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Landtagsersatzwahlen. Bei der L a n d t a g S e r s a tz w a h l im Wahlkreise G l o g a u'» Lüben wurde mit allen 263 abgegebenen Stimmen der von den Konservativen und vom Bund der Landwirte aufgestellte Ritterguts- besiyer a u Z dem Winkel gewählt. Für den Wahlkreis Sensburg-OrtelSburg haben die Konservativen an Stelle des versetzten Landrats v. Roenne als Kandidaten den Ritterguts- besitzer von der Goltz-Malschöwen aufgestellt.

Ter Kriegswirtschaftsplan der Landwirtschaft.' Der deutsche Landwirtschaftsrat ist von seinem Präsidenten Graf v. Schwerin -Löwitz zu einer außerordentlichen Plenarversammlung auf den 14. Mai d. I. nach Berlin einberufen. Einzigen Gegenstand der Tagesordnung bildet:Aufstellung eines Kriegswirt- s ch a f t S p l a n e Z für das Erntejahr 1315/16". Wie man öie Parteieinheit nicht wahrt! DasHamb. Echo" veröffentlicht unter dem Titel:.Wahrt die Einheit der Partei" eine Zuschrift aus Berlin , die geradezu ein Musterbeispiel dafür ist, wie man eS nicht anstellen darf, um die Einheit der Partei zu wahren. Denn wenn die Zuschrift die daS.Echo' ohne Kommentar wiedergibt darüber klagt, daß die nach- gerade in Hebung kommenden Formen des Meinungskampfes innerhalb der Partei daS Porteilebenvergifteten", so will eS uns scheinen, als ob seine Art der Parteipolemik den Parteistreit erst recht vergifte und mit Notwendigkeit einen Zustand der Gereiztheit und Ver- bitterung heraufbeschwöre, der wirklich die Einheit der Partei ge- fährden könnt». Bisher scheinen uns begründete Befürchtungen für diese Einheit nicht zu bestehen; aber wenn der Meinungskampf geflissentlich in so gehässigen Formen geführt und auf daS Niveau so persönlicher Verumglimpfungen herabgezerrt werden sollte, wie das in der Zuschrift desHamb. Echo' geschieht, so könnten die Auseinandersetzungen in der Partei wirklich einen höchst bedenklichen Charakter annehmen. Freilich haben wir daS Zutrauen zu der gesunden Einsicht und der Energie der Masse der Parteigenoffen, daß sie sich einen so bösartigen und verhängnisvollen Krakeel einfach nicht ge- fallen lasten würde! Der Artikel deSHamb. Echo" fängt ganz ruhig und verständig an. Solange die Sozialdemokratie existiere, habe eS in ihr an Diffe« rcnzen nicht gefehlt. Schon die Verständigung zwischen den Lassalleanern und Eisenachern sei das Endergebnis erbitterter Kämpfe gewesen. Auch in der Folgezeit habe es an heftigen Aus­einandersetzungen nicht gefehlt. Immer aber sei eS noch zur Ver- ständigung gekommen und die bürgerlichen Hoffnungen auf Spal- tung feien jedesmal enttäuscht worden. Dann heißt es jedoch weiter: Auch jetzt wird die Partei wieder aufgewühlt bis in ihre tiefsten Tiefen. Der Weltkrieg hat große Fragen aufgeworfen und weitgehende Meinungsverschiedenheiten gezeitigt. In der Parteipresse und in zahlreichen Broschüren wird dieser Kampf geführt. Weniger in Versammlungen, da hierzu die Möglichkeit fehlt: desto mehr in kleinen Konventikeln, in Privat- zirkeln usw. Die Rücksicht auf die Kriegslage, anderseits die Zensur ziehen der freien Aussprache Schranken. Die Partei befindet sich gegenwärtig in ähnlicher Lage wie unter dem Sozialistengesetz. Unter dem Wirken kleinerer Gruppen und Grüppchen, die sich noch als die verfolgte Unschuld hinstellen, wird das Partei- leben vergiftet. Das sogenannteZ e n tr a l o r g a n", das den Sprechsaal abgeben sollte für die verschiedenen An- schauungen, sperrt dem einen, seiner Redaktion nicht genehmen Teil seine Spalten. Es gibt seinen Lesern kein Bild