Nr. 126. flbonncmentS'fcdingungtn: Rionr.cinciiiä. SiciS prSnumermdo: LieilcliSH-l. S,30 Mt, mtmalL 1,10 MI, wöchonllich 28 Pfg. frei WZ HouS. einzelne Nummer 5 Pfg, EomiwgZ- nummer mit illusrricrler EomUngs, Seilege.Die Neue»eil- 10 Pfg, Soft. Abonnement: l,IO Mar! Uro Monat. eingetragen w die Post-ZeltunoZ. Z-rcielifie.' Unter Kreuzband mr Denlichland und Oesterreich. Ungarn 2.'M Marl, für da- übrige LuZIand i Mar! pro Monat. SostabonnemeniZ nehmen an: Belgien. Dänemar!, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und me Schweiz. Vlchciit l»glich. Verlinev Vollisblcltk. Sie TnfertionS'Gebüilr beträgt für die scchZgespallenc Kolonel- zcilc oder deren Raum ov Plg.. für dolitiichc und getverlschaftlickfe PereinZ- und BerfanimlungZ-Aiizeigen SO Plg. „Kleine Anreizen", da- fettgedruckte Wort 20 Pfg. t.juläisig 2 fettgedruckte Worte), jede- weitere Wort 10 Plg. Etellengefuche und Tchlasstcllenmi. zeigen da- erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über lä Lum- stoben zählen für zwei Worte. Anfernte für die nächste Rümmer niüffen diZ 5 Uhr nachmittags in der Erbedition gdgegeben werden. Die lxrbediiion ist di» 7 Uhr abends neSffnct.' Telegramm, Adresse: nZ«zi»IlIcm»Ii!sl Rerlm". Zentratorgan der rozialdemokratifcben Parte» Deutfchlands. Redaktton: SLl. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt Aiorinplaii, Nr. 1983. Sonntag, den 10. Mai 1014. Expedition: SRI. 68, Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt Moriirplatz, Nr. 1981. Dummheit, verbrechen und reaktionäre Gegenseitigkeit. Paris. 7. Mai.(Eig. Ber.) � Tic Nücklichtslosijskcitcn und Schikanen, die seit neuester Zeit mit befremdtichcr Systematik von den regierenden Mächten Teutschlands gegen Frankreich betrieben werden, beginnen auch friedseligc und gegen das deutsche Volk nicht iin geringsten voreingenommene Franzosen zu beunruhigen. Ta war erst vor ein paar Tagen die famose„Wacht am Rhein" mit der Füsillade des in französische Uniformstücke ge- steckten„Deserteurs". Man konune nicht damit, daß es auch in Paris an geschmackloser Ausbeutung und Aufreizung chauvinistischer Instinkte im Theater und Tingeltangel nicht fehlt. Vielleicht ist sogar in Frankreich an patriotischer Sclbstvergötternng und alberner Verunglimpsung des„Erbfeindes" quantitativ in den letzten Jahren mehr geleistet worden. Aber obgeschen davon, das; diese Hochflut des kommerziellen Chauvinismus in der letzten Zeit seh rmerklichzurückgega ngen ist, so liegt ein Hauptunterschied darin, daß verletzende T a k t l 0 s i g- k c i t c n v c'r�a n t w 0 r t l i ch c r Kreise, wie die Lieferung der Statisten ans der Kaserne zur Unterstützung des verhetzenden Runnnels in Frankreich nicht vor- gekoiil men sind. Wenn die Bourgeoisien beider Länder 'Vergnügen daran finden, immer mehr nationalistisch zu verblöden, ist das ihre Sache, aber mit aller Entschiedenheit mutz dagegen protestiert werden, daß die Regierungen der chauvinistischen Aufreizung Vorschub leisten und ihr gar einen, dos � gute Einvernehmen, ja den Frieden gefährdenden offiziellen©Haraftcr geben. Jetzt aber bringen die Maßiegelil gegen die m Elsas»- Lothringen ansässigen Franzosen neue Vcr- stimniung hervor. Noch ist das Ausmatz der Aufenthalts- Verweigerungen nicht bekannt, aber auch wenn es sich nicht um eine allgemeine Ausweisung handeln sollte, ist die Tatsache einer zwecklosen, beleidigenden und im übrigen deutsche Interessen gefährdenden Brutalität gegeben. Tie französische Presse beruft sich mit offenbarem Recht aus die uu Frankfurter Friedensvertrag enthaltene Meistbegünstigungs- klaüscl. Aber vor allem hätten doch die Regierenden Deutschlands an die Deutschen in Frankreich denken sollen. Bei Repressalien wäre der materielle Schoden, den sie er- leiden müßten, unvergleichlich größer— ja er würde einer wahren K a t a st r 0 p h e gleichkoimnen. In Paris leben hunderttmlscnd Deutsche aller Klassen. Die kommerziellen und industriellen Unternehmungen dcutsckfcr Staatsbürger haben in den letzten Jahren einen bedeutenden Platz erobert. viele Millionen Kapital sind in ihnen investiert. Man stelle 'ich auch die Frage, welche Folge hier Ausweisungsmaßregeln haben würden! Hier sei aber auch die Freiheit hervor- gehoben, deren sich die Deutschen in Frankreich erfreuen. In Paris erscheinen zwei deutsche Zeitungen, bestehen etliche dentjckse Vereine, darunter solche mit ausgesprochen patriotisch- nationalem Charakter, wie Turnvereine, nationale Hand- lungsgehilfcnvereinc, eine deutsche Schule niw. Versammlungen mit deutscher Verhandlungssprache begegnen nicht dem geringsten Hindernis. Tie Staatslenker in Teutschland mögen einmal selbst ihre olldeuticksen Verehrer in Paris fragen, wie sie über das Schikanensnsteni und eine Anwendung auf beiden Seiten der Grenze denken. Tic Verschärfung der deutschen Verwaltungspraris gegen die in Deutschland lebenden Franzosen und überhaupt die ganze offizielle Begünstigung der chauvinistischen Hetze ist ober um so verdammen swcrter, als sie just in eine Epoche fällt, die in Frankreich eine ausgesprochene Ab- n a h ni c des Nationalismus und der a u t i- deutschen Stimmungen gezeigt hat. Gerade die ablaufende Wahlperiode hat einen Beweis dafür geliefert, trotz etlickser Plakate und Reden, die die Spießer mit der drohenden Invasion schrecken wollten. N i e m a l s hat man so offen und zuversichtlich von der d e n t s ch- f r a n z ö- fischen Annäherung gesprockfen. niemals hat diese Idee in den Massen— nicht nur keine Abneigung—, sondern ein ausgesprochenes Verständnis und wirk- liche Sympathie gefunden. Was sollen nun die neuen feindseligen Maßregeln in Deutschland? Ihre erste Wirkung kann nur die Verstärkimg des Mißtrauens und der Abneigung nicht nur gegen Deutichland, sondern auch gegen diejenigen Franzosen seilt, die zu einer Annäherimg an Dciltichland raten. Die Schikanen sind also W a s s e r a u f d i e M ü b l c der N a t i 0 n a!. i st c n. Reaktionäre und M i l i- t a r i st c n in Frankreich, das heißt sie sind— wie ein Blick in die französische Presse zeigt— eine Begünstigung der a n t i r e p u b l i k a n i s ch e n und ch a n v i n i st i s ch e n Parteien. Ist das am Ende auch der Zweck? Eine solche Taktik könnte sich allerdings nicht auf die Politik Bismarcks berufen, der immerhin so einsichtig war, die Bedeutung der repnbUkanischen Verfassung für den europäischen Frieden zu würdigen, aber sie entspricht genau der GeschäftSpraris d c r Interessenten des Militarismus, der Offiziers. käste und der Rüstungsindustriellen, die den Chauvinismus des Auslandes zur Fordrung ihrer Zwecke brauchen. Das- Spiel mag verbrecherisch sein, aber es ist einträglich. Tic Völker mögen sich vor den Bctrüoern vorsehen. Ganz sicher werden sie allerdings erst fein, wenn sie ihnen die Karten aus der Hand schlagen werden. * Deutsch- Iranzoslsche verslänüigungs- Konferenz. Am 30. Mai, zwei Tage vor Eröffnung der neugcwählten französischen Kammer, findet in Basel, Hotel„Drei Könige", eine gemeinsame Sitzung des von der Berner Konferenz eingesetzten Ständigen Komitees statt. Ter französische und der deutsche Aus- schuß iocrden vollzählig in Stärke von je 22 Mitgliedern vertreten sein. Te:n Deutschen Ausschuß gehören bekanntlich Vertreter der »ationalliberalen, fortschrittlichen unv sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion sowie der Fraktionen des Zentrums und der Elsässer an._ Eröbebenkatastrophe auf Sizilien. Mehrere Ortschaften zerstört— IHK»— 400 Tote. Eine erschütternde Nachricht meldet der Telegraph aus Italien. Die an der Ostlüste der Insel Sizilien gelegene Provinz C a t a n i a ist am Freitagabend und in der Nacht zum Sonnabend durch mehrere sebr schwere Erdstöße heimgesucht worden. Wenn das Unglück auch nicht den Umfang des Erdbebens angenommen hat, das in den Dezembertageu des Jahres 1903 die Insel heimsuchte und die Stadt Messina vollständig zerstörte, so sind doch nach den letzten Meldungen wahrscheinlich 300 bis 400 Tote zu beklagen und gegen 1000 Personen verletzt worden. Zwei Ortschaften, die Dörfer L i n e r a und A c i r e a l e sind durch das Erdbeben fast voll- ständig zerstört worden, mehrere ander« Ortschaften haben sehr schwer gelitten- Die Nachrichten aus dem Erdbebengebiet laufen nur spärlich est», da die meisten telegraphischen und tele phonischen Verbindungen durch das Beben zerstört wurden. Die italienische Regierung hat sofort nach Bekanntwerden des Unglücks eine Rettungsaktion organisiert. DaS Kriegsministerium hat Truppen, Lebensmittel, Zelte und SanitätSmaterial abgeschickt, das Rote Kreuz ein Feldlazarett. Der Ministerpräsident hat den Präsekten beauftragt, im Einvernehmen mit den Ortsbehörden für Unter bringung der Obdachlosen zu sorgen. -» Ueber die Einzelheiten der Katastrophe liegen die folgenden Meldungen vor: Catania, 8. Mai. Heute abend hat ein Erdstoß fast alle Häuser in Z e r b a t i und P e n n i s e, Teilen der Gemeinde A c i r c a l e unbewohnbar gemacht. Die Behörden haben sich an Ort und Stelle begeben; man wird die obdachlosen Familien in Armee zelten unterbringen. Catania, 9. Mai. Gestern abend um 7 Uhr wurde auch ein Erdstoß bei den Orten Linguaglossa. Viagrand?, Bian- c a v i l l a und Belpasso besonders in der Nähe von M a n g a n 0 verspürt. Ein von Acireale nach Mangans fahrender Zug mußte anhalten, da die Bahnstrecke infolge des Erdbebens in einer Aus- dchnung von 700 Metern beschädigt war. Catania, 9. Moi. Nach Meldungen aus den vom Erdbeben betroffenen Orten find 30 Tote und 120 Bcrwundctc aus den Trümmer» hervorgezogen worden. Mai, befürchtet, daß die Zahl der Opfer über 100 beträgt.?»» de« Flecken L i n r r a sind nur noch Trümmer übrig. Man meldet aus dem Torfe Bongiardo iu der Gemeinde von Zaffenan« Etnea, daß 10 Personen getötet und 20 verletzt worden sind. Auch inPisanoin der gleichen Gemeinde hat es Tote und Verwundete gegeben. Acireale, 9. Mai. ES wird bestätigt, daß das Dorf Linera beinahe vollständig zerstört worden ist. Die Zahl der Opfer ist bisher noch nicht genau festgestellt worden. Sieben Verwundete sind im Hospisal von Acireale eingeliefert worden. Wie es den Anschein hat, ist in den Dörfern Santa Aencrina, Santa Maria degli Ammalati, Guardia Santa Maria Veriua, C 0 s e n t i n i und P e 0 n i s i nur Sachschaden angerichtet worden. Der Präfelt von Eatania und andere Vertreter haben sich mit Hilfs- Mannschaft und Material zur Hilfeleistung nach Linera begebe». Die Eisenbahnverbindnng von Acireale nach G n a r d i a ist wegen Rissen i in Tunnel unterbrochen. Rom, 9. Mai.„Giornale dJtalia" meldet an? Giarre: In dem Flecken Linera, der völlig zerstört ist, zählt man bis jetzt SO To»; auch Pajsopompo und Malali sind ernstlich beschädigt, auch Menschen sind dort beschädigt worden. Rom, 9. Mai. Die Blätter veranstalten Extraausgabe», nach denen der Umfang der Erdbebenkatastrophe bedeutend g r ö ß e r ist, als bisher bekannt war. Die Zahl der Toten in derProvinz Eatania beträgt mehrere Hundert, die der Berwundete» soll tausend erreichen. Authentische Nachrichten von heute nachmittag geben allein für Linera und Bonziarbo 150 Tote a»; die Dörfer Linera und Acireale sind z e r p ö r t, die S t a d t Acireale ist verschont geblieben, in Santa Lenerina ist schwerer Sachschaden angerichtet, die Zahl der Opfer ist gering. Telegraphen- und Tclcphonmastcn sind k i l 0« mcter weit niedergelegt: die Eiscnbahnbrückc und der Tunnel von Guardia drohe» einzustürzen, die Bevölkerung l a m p i c r t im Freien. Nach der Katastrophe. Rom, 9. Mai. Nach dem Erdbeben haben sich, wie die römischen Blätter berichten, unbeschreibliche Schreckensszenen ab- gespielt. So trafen die HilfSambulanzeii des Roten Kreuze? in Linera drei kleine Kinder, zwei Mädchen und einen Knaben, an, die weinend in einer Ecke hockten und erzählten, daß ihr Hau« z u- sa in menge st ü r z t sei und unter' den Trümmern Vater, Mutter und Großmutter begraben hätte. Auw Fälle von Irrsinn sind bereits aufgetreten. Ein jmiger Bauer, der erst seit drei Tagen verheiratet und selbst bei dem Erdbeben durch einen Balken schwer verletzt wurde, hat durch die Katastrophe seine Gattin verloren und ist infolge« dessen wahnsinnig geworden. Desgleichen wurden zwei Gefangene des Zentralgefängnisses zu Catania von Irrsinn bc- fallen; sie stürzten sich, nachdem mau sie freigelassen hatte, auf ihre Wärter und konnten erst nnt großer Aiühe überwältigt werden. Im Gefängnis war nach dem Erdbeben eine Panik a u S g e- brachen, aus den Zellen heraus schrien die Gefangenen um Hilfe und baten weinend, man möge sie frei lassen, da sie sonst dem Tode preisgegeben waren. In anderen Zellen begannen die Gefangenen laut zu beten und zu singen. In Rom selbst herrscht über die Katastrophe unbeschreibliche Erregung, man erwartet mit fieberhafter Spannung das Eintreffen neuer Nachrichten und die Leute bilden auf den Straßen Gruppen, wo die Ereignisse besprochen werden. Stupiöe Hetze. Tie Urheber des„Attentats" auf das Charlottenburgiet Kai'er-Friedrick>Tcnkmal sind nunmehr von der Polizei er- niittelt worden. Wie der Pafizeibericht— vergleiche den lokalen Teil-7- mitteilt, sind es nicht, wie init Recht vermutet werden mußte, Spitzelhände gewesen, die das Denkmal des Kaisers der hundert Tage beschmiert haben, sondern Mit- glicder der sozialdemokratischen Organisation, lind dies Faktum, daß einige Anhänger der Sozialdemokratie einen dummen, tadelnswerten Streich verübt haben, nimmt die reaktionäre Hetzpresse zum Anlaß einer bis zur Stupidität fanatischen.Hetze gegen die verhaßte Sozialdemokratie! Dem Blatt des sonst breiten Spaßen so geneigten Herrn Oertel verflüchtigt sich die letzte Spur von Spiritus bei seinem wüsten Geschimpfe ans die„Büberei", für die die sozialdeiiiokratischc Partei die Verantwortung treffe. Durch die„wüsteste und kulturwidrigste Hetze gegen jede Autorität, insbesondere die nwnarchische", soll sie zum intclleksitellci» Urheber des albernen Streiches getvorden sein! Aber diese abgeschmackte Beschuldigung des Junkcrorgans bedeutet noch vornehme Zurückhaltung gegenüber der wüsten Schimpfkanonade, die das Pnsterohr der schönen Seelen ans dein freikonservativen Scharftnache'rlager gegen den„Vorwärts" abfeuert. Ta die sechs Attentäter sämtlich„stramme Genossen" waren, hat es sich bei der Farbcnkleckserei nicht um einest unüberlegten törichten Bubenstrcich,„sondern um einen planmäßigen, von Rachcempfindungen diktierten An- schlag" gehandelt,„dazu bestimmt, einerseits die monarchische Idee öffentlich zu verhöhnen, andererseits die Macht der Sozialdemokratie zu betonen". Auch darf nicht übersehen werden, daß die Täter in jenem Moabiter Viertel wohnen, „dos seinerzeit infolge der großen Krawalle zu einer eigen- artigen Berühmtheit gelangt ist". Dem„Vorwärts" aber fällt die geistige Urheberschaft für die„ruchlose Denkmals- schändung" zn. Die armen Tintenkulis, die sich Liese Entrüstung im Schlvciße ihres Angesichts abgerungen haben, können uns beinahe leid tun. Es mag ihnen nicht leicht geworden sein, solch künstliclfc Entrüstung zu produzieren, nachdem die über- hitzte Aufregung über die Denkmalsbcschmutzung mit dem letzten Rest des Farbstoffes bereits seit mancher Woche per« flogen ist. Trotz allen kollegialen Mitgefühls können wir frei» lich nicht umhin, die a u s g c s uchte Albernheit dieses Entrüstungsrummels an den Pranger zu stellen.. Tie Sozialdemokratie und speziell der„Vorwärts" sollen die Verantwortung dafür tragen, daß einige Partei- angehörige jene Torheit begingen. Ausgerechnet die Bc« klecksnng des Kaiser-Friedrich-Denkmals soll eine ziel- bewußte Temonstration gewesen sein! Und.dazu erkoren sich die Leutchen just das Denkmal jenes„Dulders ans dein Thron", um den gerade die liberale Presse die Aureole der Volkssreundtichkeit gewoben hat und gegen den die Sozial- demokratic niemals ein Wort z n schreiben brauchte! Mit demselben Recht könnte man die Sozialdemo- kratie auch für die Ermordung der Kaiserin Elisabeth vcr- antwortlich machen, jener stillen Frau, ans die schon ihre sympathische Schwärmerei für Heinrich Heine einen leisen Glorienschein fallen ließ. Ach nein: Wenn irgend jemand einen Anspruch auf unfreiwillige Urheberschaft jenes Dummenjungenstveiches hat, so kein anderer als der berühmte Traugott v. Jagow, der durch seine unsägliche Plakatzensur erst die Spottlust und den Protesteifer der polizeilich 10 übereifrig bevormundeten Volksmassen erregte! L-ie komischen Denunziationen gegen den„Vorwärts" vermögen wir denn auch beim besten Willen nicht ernst zn nehmen. Um so entschiedener müssen wir uns freilich gegen die niederträchtige Hetze wenden, dnrck die- das Scharfinachergelichter vom Schlage der„Post" Staats- a n w a l t s ch a f t und Richter gegen die sechs Vcrhaf tcten aufzupeitschen sucht. Nicht nur wegen groben Unfugs oder Sachbeschädigung soll diesen Telinguenten der Prozeß gemacht werden, sondern auch wegen— Majestätsbeleidigung! Das empfiehlt mit eiserner.Stirne dieselbe„Post", die vor noch nicht allzu langer Zeit geradezu tollwütig gegen den regierenden Hohenzollern losgciferte und aus Aerger über einen dein Rüstungskavital entgangenen Welt- krieg selbst so klobige Majestätsbeleidigungen beging, wie es ein sozialdemokratisches oder anarchistisches Blatt noch niemals einem strebsamen Staatsanwalt beschert hatte! Und diese Spitzbuben schreien'jetzt ihr„Haltet den Dieb" hinter ehrlichen Menschen her! Der koloniale Gewaltstreich gutgeheißen! Die Budgetkommission des Reichstags hat in ihrer Sonn abcndsitzung den von der Regierung befürworteten Gewaltakt grgcn die Dnala gutgeheißen! Tie Budgetkonimission hat sich damit selbst in das Gesicht geschlagene Sie beschloß seiner zeit, die Bewilligung der zur Enteignung geforderten Summe so lange auszusetzen, bis die Akten in der Ent eignungssragc der Dualanegcr vorgelegt seien. Rächt die Akten aber' wurden vorgelegt, sondern nur eine total ein seit i g c D a r st c l l u n g des Regier uugsstaudpunktes. Nicht nur der Rechtsvertreter der Dnala, Rechtsanwalt Halpert, eine durchaus seriöse Persönlichkeit, erklärte die Rcgicrungsdcnkschrift für durchaus inkorrekt und einseitig, sondern mich ein hoher und in die Dnalasroge durchaus ein- geweihter ehemaliger Koloniälbeaiiiter, der Geheime Regie- rungsrat Hansen, bis, vor kurzem erster Referent b e i in G o n v e r n c m e n t K a m e t u n, machte mxl) am Soniiabcndvorinittag im„Berliner Tageblatt" die gewich- tigsten Einwendungen gegen die famose Regieruirgsdeük- schrift. Trotzdem nahnl die gesamte bürgerliche Mehrheit die Behauptungen der die groteske Parteilichkeit ofser/ichtlich an der Stirn« tragenden- Denkschrift einfach für bare Münze und votierte unter schwächlichen und n i cht s s a g e n d c n P o r v e h a l t e n für den Regicrungs- stllndpnnkt! Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß unser gesamtes Bürgertum in seiner sozialpoliti- scheu Berranntheit aller Humanitären Rücksichten und Rechts- gruudsätze spottet und sich einzig von den Gesichtspunkten brutalsten kolonialen Herr?nmenschentuins leiten läßt, so wäre dieser Beweis durch die unglaubliche Abstimmung der Budget- komiuisswn unwiderleglich erbracht! Die Hetze, die gegrni die Dual« und ihre Sachwalter in den letzten Tagen geführt wurde, war geradezu schäm- I 0 s. Bon der„Staatsbürger-Zeitung" bis zur„Deutschen Tageszeitung" übcrbor man sich in gemeinen persönlichen Schmähungen und Verdächtigungen des juristischen Per- trekers, den die Duala in der Person des Rechtsanwalts Holpert geftmden hatten. Man verdächtigte diesvi, Rechts- Vertreter gennssermaßen als käufliches. Snbj.eks, wÄl, er Legen VezLhlUng. das Manbat'der bedrängken' Emseborenen hon Kamerun ühernommen hatte.. Dphei war hie Summe, die cktzw hetressendc Rechtsanwalt für.seine,, junstischen Mühe- wattunocn erhalten haben sollte, nicht einmal besonders hoch, gemessen an dem in Frage stehenden Wertobjekt und jenen Summen, die in Teutschland für jeden größeren Prozeß und größere Wertobjckte bezahlt zu werden pflegen. Aber obgleich RechtsaMvalt Holpert erklärte, daß die 80ilU M., die für ihn "eingezahlt worden seien, keineswegs sein Rechtsanwalts- Honorar, sondern nur die Vergütung für einen S a ch v e r- ständigen sein sollten, der in seinem Auftrage nach 5ka- inerun gereist sei, überboten sich die reaktionären Blätter in Entrüstung über den Jndassold, um den ein deutscher Rechts- anmalt die vaterländischen Interessen an das schwarze Dnala- gesindcl verkaust habe! Daß ein Rechtsanwalt eben An- Walt desRechts sein soll, hatten diese widerlichen Moral- sexe ebenso gründlich vergessen wie das Faktum, daß auch unsere patriotischsten Männer— man vergleiche den Freiherrn v. Zedlitz— sich ihr R e ch t s g irta ch t e n in der s p l e ii d i d e st c n W e i sc bezahlen zu lassen Pflegen, selbst wenn ihre Mühbwaltngg bei weitem nickit dem Maß von MühQvaltungen entspricht, das das Mandat der Dtialas im- zweifelhaft erforderte! Was unsere Kolonialpressg in diesem Falle geleistet hat an R c ch t s v c r w i r r u n g e n und Lumpenhaftigkeit, verheißt für di« Zukünst die wunderbarsten Perspektiven! Was die Regierung in ihrer Denkschrift behauptete, war eine durchaus einseitige Darstellung, deren Anfecht- barkeit schon aus der geradezu kindlichen Abfassung über die Palaver mit den Eingeborenen hervorging. Eine solche Tcnkschrift von 233 Seiten bedurfte unbedingt gründlichster Nachprüfung. Aber man ließ nicht einmal dem überrumpel- ten Vertreter der Dnala, dem Rechtsanwalt Holpert, die Möglichkeit einer Entgegnung. Vergebens wendete sich noch in letzter Stunde im„Berliner Tageblatt" der schon erwähnte Geheime Regierungsrat Hansen-Jena, wegen seiner Eigenschaft beim Kameruner Gouvernement ein gerade- -zu c r st k l a s s i g e r Sachverständiger, gegen die Denkschrift der Regierung. Allein das, was dieser absolut unanfechtbare Sachverständige gegen die Regicrungsdenk- schrift vorzubringen hatte, war geradezu vernichtend. Er bewies an verschiedenen Einzelheiten, wie absolut irreführend die Darstellung der Regierung war. Er .gestand, zu, daß es nicht nur ein g r ö b l i ch e r V e r t r a g s- h r u ch, sondern zugleich eine u n e r h ö r t c w i r t s ch a f t- -lichc Benachteiligung des Tualastammes war, daß man ihm zugunsten des weißen Ausbcutertuins pon dem ihm vertraglich zugesicherten Grund und Boden verdrängen will. 'Er wies nach, daß alle Behauptungen von einer wirklich an- .gemessenen.Entschädigung der verdränten Duala nur .f als che Vorspiegelungen und gröbliche En t- sfe l I u n g e n des. wirklichen Tatbestandes waren. -Er zeigte, daß � der skandalöse Erpropriiernngsokt durchaus nicht' ans einem höheren Staatsinteresse resultierte, sondern daß den weitgehendsten hygienischen Anforderungen für die Schaffung einer Europäerstadt.durch die Enteignung des Gebiets der. sogenannten Jostplattc bereits Rechnung getragen worden war, so daß jetzt, schon des grausamen Spieles der Expropriation der Eingeborenen reichlich genug gewesen sei. Aber nicht nur dieser erste Referent bei dem .Gouvernement in Kamorun. zeugte für die Bc- 'rechtigung der Beschwerden des von einem raffgierigen Ko- lomalausbeutertums zurückgedrängten Tualastammes— nein der Geheime Regierungsrat Hansen berief sich auch auf zn hl reiche w e i ß e A n s i e d l e v d e r Kolonie, die seinen Standpunkt teilten, er berief sich auch auf einen vcr- flosscne» Kamcrnner Gouverneur, der durchaus seinen Stand- Punkt gebilligt habe. Aber trotz all dieser Zeugen für di« Ungerechtigkeit und Verwerflichkeit der Gewaltpolitik gegen die Duala erklärte sich doch der gesamte Kvlonialblock vom Freisinn über das Zentrum� bis zu den Konservativen für die Regiernngsfordernngen. Sie sakvierten sich durch die An- nähme einer Resolution, die sich für eine genügende Ent- schädigung für das zu enteignende Land aussprach. -- Als ob die Eingeborenen, deren Rechte in so skandalöser Weise in Bausch und Bogen preisgegeben wurden, obwohl der ganze S t a ni in unter Beihilfe und Unterstützung eines deutschen Rechtsanwalts und eines Geheimen Regierungsrats Protest gegen dies« Vergewälti- güng einlegte, auch nur die geringste Aussicht hätten, ihre Rechte gewahrt zu sehen, wenn nun die Einzelnen um ihr Recht gevrellt werden sollen! Als ob irgend eine Aus- ficht bestünde, daß nun den Einzelnen das Recht gewährt werden würde, das man der Gesamtheit so ostentativ und bewußt verweigert hat. Der Vorbehalt der Resolution ist eben nichts als fauler Zauber, als ein jänimer- ftcher Versuch, das öffentliche Gewissen über einen uncr- hörten Rechtsbruch hinwegzutäuschen! Tie Denkschrift über die Duala-Affäre. Die Budgctkonimisiion de» Neickistaas beickiäftigte sich am Sonnabend sn ihrer letzten Sitzung vor den Ferien mit der Angelegenheit der Dualancger. Bekanntlich hat!« die B u d g e t k o in- Mission beschlossen, die Bewilligung der entsprechenden Positionen des Kameruner Etats so lange auszusetzen,� bis die Akten in der Enteignimgssrage der Tualanegcr vorgelegt seien. Tie Ten!- schrift liegt seit einigen Tagen dem Reichstage vor. Zu der Ten?- schritt ist noch ein Telegramm aus Kamerun gekommen, nach dem der Bruder des Oberhäiiptlings der Duala, R n d o l f Bell, beab- sichtigte, einen Aufstand der Neger zu organisieren. Von sozial- demokratischer Seite, wie von den Abgg. G o t h e i n, N a u m a n n uiid dem ZentruinSabgcordncten Recbenbcrg wurde scharfe Kritik an dieser nichtssagenden Denkschrift geübt. Unsere' Genossen W-el s, N o sk e. Da v i d s oh n und Lcdeb our zeigten u. a., daß die. Regierung alle diejenigen Dokumente, die ihr unbequem sind, nicht vorgelegt bat, daß sie die Eingeboren en.Kameruns mit deren eigenem Lande„entschädigt", daß die Kolonialvcr- waltung den Eingeborenen Gewinne und Vorteile mißgönnt, die sie gerade durch die. Enteignung und die„Sanierung" den Euro- päcrn zuführen will; daß wir in Preußen längst unsere Agrarier tos wären, wenn die Regierung hier nach den Kameruner Grund- sähen verführe; daß sie schnell bei der Hand ist, Leute, die ihr un- bequem sind, alle möglichen Schandbarkeilen nachzusagen. Unter diesem Gesichtspunkt wurde von unseren Genossen auch das Tele- granim von der Aufstandsgesahr viel kühleren Blutes gewürdigt, als von den bürgerlichen Abgeordneten— mit dem Erfolge, daß nun auch der.Herr' Staatssekretär sich dazu aufraffte, die Lage als „nicht so schlimm" darzustellen. Er konnte sich diesen Luxus leisten, denn der Coup hatte' ja die beabsichtigte Wirkung erzielt. Vom Kolonial-Vlock Braband-Erzbcrger-Keinath-Ocrtel war nämlich in der Zwischenzeit folgende Resolution eingc- reicht worden: Ter Reichstag. stimmt der Vorlage zu mit der Maßgabe, daß 2; das durch die Enteignung vom'Ftskus erworbene' Land mir unter Bedingungen weiter, veräußert- wird,- d« dem- Ftskus den angemessenen Anteil an künstiger Wertstoigerung des Grund und Bodens sichern;>•' 3. mit allem Nachdruck in Kamerun jeder Agitation gegen die von Regierung und Reichstag endgültig beschlossene Enteig- nung entgegengetreten wird, sobald diese Agitation Formen an- nimmt, durch welche die politische R»hc gefährdet wird." Zunächst wurde ein Unterantrag Naumann angenommen, in Ziffer 1 Entschädigung nur für die wirtschaftlichen Schäden zuzusagen. Alsdann fand ein Antrag Rechcnberg Annahme, den Zusatz einzufügen, daß für die Eingeborenen, die durch die Sanic- ruug weit vom Kamerunfluß entfernt werden, ein unmittel- barer Zugang zum Wasser geschaffen wird.. Sowohl diese Anträge wie die Ziffern l und 2 der Resolution wurden einstimmig, die Ziftcr 3 und ebenso die Gesamtresolution gegen die sozialdrmokra- tischen Stimmen angenommen. So war also die Enteignung und Sanierung" in drei Stunden erledigt. In einer Debatte über die sonstigen, zum Teil ganz nngeheucrlichen Vorgänge in Duala waren die biirqcrlichen Parteien nicht mehr bereit! Mit dem üblichem Dan! konnte Herr Spahn die Arbeiten der Kommission für erledigt erklären. Im Plenum wird der gerettete Kamcrunetat iwch Anlaß zu hoffentlich gründlicheren Debatten geben. politische Ueberslcht. Ter Militäretat. Die Spezialdiskussion des Militäretats wirft alljährlich eine große Reihe einzelner Fragen auf. So konnte auch, ent- gegen aller Berechnung, die Diskussion in dieser Woche nicht zu Ende geführt werden. Eine längere Erörterung rief das Kapitel„Militärjustizverwaltung" hervor. Genosse K u n e r t behandelte noch einmal die Frage der Soldatenmiyhandlungen. Mit großer Entschiedenheit wandte er sich gegen den be- sonderen Charakter der Militärgerichtsbarkeit und namentlich gegen die barbarische Strafe des strengen Arrestes. Auch über den Militärboykott gab es eine länger« und teil- weise erregte Auseinandersetzung. Die Genossen Schmidt- Meißen, Keil und Sch öpf li n brachten eine Reihe empören- der Fälle zur Sprache, während die Herren von der Militär- Verwaltung noch immer nicht die Entschlußfähigkeit aufgebracht haben, mit diesem veralteten System höchster Ungerechtigkeit zu brechen. Eine weniger gereizte Stimmung herrschte während der Debatte über die Benachteiligung der Zivilmusiker durch die Militärmusik. � Genosse Z u be i l nahm sich in warmen Worten der stark benachteiligten Zivilmnsiker au, während der- General Wild v. Hohenborn die Militärmusiker in, Schutz nahm. Er wurde darin vom Volksparteiler G u n ß e r lebhaft unterstützt. Einen amüsanten Abschluß fand der Tag durch die rührende Beschwerde des Zentrumsabgeordneten Dr. B c l z s r.. daß die Burg Hohenzollern ihrer Besatzung fast ganz beraubt worden sei. Ter Redner der Militärverwaltung mar aber unbarmherzig genug,. den einsamen Hohenzollern keinen größeren Schutz vor der schwäbischen lleberlegenheit, die sie von allen Seiten umgibt, in Aussicht zu stellen. Am Montag wird die Debatte fortgesetzt. Nervös. Je weiter die Landtogssession vorschreitct und je mehr wir uns den heißen Sommertagen nähern, desto nervöser werden d-ic MchrhcitSparlcien des Abgeordnetenhauses. Es ist ja richtig, baß - der Etat, der verfassungsmäßig zum 1 April fertiggestellt sein sollte, noch im. Rückstände ist, aber daran trägt, wie wir schon wiederholt nachgewiesen haben, einzig und allein die Regierung die Schuld. Tie Minderheit des Abgeordnetenhauses hat doch, wahr- lich keine Veranlassung, mit Rücksicht aus die verspätete Ein- berusung des Hauses vou einer gründlichen Etatberatuug Abstand zu nehmen. Schließlich sind die Abgeordneten denn doch nicht dazu geivählt, um der Regierung ohne eingehende sachliche Prüfung den Etat zu bewilligen und sich dann buldvollst nach Haufe schicken zu lassen. Wenn der konservative Abg. v. P a p p e n h e i m in der Geschäftsordnungsdebattc, die sich an den gewaltsam herbei- geführten Schluß der Gcneraldiskussion des Elementarunterrichts- Wesens knüpfte, die Bemerkung machte, die Sozialdeinokrateu bätten durch ihre langen und ül>erflüssigen Reden die Geschäfte des Hauses aufgehalten, so ist das eine Aeußerung, die wir schon des öfteren aus diesem Munde gehört haben, die aber durch Wieder- holungen nicht wahrer wird. Wir glauben es Herrn v. Pappen- heim gern, daß es ihn, uuaugerichin ist, zu sehen, wie seine Partei- freunde in ihrer übergroßen Majorität dauernd � den Sitzungen fernbleiben, aber trotzdem die Diäten einstecken, und daß er, um diesem Zustand ein Ende zu machen, die Vertagung herbeiführen möchte. Aber er soll seine Wut gefälligst nichtcht offen gegen die Erklärung des R-uhsausichuneS Stellung nehmen will, eine recht große !"1 a.'3 65'"'ch die um Bachem träumen r*(J?/- s'l m,t der erzwungenen schrift- ichen Erklärung des Augu st innSverei n S. der samt. -if/1" c v G en eMvers ammlung in Berlin mdjt anwelend geweiene» Mitgliedern frankierte Post» larteu mit der aufgedruckten Erklärung zur f,-1'**""Ist übersandte. Glaubt denn der Auguftinusvettln,.- dag sich vielleicht ein Mitglied, das zum Bei« f be» der Preye tätig ist, weigern würde, die Erklärung zu -i11■ Lournallsten und Redakteure werden die w. 5a6en. ba_ memand so ohne weiteres der Gefahr auSletzt, lerne Stellung zu der« I i er en und womöglich darauf Weib und Kind der Not erzwungen wie diese find auch die Ü anderen Zustimmungserklärungen, die in den letzlcn Wochen landein, landab eifrig eingesammelt wurden. Manch einer «At n. m ff*. tnizenierteu Bersammlungcu mit recht 9emi'ä! e n Gekuhstu feine„Zustimmung" erteilt habc� »ocil er nicht anders lonuke. � GS ist ja gar fein TcheiminS, in welcher Weise in den Kreisen gcwisier ZeutrumSsührer über Papst und Bischöfe geurteilr wird.... Die grösttcn Hetzer und Ter- r o r i st e n aber sind meistens die lalholischen G e'lv e r k s ch a f t s- fekretäre und in der„christlich-nalionalen" Arbeiterbewegung tätige Zentrumsabgeordnete.... Ich würde es keinem Berliner raten, in einer Gewerkschafts« oder kaibolischen Arbeiter- Versammlung hier im Westen offen seine Zugehörigkeit zu dem Berliner Verbände einzugestehen, denn es könnte ihm sonst sehr leicht dabei schlecht gehen. Tor Kriegsminister als Fugendpsteger. Herr v. Falkenhayn, der soeben im Reichstage ver- uitglückte Attacken gegen die freie Jugendbewegung ritt, be- Utiiht sich selbstverständlich, die bürgerlichen Jugendvereine uach Ärästeir zu fördern. Er hat deshalb, wie irnr bürgcr- ücheu Zeitungen entnehmen, ausführliche. Bestimmungen über vic militärische Unterstützung der nationalen Jugendpslegc- Bestrebungen erlassen. Bekanntlich geht diese Unterstützung soweit, daß sich Unteroffiziere und Offiziere zum. Etpcrerziereu vcr jungen Leute zur Verfügung stellen. Ja sogar einzelne Uidunrielte Werke vumpen sich Soldaten für ihre sogenannte -x'Ngendvslege. So haben beispielsweise die Elberfelder Färb- sverke vorm. Bat>er u. Co. für diesen Zweck eiueir Pionier- lttgeanten an zablreickien Sonntagen engagiert. . Interessant ist, daß nach dem Erlaß des Kriegs- wimsteriums die nationale Jugend auch durch die -t-rup venküchen gegen Bezahlung der Selbstkosten � o r v f l e g t werden darf. Tazu ist allerdings das Ein- berständuis des Truppenkomniandeurs oder der Komman- bantur des Truppenübungsplatzes notweitdig. Tie Kosten da- lur� sollen durch Teilnahme an dem Rt a>t n s ch a s t s- k s I c n verbilligt werden. Als Anhalt soll nachfolgender für einen Korpsbezirk qeniachtcr Vorschlag dienen: Kaffee- Portionen 3• Pf., Mittagskost: Betrag des ortsüblichen wedrigcn Beköstigungsgeldes abzüglich 1l) Pf., Abendkost 'Pf. Keine Entschädigung für Feuerung. Die Abgabe von olkoholartigen Getränken, Zigarren und Zigaretten wird �cht gestattet..Dagegen darf die nationale Jugend in den Kmernen übernachten, selbstverständlich mir, wenn die Räume nicht von den Truppen in Anspruch genommen werdeil. __ Das alles ist natürlich nur darauf berechnet, Be- flcistenrng für den Militarismus zu wecken. Es würde- sehr abkühlend wirken, wenn die jungen Leute unangemeldet aazu kämen, wenn auf dem Kasernenhofe Rekruten gebimst "der in den Kaserirenstuben die Lumpen der sechsten Garnitur geflickt werden� oder in den Ställen mif den wanden das Stroh aus dem Pserdemisl ausgeklaiibt wird und was derartige preußisch-dcutsche Kasernen- ldqlleu mehr sind. Tann würden sie rasch einselK», daß das ~cben in einer Kaserne doch wesentlich anders vor sich geht, als die freundlichen Erlasse des Kriegsministers ahnen lassen. Mehr PfarrstcNen als Volksschulen! Der vorliegende preußische KultuSctat enthält iiianche inter- rffantc Zahl, die unsere politischen Verhältnisse sehr eindeutig- kennzeichnen. So ist eS interessant zu ersehen, daß in Preußen für die Errichtung neuer Pfarr st eilen die Summe don l 600000 M.. für die Errichtung und Begründung neuer �chul stellen dagegen 1 2 0 0 0 0 0 JÄ. gefordert werden. Das olle«- zu derselben Zeit, wo angefichtS der Airchennot die Geist. lichkeit selber einen Notschrei nach dem anderen ausstößt über w« zunehmende Verödung der Kirchen in den Städten und auf dem Lande. Grost-Köln und die Sozialdemokratie. Vor einigen Tagen hat das Preußische Abgeordnetenhaus gegen die Stimmen der Konservativen eine Vorlage angenommen, die die Eingemeindung der Stadt Mülheim am Rhein und der Land- Bürgermeisterei Merheim nach Köln beschließt. Durch diese Ein- gcmcindung wird Köln mit insgesamt rund 19 680 Hektar an -slächenausdehnung die größte Stadt Deutschlands. In weitem Abstände folgt Zrairksurt mit 13 478 Hektar. Berlin steht >uit einer Flächenausdebnung von 633-2 Hektar erst an sechster Stelle der deutschen Städte. Die Einwohnerzahl Kölns steigt auf 630 000, so daß sie in Teutschland nur noch von Berlin, Hamburg bnd München übertroffen wird. Tie Sozialdemokratie ist nicht nur in den beteiligten Ge- Leinde», sondern auch im Abgeordnetenhause für die Eingemein- dung eingetreten. Selvstverständlich tat sie das nicht aus Freude o» großen Einwohnerzahlen, sondern in der Erwägung, daß ein Gemeinwesen von solcher Bedeutung mit anderen Mitteln an die �ösung kultureller Aufgaben herantreten kann als kleinere Ge- tncinden, die bald an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind. Für das Proletariat des Köln-Mülheimer Industriegebietes ist die Ein- gemeindung schon deshalb von großer Wichtigkeit, weil sie der Stadt Köln Gelände bringt, das zur Linderung der in Köln besonders starken Wohnungsnot dienen kann. Es ist zwar richtig, was die Konservativen im Landtage einwandten, daß innerhalb des jetzigen Stadtgebietes Köln noch große unbebaute Flächen liegen, jedoch sind die Preise dieser Flächen durch die wahnwitzige Spekulation dep achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts so hinauf- getrieben, daß sie für den Kleinwohnungsbau fast gar nicht in Be- trachr kommen. In dem jetzt eingemeindeten Gelände sind große noch billige Landflächen, die eine Gesundung der Wohnungspolitik ermöglichen. Wenn die Sozialdemokratie diesen Weg öffnen half, so hat sie freilich noch keine Gewähr, daß ihn das Stadlverordnetenkollegium 6on Groß, Köln beschreitet. Denn Obwohl Köln im Reichstag sozial- demokratisch vertreten ist, hat die Sozialdemokratie im Rathause Nicht einen einzigen Vertreter. Der Kampf um das Kölner Rat- baiiZ kann aber num mit verstärktem Eifer und besserer Aussicht auf Erkolg ausgenommen werden, weil aus Mülheim und Merheim Taufende sozialdemokratischer Wähler einrücken. Im Mülheimer Stadtrat war unser- Partei durch drei Genossen vertreten, und von Rechts wegen müßten die bürgerlichen Parteien einen davon in das.Kölner Rathaus mit übernehmen. Sie werden das wahrschein- lich nicht tun, um der Sozialdemokratie auch fernerhin den Einblick w die Klüngelwirtschan bcS Kölner Rathauses zu verwehren.'Ob' nun bei der nächsten Stadtvcrordnetenwahl im Jahre 1916 endlich der Zugang zu dem Kölner Rathausc für die Sozialdemokratie er- kämpsi wird, hängt vor allem davon ab, ob die in Köln allmächtige Zentrumspartei schamlos genug fein wird, ein Absli mmungSiystem aufrecht zu erkalten, wie es fast einzig dastehen wird. Bisher müssen nämlich sämtliche Etadtverordneienwäbler auch auS stunden- Meie entfernten Vororten im Innern der Stadt ihr Wahlrecht auS- üben. Jetzt kommen nun Wähler hinzu, die bei der Aufreckst- erhaltung dieses Systems buchstäblich eine HalbtageSreise unter- nehmen müßten, um ihr Wahlrecht ausüben zu können. Es ist anzunehmen, daß der Widerspruch gegen diese Sckimäleruug des an sich schon elendesten aller Wahlrechte nun so stark wird, daß selbst die cisenstirnige Zentrumspartei dem Drucke weichen mutz. J«den falls wirb die Sohialdcmokraüc den Sturm auf das Rathaus, wo die schwarze Gewaltherrschaft noch auf lange Jahre hinaus gefestigt schien, mach diesen Eingemeindungen unter wesent- lich günstigeren Bedingungen sortsetzen können. „Tie Stunde ist gekommen, dast wir zum Angriff , übergehen." Der Herr Generalsekretär A d a m S t e g e r w a l d ist eZ, der diese Parole gegen die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften aus einem am 3. Mai stattgefundeneii christlich-nationalen Arbeiter- und Jugendtag in Aichaffenburg in den Saal hilieinschric. Und eine weitere Anzahl Redner, darunter Geistliche, beteten ihm, wie der Festbericht des„Beobachters am Main" mit- teilt, diese Parole nach. Solche Kundgebungen sind nichts Neues: aber daß Herr Stegerwald gerade jetzt nichts Wichtigeres kennt, als die christlich-nationalen Arbeitervereine und Gewerkschaften zum Sturm gegen die sozialdemokratischen Klasseiigenossen auszurufen, ist sehr bemerkenswert und muß.feine Gründe haben. Er- und die ihm zur Seite stebeuden Geistliche» haben nach den vielfacher. Vorkommnissen im katholischen Lager, vor. allen Dingen nach der übelwollenden Stellungnahme katholischer Kirchen- Häupter gegen die christlichen Gewerkschaften wohl ganz besondere Ursache, zu zeigen, Laß ihnen jede K l a s s e n s 0 l i d a r i t ät zwischen christlich-nationalen und sozialdemo- kratischen Arbeitern ein Greuel ist: ist doch Herrn Stegerwald und seinen engeren Freuuden»och vor wenigen Wochen das Unglück passiert, daß ihnen der Schweizer Bischof Schmidt von Grüneck nachwies, daß sie den kirchlich korrekten Boden unter ihren Füßen verloren haben: eine Meinung, die mit dem Bischof die meisten seiner Amtsbrüder teilen dürften. Erledigung des Falles Jastrow. Die Berbandlungen zwischen den Dozenten der Handelshoch- schule und dem Aeliestenkollegium haben zu einer Einigung geführt über deren Basis die Handelshochschule folgende Mitteilung macht- „Die Lehrfreihcit, welche die Herren Aeltesten tatsächlich bisher nie angetastet hatten, wird für die Zukunst auch rechtlich gesickert sein. Dst Handelshochschule wird nur noch lebenslänglich angestellte Dozenten im Hauptamle haben, und bei den Be- rufungen wird man das Dozenlenkollegium in derselben Weise hören, wie dies an den Universitäten üblich ist." Professor Jastrow hat, lim die Verständigung zu erleichtern, auf ein weiteres Vertragsverhältnis verzichtet. Der. Streik" der Studierenden ist damit bendet. Gegen die Erweiterung der Sonntagsruhe in dem von der ReichStagskommission beschlossenen Umfang hat die Hamburger Bürgerschaft in zweiter Lesung und. damit endgültig einen Antrag angenominen, den die Linie, die sogenannte Gewerbe- Partei, eingebracht hatte. Für den Antrag stimmte auch der größte Teil der Rechten, der Senatspartei, unter Führung des Hauptpastors Rode, der auf einen Vorhalt unserer Genossen diese Köstliche Recht- fertigung seines Verhaltens gab:.