|tr. ISS. BbonncmcnfS'Bcdin�ungen: RiomtcmcntS- Preis ptänumermbo; Sicttcijä�tL 340 Ml, monatL 1,10 Ml, wöchenilich 2b Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg> Sonntags. numiner mit illukiricrier Sonntags- Beilage.Die Neue Seif 10 Psg. Poit, Lbonnemcnt: 1.10 Marl vro Monat. Eingetragen in die Poli-Zeitungs. Preisliste. Unter ldrenzband sür Teutschland und Oesterreich- Ungarn 240 Marl, für das übrige Nusland s Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 31 e Jahrg. CridiciDt täglich. Vevlinev VolKsblertt. Zentralorgan der rozialdemokrati feben parte» Deutfcblands. Die Tnferfions-GcbüJir belrägt für die sechsgespaltene Kolon es- geile oder deren Raum 00 Psg.. sür politische imd gewerlschasilichc Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 30 Psg. ..Ateinc lsnr-igen". das scitgedrucktc Wort 20 Psg.(zulässig 2 setlgedruckte B-ortcs. jedes weitere Wort>0 Psg. Siellengcsuchc und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über ISBuch- staben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsien bis 5 Uhr nachmittags in der Erpediston abgegeben werden. Die Exvediston ist bis 7 Uhr abends gevssiict, Telegramm- Adresse: „SozialiUingKrat»srlia", Redaktion: SRI. 68» Lindcnstrassc 6g, Fernsprecher: Amt Moritzplatt- Nr. 1983. Sonntag, den Ä-t. Mai 1914. Expedition: SRI. 68» Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt Moristplast. Nr. 1984. Montag, den 25. Mai: flugblattverbreitung m Berli»». Charlottenburg. Schölleberg» Neukölln, Lichtenberg» Pankow� Niederschönhansen und Weistensee. Voltstrutz gegen �untertrutz. Wenn es nach den Absichten und Wünschen des neuen Polizeiministcrs v. Loebcll und der Mehrhcitsparteien der Junkcrkammer geht, dann können noch Jahre vergehen, bis die Regierung eine neue Wahlrechtsvorlage einbringt. Und die Wahlrcform, die dann das Geldsackparlament unter Führung der Herren v. Hcpdebrand und Herold und unter eifriger Assistenz der Herren v. Zedlitz und»Fuhrmann zu- sammcnbranen wird, wird ein abscheuliches Sndelgeköch sejn, die blutigste Verhöhnung der Wahlrechtssorderungcn der ent- rechteten Volksmassen. So wird es kommen, wenn die rechtlosen und wihachtcten Drittklassigcu sich nicht inzwischen energisch rühren und den herrschenden Klassen mit dem Zaunpsahl zu verstehen geben, dast sich das Volk heutzutage denn doch nicht mehr alles gefallen läßt! � Das organisierts Proletarir Preußens nimmt den Fehdehandschuh aus, den ihm der neue Minister des Innern, der Ressortminister für die Wahlresorm, mit so derächtlichcr Gebärde hingeworfen hat. In Groß- Verlin speziell sammeln sich am Dienstag in zahlreichen Persammlungen die Wahlrechtsheloten, um den ersten Protest gegen die empörende Rechlsverhöhnung einzulegen. Denn in der Tat: ivelch ungeheuerliche Heraus- fordcrung lag in der Erklärung des Herrn v. Loebell, daß er nicht einmal daran denke, die Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts anzustreben, und daß ihm überhaupt nichts ferner liege, als die Geduldsprobe für die vielen Millionen der Entrechteten abzukürzen! Das wagte der neue Schildträger der echtprcußischen Männer der großen Mehrheit der Wähler Preußens zu bieten, des größten deutschen Bundesstaates! Tos wagte er dem Werktätigen Volke Preußens zu bieten, das weiß, daß es in Teutschland nicht e i n größeres Staatsgebilde gibt, in dem ein auch nur annähernd so elendes Wahlrecht wie in Preußen existiert. Höchstens Braunschiveig kann in diesem Punkte allenfalls mit Preußen konkurrieren 1 aber Bayern, Wiirttem- berg, Baden und selbst das reaktionäre Musterland Sachsen besitzen ein viel nioderncres Wahlrecht als der größte Bundes- staat, der sich die Führung im Reiche anniaßt. Sogar den �lsaß-Lothringcrn, den allerjängsten Reichsangehörigen hat a>an für ihren Landtag das Reichstagswahlrecht eingeräumt. Aber diese Elsaß-Lothringer sind auch von ihrer früheren Zugehörigkeit zu Frankreich her in bezug auf demokratische und Kulturansprüche verwöhnt, ihnen glaubte wo» deshalb entgegenkommen zu müssen— aber den breußischen Proletariern und Kleinbürgern glaubt man einen bcrartigcn Sklavcnsinn und solche Hundedemut eingebläut zu haben, daß man sie als die Stiefkinder behandeln kann! Freilich weigert man dem preußischen Volke auch noch aus einem anderen Grunde jene Rechte, die ihre Brüder in den anderen deutschen Staaten längst besitzen. Man weiß, baß Preußen das letzte und festeste Bollwerk aller Volksfeind- kichen Trutzpolitik int Reiche ist, und dies Zwing-Uri will Watt nicht preisgeben. Aber gerade darum muß die Zwingburg so lange bcrannt werden, bis sie kapituliert: Denn wo bleiben alle verfassungsmäßigen und gesetzlichen Rechte des Volkes, besonders aber des Proletariats, so lange sie Preußen für die große Mehrheit der deutschen Reichs- axgehörigen auf administrativem Wege oder durch seine preußischen Instizorgane einfach eskamotieren lassen kann? Was nützt es, wenn im Reichstage alle Anschläge ans das Koalitionsrecht abgeschlagen werden, sich aber einfach der preußische Polizeiminister herausnehmen kann, durch Anweisungen an seine Polizeibehörden das Streikpostenstehen unmöglich zu machen! Was nutzt es, Ivenn die Reichsbehörden kine„loyale" Auslegung des Rcichsvereinsgesetzes zusagen. die preußischen Behörden aber auf solche Versprechungen einfach psciscii, die proletarische Jugendbelvegung niederhetzen und die srcicn Gewerkschaften durch eine den reaktionären Herrschafts- Mteressen lvillfährige Justiz für politisch erklären lassen?! Ohne Niederringung. Modernisierung und Demokrati- sterung Preußens geht es im Reiche keinen Schritt mehr dorwärts. Die Zabern-Affäre schmählichen Angedenkens hat dos nur zu drastisch bewiesen. Wo sich eine freie Regung geltend macht, da fährt die Faust preußischer Junker und der �äbel der«preußischen Soldateska dazwischen. Und von wem gehen die wildesten Kriegstreibereien, die obeuteucrlichstcn Rüstungshetzercicn aus � Von Preußen und seinen aktiven und abgehalfterten Generalen. Und wer leistet den wildesten Widerstand, wenn für die wahnwitzigen Ausgaben für den Militarismus auch die besitzenden Klassen herangezogen werden sollen V Preußen und die preußischen Junker. Wie haben die Heydebraud und Konsorten gezetert über den Wehrbeitrag, wie haben sie seinetwegen gegen den Reichstag gewütet, wie haben sie die Regierung bestürmt, ja nicht wieder dem Reichstag das Portemonnaie der Besitzenden auszuliefern! Sie haben ihre Gründe für ihre wilde Gegnerschaft gegen jede ernsthaftere Wahlrcform, diese Herren von Ar und Halm und Schlot und Grube. Zwar hat der Wehrbeitrag und der den Steuermoglern gewährte Generalpardon Milliarden und Abennilliarden verheimlichter Vermögen und unzählige Millionen der Besteuerung entzogener Einkommen ans Tages- licht gezogen, zwar hat sich dadurch gezeigt, daß die Reichtums- anhäusung der besitzenden, von der Ausbeutung der besitzlosen Klassen glänzend lebenden Klassen noch viel üppiger und märchenhafter ist. als man bisher annahm— aber gerade diese grausame Enllarvung d?» lapttalistischen Systems verursacht den maßlosen Ingrimm der Ausbeuter und Steuer- drückebergcr! Sie wollen eben nicht entsprechend von ihrem Ueber- fluß steuern, nicht einmal für den Militarismus, der doch nur ihren Zwecken dienen und letzten Endes eine polizeiliche Re- servetruppe gegen die unbotmäßige Arbeiterklasse sein soll. Sie wollen ihre alten Privilegien erhalten, worunter das Privileg.der relativen Steuerfreiheit nicht das geringste ist. Daher auch der heilige Eifer, mit dem die Junker die Ein- führnng sachkundiger und unabhängiger Steuerkomniissarc für daS Land ablehnten!, Sie wollen selbst so wenig als möglich Stenern zahlen, die Junker— aber auch die Schlotbarone. Sie wollen die direkten Steuern so niedrig als möglich halten, aber dafür die breiten nichtbcsitzenden Schichten des Volkes durch Wucherzölle und Liebesgaben nach Herzenslust ausbeuten! Tie Agrarier haben ja gerade in den verflossenen Monaten im Landtag ihr Programm energisch entwickelt: sie ivollen möglichst hohe Iischzolle, Kartoffelzölle. Gemüsezölle, Obstzölle, Milchzölle neben all den anderen Lebcnsmittelzöllen! Mit einem Wort: Die Junker und ihre Mitregierenden in Preußen»vollen nach»vic vor unumschränkt herrschen und sich in ihrem diktatorischen Regiment von den beherrschten Massen nicht dreinreden lassen. Sie»vollen ihre Privilegien behaupten, sie wollen ihre durch die Tradition geheiligten An- spräche auf die Futterkrippe des Staates nicht preisgeben. Sie wollen auch ferner das Monopol auf die Landratsstellen, auf die Ministcrposten, die Posten der Regicrungs- und Ober- Präsidenten behalten— kurz auf alle ausschlaggebenden Stellen und alle Sinekuren des Staates. Und es ist keinerlei Aussicht, daß sich die bürgerlichen Parteien der Rechte des in die dritte Klasse der absolut Ein- flußloscn vcrlviesenen arbeitenden Volkes annähmen. Die Haltung der Parteien am letzten Montag»mißte ja auch dem Gutgläubigsten die Binde von den Äugen reißen. Herr Fricdberg sprach für die Nationalliberalen, aber er legte sich viel mehr sür Bctvilligung der Freifahrkartcn für die Abgeordneten ills Zeug, als sür eine Wahlreform. Ja. er empfahl der Regierung eine baldige„gemäßigte" Wahlreform dainit,»vcil sie sonst leicht mehr gewähren müsse, als gut sei! Ebenso kennzeichnend»var die Haltung des Zentrums- rcdners Herold. Die Uebertragung des ReichstagswahlrechtS gab er völlig preis, dagegen trat er für eine Wahlreform im Interesse des„Mittelstandes" ein— eine Schwenkung, die die Zentrumspresse eifrig mitmacht. Also dem Mittelstand will man allemalls einige Rechte einräumen, aber die Mehrheit des Volkes, Ke Arbeiter, sollen in der alten niederträchtigen Rechtlosigkeit verbleiben! Eine Handvoll Junker beansprucht das Recht, die erste führende Rolle in Preußen zu-spielen. Eine Handvoll G r 0 ß- k a p i t a l i st e n erhebt nächst den Krautjunkern den nachdrück- lichsten Anspruch darauf, auf die Gesetzgebung des größten beut- schen Bundesstaates einen maßgebenden Einfluß auszuüben! Aber der Kern und die Masse des Volkes» die Arbeiter- klaffe, soll recht- und einflußlos, soll ein Spielball der Launen der Ausbeuterklassen bleiben! Arbeiter, Wahlrechtsheloten, gebt in den Massenversamm- lungcn am Dienstag die passende Antwort aus solch uncr- horten Hohn! Die zweite Etappc der Wahlrechtsbewegung beginnt! formiert Sie Sturmkolonnen zum Wahlrechtskampfe! Die sozialistische Einigung in Englanö. London, 23. Mai.(Pribattelegranini des.Bor« w a r t s Im Anschluß an die Feier der Fabischen Gesellschaft hat sich die Mehrheit der Mitglieder der British Sozialist Party durch ein Referendum stir die sozialistische Einigung und für den Anschluß der Partei an die Arbeiterpartei ausgesprochen. Der offizielle Anschluß an die Arbeiterpartei sowie die Bildung des gemeinschaftlichen sozialistischen Rats wird nach der am 20. Juni stattfindenden Vorstandssitzung erfolgen, so daß wir noch in diesem Sommer in Großbritannien eine geeinigte, wenn auch noch nicht verschmolzene sozialistische Partei haben»verden. Die Jndepen- dent Labour Party und die Fabische Gesellschaft haben sich bekanntlich schon früher für den unter den Auspizien des Internationalen Bureaus gemachten Einigungsvorschlag ausgesprochen, der jetzt ausgeführt wird.__ Hehler und Stehler! Die Verteidiger der Korruption, die durch die Affären der v. Lindenau und Dr. Ludwig ans Tageslicht gefördert worden ist,.fangen es so töricht wie nur möglich an, um den Skandal zu vertuschen. In der ersten Bestürzung»varcn sie noch viel klüger als jetzt,>vo sie sich die Geschichte überlegt haben und ver- suchen, den Schaden nicht zu bessern, sondern zu vertuschen. Da- mals, in der ersten Ilcberraschung, forderten sie schleunigste Klar» legung der schmählichen Affären— heute benutzen sie schon die kläglichsten AüZflüchke, nm die Korruption zu verkleinern oder ganz zu verljehlen.'" v'~* fiü•• j Ei» Akt der lächerlichsten Vertuschung»var der Vorstoß im preußischen Abgeordnetenhaus. Der freikonservative Abgeordnete Viereck richtete an den Kultusminister die bestellte Anfrage, ob das Kultusministerium wirklich Professorentitcl verkaufe. Natürlich erklärte prompt der Kultusminister, daß das nicht der Fall wäre! der famose Herr v. Lindenau sei nur einmal vor Jahren im Kultusministerium gewesen, um einem Protege einen Titel zu verschaffen. Tos Gesuch sei jedoch abgelehnt worden. Diese Erklärung des Kultusministers bedeutete schon an und für sich nichts. Denn kein Vernünftiger ist wohl so naiv geivesen, anzunehmen, daß der Herr Divisionsgeneral von Lindenau bei seinen Titcl-Perleihungsgeschflften einfach ins Kultus- Ministerium gestiegen sei, um dort kategorisch zu fordern: Ihr müßt meinem Klienten den Prosessortitcl verleihen, denn ich habe mir dafür 29— 30 000 Emchen blechen lassen! So plump fangen es Ordensschacherer doch nicht an. Sie haben ander- »veitige, einflußreichere Begünstigungs- und B e e i n f l u s s u n g s in e t h 0 d e n, um zum Ziele zu gelangen. Und»venu die Staatsanwaltschaft wirklich ein Interesse daran hat, Näheres über diese Methode zu erfahren, so magsie nur An- klage gegen Liebknecht und den„Vorwärts" er- heben! Welches Gewicht man aber auf diese ganz beiläufige Erklärung des Kultusministers legte, auf die zu erwidern man nachher durch brutale Schlußmacherri unseren Genoffen Lieb- knecht schmählichcrweise verhinderte, beweist die„K r e u z- Z e i- tuiig", die unter der sensationellen lleberfchrist:„Der an- gebt ich iäufliche Profefforentitel" einen längen Speech über diese abgekartete Komödie verzapft und so tut, als sei nun Lieb- knecht mit seinen Enthüllungen widerlegt! Man ist wirtlich z u unvorsichtig. Wer»virklich die Korruption haßt und bekämpft, der darf doch nicht so töricht aus die Eni- hüllet dieser Korruption losschlagen und jedes l ä ch c r- l i ch st e Mittel benutzen, um das dokumentarisch und u n- widerleglich bewiesene Vorhandensein der Korruption abzuleugnen! Das aber tut die„Krertz-Zeitung", das füh- rendc Organ der Konservativen! Mehr noch freilich blamiert sich die„Deutsche Dages- zeifung", das offizielle Organ des Bundes der Landwirte, das pomphast einen Brief des so schwer blamierten Dr. Ludwig veröffentlicht, um„die neueste Enthüllung des Herrn Liebknecht" zu entkräften. Dabei muß das Organ des Herrn Oerie! zugeben, daß Herr Dr. Ludwig die Behauptungen Liebknechts nur bekräftige» daß er nur ein„Eingeständnis" seiner Schuld ablege. Trotzdem bietet die„Deutsche Tageszeitung" alle Künste ihrer agrarischen Rabulistik auf, um aus dem jämmerlichen Schuld- bckcnntnis des zweiten Geschäftsführers des Reichs- Verbandes zu folgern, daß hier doch nur e i n Fall des Titel- schachers vorliege und daß dieser eine Versuch zudem mißglückt sei. Er i st mißglückt— aber doch nur, weil der betreffende Reflektant die von Herrn Lubwig geforderten 40 000 Mark nicht bezahlen wolltet Auß«rdcin aber sind nicht einmal die„Berliner Neusten Nach- richten" so unvorsichtig, wie das Organ des Herrn Reichstags- abgeordneten Dr. Oertcl. Sie versehen die Erklärung, daß Tr. Ludwig über den Titelschacher selb st gar nichts wisse und daß er nur so naiv gewesen sei, die ihm(an höherer Stelle) gc- gcbenen Auskünfte„nach dem Stenogramm wörtlich wiederzugeben" mit einem Frage-' und Ausrufezeichen- Tics Scharfmacherorgan begreift also, daß der famose Titelschachcrer Mit seinen Ausreden die eigentlich Schuldigen mehr b. e- lastet als t n t l a st e t! Aber das Organ des Bunde? der Landwirte scheut sich nicht, die schmähliche Korruption durch die lächerlichsten Ausflüchte zu be- schonigen. WcS Geistes Kind der Dr. Ludwig selbst ist und wie ausgebreitet der von ihm betriebene Titelschacher(bei dem er allerdings nur der Unter Vermittler war, die eigentlichen Vermittler waren viel höher gestellte Personen) war, beweisen weitere Enthüllungen. Daß nämlich die einträgliche und hochpatriotische Titelschacherei des Hauptgeschäftsführers des Rcichsvcrbandes gegen die Sozial- demokratie keine einmalige Entgleisung ist. Herb Dr. Ludwig auch nicht als das Opfer eines grundschlechten BerführcrL zu bemitleiden ist, wie das von einigen staatserhaltendcn Blättern vermutet wurde, geht aus einer weiteren Korrespondenz her- vor, die denselben Herrn zum Verfasser hat und die nun der Brcslauer„Volkswacht" auf den Tisch geflogen ist. Der erste Brief lautet: „Tr. Franz Ludwig. Berlin, den 7. April 1912. W. 57, Mansteinstr. 1. Sehr geehrter Herr Dokior! Wenn Sie crnsthasl den bewußten Titel anstreben, so werden Sic sich darüber llar sein, daß hierzu größer« finanzielle Anforderungen erfüllt werden müssen. Es handelt sich um ein absolut reelles Zug-um-Zug-Geschäft. Der ge forderte Betrag wird bei einem Notar deponiert mit der Be» stimmung, daß er an dem Tage verfällt, an dem Sie den be wußten Gegenwert offiziell in Empfang nehmen. Jin Falle des Richtgeliiigens steht der Beirag unverkürzt zu Ihrer Verfügung. so daß Sie absolut kein Risiko eingehen. Irgendwelche Vorschüsse werden nicht erhoben. Diskretion gegenseitig selb st verständlich. Zuvorerst müßten Sie sich entschließen, Ihre Personalien anzugeben.' Ihren diesbezüglichen Mitteilungen sehe ich entgegen und . zeichne Hochachtungsvoll Dr. Ludwig." Im zweiten Briefe wird Herr Ludwig schon deutlicher: ,vr. Franz Ludwig. Berlin, den 20. April 1912. Herrn Dr.... Sehr geehrter Herr Doktor! Gestatten. Sie zunächst noch die Anfrage, ob Sie approbierter deutscher Zahnarzt find- Ist dies nicht der Fall, ist die Erlangung des Hofzahnarzttitels, der vielleicht sonst mit 8—10 009 M. zu lanciere» wäre, etwas teurer. Auf jeden Fall aber bitte ich, unseren Briefwechsel zu vernichten und mir Ihre Entschließunz baldmöglichst zu unterbreiten. Hochachtungsvoll D x. Ludwig." Man sieht also, es Ist ein E n g r o S g e s ch ä f t, daß Herr Ludwig mit Professoren- und Hofarzttiteln trieb. Ein sehr einträgliches Geschäft wahrscheinlich, denn zwei Professoren und zwei Hofärzte bringen schon das ruitdc Sümmchen von lOOOOV M. Da kann man schon über die Unmoral und Sittenlosigkeit der Sozialdemokratie herziehen. Das Geschäft rentiert sich. Der Reichsverband, der sonst über .jede Unrichtigkeit ein großes Geschrei erhebt, ist bis jetzt m ä u K ch e n st i l l geblieben. .ur Auch die„Kreuz'Atg" und„ Dsutfsch e? a g«« i. Z t g. hätten also besser getan, sich niemals für die Lindenau, Ludwig und die ganz« Sippe der Titelschacherer ins Zeug zu legen. Wenn man nun aus dem Uebereifer der Verteidigung auf engere Beziehungen zu den Ludwig. Lindenau und Konsorten schließt, so tragen die führenden Organe der Konservativen und Agrarier selbst dig Schuld daran.____ Die belgischen Wahlen. Brüssel, 21. Mai.(Eig. Bor.) Belgien wählt alle zwei Jahre in Teilwahlen, in denen die Hälfte der Kammer.ernenert wird. An diesem Sonntag stehen zur Wahl die Provinzen Hennegau, Lütt ich, Ost» flau dem und Limburg. Und zwar sind für die 15 Wahlbezirke der vier Provinzen 88 Mandate zu besetzen. Davon hatten bis jetzt inne: die Katholiken 43 Sitze, die S o z i a l i st e n 25 und die Liberalen 19 Sitze. Ein Mandat war im Besitze des christlichen Demokraten D a e n s, der aber immer mit der Opposition stimmt.— Die Regierung erhielt in den vier Provinzen bei den letzten Wahlen von 1912: 592 921 Stimmen, die Daensisten 17 693, die S o z i a l i st e n 169 939, das liberol-sozialistische btartell 38 i 122 und die Liberalen 129 398 Stimmen.— Zwei der Provinzen— Hennegau und Lüttich— sind wallonisch, Ostflandern und der Limburg flämisch. In den flämischen Provinzen mit vor» wiegend bäuerlicher Bevölkerung hat die Regierung natür» lich eine bessere Position als in den aufgeklärten wallonischen Landesteileu. Tie beiden wallonischen Provinzen zählen 18 Regierungs, abgeordnete und 35 oppositionelle? die beiden flämischen Pro- vinzen 26 Regiernngsabgeordncte und 9 oppositionelle. Von auch im Ausland bekonnten Sozialisten stehen diesttial zur Wahl A n s e e l e(Gent), D e st r e e(Eharleroi). D e m b l o n(Lüttich), der bekannte Literaturprofessor und Shakespeareforscher. Im Wahlkreis Hny-Waremme kandi- diert Mieder W a u e r s, der Chefredakteur unseres Briisse- ler Parteiblattes„Le Pouple", dessen Mandat bei den letzten Wahlen verloren ging.