der wichtig st en Tatsachen und Vorgänge vom Kampf- felde der Internationale; es übt eine strengere Zensur als die militärische, über deren Walten seine Redaktion sich be- schwert, und führt so die öffentlicheParteimeinung irre soweit sein Leserkreis in Frage kommt. Diese einseitige Haltung de?.Zentralorgans", das die verschwindende Minorität der Partei vertritt, vermehrt die Erbitterung, steigert die persön- lichen Abneigungen, die an sich nicht eine Folge sachlicher Meinungsunterschiede zu sein brauchten. Die Gefahr für die Ein- heit der Partei wächst, je länger die Unmöglichkeit der Ein- bcrufung eines Parteitages andauert, jenes Sicherheit?- Ventils, das in normalen Zeitläuften jedes Jahr einmal in Funktion tritt." Also: der Weltkrieg hat große Fragen auf- geworfen und weitgehende M e inungsverschieden- Veiten gezeitigt. Da ist es doch wohl selbstverständlich, daß man sich über diese Differenzen ausspricht. Sind aberder freien Aus- spräche Schranken" gesetzt, so m u ß eben die Aussprache, wie unter dem Sozialistengesetz, in kleinen Zirkeln erfolgen. Und unter den Schranken" leiden doch diejenigen, die in der Opposition stehen, während die andere Seite ihre Anschauung, die doch im Wesent« lichen mit den Anschauungen der bürgerlichen Parteien zusammenfällt, in breitester Oeffentlichkeit vertreten kann und auch eifrig vertritt. Danach sollte nach den Gesetzen der Logik, der Demokratie und de? polemischen AnstandeS dasHamburger Echo" der Opposition doch etwas zugute halten und sich eine gewiste Reserve ihr gegenüber auferlegen. Aber gerade das Umgekehrte ist der Fall: dieGruppen und Grüppchen' werden alsverfolgte Un- schuld" verhöhnt und als.Vergifter' des Parteilebens denunziert! Vor allem wird zunächst derVorwärts" angerempelt. Weil er sich nicht entgegen seiner politischen Ueberzeugung und seinem Partei- gewisten einfach zum Sprachrohr der Lensch, Haenisch, Heine, Heine- mann usw. hergegeben und jeden Ausbruch der KriegSbegeisterung oder des reformistischen Illusionismus abgedruckt hat, dem er seine Austastung Wie dasHamb. Echo" doch selbst erst hervorgehoben hat l ja gar nicht hätte entgegen st ellenkönnen, deshalb soll derVorwärts" strengere Zensur üben, wie die mili- tärische, deshalb soll er die Partei irreführen. Nun, wer die Partei irregeführt hat, darüber wird nach reiflicher Prüfung der Dinge die Masse der Parteigenossen ein Urteil abgeben, wenn der freien Aussprache keine Schranken mehr gezogen sind. Besonder» hübsch aber macht sich ein solcher Ausfall imHam- burger Echo", also ausgerechnet in dem Blatt, dem die Genosten Laufenberg, Wolfheim und Herz in ihrer BroschüreOrganisation, Krieg und Kritik" in dem KapitelDie Politik der Hilflosigkeit" an einer Fülle von Beispielen einseitige und irreführende Information seiner Leser nachgewiesen haben I Aber so skrupellos dasHamb. Echo" mit demVorwärts" umjpringt, so unqualifizierbare Angriffe richtet es auch gegen andere Genosten, gegenjene kleine Gruppe von Personen, denen jedes, Verantwortlichkeitsgefühl abgeht, die Eitelkeit'. Rechthaberei und Schlimmeres dazu treibt, eine mit immer übleren Mitteln geführte Hetze gegen die Fraktionsmehrheit durchzuführen". Gemeint sind damit, wie wir dann erfahren, die Redaktion der Lichtstrahlen" und vor allem Rosa Luxemburg und Mehring. Nun mag man manches von dem, was diese Genossen geschrieben, in Form und Inhalt für übertrieben halten fwir selbst haben ja kürzlich unsere Ansicht gesagt), man mag auch die ätzende Sachkritik dieser Genosten

