Nr. 155. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando: BierteljahrL 3,30 m, monatl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Stumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. . Vorwärts Berliner Volksblaff. # 1910 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr. beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewertschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudte Wort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erbedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morizplak, Nr. 1983. Das Ende der Dreadnoughts London, 5. Juni.( Eig. Ber.) Mittwoch, den 10. Juni 1914. Die Krise in Frankreich. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984. Organisation änderte, da sie selbst ihre Mobilisation auf fast tägliche Forderungen Frankreichs modifiziert hätte. Der russische Hof wäre überrascht, wenn eine solche Maßregel ohne vorherige Benachrichtigung in Angriff genommen würde, da verschiedene französische Ministerien wegen der russischen Deckungstruppen reflamierten und der Botschafter Louis deshalb Krieg mtt ben offiziellen russischen Kreisen geführt hätte. 11 oiting Das Schreckensurteil. " des Paris, 9. Juni.( Privattelegramm des„ Vorwärts".) Wenn nicht in letzter Stunde ein neues Hindernis entsteht, so ist Ribot Ein heißer Kampf ist unter den Flottenschwärmern Eng- die Bildung eines Ministeriums gelungen. Allerdings ein Lands ausgebrochen. Der Admiral Sir Percy Scott, einer der Ministerium, das gegen den Willen der Radikalen zutüchtigsten und zweifelsohne der verdienstvollste aller englischen stande komm.t Hat doch in letter Stunde sogar Noulens, der auch Sceoffiziere, hat in einem in den„ Times" veröffentlichten in dem neuen Ministerium das Kriegsministerium übernehmen Briefe flipp und flar die Behauptung aufgestellt, daß die ge- in dem neuen Ministerium das Kriegsministerium übernehmen waltigen Eisenkolosse, für deren Herstellung man seit Jahren sollte, seinen Eintritt abgelehnt, da ihm das neue Kabinett zu den Völkern das Blut abzapft, infolge des Fortschrittes weit rechts orientiert ist. An seine Stelle soll Delcassé treten, im Bau von Unterseebooten und Luftfahrzeugen nichts der ursprünglich für die Marine in Aussicht genommen war. Im fünfte Straffammer des Landgerichts III wegen des ungeMit zynischem Behagen belobt die Scharfmacherpresse die mehr sind als altes Eisen und daß die Minister, übrigen wird das Kabinett voraussichtlich folgende Zusammen- heuerlichen gegen die Bemalung des Denkmals die Dreadnoughts bauen lassen, das Geld der Steuer- fezung aufweisen: Kaisers Friedrich ausgeworfenen Strafmaßes. Das zahler zum Fenster hinauswerfen. Die englische FlottenMinisterpräsident und Justizministerium Ribot, Urteil, heißt es in den Zeitungen vom Schlage der liga ist darüber sehr aufgebracht und sie hat alle Ursache da- Auswärtiges Léon Bourgeois, Inneres Peytral, Finanzen Post", der„ Täglichen Rundschau", der Berliner Neuesten zu. Denn Sir Perch Scott ist nicht ein beliebiger Seeoffizier, Clémentel, Kolonien Emile Chaute mp3, Landwirtschaft Nachrichten"" und ähnlichen Organen, werde von allen bon dem man sagen könnte, daß er nur eine Schrulle hat, sondern der Mann, der im Burenkriege den Engländern Dariac, Oeffentliche Arbeiten Jean Dupuy, Handel Ré, national gesinnten" Kreisen mit Befriedigung aufgenom Ladysmith und damit Südafrika rettete und dessen geniale bille, Unterricht Dessoye, Arbeiter- und Sozialfürsorge men werden. In diesem Lob liegt die schärfste Verurteilung des Urteils selbst. Denn in der Hervorhebung, daß die AnErfindungen das Geschützfeuerwesen in der englischen Kriegs- Maunoury. flotte revolutioniert haben. Seine Gegner haben auch mit dem In seiner Programmerklärung will Ribot ausgeflagten wegen ihrer Gesinnung verurteilt find, liegt das Bekenntnis, daß die Richter den obersten Rechtsgrundsatz fatalen Umstand zu rechnen, daß seine Prophezeiungen über sprechen, daß das Dreijahrsgeseh erst vor einem halben verlegt haben, allein nach der Straftat als solcher, nicht aber die Entwickelung des Seemilitarismus sich bis jetzt immer Jahre angenommen sei, daß seine Anwendung kaum begonnen nach der politischen Gesinnung der Angeklagten zu richten. bewahrheitet haben. Es ist ein drastischer Beweis für die habe und daß sich in den Umständen, die zu seiner Annahme ge- Widerlich ist das Gefläffe der freifonservativen Blätter Verrücktheit des modernen Militarismus, daß derselbe Mann, führt hätten, nichts geändert habe, daß daher das Gesetz über die Verehrung, die sie dem Kaiser Friedrich zollten und der die Angriffskraft der Dreadnoughts bis zum höchsten Bunkte gesteigert hat, jest fleinlaut zugeben muß, daß die nicht zur Diskussion gestellt werden könne. In finan- die durch die Tat der Verurteilten verlegt sei. Wer erinnert Dreadnoughts im Kriegsfalle auch nicht mehr den geringsten zieller Hinsicht werde die erste Aufgabe des Kabinetts darin sich nicht der frechen bubenhaften Angriffe gegen den todWert haben. bestehen, das finanzielle Gleichgewicht wieder herzustellen franken Raiser Friedrich, dessen Gemahlin und dessen Mutter und eine lebereinstimmung der beiden Kammern über die Ein in der Zeit furz vor der Thronbesteigung und nach der ThronDreadnoughts sowie alle anderen auf dem Wasser tommensteuer, die in dem Finanzgesetz enthalten sei, herzu besteigung gerade von dieser Seite aus? Die Heze gegen schwimmenden Kriegsschiffe, so schreibt Sir Perch Scott, die Frauenzimmerpolitif" ging damals so weit, daß selbst find dem Untergange geweiht. Weder auf hoher See, stellen. Die Regierung werde nach dem Boden für eine Verſtändi ein konservatives Kreisblatt wegen Majestätsbeleidigung annoch im Hafen fönnen sie sich vor den modernen gung zwischen beiden Kammern über die Wahlreform suchen. geklagt und verurteilt werden mußte. Efelhafte Heuchelei Unterseebooten und deren todbringenden Torpedos schützen. Wenn diese Frage wieder aufgeworfen werde, gedenke die Regie- und schlotternde Angst vor der Sozialdemokratie hat zu der " Die Einführung der Fahrzeuge, die unter dem Wasser rung die Vertrauensfrage nicht zu stellen. Heze gegen den am Denkmal verübten Unfug geführt. Leider schwimmen können", versichert diese hohe Autorität, hat nach Das Organ der Geeinigten Radikalen schreibt über das Mi- mit Erfolg. Mit größerem Erfolg, als eine ähn meiner Ansicht die Nüglichkeit der Schiffe, die auf dem Wasser nifterium: So parador es flingen mag, so fönnen wir sagen, daß liche Seße unter dem Sozialisten gefeß. schwimmen, vollständig zerstört." Er zählt dann die die Versuche Ribots, ein Ministerium zu bilden, uns feines- Der jezige Kaiser hielt bei der Eröffnung des Reichstages am Zwecke auf, die die schwimmenden Kriegsschiffe erfüllen müssen, wegs mißfallen. Seine Politik ist klar und niemand ist 25. Juni 1888 eine Thronrede. In dieser war unter anderem daund weist im einzelnen nach, weshalb sie diese Zwecke unter besser imstande, unserer Partei die Disziplin und dadurch den von die Rede, daß der Kaiser dahin wirken wolle,„ daß die Reichsmodernen Verhältnissen nicht mehr erfüllen können. Unterseegesetzgebung für die arbeitende Bevölkerung auch ferner den Schutz boote und Flieger", fährt er dann fort, haben das Seekriegswesen Sieg zu sichern, denn wir haben die Mehrheit. Jaurès schreibt in der Humanité": Vielleicht erwartet erstrebe, den sie im Anschluß an die Grundsäße der christlichen vollständig revolutioniert; feine Flotte tann sich vor dem Sittenlehre den Schwachen und Bedrängten im Kampfe um das Auge des Fliegers verbergen und das Unterseeboot tann selbst Ribot von seinem kühnen Unternehmen einen gewissermaßen über- Dasein gewähren kann." Dann folgte ein Bassus, der sich für Aufim hellen Tageslicht einen todbringenden Angriff unter- natürlichen Glüdsfall für die Eventualität, daß irgendein Sturm- rechterhaltung des Sozialistengesetzes aussprach. Diese Thronrede nehmen." Selbst in einem gesperrten Hafen sind nach seiner wetter die höchsten Spitzen des Olymp heimsuchen sollte. Es hängt wurde in Berlin öffentlich angeschlagen. In der Nacht vom 9. auf Ansicht die Kriegsfolosse nicht mehr sicher. Sir Percy Scott von Ribot allein ab, ein Ministerium zusammenzubringen. Wenn den 10. Juli wurde darauf der Teil, der auf Aufrechterhaltung des erbietet sich, an der Spitze einer Flottille von Unterseebooten man will, findet man immer zwölf Männer von gutem Sozialistengesezes abzielte, mit roten Streifen beklebt, welche mit jungen, unternehmungsluftigen Offizieren jede Hafen- iIIen", aber Ribot könnte nur durch den Verrat der Radie Inschrift:" Antwort: Hoch die Sozialdemokratie!" sperrung in die Luft zu sprengen und die im Hafen bitalen leben. Ich hoffe im Interesse der radikalen Partei in enthielten. Die national gesinnte Hespresse verlangte Einschreiten befindlichen Kriegsschiffe zu zerstören oder kriegsuntauglich Frankreich sowie Ribots selber, daß dieser Verrat nicht vorkommen wegen Majestätsbeleidigung. In der Tat wurden 24 Personen wegen zu machen. Die Unterseeboote selbst sind nur schwer anzugreifen; denn man kann sie nicht sehen. Es ist das Ge- wird. Die Republik würde dies schwer zu büßen haben. schäft der auf dem Wasser schwimmenden Schiffe, sich die Unterseeboote vom Leibe zu halten. Mit der Vorausseßung, daß sich die Unterseeboote einander nicht bekämpfen können, tommt er schließlich ganz logisch zu der Ansicht, daß die Entwickelung der Technik den Seekrieg überhaupt unmöglich gemacht hat. Von Fachleuten wird ihm erwidert, daß der Torpedo eine Waffe von noch nicht erprobter Wirksamkeit sei und daß die Unterſceboote in ihrer geringen Fahrgeschwindigkeit einen großen Nachteil gegenüber den auf dem Wasser schwimmenden Striegsfahrzeugen besigen. Anklebens der Zettel in Haft genommen. Das heuchlerische GeDagegen begrüßen die Organe der Reaktion das Ministerium schrei über die freche Verhöhnung des Kaisers" führte zu einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung sowie gegen Leschädigung oder mit Jubel als„ nationales Ministerium". Verunstaltung einer Bekanntmachung(§ 134 des Strafgesetzbuches) Der Temp 3" tut, als ob Frankreich von einer kosmopoli- und wegen Verstoßes gegen§ 28 des Sozialistengesetzes, nach welchem tischen Verschwörung befreit sei." Journal des Débats" er die Zettel ohne vorherige Erlaubnis der Polizei nicht verbreitet wartet, daß Ribot die unvermeidliche Steuerreform mit werden durften. Der Staatsanwalt beantragte Gefäng= Weisheit durchführe. Aber alle Hymnen können nicht darüber hinweg- nisstrafen bis zu einem Jahr Gefängnis. Als täuschen, daß das neue Ministerium nichts weniger als einen festen Straffammer fungierte die Ferienstraffammer unter Vorsitz des Halt hat. Wenn die Reaktionäre von dem„ grand ministère", dem Landgerichtsdirektors, sogenannten BIutrichters Mactius. M. großen Ministerium", sprechen, das alle Berühmtheiten vereinigt, hatte sich diesen Beinamen nicht durch Höhe in politischen Proso widerspricht die Berufung und Zusammensetzung allen Prinsessen, sondern durch Höhe der Strafen gegen Gauner, Zuhälter zipien einer parlamentarischen Regierung. Die Wahlen haben und dergleichen von der national gesinnten Presse jo liebevoll beDerlei Enwände mögen stichhaltig sein oder nicht. Die eine Mehrheit der Linksparteien ergeben, aber die neuen Minister schüttes Gesindel erworben. Das Gerichtsprach am 10. SepHauptsache ist, daß einer der tüchtigsten und erfahrensten See- find entweder Gemäßigte oder außerhalb der Geeinigten Partei tember 1888 troballer nationalen" Heze die An. getlagten von der Majestätsbeleidigung frei, offiziere Englands, der im Dienste der Schrecken aller Salon- stehende Radikale. Das Kabinett hat eine ausgesprochene en wenngleich die Tat, wie es in den Urteilsgründen hieß, als eine foldaten war und für das Paradewesen nicht das geringste benz gegen die organisierten 2ints parteien und Ehrfurchtsverlegung, als ein zynischer, wenigjiens ganz unpassender Verständnis besaß, zur Einsicht gekommen ist, daß die Regierung mit dem Bau von Dreadnoughts nur das Geld der Steuer- gegen das Programm von Pau. Die Regierungserklärung steht Att bezeichnet werden müsse". Wegen Vergehens gegen§ 134 und gegen das Sozialistengeset wurden die Genossen Mähler, Dost, zahler verschwendet und daß die technische Entwickelung den See- aber dazu in schroffem Widerspruch frieg unmöglich gemacht hat. Diese Einsicht schreckt ihn jedoch nicht Die Fraktion der Geeinigten Radikalen wiederholte die neu- Fröhner, Engels, Kühner, Polte, Schönbrunn, Wagner, Kußbach, davon ab, die Forderung zu erheben:" Was wir brauchen, liche Tagesordnung, der zufolge die Partei nur ausschließlich ein Päseler, Pollad, Götting, Zachert und Hanebauer zu je zwei Moist eine ungeheure Flotte Unterseeboote, Luftschiffe und Flieger auf die Linke gestütztes Ministerium unterstütze. Die Tagesordnung naten Gefängnis, Gido zu sechs Wochen und Böse zu und ein paar schnelle Kreuzer, vorausgesetzt, daß wir einen fordert dann die Mitglieder zur Einhaltung der Disziplin auf. Der 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Platz finden können, in dem wir sie während der Kriegszeit Deputierte Hesse nannte das Ministerium eine Heraus- untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet und der Mann, der um die Zukunft seines Standes besorgt ist. gleiches beschlossen, so hat die Regierung die geschlossene Raiser Friedrich hatte schon recht, als er in sein Tagebuch in Sicherheit bewahren können." Aus diesen Worten spricht forderung. Da die sozialistischen Republikaner ein die Angeklagten wurden aus der Untersuchungshaft entlassen. Welch enormer Unterschied zwischen damals und heute! Der einfache Mensch wird sich fragen: Wozu brauchen wir diese Opposition der Linken gegen sich. Ob sie überhaupt eine Bemerkung hineinschrieb, die zeigte, wie ihm davor graue, Mordwaffen, wenn der Seekrieg in Zukunft überhaupt unmöglich ist? Und wozu erst die ungeheure" Flotte, wenn sie einer anderen eben kann, hängt ab von der Disziplin der Radikalen. wie wenig Festigkeit gegenüber politischen Anschauungen anfeine Schlacht liefern kann, wenn einige Unterseeboote, die sich Cachin schreibt in der Humanité" über die russische derer die Beamten haben würden, die nach 1870 ihre berufliche jeder Staat leisten kann, genügen, um das schwimmende Gut Allianz. Er zitiert die katholische Revue Correspondant", wonach Erziehung genießen würden. Daß in einem Fall, wie dem eines anderen Landes zu zerstören? Wenn Sir Perch Scott Unterhändler französischer Großbanken dem vorliegenden, derart empörend hohe Strafen ausgeworfen recht hat, dann kann das fleine Belgien dem mächtigen Eng- russischen Finanzminister drei Milliarden anboten für den würden, war selbst zur Zeit des Sozialistengesetzes undenkbar. Yand den Strieg erklären und den englischen Handel vernichten. Ausbau strategischer Linien zur deutschen Grenze. Die durch die Furcht vor der Arbeiterklasse belebte Sebze der Der moderne Seemilitarismus steht hier vor einem Problem, Cachin sagt, jest tommandieren die Großbanten die national gesinnten 3ynifer und Heuchler ist leider auf sehr über das er sich in mehr als einem Sinne den Kopf zerbrechen Republit. Ist es nicht notwendig, daß Frankreich an eine einer fruchtbaren Boden gefallen. wird. Daß der Gedankengang des englischen Admirals, wenn großen friedliebenden Demokratie würdigere Auslandspolitik denke? von der studierenden goldenen Jugend verübt werden, ohne daß es Aus den vielen Fällen ähnlicher Denkmalsverunzierungen, die er logisch fortgesetzt wird, zur Negierung des Militarismus führen muß, ist den englischen Militaristen ganz klar. Denn Paris Midi" berichtet, Baléologue, der französische Bot- einem Staatsanwalt einfiel, derartige Strafen zu beantragen, mie schon erheben sie wütend ihre Stimmen, um die Autorität des schafter in Petersburg, hätte erklärt, die russische Regie in dem jezigen Fall erkannt sind, sei an einen erinnert. In Sir Perch Scott herabzusetzen. rung wäre jehr erstaunt, wenn Frankreich seine militärische Eberswalde, deffen bürgerliche Blätter bei Bekanntwerden Ein Monat der der Tat ebenfalls pairiottsch�s Entsetzen mimten, sind von Hörern der dortigen Forftatademie an dem auf dem Marktplatz aufgestellten historischen Löwen oft Verunzierungen vorgenommen, die' noch heute zu sehen sind. Ende der neunziger Jahre bemalten Studierende der Forstakademie wiederholt einen Teil des Löwen mit roter Farbe. Als die Farbe entfernt war, bemalten sie immer wieder andere Teile des Lölvcn mit roter Farbe. Schließlich verliehen sie dem ganzen Löwen ein blendend rotes Gewand. Die Spuren der Tat sind noch heute am Löwen zu erkennen. Anklage wurde erhoben. Die Studenten kamen mit geringen Geld st rasen davon. Mancher der damals so tatenlustigen Jünglinge gehört vielleicht zu denen, die jetzt in der Heuchelei eines Entsetzens über die völlig b e- s e i t i g t e Aufschrift am Kaiser-Friedrich-Denkmal lebhaft mittun. Die ohne Vergleich dastehende ungeheuerlich hohe Strafe des Tendenzurteils ist ein Zeichen für die immer größer werdende Zuspitzung der Klassengegensätze. Sie hat das eine gute, daß sie die Empörung über die heutigen Zustände auch bei Hunderttausenden wachrufen wird, die noch heute der So- zialdemokratie leider fernstehen. der Proteststreik in Italien. Rom, 9. Juni.(Privattelegramm des„Vor w.") Um Mitternacht proklamierte der Parteivorstand den General st reik im ganzen Lande. Er erstreckt sich, so- weit sich bis jetzt übersehen läßt, außer über Ancona und Rom auch über Bologna, Neapel. Mailand, Florenz, Turin und eine große Zahl anderer Städte. In Ancona ist die Lage e r n st, sogar Mangel an Lebensmitteln macht sich fühlbar, da die Zufuhr aus der Umgebung abgeschnitten ist. Mehrfach kam es auch zu Konflikten der Truppen mit den Strei- kenden. Ein am Sonntag verwundeter Arbeiter ist ge- st o r b e n. In Rom verbot die Regierung jede Demonstration: daraufhin lehnten die Parteileitung und die Arbeiterkammer jede Verantwortung ab. so daß die Protestbewegung sich selbst uberlassen bleibt. Ter Streik ist hier vollkommen. Es herrscht Brotmangel. Alle Läden sind geschlossen. Die ganze Stadt ist von Truppen überschwemmt. In Bologna kommen Nach- richten über Unruhen, sonst verläuft die Streikbewegung überall ruhig und würdevoll. Unruhen in Florenz. Rom, g. Juni. In Florenz ist es im Anschluß an Protest- Versammlungen der ausständigen Eisenbahnarbeiter zu Zusammen- stößen gekommen. Als die Polizei einen Trupp Manifestanten zerstreuen wollte, wurde sie von der Menge mit Ziegel- und Pflastersteinen beworfen. Die Beamten gaben darauf mehrere Revolverschüsse ab. Ein Polizeileutnant wurde schwer ver- letzt, mehrere Beamte erlitten Verletzungen. Von den Demon- stranten wurde ein junger Mann namens Poggiolini g e- tötet, zwei andere wurden leicht verletzt. Eine neu hinzu. kommende Abteilung Polizeibeamter zerstreute schließlich die Menge. In der Nähe des Bahnhofes von Fabriano wurde ein Eisen- b a h n z u g durch Aufreißen der Schienen zum Halten ge- bracht. In den Städten, in denen der Streit proklamiert worden ist. erscheinen keine Zeitungen, auch das Syndikat der Eisen- bahnarbeiter von Ancona hat den Streik beschlossen und fich dem für die Dauer des AusstandcS gebildeten Allgemeinen Arbeiterausschussc angeschlossen. Dieser Entschluß schürt die all- gemeine Unzufriedenheit unter den Bahnarbei- t e r n, doch wickelt sich der Zugverkehr auch heute ordnungsgemäß ab. Verkehrsstörungen. Fabrino, g. Juni. Hier ist der Generalstreik erklärt worden. Der Expreßzug von Ancona nach Rom fand kurz nach der Abfahrt von hier die Linie durch Steine und Balken gesperrt. Zahlreiche Personen standen auf den Schienen. Der Zug wurde gezwungen, in den Bahnhof zurückzukehren. Auch von den folgenden Zügen ist hier keiner eingetroffen. Eine große Wenge von Ausständigen befindet sich in der Nähe des Bahnhofes. Die Telegraphenleitung längs der Eisenbahn ist an ver- schiedenen Orten durchschnitten. Kriegsschiffe gegen die Streikenden. Ancona, S. Juni. Heute nachmittag ist nur der Expreßzug L Uhr 25 Minuten nach Bologna abgegangen. Tie Züge auf der Linie nach Rom gehen bis Fabriano, die auf der Linie nach Bologna bis Falconara. Die Kriegsschiffe Pisa, San Giorgia und Agordat werde» hier erwartet. Demonstrationen in Turin. Turin, 9. Juni. Hier fand heute eine Versammlung von mehreren Tausendxn Personen statt, in der Protestreden ge- halten wurden. Nach Schluß der Versammlung durchzogen die Teilnehmer die Hauptstraßen und begaben sich darauf zur Arbeiter- kammer. Auf der Höhe der Genovastraße spannten die Aus- ständigen zwei ihnen begegnenden Lastwagen mit Tabak die Pferde ab und bemächtigten sich kleiner Zigarettenkisten, mit denen sie die Fenster der Häuser und eines benachbarten EafeS einwarfen; darauf verbrannten sie die kleinen Kisten. Schließlich wurde die Menge durch Kavallerie zerstreut. Die Kammerdcbatte. Rom, 9. Juni.(Kammer.) Ministerpräsident Salandra er- klärte in seiner Antwort auf die Interpellationen über die Zwischen- fälle in Ancona, daß er erfahren habe, die Arbeiterkammern ver- schiedener Städte hätten beabsichtigt, auf Anregung der Arbeiter- kaxnmcr in Ancona am 7% Juni, dem Nationalfeiertag, a n t i- militaristische Kundgebungen zu veranstalten. Daher habe er die Präfekten angewiesen, diese zu verbieten. Er übernehme dievolleVerantwortungfür diese Anweisungen. (Lebhafter Beifall, Lärm auf der äußersten Linken.) Das Ver- bot dieser Kundgebungen sei in der Tat im gesamten Königreich ohne Zwischenfälle durchgeführt worden, außer in Ancona. Ter Ministcrpräfident gab dann einen Bericht der Ereignisse, wie sie am 7. Juni sich nach den bekannten Nachrichten zugetragen haben. Er hob hervor, daß die Carabinieri und der Polizei- beamte, die dabei Schüsse abgegeben hatten, sich in Haft be- fänden und zur Verfügung der gerichtlichen Bc- Hörden ständen. Ein nach Ancona gesandter Generalinspektor habe festgestellt, daß die Carabinieri geradezu einem Steinhagel ausgesetzt gewesen seien und angefangen hatten, zu schießen, nachdem mehrere von ihnen durch Steinwürfe verwundet worden waren. Der Ministerpräsident wies auf die Ausschreitungen hin, die sich gestern und heute in Ancona zugetragen hätten, sowie auf die gestrigen Kundgebungen in Rom und wiederholte zum Schluß, daß er die volle Verantwortung übernehme. Hierauf kritisierten zahlreiche sozialistische und r a d i- kal« Abgeordnete, daß der Ministerpräsident die Kund- gebungen für die Opfer deS 7. Juni verboten habe. das Nachspiel einer Streik- Metzelei. Mülhausen i. E., 9. Juni.