— Von den Klerikalen steht als be- kanntester der kürzlich geadelte greise Führer, Staatsminister Woeste, zur Wahl, eine der jedenfalls charakteristischsten Persönlichkeiten des belgischen Parlamentarismus, der nn- streitig einflußreichste sParteichef, zugleich einer der fanatischsten, borniertesten und rücksichtslosesten Bekämpfer der Sozial- demokratie. Die Wahlen finden in allen Lagern eine von den fieber- haften Wahlen Pon 1912 wesentlich abweichende Stimmung vor. Im Gegensatz zu jenen, an die nicht wenige die Hoff» nung aus eine Umwälzung des Regimes knüpften, fehlt den diesmaligen Wahlen die Spannung und Leidenschaft eines Cntscheidnngskampfes. Aber wenn auch nach der Festigung. die die Wahlen von 1912 der klerikalen Majorität brachten. eine wesentliche Verschiebung im politischen Kräfteverhältnis der Parteien voraussichtlich nicht zu erwarten ist, so kommt den Wahlen gleichwohl keine geringe politische Bedeutung zu. Sie bilden eine Abrechnung der Parteien untereinander, die {ich w weit klareren Verhältnissen vollziehen wird, wie bei den letzten Wahlen. Tie Wahlen von 1912 waren bekannt lich„Kartcllwahlen", die Liberale und Sozialisten zu einem gemeinsamen und— wje man hoffte— erfolgreichen An stürm gegen den politischen Klerikalisinns zusammenführen sollte. Das Resultat ist noch in Erinnerung: die Flucht der gemäßigten und flottierenden Elemente des Liberalismus in den Regierungsklerikalismus, der nickt ermangelte, über die der rauhen und beunruhigenden Kartellatmosphäre Eni ronnenen alsbald segnend seine Hände zu breiten; denn dan!! ihnen kehrte Herr von Brouguevillc statt besiegt nii' einer gestärkten Majorität von 16 Stimmen gegen die frühere schwächliche von 6 Stimmen ins Parlament zurück. Diese Erfahrungen haben das eine Gute mit sich geführt, daß sie wieder den Prinzipien und Interessen auch im Wahlkomp' klaren Ausdruck gestatten, in dcni es sich, für den Sozialis mutz wenigstens, nicht nur um ein politisches Programm sondern auch, und nicht zum geringsten, um die Sichtbar machiing seiner Prinzipien und Ideale handelt. Eine Reihe von Wählerversammlungen, in denen es zwischen Sozialisten und Liberalen zu heftigen Auseinandersetzungen, ja Tumulten kam, hat die Gegensätze der beiden Parteien in aller Schärfe zutage treten lassen, und die Reden standen, hüben wie drüben. des einstigen Kartellschimmers entkleidet im rauhen Gewände der Klassengegensätze vor dem Wähler. Das Aufgeben der Kartellpolitik hat natürlich der Schärfe des Wahlkampfes, sofern er sich gegen den Kleri kalismus und die klerikale Majorität richtet, keinerlei Ab- bxuch getan— nicht im sozialistischen und kaum im liberalen Lager. Die politische Wirksamkeit des Klerikalismus in den letzten zwei Iahren hat der Opposition allerdings für ihren Kampf kein unerhebliches Materia! geliefert. Im Juni werden es dreißig Jahre, seit der KlerikaliSmu? die politische Macht in Händen hat'. Tie klerikale„Durchdringung" des Landes hat aber besonders in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, und das eben vom ccrnit angenommene Schulgesetz ist einer der ersehnten Gipfelpunkte. Tie klerikalen Machthaber haben in diesen dreißig Jahren ihre ganze Politik ausschließlich ans die Festigung der klerikalen Ideen und die Unterstützung der Einrichtungen der Kirche eingerichtet. Man darf hoffen, daß ungeachtet jener, die den Kleri kalismus von eh und je bekämpften, auch unter der Masse der Gleichgültigen, der Mitläufer oder der Unentschiedenen nach oll den neuen Erfahrungen am Sonntag eine erhebliche Anzahl gegen den Klcrikalismns stimmen wird, dem immer sichtbarer keine anderen Verdienste zu gerechnet werden können, als daß er die Herrschaft der Kirche befestigt, Millionen von Stenergeldern verschlendert, die öffentliche Schuld ins Riesenhafte erhöht und in jedem Be tracht an dem nationalen Wohl Verrat übt. Am Sonntag wird aber nicht schlechthin„gegen den Klerikalismus" allein gestimmt werden. Mehr als je und nitt immer klarerem Bc wnßtsein werden am Wahltag Tausende und Tausende f ü r den Sozialismus stimmen, damit bekundend, daß sie nicht nur für die Freiheiten und Rechte vozi heute, sondern für die großen allgenieincn Völkeridcalc der Zukunft streiten. politische Uebersicht.. ®aS Ende der Etatsberatung. Das eine muß man den MehrheitSparieieN des preußischen Abgeordnetenhauses lassen, konsequent sind die Herren, konsequent wenigstens dann, wenn es sich darum handelt, mit ihrer Macht den rücksichtslosesten Mißbrauch zu treiben. Dem System der Bortabschneidcrei sind sie bis zum letzten Augenblick treu geblieben, Hals über Kopf haben sie der Debatte über den KultuSetat, den letzten der noch zu er ledigcnden Etats, ein Ende bereitet. Nicht etwa, weil es an Zeit zur Beratung fehlte, sondern ans einem ganz anderen Grunde. Der Minister hatte auf Anfrage eines frei konservativen Abgeordneten die Erklärung abgegeben, daß in Preußen niemals Titelschacher getrieben wird, er hatte den Eindruck hervorgerufen, als ob die Eni hüllungen Liebknechts im„Vorwärts" keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben und daß sich vor Gericht alleS als falsch erweisen würde. Natürlich war das bestellte Arbeit. Aber der saubere Plan hätte leicht vereitelt werden können, wenn Liebknecht selbst zu Worte gekommen wäre. Zum Entsetzen der Dunkelmänner aber stand unser Ge- nosse ziemlich weit vorn in der Rednerliste. Die Mehrheit mußte also von zwei Nebeln das kleinste wählen: entweder sie ließ der Debatte freien Lauf, und dann wäre Liebknecht zu Worte gekommen, oder sie machte Schluß und schnitt damit ihren eigenen Freunden das Wort a b. Sie wählte den letzteren Ausweg. Daß dadurch das HauS um den„Genuß" kam, die sattsam bekannten Auseinander- setzungcn zwischen Zentrum und Nationallibcralen in vollen Zügen zu genießen, tut nichts zur Sache. Wichtiger ist die Mundtotmachung unseres� Genossen. Aber auf die Dauer wird den Herren das auch nichts nutzen; verhindert man uns, von der Tribüne des Landtags zu reden, so gibt es glücklicher- weise ja noch andere Stellen, die uns die Reaktion nicht versperren kann. Vorher hatte Ad. H o f f m a n n sich des längeren über den in Preußen geübten Gewissenszwang und den Kamps gegen die Jugendbewegung verbreitet und energisch die Trennung von Kirche und Schule gefordert. Die Gesamtannahmc des Etats erfolgte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Auch einige Konservative blieben sitzen, aber wohl nur ans Versehen. Die fortwährende Unterstützung von Schlußanträgen hatte sie so angestrengt, daß sie fest eingeschlafen waren. Montag: Besoldungsvorlagc. Eine lächerliche An»naßu»g. Die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." schreibt in ihrem Wochenrückblick: Die letzte Sitzung deS Reichstages ist von der sozialdemo- krattschen Frattion zu einer Kundgebung gegen das Oberhouvt des Reiches ausgenutzt worden, über die man nicht mit einem Achsel- zucken hinweggehen kann. Es handelt sich hier um mehr als um Ichlechte Manieren. Es liegt eine wohlüberlegte De- monstration der monarchiefeindlichen Gesinnungen der Sozial- demokratie vor, deren regelmäßig« Wiederholung zu erwarten wäre, wenn der Reichstag nicht die Minel finden sollte, in seinem Hause dem Kaisertum, ipit dem zugleich er selbst geboren ist. die g e b ii h r e n d e A ch t u n g zu sichern. Den bürgerlichen Parteien des ReichSlageS stelll sich hiermit für die nächst« Session eine Ausgabe, die sie. wie»ir hoffen, mit sester Hand in Angriff nehmen werden. Wir stimmen mit dem Kanzlerblatt schon barin überein, daß die Haltung unserer Fraktion keine Frage um Manieren, sondern eine der politischen Ueberzeugung ist, und haben nichts dagegen, wenn sie eine Demonstration genannt wird. Aber eine Keckheit der Regierung ist es, sich in eine innere Angelegenheit des Reichstages mischen zu wollen. Das könnte der Regierung so passen, das geringe Maß politi- scher Meinungsfreiheit im Reichstag noch weiter beschränken zu wollen und Abgeordneten des deutschen Volkes den Zwang aufzuerlegen, gegen ihre Ueberzeugung an monarchischen Kund- gebungen teilzunehmen. Wenn sich die Herren durch die Nicht- beteiligung unserer Vertreter an ihren politischen Kundgebungen verletzt fühlen, so sollen sie diese eben unterlassen. Und wenn schon am Schluß der Session ein Ruf ausgebracht werden soll, so könnte eS einer sein, der auch auf die Empfinduiigeu der stärksten deutschen Partei Rücksicht nimmt. Will also der Reichstag eine Aendcrung treffen, so möge er seinen Prä- sidenten mit dem Rufe schließen lassen: Es lebe das deutsche Volk!_ Die Aera der Verfolgungen. Tie politischen Verfolgungen häufen sich, und selbst politische Schriftsteller, die nicht der Sozialdemokratie angc- hören, sind vor dem Staatsanwalt nicht mehr sicher. Zu den Kronprinzcn-Bclcidigungcn kommen immer öfter Bclcidi- gungsanklagen, die der Kricgsminister v. Falkenhahn veranlaßt. So fand gestern in der Wohnung des Sckrist- stellcrs Ulrich Rauscher in Berlin eine Haussuchung statt. Drei Kriminalbcaiutc beschlagnahmten einige Exemplare des„März", in dcni Rauscher einen Artikel über die„Käser- nierung der Jugend" geschrieben hatte. Rauscher kritisierte darin scharf die Vergiftung der Jugend mit dem Geist des Militarisinns. Deshalb soll gegen ihn und den„März" wegen Beleidigung Anklage erhoben werden. Es beweist dies auch, wie empfindlich die Regierenden gegen jede Kritik ihrer „Jugendcrtüchtigung" sind._ Vund der Industriellen und Zolltarif. Tie deutsche Fertigindustrie hat sich eine Organisation in dein Bund der Industriellen gcsckxiss-n, der in scharfem Gegensatz zu dem Zentralverband deutscher Industriellen steht. Dieser Bund hat kürzlich in Erfurt zu den künftigen Handelsverträgen Stellung ge- genommen und dabei folgende Leitsätze aufgestellt! .1. Irgendwelche Minimal- und Maxi malzoll sätze sind weder für landwirlschaftliche noch für industrielle Erzeugnisse neu einzu- führen. Schon die bisherigen MindcswcrtragSzölle bedeuten eine einseitige Bevorzugung der Landwirtschaft und erschweren wcscv!- lich die Erlangung von ausländischen Zugeständnssicn zugunsten ocr Industrie. 2. Eine Erhöhung der heute geltenden Zollsätze kür Getreide und Lebenomittel ist ebenso abzulehnen wie die Einführung neuer Zollsätze aus bisher zollfreie Lebens- und Genußmittcl. Wenn für die' Erlangung günstiger Handelsverträge oder für die Abänderung von Zollmaßiiahmcn des Auslandes deutscherseits Kompensationen sich erforderlich machen, so mutz gleichmäßige Behandlung für Lanv- Wirtschaft und Industrie eintreten." Gleichzeitig ist an die im Zentralverband organisierte Säiwer« iudustrie das Ersuchen gerichtet worden, sich mit diesen Leitsätzen einverstanden zu erklären, um gemeinsam gegen die zoll- und hau- delspolttischen Ansprüche des, Bundes der Landwirte Front machen zu können. Der Bund der Industriellen scheint bei seiner Beschluß- sassung ganz übersehen zu haben, daß der Zentraler band deutscher Industrieller gemeinsam mit dem Bund der Landwirte das bcrsich- Ngte Kartell der schaffenden Arbeit gegrüichek hat, das direkt ahs Zollerhöhungcn hinarbeitet. Wie die Masse deS BoSeS den Agrä- riern als Konsumenten gegcnäbcrsiehj, so auch die deutsche Fertig- Industrie der Schiverindustrie nl» Verbraucher, Tic Fertigindustrie ist dadurch schwer benachteiligt. Ueber Politik darf i» Dstpreusten nicht gesprochen werden. In Splitter, einem Vorort Tilsits, sollte am Himmefahris- tage eine öffentliche politische Volksversammlung im Garten eines Restaurants stattfiizdcn. da der Saal kürzlich abgebrannt ist. Toch der Amtsvorstchcr versagte die Genehmigung zum Ab- halten der Versammlung, und zwar sandte er an den Einberuscr, Genossen W o I f f- Tilsit, folgenden Bescheid: „Tie Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen poli- tischen Versammlung unter freiem Himmel am HimmclsaKrtstagc. Donnerstag, den 21. Mai 1014, bei Herrn Koslin in Splitter muß �us folgenden Gründen versaglt werden. In Splitter und Schillgallen ist noch eine große ländliche Bevölkerung von stark religio semTinn vorhanden, welche den Bestrebungen und Zielen der Sozialdemokratie durchaus ap- gcneigr ist. Diese Bevölkerung würde es als eine Hexausforderung betrachten, wenn eine sozial- demokratische Versammlung am Himmeifa hrts- tag, einem hohen christlichen Feiertag, abgchal- ton werden sollte. Es liegt daher die Bestirchtnng vor. daß die Versammlung Gelegenheit zu Reibungen und Ausschrei- hingen unter den einander gegenüberstehenden Parteien und somit zur Störung der öffentlichen Sicherheit geben kann. geg. Hombert." Dieser Bescheid ist selbstverständlich ungesetzlich, da der Ämtsvorsteher nicht eine Tatsache für seine Vermutungen anführen kann. Toch es kommt noch besser. Genosse Wolfs hielt in der Schankstube de» Lokals eine M i t g l i e d e r v e r s a m m- l u n g ab und öffnete oer Hitze wegen die Fenster. Hieraus, trat Wachtmeister Heidemann hinzu und sagte: über Finanzresorm dürsenichtge sprachen werden, überhaupt dürfe überckein politisches Thema geredet werden. Wolff wies darauf hin, daß an der Tür sich ein Schild mit der Aufschrift:„Geschlossene Gesell- chaft" befinde; worauf er kurze Zeit unbehelligt blieb. Bald aber wurde er wieder von dem Gendarmen unterbrochen, der ihm sagte: Wenn Siein demToneweiterüberPolitikreden, löse ich die Versammlung aus." Und als Genosse Wolfs ragte, ob der Gendarm auch in einer Mitgliederversammlung nickt über Politik reden lasse, antwortete der Beamte schließlich:„R e i n!" Die Versammlung wurde daraus geschloffen. Et waren nicht weni- ger als sieben Gendarmen aufgeboten! Natürlich wird Beschwerde eingelegt. Sozialdemokraten im Schnlvorftand überflüsfig t XcrJkQnbrot des Saalkreis es lUmgebung von Halle a.«.), ein Herr mit dem hochsendalen Namen v. Krosigk. wacht ängstlich besorgt darüber, daß in den seiner Gewalt unterstehenden Orten nicht etwa Sozialdemokraten in Schul- vorständen tätig sind. Seitdem einmal das Furchtbare ich ereignet hat. daß so ein«ozi doch bestätigt wurde uffd dessen nachträgliche Beseitigung von dem Amte einige Mühe kostete, übt man ein schärferes Kontrollverfahren aus. Aber in einer Reihe von Arbeitergemeinden waren trotz alledem in diesem Frühjahr wieder Sozialdemokraten mit in die Schulvorstände gewählt worden, und zwar in allen Fällen durch ei n st i m m i g e n Beschluß der Gemeindevertretungen mit bürgerlichen Mehrheiten! Doch keiner von ihnen .erhielt die landrätlichc Bestätigung. Aus den bekannten Grüy» den:„Schule ist Staatseinrichtung, Sozialdemokraten sind Staatsfeinde". Und so weiter. In dein kleinen Lrte Böllberg blieb die Gemeinde- Vertretung standbaft und wählte neben zwei Bürgerlichen den abgelehnten Sozialdemokraten Bogel bei der vom Land» rot angeordneten Neuwahl Wiederuni in den Schulvorstand. Unter der Begründung, daß es im Torfe keinen Menschen gebe, der größeres Interesse für alle Schnlangelcgcnheiten bekundet habe wie der Sozialdemokrat, und weil man von niemandem unter den Geineindebürgern eine stärkere Förderung des Schulwesens erwarten könne, als von dem Sozial- demokraten. Jetzt ist vom Landrat die Nachricht eingelaufen, daß die Bestätigung Bogels auch nach der neuen Wahl versagt wird. Und weiter hieß es in dein Schreiben, eine dritte W a hl sei nicht n ö t i g� weil d i c kleine Dorf- gemeinde an zwei � ch u I v o r st a n d s ni i t g l i c- dern genug habe! Ein merkwürdiges Verfahren, den Sozialdemokraten an der Ausübung eines bürgerlichen Bertrauensamtes zu hin- dern. Nicht gerade genial, aber auch nicht ungeschickt, jeden- falls aber weniger tapfer als die von preußischen Londrätcn sonst beliebte offene Proklamation von der Recht- losigkeit der sozialdemokratischen Staatsbürger. Hat man vielleicht gar in den Landratsstuben die aufreizende Wirkung dieser brutalen Unterdrückungspolitik cmp« funden?___ Zentrumsperfidie in Baden und Nroftblockminister v. Bodman«. Bekanntlnk, war einer der Gründe, die für das Großblock- oMornmcn in Baden ins Feld gefüdrt wurden: Wenn es gelänge. für die Großblockpartcicn eine.-iweidrittcl-Medrheit in der Zweiten Kammer zu schaffen, es auch gelingen müsse, den Proporz für die Landtagsivahlc» einzuführen und damit künftige Wahl. abkommen unnötig zu machen. Um den agitatorischen Wert dieser Argumentation abzuschwächen, behauptete das Zentrum, daß e« prinzipiell auch für den Landtagsproporz sei, aber mit Rücksicht ans den Widerspruch der Regierung und der Ersten Kammer vorläufig den Proporz nur für die Städte als Abschlagszahlung annehmen fvcrde. Jetzt aber, nun die Wahlschlacht geschlagen, erklärte der Zentrumsabgeordnetcr S ck o f c r � einer der wüstesten Hetzer unter den katholischen Geistlichen—, daß seine Partei jetzt gegen den all- gemeinen Proporz überhaupt sei, denn man könne ihr nicht zu- wüten, eine!W,ahme zum Schaden der eigenen Partei zu unter- Üuyen. Ungefähr au demselben Standpunkt stellte sich die Regierung. � Ter.Großblock''-Ministcr d. B o d n n erklärte offenherzig: >.'om Proporz würde in erster Linie die.sozialdemotratie den Vor» teil haben und das sei ein ausschlaggebender Grund für die Regie- rung. stch seiner Einsühruna kraftvoll zu widersetzen! Man fonne einer Regierung unmöglich zumuten, Maßnahmen zu nnler- stützen, die der Umsturzpartei zum Vorteil gereichen würden. Run/ auch diese Stellungnahme trägt wie die des Kultusministers h- B ö h m e zur Klärung der politischen Situation bei. Und das m gut so und ist in Baden nicht unnötig. die Vorgänge in Manien. � Wien, 83. Mai. Die„Albanische Korrespondenz" meldet ans Tnrazzo: 800 Aufständische haben in der 20 Kilometer nörd- lich von Durazzo liegenden Stadt K a w a j a die türkische Fahne aufgepflanzt. x Aus Tirana wird berichtet: Ein Teil der Familie �vptani, der gegen Essad Pascha war. wurde von Auf- stäiwstlnien in Tirana«mzingett. Snkn. irördlich von«chiak. g?b es' sch were Kämpfe mit den Aufständischen. Heute gingen Uach-Schiak und Tirana ZOO Freiwrlllgc, i Maschinengewehre und' « Geschütze unter Leitung eines holländischen Offizier» ab, um dort »ie Ruhe wieder herzustellen. Gegen öen Aarismus. In den. letzten Tagen hat in Paris ein allgemeiner georgischer Kongreß getagt, an dem Bertretgr aller Klassen Georgiens teil- "atimen. Er beschäftigte stch mit dtr Gewaltpolitik, die der Zaris- "ms gegen da» georgische Volk betreibt und die in der letzten Zeit �'ven besonders brutalen, unmenschlichen Charakter ongenominen Ter Kongreß beschloß ein Protcstmanifest, das nach der Vorstellung der blutigen Unterwerfung des Landes fortfährt: „Nachdem die russisch« Regierung das georgische Volt durch stngeheurrliche Steuern zugrunde gerichtet und diese» christliche Volk eine Loge gebracht hat. wo die Empörung zum Recht wird, 'fönt fie ihre Politik der Unterdrückung und Russisizierung durch we Beröffentlichung eines Entwurfs, der auf folgendes hinaus- ®ust: die Enteignung von 80 000 georgischen Bauern, die völlige "srstörung von mehr als zehn Dörfern und die Errichtung eines Militärischen Manöverfeldes an deren Stelle. Und auf diese Art Würden Massen georgischen Volkes ihres Bodens beraubt und ohne Jistcnzmittel gelassen werden. Die, in Paris versammelten Vertreter des georgischen Voltes vrotestirren mit alle� Macht gegen diese»nglaiibliche Barbar»i ict russischen Regierung, die mit allen Mitteln ein Volk gänzlich � vernichten sucht, da« IS Jahrhunderte lang das Christentum pkgen die wilden Bölkerschasten Asiens verteidigt und Rußland Hlbst den Weg nach Byzanz und Rom gezeigt hat. l?s Sic bitten die Menschen von Herz und Gewissen um ihrg Sympathie und um ihre Unterstützung, um der Aktion derjenigen 'izustchen, die Georgien blühend und frei von fremdem Joch sehen sollen und die überall und vor aller Welt ausschreien werden, daß st russische Regierung das schrecklichste Verbrechen an der Mensch- ''st begehen will." Dänemark. Tie Wahlrrform. � Kopenhagen. 32. Mai. Die Linke, die radikale Linke und die Sozialdemokraten, die die Mehrheit in beiden Kammern bilden, Ü�en. sich in Verbindung mit der Verfassungsvorlage, Über welche bereit» zwischen ihnen eine Einigung erzielt wurde, »er die W a h l g e s c tz v o r l a g e geeinigt. Daher wird die Vcr- wssungsvorlagc wahrscheinlich binnen kurzem vom Reichstag angc- ooinmen werden. Schweüen. Tie Militärvorlage. Stockholm, 23. Mai. Dem Reichstage ist heute die Re- werungsvorlag« über die Reform der L a n d c s v e r t« i d i- ®�ng zugegangen. Danach wird die Wehrpflicht die Zeit 0w HO. hjz zum 48. Lebensjahre umfassen, während sie nach dem •stgenwärtig geltenden Gefetz vom 21. bis zum 40. Lebensjahre «steht. Die U e b u n g» z e i t der Infanterie wird auf 340 T a g e ststge setzt. Die Kriegsbereitschaft wird verstärkt und Reserveabtei- st"k>en werden in großer Ausdehnung organisiert. Die Flotte stb 8 Panzerschiffen vom Typ des Panzerschiffes Sverige und us 18 Torpedobootszerstörern bestehen. In Hernösand wird ein �'utzpunkt für die Küstenvertcidigung des nördlichen Schwedens J�chtet. Die Gesamtausgaben werden auf 63 Millionen 'vnea jüi: die Berteidigung zu Lande und auf 30 aRilli» o n e n Kronen für die Berlcidigung zur See geschätzt. In diesem Jahre sollen 55 Millionen Kronen bzw. 30 Milli- oncn Kronen gefordert werden. Es ist eine einmalige Wehr- st euer auf große Vermögen in Aussicht genommen, die zirka 75 M i l l i o n e n Kronen einbringen soll. Rußlanü. Tie auswärtige Politik. Petersburg. 23. Mai. Tic Rcichsduma begann heute die Beratung des Budgets de? Ministeriums des Auswärtigen. Minister S s a s o n o w konstatierte, daß nach den heftigen Er- schütterungen im Orient eine ruhigere Periode begonnen habe. Man spüre keine Spannung mehr, die begründeten Besorgnissen Raum geben würde, obwohl manche Tinge noch zu ordnen blieben. Die zutage getretene Saltdarität der Mächte der Tripleentente habe beträchtlich zur glücklichen Lösung der ÄrisiS beigetragen. In Erinnerung daran, daß die Ucbereinstimmung der politischen Richtung eine wesentliche Bedingung für die Festigkeit und die Fruchtbarkeit des Bündnisses bilde, hielten sich die Regierungen von Rußland und Frankreich in ständiger Fühlung zur Erörterung aller sie interessierenden Fragen. Die festen Bande gegenseitiger Freundschaft zwischen Frankreich und England und andererseits zwischen England und Rußland hätten eine Erweiterung dieses Kontaktes und die Teilnahme Großbri- t a n n i e n s an den Beratungen gestattet, was der Sache des Friedens in einem ernsten Augenblick schon einen wirklichen Dienst geleistet habe. Das habe Rußland und Frankreich bestimmt, ihre Vertreter in London zu beauftragen, gemeinsam mit dem englischen Minister des Auswärtigen eine Reihe von Fragen zu erörtern, die sich auf die endgültige Lösung der jüngsten Verwickelungen bezogen. Der Minister stellte sodann fest, daß die russische Diplomatie sich bemühe, Beziehungen traditioneller Freundschaft mit Deutschland zu unterhalte». Diese alte Freundschaft und der Wunsch beider Regierungen sie zu erhalten, hätten neuerding» dazu beigetragen, gewisse Zwischenfälle beizulegen, welche die guten Beziehungen zu beeinträchtigen zu drohen schienen. Leider fänden die Bemühungen der Regierungen in dieser Richtung nicht immer die Unterstützung der Presse beider Länder, trotz der Gefahren, die in der Erregung schlecht begründeten Alarm» lägen. Ter Ml- nistcr sprach den nachdrücklichen Wunsch au», daß die unnütze Polemik der deutschen und russischen Blätter axfhören möchte, Indem er sie zu einer ruhigeren Erörterung der fragen der gegenseitigen Beziehungen einlud, zumal angesichts des bevorstehenden Abscklusses eines neuen Handelsvertrages, der nur unter der Be- dingung Früchte bringen könne, daß er den gerechten Forderungen der vertragschließenden Teile angepaßt sei.