Nr. 140. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Biertehjährl. 3,30 Met., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Rene Welt" 10 Big. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. 9 Montagsausgabe 5 Pfennig Vorwärts 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Berjamminungs- Anzeigen 30 Pig. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( gulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes writere Bort 10 Pig. Etellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer, müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erbedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Meritplats, Nr. 1983. Hochverrat. Man kennt die nicht üble Definition von Unfittlich.„ Unsittlich ist, wenn es jemand sieht." Ganz ähnlich läßt sich der nicht minder kautschukartige Begriff des Hochverrats umschreiben. Montag, den 25. Mai 1914. Expedition: S. 68, Lindenftraße 69. Rerniprecher: Amt Moritplat. Nr. 1984. sehen, wie sie wollen oder können für uns heißt die flare und heißblütigsten elsässischen Nationalismus gestellt hat, ist auch ans eindeutige Losung: Hand von der Butter! nicht sonderlich sympathisch, aber sein Buch„ Mon village", wie es Während aber Essad Pasch as Verhaftung Spalten um das Kolmarer Landgericht getan hat, als eine Hochverräterische Spalten der europäischen Presse füllt, fräht tein Hahn mehr nach Handlung anzusehen, heißt juristisch ganz und gar daneben greifen der Festnahme ziveier Hochverräter", deren sich die deutsche Kolo- und politisch mit Kanonen nach Spazen schießen. Mit Gewalt die nialverwaltung bemächtigt hat: der Dualas Duala- Manga Verfassung des Deutschen Reiches ändern wollen, was das Kriterium und Ngogo Din. Diese Wortführer eines Negerstammes, den des Hochverrats ist, das trifft sicher weit eher auf die militärischen man wider Recht und Gesch und wider ein ausdrückliches Ver- Machthaber von Zabern mit ihren Pandurenfellertaten als auf sprechen von seinen Wohnpläßen enteignet, sollen mit hochverräteri- a I mit seinem Kinderliedchen zu: schen Plänen schwanger gehen und die Schwarzen des Schutzgebiets zum Aufstand anzustacheln streben. Aber ach! die Sache liegt jo ziemlich umgekehrt. Nicht weil die Dualas auf alte Buschmanier zur Flinte und zur Lanze gegriffen und den Kriegspfad gegen die Deutschen beschritten haben das wäre gewissen Kreisen vielleicht sondern weil sie mit Rechtsbegriffen geCigogn', Cigogn', t'as d'la chance Tous les ans tu pass's en France Cigogn', Cigogn', rapport' nous Dans ton bec nu p'tit piou- piou! ... Hochberrat ist, wenn der andere die Macht Behält." Denn in der Tat gibt es kein politisches Verbrechen, das mehr politisch und weniger Verbrechen wäre als der Hochberrat. Was heute Hochverrat ist, kann die legitime Ordnung von morgen sein. Als der kleine Manuel sich noch im Sonnenschein von Lissabon seines Lebens freute, waren die Republikaner gottverfluchte Hochver. räter. Aber mit dem Augenblick, da Manuel zu Schiff nach Eng land war, avanzierten die Republikaner zur Regierungspartei, und wer heute in Portugal seinem gepreßten Herzen mit dem Ruf: gar nicht so unlieb! ( Storch, Storch, Du hast es gut, gehst jedes Jahr nach Frank„ Es lebe der König!" Luft macht, afkurat der ist ein Hochber- arbeitet, weil sie sich auf die Gefeßlichkeit berufen, und im be- reich. Storch, Storch, bring uns in Deinem Schnabel eine Roträter. Solange Abdul- Hamid im Besitz der Macht war, behandelte fonderen, weil sie sich an den Reichstag gewandt haben: deshalb hose mit!) er die Jungtürken als Hochverräter, ließ sie gern in einen Sad sind sie gemeingefährlich, deshalb gelten fic als Hochverräter und Wem darum an einer wirklichen Ueberbrückung der Gegensäße vorausgesetzt, daß er sie hatte! und im Bosporus werden, sofern nicht alles täuscht, von den unkontrollierbaren Ge- in den annektierten Provinzen gelegen ist, muß wünschen, daß der versenken, wo er am tiefsten ist. Als die Jungtürken aber oben richten in Kamerun als Hochverräter abgeurteilt werden, wenn nicht Oberreichsanwalt so schnell wie möglich den Mizgriff der Kolmarer auf waren, erkannten sie, daß eigentlich Abdul- Hamid der Hoch- die öffentliche Meinung in Deutschland sich für sie ins Zeug legt. Richter wieder gut macht und Walz außer Verfolgung setzt; denn verräter sei, und sperrten ihn in einen festen Käfig ein. Zn Aber was liegt der bürgerlichen Presse daran, ob im fernen Afrika dieser Hochverratsprozeß wegen einer Nichtigkeit würde nur den Deutschland ist heute die sozialdemokratische Partei, deren Ver- unter der schwarz- weiß- roten Flagge das Recht mit Füßen getreten Chauvinisten hüben wie drüben Wasser auf die Mühlen leiten. treter im Reichstag nicht einmal beint Kaiserhoch die Bänke lüften, wird und ob ein paar Schwarze zu Unrecht ausgepeitscht oder aufdie hochverräterische Partei par excellence, und jeder Oberstaats- gehängt werden! anwalt schnaubt sie an: nähen Dein Odem schon ist Hochberrat und Majestäteberbrechen; aber wenn einmal das Opernhaus in Berlin fein Hofopernhaus mehr sein wird doch stille hierbon! Wenden wir uns drei Hochberratsfällen zu, die in den letzten Tagen weithin die Aufmerksamkeit erregten. In festgefügten Staaten, bei Regierungen, die sich auf das Vertrauen breiter Volksschichten stüßen, zittert man nicht vor Hochberrätern. Der König von Ulster", Carson, mit seinen bewaffneten Scharen und seinen Maschinengewehren, bedroht nicht die Sicherheit des britischen Reiches. Aber die Neger Duala= Manga und Ngogo- Din mit ihrer Beschwerde an den Reichs. tag und der Elsässer Walz mit seinen Zeichnungen, sie rütteln erschrecklich an den Grundfesten des Deutschen Reiches. Glückliches Selbst die bedenkliche Verhaftung des Elsässers Walt altas Hansi in Kolmar und seine Ueberweisung an das Reichsgericht in Leipzig wegen angeblichen Sochperrats ist ja mit Gleichgültig feit aufgenommen worden. Und doch bandelt es sich auch hier um eine Ungeheuerlichkeit, die sicher ein Erzeugnis des neuen Nurses in Elsaß- Lothringen, der Aera Dallwit ist. Der Zeich ner Walt, der sein nicht übermäßiges Talent in den Dienst des England! Armes Deutschland! Potpourri vom Titelschacher. General von Lindenau. Von Karl Liebknecht. Iberöffentlichten Dokument vom 20. April 1913 in Frage stehende. Hier sollte für die runde Summe von 25 000 Mart zugleich einem noch sehr jugendlichen Berliner Arzt der Professortitel und einem Provinzkaufmann der Kommerzienratstitel verschafft werden. Der erlauchteste dieser Hochverräter ist Essad Pascha in Albanien. Daß in der albanischen Pflanzenwelt der Hochberrat üppig gedeiht, nimmt niemanden wunder; denn je wadliger ein Staat ist, je unsicherer sich eine Herrschende Schicht fühlt, je weniger sie auf das Vertrauen der breiten Volksmassen bauen kann, desto argwöhnischer späht sie nach den Dolchen im Gewande, desto eifriger spürt sie nach Hochberrat und Hochverrätern. Albanien nun ist überhaupt kein Staat, die" Dynastie" hat ihren Thron auf einem rauchenden Vulkan aufgeschlagen und außer ein paar bezahlten Sawassen und Gendarmen hat sie nichts hinter sich. Da Die„ Nationalzeitung" vom Sonnabend kündigt an, daß sieht sie Hochberrat in jeder Geberde, Hochverräter an jeder die Staatsanwaltschaft unter Umständen" gegen den Straßenede. Denn es ist feineswegs zweifelsfrei, ob Gijad Vorwärts" und mich Anflage wegen verleumderischer Bascha ein Hochverräter nach den juristischen Paragraphen eines Schmähung des Andenkens des geschäftstüchtigen Generals in Albanien noch gar nicht existierenden Strafrechts ist. Nicht Wut, mit der der Kriegsminister und der General Wild zu bei seinen Geschäften zuweilen gelehrige Schüler gewonnen aus§189 des Strafgesetzbuches erheben werde. Trotz der Nicht uninteressant ist es, wie General v. Lindena it als ob wir für seine Unschuld die Hand in ein noch so mäßiges Hohenborn auf meine erste Witteilung über den Fall Lindenau hat. Wir liegt der Beweis dafür vor, daß ein Berliner Feuer legen möchten. Denn dieser in jedem Fall gerissene Gauner Lim Reichstag reagierten, ist es leider recht zweifelhaft, ob die Arzt, der um des Professortitels willen mit v. Lindenau hat im wörtlichen wie im übertragenen Sinn niemals ein reines Staatsanwaltschaft einen solchen Schwabenstreich verüben in Verbindung getreten war, sich alsbald auch mit Feuereifer Hemd gehabt. Spikel für Abdul Hamid, Verschwörer gegen Abdul wird. Es sind ja inzwischen über diesen Günstling des der Titelvermittlung widmete. Hamid, Berteidiger von Skutari, Auslieferer von Stutari er deutschen Kaisers auch in der staatserhaltenen Presse noch recht waren seine Preise anscheinend sehr hoch, da er Allerdings hat eine recht üble Führungsliste, und als er dem braven Brin- erbauliche Dinge ans Licht gefördert worden. Mit aller Be- für einen Kommerzienratstitel 65 bis 70 000 Mark beanzen zu Wied im Schloß zu Neuwied den Treueid leistete, da stimmtheit verlautet, daß der General seinen Geldspruchte. hätte er, wie weiland Talleyrand vor Louis Philipp gebern innerhalbietnes Machtbereichs beim Nach dem mir vorliegenden Material dürfte sich die lächeind sagen können:„ Sire, das ist der Dreizehnte!", der drei Abschluß von Verträgen mit der Militär- Version, daß General v. Lindenau zwar Titelschacher und derverwaltung Vorteile zuzuschanzen suchte, gleichen versucht, aber keine Erfolge erzielt habe, nicht wohl Wer auf der Gruppenaufnahme, die und zwar, wie es scheint, nicht ohne Erfolg. In Trier aufrecht erhalten lassen. tamals durch die illustrierten Blätter Deutschlands ging, diesen Fursieren darüber Gerüchte, die man als abenteuerlich bei Essad mit einem lauernden Banditengesicht und in sprung Seite schieben würde, wenn nicht das Abenteuerliche gerade Der Reichsverbandshäuptling Dr. Ludwig. bereiter Stellung neben dem zukünftigen Fürsten stehen sah, konnte in diesem Fall das Normale märe. fich des Gedankens nicht erwehren, er sei nur nach Neuwied ge- Jedenfalls steht unum stößlich fest, daß tommen, um die Silberschäße des Schlosses zu tagieren und danach die schneidige Erzsilenz mit halbdunklen später das Lösegeld für den Moret zu benreffen. Trotzdem wurde und ganz dunklen Geschäftsleuten der ber dieser Berschwörer von Beruf geehrt und gefeiert, vom österreichischiedensten Art, insbesondere in Berlin, in schen Kaiser in Audiens empfangen und mit dem Großkreuz des langjähriger intimster GeschäftsverbinFranz- Josef- Ordens behängt. Drei Monde später wird derselbe Tode, und daß er eine Menge Vermittler in dung gestanden hat, und zwar bis zu seinem Esjad mit österreichischen Kugeln beschoffen und auf einem öfter- Ordens- und Zitelfachen an der Hand gereichischen Kriegsschiff als Häftling interniert. Nun scheint aber habt hat. zehnte Meineid nämlich. .. · " Dr. Ludwig bei der dem Reichsverband nahestehenden Wie der Vorwärts" bereits gestern erwähnte, hat Presse einen Rechtfertigungsversuch unternommen. Seine Erklärung lautet: „ Die in Nr. 36 des Vorwärts" veröffentlichte„ Enthüllung von Karl Liebknecht hat mit dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" nicht das mindeste zu tun. Ich selbst habe aus Gefälligkeit natürlich nur als Privatmann und nicht als zweiter Beamter des Reichsverbandes auf Wunsch eines mir bekannten Arztes Erkundigungen eingezogen, ob es wohl möglich sei, ihm den Professortitel zu verschaffen. Die mir gegebene Auskunft habe ich auf Grund stenographischer Notizen gutgläubig weitergegeben. Mir stiegen aber hinterher 3 weifel über die Richtigkeit auf, und ich überzeugte mich, daß die Angaben unzutreffend waren. Ich habe daher in der Sache nichts mehr getan, die Beziehungen abgebrochen und weder einen Pfennig Vermittlungsgebühr gefordert, noch empfangen. Der betreffende Arzt hat auch den gewünschten Titel nicht erhalten. 