31. Jahrg. Nr. 135. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 ML, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Big. BostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2.50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel. zeile oder deren Raum 60 Big.. für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Jnierate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Dienstag, den 19. Mai 1914. Der neue Minister gegen die Wahlreform. m Wie Loebell das Kaiserwort erklärt! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 1984. Kehraus! Alltäglich, etwa eine Viertelstunde nach Schluß jeder Reichstagssigung, wenn die gedankenreichen und gesetzesschwangeren Mitglieder unserer obersten Volksvertretung eines nach dem andern In der Montagsfizung des Abgeord- Dr. Porsch mit plumpen Ordnungsrufen des übel Mit den Sigungssaal geräumt haben, kommen durch alle Türen graunetenhauses erklärte der Minister des genommenen an. Liebknecht verstand es, mit vorsichtigen gekleidete und meistens schon etwas bejahrte Heinzelweibchen herInnern v. Loebell, daß er die von dem Ab. Worten und doch so unzweidentiger Kritif die traurige Unter- eingehuscht, die sich mit Fleiß und Eifer daran machen, den äußergeordneten Pachnide an ihn gerichtete Frage, würfigkeit des neuen Ministers des Innern unter die schmachlich sichtbaren Schutt und Abfall der gesetzgeberischen Arbeit zu bevolle und empörende Junkerdiktatur zu brandmarken, daß seitigen. Sie stürzen sich auf die Papiermassen, kriechen unter Tisch ob er beabsichtige, dem Landtage eine neue Serr v. Loebell voller Erregung auf seinem Size hin und her und Bänken umher, schwenken Besen und Scheuerlappen, auf daß Wahlrechtsvorlage zu unterbreiten, mit rutschte. Eine Entgegnung verfniff er sich aber flüglicher- das Haus rein werde. Rein beantworten müsse. weise, trop eifrigster Notizen! berdorret... wohl Gegenwärtig besorgen die Mitglieder des Reichstags selber Im Junterparlament gab am Montag der Nachfolger Mit Liebknechts ebenso scharfer wie wuchtiger Brand- eine Art Reinmachearbeit im Plenarsizungssaal. Sie kramen in des verflossenen Polizeiministers v. Dallwit fein Debut. Ein markung der junferhörigen Regierungspolitik, der er dann den Resten der Gesezentwürfe, Anträge, Petitionen, Wahlhöchst unglückseliges, zu den schlimmsten Erwartungen be- zum Schluß die unaufhaltsame Kulturpolitik des sozialistischen prüfungen, Rechnungen und Resolutionen umher, suchen Ordnung rechtigendes Debut, von dem Genosse Liebknecht mit Fug Proletariats fonstatierte, war der Höhepunkt der Debatte jagen konnte, Herr v. Loebell, der neue Mann, habe dadurch überschritten. Was nody fam, verriet nur erschreckend das tiefe 3 schaffen, erledigen, was noch irgendwie im Stehen und mit dem den berüchtigten Herrn v. Dallwitz überdallwitzt". Der Niveau jenes Barlaments, in dem Bildung und Befit" Reisefieber in den Knochen zu erledigen ist, propfen in den PapierFreifinn, der Herrn v. Loebell mit so jauchzendem Tusch als fraft eines schmöden Geldjackwahlrechts und eines noch korb, was nur hineingeht, schwenken Besen und Scheuerlappen auf daß das Haus vor den Minister der Wahtreform begrüßt hatte, kann nun schnöderen Terrors dominieren. Der Zedlitz- Bündler Graf gegen einander und gegen die Regierung tränenselig flagen:„ Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht." Wolfe verzettelte sich in belanglojen Kleinigkeiten MoIfe verzettelte sich in belanglojen Kleinigkeiten schon Toresschluß rein werde! Er fiel auf die zarten Blaublümelein des jo blauäugig treu- vor Liebknecht hatte Herr v. 3edlib: selbst kurz. aber Am Schluß einer beinahe neunstündigen Arbeit am Montag herzigen Herrn Bachnicke, und all die schönen Blockhoffnungen, diktatorisch, die Verewigung der Dreitlassenschmach gefordert. hatten sich die Abgeordneten, besonders die auf der rechten Seite die schon so sehnsüchtig hervorsproßten, sie sind verweltet, Herr Dr. Friedberg von den Nationalliberalen mahnte des Hauses, in eine solche Reinmache- und Aufräumewut hineinjänftiglich zur Gewährung gemäßigter" Bugeständnisse, gefuhrwerkt, daß fie neben allerlei gesetzgeberischem Kleinfram und Freilich kann man darüber streiten, wem der frostige derweilen ansonst dem Ansturm des Volkes mehr gewährt Abfall um ein Haar auch die wichtige dritte Lesung des Etats mit Hagel der falten, feindseligen Erklärungen des neuen Polizei- werden müßte, als die Regierung möchte und der diene. Daneben reproduzierte arbie abger in den Papierkorb geworfen hätten. Diesen Hokuspokus eins zwei ministers gegen die Wahlreform am meisten Schaden angelitäten v mit dem Grafen Westarp zu reden, empfanden aber doch on par- Agnes richtet hat: ob dem grausam enttäuschten Freifinn oder der berda tommer schlecht selbst die Nationalliberalen als eine zu arge Dis preußischen Monarchie und ihrem Repräsentanten Denn bom Freifinn weiß man ja, daß er noch am Grabe die Hoff eine„ trebsfrankheit", die ausgerottet werden m unter die Füße cantpit werben misse, fie f anges Deutschen Reichstags, und so wurde die Etoiss nung aufpflanzt aber die preußische Krone hielt man denn eratung wieder aus dem Krimskrams des Papierforbes herausdoch nicht für so übelberaten, daß sie die schicklichste Gelegen. Ebenso triviale, aber wesentlich entschiedenere Töne schlug gebuddelt und ordnungsmäßig auf die Tagesordnung der heit ungemust verstreichen lassen werde, um sich wieder ein- Herr v. Heydebrand an, der den Wahlrechtsminister" Dienstagssigung gestellt, mal zur Thronrede von 1908 zu bekennen, dem feier- feines Vertrauens und seiner Dankbarkeit versicherte, die lichen Königswort von der Wahlreform, die eine der wichtig. Wahlreform als reformistische Verirrung beflagte und jedent Eine Anzahl Rechnungssachen war im Handumdrehen sten Aufgaben der Gegenwart bilde. Zischelt doch längst im neuen Versuch der Einlösung des königlichen Versprechens ganzen Lande mitleidiger Hohn und höhnisches Mitleid, daß ichärfsten Kampf anfagte. Wir werden der Dinge harren, die erledigt. Dann regierte Mars die Stunde: die zweite Lesung der Januschauer und Herr v. Walzahn nicht nur die Prä- da kommen, erklärte er, aber voller Bereitschaft, die sand des Gesetzes über die Aenderungen des Militärstrafzeptoren des Kronprinzen seien, sondern auch die allmächti- am Schwert". Gegen den neuen Polizeiminister, den mit gefe buches, das durch das Notgesetz aus Anlaß des Erfurter gen politischen Vormünder der Krone. 10 überschwänglichem liberalem Tantam eingeführten Urteils notwendig geworden war, begann mit einer Rede des Kriegsnicht zu zücken brauchen, denn der ist ja offenbar nichts als der minister und dem mit ihm in die Heeresverwaltung eingezogenen Reformminister", wird Herr v. Heydebrand das Schwert ministers. Mit einer Rede, wie man sie bei dem neuen KriegsGriff des Polizeisäbels, den die preußischen Machthaber gegen neuesten, allerneuesten Geist allmählich gewohnt worden ist! das Volk schwingen werden, wie nur zu den schlimmsten Beiten von Moabit! " 1 * Bei der Zabernaffäre gab der neue Herr seine Visitenkarte ab. Wie er sich damals vorgestellt hat, so ist er geblieben. Daß er im Laufe der Monate etwas besser als in den grotesken An= Er ist einer von den Neusten, So groß, so unreparierbar aber auch der Schaden für Fortschrittler und Krone sein mag, so erfreulich ist doch die rasche Entschleierung der Loebellschen Regierungsgeheimnisse. Herr Pachnicke verdient alles Lob dafür, daß er einmal, nach dem Zeugnis des Herrn v. Loebell und vielleicht auch etlicher freisinniger" Diplomaten, fein Staatsmann" ge- als ein wässerigster Aufquß der Wahlrechtsverlegenheitsreden Der Speech des Zentrumsgreises Herold war nichts wesen ist, sondern den neuen Polizeiminister klipp und klar von Anno dazumal. Nicht ein Wort der Kritik an der Kriegs- fängen seines triegsministeriell- parlamentarischen Erdenwallens bor die Gewissensfrage stellte: wie stehst du zur Wahlreform? erklärung des Herrn von Loebell gegen die Wahlreform. die parlamentarische Form erlernt hat und nicht mehr ganz und Wir wollen dies Verdienst des Vorsitzenden der fortschritt: Nein: das Zentrum will' arglistig weiter lavieren, jede wirf- gar wie ein blutiger Dilettant bei der Generalprobe auf der Bühne lichen Landtagsfraktion auch nicht durch das Aufwerfen der liche Reform vereiteln und nur danach sehen, daß das leber- herumstolpert, ist als die natürliche Folge einiger erzieherischer Frage schmälern, ob auch er nicht dennoch seine Neugier gewicht des schwarzblauen Blocks, des Zollwuchers und der Rippenstöße, die ihm der Reichstag im Plenum und in den Kombezwungen hätte, wenn er diese Antwort des ministeriellen Volksverdumunung nicht ins Wanken gerät. Und da Herr missionen versetzt hat, selbstverständlich. Aber in der Sache ist Hoffnungsanfers der Fortschrittspolitik erwartet hätte. v. Heydebrand voll komischer Heuchelei dem Freisinn sein sich der Herr gleich geblieben. Herr Pachnicke glaubte überdies seine Sache mit der ge- Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratie als 1111botenen Vorsicht eingefädelt zu haben. Er verlangte nicht erhörtesten, unverzeihlichsten Verrat ,, an der bürgerlichen Geetwa die Verwirklichung der programmatischen Forderung sellschaft" angetreidet hatte, unternahm Herr Herold den Er wird sich grenzenlos erdreusten! des Freisinns( und des Zentrums!), die Uebertragung des bereits früher gescheiterten abenteuerlichen Versuch von neuem, Was der Reichstag will, ist für sein nur an die löbliche SubReichstagswahlrechts durch den neuen Polizeiminister, son- all die Zentrumstechtelmechteleien mit der Sozialdemokratie ordination des Kasernenhofes gewöhntes Denkvermögen nichts als dern nur die geheime und direkte Wahl, also jene fümmer- als Abirrungen einzelner hinzustellen, mit denen die Auflehnung gegen einen Befehl von oben und daher strafwürdig. lichen Verbesserungen, die schon vor 7, 8 Jahren Herr fromme, staatserhaltende Zentrums parte i nichts zu tun hat. Leider kann er den Reichstag nicht auf vier Wochen in strengen Theodor Barth einmal als allervorläufigstes Provisorium Herr Herold konnte für diesmal straflos solche Mohren- Arrest schicken, obwohl er das sicherlich als die mindeste Strafe für genannt hatte. Aber selbst von dieser armseligsten Abschlags- wäsche versuchen, weil schon vor Beginn seiner Rede der das Herumnörgeln der Reichstagsabgeordneten an der höheren zahlung wollte Herr v. Loebell nichts wissen, mit einem glatten Schlußantrag eingegangen war. Und das Haus nahm Weisheit königlich- preußischer Generale ansieht. Aber er kann ihn und entschiedenen ein" beantwortete er die Gewissens- denn auch, obgleich es noch nicht 344 Uhr war, diesen Schluß- wenigstens abkanzeln, und obendrein kann er ihm hönisch die frage Pachnickes, ob von ihm eine Reform auch nur dieser antrag an, gerade in dem Augenblick, als der zweite Daumenfchraube anlegen:„ Wenn Du die Vorlage nicht so schluckst, Art zu erwarten sei! fozialdemokratische Redner, Genosse Ströbel, wie wir sie Dir vorgesetzt haben, wenn Du Dir etwa einfallen Aber nicht genug damit, daß Herr v. Loebell sich mit zum Wort gekommen wäre. dürren, brutalen Worten als den neuen Minister gegen die In einer ausgedehnten Aussprache zur Geschäftsordnung läßt, bei Deinen eigenen sognenannten Verbesserungsvorschlägen zu Wahlreform, schlechtweg als Eriak Dallwitz, vorstellte er wurde dieser schamlose Gewaltstreich geziemend gekennzeichnet. bleiben, so nehmen wir Dir die Suppe wieder vor der Raje weg!" berbat sich auch sonst höchst deutlich, daß der Liberalismus Aber ob die Debatte über die Zerstörung der freisinnigen Der Reichstag entschloß sich angesichts der hochfahrenden Art ihn zum Träger ſeiner Hoffnungen und Illusionen mache. Wahlrechtsillusion gewaltsam zu Ende gebracht wurde oder des Kriegsministers erfreulichertreise, lieber seinerseits der NegieKurz, er, der sich als abgestempelter Reaktionär in den nicht ihr Erfolg ist unbestritten. Die Erklärungen des rung ihre unbrauchbare Suppe wieder zur Verfügung zu stellen. Zeiten der seligen Blockpolitik so überraschend in die Rolle Herrn v. Loebell haben wieder einmal die Unsinnigkeit und das Der Kriegsminister fonnte seine Siebensachen einpacken. Das an der rechten Hand des Paarungskanzlers Bülow gefunden irrealpolitisch Wolfenwandlerische gerade jener Kom- fich notwendige und wünschenswerte Gesetz über die Aenderungen hatte, bepies in dem Milieu des Dreiklassenhauses ebenso promißpolitiker entlarvt, die von Ministern oder des Militärstrafgesetzbuches, das aber einen bescheidenen Fortschritt überzeugend die Fähigkeit der Wiederanpassung an die ur- sonstigen Stellen etwas für das Wahlrecht des Volkes erhoffen. nur mit der Beseitigung des strengen Arrests, mit der Herbeireaftionäre Trußpolitik der Heydebrand und Pappenheim! Junker, Zentrumspfaffen und nationalliberale Scharf- führung zeitgemäßer Organisation wenn nicht Abschaffung Scharf- führung Der sozialdemokratische Redner, Genosse Liebknecht, macher denken nicht im Traume daran, dem ohnehin jo ver- der Kontrollversammlungen und mit einer Reform des Notwehrden bangende Vorsicht der Ordnungsparteien diesmal mit an haßten Volfe mehr an Rechten einzuräumen, als es schon be- und Beschwerderechts bedeuten würde, ist damit so gut wie gefallen. die Spize der Rednerliste gestellt hatte, um seine Angriffe figt. Wer dem Volfe wirkliche Rechte erobern will, der darf dann nachträglich erfolgreicher abwehren zu können, versah nicht an die Privilegierten und ihre Sachwalter, die Minister, Ihm durfte nach dem kläglichen Ausfall der Zabernaffäre der Freilich, eine Entschuldigung hat der Kriegsminister für sich. den Zwiegesang Pachnide- Roebell mit überaus glücklichen appellieren, sondern nur an die Wahlrechtsheloten Ramm schwellen. Nachdem sich die bürgerlichen Parteien in dieser Glossen. Sarkastisch behandelte er das unerwiderte Liebes- fe I b ft! werben der unverwüstlich illusionsfähigen Fortschrittspartei Der famose Tipp des„ Fortschritts" hat sich als flägliche wichtigen Frage mit einer geradezu beispiellosen Würdelosigkeit um die spröde Ministerschöne, mit beißendstem Spott aber Niete erwiesen. Darum wird es Reit, daß das Volk selbst und Gefügigkeit vor dem Militarismus in den Staub geworfen überschüttete er den neuen Polizeiminister selbst, der, es wieder auf der Bühne erscheint! Es hat durch seine Aktion hatten, durfte Herr v. Falkenhayn schon annehmen, daß er einer förmlich als unbillige Zumutung zurüdgewiesen hatte, so die Wahlrechtsbewegung erit ins Rollen gebracht, es allein solchen Gesellschaft auch noch ganz andere Zumutungen stellen. etwas wie ein politisches Programm zum besten geben zu wird auch dem Junferübermut einen neuen Dämpfer auffeßen fönnte. sollen. Bergebens nahm sich der übereifrige Vizepräsident können! Den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion in der Frage der Gebührenordnung für Zeugen rrnd Sach- verständige vertraten die Genossen Fischer- Hannover und Cohn. Unsere Ablehnung der Dampfersubvention für die Australienlinie des Norddeutschen Lloyd begründete Genosse Henke, er kennzeichnete die Subvention als einen Ausflug der stets wachsenden imperialistischen Neigungen des deutschen Kapitals. Vei der Frage der Förderung des Baues von Kleinwohnun- gen legte Genosse G ö h r e kurz die Auffassung der sozialdemo- kratischen Fraktion dar. Tann kam zu später Stunde und vor übermüdetem Hause die für die gegenwärtige parlamentarische Situation wichtigste Angelegenheit, die dritte Lesung der B e s o l d u n g s v o r l a g e. zur Erörterung. Hier hatte der Schatzsekretär Kühn den ange- nehmen Auftrag der Verbündeten Regierungen zu erfüllen, dem NeichZtage mit dürren Worten zu erklären: wenn Du nicht willst, wie wir wollen, so lassen wir das ganze Gesetz scheitern! Vielleicht war der Regierung in dieser Frage der Kamm geschwollen, weil die bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme des Zentrums, in- zwischen umgefallen waren, und weil auch das Zentrum wenigstens grundsätzlich seine Bereitschaft zum Kuhhandel zu erkennen gegeben hatte. Genosse Eberl legte demgegenüber die klare und selbstver- ständliche Stellung der Sozialdemokratie dar. Nichts von Ver- trägen, nichts von Uebcrgabe! Was bis zum Umfall in den letzten Tagen und Stunden von dem gesamten Reichstage mit einer seltenen Einmütigkeit als das bescheidenste Mindestmaß an Forde- rungen zur Verbesserung der Regierungsvorlage hingestellt worden war, was auch die beteiligten Beamtenkategorien, die kläglich be- soldeten Unterbeamten des Deutschen Reiches, als das notwendigste Mindestmaß ansehen, das gibt die Sozialdemokratie nicht preis, weil die löbliche Regierung die Stirn runzelt und dem Reichstage mit der Entziehung ihres Wohltvollens droht. Scharf und zu- treffend nannte Ebert die Vorschläge der Regierung, denen sich leider die meisten bürgerlichen Parteien angeschlossen hatten, einen Hohn auf jede soziale Gerechtigkeit. Wir lehnen daher die Kom- promißvorschlägc ab. Damit aber die zahlreichen Landbriefträger, denen die bescheidene Erhöhung ihrer unerhört niedrigen Bezüge, die die Vorlage vorsieht, nicht unter dem Starrsinn'der unfehlbaren Regierungsbureaukraten zu leiden brauchen, werden wir bei der dritten Lesung des Etats beantragen, den Landbriefträgern die ihnen zugedachte Erhöhung vorläufig als Stellenzulage zu be- willigen. Mag dann die Regierung zeigen, ob es ihr mit ihrem Wohlwollen für die Landbriefträger ernst ist. oder ob sie ihren sentimentalen Hinweis auf diese armen Teufel nur als ein parla- mcntarisches Presstonsmittel denutzt hat. Auch das Zentrum empfand die Erklärung der Regierung, die einen Vermittelungsborschlag des Zentrums als unannehmbar hingestellt hatte, als eine Brüskierung. lind so fiel schließlich das ganze Gesetz mit 152 gegen 149 Stimmen. Und das hat mit ihrem Starrsinn die Reichsregierung getan! Scherben über Scherben am Ende der Tagung des Reichstags! ; Das deutsche Volt wird daraus seine Schlüsse ziehen! die Solidarität See Chauvinister,. Wendelß Ruf und die franzöfischc Bo-rgeoitpreffe. Paris, 15. Mai.(Eig. Ber.) Daß die bürgerliche Presse Frank- reichs über den deutschen Sozialdemokraten, der Frankreich hochleben ließ, kaum minder ungehalten sein würde, als die Teutschlands, war zu erwarten. Die sranzösisch-deutsche Annäherung würde soviel wirtschaftliche und politische Spekulationen der kapitalistischen Klüngel stören und sie würde der sozialistischen Partei, die hüben und drüben gleichermaßen hingebend für sie arbeitet, ein erhöhtes Ansehen in den Volksmassen verschaffen. Und eS ist schon ärgerlich genug, daß ein deutscher Sozialdemokrat im Reichstag den bürger- lichen Leitartiklern von rechts und links, die von Zeit zu Zeit die sozialdemokratischen Arbeiter Deutschlands als Musterknaben des Patriotismus im bürgcrlich-nationalistjschcm Sinn hinmalen, das Konzept verdirbt. Deshalb geben die französischen Bourgcoisblätter nicht nur die erbosten und schulmeisternden Kritiken der deutschen bürgerlichen Presse mit sichtlicher Liebe wieder, sondern einige fügen eigene Aus- lassungen hinzu, um den Eindruck des Friedensrufes möglichst abzuschwächen. Charakteristisch ist z. B. der Kommentar, den der Berliner Korrespondent des nationalistischen„Echo de Paris" tclegra- phiert. Der Mann, der ein Meister in der Kunst ist— sie ist übrigens nicht immer so schwer, als man glauben möchte—, es den französischen Chauvinisten recht zu machen und dem Berliner Auswärtigen Amt nicht utilieb zu werden, erfindet glattweg, Ge- nasse Wendel habe sich mit Genossen I a u r e s ins Einvernehmen gesetzt und dieser werde in der Kammer„Es lebe Deutschland!" zu rufen haben. Er gibt zu, daß Wendel mit seiner Darlegung des wichtigsten Hindernisses der dcutsch-französischen Annäherung— der sortdauernden Vormacht des Feudalismus in Deutschland— ins Schwarze getroffen habe, aber fügt hinzu, daß, je mehr die französischen Revolutionäre den deutschen Sozialdemokraten, die„aus Furcht vor Schlägen antircvolutionär seien", die Hand entgegenstrecken würden, die deutsckie Regierung und der Reichstag ein desto unfreundlicheres Gesicht zeigen würden. Was soll das besagen? Daß die Annäherung nicht das Werk der Junker aus der einen, der antidemokratischen Parteien aus der anderen Seite sein kann, haben weder die Sozia- listen Frankreichs, noch die Deutschlands verkannt. Die Lösung liegt eben im Sieg der wirklichen VoliSpartcien in bezden Ländern. Aber der viclgcwandte Journalist mahnt seine Landsleute, nicht allzu friedenswillig zu sein, da dies die Berliner Regierung ver- stimmen würde... Auch dem„T e m p s" ist die Kundgebung im Reichstag nicht recht und er öffnet, um ihren Eindruck abzuschwächen, zum so und so vielten Male seinen Lügensack. Aber nicht nur die alte Verleumdung, daß die Sozialdemo- kratie die Militärvorlage gesichert habe, marschiert aus, sondern er entdeckt mit höchster Gedankenlesekunst, daß die Kund- gebung von unseren französischen Genoffen auSersehen sei. als »Fall«" für die Franzosen zur Preisgabe der dreijährigen Dienst» zeit und der russischen Allianz zu dienen: „Wir stellen weder die Aufrichtigkeit, noch die Absichten deS Herrn Wendel in Frage. Aber wir weisen unverzüglich allf den maßlosen und sophistischen Gebrauch hin, den die französischen Sozialiften von seiner Intervention zu machen versuchen." "Bisher hat sich noch kein französischer Sozialist zu der Ange- l«g«nheit geäußert. Tie.Humanite" brachte nur den Bericht ihres.Berliner Korrespondenten. Anm, d. BcrJ„Weil Herr Wendel einen Riis ausgestoßen hat, möchte man uns einreden, daß das deutsch- französische Problem geregelt sei. Es scheint, daß der junge Abgeordnete viel Talent hat. Aber immerhin, auch diese Schwalbe macht noch keinen Sommer. Aus die Falle, in die uns die Partei des Herrn Jaures zu locken suckt, antworten wir in aller Schlichtheit, daß das deutsch-französische Problem nicht durch Kundgebungen dieser Art geändert werden wird— weder in seiner historischen Form, der Verletzung unseres Rechtes, noch in seiner militärischen: der Antwort auf die deut- schen Rüstungen von 1911, 1912 und 1913, noch auch in seiner politischen: der Verteidigung des europäischen Gleichgewichts. Und wir fügen nur noch ein Wort hinzu, daß nämlich die deutsche Sozialdemokratie das Militärgesetz von 1913 ohne Obstruktion hat durchgehen lassen und selbst für die Finanzgesetze gestimmt hat ohne die es einfach unmöglich gewesen wäre. Das einmal gesagt, um den Ruf des Herrn zu beleuchten, wünschen wir selbstver ständlich, daß sich die deutsch-srai�ösischen Beziehungen in Zukunft bessern. Aber wir glauben, daß dies hauptsächlich von Deutsch- land abhängt und Frankreich in keinem Fall den französischen Sozialisten mit einer einfachen Verzichtleistung Folge leisten wird, die für sie das A und O der auswärtigen Politik ist." Einen sehr bemerkenswerten Leitartikel veröffentlicht heute die radikale„L a n t e r n e"— bemerkenswert darum, weil er die chauvinistische Preßhetzc auf beiden Seiten der Grenze energisch zurückweist, aber ebenso darum, weil er auch die Beschränklheit des kleinbürgerlichen Pazifismus der Radikalen zeigt. Die„Lantcrne" schreibt: „Ter Internationalismus des Herrn Wendel eilt der Wirf lichkeit voraus und sein hochsinniges Wort kann jetzt noch weder vom deutschen, noch vom französischen Volt verstanden werden. Sicherlich, wir können von Herzen wünschen, daß sich korrekte, wenn nicht herzliche Beziehungen zwischen den beiden Nationen entwickeln, die, wie eS scheint, gleichermaßen dem Frieden und dem Kulturfortschritt ergeben sind. Aber unsere Nachbarn haben uns nur zu oft, durch grausame Akte gezeigt, daß sie die französische Seele �nicht verstanden und nicht verstehen wollten. Wir können dem Sozialisten Wendel nicht so erwidern, wie er es tapfer gehofft hat; aber wir werden in unserem Lande die Provokationen und Schmähungen eines Chauvinismus zu brandmarken wissen, der, soweit er ehrlich ist, kläglich und, wenn er durch das Interesse inspiriert ist, verbrecherisch ist." Nicht unbemerkt sollen die Wort« bleiben, die der nation a- l i st i s ch c„Jntransigeant" der Intervention Mendels widmet. Er schreibt:„Ohne in Utopien zu geraten und ohne den Wagen vor das Roß zu spannen, muß man sich doch zu allen Kund- gedungen beglückwünschen, die der Sache des Friedens zwischen zwei Nationen dienen, die ihre Kraft zu gegenseitiger Achtung zwingt." /lrbeitswilligenschutz in üer sächsischen Zweiten Kammer. Scharfmacherblätter berichten triumphierend, daß in der sächfi- schen Zweiten Kammer der folgende Antrag e i n st i m m i g ange- nommen worden sei: .Die Kammer wolle beschließen, die Kgl. StaaiSregicrung zu ersuchen. a) eine Verordnung über daS Verhalten der Polizeibehörde bei gewerblichen Streitigkeiten im Sinne der Erklärung de« Herrn Mi:S Innern in der Sitzung der Zweiten Kammer vom 0'' zu erlassen. "ffte dahin zu Hf*'-«freiheit .aaWpütgets gege.iur. �...tschaftS- irgetreteneN Ausschreitungen, t.. welcher Seite sie .«»w-g-qen. durch Strasvorschriften sowohl im Strafgesetzbuch wie in der Gewerbeordnung einen ausreichenderen Schutz erhält, als er jetzt vorbanden ist." Die Einstimmigkeit fei dadurch erzielt worden, daß die Konserva- tiven auf die weitergehende Forderung der sofortigen Einführung strafrechtlicher Bestimmungen gegen Streikend« und auf da» Streik- postenverbot verzichtet hatten. Diese Einstimmigkeit bezieht sich natürlich nur auf die bürgerlichen Parteien, denn die Sozialdemokraten hatten den Saal vor der Abstimmung ver- lassen. Unker solchen Umständen kann schon eine Einstimmigkeit zu- stand« komnien._ wie Antisemiten falsthen! � In Nr. 113 der„Staatsbürgerzeitung" vom 15. Mai 1914 be» schästigt sich irgend jemand in einem Artikel„Richard Gädle als Jurist mit meinem Aufsatz„T-as Recht de? Einjährigen-DiensteS" in Nr. 129 des..Vorwärts". Natürlich in der dort üblichen liebe- vollen Weisel Er behauptet, daß ich den Wortlaut des Gesetzes entweder.bewußt ge— formt und umgedeutet" habe, oder daß mir„jede Fähigkeit, folgerichtig zu denken", abgehe..' Um mir solche Niederträchtigkeit oder solchen„Unsinn" nachzuweisen, fälscht der Artikelschreiber mit ungewöhnlich eiserner Stirnc das, was ich wirklich geschrieben habe. Ich führte in jenem Aufsatz bekanntlich a»S, daß„aller- d i n g s" die Ersatzbehördcn dritter Instanz in 8 93, 9 der Wehr- o r d n>i n g das Recht in Anspruch nehmen, darüber zu entscheiden, ob das bürgerliche Verhalten eines zum Einjährigen-Dienst Berech- tigten ihn dieses Privilegs moralisch würdig erscheinen lasse, und daß sie sich hierfür auf 8 19 des Wehrgesehcs vom 9. November 1867 berufen.„Nun aber" fahre ich fort, enthält 8 19 dcS Wehr- gesetzes diese Befugnis eben nicht. Beiläufig bemerke ich hier, daß die Wehrordnung eine vom Reichskanzler gegengezeichnete Ver- ordnung ist, die nur insoweit Gültigkeit besitzt, als sie mit dem Gesetze übereinstimmt— genau, wie die Bestimmungen über den Waffengebrauch des Militärs. Ich führte darauf 8 19 des WchrgeschcS wörtlich an und will ihn hier wiederholen: „Um im allgemeinen wissenschaftliche und gewerklichc AuS- bildung so wenig wie möglich durch die allgemeine Wehrpflicht zu stören, ist es jedem(!) jungen Mann überlassen, schon nach vollendetem 17. Lebensjahr, wenn er die nötige moralische und körperliche Oualisikation hat, freiwillig in den Militärdienst ein- zutreten." Und im unmittelbaren örtlichen Anschluß an diese Worte gebe ich nun solgendcn Kommentar zu diesem 8 19 des Wehr- gesetzes:„es ist ganz klar und kann, ohne den Bestimmungen wider besseres Wissen Gewalt anzutun, gar nicht geleugnet werden, daß es sich hier(man beachte: hier!) l e d i g l i ch um die jungen Leute handelt, die vor Eintritt des 20. Lebensjahres, also vor Eintritt ihrer Dienstpflicht in daS Heer eintreten wollen. Die Erlaubnis hierzu wird verständigerweise von zwei Bedingungen abhängig gemacht: 1. körperliche Oualifikatio«. 2. moralische Quält» fikation. ES wird unS aber auch auS dem Zusammenhange ohne weiteres deutlich, wa« hier(man beachte: hier) unter moralischer Oualisikation verstanden wird: die sittliche Reife, um dio Pflichten des SoldatenstandeS auf sich nehmen zu können." Während ich also— ich möchte sagen: in einer Weise, die selbst von Karlchen Micßnik nicht mißverstanden werden kann von § 10 des Wchrgesetzes spreche, fälscht der Arftkelschreiber meine Aus- führungen dahin um, daß mein Kommentar sich auf Z 93, 9 der Wehr» ordnoung beziehe. Und so bekommt er es fertig zu sagen, daß ich die Bestimmung umdrehe und aus dem Satze:„welche die nötige moralische Qualifikation nicht mehr besitzen" einfach den>-ntz mache:„welche die nötige moralische Oualisikation noch nicht besitzen". Und dabei ist sich natürlich der Artikelschreiber darüber nicht im unklaren, daß ich gerade der Wchrordnung vorwerfe, daß s i e die gesetzliche Bestimmung gegen die, die die moralische Qualifikation„noch nicht" besitzen, umgedeutet habe in eine solche, die die moralische Qualifikation nicht mehr besitzen l „Höher gehts wirklich nicht", muß ich dem dreisten Artikelschrcibec zurückgeben.„Calumnisre auclactcr.....!" Mit gleicher Kühnheit glaubt mir der Verfasser sagen zu dürfen: „Als alter Soldat müsse ich doch wissen, daß die Ersatzbehörde dritter Instanz mit jungen Leuten unter zwanzig Jahren im allgc- meinen auch gar nichts zu tun habe." Nirgends habe ich das Gegenteil behauptet, vielmehr gerade den Vorwurf erhoben, daß die Ersatzbehörde dritter Instanz aus einer gesetzlichen Bestimmung, die nur für Leute unter 29 Jahren gelte, für sich— ihrer- s e i t s— ein Recht herleite. Einjährigen auch nach dem 20. Lebens- jähre ihr Privileg fortnehmen zu können. Auch jener Vorwurf ist also nur möglich auf Grund einer glatten Fälschung dessen, was ich geschrieben habe. Einfach komisch wirkt seine Behauptung, daß Einjährige immer„freiwillig" dienten, weil sie sich Waffengattung und Truppenteil selbst aussuchen könnten. Dabei fetzig das Gesetz den Beginn ihrer Wehrpflicht fest und bestimmt Strafen, für die, die sich nicht r e ch t e i t i g zum Diensteintritt melden— bis zum Verlust des Einjährigen-Vorrechtcs. Es ist natürlich für jeden, der ein bißchen denken kann, klar, daß freiwillig nur der dient, der vor Beginn seiner Dienst Pflicht eintritt. Daß der Ein- jährige sich seinen Truppenteil(mit gewissen Beschränkungen übrigens) aussuchen kann, ist nur ein Entgelt dafür, daß er sich während seiner Dienstpflicht selbst bekleiden, ausrüsten und ver- pflegen muß. Ob das Einjährigen-Privileg überhaupt begründet ist, sollte hier natürlich nicht untersucht werden; es sollte vielmehr ckn cin�n be- sonders krassen Fall gezeigt werden, in welcher Weise jenMBlätler ihre Leser täuschen und wie jeder Autor, der einer gekMrischcn politischen Richtung angehört, für sie vogelsrei ist. Ich habe der „Staatsbürgerzeitung" eine Berichtigung zugehen lassen. R..G ä d k c. Die Staatspolizei und ihre Spitzel. AuS Wien wird uns geschrieben: Die El>renbeleidigungsklage des ehemaligen tschechischen Abgeordneten Sviha gegen den verantwortlichen Redakteur der„Narodni Listy" hat ein für den Kläger fürchterliches linde gencmili«n: die Geschworenen haben die Frage, ob der An- geklagte den Beweis seiner Anschuldigungen erbracht habe, einstimmig bejaht, worauf natürlich die Freisprechung sofort erfolgte. Die Geschworenen brauchten für ihre Beratung wenige Minuten: es war auch nach dein Ergebnis des Pro- zesses nichts zu berate», die schuld des �.Anklägers" stand eigentlich schon vorher fest. Gegen jenen Sviha, der kein ge- wohnlicher Abgeordneter, sondern der Obmann, der so« genannten Nationalsozialen war. seinem bürgerlichen Berufe noch überdies kaiscrlicki-könisslichcr Bezirksrichter, halte dos jungtschechrschc Blatt, wie wohl noch in Erinnerung, die Be- schuldigun� erhoben, daß er im D i e n st e d e r Staats- Polizei bei der Prager Polizeidrrektion stehe und ihr gegen ein fixes Entgelt von monatlich 890 Kronen über die vertraulichen Beratungen und Beschlüsse der tschechischen Parteien regelmäßigen Bericht erstatte. Es war gleich verdächtig, wie sich der so schwer Beschuldigte danach benahm: außer einer gestammelten 3lbleugmmg wußte er nichts Stichhaltiges vorzubringen. Vielmehr flüchtete er sich nach Trieft, ließ die Klage vorerst ganz im Stich und legte auch sein Rciclibratomondat nieder. Kurz er benahm sich keineswegs so, wie sich ein zu Unrecht Beschuldigter benehmen würde. Daß er sich am Schlüsse doch in den Gerichtssaol traute, scheint eigentlich unbegreiflich, denn den Tatbestand konnte er selbst nicht leugnen und seine Verteidigung war nur die Zlusrede, daß er nichts„verraten" habe. Das wjkd sogar mehr oder minder wahr sein, weil wirklich nur die ver- derbte Phantasie von„Staatspolizisten" aus den Gedanken kommen kann, daß aus einer parlamentarisckz-politisct�n Partei irgendwelche erschreckliche Geheimnisse herausgeholt Werden könnten.. Vielleicht meinte er. daß die Gegner nicht über ausreichende Beweismittel verfügen und daß er aus Mangel an Beweisen entwischen werden können. Aber mit Geschworenen ist in solchen Dingen nicht zu spaßen, und so ist ihm einstimmig bestätigt worden, daß er ein Lump ist. Aber daß sich einer ihrer ersten politischen Leute, der vielleicht, wenn er nicht erwischt worden wäre, bald Minister geworden wäre—„einer unsere? Konfidenten wird vielleicht Minister werden", meinte der Polizeimensch. der ihn geworben—, als ein derartiger Jämmerling entpuppt hat. mag die Tschechen zum Nachdenken veranlassen: was die Welt außerhalb Böhmens interessiert, ist die Verlott c- rung der Polizei, die sich da in ebenso dummer wie schmutziger Weise manifestiert hat. Schon der Einfall, einen Abgeordneten, ein Mitglied des gesetzgebenden Körpers, mit Geld zu einem Judasdienst zu verführen, einen aktiven Richter, der im Namen des Kaisers Recht spricht, schon das zeigt eine Verkommenheit an, die über alles Maß reicht. Dabei das ekle Doppelspiel: im Abgeordnetenhause macht die Regierung diesen selben National,'ozialcn. die sie bespitzeln läßt, den Hol. und der Ministerpräsident hatte mit dein Sviha einige Wochen vor dessen Entlarvung noch eine wichtige Konferenz nud es ist auch ganz bestimmt io, daß von der Svitzeltatigkeit des Sviha sowohl die böhmische Statthalterci fc"6 Regierung Kenntnis gehabt hat! Haben aber mcht geschwankt, dem Lumpen die Hand zu reichen und mit ihm ireiindiftiaftlich zn verkehren! Und wie sich die dummen Teufel aufgeführt haben! Tie mieten sich einen �pion dm er Art, und eine Maschincnschrciberin kann ihr ganzes Geheimnis aufdecken! Die saubere Sache ist nämlich Ü0C<....Spören herausgekommen, von den Jung- ischewen aber, die damals gerade mit den Nationalsozialen r» geschlossen hatten, aus politischen Gründen oT,.. LXJ lselegt worden. Herausgekommen ist sie durch eine ,.