(Beifall rechts.) /lus öer Partei. Totcnlistc der Partei. I» O» n a b r n ck starb am Freitag der Genosse Zigarren- arbeiter Wilhelm Wontc im 65. Lebensjahr. In einem An- fall von Schwermut hat er selbst Hand an sich gelegt. Wente hat schon unter dem Sozialistengesetz seinen Mann in der Partei ge- standen, im Jahre 1884 wurde er in Hamburg wegen Verbreitung sozialdemokratisclier Schriften zu zwei Monaten Gefängnis bcr- urteilt und dann später ausgcivicse». Er wandte sich nach Osna- brück, wo er die ganzen Jahre im Vordertreffen der Partei und Gewerkschaftsbewegung gestanden hat, bis ihn sein hohes Aiter zwang, von seinem Posten zurückzutreten. Aber bis zum letzten Atemzuge ist er der proletarischen Bewegung treu geblieben. Tie Parteigenossen werden sein Andenken in Ehren halten. Kongreß der serbischen H»zialde«okr»tie. Vor ewigen Tagen fand in Belgrad der Kongreß der sozial- demokratischen Partei Serbiens statt. ES war der�erfte Kongreß nach den Kriegen. 128 Delegierte, davon drei au« den neuen Provinzen, nahmen daran teil. Der Kongreß, einer der wichtigsten, den«nsere serbisch« Bruderpartei abgehalten hat, zeigte, daß die sozialdemokratische Partei in alle« Gegenden, wo sich Arbeiter befinden, vorgedrungen ist. daß stch die politischen Organisationen in bemerkenswerter Weise cutivickelt haben und daß sie tapfere und entschlossene Genossen in ihren Reihen zählen. Die Eröffnungsrede des Kongresses hielt der Parteisekretär Genosse Dr. Lnptsche witsch, einer der ältesten Genossen, der seinerzeit zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und infolge der allgemeinen Amnestie kürzlich befreit worden ist. Ten Kongreß leitete als Vorsitzender Genosse Kaschanitsch, der nach einer kurzen Ansprache das Wort den Delegierten der Brudcrparteien erteilte. Es waren die Parteien auS Oesterreich, Ungarn, Bul- garicn und die kroatisch« rrnd tschechische Partei vertreten. Beson- deren Beifall zollte der Kongreß dem Vertreter der bulgarischen Sozialdemokratie, dem Genossen Sakasow. Er führte auS: .Unsere Soldaten und die Eurigen lebten lange Zeit wie Brüder. Aber die Intrigen der Diplomaten, der JinpcrialiSm»» und der Despotismus unserer Dynastien haben sie in einen brudermörde- rischeii Krieg gehetzt.' Im Verlauf seiner Rede entwarf er ein Bild der politischen Lage auf dem Balkan. Niemals und nirgends seien die Bedingungen für die Errichtung einer föderierten Republik auf dem Balkan günstiger gewesen alS gegcnlvärlig. Bulgarien bat in den beiden Kriegn 100 000 Menschen verloren und eine Milliarde Schulden gewonnen. Ucvergll herrscht der Hunger und das Elend. Eine tiefe Unzufriedenheit durchdringt das Volk. Sie hat ihren Ausdruck bei den letzten Wahle» gefunden, Ivelche 37 sozialdemokratische Delegierte in das bulgarische Parlament brachte». Der Kongreß nahm alsdann die Berichte des Parteisekretär» und des Kassierers entgegen. Es folgten Referate über dos all- gemeine Wahlrecht zum serbischen Parlamente, über den Militaris- mus und andere». Entsprechende Resolutionen fanden Annahme. Darunter ist eine Resolution übsr die Lage, die durch die Kriege auf dem Balkan geschaffen worden ist. Der Kongreß verlangt die Einführung der Selbswerwaltung in den von Serbien eroberten Provinzen, die politiscstc Gleichheit der Bewohner dieser Provinzen, olmc Unterschied der Rasse, der Religion und der Nationalität; die Abschaffung des Feudalsystems, soweit es noch in Kraft ist. Grund und Boden soll denen gehören, die ihn bearbeiten. Der Kongreß hat außerdem einen Aufruf an das serbische Proletariat sowohl wie an da» Proletariat der anderen Balkanstaaten erlassen, alle Kraft daran zu setzen, um einen engen Zusammenschluß der Balkan- Völker herbeizuführen, damit so der Errichtung einer föderierten Republik aller Baltanstaaten vorgearbeitet werde. , Nach dem Kongreß fand eine große Demonstration für die Annäherung Bulgariens und Serbiens statt. Diese Demonstration sowie der ganze Kongreß haben bewiesen, daß die Sozialdemokratie die furchtbare Zeit der politischen Verwickelungen gut überstanden hat, und daß s i e allein imstande ist. die Balkanfrage, die durch die Diplomaten der großen militärischen Mächte immer unheilvoller verwirrt wird, zu lösen. poUzelliche», Gerichtliches usw. Di« beleidigte Berliner Polizei. Vor der Lübecker Strafkammer hatte sich am Freitag Ge- nasse Stelling als verantwortlicher Redakteur de»„Lübecker V o l k S b o t e n" wegen angeblicher Beleidigung der Berliner Polizei zu verantworten. Am 4. März erschien in unserem Lübecker Parteiorgan ein Artikel, der sich an die Parteigenossen. Arbeiter und Arbeiterfrauen wandte und sie zur Werbung für die Partei in der Roten Wache aufsardert«. Es wurde darin auch hin- gewiesen auf die Gefahren, die dem KoaTiHonsrecht der Arbeiier drohen und im Anschluß daran gesagt: „Arbeiter! Denkt an die strcikbrcchcndcn Totschläger, denkt an die Hintzegarde, an den Mörder Kciling, der im Austrage der Berliner Polizei und des Arbcitaeücrverbandes„arbeitend", den , Maschinenmeister Solinger erschoß." In diesem Satz erblickte der Berliner Polizeipräsident von Jagow, dem ein„patriotischer" Tenunziant eine Rümmer des „Lübecker Volksboten" übersaudt hatte,«ine schwere Beleidigung der Berliner Polizei und stellte gegen den Genostcil Stelling Strai- antrag. Taraushin erhob die Staatsanwaltschaft, die vorher in dem Artikel sicherlich nichts Beleidigendes entdeckt hatte, Anklage. In der Verhandlung hob Genosse Stelling hervor, daß es ihm gar nicht in den Sinn gekommen sei. zu behaupten wie die Staatsanwaltschaft es tut— daß der Kciling im Austrage der Berliner Polizei den Buchdrucker Solinger erschossen habe, sondern daß er nur hervorheben wolle, daß dieser Totschläger vorher snr die Berliner Polizei und für den Arbcitgebervcrband tätig war, wie auch aus dem vom„Volksboten" veröffentlichten Bericht über die Verhandlung gegen Keiling hervorgehe. Der Verteidiger, Gc- noffc Wolfgang Heine- Berlin, stellte de» Antrag, den K e i l i n g als Zeugen zu vernehmen; er solle bekunden, daß er bis zu seiner Abreise nach L c i t in e r i tz in Berlin von d c r P o k i z e i a l s Agent und V i g i l a n t, n a m c n l- lich zur U c b e r w a ch u n g von Streikenden bei Arbeitskämpfcn vcr>v endet worden ist, iii:d daß er auf Grund dessen die Erlaubnis zum Waffen- tragen erhalten hat, obgleich der Berliner Polizei seine Vorstrafen bekannt Waren. Ferner, daß er gleichzeitig im D i c n st c des Arbeitgeber- Verbandes als St rcikbrechervcr mittler stand und für jeden vermittelten Streikbrecher 20 M. erhalten habe. Auch solle er über seine Vorstrafen aus- sagen. Der Staatsanwalt unterstellte alles, was in dem Antrag von Keiling gesagt wird, als wahr, ebenso das Gericht. Das Gericht verurteilte dennoch Genossen Stelling zn 3 00 M. Geldstrafe, weil es der Meinung lvar, daß ein im- befangene Leser aus dem inkriminierten Satz herauslesen müsse, d e Berliner Polizei stände mit dem Mord Kciling» in Verbindung. Als strafmildernd lmbe es angenommen, daß kein vernünftiger Mensch glauben könne, die Berliner Polizei habe die Mordtat angestiftet._____ Sozialdeniokrat— eine Beleidigung. Vor dem Kölner Schöffengericht hatte sich im Offizin l- verfahren ein Bähnarbeiter ans Kalt zu verantworten, weil er seinen Schwager, den Hilfsweichensteller P., durch die Behaup- tung, dieser sei Mitglied des„sozialdemokratischen" Eisenbahner- verbände» beleidigt haben soll. Ter als Zeuge vernommene Hilfs- Weichensteller bekundete, er sei von seinem Vorgesetzten zur Rede gestellt worden und mau habe ihm gesagt, wenn er das nicht an» zeige, müsse angenommen werden, daß die Behauptung wabr sei. E» sei unwahr, daß er je in einer solchen Versammlung gewesen sei; jeder, der die besuche, werde entlassen. Das Gericht nahm an, daß der Beweis der Wahrheit nicht erbracht sei, und daß der Angeklagte den Zeugen habe beleidigen wollen. Er erhielt eine Geldstrafe von 10 M. Der badische Landesparteitag wird am 20. und LI. Juni in F r e i b u r g stattfinden._ Letzte Nachrichten. Ansspcrrnng der schlcsischrn Glasarbeiter.. Görlitz» 23. Mai. Wie der„Neue Görlitzer Anzeiger" ruddeb, wurde in einer gestern in Kphlfurt abgelsaltenen Versammlung des ArbeisiwberschutzvcrbandrS deutscher Glas- fchbriken beschlossen, sämtliche Arbeiter auszu- sperren, nachdem je/tcns der Organisation die Sonderling gestellt wurde, dir Arbeitszeit auf neun Stu-nden- zu verkürzen. Von der Anssperrung werden Mrofftzn die Glas- sabriken von Penzig, Äohlfurt,.Holbou, Wiesau, Hortmannsdorf und Rietlchen. Heute, Sonnabend, wurde den Ardeitern die Kündigung zum 6. Auni mitgeteilt. Es kommen un- gefähr 3 000 Arbeiter� in Frage. In Rauscho stehen bereits iöO Arbeiter im streik. Folgenschweres Gewitter im Hamburger Gebiet. Hamburg, 23. Mai. Eine heute nachmittag gegen 4 Uhr Plötz- lich einsetzende stürmische Nordwcstböc, verbunden mit Ge- Witter, hat»m Hafen, in der Stadt und in den Vororten großen Schaden angerichtet. Im Kohlcnhafcn sind der- schiedene Dampfer von den Bertauungen losgerissen und ins Treiben gebracht worden. Eine Viermastl'ark, die ebenfalls von den Vcrtauungcn losgerissen worden war, riß einen eisernen Kran um. Der Maschinist des Kraus wurde verletzt. Auch in anderen Häfen sind Dampfer und kleinere Schiffe losgerissen worden. Mit Hilfe von Schleppern konnten sie jcd»h wieder zu den Liegeplätzen ge- bracht werden. Bei Reu m ü h l e n hat der Sturm einen großen eisernen Schornstein, bei den ElektrizitätAnerken an der Unter- elbc ein zum Abtragen eines Schornsteins bestimmte» Gerüst. auf dem sich 5 Arbeiter befanden, umgerissen. Tic Arbeiter stürzten aus einer Höhe von 30 Metern herab und wurden sämtlich schwer verletzet. Drei von ihnen sind ihren Verletzungen bereits erlegen. In den Vororten wütete der Sturm mit besonderer Heftigkeit. In einigen Straßen wurden die Allccbämne �reihenweise umgelegt und die Dächer teilweise ab- gedeckt. Die Straßenbahnen außerhalb der Stadt konnten zeitweise nicht fahren, da der haushoch aufgewirbelte Sand die Führer am Sehen verhinderte. Auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel sind die Flug- zelte der Militärverwaltung und der Zivilflieger zum größten Teile zerstört worden. Auch mehrere Flugzeuge wurden beschädigt. �Schweres Unglück bei der Kieler Segelregatta. Kiel, 23. Mai.(W. T. B.) Während der heutig-u 3. Dorbon-dtzwetksahrt das Kaiserlichen Nachtklulbs brach in der Regatta der Kriegsschiffboote über der Kieler Föhrste ein furchtbare» Unwetter los. Von den großen Nachten brachen„Meteor".„Komet" und„Cecilie" die Großmast- stänge. Von den Kriegsschiffbooten kenterten zwei K u t t e r. Sämtliche Insassen fielen ins Wasser. Fünf Mann rrtemnken, und zwar von der 3. Kompagnie der l. Ma- trosewnbtf�nrg-Obermaat'B o e t t ch c r, der Matrose S k r n P k e von der 6. Kompagnie der 2. Matroicnabteilung. die Matrosen R a s m u s s c n, O h l s e n und K e p s c l. (letzterer Name ist ungenau.) Außerdem sind vier Kriegs- schiffkutter in der Nähe von Möltenort gestrandet, aber wieder abgeschleppt worden._ Tic Explosion in Türen. Düren» 23. Mai. Bis 5 Uhr nachmittags wurde noch ein Toter ausgefunden. 15 Verletzte konnten entlassen werden, nach- dem sie verbunden worden waren. Ein schnöder Akt der mexikanischen Regierung. Mexiko» 23. Mai. Nach der Einnahme von Tcpic sind über 200 Kriegsgefangene erschossen worden. Deutsches Leben und Eigentum ist bisher in Tepic unverletzt. Ein neuer Suffragcttenakt. Evinburgb, 23. Mai. Eine Suffragette beschädigte mit e i n e r A x t in der Königlich Schottischen Akademie ein von Laverh gemalte» Porträt des Königs. Sie wurde verhastet.. Alpacca-Hantel Popeline der typisdte, luftige Somraer-Mantel mit schönem versierten Schal, schöner Rosette unö ebensolchem Spitzen- Kragen ganz vorzügliche Ware, Kragen mit eingelegter, passender Seiden- Verzierung, seidenöurch- wirktem Schloss. m. angesetztem und glodcig fallenden Volant 12.- 18.75 belebte, kleidsame form — sehrfcaA— mit Taschen und schönem Stoff gürtel. 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Redalt.: Alfred Wirlepp. Reukölln. Inseratenteil verantw.- TV. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagsanjtaIr Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 6 Beilage». ir. im. si. j Keilllge des„UllMllrts"§ti\m WlllglllM. � � tM- Gewerkschaftliches. die gelbe MgefteUtenbewegung kommt! Vor sechs Jahren holten die Kapitalgewaltigcn der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, die Scliövfer der gelben Arbeiterbewegung Teutschlands, zu cineur großen Schlage gegen die junge Angcstelltenbewegung aus, der hauvtsächlich den gewerkschaftlichen Bestrebungen der technisch-industricllen Beamten galt, durch den infolge der summarischen Beschluß- sassung des Verbandes bayerischer Metall» industrieller aber einige ganz harmlose Privatbeamten- vereine mit getroffen wurden, Sümtlichc angeschlossenen Werke wurden angewiesen, in Zukunft keine Mitglieder der betreffen- den Organisationen mehr zu beschäftigen, und durch eine Per» ständigung mit dem Zentralverband der Industriellen sollte dieses unerhörte Attentat auf die Koalitionsfreiheit noch aus das ganze Reich ausgedehnt werden. Ter Plan scheiterte da- durch, daß der„Geheimcrlaß", in dem der Bayerische Jn- dustriellenverband seine Mitglieder entsprechend instruierte, durch einen freundlichen Zufall an die Oesfentlichkeit kam und wegen seiner brutalen Gesetzesverhöhnung selbst in der biirger- lichen Presse so lebhafte Proteste auslöste, daß er bald darauf zurückgenommen werden mußte. Diese offenbare Schlappe hat die Machthaber in Augsburg aber keineswegs zur Ruhe gebracht, sondern sie nur veranlaßt, neue Mittel und Wege zu suchen, um a u f a n d c r c W e i s e zu ihrem Ziele zu kommen, der gewerkschaftlichen Angestellten- bewegung den Lebcnsfaden abzuschneiden. Dabei kam ihnen Herr RudolfLcbius im rechten Augenblick zu Hilfe, der gleichzeitig an den Syndikus der bayerischen Metall- industriellen, Rechtsanwalt König, und an den Prokuristen P f c i f er der M. A. N.(den Leiter der Augsburger Gelben) die Anfrage richtete, wie es mit der Gründung einer gelben Arbeiternehmcrorganisation für Techniker und andere Privat- bcamten wäre. Diese Anregung siel auf fruchtbaren Boden und im Frühjahr 1909 wurde in Augsburg derer st egelbe Bcamtenverein gegründet I Das Augsburger Beispiel ist � bei den übrigen Scharf- Machern nicht unbeachtet geblieben. Konnte die Gründung selbständiger Beamtenwcrkvereine wegen der meist zu geringen Zahl der Angestellten auch nur selten durchgeführt werden, so sind doch die verschiedensten Vcrsudze gemacht worden, die An- gestellten zunächst den gelben Arbeitervereinen zuzuführen. Diese Bemühungen haben bisher aber mich nicht den erwarteten Erfolg gehabt und gaben Veranlassung, daß vor Jahresfrist, gelegentlich des Zusammenschlusses der Arbcitgeberverbände, „strengvertraulichc" Beratungen darüber gepflogen wurden, wie man der fortschreitenden Aufklärung unter den Privat- beamten am besten Einhalt gebieten könnte. Das Ergebnis war der Beschluß, bei sinkender Konjunktur den Kampf gegen die Organisationen auf der ganzen Linie auf- zunehmen, und zwar sollte vornehmlich versucht werden, ihnen die Zwangsjacke der gelben Vereine anzuziehen. Ist dieser Zeitpunkt jetzt gekommen? Am 18. Januar d. I. wurde in dem schon länger bestehen- den„Verein der Kruppschen Beamten" in Essen ein Vortrag gehalten über:„Tie Interessenvertretung der großindustriellen Beamten auf wirtschastsfriedlicher Grundlage". Referent war Dr. Sperling- Bochum, ein im Jndustriebezirk als Orga» nisator der Gelben bekannter Herr. Seine Ansfübningen, die von der Tendenz getragen waren, die millionenschwere Firma Krupp als unüberwindlich und jede Kampfcsorganisation als zwecklos hinzustellen, hatten den Erfolg, daß nunmehr die von Dr. Sperling begründeten„Richtlinien" zum offiziellen Pro- gramm des Vereins erhoben worden sind. Von welcher Art diese Richtlinien sind, ergibt sich aus folgenden Sätzen: Der V. Ä. B. hat den Zweck, seine Mitglieder in geistiger. sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu Heven. Er geht bei seiner Organisation und bei seiner Arbeit von der Tatsache auZ, daß die Interessen der Unternehmer sowie der Beamten und der Arbeiter überwiegend gleich- laufend sind. Als Organisationssorm erscheint ihm deshalb die B e t r i c b s o r g a n i s a t i o n als die gegebene und die zweckmäßigste und als Arbeitsweise das friedliche Zu- sammcn wirken mit dcmUntcrnehmer. Tie Beiträge der Firma an seine Kafie sind gerecht- fertigt durch die wirtschaftliche und soziale Gemeinschaft sowie die besonderen wirtschaftlichen Vorteile, die auch(!) der Firma durch die Wirksamkeit des V. K. B. erwachsen. Der V. K. B. verwirft den Streik, da er für Bc- amte ungeeignet und zudem nicht in Einklang zu bringen ist mit dem besonderen Vertrauensverhältnis, in dem der Beamte in seinem Werke durch Uebernakune einzelner Unternehmer- ftinktionen steht. Die streikgewerkschaftliche Methode verbittert die Angestellten zwecklos, zerstört die Arbeitsfreude und vcr- hindert van vornherein die friedliche Verständigung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft. Ter V. K. B. ist konfessionell streng neutral. Der V. K. B. steht gemäß seinem grundsätzlichen Festhalten an der heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung unbedingt auf nationalem Boden. Im übrigen d) ist er parteipolitisch st r e n g neutral. Bei den Wahlen empfiehlt er, in erster Linie für solche.Kandidaten der bürgerlichen Parteien ein- zutreten, die dem Gedanken der wirtschastssriedlichcn Interessen- Vertretung freundlich gegenüberstehen. Ein Eintreten zugunsten der Sozialdemokratie ist ausge- schlössen. Tie Bedeutung dieser' Richtlinien liegt darin, daß in ihnen zum erstenmal der Versuch gemacht wird, der„Wirt- schastsfricdlichcn" Angestclltenbewcgung eine programmatische Grundlage zu geben. Auf die Planmäßigkeit des Vorgehens deutet auch der letzte Leitsatz, in dem die Absicht ausgesprochen würd, mit gleichen Bcaintcnorganisationen auf anderen Werken zusammen- zugehen. Tonach soll zweifellos die bisher ziemlich regellos betriebene Züchtung von gelben Jndustricbeainten nunmehr in ganz bestimmte Bahnen gelenkt und durch plan- mäßige Z u s a m m c n f ü h r n n g aller jetzt noch zusammenhanglos arbeitenden Beamten- wcrkvercinc eine einheitliche gelbe Angc- stelltcnbewegung geschaffen werden. Tatsächlich ist bereits vor einigen Wochen ein weiterer Ver- such nach dieser Richtung gemacht worden. Aus den Krupp- Grusonwerkcn in Magdeburg wurde ganz plötzlich und mit verdächtiger Hast die Gründung eines Beamtcnwerk- Vereins in die Wege geleitet. Zu dem Zweck wurden die An- gestellten von einem mysteriösen Bcamtenausschnß ersucht, bis zum anderen Tage mittags(!) ihre Bei- trittscrklärung abzugeben. Als Zweck des Ver- eins wurde zunächst die Pflege der Geselligkeit und Kamerad- schaftlichkeit angegeben. Aber, so hieß es weiter:..die Ans- dehnung seiner Betätigung bleibe vorbehalten". Genau wie in Essen, wo im Anfang auch alle möglichen geselligen Zwecke vorgeschützt wurden, um zunächst das Mißtrauen einzuschläfern und auf bequeme Weise einen Stamm von Mitgliedern zu gewinnen. Diese Methode verdient um so mehr Beachtung, als bc- kanntlich heute schon bei allen größeren Unternehmungen bc- sondere Gesang-, Theater- oder Sportvereine bestehen, in denen durch die Mitgliedschaft hochgestellter Direktoren und durch reichlich fließende llnterstütznngen der Ruhm der Firma organisiert nnd eine- zweifelhafte Dankbarkeit bei den Angc- stellten hervorgerufen wird. Von diesem verkappten Seelen- fang bis zur offenen Betätigung gelber Kampfmethodcn ist nur ein sehr kleiner Schritt, der besonders in kritischen Zeiten leicht getan wird, und es wäre deshalb wohl angezeigt, daß diesen von„oben" protegierten Vereinigungen seitens der An- gestellten, namentlich soweit sie gewerkschaftlich organisiert sind, etwas mehr gesundes Mißtrauen entgegengebracht würde, denn von der Größe und Wachsamkeit dieses Mißtrauens wird es schließlich abhängen, in welchem Uni fange das gelbe Giftvon den An- gestellten Besitz ergreifen wird. Serlin und Umgegend. Tie„verunreinigte" Strafte. Der polizeiliche llcbereifcr im Dienste der beiden Großbäckereien Goldacker und Wcidncr zeiiigt immer sonderbarere Blüten. Kleines Feuilleton. Tie Reklome de? Patriotismus. Man muß sich eigentlich wundern, daß das Geschäft noch so gut geht. Aber scklietzlich ist sich die deutsche Vaterlandsliebe G. m. b. H. scbr wohl bewußt, daß die Sache nur bei.ausreichender Reklame fluscht, und daß bk Verehrung für die Dynastie und das Militär nur dann ge- näbrt wird, wenn man Propaganoa treibt wie jene Fabrik eng- lisch« Toilettcnseifen: unermüdlich, überall, bcbarrlich nnd teuer. Ein großer Teil unserer gesamten illustrierten Presse lebt von dieser Spezialdummheit der Mitmenschen. Unerschöpfliches Thema: der Kaiser. Ter Kaiser beim..., der Kaiser im.. der Kaiser mit... Und allemal hat er zwei Beine und sieht so aus, wie jeder gelvöbnlichc Mensch. Aber das allein macht's nicht. Da haben wir nodi die sehr wichtigen Militäraufziigc, deren Stupidität innerhalb ocs Abspcrrungskordoiis photograpbicrt wird, und die der brave Bürger nun ungehindert beglotzen darf. Und da baben wir vor allem: den Liebreiz und die Eleganz nnd die Feinheil und oas vornehme Wesen. Ich bitte Sic— da ist eine Prinzessin, und sie lächelt, und auf ihrem Schoß bat sie ein kleines Baby in Spitzen. Ter Leser sieht's und der pa- triotiichcn Brust entringt sich der Ausruf: so jung und schon ein Prinz! Ja, kann denn so ein feines, entzückendes, pikvornchmes Wesen einer Macht und einem System angehören, das wir vcrab- scheuen?