Ar. 145. nbcnncmcntS'Bedingungen: KtonncmcntZ- Preis Stümimnanio; SikrtcljShrl. 8,30 ÜTct, tiioitoll. 1,10 Ml, wöchenUich 28 Pfg, frei ms HauZ. Einzelne Nummer 3 Pfg. EonnlagS- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Wjonnement! 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Poft-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2.30 Marl, für da- übrige Vu-Iand 4 Marl pro Monat. PostabonnementS nebmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemimrg, Portugal, numänicii, Achmeden und die Echwelz. 31. IahrK. vichriiit lzzüch. Verlinev VollcslrlÄkk. XmtvuXovqnw der fozialdeniokratifchen Partei Deutfchlarsds. Die TnfertionS'Gebülfr Beträgt für die fechSgespallene Kolon elzeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und geloerlfchastliche Vereins- und VerfanimlungS-Zlnzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigcn", das fettgedruckte SSort 20 Pfg. izuläfstg 2 fettgedruckte Worte), jede- weitere Wort 10 Pfg. Ciellengefuche und Schlafstellenan- zeigen daS erste Wort 10 Pfg, jedeS. weitere Wort 5 Pfg. Worte über>3 Buch- ftaOen zählen für zwei Worte. Jiiferate fiir die»ächfie Ruinmer müssen diS 5 Uhr nachniittagS in der Erpedition abgegeben Iverden. Tie Ervedllion ijt bis 7 Uhr abend- geöffnet, Telegramni• Adresse: „SozialdcnioKrai Rtrlin". Redaktton: SRI. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moristplan, Nr. 1S8Z. der Vorstoß öer Reaktion. Als die letzte ReichStagSivahl das gewaltige Anwachsen der sozialdemolratiftsen Stimineninacht gezeigt hatte, da er- klärten wir hier, dag das historisch Bedeutsame nicht gewesen sei die Verhinderung der konscrvativ-klerikalen Majorität, so erfreulich dies auch war, und schon gar nicht die Herstellung einer„Linksmajorität", die mehr in der Arithinetik als in der Politik existierte. TaL lvirklich geschichtlich Bedeutsame war die Stärke der Sozialdemokratie>vic im Volke. w im Reichstage, und von dieser Tatsache, nicht von der Verschiebung innerhalb der bürgerlichen Parteien, erwarteten wir weitergehende Wirkungen. Und diese bleiben nicht aus. Gar kurz>var die Zeit, in der der Liberalismus die ausschlaggebende Stellung, die ihm im Reichstage zugefallen war, zu nutzen versucht hat. Wio ein Märchen mls längst verklungenen Tagen klingt heute die Kunde, daß Nationalliberalc so viel politische Selbständigkeit gehabt haben, um für Bebel und Scheidemaim als Präsidenten zu stimmen. Bald zeigte es sich, daß unsere Auffassung, daß die Klassengegensätze in Deutschland zu groß geivorden sind. um den bürgerlichen Parteien den Luxus'allzu scharfer Kämpfe unter ihnen selbst zu gestatten, wieder einnial Recht bekommen sollte. Zwar gelang es noch, zu verhüten, daß die neuen Steuern für die ungeheuerliche HeereSvermehrung den Besitzlosen auferlegt wurde. Aber schon hier sonderten sich die Rationalliberalen ab und schlössen mit dem Zentrum ein Kom- promiß. Seitdem gab es für die Nationalliberalen kein Galten niehr. Die konservative Hetze gegen das Koalitionsrecht er- reichte rasch ihren politischen Ziveck. Tie Scharsmacher ge- wannen innerhalb der Partei die Diktatur.' D�r Kamps gegen Sozialdemokratie wurde stzabe nationälliberalec Politik pro Bedingung für die Sammlung der bürgerlichen Parteien, für das Ideal der Bcthmann-Pol'itik war ge- geben.. lind für die nötige Stimmung, um diese Parole zur Turchfiihrung zu bringen, sorgt jetzt die Regierung, indem sie ihrerseits und auf ihre Art den Kainpf gegen die Sozial- demokratie in den Mittelpunkt der inneren Politik zu stellen versucht. Der Augenblick ist günstig. Nationalliberale. Konscr- Vaiivc und Zentrum sind die Träger der herrschenden Wirt- schaftspolitik. Diese trotz Teuerung und schlechter Konjunktur aufrechtzuerhalten, ist ihr oberstes Ziel und heißester Wunsch. Bor dieser Gemeinsamkeit treten ihre übrigen Differenzen weit zurück. Dazu kommt, daß alle drei Parteien in der inneren Politik kein anderes großes Ziel mehr haben; der Kamps gegen leben Fortschritt, also der Kampf gegen die Sozialdemokratie, ist ihr einziges Programni. Und den Nationallibcralen kommt dieser Kampf zur Ueberlvindung des Katzenjammers in ihren eigenen Reihen ganz besonders gelegen. Die Regierung ihrerseits proklamiert den Stillstand auf ollen Gebieten als ihr einziges Programm. Keine Aenderung der Wirtschaftspolitik, Schluß mit der Sozialpolitik. Demütigung des Reichstags des gleichen Wahlrechts, keine Wahlreform in Preußen, keine Ablenkung durch irgendivclchc politische Aufgaben von dem einzigen Ziel: Sammlung der bürger- uchen Parteien gegen die Sozialdemokratie. Deshalb niuß die Wahlrcform aufgegeben werden, die die drei Parteien untereinander peruneinigen könnte. Was kümmert die Regierung Seiner Majestät das verpfändete Königswort.„An den Galgen der Minister", der daS Rcichstagswahlrccht auf Preußen übertrüge, dekretiert ein Hcrrenhausjunker und Herr v. Locbell gelobt Gehorsam. Sonst kann man uns nicht scharf genug einprägen, daß nicht die Wähler, nicht die Parlamente, sondern der Kaiser und König die Politik der Regierung bestimme. Aber was ein Königs- wort gilt, wenn cS gegen den Junkcrwillen geht, das when wir jetzt an dem Schicksal der Wahlrcforni. Äenn aber die Herren Monarchisten sonst so sehr die Macht ihres Königs preisen, dann dürfen sie sich wahrlich nicht wundern, wenn auch diesmal die Massen sie und ihren König beim Worte nehmen. Für das Schicksal der Wahlreform bleibt ihnen nicht nur das preußische Parlament, nicht nur die Regierung, sondern auch die Monarchie ver- antwortlich. Und wenn sich die patentierten Monarchisten darüber beklagen, so ist das nur Heuchelei und Gaukelei. Ihr wvnarchistischcs Geschrei ist nur ein pluinpes Manöver, die Aufmerksamkeit des Volkes von der Nichteinlösung des Ver- Sprechens abzulenken. Und aus derselben Quelle entspringt der Wunsch der Konservativen, die Nationalliberalen durch die Sammlung Endgültig in ihre Gefolgschaft zurückzuführen. Deshalb haben Ue nicht geruht, als bis die Regierung�cine neue Aera "er Verfolgungen gegen die Sozialdemokratie bc- Können hat. Den Dummen im Lande soll die Partei der Arbeit wieder einmal als der Ausbund alles Bösen vor Augen Gestellt werden. Deshalb der Kamps gegen den Terrorismus, kws verlogene Geschrei gegen die Schwachen, erhoben von den stärksten der Starken. Deshalb die Erklärung der Gcwerk- ichaftcn, der Arbcitersportvcxeine zu politischen Qrgani- wtionen, auch dies unter einem offenkundigen Wort- «ruch, unter Bciseitcschicbung feierlicher Regierungserklä- rungen. Deshalb der.Polizeikrieg gegen unsere Jugend- organisationen utzo ditfc ganze Mobilmachung der Verwaltung gegen alle gewerkschaftlichen, politischen und kulturellen Bestrebungen der Arbeiterklasse. Noch wagt man sich nicht an ein offenes und ehrliches Ausnahmegesetz. Aber um so mehr List und Tücke verwendet man darauf, das, was inan nicht gesetzlich babtn kann, außer und gegen das Gesetz auf dein Wege der Verwaltung durchzuführen. Und damit auch nicht e i n Zug fehle, kommen dazu die politischen Verfolgungen unserer Redner und unserer Presse. Hier, kämpft, wie j.chs gebührt, der neue Herr im Kriegs- ministeriuni, der Herr v. Falke u'h a y u im Vorkampf. Seit Zabern ist ihm tnächtig der Kamm geschwollen. Kaum vergebt mehr ein Tag, an dein nicht neue Belcidi- g u n g s k l a g e n, die dieser Herr veranlaßt, erhoben wer- den. Tic Qffizicrsbelcidignngen haben die Kronprinzen- belcidigungen abgelöst. Eben wieder hat der Kriegs- minister gegen unseren Kollegen T r. Meyer zwei neue Strafanzeigen erstattet. In dem einen Fall handelt es sich um die Mitteilung eines Soldaten- briefes in unserer Moutagsnnniiiier vom 3t). März, den schon die„Mannheimer Volksstunme" veröffentlicht hatte. Er enthält eine durchaus der Wahrheit entsprechende Schilderung des Äasernenlcbcns. Von einer Beleidigung ist keine Rede. Tut nickts, der Sozialdemokrat muß verbrannt werden. Ebenso unbegreiflich ist die andere Anklage, die in einer wirk- lich harmlosen Umdichtung des bekannten Soldatenliedes „Soldatcnlcben, das beißt lustig sein" in der Montagsmimmer vom 4. Mai gleichfalls eine Beleidigung der Unteroffiziere und Qffizierc finden will. Wir sind in der letztez- Zoit in unserer Selbstzcnsnr sehr streng gewesen, istber dy,e diestn Beiträgen eine Beleidigung gefunden wfk'deu tV-./�-vas kfoben wir uns nicht trän- '"' Wei-M wo 1■: inen die Intentionen des Kriegs- Sxpedttion: 8LI. 68, Lindenstrassc 69« Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Ministers erfüllt, dann wird jede Kritik an militärischen Mißständen unmöglich! Diese Anklagen sind aber gerade in ihrer Häufung außer- ordentlich charakteristisch. Es liegt System darin. Ter Kamps- gegen unsere Partei soll mit allen Mitteln, die dein Staate zur Verfügung stehen, aufgenommen werden. Tie Negierung will die Provokation der Arbeitermassen, sie will die bürger- lichen Parteien in diesem Kampfe vereinigen, um alle Reform- bcstrcbungcn niederzuhalten, die bedrohte Stellung der Junker, der regierenden konservativen Schicht aufs Neue zu befestigen...... Töricht wäre es, wenn die Arbeiter diese Situation nicht beachten wollten, und noch törichter, wenn sie sich dabei ans etwas anderes verließen, als auf ihre c i g e>1 c K r a f t. Tie Tatsache, daß die Sozialdemokratie ein Drittel des deutschen Volkes umfaßt, lastet auf allen bürgerlichen Parteien mit, ui' erträglicher Wucht. Das treibt sie immer wieder zusamniodcr der Sammelruf der Regierung findet deshalb stets) die Hörer. Aber gefährlich dünkt uns diese Taktik der Retfhr- für u n s nicht. Daß Opfer fallen werden, ist ja möglichen schreckt uns nicht. Aber daß durch diese.ncnc Aera der Vi�, folgungcn etwas anderes erzielt werden sollte als eine be-' schlemngte Radikalisierung der M a s s c n, daS sollte den Urhebern dieser Hetze eigentlich auch klar sein. Was bilden sich denn unsere Gegner eigentlich ein? Un- aufhaltsam schreitet der Sozialismus durch die Welt, von Erfolg zu Erfolg, von Sieg zu �ieg. Und diese armseligen preußischen Burenukraten wollen mit ihren Polizisten, Stunks- anwälten, Landräten und Richtern gerade dem stärksten Armeekorps Halt gebieten? Nein, wenn etwas sicher ist, so ist es das schmähliche Ende dieser neuen Vcrsolgimgsära. Unseren Gegnern wird sie schaden, in uns aber neuen Kampfcszorn und neue Kampfes- lust entzünden! �>' — - ,0 700 Personen ertrunken. Wieder einmal hat sich eine furchtbare SchiffSkatastrophc abgespielt. An der mecrarmartig ausgearteten Mündung des Lorenzostromes in den kanadischen Gewässern des Atlantik ist der Ozeandampfer„Empreß of Jreland" durch den Zusammenstoß mit einem Kohlendampfer zum Sinken gebracht worden. Die ersten Meldungen über den entsetzlichen Unfall führten das Sinken des Schiffes auf den Zusammenstoß mit einem Eisberg zurück. Diese Meldung hat sich jedoch als unrichtig herausgestellt. Ebenso auch die spätere Meldung, daß es ge- lungen sei, die Passagiere in der Mehrheit zu retten. Die letzte?!achricht besagt: Montreal, 29. Mai. Die Meldung eines hiesigen Blattes, wonach alle an Bord des gesunkenen Dampfers An der Stelle der Katastrophe ist der Lorcnzostrom 18 Kilo- meter breit und 200 Meter tief. Während der zehn Minuten, die zwischen dem Zusammenstoß und dem Sinken des Dampfers lagen, konnten 350 Personen in Rettungsbooten über Bord gebracht werden. Annähernd 700 Personen fanden jedoch den Tod in den Wellen. Nach den Erzählungen Geretteter sollen sich surchtbareSzcnen an B 0 r i? abgespielt haben. Ter gesunkene Dampfer hatte 14 000 Registertonnen. Er entwickelte bei 18 500 Pferdekräften eine Geschwindigkeit von 20 Knoten und war sür 432 Passagiere erster Klaffe, 328 Passagiere zweiter Klasse und 843 Passagiere dritter Klaffe eingerichtet. Die Eanadian Pacific Eisenbahn- gesellschaft hat den« Reuterschen Bureau mitgeteilt, daß dep ~7�\ �Der Schauplatz dEn.EmprEßor IrEland-Kataslrophe: „Empreß of Jreland" gewesenen Personen gerettet wären, bewahrheitet sich n i ch t. Die Zahl der Ertrunkenen wird auf 678 geschätzt. Unter den 350 geretteten Per- sonen befinden sich 12 Frauen. 22 Gerettete erlagen nach ihrer Landung ihren Verletzungen. Der Dampfer.Empretz of Jreland" befand sich auf der Fahrt nach L i v e r p 0 0 l. Er hatte zirka 1000 Passagiere an Bord. Der Zusammenstoß erfolgte bei dichtem Nebel. Dampfer.Empretz of Jreland" 73 Paffagiere erster, 210 zweiter und 400 dritter Klasse an Bord hatte. Die Besatzung zählt 413 Köpfe, so daß sich im ganzen 1 1 9 1 Personen auf d cm Schiffe befanden. Das Schiff, mit dem es zusammenrannte, war der n 0 r« wegische Dampfer.St orstad". Er befand sich auf der Fahrt nach Quebec. Offenbar trug er bei der verhängnisvollen Katastrophe keine schweren Beschädigungen davon, gelang es ihm doch, mit rund 400 Gerettet«» m Rimonski zu landen, Wer trägt die Tchuld? Ucber dic Ursache des Zusammenstoßes liegen noch keine Nach- eichten t»or Er erfolgte im Nebel. Aber im Nebel, namentlich in so enger Fahrstraße, sollen doch die S-bisfe ihre Fahrt der- mindern und daS Nebelhorn ertönen lassen. Hätte man wirklich die gebotene und vorgeschriebene Borsicht walten lassen, so hätte der Zusammenstoß kaum erfolgen können. Aber diese Vorschriften stehen leider häufig nur auf dem Papier! Kapitän Kendcll über den Zusammenstost. London, 29. Mai. Aus Quebec trifft ein Telegramm (Bin, in dein Kapitän Kendell, der Führer der „E m p r c ß o f I r e l a n d" eine ausführliche Schilderung über den Hergang des Unglücks gibt: Als wir gestern abend den St. Loreuzstroin hiNöbfuhren, setzte dichter Nebel ein. Ich ließ infolgedessen die Maschinen mit. halber Kraft gehen, um die Geschwindigkeit meines Schiffes erheblich herabzumindern. Ich wich nicht von der Kommandobrücke, und als um 2 Uhr nachts der Nebel noch dichter wurde, gab ich Befehl. die Geschwindigkeit noch mehr zu verringern. Wir befanden uns ungefähr auf der Höbe von Falher Point. Plötzlich sah ich Steuer- bord von unserem Schiff eine Toplaternc aufblitzen und im selben Augenblick tauchten aus dem Nebel die Umrisse eines großen Dampfers auf, der mit groger Geschwindigkeit auf uns zukam. Ich versuchte, die„Empreß" nach Backbord herumzulegen, aber es blieb keine Zeit mehr dazu. Im gleichen Augenblick, wie das Glocken- zeichen des Stcucrtelegraphcn ertönte, erfolgte auch bereits der Zilsamnienstoß. Ter fremde Dampfer, wie sich später herausstellte. der norwegische Kohlendampfer„Jtorstad", prallte mit furchtbarer Gewalt auf die„Empreg of Irelaud" auf. Ter Stoß traf uns mittschiffs in der Nähe des Maschinenraums. Tie„Emprest of Ire- land" erzitterte in allen ihren Grundfesten und hatte sofort Schlag- feite nach Steuerbord. Das Schiff war beinahe in zwei Teile zer- schnitten. Ich gab sofort Befehl, die Rettungsboote klarzumachen, was jedoch nur aus der Stcuerbordseite gelang. Alle Passagiere konnten jedoch nicht in den zu Wasser gebrachte» Booten, von denen ein Teil beim Zuwasserlasscii umschlug, Platz finden. Ter fremde Dampfer war m dein Nebel sofort nach dem Zusammen- stog wie ein Gcspensterschiff verschwunden. Was aus ihm gc- worden ist, weiß ich nicht. Vielleicht liegt er ebenso wie mein schönes Schiff auf dem Grunde des St. LorenzstromeS. Zehn Minuten nach dem Zusammenstoß ging die„Empreß of Irelaud" unter. Nur noch ein Strudel bezeichnete die Stelle, wo die Wellen ihren Raub begraben hatten. Ich selbst wurde von der„Eureta" "usgenommen." �-Tmiach lehnt Kapitän Kendcll jede Verantwortung ab. - nicht minder auch der Kapitän des Kohlendampfers! Ein Bericht des Kapitäns der„Storstad" .iiitet nämlich: London, 29. Mai. Aus Quebec wird gemeldet, daß dort folgen- des Telegramm von Bord des Dampfers„Storstad" eingetroffen ist: «Wir fuhren unter eigenem Dampf, aber sehr langsam, da schwer beschädigt. Tie„Empreß" war so schwer geranimt worden, das; sie ei» großes Leck unterhalb der Wasserlinie erhielt und in 19 Minuten sank." Frühere Katastrophen der Secschiffahrtsgeschichte. Das bisher größte Schifssunglück ist das der«Titanic" am 12. April 1912 gewesen, bei dem 1K3ö Menschen umkamen. Von den anderen großen Schissskatastrophen seien erwähnt: Ter Unter- gang der«Royal George" im Jahre 1782, bei dem 999 Passagiere ihr Leben verloren. 1811 stießen bei Jütland die Schiffe„St. George" und„Dcsence" zusammen; nicht weniger als 1499 Menschen, dic .gesamten Passagiere beider Schiffe, fanden den Tod in den Wellen. bW' Personen gingen 1873 mit der«Atlantic* bei Neuschottland, Kä9 mit dem Kriegsschiff„Prinzeß Alice" 1878 in dar Thcntse, TK�drei Jahre spiiter mit dem engliswen Dampfer„Viktoria" an der kanadischen Küste unter. Mit 974 Auswanderern scheiterte 1891 die italienische„Utopia", mit 599 Menschen explodierte 1896 der japanische Transportdampfer„Kuangsing" bei Kinckmu. Am 6. Mai 1992 sank mit 739 Seelen die„Camorta" im Golf von Bengalen. Aehnliche Katastrophen aus der jüngsten Vergangen- bcit sind: der Untergang des Vcrgnügungsdainpfcrs«General Elocuni" im New Uorker Hafen, der 1999 Menschenleben forderte. 'Dasselbe Schicksal ereilte das norwegische Tuswandererschiff .Worgu", das mit 699 Passagieren unterging. Teutschland wirrde von der Katastrophe der„Elbe" schwer betroffen, wobei gegen 499 Menschen umkamen. Zum Schluß sei noch erwähnt das Un- glück des„Volturno" am 9. Oktober 1913, bei dem 131 Menschen ihr Leben verloren haben. Herrenhaus, Justizminister unö kaiserhoch. Bis zum Schlüsse ihrer fünftägigen«ArbeitZ'periode sind die HmenhäuSler sich treu geblieben: auch der letzte Sitzungstag noch brachte bei der Beratung bei I u st i z e t a t S einen scharfen reaftio« uüren Vorstoß. Schon an den vorhergehenden Tagen hatte ein Redner nach dem anderen seine tiefste Entrüstung ausgedrückt über das„achtungverlctzende",.unehrerbietig«",.skandalöse" Verhalten unserer ReichstagSsraktion beim Kaiserhoch. Der Justizetat gab den Herren die erwünschte Gelegenheit, nunmehr in einer wohlvorbereitetcn Aktion den Juslizminister zum förmlichen Einschreiten gegen die.Majestätsbeleidiger" aufzufordern. Sprecher war diesmal der Graf Aorck zu Wart enburg, der der.gerechten Entrüstung" des ganzen deutschen Volkes beredten Ausdruck verlieh. Der„gerechten Eni- rnstung", versteht sich, nicht etwa über die verweigerte Wahlreform, sondern über da» unterlassene Kaiserhoch! Er gab sich große Mühe,»achzuweisen, daß erstens an sich in dem Sitzenbleiben beim Kaiserhoch der Tatbestand einer strafbaren Handlung zu erblicken, und daß zweitens im Momente des Kaiser- Hochs die Session bereit» geschlossen, die Immunität der Reichstags- abgeordneten also schon erloschen gewesen sei. Per I u p i z m i n i st e r Dr. B e s e l e r ist mit dem ganzen edlen Herrenbause durchaus einer Meinung, daß eigentlich das Ber- halten unserer Reichstagsabgeordneten eine.nachdrückliche Sühn e" verdiene; er findet die Schärfe, mit der in all' diesen Tagen im Herrcnhaufe diese.Ehcverletzung" kritisiert worden sei. .durchaus berechtigt"; aber— die Trauben eines Monsterprozesses wegen MajeftätSbeleidigung gegen die stärkste Fraktion deS Deutschen Reichstages sind sauerl Aller Wahrscheinlichkeit nach würden die Gerichte zu einer Freisprechung kommen und deshalb hat. unter Zustimmung des Justizministers, der zuständigeStaatS- anmalt d a S Einschreiten abgelehnt. Ob der Tat- bestand der Majestätsbeleidigung überhaupt vorliegt, will Herr Befelcr.ganz dahingestellt" sein lassen; er ist jedenfalls mit dem Staatsanwalt der Meinung, erstens, daß das Sitzenbleiben.eine «eußerung im Sinne der Verfassung' ist, die unter den Begriff der Immunität fällt, und zweitens, daß die Session im Momente des Kaiserhoch» noch nicht geschlossen war, daß also unsere Abgeord- ncten in jenem Augenblicke auch in der Tat noch immun waren. Der unter solchen Umständen sicher zu erwartende Freispruch würde nur einen Freispruch der.sozialdemokratischen Führer" bedeuten und zu einem solchen will cS der preußische Justiz- minister denn lieber doch nicht kommen lassen. Wohl oder übel mußten sich die edlen und eilauchten Herren der ersten preußischen Kammer mit diesem Bescheide zufrieden geben. Der Rest der Etatberatung und die Erledigung der weiteren Tagesordnung boten kein wesentliches Interesse mehr. Zufrieden mit ihrem lieblichen Tun an diesen letzten fünf Tagen gingen die Herren schließlich in die Psingstserien. * ♦ * 13. Sitzung, Freitag, den 29. Mai 1914. Am Miuistertisch: Dr. Beseler, V.Trott zu Solz. Iuftizetat. Graf Aorck zu Wartenburg: Das Verhalten der Sozialdemokraten beim Schluß des Reichstags hat überall im Lande gerechte Entrüstung erregt. Es war eine Kundgebung gegen die Person de» Kaisers, dic nicht