(Eig. Ber.) In wenigen Wochen ist ein Jahr vorüber, daß Mülhausen i. E. bzw. die Vorortgemeinde Dornach der Schauplatz ernsthafter Zusammenstöße zwischen Bevölkerung und Polizei gewesen, infolge des am Bau des Nordbahnhofes bei der ausführenden Firma Julius Berger in Berlin ausgebrochenen Streikes der Erdarbeiter, denen der ortsübliche Lohn vorenthalten war. Die damaligen polizeilichen Anordnungen haben den Widersprucb der Arbeiterschaft wie der Bevölkerung hervorgerufen und die Folge waren allabendliche große Volksansammlungen, bei denen durch Schüsse der Polizei oder Gendarmerie zwei Menschenleben vernichtet wurden. Tie„M ülhauser Volkszeit un g", das Organ der organisierten Arbeiterschaft hatte an den behördlichen und Polizei- lichen Maßnahmen scharfe Kritik geübt. Die Folge dieser Kritik war eine Anklage gegen den verant- wortlichen Redakteur Franz Gailer wegen Vergehens gegen die §8 186, 2s)0 und 74 St.-G.-B. Die Anklage wurde von dem der- maligen Vorsteher des Polizeiwesens der Stadt Mülhausen, Kreis- direktor v. Rzewuski erhoben. Die Untersuchung in diesem Falle war eine recht langwierige und gestaltete den Prozeß zu einem Monstrcprozeß, der die Straf- kammer voraussichtlich vier bis fünf Tage in Anspruch nehmen wird. Es sind von der Staatsanwaltschaft 92 und vom Angeklagten 47 Zeugen geladen. Ten Vorsitz der Verhandlung siihrt Land- gerichtspräsident P f a r r i u s, die Anklage vertritt Staatsanwalt D a p p e r, während Dr. Lünneburger aus Straßburg die Verteidigung des Angeklagten übernommen hat. Nach der Anklageschrift, die 26 Folioseiten Maschinenschrift um- faßt, ist der Angeklagte beschuldigt, durch mehrere selbständige Handlungen in bczug auf den Polizeipräsidenten von Rzewuski in Mülhausen und die ihm während des Streiks am Nordbahnhof zu genannter Zeit unterstellt gewesenen Polizeibeamtcn und Gen- darmen„nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet bzw. verbreitet zu haben". Die Anklage schildert den Tatbestand der Ereignisse wie folgt: Im Juni und Juli 1913 führte die Tiefbau-Aktiengesellschaft F i r m a I. B e r g e r i n B e r l i n für die Verwaltung der Reichs- eisenbahncn Erdarbeiten zur Erweiterung der Geleiseanlagen des hiesigen Nordbahnhofes aus. Sie beschäftigte bis zum 9. Juni 129 Arbeiter, davon 77 Mülhauser und 43 Polen. Am 9. Juni stellten die hiesigen Arbeiter die Arbeit ein, als sich bei der Lohnzahlung herausstellte, daß die Firma Berger nicht den hiesigen tarifmäßigen Stundenlohn von 36 Pf. zahlte, sondern nur 49 bis 38 Pf. Die Streikenden verlangten die Anerkennung des hiesigen lokalen Lobn- tarifs,� während die Firma Berger sich zwar zu einer Lohn- erhöhung auf 43 Pf. bereit erklärte, aber weitere Konzessionen ver- weigerte, da sie nicht dem deutschen Arbcitgcbcrvcrbande für das Baugewerbe angehöre, der den zentralen Tarifvertrag abgeschlossen hatte. Ten lokalen Tarif aber habe die Firma überhaupt nicbt gekannt und daher ihr Angebot nicht entsprechend höher kalkuliert. Der Streikleitung war es gelungen, die Hälfte der Polen zum Anschlüsse an den Ausstand zu bewegen und sie nach dem Innern Deutschlands abzuschieben. Gegen die verbliebenen Arbeiter seien alsbald Bedrohungen und Gewaltakte verübt worden, so daß die Arbeitsstelle unter polizeilichen Schutz gestellt wurde. Das Kom- mando über die zur Bewachung der bestreikten Arbeitsstelle be- fohlenen Polizisten und Gendarmen wurde dem Polizeikommissar Groppengießer übertragen. Aber trotzdem seien Angriffe und Be- lästigungen gegenüber Arbeitswilligen vorgekommen und am 16./17. sowie am 22.123. Juni seien Krawalle gegen Arbeitswillige und Sabotage an den Maschinen der bestreikten Firma vorgekommen. Die Situation verschärfte sich, als die Firma Berger innerhalb der Arbeitsstelle Baracken zur Aufnahme der Arbeitswilligen er- richten ließ, weshalb sowohl vom Krei§direktor. wie von den Bürger- mcisterämtern von Pfastatt und Dörnach gleichlautende Polizei- Verordnungen erlassen wurden, wonach Ansammlungen im Gebiete des Nordbahnhofes verboten wurden. Tie Baufirma hat ebenfalls ein Verbot gegen das Betreten deS Baugeländes erlassen. Am 29. Juni kam ein Trupp arbeitswilliger Italiener, die aber die Arbeit nicht aufnahmen, sondern auf Kosten des Bauarbeiter- Verbandes heimbefördert wurden. Wegen der wiederholten Massenansammlungen sind die Polizeimannschaften abermals verstärkt worden. Die zum Schutz der Arbeitswilligen getroftenen polizeilichen Maßnahmen sind seit dem 23. Juni täglich von der„Polkszeitung" angegriffen worden. In Nr. 151 vom 2. Juli brachte die..Volkszcitung" einen Artikel, in welchem von skandalösen polizeilichen Maßnahmen zugunsten der Firma Bcrgcr-Bcrlin gesprochen wird; am 4. Juli wird der gleiche Vorwurf erhoben, als das Verhalten der Polizei an der Streik- stelle kritisiert wird. Am 3. Juli wurde mit Bezug auf die Unter- kunftsbarackcn der Arbeitswilligen der Kreisdirektion vorgeworfen, daß sie ungesetzliche und gesundheitswidrige Maßnahmen dulde. Am 4. Juli kam es zur ersten bcdroblichen Ansammlung nach Ansicht der Polizei, welche deren Einschreiten rechtfertigte; die Menge wurde mit der blanken Waffe zersprengt. Das Vorgehen der Polizei sei von der„Volkszcitung" ganz bc- sonders scharf kritisiert worden in dem Artikel mit der Ucberschrift „Der Triumph des Polizeisäbcls" und der Behauptung, die Polizei sei gegen'wehrlose Männer, Frauen und Kinder vorgegangen. Die Ereignisse dieses Abends werden in einem längeren Artikel ge- schildert und der Tatbestand etwas anders dargestellt, als man ihn im Polizeirapportc zu lesen bckani. Am 3. Juli sind die Polizei- und Gcndarmericaufgebote aber- mals verstärkt wegen der Vorgänge des vorausgegangenen Abends und auch an diesem Tage wiederholten sich die Ansammlungen. Ein Arbeiterzug sei zum Entgleisen gebracht, auf die Schutzmannschaft sei geschossen und die Beamten der Firma Berger seien ernstlich bedroht worden. Die Ereignisse wurden in der„Volkszcitung" unter der Ueberschrist„Blind für Vernunft und soziales Recht" wiederum kritisiert mit dem Hinweis, daß die verkehrten Maß- nahmen des Polizeipräsidenten die Erregung der gesamten Be- völkerung verursacht hätten. Nachdem am Sonntag Ruhe geherrscht hat, kam es dann am Montag zu den gefährlichsten Auftritten während der ganzen Dauer des Streikes. Nach vielen Tausenden zählte die Menschenmenge, die sich hier zusammengefunden hatte, und zwar in der Hauptsache aus Neugierde, ohne irgendwelche agßrcssive Absicht gegenüber der Polizei. Aber plötzlich ertönten Schüsse, Steine und Flaschen seien gegen die Polizei geworfen worden, und diese machte von der Schußwaffe Gebrauch. Die Arbeiter Bohler und Gutknecht, die sich auch in der Menge befanden, wurden durch Karabinrrschüffc getötet, was die Empörung der Bevölkerung noch mehr steigerte und noch am gleichen Abend marschierte Militär ins Streikgebiet. Die Vorgänge des Abends vom 7. Juli wurden von der „Volkszeitung" in einem Artikel unter der Ueberschrist„Zwei Opfer wahnsinniger Polizeigewalt" in scharfer Weise besprochen. Beleidigenden Inhaltes für den Polizeipräsidenten und die ihm unterstellten Polizeibeamten sind nach der Anklageschrift ferner noch die Artikel mit den Ueberschriften:„Nichtswürdige Komödianten", „Opfer der Notwehr oder gewissenloser Polizeibruialität?" Tie Anklageschrift schließt mit den Worten: Die sämtlichen erwähnten Artikel enthalten schwere Beleidigungen des Polizei- Präsidenten von Rzewuski in Mülhausen, dem vorgeworfen wird, daß er seine Polizeiorgane einseitig in den Dienst der Interessen der Firma I. Berger gestellt habe, daß er hierbei so weit ge- gangen sei, die Belegung gesundheitswidriger Baracken durch die zenannte Firma wissentlich zu dulden und ein� gesetzliches Ein- chreiten seiner Polizeiorgone gegen die ibrc wirtschaftlichen Jntcr- essen in zulässiger Weife verfolgenden Arbeiter und deren An- gehörige zuzulassen bzw. anzuordnen. Gegen die Polizeibeamten und.Gendarmen wird der Vorwurf gesetzwidrigen Einschreitens, der Mißhandlung und des unzulässigen WafsengebrauefiS erhoben, unter Anführung einer Anzahl krasser Einzelfälle. Einzelnen von ihnen wird Betrunkenheit vorgeworfen und in einem Falle die Veranstaltung eines Streiches, wobei Schutzleute in Zivil den agent provocateur gespielt hätten. Ueber den Verlauf der auf mehrere Tage berechneten Vor» Handlung werden wir berichten. politische Ueberflcht. Aus dem Abgeordnetenhause. Nach einer Pfingstpause von zwei Wochen nahm das Dreiklassen« Parlament am Dienstag seine Arbeiten wieder auf. Auf der Tages- ordnung stand zunächst die zweite und dritte Beratung des Gesetz- entwurss über die weitere Beschästigung von Hilfsrichtern beim Oberverwaltungsgericht. Die Regierungsvorlage will diese Be- schästigung noch bis zum 1. April 1917 andauern lassen, während ein Kommiftionsantrag vorschlägt, mit diesem Hilfsrichterwesen schon bis zum 1. April 1916 aufzuräumen. Die Konservativen beantragten Wiederherstellung der Regierungsvorlage in ihrer ursprünglichen Fassung. Von unserer Seite sprach Genosse Liebknecht. der darlegte, daß die Ueberlastung der festangestellten Richter, die die Regierung und die Konservativen für ihre Vorschläge ins Feld führten, gewiß ein sehr großer Uebelstand sei— die Heran- ziehung von Hilfsrichtern bedeute demgegenüber aber ohne Zweifel ein noch weit größeres Uebel. Schließlich wurden nach längerer Debatte denn auch die konser- bativen Verschlechterungsanträge abgelehnt und die Kommfffions« fasiung wurde angenommen. Den Rest der Verhandlungen füllte die erste Beratung deS Ent« wurfs eines Ausführungsgesetzes zu dem Reichsgesetz über Aende- rungen im Finanzwesen vom 3. Juli des vorigen JahreS: es handelt sich um das bekannte Gesetz, durch das das Reich im Interesse der Gemeinden auf die erst zwei Jahre vorher beschlossene Werkzuwachs- steuer verzichtete. In der Debatte ritt der freikonservative Ab- geordnete Dr. B r e d t eine heftige Attacke gegen die Bodenreformer und ihren Führer Adolf Damaschke. Er erklärte, das Ergebnis der zweijährigen Erhebung der Reichswertzuwachssteuer bedeute n üch t S anderes als einen„großen Trümmerhaufen" der bodenreformaäs chen Hoffnungen. Im Interesse des Besitzes verlangte der ftei- konservative Redner, daß den Gemeinden ein für alle Male „eine feste Grenze nach oben" bei Erhebung dieser Steuer gezogen werden solle. Den Standpunkt unserer Partei vertrat in wirkungsvoller Rede Genosse Liebknecht. Mit Recht zog er auS dem Gange der ganzen Debatte den Schluß, daß das wenige Gute, das in dem preußischen Steuersystem etwa zu finden sein möge, niemals geschaffen worden wäre, wenn die heutige Mehrheit darüber zu beschließen gehabt hätte. Besonders aus den Reden der konservativen Wortführer schlußfolgerte Genosse Liebknecht. daß die antikapitalistische Grundstimmung. die noch Anfang der neunziger Jahre, die noch zu Zeiten deS Herrn Stöcker, bei der Rechten lebendig war, heute völlig verflogen sei.— Schließlich wurde die Vorlage der Kommission für das Kommunalabgabengesetz über- wiesen.__ Viermalhunderttausend Mark für den Adelstitel- Reichstagsabgeordneter Erzberger schreibt der.Märkische» Volkszeitung": .Vor mir die Abschrift eines Briefes, datiert vom 3. Juni 1914 und gerichtet an eine mir bekannte hochachtbare Persönlichkeit. Der Brief hat folgenden Wortlaut: .Ich gestatte mir mit Gegenwärtigem. Ihnen die ergebene Mitteilung zu machen, daß der erbliche Adel, verbunden mit höheren preußischen Orden, für Stiftung eines Denk- mals Kaiser Wilhelms I. in Detmold zu haben ist für einen Preis von zirka 4 9 6 Mille. Für den Fall, daß Sie sich hierfür interessieren würden, würde ich Ihnen weitere Details gern kommen lassen. Ich bemerke noch, daß dieses ein direkter s e r i ö s e r A u f t r a g ist, welcher naturgemäß streng diskret be- handelt werden muß. und auch auf streng diskrete Weife direkt durchgeführt wird. Ich sehe daher Ihren angenehmen Nachrichten gern entgegen, ob die Angelegenheit Interesse für Sie hat und zeichne hochachtungsvoll." Das Original des Briefes ist bereits dem zuständigen Staats- anwalt unterbreitet worden. Es ist zu erwarten, daß nunmehr gegen alle solche Titel- und Ordensschacherer rücksichtslos vor- gegangen wird, auch wenn der Auftrag ein.direkter" ist. Die weitere Untersuchung wird feststellen, wer diesen direkten Austrag erteilt hat. Nach meinen Informationen ist es ganz ausgeschloffen, daß der Austrag aus Berlin kommt. In den Residenzen einiger kleiner Fürstenhöfe scheinen sich aber Zentralen für Ordens- s ch a ch e r e r gebildet zu haben." Die beleidigten Beamten. Der Reichsverbandsgcneral v. Liebert hat das Pech gehabt, die deutschen Beamtenvereine gegen sich aufgebracht zu haben. Er schrieb bekanntlich am 23. Mai d. I. im.Tag", das sozial- demokratische Gift verbreite sich immer weiter durch die Adern unseres Volkskfjrpers, es habe schon das mittlere und untere Beamtentum erfaßt und hier hätten auch schon die Ideen deS Syndikalismus Platz gegriffen. Diese Charakterisierung der Beamten wurde vorigen Sonnabend auf der Tagung deS Verbandes deutscher Beamtenvereine in Hamburg mit Entrüstung zur Sprache gebracht. Der Vorsitzende, Ministerialrat Just, versicherte, man werde dem Generalleutnant v. Liebert be- deuten, daß solche Aeußcrungen als Beleidigungen deS B e- amtenstandes aufzufassen seien. Da ein Strafantrag gegen Herrn v. Liebert aber nicht be- schloffen wurde, scheint mit dieser Erklärung die vor Entrüstung bebende deutsche Bcamtenseele ihr Gleichgewicht wiedergefunden zu haben. Es wird wohl bei den meisten mittleren und unteren Beamten mit der Entrüstung auch nicht so weit her gewesen sein. Wäre ihnen nicht das Recht der' freien Meinungsäußerung genommen, würden viele von ihnen gegen diese Behauptung des Reichsverbands- generols gewiß nichts einzuwenden haben, so wenig sie sonst mit ihm zu tun haben wollen, eben weil sie in der Sozialdemokratie die zuverlässigste Vertreterin ihrer Interessen erblicken. Ter Geistliche Rat auf dem Index. Nach langem Ueberlegen nimmt jetzt die.Germania" das Wort zu der kirchlich-amtlichen Verrufserklärung gegen die Schrift des badischen Zentrumsführers Wacker. Zunächst klammert sich das Zentrumsblatt daran, daß nicht die ganze Broschüre, die den Titel trägt„Gegen die Ouerireiber" und die außer dem Aufsatz Wackers auch die Erklärung des ReichSausschusseS der Zentrumspartei vom 8. Februar 1914 und eine Rede des Reichs- und Landtags» abgeordneten Marx über den politischen Charakter de» Zentrums enthält, aus den Index gesetzt worden sei. Denn der Vermerk in der amtlichen Veröffenilitung der Jndex-Kongregation besagt aus« drücklich, daß nur der Waikersche Aussatz„Zentrum und kirchliche Autorität" verboten werde. Für die allgemeine Beurteilung der Stellung der Römischen Kurie zu der Antiquertreiberbewegung ist i5ne Bedeutung, denn Wacker hat seine Schrift eben gegen Quertreiber gerichtet und seine Argumente gegen schliche Autorität im Sinne der Kölner Richtung ausgespielt. u diese Tatsache helfen alle jesuitischen Verdrehungen der.Ger- � nichts. Sie übrigens aus Rom gemeldet wird, soll auch die Unterwerfung nicht vermögen, seine Schrift vom Index zu bringen. Es «c übliche Vermerk, daß die Schrift so lange auf dem Index l bis fix abgeändert sei._ Tie Vertuschungskommissto«. sogenannte Rüstungskominission nahm am Montag im lbiagsgebäude ihre Verhandlungen wieder auf und schloß sie " gestern wieder. Sie kam nach mehrstündigen Debatten zu lrlei bestimmte Entscheidungen. Tie Erörterungen trugen den �ter einer Generaldiiskussion, in der Fragen der Fabrikation. �uftragcrteilung und der Ablieferung von den verschiedensten Mspunkten aus beleuchtet wurden. Tie Verhandlungen, die als ilg vertraulich" gelten, werden Anfang November wieder auf- »nmen werden. 3« Landtagswahlkreisc Fürth, wo durch den Tod des Genossen « p f e r eines der beiden LandtagSmandat« frei geworden ist, �.ilon_ der sozialdemokratischen Partei der Genosse E n d r e s, °lielretär und 2. Vorsitzender des Gemeindekollegiums in Fürth, Kandidat aufgestellt. Seine Wahl ist sicher, da noch das Block- �Nteu von 1912 in Kraft ist und Fürth zu den Wahlkreisen ' bw der Sozialdemokratie überlassen sind. Die Zentrums- glaubte zwar zur Sammlung aller bürgerlichen Elemente ..Ju müssen und warf den Liberalen einen Köder hin, um den ��wokraten das Mandat zu entreißen, aber die liberalen Par- d�n keinen Kandidaten aufstellen, sondern ihre Wähler auf- lür den Sozialdemokraten zu stiinmen. I Zum japanischen Marineskanöal. Von Sen Katahama-Tokio. i-er Wechsel des Ministeriums gab den Gerichten und dem Marineminister freie Hand. Eine Anzahl Admirale wurde sien. Admiral Fachira begann damit, drei der belasteten Marine- lire ihres Postens zu entkleiden, den Grafen Uamamoto, den Ken Premier und Admiral, Saito, den früheren Marineminister, den Marinesekretär Takarabc. Diese gelten als die Hauptführer Korruption. Fujii und Matsumoto und andere stehen t»et dem Kriegsgericht. Ihre Aussagen vor dem Richter werden >n der Tagespreise von Tokio frei besprochen. Danach hat der '»Kol Matsumoto nicht weniger denn 899 009 M. von der Firma .dets durch den Agenten Mutsui erhalten. Ucbrigens sind jetzt � die drei Direktoren der Firma MutsuiS Busann verhaftet und ihnen wegen Bestechung und Urkundenfälschung der Prozeß ."cht werden. Fusii empfing von Siemens u. Schuckert. Darrabs u. Co. insgesamt die Summe von 1 299 999 M. .i war der Chef der Marinewerften, wo über 39999 Mann be- '»'St find. .-i-et Skandal, der mit Siemens u. Schuckert begann, dehnte sich aus auf V ickers und deren Agenten Muti'ui usw. Im höchsten .°e wichtig sind die Erklärungen, die Herr Herrmann, .Direktor von Siemens u. Schuckert, vor dem Gerichts- w Tokio abgegeben bat. Er sagte, er habe die geheimen winente auf dem deutschen Konsulat m Yokohama in Gegen- " des deutschen Konsuls angekauft und dafür 199 999 M. an . Engländer Andreas Pulley gezahlt. Die Dokumente habe li»0" vernichtet. Herrmann erklärte weiter, daß er direkt b?n �1� ket deutschen Regierung so gehandelt habe. Eben« /rw Herr Pulley im Einverständnis mit der englischen Konsulats- "»rde in Dokohama gehandelt haben. Er sandte die Dokument«, � von Herrn Richter für 1599 Mark angekauft hatte, an Reuters 'eau in Shanghai. In diesem Moment habe sich Herr Herrmann Das Geschäft eingemischt, habe die Dokumente zurückgefordert und �e mit Pulley nach Shanghai reisen. Ter britische Konsul, so jp Herr Pulley, habe ihm jedoch den Rat gegeben, nicht nach "Wlhai zu gehen, er könne auf der Reise ermordet werden. Des« !ehnte Pulley ab und erledigte das Geschäft in Dokohama. So Ij�'1 also fcicie Herren nach ihrem eigenen Geständnis beide mit und Willen der Konsulate ihrer Länder gehandelt. on das glänzende Geschäft, da» Herr Pulley machte, habe sich eine Anzahl anderer„Hyänen des Schlachtfeldes" geteilt. p Richter halte nur 1S99 M. erhalten, Pulley nahm dafür .999 spj. ein. Nach seinen Aussagen vor Gericht haben " verschiedene Angestellte von ReuterS Bureau ebenfall» "'ehrere tausend Mark erhalten. Die japanische Re- �"ng wünschte nun, die Dokumente oder wenigstens -P'cn davon von der deutschen Regierung zu erhalten. ,?.!et ist bekanntlich von einem deutschen Gerichtshof wegen Er- itik® verurteilt worden, hier müßten auch die Beweisstücke vor- pen fein. Im japanischen Parlament wurde jedoch mitgeteilt, � die deutsche Regierung die Herausgabe dieser °kumente strikte abgelehnt habe. DaS kam jedenfalls � lapanischen Bureaukratie sehr zustatten. Wahrscheinlich hätte die Ausgabe der Geheimschriften noch mehr Personen mit in die pechuugSaffäre hineingezogen. Man möchte möglichst Ruhe haben. '' Marine braucht Geld für drei neue Kriegsschiffe und so möchte l0" die Affäre sobald al-S möglich beenden. Di« Regierung möchte 1, der kommenden außerordentlichen Seifion des Parlaments 'einigt dastehen. Gerüchtweise verlautet, daß noch viele °ere hochstehende Persönlichkeiten an den schmutzigen Geschäften 'esligt sind. So sollen u. a. auch der Präsident der Schiffsbau- pften, Kawasoki, und auch der Minister des Kaiserlichen HauseS, Ktanabe, der Bestechung sich schuldig gemacht haben. Diese werden .et nicht gerichtlich verfolgt, sie haben nur ihre Aemter nieder- pn müssen. Das alles zeigt, wie weite Kreise die Korruption er- « hat. Der mexikanische Konflikt. Hucrtas Rücktrittöabsicht. New Bork, 9. Juni. Nach einer Depesche aus Veracruz infolge der Aufhcbmig der Blockade in Tampico von ,eucm das Gerücht, daß H u e r t a in allernächster Zeit, viel- schon am Mittwochabend abdanken werde. In der Muptstadt wird sogar erklärt, seine Abdankungser- g,? r n n g sei bereits vorbereitet und in der englischen Jplandtschast niedergelegt. Es wird ein Flugblatt verbreitet. die Bevölkerung auffordert, Httcrta an der Flucht zu Indern, und seine Verbrechen aufzählt mit der Erklärung. der Gerechtigkeit nur durch seine Hinrichtung Ge- isse geschehen könne. Ter japanische Gesandte vermißt. � London, 9. Juni. Ter„Daily Telegraph" meldet aus Mexiko„am 8. Juni, daß der japanische Gesandte und K'n Attache vermißt werden. Sie hatten sich nach Manza- p�la zum Besuche des japanischen Kreuzers Jdzumo begeben und Kltden auf dem Rückwege in der Nachbarschaft von Sayula die Eisenbahnverbindung zerstört. Seit dem 1. Juni fehlt jede Nach- ''cht von ihnen. Die Bevölkerung von Sayula hat sich gegen die Regierung erhoben und ist zu den Rebellen übergegangen. Die Regierung hat von Guadalajara Truppen ausgeschickt und sie durch �iv« fliegende Kolonne aus der Hauptstadt verstärkt, da man be- pachtet, daß die beiden Diplomaten in die H ä n de d e r A u f» v ä y d j j ch e n gefallen find, � � Die amerikanischen Forderungen. New Kork, 9. Juni. Wie aus Niagara-Fall gemeldet wird, soll Mexiko von den Vereinigten Staaten nicht aufgefordert werden, eine Kriegsentschädigung zu zahlen. Die Regie- rung HuertaS bat durch die amerikanischen Vertreter erfahren, daß die Regierung Wilsons damit zufrieden sein würde, in Mexiko eine ständige Regierung eingerichtet zu haben, welche Huerta in der Herrschast folgen soll. Die Virren in Mbanien. Das Borgehen gegen die Aufständischen. Turazzo, 9. Juni. In der Stadt herrscht Ruhe. Tie Lage ist unverändert. In den letzten Tagen haben die Auf- ständischen wiederholt ven'ucht. mit der Kontrollkom- Mission wieder Verhandlungen anzuknüpfen. Aus E p i r u s wurden die dort nicht mehr erforderlichen T r u p- Pen, insgesamt 2500 Mann, nach Elbassan beordert, wo sie übermorgen eintreffen werden. Wie verlautet, steht Ahmed b e M a t i mit Truppen an der Grenze der Malissia zur Ver- fügung des Fürsten, um auf dessen Befehl gegen Tirana vor- zudringen. Um die Bewegung der Aufständischen so rasch wie möglich zu unterdrücken, wird ein gleichzeitiges Vor- gehen von drei Seiten, von Alessio, Durazzo und Valona geplant. Der Vormarsch der Truppen dürfte noch in dieser Woche erfolgen._ Dänemark. Anaahme der Bersaffungsänderung durch die Zweite Kammer. Kopenhagen, 9. Juni. Das Folkething beriet heute über die die Verfassungsänderung betreffende Vor- läge. Der Bericht der Mehrheit(Linke, Radikale, Sozialisten) des vom Folkething und Landsthing gemeinsam eingesetzten Ausschusses wurde in namentlicher Abstimmung mit 103 Stim- men der Linken, der Radikalen und der Sozialisten gegen 7 Stimmen der Rechten angenommen. Darauf wurde die Vorlage selbst mit 102 gegen 6 Stimmen angenommen. Auflösung der Ersten Kammer. Kepenhagen, 9. Juni. Auch daS Landsthing beriet heute die die Verfassungsänderung betreffende Vorlag«. Die Mitglieder