„Es ist von jeher unter feinen Leuten üblich gewesen, die Personen des Kaiserhauses aus der Debatte zu lassen"; was aber nicht hindert, daß man mit den immerhin gut gewachsenen Menschen krevscn geht und sie als Reklameplakatc für politische .Konstellationen ausbeutet. Gewiß ist die Herzogin Viktoria Luise van Braunschweig im Kamps um das allgemeine Wahlrecht in Preußen etwas herzlich Gleichgiiltiges. Ader die Fäden, die da hin und her laufen, sind doch feiner als man denkt. So eine Photographie(„Die Herzogin im Kreise ihrer Lieben", Der Täuf- ling",„Der Oberhofpastor vor der Taufe",„Ter Oberhofpastor nach der Taufe") strahlt eine Gloriole aus, die ein« ganze Weile haften bleibt. Liebovoll vertieft sich der Abonnent in diese kind- lichen Bilderbogen und spürt jeder Falte seiner Fürsten nach; ob sie die im Gesicht oder an der Hose werfen, ist gleich. Von den bunten Federbüschen der Militärsoldaten bis zu den eintönigen Illustrationen der Pressp: es ist immer dasselbe. Ter Patriotismus macht Reklame, und ci muß ja am besten wissen, daß erS nötig hat. Die Kuh als soziales Vorbild. Sobald unsere ABC-Schützen ziisammenhängende Sätze zu lesen verstehen, führt man sie in die Poesie ein. Und zwar geschieht das auf allen deutschen Schulen gleichmäßig durch ein gemütvolles Gedicht, das also lautetz Muh, muh, muh! > So macht die bunte Kub. Wir geben ihr das Futter, Sie gibt uns Milch und Butter. Muh, mnb,� muh! «o macht die bunte Kuh. Man mag über den poetischen Gehalt dieser sechs Verse nicht geraoe sehr entzückt sein, tut nichts, wenn es den Kleinen mir Spaß macht. Aber etwas bedenklicher sind doch die Vorstellungen, die dieses Gedichtchen von dem Verhältnis eines verehrlichen Rind- Viehes zur fütternden Menschheit erweckt. Das wird so dargestellt, als sei es jener berühmte„freie Arbeitsvertrag", den die meisten Kinder später einmal kennen lernen, wenn sie aas erste Schul- gedickst längst vergessen haben.„Wir geben ihr das Futter"— als humane Arbeitgeber, die da wissen, daß eine gute Kuh ihres Klees wert ist,—„sie gibt uns Milch und Butter"— als getreuer Arbeiter, der weiß, daß nian nicht umsonst„dem Ochsen das Maul nicht zubindet, der da drischt". Damit pflanzt die Fibel die erste soziale Lüge, ins Kinder- herz. Eine harmlose, sicherlich, wenn sie allein stünde. Aber was die Fibel harmlos begann, das setzt das Lesebuch und besonders der Geschichtsuuterrichl sehr wenig harmlos fort. Wie zu allen Zeiten die regierenden Herren das Volk gleich der Kuh am Rasen» ring im Stall ihres Ausbeutungssystenis festgebunden haben, um es lustig zu melken, das wird genau so gesühlswarm als ein Pakt aus Gegenseitigkeit hingestellt, wie der„Arbeitsvertrag. mit oer Kuh". Nach der Geschichtsweisheit, die die Schule lehrt, haben immer die Fürsten ihre Völker dickzesiittert, nicht umgekehrt. Für den aber, der Sinn für Symbolik besitzt, gleicht in ge- wiffem Sinne der„freie" Arbeitsvertrag wirklich dem Pakt zwischen dem Menschen und der Kuh. Was geschieht der Kuh. wenn sie keine Milch mehr gibt? Man zieht ihr das Fell über die Ohren! Eine eigenartige Form der Fortpflanzung. Eine sehr merk- würdige Planarienart hat der amerikanische Zoologe Ehild in der Umgegend von Chicago beobachtet. Diese Gattung der„Strudel- Würmer", Planzria vclata, entwickelt sich in einigen Wochen zu voller Reife. Die Würmer fresse» mit Gier und wachsen außer- ordentlich rasch bis zu 12 oder 15 Millimeter, dann tritt ein ebenso rasches Aliern ein; die Planarien verlieren ihren Hunger, ihre Farbe verschwindet und ihre Bewegungen werden langsamer nnd langsamer. In diesem Zustande vollzieht sich nun das seltene Phänomen der Fortpflanzung, das Child im langjährigen Studium bei diesen Würmern beobachtet hat. Die Planarie verliert zunächst ein kleines Stück vom hintersten Ende ihres Körpers, dann ein anderes, dann nach ein anderes und verringert sich so allmählich bis zur Hälfte, dann bis auf ein Drittel ihres Umfanges. Jedes Von der Streikleitung waren eine Anzahl mit polizeilicher Erlaub- nis zum Verteilen von Druckschriften auf öffentlichen Straßen und Plätzen versehene Leute angenommen, die Flugblätter verteilten, in denen vom Streik bei Goldacker und Weidner Kenntnis gegeben wurde. Dieses Verteilen der Flugblätter hat es der Polizei de- sonders angetan? Nickt nur, daß die Verbreiter derselben belästigt und sogar sistiert und widerrechtlich längere Zeit festgehalten wurden, sondern gegen einige Zettelverteiler wurden auch Strafbefehle er- lassen mit so sonderbaren Brgründungen, daß wir glauben, der Nachwelt diese Ausflüsse tiefgründiger Polizeiweisheit erhalten zu sollen. Der eine dieser Sirafbefehje lautet: Der Polizeipräsident. 95. Polizeirevier, Fruchtstr. 70. Sie haben am 1K. Mai 1914 gegen 4.30 in der Koppenstraße vor dem Hause Nr. 75 dadurch groben Unfug verübt, daß Sie beim Verteilen von Druckschriften die Verkäuferin Mathüd« Ruppe durch weithin hörbares Schimpfen belästigten. Durch Ihr Gebaren verursachten Sie einen Auflauf von ungefähr 20 Personen. Dieses prositgefährdende Perbrechen soll mit 6 Mark geahndet werden. Wenn man nun schon der Meinung ist, daß die Polizei dazu da sei, das Publikum vor Belästigungen zu schützen(wenn auch Streikende von dem Schutz vor den„Siebenmonatskindern" nie etwas gemerkt haben), so muß man beim Folgenden sich doch fragen: wie weit soll der Eiser der Polizei im Dienst der Unter- nehmer noch gehen? Ein zweiter Strafbefehl lautet nämlich: Ter Polizeipräsident. 97. Polizeirevier, Greifenhagener Str. 17. Sie haben am 16. Mai d. I. gegen SV* Uhr nachmittags in der Schönhauser Mee vor den Häusern 71 /71a Zettel mit der Ausschrist: Organisierte: Streik in 2 Großbäckereien usw. ver- teilt, welche das Publikum sofort wegwarf und wodurch die Straße verunreinigt wurde.(!!) Ter im Interesse der Reinlichkeit aus der öffentlichen Straße an Sie ergangenen Aufforderung eines Aufsichtsbeamten, das Zettel- verteilen einzustellen, haben Sie keine Folge geleistet. Aus Grund der§§ 132, 183 der Straßenordnnng vom 31. 12. 39 wird deshalb gegen Sie eine Geldstrafe von vier Mark, an deren Stelle, wenn sie nickst beizutreiben ist, eine Haft von 2 Tagen tritt, hierdurch festgesetzt. Ein anderer Zetielverteiler, der ebenfalls dadurch„die Straße verunreinigt" haben sollte, daß er Zettel verteilte, die das Publi» kum wegwarf, erhielt 3 Mark Geldstrafe eventuell 1 Tag Hast! Wir würden die Wirkung dieser Polizeiweisheit abschwächen, wollten wir dazu noch ein Wort sagen. Neugierig freilich sind wir, ob das Gericht diese Polizeiaussassung teilt! Nach dieser Logik der Polizei müßte in Zukunft das Verteilen von irgendwelchen Druck- schristen, mögen dieselben nun Reklamezettel für Abzahlungsgeschäfte, Anpreisungen von Lokalen, Heilsarmeeversammlungen oder sonst etwas sein, überhaupt verboten werden. Denn alle diese Zettel werden doch, meist sogar ungelesen, weggeworfen und die Straße wird damit verunreinigt! Dergleichen tut die Polizei nicht. Warum also wurden die Zetielverteiler weggewiesen. welche die orgoni» fierten Arbeiter über die Tatsache ausklärten, daß die Arbeiter von Goldacker und Weidner(Firma Hanke u. Co.) im Streik stehen? Achtung, Gnstwirtsgehilfen! Nachstehende Lokale find wegen Differenzen gesherrt: Restaurant Vater Fielitz(Jnh. F i e l i tz> in Grünheide, Strand-Restaurant Richtershorn(Jnh. R e ck) in Grünau. Hauptrestaurant EierhanS 3(Jnh. Ä a m m I a) in Treptow. Steh- bierhalle" am Paradiesgarten(Jnh. Gantzberg) in Treptow, Restaurant Pferdebucht(Jnh. Wolter) in Köpenick. Verband der Gasiwirtsgehilfen. Berlin I. D»>-©tr*il am Berliner Wrsthasr» ist beigelegt. Zur Bei» legung der Tiiserenzen haben �eehrmsl.,»«,»« stalUaemnden, die von Erkolg gekrönt ware'n. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen._ KutschcranSsperruug in Charlottenburg. Tie Firma Brciteilung, die für die Stadt Eharlottenburg die Müllabfuhr besorgt, bat am Freitag sämtliche bei ihr bcjchästigtcii Kutscher und Verladcarbeiier, 91 an der Zahl, ausgesperrt. Ter Grund für die Aussperrung soll darin liegen, daß die Kutscher sieh weigerten, am Himmelfahrtstage Müll abzufahren. Seit dein Jahre 1910 ist dieses Verlangen niemals an die Arbeiter geiiellt worden. Es lag diesmal kein besonderer Anlaß dafür vor, diese Arbeit am Himmelfabrtstagc zu verlangen. Wahrscheinlich ist es getrennte Stück rundet sich, sondert einen Schleim ab, der hart ivird, und findet sich so bald in eine Art Schutzsack eiiigeschloffen. Diese kleinen Kügelchen der Planaricn bleiben so unverändert den Sonimcr und de» Winter über, und erst im kommenden Frühjahr entwickeln sich daraus wieder kleine Würmer, die nun rasch wieder zu normalen Planaricn werden. Der vordere Teil der alten Pia- naric stirbt, nachdem sich die hinteren Teile von ihr getrennt baben oder kapselt sich auch ein. Ehild hat während der 13 Jahre seiner Beobachtungen keine andere Art der Fortpfanzling bei diesen Pla- uarien sestgesiellt. sodaß sie als die normale Form bei diesen merkwürdigen Tieren angesehen werden mutz. Wälder, die zu Papier werden. Mehr als eine halbe Milliarde Mark ist das Holz Inert, das die Welt jährlich zur Erzeugung- von Papier verwendet. Im lausenden Jahre werden rund 88 Millionen Festmcter gebraucht, und zwar 20 Millionen zur Erzeugung von Holzzellstofs, 13 Millionen für Holzschliff und die übrigen 5?Nilli- oiien zur Herstellung von Holz und Pappen. Unter den Er- zeugungsländern dieser gewaltigen Holzmassen sieben, wie die „Naturwissenschaften" mitzuteilen wissen, die Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze, die etwa l'A Millionen Tonnen liefern. Es folgen in iveitem Abstände Schweden mit 710 000 Tonne», Deutschland mit 700 000 Tonnen, Und dann wieder in großem Abstände Norwegen mit 280 000 Tonnen, Oesterreich-Ungarn mit 260 000 Tonnen und Kanada mit 210 000 Tonnen. Tie Bcsürch- tung, daß die Abnahme der Wälder in absehbarer Zeit einen Mangel an Rohstoff nach sich ziehen werde, scheint unbegründet. Jahre daheim, und er- übrigen dabei soviel, daß sie unter Zuhilfenahme der jährlichen Fremdenausbcute es nicht nötig haben, auswärts die Heiligen zu spielen. — Der Kampf u m die Vaterschaft geht im Hause Wahnfried lustig weiter. Frau Cosima läßt jetzt einen Amts- gerichtsbeschluß von 1888 publizieren, in dem nur Siegfried Wagner als Richard Wagners Kind und Erbe anerkannt wird, während Cosimas Töchter Eva und Isolde als Bülows Kinder nach dem formellen, aber sehr häufig gar nicht zutreffenden, römischen Rechtsgrundsatz ausgegeben werden, daß als Vater zu gelten hat, wer in gültiger Ehe mit einer Frau lebt.— Daß dieser heuchlerische Rechtsgrundsatz herangezogen werden konnte, war ja klar, aber die Frage ist doch: wer ist der natürliche(und nicht der juristische) Vater. — Die Alpen als Spekulationsobjekt. Ein fin- diger Unternehmer ist auf die Idee gekommen, ein großes Stück der deutschen Alpen zu monopolisieren. Er hat das vielbesuchte Großglocknergebict aufgekauft, um es nach allen Regeln geschäftlich auszubeuten. Jeder Besucher wird also künftig Entree zu zahlen haben; jeder Juchzer ist gebührenpflichtig, jede Aussicht kostet extra. Es ist in der Tat höchste Zeit, daß diese gegen den Geist des Kapitalismus verstoßenden Gratisvergnügungen in den Alpen ihm endlich tribntär gemacht werden. — Das Petersburger Schachturnier ging Freitag zu Ende. Lasker gewann gegen Marfhall, Capablanea gegen Alechin. Das Endergebnis ist: Lasker IS'A Zähler, Capablanea 13, Alechin 13, Tarasch SM, Marshall 8. — Ein internationaler Kongreß für Ele- fanten schütz, bei dem alle Länder, die in Afrika Kolonien bc- sitzen, vertreten sind, ist in London zusammengetreten. Es soll versucht werden, möglichst gleichartige Bestimmungen über die Schonung und Jagd der Elefanten und der Nashörner zu ent- werfen. Besonders bei den einander benachbart liegenden Kolonien verschiedener Staaten ist die Einführung eines gleichartigen Schutzes der ohnehin nicht zahlreichen und dabei am leichtesten jagbaren Elefanten und Nashörner notwendig. : stehe. Im Jahre 1086 habe der Verband 109 Tarife für 1037 Ae- ' triebe und 5642 Mitgliedern abgeschlossen. 1913 seien es aber bereits 280 Tarife für 2097 Betriebe und 23 281 im Verband orga- nisicrten Mitgliedern. Redner kennzeichnete hierauf das Bestreben der Unternehmer der Steinindustrie zur Zentralisation, mit der man rechnen müsse und besprach die taktischen Maßnahmen bei der Aufftellung von Forderungen und bei der Durchführung der Lohn- kämpfe. Er warf dann die Frage: Lokal-, Bezirks--wer Reichs- taris? auf. Ter Lokaltarif gehöre der Vergangenheit an, normal sei in der Steinindustrie der Bezirkstarif. Auf dieser Grundlage müsse weiter gebaut, versucht werden, immer größere Einheitlich- kcit im Tarifwesen zu schaffen. In der Monumentbranche sei der Reichstarif nur noch eine Frage der Zeit. Bei der EntWickelung des Tarifwesens sei die Einsetzung eines Zentralschieds- g e r i ch t s notwendig. Ter Vorstand habe sich deshalb an den Unternehmerverband gewendet, dieser habe aber noch keinen defi- nitiven Bescheid gegeben. Redner betonte zum Schlüsse seiner Aus- führungen, die Verbandsarbeit, die Tarifpolitik müsse mehr von dem Gedanken an die Zukunft mit ihren größeren Aufgaben bestimmt sein.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurden auch die Lohnbewegungen der letzten beiden Jahre besprochen. Gewünscht wurde, daß der Vor- stand bei Bewegungen schärfer vorgehe. Das Verhalten des Vor- standes bei mehreren Tarifbcwegungen wurde kritisiert. Ein An- trag des Vorstands, der besagt, daß. wenn in einer Zahlstelle die Absicht besteht, den Tarif zu kündigen, hierzu das Einverständnis des Zentralvorstandes einzuholen ist, stieß auf teilweisen Widerspruch. Das Kündigungsrecht solle den Ortsverwaltungen zu- stehen. Zu größeren Auseinandersetzungen kam es über den Kampf im schlefischen Sandsteingcbiet, der vor kurzem beendet wurde, ohne daß die augedrohte Aussperrung in der Granit- industrie zur Durchführung kam, und über den Abschluß des säch- fischen Normaltarifs. Von Vorstandeseite wurde erklärt, daß nicht mehr erreicht werden konnte, als erzielt Ivurde. Bei der A bst i m m u n g ivurde der Vorstandsantrag, daß vor Kündigung eines Tarifs das Einverständnis des Vorstandes einzu« holen ist, gegen eine starke Minderheit angenommen. Die Kosten bei Abschlüssen von Bezirkstarifen tragen die Haupt- und Zahl- stellenkassen nur dann gemeinsam, wenn die Einberufung Und die Zusammensetzung der Verhandlungskommissionen nach vorheriger Verständigung mit dem Vorstand erfolgte. Der Verbandstaz stimmte ferner erneut der auf dem letzten Verbandstag zu dem Punkt Tarifwescn gefaßten Resolution zu, in der die grundsätz- liche Stellung des Verbandes dargelegt ist. In einer weiteren an- genommenen Resolution erhebt der Verbandstag Protest, daß in den meisten Steinbrüchen die Mcßkästen und Fördcrlvagcn noch nicht geeicht sind. Der Vorstand soll sich beschwerdeführend an de» Reichskanzler und an die Bundesregierungen wenden. Die Verhandlungen wurden dann vertagt. 12. Generalversammlung öes Deutfihen Textilarbeiterverbandes. Vierter Perhandlungstag. Dresden, 22. Mai 1914. Gewerkschaftliche Verfassungsfragen standen heute auf der Tagesordnung. Ueber den Punkt Einsetzung eines ReichsauSfchusses referierte Paul T i l l a ck- Rcichenberg: Seit Fall des So- zialistengesetzes hat die gewerkschaftliche Organisation ihre Mit- gliederzahl, Einnahmen, Ausgaben und Vermögensbestände enorm gesteigert.— Redner gibt darüber eine Reihe detaillierter An- gaben.— Aber mit der Größe blieb die Schulung der Mitglieder nicht in Einklang. Dazu kamen mit der EntWickelung zu Zentral- und Jndustrieverbänden Elemente in die Organisation, hie sich mit der Verfassung der modernen Gewerkschaften schwer befreunden können. Als ehemalige Lokalisten waren sie an restlöses- Selbst- bestimmungsrecht in der lokalen Organisation gewöhnt. Die Ent- Wickelung zwang aber dazu, das Recht der Entscheidung über Kämpfe in die Zentralverwaltung zu verlegen. Die Unternehmer- organisation ist weiter ausgebaut als die der Arbeiter, die Unter- nehmer können sich schneller und gründlicher über Maßnahmen verständigen als die Arbeiter. Hinzu kommt« daß Polizei und Gerichte zugunsten der Unternehmer mit ihren Maßnahmen wirken. Und die Unternehmer haben ein Interesse daran, die Arbeiter in für sie ungünstige Kämpfe hineinzudrängen, um ihre Kassen zu leeren. Die Leitungen dürfen es aber nicht zu Kämpfen kommen lassen, die zum Schaden der Arbeiter ausschlagen. Daraus entspringen schon Mißhelligkeiten. Für die Textilarbeiter sind die Perbältnisse besonders schwierig, weil hier die Marktlage von ver- schiedenen nicht leicht zu übersehenden Umständen abhängig ist. Hervorragend kommen dabei die Rohstoffversorgung und die damit in Verbindung stehenden Börsenmanöver in Betracht. Das alles macht eS notwendig, daß Beschlüsse über Streiks und große Bewegungen in geheimen Sitzungen gefaßt werden. Dabei kommt das Mitbestimmungsrecht oer Arbeiter zu kurz, daraus entspringen Differenzen, die ja auch schon die Theoretiker auf den Plan gerufen haben. Adolf v. E l m befürwortete die Ein- richtung eines Vertretungskörpers, der. bei den entscheidenden Be- schlüssen mitwirken soll. Ihm müßte als Vertretung der Mit- glieder Iveitgehende Befugnis eingeräumt werden. Auch Genosse Adolf Braun beschäftigte sich mit der Frage und kam zu dem Resultat, daß der Organisation größere Elastizität gegeben werden müsse. Es bestünden überlebte Verfassungsformen, die zu Wider- sprüchen zwischen Zentralverwaltung und Mitgliederkreisen führten. Solche Widersprüche und Differenzen werden sich in Zukunft noch mehren. Aus solcher Neberzeugung ist von Crimmitschau schon der Stuttgarter Generalversammlung ein Antrag auf Schaffung eines Aktionsausschusses unterbreitet worden, der dem Vorstand überwiesen worden ist. Und solche Anträge werden solange wieder- kehren, bis dem Verlangen der Mitglieder nach mehr Mitbe- stimmungsrecht Genüge geleistet wird. Wir verlangen nicht einen ständigen Aktionsausschuß, sondern eine Vertretung der Mitglieder, die von Fall zu Fall zu entscheidenden Beschlüssen zugezogen werden soll. Nicht aus Mißtrauen gegen die Zentralverwaltung verlangen wir den Aktionsausschuß, sondern um dem sonst stärker werdenden Mißtrauen vorzubeugen. Die kapitalistische Entwicke- lung macht auch vor den Gewerkschaften nicht Halt; Wohl oder übel müssen sie den Bedürfnissen der Zeit Rechnung tragen. (Beifall.) Als Korreferent vertrat Rössel- Berlin den Standpunkt deS Zentralvorstandcs: Ter Referent hat nicht bewiesen, daß die Rechte der Mitglieder beschnitten werden oder daß der geforderte Aus- schuß ihre Rechte vermehrte. Wichtig ist die von Tillack geschilderte Geschlossenheit der Unternehmerorganisation. Weiter ist von Be- deutung die Kampfmethode der Unternehmer. Diese Tatsachen und Umstände machen die Geheimhaltung der gewerkschaftlichen Beschlüsse. in Kampffragen zwingend notwendig. Das hat anch Tillack anerkannt. Was würde in dieser Beziehung durch einen Aktionsausschuß geändert? Entweder er hält die Beschlüsse ge- beim, Mißtrauen und die Mißstimmung richten sich auch gegen ihn; hält er die Absichten der Gewerkschaften nicht geheim, dann ist der Schlachlplan der Arbeiter verraten, die Unternehmer können sich danach einrichten. Beschlüsse größerer Vertreterkörper werden aber selten geheim bleiben. Früher, konnte man Siege erringen, weil die Unternehmer schlecht organisiert waren. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse in der Textilindustrie weiter kompliziert. Ter Unternehmer entwickelt sich immcrmehr zu einem unpersön- lichen Faktor, für den lediglich das wirtschaftliche Interesse ent- scheidet. Konferenzen haben ja schon immer stattgefunden; die Generalversammlung müßte deren Kompetenzen einmal genau abstecken. Auch muß sie entscheiden in der Frage der Streik- leitung. Darüber bestehen im Vorstand Mcinungsverschieden- heiten. Die Borsitzenden müssen gleichberechtigt sein. Ob Aktions- ausschuß oder nicht, ist keine Frage der Demokratie, sondern eine solche der Taktik. Aus taktischen Gründen muß man ihn ablehnen. Braun.hält viel von dem Elan der Arbeiter im Kampfe. Ich möchte sagen: Wohltätig ist das Feuer der Begeisterung, wenn. Erfahrung sie bewacht, damit kein Schadenfeuer entsteht. Be- geistcrung kommt aus dem Herzen, nicht aus der Wissenschaft. Mit Begeisterung will man die Welt erobern, aber— keine Beiträge bezahlen. Man sollte nicht fragen, ob Aktionsausschuß oder nicht: die Regel, die siegt, ist die richtige. Man sagt: mit der weiteren EntWickelung kommt die Demokratie ins Gedränge.