|tr. 137. l l pk«nnis) MontaMausgaite( pi enma) flbonocmentS'Bcdingungcn: Riioimüincntä- Preis pränumerando: Tierteljähr!. 3.39 MI., monat!. 1,10 STif., ttiödieniliA 2S Pjg. frei ins Haue. Einzelne Siununer ö Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Soruitags- Beilage»Die Neue Welt' lll Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunge- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn L'ov Marl, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal,' »rumänicn, Schweden und die Schweiz. CridKiRt täglich. 3L Jahrg. Die TnicrMonS'Gebübf beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeilc oder deren Raum«o Pfg.. für politische und gcwcrkschaltliche Vereins- und Vcrsanlniinungs-Anzeigcir 90 Pfg. „Atcinc Znr-igen", das scttgedrullte Wort A Pfg.(zulässig 2 fctigcdruilie Worte), jedes wntere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellcnan- zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 1Z Luch- siaben zäblcn für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummcr müifen bis S Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abendS geöffnet. Telegramm- Adresse: „SciläKURtokrat Berlin", Zentralorgan der rozialdemokratifcbeti partei Deutfcblands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnitraßc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. T»83. Montag, den 11. Mai 1914. Expedition: 8W. 68, Lindcnftraßc 69. Fernsprecher: Zlint Moritidlat,, Nr. 11183. t Der Kaiser öer Zukunft. Hart fallen dem Erben der deutschen Kaiserkrone des Schicksals Lose. Tchon daß ihn des Vaters Wille zu uner- wiinschtcr Stunde von den Tennisturnieren und Reiterfcsten Longfuhrs in das Arbeitszimmer des großen Schweigers in den Backsteinban des Großen Gencralstabs bannte, war schlimm, aber jetzt kommt es schlimmer: L i m a n, ausgcrech- net L i m an, hat ein Buch über den jungen Herrn geschrieben, das von den Bläserchoren der nationalistischen Presse schmetternd angekiindigt wurde und dieser Tage erschienen ist.(Tr. Paul Lima», Ter Kronprinz. Gedanken tiber Deutschlands Zukunft. Verlag von Wilhelm Köhler, Minden.) Eincni Friedrich Wilhelm IV. wurde in Kronprinzentagen von Goethe das Horoskop gestellt,— dein Nachfolger Wilhelms II. streut Li man die Vorschußlorbeeren. Li man, ausgerechnet Li in an! Ter Antisemit semitischen Geblüts, der fingerfertige Federfuchser, der an ein und dcnlselben Tage ist verschiedenen Blättern englandfreundliche und england feindliche Artikel jmifi; verschiedenem Kriegsnamen schrieb bein sogar die„Deutsche Tageszeitung" den Stuhl vor die Türe setzte, von dem die sich selbst achtenden Pressemenschcn oller Parteien mit einem peinlichen Gefühl abrücken,— dieser T i man schreibt lobpf�send iiber den Kronprinzen! Wenn „Beleidigung eines Mitgliedes des königlichen jfrlfrs, nicht Hauses" ist!..Staatsanwalt, auf die Socken! Aber sachte* Wer sagt, ob es der Kaiserlichen und König kichen Hoheit nicht recht und lieb ist, von L i m a n gelobt, gelimant zu werden? Hat die Kaiserliche und Königliche Hoheit nicht auck, mit der gewiß loyalen und monarchischen „Täglichen Rundschau" zu reden, an„den Festen des Pöbels teilgenommen, als sie dem Sechstagerennen zusah? Fragte nicht dieses Blatt bei diesem Anlaß ganz entsetzt:„Hat nicht auch ihn der penetrante Geruch der Verworfenheit belästigt, wie er andere belästigt hat? Hat nicht auch ihn das Gejohle und Gekreische angewidert, wie es andere angewidert hat? Hat nicht auch ihn die Sinnlosigkeit dieses ewigen Tretens, Tretens, Tretcns auf der häßlichen Plankenbahn angeekelt, das mit Sport auch nicht das geringste mehr zu tun hat, wie es andere angeekelt hat?" To diese Fragen ohne Antwort blieben, warum sollte sich da der Kronprinz durch die Weih rauchwvlkcn eines L im a n angewidert und angeekelt fühlen? Aber wir wissen es nicht. Jedenfalls werden viele durchaus monarchpsch gesinnte Teutschc den Umgang Friedrich Wilhelms mit eigentümlichen Gefühlen betrachten: sein volitischer Beichtvater, der Herr v. Oldenburg-Janu schau, der Umstürzler von oben, der staatsstreichlüsterne Mistgabeljunker, sein Lieblingslyriker Rudolf Presbcr, der seichteste aller verscmachendcn Scichtbeutel, und sein Leib- Publizist Schinok Lim an! Doch wir haben hier nicht über des Kronprinzen Repu ticrtichkeit zu wachen, sondern nur festzustellen, was sich poli tisch über das ihn behandelnde Buch sagen läßt. Was man etwas allzu hochtrabend als seine Grundidee ansprechen kann, ertrinkt zwar fast in einem üblen scimig-schleimigcn Phrasen� schwulst, aber schließlich verleugnet das Elaborat doch auf keiner Seite, daß es ein Pronunziamcnto sein, daß es eine Standarte aufwerfen will, und zwar eine Standarte für den Kronprinzen gegen den Kaiser? Noch nie haben die kleinen, aber stimmkräftigcn 5lreisc der Alldeutschen, der cchtpreußi- iwen Leute und der Staatsstreichlcr von Beruf, in deren Aamcn L i m a n spricht und als deren Bannerträger er den Kronprinzen in Anspruch nimmt, so wenig ein Hehl daraus gemacht, daß ihre Neigung für den Sohn in erster Reihe Ab- veigung gegen den Vater ist. Ein Blinder greift mit dem Krückstock die Beziehungen, wenn es von dem Kronprinzen �eißt, daß er die Pirsch liebe,„nicht jene Jagd, die den Koni- Wit mit in das Waldesdunkel schleppt, die einen Massenmord Poll führt und zuletzt mit einem seltsamen Stolze feststellt, �ß hier der tausendste Dilberfasan und dort der zehn- tausendste Hirsch im Feuer verendet ist". Oder wenn an anderer Stelle von ihm gesagt wird: Luillt nicht aus dem gleichen Winkel der Seele auch die Ab- Neigung des Prinzen gegen klingendes Pathos, gegen hallende Worte, wie sie in allen Kundgebungen sichtbar sv'.rd, die an die Leffenlichkeit gelangten? In schlichter Form spricht schlichte Meinung zum Hörer oder Leser, keine st i l i st i- s ch e n Künsteleien, keine unnützen Phrasen slbleichen sich in den einfachen Gang der Gedanken, die nie über- raschen, sondern nur eine ehrliche Stimmung ausdrücken sollen. Und er iühlt sich weder als den i n f a l I i b I e n Beherrscher des künstlerischen Geschmacks, noch als Richter in Fragen der Wissenschaft und Technik, weder als den Wegweiser in alle Wonnen der Zukunft, noch als den s c l b st s i ch e r e n Führer, dem die Vasallen blind lings Gefolgschaft zu leisten Habens Ter Kaiser wird seine leihte Freude an dem Buch haben, das seinem Acltesten gc»idmet ist. Aber nicht um der schönen Klugen dieses Hoheuzollern rücken ihm Alldeutsche, echte Preußen und Staatsstreichlcr so in bewußten Gegensatz zu seinem Bater, sondern weil sie von ihni erwarten, was- Wilhelm II. ihnen stets versagt. Aus Li maus Buch klingt dem Kronprinzen das Heil jener ge meingesährlichen Burschen als dem Kaiser der Zukunft cnt gegen, weil sie in ihm den Kaiser des Imperialismus, den Kaiser des Weltkriegs und den Kaiser des Staatsstreichs sehen.„Tas deutsche Volk." orakelt L i m a u.„lechzt nach einer neuen Periode der Taten, nach der Möglichkeit, im erweiterten Räume erweitertes Recht zu gewinnen. Es ist nicht returiert... Es will auch nicht eiuc Politik des Friedens llat' e-xoebeu treiben, sondern Machtpolitik." Und um dieser imperialistischen Machtpolitik Teutschland in einen Weltkrieg zu stürzen, dazu ist nach Lima n und seineti Einbläsern der Kronprinz der geeignete Mai»'., denn schon aus seinem Aoschiedsregiinentsbefehl an die Tanziger Husaren klang„die entschlossene Betonung eines Willens durch, der auch vor der nlriimi ratio nicht erschrickt, der das Schicksal des Volkes nicht auf Toaste und Glückwunschtele gramme, auf Beiileidsknndgcbungen und Bcrsöhnungsfestc stellen will," sondern auf die Menschen. Aber auch in der inneren Politik ist der Sohn Wil- Helms II. die Hosfmmg aller Scharfmacher, denn„das größte aller Probleme wird auch de'ck künfttgeu, Käst'«.�v- Kaiupß gegen die aus der Tiefe emporsteigenden, gegen den Bestand des Reiches gerichteten Kräfte bilden." Aber der das: Immer feste druff! gesprochen, wird keinen Schritt vor der Sozial- demokratie zurückweichen:„auf der Schanze wird kein Schwächling stehen und nicht noch einmal wird Friedrich Wilhelm IV. angstvoll den Hut vor den Leichen der Re- bellen ziehen." Im Sturm, eines rücksichtslosen Angriffs aber„würde auch der Staatsstreich in dem mildernden Scheine der Notwehr stehen". Also immer feste druff, Friedrich Wilhelm! Tas erwarten, das hoffen sie, die roten Reaktionäre, von dem Nachfolger Wilhelms II.: den Staatsstreich, die imperialistische Machtpolitik und den Weltkrieg! Und wer sie durch den Mund ihres Lim an so von dem„Kaiser der Zu- kunft" schwärmen hört, dem will es fast bedünken, als dauere es ihnen allzu lange, bis mit dem Tode Wilhelms II. ihre Stunde schlägt, und wie verhaltene Hoffnung klingt es aus dem Buch hieraus,, wo mit frommem Aiigcnaufschlag die Möglichkeit erwogen wird, daß„wirklich das Schicksal, das auch das Gebet eines treuen Volkes nicht siegreich meistert, allzu früh, wie einst den Vater, so auch den Sohn auf das Feld entscheidender Taten, auf die höchste Höhe des Taseins führt"?. Das Urteil darüber, wie geschmackvoll diese Erwägung ist, wie darüber, ab niit dem Buche L i m a n s dem Thronerben Nutzen oder Schaden widerfährt, wollen wir de- rufeneren Vertretern des monarchischen Gedankens über- lassen, als wir es sind. dessen aus patriotischen Rücksichten die bereits fertige Sendung nicht an die Rebellen abgehen lassen. Auf diese Mitteilung habe Bryan selbst geantwortet, die Handlungsweise der Winchcster-Waffensabrikcn sei zwar sehr patriotisch und lobenswert, die G c w i s s e n s b i s s c d e r F i r m a sei c n jedoch vollkommen überflüssig. Tie Absendung der Waffen sei daraufhin erfolgt und somit bade Sri) au selbst das W a f f e n e i n f u h r v c r bot durch- b r o ch e n. Dagegen wird natürlich die Wasfen-zusuhr für Hnerta mit aller Macht verhindert, selbst auf die Gefahr internationaler Verwickelungen hin. Ter'in Puerto Meriko liegender deutsche Tampscr„Kronprinzessin Cccilic" wird die zur Einführung nach Meriko bestimmten Waffen nicht an Land schaffen, sondern sie nach Deutschland zurückbringen, um allen Unannehmlichkeiten niit den Amerikanern aus dem Wege zu gehen. Auch der deutsche Tampser„Bavaria", der am 18. Mai in Puerto Mexiko einlaufen soll, ist auf drahtlosem Wege von den Amerikanern benachrichtigt worden, daß ifun die Löschung seiner Wafseniladuiig in Mexiko nicht gestattet werden würde. Es ist infolgedessen"sehr leicht möglich, daß die„Bavaria" ihre Route überhaupt ändert und Puerto Mexiko gar nicht anläuft. Selbst in Washingtoner diplomatischen Kreisen befürchtet man, daß das neue Wasfenlandiingsverbot einen uiigiinstigen Einfluß auf die Vcrhaiidliiugen üben wird. Wahrscheinlich wird Geiu-Kil Hnerta, sobald er von der Intervention Brunns den beiden deutschen Dampfern gegenüber erfahren hat, sich von neuem über die Parteilichkeit der Vereinigten Staaten beklagen und wieder einmal mit dem A b b r n ch der Verhandln nge n drohen. Verbot der Wasfenlandung. Washington. 9. Mai. Staatssekretär Brhan crklärtc, die Kricgsvdrxätd an Bord des Tämpfers Kronprinzessin Cceilie in Puerto Mexiko würden nach Teutschland zurückgeschickt werden. Washington, 9. Mai. Staatssekretär Brhan erklärte bezüglich der Rücksendung der aus deutschen Schiffen nach Mexiko gegangenen Kriegsvorrätc noch weiterhin, daß in dieser Angelegenheit keine Erörterung zwischen Teutschland und Amerika si a t t g c f u ii d c n habe. Es seien auch dem amerikanischen Konsul in Havcma. der gemeldet hatte, daß die Kriegsvorräte auf Grund der Empfehlung des zuständigen Schiffsagenten nach Teutschland zurückgeschickt werden würden, keine Weisungen erteilt worden. Bryan hat den amerikanischen Konsul, in Tampico ange- wiesen, die Richtigkeil einer Meldung zu untersuchen, nach welcher Besitztitcl amerikanischer O e l q ii e I l e n in der Gegend von Tampico auf britische Besitzer übertragen den Schutz der britischen Regierung zu sichern. wurden, um sich Verstärkung der nmcriknnischcn Flotte vor Tampico. Washington. 9. M a i. Das Ma-riiicamt hat den Monitor Ozart. der zwei zwölfzöllige Geschütze führt, zur Verstärkung des Geschwaders des Admirals Mayo nach Tampico beordert. Das Schiff hat nur geringen Tiefgang und wird imstande sein, den Panucosluß zu befahren. Weitere Zuspitzung öes amerikanisch- mexikanischen Konflikts. Wie aus New Dort gemeldet wird, erregt dort die Mitteiliiug des mexikanischen! Sonderberichterstatkers der „Evening Mail"(Abendpost) großes Aufsehen. Es wird darin nämlich behauptet, daß trotz der äußeren Feindschaft ein„moralisches Bündnis" zwlslkhcn der Regierung der Per- einigten Staaten und den mexikanischen Rebellen besiehe. Das Blatt erklärt, daß noch innerhalb der letzten Woche für über vier Millionen Mark Waffen und Wunition zu General Villa über die mexikanisch- amerikanische Grenze geschafft worden sind— trotz des sogenannten Wasseneinfichrverbots und der strengen Grcnzbewachung. Gegen diese Unter- stützuug der Rebellen richtet sich auch besonders Huertas Protest. Uni diese Behauptmigen zu belegen, fügt die„Evening Mail" noch folgende Meldung hinzu, die den Staatssekretär Bryan in recht zweideutigem Lichi erscheinen läßt: Tie Wafsenfabrik von Winchester hakte Bryan ans eigenem An- triebe davon benachrichtigt, daß sie von den Rebellen eine Bestellung auf 7(XX) Gewehre und 5 Millionen Patronen erhallen habe, daß sie jedoch bei der augenblicklichen kritischen Lage in Mexiko befürchte, diese Waffen amerikanische Armee verwendet werden. könnten gegew die Sie habe infolge- te Sozialdemokratie der Vereinigten Staaten gegen den mexikanischen Krieg. Tie Genossen der Vereinigten Staaten führen einen energischen Feldzug gegen die amerikanische Regierung wegen ihres niexi- kanischen Abenteuers. Tie sozialistischen Frauen von M an- h a t t a ii und Brooklyn, die„Fedei'atiou of Labor" von C h i e a g o, die Union der jüdischen Gewerkschaften sowie die sozia- listischcn Organisationen von Philadelphia, New York und anderer großer Städte haben große.ProtcftversaiiWtlungen gegen den mexikanischen Krieg abgehalten. In einer großen Versammlung, die am 28. April in der Carncgie-Hall zu Newyork stattfand, erklärte Genosse Ruffel unter dem stürmischen Beifall der Anwesenden:„Alle Revolutionen, deren Schauplatz in den letzten Jahren Mexiko war und auch der Krieg, den gegenwärtig die Vereinigten Staaten gegen Mexiko führen, sind die Folge kapitalisti scher R ivalitäts- st r e i t i g k e i t e n um den mexikanischen Mark i." Unser Organ„Appeal to Neason" schreibt:„Wir wollen den Krieg nicht, den Wilson und Bryan, wie sie behaupten, führen, um die Ehre der amerikanischen Flagge zu wahren/ Sie sollen Hnerta in Ruhe lassen und der Verfassung und der natioiialcn Würde lieber in Colorado Geltung verschaffen." Ebenso erklärte Genosse Eugen V. Teds im„Newyort Call": „Ter Krieg in Colorado interessiert das amerikanische Volk viel mehr als der Streit mit Mexiko. Tie abscheulichen Schandtaten, welche die amerikanischen Soldaten unter dem Schutze des Sternenbanners in den letzten Wochen in Colorado begangen haben, sind eine Schande sür das Land und ein Verbrechen gegen die Zivilisation. Wenn es das Sternenbanner tixleriert, daß man Frauen ermordet und Kinder verbrennt, dann hat ein Hnerta sehr wohl das Recht, dieses Banner zu mißachten." Tie Hallung der amerikanischen. Genosse» gegen den Krieg hat ein lebhaftes Echo bei den mexikanischen Genossen, die sich um das Blatt„EI Socialista" sammeln, gesunden. Auch sie protestieren aus das entschiedenste gegen den Krieg. die Fortschritte des Sozialismus in Frankreich. Paris, 8. Mai.