mit ebenso ätzender Gegenkritik erwidern, aber den sachlichen Meinungsaustausch auf da« Gebiet persönlicher Ver- unglimpfungen hinüberzuspielen, wie daS dasHamburger Echo' tut, indem eS den GenostenEitelkeit, Rechthaberei oder Schlimmeres' vorwirft, das ist ein Unfug, dem allerdings nicht scharf genug gegenübergetreten werden kann. DaS sind moralische Anwürfe, die in der Tat jeden Meinungsstreitver- giften" müssen. DasHamburger Echo" berufe sich auch nicht darauf, daß doch auch die Genossin Luxemburg mit ihren von dem Verfasser der Zuschrift an dasHamburger Echo" nicht ganz selbständig zusammengestellten kritischen Stilblüten über die Schnur gehauen habe. All diese drastischen Ausdrücke, mag man sie für sachlich noch so falsch und in der Form für noch so geschmacklos halten, beziehen sich doch nur auf politische A n si ch t e n und polnische Methoden die Genossin Luxemburg bekämpft. DaSEcho" aber verdächtigt den Charakter und die M o t i v e der ihm unbequemen Personen. Uebrigens: Hat denn dasHamb. Echo", daS sich über die despek- tierliche Sprache der Genossin Luxemburg dem Genosten Kautsky gegenüber so hochmoralisch entrüstet, ganz vergesten, daß es selbst erst vor wenigen Wochen denselben Kautsky mit Spott und Hohn überschüttet hat? Auch wenn dasHamb. Echo" nicht einsehen sollte, daß das bloße Zusammenklauben stilistischer Schärfen eines Gegners so ziemlich die armseligste und geistloseste Art der Polemik ist, hätte es wenigstens das Bewußtsein seiner eignen Sünden vor solcher Pharisäerei behüten sollen. Niemand in der Partei, zum mindesten niemand auf der linken Seite der Partei denkt, soweit unsere Kenntnis der Dinge reicht, an eine Zerreißung der Parteieinheit. Auch die schärffte Kritik Hot eS sich lediglich zum Ziel gesetzt, durch AuSmerzung von Fehlern und Schäden die wahre, die innere Einheit der Partei zu stärken und damit auch die Schlagkraft nach außen. Ob und inwieweit die Kritiker recht haben, wird die Gesamtpartei selbst zu entscheiden haben. Die Auseinandersetzungen werden vielleicht stürmisch und leidenschaftlich werden, aber sie brauchen darum nichtvergiftet" zu sein. Vergiften könnte sie nur kleinlicher, persönlicher Hader. Den wollen wir aber nicht erst auflommen lasten I

Mus der Partei. Stimmen aus der Partei. Zn dem gestern von uns veröffentlichten Artikel des Genosten Scheidemann erhalten wir noch folgende Zuschrift: DaS wesentlichste an den Ausführungen des Genosten Scheide- mann ist, daß er seiner so häufig zitierten ParoleDurch- halten" eine Auslegung gibt, durch die ihrer mißverständlichen und mißbräuchlichen Anwendung vorgebeugt werden soll. Er will keinen Zweifel über ihren rein defensiven Charakter lassen: Durch- halten bedeutet nur verhindern, daß die siegreichen Alliierten den Fuß auf den Nacken eines besiegten Deutschlands setzen. Scheidemann meint, man habe ihn seiner Parole wegen als .Kriegswüterich" hingestellt. DaS ist eine Uebertreibung. Daß ein Mann, der seinerzeit in der Salle Wagram zu Paris den französischen Genossen das Wort zurief:Die deutschen Arbeiter wollen nicht auf Euch schießen sie wollen vielmehr in Frieden und Freundschaft mit Euch leben!" zum Kriegswüterich geworden wäre, hat wohl niemand angenommen. Man erblickte in der nach- drücklichen Betonung des Durchhaltens nur eine Gefährdung der selbst ändigen Orientierung des Proletariats auf dem Gebiet der internationalen Politik. Das Schlagwortwar deshalb sobedcnklich, weil eS bei Freunden und Gegnern die Meinung aufkommen ließ, als solle der Sozialdemokratie, nachdem der Krieg einmal ausgebrochen