(Rufe: Sehr richtig!) Nein, nicht sehr richtig. Wahre Demokratie im Gewerk- schaftsleben wäre Selbstmord. Alles durch Urabstimmung zu machen wäre Unsinn; das geht nicht. Alle Theoretiker sind eint« in der Meinung, daß die Beschlüsse über Kämpfe geheim gehalten werden. Diese Geheimhaltung ist die Quelle des Mißtrauens, die kein Aktionsausschuß verstopft. Vertrauen haben die Mitglieder zu der Leitung, der Kollege sitzt 20 Jahre an der Stelle des Vor- sitzenden. Von größtem Schaden für die Organisation sind leicht- fertige Verdächtigungen in der Kampfeshitze. Es genügt mir nicht, daß der Aktionsausschuß abgelehnt wird; es muß erkannt werden, daß wir ihn nicht brauchen, daß die Leitung das beste tut. Die Abstimmung soll sich zu einem Vertrauensvotum für die Leitung gestalten.— Redner empfiehlt eine Resolution, die den Aktions- ausschuß verwirft und die Einrichtung eines besonderen Streik- leitcrs befürwortet.— Urteilen und entscheiden Sie mit kühlem Verstände.(Beifall.) In der Diskussion wird der geforderte Aktionsausschuß fast allgemein verworfen. K r ä tz i g- Berlin begründet folgenden Antrag: „Die Generalversammlung beschließt die offizielle Aner- kennung der bisher schon üblichen Gauleiter-Konferenzen als mitberatendcn und beschließenden Beirat in allen Fragen des Verbandes und hat mindestens alle 6 Monate eine Sitzung statt- zufinden." Ueber den nächsten Gewerkschaftskongreß sprach der VerbandSvorsitzcnde Hubs ch. Er wendet sich gegen die Forderung der Einrichtung von Bezirkssekretariaten. Die Sache bedeute finanziell einen Sprung ins Dunkle, den man nicht mit- machen könne. Sodann referierte D r e s s e l- Plauen über die Organisierung der Heimarbeiter. Er wies unter anderem darauf hin, daß ein Grundbesitzer mit dem Versuch begonnen habe, Landarbeiter während der Winter» monatc als Heimarbeiter zu beschäftigen. Dem Vorgang muß man Aufmerksamkeit schenken. Redner gab eine Reihe von Zahlen über- Löhne und Wohnungsverhältnisse der Heimarbeiter ver- schicdencr Industrien. Ter freisinnige Abgeordnete Günther hat den Textilarbeitern schlechte Dienste geleistet. Genosse Jäckel hat ihn erfreulicherweise gründlich zugedeckt. Es ist unsere Pflicht, uns der Heimarbeiter mehr als bisher anzunehmen. Daher bc- grüß? ich den Beschluß, sie zu niedrigen Beiträgen aufzunehmen. In der Diskussion wurden noch vielerlei erbärmliche Lohnverhältnisse geschildert., �< Der bisherige Vorstand wurd« ohne irgendwelche Verande» rungen wiedergewählt. Sodann referierte Redakteur W a g e n e r über urternatwnale Beziehungen. Damit waren die heutigen Verhandlungen beendet /ius Industrie und Sandel. ArbritSlosenzählung i« Budapest. Tie Arbeitslosenzählung, die am 21. März d. I. in Budapest auf Trängen der Arbeiterschaft von der Stadtverwaltung mit Hilfe von 5000- gewerkschaftUch organisierten Arbeitern vorgenommen U| wurde, hat interessantes Material zutage gefördert, das jetzt von dep Stadtverwaltung-veröffentlicht wird.'.-£ Die A r be,ts losenzahl betrug am Zähltage, also zu einer' Zeit, in der sich die Arbeitsgelegenheit, bereits wieder etwas gehoben hatte, in Budapest 20 624, in den Vororten 6564, zusammen 27 183 Personen, das sind 2L Proz. der Gesamtbevölterung oder 4,2 Proz. der erwachsenen männlichen und 0,6 Proz. der weiblichen Bevölke» rung. Um die große Zahl der Arbeitslosen deutlicher hervorzuheben. stellt der Bericht das Ergebnis dreier deutscher Städte über die Arbeitslosenzählung dem Ergebnis aus der ungarischen Hauptstadt gegenüber. Danach hatte Köln am 22. Januar 1911 0,3 Proz. der Gesamtbevölkerung als Arbeitslose, Nürnberg am 24. Januar 1912 0,6 Proz. und München am 11. Februar 1912 1,1 Proz. Wenn man in Betracht zieht, daß in diesen drei deutschen Stödten die Zählung im Winter vorgenommen wurde, so erscheinen die Ziffern der Budapester Zählung außerordentlich hoch. Von den Budapester Arbeitslosen gehörten der Industrie 83,4 Prozent, dem Handel 8,3 Proz., anderen Gruppen 6 Proz. en. Die Metallarbeiter waren beteiligt mit 19,3 Proz., die Holz-irbciter mit 18,3 Proz., die Bekleidungsindustrie mit 8,6 Proz., die Nahrungs» mittelindustrie mit 6 Proz. Ein gräßliches Elend verbürgt sich in den Zahlen über die Dauer der Arbeitslosigkeit. Unter einer Woche waren 1466, bis zwei Wochen 834, 15— 30 Tage 1997, einen bis drei Monate 5683, 3—6 Monate 8626, 6—12 Monate 4872, biS V/j Jahre 1500, über ixh Jahre 1200 Personen arbeitslos. Ihr Dasein fristeten von unbestimmtem Verdienst 5037, von ihren Ersparnissen 4277, von Darlehen 5299, oon Darlehen und Ersparnissen 266, von den Eltern 5421, von dem Verdienst der Frau 1968, von dem Verdienst der Kinder 2897, von dem Versetzen ihrer Habe 2217, behördliche Unterstützung erhielten 737, von den Gewerkschaften 8098 Arbeitslose. 9796 Arbeitslose gehörten den Gewerkschaften an; diese zählten mit ihren Familienangehörigen zusammen 62 000 Personen. Hoffentlich werden nunmehr auch die Konsequenzen auS dem Ergebnis bei Arbeitslosenzählung gezogen! ßue aller Welt. Explosionskataftrophe in Düren. Durch eine folgenschwere Explosion in der Schieß- baumwollfabrik der Deutschen Sprengstoff-Fabrik wurden am Sonnabend die Einwohner der rheinischen Stadt Düren in Schrecken versetzt. Gegen mittag erschütterte eine gewaltige Detonation fast die ganze Stadt, kurz darauf folgte eine zweite Erschütterung. Durch Losgehen einer Patrone war die Schießbaumwollfabrik in die Luft geflogen. In der Aachener Straße, dem Gürzenich und in Roelsdorf sind Tau sende von Fensterscheiben eingedrückt worden. Viele Dächer sind abgedeckt. Eine Ex- plosion machte sich in einem Umkreise von einer Viertelstunde bemerkbar. Tie Fabrik ist mit ihren Erdwällen nnd Mauern zum größten Teil eingestürzt. 21 Personen sji n d verletzt, drei davon schwer. Bei den Ausräumungsarbeiten in der Schießbaumwoll- sabrik sind noch z w e i- T 0 t e und zwei Schwerver� letzte gefunden- worden. Zwei werden noch ver. m i ß t. Ein Schwerverletzter ist im Krankenhaus g e 4 st 0 r b e n. Aus 140« Meter Höhe abgestürzt. Wieder hat die deutsche Armee den Tod zweier Militärflieger zu beklagen. Am Sonnabendvormittag geriet in der Nähe von Wellendorf in Westfalen ein Flugzeug in einer Höhe von 1400 Metern in einen.Gewitter st urm und ftüijte. ab. Beide Insassen, der Führer Leutnant Ä a e d e r und der Begleiter Leutnant Bernhardt, wurden bei dem Abstürze getötet. .-i-* Ein anderer folgenschwerer Fliegerabsturz hat sich am Sotjn- abendvormittag in der Nähe von- Essen zugetragen. Auf einem Fluge nach Düsseldorf ist unweit der Nilla Hügel der französisch� Flieger Chevillard abgestürzt. Er und sein Begleiter Wulfen sind schwerverletzt; sein Flugzeug ist zertrümmert. Bei den Löschnrbeiten den Tod gefunden. Me bereits gestern gemeldet, hat die Mannschaft des in K o u st a n t i n o p e l anlernden deutschen Kreuzers ,Goe- B en* beim Brande der Taschkischla-Kaserne erfolgreiche Hilfe ge- leistet. Bon der Mannschaft des deutschen Kriegsschiffes wurden durch einstürzendes Mauerwerk fünf Mann schwer verletzt. Drei der Verunglückten sind in der Nacht zum Sonnabend ihren Verletzungen erlegen. Bei den Löscharbeiten sind auch zwei Offiziere und sechs Sappeure der türkischen Feuer- wehr und ein russischer Matrose schwer verletzt worden. Einsturz einer Landung sbrücke. Ein schweres Unglück hat sich Freitagnachnnttag in H o b o k e n bei der Abfahrt des Passagierdampfers»Friedrich VIII." ereignet. Ein vom Dampfer nach dem Kai gelegter Brückensteg, der zur Ein- schiffung der Passagiere dienen sollte, brach plötzlich mitten durch und etwa fünfzig Personen stürzten ins Wasser. Hilfe war sofort zur Stelle und es gelang, alle Verunglückten bis ouf drei aus dem Wasser zu ziehen und in Sicherheit zubringen. Zwanzig von ihnen hatten jedoch mehr oder weniger schwere Verletzungen davongetragen. Nach längeren Bemühungen konnten auch die Leichen der drei Ertrunkenen geborgen werden. Teuere Umzüge. Nach dem Ausweis der dem Reichstag jetzt zugegangene» Reichs- Haushaltsrechnung für 1912 ist der Posten„Außerordentliche Aus- flabe» des Auswärtigen Amts" außerordentlich überschritten worden. Kein Wunder! Für 20 000 M. ist der biedere Ferdinand von -Bulgarien im Deutschen Reich umhergereist, und über 11000 M. und für Ehrengeschenke des Kaisers draufgegangen, die er gelegcnt- l'ch seiner Schiveizerreise dorthin verehrt hat, die zu bezahlen aber das Reich die Ehre hatte. Verhältnismäßig noch viel kostspieliger und aber die Umzüge unserer hohen Diplomaten. Der des Herrn w Iag o w von Rom nach Berlin hat 7001 M- gekostet, der seines Nachfolgers v. Flotow von Brüssel nach Rom bereiis 18 860 M., der des Herrn v. Man gen heim von Athen nach Konstantinopel, obwohl dieser Weg nicht übermäßig weit ist, schon 19 260 M. und der des Fürsten L i ch n o w s k h von Berlin nach London gar 20 596 M.! Wenn sogar die Umzüge der hohen Herren so nobel bezahlt werden— die Gehälter sind dementsprechend—, so ist der Zudrang des Adels zu diesen Posten sehr begreiflich, und wir haben denn ouch glücklich im auswärtigen Dienst acht Fürstem, neun- Undzwanzig Grafen, zwanzig Barone, vierund- Lll..n izig einfache Herren„von" und ganze elf jourgerliche, die sich natürlich in den unteren Stellungen be- nnden. Das ist der„Patriolismus" der Adelskaste! Außer anderen großen Vorteilen aus dem Vaterland? möglichst viel Geld Kehen, auf Staatskosten den großen Herrn spielen und die besten «tellen besetzen. Kleine Notizen. � Im Moor erstickt. Als Freitagabend der Gutsvorstand von *oni»nen bei Königsberg, Karl Daunappel, mit den, Betriebs- ageuieur Schäfer eine seichte Stelle an einem Nebenflüßchen des Dann- er» Pregel passierte, versank Schäfer plötzlich im Moor. T appel versuchte ihn �u retten, sank jedoch selbst ei» und st i ck t e, während Schäfer sich retten konnte. Krieg im Frieden. Bei Schießübungen auf dem Artilleriefchieß- platze in N o w y T a r a(Galizien) wurde infolge Reißens eines Verschlusses ein Mann getötet, drei schwer und einer leicht verletzt. Zwei Schwerverletzte sind ihren Wunden erlegen. Schweres Automobilunglück. Der Generaldirektor der fran- zösischen Südwestbahn, Max Maury und deffen Gattin sind am Freitag, wie aus Toulouse gemeldet wird, das Apfer eines schweren Automobilunsalles geworden. Maury, der den Wagen selbst steuerte, fuhr in der Dunkelheit gegen einen Baum, wodurch das Auto u m st ü c z t e und die Jnsapen unter sich begrub. Maury wurde mit schweren inneren Verletzungen in das Krankenhaus gebracht, während seine Gattin auf der Stelhe getötet wurde. Suffragcttcngrüße. Am Sonabendmorgen fand ein Wächter auf seinem Rundgong zweiBomben mit einer halbverbrannten Lunte. Sie waren an der W a s s e r l e i t u n g, die von. Loch Katrine- see nach Glasgow führt, gelegt. Ihre Explosion hätte halb Glasgow von der Wasserversorgung abschneiden könne n. In der Nähe der Fundslelle wurden Schriften von An- hängerinnen des Frauenitimmrechts gefunden. — Im Britischen Museum zu London zertrümmerte Sonn- abend nachmittag eine Anhängerin des Frauenstimmrechts einen Kasten, in dem sich eine Mumie befand, mit einer Axt. Zwei Frauen wurden verhaftet. Wochen-Spielplan öer berliner Theater. Königl. Opernhaus. Sonntag: AÄa. Montag: Tannhäuser. Dienstag i Samson und Dalila. Mittwoch: Boheme.(Ansang 7'/, Uhr.) Donnerstag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Coppclia.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Violette.(Ansang 71/.. Uhr.) Sonntag und Montag: Porsisal.(Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Veilchcnsrcsser.(Ansang 7'/z Uhr.) Montag: Peer Gynt.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Der Veilchen- sresser. Mittwoch: Sappho.(Anfang 71/, Uhr.) Donnerstag: Peer Gynt. (Ansang 7 Uhr.) Freitag: Der VcUchensresser. Sonnabend: Wilhelm Teil. < Ansang 7Y, Uhr.) Sonntag: Peer Gynt.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Der Veilchensresscr.(Ansang Tj, Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Montag: Ein Sommer- nachtstramn. Dienstag: Der Kausmann von Venedig. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag und Freitag: Was ihr wollt. Sonnabend: König Lear. Sonntag: Ein SummernachtStraum.(Ans. 7'/, Uhr.) Montag: Der Raus- mann von Veüldig.(Ansang 8 Uhr.) Kanimrrspiele. Sonntag: Sumnrun. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Snmurun. Mittwoch: Aiein Freund Teddy. Donnerstag: Sumurun. Freitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend: Snmurun. Sonntag: Franziska. Montag: MarguiS von Reith.(Ansang 8 Uhr.) Lefsing-Dbeatcr. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Professor Bernhards. Sonntag, Montag und Dienstag: Pygmalion.(Anfang 8 Uhr.) Mittwoch: Nach Damaskus. Donnerstag und Freitag: Peer Gynt. Sonnabend: Das Märchen vom Wois.(Ans. 71/2 Uhr.) Sonntag und Montag: Das Märchen vom Wols.(Anfang s Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Große Rosinen. Allabendlich 8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater in der Königgräycr Straste. Sonntag: Mr. Wu. Man- tag: Die fünf Franksurlcr. Sonst allabendlich: Mr. Wu.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Sonnlagnachmittag 3 Ubr: Der Biberpelz. Abends: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Schneider Wibbcl. Dienstag: Schneider Wibbcl. Mittwoch: Der Raub der Sab!- nerinnen. Donnerstag: Schneider Wibbel. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend; Schneider Wibbel. Sonntag: Schneider Wibbel. Montag: Geschlossen.(Anfang 3 Uhr) KoiiivdicnhauS. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die fünf Frankfurter. Allabendlich: Kammermusik.(Anfang 8 Uhr.) Theater an der Weidendammbrücke. Allabendlich: Der müde Theodor.(Ansang 8'/, Uhr.) Lustspielyaus. Allabendlich 8 Uhr: Die spanische Fliege. Theater deS Westens. Slllabendllch: Polenblut.(Anfang 8 Uhr.) CharlchS Tante. All- Thalia-Tbcater. Sonntagnachmittag 3?/, Uhr: Cha abendlich: Wenn der Frühlmg kommt.(Anfang 8 Uhr.)- Trianon-Theatcx. Schluß der Spielzeit. Sonntag: Tie Notbrücke. (Anfang 8 Uhr)....,. Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittaz 3 Uhr; Figaros Hochzeit. Abends: Der Zigeunerbaron. Montag: Die lustigen Weiber von Windfor. Dienstag: Der Zigeunerbaron.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Die Ateistcrsinger von Nürnberg.('Ansang 7 Ubr.) �. Tonnerstag: Der Zigeunerbaron.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Pgrsisak.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Der Zigeunerbaron.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag: Parsisak.(An- sang 7 Uhr.) Montag: Der Zigeunerbaron.(Auf. 8 Uhr.) Rcsidenz-Theater. Allabendlich: Zcancltcs Dunkelkammer.(Ansang 8-/. Uhr.) Kleines Theater. Von Sonntag bis. Mittwoch allabendlich: Jettchen Gebert. Donnerstag bis Sonnabend lind Montag allabendlich: Ariadne aus Naxos. Sonntag: Jettchen Gebert.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater«». Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Gcschäst ist Geschäft. Abends: Rtcin-Eva. Montag: Hcitigcmvald. Dienstag: Klcin-Eva. Mit- woch: Das große Licht. Donnerstag: Klein-Eva. Freitag: Ueber unsere .ikrast. 1. Teil. Sonnabend: Klein-Eva. Sonntag: Im weißen Roßl. Montag: RIein-Eva.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Krieg im Frieden. Freitag: Rlein-Eva. Sonnabend: Krieg im Frieden. Sonntag: Die Maschinenbauer. Montag: Krieg im Frieden. (Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Dheater. Allabendlich: Zwischen Himmel und Erde. Ei» paar Damcnhöschcn.(Ans. 8'/, Uhr.) Luiscn-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Maria Magdalena Abends bis Freitag: Nur ein Traum. Sonnabend: Keschlossem! Vor» stcllung. Sonntag: Nur ein Trauni.. Montag: Der wilde gelbe Mohn- Ansang 8'/, Uhr.) Neues VolkSthcatcr.(Neue Freie Volksbühne.) Sonntagnachmittag 3 Uhra Die Haubenlerche. Abends: Maria Friedhammer. Montag: Frau Warrens Gewerbe. Dienstag: Die Haubenlerche. Mittwoch: Maria Fried» bammer. Donnerstag und. Freitag: Oans Huckcbein. Sonnabend: Frau Warrens Gewerbe. Sonntag und Montag: Hans Huckcbein.(Ansang 8-/, Uhr.) Fricdrich-Wilhclin städtisches Theater. Allabendlich 8'/« Uhr: Die Förstcr-Christl. MontiS Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: ,Dia Fledermaus. Allabendlich bis Sonntag: Jung-England. Montag:.Als ich noch im Flügellleide.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Allabendlich bis Frcilag: Die Rino-Kömgin. Ab Sonnabend: Das Rätsel Weib.(Ansang 8 Uhr.)' Theater am Nollcndorfpla«. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Allabendlich 8 Uhr: Der Juxbaron. Metropol. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Ein Blitzmädel. Allabendlich: Die Reise um die Welt in 40 Tagen.(Ansang 7.55 Uhr.) Apollo,«oniitagnachmiitag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Otto Reutter.(Anfang 3 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich; Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Retrhsliallen-Tbeater. �oimtagnachmittag 3 Uhr und allabendlich: Stettincr Sänger.(Ansang 8. Sonntags 7'/. Uhr.) Gebr. Herrn seid. Theater. Allabendlich: Ein Reinsall. Heut' ist übermorgen. Die Kiabriasparttc.(Ansang 8 Uhr.) Rdmiralspalast. Im Tangoklub. lAnfaug H'l. Uhr.) Berliner Eispalast. Eisbnllelt: Amor ans Urlaub.(Ans. 9 Uhr.) Palast am Zoo. Das Mirakel.(Täglich: 8 Uhr, Sonntag 6 Uhr.) Eines Nollendorf-Theater. Vorstellung.(Ansang 7 Uhr.) ttrania-Theater. Sonntagnachmittag 4 Ubr: Mit dem„Imperator" nach New Hark. Allabendlich: Zum Hochfirn der Jungfrau.(Ansang 8 Uhr.) Passagc-Thcater. Allabendlich 5 Uhr: Rina-Baritv. Folics Eapriee. Allabendlich: Der Lustturner. Das Karnickel. Erd« beben.(Ansang 8'/, Uhr.) ZirkUS Busch. Allabendlich: DaS Mirakel.(Anfang 8 Uhr.) Briefkasten üer Redaktion. Fi. R. 3. Solche Stistungen sind uns nicht bekannt. Versuchen Sie es bei der Stistungsdeputation des-Magistrats, Berlin, Poststr. 16,—. Th. 39. Die ZeiUralkommission der Krankenkassen, Berlin, Alexander- slraße 33/40, dürste Jbncn die gewünschte Auskunft erteilen.— Mai 1914. Ucber die Eiscnbahnsahrt erkundigen Sie sich am besten selbst im Aus- lunstzburean Bahnhof Alcxanderplatz. Ucbyr � die Fahrten zu Wasser im Bureau des Norddeutschen Lloyd, Unter den Linden.— Apfel 300. a) Ist uns keine Mitteilung zugegangen., b) An das Mitglied Soundso des Landtags in Aldenburg.— E. 3. 61. 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U. bestand bereits, wenn I»uch nicht in der schematisch entworfenen Gestalt und nicht j°'lf Grund eines Reichsgesetzes, che Dr. Freund ihre Theorie veröffentlichte. Jede Sache hat ihre Ursache. Und der nachzuspüren liegt iv diesem Falle besondere Veranlassung vor. Seit Jahr und �ag waren in Deutschland die Vorzüge der konnnunalen Regie �"i dem Gebiete der Elektrizität und Gasversorgung und des Verkehrswesens allgeniein bekannt und anerkannt! die öffent- «che Meinung war der Ueberführung aller monopolartigen Getriebe in Geincindeeigentum unzweifelhaft zugeneigt. Auf vcr anderen Seite ist bekannt, daß das Kapital bei seinem legitimen Streben nach Profit jede Hemmung gründlich ver- abscheut: es schwärmt durchaus nicht dafür, seine„wohl- verdienten Früchte" mit irgend jemanden und unter irgend- eimm Vorwande und unter irgendeiner Begründung zu teilen. -�as hat nun bei einer solchen Sachlage Gemeinden ans der f>nen Seite, das Privotkapital auf der anderen Seite dennoch «e der G. W. U. zusammengebracht? Wir können uns bei der Beantwortung dieser Frage auf das umfassende Werk von Dr. Richard Passow(„Die gcmischt-privatcn und öffent- «chen Unternehmungen", Jena 1912, Verlag von Gustav ekischcr) beziehen, das eine Menge von sachlich wertvollem Material beibringt und auch die Beachtung desjenigen ver- dient, der nicht mit allen Schlußfolgerungen seines Verfassers übereinstimmt. An der Stelle, wo er über die Beweggründe des Privatkapitals handelt, sich den G. W. 11. anzuschließen, lübrt Passow aus,„daß für die privaten Pläne das Terrain "'cht mehr frei ist. daß mit der Abneigung vieler kommunaler Verbände, ihre Straßen für rein private Werke herzugeben: von nur privaten Werken ihren Strom zu beziehen, und mit den bereits bestehenden kommunalen Werken gerechnet lvcrden mußte". Das heißt mit anderen Worten, daß die Welt k'nes Tages weggeschenkt war und daß das Privatkapital ver- "cblich nach einer Betätigungsmöglichkeit auf gewissen Ge- bieten Ausschau hielt. Aber auch dort, wo cttva noch ein Feld lür ein rein privates Werk lz. B. ein großes Elcktrizitäts- chcrk) offen gewesen wäre,- sprachen triftige Gründe für ein Zusammengehen des Privatkapitals mit anderen Mächten, "amlich(wir folgen wieder Passow)„vor allem die durch die Beteiligung öffentlickiar Körperschaften regelniäßig crmög- Uchte Erleichterung der Kapitalbeschaffung". Eine Stadt, ein Kreis können zu viel besseren Bedingungen, nainentlkh in den -feiten gespannter Geldvcrhältnissc, Kredit aufnehmen als "n privates Unternehinen. Warum sollten also die privaten Firmen sich diesen Umstand nicht zunutze machen? Sollten nc sich etwa durch die Aussicht abschrecken lassen, sie gäben bainit auch einen erheblichen Teil des Einflusses auf das zu gründende Werk aus der Hand? Diese Gefahr wird ihnen "icht sehr drohend erschienen sein.