(Eig. Bcr.) Wir habe» schon hervorgehoben, daß die Wahlen vom 26. April einen Fortschritt des Sozialismus im ganzen Land zeigen. Ti „Humanith" verösfentlicht heute eine im Parteisekretariat von Genossen P o l i nach den bisherigen, allerdings im einzelnen noch der Korrektur entgegensehenden Zahlenangaben angefertigte Karte, die im Verein mit einem Konimentar des Genossen Dubreuilh diesem Vormarsch veranschaulicht. Die Karte zeigt die Tepartc uients und das Verhältnis der sozialistischen Stimmen zur Wähler zähl. Daneben wird auf einer Scheibe die verhältnismäßige Stärke der sozialistischen, der bürgerlichen und der Wahlenthaltung üben den Wähler des ganzen Landes sichtbar gemacht. Die Vergleichung mit den entsprechenden Ziffern des Jahres lglll zeigt die politisch Lntwickelung seit den letzten Wahlen. Bor allem ergibt sich ein st a ti e r Verlust der b ü r g e r- lichen Parteien. Während ILIO von 1000 eingeschriebenen Wählern 077 ihre Stimme siir bürgerliche Kandidaten abgaben, so diesmal nur 042. Dieser Abfall kommt allerdings nicht ganz über doäi zum größten Teil den geeinigten Sozialisten zngute. Für diese hatten 1310 von 1000 eingeschriebenen Wählern 08 gestimmt, diesmal 123. Der Satz der Stimmenthaltungen ist von 228 auf 235 gestiegen. Betrachtet nian die einzelnen Departements, so ergibt sich, daß in 32 Departements die Zahl der sozialistischen Wähler weniger als 5 v. H. beträgt. 1010 war das noch in 48 Departements der Fall, lieber 10 v. H. der Wähler stimmten in 32 Departements sozialistisch— 1010 nur in 25 Departements. Die relativ stärkste sozialistische Wählerschaft haben folgende Departements aufzu weisen: Haute-Bienne(373 vom Tausend), Allier(335), Ardcnnen(303). Der Nord folgt mit 201 vom Tausend. Das Scinc-Tepartcmcnt hat die Zifser 250. Im ganzen zeigt sich nur im Nordwesten ein zusammenhängen der Komplex von„sozialistenfreien" Departements. Es ist die Bretagne und die angrenzende Normandie, das Land der Junker und Psaffen. Weiter bilden die Departements an der Ostgrenze, Ivo die Jnvasionsfurcht der nationalistischen Demagogie zu Hilfe kommt, cinen dem Sozialisnius feindlichen Gebictsstreifen. E i n Einfluß der Ivirt schaftlichen Verfassung auf die Verbreitung des Sozialismus ist nicht sichtbar, Wenn die stark industriellen Ardcnnen, der Nord und das Berg- revier des Pas-dc-Calais<232 b. T.) hohe Ziffern zeigen, so ist das ganz agrarische Departement Bar(282), der Gard(223) und der Herault(107) ein Beweis für die Empfänglichkeit der französischen Bauern für die sozialistische Propaganda. Der hauptsächlich vom Weinbau lebende Süden weist überhaupt gute Resultate auf, aber auch das Zentrum mit seiner Bevölkerung von Halbpächtern und Landarbeitern.(Allier, Eher mit 257 vom Tausend, Nievre, Uonn«.) Zugeiiommen hat die sozialistische Wählerschaft— im Verhältnis zur Wählerzahl— in 6ö Departements, abgenommen in 17 und in 3 ist sie steheni geblieben. Die Abnahme bedeutet nicht immer eine Einbuße an wirklichen Sozialisten, allerdings die Zunahme auch nicht immer einen Gewinn. Das Bezirkswahlrecht mit der starken Bedeutung des persönlichen Moments macht sich hier in störender Weise geltend. Wie die angeführten Ziffern zeigen, ist der Sozialismus in Frankreich auf der ganzen Linie im Vormarsch. Wohl hat er noch nirgends die erdrückenden Mehrheiten angesammelt, die z. B. einige großstädtische Wahlkreise im Deutschen Reiche zeigen. In keinem einzigen französischen Departement verfügt er bisher über die Hälft- der eingeschriebenen Wähler. Das erklärt sich einerseits aus Zusammensetzung der Bevölkerung, der zahlreichen Schichten der mittleren und kleinen Eigentümer. Wenn, wie wir sehen, auch die Bauern dem Sozialismus zugänglich sind, so bieten sich der Propa- ganda bei ihnen natürlich größere Schwierigkeiten dar, als in industriellen Gegenden mit konzentrierter Bevölkerung. Dann aber darf man die Bedeutung der cingelvurzelten, in freiheitlicher und demokratischer Hinsicht sehr entschiedenen radikalen Partei nicht unterschätzen, die noch von der Tradition der Revolution zehrt. Riesellsprünge wie die deutsche Sozialdemokratie kann die sranzö- fische Partei schon darum nicht machen, weil der Bevölkerungs- zuwachs fehlt, der in Deutschland die Wählerzahl von Wahl zu Wahl gewaltig steigert. Bei einer stockenden Bevölkerungszahl und bei abnehmender Wahlbeteiligung ist die geeinigte Partei in vier Jahren aus einem Zehntel der gesamten Wählerschaft ein Achtel geworden. Das ist ein ungemein bedeutender Fortschritt, den auch die einsichtigen bürgerlichen Beurteiler als das wichtigste Ergebnis der Wahlen erkennen, lind die sozialistische Internationale sieht mit freudigem Stolz und mit Zuversicht die französischen Genossen zur Kraft herangewachsen, die die Geschicke ihres Landes und der Kulturwclt zum Besseren lenken kann. jammerswert niedrigem Niveau und beruht allem Anschein nach ausschließlich auf einer oberflächlichen Lektüre der Deutschen, Arbeitgeber-Zeitung. Wer sich, um nur ein Bei spiel zu nennen, hinstellt, und den Unterschied zwischen der Disziplin in der Armee und dem in der Arbeitergewerkschast dahin definiert, daß jene ein Ausfluß des zur Verteidigung des Vaterlandes geleisteten Fahneneides sei, während diese auf dem Terrorismus beruhe, der kann nicht beanspruchen daß man mit ihm ernsthaft diskutiert. Höchstens insofern verdrer.t die Delbrücksche Rede einige Beachtung, als sie die Notwendigkeit der gelben Gewerkschaften aus eine neue originelle Art begründet. Konsequienterwers müßte der Herr Professor ja auch die Gelben ablehnen, di auch ihre Organisationen ohne einen Terrorismus, von welcher Seite er auch immer geübt werden mag. nicht zu sammenzuhalten sind, aber da er wohl zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß das alte patriarchalische System, für dessen Vortrcfflichkeit er in der Geschichte so viele Beweise gefunden hat, heute nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. begrüßt er die Gelben deshalb, weil sie in die Arbeiterbewegung eine Zersplitterung hineintragen. Je mehr verschiedene Organisationen, um so besser, denn um so schwerer wird es das Proletariat zu gemeinsamer Arbeit zusammen zu fassen und um so sicherer ist die Position des kapitalistischen Unter nehmertuins. Diese Idee aber ist Herrn Professor Delbrück nicht erst heute oder gestern gekommen. Er hat sich schon srüher au' dem Gebiete der Regelung des Arbeitsverhältnisses allerlei dilettierende Kunststücke geleistet. Bereits im Jahre 1890 veröffentlichte er in seinen Preußischen Jahrbüchern cinen „Briefwechsel c i n e s T h e o r e t i k e r s und eines Praktikers ii b e r A r b e i t e r o r g a n i s a t i o n und Streik s", in dem dieser Zersplitterungsgedanke die Haupt rolle spielt. Der Theoretikers sowohl wie der Praktiker war natürlich der Herausgeber der Preußischen Jahrbücher selbst der aus diese Weise das Für und Wider seines Projektes erörterte. Das Projekt aber lief daraus hinaus, daß jeder Fabrikherr" cinen Teil seiner Arbeiter zu„Altgeselle n" mit lebenslänglicher Anstellung und sonstigen günstigen Arbeitsbedingungen erheben solle, die dann eine Kerntnippe in dem Abwehrkampf gegen die Forderungen der übrigen Arbeiter bilden würden. Bis zu einem gewissen Grade entspricht die Schafsung der Werkvereinc in Perbindung mit Wohlsahrtseinrichtnngen usw. dieser professoralen Anregung, doch das Ziel, das sich Delbrück vor einem Vierteljahrhundert steckte, mit Hilfe seiner Altgesellen„die Uebertragung der englischen Gemerkverein auf unseren Boden, wie sie Professor Brentano und andere Gelehrte erstreben", zu verhindern, ist deshalb doch nicht erreicht worden. Und das hätte ihn eigentlich veranlassen allen, sich auf die Erforschung des Verlaufs der Scklacht bei Cannä und anderer kriegsgeschichtlicher Details zu be- schränken und die Finger von Sachen zu lassen, von denen er chlcchterdings nichts versteht. Tie Vertuschuugskommission. Die Kommission zur Prüfung der Rüstungslieferungen soll nach den Beschlüssen ihres geschäftsleitenden Ausschusses vom 8 bis zum 10. Juni tagen, um unter Hinzuziehung von Sachver- händigen die gesamte Beschaffung der Bewaffnung und Munition iür dic"4stffanteric, Feld- und Mißartillerie sowie der Marine- gcschützc zu erörtern. Im Anschluß hieran soll eine Besichtigung der Spandauer Militärwcrkstätten stattfinden. Die Fortsetzung der Verhandlungen ist für die erste Hälfte dcZ November in Ansicht genommen. Ein Monist taugt nicht zum Stadtrat. Wie wir kürzlich meldeten, wurde in Gera, der Hauptstadt von Reuß j. L., der von der früheren sozialdemokratischen Mehrheit zum Stadtrat gewählte Rechtskonsulent Wilhelm Hartmann vom Ministerium nicht bestätigt, da Hartmann sich nicht mit seiner atheistischen Gesinnung begnüge, sondern angrifssweise und agi- tatarisch gegen die christlichen Religionsgesellschaften vorgehe. Ten polizeilichen Schnüfflern war dabei eine fatale Personenverwechse- lung passiert. Was über den Rechtskonsulenten Hart- mann berichtet worden war, traf nur auf den Zigarren- macher Hugo Hartmann zu. Gemeinderat, Äkonistenbund und der nichtbestätigte Hartmann legten Beschtverde beim Gesamt- Ministerium ein. Auf eine Interpellation unserer Genossen hin erklärte der Bürgermeister, die Personenvcrwechselung werde vom Stadtrat als peinliches Versehen betrachtet. Die Sache sei zur nochmaligen Erörterung an das Ministerium zurückgegeben. Das Ministerium hat nun dahin entschieden, daß auch der richtige Wil- Helm Hartmann nicht zum Stadtrat tauge, weil er eine P e t i- t i o n für die Aufhebung Hezw. Resormierung des Religionsunter- richts in den Volksschulen mit unterzeichnet habe. Damit habe Hartmann zu erkennen gegeben, daß er über das Niveau de» gewöhnlichen Anhängers des MonisniuS habe„hinaustreten" wollen. Der nichtbestätigte Hartmann wird riun noch das Ver- waltungsgcricht anrufen. politische Uebersicht. Hans v—-elbrück in allen Gassen! Tie Gesellschaft f ü r S o z i a le Reform mag es dem Herrn Professor Delbrück Dank wissen, daß er durch sein Auftreten zugimsden, der Gelben in ihre außerordentliche Hauptversammlung etwas Abwechselung hineingebracht hat. Das besagt»och nicht, daß die Ausführungen des Ge- lehrten einer ernsthaften kritischen Besprechung wert wären. Wewi jemals irgend wer über Arbeitersragen wie der Blinde von der Farbe geredet hat, so dieser Professor der Geschichte. Wir find weit(davon entfernt, dem wissenschaftlichen Zunftzwang das Wort zu reden. Wir haben nicht das geringste dagegen, wenn auch ein Historiker sich über Probleme der modernen Arbeiterbewegung äußert und sind nicht der Meinung, daß einer, der sich Kenntnisse auf dem Gebiete der Kriegsgeschichte erworben hat, deshalb nicht fähig wäre, über den Kampf der Klassen in der modernen Gesellschaft ein Wort mitzureden. Nur müssen wir schließlich verlangen, daß er. bevor er in einer ernsthaften Diskussion das Wort ergreift, sich mit»dem Thema so eingehend beschäftigt hat, wie es vor allem dem Manne der Wissenschaft ziemt. Herr Delbrück aber kennt nicht nur nicht die Praxis — er weiß von ihr höchstens soviel als chm ein paar befreundete Unternehmer zwischen Käse und Birne erzählt haben—, auch sein theoretisches Wissen von den Arbeiterorganisationen imi> ihrem Wesen steht auf einem be- „Das Recht ist aus". So überschrieb die„Bergischc Arbeiierstimme" einen Artikel, nach dem die bürgerlichen Parteien in der Zabernkommission alle jene Anträge, die dem Militarismus die Nägel beschneiden sollten, abgelehnt hatten. In dem Artikel wurde ausgeführt, daß der bürgerjiche Parlamentarismus weder fähig sei noch auch den Willen habe, die Armee zu demokratisieren. Schließlich wurde an die eigene Kraft des Proletariats appelliert. Gegen den Verant- wörtlichen wurde ein Strafverfahren wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten eingeleitet, das jedoch von der Elber- 'elver Staatsanwaltschaft jetzt eingestellt worden ist. Reue Waffenlandung in Ulster. Belfast, 10. Mai. Gestern herrschte in der Banger-Bay eine heftige Brise, so daß nur wenige von den Torpedodootzeruörern, die zur Verhinderung des Waffenschmuggcls beordert sind, aus- laufen konnten. Diese günstige Gelegenheit benutzte ein großer Frachtdampser, um eine Ladung einzelner Teile für 24 Feld- geschütze in Irland zu landen. Die Geschütztcile sollen angeblich in Irland von Feuerwerkern der Kanonenfabriken in Woolwich zusammengesetzt werden. Exkönig Manuel dementiert die Ehescheidungsgerüchte. London, 10. Mai. Exkönig Manuel von Portugal hat die Ge- rüchte von einer bevorstehenden Ehescheidung zwischen ihm und seiner Gattin ganz energisch dementiert. Allerdings wird der Fürst von Hohenzollern nächsten Donnerstag in Twickenham erwartet; er wird aber nicht in Begleitung seiner Tochter, sondern allein nach Sigmaringen zurückkehren. Im Monat August wird Exkönig Manuel und seine Gattin ebenfalls einige Wochen in Sigmaringen verbringen. Fortführung öer Sozialpolitik. Eine Kundgebung bürgerlicher Sozialethiker gegen Scharf« machcrei»nd Polizcibrutalität! Im Anschluß an die Gencralversammluiipl der Gesell- schuft für soziale Reform fand gestern ani Sonntag, um 12 Uhr mittags, in der„Neuen Welt" eine Versammlung statt, die eine eindrucksvolle Kundgebung für die Fortführung der Sozialpolitik und ein Protest gegen-scharfmacherei und Polizeibrutalität war. Tie Kundgebung der Gesellschaft für soziale Reform hat Wert in einer Zeit, wo jeder Protest der Arbeiterschaft als Entstellung von Tatsachen denunziert wird, die man im besten Falle bei dem Schuldigen erklärlich finden könne, der mau aber keinen Glauben beizumessen habe. Diese Denunziation ist um so gefährlicher, als ihre Opfer jene sind, die den wirk- schaftlichen Kämpfen persönlich fernstehen, von ihnen höchstens ein Buchwissen haben, und die doch vermöge ihrer Stellung über die im Kampfe stehenden Personen zu urteilen berufen sind: Richter und Verwaltilngsbeamte. Mehr bedeutet diese Versammlung aber nicht. Es ist ein schöner Traum, niit Herrn Berlepsch, dem Vorsitzenden, zu glauben, daß es genüge, bei Fortbestand der herrschenden Gesellschaftsordnung die schlimmsten Auswüchse des geltenden Arbciterrechtes zu beseitigen, um die Arbeiter und Ange- stellten dem Staate politisch und sozial einzugliedern. Eine ebenso große Ueberschätznng des eigenen Könnens war es, wenn Herr v. Berlepsch die Hoffnung aussprach, daß es dem besseren Wissen, der Ucbcrzengnngskraft eines echten Patrio- tismus gelingen werde, die Scharfmacher ijnd ihren Anhang eines besseren zu belehren. Iii der Versammlung selbst sprachen in temperamentvoller Weise zwei Frauen, die beide dem optimistischen Staatsministcr hätten zu denken geben sollen. Fräulein M e i n e ck bemerkte, daß die Angestellten seit bereits 14 Jahren mif eine Regelung ihrer Arbeitszeit warten, daß Enqueten veranstaltet, Beratungen gepflogen, die Ergebnisse dieser Untersuchungen herausgegeben worden seien usw., daß aber bis heute eine Regelung der Arbeitszeit der Handelsangestelltcn noch nicht erfolgt sei. Sie fand einen glücklichen Schluß, als sie unter stürmischem Beifall in die Versammlung rief, es handele� sich nicht uni Fortführung, sondern um den Anfang der Sozialpolitik. Ebenso Frän- lein Margarete B e h m, die für die Heimarbeiterinnen sprach. Sie beklagte lebhaft, daß die neue Versicherungsgcsetz- gebnng für die Heimarbeiterinnen zum Teil nicht nur einen Vorteil, sondern sogar einen Nachteil bedeute, daß bisher keiner der im Gesetze vorgesehenen Fachausschüsse ins Leben gerufen