Kr. 154. flbonnemcnts-Rcdin� ungen: Hionnfnpntä» Vrcij pränumerando: Bierteljährl. ZLV M5, nionall. 1,10 MI, wüchenllich 2d Psg. frei ms Hau«. Einzelne Nummer ö Pfg. SonnlayS. Nummer mit illultrierler Sonnlogs. Beilaze.Die Neue Well" 10 Pfa, Soft» Saonncmeiu: 1.10 Marl pro M o n a l. Eingclragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für T culichland und Oesterreich. Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Marl pro Monal. Postabonnemenls nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luzeniburg. Pormgal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Cridldnt täglich. * G. Verlinev VolKsblakt. vis snsertionz-Lediih? beträgt für die fechsgefpallene Kolonel- zcile oder deren Äaum 00 Pfg.. iür politische und gewcrlichafilichc ibereinS- lind LccfnlMnlungS-Anzcigcn t!0 Pfg. „Alcine z�nocigc»". das scttgedriicltc Wort 20 Psg.(jiilässtg 2 fetigebrnclle Mörtel, jedes weitere Wort 10 P'g. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen das erste Wort 10 Pig., jedes weitere Dort 5 Pfg. Mortc über 15 Buch. sniben zähleii für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis t» Ulir nachniittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Ervediiion ijt bis 7 Uhr abends geossnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat Rcriui". Zentralorgan der rozialdemohrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lütdcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Moristpla«, Nr. 1S8Z. Dienstag, den H. Jnni 41144. Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Ein Schreckensurteil. Zu 514 Jahrxn Gefängnis sind gestern vom Gericht vier Personen verurteilt worden, die das Tcnkmal des Kaisers Friedrich zu Charlottcnburg in der Nacht vom 10. zum 1J. März mit den Worten„Rote Woche" bemalt haben oder Beihilfe bei der Tat geleistet, haben sollen. Tie Beweisauf- nähme ergab, daß die Inschriften völlig wieder entfernt worden und daß die Spuren der Tat völlig vernichtet sind. Fiir Beseitigung der Aufschriften sind insgesamt 7ä M. ausgegeben. Und dennoch die enorm hohe Strafe von je andertbalb Iahren Gefängnis gegen drei Angeklagte und ein Jahr Gefängnis gegen den vierten! Tie Tat der Angeklagten stellt lediglich den Ausfluß einer Unbesonnenheit, einer Ulkstiiiimung dar, die als grober Unfug hinreichend gesühnt wäre. Tas Urteil soll, wie bei der Begründung auSdriicklich hervorgehoben wurde, abschreckend wirken. Es wird und kann nicht abschreckend wirken, sondern es wirkt empörend. Empörend nicht gegen den leichtsinnigen Streich, dem Dutzende und aber Dutzende ähnlicher aus studen- tischen.Kreisen an die Seite zu setzen wären, sondern empörend darüber, daß die benchlerische Hetze der arbcitcr- feindlichen Presse ein solches Urteil zustande bringen konnte. Tie Verhandlung, iiber die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, hat klar erwiesen, daß die Angeklagten nicht wegen ihrer Tat so hoch verurteilt s i n d, s 0 n- dern wegen ihrer Zugehörigkeit oder einst- m a l i g e n Zugehörigkeit zur s 0 z i a l d c in 0- k r a t i j ch c n Partei. Ein Tcndenzurteil schlimmster Sorte. Verurteilt sind die Angeklagten wegen Vergehens gegen 8 30-1 St.G.B. Tiefer Paragraph besagt: Wer vorsätzlich und rechtswidrig Gegenstände der Verehrung einer im Staate bestehenden ReligionSgcincinschast oder Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet, sind oder Grabmälcr, ösfcnt- lilbc Drnkmätcr, Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft oder des Gewerbes, welche in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt werden oder öffentlich aufgestellt sind, oder Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Straßen oder Plätze dienen, beschädigt oder zerstört, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. Neben der Gefängnisstrafe kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Ter Versuch ist strafbar. Mehr als zweifelhaft erscheint es, wie einer der Vcr- teidiger zutreffend darlegte, ob die Angeklagten bei der An- bringung der Worte„Rote Wollte" in der Tat den V 0 r s a tz hatten, das Tenkmal zu beschädigen. Sie haben osfenbar gar nicht daran gedacht, eine Beschädigung des Tenkmals vorzii- nehmen. Sie haben, angeregt, provoziert durch das polt- zeiliche Verbot der Plakate, einen übertnittigen Iur sich leisten wollen. Genau wie er dutzendiach von der goldenen Jugend verübt wird. Semester für Semester wird beispielsweise in Jena auf dem Markt der in Stein gehauene Kur- fürst von Sachsen von der akadeniisäfen Jugend ausgeputzt und verunstaltet. Noch nie ist wegen einer derartigen Tat des.Ueberinnts Anklage wegen Sachbeschädigung erhoben. Aber wenn wirklich die Angeklagten die Absicht gehabt haben sollten, das Denkmal vorsätzlich zu beschädigen, so wäre das ein bedauerlicher Streich, weil die Beschädigung jedes Denk- nials bedauerlich ist. In welchem Verhältnis steht�aber die Strafe zu der Tat! Die strafe soll doch nach der Tat und nicht nach der politischen Gesinnung des Angeklagten bemessen werden. Tie Spuren der Beschädigung find mühelos beseitigt. Eine Geldstrafe oder cinc nach Wollten zählende geringe Freiheitsstrafe wäre eine der Tat voll entsprechende' Sühne gewesen. Das Gericht hat aber bei der Zumessttttg der Strafe, wie die Anklagerede des Staatsanwalts zeigt und die Begründung des Urteils klar ergibt, nicht sowohl die Tat der Angeklagten, sondern ihre Gesinnung zum Maßstab gettotttniett. Das nennt man ein Tettdenzttrteil. Was hat es mit der Sachbeschädigung zu tun, ob die Angcklagteit Sozialdentokraten sind und ob die Jnschrist�aus sozialdemokratische Propaganda hindeutete? Tie'Sach- bcschädigung durch die Worte„Rote Woche" wiegt genau ebenso schwer, aber auch nicht ein Ouent schwerer, als ob statt der Worte„Rote Woche"„Weißer Käse" angepinselt wäre. In einem Abendblatt findet sich in Anlehnung an die staatsanwaltschastliche Anklagerede die alberne Behauptung, die Angeklagten hätten durch ihre Tat ihre antiinonarchischc Gesinnung bekunden wollen. Wollten sie es, so durfte ihnen das tischt als straferschwercnd für Sach befchädigung er- achtet werden. Die Annahme, daß sie solche Absicht hatten, ist aber geradezu hirnrissig, insbesondere wenn man die Stellung der Sozialdentokratie über Kaiser Friedrich, auf die einer der Verteidiger auch hinwies, sich ins Gedächtnis ruft. Ter„Vor- wärts"— damals„Berliner Volksblatt" genannt— schrieb nach dem Hinscheiden Kaiser Friedrichs u. a.: „Wir glauben, Kaiser Friedrich war ein milder und humaner Mann, der, von seinem Standpunkte aus, sicherlich von den besten Absichten für das Wohl der Nation durchdrungen war. Er stand modernen Anschauungen nicht grundsätzlich feindlich gegenüber und war in seinen Ansichten so liberal, wie es in der heutigen Zeit ein Fürst seines Namens und seiner Erziehung nur sein '?nn. Tennoch aber glauben wir, daß in Deutschland ein wirk- lich liberales Regiment nur möglich ist, wenn das Volk selbst in seiner großen Mehrheit ein solches verlangt. Wenn dies aber der Fall ist, dann wird, dann muß dem Volke sein Wille werden.... Wenn die Teilnahme an dem ungemein traurigen Geschick des verstorbenen Kaisers auch in jenen Ärbeiterkreisen, welche nicht ihren Stolz darin erblicken, Fürstcndiener zu sein, cinc allgemeine ist, so erklärt sich dies ein- mal aus dem Mitgefühl, das jeder nicht durch und durch verrohte Mensch empfinden muß, angesichts eines Martyriums, wie es Kaiser Friedrich erduldet hat. Dann aber gilt diese Teilnahme allerdings auch dem Politiker, der, obwohl den Tod im Herzen fühlend, doch noch die Kraft fand, dem System Puttkamcr den Todesstoß zu versetzen." Ten Worten„Rote Wollte" eine Demonstration gegen den Kaiser Friedrich anziidichten, ist wahrlich ein starkes Stück. Leider sind die Angeklagten außerstande gesetzt, das Urteil des Reichsgerichts anztmifen. Sie haben auf das Rechtsmittel verzichtet, nachdem und weil ihr Haftentlassiings- antrag abgelehnt war und sie somit annehmen mußten, unter allen Umständen mehrere Monate weiter unschuldig in Unter- suchttng sitzen zu müssen. Tic Verhandlung hat seltsamer- weise keinerlei Licht darüber verbreitet, wer die Angeklagten denunziert und die fiir die Denunziation ausgesetzten IM) M. zu beanspruchen hat. Tie Richter haben sich durch die heuchlerischen Schreie der Entrüstung der bürgerlichen Hetzpresse zu einem durchaus un- gerechten Urteil verleiten lassen. Tas Urteil soll„abschreckend" wirken. Ja, abschreckend wird es in dem Sinne wirken, daß es die weitesten Kreise der Bevölkerung aufs höchste empört und den Entschluß zeitigt und stärkt, alles zu tun, um die. Un- gerecktigkeiten dieser Gesellschaftsordnung auf allen Gebieten zu beseitigen. die Krise in Frankreich. Jortöauer üer Schwierigkeiten.— vie Semuhungen Nibots. Paris, 8. Juni lllll.(Privattelegramm deS„Vor- wärts".) Die Kombination R i b 0 t wird von der gesamten Reaktion freudig begrüßt, da sie sich auf eine gemüßigte Mehrheit stützen und die Spaltung der Geeinigten Radikalen der- suchen müßte, die den Radikalismus zu dauernder Machtlosigkeit verurteilen würde. Ribot würde die Fe st Haltung der drei- jährigen Dien st zeit ohne Vorbehalt vertreten und müßte auch in der St euer frage die reaktionären Wünsche eriüllen. Darum ist das Gelingen seiner Aufgabe unwahrscheinlich. Jedenfalls würde sein Ministerium nicht lebensfähig sein. Mißlingt der Versuch Ribot, so wird Poincare jedenfalls noch andere Versuche mit der gleichen Tendenz unternehmen. In einem Leitartikel der„Humanits" wendet sich heute I a u r ö s gegen das„Veto" des Präsidenten. Jaures fragt, ob Poincarv vergessen habe, daß es ein Programm von PaU gibt, das die Mehrheit der Kammer vereinigt. Nur eine Lösung auf Grundlage dieses Programms wäre konstitutionell. Weil eine solche nicht versucht wird, wird die Krise stündlich schwieriger- Ist Frankreich, fragt Jaurss, noch sein eigener Herr, noch eine Republik und eine unabhängige Nation oder ein Sklave und wessen Sklave? Die„Aurore" schreibt gleichfalls gegen das Veto des Präsi- deuten. Trotz des zuversichtlichen Tones der reaktionären Presse bleibt es staglich, ob eine Mehrheit für eine gemäßigte Regierung zu finden sein wird. Vielleicht würde der Präsident die Auf- l ö s u n g versuchen. wozu aber die Z u st i m m m u n g des Senats nötig wäre, der gleichfalls eine LiiikSmehrheit hat. Allerdings ist ein großer Teil der Senatoren recht gemäßigt. Biviani dankt. Paris, 8. Juni. Wie es heißt, hat V i v i a n i es abgelehnt, in ein Kabinelt Ribot einzutreten. N 0 u l e n s hat die Uebernahme eine? Portefeuilles von der Zustimmung seiner politischen Freunde abhängig gemacht. Leon Bourgeois hat seine Mitarbeit versprochen._ Sie öesolöungsnovelle in öer öuögetkommWon. Das Schicksal der preußischen BesoldungSnodelle war entschieden, noch bevor die Kommission zusammentrat. Schon im Plenum waren ja die bürgerlichen Parteien so gründlich und glatt vor dem Nein der Regierung zusammengeknickt, daß die Kommisfions- bcralung nur noch eine Formsache war, um nicht zu sagen eine Vor- spiegelung. Denn welchen Zweck konnte eS haben, sich mit wichtigen staats- männischen Gebärden tn der um sieben Mitglieder ver- stärkten Budgetkommission zur Beratung niederzusetzen, wenn die Regierung einfach erklärte:„Ihr dürft nur ein- fach Ja sagen! Erdreistet Ihr Euch aber, die Novelle irgendivie abzuändern und zu erweitern, so spielen wir nicht mehr mit, sondern ziehen einfach unsere Vorlage zurück." Wozu da noch lange schwatzen, wenn das Resultat aller Redeiibungen für die Beamten schon von vornherein bomben- s i ch e r ist! Je nun, man muß eben so tun, als ob man etwas täte! Die Welt will beschwindelt werden und den Beamten ist man wenigstens den Beweis schuldig, daß man ihnen etliche Sitzungsstunden opfert. Vermutlich wird man nach dem obigen schönen Grundsatz „mirnclus viilt decipi" auch im Plenum seine Sprechwerkzcuge noch einigermaßen strapazieren, um den Beamten darzutun: W t r halten ja die allerbesten Absichten, aber die Regierung war wieder unerbittlich. Als ob man vor dem„Nein" der Regierung nicht stets nur dann so mutig zurückwiche, wenn man aus die Erzwingung des„Ja" selbst nur geringen„Wert" legt! Die Regierung kennt ihre Pappenheimer und so blieb sie denn auch dem Sturm der Beamtenwünjche gegenüber unerschüttcrt. Von den Mitgliedern der Kommission selbst hatte sie nicht einmal eineernste Attacke ausznhakten. Alle Redner, mit Ausnahme des sozialdemokratischen, zeigten von vornherein ihre Resignation. Und das, obwohl die Regierung nicht nur da? geringste Zugeständnis an momentanen Gehaltsaufbesserungen über den Rahmen der Vorlage hinaus strikte abgelehnt, sondern auch jede bestimmtere Zusage darüber verweigert hatte, wann sie denn nun auch die Gehälter der gehobenen Unterbeamten aufbessern wollte. Sticht einmal den Wechsel wollte der Finanzminister unterschreiben, den die Rcichsregierung unterschrieben hatte! Wenn das Reich im Jahre 1010 den gehobenen Unterbeamten das Gehalt ausbessere, wolle die preußische Regierung, wenn irgend möglich, mittun. Ob das aber möglich sein werde, könne heule noch kein Mensch wissen. Nur soviel könne er sagen, daß ja der Termin der Revision deS Be- s 0 l d u n g S g e s e tz e S das Jahr 1918, auch der letzte Termin für die Aufbesserung der preußischen gehobenen Unterbcamien sein werde. Der letzte, aber auch der w a h r s ch e i n l i ch st e Termin' Und daS ließ sich die Kommission ruhig gefallen. Sie begnügte sich lediglich mit frommen Wünschen und dem„Festlegen" von allerhand„Richtlinien" für die— wer weiß wann— kommende spätere Besoldungsreform. Wobei sich bei dieser total konfusen und wirr durchemanderlaufenden Aussprache dann ergab, daß selbst über die elementarsten Grundsätze der künftigen Besoldungsordnung die Ansichten total auseinandergingen. Der besürworteteKinderzulagen i der bekämpfte sie. Der eine ivollte die ErzieHungSzulagen wenigstens bei Bemessung des Wohnungsgeldzuschusses eingeschmuggelt wissen, der andere warnte vor solch einem„Dornenwege". Und ein fünfter wollte gar das ganze System des Wohnungsgeldzuschusses total um- gekrempelt wissen. Es war eine wahre Kakophonie von Mcinungs- differenzen. Aber schließlich„einigte" man sich doch auf eine nichtssagende Resolution— denn man wollte ja absolut den Bc- amten weißmachen, daß man über ihre Wünsche nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen sei, sondern getan habe, was in Menschen- kräften stehe. Die angenommene Resolution, durch die die bürgerlichen Parteien ihr Gewissen erleichtern zu können glaubten und die sich durch schwammige Unbestimmtheit eben so sehr aus- zeichnet, wie durch anmutige Stilisierung, hat folgenden Wortlaut: Abänderungsantrag zu dem Antrage Nr. 1. Den Antrag Nr. 1 in folgender Fassung anzunehmen: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: die königliche Staatsregierung zu ersuchen, I. baldigst und zwar spätestens, sobald dem Reichstage der Entwurf zu einer Abänderung der Bc- solöuiigSordnuiig vorgelegt wird, dem Landlage einen Gesetz- entwurf vorzulegen, durch den die bei einzelnen Kategorien von Beamten seit der letzten Besoldungsänderung entstandenen Mängel, Härte 11 und Ungleichheiten beseitigt werden, II. mit möglichster Beschleunigung einen Gesetzentwurf vor« zulegen, durch den a) der Beamten mit kinderreichen Faniilien den dadurch bedingten gesteigerten Bedürfnissen ohne Kür- z u ii g ihres s 0 11 st i g e n D i e n st e i n k 0 m m e 11 s Rechnung getragen wird. b) die bezüglich deS WohnungSgeldzuschusies entstandene Untuiräglichkeit beseitigt wird, III. alsbald bei dem Bundesrate dahin zu wirken, daß in Abänderung der bisher von ihm aufgestellten Grundsätze für die Entscheidung über Anträge wegen Einreihung der Orte in die Ortsklassen anstatt nach den tatsächlich gezahlten Mieten, der Zahl der Zimmer und des nur für die mittleren Beamten ermittelten sogenannten Einheitszimmerpreises der von den Beamten jeder der eiiizelnen Klassen sür eine ihren Ver- h ä l t n i s s e n angemessene Wohnung zu tragende MietSaufwand berücksichtigt wird. Berlin, den 8. Juni 1014. v. der Osten- Warnitz. Graf v. der Groeben. Schmiljan. Dr. Wagner I Breslau). Dr. v. Savigny. DeliuS. Dr. Busse. Dr. König. Dr. Schrocder(Kassel). Dr. Gotischalk(Solingen), Diese„Kundgebung" der Kommission bedeutet um so weniger, als es ja dem Finanzminister gar nicht eingefallen ist, die Z u st i m m u n g der Regierung zu erklären! Nachdem so die Bor- tage nebst Resolution erledigt waren, ging man an die Ncso- lutionen. Konsequent und ehrlich wäre es gewesen, wenn nian die Er- örterung der Petitionen, die ja einstweilen durch die unveränderte Annahme der Regierungsvorlage gegen st andslos geworden waren, einfach zurückgestellt oder aber in Bausch und Bogen der Regierung zur Erwägung überwiesen hätte. Aber baZ HZtte nach außen hin einen zu peinlichen Eindruck gemacht und deshalb wählte man den famosen Ausweg, die Resolutionen in ganz knapper Inhaltsangabe in stundenlangen Monologen zwar vor- tragen, dann aber ohne Debatte der Regierung zur«Er- wägung" überweisen zu lassen. Diese originelle Methode erregte wiederholt etwelche Gcwissensskrupel, die durch endlose Ge- schäftsordnungsdebatten ein wenig Leben in die Mono- tonie brachten. Aber schließlich blieb es bei der alten Methode. Man wollte auch hier wenigstens den Anschein erwecken, als ob man die Beamtenwünsche nicht einfach im Papierkorb be- grabe. So hat die Budgetkommission die Hoffnungen breiter Beamten- schaften eingesargt. ES ist genau so gekommen, wie eS der sozialdemokratische Redner bei der ersten Beratung vorausgesagt hatte. Ja fast noch schlimmer: ließen die bürgerlichen Parteien doch selbst jede Spur von Eifer und Energie in der Vertretung der Forderungen der übergangenen Beamtenschichten vermissen und führten sie doch bei der.Erledigung" der Petitionen eine Komödie auf, die bei den Beamten sicherlich alles andere eher als heitere Zustimmung finden wird! Gegen öas Koalitionsrecht. Der Polizeikampf gegen das Koalitionsrecht wird auf Anregung des Ministeriums des Innern in ganz Preußen vorbereitet. Das Ministerium des Innern hat auch für die Regierungsbezirke Gum- binnen, Königsberg, Dauzig, Marienwcrdcr zum„befielen Schutz der Arbeitswilligen" eine Polizcivcrordnung angeregt. Mit der Vorbereitung sind die Regierungen beschäftigt. Bekanntlich hat der Minister des Innern v. Dallwitz die Polizei- Verordnung des Obcrpräsidentcn der Provinz Westfalen vom 11. Juli 1908 als vorbildlich bezeichnet. Diese ist, wie wir am 29. Mai mit- teilten, soweit für rechtsungültig erklärt, als sie über die allgemein bekannten sogenannten Straßenpolizeiverordnungen hinausgeht. Das Kammergericht hat am 18. Mai, wie wir in einem ausführlichen Bericht darlegten, den Paragraphen 1a jener Verordnung für gesetzwidrig erklärt, welcher bestimmte, daß allen fauch außerhalb der öffentlichen Straßen ergehenden) Anordnungen der polizeilichen Aufsichtsbcamtcn Folge zu leisten sei, die zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, insbe- sondere zum Schutze der Person und des Eigentums getroffen werden. Aehnlichc Verordnungen in anderen Provinzen würden natürlich ebenfalls für ungültig erachtet werden müssen. Gleichzeitig mit der?lnrcgung, solche Polizcivcrordnungen zu erlassen, findet bei den Regierungen der preußischen Regierung?- bezirke auf Veranlassung des Ministers des Innern eine Umfrage statt, ob die bestehenden Gesetze über den Schutz arbeitswilliger Elemente ausreichen oder ob weitere gesetzgeberische Maßnahmen erwünscht s i n d? Es wird also aus eine neue Zuchthausvorlage zugeschritten, eine völlige Entrechtung der Arbeiterklasse vorbereitet. An den Arbeitern selbst liegt es, mit Entschlossenheit allen diesen Plänen entgegenzutreten. Bekanntlich hat der Reichstag mit großer Mehr- hcit gegen die Stimmen der Scharfmacher(einschließlich der Nationalliberalen) strafrechtlichen Schutz gegen die Ver- gewaltigung des Koalitionsrechts, gegen die Behinde rung der Ausübung desKoalitionsrechts verlangt. Soll die ministerielle Umfrage in Preußen die Ant- wort auf dies Verlangen des Reichstags sein? Glaubt die Regie- rung in der Tat die Geduld der Arbeiterklasse weiter ungestraft reizen zu dürfen?„Schutz der Arbeitswilligen",„Vermehrung des Schutzes der Arbeitswilligen"— sollte man Rufe danach in einem Lande für möglich holten, in dem Mordbuben nicht unter Anklage gestellt oder freigesprochen werden, weil sie als Arbeitswillige glaubten, ehrliche Arbeiter niederschießen zu dürfen? Schutz für Elemente wie Hintze, Brandenburg oder den Streikbrecher- und Polizeiagcnten K e i l i n g, dies nützliche Element der Gesell- schaft, das wegen der gemeinsten Vergehen zu Gefängnis- und Zuchtbausstrafen verurteilt, mit Ehrverlust bestraft und unter Polizeiaufsicht gestellt ist? Für ihn hat ja, wie wir an anderer Stelle darlegen, noch jetzt die Staatsanwaltschaft„im öffentlichen Interesse" Beleidigungsklage erhoben, wejl ein anständiger Arbeiter es wagte, diesem Menschen den Dolch, den er zum Stechen erhoben hatte, zu entreißen und dem Kciling in berechtigter Entrüswng ein paar Ohrfeigen gegeben haben soll. Schutz der anständigen Arbeiter, aber nicht erhöhten Schutz feiger Mordbuben und Tolchstecher, Zuhälter, Kuppler, Betrüger und Polizeiagenten, die als Arbeitswillige ihre Schandarbeit ver- richten, verlangt die Arbeiterklasse und verlangt das deutsche Volk. poli'tisihe Ueberflcht. Zcntrumshilfe. Tic„Germania" beeilte sich, den Konservativen in der Hetze gegen die Sozialdemokraten in der Kaiserhoch-Gcschichte beizubringen. Es kommt dabei dem Zentrum gar nicht darauf an, die Immunität der Reichstagsabgcordiieten zu opfern, wenn es nur nach oben die untertänigste Ergebenheit versichern kann. Die Leute haben ganz vergessen, daß sie einst als Reichsfeindc galten, daß die alten Führer, die Windthorst, Majunke, Schorleiner usw. mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit darauf achteten, daß die Rechte der Rcichstagsabgeordncten nicht verkümmert werden. Das heutige Zentrum sieht seinen Stolz in schmieriger Anbiederung bei den Herrschenden, von deren überfüllten Tischen es einige Brocken zu erschnappen hofft. Das muß ini Auge behalten werden, wenn inan den nachfolgenden jammervollen Erguß der„Germania" richtig würdigen will. „Ter Reichstag kommt hier aber auch selbst in sehr erheb- licher Weise in Frage. Derartige öffentliche a n t i- monarchistische Kundgebungen, wie das demonstra- tive Sitzenbleiben bei einem von seinem Präsidenten ausgcbrach- tcn Kaiserhoch kann und darf der R ei ch s t a g sich im Interesse seiner Würde und seines Ansehens nicht weiter gefallen lassen. Er muß hier die Selbsthilfe gebrauchen, die ihm bereits geboten ist, oder diese Selbsthilfe noch zu er- weitern suchen. Verlangen die Sozialdemokraten im Reichstage gleiche Berechtigung mit den bürgerlichen Parteien, so müssen sie auch die gleichen Verpflichtungen nach jeder Richtung hin auf sich nehmen. Sie haben das am«chlusie der Session durch ihre antimonarchistische Demonstration gegenüber dem Kaiserhoch des Rcichstagspräsidenten abgelehnt. Sie müssen auch die Folgen aus dieser, nicht nur gegen den Monarchen, sondern auch gegen den.Präsidenten des Reichstags geübten Demonstration auf sich nehmen und können sich nicht beklagen, wenn fie selbst durch ihr Verhalten diese Folgen provozieren. Aber wenn der llleichstag gegenüber der Willkür und der antimonarchistischen Demonstration der Sozialdemokraten etwas Positives tun will, so kann das nur geschehen unter voller Uebereinstimmung der bürgerlichen Parteien und mit der Ziegicrung über ein gemeinsames Vor- gehen, sei es auf gesetzlichem Wege, sei es auf dem Wege einer Abänderung der Geschäftsordnung des Reichstags." Auf diese Vorschläge sind wir einigermaßen neugierig. Ein Gesetz zur Teilnahme an Kaiserhochs für Rcichstagsabge- ordnete wäre eine Prachtleistung, die sich sehen lassen könnte. Und die Begeisterung für die Monarchie würde dadurch sicher sehr gehoben._ Konservative, die nicht mithochen. Auf einen bemerkenswerten Vorgang in Stendal-Osterburg macht der„Deutsche Kurier" aufmerksam, indem er im schönsten nationalen Wenn- und Aber-Stil schreibt: Kein Wunder, daß die Agrarkonservativen sich auf dieses gefundene Agitationsmittel, mit dem sie die gleichen Geschäfte wie mit der demagogischen Ausbeutung der Zabernaffäre