sei, das Recht zu einer eigenen Meinung über das Kriegsziel und über den Zeitpunkt, an dem es als erreicht angesehen werden kann, abgesprochen werden. Wer immer wiederDurchhalten" sagt, sich dabei auf die chauvinistischen Stimmen ausländischer Genossen beruft und die versöhnlichen und vernünftigen vollständig außer Betracht läßt oder für unbeachtlich er- klärt, der kann sich nicht wundern, wenn er mit Leuten zusammen- geworfen wird, mit denen, was den Zweck und die Befristung des Krieges anbelangt, ein Sozialdemokrat nicht übereinstimmen kann. Verstehen wir Scheidemann recht, so ist es ihm jetzt darum zu tun, einer solchen falschen Auffastung seiner Politik entgegenzutreten, und in der Tat ist ja nichts dringender erforderlich als innerhalb und außerhalb unserer Partei die Ansicht zu bekämpfen, als ob die Sozialdemokratte für die Durchführung und Beendigung des Krieges andern Leuten sozusagen eine Blankovollmacht ausgestellt habe, und nun in geduldiger Passivitätdurchhalte" bis diese andern ihre Aufgabe für gelöst halten. ES genügt auch nicht der Hinweis, daß die Fraktion am 4. August ausdrücklich von der Verteidigung des Vaterlandes gesprochen habe. Wir wisten ja. wie im Namen der Verteidigung, der Sicherung eines dauernden Friedens, und wie die Siedewendungen sonst noch lauten, Forde- rungen aufgestellt werden, die ein Sozialdemokrat niemals unter- schreiben kann. Di« militärische Lage des Deutschen Reiches ist heute weit günstiger als die der Alliierten. Die halbamtliche Erklärung vom Sonnabend zog aus dieser Tatsache den Schluß, daß Deutschland keine Veranlassung habe, Friedensverhandlungen zu führen. Scheide- mann kommt zu dem entgegengesetzten Ergebnis und weist darauf hin, daß eS nicht als ein Zeichen von Schwäche ausgelegt werden könne, wenn die deutsche Regierung sich jetzt friedenS - bereit zeige. Wem als Ziel des Krieges nichts anderes vor- schwebt, als die Abwehr der Feinde, und wer den Sinn des Verteidigungskrieges nicht so entstellt, daß er von einem Eroberungskriege kaum mehr zu trennen ist, der muß Scheidemann in diesem Punkte zustimmen. Aber er mutz darüber hinaus alles tun, um zu verhindern, daß unsere Partei auch nur mit einem Schein des Rechts als Anhängerin und Unterstützerin einer sich nicht in den Grenzen der reinen Verteidigung haltenden Kriegspolitik an­gesprochen werden kann. Die Wiedergewinnung der Selbständigkeit in der internationalen Politik, daS Eintreten für einen Frieden, der keiner Nation ihr Selbst- bestimmungsrecht verkümmert das ist die Forderung des Tages für die gesamte Sozialdemokratie. Zur Kreditbewilligung. Im sozialdemokratischen Verein zu Frankfurt a. M. sprach Reichstagsabgeordneter tz a a s e nach derFreis. Ztg." über die Haltung der Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten wie folgt:Ich stand auf dem Boden, überhaupt keine Kredite zu be- willigen. Unser Programm, daß wir das Vaterland nicht ohne Schutz laffen wollen, hat mit dieser Frage gar nichts zu tun. Bebel hat sich 1870 mit Liebknecht der Stimme enthalten, trotz seiner wiederholt betonten Liebe zum Vaterland. Das Vater- land wollten wir nicht im Stiche lasten, keinen Massenstreik machen. nichts, nichts sollte unternommen werden. Jeder sollte seiner StaatSbürgerpflicht genügen. Daraus ergibt sich aber nicht die Pflicht, Kredite zu bewilligen, das wäre unsere Bankrott. e r k l ä r u n g für die bisherige Politik. Wir haben früher alle Kredite abgelehnt, trotzdem sind unsere Söhne Soldaten geworden. Wir folgen auch im Krieg unserer Pflicht, aber im Parlament.

