro- gelungen, den Expreßzug von Hot Springs nach Hastell ausRadrennen zu Treptow, 26. April. Die Rennen des Sonntags, ausgefahrene„ Goldene Rad" mit Motorführung über 100 Kilodie als Hauptnummer das erstmalig auf der Friedenauer Bahn meter brachten, waren gut besucht; das Wetter, wenn auch etwas fühl, war sonnig bis zu Ende. Das Goldene Rad", das in zwei Läufen über je 50 Kilometer ausgefahren wurde, zeigte eine gute Besetzung; Demte, Janke, Miquel und Stellbrink gaben ihr Bestes, um den Sieg zu erringen; in beiden Läufen waren anfangs die Abstände nur gering, und erst zum Schluß verloren Jante und Stellbrink einige Runden. Den Sieg errang der Franzose Miquel, der unter allgemeinem Beifall, mit dem Lorbeerkranz fuhr; Zweiter wurde Demke, der den ersten Lauf vor Miquel gewonnen hatte. Einige Fliegerrennen", in denen 2 orenz Sieger mar, bervollständigten das Programm. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Laden- und Kontor- Einrichtungsbranche. Montag, abend 6 Uhr: geschmidt, unter den Klängen der Marseillaise eine Ehrenrunde Branchen- Versammlung " " im Englischen Hof", Alexanderstraße 27. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Leopold. Berbands. und Branchenangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. e 50 11 APPA3 21 h i Nachfolgende Ausschänke der Brauerei Oswald Bedliner find wegen Lohndifferenzen für organisierte Gehilfen gesperrt: Hadepeter Schöneberg, Hauptstr. 139- Kasino Restaurant Berlin, Friedrichstraße 126 Krug zum grünen Kranze, Alexanderplatz, fowie das in nächster Zeit zu eröffnende Restaurant Groß Berlin" Alexanderplatz, Ede Neue Königstraße Verband der Gastwirtsgehilfen, Ortsverwalt. Berlin I Ich sage es Ihnen immer wieder: Sie müssen genau auf das geschlossene Paket mit Bild und Namenszug des Pfarrers Kneipp achten. Nur dann erhalten Sie echten Kathreiners Malzkaffee. Seien Sie vorsichtig: Es gibt täuschend ähnliche Packungen. 666666# 9993 Unserem lieben Freund und Genossen Paul Kienast zum 43. Biegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch, daß ganz Borsigwalde wadelt. Deine Freunde aus dem 6. 9996666666 Am Freitag, den 24. d. M., ver ichied plöblich in der Heilstatte Beelig meine liebe Tochter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Dora Schnitker im 27. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Diens tag, den 28. April, nachmittags von der Halle des städtischen Friedhofs in Spandau aus statt. Dies zeigt schmerzerfüllt an im Namen der trauernden Hinter bliebenen Ww. Katharine Schnitter. In Freien Stunden Die Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. ..0, meine Beine!" ,, O, So hört man oft klagen. Aber warum ermüden Sie so schnell? Weil Sie keine Absätze Continental tragen! Lassen Sie sich raten und verlangen Sie vom Schuhmacher ausdrücklich die enorm haltbaren Absätze Continental Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inferatenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.