3. 3t. Dörfel b. Reichenberg i. Böhmen. Dr. Ludwig." Ihren Brief erhalten teile ich Ihnen zunächst mit, daß ich überhaupt nicht das Geld aus der Hand von Herrn Dr. sondern von dem mit Vollmacht ausgestatteten Herrn erhalten habe. Quittung und alles ist vorhanden. Ich habe 3000 Mart zu wenig hetommen, bereits schwere Kämpfe darum gehabt und tann Ihnen das nur mündDie Jämmerlichkeit dieses Rechtfertigungsversuches belich auseinanderseßen, wenn ich im Juni einmal nach Berlin darf feines meiteren Kommentars. In tatsächlicher Be tomme. Wenn damals aus der Sache nichts wurde und ich das der Bauernaufstand in Mittelalbanien, der seine Wellen bis vor Hier sei noch ein Brief, dessen Original sich wiederum die Tope von Durazzo schlägt, sich eher gegen die großen Feudal- in meinen Händen befindet, wörtlich wiedergegeben: herren vom Schlage Essads zur richten, als von ihnen angeTrier, 22. Mai 1912. stiftet zu sein, und bei den Ereignissen in dem Residenzdorf selber Berehrter Herr! scheint es sich wirklich um eine Verfnotung österreichisch- italienischer Streitigkeiten zu handeln: Essad Pascha der Vertrauensmann der italienischen Ansprüche und von den Oesterreichern aus seiner Stellung herausmanöveriert darauf mag das Ganze hinauslaufen. Aber sei dem, wie es will, die flehentliche Bitte des wadelnden Mbret, internationale Truppen von den in Skutari stehenden Detachements zu seiner Unterstüßung nach Durazzo au entsenden, stößt hoffentlich bei der deutschen Regierung auf harte Ohren. Durazzo ift ift ein heißer Boden. Ga regnet jezt dort beträchtlich Kugeln. Und cin unfaßbarer, ein unerträglicher Gedanke wäre es, wenn auch nur einer deutschen Mutter Sohn wegen dieser unglückseligen Kunstschöpfung b. Lindena u. Albanien ins Gras beißen müßte. Mögen sich die Arnauten mit Dieser Brief bezieht sich, wie ausdrücklich hervorgehoben ihrem Mbret und der Möret mit seinen Arnauten auseinander- sei, auf eine andere Angelegenheit als die in dem bereits ganze Geld zurüdzahlen mußte, so lag das daran, daß Herr... auf Anraten seiner Frau auf die ganze Sache auf Anraten seiner Frau auf die ganze Sache berzichtete. Achtungsvoll ziehung sei bemerkt, daß Dr. Ludwig an den betreffenden Aratherangetreten ist, nicht umgefehrt, und daß die Behauptung, er habe sich von der Unrichtigkeit der Angaben" überzeugt und daher in der Sache nichts mehr getan, eine blanfe 11nwahrheit ist. In meinen Händen befinden sich drei Briefe des Dr. Ludwig über die gleiche Angelegenheit und an den gleichen Adressaten, einer vom 5. September 1911, ein zweiter bom 15. September 1911( der bereits abgedruckte) und ein dritter von 13. Februar 1912, der hier folgen möge: Redaktion der Monatsschrift für Deutsche Beamte. Chefredakteur Dr. Ludwig. Berlin W. 57, den 13. Febr. 1912. Mansteinstr. 1, 3. 3t. Meran, Südtirol, Pension Gilfflamm. Sehr geehrter Herr Doktor! Die geheimnisvolle Pforte zum königlichen Schloß. blüts erhielt ein anderer noch lebender Manager der Regel nach 10 Proz. Nach manchen böjen Erfahrungen ist in der letzten Jahren, so heißt es, immer nur gegen Vorschuß gearbeitet worden.es, im 3 Es scheint, daß die Staatsanwaltschaft hier mancherlei fun bekommen fönnte, wenn sie geschickt arbeiten und rasch und rücksichtslos zugreifen würde. Die Wirren in Albanien. Die Wege zu einem föniglich preußischen Titel sind gar mannigfaltig. Der romantischste wohl führt durch eine Hintertiir unmittelbar ins faiserliche Schloß. Zum Beispiel fo: Man wird von einem Eingeweihten in Lagergreens Konditorei, Schloßplag 3, bestellt. Sogar ganz ungeniert auf Rein Gewährsmann in Sachen P.(= Profeffor) fragt man mit einer Dame befanntgemacht nicht etwa der einer offenen Postkarte. In diesem traulichen Café wird mich an, ob er sich nicht mit Ihnen direkt in Verbindung fehen fagenhaften„ weißen Dame" aus dem Hohenzollernschloß, sonYann. Er hat Ihnen jest eine günstigere Offerte zu dern einer Dame von durchaus realer Körperlichkeit. Und diese man in der Presse des Dreibundes begeisterte Schilderungen Lügen haben kurze Beine. Noch vor drei Tagen konnte unterbreiten. Da ich natürlich dies nicht ohne Ihre Genehmi Suldin leitet den Titelbedürftigen gnädiglich ins Sohen von der Liebe der Untertanen zu ihrem Herrscher lesen. gung tue, erlaube ich mir die Anfrage, ob Sie damit ein sollernschloß, wie einstens die Walküren den tapferen Krieger und am Sonnabendabend hat sich dieser geliebte Fürst derstanden sind. Es würde sich dann der Weg vereinfachen. Ich muß mich hier von meinen durch die Reich 3- verwaltung Ihrer Majestät der Kaiserin Kriegsschiff geflüchtet. in Walhalls Gefilde. Ein Beamter der Schatull- aus Furcht vor den Aufständischen auf ein italienisches tagswahl strapazierten Nerven erholen, finde,( aus dem Jahre 1912, heute nicht mehr im Dienst) ist das Aufruhr und die Insurgenten sind die Herren Ganz Albanien ist in daß mir Meran sehr gut tut. Da ich noch etwa 14 Tage hier Ziel. Der Trost, den er dem Durstigen spendet, ist freilich Dura 330 8. Der Fürst scheint ihre Forderungen bewilligt bleibe, bitte ich Sie um möglichst umgehende Nachricht, etwas gesalzen. Bierzigtausend Mark für den zu haben und durfte dann in die Stadt zurückkehren. ob Sie noch auf die bewußte Angelegenheit re- Profefiortitell Da vergeht selbst dem Durstigsten flektieren. Alles andere ist noch unsicher. Weder über den Charakter leichtlich der Durst. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener des Aufstandes, noch über die Forderungen, die der Fürst Es ist kein Märchen, das ich hier erzähle. Im September bewilligt hat, liegen genaue Meldungen vor; wie überhaupt Dr. Ludwig. 1912 hat es sich ereignet. Ob auch sonst noch? Vielleicht sowohl die italienischen als die österreichischen Offiziösen alles Der betreffende Arat hatte die Sache längere Zeit auf sich wird der Staatsanwalt darüber einiges in Erfahrung daran segen, um die wahre Lage Albarriers zu verhüllen. beruhen lassen. Nachdem Dr. Ludwig bei den Reichstags- bringen. wahlen so aufreibenden Dienst fürs Vaterland und die heiligSicher ist nur, daß das Werk der Londoner BotschafterkonseSerr Kultusminister! Sie dürfen fich wahrhaftig nicht reps ſten Güter der Nation geleistet hatte, daß seine Nerven auf einbilden, daß es in Preußen feinen anderen Weg zum Seileren schmählich zusammengebrochen ist, und daß der österreichisch italienische Gegensaz schärfer als je dem Hund waren, fam er mit diesem Briefe drängend und des Medizinalprofeffortitels gebe als den durch das Kultustreibend wieder auf die Sache zurück. Niemals noch konnte| ministerium! hervorbricht. ein Mensch jenes Wort patriae inserviendo consumor, d. i. im Dienst des Vaterlandes reibe ich mich auf, mit mehr Necht von sich gebrauchen, als Herr Dr. Ludwig. Und so war es nur ganz in der Ordnung, daß er sich nach dem fürchterlichen Reinfall bei den Reichstagswahlen nunmehr wieder Trost suchend dem einträglichen Titelschacher zuwandte. Man beobachte die rein kaufmännische Ausdrucksweise dieses Briefes. Der Brief könnte gerade so gut wie vom Professor. titel von einem Posten Filzpantoffeln oder Schweißpuder oder dreisternigem Rognak handeln. Offenbar läßt sich beim Titeľhandel auch feilschen. Das zeigt die günstigere Offerte". Man hat eben seine Geschäftsprinzipien. Man ist ja auch ein so frommer gottesfürchtiger Christ, daß man sich den Professortitel für Juden teurer bezahlen läßt als für Christen. Nimmt man die föstlichen Briefe, die die Breslauer Volkswacht" veröffentlichen konnte, hinzu, so sieht man, wie Dr. Ludwig sich bereits eine eigene Terminologie angewöhnt hat. Gewisse markante Wendungen, z. B. die„ vom Zugum- Zug- Geschäft", die sich stereotyp wiederholen, legen beredtes Zeugnis ab von den durch die Nebung im Titelgeschäft erworbenen tilgewohnheiten des Reichsverbandshäuptlings. Wer zweifelt wohl noch daran, daß Herr Dr. Ludwig nur einmal einer bösen Versucher zum Opfer gefallen ist und nie wieder? Einer von den kleinen. Folgendes Brieflein hat typische Bedeutung: Friz Lindenberg, Berlin- Wilmersdorf. Export, Kommission St. Gallener Artikel. Der Titel- und Ordenstarif. Roter Adlerorden 4. Klasse: Für Akademiker 8000 Für Nichtakademiker Kommerzienrat für Preußen: Jm regulären Verfahren( unter Innehaltung des üblichen Instanzenzuges bei beschleunigtem Verfahren unter Umgebung dieser Instanzen 12 000 M. 50 000 M. 60 000 m. Die Flucht und die Rückkehr. Rom, 24. Mai. Die Agenzia Stefani" meldet, daß der . italienische Gesandte in Durazzo Aliotti an den Minister des Auswärtigen Marquis di San Giuliano folgende Depesche gesandt hat: Nach dem Kampfe, der von der Gendarmerie unter dem Befehl von holländischen Offizieren geführt wurde, und in welchem diese mit ihren Mannschaften sämtlich von den Insurgenten gefangen genommen wurden, wurde der Befehl gegeben, das Feuer der Batterien auf dem Stadtschloß und an der Straße nach Tirana einzustellen. Gegen Abend famen einzelne Flüchtlinge in eiligem Laufe nach Durazzo, welche er zählten, daß die kleine Anzahl von Nationalisten, die zu den Preuß. Professor für Aerzte, Künstler usw.: 25 000 20. Waffen gegriffen hatten, zersprengt wäre und daß die InsurFür Hessen, Baden, Koburg usw. stellt sich der Kommerzienrat um etwa 10 000 M. billiger. Preußischer Kommissionsrat: wobei man sich bis Herunterhandeln lassen kann. In Koburg und den anderen Bundesstaaten macht der Professortitel nur: zuweilen sogar nur: Hoflieferant des Kaisers oder der Kaiserin: Hoflieferant des Kronprinzen oder der Kronprinzessin: V 25 000 W. 20 000 M. 20 000 M. 18 000 M. 15 000 M. 12 000 M. 10 000. 8 000 m. 5000 Mr. 5 000 m. bis 10 000 m. Eventuell abzuhandeln bis auf: Hoflieferant in Koburg, Hessen usw.: Soflieferant in Walded Pyrmont nur: Rammerfänger je nach d. Bundesstaat zwischen Konsul. und Generalfonfultitel auswärtiger Staaten je nach der Größe und Bedeutung des Staates bon 10 000, M. bis Preußen: 800 000. bis Girokonto: Mitteldeutsche Kreditbank, Wilmersdorf. Girokonto: J. Berliner, Banfgefchäft, Berlin, Brüderstr. 13. Robilitierung( Adelsbräditat) in Betrifft: Chrung. Mosstr. 