zu macbcn glauben, stürzen, und wenn im Herrenbaus sogar bereits eine Verfassungsänderung vorgeschlagen wurde, um einer Wieder- kehr solch würdeloser und verletzender Demonstration vorzubeugen. Nun haben nach unserer Meinung die Konservativen zwar das wenigste Recht, sich über diesen Vorfall aufzuregen, denn im Wahlkreise Stendal blieben in einer libe- raten Versammlung in Meßdorf die kons er- vativen Besucher unter Führung eines Ritter- gutsbc sitzers und Rittmeisters der Landwehr beim Kaiser hoch ruhig sitzen, aber der ganze Vorgang zeigt doch, daß die Hoffnung auf eine Mauserung der Sozial- dcmokratie ein schöner Traum ist und bleibt, und daß es tat- sächlich notkut, das Bürgertum und die nationalgefinnte Arbeiter- schaft zum Kampfe gegen die zersetzenden Tendenzen der Sozial- dcmokratie unter einer gemeinsamen Fahne zu sammeln. Da das Sitzenbleiben bei einem Kaiserhoch nach konservativer Auffassung krasse Majcstätsbeleidigung ist und die Mcßdorfer Herren auf keinen Fall duröb Immunität gedeckt find, kann ein Prozeß nicht ausbleiben. Der Staatsanwalt wird sich anstatt der sozialdemokratischen Taube auf dem Dache mit den konservativen Spatzen in der Hand begnügen müssen. Also, den Strick um den Hals und marsch ins Gefängnis! Vorladuug oder Einladung? ' Wer Phantasie hat. male sich einmal folgende Szene aus: In irgendeiner deutschen Stadt(ein ausschweifender Phantast kann sogar an eine preußische denken) wurde ein Gewerkschaftskongreß ab- gehalten. Ein Ernpfangsabend wird veranstaltet, der Polizei- Präsident erhält eine Einladung, er erscheint in Galauniform und wird vom Vorsitzenden mit einer Ansprache begrüßt, in der er auf- gefordert wird, hübsch seine Pflicht zu tun und die Arbeiter vor dem Terror des Unternehmertums und den Ausschreitungen der Hintze- gardisten zu schützen. Der Herr Polizeipräsident dankt schweigend, zustimmend. Das ganze Fest nimmt einen ungetrübt harmonischen Verlauf. Kann man sich das vorstellen? Nein! Aber etwas anderes kann man sich sehr gut vorstellen, so wie es im Bericht der„Post" geschildert ist. Da wird von dem Festmahl, das der Zenlralverband deutscher Industriellen im Anschluß an seine Delegiertenversammlung in Köln veranstaltete, folgendes gemeldet: Weiter begrüßte Kommerzienrat Vorsier den Polizei- vräsidenten der Stadt Köln, v. Glasenapp, und fand die lebhafte Zustimmung der Festversaminlung, als er auf die wichtige, verantwortliche Rolle hinwies, die die Polizei- behörden bei der Durchführung eines kräftigen Schutzes der Arbeitswilligen zu spielen berufen sind. Wenn eine festeHand von oben her gezeigt werde, wenn die Polizei streng und gewissenhaft ihre Pflicht tue, könne man vielleicht mit den vor- handenen Gesetzen auskommen. Man bewundert den feinen Takt, mit dem die Herren vom großen Portemonnaie die Anwesenheit eines hohen Verwaltungsbeamten auf einem Feste benutzen, um ihm über sein amtliche? Ver« halten Vorschriften zu machen. DaS Verhältnis der unparteiischen Behörde zum Unternehmertum wird durch diese Szene ins rechte Licht gerückt, die Autorität des Staates erheblich befestigt. Der Junker in Uniform darf mit den Schlotbaronen essen und trinken, dafür muß er sich Belehrungen darüber gefallen lassen, was er in seinem Amte zu tun und zu lassen hat. Fast symbolisch nimmt sich diese Szene aus. Einst war das Junkertum auf feine unabhängige Stellung gegenüber den bürgerlichen Geldsäcken stolz. Heute verlangen die Carnegies des preußischen Westen?, daß die be- amteten Funter die getreuen Pinkertons spielen. Und der Sozial- dcmokratie erwächst die Aufgabe, die sagenhaft gewordene„Staats- autorität" aus der unwürdigen Stellung zu befreien, in die sie durch die Uebermacht des Großkapitals immer tiefer hineingerät. Titclschacher ans neuester Zeit. Zwei weiteren Briefen, die der BrcSlaner„VolkSwacht" zuge- gangen sind, ist zu entnehmen, daß ein gewisser Düssinger aus Magdeburg den Hoflieferantentitel für 2500 M. auch an Hand- wcrkSmeister mit„besserer" Kundschaft vermittelt hat und zwar noch im Januar 1914. Im übrigen ist es das alte Bild, neu ist höchstens, daß dieser Schacherer nickt wartet, bis ein Titelhungriger sich auf Inserate oder andere Angebote hin meldet, sondern daß man sich die geeigneten Opfer aus Katalogen und Adreßbüchern heraussucht und dann auf„ehrenwörtliche DiZ- kretion" verpflichtet. Herr Düssinger reist dann selbst in die Orte, um alles andere„korrekt" zu erledigen. Zentrum und Schule. In der Pfingftwoche hielt der Katholische Lehrerver- band in Essen seine 16. Jahresversammlung ab. Ter Vorsitzende versicherte zwar, daß der Verband politisch neutral sei; in einer Spczialversammlung forderte aber der Hauptredner, Lehrer Kley- Neuwied,„die Verbandsmitglieder auf, die Verbreitung der katholischen Presse nach Kräften zu fördern. Nicht nur der Abwehrkampf gegen die schlechte('?!) Presse ist eine Tagesförderung für die katholische Lehrer- schaft...." Die„katholische Presse" sind die Z e n t r u m s b l ä t t c r, die „schlechte Presse" sind die liberalen und sozialdcmolratischeu Zci- tungcn. Mau wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß künftig die Mitglieder des ultramontancn Lehrcrvcrbandcs noch mehr als es bisher ohnedies gesäiah, die S ch u l r ä u m e als Propaganda- Plätze für ihre Parteiorgane und als Hctzhallen gegen alle nicht- klerikalen Prcßcrzeugnisse mißbrauchen. Die Arbeitereltern werden gut tun, ihre Kinder auf derartige Eingriffe in ihr häusliches Leben vorzubereiten und sie entsprechend zu instruieren. Auf welcher Höhe dieser ultramontanc Lehrcrtag stand, mag man daran ermessen, daß man auch den Zentrumsabgcorduelcn und Gewerkschastschrist Gronowsti als Redner bestimmt hatte. Wer Herrn Gronowsti auf Grund seines öffentlichen Auftretens kennt, der fragt sich erstaunt: Was kann dieser Mann denn den Lehrern erzählen, was sie nicht längst und besser wissen? Und seine„Rede" bestätigte alle Befürchtungen. Ein anderer Sprecher, Lehrer Runge- Düsseldorf, wetterlc gegen den„Umsturz" und gegen die liberale Richtung im Pro- testantismus, die„mit dem Christentum nichts mehr gemein hat". Herr Runge meint dos„Christentum" seiner Parteifreunde, das allerdings an dem groben Konstruktionsfehler krankt, daß es den Lehren des Weisen von Nazarcth schlankweg? zuwiderläuft. Herr Runge fuhr fort(„Tremonia" Nr. 159): „Müssen da nicht katholisches Volk und katholische Lehrer» schaft um so fester und treuer zusammenhalten, um unserer Jugend Religion und Tugend zu erhalten? Zum göttlichen Kinderfreund wollen wir unsere Kinder führen; nur ein in der Religion fest verankerter Mensch kann ein Charakter sein. Ein moralfreier, religionsloser Unterricht erzieht keineCharaktere. Eherlas senwirunser e�K i r ch c n niederreißen, als daß wir unsere konsessiwnel- len Schulen uns nehmen lassen. Und weil wir unsere Kinder religiös erziehen, sie die Achtung der göttlichen Autorität lehren, darum erziehen wir sie auch zur Ächtung vor der staai- . liehen Autorität, zu guten Staatsbürgern. Aus staatsbürgerlichem Interesse verlangen wir darum auch die religiöse Erziehung." Herr Runge scheint ein noch ganz unerfahrener Mann zu fein, oder stellt er sich so naiv? Gerade die Zentrumspariei hiebet unter ihren führenden Leuten seit vielen Jahren eine erhebliche Anzahl von Elementen, die trotz„Verankerung" in ihrer sogenannten Reli- gion sich als das krasse Gegenteil von Charakteren erwiesen haben. Man unterlasse doch endlich jene pharisäerhasten Verdächtigungen und Verunglimpfungen derjenigen, die ihre Weltanschauung und ihre Moral nicht klerikal haben abstempeln lassen. Anderenfalls müßten wir wiedermal mit der Leporelloliste zentrumschristlicher Spitzbuben, Wucherer, Ausbeuter, Ehebrecher usw. aufwarten. Der Not und dem Drange der Zeit gehorchend, hatte der katho- lffche Lehrerverband auch die Einheitsschule aus die Tages- ordnung gesetzt. Tie„Historisch-politifchen Blätter", das wissenschaftliche Organ der deutschen Katholiken, haben in ihrer jüngsten Nummer(153. Band, Heft 11) sich mit dem aktuellen Thema besaßt und dabei(S. 834) geschrieben: „Die Einheitsschule braucht man nicht. Es gc- nügt, wenn durch sämtliche Schulgattungen ein einheitlich religiös-nationaler Zug hindurchgeht. Gerade aber der religiöse Charalter der Konfessionsschule, der sozial-ethisch nickt hoch genug angeschlagen werden kann, ginge mit Einführung der Einheiisfchiilc notwendig verloren. Denn bei unserer konfessionell gemischten Bevölkerung müßte die Einheitsschule notwendig simul- tan oder gar religionslos sein.. „Der religiöse Gesichtspunkt spricht also gegen dffe Ein- heitsschule"— so schrieben die„Historisch-politifchen Blätter" weiter. Dennoch hat sich der Hauptredner auf dem Essener Ver- bandstag, Professor Dr. Martin Spahn, für die Einheitsschule ausgesprochen. Er bezeichnete es nach dem Bericht der„Kölnischen Volkszcitung"(Nr. 592, 4. Juni) als bedauerlich, daß der Gedanke der nationalen Einheitsschule bekämpft werde, und forderte die katholischen Lehrer auf, an den Rcformplänen zur einheitlichen Reorganisation des deutschen Schulwesens mitzuwirken. Gewiß, so sprach Spahn junior. Aber wie sieht sein Schulideal aus! Er will eine„Einheitsschule mitkonfessionellerTrennung, eine Einheitsschule, die keine ist! Man könnte ebenso gut ein „gleiches Wahlrecht" mit— PluralstimPen fordern; denn der Weg- fall der verderblichen konfessionellen Scheidung fft ein Wesenszug der Einheitsschule. Professor Spahn scheint, gleich dem Herrn aus Düffeldorf, auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Klerikalen„eher ihre Kirchen niederreißen lassen", als daß sie die konfessionellen Schulen preis- geben. Auf allen Tagungen der Schwarzen bildet die Sckulfrage seit Jahren den Kardinalpunkt unter den Verhandlungsgegenständen, und es besteht eine besondere, von dem Oberlandesgerichtsrat Marx geschaffene zentrümliche Schulorganisatton, die mit großer Rührig- kcit ihren reaktionären Bestrebungen obliegt. Tic Freihcits- und Bil- dungsfeinde wissen warum. Die Religion ist ihnen immer und alle» mal nur Mittel zum Zweck, sie dient ihnen zur Fanotfficrung gegen Andersdenkende, zur Zersplitterung und Verhetzung der- jenigen, die natürlicherweise zusammen gehören, und zur De» schwichtigung derer, die sich die Knechtung und Ausbeutung durch jene Herren nickt stnmpssinig gefallen lassen wollen, die für sich schon den Himmel auf Erden erreicht haben, während fie andere aufs Jenseits verweisen. Ein ärgerer Mißbrauch wahrer Religion ist nicht denkbar, als er von Zentrumsscite getrieben wird. Endlich erreicht. Der ehemalige nationalliberale Reichstagsabgeordnete und sächsische Landgerichtsdirektor Heinze ist zum ReichSgerichtsrat ernannt worden. Heinze war früher in Dresden tätig und zeigce bei seinem ersten politischen Auftreten gewisse national. soziale Neigungen, die ihn in den falschen Verdacht brachten ein liberaler Mann zu sein. Gelegentlich der Blockwablen 1997 gelang es ihm, den Dresden-Altstädter Kreis zu erobern und im Reichstage entpuppt- er sich dann bald als einer der eifrigsten und skrupellosesten freiwilligen Regicrungk« kommissare. Wenn es irgendeine vom liberalen Standpunkt aus gewagte Sache zu verteidigen galt, Heinze war der richtige Mann dazu. Seine parlamentarische Tätigkeit fand bei den Wahlen 4912 ein Ende und nun sollte der so brauchbare Mann unter allen Umständen beim Reichsgericht untergebracht werden. Es war ein offenes Geheimnis, daß hinter der wiederholt gestellten Forderung der Regierung, einen sechsten Reichsanwalt etatsmäßig anzustellen, die Absicht stand, Heinze mit diesem Posten zu belohnen. Die Forderung der Regierung wurde aber regelmäßig abgelehnt, und nun hat man sich so geholfen, daß man ihn zum Reichsgerichts» rat ernannte. Heinze dürfte einer der jüngsten ReichSgerichtSräte fein; er ist noch nicht 49 Jahre alt. Prefse-Bceinflussung. Ein großkapitalistisches Syndikat für den A u S» landS-Nachrichtendienst hat sich gebildet. An der Spitze steht ein Direktorium, das sich aus Gcheimrat v. Borfig, Landrat a. D. Rötgcr und Direktor Schacht von der Dresdner Bank zu- sammensctzt. Ein besonderer VerwaltungSrat, der vor allen Dingen Anregungen für den Ausbau und die Art der Berichterstattung geben soll, setzt sich u. a. aus folgenden Herren zusammen: Professor Tuisbcrg, Farbwerke Bayer, Hagen, Diskontogescllschaft, Kom- merzicnrat Hcrm. Hasenclever, Remscheid, Herm. Hecht, Berlin, Generaldirektor Heincken, Norddeutscher Lloyd. Direktor Helsscrick, Deutsche Bank, Direktor Huldcrmann von der Hapag, Dircltor Kose- garten, Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken, v. Langen, Tis- kontogescllschaft, Gehcimrat Rathcnau, Generaldirektor Reuter von der Deutschen Maschinenfabrik Duisburg, Salomonsohn, Diskonto- gesellschaft, Gcheimrat v. Siemens, Edmund Bohlen, Hamburg. Die Leitung der Geschäfte liegt in den Händen zweier Geschäftsführer, der Herren Asch und Dr. Hansen. Die„Post" sagt zu diesem llntcrnehmen: „Es� handelt sich bei dem Unternehmen borläufig um ein zwangloses Syndikat auf drei Jahre, das später eine festere Form erhalten soll. Ter Jahresbeitrag für die Mitgliedsfirmen beträgt mindestens 1999 M. Bedeutsam ist, daß das Auswärtige Amt dem Syndikat einen Zuschuß von 259 999 M. zu- gebilligt� hat unter der Bedingung, daß von der Industrie die gleiche summe ausgebracht werde. Da, wie wir bören, von dieser Seite, die Summe von 259 999 M. durch Mitgliedsbeiträge bczw. freiwillige Beiträge bereits überzeichnet ist, scheint dieser Zuschuß bcs Auswärtigen Amts dem Syndikat gesichert. W>e wir Nr. 154. 31. Jahrgang. 1 Itilüjf des Jütmirls" Kerl« NoldsM Nltvsiag, 9. Inn! 1914. Gewerkschaftliches. Die Sonntagsruhe. Du sollst den Feiertag heiligen, sagt ein christliches Gebot. Da- nach müßte die Kirche die eifrigste Verfechterin des Sonntagsruhe- gedankens sein. Wie schaut nun aber ihre Haltung in dem gegen- wältigen Kampfe um die handelsgewerbliche Sonntagsruhe aus? Das zeigt ein Vorgang in der Diözesanversammlung der Ephorie Großenhain in Sachsen, über den die.Handlungsgehilfen-Zeitung' berichtet. Da sprach ein Pastor Jagsch über die Sonntagsruhe. Er dankte u. a. der Staatsregierung für das große Verständnis, das sie dieser Frage entgegengebracht hat. Aber ganz zufrieden war dieser Herr mit den gegenwärtigen Zuständen doch nicht. Sonntags- entHeiligung ist es. so führte er aus, wenn Lehrlinge am Sonntag bis kurz vor Gottesdienst beschäftigt werden, wenn am Karfreitag, unserem größten Feiertag, Kuchen gebacken werden, wenn Ver- einsbeiträge gerade während des Gottesdienstes kassiert werden und ähnliches mehr. Weiter wetterte er gegen die Abhaltung von Tanzfestlichkeiten am Sonnabendabend. Auch an die kühnen Fliegeroffiziere richtete der gute Mann die Bitte, ihre Flüge nicht gerade zur Stunde des Sonntagsgottesdienstes aus- zuführen. Nach einer längeren Aussprache wurde von der Ver- sammlung eine Entschließung angenommen, in der es heißt: »Sie(die Versammlung) bittet die königl. Staatsregierung, auch weiterhin die strenge Durchführung der bestehenden Sonntagsbestimmungen nach dem Gesetz vom 10. Sep- tember 1870 im Interesse nicht nur der Kirche, sondern des ge- samten Volkes zu veranlassen. Dazu erscheint aber dringend er- forderlich, daß die durch Gesetz vom 5. Oktober 1910 erlassenen Ab- änderungen der ZZ 6— 8, wonach Tanzmusik und Vergnügungen an Vorabenden zu Sonn- und Festtagen bis 2 Uhr morgens gestattet find, zurückgezogen werden. Diese Aufhebung der genannten Para- graphen zu erbitten, erscheint der Diözesanversammlung ernste Gewissenspflicht." Das war alles, was die Herren zu fordern haben I Es ist ihnen Gewissenspflicht, zu fordern, daß die Tanzvergnügungen an Vorabenden der Festtage untersagt werden, aber sie können es mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Angestellte und Arbeiter nicht nur Sonntag vormittags, sondern auch Sonntag mittags und so- gar Sonntag abends zur Arbeit angehalten werden. Sie wettern dagegen, wenn sich jemand am Karfteitag seinen Osterkuchen bäckt, ober die hohen Herren finden es ganz in der Ordnung, wenn z. B. die Bäckergesellen gezwungen werden, an den Feiertagen, auch am Karfreitage ihre Arbeit zu verrichten und wenn die Ladenangestellten die Backwaren den ganzen Sonntag hindurch feilzubieten haben. Welche Heuchelei, welches Pharisäertum! Soziale Gesinnung von diesen Leuten zu fordern, auf den Gedanken wird wohl so leicht nie- mand kommen. Die evangelischen Geistlichen geben an Anpassungs- fähigkeit an die Forderungen des Unternehmertums, wie dieses Bei- spiel zeigt, den Zentrumspfaffen nichts nach. I Obermeister R a h a r d t, der ein derartiges Vorgehen für un- zulässig erklärte. Eine am Sonntag abgehaltene Versammlung der Kistenmacher �ließ denn auch keinen Zweifel darüber, daß sie diesen provoiatori- Uchen Maßnahmen entsprechende Gegenmaßregeln entgegensetzen werde. Die Bedingungen der Unternehmer wurden in der Dis- kussion als völlig undiskutabel bezeichnet. Es sei unerhört, jetzt in der Zeit der Teuerung mit solchen Abzügen zu kommen, wie sie in dem Gegentarife' enthalten seien. Ein Redner erklärte, daß die Ab- züge mehr als 20 Proz. betrogen würden. Die Versammlung erklärte in einer Resolution, die einstimniig angenommen wurde, daß sie ihre Kommission beauftragt, bei ein- tretenden Verhandlungen den Arbeitgebern zu erklären, daß von einer Verschlechterung der bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen absolut keine Rede sein könne, vielmehr von den Arbeitern eine Ver- bcsserung derselben erwartet wird. Die Resolution spricht serner aus. daß die Arbeiter im Notfalle auch nicht vor einem Kampfe zurückschrecken._ Achtung, Steinarieiter! Die Arbeiter der Taunus-Ouarzit- werke Köppern, Homburg v. d. H. haben wegen Lohndiffercnzen die Arbeit eingestellt. Die Gesellschafter weigern sich, den Arbeitern eine kleine Lohnerhöhung zu geben. Der Lohn der Arbeiter beträgt im Jahresdurchschnitt 9ö0 bis 1050 M., in diesem Jahre sogar nur 17 M. wöchentlich. Zuzug nach den Saalburg-Taunus-Ouarzit- werken ist fernzuhalten. Deutsches Reich. Aussperrung der nicderschlesischen Glasarbeiter. Die von den Unternehmern angekündigte Aussperrung ist ein- getreten. Ihre Ursache ist, wie wir schon am 28. Mai mitteilten, die von den Glasarbeitern in Rauscha gestellte Forderung auf geringe Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit von 9Vz auf 9 Stunden. Besonders ist es die letztere Forderung, gegen die sich die Unter- nehmer sträuben. Ausgesperrt sind rund 3000 Arbeiter in de» ver- schiedenen Orten der niederschlesischen Glasindustrie. Es ist möglich, daß die Aussperrung auch auf die Provinzen Brandenburg, Sachsen und Rheinland ausgedehnt wird. Serlin und Umgegend. Differenzen tut Kistenmachergewerbe. Die Unternehmer der Kistenbranche haben die letzte Maifeier zum Anlaß genommen, um gegen den Tarif vorzugehen. Sie kündigten den am 31. August d. I. ablaufenden Tarif und unter- breiteten einen von ihnen einseitig ausgearbeiteten und erheblich verschlechterten Tarif, von dem sie erklärten, daß sie ihn am 15. Juli einzuführen gedächten. Gegen ein solches, allen tariflichen Gepflogenheiten widersprechende« Verfahren wandte sich selbst der Gipsarbeiterstreik in Osterode am Harz. Seit fünf Wochen stehen die Gipsarbeiter im Streik. Mit seltener Erbitterung wird dieser Kampf geführt. 1911 war eS dem Fabrikarbeiterverband gelungen, sür drei Betriebe mit 80 Arbeitern einen Tarif abzuschließen. Die Tariflöhne waren den Betriebs- Verhältnissen angepatzt und schwankten zwischen 26 und 36 Psennig. Den Höchstlohn bekam aber nur ein kleiner Teil der Arbeiter. Der durchschnittliche Stundenlohn betrug 31 Pfennig. Der alte Tarif war am 30. April 1914 abgelaufen. Obwohl die Unternehmer während der Tarifzeit manchmal die größten Schwierigkeiten machten, waren die Arbeiter bereit, wenn irgend möglich, einen neuen Tarif abzuschließen. Am 1. Februar 1914 wurde der Tarif gekündigt und ein neuer Tarifentwurf an sechs Betrieben mit 140 Arbeitern ein- gereicht. Die Unternehmer erklärten den Tarif für unannehmbar; bei Erfüllung der Forderung müßten sie ihre Betriebe schließen. Sie verwiesen, da sie organisiert sind, die Arbeitervertreler an den Sekretär des Unternehmerverbandes. Die mit diesem geführten Verhandlungen waren ohne jeden Erfolg. Als dann die Arbeiter in den einzelnen Betrieben durch Kommissionen verhandeln ließen, machten die Unternehmer Angebote, die direkt aufreizend waren. In einzelnen Betrieben wurde ein Pfennig Lohnzulage geboten. Trotz der Bemühungen der Verbandsleituug, auf friedlichem' Wege zum Ziele zu kommen, kam es zum Streik. Rund 100 Arbeiter stehen im Streik. Die Unternehmer be- kamen nach einigen Tagen Streikbrecher, Italiener und Hamburger. Die Streikbrecher bekommen einen Lohn, der für örtliche Verhältnisse einzig dasteht. Die Brucharbeiter erhalten 6 M. Taaelohn garantiert, und die Mllhlenarbeiter 3,50 M. bei voller Kost und freiem Logis. Auch bei diesem Streik engagiert sich die Polizei sehr stark. Bei Beginn des Streiks wurde die Gen- darmerie verstärkt. Wiederholt wurden Streikposten von ihren Plätzen verwiesen. Die Gendarmen beriefen sich bei ihrein Vorgehen auf eine Verfügung des Landrats von Osterode. Auf keinen Fall werden die Streikenden aber auf das Recht des Streikpostcnstehens verzichten. Auf Beschuldigung eines Streikbrechers wurde ein Streikender zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Trotz aller dieser Verfolgungen lassen sich die Streikenden nicht beirren. Die von den Streikbrechern fertiggestellten Produkte sind derart, daß die Unternehmer nicht viel Freude daran haben. Die Unternehnrer verbreiten das Gerücht, der Verband habe nicht genügend Mittel, um die Streikenden zu unter- stützen. Mit diesem Schwindel werden sie aber nicht viel Geschäft machen können. Glaserstreik in Jena. Da ein Glascrmeister in Jena 25—30 Bautischler in den bürgerlichen Blättern des Rheinlands sucht, sind auch verheiratete Kollegen auf das Angebot(Fahrgeld wird ver- gütet) hineingefallen. Jeder Kollege nehme hiervon Kenntnis und spare das Fahrgeld. Zuzug von Bautischlern und Glasern ist streng fernzuhalten. Die Streikleitung. Verband der Glaser. Zahlstelle Jena. Der Malcrstreik in Koblenz, der von der Arbeiterorganisation um die Durchführung des Tarifs geführt wird, zeigt auch jetzt noch die gleiche Situation. Die Unternehmer machen außerordentlich: Anstrengungen, Arbeitswillige zu beschaffen. Bis jetzt ist es den Streikenden gelungen, die herangezogenen Arbeitswilligen wieder zur Abreise zu veranlassen. An die Streikenden sind einige Unter- nchmer herangetreten und boten ihnen den geforderten Lohn von 50 Pf. Jedoch lehnten die Streikenden dieses Ansinnen ab; ihr Verlangen ist die Anerkennung des Tarifvertrages. Achtung, Steinsetzer und Berufsgcnossen! In Biesenthal bei Eberswalde befinden sich die Steinsetzer in einer Abwehrbewegung. Der Steinsetzmeisier Paul Thomas versucht unter Tarisbruch wesen't- liche Verschlechterungen durchzusetzen. Die Arbeitszeit soll durch Verkürzung der Ruhepausen, sogenannte lö-Pausen, um eine Stunde verlängert, der Stundenlohn um 11 Pf. pro Stunde gekürzt werden. Thomas beruft sich bei seinem arbeiterfeindlichen Verhalten aus einen Beschluß der Eberswalder Steinsetzer-Junung. Wir bitten deshalb, jeden Zuzug nach dem Bezirk der genannten Innung fern- zuhalten. Verband der Steinsetzer und Verufsgenossen. Ausland. Tie dänischen Gewerkschaften im Jahre ISIZ. Ter dänischen Landeszentrale der Gewerkschaften waren Ende 1913— wie der soeben erschienene Jahresbericht angibt— 51 Verbände und 5 lokale Vereine mit zusammen 114 698 Mit- gliedern angeschlossen. Die Schiffsheizerorganisation ist im Berichts- jähre aus der Landcszenlrale ausgeschieden, und der Verband der Kupferschmiede wurde wegen unbezahlter Schulden ausgeschlossen. Angeschlossen hat sich im Beriäitsjahre der Verband der Ver- sicherungssunktionäre. Die Mitgliederzahl der dänischen Gewerk- schaslen ist demnach im Berichtsjahre um 7631 Mitglieder gestiegen. Außerhalb der Landeszentrale stehen 18 Ver- bände mit 35 929 Mitgliedern und 10 lokale Vereine mit 2260 Mit- gliedern, so daß insgesamt 38 089 Mitglieder den Organisationen angehören, die sich der gewerkschaftlichen Landeszentrale nicht an- geschlossen haben Unter den außerhalb der Landeszcntralen stehenden Verbänden befindet sich auch ein Verband der Landarbeiter niil 40 Filialen und 1300 Mitgliedern. Dieser Verband hat bisher die Agitation als seine wesentliche Aufgabe angesehen, aber es ist ihm auch in mehreren Fällen gelungen, die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder erfolgreich wahrzunehmen. Auch in der Erteilung von Rechtsauskunft hat der Verband den Landarbeitern zu dienen versucht. Die Lohn- und Tarifbewegting erstreckt sich im Berichtsjahre auf 37 Verbände und«inen Lokalverein mit zusammen IM 823 Mitgliedern. An den Lohnbewegungen beteiligt waren 28 998 Mitglieder, darunter 7668 an Arbeitseinstellungen. Erfolge wurden erzielt für 25 839 Mitglieder und zwar für 22 324 Mitglieder ohne Arbeitseinstellung. Kleines Zeuilleton. Der Theaterpascha. Noch viertägiger Verhandlung ist der Direktor des Münchener Volkstheaters Ernst Schrumpf moralstch verurteilt worden. Der Redakteur des.Neuen WegS', Johanne« Körner, den er wegen Beleidigung verklagt hatte, wurde ftei- gesprochen und sämtliche Kosten wurden dem Klager Schrumpf auf- erlegt In der Schlußverhandlung hat bereits die immer posterende Münchener Th-aterexzellenz v. Possart das erlösende Wort gesprochen. 