der konservativen Gruppen blieben der Beratung fern. Ministerpräsident Zahle erklärte, es sei Pflicht der Regierung, nach der Abstimmung, wobei die Hälfte der Mitglieder trotz ihrer Pflichten als Abgeordnete abwesend gewesen wären, den König zu ersuchen, das Landsthing aufzulösen, damit ein Lands- thing geschaffen werden könne, das als solches gemäß der Ver- fassung fungieren werde. Bei der Abstimmung stimmten 33 Mit- glieder der gesamten Linken für den Bericht des gemeinsamen Ausschusses: 32 Mitglieder blieben der Abstimmung fern. Der Präsident des Landsthings erklärte, es fei keine genügende Anzahl von Stimmen abgegeben worden, um einen endgültigen Entschluß zu fasien; die nächste Sitzung werde später anberaumt werden. Der Ministerpräsident wird heute nachmittag dem König« Vortrag halten. Sodann findet ein Ministerrat statt. Griechenlanü. Maffenfiucht von Grieche» ans Kleiuasie». Athen, 9. Juni. Alle Zeitungen Athens geben dem Ge- fühl lebhaften Unwillens im Lande Ausdruck wegen der Verschärfung der L e r f o l g u n g der G r i e ch e n in Thrazien und Kleinasien und fordern die Regierung auf, wirksame und endgültige Maß- nahmen gegen die geplante Ausrottung des griechischen Elements in jenen Gegenden zu treffen. Die neu ankommenden Taufende von Flüchtlingen bildeten eine fchwete Wirt- fchastliche Gefahr für Griechenland. Die Maßnohmen der türkischen Regierung. Konstantinopel, 9. Juni. Eine offizielle Bekanntmachung stellt fest, daß die Regierung alle Maßnahmen ergriffen hatte, um die Auswanderung der Griechen zu verhindern, und daß sie Detachement« abgesandt hatte, um den Leuten da» geraubte Vieh wieder zuführen zu lassen. Einige Beamte, die sich Nach- lässigketten hatten zuschulden kommen lassen, wurden abberufen. Mus See Partei. Aufruf. Die Freie Vereinigung sozialistischer Studenten in Wien ladet die sozialistischen Studenten aller Länder auf An- regung der amerikanischen und englischen Studenten zu einer internationalen Zusammenku.nft informativen Charakters für den 29. August nach Wien ein. Unsere Vereinigung bittet diejenigen Studenten, die nach Wien kommen wollen, um die Anmeldung ihrer Teilnahme unter der Adresse: Edmund Schlesinger, Wien l, Maximilian st r. S. Zualeich bitten wir die Studenten um Angabe, ob sie einer sozialisiischen Organisation angehören. Wenn dies der Fall ist, ersuchen wir um Namen und Adresse dieser Organisation. Die Parteipresse der Städte, in denen sich Hochschulen befinden, wird um Nachdruck dieses Aufrufs gebeten. Freie Vereinigung soziali st i scher Studenten in Wien. Aus den Organisationen. In der Generalversammlung de« Sozialdemokratischen Verein» für den Wablkrei» Frankfurt a. M. wurde am Freitagabend der Geschäftsbericht für da« Jahr 19t3/tS entgegengenommen. Der feit Jahren sehnlichst gehegte Wunsch, die Mitgliederzahl auf 19 999 zu steigern, ist in diesem Jahre nicht nur in Erfüllung gegangen, sondern noch um einen weiteren Zuwachs von 1333 übertroffen worden. Dies erfreuliche Resultat wurde besonder« durch die Rote Woibe erzielt, die 2159 neue Mitglieder brachte. Dieser Aufstieg ergab eine Steigerimg des VereinSvcrmögens auf 29 999 M., trotzdem an den Parteivorstand 11399 M. abgeführt wurden. Die Entwicklung der Parteipresse vollzog sich gleichfalls in aufsteigender Linie. Besondere Schwierigkeiten erwuchsen dem Verein au» den Naturalisationsarbeiten, da Frankfurt eine Stadt ist, in der au» den benachbarten Staaten ein fort- währendes Ab« und Zufluten zu verzeichnen ist. Rund 3999 Ver- preußungen wurden vollzogen. Großen Wert legte der Parteivorstand auf die BildungSarbeit. Vier große, vom ArbeiterbildungSauSfchuß veranstaltete Wissenschaft- liche Kurse, dazu«ine Reihe Kurse in den Bezirken und über 699 Einzelvorträge zeigen, wie ernsthaft dieser Zweig der Arbeiter- bewegung gepflegt wurde. Die Frauenbewegung war gleichfalls sehr lebhaft. Die Zahl der weiblichen Mitglieder stieg prozentual weit stärker, wie die der Männer. Der Berein zählt jetzt 2lS9 weibliche Mitglieder. Recht erfreulich hat auch die Arbeiterjugendbewegung abgeschnitten. Tie Zahl der Abonnenten der„Arbeirer-Jugend" stieg von 599 am Ansang der BerichtSzeit auf weit über 1999 am Schluß. In einem eigenen Heim hat jetzt die Jugend alle Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln.— In der D i» k u s s i o n über den Bericht drehte eS sich in der Hauptfach« um organisatorische Fragen. In einem Antrag, der schließlich dem Borstand überwiesen wurde, wird mehr Selbständigkeit der Bezirke verlangt und der Vor« stand ersucht, geeignete Vorschläge zur Durchführung dieses Wunsches zu machen. « Tic Kreisgeneralversammlung des fünften württem» bergischen Wahlkreises(Etzlingen-Nürtingen-Kirchheim- Urach) fand am 7. Juni in Nürtingen statt. Ter Verein zählt 3459 männliche und 285 weibliche?Nitgliedcr. Das letzte Jahr brachte eine Zunahme von 112. Unsere Presse hatte etwa 6499 Abonnenten. Diesen Ziffern steht eine sozialdemokratische Stimmen- zahl von 16 328 bei der letzten Reichstagswahl gegenüber. Das Zeitungsuntcrnehmen des Wahlkreises hat sich finanziell gut ent- wickelt. Im Berichtsjahre wurde ein Defizit von 1699 M. gedeckt und noch ein Ueberschutz von 3799 M. erzielt. Beschlossen wurde, den Titel, der bisher„Eßlinger VolkSzeitung" lautete, umzuwandeln in„VolkSzeitung". Die Kreisorganisation zählt 43 Ortsvereine. von denen 534 Mitglieder- und 129 öfsentlickie Versammlungen ver- anstaltet wurden. Bei den Gcmeinderatswahlen wurden einige Mandate neu erobert. Zurzeit hat die Partei im Wahlkreis 49 Ge- meindcrats- und 69 Bürgerausschußmandate im Besitz.— Eine lebhafte Debatte rief die Frage der Reichskandidatur hervor. Genosse Schlegel, der den Wahlkreis von 1889/1996 im Reichstag vertrat und bis jetzt kandidierte, erklärte, daß persönliche Verhältnisse ihm die erneute Uebernahme der Kandidatur unmöglich machten. In der Aussprache kam der dringende Wunsch zum Ausdruck, an der Kandidatur Schlegel festzuhalten. Die Versammlung beschloß in diesem Sinne und� ersuchte den Kreis- und Landesvorstand, auf Beseitigung der Schwierigkeiten hinzuwirken, di: dem Genossen Schlegel die Agitationsarbeit erschweren. » Durch Urabstimmung beschloß der Sozialdemokratische Verein Breslau«Ost und West das vor zwei Jahren eingeführte V e r t r e t e r s y st e m zu den geschästsführenden Versammlungen wiederanszuheben. Für die Aushebung stimmten 1989, dagegen 618 Mitglieder.___ Mus Znöustrie und Handel. Auf der diesjährige« Hauptversammlung des Vereins beutlcher Ingenieure in Bremen sprach Professor Dr. Schumacher(Bonn) über„Die Stellung der deutschen Schiffahrt im Weltverkehr." Der Redner bezeichnete es als eine Meisler- leistung taufmännischer Organisation, daß Bremen und Hamburg es trotz de? englischen Konturrcnzkampfes fertig gebracht hätten, die größten Auswandcrhäfen der Welt zu bleiben.� Mit der Personenschiffahrt steht in Teutschland auch die Linien- schiffahrt im Vordergrund. Das Ausland hat diese Entwick- lung nicht im gleichen Maße mitgemacht. Wenn daS neuerdings nachgeholt werden soll, so hat sich Deutschland in der engen Be- triebsgemeinschaft von fast 24? Millionen Registertonnen, die der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie vor wenigen Wochen abgeschlossen haben, in der Weltwirtschaft als einen„Hocker äe bronze" sta-biliert. Di? freie oder T r a m s cki i f f a h r t hat einen drei- bis viermal so großen Tonnengehalt wie die Linien- schiffahrt. In der Tramschiffahrt hat sich England behauptet, und zwar dank der großen Kohlenausfuhr, die fast öl der gesamten eng- tischen Güterausfuhr ausmacht. Unter den deutschen Häsen kann sich nur Emden zu einem Kohlenausfuhrhasen und als solcher auch zu einem Einfuhrhafen entwickeln. Die Vorherrschaft Englands in der Tramschiffahrt ist auch für seinen Schiffbau von einschnei- dender Bedeutung. Die Tramdampfcr sind Massenprodukt«: ihr Bau bedarf keines großen teueren Stabes von Ingenieuren und Technikern; er bann auch auf Vorrat erfolgen. Diese rentabelste Schiffserzeugung hat Teutschland bisher England fast ganz über- lassen. Die deutsche Eisenindustrie ist anscheinend auf dem Wege, auch diesen Zweig der Weiterverarbeitung im großen aufzunehmen. Letzte Nachrichten. Tic französischc Ministerkrisc. Paris, 9. Juni. Das Kabinett R i b o t hat sich kon- stituiert. Das Kriegsministerium hat Delcass6 übernommen, das Marineministerium Chautemps. Noulens hat das Porte- feuille des Krieges endgültig abgelehnt, da ihm das neu- geplante Kabinett ebensowenig wie das gestrige als ein Kabi- nett der republikanischen Konzentration erscheint. Dcr Proteststreik in Italien. Bergamo, 9. Juni. Nachdem die Ausständigen durchgesetzt hatten, daß sämtliche Läden und Etablissements der Stadt geschlossen wurden, begaben sie sich nach Borgo Santa Caterina an der Eisen- bahn durch das Brembanatal. Dort stellten sich die Frauen zwischen den Schienen auf und brachten dadurch einen Zug zum Halten, dessen Fenster von dcr Menge zertrümmert wurden. Per- sonen wurden nicht verletzt. Rom, 9. Juni. Der Generalstreik zum Zeichen des Protestes ist ferner in folgenden Städten erklärt worden: Bari, Bologna, BrcScia, Florenz, Forli, Genua, Livorno, ZKailand, Modena, Parma, Pesaro, Pisa, Reggia nell' Emilia, Civitavecchia, Rovigo, Turin und Venedig. In mehreren dcr genannten Städte trat der Streik nur teilweise in Wirksamkeit. Die öffentliche Ordnung wurde im allgemeinen ohne ernste Zwischenfälle gesichert.— In Florenz wurden Polizei- bcamte heftig mit Steinen beworfen und mit Stöcken angegriffen, so daß sie von der Waffe Gebrauch machen mußten. Auf feiten der Angreifer wurde eine Person getötet, auch von den Poll- zeibcamtcn wurden mehrere verwundet, unter ihnen ein Offizier. Auch in Venedig kam es zu mehreren Zwischenfällen. Ein Polizei- beamter wurde ziemlich schwer verletzt. In den übrigen Städten herrscht Ruhe. Rom, 9. Juni. Auch heute ruht der gesamte Droschkenverkehr. Alle wichtigen Gebäude sind seit dem frühen Morgen mit Militär besetzt, daS im Laufe des Nachmittags eine umfangreich« Ab- fperrung der Hauptplätzc vornahm. Es ist zu keinen ernsten Zwischenfällen gekommen. Piele Geschäfte sind geschlossen. A u ch die Straße nreiniger streiten. Da hier keine Blätter erscheinen, sind die Ereignisse in dcr Provinz der hiesigen Bevölkerung nur durch die hier eintreffenden Neapeler Blätter bekannt. Erst in den Nachtstunden wird als einziges hie« sigeS Blatt der syndikatsfreic„Popolo Romano" erscheinen. Ter Streik soll in Rom nach dem Beschluß der ArbeiiSkammer bis Mitt- woch abend dauern. Die Ministerkrise in Serbien. Belgrad, 9. Juni. Halbamtlichen Meldungen zufolge scheiden au» dem jetzigen Kabinett Finanzminister P a t f ch u und Bautenminister I o v a n o v i t s ch aus. Dessen Stelle übernimmt nebst dem Präsidium und dem Ministerium deS Aeußern P a s ch i t s ch. Der Abgeordnete P e t r o v i t s ch soll Minister deS Innern werden. Die Lösung der Krise dürfte morgen erfolgen. Haussuchung bei den Suffragetten. London, 9. Juni. Eine starke Polizeiabteilung drang heute nachmittag in die Räume der Anhängerinncn deS Fraucnstimm- rechtS in der Tothillstraße und beschlagnahmte zahlreiche Schriftstücke. Mehrere Frauen, die sich in den Räumen be- fanden, erhielten die Erlaubnis, sich zu entfernen, nachdem sie vor- her untersucht worden waren. Die Polizei blieb auf dtznx Grundstück. » Qualität, nicht Preis soll bei der Wahl eines Reifens bestimmend sein. Ein guter Reifen kostet zwar gutes Geld, dafür hält er aber auch länger. Wenn Sie Continental Pneumatik fahren, haben Sie diesen guten" Reifen. Sein Weltruf wurde durch Qualität begründet. Continental- Caoutchouc- und Gutta- Percha- Co., Hannover. Personal 12 000. 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Darmfatarrhe tieten in dieser Zeit häufiger auf, die Nahrung im Darm der Kinder schneller in Gärung übergeht. Sie Ihr Kind jedoch mit„ ufete" und Milch ernähren, so beugen in wirkjamster Weise den gefürchteten Darmkrankheiten vor. KAISER BRIKETT Das beste, heizkräftigste und billigste Hausbrandbrikett Gross- Berlins Berantw, Redakt.: Alfred Bielepp, Neukölln. Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanjitalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsb Ar. 155. 31. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gewerkschaftliches. Warum wird die Ullstein- Bibliothek in England gedruckt und gebunden? Der Vorstand des Deutschen Buchbinderverbandes schreibt uns: Was, die Ullstein- Bibliothek wird in England hergestellt? wird mancher fragen. Die Ulstein- Bibliothek, an der hervorragende Schriftsteller Deutschlands mitwirken, die sozusagen eine nationale Tat, eine Art Emporlese- Bibliothek bedeutet, sie wird im Auslande hergestellt? Warum denn? Traut Ullstein den deutschen Buchdruckern und Buchbindern nicht zu, seinen Verlagswerken ein würdiges Aussehen zu geben? Oder hat das„ Made in Germany" im Hause Ulstein einen so schlechten Klang, wird es von ihm so mit dem Begriff: Billig und schlecht identifiziert, daß er seine kostbaren Verlagswerke zum Druden und Einbinden nach England schicken muß? D Mittwoch, 10. Juni 1914. einer Kommission der Arbeiter und der Direktion, bei denen es jedoch zu einem annehmbaren Ergebnis für die Arbeiter nicht gekommen ist. Die Direktion stellte nun ganz unerwartet ein Ultimatum: sie würde alle gemachten Zugeständnisse zurückziehen, wenn gestimmt hätten. Noch vor Ablauf des Ultimatums machte Gedie Arbeiter bis Sonnabend, den 6. Juni, den Vorschlägen nicht zuauf dem Auslandsmarkte mit Deutschland in Wettbewerb treten. Tungen. Seit Anfang Mai dauern die Verhandlungen zwischen Aber ein Wettbewerb, der lediglich auf Grund von Hungerlöhnen und Schundware auftritt, den werden wir, wie sichs gebührt, als das kennzeichnen, was er ist, als einen unlauteren Wettbewerb auf Kosten der deutschen Arbeitecschaft und der deutschen Industrie. Selbst wenn das patriotische" Haus Ullstein als Förderer solcher unlauteren Auslandsfon- werberichter Bauer einige Vergleichsvorschläge, die eine Sicherung furrenz in Frage tommt! Berlin und Umgegend. Die Aussperrung bei der ,, Dreiteilung". Ueber die Aussperrung der Charlottenburger Müllverwertungsgesellschaft ist zu berichten, daß von den Arbeitswilligen trotz aller Versprechungen seitens der Direktion ein großer Teil den Betrieb wieder verlassen hat. Trotz allen Bemühens und der verschiedenen Anstrengungen will es nicht gelingen, den Betrieb in der früheren alten Form aufrechtzuerhalten. In verschiedenen Stadtvierteln liegt das angesammelte Müll haufenweise, so daß es kaum zu verstehen ist, daß die Einwohner als auch der Magistrat der Stadt Charlottenburg diesem Treiben so wird das unerquickliche Verhältnis Gegenstand der Erörterung wertatenlos zusehen. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung den müssen. Fragt nicht zuviel auf einmal, ihr lieben Leute! Ihr seid mit euren Fragen auf dem verkehrten Weg. Seht euch nur einmal die bielgelobte Ullstein- Bibliothek an, und ihr werdet finden, daß sie auf einem Papier gedruckt wird, das nicht einmal Schundromanen zur Daß unter den Arbeitswilligen, wie in den weitaus meisten Ehre gereichen würde; daß der Einband das Liederlichste darstellt, Fällen, sich sehr zweifelhafte Elemente befinden, sei nur nebenbei was auf dem Gebiete des Bucheinbandes je geleistet worden ist. Die erwähnt. Ob die Gesellschaft mit solchen„ nüßlichen Aucharbeitern" Bücher sind nur elend mit Zwirnsfäden zusammengeheftet und dann den Betrieb wird aufrechterhalten können, ist doch mehr als fraglich. ist eine spinnwebartige Gaze über den Rücken geklebt. Sie sind Die Tätigkeit der Arbeitswilligen ist denn auch danach; ob der Diweder auf Gaze noch auf Bünde geheftet, wie es jeder Fachmann reftor seine Freude an diesen Arbeitswilligen hat, tann mit Recht boraussetzt und wie es die Haltbarkeit der Bücher unbedingt erbezweifelt werden. Wenn bei der Einstellung von Arbeitswilligen erklärt wird, es fordert. Ein solches Machwerk ist kaum je auf dem deutschen Bücher- beständen keine Differenzen, so erklären wir demgegenüber, daß mit markte erschienen. Viele Broschüren in Papierumschlag werden Absicht die unwahrheit gesagt wird. In vielen Fällen ist festgestellt, dauerhafter geheftet als die eleganten Bücher" der Ullstein- daß von denen, die den Betrieb schon wieder verlassen haben, die Arbeit erst gar nicht aufgenommen worden wäre, wenn ihnen die Wahrheit und der Tatbestand erklärt worden wäre. Bibliothek. Die deutschen Schriftsteller, welche in der Ulstein- Bibliothek fich ein Stelldichein geben, können wahrhaftig nicht stolz sein auf das schäbige und unsolide Kleid, in dem sie unstein auf dem Bücher⚫ markt schickt! Und warum muß das sein? Warum muß Ullstein seine Bibliothet in England binden lassen? Lassen die niedrigen Preise es nicht zu, daß die Bücher ordentlich und in Deutschland gebunden werden? Ist die deutsche Buchindustrie so wenig leistungsfähig, daß fie den Ansprüchen der modernen Zeit nicht zu entsprechen vermag? Keins von dem? Die einfache Antwort ist eben die, daß die Ulstein- Bücher in England deswegen um 2 Pf. pro Band billiger hergestellt werden, weil sie ganz miserabel gebunden sind, weil die meisten der an ihnen zu vollziehenden Buchbinderarbeiten von elend entlohnten Arbeiterinnen man spricht von 6 und 8 M. pro Woche ausgeführt werden. 2 Pf. pro Band ist an sich eine Bagatelle gegenüber dem verhältnismäßig hohen Preis für Ulsteinsche Schleuderware, die Land für Band mit 1 M. bezahlt werden muß; ein Preis, der sehr wohl eine Erhöhung der Einbandkosten zuließ, da jedenfalls der Profit ein ganz exorbitanter sein dürfte. Aber bei Hunderttausenden von Bänden machen 2 Pf. schon eine Summe aus, die als Ueberprofit für das Haus Ullstein etwas bedeuten. Das Haus Ulstein geht eben ins Ausland mit seiner Ware, um den deutschen Buchbindertarif zu umgehen, weil in Deutschland zum Teil die Löhne der Arbeiterinnen höher sind als in England. 1 Wie ist das möglich? Weil in Deutschland die Arbeiterinnen besser als in England organisiert sind, weil der Deutsche Buchbinderverband schon seit über zwei Jahrzehnten sich die Organifation der Kolleginnen angelegen sein läßt, während der eigentliche englische Buchbinderverband bisher Arbeiterinnen grundsäßlich nicht in seine Reihen aufnahm. Diesen Umstand benußen nun die engTischen Unternehmer, um die männliche Arbeitskraft durch die billigere weibliche zur Ehre höheren Profits zu verdrängen. Der englische Buchbinderverband hat deshalb im Vorjahre und bis tief in dieses Jahr hinein schwere Kämpfe führen müssen gegen die von den Unternehmern beabsichtigte Verlängerung der Arbeitszeit, gegen die Verdrängung der männlichen Arbeiter und gegen die clende Bezahlung der Arbeiterinnen. Wir sind beileibe keine Chauvinisten und werden es nicht verurteilen, wenn ausländische Erzeugnisse so gut wie die deutschen Kleines Feuilleton. Die Nachricht, daß der Betrieb wieder ein geregelter sei, trifft in keiner Weise zu. Während sonst die alten eingearbeiteten Kutscher und Mitfahrer mit ihrer dritten Tour bereits um 6 Uhr fertig waren, haben jetzt die Arbeitswilligen am Montag sogar mit ihren zwei Touren teilweise bis 9 Uhr abends gearbeitet. Die Ausgesperrten stehen nach wie vor einmütig zusammen und ersuchen die organisierte Arbeiterschaft, den Zuzug von willigen nach diesem Betrieb fernzuhalten. der früheren Löhne wie auch eine für beide Teile befriedigende Form bei der Neufestseßung von Akkordpreisen bedeuteten. Da die Direktion bei einer früheren Verhandlung schon erklärt hatte, daß auch sie der Auffassung sei, taß die früheren Verdienste, um deren Weiterbestehen in der Hauptsache die Bewegung geführt wird, auch nach Aenderung der Akkordpreise erreicht werden sollen, so war umsomehr anzunehmen, daß diese Vergleichsvorschläge bei der Direktion Zustimmung finden würden. Auch hatte die Direktion schon früher erklärt, daß bei Akkordarbeiten, bei denen trop fleißiger und sachgemäßer Arbeit ein ausreichender Verdienst nicht erzielt wird, eine Nachprüfung vorgenommen werden soll. Danach bestand keine Garantie, daß die früheren Löhne der Arbeiter gesichert waren, und die Arbeiter konnten deshalb diese Vorschläge nicht annehmen. Auch geändert werden, d. h. also, daß die schon vorgenommenen Redu erklärte die Direktion, daß die zurzeit festgesezten Affordpreise nicht zierungen nicht aufgehoben werden. Bei der Wiedereinstellung von Arbeitskräften sollten bis zum 15. August fremde Arbeiter nicht eingestellt werden, mit Ausnahme derjenigen, mit denen die Direttion wegen einer Arbeitseinstellung jezt schon in Verbindung steht. Dieses Angebot der Direktion wurde in sechs Versammlungen den Streifenden und Ausgesperrten unterbreitet. Bei der Berichterstattung wurde auch erwähnt, daß die Direktion das Ultimatum nur bis Montag, den 8. Juni, nachmittags 3 Uhr, verlängert hat. Schon bei der Berichterstattung machte sich die Unzufriedenheit der Beteiligten bemerkbar, und als den Versammelten mitgeteilt wurde, daß sie über Annahme oder Ablehnung der Aufnahme der Arbeit unter diesen Bedingungen zu entscheiden hätten, wurde in fast jämtlichen Versammlungen ein vielseitiges und entschiedenes ein hörbar. In der Diskussion erklärten sich sämtliche Redner, und zwar in allen Versammlungen, gegen die Annahme dieser Bedingungen, die als vollständig ungenügend bezeichnet wurden. Auf ausdrückliches Verlangen der Streifleitung fand eine ges heime Abstimmung statt, die folgendes Resultat hatte: Für Aufnahme der Arbeit stimmten drei, gegen AufArbeits- nahme der Arbeit zu den von der Direttion ange= botenen Bedingungen 3482. Unbeschrieben waren vier Stimmzettel. Deutscher Transportarbeiter- Verband, Bezirk Groß- Berlin. Tarifbewegung der Friseurgehilfen. Durch die Bewegung der Gehilfen sind auch andere, ältere Wünsche derselben wieder in Erinnerung gekommen. In einer ganzen Reihe von Bezirksversammlungen der Meister wurde das Verlangen der Gehilfen, die Geschäfte Sonntags um 12 1hr zu schließen, als berechtigt anerkannt. Ebenso die Forderung, daß an Stunden Geschäftszeit in der Woche hat, kann sehr gut eine Verden zweiten Feiertagen geschlossen sein soll. Ein Beruf, der 80 fürzung der Arbeitszeit einführen. Leider versagen hierbei die Vorstände der Arbeitgeberorganisationen. Die zu einem Kartell vereinigten Gehilfenvereine werden durch Verhandlungen erneut versuchen, eine Förderung dieser schon längst als notwendig anerfannten Reformen die Wege zu ebnen. Da täglich neue Tarifabschlüsse erfolgen, ersuchen wir, das Inserat in der heutigen Nummer zu beachten. Verband der Friseurgehilfen. Achtung! Töpfer! Der Töpfermeister Franz Niemann weigert sich, den neuen Tarifvertrag anzuerkennen. Er bezahlt bedeutend unter diejem. Wir verhängen deshalb im Einverständnis mit der gemeinsamen Lohnfommission die Sperre über dieses Geschäft. Zurzeit kommt der Bau des Eigentümers Otto Röseler, Friedenau, Maßmann- Ede Kreuznacher Straße in Betracht. August Chwialfowski, Oberski, Gustav Bleich und Hermann BorDie Kollegen August Hartmann, Richard