durch die parlamentarische Immunität gedeckt war. weil die Sitzungs- Periode bereit? geschlossen war. Darauf haben die sozialdemokrati- schen Abgeordneten den Präsidenten selbst aufmerksam gemacht, indem sie erklärten, er habe nichts mehr zu sagen, er sei nicht mehr Präsident. sHört! hört!) ES scheint mir im höchsten Grade wahr- scheinlich, daß hier der Tatbestand des fl 95 des Strafgesetzbuches gegeben ist, weil hier die Voraussetzung der Absicht der Ehrver- l e tz u ii g gegeben ist, und weil festzustehen scheint, daß die Tat böswillig und mit ll e b e r l e g u n g geschah. Im Jahre 1894 hat der E r st e Staatsanwalt am Landgericht I in Berlin die Genehmigung nachgesucht, gegen den Abgeordneten Liebknecht, der beim Kaiserhoch sitzen geblieben war, einzuschreiten. Der Reichs- kanzler hat diesen Antrag dem Reichstag überwiesen und ihn im Namen der Verbündeten Regierungen befürwortet. sLeb- hafteS Hört! hört! und Beifall.) Damals wurde aber aus der Sache nichts, weil der Reichstag während der Sitzungsperiode die Genehmigung nicht erteilte. Heute jedoch ist die Gc- nehmigung des Reichstages nicht einzuholen, da. wie ich bereits sagte, die Sitzungsperiode schon geschlossen war. Auch die Judikatur des Reichsgerichts ist derart, daß icki es für wahrscheinlich halte, daß der höchste Gerichtshof eine M a j e st ä t S b e l e i d i g u n g für vor- liegend halten wird, weil aus dem Verhalten der Sozialdemo- traten eine bewußte Geringschätzung des Kaiser» klar hervorgeht. Ich richte nun an den Justizminister die Anfrage, ob ihm darüber etwas bekannt ist, daß der zuständige Erste Staatsanwalt sich mit der Sache befaßt hat und ob die Frage einer Prüfung unterworfen wird. sLebhafter Beifall.) Justizminister Dr. Beseler: Mit berechtigter Schärfe ist hier das Verhalten der sozialdcmo- kratischen Abgeordneten im Reichstage gerügt worden. Unser aller Empfinden würde es entsprechen, wenn ein derartiges Verhalten eine nachdrückliche Rüge fände. f�bhafter Beifall.) Und es war daher sehr wohl zu erwägen, c' � st r a s. e ch t l i ch e s Vorgehen am Platze sei. Der zu�!. ige Staatsanwalt hat aber das strafrechtliche Einschrcitcu abgelehnt 1 Hört! hortk) und ich sehe mich nicht in der Lage, ihn zu einer anderen Stellungnahme zu ver- anlassen. sErneuies Hört, hört;!) Nach der Leriasiuug ist der Ab- geordnete für Aeußerungen, die er während der Tagung tut, nicht zur Verantwortung zu ziehen und nach der ganzen Rcchtsliteratur wird auch eine solche Handlungsweise, wie im vorliegenden Fall, hier als eine Aeußerung im Sinuc der Verfassung angesehen. Noch fester Gewohnheit wird aber da» Ausbringen de« Kaiserhochs als eine Kundgebung vor dem tatsächlichen Schluß er- blickt. Der Versuch, eine gegenteilige Auffassung zur Geltung zu bringen, hat wenig Aussicht auf Erfolg. ES würde also wahrscheinlich zur Freisprechung kommen(Hört, hört!), dann würden die Sozialdemokraten von einem Triumph sprechen und die Wirkung der Entrüstung in weiten Volkskreisen würde nur a b g e- s ckov S ch t. Daher empfiehlt es sich, ein Einschreiten zu unlerlassen. Bei der Beratung de» K u l t u S e t a t S werden die ver- schiedensten Sinzelwünfche geäußert. Frhr. v. B i s s i n g erklärt die Behauptung deS Abg. Adolf Hoffmann, daß der Feld- Marschall o. D. v. d. Goltz vom Jungdeutschlandbund ein Gehalt von 29 999 M. bekommt, für durchaus unrichtig. General« ieldmarschall v. d. Goltz erhalte vom Jungdeutschlandbund keinen Pfennig Gehalt. Ihm werden nur auf Reisen seine Auslagen er« fetzt. Der Geschäftsführer bekomme ein Gehalt von 6999 M., und da? fei für die große Arbeit, die er zu leisten hat. auch nicht zuviel. Der Eisenbahnetat und der Etat der Bau- Verwaltung werden ohne Aussprache erledigt, ebenso das Eisenbahnanleihegrsetz. Freiherr v. Richthofc« gibt«amen» der konservativen Fraktion darauf folgende Erklärung ab: Die unmittelbar bevorstehende Vertagung betäubt unS der Möglichkeit, auf die Erklärung deS Justizministers näher einzugehen. Wir glauben, aus derselben die Folge ziehen zu müssen, daß äugen- blicklich nach Auffassung der Regierung nicht die Möglichkeit besteht, der Person des Monarchen in den Parlamenten den not- wendigen Schutz gegen jede Kränkung zu gewähren. Unter diesen Umständen halten wir es für Pflicht der Regierung und aller bürgerlichen Parteien, auf Mittel und Wege zur Abhilfe ernstlich bedachtzunehmen. Darauf wird der Etat im ganzen angenommen, ebenso die Re- olution NichtHofen über die Abgrenzung der Eisenbahn- und der sonstigen Einnahmen und die Resolution, wonach der Etat bis zum 15. März dem Herreuhause überwiesen werden soll. Das Herrenhaus muß zur Beratung der Besoldungsvorlage noch einmal nach Pfingsten zufammenkominen, wahrscheinlich am 13. oder 15. Juni. Schluß 3'/« Uhr. politische Uebersicht. Eine Wandlung in der Kolonialpolitik. Liberale Blätter erzählen ihren staunenden Zeitgenossen, daß ich irinerhalb der Sozialdemokratie eine Wandlung in ihrer Stellungnahme zur Kolonialpolitik vollziehe. Sie berufen sich dabei auf ein Referat de? ReichötagSabgeordnetcn Arthur Hofmann- Saalfeld. Dieser habe erklärt, daß die sozialdemo- lratische Frattion bcabsichttgc. einige Parteigenossen zum Studium der Kolonialfragc nach den Kolonien zu senden. DaS aber bedeute einen veränderten Kurs. An ein Aufgeben der Kolonien könne niemand mehr denken. Tie Berichte der liberalen Presse stützen sich offenbar, auf einen kurzen Versammlungsbericht des„Taalfclder Volköblattes". Tonach hat allerdings Genosse Arthur Hofmann derartige Aus- führungen gemacht. Trotzdem ist es einigermaßen gewagt, aus einem solchen Bericht so weitgebende Folgerungen zu ziehen. Ein Beschluß, Parteigenossen zum Studium der Kolonien zu entsenden, ist in der Reichstagsfraktion nicht gefaßt worden. Viel- mehr hat man die an den Reichstag gerichteten Einladungen der Tainpferlinien zum Besuch der Kolonien in der Fraktion abge- lehnt. Man hat dort den ganz richtigen Standpunkt vertreten, daß zur Kenntnis unserer kolonialen Verhältnisse eine solche Zen- fahrt nicht das geringste beitrage, da nur ein gründlicheres Studium und ein längerer Besuch einen Einblick in die wirklichen Verhältnisse gestatte. Aber auch der Beschluß, eine solche Studien- reise aus eigenen Mitteln zu bestreiten, wurde nicht gefaßt. Ilebrigens hätte auch mit der prinzipiellen Stellungnahme dcr Sozialdemokratie zur Kolonialpolitik das Studi«m der kolonialen Verhältnisse absolut nichts zu tun. Nach dem Bericht des„Saal- fcldcr Volksblattcs" hat allerdings Genosse Hofmann die Ansicht vertreten, daß niemand mehr daran denken könne, unser« Kolonien aufzugeben. Demgegenüber hält nach wie vor die ungeheure Mehrheit der sozialdemokratischen Partei unverrückbar fest an dein prinzipiell ablehnenden Standpunkt gegenüber unserer Kolonialpolitik. Stünde es in unserer Macht, die Liquidation unserer Kolonialpolitik herbeizuführen, so würde die Partei zweifellos dafür zu haben sein. Da sich jedoch sämtliche bürgcr- lichcn Parteien ocr Kolonialpolitik verschrieben haben und wir mit der Kolonialpolitik vorläufig als etwas Gegebenem rechnen müssen, versteht es sich von selbst, daß auch alle kolonialen Fragen, die Eingeborcncnpolitit usw., der gründlichsten Kontrolle der Sozialdemokratie unterliegen müssen. Sotveit etwa künftig einmal dic Entsendung sozialdemokratischer Studienreisenden nach den Kolonien in Frage iänic, wäre daraus auf irgendeine Acnocning unserer prinzipiellen Stellungnahme in keiner Weise zu schließen! Denn daß wir uns der Eingeborenen nrnb Kräften anzunehmen und überhaupt die koloniale Verwaltung io vernünftig toie möglich zu gestalten haben, ist seit A n b c g i n q der deutschen Kolonialerwerbungcn die Auffassung der sozialdemo- kratischen Partei. Daß aber die Sozialdemokratie heute um so weniger Anlaß bat, etwa eine Schwenkung im kolonialfrcuntzlichen Sinne zu vollziehen, sollte schon ein Artikel beweisen, den vor wenigen Tagen, in der Nummer 1l7 vom 29. Mai, das führen oe Organ der Fortschrittlichen Volkspartei, die „Freisinnige Zeitung", veröffentlicht hat. In diesem Leitartikel wägt das genannte Blatt den wirtschaftlichen Wert unserer Kolonialpolitik ab. ES stellt fest, daß die gesainte Einfuhr der Exportländer nach den deutschen Kolonicü in Afrika, der Südsee und Asien zwar mehr als eine Viertel- Milliarde ausmacht, daß davon jedoch nur 53 Millionen auf D e u t s ch I a n d sc l b st e n t f a l l e n. Die„Freisinnige Zeitung" stellt aber auch fest, daß der Rest der Einfuhr— die vier Fünftel! — gar nicht von Deutschland geliefert werden könnten l Da» Blatt konstatiert ferner, daß die deutsche Ausfuhr nach den andern Staaten, selbst nach B r 1 1 i sch. I n d t e n. China und Japan, die deutsche Ausfuhr nach den deutschen Kolonien u m das Vielfache übertrifft; daß beispielsweise die dcutsck>e Ausfuhr nach Britisch-Jndien stch auf 151 Millionen, nach China 123 Millionen und nach Japan auf die gleiche Summe beziffert.) Also selbst dic„Freisinnige Zeitung" stellt fest, daß, wirtschaftspolitisch unsere Kolonien für den deutschen Handel nicht die geringste Rolle spielen. Wir fügen hinzu, daß sie uns dafür, ungeheure Kosten verursachen. Schon wahrend de? Hererokrieges wurden die bisherigen AuS- gaben für unsere Kolonien auf 1% Milliarden beziffert. Scitdcnt sind noch diverse Hundert Millionen hinzugekommen. Rechnen wir die Schuloenzinsen und die jährlichen Nettoausgaben für unsere Kolonien in Höbe von 39 Millionen Mark zusammen, so ergibt sich, daß unsere herrlichen Kolonien uns jährlich mehr als 199 Millionen Mark kosten, während der Brutto- wert der gesamten Ausfuhr noch nicht die Hälfte dieses Betrages ausmacht! Wenn schon, ganz abgesehen von der Bedeutung unserer Kolonialpolitik für das Wettrüsten und die internationale Kon« fliktSpolitik, diese Kolonialpolitik ein Geschäft mit einer so u n- gehcuerlich negativen Bilanz bedeutet, so wä«« es doch wirklich eine Torheit sondergleichen, wenn die sozialdcmokranschs Partei ihren Standpunkt ihr gegenüber revidieren wollte. Die liberale Presse täte deshalb besser, den Artikel der„Frei- sinnigen Zeitung" zu verbreiten, statt sich in Illusionen über eint kolonialpolitische Wandlung der sozialdemokratischen Auffasiungcn zu wiegen! LoebeN-ReminiSzenzeu. Der neue preußische Minister de» Innern, der von den Live« rakcn in süßer Erinnerung an dic selige Bülaw-Blockpcriode mit be- 'ondcrer Hoffnungsfrcudigkeit und beinahe als einer der Ihren be- grüßt wurde, hat den Fortschrittlern mit seinem im Abgeordneten- haus abgelegten konservative» Bekenntnis bittere Enttäuschung bereitet und er hat inzwischen auch Gelegenheit gefunden, in der- prcußkschen Mumicnkammcr, die Sozialdemokratie niederzureiten. Damit nun endlich die Verwunderung über die„plötzlichen Wand- lungcn" des Herrn v. Locbell aufhört, ist es wohl angebracht, sich auch einmal in die politische Vergangenheit dieses Schützers der Arbeitswilligen zu vertiefen. Herr v. Loebcll hat nämlich in diese« Jahr nicht seine ersten Programmrcdcn gehalten, sondern schon früher als konservativer RcichStagSaSbgcordneier keinen Zweifel über seine Herrcnmoral gelassen. So verdient gerade jetzt sein« Reichstagsrede vom 29. November 1899 erwähnt ga werden. Damals führte er über seine Haltung zur Sozialdemokrafte wärt- lich aus: „Ich will betonen, daß meine Partei auf dem Boden des Ge- setzentwurfs steht, weil sie glaubt, daß er«ine wirksame Waise( ist, cinnial den Arbeitern Schutz zu gewähren, zweitens aber auch endlich der Sozialdemokratie gegenüber Farbe zu bekennen, was wir bisher lange vermißt, baben.... Wir denken uns die Regelung des Vereins- rechtes so. daß unbedingt eingeschritten werden muß gegen alle die politischen Vereine, die sich den Umsturz der bestckbenden Staats- und Gesellschaftsordnung zur Aufgabe gemacht Hadem und wir erachten es für erforderlich, daß die Staatsgewalt mit aller Energie ihre Absicht zu crlcnncn gibt, gegen diese Art von politischen Vereinen scharf einzuschreiten.... Es ist einmal gesagt worden, daß alle Gesetze daraufhin gc- prüft werden müßten, wie sie wirken gegenüber der Sozialdemo- kvatie, und wir haben, glaube ich, ganz besonders die Pflicht- diesen Gesichtspunkt immer an die Spitze zu stellen, denn die Sozialdemokratie hat... es mei st erHaft ver- standen, bisher die Gesetzgebung sich z« ■i. i c n it cn, zumachen.... Wir müssen unbedingt fordern und erwarten, daß dem- gegenüber auch scharf vorgegangen wird gegen eine Agitation un» Verhetzung, wie sie ihresgleichen noch niemals gefunden bat..»- Der staat hat die Pflicht, den königstreuen. Vaterlandslieben« den Arbcitex unbedingt zu schüren gegqnü&ep pcl Vaterlands lofcn internationalen Sozialdemokratie, und wir werden jede Gelegenheit benutzen, um den Staat in dieser seiner Pflicht voll zu unternützcn.... Die konservative Partei wird stets bereit sein, den Verbünde- tcn Regierungen den Panzer um den Arm zu legen und das Schwert zu schärfen, wenn es gilt, gegen die inter- nationale Sozialdemokratie vorzugehen. Ter Siaat hat nicht blog die Nachtwächterrolle, die Sie ihm so gern zudiktieren mäch- ten. die Erlaubnis, ins Hifthorn zu stohen, wenn das Feuer aus- gebrochen ist,— sondern der Staat hat eine vor- beugende Tätigkeit zu üben; er hat zu sorgen, dah das Feuer nicht ausbreche und nicht um sich greife. Diese vorbeugende Tätigkeit erwarten und verlangen wir vom Staate." Man wird nach alledem zugeben müssen, daß Herr v. Loebell ein durchaus zeitgemäßer Polizciminister für Preußen ist, denn seine politischen Grundsätze passen ausgezeichnet in die gegen- bwrtige Zeit der Rcchilosmachung unbequemer Partei- und Ge- wertschaftsorganisationcn. Man wird es auch begreifen können, daß die Organe der Gelben die hier zitierte Loebcllsche Rede mit Wonne letzt veröffentlichen, um den neuen Staatsminister für sich zu rekla- wieren.' Da der frühere konservative Abgeordnete jetzt selbst Mil wster der Verbündeten Regierungen ist, so sind nun auch Panzer Arm bei ihm vereinigt und die Arbeiterschaft weiß, was sie den seiner vorbeugenden staatsmännischen Tätigkeit zu er- vartcn hat. Zum Titelschacher. Ter preußische Kultusminister erklärte im Landtag: daß w Preußen der Professortitcl nicht käuflich ist, in welcher Form auch immer, versteht sich von selbst. Solche Be- houptungen sind reichlich unvorsichtig. Das bestätigt jetzt �>ch die„Vossische Zeitung", die in einem Leitartikel den Titelhandel erörtert. Das Blatt führt dem preußischen Kultusminister zu Gemüte, daß der Titelkauf sich nicht wie irgendein anderer Warenhandel vollzieht: „Aber daß Personen von geringer Bedeutung, wenn sie für bqtimmte, von hervorragenden Stellen begünstigte Zwecke erkleckliche Summen stifteten und durch ihre fürsorglichen Vermittler über Border- oder Hintertreppen beredte Fürsprache in bestimmten Amtsstuben beizubringen ver- wochten, daß s i e bisweilen eher den ersehnten Titel erlangten, °ls weit bedeutendere Anwärter, die nicht zählen wollten oder konnten: davon hätte der heutige Kultusminister wenigstens bei Lebzeiten Althoffs einiges erfahren können. llnd Althoff, der geniale Zyniker, hatte über moralinsaure Be- denken die Achsel gezuckt. Er hat selbst soviel Geld für gemeinnützige Unternehmungen aufbringen w ü s s e n. daß der Zweck vielleicht gelegentlich das Mittel heiligte. Und dann, es hat auch Prozesse wie wider Manch« oder die Pommernbank gegeben, wo man erfahren konnte, daß Titel und Orden zwar gewiß nicht käuflich, aber sonst einwandfrei icheinenden Leuten bei entsprechend hohen Spenden für kirchliche oder weltliche Gründungen und bei entsprechend hoher Empfehlung l-icht erreichbar waren.' Die„Vossische Zeitung" ist der Auffassung, daß der un- Essende Kultusminister auch vom Staatsanwalt, dem er «wbknechts Enthüllungen übergeben, nichts erfahren werbe, ue schlägt vor,„eine parlamentarische Unter- }* ch u n g über Ursprung, Umfang und Unterlagen der staat- uchen Auszeichnungen zu veranstalten. Aber mit Eides- d'licht für d i c v o rg cla d e n cn Zeugen." Möglich, ihm damit der Staar gestochen würde. An eingeweihten «uten fehlE ja nicht. Der Korrespondenz„Information" wuh beispielsweise aus ärztlichen Kreisen geschrieben: »Schon vor dem Bekanntwerden der Liebknechtschen Eni- hullungen haben die B erline-r A e r z te v e r e i n e Gelegenheit genommen, die Frage der ärztlichen Titelverleihung Mehrfach zu erörtern. Es ist in Berliner Aerztekreisen ein offenes Geheimnis, daß sich in der letzten Zeit die Fälle auffallend gemehrt haben, in denen Aerzte, deren wissen- ichaftliche Bedeutung dies kaum rechtfertigen würde, den Titel eines Professors erhalten haben. Hält Man demgegenüber die ungemeine Wertschätzung des Profesior» weis in früheren Zeiten, die in seiner seltenen Verleihung ihren «usdruck fand, fest, so ist leicht einzusehen, daß der -profesiortitel heute nicht mehr den Wert und die Bedeutung don ehedem befitzen kann. In allen beteiligten Kreisen ist Man sich darüber einig, daß der Abgeordnete Liebknecht offene Türen einrennt, wenn er der staunenden Welt enthüllen will, waS n* schon längst weiß. den Genossen B l c ch s ch m i d t, vor der Naumburg er Berufungsstrafkammer verhandelt. Bor dem letzten Scdantagc erklärte der Zeitzer Ober- bürgermcister in einem öffentlichen Aufrufe, es sc! der Herzens- wünsch der„patriotischen Mitbürger", den unvergeßlichen Tag von Sedan als rechten nationalen Festtag wiederum in würdiger Weise zu begehen. Demgegenüber bctonic unser Partciblatt den Herzens- wünsch der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung, der dahin ginge, daß endlich Schluß gemacht werden solle mit dem volksfeindlichen Treiben, das mit wirklicher Vaterlandsliebe nichts zu tun habe. Fn diesem Zusammenhang wurde von einer„bornierten B c- amtenkaste" gesprochen, die nebst dem denkfaulen Spießertum dem alten lieben Zeitz den Stempel der Rückständigkcit aufdrücke. Durch diesen ganz allgemein, ohne Bezug auf irgendeine bestimmte Be- amtentatcgorie gebrauchten Ausdruck fühlte sich der damalige Polizeikommissar von Zeitz, Herr Theiß, beleidigt und er ver- anlaßte, daß auch noch 46 andere Beamte, vom Oberbürgermeister bis herunter zu den Nacküscbutzleuten den Strafantra� untcrschrie« den. Vom Schöffengericht Osterfeld wurde der Preßsünder wegen Beleidigung der Zeitzer Beamtenschaft zu 366 Mark Gcldsträ'e verurteilt. Angeklagter und Amtsanwalt hatten Berufung eingelegt, so daß die Ikaumburger Strafkammer nochmals über den schlimmen Fall zu verhandeln hatte. Unter Ablehnung aller Bcweisanträge hob die Strafkammer das Urteil auf und erhöhte die Strafe von 366 auf 566 Mark. Letzte Nachrichten. Ter bevorstehende Ministerwechsel in Frankreich. Paris, 29. Mai. Einem.Abendblatt zufolge ist man in radikalen Kreisen davon überzeugt, daß Ministerpräsident Toumergue angesichts der von den Sozialistisch-Radikalen, besonders betreffend das Treijahrsgesetz. erhobenen Forde« rungen Tienstag vormittag seine Temission einreichen werde. Ter Vollzugsausschuß der radikalen und radikal-sozialistischen Partei trat heute nachmittag zu einer Sitzung zusamnien, um über einen Beschlnßantrag zu beraten, durch welchen die der geeinigten radikalen Partei angehörigen Deputierten auf- gefordert werden, pon der Regierung die Rückkehr zum Zwei- jahrsgesetz und demgemäß die Entlassung der Altersklasse von 1913 am 1. Oktober 191Z sowie die Einkommensteuer mit der kontrollierten Teklaration zu verlangen. Tie Todesopfer der„Empreß of Jxcland�. London, 29. Mai. Tie aus Montreal eingetroffenen letzten Nachrichten bestätigen leider die Katastrophe der„Empreß of Jreland" im gesamten Umfang. Bisher sind nur 416 Passagiere an Land gebracht worden, von denen 26 gleich nach derCin- liefer»»IXia das Hospital starben. Die übrigen Gc- rettete« befinden sich im Zustand höchster Erregung. Es ist leider zu befürchten, daß die bisher vermißten 1606 Personen samt und sonders ihren Tod in den Wellen gesunden habe». Montreal, 29. Mai. Ein überlebender Passagier des Tampsers„Emprcß of Jreland" namenS Henderson telegraphierte seiner hiesigen Firma, daß 1636 Personen umgekommen seien. Todes-Anzeigen DentscberMetaliarlieiter-yeriianil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur?!achricht, dag unser Mitglied, der Mechaniker ICrämer Neukölln, Kaiser-Frirdrich-Str. 5, am 28. Mai an Herzleiden gc- sterben ist. r. med. WockenfaB. Friedrichsir. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuohung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufs- Störung. Mäßige Preise.* Sprecbst. v. 8— 8, Sonntags 9— 11. fescheste a. d. 