„Insbesondere dann, wenn die eigentliche Geschäftsführung den privaten Gesellschaften Kifällt(wie das nicht bei allen, aber bei vielen dieser Unter- "ebmungen zutrifft), haben sie auf den Geschäftsbetrieb, die Bestelluugen und dergleichen einen ähnlichen Einfluß wie bei einem privaten Unternehmen; die Beteiligung öffentlicher Körperschaften bringt daneben aber den Vorteil mit sich, daß diese in bezug auf die Erlangung der Erlaubnis zur Wege- benutzung ihren Einfluß zugunsten des Unternehmens geltend wachen, nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern auch anderswo, insbesondere bei höheren Koimmmalverbändek. Heberhaupt ist in allen den zahlreiche» Fällen, ido es sich um Verhandlungen mit Behörden handelt, die öffentliche Bc- teiligung sehr nützlich, denn von Behörden wird sehr viel wehr erreicht, wenn man betont, daß„Vertreter der öffent- lichcn Interessen" iin Ailfsichtsrat� sitzen, daß der Ertrag des Unternehmens zum großen Teil öffentlichen Körperschaften zu- iließt usw.". Man sieht, daß für die privaten Kapitalisten fehr triftige Gründe zugunsten der G. W. U. vorbanden sind, z» denen wir noch die von Passow nicht genügend berücksichtigte Tatsache hinzufügen, daß die privaten Teilnehmer an einer G. W. U. sich in der Regel noch die ganzen Lieferungen für bas Unternehmen kontraktlich vorbehalten, eine Gepflogen- hcit. die wir weiterhin noch näher besprechen. Soviel ergibt sichschon aus den bisherigen Darlegungen, daß wan in der Regel einer privaten Gesellscliaft nicht lange wird zuzureden brauchen, mit einer Stadt oder einem Kreise oder dem Staate eine G. W. U. zu betreiben. Anders liegen die Dinge natürlich für die öffentlichen Korporationen, und es erhebt sich die Frage, was denn eigent- lich die Städte, Kreise usw. von der neuen Wirtschaft- lichen Form erwarten oder zu erwarten haben. Läßt man die Gründe, die von den Genieinden für ihre Beteiligung an den G. W. U. und für das Aufgeben eigener Werke angeführt werden, an sich vorüberziehen, so ist man, wie Hugo Linde- wann mit Recht bemerkt hat, erstaunt über ihre Dürftigkeit. Alte Bekannte, die man schon längst verblichen glaubte, feiern eine fröhliche Wiederauferstchung. Es sind die alten „Gründe", die seit Jahrzehnten unermüdlich von den privaten Unternehmern und ihren literarischen Verfechtern vorgebracht woedcn sind, ohne daß sie durch Wiederholung an Beweis- kraft gewonnen hätten. Passow zählt in seinem Werke diese Gründe in einer langen Liste auf: den öffentlichen Betrieben seien, so behauptet man, die Hände zu sehr gebunden, es könnten daher keine tüchtigen Betriebsleiter gewonnen werden; in der kommunalen Betricbsorganisation lägen viele Hemnmngen: es machten sich in den Stadtvcrordnetenvcr- sommlungen Einflüsse geltend, die der Entwickclung der Werke den 25. fflal: srauen-L nicht günstig seien; das stets wachsende Personal der städti- fchen Betriebe bringe für die Unabhängigkeit der Verwaltung große Gefahren mit sich; es entstehe die Versuchung, bei ddr Behandlung der Betriebs- und Arbeiterfragen neben fach- lichcn Gründen parteipolitischen und wahlogitatorischen Er- wägungen zu folgen usw. Soweit diese Mängel und Nachteile tatsächlich existieren und nicht nur als Scheingründe aufge- führt werden, haften sie zum allergrößten Teil der gegebenen Vcrwaltungs- und Betriebspraxis an, fallen aber nicht der kommunalen Regie als solcher zur Last. Unsere Gemeinde- Verfassungen stammen beinahe ohne Ausnahme aus einer(seit, wo man die Ausdehnung der Wirtschaftsbetricbc in ihrer heutigen Forni nicht einmal ahnen, geschweige denn in ihren Einzelheiten voraussehen konnte. Natürlich ergeben sich daraus gewisse Schwierigkeiten, die zu leugnen uns nicht ein- fällt. Aber das ist kein Argument gegen den öffentlichen Be- trieb, sondern gegen die Gemeinde- und Städteordnungen, deren Reform auch aus anderen Gründen dringend ist. Neue Verhältnisse erfordern eben überall eine Korrektur veralteter gesetzlicher Bestimniungen. Wo könnte man dessen deutlicher inne werden als auf dem Gebiete von Groß-Berlin, wo die tatsächliche Entwickelung längst über die rechtlichen Formen hinausgewachsen ist. Aber um einmal bei Groß-Berliner Verhältnissen zu bleiben: die G. W. 11. auf dem wirtschaftlichen Gebiete ist ungefähr dasselbe, was das Zweckvcrbands- gcsetz auf dem Gebiete der Verwoltungsorganisation ist, näm- lich ein trauriger Notbehelf, der mehr das Bedürfnis nach großzügigen Reformen andeutet als befriedigt. Wenn man, nicht mit Unrecht, darauf verweist, daß„die technischen und wirtschaftlichen Verbältnissc dazu nötigen, die Werke(Gas- werke, Elektrizitätswerke usw.) nicht mehr nur auf Bedürfnisse einer einzelnen Gemeinde zuzuschneiden, sondern weitere Ge- biete dadurch zu versorgen, so ist das natürlich ganz richtig; aber es folgt daraus nicht, daß diese Versorgung durch eine G. W. 11. geschehen muß. sondern daß in unseren Gemeinde- verfassungsgcsctzen Vorkehrungen für eine freiere, um- fassendere Organisation der Gemeinden zu treffen sind. Eine zweckentsprechende und umfassende Organisation der Verwaltung auf dem großen Siedelungsgebietc, das wir Groß-Berlin nennen, ist bisher an der schikanösen Haltung der staatlichen Zentralbehörden und des Dreiklassenparlaments gescheitert. Tic traurige Zerstückelung Groß-Bcrlins ist das gewollte Ergebnis dieser Haltung. Würde der Zwang zur Unvernunft von den Groß-Berliner Gemeinden genommen, würden sie ihre Freiheit der Entschließung auf diesem Ge- biete gewinnen— die heute so gewaltig erscheinende Schwierigkeit wäre spielend zu lösen! Ganz genau so ist es aber mit der Entstehung vieler der vorhandenen G. W. 11. Auch da war Zwang die Veranlassung. Bald war es eine Umkreisung oder Einschnürung durch über- mächtige, von den Staatsbehörden wohl gar noch begünstigte Privatunternchnmngen; bald war es das Ergebnis einer kurzsichtigen Rcgicrungspolitik, wertvolle Monopolkonzes- sioncn an private Unternehmer sozusagen auf Vorrat auszu- teilen; bald waren es auch eigene Fehler und Sünden der Vergangenheit, bureaukratische. Schwerfälligkeit: kurzum, wenn wir die heute jn Teutschland bestehenden G. W. 11. Revue passieren lassen, so können wir"feststellen, daß die Ge- meinde» in der Mehrzahl in solche Organisationsformen direkt hinein g e z wst n g e n worden sind, daß die reinen kommunalen Organisationssormen vereitelt wurden und daß inan die G. W. 11. nur widerstrebend als kleineres Uebcl bc- trachtet hat. Es nmtet daher mindestens sonderbar an, wenn nian das Stückwerk der G� W. 11. uns gewissermaßen als eine höhere Fonn der modernen kapitalistischen Entwickelung hin- stellen will, die dazu berufen sei, wenigstens auf einem Teil- gebiet tiefgreifende Gegensätze aus dem wirtschaftlichen Leben herauszuschaffen. Man schaue sich aber nur unbefangen die Dinge an: es ist nicht etwa nur eine Behauptung, sondern eine erweisliche Tatsache, daß sich auch die Freundsche Formel als ohnmächtig erweist, die Interessengegensätze der öffentlichen und privaten Teilnehmer an der G. W. 11. auszugleichen. Früher oder später bricht der Kampf immer los. Einen Mittelweg zwischen Kommunal- und Privatbetrieb gibt es eben als ständige Einrichtung nicht. Eines von beiden muß einmal weichen. Das sehen auch die Vertragschließenden ein, denn es gibt keinen Vertrag über eine G. W. U., worin nicht eine genaue zeitliche Begrenzung, genaue Auflösungsbedingungen festgelegt würden. Wozu denn das alles, wenn Aussicht bestände, die G. W. U. wäre eine historische Kategorie der wirtschaftlichen Entwickelung, die Dauer verspräche? So viel über die wahren Gründe, die an einzelnen Stellen zur Errichtung von G. W. 11. geführt haben, und iibcr die ideologischen Begründungen, lvie man dieser zumeist recht be- dauerlichen Tatsache hat zuteil werden lassen. Es bleibt uns nun noch übrig, die besonderen Verhältnisse zu besprechen, die bei der Gründung von G. W. 11. auf dem Gebiete der Elektrizitätsversorgung, zumal in Berlin, zu berücksich- tigen siüd._ Parteiangelegenheiten. Erster Wahlkreis. Wegen der veränderten Dispositionen findet die Zusammenkunft der Funktionäre am Dienstag nicht um 8 Uhr, sondern nach der Versammlung statt. Der Vorstand. Vierter Wahlkreis. Die Generalversammlung findet am Donnerstag, den 28. Mai, abends 8 Uhr. in der Urania, Wrangel- straße 10/11, statt. Neue Einlatzkarten werden nicht ausgegeben. Die Versammlung der jugendlichen Mitglieder im Alter von 13—21 Jahren findet erst am Donnerstag, den 4. Juni, bei Sigel, Große Frankturter Str. 30, statt. Bortrag des Genossen Emil Eichhorn über.Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Jugendfcktion deS 5. Kreises. Unsere nächste Versammlung findet am Mittwoch, den 27. Mai, im Lokal von Powileit, Fosch- straßc 7, abends SX Uhr, statt. Tagesordnung. Vortrag des Ge- noflcn Tr. Drucker:„Moses oder Darwin". Sechster Wahlkreis. Am Mittwoch, den 27. Mai, finden die Versammlungen der jugendlichen Mitglieder in nachfolgenden vier Lokalen statt: Strack, Schönhauser Allee 134a; KaczerowSki. Ravensstr. 6; Franke, Bad- ♦ straße 19, und Schröder, Stromstr. 30. Referenten sind die Genossen Eugen Brückner, Simon Katzenstein, Ernst Reuter und Wilhelm Pieck. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, die jugendlichen Mitglieder auf diese Versammlungen aufmerksam zu machen, _ Ter Borsiaud. Zchlendorf lMannscebahn). Am Dienstag, den 20. Mai, abends 8'A Uhr, bei Miel, Karlstraße 12, Mitgliederversammlung des Wahlvcreins. Tagesordnung: Vortrag:„Tie verflossene Reichs- tagssession. Neuwahlen der nach nicht erledigten Posten. Vereins- angclegenheitcn. Verschiedenes. Lichterfcldc. Dienstag, den 20. Mai, im Restaurant Wahren- dors, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Freund über:„Moderne Feuerbestattung", unter Vorführung eines Modells. Anträge zur Generalversammlung. Steglitz. Montag, den 25. Moi, findet in den Bezirken 1 biS 7 die letzte, äußerst wichtige Flugblatwerbreitung zur Gemeiudewahl statt. Die Genossen Der übrigen Bezirke werden dringend ersucht, zur Unterstützung bei dieser Flugblaliverbrcitung sich zwischen 7 und 8 Uhr bei Clement, Düppelstr. 7. einzufinden. Die Genossinnen und Genossen, die an den beiden Tagen der Wahl, Mittwoch und Donnerstag, als Helfer tälßj iein können, werden gebeten, am Dienstagabend zur Mitglicderversanim- lung des Wahlvereins bei Schellhase, Ahornstr. 15 a, zu erscheinen. Trrptow-Baumschulenwcg. Da eine Demonstrationsversamm- lung am nächsten Dienstag in unserem Orte nicht stattfindet, de- teiligcn sich die Genossen an den Berliner Versammlungen. Die Flugblattverbreitung am Montag fällt ebenfalls aus. Pankow. Wegen der am Dienstag, den 20. Mai, stattfindenden öffentlichen Versammlung im„Kurfürsten", Berliner Straße 102, fällt die Mitgliederversammlung aus. Niederschönhausen- Nordend. Montag, den 25. Mai, abends 7 Uhr. Flugblattverbreitung zu der am Dienstag stattfindenden Ver- sammlung. Die Genofien beteiligen sich an der Versammlung in Pankow im„Kurfürsten", Berliner Straße. Die Mitglieder- Versammlung fällt aus diesem Grunde auS. öerlmer Nachrichten. ßanfaren.' Wer sicf» als vatriotiseher Erfinöcr betäligt. hak in der Regel sein Glück geniacht. Das Vaterland, das teure, kann wirklich dankbar fein, wenn es ihm in den Kram paßt. Ein frischverzopfter flotter Armeemarsch oder eine süßliche Hohen- zollcriilipinnc auf Notenpapier ist ihm mehr wert als ein paar hundert auf dein Schlachtfelde liegen gebliebene Soldaten- deine, deren ehemalige Besitzer darbend durchs armselige Leben stelzen. Unlängst starb ein großer Mann, der seine Zeit richtig einschätzte. Er war Militärkapellineister und überraschte einst S. M. niit dem seit diesem in der Hohen- zollerngeschichte unvergeßlichen Tag berühmt gewordenen Fanfarengeblase. Ganz funkelnagelneu war die Idee freilich nicht. Schon vor den Mauern Jerichos blies man vor Jahr- taufenden ohrenbetäubend aus ellenlangen Drommeten zur Ehre Iehovas, und auch heute regieren Mars und das Gottes- gnadentum die Stunde mit Pauken und Trompeten. Ohne Fanfaren ist ein besseres öffentliches Militärkonzert kaum mehr denkbar. Ein förmlicher Kultus wird augenblicklich mit dieser aufpolierten Mnsikinode getrieben, um deni Konzert- Publikum eine patriotische Seele einzutrompeten. So etwas wie Hofluft soll durch den Biergarten wehen. Man hört das Gestlnlwkter der meterlangen silbernen Tuten, die in ihrem Mittelteil einen bunten Lappen mit dein Prenßenadter trogen, sieht iin Geiste all das militärische und höfiselie Brimborium, das die letzten Jahrzehnte gebracht haben, damit die Sonne,»m die sich da oben alles trabantenhaft dreht, noch Heller erstrahle. Auch die Fanfarentrompeten sind ja nur ein Stück dieses uns heidenmäßig viel Geld kostenden Firlefanzes, der zur modernen Hohenzollernverhitmnelung gehört und das Auge betören soll, aber das Hirn der Denkenden und Selbst- bewußten deshalb nicht verkleistern wird. Da stehen hochaufgerichtet die sechs oder ackst Fanfaren- bläfer an der Brüstung des Gartenorchesters. Stramm und bewegungslos, wie auf dem Kafernenhof, ihres nmsikalischen Stichwortes harrend. Dann ein blitzschneller Ruck, mäschinen- mäßig fliegen die Fanfarentromveten in die Höhe, an den Mund, und dröhnend fckiallt es eine Viertelstunde weit in der Runde... täterätä, täterätä, täterätä! Wie auf dem Kafernenhof! Ter Obermusikmeister hilft noch mit dem Taktstock nach, damit ja alle Trompeten im vorgeschriebenen Winkel von 45 Grad noch oben stehen. Mozart. Beetboven... dreht euch im Grabe herum. Mars dirigiert die Musik. Wieder ein hörbarer Ruck, diesmal nach nuten, der Schweiß perlt von den hochroten Köpfen, die angestrengte Brust arbeitet in sichtbaren Schlägen. Schadet nichts, der Preußen- drill muß auch auf dem Orchester des Konzertgartens zu seinem Recht kommen, lind abermals„klappend" der ein- gelernte Ruck nach oben... täterätä, täterätä! Unten im Garten sperrt zloischen den Tischen das Lauf- Publikum den ganzen Mittelweg. Mau bewundert das Exakte, das„Echtpreußische" der maschinenmäßigen Arm- bewegungen. Mühsam akrobatieren sich die Kellner hindurch. Auch sie werden militärisch angehaucht, schmettern in das Täterätä unaufhörlich ibr„Achtung, Fettflecke!" hinein. Wie angewurzelt stehen die Neugierigen, klatschen für ihre zwanzig Pfennig Eintrittsgeld frenetisch Beifall, vorwiegend Leute, denen man alles bieten kann, wenn sie silch nichts dabei zu denken brauchen. Tie wenigen Denkenden besinnen sich darauf, wie unwürdig doch dieses Pagodeuschauspiel ist und daß es nur in neuer Form den Kadavergehorsam zur Anschauung bringt, der selbst dem Feiertag und dem Musik- Podium nicht fern bleiben kann. Die Ausdehnung der Lnstbarkritsstkurr auf Theater hatte kürzlich eiue Korrespondenz angekündigt, die mehr weiß wie jeder andere Sterbliche. Diese Ankündigung hat bereits den Protest der verschiedensten Interessenten hervorgerufen, die zeitig vorbeugen wollen. Jetzt haben 2090 Biihnenangestellte gegen die dein'Magistrat zugeschriebene Absicht Stellung ge- nommen und habe» dem Magistrat von ihrer Anficht Mit- teilung gemacht. Der Protest lautet:„Tie vom Berliner Magistrat geplante Ausdehnung der Lustbarkeitssteuer auf die Theater bedeutet für sämtliche Bühnenangebörige Berlins eine Gefährdung ihrer Existenz. Da weder das Publikum noch die Direktion gewillt und imstande wären, einen so fltofjcn Ausfall, wie ihn die« Steuer bediuat, selbst zu tragen, würde die ohnehin wenig beneidenswerte Lage der Bühnen- angehörigen noch uresentlich verschlechtert, die Zahl der engagemcntslosen Tchmispieler noch größer werdest, ' Wie immer wären natürlich aiich hier nicht die Unter- nehme? und das Pnblikin», sondern die inittleren und kleinen Schauspieler und Theaterangestellten die eigentlichen Leid- tragenden. Aber nicht bloß die Darsteller, sondern auch da§ große Heer der technisckzen Angestellten, der Hilfsarbeiter, der Chorsänger. Musiker und Bureaubeainten wären auf das schwerste geschädigt. Unsagbares Elend, die größte Not würde hernnsbeichworeii, viele Familien müßten zugrunde gehen, wenn diese Aussicht zur Wirklichkeit werden sollte, wie da-Z Beispiel des Zirkus Busch, des Apollotheaters und vieler kleiner Unternehmungen lehrt. Wir erheben daher in unserer Bedrängnis gegen den Plan einer solchen Steuer, die ohne jeden Schein von Be- rechtigung, mit einer durch keinerlei Sallcheuntnis getrübten Leichtfertigkeit ins Werk gesetzt werden soll, auf das energischste Protest. Zweitausend Bühnenangestellte Berlins, darunter sämtliche ersten Künstler und Künstlerinnen, auch die königlichen Theater, werden alles daran setzen, die Direktoren in dein be- rechtigten Kampfe gegen die ihre Existenz schwer bedrohende Steuer mit allen Mitteln zu unterstiitzen." Wir haben stets niit aller Schärfe gegen die kulturseind- lichc Besteuerung von Theatervorstellungen Stellung ge- npnimen. Bemerkt soll aber werden, daß bisher in den Kreisen der städtischen Verwaltung nichts bekannt ist von einer Vor- läge, gegen welche die Protestbewegung sich richtet. Wir glauben, daß die Proteste zu einer Zeit konimc», wo sie wenig am Platze sind und ihre Kraft einbüßen, wenn später wirklich Anlaß zu Protest vorliegt. �_ Eunweihnng des tUenköllncr Hafens. Tic Stadt Acnköllii hat ihren werbenden Werken ein neues hinzugcfiigi. Sic, die an keinem natürlichen Wasserlaus liegt, hat cS dabin gebracht, Hafenstadt zu werden. Ter von ihr geschaffene, 4V» Kilometer lange SchiffabrtSkanal, der vom Landwchrkanal zu der Britz-Treptower Zweigstrecke de§ Teltowkanal» hinüberführt, ist fertig. Gestern wurde auch der mit dem Neuköllner Schiff- strbrtskanal verbundene Hasen, den die Stadt auf dem Industrie- Deiände außerhalb der Ringcisenbahn angelegt hat, dem Verkehr Übergeben. An der Einweihungsfcier. die aus diesem Anlaß vcr- anstaltct wurde, beteiligten sich mit dem Magistrat und vielen Stadtverordneten Neuköllns eine große Zahl Vertreter der Staats- und Pravinzialbchördcns der Stadt- und Gemeindebehörden von Berlin und Vororten, der Korporationen von Handel und Ge- Werve. Auf geschmückten Dampfern fuhren die stcsttcilnchmcr von der Aildenbrnchbrückc aus durck» den alten und neuen Teil des Schiffahrtskanals bis zu dem Hafengelände. Flaggen- und Wimpelschmuck der Kanalbrücke», der im Kanal liegenden Kähne und Dampfer, der seine Ufer säumenden industriellen Anlagen wiesen auf die Bedeutung des Tages bin und hatten Scharen von Zuschauern angelockt, die die Ufer und Brücken besetzt hielten. Auf dem Hafcngclände vollzog Oberbürgermeister Kaiser den Wciheakt. Er gedachte des verstorbenen Oberbürgermeisters Boddin, dem die Fdcc dieses Werkes zu danken ist. Den älteren Teil des Schiff- fahrtskanals, die Strecke vom Landwchrkanal bis zur Neuköllner Gasanstalt, schuf schon vor einem Fahrzehnt der damalige Stadt- baurat Weigand. Der neuere Teil, da» Schlußstück bis zum Teltowkanal, entstand unter Leitung deS jetzigen Stadtbaurats Hahn. Während die zuerst gebaute Strecke nur A,4 Meter breit ist, hat der neuere Teil eine Breite von LS.ll Meter— die des Teltowkanals— erhallen, die für Schiffe deS Mittellandkanals genügt. Am Hafen wird der Ausgleich zwischen den Höhenunter- schieden des LandwehrkanalS und des TcltvwkannIS durch eine Schleuse bewirkt, die auch den Hafen in zwei Teile, einen Ober- Hafen und einen Unterhafen, gliedert. Der Oberhafen bietet mit seiner Wasserfläche von 10 WO Quadratmetern bei 350 Meter Länge und bis 35 Meter Breite die Möglichkeit, daß gleichzeitig 14 Schiffe zu je 000 Tonnen Tragfähigkeit löschen können. In dem kleineren Untcrbafen, der eine Wasserfläche von 7000 Quadrat- meter hat, können gleichzeitig 0 Schiffe dieser Größe löschen. Zu errichten sind noch die großen Speicheranlagen, die auf dem Hafen- gekände geplant sind. Außerdem bietet das umfangreiche Ge- lande auch reichlich Flächen, um Güter im Freien zu lagern. Der Hafen bat Eisenbabnanschluß an die Ringbahn. Kanal, Hafen und Bahnanschluß kosten, rund 5 Millionen Mark. Aus die Be- dcutung dieses neuen Verkehrsweges, der sich in das auf Groß- Berlin zustrebende Wasserstraßennetz einfügt, wies der Verkehrs- minister von Brcitenlwch in einer kurzen Ansprache hin. Das Kaiscrhoch. da? er einflocht, begründete er damit, daß Wilhelm ll. „der mächtigste Förderer unseres Verkehrswesens" sei. ES folgte die übliche QrdenSverteilung, vom Kronenorden dritter Klaffe für den Oberbürgermeister bis zum Allgemeinen Ehrenzeichen für ein paar Arbeiter. Räch einem Blick über da» Hafengclände, auf dem e» noch kahl genug aussieht, setzten die Fcsttcilnehmer ibre Fahrt fort. Aus dem Neuköllner SchiffahrtSkanal ging'S blnein in den Teltowkanal und durch ihn in die Spree. Den Schluß bildete ein Festmahl auf der in Neuköllns Besitz übergegangenen Abtei- insel. Mordversuch an der beliebten. Eine blutige Eifersuchtstragödie hat sich gestern abend gegen 0 Uhr im Osten Berlins abgespielt.?n dem Hanse ProSkauer Straße 13 gab der Lbjährige Schlosser Müller auf seine Geliebte, die ZOjäbrige Frau Anna Schwei gert, vier Revolverschnsse ab und verwundete sie so schivcr, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. lieber den Vorfall erfahren wir folgende Einzelheiten: Fra» Schweigrrt, die seit drei Fabren von ihrem Evemannc geschieden ist, betrieb in dein genannten Hanse ein Milmgeschäft. Bei ihr wohnte Müller, mit dem sie verlobt war. Die Hochzeit sollte in den nächsten Wochen erfolgen. Schon vor etwa zwei Fahren hatte Frau Sck. mit M. ein Liebesverhältnis unterhalten, sich dann aber von den, Schlosser getrennt. Tie Schuld an der Trennung lag an- scheinend bei der Frau, die sehr leichtlebig war und auch zu anderen Männern Beziehungen unterhalten haben soll. Müller, der an der Sch. sehr hing, ruht« nicht eher, bis er eine Aussöhnung herbeigeführt hatte. Er zog dann zu seiner Geliebten und vcr- lobte sich mit ihr. Zwisckren den beiden kam es aber oft zu heftigen Streitigkeiten, iveil Müller außerordentlich eifersüchtig war und seine Braut im Verdacht hatte, daß sie auch nach der Verlobung noch Beziehungen zu anderen Männern unterhalt«. Gestern nach- mittag besuchte ein Bekannter die Frau Sckstveigcrt, zu dem die Sri). kurz nach ihrer Scheidung und bevor sie Müller kannte, in Be- Ziehungen gestanden bat. Zufällig kam gestern Müller früher als gewöhnlich von der Arbeit nach Hause und traf den Besucher bei seiner Braut an. Müller