1>as bei allen Aufdeckungen ähnlicher Unerhortheiten so stchcr ist wie das Amen in der Kirche: dieser Theaterdirektor, der im Verkehr mit seinem Personal einen Ton und eine Art bevorzugte, als sei seine Bühne ein Bordell. sei selbstverständlich.krankhaft veranlagt". In dem Prozeß wurde festgestellt, daß Schrumpf den Proben gelegentlich durch die Reitpeitsche„Tempo" zu verleihen suchte, daß er das Temperament der Schauspielerinnen mit Vorliebe persönlich erprobte und daß er zum mindesten in seinen Ausdrücken gegenüber den von ihm ab- bängigen Künstlern und Künstlerinnen durchaus den krassesten Naturalismus bevorzugte. Dieser Mann, der den Münckenern künstlerisch übrigens einiges geboten haben soll, verband ossenbar die brünstige Paschaherrlicbkeit. wie sie vor 100 und 150 Jahren an Deutschlands Serenissimustheatern sehr im Schwange war. ziel- bewußt mit den robusten Reitstieselallüren des ostelbischen Junkertums. Das Recht nach dem er die Rechte seiner Künstler maß. war offenbar das preußische G e s i n d e r e ch t. das ja immer noch einen Wirbel im Rückgrat der preußischen Kultur bildet... UnZ deuckt jedoch, daß, wenn dieser Direktor.krankhaft ver- anlagt" war. sein Personal, das sich die Rollen mit der Reitpertlche cinbläuen oder aus der Hand schlagen ließ, das zwischen widerlichen Zärtlichkeiten und brutalen Beschimpfungen hin- und hergetneben wurde ebenfalls an einem krankhafte» Mangel an Scham und Grimm litt. Oder aber welche unerhörten sozialen Zustände müssen in der Betätigung des Lebens noch immer herrschen, die dem Menschen doch das Höchste, die Kunst, vermitteln soll, wenn sich Künstler um des elenden Brotes willen so erniedrigen! Dost der Theaterdirektor Schruinpf auch in seiner Einschätzung der ganzen Kultur unserer Zeit durchaus logisch war, erhellt aus der Be- merkuna, die er an eine Tausend-Mark-Spende für die Penstonskaste deutscher Journalisten und Schriftsteller geknüpft� haben � soll: der braune Lappen sei eine Erkenntlichkeit dafür, datz die Presse die .Lügen gegen ihn" nicht verbreitet habe.. Man wußte auch schon vor dem Munchener Prozeß, datz der- artiges an kleinen und selbst an größeren Bühnen noch immer ge- schehen kann. Die Schauspieler werden dadurch immer wieder die bittere Wahrheit erkennen müssen, daß ihre Masse nichts anderes ist als Proletariat, und von den Mächtigen auch nicht anders em- geschätzt wird. Deshalb bleibt auch ihnen nur der Kampf mit den Mitteln der proletarischen O r g a n i s a t, o n— und sie werden ihn am e r f o l g r e i ch st e n auch Schulter an«chulter mrt dem gesamten übrigen Proletariat fuhren. Ter dionysische Otto Erich. Der satirische Verächter des Philisteriums wäre in diesen Tagen� 50 Jahre alt geworden, uiil. die bürgerliche Presse bringt aus die,em Anlaß allerhand ro,enrote Artikel. Soweit diese Artikel dem uriprunglich reich talentierten Dichter gelten, sind sie uns durchaus sympathisch und auch dem Verhängnis des Menschen gegenüber wurde uns iede moralische Schulbuchbetrachtung als roh erscheinen. Hartlebcn war ein unglücklicher Mensch und unglückliche Menschen sind ehrwürdig. Was uns empört, ist lediglich das elende Klischee vom .dionysisch-seligen" Hartleben, mit dem die liebe Oberflächliche keit wieder einmal hantiert. Sollen literarische Biographen denn ewig aus Feigheit und Lüge zusammengesetzt sein? Man brauchte nur, wie der Verfasser dieser Zeilen in München einige Tage mit, ihm durchzukneipen! man brauchte nur den bescheidensten Blick hinter die Kulissen seines Lebens zu werfen, um zu wissen, daß er einen schmerzensvollen Leidensweg durchmachen nnißte. In seinem.Tage- buch" klagt er über die»dunklen Tage", die ihn heimgesucht hätten: er berichtet von furchtbaren Angstgefühlen beim Erwachen und sehnt sich danach, sich in dem Schoß seiner Frau einmal gründlich auszuweinen. Daß sein angeborener reicher Humor das Leiden mit einem versöhnenden Schimmer überflog,-ist richtig. Aber.dionysische Seligkeit?" Wahrheitsliebende Menschenfreunoe und Mediziner haben über diese Art.dionysischer Seligkeit" ihre eigenen Gedanken. Hartlebens menschliches Dasein und künstlerische Leistung erscheinen uns um so tiefer, wenn man in diesem Punkt eine ungeschminkte Sprache redet. Die gestohlene Gioconda. Der halb raffinierte, halb kindische Italiener, der seinerzeit die Gioconda stahl, ist zu einer Gefängnis- strafe verurteilt worden. Wir wissen alle noch, daß der Diebstahl damals eine internationale Sensation war und wir begrcüen das natürlich vollständig. Dagegen ist uns die kalte Gleichgültigkeit nicht begreiflich, mit der die Welt andauernd einem barbarischen Kunstdiebstahl zusieht, der millionenmal verworfener ist als der des Italieners. Tag für Tag werden ungezählte Hunderttausende in der Nacht einer Armut festgehalten, in die nie ein segensreicher Strahl der Kunst hineinfällt. In jammervoller Weise ivird unausgesetzt Millionen nicht nur die Gioconda, sondern die Kunst überhaupt ge- stöhlen, ohne daß die damals Entrüsteten den Schlaf ihrer Nächte bedroht fühlten. Umgekehrt: sie verlangen für die bürgerliche Gesellschaft, die diesen verworfenen Diebstahl vollzieht, historische und, wenn sie besonders blasphemisch aufgelegt sind, sogar gott- ähnliche Ehrwürdigkeit. Wie sagte doch Hebbel in einer bissigen Stunde von der bürger- liche» Gesellschaft? Wenn dir das verworfenste deiner Mitglieder Auge in Äuge gegenüberstände: es wäre nicht so schlecht wie du. Du hast das Amt zu rauben und zu schänden. Musik. Die Volkskonzerte des Philharmonischen Or- ch e st e r S unter Leitung Camilla Hildebrands haben nun auch wieder eingesetzt. Etwa Dritthalbtausend Hörer, zumeist Ar- beiter, füllten am Eröffnungsabend den großen Musiksaal der Brauerei Friedrichshain. Ein imposanter Beweis sowohl sür die zielbewußte Bildungsarbeit in unseren Reihen als für den zur Kunst feierlich hinandrängenden und organisch disziplinierten Geist der Arbeiterklasse— woran die herrschenden Gewalten Preußens lernen könnten, wenn sie dessen fähig und willens wären. DaS Programm dieses Eingangskonzerts war ausschließlich Werken Richard Wagners entnommen. Drei Stücke aus den volkstümlichen Meistersingern gingen voran. Ihnen folgte das unsagbar schöne Siegfried-Jdyll, dann der Einzug der Götter in Walhall(Rheingold), die Tannhäuser- Ouvertüre, gewissermaßen als Ruhepunkt.Träume", einer der Herr- lichen fünf lyrischen Gesänge an Mathilde Wesendonck, dessen Melodie Konzertmeister Julius Thornberg wunderbar weich und farbig auf seiner Geige erklingen ließ, und endlich der wilde Walkürenritt. Die Philharmoniker, obgleich nur an 60 Mann stark, spielten glanzvoll unter ihrem Dirigenten, der mit genialischer Feuerkraft die Polyphonie der Wagnerschen Musik aufleuchten ließ. Ohr und Herz mächtig hingegeben, lauschten die Hörer ergriffen und erhoben, um hernach mir einem Beifall ohnegleichen zu danken. Eins der nächsten Konzerte im Saale der Neuen Well wird Instrumental- und Chorwerke von Beethoven, darunter die neunte Sinfonie, bringen. Bemerkt sei noch, daß das Philharmonische Orchester von jetzt an in jeder Woche zwei bis drei Konzerte gibt. Beginn: Punkt acht Uhr abends. ek. Notizen« — Das Museum des Lebenden. Neben der Kunst berühmt zu werden, ist auch die andere, berühmt zu bleiben, heut- zutage besonders entwickelt. Ter Drang, Zeilgenossen zu Heroen zu stempeln und zu verewigen, muß, abgesehen von der Reklame, die man damit auch für sich selbst machen kann, etwas Berauschendes an sich haben. Ein Weingroßhändler in Frankfurt a. M. hat zum bevorstehenden 50. Geburtstag des Komponisten Richard Strauß alldorten ihm zu Ehren ein Museum gestiftet, in dem nun der Strauß-Knlt und die Strauß-Narretci eine offizielle Heimslätle haben wird. — S l e v o g t als I l l u st r a t o r. Sledogts neueste Jllu- strationSschöpfungen zur Goetheschen Uebersetzung von.Benvenuto Cellinis Selbstbiographie erscheinen soeben bei Bruno Cassirer in Berlin. Ter Künstler hat in vier Jahren dazu über 300 Original- lithographieu in zwei Ausgaben beigesteuert. Das von Slevogt an- gewandte lithographische Verfahren ist für Deutschland neu:' es ist die' Tuschlithographie, die mit sehr seinen Tönen zu wirken imstande ist. Hoffentlich wird von diesen in ihrer Feinheit, Kraft und dramn- tischcr Verve gleich hervorragenden Bildchen auch einmal eine ÄuS- gäbe zu volkstümlichen Preisen erscheinen. — H o l b e r g S W i e d e r e r st e h e n. Freitag, den 12. d. M. bringt das Königliche Schauspielhaus in Dresden Holbergs Komödie „Der Mann, der k e i n e Z e i t h a t" in der Nviübcrsetzuna und Bearbeitung von Karl Morburger zur Erstausführung Das gleiche Stück, sowie.Die Werterfahne" und.Erasmus M o n t a n u s" sind von Reinhardt als erste Stücke seines schon vor längerer Zeit angekündigten Holberg-Zyklus sür die nächste Spielzeit erworben worden, und das Deutsche Volksthealer in Wien wird .Heldin yss es au f Jthaka" zur Aufführung bringen. -Elnc Gedachtnrstafel für d e n D i ch t e r H e i n r i ch �>« KontgSberger Gocthcbund unter finanzieller Mithilfe der Stadt gestiftet und die Professor Bauer. Königsberg hergestellt hat wurde ,n K o n i g s b e r g enthüllt. Die Tafel ist aar Hause �.obemchtsche �.anggasse 12 angebracht worden, in dem v. Kleist einige seiner besten Werke versaßt hat. -» f,!;1! �[ ujn 6" 9 i ä r— 6 0 Passagiere. Den Russen jl?. anscheinend vorbehalten geblieben, den ersten Versuch der Konstrultion eineS Riesenflugzeuges z» unternehmen. AuS Moskau 1en seien. Hätte er von der Absicht einer Bemalung des Denkmals ge- wüßt, so wäre das nicht passiert. Geschehen sei es, während er an der Schloßlinde zurückblieb, um auszutreten.— Dem Zeugen Strahen- bahnschaffner Stanke hat Linke an jenem Abend in Raus Lokal ge- sagt, er gehe noch nicht nach Hause, er habe noch etwas vor. Als Sachverständige äußern sich die Magistratsbauräte Walter und Winterstein aus Charlottenburg und Dr. Brunning vom Ber- liner Polizeipräsidium über die Art der Besudelung, über die Ein- Wirkung auf den Stein und über das Verfahren der Beseitigung. Die Inschriften seien offenbar hastig und daher sehr ungeschickt aufgemalt worden. Die Beseitigung sei gelungen, Spuren könne man nicht mehr bemerken. Die Straßenreinigung habe es zunächst mit Salzsäure versucht, der Zeuge selbst hatte mit Chlorkalk und Soda drei Tage lang arbeiten lassen und eine fast vollständige Bleichung erreicht. Den letzten noch übrig gebliebenen kleinen Schein hat schließlich die Sonne entfernt. Jetzt ist gar nichts mehr zu sehen, auch dem polierten Steine ist ein Schaden nicht zu- gefügt worden. Für Bleichmittel und Löhne sind 73 M. aus- gegeben worden. Plädoyers. Das Ergebnis der Beweiserhebung faßte Staatsanwaltsassessor Fuhrmann dahin zusammen, daß alle vier Angeklagten überführt seien. In dieser frevelhaften Besudelung des Kaiser-Friedrich- Denkmals sei nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts eine Denk- malsbeschädigung zu erblicken. Abgesehen von der eingetretenen Verringerung deS Wertes der Steinmasse bedeute die Besudelung auch deshalb eine belangreiche Veränderung des Denkmals, weil die Inschriften das Auge jedes Kunstfreundes verletzen und an diesem Denkmal eines Fürsten jeden national gesinnten Mann be- leidigen mußten. Traurig sei, daß die Angeklagten trotz ihrer früheren Angaben sich jetzt herauszureden versuchten und sich mit Trunkenheit entschuldigen wollten. Man könne den Angaben Linkes folgen, daß es in Rau's Lokal an jenem Abend ein offenes Ge- heimnis war, um was es sich handelte. Warum sollte Kuhls, der die Sitzung leitete, nichts davon gewußt haben? Auch Rau sei schuldig, zwar nicht der Anstiftung, aber der Beihilfe. Man habe es hier nicht mit einem Dummenjüngenstreich zu tun. Wohlüber- legt und zielbewußt und getrieben von sozialdemokratischem Partei- fanatiSmus seien die Täter vorgegangen. Die Strafe dürfe nicht gering sein. Die Tat habe der Propaganda für die sozialdemokra tische Partei dienen sollen. Man habe sich aber nicht damit be gnügt, Zettel an die Häuser zu kleben. Ein Denkmal habe man sich ausgesucht, das zu den schönsten gehört, ein Standbild, das dem Andenken eines vielgeliebten Fürsten gewidmet ist und von der treu- deutschen monarchischen Gesinnung der Stifter zeugt. Das sei eine Verhöhnung dieses Fürsten und ein Affront für alle gutgesinnten Kreise. Diese verwerfliche Tat, die allgemeine Empörung hervor gerufen habe, sei höchst gemeingefährlich. Wohin sollte es führen, wenn solche Denkmalsschändungen sich wiederholten? Da müsse außerordentlich scharf vorgegangen werden, damit die Strafe ab schreckend wirke. Von einer Beantragung der Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis wolle die Staatsanwaltschaft absehen, weil ein erheblicher und dauernder Schaden nicht entstanden sei. Mit Rück ficht auf das öffentliche Interesse erscheine aber die Bemessung der Strafe wenigstens auf 2 Jahre Gefängnis für jeden Angeklagten geboten, sowie wegen der ehrlosen Gesinnung die Aberkennung der Ehrenrechte auf Z Jahre. Diese Strafanträge wurden von den im Zuhörerraum anwesen- den weiblichen Angehörigen der Angeklagten mit lauten SchmerzenS- ausbrächen beantwortet. Von den Verteidigern ergriff zunächst Geh. Justizrat Friedmann das Wort. Der recht ten- denziösen Auffassung des Anklagevertreters wolle er eine objektive Betrachtung der Angeklagten und ihrer Tat entgegenstellen. Aus der Verhandlung seien erfreulicherweise alle politischen Motive, alle Unter- stellungen, daß die Tendenz gewesen sei, das Denkmal zu schänden, ausgeschaltet worden. Nur um eine Sachbeschädigung handle es sich, um die Beschädigung eines Denkmals, nicht um eine Schändung. Nicht das Gering st e habe sich ergeben für die Annahme, daß dabei die Empfindungen der Angeklagten in politischer Tendenz sich den Ge- fühlen der nationalgesinnten Kreise entgegen- setzen und das Andenken des Kaisers Friedrich der- letzen und verhöhnen wollten. Man solle sich nur nicht von vornherein von dem Gedanken leiten lassen, daß hier, weil Sozial- demokraten und ein Monarchendenkmal in Frage kämen, Partei- politischer Fanatismus mitgewirkt haben müsse. Für Rau be- antragte der Verteidiger die Freisprechung, weil nicht einmal Beihilfe, die ja ein wissentliches Handeln erfordere, erwiesen sei. Be- lastet werde er nur durch Linke, dessen Verteidigungstendenz darauf gerichtet sei, die anderen ordentlich hineinzupacken, um sich selber dem Richter zu empfehlen. Die Höhe der vom Staatsanwalt beantragten Strafen sei um so weniger gerechffertigt, weil es den Tätern nicht um eine Beschädigung deS Denkmals, sondern nur um eine Auffällig» machung ihrer Inschrift„Rote Woche" zu tun war. Werde das Politische ausgeschieden, so bleibe nur etwas übrig, loaS man objektiv eine Lumperei nennen könne. Würden so hohe Strafen verhängt, dann müsse man annehmen, daß auf die Urteilsfindung eingewirkt habe, was aus der Verhandlung ausgeschieden war, nämlich die politische Tendenz. Rechtsanwalt Frey machte für Linke geltend, daß er gar nichts Hcrostratischcs an sich habe. Was er getan, sei ein Dummerjungen- streich. Man solle nicht glauben, daß Dummejungenstreiche nur bei Studenten möglich seien. Vor Jahrzehnten sei in Heidelberg dem Denkmal eines durch Napoleon gefürsteten Wrede von Studenten ein Nachttopf auf den Kopf gestülpt worden, und man habe das nur mit etlichen Wochen Karzer geahndet. Von einer politischen Demonstration gegen Kaiser Friedrich könne keine Rede sein, gerade er sei beim Volk sehr beliebt gewesen, und kein Demonstrant würde diesen Monarchen sich aussuchen. Für Linke, der aus Unüberlegtheit gehandelt habe, sei Milde geboten. Um milde Beurteilung bat Jusiizrat Sogsrnfeld auch für Göpfert sowie für Kuhls, falls man diesen nicht fteispr-'ch-n wolle, weil nicht erwiesen sei, daß er Wache gestanden habe. Durch so harte Strafen könne man doch nicht eine Beschädigung, sondern höchstens die böswillige Vernichtung eines Denkmals ahnden wollen� Das Motiv sei nicht gewesen, in parteipolitischem Fanatismus ein Monarchendenkmal zu schänden. Da hätte man ganz andere Worte als die„Rote Woche" angeschrieben. Im übrigen werde gerade dem Kaiser Friedrich noch heute viel Sympathie in den Reihen der Sozial- demokraten entgegengebracht. Nach seinem Tode habe das„Berliner Volksblatt", der heutige„Vorwärts", in einem Artikel auf die teil- nehmenden Empfindungen auch der Arbeiterkreise hingewiesen. Nicht eine Demonstration, nicht eine Verhöhnung dieses Fürsten habe die Denkmalsbemalung sein wollen, sondern nur eine Reklame für die Rote Woche. Ehrlose Gesinnung könne man nicht annehmen. Ab- erkennung der Ehrenrechte werde in weiten Kreisen, und zwar nicht bloß bei der Sozialdemokratie, so verstanden werden, als habe mau hiermit die Angeklagten, gerade weil sie Sozialdemokraten sind, herabsetzen wollen. Durch die Sprüche der Justiz dürfe nicht der Eindruck hervorgerufen werden, daß sie von politischen Erwägungen diktiert seien. Das hier beantragte Strafmaß, das mit der M- schreckungstheorie begründet werde, stehe in keinem Verhältnis zu der milden Bestrafung des Eisenbahnunfugs der BonnerStudenten. R.-A. Herbert Fuchs sprach für Rau noch zu dem Strafmaß. Höchstens sei auf eine Geldstrafe zu erkennen. Eine Replik des Staatsanwaltsassessors Fuhrmann unter- strich noch einmal, daß die Angeklagten von politischen Motiven ge- leitet worden seien. Die unehrenhafte Gesinnung ergebe sich aus der Gemcingefährlichkeit der Tat. Zu der Behauptung, daß der Plan in der Zahlabendsitzung entstanden sei. stellte Justizrat Son- nenfelb fest, daß keiner der Zeugen und keiner der Angeklagten etwas Derartiges gesogt hatte. Mit der Urteilsfindung wurde da? Gericht in 29 Minuten fertig. Tos � �" Urteil. lautete: gegen Linke, Göpfert, Kuhls je IX Jahre Gefängnis, gegen Rau wegen Beihilfe 1 Jahr Gefängnis. Jedem Angeklagten wurde 1 Monat Untersuchungshaft angerechnet. Zur Begründung führte der Vorsitzende unter anderem aus: Sicher sei, daß außer Göpfert auch Kuhls und Rau um den Plan gewußt hätten, den Linke aus- führen sollte. Die Tat habe Entrüstung in ganz Deutschland her- vorgerufen. Es sei eine Roheit, Denkmäler zu beschädigen, die unter öffentlichem Schutz stehen. Als bodenlose Frechheit müsse man es bezeichnen, daß die Angeklagten zu ihrer Reklame für die sozial- demokratische Partei sich ein Kaiserdenkmal aussuchten. Anzu- nehmen sei, daß es sich nicht um einen Dummenjungenstreich, son- dern um einen wohlerwogenen, auf Parteifanatismus beruhenden Plan erwachsener Männerl Andererseits sei zu berücksichtigen, daß es sich um ungebildete Leute handle, die durch Hetzereien der- führt worden seien, im Interesse ihrer Partei zu handeln meinten und auch an der Partei einen Rückhalt zu haben glaubten. Das sei gewissermaßen strafmildernd; man könne Mitleid mit ihnen haben, wenn man sie für Verführte halte. Ihre Tat fei weniger ehrlos als frech, deshalb sei nicht auf Ehrverlust erkannt worden. Die Strafe müsse aber streng sein. Das Gericht habe die Pflicht» durch das Urteil abschreckend zu wirken, damit andere lernen: Fin- ger weg von Denkmälern, die unter öffentlichem SHutz stehen, be- sonders aber von einem Kaiserdenkmal! Die gestellten Haftentlassungsanträge wurden abgekehuk, Eeiü bei der Höhe der Strafe Fluchtverdacht vorliege. Infolgedessen entschlossen sich sämtliche Angeklagten zum Verzicht Utf weitere Rechtsmittel., � v.. /Allgemeiner /wwaltsangeftelltentag. Leipzig. 7. Juni. Die Privatangestellten werden in immer schärferen Gegensatz zN den Unternehmern getrieben. Das Erfreuliche an dieser Erscheinung ist, daß die Angestellten langsam beginnen, diesen Gegensatz einzu- seben. Die Kundgebung, die von allen Verbänden der Anwalts- angestellten gemeinsam einberufen, am Sonntag in Leipzig Stellung zu dem ablehnenden Beschluß der Vertreterversammlung der deut- schen Rechtsanwälte nahm, die Arbeitsverhältnisse der Anwaltsange- stellten durch einen Rcichstarifvcrtrag zu regeln, ist von diesem Stand- punkt aus nicht ohne Bedeutung. Zum erstenmal befinden sich alle Organisationen der Anwalt-Zangestelltcn in einer geschlossenen Kampfesfront gegenüber den Anwälten. Hat auch der Harmonie- gedanke noch Anhänger unter den Anwaltsangestellten, so fanden doch alle Redner auf dieser Tagung scharfe Worte gegen die Anwälte, deren soziale Riickständigkeit einer Regelung des Arbeitsverhältnisses mit den Organisationen der Angestellten widerstrebt. Von den eingeladenen Reichs- und Landtagsabgeordneten war nur der Genosse Fr. Geyer, der Vertreter des Wahlkreises Leipzig- Land, erschienen. Der nationalliberale Herr I u n ck, der als Rechts- anwalt besonderes Interesse für diese bedeutungsvolle Kundgebung hätte nehmen müssen, war der Einladung nicht gefolgt. Als erster Redner sprach Dr. Jahn aus Leipzig vom Verband Deutscher Bureaubeamten über die Ablehnung des Reichstarifs. Er entwarf ein überaus trauriges Bild von der Lage der Anwalts- angestellten. Sie wird gekennzeichnet dadurch, daß lange Arbeitszeit, vielfache Sonntagsarbeit, unbezahlte Ueberstunden und vor allem elende Lohnvcrhältnisse die Angestellten bedrücken. Der Versuch, die Lage der Anlvaltsangestellten durch einen Tarifvertrag mit dem Deutschen Anwalts verein zu heben, sei gescheitert, obwohl kein Zweifel bestehen könne, daß die Möglichkeit für einen Reichstarif vorhanden sei. Die Anwälte aber wollten nicht mit den „tiefstehenden" Angestellten verhandeln. Ihre sachlichen Argumente, die Verschiedenheit der Verhältnisse und die angeblich schlechte Lage der Anwälte, sind nicht der wahre Grund. Man will mit den Organi- sationen nicht verhandeln, und eine Resolution beschloß man nur—- wie man ausdrücklich erklärte—, damit es den Anschein habe, als wenn etwas geschehe. Der zweite Redner, Bureauvorsteher Marxen aus Kiel, vom Verband Deutscher Rechtsanwaltsbeamten, behandelte das Thema: Was ist nun zu tun? Er glaubte dem Sozialen Ausschuß des AnwaltsvereinS den Dank fiir leine— erfolglos verlaufene!