Boog, Karl Reichert, mann haben die Arbeit nicht mit eingestellt. Die Verbandsleitung. Deutsches Reich. Zum Streif im Linke- Hofmann- Werk in Breslau. Nach fast 20 wöchigem Kampfe nahmen die Streifenden und Ausgesperrten erneut Stellung zu dem Ergebnis der letzten VerhandWenn die Firma etwa glaubte, daß die Arbeiter durch den monatelangen Kampf mürbe geworden sind, dann wird diese Willenskundgebung der Arbeiter sie eines besseren belehren. Auch die Arbeiter wünschen den Frieden, jedoch einen ehrenvollen. Die Arbeiter haben keine Forderungen gestellt, weder auf Lohnerhöhungen noch auf Verkürzung der Arbeitszeit, sie wollen sich nur Lohnabzüge nicht gefallen lassen. Die Firma beharrt auf ihrem Standpunkt, sie will auch in Zukunft weitere Lohn- und Affordpreisreduzierungen Ausgesperrten der Linke- Hofmann- Werke zu der Fortführung des vornehmen. Aus alledem ist ersichtlich, daß die Streikenden und Kampfes durch die Maßnahmen der Firma direkt gezwungen find. Streit der Stuffateure in Breslau. Die Breslauer Stuffateurgehilfen sind am Montag früh in den Ausstand getreten. Nachdem die mit den Unternehmern geführten Verhandlungen wegen Aufbesserung eines Minimallohntarifs nicht ganz aussichtslos waren, zog die Zwangsinnung der Unternehmer die bereits gemachten Zugeständnisse wieder zurück. Damit hat die 3wangsinnung den Gehilfen den Kampf angesagt, und diese be= schlossen in geheimer Abstimmung einstimmig, den Kampf aufzu= nehmen. Seit Montag früh ruht auf allen Bauten die Arbeit der Stuffateure. in Elberfeld. Seit 14 Tagen befinden sie sich im Streit. Die Einen Kampf um das Koalitionsrecht führen die Arbeiter der Firma W. Ewald Haas, Gummi- und Asbest fabrik Arbeiter, die bereits 4 bis 11 Jahre bei der Firma beschäftigt sind, wurden ohne weiteres aufs Straßenpflaster gesetzt, weil sie sich dem Verband der Fabritarbeiter angeschlossen hatten. Die Firma wollte durch diese Gewaltmaßnahmen die junge Organisation im Keime ersticken. Mit der Anwerbung von Arbeitswilligen hatte die Firma in Elberfeld und Barmen kein Glück. Jest sucht sie unter Offerte in ganz Deutschland in bürgerlichen Zeitungen, unorganisierte" Aran dieser Behandlung zum Teil gestorben. Das Mittel des Pro-| wachte getreulich über dem Haus am Zeltweg, in dem der Dichter fessor Ehrlich sei eher schädlich als nüßlich und werde von den wohnte. An einem der nächsten Tage erhielt Regula zu ihrer VerAerzten lediglich des unerhört hohen Profits wegen propagiert. Der wunderung folgenden aufklärungsreichen Polizeibericht nebst einem Angeklagte behauptete unter anderem, daß der Herstellungspreis des Päcklein: Salbarians pro Kilo 8 M., der Verkaufspreis der Fabrik aber 16 000 Mark betrage! Polizist H. sab gestern nachts 1 Uhr Herrn Staatsschreiber Keller in nicht ganz einwandfreier Haltung nach Hause zurüdDer ganze Prozeß gehört in den Zusammenhang einer ziemlich fehren, bemerkte, wie derselbe Herr a. Staatsschreiber Keller sich lauten Bewegung, die zurzeit von einer bestimmten Gruppe gegen auf die Treppe hinsekte oder von höherer Gewalt hinsegen Ehrliche„ Salvarsan" geschürt wird. Professor Ehrlich ist persönlich ließ, hierauf die Schuhe auszog und dieselben eigenhändig auf die gewiß unantastbar und hat sich selbst mehrfach mit aller Vorsicht Straßen hinauswarf, offenbar im Glauben, der Herr a. Staatsüber sein Syphilismittel, von dem er im ersten Entdeckerüberschwange schreiber befinde sich in seinem Schlafzimmer. Wir übermitteln wohl selbst allzu viel erwartet hatte, geäußert. Es ist auch durchaus Ihnen hiermit das zierliche Paar Schühchen, indem wir annehmen, einleuchtend, daß es bei neuen Heilversuchen nicht immer ohne Opfer es möchten die beregten zwei Paare bei ähnlichem Anlasse vers abgehen kann. Nur dürfen selbstverständlich nicht Menschen zu Ver- worfen und von weniger ehrsamen Händen aufgehoben worden sein. suchen am eigenen Leibe gezwungen werden, seien es nun Das Polizeibureau Zürich." Findelfinder oder Prostituierte. Denkmalsschändung. Wie ist das Geschrei der ehrenwerten Leute doch so groß über die Schändung der Kaiser- Friedrichdenkmals in Charlottenburg, und welche tiefe Befriedigung" löst das strenge, aber gerechte Urteil" von der Moabiter Straftammer bei allen denen aus, denen die patriotische Geste so gut zum fetten Gesichte steht! Ich will von einer anderen Denkmalsschändung, die sich dußende Male wiederholte und deren Urheber patriotische Flegel waren, erzählen und von der Milde, die sie bei ihren Richtern fanden. In einer füddeutschen Stadt sollte der Bahnhofsplay verschönert werden. Gewisse patriotische Leute schlugen ein Kaiserdenkmal vor. Aber die demokratische und sozialdemokratische Majorität des Gemeinderates beschloß, einen Brunnen auf dem Bahnhofsplatz zu errichten. Der Brunnen wurde aufgestellt und stellte einige mythologische Wesentlicher als all dies ist ein fapitalistisches AllgemeinUngeheuer dar. Ob er fünstlerisch ein Meisterwerf war, will ich nicht entscheiden. So schön wie ein Fürstendenkmal war er ganz gewig. Notizen. " übel, auf das immer wieder rücksichtslos hingewiesen werden muß. Schöpfungen der Kunst und der Wissenschaft sollten Allgemein -Ein Zwischenfall. Bei der Aufführung des Reins Das Miralel" im bardt- Vollmoellerschen Ausstattungsstückes bejiz nicht nur der Nation, sondern der Menschheit sein. Es ist Zirkus Busch ereignete sich am Montag eine fleine 3ivischenszene, Gegen diesen Brunnen sette nun zuerst die patriotische Kritik ein, deshalb eine der beschämendsten und schädlichsten Erscheinungen die ihn eine Schande für das nationale Gefühl der ganzen Stadt und sie wirkt am furchtbarsten gerade in der Heilkunde- daß einer kleinen Rede gegen die Schändung der katholischen Religion die nicht ohne Interesse ist. Ein Herr stand auf und protestierte in nannte. Bei der Kritik blieb es nicht. Tag für Tag fand man die Ergebnisse jeder Forschung fofort zur Ware, zum fapita- durch diese Zirkusprofanierung und schalt seine Mitchristen lau und des Morgens den Brunnen in der ekelhaftesten Weise besudelt. Listischen Ausbeutungsmittel werden. Und diese traurige feige, weil sie sich das gefallen ließen. Das Gefühl, das den Redner Die Studenten einer benachbarten Universitätsstadt kamen herüber, Wahrheit stand schon längst vor dem Frankfurter Prozeß fest, in soffen sich in der Bahnhofswirtschaft sternhagelvoll und machten das dem ein Redakteur vielleicht zu Recht, aber doch unter dem Ein- leitete, mag man gelten lassen und feinen Mut anerkennen. Aber Brunnenbassin zu ihrem Speibeden. Eines Morgens war der brud der Zeugenschaft einiger großer" Autoritäten" au schwer bestraft Geschäft ist eben Geschäft für unsere Kapitalistische Wirtschaft, und Brunnen wieder beschmiert und besudelt von oben bis unten. Die worden ist. wenn sich mit dem katholisierenden Stimmungszauber des Mirakels Herren Denkmalsschänder mußten ihre Hände benutzt haben, um Heilmittel wie Ehrlichs Salvarjan, das Radium, die jüngsten Geschäfte machen laffen, so hat kein Gefühl etwas breinzureden.( Es ihre Erkremente an die Brunnenfiguren zu schmieren. Die Ent- Mittel gegen die verheerende Volkskrankheit der Schwindsucht, sollten werden täglich noch heiligere und wichtigere Gefühle verlegt.) Aber der Redner war und das gibt dem Fall einen gewissen Beirüstung bei den anständigen Bürgern der Stadt war groß. Und unter allen Umständen vom Staate übernommen und zu einem es gelang diesmal der Polizei, die Täter festzustellen. Es waren für jeden Leidenden erschwinglichen Preise abgegeben werden. Zum fteller Dr. Dinter. Nun ist ein heftiges Gesumme und Gekrabbel der Direktor der Vertriebsstelle deutscher Bühnenschrifts geschmac zwei nationale Handelsgehilfen, zwei Studenten und ein Ein- mindesten aber hätten sich bei der ohne Zweifel bedeutsamen Enijähriger. Einige Wochen darauf standen sie, bis auf den Einjährigen, deckung Ehrlichs unschwer die Mittel finden müssen, um Deutschland unter den Theaterbetriebsleuten, die ja in Berlin durchwegs nicht fünf Mark und darüber hinaus der Welt ein aussichtsreiches Heilmittel gegen bereits auf die Szene. Und wenn nicht eine rettende Nervenüberfatholisch sind, im Gange. Der Aufsichtsrat des Dr. Dinter tritt vor dem Schöffengericht und wurden verurteilt zu Geldstrafe wegen groben Unfug! eine der hartnäckigsten und gefährlichsten Seuchen frei von tapi- reizung herausdestilliert wird, dürfte dieser katholische BühnenWas jagen die ehrenwerten Patrioten dazu? Sie sollen nichts talistischen Interessen zu übermitteln. fagen und das Maul halten. Denn ihre Entrüstung über die Dentvertriebsmann, der nicht an Reinhardts Wunder glaubt, dran glauben malsschändung in Charlottenburg ist Heuchelei und ihre tiefe Beschichte aus dem Leben Gottfried Kellers erzählt Adolph Bögtlin in Die Schuhe des Herrn Staatsschreibers. Eine köstliche Ge- müssen. Der erste Filmtapellmeister. Der vor kurzem friedigung" über das Schreckensurteil gegen ein paar Arbeiter, die nichts Schlimmeres taten als jene besseren Flegel, ist eine Ge- feinen im Berlage von Schuster u. Loeffler in Berlin erscheinenden verstorbene Dresdener Kapellmeister Schuch wird weiter- dirigieren. Keller- Anekdoten. Im Film. Er war, wie jetzt bekannt wird, der erste, der sich der Regula, des Dichters Schwester, war eine sehr gewissenhafte, neuesten Kulturerrungenschaft des Dirigentenfilme verschrieb. Er Heilwissenschaft und Salvarsanprofite. In Frankfurt a. M. ist oft sogar knauferige Wirtschafterin. Sie hielt auch auf strenge wird nun bald vor einem lebenden Orchester als Film die Freischütz, Dienstag ein Redakteur Waßmann wegen Beleidigung des Magistrats Ordnung. Oberon und Tannhäuser- Ouvertüre dirigieren. der Goethestadt und der leitenden Aerzte des dortigen Allgemeinen Eines Tages entdeckte sie nun, daß ihrem Bruder zwei Paar Die Majestät im freien Bayern. Die Münchener Krankenhauses verurteilt worden. Waßmann, der allerdings ein Schuhe fehlten, und nahm an, es gehe nicht mit rechten Dingen zu, Staatsanwaltschaft hat gegen den„ Simplicissimus" den Majestätsallzu aufgeregter und wenig gewissenhafter Anwalt der Deffentlich ein Dieb müsse sich ins Haus eingeschlichen haben. Der Bruder beleidigungsparagraphen mobil gemacht. Ein Bild von Gulbransson, teit zu sein scheint, hatte behauptet, es feien in Frankfurt wie auch gab ihr den Rat, der Polizei vom Abhandenkommen der Schuhe das die neue Aera des milchwirtschaftsbeslissenen Königs heranzog, in anderen Drten Prostituierte mit Salvarsan behandelt worden und Mitteilung zu machen. Gesagt, getan, und das Auge des Gesetzes und ein Gedicht E. Steigers hat's ihr angetan. meinheit. It e BEE rt 3 a Unternehmer- Terrorismus. Jm Steinbruch der Firma Brüggemann in Nieder- Linda, Kreis Lauban, hatten die Arbeiter um eine fleine Lohnaufbefferung nachgesucht. Die Firma lehnte die bescheidenen Forderungen furzerhand ab und entließ sofort einige organisierte Arbeiter. Die anderen stellte sie vor die Wahl, entweder aus dem Steinarbeiterverbande auszutreten oder den Arbeitsplab zu verlassen. Den Austritt aus der Organisation wollte die Firma noch schriftlich bescheinigt wissen! So übt man in Unternehmerfreisen Terrorismus. Verbandstag der Transportarbeiter. beiter zu sehr hohen Löhnen. Sie zahlt jeht, um die paar Arbeits- 1 der Sonntagsruhe. Dieses Monstrum ist vorläufig verschwunden, nale Schuh- und Reberarbeiter- Union vollzogen und der Beitritt der willigen zu halten, Söhne, die sich die Streifenden niemals gewagt wird aber wiederfommen. Wir haben große Befürchtung, daß der belgischen Organisationen ist für 1914 in Aussicht gestellt. Damit hätten zu fordern. Nehme kein ehrlicher Arbeiter bei der Firma neue Entwurf noch mehr Verböserungen enthält wie der letzte. Die wären die Organisationen der Hauptsächlichsten europäischen Länder W. Ewald Haas in Elebrfeld Arbeit an. Vorlage hat gezeigt, wie wenig die Regierung willens ist, den nach der Union angeschlossen. Hunderttausenden zählenden Angestellten im Handelsgewerbe Rech- Den mündlichen Geschäftsbericht erstattete der 1. Vors ung zu tragen. Der verabschiedete Entwurf über die Konkurrenz- fißende Simon. Der Redner ging sehr ausführlich auf die Mitklausel ist lediglich auf die Handlungsgehilfen zugeschnitten. Die gliederbewegung der lezten Jahre ein. Der Verband leide eigentlich berechtigten Wünsche der Techniker und Arbeiter fanden keine Be- chon seit 1908 unter einer wirtschaftlichen Kriſe. Im Jahre 1911 rücksichtigung. Dabei wird die Konkurrenzklausel vielfach auch in sei wohl eine kleine Belebung des Marktes eingetreten, die dann unserm Berufe angewendet. Eine Erweiterung der Rechte der Ar- aber 1913 einer neuerlichen Verschärfung der Verhältnisse wich. Im beiter durch die Regierung ist nicht zu erwarten. Das Bestreben der allgemeinen stehe das Verhältnis der Mitgliederzahl zur Zahl der in Regierung ist, die Unternehmerintereffen in jeder Beziehung zu der Schubbranche Beschäftigten nicht ungünstig. In der Schuhwahren. Die Arbeiter sollen rechtlos gemacht, gebunden an Händen industrie sind ungefähr 91 000 Personen tätig; davon find etwa und Füßen dem Unternehmertum ausgeliefert werden. Das wird 45 500 männliche und 35 500 weibliche. Der Prozentjaß der weibVon den 81 000 Arbeitern aufs neue durch die Politischerklärung der Gewerkschaften bewiesen, lichen Arbeitskräfte steigt fortwährend. unter die auch unser Verband fiel. Die Unternehmervereinigungen und Arbeiterinnen gehören 44 000 heute dem Verband an. Zufrieden betätigen sich nicht nur wirtschaftspolitisch, sondern direkt partei- tönne man allerdings nur mit dem Prozentverhältnis der männlichen politisch. Gegen diese wird aber nicht vorgegangen. Das zeigt, daß Mitglieder féin; von den 45 500 Arbeitern find 35 221 organisiert. die Regierung mit zweierlei Maz mißt.( Sehr richtig!) Anders stehen die Dinge bei den Arbeiterinnen; hier sind von Der geringe Der 9. Verbandstag des Deutschen Transportarbeiter- Ver- Der Redner behandelte dann das Gebiet Grenzstreitig 35 500 nur 8615 gleich 24,35 Proz. im Verbande. bandes nahm gestern nachmittag im hiesigen Volkshaus seinen An- feiten. Ursache zu lebhaften Klagen würden neben den Brauerei- Mitgliederverlust habe seine Hauptursache in dem Rüdgang der Zahl fang. Die Tagung ist start beschickt. Es nehmen an ihr 181 Dele- arbeitern die Gemeindearbeiter geben. Diese würden tros flarer der Beschäftigten in der Schuhindustrie. Völlig irrig sei es, der Beitragsgierte, 13 Vorstandsmitglieder, 20 Gauleiter und Vertreter der Re- Entscheidungen der Vorständekonferenzen das Einbrechen in das erhöhung in Dresden 1912 die Schuld der Mitgliederverluste zuzuschreiben. daktion des Courier", der Reichssektionenn der Eisenbahner und Tätigkeitsgebiet des Verbandes, soweit die Straßenbahner in Frage Diese Anschauung werde am besten dadurch widerlegt, daß nach der der Straßenbahner teil. Die Generalfommission der Gewerkschaften tämen, nicht unterlassen. Es sei sogar vorgekommen, daß die Ge- Beitragserhöhung immer noch eine Mitgliederzunahme zu verzeichnen vertritt Karl Legien, den Zentralverband der Handdungsgehilfen meindearbeiter Straßenbahner von Pribatbetrieben aufgenommen war und erst 1913 der Rüdgang einfegte. Die Finanztraft habe sich Faßbender( Köln). Von ausländischen Bruderorganisationen sind hätten. Mit den Maschinisten und Heizern beständen ebenfalls Dif- wesentlich gehoben. Das Vermögen habe sich während der BerichtsEs müsse das Bes eine Reihe Delegierter erschienen. Die englische Organisation ist ferenzen. Die Anwürfe, die auf dem Verbandstag gegen die Trans- periode( 1912-13) um 309 566 R. vermehrt. durch ihren Präsidenten Harry Gosling und seinen Getretär Robert portarbeiter erhoben worden seien, müsse er auf das entschiedenste streben sein, möglichst bald die erste halbe Million voll zu machen. Williams( London) vertreten. Die österreichischen Kollegen ent- zurückweisen. Mit dem Holzarbeiterverband sei ein Kartellvertrag Alle Anträge, die eine höhere Belastung der Verbandskasse nach sich sandten Hofbauer und Maly( Wien), der schweizerische Verband abgeschlossen worden. giehen, bitte er im Namen des Gesamtborstandes abzulehnen; oder aber es müßten neue Einnahmequellen gesucht werden. Man dürfe Conzeit und Schneider( Zürich), und die holländische Organisation Seytoop. nicht vergessen, daß bei der Organisation der Unternehmer ſeit geraumer Zeit ein schärferer Wind wehe und man sich daher auf alles einrichten müsse. Stärtung der Organisation und der Finanzkraft, das müsse die Losung sein. Köln, 8. Juni. In seiner Eröffnungsrede gab Verbandsvorsitzender Schumann ( Berlin) ein Bild der Entwicklung des Verbandes und der wirtschaft lichen Verhältnisse in den letzten zwei Jahren. Dann folgten Begrüßungsansprachen von örtlichen und ausländischen Vertretern. Dann konstituierte sich der Verbandstag. Das Präsidium bilden Schumann und Döring( Berlin) und Klöjel( Düsseldorf) als Vorfizende, denen vier Schriftführer zur Seite stehen. Die eigentlichen Verhandlungen begannen heute. Den Borstandsbericht Am Schlusse seines zweistündigen Berichts sprach Schumann die Hoffnung aus, daß die Verhandlungen des Verbandstages so aus fallen mögen, daß die Organisationen sich in der Zukunft noch besser entfalten fönne und noch größere Erfolge für die Mitglieder erzielen als in den beiden letzten Jahren.( Lebhafter Beifall.) Den Kaffenbericht erstattete Pfeiffer( Berlin), der eine Erläuterung der einzelnen Posten gab. Die verflossene Geschäftsperiode sei für die Kaffengebarung sehr ungünstig gewesen und habe die Notwendigkeit einer Neugestaltung der Finanzen gezeigt. Lüdede( Magdeburg) gab den Ausschußbericht. Er erörterte eingehend die eingelaufenen Beschwerden, die mehr interner Natur find. In der Debatte über die Berichte = Zum Kaffenbericht machte der Verbandstaffierer König lediglidy Mitteilungen interner Natur. Ueber die Tätigkeit des Verbandsausschusses referierte deffert Vorsitzender Haupt Magdeburg. Im ganzen famen 28 Beschwerden zur Behandlung. Die meisten Streitfälle ergaben sich aus der Bahlung oder beffer Nichtzahlung das 53. Wochenbeitrages. Da aber über diese Frage 1912 in Dresden endgültig entschieden wurde, war die Stellung des Ausschusses gegeben und mußte auf Zahlung er fannt werden. gab Verbandsvorsitzender Schumann. Aus dem schriftlichen Bericht auf den der Redner verwies, führen wir folgendes an: Es kann mit Genugtuung fonstatiert werden, daß es gelungen ſagte der erste Redner, Bodelmann( Hamburg): 3u bedauern Nunmehr wurde die Diskussion über den Geschäftsbericht eröffnet. ist, troh ungünstiger Konjunkturverhältnisse die wirtschaftliche Bo- lei, daß der Vorstand den Wünschen der Hafenarbeiter nicht entfition der Mitglieder gegen alle Verschlechterungsversuche der Unter- prochen und keine Konferenz für diese einberufen habe. Bei Tarif- Mit zur Debatte stehen eine große Zahl Anträge, die fich haupts nehmer erfolgreich zu verteidigen, sowie die Organisation nume- abschlüssen müsse man sehr vorsichtig sein, die Verhandlungen mit sächlich mit Verwaltungsfragen und einer Neueinteilung der Kreise den Unternehmern sollten protokollarisch festgelegt werden. In beschäftigen. Ein Antrag Dresden, zweds Verschmelzung mit dem risch auf der gleichen Höhe zu erhalten wie vor Eintritt der wirtHamburg sei es vorgekommen, daß die Unternehmer später die Rich Lederarbeiterverband Rüdirrache zu nehmen, war durch die abtigkeit der Vereinbarungen bestritten hätten. Brandes lehnende Haltung des Verbandstags der Lederarbeiter fürzlich in ( Bremerhaven) wünscht, daß der Vorstand das Material über die Berlin gegenstandslos geworden. gegnerischen Organisationen einheitlich zusammenstellt und den Funktionären zugänglich macht. Pflug( Leipzig) meinte, die Grenzstreitigkeiten feien eines der traurigsten Kapitel in der Arbeiterbewegung. Sie würden meist durch die leitenden Personen in die Organisationen hineingetragen. Nagel( Dresden): Durch die Politischerklärung will man uns die Jugendlichen nehmen, dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln wehren. Genaud( Riefa) Grenzstreitigkeiten mit den Solzarbeitern nicht beseitigt. Böhm meinte, durch den Kartellvertrag mit den Holzarbeitern seien die ( Braunschweig) betonte, die Grenzstreitigkeiten könnten durch den Zusammenschluß aller Verbände zu einem allgemeinen Arbeiter berein beseitigt werden. wirtschaftlichen Depressionen. Ja, es ist uns sogar möglich gewesen, eine Steigerung der Mitgliederzahl herbeizuführen. Am Schluffe der letzten Geschäftsperiode betrug die Mitgliederzahl 195 249. Das Jahr 1912 brachte einen Zuwachs von 30 739 Mitgliedern, das Krisenjahr 1913 ein Mehr von 3439, so daß die Zahl der Mitglieder in beiden Jahren um 34 178 stieg. Die Geschäftsperiode schloß mit einem Mitgliederbestand von 229 427, darunter 9201 weibliche, ab. Mit diesem Ergebnis kann der Berband in einer Zeit wirtschaftlichen Niederganges wohl zu frieden sein. Sehr interessant ist eine Statistik über die Dauer der Mit: gliedschaft. Nach dieser gehörten Ende 1913 dem Verbande als Mitglieder an: bis zu einem Jahre 48 496= 21,1 Prog, bon 1 bis au 3 Jahren 75 682= 33 Proz., von 3 bis zu 5 Jahren 39 176 17,1 Proz., von 5 bis zu 7 Jahren 21 320 9,3 Broz., von 7 bis zu 10 Jahren 27 855 12,1 Prozent, über 10 Jahre 16 898 7,4 Proz. 1 Ueber die Hälfte aller Mitglieder gehört also der Organisation bis zu drei Jahren an und nur 30 Prozent über fünf Jahre. Diese Bahlen zeigen allein schon, wie ungeheuer die Fluktuation sein muß. Die Werbefähigkeit des Verbandes ist eine große, die Zahl der Neueintritte in jedem Jahre verhältnismäßig hoch; sie betrug 1912 88 691 und 1913 65 390. Also über 150000 Aufnahmen Find in der Geschäftsperiode gemacht worden, aber nur etwas mehr als die Hälfte fonnte von ihnen gehalten werden! Als erfreuliches Ergebnis der organisatorischen Tätigkeit des Verbandes ist ferner die Tatsache zu registrieren, daß es gelungen ist, für eine erhebliche Zahl der Mitglieder trop der ungünstigen Verhältnisse wesentliche Verbefferungen im Arbeitsverhältnis durchzusetzen. Im Jahre 1912 wurden 1046 Lohnbewegungen geführt, die sich auf 229 Orte und 2 Stromgebiete sowie 4994 Betriebe mit 126 101 Beschäftigten erftredten. 1913 war die Zahl der Bewegungen etwas geringer; fie betrug 904. Diese Bewegungen umfaßten 232 Orte nebit 4 Stromgebieten und 6895 Betriebe mit 68 975 Beschäftigten. Mit Erfolg wurden 1912 94 Broz. und 1913 93,9 Proz. aller Bewegungen durchgeführt. Die für die Mitglieder erzielten Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen find 1912 weit höher als 1913, was durch die Krisis erklärlich erscheint. Im Jahre 1912 fonnte für 34 565 Personen eine Arbeitszeitverkürzung um durchschnittlich 5,6 Stunden für jede einzelne Berson pro Woche durchgesetzt werden. Lohnerhöhungen sind für 70 144 Beteiligte 180 316 M. pro Woche erreicht worden. Für das Jahr 1913 betrug die Arbeitszeitverkürzung für 13879 Personen durchschnittlich 4 Stunden wöchentlich für jeden Beteiligten. An Lohnerhöhungen sind für 47 295 Personen 92 947 M. pro Woche erzielt worden. Daneben wurden in beiden Jahren noch eine Reihe anderer Verbesserungen errungen und beabsichtigte Verschlechte rungen abgewehrt. Auch weitere Redner besprachen Grengstreitigkeiten. Die Debatte wird morgen fortgefest. Verbandstag der Schuhmacher. Hamburg, 8. Juni 1914. Der Zentralverband der Schuhmacher eröffnete heute im biesigen Gewerkschaftshause seinen 15. Verbandstag. Erschienen find 71 Delegierte und 10 Gauleiter; der Vorstand ist vertreten durch den Vorsitzenden Simon Nürnberg, die beiden Kassierer Reuß und König und den Sekretär Weiter&. Für die Redaktion ist Bod Gotha und für den Verbandsausschuß Haupt- Magdeburg anwesend. Knoll Berlin vertritt die Generalfommission. Als Gäste nehmen von ausländischen Bruderorganisationen an den Verhandlungen teil: Jörgensen Kopenhagen, Johannsen Stodholm, Richards Leicester, Möller- Wien und Fartas Budapest. 