wenn ich da meinJa" abgebe, billige ich die Politik der Regier rung und decke sie. Ist nicht. ein Widerspruch in unserer Zu- stimmung gegen früher? Wir haben immer hervorgehoben, daß die Kriegsrüstungen zum Unwetter führen, und als es kam, haben wir die Verantwortung übernommen. Wir haben aller- dings in unserer Erklärung die Verantwortung abgelehnt, aber die Tat ist anders ausgefallen. Was ist uns versprochen? Unvcr-- bindliche Redensarten, weiter nichts; ja man sprach da- von, daß es gar keine Ausnahmegesetze gäbe! Das Gewerkschafts- gesetz hat man uns versprochen, wie es aber aussehen wird, davon bekamen wir schon eine Ahnung." Die Parteipresse, so meinte Ab- geordneter Haase, habe oft eine Haltung eingenommen, die gerade- zu überraschte. Abg. Dr. Quarck betonte demgegenüber, daß es sich nicht um ethische und moralische Fragen, sondern um große wirtschaftliche Interessen handele, die auch die Arbeiterschaft berührten.Deutsch- land," so sagte der Redner,hat den Neid Englands erweckt, das Deutschland wirtschaftlich isolieren und schwächen will. Aus diesem Grund müssen wir unser Vaterland verteidigen. Ich betone, wir haben ein Vaterland zu verteidigen. Wir haben nichts preisge- geben. Wir haben die heimatlichen Interessen verteidigt in der Absicht, damit dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen und unsere Interessen für die Zukunft zu wahren, uns einen größeren Ein- fluß zu sichern." Dr. Sinzheimer meinte, Haase habe ver- sucht, die Stellung der Minderheit mit einem gewissen Heiligen - schein zu umgeben. Er habe sich auf Bebel berufen, der 1876 gegen die Kredite gestimmt habe. Aber Marx habe sich damals gegen Bebel und Liebknecht erklärt und von der unbegreiflichen Prin- zipienreiterei des Wilhelm gesprochen. Die Diskussion wurde nicht zu Ende geführt. Ueber eine von Frau Ennenbach im Auftrag einiger sozialdemokratischen Frauen Frankfurts eingebrachte Resolution, die an den Parteivorstand in Berlin weitergegeben werden soll und in der gefordert wird, als- bald in eine Agitation für den Frieden einzutreten, soll später abgestimmt werden. Jubiläum eines Partciblattcs. Die in Bremen erscheinendeBremer Bürger- Zeitung" besteht am 1. Mai>915 25 Jahre. Am 1. Mai 1896, nach den auch für Bremen glorreich verlaufenen Februarwahlen zum ersten Male wurde damals in Bremen ein S o z i a l d e m o- krat in den Reichstag gewählt trat die Zeitung ins Leben. Es war nicht das erste sozialdemokrattsche Blatt in Bremen , aber ihren Vorgängerinnen war keine lange Existenz beschieden. 1876 gründeten die Bremer Parteigenossen dieBremer Freie Zeitung". Sie bestand nur zwei Jahre, und an ihre Stelle trat die Bremer Volkszeitung". Doch schon in demselben Jahre ging diese ein. DieBremer Morgenzeitung", die nun herauskam, wurde schon nach einem Tage verboten. Von den Bremer Parteigenossen sind auch später noch Versuche unternommen worden, ein selbständiges Lokalblatt zu gründen, aber von Bestand ist kcins von diesen Unternebmen gewesen. Nach deii Wahlen von 1890 befaßte sich die bremische Parteileitung wieder mit der Frage der Gründung einer Tageszeitung fiir die Arbeiter- schaft, und das Resultat dieser Erwägungen war der Beschluß, eine tägliche Zeitung ins Leben zu rufen. Der Plan wurde gebilligt und eine Genossenschaft zur Herausgabe der Zeitung begründet. So entstand dieBremer Bürger-Zeittnig", die im Anfange einen schweren Existenzkampf zu führen bctttc. Aber sie überstand alle Widrigkeiten, und beim Ausbruche des Krieges im August des vorigen Jahres hatte sie 23 666 Abonnenten. Seit 1966 wird das Blatt im eigenen Betriebe unter der Firma Schmalfeld u. Co. her- gestellt und im März 1911 siedelte das Geschäft in ein eigenes statt- liches Gebäude über. Mit einer reich ausgestatteten Festnummer ist unser Partei- blatt am 1. Mai erschienen. In einer Reibe von Artikeln,, versaht von früheren und jetzigen Redakteuren des Blattes und einigen anderen Parteigenossen, wird deS Jubiläumstages in eingehend er­instruktiver Weise gedacht.