— Arbeit aussprechen zu müssen. Auch erklärte er, es falte den Anwaltsangestellten ab- solut nicht ein, sich auf den Standpunkt der Gleich- berechtigung zu stellen! Trotzdem mußte auch er die brüske Ablehnung der Forderungen der Angestellten durch die Anwälte fest- stellen. Er trat für örtliche Verhandlungen mit den Anwalts- kammern ein und forderte zur Stärkung der Organisation auf. Zu Punkt 1 und 2 der Tagesordnung nahm die Versammlung einmütig eine Resolution an. in der erklärt wird, daß das ablehnende Verhalten des Vertretcrtages des Deutschen Anwaltsvereins gegen- über dem Gedanken eines Rcichstarifabkommcns mit den Organi- sationen der Angestellten in keiner Weise sachlich begründet ist. Dia beteiligten Verbände werden beaustragt, die nach dem in Weimar ge- faßten Beschlüsse von den Anwaltsorganisationcn etwa einzuleitenden Schritte nicht erst abzuwarten, sondern ihrerseits an sie heranzutreten, um zu versuchen, zu einer örtlichen Regelung der Ar- beits- und Gehaltsvcrhältnisse zu gelangen, und da- durch zugleich Vorarbeit für einen künstigen Reichstarif zu leisten. -» sprach Reichstagsabgeordnete: Giebel vom Verband der Bureammgestellten über die gesetzliche Regelung der Dienstverljältuisse. Er führte aus: Die Anwälte haben mit ihrem ablehnenden Beschluß nicht nur zum Ausdruck bringen wollen, daß sie der tariflichen Rege- lung der Arbeitsverhältnisse abhold sind, sondern daß sie auch Gegner der gesetzlichen Regelung sind. Diese Aussajsung macht der deutschen� Anwaltschaft keine Ehre. Die gesetzliche Regelung der Ar- beitsverhältnisse wird aber kommen, ob die Anwälte wollen oder nicht. Die Anwälte wollen keine Gleichberechtigung, dagegen müssen wir P�ro testieren als einer Beleidigung der Angestellten. < Stürmischer Beifall.) Die Forderung der Anwälte nach einer Er- hohung der Gebühren stützt vor allem unsere Forderung nach Er- höhung unserer Gehälter. Wir sind durch die Vertröstung bis zur Erhöhung der Gebühren genasführt worden. Wir können mit Recht feststellen, daß in unserem Beruf außerordentliche Miß- st ä n d e bestehen. Hiergegen müssen wir durch Anwendung g e- werk schaftlicher Kampfmittel Front machen. Wir fordern, daß der Angestellte gleichberechtigter Kontrahent beim Abschluß des Arbeitsvertrages ist. Die ungeheure Lehrlingszüchterei ist der größte Schaden des Berufs. Daraus entstehen der Druck, die gc- ringen Gehälter und die sonstigen Schäden. Die Gehälter bieten keine Möglichkeit eines anständigen Lebens, deshalb haben wir die große Abwanderung in andere Berufe. Heute kommen auf 100 Be- rufsangehörige 40 Lehrlinge! Die Soziale Kommission der Anwälte hat sogar einen Fall festgestellt, wo ein Anwalt sieben Lehr- linge, aber keinen Gehilfen beschäftigt. Die Sterb- lichkeit an Lungentuberkulose ist dank der ungesunden Arbeitsräume stärker als im Durchschnitt. Gegen alle diese Mißstände müssen wir die gesetzliche Regelung herbeizuführen suchen. Warum sollen wir auf den gesetzlichen Schutz verzichten, da alle anderen Gruppen der Privatangestellten ihn haben? Mehrere Beschlüsse des Reichstags haben die Notwendigkeit gesetzlichen Schutzes anerkannt. Freiwillig haben wir von unseren Unternehmern nichts zu erwarten. Aber neben der gesetzlichen Regelung müssen wir aus eigener Kraft die Rege- lung der Gehaltsverhältnisse erstreben, da es bei dem heutigen Stande unserer Sozialpolitik ausgeschlossen ist, daß sie durch Gesetz geregelt werden. Her mit der gesetzlichen Regelung, das ist der einmütige Wille der gesamten Angestelltenschaft. lLebhaster Beifall.) Nach der Diskussion, in der je ein Redner als Vertreter des betreffenden Verbandes sprach, wurde zu dem dritten Referat eine Entschließung einmütig angenommen, die erklärt, daß ein tarif- vertragliches Abkommen die gesetzliche Regelung der Anstellungs- Verhältnisse nicht entbehrlich macht. Der Anwaltsangestelltentag fordert das Reichsjustizamt auf. ohne Verzug die Bcrufsverhältnisse gesetzlich zu regeln und dem Reichstage bei seinem Zusammentritt einen Gesetzentwurf vorzulege». Es werden dann die Forderungen dafür festgestellt. Nach einer Schlußrede von Giebel wurde der von über 600 Vertretern besuchte Anwaltsangestelltentag geschlossen, Mus öer Partei. Eine WahlrechtSdemoustrativu. Eine imposante Demonstrationsversammlung in der Wahlrechtsfrage fand am Sonntag in Düsseldorf statt. Das große, über 4000 Personen fastende ZirkuSgebäude war trotz andauernden Regenwetters bis auf den letzten Platz gefüllt. Genosse Konrad H a e n» s ch- Berlin geißelte die Herausforderung des preußischen Volkes, die sich der neue Polizeiini nister v. L o e b e l l im Abgeordnetenhause und im Herrenhause geleistet. Der Redner gab ferner Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß in der Wahlrechts- frage nickt anders mehr vorwärts zu kommen sein werde, als durch den Massenstreik. Deshalb müßte mit aller Energie für die Stärkung der Partei und der Gewerkschaften gearbeitet werden. Eine im Sinve des Referats gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme._ Aus deu Orgauisatüme». . Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Delitzsch- V i t t e r f e l d, der am Sonntag seine Generalversammlung ab- hielt, verzeichnet nach dem Jahresbericht 3500 Mitglieder, unter deneii sich 473 weibliche befinden. Die Zunahme beträgt gegen das Borjahr rund 500 Mitglieder, welche hauptsächlich durch Agitation in der Roten Woche gewonnen wurden. Die Zahl der Abonnenten der Parteipresse beträgt 4300, was eine ziemlich erhebliche Zunahme von Lesern des.Halleschen VolkSblatteS" bedeutete. Hierzu kommt noch eine große Anzahl von Abonnenten der.Gleichheit', des.Vorwärts', der.Neue» Welt', des »Wahren Jakob' und der.Arbeiter- Jugend', welche mit zu- sammen rund 3000 nicht zu hoch gegriffen sein dürften. Die all- gemeine Agitation wurde betrieben durch Verbreitung von ISO 000 Flugblätter» und.Landboten' sowie 22 000 Volkskalendern. Trotz des von Schlot- und Krautjunkern in vielen Orten betriebenen Terrors und der Abkommandierung der Eisenbahnbeamten und Werk- stättenarbeiter gelang es, den Einfluß in den Gemeindeverwaltungen m zu stärken, daß am Jahresschluß in 10 Landorten 53 sozial- demokratische Gemeindevertreter und in vier Städten 10 Stadt- verordnete gezählt werden konnten. Die Jugendbewegung hat in einer ganzen Reihe von Orten neu Fuß fassen können und auch die in den größeren Orten bestehenden Bildungs- »usschüsse haben durch Veranstaltung von Vortragskursen und Arrangierung künstlerischer Veranstaltungen ihre schwierige» Ausgaben zu erfüllen gesucht. Die Kassenverhältniste haben eine wesentliche Besserung erfahren, denn eS wurde bei einer Einnahm« von 10 090,70 Mark und einer Ausgabe von 0225,18 Mark ein Ver- mögenSbestand von 4471,52 Mark erzielt. Auf dem Kreistag wurde von verschiedenen Rednern ausgeführt, daß die Gegner in aller Stille, aber mit einer bewundernswerten Emsigkeit arbeiten, um bei der nächsten Reichstagswahl das rote Banner von dem Kreise herunterzuholen. Unter Berücksichtigung dieser Situation beschloß deshalb der von etwa 70 Delegierten de- suchte Kreistag, den Vorstand zu beauftragen, unverzüglich die er- forderlichen Schritte zur Anstellung eines Kreispartei- fekretärS einzuleiten. Der Sitz des Sekretariats soll nach Bitterfeld gelegt werden, um da» industriell rasch aufblühende In- dustriegebiet besser bearbeiten zu können. Reichstagsabgeordneter Raute legte in einem Schlußworte die Gründe des Verhaltens der R-ichstagsfraktion beim Kaiserhoch dar, die allgemeine Zustimmung fanden. Als Vorsitzender wurde Genosse Burckhardt- Eilenburg wiedergewählt, ebenso als Delegierter zum Würzburger Parteitag. « Die Kreisgeneralversammlung für den Wahlkreis S a n g e r- daufen-EckartSberga fand am Sonnlag in Ariern statt. Die Agitationserfolge in diesem rein ländlichen Kreise sind nur sehr bescheiden da die Mitgliederzahl am Schluß des Geschäftsjahres, einschließlich 57 Frauen, 530 betrug gegen 458 im Vorjahre. Die Zahl der Abonnenten auf das.Hallesche Volksblatt" ist mit 1100 "m ein geringes gestiegen. Infolge deS herrschenden Lokalmangels konnten nur wenige Versammlungen abgehalten und die Agitation in der Hauptsache nur durch Verbreitung von Flugblättern und Broschüren bewirkt werden. Bei den Kommunalwahlen gelang es trotz Reichsverband und Junkerterror in sechs Stadt- und Land- gemeinden neue Sitze zu erobern. Die Kreiskasse weist bei einer Einnahme von 2033 M. und einer Ausgabe von ISO!) M. einen Kastenbestand von 033 M. auf. Redakteur Genosse Kilian-Halle sprach unter lebhaftem Beifall über das Bildungswesen im Kreise. Aus ZweckmaßigieitSgründen beschloß der Kreistag, den Sitz de» Kreisvorstandes von Sangerhausen nach Aitern zu verlegen und Mit dem Amte deS Vorsitzenden den GewerkfchastSbeamten Genossen Hünerbein-Ärtern zu betrauen. � � Im Wahlkreis� a n S f e l d verzeichnet der an den vergangenen Sonntag stattgefundenen Kreistag erstattete Bericht der Wahlkreis- organisalion einen Fortschritt unserer Bewegung, was umsomehr mS «ervicht fällt, als der ManSfelder Kupferschieserbergbau augenblicklich —»« schwere Krise durchzumachen hat. Durch die Agitation m der Roten Woche wurden 200 Neuaufnahmen gemacht, wodurch die Mit- gliederzahl gegen das Vorjahr gesteigert werden konnte. Trotz der eigenartigen Verhältnisse, unter denen die elend bezahlten, von den Grubenherren mit allen Mitteln in geistiger Umnachtung gehaltenen Bergarbeiter zu leben gezwungen sind, hat sich der Abonnentenstand des„Hallefchcn Volksblattes' auf der gleichen Höhe gehalten. Zur Verbreitung gelangten 44 000 Flugblätter, 11 000 Voltskalender und 3000 andere Broschüren. Die mit ziemlich erheblichen Mitteln aus- gestattete Bibliothek ist teilweise als Wanderbibliothek ein« gerichtet worden. Der in ganz Deutschland berüchtigte ManSfelder Terror hat nicht zu verhindern vermocht, daß die Partei 3 Stadt- verordneten- und 19 Gemeindevertretersitze eroberte und zur Schulung der gewählten Vertreter eine Gemeindevertreterkonferenz abhalten konnte. Die Kreiskasse hatte eine Einnahme von 3877,99 M. und eine Ausgabe von 3358,20 M., so daß ein Bestand von 519,73 M. verbleibt, lieber 400 M. mutzten für Gerichts- und Anwaltskosten ausgegeben werden. Ein Antrag auf Einführung einer Sterbe- Unterstützung wurde mit der Begründung abgelehnt, daß die Ml- glieder genügend Gelegenheit hätten, sich anderweitig zu versichern. Reichstagsabg. Brandes- Magdeburg hielt einen beifällig auf- genommenen Vortrag über eine intensivere Agitation. Zum Partei- tag wurde Genosse Christange-Eisleben delegiert. * Aus dem Geschäftsbericht des Bezirksvorstandes und der Vor- stände de» 18., 22. und 23. Reichstagswahlkreises sBezirk Z w i ck a u) ist zu entnehmen, daß die anhaltende Wirtschaftskrise auch auf die Mitgliederbewegung in den drei Kreisen ungünstig eingewirkt habe. Besonders im 23. Kreise hat die Krise arg gewütet und hier wiederum hauplsächlich in den Städten Plauen und O e l s n i tz. Das Daniederliegen der dortigen Industriezweige veranlaßt« viele Arbeiter- familien zur Abwanderung, wodurch natürlich die Parteiorganisation schwer geschädigt wurde. Der Mitgliederverlust betrug infolgedessen in diesem Kreise 1519. Im 18. und 22. Wahlkreise brachte die Krise ebenfalls schwere wirtschaftliche Schädigungen für die arbeitende Bevölkerung mit sich. Es gelang aber trotzdem, nicht nur den Mit- gliederbestand vom Vorjahre zu erhalten, sondern eine wesentliche Mitgliederzunabme zu erzielen. Trotz alledem war es nicht möglich, den durch die Krise im 23. Wahlkreis verursachten Verlust dadurch auszugleichen, es verblieb vielmehr immer noch ein Verlust von 97 Mitgliedern gegenüber dem Vorjahre. Die Mitgliederzahl betrug in allen drei Kreisen 18 173(14 501 männl., 3072 weibl.) gegen 18 270 im Vorjahre. Es ist znithin eine Zunahme um 1414 Mitgliedern zu verzeichnen, der eine Abnahme von 1511 Mitgliedern gegenübersteht. Auf die einzelnen Kreise verteilt, gestaltet sich die Mitglieder- bewegung folgendermaßen: 18. sächsischer Reichstagswahlkreis: Mitglieder- stand 7453(5707 männl., 1080 weibl.) gegen 0058(5130 männl., 1528 weibl.) im Vorjahre. Die Zunahme beträgt mithin 795 (037 männl., 158 weibl.). Der 22. sächsische ReichStagswahlkreis verfügt über einen Mitgliederstand von 4300<3013 männl., 1253 weibl.) gegen 4247<3389 männl., 858 weibl.) im Vorjahre. Die Mitglieder- zunähme betrug 708, die Abnahme 89. demnach Zunahme 019 Mit- glieder. Der 23. sächsische ReichStagswahlkreis zählte 5864 Mitglieder gegen 7373 im Vorjahre. Das ist ein Verlust von 1519 Mitgliedern. Die Kassenverhältniste zeigten folgendes Ziffernbild: Bezirks- kaffe: Einnahme 2l 740,10 M.. Ausgabe 18 502,40 M. Im 18. Wahlkreis betrug die Einnahme 34 878,13 M. und die Ausgabe 30 453,12 M. 22. Wahlkreis: Einnahme 10 241,70 M., Ausgabe 9103,49 M. 23. Wahlkreis: Einnahme 27 405,57 M., Ausgabe 20 991,30 M. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeinderatsmitglieder hat in zwei Kreisen bei den letzten Kommunalwahlen einen erfteulichen Zuwachs erfahren. Dieselbe stieg im Berichtsjahre um 14. In den drei Kreisen sind insgesamt Gemeinderatsvertreter vorhanden: 100 ansässige und 170 unansässtge. Im 18. Wahlkreis sank die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter von 123 auf 120, im 22. Wahl- kreis stieg dieselbe von 81 auf 88 und im 23. Wahlkreis von 52 auf 02. Die Agitation war eine sehr rege. ES wurden insgesamt 198 öffentliche, 784 Mitglieder- und 78 Frauenversammlungen ab- gehalten. Zur Verteilung kamen 573 100 Flugblätter, 414 830 Hand- zettel und 21 000 Agitationskalender. Zur Belehrung und Bildung sind vom BezirkSbildungSauSschuß insgesamt 07 Veranstaltungen für 71 Orte vermittelt worden. Das Parteiorgan„Sächs. Volksblatt' verfügt im Bezirk über rund 24 000 Abonnenten. * Eine Konferenz des 1. braun schweigischcn Reichs- tegswahlkreises fand am Sonntag im Gewerkschaftshause in Braunschweig statt. Der Kreis zählte am 1. März d. I. 11 302 Mitglieder gegen 9927 im Jahre zuvor, so daß eine Zunahme von 1445 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Von den Mitgliedern hat der OrtSverein der Stadt Braunschweig allein 9212 gegen 7779 im Vorjahre. Die Einnahme der Kreiskasse ergibt einschließlich des Kassenb-standcS von 16 1 39,39 M. eine Gesamtcinnahmc von 38 927 Mark, eine Ausgabe von 19 081,00 M., so daß ein Kassenbcstand von 19 240,88 M. vorhanden ist. Ter„Volksfreund', das Partei- blatt, hatte Ende März mit 11502 Abonnenten einen Zuwachs von 517 Abonnenten gegen 1. Januar 1913. Neben dem Agitations- kalendcr wurden Flugblätter in 345 500 Exemplaren verbreitet. Stadtverordneteee zählte die Partei in drei Städten des Kreises 15, Gemeinderatsmitglieder 04 in 32 Ortschaften. Die Konferenz nahm folgende Resolution zur Stellung unserer Reichstagsfraktion zu dem Kaiserhoch und zur B e s o l- dungs Vorlage einstimmig an: „Die Kreiskonferenz des 1. Braunschweigischen Reichstags- Wahlkreises stimmt dem Verhalten der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion in der Frage des Kaiserhochs ausdrücklich zu und verlangt, daß sie in Zukunft immer so handele, wie beim Schluß der letzten Session." Ferner erklärte die Kreiskonferenz ihre Uebereinstim. mung mit der Fraktion in der Frage der Beso l- dungsordnung und weist die von zwei Berliner Reichstags- kandidaten in der Neumark gegen die Fraktion erhobenen Vor- würfe als völlig unberechtigt zurück. Der Wahlrechtökampf der belgischen Arveiterpartei. Der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei erläßt einen Auf« ruf zur Arbeit für die Verfastungsrevision, dem wir folgende Sätze entnehmen: Die Wahlen von 1914 sind beendigt. Sie waren für den Sozialismus und die Sache der Verfassungsrevision ein glänzender Erfolg. Die Arbeiterpartei hat 50 000 Stimmen gewonnen und die sozialdemokratische Kammergruppe zählt von jetzt ab 40 Ab- geordnete. Es ist nun erforderlich, daß der Kampf um die Verfaffung be- ginnt. An: 12. März 1913 hat der Ministerpräsident de Broquoville erklärt, daß zwei wesentliche Gründe die Regierung verhindern— sei es direkt, sei eS indirekt—, den Weg der Verfassungsreform zu beschreiten: die Drohung mit dem Generalstreik und die Tatsache, daß die Majorität, welche am 2. Juli gewählt wurde, sich gegen die Revision ausgesprochen hat. Von beiden Argumenten besteht das erste nicht mehr. Der Generalstreik hat stattgefunden. Er war friedlich und gewaltig. Er ist beendigt worden durch die einstimmige Annahme der Tages- Ordnung Mason. In einer Zeit vollkommenster Ruhe erhebt sich von neuem das Problem der Revision. In bezug auf das andere Argument hat der Ministerpräsident selbst, indem er sich auf die ablehnende oder sogenannt ablehnende Haltung der Wählerschaft berief, in den klarsten Ausdrücken dar- gelegt, unter welchen Bedingungen dieses zweite Argument fallen könne: wenn die Wählerschaft sich für die LersassungSrevision aus- gesprochen hat, so wird da? für eine kohale Regierung ein kostbarer Fingerzeig fein. Diesen Fingerzeig haben die Wähler am 24. Mai in der un- zweifelhaftesten Weise gegeben. Es ergibt sich, wenn man die Wahl- resultate von 1912 und 1914 zusammenzählt, daß die drei Parteien der Opposilion, welche in ihren Wahlprogrammen das allgemeine Stimmrecht fordern, im ganzen 1 327 887 Stimmen gegen 1 321 848 Stimmen der Regierungskandidaten erhalten haben. Das ist nicht nur allein die wirkliche Majorität im Lande, es ist die gesetzliche Majorität, die Majorität des Pluralwahlrechtes, welches die Herrschaft des Pluralwahlrechtes verwirst. Und_ noch mehr; unter den Wählern der Regierungsminderheit find Tausende, die für politische Gleichheit und die Verfassungsrevision sind. Unter diesen Umständen wird es von dem Willen und der Tat- kraft der Arbeiterklasse abhängen, daß die Wahlen von 1910 Wahlen find für die Verfassung und für die Revision. An's Werk denn, damit es so werde! ' ES werden im Jahre 1910 fünfzig Jahre sein, daß die Arbeiter Belgiens zum ersten Male die politische Gleichberechtigung forderten. Das Jahr 1910 muß für das belgische Proletariat das große Jahr werden, das Jahr, wo es die Frucht unermüdlicher und Helden- basier Anstrengungen erntet. Dazu ist es notwendig, daß unsere Anstrengungen sich erhöhen. Am zweiten Dienstag des kommenden November werden die 40 Erwählten der Arbeiterpartei dem Parlament die Petition für das allgemeine Wahlrecht überreichen. Bis dahin muß das ganze Land besucht sein und Tausende von neuen Unterschristen müssen zu denen kommen, die bereits gesammelt sind. Die Haus- agitation, systematisch organisiert, fahre fort, die Gleichgültigen aufzurütteln, die Gegner zu überzeugen; und wenn, kraft des Verdikts der Wähler, kraft der Stütze, welche ihnen die Unterschriften von Hunderttausonden vonPetitionären gibt, die sozialistischen Abgeordneten im geeigneten Moment eine neue Vorlage zur Revision einbringen, werden die letzten Widerstände verschwinden, denn das ganze Land wird wiederhallen von demselben Feldgeschrei: Revision I Allgemeines Wahlrecht l_ polizeiliches, Gerkchtliches usw. Preßprozeß. Genoffe Rauh, der Verantwortliche unseres Zittau er Parteiblattes, wurde wegen angeblicher Beleidigung des christlichen Gewerkschaftssekretärs Sparenberg in Dresden zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Die.Volkszeitung" in Zittau hatte den christlichen Ge- werkschaften den Vorwurf gemacht, sie hätten bei den Kronkenkasien- Wahlen in Kirschau mit den Unternehmern gearbeitet. Sparenberg leitete daraus für sich den Vorwurf der Bestechlichkeit her und hatte Strafantrag gestellt._______ Mus Industrie und Handel. Die Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Verein» Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg im Monat Mai 1914 insgesamt 1 007 211 Tonnen gegen 1 534 429 Tonnen im vorigen Monat und gegen 1043 009 Tonnen im gleichen Monat des vorigen Jahres. Auf den Arbeitstag kamen im Berichtsmonat 51 845 Tonnen gegen 51 147 Tonnen im vorigen Monat und gegen 53 002 Tonnen im gleichen Monat des vorigen Jahres. Die Erzeugung in den Monaten Januar bis Mai 1914 stellte sich auf 7 750 901 Tonnen gegen 7 900 455 Tonnen im gleiche« Zeitabschnitt des vorigen Jahres. Soziales. Die Gehälter der PrivatangestcMe«. In den Kämpfen der Angestelltenbewegung wird von den großen Harmonieverbänden dauernd damit operiert, daß die HandlungS« gehilfen durch die gewerkschaftliche Organisierung proletarifiert würden. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, daß die so ge- fürchtete Proletaristerung nicht erst durch die Organisationsform ge- schaffen wird, sondern in der kapitalistischen Ausbeutung ihre Ursache hat, die bei Bemeffung der Entlohnung mit den Angestellten auf keinen Fall schonender verfährt, als mit den Arbeitern. Leider war es nun bisher immer schwer, das Angcstelltenelend zahlenmäßig nach- zuweisen, denn alle bisherigen Erhebungen einzelner Verbände waren schon deshalb lückenhaft, weil weite Kreise der Angestellten infolge der ungewerkschaftlichcn Erziehung sich noch schämen, ihre Schund- gehälter wahrheitsgemäß anzugeben. Es bedeutet deshalb einen großen Fortschritt, daß nun«eine Gehaltsstatistik vorliegt, die mit zwingender Deutlichkeit beweist, daß die große Masie der Privat- angestellten schlechter bezahlt ist als die qualifizierte Arbeiterschaft. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hat soeben eine Erhebung über die Alters-, Gehalts- und Familienverhältnisse der Versicherten ver- öffentlicht, die nach den auf 1 424 003 Bersicherungskarten gemachten Angaben erfolgt ist, von denen 1 007 070 auf das männliche und 417 533 Karten auf das weibliche Geschlecht entfallen. Die Er- gebnisse einer auf solch breiter Grundlage vorgenommenen Statistik müssen, auch wenn sie den Arbeitgebern unangenehm sind, als zu- treffende Gehaltsermittelung anerkannt werden. Da bei der Beratung des AngestelltenversicherungZgesetzes der von der Sozialdemokratie geforderte Ausbau der Alters- und In- validenversicherung heftig bekämpft wurde, so mag zunächst aus der Statistik hervorgehoben werden, daß die Mehrheit der Privat- ange st eilten unter 2000 Mark Gehalt bezieht, also auch heute noch neben der Sonderversicherung der Jnvalidenverstche- rnng untersteht. Von den 1 007 070 männlichen Versicherten haben einen Jahres» verdienst bis zu 2000 M..... 600 523 oder 59,63 Proz. über 2000 bis zu 5000 M.. 404 438 oder 40,16 Proz. Der Rest besteht auS freiwillig Versicherten oder der JahreS- verdienst ist nicht angegeben, doch handelt es sich ja nur um einen kleinen Bruchteil. Von den 417 533 weiblichen Versicherten haben einen Jahres- verdienst biS zu 2000 M..... 402 554 oder 90,41 Proz. über 2000 bis zu 5000 M.. 14 443 oder 3,40 Proz. Von der Gesamtheit der Versicherten haben 70.41 Proz. bis zu 2000 M. Gehalt und nur 29,4 Proz. über 2000 biS 5000 M. Eine besondere Uebersicht zeigt den durchschnittlichen Jahre«- verdienst in den 50 OberpostdirektionSbezirkcn. Die männlichen An- gestellten erreichen dadurch das höchste DurchschnittSgehalt von 2124 M. pro Jahr in Berlin, die werblichen von 1139 M. in Frank- furt a. M. Für das ganze Reich ergibt sich ein durchschnittlicher Jahresverdienst von 1941 M. beim männlichen, 997 M. beim weiblichen Geschlecht. Hiernach berechnet sich das Einkommen der weiblichen An« gestellten aus 61 Proz. gegenüber dem der männlichen. In den ver- schicdenen Altersstufen stellt sich aber das Verhältnis wesentlich auderS. Eure nach Altersgruppen geordnete Uebersicht der amtlichen Statrsirr ergrbt, daß die Männer zwischen dem 42. und 43. Lebens- VJ?