„8.«r �"Staatspolizei als Hilfskrast angestellt war 6ei.„ni- besondere Anstrengung hinter das ganze Ge- STPilr ßeiEomi"fn'st- 3tc hat es ihrem Sohn anvertraut, xl. Bemerkenswert ist auch die Dickhäutigkeit, die die österreichische Verwaltung hier zeigt. Hat man doch keinem oek betroffenen Beamten erlaubt, im Gerichtssaal zu er- 'che inen: für alle wurde das„Dienstgeheimnis" geltend ge- Macht! Sogar die Maschinenschreiberin durfte nicht aussagen obwohl die ganze Sache mit ihrer Aussage stand und fiel: Wt hatte also nur ihr Zeugnis, das sie vor der jung- uchechischeri Untcrsuchungskommlssion abgelegt hatte. Wohl m die österreichische Ockrana zum Teil mehr possierlich als fürchterlich: diese Ausspitzelung von nichtigem parlamen- Mrischeni Klatsch macht mehr den Eindruck von kindischer «uchtigtuerei, als sie Schauer erregt. Aber man sieht doch, •Me da nach„Material" geschnüffelt wird, das dann auf j Allerlei Hiirtertreppen den„Maßgebenden", deren Urteils- i lprüche ja bekannt, serviert und zur Erzeugung von„Stim- mungen" verwendet werden kann. Man sieht in diese schwarz- 1 L�be Welt mit ihrer absoluten Unempsänglichkeit für die Gebote der Matal und Ehre hinein, mit ihrer naiv- ! mwenchäinten Verachtung von Gesetz und Anstand. Welche \..Hungen bis zuhöchst hinauf würde eine solche Skandal- Gr e anderswo nach sich ziehen! Aber diese zweifelhaften i Ehrenmänner ducken sich, lassen sich beschimpfen und warten. ms die österreichische Vergeßlichkeit die peinliche Geschichte Achtungen hat. Das Urteil über die schwarzgelbe Herrlich. reit wird man also nun ganz kurz fassen können: es lautet: Psut Teufel! politisthe Uebersicht. Das Dementi als Bestätigung. � Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" versucht heute die Ausführungen in unserer Montagsausgabe über die Ursachen hes Rücktritts des früheren Präsidenten des kaiserlichen Aufsichtsamts für Privatvcrsichcrung. Gruner zu bestreiten. "s sei nicht richtig, daß Herr Gruner„wegen Anfeindungen »us dem Kreise der öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungs- onftaltcn" aus seinem Amte geschieden sei. Exzellenz Gruner IM vielmehr aus Gesundheitsrücksichten genötigt ge- wesen. seine Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Ttotz dieses Denlentis bleibt die Tatsache bestehen, daß Gruner gerade in dem Moment ausschied, als seine Differenzen mit dem Begründer der öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungs- Anstalten Kapp,— deren Existenz die„Norddeutsche" auch keineswegs zu bestreiten wagt— ihm seine Amtstätigkeit ver- G alten. Dadurch, daß die«Norddeutsche" auf alle übrigen neslsrellungcn unsererseits nicht eingeht, b e st ä t i g t sie unsere Mitteilungen über, die Unstimmigkeiten zwischen der preußischen u«d der Reichsregierung in der Frage der Lolksversicherung Ußd hie offene und geheime Bekämpfung der von der Reichs- Regierung unterstützten„Deutschen Volkssürsorge" durch Kopps vom Landwirtsch astsminister befürwortetes Unternehmen. Der Greis, der stch nicht zu helfe« weist. Di«..Areffinnige Zeitung" widmet der Rettung de» Unglück. öligsten Präsidenten, der je auf dem Präsidentenstuhl de» Reiche- tage« gesesien. einen ganzen Leitartikel. Um sein Unsägliche« und täppische« Verhalten zu rechtfertigen, beruft sie sich auf die„Post" Und die„Kreuz.Zeitung". Da» ist äußerst unvorsichtig. Denn ge- wde diese Blätter haben ja deutlich genug zu verstehen gegeben, hoß sie de.,„Beifall rechts", den Scheidemaims eher zn glimpfliche al« zu schroffe Zurückweisung de« präsidialen Uebereifer« ge- sunden, deshalb für unvorsichtig hielten, weil Herr Kaempf ja so ehrlich bemüht sei. durch seine präsidiale' Geschäftsführung den Tank der reaktionären Parteien zu verdienen. Aicht pem objektiven, nicht dem taktvollen Präsidenten gilt der Entschuldigungseifer dieser reaktionären Blätter, sondern dem ängstlich vor der Kritik der junkerlich-reattionären Sippe bangenden ur.d deshalb zu allen Entgleisungen fähigen Vergcwaltigcr der Redefreiheit! Wenn sich schon die»Freisinnig« Zeitung" auch auf die. recht»- flehende Presse beruft, sollte sie sich auf die„National. Zeitung" berufen, die in ihrer Nummer 116 von ihm sagt: „Man liebt Herrn Dr. Kaempf nicht, man haßt ihn nicht, man ist seiner einfach überdrüssig. Seine Vorsicht und Unparteilichkeit in Ehren— aber ein ReichStagSpräjident m>uß neben anderen positiven Gaben noch eine nicht abwägbar«, sondern nur in ihrer Wirkung zu fühlende Gabe besitzen: er muß durch seine Person, durch eine gewisse, ihm innewohnende männ- lnhe Kapazität imponieren können. Dazu ist vor allem nötig, daß der Präsident sicher auftrete. Ohne nach recht» und nach link» ZU schauen muß er im Vertrauen auf die eigene Autorität seines Amtes walten. Herrn Dr. Kaempf fehlt diese Sicherfieit. Sr bangt stet« davor, daß ihm. dem Fortschrittler, der Vorwurf ge- macht werden lönne, die Linksparteien unbewußt zu begünstigen, Und deshalb ist«r päpstlicher als der Pap st, er mißt s o z i a I d e mo k r.a t i s ch e Redner mit größerer Strenge, al» es etwa ein konservativer ReichStagSpräsident täte. Er tut die« niemandem zu Gefallen. Tic Redner der Linksparteien haben bei seiner Geschäftsführung sehr oft Uner- sreulichleiten zu gewärtigen, den Konservativen hin» wiederum kann ein Präsident, der. obgleich er politischer Gegner. ist, sich ihnen so blindlings unterwirft, keine be- sondere Achtung abnötige n." . Wir haben dieser nationalliberalen Kritik des fortschrittlichen Keichstagspräsidentcn kein Wort hinzuzufügen. Ter Dual« Di« wegen Hochverrats verhastet. Tie bürserliche Presse teilt jetzt niit, daß die so auffällig« Berhastung des Tuala Tin wesien Verdachts des H o ch v e r- v a ts erfolgt sei? Tie Kolonialbehörden des Tuala hätten telegraphisch di« Verhaftung verlangt, da der Verdacht vor- hege, daß Tin gleich Rudolf Bell den Versuch unternommen habe, mit England gegen die deutsche Kolonialverwaltung und das Deutsche Reich zu intrigieren. War schon der gegen den Duala Bell erhobene Vorwurf unsäglich lächerlich, so übergipfelt ihn der angeblich« Verdacht gegen Tin noch bei weitem. Tin ist seit Dezember 1*13 in Deutschland. Er ist gerade gekommen, um die Intcr- f"'cn seines Stammes bei dem Deutschen Reichstage Segen die koloniale Regierung vertreten zu helfen. Und dieser Mann soll hochverräterische Zettelungen dadurch eingegangen sein, daß er sich mit England wegen einer Annexion Kameruns in Verbindung gesetzt haben soll. Die Geschichte ist zu albern, als daß man auf sie überhaupt eingeben könnte. Aber doch nicht albern genug, um nicht von der Kolonialverwaltung als Vorwand ge- nommen zu werden, den Tin abermals zu verhaften. Auch hat man dem Rechtsanwalt Halpert bisher die Möglichkeit ver- weigert, sich mit dem Verhafteten zum Zwecke seiner Ver- teidigung in Verbindung zu setzrn Ein Rechtsschutz für afrikanische Eingeborene existiert offenbar nicht! Sie sind aller Willkür der Behörden preisgegeben. Wenn etwas Derartiges schon einem Tin. der doch seinen Rechtsvertreter besitzt und als anständiger und völlig harmloser Mensch weiten parlamentarischen Kreisen bekannt geworden ist, passieren kann, wie mag man dann erst mit den Eingeborenen umgehen, die ohne Rechtsbei- stand und ohnealleHilfeder Willkür eines rücksichts- losen Kolonialregiments preisgegeben sind! Nur Unteroffiziere. Tie„Deutsche Tageszeitung" beschäftigt sich mit der Frage, ob auf Bezirkskommandos und an ähnlichen VerwaltungSpostcn nicht altgediente Unteroffiziere mit einem neuen„gehobenen" Titel und als Gehaltsempfänger zu verwenden seien, die sich durch jähr- zehntelangcS Verweilen in ihrer Stellung eine besonders nützliche Erfahrung erwerben könnten. Sie kommt aber über ihrem Bor- schlag zu folgender Warnung: Andrerseits muß man sich hüten, dies«„gehobenen" Unteroffiziere in Stellen zu verwenden, w« grohe und ge- fährlichc Versuchungen an sie herantreten können. ES ist bei der ehrenhaften Gesinnung unsere» Unteroffizierstandes kein Zweifel, daß weitaus die Mehrzahl derselben hier standhalten würde. Wie aber der Krupp-Prozeß gezeigt hat. sind Urteil, Ein- ficht und Ueberlegung doch bei einer ganzen Anzahl so wenig gereift, daß ein geschickter Agent ihnen alle» mögliche zu entlocken vermag. Au» demselben Grunde ist doch sehr zu überlegen, ob man ihnen den Titel Offizier, wenn auch mit der Ein- schränkung Verwaltungsoffizier, zugesteht. Mit welcher Freude hat das Ausland von der Verfehlung preußischer„Offi- ziere" im Krupp-Prozeß Kenntnis genommen. Dabei waren es Zeug-Offizier«, d. h. Verwaltungsbeamte, denen nur durch die geschichtliche. Entwicklung der Titel Offizier und die Uniform geblieben war. Vielleickt wäre, wie oben erwähnt, die jetzt schon sehr ehrenvolle Bezeichnung Feld- Webelleutnant am Platze. In diesen unverschämten Zeilen offenbart sich der ganze ge- dunsene Kastenhochmut jener Kreise, denen daS Agrarierblatt als tägliches Lesefutter dient. Wer aus den besitzlosen Schichten de» Volkes hervorgeht, und fei e» selbst ein altgedienter Unteroffizier, der ist ohne weitere» jeder Lumperei und Schurkerei verdächtig und muß sorgfältig von Stellen ferngehalten werden,„wo große und gefährliche Versuchungen an ihn herantreten können". Wer aber den besitzenden Voltsschichten oder gar der Junkerkaste entstammt, der ist ein Ehrenmann von vornherein, und selbst wenn er ein Spieler ist, ein Schuldenmachcr und Betrüger, darf man ihn den größten und gefährlichen Versuchungen aussetzen. ES hat ja noch nie ei» preußischer Offizier Wechsel gefälscht, sich im Falschspiel ausgezeichnet oder Zuhältcrdienstc geleistet, sondern das waren immer„nur" Zeugoffizicre", nicht wahr? Und auch der Oberst R e d e l in unserem verbündeten Nachbarstaat Oesterreich, der in ernsten Zeiten kaltblütig das Vaterland an den voraussichtlichen Gegner verriet, gehörte dem UnteroffizierSstand an. nicht wahr? Uns kann eS freilich recht fein, wenn di« herrschenden Schichten sich so mit satte« Hohn über die„ebrenbafte Gesinnung unsere» UnierofsizierSstandeS" auslassen. Um so eher wird e» auch in den Kreisen der Tressenträger Licht werden. Klerikale Knüppelhelde«. Nicht weit von Aachen liegt das Gebiet MoreSnet, da» zum Teil zu Preußen gehört, zum Teil neutral ist und zu einem weiteren Teil unter belgischer Herrschaft steht. In dem deutschsprachigen belgischen Zipfel, der stockrabenschwarz ist� konnte am 10. Mai zum ersten Male eine sozialdemokratische Versammlung stattfinden. Da» in dem Flecken Aubel erscheinende klerikale Blatt.Die fliegende Taube" widmet« dem Ereignis unter anderem diese Worte: „Soll man es für möglich halten, daß wir vorigen Sonntag eine sozialistische Versammlung gehabt haben? Da sind Ver- vierser Herren gekommen, luelche den Leuten vorgetäuscht haben, daß, wenn die Sozialisten obenauf wären, man nicht mehr zu arbeiten brauche. Tann würde geteilt und jeder einer würde Herr und Meister seine« Anteils.... Und wenn wir gewußt hätten. daß der Kerl die Frechheit besitzt, hier in die deutsche Gegend unter uns Deutsch« zu kommen, dann wären wir hinge. gangen und hatten ihn auf den B u ck e l g e s ch l a g e n. Dann hätten wir ihm bewiesen, daß hier in MoreSnet die Leute den einfältigen Bazzel nicht nötig haben und daß sie wissen, daß die Sozialisten Heuchler sind, die alles, was wir glauben, unter die Füge treten und verhöhnen. Leute von MoreSnet und Unigegcnd! Wenn der feine Advokat auS Ver- vier« sich noch mal getraut hierher zu kommen, dann dieKnüppel bereit gehalten und ihn heim- gejagt! „Die fliegende Taube" scheint unS von christlicher Sanftmut weit entfernt zu sein! Das Neueste von der Kölner Polizei. Au» dem Dienst der Kölner Polizei ist plötzlich ein Kriminal- schutzmann entlassen worden, gegen den eine ganze Reih« von Ver- fahren schwebt, darunter«in« wegen Meineid». Diese Entlassung und ihr« Gründe sind deshalb besonder» interessant, weil dieser Beamte an der Boruntersuchung im Teutzer LandsriedenSbruch mit- beteiligt war. Er hatte in Gemeinschaft mit dem berüchtigten Robert Hauptmann da» Material besorgt, da« zur Verurteilung in diesem Prozeß führte. Damit ist da« schwache Fundament des empörenden Urteil? an einer neuen Stelle zusammengebrochen. Auch die Backschischaffärc scheint eine weitere Fortsetzung zu bringen. Von einem Barbesitzer, der durch die strengen Borschriften de» neuen Polizeipräsidenten über die frühe Polizeistunde benachteiligt ist, sind eine Anzahl mittlerer Polizeibcamten schwer beschuldigt worden. Auch sonst scheint der Kampf des nenen Polizeipräsidenten gegen die Nachtlokale sonderbare Wirkungen zu haben. Die Bor- dellc, die in Köln schon im Zurückgehen begriffen waren, erfreuen sich seitdem, wie die Interessenten versichern, wieder eines sehr lebhaften Zuspruches. Der mexikanische Konflikt. Abdankung Huertas? Washington, 18. Mai. Depeschen au» maßgebender diplomatischer Quelle au» der Stadt Mexiko an die hiesige» ausländischen Vertreter erklären, H u« r t a habe die mexikanischen Delegierten ermächtigt, seine Abdankung zn unterbreiten, falls dies im Interesse der FriedenSverhand- langen notwendig erscheine. Dies bestätigt die Andentnnge«, welche Freunde der Delegierte» gestern hier«achte».________. Von dem mexikanischen Vertreter bei der Friedcnsbrr- mittlungSkonfrrenz» August Rodriguez, wird aller- dings entschieden in Abrede gestellt, daß Hurrta sich zur Ab- dankung bereit erklärt habe. Protest gegen deu mexikanischen Krieg. Unsere nordamerikanischen Genossen haben gegen daS mexikanische Abenteuer der Wilsonschen Regierung folgenden Protestausruf erlassen: „Das amerikamsche Volk ist soeben durch diejenigen, welchen der Krieg Profit bringt, in einen Krieg hineingerissen worden. Die Tamboure des Kapitalismus rühren die Trommeln, seine Kriegßtrompeten ertönen und seine Kräfte sammeln sich, so daß die Nation in den Krieg geschleppt wird und die Arbeiter sich bereit finden sollen, zu töten und getötet zu werden. Durch Jahrhunderte hindurch hat man die großen Hilfsmittel Mexikos in Ruhe gelassen. Jetzt, von dem magischen Zauberstav des Kapitalismus berührt, tritt dieses Land von nun ab aus die verhängnisvolle Bahn der kapitalistischen. Ausbeutung und wird von ihm gegen das reaktionäre Feudalsystem ausgespielt. Neunzig Prozent des mexikanischen Volkes haben weder Land noch Eigen- tum. Sie haben seit über 100 Jahren unter fast unüberwindlichen Schwierigkeiten gekämpft und sind zuletzt immer wieder von Tyrannen regiert und ruiniert worden. Während eines Jahrhunderts hat sich das mexikanische Volk immer wieder gegen die Tatsache ausgelehnt, daß seine große Mehrheit sich in einem Zu- stände der Sklaverei befindet. Beraubt des Grund und Bodens in einem Agrarland«, hat dieses Volk wenig und nichts davon ge- habt, daß die spanische Herrschaft abgeschüttelt und die unabhängige Republik errichtet wurde. Solange die wirtschaftliche Knechtschaft bestehen wird, solange wird ein Aufstand den anderen ablöse». Es war erfolglos, daß das mexikanische Volk Madero zum Prä- sidentcn erhoben hat. Die Hoffnung, daß man seine Rechte an- erkennen und daß man Grund und Boden ihm zurückgeben werde, hat sich nicht erfüllt. Es kämpft heute noch dafür, daß Mexiko de» Mexikanern gehöre. In der Sonora Durango und in Chihuahua, wo die Revolutionäre im Besitze der Macht siird, ist das Volk in den Besitz des Grund und Bodens gelangt. Und in dieser Stunde, wo die Revolutionär« vor dem Siege stehen, unterwirst sich die große amerikanische Republik den unheilvollen Interessen des Kapitalismus und sendet ohne Kriegserklärung seine bewaffnete Macht auf den mexikanischen Bopen. Nicht eine Nation hat in der neueren Zeit Feindseligkeiten begonnen unter einem so haltlosen Vorwand, wie diesem Iahnenzwischenfall von Tampico. Ter Krieg wird unfehlbar alle mexikanischen Parteien gegen die Ein- dringlinge zusammenschweißen. Ihr Widerstand gegen die Kräfte der Vereinigten Staaten wird vielleicht ein vergeblicher sein: aber er wird sicher Dausenden daS Leben kosten, dahingerafft durch die Kugel, daS Bajonett und durch Krankheiten. Um Mexiko zu besiegen, wird die amerikanische Armee das ganze Land hurchziehen müssen. Unsere Armee wird hinter sich die Spur der Verzweiflung, zerstörter Häuser und de» Tode» lassen. Und wenn endlich die ainerikanischen Waffen triumphieren sollten— wer wird der Sieger fein? Weder das amerikanische Volk noch dos mexikanische. Di« deutschen, englischen und amerikanischen Kapitalisten, im Gefolge unserer Armee erscheinend, werden fort- fahren, Mexiko und das mexikanische Volk auszubeuten, wie der Kapitalismus zu allen Zeiten und an allen Orten das Volk der Arbeitenden stetig ausgebeutet hat. Andererseits wirb der Krieg für unser Land die beklagen?- wertesten' Folgen haben. Der Krieg stärkt alle Kräfte, die der Zivilisation feindlich sind, die auch feindlich sind der Arbeit, so- lange der Krieg dauert. Di« ganze soziale Gesetzgebung wird zum Stillstand kommen. All« Mittel werden verwendet, um mensch- lichen Wesen den Tod zu bringen, so daß es auf Generationen hinau» unmöglich fein wird, Alterspensicmen zu zahlen und Ver. sicherungen gegen Unfälle, Krankheit und Arbeitslosigkeit für die amerikanischen Arbeiter einzuführen. Alle Beutemächte werden die günstige Gelegenheit ergreifen, wie Piraten über unser Volk her- zufallen, und der ausbeuterische KapitaliLuruS wird jeden Anlaß zur Plünderung willkommen heißen. Erinnert Euch, daß die kapitalistische Klasse, die gegenwärtig in Colorado amerikanische Arbeiter, die um bessere LebenÄiedingungen im Kampfe stehen, mit Maschinengewehren niedermetzelt, dieselbe Klasse ist, die in Mexiko zu regieren sucht! Die sozialistisch« Partei ist im Prinzip gegen jeden Angriffskrieg. Wir glauben, daß der Krieg sich nur dann rechtfertigt, wenn e» um die Freiheit geht. Unsere Freiheit ist durch die Mexikaner nicht bedroht. ES gibt fiir die amerikanischen Arbeiter keinen Grund. ihre Heimat und ihre Familien zu verlassen und ihr Leben auf den Schlachtfeldern von Mexiko zu lassen. Im Namen von zwei Millionen amerikanischer Sozialfften, im Namen von 30 Millionen Sozialisten der ganzen Welt, im Namen der Menschlichkeit und der Zivilisation protestieren wir gegen den Krieg! Im Auftrag des Nationalkomitees der sozialistischen Partei: Viktor L. Berger. Adolf Germer. Georg H. Maurer. I. Stitt Wilson. Walter Lansersiek, Sekretär. Letzte Nachrichten. Ein Hochverratsprozrß. Kalmar i.(f., 18. Mai.(W. T. B.) DaS hiesige Landgericht verhandelte heute in mehrstündiger Sitzung gegen de» Zeichner I. I. Waltz alias Hansi wegen seine? Buches„Xloa mllage". Der Staatsanwalt beantragte sechs Monat« Gefängnis»nd 1300 Mark Geldstrafe. DaS Gericht erklärte sich für unzuständig. da daS Buch hochverräterische Tendenzen aufweise, und verwies den Fall an das Reichsgericht. Daraufhin wurde Hansi, entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts, wegen Flucht- verdacht? verhaftet. Eine stürmische Sitzung der Skupschtiun. Bel«rod, 18. Mai. sW. T. P.) In der heutigen Abendfitzuug der Skupschtina kam eS infolge eines Wortwechsels zwischen dem Justizminister Tjuritschitsch und einem jungradikalen Abgeord- neten zu einem stürmischen Protest der Jungradi- kalen. Die Sitzung mußte zweimal unterbrochen werden, und da die Jungradikalen ein« obstruktionistische Haltung einnahmen, 'urdc die Sitzung unter großem Lärm geschloffen. Die Anklage gegen Frau Caillaux. Pari«, 18. Mai. Der Untersuchungsrichter Boucard hat eni- sprechend dem Antrage de» Staatsanwalts Frau Caillaux unter der Beschuldigung de« geflissentlichen« mit Vorbedacht begangenen Tstfchlag« vor die AnNagekammer ver« Wiejen. Im Passage Kaufhaus Verkauf 9 bis 1 Uhr, 3%, bis 8 Uhr, Sonnabends bis 9 Uhr Friedrichstr. = 110-112= Fortsetzung des Konkursmassen- Ausverkaufs zu den am Sonntag angezeigten, ganz erlieblich herabgesetzten Preisen Heute: Restbestände der Damen Konfektion Kostüme 50 Serie I jetzt 1650 früher 40 bis 56 M. Serie II jetzt 225° früher 56 bis 70 M. Serie III jetzt 3250 früher 70 bis 100 M. Musselin- Kleider Serie I jetzt 1250 früher 30 bis 36 M. Serie II jetzt 1850 früher 36 bis 45 M. Serie III jetzt 24.50 früher 45 bis 65 M. Wollkrepp- Blusen Seidene Kleider Serie I Jetzt 2450 früher 50 bis 80 M. Serie II Jetzt 4500 früher 80 bis 120 M. Serie III jetzt 6500 früher 120 bis 190 M. Serie 1.. jetzt 190 früher 4.50 bis 6.75 M.| Serie Il jetzt 290 früher 6.75 bis 8.50 M.| Serie Ill jetzt 390 früher 8.50 bis 11.00 M. früh. 90 Pf Pf. bis 2.75 M. Weiße Batist- Blusen I 90 früher 5.50 25 früher 2.75 bis 5.50 M. 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Schiller- Theater Donnerstag, nachmittags 3 Uhr: Rosenmontag. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ueber unsere Kraft( I. Teil). Deutsches Opernhaus. Tiefland. Theater in der Königgrätzer Straße Leffing. Pygmalion. Kammerspiele. Scheiterhaufen. Deutsches Künstler Theater. Schneider Bibbel. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräßer Straße. Mr. Wu. Theater des Westens. Bolenblut. Theater am Nollendorfplat. Der Jurbaron. Kleines. Jettchen Gebert. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Trianon. Die Notbrüde. Montis Operetten. Jung- England. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Schiller 0. Ueber 1. Teil. Schiller Charlottenburg. Klein- Eva. Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Komödienhaus. 8 Uhr: ,, Kammermusik“. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einft im Mai. umjere ait Theater des Westens. Roie. Die Kino- Königin. Kafino. Wo die Liebe hinfällt. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast Theater. Das Mirakel. Zirkus Busch. Das Mirakel. Anfang 8, Ulbr. Komödienhaus. Kammermusi!. Residenz. Jeannettes Dunfeltammer. Friedrich Wilhelmstädtisches. Die Förster- Christl. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Walhalla. Die Dollarprinzessin. Luijen. Ein feltfamer Fall Folies Caprice. Der Luftturner. Das Karnidel. Das Erdbeben. Anjang 8, Uhr. Neues Volks Theater. Maria Friedhammer. 0 Admiralspalast. Im Tangoflub. Aniang 9 lbr. Berliner Eispalast. Eisballett. Amor auf Urlaub. Cines Nollendorf Theater. 81lor: Polenblut. Deutsches Künstlertheater Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Dienstag, 8 Zirkus Busch. Gastspiel des Deutschen Theaters Direktion: Max Reinhardt. Das 68/ 19* Mirakel Anfang 8, Uhr. Vorverkauf an der Kasse des Deutschen Theaters, Zirkus Busch und A. Wertheim. Preise der Plätze von 1-10 M. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Der Juxbaron. Kochkunstausstellung ,, Die Küche im Mai" Heute: Schneider Wibbel. Letzter Tag. Mittwoch, 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Die Förster- Chriftl. Anjang 8 Uhr. EVA DAL ERSTE Histoire d'un Pierrot. Sternwarte, Invalidenftr. 57-62 VARIETE AUSSTELLUNG BERLIN 9-24.MAJ 1914 AUSSTELLUNGSHALLE AM ZOO Residenz- Theater. Anjang 8 Uhr. Jeannettes Dunkelkammer Schwant in 3 Akten von Benedift Lachmann. Morgen und folgende Tage: Jeannettes Dunkeltammer. URANIA DOSE THEATED Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Zum Hochfirn der Jungfrau. Große Frankfurter Str. 132, Die Kino- Königin. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die Kino Königin. Walhalla- Theater ZOOLOG Metropol- Theater. 19/20. Täglich abends 81% Uhr: Die Dollarprinzessin. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Herr D'rektor Kuhlicke Clou Burleste von Mehsel. Anfang 8 Uhr, Sonntags 7%, Uhr. Eintritt 50 Pf. Hervorragende Neuheiten. Brauerei Friedrichshain. Mittwoch, den 20. Mai 1914, abends 8 Uhr: Vokal- und Sinfonie= Konzert des Grein Kreuzberger Harmonie i dos .vereins adad D. A.-S.-B. und Mitwirkung des Blüthner Orchesters Dirigent( Chor und Orchester): Franz Bothe. Einlaßkarten im Vorverkauf a 30 Pf. bei d. ,, Vorwärts" Spediteuren Zucht, Immanuelkirchstr. 12, und Hanisch, Ackerstr. 174. 7 55 ischer Garten Die Reise um die Erde Täglich ab 4 Uhr: Großes MilitärDoppel- Konzert. Eintrittspreise: Zoo 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar. 1M.v.d.Str. 50Pf. v.Zoo Kinder unt. 10 Jahr. die Hälfte. Neu! Neu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. ER FCARTEN Neues Programm! Radjah in ihren Tänzen Johnson u. Dean Jeanette Denarber Ragtimemit ihrem Sextett Ballon und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Entreeplatz wochentags M. 0,60. Rauchen gestattet! Apollo- Theater. 8 Uhr Tel.: Lützow 2757. 8 Uhr Otto Reutter u. das übrige Mai- Varietéprogramm. Rauchen gestattet! in 40 Tagen. Trianon- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Die Notbrücke. Folies Caprice. Täglich 8, Uhr: D er Luftturner. as Karnickel. as Erdbeben. Admiralspalast. Die Eis- Arena. Novität» Im Tangoklub" und das effektvolle Eisballett ,, Die lustige Puppe". Bis 6 Uhr und ab 10, Uhr halbe Kassenpreise. Wein- und Bier- Abteilung. Passage- Panoptikum. Lebend! Die letzten weiblichen Azteken! Der unfesselbare Rappo, der König der Ausbrecher. Aga, die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Berantw. Redakt.: Alfred Wielevy, Neukölln. Inferatenteil verantm Tb. Glode, Berlin. Drud u. Veziag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanftah Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 135. 31. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gewerkschaftliches. Die Tarifverträge in der Holzindustris. Während in den meisten Gewerben, in welchen die tarifliche Regelung der Arbeitsbedingungen eine größere Bedeutung erlangt hat, der Reichstarif die Grundlage der Abmachungen für die einzelnen Orte ist, verfolgt die Tarifpolitik in der Holzindustrie andere Bahnen. Hier handelt es sich durchgängig um Einzelberträge, die zwischen den örtlichen Parteien, wenn auch meist unter Mitwirkung der Zentralvorstände, abgeschlossen wurden. Das liegt nicht nur daran, daß auf der Unternehmerseite verschiedene Organisationen in Betracht kommen, sondern dieser Zufiano ist vom Deutschen Holzarbeiterverband, der maßgebenden Arbeiterorganisation, der sich die konkurrierenden kleinen Verbände christlicher und Hirsch- Dunderscher Couleur in Tarifvertragsfragen in der Regel anschließen, mit Vorbedacht herbeigeführt worden. Der Arbeitgeber- Schußverband für das deutsche Holzgewerbe, der wichtigste, aber keineswegs der einzige Gegenkontrahent der Tarifverträge in der Holzindustrie, hätte zwar sehr gern einen fich über das ganze Reich erstredenden Vertrag abgeschlossen, aber nicht, um eine größere Gleichmäßigkeit der Arbeitsbedingungen herbeizuführen, sondern um beim gleichzeitigen Ablauf aller Verträge einen stärkeren Druck auf die Arbeiter ausüben zu können. Diese Pläne wurden erfolgreich durchkreuzt. Nach dem jest geltenden und von beiden Seiten anerkannten Zustand sind die mit dem Arbeitgeber- Schußverband abgeschlossenen Verträge in zivei Gruppen geteilt. Die Geltungsdauer dieser Verträge ist auf vier Jahre festgelegt und alle zwei Jahre wird über die Erneuerung der jeweils vor dem Ablauf stehenden Verträge verhandelt. Da jedoch viele Verträge mit anderen Unternehmerorganisationen oder auch mit einzelnen Firmen abgeschlossen sind, steht der Holzarbeiterverband so ziemlich das ganze Jahr hindurch in VerhandIungen wegen der Erneuerung oder des Neuabschlusses von Tarifberträgen. triebe mit 40 380 Arbeitern. Im Durchschnitt kommen hier auf jeden Vertrag 5047,5 und auf jeden Betrieb 10,6 Arbeiter. In welchem Maße der Holzarbeiterverband durch seine Vertragspolitik für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen wirkt, Dienstag, 19. Mai 1914. waren. erneuert oder erstmalig abgeschlossen wurden, die überwiegende Mehrzahl, nämlich 225 Verträge für 62 452 Arbeiter, das Ergebnis friedlich verlaufener Lohnbewegungen Daran zeigt sich, daß eine leistungsfähige Organisation unter Aufzielen kann.' ergibt sich aus der folgenden Tabelle, welche die Entwickelung der wendung verhältnismäßig geringer Mittel bedeutende Erfolge er bertraglichen Arbeitszeit seit dem Jahre 1907 zeigt: Wöchentliche Arbeitszeit -Stunden 1907 48 bis 51 über 51 54 " 54 57 " " 57 60 " T " 60 " Insgesamt Zahl der Personen in den Jahren 62 74 Berlin und Umgegend. Die Badstraße unter Belagerungszustand! 1908 1909 1910 1911 1912 1913 Einen überaus großen Eifer im Dienste der Herren Gold ader und Weidner entwickelte die Polizei am lebten Sonn18155 17750 17994 23116 29633 27307 40084 abend. 34258 32247 38764 53661 59413 67519 61559 So standen vor dem Goldackerschen Geschäft in der Badstraße 25377 24080 22648 27002 31890 37856 37054 zwei Schußleute und ein Kriminalbeamter, während ein Kriminal 11611 9425 10458 8192 9867 10817 8727 beamter im Geschäft selbst postiert war. In ähnlicher Weise sind 51 95 100 147 318 auch die übrigen Geschäfte polizeilich geschütt" worden. Aber 89452 83564 89938 112066 130903 143646 147742 nicht nur in der Bewachung der Geschäfte tat die Polizei ihr Bon je 100 Personen 20,3 21,2 20 20,6 22,6 19 27,1 38,3 38,6 43,1 47,9 45,4 47 41,7 28,3 28,8 25,2 24,1 24,4 26,4 25,1 13 11,3 11,6 7,3 7,5 7,5 5,9 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 Mehr als zwei Drittel der den Verträgen unterstehenden Arbeiter haben schon eine Arbeitszeit von höchstens 54 Stunden pro Woche. Auch der Acht stundentag ist in den Verträgen der Holzindustrie nicht mehr unbekannt. der Holzindustrie nicht mehr unbekannt. In 5 Verträgen für 10 Betriebe und 234 Arbeiter ist die wöchentliche Arbeitszeit auf 48 Stunden festgesetzt. 48 bis 51 über 51 54 AP 54 " " " 57 60 57 60 " • " Auch die Löhne haben eine wesentliche Steigerung erfahren. In den Berträgen sind teils Mindest, teils Durchschnittslöhne oft in verschiedenen Abstufungen festgelegt. Die vertraglichen Löhne für Vollarbeiter in den Jahren 1912 und 1913 zeigt folgende Tabelle: Hierbei läßt sich der Holzarbeiterverband vornehmlich von dem Gedanken leiten, daß es nicht in erster Linie darauf ankommen fann, viele Verträge abzuschließen, sein Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, gute Verträge zustande zu bringen, die den Arbeitern auch Vorteile bieten. Diese Absicht ist, wie die in der letzten Nummer der Solzarbeiter- Zeitung" veröffentlichte Tarifftatiftit 36 ausweist, auch im Jahre 1913 in sehr zufriedenstellender Weise erreicht worden. Das ist um so höher zu veranschlagen, als die schwere Wirtschaftskrise, unter welcher die Holzindustrie ganz besonders zu leiden hatte, der Durchführung von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchaus nicht günstig war. Pfennig Vertraglicher Mindestlohn Durchschnittslohn möglichstes! Ganz besonders hatte man es auf die Verteiler von Laufzetteln abgesehen. Sogar Leute, die am Streit ganz unbeteiligt waren, wurden, wenn sie aus irgend einem Grunde vor dem Goldackerschen Geschäft einige Augenblicke stehen blieben, vom Reviervorstand barsch gefragt:" Wollen Sie etwa Bettel verteilen? Dann jage ich Sie hier weg oder lasse Sie abführen. Wenn harm= lose Straßenpassanten derart belästigt werden, muß das zur Folge haben, daß das Publikum die Nähe der so bewachten Geschäfte meidet. Schließlich wurde das Verteilen von Druckschriften überhaupt, ganz gleich welchen Inhalts, von der Polizei verboten. Reflamezettel, Anpreisungen von Abzahlungsgeschäften oder SpeiseIhre Verteiler wurden von der Polizei verjagt und durften anstalten und Tingeltangeln, alle erlitten das gleiche Schicksal: ihrem Gewerbe im ganzen Revier der Badstraße nicht mehr nachgehen. Auch in anderen Bezirken ging es ähnlich. In der Invalidenstraße verbot man dem Zettelverteiler jeden Aufenthalt in der Invalidenstraße und der nächsten Umgebung. In anderen Stadtteilen drohte man, die Zettelverteiler bis abends 9 Uhr festzuhalten. Einem solchen Zettelverteiler wurden die Laufzettel beschlagnahmt und troß entschiedenen Protestes nicht wieder herausgegeben. Kurz, die Polizei entwickelte einen wahrhaft erstaunlichen Eifer im Dienste der bedrängten Großbädereien. Außerordentlich rührend ist auch die Fürsorge, deren in in mit Personen mit Personen sich die Arbeitsivilligen zu erfreuen haben. So wurde wiederholt Verträgen Verträgen bemerkt, daß der Bote, der nach der Krankenkasse ging, anscheinend 1912 1913 1912 1913 1912 1913 1912 1913 um die Arbeitswilligen zu melden, mit polizeilicher Begleitung zur Kasse ging und mit polizeilicher Begleitung wieder zurüdfam. 