geriet sofort in große Wut und wollte sich auf seine Geliebte stürzen. Diese flüchtete hinter den Laden- tisch und nun zog Müller aus der Tasche einen Revolver, aus dem er,«he er daran gehindert werden konnte, vier Schüsse auf Frau Schwcigert abgab. Ter erste Schuß ging vorbei, die übrigen drei Kugeln trafen die Sch. in den Kops und die Brust. Tie Getroffene brack, mit lautem Aufschrei blutüberströmt zusammen. Müller richtete nun die Waffe gegen sich selbst, wurde aber an dem Vor- haben, sich zu töten, durch einige Männer gehindert, die die Hilfe- rufe der Verletzten gehört batten und in den Laden geeilt waren. Der Täter, der zu flüchten bersuriste, wurde eingeholt, nach heftiger Gegenwehr überwältigt und von der empörten Menschenmenge, die sich inzwischen angesammelt hatte, gelyncht und dann zwei Polizeibcamten vom 116. Revier übergeben, die auf telephonischen Anruf herbeigeeilt waren. Frau Schweigert wurde auf Ver- aülassung eines hinzugerufenen Arztes mittelst Krankenwagens nach dem Ärankcnl>ausc Friedrichshain gesckmsft. Tort liegt sie in sehr bedenklichem Zustande danieder; cs ist fraglich, ob sie mit dem Leben dabontominen dürfte. Ter Milchladen wurde polizeilich geschlossen. Raubanschlag auf eine» Gcldbriefträgcr. Ein Raubanschlag auf einen Geldbriefträger wurde gestern morgen in dem Hause Nollendorsstraße 5 verübt, zum Glück ohne Schaden für den Ueberfallcnen und ohne Erfolg für den Räuber, der auf der Stelle festgenommen wurde. Ter Obergeldbricfträger Friedrich Zerkau, der auf dem Postamt V/30 in der Neuen Winter- fcldtslraße angestellt ist, trat gestern morgen kurz nach 8 Uhr seinen ersten Bestellgang an. Viel Geld hatte er nicht bei sich. Ein Uebeltäter hatte aber wahrscheinlich das Gegenteil an- genommen. Als Ferkau kurz nach Beginn seines Ganges in dem genannten Hause die Treppe hinausging, warf ihm ein junger Bursche, der ihm aufgelauert hatte, plötzlich eine Handvoll Pfeffer in die Augen. Zugleich griff der Bursche nach der Geldtasche, um sie ihm mit Gewalt zu entreißen. Der Angefallene rief um Hilfe und Hausbewohner, die herbeieilten, nahmen den Räuber sofort fest und übergaben ihn der Polizei. Ferkau war erst geblendet, konnte aber seinen Dienst wieder aufnehmen, nachdem man ihm die Augen von dem Pfeffer gereinigt hatte. Ter ertappte Räuber wurde auf der Rcvicrwachc festgestellt als ein 18 Jahre alter Ar- beitcr Gustav Schulz, der aus Ludwigsdorf im Kreise Görlitz stammt und seit acht Tagen in der Oranicnsiraße wohnte. Als er hier zuzog, erzählte er seiner Wirtin, daß er bisher als Fahr- stuhlsührcr in einem hiesigen Hotel beschäftigt gewesen sei und brachte auch einen Anzug mit, wie ihn solche Leute wohl tragen. Morgens ging er regelmäßig weg, angeblich um sich eine neue Stellung zu suchen. Ebenso regelmäßig kam er abends wieder nach Hause. Gestern morgen ging er um sieben Uhr schon fort. Ob Schulz wirklich hier schon Stellung gehabt hat und ob er jetzt neue Beschäftigung suchte oder was er sonst trieb, weiß man noch nicht. Ter Schutzmanasrevolver. Von einem Schutzmann erschossen wurde gestern abend gegen 7 Uhr aus dem Hofe des Grundstücks Freienwaldcr Straße lK der Arbeiter Dittmann, der in dem Hause unangemeldet bei einer Frauensperson wohnte. Wie wir einer Lotaltorrespondcnz cnt- nehmen, trug sich der Vorfall folgendermaßen zu: D., ein roher, gewalttätiger Mensch, verursachte häufig großen Radau iin Hause, so daß sich die Mieter schon wiederholt über ihn bei dem Hauswirt beschwert hatten.. Gestern abend hatte sich D. auf den Hof des Hauses begeben, um Holz zu hauen. Dabei machte er wiederum großen Spektakel, so daß sich der Wirt schließlich veranlaßt sah, polizeiliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Als ein Schutzmann vom 9. Polizeirevier erschien, um den Erzedentcn festzunehmen, ging Dittmann sofort mit dem Beil auf den Beamten lo» und ver- suchte ihn niederzuschlagen. Der Schutzmann sah sich gezwungen, den Revolver zu ziehen, und als der Angreifer, der in eine große Wut geraten war, nicht abließ, auf D. einen Schuß abzugeben. Tic Kugel traf den Arbeiter in die linke Brustseite und der Getroffene brach sofort tot zusammen. Ter Beamte stellte sich sofort seiner vorgesetzten Behörde, die eine Untersuchung eingeleitet hat. Die Leiche des Erschossenen wurde polizeilich besthlagnahmt. Die Regelung der Freibäder in den öffentlichen Wasser- läufcn des zur näheren Umgebung Äroß-Berlins gehörigen Spree- und Havelgebiets behandelt eine umfangreiche Polizei- Verordnung des Regierungspräsidenten zu Potsdam, welche soeben in Kraft getreten ist. In derselben werden die frei- gegebenen und die verbotenen Badcstcllcn genau bezeichnet. Die Landräte und Polizeiverwalter aber ermächtigt, einzelne Badcstcllen der freigegebenen Uferstrecken zu sperren und andererseits an einzelnen verbotenen Plätzen das Baden zu gestatten. Daß in unmittelbarer Stachbarschaft der Ortsanlagen, der Kunststraßen, der Brücken und Dampfer- anlegestellen usw. nicht gebadet und der Schiffsverkehr nicht gestört werden darf, versteht sich von selbst. Uebcrhaupt sollen weder Männlein noch Weiblcin sich u n b c k l e i d e t oder nur mit Badebckleidung versehen sich in Booten und anderen Wasserfahrzeugen aufhalten. Im übrigen schreibt§ 4 für die Badcbekleidung folgendes vor:„Die zulässige Bekleidung ist für Personen männlichen Geschlechts mindestens eine Badehose, �für Per- sonen weiblichen Geschlechts ein Badeanzug, der Schultern, Brust, Leib und die Beine etwa bis zum Kniegelenk bedeckt." Wonach sich zu richten!_ Kautionsschwindler. Den Direktor einer Autoomnibuszesellschaft spielte ein 23 Jahre alter.Kausinann" Max Schneider, der wegen KautionSschwindelö von der Kriminalpolizei festgenommen wurde. Schneider, der hier in der Elisabethstraße wohnte, ging in Ehanffcurschulen umher und suchte junge Leute für ein Unternehme» zu gewinnen, das er in Tilsit gründen zu wollen vorspiegelte. Als.Sicherheit für den Dienstantritt" oder unter sonst einem Vorwande, nahm er denen, die sich von ihm als Chauffeure, Schaffner, Betriebsinspektoren usw. an- werben ließen, Bürgschaften von 50,— M. an ab. Die neuen Angestellten machte er besonders dadurch sicher, daß er ihnen erzählte, eine hiesige Autoinobilfirma habe die umfangreichen Wagenbestellungen bereits angenommen und den Bau und die Lieferung der Wagen schon begonnen. Ein vorsichtiger junger Mann wandte sich aber an die Kriminalpolizei, weil ihm das Unternehmen doch nicht ganz sicher zu sein schien. Die Ermirtelungcn ergaben auch nun bald, daß Schneider nicht da-Z geringste Betriebskapital besaß und auch noch gar keine Wagen bestellt hatte. Alle seine Angaben waren falsch. Er wurde daraufhin verhaftet und nach Moabit gebracht. Leute, die mit Schneider in Verbindung gestanden haben, werden ersticht, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Bei Anruf durch den Ferm'precher unter Benutzung der Nr. 448. Die Spiel- und Sportplätze auf dem von der Stadt er- wordenen Teil des Exerzierplatzes an der einsamen Pappel (Schönhauser Allee) sind jetzt fertiggestellt und werden am Tonnerstag, den 28. d. M., vormittags der öffentlichen Be- nutzung übergeben. Die Sitzung der Stadtverordneten in der nächsten Woche fällt aus. Ein Opfer der Wettleideuhchaft. Mit GaZ vergiftet hat sich gestern morgen der Vorsteher der] der Kölhener Straße befindlichen Filiale der Mesienger Boy eoa pany. der 34jährige Max H o f f m a n n. H.. der ein eifriger Ren» bahnbesucher ivar, wettete über seine Verhältnisse hinaus und l« sich dazu verleiten, die ihm anvertrauten Gelder anzugreifen. Ast gestrigen Sonnabend sollte Hoffmann abrechnen, vermochte jedw nicht mehr, die feblenden Summen heranzuschaffeir. Freitag abcil schloß er sich in seinen) Bureau in der Köthenar Str. 4L ein ml öffnete die Hähne der GaZbelenchtimg. Gestern morgen wurde A tot aufgefunden. �__ Die Dircktionv dc§ Rose- Theater teilt um', mit, daß fc „Vorwärts" vom 9. Mai in einem Artikel unter der Uebcrschnlt- „Von der Arbeit der Gegner" es unter anderem heißt:»Direlts Bernhard Rose hat den Ertrag einer Theatervorste.Äung der bürgil' lichen Jugendvereinig'.mg de-Z Ostens überwiesen." Das sei ein Irrtum. Die Sache sei die: Di5 Theater Haft viele Vereine, welche da-Z Theater pachten, auch Sckmlen. Kurz vc: vergangene Weihnachten sei das Thealer an eine Schule verpachte worden, welche den lleberschuß. der durch den Bernaus der Billc:" erzielt wurde, zu ihrem eigenen Zwecke verwendet!hat. Die Annahme, daß Herr Rose den Ertrag einer Theate-' Vorstellung indirekt der bürgerlichen Jngendvereinigung übermitten hat. ist aus der Fassung des von im-3 besprocheneu Berichts zu eilt' nehmen. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Stzaßenbahnwa� der Linie 70 und einem Pferdeomnibus der Linie 15 ereignete ß» gestern nachmittag am Äiistriner Platz. Der S-rraßenbahnivag? fuhr mit solcher Wucht auf den Hinterperron des Omnibusses ou'- daß dieser stark beschädigt und aus dem Betrieb gezogen werde« mußte. Ter Schaffner erlitt dabei schwere Verletzungen im GesM auch wurde ihm die Schlagader der linken Hand aufgeschnitten, io und zwei Passagiere, die ebenfalls Berleyungeu erlitten hatte»- mußten nach der Unfallstation in der Koppenstraße gebracht werden- Das ausgesttzte Kind. Das Polizeipräsidium teilt mit: II. Mai 1914 wurde in einem Hotel in der Albrcchtstraße von einer zirb 25jährigen, schlanken, zirka 1,55 bis 1,00 Meter großen Frauenk' person mit dunkelbraunem Haar und vollem gesmwfarbenen Gesi/, Uhr, bei Rabe, Wilhelniinen. hosstratzc 43, Vorwag der Genossin Grumach:„Die Frauen und der Sozialismus," Degel. Montag, 8'/. Uhr, im Jugendheim, Bahnhosstr. 15, Vorwog über: „Sexuelle Ausklärung," Referentin: Genossin Matschke, Treptow. Montag, 8'/- Uhr, bei Scholze, Graetzftr. 49. Dr. Max Schütte über:„Deutschland iin Mittelalter," Waidmannslust. Mittwoch, im Schwcizcrhaus, Diemastratze, Bortrag der Genossin Emma Dölh:„Ist Kinderschuh Kulturarbeit tz" Weisteusec. Montag, 8V- Uhr, bei Peuicrt, Berliner Allee 251, Bor- trag des Genossen Fritz Fatz,__ Jugendveranstaltunge». Neukölln. Vor Schluß der Teilnchmerlisten sei nochmals auf unsere zivcl großen Psingstivandcrsahrten ausmerksam gemacht. I. Zwei bis drei Tage: Schwedt a. O,— Tal der Liebe— Paarsteiner See— Oderberg— Plagc- jcnii— Cborinchcn. Unkosten 5—6 M. Meldeschluß und Teilnehmer- zusammenkunsl am Montag, den 23, Mai, abends 8 Uhr, im Heim I.— II. Drei Tage: Stettin— Rügen— Binz— Lohme, Unkosten 15 M. Meldeschluß und� Tcilncbmerzusammenkunst am Dienstag, abends 8 Uhr, im Heim I. Spät»re Meldungen können nicht berücksichtigt werden.— Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag sindcn unsere Spiele aus dem Platz in, der Geygerslratze statt._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. Mai, vo rmitiagS 9 Uhr Pappelallee 15—17; Ncukölln,„Jdeulpassage"; Tegel, Bahnhosstr. 15, und Obcrschönewcidc, Klarast r, 2: Freireligiöse Lorlesung.— Vormittags 11 Ubr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vorwog von Herrn A. Fischer: „Denken und Wollen." Damen und Herren als Gäste willkommen. WttternngSüberficki» vom 33. Mai 1914. Stationen Swinemdc, 767 SO Hamburg 1 762i®D Berlin 766, S Franks, a.M 764 SO München i766Z Wien 770 OSO llhalbbd, 17 4 bedeckt-19 ö�hcitcr 1 18 Iwollig; 18 1 wölken! 17 2 wölken! 15 §avaranda76t-NO etersbur�76S SW Scilly 176liRW Aberdecn 763N Paris i762SSO 2bcdeckt llhalb bd, 12 "bedeckt! 12 3Regen IRegen 16 Wetterprognose für Sonntag, den 34. Mai 1914. Zunächst löarm und schwül, vorherrschend wolkig bei ziemlich lebhasten südwestlichen Winden, Regen und Gewitterneigung: nachher langsam wieder aiisklarend, kühler. Berliner Wetterburcau. Wetteraussichten für das inittlcre Norddeutschlaud bis Montag mittag: Kühler, zuerst größtenteils wollig und besonders im Küsten- gebiet noch vieisach etwas Regen, Später ostwärts fortschreitende langsanic Wlederausheitening und nach einer kühler Nacht am Montagvormittag ziemlich rasche Erwärmung. Oa» Scliönäc tMoilernäc zuWmgßcn M Faribije ctficfei* Farr>i�c HöLbtcncifte �&& ■S&LGincnrcnahe* Tcnnibföfiorie* c)and.aien Oroftc Spesiäl-Abteilang-cn für Kthdcp' Stiefel Könlg-Slrasse*4. Leipziger Strasse 65 Oranien- Sfrasse 47a Neukölln, Bergsfr. 7/8 bk�klar. Friedenau. Reinstrasse 14 Tauenkzien• Strosse 20 Oranien».Strasse-34 Moabit. Turmstrasse 50-5 Li 3» dandorfc1 Spittelmarkt Beile-Aliiancestrasso Grosae Frankfurierstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Oamni Neu eröffnet: Charlottenburg, Wilmersdorfer Strasse 118-119 __»«s Heute Sonntag von 2-6 Uhr geöffnet Damen-Wäsche Untertaillen reich mit Stickerei garniert 95 1.25 1.45 Weisse Röcke mit Stickerei- Volant 2.45 2.95 3.75 Taghemden, Beinkleider, Nachtjacken in versch. 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Berlagsanstalt Paul Singer L- Co., Berlin SW» Strümpfe Ltrürnpie für Damen, englisch ro cc r>c lang, schwarz oder ledertarbig....**0, 03, Oi) Pf, Strilmnfp ,iiT D!lIB«n'*anr oder QU UXUpiC halb durchbrochen, RQ tjt» QR schwarz, weiss, farbig............»»t?,•*», uu Pt CfrHmnfo ,är Damen, englisch lang. QU UIUJIIC Mousseline, schwarz, weiss, farbig Strttmp� Damen, Seide mit Florrand 58 pf. und Sohle, schwarz oder larbig.. 1.45 Socken lchwa0t?e�der lederfarbig 23, 38, 48 Pf. M AMI mit Wollrand,»sitzen •4EsV fest n. rutschen nicht hell od. dunkel- GrösseQD Grösse ZQ GTOsseCQ 4, 6. 6�" 7. 8. 930 Pt farbig ], i, 3' -40 Gl 6,6*0 7. 8,9 Handschuhe 0� ZWim J Drnckknöpfe, farbig, oder weiss 42 Pf. Imitiert Leinen L?bTgckknöp!e. 70,85 Pt Form Mousquetaire 85.95 p,. Halbhandschuhe raeiVo0cm�:a.";38, 48,65 p,. Halbhandscliube ÄÄfll.el: 95 Pt Gardinen Kunstler-fiardinonzFm�QÄ: 3.95, 5.75 Gai'dinen Fiügei 2.85, 4.95 Ep!3Stüll-Bettdecken��cn�bsffhZgeLl2.85 Artikel Knpee- Koffer ÄtS, 2 Schlösser.......................... ca. 55 60 65 2.90 55 3.50 60 4.oo 65 UirHM ij�amierur 4.50 •als«. mitSlidcereij�amierung, BanddorchzBg, SchleifB.AHaflern. wasshbar mit den Sbngei..W» 70 em 4.50 70 cm Hr. 139. 31. Ithrglmg. z. Kkilqe des LmSck" Kerl« WsdlM. Sonntag. 2i Mai 1914. MgeorSnetenhaus. 87. Sitzung. S o n n a b e n d, d c n 23. M a i 1814, vormittags 18 Uhr. Dritte Lesung ües Etats. Kultusetat. Ein von Abgeordneten aller bürgerlichen Parteien cingebrach- ver Antrag verlangt, daß den in der S ch w e i z promovierten Tier- ärzten die Führung des Titels mc6. vet. in Deutschland gestattet werde, wenn ihre Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen der preutzisissen tierärztlichen Hochschule entspricht. Ein konservativer Antrag will den in der zweiten Lesung gc- strichenen Titel für den Neubau des Rauchmuseums in Höhe von 87 888 M. wieder herstellen. Abg. Viereck(sk.) fragt den Minister, ob er schon in der Angelegenheit der beiden vom„Vorwärts" veröffentlichten Briefe über den versuchten Kauf des Profcssvrcntitcls etwas veranlaßt habe. Kultusminister v. Trott zu Solz: Ich habe die beiden Blätter des„Vorwärts", in denen die Briese enthalten sind, an die Staatsanwaltschaft über- geben, die das weitere veranlassen wird.(Lebhafter Beifall rechts.) Wir müssen abwarten, welchen Erfolg dieser Schritt haben wird. Ich brauche es wohl nicht erst auszusprechen, daß der Professoren- t:tel in Preußen nicht käuflich ist, in welcher Form es auch immer sein mag. Das versteht sich ganz von selbst. Gegenüber den gravierenden Angaben, die in den Veröffentlichungen des „Vorwärts" enthalten sind, sind eingehende Ermittelungen ange- stellt worden. Diese haben ergeben, daß der verstorbene General v. Lindenau sich niemals im Ministerium um die Erlangung des Professortitels oder einer anderen Auszeichnung bemüht hat, weder schriftlich noch mündlich. Allerdings konnte festgestellt werden, daß vor zwei oder drei Jahren der General v. Lindenau einmal im Ministerium gewesen ist, um sich bei dem Resc- reuten über dir Verleihung des Profrssortitcls an einen praktischen Arzt zu erkundigen. Ter Referent war aber im Ministerium nicht anwesend. So ist es zu einer Unterredung mit ihm gar nicht ge- kommen, und ich kann hinzusetzen, daß der praktische Arzt, für den der verstorbene General Erkundigungen einziehen wollte, den Profcssorentitel bis heute noch nicht erhalten hat. Was den zweiten Fall anlangt, den der„Vorwärts" mitteilte, so handelt es sich hier um einen Dr. Ludwig, der einen Brief an eine ungenannte Adresse gerichtet hat. Wie festgestellt wurde, ist dieser Dr. Ludwig im Ministerium nur dadurch bekannt, daß er ein oder mehrere Male von ihm verfaßte Schriften dem Ministerium üb ersandt hat und darauf, wie es öfters geschieht, den üblichen Dank bekommen hat. Sonst ist Dr. Ludwig im Ministerium nicht bekannt und er hat niemals, weder schriftlich noch mündlich, versucht, die Erlangung des Professortitels oder einer anderen Aus zeichnnng für irgendeinen Herrn zu erwirken. Dieses sind die Feststellungen. Ich wiederhole, die Sache ist der Staatsanwalt- schaft übergeben, und wir werden seheü, was sich daraus ergeben wird. Ob es richtig ist, jetzt schon eine gesetzliche Regelung des Mitteln schulwesenS und der Gebälter der Mittclscbullehrer vorzunehmen, erscheint mir sehr zweifelhaft, denn das Mittelschulwesen befindet sich erst in seinen Anfängen, es muß sich zunächst etwas weiter ausdehnen und dann kann dieser Frage nähergetreten werden. Abg. Dr. Marx(Z.) polemisiert gegen die Nationallibcralcn. Die Art, wie die National- liberalen in der zweiten Lesung den Zentrumsantrag, der der Kirche den ihr gebührenden Einfluß auf die Volksschule sichern wollte, bekämpften, sei um so bedauerlicher, als die sozial- demokratische Gefahr immer drohender werde, und den Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien immer notwendiger mache.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Ad. Hosfmann(Soz.): Auf den Titelschachcr deS Generals v. Lindenau wird unser zweiter Fraktionsredner eingehen. Hoffentlich haben Sie den Mut, ihn anzuhören und beweisen nicht wieder durch «inen Schlußantrag, daß da doch Dinge vorliegen, die da» Licht der Oeffentlichkcit zu scheuen haben. In den Streit zwischen Zentrum und Nationalliberalen will ich mich nicht hineinmischen. Wenn der Sozialdemokrat zum Fenster hineinguckt, liegen sie sich ja doch in den Armen und zeigen ihre Einmütigkeit. Wir sind nicht die Freunds der Nationalliberalen und haben auch in diesem Hause reichliche Proben davon gegeben, wie wir über die Freundschaft der Nationalliberalen denken. Der Minister sprach von der Gefahr, die von der äußersten Linken drohe, er meint damit den Umsturz usw. Sie wollen damit nur vor der Linken graulich machen und weiter die Schule der Kirche unterordnen. Und dabei stellen sie sich als die unschuldigen Lämmer hin, die kein Wässerchen trüben können. So behauptete das Zentrum, als Genosse H a e n i s ch hier den Hamburger Seclenkauf anführte, daß sei alles nickit wahr. Jetzt hat der betreffende Kaplan 1ö Beleidigungsklagen angestrengt und der Ausfall der ersten wird ihm tvohl ge- nügen, denn inzwischen schwebt ein Strafverfahren gegen ihn. Neben der Eroberung des Wahlrechts ist die Trennung von Kirche und Schule die dringendste Ausgabe. Tie Schule muß konfessionslos werden. Bei der Zahl von 1388 bis 1788 Reli. oionsstunden in den Volksschulen kommen ihnen gegenüber nur 328 bis 378 Stunden für Naturerkenntnis in Betracht. Das zeigt, wo- hin Sie es treiben wollen: daß unsere Schulen nicht nur zu kon- fessionellen Schulen, sondern zu kirchlichen Instrumenten gemacht werden sollen. All diese Uebcrfüttcrung� unserer Kinder mit Reli- gion trägt die größte Schuld daran, daß unsere Kinder, wenn sie aus der Volksschule heraus sind, nichts mehr von der Religion wissen wollen. Pastor Emil Felden hat in einem Artikel ge- Zeigt, wie nach einer Umfrage unter seinen Konfirmanden 12 bis 14jährige Knaben und Mädchen nicht mehr an Gott glauben. Von 418 Schülern, die er unterrichtete, glaubten nur ö9 noch an Gott! Das bewcißt, daß Ihr Religionsunterricht nicht in die Herzen und noch viel weniger in den Verstand eindringt. Der konservative Abgeordnete Freiherr Schenk zu Schweinsbcrg hat hier ausgeführt, daß der Religionsunterricht das Schmerzenskind unseres höheren Schulunterrichts sei. 88 Proz. aller Abiturienten verließen die Schule als religiös gleichgültig oder als irreligiös. Wenn das von Ihrer Seite gesagt wird, dann muß es schon richtig sein. An der Zahl derjenigen, die die Kirche verlassen, ist nicht zum wenigsten der Religionsunterricht, wie er in unseren Schulen ausgeübt wird, schuld. Die Gebildeten sind religiös gleichgültig, aber nach Ihrer(zu den Konservativen) Meinung sollen sie das nicht zeigen. Dem Volke soll die Religion er- halten bleiben. Goethe zlvar sagt: Wer Wissenschast und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer diese beiden nicht be- sitzt, der habe Religion. Das Kultusministerium könnte also Ersatz schaffen für den Religionsunterricht. Aber wie können Sie mit einem Religionsunterricht etwas erreichen, der das Entgegen- gesetzte von dem lehrt, was sonst in den Schulen gelehrt wird. Es gibt nur eine Wahrheit, und der Staat hat kein Recht, das Gegenteil von ihr zu lehren. Der Ministerpräsident, den man in diesem Hause ja so selten zu sehen bekommt, hatte einen gleichnamigen Vorgänger, Bcth- mann Hollwcg den Aeltercu. Der stand auf einem anderen Standpunkt als dem, der jetzt eingenommen wird, der stand auf dem, den auch Minister Falk einnahm. Diese Minister zwangen die Eltern nicht, ihre Kinder in den Religionsunterricht zu schicken. Heute haben wir es aber in Berlin erlebt, daß es freireligiösen Gemeinden unmöglich gemacht wird, Moral- Unterricht zu geben. Bruno Wille, ein anerkannter Schriftsteller der bürgerlichen Gesellschaft, wurde 1885 auf Vcran- lassung des damaligen Kultusministers Bosse ohne Urteil ins Ge- fängnis gebracht, weil er freireligiösen Kindern Konfirmations- Unterricht gab. Später ist er dann auf unbestimmte Zeit aus der Haft entlassen worden. Ueberall sucht man der Kirche das Anrecht auf die Schule in immer größerem Maße zu gewähren und den letzten Rest von Freiheit in der Schule zu zerstören. Die Au- träge der Nationalliberalen und Fortschrittler stehen heute leider nicht zur Debatte. Aber in welcher Weise der Religionsunterricht in der Schule geregelt werden muß, hat ja der Vertreter des Ministers in der Uutcrrichtskommission selbst zugegeben und hat gesagt:„Acndcrn Sic nicht so viel, kommen Sie nicht so viel mit Anträgen. Denn sonst gibt es kein Halten mehr." Da? bc- weist doch, daß da viel zu bessern ist. Aber nach Ihnen soll den Kindern Unterwürfigkeit und Knechtfinn anerzogen werden. Und Eje reden vom Vaterland und meinen dabei Ihre eigenen Interessen. Sic(zu den Konservativen) geben nicht zu, daß die Kinder in der Muttersprache Religionsunterricht erhalten(Abg. Di t t r i ch sZ.s: Wir nicht? Sic nicht, aber Ihre Blockbriider. Traub hat mit Recht gesagt, daß der Staat nur aus N ü tz l i ch k c i t s g'r ü n d c n den Religionsunterricht er- teilen läßt. Nützlichkcitsgründc! Also nicht Religion, nicht Glauben, sondern Nützlichkeitsgründe, um die Arbeiterklasse zu bedrücken! Und nur dem Geschick der Oberlehrer ist es nach den Angaben Traubs noch gelungen, Interesse für Religion auf den höheren Schulen zu wecken. Tie Zahl der Dissidenten nimmt zu, das müssen selbst die„Post" und die„Tägliche Rundschau" zugeben. Im Jahre 1818 kamen auf 323 Schüler ein Dissident, 1811 ein Dissident auf 312, 1812 einer auf 278. Die Zahl ist also fort- während gc st legen und in nocli viel höherem Maße ist das in den Volksschulen der Fall. Es ist eine wundervolle Verwal- tungspraxis, daß die Schüler der höheren Schule vom Rcligions- Unterricht dispensiert werden können, die VolkSschülcr nicht. DaS heißt: wenn der Vater Geld genug hat, das Schulgeld zu be- zahlen, dann braucht der Junge keinen Religionsunterricht. Hat der Vater kein Geld, dann muß der Junge unbedingt Religion haben. Ter Abgeordnete Marx(Z.) hat gesagt, der Führer der bel- gischen Sozialdemokraten. Huysman, habe gesagt, den Eltern stehe ein Recht auf die religiöse Erziehung des Kindes nicht zu; das Kind müsse religionslos erzogen werden. Ich habe mich an den Ge- nassen Huhsman gewandt und lege dessen Brief auf den Tisch des Hauses nieder. Huysman schreibt darin:„Tie Worte, welche der Abgeordnete Marx mir in den Mund gelegt hat, sind erfunden von A bis Z."