sei, und daß das, was die englische Gesetzgebung den Heimarbeiterinnen gewähre: das Lohnamt, für Teutschland noch ein frommer Wunsch sei. Zeigten diese beiden Frauen die engen Grenzen der deut- schen Sozialpolitik und der Wirkung dea Vereins für soziale Reform, so traf der Vertreter der technischen Angestellten, Ingenieur Otto Schweitzer, den Nagel ans den Kopf, als er erklärte, daß die Sympathie der Sozialethiker für Arbeiter und Angestellte zwar erfreulich und förderlich fei, daß die einzige, die Sozialpolitik bewegen de�Jrtaft aber in den Arbeitern und Ange st eilten selb st liege. Die Versammlung wurde von dem ehemaligen StaatSminister Dr. Freiherr» v. Berlepsch* mit einer kurzen Rede eröffnet: Die Gesellschaft für soziale Re- form ruft, sagic er, die an der Sozialpolitik interestierten verschic- neu Schichten der Arbeiter und Angestellten zu einer gemeinsamen Kundgebung auf. Die Sozialpolitik ist von allem Anfang an Schwierigkeiten begegnet. Aber jetzt gehen ihre Gegner daran, den Strom der sozialen Gesetzgebung aufzuhalten oder doch zu ver- langsamen. Es wurde das Wort geprägt, daß eine Pause-in der Sozialpolitik eintreten müsse. Da lohnt es sich, den interessierten Arbeitern und Angestellten die Frage vorzulegen, ob die Sozial- Politik zur Disposition gestellt werden solle, ob Deutschlands Kraft zur Erziehung starker Söhne und Töchter Vesser ohne sie erhalten bleibe. Die Sozialpolitik ist nicht nur ein Gebot der Sittlichkeit, andern auch ein eminent patriotisches Werk. Tamil hatte der Redner den Ucbergang zum Kaiserhoch gefunden. Ter Hauptredner war der Herausgeber der„Sozialen Praxis"« Professor Dr. Ernst Franckr. Er führte aus: Der Kaiser selbst hat die Sozialpolitik zu wieder- holten Malen für unbedingt notwendig erklärt. Noch 1013 nannte ie der Staatssekretär Delbrück die wichtigste Aufgabe unserer Zeit und die sittliche Pflicht des Staates,«ollen alle diese Grundsätze in Vergessenheit geraten, da der Sozialpolitik eine erbitterte Gegner- ichaft erwächst 1 Was sind die Gründe, oder besser gesagt, die Vor- wände dafür? Die soziale Versicherung legt neben den Steuern und den Aufwendungen für den Ausbau der Wehrkraft dem Unter- nehmertum in der Zeit einer Krise zweifellos Lasten auf, die durch die bureaukratische Verwaltung noch empfindlicher werden. Aber ist es wahr, was die unternehmersreundlichc Richtung der Wissen- chaft behauptet, daß die Sozialpolitik nur Schaden gestiftet habe? Tie Bevölkerung Deutschlands hat sich enorm vermehrt, die Stcrb- lichkeitsrate ist gesunken. Im Anfange der Jndustriealisiernng Preußens wußten�dic kommandierenden Generäle nicht, woher Sol- datcn nehmen So gering war die Zahl der Tauglichen! Vor wenigen Tagen konnte der Kriegsministcr berichten, daß die jetzige Heercsvermehruiig glatt durchgeführt werden konnte. Ein schta- gender Beweis, daß die Sozialpolitik auch die Wehrkraft des Reich-s äärkt. Dazu die sittlichen Vorteile. Auch die Setze gegen die Ver- sicherungsieuche ist unbegründet. Das ist von autorativer Seite nachgewiesen worden. Im übrigen bekämpft die Arbeiterschaft selbst die Rcntenhhsterie auf das energischste. Oder ist vielleicht die: deutsche Sozialpolitik abgeschlossen und nichts mehr zu tun? Schon in den neunziger Jahren stellte Freiherr v. Stumm diese Behaup- tung aus. Trotzdem setzte nach der Verscharrung der Zuchthaus- vorläge eine Epoche sozialpolitischer Gesetzgebung ein, an der die Herren Bethmaiin-Hollweg und Delbrück mitgearbeitet haben. Ich gebe dem Staatsiekrctnr darin vollkommen recht, daß nach dem äußeren»usbaue die Verstcherungsgesetzgebung abgeschlossen ist. Aber es bleibt innerbalb ,hr noch genug zu tun übrig: ausge- deh.itere Selbstverwaltung. Herabsetzung des zum Rentenbezuge berechtigten Alters von 70 auf 65 Iah r e n, höhere Witwen- und Waisenrenten. �: e V e r i j d) er un e g e n Arbeitslosigkeit ist ein Feld- aus dem em großer Staatsmann eine gewaltige Aufgabe zu errullen hatte. Bis jetzt ist nur an den äußersten Grenzen herum- gekratzt worden. Es gilt serncr die Arbcitsverteilung zu regeln, die Arbcitsvermittelung zu organisieren, die innere Kolonisation nl ordern. Es nutzt natürlich nichts, alle fünf oder sechs Jahre zu sagen, das Problem ist zur Lösung noch nicht reis. Da muß fest zu- gegrisscn werden, �lohd George hat die Arbeitslosenversicherung ur eme große Zahl englischer Arbeiter bereits eingeführt: auch neutsche«tadtverwoltungen haben sich darin versucht; aber aus die Dauer muß eine reichsgesetzliche Regelung eintreten. x« M-nw �Wetterschutz ist im Prinzip anerkannt. Aber auch da bleibt noch viel zu tun. Kinder- und Jugendschutz müssen erweitert toerden, die Nachtarbeit muß eingeschränkt, die Sonn- taa»ruhe Erweitert werden. In der Großeisenindustrie sing Ichtundtge schichten an der Tagesordnung; im Krankcnpslegcdienst {oinmt eine bis 40stündige Arbeitsbereitschaft vor. UmoM hm, daß eine Unzahl von Gesetzen mit einer Unzahl von Paragraphen erlassen wird. Auf den Geist kommt es * 127. 3i. w w Seillige des Imarts" Kerliner DsldsdlM. lm Streit in Koloraöo. �ockefeller: Zur jeüen Toten stifte ich öer Kirche 100 Dollar. Ist noch immer ein besteres Geschäst, als üie �orüerungen dieser Sande zu bewilligen. Lied der Zabrit. Von Max Barthcl. Die Nächte verdunkeln, die Sterne verfunkeln. das Morgenrot blüht. Die Pfeifen ertönen. die Eisen, sie stöhnen, das Jeuer erglüht. O kommt nur, ihr Cevie, wie gestern, so heute, ihr habt keine Wahl. Die Mauern erschwanken wie tolle Gedanken in nuhloser Qual. Zch liebe die Leiber, die Männer und Weiber— o schmatzendes Fest! Ich will sie erdrücken und lachend zerstücken zu kläglichem Rest! Ihr Wollen und Wagen zertreten, zerschlagen. Mordwollust im Blick— Die Knochen und Seelen. ich will sie schon quälen: Ich bin die Fabrik! Ihr wünschen und Sehnen und perlende Tränen wird käufliches Gut. An leblosem Eisen mag sich zerbeißen ihr trotziger Mut! Kein Bäumen und Schäumen, kein Säumen und Träumen— Arbeit bringt Geld. Mensch?-- haut und haare! wird kostbare Ware und geht in die Welt! Der Zall liegt ganz klar. Von Rudolf Franz. Zwei Fälle standen lieute zur Vcrksandlnng. Gegen die Majors- gatiin Gräfin Kahlhof sollte wegen Betruges, Unterschlagung und Kontiirsvergehcil verhandelt werden; und eine alte Arbeiter- tvitwe hatte schon zum vierte» Male Kohlen gestohlen oder war vielmehr zum vierten Male dabei erwischt worden. Staatsanwalt Stallmann vertrat in beiden Fällen die Anklage. Die?lktcn hatte er genau studiert, neues konnte die Verhandlung für ihn nicht mehr zutage fördern. Seine beiden Anklagereden hatc er so ziemlich fix und fertig im Kopfe, und obendrein pflegte er sich eine Anzahl Schlagwortc zu notieren, um dann, vermöge seiner Weitsichtigkeit, in unauffälliger Weise seinem Gedächtnis nachhelfen zu können, wenn es ihn jezüweilcn im Stiche lassen wollte. Denn zerstreut war Stallmann, das mutz leider gesagt werden. Erzäblke er doch selber, datz er schon mehrfach, wenn er einen Brief fortbringen wollte und sich abgebürstet hatte, den Brief auf die Kommode gelegt, die Bürste in die Tasche gesteckt und seinen Irrtum erst am Brief- kästen wahrgenommen hatte. So war Stallmann. Noch am Morgen oder vielmehr gegen Mittag beim Aufwachen freute er sich der im voraus geleisteten Arbeit, nämlich der wohl- präparierten Anklagereden. Denn nach der langen Tanzcrci von gestern abend— Landgcrichtsrat Bollmann hatte eine italienische Nacht veranstaltet— wäre es eine verwünschte Sache gewesen, heute zwei Anklagereden aus dem Stegreif zu halten.?lbcr so leicht- fertig wir gewisse Kollegen ivar Stallmann eben nicht. Er nahm es ernst mit seinen Pflichte». So fuhr der Staatsanwalt getrosten Mutes zum Landgericht, freute sich unterwegs noch über das prächtige Sommerwetter und ärgerte sich zugleich, datz er heute nicht frei war. Uebrigens kam er beinahe zu spät, weil seine Uhr nachging, wie er im Korridor an der Normaluhr konstatierte. Man wartete bereits auf ihn. Eilig warf er sich in seine Robe. Im Sitzungssaale herrschte eine schreckliche Hitze. Die Sonne spottete der gelben Vorhänge aus grobem Stoff und rächte sich für die Aussperrung durch doppelte Glut, die sich hinter den Vor- hängen ansammelte und von da in den Saal hfneindrang. Der Vorsitzende begann mit der Verhandlung gegen die alte Witwe. Staatsanwalt Stallmann, dem von der Eile und der Hitze etwas wirbelig geworden war, blätterte in seinen Papieren und hörte nicht zu. Das hinderte ihn aber nicht, von.�eit zu Zeit durch seinen Kneifer überaus ernste Blicke auf die Zeugen- und Zu- Hörerbänke zu senden. Die Angeklagte sah er nicht an. Das war so sein Prinzip. UcbrigenL sah er. ja schlecht. Wozu also? Die alte Frau, schluchzte herzzerbrechend bei ihrer Vernehmung. so datz. ein als Zeuge vernommener Schutzmann ganz blatz wurde. So schlimm hatte, ti'ä ja nicht gemeint, als er sie zur Wache führte, weil sie hinter dem Kohlenwagen von Kaufmann Frey.die herabgefallenen Stücken ausgelesen hatte.?lbcr die Alte wutzte, warum sie heulte. Der Wachmcister hatte ihr gleich gesagt: Ties- mal setzt es aber ein paar Monate! Da die Angeklagte in allen Punkten geständig war, wurde die Beweisaufnahme im Handumdrehen erledigt. Der Staatsanwalt erhob sich. Die Richter setzten sich bequem zurccht. Einer sah vor sich hin, scheinbar in die Akten, wo er nämlich ein Buch liegen batie. Der Vorsitzende stemmte die Ellenbogen fest auf, senkte den Kopf. runzelte die Stirn und sah tief unter sich, so datz man sein Gesicht nicht erkennen konnte.(Darum ist es auch frivol und leichtfertig. datz ein Verwandter der?lngeklagtcn, der im Zuschauerraum sätz. nachher zu Hause behauptete, der Vorsitzende' habe während der Rede des Staatsanwalts geschlafen. Denn das konnte er gar nicht sehen, so wie der Vorsitzende den Kops biclt.) Ställmann begann damit, datz er sich kurz fassen könne. Der Fall scheine ihm ganz klar zu liegen, obgleich, wie er wisse, manche Leute anderer Meinung seien.(Der Staaisanwali schaute hier streng zu den Zuschauevl'änkcn hinüber.) Tie Eingeklagte habe zweifellos infolge des sorgenfreien Lebens, an das sie von Hause aus gewöhnt sei, jede Schätzung für den Wert des Geldes ver- loreu. Einer der Richter horchte einen Augenblick auf. Was war blotz mit dem Dr. Stallmann los? Na ja, die Hitze! Ter Richter döste weiter. Zweifellos habe die Angeklagke die Absicht gehabt, alles, was sie sich sozusagen widerrechtlich angeeignet lmtie, zu gegebener Zeit den Geschädigten zurückgegeben. Sie habe also nicht die Absicht gebabt, diese zu beirügen. Sie sei von unbegrenztem Optimismus crfiillt und habe eben, als die Verhältnisse sich für sie imn:«» ungünstiger gestalteten, geglaubt, sie würde aus irgendeine Weise noch zur rechten Zeit Hilfe erbaltcn. Sage doch auch ein altes, frommes Wort: Wenn die Not am grötzten— usw. Das alles sei doch menschlich durchaus begreiflich.� Ja, wer von den Anwesenden könne dafür einstehen, datz es ihm in ähnlicher Lage nicht ebenso gehen würde? So erledige sich für ihn, den Staatsanwalt, diese Seile der Sache gleichsam von selber, und er würde der erste sein, selber den Freispruch zu beantragen, wenn da nicht noeb eine andere Seite wäre. Die Angeklagte habe übermätzigen Auswand getrieben. Ja, das habe sie, das gehe für ihn aus der Beweisausnahme ganz unzweideutig hervor. Die Angeklagte habe auf zu grotzem Futze gelebt. Hier schüttelte die Angeklagte, di« andächtig zubörie, während ihre Tränen unaufyaltsam rannen, aufi'chluchzend den Kopk. Er wolle den Luxus und die Verschwendung nicht weiter au?» malen. Die Angeklagte habe ihre Bedürfnisse nicht einzuschränken verstanden. Mildernde Umstände seien ihr zuzubilligen, sowohl ihrer ganzen Persönlichkeit nach, als auch mit Rücksicht auf. ihre bisherige. Unbcschol.tenhcit.. Es komme noch hinzu, datz. sie Haupt». dampfersubveationen und Sozialdemokratie. Die Dermpfersubventionen, die die Regierung in diesem Jahre wieder gefordert hat, da der bisherige Subventionsvertrag für die Reichspost-Dampferlmien des Norddeutschen Lloyd am 30. Sep- tcmber dieses Jahres abläuft, gehen glatt durch. Die b ü r g e r- llchen Parteien fordern mehr für die Unterstützung über- seeischer Dampferlinien aus imperialistischen Gründen, und die Sozialdemokratie lehnt sie aus eben diesen Gründen ein- mütig ab. Der Gang der Dinge in dieser Frage ist nicht immer so gewesen. Es hat Zeiten gegeben in der deutschen Geschichte der letzten dreißig Jahre, wo es beinahe umgekehrt zuging, wo die bürgerlichen Parteien Vorlagen, die Tampfersubventwnen verlang- ten, zu Fall brachten oder doch stark beschnitten, und wo große Teile der Sozialdemokratie, ja die Mehrheit ihrer Reichstagssraktion geneigt war, wenigstens jene Dampfersubventionen zu bewilligen, die angeblich lediglich wirtschaftlichen und verkchrspolitischen Zwecken dienten. Seit dieser Zeit sind die ausschließlich kolonial- politischen und imperialistischen Zwecke der Dampfersubventionen immer klarer geworden, so daß aus beiden Seiten, bei den Gegnern wie bei uns, ein Streit ausgeschlossen ist. Trotzdem bleibt die Geschichte dieses Wandels der Dinge lehrreich. Die ersteVorlagezur Unterstützung überseeischer Dampfer- Verbindungen aus Reichsmittcln, also auf Kosten aller Steuer- zahler, brachte Bismarck im Sommer 1884 an den Reichstag. Diese Vorlage scheiterte vor allem an dem oppositionellen Verhalten des Zentrums. Sie blieb in der Kommission unerledigt. Im No- vember 1884 kam die zweite Vorlage /deren Erledigung sich bis zum späten Frühjahr 1885 hinzog. Während dieser zweiten Vorlage kam es zu den bekannten Differenzen in der sozialdemo- kratischcn Fraktion. Die späteren Vorlagen wurden glatt von den bürgerlichen Parteien angenommen, nur gab es noch hin und ivieder kleine Kämpfe mit den Agrariern, die bei den späteren Vorlagen versuchten, Verbote der Einfuhr überseeischer Agrar- Produkte festzulegen. Ten subventionierten Dampferlinien sollte verboten werden, Wolle, Butter, Fleisch und andere landwirtschaft- liche Erzeugnisse einzuführen, damit die Konkurrenz des Welt- Marktes die deutschen Agrarier nicht hindern könne, das deutsche Volk durch Monopolpreise nach Strich und Faden auszubeuten. In- zwischen ist diese gemeingefährliche Absicht der agrarischen Parteien durch die Wuchertarife viel besser erfüllt worden, und sie haben ihre Opposition gegen die Tampfersubventionen fallen lassen. ?luf der anderen Seite ist die Differenz in der Sozialdemo- kratie vom März und April 1885 vollkommen verschwunden, denn, wie gesagt, die letzten Vorlagen, und im besonderen die jetzige, haben ganz zweifelsfrei den Nachweis erbracht, daß diese s u v- ve ntioniertenüber seeischen Da m pfervxrbindun- gen ausschließlich politischen, das heißt imperial! st i s ch e n Zwecken dienen sollen. Die neueste Vorlage hat in ihrer Begrün- dung am wenigsten darüber einen Zlreifel gelassen. An verschiede- nen Stellen wird dort ausdrücklich erklärt, daß die Dampferlinien absolut notwendig seien für die Verwaltung in den Kolonien, für die dauernde Beherrschung der Eingeborenen, für ihre ökonomische Llusbeutung durch den Zwang zur Arbeit. Außerdem wird offen ..hetout, daß die deutsche Flagge sich stets und regelmäßig zeigen müsse, um das deutsche Ansehen in den Kolonien zu wahren und zu � stärken. Das alles kann nian fast wörtlich in der Denkschrift zur neuesten Lorlage lesen. Es wird auch, was unbestreitbar ist, mit Recht darauf hingewiesen, daß cS die anderen kapitalistischen Länder aus gleichen imperialistischen Gründen genau so machen. Tie deutschen Südsee-Schutzgebietc liegen bekanntlich in der englisch-austrolischen Interessensphäre. Dort will da? Deutsche Reich aus politischen Gründen mit seiner Flagge demonstrieren. Im Norden sind eS außerdem die Amerikaner und vor allen Dingen die Japaner, die auf das eifrigste bemüht sind, ihre Interessensphäre im Stillen Ozean immer weiter auszudehnen. Da der Imperialismus in der ganzen kapitalistischen Welt mit den gleichen Mitteln arbeitet, so sächlich durch die Schuld anderer aus den Weg geführt sei, in Saus und Braus zu leben.... Die Alte schüttelte verzweifelt den Kopf. Aber sie habe andererseits ihre Pflichten als Mutter und Hausfrau, er dürfe wohl sagen: voll und ganz erfüllt. In Rück- sich* aus diese Sachlage beantrage er, so schwer es ihm auch falle, eine Geldstrafe von 100 Mark, eventuell 10 Tage Gefängnis. Die Alte schlug die Hände zusammen und schaute starr aus den Staatsanwalt, der sich den Schweiß von der Stirn wischte und seine finstersten Blicke in die Zuschauerecke sandte. Nach einem Stillschweigen von' einigen Sekunden zuckte der Vorsitzende zusammen, räusperte sich sehr laut, woraus auch die anderen Richter die Köpfe hoben, und zog sich mit diesen zur Beratung zurück. Das Ilrteil lautete aus drei Monate Gefängnis wegen Dieb- stahls im Rückfalle. Die Angeklagte fiel in Ohnmacht und wurde von zwei Gerichtsdienern hinausgetragen. Staatsanwalt Stallmann, der entsetzlich unter der Hitze litt, hatte, als er sich setzte, das peinliche Gefühl gehabt, als sei irgend etwas mit seinem Plädoyer nicht in Ordnung gewesen. Verdammt! Sicher hatte er sich ein paarmal verheddert. Er baute zu lange Perioden, das war ihm schon als Referendar gesagt worden. Am Ende hatten gar die Zuschauer gelacht, wie? Dann sollten sie aber... Er warf einen wütenden Blick hinüber, konnte aber nichts er- kennen, zumal da sein Glas von der Hitze angelaufen war. Wäh- rcnd er es putzte, fiel ihm ein, daß er ja noch eine Rede zu halten habe, und er beugte sich schleunigst auf sein Papier, um noch ein wenig zu memorieren. Kurz fassen— Fall ganz klar— trotz anderer Meinung mancher Leute.