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Druck u-Verlag: VorwärtSBuchdr.u.Verlagsanitak Gaul Singer t Co., Berlin LW. Hierzu Z Beilagen«.Unterheltu»»� Nr. 145. 31. Jahrgang. 1 Mm i>cs JotBürts" Mlinn llolbblntt. Zonnabttld, BO. Mai 1914. Gewerkschaftliches. der„wirtschaftsfrieüliche" dr. potthoff abgeschüttelt. Der eigentümliche Angriff Dr. P o t t h o f f s ff«.Berliner Tageblatt' vom 16. Mai) auf die gelverlschaftliche Arbeit der radi- kalen Angestelltenverbände hat bei diesen erfreulicherweise eine starke Empörung ausgelöst. Nachdem das Organ des neuen Bankbeamten- Verbandes in seiner letzten Nummer bereits die völlige Haltlosigkeit der Potthoffschen Darlegung nachgewiesen hat, ergreift jetzt die.In- dustriebeamten-Ztg.', das Organ der technisch-industriellen Beamten, das Wort zu einer scharfen Abrechnung. Dr. Potthoff habe sich Mar durch seine publizistische und rednerische Tätigkeit manche Verdienste um die Angestellten erworben,.sobald er sich aber praktisch als Angestelltenpolitiker betätigte, entpuppte er sich in der Regel als unverbesserlicher Opportunitäts- Politik er, der der gewerkschaftlichen Ängestelltenbewegung durch seine absolute Unzuverläsfigkeit und G r u n d s a tz l o s i g k c i t die schwersten Hindernisse bereitete." So ein.Drehscheibenpolitiker', der heute links und morgen rechts steht, der heute für eine Be« Regung eintritt, um sich morgen gegen sie zu wenden, diskreditiere nicht nur sich selbst, sondern auch diejenigen, als deren Freund er sich ausgibt. Deshalb sei es ein Gebot der Notwehr, von solchen schwankenden Gestalten zur rechten Zeit mit der gebotenen Ent- schiedenheit abzurücken. Die Art, in der dies dann geschieht, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die»Industrie- beamtenzeitung" schreibt: Um voll zu erfassen, zu welchen Konsequenzen die Potthoff» schen Gedankengänge führen, braucht man sein Urteil über die empfehlenswerte Taktik in der Angestelltenbewegung nur einmal auf die Arbeiterbewegung zu überwagen. Dann zeigt es sich nämlich, daß Dr. Potthofs im Grunde genommen empfiehlt, die von der sogenannten wirtschaftsfriedlichen (gelben) Arbeiterbewegung befolgte Taktik nachzuahmen. Mit der gleichen.Entschiedenheit wird das politische Liebeswerben Potthoffs zurückgewiesen. Für das von ihm verlangte.Zusammenwirken aller Angestellten mit den Unternehmern' fehle vorläufig noch.die erste und wichtigste Boraussetzung, die Anerkennung der Angestellten als gleichberech- �igte Bundesgenossen.' Diese zu erkämpfen, sei gerade eine Aufgabe der gewerkschaftlichen Organisationen, und es sei »bezeichnend für die politische Urteilslosigkeit des Herrn Dr. Potthoff', daß er den Angestellten ein Zusammengehen wit den Unternehmern in dem Augenblick empfehle, wo die vereinigten Scharfmacher mit Hilfe des Kartells der schaffenden Stände daran gingen, die Autorität des Arbeit- gebers gegenüber dem Arbeitnehmer wie einen roober äs bronco aufzurichten, die Konsumenten auszuplündern und die Fortführung der Sozialpolitik zu hintertreiben..Hat denn Dr. Potthoff, so wird zuletzt gefragt, wirklich gar kein Verständnis dafür, daß er den Angestellten zumutet, sich von den Scharfmachern im Zentralverband Deutscher Industrieller als Stimmvieh gebrauchen zu lasten?' Nein, das hat er allerdings nicht. Aber nicht nur er allein: ben liberalen Politikern fehlt in ihrer Gesamtheit das Verständnis für den sozialen Emanzipationskampf der Privaiangestellten, weil ihr Freiheitsideal sich mit den wirtschaftlichen Jnteresten des Kapitalismus deckt, im Gegensatz zur Sozialdemokratie, die die soziale Freiheit des arbeitenden Menschen erstrebt. Wenn die Privat« beamten das— über den.Fall Potthoff' hinaus— etwas mehr beachten würden, bliebe ihnen in der Zukunft manche Enttäuschung erspart.__ öerlin und Umgegend. Achtstundcnbewegung der Holzbildhauer. Die Berliner Holzbildhauer stehen in ihrer Bewegung zur Er- zielung der achtstündigen Arbeitszeit zwei Unternehmerorganisa- tionen gegenüber, und zwar außer der„Freien Vereinigung «er Holzindustriellen' dem„Verein selbständiger Bildhauer", dem die Holzbildhauerprinzipale angehören. Von der Selbständigkeit der„selbständigen" Bildhauer ist jedoch von vorn- herein nichts zu erhoffen gewesen. Sie befinden sich in hohem Grade in Abhängigkeit von den Holzinduftricllen. Dementsprechend ant- warteten sie auf die zugestellten Forderungen: sie könnten nicht früher eine definitive Antwort geben, als nickit die Holzindustricllcn Stellung genommen haben. Das letztere ist nunmehr geschehen und werden in den näcksttcn Tagen Verhandlungen zwischen den beider- scitigen Kommistioncn geführt. Tne Gehilfen werden aber an diese Verhandlungen nicht allzu große Erwartungen zu knüpfen haben; denn inzwischen haben die Holzindustriellen in ihrer..Fachzeitung" schon ihr„U n a n- n e h m b a r" proklamiert und daran die Aufforderung geknüpft, nicht auf Einzelvcrhandlungen einzugehen. TaS hinderte allerdings nicht, daß bisher schon eine Reihe von Geschäften die Forderungen anerkannt haben. Dem..Unannehmbar" der Unternehmer gegen- über halten die Bildhaucrgehilfcn ihre Forderungen auf Verkür- zung der Arbeitszeit für durchaus berechtigt und in den beruflichen Verhältnissen sehr wohl begründet. Seit 25 Jahren ist von ihnen keine Arbeitszeitverkürzung wieder gefordert worden. Und wenn sie noch weitere 25 Jahre von ihrer Forderung Abstand nehmen würden, so kann heute schon als sicher gelten, daß ihnen auch dann von den Unternehmern ein solches„Unannehmbar" entgegen- gerufen würde. Darum können sie nicht darauf warten, bis vielleicht einmal die Unternehmer soziale Fortschritte mit Freuden begrüßen. Vor dem Nimmerleinstage würde das nicht eintreten. Die Ber- Handlungen werden unter den obwaltenden Verhältnissen nur zeigen, daß die Unternehmer nicht gewillt sind, von ihrem ab- lehnenden Standpunkt ohne weiteres abzugehen. Mittlerweile er- suchen wir jene Kollegen, die bei solchen kleinen Firmen beschäftigt sind, wo nur zeitweise zu tun ist und deshalb nicht ständig ein Vertrauensmann fungiert, uns Namen und Adresse eines zurzeit dort beschäftigten Kollegen mitzuteilen. Auch von den allerkleinsten Geschäften hat diese Mitteilung unverzüglich zu erfolgen. Die in den nächsten Tagen stattfindende B e r s a m m- l u n g, die zu dem VerhandlungScrgebniS Stellung nehmen wird, werden wir noch im Annoncenteil bekannt geben und ersuchen wir, dies zu beachten. Zrntralvcrein der Bildhauer Deutschlands. Berwaltungsstcllc Berlin. Berlin SO. 16, Engelufer 15. Die Bureaus der Berliner Gewerkschaftskammifsio» und des Arbeiter sekretariatS find am Dienstag, den 3. Juni (3. Feiertag), geschlossen. Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend. Achtung, GastwirtSgehilfen! Nachstehende Lokale sind für Organisierte gesperrt: Hauptrcsiaurant Eierhaus 3(Jnh. Kammla) in Treptow, Stehbierhalle am Paradiesgartcn(Jnh. Gantzberg) in Treptow, Strandrcstaurant Richtershorn nachdem er sechs Semester in Verlin studiert hatte, in Belgien approbiert worden. Die Urkunde nennt ihn auch in einer Beifügung Zahnarzt. Gleichwohl wurde K. wegen Uebertretung des 8 147 Ziffer 3 der Gewerbeordnung angeklagt, weil er, obne im Jnlandc approbiert zu sein, sich Arzt(Zahnarzt) genannt habe. DaS Landgericht sprach den Angeklagten frei, indem es an- nahm, daß sich K. Belgischer Zahnarzt habe nennen dürfen, da da- durch nicht der Glaube erweckt werde, es handle sich um eine im Inland« approbierte Medizinalperson. DaS Landgericht stellte sich auf den Standpunkt des Reichsgerichts, daß ein ausländischer Arzttitcl noch K 147 Ziffer 3 der Gewerbeordnung nur dann in Deutschland nicht geführt werden dürfe, wenn dadurch der Glaube erweckt wird, es handle sich um eine im Inland« approbierte Mcdizinalperson. TaS war hier verneint worden.— DaS Kammergericht hob dieser Tage als Revisionsinstanz das Urteil des Landgerichts auf und verurteilte den Angeklagten wegen Uebertretung deS 8 147 Ziffer 3 gleich zu der niedrigsten Geldstrafe. Im Gegensatz zum Reichsgericht nahm das Kammer» gericht an, daß 8 147 der Gewerbeordnung den Arzttitcl(Augenarzt, Zahnarzt. Wundarzt usw.) absolut schützen wolle. Es dürfe sich demnach in Deutschland, ganz gleich in welcher Verbindung, sich nur Arzt nennen, wer in Teutschland als solcher approbiert fei. Deshalb fei Angeklagter zu verurteilen, weil er sich Belgischer Zahnarzt nannte. Daß er daS Wort„Belgischer" dem Titel voranstellte, fei gleichgültig. Mus aller Welt. Die zvriickgewiesenen Crstklasfigen. Altona feiert in diesem Jahre sein 259 jähriges Sladtjubiläum. Es wird durch eine wohlgelungene Gartenbauausstellung begangen, für die das Elbgelände mit dem Geestrücken an der berühmten Elbchaussee den denkbar günstigsten Ort boten. Ganz Altona ist eitel Begeisterung und dem Oberbürgermeister Schnackenburg, dem WahlrechtSräuber vom vorigen Jahre, huldigt das ganze Bürger» tum. Er hat die Sache famos arrangiert und die Reklame gut ver- standen. Nicht allein, daß er die Zusicherung erlangte, Wilhelm H. werde im Juni einmal auf ein paar Stunden nach der Ausstellung kommen, die Kaiserin übernahm sogar da» Protektorat und der Kronprinz hatte zugesagt, bei der Eröffnung zu er- scheinen. Das Gemüt der altonaifchen Spießer schmolz vor Wonne. Aber für die hohen Herren im Magistrat ist trotz deS Jubels und trotz des Ueberflufses an süßem Lobe doch ein bitterer Ge« schmack auf der Zunge nicht erspart geblieben. Für eine solche Aus- stellung, die Millionen kostet, braucht man gewisse Garantien. Die Stadt selber übernahm eine Garantie von nahezu einer Million Mark. Der Rest sollte durch freiwillige Zeichnungen in der Bürger- schaft aufgebracht werden. Aber siehe da, die Begeisterung war frei- lich groß, doch die ZahlungSsreudigkeit gering. Da wurden denn Bettelbriefe an alle Leute mit mehr als 19 999 M. Einkommen geschickt. Dabei wurde nicht übersehen, die Briefchen auch an einen der angesehensten und wohlhabendsten Stünde Altonas, an die hoch- ehrbaren Unternehmer des horizontalen Gewerbes zu schicken, die bekanntlich seit der letzten Landtagswahl Weltruf erlangt haben. Die er st klassigen Bordellwirte, die einen armseligen drittklassigen Bürgermeister über die Schultern ansehen, sagten stch: noblesso oblige; außerdem sei die Gartenbau- ausstellung wirklich ein ideales Unternehmen, und eS zu unter- stützen, sei ehrenvoll und bringe Gewinn. Zudem werde kein Zweig der Fremdeninduftrie so gut florieren, alS der Betrieb der käuflichen Liebe. Also stecken wir auch etwas Betriebskapital in daS Geschäfts Und sie zeichneten durch die Bank ihre 899 Mark. Der Tag der Eröffnung nahte heran und nun wurden für die große Feier außer Er. kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen, den Behörden und Honoratioren auch die edlen Garanten eingeladen, wieder nach der Liste und unsere dicken BordellierS mit. Da, im letzten Augenblick wird der Magistrat gewahr, waS an« gerichtet wurde. Man liebt wohl die erstklasfige loyale Stimme, wie die Mädchen, wie das Geld des Kupplers, aber es ist keine repräsentable Gesellschaft. Schleunigst mußten die Polizisten los- gehen und bei den verdutzten Bordellwirten die EinladuugS« karten wieder abholen. ES klappte. Herrn Schnackenburg plumpste ein Stein vom Herzen. Die Garantie war da und die Wohlanständigkeit gerettet l_ Dampferkatastrophe. An der Küste von Südkalifornien sind Schiffstrümmer ge- funden worden, die zu der Annahme berechtigen, daß der Dampfer„Luckenbach" mit einer Ladung Phosphat- gestern auf der Fahrt von Tampa nach Baltimore mit seiner Besatzung von 28 Mann gesunken ist. Kleine Notizen. Flugunglnck im Hasen von Toulou. Ein bei dem im Hafen von Toulon liegenden sranzöfischen Geschwader befindliches Wasser« slugzeug fing bei einem Ausstieg Feuer und verbrannte. Die Insassen,«n Reserveoffizier und ein Mechaniker, die die Geistesgegenwart besaßen, den Apparat sofort niedergehen zu lassen. konnten gerettet werden. Ei» Ozeandampfer in Flammen. Nach einer in New York ein« getroffenen Meldung ist auf dem Dampfer„Germania" von der italienischen Fabre-Linie. der sich auf der Fahrt unweit der Azoren befand, im Schiffsraum Feuer ausgebrochen. Näheres ist noch nicht bekannt.> �_' i?ua Srlefkaften üer Redaktion. Die juristische Sprechstunde fällt heute aus. ®. K. 40. I. Stein. 9. Auf Wiederherstellunq der ehelichen Gemein- schast. Ergeht ein Urteil dahin und leistet die Frau diesem Urteil nicht innerhalb Jabretsrift, von der Rechtskrast abgerechnet, Folge, so erhalten Sie damit einen Scheidungsgrund. 3. Der Antrag ist bei dem dortigen Gemeindevorstand zu stelle». Ob die Voraussetzungen vorliegen, läßt Ihr Brief nicht erkennen. 4. Ja, wenn eS sich um die zum Unterhalt nötigen Sachen handelt. Sie können aber durch Erklärung zu notariellem oder ge» richtlichem Protokoll der Frau die sogenannte Schlüsselgewalt entziehen.— Allgemeine Orts- Krankenkasse der Stadt Berlin-Schöneberg. Am Montag, den«. Jnni 1014. ?»f«ds 8 Uhr, findet im.Schwarzen Adler», Hauplstrahc 144, eine fluskljuß- Sitzung "•'i folgender Tagesordnung statt: 1. Wahl der BorftandSmitglieder Gruppe der Arbeitgeber. . Genehmigung derDienstordnung ' Angestellten der Kasse. o- Kassenangelegenheite». 274/11 Tie NnSschnststt'nng ist nicht öffentlich. Verlin. Schöneberg, den 28. Mai 1314. Der Yorsltnende. F. Krukow. Orts-Krankenkasse Avchbmdkru.vtm. Gewerbe zu Berlin. Am Dienstag, den 3. Juni 1314, 'weupz 8 Uhr, findet eine �uBerontentUcIie üusfdjuß- Sitzung ijy.Königstadt-Kafino", Holzmarkt- ntage 72(an der Jannowitzbrücke), (i«tt 274/10 Tagesordnung: Beratung und Beschlutzsaffung Uder die Dienstordnung der An- «-stellten. 2. Verschiedenes. K. Gottcsmann, Vorsitzender. Steefe, Schriftführer. Von der Relae aarttck! Dr.med. Leopold Lilienttial Gfoße Frankturtfir Straße 107. Heines Werke '—~- 3 asat« 4 aurt Buchhandlung vorwärts Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin-Pankaw. Am Montag, den 8. Juni 1014. abend» 8 Uhr. findet im Restaurant von R o c z y ck i, Berlin- Pankow, Krcuzstr. S/S, eine iiiMentlicbe iDSseluBsitzuoi mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verlesung deS Protokolls der letzten NuSschnßfitzung. 2. Beschlußsassung ilher die Er- richtung eine» eigenen Kassen- gedäudes und Dahl von drei Vertretern de» Ausschusses nach § 97 Absatz 3 der Satzung. 3. Verschiedene Kassenangelegen- hcileii. Die Herren Vertreter der Arbeit- geber und der Versicherten werden hierdurch ergebenst eingeladen.— Legitimation wird denselben noch zugesandt. 274/12 Borlin-Pankow, den 29. Mai 1314. 0. l-ubig, Vorsitzender. Ortskrankenkasse der Steiodrucker u. Litliograplien an Uerlln. Bei der an» 12. Mai er. erfolgten Dahl zum Vorstande der Kasse wurden von den Versicherten 3 Ver- treter der Liste I und 1 Vertreter der Liste II gewählt. Der neue Borstand konstituierte sich am 19. Mai und ist jetzt wie folgt zusammengesetzt: Ma; Stuhlmann, 1. Vorfitzender Hemrich Friedewald, 2. Vorsitzender Adolf Fisch, 3. Vorsitzender Ziudolj Taehn, 1. Schristsührer "ugo Kapkc, 2. Schristsührer ugo Albrecht, Beisitzer aul Frassek, Beisitzer Paul Geisler, Beisitzer Johanne» Haß. Beisitzer Adolf Kieser. Beisitzer Hermann«nothe, Beisitzer Gustav Kubne, Beisitzer Andrea» Müller. Beisitzer Franz Nösch. Beisitzer Carl Schmidt, Beisitzer. Ter Borftan» 22Slb der Qrtslrantenkasse der Stein. druder» Lithographen zu Bertin. Mut StuMminn, Borsitzender. I 1 l'nübertrefBich billiger| 1 Verkauf von hohen Herr- I schaft., Kavalieren. Rei- 1 senden abonniert. Herren- 1 moden.sehrwenig getrag., I I erstklass. Verarb. von nur| I ecMen Stoff., teils von Hol- schneidern und hui Seide, j speziell für starke Herren. 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R h« n a n i a, Fabrik chemisch- pharmaeeulischer Produkte. Bonn.* Keine Filialen. Mapk «tohentlM.« T*lliahkm( littar*•lagtat* Heppen' Moden fertig nad nach Mau. | Osrantie für Udsllosi Sitz,| Jonas Kurzberg lOranlenstr. 160'• zwischen Moritz- u. Oranienplatz. I | Bitte auf Hautnummer u. I 1 rote Sohiider zu achten. 1 Münzen«0»» WilhelmstrsB« 48/47. Pfingsten fahren vir alle nach ____ Voigts Krampenburg ÄÄS im Riesensaal, ausgestattet al» nordamerikanische Tropsstewgrotte im Hudsongebiet. Dampfer-Exlrafahrt WUdenbrnchbrücbe. iiiige Dampferfahrten von der SUchaelbrUcke, am Stadtbahnbogen. ___ Am 1. Feiertag: Abs. 7 Uhr früh Promenadensahrt mit Musik nach Strandschlob, mit Rund- sahrt aus dem Müggeliec. Preis hin und zurück 50 Vf.. zurück in Berlin 12 Uhr mittags..Ausserdem 8 u. 2 Uhr nach Krampendurg u. Reue Mühle. Am S. Felertau: Abf. 8 u. 21/, Cafö Rubwald. 8'/, Uhr nach Krampenbu.«» Krampenburg u. Schmöckwitz und Reue Mühle. Einfache Fahrt 59 Pf. 75/3 Arn». Feiertag: Abf. II1/. Uhr nach Reu-Ablbeck u. Reu�helgolarid. 2'/. Uhr nach Freibad Krünau. Krampenburg und Schmöckwitz. Preis hin u. zur. 55 Ps. Kinder zahlen halbe Preise. Reedorel Zachow. Tel.: Kg st. 0965. VT" citito ZC' H.& P. Uder, Berlin S/,u.2Uhrl Nach Krampenburg— Zieqeuhals. Abf. 8 u. 2'/. Uhr I hin Nach BSolterSdorfer Schleuse. Abs. 8 u. 2'/, Ubrj Nach Krampenburg(Motorboot). Abfahrt 19 Uhrj Nach Zernsdorf. Abfahrt 9 Uhr, hin und zurück 1,25 M. Am 3. Feiertag: Nach Krampenburg— Ziegcnhals. Abs.8>j,».L'/dlhr Räch Reue Mühle. Abfahrt 19 Uhr Nach Krampendurg(Motorboot). Abfahrt 11 Uhr Nach Zernsdorf. Abfahrt 9 Uhr, hin und zurück 89 Pf. Von CaM Alson(Schief. Thor) Abs. je Stunde später. Ihm *1. und IfiO und' 69 zurück :üd ! Ab Neukölln I.u.2.zeiertag l 8.u.2Uhr abKaiser-Friedrichbr. l/vzmnonlmvi u. jed. Sonnl./ L'/.u.2-/.UHrabtvildenhrnchbr. nfl� R! äliiptllOlll ij Hin u. zurück 1 M., einlach ftO Pf., Kinder 50 resp. 25 Pf. Bon Caf*»Isen(Schlei Sr.] Die Rücks. der SonntagStour en! c.) Abf. etwa>/, Stunde später. ndet adendS in Cafö Alfen resp. Waisenbr. Achtnug l Am Montag, 8. Juni, beg. die Werktags-Nachm.-FoHrten. $ $ I I s 51 wjÄJÄ fteu erö&netf|| Charlotienbvüqf*| Wilnierödoiferstr 118-119$ Spftfelmarkt Belie-Alliancestr. Gr. Frankfurtersfr. Bninnenstr. Kottbuser Damm A.3andorf&6 Nicht am Spittelmarkt. Die mit it bezeichneten Artikel sind von der Zusendung ausgenommen Billige Lebensmittel Chariottenborg, Wümersdorfer Str. 118-119 BackortiKei B-PM.-Bcntel 00 Pf. 5-Pfd- gm__ Beate! J ,00 allerfeinstes M_ Ä 5-PM-Bentel> b lO Pfand 50,60 Rosinen grosse....... Pfand 45 Korinten........... Pfand 38 Zitronat............. Pfand 75 Handeln pf. pf. pf. pf. süss oder bitter gm ............. Pfund D bO V oder Vanille-_ AM Zucker..... 3 Pakete pf. fertige Kuchenmasse «■•■*••••*.*•••• Paket Pf. Frigga Hefe(Bilm.)......... Pfand 55 Pf. "JfiWHffliner 70,95 pf. ««WH5.S0.05 pf. IlMW-MsisSö.p�kS �f. nwt�so�os Hl. Flasche l iPf. ZitUMSätt�SO�OS 'isMbe I »Pf. 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Geöffnet von t t— l1/, und von 4»/,— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: O fltn: Robert SBengelS, MnrfuSstr. 36. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr.— PeterSburgerpIatz 4(Loden). Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. 4. Wahlkreis, Z ü d o st c n: Paul S ö h m, Lausitzerplatz t4/tS. Geöffnet von 9--2 und von 4—7 Uhr. S. Wahlkreis: Leo Zucht, flmmanuellirchstr. 12(Hos). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(Sloablt): Jalomon Joseph, DilhelmShnvcne: Strasie 48. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. W cddlng; I. Hönisch, Müllerstr. 84» Ecke Utrechter Ztr., Laden Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. Kosenthaler und Oranienbnra-er Torstadt: A. Wolgast, Wattstrahc 9. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6, Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. Schünhnnser Vorstadt: Karl MarZ, Greiscnhagener Ztr. 22. Geöffnet von 3—2 und von 4—7 Uhr. A dlcrshof; Karl S ch w a r z I o j c, BiZmarifstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. �Ut-Gllenleke: Wilhelm Dürre, Köpenicker Ztr. 6. Itnnnisehnlenn ex: H. Hornig. Marienthaler Str. 13, 1. Uernnu, Itüntxentnl. Zepernick. Schönow, Schön- briiek und Buch: Heinrich Brase, Mühlemtr. ö. Laden. Bohnsdorf, W'nlkenberj-r und W'nikenhorst: Paul Gens ch. Bobnsdorj. GenossenschastSHaus.Paradies'.� Ghnrlottenhnrx: Gustav Scharnberg, SesenHeimer Ztr. I. Ge. öffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. Eüehwnide, Schniöckwitx: DSfar Mnhle, BiSmarckftr. 4. Brkner, S>ou-Zittnu: E m t l I iv a n g. Zcharnwcberstr. 10. Fredersdorf. Betersiineen. Beixersdorf: Z. Höselbart h, Peiershagen. Friedenau, Steslit«, SUdende, Gre-B• Lilehterfelde, Lankwitz: H. S c r n i e e, Alsenstr. 5 in Steglitz. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Friedriehshairen, Flehtenna, Rahnsdorf, Schöneiche, Kl.