(Lebhaftes Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Und Herr Marx stand heute hier und beklagte sich über den Vi an gel an Wahrheitsliebe! Es muß nicht gut bestellt sein um den Glauben, wenn der Kultusminister mit Hilfe der Polizei wider den Willen der Eltern den Kindern die Religion aufzwingt. Es zeugt von wenig Gott- vertrauen, wenn zu derartigen Maßnahmen gegriffen wird. Das Zentrum behauptet, seit Einführung der konfessionslosen Schulen in Frankreich sei die Zahl der Verbrechen gestiegen. Das Gegen- teil ist der Fall! Als Portugal noch unter der Herrschaft des Manuel stand, zählte es 88 Prozent Analphabeten. In den 3 Jahren, da es Republik ist, ist die Zahl a u f 68 Prozent gesunken.(Hört, bört! bei den Sozialdcmo- kratcn.) Tie kleine Freidcnkcrrepublik Portugal hat, seitdem das Pfaffenregiment abgeschafft worden ist, 1812/13 das erste Jahr gehabt, in dem ein U c b e r s ch u ß erzielt wurde. Ich könnte darauf hinweisen, wie die Religion oft. Aberglauben und Verbrechen fördert, wie in den frömmsten Gegenden die gemeinsten Verbrechen verübt werden. Und da bringt es Konsistorialrat G u t j ch m i d t in Halle fertig, die Jugendpflege der Sozialdemokratie mit Raub und Tiebftabl iu eine Reihe zu stellen. In Ihren zurückgebliebenen Provinzen Wcstprcußen, Posen, kurz, in Ostclbien(zu den Konser- vativen) hat der A l k och o l i s m u s die größte Bedeutung.(Zu- ruf des Abg. v. Pappcnhcim skons.s.) Ja, Herr v. Pappen- heim, das müssen Sie doch wissen! In Ihre» Reihen sitzen ja die großen Schnapsbrcnncr.(Zwischenrufe der Konservativen. Präsi- dent: Ich bitte Sie, den Redner nicht zu unterbrechen. Wir kommen sonst heute nicht zu Ende.) Bürgerliche Blätter haben die Tat- fache festgenagelt, daß für neue Pfarrstellen 1 688 888 M., für neue Schulstellen aber nur 1 288 888 M. ausgeworfen worden sind. (Lebhaftes Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Also die Zahl der Kirchen, obwohl sie leer stehen, mutz vermehrt werden, die Zahl der Lehrer nicht! Und deshalb versuchen Sic auch, diejenigen, die die Bildung fördern wollen, mit Polizei und Staatsanwalt daran zu hindern. Und dazu reicht der Kultusminister die Hand! Der Minister hat gesagt, wenn die sozialdemokratische Jugendbewegung nicht politisch wäre, würde keine Poli- zei Anlaß haben, gegen sie vorzugchen. Angesichts der Polizeibrutalität in Lichtenberg, wo es sich um eine rein wissenschaftliche Veranstaltung für die Jugendlichen handelte, frage ich Sie, Herr Kultusminister: Haben Sie diesen Grundsatz aufrechterhalten! Der badische Kultusminister hat unserer Jugenderziehung Worte warmer Anerkennung aus- gesprochen und hat gesagt:„Tie Sozialdemokraten sind früher gekommen als die bürgerlichen Kreise... Tic Arbeiterjugend ist in geradezu glänzeuder Weise von der Sozialdemo- kratic gefördert worden und kann jetzt den bürgerlichen Vereinen als Beispiel dienen."(Lebhaftes Hört! hört! Zuruf des Abg. v. Pappenheim.) Dieser Ausspruch ist ein Lob für Baden. Aber wie müßte Baden aussehen, wenn es von Herrn v. Pappenheim regiert würde. Auch Preußen wird nachfolgen, wenn es auch langsam geht; denn Preußen geht nie voran, außer, wenn es sich um Reaktion und Unterdrückung handelt. Ich frage den Kultusminister: beruhen die Angaben, die in einem offenen Brief von religiösen Vereinen gemacht worden sind, auf Tatsachen, daß Freiherr v. d. Goltz für seine Tätigkeit für den Jungdeusichlandbund ein Jahrcsgchalt von 28 888 Mark bezieht, außerdem 35 Mark tägliche Reisekosten und Fahrt 1. Klasse? Daß der Sekretär 6888 Mark, 24 Mark Reisekosten und Fahrt 1. Klasse erhält.— Der Kultusminister hat bei der zweiten Lesung des KultuSctats, als ich hier den Fall des Pfarrers Luther erwähnte, erklärt: Pastor Luther sei, als er die Beleidigungen ausgesprochen habe, geistig umnachtet ge- wesen. In einem Brief wird aber behauptet, und das ist durch Zeugen vor Gericht bestätigt worden, daß Pastor Luther gesagt hat: wenn er wegen solcher Aenßerungen in Konflikt kommen sollte, würde er sagen, er sei nervös. Ein königlicher Oberbahn- assistcnt hat mir einen Brief geschrieben, unter der ausdrücklichen Genehmigung, daß ich seinen Namen dem Kultusminister bekannt geben darf. In dem Briefe schreibt er, trotzdem er sein 48jähriges Jubiläum gefeiert habe, er ist über 68 Jahre alt, habe er in S Wochen keinen freien Sonntag gehabt. Auch der K i r ch e n b e s u ch sei ihm verweigert worden. Infolgedessen sei er aus der Landeskirche ausgetreten. Wir verlangen die Religionsfreiheit, die uns verfassungsmäßig zusteht.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Älvppcnborg(Däne) führt Beschwerde über Zurückdrängung der dänischen Sprache in den Schulen. Abg. Dr. Armer(f.) empfiehlt den Antrag Ahrens auf Bau des Rauchmuseums in Berlin. Abg. Eickhoff(Vp.) empfiehlt den Antrag Dr. Ahrens. Abg. Dr. v. Eampe(natl.): Seit 1878 ist immer in Belgien ein ultramontanes Ministerium am Ruder gewesen, mit Ausnahme von ein paar Jahren. Ter Antrag Porfch war verfassungswidrig, weil er ein in der Verfassung nicht vorgesehenes Recht der Kirche auf die Schul- aufsicht forderte und er war fricdenstörend, weil er den Zweck vcr- folgte, die Gegensätze zu verschärfen. Abg. Graf Moltke(sk.)~ wendet sich gegen den Antrag Kloppenborg. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird unter dem Widerspruch der Sozialdemokraten angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Die Tatsache, daß Sie mir das Wort abgeschnitien haben, obgleich Sic wußten, daß ich über die Titclschachersachc sprechen wollte, beweist �nur, daß Sie die wohlbegründete Besorg- n i S hatten(Stürmisches Gelächter rechts), ich könnte vielleicht Tinge vorbringen, die den Optimismus des Ministers Lügen strafen.(Lärm und Zurufe rechts.) Ich werde bei anderer Ge» lcgcnheii darauf zurückkommen. Hierauf wird der KuItuSctat bewilligt. Alle drei Anträge werden angenommen. Es entspinnt sich nun eine sehr eregte Geschästsordnungdebatt«, bei der Abg. Dr. Stcputat(Littauer) bedauert, daß er die Angriffe des Abg. v. Trampczynski nicht habe zurückweisen können. Abg. Adolf Hossmann(Soz.): Während der Rede des Abg. Liebknecht rief der alte Parlomen- tarier v. Zedlitz mindestens fündundzwanzigmal:„Unsinn! Unsinn!" (Lebhafte Zurufe rechts: Sehr richtig! Stürmische Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Porfch: Ich habe diese Zurufe nicht gehört. Abg. Dr. Fricdbcrg(natl.): Was man von den Enthüllungen des Abg. Dr. Liebknecht zu halten hat, weiß man in Teutschland. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Man kann auch an Ausführungen kein Interesse haben, weil man zu abgebrüht ist! Da Herr v. Zedlitz mir„Unsinn!" zurief, nehme ich an daß er damit seine eigenen Ausführungen und die des Ministers meint. Abg. Dr. v. Campe(natl.): Das Zentrum hat uns oft genug das Wort abgeschnitten und hat kein Recht, sich darüber zu beschweren. Darauf wird das E t a t s g e s e tz ohne Debatte angenommen. Die dritte Etatsberatung ist damit beendet. Ohne Debatte bewilligt das Haus den Nachtragsctat in driter Lesung. Darauf wird nach unwesentlicher Debatte der Gesetzentwurf über die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staat- lichen Betrieben beschäftigt sind, in erster und zweiter Lesung an- genommen. Die Novelle zum Zuständigkeitsgesctz, die gewisse gewerbliche Anlagen aus dem Verzeichnis der vom Kreis-(Stadt-) Ausschuß zu genehmigenden Anlagen herausnimmc, wixd der Handels- und Gcwcrbekommission überwiesen. Montag II Uhr: Bcsoldungsnovelle, Eisenbahnanleihegesetz, Rcntenbanken, Fischercigesetz und zahlreiche kleine Vorlagen. Wer auf Qualität sieht, kanlt nur 5 Würfel 20 Pf«. IV3AGGIs Bouillon-Würfel Sie sind unerreicht in Güte und Wohlgeschmack I Theater und Vergnügungen □□□ �{||�f Ül! □ M (®tcf|c Wochctt-Sviclplan.) Freie Volksbühne. Sonntag, d cn 24. Mai, nachm. 21/j Uhr: DcntichcZ Theater: Ter lebende Leichnam. Nachm. 3 Uhr: Schillcr-Theatcr 0.: Geschäft ist Geschäft. Künstier-Theater: Ter Biberhelz. Rollendorfp.'atz- Theater: L Pcrctte: Orpheus in der Unterwelt. A b c n d v o r ft c 1 1 u n g c n Neues Volls-Thcaicr: Dienstag, den 2. Juni, Nsttwoch. de» 3. Juni, Dostnerslag, den 4. Juni, Freitag, den 3. Juni, stets S1',., Uhr: Maria Fricdhammcr. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, d c n Mai, nachm. 2'l, Uhr: Koinmerspiclhaus: Tic Einnahme von Berg-op-Zoom. Nachm. 3 Uhr: Neues Bolls- Theater: Die Hauben- lcrchc. Dculschcs Opernhaus: Figaros Hoch- ?cit. Schiller-Theatcr Charloltcnb.: Rosen- montag. Lcssing-Tbenter: Phgmalion. Metropol-Tbcatcr: Ein Blitzmädel. Berliner Tbcalcr: Grohe Rosinen, MontiS Operetten- Theater: Die Fledermaus. Tbcalcr in der Königgrätzerstrastc: Das Lcbensfcst. NbcndS 8 Uhr: Neues Lolks-Thcater: Maria Fried- Hammer. NbcndS 8>/. Uhr: Montag und Somiabend: Frau Warrens Gewerbe. Dienstag: Die Haubenlerche. Mittwoch: Maria Friedhammer. Donncistag und Freitag: Hans Huckebcin. SeKilier-IKeslek' 0. TÜmer. Soniilap. nachmitiaqs 3 Uhr: Ist tlcschiift. Sonniaa, abends 8 Uhr: Klein F/vn. Montag, abends 8 Uhr: Heiligcnn ald. Dienstag, abends 8 Uhr: _ Klein Fvn. Sehüler-Theater Ciia;ü?r' Sonntag, nachmittags 3 Uhr: r. K«»>-ienni<»nt»x>. Sonntag, abends 8 Uhr: Utle.llnsehinenlianer. t. Montag, abends S Uhr: Vebcr unsere Kraft(J.Teil). Dienstag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Tbeaierio ilerKöDigppätzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Komddienhaus. 8V. Uhr: „Kammermusik". Berliner Theater. 8 Uhr: Wie cinft im Mai. ßeutsekes Künstlerthsater Sozietät. Nürnberger StraSe 70/71. am Zoo. Kasse: Noilendorf 1383. Sonntag 3 11 br; Ter Vibcrpelz. Sonntag, 8 Uhr: Ter Rand der Sabinerinnc«. Montag 8 Uhr: Schneider Wibbel. Dienstaim Schneider Wibbel. sdeater m Noüendorfplatz S. 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. sv. Uhr: Der Juxbaron. Theater des Westens. s Uhr FGienfblut. fheatsralWeiileöjaiiinierliriiekfi. Heute S'/. Uhr. Ende 10'/, Uhr. Der müde Tlieodor. Sensationeller Lacherfolg. Residenz-Theater. Ansang'SV. Uhr. 3eamtettss Sunkeikarnnter Schwant iii 3 Allen von Benedikt Lachniaiin. Morgen und jolgenoc Tage: IeanuettrS Tunkcltauiliier. WWWMl Mtw. Anfang 8',. k'tn-. Die FörKer-Glsrist!. Grohc Frantjurler Sir. 138. Die Kino-Köiligi». Ansang 8 Uhr. Im Garten: Gr. Konzert u. Vor itclluug. Ansang» Uhr. zgzontag: v!« Kinv-Königin laubenstraSe 48 43. Sonata? 4 Olli-: Kit dem..Imperator" nach New York (Kleine Preise.) Sonnlag und Montag 8 Uhr; Zum liochfirn der Jungfrau. 7 tägige Gesellschaftsreise nach Kopenhagen u. Kullen vom 13. bis £0. Juni 1014 sscher Gartean ZöO! Weute ja Aquanuai: 50 Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Täglich ah 4 Uhr: Großes Konzert. Xeu! Ziea! nauRRium 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. (Schweden) Preis 8«'I Sämtl. Kisenbahnfahrten[D-Zug 3. Kl.]. Dampfer- und Motorbootfahrten, Besichtigungskosten, Logis u. vollständige Verpflegung in ersten Hotels. Ausführliche Prospekte n. Aniiielilnngen bei P. Horsch. S. 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Charlottenburg, Tegslerweg 74-75 ssss Ffülikoiizert ssss Mitwirkende: Keues Tonkünstler- Orchester(Direktor Frenz Hollfelder) sowie Frauen- und Männerchor der Charlottenburger Ltodertafel.— Eintrit 25 Pf.— Kassen- öffftung morgens 5 Uhr. Anfang 6 Uhr.— Bei ungünstiger Witterung ist das Konzert im Saal, 59/4 Bahnverbindung 5 Minuten vom Kingbahnhof Jungfern- beide. Straßenbahnlinien bis Jurigfernlieide mit der 18, 54 und 164. Auto-Ownibus Verbindung vom Wilhelmplatz aus. Weinbergsweg 19/20. Gastspiel des stJo:clhcaler-Ensemblcs. Zum ersten Male: Zloischrn himmtl und Erdr. Flicgcrlomödie von Ernst t/andt. Vorher: Gin Paar DamenhöSchcn. Ansang 8'/« Uhr. Morgen u. solg. Tage: Dieselbe Vorst. Reichsliallen-Theater. Stettiner Sänger. Herr D'rektor Kuhlieke Sängerchca« Wet3dsng( Mädclien- u. Frauenchor„Norden"(lÄU M. d. D. A.-S.-B. Sonntag, den 31. Mai 1914(1. Pfingstfeiertag): Früh-- Konzert im Konzertpark des Friedrich-Wilhelmstädt. Schauspielhauses, j ChausseostraGe unter Mitwirkung des Neuen Berliner B!as=Orchesters (Dir.: Borth. Botho). Ooffnung des G�utens früh-1 Uhr. Konzertbeginn 5 Uhr. Flntritt�kartcn im Vorverkauf 25 Pf., an«1er Kasse SO Pf. ing palast Müllersir. 182-183 staglich, grosses yf KünsHer- n Konzcrh. PV Anfang 4 Uhr. Burleske von Mcijjcl. Anfang heute 7'/, Ihr. Folies Gaprice. Täglich 8'/, Uhr: er I.ul'tturner. as Karnickel. as Frdbebcn. Täglich großes Doppel-Konzert. D- Die Berg- u. Talbahn ist eröffnet. D- Wirtschaftsbetrieb: Bernhard Hofimann. Entree 50 PX. Brauerei Friedrichshain. 1. n. 2. Pfingstfeiertag QroPe früh-Konzerte 2. Pfingstfeiertag: Suiumcrrest d. Männerges.-Vereius M. d. D. A.-S.-B Dir. Thilo. EvaaVHctBlBOS. Vokal- Konzert n. Tonkünstler� Orchester. Spezialitäten=Vorstellung. U. a.: Die Truppe Biackvvells vom Zirkus Busch. Anfang 4 Uhr. EnireO 30 Pf. \i 4-.>-. �.•'•"''! j-yf'' 5-*>• Am FricdrichSHain Nr. 29/32. -Heute: Konzerl, Thealer und 8pez!aljiälen. Im Saale: BaSi. ■Jfit den Wochcutagcu I i das Etabliiiement an Vereine zn Uergehen. 8ommerthealer vrania, BSrangclftrastc 1l. Täglich: Spezialitatentbeater und Kino im Garten.-UWZ 2000 Sitzplätze. 2l48b' Zirkus Busch. Gastspiel des Deutscheu Theaters Direktion: Max Reinhardt. 68/19* Anfang 8'/. Ehr. Vorverkauf an der Kasse des Deutschen Theaters, Zirkus Busch und A. Wertheim. Preise der Plätze von 1— 10 M. Berliner Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. ZSährend der Vorsaison: Große Speiialitäten- und ssheater-Dorkellung. Im Saale: Großer Hall. Ansang i'i, Uhr. Eintritt 30 Pf. EiüfimiDg der Soimner-Saison 1. Pfingstfeiertag. omm Elysiiim mam I.an«l«bcrger Aller 40/41. Täglich: Konzerl, Ball, Spezialitäten Franz Sobanski. Ansang 3'/, Uhr. Enlree 10 Ps Vereine: Saal». Garte» gratis. i Jfeuc Melt! j Aniold Scholz. Hascnhcidc 108/114. � 4-Heute Sonntag: \ Großes Edra-Konzert u.\ | Varietechorstkllnng.' j Ansang 4 Uhr. Entrec 25 Pj. J j Im Riesen-Fcstsääl: � *= Großer Ball.----- J Alhambra Tüallncr-Thcater-Straslc 15. i:x Großer Ball. Großes Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zanicitat. r ■-¥> r l.irh trn borg, Frankfurter l'liaussce 5. Eröffnung der Sommer-Saison; t)«iniorMlag.«Jen ÄI. Mal 1014. Großes Konzert und Gala-Spezialitäten-Vorstellung. I Auftreten nur hervorragender Künstler. Am I. und 2. Pfingstfoierfag:* tz Qr. Tdih-Konzed und VoistsUungcn.[ Nachmittags sowie täglich das große Pfingst-Programm. Arminius-Hallen, --------- Bremer Straße 7S-73. Telephon J80.==�=! Jeden Sonntag: Großer Ball.' Anfang 4Vä Uhr. Lekneidigs Sallmusik. Anfang«'/.rtir' Avis! Große und kleine Bäle mit Bühne, Vereinszimmer umi 2 Kegelbulmen noch frei. Max Schölzcl. Mentes Volksgarten Berlin, an der i.and»bcrger Allee. Ködcr*tr. 28429 l □ Heute Sonntag sowie jeden Sonntag: l-s. 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Mai 1914, abends 8 Uhr: Volksversammlungen in folgenden Lokalen: Haverlands Festsäle, Neue Friedrichstr. 35 Bockbrauerei, Tempelhofer Berg Gewerkschaftshaus, Engelufer 13 Urania, Wrangelstr. 10/11 Konzert- und Festsäle, Koppenstr. 29 Glysium, Landsberger Allee 40 Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23 Prater-Theater, Kastanienallee 7-9 Kastanien-Wäldchen, Badstr. 13/16 Germania-Säle, Chausseestr. 110 Moabiter Gesellschastshaus, Wiclcfstr. 24 Cliarlotteiibiirg:: Bolkshans, Rosinenftr. 3 Schöneberg: Nene Rathanssäle, Meininger Str. 8 Neukölln: Neue Welt, Hasenheide 108-114 snener Saal) Lichtenberg: Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee l*nnkuebtcr Strafie 33, abends NOrdeil I Franke« Festsäle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. Moabit: Frachtsftle Xordwcst, Wiclcfstr. 24, abends 8'/. Uhr. Ldarioltenburg: Vnlk.han«, Rofincnstr. 3, abends 8'/. Uhr. f aerol' 4V»hlfahrt« Fe.t»»iUe, Reinickendorf, Eichborn- IcyCI. strasic 18, abends 6 Uhr. Westen und Schöneberg: OSten I ComeninssSIe, Mcmclcr Str. 67, abends 8>/, Uhr. I iolitanltQi'N' Be»>tnnrant linrk»,,«ki, Pfarrstrastc 74, UlMlCUÜCig. abends 8'/, Uhr Stralau- Rumoielsburg: Ä"0i"ev,,e' �uptflvn&c 3 WeißenSee: FpWatcn, Lchderftr. 122, abends S'/, Uhr. CiirlanhaTIpIro* i4evi'erkHcliaftKhan8, C�ngcIufctlösSnall), dUUCllUClill lvv. abends 8'l, Uhr.— Bortrag des Genossen Dr. B. BrcltNchcid. NeUkÖün* Ba�Itsc,,s Festsäle, Hermannstr. 48/49, abends StegÜtZ: �ci>viii>a«e« Feiit�NIe. Ahornftr. 13a, abds. 8'/zUhr. Köpenick und Friedrichsilagen: Bahnhofstr. 44. abends.8'/,. Uhr. Oberseböneveide, NiederscböneVeide, Johannis- thal ll flnm* Restaurant Gcorgee. Qbcrschöncwcide, IllAl U. vllllj.. Wilhelminenhofstt. 14a, abends 8'/, Nhr. Cnanfion■ Kextanrant Dertx, Svandnu. Kurstr. 21, abends opallvaU. L-/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: SMtinpalinit iiir ordenlliiht» Genniil- iitifflininliiiig. Chile Mitgliedsbuch kein Zutritt! Pünltlichcs und zahlreiches Erscheinen ivird erwartet/ Tie Bersammlung der Chirurgischen Branche fällt im Monat Mai aus! llg/l Die Brtnver,va>tnnx;. nr» Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Am Mittwoch, den 27. Mai, abends 8 Uhr, finden in allen Bezirken in den bekannten Lokalen Versammlttnge»» statt.— TaS Erscheinen aller Kollegen erwarten Tie Cbleutc. Achtung, Delegierte! Die Generalversammlung des Dmeinvemiis findet am Sonntag, de» 7. Juni d. Js., vormittags i» Uhr. im Saal 1 des Berliner Gewerkschafrohauscs. Sugelufer 15, statt. 142/18 Ter Zwcigvereinsvorstand. I» Mark Popsline- u. Alpaki- Mlntel Ii radvi» Fiibn. Ueim Vorzeigen die. es Inserates 4 pCt. Ratiatt. Dam M Oalfll rngro.- JlMl-lfg![aBf"nUrind8r E-xp0rt l Lauer I. Etage. Lager! - 15 Mark o Blanrs o Bliiacn- Kostüm. JÄax Jffosczylz, Berlin l. landsöergerSlr. 59. IT Sonnabend» jetzt den ganzen Tag petchlotsen.'HW leinen Sie in Ihrem eigenen interesse auf etto Hausnummer. 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Der§ 103 Abiatz IV der Satzung erhält jolgende Fassung: „Die.Kündigung oder Entlassung der Angestellten, die der Dienst- ordnung unterstehen, darf, vorbehält- tich des§(!34 Absatz 8 der Reichs» versrcherungsordnung, nur aus über- ewstimmeuden Beschluß der Arbeit- geber und der Versicherten im Vor- stand, kommt aber ein solcher Be- schlich nicht zustande, auf Beschluß der Vorstaiidsmehrheit mit Zustimmung des Vorsitzenden des Versicherungs- amts ausgesprochen werden: nach fünfjähriger Beschäftigung darf sie nur aus einem wichtigen Grunde er- solgrii." 274/7 Genehmigt Cbarloitenburg. den 9. Mai 1914. Königliches Lberverficherungsamt Groß-Berlin. gez.: v. Gostkowsli. (Ziegel.) Vorstehende Satzungsänderung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Neurölln, den 23. Mai 1914. Iber Kassenvorstand. Geschwinder, Vorsitzender. Ritter, Schristsührer._ Speziaiarzt I>r. med. WockenfoB. Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden- Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). 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