**®e�ntt erreichen, die Frauen im Alter von 35 bis 40 Jahren. Der prozentuale Unterschied zwischen dem Gehalt des Mannes und dem der Frau ist am kleinsten bei Angestellten von 18 5TB M Jahr««'und wZchst dann dauernd mkt dem zunehmenden Lebensalter. Die weiblichen Angestellten von 16 bis 18 Jahren der dienen durchschnittlich 72,82 Proz. vom Einkommen der Männer in denselben Altersstufen; die Frauen von SS bis 60 Jahren haben aber nur noch S2,18 Proz. des JahreSverdiensteS ihrer gleichalten männlichen Kollegen. ES zeigt sich, daß Dienstjahre, Erfahrung und vermehrte Kenntnisie des Betriebes in der Bemesiung der Gebälter für Männer viel mehr in Anrechnung gebracht werden als bei den Frauen. DaS Gesamtbild ergibt folgende durchschnittliche JahreSgehälter: ES geht aus den gewonnenen Zahlen hervor, daß in den An- gestelltenberufen der Abstand zwischen den Gehältern der männ- lichen und weiblichen Berufstätigen wesentlich größer ist, als in den Arbeiterberufen, So traurig die Ergebnisse im ganzen sind, ebenso nützlich könnten sie aber auch sein, wenn endlich alle Privatangestellten die Konsequenz aus den bestehenden sozialen Berufsverhälwissen ziehen und sich in Massen gewerkschaftlich organisieren wollten. Welche Fülle von wirtschaftlicher Macht steckt in den hier ge zählten Angestellten in dem Augenblick, da sie erst de« Willen zur Macht zum Ausdruck bringen. Die Zählung erstreckte sich auf 1 424 603 Personen, ohne daß bis jetzt alle bei der Reichsversicherung «ingegangenen Aufnahmekarten bearbeitet werden konnten. Bis Anfang 1914 waren aber schon 1 68S 097 Aufnahmekarten vorhanden und noch haben eS viele Firmen unterlassen, ihre Angestellten anzumelden, so daß die Zahl der versicherungspflichtigen Privat« angestellten noch lange nicht erschöpft ist. Es wird wahrlich Zeit, daß sich diese Zweimillionenschicht unseres Volkes auf ihr« Klassen- läge besinnt. Die Zeiten find zu ernst, um in Harmonieverbänden seichte Geselligkeit zu pflegen. Die hier veröffentlichten Zahlen rufen dw Privatangestellten beiderlei Geschlechts zum Kampf. Gerichtszeitung. Tic Staatsanwaltschaft für den geohrfeigten Keiling. Beleidigt durch ein paar Ohrfeigen soll der sattsam be- kannte Streikbrecher- und Polizeiagent Keiling sein. Tes- halb erhob die Staatsanwaltschaft„im öffentltchen Interesse" Anklage. Welches„öffentliche Interesse" lag hier vor? War es die Tat selbst? Aber wenn jedesmal wegen ein paar Ohr- feigen die Staatsanwaltschaft klagen wollte, so reichten ihre Arbeitskräfte hierzu nicht entfernt aus. Lag in den Um- ständen der Tat etwas, das ein„öffentliches Interesse" recht- fertigte? Nein, es handelte sich keineswegs um einen ruch- los angegriffenen Wehrlosen, es handelte sich um kein Kind, keinen körperlich Wehrlosen, sondern um einen mit R e- volver und Dolch Ausgestatteten, dem der Ohrfeigen- spender den Dolch entriß und dem er hierbei in der Erregung über die Grenzen der Notwehr hinaus ein paar Ohrfeigen applizierte. Oder lag„öffentliches Interesse" vor. weil Kei- ling der Geohrfeigte war? Wer ist denn Keiling. dieser Schützling der Polizei und der Staatsanwaltschaft? Es ist das der bekannte Streikbrecher- und Polizeiagent Keiling. Dieser Vertrauensmann der Arbeitgeber und bis zu der Zeit, wo österreichische Gerichte ihn wegen der Er- fchießung des Maschinenmeisters Solinger in Haft nahmen, Agent der Berliner Polizei, ist häufig wegen Verbrechen und Vergehen zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen verurteilt und steht unter Polizeiaufsicht. Er ist unter anderem bestraft wegen Kuppelei, wegen Hehlerei, fünfmal wegen Betrugs, viermal wegen D i e b st a h l s und jüngst wegen der Erschießung Solingers zu der gelinden Strafe von 9 Monaten Kerker. Wegen angeblicher Beleidigung dieser auch mit 14 Jahren Ehrverlust bestraften Stütze der herrschenden Klasse erhob die Staatsanwaltschaft Anklage im„öffentlichen Interesse". Ter Prozeß kam gestern zur Verhandlung, über den der nach- stehende Bericht informiert. Der Deutsche TranSportarbeiter-Verband hatte im November vorigen Jahres einen Abwehrstreik in der Hochstraße zu führen. 16 bis 17 Tage ging alles in Rühe vor sich, so daß selbst die Polizei der Ansicht war, daß eine Ueberwachung des bestreikten Betriebes nicht nötig sei. Am Tage vor dem Bußtag erschien in der„Morgen- poit" ein Inserat, wonach Kutscher zu einein Tagelohn von 6,50 M. verlangt wurden. Keiling mit seiner Garde stellte sich darauf- hin prompt ein, und zwar unter starker vvlizeilicher Bedeckung. Die Streikenden riefen darauf:„Ach, daS ist ja Keiling, den kennen wir schon!" Keiling, mit Revolver und Dolch bewaffnet, kommandierte nun den Schutzleuten: „Säbel raus!" Die Schutzleute zogen denn auch blank. Es geschah aber nichts. Am Busttage nun wollte Keiling nach dem bestreikten Betrieb gehen. Am Hochplah wurde er von Frauen erkannt als der Streikbrecher, der mit Dolch und Revolver gedroht hatte. Es bildete sich ein Auf- lauf. Keiling schrie hierauf: „Ich habe Polizeigewalt, ich schieße einen nieder, ich habe schon mal einen niedergeschossen." Dabei zog er einen Dolch. Ein paar handfeste Männer gingen nun dem Messerhelden zu Leibe. Dabei fiel er zu Boden. In diesem Augenblick kam der Streitende Hans Haffmann hinzu und entriß Keiling den Dalch, als er gerade stechen wollte. Hierbei soll er dem- selben noch ein paar Ohrfeigen verabreicht haben. Diese Vorgänge lagen nun der gestrigen Verhandlung zu- gründe. Den Vorsitz führte Amtsrichter von der Schulenburg. Er betonte von vornherein, daß man es hier mit dem bekannten und berüchtigten Streikbrecheragenten zu tun habe, der in Berlin wohl der am meisten vorbestrafte Mensch sei. Wo Keiling hinkomme, gebe es immer Streit. Angeklagter Haffmann gab zu, dem Keiling den Dolch ent- rissen zu haben, um Unheil zu verhüten, mißhandelt habe, er Kei- ling jedoch nicht. Anders sagte der Zeuge Hense aus. der in der Nähe des Schau- Platzes eine Portierstelle inne hat und beim Reinigen des Hau«- flurs beobachtet haben will, wie der Angeklagte dem Keiling den Dolch nahm und ihm außerdem ein paar Ohrfeigen gab. Ein weiterer Zeuge konnte nichts bekunden. Ü Hoffmann hat wegen dieser Angelegenheit seinerzeit 27 Tage i» Untersuchungshaft gesessen. Der LmtSanwalt beantragte 30 Mark Gelbskrase oder 8 Tage Haft. Die Sache fei in Anbetracht der ganzen Umstände milde aufzufassen. Immerhin habe der Angeklagte sich strafbar gemacht. Nachdem er Keiling den Dolch entrissen, hatte er seinen Zweck er- reicht und brauchte nicht mehr zu schlagen. Der Berteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, führte n. a. auS. daß es ganz natürlich sei, wenn der Angeklagte in begrefflichem Aerger, als er Keiling das große Messer abnahm, noch eine oder zwei Ohrfeigen gab. Er bitte, wenn Frei- sprechung nicht erfolgen sollte, um eine milde Strafe, zumal der Angeklagte schon 27 Tage Untersuchungshaft hinter sich habe. Ob die Strafe nun 3 M. oder 30 M. betrage, habe ja nur theoretische Bedeutung, da er mit Sicherheit annehme, daß ihm die Strafe auf die Untersuchungshaft angerechnet werde. Das Urteil lautet« wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung auf 15 M. Geld- strafe, die als verbüßt zu erachten sind. Wie der Borsitzende aus- führte, gebe es immer, wo Keiling hinkomme, Streit und Prügelei. Wahrscheinlich sei er wohl rn diesem Falle vorher auch gereizt worden. Immerhin habe das Gericht angenommen, daß die Ohr- feigen keine» Unwürdigen getroffen haben. Der Genosse Hcms Hoffmann bat 27 Tage unschuldig in Untersuchungshast gesessen, weil er den Keiling an Mord und Totschlag durch Fortnahme des Dolches verhinderte, bei dieser berechtigten Notwehr aber nach Ansicht der Behörden das Maß der Notwehr in strafbarer Weise überschritt. Er soll mit 15 M. seine menschlich durchaus erklärliche Tat büßen. Verurteilt also ist Hoffmann. Gerichtet aber durch den Pro- zeß ist die Staatsanwaltschaft als Institution, denn wenn die Staatsanwaltschaft unter solchen Umständen„im öffentlichen Interesse" Anklage zu erheben für ihre Pflicht halten muß, so ist dadurch klar bewiesen, daß die Rechtssicherheit durch solche Ermächtigung der Staatsanwaltschaft arg gefährdet wird. Oder soll etwa als neuer Rechtsgrundsatz gelten: wenn ein wegen Kuppelei, Hehlerei, Diebstahls, Betrugs. Totschlags vielfach vorbestraftes, mit Ehrverlust belegtes Subjekt anstän- digc Menschen mit Mord und Totschlag bedroht, dann dürfen die ehrlichen, anständigen Menschen nicht in Erregung ge- raten und dürfen sich erst wehren, nachdem sie totgeschossen oder totgestochen sind? Soll das Rechtsgrundsatz werden, wenn der Mordlustige ein Streikbrecher, und Polizeiagent ist? Das wäre frevelhaft, auch wenn niemand anders als Staatsanwälte und Polizisten der Rauflust solcher Stützen der Gesellschaft zum Opfer fielen. Fort mit der Anklage- Möglichkeit der Staatsanwaltschaft in Fällen wie dem vorliegenden._ Ein tödlicher Antomobilunfall beschäfttgte gestern die 5. Strafkammer des Landgerichts III in einer gegen den Oberingenieur Peter Teig» l a n d in Oberschöneweide gerichteten Anklage wegen fahr- lässiger Tötung. Am 19. November vorigen Jahres nachmittags gegen Uhr wurde der Bergschmied Weber aus Kalkberge durch einen von dem Angeklagten gelenkten Kraftwagen aus der Chaussee zwischen Lichtenow-Lamm und Herzfelde überfahren. Weber wurde von dem Kühler des Wagens erfaßt und zu Boden geworfen; der Wagen ging über seinen Körper der ganzen Länge nach hinweg und schleifte ihn noch ein Stück mit. Er erlitt einen Schädelbruch. Zerreißung der linken Lunge und der Milz sowie Rippenbrüche und Brüche des Brustbeins und verstarb kurze Zeit nach seiner Einlieferung in das Verbandskrankenhaus Rüdersdorf-Kalkberge. Der Angeklagte bestritt, die Schuld an diesem bedauerlichen Unfall getragen zu haben. Nach seiner Darstellung sei er infolge des schlechten Wetters an dem fraglichen Tage nur mit einer Stundengeschwindigkeit von 20 bis 2S Kilometer gefahren. Als er den offenbar angeheiterten Weber mit dessen sechs Begleitern gesehen habe, seien diese in der ganzen Breite der Chaussee neben- einander gegangen. Auf sein Hupensignal seien die sieben Per- sonen rechts und links— Weber nach links— zur Seite getreten. Nunmehr habe er nochmals Warnungssignale gegeben, sehr plötzlich sei daraus Weber ganz kurz vor dem Wagen von links nach rechts gelaufen und hierdurch überfahren worden. Diese Angaben sind von dem Werkmeister Schulze, der neben dem Angeklagten im Kraftwagen saß, voll bestätigt worden. Die Begleiter des Weber behaupten demgegenüber, daß der Angeklagte, ohne Hupensignale zu geben, an ihnen vorbeizufahren suchte, hierbei nicht die vorge- schriebene Fahrbahn innehielt, sondern zum Teil auf dem Fuß- iteig fuhr und dadurch Weber überfuhr. Nach längerer Beweisaufnahme erkannte das Gericht auf einen Monat Gefängnis._ Versammlungen. Tie Arbeitsverhältnisse bei der„Olrx"-Petr»leumgesellschaft. Eine Betriebsbesprechung, die der Zentralverband der Hand- lungsgehilfen für die Angestellten der genannten Gesellschaft ein- berufen hatte, war außerordentlich stark besucht. Auch die meisten Vorgesetzten waren erschienen, wodurch sich die Angestellten in ihrer Bewegungsfreiheit bedroht fühlten. Es spricht für das Gebaren dieser Herren, daß trotz der Bitte des Versammlungsleiters, die Versammlung zu verlassen, keiner der Herren den Saal verließ. Ter Referent U ck o versäumte nicht, den Herren den Spiegel vorzuhalten. Er schilderte ausführlich die miserablen Verhältnisse bei dieser Firma. Verheiratete Buchhalter, die durchschnittlich 120 bis 150 Mk. Gehalt bekommen, werden 14— 15 Stunden täglich beschäftigt, während die sogenannte offizielle Burcauzeit von'A9 Uhr bis 6 Uhr ist. Für diese Ueberstunden gibt es als einzige Bezahlung Schimpfworte, Drohungen und Entlassungen. Selbst an Sonn- tagen werden die Angestellten— den Bestimmungen der Sonntags- ruheverordnung zuwider— sebr häufig beschäftigt. Man geniert sich nicht einmal, IS- und 16 jährige Lehrlinge 13 Stunden täglich zu beschäftigen und sie obendrein mit wenig schmeichelhaften Worten zu belegen. Die weiblichen Angestellten erhalten zumeist 60— 80 M. Gehalt, wovon ihnen noch Angestelltenversicherung, JnvaliditätS- und Krankenkasse abgezogen werden, während für die beiden zuletzt ge- nannten Institutionen bis vor einiger Zeit die gesamten Beiträge von der„O l c x" bezablt wurden. Allen Angestellten werden nach einjähriger Tätigkeit 14 Tage Ferien versprochen, sie bekommen sie auch von der Direktion bewilligt, doch die Herren Abteilungsvor- steher gestatten nicht, daß der Urlaub angetreten wird. In der Buchhalterei mußten im vorigen Jahre über 100 Angestellte auf ihre sauer verdienten Ferien verzichten, ohne daß man auch nur t>en Versuch machte, die Angestellten zu entschädigen Eine Aussprache konnte infolge der Anwesenheit der Vorge- setzten nicht stattfinden. Es wurde beschlossen, demnächst eine weitere Versammlung einzuberufen, in der der Ausschluß der Vor- gesetzten schon auf den Einladungszetteln bekanntgegeben wird. Berband der Brauerei- und Mühlenarbeiter. Tie Zahlstelle Berlin hielt am Sonntag ihre Generalversammlung ab. H o d a p p sprach über den kommenden Verbandstag. Als den wichtigsten Punkt des Verbandstages bezeichnete er die Finanz- und Unter- stützungs-Reformvorlage, die der Hauptvorstand im Auftrage des letzten Verbandstag»; auSgearbetket hak. Die Vorlage siebt Wesens liche Verbesserungen auf dem Gebiete der Unterstützungen für die Mitglieder vor. Gleichzeitig ist eine Regelung bezw. Erhöhung der Hauptbeiträge bis zum Höchstsatze von 60 Pf. pro Woche in Aussicht genommen. Die Vertrauensmänner haben der Vorlage zugc- stimmt. Hodapp ersuchte die Versammlung, die Vorlage ebeniulls gutzuheißen. In der Diskussion'tieß die Vorlage bei mehreren Rednern auf Widerstand. Insbesondere wurden lebhafte Bedenken gegen eine Beitragserhöhung geäußert. Es kam zum Ausdruck, daß eine solche schon aus agitatorischen Gründen nicht ratsam sei. Von anderer Seite wurde sehr eindringlich die Notwendigkeit einer� Beitrags- erhöhung betont und der Wunsch ausgesprochen, daß derselben ein- stimmig zugestimmt werde. Die Vorlage wurde zuletzt gegen wenige Stimmen angenommen. Hierauf berichtete Hodapp über die neuerliche Verteilung der Sitze im Einigungsamt, desgleichen über kleinere Streitfragen innerhalb einzelner Betriebe. Ein Redner beschwerte sich besönders über einen Üebelstand, der in der Patzenhofer-Brauerei besteht. Dort werden die Arbeiter gezwungen, zu bestimmten Zeitpunkten während der Arbeitszeit das ihnen zustehende Bier zu trinken. Der Wunsch,-ihr Bier trinken zu dürfen nach Bedürfnis, wurde den Ar- beitern rundweg abgeschlagen. Auch über das Ueberstundenwesen wurde Klage geführt. Ueber alle diese Fragen wird das Schieds- gericht zu entscheiden haben. Gegen die auf Aufhebung der Wochenmörkte gerichteten Be» strebunge« wandte sich am Sonntag eine vom Deulschen Händler- verband einberufene Versammlung von Marklstandinhabern. Der Referent S l o t t l e legte dar. aus welchen Gründen die etwa 70 bestehenden Märkte Groß-BerlinS notwendig feien. Er wendet sich gegen die Strömungen, die namentlich auf Beseitigung des Marktes am Wittenbergplatz' abzielen und sogar nicht davor zurückschrecken. den Magistrat und den Polizeipräsidenten von Charlottenburg zu ersuchen, auch ohne Zustimmung der Stadtverordneten die Aufhebung deS Marlies zu verfügen. Auch gegen eine von der Potsdamer Handelskammer befürwortete Aeyderung der Gewerbeordnung wendete sich die Versammlung und nahm am Schluß eine Re- solution an, in der diese Gesichtspunkte zusammengefaßt waren. veite, iändij Üe S eilt; futsch Wic sich u d inl ben N tgieru »terne >ort i stelle! inordc ■ Dez sthr h Itvartc Ines e Mg< pcken int ni Ler Äuenk rsen. d-t ff nschli be. p enschc sie 'äufctjt itoden uns Jugendveranstalttmge». Wilmersdorf. Am Donnerstag, 11. Juni, abends S'l, Uhr. im .Jugendheim', Mannheimer Str. 51. Vortrag mit Fragebeantwortung: .Die Erde im Welt enraum." Briefkasten öer Redaktion« Die juristische«»rechstuiide finde« Lindeusteaste«S, d»r» viee Dredve« — F» h r st» h l—, wochentä glich d»n tts, bis 7M, Uhr abends, E-nnadend», tum 4 Vi bis 6 Uhr abends statt. Jeder ftir den»ricflasten dcftimmten Anfrage ist ein Bnchfiade nnd eine Zahl als Merkzeichen detznfngen. Briefliche Antwsre wir» nicht erteilt. Anfragen, denen«eine»do-nementsgnitwng dcigefüg« ist, werden nicht deaniwartet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. 58. Nur im Falle deS Verschuldens.— tt. 30. 1. Ja. 2. Bei der OrtSbehörde(Magislrai). 3. KriegSmmifter.— B. G. 20. In Aus- nahmesällen ist das möglich.— R. C. I. 1. Unzulässig. Nach vorheriger Androhung kann die Versteigerung crsolgen. 2. Nur dann, wenn die nach russischem Recht gegebenen Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Ehe- schlietzung ersüllt sind.— 002 W. Die Beschlagnahme ist zulässig, soscrn die Armenverwaltung Kenntnis hat. Eine AuSlunsterleilung seitens der genannten Institute ersolgt nur dann, wenn ein gerichtlicher Psändungs- und Ucberweisungsbeschlusi zugestellt ist.— 9. 100. Falls Freigabe ersolgt. können Sie die Siegel entscrnen. Die sestgesetztcn Koslensorderungen verjähren in 30 Jahren.— W. T 56. Rem.— W. A. 1. Ja. 2. Nein. — M. S. 19. Ja.— W. 100. Die Kündigung ist verspätet. Sie sind daher noch siir em weiteres Jahr an den Mielsvertrag gebunden. Falls die Wohnung rcnovierbedürslig ist, lönnen Sie auch Instandsetzung ocr- langen.—«. V. E. 100. Fragen Sie zunächst bei der Sparkasse an. Wird dort Auskunft verweigert, so bleibt nur übrig, sich an das Gericht zu wenden.— C. M. 4. 1. Nein. 2. ES käme nur ein Adoptionsocrtrag in Frage, der mit dem Vormund im Einverständnis mit der Mutter beim Notar zu schließen ist.— H. W. 4. 1. Sie müssen einen Kassenarzt kon- sultieren. Die Kosten deS Kreisarztes würden Sie nicht erstattet bek ommen. 2. Nur, sofern Sachen davon entbehrlich sind.— Eilig. Machen Sie ein« Eingabe an die Oberpostdirektion, Spandauer Str. 13.— Poltee. Ja, Sie haben aber das Recht, innerhalb Monatsfrist von dem Zeitpunkt ab gerechnet, zu dem Sie Kenntnis von dem Versicherungsverträge erhallen baden, diesen Vertrag per sosoil auszulösen.—{?. M 79. 1. Beantragen Sie die Anberaumung eines neuen Termins. 2. Etwa 10 M.— L. 4 Ihre Frau ist zur Zahlung der Hälfte des BeilragSanteilS verpflichtet. jedoch kann von dem Lohn ihr nur siir die beiden letzlcn Monate der Anteil gekürzt werden.— LoS von Rom 1. a) Ja, soiern Ihre Frau nicht zahlungsfähig ist. b) Gefordert kann die Hälfte desjenigen Satzes werden, den Sie zu zahlen verpflichte! wären, falls Sie der betreffenden Kirchen« gemeinschast angehörten. Ob das hier zutrifft, kann aus Grund Ihrer An« gaben nicht beurteilt werden.— 2t. B III. Kommen Sie mit dem Testament in die Sprechstunde.— W. S. 32. 1. und 2. Unseres ErachtenS ja. 3. Nach vorheriger Aufforderung zur Erstattung der Kosten kann Klage beim Amtsgericht erhoben werden. Von der Miete dürfen Sic nichts kürzen. � W. K. 4. 1. Bis etwa 11 Uhr abends. 2. Ja. M. E. 147. 1. biS 3. Nein.— Neukölln 77. a) Die Pfändung ist möglich, d) Ja. c) und d) Wenn die Klage aus diesen Rechtsgrund gestützt wird, erscheint sie auS« sichtslos. oi Unseres ErachtenS ja.— G. Z. 87. Die Gemeinde Cbar« lottenburg ist unlerstützungspflichiig.— B. R. 50. ES kann Klage erhoben werden.— W. P. 100. Ja, falls daS Urteil aus Herausgabe lautet, andernfalls müßte neue Klage erhoben werden.—(£. 1914. Das wird je nach den örtlichen Berhällniffen und nach der Höhe des Objekts beurteill. Eine Beschwerde ist an den Landrat zu richten.— H. B. 52. Die Halb- Ichwcfter ist nur dann miterbberechiigt. wenn sie die Tochter der Verstorbenen ist. Der Nachlaß geht in gleiche Teile. Es kann Herausgabe und eventuell Versteigerung der sortgrnommenen Gegenstände verlangt werden. Die Armenverwaltung geht vor.--- St. 80. Ja. Sie haben Anspruch aus Er« Mäßigung um eine Stufe.— G. B. 191. Di« Beiträge zur Hilsskasse, Auswendungen sür Ersatz oder Reparatur von Wertzeug, Beitrüge zur VolkSsürsocge find abzugssähig, außerdem, sallS Einkünfte aus dem Grund- stück mitvcranlagt sind, auch die Zinsen. Die übrigen Beiträge sind nicht abzugSsähig.—<8. R. M. 1. Ja, zu Gcmclndezwecken, falls die Ausgaben im Rabmen deS Boranschlages vorgesehen. Für die Beschwerde ist zunächst der Landrai, in weiterer Instanz der Regierungspräsident zuständig. 2. Nein. Eine derartige Befugnis steht nur dem Landrat zu. 3. Die Neu- wähl mutz mtt tunlichfter Beschleunigung erfolgen. Eine bestimmte Frist ilt im Gesetz nicht vorgesehen. Die Neuwahl ordnet der Gcmeindevorstand an. Die Gemeindevertretung kann einen dahin gehenden Antrag stellen. Morktpretle von Berlin am 0. Juni 1914. nach Ermittelungen deS königl. Polizeipräsidiums. Mais(mixed), Natal 00,00—00,00, Donau 0,00— 0,00. Mais(runder), gute Sorte 15,40— 15,70. Richtstroh 5,00. Heu 7,60-8,00. Markthallenpreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kolben 34,00— 50,00. Sveiiebobnen. weiße 36.00— 60,00. Linien 40,00— 80,00. Kartoffeln(Klembdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 0.00—0.00. Rindfleisch, Bauchfleffch O.OO— 0.00. Schweinefleisch 0,00—0,00. Kalbfleisch 0,00— 0,00. Hammelfleisch 0,00—0,00. Bulter 2,20—2,80. 60«tück Eier 3,20— 5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,40—2,20, Aale 1.40—3,20. Zander 1,60-3,40. Hechle 1.40—3,20.«arlche 0,80—2,40 Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1.60. 60 Stück Krebse 3,00—48.00. «ossttstandS-Nachrichte» der LandeSanflalt für Gewäfferwnde. mitgeteilt vom«erlwei Wetterbureau Wafferfland M e m e t. Tilsit P r e g e i, Jniterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krosjen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo » Magdeburg ')-f bedeutet Wuchs.-Fall.-'s UMerveael. Nah tM l e ftbuhre »nnahw Mneh eilen arf m ä den ark bi Der 32 3 prün, taisaw ark ge folgi rundst .27 ge 'emvctl «en Ii Uer 4« rbtaui i|ch die innant '4 dies 'm end ' Erb fasiwe pstlareti N.Ol, Nio«, N des pd die So "cichsf N vo h. 2 j atne i,e Hai itch, ötiftty undes «zu q, rteben »ebciif stäbte, ssr die ■fiien ffche 3 6'nma jornmc Pzieh, [«t vc 5et L-r fetban [Nsw gi Ntbe, jston) jj'edtic N) f <§ 181 fielb, £nsfr "fanki - D fenb s' �•C t!«»n etori Mck Icherl eiche ''träi te ■fclto "j 'Itter L a Nbc Verantwortlicher Redekreur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für fee» Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Lerlagsanstalt Paul Singer'S- Eo„ Beriin SW Wesens für die Zuge lenfalis :rn auf !n eine Peiter dören, i�t man jeht bemüdt, den Beitriii der deuisch-auZ- »ändischen Wirtschaftsvereine zu veranlassen. Allerdings scheint f'? Stimmung in diesen Kreisen für das Unternehmen noch ge- Äu-nckt � sein, wenigstens ist man noch nicht zu einem definitiven Entschluß gekommen." _ Wie aus diesen Tarlegungen der„Post" hervorgeht, handelt sich um ein Unternehmen, das ganz im Dienste des Großkapitals m.t, k insbesondere der Rüstungsindustrie stehen und die Aufgabe e solche fen tvird, dem Imperialismus die Wege zu bereiten. Da die inderer kgierung merkwürdigerweise mit einer Viertelmillion an dem ntrags- jlternehmen beteiligt sein soll, hat auch der Reichstag ein en ein-:ort mitzureden. wenige-- teilung' tfragen sonders besteht. »unkten Ein halbes Jahr vor dem Schafott! In Güstrow wurde am o. Juni der 23jährige Schmiede felle Karl Koch, der im Herbst vorigen Jahres seine Geliebte snordet hatte, hingerichtet. Das Todesurteil war am Dezember vorigen Jahres gefällt worden. Ein halbes n- Der lthr hat der Verurteilte auf die Vollstreckung des Urteils en Ar- kartet, an hundcrtundachtzig Tagen hat er der Verkündung If" ches endgültigen Schicksals entgegengehartt, in hundcttund- � pizig Nächten hat er im Traum den kalten Strahl an seinem acken gefühlt! Das Tier, das zur Schlachtbank geführt wird, ü"., nichts von seinem Schicksal. Ein Mensch— wenn auch ifr' 11 Verbrecher— ein Mensch wird ein halbes Jahr lang der twa 70'�nhasteii Folter einer ihm angekündigten Tötung unter der sich bis endlich der Schneckengang der Formalitäten be Marktes. � und ihm der Tod Erlösung bringt. Daß doch unser brecken, J�MchlichcZ Zeitalter dem Verbrecher ein Recht auf den Tod ng zu°bc, wenn es ihm kein Recht mehr auf das Leben gibt! Aber Hebung»enschen für ein halbes Jahr lang in Magazine zu sperren. Sdamer M sie Hann gleichmütig hervorzuholen und ihnen den Kopf n.«!9 schneiden, das vermag nur jener fühllose Apparat, der sich _' Moderne" Strasjustiz nennt. Wann endlich kommt die Zeit, � uns von solchen Scheußlichkeiten befreit! Die Zoll- und Steuereinnahmen des Reiches „ im Jahre 1913. , den soeben amtlich veröffentlichten endgültigen lahlen über die Einnahmen des Reichs an Zöllen, Steuern und fkouhren im Rechnungsjahre 1313 ist das Ergebnis dieser Reichs- "nahmen noch schlechter, als nach den vorläufigen Zahlen Ettwif« r�khinen war. Die Gesamteinnahmc aus diesen Einnahme- abends, �, beträgt nämlich nur lkbS.W Mill. Mark gegen 1664,37 Mill. Anfrage nach dem vorläufigen Ergebnis Die Einnahmen des Reiches »niwort Ps» den Zöllen, Steuern und Gebühren sind damit um 10,50 Mill. figt ist, f�ark hinter dem Etatsanschlag zurückgeblieben. Der Hauptausfall entfällt auf die Zölle, aus denen nur U*-'�'il. Mark, d. h. noch 2 Mill. Mark weniger als nach der heAger to�'�.'-sben Angabe, einkamen gegen 721,47 Mill. Mark nachjjem ie nach ie sind 3. ,3>sanschlag. Sie haben also eine Mindereinnahme von 42,15 Mill. :r Ehe-<■ gebracht. Der Etatsanschlag wurde ferner nickt erreicht sofern � legenden Steuern: In Mill. Mark betrug die Einnahme aus rts der �bstücksübertragungssrempel 34,71 gegen 30,20, Kaufstempel dungS« gegen 20,58, Vcrsicherungsstempcl 5,74 gegen 7„50, Brannt- llbc er» �nvcrbrauchsabgabe 103,77.gegen 105,46, Schanmwcim'teucr 0„51 cungen Egen 10,60, Leuchtmittelstxuer 15,07 gegen 15,85, die Erbjchafts leuer 4—-—— Fktau; g ver- � bie Stempel von Gcselljchaftsvcrträgcn, Wertpapieren und Gc Nein, icuer 46,3fi gegen 47,00, Scheckstempel 3,03 gegen 3,14, Essigsäure Falls I�?.uch»abgabe OVO gegen 0,83. Eine Mindereinnahme haben che an. r"nantcilfchcinen gebracht. Nach dem vorläufigen Ergebnis waren "ch* r"lesen Einnahmequellen 71,27 Mill- Mark eingekommen, noch r�beim � i�gülttgen stellt sich ihr Ertrag nur auf 64,41 Mill. Mark.' ,t fen» tei. ben EtoiSonsay hinausgegangen ist die Ein» rnmen. � der Zuckersteuer(170,75 gegen>57,60 Mill, Matt), der sie eine ElS5]*ttenstcuer(42,70 gegen 36,47 Mill. Marl), der Brausteuer !. Ja. jts"cht gegen 124,78 Mill. Mark», der Salzsteuer(62.39 gegen 59.66 "N ab s°ch'onen Mark,, der Zuwachsiteucr(15,32 gegen 5,00 Mill. Mark) chatten M des Fahrkartenstempels(24,31 gegen 22,84 Mill. Mark). Sonst trag«, p.D die Etatsanschläge meist nur wenig überschritten worden. flichtet, Anteil l nicht »erden, irchew Lehrer find Dienstboten gleich. Ao bat der Bundesrat diktiert. � n!