„Wenn die Erweiterung der Sonntagsruhe zur Folge haben würde, daß alle Menschen zur Kirche kämen, würde auch er dafür sein: so aber, wie es heute gehe, halte er die jetzige Beschränkung der Sonntagsarbeit für ausreichend!" Der Antrag, der den Bundesrat gegen die Reichstagsbeschlüsse scharf mache» soll, wurde mit 76 gegen 67 Stimmen angenommen. Spionage. Die Polizei hat«ine Kontoristin verhaftet. Diese hatte sich von ..einer Hamburger..Wltrst.„einen Txilpfan..eines. Kriegsschiffes zu ver- schaffen gewußt.und an ein französisches NaKrichtenbureau verkauft, außerdem eine"ändere Frau zp bestimmen versucht, ihr weiteres Malerial zu dem gleichen Zwecke zu beschaffen. Die Verhaftete wird heute nach Leipzig übergeführt, wo vor dem Reichsgericht die Verhandlung wegen Landesverrats stattfinden wird. der amerikanisihe Konflikt. Washington, 9. Mai. Eine gestern abgehaltene Beratung über die Frage, ob dem General Funston Verstärkungen gesandt werden sollten, zeigte, daß innerhalb des Kabinetts eine M e i- nungsver schiede 11 heit besteht. Einige Mitglieder de» Kabinetts waren der Ansicht, daß durch die Absendung von Verstärkungen die FriodenSvermittolung gestört werden könnte, wäh- rend'andere Veifftärkungen für iwlwcndig hielten, um gegen einen Angpifs. längs der Eisenbahn und der Wasserwerke gerüstet zu sein. Wie verlautet, hat General Funston dem Kriegsdepartement mit- geteilt, daß seine Linien an verschiedenen Punkten gefährdet seien, und daß plötzliche Angriffe die Zurückziehung seiner Streitkräste von diesen Punkten nottoendig machen würden, welche dann un- geschützt sein würden. Funston habe erklärt, er würde 16 000 bis 18 000 Mann nötig haben, um Veracruz und die zurzeit besetzten Außenbezirke zu halten. Die Entscheidung über die Höhe der Per. stärkung wolle er dem Gcneralstab überlassen. Während der Kriegssekretär Garrison ertlärt hat, es seien keine Anweisungen erteilt worden, wird jetzt bekannt, daß Kontrakte über die Charte- rung■ von mehreren Handelsschiffen abgeschlossen und Vorberci- tunge» zur Absendung von 60 000 bis 60 000 Marin ge- troffen worden sind.. Tie Pläne der Rebellen. Washington, 9. Mai. Nach den Berichten, die aus den Haupt- quartieren der Rebellen hier eingetroffen sind, hat Carränza besohlen, die Unternehmungen gegen Tain pico und Ma- z a t l a n zu einem raschen Abschluß zu bringen. Verstärkungen rücken auf beide Plätze vor. Carränza ist in Torreon eingetroffen und hat Torreon zu seiner vorläufigen Hauptstadt gemacht. Villa empfing ihn auf dem Bahnhos. Ein Dekret Huertas. Mexiko, 9. Mai. Tor Präsident H u c r t a hat ein Dekret folgenden Inhalts erlassen: Jeder Handelsverkehr mit d e r U n i 0 n h ö r t auf, ckein- Schiff, das unter der Unionsflagge fährt oder amerikanischer Herkunft ist. darf in mexikanische Häfen einlaufen. Tie aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommenden Waren werden dem Gericht übergeben. Eine unrichtige Meldung. Washington, 9. Mai Admiral Howard hat dem Marineamt auf eine gestern'"ahend' an ihn ergangene Anfrage mitgeteilt, daß die Meldungen von einer Eroberung MazatlanS durch die Jnsur- genten unrichtig scicn. Die Kämpfe dauerten noch an. dichter in Üen Wahlen. Eine französische Revue hat«ine Umfrage bei allerhand Lite- raten über ihr Verhalten bei den Wahlen veranstaltet. Die Ant» Worten sind nicht überraschend. Tic meisten der Herren tun er- staunt, daß man von derlei vorsintflutlichen Dingen noch rede. Sie haben, seit der. Zeit ihrer ersten Verse die Wahltage vcrschlafcn oder im Cafe verdebattiert oder sonst dergleichen. Tic Ersiudung eines. neuen � Ismus" ist eine bedeutungsvollere Begebenheit für die.Kultur als die Berufung eines Gesetzgebers.— Aber»och glbt es i« Frankreich Leute,, die von ihrer, auf einen in der Literatur berühmten Namen au?- gestellten Wählcrkarte Gebrauch machen. Da ist Anatole France, der seinen Ruhm, der größte Stilkünstlco des lebenden Geschlechtes zu sein, so sehr vergibt, daß er nicht nur wie sein Hausmeister in die Wahlzelle geht, sondern sogar an einer so ordinären Sache wie der Wahlagitation teilnimmt. Er hat die Anbiederirng der Renegatengruppe Alleinanes, die ihm ein Mandat antrug, um sich in der Oeffentlichlcit ein ehrliches Ansehen zn er- schleichen, als-parteitreuer gccinigtcr Sozialist in kinem würdigen, in seiner Präzision wie ein Peitschenhieb tuirkenden Brief zuxück- gewiesen, nun aber hat er sich auch als Redner für eine.Wähler- Versammlung just in dem ihm angebotcuen Wahlkreise angemelde!. Es gilt, den Berichterstatter über das Dreijahrgesetz, Herrn Pale, zu Wersen. Die geeinigtcn Sozialisten treten sür den ehrlichen Nadikalen L 0 y s 0 n ein, der unter den dem Militarismus fciud- lichen und der deutsch-sranzöstschen Annäherung freundlichen Kau- didaten die meisten Stinmien erhalten hat. Nur der alte AÜemaiie besteht aus.seiner Kandidatur, zum Profit des. Reaktionärs und Militaristen. Anatole France kommt, um mit den Parteigenossen dem Radikalen zu Helsen... Aber noch ein anderer französischer Schriftsteller ist in die Arena gestiegen: Pierre Loti. Er ver- öffcntlicht in einer-Zeitung von Bordeaui- einen A p p e I l g e g c n die Sozialisten. Man lese, was die Phantasie des Dichters— oder ist es die des Marineoffiziers, der Loti im bürger- lichen Leben ist?— den Sozialisten zuschreibt:„Ter unifizierte Sozialismus führt direkt zur Revolution, zur Schlächterei unter Franzosen, zur Plünderung der Erspar- nisfe der Arbeiter durch Nichtstuer und alkoholi- siebte Banditen!"— Tic Einbildungskraft Lotis ist seltsam lustig— man muß, um mildernde Umstände zu finden, an den in der Marine so verbreiteten Morphinismus denken—, aber schwach ist sein Gedächtnis. Erinnert er sich nickt mehr, daß vor zwei Jahren, als er gegen die Greuel der„christlichen" Krieger auf dem Balkan protestierte und die ganze, von Rußland Trink- geldcr beziehexide bürgerliche Presse-schwieg, einzig die„Nichtstuer- und alkoholisierten Banditen" es waren, die seinen Ruf zur Mensch- lichkeit aufnahmen? Wenn der Dichter ans die Zinne der Partei steigen darf, sollte er sie doch nicht für seine epileptischen Anfälle wählen...... Selgien. Die Altersversicherung. Brüssel, 9. Mai. Das gestern von der belgischen Kammer angenommene Gesetz für Alterspensionen sichert den Arbeitern, die das 65".' Lebensjahr überschritten haben, eine llsiaximalpension von 290 Frank pro Jahr zu, die sich verringert, tvenil nicht mindestens 49 Jahre lang Beiträge geleistet worden sind. Die K r a 11 k-e n V e r s i ch e- rung gewährleistet den Arbeitern eine- tägliche Bergütirng von 1 Frank für die Dauer von drei Möiiaten. Nach dieser Zeit wird der Kranke als Invalide erklärt und erhält die« selbe Vergütung. Spanien. Stürmische Szenen in der Kammer. Madrid, 8. Mai. MS heute in der Kammer der Minister für Eisenbahnen und öffentliche Arbeiten U g a r t e, der zur Zeit der Verurteilung F er rerS Generälstaatsanwalt ge- tvesen war, eine Erklärung abgab, mannte ihn der. Republikaner Serriano den Mörder Fe'rrers. Es entstand ein ungeheurer Lärm.' Von der Mehrheit wurde Serriano d'äs Wort Kanaille zugerufen, worauf deb Republikaner Castro- vodi, zur Mehrheit gewandt, ausrief: SiesindKanaillen und Mörder und besonders ist das dieser Mann, indem er auf den Minister der öffentlichen Arbeiten zeigte. Tie Ruhe wurde schließlich wiederhergestellt und der Minister nahm seine Erklärungen wieder aus. Albanien. Die angebliche Kreuzigung. Athen, 9. Mai. Die Meldung ans D u r a z z 0 über die an- gebliche Kreuzigung albanesi scher Gefangener durch die Epiroten wird mit Entrüstung in Abrede gestellt. Im Gegensatze zu den verlcitmderischcn Behauptungen der Albanesen ist festzustellen, daß die Epirotcn ihre Gefangenen sehr großmütig behandelt haben._ Letzte Nachrichten. Pleite in Spanien. Madrid, 9. Mai. Der Budgetcntwurf für 1916 steht 1 466 961 766 Pesetas an Ausgaben vor, das bedeutet eine Vermehrung um 66 120 486 Pesetas. Die Titel„Marokko" weisen eine Verminderung der Ausgaben um 2 823 690 Pesetas auf. während die Voraussicht- lichen Einnahmen aus 12 903 594 Pesetas geschätzt werden. Tie Gesamtsumme der ordentlichen Einnahmen beläust sich aus 1 355 075 818 Pesetas. Tos somit enlstebcndc Defizit von 100 885 945 Pesetas soll durch.Ausgabe von Obligationen gedeckt werden. Ter Papiergeldumlauf beläust sich aus 2600 Millionen Pesetas. Der Finanzminister hat einen Steuergesetzentwurf vorgelegt, welcher Zucker und Salz mit einer Steuer belegt, und zwar je 100 Kilogramm Zucker mit 25 Pesetas(auswärtigen Zucker mit 60 Pesetas) und Salz mit 20 Pesetas. Für Konserven sollen 10 Pe- setas für 100 Kilogramm gezahlt werden. Ter Einfuhrzoll für Sardinen, der gegenwärtig für 100 Kilogramm 24 Pesetas de- trägt, soll auf 8 Pesetas ermäßigt werden. Der Streik in der spanischen Handelsmarine. Madrid, 9. Mai. In dem Streik der Offiziere und Maschinisten der spanischen Handelsschiffe ist eine leichte Besserung eingetreten, nachdem Ministerpräsident Toto erklärt hat, daß den mit fremden Matrosen besetzten spanischen Handelsschiffen die Erlaubnis zum Auslausen, verweigert und verhindert werden würde, und daß fremde Fahrzeuge den Dienst an der spanischen Küste versehen. Der Streik- ausschuß des Syndikats der spanischen Sceleiite hat darauf-be- schloffen, in Anerkennung der Haltung der Regierung die Schiffe. die den Vcrpflegungsdienst sür die in Afrika stehenden Truppen versehen, mit Offizieren, und Maschinisten zu besetzen, damit die Ausfahrt nach den afrikanischen Küstonhäscn vonstatten gehen kann. Frühling mit Schnee. Karlsruhe, 9. Mai. In den höheren Lagen der Logefen und auf dem Elsässcr Belchen ist heute früh bei null Grad Schneefall eingetreten. Das Ende eines ZuHölters. Halle a. 9. Mai. Als der Zuhälter Schölzke beute von der Strafkammer zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden war und nach der Verkündigung des Urteils abgeführt werden sollte, stürzte er uch durch das Fenster des Sitzungssaales in den Hof htnav, wo er auf dem Pflaster lebensgefährlich verletzt liegen blieb. A. WERTHEIM F Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzpl. In dieser Woche Großer In dieser Woche Korsett-Verhaut Langhüftige Korsette Grau Satin lange Hüfte..... 1.55 Mode Drell 2 Halter....... 1.70 Beige Köper extra lang..... 2.25 Grau Drell 1 Paar Halter.... 2.75 Geblümt weiß-blau, 4 Halter.. 3.75 Grau Drell extra lang, 2 Halter 4.85 Geblümt waschbare Einlagen.. 5.75 Mode-Satin für starke Figuren 7 M Weiß Köper waschb. Einlagen. 2.40 Weiß Batist waschb. Einl., 4 Halt 3.25 Weiß Satin 4 Halter....... 5 M. Weiß Satin od. 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Tie Berliner Fuhrwerks-Kontroll-Gcsellschaft wurde von Fachleuten, welche selbst jahrelang bei ersten Berliner Firmen als Kontrolleure tätig waren, gegründet, und zwar aus Grund von Beobachtungen, nach denen die sich unbeausiicktigt fühlenden Kutscher usw. sehr häufig zum Schaden ihres Arbeitgebers gegen ihre Vorschriften verstießen. Zweck der Gesellschaft ist, die Fuhrwerke, Autos usw. ihrer Abonnenten zu beobachten, damit deren Führer und Mitfahrer keine Unregelmäßigkeiten begehen. Sehr häufig ist es vorgekommen, daß Pferde von rohen Kutschern durch übermäßige Schläge mißhandelt wurden; oft auch sahen die Leute stundenlang in Destillationen, während die Pferde unzugedeckt der Witterung preisgegeben waren. Wird ein Kutscher in solchem Falle von der Polizei aufgeschrieben, sv erhält er wohl ein Strafmandat, doch erfährt der Arbeit- geber sehr selten den Grund. Ferner standen die Wagen oft mit wertvoller Ladung ohne jede Aufi'icht. Kollis, ja ganze Fuhrwerke wurden von der Straße weggestohlen. Das Futter. welches zum Füttern der eigenen Pferde bestimmt war. wurde von gewissenlosen Kutschern an ftcmde Leute verkauft, ohne daß es möglich war, den Leuten etwas nachzuweisen. Und so lassen sich Hunderte von Fällen anführen, welche eine gewissenhafte und genaue Kontrolle als notwendig er- scheinen lassen. Wir nun bemühen uns, dem Interessenten über alle solche Fälle umgebend zu berichten, so daß er jederzeit über das Tun und Lassen feiner Leute unterrichtet ist. Abt. A. Revierkontrolle. A r t der Kontrolle. Die Kontrolle geschieht auf folgende Art und Weise. Groß- Berlin ist in Reviere eingeteilt, deren jedes einem oder mebreren Kontrolleuren zugeteilt ist. Dieselben sind angewiesen, während ihrer Dienstzeit die Reviere unter keinen Umständen zu ver- lassen, und genau darauf zu achten, ob bei den Gespannen oder Auws unserer Abonnenten sich irgend welche Unregelmäßig- keiwn bemerkbar machen. Bei Pscrdemitzhandlungen, Dieb- stahl usw. tritt unser Kontrolleur nicht als solcher, sondern als Privatmann auf. Ueber jede Wahrnehmung haben dieselben dann abendS beim Rapport schriftliche Meldung zu machen, welche wir unserseits einmal wöchentlich an unsere Abonnenten gelangen lassen. I Wichtige Vorkommnisse werden sofort telepbonisch oder durch Eilkarte an die Interessenten berichtet. Eine Kontrolle durch unsere Gesellschaft empiicblt sich schon aus dem Grunde, weil unsere Kontrolleure nicht mit den Fahr- zeugführcrn und Mitfahrern unserer Abonnenten persönlich in Berührung kommen, und somit keine Veranlassung haben, irgend welche Versehen oder Verfehlungen zu verbeimlichen, wie dos häusig bei eigenen Kontrolleuren der Fall ist, wenn diese mit den Leuten bekannt geworden sind. Abt. B. Spezialko.n trolle. Auf Wunsch stellen wir unseren Abonnenten einen Kon- trolleur zur Verfolgung eines bestimmten Fuhrwerks für den ganzen Tag zur Verfügung. Derselbe Hai über jede Beobachtung genau Buch zu führen. So z. B. wo und wie lange der Wagen hält, ob der Kutscher abladet, wie lange dieser sich in Restaurationen aufhält usw. Ten Bericht hierüber senden wir dann umgehend au die be- treffende Firma ein. Kon t.uz l l e unserer Beamten. Unsere Kontrolweamlcn werden durch Ovcrkontrolleiire und Inspektoren ständig aui gewissenhafte Ausführung der ihnen anvertrauten Tätigkeit bin inspiziert. Außerdem haben dieselben eine Kaution gestellt, welche laut Vertrag verfällt, wenn sie wiederholt während ihrer Dienstzeit bei Pilichtwidrigkeite.n betroffen werden. Andernfalls haben wir für jede Meldung von Wicktigkcit Prämien ausgescyt. io daß auch aus diese Weise ein Ansporn zu gewissenhafter Pslichtcrsülluiig gegeben ist. Tie Berliner Fuhrwcrks-Kontroll-Gesellschaft bleibt dauernd bemüht, durch Hinzugewinnung neuer Abonnenten neue Kon- trvlleure einstellen zu können und dadurch die Reviere immer mehr zu verkleinern. Man sieht aus Vorstehendem, was für Schlingen den Wagen- lenkcrn Berlins in Zukunft gelegt werden sollen. Die Gesellschaft M i e r u. Co. will durch ibr Reklameschrcibcn den Fuhrwerksbesitzern glaubhaft machen, daß die Wagenlenker alle so schlechie Kerle sind, daß die Polizei, der Tierschutzvercin und die Pferde- schutzvereinigung noch nicht ausreichen, um all die Untaten, welche die Wagcnlenker verüben können, aufzudecken. Eine Schar von Leuten soll auf die Kutscher losgelassen werden, die eventuell noch durch besondere Prämien das Denunzieren in Engros betreiben sollen. Damit das Denunziationsgewerbe aber auch wirklich floriert, werden die sogenannten Revierkontrolleure noch durch be- sondere Antreiber, sogenannte Obcrkontrolleure und Inspektoren, inspiziert. Wenn sich ein Kutscher, der den ganzen Tag obne ge- regelte Eßpausen mit seinem Gespann aus der Tour ist, erlaubt, in einer Gastwirtschaft einen Imbiß zu nehmen, läuft er Ge- fahr, von den Pinkertons dieser Gesellschaft bei seinem Arbeit- geber zu Unrecht denunziert und seine Brotstelle loszuwerden. Allem Anschein nach kommt es der Gesellschaft nur darauf an, ans recht leichte Art Geld zu verdienen. Recht viel Abonnenten und viel Kautionsvcrfall füllen den Geldbeutel. Wenn die Fuhrwerks- besitzer stch durch diese Gesellschaft ihren Geldbeutel erleichtern lassen wollen, den Kutschern wird dies nichts schaden. Kraft ibrer starken gewerkschaftlichen Organisation werden sie sich auch gegen die Machenschaften der Firma Mier u. Co. zu wehren wissen. Serlin unü Umgegenö« Seenöigung des Lohnkampfes öer Steinarbeiter. Nach dem Ergebnis der am Mittwoch abgehaltenen Versamm- lung der Steinarbeiter herrschte bereits Einverständnis über die Bedingungen, unter denen ein neuer Tarif abgeschloffen werden soll. Streitig blieb nur noch die Höhe der Lohnzulage. Während die Unternehmer eine Erhöhung de? Stundenlohnes um 4 Pfennig in zwei Etappen bewilligen wollten, hielten die Arbeiter fest an dem Verlangen einer Lohnerhöhung von 5 Pfennig. Infolgedessen ist die Kommissson nochmals mit den Unternehmern in Verbindung getreten und hat nach langen Verhandlungen erreicht, daß der Stundenlohn sofort um 2 Pfennig, am 1. Januar 1915 wieder um 1 Pfennig und am 1. April 1915 nochmals um 2 Pfennig erhöht wird. In einer am Sonnabend abgehaltenen Persammlung der Streikenden und Ausgesperrten legte die Kommission das Verband- lungsergebnis vor mit dem Bemerken, daß mehr nicht zu erreichen ist und mit dem setzt vorliegenden Resultat dem Beschluß der letzten Versammlung Rechnung getragen ist. Tie Kommission empfahl, die Arbeit am Montag wieder aufzu nehmen. Die Unternehmer haben die Versicherung abgegeben, keine Maßrcgelun- gen aus Anlaß der Bewegung vorzunehmen. Allerdings werde es nach der wochenlangen Arbeitsruhe nicht möglich sein, sämtliche Ausständigen schon am Montag wieder einzustellen. Es sollen aber keine neuen Arbeitskräfte eingestellt werden, bevor die Ausständigen wieder in Arbeit getreten sind. Tie Versammlung erklärte sich gegen wenige Stimmen mit dem Vorschlage der Kommission einverstanden. Die Arbeiter der einzelnen Betriebe werden sielt nach vorhergegangener Besprechung den Unternehmern geschlossen zur Verfügung stellen. ' Achtung, Dachdecker! Wie vor einiger Zeit iniigeteilt. sind die Dachdecker in Stralsund seit dem 1. April ausgesperrt, eine Einigung ist bisber noch nicht zustande gekommen. Nun versuchen die Unternehmer, in Berlin Dachdecker anzuwerben, und zwar werden durch Annoncen in der„Berliner Morgenpost" Dachdecker verlangt, zu melden in Berlin, Franseckystraßc 41, vor» 1 Treppe bei Buer. Den sich meldenden Tachdeckern wird empsohlen, nach Stralsund zu fahren und dort den Arbeitswilligen zu spielen. Herr Tachdcckermcister Vierkant, Stralsund, welcher Montag und Dienstag selbst in Berlin Ivar, erklärte, für jeden Dachdecker, der ifün zugewiesen wird, eine Verrnittelungsgebühr von 10 Mark zu zahlen. Nun ist leicht erllärlich, daß sich Herr Baer die größte Mühe gibt, möglichst recht viel Dachdecker nach Stralsund zu ver- Mitteln. Wir ersuchen aber die Dachdecker allerorts, Kauptsächlich bicr in Berlin, nicht nach Stralsund zu fahren, und den dortigen Kollegen nicht in den Rücken zu fallen. Meidet Stralsund. Desgleichen befinden sich unsere Kollegen in Stettin seit dem 6. April im Streik. Deshalb meidet auch Stettin. Zentralverband der Dachdecker. Berschlechtcrungeu im städtischen Ztrastcnbahnbctriebc! Unier den Angestellten, Fahrern und Schasmern sowie Wagen» Wäschern der Städtischen Straßenbahnen macht sich eine Unzu- fricdenheit bemerkbar. Es wirb als besondere Härte empfunden, daß den Wagenlväschcrn, welche auch im Fahrdienst Verwendung fanden, das Kiwmctergeld seit dem 1. April nicht mehr gezahlt wird. Durch diese Maßnahmen find die betroffenen Angestellten um zirka 80 M. pro Fahr im Verdienst geschädigt. Was ein der- artiger Ausfall für einen Familienvater ausmacht, scheint die Be- triebslcitung nicht erwogen zu haben. Und wenn weitere Verschlechterungen in beziig der Dienst- einteilnng noch hinzukommen, so daß Angestellte vmi morgens früh bis spät in die Rächt mit ganz kurzen Unterbrechungen aus den Wagen Dienst tun müssen, so kann man es ohne weiteres ver- stehen, daß die Angestellten alles aufbieten,»m die Verschlechte- rungcn wieder abzuschaffen. Die angesammelte Erregung machte sich in einer Versammlung der Angestellten zunächst gegen den Arbciteransschilß Luft, der diese Verschlechterungen ohne Wider- spruch geschehen ließ. In der Versammlung wurde von allen An- wesendcn zum Ausdruck gebracht, daß der Arbeiteransschuß seine Schuldigkeit nicht getan habe und ein Weiterarbeiten des jetzt be- stehenden Ausschusses um des lieben Friedens willen nicht gewünscht werde. Eine Kommission aus 7 Angestellten soll zunächst mit der Betriebsleitung eine Aussprache über die strittigen Punkte herbei- führen. Weitere Schritt« behalten die Angestellten sich vor. Tarifbewegung der Töpfer. Am Freitag nahm eine ordentliche Generalversammlung den Bericht der Lohnkommission über das Ergebnis der letzten Tarif- verbandlungen entgegen. Die Unternehmer hatten das Angebot gemacht, einen Tarif nbzuschließen, daran aber Bedingungen ge- knüpft, die von den Arbeitern nicht angenommen wurden. Es wurden darauf nachträglich wieder Verhandlungen gepflogen, die sich ziemlich langwierig gestalteten, zuletzt aber doch folgendes Er« gebnis zeitigten: Tie halben Kachelpreise erhöhen sich bom l. Oktober dieses Jahres um 1 Pfennig, desgleichen am l. April nächsten Jahre-. Die Nebenpositioncn sollen besser ausgestaltet und die allgemeinen Bestimmungen, sowie die Bezahlung der Akkordarbeit präziser geregelt werde». Die Unternehmer treten vom Schiedsgericht zurück. Der Tarif soll vor dem Gewerbegericht abgeschlossen werden. Scgawe erklärte, daß das Ergebnis zwar nickt viel sei. daß aber immerhin ein Tarisverhältnis dem jetzigen Zustande vorzu- ziehen wäre. Die Abstimmung ergab»ach kurzer Diskussion die fast ein« stimmige Annahme der Vorschläge. Im Anschluß hieran nahm die Versammlung den Bericht vom 1. Quartal d. I. entgegen. Die Gesamteinnabmen betrugen 8785,42 M., die Gesamtausgaben 6541,81 M„ so daß ein Bestand von 3*243,81 M. verbleibt. Sperren sind in einzelnen Fällen vor- genommen worden. An Unterstützungen wurden insgesamt aus- gezahlt: 14 253,55 M. »» • Die Unternehmer haben die Vereinbarungen der beiderseitigen Lohnkominssio» ebenfalls angenommen. Der neue Lobntarif iritt am 18. Mai 1914 i« Kraft. Akkordarbeiten, die vor dem 18. Mai begoniien stnd, werden jedoch nach den allen Abmachungen bezahlt. kleines Feuilleton. Das Gebet für die Luftschiffer. Der liebe Gott wird sich schön wundern. Bis jetzt hat es jeden Sonntagmorgen antelephoniert, und eine Stimme hat gesagt:„Beschütze das königliche KriegSheer und die gesamte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser."— „Ach so. Preußen!" hat dann der liebe Gott gesagt und hat ab- gehängt. Aber nachdem nunmehr der Generaliynodalvorstand die Dringlichkeit einer königlichen Verordnung anerkannt hat. wird der lieb« Golk wieder aufhorchen. Denn nun heißt eS:.... gesamte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser, insonderheit die Schiffe und die Luftsahrzeuge, welche auf der Fahrt sind."„In- sonderheil", �wird der liebe Gott sagen,„ist kein deutsches Wort. So was schreibt man nicht einmal, geschweige denn betet man eS. Aber meine lieben Preußen da unten haben so bureaukratisch« Lorbeter, da bin ich dergleichen gewohnt." lind wird wieder ab- hängen. In der Tat: die Religion schreitet doch vorwärts. Man kann ja nicht gerade sage», daß dieser verwaschene Protestantismus die sozialen Probleme der Gegenwart aufgegriffen und fortentwickelt habe, man kann gerade nicht behaupten, daß sich die Diener am Wort Christi mit den Armen, für die iie doch laut Bibelrext in erster Linie da sein sollen, besonder? gur stehen. Das ist es eigentlich alles nicht. Aber die Religion geht doa, mit der Technik mir. und haS ist auch schon eine ganze Menge. Die Macht des Gebetes ist nie lächerlicher und grotesker illustriert worden als hier, da vom Sonntag den soundsovielten ab nun auch die Luftschiffer der gölt- lichen Gnade und des himmlischen Schutzes teilhaftig werden. ES geht ihnen bestimmt vorher genau so schlecht und so gut wie nachher aber daS macht nickt». Man konnte nunmehr die Luftschiffahrt vor dem lieben Gott nicht mehr verheimlichen. denn der bat schon längst danach geftagt. waS da immer explodiert und hat sich nur gewundert. Wenns einmal kein Zeppelin war. Run- wehr hat er auch amtlich von der neuen Erfindung Kenntnis, und man kann wohl den deutichen Luftsckiffern berzlich kondolieren. Für unS betet eigentlich niemand beim lieben Gott. Und ich kann mir nicht helfen: ich Hab« da« leise Gefühl, als obs uns gerade deshalb so gut ginge. Was ist'« mit Reinhardt? Ein alter TheaterpraktikuS schreibt uns: Reinhardt hat sein„Mirakel", das in Wirklichkeit uraltester Theaterzauber ist. nun auch in Berlin gezeigt. Ein Teil der bürgerlichen Herrschaften war selbstverständlich ergriffen; andere waren zwar nicht ergriffen, behandelten die Sacke aber so seriös. als stünden sie den tiefsinnigsten Offenbarungen gegenüber. Sehen guten Leute denn roirfltd) nicht, toohin die Reife geht. Bei den Meiningern. die Reinhardt die meisten Kunststücke vor- weg genommen habe», diente die Dressur der Massen immerhin g�istiaan Zwgck. Semr d,e Choristen gedrillt wurden» geschah es, um bestimmte Effekte der klassischen Dichtungen stärker herauszuarbeiten. Trotzdem aber empörten sich damals viel feine Köpfe gegen das Ueverwuchern der Acußerlichkeiten. Was würden sie heute sagen? Bei Reinhardt haben die knalligsten Masseneffektc die Dichtung vollständig verschlungen. Alles, was an Kuliffenwirkungen zu- sammengerasst werden kann, wird � ins Treffen geführt. T i e Dichtung selber aber, das beseelte Wort der Menscheiibrust, wird gestrichen. Es ist nicht unmöglich, daß Reinhardt in der Tat ein großer Regisseur ist, obwohl feine Oualitäten jzon einer nahezu irrsinnigen Reklame maßlos überschätzt werden. Sicher aber ist, daß in seiner Seele neben dem großen Regisseur ein großer Esfekthascher wohnt. Er inszeniert heute Shakespeare, um morgen das Publikum— mit irgend einem raffinierten Plunder zu— blüfsen. Bald Kunst, bald Dunst. Wie'S trifft! Isoldes Bater? Erst jüngst wurde in den Zeitungen die über- aus wichtige Fräge� erörtert, ob Richard Wagner vom König Artus oder vom König Salomo abstamme. Roch ist der Streit darüber nicht entschieden, welches Zeichen über den Bayrcuther Tempel- Pforte» Berechtigung habe: ob das.Hakenkreuz oder der sechszackige Stern, und schon erziticrn die Hallen der Gralsburg von einer neuen Frage nach der Vaterschaft. Tragisch erhob sich Frau Cossma und wies ihre älteste Tochter, Isolde, aus den geweihten Räumen des Wagnerschen Erbes. Mit theatralischem Pathos entschleierte sie vor aller Welt das große Geheimnis unwürdiger Geburt, die jene zu einem niedrigen Magddaseiil verdammt neben de» in Wahrheit aiis des Meisters Lenden Entsprossenen. Nicht Wagner hat Isolde erzeugt, sondern Hans v. Bülow. Cosimos erster Gatte, behauptet die Mutter, sie gehört also zum Geschleckt der sinftenn Alben und nicht zu dem der lichthasten Nibelungen. Wissen soll es die Welt! Kein Kuckucksei darf geduldet werden inmitten der edlen Adlerbrut. Seht Ihr die wzene der Verfluchung? Hört Ihr die düsteren Stabreime, in denen Frau Cosima, nornengleich, Ge- heimnis kündet? Hört Ihr des Meisters Musik zu den erhabenen Worten? Teutschland hält den Atem an bei dieser Bayreuther Komödie, und die Sonne wird still stehen über Gideon und der Mond sich nicht weiter bewegen im Tale, wenn demnächst vor dem Landgericht Bayreuth festgestellt wird, ob Frau Cosima während der Zeit vom 12. Juni 1864 bis zum 12. Oktober desselben Jahres, da Hans». Bülow in München krank lag, mit diesem der Liebe gepflogen. Hoffentlich erinnert sie sich! Die Pietät vor dem Meister verlangt, daß nichts an seinen Namen sich hänge, was nicht von ihm. Nicht gefährdet werde das Erbe durch unedles Blut! Ja ja! Tie Bayreuther Pietät! Man weiß nie, wo die Gott- Verehrung Kassen-Pietät wird; schon bei dem Parsisal-Rumoicl ließ stch das nicht unterscheiden. Aber eins weiß man: daß in Bayreuth alles auf faustdicke Theatralik gestellt ist. und daß die Waoner-Erben jedes Taktgefübl verloren haben. Germanische' Rasseofcxe werden daraus auf die Richtigkeit der Behauptung schließen, daß in Wagners Adern jüdisches Blut fließe. Ich möchte wissen, was Nietzsche zu dem größenwahnsinnig gewordenen Bayreuther Komödianieiitnm sagte, das solch geschmacklose Blüten treibt. Er hatte es ja schon bei dem Meister selber erkannt und sich angewidert weggewandt. Edle Berufe. Wenn man mal de» Inseratenteil der großstädtischen bürgerliche» Presse durchsieht» macht man die wundersamsten Entdeckungen; ob sich die Blätter im re- daktionellen Teil reaktionär oder fortschrittlich gebärden, ist ganz einerlei. Am ergiedigsten ist die Rubrik„Vermischtes", die rich- tigcr und treffender„Gemischtes" überschrieben würde. Da wird Schw e i„ e s u t t e r vergeben uiid werden kleine Krnder „vergeben", jenes natürlich gegen Entgelt, während diese„ver- schenkt" werden. Da werden massenhaft vertrauensvolle Auskünfte erteilt, diskrete und liebevolle Pflegen angepriesen, deutlicher: Kinder abgetrieben und.Kinder geheim geboren. Da bieten die Masseurinnen n n d Maniküren ihre Dienste an. Da werden reelle und unreelle Ehen vermittelt, da suchen„bessere" Frauen und Fräulein kleine Darlehen— früher schon von 6,— M. an. jetzt selten noch unter 30 und.56 M.—; die suchenden Damen sind augenblicklich, in der Tat alle Augenblicke in„Not" oder.Verlegenheit". Da werden auch Mittel und Wege gewiesen zur Lösung der Eben. Aber der Gipfel der Gemeinheit und ziemlich neu ist es wohl doch. wen» einer berufsmäßig?l l i m e» t a t i o n s- B e f r'e i u n a betreibt. Auch eine solche Anzeige enthielt dieser Tage eine ganz gewöhnliche Wochentagsniimnier der„verbreitetsten aller deutschen Zeitungen", die sich kürzlich mit der hohen Zahl...Kleiner Anzeigen" brüslete und die Wohltäterin spielte. Sie ßlstckt arm« Kinder an Erholungsstätten und trägt andererseits dazu bei. daß arme Kinder keine Alimente bekommen. Der Kerl, der sich Dctekftv nennt und offen Namen und Adresse in der Volkstümlichkeit Heucheluden „Berliner Morgenpost" angibt, im Nebenberuf auch„Ehe- scheidungsdeweise„erfolgreichst" verspricht, fügt in Klammern bei, daß er„unbescholten" sei. Kann sein, manch er- bärmltcher Wicht ist nicht gerichtlich bestrast, während manch tadelloser Ehrenmann wegen seiner besseren Ueberzeugung schon im Gesangms oder gar ,m Zuchthaus gesessen hat. Das gcht so in unserem.Ordnungsstaat", wo die Ordnungspresse unbehelligt die unsittlichsten Geschäfte fördern darf, während die sozialdemo- kratische als Verfechterin einer sittlichen Weltordnung schmählich verfolgt wird; wo ein geiler Unteroffizier für ein rohes und schweres S,ttl»chkeitsattentat 75 M. Geldstrafe erhält und ein Ver- käufer. der Ansichtskarten mit nackten, aber schönen Frauenkörpern vertreibt, ein paar hundert Mark, wenn er nicht gar eingesponnen wird. Als unlängst behauptet wurde, daß es in Berlin Institute gäbe, die gewerbsmäßig Ehebrüche vermitteln, wußte die Oed» nungsvehorde mit dem tüchtigen Traugott». Ingo« an der Spitze von nichts, Run, hex Beruf der WmentatwnS-BchMWff Sollten sich Firmen weigern, nach dem neuen Tarif zu entlohnen, so ist dies sofort dem Bureau des Töpferverbandes zu melden. Die Äusgabe der neuen Tarife wird noch später bekannt gegeben.' Achtung, Matzschuhmacher! Der schuhmachermeister August Müller, Charlottenstr. 62, lehnt es ab, die Löhne in seinem Be- triebe so zu regeln, wie dieselben mit dem Verein Berliner Mag- schuhmachermeister abgeschlossen sind. Die Firma ist daher für die Matzschuhmacher gesperrt. Wir ersuchen, dieses strengstens zu beachten.— Ferner geben wir noch dag Resultat der Stichwahl zum Verbandstage bekannt. Abgegeben wurden 436 Stimmen, davon erhielt Vollmerhaus 192, Matting 2S8; gewählt ist Matting. Zentralverband der Schuhmacher. Achtung, Gaftwirtsgehilfen! Nachstehende Betriebe sind für Organisierte gesperrt'.„Lokal Götz", Berlin, Friedrichstratze 207; „Stehbierhalle am Paradiesgarten", Jnh. Gantzberg, und „Hauptrestaurant Eicohaus 3", Fnh. K a m m l a, in Treptow. Ferner teilen wir mit, datz das Lokal„Kleines Eierhaus 3", Jnh. Führer, mit dem„Hauptrestaurant Eierhaus 3" nicht identisch ist. Verband der Gastwirtsgehilfen. Aus dem Fleischergewerbe. Die Fleischereien Bachmann, Gerichtstratze 11, Pohle, Märkische Fleischzentrale, Palisaden- stratze 29, Kram er, Neukölln, Weserstratze 213, Fcnske, Sonutagstratze 1, R e i m a n n, Boxhageuer Chaussee 19, und Koch, Mozartstrahe in Lichtenberg-Rummelsburg, sind wegen Nicht- anertennung des Tarifvertrags für organisierte Fleischergesellen gesperrt. Die Tarifkommission. veutsches Reich. Zum Streik auf Grube Hostenbach. Erst jetzt werden durch die christliche Gewerkschaftspresse alleo Hand schwere Ausschreitungen bekannt, die sich Arbeitt- willige aus Grube Hostenbach zuschulden kommen liehen. Am Sonw tag, den 26. April, kam es zunächst früh im Zechcnhause zu heftigen Auftritten; am Nachmittag ereigneten sich in der Wirtschaft Schmitz zu Hostenbach lebhafte Krakeelereien, wobei eine Anzahl Gegen- stände zertrümmert und. der Wirt verletzt wurde. Tie Haupt- Helden wurden schliehlich durch den Gendarm verhaftet, ebenso ein anderer Arbeitswilliger, der einen Streikenden hinterrücks nieder- geschlagen hatte. Dann machte ein mit Messern bewaff- neter Trupp der„nützlichen Elemente" eine Runde durch die Ortschaften, unter den Frauen und Kindern Schrecken und Eni- setzen verbreitend. Klagend ruft der christliche„Bergknappe" aus: „Solche Elemente, die teilweise monatelang ohne Beschäfti- giiug waren und keine einwandfreie Vergangenheit haben, find für Hostenbach angeworben und werden unter polizeilichem Schutz vom Bahnhof zur Grube gebracht. Wie es heitzt, sollen die Vcr- hafteten durch andere erfetzt werden. Hoffentlich wird auch die Gemeinde Vorkehrungen treffen und die Unterkunftsstätte der Verhafteten vergrößern, damit bei notwendig«» Masfenverhaf- tungen auch Platz genug vorhanden ist." Unverändert dauert der Streit fort; die einheimische Beleg» schaft reist ab, um sich in anderen Revieren Beschäftigung zu suchen. Der christliche Bergarbeiterverband warnt vor Arbeitswilligen- Bermittelungsbureaus; dabei bekommen die Zentrumsblätter, die den Streitbrecherannoncen Aufnahme gewährten, einen leisen Tadel: »Hätten die betreffenden Chefs der Jnseratenabteilung den redak- tionellcn Teil ihres Blattes eingehender durchgesehen, so wäre wohl eine Aufnahme der Annonce nicht erfolgt."