-Schöuebcck: Erint W e r t in a n n, FriedrichShagen, Köpe- nicker Straße 18. Griinan: Franz Klein, Friedrichitr. 10. Johannisthal, Rudow: Mar Gan schür, Parfstr. 6. Rurlshorst: Richard Küler. Rädel,'tr. 9, II. Mönigs- Wuster huusen, Wildau.?kiederlehu>e: Friedrich B n u ni n n n.«adiihositr. 2, Eingang BeeSlomer Ztratze. tziöpcaiek: Emil W i ff l e r. Kietzerstr. 6, Laden. Geöffnet morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. L-Iehteuherg, Friedrlehsfelde. Hohenschönhausen- Otto Seifet, Wartenbergftraffe 1(Laden). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4'/,-7 Uhr. Dahlsdorf, Kanlsdorf, Siesdorl: P. H e ff b e r g, Kaul> dors, Ferdiiiandstraffe 17. fiarlendorf: August Leip, Chausseestr. 29. Ilarieufelde: Emil W«inert, Berliner Str. 114 II. Kenenhugen, Hoppegarten; E. R a ch o w, Wolterstrahe 31. Hicuköllu: M. H e i n r rch, Neckarslr. 2, im Laden. Geöffnet von 3-�1 und von 4—7 Uhr; Neufölln. Britz: Rohr, Siegsriedstraffe 28-23- Geöffnet von 7— 1 und von 4—7 Uhr. Nlcdcr-Sehöneweldc: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10, IL Xowawes; Wilhelm I a p v e, Lutherstr. 2. Qber-Sehvne weide: Alsred Lader, Wilhelminenhosstr. 17, Lad««- Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, hiedersehönhuuseu, Nordend, rr*..Bnch- holz, Blankenburg: Riffmann, Mühlenstr. 30. Geöffnc- von ti- t>/, und von 4'/,— 7 Uhr. Reinickendorf» Gst, Wilhclmsrnh und Schönhol*'- P. ffi u t( ch, Provinzitr. 56, Lade». Geöffnet v. U— 1'/, u. 4'/,— 7 Uhr. Rannnclsbnrg;. Boxhneen, Stralau: A. N o i e n t r a n z, RH' «orhagen 56. Geöffnet von U— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Schenkendort b. Königs Auslerhausen: Ehr. H a n t s ch l e, Dorjstr. 13 ;: Wilhelm B ä u in t e r, Martin Lutherstr. 69, im Lad«"- Schönehcrzr:_________ Geöffnet von 9— iTunb voii 4—7 Uhr. Spandan, Konncndamm, Staaken, Seegefeld u"' Faikenhagen: Koppen, Lreitestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. �Sct, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnstr Jlcrnisdorf, Hohen- Xenepdorf, Birkenwerder» Freie Scholle u. Keinickendorf- West: Paul Kiena»> Borsigwalde. Räuschstraffe 10. Geöffnet von 11—1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr- Geltow-: Wilhelm B o n o w, Teltoiv, Berliner Str. 16. Tenipeihof: Joh. Krohn, Borusfiastr. 62. Treptow: Rod. Grameuz, Kieshalzstraffe 412, Laden. Geöffnet»»i» 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. W elUcnsee, Heinersdorf: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, part- fteoffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. W ilniersdorf, Haleusee, Schmargendorf: Paul Schubert. WitvelmSaue 27. Zeuthen, Riersdorf: Ernst H st t t i g, Zeuthen, MierSdorser Str. tt Bl bc bc ni 05 Se hi «ämtliche Parteiliteratur sowie alle wiffenschastlicheu Werfe werden gelieieri Sonntags sind die Ausgabeftellen geschloffen. b, Ml P n io bc h Cenlral-Haus Jägerstr. 13 I. \ on Kavalieren wenig, JackettanzUge, RockanzUg- 18, 20, 25_ bis 86 M., Prima. Ferner Gelegenheitskaufe w sowie in Versatz gewesen« e, Paletots u. Ulster, 12, t?» ,,ePS!p ,'n®S«e«ierol>e enorm billig. und Bamen-Hantel, auf Seide, enorm billig Riesenposten Kostöm® —-----,________,------ billig. Extrnangcbot m Lombard gewesener Brillanten, Uhren und Goldwaren M enorm billigen Preisen. -c kö toi Conc. Ueihhaqs .. Vorwttrts"- l.eser erhalten IO Proz. extra. to to Verantwortlicher Redalteur: Slfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. EiockVL-rlinT' Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. VerlagSanMt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW. pr as. 5i. 2. Ktilsge des Lsrlllörts" Kerliller WlksblM. s°°°".5o.U.iM4. (xplosion im Spanöauer Zeuenverks- laboratorium. Durch eine heftige Detonation wurden gestern morgen gegen 'Vi Uhr die Einwohner von Spandau in Aufregung verfetzt. Die Erschütterung war so stark, dost zahlreiche Fensterscheiben in Trümmer gingen und in einzelnen Wohnungen kleine Gegenstände von Regalen heruntergeschleudert wurden. Die Ursache des donnerähnlichen Knalles war eine Erplosion im königlichen Feuerwerkslaboratium der Heeresverwaltung auf dem Eiswerder, in dem alle möglichen Spreng- iörper hergestellt werden. Der Erplosionsherd lag in einem Gewerk, ln dem in der Hauptsache Raketen und sogenannte Leuchtsterne an- gefertigt werden. Einem Arbeiter explodierte ein solcher Zeucht- srern und ncl in weitem Bogen in einen Haufen fertiger Raketen. Im nächsten Augenblick erfolgte unter gewaltigem Getöse eine �Zplosion des ganzen Raketenlagers. Durch den Luftdruck wurde das Dach des einstöckigen Gebäudes durchschlagen und in die Höhe geschleudert, und gleichzeitig entstand in dem etwa 30 Meter langen "nb 20 Meter breiten Raum Feuer. Die anwesenden Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen; mehrere von ihnen erlitten aber auf der Flucht Schnittwunden durch herum- sliegende Glassplitter. Die Fabrikfeuerwehr war schnell zur Stelle und bekämpfte den Brand mit mehreren Schlauchleitungen. In ver- hältnisniätzig kurzer Zeit war das Feuer gelöscht. Wie sich zeigte, hatte die Explosion an den Maschinen und Materialien grasten Schaden angerichtet. Auch einige Nebengebäude sind in Mitleiden- 'chost gezogen. Die verletzten Arbeiter wurden von der Samariter- kolonne verbunden. In dem Feuerwerkslaboratorium sind zurzeit Uber viertausend Arbeiter beschäftigt. Parteiangelegenheiten. Zur Lokalliste. Aus wiederholte Anfragen teilen wir mit, dast Schlost Sckmnbolz U'hst Festwiese für die organisierte Arbcilerschaft nach wie vor gesperrt ist. Folgende Lokale stehen nnS zu allen Veranstaltungen zur Ber- mgung: „ In Wcistensce das Lokal„Münchner Krug"(Jnh. G. Jungmaun), "iennbahnstr. 4. y. In Halcnscc(T.-B.) das Lokal„Kaiser-Wilhelm-Garten"(Jnh. F- Falkas!. In Rauchfangwcrdcr hat das Lokal„Zur Linde" den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber Eugen Ehrich stellt dasselbe eben- MZ�zur Verfügung. In Frankfurt a. D. ist das Lokal„Der Kaisersaal" frei. In HermSdorf(dl.- S.) ist das Lokal„Waldquelle"(Jnh. % Böttcher), Waldsecstraste, Ecke Berliner Straste 28, frei.— Das e�chützenhauS" in Hermsdorf(Jnh. Otto Haase) ist von der Lokal- AU streichen und als gesperrt zu betrachten. ... Berichtigung. In E i ch w a l d c sind die Angaben in der Lokal- Me dahin zu ändern: Wittes„Waldichlöstchen", Kaiscr-Friedrich- Graste 1, und Hotel und Restaurant„Sanssouci"(Jnh. Würfel). Die L o k a I k o m m i s s i o n. ft Wahlkreis: Zwei Frühkonzerte am Sonntag, den 31. Mai ■. wngslfeierlag) per Ludwig, Treptow,' �nter� Mitwirkung des (annerchorS„Anacreon". Am Montag, den 1. Juni(2. Pstngst- "nertag) im Elablistement der Brauerei Friedrichshain, unter Mit- irkung des Gesangvereins.Männerchor Nordost-Lyrania". die x�ukülln. Die Bibliothek des WahlvereinS ist vom 30. Mai 3 o. Juni geschlossen. Oeriiner Nachrichten. schlechtes Pfingstwetter. Tie ergiebigen N i c d e r s ch l ä g e in der Woche vor stfingstcn. die der Landwirtschaft so erwünscht waren, haben scr Geschäftswelt teilweise argen Schaden zugefügt. Pfingsten st für viele Leute der Haupttcrinin zur Ergänzung der � o in m e r g a r d e r o b e. Tie Aussicht auf schönes Feiertags- steter und lohnende Ausflüge veranlasit das Publikum zu mancherlei Neuanschaffungen. Tie kühle Temperatur, ,£ im Zusammenhang mit den reichlichen Rcgensällen der Wen Tage einsetzte, bot die Hoffnungen auf angenehmes MngsNvcttcr und infolgedessen auch die Wanderlust stark '�abgemindert. Sollte in letzter Stunde noch eine Wendung »u», Bessern eintreten, so können hiervon die Geschäfte keinen Lotzen Vorteil.mehr haben. Für chen Strohhutvcrkauf, den vandel mit Soinmcrblusen, hellen Schuhwaren, Sportartikeln Ich- ist ein Ausfall entstanden, der sich nach dem Pfingstfest chcht mehr einholen läßt. Nach dem Fest will das Pu- . stkum alles billiger kaufen. Tic Strohhüte müssen Jch"n wohl oder übel im Preise etwas herabgesetzt werden, ch'm sie überhaupt noch Käufer finden sollen. Aehnlich ist bei verschiedenen anderen Saisonartikeln. Wesentlich ver- Vchchtcrt haben sich auch die Aussichten der von den größeren Städten etwas abgelegenen Ausflugsorte, so vor allem •�jenigcri Teile des deutschen Mittelgebirges, die von Berlin, J"vzig, Magdeburg, Dresden, Frankfurt a. M. aus häusig -0n Psingstausflüglern-aufgesuckst werden. Angesichts der kühlen Witterung entschließen sid) nur wenige besonders Wanderlustige zu zwei- odcrdrcitägigcn Touren. Mehrzahl wird sich abwartend verhalten und bei Eintritt Dünstigeren Wetters sich auf" Tagestouren beschränken. Hier- können unter Umständen die in der näheren Umgebung Großstädte gelegenen Ausflugsorte Vorteil haben. Eine oortdaucr des naßkalten Wetters kann aber auch ihnen das Äst noch verderben. Mit Rücksicht auf die iiiigcheuren Maren von Arbeitern und Angestellten, die sich schon seit ?�che>r darauf freuen ein paar Tage mit Weib und Kind ?!Uaiispilgern zu können in die prächtige Frühlingsnatur, ist Ungunst der Witterung außerordentlich zu bedauern. »,'Nen ist es ja fast nur zu Pfingsten möglich, ausgedehntere �?rticn zu unternehmen.-Für das E r h o l u n g s b e d ü r f. t der Großftadtbevölkcrung ist natürlich ein kurzes Ausspannen überhaupt nicht ausreichend. Es wäre ,�halb zu wünschen, daß sich auch in Teutschland jene Rege- «Hg der Arbeitszeit, die der englische Arbeiter als„reeellencl" �Zeichnet, d. h. der Schluß der Arbeitsstätten am 5°Nnobendmittag. immer niehr einbürgert. Hierdurch «nnten Arbeiter und Angestellte in die Lage versetzt n�ocn, schon am Sonnabend die engen Mauern der Lobstädt zu verlassen und den Sonntag ganz draußen derbringen. Hiervon würde aucl) die Geschäftswelt "Michen Vorteil haben. Es könnten auch etwas ent- I lcgcncre Ausflugsorte regelmäßig aufgesucht werden. Diese | wären dann nicht mehr so sehr von dem Feiertagsgeschäft und �"en Launen der Witterung an den Pfingsttagcn abhängig. i Ferner würde sich der Verkauf von Wander- und Sportartikeln aller Art nicht mehr auf die Pfingstwoche konzentrieren, son- dcrn über das ganze Sommerhalbjahr verteilen. Wenn der Frühschluß am Sonnabend auch im Winter eingeführt würde, könnten überdies die breiten Volksschichten auch die Reize und Vorteile von Wanderungen und Sport in der Winterland- schaft zugänglich gemacht werden. Jedenfalls ist der jetzige Zustand wenig erfreulich. Regnet es zufällig an den Pfingst- feicrtagcn, so sind breite Schichten unserer arbeitenden Be- völkerung für dieses Jahr um ihre schönste Erholungspause gekommen._ Tic juristische Sprechstunde fällt heute aus. Das Cafehausprojckt am Pariser Platz beschäftigte gestern das Obervcrwaltungsgericht, das auf Abweisung der Klage erkannte. Es sei, so heißt es in der Begründung, richtig, daß nach§ 4 des Gesetzes von 1907 durch Ortsstatute nur Maß- nahmen bekämpft werden dürfen, die störend auf das Auge wirken. Nach seiner Entstehungsgeschichte, dem Zusamnien- hange seiner Bestimmungen sei dies aber auch nur der Zweck des 8 5 des neuen, nach der Judikatur hier anwendbaren Ortsstatuts von 1913. Es sei anzunehmen, daß§ 5 nicht Restaurants, Hotels usw. usw. von den betreffenden Stellen verbannen wolle, weil es derartige Betriebe seien. Viel- mehr wolle er von dort nur Baulichkeiten fernhalten, die sich durch die Art ihrer äußeren Erscheinung kennzeichnen als zu solchen Betricbszwecken(Hotels, Restaurationen, Krankenhäuser, Fabriken usw. usw.) dienend. Das betreffe das Auge und sei zulässig. Somit sei der§ 5 des Berliner Ortsstatuts von 1913 gültig. Zweifellos gehöre in allererster Linie der Pariser Platz zu den Plätzen, die gemäß K 4 des Gesetzes in dieser Weise ortsstatutarisch geschützt werden können. Treffe aber dies alles zu, dann sei die Genehmigung zu dem Projekt des Klägers ohne weiteres zu versagen, denn es kennzeichne sich zweifellos nach seinem A c u ß c r e n als nicht zu Wohnzwecken, sondern zu Restaurationszweckeu b c st i m m t. Der Gerichtshof erklärte im Anschluß an diese Sache ein ganz gleichartiges Ortsstatut der Stadt Schöneberg bei Berlin aus denselben Gründen für gültig und aus die Frciherr-vom-Stein- Straße am Schöne- b e r gej Stadtpark für anwendbar. Es erkannte in dieser Sache dahin, daß der Eafetier Weiß die für ein Garten- casö in der genannten Straße am Stadtpark bestimmten Baulichkeiten nicht errichten darf. Autoomnibus-Frühverkehr an den Pfingstfeiertagen. Um den Verkehr zum Anhalter, Potsdamer und Stcttiner Bahnhof an den Pfingstfeiertagen zu erleichtern, werden die Autoomnibufse der Hochbahngesellschaft auf der Linie Hermann- platz— Ttettiner Bahnhof an beiden Feiertagen früher als sonst verkehren. Ter erste Wagen im Frühverkehr verläßt den Hcrmannplatz um 405 Uhr. trifft 420 Uhr am Anhalter Bahnhof und 4� Uhr am Stettiner Bahnhof ein, so daß die Anschlüsse zu den ersten Zügen bequem erreicht werden können. Die Wagen folgen sich alle 10 Minuten. Eine Mietcrkundgcbung gegen den Leiter des Berliner Wohnungsamtes. Die Generalversammlung de? Vereins Berliner Wohnungs- mieter(Geschäftsstelle Teltower Straße 16) hat zu den jüngst in einer Tageszeitung veröffentlichten Aeußerungen des Direktors des Berliner städtischen Wohnungsamtes, Herrn Dr. W. Laporte, Stellung genommen. Dr. Laporte hat u. u. es als eine Unmöglichkeit bezeichnet, ohne Schädigung des Kapital- Marktes die gemeinnützigen Bauvereine femer durch öffentliche Gelder in der bisher üblichen Weise, zu unterstützen. Er hat sich über die Mietkaserne so geäußert, daß anzunehmen ist, er habe die schweren Nachteile dieser Wohnweise in ihrer ganzen Schwere nicht erkannt. Die größte Verstimmung hat jedoch die Tatsache hervorgerufen, daß Dr. Laporte den Plan unterstützt, den Arbeitern vom Wochenlohn nicht mir einen Betrag zur Deckung der Miete, sondern auch noch eine Kaution für einwandfreie Ab- lieferung der Wohnung regelmäßig zwangsweise durch den Arbeit- geber abziehen zu lassen. Die Generalversammlung nahm die Resolution an, in der sie erklärt, daß sie in den vorstehend angeführten Tatsachen eine Ver- kennung der natürlichen Aufgaben des städtischen Wohnungsamtes sieht, zumal sie bei de» HauSbesitzervercst.en Frohlocken hervor- gerufen haben. Sie hofft aber, daß das Wohnungsamt den Mietern das werde, was insbesondere die Begründung zum preußischen WohnungSgesetzentwurie von 1Sl3 verheißt, nämlich ein Amt zum Schutze und zur Verfechtung der Mieterinteresscn. Eine Familientragödie. Eine erschütternde Zamilicntragödie spielte sich gestern abend in der Rothersrraße ab. Tort wohnte in dem Hause Nr. 29 im dritten Stock des Qucrgcbäudes in Stube und Küche der Lackierer Karl G u h I mit seiner 34 Jahre alten Ehefrau Berta und einem vier Jahre alten Sohn Kurt. Das Familienleben Ivar soweit glücklich, nur war die Frau sehr nervcnleidend und bekam häufig Anfälle von Schwermut. Am 1. Januar d. I. hatte sich Guhl am Hallcschen User eine eigene Lackicrcrei-�cingcrichtct, die auch gut geht. Seine Frau bildete sich nun ein, diiß das Geschäft ihr Unter- gang sei und ging, obwohl ihr Mann sie bat, es nicht zu tun, noch außer dem Hause arbeiten. Die Lackiererci warf sogar soviel ab, daß der Mann schon Ersparnisse machen konnte, trotzdem glaubte die Frau von Zeit zu Zeit, daß sie Not leiden müßten. Vorgestern nun hatte der Mann Geburtstag, den die Familie im engsten Kreise feierte. Tie Frau hatte ihrem Manne neben Blumen noch andere Geschenke gemacht und dieser seinem Jungen einen neuen Anzug gekanft, damit er ihn Pfingsten trage. Ter Abend und die Feier verlief sehr schön und auch am anderen Morgen, als der Mann zur gewohnten Zeit nach seinem Geschäft ging, zeigte die Frau keine Spuren von einem besonderen Anfalle ihres Leidens. Um so überraschter war der Mann, als er gestern abend gegen 8 Uhr nach Gcschäftsschluß nach Hause kam und aus der ver- schlossenen Wohnung einen Gasgeruch wahrnahm. Nichts Gutes ahnend, erbrach er die Tür und jetzt fand er zu seinem Entsetzen Frau und Kind tot auf. Tie Kranke hatte in geistiger Verwirrung den Hahn' des Kronleuchters geöffnet und so sich und ihr Kind vergiftet. Aus einem Zettel, der auf dem Tische lag, hatte sie nur geschrieben, daß ihr Mann dem Knaben den Anzug, den er Pfingsten trage solle, mit ins Grab geben möchte. Nach Aufnahme des Tat- bestandes beschlagnahmte die benachrichtigte Polizei, beide Leichen und ließ sie nach dem Schauhausc bringen. Guhl selbst ist durch die schreckliche Tat seiner Frau ganz kopslos geworden. Vom Schlacht- und Viehhof. Aus dem Rathause wird geschrieben: Der Hausierhandel mit Trink- und Eßwaren aus dem städtischen Vieh- und Schlachthof ist seit längerem Gegenstand der Erörterung in seiner Verwaltung. Bekanntlich befindet sich auf dem Vieh- und Schlacht- Hof ein größeres Restaurant mit Unterwirtschaften und Kantinen, die verpflichtet sind, bestimmte Getränke und Speisen zu einem mäßigen kontraktlich festgelegten Preise abzugeben. Nichtsdestoweniger hatte die Verwaltung bisher umwohnenden Restaurateuren gestattet, auf vorherige Bestellung für bestimmte Personen Speise und Getränke in den Vieh- und Schlachthof einzubringen. Diese Erlaubnis wurde aber mir der Zeit auf das gröblichste mißbraucht. Unter dem Vorgeben, daß Bestellungen vorlägen, wurde insbesondere auch mit Getränken, mir Bier und Schnaps in Flaschen, ein schwunghafter Hausierhandel von Restaurationsangestellten betrieben. Da sowohl der Ver- waltung wie der Polizei eine Kontrolle auf diesem Gebiete un- möglich war, so beschloß das Kuratorium vor einiger Zeit, dem Personal fremder Gastwirtschaften grundsätzlich den Zutritt zum Vieh- und Schlachthof zu verbieten, wobei es den da- selbst Beschäftigten selbstverständlich unbenommen blieb, sich durch eigene Boten nach wie vor aus den umliegenden Restaurants Speisen und Genußmittel zu besorgen. Auf Grund von Be- sprechungen, welche neuerdings zwischen der Verwaltung und Ver- tretern der Schlächtcrgesellen stattgefunden haben, beschloß das Ku- ratorium gestern, in letztgedachter Beziehung einige weitere Erleichterungen eintreten zu lasten. Dabei haben übrigens die Gesellenvertreter selbst anerkannt, daß in dem Handel mit Speisen und Getränken sich grobe Mißbräuche herausgebildet hatten, und bereitwilligst zugesagt, die Verwaltung in dem Kampfe dagegen zu unterstützen. Fcucr in der Wiirthcr Straße. Ein größerer Dachstuhlbrand kam gestern mittag in der Wörlher Straße 31, unweit des Wörthcr Platzes, zum Ausbruch. Als die Feuerwehr mit den Löschzügen 17 und 19 eintraf, halte das Feuer Ichon die Dachstühle des Vorder- Hauses und Seitenflügels in erheblichem Umfange ergriffen. Der Brandmeister ließ sofort mit drei Schlauchleitungen Wasser geben und schickte die Rohrsührer über zwei mechaniscbe Leitern und über die Treppen gegen den Brandherd vor. Die Löscharbeiten wurden aber anfangs durch eine starke Rauchentwicklung sehr erschwert. Erst nach einstündiger Tätigkeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Die vollständige Ablöschung mit den Aufräumungsarbeiten zog sich bis in die späten Nachmittagsstnnden hin. Die beiden Dachstühle sind teilweise vollständig zerstört worden. Ueber die Ursache des Feuer» ist nichts ermittelt. Kleine Nachrichten. Auf einen Kindesmord läßt ein Fund schließe», der gestern vormittag gegen 3 Uhr auf dem Tcmpelhofer Felde gemacht wurde. Dort fand man in der Nähe der Lichtenrader Straße die Leiche eine» neugeborenen Knaben, die in eine Nummer der„Morgenposl" und einen weißgraukarierten Lappen von Bett- zeug eingewickelt war. Zur Feststellung der Todesursache ließ die Polizei die kleine Leiche nach dem Schauhause bringe». Wer die Mutter und wie das Kind dorthin gekommen ist, ließ sich bisher noch nicht feststellen.— Ein ostenbar ausgesetztes Kind wurde vor einigen Tagen von Char» lottenburger Polizeibeamten am Kaiserdamm aufgefunden und vor« läufig im städtischen Bürgerhause in der Sophie-Charlotte-Straße untergebracht. Das Kind, ein vierjähriges Mädcken, das offenbar schon seit Tagen umherirrte, war vollständig entkräftet. Ueber seinen Namen sowie seine Eltern konnte die Kleine keine Angaben machen. Da die sofort aufgenommenen Recherchen der Behörden bisher nicht zur Emntteluug der Eltern führten und diese sich auch nicht gemeldet haben, muß mau offenbar annehmen, daß da» unglückliche Kind aus- gesetzt worden ist. Gesperrt. Das Polizeipräsidium teilt mit: Die Mühlenstraße in der Fahrtrichtung Bromnybrücke- Fruchtstraße ist ivegen Pflaster- arbeiten vom 4. Juni d. I. ab bis auf weitere» für Fuhrwerke und Retter gesperrt worden.