« eine Verordnung des Bundesrats vom 23. Mai 1014 t dem h,.��Gesetzblatt, Seite 141) hat nämlich der Bundesrat mit Wir ichtenS js. � 1. Januar 1915 Angestellte im Sinne des Z 165 Absatz 1 Klage �' V' R. V. O., die häusliche Dienste verrichten, z. B. Haus» 'ürzcn. Lehrer und Erzieher, alle diese, sofern sie in .1� dausliche Gemeinschaft des Dienstbercchtigten aufgenommen e aus» Cbar< chobcn lautet. »ird je rrteilt. iriüeJf*1 Landtrantcnkasscn zugewiesen.„Formell knlL 1"a0t m't dir„Frankfurter Zeitung", ist gegen diese "�Verordnung nichts einzuwenden; der Bundesrat war .«"auf Grund des 8 2:36 Absatz 1 R. V. V. berechtigt. Sachlich cde? aber gegen diese BundcSratsverordnung die schwersten Stäb!' Die Verordnung hat zivar für die meisten großen Halb' vw, ff,,, zjj regelmäßig Landkrankcnkassen errichtet sind, sowie . ftn laff» Bundesstaaten, in denen die Errichtung von Landkranken- "$te to," Ausgeschlossen ist, wie Württemberg und Baden, keine prak- if Er- Kinn ,�deu!ung, wohl aber für die kleineren und mittleren Orte. !skasst, Pom lnI �vrden damit die in die Familiengcmeinschaft aufgc- c zur v..Hausdamen, Kindergärtnerinnen, HanSlehrerignen und rund- tz,,. gi'"nen ihres aktiven Wahlrechts beraubt, denn die Wahl de,(s �tretcr der Arbeitgeber und der Versicheten in den Organen > i» �ukafscn geschieht durch die Vertretung des Gemerndc- nnhia Po,».".(Kreistag), upd dann sind auch die Leistungen für diese Neu- j)ch'M Krankheitsfälle und bei Entbindungen durchschnitt- nst itt fe'jtxßi:r,n0er' uls wenn sie den Ortskrankenkassen angehören cftand Mcnn auch für die Berechnung der Barleistungen telle»."Angeld, Wochengeld, Sterbegeld) bei ihnen nicht der meist hiich Ortslohn, sondern das durchschnittliche Tagcsgcld, das mgen», uassenmätzig festgesetzt werden kann, zugrunde zu legen ist !0-nm fielb,??- B. O.>, so wird doch dieses durchschnittliche Tages- ' Gttmäßig niedriger sein, als wenn diese Kategorien den Kran�"�"�ussen angehören würden, und damit wird auch 80,00. i �vvgeld, Wochengeld usw. niedriger. Kc'ule>li,b»ine Dcrufsschicht von einer höheren Einkommens- -0,00.«sir Fialen Stufe besonders hart. Die Tauer der Wochenbilfe """ M.ZZ-L'G�hörigc dieser Kategorien kann sogar gemäß 8 105 Abs. 2 ist ,in f.u� b'sr Wockien(gegen sonst.ackft) beschränkt werden. Es �ern �"vdlich, welche Motive den Bundesrat zu dieser seltsamen die zu einer sozialen Schädigung einer wichtigen Be- ficherriu tührt, veranlaßt haben. Die Versicherten selbst haben sie m gqß»rdert. Man müßte schon glauben, daß einfluß- �citr" ��"Gnlickweilen, die mit den hohen KrankcnvcrsichcrungS- Ist),,,. Q9en für ihre.Hausdamen oder Hauslehrerinnen unzufrieden »st. � beim Bundesrat Klage geführt haben und dieser ibren e""gegeben hat, obgleich Personen, die sich Hausdamen Is�stf-��VUSIchrcr halten können, in der Regel nicht zu den leistungS- !Gunox �vlbten gehören; ein anderer Grund als die Ermäßi- »N x»-T Krankenkasscnbciträge durch Zuteilung jener Kategorien ist.-�ndkrankentassen läßt sich nicht denken. Die Verordnung ■teil?eid>nenb für den sozialen Geist, der augenblicklich bei einem °er obersten Rcicksbehörden vorhanden ist." Int..? Aufhebung der Landkrankenkassen liegt nun also auch im der Lehrer und Erzieher. Zur Jahnenflucht getrieben! � d. I. war der im ersten Dienstjahrc stehende 'ileischer vom Infanterieregiment Nr. 177 in DreS- v" whncn flüchtig geworden, er wurde«hex einige Zeit später Aal« -2,40 iveaa in Berlin festgenommen._AuK der. Untersuchungshaft vorgeführt, hatte sich- der unglückliche Soldat setzt vor dem Kriegsgericht Dresden zu verantworten. Seine Leidensgeschichte und das Motiv zur Flucht schilderte er weinend wie folgt: Während der Rckrutenzeit sei man mit ihm zufrieden gewesen, aber dann habe er eine Strafe erlitten, die ihm die Vorgesetzten täglich vorhielten, und von dieser Zeit habe er es schlecht gehabt. Er sei s ch i k a- niert,„Lump" genannt und gestoßen worden und am Tage der Flucht habe ihm der Feldwebel mit der Arbeiter- abteilung gedroht. Als er eines Tages den Unteroffizier Claus gebeten hatte, ihm die verbüßte Strafe doch nicht mehr vor- zuhalten, habe ein Feldwebel erklärt:„Wenn Sie mir das sagten, dann rammelte ich Ihnen den Säbelgriff in die Fresse, daß die Zähne zum Teufel gehen!" Ein Gefreiter hat selbst einmal zu Fleischer gesagt, daß die Behandlung durch den Unteroffizier sehr schlecht sei und er in Fleischers Haut nicht st ecken möchte. Er habe sich mit allerlei Gedanken getragen unfr sei schließlich zu dem Entschluß gekommen, die Truppe zu verlassen und sich bei einem anderen Regiment einstellen zu lassen; die Absicht der dauernden Entfernung bestritt er. Das glaubte ihm das Gericht nicht, hielt Fahnenflucht für vorliegend und erkannte aus — sechs Monate eine Woche Gefängnis. Es führte aus, daß der Angeklagte etwas„scharf angefaßt" worden sei, aber nicht in einer Weise, daß Grund zur Flucht vorlag! Und selbst wenn er durch die Behandlung zur Flucht getrieben worden sei, so hätte auf eine niedrigere Strafe auch nicht erkannt werden können! Das Kriegsministerium gegen(Sädke. Wir erhalten folgende Berichtigung: Die Redaktion wird aus Grund des 8 1t des Preßgcsetzcs vom 7. Mai 1874 ersucht, in die nächste, noch nicht für den Druck ab- geschlossene Nummer des Vorwärts nachstehende Berichtigung aus- zunehmen: Tie Nr. 140 des„Vorwärts" vom 4. Juni 1914 enthält einen Artikel„Das Recht des Einjährigen-Dienstes". Darin behauptet Herr Richard G ä d k e, daß die Bestimmung im 8 93° der Wehr- ordnung, wonach die Ersatzbehörde III. Instanz befugt ist, den zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten die Berechtigung u. U. zu entziehen, von der Kommandogewalt aus eigener Machtvoll- tommenhcit und ohne Gegenzeichnung des Reichskanzlers getroffen worden sei. Das trifft nicht zu. Tie am 20. November 1893 vom Kaiser genehmigte Bestimmung ist vom Reichskanzler gegen- gezeichnet. Herr Richard Gädke behauptet ferner, daß die einschneidende Veränderung der gedachten Bestimmung, die in der preußischen Wchrordnung von 1888 und in der bayerischen von 1889 sehte, erst in den Neuabdruck 1904 der preußischen Wehrordnung ganz Harm- los aufgenommen sei, ohne daß irgendwie die Oessentlichkeit darauf hingewiesen, ohne daß die Beteiligten auch nur mit einem Wort aus die Verschlechterung ihres Rechtes aufmerksam gemacht wären. ?luch das ist nicht zutreffend, denn die Bestimmung ist, wie das mit allen für das Publikum bestimmten Veröffentlichungen der Organe des Reiches geschieht, welche der Verkündigung durch das Reichsgesetzblatt nicht bedürfen, in dem vom Reichsamt des Innern herausgegevencn Zentralblatt für das Deutsche Reich am 24. No- vember 1893(Seite 318 ff.) zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Sie ist ferner bereits durch das Deckblatt 54 vom Jahre 1893 in die Wehrordnung von 1888. eingefügt worden. Schon der Neu- abdruck der Wchrordnung aus dem Jahre 1894 und der bayerischen aus dem Jahre 1896 bringen sie im lausenden Text. Im Auftrage: H o f f m a n n, Oberstleutnant. Dazu schreibt uns. Herr R..G ä d k e: ..Herr Hoffmann, berichtigt Wichst gleichgültige Sachen. ES steht fest, daß die Wehrordnung von 1888 die fragliche Bestimmung, wonach den Einjädrig-Freiwilligen ihr Privileg auch ohne vorherige gerichtliche Bestrafung nach Willkür der Ersatzbehörde dritter Instanz entzogen werden kann, nicht enthalten hat, obwohl das Wehrgesctz von 1867, aus das sie sich zu Unrecht stützen will, damals bereits 21 Jahre in Geltung war. Die Militärverwaltung ist sogar durch volle 27 Jahre— bis 1893 nach dem Eingeständnis des Herrn Hoffmann— der Ansicht gewesen, daß 8 19 des Wehrgesetzes ihm jenes exorbitante, die Einjährigen vollkommen in das zügellose Belieben der Behörden stellende Recht nicht verleiht. Erst 1893 hat sie eine Deutung jenes 8 19, der sich mit dem Einjährigen- Vorrecht überhaupt nicht befaßt, gesucht und gesunden, die wie so oft auch diesmal wieder allein dazu bestimmt war, ihre arbiträre Gewalt zu vermehren. Ferner bleibt es bestehen, daß der„N c u a b d r u ck" der Wehr- ordnung aus dem Jahre 1904, der eine so einschneidende Aenderung des bisher geltenden Recktszustandes enthält, von dem damaligen Reichskanzler nicht gegengezeichnet und darum ungültig ist. Auch daß der Neuabdruck von 1894 vom Reichstanzier gegengezeichnet sei, wagt Herr Hossmann nicht zu behaupten. Eine Irreführung der öffentlichen Meinung erblicke ich meinerseits schon darin, daß man neue Ausgaben mit so einschneidenden Rechtsveränderungcn einfach alS„Neuabdruck der Wchrordnung von 1888" bezeichnet, während sie als„Wehrordnung von 1904" in die Welt segeln mußte, und während außerdem ausdrücklich durch die dem Kriegs- Ministerium zu Gebote stehenden Mittel aus diese Aenderung seiner Rechtsauffassung nachdrücklich hingewiesen werden mußte. Darum hätte sie allerdings auch durch das ReichSgesctzvlatt verkündet werden sollen. Gleichzeitig sendet uns das K r i e g s m i n i st e r i u m folgen- des Schreiben: Die Schriftleitung wird auf Grund des 8. ll des Prcßgesetzes ersucht, die nachitehendc Berichtigung in die nächste, noch nicht zum Druck abgeschlossene Nummer des„Vorwärts" auszunehmen: In der Nr. 94 des„Vorwärts" vom 5. April 1914 wird in einem Artikel„Vetcranenelend im reichstreuen Mansfeld" behauptet, daß der Kriegsveteran Rienäcker in Heldra vergeblich versucht habe, seine Versorgungsansprüchc dem MilitärsiskuS gegenüber geltend zu machen. Seine Unterstützungsgesuchc feien mit dem Vermerk abgewiesen worden, daß er nach Auskunft der Behörde nicht be- dürftig sei. Die Bedürftigkeit des bedauernswerten Veteranen sei jedoch nur deshalb nicht anerkannt worden, weil er keinem Krieger- verein angehöre. Diese Ausführungen treffen nicht zu. R i e n ä ck e r war in- folge seines Dicnstundrauchbarkeitslcidcns nur als felddienstunfähig anzusehen. Sein Leiden konnte auf Dienstbcschädigung nicht zu- rückgcsührt werden. Er hatte unter diesen Umständen nach dem Militär-Pensions-Gesetze vom 27. Juni 1871 keinen Anspruch aus Jnvalidcn-Wohltaten, zu denen auch die Bewilligung des Zivilvcr- sorgungSscheins gehört. Auch war es nicht möglich, ihm aus Grund des Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 eine laufende Unterstützung zu vermitteln, weil ein ursächlicher Zusammenhang seiner Leiden mit Einwirkungen des Krieges 1870/71 nicht, wie es die Bestimmungen verlangen, als hochwahrscheitilich angenommen werden konnte und auch jetzt, nach Ergänzung des Aktenmaterials, nicht angenommen werden kann. Rienäcker bezieht neben einer JahreSrente als Hütten- arbciterinvalidc von 369 M. die Veteranenbeihilfe. Er ist vom Generalkommando des IV. Armeekorps seit 1910 mehrfach mit einer Unterstützung bedacht worden.. Auch wurde ihm vom Kriegs- Ministerium am 12. März 1914 eine Unterstützung aus einer Sonderstiftung des Nationaldanks für Veteranen gewährt. Lin Auftrage: Hoffmann, Oberstleutnant., Hlutbaö unü Proteststreik in Italien. Rom, 8. Juni.(P r i v att e l e g r amr m d e s„ V o r- wärtS".) Bei dem gestrigen Verfassungsfest demonstrierten in A n c o n a die Republikaner und Anarchisten gegen Milita- rismus und Staat. Mehrere Konipagnien schritten gegen sie ein. Hierbei schössen die Karabinieri auf die De- monstrantcn. Es gab 2 Tote und 1» Verwundete. In Ancona wurde gestern abend sofort ein P r o t e st st r e i k durchgeführt. Heute mittag wurde der Proteststreik in Rom, Mailand. Florenz und zahlreichen anderen Städten proklamiert. In Rom verkehren weder Straßenbahn noch Droschken, auch sind keine Zeitungen erschienen und die Bauten sind verlassen worden. Ein starkes Truppcnaufgebot ist nach Ancona ab- gegangen. Ueberall herrscht große Erbitterung. Folgen des Streiks. Rom, 8. Juni. Infolge des Generalstreiks hat hier seit den ersten Nachmittagsstunden der gesamte Trambahn- und Droschkenverkchr ausgesetzt. Die Ruhe in der Stadt wurde bisher gewahrt. Tie wichtigsten Gebäude wurden militärisch besetzt. Die Lage in Aucona. Ancona, 3. Mai. Nach Schluß einer Protestversammlung, die heute früh abgehalten wurde, durchzogen Scharen von Demonstranten die Straßen und begaben sich zum Gebäude der Stadtverwaltung, wo sie Veranlaßken, daß eine Flagge Halbmast gehißt wurde. Aus dem Rückwege trafen die Demonstranten auf einen Infanterie- leutnant, den sie mißhandelten; der Offizier erlitt Kopfverletzungen, sein Säbel wurde zerbrochen. Auch ein Major der Bersaglieri wurde von den Manisestanten mißhandelt. Nachmittags ist im Krankenhause ein junger Mann verstorben, der bei den gestrigen Zusammen st ößen Verletzungen erhalten halte. Der königliche Kommisiar hat einen Erlaß an die Bevölkc- r u n g gerichtet, in dem er das lebhafteste Bedauern der Regierung über die Opfer des Zusammenstoßes zum Ausdruck bringt, eine strenge Untersuchung der Angelegenheit zusagt und zur Ruhe er- mahnt,_ Die wirren in Mbanien. Der Zwischenfall mit Italien. Turazzo, 8. Juni.(Meldung der Agenzia Stefani.) Gestern hatte der i t a I i c n i s ch e G e s a n d t e eine Be- sprechung mit dem Fürsten Wilhelm und den Ministern, wclcke anerkannten, daß der holländisch)« Oberst falsch gehandelt hatte, und versprachen, volle Genugtuung zu geben. Ter italienische Gesandte bestand auch auf einer Prüfung der Papiere: diese wurde seitens einer gemischten Kommission vorgenommen, weil der Gesandte die Haltlosigkeit der Anklage beweisen will, unabliängig von der Genugtuung, die für die Verletzung der Kapitulationen geschuldet wird. Es heißt, daß die holländischen Offiziere, besonders Oberst Thomson, der albanischen Regierung den Gehorsam verweigern, weil sie ihr Amt aus einem Mandat der Mächte herleiten, wie es auf der Londoner Konferenz be- schlössen sei. Sobald die Kommission, welche die Papiere prüft, die Schuldlosigleit Muricchios festgestellt haben wird, wird die albanische Regierung die holländische Regierung ittst Ersetz u n g der für den Vorfall verantwortlich?.'. O ff i zi e r c ersuchen.-.« Die Aufstandsbewegung. Wie aus Elbasian gemeldet wird, hat eine Gendarmerieabtxi- lung die A u f st ä n d i s ch e n nach heftigem Kampfe aus dem Dorfe Bradaschcsch vertrieben.(?) Eine große Anzahl von Freiwilligen bat sich den Gendarmen, welche gegen Tirana vorgehen, angeschlossen.__ der mexikanische Konflikt. Die gefährdete Vermittlung. Niagara Falls, 8. Juni. Mehrere hervorragende Mit- glieder der Vermittlungskonferenz hegen schwere Befürchtungen infolge von Huertas Befehl, Tampico zu blockieren, und des Verlangens der Vereinigten Staaten, daß der Hafen offen bleiben müsse. Es wird befürchtet, diese Einmischung der Ver- einigten Staaten werde Huerta veranlassen, sich von der Kon- ferenz zurückzuziehen. Huertas Vertreter stehen auf dem Standpunkte, die Vereinigten Staaten dürsten die Bemühungen der Bundesstreitkräfte, das Eintreffen von Munition bei den Rebellen zu verhindern, nicht durchkreuzen, denn wenn sie dies täten, würden die Vereinigten Staaten tatsächlich mit Hilfe ihrer Flottcnmacht die Sache der Rebellen unter Car- ranza fördern. Die Blockade von Tampico. New Kork, 3. Juni. Nach einer Depesche aus Tampico er- richten die Rebellen in Erwartung des Angriffes von Huerta» Kriegsschiffen in aller Eile Befestigungen; fünf schwere Geschütze sind in Stellung gebracht, und es werden Vorkehrungen getroffen, um die Hafeneinfahrt nötigenfalls zu sperren. Aufhebung der Blockade von Tampico. Mexiko(City), 8. Juni. Huerta hat beschlossen, die an- geordnete Blockade über Tampico aufzuheben. Mexiko, 8. Juni. Die Aufhebung der Blockade über Tampico erfolgte auf eine bei der Regierung eingelaufene Meldung, daß die Vermittler in Niagara Falls wegen der Bewegungen des Dampfers „Antilla" einen Schritt unternehmen würden. Amtlich wird erklärl, die Regierung habe bei Anordnung der Blockade nicht beabsichtigt, den Handelsverkehr zu stören, sondern nur gewünscht zu verhindern, daß die Konstitutionalisten Munition erhielten. Letzte Nachrichten. Zur französischen Ministerkrise. Paris, 8. Juni. Trotz der Bitte RiVots weigerte sich 3? i Viani endgültig, das Unterrichtsministerium zu übernehmen R r b o t sicherte sich die Mithilfe von Delcassö, Noulens. Clcmcntcl Jean Tupuy und Leon Bourgeois, der, wie es heißt, das Ministe- rium der auswärtigen Angelegenheiten übernehmen wird. Ribot hegt die feste Hoffnung, bis morgen abend das Kabinett bilden zu können. Die Ministerkrise in Serbien. Belgrad, 8. Juni. Die Verhandlungen zwischen den Führern der Opposition und dem König blichen erfolglos. In Regierungs- und Abgeordnetenkreisen wird, von einer Wiederherstellung des Kabinetts Pajchitjch gqprochcn, Filiale Groß=BerIin. Tonnerstag, den 11, Juni 1914, abends Uhr, im(Sewerkschaftshaus tTaal 4), Engelufer 1a: Außerordentliche Generalversamniluntj. Tagesordnung: � Vcrbandsangelegcnhcitcir— S. Ter Hamburger Bcrbandstag. Berichterftatler: Kollege Ernii S ch a r l a u.— 3. Wahl der Beisitzer zum Verbandsvorstand und der Äerbandsreoiiorcn. il4/lö Pünktliches Erscheinen erwartet_________ Pio OrtsverwaUung. GebberS, ir Filiale Berlin. Donnerstag, den 11. Juni, absnds 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus» Engelufer 15, 2aat 3: Wtglieäer-Verssmmlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal 191-t. 2. Mitteilungen der LrtS- verwaltung. 3. Verschiedene Kassenangclegcnheiten. Um recht zahlreichen Besuch ersucht 23Z7b Tie Ortsverwaltung. m Oolzar Ortsvcrwaitanjf Berlin. Einsetzer. Tonnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr: Bezirks-Versammlungeit in solgcndcn Lokalen: I. Bezirk bei Brinieniann, Andreasstr. 26. 2.,„ CVliesche, Kovcnhagencr 3tr. 74. 3.,„ I.uusch, Bredow-, Ecke Wiclesitrage. 4..„ Sevenlt, Neukölln, Rosenstraße. ä., ,, P'iemer!«. Büloiostr. 57. 6.,„ Mix, Skalitzcr Str. 59c. 7.„„ Tiinuck, hharlottcnburg, Wiclandstr. 4. 8.„„ Ulrich, Malplaquclstraße 33. 88/16 Tagesordnung: Bericht der Bczirkslcitcr.— Verbands- und Branchenangelcgcnheitcn. _ Tic Ortsvcrwaltung. Möbel-Zlttgebot. Solide Möbelsirma liescrt Spe-Ial-Fin- an«l Za ei�imnier» Finrichtmigen sowie F.inKelmbbei gegen mäsiige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung und geringe» inonatlichcn Raten- zahlungr». Antragen: Postlagcrtartc 124. Postamt Ä7.* Keine Kasnierer. OrUßte Kulanx. Esel, große Auswabl. �== Wicsenburg(Mark). Deutseher Transportarbeiter-Verband. lMtdro[cl)hcnfül)rcr! Mittwoch, den 10. Juni, früh 0 Uhr und abends 7 Uhr, in den Musikersälen, Kaiscr-Wilhelm-Ztr. 31: Uersammtnugen. Tagesordnung: Ter Schiedsspruch des Gewerbegerichts über den Tarif im Kraftdroschkengewcrbe. DM- Mitgliedsbuch legitimiert. Pünktliches Erscheinen erwartet 65/12 Tie Branchenleitung. H.& P. Uder. Berlin SO. 16, � engel-öfcr 5. Tabak-GroUhandlnng und Tabakfabrik. - Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.-MGi Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche be- zu Originals reisen kannten Marken Amt 4 14. Vm das bekannte Desinfektionsmittel kann im Sommer zu Fußbädern nicht genug empfohlen werden. Lyso- form verhindert Wundlaufen, beseitigt übermäßigen Schweiß und jeden üblen Geruch, stärkt und erfrischt die Haut. Echt nur in Originalflaschen von 65 Pfg. an. Sehnten Damenhnte. schwarz, weiß, Chamvagnc v.g.'i an. �1 i g g c, Schünhanser Alice 146 a. Alte Hüte werden zu Schuten gepreßt. «Vvl, V»44111.») U 4 U Dr. Homeyer Speztalarzt f. Haut-, Harn-, Arauenleide nerv. Schwäche. Bcinkrankc jel Art, Ehrlich Hata- Kuren' u.Co. k« Laboral. Blut- Untersuchung., Fäden i. 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Radjah in ihren Tänzen Johnson u. Dean JeanetteOenarber Ragtime- mit ihrem Sextett| � Ballon sowie 10 hervorraieDde KunsWe Entreeplatz wochentars M 0.60. — Ranohen gestattet!— Zirkus Busch Gastspiel des Deutschen Theaters Direktion: Max Heinhardt 11_ 68p' Das Anfang S'l, I hr. Vorverkauf an der Kasse£*1 Deutschen Theaters, Zir»1' Busch und A. WertheiW-j Preise der Plätze von 1— t, Folies Caprice Täglich S'/. UTir: Die I.olbwäscherli1- Die Amordragonei*- Das Bett Vapolcon*' Ah— da staun'' Ich� Sommerthuater Uran Wranaelstr. II u Taql.: ZpeJalitätcnthea� Im Garten 20(JOf im Saal Admiralspalast. Eis-Arena. Novität Tangoklub4' Un<«?as e�ktvolle Eisballett „Die lustige Poppe*4« Bis 6 Uhr und ab 10*/4 Uhr . halbe Kassenpreise. � ein- und Bler-Abtellong. Reichshallen-Theater Stetfiner Sänge'1 Zum Schluf?: Heit D'rektor im Nrtom.»uri von Meyscl- Ansang 6 Sonntags 7'l, Uhr- Sat»cn Juualt vcr on'c- übernimmt die ckiedattiofi, Buhlitum gegenüber te»»� Berautworeung. «mmtw. Redakt.: Alfred Wieke»». Neukölln. Jnseratentetl verantw TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt xaulSinger& Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen».llaterhaltung»� Ar. 154. 31. Jahrgang. ZKriiM des JutMtte" öttlinct ilolhbluli. Dienstag, 9. Juni 1914. Armenpflege- Kostgänger wiöer willen. kr.. In den Berliner Für sorge st eilen für Lungenkranke ist man bemüht, den Rat- und Hilfesuchenden alle und mögliche llntcrftützunI angcdeihcn zu lassen. Wir erkennen das gern an. Andererseits müssen wir aber— wie schon in früheren Fällen— feststellen, dag der Eiter zu helfen manchmal doch weitergeht, als es den Hilfsbedürftigen selber erwünscht ist. Diese Situation kann entstehen, wenn bei der etwa notwendigen Ueberwcisung eines Kranken in eine Heil- oder Pflegcanstalt die leidige Frage der Kostendeckung nur dadurch zu lösen ist, daß die Armenpflege eingreift. Zwar werden für die den Schützlingen der Fürsorge- stellen zu leistende Hilfe alljährlich Mittel zusammengebracht, die aus verschiedenen Quellen— zum Teil auch aus den Vcreinsbei- hilfen�dcs Stadtsäckcls— fliegen. Indes, wenn alles erschöpft ist, bias Stiftungen und Vereine für diesen Zweck hergeben können, sollen dann die Fürsorgcstcllen vor dem letzten Weg, vor einer In anspruchnahmc der Armenpflege, zurückschrecken? Ter begreifliche Wunsch, einem Kranken unter allen Umständen die ersehnte Heilung oder Besserung zu bringen, verführt leicht zur Untcrschätzung der Tragweite eines solchen Schrittes und seiner Bedeutung für den Hilfsbedürftigen oder seine Angehörigen. Aber anders als Mancher, der in der Arbeit der Fürsorgcstcllen steht und täglich beben all der Krankheit und Not die Unzulänglichkeit der verfüg- baren Mittel ficht, denken über die Inanspruchnahme der Armen- Pflege doch noch viele derjenigen, denen die Fürsorgcstcllen ihre Hilfe gewähren wollen. Aus Anlaß eines besonderen Falles, der Uns aus der letzten Zeit bekannt wird, sei hier von neuem darauf hingewiesen, wie man durch Vermittlung der Fürsorgestcllcn zu einem Kostgänger der Armenpflege werden kann, mit der die Für- sorgestellcn an sich nichts zu tun haben. Das kann so vor sich gehen, dag ein Argloser, der mit den Dingen nicht hinreichend vcr- flaut ist, die Sachlage erst richtig erkennt, wenn sein Schicksal sich bereits vollendet hat. ß». Frau eines Arbeiters ging mit ihrem 18 jährigen kränk- lichen John zur Charitcc in die Poliklinik für innere Krankheiten, Um ihn untersuchen zu lassen. Da die Untersuchung zu ergeben Wien, daß die Lunge angegriffen war, so schickte man die Mutter Mi: dem Sohn zu der Fürsorgcstclle ftir Lungenkranke. Hier wurde bach erneuter Untersuchung des Kranken und nach kurzem Hinweis buf die Notwendigkeit eines Erholungsaufcnt- Halts die Mutter an die diensthabende Fürsorgcflcllen-Schwestcr gewiesen und diese kündigte an, daß sie zu weiterer Rücksprache die aa«ilie in ihrer Wohnung aufsuchen werde. Die Fürsorgestcllen- Cwwcstcr fand sich auch nach einiger Zeit bei den Leuten ein und begann mit ihnen zu erörtern, was nun zu tun sei, um den Sohn irgendwo unterzubringen.„Können Sic denn das bezahlen?" Klagte sie. Alb, wie sollte die Familie das Geld für eine teure �nitaltspflcge aufbringen!