— Wir würden den Redakteuren der Zentrumspresse mildernde Umstände zudiktieren? sie haben bei den vielen Streikbrüchen der Christlichen daS Gefühl für das Schmachvolle des Streikbruchs verloren. Zech-nverband und christliche Gewerkschaften. Der soeben erschienene Jahresbericht des Zechenverbande« wirft dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter„Annäherung" an den ..sozialdemokratischen" Bcrgarbcfterverbaud vor. Darauf ant. wartet der Borsitzende des Gewerkvercins christlicher Bergarbeiter, H. Vogelsang, in der„Kölnischen Volkszeitung"(Nr. 416), indem er sich zugleich gegen einen scharfmacherischen Artikel der„Bcrg- weriszeitung" wendet: ..Nach Entgegenkommen sehen diese Ausführungen jeden- falls nicht aus. Bei solcher Sachlage mütztc der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter aus der Liste der Arbeiter- organisationen gestrichen werden, wenn er seine Hauptaufgabe darin erblicken wollte, für ewige Zeiten selbst in wirtschaftlichen Fragen dein sozialdemokratischen Bergarbeiter- verband den schärfsten Krieg anzusagen. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter ist gegründet worden, um die wirt- schaftlichen Interessen der Bergleute wahrzu- nehmen. Und da die Unternehmer im Ruhrbergbau den von sicherlich noch gemeiner. Weih die Polizei auch davon nichts? Dann lese sie die Kleinen Anzeigen in der volkstümlichen Presse. Das wäre ein tausendmal verdienstlicherer Zeitvertreib als' die Ueberwachung der freien Jugendvereine und Gewerkschaften. „Wennt er se odder wennt er se nit?" Den„Münch. N. Nachr." wird geschrieben: Dieses Jahr soll ein Maikäferjahr werden. Und in einzelnen Gegenden, z. B. in Württemberg, sind schon Prämien für gefangene Maikäfer ausgesetzt worden. Das erinnert mich an das letzte Maikäferjahr. Damals bildeten die Maikäfer überall eine grohe Plage. Strichweise kamen die Schädlinge so stark vor, datz die betreffenden Gemeinden auf den Massenfang der Käfer Geldprämien äussetzien. Auch eine badische Gemeinde an der deutsch-schwcizerischen Grenze tat dies und zahlte für eine hundert Liter haltende Matz 5 Mark. Hei, wie da die Buben und die Mädels gleich auf die rotbraunen Gesellen Jagd machten! Schon am anderen Tage wurde die Landplage in Säcken und Kisten, in Körben und in alten Fässern und was sonst noch für Behältnisse aufgebracht werden konnten, eingeliefert. Für die Prämien. cmpfänger war e» eine Lust, für die Stadtkaffe eine unangenehme Ausgabe und für die Beamten eine unvorhergesehene Arbeitsver- mehrung. Der Heizer konnte oft nicht genug kochendes Wasser herbeischaffen ftir das heiße Maikäferbad... Wieder stellte ein Bauer drei große Sack voll eingefangener Schädlinge dem maßnehmenden Beamtey hin mit den Worten: »So! Jetzt chömmet Se und nehmet mir mine Chäfere ab!" Ber- wundert schaute der Beamte auf: der Dialett hatte ihn stutzig ge- mäacht, denn so spricht kein badischer Bauer. Ganz im Amtstone fragte er:»Woher kommen Sie? Wo haben Sic die Käfer ge- fangen?"—„Bei uns!" lautete die Antwort. Der Beamte:„Wo- her sind Sie?"—»Uussem Thurgau!" sagte der Mann. Der Be- amte:„Werden nicht abgenommen! Käser wieder mitnehmen." Der Thurgauer:«In Ihrem Uusschriebe hent se awwer chei Grenz g'setzt! Do sinn die Chäferel Wennt er se odder wennt er se nit? Wenn Ihr se nit wennt, lotz ich's drnsse fliagel Mir isch's gliich!" Vor diese Erklärung gestellt, mutzte der badische Beamte die schweizerischen Schädlinge annehmen und bezahlen.,. Notize«. — Zwei neue Schillerdenkmäler. Sowohl in Dresden wie in Leipzig wird ein neues Schillerdenkmal eingeweiht. Da» Dresdener zeigt den Dichter in nacktem Oberkörper. — Sin Wörterbuch de, Dialekts der Lüne- burger Heide. Immer stärker werden die deutschen Mund- arten dur� die alles nivellierende Schriftsprache zjurückgedrängt: desto mehr erwachst der Forschung die Ausgabe, den überaus wert- vollen und interessanten Wortschatz der Dialekte zu sammeln und ' zu erhalten. Den verschiedenen Unternehmungen dieser Art, die von der Berliner Akademie der Wissenschaften geleitet werden, ist jüngst ein ähnlicher Plan zur Seite getreten, der durch die Jnitia- tive des Hannovcruhcn Provinziallandtages ausführbar geworden ist. Diese Körperschaft hat nämlich einen größeren Betrag für die Herausgabe eine« Lüneburaer Wörterbuches bewilligt, das den -"-»ten plattdeutschen Wortschatz de, Lüneburger Heide fest- der Deutschen Bergwerkszeilung beschriebenen Standpunkt ein- nehmen, gibt es für ihn zur Durchsetzung wirtschaftlicher Ziele 'keinen aüdären Weg, als'zeitweise mit ander e'n Bergarbetterorganisationen gemeinsam zu marschieren. In diesem Sinne und nicht anders war der Aufruf betreffend Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft aufzu- fassen, den der Vorstand des Gewerkvereins christlicher Berg- arbeiter nach seiner letzten Generalversammlung im vorigen Jahre erlassen hat. In der Beurteilung dtzeler nationaler, staat- licher und religiöser Probleme, in Lebensfragen des deutschen Volkes wird der Gewcrkverein christlicher Bergarbeiter nach wie vor im Gegensatz zu dem sozialdemokratischen Bergarbeiterver- band seine eigenen Wege geben. In Fragen, die die Wirtschaft- liche Hebung der Bergarbeiter angehen, wird er in Zukunft ebenso mit anderen Organisationen zusammen zu gehen suchen, wie dies bereits früher zeitweis« geschehen ist........ Die an die Wand gemalte Annäherung zwischen dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter und dem soialdemokratischen Berg- arbeiterverband ist lediglich zu dem Zwecke erfunden und als Staatsaktion aufgebauscht worden, um Regierung, Behörden, Politiker usw. wirksamer für die gelben Gewerkschaften interessieren zu können. Das diesbezügliche Beginnen der in Betracht kommenden Kreise ist nicht aus vaterländi- scheu Besorgnissen diktiert, sondern aus der sehr materiellen Erwägung heraus, den in vielen In- duftrieu und Gewerben überwundenen Herreu st andpunkt in seiner veralteten Auffassung aufrechtzuerhalten." Man fragt sich unwillkürlich, weshalb den christlichen Gewcrk- schaftsführern diese Erleuchtung nicht schon im März 1912 ge- kommen ist, als sie sich an die Seite der Zechenherrcn und der Gelben gegen die fteie, die Hirsch-Dunckersche und die polnische Gewerkschaft stellten. Durch die auch jetzt wieder von Herrn Bogel- sang beschworenen„parteipolitischen Aktionen" und„selbst anar- chistischen Einflüssen" kann doch jene Bcrrätertaftik nicht voll erklärt werden. Die Ursachen der veränderten Taktik liegen wohl zum größten Teil darin, daß die christlichen Gewerkschaften die Grenze zwischen sich und den Gelben recht scharf markieren müssen, wenn ibre Mit- glieder nicht völlig irre werden sollen. Auf jeden Fall verdient der Vogelsangsche Artikel Beachtung. Hat doch schon Stegerwald im Kölner Gewerkschaftsprozeh erklärt, er sei jederzeit bereit die Hand zu bieten, um ein besseres Verhältnis zwischen den beiden großen Bergarbeitergewerkschaften herbeizuführen. Wagenbauerstreik in München. Die Serren Unternehmer der Automobllfäbriten und die Zwangsinnung der Wagncrmeister habe» den Gehilfen für 1. Mai die bestehenden Tarifverträge gekündigt, Tie Arveitgeberorganisationen lehnten jede Verhandlung av und erklärten, nur dann mit sich reden zu lassen, wenn die Arbeiter- organisationen sich verpflichten, daß ein Tarifvertrag nicht mehr abgeschlossen werde,' die Mindestlöhne fallen gelassen iverden und die Akkordarbeit eingeführt wird. Diejfc Verpflichtung konnte nicht akzeptiert werden und traten deshalb sämtliche Arbeiter am 4. Rai in Streit. Zuzug von Stellmachern. Nietallarbeitern, Sattlern und Lackierern ist von München streng fernzuhalten.> Ruslanö. Das Ende des Genfer Tischlerstreiks. Räch sechsmonatiger Dauer ist endlich der an Zwischenfällen reich« Tischlerstreil in Genf durch einen Entscheid des gewerblichen SchiedsgcriÄlö beendet worden, und zwar mit einem, wenn auch nicht vollständigen Erfolg der Arbeiter. Nach dem Entscheide beträgt die tägliche Arbeitszeit 9'/, Stunden, der Normalstundealoh» 7ö CtS. und findet die Lohnzahlung alle 14 Tage während der Arbeitszeit statt. Der Unternehmer ist verpflichtet, die Arbeiter gegen Unfall zu versichern und während eines Unfalles den vollen Lohn zu zahlen. Für die Versicherungsprämien darf dem Arbeiter nur 1 Proz. vom Lohne abgezogen werden. Der Unternehmer liefert die Hauptwerk- zeuge und versichert da» Werkzeug d«S Arbeiters gegen Feuersqefahr bi» zur Summe von 130 Fr, Für auswärtig« Arbeiten erhält der Arbeiter den gewöhnlichen Lohn, während die Kosten für Kost und LogiS der Unternehmer zu zahlen hat. Für Uebcrzeitarbeit werden nach Ablauf der 10. Arbeitsstunde 25 Proz., für die Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und für Sonntagsarbeit 50 Proz. Lohn- zuschlag bezahlt. Der Vertrag dauert vom 1. Mai 1914 bis 31. De- zember 1917 und er gilt für je ein weiteres Jahr, wenn er nicht sechs Monate vor Ablauf der Frist gekündigt wird.— Run werden wohl die deutschen»Hintzegardisten" und.Möbelkünstler", die be- kanntlich eine Zeitlang die„beunruhigten Deutschen" in Genf spielten, schnell das schöne Klein-PariS verlassen müssen. parlamentarisches. Die Burraukratcu-Postkutschr. Nachdem die Budgctkommission am Sonnabend ihre Arbeiten erledigt hatte, nahm der Wirkliche Geheime Legationsrai Dr. Kriege kTirektor im Auswärtigen Amt) das Wort, um seinen Chef, den Staatssekretär v. Jagow. herauszuhauen. Es handelte sich um die fast unglaubliche Geschichte, dah Einsprüche, die durch fremde Gesandtschaften gegen die Heranziehung von Aus- ländern zur Wehrsteuer beim Ausivärtigen Amt eingelaufen lvaren, bi» zu 14 Tagen„lagerten", allcnfalls noch dem Reichscnnt de»— Innern zugingen, aber an die matzgebende Stelle, das Reichs- Schatzamt, selbst dann noch nicht gelangt waren, als schon die ganze Presse von den Einsprüchen und ihrer Herkunft zu berichten wuhte. So kam Herr Schatzsetretär Kühn in die Lage, von diesen Dingen, die bereits allbekannt lvaren.„amtlich" noch immer nicht unterrichtet zu sein! Dr. Kriege gab allerlei Daten, Erläuterungen. Erklärungen und Entschuldigungen zum besten, ohne datz es ihm gelingen konnte, die Tragikomödie in ein völlig geordnete» Bureau- kratenschaustück umzudeuten. Mus öer Partei. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein BreSlau-Ost und West beschäftigte sich in zwei General-Versammlungen mit der Entgegennahme des Geschäftsbericht» und den Vorstandswahlen, Der gedruckt vorliegende Geschäftsbericht, über den der„Vorwärts" schon daß wesentlichste berichtet hat, fand nach unwesentlicher Kritik die Billigung. Ein Antrag auf Aufhebung des seit zwei Jahren eingeführten Vertretersystems rief eine längere DiS- kuffion hervor. Beschlossen wurde, die Entscheidung hierüber durch Urabstimmung herbeizuführen. Der erste Vorsitzende, Parteisekre- tär Th. Müller, wurde wiedergewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Genosse Bernhard Müller. In den anderen Vor- standSämtern traten besondere Veränderungen nicht ein. Die Preß- kommission bilden die Genossen Meise, Winzer, Dr. Lands- berg, Reichelt, Richter, Schramm und Schütz. Als Kandidaten für den internationalen Kongreß in Wien wurden die Genossen Löbe und Müller bestimmt. Tie Wahl findet durch Urabstimmung statt. PvlizeUiches, Gerichtliches ufw. Tie politische Hetzschrist als Lehrmittel. Der als ganz besonders eifriger„Jugendpflegcr" be!orw0' RegterungSpräsident von Merseburg hatte im vorigen Jahre durch Rundschreiben an alle Fortbildungsschulleiter verfugt, daß in den Fortbildungsschulen beim Bürgerkundcunterricht a n Stell» des bisher gebräuchlichen Lesebuches die pädagogftch wertlose, einseitig politische Zeitschrift„Wir sind "*'?-.? n�9 Jugend" eingeführt werde. Einige Fort- bildungchchuler in Schkeuditz bei Halle, die daö politische Hetz- Papier abgelehnt und die Bezahlung verweigert hatten, wurden vom Magtstrat mit drei Mark Geldstrafe belegt. Unbegreiflicher- c weise bestätigte das Schöffengericht die erlassenen Straf« befehle mit der einzigartigen Begründung, datz die Schüler die„im Interesse der Ordnung" erlassene Vorschrift unbedingt hätten be- folgen müssen. Die Prüfung der Zeitschrift auf ihren pädagogischen Wert liege nicht dem ordentlichen Gerichte ob. Wem das nicht passe, möge sich im Verwaltungs- verfahren an die Aufsichtsbehörde wenden. Diese so dringend not- wendige Prüfung wurde aber infolge der vom Rechtsanwalt H e i n c- Berlin eingelegten Berufung vom Landgericht Halle so gründlich nachgeholt, dah die jugendluhen Sünder glatt freigesprochen werden mutzten. Durch Vernehmung eine? unparteiischen Sachver- ständigen, des Professors Dr. Barth, der Mitglied mehrerer Lehrerprüfungskommiffionen ist und de» Lehrauftrag für Päda- gogen an der Leipziger Universität hat, wurde festgestellt, daß eine Zeitschrift nur bedingt als ein Lehrmittel angesehen werden könne. Eine periodische Zeitschrift, namentlich eine solche» in der auch politische Aussätze enthalten seien, könne nicht a ls Lernmittel betrachtet werden. Das Gericht machte sich die bemerkens» werten Ausführungen des Sachverständigen zuneigen und entschied, datz eine Bestrafung nur eintreten könne, wenn die Zeitschrift ein Lernmittel sei— was verneint werden müsse. Diese scharfe Kritik konnte der Staatsanwalt auf dem Regie«- rungspräsidenten und seineu„Pädagogen" natürlich nicht sitzeir lassen. Er legte Revision beim Kammergericht ein, das denn auch das llrteil aushob und die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an die Vorinftanz zurückverwies. In der „Begründung" wird gesagt, datz die Prüfung des Beweismittels keine Tatfrage, sondern eine Rechtsfrage sei. Durch das Gutachten eines Sachverständigen könne nicht bindend festgestellt werden, daß, etwas ein Lehrmittel sei. Das Gericht habe dies nach eigenem Er- messen zu prüfen; auch sei es nicht notwendig, datz der� Lehrer vorher den Inhalt des Lehrmittels kenne. Es sei zu prüfen, ob nicht andere Gründe gegen die Annahme des Lehrmittelcharaktcrs der Zeitschrist iprächen bezw. ob sie ein Lehrmittel sei. Die Strafkammer hat den ziemlich deutlichen Wink des Kammergerichts richtig begriffen und lehnte es in der zweiten Instanz gleich dem Schöffengericht ab, den Wert der Hetzschrift als Lern- mittel zu prüfen. Der Staatsauwalt unterstellte die Aus- führungen de? Verteidigers über die llnwahrhaftigkeit und Minder- Wertigkeit der Zeitschrist als wahr, womit er das moralische Urteil selbst fällte. Die Strafkammer bestätigte nunmehr das Urteil des Schöffengerichts, setzte jedoch die Strafe von 3 M. auf je e i ii e M a r k herab, da es sich um eine Prinzipien. frage handle. Tie Frage nach dem pädagogischen Wert der Zeit- schrist als Lernmittel habe das Gericht nicht zu entscheiden. Es genüge, wenn die Lehrpersoncn seine Einführung verfügten. DaS Urteil spricbi für sich selbst und offenbart wieder so recht den.Änst unserer preußisch-deutschen Rechtszustände. �ugenöbewegung. Vom Weltbund der rvangelischen JKnslingsvmine. Die Frommen im Lande werfen der freien Jugendbewegung zwar eifrig vor, datz sie ibre Anhänger zur Jnternationalität er- ziehe, merkwürdigerweise find aber selbst die evangelischen Jüng- lingsvereine international verbunden. Schon im Jahre 1655 haben sich die Nationalvercinigungen der evangelischen Jünglingsbünd- niffe in Paris zu einem Weltbund zusammengeschlossen. Auf diesem ihrem ersten internationalen Kongreß haben sie zugleich ihr Programm in folgenden wenig klaren Sätzen niedergelegt: „Die christlichen JünglingSvereine haben den Zweck, Jüng- linge miteinander zu Vervinden, welche Jesum Christum noch der heiligen Schrist als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger seien und' geineinsain danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter de« Jünglingen auszubreiten." Es gehört gewiß schon eine starke Dosis Erleuchtung für einen, jungen Menschen dazu, wenn er an dieser sogenannten»Pariser Basis" Gefallen finden würde. Die evangelischen JünglingSvereinigungen erstrecken sich auf alle fünf Erdteile. Eine Generalstatistit des Weltbundes, die am tö. Januar 1911 abgeschlossen wurde, führt in E u r o p a neunzehn Nationen, in Amerika neun, in Asien sechs Rationen mit evangelischen JünglingSvereinigungen ans. Außerdem sind diese Vereine über Afrika und Australien mit Neuseeland und Honolulu verbreitet. Die gleiche Ltalistik setzt den Gesamtwert der 1293 Gebäude, die dem evangelischen Jugcndwerk dienen, mit 334 943 325 M. Wert an. Nicht locnigcr als 3552 angestellte Berufs- arbeiter sind„für die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden" unter der Jugend tätig. Tic Mitgliederzahl ist mit 896 747 an- gegeben, jedoch ist dabei nicht zwischen jugendlichen und älteren Mit- gliedern unterschieden, welche letzteren einen bedeutenden Prozent- satz der evangelischen JünglingSvereine darstellen. Für Deutschland ist der Gesamtwert der 142 Gebäude mit 12 130 000 M. und die Zahl der Berussarbeitcr mit 166 angegeben, die Zahl der Mit- glieder mit 128 400. Diese ist inzwischen auf rund 140 000 ge- stiegen. Mit besonderem Eifer wird die Soldatenmission gepflegt; die Soldatenheime in Deutschland haben einen Wert von 1 500 000 Mark und erfordern allein für die Erbaltung jährlich 85 000 M. Diese bedeutenden Geldsummen sind natürlich nur zu einem ganz verschwindenden Teil von Beiträgen der evangelischen Jugend aufgebracht. Meist verstehen es die evangelischen Pastoren, da? nötige Geld bei Kapitalisten locker zu machen, die sehr genau wissen, was fie an der Erziehung der jungen Arbeiter zur Zu- ftiedenheit und Demut haben. Soldatenleben und Charakterbildung. Di« Klerikalen lassen kein Gebiet der Jugendarbeit unbeackert. In den letzten beiden Jahren haben sie sich mit besonderem Eifer der Rekrute n fürsorge gewidmet. Dieser Arbeit gilt ein im Polksvereinsverlog in M.-Gladbach erschienenes Handbüchlein für die Kaserne:.Soldatenleben und Charakter. b i I d u n g". Es ist rührend, wie der Verfasser c�rifsetlopfen. Bettbauen. Anschnauzer und sonstige Freuden des Soldatcnlebens für die Eharatterbildung in Anspruch nimmt. Wir müssen uns natürlich mit wenigen Proben seiner Kunst begnügen. Man vermißt in dem Büchlein zwar das christliche Gebot»D u sollst nicht töte n". aber dafür sind Lobpreisungen der Mord- Werkzeuge reichlich vorlMnden, wie etwa die folgenden Ber. zückungen: „Mit Stolz und Freude zugleich umgürtet sich der Soldat mit der blanken Waffe, liebtosend fährt seine Hand über den glattgeölten Schaft des stattlichen Gewehres, und sein Auge freut sich an dem dunllen Glänze des Laufes.... Deine Waffe aber ist bei dir, kühl und be- ruhtgend ichmtegt sich der Schaft an deine Wange, heißen Tod versendet da» schwarze Rohr. Wohl dir, wenn in jenen Stunden deine Hand nicht zittert, dein Herz nicht bebt." «tel ichlechter wie die Mordwerlzeuge schneidet in dem christ- lichen Bnckilem der hebe Gott ab: »Mit® oit für König und Vaterland! Das ist die gute Meinung de»«oldaten. Das ist sein schönstes Morgengebct, kernig und von militärischer Kürze. Unser.Herrgott wird- amit zusrieden sein; denn zu einem längeren G e b e t w i r d d e m Soldaten regelmäßig die Zeit u" d d> e Gelegenheit fehle n." „,' 1?ie diese militaristischen Christen, die sonst so leicht sich über„Verrohung" entrüsten, der Jugend raten, sich mit den s ch i m p f e r e i e n a u f dem K a s e r n c n h o f abzufinden: «.n. Schimpfen ist eine alte militärische tr„? t r u n••• Ucberdies würdet ihr unrecht und untlug handeln, wenn ihr über einige Schimpfworte euch grämen und euren Vorgesetzten zürnen wolltet. Sie meinen es nicht so schllmni.... Zudem sind die ärgsten Schimpfer meist die gut« u � Manchmal schimpfen sie nur, um ihr gutes Herz nicht zu verraten," S-'N- 2. Keilllge des Dmrts" berliner Ullidsdllltt. s-«°w w N.u� Mittwoch, öen Zur Organisation in Groß-öerlin. Fe größer unsere Lrgainsation geworden ist und je schärfer tie Reaktion auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens auftritt, desto notwendiger wird für Groß-Berlin eine Fortbildung unserer Organisation. Dieses Gefühl ist allgemein, wie die DiSkusswn über eine andere Gestaltung der Zablabciidc, über die Frage der Hauskassierung u. a. m. zeigt. An unserer Organi- salion fehlt es an einem genügenden Einfluß der einzelnen Mit- glieder. Das ist bei einer so großen Organisation erklärlich, wenn auch keineswegs notwendig. Dem kürzlich vom Gcnosien Stadt- Hägen im„Vorwärts" ausgeführten Gedanken,„Bindung von unten nach oben, aber keine Bindung von oben nach unten", stimme ich durchaus zu. Es gilt, unsere Organisation zu demokratisieren und den einzelnen Mitgliedern mehr Einfluß auf das Leben in der Organisation und auf die Politik zu geben. Auch Genosse Eugen Ernst weist in seinem Artikel der«Reuen Zeit" über das Jubi- läum unserer Wahlvereine darauf hin, daß es noch Mängel in der Organisation gibt, die beseitigt werden müssen. Gerade der Erfolg der Roten Woche sollte uns veranlassen, unsere Organisaiionsform schleunigst zu revidieren. Es gilt einer Burcaukratisierung entgegenzutrctc»i und einen Nahmen zu schaffen, der es den Mitgliedern mehr als heute er- möglicht, bestimmend ans das Bereinsleben und die Politik zu w-.rken. Das ist zu erreichten, wenn die größeren Wahlkreise ihre Abteilungen selbständiger gestalten und den Ab- tcilungcn Einfluß auf den Zcntralvorstand gewähren. Dann würden viele Genossen nicht mcbr das Gefühl haben, nur noch vor vollendeten Tatsachen zu stehen, und in der Organisation Ivürde frischeres Leben pulsieren. Tic von den Abteilungen dele- gierten, wie überhaupt alle Delegierte müßten bindende Mandate erhalten können. Umgekehrt soll aber die Bindung der Delegierten untereinander aufhören. Die zur Durchführung dieser Grundsähe erforderliche Statuten- nnderung würde im wesentlichen die tjjs ch ö. 6, 7 und 13 des jctzi- gen Perbandsstatuts treffen. Anstelle des jetzigen§ 3 würden etwa folgende K§ 3a und 3d zu treten haben: 8 3«. Mit der Leitung des Verbandes wird ein Verbandsvorstand be- traut, der alljährlich zu wählen ist. Der Vorstand besteht aus ~*} dem 1. und 2. Vorsitzenden, einem Kassierer und einem Schriftführer, die in der Vcrbandsgeneralvcrsammlung gewählt werden? d) der Preßkommission, dem Bezirksschiedsgericht, der Lokal- lommission, dem Aktionsausschuß und Vertretern der Kreise'die wie folgt delegiert werden: Die sechs Berliner Wahlkreise'eni- senden außer den Mitgliedern für die Kommissionen für jede Kommunalabteilung einen Vertreter. Tie beiden Landkreise ent- senden außer den Mitgliedern für die Kommissionen eine Anzahl von Vertretern, die sich nacb der Zahl der Parteimitglieder im Verhältnis zu der von den sechs Berliner Kreisen zu entsenden- den Zabl von Vertretern richtet. Außerdem entsendet jeder Kreis eine Vertreterin der Frauen; bo» diesen Delegierten der Vcrbandsgcneralversammlung zwei Gr- noffinnen in den Aktionsausschuß und je eine in die Lokal, kommission, die schiedskommissioii und in die Preßlommission. Zweck» Durchführung der Delegation aus den sen dem der Teil liegt. Zählt ein Teil-Ävmmunalbezirk mindestens -00 Parteimitglieder, so kann aus ihm eine eigene Abteilung gc- bildet werden. Die Entscheidung darüber steht dem betreffenden Wahlkreis zu. Die einzelnen Wahlkreise regeln olle ihre Partei- geschäfte selbständig, Die Wahl der Delegierten zum Preußischen Partei- tag erfolgt in der Krcisgenerawcrsammlung. Die Porschläge da- Zu erfolgen in den Abteilungsversammlungcn. Jede Abteilung bat das Recht, einen Delegierten vorzuschlagen. Die Abteilungen und KreiSwahlvercine find berechtigt, ibrem Delegierten im Rahmen ihrer Befugnisse bindende Mandate zu erteilen. 8 3K. Zu den Ausgaben des Vorstandes gehöre»: 1. Tie Führung der laufenden Geschäfte. 2. Einberufung der Verbandsgeneralvcrsammlung und Fest- sctzung der provisorischen Tagesordnung. 3. Festsetzung der auf jeden Kreis entfallenden Zahl von Dele- gierten zur Dcrbandsgcncralversammlung nach den Bestimmungen des§ 12. 4. Verhandlungen mit anderen Körperschaften der Arbeiter- beweg un g. 5. Entgegennahme von Berichten der einzelnen Kommissionen. t>. Entscheidung über Boykotts, nachdem darüber die Beschlüsse der Kreise vorliegen. Ter Borsitzende beruft den Gesamtvorstand mindestens einmal im Monat zu einer Beratung zusammen. Der Vcrbandsvorstand kann über alle ihm zugehenden und aus seiner Mitte kommenden Anträge beraten und abstimmen. Er hat jedoch nicht das Recht, seine Mitglieder der Verbandsgeneralversammlung und den cinzel- nc» Kreisen gegenüber zu einer bestimmten Stellung bei solchen Anträgen zu verpflichten, die der Beschlutzfaffung der Verbands- generalversainmlung unterliegen oder den Kreisen überwiesen werden. Beschlüsse des Verbandsvorstandes, die nicht der Beschluß. fassung derVerbandsgeneralvcrsammlung unterliegen und nicht den Kreisen überwiesen werden, sind bindend. Jedoch steht den Ber- lwndsmitgliedern daS Recht zu. später in ihren Kreisen und even- tuell in der Verbandsgeneralvcrsammlung ihre abweichende Meinung zu vertreten. Alle wichtigen Anträge müssen vorher den Kreisen überwiesen werden. Tie jetzigen§8 5, 6 und 7 würden etwa durch folgende zu er- setzen sein: 8 2. Tie Kommissionen werden wie folgt zusammengesetzt: Der Aktionsausschuß besteht auS 19 Mitgliedern: dem 1. und 2. Vorsitzenden. dem Schriftführer, dem Kassiercr, je einem Mitgliedc des ersten, dritten und fünften Kreises, je zwei Mitgliedern des zweiten, vierten und sechsten Kreises sowie der Kreise Teltow- Beeskow und Niedcrbarnim. ferner aus zwei Vertreterinnen der Frauen. Zu den Obliegenheiten des Aktionsausschusses gebort die Leitung der lausenden Geschäfte, soweit sie nicht der Beschluß. fassung des VerbandSvorstandeZ oder der Verbandsgcneralvcrsamm- lung unterliegen. 8 3. (8 S und 7 des alten SlatutS mit Aenderuilgen.) Die Preßkomission besteht auS 17 Mitgliedern, je einem Mit- flliede des ersten, zweiten, dritten und fünften Kreises und je drei Mitgliedern des vierten und sechsten Kreises sowie der Kreife Teltow-Beeskow und Riedcrbarnim und aus einer Pertretcrin der Krauen. Die Funktionen der Preßkommission sind durch das Partei- 13. Mai: ZahIabenÄ Iii statut geregelt. Sie Hai ihre Aufgabe in Uebereinstimmung mit den Genossen von Grotz-Berlin zu erfüllen. Das Bezirksschicdsgericht besteht aus 9 Personen, je einem Vertreter der acht Kreise und einer Vertreterin der Frauen. Die Lokalkomniission besteht aus L Personen, je einem Per- trcter der acht Kreise und einer Vertreterin der Frauen. Ter Lokalkommission obliegt die Bcschasfuiig von Persamm- lungslokalen zu den von der Arbeiterschaft Groß-Berlins auf- gestellten Bedingungen und die Herausgabe der Lokalkiste. Endlich müßten die Obliegenheiten der Verbandsgeneralver- sammluiig(Z 13 des Statuts) erweitert werden. Insbesondere müßten auch Vorschläge über die Besetzung des Parteivorstandes und der Kontrollkommission sowie die Wahl der Mitglieder zum Partciausschuß und der Delegierten zum Internationalen Kongreß der Perbandsgeneralversammlung zufallen. Dos Vorschlagsrecht für diese Besetzungen und Wahlen müßten die Kreise haben. Das sind die Vorschläge, deren Durchführung in der vorge- schlagenen oder einer ähnlichen Form meines Erachtens immer dringender wird. Gustav Laukant. Parteiangelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Am Dienstag, den 12. Mai, abends 8>/z Uhr, finden in den Lokalen„Tüdost", Waldemarstr. 75, und in den „AndreaS-Fesisälen", AndreaSsir. 21. Volksversammlungen statt. Tagesordnung: 1.„Ist Kinderschutz Kulturarbeit'?" Referenten sind Genossin Martha Demmning und Genossin Emma D ö l tz. 2. Diskussion. sechster Wahlkreis. Am DienStag. den 12. Mai, abends 8'/$ Uhr. findet in den Germania- Sälen, Chansi'eestraße IlO, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Mili- tariSmnS und Arbeiterklasse. Referentin: Genossin Rosa Luxemburg. 2. Diskussion. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand. Eharlattenburg. 1. Gruppe: Mittwoch, den 13. Mai. im Restaurant Lewandowski sRoßtrappe), Spandauer Chanssee: Gruppenzablabend. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Ohlhof, Wahl der Funktionäre, Verschiedenes. Anfang 8'/, Uhr, 2. Gruppe: Gemeinsamer Zahlabcnd im Volkshausc, Hierzu sind insbesondere die neuen Mitglieder dringend eingeladen. Lankow. Alle Mitglieder, die bei der Wahl helfen, treffen sich im Schlcpplokal bei G a ßm a nn, Kreuzstrahe 1 4. Grünau. Am Mittwocb. den 13. d. M. im Lokal von Job. Franz, Köpenicker Straße 88, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag über«Die Erklärung der Gewerkschaften zu politischen Vereinen". Vcreinsangelegcnheiten. Verschiedenes. Gäste will- kommen. Friedrichshageo. Am Mittwoch, den 13. Mai, abends 8l/t Uhr, bei Lerche. Friedrichstraße 112: Gemeinsamer Zahlabend. Vortrag der Genossin Luis« Zietz: Ist Kinderschutz Kulturarbeit? Rowawes. Am Mittwoch, den 13. Mai, abends 8'A Ubr, in den„Deutschen Festsälen", Wilhclmstraßc 4l/43, Mitglieder- Versammlung des Wahlvcreins. Tagesordnung: Ge- fchäftliches. Vortrag des Genossen Klüß-Rcukölln:„Warum sind wir Sozialdemokraten?" Wabl von Delegierten zur Kreis- und Verbands- Generalversammlung. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Serliner Nachrichte«. Mai. Barometer und Tbermoinefer steigen und fallen, kühle und warme Tage, praller 5'znnenschctn und Regenschauer folgen wechselnd aufeinander, der Frühling aber hat der- weilen seinen Weg unaufhaltsam fortgesetzt und im Leuchten der weißgetupsten Kastaniem'rouen, im Tust der Flieder- husche und Maiglöckchen, vor allem aber im vollerwachten jungen Grün hat er seinen Höhepunkt erreicht. Man sieht und atmet ihn überall, nicht nur in Gärten und Parks, im Friedrichshain und im Tiergarten, sondern auch im immer weiter verschandelten Grunewald, wo die Kiefern erblühen. das Moor erwacht und im kurzen Grase unter den Bäunien allerhand anspruchslose Blumen sprießen. Aber den Früh- ling in vollster Entfaltung finden wir erst in den Misch- Wäldern, wo Kiefern neben Weiß- und Rotbuchen stehen, wo Birkengehölze mit hochragenden Eichenbeständen wechseln, Erlen ans langen Wurzeln wie auf Stelzen über Waldteichen sich erheben und die Wegränder von Gräben eingefaßt sind, in deren Wasser sich tausendfältiges Pflanzen- und Tierleben regt. Darunter freilich auch die Miickcnbrut. die im vorigen trocknen Frühjahr kaum zur Entfaltung kam, diesmal aber über Wasser nicht zu klagen hat. Aus den Baumlöchern und sonstigen Schlupfwinkeln, in denen sie überwintert haben, sind die ersten Zitronenfalter. „Füchse" und andere Falter hervorgekommen, andere sind aus ihren Puppen geschlüpft, und nun gaukeln sie ans den Wald- wegen vor uns her. jagen sich zu zweien, oder sie setzen sich. indem sie die Flügel auf und zu klappen, worauf sich besonders das schöne Pfauenauge mit Recht etwas einzubilden scheint. Kreischend fliegt ein Eichelhäher über den Weg. ein Vogel. der weit schöner ist als seine Stimme, init der er übrigens alle möglichen Laute nachahmt. Am Gehänge der Gräben tummeln Waldmäuse, in der Wasserlinie Frösche, darunter auch der Laubfrosch, der in dieser Zeit des Jahres behufs der Laichablage an die Gewässer geht, ehe er sich wieder auf grüne Sträucher zurückzieht. Vorausgesetzt, daß ihm und seinen Froschvettern der Storch nicht gefährlich wird, der über den Waldwiesen kreist oder die Ringelnattern, die gern an den Gräben entlang pirschen und mick, das Schwimme» und Tauchen ausgezeichnet verstehen, �ie räumen nicht lvenig unter den Fröschen ans, aber es bleiben immer so viel davon übrig, daß das Gcquake nie ein Ende nimmt. Eine Reibe von Waldblumen, die nur im Mischwalde. nicht unter Kiefern gedeihen, zieren den Boden. Tie Anemonen sind im Verblühen, aber Goldnessel, Sternkraut und Waldveilchen sind an ihre Stelle getreten. An den Gräben und auf den angrenzenden Waldwicsen schimmert es gelb von Tottcrblumen, Primeln und Ranunkeln. Bis tief in die Großstadt dringt der Frühling. Prächtig thronen auf dem Leipziger Platz die alten Linden. Ihre grünen Laubkaskaden schauen geruhsam auf das hastende Treiben zu ihren Fijßeu. Ein Treiben, das aber nicht von Menschen allein ausgeübt wird. Denn scharenweise tummeln sich auch die Amseln auf dem Grase zu Füßen der mächtigen (froß-Mn. Bäume, mit einer Geschäftigkeit, die der der Menschen nichts nachgibt. Auch die Amseln gehen hier irdischen Gütern nach. irdisch in des Wortes eigentlicher Bedeutung, denn es sind Regenwürmer, die sie mit erstaunlicher Geschicklichkeit und in fabelhafter Anzahl unaufhörlich dem Schöße der Erde entziehen._ Echte Deutsche. Der Antisemitismus hat dank der Aufklärung durch die Sozial- demokratie ziemlich abgewirtschaftet. Alle Anstrengungen, ihm neues Leben einzuhauchen, sind vergeblich geblieben. Der Rektor aller Deutschen— Ahlwardt— ist nicht mehr, Drcschgraf Pückler und Licbermann von Sonnenberg sind längst vergessen und auch die >ieue Namenstaufe der versprengten Teutonen wird die»Deutsch- völkischen" nicht mehr auf die Beine bringen: trotz Herrn Bruhn, M. d. R., der noch alle acht Tage in seiner„Wahrheit" das Sünden- register des Judentums aufzeigt. Bei dieser Sachlage ist es vcr- ständlich, daß unbedingt irgend etwas geschehen muß, um das „wahre Deutschtum" wieder zu Ehren bringen. Diesem Zwecke dient die sogenannte„Sigfridsgilde Deutschen Ordens" und die „Deutschreligiöse Gemeinde in Berlin". Vor kurzem hat die einem„dringenden Bedürfnisse" ent- sprungcne Gründung den Versuch gemacht, Mitglieder zu werben. Es ergingen Einladungen in großer Zahl zu einer Morgensprache im Landwchr-Offizier-Kasino, welche mit der Anrede begannen: „Ew. D e u t s ch geboren" und die Bemerkung enthielten:„Sippen- angehörigc und sonstige Gäste deutschen Blutes und Willens sind willkommen; zu ihrer Einführung wolle man sich beiliegender Karte bedienen." Die beiliegende Karle hatte folgenden Inhalt: Tie werten Gäste der Sigsridsgitde Deutschen Ordens und der Dentschreligiösen Gemeinde zu Berlin werden gebeten, die nachstehende Erklärung genau und deutlich zu unter- schreiben und diese Karte beim ersten Besuch am Eingang abzu- geben, wo weitere Vordrucke zur Versügung stehen. Geladen ist nur, wer mit gutem Gewissen bekennen kann: Ich versichere ,n Eidesstatt, daß ich deutscher, d. i.»ermaui- scher Abkunft und meines besten Wissens»»n jüdische« und f»r- bizem Vlutseinschlazc frei bin, auch meine?!acht»mm»n aus gleichem, reinem Geblütc habe»der haben»erde. Die verlangte Erklärung ist recht belästigend. Sie soll an Eidcsstatt abgegeben werden. Ob�da jeder.Gesinnungsgenosse" erst eine Blutuntersnchung an sich wird vornehmen lassen müssen?. Iagow als Doktor juris. Die sozialdemokratische Landtagssraktion bat Herrn Dr. von Jagow durch eine Beschwerde Gelegenbeit gegeben, eine neue Probe seiner juristischen Kenntnisse zu geben. Unsere Genossen Kotten gegen das Abreißen der Schleifencndcn des von ihnen gestifteten Märzkraiues Protest erhoben. Aus per einen Seite der Schleife war zu lesen, daß der Kranz von der soziakdemokratischen Fraktion der preußischen Duma gewidmet sei, auf dem andern Ende der Schleife stand der Vers aus dem Freiligrathschen Gedicht:„Trotzalledem"; er lautete: Und ob der Reichstag sich blamiert, Profcssorenhaft trotzalledem, Und ob der Teufel reagiert Mit Huf und Horn und alledem, Trotzalledem und alledem. Trotz Dummheit, List und alledem, Wir wissen doch: die Menschlichkeit Behält den Sieg, trotzalledem! Kein Jurist, kein Staatsanwalt ist bis heute auf den Gedanken gekommen, daß dieser Vers„aufreizend" sei, nur Herrn von Jagow lvar es vorbehalten, nicht nur das hcranSzufinden. sondern auch zu— beweisen. Bei dieser anerkcncnswerten juristischen Leistung kommt er in die sonderbare Lage, den„Deutschen Reichs. tag" in Schutz nehmen zu müssen, und auch das Dreiklassenparia- ment unter seine juristische Obhut zu stellen; man höre, was der gute Mann wörtlich verkündet: „Tie Beschwerde vom 28. V. Monats weise ich hiermit als unbegründet zurück. Bei der bekannten sebr geringen Einschätzung der russischen Duma durch die deutsche Sozialdemokratie war in dem Ausdruck „Preußische Duma" eine gewollte Verächtlichmachung des preußischen Abgeordnetenhauses zu sehen. Die Aufschrift des zweiten Sckileisenbandes enthält eine Beleidigung des Deutschen Reichstages und stellt der Menschlichkeit, als deren Vertreter selvstbcrständlich die Kranzstifter gedacht sind, den Teufel, die D u m ni h e l t und die List als Sinnbild der Gegnerschaft gegen- über. Die Aufstellung eines solchen Gegensatzes muß auf- reizend wirken. Der diensttuende Polizeioffizicr war daher zur Abtrennung beider schleifenbander vollauf berechtigt. Berlin, den 8. April 1914. • gez. Jagow." Tic Beschwerde und eventuell die Klage geht natürlich weiter und wir werden unsere Leser von weiteren juristischen Geniestreichen unterrichten. Heute wollen wir nur nochmals scsistelleu, daß es ein überwältigendes Bild ist, Herrn von Jagow in der Pose als Schützer der Parlamente zu sebcn. Der Reichstag wird sich das hoffentlich verbitten und dem Landtag ist es— ganz recht! v. Jagow und die preußische Duma— die russische möge uns vcr- zeihen— sie gehören zusammen. Die rote Denkmnlsinschrift. Sechs Verhaftungen. Unter dem Verdacht, auf das Kaiscr-Friedrich-Tenkmal die Worte:„Rote Woche!" mit Anilinfarbe anfgetragcn zu haben, find am Freitag fünf Personen in Cbarlottcnburg verhaftet worden und gestern erfolgte die sechste Verhaftung. Es sind vcrhastct: Der Schankwirt Paul Rau, Sickingenstr. 