40, den 29. November 1912. Fernspr.: Pfalzburg 1140. Streng vertraulich! Herrn Dr.... Sehr geehrter Herr Doktor! In Koburg: 30 000 M. 400 000 m. 250 000 m. Man sieht, daß zur Blaufärbung des gewöhnlichen Bürgerblutes eine ganz erfledliche Menge Goldes erforderlich ift. Dieser oder ein ähnlicher Tarif pflegt den Schlep pern" und„ Schiebern" zu genten auf die Stadt losmarschierten. Man erfuhr ferner, daß die Leibwache der katholischen Malissoren, die 200 Mann stark unter dem Befehl von zwei Priestern standen, bei den ersten Schüssen dabongelaufen wäre. Man beschloß in großer Eile, im Namen des Fürsten Mehmed Pascha Draga als Unterhändler abzusenden. Dieser tehrte bald darauf mit der Meldung zurück, daß die Insurgenten nur verhandeln wollten, wenn sie bis ans Meer gelangt seien, und daß ein weiterer Verhandlungsversuch unnüz wäre. Infolge des Gewehrfeuers und aus Besorgnis, daß die Insurgenten, deren Grimm durch die Kanonade und infolge ihres Janatismus aufs höchste gestiegen war, Durazao plündern fönnten, be mühte ich mich, Maßnahmen zu treffen, um die italienische Kolonie in der Gesandtschaft oder auf den Schiffen in Sicherheit zu bringen. Bald darauf brach eine unbeschreibliche Banik aus. Jch begab mich zu den Fürsten, machte ihm von der lucht der Nationalisten Mitteilung und bat ihn mit anderen, die Fürstin und die kleinen Kinder in Sicherheit zu bringen und dann die Landungsdetachements zurüdzuziehen, um ernstere Zwischenfälle zu vermeiden. Das war auch notioendig, weil die katholischen Malissoren einen Gegenstand der Provokation für die MuselIn einer Sie besonders ehrenden Angelegen natürlich nicht die Behauptung, daß er bindend ist, und dak manen bildeten. Es wurde denn auch beschlossen, die katholischen heit bitte ich um eine Unterredung. In großer Hochachtung ganz ergebenst Friz Lindenberg. es jederzeit möglich ist, Bug um Zug" gegen diese Tarifzu bringen. Die Fürstin aber hatte Belieben Sie mir geft. hierfür Zeit und Ort zu bestimmen. fäße die betreffende Ehrung" zu erwerben. Die Tatsache erklärt, sie würde sich nicht von dem Fürſten trennen. Man be aber, daß ein derartiger Tarif bei den„ Schiebern" und schloß daher, daß auch „ Schleppern", den„ Oberschiebern" und" Oberschleppern" der Fürst sich zeitweise an Bord des„ Misurata" begeben verbreitet ist, und das nicht etwa erst seit gestern, sondern solle. Alle diese Anordnungen wurden mit größter Schnelligkeit Natürlich betraf die Ehrung" den Profeffortitel. Serr seit vielen Jahren, und daß das Gewerbe seinen Mann er- getroffen. Gegen Abend machte ich mich in Begleitung des rumä Gris Lindenberg, der auch Breitestr. 25, also nabe am Schloß, nährt, spricht dafür, daß diesem Tarif eine gewisse Reali- nischen Gesandten und der österreichischen, französischen und eng domiziliert, ist der Vorsitzende eines Lokalkomitees des Ber- fierungsfähigkeit innewohnt. liner Vereins für Ferienkolonien, macht also außer in Titeln Sicht ein„ Opfer" oder ein„ Dummer" besonders wohl auch in Wohltätigkeit. Er fist in diesem Lokalfomitee neben haberd aus, so wird den„ Schleppern" und" Schiebern" die dem Reichstagspräsidenten Dr. Johannes Kaempf, dem Pflicht auferlegt, den Preis aufzuschlagen, wie unter geUnterstaatssekretär Dr. jur. Michaelis, dem Oberkonsistorial- wissen Boraussetzungen auch unter die Grundtage gegangen rat Professor Kawerau und anderen, woraus sich sofort er- werden kann. Bon dem Betrag erhält der„ Schlepper" oder gibt, daß der für die Wohltätigkeit pergossene Schweiß für Manager", auch„ Taster" oder„ Sonde" genannt, sirka dem Fürsten mitzuteilen: Erstens, die Insurgenten wollten einen spekulativen Kaufmann immerhin auch gewisse geschäft- fünf Prozent. In gewissen Fällen auch mehr. In gewissen Fällen auch mehr. Bei durch Unterhändler ihre Forderungen dem Fürsten überreichen. lich wertvolle Annehmlichkeiten mit sich bringt. einem vor kurzem verstorbenen Obermanager adligen Ge- 3weitens, die Gefangenen würden alle erschossen Jagow in Albanien. Jagow ist in Albanien! Nicht der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, der die Berantwortung für die Gründung dieses unmöglichen Staatsgebildes mitzutragen hat, sondern der andere, der Better, der Traugott, furg: unser Jagow, Berlins Polizeigewaltiger. Jagow ist in Albanien! Warum sollte er auch nicht? Es gibt Steptiter, bie behaupten, daß er dort beffer hinein lischen Delegierten auf den Weg, um mit Unterhändlern der Ins furgenten zusammenzutreffen. Auf der Straße nach Tirana be gegneten wir dem holländischen Kapitän, der unter Geleit von drei stand und erklärte, er sei gekommen, um unbewaffneten Insurgenten, die eine Parlamentärflagge trugen, im Namen der Insurgenten wird? Kein Grund zur Neugierde! Man ist auch nicht auf den Aber der Polizeimeister von Berlin ist in Albanien noch von Sonnenuntergang neugierig. Was tommen muß, bas kommt doch. einer schweren Gefahr bedroht. Die Arnauten sind unwirsche Auch befindet sich die öffentliche Sittlichkeit in Albanien in Burschen. Möglich, daß ihnen Jagows Raje nicht gefällt und einem für Jagow recht erfreulichen Zustande. Das albanische Volk daß sie ihn meuchlinge einheimsen und ein Lösegeld heischen. besteht, Essad Pascha eingeschlossen, aus lauter Analphabeten. In- Dann, Freunde, wollen wir fammeln, sammeln, sammeln folgedeffen wird in Albanien nie geschrieben. Infolgedessen find auch das Scherflein der Witwe ist tillfommen und eine große Postkarten dort unbekannt. Infolgedessen kennt man auch keine Summe Geldes nach Albanien schicken, damit sie ihn dort behalten Ansichtskarten. Infolgedessen gibt es gottlob! auch keine un- und unserethalben marstallbraun anstreichen. Auch das wäre ein züchtigen Ansichtskarten und Traugott v. Jagow hat nichts zu Aft der Staatshoheit, an dem nicht gemäkelt werden dürfte. fonfiszieren. Ferner: auf den Kopf der Bevölkerung entfallen in K. L. Albanien 17,3 Läuse. Ein Kamm ist in dem Lande ein Fremd fühlen. Zwar ist Albanien ein wildes Land. Aber bitte schön, ist gestorben sein. Infolgedessen befindet sich bislang fein einziger etiva Preußen, zumal das Preußen, dem Jagoms Neigung gilt, Friseurladen in Albanien und darum auch keine unzüchtigen Wachs- Die bulgarische Telegraphen- Agentur erfährt aus Adrianopel, tein wildes Land? Ist sein Wappen etwa umsonst zur Rechten bisten, die Herr v. Jagow keusch gesenkten Blides aus Berliner daß dort mehrere Angestellte einer großen Filmfirma angekommen und zur Linken von einem wilden Mann mit einer drohenden Keule Friseurläden so oft entfernen lassen muß. find, um mit Ermächtigung der türkischen Behörden Aufnahmen flantiert? Na also! Außerdem befit Albanien vor Preußen ent- Freilich hat Albanien die Blutrache. Aber das stört Herrn zweds finematographischer Darstellung der Belagerung von schiedene Vorzüge. Zwar sind die Sutnadeln dort nicht geschüßt, v. Jagon nicht. Er ist Reserveoffizier in einem extrem feubalen Adrianopel und der hauptsächlichsten Vorfälle aus dem Leben in nicht einmal die Messer und Dolche, die männiglich im Gürtel Kavallerieregiment. Auch in seinen Kreisen blüht die Blutrache in der Stadt während der Belagerung, sowie auch der Operationen in trägt, aber dafür hat das Land auch kein Parlament, nicht einmal Gestalt des Duells. Die Albaner fönnen ihm deshalb um so sym- der Umgebung der Festung zu machen. Einige Truppenteile wurden ein Dreiflassenparlament. Das ist sehr viel wert! Herr v. Jagow pathischer sein. Geknallt muß werden. Am Anallen erkennt man ihnen für die Aufnahme zur Verfügung gestellt, doch genügten wird sich heimisch fühlen in Albanien. Außerdem gibt es dort keine den Kavalier. ihnen diese nicht, sie schlugen vielmehr vor, noch einige Dörfer in der Umgebung von Adrianopel anzuzünden, und erklärten sich bereit, den entstehenden Schaden reichlich zu vergüten nur, um die kriegerischen Vorgänge um die Festung her historisch treu darstellen zu können. Die türkischen Behörden haben auf dieses Gesuch noch nicht geantwortet. paffe als nach Berlin. Auf jeden Fall wird er sich dort gang wohl förper. Der erste Friseur wird 1923 hinkommen und 1924 Sungers nochmals der Kampf um Adrianopel. Jurisprudenz. Der Dr. jur. v. Jagow wird sich über die Maßen Allerdings knallen die Albaner ein bißchen viel, bei Tag und heimisch fühlen in Albanien. Endlich weiß man auch von einer bei Nacht, ohne Rücksicht darauf, daß die Straße dem Verkehr dient Sozialdemokratie nichts. Der Polizeipräsident v. Jagow, der das und kein Schießstand ist. Tut nichts! Im Herbst 1910 war Herr Wort Treptowo nicht hören so wie der Löwe keine Maus sehen kann, v. Jagot drauf und dran, in den Straßen Berlins, in Moabit, die wird gar nicht mehr zurückwollen aus Albanien. Kleinkalibrigen sprechen zu lassen. Es tam nichts gang dazu, es blieb beim Sabul. Jagows Ohr wird dafür entschädigt, indem es das Gefnatter in den Straßen von Durazzo bernimmt. alles Zwar wimmelt es in Albanien von läuflichen und bestechlichen Man hat hier die Behörden vorgespannt und es wird eine Seelen. Schadet nichts! Die Minister sind dem Meistbietenden feil Sache werden, die zieht. Noch haben sie nicht geantwortet, aber und halten jeben Sonnabend mit sich selber Bersteigerung ab. Schadet Nur eines ist schmerzlich. Das einzige Theater in Albanien pa Geld hier nicht in Frage kommt, werben sie mit weiteren gar nichts! Herr v. Jagow wird dadurch von Zeit zu Zeit an die ist heute, wenn der Mbret spazieren reitet und sich wundert, daß kein Truppenteilen bienen. Hier wird Mammon ins Treffen geführt, Bolizeiwachtstuben der Heimat fiehe Köln mit den Frühstücks- Untertan ihn grüßt. Ein anderes Theater gibt es nicht. Also und es wird ein„ Wert" erstehen, geeignet, die gesamte Konförbchen! fiehe die Gendarmen auf der Karlshorster Rennbahn! auch keine Schauspieler. Also auch keine Schauspielerinnen, au furrens aus dem Felde zu schlagen. O, man wird nicht nach angenehm erinnert. In diesem lieblichen Lande ist Herr denen man sich da ich die Theaterzensur auszuüben habe" billigen Effekten haschen, sondern nur das teuerste im Bilde feſt= v. Jagow auch der Mühe enthoben, Neugierige zu warnen. Denn zum Thee einladen kann. Das ist übrigens gut so. In Deutschland halten. Man wird Dörfer in Brand steden, Häuser in Grund und hier läßt sich einmal niemand warnen und zum zweiten gibt es fommt man in einem solchen Fall nur in den" Ban", in Albanten Boden schießen und mit Menschenleben spielen. Ge loďt ein hier feine Reugierigen. Worauf sollte man hier auch neugierig wird man durch Bleifugeln in ein regelrechtes Sieb berivandelt. Gewinn ohnegleichen. Das Sensationstier, das Blut fließen sehen jein? Daß der Mbret eines Tages mir nichts bir nichts exportiert Meistens Birbt man bei dieser Verwandlung. will, wird den Rintopp ftürmen, werben, wenn bis morgen abends 8 Uhr der Kapitän nicht mit gehörigkeit zu derfelben Partei gebotenen Grenzen halten. Many geleitet wird. Fräulein Stubt wohnt auch bei der Familie einem Briefe des Fürsten zurückkehrte, der eine günstige Ant- bereinbarte, bei etivaigen Differenzen eine Verständigung durch Bössow in der Kochstraße 9. Dorthin bringt sie allabendlich bort enthielte. Drittens die Insurgenten forderten, daß die Vermittelung des Geschäftsführenden Ausschusses zu versuchen. nach Geschäftsschluß die Tageslosung. Hierauf hatten zwei affen niemals mehr gegen sie gekehrt würden. Die Vertreter beider Werbände bezeichneten in eingehender junge Burschen ihren Plan gebaut. Als Fräulein Studt Dem Fürsten wurde geraten, sich sogleich in den Balast zu Begründung die Erhaltung ihrer Verbände im Bartei- gegen 10 Uhr die Treppe des Hauses Nr. 9 hinaufging. begeben, wo er den Kapitän empfing und den Brief be- interesse als notwendig und deren Auflösung als unum das Geld abzuliefern, famen ihr im zweiten Stockwerk treffend die Forderungen der Insurgenten unterzeichnete. burchführbar. Dagegen wurde auf beiden Seiten der zwei junge Burschen von ungefähr 20 Jahren entgegen. Als Der Fürst forderte, man solle ihm von neuem Matrosenabteilungen Wunsch laut, zu einer häufigeren persönlichen Fühlungnahme zu fie mit ihnen in gleicher Höhe war, schlug der eine ihr mit als Eskorte mitgeben. Ich verhandele noch mit meinem öfter- gelangen, um dis Estorie mitgeben. Ich berhane, reichischen Kollegen über diese Frage, damit keine Zwischenfälle und Streitigkeiten vorzubeugen. trümmert wurde und ihr aus Nase und Mund Blut geflossent eintreten oder es zu einem Konflikt kommt, in den die italienischen Der Geschäftsführende Ausschuß wird nunmehr zu diesem