„Na, Sic inüchtcn das," fuhr die Schwester fort,„doch wohl nicht von der Armcndirck- b> o n haben, denn Ihr Mann wird doch gewig nicht dasWahl- �eckit verlieren wolle n."„Nein, nein, mit der Armen- "lrcktion wollen wir nichts zu tun haben." Tie freundliche Bc- Sterin erzählte daun, ötC" vtxticc lonürcn qiiö yegr>Iige Aufnahme wünschten. Bei den weiteren Verhandlungen, bic sie hierüber in der Fürsorgcstclle der Charitcc und im Rathaus isthrtcn, erhielten sie volle Aufklärung. Dabei wurde ihnen gc- Wt, daß jetzt, nachdem Unterstützung aus Arincnpflegcmittcln ge- Mährt worden fei, kein Anspruch mehr aus Unterstützung aus Stif- iungsmittcln bestehe. Die Eltern find erstaunt und entrüstet darüber, daß man sie bicht von vornherein hinreichend belehrt hat. T�as hätte allerdings geschehen müffen und zwar in einer Form, bie durch klaren Wortlaut jedes Mißverständnis ausschloß. Man dergcgenwärtigc sich den Gang der Angelegenheit! Mit dem Wunsch, den Sohn in der Poliklinik untersuchen zu lassen, fing jic an— und mit Heimstättenunterbringung auf Armenpflegekosten endete sie. Ter Gedanke einer Anstaltsüvcrwcisung war nicht bei ben Eltern, sondern bei der Fürsorgcstclle entstanden, und durch blebcrcifer der Fürsorgestcllcn- Schwester wurden sie dann ahnungslos der Armenpflege zugcdrängt. Wer Micht ähnliches erleben will, der möge sich diesen Fall zur War- üung dienen lassen. parteiangelegenheiten. Ergebnis der ttrwahl im zweiten Kreise. Es wurden stewählt: H. Schröder mit USZ, L. Jakobowskh 1489, G. Schmidt 1483, I. Best 9L1. I. Rautmann 1386. Rothe 565(?), Mathilde Wurm 1371, M. Appel 10ü2, F. Schäfer 1186, W. Balkow 1084, K. Lehrer 626, G. Häusser 1114, H Elajus 760, R. Reinhardt 1478, I. Meyer 1452, L. Jakobowsky 621 Stimmen. Außerdem erhielten H. Brühl �1. G. Lachmann 486, H. Levy 241, C. Gutekunst 342, H. Baumgart 601, G. liebt 398, K. Schrade 741, F. Schäfer 393, H. Fritze 312 Stimmen. | Ergebnis: Stimmen wurden abgegeben 4050, davon 10 ungültig. Es wurden gewählt: als 1. Vorsitzender Paul Hoff- � mann mit 3790 Stimmen, als 2. Vorsitzender F. Ruf mit ..>367, 1. Schriftführer H. Pötzsch mit 3768, 2. Schriftführer 'Else Bongartz mit 3557, I. Kassierer H. Barenthin mit 3683. 2. Kassierer W. Jöchel mit 3607, Vertreterin der Frauen A. Fahrenwald mit 3815; Revisoren: A. Fischer mit 1905, E. Gernth mit 2082, H. Klingler mit 2027, F. Kupcrschmidt mit 2069, A..Rigbur mit 1911, G. Richter mit 1646; Beschwerdekommission: F. Krüger mit 2389, H. Meißner mit 2623, G. Müller niit 2700, R. Pietsch mit 2258, Elisabeth Strauß mit 2916, F. Schuckar mit 2295, R. Stahl mit 2436; Preßkommission: G. Davidsohn mit 3911; Lokalkommission: K. Rott mit 1812; Schiedskommission: K. Melle mit 3862; Revisor für Groß-Berlin: P. Burghard mit 2159; Vertreterin der Frauen für Groß-Berlin: A. Fahrenwald mit 2775; Aspiranten: H. Barenthin mit 2135, B. Lieske mit 1241, M. Sassen mit 1603 Stimmen. Zur Lokalliste. Im�t. Kreis steht uns das Lokal„Zum Eichhofbauer", War schauer �iraßc 34/36, zu allen Veranstaliungen zur Verfügung. Xlt. Alle Anfragen sowie Zuschriften in Lokalangelegenheiten bitten wir bis zum 30. Juni an den Genossen Karl Rohr, Neukölln. Neue Jonasstraße 38, IV zu richten. _ Die Lokalkommission. _ Dritter Wahlkreis. 3. Abteilung. Für die Stadtbezirke 124, 125 und 126 findet ein gemeinsamer Zahlabend bei Gliesing, Wasiertorstr. 68, statt. Bortrag des Stadtverordneten Adolf Ritler. 4. Wahlkreis. Gemeinschaftliche Zahlabende finden statt: 7. Abt. im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstr. 75. Vortrag des Genossen Lieske über:�„Religioiis fragen". 8. Abt. im Lokal.«üd-Ost", Waldemarstr. 73. Bortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Stadthagen über:„Bon unten auf". 14. Abt. in:„Englischen Hof". Aleranderstr. 27o. Vortrag des Reichslogsabgeordneten Genossen B n ch n e r. 15. Abt. bei Boeker, Weberstr. 17. Vortrag des Genossen E. Eichhorn über:„Der Kampf um das preußische Wahlrecht". 18. Abl. im Lokal von Siegel, Große Frankfurter Straße 36 tgroßer � Saal). Vortrag des Landlagsabgeordnelen Genossen P. Hoffmann über:. Berfa ssungs wesen und preu- ßisches Wahlrecht". 23. Abt. im Lokal„Ostbahnhof", Küstriner Platz. Vortrag des Genossen A. Z e u n e r über:„Feinde rings lim". 37. Abr. im Lokal von Niemann, Landsberger Allee 135. Vor- trag des ReichstagSabgeordnclen Genossen G. D a v i d f o h n. Charlotteiiburg. 4. Gruppe: Gemeinsamer Zahlabend am Mitt- woch bei Wernicke, Bismarck-, Ecke Scsenheiiner Straße. Tages» ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Thalhcimer. Trcptow-Vaumschulcnwcg. Gemeinsamer Zahlabend für jeden der beiden Ortsteile. Am Miltwoch. den 16. Juni. abends 3'/. Uhr, im Lokal von Ludwig. Am Treptower Park 25/26, für den Ortsteil Treplow. Am Donnerstag, den 11. Juni. abends 8ftz Uhr, im Neuen Geselljchaftshaus, Baumschulenstraße 78, für den Ortsteil Baumschulenwcg. In Treptow Vortrag des Ge- nonen Dr. Brcilscheid über.„Die historssche Bedeutung der Junkess Regina Rubens über„Die Volksschule". In beiden Zahläbenden: Bericht über die KreiSgeiieralverfammlung. Riederfchönhausrn-Nordend. Am Mittwocki. abends 7 Uhr: Flug» Verbreitung zu der am Freitag, den 12. Juni, abends 8'/� Uhr, bei Liedemit, am Kirchplatz, nallfindenden öffentlichen Volksueriamp,- lung. Vortrag des LandtagSabgcordneten Genossen Adolf Hoser: „Die letzten Vorgänge im Junkerparlament und die Arbeiterklasse". Fricdrichsfcldc. Mittwoch, den 16. d. MtS., abends 8'/z Uhr, g e m e i n f a in e r Z a h l a b e n d im„Lindcnpark". Fritz Tarnow spricht über:„Der neue Kurs gegen die Arbeiterbewegung". Rieder-Schöneweide. Der Zahlabend fällt am Mittwoch in allen Bezirken aus und findet dafür am Donnerstag, den 11. Juni, abends '/jö Uhr, im Restaurant.Schweizerhaus". Berliner Str. 135, ein kombinierter Zahlabend statt. Wichtige Tagesordnung. Lichterfclde. Am Mittwochzahlabend in allen vier Bezirken: Berichterstattung von der Kreisgeneralversaminlung. Köpenick. Die Zahlabcnde sind wie folgt festgesetzt: Für die Dammvorstadt bei Lehmaim, für die Altstadr bei Fuchs, für die Kictzvorstadl bei Zeidler und für die Köllnische Vorstadl bei Stippekohl. Eichwaldc. Heute abend 8'/., Uhr Wahlvereinsversammlimg bei Witte. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Berichte. 3. Ver« schiedenes. Bohnsdorf. Mittwoch, den 16. Juni er., abends 8>/z Uhr. im Lokal von Bakofzer: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Be» richt der Kreisgeneralverfammlung. 2. Vereinsangelegcnheiten. Die Bibliothek befindei sich von jetzt ab im Sitzungszimmer der Arbeiter- Baugenossenschaft„Paradies" und ist jeden Miltwoch von 7 bis 8'/z Uhr abends geöffnet. Mahlsdorf n. d. Ostbahn. Der Zahlabend findet an, MitUvoch, den 16. Juni, für den Ortsteil Nord, nördlich der Bahn gelegen, bei Mofchinski, Leinkcstr. 188, für Mahlsdorf Mitte, südlich der Bahn bis Berliner Straße, bei Anders, Bahnhofstr. 37. für die Kolonie bei Linke. Grunowstraße 69, für Mahlsdorf Süd bei Madcr, Köpcnickcr Allee. Ecke Winklcrstraße, statt. Pctrrshagcn fLstbahn). Der Zahlabend findet im Lokal deL Herrn K. Rudloff(Kunsch), Hennickendorfcr Straße, statt. Vierter Wahlkreis. Ergebnis der 11 r w a fll. Die Urabstimmung für fce Wahl des Vorstandes imd der Kommissionen hatte folgendes öeriiner Nachrichten. Sonntagnachmittag im Krankenhause. Es wird wohl fast überall so sein: ein- oder zweimal in der Woche, an den Sonntagen und Feiertags wird Besuch zu- gelassen. In der Regel von 2 bis 3V? oder 4 Uhr. Tic beiden Elektrischen, illr. 69 und Nr. 88, die dem S ch ö n e b e r g c r Krankenhause, das hinten in Friedenau liegt, seine Besucher zuführen, sind dann fast immer überfüllt. Man erkennt sie als Besucher an dem mehr oder weniger verborgen gehaltenen Päckchen Mitgebrachten, zu mindestens aber an einem Blumenstränßchen. Wer es vergessen hat, kann noch direkt vor den Toren der Krankenstadt ein kleines Bukett oder ein paar Bananen von fliegenden Händlern erstehen. Irgend etwas bringt wohl jeder Besucher seinem Patienten mit. Mit dem Glockcnschlagc zwei wird das Emgangstor schon be- lagert. Sobald das Tor aufgctan, wogt es ine breite Freitreppe hinauf. Ein schwärm von Frauen, Männern und Kindern. Zumeist aber Frauen. Gleich am Eingang hängt die Tafel mit den Namen der Aerzte, des dirigierenden Arztes, der Lberärzte, der Assistenzärzte. Im weiten Flur des großen Eingangshauses steht der kontrollierende Portier. Tic große Tafel mit der Krankenhausordnung hängt ihm zu Hänpten. „Es dürfen keine Lebensmittel mitgebracht werden", heißt es da unter anderem,„bei Strafe der Wegweisung." Beim ersten Besuch verursacht das ein etwas unangenehmes Gefühl. Später schaut man sie nicht mehr an, die Tafel. Und der Portier? Nu» er kann doch nicht alle anhalten, allen die Taschen untersuchen. Wer im Krankenhause nicht Bescheid weiß, oder Gepäck ausbewahrt haben möchte, wendet sich an ihn. Tic Orientierten strömen die rückseitige Freitreppe wieder hinunter, von der aus man einen herrlichen Anblick auf die schönen Garten- anlagen niit dem kleinen frischsprndelnden Springbrunnen genießt. Gegenüber liegt die schönste und größte der Stationen, wahrscheinlich für Erstklassige oder Zweitklassige eingerichtet. Tann verteilen sich die Besucher rechts und links in den Wegen, die nach den verschiedensten Stationen führen. Es ist ein wundervoller Sommertag und viele der leichter Erkrankten sieht man draußen. Tie männlichen und weiblichen Kranken der dritten Klasse erkennt man an ihren freund- lichai wcißblau gestreiften Anzügen. Ta liegen die Stationen der ansteckenden Kinderkrank- Heiken. Ter Besuch dort wird auf kleinen Treppen v o r den Fenstern abgestattet. Fast alle Fenster sind doppelt und dreifach besetzt. Ta sieht man in ihren reinlichen Bcttchen die ausquartierten Lieblinge liegen oder sitzen oder stehen. Ein süßes kleines Blondköpfchcn mit hellblauer Schleife im Haar wirft dem Muttilein draußen Kußhändchen zu; man sieht, es befindet sich in Rekonvaleszenz. Ein kleiner dunkeläugiger Bube schaut sehnsüchtig nach den Scheiben. Sein„Vatti" ist noch nicht angelangt. Ein größerer noch sehr bleicher Knabe verständigt die Eltern, daß er noch zirka acht Tage dort bleiben muß, usw. usw. Jedes Bett ein anderes Bild, jedes Fenster draußen ein anderer Film. Weiter. Wir müssen uns eilen. Anderthalb Stunden sind schnell vorbei und kranke Leute sind egoistisch, mögen nicht warten. Vor der nächsten Station im Garten sitzen viele Patien- ten mit verbundenen Gliedmaßen. Ter. eine trägt den Arm in der Binde, der umwickelte Fuß des anderen ruht auf einem Stuhl. Neben ihnen fitzt ihr Besuch, dem die Behandlung des verletzten Gliedes haargenau beschrieben wird. Da koumien uns drei tiesschwarz gekleidete Frauen mit rotgc- weinten Augen entgegen.„Mittwoch war er noch io frisch!" und„Wer das geahnt hätte!" schallt es uns ans Ohr. TaS beflügelt unseren Schritt. Ob unser Patient wohl ist, kein Fieber hat? Jawohl, er empfängt uns sehr vergnügt. Noch zehn Tage bis zur Eni- lassüng. Er flüstert es leise, aus Rücksicht auf die schwer- kranke Nachbarin, die sicher noch monatelang liegen muß. Tie dritte Patientin schläft ruhig, friedlich, ihren Sonutagsnach- mittagsschlaf. Sie ist fremd in Berlin, hat keinen Besuch zu erwarten. aV.'ii � oIä Ort-WF» unseres Patienten vorbei. Nun geht es an ein Fragen.„Wie geht es, Vater?"„Hat sich jemand nach mir erkundigt?' „Wart Ihr Pfingsten auf Tour?" usw., usw. Ta, kaum ist alles beantwortet, kaum hat man erfahren, was in der letzten Woche in dem Krankenzimmer und in seiner näheren Umgebung vorgegangen ist, sind auch schon die anderthalb stunden wie im Fluge vorübergerauscht, und die Oberschwester klopft an die Tür:„Die Besuchszeit ist vorüber!" Noch ein kurzes Wort, ein Gruß für den. und für den, und für die, und still, leiie plaudernd, wie sie gekommen, wogt die Be- sucherzahl zurück ans den Stationen, aus den Parnvegen. und eine nun schier unabsehbare Menge, denn wer es eben ermöglichen kann, bleibt bis zuletzt, bis ein oder zwei Minuten nach halb vier, verläßt im Zuge das hochmoderne Riesensanatorium, um zu Fuß oder mit der 60 oder der 88 der großslädtischeii Häuserwclt wieder zuzuströmen. Mittwochs eilen allerdings erst noch viele der Besucher im Vorderhaus die Treppe empor, um ans dem Munde des Arztes über den Patieiiten unterrichtet zu werden. Mit rührender Ausdauer stehen die Aerzte den Fragenden Rede, setzen auseinander, wiederholen, trösten, je nachdem. Da sind wir auch schon an der Endstation in der Rubenstraße, von wo die 60 und auch die 88 abfahren, und das ist gut. denn in der Ferne steigen dunkle Wolken ans, ein dumpfes Grollen läßt sich stören und wir sind froh, noch einen Sitzplatz bekommen zu haben. Noch im Wagen tönt es uns ans Ohr:„Ja, wenn der Junge nur besser essen könnte, käme er ja viel schneller wieder ans die Beine!" „Wie gut doch von der Schwester, sie hat sie auf ein Guinini- kisscn gelegt!" und ähnliche Reden.. Mag es ruhig oder heftiger gewittern, unsere Patienten liegen gut aufgehoben, komfortabel gebettet. Gesunde Mcn- scheu können sich selber helfen. Heil dir im Tiegerkranz 1 „Armecwettlämpfe"»enlit sich eine rein iiiilitärisSe Sport- konkurrenz, die uitter Offizieren und Mannschaften tagelang im Stadion ausgefochte» ivurde. Für die Kreise, die an diesem Sport- vergnügen Interesse haben, ivar das bemerkenswerteste die aklive Beteiligung des jugendlichen Prinzen Friedrich Karl, eines Sohnes des Hoheiizollernprinzen Friedrich Leopold. Der Prinz sollte den Beweis erbringen, daß Hohenzollernsprößlinge von Geburt an nicht nur in der Kunst, in der Kriegsleckmik und im Reden, sondern auch im Sport unübertreffliche Meister sind. Das Gerücht, das wissen wollte, daß der Prinz allen Konturrenteii„über" sei, hat recht behalten, die miikonkurrierenden jungen Offiziere hielten sich diskret um eine Nasenlänge beim Fechten, Wettschwiminen, Waldlauf zurück, und so ist der Kaiserpreis, der an den Prinzen fiel, wenigstens in der Faniilie geblieben. Die Preisrichter hatte» leichte Arbeit. Helle Bewunderung lösten, wie das„Berliner Tageblatt" bc- richtet, fünf Unteroffiziere mit vollem Gepäck am Reck aus, die trotz der Belastung ihre Uebungen mit Schwung und Eleganz durch- führten. Die Bauchwelle mit Gepäck— das hat uns zum Kasernen- hofdrill gerade noch gefehlt.___ Ter angestrichene Viehof. Den Passanten des Viehhofviertels bietet sich noch immer ein eigenartiges Bild. Die sämtlichen Vichhosbauten, die Mauern, Zäune, Viehboren und Vichställc— kurzum alles ist seit der großen während der Mastvichausstellung aus- gebrochenen Viehseuche mit Kalkfarbe überzogen. Nur die obere Hälfte der Gebäude ist rot geblieben. Die Beseitigung des desinfizierenden Anstrichs wird nicht wenig Arbeit der- Ursachen._ Vom Zweckverband Groß Berlin. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters� Mermuth trat gestern mittag im Berliner Rathause der Ausschuß des Ver- bandes Groß-Berlin zusammen. Erschienen waren u. a. der Oberpräsident v. d. Schulenburg mit dem Oberpräsidialrat Freiherrn v. Dialtzahn, ferner die Oberbürgermeister von Charlottenburg, Schöneberg, Lichtenberg usw. Auf der reich- haltigen Tagesordnung stand neben anderem der Ankauf der uagebotenen fiskalischen Waldflächen im Grunewald usw. Die Verbandsversammlung hatte bekanntlich den Erwerb von rund 40 000 Morgen fiskalischer Forst zum Preise von 50 Millionen Mark mit der Matzgabe beschlossen, daß für jedes übereignete Ouadratmetcr ein Einheitspreis von 50 Pf. berechnet wird, und bei 5 Millionen Mark Anzahlung hti der Auflassung und Unverzinslichkeit des Restkaufgeldes bis zu dessen Ab- tragung Jahreszahlungen von je 3 Millionen Mark geleistet werden. Die dem Fiskus schon von den Charlottenburger Wasserwerken geleisteten Kapitalabfindungen für einzelne Belastungen sollen anteilig in Höhe von etwa 800 000 Mark auf den Kaufpreis verrechnet werden. Für die Belastung der Oberförsterei Tegel-Süd zugunsten der Kirchengemeinden und Militärbehörden ist Ersatz� zu leisten. In erster Linie kommt hierfür die Schönholzcr Heide in Be- tracht. Im Falle der Rückforderung von forstfiskalischen Flächen zu öffentlichen Zwecken auf dem Wege der Enteignung sollen auf Verlangen des Fiskus diese Teile bis zum Gesamt- betrage von 10 vom 100 der in jeder Obcrförsterei nach ihrer gegenwärtigen Abgrenzung gelegenen Verkaufsflächen für den Fall ohne Barentschädigung zurückgewährt werden, voraus- gesetzt, daß die Rückforderung innerhalb von 50 Jahren nach dem Verkaufsabschlutz erfolgt und der Verkäufer dem Käufer gleichwertige Flächen übereignet. Der Verbandsausschutz ge- nehmigte die Verhandlungen, die mit der Staatsrcgierung über den Ankauf geführt sind und wird nunmehr der Verbands- versanimlung eine Vorlage überreichen und den Ankauf init einer unwesentlichen Aenderung empfehlen. Der Aestzug als„Verkehrshindernis". Wie ist das möglich, wird der Leser flogen. Marschiert nicht das Militär, marschieren nicht die Jungdeutschlandbündler, die Schützenbrüder und wer weiß waS mit Pauken und Trompeten durch die Straßen der Reichshauptstadt, ohne daß das Auge der Polizei ein Verkehrshindernis in solchen Zügen erblickt? Soll es nun mit einmal sein Ende haben mit dem Paradieren all dieser bürgerlichen Vereine durch die belebten Straßen Berlins? Fast scheint es so, wenn man sich die Antwort vor Augen hält, die die Arbeitersportvereine auf ihr Gesuch, am Sonnlag, den 14. Juni, aus Anlaß ihres Sportfestes einen Festzug vom Friedrichs- Hain resp. Arnswalder Platz nach dem Festlokal arrangieren zu können, von der Polizei erhalten haben. Die Polizei muß zur Beantwortung dieses Gesuches reifliche Erwägungen angestellt haben, denn sonst wäre es nicht möglich, daß das Gesuch erst nach vier Wochen beantwortet werden konnte. Erst nach Mahnung kam die Polizei zu der Erkenntnis, daß einem solchen Festzug aus„VerkchvSsicherheits- und ordnungspolizeilichen Gründen" die Genehmigung versagt werden müsse. Nach allem, habt hat, kann die Antwort der Polizei nicht ernst ge nommen werden. Bon der Leitung der Sportvereine wurde in einer persönlichen Unterredung mit dem Dezernenten auf dem Polizeipräsidium der Borschlag gemacht, den Zug in zwei Hälften zu teilen und denselben in einhalbstündigem Abstand marschieren zu lassen, so daß jedesmal 3lXX) Menschen durch die breiten Straßen des Berliner Ostens gegangen wären. Sie glaubten um so mehr auf Erfüllung ihres Wunsches rechnen zu können, als im vorigen Jahre die Polizei ohne jede Besorgnis für die Hinderung de» Verkehrs 16 Bis 20000 Jungdentschlandbündlern einen Demonstrationszug durch das Innere der Stadt Berlin machen ließ. Daß die Arbeitersportvereine ein geringeres Maß von Disziplin an den Tag legen wie die Jungdeutschlandbündler, ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht anzunehmen. Die von der Polizei angeführten Ablehnungsgründe müssen daher selbst bei jedem Un- beteiligten nur als ein Verlcgenhcitsprodukt aufgefaßt werden. Sie bezeugen aufs neue, daß das Verbot erfolgte, bloß weil es sich um Arbeitersportvereine handelte. Nun, die Arbeitersportvercine werden auch so in Mafien in das Festlokal gelangen. Dieses Verbot hat außerdem noch das eine für sich, daß nun erst recht weite Kreise für einen Massenbesuch des Sportfestes am 14. Juni Sorge tragen werden. Einr Verzweiflungstat. In einem Anfalle von Nervenkrankheit versuchte in der ver- gangenen Nacht die 3« Jahre alte Ehefrau Ernestine des Schlossers Thctmann aus der Emser Straße zu Neukölln ihre 8 Jahre alte Tochter Erika und sich selbst mit Leuchtgas zu ver- giften. Die Frau ist schon seit längerer Zeit nervenleidend und pflegte allein in der Küche zu schlafen, während der Mann mit der 8jährigen Tochter in der Stube schläft. In der Nacht zum Montag kam die Un- glückliche in einem Anfall von Verzweiflung auf den Gedanken, ihrem Leiden ein Ende zu machen und ihr Töchterchen in den Tod mit- zunehmen. Während Thetmann fest schließ schlich sie sich aus der Küche, holte das Töchterchen zu sich hinüber und legte eS zu sich ins Bett. Dann öffnete sie die Hähne der Gaslampe, so daß das GaS an zwei Stellen stark ausströmte. Als der Mann gestern morgen erwachte, das Kind nicht in der Stube fand und einen starken Gasgeruch wahrnahm, eilte er nichts Gutes ahnend in die Küche und fand Frau und Kind besinnungslos im Bette liegen. Die Feuerwehr, die er zu Hilfe rief, brachte mit dem Sauerstoffapparat beide zum Leben zurück und ei» Arzt ließ sie nach dem Kranken- hause in Buckow bringen._ Aus Not in den Tod. Wegen Arbeitslosigkeit erhängte sich gestern mittag der Kürschner Wollmer, Gollnowstr. 44._ Ueberfahren und getötet wurde gestern nachmittag der Arbeiter Karl König, der bei der Bauinspektion der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft be« schäftigl war.� König wollte an der Ecke der Königgrätzer und Voß- straße einen Straßenbahnwagen der Linie 14, der vom Marheineke- platz nach der Turmstraße in Moabit fuhr, besteigen, glitt aber vom Trittbrett der vorderen Plattform aus und fiel so unglücklich hin, daß er zwischen Border- und Hinterrad eines Mörtelioagen« zu liegen kam, der gerade die Königgrätzer Straße entlang fuhr. Bevor der Kutscher halten konnte, war ihm das Hinterrad über die Brust hinweggegangen. Der Unglückliche wurde bewußtlos nach der Eharils gebracht, wo er bald nach, der Aujnahme ftgrb. Ei» wertvolles Gespann gestohlen wurde am Sonnabend- nachmittag dem Händler Lehmann aus Malchow, der Pferd und Wagen auf dem Hofe des öffentlichen Marktes in der Voltastraße untergestellt hatte.. Den Manlkorbzwang hat der Amtsvorstehcr von Pankow für das dortige Gemeindcgcbiet verfügt. DaS Polizeipräfid-um gibt bekannt: Am 4. Dezember v. I. ist anscheinend auf dem Transpott zwifiben dem Polizeidienstgebäude Magazinftr. 3/6 und dem Stadthaus, Klosterstraße, eine Mappe ver- loren gegangen, welche den Originalentwurf für die Erweilerungs- bauten der Königlichen Universität im Kastanienwäldchen enthielt. Der Finder dieser Mappe wird ersucht, die Zeichnung im Zentral- bureau des Königlichen Polizeipräsidiums, Aleranderstr. 3/S, I. Stockwerk. Zimmer 161. gegen eine Belohnung von fünfzig Mark ab- zugeben. Eine gleiche Belohnung wird dem zugesichert, der zweck- entsprechende Mitteilungen zur Wiederherbeischaffung der Zeichnung machen kann. Zeugen gesucht. Personen, die Augenzeuge waren, wie am Montag, den 11. August 1S13. vormittags in der Zeit zwischen 10 bis IL Uhr, ein Mann auf dem Südwestkorso in der Nähe der Mainauer Straße von einem Feuerwehr- Automobil über- fahren wurde, werden um Angabe ihrer Adresse an Oskar Maicherek, Berlin N 65, Triflstr. 