30. der Arbeiter Rudolf Linke. Schlosser Hugo Goepscrt, Schlosser Ferdinand Schwicger, Maschinen- arbcitcr Georg Kuhle und Metalldreher Paul Rosenbcrg. Die Polizei will ermittelt haben, daß im Lokal von Paul Rau in der Sickingenstr. 39 der Plan. Aufschriften an dem Denkmal anzu- bringen, verabredet worden sei. Die polizeiliche Meldung besagt ferner: � ��astungen wurden zu gleicher Zeit ausgeführt, die Wohnungen durchsucht und alle fünf Täter nach dem Char- tottenburger z ouzeipräsidiilm gebracht. Nach anfänglichem Leng- neu legten ichlieylich alle fünf ein Geständnis ab. Sic gaben zu, gcmeimam die �.cnkmalsschändung verübt zu haben. Der Ar- a �itüinkc räumte ein, der Haupttäter zu sein. Er habe y1.*1?«. Pia» gefaßt, die übrigen vier in sein Vorhaben ein» geweiht und den Schankwirt Rau bcaustrogt« rote Farbe su, be« sorgen. Ter Wirt habe ihm dann am Abend deZ 11. März den Topf mit der roten Äiituinfarbe übergeben. Schablonen seien nicht benutzt worden. Während Goepferi den Farbtopf bereit- gehalten, habe er— Linke— die Borte rings um das Tcnimal angeschrieben. Die übrigen drei standen während der Tat Schmiere. Tie Tal haben sie zwischen 1'Z und 1 Uhr nachts verübt und dann sofort den Farbtops und Pinsel in die Spree geworfen. Nachdem sämtliche Verhafteten gleichlautende Aussagen gemacht hatten, wurden sie am Nachmittag ins Charlotten- burgcr Untersuchungsgefängnis eingeliefert." Tie Polizei bemüht sich eifrig, festzustellen, ob die Verhafteten Mitglieder unserer Partei sind und aus welchen Motiven sie die Tat begangen hätten. Nach dem„Lokalanzeiger" sollen die Verhafteten sämtlich Wahlvercinsmitglieder sein; denn er läßt sich eilfertig, an- scheinend aus Polizeiqnellc, folgendes schreiben: „Am Tage nach der Tat wurde von sozialdemokratischer Seite behauptet, daß die Besudelung des Denkmals wohl auf bestellte Arbeit von Polizeispitzeln zurückzuführen sei. Tic Ermittelungen haben nun ergeben, Satz die gestern verhafteten fünf Verbrecher sämtlich organisierte Mitglieder der sozialdemokratischen Partei sind; drei von ihnen bekleiden sogar Vertrauensstellungen. Alle sünf sind Mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins Char- > lottenburg; der Schankwirt Rau hat eine Zahlstelle der Partei, und Goepsert und Kuhls sind BezirkSsührcr. Diese Vertrauens- stellungen bekleiden sie bereits seit einer Reihe von Jahren." Wir wissen nicht, woher der„Lokalanzeiger" seine Feststellungen bat. Aber selbst wenn die Angaben zutreffen sollten, so liegt für uns auch heute kein Anlaß vor. die Auftragung von Farbe auf Tenk- mäler zu rechtfertigen. Wir wiederholen, was wir schon srüher ge- sagt haben, daß Tenkmäler Allgemeingut sind und unter dem Schutze der Allgemeinheit stehen. Von diesem Gesichtspunkt quali- fiziert sich der Vorgang in Charlottenburg als ein Akt, der nur den Gegnern unserer Bewegung nützt und ihnen zugute kommt. Bestehen bleibt aber auch, daß die Entrüstung, in welche die bürgerliche Presse sich hineinredet, ihr sehr schlecht ansteht. Es ist dieselbe Presse, die alle Schand- taten von Angehörigen der besseren Kreise, insbesondere von Stu- deuten, mit dem Mantel der christlichen Liebe zudeckt oder als Harm- lose Scherze junger Leute hinnimmt. Die Entrüstung der bürgerlichen Presse ist nur zu verstehen aus dem Aerger über die Erfolge unserer Roten Woche, die ihr recht unbequem sind. Im übrigen hat sich er- wiesen, daß die Behauptungen über die Vcrschandelung des Tenk- mals die ärgsten Uebcrtreibungen enthalten haben. Glücklicherweise ist dem Denkmal nichts geschehen, was einen dauernden Schaden an- gerichtet hätte, was jeder Fachmann von vornherein wußte. Tie gefledderte Leiche. Eine SchutzmannSpatrouille sah um 5Vt Uhr auf der Luisen- inscl im Tiergarten, in der Nähe der Lluerallee, eine» jungen Mann von etwa 23 Jahren mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe tot daliegen. Tie Leichenstarrc war schon eingetreten. Sie ließ erkennen, daß der Tote schon einige Stünden dort ge- legen hat. Bevor die Beamten die Leiche entdeckten, scheinen Fledderer sie gefunden und beraubt zu haben. Es fehlen sowohl olle Wertsachen wie auch der Revolver, mit dem sich der Lebens- niüde erschossen hat. Ein Selbstmord liegt jedoch obn« Zweifel vor. Es geht dies aus einem Brief hervor,£>en man in den Taschen des jungen ManneL vorfand. Sonst waren diese ganz leer. Aus dem Brief, der an die Eltern des Selbstuwrders ge« richtet war, ging hervor, daß dieser der Schlosser Franz Kuni- kiewicz aus Hannover ist, der dort am Weidendamm 13 wohnte. Äunitiswicz teilte seinen Angehörigen in oem Schreiben mit. daß er sich das Leben nehmen werde, weil er nicht Lust habe, als ge- wöhnlicher Schlosscrgeselle durchs Leben zu gehen, sich vielmehr zu ettvas Höherem berufen halte, dazu aber keine Gelegenheit finde. Zum Schluß sagt er darin, daß alles, was er noch besitze, die Angehörigen erhalten sollen. Danach scheint er also auch über Wertsachen verfügt zu haben, die die Fledderer mit dem Revolver an sich genommen haben müssen. Die Leiche des jungen Mannes wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Tas tragische Ende zweier grauen. Ein trauriges Schicksal ist durch den Tod zweier Schwestern enthüllt �lvorden, die gestern nachmittag in ihrer Wohnung in der Kieler Straße 2 als Leichen aufgefunden wurden. In einer kleinen zweizimmcrigcn Wohnung des obengenannten Hauses wohnten seit einer Reibe von Jahren die beiden Schwestern Span- n e r, von denen die ältere, Antonie, das 80., die jüngere, Minna, das 67. Lebensjahr vollendet hatten. Die beiden Frauen näbrten sich künunerlich durch Anfertigung von Aquarellen nach Vorlagen und Uebermalen von Bildern. Beide erhielten schon seit einer Reihe von Jahren Armenuntcrstützung,� die jedoch kaum ausreichte, um die Miete zu bezahlen. Tie beiden Schwestern waren außerdem leidend und�vermochien mitunter ibre Wohnung tagelang nicht zu verlassen,«o waren sie auf die Mildtätigkeit der Nachbarn an- gewiesen. Der Zustand des 80 jährigen Fräulein Spanner per- scblechtcrta sich in letzter Zeit erheblich, doch vermochte die jüngere Schwester infolge ihrer großen Mittellosigkeit keinen Arzt zu rufen. � Widcrholt äußerte die alte Dame, daß sie den Tod ihrer Schwester, an der sie mit großer Liebe hing, nicht überleben werde. Seit einigen Tagen war es den HauSbewobnern aufgefallen, daß die beiden Greisinnen sich nicht mehr sehen ließen und es fiel außer- dem auf, daß weder die Zeitungen noch die FrühftückSbcutcl von den Schwestern in die Wohnung hincingenonimen wurden. Man denachricbtigte schließlich die Polizei� die die Wohnung durch zwei Beamte öfsnen ließ. An der Türklinke der gcmeinsanvn Wohn- stube fand man die jüngere Schwester erhängt auf. während die ältere tot in ihrem Bett lag. Ein hinzugerusener Arzt stellte fest, daß die allere Frau bereits vor zwei bis drei Tagen verstorben war. Tie Schwester hatte das Lager der Toten mit frischen Blumen bekränzt, ihre geringen Habseligkeiten in Ordnung gebracku und darauf Selbstmord durch Erhängen verübt. In einem hinter- lassenen Brief schrieb die alte Frau, daß sie den Tod ihrer Schwester nicht überleben lönnc und daß sie nur den einen Wunsch habe, au der Seite der ihr im Tod Vorausgegangenen beigesetzt zu werden. Die Polizei ließ die Leichen in das Schauhans bringen. Ten traurigen Abschluß einer unglücklichen Ehe bildete der Selbstmordversuch des 31jährigen Bankbeamten Werner Char- t o n, der in der Berliner Straße in Pankow wohnte. Infolge von Streitigketten hatte sich seine erst vor einem Jahr ihm angejrauie Frau von ihm getrennt und war zu ihrer Mutter zurückgekehrt. deren Wohnung sich in dem Haufe Müllerstraße 15Sa befindet. Hier erschien Lb. gestern nachmittag, um eine Versöbnung mit seiner Frau zu versuchen. Da ihm aber auf wiederboktes Klingeln nickt geöffnet wurde, zog er schließlich einen Revolver hervor und jagte sich zwei Kugeln in die Schläfe. In lebensgefährlichem Zustand« wurde der Verletzte in das Rudols-Virchow-Krantenhau» gebracht. „Eva." Diesen etwas wunderlichen, gleichwohl beziehungsreichen Namen führt die Erste Bari«te»ÄaS st eilung, deren Eröffnung Sonnabend stattfand und deren Schluß auf den 24. Mai festgesetzt ist. Man hat sie inszeniert, um daS Interesse de§ Publikums am varietö zu beleben. Der Artistenstand ist ja nicht auf Rosen ge- bellet. Infolge der immens hohen Besteuerung und manch anderer Ursachen sind viele künstlerischen Existenzen erschüttert, wo nicht gar völlig untergraben. Dem Elend der Schauspieler wird sich das noch größere Elend der Arlisicn gesellen. Da soll nun eine Zurschpu- stellimg in den Ausstellungshallen am Zoo die Vielgestaltigkcit aller artistischen Künste, die wir unter dem Sammelbegriff „Variets" kennen, rechtfertigen. Ju der Tai, diese Ver- anstalttmg verspricht, jedem etwas zu bringen, obwohl sie in der Hauptsache die Geschäfte des großkapitalistisch-industriellen Unternehmertums wird besorgen müssen. Trostdem dürfte sie auch für die Artistik selbst von einiger Bedeutung sein. Nun hat das große Publikum Gelegenheit, ihre Entwickelung. ihre Differenzierung vom frühesten Mittelaltcr her bis zur Gegenwart an reichen, Bild- Material, an Geräten usw. mit einigem Nutzen kennen zu lernen. ES sieht Puppensviele und Zauberlheater, es sieht Riesentableaus lebender Plastik, es siehr die Erningenschaften der modernsten Be- leuchtungslechiiik. der eS beinahe möglich ist, die Natur zu„über- trumpfen". Dies alles wird hier gebolen. Es wäre jedoch wenig— wenn eben nicht zur toten Materie da» volle Varietsleben vor uns hinträte. Und dies macht gerade den Wert der Ausstellung aus. Da produzieren sich auf dem Markt- platz einer alterlümlichen Stadt die„Publikspieler" von Anno dazumal. Der Direktor dieses.fabrenden" Völkchens hält an die hochwohUöblichen Herrschasten seine Reilamerede; hernach schlägt er, während der„Produktionen" seiner selbstverständlich weltberühmten Artistentruppe. die große Pauke; und in der Tracht jener Zeit sitzt die Frau„Direktorin" an der Kaste. Nur freilich, die Gcrälschaslen (Drahtfeile usw.) und die Kostüme sind— für armselige Wander- akrobaten seltsam genug— modern und funkelnagelneu. Lieferant: die Firma„G. m. b. H." soundso. DaS ist der Haken. An ihm hängen auch die Tanzkünstler, die olle Volks- und Nalionaklänze vor- führen. Für eine Mark Eimriltsgeld kann aber der Besucher von 3 Uhr nachmittags b.S 11 Uhr abends vieles sehen, hören und genießen. Tie Kindesleiche auf der Stratzenbahu. Als gestern abend ein Kaufmannslehrling mit einem Straßen- bahnwagen der Linie 66- durch die Lützowstraße fuhr, sah er auf dem Vorderperron des Anhängcwagens, auf dem er sich allein be- fand, einen Pappkarton, stehen. Er übergab den Fund der Polizei. die darin die Leiche eines neugeborenen Mädchens entdeckte. Zur Feststellung, ob ein Kindcsmord vorliegt, wurde die kleine Leiche zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Aeußere Ver- letzuugcn waren an ihr nicht sichtbar. Die SäuglingSfürsorgefielle Nr. IV wird am 12. d. MtS. von der Naunynstr. 63 nach der Reickenberger Str. 180 verlegt und bleibt wegen des Umzugs vom 11. bis 13. d. MtS. geschlossen. Eine» empfindliche» Verlust hat eine Blusenarbeiterin zu be- klagen. Dieselbe verlor auf dem Wege vom Hause Mirbachstr. 55 durch die Voigt-, Schreiner- bis Pettenkoferstraße aus ihrem Liefer- palet 12 elsenbeinkarbige Voilspitzenkragen. Da die Arbeiterin er- satzpflichtig ist. wird der Finder gebeten, Mitteilung an Krüger, Mirbachstr. 55. Ouergeb. IV, gelangen zu lassen. Vorortnachrichten. Neukölln. Ter Grundbesitz Ncukölls hat sich in den letzten Jahren durch umfangreiche GrundstückSkäufc, die teils der Verbesserung der Wohnverhältnisse in den älteren Stadtteilen, teils der Erschließung unbebauten Stadtgebietes dienen sollen, bedeutend vermehrt. Nach den neuesten Feststellungen besitzt die Stadt innerhalb des Stadt- gebietcs 110 Grundstücke in einer Größe von 155 Hektar 27 Ar 71 Quadratmeter; außerhalb des Stadtgebietes— in Britz, Tempelhos und Treptow— 18 Hektar 7 Ar 9 Quadratmeter. Ter Buchwert dieser Grundstücke beträgt 32 103 207 M. Tic Einnahmen des Grundstückserwerbsfonds betragen für 1914 6 901 307 M. Davon aus Anleihen 5 000 000 M., 1 288 909 M. aus Eritatwngcn und 612 388 M. aus Kaufgeldern. Tie Ausgaben sind 4 312 III M. für Erwerb vonGrundstücken, 411 592 M. für Straßenregulierungen, 632 700 M. Verschiedenes und 1 544 903 M. Zuschuß. Die Ein- nahmen aus Pachten, Mieten usw. betragen rund 254 000 M. Tie Unterhaltung und Verwaltung lostet 139 900 M...Hypothekenzinsen erfordern 736 000 M., Slnleihczinicn und Verwaltung- kosten betragen 824 200 M., Die gesamten laufenden Ausgaben betragen demnach 1 700 100 M., denen 254 000 M. an Einnahmen gegen- über stehen. Die Stadt hat also für Vertvaltung und Verzinsung ibres Grundbesitzes rund l 446 000 M. Zuschuß zu leisten. Zu diesem städtischen Grundbesitz kommen noch die Ricselgüter Waß- mannsdorf und Boddinsfelde mit einem Gcsamtareal von 1109 Hektar 95 Ar 26 Quadratmeter, rund 4450 Morgen. Der Wert der beiden Güter steht mit 5 218 000 M. zu Buch. In der im Hause Wildenbruchstr. 78/80 eröffneten ersten Neu- köllner Schulzahnklinik, in der drei Zahnärzte tälig sein werden, sollen die hiesigen Mittel-, Gemeinde- und Hilfsschulen besuchenden Kinder behandelt werden. Tic Behandlung von Mund- krankheiten und die Entfernung schlechter Zähne erfolgt völlig kostenlos. Für das Füllen(Plombieren) der Zähne kann nach dem von der Stadtgemeinde mit dem Berliner Lokalkomitce ge- schlossenen Bertragc von den Eltern der Kinder gefordert werden: ,) ein Zuschuß zu den Barauslagen im Betrage von 0,50 M. für je eine Füllung, oder d) ein Abonnement. Das Jabresavonnement(entweder vom 1. April bis 31. März oder 1. Oktober bis 30. September laufend) kostet für ein Kind 1 M. Sind mehr als drei schulpflichtige Kinder einer Familie zu behandeln, so darf für die sämtlichen schulpflichtigen Kinder der Familie nvr e!-' Jahresbeitrag von 3 M. ge(ordert werden. Für eine örtliche Betäubung können extra 0.50 Mi. gefordert werden. Kindern bedürftiger Eitern wird"die Behandlung dagegen völlig kostenfrei gewährt. Die Belssirftigkeit gilt als vorliegend, wenn sie vom Rektor der Schule bescheinigt ist. Die AbonnementSkartcn sind in der Klinik zu lösen; die Gelder für die Behandlung werden ebenfalls in der Klinik kassiert. Tie Klinik ist an allen Wochentagen außer Sonnabends von 10—1 und von 3—6 Uhr. Sonnabends aber nur von 10— 4 Uhr geöffnet. Wilmersdorf. Tcm Kampfe entgegen. Tie Stadtvcrordnetenwahlen finden noch dem Willen der ver- einigten Reaktionäre erst im Herbst dieses Jahres statt. Mit diesen Wahlen, die für die Sozialdemokratie von großer Bedeutung sind, werden sich unsere Parteigenossen demnächst eingehender zu beschäftigen haben. Seit dem Ausscheiden der beiden Sozialdemo- kratcn Riedel und Schröder ist das Wilmersdorfer Stadtparlament völlig f o z i a l i st e n r e i n. wie die Reaktionäre aller Rich- tungcn voller Stolz verkünden. Es mutz Aufgabe unserer Genossen sein, der Alleinherrschaft deS Kommunalklüngcls und der. sprichwörtlich gewordenen sozialpolitischen Rückuändigkcit der jteuerkräftigiten Stadt Preußens ein Ende zu bereiten. Wie die Verhältnisse in der vornehmen Stadt liegen, wird ein c r n st- hafter Kampf nur in der 3. Wählerabteilung statt- finden. Hier kommen folgende Bezirke in Betracht: Im ersten Bezirk, der den westlichen Teil von Halcnsee bildet, scheidet der Miete r, Tischlermeister Lehmann, aus. Der zweite Bezirk umfaßt den mittleren Teil von Halen- sec. Hier sit das Mandat des Hausbesitzers Schulz zu besetzen. Der fünfte Bezirk, der im sogeixannten Brüfewitzviertel liegt, ist seit einiger Zeit verwaist. Tiesem Bezirk wurde der 1910 mit sozialdemokralischer Hilfe gewählte Demokrat Lazarus übe» wiesen, dessen Hausbesitzcrqllalität dom Obcrverwal- tungsgcricht verneint wurde. Ter sechste Be z i r k, der sich südlich bis zur Strelitzsche* Straße erstreckt, hat für die ausscheidenden Stadtverordneieii f Maurermeister Heinrich und Rentier Raasch, zwei Haus-» Besitzer zu wählen. Bon größter Bedeutung für die Arbeiterschaft ist der s i eb e n t e Bezirk, der sich von der Gllntzelstratze bis zum Seepark, von der 1 Augustastraßc bis zur Kaiserallce erstreckt. Hier ist das Mandat| des verzogenen Genossen Riedel zu behaupten und das des zum Stadtrat ernannten Hausbesitzers Wenzel zu erobern. Ter neunte Bezirk endlich hat zwei Mietcrkandi- � baten zu wählen. Diesem Bezirk wurde unser verstorbener Ge-| nosse Wilhelm Schröder zugewiesen, so daß hier für ihn und den ausscheidenden Lbcelehrcr Prof. Helmke Ersatzwahlen vorzunehmen 4 find. * Neben diesen neun Stadtverordneten der dritten Wteilung � sind noch sechs in der ersten und acht in der zweiten Abteilung zu wählen. Es wird interessant sein, zu sehen, ob die Fortschrittler, der ganzen politischen Situation zum Trotz, sich in Wilmersdorf wiederum mit Haut und Haar den unter„unpolitischer" Flagge; segelnden Schwarzblauen verkaufen werden.. Werden Frei- j sinnige es fertigbekommen, nur weil sie trotz eines erheblichen An- Hanges Angst vor ihrer eigenen Courage haben, sich mit der 1 schwärzesten Reaktion, mit den reichStrcuen Männern nach Art dcs s Verbandsgenerals Liebert zu verbünden? Wenn nicht alle Zeichen trügen, dann werden die Bürgerlichen, mit Ausnahme einiger Demokraten, alle Bedenken zurückstellen und sich zum gemein- samen Kampf gegen die Sozialdemokratie zusammenfinden. Da gilt es beizeiten zu rüsten, um die Scharte auszuwetzen, die wir vor einem Jahre zum Teil durch eigene Fehler veranlaßt haben. Durch rechtzeitige Kleinarbeit, die wesentlich durch persönliche Rücksprache mit den Wählern von unseren Genossen und Genossinnen vorzunehmen ist, können wir die An- strengungen der vereinigten Reaktionäre zunichte machen. DeS« halb frisch an die Arbeit! Tchöueberg. Tab Anspiele» der Freien Elternvcrciniqung findet heute nach- mittag auf dem städtischen Spielplatz Rubensftr.(hinter dem Helm- holtzgvmnasium) statt. Anfang 3 Uhr. Zum Umkleiden stehen die Garderobenräume des Arbeiterturnvereins zur Verfügung. Kaffee- kochen ab 2 Uhr bei Mutter Krone. Eltern mit Kindern als Gäste willkommen, auch Nichtmitglicder können an den Spielen teilnehmen. Steglitz. Tie Erbauung eines eigenen Wasserwerke? wurde am letzten Freitag von der Gemeindevertretung beschlossen. Das Referat in dieser für unsere Gemeinde äußerst wichtigen Angelegenheit er- stattete Bürgermeister B u h r o w. Er führte auS, daß die Sache den Gemeindevorstand schon seit ungefähr 6 Jahren beschäftige. Der mit den Charlottenburger Wasserwerken bestehende Vertrag erreiche am l. Januar 1916 sein Ende. Der Vertrag sehe eine dreijährige Kündigungsfrist vor: bei Nichtkündigung eine snll- schweigende Verlängerung um weitere 10 Jahre. Aus Antroq des Gemcindevorstandcs beschloß seinerzeit die Gemeindevertrening die Kündigung des Vertrages, und der Gemeindevorsteher vollzog hieraus rechtzeitig die Kündigung. Die Charlottenburger Wasser- werke fochten im Älagewcgc die Gültigkeit der Kündigung durch den Gemeindevorsteher an, wurden jedoch schließlich durch Reich?- gerichtsurteil delehrt, daß die Kündigung rechtsgültig crfolcst sei. Mit dem bisherigen Kontrahenten wurden inzwischen VerHand- lungen gepflogen, um Erhöhung der jetzt 5 Proz. vom Reingewinn betragenden Abgabe an die Gemeinde. Es wurden auch materielle Zugeständnisse gemacht, jedoch nur unter der Bedingung, d'en neuen Vertrag bis 1975, eventuell sogar bis zum Jahre 2000 auszudehnen. DaS war natürlich nn- annehmbar. Neben diesen Verhandlungen wurden die Vorarbeiten für ein eigenes Werk weitergeführt. Der ursprüngliche Pinn war der, das benötigte Wasser durch Tiefbrunnen aus dem Bäkctal zu entnehmen. Nach eingeholten Gutachten der Geologischen Landesanstalt wurden Bohrvcrsuche bis zu 100 Meter Tiefe ausgeführt und dabei auch brauchvares Waffer in anscheinend ge- nügender Menge angetroffen. Aufgetauchte Bedenken, daß durck diese Tiefbrunnen einer weiten Umgebung das Wasser entzogen werden könne, iooiür die Gemeinde schadenersatzpflichtig gemach: werden könne, wurden zwar durch weitere wissenschaftliche Gut- achten bekämpft, doch erhob schließlich die Regierung ebenfalls Ein- spruch. Damit wäre der Plan eines eigenen Wasserwerkes völlig illusorisch geworden, wenn nicht der Gcmeindevon'tand anderweitig vorgebaut hätte. Ungeachtet der guten Ergebnisse der Bohrver- suche hatte er sich eine andere Wasserquclle gesichert, wodurch die Errichtung eincS eigenen Wasserwerkes zwar verteuert, aber nicht verbindert werden konnte. Nachdem also die Aufsichts- behördc gegen die Wasserentnahme aus dem Bäkctal Einspruch erhoben hatte, entschloß sich der Gcmeindevorstand. dieses Projekt fallen zu lassen und das Wasserwerk zwischen Caputh und Potsdam zu errichten, wo in bezug auf die Menge deS Wasser? absolut keine Bedenken bestehen. Das dortige Wasser wird tiatfi Enteisenung und Durchlüftung unserm jetzigen an Güte nicht nachstehen, nur daß es etwas weicher sein wird, waS übrigens von manchem eher als Vorteil denn als Nachteil angesehen werde. Die Verhandlungen mit den in Frage kommenden Gemeinden und sonstigen Jnicressenien wegen Turchlegung des Druckrohrcs seien zum Teil schon erledigt und der Rest werde sich voraussichtlich ohne Schwierigkeiten erledigen lassen. Voranschlag und Rentabilität seien unter Mitarbeit hervorragender Sachverständiger eingehend geprüft, so daß der Gemeindevorstand und die beteiligten Ausschüsse einstimmig der Gemeindevertretung den Antrag unterbreiten könnten: bei Cavutb ein Wasserwerk zu erbauen und die Kosten im Betrage von 4 300 000 M. zu bewilligen. Die Rentabiliiätsbe- rechnung lasse bereits für das erste Betriebsjabr einen lleberschuß von 130 000 M. erwarten, der sich beim völligen Ausbau unsere? Gemcindegebietcs, also bei 140— 150 000 Einwohnern, auf 500—600 000 M. pro Jabr erhöhen dürfte.— Die gegen den neuen Kommunalbetrieb bisher in der Gemeindevertretung vorhandene Gegnerschaft war vis auf einen einzigen Herrn zusammenge- schmolzen. Die drohende weitere Erhöhung der Gemeindesteuern hat dieses Wunder vollbracht; die Haus- besitzerpartei fürchtet die leerstehenden Wohnungen, deshalb biß man in den sauren Apfel— hoffentlich zum Wohl der All» gcmeinheit. Nowawes. Tie Frage, nach welchen Plönrn daS von der Konsumgenossen- schaft Hoffnung für Potsdam und Ilmgegend an der Husarenstro e hierselbst gelegene neue Zentrallager erbaut worden sei, wurde u. a. in der kürzlich statigefundenen Generalversammlung der genannten Genossenscvaft erörtert. In unserer Nummer vom 16. April berichteten wir. daß daS neue Zentrallager nach den Plänen des Architekten Arno N e u m a n n erbaut worden sei. Zwei Tage darauf ersuchte unS Herr Architekt M u s ch u e r mitzuteilen, daß die Pläne zn dem Bau von ihm herrührten, wie er ja auch mit der Leitung deS Baue? betraut worden sei. Wie uns später Herr Arno N e u m a n n mit- teilte, stammt der Entwurf deS Zentrallagers von ihm. Am 13. April 1 0 l 3 sc i er mit der Ausgabe betraut worden, ein Zentral» lagcr für die Genossenschaft zu entwerfen, nachdem ihm ein Grund» riß des Homburger Architekten Krug als Anhalt gegeben war: Daraufhin habe er ein Projekt aufgestellt, das den Beifall der Ge» nossenschaft gesunden habe. Das Projekt sei auf Veranlassung de« Baumeisters hon NowatveS dem Herrn Profestor Franz hon der technischen Hochschule in Charlottenburg zur Begutachtung horgelegt und hon demselben ohne Aendcrung zur Zlusführung empfohlen worden. Er. Neumann, habe alsdann dem Architekten Herrn Muschner ein Original dieser Zeichnung übergeben, nachdem ihm von der Genossenschaft bedeutet worden war, dah die technische Lei- tung des Baues in Händen Muschners liege. Tiefes Original habe Herr M. kopiert und alsdann sein Zeichen daruntergesetzt. Er, Neumann, habe bei Beginn des Baues die künstlerische Ausgestal- tung erhalten und er habe auch persönlich die Anordnung des Faffadensystems bei den Maurer- als auch bei den Putzarbeiten geleitet. In Generalversammlung der Genostcnschaft wurde hierzu betont, daß die vom Architekten Neumann gezeichnete Fassade voll zur Verwendung gekommen und auch die Ausführung der letzteren nach Angabe desselben erfolgt sei. Wir glaubten bisher, daß auf die Einsendung des Herrn Muschner in der Nummer vom 18. April die Leitung der Genossen- schaft uns eine Erklärung zusenden würde. Die nunmehr gemachte Feststellung entnehmen wir aus einem nachträglich eingeforderten Bericht unseres Potsdamer Berichterstatters. Rosenthal. Aus der Gemeindevertretersitzung. Der in der letzten Sitzung zum besoldeten Schöffen gewählte Rcgierungsbaumeister H e n d e- werk ist von der Regierung bestätigt worden.— Herr Rektor Schulz hatte einen Antrag auf Gewährung einer Dienstauf- wandsentschädigung für Schreibhilfe. Porto usw. im Betrage von 10 Pf. pro Kind und Jahr eingereicht! da aber der Etat hierfür 300 M. vorsieht, wurde die Forderung gegen 4 Stimmen abgelehnt. — In den Kommissionen sind unsere Vertreter mit Ausnahme der Rcchnungskommiffion vertreten.— Der Befreiung der Lehrer und Lehrerinnen von der Krankenversicherungspflicht wurde nicht zu- gestimmt.— Für die Schulzahnpflege sticht der Etat 250 M. vor. Daß bei 900 Schulkindern für diese Summe keine gründliche Zahn- pflege zu verlangen sei, hatte Gen. M i l b r o d t schon bei der Ctalsbcratung ausgeführt und hierbei den Antrag gestellt, die Summe auf 730 M. zu erhöhen. Verhandlungen mit dem hiesigen I fnarzt Herrn W e tz e l endeten damit, dag derselbe 450 M. per- le sie, wofür die Kinder einmal im Jahre untersucht werden sollten. T r Bericht über die Untersuchung sollte dann den Eltern zugestellt werden; die weitere Behandlung müßten die Eltern dann auf eigene Kosten übernehmen. Unsere Fraktion stellte wiederum den Antrag, noch 500 M. nachzubewilligcn, um nicht eine Summe aus- zuwerfen, durch welche es nur möglich sei, den Kindern nur einmal im Jahre ln den Mund zu sehen. Ter Antrag wurde jedoch ab- ge chnt und beschloffen, mit dem Zahnarzt in weitere Verhandlungen ei zutreten.— Die fünf Vertreter vom Dorf hatten einen Antrag ei! gebracht, der die Ausschmückung der Dorfaue südwestlich der Kirche fordert. Da zu erwarten steht, daß die Konzession der elek- irischen Straßenbahn durch den Polizeipräsidenten bald erfolgt, wurde der Ausschmückung zugestimmt. Bei dieser Gelegenheit er- fuhr man auch, weshalb mit der Konzessionserteilung gezögert wird; es besteht zwischen Zweckverband und Polizeipräsident keine Klar- Heit darüber, ob die Vertragsdauer 39 oder 41 Jahre beträgt.— Durch den Beschlutz' der letzten Gemeindcvcrtretersitzung, den Schön- Hölzer Weg nur in 5 Meter Breite auszupflastern, da zwei Anlieger Schwierigkeiten bereiten, hat den Erfolg gehabt, daß einer derselben sich endlich bereit erklärt hat, das Straßenland abzutreten; es wird der Schönholzer Weg von der Niederschönhausener Grenze bis zur Edelweißstraßc in ganzer Breite und von da ab bis zur Kurfürsten- stratze in 5 Meter Breite ausgepflastert.— Diejenigen Hausbesitzer, die nicht nachweisen können, daß das Wasser ihrer Brunnen unter- sucht uiid einwandsfrei befunden ist, sollen von der Gemeinde ein Schild mit der Aufschrift„Kein Trinkwasser" unentgeltlich erhalten. — Tie neue Schule wird mit einem Terrasit-Außenputz versehen. Tie Arbeiten erfordern 6000 M., sie wurden der Terrafit-Gcsellschaft übertragen Adlershof. Allgemeine Ortskrankenkasse Adlcrshaf und Umgegend. Nachdem wir wiederholt auf die Verzögerung der Vorstands- Wahlen zu obiger Kasse vom Versichern ngsamt auS aufmerksam gemacht haben, ist die Wahl der Versichertenvertreter für den Vor- stand auf Freitag, den 22. Mai, nachmittags von 4—7 Uhr, im Restaurant Kimmel, Treptow, Grätzstr. 28, anberaumt. Potsdam. Tie letzte Wahlvereinsvcrsammlung beschloß die Einführung der Hauskassierung. Es find drei Zahlbczirke eingeteilt, die Kassierung soll von den Bezirkskassierern ausgeführt werden, welche sich ihrer- seits Hilfskräfte heranziehen. Für den Bezirk, der bei Hansmann tagt, wurde der Gen. Krüger als Bezirkskassierer gewählt. In einzelnen Bezirken fehlen die Bezirksführer, welche Stellen bald- möglichst wieder besetzt werden müssen. Parteigenossen, die das Amt eines Bezirksführers übernehmen wollen, mögen sich bei dem Gen. Hörig, Kreuzstraße, melden. Es wurden vier neue Auf- nahmen vollzogen. Tie Arbeiter-Radfahrcr waren durch ein Per- sehen nicht mit auf den Maikarten als Mitwirkende zu der Abend- Veranstaltung verzeichnet geweien. Sie fühlten sich dadurch zurück- gesetzt und lehnten ihre Mitwirkung ab, außerdem beschwerten sie sich hierüber in der letzten Wahlvereinsversammlung. In einer ausgiebigen Debatte hierüber gaben die Genossen der Ansicht Aus- druck, daß das Verhalten der Radfahrer nicht richtig gewesen sei, da sie persönlich eingeladen worden seien. Wenn ihr Name nicht mit verzeichnet gewesen sei, so wäre dies doch kein Grund, gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Ferner entspann sich eine Debatte icher verschiedene Lokale, welche von Arbeitern stark besucht werden, deren Inhaber der Arbeiterschaft gegenüber aber einen feindlichen Standpunkt eingenommen haben. Es sei Pflicht der Arbeiterschaft, nach Möglichkeit die Parteilokale zu besuchen, um dieselben lebens- fähig zu erhalten. Neuenhage«(Ostbahn). Bei der Gemcindcvertreterwahl erhielt unser Kandidat der Ge- nosse R. Schumann 79 Stimmen, während die vereinigten Bürger- lichen 108 Stimmen aufbrachten; sie haben anit Hilfe des amtlichen Apparats alle Bahnbeamten, Postbeamten und Bahnarbeiter mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an den Wahltisch ge- bracht. Diese Niederlage mutz unseren Parteigenossen ein Ansporn sein, noch mehr als wie bisher zu agiteren und unsere Reihen zu stärken. Königs-Wusterhausen. Heute Sonntag, nachmittags von 1—5 Uhr, findet in den Wahl- bezirken Königs- und Deutsch-Wusterhausen die Ortskrankenkassen- Wahl statt. Die Bezirke Zeuthen und Grotz-Besten sind daran nicht beteiligt._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Pautoiv. Dienstag, den 12. Mai. nachmittags 5 Uhr, im Rathause. Lder-Schöneweide. Dienstag, den 12. Mai, nachmittags S Uhr, im Realgymnasium. Teltow. Mittwoch, den 13. Mai, nachmittags S Uhr, im Rathause. Dies« Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gemeindrangehlrlge ist de- rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Jugendveranstaltnnge». (charlottenburq- Schöncberg- Wilmersdorf. Tie für letzten Donnerstag nach Wilmersdorf einberufene Jugcndveriammlmig. in der die Referate gehalten werden durften, ist im Verlaufe der DiSkutsion rechtswidrig aufgelöst worden. Daber findet am Donnerstag, den 14. Mai, abends 8'i, Uhr, eine neue Versammlung in Charlottenburg, VollShauS, R o s i n e n st r. 3, statt. Thema:.Arbeiterjugend erwache I' Sichterfelde. Sonntag, den 10. Mai, nachmRagS 5 Uhr, im Vereine- lokal, Ringbahn, iratzc. Vortrag des Herrn Heinig über:.DaS westfälische Bergwerksgebiet".— An jedem Mittwoch von 7 Uhr ab aus dem Feld neben dem Richard-Wagncr-Platz: Spielabend. Lankwiü. Heute Sonntag, nachmittags 3 llhx: Spiele auf dem Feld hinter der Ziethenstrafzc. Abends 6 Uhr: Unterhaltung bei Schulz, Kur. fürstenstr. 37. Dienstag, den 12. Mai: Mädchcnabend bei Frau Modrak, Charlotten- stratze 47. Ansang 8 Uhr. Donnerstag, den 14. Mai, abends 8 Uhr: Lese- und Diskutierabend bei Heizmann, Marienstr. 7. Sonntag, den 17. Mai: TagcSauSflug nach dem Siethener ElSbruch. Abfahrt früh 6.27 Uhr vom Bahnhof Ltchtersilde-Oit bis Grotzbceren. Rück- kebr abends gegen 8 Uhr. Fahrkosten für Jugendliche 20 Pf. Kochvroviant und Spiritus hat jeder selbst zu besorgen. Kocher stehen zur Ver- füguug. Johannisthal. Heute Sonntag, nachmittags 2 Uhr: Oefientliche un- politische Versammlung in Senstlcbcns Festsälen(kleiner Saal). Zahlreicher Besuch, speziell der Jugend, erwünscht. Die Freie Dnrnerschaft WilmerSdorf-Tchmargendorf HM heute Sonntag, den 10. Mai, ibr diesjähriges Anturnen ab. Vormittags von 9 Uhr ab: Vvllslümliche Wcttkämpte aus dein Spielplatz, Berliner«ttatzc, schrägüber dein Friedhof. Nachmittags 1>/, Uhr: Abmarfch von Gasteincr, Ecke Holsteinijche Stratze. mit Musik nach dem neuen Vereinsfpielplatz. Cunow-, Ecke Forckcnbcckitratze(Gasanstalt). Dafelbst Wettspiele aller Art und Konzert. Eintritt frei. Um 6 Uhr: Gemeinsamer Marsch nach Schmargcndort, Restaurant Waldkater, zum Kasjeekochen und gemütlichem Befiammeiisein.■_ WaficrstandS-Nachrtchten der LandeSanstalt für Eewätsertunde, mitgeteilt vom Berliner Welterburean ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. WitterungSüberückit vom 9. Mai 1914. Swmemde. 756]®®® erlin" j 766j@® Franks. a.M 758 SW München 757 3 Wien 758€$C Wetterprognose für Tonntag. den 10. Mai 1914. Zunächst ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit leichten Regenfille» und mätzigen westlichen Winden; später aufklarend und etwa» wärmer. Berliner Wetterbureau. WetterauSstchte« für da» mittlere Norddeutschland»i» Man. tag mittag: Ostwärts sottschrcitende langsame Aufheiterung, aber an- sangS recht veränderlich und besonders öitlich der Oder noch wiederholte leichte Regenfälle. In der Montagnacht überall sehr kühl. Dann ziemliche rasche Erwärmung. verlangen Sommer Kleidung! 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BcrlägSanstalt PäLtBÄger So wird seitentang über die„bluten- und bilderreiche Cprache" des Kasernenbofes phantasiert. Leider fehlt aber der Hinweis darauf, Ivas dem Soldaten passieren würde, wenn sein -gutes Herz" sich einmal seinem vorgesetzten Mitbruder in Christo gegenüber dieser vielgerühmten bilderreichen Sprache be- dienen würde. Ter Wertschätzung des Kasernenhoftones entspricht die Lob- Reifung des Kadavergehorsams. Bezeichnend dafür sind die Sätze: „Ja, was noch mehr ist, du sollst nicht nur dein Gesicht und deine Zunge im Zaum halten, sondern du sollst auch dein Herz in der Gewalt haben, damit kein Gedanke an Widerspruch und Unzufriedenheit sich in ihm regen kann. Erst dadurch wird dein Gehorsam zu einem ivahrhaft freiwilligen »nd freudigen, erst dadurch schöpfest du reichen Nutzen aus der llebung des Gehorsams für deinen Charakter und dein späteres Leben." �„Für dein späteres Leben." Das ist es, worauf es bei der 'Aufgabe des Willens auf dem Kaserneichof« ankommt. Der dort gelernt hat, sich widerspruchslos jeder Autorität zu fügen, ist 'Pater für die klerikalen Führer der erwünschte gehorsame Partei- >nann und der Sklave des Kapitalismus. Mus aller Welt. deutsche Millionen, die in Monaco bleiben. Vor kurzem ist der Verwaltungsrat des Kasinos von Monte Carlo zusammengetreten, um die Bilanz für die abgelaufene Eaison zur Kenntnis zu nehmen. Die Bruttoeinnahmendes Kasinos lallen im verflossenen„Spieljahr" die stolze Höhe von 47 Millionen »rank erreicht haben. Davon sind nicht weniger als 33 Millionen Rutsches Geld, das heißt verloren von Spielern aus Deutschland. Diese Berechnung ist' aus der Zahl der in den Hotels an der Riviera abgestiegenen Deutschen sowie aus der Zahl der Eintrittskarten für das Kasino ermittelt worden. DaS Komitee des Berwaltungsrates ist bei den Behörden von Monaco um die Konzession eingekommen, im ersten Stock des'Kasinos mehrere neue Spielsäle einrichten zu dürfen. ES ist in Deutschland noch mehr Geld, da? in der Spielhölle von Monte Carlo zum Teufel gehen will. In den vorhandenen Spiel- >ölen ist nicht mehr Raum genug für alle die Spieler, die aus dem gesegneten Deutschland kommen. Es müssen einige neue errichtet werden. Nun, da der Fürst von Monaco seine Einkünfte aus der Spielbank bezieht, werden sich die Behörden sputen, die Konzession zu erteilen. Es ist gottlos viel Elend und Arbeitslosigkeit im Lande, fast täglich liest man von Selbstmorden aus Not, ober es werden Millionen und abermals Millionen nach Monaco geschleppt. Millionen, die auS der Kraft des Proletariats gepreßt werden, Millionen, die das Produkt einer Gesellschaftsordnung sind, die mit dem Arbeiter ihr Spiel treibt und ihm das halbe Leben zur Hölle macht. Todessturz zweier Militärflieger. Ein schweres Fliegerunglück hat sich am Sonnabend mittag auf dem Ärcckower Ererzicrplatz bei Stettin zugetragen. Die beiden Militärflieger Leutnant F a b e r vom Infanterieregiment Nr. 19 und Leutnant K u r tz voni Infanterieregiment Nr. 156 waren am Morgen in Schwerin zu einem Uebungsflug nach Posen aufgestiegen und beabsichtigten auf dem Äreckower Exzerzierplatze eine Zwischenlandung» vorzunehmen. Die auf dem Platz anwesenden t uschauer bemerkten, wie plötzlich aus dem in etwa 200 Meter öhe befindlichen Flugzeug einFeuerstrahl hochschoß; im selben Augenblick sauste der Apparat zur Erde nieder. Die beiden Verunglückten wurden t o t unter dem voll- ständig zertrümmerten Flugzeug hervorgezogen. Der Staatsanwalt als Finanzmann. Die Breslaür Jnnungsbank befindet sich, dank einer unglaub- lich leichtfertigen Geschästsführung, wie bereits gemeldet, in recht bedrängter Lage. Statt die erhofften Gewinne einzustreichen, muß- ten die Aktionäre recht tief in den Säckel greisen, um das Institut vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Einen Trost in ihrem Schmerze werden die Aktionäre vielleicht darin finden, daß sie ihre Gelder hergeben müssen, weil neben anderen Schuldnern auch ein hervorragend staatserhaltendcs Element, der Staatsanwalt Glatzer vom Breslauer Landgericht, bei der Bank m i l 190 OVO Mark hoffnungslos in der Kreide sitzt. Ein so schneidiger Staatsanwalt Herr Glatzcr ist, ein ebenso schlechter Finanzmann ist er. Schon im Mai v. I. wurde ihm vom Vorstand der Bank| ein Zahlungsaufschub zur Regelung seiner Verbindlichkelten der Bank gegenüber gemacht. Dabei sollte ihm- eine Villa in Bad Altheide schuldenfrei bleiben. Wenige Wochen später gehörte die Villa nicht mehr ihm, sondern seiner Frau. Wieder einige Zeit später wurde Glatzer und Frau vor den Vorstand der Bank geladen und nach ihren Bermögensobjekten gefragt. Beide hatten nichts und doch konnte dem Herrn Staatsanwalt sofort nachgewiesen wer- den, daß er noch eine HypothekvonAZ 000 Maria us einem G r u n d st ü ck besaß. Eine spätere Aufforderung zur Regelung seiner Schulden, vergaß der Herr Staatsanwalt zu beantworten. Diese Vergeßlichkeit ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen» daß er seinen Kopf voll Sorgen über die böse Sozialdemokratie hatte, gegen die er in zahlreichen Prozessen gegen die„Breslaucr Volkswacht" als objektivste Behörde der Welt austrat und schwere Freihcits- und Geldftrascn beantragte und durchsetzte. Unwetter in Thüringen. Im Werratal und in ganz Westthüringen herrschten in der Nacht zum Sonnabend nach voraufgegangenen starken Gewittern wölken- bruchartige Regengüsse, die allenthalben großen Schaden anrichteten. Von den Bergen herab ergosien sich reißende W i l d b ä ch e in die Talniederungen. Die Felder wurden teilweise durch die Wasiermengen V e r w ü st e t. Die Obstbaumblüte gilt als vernichtet. Der Wasserstand in den Flüssen ist bedeutend ge« stiegen._ Kleine Notizen. Auch die Amerikaner sind stcncrscheu. Aehnlich wie der Multi- Millionär Rockefeller ist nunmehr auch die reichste Frau der Welt, die Multimillionärin Hetty Green, mit den amerikanischen Steuereinschätzungsbehörden in einen Konflikt geraten. Sie wurde von der Kommission wegen falscher Abgabe der Vcr- mögenserklärnng mit 5 Dollar in Strafe genommen. Ihr Rechtsbeistand weigerte sich jedoch im Auftrage seiner Klientin, diese Summe zu bezahlen, und Hai gerichtliche Entscheidung beantragt. Arbciterrisiko. Ein schweres Bauunglück ereignete sich Freitag« abend in der Schrmmenhalle in M ü n ch e n, wo 2 Arbeiter von einer umstürzenden Mauer begraben iourdcn. Ter töjährigc Tagelöhner Hartmann>var sofort tot, sein Arbeitskollege wurde schiver verletzt. Unserem Freund u. Genossen Wilhelm Sponholz«Ä| d herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit Der Wii-t u. die Stammgäste V von Dreecliar» Feslsälen,' v Unserem lieben Kollegen 1 Wilhelm SponholzÄ, Z S zur beutigcn Silberhochzeit C- ein dreifach donnernde» jd Hoch!!! 13931 F jg Die Kollegen der Firma LlndstrSm Lücke, Kliem. ßi j-Su dem am 11. Mai ftattfindciidcn jährigen Nhejabtläum unseres Freundes und unserer Kollegin W. Falier und Frau »le herzlichsten Glückwünsche. Die Kolleginnen der„Vorwärts1- ..... �__ 0 Todes-Anzeigen SczialdemokraUsclierWalilYerelii U Uert�elehstagswaUkreis. Küpenicker Viertel. Bez. 183 I. dag Den Mitgliedern zur Nachricht, unser Genosse, der Gaitwirt Albert Kalms gesiorbcn ist. Ghrr seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Hall« des Zcntral-FricdhoseS in Friedrichs. leide aus statt. llüriilzer Viertal. Bezirk 158. Ten Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Gürtler Tkeoäor Grape Lauscher Strage 18, gestorben ist. Ehr« feine« Andenke«: Tie Einäscherung findet am Montag, den 11. Mai, nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstratze, statt. Peter*bu rger Viertel. Bez. 346 J. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Genosse, der Tislhier Lrnst Rogge Weidenweg 42, gestorben ist Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Mai. nach- Mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral. Friedboses m Frledrichs- 'elde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 213(9 Ter Borstand. Oeotselier flolzapbeiter-Verlianil. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Eimst; Rogge ün Alter von 34 Jahren gc- norden ist Ehre seinem Andenken! ?. Die Beerdigung findet am lenslag. den 12. Mai. nach- niiltags 5 Uhr, von der Halle de» Zentralsricdhosc» in Friedrichs- leide aus ilait Um rege Beteiligung ersucht 37/12 Die Ort»»orw»ltung. Allgem. Kranke»- u. Sterbe- kasse der Trechsler und BerufSgenosien. Ersatzkassc Hamburg. Verwalwngsstellc Berlin A. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Ikeoclor lirspe am 8. Mai gestorben ist. 3S/3 Einäscherung Montag, nach- mittags 4 Uhr, im städtischen Krematorium, Gerichtstraße, Bio Ortsverwaltung. Deutscher UetaliaFheilEr-Verhaml Verwaltungsstelle Berlin. Ten Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Idevllor Grape (Laufitzer Straße 18) am 8. Mai an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, den 11. Mai, nach- mittag» 4 Uhr, im Kremakorimn, Gerichtstraße, statt. Ferner starb wtser Mitglied, der Dreher Gm!! Zimmermann (Brongelftr. 86). am& Mai am ThPhuS. Ehre ihrem Andenken! Di« Beerdigung findet am Montag, den 11. Mai, nach- mittags 4>/, Uhr, von der Leichen- Halle des'Zenlral-Friedhoses in Friedrichssewe aus statt Rege Beteiligung erwartet 118/3 Oie Ortsverwaitung. Verein der Stereotypeure und Galvanoplastiker Berlin« und Liugeecnd. Den Mitgliedern die Trauer- Nachricht, daß unser Kollege Serndan! Frommholz nach schwerem Leiden im 27. Le- bcnsjahr verschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 10. Mai,»ach- mittag« 4 Uhr, von der Leichen- ball« de» Dretsalligleits-Kirchhoscs, Maricndorj, Eisenacher Straße, au« statt. Um zahlreich-Beteiligung ersucht 285/8_ Ter Borstand. Deulsclier Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung 0 roll Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Chaujseur Eduard Dürr am 5. Mai im Alter 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! von Nachruf. Den Mitgtiedern serner Nachricht, dag unser Kollege. Mibclpacker Christian Jaehmann am 6. Mai im Alter von 67 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenke«! 64/13 Oie Bezirksverwaltung. SozialdemokratiseberWablverein !. d. 6. Berl. Reicbstagswablkreis. 18. Abt., Bezirk N. Am Donnerstag, den 7. Mai, verstarb unser Genosse, der Schankwirt ' Adolf Walter Soldiner Str. 31. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 10. Mai. nach- mittags Ii/, Uhr, von der Leichen- balle des Sophlen-Kirchhoses in der Freicnwalder Straße aus statt, 10. Abt Bezirk 620. Am Freilag, den 8. Mai er., verstarb unser Genosse, der Schristsctzer �rtur Mjfedrt Straliunder Str. 43. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 11. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des St' Elisabeth-KirchhoseS in der Wollankstraßc 66 ans statt. Um rege.Beteiligung ersticht 227/12 Ilee Vorstand. Verband der ireien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 74/7 Adolf Walter Soldiner Straße 31(Bezirk 2) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 10, Mai, nachm. 1*/« Uhr, von der Leichenhalle de« Sophien-KirlbhoseS in der Freien- waidcr«traße ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsverwaitung. Allen Freunden und Bekannten die traurige NachAcht, daß unser lieber Sohn und Bruder Erich Wendt am 7. Mai sanst enlschlasen ist, Tics zeigt tiesbetrübt an »le Vainllle Wendt Soffenet Straße. Die Beerdigung sindet Montag, den It Mal, nachmtltags 6'/, Uhr. von der Halle des Heilig-Krcuz- Kirchhofs in Mariendors aus statt. Allen Freunde» und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein« liebe grau, unsere herzensgute Mutter Cacilie Krug geb. Samol am 8. Mai im Aller von 42 Jdhren ianst entschiasen ist. Dies zeigen lielbeirübt an Paul Krug nebst Kindern. Die Beerdigung findet Montag, den II. Mai, mittags 12'/, Uhr, vom Trauerhausc Norweger«tr. 6, um 1'/, Uhr von der Kapelle des St.-Pbilipvus-Apostel-Kirchhoses, Müllerstr. 41/43nach dem städtischen Müller-, Ecke Seestr.. statt. �riedaos/ Hiermit die traurige Nachricht. daß unsere liebe Mutter Emilie Meldt verwiiw. Falkenthal nach kurzem Leiden verstorben ist. Fransi und 71 ax Falbenthal. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus« Kirchhoses aus statt, 109» Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines liebe» Mannes, unseres einzigen Sohne», des Fleischers sll6A Erich Klewitz sagen wir hierdurch vor allem dem Wahlverein des 6. Wahlkreises sowie alle» Freunden und Bekamitcn unsere» herzlichsten Tank. Die tiesirauerndc Witwe Elisabeth Klewitz geb. Schröter und Eiter», _ Oudenardcr Straß« 21. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licherTellnahme und den vielen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Later« sagen wir allen Freunden und Bekannten, dem Wahlvercin, Sängern, insbesondere dem Genossen helle für die trost- reichen Worte am Sarge des Eni- schtaseneu unseren besten Dank. Zlarth» Weilandt 139® nebst Lohn. Jnnungs- Kranken- kassedttSchnhmacher- Innung zu Berlin. Gemäß K 46 der Satzung machen wir hierdurch bekanui, daß der Bor- stand sich wie folgt konstituiert hat: Karl Etlerlein, 1. Borfitz.: Arbeitgeber, Karl Blaffert, 2., Arbeitnehm. R-inh. Schenk. 1. Schrists. Hcinr.Holzgräse,2.. W. Ritzmann, Beisitzer, Arbeitgeber. I- Ege,. Chr. Burger,, Arbeitnehmer. Karl Dalli,,, KarlAngcbrott,,, Berlin, den 10. Mai 1914. Der Vorstand. Karl Eckerlein, R. Schenk, Vorsitzender. Schristsührer. Kranzspenden sowie sämtliche» ßlumenarrangcmentö liefert ichnell und billig Faul Gross, Linden str. 69, TetMpl.7203 Allgemeine Orts-Krankenkassc der Stadt Berlin-Schöneberg. Nachdem das Verficherungsamt die Wahl der Vorstandsmitglieder der Gruppe der Arbeitgeber durch Be- schlug vom 23. April 1914 sür un- güllig erklärt bat, ist die Vornahme einer Neuwahl erforderlich. Diese Wahl wird in der am Montag, den 8. Juni 1914 im Schwarzen Adler, Hauptstr. 144, in der Zeit von K Uhr abeuds statt- findenden Ausschußsitzung vorgc- nommen werden. Die Stimm- abgäbe ist an gemachte Wahl- Vorschläge gebunden. Zum Wahlakt haben nur die Wahlberechtigte»! Zu- tritt. Dieselben sind durch besonderen Bri-s hierzu eingeladen worden. Die Wahlbercchiigten müssen sich durch diese Eiiiladung ausweisen. 273/13 F. Krukow, Vorsitzender. Allgemeisit Orts-Kranhen- Kasse Ktrlin-Frlkdeaau. Rheinstrafle v. Bcrlin-Fricdenau, den IfcMai 1914. Einladung zur ordentlichen Ausschußsitzung am Freitag, den ÄS. Mai d. I., abends SV, Uhr im Kassenlokal, Rheinstraße S, v. I. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschuß-Borsitzenden; 2. Abnahme der Jahrcsrechnung sür das Jahr 1913; 3. Festsetzung des Voranschlages für das Jahr 1914; 4. Beschlußfassung über die vom Vor- stand ausgestellte Dienstordnung: 3. Verschiedenes. 273/16 I. Bauer, Vorsitzender. �«isaaisiBBsinsaBBssais� 5 Q R. v. M. an\ - Petershagen- ■ ca. 7 Wiu. v Bahnb. Fredersdorf.> ■ Kostenfreie Auskunft beim Ver-■ ■ treter Pohle im Verkauf spa-, 2 villon am Bahnhof Fredersdorf, i Nleachalke& Kitsche p Berlin, Neue KOnlgstr. 16 jj � Fspr-Amt: KöDigst 6873. JF �aSBBBBSSSSBBBBaSPaSSBia� � Feinfarbige ITeppielie fraise, creme, blau, rot, ganx dickes,«myrnn- artlgcs Gewebe, von den echten Inderteppichon kaum zu unterscheideu. Größe ca. 90X185 cm... 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Bg" m t' m und christlicher Organisation ähtüiche Lcglfimakivns« w» v tz) v i s v 1 1 1 1 1 uy i 11 1—' I � � Zur Beachtung diene, daß von Husch-Dundet�c, unu karten verausgabt werden; man lasse sich dadurch nicht täuschen. Im übrigen bitten" schenkm, da unser Vorgehen fettig« Unterstützung bedarf. snus» zu 1 1 w wir die Partei- und Gewerlschasisgenosscn, unseren Mllgliedskartc» Beachtung zu n gegen den Kostzwang, an dessen Stell« eine Barcnlschädigung gejordcrl wwd, all- 32/4 Oer Vorstand. zu außergewöhnlich billigen Preisen Modems Capessr£JÄÄ: m.1950 29,- 39-° 4S,- 66.- aparte Fassons aus Mofr«, OClOxvvill Eolienne, Kaschmir u.Taftel m.1430 21,- 27;o 45,- 59- Staub-Mäntel � Qy-s/~>r'-|' O ä 1 /O■(• /-s o a':l modemenFantasle- O UO I l-i-� OlIKj LCJ Lu Stoffen u. gerippt. Vslvst m.1150 14-° lö-° 25-° 2ö,- ..................................................................................... 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Der Kern des Ucbels ist, daß eine besondere Militärgerichlsbarkeit existiert, die nach ganz anderen Gesetzen, nach ganz anderen Maßstäbe!! und in ganz anderer Zusammensetzung urleilt, als die Zivilgerichtsbarkeit, und baß inan dieser Militärgerichtsbarkeit eine Ausdehnung gegeben hat, •to geradezu beispiellos bei zivilisierten Nationen ist. Selbst in balbindianischen Staaten, wie in der Republik B o 1 i v i a, kennt Wem keinen eximierten Gerichtsstand des Militärs. Das ist im h'aufc der Preßpolitil über die Zabernurtcile von eincin boliviani- ichen General ganz ausdrücklich festgestellt worden. sHört l hört! «ei den Sozialdemokraten.) Man darf sich unter diesen Umständen nicht wundern, wenn der �amps gegen die Soldatenmißhandlungen, den der Reichstag seit 'Jahrzehnten führt, so lächerlich geringe Erfolge gezeitigt hat. Herr itrzbcrger trat nämlich hier als Beschwichtigungshofrat JWs und meinte in bezug auf die vom Reichstag bei der Beratung der Wehrvorlage angenommenen Resolutionen: man könne doch nicht «warten, daß in neun Monaten eine volle Umgestaltung de-Z Systems «reicht werde. Die Resolutionen gegen Soldatenmißhandlungen Und doch nicht erst vor neun oder zehn Monaten angenommen worden. Ech erinnere daran, wie schon vor Jahren der Abg. Gröber eine Wichher von niir erweiterte Resolution durchsetzte, die die Vorlegung einer genauen Statistik �irber Zahl, �traf- Waß usw. der Verurteilungen für Soldatenmißhandlungen Erlangte. Selbst dieses doch wahrhaftig bescheidene Verlangeii ist don der Militärverwaltung in der schnödesten Weise unerfüllt ge- lassen.(Piästdent Dr. R a e m p f rügt den Ausdruck„schnöde".)' .. lieber die Reformbedürftigkeit des ganzen MilitärstrafrechtZ JW'liert außerhalb eines kleinen Kreises militärischer Schorkmacher l«ne Meinungsverschiedenheit. Trotzdem soll mit der Reform dcS �tlimrsirafrechls gewartet werden bis zur Reform des bürgerlichen jflrafrcchtS„np mir sollen uns zufrieden geben init der kleinen Ver- °«!erung, die infolge des Erfurter Schreckensnrteils erreicht loordcn ist. �uch das Beschwerderecht ist dringend reformbedürftig. Daß eine Beschwerde erst nach vollendetem Strafvollzug eingebracht werden �rs, ist doch geradezu skandalös. ISehr richtig! bei den Sozial- «mokraten.) An dem guten Willen der Herren Kriegsminister und pursten, die Soldatenmißhandlungen zu beseitigen, zweifele ich nicht. man bestrafe die Mißhandlungen strenger und räume den Soldaten ein wirkliches N o t w e h r r e ch t ein i dann wird inan den Mißhandlungen wirksam begegnen. Lei den Disziplinarstrafen ist « Cffizicr Ankläger, Zeuge und Richter in einer Perjon, und.dabei Wt seine TiSzipluiarbesugniS, durch die er auch die barbarische, «itäfc'des strengen Arrests verhängen darf, weit üv�fstand�en Mentchen nur an Achtung gewinnen. ?:e der Offiziere anderer Länder, selbst Rußlands «Naus.— Daß die Vollstreckung dieser ungeheuerlichen strafe die Gesundheit schädigen muß. darüber kann gar kein Zweifel liestehen. Ohne Licht, bei Wasier und Brot, ohne Arbeit, untätig ??uß der Betreffende Tage und Wochen hinbringen. Der strenge �«cst kann auch, wie es bei der Marine üblich ist. inFesse lun g d Knebelung umgewandelt werden. All' das sind eist- Ehrende Strafen, entehrend nicht für den Bestrasten, sondern für ®«i, der solche Strafen verhängt.(Seist richtig! bei den Sozial- fJWiotraten.) Der militärischen Kriminalstatistik iollie nian_ das r?tto. vorsetzen:„Oh, welche Lust, Soldat zusein!" Wir wünschen, in diese Äriminalstalistik mehr hineingeleuchtet wird. Der �undeSrat lehnt das aber ab. er wünscht auf diesem gebiet kein Helles Licht.(Sehr wahr! bei den Sozial- �«nokraten.) Es zeugt von unglaublich niedriger Gesinnung, deutschen Volke zuzumuten, auf die Dauer die ausnähme- den, Oeietzstche Militärjustiz aufrecht zu erhallen. Dazu gehört eine .ftedrigkeir und Gemein schädlichkeit der Ge- Innung, die leider bei den amtlichen Organen der Regieruilg orhartden ist. Dos Verhalte» der Regierung, die die Militärjustiz �stechierhalten will, ist geradezu gemeingefährlich. Vizepräsident Paasche den Redner für diese Aeußerung zur Ordnung. Abg. Äuurrt(fortfahrend): ... Ich halte et deshalb für meine Pflicht und die des Reichstags, Infamie entgegenzutreten.(Beifall bei den Sozial- Demokraten.) Generalmajor v. Lailgerman«: . Wenn fortwährend, wie es von dem Vorredner geschehen ist, die iiiffern unserer amtlichen Statistik als locrrloS bezeichnet werden, welchen Wert hat es denn überhaiwt, eure Statistik zu ver- °nstalleu) Tie Reform des MililärstrasrcchtS darf nicht übereilt Werden, denn das würde nur auf Kosten der Gründlichkeit geschehen. J'W Aufhebung der besonderen Mililargerichtsbarkest würde der jplsziplmlosigleit Vorschub leisten. Sämtliche Generalkommandos Oaben sich gegen die Abschaffung dcS strengen Arrests erllart. «-Ibiges kommt, wie hier schon mehrfach ausgeführt� worden niemand in strengen Arrest, der nicht zuvor auf seinen Gesundheitszustand untersucht worden ist. Abg. Weinhausen(Fortfch. Vp.) �spricht den Fall eines Soldaten vom ostasiatischen Expeditionskorps. zu einer leichten Gefängnisstrafe verurteilt wurde von der er Teil abfafe, luorauf er wegen schwerer Krankbeit entlassen Wurde. Neun Jahre und seit der Entlastung des Mannes ver- Nossen und immer noch erhält der Mann alle Briefe. Zustellungen ustv. hon der Militärverwaltung unter der Adresse: l'e» �' l i t ä r g e f a n g e» e n".(Hört! hört! links.).I» bttte um Mitteilung, ob eS sich hierbei um ein allgeincin in folchen �allen beobachtetes Verfahren handelt. Kriegsmiiiifteu v. Falkcnhayu erklärt, daß er aus das entschiedenste den Fall mißbilligt und !ur Abhilfe sorgen werde. Abg. Kauert(Sog.): ES ist unbegreiflich, wie ein gebildeter und unterrichter Mann — und das ist dock, der Generalmajor v. Langermann -zweifelsohne— die Auffassung vertreten kann, daß der strenge Arrest "'cht gesundheitsschädlich sei. Tie Wlssenickmil steht auf einem anderen Standpunkt.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schmidt-Meitzcn(Sog.): Oftmals ist hier im Reichstag über den M i lit ä rb o y k o t t geklagt worden. Bon der Militärverwaltung wurde auf die keines- wrgs nur von unserer Seite erhobenen Klagen lmmer geantwortet: Der Boykott werde nicht aus politischen, sondern mir aus Gründen der Disziplin verhängt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.» Mehrfach wurde dabei auf Sachsen verwiesen und die Zustände in Sachsen als geradezu ideal gegenüber den preußischen hingestellt. Leider mutz ich diese Legende zerstören. Ich habe hier eine Liste von ein paar Hundert Lokalen und anderen Geschäften aller Art aus meinem Wahlkreise, über die der Boykott verhängt worden ist. Man hat rühmend hervorgehoben, daß in Sachsen der Boykott meist nur für die Tage der betreffenden als sozialdemokratisch be- zeichneten Bersanimlungen ausgehängt wird. Aber man stelle sich einmal vor. was für Schikane dieser Militärboykott auf 24 Stunden im Gefolge hat. Die halbstündige Sitzung eines Gewcrl- schaftsvorstandes, ein Konzert, das der Bildungsausschuß veranstaltet. das Auslreten der Lautensängerin Käthe Hyan: alles das genügte, um den Inhaber zu ersuchen, überall an allen Lolälcingängen das Plakat anzubringen: Vier- und zw an zig Stunden Militär verbot.(Vizepräsident Dr. Paasche bittet den Redner, sich möglichst kurz zu fassen, da bereits 43 Redner für die heutige Sitzung eingetragen sind.) Einige Fälle muß ich schon zur Illustration des Systems noch anführen. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit.) Barbiere wurden boykottiert, weil sie ihrer Kundschaft wegen sozial- demokratische Zeitungen halten. Wenn ein Bürgermestter irgendeinen Geschäflsmani, schikanieren will, dann sorgt er für die Verbänguitg des Militärboykotts. Der Militärboykott ist schon verhängt worden, weil ein Wirt den Gemeinde- vorstand beleidigt habe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es sind schon Lokale boykottiert worden, in denen gar keine sozial- demokratischen Versammlungen abgehalten wurden, bloß, weil a n- zu n eb in en sei, daß die Mehrzahl der dort verkehrenden Gäste Sozialdemokraten sei. ES ist doch fchließlich niemand an der Nase abzusehen, ob er konservativ oder iozialdemokransch stimmt.(Heiter- keil.) Rian sieht also, daß es oft die Zivilbebörden sind, von denen der Militärboykott ausgeht.(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Paasche: Wemi Sie selbst sagen, daß die Boykottverhängung von den Zivilbebörden ausgeht, so ist das doch um so mehr ein Grund, die Angelegenheit beim Militäretat nicht so ausführlich zu behandeln. Abg. Schmidt-Meißen(fortfahrend): Einige Fälle muß ich aber doch zur Illustration auführen. Redner führt' eine Reihe von Fällen an und fährt fort: Kriegs- minister v. Heerin gen sagte im vorigen Jahr, der Militär- boykott wird verhängt wegen sozialdemokratischen Per- k e h r S und Verkehrs von Zuhältern. In der Praxis wird aber ganz anders verfahren. Daß das Militärverbot mit der gefährdetet! Disziplin nichts zu tun hat, geht auch daraus hervor, daß es in Orten verhängt wird, wo gar k e i n M i l i t ä r st e h t. Es werden dann dort keine Kontrollversammlungeti abgehalten. Die Wirte wissen oft gar nicht, weswegen sie dos Militärverbot bekommen. Auf ihre Anfrage werden sie von der Zivilbebörde an das Generalloinniando gewiesen, von diesem wieder an die Zivil» behördc. Daß der Militärboykott aus politischen Gründen verhängt wird, wird hier Jahr für Jahr bestritten, trotzdem er offen- sichtliche Tatsache ist. Er trifft nicht unS,— die Bevölkerung Sachsens ist zum größten Teil sozialdemokratisch und die Wirte müssen uns die Lokale geben, wenn sie nicht wirtschaftlich zugrunde gehen wollen. Der Militärboykott trifft die Saalinhaber, die meistens konservativ sind. Riit welchem Gefühl werden diese Leute den Wehrbeitrag zahlen! Die Militärbehörde sollte den Boykott ganz follett' lassen: sie würde in den Augen jedes an- tBeifall bei den Sozialdemokraten.) Sächsischer Militärbebollmächtigter General Lcukart v. Weißdorf: Dos Militärverbot wird nur im Interesse der Disziplin er- lasten, die wirtschaftlichen Jnteresten de? betreffenden Wirts tvcrden dabei berücksichtigt. Im übrigen gehören die sehr lang vor- gebrachten Beschiverden zum größten Teil zum Ressort des sächsischen Ministeriunts des Innern. Abg. Keil(Sog.) beschwert sich über ein Militärverbot in Ludwigsburg, das verhängt wurde, weil ein Arbeitergesangverein dort ein Fest ver- anstaltele. In der Begründmig wurde der Verein sozialdemokratisch genannt und angeführt, daß aus disziplinären Gründen die Soldaten vor der Berührung mit Sozialdemokraten bewahrt werden müssen. Dann sollte man � doch alle Sozialdemokraten vom Heere ausschließen. Will man die Disziplin heben, so sorge man für B e s e i t i g u n g der Mißhandlungen, für Beseitigung unjinniger Befehle durcki Vorgesetzte, so behandle mau den Soldaten als Mensch.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Mit der Handhabung des Militärboykotts geht man in Württemberg fast ebenso vor wie in Sachsen. Württembergischer Militärbepollmächtigier Generalmajor v. Gracvenitz sucht das LudwigShafener Verbot zu rechtfertigen; ob der betreffende Verein ein sozialdemokratischer ist, untersucht nicht die Militärbehörde, sie muß sich da aus die Polizei verlassen. Abg. Schöpflin(Sog.): Wir mllffen cS uns sehr entschieden verbitten, daß der sächsische Militärbeoollmächtigte sich herausnimmt. die Länge unserer Reden zu kritisieren. Wie lange wir sprechen, beurteilen wir, das geht ihn gar nichts an. ISehr richtig.'� bei den Sozialdemolr.) Bon dem KricgSminister möchte ich Auskunft haben, ob er mir den kommandierenden Generalen eüt Einvernehmen über eine mildere Handhabung des Militärverbotes herbeiführen will.- Eine völlige Aushebung wird ja nicht zu erreichen sein. Wie kommt man übrigens dazu, jeden Soldaten vor jeder Berührung mit einem So- zialdemokralen zu bewahre», nachdem erst jetzt wieder der oberste Kriegsherr einem Sozialdemokraten freundschaftlich die Hand geschüttelt bat. dem Zugführer nämlich, der ihn über den Gotthard gefahren hat. Unsere Beschwerden gehören nicht ins Ministerium des Innern, denn die �Militärbehörde erläßt das Mililärverbot.'(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) General Leuckart v. Weißdorf: Gewiß: aber der Abg. Schmidt brachte auch andere Fälle vor. Auf seinen Wunsch habe ich ihn über einen Fall, den er hier vor- gebracht hat, selbst informiert. Abg. Schmidt-Meißen(Sog.): DaS stimmt nicht: im Gegenteil habe ick Ihnen im vorigen Jahr auf Jbrcn Wunich das Material zur Einsicht überlasse». Das Militärverbot fallen zu lasten, liegt nur� im Ansehen der Militär- behörde selbst.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) General Wild v. Hohenborn: Ich nehme gern zur Kenntnis, daß Herr Schöpflin nur eine Milderung, glicht eine Aushebung des Militärverbots verlangt. (Zuruf bei den Sozialdemokraten:„DaS stimmt ja nicht!) Eme milde Handhabung ist bereits eingetreten, eine weitere Milderung iaim nicht in Aussicht gestellt werden. General Leuckart v. Weißdorf: Was ich gesagt habej» bezug auf die Informierung, entspricht den Tatsachen. lAbg. Schmidt- Meißen(Soz.j: Das ist nicht wahr!)-. Abg. Schöpflin(Soz.): Daß ich das atisnahmereckitliche Militärverbot gänzlich beseitigt zu sehen wünsche, ist doch selbstverstälidlich. Die Handhabung ist nicht milde, sondern sehr rigoros: Konzessionen macht die Militär- behörde nur da, wo sie muß, nämlich in Orlen, wo sie wegen der Stärke unserer Bewegung sonst überhaupt kein Lokal bekommt.� Bei einer Reihe von EtatStitcln werden zahlreiche Einzelwünsche geäußert. Leim Titel Spielleute usw. ergreift das Wort Abg. Zubcil(Soz.): Fortgesetzt machen die Militärmusiker den Zivilmunkern eine Konkurrenz, die man eine lautere nicht nennen kann, i sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist ohne weiteres Ilar, daß mit den aus Mitteln der Steuerzahler besoldeten Militärmnsikern die Zivil- musiker den Wettbelverb nicht ausnehmen können, daß sie fort- während unterboten und Schritt für schritt zurückgedrängt iverden. lieberall, bis zum Kino und zum S ch w e i u e s ch l a ch t- s e st(Große Heiterkeit) drängt sich die Militärmusik heran. Es ist auch nickt wahr, daß die Militärverwaltung die ehr- liche Absicht hat, hier Wandel zu schaffen. Ter Belvcis dafür liegt aus der Hand. Zweifellos würde die Ein- f ü h r u n g eines M i n d e st t a r i f s immerhin eine beträchtliche Wendung zum Besseren bedeuten. Als nun aber Unter- Handlungen darüber eingeleitet werden sollten, verweigerte da« Berliner Generalkommando die Zuziehung cincS Vertreters des Z e n t r a 1 v e r b a ii d e s der Z i v i l m u f i k e r zu den VerHand- Inngen. IHört! bort! bei den Sozialdemokraten.) Auf die Einzel- heilen dieser Verhandlungen kann ich nicht eingehen. Allerdings nicht wegen der Geschäftslage des Hauses. Diese ist so g ü n st i g wie nie. Wir haben noch drei Wochen bis Pfingsten und könnten also diese wichtigen Dinge in aller Ruhe und mit der gebührenden Ausgiebigkeit behandeln, wenn nicht die F e r i e n s e h n s u ch t der Mitglieder wäre.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Allerorts Hört man von Stadt- und sonstigen Jivillapellcn, die sich auflösen müssen, weil die Militärkapellen billiger spielen. Eben wird erst wieder aus Äolberg gemeldet, daß die dortige Stadl- kopelle sich auflösen muß.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Was aus den Zivilmufikeru und ihren Familien wird, danach kräht kein Hahn. Die Begünstigung der Mili'.ärmusik bedeutet geradezu eine Pflege der Gassenhauerliterauir. ES gibt ja auch Militärkapellmeister, die selbst komponieren, und außerdem auch dichten.(Ironischer Zuruf des Abg. Schultz- Bromberg (Rv.j: Unerhört!) Nun, ich will Ihnen einige Proben dieser»Dicht- kunst" geben: „Ihr lieben kleinen Dingerchen. Ich wickl' euch um die Fingercheit"— (Stürmische Heiterkeit.) Oder „Unter die Linden, unter die Liitdeu, Da komme ich. mein Schatz, Ich werde dich dorr fiuden, Dicht am Pariser Platz!" (Stürmische Heiterkeit), oder „In der Nacht, in der Nacht, mein Mägdelein, da möchte ich gern bei dir sein/ tMiimtenIaugc Heiterkeit im ganzen Hause.) Vom Scherz wollen wir uns wieder zum Ernst wenden. Es ist wahrhastig bitterster Ernst, daß durch die -----------------— schmutzige Konkurrenz der amtlich gehätschelten und begünstigten Militärinusiker Tausondo von braven Familienvätern brotlos werden. iLebhafte Zustimmung beiden Sozialdemokraten.» Das Gegenstück zum Elend der Zioilberufs- mufiker ist die gerichtlich festgestellte Tatsache, daß gewohnheits- mäßig 501» bis 2003 M. für die„Fürsprache" bei Bewerbungen um sreigewordene M i l i t ü r t a p e 1 1 in e i st e r st e I l e n bezahlt werde». (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sazialdemokraten.) Und vielleicht noch bezeichnender als diese Tatsache ist die Entscheidimg des be- treffenden Gerichts, daß der Empfang oder die Annahme von solchen Schmiergeldern lein militärisches Vergehen darstelle. (Stürmisches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mindestens sollte doch der Reichstag sich dafür einsetzen, daß die Militärverwaltung ein paar Mindestwümche der schwer um ihre Existenz ringenden ZivilberufSniusiker erfüllt. Dazu gehört das Ver- bot des SpielenS der Militärkapellen nach 12 Uhr nacht-?, Verbot des SpielenS in einer Stärke von welliger als 1ö Mann, des Auftretens bei K i n o a u f f ü h r u n g c n nilv. Mit Erfüllung dieser Wünsche wäre wenigstens etwas erreicht. Wir werden im Laufe der nächsten Jahre mit bestimmten Anträgen komine», um das Hans zu einer entschiedenen Stellungnahme zu nötigen. Tann wird man auch nicht wieder die Ausrede von der Geschäftslage ge- brauchen können. Sic(nach rechts), meine Herren, erklären doch immer für den notleidenden Mittelstand einzutreten. Hier haben sie Gelegenheit, etwas für den Mittelstand zu tun und selbständige Existenzen vor Vernichtinig durch unlautere Konkurrenz zu schützen! Wirken Sie mit uns dahin, daß der unlautere Wettbewerb, den die Militär- der Zivilmusik macht, beseitigt oder doch wenigsten? ein- geschränkt wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) . Generalmajor Wild v. Hohenborn: Ein warmes Herz für die Zivilberufsmusiler haben wir auch. ES sind auch bereits zahlreiche dnschränlende Bestimmungen erlassen, die Zahl der Köpfe der Musiker ist auch verringert worden. Weiterkönnen w i r n i ch t mehr gehen. Daß unter den ZivUmusikern große Not und Elend herrscht, ist richtig: aber daran ist nicht die schon sehr eingeschränkte Konkurrenz der Militärmu stier schuld, sondern eS scheint eme gewisse Ueberproduktion an Musiketn vorhanden zu sein. Einen Tarif und Frieden zwischen Militär- und Zivilmnsiiern wünschen auch wir: aber die letzten Ver« Handlungen scheiterten daran, daß unter den Zivilumsikern verschiedene Parteien waren, die sich nicht eiuigeu konnten und wollten.(Abgeordneter Z u b e i 1: Das stimmt nicht!) Nun ist auch bezweifelt worden, daß die Militärmusik ein Kultur- faktor sei. Daß nur Oratorien gespielt werden, kann schließlich kein Mensch verlangen. Herr Zubeil hat in formvollendeter Weise einige Gedichte vorgetragen.(Große Heiterkeit.) Das eine stammle von einer Fastnachtsfeier, und ich gebe zu, der Kulturfaktor ist dabei etwas unter den Tisch gefallen(Heiterkeit). Aber im Ernst kann doch nicht bezweifelt werden, daß die preußische und deutsche Militärmusik ein Kulrurfaktor ist. Das zeigen ja auch die vielen Gesuche aus kleinen Städten um Militärkapellen.— Sehr ernst ist der zur Sprache gebrachte Fall der Stellen- Vermittlung durch einen Kapellmeister. Es ist da? zum ersten Male zu unserer Kennlnis gekommen und sofort einaegriffen morden: derartiges darf sich nicht wiederholen.— Ich hoffe' aber, daß Sie nichts gegen die Militärmusik beschließen werden.(Bravo! bei den bürgerlichen Parteien.) Abg. Ponschab(Z.): Man muß verlangen, daß die Tarife der Militärmusik« denen der Zivi �mufiker gleich sind. Die etatsmätzigen Stellen der Militär« musiker rollte man erhöhen; den lange gedienten Musikern sollte man eine Rangerhöhung zu teil werden lassen. Abg. Gnnsser(Vp.): Ein generelles Verbot für die private Tätigkeit der Militär- musiker ist eine viel zu weit gehende Forderung. Es würde das geradezu zu einer Verödung des Musiklebens in den kleinen Städten und auf dem flachen Lande führen.(Sehr richtig! bei der Volkspartei.) Die Vorliebe für die Militännufik ist weit verbreitet, bis ül die Reihen-der äußersten Linken. Im„Hofjäger" habe ich selbst mit Herren der äußersten Linken bei MUilKtmusit gesessen, auch Herr A u b e i l war dabei.(Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob er dort Material sammelte. Abg. Zubeil(Soz.): Wir wollen keine Beseitigung der Milirärmusik, wir wollen sie nur nicht da haben, wo sie nicht hingehört, sie soll nicht im Umher- ziehen den Zivilmusikern Konkurrenz machen. Daß die Wirte sie gern nehmen, erklärt sich daraus, daß sie dadurch die Beiträge zur Reichsversicherungsordnuug sparen. Wenn die Musiker deS Alexanver-Regiments jeden Abend von 7 Uhr bis nach Mitter- nacht spielen,'so geht daraus hervori daß die Leute am Tage keinen Dienst inachen: sonst würden sie abends nickt so frstch aussehen. Würden Sie den Militärmufikern die Uniform ausziehen, so würden sie ihre Anziehungskraft auf das Publikum verlieren. Dann würde sich zeigen, wer wirklich Kulturarbeit verrichtet, die Militär- oder die Zivilmusiker. Daß Städte um Militärkapellen petitionieren, erklärt sich daraus, daß sie billiger sind als die Zivil« kapellen: das hat sich deutlich bei Kolberg gezeigt. Gerade diese unlautere Konkurrenz der Militärmusiker muß unterdrückt werden. tBravo! bei den Sozialdemokeaten.) General Wild v. Hohenborn: Aus Kolberg ist 191t die Militärmusik zurückgezogen worden. Wer die Forderungen der Zivilmusiker stiegen derartrg. daß die Stadt wieder um die Militärmusik bat, und dieser Bitte wurde ent- sprachen. Daß in Berlin dte Lage der Zivilmusiker schlecht ist, liegt auch � an der starken ausländischen Konkurrenz; die „Musikerzeitung" schreibt, in Berlin ist eine Hochflut von Ausländern. (Wg. Zubeil: Auch eine Hochflut von Militärkapellen.) Abg. Beizer lZ.) bittet nach Hechingen eine Garnison zu legen. General Wild von Hohenborn sagt wohlwollende Er- wägung zu. � �Hieraus vertagt das HauS die Weiterberaiung aus Montag Schluß 6 Uhr. Mgeorönetenhaus. 76. Sitzung. Sonnabend, d c n 9. Mai 1914, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Trott zu Solz. Dir ZLolksschulr. Abg. v. Titfurth(f.)':. Auf die gestrige Rede des Abg. L e i n e r t gehe ich nicht ein. Gr. hat zwei.Stunden gesprochen, während wir alle die Arbeiten des Hauses fördern wollen.(Zurufe der Sozialdemokraten, die sich gegen diesen Vorwurf wehren.). Die Anträge zur Schul- unterchclltung in Posen und Westpreusten> wollen lojr der Unter- richtstommission überweisen. Der Redner, tadelte dann einen Echulrat Roh de oder, so ähnlich, der das Lied„Heil Dir im Siegerkranz" als nur zum Singe t bestimmt, jedoch nicht als Auf- satzthema geeignet erklärt hat. Dagegen müsse im Interesse der Königstreue usw. flammender Protest erhoben werden.(Lebhafter. Beifall rechts.) In der Schule muß mehr gutes Deutsch, gelehrt werden; auch die Behörden müsien sich richtiger uns.verständlicher ausdrücken. Schließlich fordert der Redner Ausmerzung der Fremdwörter, vom Präsidenten hierbei an die Sache gemahnt. Minister Dr. v. Trott zu Solz: Die Bemühungen des Deutschen Sprachvereins finden bei den Behörden immer' mehr Beachtung. Für manche Fremdwörter giot es allerdings keine gute Verdeutschung. Ten Seminarunterrtcht. but ich bestreüt, nicht nach der Breite, sondern nach der Tie'e zu verbessern.— ES'ifcrittVtt geschiik f; die Notionalhhmne als Auf-' satzthema in einem Seminar zu geben und ihre poetische Form 'erörtern zu lassen p der vom Vorredner kritisierte Beamte ist aber uitzweifelhast königStreu, vaterlandsliebend und tüchtig.— Zu den Klagen des Abg. Ernst über den Schulinspektor Waschlow in Bromberg kann ich itichts sägen, denn der deswegen gegen Ernst eingeleitete Beleidigungsprozeß schwebt Noch.