___ Vorortnachrichten. Recht öer presse im Neuköllner Staütparlament. Im Mittelpunkt der Verhandlungen der Neuköllner Stadt- verordnetenvcrsammlung am Donnerstag, den 28. Mai, stand da« gemaßregclte Recht der Presse durch den Magistrat und die Forderung der Arbeiter auf Anerkennung und Durch- führung der abgeschlossenen Tarifverträge durch die Gemeinde bei Vergebung städtischer Arbeiten. Zu der Sitzung am 30. April er. hatte die sozialdemokratische Stadrverordnctenfraktion folgenden Antrag eingebracht: „Angesichts der von berufener Seite gegen den neuen Bc« bauung-bplan de» nach Treptow zu belegenen Geländes geltend gemachten Bedenkens, und angesichts der überaus großen Wichtig- kcit der ganzen Angelegenheit, ersucht die Stadtverordneten- Versammlung den Magistrat, in eine erneute Prüfung der An- gelcgenheit einzutreten und im Sinne des Beuster-Bestschen Pro- jelts baldmöglichst der Stadtverordnetenversammlung eine neue Vorlage Über einen neuen Bebauungsplan dieses Geländes zu machen." Dieser Antrag stand auf der Tagesordnung der ö s f e n t l i ch c n Sitzung. In den vom Magistrat der Presse zugestellten Vorlagen war dieser Antrag herausgeschnitten! Diese Vorgänge veranlaßten Stadtv. Dr. Silber stein(Soz.) zu der Anfrage an den Magistrat, welche Gründe diesen zu seinem Vorgehen veranlaßt haben. Von den Vertretern der bürgerlichen Presse sei ihm die Zustellung der verstümmelten Vorlage gemacht worden. Bürgermeister Dr. W c i n r e> ch bcantwortetc die Anfrage dahin, daß es sich der Magistrat vorbehalten müsse, der Presse nur die Vorlagen zuzustellen, welche der Sache Neuköllns dienlich seien. Nach diesem Gesichtspunkt habe der Magistrat auch in dem vor- liegenden Falle gehandelt. Gegen diese Darstellung des Falles durch den Magistrats- Vertreter wendete sich Stadtv. Dr. Silberstein. Er müsse dem Magistrat das Recht bestreiten, eigenmächtig Vorlagen über solche Verhandlungsgegenstände, die auf der TageSordmmg der ö f f e n l- lichen Sitzung stehen, der Presse vorzuenthalten. Durch diese unberechtigte Maßnahme des Magistrats werde das Recht der Presse erwürgt. Seine Fraltiou müsse es sich vorbehalten, im Wieder« holungsfalle solche Maßnahmen zu treffen, die ihr ini Interesse des Ansehens der Presse angezeigt erscheinen. Keinesfalls aber sei seine Fraktion gewillt, diese Mißachtung des Rechtes der Presse in der Zukunft ruhig über sich ergehen zu lassen. Sollte der Magistrat wiederum versuchen, das Recht der Presse zu beschneiden und die Vorlagen, die auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung stehen, in die geheime zu bugsieren, dann würde gegenüber diesem hinter- häliigen Vorgehen auch ein Weg in die Ocffentlichkeit gefunden werden. Lau und matt spann Justizrat Jakobsohn(Komm.-Forffchr.) juristische Zwirnsfäden über das eventuelle Vorgehen der sozialdemo- kralischen Fraktion. Und Justizrat Abraham(A. B.) vertrat mit erheblich weniger Geschick, als man e» sonst bei ihm gewöhnt ist, die Meinung, daß der Magistrat von der Stadtverordneleiiversamm» lung keinen Auftrag hatte, der Presse überhaupt die Borlagen der I Stadtverordnetenversammlung zuzustellen. Deshalb hätte auch diese kein Recht, den Magistrat für sei» Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen. Die Verhandlungen zeigten mit aller Deutlichkeit, wie wenig Sinn das Bürgertum für das Ansehen und Recht der Presse und den Wert und das Anrecht der Bevölkerung auf Oeffenilichkeit der Ver« Handlungen hat. Vor etwa Jahresfrist hatte die sozialdemokratische Fraktion be« antragt, nur an solche Unternehmer städtische Arbeiten zu vergeben, welche die bestehenden Tarifverträge anerkennen und innehalten. Der Antrag wurde einer Kommission über- wiesen, die sich eines guten Schlafes erfreute. Durch einen kräftigen Ruck unserer Fraktionsvertreter wurden sie erst aus diesem auf- gescheucht. Jetzt endlich konnte das Produkt ihrer Tätigkeit das Licht der Welt erblicken. Die Kommission bezw. die bürgerliche Mehrheit unterbreitete dem Plenum eine Resolution, die der Stadtverordnete W a g e n e r.sAlt.-Bürgerl.) verlas und begründete, und deren Sinn wohl die wenigsten Stadtverordneten zu ergründen vermochten. Dieser umfangreiche Beschlus; der Kommission lag der Versammlung nicht einmal gedruckt oder in anderer Form vervielfältigt vor. Sie hat— nach Ausmerzung aller Unebenheiten— folgenden Wortlaut: .Der Zuschlag für die Ausführung von Bauten, Arbeiten oder Lieferungen wird nur an solche Unternehmer erteilt, welche die bestehenden allgemeinen Tarifverträge innehalten. Eine Arbeitsniederlegung oder Aussperrung der Arbeitnehmer in einem für die Erfüllung des Vertrages unmittelbar oder mittelbar erforderlichen Betriebe bewirkt die Verlängerung aller Fristen oder die Hinausschiebung aller Termine um die Dauer der Arbeitsniederlegung oder Aussperrung. Sie tritt jedoch nur «in, soweit es sich um allgemeine Mastnahmen von Verbänden handelt, und tritt nicht ein. wenn ein Unternehmer einseitig für sich allein selbständige Aussperrungen seiner Arbeiter vornimmt oder wenn für seinen Betrieb ollein wegen Lohndifferenzen oder dergleichen ein Niederlegen der Arbeiten seitens der Arbeitnehmer eintritt. Ob im Falle der Arbeitsniederlegung der Arbeitnehmer in einem Einzelbetrieb als Ausnahnie von dieser Regel die Ver- günstigung der Streikklausel zu teil werden soll, hängt davon ab. dast der Unternehmer die tariflichen Verpflichtungen erfüllt hat und dies von der zuständigen Deputation anerkannt wird." Gegen den zweiten Teil der Resolution wandte sich Stadtver- ordneter K l o t h sSoz.j. In eingehenden Darlegungen suchte er zu beweisen, dast die vorgeschlagene Streik- und Au ssperrungs- klausel nichts anderes sei, als eine einseitige Begünstigung der Unternehmer. Wenn demgegenüber etwa geltend gemacht werden sollte, dost dir Vergebung der Arbeiten an taristreue Unternehmer eine Begünstigung der Arbeiter sei, so müsse er diese Meinung als Irrtum zurückweisen. Aus seinem reichen Material konnte er zeigen, dast selbst nach Meinung scharfmacherischer Unternehmer„Leute, die den Toris nicht anerkennen, nur im Trüben fischen wollen". Wenn die vorgeschlagene Streik- und Aussperrungsklausel angenommen werde, so sei das ein Schaden für die Gemeinde. Auch diese Auf- fassung konnte der Redner wirkungsvoll an verschiedenen Beispielen demonstrieren. Besonders biete die Aussperrung der Maler ein treffendes Exempel. Die Gehilfen hatten sich dem Schiedsspruch des von beiden Parteien eingesetzten Schiedsgerichts gefügt, die Unter- nehmer nicht. Sie sperrten aus. Diese Dinge bieten eine treffliche Unterlage für die Bewertung und Beurteilung der vor- geschlagenen Klausel, die überaus verderblich für die Gemeinde- interessen sei. Seine interessanten und überzeugenden Ausführungen schlost der Redner mit der Forderung: Wenn Gerechtigkeit walten soll, dann must aus dem Antrage die Streik- und Aussperrungs- klausel heraus! Er predigte tauben Ohren. Der Klasseninstinkt und die kapitalistischen Machtgelüfte waren stärker als der problematische Drang nach Gerechtigkeit. Der Typ des jedem sozialen Fortschritt unzugängigen Klein- bürgertums, Stadtverordneter Deter(Alt Bürgerl.), klagte, dast alle die im Handwerk tätig seien müstten, wie wenig Rechte heute dem Meister geblieben seien. Unter dem Gelächter der sozialdemokra- Iratischen Fraktion.bewies" er sein« Ansicht damit, dast den Buch- druckern von der Meisterschaft der von den Gehilfen geforderte Tarif bewilligt wurde, si» aber trotzdem weiter streikten! Er konnte leider nicht angeben, wo und wann das der Fall war. Vergebens versuchte noch der Stadtverordnete Heitmann sSoz.) eineii Appell an die Vertreter der bürgerlichen Mehrheit im Sinne der von der sozialdemokratischen Fraktion vertretenen Auf- fassung zu richten. Die Geldsackinteressen siegten. Der erste Teil der Resolution wurde einstimmig angenommen z die Streikklausel mit 33 gegen 2ö Stimmen. Nachdem durdi den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsieher Genossen Scholz Stadtv. S ch u ch, der durch das Urteil des OberverwaltungSgerichtS sein Mandat in der zweiten Abteilung angenommen und das in der dritten Abteilung niedergelegt hat, in launiger Einführungsrede ver- pflichtet wurde, entspann sich abermals eine Mittelstandsdebatte. Für die Anstellung eines Buchbinders in der städtischen Volks- bibliothek waren im Etat die notwendigen Mittel eingestellt. Für die Einrichtung der Werkstatt und Werkzeuge forderte der Magistrat die Bewilligung von 303,27 M. Hiergegen hat der Bund der Handwerker eine Petition eingereicht, die vom Stadtv. Seltmann <Ält«Bürgerl.) befürwortet wurde. Er ersucht im Interesse des Handwerks um Ablehnung der geforderten Summe. Nachdem Bürgermeister W e i n r e i ch darauf aufmerksam machte, dast die Stadtverordnetenversammlung sich nicht mit sich selbst in Widerspruch setzen kann, wurde die Vorlage fast einstimmig angenommen. Die Einrichtung eines Stadtschuldbuches mit dem Erlast einer Schuldbuchordnung wurde debattelos angenommen, dergleichen eine Reihe kleinerer Vorlogen. Gegen die Stimmen der Sozial- demokraten wurde dem Berliner Verein für Luftschiff- fahrt und anderen Vereinen für den in diesem Jahre geplanten SchnelligkeitS-Wettbewerb 1000 M. zur Verfügung gestellt. Ebenso wurden dem Berliner Krippenverein als Entschädigung für die von ihm vorgenonunene bauliche Herrichtung der Räume Kannerstr. 12/10 ein Pauschalbetrag von 25V0 M. bewilligt. Friedenau. Die Verkürzung der Arbeitszeit der Gemeindeardeitcr von zehn auf neun Stunden wurde in der vorletzten Sitzung der Gemeinde- Vertretung beschlossen. Gelegentlich der Anstellung des Arztes an der Fürsorgestelle für Tuberkuloie entspann sich zwischen dem Gemeinde- vorstand und der Gemeindevertretung ein Konflikt darüber, ob die Gemeindevertretung das Recht habe, entgegen der Auffassung des Gemeindevorstehers Beamte anzustellen. Der Gemeindevorsteher be- stritt dieses und es kam zur Beschwerde. Wie nun in der letzten Sitzung Bürgermeistee Walger mitteilte, haben Kreis- und Bezirks- auöfchust dahin entschieden, dast die Anstellung von Gemeinde- deamtcn das alleinige Recht des Geineindevorslehers sei. Auf An- trag des Gemeindeverordneten Ott wurde beschlossen, diesen Entscheid anzufechten und das Versahren ev. bis zur höchsten Instanz fortzusetzen. Ein Antrag des Gemeindevorstandes verlangt die Anlage einer Urnen- balle auf dem hiesigen Gemeindefriedhof. Gemeindebaurat Altmann führte u. a. aus, dast etwa 1400 Nischen für Urnen vorgesehen seien. Entgegen den Verhältnissen in Berlin, wo für eine Nische 100 bis 300 M. gefordert würden, sei in der Vorlage der Preis au?«5 bis 70 M. festgesetzt. Die Anlage würde alles in allem etwa 100 000 M. kosten. Nach lebhafter Aussprache, in der Genosse Richter warm für die Vorlage eintrat, wurde dieselbe in namentlicher Abstimmung mit 14 gegen 6 Stimmen angenommen. Die Verhandlungen betreffend Ernchtung eines kommunalen Arbeitsnachweises beschäftigen die Gemeindevertretung schon seit länger als Jahresfrist. Von der Stadt Schöneberg war der Gemeinde das Anerbieten gemacht worden, die kommunale ArbeitSvenniltlung durch den Schöneberger städtischen Arbeitsnachweis vornehmen zu lassen. ES sollte zu dem Zweck in Friedenau eine Filialstelle errichtet und der Gemeinde Friedenau im Kuratorium deS Schöneberger Nachweises eine Bcr- lretung eingeräumt werden. Bei unseren Spietzern besteht nun gegen Schöneberg weil dasselbe in b-zug auf Sozialpolitik einigermasten dem Zuge der Zeit folgt— eine starke Abneigung, die auch bei dieser Gelegen- heit wieder in Erscheinung trat und die Verhandlungen scheitern liest. Der Gemeindevorstand schlägt nun vor, mit dem Verband märkischer Arbeitsnachweise einen Vertrag abzuschliesten, wonach es sich die Ge- meinde vorbehält, den von diesem Verband am Orte für Vermittlung von weiblichem Personal errichteten Nachweis später in eigene Regie zu übernehmen. Dem wurde zugestimmt. Von Schöncberg war an- geregt worden, bei den höheren Schulen die Michaelisklassen ein- zuziehen. Auf Antrag des Gemeindevorstandcs wurde beschlossen, dem nachzukommen, sobald die anderen Berliner Gemeinden in dem Sinne entschieden haben. Lichterfelve. Die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins nahm zunächst ein Referat des Genoffen Freund-Neukölln über die moderne Feuer- bestattung entgegen. Als Delegierte zur Kreis-Generalversammlung am 7. Juni wurden die Genossen Julian Borchardt, Karl TintS und die Genossin Frau Osburg, zur Vcrbands-Generalversammlung am 14. Juni die Genoffen Balkow und Julian Borchardt gewählt. Als Bezirksführer für den 6. Bezirk fungiert Genosse Mattusch. Aufgenommen werden sechs Mitglieder. Lankwitz. Die zum Mittwoch nach GiegelS Lokal einberufene Versammlung muhte wegen mangelnden Besuchs und der sich hieraus ergebenden Interesselosigkeit der Genossen auf Mittwoch, den 10. Juni, vertagt werden. Das Lokal sowie die Tagesordnung bleiben, wie bekannt- gegeben. Da die hiesige organisierte Arbeiterschaft vor dringenden Aufgaben steht und ferner in der Versammlung eine wichtige Tages- ordnung zur Erledigung steht, ist eS Pflicht jedes einzelnen, reger die Versammlungen zu besuchen. Nowawe«. Der westliche Zugang zum neuen Bahnhof fft am Dienstag- morgen mit dem ersten Wannseebahnzugc, der um 4 Uhr 33 Min. in der Richtung Berlin abfährt, für Personen-, Gepäck- und Expreh- gutverkehr freigegeben werden. Damit ist der berechtigte Wunsch der Einwohner des westlichen Ortstciles nach einem bequemen Zu- gang endlich in Erfüllung gegangen, tverm auch die lange Hinaus- schiebung der Eröffnung bei der Bevölkerung lebhaften Unwillen er- regt hat. Die von der bürgerlichen Prcffe verbreitete Nachricht, die Eisenbahnbehörde wollte den östlichen Zugang nach dem Pfingstfest nur noch nach Bedarf öffnen, trifft nicht zu und beruht offenbar auf einem Mistverständnis. Es ist nämlich vom Dienstag ab die am östlichen Zugang provisorisch eingerichtet gewesene Gepäck- und Exprestgutabfertigung aufgehoben und nach dem neu eröffneten westlichen Bahnhofsteil verlegt worden, der für diesen Zweck be- sondere Einrichtungen erhalten hat. Ter kommunale Seefischverkauf ist wegen der herannahenden wärmeren Jahreszeit aufgehoben worden. Da die Einrichtung sich während ihres Bestehens einer zunehmenden Inanspruchnahme zu erfreuen hatte, wird der Verkauf wahrscheinlich im Herbst fort- gesetzt werden. Spandau. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung des wiedergewählten Stadtkämmerers Weber durch Ansprachen des Oberbürgermeisters und Stadtverordneten- Vorstehers. Als unbesoldeter. Stadtrat an Stelle des verstorbenen Stadlrats Adler für den Rest der Wahlperiode bis Ende 1913 wurde Stadlverordneter Werner mit 24 Stimmen gewählt; 21 Stimmen enisielen auf den Verlagsbuchhändler Dr. Jenne, 1 Stimme auf Maurermeister Makowko, während 4 Stimmzettel un- beschrieben waren. Ueber die Waldsiedelung entspann sich eine lange und scharfe Debatte, zumal auch der Sladtverordnetenvorsteher Lüdicke entgegen der Geschäftsordnung versuchte, die Redefreiheit zu beschneiden. Eine Magistratsvorlage beantragte Bewilligung von 21 S00 Mark für die Herstellung eines neuen tiefliegenden Kanals auf der Streitstraste und Nieder-Reuendorfer Allee von der Rauchstrahe bis zur Zufahrtstraste der Waldsiedelung, sowie von 64 800 M. für den Ausbau der letztgenannten Zusohrtstraste und für den Ausbau der die beiden Baublöcke der Waldsiedelung umgebenden Ströhen. Die 64 800 M. sollen auS dem Kapitalvermögen gezahlt werden. da die von der Waldsiedelung. zu tragenden anteiligen Strasten- baukosten dem Kapitalvermögen wieder zugeführt werden sollen. Genoffe Pieck betonte, dast die Waldsiedelung in keinem günstigen Lichte stehe, da die Sozialdemokratie, die doch aus diesem Gebiete bahnbrechend vorgegangen sei, im Aufsichtsrat nicht vertreten ist. Die Aktionäre seien auch nur Strohaktionäre, da sie keinen Pfennig Aktienkapital eingezahlt haben. Di« arbeitende Be- Völkeruno, die in grotzer Zahl hinter der Sozialdemokratie steht, stehe vielem Unternehmen mthtrauisch gegenüber, da die hohen Mieten, die gefordert würden, von keinem Arbeiter bezahlt werden könnten. Wenn ein Arbeiter 500 M. für die Wohnung bezahlen soll, so müstte er schon ein Einkommen von 2500 M. haben. Die Aktiengesellschaft, die die KleinhauSsirdelung in der Hamburger Sttaste anlegen wollte, verlangte bedeutend niedrigere Mieten.(Der Vorsteher rief dem Genossen Pieck das zweite Mal zur Sache und drohte mit Wort- entziebung.) E» wäre doch möglich gewesen, fuhr Redner fort, das Projekt billiger zu gestalten und die Mietspeise zu ermästigen, wenn ein Sozialdemokrat hinzugezogen worden wäre. Der AussichtSrat sei aus lauter Hausbesitzern zuiammengesetzt; Stadtv. Werner als alleiniger NichtHausbesitzer müffe sich darin wie ein weister Rabe vorkommen. Arn liebsten würde man die Arbeiter, die doch unter der grosten Wohnungsnot am meisten leiden müstten, von der Ansiedelung fern- hallen. DaS fei schon daraus ersichtlich, dost die meisten Wohnungen bereits jetzt an Angestellte von Siemens vermittelt feien.— Stadtv. Böhning: Herr Pieck verstand es. sich geschickt um die Wortentziehung herumzudrücken. Seine Ausführungen waren schwer verständlich. iGen. Pieck: Für Sie! Gr. Heitert.)— Siadtv. Rupke ilib.) sagte: Wenn die Phantasie des Stadtv. Pieck sich so weiter entwickele, so fürchte er für dessen Gesundheitszustand.— Gen. Pieper führte aus, dast das ganze Projekt sich anders gestalte, als die Arbeiterschaft erwartet habe. Als Redner auf die graste Wohnungsnot und die hohen Mietpreise eingehen wollte, wurde er gleichfalls vom Vorsteher zur Sache ge- rufen, da nur die Aktiengesellschaft das Recht habe, die Mietsprcise für die Waldsiedelung festzusetzen. Genoffe Pieper wandte sich ent- schieden dagegen, dast nur Vre Strohaktionäre über die Höhe der Mietspreise zu bestimmen haben sollen. Die Kosten für die Siedelung müsse die Stadt ausbringen und infolgedessen hätten auch die Stadtverordneten mitzubestimmen. Stadl- verordneter Weber,(lib.): Sollte es sich bewahrheiten, dast die Wohnungen 500 M. kosten, dann wäre allerdings die Aktion, für die Arbeiter billige Wohnungen zu schaffen, vergeblich. Redner, der vom Vorsteher gleichfalls zur Sache gerufen ivurde, verwahrte sich energisch gegen die Beschneidung der Redefreiheit, da die Höhe der Mietspreis« im engsten Zusammenhang mit der Vorlage stünden. Genosse Pieck wies in einer persönlichen Bemerkung die geschmacklosen Acusterungen des Herrn Rupke zurück. Die Vorlage wurde einstimmig angenommen.— Für den kosten- losen Einbau von Gasleitungen in solche Grundstücke, die vor dem t. Oktober 1900 mit einem Wohnhause bebaut sind und deren Eigentümer sich verpflichten, in sämtlichen Wohnungen Gasleitungen legen zu laffen. wurden 10 000 Mark be- willigt. Genosse Pieper brachte die endlicke Regulierung der Löhne der Gasarbeiter in Erinnerung. Genoffe Götze ersuchte, solche Haus« besitzer zu berücksichtigen, die bereit» Gasleitungen angelegt hätten. aber noch keinen Anschlust an die Gasanstalt haben, während Genosse Pieck um Herabsetzung des GaspreiseS bat. Bei der Ueberlasiung eines Turnplatzes an die. Spaudauer Turnerschast regte Genosse Pieper an, endlich einen grosten Turn- und Spielplatz für alle Turner, auch die„Freie Turnerschaft", anzulegen. Redner brachte»och zur Sprache, dost die Frauengruppe des sozialdemokratischen Wahlvereins in diesem Sommer für die Schuljugend Ferienspies« und Ausflüge veranstalten werde und dazu einen geeigneten Platz im Stadtwalde brauche. Gleichzeitig wert' seine Fraktion zur nächsten Sitzung einen Antrag einreichen, cbeir: wie in anderen Städten so auch hier den Kindern auf der Straße» bahn Fahrpreisermäßigung zu gewähren. pfingstveransialtungen. Charlottenburg. Am ersten Pfingstseiertag veranstaltet der GeiatiZ' verein Charlottenburger Liedertafel(Männer- und FrauS chor) im Vergnügungspark(iungsernbeide, Tegeler Weg 74/75, ein gr« konzeri. Ansang ö Uhr. Eintritt 25 Pf. Da der Verein bei allen Patt« festen mitwirkt, ersuchen wir um reg« Beteiligung.__ Tempelbof-Maricndors. Der Volkschor veranstaltet am 1. Feier» im„Tivoli" ein Frühkonzerl. Im Interesse der Pflege eines guten W langes sowie der Erhaltung des einzigen größeren Lokal», welches de Tempelhofer Parteigenossen zur Versügung slcbt, wird die Arbeiters«:. um recht rege Beteiligung an der Veranstaltung ersucht. Der PolkSV steht jederzeit bereitwillig der Partei bei allen Veranstaltungen zur Ls fügung. Bei ungünstigem Witter findet d-S Konzert im—aale st» Billetts a 20 Ps. sind bei den Mitgliedern, an der Kasse und In den I» Plakaten versehenen Geschäften zu haben. J«ge»dveranstaltu»se». Neukölln. Pfingstsonntag: Wanderung nach Lehnitz. Grabows« Birkenwerder. Adsahrl morgens 6.58 Uhr Bahnhos Neukölln vis Lehm Fahrgeld 1,15 M. Näheres über andere Veranstaltungen ist in den Hei«« zu eriabren. Beide Heime bleiben an den zwei Pfingstseiertagen geschlr Lichtenberg. Am l. Pfingstseiertag: Tagespartie nach Fried bogen, WolterSdors, Tasdorf. Stienitzsce. Strausberg. Fahrgeld 75 Treffpuntt 6 Uhr morgens Bahnhos Stralau-Rummelsburg. 