9 D In der Begrüßungsrede gab der Vorsitzende einen geschichtlichen Rückblick über das nunmehr dreißigjährige Bestehen der Organisation. Gerichtszeitung. Mädchenhandel. blide in den Geschäftsbetrieb der in Hamburg, Altona, Stiel, Ein Mädchenhandelprozeß, der sehr bemerkenswerte Eine Leipzig, Köthen, Braunschweig und anderen Orten bestehenden öffentlichen Säufer" gestatten wird, findet dem. nächst vor der 3. Straffammer des Landgerichts I unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Baumgarten statt. Die auf gewerbsmäßige Ruppelei lautende Anklage richtet sich gegen den Maler Robert Fischer, dessen Ehefrau Anna F die ledige Gertrud Hennig, den Klempner Otto Wotschte und die ledige Helene Bebuke. Die Fischerschen Eheleute sind der Polizei seit längerer Zeit als gewerbsmäßige Mädchenhändler bekannt. Ihre Ware" besteht aber nicht aus Seide" oder Halbseide", d. h. unbescholtenen Mädchen bezw. solchen, die noch nicht unter Sittentontrolle gestanden haben, sondern aus„ Baumwolle", wie in der Verbrechersprache die Kontrolldirnen genannt werden. Wie die Anklage insbesondere der schon fünfmal wegen Ruppelei vorbestraften Frau Fischer zur Last legt, sollen die Angeklagten in der Weise zu Werke gegangen sein, daß sie auf der Straße Mädchen ansprachen und ihnen dann in den schönsten Farben das sorgenfreie Leben" in einem öffentlichen Sause schilderten. Mit den schon unter Sittentontrolle stehender Mädchen trat Fischer dadurch in Verbindung, daß er vor dem FröbelKrankenhaus für Geschlechtstrante Sittenmädchen erwartete und die entlassenen Mädchen ansprach. Er ging dabei, wie er einmal äußerte, von der Ansicht aus, daß diese Mädchen für die Broving Er schilderte, welche Hindernisse zu überwinden waren, um aus gut genug seien. Die Mädchen, die ihre Einwilligung gaben, murdem ehedem kleinen Häuflein organisierter Schuhmacher den Ver- den dann in der Wohnung der Fischerschen Eheleute frisiert und band zu seiner heutigen Machtstellung zu machen. Wenn ehedem die aufgepust, damit sie auf die extra zu diesem Zwed nach Berlin Unternehmer die Organisation nicht anerkennen wollten, so wurden kommenden Bordellbesiber einen recht guten Eindruck machten. Diese fie recht bald genötigt, umzulernen, und heute suchen diese Herren Herren betrachteten dann die Ware" und zahlten je nach Ausfall den Verband auf, um zu verhandeln. In Ehren wolle man heute der Prüfung an die Angeklagten Vermittlerprovisionen von 50 bis der Senioren der Organisation gedenken, da ist der altverdiente Rollege 200 Mart. Für junges Gemüse", d. h. Mädchen bis zum Alter von Bod, der eigentliche Begründer der Gewerkschaft, dann Reus, 19 Jahren, wurden bis zu 200 m. gezahlt, ältere Semester, die den der die ganzen 30 Jahre hindurch die Kassengeschäfte gewissenhaft schönen Namen„ Kommoden" haben, brachten nur 50 M. Hauptbesorgte, und schließlich der alte Siebert, der frühere Borsigende. abnehmerin der Ware" war die Bordellbesizerin Waltmann in Erneuern wir heute den Schwur, in zäher Ausdauer für den Ver- Hamburg, die auch die höchsten Preise zahlt. Zwei Mädchen im band zu wirken, damit es uns gelingt, die Kollegen zur Sonnenhöhe Alter von 19 und 22 Jahren gingen sogar unter Preis", d. h. für der Kultur emporzuführen! je 25 M. an den Bordellwirt Bedenstedt in Göthen ab. Gine gewiffe Aus dem Richter, welche die Angeklagte Behnke besorgt" hatte, erklärte auf dem Anmeldeschein in Altona wahrheitswidrig, daß sie in Berlin unter Kontrolle gestanden habe, da sonst Schwierigkeiten mit der dortigen Polizeibehörde entstanden wären. Zu der Verhandlung sind neben 30 Bordellinfafsinnen mehrere Bordellwirte aus Hamburg, Altona, Leipzig, Göthen und anderen Orten als Zeugen geGeschäftsbericht 1 Die Zahl der Tarifverträge hat sich in der Berichtszeit stark vermehrt. Ende 1911 waren 809 vom Verband abgeschlossene Tarifverträge für 7851 Betriebe mit 76 011 Personen in Kraft. Am Ende der Geschäftsperiode konnte der Verband aber 1178 Ver- für die Jahre 1912-13, welcher der Generalversammlung vorliegt, träge für 7227 Betriebe mit 93 700 Personen zählen. Von diesen ist zu entnehmen, daß der Beschluß des legten Verbandstages, bie 93 700 Personen waren bei Abschluß der Verträge 74 071 Mitglieder Beiträge in allen Klassen um 10 Pf. zu erhöhen, der Organisation der Organisation. Demnach arbeiten 32 Proz. aller Mitglieder zu nur wenig Austritte brachte. Durch die Ungunst der Erwerbsver- Laden. tariflichen Vereinbarungen. Von den 199 vertragsfähigen Genoffen- hältnisse und wegen des schlechten Geschäftsganges in der Schuhfchaften haben 177 den Tarif anerkannt, 3 haben Sonderberträge industrie mußten viele Mitglieder ihren Beruf wechseln und gingen so der Organisation verloren. Der Mitgliederstand ist aus abgeschlossen und 19 find tarifuntreu! Die vom Verband für Unterstübungen aufgewandten diesen Ursachen denn auch zurückgegangen. Burden zu Beginn 1912 Summen steigern sich stetig. Der für Unterstübungen aller Art ber- 45 792 Mitglieder gezählt, fo waren es Ende 1913 nur noch 44 363; ausgabte Betrag erhöhte sich von 2 111 255,86. im Jahre 1912 mithin ein Berlust von 1429 3,1 Prozent der Mitglieder. Die Finanzen wurden von der fleinen Mitgliederabnahme auf 4-285 180,35 M. im Jahre 1913, also um 2173 924,49 M. gleich 103 Broz. Diese Steigerung überragt sowohl in der Summe, als faft nicht berührt. Was der Verband in den letzten 10 Jahren für auch prozentual alle früheren. Die Arbeitslosenunterstüßung hatte die einzelnen Unterstügungseinrichtungen für enorme Summen verdie größte Steigerung aufzuweisen, 168 116 M., bon 480 988 M. im ausgabt hat, veranschaulicht am besten folgende Zusammenstellung Jahre 1912 auf 649 104 m. im Jahre 1913. Die Krantenunter- Streitunterstützung 1588 422 M., Reiseunterstützung 202 848 m., tügung stieg von 938 872 M. im Jahre 1912 auf 1 069 681 9. 1913. Arbeitslosenunterstügung 904 570 M., Krantenunterstügung 1533 981 Die Ausgaben für Lohnbewegungen stiegen von rund 535 000 M. Mart, Wöchnerinnenunterstützung 33 957 M., insgesamt 4 263 773 m. im Jahre 1912 auf rund 2 355 000 m. im Jahre 1913, also um Das lezte Jahrfünft brachte dem Verband die relativ und 1820 000 M. oder 339 Proz.! All diese Steigerungen der Ausgaben abfolut stärkste Vermehrung des Verbandsvermögens. Dieses stieg berursachten einen Rüdgang des Barbermögens der Hauptfaffe im in dieser Zeit von 409 666 m. auf 862 309 m. Der Zuwachs ist Jahre 1913 um 780 000 M. Es betrug Ende 1913 1083 861 M. in der Hauptsache auf die Erhöhung der Beiträge zurüdzuführen. Schumann führte zum Geschäftsbericht aus: Wir haben Die Tarifverträge finden auch in der Schuhindustrie alle Ursache, unsere Einrichtungen dahin zu prüfen, ob sie so ge- immer mehr Eingang. Am Ende der Geschäftsperiode bestanden staltet sind, daß fie uns in dem Bestreben, die neuen Mitglieder zu 160 Tarifverträge für 6309 Betriebe mit 15 245 Arbeitern. Bon halten, gut unterstüben. Die Uebertritte von anderen Organi- diesen Verträgen entfallen auf das Schuhmacher handwerk 121 für fationen betragen rund 15 000. Der Hauptteil der llebertritte ent- 6262 Betriebe mit 11 222 Arbeitern, und auf die Schuhfabriken fällt auf die Bauarbeiter. Die geringe Zahl der Hebertritte aus 39 Verträge für 47 Betriebe mit 4028 Arbeitern. der Nahrungs- und Genußmittelindustrie zeigt, daß die, Behaup Die Lohnbewegungen und Streits betrugen in tung, wir würden versuchen, Mitglieder dieser Organisation zu uns herüberzuziehen, unrichtig ist. Mit Genugtuung fann uns erfüllen, daß wir imitande waren, unsre Mitgliederzahl nicht nur zu halten, fondern noch um 34 178 zu erhöhen. Nach Lage der wirtschaftlichen Verhältnisse fonnte kaum mehr erwartet werden. den beiden letzten Jahren 453, an denen 30 283 Arbeiter beteiligt waren. Den größten Umfang nahmen die Angriffsbewegungen ohne Streit, fie umfaßten 1912 60,3 Proz. und 1913 64,8 Proz. sämtlicher an den Bewegungen Beteiligten. Durch die Bewegungen wurden für die Arbeiter ganz wesentliche Vorteile erzielt. Die Erfolge des Redner ging dann auf die sozialpolitischen Gesezes Jahres 1913 sind noch etwas größer. borlagen im Reichstag, von denen die Transportarbeiter beson- Die internationalen Beziehungen haben erfreulicher bers berührt sind, ein. Der sozialpolitische Kurs ist auf Rüdwärts" weise auch in dieser Berichtsperiode eine Erweiterung erfahren. Die gerichtet. Das beweist im besondern die Borlage auf Neuregelung englische Bruberorganisation hat ihren Anschluß an die Internatio11 Wenn man die Brille nicht zur Hand hat. Wegen eines sehr dreisten Betruges, der zum Schaden einer alten Dame in Szene gefeßt worden ist, stand gestern der Grabdenkmalfabrikant Jakomin Lovracovic aus Reinickendorf vor der 6. Straffammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rosenthal, der Witwe Bauline Hofedank in Tegelort beauftragt worden, für Der Angeklagte, ein österreichischer Staatsangehöriger, war von ihren verstorbenen Ehemann und sie selbst einen Grabstein zum Betrage von 1250 M. zu errichten. Der diesbezügliche Vertrag wurde Anfang Januar 1913 dahin abgeändert, daß für das Grabdenkmal einschließlich verschiedener Nebenarbeiten und zweier Zementeinfassungen der Werflohn auf insgesamt 3000 M. festgesetzt wurde. Am 21. Juli 1913 legte der Angeflagte dem fönigl. Stempelverteiler Römer einen Schuldschein zur Verstempelung vor, nach dessem Inhalt die Witwe Pauline Hofedant von dem Angeklagten am 16. Jas nuar 1913 ein Darlehn bon 8000 M. empfangen zu haben sich befannte, die Rüdzahlung des Kapitals mit 5 Bros. Zinsen auf den 1. Juli 1920 festgesetzt war und die Fälligkeit beim Ableben der Schuldnerin jofort eintreten sollte. Nun wurde wegen verspäteter Vorlegung dieser Schuldurkunde gegen den Angeklagten und die Witwe Hofedank von der Steuerbehörde ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eröffnet. Dadurch erst erfuhr die jest 78jährige, in den allerbesten Verhältnissen lebende Frau Hofedank von dem Vorhandensein dieses Schuldscheins. Obgleich dieser zweifellos die eigenhändige Unterschrift der Frau H. trägt, bestritt diese auf das entschiedenste, jemals von dem Angeklagten ein Darlehn empfangen oder einen solchen Schuldschein mit Kenntnis feines Inhalts unterschrieben zu haben. Nach der Ansicht der Frau Hofedant, die durch die Beweisaufnahme ihre Bestätigung fand, muß der Angeklagte Nr. 155. 31. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 10. Juni 1914. 9670 Heute Mittwoch, den 10. Juni: Zahlabend in Groß- Berlin. Verband der Sozialdemokratischen Wahlveceine Berlins und Umgegend. Ordentliche Generalversammlung des Verbandes am Sonntag, den 14. Juni 1914, vormittags 9 Uhr, in den Konzert und Festsälen, Koppenstraße 29. Provisorische Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, Rassenbericht, Bericht der Rebiforen. 2. Wahl des Vorsitzenden, Schriftführers, Kassierers; der Revisoren und der weiblichen Vorstandsbeisiger sowie Bestätigung der von den Kreisen gewählten Funktionäre des Verbandes. 110112 3510 3. Wahl des Bildungsausschusses. anspruch außerordentlich erschwert. Die Folgen dieser unhalt- Zeuthen- Miersdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlbaren Zustände äußern sich denn auch in ungeheurer technischer Be- vereins findet heute in Zeuthen bei Robert Barnad statt. Die lastung sowohl der Kassen, als auch der Aufsichtsinstanzen, welchen Tagesordnung lautet: 1. Bericht der Delegierten. 2.„ Vorwärts" die Entscheidung der sich hieraus ergebenden Streitfälle obliegt. Das und Wahlvereinsagitation und Verschiedenes. Vorzuzeigen sind die bei kommt noch in Betracht, daß die finanzielle Belastung der Kassen Mitgliedsbücher der Gewerkschaften zur Kontrolle der Maimarten. gerade durch diese Kategorie der Versicherten eine ganz gewaltige Röntgental, Zepernick, Buch. Der Zahlabend findet am Donners sein wird; es kommt hier eben das von uns so oft aufgezeigte tag, den 11. Juni, abends 8 Uhr, im Lokal von August Lange Elend der Heimarbeit und Hausindustrie zum Aus Lokal von Alex Picotrowski, Bahnhofstraße 6. statt; der für Buch am Sonnabeud, abends 812 Uhr, in Buch im drud, das sich in dem schlechten Gesundheitszustande dieser Personen dartut. Hier werden die sogenannten stillen Zeiten dieses Gewerbes, die noch bevorstehen, ein übriges zeigen, indem in der Rastlosigkeit des Erwerbes die Sorge um die Gesundúng hintangestellt wird. Alles in allem dürften die von sehr wenig Sachkenntnis zeugenden Gejeßesbestimmungen für das Hausgewerbe sicherlich auf die Dauer nicht haltbar sein. straße 34: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Oranienburg. Mittwoch, den 10. Juni, bei Pezold, SchüßenJugend auf?" Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Bericht der Lokalkommission. Kommunales. Parteiangelegenheiten. Spandau. Heute Mittwoch, abends 81%, Uhr, Zahlabend in allen Bezirken. Spandau. Am Freitag, den 12. Juni, abends 812 Uhr, bei Köpnic, Pichelsdorfer Straße 39, außerordentliche GeneralverRecht segensreich wirken die für die Wöchnerinnen gün- fammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zu der am 5. Juli in stigeren neuen Bestimmungen, die in Form der Schwangerschafts- Hennigsdorf stattfindenden Kreisgeneralversammlung. Anträge. und der verlängerten Wöchnerinnenunterstützung als auch der Er- Wahl der Delegierten. Vereinsangelegenheiten. ftattung von Hebammentoften eine wirkliche Wohltat für die Betroffenen bedeuten. 4. Wahl der Delegierten zum Internationalen Sozialisten- Schwierigkeiten, die vielfach in der Ueberlastung der abfertigenden fongreß in Wien. 5. Bericht der Reorganisationsfommission. 6. Anträge der Kreiswahlvereine. Anträge: Bierter Wahlkreis! Teltow- Beeskow: Die Verbandsgeneralversammlung wolle beschließen, daß diese, anschließend an ihren Beschlug vom 18. Mai 1913, ausbrüdlich fest stellen möge, daß gegen die Beschäftigung des Genossen Borchardt als Redner, Lehrer und Schriftsteller für unsere Sache nichts eingewendet werden kann, und daß die Verbandsgeneralversammlung den Zentralvorstand beauftragt, dem Genossen Borchardt bei seiner Tätigkeit keine Hindernisse in den Weg zu legen." " Im Interesse der geistigen Anregung des Parteilebens in Berlin sowie entsprechend dem demokratischen Charakter der Partei, die ihre wichtigsten Fragen und Entscheidungen den breiten Kreisen ihrer Mitgliedschaft unterbreiten muß, ist auf die Tagesordnung jeder ordentlichen Verbandsgeneralversammlung von Groß- Berlin außer den geschäftlichen Berichten und Wahlen die jeweilig wichtigste politische Frage mit entsprechendem Referat zu segen." Eine Voltsversammlung findet am Dienstag, den 16. Juni 1914, abends 8 Uhr, in den Germaniasälen, Chausseestraße 110, statt. Tagesordnung: in sredn Berliner Nachrichten. Rundfahrt. Die Beschwerden der Beteiligten wollen auch jetzt nicht verstummen; so stößt die Abfertigung des Publikums immer noch auf Beamten mit Schreibwert, als auch in der Tatsache liegen, daß oft die Kaffenräume unzulänglich sind; der Typ des Wohnhauses mit Die„ Mailcoach", das vier- und sechsspännige Bagenseinen vielen unnüßen Gängen und Winkeln, in dem viele Kassen ungetüm, das uns die auf Treptower Gelände veranstaltete ihr Heim haben, ist eben für diese 3wede völlig ungeeignet. So letzte Berliner Gewerbeausstellung ausgangs des vorigen dankenswert das Bestreben einzelner Kassen ist, mit der Schaffung Jahrhunderts bescherte, hat sich nicht lange gehalten. Die eigener Bade- und Massageanstalten den Mitgliedern nach englischer Sportmode damals auf Berliner Pflaster einDer Vorwärts" ist im Wochenabonnement von 23 Bf. zu einwandfreie Einrichtungen in Verbindung mit Ersparnissen für geführten Luruswagen waren wohl während der Ausstellung liefern. die Kaffe darzubieten, muß andererseits entschieden verurteilt wer- etwas Neues und wurden mehr von Konfektionsdamen und den, wenn den Mitgliedern der Zwang auferlegt wird, nur diese Lebejünglingen benutzt als von feudalen Streifen, für die sie Anstalt zu benußen; wenn man in Betracht zieht, daß dazu stunden- eigentlich bestimmt sind, aber gleich nach Schluß der Auslange Wege zurüdgelegt werden müssen, stellt sich dies als eine stellung flaute das Interesse wieder ab, und der Versuch, dieſe arge Belästigung der Versicherten dar. Die Versorgung der Mit- aufgedonnerten Gefährte zu einer ständigen Einrichtung zu glieder mit ärztlicher Silfe läßt teilweise viel zu wünschen machen für solche Schwerenöter, die für ihr Geld sich öffent übrig; die Zahl der zur Verfügung stehenden Kaffenärzte entspricht lich mausig machen wollen, fiel ins Spreewasser. Autos gab dort nicht dem wirklichen Bedürfnis, so daß die Sprechstunden so es damals noch nicht, sonst hätte die progige Mailcoach", von überlaben sind, daß eine zwedentsprechende Untersuchung der Er- deren hohem Kutschbock ein livrierter dienstbarer Geist alle frankten einfach zur Unmöglichkeit wird. Hinzu kommt noch der paar Minuten aus meterlanger Fanfarentrompete blies, noch teilweise geübte Brauch, für jede einzelne Mitgliederkategorie be- weniger Anklang gefunden. Nicht mal die im Sommer nach sondere Verordnungsformulare vorzuschreiben, mas neben sonstigem Berlin kommenden Fremden wollen heute von der hochgebauten reichlich vorhandenem Schreibwerf den Arzt nachgerade zum Bureau Renommierfutsche" etwas wissen, die nur noch zuweilen bei angestellten pregt. Diejenigen Kaffenverwaltungen, die einer un Pferderennen, mit Säbelraßlern und Monokelhelden besetzt, annötigen Belästigung aller Beteiligten vorbeugend, das umständliche zutreffen ist. Abstempeln der Bäder-, Milch- und Brillenverordnungen abgeschafft Für die Hochflut des Fremdenstroms ist eigens der Rundhaben, fönnen irgendwelche ungünstigen Rüdwirtungen nicht verfahrtwagen erfunden worden, der sich inzwischen natürlich in zeichnen. Wohin soll es z. B. führen, wenn der Arzt den Milch ein Auto gewandelt hat. Etwa 50 ungedeckte Sizplätze, die verordnungen noch ertra eine Begründung ihrer Notwendigkeit zu- nach hinten ansteigen, um die Uebersicht nicht zu hindern, fügen muß; fobiel Selbständigkeit muß dem Arzt doch auf alle Fälle werden pro Rundfahrt für 3 M. meist in den Hotels und Reisezustehen, um eine solche Verordnung einfach in sein Ermessen zu bureaus vermietet das Geschäft bringt also einen hübschen stellen. Groschen Geld ein, da die Umfahrt nur wenige Stunden dauert. Die Fremden sind aber im Irrtum, wenn sie nun glauben, auf diese Weise wirklich alle Sehenswürdigkeiten beaugenscheinigen zu können. Im Fluge werden die Schlösser, die Puppenallee und andere Denkmalszüchtereien, bemerkenswerte öffentliche und private Gebäude abgefahren, wobei der auf dem Wagen postierte ,, Bärenführer" in deutscher und fremder Sprache eine Erklärung gibt, der in der Regel noch ein starfer Stich ins Patriotische beigemischt ist, aber einen richtigen lleberblick über Spreeathen fann der Fremde Innenstadt kaum hinausgeht. Die Vorstädte bleiben unberührt, und so erhält der Fremde feinen Einblick in das wahre Volfsleben, in so manche schöne Anlagen, die sich gerade in Schiedsgerichts nichts mehr vorläge, die Sache somit zu Ende sei. den Vorstädten befinden. Die Schlösser und die Puppen geben Der Ueberschuß wird dem Deutschen Hilfsverein für die Demgegenüber ist zu bemerken, daß der 3. Kreis gegen das Schieds- der Weltstadt Berlin längst nicht mehr die Signatur. Sie politischen Gefangenen Rußlands zugewendet. gerichtsurteil in Sachen Borchardt Einspruch an den Parteitag in sind durch gemeinnützige, viel wertvollere Bauwerke in den Bürzburg erhoben hat. Der Der Vorstand. Hintergrund gerückt, sind nur noch ein Stück lokalhistorischer Dritter Kreis, VII. Abteilung( Begirle 282, 232a, 233, 235, Detoration. Wer echtes Berliner Leben kennen lernen will, 237). Heute Mittwoch, den 10. Juni: Gemeinsamer Zablabend bei ber soll den Trubel der Innenstadt vergleichen mit dem Henning, Alexandrinenstr. 44. Bortrag über Heinrich Heine. Das erst gibt ein Recht, daheim zu erzählen, daß man in Vorstadtleben, womöglich am Sonnabend oder Sonntag. Berlin auf einer furzweiligen Rundfahrt" nicht nur ein paar Dugend Prozbauten erhascht, sondern den„ Wasserkopf" auch etwas eingehender in allen seinen Lebensadern gesehen hat. Wer sich ein eigenes richtiges Urteil bilden will, der tue noch ein übriges und studiere gegen abend die Straße ein Stündchen vor dem Berliner Nachtasyl. Hier endet alltäglich die Rundfahrt des Massenelends, und diese eine Studienstunde wird lehrreicher sein als die Augenverblendung von Marmor und Goldbronze. Aus russischen Kerkern! Ein Hilferuf. Die Leiden der politischen Gefangenen Rußlands. Vortrag des Schriftstellers Ernst Reuter( mit erläuternden Lichtbildern). Es dürfte Aufgabe der Rassenorgane sein, in allen diesen Fragen alles das über Bord zu werfen, was bielfach aus irgend welchen Gründen zur Einführung gelangte, in Wirklichkeit aber zu allerlei Beschwerden Anlaß gibt. Biel ist in dieser Beziehung schon geschaffen in der Zusammenarbeit aller Beteiligten.. Parteiangelegenheiten. Zu der Versammlung werden Eintrittskarten zum Preise bon 20 Pf. verausgabt, die in nachfolgenden Ausgabestellen zu haben sind: Zigarrengeschäft Schröder, Hagelbergerstr. 54/ 55.1 Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 15. Zigarrengeschäft Baumann, Rungestr. 30. Bureau des 4. Wahlkreises, Stralauer Blaz 10/11( von 9-1 und 5-7 Uhr). Vorwärts"-Spedition, 3. Wahllreis. Erklärung! Nach dem Bericht von der Ge- schon deshalb nicht gewinnen, weil die Fahrt über die Petersburger Plaz 4. Zigarrengeschäft Schneider, Hufeland- neralversammlung des Sentralwahlvereins für den Kreis Teltowstraße 30. Restauration Dieseler, Brunnenstr. 150, im Hof. Beeston in Nr. 158 des" Vorwärts" hat Genosse Ernst die Erfläcung Restauration Friedrich, Gerichtstr. 