7 11 258 474 4 Man darf begierig sein, welche Blüten der Eifer der Polizei 51 53 8297 4828 noch zeitigen wird. 185 bis 30 2 106 16 .. 81 35 5 985 366 " 40 184 6922 7330 36 34 1996 2483 SP 41 45 159 179 11031 10908 74 41 6081 2551 " 46 50 120 144 15048 13904 74 63 7371 " 51 55 51 62 11165 9274 51 61 SP 56 60 38 62 8160 2922 47 50 12 61 65 15 28 7742 14821 14 28 " 66 70 7 17 299 1478 3 3 4716 6661 9315 14668 9847 2813 10687 72 " t 71 76 75 3 2 560 286 1 " 80 3 6 294 681 " 8|| Busammen 588 699 64776 71400 811 288 || 9 Einstweilen wird der Kampf gegen beide Großbädereien, sowohl Golda der, als auch Weidner( Firma Hanke u. Co.), von den Bäckern mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt. Achtung, Töpfer! Die Kollegen in Bosen stehen schon seit 2480 längerer Zeit im Streit zur Abwehr von Lohnabzügen. Da es den Unternehmern bisher nicht möglich war, Streifbrecher zu er halten, haben sie einen der Ihrigen nach Berlin geschickt, um Raus reiger anzuwerben. Sie glauben, die große Not der Berliner Ofensezer habe diesen jedes Solidaritätsgefühl geraubt und sie würden sich als Arbeitswillige gebrauchen lassen. 40753 42470 Im Laufe des Jahres 1913 waren 242 Verträge für 5629 Betriebe und 63 581 Arbeiter abgelaufen. Von diesen wurden 156 Verträge für 5648 Betriebe mit 60 427 Arbeiter erneuert, wobei eine größere Zahl von Verträgen mit Einzelfirmen mit dem betreffenden Ortsvertrag verbunden wurden. Neu abgeschlossen wurden Die Zahl der Arbeiter mit höheren Löhnen ist bedeutend gestiegen. 126 Verträge für 635 Betriebe und 7621 Arbeiter. Damit stieg Den Verträgen mit einem Mindestlohn von 51 bis 80 Pf. unterdie Gesamtzahl der am Jahresschluß gültigen Verträge auf standen im Jahre 1912 28 220, im Jahre 1913 33 956 Arbeiter. 1135, die für 14990 Betriebe und 149 123 Arbeiter Ein Durchschnittslohn in gleicher Höhe war 1912 für 24 214, im galten. Am Schluß, des Jahres 1912 waren die Arbeitsbedingungen Jahre 1913 für 32336 Arbeiter festgesetzt. Von dem sonstigen für 144 656 Arbeiter tariflich geregelt. Die Fortentwidelung hält Inhalt der Verträge sei nur erwähnt, daß Ferien, und zwar sich also in dieser Beziehung in normalen Grenzen. Der durch auf die Dauer von drei bis sechs Tagen unter Fortzahlung des schnittliche Geltungsbereich des einzelnen Vertrages hat sich nur Lohnes bereits in 8 Verträgen für 12 Betriebe mit 494 Arbeitern unbedeutend geändert; im Jahre 1912 entfielen auf einen Vertrag festgesezt sind. durchschnittlich 13,1 Betriebe und 132,1 Personen, im Jahre 1913 Die Ergebnisse der Tarifstatistik des Deutschen Holzarbeiterwaren es 13,2 Betriebe und 131,3 Personen. Sehr groß ist noch verbandes legen erneut Zeugnis dafür ab, mit welchem Geschick es die Zahl der mit einzelnen Firmen abgeschlossenen Verträge. Auf diese Organisation versteht, die Interessen der Berufsangehörigen diese Gruppe entfallen 559 Verträge mit 26 588 Arbeitern. Jede wahrzunehmen. Die im Krijenjahr 1913 erzielten Verbesserungen dieser Firmen beschäftigt also im Durchschnitt 47,5 Arbeiter. Auf der vertraglichen Arbeitsbedingungen werden erst in das rechte der anderen Seite gibt es 8 Verträge, die je für mehr als 200 Be- Licht gerüdt, wenn man in Betracht zicht, daß von den insgesamt triebe gelten. Diesen Verträgen unterstehen insgesamt 3780 Be- 282 Verträgen für 68 048 Arbeiter, welche im abgelaufenen Jahre Kleines Feuilleton. Wir appellieren an die gesamten Groß- Berliner Kollegen organisierte und unorganisierte sich nicht als Streifbrecher gebrauchen zu lassen. Gehe niemand nach Bosen. Ferner geben wir nochmals bekannt, daß mit Montag, den 18. Mai, der neu abgeſchloſſene Tarif in Kraft getreten ist. Alle 18. Mai in Angriff genommen sind, werden jedoch noch nach den Arbeiten resp. Stüde- nicht etwa ganze Bauten die vor dem alten Abmachungen fertiggestellt. Sollten sich Unternehmer weigern, nach dent neuen Tarif zu zahlen, so ist dies sofort unserem Bureau zu melden. Es wird als selbstverständlich erwartet, daß auch alle unsere Kollegen für den Tarif eintreten und sich nicht gebrauchen lassen, unter diesem zu arbeiten. Die Verbandsleitung. Achtung, Kraftdroschkenführer! Im Betrieb Stora, Steglis, Ringstr. 39, find Differenzen ausgebrochen und befinden sich die dort beschäftigten Kraftdroschkenführer int Streif. Deutscher Transportarbeiterverband. Die bewährte preußische Dreieinigkeit. Wie Preußens der von Zeitungen. In den Morgenstunden sieht man ihn in der Vorzeitiger Schulminister fürzlich im Abgeordnetenhause stadt Esquermes von Tür zu Tür gehen, die Zeitungen hinteräußerte, ift sein Programm bezüglich der höheren legen und dabei mittels einer Trompete den Abonnenten Signale Unterrichtsanstalten, daß sie auf der Grundlage von Gottes- gebend. Nu grade! Denn nach diesem Grundsatz wird neuerdings bei furcht und Königstrene erziehen". Hinsichtlich der Volks- Dieser einfache Arbeiter ist in Lille gewählt worden gegen uns regiert: Nu grade! Da haben wir zum Beispiel einen in der julen erklärte ihr Minister ein paar Tage später, halte er an einen Grajen d'Hespel. Diese Tatsache beweist mehr als vieles Cache berechtigten Kampf gegen den üblen§ 175, der doch genug der„ bewährten alten Preußentradition" fest, daß in ihnen gelehrt| andere, wie tief die sozialdemokratischen Ideen in das Volk geSchnauß aufgewirbelt und genug Menscher unglücklich gemacht hat. werde: Gottesfurt, Königstreue und Vaterlands- drungen sind, und wie sehr die Autoritäten, die sich nur auf Bejis Man mag vielleicht die Form, in der gegen dieses mittelalterliche liebe". Weil diese Schulprogramme in ganz rüdständigen An- oder ihre Adelstitel gründen, beim Volke Schiffbruch gelitten Bollwert Sturm gelaufen wurde, nicht immer sehr hübsch ge- schauungen wurzeln und gipfeln, erntete der Schulminister damit haben. funden haben, aber schließlich ist sich eine Reihe der größten Fach- den Beifall aller Schulfeinde des Dreiklassenhauses. Ja, diese alten Genosse Ragheboom fährt auch jetzt nach seiner Wahl fort, wissenschaftler darüber einig, daß es ein Wahnsinn und ein Un- Phrasen gefielen den echtpreußischen Leuten von neuem. Gottes- feine Zeitungen auszutragen, und will diese Tätigkeit erst einding ist, von einem Menschen während seiner ganzen Lebenszeit furcht, Königstreue und Vaterlandsliebe ist die preußische stellen, wenn er nach Zusammentritt der Kammer sein Mandat die" Beherrschung und vollkommene Unterdrückung der ihm an Dreieinigteit. Diese leidigen Eigenschaften der Mehrheit ausüben kann. Er hat ein hartes und mühseliges Leben hinter geborenen Triebe zu verlangen. Und was tut der Vorentwurf zu haben sich allerdings für die Minderheit glänzend bewährt. Aber sich, hat sich aber immer seine Unabhängigkeit bewahrt. Gines einem Deutschen Strafgesetzbuch? Er„ lehnt die in der neuesten ihre Anerziehung wird immer schwieriger. Infolge der Aufklä- Tages lag er mit seiner Frau zusammen schwer trant im Zeit mehrfach betonte Auffassung, als handle es sich bei der gleich- rungsarbeit, die im Volte hauptsächlich von der Sozialdemokratie Sospital. Seine fünf Kinder wurden von den Genossen untergeschlechtlichen Unzucht um einen unwiderstehlichen krankhaften geleistet wird, sehen immer größere Kreise ein, daß die Gottesfurcht stüßt. Er war später eine Zeitlang genötigt, für seine Familie Naturtrieb als unbewiesen und mit den Erfahrungen des pratim Grunde eine ganz heidnische Eigenschaft ist. Nur auf tiefen Armenunterstützung in Anspruch zu nehmen. Trotzdem hat er sich tischen Lebens im Widerspruch stehend, ab". Natürlich fennt der Kulturstufen haben die Menschen Angst vor persönlich strafenden geweigert, eine Stelle auf dem Bürgermeisteramte anzunehmen, Aſſeſſor, der diesen fulminanten Sah niederschrieb, die Homo- Göttern, deren Zorn sie durch findische Verehrungen abzuwenden die man ihm auf Grund seiner Befähigung übertragen wollte. Er ferualität wohl nur aus einigen Stammtischwißen, und immer trachten. Es verrät eine recht geringschäßige Meinung von Gott, glaubte dadurch seine sozialistische Unabhängigkeit zu gefährden. wieder wirkt die preußische Unverfrorenheit und Ignoranz grotest, wenn man in ihm ein Wesen erblickt, das man fürchten muß und Sein Wahlerfolg ist, jo meint er, das Resultat, das endlich die auch die Wissenschaft nur so lange gelten lägt, wie sie ihr in das man durch Bitten und Verehrungen, wie eitele Menschen, sich den dreißigjährigen Kampf, den die Partei, seine Genossen und den Kram paßt. Und weil Konsequenz sein muß, so dehnt der geneigt machen fann. Dieser Glaube ist dentenden Menschenkindern er geführt haben, frönen mußte. Genosse Ragheboom ist der Sohn Borentwurf diesen Paragraphen folgerichtig" auch auf die nicht mehr leicht einzuimpien. Ebenso wenig sehen sie ein, daß sie eines Kirchendieners und besuchte in seiner Jugend die KlosterFrauen aus und öffnet somit eine neue Stloafe, die viel mehr als dem Abkommen eines zufällig vor Jahrhunderten eingefekten schule, weil es damals feine anderen Schulen gab. Ich kenne," die Tat selbst eine Gefahr für die Familie und die Jugend zu Fürsten Treue schuldig sein sollen, und die Vaterlandsliebe im mini- fagte er einem Redakteur des Pariser Blattes Journal",„ bic werden verspricht. Aber was ein rechter Preuße ist, kümmert sich steriellen Sinne wird der besitlosen Masse schon durch die einfache Geschichte der Heiligen und die Lehren der Bibel sehr gut, und den Teufel um wissenschaftliche Resultate und tausend Selbst- ueberlegung ausgetrieben, daß das Vaterland einer kleinen Minder- es wird mir ein Vergnügen sein, im Parlamente sie denen ins morde mehr oder weniger im Jahr.... Nu grade! heit gehört, für die die große Mehrheit gegen ein färgliches Entgelt Gedächtnis zu rufen, die diese Lehren vergessen haben." Nu grade! Da ist die Berliner Lustbarkeitssteuer, die ein nur fronden muß, daß sie überdies in diesem Vaterlande na hepaar Aintöppe ruinierte, und die den großen Varietés, die jest in 3 u rechtlos ist. Notizen. der Eva um Aufmerksamkeit werben, zur unerträglichen Last Bezeichnenderweise kommen auch in dem antiquarischen ProPreiserhöhung im Deutschen Opernhaus. wird. Man hat petitioniert, man hat die falschen Statistiken des gramm des Herrn v. Trott zu Solz die höheren Schulen besser weg Die Eintrittspreise im Deutschen Opernhause sollen erhöht werden Stadtfämmerers widerlegt, man hat alles, alles versucht. und als die Volksschulen. Für jene genügt Gottesfurcht und Königs- wenn es nach dem Willen des Charlottenburger Magistrats gebt. die Folge? Die Lustbarkeitssteuer soll ausgedehnt werden. Nu treue, und zwar schon als Grundlage. In der Wolfsschule dagegen Man hat für das nächste Spieljahr erhöhte Ausgaben und bergrade! Und zwar auf die Theater, die feinen höheren fünst- tommt als dritte im Bunde die verdrehte Vaterlandsliebe hinzu, und minderte Einnahmen herausgerechnet und gedenkt nun durch Verlerischen Charakter haben", die durch Serienspiel und durch diese Dreieinigkeit soll in der Volksschule gelehrt werden, also selbst teuerung der Plätze das Loch zuzustopfen. Die billigeren Pläne Wiederholung derselben Aufführung volle Häufer machen. Das den Unterricht ausmachen. So möchte es der preußische Kultus- sollen mit 10 und 20 Pi. Erhöhung bedacht werden. heißt, man will dem einzigen Theatergeschäft, das es heute noch minister. Doch das Volk denkt mehr und mehr anders, denkt gibt, den Lebensnerv durchschneiden und damit bei mehrgliedrigen um mit dem Kriegsminister zu reden die aus dieser beiligen Betrieben die gute Kunst, die sich vielfach nur durch die Kosten der preußischen Dreieinigkeit ersproffene Kultur fann uns gestohlen mittelmäßigen hielt, vernichten. Nun, und was das mit dem höheren fünstlerischen Wert" ist, das haben wir ja genugsam aus der preußischen Verwaltungspraris fennen gelernt. Geheime Oberhämorrhidarräte, die wohl ächzend einmal in ein Tingeltangel, hier und da ins Königliche Schauspielhaus, aber nie in ein richtiges Theater gehen, entscheiben über den Tharatter bon Kunstdarbietungen, die sie noch weniger fapieren als unsere Abgeordneter und Zeitungsausträger. Bei den letzten Wahlen sonstigen Zeitsymptome. Die Theaterdirektoren rüsten zu Gegen- wurde in Lille in Nordfrankreich der Genoffe Ragheboom zunt maßregeln, aber wer weiß, ob ihnen das etwas helfen wird! Kammerdeputierten gewählt. Genosse Ragheboom ist von Beruf Bom Strafmandat bis zur Wehrsteuer herrscht hierorts nur Fabritweber. Da er aber eine Familie mit neun Kindern zu er diefes eine Prinzip: Nu grade! nähren hatte, so beschäftigt er sich zugleich mit dem Austragen " werden; sie hat sich für uns selbst so schlecht bewährt, daß wir schleunigst eine beffere wünschen, eine Kultur, unter der das Baterland Gemeingut ist, von der Gesamtheit verwaltet wird, ohne erbliche Könige, und nicht im Namen eines überirdischen Gottes, sondern nach Gerechtigkeit und Vernunft. " Ein neues Theater. Die Kammerlichtspiele an der Tauengienstraße sollen vom Herbst ab in ein Theater für feinere Lustspiele verwandelt werden. Das Kino verliert also an Terrain gegenüber dem Theater, während es bisher umgekehrt war. „ Kain und Abel von Felig Weingartner, eine einaftige biblische Oper, erlebte ihre erfolgreiche Uraufführung im Darmstädter Hoftheater. Das ewige Roethe Provisorium. Mit der endgültigen Besehung des Lehrstuhles für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Berliner Universität an Stelle Erich Schmidts scheint es noch gute Wege zu haben. Es ist nämlich in diesem Semester der Bonner Privatdozent Dr. Hermann Schneider nach Berlin be rufen und amtlich mit der Haltung von Vorlesungen zur Unterstüßung Prof. Roethes beauftragt worden. Achtung, Gastwirtsgchilfrn! Nachstehende Betriebe in Treptow sind für Organisierte gesperrt:„Hauptrcstaurant Eierhaus 3" lJnhaber Kammla),„Stehbierhalle am Paradiesgarten"(Inhaber Gantzberg». Die Inhaber dieser Lokale lehnen jede Vereinbarung mit der Organisation ab und beschäftigen Kellner gelber Vereine. Herr K a m m l a sowie Herr Gantzberg erklären, aiff keinen Fall zu bewilligen und drohen mit Hausfriedensbruchanklagen für diejenigen, welche die Gastwirtsgehilfen in ihrem Kampfe unter- stützen wollen. Gleichzeitig teilen wir mit, daß das Restaurant„Kleines Eierhäuschen"(Inhaber Führer) nicht mit dem„Hauph restaurant Eierhaus 3"(Inhaber K a m m l a) identisch ist. Verband der Gastwirtsgehilfcn Berlin I. deutsches Neich. Zum Kampf in der Solinger Waffenindustrie. Neuerdings versucht Herr Oberbürgermeister Dicke von So kingen eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen� Bis jetzt sind die Versuche jedoch ohne Erfolg geblieben. Die Ar- beiter haben die Erklärung abgegeben, auf folgender Grundlage mit den Fabrikanten zu verhandeln: „Die Fabrikanten verpflichten sich, die tariflichen Löhne auch für die Arbeit zu zahlen, die sie nach auswärts in Auftrag geben. Es darf aber so lange keine Arbeit nach auswärts der- geben werden, als Arbeitskräfte in genügender Zahl in Solingen vorhanden sind." Oberbürgermeister Dicke versprach in diesem Sinne beim llnternehmerverband zu wirken.' Es dürfte dies um so leichter möglich sein, als vor dem Streik alle Fabrikanten bereits ähnliche Vereinbarungen mit den Organisationen abgeschlossen hatten. Die Fabrikanten haben sich zu diesem Vorschlag noch nicht geäußert, jedoch haben sie wiederholt erklärt, daß sie an den bestehenden Preisverzeichnissen nicht rütteln wollen. Die Hutnäherinnen der Försterschen Hutfabrik in Altenburg, 130 an der Zahl, stellten am 13. Mai die Arbeit ein. Die Arbeits einstellung erfolgte wegen schlechter Behandlung der Arbeiterinnen durch die Direktrice. Die Erklärung der Arbeiterinnen, künftig nicht mehr mit der Direktrice zusammenarbeiten zu wollen, be- antwortete die Firma mit der Aussperrung des übrigen Personals Gegen 400 Personen, zur Hälfte Arbeiterinnen, stehen im Kampfe. Als Schreckschuß ohne Wirkung— der Betrieb hätte sowieso ruhen müssen— hat die Firnia die Fabrik bis auf weiteres geschlossen Anscheinend will der Unternehmerverband eine besondere Aktion ein. leiten. Zuzug von Hutarbeitern und Arbeiterinnen ist fern- zuhalten._ Tischlerstreik auf der Tanziger Schichauwerft. Am Sonnabend haben auf der Danztger Schichauwerft 160 Tischler die Arbeit eingestellt, weil die Direktion eine geforderte Lohnzulage ablehnte. Bisher beträgt der Einstellungslohn für Tischler im Danziger Betriebe 22 M. wöchentlich. Auf der Werft arbeiten insgesamt 200 Tischler. DaS Eisen- und Stahlwerk Harsch in Dortmund hat im vorigen Jahre seinen Betrieb um ein Drahtwalzwerk erweitert. Tie Arbeitsverhaltnisse sind so miserabel, daß etwa 90 Drahtwalz arbeiter ordnungsgemäß gekündigt haben und nunmehr ausgetreten sind. Nachdem dies geschehen, hat das Werk selbst noch weitere 135 Arbeiter(Beizer, Lagerarbeiter usw. gekündigt. Diese werden also ausgesperrt. Die ausständigen Drahtzieher sind samt- lich organisiert. Zu den Maffenverhaftungen Streikender in Monheim. Die verhaftete Streikleitung und die verhafteten Streikenden, etwa 40 Personen, die sich eines Vergehens wegen Landfriedens- bruchs schuldig gemacht haben sollten, sind jetzt wieder freigelassen worden. Nur ein Arbeiter ist noch in Haft. Aber auch dieser hat sich nicht das geringste zuschulden kommen lassen, und dürste seine Freilassung in den nächsten Tagen erfolgen. Ueber die Behaut hing, die den Verhafteten zuteil geworden ist, wird von ihnen leb- Haft Klage geführt. Sie wurden in der Haft längere Zeit ohne Nahrung gelassen. Wegen dieser Hungerkur haben die Arbeiter Beschwerde erhoben.— In den letzten Tagen wurden sämtliche Straßen und Wege, die zum„Rhcnaniawerk" führen, von der Gen- darmerie abgesperrt, obgleich es sich um öffentliche Wege handelt. Reisende, die zur Haltestelle der Straßenbahn wollten, mußten sich erst legitimieren, ehe sie durchgelassen wurden. Die streikenden Arbeiter verhalten sich ruhig; es ftnden sich fast keine Streikbrecher. Der Kampf dürfte zu ihren Gunsten ausfallen. Vor Zuzug nach den Rhenaniawerken in Monheim wird gewarnt» Vom proletarischen Klassenkampf. Die ausgesperrten Ein kassierer der M ü n ch e n c r'Warenkredit-Geschäfte haben sich zu einer Einkaufsgesellschaft G. m. b. H. zusammengeschlossen. Der Einkauf der Waren aller Art erfolgt durch die Genossenschaft, da- gegen arbeitet jeder Genosse auf eigenes Risiko. Die Waren werden gegen kleine Ratenzahlungen an die Kunden abgegeben. Diese Gründung ist den Kreditgeschäftsinhabern natürlich sehr unbequem. wirtschaftlicher Wochenbericht. Verbanüserneuerungen in öer westdeutschen Schwerindustrie. Die Verschlechterung der Konjunktur in der westdeutschen Schwer industrie macht es verständlich, daß sich bei den Werken ein be> sondereS Bedürfnis nach der Erneuerung oder Neubildung von monopolistischen Verbänden(Kartellen und Syndikaten) zeigt, um durch die Ausschaltung der Konkurrenz die Preise zu halten und sich nicht völlig vom Absatzmarkt verdrängen zu lassen. Der Wunsch nach baldiger Verlängerung des KohlenshndikatS. da? Ende ISIS ab- läuft, und nach Neugründung von Verbänden für Eisenfabrikate ist daher zurzeit besonders rege. Aber obgleich gerade jetzt, wo die Preise gedrückt und die Absatzschwierigkeiten groß sind, die straffe Organiiation am nötigsten erscheint, unterliegt der Abschluß neuer Verträge größeren Schwierigkeiten als zur Zeit einer Hochkonjunktur. wo- eine Vereinbarung über Preise und Höhe der Produktion den voll beschäftigten Werken keine Einschränkungen auferlegt. So führen die Bestrebungen auf Verbandsverlängerung und Verbandsneubildung in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Depressionsperiode viel schwerer zum Ziel, als es ange- sichtS der„Notwendigkeit" im Sinne der beteiligten Werke und hinter ihnen stehenden Finanzgruppen scheinen könnte. In der bürgerlichen Presse werden die Ursachen dieser Schwierigkeiten aber völlig verkannt, ivenn von einer Abschwächung der„Idee" der Monopolverbände in neuerer Zeit gesprochen wird. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß nach Ueberschreitung des Ti-ftmnkteS der Depression die Bestrebungen auf BerbandSbildimgen rasch zum Ziele führen werden. Heute, wo der Gcsamtabsatz der beteiligten In» dustrien gering ist, tvill keines der Werke sich mit einer Beteiligungs- ziffer begnügen, die unter der vollen Leistungsfähigkeit bleiben müßte. Der Kampf um die Quote wird viel erbitterter geführt und ein Friedensvertrag ist schwerer zu erzielen, als wenn günstige Kon« junkturverhältniss« den einzelnen von vornherein eine höhere Ouoie sichern. Im Rheinisch. Westfälischen Kohlensyndikat wurde bereits im Mai 1910 ein Ausschuß zur Aufstellung eines ne»en Vertragsentwurfs(der alte Vertrag läuft Ende 1915 ab) ein- gesetzt. Ende 1913 war der neue Vertrag fertig und im Februar dieses JahreS beschäftigte sich eine Zechenbesitzerver- sammlung des Kohlcnsyndikats zum erstenmal ernsthaft mit dem Entwurf. Die Gegensätze traten aber so stark zutage, daß der „Vater" des Syndikats Emil Kirdorf den Vorfitz niederlegte, und man übertreibend von einem Scheitern der Verhandlungen sprach. Ende April d. I. hat erneut eine Mitgliederversammlung über den Entwurf beraten, dessen neueste Faffung vor wenigen Tagen bekannt geworden ist. Allerdings ist die Ouotenftage noch gar nicht im einzelnen behandelt worden. Im Kohlensyndikat hindern die inneren Gegensätze zwischen reinen Kohlenzechen und gemischten Werken (d. h. solchen, die in ihrem Betrieb Kohlenbergbau und Eisenhütten- werke vereinigen; daher auch Hüttenzechen genannt) eine Ver ständigung noch mehr als die Differenzen bei der Bemeffung der Beteiligungsanteile. Die technisch und wirtschaftlich überlegeneren Hüttenwerke haben ihre Ansprüche, die unter dem früheren Vertrag von den reinen Zechen bestritten wurden, jetzt zum größten Teile durchgesetzt und zum Syndikats-Gesetz erhoben. Neben dem Verkaufsabsatz, der an das Syndikat abzuliefern ist, bleibt ihnen noch ein Selbstverbrauch für den Betrieb ihrer Hüttenwerke(zur Speisung der Hochöfen, als Heizmaterial für Maschinen usw.). Diese zugebilligten Selbstverbrauchsmengen gewinnen für die gemischten Werke besonderen Wert dadurch, daß sie keiner Produktionsein schränkung unterliegen. Auch darf die Verbrauchsbeteiligung für Kohlen in Koks oder Briketts umgewandelt werden, so baß die Hüttenzechen in Hochkonjunkiurzeiten genügend Koks für ihren Hütten betrieb zur Verfügung haben und nur auf den Kauf der billigeren Kohle angewiesen sind. Außerdem bleibt ihnen das Recht noch Kohlen hinzuzukaufen und in Koks umzuwandeln, sobald ihr Selbst verbrauch bereits zu Koks verarbeitet worden ist. Diese Be stimmungen geben den Hüttenzechen die Möglichkeit, sich im Koks- bezug, der in Hochkonjunkturzeiten steigt, völlig zu emanzipieren und damit den reinen Zechen wesentlichen Schaden zuzufügen, deren Hauptgewinn gerade in der Kokerei, dem Absatz von Koks und der noch wichtigeren Koksnebenprodukte tuht. Die Festlegung dieser Vorzugsstellung von Hüttenzechen soll für die reinen Zechen dadurch etwas versüßt werden, daß die Hütten zechen in Zukunft auch mit ihrem Selbstverbrauch zu den Umlagen (Abgabe an das Syndikat) mit 3 Proz. vom Erlös pro Tonne heran- gezogen werden. Die Umlagen dienen zur Bestreitung der Geschäftsunkosten des Syndikats, weiter der Exportprämien, Kosten beim Kampf gegen Außenseiter usw. Diese Neubestimmung macht für Werke mit großem Selbstverbrauch immerhin etwas aus; so hat Krupp eine Verkaufsbeteiligung von 775 400 Tonnen, dagegen einen Anspruch auf Selbstverbrauch in Höhe von 2,965 Millionen Tonnen. Nach dem Vertragsentwurf darf indessen der Selbstverbrauch nur bis zu 3 Proz. herangezogen werden. Die Umlagen für Kohlen be trugen nun aber stets mehr als 3 Proz., die Höchstziffer 12 Proz Durch die Umlagebegrenzung bleibt also die Vorzugsstellung der Hüttenzechen auch in diesem Punkte erhalten. Daß die Schwierigkeiten einer Einigung größer sind, zeigt sich auch darin, daß man diesmal die Dauer des Syndikats nur au 6 Jahre(bis 1921) bemessen will, während die Verlängerung im Jahre 1903 auf doppelt so lange Zeit beschlossen wurde. Die Hinein- beziehung der Saarzechen und des preußischen Bergfiskus spielt bei dieser Begrenzung der Syndikatsdauer wohl am meisten mit. Ohne den Beitritt der bisherigen Außenseiter ist eine Erneuerung aber schwer durchzuführen; denn der Anteil der Außenseiter an der Kohlenproduktion Rheinland-Westfalens ist von 1,3 Proz. im Jahre 1903 auf 11,1 Proz. im Jahre 1913 gestiegen. Die Erneuerung des Kohlensyndikats ist nun in der letzten Zechenbesitzerversammlung(vom Ende April) auf eine neue große Schwierigkeit gestoßen. Die rheinischen Stahlwerke fordern in einem Antrag als Bedingung für ihre Zustimmung: „Es muß gleichzeitig mit dem Abschluß des neuen Syndikats- Vertrages, spälcstens jedoch zum 1. Januar 1915, auch die Ver längerung bezw. die Neubildung der Verbände der Eisenindustrie. und zwar ebenfalls auf die Zeitdauer bis zum 31. März 1921 sichergestellt sein." Dieser Forderung einer gleichzeitigen Erneuerung und Aus baue« des Stahlwerksverbandes schließt sich u. a. auch die Firma de Wendel an, deren Einfluß bei einer jährlichen Kohlenproduktion von 2,7 Millionen Tonnen Kohlen nicht zu unter- chätzen ist. Der Grund für diese Forderung, die Erneuerung des Kohlenfyndikatö mit dem Ausbau des Stahlwertsverbandes zu ver« koppeln, siegt darin, daß die kleineren Stahlwerke fürchten, die großen gemischten Werke werden das Interesse an dem Ausbau des Stahlwerksverbandes verlieren, wenn ihnen das Kohlensyndikat die Vorzugsstellung eingeräumt und damit eine sichere Position gegen über den Kohlenzechen und Stahlwerken gewährt hat. Im Mai 1912 wurde der Stahlwerksverband bekanntlich nur in der Form verlängert, daß die �.-Produkte(Halbzeug, Eisenbahnmaterial, Formeisen) der Syndizierung unterworfen wurden, während die B-Pro« dufte(Fertigfabrikate: Bleche. Röhren, Stabeisen, Walzdraht) der freien Produktion und dem freien Verkauf überlassen blieben. Die großen Werke waren an dieser Lösung interessiert, weil sie gerade in den letzten Jahren ihre Betriebe auf die Ferttgfabrikation ausgedehnt haben. Die Bindung ihrer.Ä-Produkle können sie jetzt durch eine Erhöhung der Produklion von B-Produsien je nach der Konjunktur- läge ausgleichen. Es ist charakteristiscb, daß bald nach der Freigebung der B-Produkte durch den Stahlwerksverband gerade die Rheinischen Stahlwerke, die jetzt für die Syndizierung der B-Produkte eintreten, «ich sehr günstig über dir Aufhebung ausgesprochen. Der„Börsen Courier" veröffentlichte damals folgende Antwort ver Rheinischen Stahlwerke auf eine entsprechende Anftage: „Wir habe» nur günstige Rückwirkungen von der Auf- Hebung der Kontingentierung der B-Produkte beobachtet." Jetzt ist die gleiche Gesellschaft die tteibende Kraft bei der Erneuerung des Stahlwerksverbandes in der alten Form. Und wenn auch die großen gemischten Werke allerlei Bedenken gegen eine derarttge Verbindung von Stahlwerks- und Kohlensyndikat äußern, werden sie doch wohl nachgeben müssen. Jedenfalls ist der Ausbau des Stablwerksverbaudes in ein neues Stadium getreten; ganz waren die Versuche, auch die B-Produkte zu syndizieren, nie aufgegeben worden. Kommt es nicht zu einem Ausbau des Stahl» Werksverbandes, dessen jetziger Vertrag bis 30. Juni 1917 gilt, so werden doch wahrscheinlich Einzelverbände für B-Produkte bis zum 1. Januar 1915 entstanden sein. In der vergangenen Woche ist der alzdrahtverband erneuert worden. Zugleich wurde von den beteiligten Werken in neue Verhandlungen über die Syn- dizierung der B-Produkte überhaupt eingetreten und nach den bis- herigen Mitteilungnn scheint die Neubildung von Verbänden für Bleche, Röhren und Stabeisen geringeren Schwierigkeiten zu begegnen als bisher. v. m. s. verbanöstag öer Haftwirtsgehilfen. Hamburg, den 16. Mai 1914. Nach einem Bericht der Beschwerdekommission über vor- liegende Beschwerden, Protesten gegen Ausschluß usw. berichtet Poetzsch über das internationale Sekretariat, das er nach Abgang Baumeisters provisorisch übernommen hat. Aus seinem Bericht geht hervor, daß die Bewegung der gastwirtschaftlichen Angestellten, so- weit sie der modernen Arbeiterbewegung angehört, im Ausland noch sehr gering ist. EZ bestehen freie Gewerkschaften der Gastwirts- gchilfen in Dänemark, Holland, Oesterreich, Ungarn, Serbien, Bul- garten, England, Italien, Frankreich und Argentinien. Aber von einigen wenigen abesehen, sind es überall in der Hauptsache nur Anfänge. Auf der letzten internationalen Konferenz war dem intcr- nationalen Sekretär der Auftrag erteilt, das Statut für eine feste internationale Organisation vorzulegen. Ter Referent schlägt bor, diesem Antrag nicht stattzugeben. Es sei verfrüht, schon jetzt eine derartige Organisation zu schaffen. Dagegen sollte im Lau-e des nächsten Winters eine internationale Konferenz einberufen werden, um aufs neue zu versuchen, die internationalen Beziehui:- gn von neuem wieder aufzubauen. B a u m e i st e r- Berlin hofft, daß mit Hilfe des Uebersetzungsbureaus vom internationalen Gcwerkschaftsbunde(Generalkommission) in Zukunft mehr Nach- richten aus dem Ausland und in das Ausland vermittelt werden können. Dem deutschen Verbände liege die Aufgabe ob, die Orga- nisationen der ausländischen Kollegen zu fördern. Das beste Mittel in dieser Beziehung sei, einen deutschen 51ollegen zur Vertretung nach den ausländischen Kongressen zu senden, um dort über die deutschen Gewerkschaftsmethoden aufzuklären. Hierauf Wird be- schlössen, eine internationale Konferenz noch in diesem Jahre ein- zu berufen, die Vorlage eines Statuts zur Gründung einer inter- nationalen Organisation aber abzulehnen. Mit der Festsetzung der Bcamtcngchälter hat sich eine besondere Kommission beschäftigt, für die O rt u n g- Berlin berichtet. Nach den Vorschlägen der Kommission wird die dritte und vierte Gehaltsklasse für die Beamten der Haupt- Verwaltung und für die Gauleiter aufgehoben. Dafür wird folgen- des bestimmt: Das Anfangsgehalt für die Gauleiter und für die Beamten der Hauptverwaltung beträgt 2100 M., steigend die ersten vier Jahre um je 100 M. und weiteren vier Jahren je 50 M. bis z>un Höchstgehalt von 2700 M. Die neue Skala tritt mit dem 1. Juli d. I. in Kraft, für alle nach dem 1. Juli fällig werdenden Gehaltssteigerun- gen tritt der auf das Eintrittsdatum folgende nächste Quartals- termin in Kraft. Sendet die Hauptverwaltung Beamte in eine VerwaltungS- stelle als Lokalbeamte, so befindet wie bisher Hauptverwaltung und Ausschuß von Fall zu Fall über die Höhe des zu zahlenden Gehaltes. Eine der Gehaltsgruppe entsprechende Erhöhung der ersten und zweiten Klasse in ihren Endgehältern hielt die Kommission in An- betracht des Umstandes, daß sich der nächste Verbandstag wieder damit beschäftigen mutz, noch nicht für erforderlich. Die Koni- Mission beantragt aber, den der ersten und zweiten Gehaltsklasse zu- geteilten besoldeten Mitgliedern der Hauptverwaltung, bis zur anderweitigen Regelung, ebenfalls eine einmalige jährliche Eni- schädigung von 100 M. zu zahlen. Die Spesensätze der Gauleiter werden um etwas erhöht. Bei Verhinderung der Dienstleistung durch Krankheit ist den Beamten innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten das Gehalt für ein halbes Jahr gewähren. Bezüge aus Krankenkassen werden an- gerechnet. Diese Vorschläge finden Annahme. Es folgt die Statutenberatung. Einige Anträge fordern die Beitragsbefreiung im Falle der Krankheit in den Fällen, wo das betreffende Mitglied Unterstützung vom Verband nicht erhält. Viele Delegierte aber haben weiter- gehende Wünsche, sie fordern die Befreiung auch bei Arbeitslosig- keit. Das Letztere wird abgelehnt, das erstere angenommen. Die beantragte Abschaffung der Delegiertensteuer wird abgelehnt. Ein Antrag, die Unterstützungssätze zu staffeln, wird der Hauptverwaltung überwiesen, sie soll den nächsten Gaukonferenzen eine diesbezügliche Vorlage unterbreiten. Zugestimmt wird einem Vorschlag der Hauptverwaltung, eine Erhöhung der Streik- unter st ützung eintreten zu lassen, so daß in Zukunft die Klasse I 2 M. pro Tag. die Klasse II 1,75 M.. die Klasse III 1.50 M. pro Tag zu erhalten hat. Zur Arbeitslosenunter st ützung siegen ebenfalls eine Reihe von Anträgen vor, die eine Erweiterung derselben wünschen. Im Verband der Gastwirtsgehilfen besteht big Arbeitslosenunterstützung nur in den Wintermonaten. Es wir» verlangt, sie auf das ganze Jahr auszudehnen. Andere Wünsche gehen dahin, eine Erwerbslosenunterstützung einzuführen. Alle diese Anträge werden, nachdem Ströhlinger von der Haupt-- Verwaltung dagegen gesprochen, abgelehnt. Angenommen wird der Vorschlag der Hauptverwaltung, eine Erleichterung der Kontrolle der Arbeitslosen eintreten zu lassen, sodann eine kleine Erweiterung insofern, daß die Unterstützung bereits am 1. Oktober ausgezahlt werden kann(bisher konnte dies, da eine achttägige Karenzzeit vor- geschrieben war, erst am 8. Oktober geschehen). Das Wahlreglement wird dahin abgeändert, daß in Zu- kunft Ortsverwaltungcn von 75 Mitgliedern ab bis zu 150 den ersten Delegierten senden können. Die Anträge, die eine Wahl nach Wahlkreisen fordern, werden von Ströhlinger als verfrüht bekämpft und danach abgelehnt. Bei Verschmelzungen der verschiedenen Branchen an einem Orte sollen bei Wahlen zu dem Verbandstage usw. Rücksicht auf die einzelnen Branchen genommen werden. Allen soll nach Möglichkeit, eine entsprechende Vertretung zugeteilt werden. In einer besonderen Kommission war die Frage der Doppelorganisation beraten worden. Von dieser wird folgende Erklärung Resultat der Beratung des Verbandstages unterbreitet diesem angenommen. Diese Erklärung lautet: „Die zur Prüfung der Anträge zu 8 31 eingesetzte Kommis- sion ist überzeugt, daß der Z 31 nicht geschaffen wurde, die Doppelorganisierten als minderwertig zu bezeichnen, sondern einem Beschluß der Zcntralvorstände vom 22. bis 23. März 1909 entspricht, in dem u. a. gesagt wird: „Die Zugehörigkeit zu zwei gewerkschaft- lichen Organisationen berechtigt nicht zum Doppelbezug von Unter st ützunge n." Durch diesen Zentralvorständebeschluß betrachtet die Kam- Mission die zu§ 31 gestellten Anträge als erledigt und ersucht den Vorstandstag, einen Zusatz zu§ 31 dahingehend anzufügen, wo- nach die im§ 31 organisierten Kollegen während der Dauer der Krankheit von der Beitragszahlung befreit sind." Dcnnit fallen alle zu diesem Punkt gestellten Anträge. Nach Erledigung verschiedener Anträge von geringerer Be- dentung wird beschlossen, den Sitz der Hauptverwaltung wieder nach Berlin, den des A n s s ch u s s e S wieder nach Hamburg zu legen. Aus der Wahl der Hauptverwaltung gehen hervor: Vorsitzender Zeiske, 2. Vorsitzender Diesing, Kassierer Ströhlinger. In der Redaktion bleibt das biSberige Verhält- niS bestehen. Als Delegierter zum internationalen Gewerkschafts- kongreß wird Zeiske gewählt. Zum Gewerkschaftskongreß werden gewählt: Zeiske. Miller, Zillmann. Evers. Poetzsch, Hegewald— Hierauf wird der Verbandstag durch den Vor- ltzenden Z i Ilm a n n geschlossen, worauf die Delegierten unter Absingen der Marseillaise sich trennen. als und das von verbanöstag öer Steinarbeiter. Dresden, den 18. Mai 1914. In der Woche vom 13. bis 23. Mai tagt hier der sechste Ver« bandstag des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands, oer eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen hat. Nach Ent- gcgennahme der Geschäftsberichte wird der Verbandstag zur Ein- suhrung der Arbeitslosenunter st ützung Stellung nehmen. Nachdem der Bauarbeiterverband die Einführung dieses Unteritützungszweiges beschlossen hat, ist diese Frage besonders bei ihm verwandten Organisationen aktuell geworden. Der Vor- tand des Steinarbeiterverbandes schlägt der Generalversammlung ?nrmre™e,U'0ienunterstichung bei einer Beitragserhöhung von 10 Pf. pro Woche und bei S2wöchiger Beitragsleistung im Jahr ein» Nr. 135 31. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 19. Mai 1914. Neukölln, Bureau: Neukölln, Hermannstr. 74. Fernsprecher: Amt Unsinn, aber wo wird heute noch mit Sinn und Verstand gearbeitet, wenn es der Rettung der Jugend gilt. Arbeiterschutz in gewerblichen Betrieben. Neukölln 9659. Gewerbeinſpettor Forſtmann. 13. Gewerbeinspektion Schöneberg- Wilmersdorf. Umfassend die Am Sonntag hat der Streisverband Berlin der evangelischen Stadttreise Berlin- Schöneberg und Berlin- Wilmersdorf. Bureau: Männer- und Jünglingsvereine und Chriftlicher Vereine junger Gewerbeinspektor Diefelmann. Die Gewerbepolizei gibt öffentlich bekannt: Gemäß§ 120a und ff. der Gewerbeordnung sind die Ge. Berlin- Wilmersdorf, Am Seepart 81. Fernsprecher: Amt Pfalzburg männer in Nieder- Schönhausen einen zwölf Morgen großen werbeunternehmer verpflichtet, die Arbeitsräume, Betriebseinrichtungen, Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit so weit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. 14. Gewerbeinspektion Lichtenberg. Umfassend den Stadtfreis Spiel- und Sportplag eingeweiht. Alles war anwesend, was Berlin- Lichtenberg und die Landgemeinde Berlin- Stralau. Bureau: einer solchen Veranstaltung die nötige Würze giebt: Der Berlin- Lichtenberg, Müggelstr. 21a. Fernsprecher: Amt Kgst. 13 605. Vertreter des Kultusministeriums, Vertreter von Behörden, Generalsuperintendent und eine Anzahl Pfarrer. Gewerberat Schmitt. Insbesondere ist für genügendes Licht, ausreichenden Volksvorstellung Luftraum und Luftwechsel, Beseitigung des beim Betriebe entstehenden Staubes, der dabei entwickelten Dünste und Gase sowie der dabei entstehenden Abfälle Sorge zu tragen. Nach einem Festbericht im frommen Reichsboten" habe unter den Jünglingsvertretern ein frisch- fröhlich- fromm- freier Geist geherrscht. Mit dem frommen mag es vielleicht stimmen, im Deutschen Opernhause. aber mit dem freien Geist nicht. Das verträgt sich nicht Die lustigen Weiber von Windsor. Oper in 3 Aften von Nicolai untereinander. Ebenso sind diejenigen Vorrichtungen herzustellen, welche zum Schuße der Arbeiter gegen gefährliche Berührungen mit Die Bluttat in der Weberstraße. Maschinen oder Maschinenteilen oder gegen andere in der Donnerstag, den 21. Mai, nachmittags 3 Uhr. Weberstraße 15a ist noch nicht weiter aufgetiärt. Die KriminalDer Mord an der 79jährigen Witwe Julie Mahler im Hause Natur der Betriebsstätte oder des Betriebes liegende Ge- Kartenverkauf in folgenden Geschäften: Zigarrengeschäft polizei steht auf dem Standpunkt, daß nur ein mit den Verhältnissen fahren, namentlich auch gegen die Gefahren, welche aus von Schröder, SW, Hagelberger- Straße 53/54. Zigarrengeschäft im Hause genau vertrauter Einbrecher als Täter in Frage kommen Fabrikbränden erwachsen fönnen, erforderlich sind. Horsch, Engelufer 15. Bigarrengeschäft Baumann, Runge fann. Nach dem Ergebnis der Obduktion ist der Tod bei der straße 30. Bureau des vierten Wahlkreises, Stralauer Greisin erst durch das Erhängen herbeigeführt worden. Die Blag 10/11. Von 9-1 und 5-7 Uhr. Spedition des Vor- Würgemale am Halse deuten darauf hin, daß der Täter die alte wärts", Petersburger Plaz 4. Zigarrengeschäft Schneider, gebrechliche Frau zunächst zu erwürgen versucht hat, daß er aber Sufelandstr. 30. Restauration Dieseler, Brunnenstraße 150, bann, um einen Selbstmord vorzutäuschen, Frau Mahler an dem im Hof. Bureau des sechsten Wahlkreises, Gerichtstraße 71. Strid aufgehängt hat, den sie selbst am Fußende des Bettes beVon 9-1 und 5-7 Uhr. Restauration von Paersch, Olden- festigt hatte, um sich, wenn sie neben dem Bette kniete, daran aufburger Straße 10. richten zu können, und erst durch das Erhängen ist die Frau ums Preis des Plates inkl. Garderobe und Zettel 1,30 m. Leben gekommen. Der Bezirks- Bildungsausschuß Groß- Berlin. In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiter sich umkleiden und nach der Arbeit sich reinigen, müssen ausreichende, für die Geschlechter getrennte Ankleideund Waschräume vorhanden sein. Die Bedürfnisanstalten müssen so eingerichtet sein, daß fie für die Zahl der Arbeiter ausreichen, daß den Anforderungen der Gesundheitspflege entsprochen wird und daß ihre Benußung ohne Verlegung von Sitte und Anstand erfolgen fann. Das Polizeipräsidium, welchem die Pflicht obliegt, die Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen zu überwachen und namentlich dafür zu sorgen, daß die oben angeführten Forderungen in neu zu errichtenden Anlagen berücksichtigt werden, bringt deshalb die bezüglichen Bestimmungen in Erinnerung. Parteiangelegenheiten. Die Lokalliste. Der heutigen Nummer liegt die Lokalliste bei. Unsere triebes vorgenommen werden müssen, in der Regel unliebſame flügen ständig bei sich zu tragen. Wer dies beherzigt, kann Da bauliche Aenderungen, wenn sie während des Be- Genossen fun gut, diese Liste aufzubewahren und bei AusStörungen und einen größeren Kostenaufwand verursachen, nic im Zweifel sein, wo er etwa Rast machen soll. so liegt es im Interesse der Gewerbeunternehmer, den gesek- Durch strifte Beachtung der Lokalliste unterstützen unsere lichen Forderungen bei der Neueinrichtung ihrer Anlagen Genossen unsere Freunde vor den Toren Berlins, die noch Rechnung zu tragen. Die staatlichen Gewerbeaufsichtsbeamten immer einen schweren Kampf um ihr Versammlungsrecht geben darüber bereitwillig eingehende Auskunft. führen müssen. Wer uns sonst nicht zu ernsten Beratungen Zu diesem Zwecke sowie zur Auskunfterteilung über alle haben will, braucht uns auch nicht bei geselligen Veranderen, die Gewerbeaufsicht betreffenden Angelegenheiten anstaltungen. Insbesondere sollten alle Vereinsvorstände, find die Gewerbeaufsichtsbeamten in den unten bezeichneten Vergnügungskomitees, Werkstattvertrauensleute die Lokalliste Dienstlokalen und zu den nachbenannten Zeiten zu sprechen: fich genau ansehen, che sie Vergnügungen arrangieren. A. Für Arbeiter und Arbeitgeber: Dienstags und Frei- Durch strenge Beachtung der Lokalliste wird der Kampf tags von 1 bis 2 Uhr mittags. um Versammlungsräume erleichtert, ohne daß unsere Genossen Opfer zu bringen brauchen. B. Für Arbeiter allgemein: Donnerstags von 7 bis 8 Uhr abends und am ersten Sonntag des Monats von 9 bis 10 Uhr vormittags. C. Für Arbeiterinnen halten außerdem bis auf weiteres die Gewerbeinspektionsassistentinnen: Fräulein Reichert in der Gewerbeinspektion C., Fräulein Koopmann in der Gewerbeinspektion SD., Fräulein Conradt in der Gewerbeinfpektion N., Fräulein Specht in der Gewerbeinspektion O., Fräulein Herrmann in der Gewerbeinspektion S. Fräulein Matthes in der Gewerbeinspektion NO., Frau RI att in der Gewerbinspektion NW Fräulein Schalkan in der Gewerbinspektion BerlinLuisenstadt und Fräulein Kummert in der Gewerbeinspektion Charlottenburg Sprechstunden zu den unter B. angegebenen Zeiten. Jugendabteilung 2. Kreis. Am Mittwoch, den 20. Mai, abends 8 Uhr, findet im Lofal von C. Habel, Bergmannstr. 6, eine Berfammlung statt. Vortrag des Genossen A. Müller über: Land und Leute in Amerifa". " nach Spindlersfeld über Köpenid- Müggelberge- Forsthaus Fahlen Donnerstag, den 21. Mai( Himmelfahrtstag): Wanderung. Fahrt berg- Strojsinsee- Eichwalde. Treffpunkt 3/47 Uhr vor dem Görliger Bahnhof. Ab dafelbft 70s Fabrpreis insgesamt 50 Bi. Pfingsten findet eine zwei bis breitägige Banderung nach dem Schlaubetal" statt.( Roften o bim. Maheres auf der Verfammlung). Gäste sind willfommen! 5 Ob der Einbrecher von der alten Frau überrascht worden ist oder ob er von vornherein einen Raubmord geplant hat, ist jetzt nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlicher ist der von vornherein beabsichtigte Raubmord. Frau Julie Mahler war Almosens empfängerin, aber der Täter muß wohl angenommen haben, daß die Frau, die äußerst sparsam lebte, doch einiges Geld gespart und zwei Etuis wurden aufgebrochen im Zimmer gefunden. Wieviel berstedt habe. Er hat den hölzernen Kasten, in dem die Frau ihr Geld aufzubewahren pflegte, aufgebrochen und ausgeraubt. Auch der Täter geraubt hat, kann nicht ermittelt werden. Die Kriminalpolizeipolizei fand in der Wohnung noch 10 M. in Gold. Sauses über ihre Wahrnehmungen während der kritischen Zeit. Die Mordkommission vernahm gestern mehrere Bewohner des Die Angaben der Zeugen haben aber bisher die Ermittelungen nicht wesentlich gefördert. Seinen Bruder erstochen. erfahren wir noch, daß der verhaftete 18jährige Alex Casper in der Zu dem verhängnisvollen Brudergivist in der Prenzlauer Allee vergangenen Nacht noch ein Geständnis abgelegt hat. Hiernach geriet er mit seinem jüngeren Bruder Franz darüber in Streit, daß dieser ihm kein Geld geben wollte. Beide waren betrunken. Als der ältere Bruder im Ringkampf unterlag, wurde ihm, wie er weiter sagt, vor Aerger und Wut schwarz vor den Augen. Er griff zum Messer und stach blindlings auf den jüngeren Bruder ein. auch nachträglich von der Kriminalpolizei gefunden worden. Der Gleich der erste Stich traf den Gegner ins Herz. Das Messer ist Täter hatte es zwischen Lumpen aller Art versteckt. Alex Casper wurde gestern vormittag dein Untersuchungsrichter vorgeführt. Ueber das Familiendrama in der Grünthalerstraße, in dem der 23 Jahre alte Hausdiener Erich Rosted seinen Vater erschoß, ist der Neukölln. Heute abend 81%, Uhr findet bei Bartsch, Hermann noch weiter verhört worden. Rosted wird sich jetzt der schweren junge Mann im Laufe der vergangenen Nacht auf der Revierwache straße 48/49, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Außerdem find zur Auskunfterteilung über alle die Tagesordnung: Geschäftsbericht, Neuwahl und Stellungnahme zur Folgen seines unfeligen Schrittes immer mehr bewußt und ist ganz gebrochen. Die Nachwirkung des schrecklichen Vorganges greift ihr Gewerbeaufsicht betreffenden Angelegenheiten täglich von Streisgeneralversammlung. 1 bis 3 Uhr Gewerbeaufsichtsbeamte in den Diensträumen der Charlottenburg. Heute abend 8%, Uhr findet im Volkshause, so an, daß er wahrscheinlich dauernd einen seelischen Schaden erleiden wird. Rosinenstr. 3, eine Wahlvereinsmitgliederversammlung statt, in der Gewerbeinspektionen anwesend. Die Bernehmung mußte zuletzt abgebrochen werden, Die Bezirke der Gewerbeinspektionen im Landes- Genoffin Rosa Luxemburg über Imperialismus" weil der junge Mensch nicht mehr fähig war, noch irgendeine Be bolizeibezirk Berlin, umfassend die Stadtkreise Stellung genommen und die Delegierten hierzu gewählt. Mitgliedssprechen wird. Ferner wird zur Verbandsgeneralversammlung fundung zu machen. Berlin, Charlottenburg, Berlin- Schöneberg, Berlin- Wilmers- bücher find mitzubringen. Die weiteren Vernehmungen der Hausbewohner und anderer Leute bestätigen, daß der junge Rosted ein sehr ordentlicher Mensch dorf, Neukölln, Berlin- Lichtenberg und die Landgemeinde Charlottenburg. Die Jugendsettion veranstaltet am ist. Er war seit sechs Jahren ohne Unterbrechung in einem KonBerlin- Stralau, sind wie folgt abgegrenzt: Himmelfahrtstage einen Ausflug nach Baumwerder. Treff- fettionsgeschäft angestellt. Daß sein Vater die Mutter, den Sohn punkt: 71% Uhr am Wilhelmsplay.( Badeanzug mitbringen.) Gäfte und die 20jährige Tochter, die von allen Seiten auch ein gutes willkommen. Zeugnis erhält, in der Trunkenheit fortgesetzt unmenschlich mißTreptow- Baumschulenweg. Heute Dienstag, den 19. Mai, handelt hat, befunden alle Hausgenossen, die vernommen wurden. abends 8 Uhr: Außerordentliche Generalversammle lung. Tagesordnung: Kaffenbericht. Wahl des 2. Vorsißenden Rosteck am Sonntag wieder unbarmherzig auf seine Frau einund eines Revisors. Vortrag des Genoffen Redakteurs Karl Werschlug, bat ihn der Sohn tränenden Auges, doch von seiner Mutter abzulassen. Er erreichte damit aber nur, daß der Betrunkene sie muth über: Der Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. Mittwoch, den 20. Mai: Flugblattverbreitung. erst recht mißhandelte und sich nun auch gegen ihn wandte. So Lichtenberg. Jugendsettion. Mittwoch, den 20. Mai, tam es, daß er in der Notwehr zum Revolver griff. 3. Gewerbeinspektion Berlin SD. Umfassend die Polizeireviere: abends 8 Uhr, im Lofal von Bickenhagen, Scharnweberstraße: Ver25, 43, 49, 53, 54, 70, 79, 86 und 87. Bureau: SO. 26, Mariannen- fanumlung aller Parteigenossen und Genoffinnen von 18-21 Jahren. plak 21. Fernsprecher: Amt Mpl. 8093. Gewerberat Willner. Tagesordnung: Festlegung des Monatsprogramms für Mai- Juni. Gewerbeassessor. Echlicht. Gewerbeinspektionsassistentin Fräulein Verschiedenes. Gäste willkommen. Wir erwarten das vollzählige und Koopmann. pünktliche Erscheinen aller Mitglieder. 1. Gewerbeinspektion Berlin E. Umfassend die Polizeirebiere: 1, 2, 12-16, 19-21, 27, 38 und 40. Bureau: NO. 18, Elisabethstraße 50/51. Fernsprecher: Amt Agit. 12 321. Gewerberat Petersen. Gewerbeaffeffor Fischer. Gewerbeinspektionsassistentin Fräulein Reichert. 2. Gewerbeinspektion Berlin D. Umfassend die Polizeireviere: 22-24, 44, 45, 52, 65, 66, 93-96, 102, 103, 108, 110, 111 und 116. Bureau: O. 34, Bromberger Str. 6. grensprecher: Amt Kgst. 7220. Gewerberat Plotte. Gewerbeassessor Hutmacher. Gewerbeinspettionsassistentin Fräulein Specht. Bureaukratie im Krankenkassenwesen. Neben anderen„ Errungenschaften" hat die neue Reichsversicherungsordnung besonders die Aerzte erheblich mit Schreibarbeiten belastet. Ein Arzt Hagt uns: Nicht genug, daß jede Kasse und 4. Gewerbeinspektion Berlin S. Umfassend die Polizeirebiere: Steglit. Heute abend in den Bezirken 1 bis 7 Flugblatt mag sie noch so flein sein ihre besonderen, endlosen Geschäfts28, 30, 41, 42, 47, 48, 67, 72, 78 und 85. Bureau: S. 33, Gitschiner verbreitung zur Gemeindewahl. Die Genossen der Bezirke 3 bis 13 anweisungen und Instruktionen herausgibt, die stets voneinander Straße 110. Fernsprecher: Amt pl. 7588. Gewerbeinspettor find zur Unterstüßung verpflichtet und werden gebeten, sich zwischen abweichend jedes Einheitliche vermissen lassen und daher auch so oft Wehlmann. Gewerbeassessor Rühl. Gewerbereferendare Andresen, 7 und 8 Uhr bei Clement, Düppelstr. 7, einzufinden. übertreten werden, lassen auch oft die Kassenbeamten selbst es an Schlitzberger. Gewerbeinspektionsassistentin Fräulein Herrmann. Köpenick. Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, im Stadt- Theater: der stritten Durchführung des üblichen schriftlichen Verkehrs fehlen, 5. Gewerbeinspektion Berlin- Luisenstadt. Umfassend die Polizei- Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen so daß der Arzt durch Ausfüllen nicht ordnungsgemäß ausgeschrierebiere: 26, 29 und 55. Bureau: EO. 16, Michaelfirchstr. 4. Fern- Emil Eichhorn über Die Einführung in den Sozialismus." Disſprecher: Amt Mpl. 2561. Gewerbeinspektor Gravemann. Gewerbe- fuffion. Wahl ber Delegierten zur Kreis- und Verbandsgeneral- bener Scheine, durch Eintragungen usw. so viel foſtbare Zeit verinspektionsassistentin Fräulein Schalkan. 6. Gewerbeinspektion Berlin SW. Umfassend die Polizeireviere: 3, 31-37, 39, 56, 63, 71, 73 und 77. Bureau: W. 57, Bülowstr. 98. Fernsprecher: Amt Lüßom 4087. Gewerberat Hesse. Gewerberefe rendar Gutmann. versammlung und Verschiedenes. liert, daß für eine Untersuchung des Patienten oft selbst bei bestem Charlottenburger Str. 150: Mitgliederversammlung. Bericht aus Weißensee. Heute Dienstag, abends 81%, Uhr, im Vereinshaus, Willen absolut keine Zeit mehr übrig bleibt. Und nun haben noch die Kassenverwaltungen, allerdings auf der Gemeindevertretung. Diskussion. Bezirksangelegenheiten. behördliche Anweisung hin um nur ein Beispiel anzuführen 7. Gewerbeinspektion Berlin W. Umfassend die Polizeireviere: verschiedene Farben der Rezepte und VerordMitgliedsbuch legitimiert. 4, 64, 74-76, 83, 84, 100, 104 und 118. Bureau: NW. 21, BundesOberschöneweide. Heute Dienstag, abends 8%, Uhr, im nungsformulare eingeführt; so gibt es zum Beispiel bei ratsufer 2. Fernsprecher: Amt Mb. 3970. Gewerberat Dr. Kraaz. Wilhelminenhof: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht den Berliner Innungen acht verschiedene Farben: für 8. Gewerbeinspektion Berlin NW. Umfassend die Polizei- von der Kreisgeneralversammlung. Bericht des Vereins Arbeiter- männliche und weibliche, Mitglieder, für Drogen und Apotheken, rebiere: 5-8, 57, 58, 69, 82, 91, 101, 107, 112 und 117. Bureau: Jugendheim. Wahl der Jugendkommission und des Ausschusses. für Versicherungspflichtige und Versicherungsberechtigte usw. immer N. 4, Invalidenstr. 36/37. Fernsprecher: Amt Mb. 3145. Gewerbe- Diskussion und Verschiedenes. eine andere, besondere Farbe. Und nun stelle man sich vor, wie bei inspektor Dr. ing. Hesse. Gewerbeassessor Hausmann. Gewerbe- Bezirk Waidmannsluft. Die Mitgliederversammlung des Wahl- dieser Abwälzung von ödem Schreibtram gum Zivede der Etainspektionsassistentin Frau Klatt. vereins für den Monat Mai fällt aus. tistik" dem schon ohnehin genug belasteten Kassenarzt zu Mute sein 9. Gewerbeinspektion Berlin R. Umfassend die Polizeireviere: Röntgental Zepernick- Buch. Am Mittwoch, abends 7 1hr, findet muß, wenn er, nachdem er sich glücklich durch alle Formalitäten 9-11, 17, 46, 50, 59-62, 88-90, 97, 99, 109, 114 und 115. in Buch, vom Lokal von Alex Piotrowski aus, Bahnhofstraße, eine hindurchgefunden, jetzt noch den Patienten untersuchen soll; es iſt Bureau: N. 20, Prinzenallee$ 3. Fernsprecher: Amt Mb. 4037. Broschürenverbreitung statt. Die Genossen aus Röntgental- Zepernick ihm schon richtig„ mieß" geworden und eine allgemeine VerärgeGewerberat Dr. Ruhnau. Gewerbeassessor Loch. Gewerbeinspek- werden gebeten, sich recht zahlreich zu beteiligen. tionsassistentin Fräulein Conradt. rung unter welcher der arme Patient natürlich am meisten zu Umfassend die Polizei berrin 10. Gewerbeinspektion Berlin NO. Potsdam. Am Mittwochabend in allen Bezirkslokalen Zahl- leiden hat ist die Folge dieser und ähnlicher, sinnreichen" am rebiere: 18, 51, 68, 80, 81, 92, 98, 105, 106 und 113. Bureau: abend. Im Bezirkslokal Hausmann Bortrag über die Grundzüge grünen Tisch„ erdachter" Maßnahmen. Das Angeführte vetsinnt NO. 55, Hufelandstr. 11. Fernsprecher: Amt Agit. 12 846. Gewerbemur einige wenige herausgegriffene Beispiele; deren Zahl ist Legion. inspettor Blatter. Gewerbeinspektionsassistentin Fräulein Matthes. Der Zweck dieser Ausführungen ist nur der, jedem Beteiligten zu 11. Gewerbeinspektion Charlottenburg. Umfassend den Stadtzeigen, wo mit Leichtigkeit der Hebel zur Besserung auf diesem freis Charlottenburg. Bureau: Charlottenburg, Windscheidstr. 15. Fernsprecher: Amt Wilh. 3321. Gewerbeinspektor Dr. Bender. biele Tausende von Menschen angehenden Gebiet anzusehen wäre. Gewerbeassessor Röje. Der konfessionelle Sportplan. Vor allem wäre im Interesse der Allgemeinheit der KassenmitGewerbeinspektionsassistentin Fräulein Mummert. wird der Leser ausrufen: Giebt es auch so was? glieder sowohl wie der Aerzte eine Vereinheitlichung aller GeZwar ist die Bezeichnung eigentlich ein sprachlicher schäftsanweisungen, aller Stassenformulare usw., anzustreben; und der Politit. Was 12. Gewerbeinspektion Neukölln. Umfaffend den Stadtkreis Jawohl! Berliner Nachrichten. -ww dann sollten sich die Kassenvcrwolhmgen angelegen sein laßen, die unerhörte Schrcibarbeitund Schikanerien für den Arzt aufzuheben oder doch auf das denkbar notlvendige Mindestmaß herabzudrücken; dann dürfte auch der Arzt in der Kassenpraxis — ebenso wie in seiner sich viel einfacher, schneller abwickelnden Privatpraxis— Zeit und Mutze zur Untersuchung und ein- gehenden Behandlung finden, auf die auch der ärmste Kranke ein gutes Recht hat."_ Selbstmord eines Kanoniers. AuS Furcht vor kriegsgerichtlicher Bestrafung hat der Kanonier Wilhelm Grave von der 2. Batterie des 1. Garde-Feld-Artillerie- RegimentS Selbstmord verübt. G. wurde vor acht Tagen fahnen« flüchtig. Er verließ heimlich das Kasernement in der Kruppstraße und irrte einige Tage in der Umgebung Berlins umher. Sonntag nachmittag wurde bei Plötzensee eine Leiche aus dem SchiffahrtS» kanal gelandet, in der man den Deserteur erkannte. AuS Furcht vor Bestrafung halte sich G. in selbstmörderischer Absicht in den Kanal gestürzt und auch den gesuchten Tod gefunden. Die Leiche des Lebensmüden wurde nach dem Garnisonlazarett gebracht. Ein schwerer AutomobUunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen V56 Uhr in der Potsdamer Straße. Dort wollte der Zkjährige' Webermeister Franz ProSke aus NowaweS, der in geichäftlichen Angelegenheiten nach Berlin gekommen war. den Fahr- dämm überschreiten, um nach der Eichhornstratze zu gelangen. Da- bei übersah er ganz daS Herannahen eines AuromobilomnibusseS der Linie 8; er wurde von dem Kraftwagen umgerissen und geriet unter daS Auto, dessen Vorderräder ihm über beide Beine hinweg- gingen. Dem P. wurden die Unterschenkel buchstäblich zermalmt. Bon der nahen Unfallstation in der Eichhornstraße, wo dem Ver- unglückten die erste ärztliche Hilfe zuteil wurde, wurde P. nach der Ch'aritö gebracht, dort mußten sofort beide Beine bis zum Knie amputiert werden. Ein aufregender Borgang spielte sich gestern nachmittag an der Grünstraßenbrücke ab. Dort stürzte sich die 28 Jahre alte Frau H e d w i g S e m l 0 w S k i vor den Augen zahlreicher Passanten in die Spree. Mehrere Augenzeugen der Tat unternahmen sofort mittels des Rettungskahnes Rettungsversuche und vermochten die Lebensmüde bald den Fluten zu entreißen. Die S. erhielt auf der Unfallstation am Spittelmarkt die erste ärztliche Hilfe und wurde von dort nach einem Krankenhause gebracht. Ihr Zustand gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Ein heftiger Strahenbahnzusammenstoh, bei dem zwar keine Fahrgäste schwer verletzt wurden, aber ein großer Materialschaden und eine zeitweise Verkehrsstockung entstand, ereignete sich gestern abend kurz vor 10 Uhr in der Lindenstratze, an der Ecke der Hollmannstraße. Ein Wagen der Linie 42 hatte die Weiche über» fahren und fuhr einem Wagen der Linie 30 mit voller Schnellig- keit in die Flanke. Beide Wagen wurden aus den Schienen gehoben und arg beschädigt. Die Insassen kamen mit leichten Ver- letzungen und dem großen Schrecken davon, nur esn Mädchen, das auf der vorderen Plattform des Wagens der Linie 42 stand, wurde im Gesicht etwas schwerer verletzt. Eine Revolvrrschießerei in einer Damenkneipe erregte gestern mittag in der Buttmannstraße einiges Aufsehen. In der Buttmann- ftraße 11 belegenen Domenkneipe erschien gegen mittag eine Frau Michaelis, die sich in Gegenwart ihres dort anwesenden Ehemannes zu erschießen versuchte. Der Ehemann war früher Inhaber der Kneipe und wollte sich die ihm zustehende Restkaussumme abholen. um ohne Frau nach Amerika zu dampfen. Das wußte die Frau; sie kam in da« Lokal, aber ihr Selbstmordversuch wurde vereitelt. wobei der jetzige Inhaber der Kneipe von einem Streifschuß leicht verletzt wurde. Die Frau wurde festgenommen, aber bald wieder entlasten. Der Vorfall hatte in der Strotze erhebliches Aufsehen gemacht. Drei Feuerwehrleute verunglückt. Sonntag abend wurde die Feuerwehr nach der Hollmannstr. 32 gerufen, wo sich in einer Metallgießerei ein größeres Quantum Phosphor entzündet hatte. und infolgedessen der ganze Fabriksaal mit starken Phosphor- dämpfen angefüllt war. Um in den Raum vordringen zu können. mußten von der Feuerwehr ein Feuerschutzanzug und ein Sauerstoff- schutzhelm in Benutzung genommen werden. Die beiden Feuer- männer Neumann und BorawSty erkrankten infolge der Einatmung der Dämpfe� auf der Brandstelle so schwer, daß sie nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden mußten. Der Feuerwehr- mann Wokoeck zog sich Brandwunden leichteren Grades an der rechten Hand zu und wurde in seine Wohnung entlassen. Die Ablöschung des Feuers erfolgte mit einer Schlauchleitung. Verloren worden ist an, gestrigen Montag ftllh in der Nähe des Kottbuser Tors(an der Reichenberger oder Dresdener Straße) ein Portemonnaie mit Inhalt ietwa SS M. Arbeitslohn, eine Radfahr- karte usw.). Der ehrliche Finder wird gebeten, daS Portemonnaie Reichenberger Straße 10 I, bei Scholz, abzugeben. Vorortnachrichten. tin* Konferenz der öilöungsausfchiisse öes Kreises Teltow-öeeskow. tagte am Sonntag, den 17. Mai, in Berlin in den.Arminhallen". Vertreten waren 19 Bildungsausschüsse durch 23 Delegierte und ein Wahlverein durch einen Delegierten. Außerdem war der Kreis« bild»ng«auSschub durch drei Mitglieder, der KreiSbildungSauSschuß Niederbarnim durch zwei Mitglieder und der BezirkSbildungsausfchuß durch ein Mitglied vertreten. Genosse Pieck gab zunächst einen Ueberblick über die Tätigkeit der Ausschüsse im verflossenen Jahre. Danach bestehen 28 BildungSauSschüsse für 39 Orte. In IS Orte» wurden 20 Kurse mit 91 Vorträgen und einer Teilnehmerzahl von 2108 veranstaltet. Einer Einnahme von 696, SS M. stand eine Ausgabe von 1613,50 M gegenüber. 11 Orten wurde Zuschuß im Gesamt- betrage von 360 M. gewährt. In 16 Orten fanden 26 Einzelvorträge mit einer Teilnehmerzahl von Sb23 statt. Hierfür wurden 1176,70 M. eingenommen, 1201 M. ausgegeben. Künstlerische Veranstaltungen fanden in 16 Orten 35 statt mit einer Teilnehmerzahl von 10 603. Hierbei stand einer Einnahme von 2861,60 M. eine Ausgabe von 3324,60 M. gegenüber. Außerdem veranstalteten mehrere Orte Theatervorstellungen, die einen guten Besuch aufzuweisen hatten. AuS 19 Orten konnte über eine Gesamteinnabme von 17 437,71 M. berichtet werden, der eine Ausgabe von 16 893,35 M. gegenübersteht. AuS dem Vorliegende» sei zu ersehen, daß eZ mit unserer BildungS- arbeit im Kreise vorwärts gehe. Hierauf referierte Genosse Seidel über:.Der Arbeitsplan des kommenden Geschäftsjahres". Redner betonte, daß seit Bestehen des Bezirksbildungsausschusses die Auf- gaben der BildungSauSschüfie Groß- Berlins bedeutend gewachsen seien. Natürlich dürfe nicht schabloniert, sondern die Anregungen, die der BezirlSbildungSausschuß gebe, müßten je nach den Verhältiiisien der einzelnen Orte verwendet werde». Der BezirlsbildungSauSichuß habe im vorigen Jahre einen Leitfaden herausgegeben, der durch einen in diesem Jahre herausgegebenen ergänzt werde. Hieraus könnten die BildungSauSschüsse«ine Fülle von Material für ihre Arbeiten schöpfen. Redner besprach dann die Neueinrichtung tKr Arbeiter-BildungSschule. ES sei Pflicht der Parteigenossen, dies« Einrichtung der Partei in jeder Weise zu fördern. Was die Arbeiten der einzelnen Ausschüsse anbetreffe, so kommen für kleinere Orte Kurse weniger in Frage; diese Orte müßten sich mehr auf Einzel- vortrüge beschränken. In größeren Orten müßten selbstverständlich Kurse daS Rückgrat der Arbeiten der Ausschüsse sein. Für die Veranstaltung von Kunstabenden müsse auf den Leit- kaden verwiesen werden, dort müßten sich die AuSschüffe M für sie paffende heraussuchen. Der Kreis- DildungS- Ausschuß habe ein Ensemble von jungen Künstlern zusammengestellt, wovon jeder kleine Ort Gebrauch machen könne, da dieses verhält- nismäßig billig sei. In der äußerst lebhaften Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, daß ein großer Teil der Parteigenoflen den Arbeiten der BildungSauSschüsse oftmals sehr wenig Verständnis entgegenbringe. Ebenso wurde über den Mangel an geeigneten Räumlichkeiten in den kleineren Orten für die Veranstaltungen der BildungSauSschüsse geklagt. Gewünscht wurde, daß sich näher zu- sammenliegende Orte für größere Veranstaltungen zusammenschließen. Lebhaft befürwortet wurde die Anregung, Vertreter sämtlicher am Ort tagender Arbeitervereine in die BildungSauSschüsse mit auf- zunehmen.— Ueber Wander-BücherauSstellungen und Jugend» schriften-SuSgabestellen berichtete Genosse Pieck. Die Wander- auSstellungen hätten gute Resultate gezeitigt, und eS sei zu hoffen, daß in diesem Jahre möglichst alle Ort« Ausstellungen guter Bücher veranstalten. Diese wie die Errichtung von Ausgabestellen für gute und billige Jugendschriften könnten weientlicheS zur Bekämpfung der Schundliteratur beitragen. In der Diskussion wurde gewünscht, daß der Kreis- resp. Beziris-BildungsauSschuß bemüht sein möge, einen Verlag ausfindig zu machen, der in der Lage sei, gute und billige Bilderbücher herzustellen. Die jetzt vorgelegten seien zu teuer.— Ueber.Bivliothekwesen" hielt Genosie Wazlawiak einen mit leb- haftem Beifall aufgenommenen Vortrag. Redner empfahl den An- wesenden, eine Zentralisation des Bibliothekwesens für Groß-Berlin anzustreben. Räch lurzer Debatte wurde die Konferenz geschloffen. Neukölln. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie am 28. April, abends zwischen �-5 und!46 Uhr. Kaiser-Friedrich- Straße, Eck« Reuterftraß«, ein achtjähriger Knabe unter«ine Auto- droschke kam und mit einer Kopfverletzung davonlief, werden ge- beten, ihre Adreffe an Friedrich Arndt, Steinmetzstr. 77, Hof 2 Treppen, gelangen zu lassen. Besonders wird diese Bitte an den- jenigen Herrn gerichtet, welcher sich die Nummer der betreffenden Kraftdroschke notierte. Steglitz. Heute keine GetneindewaHl! Dieser etwas merkwürdige WarnungSruf ist für unser Dorf angebracht. In Steglitz werden bei allen Wahlen den Wahlberechtigten amtliche Wahlausweise zugestellt. DaS geschah auch diesmal. Ein großer Teil der Wähler hatte bereits die Karten zu der Wahl am 19. und 20. Mai in Händen, als sich infolge eines Druckfehlers in der amtlichen Ver- öffentlichung die Verschiebung der Wahl auf Mittwoch, den 27., und Donnerstag, den 28. Mai. nötig machte. Die Einziehung dieser ungültigen Karten resp. die Zustellung der neuen mit dem richtigen Datum scheint nun ober nicht in dem gleichen Tempo zu erfolgen wie die überstürzte Ausschreibung der Wahl. Roch gestern machten wir die Erfahrung, daß Wähler nicht anders wußten, als daß bereits heute und morgen die Wahl statt- findet. Deshalb Borficht l Lichtenberg. Mit der Gründung eines FrauenchorS beschäftigte fich eine vom Lichtenberger Männerchor einberufene Versammlung. Genosse D ä u m i g erläuterte in seinem Referat die Aufgaben der Slbciter- Gesangvereine und wies darauf hin. daß nur große Chöre in der Arbeiterbewegung, als einer Massenbewegung, ihrer Ausgabe ge- wachsen seien. Zu bedauern sei, daß die beiden Lichtenberger Gesang» vereine einer Verschmelzung abgeneigt seien. Gründe gegen dieselbe könnten doch nur nebensächlicher Natur sein.— Der Charlottenburger Frauenchor zeigte durch Vortrog einiger Lieder, daß die Frauenchöre besonders geeignet find. Arbeiterfeste verschönen zu helfen. Dann wurde die Gründung eines FrauenchorS beschlossen. Gegen 60 Frauen und Mädchen meldeten sich zur Aufnahme. Die UebungSstunden finden jeden Donnerstag abends 9 Uhr in KerrnS Festsälen. Türrschmidt-, Ecke Goethestraße statt, die nächste Uebung«, stunde des HimmelfohrtsfesteS wegen am Mittwoch, den 20. Mai, pünktlich 9 Uhr. Frauen und Mädchen, die gewillt find dem Chor beizutreten, find in den UebungSstunden willkommen. Eharlottendurtz. Ein schwerer AutomobUunfall hat fich in der Nacht zum gestrigen Montag in der Berliner Große ereignet. Ll» dort gegen 1 Uhr der 41iährige Arbeiter Wilhelm Lachmann auf seinem Zweirade entlang fuhr, wurde er von einer au« entgegengesetzter Richtung kommenden Automobildroschke angefahren nnd umgestoßen. L. flog in weitem Bogen auf da« Straßenpflaster und erlitt eine klaffende Kopfwunde, einen Bruch de« linken Schlüsselbeines und eine Gehirnerschütterung. Der Verunglückte erhielt auf der nahen Unkallstation Notverbände und wurde auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung, Jagowstr. 