Ertam. Sie brach infolge des Schmerzes und der Wucht des Matrosen verwidelt werden könnten. Der von den Insurgenten gebnis der Verhandlung Stellung zu nehmen haben." mit ihren Forderungen abgesandte Kapitän berichtet, diese seien und Streitigkeit nungsverschiedenheiten möglichst auszugleichen der Faust so wuchtig ins Gesicht, daß ihr Gebiß zer2000 Mann und mehr ſtart. Die Bewegung scheine haupt- Militärische Erziehungsmethode. fächlich religiösen Charakter zu haben, aber es sei nicht Der Sergeant Herrmann vom Artillerieregiment Nr. 7 trat ausgeschlossen, daß Banden von Anhängern Essad Pasch as im während einer Uebung von hinten an den Rekruten Baumann geheimen daran teilnehmen. Auf jeden Fall handle es sich, da heran und stieß ihn mit dem Knie derart in den Rüden, daß der dieser niemals die Möglichkeit gehabt habe, mit seinen Anhängern Mann vornüber auf die Erde fiel und mit dem Ellenbogen auf in Berbindung zu treten, sicherlich um eine Erhebung spon- stieß. Dadurch entstand eine Wunde, deren blutige Krusten noch taner Natur. taniet zu fehen sind. Als Baumann aufschrie, zeigte tha Herrmann Schlages zusammen und verlor bald darauf das Bewußtsein. Vorher fonnte sie aber noch einen Hilfeschrei ausstoßen, der von den Hausbewohnern gehört wurde. Die jugendlichen Räuber, die versucht hatten, ihr die Handtasche, in der sich die Tageslosung befand, zu entreißen, ergriffen daraufhin die Flucht und entfamen auch trop der sofortigen Berfolgung. gozel der„ Herr Baron". border wegen Sprechens im Gliede an und sagte ihm, er werde dafür Ein von mehreren Staatsanwaltschaften steckbrieflich verfolgter sorgen, daß er aus dem Kasten hinein- und herausflöge. Wegen Schwindler, der frühere Kaufmann Franz Prillwik, wurde Die Wahlen in Belgien. Bigbandlung und Mißhandlung und unvorschriftsmäßiger Behandlung Unter- am Sonntag in der Straße Unter den Linden von seinem Schicksal gebener hatte sich Herrmann vor dem Kölner Kriegsgericht zu ver- ereilt. Prillwit verstand es, die Dummheit seiner lieben MitBrüssel, 24. Mai.( Privattelegramm des„ Bor- antworten. Das Gericht verurteilte ihn nur wegen vorschrifts- menschen und ihren Respekt vor dem Adelstitel gewinnbringend auszunügen. Unter der Maste eines Barons Egon von wärts".) Der charakteristische Zug der heutigen Wahlen ist der widriger Behandlung in einem Falle zu acht Tagen gelinden Battenberg versuchte er sich allerorten recht erfolgreich als ex verteb 8ug nach Iints. Die Klezitalen haben überall Stim.Arrestes; bezüglich des zweiten Falles wurde auf Frei Beirats, Rautions- und Provisionsschwindler. und Provisionsschwindler. Eine, frühere men verloren und büßen wahrscheinlich drei Site sprechung erkannt. Der Angeklagte habe nur die Stellung des" Braut" des Herrn Baron, die er empfindlich betrogen hatte, etauf tannte Tropenein. Die Sozialisten haben überall beträchtlichen Stimmenzuwadswirten wollen, wobei er freilich in seinem Eifer zuweit anzug Unter den Linden flanierte und sorgte für seine Festnahme. zu verzeichnen. In Huy- Waremme hat Genoffe Wauters, der Chefredakteur des„ Peuple", das Mandat wiedererobert. In der Proving Lüttich haben die Klerikalen zugunsten der Liberalen, in Flandern zugunsten der oppositionellen Christlichgegangen sei. Bom eigenen Fuhrwerk erfaßt und getötet. Der Jahrestag der Kommune. Ein schwerer Unglüdsfall hat sich auf der Berlin- KetschenParis, 24. Mai.( Bribattelegramm des dorfer Chauffee ereignet. Der Fuhrmann Karl Nidel, ein Demokraten Stimmen verloren. Die Liberalen gewinnen orärt 8".) Die heutige Manifestation an der Mauer fünfzigjähriger Familienbater, hatte eine Ladung Brunnenröhren bermutlich zwei und verlieren einen Sitz. Der sozialistische ber Föderierten war gewaltiger als je. Der Aufmarsch auf seinem Gefährt zu befördern. Auf der Chauffee kamen die Stimmenzuwachs ist namentlich bedeutend in Charleroi, bauerte über 3 Stunden. 40 000 manifestanten brachten trob Röhren plöblich ins Rutschen. 9. wurde mitgeriffen und fiel Gent und Verbiers. Die klerikale Majorität bürfte von 16 auf des Bolizeiverbots immer wieder Sechrufe auf die so unglücklich auf den Fahrbamm, daß er vor das rechte Vorderrad 10 oder 12 Stimmen rebuziert sein. Das Wahlresultat bedeutet Kommune aus. Die Spitze des Zuges bildeten die Mit- zu liegen fam und ihm dies über die Brust hinwegging. Spazier eine Niederlage für die Klerikalen und den Sieg der Wahlreform. kämpfer der Kommune. Dann folgten 12 von Deputierten gänger fanden den Verunglüdten einige Seit darauf tot auf. Der Massenstreit ist nicht vergebens gewesen! und Gemeinderäten geführte Abteilungen. An der Spiße der Das Fuhrwerk stand wenige Meter vom Leichnam entfernt an der ersten Abteilung schritten Jaurès und Vaillant. Chauffeeböschung.E Politische Uebersicht. Die Rüstungstreiber an der Arbeit. Aus Groß- Berlin. am Billiges Getreibe. Gin ungemein dreistes Diebesstück haben Einbrecher auf dent Schlesischen Güterbahnhof verübt. Ohne daß fie int geringsten bei der Arbeit" gestört worden wären, brachten es dic Burschen fertig, aus einem verschlossenen Waggon fünfzig Doppelzeniner Roggen zu stehlen. Die Beute luben sie werbsmäßig betreibt. Die karmoisinvergnügten Lichterfelder. Der ganze Wahnwiz des Wettrüstens zur See wurde auf der am Sonntag in Bre 3 la u abgehaltenen Tagung des bataillon benette 26. bis 28. Mai feine sabrhundertfeter. helligt davon. Da in lester Zeit öfter ähnliche dreifte Diebereien Wieder ein Jubiläum bevor. Das Gardeschützen- auf einen bereitstehenden zweispännigen Wagen und fuhren unbedeutschen Flottenvereins dem deutschen Michel wieder einmal vor Augen geführt. Millionen und aber Die Kaserne der Gardeschützen liegt in Lichterfelbe. Da muß vorgekommen finb, so bermutet die Polizei, daß gegenwärtig eine Millionen Mark sind aus den Steuergrosajen des deutschen die Bevölkerung lebhaften Anteil nehmen an dieser Feier, denn Bande von Spezialisten" das Plündern von Güterwaggons geWolfes für den Bau von Kriegsschiffen verwandt worden, das Bataillon ist ihr Bataillon. Jeder wahre Patriot muß einzig mit dem Resultate: Die Ausgaben genügen nicht, da zur Verschönerung und Verherrlichung des Jubiläums bei- Selbstmordversuch eines jungen Mädchens im Freibad. ganz selbstverständlich die anderen Großmächte auch nicht tragen, so will es der brave, patriotische Gemeindevorstand, Die Verzweiflung einer jugendlichen Selbstmörberin rief müßig die Hände in den Schoß gelegt haben. Für unsere so schickt es sich für jeden treuen Staatsbürger von Lichterfelbe. gestern im Freibad bei Friedrichshagen Auffehen hervor. Stüftungstreiber eriſtiert nur die eine Formel: Weiterrüsten! sollen Feitgewand anlegen. Das ist bei der verschiedenen Gewohnen, und die in Friedrichshagen die höhere Schule besucht, Die Häuser und die Geschäfte in der Nähe der Kaferne Die siebzehnjährige Erna N., deren Eltern in Wilhelmshagen Wenn der Vorsitzende des Flottenvereins, Großadmiral b. Soester, auf der Tagung auch zugeben mußte, daß vor- staltung der Säuser der Hauptfeststraße der Stegliger fuchte im Badeanzug die Basedowbrüde, die direkt am Freibad läufig unser Flottengejek noch ausreicht, so jab er doch bangen Straße keine leichte Aufgabe. Su erreichen wäre diestegt, auf und stürzte fich vor den Augen der zahlreichen Bade- vor allem durch Berüd gäste aus der beträchtlichen Höhe herab. Sie ging fofort Berzens" in die Zukunft; auf die Dauer werde der jebige ſo ſchreibt der Bürgermeister Statusquo faumerträglich sein. Mit anderen Worten: fichtigung einer Grundfarbe für die Gesamtausschmüdung. Ale unter, fonnte jedoch burch hinzurubernde Männer gerettet wereiner fur le Michel, ziehe deinen Beutel und opfere weiter zum Wohle des solche ist von der Gemeinde für die Straße selbst ein Karmoisin. Den. Sie wurde ans Ufer gebracht und in Schubhaft genommen. Moloch Militarismus und Marinismus, sum Borieile der rot gewählt worden. Es wird baber an die Hausbefizer, De- is Grund ihrer Tat gab fie Heberarbeitung an Rüstungsinteressenten. der 1 Letzte Nachrichten. Die Wirren in Albanien. wohner und Geschäftsinhaber der Stegliger Straße, nament lich an die unmittelbare Nachbarschaft der Schüßenfaserne, die Ein anderer Redner, der Regierungsrat Professor Julius Bitte gerichtet, auch ihrerseits für den Schmuck der Säufer o If. gab in seinem Vortrage über die steuerliche Leistungs- fenem Grundgedanken im Intereffe einer Einheitlichfähigkeit Englands im Vergleich mit der Deutschlands auch feit Rechnung zu tragen und vorgesehene Girlanden gleich) Fingerzeige, wo in unserem teuren Baterlande noch und Kränze mit Rot zu durch wirken, Balfongitter etwas zu holen ist. Natürlich nicht etwa aus den Taschen oder Fensterbrüstungen gegebenenfalls mit Stoffen Durasse, 24. Mal. Die vergangene Nacht ist sehr ruhig derer, die die ungeheuren Rüstungsprofite einfaden! Dieser Farbe zu brapieren( worauf Goldschmüre fehr verlaufen. Man erwartet die Parlamentäre der AufBranntwein und Tabak seien immer noch Produkte, passend erscheinen) jowie roten Blumenschmud zu tänbifen, die eine Besprechung mit dem Fürften haben sollen. aus denen im Notfall neue Millionen gepreßt werden können. Und dabei mußte der Redner zugeben, daß die Dreibundstaaten in den Jahren 1891-1910 46 milliarden Mark Un ferner eine möglichst geschlossene Straßenwandung Land geblieben, lediglich zum Schuße des Fürsten und der italientfür Rüstungszwede berpulvert haben, denen zu erhalten, wären Lüden zwifchen den Säufern im Ein- fchen Gesandtschaft. Die Flüchtlinge lehren allmählich von den aleichfalls dem genannten Grundton gerecht werden, au verständnis der beiderseitigen Besizer durch Gewinde, die Schiffen an Land zurück. sammenzufaffen." 126 Milliarden Mark in der kurzen Zeitspanne bon bevorzugen. Es ist nur eine italienische Truppenabteilung an Bolfs Berechnung 80 Milliarden Mart der Mächte der Tripleentente gegenüberstehen. Der Kongres der Gelben. Sieb doch einer mal an, biesen Lichterfelber Gemeinde- Saarbrüden, 24. Mai. Seute begann hier die vierte Jahres20 Jahren, ohne daß irgend etwas an den früheren Macht vorsteher! Mit den Roten wollen die Lichterfelder doch sonst tagung der nationalen wirtschaftsfriedlichen Arbeiter und Berufsberhältnissen sich geändert hat! Wieviel Lebensglückt fönnte nichts zu tun haben, die rote Farbe aber scheint ihnen besonders verbände, die von zahlreichen Arbeitern, Vertretern der Remit dieser ungeheuerlichen Summe geschaffen, wieviel Tränen wirkungsvoll für die feitliche Ausschmückung zum Jubiläum. gierung, der Stadt, der Arbeitgeberschaft und von der Witwen und Waisen getrocknet werden. Nichts von alle- sarmoijinrot ist die Barole! Karmoifinrot durch wirkt find Barlamentariern besucht ist. Die Feststellung des Hauptben! Der Moloch verlangt nach mehr und immer mehr! Sie Girlanden und Kränze, Karmoifthrot ist die Farbe der ver- berichterstatters, baß man an der Gemeinschaftsarbeit mit den ArSeine Gefräßigkeit zu befriedigen ist Aufgabe der Flotten- wendeten Stoffe, rot ist der Blumenschmud! beitgebern und an nationaler Betätigung in scharfem Gegenund Rüstungstreiber, die ihrem volksfeindlichem Streben ein nationales Mäntelchen umhängen. jak zur Sozialdemokratie unerschütterlich festhalte, wurde ' mit starkem Beifall begrüßt. An den Kaiser wurde ein Huldi gungstelegramm gesandt. An dem Festzug, ber durch bie geschmückten und beflaggten Straßen der Stadt führte, beteiligten fich 12 000 Arbeiter. bas Rote Kranzschleifen sind sonst staatsgefährlich, wenn sie einem verstorbenen Sozialdemokraten gelten; rotes Tuch zum Ausschmücken von sozialdemokratischen Festveranstaltungen wird oft als unzulässig erklärt, weil es aufreizend wirkt. Karmoifinrot ist die ubiläumsfarbe, die bas Garde schüßenbataillon in Lichterfelbe befonders ehrt.Darum, Lichterfelder! Schmidt am 26. Mai Häuser, Fenster, Balkons, ganze Straßen mit farmoisinroter Drapierung: bie rote Farbe ist das Ideal der schwarzweißroten Lichterfelder Batrioten. Untergang eines Leuchtschiffes. Die Gemeinderatswahlen in den Reichslanden. In Elsaß- Lothringen gingen am Sontag die Gemeinderats wahlen bei wenig reger Beteiligung vor sich. Bemerkenswert ist Ergebnis in der Industriestadt Thann, wo die Sozialdemotraten unterlagen und im neuen Gemeinderat nicht mehr er Ein entsetzliches Schiffsunglück wird aus Halifat ge fcheinen. In Zabern haben die Nachwahlen eine wesentliche meldet. Bei Riscomb wurden sechs Leichen bon Renderung der bisherigen Zusammensetzung des Gemeinderats nicht and Seeleuten sowie Trimmer eines Leuchtschiffes ans Land ergeben. In Mülhausen ging in allen drei Bezirken die gespült. Das Leuchtschiff hat augenscheinlich in der Nacht zunt Rompromißliste durch: gewählt wurden 7 Fortschrittler, 8 Bentrum in aufregender Vorgang spielte sich am Sonnabendabend vor Sonntag bei heftigem Sturm und dichtem Nebel in Liscomb and 3 Wirtschaftler, zusammen 18, gegenüber 18 im ersten Wahl dem Hause Brunnenstr. 