19. Restauration von abgegeben, daß gegen den Genoffen Borchardt nach dem Spruch des Baersch, Oldenburger Str. 10. Die Adresse des Verbandsbureaus, des Bezirksbildungsausschusses, des Jugendsekretariats und der Kinderschutz fommission ist jetzt: Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 3. Hof, 4. Aufgang 3 Treppen. Fernsprechanschlüsse: Amt Morigplay Nr. 4740 und 4741. Der geschäftsführende Ausschuß. Die Krankenversicherung in Groß- Berlin. Die Schwierigkeiten, die den Krantentassen entgegenstanden in der Ausführung der ihnen nach der Reichsversicherungsordnung obliegenden neuen Aufgaben dürften jest, jomeit fic technischer Natur sind, wohl zum größten Teile überwunden sein. Es erscheint jedoch, daß die Kassen infolge des verspäteten Erscheinens der in Frage fommenden Ausführungsbestimmungen furz vor dem Inkrafttreten des Gefezes, vielfach zu übereilten Maßnahmen gedrängt worden find, die den Anforderungen nur unvollständig genügen, obwohl in der Organisation der Kassengebilde in bezug auf Mitglieder- und Wirkungsfreis eine geradezu umwälzende Umgestaltung vor sich gegangen ist. Erster Wahlkreis. 2. Abteilung. Gemeinsamer Zahlabend bei Löwe, Holzgartenstraße 6. Vortrag. Zweiter Wahlkreis. III. Abteilung, Friedrichstadt. 8ablabend: Mittwoch, den 10. Juni, bei Rathmann, Wilhelm traße 118. Vortrag des Genoffen Dr. Alfred Beinstein: Notwendige Beschräntung in der Vermehrung der Menschen." " 1 3ahlnacht: Mittwoch, den 10. Juni, abends 12 Uhr, bei Bwve. Augustin, Oranienstraße 103: Die gelbe Gefahr". Referent: Genoffe Rich. Barth. 3ahlmorgen: Donnerstag, den 11. Juni, früh 5 Uhr, bei Wwe. Augustin. Vortrag des Genossen Gustav Grohmann. Alle jäumigen Mitglieder müssen diesmal auch erscheinen. Lichtenberg. Heute abend 8%, Uhr: Kombinierte Zahlabende folgender Abteilungen: Satire im Revolutionsjahr". Referent: Genosse Thurm. 5. Abteilung bei Köhrich, Jungstr. 10. Vortrag: Humor und " " " dj Eur hochherziger Stifter. and In der gestrigen Sigung der Berliner Waisendeputation wurde mitgeteilt, daß der Stadtverordnete Solmiş 10'000 m. gestiftet habe, deren Zinsen zu Ausstattungszwecken für unwie ist die Religion entstanden?" Referent: Genosse A. John. 10. Abteilung im„ Logentafino", Knorrpromenade 2. Vortrag: eheliche Kinder bestimmt sind. Wenn man bedenkt, daß heute das uneheliche Kind vielfach noch als Paria behandelt wird, 11. und 12. Abteilung im Café Bellevue, Hauptstr. 2. Vortrag: darf die Stiftung besonders begrüßt werden. Herr Solmiş Die am 22. Juni stattfindende Stadtverordnetenivahl." Referent: gehörte bis bor furzent der Waisendeputation als Mitglied an. Genosse Elias. schaftsamtes dürfte manches Gute stiften können. Die Stiftung in der Verwaltung des städtischen Vormund21. Abteilung bei Haß, Möllendorfftr. 107. Vortrag:" Was ist Religion? Referent: Genoffe H. Schulzz Jagow über das Teppichklopfen. Eine neue Polizeiverordnung hat der Polizeipräsident stand der Reglementierung. Die Verordnung lautet: Berlin erlassen. Diesmal ist das Teppichklopfen GegenBetreffs der nach der Reichsversicherungsordnung neu in die Friedenau. Der Zahlabend findet beute für den 1., 2. und Versicherungspflicht einbezogenen Arten der Versicherten haben sich 3. Bezirk bei Klabe, Handjeryfir. 60/61, für den 4., 5. und 6. Bezirk recht eigenartige Zustände herausgebildet. Sind mittlerweile die im„ Chauffeurheim", Born- Ede Büfingstraße, statt. Dienst boten so ziemlich restlos ihren Kaſſen zugeführt worden, 10. Juni, abends 8%, Uhr, im Restaurant Türke, Hubertusbader Schmargendorf. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den von so ist doch die Zahl der sogenannten unständig Beschäftig- 10. ten, die sich in das Verzeichnis haben eintragen lassen, jo lächer- Straße 8. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Bahl einer Kommission lich gering, daß es wohl angebracht erscheint, für die Erfassung für die Konfumagitation. 4. Verschiedenes. dieser Bersonen andere Formen als die Verpflichtung zur Selbst- Raulsdorf. Heute Mittwoch, abenbs pünktlich 81 Uhr, bei meldung einzuführen. Die leider bestehende Gleichgültigkeit trägt Bobey, am Bahnhof: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Borbiel dazu bei, sich der Wohltaten der Versicherung zu begeben. Das trag des Genossen Erich Lezinsky- Neukölln über, Deutsche SteuerSchmerzenstind aller Stassen ist jedoch die Versicherung der Haus- und Zollpolitit". gewerbetreibenden; auch bei diesen Mitgliedern tritt die Berlin- Buchholz. Am Mittwoch, den 10. d. Mts., abends Tatsache in Erscheinung, daß ein sehr großer Teil gerade der Ber- 81% Uhr, findet bei Kähne, Berliner Str. 39, eine Mitglieber sonen, die in der eigenen Wohnung arbeiten, bislang noch nicht versammlung statt. versichert sind, dank der allgemein vorherrschenden Unkenntnis. Die Fredersdorf( Dftbahn). Heute Zahlabend bei Kirchner am Untlarheit und Dehnbarkeit der einschlägigen Gejegesbestimmungen Bahnhof. hat überhaupt zu einer Verschiedenheit der Auslegung geführt, die Alt- Glienice. Der Zahlabend in sämtlichen Bezirken fällt aus. den Beteiligten die Orientierung über assenzuständigkeit, dafür wird am Mittwoch, den 17. d. Mis., im Lofal von Schäfer, Meldepflicht, Beitragszahlung oder Leistungs. Schirnerstr. 54, eine Mitgliederversammlung einberufen. Auf Höfen und Hofgärten, die an Wohngebäude grenzen, dürfen Teppiche, Läufer, Decken, Polstermöbel und dergleichen nur am Freitag und Sonnabend von 8-12 Uhr vormittags geklopit werden. In der Woche vor den großen Festen ist das Klopfen an den drei dem ersten Feiertage vorausgehenden Wochen( Arbeits-) tagen von 8-12 Uhr gestattet. sid Zwar hat es bis heute schon an Verordnungen über das Teppichtlopfen nicht gefehlt. In zahlreichen Mietsverträgen ist die Zeit hierfür festgelegt. Diese Vorschriften werden durch Jagow in eine gewisse Form gebracht. Nur am Freitag und Sonnabend dürfen Teppiche usw. geflopft werden und auch nur in der Zeit von 8 bis 12 Uhr vormittags, wonach sich ieder glückliche Besizer eines Teppichs zu richten hat. Db unter den Worten und dergleichen" auch Kleidungsstücke zu verstehen sind, ist nicht ganz flar, es ist aber anzunehmen. oaß Jagows Erlaß auch hierauf sich bezieht. Die Verordnung gilt für den Landespolizeibezirk Berlin, bestehend aus den Stadtkreisen Berlin, Charlottenburg, Berlin-Schönebcrg, Neu- kölln, Berlin-Wilmersdorf, Berlin-Lichtenberg und der Land- gemeinde Stralau. Sadismus und Klaffeuhah. Wie fremd und gehässig manche Kreise der Arbeiterschaft gegen» überstehen, zeigt sich wieder einmal an einem besonders krassen Fall. In einer Versammlung der Deutschen Gesellschaft für öffent« liche Gesundheitspflege sprach ein Herr Dr. Alexander Marx über die Hygiene der WarmwaflerversorgungSanlagen. Hierbei hat der Herr dem.Berliner Tageblatt" zufolge u. a. ausgeführt: .Zu befürchten ist zunächst, daß der Portier oder die Hand- werker, die eine Reparatur des SchwimmkugelgefäheS vornehmen sollen, das Wasser infizieren. Endlich muß hier in Betracht ge- zogen werden, daß das Nutzwasssr wegen der Einschaltung eine« solchen GefäheS auch böswillig sehr leicht verunreinigt'werden kann, da eS auf dem entlegenen Dachboden und meist sehr zu- gänglich angeordnet wird. Der Gedanke ist jedenfalls nicht abzu- weisen, daß rohe Elemente unter den Bauhandwerkern, die vielleicht tagelang auf dem Dachboden des Hauses zu Reparatur- zwecken beschäftigt find und durch da» Rauschen bei der Wasser- entnähme auf das Gefäß aufmerksam gemacht werden, bös- willig das Gefäß verunreinigen, vielleicht in einer Art sadistischer Anwandlung oder aus Klassen- hast." Man muß sich nach dieser.objektiven" Leistung eine« Referenten »ur ftagen, woher der Herr den Mut hat, ohne jegliche Unterlage eine derartig frivole und leichtfertige Verdächtigung eine« Stande« in die Welt hinauSzuschicken. Uebrigens, Herr Doktor, warum sollen denn gerade Arbeiter solche Schweinigel sein? Haben Sie noch nicht von Unflätigkeiten aus anderen Kreisen gehört? Wissen Sie nicht, daß auch schon von feudalen Studenten Taten vollbracht wurden, die alles andere als appetitlich waren? Und dann: man denke nur an die Geheimnisse der Wurstkessel, an die tausendfach vorkommenden Schmutzereien in der Lebensmittelbranche, die nicht von Arbeitern ausgeführt werden, an jenen Bäckermeister, der regelmäßig in« Pfannkuchenfett spuckte. SadiSmu«, Klaffenhaß! Wirklich, von einem Arzt— und ein solcher ist doch wohl Herr Marx— hätte man mehr Taktgefühl und Sachlichkeit erwarten können al« au« seiner Rede hervorgeht. Zu spät! Der 60 Jahre alte Arbeiter Emil Rannig, ein ordentlicher und fleißiger Mann, verlor vor zwei Jahren durch den Tod seine Frau und war seitdem etwa? niedergedrückt. Seit einem Jahre wohnte er in der Tilsiter Str. 9 im dritten Stock de« Onergebäude« für sich allein in einer Stube. Vor zwei Monaten verlor der Mann seine Arbeit und konnte seitdem keine Beschäftigung mehr bekommen. Seine geringen Ersparniffe waren bald aufgebraucht. Am 1. Juni konnte Rannig die Miete nicht mehr bezahlen. Er bat den Wirt, sich etwa« zu gedulden, weil er immer noch hoffe, wieder Arbeit zu finden. Der Schankwirt Mewe« vom Weidenweg 17. der mit ihm befreundet war, bemühte sich für ihn und e« gelang ihm auch, bei einem Bekannten eine Stellung zu finden, die er heute antreten sollte. Gestern abend um 8'/, Uhr ging MeweS nach seiner Wohnung, um ihm die fteudige Mitteilung zu machen. Er fand die Tür unverschloffen, hört« aber drinnen keinen Laut. Al« er nun «intrat, fand er zu seinem Schrecken den betagten Freund tot auf. Der Verzweifelte hatte, wahrscheinlich schon am Sonnabendabend, einen Haken in die Wand geschlagen und sich in sitzender Stellung erhängt. Der Unglückliche hatte schon seit geraumer Zeit wiederholt Selbstmordgedanken geäußert._ Berlin im Gewitter. Der erste schöne Tag im Juni am gestrigen Dienstag erinnerte an da« Sprichwort: Man soll den Tag nicht vor den Abend loben. Lockte das warme Wetter und der blaue Himmel am Tage viele Menschen aus ihren Wohnungen und zog sie ins Freie, so wurde am Abend manchem die Freude wieder verdorben und den Besitzern der Gartenlokale da« ersehnte Geschäft. Gegen 8 Uhr zogen sich die Wolken am Himmel zusammen, und bald entlud sich ein starke» Gc- Witter, von unablässigen, manchmal zu wahren Wolkenbrüchcn aus- artenden Regenfällen beglettet. An verschiedenen Stellen richtete das Unwetter auch Schoden an, dessen Umfang bisher noch nichit zu übersehen war. Am Bahnhof Charlottenburg drang das Regenwasser in mehrere Keller ein und überschwemmte sie. In der Kantstraße wurde durch einen Blitzstrahl eine eiserne Verzierung am Turm eines Hauses Herabgeriffen. Nicht weit davon, an der Krummen Straße, schlug der Blitz in einen Straßenbahnmast und stürzte die obere Verzierung herunter. Auch in der GreifSwalder Straße wurde ein Straßcnbahnmaft vom Blitz getroffen; hier wurde dadurch der Straßenbahnbetrieb auf eine Viertelstunde lahmgelegt. Die Feuerwehr hatte infolge des Unwetters alle Hände voll zu tun. Ei» schwerer Straßenunfall ereignete sich Montagabend an der Eck« der Charlotten« und Leipziger Straße. Dort wollte der Kauf- mann Oskar Hellwich einen Straßenbahnwagen der Linie 87 ver« lassen, glitt au« und stürzte so schwer, daß er sich einen Bruch der linken Kniescheibe zuzog. Zur Frage der neuen partiellen Hundesperre, über deren lokal« Abgrenzungen allgemeine Unsicherheit herrscht, wird berichtet: Aus Grund des 8 ISt der AuSführungSbestimmungen de« Bundesrat« zum Viehseuchengesetz müssen bei Maul« und Klauenseuche in den Sperrbezirkcn die Hunde auf der Straße an der � Leine_ geführt werden. Diese Bestimmung de« Gesetzes, die natürlich für da« ganze Reich gilt, mag vielleicht in Berlin mit seinen wenigen und räumlich weit getrennten Kuhhaltungen in der Praxis nicht er- forderlich erscheinen, doch kann naturgemäß Berlin nicht eine Au«- nahmestellung in einem Landesgesetz einnehmen. Auf alle Fälle ist e« jedoch in den Sperrbezirken nur nötig, die Hund« an der Leine zu führen; ein Maulkorbzwang dagegen besteht nicht; nur in Pankow ist, wie wir berichtet haben, der Maulkorbzwang ein« geführt. Augenblicklich gelten al« Sperrbezirke die Vororte Reinickendorf, Pankow, Weißensee, Lichtenberg. Friedrichsfelde, Stralau-Rummelsburg und Neukölln. Außerdem in Berlin die Ge- biete der P o l i z e i h a u p t m a n n s ch a f t e n Nr. 7, 9, 8, 8, 12, 4 und 2. Mit jedem neu hinzutretenden Fall eine« Krankheitsherde« können diese Sperrbezirk« täglich erweitert werden. Für da« große Publikum ist e« ziemlich unmöglich, die Grenzen der einzelnen Polizeihauptmannschafteu Berlin« zu kennen und zu respekiieren. Einem Detrktivfilm gleicht eine Tragikomödie, die sich am Montagnachmittag auf dem Flugplatz Johannisthal abspielte. Tin zunger Flieger, namen« G.. hatte vor einiger Zeit die Bekanntschaft einer jungen Dame, der Tochter eines mehrfachen Hausbesitzer« au« Berlin IV., gemacht, die mit dem Piloten wiederholt Aufstiege unter« nommen und sich in den Bezwinger der Lüfte sterblich verliebt hatte. Der Bater de» Mädchens stand dem Liebesbunde jedoch wenig sympathisch gegenüber. So reifte in dem Pärchen der Entschluß zu fliehen und zn diesem Zweck da« Flugzeug zu benutzen. G. bereitete einen Apparat zum Flug« vor und erschien mittag« gegen 12 Uhr vor der Wohnung setner Angebeteten in der Kurfüritenstraße mit einem Automobil. Leider wurde die Flucht de» jungen Pärchen» jedoch vorzeitig bemerkt und der Bater der Dame sauste im Automobil hinter den Ausreißern her. deren Ziel der Flugplatz war. Inzwischen aber benachrichtigte die Mutter telephonisch die zuständige Polizeibehörde. Als die beiden jungen Leutchen in Johannisthal eintrafen, trat ihnen bereits ein Hüter der Ordnung entgegen, der der Fortsetzung der Flucht ein Ende machte. Drei Kinderleiche« gefunden. Auf der Pumpstation in der Genthiner Straße wurde gestern abend die unverhüllte Leiche eines neugeborenen Knaben an- geschwemmt.— In blauweißes Wachstuch eingewickelt und in rosa Papier verschnürt war die Leiche eines neugeborenen Knaben, die im Abortraum des Bahnhofs Halensee gefunden wurde.— Auf dem Kinderspielplatz an der einsamen Pappel in der Schönhauser Allee fand ein Maschinenführer eilt Paket aus Packpapier, das ebenfalls die Leiche eines neugeborenen Kinde« enthielt. Alle drei Leichen wurden zur Obduktion vefchlagnahmt._ Durch einen Gprmtg au« dem Fenster Hai sich die 63 Jahre alte Ehefrau Berta de« Bauwächters Käpphingst au« der Adalbertstraße 71 da« Leben genommen. Die Frau war schon seit mehreren Jahren zuckerkrank und gebrechlich und auch geistig nicht mehr ganz gesund. Während ihr Mann im Dienste war. sprang sie au« dem Küchen- fettster ihrer im zweiten«tack de« Seitenflügel« gelegenen Wohnung auf den Hof hinab und blieb besinnungslos liegen. Ein Arzt, den die Hausgenossen von der Hilf«wache in der Adalbertstraße holten, konnte nur noch ihren Tod feststellen. Deutscher Arbeiter-Säagertund, Gau Berlin. In der am Sonn- tag statigesundenen Susschußsitzung wurde zunächst der Arbeiter- gesangverein.Rudow" aufgenommen. Sodann teilte der 2. Bor- sitzende mit, daß der 1. Vorsitzende und der 1. Kassierer ihr Amt niedergelegt haben, was mit lebhaftem Bedauern aufgenommen wurde angesichts der jahrelangen Tätigkeit beider. In der Ersatz- Wahl wurde als 1. Vorsitzender SangeSbruder Bolz, XIV. 87, Götz- kowSkystr. 34, und al« 1. Kassierer SangeSbruder I. Steffens, XO. 18, Langenbeckstr. 5, al« 2. Kassierer SangeSbruder Przibilla gewählt. Da die Beisammlung durch die Amtsniederlegung auch die Mandate beider SangeSbruder zur Generalversammlung nach Leipzig al« erloschen ansah, wurden die SangeSbruder Bolz und Steffen« al« Delegierte gewählt. Der Antrag, daß der Gau sich dem Kartell für Sport und Körperpflege anschließe, welcher schon die letzte Susschußsitzung beschäftigt hatte, wurde abgelehnt. Zeuge», welche gesehen haben, wie ein Mann am Freitag, den 23. März 1913, nachmittag« ö Uhr, Ecke Zimmer- und Jerusalemer Straße vom Vorderperron der Straßenbahnlinie 17 stürzte und über- fahren wurde, wollen ihre Adresse an Rechtsanwalt Schumann, Berlin 0, Simplonstr. 45, senden. Insbesondere der Herr, welcher den Verletzten nach der Unfallstation, Kochstraße, trug. Vorortnachrichten. Schöneberg. AuS der Stadtverordneteaverfammluug. Der Arbeiterturnverein hatte ansang« Januar um den Bau einer städtischen Turnhalle petitioniert und die Bersammlung stimmte dem zu. Der Magistrat erklärte, er wolle dem Turnverein die alte Maschinenhalle auf dem Druckenmüllerschen Gelände zur Verfügung stellen. Der Verein hätte die« aber abgelehnt. Vorläuftg ist e« nun nicht eher möglich, den Bau einer Turnhalle in die Wege zu leiten, al« bis die Umlegung des Südgelände« durchgeführt ist. Genosse P e t e r s o n betont, daß der Arbeiterturnverein diese Halle abgelehnt habe, da in diesem Raum die Ballonhüllen her- gestellt werden, die einen unangenehmen Geruch verbreiten, der den Lungen der Turnenden schädlich ist. Darum sollt« der Magistrat dafür sorgen, daß dem Arbeiterturnverein endlich eine Turnhalle zur Verfügung gestellt wird. Zu der Frag« der unterirdisihen Bedürfni«anstalt beschwert sich Stadiv. Meyer(Libj über die Form der Ablehnung de« Magistrat», die beinahe an Ironie grenzt. I a tz o w.«>. Donau 0,00—0.00. Mai»(runder), gute Sorte 15.49—15,79, Richlstroh 0.99. Heu 9,90—0,00. Martthallenvreise. 100 Kilogr. Erbsen, gelbe, zum Kochen 34,00—50,00. Sveisebobnen. weiße 38,00—60,00. Linien 40,00— 80,00. »ottosfein(Kleinbdl.) 5,00—8,00. 1 Kilogramm Rindsiessch, von der Keule 0.00—0,00. Rindsieilch, Bauch fi-ilch 0.00—0.90. Schwemefleisch 0.00—0/10. Kalbsieilch 0,00—0,00. Hammelfleisch 0,00—0,00. Butter 2,20—2.80. 60 Stück Eier 3,20-5,40. 1 Kilogramm Karpfen 1,40-2,20. Aale 1,40—3,20. Zander 1.60—3,40. Hechte 1.40—3,20.«arlche 0,80—2,40 Schleie 1,60—3,20. Bleie 0,80—1,60. 60 Stück Krebje 300—18,00. BSitiernngSüberNckit vom 9. Juni 1914. Stationen Swinemde. se 15 S' m ii B« ffltöei »K »II wi 755DSO 759810 772(0 Berlin Frantf.a.M 752(520 München 751® Wien 17510 3wol!ig 3bedeck! 3woltig IDunft «-bedeckt 2 halbbd. Stationen = 1 ii »f Havaranda768S Petersburg 76752® Sctlly 753« Ab-rd-en-704RN® Pari« 75ZNN0 kSrttei ii t: 2beo«ckt 8 1 wolienlj 12 6 Regen Sheiter 1 Bedeckt 11 9 10 Wetterprognofe für Mittwoch, de« 10. Juni 1914. / vielfach heiter, aber sehr veränderlich bei ziemlich lebhaft» östlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. «etterauSfichte» für da«»ittlrre Rorddeutfchlaud bi« Tounersiagmlttag: Anfang« noch ziemlich warm und vielfach wolkig mit «UKu"" unb otvCin5cUtn®CBment � Hr. 155. 31. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Abgeordnetenhaus. 90. Sigung. Dienstag, den 9. Juni 1914, nachmittags 3 Uhr. Am Ministertisch: Kommissare. zu Ehren des verstorbenen Abg. Wolff- Lissa( Vp.) erhebt sich das Haus von den Sitzen. Zur zweiten und dritten Beratung des Geſetzentwurfes über die Weitere Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Oberverwaltungsgericht beantragt die Kommission, diesen Zustand nur bis zum 1. April 1916 zu verlängern, während die Regierungsvorlage ihn bis 1917 andauern lassen will. Abg. v. Bockelberg( f.) beantragt die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Die Abgg. Juſt( natl.) und Reinhardt( 3.) lehnen diesen Antrag ab, weil das Hilfsrichtertum mit der Würde des Oberverwaltungsgerichts nicht verträglich sei. Unterstaatssekretär Dr. Drews: Auch die Regierung hält das Hilfsrichtertum beim Oberverwaltungsgericht für etwas Anormales. Die Hilfsrichter sollen nur gewisse Reste aufarbeiten und das Gericht um die Last der Zuwachssteuer- und Wehrbeitragssachen erleichtern, sie sollen aber nicht dauernd beschäftigt werden. Abg. Lippmann( Vp.): Die Arbeitslast des Oberverwaltungsgerichts wird immer größer, es fommen immer wieder neue Angelegenheiten dazu. Durch die Beschäftigung von Hilfsrichtern leidet die Rechtssicherheit und Rechtseinheit, allerdings entbehren die Angriffe auf das Oberberwaltungsgericht der sachlichen Begründung. Abg. Gamp( ft.) begründet einen Antrag, wonach alle Beamten, die zur Bekleidung von höheren Verwaltungsämtern befähigt sind, zu Hilfsrichtern berufen werden können. Der§ 3, Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Mittwoch, 10. Juni 1914. für die Anwendung von Salvarjan versprochen haben. Die Aerzte find also fapitalistisch absolut nicht an dem Salvarjan interessiert, und ich fann nur versichern, daß wir im Städtischen Krankenhaus das Salvarsan mit der größten Vorsicht anwenden. dringend forderlich, damit nicht Kreise und Gemeinden zum Höchster Farbwerke in Zirkularen den Aerzten materielle Vorteile Schaden der Steuerzahler bei der Wertzuwachssteuer miteinander fonfurrieren fönnen. In der Kommission wird man ja prüfen fönnen, ob Schranken für die Besteuerung durch die Gemeinden eingeführt werden sollen. Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Er erUnsere Statistik beläuft sich auf 11 300 Calvarsan Auren. Ich wa Id st ein kann man nicht finden. Er begann damit, den Wert geben, daß die Erfolge ganz vorzüglich waren. Unrichtig ist, daß Einen größeren Widerspruch als in den Ausführungen des Abg. fann als meine allgemeine wissenschaftliche Ueberzeugung wiederüber die Belastung des Grundbesißes dadurch. Natürlich ist das die nach unserer Ueberzeugung beste Behandlungsmethode an= der Zuwachssteuer zu betonen und endete mit schweren Anklagen wir Prostituierte als Versuchskaninchen benußt hätten. Wir haben Waffer auf die Mühle der Feinde der Wertzuwachssteuer überhaupt gewandt. Freilich ist dieser Gegensatz tief verankert in der politischen ganzen Der Entdecker des Salvarsan und Leiter des Instituts für Natur seiner Partei. Zur offenbaren Freude der Rechten, die experimentelle Pathologie, Professor Dr. Ehrlich, wurde gleichfalls heute einen Sturm auf den Wertzuwachssteuergedanken unter- als 3euge und Sachverständiger vernommen. nommen hat, hat Herr Waldstein so gesprochen. Es ist ein flärt: Ich habe Salvarsan an eine ganze Reihe Aerzte, etwa 500, Treppenwig der Weltgeschichte, daß Herr Bredt, dessen Partei- verteilt, bevor es im freien Verkauf zu erhalten war, und bat, genosse v. Dewiß der Vater dieses Gedankens ist, dagegen Sturm mir etwaige schädliche Nebenwirkungen bei Salvarsanbehandlung gelaufen ist und es ist ein ebensolcher Wiß, daß der Redner der mitzuteilen. Zuerst wurde mir aus Prag gemeldet, daß dort nach Konservativen da mitmacht, und dadurch gegen seinen hochberehrten der Zuführung von Salvarjan bei einem Patienten Störungen Parteigenossen Adolf Wagner und gegen den verstorbenen des Nervensystems beobachtet wurden. Ich fragte sofort bei anderen Stöder polemisiert. Das beweist, daß die einst aus Opposition Aerzten an, an die ich Salvarsan gegeben hatte, ob dort ähnliche Alle diese Aerzte antworteten, gegen das mobile Kapital in der fonservativen Partei lebendigen Störungen vorgekommen waren. Gedanken elendiglich abgestorben sind und nichts mehr davon vor- daß sie von derartigen Störungen des Nervensystems nichts wüßten, handen ist.