— Die gemeinschaftliche Erziehung beider Geschlechter fördere ich im allgemeinen nicht,. aber wenn dadurch(in- den unteren Klassen) das Schulsystem ver- bessert wird, so ist dagegen nichts- einzuwenden. Sckule und Elternhaus sollen:n nahen Beziehungen stehen, das wird zum Segen der Schule sein Die Glcichleguug der Ferien der Volks- schulen mit denen der höheren in den Städten ist aus Rücksicht auf 'die Eltern erfolgt; aus dem Lande wird den örtlichen Interessen möglichst Rechnung getragen. Die Schulen sollen keine Lurtis- gebäude, sondern hübsch und zweckmäßig sein. Die Staatsrcgierung wird darauf achten, wenn der richtige Zeitpunkt für die Einführung des VolksschuluntexhaltungSgesetzeS in Posen und Westpreußcn ge- kommen sein wird; sie ist bereit, auf der Grundlage des frei- konservativen Antrags(Entlastung der Beamten, Geistlichen usw.) einer Lösung der' Frage näherzutreten. Schließlich spricht der .Minister dem Abg. v. Campe die Objektivität und Sachkenntnis' gegenüber dem Landesverwaltungsgcsetzentwurf ab, dem Abg. v. Campe nachgesagt hatte, daß es die Macht der Verwaltung über die Schule vergrößere. Gegenüber einer Warnung des Abg. Ernst bemerke ich, daß ich sehr, geneigt bin. an bewährten Traditionen. �festzuhalten, ohne jedoch bccechttgien Fortschritten zu. widerstehen. Vor allem halse ich fest an der bewährten preußischen Tradition, daß in der Volksschule G o't t'c s f u r ch t, Königstreue und Vaterlandsliebe gelehrt wird. Abg. Dr. Hes:(Z.) schließt sich den BemetkiingcN v. Eampes über das Landesvcrwal- tungsgcsetz an, das die Schule unter die zentralisierte Bureaukratie- stellcn will. Dann greift der Redner wieder den Deutschen Lehrer- verein an und fordert schließlich Vermehrung der als Hauptamt-, liche Kreisschulinspektoren angestellten katholischen Geistlichen. Daraus wird ein S ch l u ß a n t r a g angenommen, für den auch das Zentrum stimmt. Hieran schließt sich eine längere GcschäftSordnnngsdebatte, in der von den Abgg. P ach n.i ck e(Vp.) und Dr. Friedberg(nil.) dieser Tebattcschluß als Bruch einer ihnen vorher gegebenen Zu- sage und der Abmachungen der Parteien erklärt wird, wogegen sich der konservative Abg. V. Pap p e n-h c i m wendet, der von V i e l- rcdnerci der Sozialdemokraten und Fortschritt-� lcr sprickt. Der Präsident Graf v. Schwcrin-Löwitz greift' in diese Debatte mit dem Hinweise darauf ein, daß die Etats- 'beratung bon Jahr zu Jahr länger dauere und daß irgend .etwas geschehen müsse, um.die schwere Schädigung des 'Landes zu verhüten, die darin läge, tpenn der Etat von beiden Häusern des Landtags nicht bis Pfingsten verabschiedet sei. Abg. Dr. P ach n icke(Vp.) zollt dem Präsidenten Anerkennung für sein bisheriges matzvolles Vorgehen, kündig! aber energischen Widerstand für den Fall an, daß man die ohnehin überlasteten .Abgeordneten auch noch zu Abeiidsitzungett zwingen wollte. Abg. Adolf Hofsmann(Soz.): Die langen Reden sind grade dadurch hervorgerufen, daß Sie simmer wieder ein neues System einführen wollen. Mit Recht hat Dr, Pachnicke dafür die Abschaffung der Schwerinstage verant- wortlich gemacht, die die Parteien veranlaßt, ihre Anträge als Anträge zum Etat zu stellen. Solange übrigens wir im Hause sind, ist bis zum 1. April ein Etat nie fertig geworden.(Grvße Heiter- keit rechts.) Dieses Lachen habe ich vorausgesehen, Sie sind wirk- lich auf die Leimrute gefmpst! Aber auch schon vor unserem Ein- tritt in dieses Hans ist der Etat nie rechtzeitig fertig ge- worden. Tie Hauptschuld trägt die Regierung, die den Landtag spät einberuft. Die.an den Arbeiten des Hauses teilnehmen- den Abgeordneten haben infolge- Fraktions-, Kommissionssitzungen usw. eine sehr lange Arbeitszeit. Di« Konservativen aber kommen nur, wenn Diederich Hahn oder Dr. Roeiicke tagelang Reden halten, die gar nicht zur Sache gehören. Die Diäten- schl ucker leisten natürlich keine Arbeit.(Heiterkeit.) Wenn aber über den Etat länger geredet wird, so deshalb, weil die Kritik wieder schärfer einsetzt, weil sich das preußische Volk wieder mehr um dieses Haus kümmert und ein vernünftiges Wahl- recht durchsetzen will.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bor einiger Zeit hat man angefangen, uns von der Beratung über die Geschäftslage auszuschlicßtn. Jetzt müssen sick auch schon die Rationaliberalen darüber beklagen.?lls Herr v. Pappenheim vorhin von der Rededauer pro Kopf sprach und von der Linken ge- fragt wurde„pro Kopf?", da sagte er darauf:„ja. womit reden Sie denn sonst?". Ein solcher„Witz" mag vielleicht in Ostpreußen das donnernde Gewieher aller Ställe hervorrufen(Heiler- keit links), aber rechnen Sie doch auch einmal danach, im Namen wievieler Wähler jeder Abgeordnete hier spricht! Natürlich haben die Vertreter der breiten Massen mehr Anlaß zum Reden, als die- jenigcn, die die Regierung an der Strippe haben!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Tie Anträge über die Schulunterhaltungspslicht in Posen und Westpreußen gehen an die Budgetkommission. Zu dem nun folgenden Kapitel Schulaufsicht fordern Anträge der Volkspartei und der Frcikonservativen Er- setzung der nebenamtlichen durch die hauptamtliche Kreisschul- inspektion unter Berufung von Lehrern, während ein Zentrums- antrag sich gegen die gelnenisame Erziehung beider Geschlechter wendet und die geistliche Schulaussicht im weiteften Umfange wünscht. Abg. Dittrich(Z.): Der Liberalismus will religionslose Schulen, die Kirche aber ist nach dem Willen ihres Stifters die große Erzieherin aller Menschen, daraus ergibt sich ihr Recht aus die Schul- aussrcht. Wir lehnen auch eine gemeinsame Erziehung beider Ge- schlechter entschieden ab. Abg. Frhr. d. Zedlitz(fk.) bestreitet ein Recht der Kirche auf die Schulaufsicht, das vielmehr die preußische Volksschule zurückschrauben würde. Abg. Graue(Vp.) gedenkt des verstorbenen Abg. Dr. Hackenberg, der sonst immer zu diesem Thema gedankenvolle Ausführungen gemacht hat, und bc- dauert dann, daß die Konservativen sich vom Zentrum ins- Schlepp- tau nehmen lassen. Er tritt entschieden für die Beseitigung der geistlichen Schulaussicht ein. Abg. b. Pappenßeim(k.) spielt auk den Paswrenberuf des Vorredners au und spricht von der sr-mpathischen Selbsterkenntnis mancher Geistlichen, daß sie sich nicht zur Schulaussichl eigneten. Entrüstet wendet er sich gegen�den Vor- wurs, daß die Kottscrvalivcn sich vom Zentrum ins Schlepptau iiehmen ließey. Ob Geistliche Schuliilspektoren werden sollen, ist eine reine Zweckmäßigkeitssrage. Wir lehnen die Antrüge deS Zentrums und der Fortschritller ab. Abg. Dr. v. Gampc(natl.) wünscht eine Beschleunigung der Einführung der fachliiännischen Schulaussicht. Wir stimmen zunächst für den sortschrittllchen Antrag, eventuell für den freikonservativcn. Allerdings soll man de- währte Geistliche nicht mit rauher Hand aus ihrem Amt ent- fernen. Die Kirche hat keinen Rechlsanspruch auf die Schulaussicht. Abg. Dr. Liebknecht(Toz.): Weder bei den Nanonalliberalen noch bei den Freikonservativen sehen wir den ernstlichen Willen zum Kamvs gegen die Schul- vervsassung. diese Parteien und selbst viele Fortfchrittler betonen ja auch sonst immer den hohen Werl des ReUgionSunrerrichlS. Eö handelt sich einfach darum, daß die Freikonservativen die Staats- raison, und das �Zentrum die K i r ch e n r a i s o n in der Schule herrschen lassen wollen. Herr v. Pappenbetm erklärte, daß dte Schulauisicht die Lehrer auf dem rechten Wege erhalten solle, sie soll also ein Gängelband für die Lebrer sein und ist in diesem Sinn entwürdigend. ES wird ja in Preußen jeder Mensch von der Wiege bis zum Grabe von Borgesetzten verfolgt, warum aber soll der Lehrer noch einen ganz speziellen Vorgesetzten und Inspektor haben? So wenig, wie die Aussicht über die Kommunalvcrwaltung den falschen Alexander verhütet hat, so wenig kann die Schulaussicht ähnliche Vorkommnisse unter den Lehrern verhüten! llebri- gens ist der Kampf der Nat'onalliberalen um die hauptamtliche Schulinspektion nur ein Kampf darum, ob der Inspektor ein Geistlicher mit oder ohne staatliche Approbation sein soll, denn auch die neuen haiiptamllicheli Stellen werden fast ausschließlich wieder mit Geistlichen besetzt.(Hört! bört! links.) Der fort. schrittliche Antrag könnte eine gewisse Besserung gegenüber dem jetzigen Zustand bedeuten, deshalb stimmen wir für ihn. Ter Vor- Wurf des Abg. Graue gegen die Konservativen war ganz be- rechtigt. Das blau-schwarze Bündnis hat die Konservativen in un- 'gemein starke Abhängigkeit vom Zentrum gebracht.(Widerspruch bei den Konservativen.) Wie sind Sie bei der Borromäus-Enzy- klika zurückgewichen, nachdem Sie sich vorher immer als die Vor- kämpfer des Protestantismus hingestellt hatten!(Sehr ivahr! links.) Nun einen Einzelsall: Wegen irgendeiner burschikosen Rede- Wendung bei irgendeinem geringfügigen Anlaß wurde ein höchst verdienstvoller.Hauptlehrer W e b e r, der seit 23 Jahren in Weißensee, Provinz Sachsen, tätig war, von dem Schulinspekior rücksichts- los verfolgt und schließlich vor die Entscheidung gestellt, entweder tu einen Waldort zu gehen, dessen Lehrcrstelle seit einem Jahr aus. geschrieben war, ohne daß sich jemand meldete, oder die Schul- leitung an einen jüngeren Kollegen zu übergeben— also e-ne Dcgradierung! Weber regte sich über diese Behandlung furcht- bar auf. erlitt einen Schlaganfall und st a� b daran. In dem?!ach- ruf auf ihn spricht der Lebrcrvcrein Straußburg von Webers Unterliegen im Kampf gegen die geistliche Orts- schulaufsicht(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und da- von, daß er, wie der Verein an seinem Grabe bekunde, ein prächtiger Lehrer und grader, aufrechter, seit seinem Ausscheiden aus dem Amte aber leider ein gebrochener Mann gewesen ist. kHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Einen ganz ähnlichen Slacbruf erließ auch der Zentralvorstand des Pestalozzi-Bereins für die Provinz Sachsen, und dies beweist wohl, welche Qualen die geist- liche Ortsschulaussicht denjenigen Lehrern zufügt, denen es ernst nM ihren Beruf ist und die seine Würde hochhalten! In früheren Jahren habe ich wiederholt über die völlige Rechtlosigkeit der Bevölkerung gegenüber den Schulaufsichtsvcrfügungen gesprochen. ES liegt uns nun ein vom Herrenhaus bereits angenommenes Gesetz vor, das angebliche Abhilfe schassen soll, das aber nur für Fragen der Schul- unterhaltungspslicht, also für Geldfragen, das Verwaltungsstreit- verfahren einführt, während in Schulaussichtssachen nur gegen die Entscheidung des Oberpräsideiitell die Revision an das Hbcr- venrxrltiingsgericht zugelassen wird, das aber an die Feststellungen des Oberpräsidenten gebunden sein wird. Eine solche„Reform" ist eine Verspottung des Wunsches nach Rechtsgarantien.(Sebr wahr! bei den Sozialdemokraten.» Und auf die Provinz Posen soll selbst i'iese Sckietnresorm keine Anwendung finden! In Schkeuditz. Prov. Sachsen, ist in der Fortbildungsschule eine politische Zeitschrist„Wir- sind Deutschlands Jugend", die etwa die Richtung des Jungdeutschlandbundes hat. als Lernmittel obligatorisch eingeführt worden und als sich einige Eltern weiger- ten, für ihre Söhne dieses Blatt zu abonnieren, wurden sie bc- straft.(Vizepräsident Dr. v. Krause: Das gehört doch nicht zur Schulaussicht!) Die Zeitschrist wurde aus Veranlassung der Re- gierung. Abteilung für Kirchen- und Schulsachen, also der Schul- aufsichtSbehörde eingeführt. Das Amtsgericht dcstätigtc die Be- strafungen, das Landgericht Halle hob sie auf, indem es aus» 'führte, daß der Regierungspräsident zur Einführung einer solchen Zeitschrift als Lernmittel nicht berechtigt sei.(Vizepräsident 2r- v. Krause: Tic Fortbildungsschulen gehören zum Handels- Ministerium und der Regierungspräsident gehört auch nichl zu diesem Etat.) Es war doch die Schulaufsichtsbehörde im Namcn des Regierungspräsidenten tätig! Das Landgericht stellte aus- drücklich fest, daß die Zeitschrift p o-l i t i seh sei, literarisch. aber aus niedriger Stufe stehe. In einer sehr widerspruchsvolle« Entscheidung hat das Kammergericht jedoch die Freisprechung aui- gehoben, das Landgericht mußte also verurteilen, brachte jedoch seinen Protest durch Verhängung der niedrigsten zulässigen Strais von 1 Vi. zum Ausdruck. Es ist doch geradezu unerhört, eine vo« Gericht als politisch erklärte und für literarisch und wiffenschastlich wertlos bezeichnete Zeitschrift als Lernmittel einzuführen.(Äize- Präsident v. Krause ruft den Redner zur Ssche.). Ich spreche doch über die politische Ausnutzung unserer Schulen mit Billigung der Schulaüfsichtsbehördcn!(Abg. v. Pappenheiai(!.): Zur Sache!) So wie Sie zur Sache geredet haben, rede ich auch noch dazu, freilich, Sie dürfen sick i« alles herausnehmen!(Bisse- Präsident Dr. v. Krause: Diese Kritik des Präsidiums mutz wi zurückweisen.) Die schulauftichlsbehörden hätten die Pflicht, gegen einen derartigen' 1 politischen Mißbrauch der Schule» einzuschreiten, sie denken aber nicht daran, wenn der Mißbrauch in> Sinn der herrschenden Klassen getrieben wird; da darf schon d'-e, Jugend politisiert werden!(Vizepräsident Dr. v. Krause: dürfen gewiß über diese politische Frage reden, aber nickt an dieicr Stelle, ich rufe Sie zum zweiten Mal zur� Sache!) Ich bin bc» der Sache und stelle fest, daß ich über ein Symptom geredet habe, welches die politische Ausnützung unserer Schulen beweist und dieser Beweis sckeint mir lückenlos geglückt zu sein, trotz kcs Skandals der Reckten und der wiederholten Unterbrechung durch den Präsidenten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gaffel(Vp.): Wie oft werfen uns die Konservativen� vor, daß wir uns im Scklepptau der Sozialdemokratie befänden. Es fällt uns aber g-r nicht ein, deswegen das tönende Pathos anzuschlagen, mit de« sich Abg. v. Pappenheim gegen eine sachlich gar nicht mv berechtigte Behauptung des Abg. Graue gewandt hat.(Sehr gut! links.).-J Ein Schlußantrag wird angenommen, die Anträge gehen a« die Unterrichtskommission. Montag 11 Uhr: Weiterberatung des Kultusctats.. Schluß ö Uhr._ Mßeroröentliche Hauptversammlung öer Gesell' sihast sür Soziale Reform. ' Die Gesellschaft für Soziale Reform stielt gestern Berlin eine außerordentliche Generalversammlung ab, oi- stch in erster Reihe mit dem Koalitionsrecht der Arbeiter und Angestellten zu besck)äftigeil hatte. Ten Vorsitz führte Staatsnnnistec Freiherr v..B e r l e v s ch. Die Wichtigkeit des Themas m 5 die von Professor Delbrück vertretene Rückstandigkeit Sil Auffassung rechtfertigen einen ausführlichen Bericht. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, KvalitionSrecht für Arbeiter und Angestellte, sprach Professor Zt. Keßler. Jena: Es herrscht gegenwärtig sozialpolitische Müdigkeit. Aber auf eurem Gebiet der«ozialpoltw ist diese Müdigkeit nicht vorhanden, auf dem Gebiet des Koalition?' rechtS. Auf der einen Seite ruft man nach mehr Jreiheit für° � Koalitionen und auf der anderen Seite ruft man nach wenig- Koalittoiiszwang. Auf der einen Seile erwartet man eine Ford- rung des Wirtschaftslebens von einer Verstärkung zur Koalition» freiheit. auf der anderen Seite bekämpft man diese pergrotzeu- Frciheil mit Besürchtungeu für Fortentwicklung des- deutschen Wir schaftslebens. Meist denkt man immer nur an das Koalitwnsrcu der Arbeiter und Angestellten und nicht au das Koalttionsceckt v- Unternehmer, obgleich seine Rechtslage die gleiche ist wie die Recht» läge des Äoalitionsrechtes der Arbeiter. Aber die Machtstellung!>-' Unternehmerkoaliticmen ist eben eine andere. Und es ist auch ni zu bestreiten, daß das Verhalten von Justiz und Verwaltung ö den Arbeitgeberverbänden durchaus anders ist wie das Verhalt- zu den Koalitionen der Arbeiter und Angestellten,(-sehr richtig-� Auch wir beschäftigen uns daher ausschließlich mit dem Koalition recht der Arbener und Angestellten. Woher koinmev die kjeft-jVH Kämvfe um dieses Koalitioilsrecht in der gegenwärtigen Zeit! Kämpfe werde» immer schärfer, ja, sie müssen imnier scharf werden. Das liegt einmal daran, daß die rechtliche Basis oc Koalitionen der Arbeiter und Angestellten veraltet ist, und daran- daß das sittliche Fundame, il des Koalitionsweseus. die Freiheit oft Persönlichkeit, der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Persönlich.," und die Möglichkeit, außerhalb des Betriebes über sich selbst zu en!- scheiden, noch nickt überall bei uns anerkannt sind. Tic recktl!'i> Regelung des Koal-itionSwesenS in Deutschland ist nur provisorNft erfolgt. Gewaltige Umwälzungen haben sich vollzogen, ohne daß ift provisorische Regelung des Koalitionsrechles� sich selber mit wickelt hätte. Für die Liindarbcitcr und das Gesinde fehlt das K»»' litionsrecht in den größten Teilen Teutschlands noch heute Vsft ständig. Ich kann diesen Zustand auck deswegen als provisorisch� bezeichnen, weil 1866 die preußische Regierung versucht hat, dut® eine Vorlage beim AbgeordneteiibauS auch den Landarbeitern BN» dem Gesinde in Preußen das Koalitiousrccht zu geben. Lediglich die Vorgänge von 1866 haben eine Verabschiedung d'� Entwurfs verhindert, der dann nicht wieder auf der politischen Bild' fläche erschienen ist. Für das KoalitianSrecht des Gewerbes bilden die 88 G2, s!" der Gewerbeordnung die Grundlage. Tie Gewerbeordnung ist fth ihrem Bestehen 36 mal geändert worden; diese beiden Parograph,'" aber sind nicht geändert worden, obwohl sie offensichtlich nur ciiu'" UebergangScharakter tragen. Die deutschen Gewerkschaften der'!>" beiter und Angestellten umfassen heute fast 4 Millionen Mitglieder- «ie sind weil über die Grenzen Teutschlands hinaus vorbildlich geworden durch die Straffheit ihres Ausbaues, durch die Gewisse"' hastigkeit ihrer Verwaltung, durch die unermüdliche Tätigkeit in der Fürsorge sür ihre Mitglieder, durch die Erziehung ihrer Mitglieder auch aus dem Gebiet der staatsbürgerlichen Erziehung. Sic habe" die deutschen Arbeiter bewahrt vor dem Syndikalismus, den w-r in Frankreich sehen, sie hoben das deutsche Gewerbe bewahrt ver dem Iliifug der Sabotage und der direkten Aktion. Sie haben i" Deutschland das beste Taritwesen der Welt ausgebildet. Sie Hab«? eine Kulturarbeit ersten Rannes geleistet und leisten sie, ohne d)? ihnen jemand dafür dankt. Und troydcm schweben sie rechtlich der Luft,.sie steilen rechtlich schlechter als jeder kleine Kegel-»»cr Vergniigungsverein. Sie werden von der Rechtsprechung— ver' iichtig gesagt— hart angefaßt. Denken Sie nur an die Versuche- diese Organisatoren i>er deutschen Arbeiterschaft unter den Gr' Presslingsparagraphen zu bringen. Sie werden von der Verwaltung ichikaniertz>-ie werden von den mächtigen Unternehmeroerbände" "ftftelgr Sie werden in ihrer Arbeit gelähmt durch die künstliche Züchtung von gelben Gewerkschaften, über deren Eristenzberech' tigung sich streiten ließe, wenn sie überall ohne die Hilfe der Unter' nehmer entstände».(Sehr richtig!) Angesichts dieser Bedeutung der Koalitionen für unser ganzes Volks-, Wirtschafts- und Kultur' leben und dieser traurigen Stellung, die sie in der Rechtsprechung und der Verwaltung gegenüber der Unternehmerschaft tatsächü® haben, braucht man sich nicht zu wundern, wenn im Lager dieser fir.126. 81. L Knl«l>e des Jotniätls" Stilintr öollioilatt. Zovutlls, 10. Mai 1914. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Elektrizitätsinöuftrie unü gemischt-wirt- schaftliche Unternehmungen. Bei der Frage der Berstadtlichung der Berliner Elektrizitäts-Werke kann eS sich unmöglich darum allein handeln, ob die Konsumenten von einem städtischen oder privaten Werk die elektrische Kraft um einige Pfennige billiger oder teurer erhallen werden. Vielmehr liegt u. E. der Kernpunkt der ganzen Diskussion darin, ob man gewillt ist, die Elektrizitätsversorgung der größten Stadt Deutschlands weiter einer privaten kapi- talistischen Monopol- Gruppe zu überlassen oder ob man die» private Monopol durch ein kommunales Monopol ersetzen will. Die Entscheidung, die Magistrat und Sradtverordneten- Versammlung in Berlin treffen werden, wird zugleich von Einfluß aus die Entwickelung der Elektrizitätsversorgung vieler Orte ganz Deutschlands sein. Die Entscheidung ist um so bedeutsamer, als das zunächst für Berlin m Frage kommende Werk nur das unselbständige Glied des nach monopolistischer Herrschast strebenden Konzerns der Allgemeinen ElektrizitätS- Gesellschaft bildet. Es ist bekannt, daß die junge, erst in den achtziger Fahren ent- standene Elektrizitätsindusirie sich sehr rasch entwickelt hat, daß diese sprunghafte Erweiterung deS UmfangeS begleitet wurde durch eine immer straffere Konzentration des inneren Aufbaues. Bon den etwa ' Elektrizitätsgruppen, die bis zur Krisis von 1900 bestanden, bestehen heule nur noch 2 völlig selbständig: die Gruppe der A. E.-G. und die Gruppe Siemens-Halske-Schuckert. In einzelnen Fabrikations- Zweigen stehen heute noch beide Konzerne in Wettbewerb. Bei größeren Reugründungen ist es dagegen inimer häufiger zu einem Zusammengehen gekommen. Die Vereinigung beider Gruppen kann natürlich nicht dadurch gehindert werden, daß die Kommunen sich und ihre Bürger einer dieser Gruppen ausliefern, sondern daß sie ihre Macht als Gründer und Besitzer von Elektrizitätswerken, als wichtige Eroßabnehmer von Elektromaschinen gegen diese Konzerne ausimtzen. Die Kommunalverwaltungen(Städte, Kreise und Provinzen) sind dabei im Vorteil, über das genügende Kapital zur Begründung von Elektrizitätsunternehmen verfügen zu können. Bekanntlich hat ja die Konzentration in der Eleltrizitätsindustrie gerade deshalb so große Fortschritte gemacht, weil nur kapitalkräfttge Finanzgruppen auf diesem Gebiete tättg sein können. Die Tatsache, daß die großen Elektrizitätskonzerne(die sich auf die Produktion von elektrotechnischen Erzeugnissen werfen) auch dw Gründung von Elektrizitätswerken in die Hand nehmen, erklärt sich daraus, daß das mit ihnen eng verbündete Bankkapital neben den Kommunen allein die Finanzierung der Werke in die Hand nehmen kann. Daneben gibt es jedoch eine Reihe wichttger anderer Gründe, weshalb die Elektrizitätskonzerne auf den Besitz von Werken zur Erzeugung und Lieferung von Elektrizität so großen Wert legen, daß seit einigen Fahren ein regel- rechter Wettkampf zwischen den beiden Gruppen um die Gründung von Elektrizitätslieferungswerken stattfindet. Elektrizitätswerke sind die größten Abnehmer von Starkstrommaschinen und-apparaten. Liegt Erzeugung und Konsum in einer Hand, so ist es bei der bloß sormellen Trennung von Produktionsgesellichast und ElektrizitätS- Werk ein Leichtes, der Produktionsgesellschaft Gewinne zukommen zu ' lesieu, die vom Elekrizitäiswerk erzielt wurden. Die Produttions- geicllschaft aber hat ein Jntercfle an dieser Verschiebung, weil das Werk für die Erlangung der Konzession an die Kommune dauernd Abgaben zu entrichten hat, die sich nach der Höhe des ausgewiesenen Gewinnes richten. Für die großen ElekttizitätSkonzerne liegt ein weiterer Anreiz zum Erwerb oder zur Beherrschung von Elekrizitätswerken darin, daß die Lieferung von elektrischer Energie eS gestattet, auch einen Einfluß auf die Konsumenten auszuüben. Der dauernde Verkehr zwischen Werk und Konsument(bei den monatlichen Rechnungslegungen, der Monatlichen Revision der Zählapparate) erleichtert die Propaganda für Apparate der eigenen Fabrikfirmen. Auf Großabnehmer wird Vicht selten sogar ein Zwang dahin ausgeübt, daß die Lieferung von � trenn an die Verpflichtung des Konsumenten gebunden wird, alle elektrotechnischen Erzeugnisse nur von dem Unternehmen des gleichen ElektrizitätSkonzcrnS zu beziehen. Fjt dem EleklrizitälSwcrk gu: noch das ausschließliche Recht zur Wegebenutzung für elektrische Stromleitungen zugeschrieben worden, so ist eS großen industriellen Unternehmungen mit ausgedehnten Fabrikanlagen oft nuch unmöglich gemacht, eigene rentable Kraftzentralen zu errichten. Deshalb rief die.Post" noch kürzlich im Interesse der Schwer- und Maschinenindustrie nach gesetzlicher Einschränkung des Monopol- chacakterS von ElettrizitätSwerlen und Ueberlandzentralen. Zuweilen müssen die von den großen Elektrizitätskonzernen ge- llründeten Lieferungswerke auch als Träger zum Teil im Werte recht fauler Effekten dienen. Ter Konzern entlastet dadurch das Wert- Papierkonto seiner Produktionsunternehmen und drückt zugleich künstlich die Aklivposten der Bilanz und die Gewinne des Tochter- Unternehmens herab, um die Gemeinden vor der Uebernahme scheinbar wenig rentabler Werke abzuhalten und den Gewinnanteil kec Gemeinden zu kürzen. Die Vorteile, die den Elektrizitätskonzernen aus dem Besitz von Elektrizitätslieferungswerken entspringen, gehen auch dann zum Kroßen Teil nicht verloren, wenn der Konzer» den Betrieb deS Werkes gemeinsam mit einer Kommunalverwaltung führen muß. Scheint die Gründung eines rein private» Werkes aus �g-ud einem Grunde ausgeschlossen, so treiben die Freunde privatkapitalistischeii Systems daraus hin, daß der Betrieb wenigstens zwischen der Privatunternehmmig und der Gemeinde geteilt werden soll. Seit mehreren Iahren sind so «ahlreiche.gemischt private und öffentliche Unter- Uehmungen" entstanden. Ob diesen gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen aber ein Vorzug gegenüber dem privaten oder dem kommunalen Betrieb zukommt, bedarf noch der näheren Unter« fuchung. Von den bürgerlichen Vertretern der durch das Dreiklasienwahl- recht geschützten Gemeindeparlamente werden gemischt-wirtschaftliche Unternehmungen empfohlen, weil sie angeblich billiger arbeiten und 'n ihnen die Erfahrungen der Privatunternehmungen verwertet werden können. Eine treffende Widerlegung dieser Meinung findet sich in der Denkschrift der badischen Regierung über den Bau und Betrieb deS MurgkraftwerkeS. Es heißt dort u. a.: .Der Bau des Kraftwerkes wird teurer, wenn er von einer Privatunternebmung, als wenn er vom Staate selbst auSgetuhrt wird. Bei der Ausführung des Baues kann der Staat durch die Bergebung der Arbeiten in, öffentlichen Wettbewerb die billig- st e n Preise erzielen- auch der Betrieb wird sich beim«taat billiger gestalten, da er mit Tantiemen der Aujsichlsrate und riuer Gewinnbeteiligung der Geschäftsführer und Aktionäre nicht zu rechnen braucht. r_gx......._ . Der Betrieb de» Kraftwerkes ist verhältnismäßig e l n f a ch. Er bedarf keines großen Personal«! rasche Entschließungen zur Aus- Nutzung der Koiijuiiltur, wie sie beim Betrieb von Fabriken oder Handelsgeschäften erforderlich sind, kommen beim Betrieb elektrischer Unternehmungen weniger in Betracht. Was endlich den Absatz der elektrischen Energie aus dem Murgwerk betrifft, so stößt gerade die Ueberlassung dieses Teils des Unternehmens an eine Aktiengesellschaft auch dann auf Be- denken, wenn der Staat sich an der Aktiengesellschaft durch Uebernahme eines die Hälfte der Attien überschreitenden Be- träges beteiligen würde. Es wäre wohl trotz des größeren Aktienbesitzes des Staates und der Mitwirkung staatlicher Kommissäre kaum zu vermeiden, daß diejenigen ElektrizitätS- gesellschaften, die die Versorgung des Landes mit Elekirizität in die Hand genommen haben, auch in der Aktiengesellschaft für Verwertung der Murgwofferkräfte einen n, aßgebenden Einfluß ge- Winnen. Wem, aber in dieser Weise sowohl die Elektrizitäts- erzeugung als auch die Elektrizitätsverteilung in die Hand derselben Privatunlernehniungen gegeben würde, die bekanntlich bestrebt sind, ails dem Gebiet der Elektrizitätsversorgung ein tatsächliches und wo- möglich auch rechtliches Monopol zu erlange», dann ist zu b c- fürchten, daß die Gemeinden und sonstigen Abnehmer von elek- irischer Energie, insbesondere auch die Großindustrie in einer Weise von diesen Gesellschaften abhängig werden, die nicht wünschenswert ist." In die'en Sätzen der Denkschrift find die Vorteile des reinen Regiebetriebes klar hervorgehoben: der Regiebetrieb arbeitet nicht teurer, sond-rn billiger. Er begegnet keinen technischen und kauft männischen Schwierigkeiten, denn die Elektrizitätslieserung kann mit ziemlich gleichbleibendem Bedarf— und auch stabilen Ein- nahmen— rechnen. Ter Regiebetrieb schützt endlich vor einem Privatmonopol der ElektrizitätSindustrie und wahrt damit allein die Interessen der Gemeinden und sonstigen Abnehmer. Während die Gemeinden und Konsumenten also bei den ge- mischt-wirtschaftlichen Unternehmen schlechter fahren als bei dem öffentlichen Bettieb, bietet die genannte Unternehnrnngssorni den Elektrizitätskonzcrnen große Vorteile. In erster Reihe steht dabei die Erleichterung der Kapitalsbeschafsung. Ein Unter- nehmen, an dem der Staat oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften beteiligt sind, genießt größeren Kredit als ein bloßes Privaiimteruehinen. Die Kapitalien fließen ih», leichter zu als selbst den bekannten großen Elektrizitätskonzernen. Dabei braucht die private Elektrogruppe»ur die Hälfte des Kapitals aufzubringen, um sich den Einfluß zu sichern, der ihr sonst bei der Finanzierung deS ganzen Unternehmens zufalle» würde. Zudem ist das Aktienkapital bei gemischt-wirtschaftlichen Unternehmen gewöhnlich sehr gering: die Kapitalbedürfnisse werden hauptsächlich durch Schuld- Anleihen befriedigt, so daß der Konzern sein Kapital nur in geringem Maße in den Unternehmen festzulegen braucht. Die Bürgschaft der Kommune sichert den beteiligten Privatunternehmen billigeren Zins für den beanspruchten Kredit; wenn die Gemeinden nicht gar das Geld selbst aufnehmen und dann an die Privatunternehmen ohne Aufschlag weiter leihen. Diese Form liegt auch dann vor, wenn die Gemeinden Elektrizitätsunter- nehmen erwerben und dann verpachten. Von anderen Vorteilen, die den Privatunternehmen aus der gleichzeitigen Beteiligung von öffentlichen Körperschaften erwachsen, sei noch erwähnt, daß z. B. die durch die Stromanlagen not- wendig werdende Verlegung von Telegraphen- und Telephon- leitungen nach dem ReichStelegraphenwegegesetz von der Telegraphen- Verwaltung kostenlos ausgeführt werden mutz, wenn eine Kommune sals Wegeunterhaltungspflichliger) an dem ElektrizitätSunternehnten beteiligt ist. Ein Hauptvorteil für die beteiligten ElekttizitätSkonzerne liegt bei den gemischt-wirtschaftlichen Unternehmen aber wieder darin, daß dem beteiligten privaten Unternehmen die Lieferung der von dem Werk gebrauchten Maschinen, Leitungen für die vorbehaltene Einrichtung und für die dauernde Unterhaltung des Betriebes wird. So sind die gemischt-wirtschaftlichen Unternehmen oft auf Fahrzehute für ihren Bedarf auf eine Firma angewiesen, von der man gar nicht weiß, ob sie auch in Zukunft leistungsfähig fein wird. Es kommt hinzu, daß die Preise auf so lange Zeiten hinaus natürlich nicht bis auf Mark und Pfennig verabredet werden können. Die Klausel, daß dem gemeinsamen Werl nicht höhere Preise abgenommen werden dürfen, als andere Abnehmer zahlen müssen, besteht wohl in allen Verträgen; aber ihre Befolgung läßt sich außerordentlich schwer kontrollieren. Die Werke müssen eben den beteiligten Privat- unternehmen die verlangten Preise zahlen, wenn ein solcher Lieferungsvertrag vorliegt. Aber auch da, wo eine solche Klausel nicht besteht, genügt doch der Einfluß der an gemischt-wirtschaftlichen Unternehmen beteiligten privaten Werke, um ihren befteundeten Gesellschaften die Lieferungen zuzutreiben. Die freie Wahl, wie sie ein reiner Regiebetrieb hat, wird unter allen Umständen beeinträchtigt. Selbst die Zusicherung, daß die Mehrheit der Aktten und des Aufsichtsrates in den Händen der Kommune bleibt, schützt nicht da« vor, daß die privaten Beteiligten den Haupteinfluß ausüben. So findet sich in einzelnen Verträgen der Passus, daß den privaten Be- teiligten das Vorschlagsrecht bei der Wahl der Leitung und der Beamten zusteht. Ein anderer Vertrag sieht vor, daß der privaten Firma das.Amt einer beratenden Ingenieurfirma" übertragen wird. In Reutlingen und Saarbrücken ist der A. E. G. gar da« Recht eingeräumt worden, die Direktoren zu benennen und den ganzen Betrieb ständig zu kontrollieren und samt- lichen Angestellten Anweisungen zu erteilen. Selbst wo die Ver- tragSsatznugen derartige Befugnisse nicht erteile», liegt doch die Ge« fahr nahe, daß die privaten Beteiligten sie tatsächlich ausüben, und die Gefahr wird uni so größer sein, je kleiner die Kommune ist. Gewiß besteht die Möglichkeit, einige Schäden von vornherein auszuschließen und andere Bestinimungeil in die Verträge zu bringen, die das geinischl-wirtschaftliche Unternehmen vorteilhafter erscheinen laffcii, als den reinen Privatbetrieb. So enthalten einige Satzungen zugunsten der Angestellteu Paragraphen, die sozialpolitisch wirksam werden können. Aber im allgemeinen wird ja gerade die Form deS gemischten Unternehmens von dem Regiebetrieb gewählt, um die kaufmännische Geschäftsführung gänzlich zu wahren und z. B. die Lohnpolittk der Kritik des Stadtparlaments zu entziehen. Wo eS sich also darum handelt, die Frage zu entscheiden: Regie- betrieb oder gemischt-wirtschafttiches Unternehmen?— da kann vom Standpunkte der Gemeiiiden und Konsumenten die Antwort nicht anders lauten als: für den reinen Kommunalbetrieb. Die Aentralkommisfton der Krankenkassen veranstalieie am Freitag eine Versammlung der Vorstände der Verwaltungsbeamten. durch die 80 Kranlenkossen oertreten waren. S i m a n o w s k i erstatlete den Jahresbericht der Zentraltommission. Das abgelaufene Geschäftsjahr brachte neben der sonstigen Tätigkeit der Kommission eine Fülle von Arbeit, die durch da« Inkrafttreten der neuen Reichsvcrsicherungsordnung bedingt war. Bei den neu gebildeten Krankenkassen herrschten zunächst eine Menge Unklarheiten, die inanche Unzuträglichkeiten für die Mitglieder brachten. Ganz besonders war das bei der OrtSkraiikenkaffe für Niederbarnim der Fall. In Berlin hat sich die Umwandlung in die neuen Verhältnisse im allgemeinen ohne Störung vollzogen.— Die Arbeiten der Zentral- kommission begannen mit Beratungen mit dem Oberversicherungs- amt, den Apothekern und Drogisten wegen der neuen Arzneitaxe. die zum Abschluß eines Vertrages mit den Apothekern Berlin« führten. Außerdem hat die Zentralkomniisfion auch mit den Apothekern der Vororte verhandelt und mit 31 derselben, die sich auf 17 Vororte verteilen, am 7. d. MlS. einen Vertrag abgeschlossen, der so ge- halten ist, daß ihm noch andere Apotheker beitreten können. Ferner sind Bereinbarungen ntit Badeanstalten. Bandagisten und Optikern getroffen. Der Vertrag mit dein Berliner Magistrat wegen deS Rettungswesens wird in den nächsten Tagen zu», Abschluß kommen. Mit dem Aerzteverein für das Rcttungswescn wird wegen Abschluß eines Vertrages verhandelt. Berhandliingeii mit dem Groß-Berliner Aerzteverein wegen Regelung des ärztlichen Sonntagsdienstes sind im Gange, doch wird sich die endgüllige Regelung dieser Angelegen- heit nur durch die einzelnen Kassen bewerkstelligen lassen. Außer- dem hatte sich die Zentralkommission mit einer Reihe von anderen Arbeiten, Beschwerden über Aerzte, Heilanstalten usw. zu beschäftigen. Der Zentralkommission find 107 Krankenkassen in Berlin und den Vororten angeschlossen. Die Versammlung hatte gegen die Tätigkeit der Zentralkommission nichts einzuwenden. lieber die Heilanstalt und das Röntgeninstitut der Zentralkommission belichtete Dr. K a i s e r l i n g: Die Anstalt besteht drei Jahre. Sie bewegt sich in bewährten Bahnen. Die mediko-mechanische und Hydro- therapeutische Abteilung ist in, Geschäftsjahre von 0046 Personen in Anspruch genommen worden. Die Erfolge der Behandlung sind die gleichen geblieben wie in den Vorjahren, obgleich die Anstalt ein ziemlich schwierige« Krankenmatcrial zu behandely hat. Die Zahl der Aerzte, welche sich mit der Anstalt befreunden und ihr Patienten senden, nimmt zu. Die Beziehungen zu den Palienteu sind bessere geworden. Die Röntgenabteilung hatte eine Frequenz von 1980 Personen. Geheimrat Professor Dr. Brieger bemerkte: Die Anstalt sei kürzlich in der Budaetkommission, als die Frage der Er- richtung eines Lehrstuhls für Hydrotherapie behandelt wurde, als eine Musteranstalt bezeichnet worden. Die Ansialt werde oft von auswärtigen Aerzten, Vertretern von städtischen Behörden und Ärankenkasjen in Augenschein genonunen und allgemein als vor- züglich anerkannt. Auch im Auslände, selbst über die Grenzen Europas hinaus, sei die Anstalt in den Kreisen der Interessenten bekannt und erfreue sich eines guten Rufes. Im Anschluß an die Berichte der Aerzte teilte Si manowski mit, daß die Ausgaben für das Röntgeninstitut die Einnahmen bedeutend übersteigen. Es wird sich deshalb eine kleine Erhöhung der Preise für Röntgenaufnahmen notwendig machen. Aber die erhöhten Preise werden immer noch wesentlich niedriger sein, als die Preise in anderen derartigen Anstalten. Nachdem auch dieser Teil des Berichts erledigt war, teilte S i ni a n o w s k i mit, daß die Zentralkommission beim Handel«- minister beantragt hat, er möge ihr die in ß 407 der Reichsversicherungsordnung angegebenen Befugnisse erteilen. Der Handelsminister hat das abgelehnt mit der Begründung, es müsse grundsätzlich daran fest- gehalten werden, daß sich die Krankenkaffen, wo es angängig ist, zu Verbänden, aber nickt zu Bereinigungen der gedachten Art zusammen- schließen. Die Krankenkassen Berlins könnten einen Verband bilden, dazu werde ihnen die Genehmigung erteilt werden. Die Zentralkommission steht auf den, Standpunkt, daß es nicht im Interesse der Krankenkassen liegt, einen Verband zu bilden, da ihnen die gegenwärtige Form des losen Zusammenhanges durck die Zentralkommission weit mehr Vorteile biete als ein Verband im Sinne der 406— 113. Sie empfiehlt deshalb die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes. Tie Versammlung beschloß einstimmig, daß die Krankenkasse» Berlins und der Vororte an ihrem Zusammenschluß duech die Zentralkomniission nach wie vor festhalten. Die Kommission hat eine Aendernng ihrer Satz e n vorgeschlagen, wodurch jedoch grundsätzliche Aenderungen deS bestehenden Zustande« nicht herbeigeführt werden. Der Entwurf wird von den Kassenvorständcn beraten und einer Versammlung am 22. Mai zur Beschlußfassung vorgelegt. Montag: Wo« ibr wollt. Mittivoch: Was� ihr wollt. Was ihr wollt. Sonnabend: Montag: Wochen-Spielplan öer berliner Theater. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. (Anfang 7 Uhr.) Montag: Nignon. Dienstag: Carmen. Mittwoch: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: OaraUsri» rustican;». Bajazzi. Freitag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Die Fledermaus. Sonntag: Der Rosenkavalicr. Montag: Margarete.(Ansang VI, Uhr.) Köuigl. Schauspielhaus Sonntag: Peer Ghnt.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Der Störenfried. Dienstag: Peer Gynt.(Ansang 7 Uhr.) Millwoch: Die Luitzows. Donnerstag: Die Venus mit dem Papagei. trcitag: Peer(tzvnt.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Wilheim Tell. onntag: Peer Gynt.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Die Journalisten. (Ansang 7>/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag und Dienstag: Der Kausmann von Venedig. Donnerstag: Romeo und Julia. Freitag: Viel Lärm um nichts. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Othello.(Ansang 7 Uhr.)(Ansang �l|t Uhr.) Kammerspiele. Sonnlag und Montag: Der Snob. Dienstag: Bürger Schippet. Mittwoch: Scheiterhausen. Donnerstag: Wetterleuchten. Freilag: Schetterhauscn. Sonnabend: Der Snob. Sonntag: Wetterleuchten. Montag: Der Snob.(Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Theatrr. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Professor Bernhards. Allabendlich: Pygmalion.(Ansang 8 Uhr) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich 8 Ubr: Wie ernst im Mai. Theater in der Königgrävcr Strasse. Mr. Wu. Trutschcs Künstler- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Biberpelz. Abends:«chneider Wibbci. Moiiiaa: Erziehung zur Lteoe. Dienstag. Mittwoch, Donnerstag: Schneider Wibbel. Freiiag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend, Sonntag, Montag: Schneider Wibbet. (Ansang 8 Ubr.) Koinödicnhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die füns Frankfurter. Allabendlich: Kammermufit.(Ansang 8 Uhr.) Theater an der Weidenbammbrüitc. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Der müde Theodor.(Ansang 8'/, Uhr.) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Figaros Hoch- zeit. Abends: Der Troubadour. Montag: Parsifal.(Ansang 7 Uhr) Dienstag: Die Meislersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: DaS Rheiiigold. Donnerstag: Die König,,, von Saba. Freitag: Das Rbeingold. Sonnabend: Parsisal.(Ansang 7 Uhr.) Smmtag: TaS Rbem- gold. Montag: Die Meuiersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.)(An- sang 8 Uhr.) Pnftspielbaus. Allabendlich 8 Uhr: Die spanische Fliege Theater des Westens. Allabendlich: Pulenblut.(Anfang 8 Uhr.) 8 U Allabendlich: Wenn der Frühling kommt.(Ansang Residenz-Theater. Allabendlich: Ein Walzer von Chopin.(Ansang 6'!, Uhr) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich 8 Uhr: Tie Notbrücke. Kleines Theater. Sormtag, Montag: Marys großes»erz. Diens- tag: Jettchen Gebert. Mittwoch. Donnerstag, Freitag: Marys großes Herz. Sonnabend: Jettchen Gebert. Sonntag, Montag: Marys großes Herz.(Ansang 8 Uhr.) Schiller.Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: G-schäst ist Geschäst. Heiligenwald. Montag:'Wann wir altern. Liebe. Lottchen« Allabendlich 3 Uhr: Der Abends: GckurtZtag. Dienstag: Jugendfreunde. Mittwoch: Die beiden Leonoren. Donnerstag: DaS große �icht> Freitag: Heiligenwald. Sonnabend: Das große Licht. Sonntag: Die Maschinenbauer. Montag: Ueber unsere Kraft. 1. Teil.(Anfang 8 Uhr.) Schiller< Theater �harlottenbu�g. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Rojenmontag. Abends: Ueber unsere Kraft. 1. Teil. Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Dienstag: Ueber unsere Kraft. I. Teil. Mittwoch: Weh' dem, der Itigt. Donnerstag: KIcin-Eva. Freitag: Ueber uniere ftrufl. 1. Teil. Sonnabend, Sonntag: Klein-Eva. Montag: Heiligenwald.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich S't, Uhr: Die Dollarprinzessin. Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Othello. Allabendlich: Ein seltsamer Fall. Sonnabend: Die grau vom Meere.(Zlnsang 8'/, Uhr.) RcueS valtstheater.(Reue Freie Vollsbuhnc.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frau WarrenS Gewerb«. Abends: Maria Friedhammer. Montag: SharleyS Tante. Dienstag: Di« Haubenlerche. Mittwoch: Maria Fried- bammer. Donnerstag. Freitag: Die Haubenlerche. Sonnabend: Frau Warrens Gewerbe. Sonntag: Maria Jriedhammer. Montag: Frau Warrens Gewerbe.(Anfang 3'/, Uhr.) Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Allabendlich 8'/« Uhr: Die Förster. Ehrtstl. Monti» Operette»< Theater. Sonntagnachmittag Z Uhr: Die Fledermaus. Allabendlich: Jung-England.('Ansang 8 Uhr.) Rose-Thearer. Sonntagnachmittag 3 Ukr: Die Tochter des Heim- gekehrten. Sonntagabend, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Frei- tag, Sonnabend, Sonntag: Die Kino-Könlgin. Montag; Philippine Welser. (Ansang 7'/� Uhr.)(Ansang 8 Uhr.) Thcarrr am Nollendorfplatt. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwell. Allabendlich 8 Uhr: Der Kuxbaron. Mctropol. sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Blitzmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 7.55 Uhr.) Apollo. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Otto Reutter.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Ubd.) Reichsballcn-Tbeatcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8. Sonntag« 7ft, Uhr.) Gebr. Herrnseld-Tbeater. Allabendlich: Ein Reinsall. Heut' ist übermorgen.(Anfang 8 Uhr.) Admiralspalas». Km Tangoklub.(Ansang 8's, Uhr.) Berliner Eispalast. Eisballelt: Amor aus Urlaub.(Ans. 3 Uhr.) Palast am Zoo. DaS Mirakel.(Täglich: 8 Uhr, Sonntag 8 Uhr.) Eines Nollendorf-Theater. Histoirs d'un Piorrot.(6'/, und 9 Uhr.) Urania-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mit dem.Imperator nach?!ew?>ork. Allabendlich: Zum Hochsirn der Kungsrau. Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich 5 Uhr: Kino-Varns. Kasino-Tbcater. Sonntagnachmittag 3ft, Uhr: TrudchenS Sommer« reise. Allabendlich: Wo die Liebe hinsällt.(Ansang 8 Uhr.) Folies Eapxice. Allabendlich: Ter Luftturner. Das Karmckel. Eidbeben.(Slnsang ä'U Uhr.) Zirkus Bnsch. Allabendlich: Das Mirakel.(Ansang 3 Uhr.) Marktpreise von Berlin am 8. Mai lLH. nach Ermittelungen des königl. PolizeidräsidiuniS. Mais(mixed), Natal 00,00— 00.00, Donau 0,00— 0,00. Mais(runder), gute Sorte 15,10— 15,30. Richtslroh 5,00. tzcu 7,-20— 8,20. Marlthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Speisebobnen. weiß- 35,00—80.00. Linsen 40.00—80.00. Kartoffeln(Kleinbdi.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Kenl« 0.00-0,00. Rindfleisch, Bauchfleisch 0,00-0.00. Schweinefleisch 0,00—0,00. Kalbfleisch 0.00—0,00. Hammelfleisch 0,00-0,00. Butter 2,40-3,00. 60 Stück Eier 3.00-4.80. 1 Kilogramm Kardien 1 ,20-2.20. Aale 1,60-3,20. Zander 1,00—3,40. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00—2,20. Schleie 1,40—3,20. Biete 0.80-1.60. 60 Stück Kredit 3,00—24.00. fon t6i er«tkla«slger Ausführung w 'BcrUncrenchtttt Ist<>esoh&f t. Sonntag, abends 8 Uhr: HvUlU«BTT«al«I. Montag, abends 8 Uhr: Wann wir altern. Hierauf: Liebe. Nachher: Lottchens Geburtstag. Schiller-Theater Charlotten- bürg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Roseiimontaf. Sonntag, abend« 8 Uhr: Ueber unsere Kraft(I. Teil). Montag, abend« 8 Uhr: Des Meeree und der Liebe Wellen� "Theater"am HollentloripiatzT 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. «Uhr: Der Juxbaron. DentscbTsUnstlertbeater Theater• Mosietät. Nürnberger StraBe 70/71, am Zee. Kaste: Nollendorf 1388. Sonntag 3 Uhr: Der Biberpelz. .«.- Zehneiller Vihdel Montag 8 Uhr: Erziehung znr Liebe. Theater io herllüvignsülierZlrahe Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Komödienhaus. 8 Uhr: „Kammermusik". Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Thsater an der Weidendammerbrttcke. Heute 3(kleine Preise) und 8'/. Uhr, Ende 10-/,:»er r mit Henry Bender als Gast. "Residenz-TheatärT Ansang 81/, Uhr. Sin Walzer von Chopin. Schwank in 3 Akten oon Henri Ksroul und Albert Borrs. Morgen und folgende Tage: ' vnlser von Chopin. URANIA Taubenetrafie 48/49. Sonntag-/j« Uhr: Mit dem„Imperator" nach New Verk. 8 Uhr: Zum Hoehflrn d. Jnngfran. Montag 8 Uhr: Zum Hoehflrn d. Jongfrau. ZOOLOS ischer Garten Tätlich ab 4 Uhr: Grolles Militär-Doppel-KoDzert Eintrittspreise: Zoo: . 50 Pi. Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. AQUARIUM 8 Uhr morgen, bi* 10 Uhr abends. Theater des Westens. s uhr- Polenblut. kMied-MdM Theater. Ansang 8-/, Uhr. Die Förster-Christ!. oH-itic/ttct Große Frankfurter Str. 132. Nachm. 3 Uhr(Halbe Preise) Zum letzten Mal«: Hfe Tochter des CiT Helmgekohrten. Abends 8 Uhr, zum ersten Male: I»fe Kino-Kttniein. Voigt- Theater Sonnla 'I, Bahstraste 5S . 10. Mai 1914, nai c stolze Heinrich. Abend, 7 Uhr: nachm. 3 Uhr: Prinz und Bettlerin SensationSlomödie in 6 Bildern. Kassencröffn. 10 Uhr, Ans. 3 u. 7 Uhr. TMti-fVIlllllllli. L-ebend! Die letzten veiblichen Azteken! Der unfesselbare Rappo, der KBnig der Autbrecher. Agn, die schwebende iungfrnu. Buddhas Gsietertafel. Allee ohne Extra-Entree! Eintr. SO Pf. Kind. n. Sold. 25 Pf. Zirkus Busch Gastspiel des Deutschen Theaters Direktion: Max Reinharelf. Das Mirakel Antanu 8 I hr. Vorverkanf an der Kasso des Deutschen Theaters, Zirkus Bosch und A. Wertheini.— Preise der Plätze von 1— 10 M. Kochkunstausstellung „Die Kilebe im Maiu Henfe:"VQ Konditorei, Gelees, Torten und Kuchen. TSglich 10—8 Uhr. Einlritt 1 Mark.;. Konzert i— 8 ülir. Clou t=rT- m L una Park Täglich großes Doppel-Konzert. = Neue Attraktionen.= Wirtschaftsbetrieb: Bernhard Hoff mann. Ea4ree 50 Pf. Mctropol-Theater. "fSr Ein Blilimädel. Abends 7 Uhr öö präzis«: llia kaisa um diu trda tu 41) Tegau. Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. Herr D'rektor Kubüeke Burleske oon Meysel. Ansang heute 71/, Uhr. Trianon-Theater. Erste Variete-Ausstellung Ausstellungshallen am Zoo Geöffnet 11 Uhr vorm. bis 11 Uhr abends FX/Zk r ERSTE VARIETE AUSSTELLUNG v<< BERLIN 9-24 MAI 1914. e AUS5T Li C 5 MALLE I\ � Eintritt M. l.- ohne Sonder- Entree Täglich ununterbrochene Vorstellungen auf 5 Bühnen von 3 Uhr nachm. bis 1 1 Uhr abds. Brauerei Friedrichshain. Ssnnftbend, d.n 16. Mai 1914, abend. I Uhr: III. Sinfonie-Konzert. Ausführende; Blüthner-Orchester, vir. Erich Ochs, und der Berliner I-lederkrans. 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Großer Ball. Elysium«-»> Landsberger Allee 40/41. Heute sowie täglich: VOR'StSUniIK, I�0i»«0A't,»all.. Ansang 3 Uhr. Sntree 10 Pf. Avis I«onnabmde für Bereine frei. Aue de» Inhal« der Jnierate äderaimmt die Redaftio» dem Pudlitum gegenüber keinerlei Berantwortnug. Nr. 126. 31. Iahrgallg. 5. KeAßk des„ilotraiitts" Sttlintt llnHislilstt. Sunntttg, 10. Mai 1911. Eingegangene Druckschriften. _ Tie ruchlose(slaudia nebst Tante Anrelie und andere Geschichten. �on M. Gx.id M.— Tie«»vermählten. Novellen. Von H. Greinj. 3 M.— E. Fleische! u. Co., Soli», Sinfstr. 16. .Mit«ursbuch und Zcheckbuch. WaMnbetrachtungen. Von H. '"m«ursvury uno �njcawiu,,.—----------, �. Kahlenberg. 2 M., geb. 3 M.— Rolf Tanner. Erzählung. Von *■ Blümcl. 2�0 Ä., geb. 3,50 M.— Deutsche ctuttgarL Radelkunst. Hejt 1. Zeitschrist für Hairdarbeiten. 08 Gertrudc flauer. 20 Pf.— Verlag: Berlin W 30. Herausgegeben Ge- —•w.i-iLuoe. atatrci. zv Pj.— �oeuag:-scum» � .. Ter Schwindel mit.Hoflieserantcu-, Kommerztenrats-, "nwrats.Titcln. Von Dr. R. Bicrmann. S2 S.— G. Kra-ke. Kallers- �ben(Hann.)._ Helmolts Weltgeschichte. Band 3. Herausgegeben von A. Tille. 12,50 M.— Bibliographisches Lnstitut, Leipzigs Jahresbericht des ZeutralvorstandcS deS Verbandes der Lederarbeiter und-Arbeiterinnen Teutschlands 1S13. Ladenpreis 1,25 M. H. Mahler, Berlin, Mustauer Str. 30. Deutsche Arbeitslöhne. Von Cr. Drahn.(Kultur u. Fortschritt 510.) 25 Ps. F. Dietrich. Kautsch bei Leipzig. Jmpsung und Jmptgeieh. Cm Mahnruf von A. Grobe-Wutischky. 1,50 M. K. Brandler-Pracht, Charlottenburg. Schlogstr. 21. TaS grösiere Teutschland. Nr. 3. Wochenschrist sür Deutsche Welt und Kolonialpolilik. Herausgeber P. Ziohrbach und ö. Jäckh. 30 Ps. Gordon-Verlag, Dresden. Das geschlechtliche Problem in der JuIenderziehung. Von C. Peters. 1,20 M. Krast und Zchönhcit, Berlin-Tteglitz. Palmström. Von Ch. Morgenstern. 73 2.— B. Cassirer, Berlin. I. ivl. Dostojewski. Priese. 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Referentinnen Genossinnen Akttrll»» Ideilllimlllg und Emma DÖltZ. Diskussion, gl 3/ 10*_ Der Einberufer: P. Hoffmann, Königsberger Straße 28. Sechstel' AsWrek. Dienstag, den I.Ä. Mai, abends KV-z Uhr: Heise»», polilisehe Versammlung m den„Germania-Sälen", Chanffeestr. 110. Tagesordnung: 1.„MUitarismus und Arbeiterklasse". 2. Diskussion. Referentin: Genossin Rosa Luxemburg. Arbeiter und Arbeiterinnen! Erscheint in Massen. Der Einberufer. Friedrich Stäffler, Pankstr. 65. 227,13* m VemaltnllgssteKt Kerlin. N 54, linienör. 83—85. Telephon: Amt Norden 18», 1239. 1987, 9714. Montag, den 11. Mai 1014: IlkÄrKs- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Namilan* Pharusiiftlo. Müllerftr. 14«. abend« 8»,, nUrUCll. Vortrag de« Genossen n. Nl'eltsvlielck. Uhr. Nnwian* BUltner« Pentitttle. Zchwcdter Strohe«3, oben HUI Ucll. 8'/, Uhr.—«ortrag de« Kollege» W. Slerlng. l|nr>Han• Ballachmledet'« Festattle, Vadftr. 16. oben nUlUCU. 8'/, Uhr. 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Kiirianha'rirlra• ßewrepkachaftohana, lSngelnftirlSfSaal»), wllUCllUCIiirKC. abends 8>,, Uhr.— Bortrag dt» Genossen FpH«4n lVonmann über»Die Raschine im Wirlschajtt- leben". NanlrRlln• Bartach« FoatnNIc. Hermaanstr. 48/49. abends nCUEUllU. 8'/, Uhr. Vortrag de» Genossen �llhcln» PNtacl. 3lö�l!ll I iSchcllhaaoa FcataNlc, AHornstr. 15a, abd». 8'/, Uhr. �öpeoiell u. WeWcliZlisijeiK Ärn,nt rVÄ": Hägen. Sriedrlchftr. 74. abend« 8-,. Uhr.- Bortrag des Genossen Varno«':»Die Geschichte der Koalition»- Verfolgungen*. OdemdöiiewellZe, NiedeFschöneweide, Johannis- fh«l n llmn• Restaurant«eorge, Oderschoueweidc. Iflai U- Uuly..«Zilhelminenhofftr. 44a, abends 8'/, Uhr. Vortrag de» Kollegen Frlta Carl. � t.. SpandUl**e"taaran*; Spandau. Kurstr. ,.1, abends Tagesordnung in alle« Versammlungen: Bericht von der austerordentlichen General* Versammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünktliche» und zahlreiche» Srschemen wird erwartet. Dienstag, de« IS. Mai 1S14, abends«'/, Uhr: Versammlung der i« den Bnchstabenbetrieben beschäftigten Klempner in de«„Andreas-Festsälem*, Andreasstrahe St. Sie Tagesordnung wird in der Versammlung brkanutgegeben. _ Aahir eiche» Erscheinen erwartet � � Ma � Die Ortorerwaltwns. Kaulsdorff Stadtb.- u.V.rertyk, 20- Pf.-Tour ii neu arschloaaan u 2bli25 Minuten Tom B»hnh, Q-R. von M. 12.— an Auekaoftet. bei W, Lehminn, Llohtenberg, Leopoldtlrasse 2. Sonntmjf s auf dnm Gelinde. NieschalKe D Nitscbe, Berlin SO, Neue Ksnlgetr. 1« Fernspr Kg-it. 687(1. IllllltllgS- Krankenkasse der Schuhmacher-Innung zu Berlin. Bekanntmachung. Bei der dm 23. April 1914 statt« gesimdenen Wahl der Arbeitgeber zum Vorstand wurden 15 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen aus Liste I 4 und aus Liste II 11 Stimmen. Es sind somit gewählt: von Liste I als ordentliches Vorstandsmitglied Herr' Jakob Ege. Roßstratze 31 als Ersatzmänner die Herren: l. B. Fuchs, Bcllermannslratze 15 2. O. Hctdmann, Brunnenstrahe 17. Von Liste II als ordentliche Vor- standsmitglieder die Herren: 1. W. Rttzmmin, Brandenburgftr. 42 2. E. Elkerlein, Alt-Moabit 133 als Ersatzmänner die Herren: 1. F. W. Schmidt, Französischeftr. 59 2. R. Hohmann, Biumensirahe 99 3. Hellenbrechl, Kaiserstrasi« 13 4. F. Öfter, Calvinstratze 1 Eiiiwräche gegen die Gültigkeit der Wahl sind bis zum 30. Mai 1914 beim Kassenvorstande oder dem Verstcherungsamte einzureichen. Von den Versicherten gelten als ordentlich« Vorstandsmitglieder die Herren: 273/14 1. Chr. Burger, Birkenstraße 11 2. R. Schenk, Kommandantenflr. 35 3. K. vlaffcrt, Stallschreibcrstr. 47 4. H. Hoizgräse, Stallschreiberslr. 82 5. K. Dally, Engeluscr 14/15, v. part. 6. K. Angelrott, Beusselstraße 84 AlS Ersatzmänner die Herren: 1. G. Walter, Elsasser Str. 25a. 2. Joh. Hörz, Schissbauerdamm 13, Hos II. 3. Fr. Zunk, Lichtenberg, Junkstr. 31. 4. Fr. Schommger, Berlin, Bohen- straßc 45. 5. H. Straube, Lichtenberg, Grün- dcrgerstrahe 4. ß. A. Beier, Pankow, Görschenstr. 13. 7. W.Werner, Berlin, ElsasserStr. 47, bei Therliien. 8. Fr. Gehle. Berlin, Elsasser Str. 47, bei Therlilen. 9. Otto Vollmann, TreSkowstr. 51. 10. H. Hams,Luisenstr.65. beiGobrilli. Ii. Thomalcheid, Marienstr. v. 12. A. Ledabo, Oranienstr. 159. Berlin, den 10. Mai 1914. Der Torstand. Jakob Ege. R. Schenk, Barsitzender. Schriftführer. Kartoffel-Flocken sind gedämpfte, getrockn. Rohkartosteln, beste» Futter für Geflügel, Klein- u. Großvieh, von'/, Zir. ab Franlsurt a. O. gegen Nachnahme liefern billigst. FvrftckAlexander.Ztzranrfurta. O" ! Aclit nn g I Maurer, Ammerer und SauhUfsarbeiter Wir weisen ausdrücklich daraus hin, daß am Montag, den 11. Mai d. I., abends tt'/s Uhr, in de« „Kammersälen", Teltower Stt. 1, üie Ersatzwahlen zum Gesellenausschuß und die Neuwahlen zum Innungs-Schieüsgericht der berliner Innung: Sund der Hau Maurer- uns Fimmermeister stattfinden. Wäblen zum GesellenauSschuh kann�jeder Maurer und Zimmerer im Alter von 2l Jahren, zum JnnungS-TchtedSgericht jeder Geselle und Arbeiter im Aller von 25 Jahre», der zurzeit bei einem Mitglied der Innung beschäsligt ist. AI» Wahllegiiimation dient estic vom Meister ausgestellte Bescheinigung über die Beschäftigung bei demselben, wozu die Mitglieder der Innung von dieser selbst Formular« geliefert bekoirmen. Lasse sich daher jeder eine der- artige Bescheinigung ausstellen, und versäume niemand die Wahl. Für Miiglieder der Ortslrankenkasse genügt da» mit dem Firmenstempel abgestempelte Ort« kranken lassen buch. Da von den Berliner Bausirmcn rund SSO Mitglieder der Innung sind, darunter die größten Geschäfte, und bei Streitigkeilen au» dein Arbeit«- verbäitni» in solchen Fällen nicht da« Gewerbegericht, sondern da» Innung»« SchiedSaericht zuständig ist. ist eS besonder» auch Pflicht der P u t> e r. sich an der Wahl zu beleitigen. 254/8* Die Verstände der verbände der Bauarbeiter und-limmerer. Zaeigvereln Berlin. Sektion der Putzer. DienStag, den 12. Mai, abrudS 8 Uhr, im Gewerkschaftshause sSaal I) Engelufer IS: Versammlung. 1. Die Zustände in unserem Beruf. Vollzähliges Erscheine» erwartet Tagesordnung fe 2. verschiedene«. Dl« Sektlonaleltiuic, »»ws! Gruppe der Patzerträger. Mvrgen Sonntag, den 10. Mai. vormittag« 11 Uhr, im Saal 11 des Gcwerkschaftshauses, Engelufer IS: Gruppen Nersammwng. Vollzählige» Erscheinen erwartet D«r Voratand. ZentralverbanddcrHausangestellten :(Ortagrnppe Berlin)., Sonntag, den 10. Mai, abends?>/-, Uhr, bei Wilkc, Sebastianstr. 39: Vettentlivke Versammlung. Vortrag des Herrn Davldaohn Über:»Die Koftgcldfrage*. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisainmenset» und Tanz. Gäste willkommen. 48/9 Dl« Qrtaleltling-. m u w«»,! üerbandstagswal)!! Tonntag. den 10. Mai, finden die Wahlen der Delegierten zum IL. Verbandstag(Stuttgart) in untenstehenden Lokale» statt. Gewählt wird von 10—1 Uhr vormittags. Mitgliedsbuch oder Karte ist mitzubringen. Mit mehr als 8 Beitragsresten darf niemand wählen. 56ii9* Die OrtSverwaltung. Wahllokale: Bezirk Norden: 1. Döhling, Brunnenftr. 79 2. Hossmann, Pasewaller Str. 3 Bezirk Schönhauser Borstadt: 3. Glicsche, Kopenhagener Str. 7t Bezirk Rord-West: 4. Bürgcrsäle, Beusselftr. 9 5. Schröder, Stromstr. 36 Bezirk Osten: 6. Rott. Straßmaynstr. 29 7. Schmidt, Gubener Str. 13 Bezirk Süd-Oft und Süden: 8. Schulze, Förster Str. 1? 9. Weiße. Wassertorstr. 67. 10. Kleinle, Arndistr. 33. Bezirk Lichtenberg: II. Ritter, Lichtenberg, Schillerstr. 26 12. Werner, Wilhelmstr. 86 Bezirk Oberschöneweide: 13. Rade, WUHelminenhosstr. 43 Bezirk Johannisthal: 14. Gobin, Roonstr. 2 Bezirk Neukölln: 15. Weigcit, Sieimnetzstr. 93 Bezirk Gharlottenbnrg: 16. Volkshaus, Rosinenstr. 3 Bezirk Weistensee: 17. Peukert, Berliner Allee, Ecke Streuftraße Bezirk Tegel: 18. Sorrer, Schlieperstr. 80 19. Schulze, Borsigwalde, Schubari- straße 39 20. Schweizerhau«, Waidmannilust, Dianastraße «ezirk Reinickendorf: 21. Lüning, Scharnweberstr. 37 Bezirk Spanda«: 22. Daerz, Kurstr. 2t 23. Wind, Pichelsdorfer Str. 5 24. Gnädig, Staaken, Berliner Str.41 Bezirk Köpenick: 25. Riet, Grünauer Str. 7 26. Schröder. Friedrichshagen, See« straße 103 Bezirk AdlerShof: 27. Tempel, Kronprinzenstr. 46 28. Dürre, ZIlt-Glientckc, Köpenicker straße 6 Bezirk Schöneberg: 29. Haendel, Borbergstr. 9 Bezirk Niederlehme: 30. Koch, Niederlehmc, Jägersruh 31. Knorr, Zernsdorf Bezirk Teltow: 32. Bonow, Berliner Str. lS Bezirk Blankenfelde: 33. Staad, Blanlenselde Bezirk Erkner: 34. Degebrodt's GcsellschastShau« Nra«erei-.Vba«dwerker von Berlin und Umgegend. DienStag, den 12. Mai, abends 8'/, Uhr, im««BreFk�elRatt»- haus, Engelufer 15, Saal IV: Versammlung iämti. Handwerker allerßrauereien _ Tagesordnung: BAT Der neue Tarif. DM- Da» vollzählige Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt erforderlich. Soweit die Organisationen die Tarife»och nicht ausgegrben haben, erfolgt die Ansgabe derselben in dieser Versammlung gegen Borzrignng des Mitgliedsbuches. MM* Die Verlrauensleute bitten wir um Verbreitung dieser Einladung. 117/20 Dir Dr�anlnatlnnrn. tIMs irtltrlin Verwaltung: Berlin. Staitcheti-Versammltmgen! Kisten- und Koffermacher. Montag, de« 11. Mai, abends 8 Uhr. in den NndreaS-Festfälen, SlndreaSstr. 21. Tagesordnung: Unsere augenblickliche Lage. Zahlreichen Besuch erwartet Di« Kounttissio». Bautischler. Montag, den 11. Mai. abends 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen betreff« de« Nachtrage« zum Taril. 2. Verbandsangelcgenheiten. 3. Diskussion. 4. Wahl de« Branchenleiter». Da In dieser Versammlung der Nachtrag zum Tarif herausgegeben wird, ist es Pflicht, daß sämtliche Kollegen bestimmt erscheinen. Einsetzer. Donnerstag, de» 14. Mai, abend» 8 Uhr: Verssmmhmgon in folgenden Lokalen: 87/11 I. Bezirk bei Brinkmann, Andreasstr. 26. 2.,, ülieache. Kopciihagener Str. 74. 3.„ I.nunch. Bredow- Ecke Wiclesstraße, 4..,, Uehenk, Neukölln. Rosenstraße. 5.»» Wiemera, Bülowslr. 57. 6.„„ nix. Skalitzer Sir. 59«. 7... Vnnaek, Charlotienburg, Wielandstratze 4. 8.», Fllrlt'h, Malplaquetstraßc 33. Tagesordnung: Bericht der BezirkSleiter.— Bericht von der Generalversammlung. Verbands- und BranchciiangelcgenHciten. Verein der kreidenVei liir keuerbeslsttung Gegr. 1905. Sitz Berlin Montag, den 11. Mai, abends 8'/, Uhr, ——— m"tu»-Sophlenattlon", Sophienftr. 17/181 Außerordentliche Protest-Versatmnluni gegen dw letzten Beschlnffe des Vorstandes und dere! unhaltbare Durchführung. Einmütiges Erscheinen— besonders der noch nicht bezugsberechtigte! Mitglieder— dringend erforderlich. — Mitgliedsbuch legitimiert.•" 3»/7 Die«inbernfcr. I. A. Krampe,«assertockta«. Berlins grösstes Kredittinus ALLE TAGE ANDERS direkt am Nettelbeckplatz— Bahnhof Wedding AUF KREDIT Herren-GorMe• Damen-GoriMe Klnder-GorderoDe für Knaben II. Mädchen Wöchentliche Teilzahlung nur 1.— Mark Sport- und Kinderwagen Kolossale Auswahl!— Preise so billig wie nur möglich! Gratiszuß'abe a Hcrren: eleganter Hut oder moderner Stock. wi■ Qamen! elegante Lederwaren usw. usw. usw. Bit mm Pflngstfeste Verebfolgung der doppelten Anzahl Sparmarktn der Rabett-Gewalirunge-Genonenaehilt oder lu Prozent Rabatt in bar pro Mark tOr Anzahlung. Einziges Waren- Abzahlungs- Geschäft, das zur Verabfolgung der Sparmarken der Rabatt- Gewährungs-Genossenschaft berechtigt ist. Waren- und Möbel-Kredit-Haus ALLE TAGE ANDERS Grösstes Haus am Netteibeckplatz Pank-, Gericht- und Reinickendorfer Str.- Ecke. Parterre, I, II., III., IV. Etage. Gold «nt CV'�;• ••■tt I. Ciöcurcttea V__/ ■■■■■; i'.4 a'- Kvcvs autc SttevySFBterK 4. Preustlfch Süddeutsche (230. Köuigl. Preust.) Klalse» lotterte 5. Slaffe 2. ZiehungStag 9. Mal 191» Bormittag Auf leb» gei«nene Nummer find zwei fllrid, hobt (ßeuiinnc ncfoUen, und»wur je einer auf die Zinse gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I n. II. Nur die Gewinne scher 249 M. stnd m Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr A. Ei.-A. f. Z.)(Nachdruck verbaten) 219 391 521 34(3000) 614 37 76(500) 99 794 960 79 1071(1000) 219 392 460 615(30001 613 64 81 723 SIS 74 2057 86S2(1000) 346 436(1000) 636 33 838 3230 321 27 643 760 884 4009 4« 318 631 81 853 636»025 98 341 69 81 432 40 671(600) 697 • 139 56 437 662 88 815 42(1000) OOS 67(1000) 7053 1 68 (1000) 87 208 460 519 747 60 72 822 984 92«474 84 688 840 916»160 258 745 843 930 34 10028 96 230 360 419 626 867«281 306 405 44 93 603 760 79 870 34 97 938(6000) 91 34 1 2140 341 71(600) 631 844 936 86 1 3067 118 324 543 73 760 77 90(500) 856 73 1 4040 36 414 646 670 768 1 5031 339 84 431 829 960 67 1 5067 93 156 668 88 708 867 83(1000) 96 1 7003 46 60 69 80 132 87 631 60 644 727 1 5388 682 84 797 362 976 1 8033(600) 227 860 623 646 702 59 614■38 933 73 90 »0229(1000) 39 4 6 67(1000) 62(1000) 386 91 764 836 21133 405 68 22140 49 53 318 354 56 556 882 938 2 3001 (1000) 49 94 310 76 469 674 837 77 94(1000) 944 24102 61 235 696 731 846 988 92 2 5049 261 324 97 4 01 2 666 723 26 884 2 6340 683 2 7 049 175 290 767 978 83(3000) 2 8455 (600) 677(500) 747 688 2 9026 90 276(600) 355 693 670 770 (10001 607 94 912 19 3O040 179 396 410 67 396 629 98 729 817 40 931 49 72 SI13U 278(1000) 97 423 544 86 95 637 96 703 912 66 3 2035 166 79 212 324 29 70 507 61 794 839 3 3194 294 329 609 69 69 681 835 99 991 3 4007(600) 19 432 779 3 5267(3000) 77 666 642 3 6 010 14 120 332(600) 87 982» 7006 10 159 60(1000) SO 218 86 327 978(600) 33199 228(1000) 62 76 3 9326 42 96 415 609 849 54(600) 72 926. 27 40131 88 456 66 656 798 841 86(600) 41010 15 36 568 751 863(1000) 968 4 2326 38 423 36 512(500) 35 620 48 740 846 900 43155 70 263 423 92 605 93 96 964 85 4 4771(600) 900 40 4 5 097 253 429(5000) 81 661 63 615 48 736(1000) 40529 30 617 46 760 862 966 4 7299 428 518 67 762 821(600) 48030 136 67 226 362 618 808(1000) 76 80 013 94 4 9061 160 70 277 376 595 626 784 860 923 30 »0040 145(1000) 216 86 694 815 78 51194 272 97(500) 422 799(3000) 335 924 6 7 6 2094 180 351 67 58 481 641 65 731 43 8 3034 174 219 25 70 69 360 412 69 6 68 83 730 6 4270 302 67 558(600) 652 711 39 927 54(3000) 5 5023 156 291 419 26 836 38(1000) 64 98 900 25 63 6 6151 93 232 86 723 51 924(1000) 74 5 7 032(3000) 110 230 66 344 463(3000) 643(1000) 765 828 83(3000) 89 984 5 6061 135 631(3000) 47 656 6 9043(600) 434(600) 742 840 8 0367 403 68 640 67 772 878 81200 17 67 02 333 686 721 8 2060 74 339 606 648 63164 462 697(1000) 64020 33 79 167(600) 342(3000) 513 25 31 694 773 8 5166 333 434 63 688 (500) 767 390(58262 303(500) 443 698 695(1000) 712 821 44 93 919(3000; 78 6 7117 47 266 322 79(600) 603 891 88065 229 47 94 413(500) 20(500) 523 33(3000) 64 78, 69033 40 (1000) 62(600) 103 4S 98(500) 377 436 841 929 __ 7 0093 99(30001 474 71272 367 98 439 636 90 876 7 2078 92 103 43 66 93 220 64 360 438 683 782 913 7 3181 (500) 345 73 516 650(1000) 77 760 961 74038 108(10(10) 60 202 78 94 579 89 7u3(1000) 827 923 61 90 7 6022 24 30 160 438(600) 77 808 43 66 627 74 719(300) 57 646 78486 640 91«ß 92 780 894 908(3000) 82 7 7118 207 310(3000) 53 607,'BOS) 52 76 568 672 757 62 7 9480 644 47(509) 773 I 373 dda--- .. 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Z.)(Nachdruck verboten) 443 708 939 1170(3000) 339 44 484 89 637 757 894(500) 907 2326 66 408 86 608 77(30001 813 19 98 920 66 3336 414 625 36 777 87 628 80 4069 113 266 73 369 76(SOO) 459 668 (500) 674 771 962 60»033 103 2S9 413(3000) 28 734 93(600) 871»083 396 818 19 34 69 748 61 826 997 7003 62 209 408 644 668 76(600) 783(1000) 9ÜS 11 3156 66(500) 330 44 430 (1000) 880 700 67 880 924 8132 41(1000) 351 445 60 000 711 13(3000) 972 99 1©004 20 114 213 63(600) 325 605 74 06 773 80(600) 81 810(30 ODO) 36« 021 80 86 123 57 88 99(500) 372 591 691 802 8(500) 43 958 1 2099 102 97 627 62 804(500) 979(600) 18022 30 166 488 622 718 49 967(3000) 14012 I5C0) 20(500) 35 338 491 606 604 761 69 809 45 908 9$ 13009 177(3000) 224 59 391 436(1000) 569 762(600) 605 16273 390 4M 713 16 84 983 1 7696 741«144 344 762 802 696 43 1 9137 66(6001 32« 45 TO 99 628 76 762(600) 61 864 7 2C 1000) 922 67 96 20007 122 81 233 436 97 714(500) 22 Sil 93, 21223 42 806 679(1000) 72« 813 21 997 2 2104 207 326 432 667 903 67 23065 116 412 14(3000) 92 673 711 805 32 2 4222 353(1000) 83 49« 624 79 839 2 5066 121 246 71 632 652 795 977 2 6177 204 364 419 22 626(500) 667 69 798 872 996 2 7 019 81 481 707 11 90 2 8015 76(1000) 106(500)67 76 305 44(SM) 72 510 39 620(1000) 29346 429 528 688 734 61 92 930(1000) 2 0097 216 322 612 657(500) 921 55 75(3000) 31003 23 101 68 93(600) 608 603 780(500) 801 6 13 63»2040 63 199 664 649 837(1000) 916 80 3 8002 34 186 504 16 634 783 869 099 3 4031 131 64 97 293(3000) 663 838 81 957 84 3 6100 18 69(1000) 213 61 396 424 628 654 68 713 819(500) 71(3000) »9088 99 149 75 94 268 431 95 546 634(600) 86 702 91 814 20 96(600) 3 7 039 293 480 617 688» 8014 45 88 179 379 681 711 23 607 934 93(600) 39012 127 610 16 22 24 84 718(1000) 34 93(600) 811 43 69 40062 184 317 490 606(600) 727 42(600) 75 837 4I0O4 34 101 88 97 266 372(600) 607 690 42196 236 531 769 48186 356 416 664 874 950 4 4029 160 293 335 437 47 69 83 673 702 97 821 S7(1000) 4 8 030 42 77 91 144 824 978(600) 4 6288 618(1000) 813(600) 66 4 7062 165 221 311(600) 61 439 STB 881 361 67(3000) 420 96 674 723 834 48142 (1000) 74(1000) 230 744 62' 874 3 0219 82 98 318(600) 410 656(1000) 98 888 902 21 66 81065 236(6001 863 624 91 631 714 34 993 41(1000) 228003 37 83(1000) W�ll�g�W�UA 8£! 737 931 37 2 2 9 046 67 70 339 445 63 607 760 847(600)® 230096 171 202 23(3000) 342 411 43 73 95 521«21 OK 88 908 231228 78 837 444 640 963 232192 209(3900 1 TS VM 666 73 614 609 33 46(1000) 60 82 233595 663 94® jrg 301 907 60 62341 772 63108 66 94 343 »4085 118 688 724 6 5 035 44 218 462 90 64« 671(500) 708(500) 891 013»8330 66(1000) 466 685 92 626 817 78 87363 Kl 642 838 960 8 3062 130 606 817 38 8 0366 60 81 476 669 83 814 96 912 96 ■0842 70 722 966 81103 529(SOO) 66 TO 923 82117 271 343 412 729 833 84 97 68062(500) 133 274 364 488 505 7 (1000) 12 723 813 966 8 4228 616 93 741(600) 811 69 6 5107 264 393(500) 429 777 921(500) 68087 269(1000) 416 42 45 43 66 93 502 3 632 720 83(1000) 870 922 32 6 7073 272 325 401 45(1000) 572(3000) 742 90 803 905 6 8145 663 873 76 923 88191 323 64 87 641 96 646 62(3090) 813 49 9j 973(500) 78339 56 643 333 71011 12 63 81 244 96 348 88(!■:«)) 413 606 77 939 7 2037(800) 72 427 716 43 66<600) 73123 200 324 30 682 818(3000) 40 7 4099 123 200 18 66 670 670 760 986 7 6126 299 396 655 776 878 927 7 8160 686 693 743 (500) 98 899 7 7 019 39 104 14 19 299 513(3000) 59 656 789 623 7 8029 246 352 64 71 426 62 603 7 8152 83 222 27 427 (500) 67 602 8S3 87 747 800 906 88050 14« 287 332 93 614 32 Ml 21 60 925 81096 471 «73 649 7« 82545 63(600) 545 850 93 977«»260 343 47 688 829 62 784 8 4000 259(500) 379 493 690 689 739 866 929 85142 751 822 984(SOO) 88013 36 304 6 16 411 78 647(600) 906 8 7123 62 216 42 327 64 66 676 621 770 826 8 8239 379 435(500; 65 589 761 860 66 94 89056 542 674 96 737(500) 871(500) 989 88053 180 219 800 78 978 81082 100(500) 74 479 503 42 6S(i4X)) 704 46 79 82(1000) 69 9 2035 61 67 348 674 716 898 83129 353 91 371<500, 423 546 649(1000) 962 84143 56 243 362 548 717 938 68»5239 365 406 69 691 843 82 74« 80 88258 326 1500) 42 68 86 697 633 978(1000) 9 7 387 404 722 88008(1000) 32 100(600) 364 551 71 863 98376 463 736 (3000) 65 951 73 188161 85 334 687 648 747 938 88 IBI0I5 88 185 236 77 493 568 660 962 1 8 2022 39 200 98 333 602(500) 103153 625 654 93 746 838 93 104063 107(18 0 00) 304 14 99 425 TO 689 662 816 922 15 7g 10 5019 84 151 238 800 31 627'604 (1000) 9 18(500, 48 826 933 188004 220 420 35 76(500) 515 664 825(1000) 913 187059 225 60 354 546( 500) 64*679 841 108113 261 443 668 91 909 11000) 55 188111 294 297 434 69 73 757 815 LI «0009 221>500, 601 904«1156 227 62 689 643 89(3000) 7» 79 950 62«2015 60 50 332 60 76 444 778« 3205(600) 300 618 47 79 786(5000) 813 39 963«4036 61 88 138 81 97 (U00) 352 67 78 546 612 746«40 74 897 115 29(500) 90 172 219 395 46 5 557 817 24 681«8052 I« 2»)«0«7«4? 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Im StnHnrraM terMtibm; 2 primim>u 300 000 BL, 3 0«. ninue zu 600000 St. 2 zu 200000 M.. 2 zu 160000 M 2 ftH 100000 St.. 2 zu 76000 SS., 2 60000 fe, 4«TeOMO gS" 4 I« 40 000 M.. 22 zu 30 000«., 38 zu 16000 PI. 92ai 10 000«, 238 zu 6000«, 2906»1 3000«., 6936|b 1000 St, 8014 zu 6® M. vcremtwortlichcr NeöeNeur: Nfred Wiklepp. Neukölln. Für itn Cnfetatrnteil verantw.: TH.Gl-ck». Berlin. Druck itBerl�MwärtAJuchdruckerei u. verlägsmMt Paul'Singer�e Co!. Eewttkschaften radikale Stimmungen und radikale Töne austauchen. Ran sollte sich auch nicht wundern darüber, daß die schlichten Glieder der großen Bewegung unter Umständen bei Erregung im Einzelfall Exzesse begeben, die die Führer nicht billigen. Ich glaube, vaß die Behörden, die diese Koalitionen in ihrer Wirksamkeit be- eimrauttgen, sowohl gegen das Interesse von Staat wie gegen daS ijntcressc von Industrie handelt. Ein Staat, der eine organisiert gegliederte Bürgerschaft und keinen atomisierten Haufen von Steuerzahlern haben will, ein Gewerbe, das eine disziplinierte Arbeiterschaft haben will, sollten eigentlich an starken Verbänden mteressiert sein. Aber es scheint, als daß man sich nicht dazu ent- imlictzen könnte, diesen starken Verbänden eine feste Grundlage zu geben. Die Gesetzgebung muß ein Arbeitsrecht schaffen und dazu gehören auch Bestimmungen über das Koalitionsrecht, das ohne äwang nicht möglich ist und der bei den Gewerkschaften ein Kinder- lpiel ist gegenüber dem Zwang, den die Unternehmer ausüben. Die Gtrafbestimmungen im§ 153 dürfen nicht aufrecht erhalten werden. �-ann mutz für die Koalitionen selbst mehr Freiheit geschaffen werden. Heute ist kein Arbeitgeber durch das Gesetz verhindert, organisierte Angestellte zu entlassen oder gar nicht erst einzustellen. Hierzu gehört aber nicht die Nichteinstellung von Mitgliedern des oeutsch-natillnalen Handlungsgehilfenvcrbandes durch jüdische tzlrmen. Diese Richteinstellung wird erklärt durch den antisemi- tnchen Charakter des deutsch-nationalen Handlungsgehilfenver- Auch muß es zulässig sein, daß private Lersicherungsgesell- lchaiten Angestellte entlassen, die im Zentralverband der Handlungs- gohilfen organisiert sind. Denn als Mitglieder des Zentralver- vandes müssen sie für die Volksfürsorge tätig sein und da muß es Zu Konflikten kommen,, niemand kann zweien Herren dienen. Reuerdings haben Maßregelungen von Bankbeamten die �.ntlichkeit beschäftigt. Das muß verblüffen gegenüber dem sonst im Bantgewerbc herrschenden freiheitlichen Geist.(Sehr richtig!) GS muß erstaunen, daß der Leiter der größten deutschen Bank seine Gegenrede gegen den Vertreter eines Bankbeamtenverbandes da- ourch schmückte, daß er diesen Vertreter als„bezahltes Vorstands- Mitglied" bezeichnete. Als ob„bezahltes Vorstandsmitglied" zu sein, «was Entcbrendes wäre!(Sehr gut!) Immerhin, die Angriff« gegen die Zugehörigkeit� der Hand- »Ungsgehilfen zu einer Koalition sind seltener als die Angriffe Bogen Techniker. Das erklärt sich nicht nur durch die radikalere �onart z. B. des Steigervcrbandes oder des Bundes der technisch- industriellen Beamten, vielmehr liegt es daran, daß die Techniker weniger Aussicht haben aufzusteigen, als der Handlungsgehilfe unmer noch bat. Dann erklärt es sich auch durch die mangelhafte Aechtsbasis, die der Techniker heut« im Gegensatz zum Handlungs- Gehilfen besitzt. Ter Techniker steht der Arbeiterschaft näher als der Handlungsgehilfe. Man hat sogar bei den Technikern versucht, -durch Ehrnwort" nicht nur den Austritt aus dem Bund der tech- Gich. industriellen Beamten zu erreichen, sondern auch den Ein- »ltt in eine gelbe Gewerkschaft. Tie Verstöße gegen das Koali- nonsrecht der HandlungSgebilfen geschehen immer nur gelegentlich. -dei den Technikern aber haben wir es mit eineni System zu tun. l-bc-ir richtig!) Hat man doch sogar in einem Betrieb eine Kar- thotek der Techniker angelegt, um das Aufrücken von Mitgliedern des Bundes der tcchnisch-industriellen Beamten in höhere Stellen Zu vermeiden.(Hört! hört.) Auch schwarze Listen werden herum- Alchickt. . �uS soll nun gegen diese kaolitiousfcindlichen Bestrebungen ge- Adhcn? Nach dem Staatsanwalt zu rufen, ist unter den heutigen Acchtsverhältnissen natürlich unmöglich. Sollte es aber nicht Möglich sein, nach dem öffentlichen Gewissen zu rufen, und eine posttive Rechtsbesserung zu schaffen, und hinzuarbeiten auf ein wirkliches uncinzefchränktes Koalitionsrecht? Den Koalitionen Muß die Rechtsfähigkeit gewährt werden und nicht nur der§ 153 Mit seinen Strafbestinrmuiigen, sondern auch der§ 152 der Ge- Werbeordnung müssen fallen. Man braucht keine Befürchtungen Zu hegen, denn die großen Koalitionen der Arbeiter und Ange- stellten sind, wohl diszipliniert und ihre Disziplin läßt sich durch- S1-'® dergleichen mit der Disziplin in unserem Heere. Auch die striiheit der Persönlichkeit leidet bei starken Organisationen nicht, wwd bieknehr gerade unterdrückt von den gelben Gewerkschaften, kich dex Freundschaft der Unternehmer erfreuen. Wenn für ausreichende rechtliche Grundlagen gesorgt wird, dann werden ststch alh. unerwünschten Begleiterscheinungen wegfallen. Schaffen mir eine Koalitionsfreiheit, die dieses Wort verdient, und es wird Möglich sein, die Arbeiter und Angestellten in die bürgerliche Gesell- jchvft einzugliedern und andererseits werden Arbeiter und Ange- wellte inncrbalb der bürgerlichen Gcsellsckaft und auf dem Boden Mr Gesellschaft sich woblfühlen.(Stürmischer Beifall.) . In der Debatte wies zunächst Zckiweiticr-Brrlin vom Allge- Meinen Verein der Bankbeamten darauf hin, daß beute schwere Giraten verhängt werden bei Eigcntumsvergehen. Angrifte aber wui d.en Charakter und die persönliche Ehrenhaftigkeit, die sich wehrt gegen die Zumutung, au? einer Crganisalion auszutreten, werben vom Staatsanwalt nickst geahndet. Das ist ein Zeichen für m? soziale Rückständigkeit des heutigen Rechts.(Beifall.) Geheimrat Professor Hans Delbrück: Mit vielem, was der Re- kerent gesagt hat. bin ich einverstanden. Insbesondere bat mir ge- lallen, was er über die Leistungen der großen Arbeiterkoalitionen auch in ethischer Beziehung gesagt hat. Aber ich muß außeroident- 'sth starke Eimvcndungen machen gegen die ganze Tendenz seines �'ststirags. Er hat die Disziplin in der Arbeitcrgewerkschaft ver- Buche» mit der Strenge in unserer Armee. Da muß ich doch lstken: die Disziplin in der Armee ist der Ausfluß des Fahnen- chde.s, geleistet zur Verteidigung des Vaterlandes. Die Disziplin in der Gewerkschaft aber beruht aus dem TerroriSmus. Ter Ter- larismus ist etwas, was unter Umständen entschuldigt werden lann, aber was auch sebr leicht eine gewisse moralische Anrüchig- rt annimmt.