20, gebracht. Nieder- Schönhause». Die Brirfbestcllungen an den Wochentagen werden vom 2. Juni ab um eine vermehrt, dadurch wird dem schon seit längerer Zeit un- haltbaren Zustande abgeholfen. wonach die fünfstündige Pause zwischen 12 Uhr bis 5 Uhr nachmittags wegfällt. Die Bestellungen finden dann wie folgt statt: 1. Bestellung 7'/�— 9 Uhr vormittags, zweite 10'/«— 12'/z Ubr. dritte 2— 3'/j, vierte 4'/«— 6 Uhr nachmittags und fünfte 7—8'/« Uhr abends. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung wählte zu Delegierten zum Städtetag nach Guben die Stadtverordneten H. Schulze. Ewest und den Genossen Salzmann. Alsdann wurde zur Kenntnis geaeben. daß die Löhne für ausgeführte Rotstandsarbeiten 4171,38 M. betragen haben. Die PflasterungSarbeiten des Bürgersteiges in der Vilioriastraße wurden dem mindestfordernden Steinfetzmeister Gursch zum Preise von 423,62 M. übertragen Ferner bewilligte die Ver- sammlung 2700 M. zur Ergänzung und Reuanschaffung von Wäsche für das städtische Krankenhaus. Gegen die acht Stimmen unserer Genossen wurde dem landwirtschaftlichen Verein für Bernau und Umgegend der frühere Hussitenspielplatz zur Abhaltung einer Fohlen- schau überlaffen. Unser« Genoffen waren der Anficht, daß der Platz am Wasierturm für derartige Zwecke benutzt werden könne, daß aber inmitten der Stadt Plätze dazu nicht herzugeben seien. Der hiesig« Reiterverein hatte beim Magistrat zu seinem Wettrennen um einen Ehrenpreis nachgesucht, worauf der Magistrat einen solchen von 50 M. der Versammlung zur Annahme empfahl Derselbe wurde aber, nachdem unsere Genosien wie auch einige Bürgerliche sich da- gegen ausgesprochen hatten, mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Zofte«. vezugnehmend auf die in der Rummer vom Donnerstag ver- öffentlichte Notiz:.Ein Bild de« Jammer«" teilt uns der GutSvor- stand von Schenkendorf bei Königswusterhaufen mit. daß auf dem zum GutSbezirke Echenlendorf gehörige GutShof Mariendorf sich ein Fall wie der von unS geschilderte nicht zugetragen habe. Tatsache lei, daß am 30. April d. I. dem auf dem ButShofe beschäftigten Deputanten G. wegen Verweigerung der Arbeit und jinerlaubteni Fernbleiben vom Dienste gekündigt morden sei. Der Sohn des G. lei indessen niemals vom Administrotor zur Arbeil aufgefordert worden, derselbe habe auch nie auf dem Gutshofe gearbeitet. Sämt- liche Mitglieder hätten am 4. Mai in voller Gesundheit Mariendorf verlassen und sie hielten fich auch heute noch in Niederlehme bei KönigS-Wusterbausen auf. Unsere Mitteilung stützte fich auf Beobachtungen von Augen- zeugen, die eine Familie bei Zossen in der von unS geschilderten Verfassung gesehen haben. Ob eine Ungenauigkeit in der Auskunft der betreffenden Familie vorliegt, entzieht sich unserer Kenntnis. Oranienburg. Ein schwerer Ant»m»bil«nf«ll ereignete sich gestern nachmittag auf der Chaussee zwischen Oranienburg und BirkenwerdA:. Dort fuhr der SS jährige Chauffeur Schierftädter aus Prenzlau mit feinem Wagen gegen einen Prellstein. Er wurde durch den heftigen An- prall vom Bock geschleudert und fiel gegen einen Baum, wo er mit gebrochenem Genick tot liegen blieb. Schierstädter war verheiraier und ist Vater von drei Kindern. DaS Auto gehört einem Rentier Grahlow aus Prenzlau. Potsdam. In der letzte« Stadtverorduetensitzung wurden die unbesoldeten Stadrräte Lamm, Spitta. MasiuS, Krause, Urban und Plage, deren Amtsperiode abläuft, wiedergewählt.— Eine Frau Martha Schulz, I Vorsitzend« des Potsdamer Frauenvereins, hat an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, in die Armendirektion auch eine Frau zu wäblen. Die ablehnende Antwort des Magistrats, der keine Veranlassung hierzu sieht, wurde mit Bravo entgegengenommen. Für so etwas haben die Potsdamer Stadtväter lein Verständnis, bei ihnen gehört, l mit Ausnahme der Arbeiterfrauen, die Frau ins Haus.— Der Magistrat verlangte einen Jahresbeitrag von20M. zum Beitritt zur Gesell- schast zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Diesen geringfügigen Anlaß benutzten die Stadtväter, um zum Ausdruck zu bringen, daß es nicht Sache der Kommunen sei, das Problem der Arbeitslosigkeit z» er- gründen und es schien, als ob ihnen etwas gruselig zu Mute wurde, als sie hörten, daß auch die Generalkommission der Gewerkschaften und der Holzarbeiterverband dieser Gesellschaft angehören. Der Referent dieser Vorlage war der ehe- malige Reichtagsabgeordnete Pauli, welcher erklärte, daß die Arbeitslosigkeit durch die hohen Produktionskosten herbeigeführt würde. Schuld hieran fei die Herunterdrückung der Arbeitszeit. Auch die Löhne seien zu hoch. Diese Weisheit sagte der schlichte Mann aus der Werkstatt den Potsdamer Stadtverordneten, die ihm auch zujubelten.— Früher wurde in der gewerblichen Fori- � bildungSschul« in Potsdam SonntagSunterricht erteilt. Dieser ist! seit einiger Zeit in Wegsall gekommen. Ein Teil der Potsdamer Innungen und die Stadtverordneten mit wenigen Ausnahmen haben nun nichts unversucht gelassen, den SonntagSunterricht wieder ein- zuführen. Das Kuratorium der Fortbildungsschule hat denn auch den einstimmigen Beschluß gefaßt, den SonntagSunterricht wieder zur Geltung zu bringen, damit der Lehrling an den Werktagen nach Möglichkeit dem Meister erhalten bleibe. Alleiniger Gegner der Ein- sührung war der Leiter der Fortbildungsschule, der Direktor Schulz,! dem man dieserhalb nicht besonders gut in Handwerkerkreisen gesonnen ist. Der Magistrat hat nun kürzlich den Beschluß der Stadlverordneten sowie des Kuratoriums für die Fortbildungsschule demRegierungSpräsi« denten zur Genehmigung eingereicht, worauf eine Antwort eingelaufen ist, die die Stadtväter rewt schmerzlich berührte und in der es heißt, daß am Sonntag lediglich Zeichenunterricht, und zwar nur dann erteilt werden darf, wenn hierfür geeignete Räume an den Wochentaaeu nicht zur Verfügung stehen. Da diese Voraussetzung für die hiesige Fortbildungsschule nicht zutrifft, und außerdem der Sonntag für die Erbauung und Erholung, nicht aber für den Schulzwang bestimmt ist, lo könne nicht damit gerechnet werden, daß die Wiedereinführung des SonntagSunterrichtS genehmigt werden würde. Um aber nicht ganz leer auszugehen, wurde eine Kommission gebildet, die Schritte unternehmen soll, am Sonntag einen freiwilligen Zeichenunterricht einzuführen. Bvr den Augen des BaterS ertrunken. Als gestern morgen der Schiffseigner Otto Balzer aus Strohdehne mit seinem Kahn vor dem Proviantamt in Potsdam lag, um dort auszuladen, wurde er von einem schmerzlichen Verlust betroffen. Sein 2'/, jähriger Knabe. den er zum erstenmal auf der Fahrt mitgenommen hatte, spielte aus dem Deck. Plötzlich fiel er über den Bordrand und stürzte vor den Augen seines BaterS in die Havel. Der Bater sprang dem Rinde nach und eS gelang ihm auch, da« Söhnchen aus dem Waffer zu holen. Da es leine Lebenszeichen gab, wurde die Feuerwehr mit! dem Sauerstoffapparat zur Vornahme von Wiederbelebungsversuchen! gerufen. Nach mehrstündigem Bemühen mußten die Versuche als! vergeblich eingestellt werden. Da« Kind war offenbar bei dem Sturz ins Waffer einem Herzschlage erlegen. Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Heute Dienstag, nachmittag» 5 Uhr, m der Aula de« Reformrealghmnaiiums. Kaiserskatze 17/20. Rieder- Schönhause». Heule, nachmittag« S Uhr, im Rathaus«. Dies« Sitzungen find Sffetttlich. Jeder Bemeuldeangetzörtge ist tf rechtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Gerichtszeitung. Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Tr. Baumgarten be- gann gestern eine umfangreiche Verhandlung wegen Mein- e i d e s. Tie Anklage richtet sich gegen den L e u t- n a n t a. D. B r u m m- S e l d e n e ck, den Stukkateur Hans Weide und den Architekt Rudolf Klemke. Der erste Angeklagte wird vom Referendar Dr. Langer, der zweite vom Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, der dritte voi» Iustizrat W r 0 n k e r verteidigt. Die Anklage wird voifl Assessor Dr. B u r ch a r d vertreten. Unter den zahlreichen Zeugen fehlte eine Hauptzeugin. Frau Anna Marie Knauer, die geschiedene Ehefrau des AngellagtcN Klemke. Sie befindet sich wegen Herzkrankheit und hochgradiger Nervosität zurzeit in Homburg v. d. H. Sie ist auf Anordnung des dortigen Kreisarztes, Geh. Medizinalrats Dr. Zahn, anf ihr« VerhandlungSfäbigkeit untersucht worden. Nach dem eingegangenen Gutachten ist die Zengin nicht reise- nnd verhandlungsfähig. Ei» von Verteidiger Dr. Langer gestellter Vertagungsantrag wurde vom Gerichtshof abgelehnt. Es soll erwogen werden, ob die Mog-� lichkeit vorliegt, die bisherigen richterlichen Aussagen der Zeugin zu verlesen, eventuell sie durch ein Mitglied des Gerichts in Homburg kommissarisch zu vernehmen. Dem ersten Angeklagten wird zur Last gelegt, in dem Ehe- scheidungsprozeß des Angeilagten Klemke, den deffen Ehefrau an- gestrengt hatte, wissentlich einen Meineid geleistet zu haben, indem er eidlich bestritten habe, mit der Ehefrau Klemke«in Liebes- Verhältnis unterhalten zu haben; auch in einer eidesstattlichen Versicherung soll er diese falsche Angabe gemacht haben.— Dem Angeklagten Weide werden drei Meineide zum Nachteil der EhefraUj Klemke zur Last gelegt. Klemie ist angeklagt, den zweiten An- geklagten zum Meineid angestiftet zu haben, indem er ihn bewogen- hoben soll, zu seinen Gunsten im EhescheidungSprozeß gewisse Tatsachen zu verschweigen bzw. anders darzustellen, als sie ii-i' zugetragen haben._ Der Angeklagte Brumm-Scldeneck lxnt fast vier Monate in dieser Sache in Untersuchungshaft gesessen und iit dann wegen Erkrankung entlassen worden. Ter zweite Angeklagt«! ist gegen 2000 M. aus der Untersuchungshaft entlassen worden- Er hat vor dem Unterfuchui�srichler seinerzeit«in Geständnis ab- gelegt und erklärte auch im gestrigen Termin auf Befragen dcf Vorsitzenden, daß er sich schuldig fühle; die beiden anderen bc-! streiten ihre Schuld. Ueber den Ausgang der Verhandlung werden wir berichten- Äinderverführuug. Ein geführlicher Jugendfreund mußte sich in der Persoi« deS Kaufmanns Karl Schultz vor der 1. Strafkammer de� Landgerichts II verantworten. Am 10. November v. I. wurde der 13jährige«Schüler Otto auf dem Blücherplatz von dem Angeklagten angesprochen und nmü einer Straße gefragt. Im Laufe des Gesprächs fragte er dann! den Knaben, ob-er ihm Gesellschaft leisten wolle, er könne ihn'! auch schöne Bilder zeigen. Er zeigte dem Jungen dann.auctzj mehrere unzüchtige Photographien und vcranlaßtc ihn. mit in fein«? in der Nostizstraße gelegene Wohnung zu kommen, wo er ihm ei«: Mark schenkte.— Tic gemeingefährliche Tat des Angeklagten iväte Nr. 135. 31. ZichtMK. 3. KeilM des Lmiiils- Knlim NcksdlR Dlkvstilg. 19. Mal 19!4. Reichstag. 261. Sitzung. Montag, den 18. Mai 1914, mittags 1 S IX h r. Am Bundesratstische: v. Falkenhayn. Die Anleihedenkschrift für die Schutzgebiete»»»d «ine Anzahl Rech nungs fachen werden erledigt. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes betreffend /tetiöerimg öes Mlitärftrafgefehbuches. Kriegsminister ti. Falkcnhahu: Veranlagt durch die bösen Erfahrungen mit dem Erfurter Not- 9efetz hat die Heeresverwaltung versucht, ein vom Standpunkt der gesetzgeberischen Technik einwandfreies Werk zu liefern. Nachdem der Entwurf das Stadium der Kommissionsberatung überstanden hat, er- kenne ich das Kind nicht wieder.(Heiterkeit.) Mit Genugtuung aber kann ich feststellen, dost die von der Regierung vorgeschlagenen Be- stimmungen als technisch einwandfrei anerkannt werden mußten. Die Beseitigung des strengen Arrestes würde in manchen Fällen die Verhängung der Gefängnisstrafe mit der Wirkung des Nachdienenmüsteus zur Folge haben. Ueberhaupt würde die Annahme der Komniisfionsbeschlüsse zu unhaltbaren Rechtszuständen und zu weiteren U n st i m m i g k e i t e n in dem schon durch die Lex Erfurt verunstimmigten Militärstrafrecht führen. Somit kann die Heeresverwaltung den KommissionSbcschlüffcn nicht zustimmen. Die Folgen des Scheiterns der Vorlage werden die armen Teufel tragen müssen, denen sie Milderungen bringen sollte, sowie die Militärjustiz, die mit den durch die Lex Eriurt geschaffenen Un- stiinmigkeitcn weiter arbeiten muß. Die Konimission hat dem strengen Arrest den Todesstoß dersetzm wollen, ohne irgendwie für Ausfüllung der Lücke zu sorgen. Ter strenge Arrest ist in keiner Weise gesundheitsschädlich Die Betreffenden erhalten eine warme Zelle und Wasser und Brot und haben zwischendurch gute Tage.(Lache» bei den Sozialdemokraten.) Wir können den strengen Arrest unmöglich entbehren, da für ge- wisse Elemente der Mittelarrest nicht abschreckend genug ist und wir die Strafe der Verschickung in Kolonien nicht kennen. Schließlich kann man im Militärdienst doch nicht nach den Rezepten eines Mädchenpennonats»erfahren.(Heiterkeit.) Unbedingt ablehnen muß küe HeereSvertvalwng auch die Aenderung der Bestimmungen betreffend k'is K o n t r o l l V e r s a m in l u n g e n. Was gleich nach 1871 als notwendig erachtet wurde, kann in der Zeit der antimilitaristischen Wühlereien und Hetzereien erst recht nicht entbehrt werden. Vollends unannehmbar sind die sozialdemokratischen Ab andcrungsanträge, die den strengen Arrest völlig beseitigen und die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes nur für stanz schwere Verbrechen zulassen wollen. Völlig unannehm- dar ist auch der Antrag Müller- Sieiningen, der die Mindest. 'träfe für so schwere Vergehen wie Fahnenflucht und Komplott bis ans einen Monat herabsetzen will. Ich bitte dringend, weder die Kominissionsbeschlüsse noch diese Abänderungs antrage anzunehnien, wndern die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Im anderen 'talle lehnt die Heeresverwaltung alle Verant- Wartung ab. Sie hat prompt die höchst anfechtbare Lex Erfurt durchgeführt. Wenn eine Reform des Militärstrafrechts durch die Beschlüsse des Hauses auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben werden 'ollte, so kann sich die Heeresverwaltung jeder Schuld ledig sprechen. (Lebhafter Beifall rechts.), Abg. Stadthagen(soz.): Nur in ganz bescheidener Weise ist die Kommission über die Borschläge hinausgegangen, welche die Regierung zur Milderung un- erträglicher drakonischer Strafen gemacht hat, aber sofort erklärt der Kriegsminister das Unannehmbar. Dieses Unannehmbar stellt er insbesondere den Anträgen auf Einstellung des st r e n g e n A r r e st§ entgegen. Der strenge Arrest ist aber kein innerhalb der Kultur zu- lässiges Strafmittel. Nur, wer auf dem Standpunkt steht, daß ihm . 0-- I......w»,»»»»», IW«. V*U| I 1*1»)», fUQ»»)«»» ganze Kultur gestohlen werden kann, wenn nicht für andere der strenge Arrest besteht, kann die Beseitigung und selbst die Milderung dieser Strafart für unannehmbar erklären. (2ebr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der 5triegs- 'ninister hat den strengen Arrest und sogar das Wasser und Brot, das darin den Soldaten verabfolgt wird, in lockenden Farben ge- fcvildert: viele empfänden ihn geradezu als Wonne. � Merkt denn der Kriegsminister nickit. wie jämmerlich dann die sozialen Ver- hältnisse Deutschlands sein müssen. wie schmählich dann die Regierung ihre Pflicht verlebt hat, für das Wohl des Volke« zu sorgen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Der strenge Arrest ist eine geradezu unerträg- t'che Quälerei.(Zuruf rechts: Sie wissen daS wohl auS eigner Erfahrung') Das gerade nicht. Aber wir kennen die Leute, wenn sie herauskommen, wir kennen die Mit- teilungen der Aerzte, wir wissen, daß kein anderer Staat, l�lbst kein Barbarenstaat, ein derartiges Strafmittel kennt. �cr Kriegsminister sagte zur Entschuldigung des strengen Arrestes, �>e Soldaten würden verhetzt. Das stimmt bis zu einem ge- wissen Grade. Die Soldaten werden verhetz«, wenn Unteroffiziere und Offiziere unter Verletzung ihrer Gehorsamspflicht die Soldaten i ß h a n d e l n oder in ihrer Ehre kränken. Unbegreiflich ist nur, ?aß man dann die in ihrer Ehre oder an ihrem Körper Verletzten den strengen Arrest steckt, die Quäler aber davor bewahrt.(Sehr Hut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der strenge Arrest wirklich eine solche Wonne ist. warum verbringen denn die Osfiziere nicht ihren Ferien urlaub darin. Mit solchen Redensarten macht Man uns den strengen Arrest nicht erträglich. Der Kriegsminister tut sich auf diese Vorlage große Stücke zu flute, aber in" Wahrheit ist sie gar nicht der Rede wert. Sie enl- springt eigentlich nur der Furchi davor, daß unsere mildere Auf- lassung bei den Gerichten durchdringt, wonach in den minder schweren 'fällen aus die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenslandes '"cht erkannt werden darf. Gerade weil die Regierung das fürchtet, urancheil wir ihre Drohungen nicht ernst zu nehmen. Für absolut unannehmbar hat der Kriegsminister erklärt, daß in Sachen der �ontrollversammlung das Recht wieder auf die Füße ge- »ellt wird. Denn die geltende RechtSauffassung, daß der Soldat auch nach der Kontrollversammlung den ganzen Tag über unter dem Militärgesetz steht, ist rechtswidrig und unsinnig. .§ 6 des Militärstrafgesetzbuchei bestimmt, daß für die Mann- 'chafien des Benrlaubtenstandes die Vorschrifien des Mililärrechis fnlr für die Zeit gellen, in welcher sie sich im Dienste befinden. � as heißt ganz klar— und das wurde früher auch von allen � Koinmenialoren anerkannt— daß sie nur während der. Dauer °er K o n t r o l l v e r s a m m l u n g den Mil'iäige>etzen unter- stehen.«»a, bei der Beiaung des Müitärstrafgesetz- uuches im Jabre 1872 Hai tein Mellich imas andeies Gedacht. Diese Auffassung galt bei den Gcrichien bis zum Juni 1885. Von da au wurde aus einmal der ganze Tag der Konirollversammlung dem Mililärgei'etz unterstellt. Selbst die � uationalliberale Exzellenz. Reichsanwalt a. D. Hamm, Hauptmann j Landwehr, hat die jetzige Auffasiung für unsinnig erklärt.§ 15 ver Webrordnung hebt ausdrücklich hervor, daß die Kontroll- Versammlung nicht D i e n st. sondern eben nur Kontrolle ist. Die Reservisten und Landwebrleute machen am Tage der Kontroll- Versammlung keine Uebung, sondern stellen sich eben nur zur Kontrolle und unterstehen deshalb nur während der Kontrolls den Militärgesetzen. Die höchste Strafe für disziplinare Vergehen während der Kontrollversammlung beträgt drei Tage Arrest, aber für Vergehen nach der Kontrollversammlung am gleichen Tage vier bis sechs Wochen Arrest. Solchen Blödsinn kann zwar das Reichs- gericht und das Reichsmilitärgericht gutheißen, aber der Gesetz � g e b e r unmöglich gewollt haben. Der Kriegsminister hat gemeint, c der Tag der Kontrollversammlung sei ein Feiertag, ein Festtag für die Beurlaubten. Der Tag unterscheidet sich für die Reservisten von den anderen Togen dadurch, daß sie ganz leicht für Lappalien ins Gefängnis oder ins Zuchthaus kommen können. Ein herrlicher Feitertag! (Heiterkeit und Sehr gut! b. d. Soz.) Selbst Hamm hat eS für unerträglich erklärt, daß für den Tag der Kontrollversammlung jeder Offizier und Unteroffizier als Vorgesetzter der Reservisten gilt, und gefordert, die Vorgesetztengualität wenigstens auf den Offizier zu beschränken, der die Kontrollversanimlnng abhält. Der Kriegsminister stellt es so dar, als ob durch die harten Strafandrohungen das Zivilerzogen werden muß. Das ist eine Vollkommeue Berkennung und Ver letzung des Rechtes der Bürger. Der Bürger ist Soldat für das Vaterland(so sollte es wenigstens sein!) und nicht. damit eine Reihe bezahlter Berufssoldaten, die man Offiziere nennt, ihn„erziehen" können. Gerade diese Gegenüberstellung der Offiziere, der Vorgesetzten, der Halbgötter, oberhalb jeder Kultur — auf der einen Seite als Selbstzweck, um das gemeine Volk auf der anderen Seite zu schuriegeln, oder— wie der Kriegsminister ein wenig liebenswürdiger sagt— zu erziehen, natürlich durch den strengen Arrest, ist die schärfste Kritik des Militarismus und die beste Rechtfertigung unserer Forderung des Milizsystems.(Wider spruch rechts.) Am liebsten möchten Sie die ganze Zivilbevölkerung doch ständig unter die Mililärgesetze stellen, um recht viel Ge- sinniingslumpen zu„erziehen".(Lebhaftes Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Besonderen Wert legen wir auf die Anträge, die den Reservisten bei der Kontrollversammlung das Recht geben sollen, Beleidigungen und Körperverletzungen auf der Stelle straffrei zu erwidern. Das muß für alle Soldaten in den Paragraphen 91 und 92 des Militärstrafgesetzbuches Recht werden. An sich haben ja die Soldaten ein Recht der Notwehr, aber das Reichsmilitärgericht hat es ihnen durch einen komischen Tanz eskamotierr, hat erklärt, es reiche nur bis zu dem Moment, wo verschiedene Grade in Frage kämen. Jetzt aber steht in der neuen Verordnung über den Waffengebrauch des Militärs vom 8. April 1914, daß jede Militär- Person die Waffe gebrauchen kann, wenn Leib, Leben, Eigentum oder Ehre durch eiuen�r e ch t§ w i d r i g e n Angriff bedroht ist. Danach kann jeder Soldat ans Grund der kaiserlichen Kabinetts order vorn Recht der Notwehr auch gegenüber dem Vorgesetzten Ge> brauch machen, im äußersten Falle ihn sogar init der Waffe niederschießen. Ein Vorgewtzter, der schimpft oder schlägt, verletzt damit selbst die Disziplin: die Disziplin kann also in seiner Person nicht geschützt werden. Lehnen Sie diese Anträge ab, so machen Sie die Konirollversaiitmlung zu einem Festtag der Rohlinge, die wie Hintze-Gardisten zu ihrem Vergnügen prügeln. Unsere Anträge sind nur eine Ausführung der letzten kaiserlichen Kabinetts- order. Wir vertreten in diesem Augenblick die angebliche Kommando- gewalt des Kaisers.(Heiterkeit und Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Den Reichstag aber mahnen wir. sich vom Kriegs minister nicht schrecken zu lassen. Bleiben Sie fest, halten Sie auch einmal Disziplin!(Sehr gut!) Wer den Reichstag zwingen will, gegen seine bessere lleberzeugung zurückzuweichen, hetzt und wer zu dem schmählichen Umfall drängt, ist der Oberhetzer.(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Folgen Sie ihm nicht!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stupp>> der Starrsinn der Regierung und oer Hee eSveiwaltimg.— Protestiert werden muß gegen die Arl� und Weife, wie der K> i e g? m i n i st e r dwie hochwichiige An- gelegenoeii behandelt.(Lebba'le Zustimmung lmks.) Er sprach da von M ä d ch e n p e n f i o n a l e n uiw. Mit solchen Scherzworten glaubt er über eine Sira'art weggehen zu können, die von Leuten wie Haverbeck, Windthor st und L a S k e r als barbarisch bezeichnet worden ist.(Lebhafte Zu« stimmung links und im Zentrum.) Protestiert werden muß auch gegen die Bezeichnung der wehrfähigen Söhne unseres Volkes als Junge n.(Erneute lebhafte Zustimmung links, Zwischenrufe rechts.) Die äußerste Rechte hat freilich für solche, Dinge lein Verständnis(Sehr wahr! links); aber sonst sind- sich alle Parteien in der Verurteilung der Barbareien des strengen Arrestes einig und hoffentlich finden sich auch die Natioiialliberalen ein, wenn für den Fall des Scheiterns dieser Vorlage durch einen Initiativantrag diese Materie wieder aufgenommen wird.— Ich würde bei alledem das ischeitern der Vorlage bedauern. Vielleicht ist doch noch eine Verständigung möglich, nament- lich, wenn die Nationalliberalen wenigstens an einem Teil der Kommissionsvorschläge festhalten wollten.(Beifall bei der Volks- Partei.) Kriegsminister v. Falkenhayn: Mein Standpunkt ist nicht der Ausfluß einer Starrsinns- oder Prestigepolitik, sondern der Politik der gesunden Ver- n u n f t.(Beifall rechts. Lachen links.) Ich stehe zu jedem Worte, das ich gesagt habe.(Hört! hört!)', Was ineinen Ausdruck betrifft, so bitte ich zn bedenken, daß ich kein Parlamentarier bin. (Ironische Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In der Debatte ist— auch von Dr. Müller-Meiningen— mehrfach zugegeben worden, daß im Rahmen dieser Novelle eine Abschaffung des strengen Arrestes nicht möglich ist. Damit erübrigt sich alles, was hier gegen den strengen Arrest gesagt wird. Abg. v. Boehn(k.): Wir halten, wie wir schon bei der ersten Lesung erklärt haben, an der Regierungsvorlage fest und gehen nicht darüber hinaus.— Was tut es, wenn mal ein sozialdemokratischer Redakteur, der Reservist ist, einen Tag keinen Artikel schreiben darf? In dieser Hinsicht möchte ich sogar wünschen, daß jeden Tag Kontrollversammlung i st.(Große Heiterkeft.) Ich bi» zwar ein parlamentarischer Neuling(Zuruf: Das merkt man!), aber ich muß doch sagen, ich verstehe nicht, daß man so gegen den strengen Arrest ist. Ich habe selbst schon drin gesessen und eS ist mir ganz gut bekommen.(Große Heiterkeit.) Abg. Mertin(Rp.): Die Regierung tut Recht, daß sie nicht vor dem angeblichen Prestige des Reichstages niederkniet. Der Reichstag ist, wie Zaber» bewies, Suggestionen zugänglich. Wir wollen durch strenge Strafen die Kultur gegen ihre Feinde schützen. Strenge, aber kurze Strafen.(Beifall rechts.) Abg. Stückten Für den Abg. v. Boehn wird der Arrest wohl ein f i d e l e s Gefängnis gewesen sein.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Da glauben wir gern, daß er gebessert herausgekommen ist. Der Kriegsminister meinte, er treibe Vernunftpolitik. Sind wir alle seiner Meinung nach unvernünftig? Dann kann uns seine ganze Vernunft gestohlen bleiben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Tie Nationalliberalen sind natürlich wieder einmal umgefallen, sie wollen uns auf die allgemeine Reform des Militärstrafgesetz- buchs vertrösten. Aber die dauert vielleicht noch zehn Jahre, und wer weiß, was dann herouskomint. Alle Militärmißstände ent- schuldigt der Kriegsminister mit der V e r h e tz u n g der Soldaten. Wo find feine Beweise dafür? Wir sagen den Soldaten stets, daß sie sich der Dlsziptl» füge» müssen; nur raten wir ihnen, sich keine Ungerechtigkeiten gefallen zu lassen. Soll das Verhetzung fein? Der Kriegsminister tut jedenfalls zur Bekämvfung der Mißstände im Heere nichts anderes, als daß er Strafanträge in Massen stellt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Die deutschen Gerichte werden schon verurteilen, aber damit ist wirklich gar nichts geändert. Nach dem Kriegsminister beruht die Disziplin der Armee lediglich auf dem strengen Arrest; eine solche Erklärung von dieser Stelle wird mau im Ausland nicht überhören. Andere große Körper, wie die Unterbeamtenschaft, kommen ohne barbarische Straf- mittel aus und halten doch Disziplin. Genau dieselben Ein- Wendungen wie jetzt gegen die Beseitigung des strengen Arrests hat man seinerzeit gegen die Abschaffung der P r ii g e l st r a f e erhoben und doch will sie heute niemand wieder einführen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Außer O e r t e l!) Der Kriegsniinister meinte, daß jeder Soldat vor Vollstreckung des strengen Arrests ärztlich untersucht würde. Ja militärärztlich I Ob da wohl schon einmal jemand für haftunfähig erklärt worden ist? Neulich wurde in der Marine ein Epileptiker kurz vor seiner Entlassung wegen Krankheit zu 28 Tagen Mittelarrest verurteil. Er magerte darin zum Skelett ab und kam halbtot beraus.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie viele Schwachsinnige halten die Militärärzte für verstockt, für boshaft und lassen sie monatelang quälen.(Sehr wahr! bei de» Sozialdemokraten.) Solche Barbarepen zu beseitigen, ist einfach Menschenpflicht.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegs- minister hat bestritten, daß der strenge Arrest gesimdheitsschädlich sei. Im selben Atemzuge verweigert er uns jede Statistik über An- Wendung und Folgen des strengen Arrests. Danach müssen wir dabei bleiben, daß der Aufenthalt in den dunkeln. feuchten und kalten Zellen, in denen die Stunden zur Ewigkeit werden, selbst eiserne Nerven ruiniert. Die Beseitigung dieser Barbarei ist ohne jede Gefährdung der Armeedisziplin möglich. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausdehnung der Militärftrafgesetze auf den ganzen Tag der Kontrollversaminlung ist einfach uns innig. Selbst der Kriegs- minister hat zugegeben, daß praktisch ja durchaus gar nicht alle Folgerungen gezogen werden können, ohne das bürgerliche Leben zu zerstören. Aber wir wollen Sicherheit dagegen, daß der Kriegs- nunister oder sonst eine Militärinstanz im Einzelfalle die Konsequenzen der herrschenden formoljuristischcn Auffassung bis ins äußerste zieht. Soll der Tag der Kontrollversammlung heilig sein, so nehmen Sie die Reservisten für den ganzen Tag in die Kaserne, verpflegen sie dort und geben ihnen Löhnung— dann mag das Militärstrafgesetz ftir den ganzen Tag gelten. Wollen und können Sie das aber nicht, dann beschränken Sie auch die Militär- strafgesetze auf die Dauer der Kontrollversammlung.(Sehr guts bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung droht freilich, dann die ganze Vorlage scheitern zn lassen. Aber darf es sich der Reichstag gefallen lassen, daß die Regierung ihm einfach diktiert: Unsere Vorlage unverändert oder gar iiichls! Dann können wir uns ja künftig die Mühe der Kommissionsberaiung sparen und unsere Zeit besseren Dingen widmen.(Sehr wahr! bei de» Sozialdemokraten.) Wir sind eS der Würde des Parlaments schuldig, fest zu bleiben und der Militär- Verwaltimg die Verantwortung für das Scheitern des Gesetzes zu überlassen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Fehrenbach(Z.): Unsere Situation zeigt wieder einmal, wie schwierig und un- fruchtbar gesetzgeberische Flickarbeit ist. Unsere Forderungen auf Einschränkung des strengen Arrestes und der Militärgerichtsbarkeit über den Tag der Kontrollversammlung sind vollauf berechtigt, ober was sollen wir tun? Die Militärverwaltung läßt uns die ganze Vorlage scheitern und sperrt uns einfach die jungen Leute nach dem geltenden noch barbarischen Gesetz ein. Das können wir nicht verantworten und so gehen wir auf die Regierungsvorlage z u r ü ck. Neunen Sie(zu den Sozialdemokraten) das feiges Zurückweichen, wir hallen es für nüchterne Denkarbeit.(Bravo! »n Zentrum.) Dringend bitten möchte ich den Kriegsminister zu erwägen, ob es nicht genügt, wenn bei der Fabnenflucht ans Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenftandes erkannt werden kann, zumal doch als sicher gelten darf, daß in schweren Fällen diese Versetzung tatsächlich verhängt werden wird. Abg. Waldftein(Vp.): Wir müssen uns entschieden dagegen wenden, Erfurt als von einem Abenteuer gesprochen wird. daß von der Lex Ritt wenig Aus- nahmen haben auch die K onservativen für dieS Gesetz ge stimmt. tHörtl hört!) Sicher hat der Reichstag schon schlechtere Gesetze gemacht. �Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.)— Wer denkt denn in Wirklichkeit höher von der Armee, der, der meint, daß sich ihre Disziplin auch ohne das barbarische Mittel des strengen Arrests aufrecht erhalten laste, oder der, der an keine Disziplin ohne diese grausame Strafart glaubt? sLebhaftes Sehr gut! links.) Die Art und Weise, wie der Kriegsminister gegen die Ausführungen meines Freundes Müller- Meiuingen polemisierte, muß ich entschieden zurückweisen.(Lebhafte Zustimmung links.)— Die heutigen Verhandlungen zeigen, daß die wahren Freunde der Armee nicht aus der rechten, sondern auf der linken Seite des HauseS sitzen.(Lebhafter Beifall links.) Kriegsmimsts'- v. Falkenhapi» polemisiert gegen die Ausführungen des Vorredners. Es ist er- lo o g e n worden, in den Milderungen weiterzugehen; es hat sich aber herausgestellt, daß das vor der allgemeinen Reform des Militärstrafrechts nicht möglich ist, ohne zu Widersprüchen und Un- stimmigkeiten zu kommen.— ES ist auch nicht möglich, zurzeit auf eine Herabsetzung der Mindeststrafe für Komplott und Fahnen- flucht einzugehen. Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Die Art des Auftretens des Kriegsministers kompliziert ganz außerordentlich die Schwierigkeit der Lage. Die schroffe Zurück- Weisung auch der kleinsten Konzession seitens des Kriegsministers macht es uns schwer, uns schließlich doch vorerst mit dem zu be- gnügen, was die Regierungsvorlage bietet.— Energisch weisen wir die Unterstellung zurück, daß unsere Anträge auf eine Lockerung der Heeresdisziplin hinzielen. Wir können uns von dem Vorbringen vernünftiger Gründe nicht dadurch abbringen lassen, daß der Kriegs- minister sich Vernunftsgründen unzugänglich zeigt.(Leb- Haftes Sehr gut I. links.) Abg. v. Brockhauseu(k.): Am Sonnabend wurde über die langen Reden geklagt und heute haben nun schon wieder drei Redner der Fortschrittlichen Volks- Partei gesprochen.(Unruhe links. Zuruf: Und nun kommen Sie noch. Große Heiterkeit.) Die Frage der Kontrollversammlungen ist überhaupt nicht im Rahmen dieier Novelle zu lösen. Ebenso verhält e§ sich mit dem strengen Arrest. Abg. Gröber(Z.) beantragt in Gemeinschaft mit dem Abg. Dr. Mü ll e- Meiningen(Vp.) Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung, da die heutige Beratung die Frage nicht geklärt habe, sondern nur noch schwieriger gestaltet habe. Abg. Dr. Frauk-Mannheim(Soz.): Wir schließen uns dem Antrage an. erweitern ihn aber dahin, daß wir Z u r ü ck v e r w e i s u n g an die Komnussion beantragen. Abg. Stadthageu(Soz.): Ich möchte auch aus dem Grunde um Vertagung bitten, damit der Herr Kriegsminister Zeit gewinnt, die Praxis, wie sie tatsächlich bis 1885 in Preußen bestanden hat, sowie die Erlasse des preußischen Generalauditoriats, auf die schon in der Konimisfion Bezug ge- nommen wurde, kennen zu lernen. Diese nahmen bis 1885 die von uns vertretene Anschauung ein, daß die Reservisten nur während der eigentlichen Kontrolle der Militärstrafgesetzgebung unter- worfen sind. Abg. Dove(Vp.) bittet, es beim Antrage aus Absetzung von der Tagesordnung zu be- lassen, dagegen von der Zurückverweijung an die Kommission ab« zusehen. Abg. Dr. Frank(Soz.) zieht seinen Autrag aus Zurückverweisung zugunsten des Antrages Gröber-Müller z u r ü ck. Der Antrag Müller-Gröber wird gegen die Stimmen der Rechten angenommen und die zweite Lesung der Novelle zum Militär- strafgesetzbuch von der Tagesordnung abgesetzt. Es folgt die zweite Lesung der Novelle zur Zeugen- und Sachverständigenordnung. Abg. Fischer-Hannover(Soz.): Was die Novelle bietet, ist völlig unzureichend. Aus Sparsam- leitsgründcn weigert sich die Regierung, eine den veränderten Lebens- Verhältnissen wirklich entsprechende Erhöhung der Gebühren der Zeugen und Sachverständigen eintreten zu lassen. In anderen Dingen, namentlich in bezug auf alles, was Militär und Marine betrifft, ist diese Sparsamkeit in keiner Weise vorhanden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wir bitten wenigstens unseren Antrag anzunehmen, der die Mindestsätze für Zeugengebühren von 20 aus 30 Pf. pro Stunde erhöht. DaS Reich wird dadurch nicht bankrott werden.(Heiterkeit und Zustimmung bei den Sozialdeinokraten.) Der Antrag wird abgelehnt, ebenso ein vom Abg. Haas (Vp.) begründeter und vom Staatssekretär Dr. L i s c o bekämpfter Antrag, dort, Ivo übliche Preise für die Leistungen der Sachverständigen bestehen, mindestens diese zu gewähren. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz.): Wir beantragen, den Zeugen auch eine Entschädigung für übermäßige Wartezeit zu gewähren. Jeder, der die Ver» Hältnisse bei den großen Gerichten, speziell in Berlin kennt, wird die Notwendigkeit unseres Antrags anerkennen müssen. Das lange Warten hat bisweilen die allerschwersten wirtschaftlichen Nachteile im Gefolge. Abg. Dr. Haas(Vp.) lehnt den Antrag als unzweckmäßig ab. Dagegen sollte die Ver- waltung ihrerseits sich bemühen, dem in dem Antrag enthaltenen gesunden Kern Rechnung zu tragen. Der Antrag wird abgelehnt.§ 14 regelt die Voraus- setzungen, unter denen öffentliche Beamte, die als Zeugen oder Sach- verständige zugezogen werden, Tagegelder und Reisekosten erhallen. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz.): Wir beantragen die Streichung des ganzen Paragraphen. Für die Beamten müssen die allgemeinen Bestimmungen für Zeugen und Sachverständige genügen, und es hat keinen Zweck, ihnen be- sondere Privilegien zuzubilligen. Es hat sogar recht verhängnisvolle Folgen. Glaubbast ist mir versichert worden, daß die Kriminalität der einzelnen Landesleile in einem gewissen Zusammenhange sieht mit der Höhe der Nebeneinnahmen, den die betreffenden Beamten — Gendarmen usw.— aus ihrer Tätigkeit vor Gericht ziehen. Die Zeugengcbühren für Gendarmen usw. verleiten direkt zu An- gebereien. Wenn wir den§ 14 streichen, so verstopfen wir eine recht erhebliche Quelle der Kriminalität.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. List-Eßlingen(natl.) protestiert gegen die Ausführungen des Vorredners. Man könne doch nicht so allgemein einen Zusammenhang zwischen der Kriminalität und den Zeugengebühren der Beamten konstruieren. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz.): Die Sache ist doch nicht so harmlos, wie der Kollege Lisi glaubt. Machen Sie doch mit uns den Versuch und streichen Sie den§ 14 und Sie werden sofort eine Abnahme der betreffenden Kriminalitätsziffern bemerken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- lraten.) Abg. Dr. Haas(Vp.) schließt sich den Ausführungen des Abg. List-Eßlingen an. Der Antrag Albrecht wird abgelehnt. Der Rest des Ge- setzcs wird nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Soz.) beantragt eine Resolution, durch die die Verbündeten Re- gierungen ersucht werden, dafür zu sorgen, daß möglichst in jedem Gerichtsgebäude den Zeugen, den Prozeßbeteiligten usw. Gelegenheit s In der auf Antrag Mendorfs(Bp.) hieranf sofort gegeben wird, sich durch einfache Speisen und alkoholfreie Getränke zu erfrischen.— In der Kommission wurde unserer Anregung zu gestimmt und auch von der Regierung wurde wohlwollende Erwägung zugesagt. Es dürfte sich aber auf alle Fülle empfehlen, den allgemeinen Wunsch in einem ausdrücklichen Reichs- tagsbeschluß niederzulegen. Die Resolution wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. ES folgt die zweite Lesung der Vorlage betreffend die Dampfersubventionen. Die Kommission beantragt, die Australienlinie bis zum 31, März 1917 ausrecht zu erhalten. Abg. Henke(Soz.): Der Hauptgrund der vom Abg. Dr. Spahn seinerzeit beantragten Verweisung der Vorlage an die Kommission ist. wie sich jetzt klärlich ergibt, die Absicht, jenes Provisorium zu schaffen, das die Kommission uns jetzt vorschlägt. Hätten wir dies vorausgesehen, so hätten wir bei der ersten Lesung nicht in den Verzicht auf die General- dcbatte eingewilligt.— Wir haben zwei Tatsachen zu konstatieren: einerseits ein Wachsen der Zahl der Siaaten, die Dampfer- subventionen gewähren, andererseits der wachsende Wider- stand gegen diese Subventionen bei den Reedern selbst. Die Entwicklung der Schiffahrt nach den südamerikanischen Häfen beweist die völlige Entbehrlichkeit der Subventionen. Bekanntlich ist Ball in auch ein Gegner der Subventionen, weil er mil Recht annimmt, daß eine vernünftige kaufmännische Wirtschast dadurch verhindert wird. Die Subventionen können eine Volks- wir'.schaftliche Rentabilität niemals sichern. Gerade für die Austral« linie fehlt jeder Nachweis, daß die Subventionen den Verkehr und den deutschen Handel fördern werden. Frankreich und die Vereinigten Staaten zahlen ungeheure Subventionen und haben ihre Schiffahrt doch nicht entwickeln können. Darum fort mit den Subventionen! Wenn aber selbst Männer, die sonst Gegner der Subventionen sind, für die Australlinie eine Ausnahme machen, so geschieht das aus rem imperialistischen Gründen. Aus postalischen und handelspolitischen Gründen war diese Subvention nicht im mindesten nötig. Der Inhalt der Subventions- Verträge ist bis in die jüngste Zeit agrarisch verfälscht ge- wesen, so daß der Norddeutsche Lloyd darunter nur gelitten hat. Wenn Sie sich jetzt den Anschein geben, großmütig auf das Verbot der Beförderung gefrorenen Fleisches zu verzichten, so nur deshalb, weil sie des agrarischen Charakters der Regierung sicherer sind als je und wissen, daß sie ganz gewiß kein gefrorenes Fleisch nach Deutschland hineinlassen wird. Jedenfalls ist es unerhört, daß alle bürgerlichen Parteien hier schweigend der Regierung eine Blanko- vollmacht für die Subvention der Australlinie gegeben haben. (Vizepräs. Dove: Herr Abgeordneter, es ist nicht unerhört, wenn Mitglieder dieses Haukes schweigen.— Heiterkeit.) Der einzige gemeldete bürgerliche Redner. Frhr. v. R e ch e n b e r g, hat sich auch noch streichen lassen. Bei der ersten Lesung haben Sie eine Debatte überhaupt nicht zugelassen; eS ist geradezu beispiellos, wie Sie mit dieser Vorlage verfahren sind. Ihr Vorgehen ist um so schlimmer, als diese Subventionen nicht das Ende der Dampfer- subventionen, sondern den Ansang einer neuen unendlich viel größeren Subvemionspolitik bedeutet.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Australlinie dient zu 90 Proz. Nichtdeutschen; trotzdem wollen Sie ihr pro Jahr mehrere Millionen Mark Unter« stützung mehr geben. Ist das bei der Finanzlage des Reiches zu verantworten? Können Sie das vor den Wählern rechtfertigen? Angeblich soll der Lloyd künftig auf seiner Australlinie bessere Schiffe einstellen. In der Tal befährt er jetzt die Linie mit konkurrenzunfähigen alten Kästen. Aber es wird bei der Lage der Schiffsbauindustrie mindestens 3 Jahre dauern, ehe er seine neuen Dampfer herausbringt(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) und die Konkurrenz wird inzwischen nicht müßig sein. Unser Verkehr mit Australien ist seit 1903 nicht gewachsen, es besteht für die deutsche Australlinie weder eine Notwendigkeit noch eine Möglichkeit der Rentabilität in absehbarer Zeit, zumal der Lloyd selbst seinen subventionierten Linien Konkurrenz macht und dadurch ihre Bilanzierung selbst verhindert. Ein besonderer Grund unserer wohlbegründeten Gegnerschaft gegen diese Dampfersubventionen ist die Ablehnung jedes Schutzes der seemännischen Bevölkerung. Auf 207 deutschen Dampfern arbeiten Ende 1912 nicht weniger als 8023 Farbige, über 11 Prozent der Gesamtzahl. Diese Kulis werden als billigere und willigere Arbeitskräfte, als Lohndrücker und Nrbeitszeitverlängerer von den Reedern geschätzt. In den anderen europäischen Ländern hat man stets Arbeiterschutz mit Dampfer- subventionen verbunden. Ich darf also meine Ausführungen dahin zusammenfassen, daß die Blankovollmacht der Regierung zur Subvention der Australlinie, wenn der Reichslag sie beschlösse, ein Skandal wäre.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Paasche: Der Ausdruck war unzulässig. DaS Wort hat der Abgeordnete Gothein. Abg. Gothera(Vp.): Ich verzichte.(Stürmischer und mehrfach wiederholter Bei- fall bei den bürgerlichen Parteien.) Das Gesetz wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ohne weitere Debatte angenommen. Auf Antrag des � Abg. Böhlend orf-Kolpin(k.) wird sofort in die dritte Lesung eingetreten und das Gesetz debattelos endgültig angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Mililäcbedienstete. Die Kommission beantragt, die geforderten 25 Millionen Mark zu bewilligen und eine Resolution zu beschließen, die die Verbündeten Regierungen ersucht, Hypotheken- bürg sch asten für den Bau von Kleinwohnungen durch ent- sprechende Vorlage auch über den Kreis der Beamten hinaus zu übernehmen. Für den Berichterstatter Dr. Jäger bittet Vizepräsident Dr. Paasche viermal ohne jeden Erfolg um Ruhe. Den Schluß seines kurzen Referats begrüßen die bürgerlichen Parteien mit stürmischem Beifall. Abg. Dr. Arendt(Rp.) wird von den bürgerlichen Parteien mit lautem Gebrüll nach Schluß empfangen. Er bittet um Ablehnung der„boden- reformerischen" Re'olution. Mit den Bodeureformern sei man beim Wert z uwachs st euergesetz genug hineingefallen. Abg. Gotting(natl.): Aber wir haben doch ein Kompromiß! Dazu gehört auch die Resolution. Die KleinwohnungSnot ist, und an der Zuständigkeit des Reiches ist nicht zu zweifeln. Abg. Göhre(Soz.): Die Resolution ist eine Schnell- und Frühgeburt der Kommission, die sie in einer halben Stunde zwischen Tür und Angel angenommen hat. Nach den Beratungen unserer Wohnungskommission ist ihr Inhalt ohne weitere« verständlich, sie will das Reich auf der Bahn der Wohnungsfiirsorge vorwärts treiben. Wir Sozialdemokraten legen keineii großen Wert ans Resolutionen, bitten aber doch unr ihre Zustimmung zu dem Kommiisionsanlrag.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Westarp(k.): Wir haben forniale und materielle Bedenken. Damit schließt die Debatte Da« Gesetz wird angenommen, die Resolution abgelehnt. Dafür stimmen nur die Sozial- demokraten und die Mitglieder der Wohnungskommission. vorgenommenen dritten Lesung wird das Gesetz ein- st i m m i g a n g e n o m m e n. Den folgenden Gegenstand der Tagesordnung, die Denkschrift über die Rücklagen der Berussgenossenschaften, bc- antragt der Abg. Meyer- Celle von der Tagesordnung ab- zusetzen. Abg. Haas«(Soz.) widerspricht dem Antrag, der jedoch gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Fortschrittler angenommen wird. Es folgt die dritte Beratung der Besoldungsvorlage« Neichsschatzsekretär Kühn: Wenn die jetzige Vorlage scheitert, so wird die Vorlegung eines neuen Besoldungsgesetzes voraussichtlich geraumc Zeit in Anspruch nehmen. Die Leidtragenden würden die in der jetzigen Vorlage bedachten Beamten sein. Schwerlich würden die Auf- besseruugen in der neuen Vorlage rückwirkende Kraft erhaltem da schwerlich die Deckung mit rückwirkender Kraft ausgestattet sein würde.(Heiterkeit.) Zur Heiterkeit liegt gar kein Grund vor.— Was nun den Abänderungsantrag betrifft, den verschiedene Par- teien dieses Hauses eingebracht haben, so hat die Regierung keine materiellen Bedenken gegen ihn.(Hört! hört!) Alle über diesen Antrag hinausgehenden Forderungea muß die Reichsregierung aber ablehnen.(Hört! hört!) Abg. Ebert(Soz.): Die Erklärung des ReichsschatzsekretärZ kann in keiner Weise uns zu einer Aenderung unserer Stellungnahme ver- anlassen. Tie schöne Einmütigkeit des Reichstags, von der bei der 2. Lesung der Abg. Bassermann sprach, ist durch den kou-� servativ-liberalen Kompromißantrag zerstört worden. Aus d c r Fanfare ist eine C ha m ad e geworden.(Hörti hört! bei den Sozialdemokraten.) Die armen Teufel im Dienst der Reichseisenbahnen würden die Hauptlerdtragenden der Annahme des Kompromißantrages sein, während die höheren Eisenbahn- beamten im Genuß ihrer Ausgleichszulage von 500 M. bleiben. Das ist schon in der Kommission als ein Hohn auf jede soziale Gerechtigkeit bezeichnet worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Versprechungen, die der Kompromißantrag für die gehobenen Unterbeamten enthält, sind in keiner Weise garantiert. Die Rc- gierung hat nachher so gut wie völlig freie Hand, und es ist zu befürchten, daß sie sich alsdann nach der preußischen BcsoldunS- Vorlage richten wird. Und dazu können und werden wir auf keinen Fall die Hand bieten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn von anderen Parteien die Einmütigkeit des Reichstags durchbrochen wird, so haben wir unsererseits keine Veranlassung, uns an die Kommtssionsbeschlüffe zu halten.(Hört! hört!) Wir lassen uns auch keineswegs dadurch schrecken, daß der Reichsschatz- sekretär versucht, die armen Landbriefträger gegen unS auszuspielen. Diese Schichten haben aus den Vorgängen von 1909 gelernt und wissen, wie aus zahlreichen uns zugegangenen Zu- schriften hervorgeht, sehr wohl die Gründe zu beurteilen, die unsere Haltung bestimmen. Uebrigens hat es der Reichstag in der Hand, die Landbriesträgcr vor Schaden zu betvahren. Er braucht nur bei der dritten Lesung des Etats einmalige Zulagen für sie ein- zustellen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Angelegenheit hat auch eine sehr bedeutsame allgemein- politische Seite. Es handelt sich hier auch darum, daß der Reichs- tag als gleichberechtigter Faktor der Gesetzgebung anerkannt wird. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir halten aus allen diesen Gründen an den Beschlüssen zweiter Lesung fest.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Spahn(Z.): Die Verbündeten Regierungen versprechen den gehobenen Unterbeamten Berücksichtigung ihrer Wünsche bis zum Jahre 1916; wenn aber der Reichstag dieses Versprechen im Gesetz fest- legen will, so droht die Regierung, das ganze Gesetz scheitern zu lassen. Wir macheu da nicht mehr mit. Mag die Regierung, wenn sie den Mut hat, daran die Vorlage scheitern lassen.(Leb- hafter Beifall im Zentrum.) Staatssekretär Kühn: . Wir wollen nicht die gehobenen Unterbeamien befriedigen, ohne zugleich die anderen Beamten zu berücksichtigen, deren An- sprüche ebenso begründet sind. Darum sind und bleiben uns die Kommissionsbeschlüsse u n a n n eh m ba r. Abg. Dr. Schiffer(natl.): Die Kommi ssionsbeschlüffe sind besser als die Regierungs- vorläge. Aber das Bessere ist der Feind des Guten. Wie man in solcher Frage retten muß, was zu retten ist, hat ja erst heute beim Militärstrasgesetzbuch der Abg. Fehrenbach glänzend auseinander- gesetzt.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Blockparteien.) Die Re- gicrung hat eine feste politisch-moralische Verpflichtung über- uommen, und da brauchen wir keine Daumenschrauben mehr. (Widerspruch und Unruhe.) Wir lehnen es ab, auf Kosten der Unterbeamten den starken Mann zu spielen und fallen mit gutem Gewissen um.(Bravo! bei den Kompromiß- Parteien.) Abg. Dr. Ricklin(Z.): . Das Benehmen der Regierung ist nicht schön. Die Beamten werden aber bitter enttäuscht werden, wenn die ganze Vorlage scheitert. Diese Erwägung veranlaßt mich, auf den Boden des Kompromihantrags zu treten.— Weitere Ausführungen des Redners ioerden durch stürmische Schlußrufe übertönt. Als er um 8 Uhr seine ca. stund igen Ausführungen schließt, erfolgen brausende ironische Hochrufe. Die Diskussion wird geschlossen. Die Abstimmung über den entscheidenden 8 1 des Kompromißantrages Schiffer-Payer-Westarp bleibt zweifelhaft, so daß ein Hammelsprung stattfinden muß. Das Resultat der Abstimmung ist die A b l e h n u n a deS Antrags mit 152 gegen 149 Stimmen. Hierauf wird in einfacher Abstimnmng der 8 1 der Regie ru n gs v o r l a g e a b g« l e h n t. Die Mehrheit besteht aus den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Polen Die Minder« heit aus den übrigen Parteien einschließlich der Welsen und Elsasser. Die übrigen Teile des Kompromißantrages werden als gegenstandslos zurückgezogen. d,e Bes»ld.,ngs.,-vcll- ist gescheitert. Ein Vertagungsantrag wird abgelehnt, aber die übrigen """ utm" Wachste Sitzung: Dienstag. 10 Uhr.(3. Lesung bei Kon- furrenzklauselgeietzes des Duellantrags, der Etats ufw) Aus Antrag der Abg. Neumann-Hofer(Vp.) und Haas«(Soz.) gegen die Stimmen der Reckten werden auch die Wahlprüfungen aus die Tagesordnung gesetzt �" Schluß: 8*i Uhr._ Mgeorönetenhaus. 83. Sitzung. Montag, den 18. Mai 1914. vormittags 11 Uhr. Len?e Kommissare, später v. Loebell. 1. e n tz e. v. Trott zu Solz. Die üritte Lesung öes Etats. Allgemeine Besprechung. Abg. Dr. Pachmcke(Vp.) �e5Ien"ner führenden Hand hier sowohl wie an, gsplatz und tadelt das geringe Entgegenkommen der Regierung tn der ffrage der Freifahrkarten durcki da? ganze Land und für die ganze Dauer der Wahlperiode und schildert die durch die späte Ein- berufung des Landtags verschuldete Ueberlastung der Abgeordneten. Unter Hinweis auf das schwere Opfer deS W e b r b e i t r a g e s be- kämpf: er dann die Rüstungsagitationen der Generale z. D. und a. D., sowie. das Verlangen nach noch höheren Schutzzöllen. Der Mittellandkanal müsse fertiggestellt werden. Dann weist er die Vorwürfe wegen des Stich- wahlabkomme>:s mit der Sozialdemokratie zurück, auch andere Parteien haben das getan. Die Konservativen möge» keinen Sozi leiden, aber ihre Stimmen nehmen sie gern! Zum Beweis für die Unabhängigkeit der Volkspartci von der Sozialdemokratie polemisiert dann der Redner scharf gegen die Sozialdemokratie, deren Kampf gegen die Volkspartei seineu Höhe- Punkt in dem Vorstosz gegen den verdienten Präsidenten Kaemp erreicht habe. Die Sozialdemokratie wolle das Vaterland wehrlos machen. Der Revisionismus, der nicht Umsturz, sondern friedliche Entwickclung zur Sozialisierung will, wird durch die Scharfmacherei der Konservativen in Norddeutschland umgebracht. Schließlich fordert Dr. Pachnicke die endliche Inangriffnahme der W a h l r e f o r m und die Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts, ivofür im Abgeordnelenhause zweifellos eine Mehrheit vorhanden sei. sLebhafter Beifall bei der Volkspartei.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) rechtfertigt den Preutzenbund und den Wehcverein, die dem Ausland zeigen, daß wir uns vor niemand sürchlen. Die Volkspartei hat um schnöden Mandatsgewinn drei Mandate der Sozialdemokratie aus- liefert, sie treibt grundsatzloscn Kuhhandel und Verrat. sLärm links.) Eine Vorlage auf direktes und geheimes Wahlrecht würde in diesem Hause einen ernsten Mißerfolg haben. Unser Wahlrecht muß zwar von den verhältnismäßig geringen Mängeln befreit werden, damit es gegen ein minderwertiges Wahlrecht, wie es das Reichstagswahlrecht für Preußen zweifellos sein würde, gefestigt wird, aber das preußische Wahlrecht muß auf dem Gewicht der einzelnen Stimmen beruhen und der Wahlreformplan muß erst völlig ausreifen. Minister des Innern v. Locbcll gibt zunächst dem Abg. Dr. Pachnicke Auskunft auf seine angeb- kiche Frage über die Behandlung der Fremdenlcgionwcrber in Preußen.(Der Minister war zu Beginn der Rede Pachnicke? nicht anwesend und wird jetzt durch Zurufe der Linken auf icine falsche Information aufmerksam gemacht: er erwidert darauf): Mir ist berichtet worden, daß diese Frage aufgeworfen wurde und wie ich sie beantworte, mästen Sie mir überlassen!— Zur Wahlreformfrage erklärt er, darauf nicht ganz gefaßt gewesen zu sein, denn er sei erst neun Tage im Amt. Dr. Pachnicke fragt mich, ob ich die ge- Heime und direkte- Wahl vorschlagen wolle." Ich kenne Dr. P a ch- nicke seit langen Jahren als liebenswürdigen Herrn: da mutz ich mir die Gegenfrage erlauben: Herr Dr. Pachnicke, wodurch habe ich das verdient? lSehr gut! rechts.— Erstaunte zurufe links.— Abg. Dr. Pachnicke: Man bat doch ein Pro- gramm!) Damit aber kein Zweifel und keine Mißdeutung möglich 'st. will ich diese Frage heute mit Nein beantworten.(Hört! hört k und llnruhe links.! Das Vertrauen, als ob ich ein Minister für Wahlreform wäre, muß ich dankend ablehnen. Die Aichtung der Politik in Preußen bestimmt der Ministerpräsident und das Staatsministerium. Der Ministerpräsident hat schon am Januar erklärt, daß die Regierung eine Wahlreforin vorlegen werde, sobald der Zeitpunkt geeignet erscheine. Darin ist keine Aenderung eingetreten. Als aufmerksamer Beobachter habe ich in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, als ob das Wort Wahl- reform eine gewisse Hypnose ausübte. Auf einer Seite erwartet man von der Wahlreform den Anfang des demokratisch-parlamenta- Nfchen Paradieses. Es ist gut, diese Frage nüchtern und objektiv zu betrachten und ihrer Mystik zu entkleiden. Schon Fürst B ü l o w stellte fest, daß die Ucbertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen dem Staatswohl nicht entsprechen würde und daß auch die geheime Wahl nicht in Aussicht gestellt werden könnte. Es ist niemals beabsichtigt worden» eine Verstärkung deS Einflusses der Massen, eine Demokratisierung des Wahlrechts vor- zunehmen, sondern der Einfluß deS Mittelstandes in Stadt und Land soll ge- sichert und gestärkt werden. Der Minister schließt sich der Behauptung seines Vorgängers v. Dallwitz an, daß die Regierung der An- '"ndigung der Thronrede vollkommen gerecht geworden sei und schließt damit, daß er die aus seiner Abgeordnctenzeit her- rührenden freundlichen Beziehungen zu allen bürgerlichen Parteien fortzuführen wünsche.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Um diese Rede heute hier zu hören, haben wir einen Minister- wt/hsel nötig gehabt I Das Auftreten des Ministers war so b l a- mubel wie möglich.(Bizepräsident Dr. P o r f ch ruft den Rebnet zur Ordnung.) Diese Ministerrede bewies wieder, daß ein preußischer Staatsmann nicht über den Parteien stehen kann, sondern baß er seine Aufgabe einfach darin erblickt, ein Parteigänger der Konservativen Zu sein. Er war überrascht davon, daß Dr. Pachnicke die Wabl- rechtssrage anschnitt. Wie soll ich die lleberraschuiig kennzeichnen, dw uns alle ergriff, als wir au? dem Munde des für die Wahl- reform verantwortlichen Ministers hörten, er habe erwartet, daß bei der Etatsberatimg die wichtigste und dringendste Frage der preußi- lchen und deuticheii inneren Politik nicht erwähnt werden würde I Wir sehen, daß der jetzige Minister nur eine andere Rum m er trägt, im Wesen aber dasselbe ist wie Dallwitz. Und fast wäre man versucht, zu rufen:.Dallwitz kehre zurück, es sil Dir alles vergeben!" Durch diesen Minister ist Dollwitz über- "allwitzt.(Heiterkeit links.) Das unmöglich Scheinende ist Er- elgnis geworden. Man hätte gedacht, es sei unmöglich, daß der neue Minister an dem hinterwäldnerisch- agrarischen Dreiklaffcn- Wahlrecht festhalten würde. Wir sehen aber einen Minister, der barüber erschrocken ist, daß man ihm zumutet, heute schon über- Haupt eine Ansicht über die preußische Wahlreform zu haben! Es gibt in Deutschland kaum ein Kind von über zehn Jahren, das nicht Kreits von der Wahlreforin gehört hätte, jeder junge Mann, sobald ** sich mit Politik befaßt, bemüht sich bereits, eine Auffassung über bw preußische Wahlrechtsfrage zu finden— würde man von einem re, seien Mann und ganz besonders von dem für die Wahlreforin verantwortlichen preußischen Minister erwarten können, daß er sich erne bestimmte Auffassung nicht bereits gebildet, sondern daß er keine Ahnung haben könnte über seine Stellung zur Wahl- veform? Ist das wo anders möglich, als in Preußen? Aber gleich nachher sprach der Minister doch eine Auffassung aus— offenbar diejenige des G e h e i m r a t s, der ihm sein Manu- Skript gemacht bat, oder die des Herrn v. Dallwitz. Wir haben uns ja bereits gewöhnt, China als das Land des Fortschritts anzusehen und Preußen alS daS chinesischeste Land der ganzen Welt. (Unruhe rechts.) Aber das batte man doch nicht erivartet, daß uns ,tt der Rede des Ministers die versteinerten GeisteSblüten Dallwitz' entgegentreten würden. Die Tatsache allein, daß der neue Minister nach Sie Frage, wie eS mit dem direkten und geheimen Wahlrecht, Mit der Einschränkung der Wirkungen des Besitzes auf die Verteilung m die Wählerklassen werden soll, mit einem glatten Nein geaniwortet bat, hat ihn bereits als einen Unterworfenen der deutsch- konservativen Wahlrechts- und Volksfeinde entlarvt.(Lärm rechtS.) ■pir wußten das voraus, denn die l i b e r a l�e n K r o n p r i n z e n« Hoffnungen haben wir nicht geteilt. Im übrigen hat ja der Minister recht, wenn er sagt, daß nicht der preußische Miuistcr die preußische Politik macht, sondern ganz andere Leute. Er tut mir Aufrichtig leid, aber offensichtlich fühlt er sich in dieser unwürdigen Stellung wohl, denn er hat sich mit Haut-und Haaren den Konser- �toett verschrieben, in dieser Kastration-...(Stürmische Pfui- «ch» rechts.) Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung und macht ihn auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. Abg. Dr. Liebknecht bemerkt, daß die Deutung, die seinen Worten offensichtlich gegeben werde, natürlich Mißverständnis ist und fährt fort: Der helldunkle Octavio V.Zedlitz hat sich heute Dr. Pachnicke gegenüber als Prediger der politischen Ehrlichkeit und Offenherzigkeit aufgetan. Wenn etwas dazu beitragen könnte, die Sozialdemokratie zu über- zeugen, daß sie die Achse der ganzen deutschen Politik sei, so sind es die Ausführungen von den verschiedensten Seiten über die Sozial- demokratie. Mit vollem Recht zieht Dr. Pachnicke die Scheide- linie zwischen sich und uns. Wir würden es uns schön verbitten, mit der Volkspartei in einen Topf geworfen zu werden, da halten wir uns doch für ganz andere Kerle. Die Sozialdemokratie wird sich mit keiner Partei jemals verbünden, es handelt sich ja nur um das gelegentliche Vorgehen bei Stichwablen. Und da ist eS sehr Unvorsichtig, der Volkspartei Vorwürfe zn Machen, denn so fest wie der Do in zu Speyer, so fest steht die Tatsache des Wahlbündnisses des Zentrums mit den Sozialdemokraten und nach den jüngsten Erfahrungen in Württemberg und zahlreichen anderen Beispielen sollten auch die Konservativen sich nicht die Finger an der Frage der Stichwahltaktik verbrennen I (Abg. v. Pappenheim bestreitet, daß Konservative sich dieser Sünde schuldig gemacht haben.) Was nun Stendal anlangt, so kennen Sie gewiß alle den Wert sozialdemokratischer Stichwahlhilfe, aber davon, daß diese Herrn Wachhorst de Wente nur um seiner schönen Augen wegen gegeben würde, kann wahrscheinlich doch keine Rede sein.(Lachen rechts.) Wenn Herr Wachhorst unsere Unter- stützung will, so wird er unsere Bedingungen unter- zeichnen müssen und ein geheimnisvolles Techtelmechtel kann es da nicht geben, denn unsere Wähler wollen wissen, ob sie mit Recht oder Unrecht für ihn eintreten sollen. Da ich die Aufmerliamkeit von der wichtigen Rede des Ministers nicht ablenken möchte, begnüge ich mich damit, Dr. Pachnicke zu er- widern, daß er doch wissen muß. daß die Sozialdemokratie von einer Schwächung der Wehrkraft des Vaterlandes durchaus nichts wissen will. Das von uns angestrebte Wehrsystem an Stelle des militaristischen besitzt noch unserer und nach der Auffassung maßgebender mili- tärischer Autoritäten mindestens dieselbe Berteidigungskraft wie das gegebene militaristische System. Der Friedenswille des französischen Volks gegenüber Deutschland ist bei den letzten Kammerwahlen in elementarer Weise zum Ausdruck gekommen. Das französische Volk will keine friedensstörcnden Torheiten dulden, die gleiche Aufgabe haben wir. Die Aufnahme der Josephslegende von Richard Strauß und die des Kanzelredners Prinz Max von Sachsen in Paris sind weitere Symptome für das Bedürfnis nach Solidarisiernng der großen Kulturvölker und sie geben uns die allerbeste Zuversicht. Die- jenigen, die jüngst mit Herrn v. I a g o w im Reichstag konstatiert haben, daß unser Verhältnis zu Frankreich durch den Ausfall der französischen Wahlen sich günstiger gestaltet hat, haben eine tiefe Verbeugung vor dem inter nationalen Sozialismus gemacht und seine gewaltige Kraft zur Aufrechterhaltung deS Friedens anerkannt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Pachnicke unterscheidet zwischen„Radikalen� und „Revisionisten", wovon die letzteren statt des Umsturzes die ruhige Fortentwicklung bis zur Sozialisierung der Gesellschaft wollten. Indessen ist das der Gegensatz zwischen dem utopischen und dem wissenschaftlichen Sozialismus, der aus Grund des Studiums der historischen Entwicklung nicht an einen Umsturz, nicht an die Zertrüminerung vorhandener Werte, sondern an die innere Umgestaltung der Gesellschaft und die Nenschöpfung von Werten der Menschheit denkt. Angesichts der Zunahme der Sozial- demokratie und der sortgesetzten Stetgerung ihrer Macht haben die bürgerlichen Parieien und die Regierung nnr den einzigen Gedanken, wie sie die Macht der Sozialdemokratie zerschlagen können. Schon die erste Lebensäußerung-des jetzigen Reichskanzlers war die Sammlungsparole: „Ausbeuter aller Parteien, vereinigt Euch gegen die Sozialdemokratie!" Der zunehmende Einfluß der Altnationalliberalen, der scharf- macherischen Geldgeber in der nationalliberalen Partei, läßt Zedlitz, Heybebrand»nd den vielgewandren Erz- d e r g e r aus die Sammlung hoffen. Den Jungliberalen wird die Verpflichtung zum Selbstmord gelehrt— der Altnational- liberalismus hat die Herrschaft und Fuhrmann führt den Nationalliberalismus unwiderleglich in den Sumpf hinein. Wir sind gefaßt auf die Sammlung der bürgerlichen Parteien aus Furcht vor der Sozialdemokratie, gegen sie»nd die selbständigen Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterklasse. Da wundert uns die Rede des Ministers vor dieser„Volksvertretung" nicht. Hier ruht die gewaltige Macht der reaktionären Parteien, die außerdem noch die Verwaltung in der Hand haben und mit ihrer Hilfe alle Macht- mittel des Staates zur Niederwerfung des Volkes, wenn eS nicht so will, wie Sie wollen, bereit hält. Sie schwören nicht nur auf die Bibel, nicht nur aus eine Allmacht im Jenseits, sondern vor allem verlassen Sie sich aus die Realität der Bajonette, der Flinten und Kanonen. Sie rechnen darauf, die sozialdemokratischen Volksbefreiungsbestrebungen in einem Meer von Blut zn ertränken. Wir vergessen die Aufforderung nicht, die Herr v. H e h d e- b r a n d, als er über die unerträglichen sozialen Lasten klagte, auf unsere Frage, was denn sonst geschehen solle, an uns richtete: „Wenn Sie doch endlich Revolution machen würden!"(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das war das unbezahlbare Ein- geständnis, daß Ihre Macht nicht auf idealen Gütern, aus religiösen Prinzipien, auf dem Guten ruht, sondern daß Sie sich lieber an die Bajonette und Gewehre halten l Die Macht dieser Herren läßt eine solche Ministerrede wie die heutige erst möglich erscheinen und wir erkennen daraus, daß wir den Kampf ums Wahlrecht nicht gegen einen einzelnen Minister zu führen haben, sondern gegen die Macht der konservativen Partei hier und draußen und gegen das hinter ihr stehende Zentrum, das bei einer künftigen Wahlrechts- abstimmmung genau wieder so seine Leute abkomman- Vieren wird, wie beim letztenmal. Mit der Verweigerung der Wahlreformvorschläge schlägt die�Re- gierung selbst der Thronrede ins Gesicht.(Sehr richtig I b. d. Soz., Lärm' rechts.) Das Wählrechtsversprechen deS Königs soll mit dem einen gescheiterten Versuch erledigt sein. Wenn es sich um Wucherzölle, um Knebelung der Arbeiterklaffe handelt— da sind Sie beharrlicher! Besäße die Regierung die ernstliche Absicht, ihr eigenes Programm durchzusühreir. sie hätte Mittel und Wege genug. Aber sie hat nicht den Mut dazu, selbst nur daS geringfügige Programm jener Thronrede auszustähren. Die Regierung will warten, bis die Konstellation in diesem Hause günstiger geworden ist, in diesem Hause, in dem die Parteien herrschen, die die Volksfeindlichkeit auf ihre Fahne geschrieben haben.(Lärm recht?.) Im Namen des v r e u ß i i ch e n und' deutschen Volkes.