131 ab. Dort wollte der 5 Jahre alte Buflucht suchen wollen, wobei es auflief und die Manngange bereits gewählten Sozialdemokraten. In Strazburg ist Sohn Werner des Schmieds Droas aus der Badftr. 5 ben Fahr- i chaftertrant. Die Köpfe der Leichen sind schrecklich Der Sieg der Kompromißlifte gesichert. In Kolmar siegte die damm überschreiten. Dabei wurde er von einem Straßenbahn- erichmettert, weil sie auf die klippen geworfen wurden. Blodliste. Das Zentrum brachte nur fünf Kandidaten durch. Der wagen der Linie G erfaßt und geriet unter die Räder. neue Gemeinderat feßt sich zusammen aus 23 Fortschrittlern, Erst durch Heben des Wagens fonnte das Kind aus seiner entfes 6 Sozialdemokraten und 6 Anhängern des Zentrums. Keine Auflösung der nationalliberalen Sondergruppe. Die Nationalliberale Korrespondenz", das offizielle Organ der Nationalliberalen Partei Deutschlands, berichtet: " Jaden Schwere Verkehrsunfälle. Unwetterschäden in Rußlaud. lichen Lage befreit werden. Bald nach seiner Ueberführung nach Petersburg, 24. Mai. In Sysran, Menfefinst und in dem Lazaruskrankenhause erlag der Knabe seinen schweren Ver- anderen Städten sowie an der Wolga, an der Rama und an der legungen. Bjelaja hat ein Sturm biele Verwüstungen ange richtet. Brücken und Telegraphenlinien sind zerstört, Dächer fortgeriffen und mehrere Dörfer überschwemmt worden. Vom Blik getroffen. Ein anderer schwerer Straßenunfall ereignete sich am Sonntagnachmittag in der Elfaffer Straße. Als dort eine Greifin von Der Geschäftsführende Ausschuß hat burch seinen Unter- ungefähr 70 Jahren in der Nähe der Friedrichstraße den Fabr. ausschuß am Donnerstag, den 21. Mai, unter dem Vorfis des damm überschreiten wollte, geriet fte unter einen Wagen ber Abg. Dr. b. Krause in Erfüllung des ihm vom Zentralvorstande Straßenbahnlinie I und wurde so schwer berlebt, baß sie in beerteilten Auftrages mit ben Vertretern des Reichsverbandes der denklichem Zustande nach der Charité gebracht werden mußte. Dort Bereine der nationalliberalen Jugend und des Altnationallibe- liegt fte Befinnungslos banieber. Wer bie Gewerberlegte fi im benachbarten Schüren in einen Neubau mitten in talen Reichsverbandes über die Möglichkeit und 3medmäßigkeit ist, weiß man noch nicht. der Auflösung beider Verbände verhandelt. Dortmund, 24. Wai. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der eine Gruppe Arbeiter hinein, die im Steller Zuflucht bor bem Regen gesucht hatten. in italienischer Arbei ter wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Zwei erlitten leichte Berlegungen. Die in burchaus partelfreundlichem Geiste geführte Be- Naubauschlag auf eine Raffieverin. sprechung ergab den allseitigen guten Willen, etwa vorhandene Einen breisten Ueberfall verübten am Sonnabendabend Unzuträglichkeiten zu beseitigen. Insbesondere wurde die beider junge Burichen. Im Hause Hochstraße 2 betreibt der Kauffeitige Bereitwilligkeit und Absicht festgestellt, bei fünftigen junge Burschen. Im Hause Rostchraße 2 betreibt der KaufMeinungsverschiedenheiten streng barauf zu achten, daß die Aus- mann Böffowo ein Bosamentiergeschäft, das von der Schwester einandersehungen nach Ton und Form sich in den durch die Zu- der Frau B., einem 45 Jahre alten Fräulein Emma Stubt, Bluggaft# ürste ab. Beide wurden schwer verlesh Schwerer Fliegerunfall in Frankreich. Bigy, 24. Mai. Der Fliegerhauptmann Botsin mit einent In der Einheit liegt die Macht! Wehrlos wäre die Arbeiterklasse, gäbe ihr nicht die Zusammenfassung ihrer Kräfte Stärke und Macht. Darum ist es Pflicht jedes Arbeiters, sich seiner politischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, um aktiv und mit aller Energie teilzunehmen an dem großen Befreiungskampfe seiner Klasse. Tretet ein in die sozialdemokratischen Wahlvereine, werdet Abonnenten des Vorwärts". Beitrittserklärungen zu den Wahlvereinen werden entgegengenommen im Berliner Verbandsbureau, Berlin SW 68, Lindenstraße 2 I. Bestellungen auf den„ Vorwärts" nehmen die Hauptexpedition, Berlin SW 68, Lindenstraße 69, sowie alle Filialexpeditionen entgegen. Theater. Montag, den 25. Mai 1914. Anfang 5 Uhr. Paffage Theater. Kino- Varieté. Anfang 6 Ubr. Palast- Theater. Das Miralel Anfang 7 Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Peer Gynt. Cines Nollendorf- Theater. La femme nue. Anjang 7, Ubr. Kgl. Opernhaus. Tannhäuser. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. Anjang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Zagen. Urania. frau. Anfang 8 Uhr. Zum Hochfirn der JungDeutsches Opernhaus. Die luftigen Weiber von Windsor. Reffing. Pygmalion. Deutsches Künstler Theater. Schneider Wibbel. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräßer Straße. Frankfurter. Kammerspiele. wachen. Die fünf Frühlings ErTheater des Westens. Bolenblut. Theater am Nollendorfplan. Der Zurbaron Kleines. Jettchen Gebert. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Trianon. Die Notbrüde. Montis Jung- England. Geffentliche politische Versammlungen. Parteigenoffen, Parteigenoffinnen! Dienstag, den 26. Mai 1914, abends 8 Uhr: Volksverfammlungen in folgenden Lokalen: Haverlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 35 Bockbrauerei, Tempelhofer Berg Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 Urania, Wrangelstr. 10/11 Konzert- und Festsäle, Koppenstr. 29 Elysium, Landsberger Allee 40 Buſtſpielhaus. Die ſpaniſche Fliege. Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23 Schiller O. Heiligenwald. Schiller Charlottenburg. Ueber unsere Straft. I. Zeil. Rose. Die Kino- Königin. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zirtus Busch. Das Mirakel. Herrnfeld. Ein Reinfall. Heut' ist übermorgen. Klabrias- Partie. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. Otto Reutter. Anfang 8 Uhr. Komödienhaus. Kammermusik. Residenz. Jeannettes Dunkellammer. Friedrich Wilhelmstädtisches. Die Förster- Christl. Prater- Theater, Kastanienallee 7-9 Kastanien- Wäldchen, Badstr. 15/16 Germania- Säle, Chausseestr. 110 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24 Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3 Schöneberg: Neue Rathausfäle, Meininger Str. 8 Neukölln: Neue Welt, Hasenheide 108-114( neuer Saal) Theater an der Weidendammer Lichtenberg: Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee Brücke. Der müde Theodor. Walhalla. Zwischen Himmel und Erde. Ein paar Damenhöschen. Pankow: Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102 Luisen. Nur ein Traum. Folies Caprice. Der Luftturner. Weißensee: Schloß Weißensee, Berliner Allee 205-210 Das Karnidel. Das Erdbeben. Anjang 8%, Ubr. Neues Bolts- Theater. Frau Warrens Gewerbe. Admiralspalast. Im Tangoklub. Anjang 9 Ubr. Berliner Eispalast. Eisballett. Amor auf Urlaub. Cines Nollendorf Theater. La femme nue. Tagesordnung: Preußische Minister u. Dreiklaffenfchmadh. Referenten: Sternwarte, Invalidenftr. 57-62 Landtagsabgeordnete: Otto Braun, Konrad Haenisch, Adolf Hofer, Adolf Hoffmann, Paul Hoffmann, Otto Hue, Dr. Karl Liebknecht, Heinrich Ströbel. Glas und Porzellan- Reichstagsabgeordnete: Otto Büchner, Dr. Oskar Cohn, Georg Davidsohn, Hermann Kaffeemaschinen, Kegel und Kegelkugeln. H. Krüger, Berlin N. 54. Lothringer Str. 55. 199/15 Käppler, Daniel Stücklen, Frik Zubeil. Parteivorstandsmitglieder: Friedrich Bartels, Hermann Müller, Luise Zich. Die Genossen der übrigen Vororte werden zu diesen Versammlungen eingeladen. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. B 1908 Arbeiter- Wanderverein ,, Berlin". Oberspreewaldfahrten " Berlin veranstaltet vom Wanderverein erfreuen sich seit Jahren allgemeiner Beliebtheit und Anerkennung.. Wir laden hiermit Freunde und Gönner unseres Vereins freundlist ein an einer der nachstehenden Touren teilzunehmen. Sonntag, den 14. Juni und 12. Juli: = Oberspreewaldfahrt Lübbenau- Lehde( fröhlicher Hecht)-Leipe- Königlicher Erlen wald- Forsthaus Eiche- Kano- Mühle- Wotschofska- Lübbenau Teilnehmerkarten à 5,75 M. für Bahnfahrt 3. Klasse und Kahnfahrt find in unseren Zahlstellen zu haben. Zahlstelle 1: Frik Wählisch, SO, Stalizer Str. 22, Amt Morigplatz 12 542. Zahlstelle II: Georg Weihnacht, C, Grünstraße 21, Amt Zentrum 1787. Verlangen Sie unser ausführliches Programm Zur gefälligen Beachtung! Während der Pfingsttage findet megen zu ftarten Besuchs des Spreewalds feine Tour nach dort statt. 1/7 Fordern Sie Engel- Marke wenn Sie Flaschenbier faufen, dann erhalten Sie das gewünschte„ Engelhardt" „ Special Hell" Lagerbier nach Pilsner Art Für jede Mutter interessant ist die Broschüre Rückgratverkrümmungen und ihre Behandlung nach System Haas." Gratis zu beziehen durch Franz Menzel Berlin W 35 Magdeburger Str. 25. Das gute Riebeck Bier BDC 90000 Moebel- Boebel Berlin G. Oranienstr.( Moritzplatz) N° 58 = Spezialität: Ein- und Zweizimmer Einrichtungen 1 Zimmer M. 218, 346, 447, 498, 2 Zimmer M. 463, 582, 656, 740, u. Küche M. 526, 594, 646 bis 1000 u. Küche M. 809, 945, 1011 bis 2000 Geöffnet 8-8 Uhr. Musterbuch F gratis. Sonntags 8-10 Uhr. Berantwo. Rebatt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inferatenteil veront Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& C., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage CH ein ten rlin ebtheit ft ein Frlen enau affe mm. findet 1/74 Nr. 140 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Montag, 25. Mai 1914. Das letzte Läuten. 