Gewerkschaftliches. Reichstarifvertrags-verhanölungen im Schneiüergewerbe. Zur weiteren Förderung der Vorarbeiten zum Reichstarif haben am Montag, Dienstag und Mittwoch in Berlin Sitzungen der aus Vertretern sämtlicher Vertragsparteien ge- bildeten Kommissionen stattgefunden. Die Unternehmer­und Arbeiterorganisationen hatten sich dahin verständigt, daß vom 1. März 1916 ad alle einzelnen Tarifverträge zu einem Reichstarifvertrag zusammengefaßt werden sollen, der bis zum letzten Februar 1920 unter Ausschaltung aller Streiks und Aussperrungen gilt, und, wenn nicht drei Monate vor Ablauf eine Kündigung erfolgt, jeweils auf ein Jahr weiterläuft. Mit Rücksicht auf den Kriegszustand ist der Termin um ein Jahr verlängert worden. Der Reichstarif soll also erst am 1. März 1917 in Kraft treten. Bezüglich der Vorarbeiten ist zu bemerken, daß der Unternehmerverband durch Schiedsspruch der Unparteiischen verpflichtet worden ist, folgende Mindest- forderungen zu gewähren: ch Die Arbeitszeit darf 16 Stunden nicht überschreiten. b) Furnituren sind zu liefern oder zu vergüten. c) Zuschläge für Heimarbeit werden grundsätzlich als berechtigt anerkannt. 6) Vorschriftsmäßige Betriebswerkstätten sind zu fördern. ch Extraarbeiten sind systematisch nach Maßgabe der darauf verwendeten Zeit zu bezahlen. k) Doppeltarife find einzuschränken und allmählich zu be- seitigen. g) Für Uniform- und Damenschneidereien ist ein Lohniarif- muster zu schaffen. Zur Beratung und Feststellung wird eine Spezial- kommission aus Vertretern sämtlicher Vertragsparteien zu- sammentreten. Wenn über diese Fragen bis zum 19. Januar 1917 keine Einigung erzielt wird, so ist die Angelegenheit einem Kollegium von drei Unparteiischen zu unterbreiten, welches berechtigt ist. einen Schiedsspruch zu fällen. Der Schiedsspruch unterliegt der Beschlußfassung der Vertragsparteien. Nachdem die Kommission zuletzt im Juni 1914 in München getagt hat, hat sie bei ihrer diesmaligen Zusanimen- kunft zunächst die damals zurückgestellten Punkte zum Hauptvertrag beraten. Im allgemeinen wurde hierüber eine Einigung erzielt. Strittig ist hauptsächlich die Frage der Haftung der Organisastonen aus Ler- stößen gegen den Vertrag geblieben. Die Arbeiter konnten aus grundsätzlichen Erwägungen auf diese Forderung der Unternehmer nicht eingehen. Die noch strittigen Anträge zum Lohntarif wurden zum größten Teil durch Vereinbarungen aus der Welt geschafft. Im Verhältnis zu der großen Zahl von Tarifpositionen sind nur noch wenig übrig geblieben. über die noch keine Einigung erzielt wurde. Auch über das Schiedsgerichtsversahren gehen die Ansichten nicht mehr weit auseinander. Die bisher besteheneen Ortsschiedsgerichte werden beseitigt. An die Stelle der Gauschiedsgerichte treten die Tarif- schiedsgerichte, und an die Stelle des Schiedsgerichts der Haupt-