— Zweifellos sorgenloses Leben— von Hause aus — keine Schätzung für... O, verflucht! unterbrach er sich in Gedanken— just während der Vorsitzende das Urteil verkündete. Das habe ich doch eben schon...? Na ja, natürlich. Das hätte ja nett werden können. Wenn ich nicht so scharf aufpaßte, hätte ich noch mal dieselbe Rede gehalten. Herr du meines Lebens! Aber freilich, die Herren Richter hätten's am Ende gar nicht gemerkt. Die schlafen ja doch. Was haben die wohl auch groß zu tun? Frage und Antwort spielen und Urteil verkünden. Fertig. Na, also los. Fall Anna Kimpel. Diebstahl im Rückfall... Und Staatsanwalt Stallmann memorierte seine zweite Rede. Unterdessen begann schon die Verhandlung gegen die Majors- gatiin. Sie war in der Hauptsache geständig und entschuldigte sich fortwährend mit ihrer Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen. Der Vorsitzende fragte sie teilnehmend nach diesem und jenem. Ob sie sich wohl hierbei oder dabei gar nichts gedacht habe? Ob es ihr sehr schwer falle, aus Luxus und Wohlleben zu verzichten? Sich einzuschränken, falle ihr offenbar ganz besonders schwer? unterstützen auch die australischen, die Zapanischen und die amerikanischen Regierungen direkt oder indirekt ihre Schiffsunternehmcr in diesen Gegenden. In diesem Wettkampfe liegen, wie nicht noch näher nachgewiesen zu werden braucht, die Keime starker internationaler Konflikte. Die frühere Jllnsion, die bis in die sozialdemokratische Reichstags- sraktion hinein 1885 ihre Wellen warf, daß wirtschaftliche und friedlich-verkehrspolitische Ursachen die Dampfersubvcntion notwen- dig machten, ist verschwunden. Diese Illusionen aber waren es, die im Frühjahr 1885 den harten Zusammenstoß in der Fraktion und andererseits zwischen der Fraktion und der Partei hervorriefen. Die Fraktion war zwar auch 1885, genau wie heute, einhellig der Meinung, daß jede kapitalistische Kolonialpolitik von der Sozial- demokratie auf das energischste bekämpft werden müsse; aber inner- halb dieses gemeinsamen grundsätzlichen Kampfes glaubte eine Mehr- heit der damaligen Fraktion, daß einzelne der vorgeschlagenen Dampferlinien mit der kapitalistischen Kolonialpolitik nicht zu- sammenhingcn, sondern nur dem friedlichen Weltverkehr dienten und daher zu bewilligen seien. Aus solcher Auffassung heraus wollte die Mehrheit der Fraktion für die ostasiatische und die australische Linie, mit Ausnahme der Samoalinie, stimmen. Die Voraussetzung aber auch für diese begrenzte Zustimmung sollte überdies in der Bedingung bestehen, daß die einzustellenden Schiffe neue und beste, in Deutschland gebaute, Dampfer seien. Diese letzte Bedingung war ein besonderer Hieb gegen Bismarck, der die Bremer Schiffs- Unternehmer gegenüber den Hamburgern begünstigen wollte. Nun war es aber ein offenes Geheimnis, daß der Bremer Lloyd eine große Flotte älterer Schiffe einstellen wollte, während die Ham- burger Reederei neue Schiffe, und damit neue Arbeit für tauscnde brotloser Schiffsbauer hätte schaffen müssen. Die sozialdemokra- kratische Reichstagsftaktion blieb durch das Verhalten Bismarcks davor bewahrt, ihre inneren Differenzen auch äußerlich durch eine getrennte Abstimmung zu dokumentieren. An der Vorlage von 1885 wurde nichts geändert, und so stimmte die sozial- demokratische Fraktion auch damals geschlossen gegen die ganze Dampfer subvention. Dennoch kam es nun außerhalb der Fraktion, in den Massen der Partei zu sehr lebendigen Debatten, nicht nur über diese Spezialfrage, sondern über die weit wichtigere Frage der Or- ganisation, über das Verhältnis von Fraktion und Partei. Es war die heftigste Debatte über Parteisragen, die während des Sozialistengesetzes stattfand. Ihre letzten Ursachen lagen deshalb auch tiefer als in dieser taktischen Differenz. Das Sozialistengesetz hatte die stetige und klare Verbindung zwischen der Masse der Parteigenossen und den Führern erheblich erschwert, und es konnte nicht ausbleiben, daß dadurch gegenseitige Miß- Verständnisse bei wichtigen und unwichtigen Anlassen auftauchten. Tie Differenzen bei der Bewilligung der Dampfersubventionen waren lediglich die Auslösunn aller dieser längst vorhandenen Spannungen. Die Fackel der Opposition wurde in Zürich erhoben, sowohl von den Parteimitgliedern wie von der Redaktion des ..Sozialdemokrat". Es folgten die aus Teutschland versprengten Genossen in Bern, London, Brüssel, Kopenhagen und dann nicht minder scharf und energisch Leipzig, Rostock, Königsberg und andere Orte. Gegen diese Opposition erließ die Fraktion die be- kannte Erklärung gegen den„Sozialdemokrat", das nicht das Blatt es sei, welches die Haltung der Fraktion zu bestimmen habe, sondern die Fraktion es sei, welche die Haltung des Blattes zu kontrollieren habe. Diese von einem demokratischen Standpunkte aus ganz unhaltbare Auffassung schürte nur die Em- pörung, und es waren nun im besonderen, wie bekannt, die Frankfurter Genossen, die nicht nur gegen die Fraktion, sondern „gegen den ganzen Sumpf des Parlamentarismus" mobil machten. Auf dieser Höhe der Gegensätze kam dennoch sehr bald eine Einigung zustande, wenigstens zwischen Fraktion und Parteiorgan. Es kam die berühmte Einigungserklärnng zustande. Die Fraktion erkannte in ihr an, daß der„Sozialdemokrat" das Organ der Gesamtpartei sein müsse und nur dieser unterstehe, während die Redaktion des Blattes ihrerseits zugav, daß in den Zeiter! des Ausnahmegesetzes, wo die Fraktion die Leitung der Parteiaktion habe, einmal von ihr gefaßte Beschlüsse unterstützt werden müßten. Die Angeklagte, eine stattliche Dreißigerin, bejahte alles, weinte dabei hin und wieder und blickte flehend nach dem Staatsanwalt hinüber, der so finster dasaß und sie gar nicht zu sehen schien, während er von Zeit zu Zeit die Zeugen mit grimmigen Blicken bombardierte. Er war unter der Einwirkung der Gluthitze so ab- gemattet, daß er Mühe hatte, seine Sätze zu behalten. Immer wieder kam er in den Wortlaut seiner ersten Rede hinein. Endlich war die Beweisauftrahme beendet. Die Richter lehnten sich zurück, aber diesmal ohne Zeichen der Schlafsucht. Selbst der mit dem Roman beschränkte sich darauf, von Zeit zu Zeit eine halbe Seite zu lesen. Der Staatsanwalt hatte nicht gemerkt, daß seine Zeit gekommen war. Der Vorsitzende flüsterte seinem Nachbar zu:„Was macht denn der Kollege Stallmann? Schläft doch nicht gar?" „Sicher doch. Kann sich's ja leisten. Was hat er weiter zu tun? Eine Rede zu halten— jchrumm. Das ist alles. Wir dagegen..." „Bitte, Herr Staatsanwalt!" rief der Vorsitzende mit einer unnachahmlichen Mischung von Energie und Liebenswürdigkeit in der Stimme. Stallmann fuhr empor und begann nach dem gewohnten Blick auf seine Feinde im Zuschauerraum und auf den Zeugenbänken seine Rede. Er könne sich diesmal kurz fassen, denn der Fall liege seines Erachtens vollkommen klar. Vorsicht! dachte er an dieser Stelle. Bis hierhin ist die Sache einerlei. Aber jetzt kommt der Wendepunkt. Diebstahl, Diebstahl, Diebstahl! Rückfall, Rückfall. Rückfall! Die Angeklagte verdiene um so weniger Milde, da sie gewiß nicht aus Not, sondern höchstens aus Nachlässigkeit und Bequemlich- keit gehandelt habe. Wenn sie wirklich in Not gewesen wäre, hätte sie sich an den Armenvorsteher ihres Bezirks wenden müssen. Während sich der Staatsanwalt nunmehr über den Begriff Not im allgemeinen erging und jeden Zusammenhang mit dem Falle selbst verlor, weil er schwankend geworden war, welcher Fall eigentlich vorlag, horchten die Richter verwundert auf. Die Auge- klagte betrachtete den Redner auftnerksam durch ihr Lorgnon, und auch die Zuhörer wurden munter. Als Stallmann sich nach einer Weile wieder zurechtgefunden hatte, fuhr er im Texte fort. Selbst aber wenn eine Notlage vorhanden gewesen wäre— wogegen jedoch, um eS noch einmal zu sagen, alle Vernunft spreche— so dürfe die Justiz nicht nach Gefühlen und oberflächlichen Ein- drücken handeln, vielmehr müsse sie sich an den Buchstaben des Gesetzes halten. Daß hierin manchmal eine gewisse Härte liegen könne, wolle er keineswegs bestreiten. Aber sei vielleicht er daran schuld? Nein. Man schelte immer auf die Staaisanwülte. Machten sie denn etwa die Gesetze? Natürlich nichi. Der Staat mache sie. Sozusagen. Damit wolle er keineswegs den Unzufriedenen geraten haben, auf den Staat zu schimpfen.■ Im Gegenteil. Und überhaupt wolle er nur ganz im allgemeinen,».. _ Damit war der Zwist ausgelöscht, aber die Nachwehen machten sich noch sehr lange bemerkbar und selbst bürgerliche Preßorgane wurden zu ihrer Austragung benutzt. Zum Glück für die Partei hat die historische und ökonomische Eniwickelung den letzten Rest dieser Gegensätze ausgemerzt. Wie'heute kein Streit mehr ist. daß die ausführenden Organe in normalen Zeiten nur die Vollstrecker des Willens der Masse sein dürfen, so ist auch eine sozialdemokra- tische Bewilligung von Tampfersubventionen durch die imperia- listischc EntWickelung aus der Welt geschafft. Ein Regimentsbefehl. Mein militärisches Pslichtpensum absolvierte ich seinerzeit bei einem Regiment in Straßburg i. E., dessen damaliger Kommandeur, Oberstleutnant G., ein sonderbarer H— err war. Er ritt auch die feurigsten Pferde, welcher Umstand nicht selten die Ursache er- hciterndcr Intermezzos gewesen ist. So stand eines Tages das Regiment in schönster Paradeaufftellung auf dem Polygon, und kaum war das Kommando„Stillgestanden" dem Munde des Herrn Obersten entflohen, als sein scharrender Rappe in Verachtung jeder Disziplin hochausbäumend Kehrt machte, und„fort ging's in sausendem Galopp, daß Roß und Reiter schnoben", zur großen Be- stürzung der Offiziere und zum riesigen Vergnügen der Mann- schaffen. Bald war der Herr Oberst im Nebel des Horizonts der- schwunden, und am selben Morgen kehrte er auch nicht mehr zu seinen„Leuten" zurück. Ter Herr Oberst hatte aber auch noch andere Eigenschaften, die bei seinen Truppen gegebenenfalls weniger angenehme Empsindun- gen auslösten. Von der Kunst der Aerzte hielt er nicht viel und als Allheilmittel galt ihm das Wasser. Alle Krankheiten, ob innere oder äußere, wichen nach seiner für das ganze Regiment natürlich maßgebenden Auffassung der sachgemäßen Behandlung mit Wasser. Vor allem aber erschien ihm erforderlich die richtige Abhärtung des Mannes. Eine solche aber vermochte nur der Dienst zu voll- bringen. Wasser und Dienst, das waren für den Herrn Obersten die besten Mittel, um den Gesundheitszustand der Leute auf dem Höhepunkt zu erhalten. Als deshalb im Sommer 18.. infolge der großen Hitze, der anstrengenden Märsche und des schweren Dienstes viele Leute den Strapazen unterlagen und erkrankten, erließ der Oberst folgenden Regimentsbefehl: Regimentsbefehl vom 27. Juli 18.. Von morgen ab tritt zur A b h ä r t u n g der im Revier resp. schonungskrank gewesenen Leute nachstehende Maßregel ein: Jeder schonungs- oder revierkrank Gewesene exerziert an soviel Tagen zwei Stunden extra mit Gepäck zu Fuß, als er im Revier resp. scho- nungskrank zugebracht hat. Da» Exerzieren gcschiedt nur an den Nachmittagen des Mittwochs und Sonnabends und zwar vorläufig bei der jetzigen Witterung des Abend» von 8 bis 8 Uhr auf der„Esplanade".— Die zu diesem Exerzieren Heran- zuziehenden sind bataillonsweise gesammelt einem Unteroffizier, der vom Bataillon zu bestimmen ist und an diesen Nachmittagen im übrigen dienstfrei zu bleiben hat, zu unterstellen. Die Leute exerzieren au den beiden ersten dieser Ererziertage, also� einem Mittwoch und einem Sonnabend, mit Paradegepäck, die übrigen Tage mit vollem Gepäck, wobei es keinen Unterschied macht, daß gleichzeitig Leute mit Paradegepäck und solche mit vollem Gepäck zusammenexerzieren. Die Kompaginen haben zur Kontrolle über die Leute Buch nach beifolgendem Schema zu führen. gez. G... Oberstleutnant und Regimentskommandeur. Die Härte und Ungerechtigkeit dieser Maßregel läßt sich de« urteilen, wenn man bedenkt, daß alle diese Leute auf Grund ärzt- licher Untersuchung als schonungs? bzw. revierkrank befunden wor- den. Drückeberger also nicht darunter waren, und daß sie, kaum genesen, von neuem Strapazen unterworfen wurden, denen selbst der gesundeste und kräftigste Soldat am liebsten aus dem Wege geht. Denn mit gepacktem„Affen" im Sonnenbrand stundenlang „langsamen Schritt" zu üben— das beliebteste AbhärtuPsmittel des Herrn Obersten—, ist eine Tortur. Daß diese Abhartungs- Methode das Gegenteil des beabsichtiglen Zweckes bewirkte und daß Dem Staatsanwalt wurde immer schwüler. Es herrschte aber auch eine tropische Hitze im Lokal. Er fühlte, daß er schleunigst ein Ende machen müsse. Diebstahl! Rückfall! schwebte es ihm vor. Es komme für ihn nur eines in Frage. Das Mindestmaß für das vorliegende Verbrechen zu beantragen, könne er sich mit Rücksicht auf die näheren Umstände, die ja in der Verhandlung zur Genüge erörtert worden seien, nicht entschließen. Dagegen be- trachte er sechs Monate Gefängnis als eine hinlängliche Strafe. Stollmann setzte sich, wischte den Schweiß, warf Blicke und ließ sich vom Gerichtsdiener ein Glas Wasser bringen. Die Majorin war schyn ohnmächtig geworden, aks sie vom Mindestmaß hörte. Die Richter hatten atemlos gelauscht. Jetzt berieten sie. Man war sich einig, der Staatsanwall müsse unter der Hitze leiden. „Soll er sich doch krank melden!" warf der Romanleser ein. „Er ha5 gestern abend eine ganze Bowle alleine erledigt." „Aha! Wir müssen ihm eine Warnung erteilen," sagte der Vorsitzende.