00 A. Sulbe. e +" l 25. Es steht im Reichstagsfaale ein Seffel hoch und hehr, Weit ragt er über die Bänke und Size ringsumher. Auf diesem Sessel thronet des Hauses Präsident, Geachtet und geehret vom ganzen Parlament. Einft faß auf diesem Sessel ein wackrer Fortschrittsgreis,| Oft, wenn ein roter Heher loslegte wild und frech, Er saß dort voller Würde, tobt auch die Wortschlacht heiß. Da ließ Herr Kaempf erschallen der Glocke tönend Blech. Er schwingt des Hauses Glocke, daß er den Rohling dämpf'. Und in der Glocke klappern klingt dumpffein Ordnungsruf, Lebendig bleibt sein Name, es war der Kämpe Kaempf. Den Umsturz zu erwehren war Pflicht ihm und Beruf. Doch ach, sein würdig Walten entgalt man ihm gar schlecht. Er wird wohl kaum noch steigen auf seinen hohen Sih. Trotz aller Ordnungsrufe will flappen es nicht recht. Trotz Biedermannes Würde fehlt ihm der rechte With. Von rechts und links muß ernten für seine Müh er Hohn, Nicht schwingt er mehr die Glocke, daß er die Redner dämpf', Drum war er ganz verdattert am Schlusse der Session. Leb' wohl, du Präsidente, leb' wohl Herr Johann Kaempf. Ein Familiendrama. Stizze von J. P. Brochmann. Zangsam, stodend, begann sie: Du erinnerst Dich wohl noch des feinen Konzerts im Frühjahr, das der Violinist Schulze gab. Unser Haus genoß die große Ehre, ihn als Gast bei uns zu sehen. Und er wurde die Schlange im Paradies, nicht schleichend, wie es Schlangenart ist, sondern triumphierend kam er, eingeführt durch meinen Mann." Frau Agnes lächelte bitter. Aber ich fühlte dies alles so verschwommen und unbestimmt. Ich dachte weder daran, meinen Mann zu verlassen, noch ihm untreu zu werden." Frau Willumsen zitterte und errötete tief. Ihr Gesicht zeigte etwas mehr als bloße Teilnahme mit der Freundin. „ Schulze sagte, daß ich sowohl Stimme als auch Figur für die Szene hätte. Und ich glaubte ihm. Hinter dem Rücken meines Mannes führten wir lange Unterhaltungen über meine stimmliche Begabung und meine Theaterfigur. Er schmeichelte diskret und fein. Jch tokettierte, zitterte vor Freude über diese süße Tische berührte er frech meine Glieder, während er dabei vollständig aufging in den Ideen meines Mannes. Und auf vieles Bitten Haralds ließ er sich bewegen, noch drei, vier Tage bei uns zu bleiben. Eines Morgens es war am 20. Mai ein trüber Morgen nach einer regenvollen Nacht drängte der Künstler in mein Schlafzimmer, als mein Mann ausgegangen war. Ich war noch nicht aufgestanden; ich träumte wachend von meiner Zukunft. Erschreckt fuhr ich auf, as ich sein glühendes Gesicht in der Türe sah. Gehen Sie hinaus!" rief ich mehreremale. Da ich nun an Rande des Abgrundes stand und in dessen Tiefe sah, schauderte ich entsekt zurück. ,, Arme, arme Agnes! Was hat Dich doch so gepeinigt?" fagte, Frau Willumsen mit Tränen in den Augen. " Ich will es Dir erzählen. Aber Du darfst mich nicht allzuDie junge Frau Willumsen saß eines Sonntags vormittags sehr verachten," sagte Frau Agnes mit bebenden Lippen,„ denn am Fenster ihres hübschen Schlafzimmers. Sie saß und träumte sonst- ich weiß nicht, was geschieht!" Und sie gestikulierte dabet jah hinaus in den Garten, der von der milden Septembersonne wie verzweifelt. überflütet dalag. Die Sonne fand auch ihren Weg durch die leichte Frau Willumsen schloß sie in ihre Arme. Sei ruhig, liebste Gardine und warf ihr weiches Licht über das volle, einnehmende Agnes, es fann doch so schlimm nicht sein! Erzähle mir, was Du Gesicht und die üppige Gestalt der Frau. Sie hatte so eine Weile hast, vielleicht kann ich Dir helfen." Und sie drückte ihre unglüdgesessen, als es auf einmal leicht an die Tür Klopfte und gleich liche Freundin an ihre Brust und füßte sie. Und nach einer barauf eine junge Dame eintrat. Es war die Schönheit der Stadt, Weile hatte sie sich soweit beruhigt, daß sie flüsternd ihre Ge- Schmeichelei. Unsere Hände lagen oft ineinander. Unter dent Agnes Larsen, die Frau des Rektors der Lateinschule. Sie war schichte" erzählen fonnte. eine eble Gestalt, mit einem lebhaften, intelligenten Gesicht. Die beiden Damen begrüßten sich herzlich. " Ach wie schön, daß Du kommst, liebe Agnes," sagte Frau Willumsen warm. Die beiden Damen machten es sich auf dem Sofa bequem und ihre Augen begegneten sich nochmals in einem freudestrahlenden Lächeln. Nun wollen wir aber so recht gemütlich plaudern," fuhr Frau Willumsen fort. Aber plötzlich bemerkte jie, wie ein Schatten über das Gesicht ihrer Freundin„ Harald und ich lebten bis zu dieser Zeit soweit ganz glücklich huschte. Sie schüttelte den Kopf und sagte:„ Nun, sei nicht be- zusammen; aber ich würde lügen, wenn ich sagte, daß ich ihn liebte. trübt, liebe Agnes, und denke nicht soviel darüber nach; Du bist Er war mir nicht bedeutend genug. Und es schien mir, daß er auch zu forderungsvoll. Bedenke doch, Du bist erst zwei Jahre ver- nach und nach recht ordinär wurde. In der Zeit unserer Verheiratet, und Dein Wunsch nach einem Kind wird schon noch in lobung betrachtete ich ihn in einem verliebten Schimmer, in dem Er schloß die Tür und kam näher. Erfüllung gehen." ich mich wärmte, aber als wir verheiratet waren, und er sein Um Gottes willen!" schluchzte ich, lassen Sie mich in Agnes antwortete nachdenklich:„ Nein Marie, in diesem Augen- schönes Land in Besitz genommen hatte, verflog der Duft von ihm Frieden!" blid denke ich nicht an Kinder. Es ist übrigens gut, daß ich in meinen Augen, ohne daß er selbst das mindeste bemerkte. Und„ Nein, Agnes, nun will ich Dich ganz besitzen, und wenn es jo kam der große Künstler, der Mann mit des Genies Adels- meine ganze Zukunft kosten sollte, antwortete er mit einer teufmerkmal auf der Stirne! Wie ich mich freute, mit einem über- lischen Energie in seinem feuchten Gesicht. Und obwohl ich kämpfte Tegenen, geistvollen Menschen zu sprechen! Und wir sprachen viel und bat er siegte. Es war eine fürchterliche Stunde. Ich verWeißt Du, was ein und oft zusammen, wir zwei allein. In den Gesellschaften jener geffe fie nie! Fluch bedeutet?" sagte Agnes falt und starrte ihre Freundin an. Tage spielten und sangen wir zusammen, und Harald und Dte Und als er nachher mir dankte mit heißen Worten, eripachte Frau Willumsen fuhr auf:„ Was meinst Du?" anderen waren andächtige Zuhörer. Wir feierten Triumphe, er ein mich fast erstidender Zorn in mir. Hätte ich eine Waffe geEs ist fürchterlich, mit einem Verbrechen auf dem Gewissen und ich. Stolze, warme Träume stiegen in mir auf, wenn ich habt, würde ich ihn ermordet haben. mit seinem Manne zusammen zu leben. Ach, was habe ich in den sang. Weit hinaus in die Welt sollte unsere glänzende Künstler- Ich sprang aus dem Bett.„ Sinaus! Hinaus! Gemeiner lebten drei Monaten gelitten! Jeden Tag habe ich geweint, habe bahn gehen. Alle berühmten europäischen Szenen sollten unseren Mensch!" schrie ich. In meiner Raserei schlug ich ihm in sein mich vor allen Menschen verstedt, und doch--! Und erst in den Ruhm weiter tragen. O, welches inhaltsreiche Leben sollte es triumphierendes Angesicht. Rächten! D, dieje Nächte! Wie haben sie mich gepeinigt!" teine habe. " Das ist doch nicht Dein Ernst, Agnes? Wie oft hast Du mir nicht selbst gesagt.... " Ja, ja, aber trotzdem nun werden! Tobbleich erhob er sich, griff mich hart an den Arm und sagte mit Wahlrecht! Aus Tiefen kroch die Frage Euch hervor ünd schwoll in breiten unermess'nen Chören Äoch an den Säulen Eures Staats empor: Auch wir sind Stimme und Ihr müßt sie hören! Doch knarrend scholl aus jenem morschen Äaus, In dem noch nie das Volk zu Rat gesessen, Die Antwort in das weite Land hinaus: Wir wollen nicht, und rühmen uns noch dessen. Wohlan! so facht den Stunn an zum Orkan! Schlag gegen Schlag und Stöße gegen Stöße! Was nun geschieht— man fing's von oben an! Der Kampf ist da! Ihr kennt des Feindes Blöße! Wer solchem Äohn sich beugt, ist mehr als feig, Ist wie ein Vieh, das gottergeben leidet. Die Macht ist dort— die Masse ist bei Euch— And Masse ist'S, die heutzutag entscheidet. Gewiß, es gab wohl einmal eine Zeit, In der das Volk man straflos noch verachtet, Da noch an Wenige, zu Vieler Leid, Das Wissen und das Wollen war verpachtet. Ihr aber habt gelernt, was Wollen heißt, And habt das Wissen nicht umsonst bewundert, And wenn sich Wille fest an Wille schweißt, So sind Millionen stärker als Fünfhundert! Ihr habt gefordert in gelass'nem Ton So oft. Jedoch, im Mandarinenkittel Die Äerrn, sie schnarrten nichts als kalten Äohn. So sei auch Euch nun recht ein jedes Mittel! Gepeitschtes Blut gibt keine Ruhe mehr, Kart gegen hart und Gleichem nur das Gleiche! Wie eine Kochflut wälz' eS sich daher, And krachend brechen längstgehöhlte Deiche! K a s s a n. Es wirö ernst. Nicht etwa mit der Wahlrechtsreform oder der Arbeits- losenversicherung, auch nicht, wie die Idealisten annehmen könnten, mit der internationalen Vcrständiguna und der Be- schränkuna der Kriegsrüstungen, wohl aber mit der fystema- tischen, vor keiner Uebertreibung. keiner Gesährduna des Volkes und des Reiches zurückschreckenden Kriegshetze. Die Herren haben gefunden, daß weder der Wehrverein noch der Iungdeutschlandbund in ausreichendem Maße verhetzend wirken können, und haben daher ein neues Komitee mit den alten Leuten gegründet, in dem natürlich sieben ehemalige Offiziere sitzen, unter ihnen der ausreichend bekannte General- leutnant v. Wrochem. Unter den sonstigen Mitgliedern des Komitees fehlt leider der Vorkäinpfer gegen die sozial- demokratie, Herr Dr. Ludwig, dem man bei seinen nahen Beziehungen zu ordcn- und titclverschasfenden Generälen am ehesten ein Sachverständnis in militärischen Dingen zugetraut hätte. Allerdings wtfd auch ohne ihn in frischer, fröhlicher eisiger Stimme:„Keine Gewalttätigkeiten, Madame! Sparen Sie Ihre Schimpfworte! Sie selbst sind es, die mich hier- her gelockt hat!" Und er grinste dämonisch. Am Abend reiste er. Ein fingiertes Telegramm rief ihn fort; aber ich blieb zurück mit meinem Verbrechen.-- Wie ich eigentlich die Zeit verbracht habe seit jener Stunde, weiß ich nicht. Ich war stark genug, mich zu beherrschen, sodah die Leute nichts merkten.— Aber nun ist'8 vorbei! Meine Kraft ist zu Ende!" Agnes machte sich los aus den Axmen ihrer Freundin. Frau Willumsen sah sie erschreckt und betrübt an.„Du willst doch wohl nicht...?" „Es meinein Manne sagen?" fiel ihr Agnes ins Wort.„Ja, liebe Marie» es ist der einzigste klare Punkt für mich. Wenn ich meine Sünde bekannt und mein Herz erleichtert habe, mag der Skandal über mich hereinbrechen." Frau Willumsen seufzte tief.„Das solltest Du nicht tun, Lgnes." sagt« sie besorgt und ergriff ihre Hand. Agnes schüttelte energisch den schönen Kopf, wäbrend sie starr auf das weiße Ehebett ihrer Freundin sah. Und dann warf ste fich plötzlich ihr um den Hals.„Wie gut Du bist!" rief sie weich. „ES wärmt mein« Deel«, Dich so freundlich sprechen zu hören, ob- wohl Du nun weißt, welche lasterhafte Person ich bin. Aber eS ist ja aller edlen Menschen Kennzeichen: sie selbst sind rein und urteilen doch über die Verbrecher mild." Und ein Tränenstrom entquoll den schönen Augen. „Agnes, gebrauche nicht diese häßlichen Worte gegen Dich selbst," sagte Frau Willumsen tief errötend.„Siehe ruhig auf das Geschehene, liebste Freundin, ich habe Dich genau so lieb jetzt, wie früher. Versuche, ob Du nicht durch eine niemals versagende Liebe und Hingebung die Verzeihung Deines Mannes erringen kannst, ehe Du zu ihm sprichst von— von— von der Geschichte— 1" Ihre Stimme ging in ein schwaches Stammeln über. .Mein, wenn ich noch länger schweige, verzweifle ich." ES entstand eine kleine Pause. Agnes starrte finster vor sich. Frau Willumsen sah man es deutlich an, daß ein schwerer Seelxn- kämpf in ihr vorging. Sie brach zuerst das Schweigen und sagte: „Höre nun einmal, was ich Dir sage, liebe Agnes. Wohl weiß ich, daß ich nicht die Intelligenz besitze, wie Du, aber dennoch bitte ich Dich, höre auf den Rat Deiner besten Freundin: Spanne den Bogen nicht zu straff!"