1. und 2. Pfingstseiertag: 1. Tagespartie weitergehend. 2. Feiert« Ttrausiee, Blumenthal. Forst Gamen-Grund, Tiesensec. Fahrgeld Nachtlager zirka 1,50 M. Treffpunkt wie oben. Das Heim Doss-str. 22 bleibt am 1. Feiertag geschloffen und wird nf 2. Feiertag um 7 Uhr abends geöffnet. Quittung. Für den Verein Arbeiter-Jngendhei« ginge» bei dem Untrt zeichneten ein: Von den Kallegen Transportarbeiter der drahtlosen T«1 graphic 25,—. Vom Sparverein Immer-Emfig, Bcrgmann-Werke Ros» thal 10,—. Urberschufi einer Depesche durch Greiser 1,30. Von den Arbeit« der Schultheiß-Brauerei Abt. I 27,80. Kranzsammlung EIvsium UebettV durch Henscl 13,56. Märzkranz Überschuß oou den Arbeitern der Fit« Rud. A. Hartmann, Ab«. Rudow 13,70. Von einem Freunde 50,—. den Arbeitern u. Arbeiterinnen der Firma Schuchardt 21,45. KreiS 1' Bez. 205 Teil I 5,—. Ueberschutz von Kranzsammlungen der organijien Arveiter der Brauerei Patzenhoser Abt. l 89,60. II. Kreis, 5. Abt.- zirk 92a 15,—. Kollegen der Finna Wille u. Clausnitzer 5,50. Dl» Genossin Bauermeistcr 6,—. K. R o s e n s e l d, An der Spandauer Brücke 1»- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 31. Mai, vormittags 91� Papvelallee 15—17; Neukölln,„Jdealpaffage"; Tegel, Bahnhofftr 15, � Oberschöneweide, Klarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vorm in«« 11 Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. H.Hasff „Laffet die Kindlem..."— Damen und Herren als Gäste Willkomm«»- Eingegangene Druckschristen. Von der„Neuen Zeit« ist soeben das 9. Hest vom 2. Band 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt deS HesteS heben wir Herd« Kehi aus.— Vakuums historische Leistung. Von Paul Axelrod.— f „Minister für WahlrechtSreso, rn." Von Konrad Haent'ch.— Zum Prob» der Moral.(Marx und Kant.) Von C. Rotier(Fortsetzung).—* italienische Parlet und der Kamps gegen den Schutzzoll. Von Agos»' Lanzillo(Rom). Feuilleton: Der KünsUer als Warenproduzent. Von O. Jenh« Literarische Rundschau: Dr. Alfred Hoppe, Zur Geschichte und Beurteil« der Papierzölle im Zolltarif von 1902. Von Anton Hosrichter. Fr» Molnar, Buben und Mädel. Bon R. Grötzsch. Anginlo Cabrmi. La Lei lazione Sociale(1859 bis 1913). Von Oda Llberg.— Zeitschristens Von a. s., Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durib alle L» Handlungen, Postanstallen und Kolporteure zum Preise von 3,25 M< Ouartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Qua» abonniert werden. Das einzelne Hest tostet 25 Pf. Vom Wahre Jacob ist soeben die 12. Nummer deS Zt. Jahrga 16 Seiten stark erschienen und behandelt in Bild und Text die wii Vorgänge deS politischen Lebens. Ter Preis der Nummer ist 10 Pf. Probeuummerm sind jederzeit dt» den Verlag I. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. in Stuttgart sowie allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. „Der Kamvf.-- Sozialdemokratische Monatsschrift. Wie», 7. Hest 9. Friedrich Austerlitz: Da» Buch vom Kaizl.— Edouard Vail (Paris): Die Wahlen in Frankreich.— Robert Danneberg: Ein Blick Innere der Wiener Arbeiterbewegung.— Friedrich Hahn: Ein« Sozial des Rechts.— E. Barga(Budapest): Wanderungen der Arbeiter und Kapitals.— Otto Bauer: Kapitalsvcrrnehrung und Beoolterungswachs» — Wenzel Mladeck(Tetschen):«»ewerkschast und Konsumgenossenschast. Julius Zobel: streik und Strrikdruch im ärztlichen Beruf.— J®] schmiedet(Trieft): Reform de» Seerechtes.— Betty Brod: Die Ktt� nalltät der Frauen.— Karl Cermat(Teplitz): Kulturelle Leistungen Arbeiterbewegung.— Rundschau: Legendenbitdung. Markevretle von Berlin am 2S. Mai 1914, nach Ermittelunk des königl. Polizeivräfidiutns. Mais(mixed), Natal 00,00—00,00. Do» 0,00—0,00. Mai»(runder), gute Sorte 1ä,40— 15,70. Rtchtftroh Heu 0,00-0,00. Markthallenpreis«. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum 34,00— 50X10. Speisebobnen. weiße 35,00—60,00. Linsen 40, OC. Kartoffeln(Klembdl.) 4,00—7,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Ks? 0,00-0.00. Rindfleisch, Bauchfleisch O.OO-O.OO. Schweineflei'ch O.OO-O1" Kalbfleisch 0,00—0,00. Hammetfieiich 0,00-0,00. Butter 2,40-2.; 60 Stück Eier 3,20—5.00. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,20. 1,40—3,00. Zander 1.60—3,40. Hechle 1,40-2,80.• Barsche 0,80-3/* Schleie 1,40—3,20. Bleie 0.80—1.60. 60 Stück yrebse 3,00-48,00. WitternngSüberiittit vom 29. Mai 1911. Stationen SE 1S II p«i II B? Letter »« ä* *11 5? mS> Swinemde. 759NO Hamburg 762 N Bettin 759�SÄ Franks. a.M 763 S München 762O Wien 762« ! 3 bedeckt � ! 2Regen I l bedeckt 1 Dunst ! Ihalb bd. i 3 oedeckt Stationen £= e if Haparanda 769$£ 8 Petersburg 766 NNO �ciDo cillh Aberdeen Patt» «W 759 SW 765 SO 2 beiler 2 heiter 2 wolkig 3 bedeckt I l wotkenl Wetterprognose für Sonnabend, den 30. Mai 1914. Ein wenig wärmer, noch vorwiegend trübe mit leichten Regens«- und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wettrraussichtcn für das mittlere Norddrutschland Sonntagmittag: Ein wenig wärmer, im Buinenlandc noch größtem�. trübe und weitverbreitete, aber nur geringere Regensälle. Im KtzE gebiet zeitweise heiter, dazwischen noch vereinzelt etwas Regen, s) wesUtch der Oder, zcltweiltge Aufheiterung des Wetter». ., WaflerftandS-Nattirichte»-> der-andesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner WelterbittL Wasserstand M-mel, Tilsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel, Tborn Oder. Ralibor . Krassen _. Frankfurt Warth«, Schttmm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden . Barbh . Magdeburg *>+ bedeutet»uch»,— Fall.—- Unterpeyel, Thealer und Vergnügungen Sonnabend, SO. M ai 1914. Anwnz 5 Uhr. Vaffaae-Tlicatcr. Kino-Variets. Potsdamer Naturtheater. Alt- Potsdam. Ansang 7 Ubr. Eines Nollendorf-Theater. Lichtspiele. Ansang VI, Ubr. Sgl. Opernhaus. Violetta. Sgl.TchauiPielbaus. Wilhelm Tell. Deutsches. König Lear. Lesfing. Das Märchen vom Wols. Anfang V Ubr. Mctropol. Die Reise um die Welt m 40 Tagen. Ansang? Uhr. Urania. Dr. Weertb: NcueS von den Röntgenstrahlen. Sammerspiele. Sumurun. Deutsches Opernhaus. Der Zi- geunerbaron. Schiller O. Klein-Eva. Schiller Eharlottenbnrg. Krieg im Frieden. Deutsches Künstler- Theater. Schneider Wibbcl. Berliner. Wie einst im iKai. Königgräuer Strafie. Mr. Wu. Theater des Westens. Polenblut. Kleines. Ariadnc aus Napos. Thalia. Wenn der Frühling lommt. Refidenz. Die verflixte Liebe. Nase. DaS Rätiel Weib. Montis Operetten. AIS ich noch im Flügellleid«. LuftipielhauS. Die spanische Fliege. Herrufeid. Ein Reinsall. Heut' ist übermorgen. KlabriaS-Partic. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsdallcn. Stettiner Sänger. Palaft-Theater. Das Mirakel. Aniang 8's, Ubr. Theater am Rollendorfplah. Der Juxbaron. KomödienhauS. Kammennufik. Friedrich- WilhelmstädtischcS. Die Förster-Christl. tirknS Busch. Das Wralel. heater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. WaShalla. Zwischen Himmel und Erde. Ein Paar DamcnhöSchen. Luisen. Geschlossene Vorstellung. Folies Eaprice. Der Lustturner. DaS Karnickel. DaS Erdbeben. Aniang 8'/, Ubr. Urania. Zum Hochfirn der Jung- (tau. Aeue« Bolkö- Theater. Frau Warrens Gewerbe. Admtralspalast. Im Tangollub. Sternwarte. Jnvalldenfir. b?— 62 Tbeater am Nollemiorfplatz S. 8'/. Uhr: Der Juxbaron. Täglich 8'/« Uhr. Ende 10>/,Uhr. Zum 81. Male: mit sensationell. Lachcrfolge: Idei- miille Theodor. Am 1. u. 2. Pfingstseiertag, nachm. 3 Uhr: Oer müiio Ikeoilor. Kl. Preise. Setiillef-Ideslerlj.Aem«! Sonnabend, abends 8 Uhr: Klein Eva. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kenchäft Ist(»esrhUft. Sonntag, abends 8 Uhr: Im wcifien RftBI. Montag, abends, 8 Uhr: Klein-Eva. Schiller-Theater Sonnabend, abends 8 Uhr: Krieg; im Erleden. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Roaenmontag;. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Raseiiinenkauer. Montag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil. Montag, abends 8 Uhr Jiricg im Frieden. HieaieriD der Königiraizer Straße 8 Uff: Mr. Wu. Komödienhaus. 8'/. Uhr: „Kammermusik". Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. lriedrieh-VildelMdl. Theater.' Die letnten 4 Tage ivÄ Die Förster-Christi. Theater des Westens. $ Uhr: Polenblut. Ah 3. Jnni: Gastsp. Pawlowa. Deutsches Künstlertheater Soxietht. Nürnberger StraBe 70/71. ein Zoo. Kasse: Nauendorf 1383. ® oniiabcnb. 8 Uhr: Zum 25. Male: Schneider Wibbel. Sonntag 3 Uhr: Der Biberpelz. Ubends8Uhr: Schneider Wibbel. !l>sc-in� Residenz-Thealer. Anfang 8 Uhr. Konoianze v. Elnde a. Gast. Znm 1. Rale! Die verflixte Liebe. Schwank in 3 Akten von L. Hirschseld. Morgen und solgende Tage: Dir verflixt« Eich«. Groge Frankfurter Str. 132. Zum ersten Male: Alis Wskl-UInd. ü �tama in 3 Akten o. Karl M. Jacobh. Ansang 8 Uhr. Sonntagnachm. 3 Uhr, bci ungünft. ?>tterung: Die Tollarprinzessin. plUbe Preise. Abends 8 Uhr: Das «ütsel-Weib. Morgen Sonntag: Fviihkonzcrt ü. Borstellnng. Ans. ti Uhr. Nachm. 4 Uhr: Eröfinung der Gartenbühne: um die Spree, iör. Rtttllc. Walhalla-Theater. Weinbergswcg 19/20. Zwischen tiimmel nvd Erde. Vorher: Gin Paar Damenhöschen. Ansang 8'/, Uhr. Sonntag bei ungünstiger Witterung nachm. 3 Uhr halbe Preise: Zwisch. Himmel n. Grde. I Paar Damen- höSchcn. Abends 8'/, Uhr: Dieselbe Vorstellung. ?ien«» Programm Radjah in ihren Tänzen Johnson u. Dean JeanetteDenarber Kagtime- mit ihrem Sextett 1 Ballon und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Entreeplatz wochentags M O.OO. — Rauchen gestattet!— Apollo-Theater. 8 Uhr Tel.: LDIrow 2757. 8 Uhr Rorgen letzter Tag der Saison! 10 Welt •Attraktionen. Raachen Metropol-Theater. AbendS 7 Uhr 55 präzise: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. SSVft EinBlitimidel. Folios Caprice. Täglich S1/. Uhr: er Enfttnrner. as Karnickel. as Erdbeben. Zoologischer Garten. Heute nachmittag I Uhr: Großes Militär-Doppel-Konzert. Eintritt ab 6 Uhr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Am 1. u. 2. Pfingstseiertag morgens 6 Uhr: Großes Milltär-Frühkonzert Die Wagen der Straßenbahn ver- kehren aus allen nach dem Garten führenden Linien ab 5 Uhr früh; dcSgl. die Züge der Stadt- und Untergrundbahn. Aqaariaiu. Von 9 Uhr morg. bis 10 Uhr abbds. Eintr. v. d. Strage 1 M., v. Zoo 0,50. JtinbcruutcrlO�aHrc� Admiralspalast. Eis- Arena. Novität„Im Tangoklub" und das elfektvolle Eisballett ..Die lustige Puppe'*. Bis 6 Uhr und ab lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Wein- und Bier- Abtellnn g. »ar Ecbcnd! Die letzten veibllehen Azteken! Der untesselbare Rappo, der König der Ausbrecher. Aga, die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra-Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. M Ii s i i Ii I NA e« Sechster Berliner Reichstags-Wahlkreis. Großes PrühsKonzert am Sonntag, den 31. Mai(t. Pf ingstf eiertag) im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7/9. Theater-Vorstellung sowie erstklassige Spezialitäten. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Eintrittskarte 30 Pfg. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen zur Verfügung. Tische und Stühle dürfen nicht reserviert werden. Bei schlechtem Wetter findet das Konzert im Saale statt. Die Eintrittskarten sind an den bekannten Stellen und an der Kasse zu haben. 228/4 Das Komitee. I Brauerei Friedrichshain. 1. u. L. Pfingrstfeiertaj: Große frah-Konzerte 2. Pfingstfeiertag: Sommerfest d. Männerfjes.- Vereins M. d. v. A.-S.-B. Dir. Thilo. RameniOSn Vokal- Konzert n. Tonkünstler■ Orchester. Spezialitäten>Vorstellung. U. a.: Die Trappe Blackwells vom Zirkus Busch. Anfang ♦ Uhr. Entro« 30 Pf. Neue Welt Arnold Scholz Hnsenheld« IQS/llA Eröffnung der Sommersaison am 31. Mai. Am 1. und 2. Pfingstleiertage: Gr. Früh-Konzert und Variete-Vorstellung. Anfang 1. Feiertag 5 Ubr, 2. Feiertag 6 Ubr. Sfachmlttasz 4 IThr: Großes DoppeUKonzert«nd Varietö«Vorstellung 1. Ranges. Dm phänomenale Jnni-Programm: 16 erstklassige Varietö-Nummern. Anfang der Variefd-Vorstellnng 6 Uhr. Enfree Ä5 Pf. Iis I. Ffiertig: Benefiz des Tanzaelsleis Paul Massuthe. Großer Ball. Ferner: Täglich Konzert und Vorstellung. Jeden Mittwoch die beliebten Klnderfezte, verbunden mit großer Rrastlsverloannff. Jeden Donnerstag:: EIlte-Taj mit großem RrlUant-Fenerwerk. Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag; Ball. Der Vergnügungspark ist täglich geöffnet RJ URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr; Dr. Weerth: Xcnez von den Röntgenstrahlen. 8'/, Uhr: Zum Hochfirn der Jungfrau. ■v � ERSTE,- VARIETE\ AUSSTELLUNG• r ,- MM-i»- m am Zoolog. Garten. Verlängert bis Pftngäten! Täglich bis 11 Uhr abds. große Vorführungen auf 5 Bühnen mit reichem Progr. Sensat.: Looping the Loop— Der Tanz durch d. Jahrhunderte.— Publikspieler-KSnige d. Luft n. v. a. m. Hörsters Zauber- theater, F. W. Conradl, Otto Salzer. Zirkus Busch. Gastspiel des Deutschen Theaters Direktion: Max Reinhardt. 68/19' Anfang 81/, Ehr. Vorverkauf an der Kasse des Deutschen Theaters, Zirkus Busch und A. Wertheim. Preise der Plätze von 1— 10 M. Voigt-Theater Badstrafie 58. Gczchlossen bis 30. Mal! Eröffnung der Tounncr- saison am Zt. Mai(1. Pfingstseiertag).__ i»»» Ely�iuumn Eandzberger Allee 40/41. Am 1. u. 2. Pfingstfeiertag früh 5 Uhr; Früh-Vorstellung Doppel-Konzert, Katteekochen. Nachmittags 3 Uhr: Franz Sobanski. Im Riesensaal: Hssll. Entrec 20 Ps. früh, nachmittags 10 Ps. Kelehshatieo-Iheater. 8tettiner Langer. Bei? D'rektor Kutilieke Burleske von Mcysel. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7'l, Uhr. Berliner Kindt- Brauerei-Ansseliank Hermannstr. 214/18 Neukölln Fernspr.; Neukölln 79. j Oekonom: Robert Rergner. 1. and S. Pfingztfelertac: Großes frfih-Konzert O ausgeführt vom Musikvereln ,, Harmonie" u.„Echo".• Kaffeeküche von 4 Ehr an geöffnet. P ——— Entree�ukl. Programm 20 Pf.——— DV Von 4 Uhr nachmittags an: Großes DoppeUKonzert -- Entrec 20 PI.===== � Tttgllch von 4-6 Ihr: K G ff 6 6• Fß 61 R OHZ CFt.„ »«»»»GO�DOSOOOOOOOOOOO»0000000000»»«000 i Geverksehaftshaus Menü für den 1. Feiertag a 1 M. Mocturtlesuppc Bouillon mit Einlage Rheinlachs mit Lutter Mayonnaise von Zander Kottelette mit Spinat Pökelrinderbrust m. MeerreUichsc. Rehkeule Kalbsrücken Prager Schinken Kompott oder Salat Käse oder Eis Clewerhzchnltnnrhlnhen_.---,—, ohne Knoche», von 5 Psund an auhcr dem.>>ause a Pfd. 1 R. m~ 1 und 2. Psingstieiertsg: flusikalischs Unterhaltung. Menü für den 2. Feiertag a 1 M. Spargelsuppe Krastdrübe mit Mark Zanderfilei gebacken Mayonnaise von Lachs Hammel mit Bohnen Ungar. Gulasch Lammkeuie Kasseler Rippespeer Brüffeler Poularde Kompott oder Salat Käse oder Eis jart gesalzen»nd geräuchert, Csfö Sellevue Garten für 3000 Personen | ,nh': Gustav Tempel.; i Am 1. un d 2. Pfi n g s t f e i e r t a g: I Große Frühkonzerle j__ Am 1,, 2. und 3. Feiertag; I ( Gr. Gartenkonzert u. Spezialitäten-Vorstellung.\ Große Äache!! Schloß Veißensee. Welt-Etablissement. I. und 2. Pfingstfeiertag: Gr. PrühsKonzert. I. und 2. Feiertag nachmittag: Großes Garten-Konzert. Jeden Sonntag: Großes GartensKonzert. Großes Land» u. Wasserfeuerwerk Jeden Dienztac: I. eipziger Sänger. Jeden Donnemtag; F r e i- T n n r.. Bei schlechtem Wetter PttneBtMonntag: Im biewerkitchafttihauB, Dngelufer 15. und in Oblglox EeBtBälen, Koppenstr. 29: Fröhlicher Abend Margarete Walkotte anter mtwirknng erNtklasMiger KUnNtler. Beginn 7'/» Uhr, 22.'>9h* Di n tritt 50 Pf. =■ Schweizer Garten■= Am ErledrlehMhain LOIti Arn KOnlgator An den drei Pfingstfeiertagen: die neu engagierton Attraktionen. Anfang 4 Uhr.— Entree 30 Pf. Am 1. und 2. Pliugstfeiertage;* Früh-Konzerte und Vorstellungen. 3 Anfang 5'/, Uhr früh. Entree 30 Pt.■ Konzert, Theater ! Schmöckwitz. Et gibt nur ein..Gaaithaan nur l'ulnie am Seddln- (»ee". Endstation der Sterndampfer-Linie Grünau-Schmickwitz und der Grünau-Schmäckwitzer Uferbahn, herrlich au der neuen Zugbrücke und am Walde gelegen. Voreinen und Gesellschaften bestens empfohlen. An Wochent destens 200 Personen Verfügung. 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Pet erma n n führte zum Geschäft»b«richt da� troh der ungünstigen wirtschaftlichen und potttftchen Ber hiltniffe im Kreis« rei<Äichc und erfolgreich« Ärbeit geleistet worden ist. Sowohl bei den Landtags-, als auch bei den KaufinannSgerichtS- ivohlen war der Kreis start beteiligt und konnte erfreuliche Resultate erzielen. Ebenso dürfe das Ergebnis der Roten Woche als befriedi- Send bezeichnet werden. In zahlreichen Kreiskonferenzen und �orstandS- wie Aunktionärsitzungen fanden die Kreisgeschäste ihre Erledigung und eS sei festzustellen, daß die Aunftionärc opferwillig 'hre oft nicht geringe Ärbeitslaft bewältigt haben. ES wurden acht oifemliche Versammlungen abgehalten und Ivb ODO Flugblätter vcr- Reitet..VorwärtS''abonnentcn werden gegenwärtig 526 gezählt -err Kassenbestand habe sich ebenso wie die Mitglieoerzahl«twaS gehoben. Nach der Kahl der verkauften Marken find 793 männliche und 14g weiblich« Mitglieder vorhanden. Die politische Situation «erlange, daß alle Genossen in AgitotionS- und Organisationsarbeit ihr Möglichstes tun. Aus dem' vassenbericht des Genossen Bolz mann entnehmen wir, daß bei einem Bestand «o« 1418,69 M. insgesamt 6498,79 M. vereinnahmt wurden. Diesen stehen 4764,76 M. Ausgaben gegenüber, mithin bleibt am Schluß dis Jahres ein Bestand von 1729.49 SR. Auf Antrag der Revisoren «iird dem Kassierer Entlastung erteilt. PH. Bernstein ist mit der Kreisleitung nicht zuftieden. Es Eliten nur Funftionäre«in Amt annehmen, wenn fie innerlich den «eruf dazu fühlen. Mit den alten Traditionen müßten wir brechen und von der bisherigen Form der Vorstandswahl abgehen. Die urwahlen ollein bieten Gewähr, daß der richtige ZRann an den Achten Ort gestellt werde. Not tue ein.Iuniarenkonvent". Auf yUruf betont er, nicht in der Lag« zu fein, irgendeine Funktion zu Ubernehmen. Lucht, Schwobedahl, Petermann und uudere wenden sich gegen die Ausführungen Bernsteins, namentlich jKgen die unbestimmte Form der Angriffe auf den Vorstand. Sie �gen dar, welche Schwierigkeiten c« oft bereitet, genügend Funk- lsuuäre zu bekommen und wie gerade das jetzige System der Dahl gewähr biete, daß Genossen vorgeschlagen werden, die im kleinen «reise gekannt und vom Vertrauen der Genossen getragen sind. Genossin Rüben verteidigt Bernstein gegen den Vorwurf der vmterhältigkeit und meint, auch wenn ein Genosse länger denn i�ei Jahre im Schmollwinkel gesessen Hobe, fei er zur Kritik b«> «chtigt.(Lebhafte Zwischenrufe:„Aber keine Stänkereien!") � E» wurden wiedergewählt: Petermann zum 1. Vorsitzenden, �w wa b e dah l zum 2. Vorfitzenden, B o l z m a n n zum Kassierer und Genossin Zaduck zur Schriftführerin. Zu Revisoren wurden M>ahlt: Altermann, Schröder und Martha Noack. Für Aktionsausschuß soll wiederum Pctermann und als sein idtellvertreter Schwobedahl vorgeschlagen werden. Zu dem von Zaduck erstatteten. Bericht der Preßkommiss!»» �griff wiederum Bernstein da» Wort. Er bemängelte die Hob Ju«? de»„Vorwärts" in taktischen Frage« und ist der Ansicht, dieser «erde vielfach von der Provinzprcsse in scharfer Stellungnahme Ubertroften. Di« Behandlung der kleinen Anfrage DittmannS im •wchStogc hätte da« Zentvalorgon nicht mit Schweigen übergehen urfen. Er halte diese Angelegenheit für sehr vedeutungsvoll. Auch ile zwiespältige Stellungnahme zum Wettgeseü müsse er tadeln 9U empfehlen war««in« noch weitergehend«, spezifizierte Rubri. 