„Ich denke, Freispruch, was?" „Vielleicht lieber'ne Kleinigkeit zahle» lassen." „Schön." Das Urteit lautet auf 200 Mark Geldstrafe oder 20 Tage Hast. Die Majorin zog strahlend ab. Beim Hinausgehen, auf der Freitreppe, holte der Borfitzend« den Staatsanwalt ein und sagte in väterlichem Tone: „Schonen Sie sich, lieber Kollege.' Sie nehmen Ihre Arbeit zu ernst." „O, bitte," sagte Stallmann.„Man kennt doch seine Pflicht." Moral. Äört doch die Entrüstung wem« In der ,, Norddeutsch-Allgemeinen-; Äiminelhagelsackerlot! Dies infame Spekulieren Muß ja die Moral skalpieren! (And sie wurde beinah rot.) Was? Die sich vom Schaffen drücke«� Sollen fette Früchte pflück«, Sacken frech den Mehrwert ein? Pfeu!.Hier gründliche Aktionen! Weiße Bienen, schwarze Drohnen— Kann denn dieses preußisch seilt? And es schnarrt und kratzt die Fed«, And die Bonzen ziehn vom Leder, And es gellt: Gerechtigkeit! N. 0. Von Alfred Dallmann. Allerlei Hochachtung vor der Statistik! Man wird der durch rechneriche Raffinements erklügelten Zahl nicht eine gewisse Beweiskraft aberkennen dürfen, solange man ihr nicht mit andern Beweismitteln beikommen kann. Aber nie und nimmer beuge ich mich ihr, wenn sie in bezug auf den Nachwuchs des deutschen Voltes und speziell Berlins, zu Befürchtungen neigt! Sie mögen für die Gegenden um den Bayerischen Platz zu- treffen, wo die vielen Nachtlokale eine nützliche und erfolgreiche Betäligung im Dienste der Volksvermehrung erschweren. Hier fristet die„weise Frau"«in klägliches Dasein, hier ist der Familien- Zuwachs eine unerwünschte Nebenerscheinung der Sexualität. Hier werden nur„Stammhalter" geboren, schon im Mutterleibe dazu be- stimmt, das väterliche Geschäft oder die elterliche Manifestations- Urkunde zu übernehmen(welch letzteres das spätere Fortkommen meist sicherer getvährlelstet als das erstere). Eine unfruchtbare Gegend, in der nichts wächst als die AZohnungsmicten. Ihr Symbol ist nicht der Storch, sondern der Pleitegeier. Aber kommt mit mir in ein anderes Gefilde Berlins, wo man keine Bars und keine eigenen Autos kennt! In diesen Frühlingstagen durchwanderte ich die Stratzen um den FriedrichShain, diese häßlichen Straßen mit den grauen, öden Häusern und den vielen, vielen Kellern, in denen Pserdewürfte und Stiefelsohlen, Frauenzöpfe und Heringe feilgehalten werden. Welch Gewimmel sah ich da! Eine Armee von Kindern schubste und balgte sich auf den Bürgersteigen und Fahrdamm. Wie durch den Urwald mußte man sich bei jedem Schritt seinen Weg durch diese unübersehbaren Kinderscharen bahnen. Das johlte und beulte, daß man seine Freude daran hatte (sofern man nicht zu verweilen gezwungen Ivarls Die Frühlingsfonne hatte hineingeguckt in die engen, dumpfen Stuben, in die moderigen Keller, in die dunklen, schmutzigen Höfe — und über alle Treppen trippelten Kindcrfühe, jauchzten Kinder- herzen hinaus auf die Straße. Viele bleiche, hohlwangige Gestalten, zwar mit greisenhaften, verhutzelten Gesichtern, mit verbogenen Beinchen und mit Augen, die trübe und feindselig in diese Welt starrten, deren Not und Elend sie allzu früh gesehen hatten. Aber doch immerhin lebendige Menschlein, die mit ihren armseligen Murmeln und zerfetzten Puppenrümpfen sich genau so vergnügten wie ihre glücklicheren Altersgenossen der westlichen Weichbildgrenze mit ihrem kostbaren Spielzeug. Mütter mit sorgenvollen, verhärmten Gesichtern, einen Drei- käsehoch„in Sachen des Baters" an der Hand, einen Säugling aus dem Arm und— eine neue Hoffnung unter dem Herzen, blinzelten durch den Sonnenschein mit Stolz auf all das Getriebe ringsum. Hier findet man keine„.Kultur"wohnuiigcn mit eingemauerten Safes, keine Perser und keine Paradiesbetten, aber dennoch eine Fruchtbarkeit, die an die Vegetation tropischer Länder gemahnt, eine Liebesbereitschaft, die von keinerlei ökonomischen Bedenken angekränkelt ist. 20 oder 30 Kinder haben sich in einem Kreis aufgestellt, klatschen in die Hände und singen den alten Kindcrvers: Storch, Storch, guter, Bring' mir einen Bruders Storch, Storch, bester, Bring' mir eine Schwester! Aber der Einladung bedarf es nicht, hier kommt er auch— un- gerufen. In diesen Gegenden ist er kein Zugvogel, hier ist er zu einem treuen Haustier geworden. vom Jahrmarkt öes Lebens. Die sittlich Geläuterten. Unsere nationale Presse hat die höchste Stufe der Moral und Sittlichkeit erklommen. Selbst ein preußischer Kriegsminister könnte für seine Rcdeübungcn im Reichstage von ihr noch manches lernen. Wie entrüstet sie sich über die„immer mehr zunehmende Unsittlichkeit der breiten Massen", mir welch tönenden Worten zieht sie gegen die„unsittliche Gcburteneinschräntung"— wohlgemcrrt der Arbeiterschaft— zu Felde, und welche moraltricfcndcn Triaden werden in der nationalen Presse gegen die„Unsittlichkeit in Schrift und Bild" verzapft. Alles das natürlich nur, um das deutsche Volk zu höherer Moral zu erziehen, es vor Schmutz in jeglicher Gestalt zu behüten, es sittlich zu läutern. Unsere nationale Presse hat die höchste Staffel der Moral und Sittlichkeit erklommen. ES ist ihr blutig ernst mir ihrem Kampfe gegen die Unsittlichkeit. Das konnte man letzter Tage bewundern. Im Hause Wahufried tobt ein unsäglich ekelhafter Familien- streit darüber, ob eine Tochter Eosima Wagners von ihrem gcsetz liehen Pater Hans von Bülow oder von ihrem„Stiefvater" Richard Wagner abstammt. In spaltenlangcn Berichten servieren sowohl die mit Gott für König und Vaterland streitende., Kreuzzeitung" wie auch das fromme Pastorcnblatt„Ter Rcichsbotc" und alle die anderen in Moral und Stttltchkeir machenden Prcßerzeug- niste ihren Lesern die auf öffentlichen Markt geschleppten wider- lichen Ehebettgcheimniste des musikalisoben Trios. Und sonderbar: nicht ein einziges dieser sonst so moralinsauren Blätter fügt auch nur ein Wort der Entrüstung über das ekelhafte Zurschaustellc» der Bülow-Wagncrschen sexuellen Bedürfniste ihren mit schmatzen- dem Behagen abgedruckten Berichten an. Man sieht, unser nationale Presse hat die höchste Staffel der Moral und Sittlichkeit erklommen. Gin Nitter ohne ßurcht und Taüel. Wie männiglich bekannt, ist die antisemitische„Staatsbürger» Zeitung" im Ramsch mcistbictend an den ehemaligen Führer der Gelben, den Hospitanten aller politischen Parteien, Rudolf L c b i u s, übergegangen. Eine der ersten Aktionen des neuen Chefs, durchs Engagement eines jüdischen Redakteurs dem schwind» süchtigen Blatte frisches Blut zuzuführen, und gleichzeitig eine poli- tische Schwenkung vorzunehmen, schlug fehl. Tie„Staatsbürger- Zeitung" blieb dem echtesten Preußen- und Tcutschtum erhalten und macht nach wie vor in Rassenhetze. Und so läßt denn daS Man des Lebius einen Leitartikel— Drohnenanwälte betitelt— also beginnen: „Dodo David Halpert heißt er, Dr. juris und Rechtsanwalt ist er, und im„Semi-Kürschner" steht er. Er hat neuestens enic ganz besondere Spezialität: Er vertritt nämlich die Dualanegcr. Selbstlos natürlich— gegen 8000 Mark Honorar und 3000 Mark Nachforderung." In dem Artikel wird neben Herrn Dr. Halpert auch der „rastenverwandte"„Vorwärts" als Drohnenanwalt bezeichnet, weil er es sich zur Pflicht gemacht hat, die Tualaneger gegen die Ausbeutung durch die Weißen zu schützen. Aus leicbr erklärlichen Gründen haben wir nicht das Bedürfnis, mit dem Blatte eines Lebius zu polemisieren. Einem Papier, das es fertig bekommt, unseren verstorbenen August Bebel zu verdächtigen, daß er seine angebliche Million vielleicht von der französischen Regierung dafür bekommen habe, daß er im Jahre 1870 gegen den Krieg mit Frankreich stimmte, läßt man gelegentlich eine Züch- tigung zukomme», aber diskutiert nicht mit ihm. Zu einer Feststellung aber zwingt uns das Geschreibsel der „Staatsbürgerin". Sie spricht in ihrem Artikel wiederholt höhnisch von„S e l b st l o s i g k e i t" und„N a ch s ch ü s s e n". In beiden Dingen hat es der Chef des Blattes, Rudolf Lebius, zu unce- rcichter Meisterschaft gebracht. Sein Eintreten für die Gelben als Redakteur des„Bund" war so selbstlos, daß er keinen Unterschied zwischen Arbeitergroschen und Unternehmergeldern machte. Er nahm von beiden, waS er raffen konnte. Seine Selbstlosigkeit ging so weit, daß er nach seiner Trennung von den Gelben, trotz tief- gehender Differenzen, sie als ein Blümlein Rührmichnichtan be- trachtet. Er weiß auch warum: Würde er gegen seine ehemaligen gelben Freunde zu Felde ziehen, dann gingen ihm die vertraglich zugesicherten und in zwei Raten zu zahlenden 70 000 M. Schweige- gelder flöten. Und um 70 000 M.„Nachschuß" ist sogar ein Lebius „selbstlos". aus den revierkrank Gewesenen infolge dieser angewandten Homöo- pathie in einer Reihe von Fällen Lazarett kranke wurden, wird nicht wundernehmen. Tic ungewöhnlichen, an den Mittwoch- und Sonnabendabenden zur Regel gewordenen Exerzitien auf der vom Publikum stark be- suchten Esplanade in Straßburg zogen indes nicht nur die Auf- merksanrkeit dieses, sondern auch höherer Militärgewaltigen auf sich, die aber offenbar der von dem Herrn Obersten beliebten Ab- härtungstur kein Verständnis abgewinnen konnten, denn nach einiger Zeit wurde dieser von jeder weiteren Gelegenheit hierzu enthoben und der ominöse Regimentsbefehl vom neuen Kom- mandeur außer Kraft gesetzt. Das Wunder. Bon Peter Scher. Der alte Dorfpfarrer hatte nur mehr zwei Leidenschaften. Er hegte eine etwas übertriebene Begeisterung für die Obstbaum- gärtneret und— fluchte(mit Respekt zu sagen!) auf fast lutherische Art, wenn ein plötzlicher Ingrimm über ihn kam. Doch tat er solches nur für sich, zu seiner eigenen Entlastung und allenfalls im Beisein seiner alten Köchin Magdalene. Nun geschah es am ersten Sonntag im Mai, daß der alte Pfarrer vor der Predigt gedankenvoll im Obstgarten spazierte. Die Bäume, vorwiegend Kirschen, hatten unter der Einwirkung der etwas vorschnell warmen Witterung so reichlich Blüten an- gesetzt, wie schon seit Jahren nicht. Die Lerchen sangen über den Feldern. Die Erde strömte Wohl- gerüchc aus. Was war das für ein Tag! Der gute alte Pfarrer genoß mit überströmendem Behagen alle diese Herrlichkeiten und vergaß darüber ganz, der aktuellen Wen- düng nachzugrübeln, vermittelst der er seinen Bauern den Genuß der Predigt zu verdoppeln wußte. Aber da schlug es auch schon neun. Er sah noch einmal über die Reihen seiner blütenschweren Bäume und im selben Augenblick gab ihm sein Genius auch die aktuelle Wendung ein. Eine Viertelstunde später redete der alte Herr zu seiner lauschenden Gemeinde, die nicht eben groß zu nennen tvar, mit diesen Worten:„Andächtige Versammlung! Lacht euch nicht das Herz im Leibe, wenn ihr allüberall die Baumblüte sehet und der Fülle des Segens gedenket, die der Schöpfer in seiner Unermeßlichen Güte und Weisheit uns Sündern auch in diesem Jahre wieder spendet.. Es war gewiß kein Wunder, daß der gute alte Pfarrer solches sagte. Aber WaS in der Nacht geschah— das war doch wohl ein Wunder. Am Abend dieses Tages hatte sich der Wind gedreht und als der Pfarrer, maßvoll schnarchend, warm in seinem Bette lag, tvar aus dem kühlen Luftzug schon ein eisiger Wind geworden, der schneidend über die Kirjchbaumblüten fegte und jeden Frnchtkeim rettungslos verdarb... Am Morgen, als die alte Magdalene dem hochwürdigcn Herrn den Kaffee brachte, wagte sie es kaum, ihm ins Gesicht zu sehen. Tie machte sich vielmehr davon, so rasch es ging. Der Pfarrer, der sich im Stillen schon über das machtvoll bullernde Feuer im Ofen gewundert hatte, zündete nach dem Kaffee seine Pfeife an und schlurfte, arglos und behaglich paffend, hin zum Fenster. Was mußte er da sehen! Wie sah sein Garten aus! Wo gestern nichts als weiße Schönheit stand und wogte, da sah er ein Gewirr von braunen, toten, klebrigtrübe» Dolden, die schlaff und traurig niederhingen. Dem guten alten Pfarrer zitterte die Pfeife in der Hand. „Die schönen Kirschen!" sagte er ganz leise. Aber dann stieg es siedend in ihm hoch. Er tat einen tiefen Schnaufer, hieb mit der Faust aufs Fensterbrett, daß es krachte und brüllte, rot vor Zorn: „To eine Luderei! und grade gestern Hab' ich alter Schöps die Güte und Weisheit wieder dran gehabt!" Schmeißt die Drohnen aus den Stöcken, Daß den goldnen Äonig lecken Nur die Bienen!... Gut soweit. Gut soweit. And losgedroschen?! Äalt! Sind Sie nicht recht bei Groschen? Weiße Ääute sind immun. Die Moral soll triumphieren, Ergo heißt's: expropriieren. Bitte: bloß in Kamerun! p»«. Der Diener polimantes. ____ Wie aus Dausendundeinenacht klingt dieser Name, und das »Schicksal des Mannes ist nicht viel anders als das eines traurigen Helden vom Hofe asiatischer Pharaonen. So könnte eines der Dpfer Turandots heißen, des Khalifen Tochter, die sich die Häupter aller schlechten Rätselrater aus einer silbernen Schüssel lervieren ließ. «....�bvr.da ist nur der kleine Unterschied, daß Polimantes kein Königssohn und kein Rätselrater ist, sondern ein fleißiger Diener Hause eines mailändischen Grafen im Jahre 1913 nach Chr. Man kann über Sitten nicht gut sittlich reden, denn was heute oder hier Sitte ist, war gestern oder dort Unsitte und um- gekehrt. Aber man kann und soll in einem Kulturstaat von 1913 verhindern, daß Siltcn oder Unsitten unschuldige Opfer fordern, bie nichrs und gar nickrts mit dem zu tun haben, wofür sie geopfert werden; die nur durch ihre Ahnungslofigkcit fallen und keinen Teil haben an dem Raffinement, das sich ihrer bedient. Die Gräfin Tiepolo hat den Burschen ihres Gatten erschossen. Polimantes wird erschossen, weil er zudringlich ist. Aber wie kam es nur. daß Polimantes zudringlich werden konnte. Erst schreibt die Gräsin zärtliche Postkarten an ihn. und dann fürchtet sie sich vor ihm. Aber ihre Furcht ist mit einem Revolver bewaffnet. Sie hätte sagen können:„Polimantes. mache, daß du hinauskommst". oter:„Polimantes. ich jage dich aus dem Dienst, wenn du meine Postkarten falsch verstehst". Und es ist gar kein Zweifel, Polimantes würde sich bemüht haben, die Postkarten richtig zu ver- stehen. Sie hat ihm nicht gesagt:„Polimantes, wir reden eine zu verschiedene Sprache, als daß du mich verstehen könntest"; sondern sie hat in der Sprache des Revolvers geantwortet. Ich glaube auch nicht, daß sie sich Mühe gegeben hat, sich Polimantes verftänvlich »u machen. Sie redete absichtlich in einer mißzuberstehenden Sprach«. Ihre Zärtlichkeit aus Postkarten war die Huld einer Herrschaft. Aber diese Huld sollte mißverstanden werden. Und das ist das Typische in den erotischen Anwandlungen nwderner Damen, daß sie die Phantasie des einfach empfindenden Menschen auspeitschen wollen. Sic wissen, wie wenig Wert die Phantasie des Reichtums und der Ueberkultur hat. Die ist nichts als eine geistige Spielerei, ein Kokettieren mit Blut und Perversitäten. Aber so ein Diener, bei dem geht alles seinen geraden Weg. Sie schreibt mir Liebesbriefe, sagt er sich, also werde ich zu ihr gehen. Und dieser Anmarsch der geraden, gesunden Sinnlichkeit des Volkes reizt die müde Langeweile heimlich vibrirender Nerven. Aber die Geschichte hat noch ein anderes Gesicht. Di« Frau Gräfin war gar nicht so verschwiegen, wie es scheint, wenn man zugeben soll, daß keine andere Hilfe als der Revolver in der Nähe war, als sie auf Polimantes losknallte. Es ivar nicht die Scham einer Frau, die die Augen niederschlägt, toenn man sie unzüchtig ansieht oder ihren Weg fortsetzt, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie sprach gern von verliebten Männern zu anderen Männern. Sie hetzte den einen durch den anderen auf. Nicht ihrem Gatten sprach sie von den Zudringlichkeiten des Dieners Polimantes. Tann hätte die Affäre ein für sie zu früh- zeitiges Ende gesunden. Nein,»hren Freunden zeigte sie diesen Polimantes. Nach einem guten Diner etwa, wenn man in ihrem Boudoir bei einer Zigarette den Kaffee einnahm:„Sehen Sie nur. wie er mich ansieht; ich muß mich vor ihm fürchten." Es ist nicht bekannt, was diese Freunde auf solche Aeußcrungcn hin getan haben. Jedenfalls sind sie nicht zu dem Graten gegangen, um ihm zu sagen:„Hören Sie mal, lieber Gras, ich würde doch in der Auswahl meiner Diener vorsichtiger sein." Das ist die verschiedene Sprache des Volkes und einer kleinen abgenutzten Kaste. Was sollte Polimantes anders davon denken als:„Zum Teufel, wie ist sie schön!" Fand die Gräfin vielleicht an diesem Gedanken des Polimantes, weil er nicht so weit von dem Angriff auf ihre Unschuld war wie die Schmeicheleien fader Kavaliere, ein besonderes Gefallen?