48, vorn IV links gebeten. Besonders kommt ein älterer Herr in Frage, der nach dem Unfall die Enlfernung von der Unfallstelle bis zur Bordschwelle mit seinem Spazierstock ge- messen hal._ Vorortnachrichten. Zwangsinnungsfreuüen. Von den Folgen der Errichtung einer Zwangsinnung haben viele Gewerbetreibende immer noch keine rechte Vorstellung. Manchen ist noch nicht mal klar, daß dann alle in Frage kommenden Ge- werbetreibenden in die Innung hineingezwungen werden. Wem das widerfährt, der muß— gleichgültig, ob er will oder nicht will— seine Beiträge zahlen. Und wenn er nicht zu den Jnnungsversamm- lungen geht, so kann er's erleben, daß ihm eine Bersäumnisstrafe aufgebrummt wird. Erfahrungen dieser Art hat in Neukölln ein junger Klempner A. gemacht, der einen kleinen Gewerbebetrieb, eine Reparaturwerkstatt für Klempnerei und nebenbei für Schlosserei, eröffnete. Weil er auch elektrische Taschenlampen verkaufte und gelegentlich mal an einer elektrischen Klingelleitung bastelte, so glaubte die.Zwangsinnung der Elektroinstallateure zu Neukölln", ihn als Mitglied reklamieren zu dürfen. A. weiß nicht, daß ihm jemals schriftlich oder mündlich die amtliche Mit- teilung zugegangen wäre, er gehöre zu der genannten Zwangs- innung. Das erste Lebenszeichen, das ihm diese Organisation gab, war die Uebersendung von Einladungen zu ihren Ver- sammlungen. Da er meinte, er sei ja nicht Mitglied und ihn gehe schon wegen der Art seines Gewerbes die Innung nichts an, so warf er die Einladungskarten achtlos beiseite. Dann kam Anfang April 1914 plötzlich eine Zahlungsaufforderung, die ihm 16 Mark.Beiträge" für den sechSzehnmonaligen Zeitraum vom „Dezember 1912 bis März 1914" und 1 Mark.Strafe" für.Ver- säumniS" der Jnnungsversammlung abverlangte. A. sollte die Bei- träge an die Jimungskasi'e.binnen fünf Tagen" einsenden, andern- falls werde.zwangsweise Beitreibung" erfolgen. Zu dieser lieber« raschung schüttelte er verwundert den Kops, und er hielt die ganze Forderung um so mehr für unberechtigt und sinnlos, da er ja nicht seit Dezeinber 1912, sondern erst seit Oktober 1913 ein selbständiges RrtSÄyre?" j�'J�ng'�nen''derbes Ä"İrV"Ä erklärte, daß er gar nicht Mitglied sei. Darauf bestellte ein Vorstandst Mitglied ihn durch schriftliche Nachricht zu sich, aber A. leistete nicht Folge. Als ihm nun auch eine elektrotechnische Zeitschrift unbestellt zuging, forderte er nach Smpkang der zweiten Nummer den Verlag auf. die Zusendung zu unterlassen. Vom Verlag kam die Antwort. das Blatt werde kostenlos zugesandt, weil er Mitglied der Zwangs innung der Elektroinstallateure sei. Per Telephon erwiderte A., er verzichte nach wie vor. weil er nicht Mitglied sei, und gar nicht ein ElektroinstallationS-Geschäft habe. Der Verlag ließ ihn hiernach in Ruhe. die Innung aber schätzte auch nach jenem unfreundlichen Absagebrief ihn weiter als.wertes Mitglied" und setzte daS EinladungSkattenbombarde� ment fort. A. blieb dabei, ihn gehe daS alles nichts an. Ende Mai er- hielt er dann die Aufforderung, auch für April bis Juni die.Bei- träge" mit zusammen 3 M. zu zahlen. Und um dieselbe Zeit fand sich bei ihm ein Gerichtsvollzieher ein, der wegen jener noch nicht bezahlten„Beiträge" von 16 M. samt„Strafe" von 1 M. eine Mahnung brachte. Wenn nicht in drei Tagen gezahlt werde, so sei Pfändung zu gewärtigen. Zugleich wurde von der Innung eine weitere„Strafe" von 2 M. für.Bersäumnis" und noch eine „außerordentliche Strafe" von 3 M. festgesetzt. Jetzt wurde es dem Zwangsinnungs-.Mitglied" denn doch zu toll. A. ging zum Rat Haus, trug im Bureau der Gewerbedeputation die Sache vor und gab seinen Einspruch gegen die ihm aufgezwungene Jnnungs Zugehörigkeit zu Protokoll. Bei der Aussichtsbehörde, die über den Streit zu entscheiden hat, wird die Neuköllner Zwangsinnung der Elektroinstallateure mit ihrem Versuch der Einbeziehung auch einer möglichst großen Zahl von Klempnern mindestens in diesem Fall wenig Glück haben. Mehr Erfolg verspricht sich wohl der JnmmgSvorstand beziehungS weise sein Kassenführer von einer Strafanzeige gegen Ä., dessen Absagebrief dott anscheinend als Beleidigung auf gefaßt wird und bereits Gegenstand einer Vernehmung vor der Polizei gewesen ist. Gewiß, dieses Vorgehen ist das geeigneiste Mittel, die„Sympathien" für die Zwangsinnung noch zu steigern! Der Prozeß kann interessant werden. Denn auch in ihm wird zu prüfen sein, ob die Ansprüche des JnnungSvorstandeS. gegen die 91. sich erregt wehrte, überhaupt berechtigt waren. Für alle Gewerbetreibenden ergibt sich aus dem. was dem Klempner A. mit der Elektroinstallateur-Zwangsinnung passiert ist, eine beherzigens werte Lehre. Gegenüber Zwangsinnungen sollten sie niemals glauben, daß sie„sich um nichts zu kümmern brauchen", weil sie„nichts damit zu tun haben". Besteht für ein Gewerbe eine Zwangsinnung, so ist hiermit jedem, der das Gewerbe ausübt oder bei Ausübung mehrerer Gewerbe dieses als dos hauptsächliche betreibt, die Mitgliedschaft aufgezwungen. In dem Fall des Klempners A. trifft daS nicht zu. aber auch er wäre besser gefahren, wenn er durch sofottigen Wider- spruch schleunigste Aufklärung herbeigeführt hätte. Gegenüber dem ganzen Zwangsinnungstreiben müßten die Bewerbetreibenden sich jederzeit vor Augen halten, daß es gefährlich ist..sich um nichts zu kümmern". Gegen jede Absicht, eine Zwangsinnung zu schaffen, sollen alle Gegner der Zwangsorganisation des Handwerk» sich rechtzeitig wehren und bei der vorherigen Abstimmung Mann für Mann anfleten. Ist erst die Zwangsinnung— dank der Rührigkeit ihrer Freunde und der Lässig- keit ihrer Gegner— zustande gekommen, dann hilfl kein Klagen mehr.___ Steglitz. Unser Stadtbad. Der soeben erschienene Bericht über da« 6. Be- triebsjghr(Mö/14) meldet eine erfreuliche Weiterentwicklung der Badeanstalt. Trotzdem fast 76 Proz. der Steglitzer�Wohnungen eigene Bäder haben, ist im Berichtsjahr der Besuch des Stadlbade» io be« deutend gestiegen, daß zuweilen die Anstalt sich als unzureichend erwies. Der Bericht sagt hierüber, daß die Schwimmhalle dein Sommerbetrieb ftroy der kühlen Witterung I mchtjzewachsen, die Wannen- abteilung oftmals unzureichend und die Heilbäderanlage trotz wesenl- sicher Vergrößerung schon wieder zeitweise an� der Grenze Öet Leistungsfähigkeit angelangt war. Es wurden insgesamt 144 07 1 Bäder verabreicht, oder rund 400 pro Tag. Das weibliche Geschlecht ist mit rund 33 Proz. unter den Badegästen vertreten. Schwimm- Unterricht nahmen 66 Herren, 107 Damen. 230 Knaben und 241 Mädchen. Von Gemeindeschülern und-Schülerinnen wurden� 12 000 Freikarten benutzt, außerdem wurde 50 Gemeindeschülern un- entgeltlicher Schwimmunterricht erteilt. Mit dem Besuch sind nalür- sich auch die Einnahmen gestiegen, so daß sich der Zuschuß au' 22 241 M.(i. V. 25 342) ermäßigt. Dieser beträchtliche Zuschuß wird bedingt durch den Schuldendienst, der rund 29 000 M. pro Jabr erfordert. Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß der Belried selbst mit einem Ueberschuß von rund 7000 M. arbeitet. Ter Bericht weist darauf hin, daß von dem Schuldendienst 6 bis 6000 M jäbrlich aus das unbenutzt liegende kostbare Vordergelände ent- fallen. Interessieren dürfte noch, daß von den Gesamteinnahmen 43 Proz. auf die Heilbäderanlage, 40 Proz. auf die Schwimm halle und 17 Proz. auf die Reinigungsbäder entfallen. Ueber die Heilbäderabteilung sagt der Bericht, daß der vor- jährige Erweiterungsbau erst der Ansang einer'w Projekt feststehenden allgemeinen Vergrößerung n' Die weitere Ausführung soll nach und nach, dem Bedürfnis ent- sprechend, erfolgen. Ueber die ursprünglich geplante zweit- Schwimmhalle(für Frauen) und die Räume für eine Volks- Bibliothek und öffentliche Lesehalle schweigt sich der Bericht aus. Unseres Wissens war das Vordergelände dazu be- stimmt. Soll dieses„kostbare" Fleckchen weiterhin trotz des jähr lichen Zinsenaufwandes von 5—6000 Mark ungenutzt liegen bleiben' Lichtenberg. Eilige Stadtverorduetenwahle«. Kaum hat Stadtv. Schachtel in der letzten Plenarsitzung eine" Antrag auf schleunige Anberaumung der Stadtverordnelen-Ersotz Wahlen für die bisher Ausgeschiedenen eingebracht, sind auch schon für den 21./23. d. M. die Wahlen anberaumt worden. So gc- schwind hat der Magistrat wohl noch nicht gearbeitet. Das setzt u>n so mehr in Erstaunen, als der Magistrat zunächst überhaupt ertfj keine Wahl vornehmen lassen wollte, bevor die Fraklionen e- forderten, dann aber auf mehrfache Anfragen antworlete, er hall- die Zeitspanne bis zu den allgemeinen Wahlen im November für I- kurz, daß auch die Ersatzwahlen bis dabin Zeit hätten Freilich handelte es sich zunächst nur um ein erledigte Mandat der Sozialdemokratie. Jetzr find aber auch drei Bürger- liche Mandate verwaist und da wird, wie der Wortiühr« Schachtel andeutete, den Bürgerlichen angst und bange, daß unier' Fraktion daS Uebergewicht erlangen könnte. Kühn war die B' hauptung, dadurch würde der Wille der Wählerschaft gefälscht. F Gegenteil meinen wir, daß der durch das Dreiklassenunrecht g fälschte Wille der Einwohnerschaft ein klein wenig korrigiett wir! Dennoch aber sind unsere Vertreter für den Antrag eingetreten, de es darf nicht geduldet werden, Mandate längere Zeit unbesetzt z' lassen. Unsere Anhänger werden alle Kräfte entfalten, nicht nur da- eine bisher innegehabte Mandat zu behaupten, sondern auch nen Erfolge zu erringen._ Herr Stadtverordneter Meldner ersucht uns unter Bezugnah auf unseren letzten Stadtverordnetenbericht um Aufnahme folgend' Zuschrift: Ich habe mich in der Lichtenberger Etadtverordneienvettomnit lung nicht so kurz und allgemein ausgedrückt, wie im„Vorwärts geschrieben siebt. Ich habe vielmehr u. a. ausgeführt, alle Partei-' seien jetzt darüber einig, daß das Wandern, Laufen und Spielen de- Schulkinder auf den Spielplätzen von großem Vorteil für die Jugcn' »-isla Jshra täglich eink> Schulweg von etwa einer Stunde zurückgelegt habe, so sei ich au� eigener Erfabrung zur Ueberzeugung gelängt, welchen großen Wel der tägliche Schulweg sür die Gesundheit der Kinder habe. Ich nehn" daher an, daß der Schulweg der Kinder von 10 Jahren und darübe' welche in den Ouerstraßen der Franksurter Allee wohnen und d'- Schule in der Wördensiraße besuchen, nicht schädlich, sondern nützli� und vorteilhaft für die Gesundheit der Kinder sei. Ich betonte noä daß Kinder, welche ziemlich weit entfernt von der Schule wohne». in der Regel pünktlich zur Schule kommen; durch den Weg wert" der Schulunterricht nicht gestört, wohl aber durch schlechtes Pflaste' wie eS vor der Schule in der Möllendorfstraße siege. Tatsächlich b»' sich der Rektor der Volksschule in der Möllendorfstraße schon vo' längerer Zeit über das schlechte Pflaster und das Geräusch durä den Wagenverkehr in der genannten Straße beklagt; auch der Schul- arzt hat darüber Klage geführt, daß er infolge des Geräusches>' der fraglichen Straße oft nicht in der Lage sei. Lunge unt Herz der Volksschüler gehörig zu untersuchen. Als Herr Grauer au' das geräuschlose Pflaster in den ansteigenden Straßen im Weste» von Groß-Berlin aufmerksam gemacht wurde, erklärte er, er würd' nach seiner Genesung die Angelegenheit prüfen und ebenfalls sti' geräuschloses Pflaster— Asphalt oder Holz— vor der Schule der Möllendorsstratze eintreten, fall« es technisch ausführbar sei- Das geräuschlose Pflaster in der Hauptstraße von Schöneberg usw beweist klar, daß auch in Straßen mit Steigung geräuschloses Pflasl«» hergestellt werden kann. Weihensee. Im Konkurs der Weißenseer Bank stand vor kurzem de» Prüfungstermin an. Es sind 8 193 793 M. Forderungen angemeldet. von denen 5 625119 M. anerkannt wurden. Die Forderungen de» Gemeinde wurden bestritten, es nmß daher die Feststellung de» Forderungen durch Klage herbeigeführt werden. Die übergroß» Zahl der Sicherheiten bestehen aus Hypotheken, die zum Teil s» oberfaul sind, daß bei genauer Prüfung schon mit einer Millio» Verlust gerechnet worden ist. Bei den bereits staltgefundeneii Zwangsversteigerungen sind schon für etwa 500 000 M. Hypotheken ausgefallen. Gegen die Gemeinde ist vom Konkursverwaltc» Klage auf Herausgabe der Sicherheil angestrengt. Mal hat sich vorerst mit diesem Teil begnügt, um die Aufr affung der Gemeinde kennen zu lernen und um Koste» zu ersparen. Die Genossenschaftsmitglieder klagen gegen den Be< schluß der Generalversammlung, der die Anteile und Haftsumme aus 2.Z00 M, bezw. 5000 M. erhöbt hat. Sie betonen in ihrer Klage, dieser Beschluß sei nur in der Voraussetzung gefaßt, daß die Gemeinde mit weiteren Mitteln einspringen würde, letzteres sei nicht in ge« nügendem Maße geschehen. Weiter soll das Protokoll über diese» Beschluß nicht einlvPrdsrei abgefaßt sein. In einem Falle soll sich das Gericht schon zugunsten der Genossenschafter ausgesprochen Huben- Die Sparer, ebenso wie die Genossenschaften in einem Schutzverband organisiert, fordern wiederum rücksichtsloses Vorgehen gegen die Gc« nossen, insbesondere die Aussichtsratsmitglieder aus früherer und letzter Zeit. Ihr Sachwalter, ein Herr Fonfa, gibt sich die erdenk- lichste Mühe, Verfehlungen ftstzustellen und diese dem Staatsanwalt zu überbringen. Gerade in den Kreisen der Sparer ist man ver« wundert, daß die Hanptbeteiligten aus dem Vorstände und Auf« »chtsrat der Weißenseer Bank noch als Ehrenmänner im Ott herum« laufen. So gehl durch die Orlspresse wiederholt eine Mitteilung, daß der frühere Bankdirektor Kiesel an verschiedenen Unternehmungen beteiligt sei, die bei der Bank in bedeutenden Schulden stecken und als verloren gelten. Die Beendigung des Konkurses dürfte erst nach Jahren zu erwarten sein. In den Büchern und Konten soll eine solche Unordnung herrschen, daß man sich mit vieler Mühe erst zu- rechlfinden kann. Wilmersdorf. Eine erfreuliche Entwicklung hat auch hier durch daS Wachsen des Vereins Arbeiterjugendheim die Jugendbewegung genommen. D« Verein, der gegenwärtig Iba Mitglieder zählt, hat die Haupt« nc e« xi m n« it« er er ist n« nd cn n> ir» ui US ■et Dl u> cn m« :n. ir- im ist ousgabe, die Mittel für das Arbeiterjugenddeim(Mannheimer Str. S1) aufzubringen. Wie in der Generalversammlung de» Vereins mitgeteilt wird, ist es ihm gelungen, trotz der sehr erheblichen Ausgaben, die gerade das verflossene Geschäftsjahr durch die Einrichtung des Heinis erforderte, eine gute finanzielle Bafis zu schaffen. Den Aus- gaben von 2187,67 Mark, wobei die Kosten der Einrichtung mit 1669,85 Mark einbegriffen sind, stehen Einnahmen in Höhe von 2517,98 Mark gegenüber, sodatz der gegenwärtige Kassenbestand 839,31 Mark beträgt. DaS Jugendheim, in dessen behaglich ein- gerichteten und luftigen Räumen sich die Arbeiterjugend bei freiem Eintritt täglich in den Abendstunden der Unterhaltung und Belehrung widmet, erfreut sich eines andauernd steigenden Besuches. Die durchschnittliche Präsenzziffer betrug im vergangenen Jahre 39 männliche und weibliche Jugendliche. Eine ganze Reihe von belehrenden Vorträgen aus allen Wissensgebieten, von Lese- abenden und von geselligen Abenden wurde veranstaltet. Bibliothek, Zeitungen und Zeitschriften aller Richtungen sowie Spiele jeder Art stehen zur unentgeltlichen Benutzung. Besonders gut bewährt hat sich die Selbstverwaltung der vorhandenen Ein- richtungen durch die Heimbesucher selbst, denen einige Erwachsene abwechselnd hilfreich zur Seite stehen. In der kurzen Zeit sind 89 Abonnenten der„Arbeiter- Jugend" gewonnen worden; bei der eifrigen Werbearbeit unserer jungen Garde ist zu hoffen, daß dieser Stamm bald verstärkt werden wird. In der regen Diskussion wurde von allen Rednern besonders betont, daß es Pflicht der Arbeiter- schaff ist, gerade im Hinblick auf die Verfolgungen der Behörden und die Anstrengungen der Gegner, die freie Jugendbewegung mit allen Kräften materiell und ideell zu unterstützen. Dem neuen Vor- stände gehören Karl Schulze als Borsitzender, Kiene als Schriftführer, Frl. Kussel als Kassiererin, Dr. Rosenthal und Lippold als Beisitzer an. Revisoren find: Hentschke, Kowalski und Tetzlaff. Bruchmühle. Aus der Gemeindevertretung. Die letzte Sitzung beschäftigte sich zumeist niil Schulangelegenheiten, wobei der Gemeindevorsteher komische Ansichten über die Funktionen des Schulvorstandes ent- wickelte. Heftig widersprochen wurde dem Gemeiudevorsteher. als er bei der Vergebung der Wasserleitungsarbeiten erst die Zustimmung des Schulvorstandes einholen wollte. Dem Anschluß an das Gas- werk Niederbarnim-Ost wurde einstimmig zugestimmt. Mits aller Welt. (dpfer ües Militarismus. Grauenhafte Einzelheiten über die letzten Manöver- Übungen des argentinischen Heeres enthüllt unser Parteiblatt„La Vanguradia" in Buenos Aires. Der Kriegs- minister hatte als Manövcrgebiet die Provinz Entre-Rios ausge- wählt, ein zwischen Flüffen liegendes siimpsiges und fast unbe- wohntcs Land. Die Soldaten, die von der Intendantur bisweilen drei bis vier Tage lang ohne Nahrung gelassen wurden, mußten fürchterliche Leiden erdulden. Stundeulaug wurden sie gezwungen, durch das Wasser, welches ihnen bis zum Gürtel reichte, zu mar- schieren. Die Artillerie konnte nicht vorrücken, ebensowenig die Reiterei. Wagen mit Waffen, Munition und Lebensmitteln mußten i m Sumpfe zurückgelassen werden. Man suchte die Zah? der umgekommenen Soldaten zu verheinilichen. Sie überschreitet jedoch weit die Hundert. Die Anzahl der Erkrankten beträgt bei weitem mehr. Zu der Unfähigkeit der leitenden Offiziere gesellte sich die Grausamkeit und Roheit einzelner Vorgesetzter. Drei Soldaten, ein Geniesoldat, ein Kavallerist und ein Infanterist, wurden durch ihre Offiziere niedergeschossen. Ter Brief eines Soldaten an seine Familie erzählt darüber:„Ich habe geradezu scheußliche Akte während des Marsches, zu dem man uns unter den rohesten Drohungen zwang, beobachtet. Die Offiziere trieben uns mit Gc- walt vorwärts, wenn wir ermüden wollten. So hat der Oberst P. einem ermüdeten Soldaten drei Säbelhiebe versetzt und ließ ihn dann im Sumpfe zurück. Derselbe Offizier schlug einem ande- ren Soldaten miteine in Gewchrkolben insGenick. Er verbot den Soldaten, ihren vor Erschöpfung und Müdigkeit zu- sammengcbrochenen Kameraden zur Hilfe zu eilen." Ein Telegramm, das der Senator Adolso Montiel von seinem Bruder erhielt, teilt mit, daß hundert Soldaten vor Hunger gestorben sind und daß vierhundert Mann krank vor Hunger und Erschöpfung danieder- liegen. Die Soldaten hatten sechzig Stunden im Wasser zugebracht. Der argentinische Kriegsminister hatte, während die Soldaten auf seinen Befehl diese schrecklichen Leiden erduldeten, gemächlich auf einer benachbarten Eisenbahnstrecke in seinem Salonwagen geseffen. Um das Unglück voll zu machen, fuhr ein Eisenbahnzug in ein Regiment Soldaten, als dieses eine Eisenbahnbrücke überschritt. Ein Hauptmann und zwanzig Soldaten wur- den zermalmt, viele ertranken, als sie sich, um der Katastrophe zu entgehen, in den Fluß stürzten. Tie genaue Zahl der Toten bei diesem Unglück verheimlicht man. Katastrophe bei einem Ballonaufstieg. Durch die Explosion eines Freiballons wurde am Sonntag bei einer sportlichen Veranstaltung in S ä z a n n e- e n- B r i e großes Unheil angerichtet. Trotzdem das Sport- komitee im Hinblick auf das schlechte Wetter von einem Auf- stieg abgeraten hatte, war der Führer Leprince in die Gondel gestiegen. Er war gerade im Begriff, das Zeichen zur Lösung der Taue zu geben, als ein heftiger Wirbelwind den Ballon mehrmals auf die Seite warf. Dabei erlitt die Hülle einen großen Riß. und einige Sekunden später e x p l o- vierte der Balloit niit einem furchtbaren Knall, der mehrere Kilometer weit vernomnicn wurde. Die vorderste Reihe der Zuschauer wurde buchstäblich niedergemäht. Der Ballon sprang dann in die Höhe und fiel in geringer Entfernung vom Aufstiegplatz brennend zu Boden. Die Menge tvurde von einer schrecklichen Panik ergriffen. Mehr als 60 Personen wurden verletzt. Nachdem der erste Schrecken vorüber war, tvurde ein Hilfs- dienst organisiert. Gendarmen eilten herbei und befreiten unter großen Schwierigkeiten den schwerverletzten Leprince, der unter dem brennenden Ballon vergraben lag. 23 Verletzte mußten ins Krankenhaus geschafft werden: man be- fürchtet, daß zahlreiche Verunglückte ihren schweren Brand- wunden erliegen werden. Hurra, das Vaterland! Als ein Zeichen ganz besonderer Vaterlandslosigkeit wird der Sozialdemokratie vorgehalten, daß sie über die Grenzpfähle des eigenen Landes hinaus den Klassengenossen anderer Länder brüder- lich die Hand eiitgegenstreckte. Wie ganz anders die Bourgeoisie. Sic ist wahrhaft patriotisch. Zwar liefert sie dem Auslande Kanonen und Panzerplatten zu billigeren Preisen, aber natürlich nur, um den inländischen Arbeitern stets genügend Beschäftigung zu bieten. Unsere Bourgeoisie ist eben national. Ein Musterbeispiel dieser nationalen Ueberzeugungsireue ist ein Inserat in der Sonntags- nummer des„Berliner Tageblatts". Dort werden zwecks Mono- polisierung eines unentbehrlichen Gebrauchs- a r t i k e l s Geldmänner zur Gründung einer Aktiengesellschaft gesucht. Das Kapital soll 5 9 Millionen Mark in Abschnitten von nicht unter 199 999 Mark betragen. Es heißt dann wörtlich in dem Inserat: Alle Großhandlungen des nur an bestimmten Stellen der Erde vorkommenden Naturprodukts sollen durch Aufkauf verschmolzen werden, um dadurch für alle Zu- kunft jeder Konkurrenz zubegegn e n. Die Fusion wird von erfahrenem Fachmann durchgeführt. Bisher u n- erreichte Gewinnchancen sind von vornherein gewähr- leistet. Großkapitalisten aller Nationen können sich beteiligen und wollen nähere Einzelheiten usw. Hurra, das Vaterland! Es wird von Musterpatrioten den Groß- kapitalsten aller Länder ausgeliefert, damit dem deutschen Volke durch Monopolisierung unentbehrlicher Gebrauchsartikel noch schneller das Fell über die Obren gezogen wird. Und der biedere deutsche Michel entrüstet sich über die„vatcrlandslose Sozialdemokratie, die bar ist jedes Palriotischen und nationalen Empfindens". Hurra, das Vaterland! Ter entführte Ingenieur. Die belgische Gesandtschaft in K o n st a n t i n o p e l hat aus Smyrna einen von einem Unbekannten aufgegebenen Brief des von Räubern entführten belgischen Ingenieurs Lucian Tack erhalten- Der Ingenieur meldet darin, daß er sich wohl befinde. Die Räuber hätten das Lösegeld auf 5999 Pfund ermäßigt und wollten bis zum 11. Juni warten.— Eine andere Räuberbande hat einen griechischen Ottomanen, einen Beamten des englischen Hauses Whitall in Smyrna, entführt; sie verlangt ein Lösegeld von 3999 Pfund. Das Haus Whitall soll geneigt sein, das Lösegeld zu zahlen._ Im Königspalast. Sonntagfrüh wurde in London ein junger Mann verhaftet, der in den Buckinghantpalast eingedrungen war. Er war über die hohe, mit eisernen Spitzen geschützte Mauer geklettert und durch ein Fenster in das Erdgeschoß gestiegen. In einem Zimmer wechselte er seine Kleidung, indem er die Livre eines lönig- liehen Bedienten anlegte. Der Mann kant dann in das Zimmer eines Pagen, der ihn versolgte und seine Verhaitung bewirkte. Bei seiner Vernehmung vor dem Polizeigericht erklärte der Verhaftete, ein 39 jähriger Handwerker, daß er gehört hätte, die Frauenrechtlerinnen lönulen nicht in den Palast gelangen. Er sei neugierig gewesen, ob der Eintritt nicht bewerkstelligt iverden könne. Der Angeklagte wurde darauf in die NntersuchungShaft zurückgeschickt. Kleine Notizen. Em deutscher Schoner gesunken. In der Ostsee fischte der Schoner„Spera" einen deutschen Kapitän auf, der acht Stunden laug auf einem Wrack stücke herumgetrieben war. Der Kapitän gehörte zu einem Schiff, das auf der Reise von Faxe nach Rostock g e s u n k e u ivar und dessen übrige Besatzung ertrunken ist. Vermißter Flieger. Wie aus Tunis Sonntag früh in Sfax aufgestiegene Jolain spurlos verschwunden. ins Meer gestürzt und ertrunken ist. Tumulte bei einem Stiergefecht. Während eines Stiergefechts in der Nähe von Bordeaux kam es am Sonntag zu stürmischen Zwischenfällen. Einem ungeschickten Stierkämpfer namens Vasguez gelang es nicht, den Stier zu töten, trotzdem er ihm schon sieb- zehn Degenstiche beigebracht hatte. Das empörte Publikum stürmte die Arena und griff de» Stierkämpfer tätlich an. Es kam zu einer wüsten Prügelei. Polizeibeamte mußten VaZquez aus den Händen seiner Angreiser befreie» und ihn, da er schwere Verletzungen erlitten halte, in ein Hospital einliesern. Witterungsubersicht vom K. Juni lvlS. gemeldet wird, ist der Fliegerleutnant Man besürchtet, daß er Statlonen Swinemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien ■fi 5 2= 8« tst'nd 753jD@D 753© 7 52©33 751j3iD 753 NW Wetter 2 Regen illvolkig! 3bedeckt! 1 Regen Awolkig! 1 halb bd. »K rill 5» Wjc 12 14 12 9 11 13 Etationen 765 c 5 S® Setter Haparanda Betersburg 7S1 Scillq Aberdeen Paris N■ WSWj 756.31 760 3t91D 751 O 2halbbd. 1 wolkig 6moltig bRegen I wolkig vi« B-- ü 7 11 ? 8 9 Wetterprognose für Dienstag, den i>. Juni 1914. Kühl und zunächst vorwiegend trübe mit leichten Negenjällcn und ziem- lich frischen östlichen Winden: später langsam austlarend. Berliner Wetterburean. Wetteranssichten für das mittlere Norddeutschland bis Mitiwochmittag: Ueberall ziemlich warm; zeitweise aufklarend, jedoch sehr veränderlich, mit häufigen Regcnsällcn; strichweise Gewitter. Todes-Anzeigen SozialdemokratisciiErWalilvereiii 1. 1 2. Berl. Reichstagswahlkreis. Bezirk 92. Am 6. Juni verstarb unser Mitglied, der Burcaugehilsc WilBi Heidtke Kreuzbcrgslraße 72. Ehre seinem Zlndcnkenk Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1V. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe des städtischen FriedhoscS in FriedrichSseldc aus statt. Ilm rcge�Beteiligung bittet >«>rNtan8a! lauien Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene sowie im Versatz ge- we ene Jackett-. Rockanzüge, lUftev, Paletots. Serie 1: 10—18, Serie II: 20—30 Marl, grösstenteils aus Seide. Geiegenbeitsfäuse rn neuer Maz- garderobe, enorm billig, ptiejeiiposteu Kleider. ffosistme, aus Seide, srüher bis löO,' jetzt 20— Zö Mari Extra Angebot in Lombard gewesener Teppiche, Gardinen, Portieren. Betieu. 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