(Die Konservativen protestieren lärmend gegen die Worte„des deutschen Volkes".) Auch das deutsche Volk außerhalb Preußen? empfindet die hier herrschenden Zustände als unerträglich und unmöglich, es ist nicht gewillt, die heutigen Zustände weiter zu ertragen(Lachen rechts) und eine Regierung zu ertragen, die den Bedürfnissen der Volks- woblfahrt und der Erweiterung der Volksrechte so wenig gerecht wird. Im Interesse des Deutschen Reiches kann dieser Zustand un- möglich fortbestehen. Das preußische Volk will sein Schicksal in die eigene Hand nehmen, eS wird den Kampf ausnehmen für die Verdeutschung PieußeuS, damit Deutschland endlich Deutsch« land sei» kann und nicht mehr Preußen- Deutschland sein muß. Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Abg. Dr. Friedberg(natl.) beschwert sich ebenfalls über Unfreundlichkeiten der Regierung gegen- über, dem Hause, fordert Steuereinschätzung durch hauptamtliche Steuerkommrsiare, verteidigt die schreibenden Generale und Admirale, wenn sie sich in den richtigen Grenzen halten, wünscht an den S ch« tz> zollen festzuhalten, auch an den Einfuhrscheinen und hält dem Zentrum und den Konservativen ihre Wahl- abkommen mit Sozialdemokraten und Weifen vor. Eine maßvolle Wahlreform ist nötig. Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit ist das einzige, das die vorzügliche preußische Per- waltung nicht ausreichend berücksichtigt. Moltke hat die Miliz abgelehnt. Dr. Liebknecht ist hellte als Evolutionist aufgetreten, bisher rochen seine Reden nach Petroleum. Auch die Krank- heil der Sozialdemokratie wird vom deutschen Volke überwunden werden.(Beifall.) Abg. d. Teampczynski(Pole) fordert den endlichen Ausgleich der Schullasten. Abg. Graf Moltke(fk.) hofft, daß der neue Minister niemglS den Beifall L i e bkn echt? erwerben werde. Dr. Liebknecht hat nicht daS Recht, im Namen des Volkes zu sprechen. Die weitere Polemik des Redners gegen die Sozialdemokratie bleibt unverständlich. Abg. Dr. v. Heydebrand(k.) (pricht dem Minister seine Zufriedenheit mit semer Wahlrechts- erklärung aus. In der Haltung der Regierung kann ja in so kurzer Zeit eine Aenderung nicht eingetreten sein. An dem letzten und festesten Wall gegen die Demokratie lasten wir nicht rütteln. Sie lönnen lange warten, bis Sie diesen Widerstand be- seitigen. Wir warten ab und haben die Hand am Schwerte. (Bravo! rechts.) Der Redner verdammt dann die Volkspartei wegen ihres Stichwahlabkommens mit der Sozialdemokratie und verteidigt die anderen Parteien, die mindestens einen so festen Pakt nicht ge- schloffen hatten. Er spricht dabei von dem angeblichen Abkommen im Dom zu Speyer.(Zurufe links: angebliche?) Ich bin nicht dabei gewesen.(Abg. Ad. Hoffmann: Das nächste Mal werden Sie eingeladen!— Stürmische Heiterkeit.) Das Zentrum ist eine selb- ständige Partei.(Zurufe links: und darf so etwas machen I). Nur vereinzelte Konservative haben sich vergangen und wir haben bcschloffen, solche Leute auszuschließen. Der Fall in Württemberg liegt vor unserem Beschluß. Weiß Dr. Pachnicke nicht, daß die Sozialdemokratie die Revolution will? Für einen solchen Kampf gegen die Sozialdemokratie, daß man ihr Mandate verschafft, danken wir. Die Volkspartei hat einen Vorstoß gegen die ganze bürgerliche Gesellschaft gemacht. Eine Realpolitik. die die eigne Partei zwischen rechts und links zerreiben läßt, verstehe ich nicht. Wir bedauern aber, daß eine Partei, die beffere Tradi- tionen hatte, jetzt solche Wege geht.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Herold(Z.)' hat ebenfalls die verletzende Ablehnung des Fahrkartenantrags unliebsam empfunden. Das Zentrum hat mit der Sozialdemokratie nie ein Stichwahlabkommen geschlossen.(Heiterkeit links.) Müller» Fulda schrieb an Bebel im Widerspruch mit der Fraktion. Nicht im Dom zu Speyer, sondern anderswo haben einzelne bayerische Abgeordnete, um eine Wahlreformmehrheit zu sichern, ein Abkommen mit Sozialdemokraten geschlossen. Das Zentrum steht intakt da (Gelächter links), die Volkspartei aber nicht. Der Redner ruft dann zur Sammlung der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie auf, lehnt als praktischer Politiker das Reichstagswahlrecht für Preußen ab, wünscht aber das geheime. Hoffentlich wahrt der Minister Parität bei der Be- setzung der Beamtenstellen.(Beifall im Zentrum.) Ein Schlußantrag wird angenommen.(Große Unruhe links.) Abg. Mugdan(Vp.)t Jetzt haben Sie bewiesen, daß Ihre Angriffe auf uns in sich zusammenfallen.(Lärm rechts.— Beifall links.) Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): weist eS zurück, daß Abg. v. Heydebrand ihm nachgesagt hak, er hätte behauptet, die Sozialdemokratie diene dem Frieden� im Wirtschaftsleben, während er gerade im Gegenteil dies bestritten und nur erwähnt hat, daß die Sozialdemokratie im Sinn des internationalen Friedens wirke. Abg. Ströbel(Soz.s:' Es ist eine beispiellose Unritterlichkeit, uns das Wort ab« zuschneiden, nachdem alle Redner sich gegen uns gewandt haben. Ich bin nun verhindert, die Ausführungen Herolds als Ausflüchte nachzuweisen an der Hand der Wahlabkommen Müller- Fulda, Sauermann, v. Bettinger. Gronowski und zahlloser anderer. Durch den Schlußantrag ist es mir auch unmöglich� gemacht, dem Abg. v. Heydebrand nachzuweisen. daß die Sozialdemokratie schon viel früher ein Verbot, für die Konservativen zu stimmen, erlaffcn hat, als umgekehrt seine Partei gegen uns. Der Debattenschluß richtet sich gegen die von allen Seiten angegriffene Partei mit der stärksten Wählerzahl, während die Partei mit den>v eiligsten Wählern zwei Redner hatte.(Sehr toahr! links.) So wird in der für Deutsch- land und Preußen wichtigsten Frage hier vorgegangen! Wir sitzen manchmal bis 7 Uhr abends hier, heute aber nrntz um 4 Uhr Schluß sein, weil Sic eine Pflugmotorenfabrik besichtigen wollen. Die 20 Autos, die dafür schon bereitstehen, können warten— da» preußische Volk aber kann auf das Wahlrecht keine Stunde länger warten.(Lachen rechts.) An einem geradezu historischen Tag haben Sie das Recht des Volkes niedergetreten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Höhnischer Beifall rechts.) Abg. v. Pappenheim(k.)'____ behauptet, daß den Sozialdemokraten gegenüber die Redefreiheit in der loyalsten Weise gehandhabt werde. Hier kommt e» nicht auf die Wählerzahl, sondern nur auf die Fraktionsstärke an.(Beifall rechts.) Abg. Ad. Hoffinann(Sozi; Ohne Rücksicht auf das, was die kommfnbeN Redner sagen würden, haben Sie schon um 3 Uhr festgesetzt, daß um 4 Uhr ge- schloffen wird. So wird in diesem Hause vorgegangen, in dem 20 Personen Gesetze machen können, weil sich die Beschlußunfähigkeit nur bei einer namentlichen Abstimmung kon- statieren läßt, die von bO Mitgliedern beantragt sein muß. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) bedauert, daß dem Abg. S t r ö b e l die Gelegenheft abgeschnitten ist, die Behauptung des Grafen Moltke, Liebknecht sei ein blutiger Revolutionär, und die Dr. Friedbergs, Liebknecht sei ein ganz gciniitlichcr Evolutionist, einander gegenüberzustellen. Vielleicht gibt sich ein andermal die Gelegenheit, den Herren eine Spur von Verständnis für das Wesen der Sozialdemokratie bei» zubringen. Herr v. Heydebrand, der von der Hand am Schwerte sprach, steht vorläikfig in der Angst vor der Sozialdemo- kratie mit der Hand am— Schlußantrag da. Abg. Haeuisch(Soz.) bemerkt gegenüber Dr. Pachnicke, stets auf dem linken Flügel de« Sozialdemokratie gestanden zu haben. Dienstag, 11 Uhr: Einzelberatung.— Schluß 4%' Uhr. Der Internationale Sozialisten» kongreß. Wien, 18. Mai. Am Donerstag abend fand im großen Saal des Favoriten« Arbeiterheims eine überaus zahlreich besuchte Versammlung der gewerkschaftlichen und politischen Vertrauensmänner Wiens statt, welche sich mit den Vorbereitungen zum Internationalen Sozia» listen- und Gewerkschaftskongreß beschäftigten. Die BersammlrmG wurde vom Genossen Wgesrdneten Breischneider eröffnet. Zu Vorsitzenden wurden Heinrich Beer und Pölzer gewählt. Genosse Dr. Viktor Adler gab einen historischen Rückblick, in dem er aus- führlich das Werden und Wirken der alten Internationale, ihre Er- folge und Kämpfe schilderte. Die neue Internationale, deren fünfundzwanzigjähriges Jubiläum in diesem Jahre wir begehen. werden wir Ende August in Wien begrüßen können. Daß der Empfang sowohl der Internationale als auch dem österreichischen Proletariat würdig sei. ist eine unserer vornehmsten Aufgaben. Für das vorbereitend« Komitee erstattete Friedrich Adler das Referat. Er berichtete über die Schwierigkeiten der Lokalfrage. Trotzdem der Kongreß im großen Musikvereinssaal, der zu den größten Sälen Wiens zählt, seine Sitzungen abhalten wird, ist es doch nicht möglich, dem Wunsche aller der Genossen, die als Gäste am Kongreß teilzunehmen wünschen, zu entsprechen. Es ist daher eine Reihe von Veranstaltungen in den Kongretztagen in Aussicht genommen, welche die Delegierten der Internationale mit den Wiener Arbeitern in Verbindung bringen sollen. Zum Empfang der Internationale wird ein großer Demonstrationszug der Wiener Arbeiterschaft veranstaltet, an den sich Massenversammlungen an- schließen, in denen die bedeutendsten Vertreter der sozialistischen Internationale das Wort ergreifen werden. Außerdem sind in der Kongreßwoche eine Reihe Volksversammlungen geplant. Ferner soll ein Wiener Volksfest zu Ehren der Delegierten gegeben werden. Die Arbeitersängervereine Wiens werden die fremden Gäste mit einer Probe ihrer Kunst in einem großen Konzert erfreuen. Unsere Genossen„Naturfreunde" werden dem Kongreßkomitee behilflich sein, um den Delegierten nach dem Abschluß des Kongresses die landschaftlichen Schönheiten der Umgebung Wiens zu zeigen. Es ist somit eine Reihe von Vorbereitungen im Gange welche sowohl der politischen Demonstration dienen sollen, als andererseits auch für einen möglichst angenehmen Aufenthalt der Delegierten Sorge tragen werden. Nach der Erstattung dieses Berichtes sprachen noch Abgeordneter Domes für die Gewerkschaften und Abgeordneter Winarsky für die politische Organisation Wiens. Winarsky teilte der Vertrauens- männerversammlung m>it. daß der Stadtrat die Ueberlassung der Fcsthalle des Rathauses für die Kongretzveranstaltungen verweigert hat. Für die Frauenorganisation sprach die Genossin Boschek, die auf die Bedeutung der internationalen Frauenkonferenz, die vor dem Kongreß stattfindet, hinwies. Nach einem Schlußwort Viktor Adlers wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung der gewerkschaftlichen und politischen Ver- trauensmänner Wiens von, 14. Mai nimmt den Bericht über die Vorarbeiten über den Internationalen Sozialistenkongreß in Wien zur Kenntnis, bestätigt das vom Partcivorstand, der Ge- werkschaftskommission und dem Wiener Vorstand eingesetzte Kon- greßkomitee als definitives, ist eiiwerstanden mit der in Aussicht genommenen Aufteilung der Kongretzkosten auf die Reichspartei. die freien Organisationen der Gewerkschaften und die Organi- sation Wien und erklärt, daß die Arbeiter Wiens alle Kraft ein- setzen werden, um den Empfang der Gäste aus der Internationale zu erhebender Kundgebung der sozialistischen Solidarität zu ge- stalten. Es wurden eine Anzahl Komitees eingefetzt. Alle Zuschriften in Kongreßangelegenheiten sind an folgende Adresse zu richten: Kongretzkomitee. Wien, V. Rechte Wienzeile Nr. 97. Ms öer Partei. Der sozialdemokratische Kreiswahlverein Greifswald- Grimmen hielt am Sonntag, den 17. Mai, seine Kreisgcneral- versammlung in Greifswald ab. zu der Delegierte aus den sechs größeren Orten des Kreises erschienen waren. Es wurde ein An- trag Wolgast angenommen, den Vorort des Wahlvereins von Wolgast nach Greifswald zu verlegen, weil von dort aus eine bessere und bequemere Agitation im Wahlkreise betrieben werden kann. Ferner wurde der Zuschuß für die Bildungsausschüsse von 5 auf 8 Proz. der Einnahmen erhöht. Den größten Raum der Tagung nahm die Besprechung über die bessere Ausgestaltung und Verbreitung des Parteiorgans ein. Gebildet wurde eine vier- gliedrige Kommission, die mit der Kommission des Wahlkreises Straliund-Franzburg-Rügen die einleitenden Schritte zur Heraus- gäbe einer Parteizeitung für Vorpommern unternehmen soll. Ter sozialdemokratische Verein für die Reichstagswahlkreise München I und II konnte im Berichtsjahre 1913/14 trotz der wirtschaftlichen Krise eine Miigliederzunahm« von 163 buchen. Der Mitgliederstand beträgt gegenwärtig 18 348, und zwar 16 2(16 männliche und 2311 weibliche Mitglieder. Die Einnahmen aus MitgliederbeitrSgen betragen 66 371,20 M. Die„Rote Woche" zeitigte ein zufriedenstellendes Resultat, eS wurden 1692 neue Mitglieder für die Partei und 3887 neue Abonnenten für die Parteipresse gewonnen. Der glänzende Verlauf der Frauentage 1913 und 1914 bewies, daß die Frauen selbst beginnen, an dem Befreiungskampfe des Proletariats wirksam mitzuarbeiten. Mit Befriedigung konstatiert der Bericht die EntWickelung der Jugend- sektion(18— 23jährige). Am 1. Januar 1914 konnte das 2öjährige Gründungsiubiläum des Sozialdemokratischen Wahlvereins München begangen Werden. Ein neuer Kämpfer. Am russischen 1. Mai hat die Petersburger Gerichtskammer laut provisorischen Beschluß die Herausgabe der„Nordischen Ar- bciterzcitllng", des Organs des durch das Organisationskomitec vereinigten Teiles der Sozialdemokratie Rußlands, inhibiert. Aber schon am folgenden Tage erschien als Nachfolgerin des unter- drückten Blattes„Unsere Arbeiterzeitung", die mit frischem Mut für die gefallene Vorgängerin in die Bresche tritt. Tie erste Nummer des neuen Blattes bringt an ihrer Spitze folgenden„Nekrolog" zum Tode seines Vorgängers: Von 38 Nummern der„Nordischen Arbeiterzeitung" wurden 18 kon- fiszicrt, wobei die Redakteure jedesmal zur gerichtlichen Ver- antwortung gezogen wurden. 9 Nummern wurden mit einer Strafe von 4200 Rubel oder 25a Monaten Gefängnis belegt. Jede erichienenc Nummer kostete also dem' verantwortlichen Redakteur 1 1 14 Tage Gefängnis. Insgesamt verfielen 27 Nummern oder 40 Proz. aller erschienenen Nummern den behördlichen Ver- folgungen._ polizeiliches, Gerichtliches usw. Wieder eine staatsgefährliche rote Kranzschleife. Ein Genosse in Lehe wurde, weil er bei einer Beerdigung das Tragen eines mit roter Schleife versehenen Kranzes geduldet hatte, als„Veranstalter eines nicht genehmigten öffentlichn Auf- zuges" zur Verantwortung gezogen. Das Seher Schöffengericht verurteilte den Genossen zu 10 M. Geldstrafe. TaS Verbot der Konfirmandenfeiern für ungesetzlich erklärt. Die Bezirksschulinspektion in Zittau, der dortige Stadt- rat und die Amtsbaupimannschaft hatte in einer Verordnung vom 28. März d. I. die Veranstaltung von Konfirmandenfeiern ver- boten. Die Bezirksschulinspektion stützte sich auf Z 5 des sächsischen Volksschulgesetzes und drohte mit 60 M. Geldstrafe, und die beiden mitunterzeichneten Behörden setzten diese Strafe auf ISO M. fest. Tatsächlich fand am 29. März in Seifhennersdorf i. Sa. eine Feier für die Schulentlassenen statt. Daraufhin wurden einige Genossen mit Strafmandaten bis zu 30 M. bedacht, gegen welche sie richterliche Entscheidung anriefen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht Großschönau stützte sich der Ver- t eidig er im wesentlichen darauf, daß die in Frage kommende Verordnung dem Reichsvereinsgesetz zuwiderlaufe. Die Veran- staltung sei vom Gewerkschaftskartell getroffen worden. Man neige ja dazu, solche Veranstaltungen als politisch zu beurteilen. Es liege aber bis jetzt noch kein Urteil des sächsischen Oberlandes- gerichts vor, wonach die Gewerkschaften für politisch erklärt würden. Das Gericht trat dieser Auffassung bei. Die Angeklagten wurden freigesprochen, weil die Verordnung dem Vereins- gesetz widerspreche. Soziales. Das Land der Strafen. Der im Februar veröffentlichten Zusammenstellung über die Zahl der Strafgefangenen in den dem preußischen Justizminister unterstehenden Gefängniffen läßt der„Reichsanzeiger"(Nr. 110) nun die Angaben über Zu- und Abgang von Insassen der dem Ministerium des Innern in Preußen unterstehenden Zuchthäuser und größeren Gefängnisse folgen. Dabei wird die stetige relative Verminderung der Kriminalitätsziffer stark betont. Seit 1902 ist die Zahl der zu Freiheitsstrafen Verurteilten„also auch absolut erheb- lich gesunken, von 278 448 im Jahre 1902 auf 259 037 im Jahre 1910 und 238 337 im Jahre 1911. Am stärksten zeigt sich die Ab- nähme bei den Verurteilungen zu Zuchthaus, die von 13 417 mit einer Kriminalitätsziffer von 42,3 im Jahre 1882 auf 7654 mit einer Kriminalitätsziffer von 16,6 im Jahre 1911 oder um 60,8 Proz. gesunken ist." Trotzdem und alledem: die Zahl aller Bestraften ist absonderlich groß. Tieffinnig bemerkt der.Reichsanzeiger": „Immerhin ist nach einer sehr sorgfältigen statistischen Er- Hebung de? Geheimen Regierungsrats Dr. Finkelnburg im Deutschen Reiche jede 6. männliche und jede 23. weibliche Person wegen Verbrechens oder Vergehens gegen ReichSgesetze bestraft. Die Verurteilungen wegen Uebertretung und Verletzung der landesrechtlichen Strafgesetze find hierbei außer Betracht ge- lassen", lieber die Ursachen des Strafrekords wird nichts verraten. Dagegen werden wir gründlich darüber ausgeklärt, welche Ursachen der Rückgang der Kriminalitätsziffer zugeschrieben werden könnte. Ausdrücklich wird hervorgehoben, daß im Hochkonjunkturjahr 1907 die wenigsten Verurteilungen zu Zuchthausstrafen erfolgt seien. Dann heißt es weiter:„Wieviel zur Abnahme der Verurteilungen zu Freiheitsstrafen die günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Berichtsjahre, wieviel dazu eine Steigerung des Rechtsgefühls in den breiten Schichten des Volks oder der gegen Freiheitsstrafen gerichtete Angriff der neuen Strafrechtsschule beigetragen hat, mag dahingestellt sein." ES wirkt zu lächerlich, als daß man sich empören könnte, wenn der„Reichsanzeiger" dem Rechtsgefühl des Volkes eine Zensur erteilt, während die Rechtsprechung das RechtSgesühl des Volkes Tag für Tag von neuem beleidigt. Tausende von Be- strafungen stehen mit dem Rechtsgefühl in schreiendem Widerspnrch, sie sind der Ausdruck einer Klassenjustiz, die oft genug auch daS formale Recht unzweideutig vergewaltigt. Fast mutet es an, als wollte der„Reichsanzeiger" sich selbst und die deutsche Strafpraxis verulken, indem er folgendes Bild entwirft: „In den dem Ministerium des Innern unterstehenden Ge- fängniffen findet sich ein buntes Gemisch von Menschen zusammen: vorwiegend mit längerer Gefängnisstrafe Belegte, daneben zu ein- facher oder geschärfter Haft Verurteilte, Polizeigefangene, Unter- suchungsgefaugene, auf Transport Befindliche und hin und wieder auch ein Schuldgefangener. Noch bunter erscheint das Gemisch, »venu man ihre soziale Stellung betrachtet. Da ist der alte im Verbrechen Ergraute, dem nur wenige im Strafgesetzbuch ver- botene Handlungen fremd sind, der die ganze Skala der Strafen, abgesehen von der Festungshaft, durchlaufen hat. der nach ver- schredenen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen wieder ins Gefängnis verschlagen ist; der erstmals bestrafte Körperverletzer und der gewohnheitsmäßige Rowdy, der Hochstapler und der Preßsünder. der Bettler und der Betrüger, der Hunderttausende unterschlagen und vergeudet hat, der Zuhälter und der kleine Dieb, die Dirne und das Dienstmädchen, das im Kleide seiner Herrin zum Tanze gegangen ist, die Kupplerin und die Witwe, die für ihren Jungen, der hinter die Schule gelaufen ist, eine Strafe ab- sitzen muß. Ebenso bunt ist die Gesellschaft der UntersuchungS- gefangenen..." Es ist zweifellos die Krone der Strafpraxis, eine anne Mutter ins Gefängnis zu stecken, weil ihr Bub, den zu beaufsichtigen, die Frau der Erwerbsarbeit nicht gestattet, die Schule schwänzte. Und wie schön macht sich die Verbindung von Hochstapler, Preßsünder und Bettler l Und weiter die von Dienstmädchen und Dirne!— Die Gesamtzahl der in den Gesängnisjen der Verwallung des Inneren Verwahrten betrug am Anfang des Berichtsjahres 1912/13 9771 männliche und 970 weibliche, am Schlüsse 9853 männliche und 956 weibliche Gefangene. Die Zahl der Zuchthausgefangenen stieg um 154 auf 4538. Der tägliche Durchschnittsbestand in sämtlichen Strafanstalten betrug im Jahre 1911/12 21383, darunter 1839 weib- liche Personen, 1912/13 21 927, darunter 1733 weibliche Personen. Wenn die offizielle Jugenderziehung in der sogenannten Jugendwehr erst ihre Früchte zeigt, dann hebt sich die Frequenz vielleicht. An« zeichen dafür find schon vorhanden. Und die Gefängnisse müßten auseinanderbersten, wollte man alle offiziell gemocbten und aus- gehaltenen Spitzellumpen und verbrecherischen Streikbrecher hinein- pferchen. Mus aller Velt. Irrfahrten auf hoher See. Wie ein Telegramm aus Montreal'meldet, sind nach vierzehntägigem Umherirren auf hoher See noch einige Leute des am 3. Mai verbrannten Dampfers„Columbian" gerettet worden. Eine drahtlose Nachricht des Kutters„S e n e c a" meldet, daß er das d r i t t e B o o t des Dampfers aufgefunden habe. Fünf Mann der Besatzung seien noch am Leben. Elf Mann hätten den Tod durch Erfrieren erlitten und seien ins Meer geworfen worden. Die Ueberlcbenden sind der erste Offizier, drei Matrosen und ein Heizer. Das Boot wurde in der Nähe der Küste von Neuschottland unter 43 Grad 25 Min. nördlicher Breit« und 59 Grad 30 Min. westlicher Länge gesichtet. Die Ueberlebenden waren geistig und körperlich völlig erschöpft. Aehnliche Strapazen hatte die Mannschaft de? Dampfers „E a i r n h i l l" zu überstehen. Der Dampfer, der sich auf der Fahrt von Nauru und Sidneh nach Stettin befand,«ckvtt am 31. März bei Neuirland den Bruch einer Welle. Die Mann- schaft blieb acht Tage auf dem Schiff. Als man keinem anderen Schiff begegnete, verließen 15 Weiße und 19 Chinesen das Schiff im offenen Boot und erreichten nach vielen Strapazen Rabaul im Bismarckarchipel. Tie australische Regierung wurde ersucht, ein Kriegsschiff auf die Suche nach der„Cairnhill" auszu- senden, auf der sich noch der Kapitän und vier andere Offiziere befinden, die das Schiff nicht hatten verlassen wollen. Raubmord i« Hamburg. Ein Kavitalverbreckien wird aus Hamburg gemeldet. In der Gastwirtschaft von I e n d r ü ch e in der Michaelisstratze wurde heute mittag das sechzehnjährige polnische Dienst- mädchen Stanislawa B a b a ß aus Schulau an der Elbe nnt einer Stichwunde, die niit einein Schlachtmesser beigebracht ist, ermordet aufgefunden. Wie die hinterlasseneu Spuren ergeben, hat zweifellos ein Kainpf stattgefunden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Raubmord; es war bekannt, daß das Mädchen bis Mittag stets allein war. In der Wirtschaft Verkehren hauptsächlich Russen, Galizietz und Polen. Automobilkatastrophen. In der Nacht zum Sonntag fuhr aus der Möserhöhe bei Burg der Chauffeur Hofmeister aus Burg mit einem geliehenen Automobil auf der Fahrt nach Magdeburg gegen einen Baum und wurde lebensgefährlich verletzt. Von den übrigen In- lassen erlitt der Artillerist Noack Schnittwunden im Gesicht und an den Händen, während zwei Sergeanten des Magdeburger Artillerie, regiments mit leichten Verletzungen davonkamen. Auf der Laugszargener Chaussee bei Tilsit geriet Sonntag abend ein Kraftwagen beim Ausweichen vor einem Rad- fahrer in den Chausseegraben undüber schlug sichzweimast Von den Insassen wurde eine Frau K l e i n g e t ö t e t, ein Monteur lebensgefährlich und die drei Kinder des ShepaareH Klein teilweise leicht verletzt. Klein selbst blieb unverletzt. Touristendrama in den italienischen Alpen. Ein tragisches Unglück hat sich am Sonntag bei der Befteiguvg des G r i g n a ereignet. Vier junge Leute aus Mailand hatten ohne Führer die Besteigung des Berges unternommen. Drei von ihnen. die mit Seilen aneinander gebunden waren, stürzten eine 200> Meter tiefe Schlucht hinab und wurden unten z e r, s�ch m e t t e r t. Die Opfer sind der Ingenieur M i a z z a, der Student V e n t u r o l i und der Werkmeister D e v e c ch i o. Der vierte Teilnehmer, ein Ingenieur F a s a n a, konnte ihre Leiche» nur mit größter Mühe erreichen und dann absteigen, um eing Expedition zur Bergung der Verunglückten herbeizuholen. Wenn junge Leute lieben... In L e x i n g t o n im Staate Kentucky spielte sich am Sonntag ein Liebesdrama auf offener Straße ab. Zwei 17jährige junge Leute, die in eine hübsche junge Dame verliebt waren, standen seit längerer Zeit auf dem Kriegsfuß, weil jeder den anderen von der Angebeteten bevorzugt glaubte. Gestern nun fand ihr Liebeskrieg einen blutigen Abschluß, als sie beide auf der Straße ihrer Er- wählten begegneten. Sie gerieten in einen Wortwechsel, der schließ- lich in Tätlichkeiten ausartete. Beide zogen ihre Revolver und feuerten in blinder Wut aufeinander los, bis sie beide tödlich verletzt die Straße bedeckten. Die betreffende Dame selbst hatia vordem keine Ahnung, daß es so um die beiden Jünglinge standl Das Traurigste an dem blutigen Drama aber ist, daß hie Frau! um derentwillen dos Blut zweier Menschen floß— verheiratet war. Kleine Notizen. Wahnsinnstat einer Muttex. In G o s s a u(Kanton St Gallens bat eine jüngere Frau im Wahnsinn ihre drei Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren ertränkt. Ein geglückter Fallschirmabsturz. Auf dem französischen Flua- felde von Z! e V e r s unternahm Frau Cayat de Castella einen gelungenen Versuch mit einem von ihrem Gatten erfundenen neu- artigen Fallschirm, mit dem sie aus einer Höhe von 800 Meter von einem Doppeldecker absprang und nach einigen Sekunden wohlbehalten landete. � Schwerer Unfall in einem französischen Steinbruch.-Fn einem Steinbruch zw.ichen Tardre und Lyon wurden durch e>n?n herab- schwerverletzt Arbeiter getötet und Zwei Boatsnnglück i» Frankreich. Bei Sennes kenterte auf de» »oncefluß ein mit sieben Artilleristen besetztes Boot. Z w c{ der Jn(a,ieii ertranken." w. s;Sm»„ruTa8 sä» ,atzuilg werden vier Mann vermißt«on oer Ein betrügerischer Millionär. Wie aus New Dork«meldet Z-»? ,-1?-»»« Gr.Malfest der„Gottlosen" am Donnerstag, den 21. Mai, nachm. 3 Uhr, in den Räumen der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 13-23. - Eintrittspreis 30 Pf.■ Mxvmtwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für de» Inseratenteil verantw.: Th.Glackr, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsan!tal�au�snger�������� Tein groñes Geficht feine hohe t Schiebungen. Briefkasten der Redaktion. Ob bielleicht nie zur Entdeckung gekommen, wenn nicht der Zufall zu zu sehen. Er fertigte eine unrichtige Aufstellung der Mieterträg-| Buitellung des Urteils ab gerechnet. Das Urteil wird dem Anwalt Hilfe gekommen wäre. Der Junge war von seiner Mutter aus- niffe an und gab auch verschiedene Dinge über Belastung usw. an, zugestellt; falls ein solcher nicht bestellt, der Partei direkt. geschickt worden, Mehl zu holen und hatte ein größeres Geldstück die sich später als falsch erwiesen. Es gelang ihm nun auch, von eine Berufung Aussicht auf Erfolg hat oder nicht, lägt sich ohne Stenntnis des erstinstanzlichen Urteils nicht sagen. 2. M. 10. Sa. mitbekommen. Als er das übrige Geld ablieferte, sah die Mutter, einem Kaufmann R. eine Summe von 45 000 M. zu erlangen, 1001. 1. Rein. 2. Ueberflüssig, da an den Haushaltungsgegenständen daß er eine Mart zuviel hatte, und in die Enge getrieben, gestand für die eine zweite Hypothek eingetragen wurde. Später stellte die Verwandten ein Erbrecht nicht haben. 3. Die Verwandten der Frau der Junge ein, woher das Geld stammte. Frau S. benachrichtigte es sich heraus, daß das Grundstück bis über den Schornstein be- würden für den Fall, daß dieje linderlos verstirbt, die Hälfte zu beanspruchen sofort die Polizei, die den gefährlichen Jugendverführer dann in lastet und die zweite Hypothet deshalb so gut wie wertlos war. haben. 4. Die Berwandten des Mannes würden, wenn dieser vorverstirbt, feiner Wohnung verhaftete. Der Staatsanwalt beantragte neun Das Gericht verurteilte den Angeklagten dem Antrage des Staats- bon dem hier genannten Betrage ebenfalls die Hälfte verlangen können. Sonstige Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf drei Monate Ge- anwalts gemäß zu sechs Monaten Gefängnis. 5. Wenn es sich um Haushaltungsgegenstände handelt, nein. Nach laßgegenstände gehen ebenfalls für den Fall der Kinderlosigkeit zur fängnis. Hälfte an die Verwandten des verstorbenen Teils, wenn dieser die Sachen angeschafft hat. Handelt es sich um Kleidungsstücke, Leibwäsche und Schmudgegenstände der Frau und stirbt diese vor dem Manne, so haben auch die Berwandten der Frau diese Gegenstände je zur Hälfte zu beanspruchen. 5. Nur durch leztwillige Verfügung. Falls diese beim Notar Die furistische Sprechstunde findet 2indenstraße 69, vorn vier Treppen oder Gericht errichtet wird, entstehen Kosten, deren Höhe sich nach der Höhe Fahrstuhl, wochentäglich von 4½ bis 7½ Uhr abends, Sonnabends, des Objekts richtet. Ein Testament kann auch durch eigenhändige mit Drisvon 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage bezeichnung, Datum und Unterschrift versehene Niederschrift errichtet werden. ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort M. P. 36. Fordern Sie den Schuldner nochmals unter Segung Wegen Betruges war der Staatermeister Hermann Herzberg wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, einer Frist zur Einlösung auf unter der Drohung, daß nach Ablauf der angeklagt. Der Angeklagte, der mehrfach vorbestraft ist, unter werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Frist eine Bersteigerung erfolgt. Berstreicht die Frist erfolglos, so tonnen anderem hat er auch schon eine mehrjährige Zuchthausstrafe hinter J. R. 34. 1. Nein. 2. Ein Antrag wäre bei dem Gemeindevorstand- Sie alsdann bei der Berteilungsstelle des Amtsgerichts die Versteigerung sich, ist Eigentümer eines Grundstücks in der Ufnaustraße in in Städten beim Magistrat einzubringen. 3. Davon ist uns nichts be- veranlassen. 5. S. 48. 1. u. 2. Unseres Erachtens hat der Beamte Charlottenburg, welches durch eine erststellige Hopothet schon ziem- tannt. 7. 11. 73. 1. u. 2. Ja. Gerechtigkeit. Sie haben einen pflichtwidrig gehandelt. Es kann bei dem Polizeipräsidium Beschwerde ge lich hoch belastet war. Als er im vergangenen Jahre in Geld- Erbanspruch nach österreichischem Recht. Wir stellen anheim, sich mit der führt werden. 3. Der Droschkentutscher fann von dem Auftraggeber Zahlung bedrängnis geriet, fuchte er eine zweite Hypothet aufzunehmen. Wiener Arbeiterzeitung" in Berbindung zu sehen. Bayer, Fulda. verlangen. Dieser hat einen Ersatzanspruch nur an den Transportierten. R. 34. 1. und 2. Nein. 101. Deutscher Metallarbeiterverband, Linien Bei der augenblicklichen, überaus schwierigen Lage des Hypotheken- Sie können bei dem Borfizenden der Veranlagungskommission in Schöneberg Berta 10. Auf der Redaktion sind die Abonnenten nicht marktes gelang es ihm nicht, einen Geldgeber aufzutreiben. Bei Erlag der Steuer für das Quartal Januar bis einschließlich März 1914 be- ftraße 83/85. antragen. G. N. 31. Der Pfarrer tann die Taufe ablehnen. Boll- verzeichnet. Vielleicht erfahren Sie die Adresse beim Spediteur Hähnisch, den Versuchen, eine zweite Hypothek zu erlangen, wurde er auch sieht er die Taufe, so haben Sie eine Steuerpflicht nicht. 23. G. 103. Müllerstraße 34 a. Falls dort nicht bekannt, müßten Sie sich an das Einmit Leuten bekannt, die man mit dem Namen„ Schieber" bezeichnet. Bu erfahren beim ersten Vorsitzenden Mag Sellheim, Berlin, Naunynftr. 2. wohnermeldeamt( Polizeipräsidium), Alexanderplab, unter Angabe der Pers Offenbar von diesen beeinflußt, tam Herzberg auf den Gedanken, Sch. Nr. 100, Weserstraße. Auch die im Auslande lebende Partei fonalien wenden. Schimmelpfennig. 1. Hat sehr geringen Nährs. fich mit Hilfe eines Schwindlers in den Bejizz der Hypothekensumme hat das Berufungsrecht. Die Berufungsfrist beträgt einen Monat, von der wert. 2. Ohne mir etwas zu sagen. 3. Das versichere ich Dir. In die Geschäftspraktiken der Bau- und Hypothefenschwindler leuchtete eine Verhandlung hinein, die unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Hesse die 2. Straffammer des Landgerichts III beschäftigte. Blutarme u. Kranke Todes- Anzeigen Sonnabendnacht 12% Uhr verschied nach kurzem Leiden mein lieber Mann, treusorgender Bater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Dntel Friedrich Krüger im 53. Lebensjahre. Die zeigt tiefbetrübt an Marie Krüger nebft Kindern, Sorauer Str. 18. Beerdigung: Mittwoch, den 20. Mai, von der Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus. 109A Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 191 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Friedrich Krüger Sorauer Str. 18 gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. Mai, nachmittags 31 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Friedrichs felbe aus ftatt. 7 Frankfurter Viertel. Bez. 283 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Zementierer Hermann Reichwehr Strautstr. 51 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 111 Mittwoch, den 20. Mai, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand, Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. 20. Abt., Bezirk 797. Am Sonnabend, den 16. Mai, perstarb unser Genosse, Handlungsgehilfe der Otto Roick Reinickendorfer Str. 