— Von Messali na, der Frau des Kaisers Claudius, weiß man, daß sie Männer, die ihr nicht willfährig waren, dem Henker des Kaisers auslieferte. Besser noch verstand eS schon eine chinesische Kaiserin aus dem Jahre 1100 vor Christi. Sie ließ einen Marmor- palast baue», darin sie sich mit den schönsten Jünglingen und Mädchen des Landes belustigte. Wer aber der Kaiserin selbst ge- fiel, wußte, daß sie diese Liebe mit einem Dolchstoß belohnte. ES war also eine recht gemischte Freude, in diesen marmornen Hallen der AuSerwählte zu sein, obschon es Rasende gab, die sich daran selbst als Opfer noch berauschten. Inzwischen hat sich die Welt mehr und mehr verbürgerlicht; das Volk übt eine Kontrolle aus über die Gewohnheiten der Müßiggänger, und die Gesetze schützen das Leben auch der Diener im Hause von reichen Leuten. Die Gesinnung allerdings ist noch immer wie im Kulturzustand der Tyrannis jeder Ausschweifung ausgeliefert. Und die Gesinnung der herrschenden Klasse ist cS, die den Diener Polimantes schutzlos und vogelsrei macht. Die Gesinnung müder Kulturen kokettiert mit den un- eingeschränkten Genüssen einer chinesischen Kaiserin, aber sie hat die Angst vor den Gesetzen,.und sie sucht ihre extravaganten Phantasien in Einklang zu bringen mit ihnen. Das ist es, WaS den armen Polimantes so hilflos in den Revolver seiner Herrin rennen ließ. Die vornehmen Chinesen am Hofe der schönen Kaiserin Poa-Ssc wußten, was ihnen blühte, wenn sie bei ihr zu Gaste geladen wurden. Ein Polimantes von heute aber bleibt darüber völlig im ungewissen, bis er dem Zufall seiner Blindheit ausgeliefert ist. Marterl öes Kriegsministers. O Wanderer! Der Kricgsminister von Falkenhays Schrieb dieses sich selbst auf den Leichenstein: Wer hier vorbeimarschiert, vergieße eine Zähre Um einen Krieger, der lieber hundert Jahre früher geboren lväre! Wie hätte er dann geHaut und gesrochea Und sich an dem großen Napolium gcrochenl So aber mußt' er mit äußerst holprigen Reden Täglich die Vertretung des deutschen Voltes befehden Und sich bis auf die Knochen und bis auf die Nieren Mit seinen stramm geschnarrten Erklärungen blamieren. Denn was soll man machen in dieser Gcgenwartsmiscre Als sogenannter Minister vom deutschen Heere» Wenn man täglich sein Ivohlgemessenes Fett Auf den Kopf kriegt vom Militärkabinett? Drum schrieb er. durchaus nicht vergnügt, diesen holprigen Vers, Denn er findet die ganze Zeit pervers, In der selbst Zivilisten und Judenbengeln Erlaubt ist, am preußischen Staate hcrumzuquengeln! Was soll auch ein Mann von der Plempe nur In der sogenannten modernen Kultur?' Und wcnn's nicht mal'neu fröhlichen Krieg gibt aus Erden, Kann ihm die sanze Kultur lotweise gestohlen werden! Knax. Wenn öer Kaiser kommt. „Nach der Kaiserparade im Herbst d. I. wird Sc. Majestät der Kaiser über die Wolbecker Chaussee usw. seinen Einzug in die Stadt halten." Münster rüstet! In der Tat. es ist keine Kleinigkeit um so einen Kaiserbesuch. Ta heißt's flicken und herrichten an allen Ecken und Enden! Die Stadtverordneten zu Münster hatten sich dieser Tage auch mit einem Antrage des Magistrats zu beschästigen, wonach für Wege- und Straßenbesserungen außerorde n t l i ch l 15(WO M. ausgegeben werden sollen. Das Geld wurde glatt bewilligt, lind nicht nur das! Tie hieb- und stichfesten Patrioten im Miinstcrlande taten diesmal ein übriges und er- klärten sich mit der Ausführung einer modernen straßenbe- sestigüng einverstanden, wie sie Münster sonst noch nicht kennt, und die sich nach dem„Münster Anzeiger" durch Geräuschlosigkeit. Fugenlosigkeit und Ebenheit auszeichnet. Es handelt sich um Straßen und Wege, die Wilhelm passieren wird, wenn er im Herbst zum Manöver nach Westfalen konimt. Ja, wenn der Kaiser kommt... Geräuschlos wird das kaiserliche Automobil über die modern zugerichteten Straßen sausen, und der patriotische Bürger wird das inne werden, daß die monarchischen Festtage auch materiellen Gehalt haben. Denn wer weiß, wie lange sonst die münsterischen Fuhrleute noch fluchend und wetternd ihre Gäule über die Höcker Und Löcher der Straßen würden treiben müssen! So aber macht ein Ereignis alle«chäden gut Das Christentum öer fashionablen Welt. Die Nachfolger Christi haben sich im Laufe der Zeit leider in Nachtreter der Kapitalisten und Junker verwandelt. Während die Evangelien die Armut selig preisen, halten sie es persönlich mehr mit einer soliden Wohlhabenheit, und während ihr Herr und Meister den Tod eines Revolutionärs am Kreuze starb, lassen sie au loyaler Unterwürfigkeit nichts zu wünschen übrig. Mitunter fnidct sich aber doch jemand, dem es offenbar gegen die Schnur geht, das Christentum zu einem leeren Schaustück der vornehmen Welt zu machen. In einer großen christlichen Tageszeitung finden wir einige Ausführungen, die>vir hiermit weitergeben wollen. Es soll Mode geworden sein, heißt es dort, bei Hochzeiten in großen Häusern bestimmten Zeitungen eine Karte für einen mann- lichen oder weiblicheil Berichterstatter zu übersenden. Einige Zeitungen haben nämlich weibliche Referenten, um die Toiletten der Damen bei der Trauung Besser schildern zu können. Man er- zählt sogar, daß gelegentlich den Einlaßkarten ein Verzeichnis der Gäste bcilicgt, deren Roben beschrieben werde» sollen. Ist das neugierige Publikum dann auch vorbanden, kann die Theater- ausführling vor sich gehen. Die Kehrseite der Medaille kommt erst zum Vorschein, wenn mail einen Augenblick überlegt, daß diese ganze Vorstellung im Hanse Gottes stattfindet. Wie gesagt: man spürt diesen Zeilen an, daß der Mann da Christentum nicht so ohne weiteres der Eitelkeit der„großen Welt «nsliefern möchte. Die Serwilität vor der irdischen Macht, wie sie im Hosprediger ihren klassischen Ausdruck findet, ist ihm offen- bar zuwider. Daß der Mann in Dänemark wohnt und daß seine Auslastungen in einer Kopenbagener Zeitung erschienen sind, werden unsere königlich-prenßischen Christeil vermutlich nicht bedauern. e-**' vr-».••-* rs. txr, J4S Die königlich preußischen Ameisen. In einer englischen Zeitschrift verösfentlichtc vor einiger Zeit ein englischer Professor langjährige Beobachtungen, die er an den weißen Ameisen gemacht haben wollte. Cr behauptete nicht mehr und nicht weniger, als daß bei diesen Tieren die Soldaten ameisen die Arbeiter ameiscn in einer ganz besonderen Art zu grüßen pflegen. Sie stellen sich mit er- hobencm Kopf fest auf die Füße, geben dem Körper eine schräge Haltung und schütteln ihn einen Augenblick in einer zuckenden Bewegung. Wer in Preußen geboren ist, steht leicht, daß es sich bei diesem Ameiscilgrnß um ein militärisches Strammstehen han- dclt, und er begreift sofort, daß diese neue Entdeckung nur in England gemacht werden konnte. In ein königlich preußisches Professoren- gchirn wäre die Annahme, daß die Soldaten ameiscn vor den Arbeiter ameisen stramm zu stehe» hätten, niemals hineingegangen. sollte der Engländer aber recht haben; sollte ein so korrupter Brauch wirklich unter den Ameisen heimisch sein: dann wäre es die höchste Zeit, daß unser allverehrter Herr v. Jagow die königlich preußischen Ameiscn etwas genauer unter die Lupe nähme. Es kann unmöglich zugegeben werden, daß diese Tiere nach so per- wcrslicbcn Grundsätzen leben. Wie leicht könnte sich die Seuche dieser Anschauungen von ihnen aus durch das ganze Reich der Insekten verbreiten. Uild wer weiß? Vielleicht griffe sie gar von den königlich preußiscken Ameisen auf die königlich preußische» Mensche n" � über. Wegen eines Negerweibes.... Es kann einer die größten Gemeinheiten begangen haben: alles wird ihm verziehen,. wenn seine Tendenzen den Jnteresten des Per- zechenden dienen. So hat Karl Peters allezeit warme Für- iprcchcr gehabt, und es ist begreiflich, daß der Mann in den Kreisen der höhere» Bourgeoisie als rehabilitiert gilt, seitdem der Jmperia- lismns Trumpf geworden ist. Wie gesckiickt man dann, wenn so ein Anrüchiger wieder salonfähig geworden ist, den Mantel der Nächstenliebe über seine Schandtaten deckt, zeigt Dr. Albrecht Wirth in einem Aussatz über Karl Peters:, der an erster Stell« von Rcklam.s„Universum" erscheint. Wirth war u. a. ini Jahre 180:? in Afrika. Das gibt ihm inmitten eines Hymnus aus den Kolonialhclden Peters Anlaß zu folgender schamhaften An- deutung: „Allerdings wurde auch die fatale Geschichte von der Jagodscha erzählt; ich hielt es aber nicht für angezeigt, d ieGc s cht chtcandicgroßeÄlockezn hänge n." An die große Glocke hängen oder ausposaunen, sagt man ja immer, wenn einem etwas unangenehm ist, im anderen Falle sagt man: der Oeffentlichkeit unterbreiten oder die Augen der Welt auf etwas hinlenken. Wirth hat also von dem Verbrechen des Peters gewußt, aber vorsätzlich geschwiegen— gleich so manchen andere». Aber warum sollte Wirth nicht schweigen? Warum sollte er den Peters der Strafe des Gerichts missetzen? Ist dock, dem Wirth selbst jene lächerlich geringe Strafe der Dienstentlassung des Peters nock, viel zu streng gewesen: „Wegen eines Neger Weibes aus dem Rcicbsdienst der- swßen, begab sich PcterS 1896 nach London." Wegen eines Negerweibcs! Ausdrücklich Weibes. Keine Spur eines Mitgefühls fii� die von seinem Augenstern Peters Gemordete, sondern als wenn er schriebe: wegen eines Hundes oder wegen einer Sau. O Sternickel und Schinderhannes, wie wart Ihr ungeschickt! SSanum wähltet Ihr Eure Opfer nicht vorsichtiger... Ihr wäret längst rehabilitiert, und Dr. Wirth wäre der Künder Eure? RmneS. Spiel unö Sport. Ein Turn- unö Spielplatz im Grunewalö für Stuöierenöe. Wie der Staat für die Besucher höherer Schulen sorgt, das beweist wieder einmal der neue Spiel- und Turnplatz, der für die Studierenden der Berliner Hochschulen errichtet ist. In einer Schilderung über diesen Platz lesen wir:„Ter Fiskus hat für den Turn- und Spielplatz ein nordwestlich von der im Bau begriffenen neuen Äutomobilstraße, etwa in der Mitte zwischen dem Bahnhof Grunetvald und dem Aitern in den Jagen 60/61 gelegenes Terrain von 10 Hektar zur Ver- fügimg gestellt, und ans den vom Kulwsministerium für diese Zwecke bereitgestellteil Mitteln in Höhe von 00 000 M. ist hier eine prächtige Anlage geschaffen worden, die es den Studierenden der Berliner Hochschulen ermöglichen wird, in frischer, freier Luft das Turn- und Sportspiel ausgiebig zu pflegen. An dem rmch der Automobilstraße zu gelegeneu Haupt- eingange ist ein schmuckes einstöckiges massives Gebäude er- richtet worden, das im Erdgeschoß neben der Wohnung des Platzmeisters eine Umkleidehalle für etwa 100 Personen enthält. Auch die im obereil Geschoß befindlichen Räume sind für Umkleidezwecke bestimmt. Nicht weit davon liegt ein kleines Gebäude, das zur Unterbringung der Geräte dienen soll. Den Mittelpunkt der Anlage bildet eine elliptische 4 0 0- M e t e r-L a u f b a h n, von der auch eine LOO-Meter- Lausbahn eine 100-Meter-Lansbahn abgeteilt sind. An der südwestlichen Längsseite der Laufbahn befindet sich eine terrasfenförniig ansteigende Rampe für Zuschauer. Tie vpu der Laufbahn limgebene große schöne Rasenfläche enthält mehrere Springbahnen, cinen Platz für allgemeine Frei- Übungen und einen Raum für Diskuswerfen. An der�Pordcr- feite der Laufbahn ist ferner eine große Bahn zum Springen eingerichtet worden. Südwestlich davon liegt eine große. unten freie Unterkunftshallc. An der nordöstlichen Längs- feite der Laufbahn befinden sich allgemeine Spielplätze, an die sich dann ein 33 mal 2ä0 Meter großer Raum für Treibe- und Schleuderball, ein 50 mal 80 Meter messender Schlagballplatz, vier Barlallsplätze(je 2ö mal 30 Meter) und sechs Tamburinplätze(je 20 mal 20 Atter) ansäst ießen. Die schöne und zweckentspreckieilde Anlage, die mit vollem Recht das Lob und die Ailerkennung aller sachkundigen Kreise findet, ist nach den Entwürfen und unter der Leitung des königlichen Bau- rats Mar G ll t b vom Kultusministeriuin ausgeführt worden. Ein erheblicher Teil des umfangreichen Geländes ist noch mit Bäumen(Kiefern und mehreren schönen Eichen) be- standen. Die Eichen sollen nach Möglicksteit erhalten bleiben, die Kiefern werden aber noch in Ansucht genommenen Spielplätzen weichen müssen. So ist die nordwestliche Ecke des Platzes für einen Fußball- und Hockepplab ausersehen. Die ganze südwestliche Seite des Platzes, die jenseits des an der Lallfbahn entlang führenden Gestellwegs liegt, befindet sich noch in ihrem ursprünglichen Zustande; hier sollen später ein großes Lust- ulid Lichtbad, inehrere Tennisplätze sowie eine Bahn für Speerwerfen errichtet werden. Für die Ein- lveihungsseier am 26. Mai wird an dieser Seite gegenüber dein Ziel der Lausbahn ein 16 mal 6 Meter großes Kaiser- zelt aufgestellt lverden. An der südöstlichen Seite des Platzes hat der Akademische Turnverein ein eigenes Holzhaus errichtet: diesem werden sich in Bälde die Häuser anderer studentischer Korporationen anschließen. Aus dem Turn- und Spielplatze l>errscht setzt schon reges Leben, die Mitglieder mehrerer studentischer Ver- einigungen liegen nainentlich ans dein Schlogballplatzc init großem Eifer turnerischen und sportlichen Spielen ob." Für die arbeitende Jugend, die ein besonderes Bc- dürfnis für Erholung und Kräftigung hat. wird nicht so gesorgt; nur wenil sie sich an den Jungdeutschlandbuild an- wirft, hat sie Vorteile. Die freie proletarische Jugend aber wird verfolgt und schikaniert. Radrenne» in Treptow. Sonntag, 10. Mai. Drei Dauer- rennen über 10, 20 und 30 Kilometer standen auf dem Programm, und in allen drei Läufen blieb Schulze Sieger vor seinen Geg- »er» Jcnske und RieSner, die keine Rolle spielen tonnten, da sie linier den Mucken ihrer Motoren zu leiden hatten. Jenske ver- suchte einige Male Widerstand zu leisten, dock, ohne Erfolg, während Riesner jedesmal den letzten Platz belegte und iin letzten Lauf aufgab. Tie Fliegerrennen vereinigten ebenfalls nur kleine Fahrer. Der Besuch war leidlich, was wohl auf das unbeständige Wetter zurückzuführen ist. Ergebnisse: Malsahren. 1. Theis, 2. Kops, 3. Häusler. — 10-Kilometer-Rennen. 1. Schulze, 9 Min. 31% Sek.; 2. Jenske, 315 Meter; 3. Riesner, 1370 Meter.— Prämienfahren. 1. Häusler, 2. Kops, 3. Breidenback.— 20-Kilometer-Rc nnen. 1. Schulze, 18 Min. 10 Sek.; 2. Jenske, 2650 Meter; 3. Riesner. 3270 Meter. — Ausscheidungsrennen. 1. Häusler, 2. Schnnitcheii, 3. Kops.— 30-Kilometer-Rennen. 1. Schulze. 27 Min.. 40% Sek.; 2. Jenske, 2140 Meter; 3. Riesner, aufgegeben. 0. Fußball. R. B. C., 1. iRrrnnschaft, gegen Obenpree, 1. Mannschaft 1 — R. B. C., 2. Mannschaft, gegen Boruisia, 2. Mannschaft 2:2.— R. B. C., 1. Jugendmannschait, gegen Oberipree, 1. Jugendmann- schaft ll:0.— Fichte 9 gegen Berolina 11:0.— Fichte 16 gegen Fichte 18, 2. Mannschaft 2:6.— Fichte 8, 2. Mannschaft, gegen Rummclsburg, kampflos getvonncn für Fichte 8.