(Unruhe.) Deshalb bat mich dieser Vergleich ver- wtz.t-und ich weise ihn zurück.(Beifall und Unruhe.) Professor «e.ßier hat eins vergessen: wenn die Koalitionsfreiheit so durch- Muhrt wird, wie er will, dann werden große Gefahren für unser Wirtschaftsleben entstehen und unser ganzes soziales Dasein wird Frage gestellt.(Widerspruch.) Den TerrorismuS hat Pro- wstor Keßler viel zu leicht genommen. Auch er bat gefvrocben von der Freiheit der Persönlichkeit. Gerade die Gewerkschaften beeinträchtigen diese Freiheit.(Widerspruch.) Wir kennen Doch alle die Drohungen und den Tcrrorismus natürlich auch bei den Unteriwhmern. Daß die Schaffung einer rechtlichen Grundlage wns vom Terrorismus befreien würde, halte ich für eine opti- Mistische Illusion.(Sehr richtig! Widerspruch.)'?lm Gegenteil: ber Terrorismus würde noch gefährlicher werden. Wir stehen also dar einem gewissen Dilemma. Auf der einen Seite schaffen diese Koalitionen sicher Gutes in wirtschaftlicher, etbischer und sozialer -stziehung. Sie haben das Selbstbewußtsein, den Charakter, den GefellschaftSsinn und vieles andere mehr. Auch wirtschaftlich haben sie zweifellos iveitc Kreise unseres Voltes gehoben. Aber ebenso liegt in ihnen der Keim zu einem wirtschaftlichen und sozialen Kampf, der verderblich und vernichtend wirkt.(Unruhe und Widerspruch.) Auch ein starkes politisches Moment spielt dabei mit. Wir seben, daß die Koalitionen immer in einem sebr engen Verhältnis zu politischen Parteien stehen. Wenn die Re- Biening die ircien Gewerkschaften bart nnd ungerecht behandelt. dann nicht deshalb, weil sie im Dienste der Unternehmer steht und weil' sie nur im Interesse der herrschenden Klasse handelt, sondern weil diese Gewerkschaften in engster Beziehung zu einer P'irtei sieben, die unseren Staat unterwühlen will.(Große Un- ruhe. Zurufe.) Daraus erklärt sich die Antipathie der Regierung und wenn die Gegensätze erst einmal da sind, dann geht das immer weiter. Sind die Koalitionen erst einmal groß und stark geworden. so treiben sie naturnotwendig zum wirtschaftlichen Kampf.(Leb- bafter Widerspruch.) In solchen starken wirtschaftlichen Vereini- Bungen liegt nun einmal der Zug zum Kampf und zum Extrem. (Erneuter Widerspruch.) Di« Gelder sind da. ein Vorstand ,st mich da. Wozu ist der Vorstand da. wenn nicht gekämpft wird? (Sachen und Unruhe.) So kommt man zum Kamps bloß aus Machttrieb.(Große Unruhe und lebhafte Zurufe.) Jawohl, daS ist eine alte Erfahrung, nicht nur aus unserer Zeit.(Zurufe: Tie rein« Theorie?) Di« Koalitionen der Arbeiter haben dann die Koalitionen der Unternehmer hervorgerufen. Als die einen sich fest zusamenschlossen. taten es die anderen auch. Die Koalitionen der Unternehmer sind erst durch die Koalitionen der Arbeiter her- vorgerufen.(Lebhafter Widerspruch.) Die Unternehmer sind da- bei viel schwerer zusamenzubringen, weil sie Konkurrenten sind. (Lachen. Zuruf: Das Umgekehrte ist richtig! Solche Unerfahren- heit!) Wenn die EntWickelung so weitergeht, werden die Gegen- sätze immer schärfer und dann kommt der wirtschaftliche Krieg mit seinen furchtbar verwüstenden Wirkungen. Die soziale Verbitte- rung wird immer größer und viele Familien werden in ihrem wirtschaftlichen Fortkommen ruiniert und Tausende kommen in Hunger, Not und Elend. Vielleicht ist das Uebel unvermeidlich, aber man sollte es möglichst einschränken. Es muß dafür ge- sorgt werden, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Eine Lahmlegung des wirtschaftlichen Daseins der Nation muß der- mieden werden.(Große Unruhe.) Gewiß ist das schwer, denn der Klassenkampf ist die Parole unserer Zeit. Natürlich, wenn man selbst den Frieden nicht will, darf man ihn aus der Gegen- seit« nicht erwarten. Wie ist es nun zu inachen, damit die Macht der Koalitionen der Arbeiter und Unternehmer nicht zu groß wird und nicht zum Machtkitzel führt?(Unruhe.) Man wird mir einwenden, daß von einer einheitlichen Zusammenfassung der Ar- bester noch lange nicht die Rede sein kann. Das ist richtig und darin sehe ich ein Glück.(Lachen.) Tie Zersplitterung der Ar- beiterbewegung ist tatsächlich eine starke Zlbschwächung des Koa- lilionSgedankens, die mehr niitzt als schadet.(Aharufe.) GeWitz, wenn besonders große Mißstände vorhanden sind, dann tun sich auch einmal die verschiedenen Gewerkschaftsrichtungen zusammen. Aber große gemeinsame Kämpfe werden durch die Zersplitterung erschwert. Deshalb kann ich mich dem verdamiuenden Urteil über die gelben Gewerkschaften durchaus nicht anschlicssen.(Lachen und Zurufe: Immer bester!) Die gelben Gewrkschaften haben eine innerliche Berechtigung genau so, wie jede andere Richtung.(Zu- rufe: Unerhört!) Vorhin haben Sie die Toleranz verlangt und sind für die Freiheit der Persönlichkeit eingetreten. Setzen Sie sich doch mit solchen Zwischenrufen nicht selbst in einen Wider- spruch zu Ihren Forderungen. Vorsitzender Dr. Freiherr v. Bcrlrvsch: Ich bitte dringend, alle Zwischenrufe zu unterlassen. Geheimrat Professor Hans Delbrück: Man hat gesagt, die gelb«» Gewerkschaften seien nur Produkte der Unternehmer, sie würden nur von den Unternehmern gezüchtet und ausgehalten, ihre Mitglieder seien Duckmäuser, Kriecher und dergl. mehr. Das eine oder das andere mag davon richtig sein. Aber in der Gesamtheit ist es ebensowenig richtig, als wenn die Gegenseite behauptet, die anderen seien nur Hetzer und Demagogen und verleiteten die Ar- beiter, ihre Ersparnisse falsch anzulegen usw. Man darf eben aus beiden Seiten nicht übertreiben. Wie ist dem TerroriSmus ent- gegenzuwirken? Mit Gesetzgebung, Verwaltung und Polizei ist da nichts zu machen. Wenn eine solche Gewerkschaft erst einmal stark geworden ist, bat sie über ihre Mitglieder eine solche Gewalt, daß äußere Maßnahmen da wenig helfen. Deshalb sind ja gerade einige von den gelben Gewerkschaften entstanden, weil sie in einen Streik hineingetrieben wurden, den sie für unrichtig hielten, und weil sie an ihrem eigenen Leibe schlechte Erfahrungen machten. Daß das den Unternehmern natürlich angenehm ist und daß sie diese Leute unterstützen, ist erklärlich. Aber woher kommt es, daß so viele Unternehmer die gelben Gewerkschaften gar nicht lieben? Ich habe gehört, daß ein Unternebmer sagte: Wenn die Gelben erst stark sind, dann kommen sie auch mit ihren Ansprüchen.(Sehr richtig!) Das ist auch richtig, und darum sind eben die Gelben nicht so ohne weiteres abzuweisen. Mancher Unternehmer hat mir gesagt, er hätte die Roten viel lieber als die Gelben. Wenn die Roten etwas verlangten, so könnte er es ihnen rundweg ab- schlagen. Aber den Gelben, seinen Freunden, könnte er nichts ab- schlagen..Heiterkeit.) Man muß sich in alle diese Fragen nur ver- tiefen.(Luchen.) Die Berliner Richtung der Gelben ist manchem Unternebmer schon recht vcrdäckitig. Dagegen sind die rheinischen Werkvereine zweifellos abhängig von den Unternehmern, denn sogar ihr Geschäftsführer wird vou den Unternehmern bezahlt. Nun wirb man sehr leicht sagen: diese Richtung ist doch abhängig, und das ist zu verwerfen, denn in unserer Zeit hat eine derartige Nachblüte des PatriarchaliSmus nichts mehr zu suchen. Ich kann da nicht mit einstimmen, vielleicht weil ich Historiker bin. Ich weiß, welch schöne Blüten das patriarchalisch� Stsstem früher tatsächlich gezeitigt bat. Ich wiederhole also zum Schluß: die Vorstellung, mit bloßen Verbesserungen des Koaliiionsrechts eine Gesundung unseres sozialen Lebens herbeizuführen, ist eine optimistische Illusion.(Vereinzelter Beifall.) Direktor Hoesle-Berlin vom Deutschen Technikerverband: Der Kampf gegen das Koalitionsrecht erstreckt sich beute nicht nur aus die Arbeiter, sondern auf alle Angestellten und auch auf die Staats- beamten. Die Gesamtheit der Arbeiter wird heute von diesen Kämpfen berührt. Der Vorredner nieinte, der Organisations- gcdanke vernichte die Freiheit der Persönlichkeit. Das sind Nach- klänge eines längst überwundenen Liberalismus.(Sehr richtig!) Die Gelben sind tatsächlich nur eine Züchtung der Unternehmer. Wo die Unternehmer ihre Unterstützung zurückziehen, bricht die gelbe Bewegung zusammen,(�--ehr richtig!) Und bei den Gelben kann man währbaftig nicht von freien Persönlichkeiten sprechen. (Sehr richtig!) Ich kenne eine Fabrik mit 8000 Arbeitern, von denen 5lK)0 in gelben Vereinen organisiert sind. Bei den Wahlen aber werden ausschließlich sozialdemokratische Stimmen abgegeben. (Hört! hört!) Das sind solche Gewissenskonflikte, in die man die Arbeiter hineintreibt. Um terroristische Akte zu verhindern, genügt die heutige Gesetzgebung. Und wenn Geheimrat Delbrück vom Klassenkampf sprack,. so übersieht er, daß große Teile der Arbeiter und Angestellten das Prinzip des Klassenkampfes ablehnen.(Sehr richtig!) Ganz falsch ist, daß die Leiter der großen Verbände Kämpft künstlich provozieren. Wer das Organisationsleben auch nur einigermaßen kennt, weiß, wie schwer sich die Führer zum Kampf entschließen.(Lebhafte Zustimmung.) Je stärker eine Or- ganisation wird, desto stärker wird daS Gefühl der Verantwortlichkeit(Sehr richtig!) Wir verlangen die Schaffung eines einheit- lichen Angestelltenrechtes. An dem Blühen und Gedeihen unserer Technik und des dentscben Wirtschaftslebens haben Angestellte nnd Arbeiter dasselbe Interesse wie die Arbeitgeber. Aber nach der sozialwirtschaftlichen Seite bestehen Disferenzen, und diese Tiffe- renzen müssen ausgekochten werden auf dem Boden der Gleich- berechtigung durch gegenseitiges Verhandeln. Seitdem sich der Deutsche Technikerverband auf dieses gewerkschaftliche Prinzip be- sonnen hat, seitdem wird er genau so bekämpft wie jede Arbeiter- gewcrkschaft. Bedauerlich ist, daß die Behörden sich ebenso gegen unS stellen wie die Privatindustric. Ter preußische Eisenbahn- minister ist ebenso gegen uns vorgegangen wie die Militär- und Marineverwaltung.(Hört! hörtl) Mögen endlich einmal auch die BeHürden das sittliche Recht der Angestellten, sich z„ koalieren, an- erkennen. Man hat von uns verlangt, wir sollten Streikarbeit leisten. Wir haben daS rundweg abgelehnt. Das ist die selbstver- ständlichc Pflicht jedes Angestelltenvcrbandes. Wir verlangen ein ReichSeiniyungSamt und den Verhandlungszwang. Tann wird die Kampftust von selber schwinden, und terroristische Akte werden immer sellener werden.(Beifall.) Weruer-Vochum vom Deutschen �Tteiger-Verband: Dem Ge- heimrat Delbrück wünsche ich. er möge einmal eine Woche auf einer Zeche bei Stinnes oder Thyssen Steiger sein und Erfahrungen sammeln über Arbeitsrecht und gelbe Gewerkschaften.(Heiterkeit.) Dann wird er eine solche Rede nicht wieder halten. Wir können ja ein Lied singen. Unsere Gründungsversammlung wurde mit einem Kaiserboch begonnen und mit einem Kaiserhoch geschlossen. i Heiterkeit.) Trotzdem wurde dem Einberuser der Versammlung schon am nächsten Tage der Zutritt zum Zechenplatz verboten, (Hört, hört!) Die Grubendirektoren erklärten:„Wir leiden prin- zipiell keine Organisation unserer Beamten."(Hört, hört! und Zu- rufe: So sieht es in der Praxis aus!) Es sind Leute entlassen worden, die im Krieger- und Marineverein waren.(Hört, hört!) Also politische Momente spielen da gar keine Rolle.(Sehr richtig!) Seit einiger Zeit statuiert man Exempel. Man entläßt besonders diejenigen, die viele Kinder haben.(Hört, hört!) Deshalb geht die Kinderzahl in den Familien der Grubcnbeamten zurück, weil die Beamten sich sagen, daß ein Vater vieler Kinder sich mehr gefallen lassen muß.(Hört, hört! Zuruf: Das ist Terrorismus!> Tie Essener Polizei bekam Unterstützungell vom Bergbaulichen Verein, damit dieser die Mitgliederliste unseres Verbandes bekam.(Hört, hört!) Besonders interessant ist das Verhalten der Staatsbehörden. Ein Gendarm, der sich von Buchmachern bestechen ließ, bekam ein Jahr Gefängnis. Ein Polizeiasscssor, der viele Tausende von Mark von den Zechenherren erhalten hatte, bekam öl) Mark Disziplinarstrafe.(Hört, hört!) Sie können es sich gar nicht vorstellen, wie man gegen unseren Verband vorgeht. Won einer Freiheit der Per» sönlichkeit kann man da wirklich nicht mehr sprechen.(Beifall.) Marx vom Allgemeinen Verband der Bankbeamten bespricht die Maßregelungen von Mitgliedern seines Verbandes. Ein Bank- bcamter, der sich zum Fürsprecher von 1500 Kollegen machte, wurde einfach aus die Straße gesetzt.(Hört, hört!) 12 Direktoren der Deutschen Bank beziehen 5 Millionen und 7000 Angestellte müssen sich mit 4 Millionen begnügen.«.Hört, hört!) Dr. Werner-Tüsseldorf vom Wcrkineistcrverband: Jeder Ar- beitnehmer ist ein Tor, der von seinem Koalitionsrechr keinen Gebrauch macht.(Sehr richtig!) Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt-Berlin: Tie Auf- fassungen Dr. Delbrücks sind rein theoretisch. Es wäre ihm dringend zu raten, als Historiker einmal die Geschichte der englischen Ar» beiterbewegung zu studieren. Tann würde er finden, daß die eng- tischen Gewerkschaften, solange ihnen eine rechtliche Grundlage fehlte, vom schlimmsten Terrorismus Gebrauch gemacht haben. Sie haben Maschinen zerstört und anderes mehr. DaS alles verschwand in dem Moment, in dem den englischen Gewerkschaften ihr Recht wurde. Ter Herr Professor und Historiker sollte doch eigentlich so viel Vertrauen zum deutschen Volle habe», daß es dem gujeu Beispiel des englischen Volkes folgen wird.(Beifall.) Und noch ein Argument gegen Professor Delbrück: bei den Buchdruckern, der> stärksten Organisation gewerkschaftlicher Art. sehen)mr keinerlei Kampf. Das beweist eben, wie falsch es ist zu behaupten, mit der Stärke einer Gewerkschaft wachse der Machttitzel ihrer Führer. (Lebhafte Zustimmung.)' Zolich-Berlin vom Bund der technisch-industriellen Beamten: Die Gelben sind Antigewerkschasten und verdienen das Wort Ge» werkschaft überhaupt nicht. Sie sind Kampfmitte! der Arbeitgeber. DaS ganze öffentliche Leben ist ans dem Terrorismus aufgebaut. Selbst die Professoren untereinander üben Terrorismus und was dessen Ton anbelangt, so ist er nichl um ein Haar besser als der Ton unter den Arbeiter».(Zustimmung.) Strritcr-Bcrlin von dem Verband christlicher Krankenpfleger schilderte die Schwierigkeiten, die in den verschiedenen Provinzen einer Organisierung der Krankenpfleger in den Weg gelegt werden. Generalsekretär Stcgerwald-Köln vom Gcfamtvcrband dec-christ- lichen Gewerkschaften: Durch die Organisationen werden die Einzel- kämpfe vermieden und es spielt sich nun alles unter der Kontrolle der Oefsentlichkeit ab. Dabei fährt die Gesamtheit viel besser.(Zu- stimmung.) In seinem Schlußwort führte Professor Keßler noch ans: Die Entwicklung der Gewerkschaften zu einer Großmacht vollzieht sich im gleichen Sinne wie die Bildung der Großmächte ans politischein Gebiet. Der Kleinkrieg verschwindet und die große» Kriege sind kürzer geworden. Ten gelben Gewerkschaften muß tatsächlich aus moralischen Gründen die Existenzberechtigung abgesprochen werden. Letzten Endes wird der sieg auf der Seite der Gruppe sein, die den höchsten Idealismus aufzuweisen hat.(Beifall.) Damit war dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Nachdem dann noch der Erfinderschutz und einige dringende Einzelsorderungen(für Gasthausangestelltc,«für Bergarbeiter, für Krankenpfleger, für Bureanbeamte, für die Zivilmusiker und für die Bühnenangrstellten) besprochen waren, gab in seinem Schlußwort der Vorsitzende Staatsminister a. T. Dr. Freiherr v. Berlepsch seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß er auch seinerseits die gelben GeWerk- fchaften nicht als Arbeiterorganisationen anerkennen könne. �Lie Verhandlungen über das Koalitionsrecht und die im Anschluß daran ausgestellten Forderungen würden hoffentlich alle maßgebenden In- stanzen zu der Ueberzeugung bringen, daß von einem sozialpoli- tischen Stillstand in Deutschland keine Rede sein darf. wie Arbeiter wohnen. Ii. Für schlechte Wohnungen müssen hohe Preise gezahlt werden. In Mietshäusern sind die Wohnungen fast durchweg erheblich teuerer als in Genossenschastöwohnungcn. Tie Werkswohnungen erhöhen die Abhängigkeit der Arbeiter. Dies alles lassen die nach- folgenden Zitate und Tatsachenangckben ans den Berichten der preußischen Gewenbeinspektion erkennen. Weiter aber auch, daß die kommunale Wohmmgsfürfolge bisher so gut wie gänzlich versagte. i M i e t p r e i s e. Potsdam: Nach einer 1000 Arbeiter umfassenden Er- Hebung betrugen die Wohnungsmieten in Oberschöneweide 210 bis 300 M. Ungelernte Arbeiter zahlen im Durchschnitt 278 M. für eine Stube mit Kammer und Küche im Hinterhaus. 25 Proz. der Arbeiter vermieten noch einen Raum der höchstens zwei Stuben und Küche umfassenden Wohnung. Eine andere Erhebung gab folgende Mietpreise: In Bororten von Berlin für Zweizimmer- Wohnungen 18 bis 55 M., in Berlin 20 bis 45 M. pro Monat. In Spandau sind die Werkswohnungen sehr begehrtz da sie erbeblich billiger sind als es ortsüblich ist. Zwei bis drei Stuben mit Kückie kosten 140 bis 240 M. Die Preise von Werkswohnungen in Brandenburg sind um 15 bis 40 M. jährlich niedriger als die ähnlichen noch so gut eingerichteten in der Nähe. Der Spar- nnd Banverein in Brandenburg vermietet Zweizimmerwohnungen zum Preise von 1S5 bis 205 M. Tor Arbeitevbauverein in Potsdam vermietet um 5 bis 10 Proz. billiger als private Besitzer, deren Wohnungen weniger gut eingerichtet sind. Frankfurt a. O.: Tie Mietpreise der Wohnungen des Bauvereins in Landsberg ä. Wi bleiben„etwa 25 bis 30 Pro;. unter der ortsüblichen Höhe"/ Die Pfarrkässe von Kirchhain hat Ländereien für Rentengüte'r verkauft und'erzielt ans dem Erlös Zinsen, die um 25 bis 30 Proz. höher'sind als' die früheren Pacht» ertrüge.... 3 Verl in: Eine Erhebung' bei 53 �Häusern ergab folgende Preise. In Häusern, die vor 1675 erbaut' worden waren, kostete jeder Raum(Küche als Wohnraum gerechnet) 114 bis 130 M., in den 1875 bis 1905 erbauten Hänsern 133 bis 140 M, nnd in den neueren WohnHcbäuden 151 bis 170 M. Die neueren Klein- Wohnungen, 1 Stube und.Küche, sind meistens mit Bad ver- sehen, die älteren Wohnungen haben das nicht, außerdem licgi bei ihnen noch der Abort aus der Treppe oder im Hof. Bromberg: Ein Zimmer kostet im Durchschnitt 90 M., eine Wobnung aus kleiner Stube und kleiner Küche bestehend 120 M. Breslau: Ein Raum nebst dnnkcler Küche kostet durch- schnittlich 171 M„ zwei Räume mit heller Küche 292 M. In der Nähe von Breslau werden für Stube und Küche 130 bis 210 M. gezahlt. In Waldenburg kosten einräumige Wohnungen durch- schnittlich IG) R., Meiräumige 275 M. s b a de n: Zweizimmeovohnungen einer Baugenossen. schaft kosten 15 bis 23 M. monatlich, gleichwertige Wohnungen in Privatbauiern sind etwa 10 M. teuerer. m- �"1 Wichnungsmmigel entsprechend sind die Mieten hoch. Sie ,djhxmken für einen Raum je nach Ort und Lage von 70 bis 135 M. jährlich. ' C n: f-s'jfsttnngen mit zwei Räumen kosten durchschnittlich 1o.4o M. monatlich in Privathausern, in den von den Baugcnossen- ichasten errichteten 8,00 M. In Düren kosten Genossenscbaits» Wohnungen von 3 und 4 Räumen 15 bi» 18 M. Magd eVurg: ZSoHnuNze« von zwei Siul>en unÄ Küche in Kcnosienschnslsüäuiern kosten 200 bis 250 M. Lüneburg: Ter Mietpreis für Wobnungen in Vereins- Häusern soll 20 bis 40 iÄ. pro Jaftr niedriger sein als in Micts- bäusern. Zweizimmerwohnungen kosten in Harburg 210 bis 210 M., in Wilhclmsburg 300 bis 330 M. Stabe; Dreizilninerwobnungen in Mietshäusern in Stabe kosten 300 bis 400 M., in Genofsenscheistsbci ufern in Geestemünde 200 M. Werkswohnungen. Köttigsbcrg: Von den Wattbcr- und Saisonarbeitern in den Ziegeleien. Steingräbereicn und einer Zuckerfabrik ist ein großer Teil kaserniert. Tie Einrichtung und Beschaffenheit ent- spricht vielfach nicht den zu stellenden Anforderungen. G u in h i n n c n- A I l e n st e i n: Tic Wohnungen für Wanderarbeiter auf Ziegeletett, Kalkincrgelwerken und in großen Kiesgruben find meistens Mastenquartierc, die öfter zu.Klagen Anlaß boten... so waren doch zuweilen Strafen erforderlich. um größere Mißstände zu beseitigen. Breslau: Tie Vorteils der Fabrikwohnungen sind aber auf der andern Seile im allgemeinen so groß, daß sie die Bedenken, die gegen eine solche an sich natürliche Abhängigkeit sprechen, sicherlich überioiegen. Oppeln: Troß manchcrlei unerwünschter Nebenerscheinun- gen. wie größere Abhängigkeit der Arbeiter vom'Arbeitgeber, Per- quickung von Arbeits- und Mietvertrag, hat doch eine solche plan- mäßige Wohnungspflege durcy die Arbeitgeber für das cngbefiedelte Oberschlcsiett ganz besonders große Bedeutung...Manche Werke haben drei Viertel aller ihrer Arbeiter in Werkswohnungen unter- gebracht." Tic Arbeitcrwohnungen stellen größtenteils iitncrbalb der geschlossciten Ortsaiilagcn der großen Jndustriedörser gleicb- artige, mehrstöckige Reihenhäuser in düsterem, schmucklosem Roh- bau dar. A r it s b e r g:„Die Regel bildet allerdings— bei den Werks- wohnungen— das gleichzeitige Erlöschen des Mietvertrages mit dem Arbeitsverträge." Tüsseldorf:„Tie Kündigungsfristen für die Werks- Wohnungen schwanken zwischen 8 Tagen und einem Vierteljahr. Besondere Vereinbarungen sind daneben für den Fall des'Aus- schctdciis aus der Arbeit getroffen. Tie Räumung.... kann alsdann in kürzerer als der vereinbarten Kündigungsfrist gefordert werden." Königsberg:„Bevorzugte Arbeiter wie Meister. Maschi- nisten. Kutscher, Osenhetzer. erhalten auf manchen Werken auch freie Wohnung." G u m b i u ti e n- A l l c n st e t n:„Soweit die Wohnungen nichi als ein Teil des Lohnes unentgeltlicki überlassen werden...." Trier:„Infolge der niederen Mietpreise sind die Werks- Wohnungen beliebt, obwobl der Racbicil in Kauf genommen werden muß. daß bei jeder Lösiing des Arbeitsverhältnisses die Wohnung sofort� geräumt werden muß." Stade: Das Ausscheide» eines Arbeiters aus der Zement- fexbrik Hemmoor aus dem ArbeitsverbälttnS verpflickiiet ibn, spätestens mir Adlauf des nächsieii?.>ionats die Werkswohnung zu räumen. K o in in u n a l e W o h n u n g s f n r s o r g e. Tanz ig; Ter Magistrat in Elbing gründete mit 730 000 M. Kapital eine Hypothekenbank. Diese gibt zweite Hypotheken zu 4*1 Proz. und bis zu 75 Peoz. des Taxwertes. Potsdam:„Tie Gemeinde Wittenberg sucht daher durch steuerliche Bevorzugung zum Kleinwohnungsbau anzuregen und hat selbst den Bau von dreistöckigen Reiheitbäusern begonnen." F r a n k fu r t a. O.: Tw Stadt Sarau hat bislang öS Renien- giitcr fertiggestellt. Tic Stadt'Arnswaldc gibt'Arbeitern Baugrund zum Selbntchieiipreisc ab. Das Baugelände ist bis zu öO Proz. billiger als sonst dort gezahlt werden muß. Düsseldorf: Verschiedene Gemeinden geben billige Bau- grnudstücke ab, zuweilen unter Nachlaß der Siraßen- und Kanal- baukbsten. .. Köln: Ter Kleinwohnnngsbau wird durch Ermäßigung der Straßenbaukosten sowie der Grniihsteuer, ferner durch Ueberuahme von Bürgschaften für Baiidarleben gefördert. Tasselbe wird von Alünchen-Gladbach berichtet. Diese Stadt beleiht Einsamiltenhäuser bis zu 90 Proz. des Wertobjckics. Tie Verzinsung beträgt SH Proz. Aachen: Tic Stadt Eschwciler hat 20 Häuser mit 21 Woh- niiiigcii errioytet. Vielfach koinnit die kommunale Wohiiuiigsiürsorge mehr dem privaten llntertichuiertum als den Arbeitern zugute. Tic berr- schcnde Gesellschaft ist unfakig, allen Volisgenofsen eine menschenwürdige Wohnung zur Verfügung zu stellen, aber man könnte von iin verlangen, daß sie wenigstens den gemeingefährlichen fianda- lösen Auswüchsen kapitalistischer Boden- und Wohnungsivticher« ein Ende bereite. den Genuß von Hundesleisch die allen chlstnwsten Krankheiten übertragen werden können, bedarf gar keiner Erwähnung. Von be- sonderein Interesse ist der außerordentlich große Verbrauch von Hundefleisch im industriereichen Sachsenlande. Tie Statistik der Hundeschlachtungen bildet übrigens eine recht wertvolle Ergänzung der neuerdings massenhaft auftauchenden Berechnungen deS deutschen Volkswohlstände'.__ Soziales. Ms Industrie unö Hanöel. Huudesieisch als PolksuahrnngSmittel. Tie nitzureichende Versorgung des deutschen Marktes mit Schlachtvieh und Fleisch hat den Konsum minderwertiger und für die menschliche Ernährung ungeeigneter Fletschsorten sehr stark ge- fördert. Normalerweise hat die Mehrzahl aller Europäer gegen den Genuß von Pferde- und Hundesleisch einen natürlichen Wid-rwilleit. Nur die drückende Not und der Hunger können diesen Ekel etwas zurücktreten lasseit. Jjnt Auslände hat man für den Komum von Hnndefleisch kein Verftänditis. weil man offenbar die Kalamität der dentsckieit Fleischteuermtg gar nirttt richtig kennt. Noch der vom Kaiserlichen Statistischen Amte zusaminengestelltett Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau im Deutschen Reiche betrug in den Jahren 4907 bis 1913 die Zahl der beschauten Hunde: Jahr Teutschland 1 90<.*,»..».» 64r2 1903......... 6361 1909........ 6990 1910......... 5922 1 o 1 1......» 4 4 t)Oo3 1912......... 8132 1913......... 7356 Diese Ziffern beruhen ans amtlicheit Angaben und das einzige Bedenlen, das man gegen dieselben vorbringen kann, ist die Frage. ob sie den ganzen Konsum von Himde fleisch umfassen. ES ist an» zuitehnteit, daß die Zahl der für Genußzwecke geschlachteten Hund« viel größer ist, da ja in den meisten Fällen eine amtliche Fleisch- beschau gar nicht staltsindel. So mancher Moppel wandert ohne Aufsehen direkt von der Straße in den Kochtopf eines btingrigen Proletariers. Die Inanspruchnahme der äuttlichen Fleischbeschau verbietet sich vier aus naheliegettden Gründen. Daß gerade durch Tos gewissenlose Zechenkapital. Am 12. April berichteten wir über die Eübne eines Unfalls, durch den auf der Phöntrzeche Holstein ein Arbeiter unter gräß- lichen Vcrstümmclungcu ums Leben gekommen war. Er war von einer auf ein falsches Gleis gekommenen Lokomotive zermalmt worden. Tic Sühne bestand in der Verurteilung eines 1614 Fahre alten Lokomotivfübrers wegen fahrlässiger Tötung. Hierzu hatten wir unter'Anführung dergpolizcilicher Vorschriften bemerkt, daß die eigentliche Schuld die Bahnverwaliung treffe, die bergpalizei- licke Borschriften übertreten habe. Es geht uns nun von der „Phöntr"-Äkticngcscllschaft eine Zuschrift zu, in der sie bemerkt. unsere Angaben seien unzutreffend, soweit sie sich auf ein Ver- schulden der Zechenverwaltung beziehen und den Hinweis enthalten, das Gericht babc angenomnien, der'Angeklagte hätte die Maschine. durch Abstellen des Dampfes, zum Steven bringen müssen._ „Tic angeführten Paragraphen", beißt es in der Zuschrift, „beziehen sich nur aus den Betrieb von Zcchenibabnhösen und Zechen- babnen über Tage. Ter in Frage kommende Unfall hat sich aber bei der elektrischen Streckcnsördcrung unter Tage zugetragen. Da es unter Tage selbstverständlich keine durch Tatnps betriebene Lokomotiven gibt, ist schon die Bemerkung, daß der Angeklagte durch 'Abstellen des Dampfes die Maschine habe zum Stehen bringen muffen, hinfällig. Für den Betrieb unter Tage kommen nick: die erwäbntcn Bestimmungen, sondern diejenigen des Verbandes dcut- scher Elektratcchniker. sowie die besonderen Anordnungen des König- lichen Lberbergamtcs über Grubenbahnen in Frage. Tic gesetzlichen Vorschriften find von den Beamten des Schachtes Holstein nickt verletzt worden." Hierzu bemerkt unser GcwäbrSmanii: „Es wird in der Bericktigung ausgeführt, daß der Unfall, wegen dessen Herbeiführung ein lOjährigcr Lokomotivführer bestraft wurde, nicht über, sondern unter Tage passiert sei. Wie die Zechenver- waltung durch diese Feststellung ihr Gewissen entlasten will, ist mir ein Rätsel. Nach meiner Meinung trifft das Wert die«chuld nach dieser Feststellung noch viel schwerer, als es bei einem Unfall über Tage der Fall war. Denn unter Tage dürfen überhaupt junge Leute erst nach Vollendung des 16. Lebensjahres beschäftigt werden. Tann aber auch natürlich nur mit Aitfängerarbeit. nicht aber als Lokomotivführer? Tas ist etwas so �selbstverständliches, daß wir gar nickt an die Möglickkeit gedacht hatten, der Unfall könnte sich uiitcr Tage abgespielt baden. Die Bcrgpolizcivcrvrdnung für den Oberbcrgamtsbezirk Tort- mund schreibt im i> 02 vor. daß Anschläger— das sind Arbeiter, die die Förderkörbc und deren-signaleinrichtungen bedienen— mindestens 21 Jahre alt und mindestens 1 Jahr unter Tage beschäftigt gewesen sein müssen. Als Maschinenwärter bei feststehenden Förder- Maschinen dürfen bei der Seilfahrt nur Leute tätig sein, die min- dcftens 24 Jahre alt sind und mindestens 2 Monate eine Fördcr- Maschine bei der Produktionssörderung geführt haben(890'. Zur selbständigen Ausführung, von Haucrarbcitcn dürfen nur solcke Personen zugelassen werden, die das'21. Lebensjahr vollendet sowie mindestens 3 Jahre unter Tage gearbeitet baben?§ 333). Mit der Wartung und Brdicniliig der Lotomotivcn i'Petrol.'uin- und Benzinlokomotiven) unter Tage dürfen nur grohsahrige Per- sourn betraut werden. Tie Lokomotivführer müssen dem Revieramt namhaft gemacht werden und ihm ihre Befähigung nackweisen. (% 11 der Bedingungen, unter denen Lokomotivbetrieb unter Tage genehmigt wird.) Wir sehen allo. daß bei allen verantwortungsvollen Arbeiten unter Tage hohe Änrorderungen an die Erfahrenheit der betreffen- den Leute gestellt werden. Tie Verwaltung der Zeche„Holstein" aber stellt ohne weiteres einen jungen Burschen, der kaum alt genug ist. um überhaupt in die Grube zu kommen, auf den sehr verantwortlichen Posten eines Lokomotivführers! Findet sie wirk- lich eine Beruhigung ihres Gewissens darin, daß eS die Berg- behörde bisher unterlassen hat. die Führer elektrischer Lokomotiven ausdrücklich unter dieie Vorschriften zu stellen? Tann beneiden wir die Verantwortlichen von„Holstein" um ihre Ecmütsstärke nicht. llebrigens hatte die„Tremonrn" in Tortinund in dem Ge- richtsbericht bemerkt:„Ter junge Mensch mußte merken, daß er sich in einem falschen Gleise bewegte und hätte sofort den T-mpf abstellen müssen." Dadurch wurde bei uns der Glaube erweckt. daß es sich um eine Tampslokomotivc handelt." Ungültiger Gehaltsvcrzicht. Wie oft nachteilige Reverse für Angeftellto zustande- koimnen. zeigte sich in einem in der letzten Sitzung der .ö. Kammer des Berliner Kaufinannsgerichts verhandelten Falle. Tort klagte die Verkäuferin Elara I. gegen das Schuhwaren- Hans Carl Stiller, weil sie für die Zeil ihrer Krankheit kein Ge- halt erhalte» sollte. Zu ihrer Verwunderung machte die beklagte Firma geltend, daß sie durch einen vo» ihr selbst unterzeichneten Revers auf Ansprüche während ihres Fehlens aus dem Geschäft verzichtet hätte. Sie. die Klägerin, vermochte sich gar nicht zu ent- sinnen, durch eine Revcrsuntcrschrift auf irgendwelche Rechte verzichtet zu haben. Frl. I. hatte aber, wie die Verhandlung ergab, in der Tat ihren Namen unter ein Schriftstück gesetzt, das eine derartige Verzichtserklärung cnthiclt. Tie Unterschrift kam sol- gendermaßen zu Stande: Ter GeschäitSsührer ersuchte die Klägerin, das Formular kür das Archiv des Geschäfts zu unterschreiben. Letz- tere unterschrieb, ohne sich den Inhalt überhaupt durchzulesen. In dem Formular hieß es an einer Stelle, daß die Angestellte damit einverstanden ist, daß sie für Fehltage kein Gehalt erhalte. Ter Geschäftsführer mußte als Zeuge zugeben, daß er die Klägerin auf die von ihr durch Unterschrift verlangte Verzichtserklärung nicht aufnierksam gemacht hatte. Das Kautiuannsgcricht hielt den Gehalisverzichtsrevers aus zweifachen Gründen süe ungültig. In Fällen, in denen ein'.in- gestellter zum Verzicht auf Ansprüche rechtlich zweifelhafter Natur durch Unterschrift bestimmt wird, sagt das Kantmannsgericht be- gründcnd, sei es Pflicht deS die Unterschrift Verlangenden, den Angestellten daraus aufmerksam zu machen, daß er sich durch seine Unterschrift bestimmter Rechte begibt. Dem Gehilfen das vorher zu sagen, müsse ein Nobile Officium jeder Firma sein. Zweitens müsse, tvenn die Rechtswohltat des§ 63 des Handelsgesetzbuchs ausgeschlossen werden solle, das in präziser Fassung geschehen. Es dürfe nicht, wie hier, allgcntcin von„Fchltagen" gesprochen werden. Als dritter Grund hätte angeführt werden können, daß solche Reverse dem K 2 des Lobnbescklagnahmcgcsetzcs widersprechen. Gerichtszeitung. Lsttzreuiuscher Pferdehaudcl. In mehreren Artikeln hatte der„Vorwärts" sich mit dK Verhalten der Remontekommission in Ostpreußen beim Ä» kauf von Pferden zu Rilitärzwecken beschäftigt. In de Artikeln war auf die schwere Schädigung von kleineren Sc sitzern hingewiesen. Ter Ankauf der Pferde von den& sitzern wurde nach Besichtigung der Pferde bei den Besitzer abgelehnt. iveil nach Ansicht der Remontekoinmission_ d» Pferde für die Militärzwecke nicht taugten. Dieselben Pferd wurden aber von derselben Remontekommission für taugli- erachtet und angekauft, nachdem der Besitzer sie an ema Pferdehändler verkauft hatte. Unsere Kritik gegen dies Va halten, das auch im Abgeordnetenhaus besprochen wur« hat— zur Erhebung einer Anklage wegen angeblicher S- leidiguug des Remontekommissars, Majors v. Rundftcdt, gc führt. Angeklagt sind unsere Genossen Leid. Wermut und 23 i e t e p P. die die betreffenden Nummern des„M ivärts" als verantwortliche Redakteure gezeichnet hatier Termin ist auf den 4. Juni anberaumt. In diesem soll em große Zahl vo» Zeuge» und Sachverständigen vernomms werden. Wir würden gern sehen, daß auch die Pferde dcr Gericht in photograpbischer Treue vorgeführt würden, im zwar erstens aus der Zeit, in der sie sich beim PferdezüW befanden und als unbrauchbar befunden und dann aus der Zeit einige Stunden daraus, b der sie beim Händler standeu und umtmehr für brauchbar erklärt wurden. Uufaßlich erscheint wohl nicht nur uu$ weshalb unsere der Wahrheit entsprechende Schilderung p® Pferdeankaufs eine Beleidigung des Remontekommissars soll. Faßlicher wäre cS. tvenn das zunächst für unbrauchb-n erklärte Pferd als durch die Zurückweisung beleidigt crachK- würde.___ Mißhandlung eines Kindes wurde einem Buchdrucker Max Louis und seiner Ehefrau � Louis zur Last gelegt. Dos Schöffengericht Tcmpclhof vcrurtei!4 im März d. I. beide zu je 6 Wochen Gefängnis. Tic llrici� begründuug nannte die dem Kinde widerfahrene Behandlung hast und grausam, aber den Angcklagicu wurden wegen ü)rC' Jugend mildernde llmstäude bewilligt. Beide bcruhigicn sich � dem Urteil, die Staatsanwaltschaft aber legte Berufung ein. wc'- ihr die Strafe viel zu«tiidc erschien. Gestern hatte das gericht Berlin II(Strafkainmer 3) darüber zu entscheiden. Das Opfer der Erziehungsmethode des Louisschcu Ehepaar� war eine außerehelich geborene Tochter des Angeklagten Lvuo die jetzt neunjährige Käthe Stier, die er nach seiner Verhciratvm aus der Obhut der außerehelichen Mutter weggenomnieu und sich untergebracht hatte. Tie Mißhandlungen wurden veriivi' der Zeit von Mitte 1912 bis in das Jahr 1913 hinein, wo öv junge Ehepaar— Frau Louis hatte damals eben erst das 19. l'c&Ci jähr vollendet— tu Martendorf im Haufe Eifenacker-otl-. wohnte. Eine bei dem Ehepaar wohnende Frau Stolberg mehrere Mitvewohncrinneu des Haukes nahmen sich des au, und durch einen Lere tu wurde dann die Sachs weitcrvcrfolS. Die Anklage stützte sich auf Beobachtungen dieser Frauen. � Augenzcugiu Frau Stolberg und der anderen, die von NaÄ>0l' Wohnungen aus»tt Schläge und Geschrei gehprj hatte».'Räch i�J" Bekundungen hat das damals siebenjährige Kind es von Ansoff an recht hart be, Frau Louis gehabt. Sie ließ sich nicht„Mutic- � sondern„Tanle" nennen, auch den eigenen Vater mußte das als„Onkel" anreden, und Frau Slolberg durfte zu der KJwc nicht„Ääthchen", sondern Käthe sogen. Frau Louis pV"* Ääthcken aus geringfügigen Ätilässen mit einer siebenstrLhn>4 � Klopfpeitsche, und oft Hörle mau Wehgeschrei, das durch und Fußboden der Louisschen Wohnung in die daneben und runter liegenden Wohmingen drang. Auch Geräusche wurden nom Ilten, die darauf schließen ließen, daß Frau Louis das#»' zu Boden stieß. Käthcheu selber har Hausbewohner iuncu Mo®., die„Taute" habe sie mit dem Fuße gestoßen. Spuren von � Handlungen, blutuuterlausenc Striemen und Beulen, wurden Körper des Kindes bemerkt, an Armen und Beinen und am Kopf- � den Prügeleien soll auch der Angeklagte Louis, der Vater s? Kindes, sich beteiligt haben. Beide Angeklagte behaupkeieu.*fl:h" sei utffaubcr und naschhaft gewesen und bade Angewohnheiten labt, die auf geschlecktlichem Gebiet lagen. Rur von der ihr diese Unarten abzugewöhnen, hätten sie sich leiten lass-ff Hieraus erkläre es sich auch, daß sie der Kleinen manckwal 1 Bcii die Hände angebunden hatten. Hausbetvohncriuneu si�ildst** das Kind als stets artig und höflich, und auch die Lehrerin sich günstig und bekundete, daß sie au Kätbchcn nie eine zum Lugen bemerkt habe. Blühend sei das Kind zu den Louisl� Eheleuten gekommen, sagte eine Zeugin, später aber habe es-lc"' ausgesehen. Auch die Ernährung sei, so wurde behauptet, länglich gelveseu. Der Stoatsanwolt sah als festgestellt an. daß beide SuflskW' f'» unmenschlicher Weise an dem Kinde vergangen hätten, f bemerkten Spuren konnten nicht Folgen von gewöhnlichen 3**', gungcn sein die stch in erlaubten Grenzen gehalten hätten.- -utistettung der beiden Angeklagten und ihr Einwand, daß die � laitenbcn Aussagen weiter nichts als Lügen seien, verdienen � Glauben. Zu einer milden Beurteilung liege nicht der mindci� Anlay vor st Monate Gefängnis beantragte de: Staatsan»� ht- v"?cr,cib,flfr Rechtsanwalt Herr» Pincus � ..ÄUt�e,i'CL; Z-usin Stolberg zu erschüttern. � ,'.°9 �rtafntaß des Schöfsengcrichtsurtcils zugeben woe pch aus der erneuten Beweisaufnabmc nicht-rg-bc". Ta. Gericht trat dieser Ausfassung bei. verwarf die BeruM � �raaisanwalt,ckaft und beließ es bei 6 Wochen Gefäng«� ,vc, ige, tollt fei, daß das Kind eine ungebührliche Behandlung Mt�ndlunget. erlitte» habe. Tie vom Scköfftngericht zuerkaN»'- -.rase könne al-er als ausreichend gelten. llnorr-ksafermekl. öas altbewährte Nährmittel für kinäer. Knorr-k>aferftocken� beste krästigenöe Nahrung für ulagenfthwache unö ölutarme. Oerstztwvrtlichei: Redakteur: Äffretz viele»». Neukölln, gut Ö