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. Mai, nachmittags 3 Uhr, in Hohenneuendorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 227/18 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Kreis Niederbarnim. Bezirk Reinickendorf- Oft. Am Sonnabend, den 16. Mai, verstarb unser Genosse Gastwirt Emil Panten Provinzstr. 94/95. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 3%, Uhr, auf dem Reinidendorfer GemeindeFriedhof in der Humboldtstraße itatt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. 241/4 Sozialdemokratischer Wahlverein Charlottenburg. Nachruf. Siermit zur Nachricht, daß unfer Mitglied, der Schloffer Karl Müller Am Bahnhof Bestend in Leipzig verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. 250/17 trinken während der Rekonvaleszenz feurig, süßen Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 16. Mai verstarb unsere Parteigenoffin Gertrud Prillwitz Kottbuser Damm 100, 1. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! am Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde- Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. V. a. G. Hamburg. Filiale Baumschulenweg. Am 16. d. Mis. verstarb unser Mitglied Max Doering. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 19. Mai, nach: mittags 4 Uhr, von der Leiden halle des Gemeinde- Friedhofes, Stiefholzftraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 118/14 Der Vorstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 74/8 Emil Panten früher Heidenfeldstr. 11( Bezirk 3) im Strantenhaus zu Reinidendorf verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachm. 3%, Uhr, auf dem Reinidendorfer GemeindeFriedhof, Humboldtstraße, statt. Die Ortsverwaltung. Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 17. Mai der Kollege Rabizputer Hermann Reichwehr am im Alter von 56 Jahren an Gallensteinleiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. Mai, nach mittags 3 Uhr, von der Halle des Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sonnabend früh 6%, Uhr ent schlief nach furzem schweren Leiden mein innigftgeliebter, unvergeßlicher Mann, unser guter, für sorgender Bater, Bruder, Schwager und Ontel, der Gastwirt Emil Panten im 45. Lebensjahre. 2134b Um stille Teilnahme bitten die tiestrauernden Hinterbliebenen Franziska Panten nebft Kindern. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachm. 3%, Uhr, auf dem Reinickendorfer Gemeinde Friedhof, Humboldtstraße, statt. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz licher Teilnahme bei der Trauerfeier meines lieben Mannes, unseres guten Baters 123A Friedrich Meyer fagen wir allen Berwandten und Bekannten, insbesondere dem Transportarbeiterverband, den Kollegen der Turbinenfabrit, dem Bezirk 712, 6. Kreis, unseren besten Dant. Lina Meyer nebst Sohn. Santa Lucia Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Karl Hetzel fagen wir allen Beteiligten, dem Wahlverein und dem Deutschen Holzarbeiterverband unseren herzlichsten Dant. 123A wwe. Berta Hetzel und Kinder. Herzlichen Dank lagen wir allen für die liebevollen Beweise herzlichster Teilnahme und die reichen Blumenspenden bei der Beerdigung unseres teueren Entschlafenen, insbesondere dem Wahlberein Köpenid, dem Fabritarbeiterverband, der Arbeiterjugend, den Mitarbeitern und Kollegen der A.E.G. Abt. Feine Drahtzug. Die trauernde Witwe.80A Anna Heinrich. Familie Wilhelm Guddat. Allgem. Ortskrankenkasse für Berlin- Steglik. Bekanntmachung. Die Bertreter der Arbeitgeber und Berficherten im Ausschuß werden hiermit zu der am Dienstag, den 26. Mai 1914, abends 8, Uhr, im Restaurant Albrechtshof, Albrechtstraße la hier, stattfindenden Ausschußsizung eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl des Borsitzenden des AusSchuffes. 2. Abnahme der Rechnung des Jahres 1913. 3. Sagungsänderung betr. Ermäßi gung der Beiträge für Dienstboten auf 3, vom Hundert des GrundJohns. 274/4 4. Berschiedenes. Berlin- Steglit, den 18. Mai 1914. Der Voritand. Emil Schulze, Borsigender. 1 Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante Stärkungs- Fl. 1.50 Nachahmung bitte zurückzuweisen. Rotwein u. 2. Käufl. in Apotheken, Drogerien u. Delikat.- Gesch. Leichte Sommer- Kleidung Wasch- Joppen........ 90 Pl. Lüster- Jacketts.... 3.Pikee- Westen....... Knab. Wasch- Anzüge von 80 Knab.- Wasch- Hosen von 30 Pl 2.25 BAER SOHN Pf. an Spezialhaus größten Maßstabes für Herren- und Knaben- Kleidung Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Str. 20 : Berlin: 11 Brückenstraße 11 Gegr. 1891 Schöneberg, Hauptstr. 10. 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Nach dem Geschäftsbericht des Vorstandes war der Geschäftsgang in der Steinindustrie in den letzten beiden Jahren recht schwanlend, im letzten Halbjahr sogar schlecht. Die Sandstein. industrie leide unter dem forgesetzten Druck des Kunststeins und Eisenbetons, die Granitschleiferei und Denkmalsbranche unter moderner Kunstrichtung und schikanösen Friedhofsverordnungen. Die Mitgliederzahl des Verbands hat sich in den letzten Jahren ständig nach aufwärts bewegt. War im Jahre 1909 noch der Jahresdurchschnitt des Mitgliederbestandes 17 Olfö, so stieg er 1919 auf 29 267. 1911 auf 26 871, 1912 auf 29 410 und 1913 auf 31961. Im letzten Quartal jedes Jahres geht die Mitgliederzahl immer etwas zurück, was seine Ursache in der Abwanderung der ausländi- schen Steinarbeiter in ihre Heimat hat. Am Ende der Berichts- Zeit, 31. Dezember 1913, betrug die Mitgliederzahl 39 616, darunter L69 weibliche Mitglieder. Tie Zahl der weiblichen Mitglieder der- dreifachte sich in der Geschäftsperiode, sie betrug bei deren Beginn nur 88. Es sind nur einzelne Gebiete im Deutschen Reich, wo Frauenarbeit in der Sandindustrie vertreten ist. Abgesehen von Schleifereien sind es die Pflastersteinbetriebe im Wurzener Bezirk, im Bezirk Altenglan in der Pfalz und in der Schieferindustrie von Steinach und Umgebung. Das Gros der Mitglieder wohnt auf dem platten Land: 1911 waren es 34,6 Proz., 1912 39 Proz. und 1913 gar 41 Proz. Die Mitglieder in den G r osi st ä d t e n bilden einen immer kleineren Teil der Organisation: 1999 27 Proz., 1911 11 Proz. und 1913 13,3 Proz. Diese Erscheinung hat ihre Ursache darin, daß die Arbeitsgelegenheit in den Großstädten ständig zurück- Geht und die Neugewinnung von Mitgliedern sich fast nur auf die Steinbruchsgebiete erstreckt. Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen hatte der Verband in der Berichtszeit 391 durchzuführen, die sich auf 362 Iprte mit 1914 Betrieben und 36 533 Beschäftigten erstreckten. Von den beschäftigten Personen waren 28 689 männliche und 393 weib- liche Steinarbeiter beteiligt. Von den Bewegungen endeten erfolg- reich 178 mit 11 673 Beteiligten, teilweise erfolgreich 96 mit 12 296 beteiligten, erfolglos 23 mit 2266 Beteiligten; von 2 Bewegungen mit 26 Beteiligten blieb das Ergebnis unbekannt und 2 andere mit 36 Beteiligten waren am Jahresschluß noch nicht beendet. Neben riner Reihe kleinerer Verbesserungen der Lohn- und Arbeits- Bedingungen wurde durch die Bewegungen erreicht: für 4998 Kol- legen eine Verkürzung der Arbeitszeit um 7163 Stunden pro Woche und für 15 978 Personen eine wöchentliche Lohnerhöhung um «799 M. Die Zahl der tariflichen Vereinbarungen in der Steinindustrie erhöht sich von Jahr zu Jahr. Am Jahresschluß 1996 Nahm der Verbandsvorstand zum ersten Male eine Zusammen- stellung der bestehenden Tarife vor. Dabei wurden 199 Tarife für 1037 Betrieb« mit 12 186 Beschäftigten gezählt. Seitdem haben sich diese Zahlen mehr wie verdoppelt. Bei Beginn der Geschäfts- Periode bestanden bereits 211 Tarifverträge für 1493 Betriebe mit 18 961 Arbeitern, von denen 16 292 dem Steinarbeiterverband an- Gehörten. Im Jahre 1912 wurden für größere Bezirke zahlreiche erstmalige Abschlüsse vollzogen, nämlich 63 Tarife für 339 Betriebe mit 9962 Beschäftigten. Erneuert wurden in diesem Jahre 48 Ver- lräge für 4992 Beschäftigte. Im Jahre 1913 betrug die Zahl der erstmalig abgeschlossenen Verträge 41 für 693 Betriebe mit 6893 Personen. Ende 1913 bestanden 272 Tarifverträge für 2949 Be- «rieb« mit 39 776 Beschäftigten, von denen 21 376 dem Verband an. Gehörten. Nach dem Kassenbericht betrugen die Einnahmen der Hauptkaffe 1912 669 499 M. und 1913 681 139 M. Diesen stehen 'Ausgaben von 363 667 M. im Jahre 1912 und von 493 944 M. im Jahre 1913 gegenüber. Die Ausgaben für Unterstützungen stiegen w beiden Jahren ganz wesentlich. So die für Krankenunterstützung d°u 86 891 im Jahre 1911 auf 144 229 M. 1913. DaS Gesamt- dcrmögen des Verbandes stieg in der Berichtszeit um rund 369 999 Mark, es betrug am Schlüsse der Geschäftsperiode 1 136 693 M. l 2. Generalversammlung öes Deutsihen Textilarbeiterverbanöes. In einer Zeit sehr verschärften reaktionären Stürmens gegen mc moderne Arbeiterbewegung halten in diesem Jahre verschiedene Gewerkschaften ihre übliche Generalversammlung ab. Das Unter- nehmertum, unterstützt und aufgepeitscht von der Kaste der Lebens- mittelverteuerer, konzentriert seine Macht gegen das Koalitions- f-echt. Die Willtür der Polizei und eines gewerbsmäßigen Streik- brechertums zertrünimert den Gewerkschaften den Rcchtsboden, und die Rechtsprechung schützt nicht frech verletzte Rechte und Interessen der Arbeiter. Eine kühne, moralisch, aber unhaltbare juristische «uslegungSkunst dient einseitig dem Interesse der Unternehmer. Das Gefühl: Gewalt acht vor Recht, die Ueberzeugung. daß das Interesse der herrschenden Klasse die Entscheidungen der Staatsmächte bestimmt, ist so ziemlich Gemeingut deS ganzen Volkes geworden. In einer solchen Zeit gewinnen die Tagungen der organisierten Arbeiter erhöhte Bedeutung. Der Druck der Krise hat das Feuer der Begeisterung teilweise etwas gedämpft. Von den Stürmen der Reaktion wird es hoffentlich wieder zu hellen Flammen angeblasen. In der Arbeiterschaft gärt es. Druch erzeugt Gegendruck. Wer aus Stimmungen horcht, kann sich der Tatsache nicht verschließen, daß die gehässigen reaktionären Vorstöße, die offene Willkür und Brutalität gegen die Arbeiterbewegung den radikalen Strom sehr gestärkt hat. Spuren davon werden jedenfalls bei den Verhand- lungen der Gewerkschaften zutage treten. Der Deutsche Textilarbeiterverband hält seine 12. Generalversammlung in den Tagen vom 18. bis 23. Mai in Dresden ab. Verhandlungslokal ist die Zentralhalle. � 178 Delegierte, darunter 10 weibliche, sind angemeldet. Wie nicht anders zu erwarten war, habe» die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, unter welchen die Textilindustrie zu leiden hatte, auch aus die Mit- gliederbewegung des Verbandes ungünstig eingewirkt. Die Zahl der Mitglieder ist im Jahre 1913 um 4566 gesunken, nämlich von 142 684 im letzten Quartal 1912 auf 138 979 im vierten Viertel 1913. Der Stand der weiblichen Mitglieder, der rund 49 Proz. der Gesamtmitgliederschaft ausmacht, ist an dem Rückgang mit nur 14 Proz. beteiligt. Das Bild ändert sich aber, wenn man die Neu- aufnahmen mit in Betracht zieht. Nach den verbuchten Eintritts- geldern ergibt sich für die beiden letzten Jahre ein Zugang von 46 669 weiblichen und 28 688 männlichen Mitgliedern. In derselben Zeit hat die Zahl der weiblichen Mitglieder aber nur um 8462, die der männlichen Verbandsangehörigen um 4681 zugenommen. Von der Gesamtzahl der Neuaufnahmen entfallen 46 419 auf das Jahr 1912 und 28 829 auf das letzte Jahr. Die Krise hat der Aufnahme neuer Mitglieder sehr große Schwierigkeiten be- reitet. Aus den Angaben ist zu entnehmen, daß die Fluktuation sehr groß war. Die meisten Neuaufgenommenen sind anscheinend sehr bald wieder verloren gegangen. Trotz der schlechten Konjunktur konnte die Organisation eine große Anzahl von Lohnbewegungen mit gutem Erfolge durchführen. Von den Bewegungen, insgesamt 613 mit 123 464 beteiligten Per- sonen, waren in 393 Fällen die Arbeiter die Angreifer. Zu Abwehr- bewegungen sah sich die Organisation in 119 Fällen veranlaßt, und 19 Aussperrungen mit 32 281 Beteiligten waren ihr beschieden. Von den Angriffsbewegungen wurden 332, von den Abwehrbewegupgen 69, mit zusammen rund 72 999 beteiligten Personen durchgeführt. Als Ertrag der Bewegungen verzeichnet der Vorstand in seinem Bericht: für 22 536 Personen pro Woche 66 898 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 68 879 Mark Lohnerhöhungen für 68 792 Personen. Außerdem wurden noch für 39 266 Personen andere Verbesserungen erzielt. Für 4986 Beteiligte wurden 33 Tarife abgeschlossen. Dre Kassenbericht, der die Haupt- und Lokalkassen für zwei Jahre(1912 und 1913) umfaßt, schließt in Einnahmen und Aus- gaben mit 6 967 522 M. Die von den Gauleitungen vorgelegten Abrechnungen balancieren mit 219 633,64 M. Die sachlichen und persönlichen Verwaltungskosten beanspruchten aus der Hauptkasse 697 879,89 M., aus den Lokalkassen 138 918,89 M. Von den Gesamt- ausgaben entfallen allein 3 269 669,32 M. auf Unterstützungen. Tie Einrichtung der Unterkassierer kostete 367 639,61 M. Die Auf» Wendungen kür Konferenzen betrugen insgesamt 62 429,66 M. Für daS VerbandSorgan wurden zusammen 264 328,39 M. verausgabt und der Generalkommission 37 724,89 M. überwiesen. Der Ver- mögensbestand der Hauptkasse hat sich im Laufe der Berichtszeit (zwei Jahre) von 1 229 494,29 M. auf 1 193 296,89 M. ermäßigt, dagegen schließen die Lokalkassen mit einem Vermögenszuwachs von 234 768,66 M., wodurch der Bestand auf 273 898,17 M. anschwoll. Im Durchschnitt wurden pro Mitglied 44,21 Beitragsmarken ab- gesetzt gegen 44,36 im Jahre vorher, 44,14 im Jahre 191'-.">d_43,26 vor drei Jahren. Die Durchschnittsleistung hat sich demnach etwas erhöht. Der Generalversammlung liegt eine große Zahl von Anträgen vor, die sich auf Beitragszahlungen und Unterstützungen beziehen. Die Wünsche auf Beitragsermäßigungen begegnen sich mit solchen auf Erhöhung der Leistungen aus der Verbandskasse. Umgekehrt kommt aber auch wieder daS gesunde Bestreben zum Durchbruch, die Finanzkrast der Organisation zu stärken. Auch die Verfassungs- frage spielt in den Anträgen eine Rolle. Da wird die Einsetzung einer Kommission verlangt, deren Aufgabe es sein soll, alle Vor- gänge zu beobachten,„die eine Demokratisierung des Mitbestim- mungsrechtes bei Streiks und Lohnbewegungen bezwecken". Dann wird wieder verlangt, daß„Angestellte des Verbandes bei Diffe- renzen nur unter Zuziehung von ArbciterauSschüssen oder Lohn» kommissionen" mit den Unternehmer verhandeln sollen. Aus Leipzig und Guben wird die Schaffung eines Jndustriearbeiterverbandes für alle in den BekleidungZgewerben Beschäftigten verlangt. Die Generalversammlung soll die notwendigen Vorbereitungen be- schließen. Die Fülle und Vielgestaltigkeit der Anträge stellt interessante Debatten in Aussicht. Hoffentlich stehen die Beschlüsse mit den gc» hegten Wünschen in Einklang, daß sie der Organisation nach innen und außen neue Kräfte zuführen, dem Kapital zum Trutz, den Arbeitern zum Schutz._ Zrauen-Leseabenöe. Karlsvorst. Mittwoch, 29. Mai, 8'l, Uhr, bei Poser, DonhoWr. 8. Unter anderem■ Berichte der Teilnehmerinnen am Kreiskursus. Niederichönhausen-Nordend. Der Fraucnleseabend fällt in diesem Monat aus, dafür beteiligen sich die Genossinnen an der Versammlung des aausarzwereinS am Mittwoch, den 29. Mai, bei Rcttig, Bl-mkenburger trotze 4. Eingegangene Druckschriften. Geschichte» ans zwei Welten. Von A. Holitscher. 3 M., geb. 4 M. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 99. 'Neue Nordische Novellen. 124 S.(Buchbeigabc zur.Lese"). Verlag in Stuttgart. Die Sieger. Roman von M. Ludwig. 4,59 M., geb. KM.— Urberflust. Roman von Marlin Anderscn Nexö. 5 M., geb. K.59 M. Das Duell. Novellen von(1. Conrad. 3,59 M., geb. 4,59 M.— Charles Diekens' Oliver Twift. Deutsch von G. Mcyrinl. 3 M., geb. 4 M. A. Langen, Äiünchen. Wilhelm Lcibl. Sein Lebe« und Schaffen. Von I. Mahr. 148 S. geb. B. Cassirer, Berlin. Wie erhalten wir unsere Stimme gesund? Von A. Moll. Kart. IM.— Wie ein Haus entsteht. Lehr« und Handbuch von O. Schmidt. Kart. 1,59 M.— Säemann-Tchriften: Hest 11. Elternhaus und Schule. Vortröge von Anna Schellcnberg, H. Weimer und C. Götze. Geh. 1 M.— Heft 12: Die Tagesschule. Die Schule der Großstadt» Von Dr. E. Evert. Geh. 1 M. B. G. Teubner, Leipzig. Marttvretse von Berlin am 16. Mai 1911. nach Ermittelungen des lönigl. Polizeivräsidiums. Mais(wixed), Natal 99,90—99,09, Donau 0,00—0,90. Mais«runder), gute Sorte 15,40—15,70. Richtstroh 5,00 bis 5,20, Heu 7,20-8,60. Martlhallenvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,09. Sveisebobnen. Meitze 35.00—60,00. Linien 40,00—80,90. Kartosieln(Kiembdi.) 4,00— 7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 0.00—9.00. Rindfleisch, Bauchfleisch 0,00—0.09. Schweinefleisch 0,00—0,09. Kalbfleiich 0.00—0.09. Hammelfleisch 0,00— 0,00. Butler 2,40—2,80. 60 Stück Eier 3.20— 4,80. 1 Kilogramm Karpsen 1,20—2,20. Aale 1,60—3,20. Zander 1,60—3,20. Hechte 1,40-2,80. Barsche 1,00— 2,2a Schleie 1,40—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebs- 3,00—48,00. WttternngSüberiicht vom 18. Mai 1914. 6tattonen Stationen Swinemde Franks. a.M München Wien 770M 770:91910 769« 766 NO 766SO 764 NNO wolkeul 12 wolkenl 15 3 wölken! 16 3w«lkig 16 2ibedeckt 9 2 bedeckt 15 Haparanda Petersburg Scllly Abcrdeen Paris £= £-5 §9.f 761 S 772 NNO 769i® 73691 Wetter Regen 2: heiter 2(halB6b. 2. wolkenl C"» Ii 12 U 16 Wetterprognose für Dienstag, de» 19. Mai 1914. Trocken und vielfach heiter, am Tage ziemlich warm bei mätzigc» östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Mitt. woch mittag: Zunächst überall noch vorwiegend heiter, trocken und mir Tage ziemlich warm. Später im Küstengebiete langsame Zunahme der Bewölkung, aber noch keine erheblichen Niederschläge. der LandeSanflalt sür --------- Wafferftands-Nachrichten Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburean Waflerstand M- m e l. Tilstt P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thoru Oder. Ratibor , Krossen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Bardo , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unterpegel. 'uck Die Qualitäfs P£ Cigaretfe Ein Augenblick genügt für die Montage unserer abnehmbaren Felge. Unbedingt sicher, leicht und schnell montierbar, ermöglicht sie selbst dem Laien bei Reifenpannen in wenigen Minuten wieder flott zu werden. Fahren Sie die abnehmbare Continental Felge sie erspart Ihnen Verdruß und läßt Sie Ihr Ziel stets rechtzeitig erreichen. r,* mv Continentai-Caoufchouc- und Gutta-Percha-Go., Hannover./ Personal 12000, Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Plat 10-11. Heute Dienstag, den 19. Mai, abends 8% Uhr: Sechs Mitgliederversammlungen Tagesordnung in allen 6 Bersammlungen: Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungstelle Berlin. N. 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 1987, 1239, 9714, 185. Mittwoch, den 20. Mai 1914, abends 8½ Uhr: Mitglieder- Versammlung für Adlershof im Restaurant von Richard Kaul, Bismardstraße 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Wuschick. 2. Bericht von der Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Viertelsleitung und Wahl derselben. 4. Vorschläge zum Kreis- und Zentralvorstand. 18/15 Die Versammlungen finden statt: Für das Görlitzer Viertel im Reichenberger Hof", Reichenberger Str. 147. Vortrag des Genossen Franke über: Mars regiert die Stunde“. Für das Köpenicker Viertel in Süd- Ost", Waldemarstraße 75. " Bortrag des Reichstagsabgeordneten Genoffert G. Davidsohn über:" Der Rampf der Reaktion gegen die Gewerkschaften". Für das Frankfurter Viertel bei Boeker, Weberstraße 17. Vortrag des Genossen Wieloch über: Kirche und Arbeiterbewegung". Für das Stralauer Viertel in den Comeniusfälen, Memeler Straße 67. " Vortrag des Genossen B. Lieske über: Die Erziehungspflichten des Staates und die Arbeiterschaft". Für das Petersburger Viertel in den Brachtsälen des Oftens, Frankfurt. Allee 151/52 Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Hasenzahl über: Kommandogewalt und Reichstag". Für das Landsberger Viertel im„ Elysium", Landsberger Allee 40. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen O. Büchner über:„ Das neue Krankenfaffengeset". Mitgliedsbuch legitimiert! Reichel's MottenAether nicht fleckend FL. 75 Pf. u. 1.50. Reichel's MottenPulver aromatisch Bd. 50 Pf., 1.-, 2., B.3.von unvergänglicher Wirkungskraft. Seit ca. 25 Jahren sicher bewährt u. glänzend attestiert. Zur Garantie: Man nehme in den Drogerien nur Reichel's Spezialmittel, einzig echt mit Marke Tod u. Teufel, und meide jebe Nachahmung Wo nicht vorrätig, durch Otto Reichel, Berlin SO, Eisenbahnstr. 4. Lieferant für fönigl. u. städt. Behörden, Militär. 1. Staatseisenbahnen. 4. Preußisch- Süddeutsche ( 230. Königl. Preuß.) Klaffenlotterie 5. Alaffe 9. Biehungstag 18. Mat 1914 Bormittag Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 Mt. find in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr A. St.-A. f. 8.)( Nachdrud verboten) 84 220 31 93 444 670 841 993 1005 152 364.97 619( 500) 36 727 35 81( 500) 89 808 46 2083 207 68 336( 3000) 728 3667 717 85 973 84 4033 48 287 429 580( 500) 670 701 69 941 5017 167 85( 600) 200( 1000) 38 627 95 632( 500) 33 936 339( 500) 61925 6244 67( 1000) 369 478 83 606 10 85 776 7001 263 415 520 627 805 16 906( 500) 94 8062 82 109 232 78 88 649 ( 3000) 8086 158 96 229 496 598 631 51 79 734 65.827 930 ( 3000) 61 10182 257 354 510 68 723 824 97 958 11242 44 631 95 743 64 825 929( 500) 52 12020. 233 383 456 78 502( 1000) 90 658 913 94 13051 82( 500) 264 318 35 759 66 821 903 18 31 14638 968( 1000) 15233 72 353 453 601 720 16061 117 64 96 220( 1000) 467( 3000) 87 690 976 17724 874 18180( 500) 417 735 928 35 19172 257 90 663 719 878 92 940 20095 164 72 202 30( 1000) 743 21173 247 95 306 16 ( 500) 427 554 63 676 791 999 22053 145 412 633( 1000) 43 64( 500) 677 776 23158 75 93 233 618 36 840 964 87 24154 250 61 416 546 97 750 54 838 25172 75 224( 3000) 331 487 637 88( 1000) 768 829 26088 180 238 368 649( 500) 96 27035 146 408 31( 3000) 551 633 63 891 959 79 28271 377 461 75, 6C0 51 715 984 28131 63 449 679 714 833 52 982 30016 33 163 377 645 734 909 31222 413 79 631 755 81 87 987 32003 113( 3000) 44 238( 3000) 345 487 83010 33 149 63 226 660 688 801 950 34116 269 326 34 46 439 60 54 67 88 617 50 731( 500) 886 922 35208 329 55 512 605 845( 500) 902 91 36167 209 78 348 56 623 64( 500) 828 35 914 29 37065 135( 500) 219 330( 500) 54 98 422 62 509 825 79 87 92( 500) 942 38226 346 473( 1000) 601 39101( 1000) 11 37 60 215 88 334 431( 1000) 505 11 38 737 83 41053 103 15 40059 191 491 545 92 664 733 63 874 996 ( 500) 40( 500) 42 99( 500) 238 64( 500) 423 569 701( 500) 42032 42( 1000) 246 79 310 434( 500) 566 618 777 918 43052 125 89 458 68 603 64 65( 1000) 647( 3000) 86 773 85 910 72 44044 67 227 69 525 643 704 42 98 867 88( 500) 95( 500) 923 45004 20 131 484 87( 1000) 613 46100 34 37 235 341 67 725 49 801 63 920 72 47157 463( 1000) 690( 500) 636 57 961 48011 87 153 349 642 851 936 60 64 96 49353 71 93 631 601 835 50080( 1000) 190 202( 1000) 72 489 591 93 898( 500) 51459 540 787( 1000) 52001 36 184 209 95 336 37 72( 600) 662( 500) 53 811 36 69 951( 500) 53004 24 77( 500) 410 11( 500) 28 48 86 515( 500) 911 86 41 84 54167-66 284 457 607 750 941 69 55041 72 118 69 279 333 438 607 45 776 56122 47 69 364 459 80 504 609 913 57007 271 340 490 668 673 58290 613 61 709 69 93 59154 71( 500) 255 355 872 985 60123 27 213 334 89 521 73 630 87 862 98 954 69 61032 48 126 446 632 746 807 68 919 62056 131 40 283 433 672 767 952 63039( 10 000) 157 247 66 88 398 430 625 39 726 64017 73 85 188 305 25( 1000) 425 46 588 695 796 814 75 957 67 65011 96 103( 500) 253 66 455 656 771 856 952 76 66035 ( 600) 209 88 546 65( 3000) 696 773 861 992 67022( 5000) 100 367( 3000) 554 622 70 754 887( 600) 943 68010 68 154 544 92 ( 1000) 647 51 896 942 69008 64 186 747 63 873 70002( 3000) 88 159 273 682 615 56 63( 1000) 723( 1000) 88 99 868 85 955 71074 189( 1000) 231 38 77 460 630 743 75 874 931 72183 201 72 415 18( 500) 552 75 783( 500) 950 73092 214( 500) 43 85 344( 3000) 76 438 583 609 834 35 63 74159 459 611 61 858 75015 62 176 333 82 792 854 76154 ( 600) 327 610 24 27( 500) 717 28 77122 44 318 475 514 28 634 706( 600) 26 813 958 66 ( 3000) 140 56 802 11( 500) 63 748 914 49( 1000) 78190 220 341 443 44 71 72 79357 465( 500) 564 631 41 80363 446 573 675 967 82 81171 81 320 93 543 744 69 88 826 92 82178 92 751 831 920 38224( 500) 475 90 707' 986 84155 203 412 16 557( 500) 784 918 96 85105 12 62 687 96 842( 5000) 982 618 82 718 78 652 901 38 86175 272 521 728 87020 214 389 428 580 88085 202 330( 3000) 670 762 844 92 89151 90045 261 93 345 483 512 694 92001 137 365 403 13( 3000) 803 919( 500) @ 1002( 500) 386 500 714( 1000) 42 61 94047 125 377( 500) 754 981 95226 31 63 93279 378 87 870 87 410 5 8 600( 500) 87 743 62 848 64( 1000) 989 98179 ( 3000) 210 425 39 700 7 59 81 935 50 60 66 98 483 637 79 93 921 39 97074 274 9801 73 503( 1000) 22 761 835 928 99064 57 299 347( 1000) 566 600 700 874 947 62 100090( 500) 166 80 225 494( 3000) 848 101029( 500) 87 029( 500) 87 633 610 64 866 905 74 102028( 500) 77 247 382 626( 600) 639 82( 500) 708 849 91 900 2 22 103188 225( 500) 360 408 66 699 806 7 934 104017 40 117 220 66 79( 1000) 88 328 48 76 666 705 929 105056 126 295 651 79 660 808 907 106005 38 64 199 219 39 627( 600) 744 65 914 18 107004 40( 3000) 135 258 90 345 78 461 733 53 815 915 39 108237 687 620 81 723 Der Vorstand. 213/ 13* Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer, Jnb.: P. Golletz Mariannenstr. 3. Tel. Mpl. 346 + Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. 34 72 857 952 108356 477 676 693 700( 1000) 42 813( 1000) 906 81 93 110069 315 62 700( 1000) 28 111039 362 458 973( 500) 112042 335( 1000) 459 614 629 98 731 113173 302 9 407 63 829 114147 258 323 59 91 418( 500) 52 76 608 30 115022 142 306 74 447 73 78 567( 3000) 64 827 116122 343 406 11 97( 1000) 506.11 117091( 600) 208 43( 500) 308 32 522 867 118350 408 17 67 562 686 810 934 43 119012 24 33( 500) 69 110 14 89 268 324 55 69 447 775 10 000) 120196 322 476 650 79 98 758 121048( 3000) 192 94 368 ( 500) 90 473 504 660 99( 500) 784 122107 302 484 940( 500) 123025 45 84 88 98 291 837 400 17 613 18 837 124121 212 16 71 547( 3000) 608 835 947( 500) 125050 138 214 84( 1000) 397 442 512 721 800( 1000) 1( 3000) 56 85 126153 212 50 608 24 53 712 36 988 127111 33 60 245 471 74 663 92 820 925 ( 1000) 74( 1000) 128154 76 244 515 692 930( 3000) 36 129115 255 59 460 602 130343 435 575 945( 1000) 181168 330 428 681 777 833 916( 3000) 19 76 132011 30 95 497 582 611 34 63( 500) 865 948 138027 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740 47 821 972( 500) 157013 66 113 94 617 39 69( 500) 631 709 55( 3000) 857 158041 49( 1000) 54( 500) 93 101 7 469 609 83 735 94 979 86 159069( 1000) 72( 1000) 80 98 207 306 76 475 774 832 81 916 97 160066 97 102 237 40 161116 327 401 791 830 81 969 102062 214 42 430 58 577 666 94 709( 500) 163040 161 218 ( 3000) 339 58 85( 1000) 86 640( 500) 767 852 164014 25 81 120 295 320 94 796 809 90 905 49 165086 327 432 508 748 826 40 168185 398 532 609 67 773 809 69 68 167033 105 475 576 .718 168046 180 288 682 874 169211 16 381 416 67 508 703 832 90 992 170031 52 338 45 455 580( 1000) 799 906 171031 332 427 514 57( 500) 748 807( 500) 172142 201 309 458 673 ( 500) 90 630 42 891 930 45 173046 194 209 48 426 547 763 832 41 174231( 1000) 70 71 371 599 601 175133 56 253 73 457 675 795 847( 1000) 954 99 176218 96 345 411 672 84 716 827 177022 309( 1000) 97 178083 263 387( 500) 485 705 18 32 803 903 179050 414 69 505 14 23 90 95 647 794 922 180030( 600) 255 60 463 620( 1000) 857 80 911 64 181111 207 21 309 649( 600) 182341 506 21 63 607 738 827 82 932 183021 122 68 319 29( 1000) 535 665( 500) 866( 1000) 920 184000( 1000) 120 23 55 226 92 416 764 82 827( 3000) 45 185079 299 378 403 556 693 763 186020 150 465 623 37 708 15( 1000) 811 67 967 187159 87( 500) 247 307 33 410 699 ( 3000) 633 869 975 83 188035 135( 1000) 83 239( 3000) 382 606 725 69 806 189247 89 552 616 799 856 69 190035 159 230( 1000) 320 40 663 702 802 925 73 83 191099 233 423 678 782 192236 497 730 814 193039 488 798 805 40 47 70 194108 357 443 64 687 622( 1000) 48 768 837 901 49 60 79 195054 253 350 61 800 10 939( 500) 198126 236 62 323 52 453 587( 1000) 702 907 197078 176 271( 500) 322 513 622 46 837 916 25 69 198107 519 60 63 67 68 784 910 199571 97 609 46 92 705 72 87 916 200198( 500) 312 13 53 495 501 49 723 934 68 201008 166 80( 500) 98 645 60 202136 88 452 536 83 702 870 950 203014 122 46 399 609( 15000) 12 86 969 83 86( 500) 204039 136 254 567 819 54 914( 500) 30 205018( 500) 67 76 293 326 46 79 85 706 834 915 206228 30 41 557 848 92 977 207231 340 43 453 619 742 45 829 42 71 208005 21 22 107 21 24 40 415 86( 500) 669( 1000) 724 28 881 209070 292 384 662 767 873 210040( 500) 277 97 465 813 15 211131 34 203 402 94( 3000) 503 79 212107 410 706( 500) 213002 74 96 110 274 886 616 727( 1000) 94 840 58 962 214368 514 719 28 60 98 891 215020 73 337 492( 1000) 646 47 216118 260 485 217010 40 543( 3000) 706 817 67 932 68 77 218398 504 48 630 65 66 714( 500) 819 905 69 80 219183 206 319 57( 1000) 422 F05 622 73 738 2200 9 200 319 471 557 770 831 962 221082 322 32 777 931 80 222093 114 28 231 44 447 765 223116 246 352 418 224014 223 36 676 979 21 532 767 73 225246 379( 1000) 716 800 924 68 71 226165 200 69 308 463 783 227197 269 329 429 708 74 908 228019 135 248 491 656 626 94 716 61 919 40 229026( 3000) 142 239 322( 1000) 468 551 73 704 832 51972 230008( 3000) 48 71 221 527 54 629 798( 500) 231273 94 474 552 643 928 71 232039( 1000) 101 211( 500) 69 386 498 766 872( 3000) 233066( 500) 649 769 Die Vertrauensmännerkonferenz der Graveure, Ziseleure und Schmiede findet diesen Monat nicht statt. Die Ortsverwaltung. Urbin strahlt gar zu schön sagt Rieke wenn ich auf meine Stiebeln kieke LINDENSTAEDT Schuhputz Urbin" überall zu beziehen! " In Dosen zu 10, 20 und 25 Pfennig. Fabrik: Urban& Lemm, Charlottenburg. 4. Preußisch- Süddeutsche Ortskrankenkaffe der Klempner zu Berlin. Zur Wahl des Vorstandes der Drtskrankentaffe der Klempner zu Berlin ist von den Bertretern der beteiligten Arbeitgeber und von den Vertretern der Versicherten im Aus schuß der Kasse nur je ein Wahlvorschlag eingereicht worden. Die eingereichten Wahlvorschläge wurden vom Borstand der Kasse als gültig anerkannt. Die auf den Wahl borschlägen genannten Bersonen gelten nach den§§ 9 und 25 unserer Wahl ordnung als die gewählten Bertreter und Ersagmänner zum Vorstand un ferer Krantentasse. Die auf den 26. Mai er. angefekte Wahl des Vorstandes durch Stimm und wird hiermit aufgehoben. abgabe ist dadurch hinfällig geworden Laut Wahlvorschlag der Arbeit geber find gewählt: als Ber treter im Vorstand die Herren Mar Tschöke, Franz Guse, Emil Renger; als Ersanmänner zum Vorstand die Herren Heinrich Kunis, S. Jarezky, Gustav Schüler, Julius Sommerfeld, Karl Dietrich, Hermann Utten dörfer. Laut Wahlvorschlag der Ber sicherten find gewählt: als Ver treter im Vorstand die Herren Hermann Ziegler, Wilhelm Schönefeld, Joseph Hartmann, Friedrich Krause, Wilhelm Kadow, Karl Bruderhausen: als Ersatmänner zum Vorstand die Herren Otto Wallmann, Rich. Hornung, Hermann Mende, Abolf Thiemann Johannes Hartmann, Karl Behrendt, Otto Kainsti, Albert Stegemann, Franz Käufler, Mar Przybelski, Paul Gusti. Eventuelle Anfechtungen der Gültig feit der Wahl find bis zum 20. Juni cr. beim Borstand der Kasse, Berlin S 14, Ballstraße 68 II, oder beim Ver ficherungsamt der Stadt Berlin, Stlosterstraße 65/67, einzureichen. Berlin, 19. Mai 1914. 274/3 Joseph Hartmann, Borsigender. Friedrich Krause, Schriftführer. Spezialarzt 0 f. Haut, Haru, Frauenleiben, nerv. Schwäche, Beinkrante jeber Art, Ehrlich Hata Kuren in 11. Co. tong. Laborat. j Bluts untersuchung., Fäden i. Harn usw. Dr. Homeyer Friedrichstr. 81, gegenüber Banoptikum Spr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. 672 117013( 1000) 20 57 184 342 91 449 623( 500) 655 750 98 808 118300( 1000) 23 476( 3000) 616( 500) 794 96 991 119058 66 ( 230. Königl. Preuß.) Klaffenlotterie( 2000) 68 138 250 306 76 564 81 91( 5000) 642 46 763 831 5. Klasse 9. 8iehungstag 18. Mai 1914 Nachmittag Auf jede gezogene Nummer find givei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I u. II. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr A. St.-A. f. 8.)( Nachdrud verboten) 66 499 623 83 1027 31 76 126 254 76 669 778 2041 229 335 424 66 66 617 670 793 96 913 32 3306 94( 500) 446 83 527 627 44 824 41 74 979 4105 345 85 406 9 708 847 48 5068 186 393( 500) 675 77 6065 324( 1000) 62 407 515 ( 1000) 700 928 49 7074 92 160 67 337 493 8181 505 9 28 780 009 163 222 97 419 626 693 799 846( 3000) 93 900 10138 388( 1000) 418 40 43 618( 1000) 11055 99 107 222 26 686( 1000) 874 12183 95 319 414 548 51 623 702 8( 1000) 895 914( 3000) 13116 39( 1000) 89 259 303 63 455 510 834( 600) 909 60 14030( 500) 239 62 649 55 931 15042 245 75 621 44 797 16020 407 845 82 17043 60 85 285 403 576( 500) 614 763 834 915 18029 172 97 414 81 647 64 807 22 27 992 19031 56 405 15( 3000) 662 20089 180 207( 3000) 98 665 85 826 59 21613( 1000) 735 911 22009( 1000) 433 36 80 646 784 811 68 972 23234 489 686 713 86 24103 71 306 44( 1000) 669 780 852 53 69 915( 500) 25085( 500) 149 88 96 303( 1000) 14 48 549( 3000) 616 76 91 703 61 911 47 26290 381 410 44 646 47 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Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei a. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. C e S 9 D et ft de gi