— Adler, 1. Jugendmannschaft, gegen Fichte 9, kampflos gewonnen für Fichte 9.— Rüstig-Vorwärts, 1. Jugcndmannsckaft. gegen Neukölln- Britz, 1. Jngendmannschaft 6:0.— Freie Sportvereinigung, 1. Mannschaft, gegen Fichte 10 0:3.— Sperber, 1. Mannschaft, gegen V. f. B., 1. Mannschaft 5:0.— Sperber, 2. Rannschaft. gegen V. f. B., 2. Mannschaft 7:4.— Froh-frei, 2. Mannschaft, gegen Teltow, k. Mannschaft 5:4.— Freie Sportvereinigung, 1. Jngendmannschaft, gegen Friedrichssclde. 1. Jugendmannschaft 2:3.— Fichte 7, 2. Mannschaft, gegen Charlottenburg, 2. Mann- schaft 11: 0.— Jung-Stralau, 1. Mannschaft, gegen Fichte 12, 1. Mannschaft 5:2.— Jung-Stralau, 2. Mannschaft, gegen Gigant, 1. Mannschaft 4:9.— Jung-Stralan, 3. Mannschaft, gegen Gigant, 2. Mannschaft 1: 9. Faustball. Froh-frei, 1. Mannschaft, gegen Teltolv, 1. Mannschaft 115: 129. — Froh-frei, 2. Mannschaft, gegen Teltow, 2. Mannschaft 68:94. — Froh-frei, 3. Mannschaft, gegen Teltow, 3. Mannschaft 68: 85. Mus aller Welt. Die Cröbebenkataftrophe auf Sizilien. Die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über die furchtbare Kata- strophe auf Sizilien geben immer noch kein klares Bild über den Umfang deS Unglücks und die Zahl der Opfer. Das kann auch nicht erwartet werden, denn die verschiedenen von dem Erdbeben be- troffenen Orte sind zum Teil oder ganz in einen Trüntvierhansen verTand?Ik«nd die darunter befind» lichen Toten und Verletzten zu bergen erfordert ja trotz der' zahlre-ch herbeigeeilten Rettungsmannschaften doch: sehr viel Zeit. In dtr Verwirrung, die überall herrscht, ist es auch nicht möglich, die Ueber- lebenden festzustellen, da erfahrungsgemäß bei solchen Kaiastropben die Geretteten, soweit sie nicht nach Angehörigen suchen, die Orte des Schreckens zu verlafien Pflegen. An unterrickteier Stelle wird daraus hingewiesen, daß die Mel- düngen der Blätter über das Erdbeben aus Sizilien die Zahl der Opfer zu hoch angeben dürsten. Die Zahl der Toten dürfte schwer- lich 200 überschreiten. Tie Mehrzahl der Opfer scheinen Frauen zu sein,- da diese sich zur Zeit der Katastrophe wege� der Bereitung der Abendmahlzeit in den Häusern befanden. Ten letzten Meldungen.des„Seecylo" zufolge hat man bis Sonnabend abend 10 Uhr im ganzen 80 Tote und zirka 800 Verwundete unter den Trümmern der verschiedenen zerstörten Dörfer hervorgezogen. Tie Sondcrkorrefpondenten der Zeitungen schildern die Lage als geradezu trostlos. Wie auch bei dem vor sechs Jahren erfolgten Eitz- beben ist auch diesmal gerade die ärmere Bevölkerung am schwersten betroffen. Die Militärbehörden haben über 6000 Zelte i» der Nähe der zerstörten Dörfer aufrichten lasten, wo die obdachlosen. Familien bis auf weiteres ihre Unterkunft finden sollen. Furchtbare Szenen spielten sich ab, als man in dem Dorfe Gafierana die Trümmer des Schulgebäudes beiseite räumte. lieber 15 Leichen von Kindern wurden ausgc- graben; sechs von ihnen waren schrecklich verstümmelt. Die Orischaften Linera, Zerbati, Passapomo und P e n n i s i sind in Trümmerhaufen verwandelt. In den Ortschaften Santa Penerina, Santa Maria Am- m a l a t i, G u a r d i a und B o n g i a r d o ist großer schaden an- gerichtet worden. Aus den Trümmern von Linera wurden 45 Leichen und etwa 150 Verwundete geborgen, die Zahl der noch Ver» schütteten wird auf 60 angegeben. In B o n g i a r d o und Paff a- p o m o sind acht Leichen gefunden worden, zwei Personen werden noch vermißt, 20 wurden verletzt. In M o r t a r a ist eine Person umgekommen, in G u a r d i a wurden drei verletzt. Im Kranken- haus von A c i r e a I e haben 72 Verletzte Ausnahme gefunden, im Krankenhaus von C a t a n i a 13 und im Krankenhaus von Giarre zwei Verletzte, abgesehen von einer großen Anzahl Ver- letzter, die nach Anlegung von Notverbänden wieder entlasten wer- den konnten. In Bongiardo sind 10 Personen getötet und 20 verletzt worden. Tie anderen Bezirke in der Nmgebung des Aetna haben nur geringen Schaden erlitten. Seitens der Regierung sind dem Präfetten von Caiania Geldmittel zur ersten Hilfeleistung zur Verfügung gestellt und auch Beamte an die Unglücksstclle gesandt worden. Tic Ursache des Erdbebens, das vulkanischer Art ge- Wesen war, wird auf größere Einstürze im Aetnakratcr zurückgeführi. Durch diese Einstürze haben die betroffenen Gegen- den schon häufig schweren Schaden gelitten und die Bevölkerung war daher auf eine größere Katastrophe nicht ganz unvorbereitet. Brandkatastrophen. In Pudripp(Hannover) saß am Sonnabend eine 300 Per- sonen starke Hochzeitsgesellschaft beim Abendessen, als plötzlich ini Hause Feuer ausbrach. Die brennende Decke stützte auf die Hochzeitsgesellschaft herab. Ein junger Mann von 16. Jahren und zwei Kinder„die nicht ans ihren Schlafstellen gerettet werden konnten, kamen in den F l a m vi e ii u m....-. In der Tladt Kopps(Rußland) hat eine Feuersbrnnst 9 0 Häuser, 7 5 Läden und 4 Synagogen zerstört. '-00_ Familien sind in Mitleidenschaft gezogen. Tie Kirchen und größeren Steinhäuser sind verschont geblieben. Es liegt Brand- st i s t u n g vor. Der Täter wurde verhaftet und hat ein Geständnis abgelegt. Schreckenstat eines bedrängten Schuldners. Große Aufregung hat am Sonnabend Unter den Siraßen- Passanten in Bordeaux die Schreckenstat eines bedrängten Schuldners hervorgerufen. Der 27jäbrige Handlungsgehilfe Jean L a f o ii d, der infolge leichtsinnigen Lebenswandels in Schulden geraten war, wurde von mehreren feiner Gläubiger auf der Straße zur Rede gestellt. Es kani zu einem lebhaften Worttoechfel, in dessen Verlauf Lafond plötzlich einen Revolver hervorzog und mehrere S ch ü s s e a u f s e i n e Gläubiger abfeuerte. Von diesen wurden zwei sofort getötet, drei lebens. gefährlich verletzt. Dem Täter gelang es zu entkommen. Er stellte sicki jedoch im Laufe de» Tages freiwillig der Polizei.'Ob Lafond die Tat in einem Anfalle geistiger Umnachtung ausgeführt hat, dürfte die Untersuchung ergeben. Kleine Notizen. Wettersturz in Frankreich. Dem äußerst warmen Äprilwetker ist seit Beginn des Monats Mai in ganz Frankreich ein fühlbarer Wettersturz gefolgt. Das Thermometer sank am Sonnabend in verschiedenen Gegenden auf beinahe 0 Grad. Aue Nssingeaur wird sogar heftige Kälte und starker Schneefall ge- meldet, der den ganzen Tag anhielt. Da» Aistamvbil des Generals Lima» von Sanders, des deutschen Generalinspektcurs des 1. türkischen Armeclorps. wird scheinbar zum Schrecken Konstaniinopels. Bereits vor einigen Wochen wurde, wie ein Pariser Blatt meldet, infolge, der rasenden Geschwindigkeit, mit der es durch die Straßen sauste, ein tödlicher Unfall durch dieses Gefährt herbeigefiihrt. Und am Ssnnabend wurde schon wieder ein zehnjähriger Türkenknabe von demselben Automobil überfahren und' so schwer ver» letzt, daß er bald darauf verstarb. Bon einer Explofio« zerstört wurde in der Stacht zum Sonn� tag ein Gebäude in der.Hauptstraße in R i g«. In der Näbe wurde die Leiche eines Unbekannten mit falschem Bart gefunden. Gin schifssunfall. Der klein- deutsche Schoner.Sinri kamst Kohlen von Fifeshire nach Bremerhaven bestimmt, wurde auf der Höhe von Abcrdecn vom Slurme überraschi und sank Aus Grimsby eilte ein Schlepper zur Reitung herbei. Als ein Ma. t r o s- des Schoners versuchte, an Bord des Schleppers zu steigen, fiel er ins Wäger und ertrank. WettrranSsichlen für das mittlere Rorbdeutschland bis Tirns- tag mittag: Zunächst etwas kuhler und vielfach heiter. Später von West nach Ost fortswr-itendc neue Erwärmung. Zunahme der Bewölkung und teilwene Regenfälle. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, da« mein lieber Mann und treuioraendcr Gatte, der Schlosser Karl Kiderl Lehmann, Neukilin, Emser Str. 86. nach qualvollem Leiden, am 8.' Mai 1914 samt entlchlasen ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernde Gattin nebst Kinder. .„�1?. Beerdigung nndet am 13. Mai, nachm. Zh, Uhr, von der Leichenhalle deS städt. Friedhofe«. am Mariendorfer Weg. ans statt. H.Pfau, "Sl" Dircksenslraße 20 zwischen Bahnhos Meranderplab und Polizeipräsidium.— Amt Ksr. goyz für Osmei Frinei-Btdlesiiii.'• Lieferant für alle«rankentafien. Kl»mtn. tmd KrauMderti von Robert Hejer,' Jnh: P. CioUetB Mamannenstr. 3. Tel. Mpl 848 ' kkrantwortlsch-r Redakteur: Alfreh Dielepp» Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck ü.Berlag:LorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Bttlfi"SViC an, der die Verwaltung durchweht. Neben der Staatskilfe spielt die gröBtc Rolle die Selbsthilfe. Im Jahre 1912 umfaßten 12 000 Tarifverträge, 200 000 Betriebe gewährten geregelte Arbeilsbedin- gütigen und sicherten den Schutz der persönlichen Arbeit. ctreiks und Aussperrungen find an zweiter Stelle getreten. Es stehen 7000—8000 friedlichen Lohnbewegungen 2000 offene Konflilte gegenüber. Das beweist, daß die wahre Wirtfchafisfried- lichkeit nicht bei den gelben Werkvereinen liegt, sondern in der modernen Entwickclung des Organisationswesens. Ein Reichseini- gungsamt müßte versuchen, die Zahl der heutigen offenen Kon- slikie noch weiter einzuschränken; aber gerade das paßt den Scharf- machern nicht, die die„Autorität" stützen und die Arbeiterbewegung knebeln wollen. Dagegen treten alle Arbeiterorganisationen, die den Namen derdienen, ohne Unterschied der Richtung für eine Reform des Arbeiterrechts ein. Heute ist es noch ein Herrschafisrecht � ein Recht, das dem einen Teil nicht nur die Verfügungsfreiheit über die Arbeitskraft des anderen in den Arbeitsstunden gibt, sondern auch ein bürgerliches und Familienleben zu kontrollieren erlaubt. Heute ist noch der Arbeiter minderen Rechtes, nicht nur in der Gesetzgebung selbst, sondern auch in der Hand- babung der Gesetze. Die Arbeiterorganisationen werden für Politische Vereine erklärt; dagegen bleibt den Vereinen der Unter- nchmer dieses Schicksal erspart. Hinter dem Arbeitswilligenschutz verbirgt sich der Versuch, die >tganisation zu zertrümmern. Da gibt es aber keinen Unter- Ichied. Seien Sie versichert, daß wir Ihnen auf diesem Gebiete nach Kräften helfen werden. Heute sind es � 43 Jahre, daß der Frankfurter Frieden ge- schlössen wurde. Deutschlands Macht hat sich wunderbar ent- wickelt. Wir streben danach, ihm auch den inneren Frieden zu Sjeben. Aber so wie es steht, treiben wir dem Konflikte zu, wird -oc Widerstand gegen den Staat genährt. Wir find über- laugte Gegner der Sozialdemokratie. Doch jede Ge« waltpolitik gegen sie ist vergeblich; nur durch Reformen kann die Revolution überwunden werden! Lasten Sie uns das Erbe be- wahren und hochhalten, das Wilhelm I. hinterlassen hat! Das Losungswort sei: Nun erst recht Sozial refor wen zu °osten für Volk und Vaterland! m Aach Professor Francke kamen noch an 20 Redner zum Worte, J: natürlich in der Mehrzahl nur ganz kurze Erklärungen ab- äg? konnten. Hervorgehoben sei, daß Graf v. Posadowsky- 'W ehn er sich zwar für eine Erweiterung des Arbeiterschutzcs t�ch�ch, dagegen vor jeder überstürzten Einführung einer Ar- jH�sloienversicherung energisch warnte. Er will erst die Arbeits- üf, �lung vollkommen organisiert haben, damit es möglich sei, "er die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkle genauen Aufschluß erhalten. Ter. Generalsekretär des Gesamtverbandes der christlichen Ge- >.Cl"J ah*en, Adam Steg erwald, verlangte ebenfalls Ausbau Arbeiterschutz- und Versichcrungsgesetzgebung. Je mehr Deutsch- und auf dem Weltmärkte in den Wettbewerb der Vcredelungs- 'iHistrien eintrete und je mehr es Qualitätswaren liefern müsse, nötiger sei auch die Aufrechterhaltung eines Stammes quali- l'S'erter Arbeiter. I.Der Abgeordnete Marquardt, in Vertretung von„Deutsch- �ufen ��Hm'9hgehilfen", hielt, von ironischen Hoch- und Hurra- 'usen unterbrochen, eine begeisterte, nichtssagende Rede, in der er ebenfalls für die Fortführung der Sozialpolitik ennrat. � Professor S ch m o l l e r erinnerte an seine frühere soztat- politische Tätigkeit und erklärte, daß jeder Stillstand die Kräfte. zu winer Ueberwindung auslösen müste. Die Erziehung der lvienich- w'k brauche stets Generationen, vielleicht Jahrhunderte. Auch d,e Entwickelung des sozialen Geistes werde nur allmählich bor sim gehen. Dann sprachen noch die Herren' Hart mann. Ranzow. Tr- Jahn. Kamossa. Abgeordneter Mumm. Berbands. iekretär Tischendörser. Abgeordneter Dr. H' h e. Hfarrer �tz gnad, Ingenieur Schweizer, yraulent S ch m i d t, eträulein M e i n e k e und -Dominikus, Geheimrat Bürgermeister Fräulein B ehm. ,________ Dernburg. , Der Vorsitzende, Freiherr v. Berlepsch, schloß die Versamm- di» l,, kubem er der Hoffnung Ausdruck verlieh, es werde gelingen, Arbeiter dem Staate und der Gesellschaft voll einzu- <' � d e r n und mit den Waffen des befferen Wissens der sozialen �.orrn die Wege zu öffnen. Mus Groß-öerlin. verkehrshinternsc Verkehrsmittel. Denn man wissen will, was heute als Verkehrshindernis wird, inuß nun die Polizei fragen. Die Polizei !.iJ stir diesen Begriff die sonderbarsten Definitionen I iL,, en-. Den Gipfel erreicht die polizeiliche Ansicht über I>: �.�hrshindernisse in der Tatsache, daß unter Umständen I bin�".Ctncr Ttraße allein gehender Mensch ein Verkehrs- > Dw�uis darstellen kann. Dieser eine Mann in einer einsamen i bv»" verkehrshindernd sein, wenn in der von ihm I fcpü aeucn. �rafce eine Fabrik oder ein Betrieb liegt, in I„j,,C"Cn} Streik ansgebrocheit und wenn der Spaziergänger l keL i.- ist. Dann aber nnr dann wird der Ver- ! lcn>8f Zwar ist das Streikpostenstehen gesetzlich er- I g. volizeilich aber wird es verboten aus„Verkehrs- ! oonL Wehrt sich auch der gesunde Menschenverstand l tmiw nÄ Begriffsauslegung— unsere Polizei hat eben 6fpiue?"�chten und— Aufgaben. Ter Streikposten ist und I vt eben immer ein Verkehrshindernis. * i �vderes Bild. Wer bat noch nicht die großen .gesehen, welche die Berliner Straßen durch- I die Aufschrift tragen: Berliner Paketfahrt-Aktien- die m»! Wagen dienen dem Verkehr, sie bringen Venn sr•• bon C�ncm Stadtteil nach dem andern, sie schaffen ! Lwr i tU(*e vach der Bahn oder von der Bahn an die ■ kefn-v tn* �vd doch kann dieses Verkehrsmittel auch ver- ! sti-pif, v wirken. Man gehe einmal nach der Ritter- doi Zentrale der Berliner Paketfahrtgesellschaft. Wer ! iw Ll'rc0ii der Paketfahrtgesellschaft nicht weiß, braucht in ! Bip«- nur nach den großen Kastenwagen zu sehen. dip Reklameschild auf ein Geschäft aufmerksam macht, so ß,,,,?1??®1} Wagen auf die Paketfahrtgesellschaft. Vor dem tripK Bändiger Platz. Wenn die Wagen nicht im Bc- dp,,.