4>er>!ng des Inhalts. Weitere Redner wünschten ausgiebigeren und «ffser ausgestatteten Plakatanschlaa. Zaduck und andere wendeten Ui« gegen die erhobenen Vorwürfe und wiesen nach, daß die ge- Ebenen Anregungen zum Teil schon durch Beschlüsse der Preß '«tnmiffion verwirklicht sind. . Än die Berichte der übrigen Kommissionen Zupfte sich feint Aussprache an und nur bei der Wahl de» Bil- «KgSauSschusseS kam«8 noch zu einer längeren AuSein- Ersetzung. i Inzwischen war die Zeit soweit vorgeschritten, daß Schwabe- .? d l seinen Bericht über die Vorschläge der Reorganisa- ' o n z k o m m i s s i o n nicht mehr geben konnte. Sonstige Anträge die Verbandsgeneralversammlung lagen auch nicht vor. so daß �«tgljch zjx Wahl der Delegierten zu erfolgen hatte. Für den Internationalen Kongreß sollen D ü w e l l- Charlottenburg und Mathilde Wurm als Vertreterin der Frauen vorgeschlagen werden. . Unter„Verschiedene»" beantragt Baum, auch den Dele» ?le*!.en zur Verbandsgeneralversammlung 50 Pf. Entschädigung zu �wahren. Bon anderer Seite wird vorgeschlagen, 1 M. zu zahlen. i;et letztere Vorschlag wird abgelehnt und erster«! angenommen. y** Genossinnen werden für ihr« Konferenzen gleichfalls GitzungS- fctoer bewilligt. Zweiter Wahlkreis. Die gute besuchte Versammlung nimmt zunächst den Tätigkeitsbericht de» B-rsitzende« Jossen Schröder entgegen. E» fanden im Berichtsjahre 28 z �andzsitzuugen, 4 ÄreiSkonferenzen, 4 Generalversammlungen, UbteilungSversammlungen und 11 Volksversammlungen statt. habende fanden in jedem Monat vier statt. Dieselben waren '««r nicht gut besucht. Besonders bedauerlich ist, daß der Besuch « gen die Vorjahre zurückgegangen ist. Es wird nötig fein, die .�chen zu ergründen und für Abhilfe zu sorgen. Neuerding» ist 7~ch mit Veranstaltungen für die heranwachsende Jugend von 18 j,®-1 Jahren begonnen worden, die gute Erfolge versprechen. Die �nahme der Mitglieder ist eine stetige. Trotzdem die Wählerzahl v."en Jahren von 1907 bis 1912 um 5000 zurückgegangen ist, steigt ]'ej3ahl der WahlvereinSmitglicder. Die Mitglieoerzahl betrug am f. April 1913: b919. am 1. April 1914: S20S. Di« Zahl der weib. tok," �'talieder stieg von 71V auf 775. Die„Vorwärt»"abonnenten- S?'1>st leider noch nicht so, wie wir sie alle wünschen. Trotz der ?ten Woche ist noch nicht wieder der Stand de» Jahre» 1912 er» Isi« waren Abonnenten: am 30. Juni 1912: 7902, am 1. April �*3: 6607, am 1. April 1914: 6707. Die Steigerung um 100 W"« en'en gegen da« Vorjahr ist im wesentlichen den Erfolgen 1 Roten Woche zu danken. Die Erfolg« der Roten Woche find erhaupt recht zufriedenstellend. E» wurden 360 Mitglieder ge- bn0niien' �on 622 Männer und 58 Frauen. Di« Polizei verlangte ." den Erfolgen der Roten Woche auch einen Teil für stch, und so «ia verhängt: 18 Strafmandat« a 60 M., 1 Strafmandat z i0 M., 8 Haftstrasen von je 1 Woche und 1 Haftstrafc von toi t®en" Der Redner schließt mit dem Appell, nicht nur dafür ivrgen, daß die in der Roten Woche gewonnenen Mitglieder und °°ssnenten treue Anhänger unserer«ache bleiben, sondern un- Büdlich weiter zu arbeiten für den Ausbau unserer Organisation. Ten llikit«. Knffenbrricht hi, Kassierer Genosse Gustav Schmidt. Au» demselben ist iofcli erwähnen, daß die Einnahme im 1. Halbjahr des Berickts- f?«es 16 025.05 M.. die Ausgaben 15453.71 M., im 2. Halbjahr Einnahmen 16 71Sch4 M. die Ausgaben 16 566,28 M. betrugen. Kaffenbestand betrug am L April 1614: 1147L6 SR, Genosse Hauser�bt den �' > Bericht der Pretzkommission. Tie SRontagsausgabe ist allgemein freudig begrüßt worden und auch der Inhalt findet vielen Beifall. Tie ParlamenlSberichte erscheinen im„Vorwärts" seit einiger Zeit in konzentrierterer Form, wodurch e» auch den Genossen, die über wenig Zeit verfügen, möglich ist, die Parlamentsberichte zu lesen. Durch die Neuanstellung eines Lokalredakteurs, der seine Tätigkeit am 1. Juni beginnt, sollen die bisherigen Lokalredakteure entlastet werden und steht zu hoffen, daß der lokale Teil noch an Interesse gewinnen wird. Sehr segenS- reich wirkt die juristische Sprechstunde. Im Berichtsjahre sind über 18 900 mündliche Auskünfte erteilt worden. Die mündlichen und schriftlichen Auskünfte betragen insgesamt 24 618. Die Zahl zeigt, ein wie große? Bedürfnis für die juristische Sprechstunde vorhanden ist. Besonders erfreulich ist, daß im Berichtsjahre gegen diese Einrichtung auch nicht eine Beschwerde bei der Preßkommiffion ein- gegangen ist. Aus dem Bericht des Genoffen M e h e r ist zu entnehmen. daß die Schirdsgerichtskowmission für Groß-Berlin sich in 16 Sitzun- gen mit 39 Ausschluhanträgen zu befassen hatte. Bei dem Bericht der Lokolkvmmisiiv» bittet der Berichterstatter Genosse Reinhardt, die Lotallifte bei AuSftügen noch mehr wie bisher zu beachten. Die Genossin Wurm, die den Bericht de» KreiSbildunsSau»- schusses gibt, wünscht eine lebhaftere Beteiligiing an den BildungS- Veranstaltungen. Sehr erfreulich war die Beteiligung bei den Uraniavorstellungen sowie bei den Führungen durch da» Geologische Institut und das Aquarium. Auch den Veranstaltungen für Kinder wurde lebhaftes Interesse entgegengebracht. In der den Berichten folgenden Diskussion wurden von den ein» zelnen Rednern verschiedene Wünsche und Beschwerden zur Sprache gebracht, die von den Berichterstattern beantwortet wurden. Nach Beendigung der Diskussion wurde dem Kassierer Genossen Schmidt einstimmig Decharge erteilt. Sodann wurde die Aufstellung der Kandidaten für die Vor- standswahl vorgenommen. Die Wahl— die al» Urwahl vorgenom- meft wird— findet am 7. Juni statt. In den KreiSbildungSauSschuß wurden gewählt die Genossen: Klaju», Stromer, Wendel, Schulz, Labsch, Bud» zinsky, Jacobe y, Linsenmeyer. Die von den Abteilungen vorgeschlagenen Delegierten zur Ver» bandSgeneralversammlung Groß-Berlin wurden bestätigt. Für den BezirkSbildungSauSschuß schlägt die Versammlung die Genossin Wurm vor, zur Telegaiion für den Internationalen Kongreß in Wien den Genossen Schröder und die Genossin Wurm. Unter„Verschieden«»" entspinnt fich ein« längere Debatte über die Vergebung der Arbeiten beim Vorwärtsneubau. An der DiS- kussion beteiligen sich die Genossen Kunze, Neuling, Teuber und Richard Fischer. Dritter Wahlkreis. Die Generalversammlung für den dritten KreiS tagte in den Arminhall«n. Der Vorsitzend« Pohl gab den BorstandSbcricht. Er bedauerte, daß die Veranstaltungen de» BildungS- auSschilffeS lDuncker-Vorträge) nicht genügend besucht waren. Die Klagen über oen Besuch der Zahlabende hätten dagegen ab- genommen. Di« Besserung sei wohl namentlich daraus zurück- zuführen, daß sich die in Aufnahme gekommenen AbteilungSzabl- abcndc interessanter gestalten. An Flugblättern wurden im ver- flossenen Geschäftsjahr 10 in einer Auflage von 334 009 Exem- plaren verbreitet.— In der Roten Woche wurde von den be- teiligten Genossen gut« Arbeit geleistet. ES wurden 317 neue Mit- plieder gewonnen, darunter 28 weibliche; an neuen Abonnenten ftir den„Vorwärts" wurden 161 gewonnen. Der Mitgliederbe st and am 1. April 1913 betrug 3258, darunter 449 Frauen. Am 1. April 1914 betrug die Zahl der Mit- glieder 8289, wovon 529 Frauen waren.— Von der Spedition de» .Kreise» wurde der„Vorwärt»", soweit der dritt« Kreis in Frage kommt, an 3919 Abonnenten gclieftrtl Trotz der Krise, die einen Höhepunkt erreichte, habe der Krei» im letzten Geschäftsjahr leid- lich abgeschnitten. E» fei zu hoffen, daß im neuen Geschäftsjahr größere Fortschritte gemacht werden. Den Kassenbericht erstattete, da der Kassierer Harn dt verstorben ist, der Revisor Alexander Fröhlich. Am 1. April 1913 war ein Bestand von 2597,47 M. vorhanden. Di« Gesamtcinnahme im Geschäftsjahr betrug 24 941 M. Am 31. März 1914 verblieb ein Bestand von 2359 M. Die Versammlung erteilte dem Vorstand einstimmig Decharge Justin Braun berichtete dann über die Tätigkeit der Prehkommissiin und über die Verhältnisse de»„Vorwärts". Unter anderem be- tonte er, daß sich die Preßkommission in Uedereiintimmung mit dem Parteivorstand auf den Standpunkt gestellt habe, daß die Haltung des BlatieS im Sinne der Berliner Parteigenossen ge- wesen sei. Gewisse Einivände Stadthagens hätten nicht anerkannt werden können.— Die Abonnentenzabl habe unter der.Krise natürlich zu leiden gehabt. Im Anschluß an die Rote Woche sei sie aber wieder auf 169 659 gestiegen. In der Diskussion wurde u. a. ein Wunsch laut, die ..Arbeiter-Jugend" in bczug auf die technische AuSführuna so zu gestalten, daß sich da» Einbinden besser bewirken lasse. Auch wurde verlangt, daß in Heilstätten und ähnlichen Anstalten, wohin „Vorwärt»"-Exemplare gratis geliefert würden, auch ein Exem- plar der„Arbeiter-Jugend" zu liefern sei. Genosse Braun ver- prach. wenn auch die„Arbeiter-Jugend" nicht der Preßkommiffion unterstehe, jene Anregungen an die zuständige Stelle weiterzu- geben.— Ein Genosse rügte die öfter mangelhaften Illustrationen der„Neuen Welt". Müller berichtete über die Tätigkeit der Lokal. k o m m i s s i o n, wobei er unter anderem die Aufnierksainkeit der Genossen auf den Boykott von Neu-HcringSdorf bei Köpenick und Hirschgarten lenkte. Ten Bericht der Schiedskommission von Groß-Berlin erstattete Genosse Jakob. Unter Hinweis auf die Ausschlüsse von Geschäftsleuten wegen Nicktbeteiligung an den Landtags- wahlen und anderen öffentlichen Wahlen, ersuchte er die Genossen, bei Neuaufnahmen von Mitgliedern aus Geschäftskreisen versichtig zu sein und die Betreffenden gleich aufmerksam zu machen, daß jic auch bei öffentlichen Wahlen die Konsequenzen aus der Parteimitgliedschaft ziehen und wählen müßten.— Et folgten die BorstandSwahlen. Gewählt wurden Pohl zum 1. Vorsitzenden. Jakob zu« 2. Borsitzenden. Gustav Müller zum 1. Schriftführer, G« n t h zum 2. Schriftführer. Provisorisch mit den Kassengeschäften be- traut wurde Genosse Fe l« mann. Zur Beisitzerin wurde Ge- noftin Reinke gewählt.— Alt Beisitzer bestätigte die General- Versammlung die Abteilungäführer Genossen Köhler, Feuchter, Fritz, R ö f e l e r, Budde, SRöbiuS und «chweickardt.— Es wurden ferner gewählt in die Preß- kommisston Justin Braun, in die Lotalkommission Gustav Müller, in die Schiedskommission für Groß-Berlin Genosse Jakob, in die Kinderschutzkommiffton Genossin Schröder. Zu Revisoren würben Buchmann, Alejanber Fröhlich und Fiebig gewählt. Der BildungsauSschuß wurde neu zusammengesetzt aus den Genossen Pohl, Genth. Schmolinsky, Alexander Fröhlich, Adolf Harndt und Protz.— In die Schiedskommission des dritten Kreises kamen die Genossen Budmann, Baier, Braun, Ad. Harndt, Schmolinsky und als Ersatzmann Riemer. — Für die Zeitungskommission wurden die Genossen Hinz, Bauer sch mied, Winkl er und Mittag gewählt.—- Der Schiffcrkommission wurde Genosse Braun zugeteilt. Die Generalversammlung bestätigte die Delegierte« zur Generalversammlung von Groß-Berlin und beschloß, für die Wahl der Delegierten zum Internationalen Soziolistenkongreß in Wien den Genossen Pohl und die Genossin Rosa Luxem- bürg vorzuschlagen. In der Schiedsgerichtssache gegen Julian B o r ch a r d t berichtete Ritter, der den Vorstand des driften Kreises als des Antragstellers in der Sache vertreten hatte. Das Schiedsgericht hat sich in zwölf Sitzungen mit der Sache beschäftigt und am 7. Mai den Schiedsspruch gefällt, daß Julian Borchardt ein« Rüge zu erteilen sei. Das Schiedsgericht hat von der Ab- ertennung der Befähigung zur Verwaltung von Vertrauensämtern abgesehen, es empfiehlt aber Borchardt, von der Annahme solcher Aemter mit Rücksicht auf seinen nervösen Zustand auf einige Zeit Abstand zu nehmen. Namens des Vorstandes des Wahlvercins und der Kreis- konferenz beantragte Ritter, die Generalversammlung möge fich mit der Einlegung der Berufung gegen dies Urteil des Schiedsgerichts einverstanden erklären. Durch die Berufung soll in erster Linie der Ausschluß aus der Partei beantragt werden. Für den Fall der Ablehnung eines solchen Beschlusses wird ein Beschluß erstrebt, der die Aberkennung der Befähigung zur Ausübung von Mandaten in gesetzgebenden Körperschaften usw. aus- spricht. Die Versammlung stimmte ohne Debatte gegen eine Stimme dem Antrage auf Einlegung der Berufung zu. Ein Antrag auf A n st e l l u n g eines besoldeten.Kassierers. der zugleich als Sekretär zu fungieren hat, rief eine lebhafte Dis- kussion hervor. Die Versammlung beschloß, die Angelegenheft bis zur nächsten Generalversammlung zu vertagen, mit der Maßgabe, daß sich in- zwischen die Zahlabcnde mit der Sache beschäftigen und über den Vorschlag abstimmen sollen. Vierter Wahlkreis. Die Generalversammlung tagte in der„Urania", Wrangel- sftaße. Dem durch den Vorsitzenden PaulHoffmann erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Geschäfte des KreifeS in 4 Generalversammlungen, 32 Vorstandssitzungen, 6 erweiterten Vorst andssitziin- yen sowie 19 KreiSionferenzen erledigt wurden. Außerdem fanden 29 Viertelsversammlungen statt, welche fich mit den Vorschlägen und Anträgen zum Parteitag und zur Verbandsgeneralversamm- lung befaßten. Flugblätter kamen insgesamt 1986 600 zur Vcr- teilung, davon 330 000 für die LandtagSwahl und 54 000 für die Stadtverordnetenwahl. In 33 öffentlichen Versammlungen wurden die verschiedensten Kragen de» politischen Lebens erörtert. Auch die Agitation unter den Frauen wurde im verflossenen Berichtsjahr lebhaft betrieben. In 41 Zusammenkünften waren 1509 Personen anwesend, pro Vortragsabend 36 Teilnebmer. Für die jungen Mit- glieder im Alter von 18 bis 2! Jahren werden alle 14 Tage be« lehrende und wissenschaftliche Vorträge abgehalten. Diese Zu- sammenkünfte sind in zwei Gruppen, für den Osten und Südosten, eingeteilt. Die Mitgliederbewcgung wird durch folgende Zahlen illustriert: Am 31. März 1913 hatte der Kreis 23341 Mitglieder, und zwar 18 915 männliche und 4426 weibliche. Am Schluß de» Geschäftsjahre» 1913/14 zählte der KreiS 23 423 Mitglieder, 18 825 männliche und 4508 weibliche, so daß ein Gewinn von 82 Mitglie- dern zu verzeichnen ist. Ist der Gewinn auch nicht erheblich, so kann man doch von einer gewissen Stabilität sprechen, während in den vorhergehenden Jahren ein Mitgliederverlust von mehreren Tausenden zu beklagen war. Der Vorstand glaubt diese Stabilität aus da» neue System der Hauskassierung zurückführen zu können und ersucht darum, diesen Beschluß recht tatkräftig zur Durchfüh« rung zu bringen. Immerhin mußten noch 4454 Mitglieder wegen reftierender Beiträge gestrichen werden. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß einer Einnahme von 122 050,24 M., eine Ausgabe von 120 544,51 M. gegenübersteht, so daß ein Kaffenbestand von 1505,73 M. verbleibt. In der Diskussion über den allgemeinen Vorstandsbericht be- mangelt Genosse Timm die geringe Beteiligung an den Beranstal- tungen der Jugendsektion. Diese Veranstaltungen müßten in den Zahlabenden und AbteilungSversammlungen lebhafter propagiert werden, auch der Kreisvorstand sollte mehr Interesse zeigen. Nach der Dechargeerteilung ging die Versammlung zur Beratung der vom Krei» gestellten Anträge über. Antrag 1 will zu§ 10 der AuSführungSbestimmungen fol- genden Passus einfügen:„Sind für die einzelnen Posten nur soviel Personen in Vorschlag gebracht, al» zu wählen sind, dann findet die Wahl in der Generalversammlung statt." Nach einer kurze» Diskussion wurde der Antrag mit graßer Mehrheit abgelehnt. Ein weiterer Antrag, welcher fordert:„Für die Hauptbiblio- thek des Kreises ist alljährlich eine siebengliedrige Kommission zu wählen", wurde dem KreiSbildungSauSschuß zur Erledigung über- wiesen. Eine längere Debatte entstand beim Antrag 8. welcher den „Vorwärts" im Wochenabonnemcnt von W P f. zu liesern, fordert. Fast alle Redner begründeten diesen Antrag damit, daß bei der Agitation jedesmal darauf hingewiesen wird, der„Vorwärts" wäre zu teuer. Wir müßten den Indifferenten in dieser Beziehung entgegenkommen. Wenn nun gar der Preis des„Vorwärts" noch auf 30 Pf. erhöht werden soll, mit einer illustrierten Beilage dazu. würde nach �Meinung der Diskussionsredner die Agitation noch' erschwert. Seit Jahren befaßt sich schon der Parteitag mit der Verbesserung der illustrierten„Neuen Welt" und in dieser Hin- ficht sei doch auch noch nichts geschehen. Nach lebhafter Debatte wurde dieser Antrag angenommen. Der Antrag 5 besagt:„Zur Teilnahme an der KraiSgeneral- Versammlung ist auf je 49 Mitglieder eine Delegierter zu wählen «bisher 29)." Antrag 6 lautet:„Der erste Bezirtsführer hat zur General- Versammlung nur al» Delegierter Zutritt." Beide Anträge wurden damit begründet, daß die Versammlungslokale meistens überfüllt wären und die Erledigung der Ge- schäft« darunter leide. Nach kurzer Debatte winden beide Anträge abgelehnt. Dem Bericht deS BildungSauSschusseS, durch Gen. Barenthin erstattet, ist zu entnehmen, daß die Unterrichtskurse sich eines guten Besuchs erfreuten. Es wurden zwei Vortragskurse abgebalten. Zu beklagen wäre, baß die künstlerischen Veranstaltun- gen nicht den Besuch fanden, der nötig gewesen wäre, um dia immerhin erheblichen Unkosten zu decken. Den Bericht der Preßkommission gab Genosse D ai vidsobn, welcher einleitend bemerkte, daß er den Bericht den ReorganisattonSkonimission vermisse, da hierbei die Delegierten diq Ansichten der ReorsanisatiönLsoinmisfion. bezüglich deZ 2ö Ps� WochcnabounementS kälten critgcgrnnedrr.cn können, übrigen entscheide ja diese Frage die Gencralncrsaminlnng Groß-Berlin und lchtcn Endes der Parteitag.assen werden. Das Alter der gewerblich beschäftigten Kinder ging bis zu ll Fahren hinunter. In den meisten Fällen wurden die Kinder mit Austragen von Leitungen und Backwaren beschäftigt. In- der Diskussion hierüber führt Genossin Bongartz aus, daß hier schon Abhilfe geschaffen werden könnte, wenn die Partei- ganoffen des Morgens keine Milch und Backwaren aus Kinder- bänden entgegennähmen. Tie B c s chw e r d c k o m m i ssi o n hatte in 22 Sitzungen 38 Ausschlußanträge, 41 Beschwerden und •. Streitfall zu erledigen. Ter Bericht der L o k a l k o m ini s s so n, sowie der«Wieds- g e r ich t s ko in M'i s s i o n Groß- Berlins wurden ohne Te- bertte entgegengenommen. Nunmehr erfolgten die Vorschlägt zum Kreis- sowie F e n t ra I v o r st a n d. Tic UrWahl findet am Sonntag, den 7, Juni, von 8 bis ItMlhr statt. Gegen die Kandiatur des Genossen Fritz Krüger zur Kreis- beschwcrdckommission liegt ein Protest des Vorstandes vor. Nach lebhafter Tebattc. an welcher sich die Genossen Tavidsohn, Krüger und Ruf beteiligen, wird dieser Protest gegen eine starke Minderheit zurückgewiesen. Für den Aktiostsansschiiß wurde der Vorsitzende P a u l H o s f m a n>i gewählt. Zum Schluß wurde der Antrag: „Tic beutige Versammlung fordert vom Parteivarstand, daß er Maßnahmen ergreift, um den M a s s e n st r c i k zur Er- ringung des allgemeinen Wahlrechts für Preußen durchzuführen," einer späteren Versammlung überwiesen. Tic Gcncralversamm- lilnjv war besucht von 774 Tclcgicrtcn, 48 Vorstands- und Kom- missionsmitgliedern,->34 Bezirksführern, 52 Abteilungsführern sowie 35 Leseabendleiterinucn, insgesamt 1173 Mitglieder. Fünfter Wahlkreis. Nachdem die Versammlung, die im Musikersaal(Kaiscr-Wil- Helm-Stvaße) tagt.', crösfuct war, bemerkte der Vorsitzende Fried- lacndcr: Am 14. Februar dieses Iabrcs hätte der sozialdemokratische Verein für den fünften Wahlkreis fein 25 jähriges Jubiläum feiern können. Ter Zeitpunkt ist leider verpaßt worden, weil das Gründungsdatum erst nachträglich festgestellt werden konnte aus Anlaß der Sammlung von Material für die Geschichte der Bcr- liner Wahlvcreinc. Am 14. Februar 1880 wurde in einer Vcr- sarnmlung im alten Schützenhause der sozialdemokratische Wahl- verein für den fünften Kreis gegründet. Es war die erste Orga- nisationsgrsindlüig in Berlin, nachdem das Sozialistengesetz jede politische Organisation unmöglich gemacht hatte. Welche Entwick- lung hat seit dieser Zeit der 5. Kreis durchgemacht! Tamals eine Organisation, die sich aus Intellektuellen und Handlungsgehilfen zusammensetzte, der die Proletariermassen sohlten; eine Organi- sation, die in der Ausklärung der bisher im liberalen Lager sieben- den.HandlungSgelsilscn, der im ionfervtitiv-anki semitischen Lager stehenden Kleinbürger und Handwerker Ungeheures leistete. Ein Wahltreis, in dem bei der Wahl von drei kämpfenden Parteien Sozialdcmokraten, Fortschrittlern und Antisemiten— ein harter Wahltampf ausgesochten wurde. Heute ci» Wahlkreis, aus dem die Antisemiten bis aus einen verschwindende» Rest beseitigt sind, der durch die wirtschaftliche Entwicklung zu einem proletarischen geworden ist und damit zu einem sichere» Besitztum der sozialdcmo- kratischen Partei, in dem der Liberalismus nicht mehr um das Mandat zu kämpfen wagt, �ine Organisation, die sich jeder von .Groß-Bertin würdig an die«cito stellen kann. Tem Geschäftsbericht des Vorstandes, der gedruckt vorlag und vom Genoffen Fricdlacndcr mündlich ergänzt wurde, entnahmen wir folgendes: Am Schlüsse des Ge- schastsjahres 1912/13 sprachen wir die Befürchtung aus. daß die Wirtschastskrisis sich in der Mitgliederbewegung schwer bemerkbar machen würde. Wir haften am Schlüsse des Gcschästsjabrcs 1912/13 2339 Mitglieder, und zwar 2913 männliche und 334 Uwiblichc. Am 1. Oktober 1913 waren es 2219 Mitglieder, 1899 männliche und 329 weibliche. Wir sehen also, daß die schlimmen Erwartungen sich erfüllt haben. Während wir noch am 31. März 1913 feststellen konnten, daß die Zahl de? Aufnahmen den Abgang überwog, über- wog im 1. Halbjahr 1913/14 der Abgang die Aufnahmen: 492 männliche und 12 weibliche Mitglieder hatten wir verloren, aber nur 273 männliche und 28 weiblickc ausgenommen. Zum ersten- mal war zu konstatieren, daß auch bei den weiblichen Mitgliederit der Abgang den Zugang überwog. Gewiß war die wirtschaftliche Depression der Hauptgrund des Mitglicdcrrückganges, aber bei den Mitgliedern war eine gewisse Müdigkeit und Lässigkeit in der Mit- gliedergewinnung eingeriffen. iso bot das zweite Halbjahr wenig Hoffnungen, bis die Zabernafsärc mit ibrcn Ucbcrgrisscn des Mi- lftärs das politische Leben beeinflußte. Tann rief der Partcivor- stand zur„Roten Woche" auf. Ter Erfolg der in ihr geleisteten Werbearbeit blieb nicht aus. Der Rückschlag von 1913 wurde weit- gemacht. Am 31. März 1914 hatten wir 2341 Mitglieder, nämlich 2999 männliche und 341 weibliche, wobei bemerkt werden muß, daß in diesen Zahlen der ganze Erfolg der„Roten Woche" noch nicht enthalten ist,— Aehnlich lagen die Verhältnisse bei den„Vor- wärts"-lcscrn. Auch bicr war am 1. Lktobcr ein starker Verlust zu verzeichnen, gab es doch im ganzen Kreise nur 3993„Vorwärts"- Abonnenten. Die„Rote Woche" brachte 495 neue Abonnenten. Am Schluß des Geschäftsjahres battc der Kreis folgende Abonnenten- zisscrn:„Vorwärts" 3399,„Gleichheit" 57,„Wahrer Jakob" 582, „Neue Zeit" 29,„Freie Stunden" 132. Ferner besprach der Redner die Erfolge bei der Landtags- und der Stadtvcrordnctenwahl und verwies darauf, daß die Jugend- sektion für Mitglieder von 18—21■ Jahren zur allgemeinen Zu- friedenheit gearvcitct hat. Tic vom Kassierer K i r st e erstattete Abrechnung zeigt eine Einnahme bon 15 289,69 M. i einschließlich des alten Bestandes von 257,98 M.), eine Ausgabe von 14 931,9>3 M., so daß ein Bestand von 253,34 21?. bleibt. Nach einer kurzen Diskussion, deren Gegenstand die künst- kcrischen und bildenden Veranstaltungen sowie die Stellung der Iugcndsektion innerhalb der Organisation waren, wurde der Kas- sierer entlastet. Hieraus gab Fricdlacndcr einen Ucberblick über die Tätigkeit der Kommissionen. Tie K i n d c vs ch u tz k o m m i ss i o n beschäftigte sich mit 19 Fällen, davon betrafen 11 Uebertretung des Kkndcrschutzgesetzes, , 2 Verwahrlosung,.3 Vernachlässigung und 3 Mißhandlung von Kindern, 36 Fälle wurden anderen Kreisen überwiesen. Die Schiedskommission erledigte 34 Fälle und zwar 33 durch Ausschluß, 3 durch Rügen und 2 durch Rügen und Ab- erkennung der Fähigkeit, Parteiämtcr zu bekleiden. Die L o k a I k o m in i s s i o n stellt fest, daß den Parteigenossen im Kreise 22 Lokale zur Versüguug stehen, während es im vorigen Jahre 23 wären. Schließlich gab der Redner noch einen kurzen Bericht von der P re ß k o m m i s s i o n und dem Abonnentenitand des„Vorwärts", der stch im März aus 145 199 belies. Darauf vollzog die Versammlung die Neuwahl der Funktionäre, die folgendes Ergebnis hatte: 1. Vorsitzender Friedlaender. 