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Alle diese und deshalb kam ich zu dem Ergebnis, daß bei dem Fall in Prag Redner haben sich gegen den Gedanken der Zuwachssteuer gewandt, die Störungen des Nervensystems nicht auf Salvarjan, sondern indem sie dabei so taten, als ob sie fich bloß gegen auf einen Fehler in der Behandlung zurückzuführen ist. Aehnlich gewisse llebertreibungen wendeten. Herr Bredt erklärt zuerst, daß ging es mit anderen Beschwerden. Derartige Fälle waren immer das Gesetz gar nicht den Wünschen der Bodenreformer entspreche und dann ganz vereinzelt, sie zeigten sich nicht auch bei den übrigen Aerzten, verdammt er es als bodenreformerisch! Er wollte zwei Fliegen deshalb konnte ich auch da feststellen, daß die Schuld nicht an dem mit einer Klappe schlagen und hat gar keine geschlagen. Das Mittel felbst lag. ist sein Resultat! Die Wertzuwachssteuer hat also weder bei den Konservativen, noch bei den Freikonserbatiben, noch beim Zentrum, noch bei den Liberalen Freunde, aber überzeugte Freunde nicht einmal bei der Regierung, denn dieser Gesetz entwurf ist ja dazu bestimmt, den„ Unfug" der Gemeinden mit dieser Steuer zu verhindern, also ihren Gedanken nicht zu fördern, sondern zurüdzudrängen. llebrigens zeigt sich auch hier wieder der agrarische Pferdefuß. et Auf verschiedene Fragen antwortete der Sachverständige: Wenn eine neue Behandlungsmethode eingeführt wird, so wäre es der größte Fehler, wenn irgendwelche Kunstfehler verdeckt und ver schleiert würden, weil dann überhaupt kein Fortschritt möglich wäre. Mir sind im ganzen 3 Fälle von Kunstfehlern bekannt. Der erste fall betraf einen Patienten, der nach Salvarsanbehandlung an einer schweren Gehirnkrankheit erkrankte, was auf das Salvarsan zurüdgeführt wurde. Ich konnte aber nachweisen, daß dies unrichtig war. Der zweite Fall betrifft einen Professor. Der Die städtischen Gemeinden erhalten das Recht, Wertzuwachssteuer hatte behauptet, das Salbarsan wäre ein neurotropisches Mittel. Nun stellte sich aber heraus, daß dieser Professor das Salvarjan stimmt. Der Kreis das ist der Landrat, und so bekommen dem sie die Auch Die Ueberlastung der Richter ist gewiß schädlich, aber das Hilfs- u erheben, die Landgemeinden nur dann, wenn der Kreis zu direkt auf den Nerv gespritzt und ihn so angeäßt hatte. Ich richtertum iſt noch schädlicher. Die Entlastung des Oberverwaltungs- die Herren von der Rechten wieder den Strid in die Hand, mit habe in diesem Fall mein Urteil dahin gefällt, daß nicht das gerichts fann nur durch Einschränkung seiner Zuständigkeit oder durch In Beunehrung seiner Senate stattfinden. Der erste Weg ist für uns wieder versteht es die Rechte, Gemeinden strangulieren können. hier Salvarian, sondern der behandelnde Arzt neurotropisch war. ihre Portemonnaie- Intereffen dem dritten Fall sind Versuche gemacht worden, die ich nicht für ungangbar. Die Uniformität der Rechtsprechung ist der Güter höchstes in Gesetzesform Au fleiden nicht, wohl aber ist ungerechtigkeit der Uebel größtes. Wenn und die Regierung hilft ihr statthaft hielt. Da habe ich allerdings gesagt: wenn das vor den dabei. Wir sind überzeugt, daß die Kommission das Gesez Staatsanwalt fäme, würde der Arzt hineinfallen, aber ich habe die Rechtssicherheit gewahrt werden soll, wie sie durch die jetzige feineswegs zum Scheitern bringen, sondern eher noch es im Sinne nicht gesagt, daß ich die Sache dem Staatsanwalt zur Anzeige Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts, namentlich in poli- der Rechten verschlechtern wird. Dazu soll ja auch die heutige Attade bringen würde. Diese Aeußerung tat ich übrigens in einem getischen Dingen, gewahrt wird, so könnte man fast ein Schwanken der Rechtsprechung wünschen. Machen Sie sich nur teine gegen die Zuwachssteuer dienen; man nennt diese Steuer sozialistisch, schlossenen Kreis von Kollegen, da wird man doch seine Ansicht Illufionen darüber, daß das Oberverwaltungsgericht nicht erst das denn es ist ja ein alterprobtes Mittel in diesem Hause, den roten jagen fönnen! In allen diesen drei Fällen habe ich mich in durchBertrauen zu verlieren braucht, sondern es bei den breiten Maſſen Sozialisierung und Verstaatlichung. Das haben wir ja auch gesehen, Fehler gemacht habe, so wäre es der, daß ich den Kunſtfehlern nicht Lappen zu schwenken! Allerdings ehrlich ist Ihre Angst vor aus milder Weise gegen Angriffe gewehrt. Wenn ich jemals einen längst verloren hat.( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) als selbst bei einem Teil der bürgerlichen Partei der Gebante noch schärfer nachgegangen bin. Ich hätte darauf viel ausführlicher wie ihn die Kommission beschlossen hat, will auftauchte, die Rüstungsindustrie zu verstaatlichen. Hat eingehen sollen. Ich habe Salvarsan an die Aerzte weitergegeben, wenigstens den Ersten( politischen) Senat vor den Hilfsrichtern doch damals Herr Strupp selbst in einer Kaifergeburtstags- aber mich jeder Beeinflussung in bezug auf das Material, das Wird dies nach dem Antrag von Bockelberg ab- rede die Souveränität des Hauses Krupp gegenüber dem sie damit behandeln dürfen, enthalten. Die Aerzte wissen, was gelehnt, dann ist der Stab über die ganze Borlage gebrochen. Der Berstaatlichungsgedanken stabiliert wie einen Rocher de bronze. Daß Salvarjan ist und haben selbst zu entscheiden. bei welchem Antrag G amp will alle möglichen abhängigen Beamten zu Hilfs Sie Feinde des Verstaatlichungsgedankens find, haben wir längst ge 3. B. halte ich seine Anwendung bei Kindern nicht für richtig. Menschenmaterial sie es anwenden wollen und bei welchem nicht. richtern machen und schließlich auch Assessoren in das Oberberwaltungsgericht hineinschmuggeln. Eine solch außerordentliche wußt, ebenso wie daß Sie als rücksichtslose Bertreter der agrarischen Verschlechterung der Verwaltungsgerichtsbarkeit machen wir nicht mit Interessen alles tun werden, um dieses Gesez Ihren Interessen ent- Ich habe auch immer davor gewarnt, es bei Herzkranken und lehnen beide Anträge ab. Bir Sozialdemokraten find mit der sprechend zu gestalten. Es ist gut, daß das heute wieder festgestellt und schwer Nerventranten anzuwenden. Verteidiger wurde. Und daß sowohl Ihre Feindseligkeit gegen den Berstaat- Rechtsanwalt Revi: Glauben Sie, daß Prostituierte ntit Judikatur des Oberverwaltungsgerichts durchaus nicht zufrieden, es lichungsgedanken und gegen die Selbständigkeit der Kommunen, wie besonders geschwächtem Nervensystem sich für die Salvarsanwäre viel wichtiger, die Quellen dieser wohlbegründeten unzufriedenheit zu verstopfen, als diejenigen Quellen der Unzufriedenheit, mit Ihre unbegrenzte Begeisterung für Ihre Porte- behandlung im allgemeinen eignen? Samverständiger denen sich die Vorlage beschäftigt. Selbst wenn die Vorlage in der monnaieinteressen vor aller Belt enthüllt wurde.( Lebhafter Geheimrat Ehrlich: Das ist eine Frage der Dosis. Im übrigen, wenn man ein Mittel deshalb verbieten wollte, weil ein Kommissionsfassung angenommen wird, so geben wir uns feinen Beifall bei den Sozialdemokraten.) Todesfall nach seiner Anwendung eingetreten ist, dann könnte die Jalusionen darüber hin, daß dadurch die Art der Justiz des OberAbg. Waldstein( Vp.): ganze Medizin ihren Betrieb einstellen. Bei Aether ist ein Mensch verwaltungsgerichts in politischer Beziehung im mindesten beeinträchtigt werden wird, Urteile von solch Man kann sehr wohl ein Freund des Zuwachssteuergedankens ment ohne Todesfälle. Quecksilber ist doch auch ein Gift. Im schon bei der zweiten Behandlung gestorben. Es gibt fein Medikasein und es trozdem unerträglich finden, daß der Grundstücks- Virchow- Krankenhause zu Berlin sind in den letzten drei Jahren fogar mit Verlust und gezwungen, verkauft.( Zustimmung bei der fälle nach Salvarsanbehandlung vorgekommen. Also auch das verkäufer auch dann noch belastet wird, wenn er ohne Gewinn, ja fünf Todesfälle nach Quecksilberbehandlung und nur zwei Todes= Volkspartei.) beschränktem politischen Fanatismus, wie wir gerade gestern wieder eines erlebt haben( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten), werden auch durch die Ausschließung von Hilfsrichtern aus dem politischen Senat nicht unmöglich gemacht. Deshalb, und weil wir das Hilfsrichtertum grundsäglich für eine Gefährdung selbst desjenigen Mazes bon richterlicher Unabhängigkeit halten, das unter den heutigen Zuständen überhaupt möglich ist, werden wir das Gesetz ablehnen und uns im übrigen bemühen, daß die konfer vativen Verschlechterungsanträge teine Annahme finden.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Abstimmung wird die Vorlage in der Kommissionsfassung angenommen, die Verschlechterungsanträge der Rechten werden abgelehnt. Abg. Dr. Liebknecht( Soz.): Vorhin war diese Note gegen die Umsatzsteuer in der Rede des Abg. Waldstein nicht enthalten, das bewies ja auch die Freude der Rechten über seine Ablehnung der Zuwachssteuer überhaupt. Die Vorlage geht an die Gemeindekommission. Morgen 12 Uhr: Besoldungsnovelle. Schluß 7 Uhr. Frankfurter Salvarsan- Prozeß. Quecksilber hat seine Schäden. Oberarzt Dr. Altmann äußert sich ausführlich über die Salvarsanbehandlung im Städtischen Krankenhaus, insbesondere über die Behandlung von Prostituirten: Wir haben, che wir zur Salbarjanbehandlung übergingen, an Tausenden von Fällen unsere Wir haben einzelne Patienten noch vier Jahre nach der Kur beob= Erfahrungen gesammelt und haben ausgezeichnete Erfolge erzielt. achtet und keinerlei Rüdfälle gesehen. Ueberhaupt sind seit Einführung der Salvarsanbehandlung in unserm Städtischen Krankenhaus vier Todesfälle von Prostituierten vorgekommen, und zwar starb einmal eine Prostituierte an syphilistischer Leberetrophie; beim zweiten Fall erkrankte ein Mädchen an BlutNach kurzer Debatte und nachdem Unterstaatssekretär Dr. Drews Am Montag wurde in Frankfurt a. M. bis in die Nacht des vergiftung, das überhaupt kein Salvarsan bekommen hatte. Im das möglichste Entgegenkommen der Regierung zugefagt hatte, wird Dienstag hinein ein Prozeß verhandelt, der sich gegen den Heraus: dritten Fall war der Tod zurückzuführen auf Mandelentzündung hierzu noch eine Resolution angenommen, die Entlastung des geber und Redakteur einer fleinen Frankfurter Wochenschrift, die sich und auch da war kein Salvarjan eingeführt worden und der vierte Oberverwaltungsgerichts, namentlich durch Bildung neuer Senate, Der Freigeist" nennt, richtete. Dem Angeklagten, Schrift Fall, der sich bei einer fombinierten Quecksilber und Salvarjanfordert und wünscht, daß im Etat für 1915 der Etat des Obersteller Karl Waßmann, wird in der Anklage zum Vorwurf Behandlung zutrug, brachte dem Mädchen vier Wochen später den verwaltungsgerichts als eigener Etat aufgestellt werde. Der Ent- gemacht, daß er dem Magistrat der Stadt Frankfurt und in Ver- Tod an schwerer Blutarmut. Im allgemeinen kann ich nur sagen, wurf wird auch in dritter Lesung in der Fassung der Kommission bindung damit die Verwaltung des Städtischen Krantenhauses, jo- daß mir fein fall bekannt ist, in dem sich ein Mädchen gegen die Beangenommen. wie die beiden Krankenhausärzte Prof. Dr. Serrheimer handlung mit Salvarsan sträubte. Allerdings sind die Prostituierund Oberarzt Dr. Altmann durch die Behauptungen beleidigt ten ein schwer zu behandelndes Menschenmaterial und ohne Dis habe, der Magistrat führe das Publikum irre und beobachte ein ziplinarstrafen ist da schwer auszukommen. Hier und da muß bei leichtfertiges Verhalten in der Salvarsan- Affäre; ferner durch die Gonorrhoekranten eine Kosteinschränkung stattfinden, aber von Behauptung, es werde im Städtischen Krankenhaus mit nachgewie- einer Hungerfur kann keine Rede sein, ebensowenig davon, daß wir senermaßen lebensgefährlichem Salvarjan behandelt, und zwar ge- jemals Prostituierte zu Versuchszwecken mit Salvarsan behandelt schehe diese Behandlung als Gewaltbehandlung hilf= hätten. Es folgt die erste Beratung des Ausführungsgesetzes zum Reichszuwachssteuergeset. Nach dem Entwurf haben nur die Kreise, Stadt- und Landgemeinden mit mehr als 5000 Einwohner, oder in denen schon vor " dem 1. Januar 1911 eine Zuwachssteuer bestand, das Recht zum Ser Angeklagte behauptet und darauf bezieht sich der gestellte ten flagen mehrere nach ihrer Meinung über brutale, rohe und Erlaß von ortsstatutarischen Bestimmungen. Abg. Bartscher( 3.) wendet sich gegen die zu immer neuen Prozessen führende Unflarheit und den varmögenstonfistatorischen Charakter des Gesetzes. Abg. Menzel( nail.): Die preußische Regierung will jetzt die Kreise und Gemeinden zur Beibehaltig der Wertzuwachssteuer unter allen Umständen zwingen. Abg.' redt( Ft.) bemerkt zuerst, daß das Gesez die bodenreformerischen Wünsche nicht erfüllt habe, aber wegen seines bodenreformerischen und sozialistischen Charakters bekämpft werden müsse. Eine Höchstgrenze für die Besteuerung muß den Grundbesitz vor der Sozialisierung schützen. Abg. v. Henuigs- Techlin( Kons.) schließt sich dem Vorredner an. losen Prostituierten gegenüber. Im Anschluß hieran hat Von den als Zeugen vernommenen früheren Prostituier Strafantrag die Frankfurter Prostituierten würden in frivo- herzlose Behandlung im Krankenhaus, vor allem durch Dr. Altmann. Ier Weise als Versuchstaninchen für die experimentelle Der Direttor des pathologischen Instituts in Salvarsantherapie benutzt; die Aerzte seien mit Titel und Geld Frankfurt, Dr. Fischer, erklärt: Es gibt kein noch so wertgewonnene Agenten gewiffer profitsüchtiger Unternehmer, denen volles Heilmittel, das, falsch angewendet, nicht schädlich, sogar tödlich nichts mehr heilig sei, und die Gewinnsucht dieser Beute schreite jogar zum vorjäglichen Mord. Der Angeflagte hat auch in einer Versammlung behauptet, er tönne beweisen, daß durch Salvarsan allein in Frankfurt mehr als 15 Todesfälle verursacht worden seien. Einen Beweis trat er in der Verhang nicht an. direktor Heldtmann. Den Vorsiz in der Verhandlung führte LandgerichtsDer Angeflagte ist mehrfach wegen Betruges und Unterschlagung vorbestraft und im Anschluß an den bekannten Prozeß Hau wegen Beleidigung des Fräulein Olga Moliton. = Der Angeklagte verteidigt sich in so wunderlicher Weise, daß beschlossen wird, den anwesenden Professor Dr. Friedlän der als Sachverständigen über seinen Geist es zu stand zu vernehmen. Der Sachverständige fam am Schluß der Verhandlung zu dem Gutachten, der Angeklagte sei zwar in hohem Grade flagt lebhaft über die hohe Belastung des Grundbesizes durch die psychopathisch und berausche fich an seinen eigenen Worten, er jei aber zurechnungsfähig. Zuwachssteuer. Abg. Waldstein( Vp.) Ministerialdirektor Dr. Freund: Den Vorteil von diesem Reichsgesetz haben die Einzelstaaten. Das Beste an dem vorliegenden Gefeßentwurf, dessen Wert wir feineswegs sehr hoch anschlagen, ist jedenfalls, daß er sich von Großzügigkeit" fernhält. Uebertreibungen der Zuwachssteuer müssen vermieden werden. Von einer wüsten Propaganda für die Wertzuwachssteuer fann teine Rede sein, die wenigen Anträge auf ihre Einführung haben wir sehr gewissenhaft geprüft. Das Gesez ist We at you Der Leiter des Frankfurter städtischen Krankenhauses, Professor Dr. Herrheimer, befundet: Das Salvarsan wird bei uns seit Mai 1910 angewandt, weil wir keine beffere Behandlungsmethode kennen als die fombinierte Quedjilber- und Salvarjanmethode. Bei der ersten reinen Salvarjanmethode hatten sich Rüdfälle ergeben und daher sind wir zu der fombinierten Methode übergegangen. Finanzielle Gründe waren dafür in feiner Weise maß gebend, und es ist mir nicht das geringste dafür bekannt, daß die wirken fönnte. Er führt dann ausführlich aus, daß viele in der Literatur auf Salvarjan zurückgeführte Todesfälle andere Todesursachen haben. Derselben Ansicht ist Direktor Dr. Knoblauch. Der Berliner Polizeiarzt Dr. Dreum behauptet, es feien 87 Todesfälle nachgewiesen, die sämtlich das typische Bild der Arfenbergiftung zeigen. Dr. Menzberger- Straßbung hält 135 Todesfälle durch Salvarsan für festgestellt. Sachverständiger Professor Hoffmann, ebenso Professor SeinzGrlangen legen dar, sie seien zuerst zurückhaltend, dann aber immer mehr ein Freund und Anhänger des Salvarsans geworden. Die Aerzte hätten gewiffenlos gehandelt, wenn sie die Prostituierten nicht mit Salvarsan behandelt hätten. Der Krankheit wird durch dies Mittel der anstedende Charakter genommen. Wenn auf drei Millionen Anwendungsfälle wirklich 300 Todesfälle kommen, so fei das ein sehr günstiges Verhältnis. Jede Arznei kann giftig wirken. Die Giftigkeit des Salvarsan hat nichts mit Arfenvergiftung zu tun. Das Salvarsan ist für sich ein gefährliches Gift und muß daher vorsichtig angewandt werden. Gs stiftet aber viel mehr Segen als Schaden. Nach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Staats anwalt sechs Monate Gefängnis. Das Urteil geht auf ein Jahr Gefängnis.. In der Begründung wird ausgeführt: Die Beschuldigungen des. Angeklagten gegen den Magistrat sind unbewiesen, die Prostituierten sind niemals Versuchstaninchen gewesen, Golvarjan is an ihnen erit angewandt worden, als es an Batienten, die fich freiwillig dazu erboten, genügend erprobt war.. Ter Angeklagte bat die denkbar schwersten Vorwürfe erHoden, er hat den Acrzten Profitsucht und vorsätzlichen Mord vorgeworfen. Tiefe Vorwürfe erheischen eine barte Sprache. Einen Nachweis hat der Angeklagte nicht einmal ver- sucht. Die Aerzte hatten keinerlei finanzielle Vorteile von der An- Wendung des Salvarsans. Das Gericht hatte nicht über die Güte des Salvarsans zu entscheiden. Der Stand der Wissenschaft recht- fertigte schon lglv die Anwendung des Salvarsans auch bei Pro- stituierten, die im Interesse der Volksgesundhcit geheilt werden sollten. Den Aerzten ist kein Vorwurf zu machen, das Salvarsan war ausprobiert, man brauchte gar keine Versuchskaninchen mehr. Es sind auch nicht Todesfälle infolge von Salvarsan bewiesen, hoch- stens einige Lähmungen, diese müssen in Kauf genommen werden, wenn Taufende geheilt werden. Der Angeklagte hat eine ange- sehene Behörde und vorbildlich wirkende Aerzte schwer beleidigt aus Eitelkeit, Profitsucht, Reklamesucht und Sensationsgier.(Hier schrie der Angeklagte Wahmann:„Ich kann diese Lügen und Ge- meinheiten nicht mehr mit anhören!", worauf er abgeführt wurde, dabei schrie er noch:„Sie werden für Ihre Tat schon den Lohn be- kommen!") Ter Gerichtshof beschloß die sofortige Verhaftung Waßmanns wegen Fluchtverdachts. Waßmann erklärte:„Ich nehme die Strafe an, verzichte auf Revision und verabschiede mich von Ihnen!" Die Höhe der strafe ist eine exorbitante. Es hätte berück- sichtigt werden müssen, daß der Angeklagte, dessen Vorleben und ganzes Gebaren freilich nichts weniger als anmutend ist, offenbar trank ist, und daß anständigen Menschen, wenn ihretwegen wegen Beleidigung geklagt wird, weit weniger an einer Höhe der Strafe als an einer Feststellung der Wahrheit gelegen sein muß. Das /tbeuteumleben öes �Direktor Sartum". Die Strafkammer des Landgerichts in München II hatte sich gestern mit zahllosen Betrügereien eines Menschen zu be- schäftigen, der zu Ende des Jahres 1913 riesiges Aufsehen erregte, als er Tausende von Berliner Arbeitslosen nach dem Görlitzer Bahnhof dirigierte, nachdem er ihnen die letzten paar Mark als Anzahlung für den Transport abge». nonunen hatte, der die Arbeitslosen nach dem Städtchen Reichenberg in Sachsen führen sollte, Ivo ihnen angeblich Ar- beit gesichert war. Es war ein Mann, der sich„Direktor Nartum" nannte, welcher diesen Schwindel in Szene gesetzt und auch versucht batte. durch ein Telephongespräch aus dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten einen Sonderzug für den Arbeitslosentransport zu erlangen. Wir warnten vor diesem Schwindel, trotzdem ließen sich damals auch verschiedene hohe Stellen von Nartum täuschen. In zahlreichen Kon- ferenzen mit staatlichen und srädtischen Behörden war es dem Schwindler gelungen, den Schein ausrecht zu erhalten, als ob er wirklich Leiter einer Arbeitsvermittelung für Arbeitslose, gewissermaßen ein Wohltäter der Annen sei! Dieser Nartum, der in Wahrheit Friedrich Deiner heißt, aus Augsburg stammt und 34 Jahre alt ist, stand gestern vor dem Münchener Strafgericht, wo er sich wegen nicht weniger als 23 Heiratsschwindeleien und sonstigen Betrügereien zu verant- Worten hat, die er auf zahlreichen Fahrten durch ganz Teutschland begangen haben soll. Der Angeklagte wird vom Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann-München verteidigt. Wie sich aus der Anklage ergibt, hat der Angeklagte ein sehr bewegtes und beflecktes Borleben. Er ist seit 1990 wegen Betruges 13mal bestraft, zuletzt vom Landgericht Straßburg mit zwei Jahren und 6 Monaten Gefängnis. Er wurde aus der Strafhaft wegen Krankheit vor- zeitig entlassen, zog dann mittellos in Deutschland herum und brachte sich durch allerlei Betrügereien fort. Er gab sich meistens als hoher Beamter, oder auch als Aviatiker, Ingenieur, schließlich als Direktor des„Zentralbureaus für Arbeitslosen- und Ge- fangenenfürsorge" aus. Er knüpfte Beziehungen mit Behörden an und verstand es, sich Kredit und Geldmittel, insbesondere bei seinen Wohnungsgebern, bei Arbeitern, denen er Beschäftigung in Aussicht stellte und bei weiblichen Personen, denen er die Heirat versprach, zu verschaffen. Aus der langen Liste seiner Straftaten seien einige erwähnt: in Kirchdorf am Inn bei Roscnhcim wohnte er als angeblicher Eisenbahnwcrkmeister. Mit der Tochter seiner Wohnungsgeber knüpfte er ein Liebesverhältnis an, versprach ihr die Heirat, wies ihr gefälschte Schriftstücke über seinen angeblichen Dienstgrad vor und erhielt verschiedene Darlehen. Mehrere Boten suchte er um lv M. Kaution zu prellen, indem er ihnen erzählte, er würde ihnen Arbeit bei erner Bierbrauerei verschaffen. Im Oktober 1913 knüpfte er in Berlin mit einem Dienstmädchen Be- Ziehungen an, der er vorschwindelte, im Königlichen Schloß als Bildhauer beschäftigt zu sein. Er lockte ihr Darlehen von mehreren k(X> M. heraus. Am 31. Oktober 1913 mietete er sich bei einer Witwe in einem kleinen Orte der Mark als„Inspektor" ein, machte ihrer Tochter einen Heiratsantrag, lieh sich einen Anzug, schwin- delte seiner Braut und der Mutter vor, daß er zum Ministerial- direktor befördert sei, sich aber trotzdem in momentaner Geldver- legenheit befinde, worauf er auch wieder verschiedene Darlehen er- hielt. Einem Maurermeister in Görlitz stellte der„Direktor im Arbeitsministerium Friedrich Bartum" Arbeiter zum Bau einer Fabrik in Reichenbach in Aussicht, aber seine Geldbörse war ihm gerade entwendet worden; so erhielt er 199 M. In Tölz in Ober- bahern erschwindelte er als Monteur 499 M., in Leipzig war er ein Aviatiker, der sein Flugzeug in der Nähe liegen hatte, auch da machte er der Tochter seiner Hauswirtin einen Heiratsantrag und erhielt schließlich mehrere kleine Darlehen. Einer Kellnerin in Würzburg gegenüber gab er sich als Ingenieur aus und betrog auch sie mit Hilfe von'Heiratsversprechungen. Achnlich trieb er es noch in RegcnSburg und Nürnberg; am$5. Januar 1914 schloß er sich an eine Bahnbeamtentochter an. die er auf dem Bahnhof Lands- Hut kennen gelernt hatte, spiegelte ihr vor, daß er vom Minister be- auftragt sei, ein Bureau für Arbeitslosen- und Gefangcnenfür- sorge zu errichten und erhielt auch hier Darlehen. In München gab er sich als Friedrich Riedinger, Direktor der Deutschen Zen- trale für Arbeitslosen- und Gefangenenfürsorge, aus. Er müsse in München eine Filiale dieses Vereins gründen, gab er vor. und schloß Burcaumiete ab, erhielt unter falschen Angaben Darlehen, bestellte Kassenschränke und