-> r' V�vnzcn sich drei, vier dieser großen Kasten auf fii ftf,"�brdamin der an sich schon nicht allzu breiten Ritter- wn i aiL Hintereinander gestellt, nehmen diese Paketfahrt- ge««nen nicht unerheblichen Raum ein. Die übrigen �■.......»mn unecijeoiuneii maum ein. Die übrigen fuhrwerke müssen sich mühen, an die, er Stelle der Ritter- uraße vorbeizukommen. Die Ladengeschäftsinhaber beschweren sich und schimvfen. weil ihre Auslagen von der änderen Straßenseite nicht zu sehen sind. � Das macht aber �chts. Die Wagen nehmen nach wie vor auf der Straße Aufstellung. Man kann zu jeder Tageszeit durch die Ritterstraße kommen; Wagen der Pakettahrgesell,chait wird uivn immer aus der Straße stehend antreffen. Aber nicht nur Tageszeit. Wie ein Posten auf der Wacfy pflanzt futi w;'ch zur Nachtzeit der große Kastenwagen auf der «traße auf. Wir wissen nicht, wie die Polizei m diesem Falle den Begriff des Verkehrshindernisses auslegt. Zeitlang soll die Polizei die Ansicht gehabt haben, das Stehen der Wagen auf der Straße sei dem Verkehr hinderlich, und sie soll deswegen auch schon einige Strafmandate verhängt haben. Mit der Zeit scheint es die Polizei überbekommen zu haben, mit der Paketfahrtgesellschaft zu hadern. Die Wagen stehen nach wie vor an derselben Stelle, sie sind von dem Fahr- damin nicht sortzubekommen. In der Ritterstraße zerbrechen sich die Leute die Köpfe, wie ein solcher Zustand so ungeniert verewigt werden kann, zumal doch sonst bei Streikposten die Polizei sehr auf dem Posten ist und das„Verkehrshindernis" schnell beseitigt. Groß genug sind doch die Wagen, so daß sie nicht gut übersehen werden können. Es wäre erwünscht. wenn Herr Dr. juris v. Jagow sein Li äst leuchten lassen und eine Nechtsbelehrung über das Wesen der Verkehrshinderung veröffentlichen würde. Der Streikposten wird als Verkehrs- hindernd angesehen und nach der Wache gebracht. Der Paket- fabrtwagen steht Tag und Nacht aus dem Fahrdamm! Eine schöne Aufgabe für Herrn Jagow! Zum Höchsten der Jungfrau. Zur Königin der Nven führte uns im Geiste mit Unterstützung mannigsaliiger farbiger Lichtbilder und Panoramen ein Vortrag, der am Sonnabend zum erstenmal im wissenschaftlichen Theater der Urania, Taubcnstraße, gehalten wurde. Aus früheren Vorträgen bereits wisien wir, daß die Schweiz eine unerschöpfliche Quelle von Motiven darbietet, die uns zwingen, die Herrlichkeit der Natur zu bewundern. Es hüpfen und jauchzen gleichsam die Berge und Hügel, wenn wir, wie in diesem Vortrage durch eine prächtige Flora in das heilige Land der höchsten Höhen geführt werden. Schon aus der Fahrt von Brienz nach Jnterlaken offenbart sich uns die Schweiz in ihren herrlichsten Bildern. Wir kommen in. jene Nähe, wo unter Silberdiademcn Jungfrau, Mönch und Eigcr thronen. Und als Kontrast zu diesen Bergriesen zeigt sich uns die Blütenpracht der Alm in ihrer entzückenden Schönheit. Die Lichtströme der Sonne fluten über die ausgehende Alpenwelt in Klüfte und Täler. In großartigem Halbkreis türmen sich über grünen Hügeln, die aus tiefblauen und smaragdenen Seespiegeln aus fruchtbaren Tälern aufsteigen, die mittleren Waldgebirge, die Steinburgen der Natur, eine Alpenkette höher und kühner über die andere mit einer ganzen Welt von Felsendomen und Firnschnee. Der Vortragende, Herr Walter Z schölle, will unS indessen noch einen Ausblick gewähren von den höchsten Felsengipfeln. Diese Aufgabe löst er in interessanter Weise. Diejenigen, die Kraft genug verspüren, können die Bergriesen ersteigen, während andererseits Menschengeist und Menschcnfleiß in der Jungfraubahn ein Wunder werk der Technik und des Verkehrs geschaffen haben. Allein die Ausführung dieses kühnen Projektes in seinen einzelnen Phasen kennen zu lernen, bietet eine Fülle des Interessanten. Höher und höher bringt unS die Bnhit von Schcidegg, ihrem Ausgangspunkt. Wir passieren Eigcr, Mönch und Jungfrau vom Männlichen, das Wetterhorn, Station Eigergletfcher, Station Eismeer, überall neue überwältigende Eindrücke in uns aufnehmend. Auf welchem Berg- riefen wir uns auch befinden mögen, überall zeigt sich das Ziel unserer Reise, ragt der Gipfel der Jungfrau in seinem weißen Ge- wände majestätisch zum Himmel empor. Beim Anblick solcher Naturdenkmäler können wir erst jene echte Naturpoesie nachempfin- den, die der Dichter in folgenden Worten zum Ausdruck bringt: „Paläste der Natur, auf euren Spitzen, Den weißen Häuptern, wolkenhoch erhoben, Sieht man die Ewigkeit erstarrend sitzen, Um welche rings die eif'gen Hallen blitzen!" Und wem es gar vergönnt ist, den weit über 4000 Meter hohen Gipfel der Jungfrau zu erreichen und von hier einen Einblick zu tun in die Schlünde und Spalten des Gebirges, dem wird dieses Panorama zu einem unentwirrbaren Ehaos. Der Stimmung, von der hier der Besucher ergriffen wird, sei es am Tage, sei es in der Nacht, beim Anblick deS klarsten Sternen- Himmels, gab der Vortragende am Schlüsse seines mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrages Ausdruck durch die Worte: „Trinkt Augen, was die Wimper hält, von dem Ueberfluß der Welt!" Zwei Kautionsschwindler wurden am Sonnabend von der Kriminalpolizei verhaftet und gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der eine, ein schon wiederholt vorbestrafter„Kaufmann" Klaus Gehlen, ein Mann von 40 Jahren, trat als argentinischer Farmer auf und betrieb seine Schwindeleien zuletzt von der— Charite aus. Während er dort krank daniederlag, inserierte er in Zeitungen, daß er für seine Farm in Argentinien einen Inspektor suche.� Wenn sich Leute bewarben, antwortete er, daß er neben freier Station und freier Hin- und Herfahrt für die Familie noch 250 M. Gehalt monatlich zu zahlen bereit sei, doch müsse der Bewerber, damit er auch Wort halte, eine Kaution hinterlegen. Viele fanden sich hierzu bereit, weil das An- gebot so günstig war. Ein Geschädigter, der die verlangte Bürg- schaft hinterlegt hatte, erstattete Anzeige bei der Kriminalpolizei und diese ermittelte den ihr bekannten Schwindler in der Charite. Weil seine Krankheit nicht schwer war. verhaftete sie ihn dort und brachte ihn nach Moabit. Ihn begleitete ein erst 22 Jahre alter „Handlungsgehilfe" Otto Pohlcr, der in dem Augenblick verhaftet wurde, als ihm ein Opfer 1000 M. auszahlen wollte. Pohler war hier in einem Hotel in' der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraßc ab- gestiegen. Durch Zeitungsanzeigen suchte er Filialleiter für Zigarrengeschäfte, die er hier errichten wollte. Bei dem Verhafteten fand man noch verschiedene Schreiben, aus denen man schließt, daß der jugendliche Schwindler hier und in Hannover schon Opfer ae- fanden hat._ Gegen die vom Magistrat der Stadt Berlin geplante Aus- dehnung der Lustbarkeitssteuer auf die Theater wendete sich am gestrigen Sonntag eine Versammlung des Verbandes der Berliner Bühnenleiter, in der alle Berliner Bühnen, mit Ausnahme der königlichen Theater, vertreten waren. Die Versammlung beschloh, mit allen Mitteln gegen eine solche Besteuerung vorzugehen, die die Existenz aller Berliner Bühnen in Frage stellen würde und vor allem die tätige Mitwirkung der Berliner Presse zu erbitten. Gemeindewahlfieg. Bei der gestern in Mariendorf stattgefunden«« Ersatz- wähl zur Gemeindevertretung wurden die Kandidaten der Sozial- demokratic, Architekt Fritz Voutta und Reftaurateur Hermann Wittig, mit je 829 Stimmen gegen 138 Stimmen der Gegner ge- wählt. Die von den Bürgerlichen gemachten Anstrengungen im Kampf gegen den Umsturz waren also wieder einmal umsonst. Die Wahl i« Pankow. Gestern, am ersten Tage der Wahl zur Gemeindevertretung, erhielt unser Genosse E i ch l e r 630, der büraerliche Kandidat 41 Stimmen. Allem Anschein nach werden die Bürgerlichen jetzt versuchen, uns den Sieg streitig zu machen. Es ergeht an alle Parteigenossen die dringende Mahnung, am heutigen Tage alles daran au setzen, nicht nur die Stimmenzahl vom 8. und 9. März dieses Jahres zu erreichen, sondern noch zu erhöhen. Stelle sich daher jeder in den Dienst der guten Sache. DaS Schlepplokal ist bei Gaßmann, Kreuzstraße 14, Wahlzeit von 12 bis 7 Uhr. Im Lokal vergiftet Hai sich der 64 Jahrs alte Klempner Karl Stumpf aus der Wrangelstraße 63..it., der von feiner Frau ge- trennt lebte, suchte gestern Nachmittag ein Lokal in der Cuvrystraße auf. Er blieb dort vom Nachmittag bis zum späten Abend, immer eine Tasse Kaffee nach der anderen trinkend. Den Nachittitkag über hatte er den Wirtsleuten erzählt, daß es ihm sehr schlecht gehe. Nun sei er vor sechs Wochen vom Schlag gerührt worden und nicht mehr imstande, sich zu ernähren. Unbeinerkl schüttete St. Gift in den Kaffee. Erst einige Zeit, nachdem er die Tasse geleert und in sich zusammengesunken war, siel er den Wirtsleuten und Gästen auf, die jetzt einen Arzt herbeiriefen, der aber nicht mehr helfen konnte. Ueberfallen und beraubt wurde der 22 Jahre alte, wohnungs- lose Korbmachergeselle Arthur Timme, der am Freitag aus Luckenwalde hier zugereist war, um sich Beschäftigung zu suchen. Weil er sogleich keine fand und auch nur über geringe Barmittel verfügte, verbrachte er die Nacht zum Sonntag auf einer Bank des Platzes an der Ruheplatzstraße. Er schlief dort bald ein. Plötz- lich, gegen 1244 Uhr, wurde er jäh aus dem Schlafe gestört. Mehrere unbekannte Hände bearbeiteten ihn mit Fäusten, und als er sich zur Wehr setzte, mit Schlagringen, und zwar so heftig, daß er die Besinnung verlor. Die Räuber stahlen dem Wehrlosen jetzt das Portemonnaie aus schwarzem Leder, das 5,75 M.. enthielt, den Gesellenbrief von der Korbmacherinnung in Wittenberg, de» Landsturmschein, die Jnvalidenkarte und mehrere andere Aus- Weispapiere. Der Ueberfallene und schrecklich Zugerichtete wurde schließlich hilflos aufgefunden und nach dem Krankenhaus in Moabit gebracht. Hier- stellte man mehrere schlvere Schlagringver- letzungen auf dem Kopfe fest. Von den Tätern fand man bisher noch keine Spur. Selbstmord einer Greisin. Die Beschwerden ihre? hohen Alters verleideten der 70 Jahre alten Hospitalitin Berta Maczynska, die sich in der Siechenanstalt in der Fröbolstraße aufhielt, das Leben. Als sie wieder große Schmerzen hatte, begab sie sich auf die Toilette und erhängte sich dort. Sonnabendabend Ivurde sie hier tot ausgc- funden. Wer sind die Toten? Am Tchleusenufcr wurde gestern die Leiche eines unbekannten Mannes aus der Spree gelandet, der seinem?lcußeren nach dem'Arbeiierstande angehört zu haben scheint. Der Tote, der etwa 14 Tage im Wasser gelegen haben mag, ist erst etwa 18— 20 Jahre alt, 1,52 Meter groß und schlank, hat mittelblondes Haar und trug ein dunkelgestreiftes Jackett, eine blaue Weste, eine braune Hose und schwarze Schnürschuhe.— In der Grünauer Forst wurde in der Nähe des Pionierweges ein unbe- kannter Mann von etwa 30 bis 35 Jahren mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe tot aufgefunden. Ter Revolver, mit dem er sich erschossen hatte, lag noch neben ihm. Der Unbekannte trug einen dunkelblauen Anzug, schwarze Schnürschuhe und eine blaue Sportmütze. Letzte Nachrichten. Hlänzenüer sozialistischer wahlersolg in Frankreich. Paris, 10. Mai.(P r i p a t t e l e g r a m m des „B o r w ä r t s".) Bei den heute stattgefundcncn Stich- Wahlen zur Deputiertenkammer haben die Sozialisten weitere glänzende Erfolge erzielt. Bis jetzt, 12 Uhr nachts, sind im ganzen 95 Sozialisten gewählt, gegen 09, die die Partei in der vorigen Session hatte. In Paris und im Seine- departement verliert die Partei drei Sitze, unter ihnen be- findet sich Genosse Rouanrt, dagegen gewinnt sie im Seine- departement neun Sitze. Unter den gewählten neuen Ge- nassen befindet sich Jean Longuet, ein Enkel von Karl Marx- Ferner ist bemerkenswert, daß einer der neugewählten Ge- nossen den früheren Polizeipräsekten von Paris, LSpine, mit einer Mehrheit von 1000 Stimmen geschlagen hat. Porläufige Stichwahlergebniffc. Paris, 10. Mai. Die Stichwahlen in Frankreich sind ohne besonderen Zwischenfall verlaufen. Die Zahl der Wähler war größer als im ersten Wahlgang infolge der großen Propa- ganda der verschiedenen Parteien, vielleicht auch wegen des schlechten Wetters. Im ersten Wahlkreis des elften Bezirkes von Paris wurde der Berichterstatter des Dreijahrgesetzes Henry Pat6 mit etwa fünfhundert Stimmen Mehrheit gegen den Kandidaten der vereinigten Radikalen Hyacinthc- Loyson wiedergewählt. Im zweiten Wahlkreis desselben Be- zirkes unterlag der Sozialist L a v a n d, der bisherige Ver- trcter des Wahlkreises, gegen den Linksrepublikaner I g n a c e, zu dessen Gunsten der ehemalige Ministerpräsi- dent Barthou vor einigen Tagen dort eine Wahlrede gehalten hatte. Im ersten Wahlkreise des fünften Bezirkes wurde Professor P a i n l e v e, der bekannte Gegner des Drei jähr- gesetzes, mit 5038 Stimmen gegen 1916, die auf den Ratio- nalisten Roll in fielen, wiedergewählt. In Sceaux wurde der ehemalige Polizeipräfekt und Deputierte des DeParte- ments Loire, Läpine, vom Sozialisten Poncet geschlagen. In Paris wurden noch die Sozialisten G r o u s s i c r, A u b r i o t und Bracke wiedergewählt und ihre Parteigenossen Dr. N a v a r r e, C achin, Levasseur neu- gewählt. Tagegen wurden die Sozialisten Colly und Rouanet nicht wiödergewählt. In den Vororten von Paris wurden nengewählt die Sozialisten Laval(mit großer Stimmen- Mehrheit gegen den nationalistischen Freund von Dsroulede Maroel Hadert), und Bon(gegen den Freund Briands, den Advokaten Willm), wiedergewählt und Albert Thomas. In dem Departement Basses-Alpes wurde Josephe Re-inach vom Radikalen In g y geschlagen, der Pariser Bankier Jacques Stern neu- und der ehemalige Polizeipräfekt A n d r i e u x wiedergewählt. In Lyon sind die unabhängigen Sozialisten Augagneur und E o l l i a rd und die Sozia- listen Marietton und V o i l l o t, letzterer an Stelle des ausscheidenden radikalen Kandidaten, geivählt. In Bclfort siegte der Radikale Schneider. Neuer Angriff der mexikanischen Insurgenten auf Tampico. Washington, 10. Mai. Konteradmiral Maho meldet, daß die Aufständischen in aller Eile einen Sturmangriff aus Tampico vor- bereiten. DaS Marinedepartement hat Maho angewiesen, alle Amerikaner aus Tampico und Umgebung fortzubringen. Der englische Vizekonsul hat die britische Botschaft benach- richtigt, daß zwei englische und ein amerikanischer Bergbeamter von Bundestruppen m der Nähe von Guadalajara getötet worden seien. Theater. SRontaa, 11. Mai 1911. Anianq:i Ubr, Vasiagc-lhcatcr. Kino-Ba�ieie. Aniang 61:, Ubr. (ftnesi Siollendors-Thcater. Histoire(Tun Pierrot. ?liiiann" Ubr. Teutichcs Opernhaus. Parfisal. Anianz Tl, Ubr. ütgl. Opernhaus. Mignon. «gl. Ttbauipielhaus. Der slörenfried. TeutscheS. WaS ihr wollt. Aiiiault"•" Ubr. Metropol. Die Reise um die Weit in 10 Tagen. RnUMig S Uhr Urania. Zum Hochjirn der omug- irau. Leiiing. Pygmalion «ainmeripiele. Der Snob. deutsches.«iinstler- Thearer. Erziehung zur Liebe. Berliner. Äic eiiisr im Mai. «oniggraner Ttrane. Mr. Ku. Theater des ZSeftens.- Polcnblul. Theater am'Itollcndorfplai!. Der Zurdaroir «lelncs. Mqrns großes Herz. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Triairon. Die.Rotbrüelc. «omödicnhaus. Kammcrmusil. Montis Operette». Lung-Englaud. Suitipielbaus.' Tic spanische Fliege. Schiller O. Wann wir altern. Liebe. Schiller lx.harlottendiirg. Tis Meere? und der Liebe Wellen. Roke. Tie Kino-Königiu. «afino. Wo die Liebe hinsällt. SteichShalle«. ertettincr Sänger. Hcrrnield. Ein Reinsall. Heut' ist übermorgen.� Klabrias-Partic. TSintergarten. Spezialitäten. Apollo. Otto Reuttcr. Palast. Theater. Das Miralei. Zirkus Busch. Das Mirakel. •jlnfaiig S'l, Ubr. SSeädenz. Ein Walzer von Chopin. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Tie Förster-Chriftl. Theater an der Wcidendammer Britlkc. Der niüdc Theodor. Walhalla. Die Dollarprinzessin. Luisen. Ein seltsamer Fall. Kolies ieaprice.- Der Lustturner. DaS Karnickel. Das Erdbeben. Aniang 8'/, Uhr. SIcues Bolks-Theater. Charlcys Tatitc. Admiratspalast. Zin Tangollub. ülnsang S Uhr. Berliner iSispalast. EiSballett. Amor auf Urlaub. ititses Rollcndorf-Thcater. Histoire dhm Pierrot, ■* �» Sternwarte. Jnbalidenitr. 57—62 Unserem Genossen Max Boekhoven nebst Frau zur Silberhochzeit die besten Glückwünsche! 102A T>ie Genossen des»Si. Bezirks vom«. Kreis. SeSsilirertette« Wanderkarten hält siel, vorrätig Vorwärts udeustr. K(Laden) 5tos?« ££,. Kassanzfige, Paletots 4.-, 6.-, 8-. jÄ. Damcn-Koslfimstolfc M"« Z-, S-, 7->l. Vriginal englische Ztotte � 8.-. 10.-. 12.- pl. loben für pelerinen, Möge M.t«r 2-, Z-, 5.- Reste güRstigste Kastgelegenlielt. Titiüiger Koch& Setland 6.■. h. H. 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