2. Vorsitzender Timm. 1. Schristfübrer B l u m. 2. Schriftnibrer T i e s l e r. 1. Kassierer Weise. 2. Kassierer«chawaller. Revisoren R c p p c n h a g e n, Schulz,« u h r. Beisitzerinnen Frau B l u m und Frau Thiel.— Aktionsausschuß F r i c d- tuender. Preßkonimission Hünschede. Lokalkommission H a h n i s ch, Schiedskommission R o s c m a n n. Bildungskonj- Mission B o s s a ck. Stawitzii,Fren zcl. Aindcrschutzkoitk- Mission Frau Wöllstein. Der Versammlung lag ein schon in den Zahlabcndcn besprochc- ner Äantrag aus, Schaffung eines Bcstattungssonds vor. Nach längerer Diskussion wurde der Antrag angenommen,— Der Zweck des Beitattungssonds ist, bei Bestattungen von Vereins- Mitgliedern, denen kein Geistlicher beiwohnt, einen feierlichen Akt zu veranstalten durch«tellung eines Sprechers und eines Sänger- ckiors. Um die Kosten dieser Veranstaltung auszubringen, soll von den Mitgliedern ein Extrabeitrag von 19 Pf, vierteljährlich er- boven werden. Anspruch aus die Veranstaltung haben nur diejeni- gen Mitglieder, die mit ihren Beiträgen nicht im Rückstand und ein Jahr Mitglied der Partei sind. Tic Tnrchsübrung dieser Be- schlüffc, die am 1. Juli in Kraft treten, unterliegt einer Bestat- tungskommission. In diese wurden die Genossen Baruch, Weise. Vick und«chwedlcr gcwäblt. Nachdem die Versammlung die Wahlen der Abtcilungssührer bestätigt hatte, wurde Friedlaender als Delegierter zum in- tcrnationalen Kongreß gewählt. Sechster Wahlkreis. Tie Generalversammlung tagte in den Germania-Sälen. Nachdem die in Vorschlag gebrachten Delegierten zur Verbandsgeneral- Versammlung bestätigt waren, ging der Vorsitzende Stäffler auf den gedruckt vorliegenden Jahresbericht näher ein. Der Bericht umfaßt die Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1914. Tie geleistete Tätigkeit ist ein« allseitig beftiedi- gende; es bat sich eine Festigung ergeben, womit wir zufrieden sein können. Durch Abbaltung von Versammlungen wurde die politische Situation ausgenutzt und ein tüchtig«rück Aufklärungsarbeit ge- leistet. Die Frage des politischen Maffenstreiks tritt immer mebr in den Vordergrund und wenn die Regierung und die herrschenden Klaffen die geplanten Attcutatc ausnibren sollten, werden die Parteigenossen mit den entsprechenden Waffen antworten. Ter Besuch der Kreisgeneralversammlung berriedigt den Redner nicht, die Gc- nossen jedes Zahlabends sollten daraus achten, daß die Delegierten auch die Versammlung besuchen. Im Berichtsjahr wurden 15 mal Flugblätter verbreitet. Die Genossen mögen sich eifriger an der Flugvlattverbreitung beteiligen. Tie Fluktuation unter den Be- zirksführern ist immer noch eiae große; Genosse S t ä s s l e r ricb- tet einige mahnende Worte an die Funktionäre, auszubalten und an dem Werk der Partei mitzudaucn, Durch die dankenswerte Unteritützung des Gen. Eugen Ernst war es möglich, unser 25 jähriges Stistungssesr in voller Würde zu feiern. Eine sehr schwere Tätigkeit hat unsere Kinder sckutzkommission entfaltet; im sechsten Kreise allein wurden 378 Uebertrctungen fest- gestellt; die Polizei hat leider für diese Kuiturtätigkcit keine Zeit übrig. Unsere Genossinnen find vielfach rühriger als die Genossen, das muß um so höher bewertet werden, als die Frauen sich fahr- zchniclang mit Politik nicht beschäftigt haben. Grade der Erfolg der„Roten Woche" legt die Notwendigkeit nahe, amsiger für die Partei zu arbeiten. Ten Kassenbericht gibt Genosse Frau k. Einer Einnahme von 187135,28 M. steht eine Ausgabe von 182 134,54 M. gegenüber, so daß am 31. März 1914 ein Bestand von 4899,74 M. vorbanden ist. Tic M i t g l i e d e r za b l beträgt 24 797 männliche und 4752 weibliche, zusammen 29 459 Mitglieder. Zieht man die roten Stim- men der letzten Reichstagswabl in Betracht, so macht das 29.37 Prozent aus. Wir müssen die neuen Mitglieder uns enger her- anzrehen. auch hier muß es vorwärts gehen. In der Tiskusfin» bemerkt Rosen seid: In der WahlrcchtSsrage stand die Berliner Parteileitung leider nicht auf der Höhe, glücklicherweise nimmt der „Vorwärts" setzt eine Haltung ein, die den Beifall dcS Redners findet. Wir haben die Masienstrcikfragc einschlafen lassen. Stettin und Lichtenberg baben scharte Resolutionen angenomine»; wir können mit der Haltung des Aktionsausschusses nicht einverstanden sein. Di« Vertreter des sechsten Kreises im Aktionsausschuß mögen nicht als Bremser auftreten, sondern vorwärts drängen. Die Be- richtcrftattung unseres ZentvalorganS kritisiert Genosse Rosen- seid unter Anführung einiger Fälle. Ter„Vorwärts" soll nicht die Ansicht seiner Redakteure zum Ausdruck bringen, sondern ein Spiegelbild der Gesamtheit sein. iBravo!� Ernst: Andere Beweggründe sind für die Preßkommission maßgebend, als sie Rosenseld anführt. Ich habe dieselbe Rede Rosensclds schon so oft gehört, ebensooft den Beifall. Ich rede nicht um Beifall zu erhaschen; ich stehe zu lange im politischen Kampfe und nehme mein Amt zu ernst, um von euch zu verlangen. Schritte zu tun. die für uns verhängnisvoll werden könrnen. Beifall und schwacher Widerspruch.? Die Arbeiter bringen die Opfer. nicht die Literaten. iLebhastes Sehr richtig!) Wenn die Wabl- rechtsversammlungen als Sommervergnügungen bezeichnet werden, tragen andere die Schuld daran. Warum sollen wir uns gegenseitig zerfleischen? Wir haben wichtigeres zu tun. Der Massenstreik nimmt seinen Weg durch die Gewerkschaften; nicht reden, sondern bandeln. Im richtigen Augenblick wird die Parteileitung aus ihrem Posten stehen; ein Hundssott, der nicht dann mftmacben wird. (Bravo!) B i t t o r f: Was Rosenfeld hier über die Vorgänge im Akftons- ausschuß gesagt hat, stimmt nicht; in der fraglichen Sitzung hat sich Rosenseld dagegen ausgesprochen. Die Sache kann doch nicht wie Rosenseld wünscht, von oben dirigiert werden. Es ist demagogisch, hier eine andere Meinung zum Ausdruck zu bringen. /Sehr richtig!) Die Redaktion muß das Recht baben, selbständig zu ur- teilen, wo? aufnahmefähig ist und was nicht. L a u k a n t wendet sich gegen B i t t o r s und gegen E r n st. Zu den Reorganisationsvorschlägen übergehend meint Redner, die Kommission hat sich als unfähig erwiesen, hier etwas Brauchbares den Genossen zu unterbreiten. Die Vreßkommifsion mischt sich in Tinge, die ihr nichts angehe». Das Bindungsshstem ist ein gefähr- licker Fehler. Wir müssen aufbauen, um kämpfen zu können. (Bravo!) Müller«Vorstandsmitglied): Unter der großen Arbeitslosig- feit leiden alle Kreise; auch wir haben geändert und wieder ge- ändert; der Geist zum Handeln muß vorbanden sein. lZuskim- munfl.i Redner polemisiert gegen Gen. Rosenfekd. «chiemaun tritt dem Gen. Rosenfeld scharf entgegen; er wird oft durch Widerspruch unterbrochen. Ten Appell an die schwie- ligc Faust möge man unterlassen. Weber: Rosenseld war sehr bescheiden, als er die letzten Ver- sammlungen für ein Zeichen des Trängens der Massen bezeich- ncte. Voin wirklichen KampfeSmut der Massen ist leider zurzeit noch wenig zu spüren, die Empörung über die ganze Trangsalierung der Arbeiterklaffe ist nicht so groß, wie man eigentlich erwarten müßte. Wenn der Massenstreik kommt, kommt er durch die Zu- spitzung der wirtschaftlichen Verhältnisse und nicht durch die An- nähme noch so scharfer Resolutionen. Wenn Rosenfeld schärfere Maßnahmen vorschlägt, soll er sagen, welcher Art diese Maßnahmen sein sollen. Redner rechtfertigt die Haltung des„Vorwärts"; es kann doch nicht jede Dummheit registriert werde». Die Angriff auf die Prctzkommission bezeichnet der Redner als unbegründet. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. In seinem Schlußwort gebt der Borsitzend'e Stäffler aus die gc- führte Debatte ein. In der Massenstreitfrage ist der Standpunkt Webers auch der Standpunkt d«S Redners. Mit Resolutionen ist nichts getan, unser« ganze Bewegung ist auf das Denken der Mafien aufgebaut. Die Enlaftung de? Kassierers«tckolgt i iiifsiiuiig, Genosse R o s c n f e l d bringt folgend« Reswdftw««an „Die Generalversammlung des sechste» grrfrmr Da� kreises begrüßt die energische Haltung deS»Vorwärts�« da Wahlrecht skraae. Sie«wachet»n de» Funiktionäreu f» Kreises, daß sie in Uebereinftimmung mft de« letzte» Wablrechft artikcln des„Vorwärts" in de« Zentvaliustunze» der Berliva Partei für eine verschärfte Fortführung des MahlrechtSkampso eintreten.", Tie Resolution findet Annahme. Die Re»w»hke« geben nennenswerten Verschiebungen.. Tie 15. Abteilung beantragt, die Genosse» CFug�u«rnf und Kurt R o s c n i e l d als Funktionär« abzukehnen, weS beu- Genossen aus dem Kreis verzogen find. Räch kurzer DiSkuM wird der Einspruch abgelehnt. Der vorgerückten Zeft wagen, werft die weiteren Beratungen aus ein« demnächst«stzuberusendeGener»' Versammlung vertagt.. • Im Anschluß an die im sechsten Wahlkreise ongenovuo» Resolution, welche sich auf unseren Wahlrechtskampf bezied� bemerken wir, daß Resolutionen ähnlichen Inhalts auch einigen der am D i c n s t a g abgehaltenen Demonstration� Versammlungen angenommen wurden. Außer der bereu veröffentlichten Lichtenberger Resolution sind uns nachtragt aus dem ersten und zweiten Wahlkreise Resolutionen zugl' gangen, die in den Demonstmtionsversammlungen angeno'/ men wurden und die wir auf Wunsch der betreffenden PartK genossen hier veröffentlichen. Ter erste Wahlkreis stimmte dieser Resolution 311' „Die dumpfe Reaktion, die aus Deutschland lastet, und die � in den Uebergrissen eines zügellosen Militarismus in dreisteren Angriffen aus das Koalitionsrecht und in empöre� l Dvongialierung der Arbeiterjugend kundgibt, kann nur gebrofl� werde», wenn das stärkste Bollmerk dieser Reaktion, Preußen.)' Herrschaft eines habgierigen Junkertums entrissen wird.«MI dieser Erkenntnis ausgehend, erwartet die werktätige Devölker�f Berlins, daß mit den heutigen Versammlungen eine«'" i Epoche der Wahlrcchtsbewegung beginnt. Di« � sammelte� verpflichten sich, in allen Kreisen der Entrechteten,>' den Werkstätten und bei jeder Gelegenheit dabin zu wirken, uf den entschlossenen Willen und die Bereitschaft der Massen sf) äußerüen Machtentsaltung zu wecken, da dieS der einzige Weg''' um den Starrsinn der herrschenden Reaktion zu brechen." Ter zweite Wahlkreis nahm folgende Restlv' tion an; „Tie Erklärung des preußischen PolizeiministerZ am 18. Jj® im Abgeordnetenhause ist eine den Massen des entrechteten Vol3| hingeworfene Heraüssorderung. Ten Vorstößen der Reaktion: � Attentaten aus das Koalitionsrecht, der Klassenjustiz, der Verfolg'Utk der proletarischen Jugendbewegung, dem Zollwucher in Verbinduf-: mit stets wachsenden Rüstungen, kann nur der entschlossene Kamps der ausgebeuteien und geknechteten Massen unter ft; Führung der sozialdemokratischen Organisation die richtige wort erteilen. �! Insbesondere hat der bisherige Berlanf des Wahlrechtskanip'" klar bewiesen, daß einzig und allein der höchste Druck des Matst®"| willens, daß nur der Massenstreik, dem gleichen Wahlrecht' Preußen die Bahn zu brechen vermag.. j Jetzt beginnt die zweite Etappe. der Wahlrechtsbewegung. in der Brck-Braucrci Versammelten geloben, mit allen Kräften � Werkstätten, Zablabenden, in allen Zusammenkünften dafür agitieren, daß die Frage des Wahlrechts in Preußen nicht wt? aufhört, diskutiert zu werden, damit die höchste Geltung des Mass®®' willens in Preußen sobald wie möglich zur Tat wird." Jugenöbewegung. Weshalb man die Jugend„pflegt". In der Abwehr gegen die Angriffe des Genossen Hacnisch der Kipttusmiiiister und bürgerlich« Abgeordnete im Landtag beteuert, es sei beileibe nicht die Furcht vor der Sozialdemokre' f die sie zur Jugendpflege antreibe. Rur die Liebe zur Jugend, daS Mitleid mit ihren fiftiichcn Röten veranlasse die bürgert/. Jugendpflege. Jetzt aber findet man in zahlreichen Zentrums hingen(u. a. in der„Kobl. Volkzig.", Rr. 331) einen Leitartikel v"' die Jugenddcbatte im Landtage. Ta heißt«S deutlich: ,, „Et ist erfreulich, zu sehen, mit welch wachsendem das preußische Abgeordnetenhaus sich alljährlich bei der BercrlU si des Kuitusciats mit der Pflege der heranwachsenden Jugend•' saßl. Um so erfreulicher ist dieS. als die bürgerlichen Parte' sich dabei von der richtigen Erwägung leit,� lassen, daß nicht« geeigneter ist, der Sozi®'., dcmokratie das Wasser abzugraben, als eine tionalem Sinne und zielbewußt geförderte Jugendpflege. haben aus diesem Gebiet schon große Forrschritte gemacht./�, was besonders wertvoll und bedeutungsvoll ist, auch in den E®"' städten hat die Jugendpflege festen Fuß gefaßt und steuert flerM hier nicht nur der Verwahrlosung der Großstadtjugend, sondt®.. auch ihrer Verirrung zur Sozialdemokrat' h i N.": I Damit ist nicht nur wieder einmal die politische Betätigung®'. bürgerlichen Jugendarbeit zugegeben, sondern gleichzeitig auck. ihre Mühlen von der Furcht vor der Sozialdemokratie getrieft' werden. In dem gleichen Artikel wird staatliche Hilfe für-die Kiu� horte aus denselben„Erwägungen" gefordert. Auch der K'®'?, erbarmt man sich nur, weil man glaubt, sie gegen ihre sozialdh® kratischen Eltern einnehmen zu können. Schwarz»nd gelb i« der Jugendpflege. Im vergangenen Jahre und auch in diesem sind zahlreich® hördlicke Jugendpslegekuese abgehalten worden, die bürger«' Jugendpsleger heranvilden sollen. Die größte Teilnebmerzahl- lich nicht weniger als 2199 Personen, zählte der aus Beranlatz'. U der Tuffeldorser Regierung veranstaltete.Kursus. Da aus Kursus auch zahlreiche Verirctcr der gelben Jugendbeweguvg..., WerkSvereine von Jiigevdlichen— vertreten waren, kam es z®® W bauen Zusammenstößen zwischen christlichen Gewerkschastern Gelben. Die christliche Gcwerksckaktspreffe berichtet darübel:.;( „Von einigen aus dem Kursus anwesenden Freunden; christlichen Gewerfichafien wurden deren Ausführungen jedow/ ihren wahren Wert zurückgeführt und entschieden zurüctgewft�( Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß die bchöröli. Jugendpflege ossc» sichtlich mit den sS liebäugelt, und daß dies« konsequent darauf bedacht sind. noch größeren Einfluß zu verschassen. In verschiedenen ist eS unseren Kollegen gelungen, eine Vertretung des chriwr � Gewerkschastskartells in den Ortsausschüssen zu erlangen.„ noch nicht versucht worden ist, wäre es angebracht, das iw«� boten, damit die Machinationen der Gelben stets rechtzeüg 0> gedeckt werden können,".(eM Nach brüderlicher Einigkeit in der bürgerlichen Jugend»!'� sieht das nicht a»s. Die christliche GcwerkschastSpressc entPfiL, verstärkte Agitation unter den Jugendlichen fift die christlich e®®'� wcrkschaften. Hossentlich bearbeiten unsere Freunde ihre Klaffcngenossen überall derart geschickt, daß weder für die zen noch für die Gelben noch viel zu holen bleibt. Hügsmein-l'srfcMsCenss TCUHBSHBaiHBBBa&BBSi Grurrow's Kaffee- Versd, Bresdnsrsi.TO GV'iQfih Lindenstr. 105, i . ll;ul$Sl Speck- ündSfliinkeasahcrei.[ l aiDn-Bazar.lnli.Ritter.rir. Frsnkr.St.14 �ihoHoitreig fiEtranüs Frais z A oral» am Haal. Messma-ii-Romertrank-Kell, <-2-> B;r!ei.=:ir. 81. Fernsp. Kgst. 13708 Keiner, Otto, Gerichtstraße 88. 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HlDrSull auch Oelezenheitikf. Bp JdioItz�Äf» Photo-Jansen. Hauptgtr. 23 PI3150S Cesare Donadon! 4 Pohl Berlin NO., Landsberger Alle© 18. Neue Pianos von 350 Mark an. FsMOros, DeieKlius Gustav Frank, Ackarstr. 1«. NoirOOd Brunnon.tr.)55 llülouCI Kord 2iTJ0, allerbilligst. Wildhagtn, N. 0.55, Winsst.W v. I. R H. Kahlbrock� Dsnrigorotr. 4». rauclieru.'apen, D.Danlelsobn, Kottbuserdammi. M. Kielow, frtiMUtl.ll, Keinlentr.9. K. Opalhe, Pankow. Florastr. Ii gxprsB-Scl]neiil.,Spaad.,Flehalil»ffBnil4 Frlta Wlldenhaynj�ElaaBoratr. I �ciriiis. m P. Knappe, Goabenstr. 9. jgpeiöwape� Rieb. Blume, raakov, Florastr. 11. O. Prochnow.KUla Btrwaautr.»• OgjVeltenj�ankow�Torastr� 'cchijliwäFen. ScftülimaGh Fideladt, Lief. d.K.,KaminiiIM. A.Ha(kbartb,CktrI.,Fsitslouislr.tla Emst Hoffmann, Pank., Florastr.9. WUh. Hltschke, Skaütreratr. 13. Willy Rusetz, Hasenheide 48. K. Luck, CbsrL, Tanrsffieisriir. 4*. Emil Mierlsd), Florastr. 81 Fssk. Peteraohn, Olk., Mülleratr. 15». J.Petrahn.Marienbg.Str.lO.»V« V. 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RietieGk-Bier-ftussciiank Brunoenstr�O�ckenLorti� ahnateiier Max Alm, Franseeklstr. IS P. Barein. Steinmetistr. 30. F.Bemart, Hlunnst-t 11,1 Aleissösrit. W Best, Sktlltttrilr.lll. Wruislitr. J. Bläck, BsrluierstT.IOtCbuIottsibnri] F. W. Briese, Cöpenickerstr. 79. M.Dre8ler,Grätzstr. 701, Treptow. DBdy, H., 8c»k»Ils,ßcrz«>, 48K-E.I179 Frlkenitcis. K.iis. A.J. Aller 81. Cbsrlltkj. H.Frey, zezr 1851, Lsiöslergrrsl. 83 1. Coetze, Ksia.-Fnedr.-St. 19811, S.-Koll». E. Juck. Blumenstr. 88Kg9t. 13846 H. Llndeke, Warschzuerstr. 9. R.Mende, Schulstr.lIT, Bckelustr. Moser, Alexssdetsl.Uö. E.Sehicklsrit. Zahn-Atel. Volkswokl, NölleTit. 1 16» b Reimmann, Residestst. Iii, Eelsiekesd. E. Sager, X.-R»lIn,Berssl. BS, Tel.9594. Hermann Schnitze, Bcusselstr.15 Fmil tonn Große Frankfurterat. 4 Lliill Juli II Ecke Fruchtstraße. Karl Sommer, Fraikförler Alleel 04. siraucHinann�rÄ�� W-Thledt, Reinickcndorferstr. 7. WoiCC V Üöioietell6rskst.ll0 IV ülOö�aATwlflg.gejt.BaTlOOo P. 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VreuMch.Sndd-tttsche (SSV. König!. Vreny.) Klagenlotterie v. Masse 18. ZiehungSwg 29. Mai 1811 Nachmittag ita, i«d» ee,ogene Nummer(In* zwei nleiib hohe Gewinn« aefallen, und zwar je einer auf die Löf« gleicher Rummer In de» beiden«bteiluiigeu, u. Nur dt« Gewinne über 240 M. find in Mammem betgefügt. (Ohne Gewähr A. 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