Bureaueinrichtungen, die er natürlich nicht bezahlte. Der Angeklagte Deiner gibt den objrktivrn Tatestand der ihm zur Last gelegten Betrügereien zu, bestreitet aber eine betrügerische Absicht. Er sei überzeugt gewesen, daß die von ihm erdachte Or- ganisation für die Ärbeitslofenfürsorge sehr wohl durchführbar sei; sie würde zweifellos gelingen, und wenn er dadurch zu Geld ge- kommen wäre, würde er seine Gläubiger schadlos gehalten haben. In der Verhandlung wird auch erwähnt, daß der Angeklagte in einer Irrenanstalt aus seinen Geisteszustand untersucht worden nt. Er ist aber geistig normal befunden worden. Mit Hartnäckigkeit hat er stets behauptet, daß sich sein ArbeitSlosenprojckt durchführen lasse._ Soziales. Kommunalw iihlerlistc und Wahlverfahre». Die Wahl von sechs Stadtverordneten in Biesenthal, die im November 1913 erfolgt war, wurde von der Stadtverordneten- Versammlung auf den Einspruch eine» Leutnants a. D. Ende für ungültig erklärt. Die Stadtverordnetenversammlung ging namentlich davon aus, daß in der Wählerliste Personen eingetragen waren, die nicht hineingehörten. Auf die Klage der Gewählten, Fabrikbesitzer Hellwig und Genossen, hob der Bezirksausschuß zu Potsdam den Beschluß der Stadtverordnetenversammlung auf und erklärte die Wahlen für gültig. Das Oberderwaltungsgericht bestätigte am 8. Juni das Urteil und führte begründend aus: Zwei Gründe der Stadtverordneten-Versammlung seien von vornherein in dem äugen- blicklichen Verfahren nicht mehr beachtlich. Die Gründe nämlich, daß zwei Forensen zu Unrecht in die Liste eingetragen gewesen seien, sowie daß Steuersätze in die Liste eingesetzt gewesen seien, die der Wahrheit nicht entsprochen hätten. ES sei fest- stehender Grundsatz, daß im allgemeinen Ew- reden, die gegen die Richtigkeit der Liste während der Offenlegung hätten erhoben werden können, nicht mehr bei Prüsiing des Wahlversahrens vorgebracht werden könnten. Eine nach OffenlegungS- und Berichtigungsfrist ordnungsmäßig zustande gekommene Liste bilde die unverrückbare Grundlage des Wah l Verfahrens. Ein weiterer Einwand allerdings hätte wesentlich fein können, der nämlich, daß die Liste nachträglich(nach Ablauf der Berichtigungs- zeit) verändert worden sei. Das wäre natürlich unzulässig, da nur die festgestellte Liste dir Wahlhandlung zugrunde gelegt werden könne. Die fragliche Behauptung sei aber durch eine Beweis» erhebung des Bezirksausschusses widerlegt, so daß sie ausscheide. * Von dem oben im Urteil wieder betonten allgemeinen Grundsatz, daß die Wählerliste die unverrückbare Grundlage der Wahl bildet, gibt eS nach der Judikatur des Oberverwaltungsgerichts nur eine Ausnahme. Es kann nämlich im Streitverfahren um die Gültigkeit einer Wahl auf das Zustandekommen einer Wählerliste dann zurückgegriffen werden, wenn so grundsätzliche Fehler begangen wurden, daß von einer gültigen Liste überhaupt nicht mehr die Rede sein kann. DaS traf bei dem vor einigen Jahren erledigten be- rühmten Rixdorfer(Neuköllner) Fall zu. Aus dem Jnnungsschiedsgericht. Eine sonderbare Kontraktbruchsklage. Ein Tischler der Firma Gebr. Kümmel wollte seine Arbeitsstelle verlassen, hatte aber noch einen angefangenen Akkord fertigzustellen. Er kam mit dem Chef überein, daß ein Kollege die Arbeil beenden werde. Dieser aber, zum Arbeitsantritt aufgefordert, zeigte an, daß ihn Krankheit an Erfüllung der Vereinbarung hindere. Die Firma klagte nun wegen Kontraktbruches. Sie begründete ihre Klage damit: der Beklagte sei schon krank gewesen, als er die Vereinbarung einging und hätte wissen müssen, daß er die ein« gegangene Verpflichtung nicht erfüllen konnte. Der beklagte Tischler dagegen vermochte nachzuweisen, daß er am Tage vor dem be- absichtigten Arbeitsantritt gesund geschrieben werden sollte. ES stellte sich jedoch die Notwendigkeit heraus, ihn in eine Heilstätte zu über- weisen. DaS Gericht riet der Firma, ihre Klage zurückzuziehen da kein Kontraktbruch vorliege. DaS tat sie auch. Sie wollte nun- mehr gegen den anderen Tischler vorgehen. Aber auch hier riet da» Gericht davon abzusehen, weil dieser Arbeiter rechtsgültig von seinen Verpflichtungen entbunden ist. Eingegangene Druckschriften. Die Knappschastsresortne« im Jahre 1913. Versaßt von% WM. 164®, Mit Herz und Mund für unfern Bund. Eine Erzählung für organisierte Bergarbeiter. 31 S.— Verlag des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes. Bochum. Jlse-Brikett Das seit 30 Jahren erprobte und bewährte Ilse-Brikeit ist nach wie vor unbestreitbar das anerkannt beste und beliebteste Brikett des Senitenberger Braunkohlenreviers. Diese Tatsache wird auch durch keine Reklame für Konkurrenz- Briketts beseitigt Q fQß. Q0 j p verbrauchte im Geschiftejahre 1913-14 in JISGaS3!on"Brik6ttS 341 690 t Iii und in anderen ersten Senftenberger Syndikatsmarke PK 87 870 t »»»WWW« Produktionssteicjerung der Jlse-Brikette; 188 2t t 139 1904: 630,000 t 1914: lßS00,000 t Diese Steigerung spricht am besten für die TJU*--;,.!-'!--..--■ der Marke„J LSE". Nur diatS Gute bricht sieb Balm! 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Frstw. r.2a. öbel. tr. 37. 1.82. rie ikenund Verein 8t.19 St.27. it. 91. tr. 78 str.51 Berg.2 müse. müse, e188. itr. 2. tr.17, nsee tr.14. .St.17 r.70 tr.36. it.11. lee12 tr. 28 str.12 Est.20 tstr.8 B01 Siner Bom + 97* 1. viert, ieten. 2926* eres, and 1. Gas, auer955* ant helle uben 80/8 ietet 80/4 Frau +126 ren, Ent II +40 orn, ges S. 1 3456 lig, der Be 41, 466 em Be fie76* er ib ent, ng. en, Ser 9 1 olgendes Manöver ausgeführt haben: Jm Januar 1913 erschien| lommenen Schuldschein mit Sem verlesenen Schriftstüd vertauscht| zugestehen, verblieb der Angeklagte bei der Behauptung, daß er die nes Tages der Angeklagte bei Frau., las ihr ein Schriftstüd vor, und sie habe auf diese Weise unbewußt einen Schuldschein unterelches die Herstellung der Zementeinfaffung des Begräbnisplages schrieben. etraf, und forderte fic auf, ihre Unterschrift zu geben. Sie hat das riftstück bei ihrer Augenschwäche mit bloßem Auge nicht lesen onnen, und da sie ihre Brille im Augenblicke nicht finden fonnte, at sie das Schriftstück, ohne es gelesen zu haben, mit ihrem Namen nterzeichnet. Frau H. ist nun der Meinung, der Angeklagte habe, pährend sie noch nach der Brille suchte, den jetzt zum Vorschein ge= Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 187 II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Paul Pohlmann ( Cubryftr. 27) geftorben ist. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 11. Juni, nach mittags 5 Uhr, von der Halle des Sentral- Friedhofes in Friedrichs. felbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein L. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am Montag, den 8. Juni, vers tarb unfer Genosse, der Konfettionsarbeiter Hermann Schubert Usedomstr. 27a. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Himmelfahrts- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Druder Paul Schmidt Neukölln, Thomasstr. 30, am 8. Juni an Lungenleiden ge storben ist. am Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Juni, nachmittags 2 Uhr. von der Leichen, balle des Neuköllner GemeindeFriedhofes in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Paul Pohlmann Subrystraße 27, am 8. Juni an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenballe des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 119/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fahrstuhl führer amt Hermann Arlt 2. d. Mts. im Alter von 51 Jahren durch Unfall ver storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Juni, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi Kirchhofes, Her mannstraße, aus ftatt. 0 Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser langjähriger Sollege, der Hausdiener Karl Müller Naunynstr. 5, am 7. Juni im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Juni, nachm. 312 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofs in Friedrichsfelde aus ftatt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 65/13 Die Bezirksverwaltung. Arbeiter- Samariterbund Kolonne Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Mitglied, Genoffe Karl Müller ( Naunynstr. 5) geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. Juni, nach mittags 3, Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Fried richsfelde aus tatt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere Schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Mäßige Preise. Zentralverband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Hierdurch den Kollegen zur 8000 m. der Frau H. geliehen habe und diese den Empfang des Geldes nur bestreite, weil sie sich vor der Steuerstrafe fürchte. Der Daß dies die Lösung des Rätsels barstellt, fonnte nach der Be- Angeklagte beantragte seine Freisprechung gegenüber dem auf ein weisaufnahme nicht zweifelhaft sein. Offenbar beabsichtigte der Jahr Gefängnis lautenden Strafantrage des Staatsanwalts. Das Angeklagte, nach dem voraussichtlich bald, jedenfalls aber wohl vor Gericht erkannte auf eine Geldstrafe in Höhe von 1000 m. neben 1920 zu erwartenden Tode der 78 jährigen Dame, die sehr hinfällig einer einjährigen Gefängnisstrafe. Der Vorsitzende erklärte, daß ist, mit dem erschlichenen Schuldschein den Erben gegenüberzutreten. ihm in seiner Praris ein so frecher Betrug eigentlich noch nicht vorTroß aller Mahnungen vom Richiertische, doch die Wahrheit ein- gefommten sei. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Kenntnis, daß unser Mitglied, der Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienftr. Handschuhmacher Oskar Kühne am 6. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Juni, nachm. 3 Uhr, auf dem AuferstebungsKirchhof zu Weißensee, Lichten berger Straße, statt. Um zahlreiches Geleit erfucht 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr: Versammlung der Mechaniker, Uhrmacher, Optiker sowie aller in den 134/14 Der Vorstand. mechanischen Betrieben beschäftigt. Kolleginnen u. Kollegen Verhand der Bureauangestellten. Ortsgruppe Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis daß unser Kollege Wilhelm Heidtke ( Anwaltsangestellter) am 6. Juni, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, auf dem Zentralfriedhof in Friedrichs. felde statt. 46/6 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 8. Juni, ver schied sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann Hermann Schubert Usedomstr. 27a. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen: Martha Schubert geb. Käding. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. d. Mts., nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle der Himmelfahrts. gemeinde, Nordend, aus statt. Danksagung. in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59 ( großer Saal). Zagesordnung: 1. Bortrag des Redakteurs Genoffen Emil Eichhorn. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Kolleginnen und Kollegen! In Hinsicht auf den äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag ersuchen wir, für einen guten Besuch zu agitieren. Wenn alle pünktlich erscheinen, dann wird die Versammlung pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung aller in den Karofferie- Betrieben beschäftigten Kollegen im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15( Saal 5). Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen! Unter Branchenangelegenheiten wird der Antrag, welcher die Arbeitsvermittelung regeln soll, erledigt. Es ist daher Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Ver: fammlung zu erscheinen. 119/17 Die Ortsverwaltung. estmann Mohrenstr.37a( Kolonnaden) Gr.Frankfurter Str. 115 Andreasstr. nahe Preissturz! Extra- Angebote für heute und morgen! 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EduardPoelke Donnerstag, den 11. Juni, abends 8 Uhr, im„ Musikersagen wir allen Freunden und Be fannten, insbesondere dem WahlAllegro, dem Sparverein Neuer Taler, Vereinshaus", Kaifer- Wilhelm- Str. 31: Außerordentliche Verfammlung verein Reufölln, dem Mufferein aller Wäschenäherinnen, Plätterinnen, Wäscherinnen und ſowie Herrn Rag Schütte für die Stärkerinnen, Wäsche, Blusen-, Krawatten- Zuſchneider. trostreichen Worte am Sarge unfern herzlichsten Dant. 113 Im Namen der Hinterbliebenen: Gustav Müller, Restaurateur, Thüringer Str. 5. Krankenkasse der Personen- Lohnfuhrwerks- Innung zu Berlin, Dircksenstraße 5. Bekanntmachung. In Gemäßheit der Bestimmungen des alten Krankenkassenstatuts laden wir die alten Vertreter der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer zur außerordentlichen General- Versammlung auf Mittwoch, den 17. Jnni 1914, abends 8 Uhr, im Prälaten", Dirckfenstraße, Stadtbahnbogen 110, Bogen 9, ergebenst ein. Tagesordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung für das Jahr 1913. 2. Genehmigung des Voranschlages für das Jahr 1914. Die Einladung der Delegierten gilt als Legitimation. Berlin, den 5. Juni 1914. Der Vorstand. 274/20 J. A.: G. Rose, Borsigender. Allgemeine Orts- Krankenkasse für den Stadtbezirk Köpenick I. Nachtrag zur Kassensazung. Beschlossen in der ordentlichen Ausschußfizung vom 28. April 1914. 3m§ 67 Absatz I Zeile 5 und 6 find die Worte: der Dienst: bote infolge von Strantheit arbeits unfähig wird und zu streichen. Stöpenid, den 28. April 1914. Der Vorstand. Otto Nickel, Friedrich Murcken, Borsigender. Schriftführer. Genehmigt Charlottenburg, den 29. Mai 1914. Rönigliches Oberversicherungsamt Siegel. Groß- Berlin. Unterschrift. Tagesordnung: 1. Die Situation der Lohnbewegung. Ref.: Kollege W. Ene. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen der Wäschebranche! Bir bitten a lle in den Waschefabriten und Krawattengeschäften beschäftigten Kollegen und Stolleginnen, diese für jeden wichtige Versammlung zu besuchen. 163/8 Die Kommission. Trinken Sie- nur Rauer's Mischungen denn sie biefen den besten Ersatz für reinen. Bohnen- Kaffee Rauer's feinste Mischung M.1.10 pro Pfund Marke Gelb: Marke Weiss pro Pfund 100M pro Pfund 80 Pf. Sanz besonders empfehlenswert! Kaffee- Rösterei. Rauer& Co. nur Berlin C.54 Neue Schönhauserstr.3 Wir unterhalten weder Filialen noch Niederlagen Zagesordnung: „ Die Antwort der Unternehmer." 20/13 Es ist Pflicht aller im Beruf tätigen Kollegen, zu dieser entscheidenden Versammlung zu erscheinen. Die Branchenkommission. Mohrenstr.37 Kolonnaden. Gr.Frankfurterstr. 115 TrauerMagazin Kleider, Hüte etc. Außerste Preise Farbige Konfektion in größtem Maßstabe zu billigsten -PreisenWestmann Problem Cigarettes Beröffentlicht mit dem Hinweise, daß der Nachtrag sofort in Straft RE tritt. Köpenid, den 9. Juni 1914. 274/19 Der Vorstand. Friedrich Muroken, Schriftführer Otto Nickel, Sprechst. v.88, Sonntags 9-11.Borfizender, R itesser Pickel, auch die hart. nädigsten, fettglänzen. de Haut u. sonstige Hautunreinig keiten werden am sichersten durch meine seit fast 25 Jahren bewährten Garantiert Spezialmittel beseitigt. wirksam und unschädlich! 2.50 W. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr.4. Ohne jede Anzahlung!! Reine Staffierer, fleine Raten! Bettwäsche, Teppiche, Portieren, Bilder, Gardinen, Stores, Stepp- u. and. Decken. MATZNER, Hufelandstraße Nr. 41. Frack Verleih- Institut A. Borchardt, Friedrichst. 115, Dranb.Tor. Tel. Nrd. 10654, verl. Fad, Smoking, Gehrodanzüge in verschied. Preislag. bis 3. eleganteft. Genre. Sehr große Ausw. Mag. Preise, Die Beleidigung gegen den Kutscher Oswald Prüfrock, Lichten berg. Däumerstraße 28, nehme ich zurüd. Karl Hampicke, 80/9 Neue Königftr. 80a. Theater. Mittwoch, 10. Juni 1914. Anfang 4, Uhr. Voigt: Theater. Das Mitternachtsmädchen. Anfang 5 Uhr. Passage Theater. Kino- Varieté. Potsdamer Naturtheater. Botsdam. Anfang 7 Uhr. AltKgl. Overnhaus. Die Walküre. Cines Nollendorf: Theater. Lichtspiele. Anfang 7, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Die Rabenſteinerin. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 755 Uhr. Metropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Anjang 8 Uhr. Urania. Photographische Streifzüge durch Davos und Umgebung. Deutiches. König Heinrich IV. ( 1. Teil.) Deutsches Künstler: Theater. Jeppe vom Berge. Kammerspiele. Hidalla. Deutsches Opernhaus. Zigeunerbaron. Zirk Busch. Das Mirakel. Luisen. Der wilde gelbe Mohn. Folies Caprice. Die Leibwäscherin. Die Amordragoner. Das Bett Napoleons. Ah da staun' ich. Anfang 8 Uhr. Neues Volks. Theater. Sans Hudebein. Residenz. Die verfligte Liebe. Admiralspalast. Im Tangoklub. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Klein- Eva. Donnerstag, abends 8 Uhr: Was ihr wollt. Freitag, abends 8 Uhr: Klein- Eva. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ueber unsere Kraft( I. Teil). Freitag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Friedrich- Wilhelmstädt. Friedrich Wilhelmet. Theater. URANIA ZOOLOG Zirkus Busch Anfang 8 Die Scheidungs- Ehe. 8 Uhr: E. Meerkämper: Deutsches Künstlertheater Photographische Streifzüge durch Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo. Kasse: Nollendorf 1383. Mittwoch, 8 Uhr: Jeppe vom Berge. Donnerstag, 8 Uhr: Jeppe vom Berge. Theater am Nollendorfplatz 5. 81 Uhr: Der Juxbaron. Theater a.d. Weidendammerbrücke. Täglich abends 8 Uhr. Zum 94. Male mit sensationellem Lacherfolge: Der müde Theodor. Vorher Auftr. d. engl. Tanzkünstlerin Miss Mac Keen in ihren Drig. Tänzen. geining. Das Märchen vom Bolf. Theater in der Königgrätzer Straße Sommertheater Urania Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor Schiller 0. Klein- Eva. Schiller Charlottenburg. Krieg im Frieden. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräger Straße. Mr. Wu. Theater des Westens. Anna Pawlowna. Kleines. Ariadne auf Nagos. 8 Uhr: Mr. Wu. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Thalia. Wenn der Frühling tommt. Reichshallen-Theater. Rose. Das Rätsel: Beib. Montis Operetten. Als ich noch im Flügelfleide. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast Theater. Varieté und Lichtspiele. Anjang 8 Ubr. Theater am Nollendorfplatz. Der Jurbaron. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Friedrich Wilhelmstädtisches. Die Scheidungsche. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Herr D'rektor Kuhlicke Urfom. Burleste von Meyfel. Anjang 8 Uhr, Sonntags 7½ Uhr. Wrangelstr. 11. Tägl.: Spezialitätentheater. Im Garten 2000, im Saal 1000 Sigpl. Davos und Umgebung. ( Autochrom- Photographie.) ischer Garten Täglich ab 4 Uhr: Großes MilitärCOSE- THEATED Doppel- Konzert. Große Frankfurter Str. 132. Das Rätsel: Weib. Anjang 8 Uhr. Rund um die Spree. Gr. Revue Auf der Gartenbühne Vorb: Konzert, Spezialität. Anf 4½, U Metropol- Theater. 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Kaminsky Buttmannstr. 8, Knuth Cadiner Str. 4, Jurkat Cadiner Str. 8, Scholz Cantianstr. 19, Reder Cuvrystr. 8, Böhm Cuvryftr. 23, Reinide Choriner Str. 28, Bunge Christianiaftr. 126, Langner Driesener Str. 4, Dommisch Driesener Str. 11, Breustedt Drontheimer Str. 20, Maniewski Dunderstr. 10, Burghardt Ebelingstr. 16, Vogel Ebertystr. 42, Scholle Ebertyftr. 47, Drechsel Elbinger Str. 6, Riedel Elbinger Str. 71, Hizer Emdener Str. 10, Klotsch Emdener Str. 25, Burdad Engelufer 17, Rösner Euleriti. 23, Göde Ererzierstr. 2a, Jacob Ererzierstr. 11, Koch Ererzierstr. 21a, Leonhardt Faldensteinstr. 20, Nagel Faldensteinstr. 45, Chmielewski Fehrbelliner Str. 26, Morik Fennstr. 16, Bose Forsterstr. 2, Witt Forsterstr. 43, Gand Freienwalder Str. 4, John Friedrichsfelder Str. 18, Böhlfe Friedrichsfelder Str. 25, Schwent Friedrichsfelder Str. 31, Fleischer Friedberger Str. 5, Singe Fürstenberger Str. 12, Stier Fruchtstr. 39, Geelhaar Fruchtstr. 56, Wilke Gubener Str. 3b, Ambos Gubener Str. 48, Pres. Gerichtstr. 46, Freihube Gerichtstr. 80, Schilling Gerichtstr. 82, Eickhoff Glogauer Str. 24, Handro Glogauer Str. 32, Krause, Goßlerstr. 17, Kubera Görlizer Str. 41, Scholz Greifenhagener Str. 27, Nehe Gartenstr. 54( am Play), Stappe Grünauer Str. 4, Kohle Grünauer Str. 34, Schulze Grünthaler Str. 10, Hein Gaudystr. 14, Stamomsti Gräjestr. 9, Stathen Gormannstr. 25, Lorbeer Hagenauer Str. 16, Dehlenschläger Hochstädter Str. 17, Brauer Hochstr. 33, Roth Hochstraße, Neue 16, Jamikki Guineastr. 7, Münchow Hennigsdorfer Str. 1, Braun | Hochstraße, Neue 38, Förster Hussitenstr. 45, pentel Huttenstr. 25, Maah Huttenstr. 62, Lippisch Heidenfeldstr. 16, Schulze Hollmannstr. 29, Kiefer Jagowstr. 22, Boigt Jahnstr. 5, Heise Stochhannstr. 16, Zipprich Kochhannstr. 28, Lud. 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Meir Manteuffelstr. 75, Cardinal Manteuffelstr. 80, Meg Mariannenstr. 53, Schober Markgrafendamm 34, Jurisch Memeler Str. 6, Manigk Memeler Str. 36, Buchholz Memeler Str. 84, Pazer Müllerstr. 58, Brandt Müllerstr. 65, Fliegner Müllerstr. 129, Deniger Mühlenstr. 47a, Rudolf Müllenhoffstr. 10, Scharntfe Müncheberger Str. 20, Schulz Malmöer Str. 12, Kleinfeldt Naunynstr. 27, Morwinkel Naunynitr. 34, Nitsche Oppelner Str. 11, Bunzel Oberberger Str. 37, Kaminski Oberberger Str. 47, Thiedfe Dudenarderstr. 24, Lüdide Dudenarderstr. 30, Straug Perleberger Str. 39, Boromsti Petersburger Str. 5, Buchholz Pintschstr. 20, Brüdner Brinzen- Allee 11, Hohmann Putbuser Str. 2, Lowad Putbuser Str. 37, Billerbed Putbuser Str. 46; Kühn Büdlerstr. 45, Brengler Banfftr. 10, Milster Banfstr. 62, Schmidt Ramlerstr. 17, Kellner Ramlerstr. 33, Dahlte Rigaer Str. 4, Laute Rigaer Str. 98, Gärtner Rodenbergstr. 31, Bollmann Rostoder Str. 1, Schmidt Rostoder Str. 42, Blenke Reuchlinstr. 7, Thiele Rhinower Str. 6, Wornei Rügener Str. 16, Stöhler Rügener Str. 25, Badke Reichenberger Str. 51, Weniger Reichenberger Str. 98a, Schönborn Saarbrüder Str. 6, Gebauer Soldiner Str. 17, Schmidt Soldiner Str. 29, Mühlau Soldiner Str. 66, Graff Soldiner Str. 76, Storzinsfi Soldiner Str. 96, Bauer Seelower Str. 12, Meehl Senefelderstr. 13, Niendorf Sidingenstr. 7, Arlt Simon- Dachstr. 8, Aler Sonnenburger Str. 27, Grundmann Stalizer Str. 141a, Blumenhagen Sparrstr. 21, Sabrokki Schliemannftr. 15, Klinger Schliemannstr. 20, Telschow Schliemannstr. 33, Böttcher Schliemannstr. 45, Fleischer Scheringstr. 8, Heinrich Schlesische Str. 15, Wolf Schönleinstr. 28, Schmidt Schönleinstr. 29, Beigt Schönwalder Str. 2, Wisocki Schönwalder Str. 13, Gosse Schonenschestr. 5, Freinid Schulstr. 117, Scholz, Eingang Magstr Stargarder Str. 14, Sohns Stargarder Str. 18, Thiede Stallschreiberstr. 13a, Markiewicz Stettiner Str. 33, Buffe Stolpische Str. 26, Lozinski Straßmannstr. 27, Bänsch Strausberger Str. 26, Rittenbach Swinemünder Str. 84, Saeger Taborstr. 1, Granit Tilsiter Str. 12, Bengsch Tilsiter Str. 65, Lür Tilfiter Str. 71, Böhm Togostr. 74, Baarsch Transvaalstr. 11, Seeburg Tresdowstr. 12, Lindenberg Türkenstr. 25, Münster Triftstr. 1, Pedel Usedomstr. 9, Lorenz Utrechter Str. 7, Bölker Utrechter Str. 19, Rast Waldstr. 15, Fuhrmann Waldstr. 38, Fischer Waldenserstr. 12, Kinder Warschauer Str. 63, Restel Wassertorstr. 38, Ruhrmann Wrangelstr. 58, Bollin Brangelstr. 80, Battloch. 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