... „Du verstehst mich nicht!" entgegnete Agne». „Gewiß verstehe ich Dich, sehr gut verstehe ich Dich sogar," rief Frau Willumsen. Sie sahen einander einige Augenblicke an. „Versprich mir wenigstens, noch acht Tage zu warten. Latz diese Zeit noch vergehen und überlege Dir alles noch einmal." Agnes gab ihr keine Antwort. „Du willst nicht, ich merke es an Deinem Schweigen. Aber— aber," sie zitterte und errötete stark,„man kann trotzdem soweit ganz glücklich mit seinem Manne leben, selbst mit einem Ehebruch «st seinem gewissen," Soldatenweise gegen die Partei des Volkes und für den Welt» triea gehetzt. Die Herren verschicken also Broschüren und wollen sich hundertfünfzigtauscnd Mark zusammenschnorren, um eine Massenverbreitung dieser Broschüre zu ermöglichen. Natürlich nennt sich dieses«chriftchen, dos patriotische Schundliteratur schlimmster Sorte ist:„Ein offenes Wort an alle Deutschen von allen Deutschen". Und natürlich beginnt die Hurra- abhandlung, die das Volk zum deutschen Angriffskrieg aus- reizen soll, mit dem trefflichen Satz:„Wieder einmal ist vom kommenden Kriege die Rede. An uns liegt's nickst, denn wir Deutschen sind ein friedfertiges Volk, das weiß die ganze Welt." Wie friedfertig wir, das heißt unsere alldeutschen Maulhelden sind, das zeigt ein Satz, der gleich eine Seite weiter zu lesen ist und der, nach einer tränenden Betrachtung der russischen Fortschritte in Persien, der englischen in Afrika und dvr italienischen in Tripolitanien. folgendermaßen lautet: „Wir gehen regelmäßig leer aus und müssen mit trockenem Munde zusehen, wie die anderen sich bald von diesem, bald von jenem Braten ein saftiges Stück nach dem anderen herunter- schneiden und eS sich schmecken lassen." Diese Herren mit den ewig hungrigen Mägen behandeln Landstriche, wo andere Völker in alten Taseinsrechten sitzen, als Bratenstücke, die man einander vor der Nase wem'äbelt und um deren Besitz man am besten einen Wcltbrand entfesselt, aber— wir Deutschen sind ein friedfertiges Volk, das weiß längst die ganze Welt. Wären diese Herren wirklich unsere Repräsentanten, so würde die ganze Welt mit Recht annehmen, daß wir auch das ver» logenste Volk sind. Tie Schwafeleien auf dem Gxbiete der hohen auswärtigen Politik, die in der Broschüre„Es wird ernst" enthalten sistd, scheinen direkt vom Wehrverein entlehnt; die alten Phrasen sind nicht einmal in neue Form gebracht nnd brauchen uns ihrer inneren Wertlosigkeit entsprechend nicht weiter zu be- schäftigen. Das weitaus interessanteste an der ganzen Mäuler» bewegung ist die Art. wie die Kriegshetzer den Weltkrieg an die Wand malen und dadurch die innere Politik nach ihren reaktionären Knebclwiinschen beeinflussen. Das ganze Ge- schrei von der Kriegslüsternbeit unserer Nachbarn und unserer heiligen Pflicht, unseren Rüstungen einen noch größeren Um- fang zu geben, bezweckt ja nichts anderes, als den äußeren Feind zu markieren, während man den inneren meint. Dazu müssen all die Lügen herhalten, die die Völker ringsum als unsere„Neider und Hasser" hinstellen, und ein paar fran- zösische und russische Generäle, die genau so unverantwortlich wie unsere pensionierten Säbelhelden nach dem erlösenden Weltkrieg schreien, durch ein Taschenspielcrstiick ans einmal mit den Völkern identifizieren wollen, als sei das Säbel- rasseln der Wenigen der Meinungsausdrtlck eines ganzen Volkes. Wenn es nach diesen Tollhäuslern ginge, so gliche Teutschland in wenigen Iahren vollends einer Kaserne, die Mitglieder des Wehrvereins, der Gesang-, Turn- und Sport» vereine trügen alle eine schmucke Uniform und die Mitglieds- beitrage dieser Zwangsvemnigimgen würden gleich vom Steuerboten miteingezogen werden. Vor allem und jedem aber: von einem Sozialdemokraten würde kein Hund mehr ein Stück Brot annehmen, und die klassische Erkenntnis, daß bei dein Krieg, den die Schreier entfachen wollen, gerade die kleinen Leute am meisten zu leiden haben, würde das„niedere Volk" endlich zu dem Satz bekehrt haben, der gesperrt gedruckt in der Broschüre zij, lesen ist:„Es ist darum gerade für die Unbemittelten eine riesige Dummheit, sich der Sozialdemo- kratie anzuschließen oder sie bei den Wahlen irgendwie zu unterstützen." Das könnte den Herren so passen, daß das Volk die Riesendummheit beginge, eine solche Riesendummheit sich einschwätzen zu lassen. Nieder mit der Sozialdemokratie, hoch das Volk! Das ist die alte Melodie, nach der auch diesmal die Kriegshetzer ihr abgeklappertes Lied singen. Sobald nämlich irgendwelche Aussicht besteht, daß die Kanaille als Kanonenfutter ver- wendet werden könnte, erinnern sich konservative Geister, daß Agnes sah sie entsetzt an.„Wie siehst Du aus? Hast Du auch---?" „Ja." sagte Frau Willumsen weinend,„ich bin auch eine „lastcrvolle Person", eine„Vcrbrecherin". Es sind schon einige Jahre her,«IS es geschah. Ich habe mein« Sünde bitter gebüßt, aber ich habe mich trotzdem wieder reingeivaschen, meine ich. Ich habe seit jener Stunde meinen Mann innerlich geliebt. Wir haben drei hübsche Kinder, so frisch und so gesund und so froh— drei richtige Kinder der Liebe!-- O. eS gibt gewiß Heilmittel für alle Schmerzen, wenn man eine Sache nicht bis zu den ver- zweifeltsten Konsequenzen treibt." „Ist das wirklich wahr, was Du da sagst?" fragte Agnes bleich und erhob sich. O „Ja," flüsterte Frau Willumsen;„aber— aber— gehe nicht so von mir, AgneS!" bat sie. Agnes gab keine Antwort. Sie setzte ihren Hut auf. Per- zweiflung stand in allen ihren Zügen geschrieben; Verzweiflung verrieten alle ihre Bewegungen. „Ich glaubte. Du wärest eine reine Frau." sagt« sie kreide- weiß,„und deshalb wollte ich Dir mich anvertrauen. Aber nun muß ich gehen, denn es ist allzu erniedrigend für mich, zu denken, daß wir zwei Sünderinnen hier sitzen und beratschlagen sollten. wie wir am besten unsere Männer betrügen." Und fie ging nach der Tür. „AgneS!— Agnes!" schluchzte Frau Willumsen hinter ihr her. Aber Agnes ging mit zusammengebiffenen Lippen. * Einige Tage danach saßen Herr und Frau Willumsen in einer Dämmerstunde auf denselben Plätzen. Sie sprachen von dem Skandal, der plötzlich das gemütliche Heim des Rektors zerstört und Ma»n und Frau aus der Stadt getrieben hatte; jedes seinen eigenen Weg. „Man sagt, daß Larsen, der sich sonst doch so beherrschen konnte, völlig rasend geworden wäre, da Agnes ihm gebeichtet hatte." sagte Herr Willumsen.„Er soll geschrien haben, daß man eS in der ganzen Nachbarschaft hörte." Die Frau seufzte.„Ja, er liebte sie so sehr." „Wer hätte sich auch so etwas von der feinen, geistvollen Agnes denken können!" fuhr der Mann fort.„Sie, die ein weibliches Muster für die ganze Stadt war. Wenn etwas derartige» geschieht, dann erst kommen wir glücklichen Ehemänner dazu, darüber nach- zudenken, welchen Schatz wir an unseren treuen Frauen haben. und wir lernen erst dann unser Glück zu schätzen." Und er zog seine zitternde Frau zärtlich an sich und küßte sie. ES entstand ein« kleine Pause. Tann fragte die Frau ganz leise:„Glaubst Du, daß Du mich auch a»S dem Hause jagen würdest, wenn ich so etwas begehen würde?" Er küßte fie wieder.„Dich fortjagen?— Nein, Marie!" „Ja, aber denke daran, Karl, wenn es geschähe, wäre ich ja nicht mehr Deine Marie, ich wäre doch dann die Marie eine» anderenl" jeder„ein Glied im großen Ganzen ist, an seinem Platz genau so notwendig, wie irgendein Hockrgestellter an dem seinen. Wenn du deine Pflicht gegenüber den Deinen und dem Vater- lande gewissenhaft erfüllst, so hast du vollen Anspruch auf Ehre und Gleichberechtigung." Ja, man kann sogar für die Niedriggestellten von einer Bevorrechtigung reden, denn ihrer ist unbestritten das Vorrecht, sich im Krieg zuerst abschießen lassen zu dürfen. Tic Herren gehen sogar noch weiter, sie entdecken aus einmal, das deutsche Volk setze sich„in seiner großen Mehrzahl aus Menschen zusammen, deren Leben durch Mühe und Arbeit geadelt ist". Man sollte meinen, daß nun, wo die Gleichberechtiaung jedes Deutschen und der Adel jeder Mühe und Arbeit selbst von ultrareaktionärer Seite ancr- kannt wird, der Lösung der politischen Ungleichheiten nichts mehr im Wege stände und die Entrechtung des Volks von heut auf morgen verschwinden müßte. Aber so schnell schießen Jne Preußen nicht oder nur, wenn es auf Streikende geht. Tie Gleichberechtigung aller Deutschen ist nämlich an gewisse Bc- dingungcn geknüpft. Erstens gilt sie nur zu Kriegszeiten, und auch da nur für den gemeinen Soldaten. Zweitens nur für Leute,' die der unerschütterlichen Ueberzcugung sind,„daß «der Dienst des Vaterlandes ein heiliger Dienst ist und daß alles, was einem in der Kaserne und auf dem Schiff zu- gemutet wird, selbst das geringste und an sich unangenehmste, Wert und Würde erhält durch den hohen Zweck, dem unsere gesamte bewaffnete Macht vom obersten Kriegsherrn bis zum jüngsten Rekruten dient". Wer also in den Rckrutenmiß- Handlungen und Vorgesetztenbrutalitäten keinen Wert und keine Würde sieht, ist an sich schon von Gleichberechtigung und Adel ausgeschlossen. Drittens, viertens, fünftens und sechstens aber darf derjenige, der vollen Anspruch auf Ehre und Gleich« berechtigung macht, nie und nimmer ein Sozialdemokrat sein, denn ein solcher, der„die allmähliche organische Zersetzung und Zermürbung des militaristischen Geistes" anstrebt, handelt, wie wenn er geradezu im Dienst und Sold unserer französischen und russischen Feinde stände, und die ganze Sozialdemokratie ist eine gemeingefährliche Partei,„da sie ans eine große Niederlage Deutschlands, also auf die Ueber- flutung unseres Vaterlandes durch Kosaken und afrikanische Halbtiere hinarbeitet". Wir möchten den klassenbewußten Arbeiter sehen, der unter solch erniedrigenden Bedingungen und bei einer solchen Lügengesellschaft Anspruch auf das macht, was die Herren Ehre und Gleichberechtigung nennen. Was all diese ver- logenen Schmeicheleien an das Proletariat bedeuten, dos kann man jeden Tag aus Abgeordneten- und Ministerreden im preußischen TreiklassenhauS hören, das hat zuletzt Dall- witzens Nachfolger in seiner Ablehnung jedweder Wahl' gerechtigkeit bewiesen, auf die ja die gebührende Antwort nicht ausbleiben wird. Seit die Welt steht und sich in die kapi- talistische Zwangsjacke hat einschnüren lassen, war der Plebs immer nur dann durch Mühe und Arbeit geadelt, wenn man ihn bei guter Laune erhalten und ihn wie gutmütiges Schlachtvieh vor das Feuer der feindlichen Kanonen treiben wollte. Aber die Zeiten sind vorüber, wo der„Mann mit der schwieligen Faust" auf jedes verlogene Schmeichelwort des großen Metzgers hereinfiel. Die sieben Militärs und ihre bürgerlichen Nachbeter können lange rufen:„Scharen wir uns in Treue um Kaiser und Reich, um unsere Fürsten und Rc' ?ierungen, stellen wir alle inneren Gegensätze und Streit' ragen zurück!" Wir denken weder daran, uns zu scharen, noch irgend etwas unserer Streitfragen zurückzustellen. Es ist fast zu viel der Ehre, wenn man den Säbelmäulern ent' gegenhält, daß das Proletariat international ist und wirst, und nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern der Welt den Militarismus bekämpft und dadurch den sogenanntes' „nationalen Fragen" die Kiftzähne ausbricht. Der verrät sein Vaterland, der es in den eisernen Wirbel eines Welt' krieges stößt, nicht der, dem sein friedliches Gedeihen zw" besten aller, aber wirklich aller Volksgenossen am Herzen liegt- Die Herren Militaristen schätzen das Volk denn doch um vieles „Wohl, wohl!— Aber laß uns nicht niiehr von diesem uh' heimlichen Thema reden. Dich greift e« an.— Nun wollen Licht machen." .Nein, laß daSl Ich möchte noch eine Weile im Dunkeft fitzen." „Wie Du willst? Aber Du erlaubst mir doch, daß ich eift Zigarre rauche?" Und er zündete sich ein« Zigarre an und ging stolz und sorgl� im Zimmer auf und ab. Aber dort in der Sofoecke saß seine Fr� in einer Seelenqual, so tief, wie sie sie niemals seit ihrer„Sünd� gefühlt hotte.--- Und es dauerte lange, ehe fie sich erhob und die Lampe o* zündete._ Zerienftimnmng. Nun schließen so allmählich die Theater. Man wäscht den Puder und man schminkt fich at, Nimmt einen Hering auf den Possenkater Und sonst was Herbes, aber nicht zu knapp. Der Bureaukrat auch, dem bald Ruh beschied«», Salbt ferienfreudig sich die Hämorrhoiden Und singt die Ltndenwirtin und den Wanderstat. Auch die am Königspkatze stolz agierten, Sind wieder lustik, weil nun fern vom Schuß, Und die Friseure, die das Recht barbierten. Bernehmen es mit Herzensfreude: Schluß! Man schlug diel Schaum dort auf den Wallotbrettel»! Stun gaben sich die schwarz und blauen Better» Befriedigt und gerührt den Abschiedskuß. Die Jalousien rasseln— rrrr— herunter. Der Vorhang fällt— auf höheren Befehl. Und nur das Publikum, das ewig munter, Pfeift auf den Schlüsseln und macht noch Krakeel: Wie konntet ihr vom grünen Tische plapper»! Wir hotten immersott die Mühl« klappern. Wo aber denn, zum Teufel, ist daS Mehl II Antwort? Ach. niemand rührt mehr seine Schwärt»! Nur Scheuerfrauen flüstern noch gedämpft. Es schweigt sogar der OrdnungSgreis im Bart«; Denn der Präside selbst hat auSgekaempft. Auch die Minister schonen ihre Grütze. Der Sozi aber-nimmt sich seine Mütze Und denkt mit Gottlieb Schulze: Ruhe sämst! B»* zu dumm ein. Es wird sich nicht auf die Seite derer stellen. die aus seiner Haut die Riemen schneiden wollen, mit denen sie möglichst ba'ch ilirc Kriegsbeute zusammenschnüren niöchten. sondern auf die Seite derer, die ihnen diese Haut wahren helfen und die Märtyrer der Arbeit davor behüten werden, auch noch Märtyrer des Militarismus zu werden. Die Sozial- demokratie itt der Wille zun: Frieden, und je größer ihre Ausdehnung, desto stärker die Friedensgarantien. Nur wer in ihren Reihen mitkämpft, kann verhindern, daß es im Sinne eines spekulativen und bramarbasierenden Kapitalis- mus. über den Leibern der Enterbten und Entrechteten, ernst werde. Der tzerr Zelöwebel— Punktum! In großen Garnisonen können die Mannschaften natürlich nicht alle an einem Sonntage in die Kirche geführt werden,»veil hie Räumlichkeiten nicht ausreichen würden. Infolgedessen werden die einzelnen. Bataillone und Abteilungen bestimmt, die an dem und dein Sonntage die Kirchgänger zu stellen haben. Bei den Kompagnien wird dann Sonnabendmittag bei der BefchlSausgab« aufgerufen, wer am morgigen Sonntag freiwillig mit zur Kirche gehen will. Auf diese Art kommt dann die entsprechende Zahl der Kirchgänger zusammen. Kirchgang ist Dienst, wenn auch im gewissen Sinne ein frei» williger. Weil aber die Mannschaften, die nicht mitgehen, dienst, frei sind, und diese Zeit für sich benützen können, drückt sich natür« lich jeder so gut er kann vor dem freiwilligen Kirchgang. Tie Freiwilligkeit wird allerdings nieist dadurch auf das gewünschte Maß gebracht, daß die einzelnen Korporalschaftsführer diejenigen ihrer Untergebenen, die sich bei ihnen besonders.beliebt" gemacht haben, zur Freiwilligkeit zwingen, indem sie an Stelle des Sol- daten dessen Namen aufrufen oder ihn durch sanftes Zureden zum Bortreten veranlaflen. Trotz aller dieser kleinen Mittelchen gelang es bei einer Kam- pognie eines Sonnabends nicht, die nötige Zahl von Kirchgängern zusammenzubringen. Der Feldwebel rief:„Protestanten zum Kirchgang vortreten!" Keine Maus rührt sich. „Katholiken zum Kirchgang vortreten!" Derselbe religiöse Eifer. Der Feldwebel wiederholt seinen Befehl. Ohne Erfolg. Zu diplomatischen Unterhandlungen hatte er entweder keine Zeit oder keine Lust. Kurz entschloflen geht er an den rechten Flügel und beginnt abzuzählen:„Eins, zwei, drei usw.. siebzehn, achtzehn, neunzehn, zwanzig. Rechts heraustreten! Protestanten! Marsch!" Dan« zählt er weiter in der Front:„Eins, zwei, drei usw.. neunzehn, zwanzig. Links heraustreten! Katholiken? Marsch!" Und darauf'„Ganzes Bataillon— kehrt! Wegtreten!" Erledigt.---— Wozu war nun der Dreißigjährige Krieg wohl nötig? R. M. Versumpfung. ES ist begreiflich, daß der aktive Politiker: der Abgeordnete, der Organisationsbeamte, der Regierungsvertreter, der politisch« TageS» schriftsteller, über der Füll« der zu erledigenden Einzelaufgaben, de? täglich strömenden politischen Materials kaum oder selten dazu kommt, de« augenblicklichen Stand der öffentlichen Dinge im Querschnitt wie ein« breite Fläche ganz zu erfassen. Stellen wir uns aber einmal einen Menschen vor, der. vollständig unabhängig, ohne jede» Gefühl für die unsagbar lächerlichen und veralteten Begriffe, wie.naturgcwolltc Autorität",.außerweltlichen Glauben", „Tradition"..Standesunterschiede" und mystische Ueberschätzung irgendeiner bestimmten GtaatSform, den politischen Zustand des heutigen Deutschland überschaut— welche Ueberzeugung muß«r gewinnen? Die Operette. Parodistische Blossin von Hermann Wagner. Der komisch« Alte. Worin besteht sein« Komik? Darin, daß er der„Alte" ist. Und wodurch Sußerr sich sein Alter? Dadurch, daß er nicht aufhören will, jung zu sein. „Bei Tag da hin ich hektisch. Des nachts werb ich elektrisch I" Ja, der komische Alte ist ein Drahrer, ist ein Filou, ist einer, der e» hinter den Ohren hat! Aber er hat es auch in de» Beinen, er hat da» Zipperlei». .Ich Hab in jungen Jahren An Lieb« viel erfahren. Run habe ich die Gicht. Die hatt' ich früher nicht... DaS hindert den komischen Alten freilich nicht, zu tanzen. Ein rheumatischer Alter, der tanzt— ist das nicht komisch: Es ist riesig lomisch. Das ganz« Parkelt wälzt sich vor Lochen. Der komische Alte wäre unvollkommen, wenn er nicht auch fingen würde. Er Hot zwar ebenso viel Stimme, al« er Haare ha«. aber er hat ein Couplet. Er hat ein Couplet, dessen Refrain zündet, und da« er. bei rasendem«pplau», zweimal wiederholen muß: .Ach Amalia, wer hätte da» gedacht—, Ach Amalia, was hast du durchgemocht �»! Ach Amaaa— lia. ilrnanaa— Arnaciaa— lia!" Da der komische Alte über ein wahnsinniges vermögen verfilgt. ist e» leicht, ihn für die Torheiten seines Alters zu bestrafen: man Inöpft ihm Geld ab. Aber den Unverwüstlichen schert das wenig: .HäU' ich« nicht, dann tat' ich» nicht. So tu ich'», weil ich'« Hab'.. Er lacht nur. wirft mit den Beinen um sich und singt: .Ach Amalia, wer hätte das gedacht—, Ach Amalia, waS hast du durchgemacht—! Ach Amaaa-— lia. Amaaaa— Amaaaa— lia l" , Die komische Alte. Da», wa« lächerlich an ihr ist. ist ein Produkt der unglückseligen Beschaffenheit ihre» Körper«: sie ist dick und watschelt, sie hat ein Doppelkinn und im Gesicht drei Warzen und sie trägt mit Brillanten überladen« Kleider und kann doch da» Fremdwort.Hautevolee" nicht aussprechen. Tanzt siel Und ob! Singt sie? Und wie! Wenn sie tanzt, dann rafft sie die Röcke etwas höher als un> bedingt nötig wäre, was bei einer Dame von ihrer Beschaffen- natürlich unbeschreiblich komisch wirst. Das Parket» ist Die sogenannte Konstitution, die Verfassung, erfüllt kaum noch da« Mindeste, wa» sie zu erfüllen hätte. Wenigsten», wenn man unter.Verfassung" die entscheidende Mitwirkung des Polte» an feinem Geschick versteht, dergestalt, daß die politischen Geschäfte von zwei Gruppen, einer beratenden und beschließenden(dem Parla- ment) und einer ausführenden(der Regierung) gemeinsam erledigt werden. Es ist kein Zweifel mehr, daß Deutschland absolutistisch regiert wird, nicht von einem einzigen— darüber lächeln die Auguren heute natürlich ebenso, wie sie früher darüber gelächelt baben. Es müßte dazu mehr Menschen vom Kaliber des ersten Napoleon oder Zäsar» geben. Also nicht von einem einzelnen sondern von einer kleinen Kaste starker, unsozialer Egoisten und einer ihnen dienenden mernungSlosen Beamtenschaft. Die Verhandlungen der bürgerlichen Opposition in den Parlamenten mit dem Gcschäftsausschuß dieser Gruppe bestehen darin, daß Wünsche vorgetragen werden, und daß die Geschäftsführer dann entweder „wohlwollende Prüfung" zusagen oder ein„Unannehmbar" aus- sprechen. Im ersteren Fall werden die Forderungen zu den Akten gelegt, wo sie liegen bleiben: im zweiten steckt die Opposition diese Wünsche gehorsam wieder in ihre eigene Tasche. Der Reichstag ist also ungefähr auf da» Niveau der russischen Duma herab- gesunken. Außerhalb Preußens lägen die Dinge ein klein wenig besser, wenn nicht in den meisten süddeutschen Bundesstaaten eine kulturwidrige Sehenswürdigkeit wie das Zentrum seine Macht ge- brauchte, um die Unwissenheit der geistig Armen durch Gewalt zu erhalten und jeder geistigen Befreiung die Kehle zuzudrücken. Da» preußisch« Abgeordnetenhaus ist überhaupt keine BolkSvertretung, sondern ein äußerst widerwärtiger und stilwidriger Aufputz de» Kastenabsolutismu», in dem zwei Drittel der Bevölkerung überhaupt nicht und ein Drittel in geradezu grotesker Verfälschung vertreten sind. Die I u st i z entfernt sich immer mehr von dem Begriff der„öffentlichen Rechtsprechung" und nähert sich der gänzlich un« volkstümlichen, juridischen Interpretation der staatlichen Gesetze im Sinne der augenblicklichen Machtfaktorcn, die wiederum eben diese Gesetz« in ihrer letzten Fassung bestimmen. Es ist gleichgültig, ob man für dies« EntWickelung eine von den Staatsanwälten verfolgte Bezeichnung gebraucht oder nicht; denn man mag der Mehr- zahl der Richter durchaus den„guten Glauben" zugestehen. Die Tatsach« selbst wird durch eine Uebcrsicht der öffentlich interessanten Prozesse in den letzten zehn Jahren(Soldatenmißhandlung, Auf» nchr-, Streik-, Presse-,„Kleptomanie"-, Beleidigungsprozesse) so einleuchtend, daß bereit» vor einigen Jahren eine der Feindschaft gegen den heutigen„Staat" durchaus unverdächtige Zeitschrist, der „Türmer", eine viele Seiten lange Zusammenstellung über diese» Thema unter dem Titel:.�uZtitia tunäsmrntum" veröffentlichte. An dem Beamtenkörper brechen plötzlich, hintereinander an vier, fünf, sechs verschiedenen Stellen eitrige Geschwüre der Korruption auf. die in ihrem Zusammenhang eine schon lange schleichende Infektion beweisen: Bestechung von Polizeibeainten durch„Schieber" und Huren, Bestechung staatlicher Beamter durch Großfirinen. Titel- und Ordensschacher offizieller und inoffizieller Staatsstützen. Zu behaupten, eS handle sich nur um„Ausnahmen", ist einfach kindisch. Und wcnck auf ähnliche Borkommnisse in Frankreich hingewiesen wird(etwa so wie das sechsjährige Karl- chen, wenn es ertappt wird, greinend sagt:„Der Fritz hat's aber auch getan") so hat Frankreich, dank dem Naturell seiner Be- velkerung und der weit verbreiteten„Politisierung" immer noch das voraus, daß dort die.Krachs" immer viel lauter und übler sind als die wirklichen Verfehlungen. während bei uns umgekehrt diö Vorkommnisse viel schlimmer sind, als man durch bewußte» Ver- tuschen oder durch ein jämmerlichös Kopf-in» den, Sand» st ecken glauben machen möchte. Die letzten Gründe dieser ganzen Versumpfung liegen in der wirtschaftlichen Entwickclung, bei der die Politik, die innere sowohl wie die äußere, immer entschiedener wie eine brutale Zentrifugalkrast gebraucht wird, um Mittellose und Bemittelte stetig weiter auseinanderzutreiben. Ter„Wohlstand" nimmt ab- solut gewiß zu, aber leider